Morgenausgabe Nr. 291 A 150 47.Iahrg» NerUner Vowsblatt Sonnabend 23� Zuni 1930 Groß-Äerlin 10 Auswärts 15 pf. Ott ctatfalttg« Nonparetllezell« BO Pfennig. Retlamezeile 5.— Reichsmark.„Kleine Anzeigen' das iettge« druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuch» das erst« Wort 15 Pfennig, jedes weitere Woi»? 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstabe» "lhlen für zwei Worte. ArbeitsmarA eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« " Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt. «efchäft LindenstraHe 3. wochentäglich von hl/z bis 17 Uhr. Äentralovsan der Sozialdemokratischen Oartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 kternsprecher: Dönbost 292— LS? Telegramm-Adr So�ialdemokra« Berlin. London. 27. Juni. sEigenbericht.) Das Blatt der Arbeiterpartei, der„D aily Heral d". schreibt znr Rheinlandräumung: „Der letzte französische Soldat zieht westwärts zurück über die Rheinbrücken. Die zwölfjährige Besetzung ist zu Ende und kein fremder Soldat wird mehr auf dem Boden der deutschen Republik bleiben. Fünf Jahre früher war wenig Hoffnung, daß dies so bald erreicht sein würde. Mächtige französische Einflüsse hatten einen Vorwand für eine dauernde Besetzung des Rheinlandes gesucht und die Ruhrbesetzung sowie das ttomplott einer rheinischen Republik waren verdächtige Anzeichen. Der gesunde Menschenverstand und die Ge- meinschastsarbeit haben es jedoch verhindert. H e n d e x» s o n s zähnestumpfender Mut im Haag brachte die Dinge in das richtige Fahrwasser. Tie Truppen ziehen ab. Unser erster Glückwunsch gilt dem republi» kanischenDentschland, dessen stetige Selbstkontrolle t Die sozialdemokratische Reichstagsfraktionhat die Einbringung eines Initiativgesetzentwurfes beschlossen, nach dem die Pensionen inZukunft in keinem Fall mehrden Betrag von 1200» Mark im Jahr« übersteigen dürfen. Außerdem wird in dem Gesetzentwurf bestimmt, daß Pensionäre oder Wortegeldempfänger, die neben ihrer Pension oder ihrem Wartegeld ein privates Einkommen haben, das den Betrag von W00 Mark übersteigt, sich eine Kürzung ihrer Bezüge aus öffentlichen Mitteln gefallen lassen müssen. Di« Kürzung beträgt die Hälfte des Betrages, um den das private Einkommen die Summe von 6000 Mark im Jahre übersteigt. Finanzvorlagen heute im Ileichsrat. Amtlich wird mitgeteilt: Reichskanzler Dr. Brüning, der gestern vormittag nach Berlin zurückgekehrt ist, berichtete in der gestrigen Kabinettssitzung zunächst über seinen dem Reichspräsidenten er- statteten Vortrag. Das Reichskabinett verabschiedete sodann die in- zwischen fertiggestellten Texte der dem Reichsrat und Reichstag vor- zulegenden Deckungsvorlage. Die Reichsregierung wird bereits am Sonnabend durch den Mund des Reichskanzlers und des neuen Roichsministers der Finanzen im Reichsrat in öffentlicher Sitzung den Staats, und Ministerpräsidenten der deutschen Länder ihre Vorlagen unterbreiten und auf schleunigste Erledigung im Reichsrat dringen, um sie sodann möglichst noch im Lause der nächsten Woche auch dem Reichstag zur Entscheidung vorzulegen. Sie DeckungSvorschläge. Die Deckungsvorschläge sehen im wesentlichen vor: Fünf- prozentiger Zuschlag zur Einkommen sie u«r mit Ausnahme der Gewerbesteuerpflichtigen, Notopfer der Beamten und der bei Behörden auf Prwatdienswertrag Angestellten von 2% Proz.(Freigrenze 2000 M., die sich für je ein Kind um 250 M. erhöht.) Jedoch soll der Regierung in Form einer Ermächtigungs- klausel die Möglichkeit gegeben werden, auch auf die Fest- besoldeten der freien Wirtschaft zurückzugreifen, falls sich herausstellt, daß das jetzige Deckungsprogramm nicht ausreicht, um den Haushattsfehlbettag zu decken. Streichungen am Etat, die ungefähr 120 Millionen ausmachen, Verzehrsteuer, evtl. Kopfsteuer für die Gemeinden und schließlich Ledigen st euer. Bayerische Volkspartei und Oeckungsprogramm. Die Reichstogsfraktion der Bayerischen Volkspartei beschäftigt« sich in ihrer Freitagfitzung mit dem Deckungsprogramm der Re- gierung. Entgegen anderslautenden Darstellungen läßt die Fraktion erklären, daß sie«ine abschließende Stellungnahm«« r st d a n n trefien wird, wenn die Deckungsoorlagen a g den Reichstag kommen. Die Opposition in der Koalition. Gegen dm Inhalt des Deckungsprogramms, soweit es bekannt geworden ist, haben sich Volkspartei, Demokraten und Wirtfchafts- Partei, auch die Christtichnationalen Bauern, erklärt. Das gibt der �Kölnischen Zeitung" Anlaß zu folgender Betrachtung: JDit Regierung steht also einer Opposition gegenüber, die p-fr oem mau von den gnmdsätzSche» Oppositionsparteien ab- Vorwärts-Verlag G.m.b.H. trotz aller schweren Provokationen zuletzt doch belohnt worden ist. Der zweite Glückwunsch gilt den Franzosen, die in der letzten Zeit ihr äußerstes getan haben, das Unrecht und die Fehler der Vergangenheit wiedergutzumachen. Der dritte Glückwunsch geht an Europa und die gesamte Welt, denn der gesunde Menschenverstand ist in der Politik ein guter Wechsel für die Zukunft. Schade, daß nicht mehr davon im Umlauf sind." Flaggerlaß zum I.Luli. Amtlich wird mitgeteilt: � Aus Anlaß der Befreiung der rheinischen Lande flaggen am 1. Juli im ganzen Reich alle Behörden und Stellen des Reichs, der Länder und der Gemeinden. Außerdem werden von 12 bis 1 Uhr mittags die Kirchen sämtlicher Konfessionen ein feierliches Geläut veranstalten. sieht, aus Christlichnationalen B auern. Deutscher Voltspartei, Wirtschaftspartei und Demokraten zusammensetzt. Zugunsten der Regieruikg spricht lediglich die Tat- fache, daß sich diese Parteien infolg« des taktischen Ungeschicks chrer zur Führung berufenen Persönlichkeiten bisher nicht zu einer Einheitsfront zusammengefunden haben, sondern noch(!) getrennt marschierm." Das ist ein« allerliebste und vielversprechende Anregung! Wenn sich erst ein« Einheitsfront der Opposition in der Koalition auf dieser Grundlage herausbildet, so würde das erstaunliche Faktum eintreten, daß die Regierung die Mehrheit ihrer Koalition gegen sich hat! Eurtius und die Volkspartei. Di« Fraktion der Deutschen Volkspartei wollte nach der Vs- kanntgvbe des Wortlauts der Deckungsvorlagen Beschlüsse fassen über die Erklärung von Curtius, daß er ini Kabinett für das Deckungsprogramm gestimmt habe. Da die offizielle Bekanntgab« der DeckungSvorschläge erst heute erfolgt, hat die Fraktion ihre Sitzung vertagt. Dafür ist der Z e n t r a l v o r st a n d der Deutschen Volkspartei zum 4. Juli nach Berlin berufen worden. Oie(Steuereinnahmen im Mai. RückgonH der Lohnfteuer-Erstattungen. Nach den Mitteilungen des Reichsfinanzmini st eriums betrugen im Monat Mai die Einnahmen des Reiches an Steuern, Zöllen und Abgaben 629,6 Millionen Mark. Auf Besitz- und Ver- kehrssteuern entfallen hiervon 423,9 Millionen, auf Zölle und Ver- brauchsabgaben 205,7 Millionen. Da im April 1930, wie stets in dem ersten Monat eines Viertel- jahres, das Steuerauskommen erheblich durch Vorauszahlungen be- einflußt wird, kann das Auskommen an Einkommen-, Umsatz- und Körperschoftssteuern im Mai nur mit dem entsprechenden Monat des Voroierteljahres, dem Februar, verglichen werden. Hierbei er- gibt sich für den Monat Mai 1930 gegenüber dem Februar 1930 e i n geringes Mehr, und zwar bei der veranlagten Einkommen- steuer von 4,5, bei der Körperschaftssteuer von 4,6 und bei der Um- latzsteuer vsn 2,7 Millionen Mark. Dagegen erbrachte die Ver- mögenssteuer Im Mai nur 87,6 gegen 124,1 Millionen Mark im Februar. Die Mindereinnahme von 36,5 Mil- lionen Mark ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß im Februar erhebliche A b s ch l u ß z a h l u n g e n ein-> gingen und außerdem noch der achtprozentige Zuschlag zur Ver- mögenssteuer zu entrichten war. Di« Lohnsteuer erbrachte im Mai 110,1 Millionen Mark gegenüber 104,9 Millionen Mark im April, mithin 5,2 Millionen mehr infolge des Rückganges der Erstattungen von 13,4 Millionen im April auf 5,6 Mil- lionen Mark im Berichtsnwnat. An Zöllen und Verbrauchsabgaben sind insgesamt 9,3 Millionen Mark weniger als im April aufgekommen. Die Zölle allein brachten mit 66,3 Millionen Mark 14,4 Millionen Mark weniger als im April, immerhin fast ebensoviel wieimMai192 9. An Tabak- st e u« r sind 5,5, an B i e r st e u e r 5,6 Millionen Mark mehr, dagegen an Zuckersteuer 2,8 und an Zündwarensteuer 2,6 Millionen wenig«? aufgekommen als im April. Postscheckkonto: Berlin 27536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellte» und Beamten. Wallstr. 65. Dt. B. u. Di sc.-Gel.. Deposttenkaste Lindenstr. 2. Baldwin— Westarp. Zeitungskönige und Parteiführer. Zornbebend hat der ehemalige konservative Premier» minister Stanley B a l d w i n am Dienstag in einer großen Tagung der Abgeordneten und Vertrauensmänner seiner Partei mit d>n Presselords Rotherm'ere und Beaverbrook abgerechnet. Mit dem Mut der Ver- zweiflung kämpft er um seine Stellung als Führer der kon- jervativen Partei, von der ihn die beiden Zeitungsmagnaten mit vereinten Kräften verdrängen wollen. Die Anklagerede, die Baldwin bei dieser Gelegenheit gegen seine mächtigen Widersacher gehalten hat,- ist nicht nur für England von größter Bedeutung. Ihre moralische und politische Tragweite erstreckt sich auch auf andere Länder, in denen sich ähnliche Erscheinungen bemerkbar machen: sie reizt vor allem zu Vergleichen mit Ereignissen, die sich erst in jüngster Zeit i n Deutschland abgespielt haben. Der Angriff, oder vielmehr die Gegenoffensive Baldwins hat eine längere Vorgeschichte, die zusammenhängt mit der riesenhaften Entwicklung der beiden größten britischen Presse- konzerne unter der Führung des Lord Rothermere und des Lord Beaverbrook. Lord Rothermere ist der Bruder und Erbe des verstorbenen Lord Northcliffe, dem es als ersten in England gelungen war, ausgehend von der „Daily Mail" eine ganze Reihe von wichtigen Tages- zeitungen in London und in der Provinz zu erwerben. Die Macht Northcliffe war durch die„Daily Mail" schon in der Borkriegszeit sehr stark, besonders als ihm der Meistergriff gelang, eine identische Ausgabe gleichzeitig in Manchester drucken zu lassen und damit auch in das industrielle Nord- england bis hinauf nach Schottland vorzudringen und damit den größten Prooinzblättern Konkurrenz zu machen. Northcliffe starb in geistiger Umnachtung, nachdem er in seinep letzten Lebensjahren wiederholt deutliche Zeichen des Cäsarenwahnsinns gegeben hatte. Sein Werk aber, während und nach dem Kriege bedeutend ausgebaut, blieb und wurde von seinem Bruder Rothermere im selben Geiste fortgeführt. Inzwischen war ein anderer Zeitungsmagnat groß und mächtig geworden, Lord Beaverbrook, der, ausgehend vom„Daily Expreß" und mit ähnlichen technischen Me- thoden wie Northcliffe, ebenfalls einen ungeheuren Einfluß über die öffentliche Meinung ganz Englands gewann. Man mag gewiß einwenden, daß die Leser der„gelben Presse", wie sie in England genannt wird, sich nur zum Teil durch die Lektüre ihrer Zeitung politisch beeinflussen lassen. Denn zweifellos ist ein großer Teil der Millionen von Wählern der Labour-Party dennoch langjährige und regelmäßige Leser des„Daily Expreß" und der„Daily Mail". Der ungeheure Aufschwung des„Daily Herald", der sich in der Auf- machung und in den Methoden diesen beiden Vorbildern neuerdings angepaßt hat und der jetzt mit ihnen den Kampf aufgenommen hat, läßt darauf schließen, daß Hundert- tausende von Arbeiterwählern die„gelbe Presse" bisher nur. notgedrungen, ihrer blendenden Ausstattung wegen, gelesen haben, ohne sich von ihr politisch beeinflussen zu lassen, unv daß sie mit Freude die erste Gelegenheit ergriffen haben, ein ähnlich aufgemachtes Blatt zu halten, das ihrer Ge- sinnung und ihren Klasseninteressen entspricht. Dennoch sind Rothermere und Beaverbrook auch eine politische Macht im Dienste des kapitalistischen Bürger- tums, vor allem der Konservativen Partei. In- dessen gingen sie bisher ihre eigenen, meist getrennten Wege. und schienen keine persönlichen politischen Ambitionen zu haben. Erst neuerdings haben sich die beiden Rivalen geeinigt, und von diesem Augenblick an verschärften sie ihren Feldzug gegen Baldwin. Sie erreichten zunächst den Rück- trit( des Parteioorsitzenden(Organisators) Davidson und seine Ersetzung durch Neville Chamberlain, der als radikaler und energischer gilt. Durch diesen ersten Erfolg ermutigt, forderten sie eine regelrechte Kontrolle über die Konservative Partei. Angesichts dieses Ulti- in a t u m s hat Baldwin die Flucht in die Oeffentlichkeit er- griffen. Er hat das Vorgehen der Presselords als eine„U n- Verschämtheit" bezeichnet und ihnen vorgeworfen, daß ihnen ihr Geld und ihre Macht, die-sie durch ihre Presse er- worden hätten,„wie Wein in den Kopf ge st legen' sei. Als Antwort darauf dürfte jetzt der Kampf gegen � Baldwin durch die beiden Pressekonzerne in verschärfter Form in das ganze Land hinausgetragen werden, und es wird ihnen durch die Macht des Geldes vermutlich