Nr. 82. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mr. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DesterreichUngarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Zeitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277. = Vorwärts 730 13. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 fg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernspredjer: Amt 1, Nr. 1508 Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". 03001/ Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Mittwoch, den 8. April 1896. Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3. wird, schwebt in Gefahr, von einem christlichen Peters christ lich gehängt zu werden. Wir dächten, es ergiebt sich daraus von selbst, warum Heiden" unter solchen Verhältnissen dem Christenthum Vorzug geben vor dem Muhamedanismus. " besondere Vortheile vor den chriftlichen unter den Negern Islam und Kreuz. hätten; sie tommen nicht als Eroberer oder als reiche Rauf Während in den sich christlich nennenden Staaten nach dem leute, fie leben in großer Armuth, lassen sich unter den Leuten, Zeugniß aller gläubigen Christen der„ chriftliche Geiſt" mehr welche sie bekehren wollen, nieder, versuchen nicht, deren häus- die mehrliche Institutionen zu ändern, sie wissen sogar den Islam, ohne und mehr abſtirbt und das Christenthum mehr und mehr seine kehre zu ändern, dem Neger annehmbar zu machen und den zu eitlem, heuchlerischen Formentram wird, entwickelt jetzt swingen ihm nicht den arabischen Typus auf. Aber die der Muhamedanismus eine außerordentliche Lebens- und Wirkung ist dieselbe; wenn der muselmännische Konvertit Berichtigung. Jm Osterartikel der letzten Nummer hat Schwungkraft und erobert sich fortwährend neue Gebiete, mit dem weißen Kleide angethan und mit dem Schwert sich das Dunkel der Ratakomben", d. h. der untertrotzdem der oberste Herrscher der muhamedanischen Welt, umgürtet wird, so ist er gleichberechtigt mit irdischen Grabstätten des alten Rom, in das„ Dunkel der der Sultan, in Europa zu einer Schatteneristenz verurtheilt allen Muselmännern Muselmännern geworden; alle find Hekatomben", das heißt der Massenopfer verwandelt. An ist. Allerdings, was hervorgehoben werden muß, ausschließ- feine Brüder geworden. Aber mit dieser Gleichheit Hekatomben hat es bei der Haz auf die Chriften freilich auch nimmt der Neger die ganze Kultur des Islam an, die, so nicht gefehlt. lich aus politischen und weltlichen Gründen. mangelhaft fie gegenüber der christlichen ist, einen unendlichen Fortschritt aus dem Heidenthum bedeutet. Sein ganzes Wesen wird gehoben, seine Seele freier, seine dunkle Farbe, die bei der Berührung mit europäischen Christen Untergeordnetheit bedeutet, bringt als Moslem teine zurückfegung für ihn mit sich. Die Münchener Neuesten Nachrichten" widmen in ihrer Osternummer den Fortschritten des Islam einen eigenen Leitartikel, dem wir folgende Darlegung entnehmen: Die ganze islamitische Kultur ist auf primitive Völker berechnet, der Uebergang zu ihr vom Heidenthum bedeutet einen unendlichen Fortschritt, aber vom Islam giebt es so gut wie teinen Fortschritt, er ist stationär. " So die Neuesten Nachrichten". den auf Politische Webersicht. Berlin, 7. April. Die Wirren in der Zentrumspartei reißen nicht ab. Zu den Blättern, die sich der agrarischen Zentrumsmänner, insbesondere des Freiherrn v. Loe angenommen hatten, gehört die„ Deutsche Reichszeitung" in Bonn. Das Blatt veröffentlicht jetzt, allerdings unter Vorbehalt, eine ihm von befreundeter Seite zugehende Zuschrift, in der vor einem reaktionären Komplott hervorragender Zentrumsführer gewarnt wird. Es heißt da: " Diefelben Herren, welche zur Zeit auf seite der Militärvorlage standen, benutzen nämlich Freiherrn v. Loë und seinen Einfluß auf die ländlichen Wähler, um an stelle des Zentrums eine sogenannte„ katholische Voltspartei" zu sehen, sowie eine Ständevertretung zu schaffen, in welcher der Adel eine bevorzugte Sonderstellung mit gesetzgeberischen Befugnissen eins nehmen soll. An der Spitze dieser Bestrebungen stehen Herr Fürstbischof Kopp, Fürst Löwenstein Wertheim, Graf Strach wit, Prinz Arenberg, Dr. Porsch, v. Hoens= bro ech, v. Schalfcha, sowie Freiherr v. 2o. " die UnterIn Europa scheinen die Tage des Jalam gezählt, in Asien und Afrika aber hat derselbe sich in den letzten 25 Jahren start ausgebreitet. Die russische Regierung, welche Katholiken und Protestanten unbarmherzig unterdrückt, muß die Propaganda des Islam dulden; während sonst der Abfall von der orthodoxen Kirche schwer gestraft wird, tehren die Tartaren an der Wolga und in Rautafien, unter denen früher die evangelische Mission Was das Münchener Blatt hier über die Ursachen der große Fortschritte gemacht, nicht nur in Schaaren zum Muhame muhamedanischen Erfolge sagt, ist zum theil richtig, jedoch danismus zurück, sondern machen Tausende von Proselyten. In auch nur zum theil. Ganz falsch ist die Annahme oder Beder Erarchie von Kasan kommt eine Kirche auf je 1000 Seelen, eine Moschee auf je 500; die Chriften haben eine Schule für hauptung, daß der Koran leichter zu verstehen sei als die je 2800 Kinder, die Muselmänner je eine auf 750. In der Bibel und eine geringere Intelligenz erheische. Im Punkte Regierungsdruckerei von Kasan wird nicht blos der Koran in der Intelligenz find alle Religionen der Welt taufenden Exemplaren gedruckt, sondern selbst die dem Chriften- Fetischismus nehmen wir hier nicht als Religion thum feindlichen Schriften, die zum heiligen Glaubensfrieg, einer Stufe. Djibad", auffordern und den Sultan unsern Padischah" Was dem Islam das Uebergewicht giebt, das ist, daß nennen. Ganz Mittelafien ist muselmännisch, in China sowie er eine Religion für das Leben ist; daß er die Gleich Indien macht der Islam große Fortschritte; in legterem Reichheit nicht in den Himmel verlegt, wie das Christenthum, zählt man jetzt weit über 50 Millionen, die meist zu der fanati- sondern auf die Erde; und daß er die Harmonie Fürstbischof Kopp weilt augenblicklich in Rom, um den schen Richtung der Wahabiten gehören. In Afrika ift es nicht anders; außer dem Fetischchriften- der Lehre und des Handeln 3 fordert, wohingegen der heiligen Vater für diese Pläne zu gewinnen; wie weit er darin thum Abessyniens und den Kopten sowie Fremden findet man Christ beides vollständig von einander trennt. Nicht reuffiren dürfte, ist vor der Hand nicht abzusehen." wenig Spuren unserer Religion. Der Erfolg der chrift stationärer" als das Christenthum ist der Muhamedanis- Beweise für seine Behauptung zu erbringen. Jedenfalls Die Zeitung fordert ihren Gewährsmann auf, jetzt die lichen Missionare ist gering, der des Islam gewaltig und gerade mus alle Religionen, namentlich alle" offenbarten", kann man sich da auf einen erbaulichen Streit gefaßt unter den energischsten Stämmen zumeist. Abgesehen vom Norden, sind ihrer Natur nach nothwendig stationär", aber er der feit Anfang bis zum Atlas muselmännisch war, sind es jetzt entspricht besser der einfachen Moral" von Naturvölkern, die machen, wenn auch die bezichtigten Herren nicht so ungeschickt die größten inneren Reiche, wie Futah, Bornu, Wadai, Darfur, nicht begreifen können, daß eine Religion gut sein kann, find, in der behaupteten plumpen Weise den reaktionären Kordofan, Sennaar, Timbuktu und so weiter. Und dazu kann deren Bekenner durchweg das Gegentheil dessen thun, was Faden zu ſpinnen. man nicht leugnen, daß der Muhamedanismus veredelnd auf den früher heidnischen Neger wirkt; der Islam ist eben nicht sie ihnen vorschreibt, und die sich dabei ihrer Religiosität Zum Zeugnißzwangsverfahren gegen das„ VolksDer Koran ist nicht blos das höchste blatt für Halle und den Saalkreis" entnehmen wir diesem blos eine Religion, sondern eine ganze Kultur, der noch rühmen. Koran regelt foziale Beziehungen so gut Religionsbuch, er ist auch das höchste Gesetzbuch der Parteiorgan das folgende: wie Gottesdienst und Gebet; und der Fortschritt des Muhamedaner. Nach dem Koran spricht der muhame- Gegen die Bestrafungen, welche in der Disziplinarsache muhamedanisch rebenden, bisher heidnischen Negers ist sehr danische Richter Recht. Das mag sehr primitiv" oder gegen Unbekannt" über Setzer, Geschäftsführer, Verleger, groß. Der Monotheismus giebt ihm ein Gefühl der Selbst- felbst stationär" sein, allein es ist sittlich und kulturell Berichterstatter und Redakteure unseres Blattes verhängt worden achtung gegenüber dem vor seinem Fetisch knienden und denselben doch gewiß nicht von minderem Werth als die christliche sind, ist nunmehr von allen Bestraften Beschwerde einin abgeschmackten Tänzen feiernden Heiden, das sich in der so: Erfindung des Dolus eventualis. gelegt worden. Der Fall erregt auch die Aufmerkſamfeit der auswärtigen Presse. fortigen Ueberlegenheit des ersten über den anderen zeigt; ja die Die Beftrafungen wegen Der Heide", welcher sich zum Muhamedanismus bekehrt, Eidesverweigerung werden schwerlich, aufrecht erhalten werden zum Islam übergetretenen Stämme werden oft fanatisch und bereit, für die Ausbreitung ihres Glaubens zu kämpfen. Und dieser ist der Gleiche eines jeden Muhamedaners bis hinauf zu fönnen. Sehr auffällig ist, daß erst jetzt, fast vier volle Artikels und der„ Heide", welcher„ Christ" Monate nach Veröffentlichung des Uebertritt vollzieht sich, ohne daß die muselmännischen Missionare dem Kalifen und Sultan- und der Heide", welcher„ Christ" Monate Mach Kairuan.( Nachbr. verboten.) durch sie hindurchkamen, blickten sie uns mit ihren überrascht, daß er in dieser Einöde Halt machte und riethen großen, glänzenden Augen an. Man konnte sich in die ihm, dieselbe zu verlassen. Aber er antwortete:„ Wir Von Guy de Maupassant. Frei übersetzt von H. V. ersten Tage der Welt versetzt denken, als der Schöpfer mit müssen hier bleiben und hier eine Stadt gründen, denn das Den 14. Dezember. zögernder Hand, gleichsam um den Werth in der Wirkung ist der Wille Gottes." Sie hielten ihm entgegen, daß es Nachdem wir noch einige hie und da von Eingebornen seines Werkes zu beurtheilen, unförmige Rassen auf die Erde hier weder Trinkwasser noch Steine noch Holz zum bauen fultivirte, aber meist unvollständig bebaute Ebenen passirt geworfen hatte, die er nach und nach seitdem wieder zerstört gäbe. Sidi- Otba gebot ihnen mit den Worten Schweigen: hatten, die demungeachtet sehr fruchtbar waren, entdeckten hat, aber einige ursprüngliche Typen sind auf diesem großen Gott wird dafür sorgen." Den anderen Tag meldete wir links die lange Fläche des Tritonsees. Man nähert vernachlässigten Kontinent, Afrika, zurückgeblieben, wo sie, man ihm, daß ein Windspiel Wasser gefunden habe. Man fich ihm allmälig und glaubt zahlreiche Inseln zu sehen, wie der Strauß, die Giraffe und das Dromedar in den grub an dieser Stelle nach und stieß 16 Meter tief auf die bald weiße, bald schwarze. Aber es sind Bögelschaaren, die Sandwüsten vergessen wurden. Quelle. Wieder den anderen Tag fündeten Araber, die auf in tompatten Massen schwimmen. An den Ufern prome- Da etwas Niedliches. Eine Kameelkuh hat eben ge- Rundschaft ausgeschickt waren, Sidi Otba an, daß niren große Kraniche zu zwei und zwei oder zu drei und boren und entfernt sich gegen das Feld hin, gefolgt von sie an den Abhängen der benachbarten Berge Wälder drei. Andere bemerkt man in der Ebene zwischen den dem jungen Kameel, das zwei kleine Araber, die noch nicht entdeckt hätten. Und den folgenden Tag tamen Reiter, die Sträuchern. Der See, dessen Tiefe 6-8 Meter erreicht, so groß als das Kameel sind, mit Zweigen treiben. Es am Morgen aufgebrochen waren, im Galopp zurückgesprengt, ist diesen Sommer vollständig trocken gewesen nach den geht auf seine hohen Beine gestützt, die einen winzigen indem sie riefen, daß eine Armee Steine heranmarschiere; 15 Monaten Trockenheit, was seit Menschengedenken nicht Körper tragen, der in einen Vogelhals endet und einen die ohne Zweifel von Gott geschickt seien.*) vorgekommen. Aber trotz seiner bedeutenden Ausdehnung Kopf trägt, dessen erstaunte Augen sich die Dinge dieser Troß dieses Wunders ist Kairuan fast ganz von Ziegeln war er im Herbst an einem Tage angefüllt; denn in ihm Welt erst seit einer Viertelstunde betrachten. Es marschirt erbaut. Jetzt ist die Ebene ein Moraft von gelbem Schlamm sammelt sich alles im Gebirge des Zentrums gefallene recht gut, ohne Zögern auf diesem ungleichen Terrain und geworden, in dem die Pferde schlecht vorwärts kommen Regenwasser. Darin liegt der große zufünftige Reichthum fängt an, das Euter zu wittern, denn die Natur hat und die Wagenräder tief einfinten, und ein feiner Regen dieser Felder, daß, statt von häufig trockenen Bächen dieses erst einige Minuten alte Thier gleich so hoch ge- fällt, der den Horizont verschleiert. Bald scheint der Weg durchschnitten 311 sein, die wie in Algier das macht, daß es den steilen Bauch seiner Mutter erreichen besser zu werden, wenn man auf einen der sieben Hügel Regenwasser bald abführen, sie durchsetzt sind von kann. gelangt, die die sieben Hügel von Kairuan genannt werden, Schluchten, in denen das geringste Hinderniß hin- Da sie auch einige Tage alte, andere Monate alte und bald wird er wieder eine entsetzliche Kloake, wenn man in reicht, die Strömung des Wassers aufzuhalten. Da ihre Höhe ganz große, deren Haare wie ein Busch aussehen, ganz den Sattel hinabkommt. Plöglich hält der Wagen. Eins überall die gleiche ist, so verbreitet sich jeder Platzregen, gelb, andere grauweiß, andere wieder schwärzlich. Die der hinteren Räder ist schadhaft. Wir müssen absteigen der auf den entferntesten Bergen gefallen ist, bald über die Landschaft wird so eigenthümlich, wie ich niemals etwas und die Beine gebrauchen. Wir befinden uns im Regen, ganze Ebene; es entsteht, wenn er mehrere Stunden oder Aehnliches gesehen habe. Rechts und links treten Steine gepeitscht von einem wüthenden Winde. Der von dem einige Tage dauert, ein ungeheurer Sumpf, und es setzt aus der Erde, in Reihen gestellt wie Soldaten, alle in derselben aufgewühlte Schlamm verkleistert unser Schuhsich bei jeder dieser Ueberschwemmungen eine neue felben Richtung nach dem noch unsichtbaren Kairuan geneigt. werk, erschwert uns das Gehen und bringt uns außer Schlammschicht darauf ab, die düngt, wie in Egypten Man möchte sagen, sie seien im Marsch, bataillonsweise. Athem. Wir verwünschen den eisigen Wind und machen der Nil. Sie bedecken auf diese Weise einige Kilometer. Zwischen die Pilgerfahrt nach der heiligen Stadt in einer Wir kommen nun in weite Landstriche, wo sich stellen- ihnen ist nichts als thoniger Sand. Diese wunderliche Steinweise eine kleine fette, grüngraue Pflanze ausbreitet( ein fegung hat auch ihre Legende. *) Diese Steinreihen sind offenbar ebenso von vorgeschichtlichen Als Sidi- Otba mit seinen Streitern in die Wüste fam, Wölfern errichtet, wie die ähnlichen Steinreihen, die sich bei Sempervivum oder Sedum), die die Kameele gern fressen. Daher bemerkt man auch, so weit das Auge sehen kann, wo sich heute das ausbreitet, was von der heiligen Stadt Carnac in der Bretagne, in England und im nordwestlichen ungeheuere Truppen von Dromedaren grasen. Als wir übrig ist, kampirte er hier. Seine Begleiter waren Deutschland vorfinden. ( Anmerk. des Nebers.) ŏ) " suchung eingeleitet worden ift. Kurz nachdem der Artikel er- schienen war, fand eine Haussuchung nach dem Manuskripte in der Redaktion und in der Druckerei statt. Man fand nichts. Seit der Zeit war alles ruhig. Auf welche Ur- fache ist das plötzliche Aufwärmen der Disziplinarsache wider„Unbekannt" zurückzuführen? Im Dezember wurde die Nachforschung eifrig betrieben. Damals wurde uns von einer Seite, die sich als sicher unterrichtet bezeichnete, mit» gecheilt, es sei beabsichtigt, bei allen Registraturbeamten des Magistrats Haussuchung zu halten. Ob der Plan wirklich bestanden hat, wissen wir nicht; einen Rieseneffekt, wenn auch nicht den erwarteten, hätte seine Ausführung gehabt. Nun ist ein starkes Vierteljahr vergangen, und auf einmal platzt die Untersuchung gegen„Unbekannt" über unser Blatt herein. Uebrigens erlauben wir uns eine kleine, bescheidene Frage: Ist denn bei der Stichwahl 1893, als die Depesche über die an- geordnete Verhaftung des Genossen Kunert vorzeitig veröffentlicht wurde, auch eine Untersuchung gegen„Unbekannt" eingeleitet worden?* Wir bitten um gefällige Antwort."— Das ZeugnistzwanaSderfahren gegen die„Saale Zeitung" nimmt, wie diese selbst mittheilt, auch nach der erfolgten Aufhebung der Zwangshaft ihren Fortgang. Die Ent- scheidung des Oberlandesgerichts Naumburg ist in allernächster Zeit zu erwarten. Wie ferner dem„Hamb. Korr." aus Berlin gemeldet wird, sind die Herausgeber hiesiger großer Zeitungs- Korrespondenzen als Zeugen vernommen worden, um die Beamten zu ermitteln, welche die vorzeitige Veröffentlichung von Gesetzentwürfen verschuldet haben. Einen afrikanischen Sieg haben die Italiener zu verzeichnen. Zwar nicht über den grausanHn Menelik, der sich durchaus nicht besiegen lassen will, sondern nur über eine Schaar Derwische. Ein Telegramm aus M a s s a u a h vom 3. April meldet darüber: Oberst Stevani sandte am 2. d. M. II Uhr nachts aus Kassala folgende Depesche an General Baldissera: Das sechste Eingeborenen- Bataillon war in Sabderat geblieben mit dem Befehl, heute früh die südlichen Abhänge des Berges Mokram zu besetzen, um der Karawane, welche Lebensmittel nach Kassala gebracht hatte, den Abzug von dort zu erleichtern. Um 4 Uhr nachmittags wurde das vorgenannte Bataillon von den Derwischen in der überlegenen Zahl von SOCK) Mann Fußtruppen und Reitern unter der Führung verschiedener Emire heftig an» gegriffen. Auf die mir von diesem Angriff überbrachte Nachricht marschirte ich mit sämmtlichen mir zur Verfügung stehenden Streitkräften einschließlich einer Gebirgsbatterie von 4 Geschützen und einer Abtheilung Kavallerie vorwärts und überraschte den Feind, welcher nach kurzem, heftigem Feuer zurückgeschlagen wurde. Auch ein nochmaliger Angriff der Derwische, welche durch mehrere Abtheilungen von Tukruf her verstärkt worden waren, wurde abgeschlagen. Der Kampf begann um S Uhr nachmittags und endete um 9 Uhr abends. Unsere Ver- luste belaufen sich, soweit bis jetzt festgestellt wurde, auf etwa hnndert Todte und Verwundete. Unter den Verwundeten be- sinken sich der Hauptmann Brunelli und der Major Amadost Der Feind erlitt bei seinem überstürzten Rückzug nach Tukruf starke Verluste, im Augenblick kann jedoch eine genaue Zahl nicht angegeben werden. Die Haltung unserer Offiziere und Truppen war ausgezeichnet, trotz eines zehnstündigen Marsches bei außerordentlicher Hitze und Waffev Mangel. Morgen Mittag lasse ich die Karawane abgehe». Das ist nicht viel. Aber trotzdem haben die crispini- schen Chauvinistenorgane den Muth, wegen dieses herrlichen Sieges, der die Kriegstüchtigkeit der Italiener beweise, die Fortsetzung auch des Feldzuges gegen Abessynien zu ver- langen.— Südafrika nehmen die Dinge eine üblere Wendung für die Weißen in den Aufstandsgebieten Rhodesias, da der Ausbruch der R i n d e r p e st in den südlicheren Land- strichen den ausschließlich durch Ochsenwagen betriebenen Transport erschwert. Ueberdies sind die Eingeborenen in Betschuanaland durch die zwangsweise Tödtung ihres von der Rinderpest befallenen oder bedrohten Viehes in große Aufregung versetzt worden, so daß man sogar auch dort einen Aufstand befürchtet. In der Ortschaft Maseking im Betschuanaland herrscht große Aufregung. Die Farmer bringen ihre Familien nach der Stadt in Sicherheit. Eine Versammlung der Einwohner von Maseking bat den Gouverneur der Kapkolonie, ihnen Truppen zu Hilfe zu senden. In Kapstadt befürchtet man jetzt, daß im ganzen 200 Weiße durch die Matabeles ermordet worden sind.— In Johannes- bürg find 400 Mann ausgehoben, um den Truppen in Bulu- wayo zu Hilfe zu kommen, aber es heißt, daß die Bevölkerung von Rhodesta nicht sehr geneigt sei, die Hilfe der Uitlanders anzunehmen. Stimmung, daß wir die Nachsicht des Gottes des Propheten bedürfen, wenn dieser der wahre ist. Bekanntlich gelten für die Gläubigen sieben Pilgev fahrten nach Kairuan ebensoviel als eine nach Mekka. Nach ein oder zwei Kilometer dieser erschöpfenden Wanderung sehen wir im Nebel in der Ferne vor uns einen dünnen, spitzen, kaum sichtbaren Thurm, dessen graue Spitze sich in den Wolken verliert, eine unbekannte und fesselnde Er- scheinung, die allmälig deutlicher wird, und die Gestalt eines in den Himmel ragenden zierlichen; Minarets an- nimmt, ohne daß man etwas anderes außer ihm er- kennen kann. Wir marschiren langsam diesem grauen Pharus zu, während uns der Regen in das Gesicht peitscht. Allmälig verschwindet der Thurm wieder, später erscheint rechts verschwommen ein mit einem Dome gekröntes Bauwerk. Es ist die Moschee, die man die des Barbier nennt, und endlich wird die Stadt hinter dem Regenschleier sichtbar, eine undeutliche Masse, und der Minaret erscheint jetzt weniger groß, als vorhin, wo er allein sichtbar war. O diese traurige, in der sandigen Einöde verlorene Stadt! In den engen und gewundenen Straßen sehen uns die in ihren Verkaufsschuppen sitzenden Araber vor- überziehen. Wenn uns eine Frau begegnet, erscheint sie uns in ihrer schwarzen Kleidung zwischen den gelben Mauern wie der Tod, der spazieren geht. Von dem tunesischen Gouverneur von Kairuan Li- Mohamed-el-Marabout wird uns Gastfreundschaft angeboten, einem General des Bey's und sehr frommen Muselmann, der schon dreimal nach Mekka gepilgert ist. Er führt uns mit schwerfälliger und beflissener Höflichkeit in die für die Fremden bestimmten Zimmer, wo wir große Divans und wundervolle arabische Decken finden, in die man sich ein- wickelt, wenn man schlafen geht. Ilm uns zu ehren trug einer seiner Söhne mit eigenen Händen alles herbei, was wir nöthig hatten. Wir diniren denselben Abend bei dem französischen Konstil und Zivilkontrolleur, wo wir eine�sehr liebens- würdige Aufnahme fanden, die uns wieder warm machte und uns für unsere traurige Ankunft entschädigte. (Fortsetzung folgt.)! Buluwayo. 8. April. Die Telegraphen- Verbindung zwischen Buluwayo und Salisbury ist wieder hergestellt. Ceci! Rhodes ist im Begriff, mit seiner Eskorte von 1S0 Mann von Salisbury nach Gwelo aufzubrechen.— Chronik der Majestätsbeleidigungs- Prozesse. Gelegentlich einer Unterhaltung über die Hinrichtung Breitrück's soll sich das Hamburger Kontrollmädchen Maria D., welches von der Schuld des Hingerichteten nicht überzeugt war, in einer Weise geäußert haben, die eine Kollegin und Konkurrentin als Majestätsbeleidigung auffaßte und sofort denunzirte. Die Angeklagte gab vor Gericht auch zu, die betreffende Aeußerung gethan zu haben, vermag aber irgend eine Beleidigung, welche Absicht ihr übrigens auch völlig fern gelegen habe, nicht darin zu erblicken. Anders der Herr Staatsanwalt, welcher eine Majestätsbeleidigung für vorliegend erachtet und eine Gefängnißstrafe von drei Monaten beantragte. Der Vertheidiger Dr. Peppler kann in den von der Angeklagten zugegebenen Worten keine Beleidigung der Person des Kaisers finden und beantragt sowohl aus objektiven wie auch aus sub- zektiven Gründen Freisprechung, welch' letzterem Antrage enb sprechend das Gericht auch erkennt. Die Freisprechung ist er- folgt, weil das Gericht überzeugt ist, daß der Augeklagten das Bewußtsein der Beleidigung des Kaisers gefehlt habe. »* Deutsches Reich. — Zwei erledigte Reichstagssitze in Bayern. Außer dem Wahlkreise Ansbach-Schwabach ist nun auch das Mandat des 4. schwäbischen Reichstags-Wahlkreises durch den heute gemeldeten Tod des Abgeordneten Domkampitular Reindl (Zentrtim) erledigt. Reindl, der das 80. Jahr noch nicht erreicht hatte, war von 1831—1892 Mitglied des bayerischen Landtages und gehörte feit 1831 ununterbrochen dem Reichstage an. Reindl wurde in der Hauptwahl mit großer Majorität gewählt, er erhielt 10 339 gegen 3091 nationalliberale, 1098 sozial demokratische und 2320 bauernbündlerische Stimmen. In Ansbach-Schwabach erhielt der Demokrat Kroeber in der Hauptwahl 2638 Stimmen gegen 2818 deulschkonservative, 2662 nationalliberale und 1733 sozialdemokratische Stimmen; er wurde in der Stichwahl mit 3605 Stimmen gegen den Deutsch konservativen gewählt, der 6333 Stimmen erhielt. Der Wahlkreis Jllertissen wird vorläufig unbestritten der Zentrumspartei verbleiben, dagegen wird sich um das Mandat des Kreises Ansbach-Schwabach ein sehr heftiger Wahlkampf ent- wickeln. Von.demokratischer Seite soll Dr. Quidde aufgestellt werden.— — Wiederaufnahme ehemaliger Reichs- a n g e h ö r i g e r. In Einschränkung des Erlasses vom 3. Februar vor. Js. hat der Minister des Innern unterm 17. Februar den Regierungspräsidenten wieder überlassen, denjenigen Anträgen auf Wiederaufnahme, die von ehemaligen Reichsangehörigen ausgehen, die vor dem Verluste ihrer hiesigen Staatsangehörigkeit der Militärpflicht genügt haben oder noch minderjährig sind, ohne zuvorige Einholung einer Zustimmung zu entsprechen; bezüglich aller übrigen auf Naturalisation gerichteten Anträge, denen die Regierungspräsidenten stattzugeben beabsichtigen, ist jedoch auch ferner nach dem Erlasse vom 3. Februar vorigen Jahres zu ver- 'ahren.— — Der Abgeordnete Eugen Richter hat dieser Tage seinen Austritt aus dem Verein zur Förde- rung der Handelsfreiheit erklärt. Dieser Schritt wird von Herrn Richter nahestehender Seite damit motivirt, daß der- artige Vereinigungen für die praktische Politik bedeutungslos 'eien; sie verschlängen viele Mähe und Geld, die an anderer Stelle(d. h. für Zwecke der freisinnigen Volkspartei) besser ver- wendet werden könnten. Die Konkurrenten Richter's von der „Berliner Zeitung" meinen, daß er durch seinen Austritt aus dem Freihandelsverein seinem Unmuth über die Begründung des Schutzverbandes gegen agrarische Uebergriffe" habe Ausdruck geben wollen, die ohne sein Zuthun erfolgt ist.— — Die Freisinnigen und der Schutz der Handlungsgehilfen. Die„Freisinnige Zeitung" ent- rüstet fich weidlich darüber, daß wir den Abg. Schmidt-Elber- eld, den Vertreter der freisinnigen Partei in der Reichskommission 'ür Arbeiterstatistik, getadelt haben, weil seine Unterschrift unter den Vorschlägen der Reichskommission betr. den Schutz der Handelsangestellten fehlt. Tie„Freisinnige Zeitung" stellt dies als einen bloßen Zufall dar. Der Abg. Schmidt fei durch Reichstagsgeschäfte verhindert gewesen, den Abstimmungen beizu- wohnen. Ist es etwa auch blas ein Zufall, daß die„Freisinnige Zei- tung" des Abg. Eugen Richter und die„Hamburger Nachrichten" des Herzogs von Lattenbttrg eines Herzens und eines Sinnes ~iitd, wenn es sich darum handelt, jeden Schutz der Handels- angestellten zu verhindern?— — Gegen den D r. Kayser macht der Silber- Arendt, ein Freund des Hänge-Peters, einen Vorstoß, indem er Kayfer's Abberufung von der Leitung des Kolonialamtes verlangt, weil er Peters im Stich gelassen habe. Das alles wird den Peters nicht retten.— — Versahren gegenMünter. In der Untersuchung gegen den srühereu Gendarmen, jetzigen Korpsschreiber Münter wegen Meineides hat, wie der„Rheinisch-Westsäl. Arbeiter-Ztg." aus Berlin geschrieben wird, der die Voruntersuchung führende General v. Rauch die betreffenden Gerichte um die Uebersendimg der sämmtlichen Akten aus den Münter-Beleidignngsprozessen ersucht, auch werden mehrere Richter als Zeugen vernommen werden. Danzig, 4. April.