ge- lingen. manchen Erfolg zu erzielen. Wer denkt dabei nicht an den Sieg, Ben Hugenberg unter den deutschen Konservativen über den früheren Führer der Deutschnationalen Westarp errungen hat? Hugenberg verdankt seine heutige diktatorische Stellung in der Deutschnationalen Volkspartei ausschließlich der Macht jenes Geldes, das er mit seinem Zeitungskonzern erworben hat. Wie er diesen Konzern erobert und ausgebaut hat, ist eines der trübsten Kapitel der letzten fünfzehn Jahre. Mit einer Subvention des Kaiserreiches ist Hugenberg in den Scherl-Verlag eingedrungen, mit Kriegsgewumeu der Oer Nhein wird frei! Das englische Arbeiterblatt beglückwünscht die deutsche Republik. Gegen die hohen Pensionen. Eln Antrag der sozialdemokratischen �eichsiagsfraktion. OieGchuld der Llntemehmerpartei. Genosse Graßmann über Arbeitslosenversicherung und Lohnsenkungspläne. In der gestrigen Reichstagsdebatte über Strbcitsmarft und Arbeitslosenversicherung sprach nach Minister Stegerwald Abg. Graßmann(Soz.) Selbstverständlich halt'auch die Sozialdemokratische Partei grundliche Hilfe gegen die ungeheure Arbeitslosigkeit für unbedingt notwendig. Aber dazu müßten größere Mittel angewendet werden, als ein an sich begrüßenswertes Arbeitsbeschaffungsprogramm. Es ist vielleicht der tiefste Grund, warum wir nicht schon zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung gekommen sind, daß man in ihr nicht nur etwas wirtschaftlich Unangenehmes und schwer Belastendes sieht, sondern etwas, was dem eigentlichen Welen des Kapitalismus zuwiderläuft: die Aufrichtung einer Sperre gegen die Möglichkeit, die Arbeitsbedingungen je nach dem Schwanken der Konjunktur so festzusetzen, wie die Unternehmer es für richtig halten. Darum ist es eine wichtig« Tatfache, daß die parlanientorische Vertretung der Großunternehmer im vorigen Jahr ein« rechtzeitige und ausreichende Sanierung bewußt hintertrieben hat. Wegen einem viertelprozenl Beitragserhöhung hat man im ZNärz nicht nur die Sanierung hintertrieben, sondern zugleich auch dos Auseinanderfallen der Koalition und die Sprengung der Regie- rung Müller herbeigeführt. Das hat dieselbe Partei getan, die auch heute einer vernünftigen und ausreichenden Regelung absoluten Widerstand leistet. Diese Politik muß die denkbar schlimmsten Wirkungen nicht nur für die Finanzen des Reiches, sondern auch für die Wirtschast selbst haben. Heute weih noch keiner, wie der Etat aussehen wird, wie der Lostenausgleich, wie das Arbeitslosengesetz, und dies« Unsicherheit ist das, was der Minister mit Recht als bewußte Herbeiführung einer Vertrauenskrise bezeichnet hat. und-die die Wiederbelebung der Wirtschaft hindert. Im Augenblick liegen bei den Sanken erhebliche Kapitalien, aber bei einem offiziellen Zinssatz von ZV* Proz. für tägliches Geld, von 3% Proz. für monatliches Geld nehmen die Banken 8 und 9 Proz. bei unter Pari stehender Auszahlung. (Hört, hört! links.) Das aber ist es nicht allein, sondern bei der Un- sicherheit der Lastenverteilung beschränkt man sich bei der Auftrags- Vergebung auf den allernotwendigsten Bedarf und vermeidet eine Auffüllung der Lager. Die Deutsche Volkspartei ist der schlimmste Sachwolter der deutschen Wirtschaft, und wir können täglich de- weisen, wie wenig sie berechtigt ist. sich als Führer der Wirtschaft zu bezeichnen. Meine Partei und die freien Gewerkichaften haben immer in erster Linie verlangt, daß die Arbeitslosen wieder in den Produktionsprozeß einbezogen werden: allerdings, wenn das nicht möglich ist, müssen sie ausreichend versorgt werden. In der Begründung des Gesetzentwurfs zur Abänderung der Arbeitslosenversicherung rechnet das Institut für Konjunkturforschung mit 2Vi Millionen Hauptunterstützungsempfängern. Die Regierung aber glaubt, einen Durchschnitt von 1,6 bis 1,7 Millionen annehmen zu können, dazu über 356 666 Krisenunterstützt«, und sie schätzt die Mehrausgaben für je 166 666 Arbeitslose mehr auf 166 Millionen. Diese Schätzung ist unberechtigt, man kann im Augenblick nicht annehmen, daß die Arbeitslosigkeit zurückgeht. Die Statistik der Arbeitsämter, z. B. desjenigen für Berlin, beweist das Gegenteil. Auch im Baugewerbe ist eine wesentliche Verstärkung der Arbeitsuchenden z» verzeichnen, 86 Proz. mehr als im Vorjahr. Eine Statistik des ADGB. zeigt, daß die Metallarbeiter im Durch- schnitt 17,9 Proz. Arbeitslos« haben, die Kupferschmiede 28,7 Proz., die Textilarbeiter 15,1 Proz., in einzelnen Gruppen noch wesentlich inehr, die Hutarbeiter 29,2 Proz., die Buchbinder 19,5 Proz., die Lederarbeiter 22,5 Proz., die Tapezierer 36 Proz., die Holzarbeiter 29,6 Proz., Di« Fabrikarbeiter trotz der relativ günstigen Lage der chemischen Industrie 26�!' Proz., die Taba-karbeiter 19,5 Proz., alles ohne die Kurzarbeiter. Von den Saisongewerben haben die Maurer 44,2 Proz., die Bauhilfsarbeiter 48 Proz., die Zimmerer 43,8 Proz., die Stcinarbeiter 38,4 Proz. Arbeitslose, selbst in den Saisongruppen einen Durchschnitt von 38,1 Proz. und dazu 13,6 Proz. Kurzarbeiter. Das sind erschütternde Zahlen.(Sehr wahr!) Die Akkordverdienste der Bauarbeiter sind nicht so hoch wie der Minister behauptet hat, so daß sie die Regenzeit und die Wintermonate leicht ertragen könnten. Ein: Stalistik der Bau- berufsgenossenschaft ergibt, daß die Bauarbeiter und in, Baugewerbe Angestellten 1927 verdient haben 1766 M., 1928 waren es 1866 M, 1929 wieder nur 1766 M. Dielleicht hat eine klein« Gruppe etwas mehr verdient, aber ausschlaggebend ist der Durchschnitt.(Zurus von der Wirtschastspartei: lleberhaupt nicht Akkordarbeit!) Da werden Sie wahrscheinlich nicht die Zustimmung der Unternehmer sinden, die stets mehr Akkordarbeit fordern. Eine Ursache des Rückgangs des Baugewerbes ist, daß man den Versicherungsanstalten durch Auferlegung von Zwangsanleihen die flüssigen Wittel weggenommen hat. Gerade dies hat allgemeines Mißtrauen in die Zukunft hervorgerufen, und die monatelange Unmöglichkeit, rechtzeitig Auslandskapstal zu anständigen Bedingungen hereinzubekommen. Dadurch sind die Ver- hälMisse auf dem Baumarkt so ungünstig gestaltet worden. Ich be- zweifle, ob das Arbeitsbeschaffungsprogramm gutmachen kann, was man in der günstigsten Zeit des Jahres bereits versäumt hat.(Sehr wahr! links.) In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hat!:n wir durch- schnittlich 2,3 Millionen Arbeitslose: ihre Zahl müßte für die tolgen- den sieben Monate auf 1,3 Millionen hsruntergehen, wenn der Jahresdurchschnitt nur 1,6 Millionen betragen soll. Diese Regie- rungsschätzung wird nicht zutreffen. Nun will der Entwurf 116 Millionen einsparen. Die Befreiung der Jugendlichen unter 16 Iahren von der Versicherung trifft in erster Reihe die Ungelernten, denn die Lehrlinge sind schon jetzt be- freit. Die Befreiung der gering Beschäftigten ist eine außerordentliche Gefahr für die Heimarbeiter.' Die Befreiung der Hilfsbedürftigen richtet sich in erster Linie gegen die Städte, deren Fürsorgeempfänger die Anwartschaft nicht mehr werden erreichen können. Diese Vorschläge sind in ihrer überwiegenden Zahl gegen den willen der freien Gewerkschaften zustande gekommen. Nicht übernommen hat die Regierung den Vprschlag, die Befreiung des ländlichen Gesindes von der Versicherungspflicht wieder aufzu- heben.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Dagegen wird eine gewisse Vedürftigkeitsprüfung eingeführt, die eine außerordentliche Verschärfung bedeutet. Man verdoppelt die jetzigen Sperrfristen von 4 und 8 Wochen. Diese Sperrfristen werden nicht hintereinander abgebüßt, sondern infolge der Eigenart des Arbeitsmarktes kann es vorkommen, daß jemand, der vorübergehend Beschäftigung annimmt, bis zu einem halben Jahr unter dem Diktum der Sperrfrist liegt, der Entwurf aber verlängert die Sperrfrist auf mindestens 16 Wochen. (Hört, hört! links.) Die Unterstützung soll nicht mehr nach dem tat- sächlichen Arbeitsverdienst, sondern nach dem Grundlohn berechnet werden. Dadurch würde jeder, der auch ohne seinen willen unterversichert ist. zu Schaden kommen, weiter werden jene, die es nach einem vorauf. gegangenen Anlerftützungsbezug nicht wieder auf neue 52 Wochen- beitrage bringen können und unschuldig in Rot geraten sind, außerordentlich schwer bedroht. In Zukunft soll jeder Arbeitslose 14 Tag: Wartezeit haben, bisher palt das nur für die Jugendlichen. Ferner soll das Einkommen eines Ehegatten auf die Unterstützung des anderen Gatten angerechnet werden. Hier wird auf kaltem Wege ein« Bediirfnisprüfung ein- geführt, die in striktem Gegensatz zum Gesetz und zu den Pflichten der Reichsanstalt steht. Schließlich soll die Entschädigung, die jemand wegen unberechtigter Entlassung erhält, auf die Arbeitsloienunter- stützung angerechnet werden, was den Fortfall dieser Entschädigung bedeutet. Das sieht noch einer gewissen Billigkeit aus, wie die Ersparnis an jemanden, dem man es zumuten kann. Aber in Wirk- lichtest schafft man damit eine außerordentliche Rechtsunsicherheit, denn wer wird noch als Betriebsrat Kopf und Kragen riskieren, wenn ihm dos gesetzlich gewährleistete Recht aus Entschädigung im Fall unberechtigter Entlassung entzogen wird?(Lebhafte Zustimmung oer So� Wir werden das Gesetz im Ausschuß auf das genauest« prüfen. Di« Wirtschaft ist schlecht geleitet und falsch beraten, wenn sie die Löhne drückt. wir haben stets der Steigerung des Exports das Wort geredet, aber unser Export beträgt nur 26 Proz, und noch weniger von unserer Gesamtproduktion; die übrige,, 86 Proz. müssen vom Inland ausgenommen werden, das kann aber nicht durch Lohnsenkung erreicht werden und nicht durch Verschlechterung der sozialen Gesetzgebung. Als Wahrerin und Lerkünderin der Lebensintercssen des deutschen Volkes geht die Sozialdemokratische Partei auch an diese Arbeit in der Entschlossenheit, nicht nur die Arbeitslosen vor Verelendung zu schützen, sondern jedes Mittel anzuwenden, das sie wieder in Lohn und Brot bringen kann.(Lebhafter anhaltender Beifall der Soz.) (Schluß des Reicks tagsberichts in der 2. Beilage.) Schwerindustrie hat er Nachrichtenagenturen und Provinz blätter erworben, und schließlich hat er die Inflation benutzt, um Hunderte von kleinen und kleinsten Blättern aufzukaufen. Northcliffe, Rothermere, Beaverbrook sind in ihrem Genre Erscheinungen, denen man einen gewissen genialen Zua nicht absprechen kann. Aber Hugenberg?! Wer dieses rosige Feldwebelgesicht einmal gesehen, wer diesen Krieger- oereinsredner einmal gehört, wer seine geschwollenen und dabei erschreckend geistesarmen Ausführungen gelesen hat, dem wird es ewig ein Rätsel bleiben, wie ein solcher Mann eine derartige Stellung in einer einstmals großen Partei erwerben konnte. Die Macht des Geldes erklärt zwar vieles, aber doch nicht alles. Hugenbergs Aufschwung mar nur möglich durch die abgrundtiefe Charakterlosigkeit eines großen Teils der Anhänger der Deutschnationalen Volks- parte!. Baldwin kämpft wenigstens gegen die beiden politischen Parvenüs, die nun mit ihrem Geld und mit ihren Zeitungen den Kurs der Partei bestimmen wollen. Aber Westarp? Der deutschkonservative Graf hat alle möglichen unangeneh- men Eigenschaften, aber selbst sein schärfster Gegner wird ihm attestieren müssen, daß er sauber ist. Auch Baldwins Integrität ist in England geradezu sprichwörtlich, und darauf beruht zum großen Teil seine Stärke und sein Ansehen. Während aber Baldwin den Kampf mit den reichen Zeitungs- königen aufgenommen hat, ließ Westarp seinen Antipoden Hugenberg jahrelang gewähren. Er versuchte zu lavieren, nahm jedes Kompromiß an, überließ zunächst die Partei- führung dem von ihm innerlich tief verachteten Hugenberg, um wenigstens die F r a k t i o n s führung zu behalten. Dann mußte er auch diese niederlegen und Oberfohren, einem „jungen Mann" Hugenbergs, überlassen. Heute noch hat er nickt den Mut, das Joch Hugenbergs abzuschütteln, weil er weiß, daß Hugenberg mit seinem Gelde den deutschnatio- nalen Parteiapparat beherrscht. Baldwin sagte am Dienstag:„Die Parlamentskandi- daten, mit denen Beaverbrook und Jeuhermere uns drohen, werden stinken." Mit dem Äelde, das er aus seinen Jnseratenplantagen, aus seinen rechts- und linkshändigen „Heirats"-Annoncen, aus. den Anzeigen über„Massage- Salons" und Nachtlokale fchöfift, wird Hugenberg den Wahl- feldzug s e i n er Kandidaten finanzieren und die wirklich kon- fervativen Elemente, die Anhänger Westarps, verdrängen. Wird dos konservative Bürgertum in England den Kampf gegen die Presselords und ihre„stinkenden Kandidaten" ge- Winnen? Das deutsche konservative Bürgertum hat ihn gar nicht erst geführt und infolgedessen schon verloren.' Gerichisstrafen in(Schweidnitz. Die Krakeeler kommen aber sehr milde weg. Schweidnitz, 27. Juni(Eigenbericht). Die Tuinultszenen der Nationalsozialisten in der Donnerstag- Sitzung des Schweidnitzer Prozesses sind nicht ohne Folgen geblieben. Zum Schutze der Verhandlung fins seit Freitag Polizei- beamte im Gerichtsgebäude postiert. Am Freitag erklärte der Vorsitzende vor Beginn der Ver- Handlungen zu den Ausschreitungen:„In der gestrigen Sitzung haben die Angeklagten zweimal einen schweren Exzeß veristst. Sie haben sich in der ungehörigsten Weise benommen und durch, Schreien, Johlen und Aufschlagen auf die Bänke die Fort-- führung der Verhandlung unmöglich gemacht. Das Gericht er-- kennt aber an, daß sich die Angeklagten durch die Aeußerungen des Rechtsairwalts Fördcr, der von Nationalbolschewisten und lünstlicher Erregung gesprochen hat, mgßlos erregt worden sind.' Das Gericht hat deshalb beschlossen, unter Berücksichtigung dieser Umstände von einer an sich verwirkten Haftstrafe abzusehen und die Angeklagten wegen ihres ungehörigen Benehmens mft einer Ordnungsstrafe von je 56 Mark, im Unvermögenssolle mit. 2 Tagen Haft, zu belegen."' Diese Verurteilung der Angeklagten steht in keinem Verhältnis zu der Schwere ihrer Exzesse. Preußen greift durch. Nationalsozialistischer Kriminalsekretär entlassen. Der preußische Innenminister hat gegen einen Kriminalsekretär in Hannooer wegen aktiver und in der Oefsentlichkeit aufjallen- der Betätigung für die National sozial! st ische Deutsche Arbeiterpartei das Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Dienstentlassung eingeleitet. Gleichzeitig hat der Innen- � minister den nationalsozialistischen Beamten mit sofortiger Wirkunz seines Amtes enthoben. Der Kriminalsekretär hat wiederholt für Versammlungen der Nationalsozialisten Propaganda gemacht, den Vorsitz in Bersamm- lungen der Nationalsozialisten geführt und als Versammlungsleiter gehässige Angriffe gegen die Staatsregierung und Staatssorm ge- duldet. Dadurch hat er sich nach der Auffassung des preußischen Innenministers gegen d!« Pflichten, die ihm fein Amt auferlegt, vergangen und sich der Achtung, des Ansehens und des Vertrauens, die fein Beruf erfordert, unwürdig gezeigt. Mißtrauensanirag der GpO. Weimar, 27. Juni. Am Freitagvarmittag bracht« die sozialdemokratische Fraktion im Thüringer Landtag einen Mihtrauensantrag gegen die nationalsozialistischen Regieruiigsmitglieder, Staatsminister Dr. Frick und Staatsrat Marschler, ein. Eine Begründung ist dein Antrag nicht beigefügt. Getarnter Stahlhelm. In der neuesten Nunimer der„R« i ch s b a n n« r z e i t u n g" wird darauf hingewiesen, daß der„R h« i n i s ch e Heimat- b u n d", dem eine Reihe führender Persönlichkeiten des rheinisch- westfälischen Industriegebiets angehören, neuerdings dem im Rheinland- verbotenen„Stahlhelm" als Deckung?- organ diene. In letzter Zeit feien auffallend viele Gruppen dieses„Heiwat-Bundes" gegründet worden. Mit dem Flugzeug nach Breslau desertiert ist«n tschechischer Leutnant: er landet« am Freitag nachmittag auf dem Gandauer Flugplatz und gab an. sich von der Truppe aus persönlichen Gründen entfernt zu haben. Der Flieger wurde vorläufig als Descrteuer in Gewahrsam genommen. Die Außenminister der kleinen Entente haben ein Statut dieses Staatenbundes unterzeichnet. Ofthilfe vor dem Ausschuß. Sozialdemokratische Forderungen zur Landarbeitersiedlung. Der Reichstagsausschuß für O st fragen begann am Freitag mft der Beratung des O ft h i l s e g e s« tz e s. Nach Abschluß der Beratungen des Ausschusses wird sich der Haushalt--- ousschuß des Reichstages noch mit dem Gesetzentwurf beschäftigen und ihn auf seine finanziellen Auswirkungen hin prüfen. Der Vertreter der Reichsregierung oersicherte am Freitag im Verlauf der Beratungen, daß die Rcichsregierung an ihrem Programm festhalte und im Laufe von 5 Iahren je 56 Millionen Mark an Zwischentrediten für die landwirtschaftlich« Siedlung in dünn- bevölkerten Gebieten zur Verfügung stellen werde. Di« an den vorgesehenen 256 Millionen Mark noch fehlenden Summen sollen in den Rechnungsjahren 1936 und 1931 bereitgestellt werden. Da es angesichts der Finanzlag« des Reiches nicht möglich sei, zur Fort- setzung der Siedlung fortlaufend iieue Zwischenkreditmittel bereit- zustellen, sollen die Zwischenkredite durch einen auf dem Kapital- markt zu beschaffenden Dauerkredit abgelöst werden. Me frei werdenden Zwischenkreditmittel seien in vollem Umfang wieder für neu« Siedlungsverfahren zu verwenden. Abgeordneter M e r t i n s(Soz.) verwies darauf, daß die Be- stimmungen des Reichssiedlungsgesetzes, wonach oerdrängte Land- arbeiter bei der Siedlung zu berücksichtigen sind, uur auf dem Papier stünden. Von den 16 666 Londstellen, die in der Zeit von 1923 bis 1928 geschaffen worden sind, entfielen nur 475 auf Ar- beiter, Angestellte und Beamte, der kleiner« Teil dieser Stellen sei sicherlich nur durch Landarbeiter besetzt. Die gesetzliche Bestimmung habe deshalb versagt, weil die Landarbeiter nicht über die erforderlichen Mittel verfügen. Deshalb stelle seine Partei den Antrag,„aus den im Gesetz zur Verfügung gestellten Mitteln Anzahlungskredile an mittellos«, aber sachlich geeignete Ar- beiter slüfsig zu machen. Di« Ausführungsbestimmung dazu habe der Reichsarbeitsminisier im Benehmen mit dem zuständigen Reichstagsausfchuß zu erlassen". Obwohl sich auch der Regierungs- Vertreter grundsätzlich mit diesem Antrag einverstanden erklärte, wurde er von den bürgerlichen Parteien abgelehnt. Bei der Beratung des Umschuldungsparagraphen, die den Reichsfinanzminister zur Uebernahme von Bürgschaften für 466 Millionen Mark Umschuldungsdarlehen und 256 Millionen Mark Ablösungsscheine ermächtigt, betonte Abg. Schmidt- Köpenick(Soz.), bah hier eine Ermächtigung gefordert werde. die wegen der politischen Verhältnisse und der Höhe der Summe stark« Bedenken hervorrufe. Auch der Abg. S chl a n g e- Schö- ningen habe zugegeben, daß bankrotte Betriebe nicht gestützt werden dürften. Das sei aber allzu oft geschehen, wie überhaupt bei der Verausgabung von Mitteln Vetternwirtschaft getrieben worden sei. Es sei auch unmöglich, auf Jahre hinaus Mittel zu bewilligen, wie das im vorliegenden Gesetz gefordert wird. Die Spannung im Mansfelder Revier. Sine sozialdemokratische Anfrage im Landtag. Die sozialdemokratischen Abgeordneten Christange und Drescher(Halle) haben im Preußischen Landtag folgend« An- träge eingebracht: „In dem Mansfelder Arbeitskonflikt niacht sich bei verschiedenen Landjägern, die zum Schutze von Arbeitswilligen von auswärts herangezogen wurden, ein« starte Nervosität bemerkbar, die schon zu schweren Zusammenstößen geführt hat, trotzdem die Arbeiter- schast anerkanntermaßen ein« bewundernswerte Selbstbeherrschung bewahrt. So haben sich in den Orten Hettstedt, Gr.-Oerner, Siers- leben, Augsdors in dieser Woche Dinge zugetragen, die sofortige Abhilfe erfordern. Rücksichtslos wurde von einigen Landjägern auf Passanten wahllos eingeschlagen: Gewerkschaftsangestellte, die be- ruhigcnd einsprachen, wurden gleichfalls mit Gummiknüppeln traktiert, nachdem schon einige Zeit vorher ähnliche Vorkommnisse aus Eisleben gemeldet wurden. Diese bezeichneten Landjäger üben offene Parteinahm« für die Mansfeld-A.-G. Wir fragen: Ist die Staatsregierung über die gespannt« Situation im Mansfelder Gebiet unterrichtet? Ist sie bereit, diejenigen Beamten, die ihrer Aufgaben in diesem Wirtschafts- kämpf nicht gewachsen sind, abzuberufen? Der Danziger volkstag hat mit 93 von 98 Stimmen und vor- behaltlich der Danzig auferlegten Genehmigung durch den Völker- bundsrat, die Verfassungsänderung beschlossen, die die Zahl der Abgeordneten von 1A> aus 72, der Senatoren von 22 aus 12 ver- mindert. Krach beim Hakenkreuz. Moffakowsky gegen Goebbels.- Goebbels wird als Renommist enihülli. Reichstag und Lstau�v Karl Hildenbrand vertritt unser Parlament. Reykjavik, 27. Juni.(Eigenbericht.) Bei der Tausendjahrfeier des isländischen Parlaments hielt der sozialdemokratische deutsche Reichstagsabgeordnete Hildcbrand folgende Glückwunschrede: „Im Namen des Deutschen Reichstags und seines Präsidenten überbringe ich dem isländischen Parlament zum tausendjährigen Ge- denktag des ersten Zusammentretens des Althing aufrichtige Glück- wünsch« und herzlichen Dank dafür, daß Sie uns in Ihr schönes Land eingeladen haben. Mit Bewunderung steht die große Deutsche Re- publik, die als letztes germanisches Land das demokratische System eingeführt hat, vor der politischen Geschichte des isländischen Volksstammes, der die staatsbürgerlichen Rechte seiner Einwohner immer wieder hochgehalten und gewahrt hat. Deutschlands Wissen- lchastler haben sich in langen Zeitläuften mit großer Liebe der Er- forschung Ihres an Naturschönheiten und Seltenheiten so reichen Landes gewidmet und der Welt die Kenntnis davon vermittelt. Das heutige Fest des Freiheitssinnes und des Selbständigkeitsgefühls wird die Augen der jungen Deutschen Republik mit doppelter Freundschaft und Sympathie auf Sie lenken. Wir wünschen den Isländern, daß sie dies« ihre stolze Geschichte auch fernerhin im Geist« der Freiheit und der Völkergemeinschaft fortsetzen.� Rettet Maria Gpiridonowa! Dem Zarismus entronnen— im Sowjetkerker. Folgender Aufruf geht uns zu: Seit vollen zehn Jahren schmachtet Maria Alexandrowna S p i r i d o n o w a, die heroische Kämpferin gegen den Zarismus, in den Gefängnissen und entlegenen Verbannungsorten Sowjet- rußlands. Als junges Mädchen verbrachte sie schon unter dem früheren Regime ein Jahrzehnt im Zuchthaus, aus dem die Re- volution von 1917 sie befteite. In dieser Epoche wurde sie Führerin der allrussischen Bauernschaft. Aber bald vcrbannke die Sowjelregierung sie wegen ihrer Meinungs- verfchiedeuheiken mit der bolschewistischen Partei aufs neue in den Kerker. Die zweiundvirrzigjöhrigc Frau hat also unter den Machthabern des alten und neuen Staates Jahrzehnte ihres Lebens für die Befreiung ihres Volkes geopfert. Ihre Gesundheit ist nunmehr derart zer- rüttet, daß sie kürzlich in L e b c ns g e f a h r schwebte. Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, den Versuch zu machen, die heldenmütige Frau vor dem Untergong zu bewahren. In der gleichen Lage wie Maria Spiridonowa befinden sich mehrere chrer Kampf- und Leidensgenossinnen, die gemeinsam mit ihr für di« Befreiung ihres Volkes gelitten haben. Das Los dieser Märtyrerinnen ihrer Ideale wird niemandem, der von den Leiden heroischer Menschen innerlich berührt wird, gleichgültig sein. Sie dürfen ihrem Schicksale nicht hilflos überlassen werden. Schon einmal ist es gelungen, Maria Spiridonowa vom Tode auf dem zarischen Schafott zu retten. Nun droht ihr und ihren Gefähr- tinnen unter der bolschewistischen Herrschaft Erschöpfung und tödliches Siechtum. Vielleicht ist es möglich, diese Gefahr abzuwenden, Zu dieseyr Zweck hat. sich in Deutschland ein Frauen- ausschuß„für Maria Spiridonowa" gebildet, der beabsichtigt, zunächst die materielle Not der russischen Märtyrerinnen zu lindern und ihren Lebensmut aufrechtzuerhalten. Sie sollen wissen, daß Männer und Frauen ganz verschiedenartiger pdlitischer Gesinnung, erschüttert durch ihr« tragische Lage, versuchen wollen zu helfen. Der Frauenausschuß„für Maria Spiridonowa" Marie Baum. Käthe Kollwitz. Ricarda Hu ch. Hanna Ko st erlitz. Marianne Weber. Anftagen, Zustimmungserkärungen und Geldspenden sind zu richten an die Schriftführerin des Ausschusies Frl. Dr. med. Hanna Kosteritz, Berlin W. SO, Marburger Straße 14.— Postscheckkonto Berlin Nr. Istg tzlZ. Gowjetredakieure gemaßregeli. Parteiretter und Eliqoenbrüder. In der Redaktion des Wendblattes„Wetschernaja Moskwa" (Abendliches Moskau) sind Unregelmäßigkeiten vorgekommen; die Schriftleiter haben sich selbst und einer kleinen Gruppe von prote- gierten Schriftstellern auffallend hohe Honorare zugebilligt und die Schriftleitung, wie es in der offiziellen Bekanntmachung heißt, wie ein Familie»unternehmen geführt, um sich Vorteile aller Art zu verschaffen. Die Hauptschristleiter S u b o w und W o r o- s ch i l i n sind abgesetzt worden und es ist ihnen für zwei Jahre jede journalistische Arbeit untersagt worden. Es soll eine neue Redaktion aus bewährten Kommunisten gebildet werden. In politischer Hinsicht hat die„Wetschernaja Moskwa" einen gewissen Uebereifer zur Schau getragen, sie suchte immer wieder„parteifeindliche Schädlinge" zur Strecke zu bringen ustv. Wie es scheint, sollte dadurch die Schädlingsarbeit im eigenen Hause maskiert werden. Russische Flüchtlinge in Estland. Reval, 27. Juni. In letzter Zeit sind immer wieder Grenzüberschreitungen durch Flüchtlinge aus der Sowjetunion erfolgt. Vor einigen Tagen kam u. a. ein gewisser Dmitriew bei Petjchur über die Grenze nach Estland, wo er festgenommen wurde. Er gab an, von der GPU. in einem Gefangenenlager bei Archangelsk interniert gewesen und von dort geflüchtet zu sein. Schlägerei in Aaziversammlung. Zahlreiche Verletzte unl> elf Festnahmen. Gestern abend veranstalleken die Nationalsozialisten im Saolban Iriedrichshain eine Kundgebung, die zum Schluß mit der üblichen Schlägerei endete. Nach dem Reserat des Redners hatte sich ein K o m m u n i st zur Diskussion gemeldet. Er hatte kaum einige Sähe gesprochen, als es zu einem allgemeinen Tumut» kam. der im Augenblick in eine Schlägerei ausartet«. Mit Blergläsero und anderen Schlaginstrumenten hieben die Gegner auf- einander ein und ehe die Polizei, die bald mit einem großen Auf- gebot zur Stelle war. eingreifen und den Saal räumen konnte, hallen zahlreiche Personen erhebliche Verletzungen davongetragen. 