(Eigene Mittheilung.) Auch in Danzig regen sich die Koinmerzienräthe zur Bekämpfung der Agrarier und nebenbei auch der Sozialisten. Eingeleitet wurde die große Aktion durch eine hier am Montag abgehaltene Ver- ämmlung zur Einführung des sogenannten Schutz> Ver- bandes. Ein echter Kommerzienrath führte den Vorsitz und hatte zugleich das einleitende Referat übernommen. Der Herr bemühte sich, in längerer Darlegung seinen Zuhörern klar u machen, nur die Auswüchse der agrarischen Agitation hätten die Gründung des Schutzverbandes veranlaßt, der nicht eine Or- ganisation der Kommerzienräthe, wie der„Vorwärts" gespottet, son- dern eine Vereinigung aller Staatsbürger werden sollte. Interessant waren einige Punkte seiner Rede, so z. B. hat nach ihm der Handel nur die hehre und aufopferungsvolle Aufgabe„Waaren und Lebensmittel von solchen Orten, wo Ueberfluß davon vorhanden t, nach anderen, an denen Mangel an solchen sich vorfindet, zu 'chaffen." Ganz besonders schien der Artikel des„Vor- wärts"„Der Kommerzienrath auf dem Kriegspfade" den Herrn verschnupft zu haben. Er muß ihn aber gar nicht verstanden haben, denn er erzählte, der„Vorwärts" werfe den Kommerzienräthen vor, daß sie ihre eventuellen Erfolge„int Bruderkriege" nachher kapitalistisch verwcrthen wollten. Weiter dozirte er, Kapital fei aber doch nur aufgespeicherte Arbeitskraft. In der Diskussion produzirte sich u. a. auch Herr Joche m. als Sozialdemokraten-, nicht Sozialistentödter. Er sei nicht Vor- wärtsmann, denn er könne nicht Anhänger eines Blattes sein. das es abgelehnt habe, gegen einen Angriff auf ihn eine Ein- 'endung seinerseits anzunehmen. Dann betete er die alten Ladenhüter unserer Gegner nach: die Sozialdemokraten wüßten nicht was sie wollten, von den ls/4 Millionen Wählern seien keine 100 000, die verständen, was Sozialismus sei. Es prach dann der Reichstags-Abgeordnete Richert, der erklärte, es nicht recht begreifen zu können, wie Jochem denn so lange der Führer einer solch' unwissenden Gesellschaft sein konnte, und im übrigen seine freisinnigen Lehren propagirte. Unser Genosse B e r g e r erklärte dann den Herren, daß die Sozial- demokraten bestens dankten für den ganzen Schutzverdaud und meinte dann gegenüber dem Herrn Jochem, daß er es nicht begreife, wie der Herr sich so über die Schlußrufe ereifern könne, er, der doch seine eigenen Genossen früher mit der Polizei bei der geringsten Gelegenheit hinauswerfen ließ; im übrigen warne er vor Herrn Jochem. Mit gewohnter Ekstase wollte nun Herr Jochem. besonders wüthend über den Beifall, der Berger's Worten folgte, sich gegen diesen wenden, doch konnte man unter den fortwährenden Schlußrufen leider von dem größten Theile seiner Rede nichts verstehen; hierauf ersolgte nach dreistündiger Tagung Schluß der Versammlung. Meiningen, 5. April. Im Herzogthum ist die b e d i n g t e Verurtheilung(richtiger hieße es bedingte Be- gnadigung) in der Weise eingeführt worden, daß vor dem Vollzug erster Freiheitsstrafen von nicht mehr als sechs Monaten an Personen unter 18 Jahren ein Strafaufschub und nach guter Führung eine Begnadigung erfolgen soll. In geeigneten Fällen greift die bedingte Verurtheilung auch bei wiederholtem Vollzug von Freiheitsstrafen, bei älteren Personen und bei höheren Freiheitsstrafen Platz. Das Verfahren findet auch Anwendung auf die vom Landgericht oder Schwurgericht Meiningen Ver- urtheilten, soweit das Begnadigungsrecht dem Herzog von Sachsen-Meiningen zusteht. — Die sächsischen Dreiklassenwahl-Minister machen nun, nachdem sie den Arbeitern das Wahlrecht entzogen haben, die Staatsanwälte gegen die sozialdemokratische Presse mobil. Ter verantwortliche Redakteur der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung" hat sich am 13. d. M. wegen Beleidigung des Gesamml- Ministeriums vor der Dresdener Strafkammer zu verantworten. Auch gegen das Zwickauer Partei-Organ soll vom sächsischen Ministerium Anklage erhoben sein. Die„Leipziger Volks- zeitung" meldet, daß Genosse Heinisch eine gericht- liche Vernehmung hatte, in der ihm mitgetheilt wurde. daß sich die fünf sächsischen Minister durch das letzte, bei ihm gedruckte.„An Sachsens Volk!" gerichtete Flugblatt be- leidigt gefühlt hätten. Danach scheint eine Anklage für Heinisch und den Verleger, Genoffen Schiemann, in Aussicht zu stehen." Die„Sächs. Arb.- Ztg." bemerkt zu diesem Aufgebot von Staatsanwälten: „Wir enthalten uns vorläufig einer näheren Erörterung darüber, ob überhaupt in den mit Strafantrag verfolgten Streit- schriften, welche in anbetracht der besonderen politischen Kampf- läge äußerst milde gehalten waren, eine formale Beleidigung der Minister gefunden werden kann. Wir wollen heute nur dem Glauben Ausdruck geben, daß das Verfahren der sächsischen Minister sicherlich allenthalben, auch in nichtsozialdemokratische» Kreisen, großes Aussehen erregen, aber gar keinerlei Billigung erfahren wird. Der Minister v. Metzsch hat selbst mehrfach zugegeben, daß infolge der Einbringung des Klaffen-Wahlgesetzentwurfs eine bedeutende Erregung im Lande entstanden sei, und ferner, daß er begreife, wenn auf sozialdemokratischer Seite eine starke Erbitterung herrsche. Da wird man sich erstaunt fragen, wie dann die Herren Minister gegenüber einem etwaigen etwas starken Aus- druck, der auf ihren in der Geschichte beispiellosen Plan einer Volksrechtsentziehnng angewendet wurde, so überaus enipfindlich sein können und ihre beleidigte Unschuld vom Strafrichter repa- riren lassen möchten. Mögen die Herren Staatsobersten! Mögen sie ihr großes Werk damit krönen, daß sie die Verfechter des bisherigen Volks- rechts hinter Schloß und Riegel bringen. Sie werden doch selbst nicht meinen, daß dadurch das Urtheil des sächsischen Volkes über die ihm widerfahrene Rechtsverkümmerung gemildert wird. Im Gegentheil. So gießt man Oel in die Flammen des Volkszornes. So schafft man Märtyrer. So läßt man die Erinnerung an das Geschehene nicht einschlummern. So sorgt man für unverminderte, für stets wachsende Empörung des Volkes gegen das Dreiklassen-Wahlsystem. Mag man unsere Parteigenossen prozessiren, weil sie viel- leicht mit einer Redewendung die Grenzen des Beleidignngs- Paragraphen gestreift haben— wir werden unentwegt und nun erst recht den heiligen Kampf für Recht und Wohlfahrt des Volkes fortführen. Ministerielle Ueberempfindlichkeit kann uns daran nicht einen Augenblick hindern!" München, 6. April. Das Staatsministerium des Innern hat sämmtliche Regierungen und Kammern des Innern deauftragt, insoweit dies nicht bereits in jüngster Zeit geschehen ist, im Lause des Jahres die in ihrem Bezirk befindlichen öffentlichen und privaten Irrenanstalten, owie die Anstalten zur Unterbringung und Ver- pflegung von Kretins, Idioten und Blöden durch Kommissare unter Zuziehung der ständigen Amtsärzte, bezw. jener Aerzte, welche den ärztlichen Anstaltsdienst zu be« orgen haben, in bezug auf Organisation und Betrieb, auf ärzt- liche, pflegliche und ökonomische Verhältnisse, sowie auf bauliche und innere Einrichtungen einer Untersuchung unterziehen zu lassen und die Ergebnisse dieser Inspektionen dem Staats- Ministerium des Innern vorzulegen.— — Die Abschaffung des VolkSschulgeldes wird in immer mehr Orten Württembergs durchgeführt. In Böhmenkirch und in Lausen beschlossen die bürgerlichen Kollegien. die Erhebung des Volksschulgeldes abzuschaffen; in letzterer Stadt wurde außerdem der Beschluß gefaßt, die Gebühr ür Ankanf des Bürgerrechts von 10 auf 2 M. herabzusetzen. Diese Beschlüsse sind nur dem Drängen unserer Genossen zu verdanken.— — Das württembergische e v an g e li s ch e K o n- i st o r i u m ist zu Kreuze gekrochen in der heiligen Charwoche. Vor einigen Wochen berichteten wir über den Pfarrer Steudel, welcher ivegen Ungehorsam je. im geheimen Disziplinarverfahren seines Amtes entsetzt wurde. Damals wunderte man sich einestheils über dieses Urtheil, anderntheilS staunte man auch darüber, daß Pfarrer Dr. Gmelin, welcher 'ich die gleichen kirchlichen Aenderungen ic. zu schulden kommen ließ, seitens seiner vorgesetzten Behörde ungeschoren blieb. Pfarrer Dr. Gmelin protestirte nun auch in den politischen Blättern gegen obiges Urtheil in ausführlicher Er- klärung und allgemein wurde erwartet, daß das Konsistorium gegen Gmelin sich ebenso unduldsam wie gegen Steudel zeigen werde. Das Konsistorium hat sich aber anders besonnen, es mußre demTruck der öffentlichen Meinung nachgeben und verurtheiltePsarrer Dr. Gmelin infolge der Protesterklärung wegen„grober Verletzung der der vorgesetzien Behörde geschuldeten Achtung" zu einer Geld- ärase von 100 M.; des weiteren wurde er„vor Fortsetzung olcher Ungebührlichkeiten verwarnt."— Wie wir nun ersahre». oll eine weitere Disziplin irung Gmelin's nicht stattfinden und hat sich somit das kgl. Konsistorium eine schwere Niederlage bereitet; denn indirekt gesteht es jetzt zu, daß es Steudel ungerechtfertigt aus seinem Dienste entlassen hat.— AuS Elsafi-Lothringcn. Ein Fall Stenglein yat Ich in den Reichslanden ereignet, der ganz dazu angethan ist, das Ansehen der deutschen Beamtenschaft in den Augen der Elsässer herabznbringen. Gegen den Ober- Landesgerichtsrath Stenglein in Kolmar wurden nämlich eine Anzahl Anschuldigungen er- hoben, die zu einer Disziplinaruntersuchung nöthigten. Ten 'chlimmsten Eindruck macht sein Benehmen einer s r a n z ö- ischen Versicherungsgesellschaft gegenüber. Stcng- lein leidet an einem Herzfehler, wegen dessen er in feiner Jugend vom Militär freigekommen und auch von mehreren deutschen Lebensversicherungen abgewiesen worden ist. Bei der franzöflschcn Gesellschaft L'Urbaine gelang ihm die Versicherung ans grund einer Erklärung, daß er mit keiner gefährliche» Krankheit oder schiveren Gebrechen behastet und daß er niemals von einer Lebens- Versicherungsgesellschaft zurück- »ewiefen worden fei; vom Militärdienst habe er sich seinerzeit reigeloost. Es gelangte zur Kennlniß der Pariser Versicherung, daß diese Angaben unrichtig waren, und das erregte in den oortigen Juristenkreisen gewaltiges Aufsehen. ES kam zu einem Disziplinarverfahren gegen Stenglein, und das Urtheil lautete auf Dienstenthebung für neun Monate und Versetzung in eine gleich hohe Stellung. Man wird bei diesem Urtheile an die merkwürdigen Erkenntnisse erinnert, die von dem Potsdamer Disziplinar-Gerichtshof in Sachen Leist und Wehlan ergangen sind. Unbegreiflich erscheint es zwar nicht, daß ein Mann, dem solche Dinge nachgewiesen sind, noch als Richter fungiren kann. Ueber das.was jemand zum Richter befähigt und nicht befähigt, weichen ja die Ansichten, die im Volke darüber vorherrschend sind, mannigfach ab von den Anschauungen in Beamtenkreisen. wie der Fall Brausewetter gezeigt hat. Aber wunderlich ist es doch, daß dem Staatsanwalt die Stenglein'sche Manipulation mit der französischen Versicherungsgesellschaft nicht Anlaß zum Einschreiten gegeben hat. Uns erscheint Herr Stenglein wenig geeignet, in den Reichslanden moralische Eroberungen zu machen.— Ungarn. Budapest, 6. April. Die Regierung ist dem Vernehmen nach entschlossen, falls Dr. Lueger nach Budapest kommen sollte, diesen als politischen Agitatoren zu behandeln und sofort mittels gebundener Marschroute über die un- garische Grenze bringen zu lassen. Danach scheint es ja, daß die im Pester Ministerium allmächtigen Börsenjuden eine Heidenangst vor dem Wiener Judenfresser haben.— Frankreich. — Für den Senat haben sich das noble Wettrenn- Publikum und die Totalisatorwetter erklärt. Dies wird die Antipathie gegen diese reaktionäre Körperschaft nicht ver- mindern.— — Der Senat tritt drei Wochen früher als die Kammer zusammen, schon am 21. April. Dann wollen die„zahnlosen Hampelmänner" den Sturm auf das radikale Kabinet wieder- holen. Dieses wird die Herren auslachen, und um so lustiger sein, je mehr sie sich ereifern. Ein wahres Glück, daß der Senat diesen„Konflikt" heraufbeschworen hat, und dadurch das Ministerium Bourgeois zu einer Politik radikaler Reform oder der„Revo- lution" zwingt, wie Tante Boß schaudernd sich ausdrückt.— — Die Chauvinisten sind wüthend auf den Kriegs- minister Cavaignac, weil er so vernünftig war, den Offizieren die offizielle Theilnahme an einer chauvinistischen Festseier in Belsort zu verbieten.— Italien. Rom, 7. April. Wie verlautet, fallen die diesjährigen Ranöver aus Sparsamkeitsrücksichten aus. Rom, 5. April.(Eig. Ber.) Der Umstand, daß man nicht sofort nach der Niederlage bei Adua das Ministerium Crispi regelrecht in Anklagezustand versetzt hat, hat dem Crispi'schen Anhang neue Zuverstchtßund selbst die Hoffnung, sich der Regie- rungsgewalt wieder bemächtigen zu können, eingeflößt. Der erste Schrecken, der das Ministerium Crispi zum Rücktritt ver- anlaßte. ist überwunden und die Abgeordnetenkammer, welche unter Crispi's Regierung, also durch den Einfluß der Crispi- scheu Präsekten gewählt worden ist, hat zwar unter dem ersten Eindruck der Katastrophe ein dem neuen Ministerium günstiges » Votum abgegeben, kann aber, wenn das neue Ministerium nicht anderweit Boden gewinnt, jeden Tag von ihm absallen. Der neuen Regierung steht nicht eine bloße Partei(eine solche hat Crispi aus Mangel an politischen Ideen niemals bilden können) sondern, was schlimmer ist. eine Verkettung persönlicher Interessen gegenüber, welche sich durch das neue Ministerium gefährdet oder wenigstens nicht gefördert sieht. Einen ersten Schritt zur Zurückdrängung dieser Camorra zu thun steht das Ministerium di Rudini im Begriff, indem es zahlreiche Versetzungen von Präfekten und Unter- präfekten vornimmt; auch an die durch das Ministerium Crispi völlig korrumpirten, ihrer eigentlichen Aufgabe entfremdeten und zu politischen Agenturen verwandelten Polizeibehörden soll die Reihe kommen. Aber es ist ein Uebelstand, daß man es, aus Mangel an einem tüchtigen Beamtenpersonal, bei der bloße» Versetzung kompromittirter Präfekten u. s. w. von dem einen Ort an den anderen bewenden lasten muß, ohne die schadhaften Persönlichkeiten völlig ans dem Staatsdienst entfernen zu können. Eine Probe für das, was man von dem gegenwärtigen Ministerium erwarten kann, wird dessen Verhalten gegenüber der sehr verwickelten sizilischen Frage abgeben. Es fehlt nicht an Zeichen, welche eine neue politische Gährung in Sizilien ankündigen. Es ist ja ganz selbstverständlich, daß die bloße Thatsache des Ministerwechsels und daß auch die Amnestirung der unter Crispi von den Militärgerichten ver- urlheilten Sizilianer nicht ausreicht, die tiefgewurzelte, auf soziale Gründe wie auf verjährte Verwaltungsmißbräuche zurückgehende Unzufriedenheit der sizilianischen Bevölkerung zu beseitigen. Nachdem Crispi's Regierung für die Abstellung der Miß- Verwaltung und für die Besserung der ökonomischen Lage der Landarbeiler nicht das mindeste geleistet hat, fällt die gefammte Aufgabe dem neuen Ministerium zu. Daß dieses sich mit der sizilischen Frage beschäftigen will, geht daraus hervor, daß, während Crispi alle sieben Provinzen, in die Sizilien zerfällt, zur Unterdrückung der Unruhen einem militärischen General- gouverneur unterstellte, jetzt für ganz Sizilien ein Zivil- gouverneur ernannt werden soll, damit die die Insel be- treffenden Fragen im ganzen ersaßt werden. Aber dies ist vor- läufig eine blos formale Maßregel: es kommt darauf an, welcher Inhalt der neuen Institution gegeben wird. Ohne eine sehr be- lrächtliche Kraftäußerung wird das Ministerium di Rudini schwerlich einen haltbaren Erfolg erlangen.— — Der Zivilkommissar für Sizilien. Die „Agenzia Stefani" veröffentlicht ein Dekret des Königs vom b. d. M., durch welches für ein Jahr ein kgl. Zivilkommissar für alle Provinzen Siziliens mit dem Amtssitz in Palermo eingesetzt wird, der zugleich die Präscktur von Palermo verwalten wird. Der Kommissar ist mit den politischen und administrativen Machtvollkommenheiten der Minister des Innern, der Finanzen, der öffentlichen Arbeiten, des Unterrichts und des Ackerbaues für diejenigen Angelegenheiten bekleidet worden, welche speziell die öffentliche Sicherheit und die Ver»valtung der Gemeinden Siziliens betreffen. Auch über die- jenigen Angelegenheiten, welche der Kompetenz der tentralregierung vorbehalten sind, werden die Präfekten iziliens mit dem Kommissar sich zu benehmen haben. Dem Kommissar wird eine außerordentliche Revision der Budgets der Provinzen und Gemeinden obliegen, damit alle Ausgaben den Steuerlräften angemessen seien. Dieses Dekret wird dem Par- lament vorgelegt und zum Gesetz umgewandelt werden. Die Regierung wird außerdem im Parlament Gesetzentwürfe, be- treffend die Ausfuhrzölle auf Schwefel und die Errichtung einer Vertretung derBergwerksinteressen. einbringen. Bei letzterem Gesetzentwurf wird besonders die Lage der Bergarbeiter berücksichtigt werden. Durch ein weiteres Dekret ist der Senator Gras Codronchi zum Minister ohne Porte- seuille und Zivilkommissar für Sizilien ernannt worden.— Spanien. Madrid, 6. April. Der Marineminister bereitet die Ent- sendung von weiteren 40 000 Mann nach Ku da vor; die Ex- pedition dürfte aber nicht vor September abgehen.— In Ferrol liegt ein aus vier Panzerschiffen und mehreren Torpedobooten bestehendes Geschwader znr Abfahrt bereit.— Madrid, 0. April. Der Marineminister Beranger wird morgen dem Ministerrath eine außerordentliche Forderung in Höhe von 23 Millionen zum Bau von Schiffen vorlegen.— Norwegen. — Die republikanischeStrömungist infolge der Haltung des Königs zu gunsten Schwedens in der Unionfrage nicht im Abnehmen. Auch bei der diesjährigen Etatberathung wurde die Zivilliste de? Königs von 336 000 auf 256 000 und die des Kronprinzen von 80 000 auf 30 000 Kronen gekürzt. Bei Berathung dieser Etatposten erklärte sich Gunnar Knudsen als Republikaner und meinte, daß freisinnige Männer nicht gut Royalisten sein könnten; der Erblichkeitsbegriff sei eine Sinn- losigkeit, die nicht vor dem Richterstuhl der Vernunst bestehen könne.— Ruhland. — Eine nihilistische Druckerei. AuZ Krakau wird der„N. Fr. Pr." gemeldet: Warschauer Blätter berichten, daß im Keller einer Bäckerei in der Krakauer Vorstadt die Polizei eine geheime Druckerei entdeckt habe. Es wurden russische nihilistische Druckschriften ergriffen; mehrere russische Studenten wurden arretirt.— Bulgarien. — Fürst Ferdinand von Bulgarien ist vom Papste exkommunizirt worden, der Papst hat ihm den Empfang der Osterkommunion verboten. Dafür ist der Zar jetzt dem frommen Fürsten gewogen. Die Religion muß dem Volke er- halten werden.— Amerika. Aus Kanada wird gemeldet, daß die dortige Regierung in den Staatsbetrieben versuchsweise den Achtstundentag ohne Lohnherabsetzung eingeführt hat. — Cleveland und die kubanische Frage. Alle den Londoner Morgenblättern aus New-Uork zugegangenen Telegramme stimmen darin überein, daß Präsident Cleveland wahrscheinlich keine Schritte thun werde auf grund der Kuba be- treffenden Resolution, welche gestern im Kongreß angenommen wurde und in welcher die Aufständischen als kriegführende Macht anerkannt werden. Das Repräsentantenhaus war mit 244 gegen 27 Stimmen dem im Senate zu gunsten der aufständigen Kubaner gefaßten Beschlüsse beigetreten.— — Kuba. Die Abtheilung der Aufständischen unter Maceo wurde bei Bignales geschlagen und verlor 30 Tobte. Eine Niederlage von Waffen und Munition für di« Insurgenten wurde in Ciensuegos entdeckt.— — Mexiko und die Monroe-Doktrin. Der Prä- sident von Mexiko erklärte bei Eröffnung des Kongresses(Parla- menteS), daß er es früher für inopportun gehalten habe, sich über die Botschaft des Präsidenten Cleveland auszusprechen. Jetzt wolle er offen erklären, daß er die Monroe-Lehre für ein Sicherungsmittel gegen die Eingriffe der europäischen Re- gierungen in die Unabhängigkeit der amerikanischen Republiken halte. Die Vereinigten Staaten sollten aber nicht allein die Rolle des Protektors übernehmen. Sämmtliche amerikanischen Republiken sollten die Monroe-Lehre verkündigen und sich im Falle der Roth gegenseitig beistehen.— — Mädchenhandel in Uruguay. Zeitungen aus Montevideo von Ende Februar melden, daß zwei Agenten, die mit dem Spitznamen Kasten bezeichnet werden, mit dem italienischen Dampfer Victoria 22 unglückliche Mädchen nach Montevideo brachten. Die Mehrzahl bestand aus Minder- jährigen. Alle waren für die Bordells in Montevideo und Buenos Aires bestimmt. Die Ausschiffung und vorläufige Unterbringung der Mädchen in einem übel berüchtigten Restau- rant geschah unter den Augen der Polizei. Die Presse tadelt dieses Verhalten der Behörden scharf und konstatirt, daß die Kasten in Rio de Janeiro und Buenos Aires jetzt scharf überwacht und rücksichtslos verfolgt und bestraft werden, wie es sich für zivilisirte Länder gebührt. In Montevideo aber stehen die Kasten anscheinend gut mit der Polizei. Die Zeitungen fordern deshalb ein Einschreiten der Regierung, damit Montevideo nicht der Stapelplatz für derartige menschhche Waare werde. Alle diese unglücklichen Mädchen kommen auS Europa. Wie ist es aber möglich, daß den Augen der Polizei in europäischen Hafenstädten die Einschiffung von 22 minderjährigen Mädchen entgehen kann? Das zeigt, daß nicht nur in Uruguay«twas faul ist.— Afrika. — Vom Sudanfeldzug liegen folgende Meldungen vor: K a i r o. S. April. Die Derwische rückten bis Mograkeh und Kirkeh vor, zwei Orten, die ungefähr 20 Meilen von Akascheh entfernt sind. Die Egypter besetzten eine Stellung am Nil auf der Akascheh gegenüber liegenden Seite. Größere Abtheilungen von Derwischen bedrohen sowohl Murat, wie das am Rothen Meer gelegene Fort ßflaib. Ein anderes Korps der Derwische ist in Kokreb, 50 Meilen westlich von Suakin eingetroffen, wodurch die Entsendung eines Bataillons zur Verstärkung von Suakin nothwendig wird. Es ist augenscheinlich, daß di» Derwische sich anschicken, die ver- schanzten egyptischen Posten anzugreifen. Suakin, O.April. Ein Korps Derwische ist aus der Landschaft Berber in Hayet(Hauid?) angekommen. Dasselbe wurde am I. d. M. von befreundeten Arabern überrascht und hatte einen Verlust von 20 Mann. Heute sind nach dem Fort Halaid Verstärkungen abgegangen.—' Vavlamenkavislszc-s� Dem Abgcordnetcnhause geht soeben eine Vorlage be- treffend die Erweiterung des Staatseisenbahn- netzes und die Betheiligung des Staates an dem Bau von Priv at eis e n b a hn en und von Klein- bahnen sowie an der Errichtung von land- wirthschaftlichen Getreide- Lagerhäusern zu. Durch dieselbe soll die Staatsregierung ermächtigt werden I. zur Herstellung von Eisenbahnen und zur Beschaffung der für dieselben erforderlichen Betriebsmittel, und zwar: a) zum Bau einer Eisenbahn: 1. von Löwenhagen nach Gerdauen die Summe von 4 534 000 M., 2. von Schönsee nach Stras- bürg i. Westpr. die Summe von 3 555 000 M., 3. von Berent nach Carthaus die Summe von 2 680 000 M., 4. von Könitz nach Lippusch die Summe von 4110000 M., 5. von Bütow nach Leba die Summe von 7 144 000 M.. 6. von Jellowa nach Kreuzburg i. Oberschl. die Summe von 1 318 000 M., 7. von Koberwitz nach Heidersdorf die Summe von 1 510 000 M., 8. von Britz nach Fürstenberg i. Mecklbg. die Summe von 4 534 000 M., 9. von Frankenhausen a. Kyffhäuser nach Sonders- Haufen die Summe von 1435 000 M., 10. von Soltau nach Buchholz die Summe von 2 851 000 M., 11. von Sulingen nach Bassum die Summe von 1 200 000 M., 12. von Paderborn nach Brackwede die Summe von 2 840 000 M., 13. von Corbach nach Frankenberg in Hessen-Nassau die Summe von 3 285 000 M., 14. von Weidenhausen nach Herborn die Summe von 3 630 000 M., 15. von Friedrichsdorf nach Friedberg in Hessen die Summe von 1 162 000 M., 16. von Wipperfürth nach Marien- Heide die Summe von 1 485 000 M., 17. von Simmer» einerseits nach Kirchberg i. Hunsrück andererseits nach Castellaun die Summe von 2 027 000 M., 18. von Kreuzau nach Heimbach die Summe von 1552 000 M., b) zur Beschaffung von Betriebs- mittel»: die Summe von 6 651 000 M., zusammen 57 503 000 M. II. Zur Betheiligung des Staates an dem Bau einer Eisenbahn a) von Stralsund nach Tribsees durch llebernahme von Aktien die Summe von 268 000 M., d) von Oldenburg i. Holstein nach Heiligenhafen durch llebernahme von'Aktien die Summe von 550 000 M.; III. zur Förderung des Baues von Kleinbahnen die Summe von 8 000 000 M.; IV. zur Errichtung von landwirthschaftlichen Getreidelagerhänsern die Summe von 3 000 000 M., insgesammt 69 321 000 M. zu verwenden. Ueber die Verwendung der Fonds zu III und IV wird dem Landtage alljährlich Rechenschast abgelegt werden. Sozfoldemoltrttkisdje Vavkeikerge. Landesversammlung der sozialdemokratischen Partei Sachsens. Dresden, 7. April. Die Landesversammlung der sozialdemokratischen Partei Sachsens wurde heute Vormittag 11 Uhr eröffnet. Der Raum für die Delegirten ist abgetheilt, anwesend sind deren zirka 80. Der übrige Theil des Saales, auch die Gallerien, ist von einer großen Zahl Zuhörer besetzt. Berichterstatter sind 25 anwesend. Im Namen deS Lokalkomitees begrüßt Genosse Haack die zahlreich erschienenen Delegirten und heißt sie willkommen. Hierauf wird das Bureau konstituirt. Es werden gewählt zu Vorsitzenden jdie Genossen Kaden- Dresden und Grenz- Leipzig, zu Schriftführern die Genossen Rehe-Leipzig und Rosenow- Chemnitz. Die vorgeschlagene Tagesordnung wird angenommen. Sie lautet: 1. Bericht des Zentral-Komitees: Berichterstatter E. Fischer- Dresden. 2. Die Thätigkeit des Landtags: Berichterstatter H. G o l d st e i n- Zwickau. 3. Wahlrechtsänderung und Stellung der Partei zu derselben: Berichterstatter Fr. Geyer- Leipzig. 