3m Anschluß wurde von der Polizei eine wassendurchsuchung vorgenommen, bei der jedoch nur einige Gummiknüppel ge- juodeu wurden. Znsgesamt wurden elf Persoaea zwang». gestellt-»b der polülschea Pollzel de» Präsidium» übergeben. Der Leiter der Nationalsozialistischen Pressekorrespondenz, M o s s a k o w s k y, ist am Freitag aus der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei ausgetreten. Er gibt dazu folgende Erklärung an die Oeffentlichkeit: „Da zu erwarten ist, daß der Berliner Gauleiter der NSDAP.. Herr Dr. Goebbels, über die Gründe für meinen Austritt aus der Partei eine falsche Darstellung in Umlauf setzt,, sehe ich mich ge- zwungen,.folgendes festzustellen:..... Herr Dr. Goebbels hat in seinem Hmbenburg-Beleidigungs- prozeh ü. a. behauptet, daß er schon einmal für den Reichspräsidenten von Hindenburg 14 Tage in einem belgischen Gefängnis gesessen habe und mit Reitpeitschen.mißhandelt worden sei. Vom„Jung- deutschen" und anderen Zeitungen befragt, wo, wann und warum das geschehen sei, schwieg Herr Dr. Goebbels sich zunächst 14 Tage aus und gab dann in feinem„Angriff" eine drei Spalten lange Antwort, die leider keine war. Daraus ging klapp und klar hervor. daß Herr Dr. Goebbels weder 14 Tage in einem belgi- schen Gefängni s war, noch dort mit Reitpeitschen mißhandelt w or den i st. Zudem war die eine Derhaftung des Herrn Dr. Goebbels nach seiner eigei»en Airgabe nur für einen Tag im Jahre 1924 erfolgt, während Herr von Hindenburg erst im Jahre 192b zum Reichspräsidenten gewählt wurde. Damit war inein unh einer Anzahl Parteigenossen Verdacht bestätigt, daß Herr Dr. Goebbels— wie es zu feinem Wesen gehört Wheaileys Llnterhaussitz behauptet. Aber mit stark verringerter Mehrheit. Glasgow. 27. Juni. Di« Ersatzwahl in Shett leston(Schottland), die durch den Tod des ehemaligen Gesundheitsministers John W h e a t l e y (Arbeiterpartei) notwendig geworden war, brachte folgende Er- gebnisse: MacGovern(Arbeiterpartei) mit 19699 Stimmen gewählt; Templcton(Konservativ) 19 393 Stimmen; MacRicol(Schottischer Nationalist) 2527 Stimmen: Saklabvala (Kommunist) 1549 Stimmen. Di« früher« Arbeiterpartei-Mehr- h«it betrug 6724 Stimmen, die jetzige nur 396 Stimmen. Bor einem Jahr« hotten sich die Stimmen bei den allgemeinen Wahlen im selben Wahlkreis wie folgt verteilt: Wheatley 19 594, Moß 12879. Dieser Rückgang der Labour-Stimmen ist zum Teil auf die kommunistische Propaganda zurückzuführen, die viele Arbeiterwähler zu Indifferenten gemacht hat, zum Teil auch auf die große Popularität, der/n sich Wheatley persönlich in seinem Wahlkreis erfreute und die fein Nachfolger natürlich noch nicht genießt. Neuer Vorstoß für den Tunnelbau. London, 27. Juni.(Eigenbericht.) Das Unterhaus wird am Montag wiederum ein« Debatte über den Kanaltunnel erleben. 96 Arbeiterabgeordncte, 21 Liberale und 19 Konservative hoben der Regierung eine Petition überreicht, in welcher der Tunnelbau ge- f ordert wird.___ Parlament beugt sich vor Hoover. Kriegsrentenzulage gekürzt. Washington, 27. Juni Eigenbericht). Das Abgeordnetenhaus beugt« sich dem Veto Präsident Hoover? gegen die kürzlich angenommen« zusätzliche P e n s I o n s- vorläge für Kriegsteilnehmer und nahm die Kompromißoorlage an, welche die jährlichen Neuausgaben auf 59 anstatt ursprünglich 192 Dollarmillionen festsetzt. Heftig« Kämpfe im Bundessennt sind wahrscheinlich. — sich abermals nur wichtig machen wallte und damit selbst in diesem Falle nicht vor einer bewußten Unwahrheit zurückschreckte. Es ist wohl unmöglich, daß ein solcher Mann auch nur einen Tag länger der nationalsozialistische Gauleiter der Reichshauptstadt und dazu noch Reichspropagandaleiter einer Partei wie der NSDAP. bleiben kann. Dieser Ausfassung gab ich unter Parteigenossen selbst- verständlich auch deutlich Ausdruck. Herr Dr. Goebbels b«- antwortete das mit einem Antrag auf Ausschluß aus der NSDAP. Um aber den eigentlichen Grund für fein Vorgehen gegen mich zu verschleiern, begründete er seinen Ausschlußantrag mit„Material", das ein notorischer De- nunziant zusammenkonstruierte, um mich als„parteidffziplinlos" und „parteischädigend" zu brandmarken. Da außerdem feststeht, daß das Berliner Parteischiedsgericht aus Personen aus der näheren Umgebung des Herrn Dr. Goebbels zu- sammengesetzt und ihm daher blindlings ergeben ist. ist mein Aus- schluß aus der Partei natürlich vorher schon beschlossene Sache und jede Verhandlung nur eine Komödie. Als Protest auch hiergegen erkläre ich meinen Austritt aus der NSDAP. Selbstverständlich protestiere ich damit nur gegen die Person des Herrn Dr. Goebbels und gegen gewisse Zustände, für die er allein in der Berliner Parteiorganisation voll verantwortlich ist. Mein Verhältnis zur nationalsozialistischen Bewegung wird dadurch nicht berührt. Ich bin und bleibe Nationalsozialist. Oer bolivische Aufstand. Zuerst nur eine andere Militärdiktatur. Santiago(Chile). 27. Juni. Das Kommando des Canacho-Artillerieregiments, das sich der bolivffchen Stadt Oruro bemächtigte, hat eine Proklamation erlasien, in der die Gründe der Empörung gegen die gegenwärtige Regierung Boliviens dargelegt werden. Die Regierung sei verfassungs- widrig und die Aufständischen beabsichtigten daher die Errichtung einer Militärdiktatur, die sofort Verbindung mit den Zivil- behörden aufnehmen werde. Nach der Befriedung des Landes soll ein Volksentscheid über di« weitere Gestaltung der Regierung bestimmen. Der früher« Vizepräsident Boliviens, Saa oedra, teilte der „Associated Preß" auf Grund seiner eigenen Informationen mit, daß der eigentliche Aufftand in der Nacht zum Mittwoch in der Militärschule von La Paz begann und von einem großen Teil der Zivilbevölkerung unterstützt wurde. Es kam Kl einem blutigen Kampf zwischen den Aufftändischen und dem der Militärdiktatur treu gebliebenen Regiment Vugavi. Am Donners- tag waren die Kämpfe noch im Gange. Nach der Einnahme der Stadt Oruro habe der Führer der dortigen Rebellen General Galindo angekündigt, daß er innerhalb von zwei Togen einen Angriff auf die Hauptstadt unternehmen werde. Die Voraefchichte. Vuenos-Aires. 27. Juni.(Eigenbericht.) Unter der Militärdiktatur des Präsidenten Sites hat sich di« Wirtschaftslage dauernd verschlimmert— di« Arbeitslosigkeit immer größeren Umfang angenommen. Die Zinnbergwerke liegen nahezu still und die Lage der Arbeiterschaft ist verzweifelt. Das war die Ursache der blutigen Kämpfe, di« sich seit Wochen im ganzen Lande abspielen, und von denen jetzt Einzelheiten durch Flüchtlinge dem Ausland gebracht werden. Danach stehen Arbeiter, Studenten, ein Teil des Bürgertums und die Armee gegen di« Diktatur. In der Hauptstadt La Paz wird feit einer Woche mit wechselndem Erfolg gekämpft. Am vergangenen Sonntag und Montag' waren die Aufständischen in der Hauptstadt Herren der Lage, trotz der schnüren blutigen Verluste, dre sie erlitten hatten. Die der Regierung treu gebliebenen Anhänger gingen am Mittwoch zur Ossenfwe über. Lohnabbau durch Gesetz? Die Kolgen eines Versuchs der Verwirklichung. Es spuken jetzt allerlei mehr oder weniger verrückte Pläne auf Abbau i>er Löhne und Gehälter umher. Die Deutsche Volkspartei, Herr von Siemens in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Verwallungsrats der Reichsbahn-Gesellschaft, um nur die prominentesten Vertreter dieser„Idee" zu nennen, fordern den Eingriff der Gesetzgebung. Herr Stegerwald hat ihnen ollen mit der Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs von Oeynhausen Mut gemacht. Und in der Tat: wenn die im Durchschnitt schlecht bezahlten und lang arbeitenden Arbeiter der nord- westlichen Eisen- und Stahlindustrie einen Lohnabbau von 7-S Proz. über sich ergehen lassen sollen, der dann in der Praxis bis aus 30 Proz. steigt— wohlgemerkt, nicht bei den Generaldirek- t o r e n. deren Jahreseinkommen sich nur in sechsstelligen Zahlen ausdrücken läßt, sondern bei den Arbeitern— dann ist nicht einzusehen, warum die Unternehmer der anderen Bezirke und In- dustrien enthaltsamer sein sollen. Oder wie es Herr Steger- «ald in seiner gestrigen Reichstagsrede ausdrückte:„Wenn die Airma Mansfeld von ihren Arbeitern fordert, daß sie ein Opfer bringen für die Aufrechterhaltung des Werkes, da sollen d i e Firmen Deutsches Reich, Länder und Gemeinden das nicht dürfen, denen es nicht besser geht als der Firma Mansfeld?" Die Firma Alansfeld mit einem Lohnabbau van 15 Proz. als leuchtendes Beispiel, dem Reich, Länder, Gemeinden, Reichsbahn und Privatunternehmer mit Hilfe der Gesetzgebung oder, wenn der Reichstag nicht gefügig fein sollte, mit Hilfe des H 48 zu folgen hätten. Die„G e w e r k f ch a�f t s- Z e i t u n g", das Organ des ADGB., gibt auf diese hirnrissigen Projekte die entsprechende Antwort. Sie erinnert zunächst daran, daß dieser Plan seinen Vorgänger hat in der Verordnung über die Arbeitszeit vom 21. Dezember 1923, die u. a. alle Tarifverträge mit dreißigtägiger Frist für kündbar er- klärte, sofern diese Verträge eine kürzere als die in der Verordnung zulässige Arbeitszeit vorsahen. Das Organ des ADGB. fährt dann fort: „Injotge dieses Gewaltstreiches entspann sich im Gesamtbereich der Industrie ein Kampf um die Erneuerung dieser tariflichen Be- stimmungen über die Arbeitszeit. Die Gewerkschaften setzten der Verlängerung der Arbeitszeit den kräftigsten Widerstand entgegen. 1924 fanden 1581 Streiks, an denen 641 075 Personen beteiligt waren, und 392 Aussperrungen statt, von denen 976 936 Arbeit- nehmer betroffen wurden. Die Ursache des größten Teiles dieser Kämpfe war der Streit um die Arbeitszeit, der durch die erwähnte Gesetzesbestimmung eröffnet worden war. Durch die Streiks des Jahres 1924 gingen nach den Ermittlungen der amtlichen Statistik 13. Millionen, durch die Aussperrungen 22,6 Millionen Arbeitstage verloren. Ein Verlust von 35 Millionen Arbeitstagen war also der Effekt des gesetzlichen Gewaltstreiches gegen den Achtstundentag, und zwar ohne daß das von den Ur- hebern dieser Aktion als wünschenswert angesehene Ziel erreicht wurde: denn zahlreiche Aeußerungen aus Unternshmerkreifen liehen seinerzeit deren höchste Unzufriedenheit mit dem— gemessen an ihren Bestrebungen— geringen Umfang der erzielten �Berlängerung der Arbeitszeit erkennen. Mit Genugtuung konnten die Gewerkschaften, rückblickend auf die Kämpfe des Jahres 1924, feststellen, daß ihr Widerstand gegen die geplante Arbeitszeitver- längerung in hohem Maße erfolgreich war—, trotz der Hilfe, die das amtliche Schlichtungswesen den Unternehmern damals leistet«. Wir appellieren mit diesem Hinweis auf die Erfahrungen aus dem Jahr« 1924 nicht an sentimental« Regungen bei den Gegnern der Arbeiterschaft. Ebensowenig ist es unser Zweck, sie durch Drohungen einzuschüchtern. Beide Verfahren entsprächen nicht unserer Art und Gewohnheit, beide Methoden hätten auch keine Aussicht, bei unseren kühl rechnenden Gegnern Eindruck zu machen. Es ist lediglich unser Bestreben, dl« Rechnung der Unternehmer zu vervollständigen und die Oeffentlichkeit vor dem verhängnisvollen Irrtum zu bewahren, als sei das Ziel, das den Unternchmern vorschwebt, der Lohnabbau, durch einen Federstreich der Gesetzgebung schon er- reicht. Dieser Federstrich wäre— wir halten uns streng an das Vorbild von 1923 und 1924— nurdasZeichenzum Beginn einer unabsehbaren Reihe offener sozialer Kämpfe um den Lohn. Wir erklären dem Unternehmertum sowie der Regierung und der Oeffentlichkeit, und zwar gleichfalls ohne jede Sentimentalität: Die Antwort der Gewerkschaften auf einen Gewaltstreich gegen den Lohn nach dem Muster jenes Gewalt- streiche gegen die Arbeitszeit wäre genau die gleiche wie im Jahre 1924. Und auch darüber möchten wir jeden Zweifel zerstreuen, daß der Effekt einer gesetzlichen Aufhebung der geltenden Lohn- tarife von der gleichen Art wäre wie das Resultat der Kämpfe, die auf den Paragraphen 12 der Arbeitszeitvcrordnung von 1923 zu- rückzuführen waren: viele Millionen verlorener Arbeitslage, dazu eine starke Einbuße an Leistungsbereilschasl bei der Arbeiterschaft. die nachweislich mit erbitterten Arbeitskämpfen stets verbunden ist und den zahlenmäßig festzustellenden Verlust an Arbeitsleistung- un- berechenbar verniehrt, und— schließlich— höchstens ein Teilerfolg des Lohnabbaus. Ja, der Effekt wäre wahrscheinlich im akuten Falle auf beiden Seiten der Rechnung noch bedenk- l icher als im Jahre 1924: die Kämpfe wären noch schwerer, die Erfolge der Unternehmer noch geringer. Denn 1924 standen die Gewerkschaften mit geschwächten Kräften im