4. Anträge der Parteigenossen. Zu Punkt 3 wird Dr. S ch o e nj- lank-Leipzig als Korreferent aufgestellt. Zur Geschäftsordnung erklären die anwesenden Landtags« Abgeordnelen, daß sie bei Fragen, die sie persönlich angehen, sich der Abstimmung enthalten werden. Zur Prüfung der Mandate wird eine Fünfer-Kommission gewählt. Den Bericht des Zentral-Agitationskomitees erstattet E. Fischer- Dresden: Das letzte Jahr sei für die Sozial« demokralie in Sachsen ein überaus günstiges gewesen, unsere Gegner hätten uns einen so reichlichen Agitations- stoff gegeben und so vortrefflich für die politische Aufrüttelung des Volkes gesorgt, daß sich unsere Partei diese günstige Gelegenheit nicht entgehen lassen konnte und eine Agitation im großen Stile entfaltete, die selbstverständlich auch das Zentral- Agitationskomitee in größerem Maße als sonst in Anspruch nahm und in dessen Bericht zum Ausdruck kommt. Der Bericht sei daher ein sehr erfreulicher zu nennen. Zweimal seien an einem Tage„alle Mann an Bord" gerufen worden, um jedesmal 700 000, also insgesammt 1400 000 Flugblätter zu verbreiten. Eine weitere einheitlicheAktion war diePetilion an den Landtag; das Komitee habe die Unterschriftsbogen zu verschicken und wieder ein- zusammeln gehabt und dabei auch die Zählung der Unterschriften vorgenommen. welche sich auf 160 000 beliefen. Daß die Zahl der Unterschriften nicht noch größer war, liege nur an dem Umstand, daß viele Arbeiter, und darunter überzeugte So- zialdemokraten, nicht waglen, ihren Namen unter eine sozial- demokratische Petition zu setzen, da sie glauben, sich der Gefahr einer Maßregelung auszusetzen. Der größte Werth der Petition lag aber auch nicht in den Unterschriften, sondern in der Agitation, die mit dem Sammeln von Unterschriften verbunden war. Auf dem Lande gingen unsere Genossen von Haus zu Haus und suchten diejenigen auf, die nie in eine Äersammlung kommen, zu denen wir sonst nie reden können. Eine Agitation von Mund zu Mund wurde betrieben, wie sie bei keiner anderen Gelegenheit möglich ist. Bei der Landtagswahl war es die Aufgabe des Zentralkomitees, den schlechtgestellten Wahlkreisen Mittel und Agitationskräfte aus gutgestellten Wahlkreisen zu besorgen und nöthigenfalls die Agitation selbst zu leiten. Das Zentralkomitee sei öfters in Anspruch genommen worden, was sich z. B. daraus ergebe, daß von den 422 Referenten, welche das Komitee im letzten Jahre besorgt habe, 37 nach Orten außerhalb des Dresdener Agitationsbezirks kamen. Daß 603 Briefe, Pakete w. ein- und 584 ausgegangen seien, zeige, wie oft man sich des Komitees bediene, was auch nicht zu ver- wundern sei, wenn man bedenke, daß bei der Wahlrechts« bewegung allein ca. 150 Protestversammlungen innerhalb weniger Tage stattgefunden hätten. Dementsprechend seien auch die Kassenverhältnisse. Während die Einnahmen und Ausgaben des Dresdener Agitationskomitees rund 3000 M. betrügen, habe das Zentralkomitee 2852,38 M. eingenommen und 2595,30 M. aus- gegeben. Dazu käme aber, daß noch ca. 4000 M. zu bezahlen seien, welche Summe sich aber wieder dadurch verringere, daß dem Komitee kurz nach der Abrechnung 1500 M. abgeliefert worden seien. Dem Antrage von Leipzig, innerhalb 14 Tagen eine Landes- konferenz einzuberufen, habe das Komitee nicht entsprechen können, das sich hierzu nicht für kompetent erklärte, den Antrag selbst aber auch für unausführbar hielt. Unsere Partei ist ge- wappnet und wird siegreich aus dem Kampfe hervorgehen. Menge- Leipzig erklärt es für bedauerlich, daß das Zentral- komitee sich geweigert hat, die Landeskonferenz in 2—3 Wochen einzuberufen. Die Fraktion habe eine Verschleppungstaktik geübt. Walisisch- Dresden: Ich stehe auch auf dem Stand- punkl der Mandatsniederlegung, bin aber der Ueberzeugung, daß das Zentralkomitee vollständig korrekt gehandelt hat. L ange-Leipzig: Es fei ein Armuthszeugniß für die Parteigenossen, wenn man sage, sie könnten in 14 Tagen nicht zur Klarheit gelangen. Schuld daran sei die letzte Landes- konferenz, die der Fraktion Funktionen übertrug, welche dem Landeskomitee oblagen. Abg. Geyer: Die Uebertragung dieser Funktionen aus die Fraktion war kein Novum, sie ist von jeher geübt worden. E. Fischer- Dresden(zum Schlußwort): In der Lausitz sagte man uns, daß es ganz unmöglich sei, in 14 Tagen sich schlüssig zu machen. Etwas anderes wäre es gewesen, wenn der Landtag aufgelöst wurde, aber die vorliegende Frage mußte zuvor in der Presse besprochen werden; wir hätten garnicht verantworten können, dem Leipziger Beschluß nachzukommen. (Bravo!) Der Bericht wird gegen die Stimmen der Leipziger Dcle- girten genehmigt. Zum Bericht über die Thätigkeit der Landtagsfraktion erhält um VjI Uhr das Wort: G o l d st e i n- Zwickau: Erfreuliches ist nicht zu vermelden, unter Führung des dekannten Herrn Mehnert hat sich der Ord- nungsbrei im Landtage zusammengefunden. Das wichtigste Gesetz, das berathen wurde, war die Aenderung des Wahlgesetzes. Wir haben uns an den Debatten sehr stark betheiligt, aber es ist unrichtig, wenn behauptet worden ist. wir hätten nur Reden zum Fenster hinaus gehalten und es fehlte uns die nöthige Objektivität. Ich erinnere nur an die Fabrilinspektoreu-Debatte, wo wir durch- aus sachlich diskutirt haben. Beim Eisenbahnetat haben wir ebenfalls positive Mitarbeit geleistet. An Gelegenheit zur Kritik hat es uns nicht gefehlt. Wir mußten auf das schamlose Treiben der offiziösen„Leipziger Zeitung" hinweisen, die die sozialdemokratischen Agitatoren des Landes verweisen wollte. Wir haben den Oederaner Unglücks- fall besprochen und an der Bereinsauflösung des Vereins„Frohe Sänger", wie überhaupt an den Polizeichikanen den Vereinen gegenüber Kritik üben müssen. Die Sozialdemokraten sind überall für Forderungen im Kulturinteresse eingetreten, man läßt sie nur da nicht positiv mitarbeiten. Die jetzt angenommene Trennung des Fabrikinspektorats von der Kesselreviston ist schon längst von uns gefordert worden. Die Verhandlungen haben oft eine große Schärfe angenommen. Die Gegner bekämpfen uns mit den verwerflichsten Mitteln.(Der überwachende Polizist sKommissar Hohlfeldj ersucht den Redner, den Landtag nicht zu beleidigen.) Wir weisen nur die Au- griffe unserer Gegner zurück. Die Gegensätze sind nicht»lehr auszugleichen. Ich resumire mich; Die sozialen und sozialpolitischen Fragen treten immer mehr in den Vordergrund. Die Fraktion hat sich den ihr ob- liegenden Aufgaben gewachsen gezeigt. Die Eroberung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts muß die wichtigste und vornehmste Ausgabe der sächsischen Sozial- bemolvatie bleiben. Dieselbe hat künftig mithin all ihre agita- torische Kraft und propagandistische Energie in dieser Richtung zu entwickeln und insbesondere den Kampf gegen das politische System in Sachsen zu führen, bis dasselbe gebrochen und das allgemeine, gleiche Wahlrecht zu ihren Füßen liegt. In diesem Sinne rufe ich aus: Hoch die internationale Sozialdemokratie Z Schluß der Bormittagssitzung 1 Uhr, Anfang der Nach- mittagssitzung 3 Uhr. Die belgischen Parteigenossen hielten am S. und 6. d. SN. ihren Parteitag in Charleroi ab. Ihm ging ein großer Umzug durch die Straßen der Berg- arbeiterstadt voraus. Im Namen der Parteileitung eröffnete der Genosse Vandendorpe mit einem Appell an die Einigkeit den Kongreß. Auf dem Parteitage waren 600 Parteigruppen durch 700 Delegirte vertreten. Bevor sich der Kongreß kon- stituirte, beschloß er die Absendung eines Beileidtelegramms an die Familie des den belgischen Genossen so theueren Jean Volders und einer Sympathiekundgebung an die in den Ge> sängnissen sitzenden Vertreter der Partei. Der eben wegen An- griffe auf den belgischen Militarismus verurtheilte Genosse Bromkhern wurde hierauf einstimmig zum Vorsitzenden des Kon- gresses gewählt. Hierauf wurde der Bericht der Parteileitung verlesen, der große Fortschritte der Partei nach jeder Richtung konstatirt. Hierauf referirte Bertrand über die parlamentarische Thätigkeit der Fraktion im belgischen Parlamente, die mit ihren 29 Mit- Gliedern, mit denen sie die Arena betrat, die relativ stärkste ozialistische Vertretung in einem europäischen Parlamente ist. Ihrem Einflüsse ist es zu verdanken, daß der Etat jetzt sorg- fälliger als je vorher verhandelt wird. Die Fraktion tritt für Erhöhung der Beamtengehälter ein. In der Session IS94/9S hat die Fraktion 14 Interpellationen und 17 Gesetzentwürfe eingebracht, von diesen seien besonders erwähnt der Antrag auf Amnestirung der wegen politischer Verbrechen, Streiks zc. Ver- urlheilten, der Antrag zur Verhinderung falscher Urtheile, über die Arbeitsvermittlung, Fabrik- und Bergwerk-Jnspektion. In der Session 189S/96 anerkannte die Regierung die parlamentarische Thätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion, indem sie durch Erhöhung des Preises die Parlamenlsberichte dem Volke unzugänglich zu machen suchte. In dieser Session brachte die Regierung nicht weniger als siebzehn Gesetzentwürfe ein. Nach kurzer Debatte wurde der Bericht über die parla- mentarische Thätigkeit einstimmig gutgeheißen. Hierauf wurde über den geplanten Verband der sozialistischen Gemeindevertretungen berichtet. 80 Gemeinden haben in ihren Vertretungen sozialistische Majoritäten. Es wird beschlossen, daß die sozialistischen Gemcindevertreter jedes Bezirkes einen Bezirksverband und diese wieder einen Landesverband bilden sollen. Zum internationalen Kongreß nach London wird Genosse Bertrand delegirt. Zur Militärfrage wurde beschlossen, gegen das Militärsystem in schärfster SWeise Opposition zu machen, der Temonstration am I. Mai außer dem Achtstundentage auch den Protest gegen den Militarismus zu gründe zu legen und regel- mäßig von Parteiwegen Broschüren gegen den Mili- tarismus zu publiziren. In einer geschlossenen Sitzung soll beschlossen werden, wann ein Gesetz über die Volksbewaffnung im Parlamente eingebracht werden soll. Nachdem beschlossen wurde, mit aller Macht die Wahlagitation künflig zu betreiben und alle Kräfte für die Eroberung der Brüsseler Parlamentssitze einzusetze», ging man zur Berathung der Fragen der gewerkschaftlichen Organisation über. (Schluß folgt.) GetverKfchjtfklirfjes. Die Berliner Dachdecker beschlossen gestern Dienstag Abend in zahlreich besuchter Versammlung einstimmig, heute früh mit ihren schon veröffentlichten Forderungen(neunstündige Ar- beiiszeit:c.) an die Unternehmer definitiv heranzutrete», und bei Nichtbewilligung derselben sofort in den Streik zu treten. Wo bewilligt wird, soll weiter gearbeitet werden. Das Streik-Bureau ist Kleine Markusstr. 10. Zum Russtand der Berliner Fensterputzer ist mit- zutheilen, daß die Forderungen weiter anerkannt wurden von den Firmen: A. Nelken, Internationales Reinigungs-Jnstitut, Alte Jakobstr. 93; G. Bohne, Ackerstr. 1S2. 3 Tr.; A. Sprung. Culmstr. 1. Die Institute von S t ä h r. Petristr. 17—18; M. M o u s s y Nachf., Elisabethstr. 10 und Martens, Germania, Wallstr. 16, suchen durch Annahme ungelernter Arbeiter unseren Streik aussichtslos zu machen, was wir jedoch durch festes, einmüthiges Zusammenhalten ver- eiieln werden. Wir ersuchen die Arbeiterschaft durch Unter- stützungen unsere gerechten Forderungen mit erkämpfen zu helfen, dann ist ein vollständiger Sieg gewiß. Geldsendungen sind zu richten an R. SNillarg, Gemerkschaftsbureau SW., Annenstraße 16. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck ge- beten. Die Lohnkommission der Fensterputzer Berlins. Der Streik der Berliner Stellmacher ist für beendet erklärt. Der Erfolg war nur ein theilweiser. Die Forderungen sind in 27 Werkstätten 160 Arbeitern bewilligt worden. 70 Stell- macher befinden sich noch im Ausstand. Kottbus, 7. April.(Eigener Bericht.) In einer von Tausenden besuchten Versammlung der streikenden Textilarbeiter, in welcher Genosse P. Jahn aus Berlin über das„Osterfest der Streikenden" referirte, wurde unter stürmischer Zustimmung die Fortsetzung des Streikes bis zur Gewährung annehmbarer Be- dingungen beschlossen und eine dahin lautende Resolution ein- stimmig angenommen. Gewerkschaftspresse. Genosse K n o l l in Berlin, der Her- ausgeber der„Allgemeinen Steinsetzer-Zeitung", hat am 30. SNärz in Plötzensee eine 20tägige Gefängnißstrase angetreten, die ihm wegen Preßvergehens auferlegt ist. Tischlerbewegnng. In Leipzig wurde in einer von 1600 Personen besuchten Tischlcrversammlung beschlossen, die von der Lohnkommission aufgestellten Forderungen(S6stündige Arbeitszeit pro Woche, 36 Pf. Stundenmindestlohn, 33'/» pCt. Zuschlag für Ueberstunden, Auszahlung des vollen Lohnes und zwar Freitags, Abrechnung nach Fertigstellung des Akkordlohnes, 10 resp. 20 pCt. Erhöhung der Akkordpreise für Bau- und Möbelarbeit) in sämmtlichen Werkstellen den Meistern »ur Entscheidung zu unterbreiten. Das Ergebniß soll in der heute Vormittag 10 Uhr im Pantheon statt- findenden Tischler- Versammlung bekannt gegeben werden. In den Werkstellen, wo bis dahin die Forderungen nicht bewilligt worden sind, soll die Arbeil niedergelegt werden. Die Tischler in Wilsdruff bei Dresden haben ihre Lohn- bewegung mit Ausnahme einer Fabrik und dreier kleiner Werk- stätten, wo der Ausstand fortdauert, überall siegreich durch- geführt. Auch die Holzarbeiter in Heilbronn haben ihre Forde- rungen zum größten Theil durchgesetzt, ohne daß es zum Streik gekommen wäre. Ein Fcilcnschlcifcr- Streik ist bei der Firma Krupp in Essen in Aussicht. Die Arbeiter haben am 27. März gekündigt. Ursache der Differenzen sind unbefriedigende Lohn- und Arbeits- Verhältnisse. In Fraulautern a. d. Saar befinden sich die S ch w a r z- blech-Klempner der Firma Welsch u. Quirin wegen Lohnkürzung im Ausstand. Die Textilwaarenfirma Gnlchcr n. Sternickel ipEupen hatte 96 streikenden Arbeiterinnen wegen Kontraktbruchs verklagt. Das Amtsgericht sprach aber die Ausständigen sämmtlich frei und wies die Schadensersatzforderung der Firma kostenfällig ab. AuS Frankfurt a. M. berichtet die„Volksstimme":„Den Mühlenarbeitern der Mehl- und Brotfabrik Hausen wurde die vollständige Sonntagsruhe bewilligt. Wieder ein Schritt vorwärts durch die Müllerorganisation. Die Müller waren unter sich alle einig bis aus einen ehemaligen Untermüller, welcher seine Unterschrist verweigerte." Ueber den Streik in der Eichbanm'sche» Schuhfabrik in Mainz ist zu berichten, daß erneute Verhandlungen abermals ohne Ergebniß blieben. Eichbaum weigert sich beharrlich, eine Verpflichtung zur anhaltenden Beschäftigung seiner Arbeiter und Arbeiterinnen zu übernehmen und beruft sich dabei auf seine Fabrikordnung, die ihm dies nicht auferlege und in ihren Para- graphen mit den Fabrikordnungen der anderen Mainzer Schuh- fabriken gleichlautend sei. Durch Kündigung von drei Ar- beitern und zwei Arbeiterinnen ist die Zahl der Ausständigen auf 34 erhöht. In Mülhausen t. E. dauert nach einem unS von dort zugegangenen Telegramm der Streik der Textilarbeiter ungeschwächt fort. Die Stimmung der Ausständigen ist gut. Zwischenfälle sind nicht vorgekommen. Die Harmonikastimmenmacher«. Nürnbergs sind in eine Bewegung eingetreten, deren Zweck die Verkürzung der Arbeitszeit ist. Auch einige Flaschner und Metalldrücker sind dabei betheiligt. Die auswärtigen Berufsgenossen werden um solidarisches Verhalten ersucht. Zur Aussperrung in Fürth. Der mittelfränkische Fabrik- inspektor, HerrRegierungsrathKopf, verhandelte am Donnerstag mit den Komitee's der ausständigen Holzarbeiter und Glasarbeiter. Die Arbeiter kamen wiederum einen Schritt entgegen und be- schränkten ihre Forderungen auf: eineinviertelstündige Mittags- pause, Wegfall der Vesper- und Frühstückspausen, wöchentliche Arbeitszeit von 53�/2 Stunden; vom 16. März 1897 ab eineinhalbstündige Mittagspause, wöchentliche Arbeitszeit 56 Stunden; für Ueberstunden ein Zuschlag von 25 pCt.; kein Arbeiter darf gemaßregelt werden; die Ausständigen ver- pflichten sich, keinen Streikbrecher zu belästigen; jeder Arbeiter soll an seinem früheren Arbeitsplatz beschäftigt werden. Die beiden Komitee's ermächtigten Herrn Regierungsrath Kopf, auf grund dieser Vorschläge einen Vergleich mit den Fabrikanten abzuschließen, erklärten aber auch zugleich mit aller Bestimmtheit, daß aus ein weiteres Entgegenkommen der Arbeiter nicht gehofft werden dürfe. Vevssrnunlungcn. Eiqe recht zahlreich besuchte Versammlung der Maler und Berufsgcnossen tagte am Montag in Cohn's Festsälen. Neber den Stand der Lohnbewegung referirte Link. Seinen Ansführuugen zufolge arbeiten gegenwärtig etwa 1300 Kollegen bei 250 SNeistern zu den neuen Bedingungen. Dies sei durch Meldungen bei der Lohnkommisston festgestellt. Man könne an- nehmen, daß außerdem noch etwa 200 Kollegen die Forderungen bewilligt erhalten haben, die sich aber der Kontrolle entziehen. Gegenüber dem Vorgehen der Jnnungsmeister, die bei jeder Ge- legenheit die von den Gehilsen gestellten Forderungen als über- triebene hinstellen, erörtert der Redner die bisherigen Arbeits- und Lohnverhältnisse im Malergewerbe, die einer Aufbesserung dringend bedürfen. Ferner meint der Redner, daß die gegenwärtige Lohnbewegung schon längst zu gunsten der Arbeiter entschieden wäre, wenn die Kollegen mit größerer Einmiithigkeit für die Forde- rungen eingetreten wären. Viele derselben hätten nicht einmal den Muth gehabt, ihren Arbeitgebern die Forderungen vor- zulegen, sondern sich nur auf das Eingreifen der Lohnkommission verlassen. Den Streik jetzt für beendet zu erklären, wie es manche Kollegen wünschen, liege durchaus keine Veranlassung vor. In der nächsten Zeit müsse allem Anschein nach die Frage nach Arbeitskräften bedeutend wachsen, weshalb eine Weiter- führung des Streiks, der immer noch gute Aussicht auf Erfolg habe, zu empfehlen sei. Man möge sich nicht dadurch ein- schüchtern lassen, daß in den letzten Tagen von dem unter Leitung des Herrn Dr. Freund stehenden Zentral- Arbeitsnachweis durch Säulenanschlag sowohl Maler, als auch andere Arbeiter von jetzt streikenden Gewerkschaften gesucht wurden. Es sei jedoch nicht gelungen, von jener Seite brauchbare Arbeits- kräste zu erhalten, auch habe Herr Dr. Freund nach Rücksprache mit dein Redner demselben erklärt, daß die fraglichen Annoncen ferner nicht mehr erscheinen sollten. Die Aufhebung des Streiks unter den gegenwärtigen Verhältnissen würde eine Thorheit sein, jedoch mache sich eine Aenderung bezüglich der Streikunterstützung nöthig, daß dieselbe nur den Kollegen zu zahlen fei, die wirklich streiken, nicht aber denen, die schon vor dem Streik arbeitslos waren und jetzt nicht einmal Arbeit auf dem Nachweis an- nehmen wollten, sondern es vorziehen, die Streikgelder einzn- heimsen. Der Redner schließt niit einer Aufforderung an die Kollegen, die sich der Bewegung bis jetzt noch nicht angeschlossen haben, nunmehr endlich ihre Schuldigkeit zu thun und die Forde- rungen durchführe» zu Helsen. Die Diskussionsredner erklärten sich alle sür Weiterführung des Streiks und kennzeichneten das Verhaltenj der Kollegen in den großen Werkstellen, die sich in unverantwortlicher Weise dem Streik ferngehalten hätten. Auch wurde bemerkt, daß wegen dieses Verhallens die in der Gewerbe-Ansstellung beschäftigien Maler von den übrigen Hand- werkern mit der gebührenden"Verachmng behandelt würden. Be- züglich der vom Referenten vorgeschlagenen Aenderung in der Streikunterstützung wurde von mehreren Rednern der Einwand gemacht, daß dieselbe ungerechtfertigt sei. da man doch nicht jedem Arbeitslosen den Vorwurf der Arbeitsscheu machen könne. Wenn beispielsweise qualifizirte Arbeiter verlangt würden, dann könne nicht jeder Kollege eine derartige Arbeit annehmen. Auch wurde bezweifelt, daß die Arbeitsgelegenheit augenblicklich so reichlich vorhanden sei. Wentker bemerkte dem gegenüber, daß alle auf dem Arbeitsnachweis Eingeschriebenen im Lause einer Woche Arbeit bekämen; jetzt seien nicht hundert Arbeitsuchende vorgemerkt, während dreißig bis vierzig täglich verlangt würden. Arbeitslose seien also fast gar nicht vorhanden. Da jetzt die Arbeit in der Ausstellung sehr drängt, so hält es Wentker für rathsam, den Streik in der bisherigen Weise weiter zu führen. Die Versammlung nahm hierauf folgende Resolution an:„In Erwägung, daß bereits etwa 1300 Kollegen zu de» neuen Bedingungen arbeiten, da serner die Arbeiten nach dem Qurtalsschluß drängen, die Unternehmer die Situation nicht beherrschen können, sondern unbedingt dem Druck der Arbeiter nachgeben müssen, beschließt die Versammlung: Der Streik ist in unveränderter Weise fortzuführen und sind Haupt- sächlich die größeren Werkstellen im Auge zu behalten, damit auch diese unsere Forderungen anerkennen müssen. Die Ver- sammelten beschließen ferner, von heute an die Streikunterstützung nur au thatsächlich streikende Kollegen zu zahlen, das heißt nur an solche, die die Arbeit niederlegten, wo unsere Tarif- bedingungen nicht bewilligt sind; auch ist die Streikunterstützung nur dann zu zahlen, wenn die Arbeitsniederlegung mit Beginn der Woche erfolgt. Der Beitrag zum Streikfonds beträgt von heute ab pro Mann und Woche 50 Pf., diejenigen Kollegen aber, die gearbeitet haben und ihren Verpflichtungen bezüglich der Marken a 2 M. noch nicht nachgekommen sind, haben die- selben unbedingt nachzuzahlen." Nach kurzer Debatte über die Maifeier wurde bezüglich derselben folgende Resolution an- genommen:„In Erwägung, daß, gemäß den Beschlüssen des Internationalen Kongresses zu Paris im Jahre 1839, der 1. Mai als Weltfeiertag der Arbeit und als Demonstration für den Achtstundentag gellen sollte, aber leider noch nicht die richtige Würoigung gefunden hat, beschließt die Versammlung: In diesem Jahre hat die Arbeit ini Malergewerbe am 1. Mai vollständig zu ruhen. Die dadurch entstehenden Konsequenzen hat jeder selbst zu trage». Die Versammelten sind sich der Tragweite ihres Be- schlusseS wohl bewußt, wissen aber auch, baß ohne Opfer kein« Erfolge erzielt werden können und werden deshalb mit aller Macht für die Durchführung des Beschlusses eintreten. Jeder Feiernde erhält in der!am 1. Mai stattfindenden Versammlung eine Marke als Legitimation." Die Musikinstrumenten-Arbeiter waren am dritten Feier- tag Vormittag in Sanssouci versammelt, um die Abrechnung der bis jetzt bestehenden Lohnkommission entgegen zu nehmen und Beschluß zu fassen über die in nächster Zeit zu stellende Forde- rung der Verkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden. Klein- lein erstattet im Auftrage der Kommission Bericht über die Ein- nahmen und Ausgaben der Kommission, welche die letzten Streiks führte. Jnsgesammt wurden nach diesem Bericht vereinnahmt 2193,97 M., verausgabt 1538,8 M. Der Bestand würde der neugewählten Siebener-Kommission überwiesen wer- den. Die eingelaufenen Anträge: zwei Revisoren zu wählen und den Bestand der neuen Kommission zu überweisen, werden angenommen: zu Revisoren werden dieKollegenP.Noack undFengler einstimmig gewählt. Im zweiten Punkt der Tagesordnung unter- breitet Arendt die Vorschläge der Kommission zur Vorbereitung des Achtstundentages, welche darin gipfeln, zunächst noch eine Anzahl von Agitationsversammlungen in den einzelnen Branchen abzuhalten, speziell in der Klaviatur- und Mechanikbranche. gleichzeitig damit sollen Fragebogen zur Aufnahme einer Statistik über die Verhältnisse in der Instrumenten- blanche ausgegeben werden, welche gleichzeitig Fragen enthalten, deren Beantwortung einer Urabstimmung über einen eventuellen Kampf für die Achtstundenbewegung gleich- kommt. Sollte diese Bewegung im Mai nicht zu stände kommen, so müsse die ganze Kraft der Jnstrumentenarbeiter daraus gelegt werden, die 52stündige Arbeitszeit, wie es den Tischlern gelungen ist, zu erringen. Die neugegründete Fabrikanten- Vereinigung, welche in der„Jnstrumenten-Zeitung" Mit« glieder werbe, um ihre Interessen„unparteiisch" zu ver- treten und um den schädigenden Streiks mit Erfolg entgegenzutreten, sei ein Wink für alle Kollegen, sich Mann für Mann der Musikinstrumentenarbeiter-Organi- sation anzuschließen. Voigt fürchtet, daß bei der Kürze der Zeit sich die erforderliche umfassende Agitation nicht mehr entfalten lasse, um erfolgreich in eine solche Bewegung eintreten zu können, er fordert die Versammlung aber dennoch auf, dieser Agitation ihre ganze Begeisterung zu widnien. Wetzel ist der Ansicht, daß sich in der Klaviatur-Branche die 52 stündige Arbeitszeit ohne Widerstand durchsetzen ließe und hält es für richtig, diese Branche allein vorgehen zu lassen. Kleinleiu tritt warm für die Ausrechterhaltung der Forderung des Achtstunden- tages und der Beibehaltung der Listensammlung ein, er ist der Ansicht, daß die Bildung des Fabrikantenvereins nur die Frucht der letzten Versammlung sei, welche den Beschluß faßte. den I. Mai durch strikte Arbeitsruhe zu feiern, der Zweck sei Vernichtung der Klavierarbeiter-Organisation und Maßregelung der Agitatoren. Grundmann wendet sich energisch gegen alle Sonderbestrebungen, besonders gegen ein Vorgehen euizelner Branchen und gegen die Aufstellung nicht gleichartiger Forde- rungen, er betont, daß nur eine allgemeine Bewegung aller Jnstrumentenarbeiter zum Siege führen könne; die Regelung der taktischen Fragen solle man der Kommission überlassen. Bonden nachfolgenden Rednern wird dafür eingetreten, daß die aufzu- stellenden Forderungen von jeder einzelnen Branche gesondert in Ver- sammlungen behandelt werden und an dem bestimmten Tage gemein- sam gestellt werden. Westermann meint, daß die Kommission erst die Ansicht der in den großen Fabriken arbeitenden Kollegen hören müsse, ehe es möglich ist, einen Beschluß zu fassen. Von dieser Erwägung ausgehend beschließt die Versammlung, schleunigst Branchenversammlungen einzuberufen. Ferner gelangt ein An- trag zur Annahme, daß in die Forderungen die Beseitigung des Zwischenmeistersystems aufgenommen wird. Der Vorsitzende Wustrow schließt die Versammlung mit dem Wunsche, daß die regste Agitation für diese Bewegung entfaltet wird und mit einem Hoch auf die Musikinftrumenten-Arbeiter-Bewegung. Ungefähr 2000 Putzer hatten sich gestern Nachmittag bei Keller, Koppenstraße, versammelt mit der Tagesordnung: Unsere Lohnbewegung und das Verhallen der Arbeitgeber. Nach dem Bericht von Schulz hat ein großer Theil der Unternehmer die Forderungen anerkannt, weigern sich aber theilweise. die Unter- schrist, daß sie die Forderungen bewillige», zu geben. Verschieden- Geschäfte erklärten sich schon deshalb mit der Bewegung ein- verstanden, weil sie der Meinung sind, daß dadurch die äugen- blicklich vorhandene Schmutzkonkurrenz beseitigt werden würde. Als erfreuliches Zeichen sei es auch zu betrachten. daß in letzter Zeit sich viele Kollegen der Organi- sation angeschlossen haben, umso mehr, als damit verhütet wird, daß das, was durch die Bewegung errungen wird, schließ- lich wieder verloren geht. Bisher sind von zwölf Firmen die Forderungen durch Unterschrift bewilligt worden, außerdem konnten von mehreren Rednern im Laufe der Diskussion noch weitere Firmen namhaft gemacht werden. Nach längerer Debatte, in der alle Redner aufforderten, fest zusammenzustehen, um einen ganzen Sieg zu erringen, wurde einstimmig beschlossen: den Beschluß der Versammlung vom 30. März aus- recht zu erhalten und überall dort die Arbeit niederzulegen, wo die in der betr. Versamm- lung aufgestellten Forderungen bis zum heutigen Tage nicht bewilligt worden sind. Die Lohnkommission bilden: Vogel, Kelpiu und Kurz- rock und haben dieselben das Recht, wenn nothwendig. geeignete Personen hinzuzuziehen. Jeder Arbeitende hat pro Ar- beitstag von seinem Verdienst 50 Pf. zur Unterstützung der Streikenden an die Kommission abzuliefern. Des weiteren wurde folgende Resolution angenommen: Die öffentliche Ver- sammlung der Putzer Berlins und Umgegend beschließt:„In anbetrachl der Thatsache, daß eine wirksame Kontrolle nur mög- lich ist, wenn geregelte Verhältnisse obwalten, ist es nothwendig, daß jeder Kollege, welcher die Arbeit niedergelegt wegen Nicht- bewilligung der Forderungen, sich sofort, im Slreikbureau meldet und sich ebenfalls dem Streikreglemcnt un- bedingt unterwirsl. Dagegen sind diejenigen von den Bauten, wo bewilligt worden ist, verpflichtet, sich sofort in den Besitz einer Arbeitskarte zu setzen, welche im Slreikbureau nach Vorlegung des Anerkenntnisses seitens der Arbeitgeber aus- gestellt werden. Jeder Kollege ist verpflichtet, den Ausweis über seine Zugehörigkeil zur Organisation bei sich zu führen." Das Bureau befindet sich bei Buske, Grenadierstr. 33. Nachdem Bömelburg-Hamburg in kurzen Ausführungen die Zu- stände im Baugewerbe geschildert und zum solidarischen Handeln ermahnt und auch der Vorsitzende D ä h n e nochmals auf die gefaßten Beschlüsse hingewiesen hatte, wurde die Versammlung mit einem dreifachen Hoch aus die Lohnbewegung der Putzer ge- schlössen. Depeschen und letzte Llncheichten. Bielefeld, 7. April.(Privat-Telegramm des„Vorwärts".) 2500 Arbeiter der Bielefelder Maschinenfabrik Dürkopp u. Co. beschlossen gegen eine Stimme die Arbeit niederzulegen. Pasing bei München, 7. April.(Privattelegr. des„Vorwärts.") Wegen Maßregelung eines Kollegen haben sämmtliche Arbeiter derRegensteiner'schenSchuhfabrikdie Arbeit nieder- gelegt. Sie sind alle organisirt. Arbeitersreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Prag, 7. April.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Der Parteitag der österreichischen Sozialdemokraten nahm eine Re- solution der Parteivertretung auf Wahlbetheiligung mit großer Mehrheit an. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey, Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilagen. 1 Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Kr. 8A. Mittnmch, den 8. April 1896. 13. Jahrg. GenrerNMznfts�Vongresse. Der erste Kongreß aller auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Handlungsgehilfen und »Gehilfinnen Deutschlands tagte am 5. und 6. April in Berlin im Saale der Ressource, Stallschreiberstr. 43. Der Saal war mit rvthen Fahnen. Bannern ec. festlich geschmückt Auf dem Kongreß sind LS Delegirte, welche 30 Städte vertreten. erschienen. Aus Oesterreich nahmen zwei Delegirte am Kongreß theil. Erster Tag. Sonntag, den 5. April. Nachdem Genosse Penn die Anwesenden begrüßt hatte, wurden in das Bureau gewählt: Lipinski-Leipzig, 1. Vorsitzender, Schreyer- Königsberg, 2. Vorsitzender, Dornberger-Nürnberg, Schriftführer Ter Vorsitzende verliest sodann mehrere eingelaufene Telegramme und Begrüßungsschreiben. Nunmehr wird in die Tagesordnung eingetreten und bildet den ersten Punkt derselben, der Geschäftsbericht der Agitations- kommission, welchen Genosse Penn erstattet. Derselbe rekapitulirt in kurzem die Geschichte der Freien Vereinigung Berlins, geht darauf ein, unter welchen Umständen die Agitationskommission gewählt und das Organ„der Handels- Angestellte" gegründet wurde. Es sei der Kommission gelungen, mehrere Vereinigungen in Deutschland zu gründen und in verschiedenen Städten ist die Sache so weit gediehen, daß die Gründung von Vereinen in nächster Zeit zu erwarten ist. Tischler giebt hierauf den Kassenbericht der Kommission. Bedauerlich ist es, daß die Kom- Mission bisher nur mit geringen Beträgen zu thun hatte. Der Kongreß wird sich darüber schlüssig machen müssen, wie in Zu kunft die Gelder aufgebracht werde» sollen. Er schlägt vor, um regelmäßige Einnahmen zu erzielen, daß die Vertrauensmänner angehalten werden, bestimmte Beiträge an die Agitation� Kommission abzuführen. In der sich anschließenden Diskussion wird von den einzelnen Delegirten ein Bericht über die Lage der Gehilfenbewegung in den einzelnen Städten gegeben und Hiera» der Vorschlag Tlscher zum Antrag erhoben und angenommen Der Kongreß ertheilt dem Kassirer Tischler Decharge. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung„Die Taktik" hat Josephsohn.Hamburg das Referat. Redner ist dagegen, daß man die Gehilfenvereine zu politischen Vereinen machen will Die Handlungsgehilsen sind eben aus anderem Holze geschnitzt wie die übrigen Arbeiter. Mit diesem Menschen- Material muß gerechnet werden. Es müssen unpolitische Standesvereine gegründet werden, die alle Handlungs- gehilfen in sich aufzunehmen in der Lage sind.— Blum- Berlin hat das Korreferat übernommen und wendet sich in scharfer Weise gegen die Ausführungen Josephsohn's. Von den Bertiner Kollegen ist Redner beauftragt, zu erklären, daß die Berliner ihre Taktik, die sie seit Jahren schon befolgen, ent» schieden beibehalten werden. Die Freie Vereinigung zu Berlin hat seit ihrem Bestehen immer nur darauf Gewicht gelegt, daß eine Besserung der Lage der Handlungsgehilfen nur im Anschluß an die allgemeine proletarische Arbeiterbewegung errungen werden kann. Redner wendet sich dann besonders gegen die Frankfurter Delegirten, welche auf Unterschristen- Mandat nach hier gesandt wurden, um für unpolitische Standes- Vereine nach Art des Frankfurter Vereins Propaganda zu machen. Die Taktik, die die Berliner verfolgen, ist denselben durch die Ver Hältnisse aufgezwungen worden, sie ist nicht von einzelnen Per- fönen gemacht worden. Die Handlungsgehilfen können auf rein gewerkschaftlichem Wege eine Verbesserung ihrer Lage nicht er- ringen; sie können nicht mit dem Mittel des Streiks oder Boykotts sich befassen. Die Handlungsgehilfen sind auf die Gesetzgebung angewiesen und darum müssen die Handlung� gehilfen sich mit der Gesetzgebung, mit der Politik beschäftigen Die einzige Partei, die stets und ständig und nur ganz allein die Forderungen der Gehilfen zu den ihrigen machte, war die sozialdemokratische Partei. Darum betrachtet die Freie Vereinigung Berlin als ihre Hauptaufgabe, der sozialdemokratischen Partei immer mehr und niehr Stimmen zuzuführen, damit immer mehr solche Abgeordnete in den Reichs- tag gewählt werden, die die Interessen aller Ausgebeuteten und so auch die Interessen der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen offen und ehrlich und mit der nöthigen Energie wahrzunehmen bestrebt sind. Redner ersucht daher, eine von ihm eingebrachte Resolution anzunehmen, welche den Anschluß der Handlungs- gehilfen an die Sozialdemokratie fordert. Da der Kongreß beschlossen hatte, den Punkt 4 der Tages- ordnung„Die Presse" hiermit zu verhandeln, so erhält das Wort hierzu der Redakteur Maaß. Redner geht auf die Verhältnisse der Presse näher ein und vertritt zugleich den von der Agitations- kommission gestellten Antrag, den„Handels-Angestellten" obliga torisch einzuführen. Dr. Q u a r ck- Frankfurt a. M. wendet sich nunmehr gegen die Resolution Blum. Die Frankfurter Delegirten sind mit dem ausdrücklichen Auftrage gewählt worden, sür die Taktik, die der Frankfurter Verein befolgt, einzutreten. Man darf die Handlungsgehilfen nicht vor den Kopf stoßen, indem man ihnen sagt, daß sie Sozialdemokraten sein müsse», um in den Verein eintreten zu können. Der Frankfurter Verein will die Mitglieder allmälig zu Sozialdemokraten erziehen. Wenn auch zur Zeit nur zirka 40 Sozialdemokraten im Franksurter Verein sind, so haben diese doch schon sehr viel gutes geleistet. Genosse Liebknecht hat selbst im sächsischen Landtage im Jahre 1880 einmal gesagt, daß es nöthig ist, daß Gewerkschaften gegründet werden, aber daß dieselben zu poli« tischen Organisationen nicht zu gebrauchen sein werden. Wir halten es auch für nöthig, daß die Handlungsgehilfen- Vereine Politik treiben, aber das braucht nicht Parteipolitik zu sein. Es ist nicht nöthig, daß der Handlungsgehilfe sich offen zur sozial- demokratischen Partei bekennt, wenn er dadurch Nachtheile zu befürchten hat. Der Handlungsgehilfe ist eben immer noch eher in der Lage, Prinzipal oder Agent zu werden, als der Industrie- arbeiter Fabrikant. Deswegen halten wir die Blum'sche Re- solution sür unannehmbar. Die Gehilfenvereine dürfen sich nicht auf diesen Standpunkt stellen, wenn sie nicht jeden Rückhalt bei den Gehilfen selbst verlieren wollen. Nach einer sehr lebhaften Diskussion, die sich bis um Vs3 Uhr hinzieht, und in der namentlich Engel-Wien, Schramm- Brünn, Preiß» Dresden, Lipinski» Leipzig und Daniel- Magve- bürg sür die Resolution Blum gesprochen haben, während die süddeutschen Genossen Jastrow-Mannheim, Donneberger-Stutt« gart und Breitenbach- München dagegen sprachen: gelangt folgende Resolution Blum in namentlicher Abstimmung zur Annahme: „In der Erkenntniß, daß es die erste Pflicht jeder auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Gewerkschaft ist, den Standesdünkel ihrer Mitglieder zu bekämpfen und die Solidarität aller Arbeiterkategorien zu fordern, in fernerer Er- kenntniß, daß nur mit Hilfe der Gesetzgebung eine Besserung der Lage der Handlungsgehilfen möglich ist und daß nur die sozial- demokratische Partei die Interessen der Handlungsgehilfen, wie aller Arbeiter vertritt, fordert der Kongreß die Delegirten aus, in ihren Vereinen dahin zu wirken. daß, wo es dem Gesetz nach möglich ist, offen der Anschluß an die allgemeine proletarische Arbeiterbewegung und an die Sozial- demokratie proklamirt wird, indem der Kongreß unpolitische Standesvereine als nicht aus dem Boden der allgemeinen Arbeiter- bewcgung stehend betrachtet und die auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehende Gehilfenschaft keine Veranlassung hat, Beziehungen mit diesen Standesvereinen, die eine Konzession an den Dünkel und Unverstand unserer Kollegen sind, zu unter- halten. Ferner gelangt der Antrag betreffs obligatorischer Einführung des„Handels-Angestellten" zur Annahme. Der Kongreß beschließt noch, ein Begrüßungstelegramm dem österreichischen Parteitag zu Prag und dem Lagerhaltertag in Leipzig zu senden und wird sodann die weitere Berathung vertagt. Ueber de» schweizerischen Gewerkschaftskongreß, der am Ostersonntag in Zürich abgehalten wurde, berichtet uns unser Züricher Korrespondent: Der Gewerkschaftskongreß fand im Schwurgerichtssaale statt. Wo sonst der„hohe Gerichtshof" sitzt, da nimmt auf den weichgepolsterten Sesseln das Bureau Platz, nachdem zuvor Genosse S e i d e l namens der Züricher organistrten Arbeiterschaft die Delegirten begrüßt hatte. Von Vertretungen sind anwesend die Genossen: Staats- a n w a l t Z g r a g g e n für die sozialdemokratischePartei, H u b er für die Züricher Typographia und D e i s i n g e r für die General- kommission der Gewerkschaften Deutschlands, der brüderliche Grüße überbringt und die schweizerischen Genossen zum Besuche des im Mai in Berlin stattfindenden Gewerkschaftskongresses einladet Die Geschäfte wurden rasch, ohne schleppende Debatten erledigt. Ueber die Thätigkeit des Bundeskomitees referirte Märiens und über die Kassenführung die Geschäftsprüfungskommission. Eine etwas längere Diskussion wurde über die Frage geführt, ob der internationale Sozialistenkongreß in London beschickt werden solle. Hierbei theilte Genosse Zgraggen mit, daß die schweizerische Sozialdemokratie vertreten werde durch den Veteranen der Partei, Genossen KarlBürkli in Zürich, und ein Metallarbeiter machte die Mittheilung, daß sein Beruf in London vertreten werde durch den Sekretär des internationalen Jnformationsbureaus der Metallarbeiter, Genossen Vogel- sanger in Winterthur. Der Kongreß beschloß fast ein stimmig die Entsendung eines Delegirten nach London, als welcher Genosse Seidel gewählt ist. Ebenso fast einstimmig wurde die Errichtung eines ständigen Sekretariats be- schloffen und soll der Sekretär, welcher der deutschen und fran- zösischen Sprache mächtig sein muß, auf den 1. Ja nuar 1807 gewählt werden. Als Vorort wurde trotz ablehnender Erklärung der Züricher Genoffen Zürich wieder- gewählt, nachdem die Vertreter von Bern und Winterthur die Uebernahme des Vorortes abgelehnt hatten. Einer Reihe von Städten wird das Recht eingeräumt, je einen Vertreter zur Er- Weiterung des Bundeskomitecs zu wählen und zwar Bern, Winterthur, Schaffhausen, St. Gallen, Chur, Basel, Aarau, Luzern, Biel, Genf, Lausanne und Chaux-de-fonds. Redaktions kommission für die„Arbeiterstimme" wird nach St. Gallen ver- legt. Für den ständigen Sekretär ivird ein Jahresgehalt von 2400—3000 Franks festgesetzt. In der Nachmittagssitzung theilte Präsident Kerl mit, daß 18ö Delegirte aus 142 Sektionen und 11 Zentral- verbänden anwesend seien. Genosse Lang referirte sodann kurz über den Stand des Projektes des sozialdemokratischen Tage- blattes. Nach seiner Meinung sollte mit dessen Herausgabe nicht früher begonnen werden, bis 20000 bis 30 000 Fr. beisammen sind, was vielleicht bis Ende dieses Jahres oder Ostern 1807 der Fall sein wird. Im Anschlüsse an das Referat wird längere Zeit darüber debattirt, ob die„Arbeiterstimme" nach Herausgabe des sozialdemokratischen Tageblattes weiter erscheinen soll, und dann beschloffen, zu diesem Zeitpunkt die„Arbeiterstimme" in ein wirklich gewerkschaftliches Blatt umzuwandeln, das sich auch mit den politischen Fragen beschäftigen soll, die eng mit der Gewerkschaftsbewegung zusammenhängen. Sie soll dann wöchentlich einmal erscheinen. Mit der sozialdemokratischen Partei soll in Unterhandlung getreten werden zum Zwecke ihres Verzichtes aus das Miteigenthümerrecht an der„Arbeiterstimme". Ein Antrag der Arbeiter der eidgen. Waffenfabrik in Bern, bei den Bundesbehörde» darauf hinzuwirken, daß sie ihre Arbeiten in den eidgen. Regiewerkstätten ausführen lassen sollen, statt sie den Privatgeschästen zu überweisen— wird dem Bundeskomitee zur weiteren Verfolgung überwiesen; desgleichen ein Antrag der Müller. darauf hinzuwirken, daß alle Mehl- und Reismühle», die mehr als einen Arbeiter beschäftige», unter das eidgenössische Fabrikgesetz gestellt werde». Ferner wird beschloffen, daß das Bundeskomitee Mittel und Wege suchen soll, gegen Tabakfabriken den Boykott zu organisiren, die die Rechte der Arbeiter mit Füßen treten. Ein Antrag des Schneider- Verbandes auf Nichtaufnahme von Schundinseraten in die„Arbeiter- stimme" führt zu dem Beschlüsse, Inserate nicht aufzunehme», wenn in den betreffenden Geschäften nachgewiesenermaßen schlechte Arbeitsverhältnisse bestehen. Einstimmige Annahme fand folgende vom Genossen Märiens gestellte Resolution:„Es wird das Bundeskomitee eingeladen, sich mit dem Bundesvorstände des schweizerischen Arbeiterbnndes in Verbindung zu setzen, damit das Arbeitersekretariat beauftragt werde, über die Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Konfektionsbranche eine Enquete zu veranstalten, um auf Grundlage derselben in möglichst kurzer Zeit die Gesetzgebungs-Behörden zu strengen Maßnahmen wider die sittlichen und wirthschaftlichen Auswüchse dieser Industrie zu veranlassen." Auf Antrag des Metallarbeiter- Verbandes wird beschlossen, auf die Einführung des Zehnstunden- tages im Fabrikgesetz auf dem Wege der Revision dieses Gesetzes hinzuwirke». Mit einem kurzen Schlußwort des Präsidenten Kerl und dreifachem Hoch aus die internationale Sozialdemokratie wurde der Kongreß abends K Uhr beendet. Lokales. An die Parteigenosse» von Moabit! Wir machen darauf aufmerksam, daß vom heutigen Tage ab die Parteispedition vor- läufig auf den Genoffen Albert Weise, Rostockerstr. 52, übertragen ist. Wir bitten an den bisherigen Spediteur Otto �empel, Lübeckerstr. 16, Gelder nicht mehr abzuliefern und blos olche Quittungen anzuerkennen, die vom Genossen Albert Weise. Rostockerstr. 52, unterzeichnet sind. Eine Klarstellung der Verhältniffe in der Parteispedition in Moabit, sowie die definitive Wahl des neuen Spediteurs erfolgt in der Parleiversammlung, die Donnerstag Abend Uhr in der Kronenbrauerei, Alt-Moabit 47/40, stattfindet. Berlin, 7. April. Der Vertrauensmann: Klose. Ueber die Reinlichkeit in den Schulen hat Dr. T h. W e y l in seinem in der letzten Sitzung der„Deutschen Gesell- chaft für volksthümliche Naturkunde" gehaltenen Vortrage(vgl. den Bericht in Nr. 76,„Wie erhalten wir die Schuljugend gesund?") mit bezug auf die deutschen und speziell die Berliner Verhältnisse wieder ein sehr herbes Urtheil allen müssen. Ani schlechtesten kamen dabei, wie sich denken läßt, die Volksschulen weg, obenan die Berliner G e- meindeschulen. Sie stehen im Punkte der Reinlichkeit, und noch in manchem andere», weit hinter den englischen peziell den Londoner Volksschulen zurück, über die vor einigen Monaten in der„Deutschen Gesell- schaft sür öffentliche Gesundheitspflege" Dr. K o h l m a n n aus Hamburg in feinem Vortrage„Schulhygiene in England" berichtete. Das englische Schulkind ist nicht nur an reinere Luft gewöhnt, sondern es wird ihm auch größere Reinlichkeit des Leibes und der Kleidung anerzogen. Die Londoner Volksschulen besitzen Badevorrichtungen zwar auch nur ausnahmsweise, dafür ist aber in jeder derselben ein großer Waschraum mit einer großen Zahl von Waschbecken vorhanden. Sobald die Kinder die Schule betreten, begeben sie sich zuerst in diesen Raum, um sich sofort Gesicht und Hände zu waschen. Dasselbe geschieht regelmäßig nach gewissen Lehrstunden, z. B. nach dem Unter- richt in Handarbeiten. Neben jeder Waschschüssel hängt ein Handtuch; außerdem liegt für jedes Kind ein numerirter Kamm bereit. Selbst zu Ausspülungen des Mundes und Reinigung der Zähne werden die Kinder in der Schule angehalten. Durch Reinlichkeit zeichnen sich auch die Schul- zimmer aus. Der Fußboden ist meist hartes, geöltes Holz auf Betonunterlage. Die Wände sind bis 1,20 Meter Höhe mit glasirten Fliesen bedeckt, weiterhinauf mit Oelfarbe gestrichen. Tische und Bänke sind so eingerichtet, daß sie die Reinigung er- leichtern. Man darf allerdings vermuthen, daß auch in London i» den Volksschulen nicht alles so vollkommen sein wird, wie in den höheren Schulen. Trotzdem können die Londoner Volks- schulen, wie man sieht, den Berliner Gemeindeschulen, von denen Dr. Weyl sagte, daß sie die Kinder geradezu an Unsauberkeit gewöhnen, als Muster dienen. Von den in Berliner Schulen be- stehenden äußerst primitiven Waschvorrichtungen sagte Weyl, daß man den Kindern rathen möchte,— sie lieber nicht zu benutzen.' Von der Serumbehandlnng im Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kinder-Krankeuhause. Aus dem fünften Jahresbericht dieses Instituts ist zu entnehmen, daß 1395 im ganzen 11 480 Kinder behandelt worden sind, davon stationär 2640, von denen 443 gleich 16,7 pCt. starben. Die glücklichsten Erfolge hatte das Krankenhaus infolge der allgemein durchgeführten Serum- behandlung bei der Diphtherie aufzuweisen. Während die Diphtherie-Sterblichkeit in den ersten drei Jahren des Be- stehens des Hauses durchschuittlich 37,63 pCt. betrug, sank sie 1804 auf 27,3 pCt. und betrug im letzten Jahre bei 538 Fällen nur noch 11,2 pCt. Außer den in der Anstalt behandelten Kranken wurden noch 460 Kinder zum Zwecke der Jmmunisirung mit Heilserum geimpft, von diesen erkrankten zwar nachträglich achtzehn, jedoch meist leicht, und keines dieser Erkrankten ist gestorben. Viel ungünstiger stellten sich die Erfolge bei»» Scharlach. Im Laufe des Jahres wurden 306 Scharlach- kranke aufgenommen, gegen 177 im Vorjahre. Davon sind 25,1 pCt. gestorben. Das dem Krankenhause aus Paris bereit- willigst unentgeltlich zur Verfügung gestellte Scharlach-Serum, das Dr. Marmorek'sche Antistraytococcen-Serum, hat sich bisher noch nicht bewährt, es sind sogar völlige Fehlschläge nicht aus» geblieben. Die 7. städtische(früher Louisenstädtische) Fort- bildungsschulc für Mädchen, welche seit 14 Jahren für Weiter- bildung und Erwerbsfähigkeit der weiblichen Jugend arbeitet, beginnt ihr Sommersemester am 12. April er. Die Unter- richtsfächer sind: Deutsch(Rechischreibung, Briefstil, Aufsatz, Lektüre), Schönschreiben, kaufmännisches Rechnen, ein» fache und doppelte Buchführung, gewerbliches Zeichnen, Gesang, Turnen, alle Arten weiblicher Ha n d- arbeiten, wie Hand- und Maschinennähen, Wäsche- zuschneiden, Stopfen, Ausbessern, Weiß-, Bunt-, Platt- und Kunststickerei, Plätten, Schneidern und P u tz m a ch e n. Außerdem wird Französisch und Englisch für den mündlichen und schriftlichen Gebrauch gelehrt, auch die Steno- g r a p h i e nach Stolze und Uebung im Gebrauch bewährter Schreibmaschinen erworben. Das Schulgeld beträgt monatlich 50 Pf. resp. 1 M. Anmeldungen neuer Schülerinnen Nachmittag von 6 Uhr ab im Amtszimmer der 42. Gemeinde-Schule. Naunynstr. 63, nahe der Adalbertstraße, beim Rektor Zander. Der Gewerbesaal, Abth. 6, und die Tischlerschule. Abth. 5. beginnen am 12. April d. I. in den Räumen der 151. Gemeinde- schule, Reichenbergerstraße 131/132, den Unterricht sür das Sommer-Semester.— Maschinenbauer, Präzisions- und Elektro- Mechaniker, Kunst- und Bauschlossor, sowie Angehörige ver- wandter Gewerbe können sich hier im Fachzeichnen. Entwerfen und Projizieren ausbilden.— Die Tischler werden im Freihand- zeichnen, Projektionszeichnen, Gipszeichnen, in Holzverbindnngs- und Formenlehre, im Fachzeichnen für Tischler und Drechsler unterrichtet. Die Unterrichtszeit fällt auf die Abende der Wochen- tage und den Sonntag Vormittag. Anmeldungen für Gewerbe- saal und Tischlerschule nimmt der Rektor Schünemann wochen- täglich von 7—3 Uhr abends und Sonntags von 9—10 Uhr vor- mittags im Amtszimmer der 151. Gemeindeschule, Reichcnberger- straße 131/132, entgegen. Der Botanische Garten ist in diesem Sommer wieder an jedem zweiten Sonntag der Monate April bis September nach- mittags von 2—7 Uhr geöffnet. Die an diesem Tage zu be- sichtigenden Gewächshäuser und andere gesperrten Anlagen werden durch Anschlag am Eingang des Gartens bekannt gemacht. Im April sind Montags und Donnerstags einer jeden Woche das Kamelicnhaus, das sich daran anschließende Gewächshaus sür tropische Nutzpflanzen und ein Kalthaus mit neuholländischen und Kap-Pflanzen von 4—7 Uhr nachmittags zu besichtigen. I» der Angelegenheit des Botanische« GartenS er- klärte Oberbürgermeister Zelle einer Deputation von Anwohnern, die Absicht des Finanzministers, den Botanischen Garten der Bebauung zu überliefern, sei schon deshalb unausführbar, weil die Stadt Berlin wegen des derselben gehörenden an der Pallas- straße liegenden Terrains, der sogenannten Maske, die Fest- setzung von Baufluchtlinien wie überhaupt die Durchlegung von Straßen nie und nimmer genehmigen würde. Durch Selbstmord endeten, wie die„N. A. Ztg." meldet. im Jahre 1895 in Berlin 457, in Charlottenburg 40, zusammen also 497 Personen, davon 363 männlichen und 129 weiblichen Geschlechts. Im Vergleich zum Jahre 1394 weist die Gesammt- zahl ein Weniger von 54 auf. Was die Todesart betrifft, so wurde von den Lebensmüden im Verhältniß am ineisten der Tod durch Erhängen gesucht und zwar in 196 Fällen; die nächst- größte Zahl ist die der Selbstmörder durch Schußwaffen, nämlich 92. Fast eben so viel, nämlich 91, suchten den Tod im Wasser. 52 tödteten sich durch Sturz aus dem Fenster. 50 endeten ihr Leben durch Gift. 11 brachten sich tödtliche Verletzungen mit dem Messer bei, und 5 wählten den Tod durch Einathmen von Leuchtgas.— Selbstmordversuche, die den Tod nicht zur Folge hatten, begingen 229 Personen, darunter 134 männliche und 95 weibliche. Von diesen versuchte beinahe die Hälfte sich zu ertränken. Zum Falle Friedmann wird der„Voss. Ztg." aus P a r i s berichtet: In Angelegenheit der von der deutschen Regierung be- antragten Auslieferung des Dr. Fritz Friedmann hat der Ver- treter Friedmanu's Rechtsanwalt Laine in seinem Schriftsatz an den französischen Justizminister darzuthun versucht, daß die deutsche Reichsregierung Friedmanu's Auslieferung lediglich wegen seiner vorbereiteten Flugschrift über den Fall Kotz- fordere, die Anfrage deZ betrügerischen BankbruchZ dagegen bloßer Vorwand sei. Der Bankbruch sei schon 18S9 erfolgt. Friedmann habe sich mit seinen Gläubigern verglichen und nachher noch sechs Jahre seinen Anwaltsberuf in Berlin ausüben können. Die Anklage falle also in sich zusammen. Ebenso verhalte es sich mit der angeblichen Unterschlagung. Der einzige angeblich Geschädigte, Gottlieb Berger, der 6000 M. zurückverlange, habe diesen Betrag als Darlehn hergegeben und mit S v. H. regelmäßig verzinst bekommen. Es sei ein einfaches Schuldverhältniß und von Unterschlagung keine Rede. Laine beantragte Verweigerung der Auslieferung.— Ein anderes hiesiges Blatt berichtet, daß Frau F r i e d m a n n für die Kolonialausstellung als.Repräsentationsdame" engagirt sei. Was fiir naive Leute selbst noch unter den Arbeitern zu finden sind, zeigt ein von der„Volks-Zeitung" gemeldeter Vorfall. Vor einiger Zeit war von dem Bergarbeiter Kampofsky berichtet worden, daß er sich auf der Zeche, wo er beschäftigt war, bei dem vorjährigen Bismarcktrubel durch einen Böllerschuß schwer verletzt habe; für den erlittenen Unfall sei ihm auch schließlich vom Reichs-Versicherungsamt eine Rente von 31,40 M. monatlich zugebilligt worden. Da er hiervon natürlich nicht einmal sich selber, geschweige denn seine Familie ernähren konnte, so nahm er den Scherz einiger Freunde, sich an Bismarck um Hilfe zu wenden, ernst und bat den millionengesegneten Heros um eine kleine Unterstützung in seiner Roth. Selbstverständlich erhielt er vom fürstlichen Sekretariat die Antwort, daß er abschlägig beschieden sei und vom Fürsten nichts zu erhoffen habe. So wenig der Ulk, den die Freunde des Arnren getrieben haben, gebilligt werden kann, ebenso wenig kann man auch den Scherz gutheißen, den die„Volks-Zeitung" sich nunmehr mit ihm macht. Das Blatt täuscht den Bergarbeiter nämlich mit der vagen Hoffnung, daß vielleicht einige Bismarckschwärmer sreigiebiger als ihr Herr und Meister an dem jetzt in Lichten- berg 21 wohnenden Manne handeln werden. Gerade als ob solches nicht einer Todsünde gegen die heutigen Gebote der Millionärszüchtung gleichkäme. Ein Mordversuch hat in C h a r l o t t e n b u r g die Festtagsruhe gestört. Der am 23. Januar 1881 zu Charlotten- bürg geborene Heinrich Nier, der bei seiner Mutter und seinem Stiefvater, dem Feuermann Müller in der Potsdamerstr. 36 zu Charlottenburg wohnt, versuchte es. seine Geliebte, die am 17. September 1879 ebenfalls zu Charlottenburg geborene Anna Heise, die elternlos ist und bei dem Bäckermeister Schlosser in der Sophie-Charlottenstr. 93 zu Charlottenburg in Dienst steht, durch einen Revolverschuß zu tödten. Anna Heise war früher in der Plättanstalt von Schult in der Potsdamerstr. 36, wo Nier wohnt, beschäftigt und trat erst vor 14 Tagen ihren neuen Dienst bei Schloffer an. Sie war vor sechs Wochen mit Nier bekannt geworden. Als Frau Schult von dem Liebes verhältniß hörte, entließ sie das Mädchen, weil ihr dessen Um gang mit dem jungen Bengel nicht gefiel und da Anna Heise außerdem lügenhaft war. Seitdem seine Geliebte bei Schlosser war, erschien dort Nier wiederholt aus dem Hofe, ohne Gelegen- heit zu finden, mit ihr zu sprechen. Der Bäckermeister wollte das Liebesverhältniß ebenso wenig wie Frau Schult und ließ das Mädchen nicht ausgehen. Nier aber glaubte, seine Geliebte wollte das Verhältniß lösen, und zwar aus Furcht, auch von Schlosser wieder entlassen zu werden, wenn sie es fortsetze, und war infolgedessen sehr aufgebracht. Am 1. Feierlag, kurz vor3Uhr abends klopfte es bei dem Mädchen ans Fenster. Es war Nier, der seine Geliebte aufforderte, zu ihm herauszukominen. Als sie sich weigerte, da sie nicht ausgehe» dürfe, rief ihr Nier zu:„Du willst blos nicht!", zog plötzlich einen Revolver ans der Tasche und gab nach dem Kopfe der Geliebten einen Schuß ab. Zum Glück traf nicht die volle Schrotladung, sondern nur ein Theil. Dieser verwundete das Mädchen am rechten Auge, aber nicht lebensgefährlich. Nier lies gleich davon, ohne sich nach der Wirkung seines Schusses ninznsehen, und wurde nicht verfolgt, da der herbeigeeilte Schlosser und die Seinen sich zu- nächst der Verwundeten angenommen. Diese brachte man nach der Sanitätswache in der Scharrnstraße. Nachdem sie hier einen Nothverband erhalten hatte, führte Schlosser sie mtt der Stadt- bahn nach der königl. Klinik in der Ziegelstraße. Frau Schlosser hatte unterdessen zur Revierpolizei geschickt. Als diese um 10 Uhr abends in der Müller'schen Wohnung erschien, lag der jugend- liche Verbrecher im Bette und schlief, als ob nichts vorgefallen wäre. Die Beamten holten ihn aus dem Bette heraus und über- lieferten ihn der Kriminalpolizei. Seine Mutter ist untröstlich. da sie geglaubt hatte, an diesem Sohne einmal eine Stütze zu finden, deren sie umsomehr bedarf, als ihr zweiter Mann schon feit fünf Jahren krank ist. Die Treptower Chaussee ist gestern vom Hauptportal bis zum Endpunkt der Ausstellung gesperrt worden. Eine ItngliickssteUe für die Pferdebahn ist die abschüssige Strecke der HermanUstraße beim Rollkrug in Rixdorf. Schon vor einigen Wochen kam es dort einmal zu einem so heftigen Zusammenstoße zweier Wagen, daß ein Mann und eine Frau von der vorderen Plattform auf das Straßenpflaster flogen und eines der Pferde zu Tode gefahren wurde. Am 2. Feiertage gegen 6 Uhr nachmittags liefen in ähnlicher Weise wie damals wieder zwei Wagen auf einander. Als gerade drei Wagen der Linien Knesebeckstraße-Hermannsplatz und Britz-Moritzplatz sich kurz hintereinander aus der schiefen Ebene folgten, kreuzte unten am Gefälle ein Wagen der Linie Weißenburgerstraße- Hermannsplatz die Bahn, um an seine Haltestelle zu fahren. Das zwang den ersten der drei Wagen, zu bremsen, und infolge- deflen lief, als er, nachdem die Bahn frei geworden war, nicht rasch genug wieder in Bewegung kam, der zweite auf ihn aus. Der Anprall war so stark, daß die eisernen Brüstungen der beiden Plattformen sich vollständig verbogen und mehrere Fenster- scheiden in tausend Stücke gingen. Ein Kind wurde durch einen Glassplitter am Gesichte verletzt, die übrigen Fahrgäste kamen mit dem Schrecken davon. Die Pferde blieben unbeschädigt, die Wagm waren dagegen so stark mitgenommen, daß sie außer Dienst gestellt werden mußten. Der langjährige Oberarzt der UniversitätS- Kinder- Poliklinik der königl. Charitee. Herr Dr. Hauser. hat am 8. d. M. in dem sog. Johanneum, dem Hause Johannesstr. 