Kampfe. Die Zahl ihrer Mitglieder war stark zusammengeschmolzen, ihre Kassenbestände in der Inflation völlig dahingeschwun- den. Das hat sich, wie unsere Gegner wissen, inzwischen sehr zugunsten einer Steigerung der Machtmittel der Gewerkschaften gewandelt. Und daß die Gewerkschaften alle diese Machtmittel er- schöpfen würden in einem Kampfe um den Lohn, wie er bei einer Verwirklichung jener— von Herrn v. Siemens übernommeneu— Gewaltidee der Deutschen Volkspartei entbrennen würde, dessen mögen die Urheber und Freunde dieser 3dee gewiß sein. Ihnen dos mit voller Aufrichtigkeit in Aussicht zu stellen und sie über das Ausmaß des Widerstandes der Gewerkschaften durch die Anführung schlichter Tatsachen zu belehren, damit sie auch dies« Momente bei ihren Erwägungen in Rechnung setzen können, war uns ein Bedürfnis. Verbandes in Bochum kam in außerordentlich spontaner weise zum Ausdruck, den Lohnabbau mit der Riederlegung der Arbeit zu beantworten. * Vielleicht hat sich Herr Stegerwald durch Schmitz über- zeugen lasten, daß die Arbeiter den Lohnobbau über sich ergehen lasten würden. Aber wissen mußte der Reichsarbeitsminister, daß die A b l e h n u ng der Verbindlichkeitserklärung nicht, wi« er gestern im Reichstag behauptet hat, große Kämpfe und noch größere Lohnbewegungen zur Folge haben würde, sondern im Gegenteil, der Lohnabbau dadurch bis zum Herbst unmöglich gewesen wäre. Wir können nicht gut annehmen, daß der Reichs- arbeitsminister im Reichstag wider besseres Wissen derartige Be- hauptungen aufstellt. Allerdings hat Herr Stegerwald einige Tage vor der Verbindlichkeitserklärung vor Pressevertretern gesagt, er denke nicht daran, diesen Schiedsspruch für verbindlich zu erklären, wenn er nicht di« Garantie habe, daß die Preissenkung viel größer sei als die Lohnsenkung. Auf Herrn Stegerwalds Worte kann man also nicht bauen. Der Erfolg seiner Ta�en steht aber in nicht geringerem Gegensatz zu diesen wie die Taten zu den Worten. Aur feste schwindeln! Angewandter Leninismus. Die„Rote Fahne" hat„entdeckt", daß die Verschlechterung der Krankenversicherung, die di« Regierung Brüning-Stegerwald plant, vom sozialdemokratischen Vorsitzenden des Hauptverbandes deutscher Krankenkassen, Helmut Lehmann, und dem früheren Arbeits- minister, Genosten Wifsell, ausgearbeitet worden ist. Run ist unter der Ministerschaft Wissells ein Entwurf zur Re- form der Krankenversicherung überhaupt nicht ausgearbeitet worden. Es wurden vlelmehr im Oktober 1929 im Ministerium Leitsätze für die Reform zusammengestellt, die die in der Fachpresse viel dis- kutierten Vorschläge als Grundlage für eine Aussprache zu- fammenfaßten. Der verantwortliche Leiter der Abtellung Sozial- Versicherung im Reichsorbeitsministerium erklärte bei einer Be- spreckmng dieser Leitsätze, di« am II. November 1929 stattfand, daß der Minister und das Kabinett an diese Leitsähe In keiner Weise gebunden seien, daß die Leitsätze vielmehr nur eine Grundlage für eine Diskussion darsteMen. Der Vertreter des ADGB., Genosse S p l i e d t, und der Ver- freier des AfA-Bundes, Genast« Dr. Crohner, haben in dieser Sitzung Wiederholt rundweg erklärt, daß die Leitsätze zum größten Teil nicht geeignet seien, als Grundlage einer Reform der 5kranken- Versicherung zu dienen. Auch der geschäftsführend« Vorsitzende des Houptverbandes deutscher Krankenkassen Hot in derselben Sitzung erklärt, daß di« Leitsätze keineswegs den Forderungen em- sprächen, die die Krankenkasten stellen müßten. Ebenso steht es mit den Ausführungen, die die„Rote Fahne" über die Besprechungen macht, die zu dem nun vorliegenden Gesetzentwurf zwischen dem Reichsarbeitsministeruim und den einzelnen Spitzenverbänden der Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Kranken- kosten gepflogen worden sind. Das Blatt behauptet, daß die For- derungen der Krankenkassen mit denen des Gesetzentwurfs iden- tisch seien! I- Davon kann gar Mnt Rede fein? Wen« Jrte„.Rote Fafcar* soviel Sachverstänonis beweisen würde» wie sie Demagogie besitzt, dann hätte sie entdeckt, daß die Summen, die die Krankenkassen ein» sparen wollen, nicht den Kranken entzogen werden, son- dern jenen Kreisen, die es verstehen, aus der Krankenversicherung ein gutes Geschäft für ihre privaten Interessen zu machen. Nur um unserer Partei eins auswischen zu können, bringt es die „Rote Fahne" fertig, die unerhörte Ausnutzung der Krankenversicherung durch privalkapitalisiische Kreise noch zu beschönigen! Verbandstag der Schuhmacher. Erhöhung der Llnterstühungen. Der Verbondstog der Schuhmacher in Magdeburg Hot am Freitag zurVerbesserungderUnterstützung verschiedene Anträge angenommen. Invaliden Mitgliedern, di« bei Inkrast- treten der Invalidenversicherung dem Verband 25 Jahre angehört hoben, wird gestattet, bis zur Erreichung der Anwartschaft auf Unterstützung einen Jnvaüdenbeitrag von 50 Pfennig zu zahlen. Mitgliedern, die infolge ihres Alters in ihrem Verdienst wesentlich beeinträchtigt sind, wird der Uebertritt in eine niedrigere Beitrags- Nasse gestattet. Die Streikunterstützung wurde erhöht. in der ersten Klasse von 0,60 auf 0,80, in der zweiten von 1,20 auf 1,60, in der dritten von IVO auf 2,40 Mark, in der vierten von 2,40 auf 3,20 Mark und in der fünften Klasse von 3 auf 4 Mark für vollberechtigte Mitglieder. Der wöchentliche Zuschlag für Kinder wurde um 50 Pfennig erhöht. Die Vezugsdauer für Erwerbslosen- Unterstützung wurde beträchtlich verlängert, und zwar in der höchsten Stufe von 54 aus 60 Tage. Beim Aussetzen wegen schlechten Geschäftsganges über sechs Tage wird di« Unterstützung künstig vom vierten Tage an gezahlt. Die kommunistische Verlogenheit wurde zweimal scharf angeprangert. Der linientreue Kommunist M ö ckel, Verbandsangestellter in Erfurt, hielt es für richtig, von den wilden Gerüchten des Magdeburger Rubel-Blattes über den Verbandstag abzurücken. Das Blatt hatte geschrieben, daß Möckel auf dem Verbandstag kräftig die Linie der kommunistischen Gewerkschofts- Opposition vertreten habe, während das Gegenteil der Fall war. Möckel verurteilte diese Art der Berichterstattung, suchte sie aber damit zu entschuldigen, daß kein kommimistischer Berichterstatter zugelassen sei. Der zweite Fall lag schlimmer. Es waren ein Telegramm und ein Brief eingelaufen. Beide berichteten von einer Betriebsversammlung bei der Firma Spieß in Stuttgart, in der gegen die Ausschlüsse der Kommunisten protestiert wurde. Das Schreiben enthielt eine Entschließung mit einem Begleitschreiben, das von der„Belegschaft der Firma Spieß" gezeichnet ist. Die Orts- Verwaltung Stuttgart hatte aber ebenfalls einen Brief geschickt und darin wurde ein Spitzbuben st reich der Stuttgarter Kommunisten enthüllt. Die an den Verbandstag geschickte Eni- schließung für die Ausgeschlossenen ist nicht in einer Belegschafts- Versammlung gefaßt worden, sondern in einer von der Kommunist!- schen Partei einberufenen Versammlung, zu der von 278 Be- schäftigten nur 16 Mann erschienen waren! Bösartiger Irrsinn. Ein Heilsapostel des Lohnabbaus. In der bürgerlichen Presse, unterstützt durch die Presse der KPD., versucht man jetzt eine Art Massenpsychose für den Lohn- a b b a u zu erzeugen. Wie immer, unterliegen geistig nicht ganz normale oder gefertigte Personen sehr leicht einer derartigen Psychose. So erklärt sich wohl ein Artikel eines gewissen Egon Bandmann, der in Nummer 25 des in Hamburg erscheinenden„Wiriichaftsdienst" veröffentlicht wurde. Es kennzeichnet diesen Artikel und seinen Der- fasser, wenn da ein allegemeiner Lohnabbau gefordert wird, wobei als Höchstlohn für einen Facharbeiter 45 Mark wöchent- lich vorgeschlagen werden. Wir zitieren dann noch folgenden Passus: „Es wurde bei der Wiederlegung des Kaufkrafteinwandes bere'ts erwähnt, daß zwar ein Interesse an einer gewissen Gleichmäßigkeit des Konsums vorhanden, daß aber keineswegs irgendein besonderer Anlaß besteht,«in« gewiss« Art von billigem Massenluxus für einzelne bevorzugte Arbeiterschichten auskommen zu lassen. Rechnet man, daß derunterste Grenzzweck einer Einkommensverwendung eine Sicherung des physikalischen Ernährungsbedarfes ist, daß sodann Wohnung, Verkehrsmittel und Kleidung hinzukommen, dann muß damit für die unmittelbar« Gegenwart die Reihe der berechtigten Verwendungszwecke als abgeschlossen betrachtet werden..." Man sieht, der Mann ist offenbar nicht ganz normal. Daß er sich als W i r t s ch a f t s p o l i t i k e r in einer immerhin angesehenen bürgerlichen Zeitschrift betätigen darf, kennzeichnet unsere bürger- lichen Wirtschaftspolitiker. Es wurde nun in der Presse behauptet, dieser Banbmonn spiele innerhalb der Sozialdemokratischen Partei irgendeine Rolle. Davon kann natüAich keine Rede lein. Unseres Wissens war Bandmann allerdings einmal Mitglied der Sozialdemo- kratischen Partei. Nach seinen Ausführungen im„Wirtschasts- dienst" ist er es zweifellos nicht mehr. Jedenfalls gehört er ganz wo anders hin, als innerhalb einer«rnstzunehmenden politischen Partei._ Die Arbeitszeii der Angestellten. Genf, 27. Juni.(Eigenbericht.) Die Internationale Arbeitskonferenz hat am Freitag die Kon- verrtion über die Arbeitszeit der Angestellten mit 78 gegen 31 Stim» men angenommen. Die Arbeitergruppe gab nach der Abstimmung eine Erklärung ab. in der bedauert wird, daß es noch immer große Angestellten- gruppen gib:(leitende Stellen und Vertrauensposten, das Gastnxrts- gewerbe, Vergnügungs- und Unterhaltungsunternehmungen usw.), die keinen internationalen Arbeitsschutz genießen. Der Verwaltungs- rat des Internationalen Arbeitsamtes wird deshalb ersucht, bald- möglichst zu prüfen, in welcher Weise auch für diese Angestellten- kategorien ein« Regelung der Arbeitszeit erfolgen kann. f Freie Gewerkfchafts-Iusend Berlin Heute, folgend« Veranstaltungen:»rnpg« Tempelhof: Reltfahrt nach dem �öUernen See". Treffpunkt um 1» Uhr Gorlltzer Bahnhof. Unkosten einschließlich Mittagessen 1,50 M.— Äm» Oberspree: Zahrt nach Ebers- walde.— vstlreis: gahrt nach Dubrowberg. Treffpunkt Edrlitzer Bahnhof um 19 Uhr.— Moraen, Sonntag, Spieltreffen des Nordkreife» auf dem Jugend- «clände in Brieselang.— Achtung! Die Mitgliedskarten für die Volksbühne ssnd umzutauschen. Reuanmcldungen find möglichst bald der Jugend zentrale ,u Übermitteln. Sprechstunde f'den ssreitag von lS hi, 19 Uhr in der Zugend» zentral«. Gewerkschaft»Haus. Zimmer 26, Engelufer 24—25. §Iuaendoruvve de6'?enm Humboldthain. Verantwortlich wr Politik: Dr. E»rt Geyer: Wirtschaft:«. ttlingelhöser; Gewerkschaftsbewegung: Z. Steiner: Feuilleton: it. H. Döfchcr: Lokale» und Sonstioesi itrifi itarftidt: Anzeigen: Tb.(Bloche: l ämtlich in Berlin. Verlag: Vocwärts.Verlag G. m. d. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeref und Verlagsanstalt Vau! Singer u. Co.. Berlin KD. 68. Linden straß« 3. Hierzu 2 Beilagen und„Ingead-Borwärj»-. Beamte und Arbeiter. Sie müssen eine Einheitsfront bilden. Der Reichskanzler empfing am Freitag die Vertreter der Spitzenorganisationen der Beamten, und zwar den Deutschen Beamtenbund und den Allgemeinen Deutschen Beamtenbund gesondert. Die Bectreter des Allgemeinen Deutsehen Beamtenbundes Falikenberg und Dr. Völler setzten dem Reichskanzler die Gründe für die ablehnend« Haltung der freien Beamtengewerkschaften gegenüber den Plänen der Regierung aus- einander. Sie lehnten die Sonderbe st euerung bcr Beamten grundsätzlich ab, da hinreichende Ersparnismöglichkeitcn im Reichs- etat vorhanden seien Und durch Heranziehung der leistungsfähigen Schichten der Fehlbetrag aufgebracht werden könne. Mit besonderem Nachdruck wiesen Falkenberg und Bölter auf die ungeheuren Un- gerechtigkeiten hin, die die Beamten im besetzten Gebiet zu er- leiden haben, denen ab 1. Juli die Besatzungszulage und die örtlichen Sonderzulagen gestrichen werden. Auf eine Sonderbesteuerung der Beamten hat also die Regierung Brüning immer noch nicht verzichtet. Nicht umsonst sind seit Jahr und Tag die A r b« i t e r in der Presse des Zentrums und der christ- lichen Gewerkschaften gegen die Beamten ausgehetzt worden. Die Hetze gegen di« Beamten fand draußen im Lande vielfach An- klang. Jetzt aber, wo der Lohnabbau auf der ganzen L i n i e vor sich gehen so?, werden di« Massen stutzig. Die Arbeiter- schaft«vkennt, daß sie und die Beamtenschaft gegeneinander ausgespielt werden sollen. Sie erkennt, daß in dem Augenblick. wo die Beamten mit Hilfe eines Sondernotopfers einen Gehalts» o b b a u aufgebrummt bekommen haben, der Weg zum all- gemeinen Lohnabbau halb geöffnet ist. Der Gehalts- und Lohn» obbau ist der Angelpunkt, an dem sich Regierung Brüning und Unternehmertum begegnen. Demgegenüber müssen Arbeiter und Beamte den Ernst der Stunde erkennen und begreifen, daß sie zusammenstehen müssen. Werden sie gegeneinander ausgespielt, müssen sie die Z«ch« bezahlen. Die Lachenden sind dann die von der Regierung Brüning geschützten Besitzenden, die keine Erbschaftssteuer bezahlen und die mit einer halben Milliarde Steuern rückständig sind, ferner die Reichswehr mst ihrem Riesenetat und die Feudalen und Plutokraten des Auswärtigen Amtes mit ihren dicken Pfründen. Giegerwalds Erfolg. Vor einem Ztiesenkampf im Ziuhrgebiet. Bochum, 27. Zunt.