15, eine Poliklinik für kranke Kinder eröffnet und wird seine Sprech- stunde für Kinder Unbemittelter täglich von 1—2 Uhr abhalten. Elise Sah, die vor acht Tagen gemeinsam mit ihrem Bräutigam, dem Kaufmann Ernst Rincke, in den Tod gegangen ist, wurde am ersten Feiertage, nachmittags um 3 Uhr, auf dem Neuen Louisenstädtischen Kirchhofe beerdigt. Es war der Mutter doch gelungen, einen Pastor zu finden, der die Leiche einsegnete. Vier helle Berliner Jungen haben den Weidenweg 97 wohnhaften Milchhändler Paschen vor erheblichem Schaden bewahrt. Es war am Montag Vormittag in der zehnten Stunde, als der mit der Versorgung der Kundschaft beschäftigte Schwager des P. vor einem Hause in der Rigaerstraße mit seinem Milchfuhrwerk hielt und Milch abtrug. Die kurze Abwesenheit des jungen Mannes benutzte ein Gauner, sich auf das Fuhrwerk zu schwingen und damit in der Richtung nach Lichtenberg, wie bemerkt worden war, davonzujagen. Der Inhaber des Wagens, der Schwager des P., versuchte zunächst vergeblich in dem zunächst gelegenen Polizei» Revierbureau den Vorfall zur Meldung zu bringe»; er wurde aber nach seinem zuständigen Polizeibureau, dem 66., in der Frankfurter Allee, verwiesen.(? R. d.„V") Dort wurde zwar die Meldung angenommen, doch be- deutete man ihm, sich nach Lichtenberg zu begeben und dort die Gendarmerie in Anspruch zu nehmen. da keine telephonische Verbindung mit den Vororten bestehe.(? R. d.„B.") Der junge Mann begab fich daraufhin nach Lichtenberg und machte dort drei ihm persönlich nicht bekannte Gendarmen mit seinem Anliegen bekannt, erhielt jedoch von allen denBescheid, daß sie keine Zeit hätten, sie müßten zum Rennen nach Karlshorst. Nach- dem er»och in Erfahrung gebracht, daß auch der Gendarmerie- Wachtmeister ausgeritten fei, trat er unverrichteter Sache seinen Heimiveg an. Dem Gauner, welcher während dessen seine Fahrt fortsetzte, begegneten auf seiner ziellosen Irrfahrt vier Berliner Burschen, welche auf dem Wege nach Karlshorst waren. Sie sprachen den falschen Milchsuhrmann um Mitnahme nach Karls- Horst an. welches jener auf Befragen als sein Ziel angegeben hatte. Ihr Wunsch wurde ihnen auch gewährt und so stiegen sie auf. Das Gebahren des Milchkutschers unterwegs, seine Orts- uukenntniß:c. erweckten aber bei den jungen Leuten Verdacht, sie vermutheten ganz richtig, daß das Fuhrwerk gestohlen worden sei und beschlossen insgeheim, den Gauner dingfest zu machen. Unter dem Vorwande, den Weg genau zu kennen, übernahm der älteste der Burschen die Leitung des Gefährtes, und nun ging es auf allerlei Umwegen wieder nach Berlin zurück. Dem ersten ihnen begegnenden Schutzmann wurde das Fuhrwerk sammt dem Gauner übergeben, welch letzterer nunmehr hinter Schloß und Riegel sitzt und feine That freimüthig eingestanden hat. Es ist dies ebenfalls ein junger Bursche. welcher sich, von Breslau kommend, bereits zwei Monate in Berlin umhergetrieben hat. Paschen hat sein Eigenthum, welches wenig Schaden erlitten hat, so durch den beherzten „Berliner Jungenstreich" zurückerhalten. Allerdings haben die Urheber dieses Geniestreichs von dem Reimen in Karlshorst nichts zu sehen bekommen. Ueber eine neue TpczicS von Gaunern ist der Kriminal- polizei folgende Meldung zugegangen: Vor etwa 10 Tagen wurde das Verschwinden eines 15 jährigen, in einem Geschäft angestellten Knaben namens M., dessen Eltern in der Höchstestraße wohnen, gemeldet. Er hatte sich am Abend vom Geschäft entfernt und war nachdem nicht mehr gesehen worden. Mit einem in der Presse erlassenen Aufruf war natürlich eine genaue Beschreibung des Verschivundenen verbunden. Am Tage darauf meldeten sich bei der Mutter des Knaben nacheinander 2 Männer und eine Frau, welche angaben, daß der vermißte Knabe im Geschäfte Unterschlagungen begangen und aus diesem Grunde von der Polizei verfolgt werden solle. Nur wenn Frau M. sich entschließen würde, dem Chef die geschädigte Summe zu ersetzen, so werde von einer Strafanzeige Abstand genommen und der Rückkehr des Knaben ein Hinderniß nicht in den Weg gelegt werden. In diesem Falle glückte der Schwindel jedoch nicht, da Frau M. sich selbst zu dem Chef begab und so vollkommene Ausklärung schaffte. Die Angelegenheit hat übrigens damit ihre Erledigung gefunden, daß der Verschwundene selbst zurückgekehrt ist. Daß die erwähnte» Gauner ihre Schwindeleien gewerbs- mäßig ausübe», geht aus einer Anzahl der Kriminalpolizei über- mittelter Meldungen über ganz gleiche Vorgänge hervor. Ein Haar haben 216 junge Männer, darunter 130 geborene Berliner, im M i l i t ä r d i e n st gefunden. Sie haben den Polizei- und Mililärstaat verlassen, ohne daß sie ihrer„Dienst pflicht" genügten und sind daher von der 7. Strafkammer am Landgericht I zu je 160 M. Geldstrafe verurtheilt worden. Ferner werden 193 Wehrpflichtige, darunter 151 mit Spreewasser getaufte, unter der Beschuldigung, ohne Erlaubniß das Bundesgebiet ver- lassen zu haben oder nach erreichtem militärpflichtigen Alter sich noch außerhalb des Bundesgebiets aufgehalten zu haben, auf den 27. Juni nach Moabit vor die 9. Strafkammer zur Haupt Verhandlung geladen. Auch diese werden ein Land aufgesucht haben, wo man der Vorladung nicht Folge zu leisten braucht. Traurige Folgen hatte für den Grenadier Behne von der 5. Kompagnie des 3. Garde-Regiments zu Fuß ein Osterurlaub, den er selbst nahm. Da Behne am ersten Feiertage keine Er- laubniß erhielt, auszugehen, verließ er ohne sie die Kaserne und kehrte erst um 3 Uhr morgens am zweiten Feiertage zurück. Als er an der Zeughofstraße über die Mauer in den Kasernenhof steigen wollte, fiel er in das Strauchwerk, das längs der Mauer steht, hinab und brach sich den rechten Arm. Der Verletzte schleppte sich in seine Stube hinauf, machte in der Frühe selbst Meldung von dem Unfälle und gestand auch ein, wie er dazu gekommen war. Er wurde in das Garnisonlazareth II zu Tempelhof gebracht. Der Grenadier Thröhler vom Kaiser Alexander-Regiment, über dessen wiederholte Weigerung, ein Gewehr anzufassen, wir vor kurzen« berichteten, ist am Mittwoch zum dritten Male aus dem Militärarrestgebäude nach Spandau auf die Festung gebracht morden. Was für eine Strafe er bekommen hat, ist noch nicht bekannt geworden: die letzte betrug ein Jahr. Dem armen Teufel bekommt die Religion, welche dem Volke erhalten werden soll, sehr schlecht. Die Verwaltung der Bauhandwerker- Kasse bittet uns, der Berichtigung in Nr. 61 hinzuzufügen, daß sie von dem Arzt erwartet hätte, er würde sich wegen der entstandenen Differenz erst mit der Verwaltung ins Einvernehmen gesetzt haben, statt sofort an die Oeffentlichkeit zu gehen, dann würde man sich wohl auch verständigt haben. Wir wollen wünschen, daß es zu der- artigen Differenzen nicht mehr kommt. Trübe Ostern hat die Familie des Schlossers und Gym- nastikers Kühn aus der Reichenbergerstt. 72 gehabt. Als Kühn, der im Sommer seinem Artistenberufe nachgehl und im Winter die Schlosserei betreibt, am Sonnabend wie gewöhnlich zur Arbeit gegangen war, schickte seine Frau die drei ältesten Kinder im Aller von 10, 8 und 4 Jahren zum Spielen auf die Straße und blieb mit dem jüngsten, einem Töchterchen von 1'/» Jahren, allein in der Wohnung. Unz 11 Uhr vormittags verließ der zweite Sohn die beiden anderen, um zur Mutter hinauf zu gehen. Kaum hatte er die Wohnung, die von der Mutter nicht verschlossen worden war. betreten, als er wieder umkehrte und laut weinend zu den Flur- nachbarn gelausen kam. Diese fanden in der Kühn'schen Stube ein Bild von erschütternder Wirkung vor. Die Frau hing leblos an einem Trapez, an dem ihr Mann im Winter zu üben pflegte und das sie von einem Stuhle aus erstiegen hatte, während das kleinste Kind, nicht ahnend, was für eine Katastrophe sich neben ihm abgespielt hatte, spielend am Fußboden saß. Frau Kühn hatte in einem Anfalle von Nervenerkrankung, an der sie schon einige Jahre litt, ihrem Leben ein Ende gemacht. Ein großer Auflauf entstand Montag Abend zwischen 3 und 9 Uhr in der Gertraudtenstraße, als sich ei» junges Mädchen von der Gertraudtenbrücke kopfüber ins Wasser der Friedrichs- gracht stürzte. Leute, die den Vorgang sahen, machten sich gleich an die Reltungsarbeit und entzogen auch die Lebensmüde wieder dem nassen Elemente. Ein Schutzmann brachte sie mit einer Droschke in ein Krankenhaus. Hier wurde sie festgestellt als die 23 jährige Schneiderin D. S. aus der Kleinen Frankfurter- straße. Die Veranlassung zu dem Selbstmordversuche ist Unglück- liche Liebe. In der Kunsthandlung von Fritz Gurlitt, Leipzigerstr. 131, ist am Freitag Abend ein Einbruch verübt worden. Glücklicher- weise konnten die Diebe in die Ausstellungsräume selbst nicht gelangen; sie mußten sich auf das Bureau beschränken. Hier hausten sie wie Vandalen. Eine werthvolle weiße Marmorbüste wurde mit Tinte besudelt, alle Schubfächer wurden geöffnet, Briefe, Papiere ic. durcheinander gebracht, der Fußboden«. mit Tinte beschmutzt. Der Geldschrank widerstand, und nur eine kleine Portotasse und für etwa 5 M. Briefmarken sielen in die Hände der Diebe. Bis jetzt fehlt von den Thälern jede Spur. Drei Finger wurden am Sonnabend Nachmittag dem 26jährigen Bucbbinder Paul Reinhard aus der Metzerftraße ab- gequetscht, der in der Kroll'schen Buchdruckerei in der Sebastian- straße beim Putzen der Maschine mit der rechten Hand in die Kammräder gerieth. Vorläufig aus der Haft entlassen wurde der frühere Privatsekretär von Fritz Friedmann, Herr v. Langen- Allenstein, der, wie gemeldet, vor kurzem in einem Hamburger Hotel ver- haftet und wegen Beleidigung eines hohen Beamten in Magde- bürg dort zu zwei Monaten Gesängniß verurtheilt worden war Witternngsüberficht vom 7. April t8SS. Wetter-Prognose für Mittwoch, den 8. April 189S. Ziemlich mildes, vorherrschend wolkiges Wetter mit leichten Regensälle» und schwachen westlichen Winden. berliner Wetterbureau. Vunlk und IVissensifruft. Sudcrmaun's„Glück im Winkel". Gestern noch hat man so rebellisch gethan, und heute preist man friedfertig und verträglich die Poesie des Glücks im Winkel; eine karge,«ine freudlose Poesie, in der es kein Jauchzen giebt und kein Fluchen. Rasch, allzu rasch, ist der Jugendmuth verraucht, seine Kraft war wohl nicht echt; und statt seines befeuert,» Schwungs ertönt wiederum die allkluge Weisheit: Lern' Dich be- scheiden! Sei ergeben! Man hat das Schauspiel„Glück im Winkel", das am Sonnabend zum ersten Male im Lessing-Theater gegeben wurde, die reifste Schöpfung Sudermann's genannt. Das ist in gewissem Sinne richtig, weil in Sudermann's jüngstem Idyll sein poetisches Wollen mit seinem Können am ehesten im Einklang steht. Aber was taugt das schwächliche Wollen? Was taugt es vor allem dem, der zur bußfertigen Glück-im-Winkel-Poesie keinen Standpunkt findet? Im Mittelpunkt des Sudermann'schen Dramas steht ein Weib, jung, schön, bewegten Geistes voll, geformt zur Lebens- tust; und dieses reiche, warme Leben soll in seinen Säften ver- dorren, ein Mensch, der um sein natürliches Anrecht betrogen ist, soll sich eine bettelhafte Heimstätte verschaffen, die Hände ineinander- falten und mit Bettlerdemuth ausrufen: Vergelt's der Herr? Warum nur? Ein Fröstelnder tritt ein: man entzündet zwei Kiehnspähne Und sagt zu dem Frierenden: Komm, guter Freund, und wärm' Dich an meinem prächtigen Feuerchen! Gewiß. Kunderts von Geschöpfen, wie Frau Elisabeth im Sudermann's Schauspiel, verkümmern und verdorren; man stiehlt die Kräfte, die von der Natur in ihre Seele gelegt waren; was sich jung und feurig und begehrlich in ihnen regte, das hat man erbarmungslos zertreten. Sollen die Miß- handelten dafür dankbar sein; und wenn ein Mensch, wie ein gepeitschter Hund in irgend eine Ecke flüchtet: soll er dann sein Glück im Winkel lobpreisen? Ich glaube, wenn Frau Elisabeth ein wirkliches Wesen von Fleisch und Blut wäre, sie würde auf die schönsten Psalmen des Autors, der das Glück des Entsagens predigt, erwidern:„Vergebens sprichst Du viel, um zu versagen. Der andere hört von allem nur das Nein!" Frau Elisabeth ist eine Deklassirte. Ms armeS Mädchen mußte sie sich bei adeliger Verwandtschaft herumdrücken, und als der wilde, gierige Raubthiermcnsch Freiherr von Röcknitz, ein Musterexemplar eines Weftkalmücken, ihre Sinne in Ver- wirrung bringt, da reicht sie einem alternden Schulmeister, der eine halbwüchsige blinde Tochter und zwei Knaben hat, die Hand, um sich vor dem ostpreußischen Junker zu retten. Sie zieht mit ihrem Schulmeister in ein enges Heim, in eine kleine Landstadt, und lebt dort ein trockenes, nüchternes Leben, ohne Freude, aber auch ohne Schmerz. So könnte es weiter gehen, wenn der Freiherr v. Röcknitz nicht wäre. Dieser Junker hat den Satan im Leibe. Er ist, nach Sudermann's romantischen Neigungen gemessen, ein Herren- mensch von jener Art, der alles gelingt. Vier Pserdejuden kann der Edle bemogeln, und schöne Weiber zwingt er durch seinen Blick und seinen feurigen Willen; mit einem Wort, er ist ein prächtiges Tigermännchen. Seine Westkalmücken idealisirt Sundermann gerne nach dieser Art hin. Freiherr v. Röcknitz fällt also, wie ein Raubthier, ins fromme Haus des klein- städtischen Schulrektors ein und richtet seine Begehrlichkeit auss neue auf Frau Elisabeth. Ihr Gatte ist ein merkwürdiger zwie- spältiger Mensch. So gar nicht fromm und einfältig war er, als er Frau Elisabeth zum Weib nahm. Sondern wie ein richtiger Schalk, der einen zweiten Schelm hinterm Busche sucht, nahm er an: seine junge Frau habe gewiß ein bemakeltes Vor- leben. Wie hätte sie sonst den alten, pedantischen Wittwer ge- nommen? Jetzt aber ist er fromm und einfältig, wie ein ahnungsloser Engel. Er merkt nicht, was Herr v. Röcknitz plant, wenn er den armen Schulmeister zum Verwalter eines seiner Güter machen will; er merkt nicht, daß die durstigen Sinne von Frau Elisabeth dem Ansturm des wilden Junkers erliegen. Im Taumel, im Rausch hat Frau Elisabeth den Freiherrn von Röcknitz heiß an sich gedrückt; trostlos ist ihr Erwachen. Das Haus ihres Gatten will sie verlassen und tödtliche Sühne üben. Da aber offenbart sich plötzlich der arme Dulder, der trockene Schullehrer als innerlich reiche Natur. Zum Leben und zur Lebensfreude bekehrt er sein Weib, wie ein eindringlicher Prediger bekehrt. Sein Haus wird er reinigen und Frau Elisabeth kehrt froh zu ihrem Glück im Winkel zurück. Ob wirklich im Aufruhr der Leidenschaften ein salbungs- voller Zuspruch Wunder wirkt? Nach einem Ausspruch Shakespeare's verläßt den klügsten Philosophen alle Weisheit, wenn er vom Zahnschmerz geplagt wird und vor allen Dingen: Warum so vielen süßlichen Weihrauch vor dem„Glück im Winkel"? Und warum nicht ein einziger Aufschrei in dem ganzen Drama über das empörende, nichtswürdige Unrecht, daß ein blühendes, begabtes Menschen- kind entweder der Rohheit eines Raubthiers oder der saftlosen Impotenz eines kleinbürgerlichen Alten preisgegeben wird? Ein Publikum, dessen Anschauungen der Eheschacher entspricht, wird durch solche Erwägungen in seiner Andacht nicht gestört; und zudem edle Entsagung übt immer ihren sentimentalen Reiz aus. So nahm man denn Sudermann's Resignationslehre mit freudigem, nur zum Schluß durch einige Zischer gestörten Wohl- wollen auf. Für die Rolle der„blonden Bestie", des Röcknitz, war auf des Autors Wunsch Herr Mitterwurzer vom Wiener Burgtheater verschrieben worden. Darum zumeist kam das Glück im Winkel erst so spät in Berlin auf die Bühne. Es ist in Wien und in ganz Deutschland bereits aufgeführt worden. Für den aparten Herrn v. Röcknitz wäre in der That keines der ständigen Mitglieder des Lessing- Theaters mit solcher Kraft und Frische und sprudelnder Lebendigkeit eingetreten, als der Gast aus Wien. Wohl lieh er dem Junker mehr von burschikoser Liebenswürdigkeit, als die schneidigen Herrschaften zu besitzen pflegen. War das eine leise Fälschung, für die Gesammtwirkung war sie von Vortheil. Die Brutalität erschien gemildert. Fein " Versammlungen. und mit flugem Taft trat Frl. Dumont auf, beren fchau- antworten. Die Verhandlung mit ihm machte einige Schwierig spielerische Bedeutung jezt erst recht geschäzt werden wird. feiten, endete aber mit seiner Verurtheilung zu drei Monaten Das Frankfurter Volks- Theater wurde Sonntag Abend Gefängniß. Wegen Ungebühr vor Gericht wurde ihm eine sofort mit der Aufführung des breiaftigen Schauspiels Die Moralisten" 34 verbüßende Haftstrafe von einem Tage auferlegt. von Friedrich Pastor eröffnet. Der jugendliche Autor, welcher sich hinter dem Pseudonym verbirgt, hat die sich an die Namen Stöcker und Hammerstein knüpfenden Borgänge zu einem Schaus Spiel verarbeitet, welchem aber die Hauptsache, die dramatische Entwickelung abgeht. Einzelne Stellen sollen recht gelungen fein. Dagegen ermüdet das fortwährende Kommen und Gehen. Das Schauspiel- Ensemble des Direttors Salih entledigte sich feiner Aufgabe mit lobenswerthem Fleiß und erntete reichen Beifall. Literarisches. " = Neue Glühlichter erscheinen nun in Wien statt der im Deutschen Reiche verbotenen Glühlichter". Auch dieses neue Wigblatt zeichnet sich durch kecken, frischen Humor und durch treffliche farbige und schwarze Juustrationen aus. Viel Anerkennung wird in Deutschland das Titelbild der Probenummer finden, das die Pioniere der chriftlich germanischen Kultur, die Peters, Leist und Wehlan an der Arbeit zeigt. Vortrefflich ift auch Illustration Die des reformirten österreichischen Wahlrechts. Auch das treffliche Leitgedicht zum Parteitag, das Gedicht Disputation und die zahlreichen anderen Beiträge verdienen die Anerkennung, daß es der neuen Redaktion( Emil Kralit), dem neuen Verlage ( Erste Wiener Volksbuchhandlung Wien VI, Gumpendorferstr. 8) und der neuen Druckerei gelungen ist, ein noch besseres Witblatt an stelle der eingegangenen Glühlichter zu sehen. Gerichts- Beitung. " Die Leitung der Brausewetter- Kammer"( zweite Straffammer des Landgerichts I) hat seit dem 1. dieses Monats der neu ernannte Landgerichtsdirektor Käller, bisher Beisiger bei der neunten Straffammer, übernommen. Die Rammer besteht jezt aus dem Vorsitzenden und den Landgerichtsräthen Grandte, v. Kirchbach, Stubenrauch und Wagner. den Ortschaften Moerfete und Baesrobe nahe bei Derdermonde. 4 Leichen wurden über die Bäume am Ufer des Stromes hinweggeschleudert; nur der Kapitän wurde gerettet. Infolge der Explosion sant auch ein in der Nähe befindliches Boot; der Bootführer, seine Frau und Kinder ertranten. Im ganzen sind 12 Menschen ums Leben gekommen. In Jette St. Pierre bei Brüffel brannte in der Nacht Die Schneider und Schneiderinnen der Kostümbranche zum Dienstag ein Tanzlotal ab. Der Eigenthümer, seine Frau waren am 4. April bei Cohn in der Beuthstraße versammelt, um und drei Kinder tamen dabei ums Leben. den Schiedsspruch des von ihnen angerufenen Einigungsamtes Aus Fiume wird gemeldet: In der Deftillirkammer der des Gewerbegerichts entgegenzunehmen. Timm berichtete über hiesigen Petroleumfabrik fand am Montag eine Explosion den Gang der Verhandlungen und unterbreitete den Ver- statt. Dant dem energischen Eingreifen des Direktors Barac sammelten das Resulat, welches in Nr. 81 des wurde das entstandene Feuer rasch unterdrückt und blieb ohne „ Vorwärts" vom 5. April im Hauptblatt ausführlich schwere Folgen. wiedergegeben ist, und in Kürze dahin lautet, daß Ju Neapel ist der als Arzt bekannte Senator Semole eine Berkürzung der Arbeitszeit abgelehnt wurde, eben am 5. April gestorben. Mindestlohnes für Baletot- und Taillenarbeiter; dagegen wurde so Abschaffung des Stücklohnes sowie Festsetzung eines Kein Attentat auf das rumänische Königspaar. Aus für Ueberstundenarbeit 1 M. und für Sonntagsarbeit 1,50 M. Budapest wird telegraphirt: Ein hiesiges Oppositionsblatt Pro Stunde angenommen, sowie Lieferung sämmtlicher Buthaten brachte jüngsthin die Meldung, daß während der Reise des von den Arbeitgebern. Die Arbeitgeber- Vertreter erklärten sich rumänischen Königspaares nach Abbazia bei Orsova ein Eisenmit diesem Schiedsspruch einverstanden. Die Vertreter der Ar- bahn- Attentat versucht worden wäre. Das„ Ungarische Korbeiter dagegen behielten sich ihre Stellungnahme vor bis nach respondenzbureau" bezeichnet diese Meldung nach an maßBeschlußfassung der Versammlung. In der recht lebhaften gebender Stelle eingezogenen Erkundigungen als müßige ErDebatte, die fich bis gegen Mitternacht ausdehnte, erklärten findung. mehrere Redner, sich dem Schiedsspruche fügen zu können, In Manilla auf den Philippinen hat am Sonntag ein während die übrigen sich stritte dagegen erklärten und ganz heftiges Feuer 4000 Säufer zerstört; 30 000 Personen find energisch die 9 stündige Arbeitszeit forderten. Der Schiedsspruch ohne Obdach. Bis jetzt ist tein Verlust an Menschenleben des Einigungsamtes wurde hierauf gegen eine geringe Minorität gemeldet. abgelehnt und mit großer Mehrheit der Streit beschlossen. Die Abstimmung erfolgte per Stimmzettel. Der Vertreter der Kollegen sonenverkehr ist der neue Union Bahnhof in St. Louis. Das Der größte und schönste Bahnhof der Welt für Per von Ebenstein gab hierzu die Erklärung ab, daß sie weiter ar- Gebäude ist 700 Fuß lang und 606 Fuß breit. Die Fläche vor beiten würden, und verwahrte sich ganz entschieden dagegen, etwa bem Bahnhofsgebäude ist 42 Acres groß. 26 Geleise laufen in als Streitbrecher betrachtet zu werden. Unter verbesserten Be- den Bahnhof ein. Der zweitgrößte Eisenbahnhof ist der in dingungen hätten sie frische Arbeit in Empfang genommen, die Frankfurt a. M. Dieser hat 18 Geleiſe. fie fertig zu stellen hätten. find willkommen. # Briefkasten der Redaktion. " Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( awet Buchstaben oder eine Sahl) anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden soll. Arbeiter- Bildungsschule. Eingegangen im ersten Quartal 2. A. 1896: Geschenke: Werkabtheilung des Vorwärts" 10, in Italien durch W. Liebknecht 100,-. 2. in 2. 50,-. Personal Janiszewski u. Quitt 10,-. Durch H. Schulz 2,40. Gefangverein der Kupferschmiede Berlins 6,-. Freie Volksbühne 200,-. Jahresbeiträge: Mar Bading 30,-. Direktor Hoffmann 20,-. Paul Singer 100,-. Direktor Siegmann 10,-. Rob. Flatow Gemeinde 50,- Kowalsky 6,- Franz Gleinert 5,-. Frau Stahl 5,-. Frl. Stahl 5,-. Tellerfammlungen: Boltz Saal ( 26. 1.) 24,85. Rolberger Salon( 9. 2.) 15,15. Bolt' Saal ( 16, 2.) 21,35. Summa 796,75. Beften Dank den Gebern. siegte, Schwebterstraße 33. Lese- und Diskutirklubs. Mittwoch. Johann Jacoby, bet Friz Gesundbrunnen, abends 8½ Uhr, bei saferland, Bellermannftr. 87. Gleichheit, abends 8% Uhr bei Stramm, Ritterstraße 128.- Heine, Rirdorf, abends 8 Uhr, Prinz- Handjernstr. 60, parterre. Ginigteit, abends 8% Uhr bei Beige, Triftstr. 1.- Theater und Lesetlub Morgenroth, abbs. 9 Uhr, im Restaur. Diete, Lothringerstr. 67. Die Verhandlung gegen den Freiherrn v. Hammerstein Fruchtstr. 52. Sozialdemokratischer Agitationsflub Often, abends 8% Uhr, bei Jauer, -Freigeist Artona, abends 8 Uhr, Artonaplay s bei soll, wie ein Berichterstatter zu melden weiß, am 22. April vor efener. Friedrich Engels Norden" alle Mittwoch 9 Uhr bei der ersten Straffammer am Landgericht I unter dem Vorsitz des Obigo, Huffttenfir. 26. Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin. Mitt Landgerichtsdirektors Rieck stattfinden. woch, den 8. April, abends 8 Uhr: Gemüthliche Zusammenkunft der Zum groben Unfugsparagraphen. Am 18. Januar d. J. Schleswig- Softener im Kommandanten- Garten, Kommandantenstr. 10/11. hatte anläßlich der Feier des 25 jährigen Bestehens des Deutschen Gesellschaft für Graphologie. Mittwoch, den 8. b. M.: Sigung in 6,-. G. Br. 100,-. Dr. Herzfeldt 20,- Freireligiöse Reiches der Inhaber der„ Berliner Lesehallen" am Spittelmarkt| ben Bittoria- Sälen, Leipzigerstr. 134. Graph. Bortrag. Anfang 8 Uhr. Gäfte zwei Fahnen, eine schwarze mit der rothen Inschrift Berliner Lefehallen" und eine weiße ohne Inschrift herausgesteckt. Darin erblickte die Polizei Verübung groben Unfugs und der Lesehallen Inhaber Heidenreich wurde wegen Uebertretung des§ 360 unter Anklage gestellt; der Angeklagte wurde aber, wie man der Volts- 3tg." schreibt, dieser Tage vom Schöffengericht, da in dem Herausstecken der beiden Fahnen eine Beläftigung des Publikums nicht gefunden werden könne, freigesprochen. Der Hilfsgerichtsdiener Friedrich Dreier wurde geftern von der zweiten Straffammer des Landgerichts I wegen Berbrechens gegen die Sittlichkeit zu einer Gefängnißstrafe von 8 Monaten verurtheilt. In angetrunkenem Zustande erschien gestern der Arbeiter Rudolf David vor der zweiten Straftammer des Landgerichts I, um sich wegen Majestätsbeleidigung zu verwilltommen. Dermischtes. In Wien wollte am Montag ein Rommis namens Nował während des Mittagessens seinen Eltern und der Schwester einen Revolver zeigen, welchen er sich getauft hatte. Dabei entlub sich der Revolver und die Kugel drang seiner Mutter in das rechte Auge. Die 75 Jahre alte Gräfin Alberti di Poje in Wien wurde Montag Nacht in ihrem Schlafzimmer von der Dienerschaft verbrannt aufgefunden. Anscheinend ist die Gräfin mit der Rerze unvorsichtig umgegangen. Der Vorstand. J. A.: H. Königs, Dieffenbachstr. 30. D. E. 14. Sassenbach, Invalidenftr. 145. A. G. 1864. Vielleicht„ Lübecker Boltsbote" in Lübeck, „ Schleswig- Holsteinische Volkszeitung" in Riel; von bürgerlichen Blättern möglicherweise die Eisenbahn- Zeitung" in Lübeck. J. M. Da es sich jetzt darum handelt, einen Frieden zu ftande zu bringen, sind Ihre Mittheilungen, so interessant fie auch sind, leider nicht verwendbar. $. P. Wir haben in Ihrem Lande bereits einen KorUeber eine Schiffeteffel- Explosion wird aus Brüssel respondenten und können uns daher zur Aufnahme Ihrer Einvon Sonntag berichtet: Der Dampfteffel des Schleppdampfers sendungen in keinem Falle verpflichten. Sofern Sie aber über Birginie", welcher auf der Schelde den Dienst zwischen Gent, etwas Besonderes schnell, zuverlässig und kurz berichten, werden Derdermonde und Antwerpen versieht, explodirte heute zwischen wir Ihrem Wunsche Rechnung tragen. Für den Inhalt der Inserate über- Adolph Ernst- Theater. nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Mittwoch, den 8. April. Opernhaus. Die lustigen Weiber von Windsor. Schauspielhaus. Ein Sommernachtstraum. Deutsches Theater. Nora. Leffing- Theater. Winkel. Das Glück im Berliner Theater. König Heinrich. Neues Theater. Wallenstein's Tod. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Der Hungerleider. Theater Unter den Linden. Madame Herzog. Adolph Ernst- Theater. Das flotte Berlin. Residenz- Theater. Hotel zum Freihafen. Schiller- Theater. Ein toller Einfall. Central- Theater. Eine tolle Nacht. Belle- Alliance- Theater. Die Reise um die Erde in 80 Tagen. National Theater. Othello, der Mohr von. Benedig. Alexanderplat- Theater. Die Musketiere im Damenstift. Reichshallen- Theater. Die fleinen Lämmer. Borher: Die Balletschule. American- Theater. Spezialitäten Borstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten- Bor stellung. Kaufmann's Variété. Spezialitäten Borstellung. Bum 4. Male: Das flotte Berlin. Urania Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Große Ausstattungs- Gesangspoffe in Am Landes- Ausstellungspark 3 Atten von Leon Treptow und Ed. Jacobson. Ruplets und Quodlibets von G. Gör B. Musik von G. 2. Att: Alt effens. Berlin." Anfang 7 Uhr. Morgen: Dieselbe Borstellung. National- Theater. Große Frankfurterstraße 132. Direktion: Max Samst. Volksvorstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen. Gastspiel des Herrn Max Alberti vom Stadttheater zu Lübeck: Othello. Trauerspiel in 5 Akten von W. Shakespeare. Regie: Max Samst. Morgen: Gastspiel des Herrn Rob. Hartberg Dom Düsseldorf. Der Pfarrer von Kirchfeld. ( Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 7-10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Passage- Panopticum. Echter Harem aus der afrikanischen Stadt Kayrowan. Haremsfrauen und Kinder, Tänzerinnen, Sängerinnen, Eunuchen und Stlaven. Stadttheater au Castan's Panopticum. Morgen, Donnerstag, den 9. April 1896: Abschieds- Vorstellung. Circus Renz Karlstrasse. Mittwoch, den 8. April 1896, Anfang präzise abends 71/2 Uhr: Kolossaler Erfolg! E Novität! Novität! Lustige Blätter! Schiller- Theater. Gigen vom Direktor Franz Renz ( Wallner- Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Gin toller Einfall. Donnerstag, abends 8 Uhr: Salder und Sohn. Central- Theater. Alte Jakobftraße. Mittwoch, den 8. April 1896: Vorletzte Vorstellung. Zum Benefize für Herrn Georg Kaiser. Emil Thomas a. G. Bum 215. Male: Eine tolle Nacht. und dem Großherzoglich Darmstädtischen Hofballetmeister August Siems für Berlin komponirte, mit gänzlich neuen technischen Apparaten u. BeleuchtungsVorstellung in 2 Abtheilungen mit Einrichtungen inszenirte Originalden Ausstattungs- Divertissements Weltstadtbilder. Aus dem equestrischen Theil des Programms find hervorzuheben: Joujou hippique mit 2 Freiheitspferd en, dress. und vorgef. vom Direktor Fr. Renz. Auftr. des renommirten Schulreiters Mr. Gaberel mit seinem Schulpferde, Chicago. Die Schulreiterin Frau Robert Renz mit dem Schulpferde Cyd und dem irländischen Bollblut pferde Blitz. Morgen, Donnerstag, abends 71/2 Uhr: Novitát! Große Poffe mit Gesang und Tanz Abschieds- Vorstellung. in 5 Bildern von Jul. Freund und Luftige Blätter. Novität! Wilh. Mannstädt. Mufit von Jul. Einödshofer. Anfang 1/28 Uhr. Morgen: Zum Benefiz für Fräulein Thea Göhrs: Lente Vorstellung von Eine tolle Nacht. Fr. Renz, Direktor, Königl. Kommissionsrath. Die Neu!! Neu!! Neu!! getigerten 3 Grazien!! aus Central- Afrika, die neuesten Weltwunder! Wer ist Rudinoff??? Rudinoff macht alles!!! Jeden Abend 912 Uhr: Die geniale Rudinoff Kaufmann's Variété- Theater Königstraße, Colonnaden. Bomben- Erfolg des neuen Programms. Die Nimrode. Die deutschen Eichen. Die lebende Brücke. Jean Bayer mit seinen Lokal- Schlagern. Baron's dressirte Löwen. Die reizende Luftfee Albertina. Ferner 18 Nummern. Ausverkauft! Ohne Reklame. Unfallfachen, Möbel billig. Oftbahn- Gebäude Klagen Eingaben, Bugger, Stegligerstr.65. am Rüftriner Play. Eden- Theater. Welt- Restaurant 97. Dresdenerstr. 97. Jm vorderen Saal täglich: Weltberühmte Tyroler- Sänger- Gesellschaft Almenrausch u. Edelweiss. Direktion: Alois Ebner. Entree vollständig frei! Jm Theater- Saal: Neu! Sensationell! Neu! The 4 Rose Buds! Excentric singers und dancers. 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Sonntags Victoria- Brauerei Lützowstrasse 111/112. Freitag, den 10. April: Stettiner Sänger ( Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schrader) Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf.( siehe Platate.) Sonntag, den 12. April: Abschieds- Soirée in Sanssouci. Montag, den 13. April: Abschieds- Soirée in der VictoriaBrauerei.( Ueberhaupt lette Soirée der Stettiner Sänger" vor ihrer Abreise nach Hamburg). Alcazar. Variété- u. Spezialitäten- Theater. Dresdenerstr. 52/58, Annenstr. 42/43 ( City- Passage). 1 Noch einige Tage: E Im wunderschönen Monat Mai. Liederspiel in 1 Akt von Stuckenbrock. Emilie Galletti. Morell Stuart mit seiner Gallerie berühmter Männer. Entree: Wochent. 10 Pf., Anf.8u. Sonntag 30 " " 7" R.Winkler. Y 350b Aeußerst billige kleine Wohnungen Frankfurter Allee 16/ 16a, am Ringbahnhof Friedrichsberg, Stallungen, Remisen, Lagerfeller sofort zu verm. Ein, auch zwei ruh. Mädchen finden beffere Schlafftelle bei älterem Ehepaare, Mariannenstr. 23, v. 3 Tr. bei Buzte. Arbeitsmarkt. Kindermädchen und Mädchen für Alles finden fof. 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Maria Stuart: Hedwig Margot; Elisabeth: Anna Jordan; Shrewsbury: Wilhelm Ruff; Graf Leicester: Ostar Krüger als Gast; Mortimer: Julius Türk; Burgh: Rudolf Hock. 283/7 Eintrittskarten à 60 Pf. find in den bekannten Geschäften zu haben. Als Verlobte empfehlen sich 7826 Ca. 64 Pfd. Brot für 50 Pf. Anna Heger, Oskar Jentsch. Spandau. Oftern 1896. Berlin. Unserm Skatbruder Hans Pytlik die herzlichste Gratulation zu seinem Wiegenfeste. 775b Die Sorgenbrecher. Für die vielen Beweise liebevoller Theilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Eugen Haeckel sage ich allen Verwandten sowie feinen Freunden und Mitarbeitern der Firmen J. Pintsch und C. Martienzen, den Gesangvereinen „ Namenlos" und Weiße Rose II" meinen herzlichsten Dank. " Die trauernde Wittwe nebst Kindern. Franziska Haeckel, geb. Wandrowzky, Neu- Weißenfee. 7736 Meine Wohnung ist jetzt liefert die Bäckerei Falkensteinstr. 20, 510b] C. Schröder. 00000000000 M. J. Hahlo, Patentanwalt, Berlin NW., Karlstrasse 8. Patentnachsuchung und Verwerthung.[ 45062 Rath, Auskunft und konferenzen kostenfrei. Erste Referenzen im In- u. Auslande. Große Betten 12 M. ( Dberbett, Unterbett, zwet Riffen) mit ge reinigten neuen Febern bei Guftab Luftig, Berlin S., Brinzenstraße 46. Preis lifte tostenfrei. Viele Anerkennungsschreiben. Gr. Frankfurterstrasse 126, Möbel- Kaufgelegenheit, 7765 Ecke Koppenstraße. Dr. Paterna, prakt. Arzt. passendste Gelegenheit fürBrautleute, GneisenauStraße 15, parterre, in der Möbelfabrik sollen ca. 200 fomplete Wohnungs- Einrichtungen, Orts- Krankenkasse des Maurergewerbes zu Berlin. Einladung. Donnerstag, den 9. April 1896, abends 81/2 Uhr, findet bei Röllig, Neue Friedrichftraße 44, eine General- Versammlung der Vertreter der Orts= Kranken- Kasse des MaurerGewerbes statt. Zages Ordnung: 1. Borlegung des Verwaltungs- Berichtes und Rechnungs- Abschlusses für bas Jahr 1895. 565b 2. Bericht des Ausschusses über die schlußfaffung über die Abnahme der vollzogene Rechnungsprüfung und Be Rechnung des Jahres 1895. 3. Antrag auf Bewilligung einer Entschädigung für die Kaffenmitglieder des Rechnungs- Ausschusses. 4. Wahl eines Vorstandsmitgliedes für 1896 aus der Gruppe der Arbeitnehmer an stelle des verstorbenen Vorstandsmitgliedes H. Walter. 5. Bericht des Vorstandes über die Verfügung des Magistrats- Kommissars, betreffs Aufhebung des Vertrages mit dem Verein der freigewählten KaffenAerzte, und Bestätigung des mit einzelnen Aerzten abgeschlossenen Vertrages. 6. Mittheilungen des Vorstandes. Berlin, den 28. März 1896. Der Vorstand. A. Daehne, Borsitzender, Demminerstr. 66. A. Kelpin, Schriftführer, Demminerstr. 54. Freie Kranken- u. Begräbniß 6. Wahlkreis( Moabit). Donnerstag, abends 8 Uhr, im Saale der Kronen- Brauerei, Alt- Moabit Nr. 47-49: Volksversammlung. Zagesordnung: 1. Der Entwurf des Bürgerlichen Gesetzbuches. 2. Zeitungsspedition. 3. Verschiedenes. Der Vertrauensmann. 220/4 Arbeiter- Bildungsschule Donnerstag, den 9. April, abends 812 Uhr: General- Dersammlung im Englischen Garten, Alexanderstraße 27c. Tages Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Revisoren. 2. Der Unterricht im Sommer- Semester. 3. Anträge. 4. Wahl des Vorstandes und zweier Revisoren. Mitgliedsbuch legitimirt. Beiträge werden entgegen genommen. Der Vorstand. Um recht zahlreichen Besuch bittet Deutscher Holzarbeiter- Verband. ( Zahlstelle Berlin.) 5/12 Heute, Mittwoch, den 8. April, abends 8 Uhr: Vertrauensmänner- Versammlungen: Südosten im Lokal von Rautenberg, Oranienstraße 180. Moabit im Lokal des Herrn Holzbächer, Thurmstraße 84. Tagesordnung: Wir erhalten wir die errungenen Vortheile aufrecht. Werkstattangelegenheiten. 276/17 Sämmtliche Wertstellen dieser Bezirke werden ersucht einen Vertrauensmann zu entfenden. Achtung! Südwesten. eine neue Bahlselle errichtet. Bei Kitzing, Belle- Alliancestr. 74, Ecke Bergmannstraße, int Der Beitragsammler Schülgte, Demminerstraße 14, hat dieselben an obige Adresse abzugeben. Warne jeden, meiner Ehefrau Bertha verliehen gewesene und neue Möbel zu jedem Klasse der Kasse der Schuhmacher 150 Streifmarken à 25 Pf. verloren. Der Finder dieser Marken wird ersucht, geb. Lenz etwas zu borgen, da ich für nichts aufkomme. Wilhelm Dünze. Goldenes Armband, Wachsperle mit Sicherheitskette, verl. auf der Treptower Chauffee. Gegen Belohnung abzugeben bei Schröder, Friedenstr. 91. 770b HUF Achtung! TE annehmbaren Preise verkauft werden. Theilzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung. Besonders billig sind die an Herrschaften furze Beit verliehen geweſenen Möbel. Kleiberspind 15, Küchenspind, Komode 12, Bettstelle mit matraße 18, Nußbaum- Kleiderspinden 30 Mart. Muschel Kleiderspinden und Vertikows 36, französische Muschelbettstellen mit Matraßen 45, Säulen Kleiderspinden 46 Mark. 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April, labends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Bergner, ! Annenstr. 16: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Vierteljährlicher Kaffenbericht. 2. Jnnere Rassenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimirt. Der Vorstand. 781b Die Ortsverwaltung. Bildhauer Berlins! Freitag, den 10. April 1896, abends 8 Uhr, im großen oberen Saale des Englischen Gartens, Alexanderstraße 270: Große öffentl. Versammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Maifeier. 2. Bericht der Delegirten zur Gewerkschafts- Kommission, Neuwahl derselben. 3. Bericht über den Verlauf des Holzbildhauerstreits. 4. Verschiedenes. Drts- Krankenkasse der 28/1 Korbmacher. General- Versammlung b. die Hälfte billiger als anders Gebundene Hutblumen, sowie hochgarnirte Röpfe 2c. B. Lentge, Neu- am Montag, den 18. April 1896, Cölln 23, I. Ebendaselbst Waschabends 8 Uhr, federn 25 Pf., Krausefedern 10 Pf. in den Dranienhallen, Oranienftr. 51. Möbel u. Polsterwaaren, reelle Waare empf. 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Verschiedenes. 98/14 6 Der Vorstand. J. A.: P. Keller, Vorsigender, Camphausenftr. Nr. 5. Pfund Albrecht's Brot für Bäckerei, 50 Pfennig liefert Wrangel- Strasse 8. Langestr. 26, Falkensteinstr. 28. Es ist nothwendig, daß alle Kollegen in dieser Versammlung erscheinen. Der Vertrauensmann. Maurer. Donnerstag Abend 8 Uhr: Vier große öffentliche Versammlungen der Maurer Berlins und Umgegend in folgenden Lotalen: für Moabit und Wedding im Wedding- Park, Müllerstraße 178; für Norden bei Gründel, Brunnenstraße 188; für Osten in Joël's Salon, And ceasstraße 21; für Westen und Süden bei Bülke, Dennewigstraße 13. Tages- Ordnung: 1. Sind unsere in der Feenpalast- Bersammlung aufgeftellten Forderungen gerecht und wie gedenken wir dieselben zur Durchführung zu bringen? 2. Diskussion. Zu diesen Versammlungen sind die Kollegen der Vororte Charlottenburg, Weißenfee, Pankow, Friedrichsberg, Rummelsburg, Rixdorf, Tempelhof, Schöneberg u. s. w. hiermit besonders eingeladen. Das Erscheinen aller Kollegen ist nothwendig. Die Lohnkommission der Maurer Berlins und Umgegend. 66. Resterhandlung. 66 billig Reste zu Knaben- Anzügen von 1 M. Große Anzüge von 7 M. an, bis zum feinsten Rammgarn, auch pass. zu Einfegnungs- Anzügen. Große Aus wahl in Baletotstoff., sowie zu Mänteln, Jaquets, Plüsch, Atlas, Seide.[ 42502* Auf Wunsch alles zugeschnitten, auch Plüsch- Garnituren, Baneel- Sophas, Teppiche, Portieren, Gardinen, ganze angefertigt. Fertige Knaben Anzüge. C Wohnungseinrichtungen, auch auf Theil. 66. Karle, Waldemarstrasse 66. zahlung, mit geringen An- u. Ratenzahlungen bei L. Silberstein, Rosens thalerstr. 49, 1 Tr. Möbel, Spiegel, Polsterwaaren, 41508* Teleph. Amt IV. 1597. Möbel- Gelegenheitskauf 1. Maler u. Berufsgenossen Filiale Berlin I. Am Mittwoch, den 8. April, abends 8 Uhri Große Mitglieder- Versammlung bei Cohn, Beuthstraße 20-22. Zages Ordnung: 183/2 Raffenbericht.- 2. Neuwahl des Vorstandes.- 8. Wahl der Delegirten 125/8 zum Gewerkschaftstongreß. 4. Filialangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen bitten Die Bevollmächtigten. Herrenhüte 75 Pf. 44502* Bum Umzug Oranien-Straße 73, Hof I., Mustersachen, vollständig fehlerfrei, günstigste Gelegenheit für Brautleute, Hotels, feinere Qualitäten, giebt ab zu enorm Wiederverkäufer. In meinem 6 Etagen großen billigen Preisen, die Fabrik im Romptoir Möbelspeicher, alles hell und übersichtlich, tein Künstl. Zähne 2 M. Schmerzloses Zahnziehen u. Nervtödten 1 M. Chauffeeftr. 59. 1 Tr., Laden, sollen sofort ca. 200 neue ganze Wohnungs- Plomb.1,50. Rep. sof. Theilzahlg. Zahnarzt Wolf, Leipzigerstr. 22. Spr. 9-7 Uhr. an der Norddeutschen Brauerei. Muschel- Wirthschaft verkaufe sofort spottbillig, vollständige Wohn- u. Schlafzimmer- Einrichtungen, darunter 8 Fenster neue Gardinen Brautleuten geeignet. Frau Büttner, Köpnickerstr. 141, Vorderhaus 1. Etage. 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Es wird nun in die Schätzle Bulach zeigt an einigen drastischen Beispielen, Mittagspause eingetreten, nach welcher die Präsenzliste der Delewie wichtig die Anwesenheit von Sozialdemokraten in den Ge- girten zur Verlesung kommt. Es sind 180 Delegirte anwesend, meindeverwaltungen auf dem Lande ist. Er bitte, den Antrag welche 87 Mitgliedschaften mit ca. 5400 Genossen vertreten. Es Bulach bei solchen Wahlen mit bürgerlichen Parteien feinen wird nun zu Punkt 3 der Tagesordnung: Parlamentarischer Kompromiß zu machen- anzunehmen. Bericht der Landtags- Abgeordneten( mit besonderer Betonung der Stellungnahme unserer Partei zur beantragten Verfassungsrevision) geschritten, welchen Genosse KIoß allein erstattet, da der Abg. Glaser schwer erkrankt ist. Genosse Kloß betont eingangs seines einstündigen Referats, daß sein Kollege und er jeder zeit für das Wahlprogramm ganz eingetreten seien, und auch in der Frage der Verfassungsrevision in der Adreßdebatte traten sie energisch für die Forderungen der Partei: Aufhebung des Zweikammersystems, Schaffung einer einzigen reinen Volkskammer, aus dem allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrecht hervor. gehend. Wahlberechtigt und wählbar soll jeder über 20 Jahre alte Staatseinwohner ohne Unterschied des Geschlechtes sein. Wahlbezirke mit gleicher Einwohnerzahl. Einführung des Proportional- Wahlsystems. Völlige Sicherung der Wahlfreiheit, insbesondere durch Wiedereinführung der Wahlkouverte it. s. m. ein, doch haben ihre Vorschläge selbst bei volksparteilichen Abgeordneten keine Gegenliebe gefunden. Seitens der Regierung ist dem Landtag bisher keine Vorlage über die Verfassungsrevision zugegangen, doch erklärte der Minister sich bereit, die Wahlkouverte wieder einzuführen, wie auch dem Wunsche der Kammer, Einführung von Isolierräumen bei der Wahl ent sprochen werden soll, obwohl der Minister die Angelegenheit verschoben wissen wollte, bis im Reichstag diese Sache geregelt würde. Wie der Minister versprach, soll die Verfassungsrevision so erledigt werden, daß der nächste Landtag unter diesem Gesetz gewählt wird. Zum 5. Punkt der Tagesordnung schlägt Genosse Haug vor, nur einen Delegirten zu dem internationalen Kongreß nach London zu entsenden. ( Eigener Bericht.) Terfelbe wurde vom Genossen Haug eröffnet. Anwesend find 50 Delegirte aus 39 Orten. Zu Vorsitzenden werden die Genossen Haug- Freiburg und Kalnbach- Karlsruhe, zu Von Dolinsky und Süßkind in Mannheim wurde dieser Schriftführern die Genossen Kolb- Karlsruhe und Dreifuß- Antrag bekämpft. Von den Delegirten in Mannheim ist ein Offenburg gewählt. Hierauf wurde ein Geschäftsordnungs- Antrag eingekommen, wonach in solchen Orten, wo Genossen in Antrag von Bulach, die Verhandlungen des Parteitages in der Gemeindevertretung sind, diese eine Fraktion bilden sollen. Broschürenform erscheinen zu lassen, zur Debatte gestellt. Der Die beiden Anträge wurden angenommen. Inzwischen war die Antrag wurde abgelehnt. Den Genossen in Stuttgart und Prag, Wahl des Vororts und des Landesvorstandes vorgenommen die ebenfalls zum Parteitag zusammengetreten find, wurden Be- worden. Gewählt wurde Freiburg als Vorort. In den Landes: grüßungstelegramme gesandt. Genosse Hang berichtet sodann vorstand wurden die alten Genossen wiedergewählt mit dem Geüber die Thätigkeit des Landesvorstandes im verflossenen noffen Haug als Vorsitzenden, Engeffer, Kassirer, Kramer, Schrift Jahre. Der Verkehr zwischen den Mitgliedschaften und dem führer, Koch und Jüngst als Beisitzer. Landesvorstand sei ein sehr reger gewesen. Die Einnahmen betrugen im ganzen 1626,75 M., die Ausgaben 1301,08 m. Es ist somit ein Ueberschuß von 325,67 M. vorhanden. Einzelne Filialen seien ihren Verpflichtungen nicht immer nachgekommen. Es werden die Genossen Adolf Geck, Dreesbach und Geiß Eine Reihe von Prozessen habe stattgefunden, von denen die vorgeschlagen. Geiß und Geck lehnen ab und wurde hierauf meisten zu unseren ungunsten ausfielen. Die reaktionäre Hand- Genosse Dreesbach einstimmig als Delegirter gewählt. habung des Vereins und Versammlungsgesetzes durch die Bezüglich der Aenderung einzelner Paragraphen im OrganiPolizei Organe veranlaßte die Abhaltung zahlreicher Protest- fationsstatut wurde ein Antrag Mannheim angenommen, wo versammlungen im ganzen Lande. Zweimal seien Flugblätter nach in einem Orte keine zwei Wahlvereine existiren dürfen. vertheilt worden; ein solches zur Landtagswahl in Ein Antrag aus Villingen, die Revisoren am Orte zu wählen, 55 000 Exemplaren und eines zur Agitation in 113 000 Grem wird ebenfalls angenommen. plaren. Die Agitation war eine sehr lebhafte. Der leidige Beim Punkte Presse entspinnt sich eine sehr lebhafte Debatte. Parteistreit sei durch den Ausschluß Rüdt's endgiltig beigelegt. Rarlsruhe verlangt, daß der Boltsfreund" täglich erscheint und Es wäre nun zu wünschen, daß auch die persönlichen Zwistig- daß der Landesvorstand mit dem Vorstand der Gesammtpartei in teiten zwischen einzelnen Parteigenossen endlich beigelegt würden. Berbindung trete, damit in absehbarer Zeit der Boltsfreund" in Er hoffe, daß auch im neuen Geschäftsjahr wiederum Fortschritte Karlsruhe täglich erscheinen könne. Genoffe Kolb Karls= gemacht werden.( Beifall.) In der Diskussion wurde der Thätig- ruhe hält den gegenwärtigen Zustand für unhaltbar. keit des Landesvorstandes ungetheilte Anerkennung gezollt. Ein Wenn Karlsruhe auf die Dauer der Zeit diesen Zustand ertragen Antrag, die alten Schulden einzelner Filialen, die aus der Zeit soll, so würden dort keine erfreulichen Fortschritte gemacht. In vor dem 1. April 1895 datiren, denselben nachzulassen, wurde an- ähnlichem Sinne sprechen sich die Delegirten der anderen Genosse ut hält in anbetracht der geographischen Lage zwei Blätter für unbedingt nothwendig. Genosse Drees bach hält eine Verschmelzung des Volks freund" mit der„ Volfsstimme" für unmöglich. Für ein tägliches Erscheinen des Volksfreund" würde er entschieden eintreten. So lange Genosse Geck keine diesbezügliche Erklärung abgiebt, werden durch die Debatten teine praktischen Erfolge erzielt. genommen. W B Städte aus. = Kalnbach- Karlsruhe empfiehlt vorläufig tägliches Erscheinen des Volksfreund". Genosse Adolf Ged: Er stehe immer noch auf dem Standpunkte, daß man einen Privatunternehmer nicht zwingen fann, etwas zu thun, von dem er überzeugt ist, daß es für ihn nur Nachtheile haben wird. Man möge ihm die Wege zeigen, wodurch eine Besserung erzielt werden tönnte, und er würde bereit sein, den Wünschen der Parteigenossen zu entsprechen. Er wäre momentan absolut nicht in der Lage, eine, wenn auch nur geringe Aenderung in der Organisation des Volksfreund vorzunehmen. Auf die Pforzheimer könne man sich nicht verlassen. Sie hätten am wenigsten Ursache, dem„ Volksfreund" Bummelei vorzuwerfen. Diese Genossen hätten keine Ahnung von den Geschäften einer Redaktion. Wenn die Schwierigkeiten, die er erwähnt, überwunden wären, so sei er jederzeit bereit, eine Aenderung herbeizuführen. ( Schluß folgt.) Die Landesversammlung der Sozialdemokraten Württembergs. Stuttgart, 6. April.( Eig. Bericht.) Die Landesversammlung wurde in dem reich geschmückten Saale der Arbeiterhalle vom Vorsitzenden des Landesvorstandes, Genossen Dietrich, vormittags 11 Uhr eröffnet. Die verlangte Abschaffung der Lebenslänglichkeit der Drtsvorsteher ist ebenfalls von der Regierung zugesagt worden, der Kaufpreis dafür ist aber zu hoch, in den großen Städten sollte die Wahl eine indirekte werden, es soll der Ortsvorsteher nicht mehr wie seither von allen Bürgern, sondern nur noch durch die bürgerlichen Kollegien gewählt werden, gegen welche Wahleinschränkung die beiden Abgeordneten energisch Protest erhoben und muß sich die Regierung bequemen, einen anderen Vorschlag, mit der Bei behaltung der direkten Wahl, zu machen. Bei der Etatsberathung traten die Abgeordneten u. a. für Besserstellung der niederen Beamten und Bediensteten ein, wie sie sich auch gegen die Nebenämter verschiedener Beamten wendeten und gleichmäßigere Beschäftigung der Beamten wünschten. Bei dem Kultetat wurde die Trennung von Staat und Kirche und Schule und Kirche, sowie unentgeltlicher Schulunterricht 2c. gefordert, wie auch beim Justizetat gewünscht wurde, die Zuchthausarbeit als Konkurrenzarbeit einzuschränken, auch wurde an einigen Urtheilen Kritik geübt. Die Anträge der Genossen zur Erweiterung der Fabrikinspektion auf das Kleingewerbe, die Hausindustrie und die Landwirthschaft, Beiziehung von Arbeitern und Arbeiterinnen zur Inspektion wurde seitens der Kammer abgelehnt; ein Antrag, Trennung der Kesselrevision von der Gewerbe Inspektion wurde in der zweiten Kammer zwar angenommen, in der ersten aber abgelehnt. Reicher Beifall wurde dem Redner für seine Ausführungen gezollt, und eine vom Genossen Sperta beantragte Resolution, in welcher die Landesversammlung ihre volle Ueber einstimmung mit den Abgeordneten ausspricht und denselben für ihre Thätigkeit volle Anerkennung ausdrückt, wurde einstimmig angenommen. In der Resolution protestiren des weiteren die Sozialdemokraten Württembergs gegen die Beschränkung des Wahlrechts in Sachsen. Nachdem einige fleinere Beschwerden erledigt waren, wurde ein Begrüßungstelegramm des bayerischen Parteitags in Kaufbeuren verlesen, welches erwidert wird, wie auch an die badische Landesversammlung in Heidelberg ein Telegramm abgeht. Montag früh 1/29 Uhr eröffnet Genosse Haug die zweite Sigung und ertheilt zunächst Genosse Geiß das Wort, der über die parlamentarische Thätigkeit der Landtags: Abgeordneten folgendermaßen berichtete: Schon die Wahlanfechtungsdebatten hätten bewiesen, daß die Nationalliberalen ihre Macht ausnüßen würden. Hier habe nicht die Gerechtigkeit, sondern die rücksichtslose Gewalt entschieden. Schon zu Beginn der Session habe er und Dreesbach es für nothwendig erachtet, den wilden" Stegmüller als Hospitanten in die Fraktion aufzunehmen, da sonst keiner von ihnen in irgend eine Kommission gewählt worden wäre. Der Landesvorstand hätte dagegen Protest erhoben. Steegmüller habe sie angelogen, weshalb fie, soweit dies möglich set, den Verkehr mit St. meiden. Stegmüller habe troh mehr facher Aufforderung sein Mandat nicht niedergelegt. Geiß bespricht sodann die Verhandlungen über die einzelnen Anträge, 44, und schließt mit der Versicherung, daß sie ihren Pflichten, soweit ihnen das möglich war, nachgekommen seien.( Beifall.) In der Diskussion wird das Vorgehen von Geiß und Drees bach bezüglich Stegmüller von Schauer Lörrach scharf gerügt. Ebenso fritisirt Genosse Adolf Ged dieses Vorgehen der Landtagsfraktion. Das Vorgeben unserer Abgeordneten gegenüber dem Minister Eisenlohr hätte ein schärferes sein dürfen. In ähnlichem Sinne sprechen fich verschiedene Parteigenossen aus. Genoffe Drees bach vertheidigt die Haltung der Abgeordneten. Ge noffe Dörrner Wiesloch stellt den Antrag, unsere Abgeordneten möchten im Landtag einen Antrag einbringen, wonach die Ueberweisung von Personen an die Landespolizei( Arbeitshaus) in Zukunft nicht mehr stattfinde. Von Offenburg ist ein Antrag eingekommen, wonach die einzelnen Mitgliedschaften für die Zukunft ihr Material betreffs Klagen und Forderungen, Es wird nun in die Berathung der gestellten Anträge ein. welche die Landtags- Abgeordneten im Landtag besprechen sollten, Nachdem das Andenken der Genossen Engels und Eichhoff getreten, und werden fünf zur Organisation gestellte Anträge zunächst an den Landesvorstand einzureichen hätten. Diese beiden geehrt worden, wird in die Tagesordnung eingetreten und als theils zurückgezogen, theils abgelehnt, nur ein Antrag RavensAnträge wurden angenommen. Ueber einen Antrag Schauer- erster Vorsitzender Reichstags- Abgeordneter BI os, als zweiter burg:„ Der Landesvorstand möge den Vertrauensmännern derLörrach, in dem der Volksstimme" in Mannheim in Vorsitzender Gemeinderath Kittler Heilbronn, als Schrift: jenigen Orte, wo sich eine Mitgliedschaft nicht befindet, LandesSachen Des Hospitanten Stegmüller ein Zadelsvotum, führer Deusch Gmünd und Rupp- Schwenningen gewählt. marten( Quittungsmarken) liefern, um den an solchen Orten dem Landesvorstand dagegen für seine Stellung in Aus dem erstatteten Thätigkeitsbericht des Landes- arbeitenden Genossen Gelegenheit zu geben, für die Partei Beidieser Frage Zustimmung ausgesprochen wird, wurde vorstandes ist zu ersehen, daß derselbe im abgelaufenen Jahre träge zu leisten" wird angenommen. 3wei Anträge, es getrennt abgestimmt; der erste Theil wurde abgelehnt, der seine Geschäfte in 61 Sigungen erledigt hat, außerdem betheiligte möge ein Flugblatt oder eine Broschüre als Agitationsmaterial zweite Theil angenommen. Hierauf zeigte Genoffe Dreesbach er sich an 16 Konferenzen, die im Lande abgehalten wurden. herausgegeben werden, welche Reichs- oder Landtagsverhandlungen, in seinem Referate über„ Die Landtags- Wahlen und was sie Eingelaufen sind bei dem Landesvorstand 640 Briefe und Karten, Reden unserer Genossen, Statistiken u. 1. w. enthalten," werden uns lehren" an der Hand eines reichhaltigen statistischen sowie 7 Telegramme, abgegangen sind 763 Briefe und Karten, dem Landesvorstand zur Berücksichtigung empfohlen. 