(Eigenbericht.) Di« tage in der Gruppe Nordwest ist noch immer sehr undurchsichtig. Di« bisher bekanntgegebenen Säße des Akkordlohnabbaues in den Betrieben schwanken zwischen 5 und 30 Proz. Um eine klare Entscheidung zu hintertreiben, haben viel« Betriebe für Sonnabend und Montag Feierschichten eingelegt. Man rechnet anscheinend domil, daß die Arbeiter dadurch geneigter lein werden, am Dienstag zu arbeilen und so die neuen Akkordsähe an- zuerkenue«. Zn einer riesigen Versammlung des Deutschen Melallarbeiter- Nr. 297» 47. Jahrgang Sonnabend, 2S. Juni �S30 MD«kußien ÄSS neue Berlin! SozialdemolaatisdieElalrede imSdadlpavIameiil/INeDeinagogeit Kneifen Die gcstrigc Sladlverordnkten Versammlung brachte die groß. angelegte Etatsrede des sozialdemokratischen Fraktions- s ü h r c r s Erich A l a t a u. während seiner sachlichen und klaren Aussührungen herrschte im ganzen Hause gröhle Ruhe und gespannteste Zlusmerksamkeit. Der R e d o e r zeigte, wie die Sozialdemokratie bis zuletzt bereit war. positiv am Etat mitzuarbeiten und wie durch das verantwortungslose handeln der Dcutschnationalen die praktische, im Interesse Berlins gelegene Arbeit sabotiert worden ist. Deutsch. nationale, wirlschastsparlei und Kommunisten haben sich als die gefährlichsten Feinde der Reichshauplstad.t er- miesen. Sie tragen vor der Ocffenklichkeit die Verantwortung für alle Folgen ihrer zerstörenden und kurzsichtigen Politik. * Bevor zu Beginn der Sitzung die Fraktionsführer ihre ab- schlietzenden Reden zum Etat hielten, wurde über die restlichen E t a t k a p i t e l Hauptverwaltung, Handel, Gewerbe, Verkehr. Land- Wirtschaft, Borbehaltsmittel, Kapital- und Echuldenverrvaltung, Grundstücke, außerordentliche Verwaltung, Steuern und anderes a b- gestimmt. Dabei interessiert insbesondere die Ablehnung eines Antrages der Wirtschastspartei, der die Abschaffung der Gewerbesteuer, die Einführung einer Warenhaus- steu er und ein Juschlagsrecht der Gemeinden zur Einkommen» steuer verlangt. Angenommen dagegen wurde ein Antrag, solchen Gewerbetreibenden, die nicht mehr als 5000 Mark Einkommen im Jahr« haben, die Gewerbesteuer zu erlassen. In den Schluß- obstimmungen wurden die Beschlüsse des haushaltsous-schusfes. unter denen sich' viele sozialdemokratische Anträge befinden, gutgeheißen. Dann folgte die Etatrede der Sozialdemokraten. Nie Jteöe Flataus: Mein« letzten Worte beim Rachtragsetot für 1929 waren: Auf Wiedersehen beim hauschalt 1930. Der Wisdersehenstag ist nun gekommen, aber die W i ed er seche n s f r e u d e ist nicht allseitig groß. Das soll aber mein« Fraktion nicht hindern, ihr« Stellung zum Haushaltsplan der Stadt Berlin für das Jahr 1930 klar und e i nd e u t i g.zum Ausdruck zu bringen. Von einer Seit« ist der n«ue Etat als„Hunger etat" und von anderer Seite als „Etat der Wahrheit" gekennzeichnet worden. Di« durch die katastrophal« Wirtschaftslage hervorgerufene riesige Erwerbs- l o f i g k e i t mit allen ihren Folgen hat den Wohlfahrts- etat so b«last«t, daß dadurch das Gesicht des Etats überhaupt völlig beeinflußt ist. Es ist daher ohne weiteres zu erklären, daß der Wohlfachrtsetat mit insgesamt 222 Millionen Mark ein Mehr von über 43 Millionen gegenüber dem Vorjahr aufweist. Selbst noch während der Ausschußberatunaen sind weiter« 19H Millionen dazugekommen. Zu diesen riesigen Mehrausgaben kam das D e f i- z i t von 1929, das ebenfalls"in den neuen Haushalt eingestellt werden mußte. wir Sozialdemokraten haben immer zu erkennen gegeben, daß wir, geleitet von der Verantwortung unseren Wählern gegenüber. an der Ausgestaltung eines Etats stets positiv mitarbeiten werden, daß wir aber an der Verantwortung für diesen Etat wie für olle vorhergegangenen, gleichermaßen diezenigen Fraktionen teilnehmen lassen wollen, die durch die Verweigerung endgültig posi- tiver Mitarbeit bisher jeden Etat gefährdeten. Man kann also, das soll besonders hervorgehoben werden, absolut nicht von einem Etat der Sozialdemokratie sprechen oder von dem irgend- einer anderen Fraktion: es gibt eben nur einen Berliner Etat, an dem olle Stadwsrordneten praktisch mitzuarbeiten haben, die Verantwortungsbewußtsein und den ernsten Willen haben, wirklich« Seldstverwaltungsarbeit zu leisten. Wir haben uns als sozialdemokratische Fraktion ernsthaft und. wie ieh mit Stolz sagen kann, mit Erfolg bemüht» diesen Etat zu verbessern. Das gilt vor allen Dingen für die Etatgebiete der Wohlfahrt, der Gesundheit, der Schule, der Jugendfürsorge, der V o l k s b i l d u n g. Die von uns gestellten und in ihrer, großen Mehrheit angenommenen Anträge zeigen die Geradlinig- k e i t sozialdemokratischer Kommunalarbeit. Der Redner kritisiert« dann einzeln« Etotkapitel und die De- zernenten der zuständigen Verwaltungen, um schließlich«ine An» zahl ganz besonders hervorstechender konrmunistischer Anträge zu kritisieren. So hätten beispielsweise die Anträge der Kommunisten zur Unterstützung der Erwerbslosen bei ihrer Annahme dazu sichren müssen, daß etwa ein Ehepaar mit drei Kindern im schuloslichtigen Alter einen wonatsunterstühungssah von Z20 Mark erhalten hätte. Die Antragsteller scheinen allerdings dabei ganz übersehen zu haben, daß 320 Mark leider nicht der Durchschnittsverdienst der in Arbeit Stehenden ist. Gfe ergibt sich also, daß nach der Ansicht der Kom- munisten der Arbeitende wenjger erhalten soll als der Nicht- arbeitend«, obgleich der erster« an der Aufbringung der Mittel für den so hoch zu Unterstützenden beteiligt ist. Allein beim Wohl- sahrtsetat hätten die Mehrausgaben nach den Anträgen der Kommunisten 377 Millionen Mark ausgemacht, wozu noch die im Etat stehenden 222 Millionen hinzugekommen wären. Die Annahme aller kommunistischen Anträge zusammen hätten eine Mehrausgabe von 454 Millionen Mark erfordert, denen an vorgeschlagenen Ersparnissen mir 16 Millionen Mark gegenübergestanden hätten. Wenn man dazu noch die Mehr- betrüg« aus den Anträgen bei den städtischen Gesellschaften m,t etwa 100 Millionen Mark veranschlag, so kann man sich, wenn man bedenkt, daß die Kommunisten siir die Aufbringung der not- wendigen Mittel auch nicht einen einzigen ernsthaften Vorschlag gemacht haben, ein Bild von der Berliner Etatgestaltung nach dem Willen der Kommunisten machen. Im chaushaltsaueschuß ist von der Notwendigkeil von Revisionen auch bei der Notstand s- o k t i o n gesprochen und ein diesbezüglicher Antrag angenommen worden. Die Einstellung solcher Revisoren soll nach sozialdemo- kratischem Vorschlag aus dem Kreise der hierfür geeigneten E r- werbslosen ersolgen und nur die Kommunisten'waren dagegen. Wir können deshalb in aller Osfsentlichkeit seststellen, daß' jeder Arbeitslose mit gutem Gewissen ruhig der Tätigkeit solcher Re- vision entgegensehen kann, denn gerade wer, wie wir, der Ueber- Zeugung ist, daß die immer wieder auftauchenden Behauchungen von Betrügereien beim Unterstützungsempfang über- trieben find, mutz im Interesse der falsch beschuldigten Arbeits- losen durch die Revisoren die Möglichkeit der Widerlegung geben. Zum Gebiet der städtischen Gesellschaft übergehend, bemängelt« Stadtverordneter Flatau, daß die Leitungen einiger Gesellschaften ihr« Arbeitsgrundlagen fast nur in den für die be- treffende Gesellschaft in Betracht kommenden Gesetzen gesehen haben und sich viel zu wenig, manchmal auch gar nicht als Teil städti- scher Gemeinschaft fühlten. Das' wünschen die Sozialdemo- traten in Zukunft geändert zu sehen. Di« Gesellschafter bzw. die Generalvevlammlungen müssen durch.den Hinzutritt von Stadtver- ordneten ein für die städtischen Körperschaften verantwort- l i ch e s Organ werden. In keinem Fall« darf die Organisation und die Wirtschastssührung einer Gesellschaft durch plötzlich gegründete Tochtergesellschaften unklar und beeinträchtigt werden. Wir er- innern übrigens bei dieser Gelegenheit mit allem Nachdruck an die von der Stadtverordnetenversammlung fast ein einmütig al» wünschenswert angesehene Rormalisicrüng der hohen Direktoren- gehälter. Die Demagogie der Kommunisten. Wir Sozialdemokraten können uns die Mitarbeit am Etat nicht so leicht machen, wi» es die Kommunisten tun, die sich einfach an den Parteigrundsatz halten, daß«in» positive Mit- arbeit verboten ist. Die Kommunisten machen es sich sehr leicht. Sie stellen M i l. lionenanträg«,„entlarven" uns und lehnen dann jeden Etat aus Prinzip ab. Hunderte von Millionen mehr fordern di4 Kommunisten. Das ist ein Mehr von ungefähr 65 Pro;, der gesamten Elatsumme. Deckung zu suchen ist„reformistisch" wäre auch eine parteioffiziell verboten« positive Mitarbeit. In Nr. 119 der„Roten Fahne" vom 23. Mai d. I. lesen wir unter der Ueber. schrist„Kommunalpolitische Entgleisungen und ihre Ueberwindung": „Eln Genosse stimmte« in der Kommission des Gemeinderats einer vom Gemeindevorsteher vorgeschlagenen Umformulierung eines Beschlusses zu. Es bedurfte wiederum einer längeren Debatte in der kommunistischen Ortsgruppenleitung um dein■ Genossen klar zu machen, daß es nicht Aufgab« des kommunistischen Gemeinde Vertreters ist,„positiv« Mitarbeit" in der Kommune zu leisten, und daß die kommunistischen Gemeindevertreter nicht vor den Grenzen der bürgerlichen Gesetzlichkeit zurückschrecken dürfen." Nimmt man als Ergänzung dieser heroischen Feststellungen die Ausführungen des Herrn Pieck während'der Debatten über die Sparmaßnahmen hinzu:„wir misten, daß auch die von uns gefor- decken sogenannten Besihsteuern nicht alle den Gemeinden üb«. lragenen Ausgaben lösen werden", so erhält man ein völlig ab- gerundetes Bild von dieser besonderen Art der Vertretung proleta- rischer Interessen in der Gemeinde. Der Redner erwähnte dann, daß der Etat ursprünglich«inen Fehlbetrag von rund 64 Millionen Mark enthielt, der sich im Laufe der HauShaltsauSschutzberatungen zuletzt auf 83X Millionen Mark erhöhte. Dieser Fehlbetrag ist durch Einnahmeerhöhungen schließlich gekürzt worden, trotzdem bleibt ab« tmm« noch ein Defizit von rund 55 Millionen Mark. Bei der Suche nach Deckung würde es unerträglich und unverantwortlich fein, wenn man wähl- und ziellos gerade die Kapitel zusammenstreichen wollt«, die die finanziellen voraussehhunaen für die sozialen und kulturellen Leistungen der Stadt Verlin darstellen. Diese Leistungen zu erhalten, ist oberster Grundsah der Sozialdemokraten. Obwohl die Sozialdemokraten bereit waren, bei der Beratung des Etats und bei feiner endgültigen Gestaltung O v s« r zu bringen, kann uns trotzdem nicht cm« Beteiligung am endgültigen Abschluß zugemutet werden, wenn durch die Mehvheitsvevhältnisf« der Stadt- verordnetenversammlung die Verabschiedung unmöglich erscheinen muß. vi« Verantwortung für alle daraus sich ergebenden Folgen tragen die Fraktionen, die durch ihre Haltung dieses Resultat herbeigeführt haben und, wie gesagt werden muß, bewußt herbeigeführt haben. Kommunisten, Wirtschaftsparteiler und Deutsch» national« befanden sich dabei in ekner Fronr. Di« link« Seit« des Hauses wollt« überhaupt keinen Ausgleich. Die Deutsch- nationalen kamen nach langwierigen inneren Fraktionskämpsen da- zu, ein« Anzahl Bedingungen zu stellen: selhswerständlich konnten wir nicht daraus eingehen. Unter der Vorspiegelung ein« Beteiligung an der Sanierunasarbeit will besonder» die rechte Seil« des Häufe» politische Geschäfte machen. Demgegenüber haben wir zu erklären, daß wir es als unsere Derpsllchtung ansehen, mit erhöhter Energie die städtisch« Verwaltung vor einer Erweiterung der deutschnationalen Einwirkung s- Möglichkeiten zu bewahren. Wir würden uns selbst vernichten, wollte« wir nicht — auch mit Hilfe der anderen verantwortungsbewußten Gruppen— dafür sorgen, daß das. was durch die sozial- demokratische Initiative mühevoll in zehn Jahren geschaffen und geleistet wurde, wieder vernichtet tpird. Wir Sozialdemokraten wissen, daß unsere kommunale Llrbeit in Berlin, insbesondere unsere Mitarbeit an diesem Etat, in den Kreisen des aufgeklärten Pro- letariats verstanden werde« wird.• Wir wisse», daß anerkannt werden wird, daß das Ziel unserer dies» G führt ab, es wirkt sehr versuch es, und JOi/L bis t.im Bilde Ausflüge in die Oer Blumenthal. Strausberg ist wegen sein« Vorortoerbindung der ge- eignete Ort, von denk man die Wanderung in das schön« Wald- rem«„Der Blumenthal" antreten sollte: zwei Wege bieten sich dem von Berlin Kommenden dar, und sie haben den vorteil, daß sie recht verschieden voneinander sind, dabei aber auch in ihrer Gesamtheit den' Besucher in die schmucke Stadt selbst unter allen Umständen führen. Der«in« geht vom Bahnhos Strausberg aus, der andere vom Nordende der Stadt— beide führen zum Glanzpunkt des Woldes: dem Gamenfe«. Man wähle den «inen zum Hinweg, den anderen zur Rückwanderung— vorausge- fetzt, daß die Bein««inen Marsch von je etwa 2 Stunden vertragen. Wer dies nicht leisten will, der gehe vom Gamensee nach«in« der beiden nahen Stationen der Berlin— Wriezener Bahn: Tiefen« see oder Leuendcrg. Die Sonn- tagssahrkarte Ist für diesen Zweck wahlweise Strausberg— Lsuenberg gestaltet.