3 Anträge Materials, daß die Wahlbetheiligung, seitdem sich die Sozial- 6 Telegramme, 362 Zirkulare und Packete, außerdem gingen welche das Verlangen nach Bermehrung der mündlichen Agitation demokraten an den Landtags- Wahlen betheiligen, sehr stark ge- 354 Geldsendungen ein, während 60 abgesandt wurden. Die ausdrücken, werden, da diesem Ersuchen nicht Folge geleistet stiegen sei. Redner weist auf die erstaunlichen Fortschritte in Agitation bei den 4 Reichstags- Nachwahlen, die im Laufe des werden kann, durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Gin Mannheim hin und glaubt, daß auch bei dem indirekten Wahl- Geschäftsjahres stattfanden, war eine rege und war auch in zwei Wahl- Antrag Bietigheim: Die Schwäbische Tagwacht" möge system für unsere Partei weitere Erfolge nicht ausgeschlossen freisen eine Stimmenzunahme zu konstatiren; die Agitation war eine den Marktbericht landwirthschaftlicher Produkte bringen," wurde feien, sofern eine planmäßige Agitation entfaltet werde. Ein sehr lebhafte, durch Vermittelung des Landesvorstandes wurden mit großer Mehrheit angenommen. Mit einem Antrag, das Hauptaugenmert fei auf die Erlangung des Staats- 400 Versammlungen veranstaltet, hierzu kommt noch die Zahl Unterhaltungsblatt der„ Tagwacht" mehr agitatorisch für die Landbürgerrechtes von ausländischen Genossen zu lenten. Redner der Mitgliedschaften, die ihre Versammlungsredner dirett ver- bevölkerung zu gestalten und einem solchen, dasselbe in eine schloß seinen interessanten Vortrag mit der Aufforderung, mitteln. Flugblätter wurden zu den Nachwahlen 30 000 ver- Jugendzeitung für Kinder von 10-14 Jahren umzuwandeln, überall mit aller Energie für die Landtagswahlen einzutreten. breitet, außerdem 7000 Parteiprogramme, ein weiteres Flugblatt fonnte sich die Versammlung nicht befreunden, dagegen wurde ( Beifall.) Nach kurzer Diskussion, in welcher namentlich das„ Wir haben riesig viel Geld" wurde im gquzen Lande in beschlossen, in zwanglofen Zwischenräumen eine Beilage aus Verhalten des Landtags- Abgeordneten und Oberbürger- 140 000 Exemplaren vertheilt. Mitgliedschaften wurden im zugeben, die sich mit den landwirthschaftlichen Verhältnissen bemeisters Schnegler von Karlsruhe einer Kritik unterzogen abgelaufenen Jahr 12 gegründet, so daß sich die Zahl derselben faßt. Ein weiterer Antrag, daß dem Tagwacht- Kalender ein wurde, wurde die Sigung abgebrochen. jetzt auf 125 beläuft. Für die Ueberschwemmten in Balingen Wand- Kalender beigelegt werden soll, wird angenommen. In der Nachmittags- Sigung gab Genosse 3ilowsty vor wie für die Opfer des Essener Meineidsprozesses wurde seitens Ein große Debatte entspinnt sich noch über die frühere ZerEintritt in die Tagesordnung eine Erklärung ab, welche den der Genossen eine Sammlung veranstaltet; die gesammelte splitterung in der Heilbronner Partei, da seitens der MitgliedStreit zwischen ihm und Genossen Lutz betrifft. Wenn Genosse Summe beweist, daß auch die württembergischen Genossen, da wo schaften Frankenbach, Sontheim, Neckargartach Luz mit dieser Erklärung sich zufriedenstelle, so betrachte er den es gilt, ihre Opferfreudigkeit bethätigen. Da seitens der Be- und Böckingen folgender Antrag eingebracht wurde: Die Etreit als beigelegt. Genosse& us giebt unter allgemeinem hörde versucht wurde, die Mitgliederliste eines Arbeitervereins Landesversammlung möge mit Rücksicht auf die Thathigkeit der Beifall eine diesbezügliche Gegenerklärung ab. zu verlangen, so macht der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß Heilbronner Parteigenossen und in Würdigung der jetzt außer Damit ist wieder ein Theil der Folgen des leidigen Partei diesem Verlangen, falls es sich irgendwo wiederholen halb Partei stehenden Veranlasser der Heilbronner ftreites beseitigt. würde, keine Folge geleistet werden darf; ein weiterer Streitigkeiten, es den ersteren wieder möglich machen, sich in die Tellersammlung öffentlichen Hierauf referirte Genosse Adolf Geck über die Ge Bersnch, Volksver voll und ganz der Agitation im dritten Wahlkreife widmen meindewahlen. Troydem das badische Gemeinde- Wahl fammlungen zu verbieten, ist ebenfalls durch gerichtliches zu können, durch Zurücknahme der Resolution der vorjährigen gefet ein reaktionäres sei, betheilige fich die Sozialdemokratie Urtheil als ungefeßlich bezeichnet worden. Alles in allem Landesversammlung in diefer Sache", da die Landesversammlung, an dieser Wahl und man habe da und dort Erfolge erzielt. genommen, kann die württembergische Sozialdemokratie mit den wie die Erfahrung gezeigt, sich von den Veranstaltern der HeilRedner befpricht eingehend die Abänderung dieses Gesetzes vom Erfolgen zufrieden sein; sie als Partei wie jeder einzelne hat bronner Streitigkeiten täuschen ließ. Die Genossen Groffich Jahre 1882, wonach ein Zwölftel der Einwohner ebensoviel Bürger seine Schuldigkeit gethan, wir sind unüberwindlich und schreiten Sontheim und kittler und Röhrle( Heilbronn) nahmen an dieser Debatte regen Antheil, während Genoffin Zetkin als Ausschußmitglieder wählen, als neun Zwölftel der Bevölkerung. von Erfolg zu Erfolg. Es sei dies das ausgesprochenfte Klassengesetz. Der Kassen bericht ist ebenfalls als ein günstiger zu Referentin der vorjährigen Kommission und Genosse Sperka, Große Unzufriedenheit war die Folge dieser Verschlechterung bezeichnen. Die Einnahmen belaufen sich auf 10 972,40 W., als früherer Vorsitzender des Landesvorstandes, die Ausführungen des Gesetzes, so daß im letzten Wahlkampf selbst die National hierin sind einbegriffen die regelmäßigen Mitgliedschaftsbeiträge obiger drei Genossen theilweise bekämpften und richtig stellten. liberalen dem Bolte Versprechungen auf Aenderung machen mit 3869,57 M., fowie für Maifestmarken 1514,70 M. Die Aus- Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, worin die mußten. Bis heute hätten dieselben noch keinen diesbezüglichen gaben betragen 10 096,91 M., so daß ein Kassenüberschuß von Bersammlung den Heilbronner Genoffen für ihre Thätigkeit im Unter den Ausgaben befinden sich letzten Jahre ihr Zutrauen ausspricht, mit welcher sich die HeilAntrag eingebracht, wohl aber habe das Zentrum eine fleine 875,49 m. verbleibt. Milderung der Klasseneintheilung vorgeschlagen; wir als Gegner 4411,45 M., die an Wasser, Hagel- und Feuerbeschädigte, sowie bronner Delegirten befriedigt erklären, und wurde somit der jedweder Klassengegensäge müßten eine gänzliche Beseitigung ver- an sonstige Unterstützungsbedürftige ausbezahlt wurden, außerdem Antrag als erledigt angesehen. Der letzte Antrag, von Stutt langen. Wir müßten trotz des Klaffengesetzes bei den Gemeinde- 500 M., die an die deutsche Parteikasse abgeliefert wurden. gart( Bezirk Westen) gestellt, geht dahin, die Landtags= wahlen versuchen, in diese Verwaltungen tüchtige Genossen hin- Auf Antrag der Revisoren wird dem Kassirer Decharge Abgeordneten zu beauftragen, im Landtag für Zulaffung der Dem Bericht über das Partei Frauen zum medizinischen Studium und zur ärztlichen Braris, einzubringen. Redner verweist auf die Gemeindevertretung in ertheilt. Roubaix( Frankreich) hin, wo die Sozialdemokraten die Majorität Organ, die Schwäbische Tagwacht", ist zu entnehmen, sowie für Anstellung weiblicher Assistenten zur Fabrikinspektion, haben. Dort hätten selbst die Gegner unseren Genossen An- daß der Umsatz gegen das Vorjahr sich vergrößert hat, es wurden einzutreten, wird angenommen. 121 000.( 116 000 M. im Vorjahre) umgesetzt, an Abonnements- Bei der Neuwahl des Landesvorstandes ergab sich, daß die erfennung zollen müssen. Genoffe Dreesbach führt aus, daß sie( die Landtags- geldern gingen 73 000 m. ein, wie sich auch die Zahl der Genossen Dietrich als Vorsitzender, Belli als Raffirer, Abgeordneten) bei Berathung des Zentrumsantrages, bei der Abonnenten vermehrt hat. Der„ Tagwacht"-Kalender, der seitens Fischer als Schriftführer und Wasner als Beisitzer wieder Klaffeneintheilung statt Zwölftel Sechstel einzuführen, ihren An- des Landesvorstandes herausgegeben wird, ist beinahe vollständig gewählt wurden, für den ausscheidenden Genossen Herrmann trag auf Abschaffung der Klaffengeseze wiederholen werden. Da abgesetzt. An den Bericht knüpfte sich eine längere Diskussion an, wurde Genosse Behr als Beisitzer gewählt. dieser Antrag auf alle Fälle abgelehnt wird, so würden sie für in welcher sich einige Delegirte beschweren, daß ibre Artikel entden Antrag des Zentrums stimmen, weil derfelbe eine kleine Ver. weder garnicht aufgenommen werden, oder daß Streichungen in " der Ein seitens der badischen Landesversammlung aus Heidelberg eingetroffenes Begrüßungstelegrammi wird zur Verlesung Rednerin wünscht bessere Untergebracht. Als Delegirter der württembergischen Landesorganisation| Staat zu gunsten der Sozialdemokratie zu einem Schadenersatz 1 etwas über die Zahl der politisch organisirten Arbeiterinnen mit zum internationalen Kongreß in London wurde der zur Zeit im von 321 Gulden wegen unbegründeter Konfiskation der Arbeiter- und schätzt sie auf über 3000. Gefängniß sich befindende Redakteur Tauscher einstimmig ge- Zeitung" verurtheilt.( Heiterkeit.) Weniger erfreulich ist leider stützung der Arbeiterinnenbewegung. wählt. Zum Vertrauensmann für Württemberg wurde Reichstags- noch immer der finanzielle Bericht. Er schließt in Einnahme Abgeordneter Dieß wiedergewählt. und Ausgabe mit 12 372 Gulden.. " Parteitag der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Oesterreichs. Prag. 5. April 1896. In der festlich geschmückten„ Schüßenhalle" begann heute Vormittag um 10 Uhr der fünfte Rongreß der österreichischen Sozialdemokratie. Genosse Schrammel eröffnete ihn mit einer kurzen Ansprache, in der er zunächst des Todes von Friedrich Engels gedachte. Zu Ehren des Verstorbenen erheben sich die Delegirten von ihren Plägen. Als wichtigste Aufgabe des Rongresses bezeichnet Redner die Organifirung der Partei zur Erringung des allgemeinen Wahlrechts. ( Beifall.) Wir kennen keine Konfessions, feine Nationalitäts fragen; unser Ziel ist allein die Befreiung des rechtlosen, aus gebeuteten Boltes aus ökonomischer und politischer Knechtschaft." Mit einem Dank an die czechischen Genossen, die den Kongreß trefflich vorbereitet haben, schließt der Redner. " Hierauf konstituirt sich der Parteitag. Als Vorsitzende werden gewählt: Steiner Prag, Popp- Wien, 3 eller Teplit und Dr. Thadd. Reger Mährisch- Ostran. : Die Debatte wird eröffnet. = Dr. Adler Wien: Der Bericht der Parteivertretung mußte mangelhaft sein, weil es unmöglich ist, alles, was in 2 Jahren Gegen 9 Uhr Abend schloß der Vorsitzende Blos mit einem Wenn Sie finden, daß die Parteivertretung ihre Pflicht er- geschehen ist, in einem furzen Bericht zusammenzufassen. Wozu fräftigen Schlußwort und einem dreifachen Hoch auf die Sozial- füllt hat, so ertheilen Sie ihr Decharge.( Beifall.) auch solche Ausführlichkeit. Wir berichten an Leute, die mit uns demokratie die Versammlung, von dem vorgesehenen zweiten Genoffe Smetana referirt in czechischer Sprache über die im Kampfe, im Leben stehen. Wir haben in den zwei Jahren Tag der Verhandlungen konnte somit Abstand genommen Parteithätigkeit der czechischen Sozialdemokratie. Die czechischen mehr Geschichte gemacht, als irgend eine andere Partei.( Sehr werden. Hierauf vergnügten sich die Delegirten noch einige Proletarier haben sich der allgemeinen Organisation des öfter- richtig.) Der Parteibericht fann einen Monat vorher erstattet Stunden an der von dem Sozialdemokratischen Verein Stuttgart reichischen Proletariats eingefügt zum Vortheil für beide Theile. werden, wenn Sie dafür sorgen, daß die Berichte der Kreisund dem Gesangverein Lassallia" arrangirten Abendunter- Die Organisation hat große Fortschritte gemacht; auch an organisationen rechtzeitig einlaufen. Genossin Popp hat recht, haltung. Verfolgungen hat es nicht gefehlt. Die Willkür der Bezirks- wenn sie sich beschwert, daß der Arbeiterinnenbewegung nicht Die Genoffinnen haben hauptleute ist die alte geblieben. Es erscheinen 10 politische genügend Erwähnung gethan wird. Organe mit 31 900 Abonnenten, 2 humoristische Blätter zwar allen Grund, sich darüber zu beklagen, daß sie in den mit 10 000 Abonnenten und 11 gewerkschaftliche Fachblätter mit Organisationen nicht die Beachtung und Vertretung finden, auf 23 000 Abonnenten. Auch die Czechen hoffen es zu einem Zage- die das weibliche Element Anspruch hat, aber sie tönnen nicht blatt zu bringen.( Bravo!) sagen, daß die Partei als solche der Arbeiterinnenbewegung in den Weg getreten sei. Sie können höchstens sagen, daß aus Genoffe Feigl Wien tadelt, daß der Parteibericht erst am bureaukratischen und anderen Gründen auch in unserer giebt es mits Bureaukraten.( Heiterkeit.) Parteitage erschienen ist und beantragt, daß er fünftig einen Partei Bei der unter den Arbeiterinnen nicht die Vers genügende Monat vorher im Zentralorgan veröffentlicht wird. In der Arbeiterinnenbewegung ist Frage, ob man sich an den Wiener Gemeinderathswahlen be- tretung gesichert ist. theiligen sollte, waren die Wiener Genossen gespalten. Nachdem in den zwei Jahren kein Stillstand eingetreten. Besonders die die Reichs- Parteivertretung das Gintreten beschloffen hatte, unter gewerkschaftliche Organisation der Arbeiterinnen hat große Fortwarf man sich der Parteidisziplin. Gewonnen haben wir durch schritte gemacht. Und Gewerkschaftsbewegung und politische die Betheiligung nichts.( Beifall und Widerspruch.) Partei gehören zusammen. Es ist ein und dieselbe Sache wie .Genosse Berner Mährisch- Ostrau gedenkt des lehten Leib und Seele.( Beifall.) Ohne den Leib der Gewerkschaften Bergarbeiter- Streits im Ostrau- Karwiner Revier, des groß- fchwebt die Partei in der Zuft; ohne die Seele der Partei und artigsten Ausstandes, den Desterreich bisher gesehen hat. der revolutionären Ueberzeugung versumpft die Gewerkschafts30 000 Arbeiter, zum großen Theil des Lesens und Schreibens bewegung, wie sie es in England gethan hat.( Bravo.) unkundig und zwei verschiedene Sprachen sprechend, verbanden Was unsere Betheiligung an den Wiener GemeinderathsDie Geschäftsordnung wird genehmigt und als Tages sich solidarisch und standen vier Wochen lang im Kampf. Die wahlen betrifft, so ist es eine fleine Uebertreibung, wenn Feigl ordnung festgesetzt: 1. Parteibericht. Referenten: Gen. Ellen Rothschild's und die erzherzogliche Kameraldirektion in Teschen von einer Art Spaltung gesprochen hat. Das Eintreten in die bogen und Smetana. 2. Bericht der Kontrolle. waren wirthschaftlich nicht so zu verlegen, daß sie zur Kapitulation Kommunalwahlen war uns schwer, aber es war unvermeidlich. 3. Wahlreform. Referenten: Genoffe Dr. Adler und Vanek. hätten gezwungen werden können. Darüber war man sich von Die czechischen Genossen tamen in feinem Bezirke ernstlich in 4. Organisation und Tattit. Referent: Genosse Reumann. vornherein klar. Ein Sieg war nur dadurch zu erzwingen, daß betracht. Wäre dies der Fall gewesen, so hätten wir sie gewiß 5. Parteipresse. Referent: Genosse Popp. 6. Wahl der Partei- die öffentliche Meinung gegen diese hochmüthigsten aller Aus- von der Nothwendigkeit der Betheiligung überzeugt. Der Erfolg Wir haben großen agitatorischen Einvertretung. 7. Fortschritt der Sozialgesetzgebung in Desterreich. beuter Stellung nahm. Das geschah dank der Thätigkeit der hat uns recht gegeben. Referent: Genoffe Reumann. 8. Lage und Forderungen Wiener Genossen, denen Redner den Dank der Bergarbeiter aus- brud erzielt und den Genossen in der Provinz werthvolles der ländlichen Arbeiterschaft. Referent: Genosse Dr. Verkauf. zusprechen hat. Auch das Eingreifen der Legislatur erwies sich Agitationsmaterial in dem Kommunalprogramm gegeben, das 9. Internationaler Kongreß in London. Referent: Genoffe als sehr wohlthätig. Das Parlament schuf ein Spezialgefeß, die Verbindung unseres Programms mit den Bedürfnissen des Dasczynski. 10. Allgemeine Partei- Angelegenheiten. das der Hauptforderung der Bergarbeiter, türzere 2ohn- Alltags darstellt. Wir glauben auch darin unsere Pflicht gethan fristen, entsprach. Durch die Verhandlungen im Parlament zu haben.( Lebhafter Beifall.) wurde der Brutalitat der Rohleuprozen in etwas Ein- Die Debatte wird hierauf geschlossen. halt gethan. Der Streit hat schwere Opfer geloftet. In seinem Schlußwort tommt Genoffe Dr. Ellenbogen die Organisation zu zerstören, find über hundert Ge- auf die Frage des Massenstreits zu sprechen, die von einem noffen, zum größten Theil Familienväter, gemaßregelt worden. Redner geftreift war. Wir waren, sagt er, überzeugte Anhänger Justiz und Bureaukratie haben sich beim Streit in den Dienst des Maffenstreits. Aber die Erfahrung hat uns belehrt, daß des Kapitals gestellt. Besonders hervorgethan hat sich das wir, wenn von einem solchen Mittel die Rede sein sollte, zuBezirksgericht Freistadt, das über 60 Personen Strafen von nächst die Gewerkschaftsorganisationen auf ihre Stärke prüfen 2 Wochen bis zu 2 Monaten verhängt hat wegen Uebertretung müssen. Nun haben die Organisationen zwar große Fortschritte des Koalitionsgefeges. Die„ Silefia", das Organ der erzherzog gemacht, aber auf Befragen haben sie erklärt, daß sie nicht überall lichen Kameraldirektion, stellte dem Richter, weil er seinen Beruf in die eigene Stärke das nöthige Vertrauen sezen könnten, um so ganz und voll erfaßt hat", einen Orden in Aussicht. Redner dieses Kampfmittel in Anwendung zu bringen. schildert das perfide Verhalten der czechischen Nationalen, die durch ihre Heßereien jedoch nur erreichen werden, daß sich die Bergarbeiter noch fester als bisher auf dem Boden des Klassen tampfes organisiren.( Beifall.) Den Vorsitz am heutigen Tage führt Genosse Popp. Einstimmig wird folgendes Begrüßungs- Telegramm an Liebknecht beschlossen:" Der fünfte sozialdemokratische Parteitag sendet post festum dem alten Soldaten der Revolution die herzlichsten Glückwünsche zu seinem siebenzigsten Geburtstage." Den anwesenden Vertretern der politischen und gewerkschaftlichen Parteipresse wird das Stimmrecht eingeräumt. Angemeldet sind 147 Delegirte. Nach Wahl einer Mandatsprüfungs- Kommission wird in die Tagesordnung eingetreten. Den Parteibericht erstattet Gen. Dr. Ellenbogen: Die Thatsache, daß der jetzige Parteitag unter einem ganz anderen politischen Regime tagt, als der vor zwei Jahren, erzählt die politische Geschichte der letzten Zeit. Vor zwei Jahren tagten wir unter der Herrschaft der Koalition, jener ebenso gewiffenlosen wie unfähigen Verschwörung gegen die Arbeiterklasse, deren Namen eines der schmutzigsten Blätter in der Geschichte Defterreichs bezeichnet. Die Partei hat ihre Aufgabe der Koalition Dr. Morgenstern- Brünn und Gerin- Triest. gegenüber gelöst. Sie hat ausgesprochen das, was ist und hat ihrerseits dazu beigetragen, die ganze Hohlheit und Nichtigkeit des Systems Windischgrätz und seine Unfähigkeit zu jeder politischen Aktion, vor allem zur Wahlreform, vor der Oeffentlichkeit zu enthüllen. Redner giebt hierauf einen Ueberblick über die Gesammt thätigkeit der Partei, der das erfreuliche Wachsthum der öster reichischen Sozialdemokratie in jeder Richtung hin zeigt. Um An der weiteren Debatte betheiligen fich noch Rrapka- Brünn, Eine Reihe Begrüßungstelegramme liegen vor. Die Wiener Arbeiterinnen haben ihre Delegirtinnen zurückgezogen, weil die Wiener Partei- Organisation das Geld hierzu nicht bewilligen wollte und kündigen in einem Schreiben an den Parteitag an, daß sie eine eigene Organisation bilden würden, weil sie wohl nach außen hin als gleichberechtigt bezeichnet würden, im übrigen aber für ihre Bestrebungen bei manchem Parteigenoffen nur Sohn und Spott fänden. Ueber den Brief wird bei Punkt 4 der Tagesordnung verEs giebt 14 deutsche, 13 czechische, 1 italienische und 2 polnische Kreisorganisationen, von denen die deutschen 110 Behandelt werden. zirks organisationen umschließen. Die Parteivertretung hat Um 2 Uhr vertagt sich der Kongreß auf Montag 9 Uhr. 100 Sigungen abgehalten; 61 Kreiskonferenzen haben stattgefunden. Prag, 6. April. Die heutigen Verhandlungen wurden von Die Organisation der Bergarbeiter, womit der letzte Partei- Popp- Wien mit einer Begrüßung des Genoffen Molten tag die Parteiwertretung betraut hatte, ist erfolgreich unternommen bu hr eröffnet, der von der deutschen Partei nach Prag entfandt worden. Drei große Agitationstouren haben in die Bergwerks- ist. Genosse Auer ist durch Familienverhältnisse am Erscheinen bezirke stattgefunden. Die Bergarbeiter- Organisationen haben verhindert. riefige Fortschritte gemacht und stehen vollständig auf dem Boden der Partei. Hierauf wird der Parteileitung einstimmig Decharge ertheilt und beschlossen, eine Kommission mit der Vorbereitung der Neuwahl der Parteileitung zu betrauen. Nachmittagsigung. Den Vorsiz führt 3eller Reichenberg. Ueber Punkt 3 der Tagesordnung Die Wahlreform" referirt Genosse Dr. Adler: Wieder müssen wir über die Wahlreform sprechen aber unter wesentlich anderen Verhältnissen als vor 2 Jahren. Die damalige Regierung des Fürsten Windischgräß, der geschäftsführende Ausschuß aller besitzenden Parteien Desterreichs, führte die Wahlreform zwar im Munde, setzte jedoch alles daran, sie zu vereiteln. Unsere Tattit war gegeben: Diese Regierung muß weg; mit Ungestüm muß die Wahlreform verlangt werden, um jedem klar zu machen, daß eine Regierung Die ohne Wahlreform auch in Desterreich unmöglich ist. Wahlreform war eine Lebensfrage für uns geworden; ohne Wahlrecht konnte die Partei nicht mehr weiter kommen. Auf die Geschichte der Wahlrechtsbewegung seit 1893 will ich hier nicht näher eingehen. Die herkömmliche Antwort der Gegner war: Ja, den Arbeitern gebührt das Wahlrecht und zwar sollen es die Beffergestellten erhalten. Das spezifische Arbeiterwahlrecht mit mehr oder minder begrenzter Mandatzahl tauchte sofort als Graf Taaffe Moltenbuhr dankt namens der deutschen Sozialdemo- als Plan in dem Bürgerthum auf, einbrachte. Es liegt diesem Projekte fratie für die freundliche Begrüßung. Es ist, sagt er, ein alter seine Wahlreform Gedanke zu grunde, die Arbeiterklasse politisch zu Im Laufe der zwei Jahre haben über 2000 Voltsversamm: Brauch, daß die beiden Parteien, die früher nur eine waren, zu der 31 spalten. Dieser Gedanke liegt auch fungen stattgefunden, von denen 65 verboten wurden. Die ihren Parteitagen Delegirte entsenden. Ihr Delegirter hat in isoliren und Bildung politischer Arbeitervereine hat sich bewährt und trägt Breslau unangenehme Erfahrungen gemacht, er hat aus dem den verschiedenen Projekten des Ministeriums Windischgrät und zur Heranziehung der Indifferenten bei. Streich der Breslauer Polizei gesehen, wie die Regierung eines des Parlamentes zu grunde. Gegen diesen Gedanken haben die Erfolge sind auch in der Heranziehung der Bauern erzielt großen Reiches verfährt. Ich bin hierher gesandt, Ihnen den Arbeiter energisch protestirt. Mit dem Sturze der Koalitionsworden. In Rostonitz in Mähren giebt es eine eigene sozial- Gruß und Glückwunsch der deutschen Partei zu überbringen. regierung war das Projekt, den Arbeitern nur Mandate zu demokratische Bauernorganisation. Ebenso ist es in West- und( Lebhafter Beifall.) Auf die österreichischen Kampfgenossen blickt bieten statt des allgemeinen Wahlrechts, beseitigt. Wie liegen die Südböhmen an verschiedenen Orten gelungen, die Bauern für die deutsche Sozialdemokratie mit besonderer Spannung. Die Dinge nun heute? Die Regierung des Grafen Badeni ist an die die Partei zu gewinnen. In Galizien, das in der Hauptfache Ausdauer, mit der sie ten Kampf um das allgemeine Wahlrecht Reihe gekommen, von der man uns versichert hat, daß sie nicht Ackerbau treibt, waren die Genossen wohl oder übel gezwungen, führen, erfüllt uns mit hoher Bewunderung. Wir wissen, daß Sie nur die Regierung der starken Faust, sondern auch die einer sich mit der Agrarfrage zu befaffen. in diesem Kampfe niemals erlahmen werden. Jeder Sieg, den besonderen Intelligenz sei. Dafür erwarten wir noch die BeDort ist die Aufstellung eines eigenen Bauernprogramms Sie erringen, ist auch ein Sieg für uns, ist ein Sieg für weise.( Heiterkeit.) Und es wurde weiter gesagt, daß diese ReDie gierung die Wahlreform machen würde. ( Lebhafter Beifall.) angeregt worden. Die Verhandlungen sind aber noch nicht be- die Sozialdemokratie überhaupt. Das hat sie in der endet. Bereits betheiligten sich galizische Bauern an der Mai- Proletarier aller Länder bilden eine Kampfesorganisation. Und That gethan. Sie hat dem Parlamente eine Wahlreform geradezu feier, und der Ausfall der letzten galizischen Landtags- Wahlen, so wie die Reaktionäre aller Länder von einander lernen, lernen aufgezwungen; es ist kein Zweifel, daß diese vom Parlament Die Wahlreform ist ein Auskunftsder Erfolg der radikalen Bauern, ist mit das Verdienst der auch wir von einander. Was heute in Rußland gegen uns angenommen werden wird. ein Hohn auf alle Prinzipien. sozialdemokratischen Organisation. probirt wird, wird in Deutschland morgen nachgemacht. Auch mittel schlimmster Art, im weitesten Umfange Die Partei hat begonnen, sich an den Wahlen in die Ge- wir haben noch um das allgemeine Wahlrecht zu kämpfen. Zwar Das allgemeine Wahlrecht wird aber zugleich dafür gesorgt, daß das was meindevertretungen zu betheiligen. In Gemeinden West- und haben wir es für das Reich; aber es fehlt in den einzelnen eingeführt, Nordböhmens und in einer Gemeinde Vorarlbergs sind Genossen Vaterländern. Sie wissen, was die sächsische Reaktion soeben dabei herauskommt, sofort vernichtet wird durch das Bedie Gemeindevertretung eingezogen. Das Kommunal- unternommen hat. Ihr Kampf um das Wahlrecht wird nun stehenbleiben des alten Unrechts, der alten Privilegien.( Beifall.) programm der Wiener Sozialdemokratie war mustergiltig, und unsern sächsischen Genossen ein Vorbild sein. So werden wir Wir betrachten das Wahlrecht nicht als Mandatfabrik, sondern wenn auch nicht ein thatsächlicher, so wurde in Wien doch der stets Schulter an Schulter kämpfen und uns nach Kräften unter- als bestes Mittel, die Arbeiterklasse aufzuklären und zu organiDas Moment der politischen Bildung des Volkes durch moralische Erfolg errungen und der Kampf zwischen Antisemiten stüßen. Hoch die Waffenbrüderschaft der österreichischen und der firen. und Liberalen, der vorher rein persönlich war, in einen Kampf deutschen Sozialdemokratie, hoch das kämpfende Proletariat aller das Wahlrecht wird durch die Badeni'sche Reform so vermindert, was bleibt davon daß über. man sich fragen muß, Länder, hoch die internationale Sozialdemokratie! um sachliche Ziele verwandelt. haupt noch übrig. Auch die 72 Mandate, die es giebt, Die werden zum fleinsten Theile zufallen. bürgerlichen Parteien tlage ich an, daß sie aus Feigheit wieder einmal ihre eigenen Interessen verrathen und mit den feudalen Resten im alten Wahlrecht nicht aufgeräumt haben: 5000 Großgrundbesitzer- Familien verfügen über 85 Mandate und den fünf einhalb Millionen werden nur 72 Mandate eingeräumt. Diese Feigheit des Bürgerthums wird sich rächen. Die Liberalen sagen ja ganz offen: Ja, wenn ihr vernünftige Leute wäret und uns der Leser der Parteiblätter zu prüfen. Im Jahre 1894 hatten Die Genossen Dr. Ingwer und Pelikan bekämpfen die wählen würdet, so würden wir ja das allgemeine Wahlrecht geben. wir 21 politische Blätter mit einer Auflage von 72000 Exemplaren; gestrigen Ausführungen Feigl's. Die Versammlungen, die sich( Heiterfeit.) Die Klaffengegenfäße sind bereits so entwickelt, daß im Jahre 1896 haben wir 28 politische Blätter mit einer Auf- mit den Kommunalwahlen befaßten, seien die besuchtesten ge- die Arbeiterklasse den Kampf um das allgemeine Wahlrecht allein lage von 95 800 Exemplaren. Ein weiterer Fortschritt ist das wesen, die die Partei in der letzten Zeit gehabt habe. Das führen mußte." Von den 72 Mandaten der neuen Kurie wird tägliche Erscheinen der Arbeiter Zeitung". Die Fachblätter Kommunalprogramm sei zum Leitfaden und zur Waffe für die die deutschliberale Partei nicht eines gewinnen. Weshalb tritt fie dann für die Badeni'sche Wahlreform ein? Weil sie viel lieber haben sich von 29 auf 32 vermehrt; ihre Auflage ist von 79 950 Genossen in der Provinz geworden. auf 111 700 gestiegen. Mit den humoristischen und anderen Feigl hält seine Behauptungen aufrecht und hebt hervor, etwas an Mandaten und parlamentarischem Einfluß verlieren Blättern zusammen verfügen wir jetzt über 65 Blätter statt 55 daß die czechische Organisation in Wien die Betheiligung an den will, als der Arbeiterklasse durch das allgemeine Wahlrecht eine gefährliche Waffe zu geben. Was die Deutschliberalen find, im Jahre 1894 mit einer Gesammtauflage von 229000 Exemplaren Kommunalwahlen abgelehnt habe. gegen 179 150 Exemplare. Von diesen Organen erscheinen 33 in Resel Graz bedauert, daß die Deutsche Berg- und werden die Czechischliberalen bald werden.