• Entscheiden wir uns für Rückkehr nach Strausberg, so gehen wir gleich vom Bahnhos Strausberg entweder direkt oder über Eggersdorf nach der Landhauskoloni« Hohen' ließ und von da auf der Westseite des schönen Bötz-Sees nach Spigmühl« und dann längs des Fängerssees— ebenfalls aus der Westseite— nach Wejendahler Mühle. Weitergehend auf dem Westrand« de» Garnen. g run-des gelangt man zum nördlichsten der Seen, die in der unteren Hälfte der Gamensenk« sich vorfinden— zum K« ss« l see. Di« von Norden herkommende Senke hat. ehe sie den Blumenthol durch. schneidet, eine ganz« Anzahl von Seen, die sür dies« Wanderung nicht in Betracht kommen— innerhalb des Blumen chals liegen noch drei Seen: im Sinn« unseres Weges, also von Süden nach Norden, betrachtet: der Gamensee, der M i t t e l s e e und der Lange- fe«, olle drei nur durch schmal« Londstücke getrennt. Di« Wand«- rung im Gamengrund endet an der Chaussee Werneuchen— Prötzel, von der man einen, schönen Blick aus den schmalen Gamensee hat. <-»/ Der Qamen-See. Wer nun Anschluß an die Wriezener Bahn haben will, geht längs des Gamenjse» bis zur Landzunge zum Millelje«: von h:« links nach Tiesinsee und rechts nach Leuenberg. Der den zweiten Weg zum Gamensee sür die Rückkehr nach Strausberg Benutzende geht aus der Prötzeler Ehausse« einige Schritte nach Osten, dann süd> wärt» zum Forsthau» Heide krug, von hier auf der alten Berlin« Straße östlich weiter und rechts ab durch den Grenzgrund zum Lattfe«(Großer und Kleiner Lattsee), einem Gewässer einer.zweiten den Blumenthol durchziehende Senke. Zu ihr gehört auch der I h l a n d s««, dem wir jetzt zustreben und an dessen Westseite wir wandern, bis wir die Straße nach Wilkendorf«- reichen. Auf ihr rechts, dann bald links in die nach Strausberg führende Straß««inbj,eg«nd, haben wir da» am Motorboot» befahrenen S tr a u sfe« liegende Schlußstück der Wanderung er- reicht. Etwas Ruhe am Seeuser oder einem der vielen natur» schönen Punkt« der nächsten Umgebung wird dem Wanderer will- kommen sein, eh« ihn die Wagen der elektrischen Straßenbahn zum Bahnhos entführen. Schweres Gewitter über Berlin. Lteberfchwemmungen.— Hochbahnverkehr zeitweise gestört. jährigen Wirksamkeit war: eine wirklich positive ArbeitzumWohledernotleidendenMassen. lLebh. Beifall und Händeklatschen bei den Soz.) Herr Pieck weiß nichts zu sagen. Nach der Red« Flotous läßt die Aufmerksamkeit, die während seiner Ausfiihrunqen das ganze Haus gezeigt hatte, sofort nach. Als der Kommunist Pieck das Wort nimmt, spricht er vor säst leeren Bänken. Der kommunistische Redner verliest eine Erklärung. die schon lange vorher formuliert, mit keinem Wort aus die sür seine Fraktion so belastenden Feststellungen des sozialdemokratischen Redners eingeht. Das betretene Schweigen, das aus der äußersten Linken herrschte, als der sozialdemokratische Fraktions- Vorsitzende die unehrliche Politik und Unfähigkeit der Kommu- nisten anprangerte, hatte schon gezeigt, daß die Kommunisten keine Möglichkeit sahen, sich zu verantworten. Dieser Eindruck wurde durch die Ausführungen des Herrn Pieck nur verstärkt. Dem Kommunisten folgt der deutschnationale Sprecher von Zecklin. Er polemisiert gegen alle städtischen Gesellschaften, im besonderen gegen die P e r k e h r s g e s e l l s ch a f t. Dabei entschlüpft ihm das Ge- ständiris, daß die Deutschnalionalen den sozialdemokratischen Stadtrat Reuter gerode wegen seiner, ihnen unangenehmen, Energie stürzen möchten. Nachdem der Redner einen Artikel aus dem „B o r w ä r t s" zitiert hat, der sich mit der Haltung der Deutsch- nationalen im Ausschuß beschäftigte, wettert« er mit besonderem Pathos gegen die N o t st a n d s a k t i o n und die Erwerbs- losen überhaupt. Er schließt mit der eingeweihten Kreisen längst bekannten Feststellung, daß die Deutschnotionale Partei den Etat ablehne, weil man ihr die Posten, die sie besetzen möchte, noch wie vor vorenthalte. Im weiteren Verlauf der Etatreden sprach Stadtv. Caspar! '(DDP.), der am Schluß seiner Ausführungen, gegen die Deutsch- nationalen gewandt, feststellte: Wir haben mit den Deutsch- nationalen in den Ausschußberatungen einen Ausgleich des Etats gefunden, aber in dem Augenblick, wo die Beratungen zu einem guten Ende gekommen schienen, stellten die Deutschnationalen ihr« überspitzten Forderungen. So, mein« Herre-r von der Rechten, geht die Zusammenarbeit nicht; Bedingungen muß man an 'den Anfang der Verhandlungen stellen. Aber den Deutschnationalen scheint es darauf anzukommen, nach dem Fall des Etats die Berliner Steuern vom Oberpräsidenten bestimmen zu lassen. Kein« Fraktion kann sich das Diktat der Deutschnationolen gefallen lassen. Vor Schluß gegen 22 Uhr verabschiedete das Haus noch eine Reihe kleiner dringlicher Vorlagen. Oer müde Stadtkämmerer. Keine Wiederaufnahme der Geschäste.— Ztücktrittsgesuch eingereicht. Dos Rachrichlenamk der Sladt Berlin keilt mit: Stadtkämmerer Dr. Lange hat, nachdem gestern das gegen ihn schwebende Disziplinarverfahren durch Areispruch seitens des Bezirksausschusses zur Erledigung gekommen ist. seine versehung in den Ruhe. st a n d auf Grund ärztlicher Zeugnisse beantragt. Der Entschluß, in den Ruhestand zu treten, war bei Stadtkämmerer Dr. Lange schon längere Zeit vorhanden. Er hat jedoch den Antrag erst jeht gestellt, um auch nur den Anschein einer etwa beabsichtigten Beeinflussung zu vermeiden. Einige Spätabendblätter ergehen sich bei ihren Kommentaren zu dieser allerdings überraschenden Nachricht in den seltsamsten Prophezeiungen. Man spricht davon� daß die Soz i a l d e m o- y traten für den Posten bereits mehrere Anwärter bereit hasten. _.Mls aussichtsreichster Kandidat wird der parteigenössische Stadt» w«äminerer von Frankfurt a. M., Dr. Asch, genannt. All« diese Nachrichten sind frei erfunden. Weder im Magistrat noch in der sozialdemokratischen Stadtoerordnetenfraktion hat man sich bisher mit der Frage des Nachfolgers für den zurückgetretenen Stadtkämmerer beschäftigt. Befreiungsfeier des Reichsbanners. Platzkonzert und große Kundgebung im Lustgarten. Die bereits angekündigte Rhein-Befreiungsfeier des Berliner Reichsbanners am Montag abend im Lustgarten beginnt bereits um 18l4 Uhr. Um dies« Zeit findet ein Platzkonzert statt, das von den vereinigten Reichsbänner-Musikkapellen Bertin» Gestern abend kam über Berlin ein schweres Gewitter zur Entladung, das stellenweise von einem wolkenbruchartigen Regen begleitet war. Dos Unwetter lobte besonders im Westen und in den Außenbezirken Berlins mit großer Heftigkeit und wurden durch die niedergehenden Regenmassen Ueber schwemmungen verursacht. Das Gewitter setzte kurz vor 20 Uhr ein und zog sehr langsam über die Stadt hinweg. Es handelt« sich um ein ausgesprochenes Wärmegewitter, das ausfallend zahlreiche elektrische Eni- ladungen zur Folge hatte. An mehreren Stellen schlug der Blitz ein. So wurden in der Albrechtstraße in Steglitz, in der Chausseestroße in Britz und in der Dorfstraß« in Tempelhos mehrere Straßenbahn- leitungen durch Blihschlag zerstört. Der Straßenbohnverkehr war dadurch längere Zeit unterbrochen. Eine besonders schwere Ver- kehrsstörung wurde aus der hochbahnstrecke Gleisdreieck— War- schauer Straße verursacht. Durch Blitzeinschlag oder stark« Wasser- mengen, die genaue Ursache konnte noch nicht ermittelt werden, wurde zwischen den Stationen hallesches Tor und prinzenstratze das Slromkabel unterbrochen. Mehrere Züge blieben mitten auf der Allgemeine Flugblattverbreitung heute Sonnabend, den 28., und Sonntag, den 29. Juni Die gegenwärtige politische Lage verpflichtet die Genossen, sich restlos an der Flugblattverteilung zu beteiligen.£s darf kein Flugblatt In den Ausgabestellen liegen bleiben! Der Bezirksvorstand. Friedrichs Hain, Berlin-Tteptow, Berlin-Weihense« und einem Spiel- mannszug unter Leitung des Kameraden Beyer-Treptow ausgeführt wird. Zum Vortrag gelangen: ,Ln Treue fest'', die Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt',„Fackeltanz' von Meyerbeer, der Maisch„Treu dem Boner", das Potpourri„Vom Rhein zur Donau"; zwei Märsche„Brüder zur Sonne' und der„Reichsbanner- marsch" schließen diesen«inleitenden Teil der Kundgebung. Um 20.15 Uhr findet der große Fahnenonmarsch statt, nach dessen Beendigung Reichstagsabgeordneter Dr. Rudolf Breit- scheid die Festrede hält. Riesenbrand bedroht die Stadt. Löschung unmöglich.— Munitionsfabrik in Gefahr! Prag, 27. Juni. Durch einen Blitzschlag ist in Pardubitz ein Riesenbrand entstände», der die ganze Stadt bedroht. Gegen 18 Uhr schlug ein Blitzstrahl in die Spiritusraffinerie ein und fetzte sie in Brand. Räch kurzer Zeit war das. ganze Fabrikgebäude eingeäschert. Die gesamten Spiritusvorräte in höhe von 18 400 Hektoliter, die einen Werl von 10 Millionen Kronen haben, brennen. Räch Ansicht der' Feuerwehr wird der Brand, an besten Löschung nicht mehr gedacht werden kann, noch ein bis zwei Tage dauern und einen Schaden von 20 bis 30 Millionen Kronen zur Folge haben. Für die Sladt Pardubitz und Um- gebung besteht große Gefahr, da nur 5 Kilometer von der Brandstelle entfernt eine Explosivst ofsabrik und eine große pelroleumraffinerie sich befinden. Die Frageabende des Archivs für Sexualwissenschaft finden während der Ferienmonate einschließlich September nicht statt. Strecke liegen. Die Störung setzte um 20.40 Uhr ein und war erst kurz vor 21.30 Uhr wieder behoben. Die Berliner Feuerwehr wurde in kurzer Zeit etwa'50mal alarmiert, um bei Ueberschwemmungen Hilse zu leisten. Nach den vorliegenden Meldungen sind Neukölln, Spandau, Hermsdorf und Tegel vom Unwetter besonders schwer betroffen worden. Erdrutsch in Neukölln. Bürgersteig im Llmkreis von 50 Quadratmeter eingestürzt. In Neukölln ist in der Hermnnnstraße vor dem Grundstück Nr. 79/81 der Bürgerfteig in einem Umkreis von etwa S« Quadratmeter infolge Wasserrohrbruchs eingebrochen. Die Unfallstelle wurde nach Alarmie- rung der Feuerwehr abgesperrt. Aeues Darlehen für die Bewag. 2,6 Millionen zur Förderung von NotstandSarbeiteu. Die Berliner Städtische Elektrizitätswerk« A.-G. hat für bc- stimmt« Erdbewegungsarbeiten und Kabelverlegungen beim Bau des W e st k r a f t w e r k s-und einzelner Bauvorhaben des Bau- Programms 1929 die Anerkennung als No t st a n d s a rb e i re n und damit eine verstärkte Förderung durch Darlehen aus Reichs- und Landesmitteln zugesagt erhalten. Das Darlehn wird unter Zugrundelegung von 66 667 Arbeits- losentagewerken mit je 12 M. verstärkter Förderung insgesamt 800 000 M. betragen und mit 400 000 M. als Reichs- und 400 000 M. als Landesdarlehn gewährt werden. Die zuständigen Regierungsstellen haben der Bewag ein weiteres Darlehn von ins- gesamt 1 800 000 M. zur verstärkten Förderung von Arbeiten aus dem Nachtragsbauprogramm 1929 und dem Bauprogramm 1930 zugesagt. Es werden somit den Elektrizitätswerken voraussichtlich ins- gesamt 2,6 Will. Mark, und zwar 1,3 Mill. Mark aus Reichs- und 1,3 Mill. Mark aus Landesmitteln als Darlehn zur verstärkten Förderung von Notstandsarbeiten zufließen. Zm Klugzeug geflüchiet? Tschechischer Offizier landet auf dem Flugplatz in Gandau. Breslau, 27. Juni. Auf dem Flugplatz in Gandau landete ein tschechostowakifches Rlilitärflugzeug. dessen Jnsaste ein tefchechoslowakischer Leutnant war. Er gibt an, sich aus persönlichen Gründen von der Truppe entfernt zu haben. Da- Flugzeug ist polizeilich sicher- gestellt: der Flieger verbleibt vorläufig in polizeilichem Gewahrsam. Uralzc ff ,'n Berlin festgenommen. ' Am Donnerstag abend wurde der Russe Alexander Ural» zeff, der seinerzeit im Mittelpunkt des aufsehenerregenden Raisseisenskandals stand, in einem bekannten Berliner Hotel festgenommen. Die Festnahme erfolgte auf Grund eines Haftbefehls, den die Dresdener Staatsanwall- s ch a f t gegen Uralzesf wegen Urkundenfälschung erlassen hat. Uralzesf, der die im Haftbefehl gegen ihn erhobenen Beschul- digungen natürlich bestritt, wurde, ohne im Berliner Polizei- Präsidium vernommen zu werden, nach Dresden gebracht, wo er noch gestern dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde. Seustl« Pfarl«, A. Blei« spricht am fammenlxm Sonntag, dem 28. Juni, 10 Uhr, im Rahmen einer religiösen sseierftund« in der Trinitatiskirch«, Thar. lottenburg. Karl»August.Plah, Uber da» Thema:«Die Religion, die Heimat der Heimatlosen". S/NOA/R LEW/5 'ROMAN Ucbersefzt ron Cl. Meitner.