( Heiterkeit.) Die deutscher, 25 in czechischer, 4 in polnischer, 1 in slovenischer, Hüttenarbeiter- Zeitung" von dem Carwiner Bergarbeiterstreit Wahlreform ist also direkt gegen uns gemacht; fie giebt das 2 in italienischer Sprache und eins im jüdischen Jargon. faum Notiz genommen habe. Ueberhaupt nähmen die deutschen Minimum dessen, was gegeben werden muß. Sie giebt dem Auch die Zahl der politischen Verfolgungen ist ein Ausdruck Genossen an den österreichischen Lohnkämpfen nicht den nöthigen Bolte den Stimmzettel in die Hand, nimmt dem Stimmzettel aber jedes Gewicht. Das indirekte Wahlrecht wird zur Regel für den Erfolg unserer politischen Thätigkeit. In den zwei Jahren Antheil. wurden 61 Jahre 7 Monate 23 Tage Gefängniß über unsere Dr. Berstel Neunkirchen wünscht, daß der Parteibericht gemacht; in allen Einzelheiten zeigt sich die pfiffige Schlaubeit Genossen verhängt. In Böhmen und Galizien ist eine neue Form fünftig vollständiger sei. Besonders erheische die Frage der Ge- des Stanczyken, die mir wie eine Kreuzung von polnischen Edelder Bestrafung ohne gerichtliches Urtheil eingeführt worden, die wertschaftsorganisation und der Streits eine größere Berücksichti- leuten und polnischen Juden vorkommt.( Große Heiterfeit.) Verhängung der Untersuchungshaft. Im ganzen wurden nicht gung. Auch über die internationalen Beziehungen der Partei Die einzelnen Wahlbezirke find mit größtem Raffinement fo weniger als 9 Jahre 21 Tage Untersuchungshaft verbängt. An follte mehr mitgetheilt und Stellung zu den neuen Ideen, z. B. zugeschnitten, daß die industriellen Kreise umgeben sind von ländlichen Kreisen, damit sie von diesen erdrückt werden.( Beifall.) Geldstrafen wurden 1319 Gulden 50 Kr. bezahlt. Die blinde zum Genossenschaftswesen, genommen werden. Verfolgungswuth der Staatsanwälte charakterisirt sich durch die Frau Adelheid Popp bedauert, daß die Kreisorganisa- Die herrschenden Klassen glauben, die Arbeiter würden sich be 419 Freisprüche sozialdemokratischer Angeklagten, zu denen selbst tionen über die Arbeiterinnenbewegung nichts berichtet hätten. ruhigen, wenn sie ein paar Mandate erhalten. Für uns bedeutet die österreichischen Richter kamen. Einmal wurde sogar der Nur der Bericht der niederösterreichischen Organisation theilt die Wahlreform aber nur einen Schritt vorwärts. Wir schließen in Ebenso wurde der Versuch unternommen, die Bezirks. Krankenkassen und die Unfallversicherungs- Kassen zu erobern, und er war an manchen Orten erfolgreich. Die Versammlung stimmt begeistert in das Hoch ein. Nach Eintritt in die Tagesordnung wird der Bericht der Mandatsprüfungs- Kommission und der Reichskontrolle entgegenDie Gewerkschaftsbewegung hat riesige Fortschritte gemacht; genommen. Im Namen der letzteren beantragt 3 eller die Zahl der Mitglieder der Organisationen und der Leser der Reichenberg die Entlastung der Parteivertretung. Fachblätter hat außerordentlich zugenommen. Sodann wird die Debatte über den Bericht der Partei: Die Zahl der Parteigenossen können wir leider nicht, wie vertretung fortgesetzt. Sie erstreckt sich in der Hauptsache auf die deutsche Partei, durch die Wahlziffern feststellen; die Wiener Gemeinderaths Wahlen und ihren Sugen für die wir müssen dem Auskunftsmittel greifen, zu die Zahl Partei. " = uns nur " B B W von der feinen Waffenstillstand, keinen Frieden, sondern fragen uns nur die Arbeiterschaft Sieger. Im Jahre 1895 hatte sich die wirth- eine Mitgliedschaft hat, so werden sie an diese überwiesen. fühl, wie können wir die Situation ausnutzen. Die Wahlreform schaftliche Lage etwas gehoben, die Kämpfe der Textilarbeiter Gin von Augsburg zu§ 6 gestellter Antrag wird zurücklann für uns nur der Ausgangspunkt einer neuen Wahlrechts- verliefen deshalb günstiger. Aachens Textilarbeiter führten gezogen. 3u§ 11 wird beschlossen, daß der Ausschuß seinen Bewegung sein.( Bravo!) Wenn man an den Fesseln reißt, ununterbrochen 10 Monate lang den Lohnkampf mit dem Unter- Bericht auf der Generalversammlung persönlich durch eins seiner bis fte brechen ist das eine Anerkennung der Be- nehmerthum und setzten ihre Forderungen größtentheils durch. Mitglieder erstatten muß und daß diese Berichte vervielfältigt rechtigung der Fesseln? Die Badeni'sche Wahlreform Auch in Sagan und Glauchau war dies der Fall. Fast und den Delegirten übergeben werden sollen. Apolda hat zu ist heuchlerisch bis ins Mart hinein; es will dem durchweg handelte es sich in erster Linie um Verkürzung der§ 12 beantragt, daß der Hauptvorstand den Auszahlern von Volfe nur vorlügen, daß es das allgemeine Wahlrecht erhält. Arbeitszeit und dementsprechende Lohnerhöhung. In Kottbus Reise- Unterstüßung die Neugründung von Zahlstellen sofort mitWenn diese Mißgeburt aber einmal da ist, so müssen wir uns hat der Streit der dortigen Kollegen die größte Sympathie her theilen soll. Dies wird angenommen; ebenfalls ein Antrag fragen, was fangen wir damit an? Die mittelmährische Or- vorgerufen. Die aufgestellten Forderungen, besonders die nach der Krefeld, wonach die Filialen im Januar jeden Jahres ihre ganisation schlägt uns in einer Reſolution vor, das Zustande 11 stündigen Arbeitszeit, mußten als gerechtfertigt anerkannt werden. Verwaltung zu wählen haben und den Vollzug dem Vorstand kommen der Badeni'schen Wahlreform mit allen Mitteln zu ver- Wenn nicht in allen Streits ein materieller Erfolg verzeichnet mittheilen müffen, der auf grund dessen Adressenverzeichnisse hindern. Wie soll das aber geschehen? Es ist eine Julufion, werden konnte, so sei doch der moralische Erfolg nicht zu unter- aufzustellen und den Ortsverwaltungen zuzusenden hat.- Die nach solchen Mitteln zu suchen. Die Parteivertretung schlägt fchäßen. Streitbrecher habe es nirgends gegeben. Auf die zu den§§ 13 und 16 von Elberfeld, Liegnig, Görlig Ihnen dagegen folgende Resolution vor: Agitation sei weniger verwandt worden. Dies erkläre sich und Apolda gestellten Anträge werden durch Uebergang zur " Der Parteitag beschließt: Die Wahlreform, die von der daraus, daß die einzelnen Landes- Agitationskomitees die Zentral- Tagesordnung erledigt. Bu§ 18 beantragt Apolda, daß Sozialdemokratie der Regierung und dem Parlamente ab- ftelle von Arbeit entlasteten. Je größer der Verband werde, je Termin, Ort und Wahlkreis- Eintheilung 12 Wochen vorher vom gezwungen wurde, liegt abgeschlossen dem Parlamente vor und mehr erleichtere sich auch die Agitation. In Hof habe der Ver- Vorstand bekannt gegeben werden. Dem wird zugestimmt. ihre Annahme ist unzweifelhaft. Sie gewährt dem arbeitenden band noch mit 10 000 Mitgliedern abgeschloffen; jeßt, nach zwei Zu dem von Nowawes gestellten Antrag, der dieselbe Materie Volte das allgemeine Wahlrecht nur, um die Wirkung seines Jahren, zähle er 17 000 Mitglieder. Wenn auch eine Anzahl zu§ 22 behandelt, wird Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Stimmrechts zu vernichten. Der gesammte Besitzstand der öster unficherer Kantoniften hiervon abgerechnet werden müsse, so Liebold Greiz beantragt, daß in Zukunft in Sachsen reichischen Verfassung an Vergewaltigung, Unterdrückung und bleibe doch immer eine erfreuliche Zunahme von 33 pCt. Seitens und Reuß älterer Linie nicht wieder nur ein Wahlkreis, sondern Korruption wird unverkürzt erhalten und die fünfte Kurie der der Behörden seien dem Verband in Sachsen und in Reuß älterer deren mehrere gebildet werden, für jeden Delegirten ein Kreis; Vertretung der befizenden Klaffen zur Majorifirung ausgeliefert. Linie vielfach Schwierigkeiten bereitet worden. Einzelmitglieder die Wahl wird durch den Hauptvorstand geleitet. Dieser AnDie ungeheuerliche Größe der Wahlbezirke, das indirekte Wahl- habe man zu Vereinen" geftempelt, Vertrauensleute als solche trag wird angenommen. Bu§ 23 beantragte Nowawes die recht, die Bedingung der sechsmonatlichen Seßhaftigkeit gestalten aufgelöst". Auch im Königreich Preußen sei dies theilweise ver: Urabhimmung innerhalb 6 Wochen nach Bekanntmachung der die Wahlreform zu einem wahren Monstrum. Die Badeni'sche fucht worden. Doch hätten alle Maßnahmen der Behörden nicht betreffenden Anträge, wenn ein Dritttel der Delegirten sich daWahlreform entspricht in feiner Weise dem Willen und dem vermocht, die Organisation zu ersticken. Die Arbeiter fähen mehr für erflärt. Der Antrag findet teine Mehrheit. Die Anträge Bedürfnisse des arbeitenden Volkes, sondern ist ein von der Noth und mehr die Nothwendigkeit des Zusammenschlusses ein und Liegnig zu 27 und 28 werden abgelehnt. Angenommen wird des Momentes eingegebenes elendes Flicwerk. Der Parteitag deshalb seien Unterdrückungsversuche machtlos. noch ein Antrag, der im Fachblatt die Einrichtung einer Rubrik protestirt entschieden dagegen, daß in der Anflictung einer fünften Der Ausschuß beantragt Decharge Ertheilung für den Vor- beantragt, unter der die neuerrichteten resp. aufgelösten Filialen Kurie die Erfüllung der in der Wahlrechtsbewegung aus ftand. Nach unbedeutender Debatte wird dem Antrage zu angezeigt werden sollen. gesprochenen Forderung gesehen werde. Der Kampf zur Er- gestimmt und einstimmig die Decharge ertheilt. Zwei Anträge, Längere Debatte rufen hervor die gleichlautenden Anträge ringung des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts muß den jezigen und die späteren Rechenschaftsberichte den Delegirten von Berlin I, II, III Reichenbach in Sachsen und darum auch fernerhin mit aller Energie fortgeführt werden. gedruckt vorzulegen, werden debattelos angenommen.- Die Man- Hof in B., die allesammt die Loslösung Ter Parteitag beschließt weiter: Nachdem die Vergewaltigung datsprüfer, Boigt Berlin und Liebold Greiz, haben in- Generalfommission verlangen. Voigt Berlin begründet durch die fünfte Kurie eine so gut wie vollendete Thatsache ge- zwischen ihre Arbeiten erledigt. Anwesend sind 42 Delegirte, den Antrag. Die Generalkommission sei überflüssig, wenn sie worden, ist es die Pflicht der Partei und ihrer Vertreter, aus welche zusammen 113 Orte mit 15 600 Mitgliedern vertreten. weiter nichts leisten soll, als für Agitation sorgen. Die Verdiefen gegebenen Thatsachen den größtmöglichen Nutzen zu ziehen Während der späteren Verhandlungen trifft noch der Delegirte bände kommen weiter, wenn die Kollegen die Agitation selbst in und das neue Wahlunrecht als Mittel der Agitation und Orga- für Neumünster ein. Vier beanstandete Mandate werden von die Hand nehmen. Die Verbandsleitung habe im Verbande nisation wie insbesondere als Waffe zur Erringung des all- der Versammlung für giltig erklärt. mehr geleistet als die Generalkommission. Liebold Greiz gemeinen gleichen und direkten Wahlrechts gründlich aus Der zweite Gegenstand der Tagesordnung ist die Berathung tann sich mit den Berliner Anträgen nicht befreunden. Man zunügen. Die Parteivertretung wird darum beauftragt, der gestellten Abänderungsanträge zum Statut. Ein solle doch nicht verkennen, daß der Kommission zu Anfang zu nicht erst die Ausschreibung von Neuwahlen abzuwarten, Busabantrag zu§2 des Statuts, der die Einschränkung der Frauen- viel Arbeit aufgeladen worden sei, was in Halberstadt zu dem sondern gleich nach dem Inkrafttreten der neuen Wahlordnung arbeit hinter Webstühlen, die Erftrebung eines gleichen Lohnes Beschluß führte, der Kommission die Streikunterstügungen nicht die Vertrauensmänner einzuladen, an einem geeigneten Orte des für männliche und weibliche Arbeiter, für Färbereiarbeiter einen mehr als ihr zustehende Aufgabe vorzuschreiben. Aber für planWahlkreises zusammenzutreten, um die Wahlagitation in die durchschnittlichen Lohn von 15 Mark per Woche, Beseitigung der mäßige Agitation sei derselben ein weites Feld überwiesen. Das Hand zu nehmen und Kreis- Wahlkomitees zu bilden. 3. In allen Ueberstunden u. f. w. ebenfalls als Zweck des Verbandes hinstellt, fei auch sehr wichtig und die Kommission habe hier Efolge aufzuKronländern ist eine fräftige Agitation zu entfalten, um die wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt, da ein Theil weisen. Gr glaube ja den Berlinern, daß sie die Kommission nicht Landtage zu veranlassen, die indirekten Wahlen zu beseitigen. der Forderungen schon anderweit im Statut Ausdruck erhalten brauchten, aber im Lande könne man ihre Thätigkeit nicht entDr. Adler kündigt an, daß die Sozialdemokratie sich nicht hat, während anderentheils einige Punkte sich mit den Prinzipien behren. Die Solidarität verbiete es, von der Generalnur an dem Wahlkampfe in der neuen fünften, sondern auch in der organisirten Arbeiter nicht decken. tommiffion zurückzutreten. John- Niederschönweide tritt gleichder dritten und vierten Kurie betheiligen werde und In der Nachmittagiigung wird die Erhöhung falls für die Kommiffion ein. Ebenso der Crefelder Delegirte schließt sein mit stürmischem Beifall aufgenommenes der Beiträge diskutirt. Es sprechen noch 16 Redner, von und Georgi Glauchau. Now ad Nowawes macht dem Referat folgendermaßen:" Die politische Wirkung der denen die meisten gegen die Erhöhung sind. Von diesen wird Hauptvorstand den Vorwurf, daß er über die eventuelle ReWahlreform wird sein, daß das rechtlose Volt noch mehr geltend gemacht, daß die Löhne der Arbeiter so niedrig sind, daß organisation der Generalkommission nicht durch ein Referat für als bisher erkennt, daß nur die Sozialdemokratie fich feiner eine Erhöhung der Beiträge nur die Wirkung hätte, daß ein Aufklärung gesorgt habe. Die Kommission müsse bestehen bleiben Intereffen annimmt. Wir werden dem Volke sagen: Daß Ihr großer Theil der Mitglieder vom Verband abspringen würde und respektive der Anschluß des Verbandes an dieselbe. Habe sie das Wahlrecht habt, das sind wir. Daß Ihr ein schlechtes Wahl- neue Mitglieder viel schwerer als jetzt gewonnen werden könnten, nicht genug geleistet, so liege es daran, daß ihr nicht genügende recht habt, das sind die andern. Wenn Ihr ein befferes Wahl- ja in wirthschaftlich zurückgebliebenen Landestheilen überhaupt Mittel zur Verfügung gestanden hätten. Legterem solle man ab= recht haben wollt, dann kommt zu uns! Wenn man uns einen taum zu gewinnen seien. helfen, dann tönne auch eine intensivere Agitation entfaltet Stein giebt statt Brot, dann nehmen wir den Stein auf und Die Befürworter der Erhöhung führten hauptsächlich aus, werden. Hübsch Berlin macht der Kommiffion den Vorwurf werfen ihn den Feinden ins Gesicht. Das ist die alte Taktik der daß der Verband durch die Erhöhung der Beiträge leistungs- daß sie auf alle oder doch die meisten Kongresse Ver Partei und ich hoffe, daß sie auch die Taktik dieses Partei- fähiger werden würde. Sie wollten lieber weniger Mitglieder, treter entfende was viel Geld tofte, das beffer tages ift!" um mit denselben höhere Leistungen zu erzielen und dann noch den für Agitation bei der indifferenten Maffe Verwendung wirthschaftlich Schwachen lieber Literatur und Versammlungen um- finde. Leutnih Gera ersucht um Ablehnung der Ansonst beschaffen. Auf Antrag Gondler wird namentliche Abstim- träge. In Berlin habe man wohl Mittel und Kräfte mung vorgenommen. Es stimmen 34 Delegirte für Beibehaltung der genug, um die Generalfommission entbehren zu können. In den jezigen Beitragsfäße, 10 für Erhöhung derselben. Now a ck- Provinzen aber sei das nicht der Fall und dort zeigten sich auch Nowawes enthält sich der Abstimmung. Die Erhöhung der die Früchte ihrer Thätigkeit. Der Delegirte aus Görlit Beitrittsgelder wird ebenfalls abgelehnt. Ein Antrag Neuspricht ebenfalls für den Anschluß und erhebt den Vorwurf gegen münster, der für Ausländer, die einem ähnlichen Verband an die Verbandsleitung, daß die Wahlen zum Gewerkschaftstongreß gehörten, unentgeltliche Aufnahme in den Deutschen Verband nicht ausgeschrieben wurden. Wäre dies gefchehen, so hätten sich fordert, wird debattelos genehmigt. Die Verbandsmitglieder die Mitglieder mit der Angelegenheit beffer befaßt.- Bergners in Burgstädt und Schwelm haben beantragt, daß für Berlin ist der Ansicht, daß im Verbande genug rednerische Kräfte Unterstüßungen bei Streits eine beffere Organisation geschaffen vorhanden sind, um für denselben die Kommission überflüssig erwird und der Zentralvorstand nur allein Sammellisten ausgeben scheinen zu lassen. Diese habe die ihr gestellte Aufgabe nicht foll, wie auch die Filialen das Geld an den Zentralvorstand erfüllt. Der geringe Markenumfah zeuge von wenig Sympathie Hannich Steinschönau fürchtet, die Wahlagitation einsenden müssen. Hierbei entspann sich eine lebhafte Debatte für die Kommission. Auch lasse sie das Solidaritätsgefühl verwerde zu viel Geld fosten, ohne eigentliche Er- infolge einer aus Mülhausen i. Els. eingelaufenen De- missen. Dies beweise ihre Stellung zu den Lokalorganisationen. folge zu bringen. Das Wahlrecht als bloßes Mittel der pesche, welche für die dort streikenden Kollegen Unterstüßung Redner fei zwar in einem Zentralverband und trete auch für ihn ein, Agitation sei aber doch schon ein veralteter Standpunkt, heute dringend verlangt, da deren Mittel vollständig ausgegangen feien. aber trotzdem sei er ein Freund der Lokalorganisation. Redner handle es sich für die Arbeiter darum, bereits politische Macht Es wurde den Mülhausener Textilarbeitern der Vorwurf gemacht, polemifirt dann gegen v. Elm wegen deffen Haltung in der Kottauszuüben. Die Provinzgenossen sind von einem Wahlrecht ohne daß sie unzeitig in den Streik traten. Wenn auch ihre Forde- bufer Angelegenheit. Frau Kähler- Hamburg weist in längerer Aussicht auf Erfolg gar nicht begeistert. rungen berechtigt seien, so hätte doch die Erringung derselben Rede alle gegen die Generalfommission erhobenen Beschuldizurückgestellt werden müssen, bis der Streit in Rottbus beendet gungen zurück und hebt dabei besonders hervor, daß vor allem war. Der Delegirte Blinz- Mülhausen vertheidigte das Ver die Textilarbeiter feine Veranlassung haben, die Loslösung zu halten seiner Kollegen, sie hätten nach dem Ausspruch eines beantragen. Der Textilarbeiter Verband habe in letzter Zeit Gewerkschafts- Kongrelle. Mülhausener Fabrikanten für Kottbuser Fabriken Waaren- durch die Agitation der Frau Steinbach, die im Auftrag Lieferungen fertigstellen sollen. Das konnten und wollten die der Kommission reifte, über 550 Mitglieder gewonnen. Die Dritte General- Versammlung des Verbandes aller in der Mülhauser nicht, sie wollten teine Streitbrecher für die Kottbuser Tour im August habe die Neugründung mehrerer ZahlTextilindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Kollegen sein." Nach Schluß der Debatte wird der Antrag stellen als Erfolg zu verzeichnen und in Berlin selbst seien Apolda, 4. April 1896. Burgstädt Schwelm angenommen. Ebenso wird nach weiterer seitens der Kommission acht Versammlungen auf deren Kosten Erster Berhandlungstag. ausgiebiger Diskussion ein Antrag Liegnig mit dem arrangirt. Man möge keine voreiligen Beschlüsse fassen, sondern Jm Saale des Restaurants Borwärts" in Apolda traten vom Borfizenden Hübsch beantragten Zufaß angenommen, wo abwarten, was der Gewerkschaftstongreß beschließen werde. am Bormittag des 4. April die Delegirten zur Berathung zu nach Verbandsmitglieder, die wegen ihrer Thätigkeit für den Verband Den Delegirten zu demselben möge tein gebundenes Mandat fammen. Der Saal ist geschmackvoll und der Bedeutung der gemaßregelt wurden, eine Unterſtüßung in der Höhe von mitgegeben werden. Nach einer persönlichen Bemerkung Verhandlung entsprechend dekorirt. 50 pCt. ihres Lohnes erhalten. Diese Unterstügung wird jedoch nur auf Bergner's werden alle Anträge auf Loslösung mit an EinDer Verbandsvorsitzende Hübsch eröffnet die Sigung und Antrag gewährt und muß von der Filiale begutachtet werden.- ftimmigkeit grenzender Majorität abgelehnt. begrüßt die Delegirten im Namen der Apoldaer Kollegen. Er Für Unterstübungen bei Umzügen sind ebenfalls eine Eine Reihe Anträge betreffs der Agitation werden theils erinnert daran, daß mit dem Fall des Sozialistengesetzes auch die Reihe Anträge gestellt, die jedoch auf Antrag Naumann zurückgezogen, theils dem Kongreß überwiesen, einer auch der Tertilarbeiter aufathmeten und vor nunmehr sechs Jahren der Apolda durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt werden. Generalfommission. Der Antrag: Der Vorstand solle für ein erste deutsche Textilarbeiter Rongreß in Apolda zusammentrat, Abgelehnt werden eine Anzahl Anträge, welche theils obligatorisch, für Schlesien zu druckendes Flugblatt zwei Drittel der Kosten wo die neue Organisation beschlossen wurde. Redner giebt dem theils fakultativ die Arbeitslosen- Unterstügung fordern. und die Filialtasse das übrige Drittel übernehmen, wird abWunsche Ausdruck, daß auch die diesmaligen Verhandlungen ge- Die Majorität der Delegirten stellt sich auf den Standpuntt, gelehnt. führt werden mögen, dem Verbande zum Schuß und dem daß man keine Veranlassung habe, eine Arbeit zu leisten, die dem Vorstand und Ausschuß bleiben wieder in Berlin.- Als Rapitalismus zum Truz. Staate zufomme. Das Arbeitslosenheer bilde eine Zucht Delegirte zum Gewerkschaftetongreß werden gewählt: Hübsch= welche Hierauf wird das Bureau ergänzt durch Naumann ruthe Gesellschaft, zu fürchten lettere Berlin, Wagner Burgstädt und Gondler Elberfeld; zu Apolda als zweiten Vorsitzenden, Georgi Glauchau und alle Ursache habe und ihr Anlaß geben könne zu wirthschaftlichen deren Stellvertretern Gruhl Brandenburg, Biehweg- LimWagner Burgstädt als Schriftführer. Befferungen auf gesetzgeberischem Gebiete. Zwei andere An- bach und Wimpler Baden. Dem Vorsitzenden werden für Mehner Zwickau übermittelt sodann der Versammlung träge auf Gewährung von Sterbegeld rufen gelinde Heiter seine Mühen und Aufwendungen als Entschädigung 300 m. bedie Grüße des Kollegen Reichelt Zwickau, der an den Verhand feit hervor. Es wird auch hier Uebergang zur Tagesordnung willigt. An die Streifenden in Rottbus und Mülhausen werden lungen theilzunehmen durch Antritt einer zweimonatigen Ge- befchloffen. Für Umänderung des§ 3, die Reise unter Sympathie- Telegramme abzusenden beschlossen, nach legterem fängnißstrafe verhindert ist. Die Versammlung beschließt ein Dant- stung betreffend, sind zehn Anträge auf die Tagesordnung Orte zugleich mit der Nachricht, daß man 500 m. Unterstützung und Begrüßungstelegramm an Reichelt. gestellt. Es sind in sechs Quartalen zusammen 6000 m. rund senden werde. Nunmehr berichtet der Verbandskassirer Treu für den Vor- ausgezahlt an Reise- Unterstüßung. Also pro Quartal 1000 m. stand über die Kassenverhältnisse. Aus dem Bericht ist Die Kouponbücher, wie jetzt im Gebrauch, sind unpraktisch, statt hervorzuheben, daß die Gesammteinnahme in der Zeit vom dessen sollen ähnliche Einrichtungen getroffen werden, wie in 1. April 1894 bis 81. März 1896 zusammen 84585,42 M. be- anderen Verbänden folche eingeführt wurden und sich bewährt trug, darunter an Beiträgen 65 106,41 M., an Abonnements- haben. Im übrigen wird der Paragraph dahin abgeändert, daß Ueber den Kongreß des schweizerischen Arbeiter beiträgen seitens des Verbandes 12 000 M. und an Bestand von die Karenzzeit von 6 Monaten auf 1 Jahr erhöht und in Zu- bundes, der am Montag in Winterthur zusammentrat, voriger Abrechnung 4495,75 M. Die Ausgabe belief sich auf funft für jede Strecke, auch die mit der Bahn zurückgelegten, geben wir vorläufig folgende Mittheilungen des Wolff'schen 80 006,77 M. Davon beanspruchte das Fachblatt, welches gratis das Reisegeld ausgezahlt wird. Die Höhe deffelben bleibt wie Bureaus: Anwesend waren 425 Delegirte, die 198 400 Mitglieder an die Mitglieder gegeben wird, 41 890,80 M.; weiter wurden bisher. Hiermit find sämmtliche Anträge, die sich auf die ver- vertraten. Die christlich- soziale Partei in Frankreich war durch ausgegeben für den böhmischen Textilarbeiter" 110,01 m., für schiedenen Arten von Unterstützung beziehen, erledigt. den Deputirten Abbé Lemire, sowie drei andere Abgeordnete sonstige Drucksachen 3484 M., an Streitunterstützungen 16 535,44 vertreten, welche die Beschlüsse der Versammlung ad referendum Mart, davon allein nach Rottbus 11 000 m., während die nehmen sollten. In der Eröffnungsrede erinnerte der übrige Summe sich auf 20 verschiedene Orte der Länder vertheilt. Nationalrath Geilinger an den Stand der internationalen ArNach Spanien find 200 und nach Frankreich 300,44 M. an Die Berathung wird fortgesetzt bei einem von Nowa wes beiterschuß- Gefeßgebung, welche im Jahre 1872 in der Unterstügungen bei Streits gesandt worden. Gemaßregelten zu§ 8 beantragten Zusatz, der die Möglichkeit bietet, daß Ar- Schweiz zuerst angeregt, aber von einem mächtigen Herrscher Unterstüßung wurde 2157,72 M. gezahlt. An Reise- Unterstützung beiter anderer Branchen ebenfalls Mitglied im Textilarbeiter zuerst in Angriff genommen wurde. Die Verhandlung verlief wurde 6090,40 m., für Rechtsschutz 612,72 M. ausgegeben. Der Verband werden können, wenn für diese Branchen feine Organi- fehr ruhig. Der Kongreß nahm nach ausgedehnten Referaten Bestand der Kaffe ist zur Beit 4576,71. fationen am Orte bestehen. Ebenso sollen organisirte Arbeiter, die Thesen über das schweizerische Asylrecht an. Dr. Curtius Der czechische Referent über diesen Punkt der Tagesordnung, Steiner Prag, vertritt den gleichen Standpunkt. In der Debatte beflagt Dolejci Budweis die Vernachlässigung des wirthschaftlichen Kampfes über der Agitation für die Wahlreform. 3ednicet- Proßnig vertritt den Antrag der mittelmährischen Organisation, welche einen Kampf um jeden Preis gegen die Badeni'sche Wahlreform verlangt und die Wahlbetheiligung verwirft. Göpfert( ein früherer Anarchist, der erst vor kurzem aus zehnjähriger Kerferhaft entlassen ist) tritt warm für die Wahlbetheiligung und den Antrag der Parteivertretung ein. Denselben Standpunti vertreten eine Reihe weiterer Redner. Die weitere Debatte bewegt sich in diesen Bahnen und wird schließlich abgebrochen, um morgen fortgesetzt zu werden. A = der 8 weiter Verhandlungstag. Vormittagssigung. V Nach einem Schlußworte des Vorsigenden wird dann die Generalversammlung mit einem Hoch auf den Verband und die gesammte Arbeiterschaft geschlossen. Hübsch Berlin giebt dann den weiteren Rechenschafts- für die eine Organisation ihrer Branche an einem Orte, dem sie verlangte die Entscheidung über Ausweisungen durch nichtbericht des Vorstandes. Seit 1894 find 15 größe Streits gewesen, zugewandert sind, nicht besteht, ohne Zahlung von Eintrittsgeld politische Gerichtsbehörden; ferner über die Kranken- und Unfalldie alle von der Verbandskasse unterflüßt wurden und größten- aufgenommen werden, wenn sie den Verpflichtungen ihren versicherung, die obligatorischen Berufssyndikate, die Ausdehnung theils Abwehrstreits waren. Die im Jahre 1894 ausgefämpften Organisationen gegenüber nachgekommen sind. Kommen solche Mit der Haftpflicht und die Festsetzung der Arbeitszeit der BahuStreits waren meist ohne größeren Erfolg. Nur in Nauen blieb glieder später wieder an einen Ort, wo ihre Berufsorganisation beamten auf 10 statt 12 Stunden. Was ist denn Ios? Haufenweise eilt Berlin, um Karol Weil's Seifen- Extract zu kaufen. 4804L* B. Günzel, Lothringerstraße 52. Spezialität: Porträts sozialistischer Führer, Lassalle, Mary 2c. in Gigarrenspißen, Pfeifen, Nadeln, Brochen, Knöpfen, Büsten Bildern u. dgl. sowie jede Drechslerwaare u. 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