— Meyer& Jessen. Vertrieb. MünAen. Doch aus dieser Masse von Geschästsjüngern ragten doch zwei oder drei hervor, die interessant waren: Sam Wein- traub, ein junger, beweglicher, rothaariger, schlanker Jude, der in Brooklyn geboren war. Er rauchte mit Kennermiene dicke Zigarren, verstand sich gut zu kleiden und erzählte von Tennispartien im Prospect Äthletic Club. Una war über- zeugt davon, daß er eines Tages ein eleganter Sekretär oder Prokurist sein würde: er würde ein Auto besitzen und sich nach dem Theater im Frack und mit immer dickeren Zigarren im Munde im Restaurant sehen lassen. Sein Raffinement machte ihr ein wenig bange. Er war der einzige, dem- gegenüber sie sich als Neuling fühlte. I. I. Todd, ein zurückgezogener, unschlüssiger, fleißiger Mann um die Dreißig, aus Chatham auf Cape Cod. Er war es, der in Tischgesprächen heftig die Aufteilung des Ge- Winnes verteidigte, die Sam Weintraub leichthin als„sozia- listisch" abtat. Am besten gefiel ihr der junge enthusiastische Sanford Hunt, der, unfertig in seinem Wesen, sehnlichst auf die Ge- legenheit wartete, sich einem Größeren anzuschließen. Wein- traub und Todd saßen zu Unas beiden Seiten: sie hatten jenen großen, romantischen Vorteil für sich: die Nähe. San- ford Hunt jedoch war ihr in seinem Winkel am anderen Ende des Zimmers aufgefallen, weil er so knabenhaft und verlassen um sich blickte. An einem Regentag half er ihr einmal, einen Gummi- schuh in dem vollgestopften Garderobezimmer suchen, während die Mädchen kicherten und die Elegants der Schule johlten und einander auf den Rücken schlugen und sich mög- lichst ähnlich ihrem Schülerideal aufführten— ein Ideal, zweifellos vom Kino und aus Studentenszenen in Possen her- geholt. Una sah, daß I. I. Todd sie anstarrte, ohne sein« Hilfe anzubieten, während der zusammengekauerte Sanford auf dem Boden und unter den schmutzigen Mänteln nach dem oermißten linken Galoschen herumkroch. Lächelnd wie ein lieber Junge tauchte er mit dem Gummischuh auf und be- gleitete sie zur Untergrundbahn. Er brauchte nicht sehr ermutigt zu werden, damit er von seinen Plänen erzählte. Er war einundzwanzig— drei Jahre jünger als sie. Er war eine Halbwaise, in Newark ge- boren: hatte sich im Büro einer Iersey-City Farben-Aktien- gesellschaft vom Laufburschen bis zum Bllroschreiber empor- gearbeitet: hatte sich Geld erspart, um einen Handelskurs zu machen und wollte dann zu seiner Firma zurück, in der Hoff- nung, Abteilungsleiter zu werden. Er war davon überzeugt, daß„der herrlichste Mann der Welt" Herr Claud Lowry, Präsident der Lowry-Farben-Aktiengesellschaft, sei: der nächstherrliche: Herr Ernest Lowry, Vizepräsident, und Ge- neraldirektor: der nächste Herr Julius Schwirtz, einer der beiden Reisenden— Herr Schwirtz hatte zwei Jahre lang den Schreibtisch neben seinem gehabt—, und„daß Lowrys Dauerfarbe heute die beste Farbe auf dem Markt sei— einfach unübertrefflich!" Auf dem fünf Minuten langen Weg zur Haltestelle der Untergrundbahn an der Achtzehnten Straße hatte Sanford Una schließlich durch die Hingabe an seinen Beruf gewonnen: er war eifrig und treu wie ein junger Soldat, der voll Stolz bei seinem Regiment dient. Una stimmte ihm darin bei, daß dieser starrsinnige I. I. Todd verrückt sei mit seinen Theorien über Gewinnaufteilung und Anteilscheine der Angestellten. Solange sie mit dem jungen Sanford zusammen war, fand sie, ganz wie er, daß„die Chefs oll diese Dinge so viel besser verstehen— und wie! sie haben ja auch so viel mehr Er- fahrung— und außerdem kann man nicht von ihnen ver- langen, daß sie ihren ganzen Gewinn hergeben, diesen umher- ziehenden Agitatoren oder einem Farmer aus Cape Cod, wie diesem Todd, zuliebe! Solche Theorien tun einem Burschen nicht gut: das einzig Richtige ist, bei seinem Beruf zu bleiben und vorwärtszukommen." Es war eigentlich verboten, sich im Studierzimmer zu unterhalten, doch wurde ständig leise gesprochen und geflüstert, und Sam Weintraub berichtete Un» täglich von seinen Tennispartien, Tanzereien und Abendessen im Prospect- Athletic-Club. Durch ihn bekam sie ein Bild von dem New Bort, in dem manche Leute tatsächlich geboren waren und es so selbstverständlich nahmen wie sie ihr Panama. Sie bemühte sich ernstlich, selbst eine richtige New- Borkerin zu werden. Nach dem Mittagessen— einigen belegten Broten und einem Apfel, von daheim mitgenommen—, das sie in dem surrenden, lärmerfüllten Klassenzimmer ver- zehrte, durchstreifte sie die Stadt. Manchmal bat Sanford Hunt um Erlaubnis, mitgehen zu dürfen. Einmal stolzierte auch Todd neben ihr her und brachte sie durch seine Ent- rüstung über einen antisozialistischen Straßenredner auf Madison Square in Verlegenheit. Einmal begegnete sie Sam Weintraub in der Fünften Avenue, und er zeigte ihr nachlässig in einem vorbeifahrenden Auto einen Mann, von dem er behauptete, daß er John D. Rockefeller sei. Doch auch während der Mittagszeit tonnte Una mit den Mädchen, die den Kursus besuchten, nicht recht in Fühlung kommen. Sie sah in ihnen entweder nur Stenotypistinnen dritten Ranges oder hochnäsige Großstadtpflänzchen, die alles über„Iungens" und„Revuen" und„Fetzen" wußten. Mit Ausnahme des gutmütigen Fräuleins Moynihan und des ältlichen, zaghaften, fleißigen Fräuleins Ingals, die, wie Una, aus der Kleinstadt kamen, und des entzückenden, kleinen, hübschen Fräuleins Moore, die man unbedingt gern haben mußte, sah Una die Mädchen des Kursus nur als Masse. Sam Weintraub, I. I. Todd und Sanford Hunt waren die Leute, die Una beobachtete und gern hatte, und an die sie dachte, als anfangs November die Schulleitung alle Kursusteilnehmer zu einem Tanzabend einlud. 3. Die Aufregung, das Gelächter und die Diskussionen über Ansteckblumen, Tanzschuhe, Kopfputz und Tänzer, welche das Klassenzimmer während der Mittagspause und das Gar- derobezimmer nach Schulschluß erfüllten, waren wie mitter- nächtliche Stille im Vergleich zu dem Tumult in Unas Brust, als sie zu entscheiden suchte, ob das blauseidene Abendkleid oder das weiß und rosa gemusterte CrSpe-de-Chine-Kleid für diese Gelegenheit passender wäre. Das CrSpe-de-Chine-Kleid war älter, aber sie hatte das blaue Seidenkleidchen so oft an- gehabt, daß auf einmal das CrKpe-de-Chine-Kleid neuer und weniger abgetragen aussah. Nach Beratungen mit der Mutter, wobei das CrSpe-de-Chine-Kleid unzählige Male ausgebreitet und mit dem Zeigefinger unsichtbare, geome- irische Figuren darauf gezeichnet worden waren, entschied Una, daß es nach einigen kleinen Aenderungen„gehen würde". �Fortsetzung folgt.) � Cfnfcnbnngcn fit bicfc Rubrik ftnb •(( i i a SB 68,£inb Ps. i 17. ttrei» Li-ttenberq. Sonntag. 2g. Juni. Ig Uhr, Besichtigung > des weltlichen Schulgartens Ruschestraße. Treffpunkt 10 Uhr Z!or. i mannen. Eike Ruschestraße. Rege Beteiligung wirb erwartet. cbcTF 17. 19. «. 6. 8. 10. 12. 13. 15. 20. 51. 22. 27. 28. 29. 34. 36. 39. •<«. 40. 51 55. 6. 57. 77. 78. 80. 88. 91. 93. III. 114. 121. 125. 127. 128. 136. 34. Krei« Lichtenberg. Die Kassierer der Abteilungen 115, 117, 121. 122. 123a unb 1243 werden gebeten, bis»um 30. Juni beim Kreiskassierer, Genossen Laatzig. Koulsdorf-Süd, Ulmenstr. 80. ab»urcchncn. Kreis Pankow. Montag, 30. Juni, pünktlich 20 Uhr. Kreisbelegierienver- sammlung bei Meier, Türkisches Jelt, Pankow, Breite Str. 14. heule. Sonnabend. 28. Juni. Abt. Ab 17 Uhr Jlugblattverbreitung bei Bronbes, Stralauer Str. 10. Sonntogvormittag vom gleichen Lokal ob 9 Uhr. Abt. Die Besirksfllhrer rechnen sämtliches Material bis spätestens Mon» tag. 30. Juni, mit dem Kassierer ob. Abt. Sonnabend und Sonntag findet die fflugblattverbreitung vom Lokal Rickert, Eteinmetzstr. 30a, statt. Abt. Jlugblattverbreitung ab 18 Uhr bei Sanbow, Flensburg«! Str. 3. Sonntag gemeinschaftlicher Ausflug nach Pichelsberg«. Treffpunkt 13 Uhr Bahnhof Bellevue. Abt. Flugblattvcrbreitung ab 10 Uhr unb Sonntag ab 8 Uhr von Schmidt, Wielesstr. 17, aus. Abt. Die Bezirksfllhrer holen die Flugblätter au» der Spedition, Bil» helmshavener Str. 48, ob. Abt. Ab 10 Uhr ollgemeine Flugblattverbreitung von den Fahlabenb- lokalen aus. Abt. s«»te ab 18 Uhr unb Sonntag ab 9 Uhr Flugblattverbreitung von den Johlabcnblokalen aus. Abt. 18>h Uhr Fluqblattverbreiwng von den Sohlabendlokalen au». Abt. Die B»,irksführer holen die Flugblätter von Borkowski. Brüsseler Str. 43. bi, spätestens Sonnabend 18 Uhr ab. Flugblotwcrbreitung von den?ohlabendlokolen aus. Sonnabend ab 18 Uhr. Sonntag ab 9 Ubr. At. 18 Uhr Flugblattverbreitung von den SaMabenblokalen aus. Bezirks- führet um 17 Uhr bei Reetz. Sonnenburger Str. 1. Abt. Heute wichtige Flugblattverbreitung. Besirksfllhrer holen da» Mater al ab beim Genossen Pinner, Tresekowstr. 30. Alle Genossen müssen mithelfen. Abt. Ab 10 Uhr treffen sich die Genossinnen unb Genossen»ur Flugblatt. Verbreitung bei Burg, Prenzlauer Allee 80. Abt. 17 Uhr Flugblattverldreitung, Eadiner Str. 10. Erscheinen aller Genossen Pflicht. Abt. Heut» ab 18 Uhr unb Sonntagvormitta« Abholung der FlugblStter von den Sohlobenblokalen. Es ist Pflicht aller Genossen, sich an der Ber. teiluiig»u beteiligen. Abt. Ab 18 Uhr Flugblottveihreitung in ollen Bezirken von den Fahl- obenblokalen aus. Die Johlabende in allen Bezirken und die Mitglieder» Versammlung ber Abteilung fallen im Znni au«. Die Geschäfte der Ab- teilung führt im Juli-Genosse Otto Grünler, Koppenftr. 48, IV. Abt. Treffpunkt zur Flugblattverbrcitung 17 Uhr Lindenstr. 3. 1. Los. Abt. Heute, Sonnabend, unb morgen, Sonntag, allgemeine Flugblatt- Verbreitung. Flugblätstr sind ab Eoanabenbvonnittag bei Keufner. Hagel. berger Str. 20a, abzuholen. Die Bezirksführer wollen dafür Sorg« tragen, baß die Bezirke restlos belegt werden, evtl. Verteilungsplan bei Keufner abzuliefern. Abt. Flugblattverbreiwng heute ab 18 Uhr unb Sonntag ab 8 Uhr de! Eichholz. Euvrpstr. 23.' Abt. Die Genossen treffen sich zur Flugblottverbreitunq: 1. Gruppe bei Schellbach, Königin..Elisabcth.Straße. 2. Gruppe bei Jamin, Sophie- Eharlotte-Str. 88. 3. Gruppe bei Holtmann, Sophie-Eharlvtte�tr. 78. Abt. Treffpunkt zur Flugblatwerbreitung: 8 Gruppe ab 18 Uhr bei Schutz, Dallstr. 90. 9. Gruppe ab 18 Uhr bei Reimer, Wilmerzborser Straße 21. Abt. Sonnabend unb Sonntag Flugblattoerhreitung: 1. unb 3. Gruppe bei Liersch. Kantstr. 02. 2. Gruppe bei Jaskgwiak, Haltzenborffstr. 20. Alle Genossen und Genossinnen müssen sich daran beteMgen. Abt. Alle Genossinnen unb Genossen beteiligen sich an der Flughlattver- breitung. Ausgabe Sannobend. 17 bis 19 Uhr. unb Sonntag. 9 bis II Uhr. Ausgabestellen: Lokal Arndt, Kantstr. 31, Lokal Thunak, Wielanbstr. 4. Abt. Heule, ab 17 Uhr, und morgen, Sonntag, ab 9 Uhr, Flughlattver» breitung von den Zohlabendwkalen au». Abt. Ab 18 Uhr Flugdlattoeribreitung von den Fahlabenblobalen au». .Zahlreiche Beteiligung erbeten. Abt. Sonnabend 10—17 Uhr. unb Sanntaa, 8—9 Uhr, bei Gurlich, Begas- straße 1, Ausgab« der Flugblätter. Montag. 80. Juni. 20 Uhr, hei Will. Mortin-Luther-Straße, Kreisfunktionärkonferenz. Beteiligung aller Abteilungsfunklionäre drinoend erwünscht. Abt. Um 18 Uhr treffen sich alle Genossen bei Klab«. Kondierpstr. 80—01, zur Flugblo'tnerbreitung. Erscheinen ist Pflicht eines jeden Parteig«, nassen.— Meldungen Mr die Ferienkolonie werden angenommen von der Genossin Paulus. Kaiferallee 112, und Genossen Steffen, Laubacher Straße 5. Das erste Kind kostet 1,25 M., da»»weit« 1 M.. weßter« Kinder unb Kinder von Arbeitslosen find frei. Meldungen von Eltern und Jugendlichen zum Spielen werden von den gleichen Parteigenossen entgegengenommen. Abt. Alle Genossen beteiligen sich an ber Flugblatwerbreitung am Sonn. abend unb Sonntag um 9 Uhr von folgenden Lokalen: 1. bi» 4. Bezirk bei Schellhase, Aharnstr. loa. 5. unb 0. Beziri bei Selix, Bismarck. straße 05. 7 Bezirk im Süden der Hof, Lichterfelber Str. 1. 8. Bezirk Humboldt. Ecke Slisenstraße. 9. Bezirk bei Wernicke, Berlinickestr. 1. Abt. Di« Bezirisfllhrer werben gebeten, zwischen 17 und 18 Uhr die Flugblätter heim Genossen Sernmler abzuholen. E» ist Pflicht oller Ge- nassen, an ber Demonstration der Sportler om Sonntag um 13stz Uhr vom Lokal Siebert aus teilzunehmen. Ebenfalls ist es Pflicht, sich am Wald- fest im Wold an der Kaifer.WilhelmkStraße zu beteiligen. Abt. Ab 18 Uhr Flugblattverbreitung für den I. bis 5. Bezirk bei Grommeck. Sanderftraße. 0., 8., 9. und 10. Bezirk bei Tisler, Reuier. straße 47. 11., 12.. 17 und 18. Bezirk bei Kulisch. Hvbrechtstr. 82. 7., 13., 14. und 15. Bezirk bei Brandt, Pflllger- Ecke Nansenstraße. Abt. Alle Bezirksfübrer rechnen bestimmt am Sonnabend. 28. Juni, beim Genossen Walter Jung ad. Maimarlen und all« Sammellisten müssen ebenfall»»errechnet werden. Abt. 18 Uhr Flugblattverbreitung: 83. und 105. Bezirk hei Schauer, Treptower Str. 90. 104., III. und 114. Bezirk bei«änig. Böhmisch« Straße 43—44. 108. Bezirk Siedlung am Montag, 80. Juni, 19 Uhr, im Bärwinkel. Abt. Die Bezirksfübrer holen heut« die Flugblätter vom Genossen Ezernitzkj, Kranoldplatz 10, ab. Morgen Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Abt. Funktionäre, bitte Flugblätter abholen heut« um 20 Uhr vom Lokal Keimann. Bezirksmapve mitbringen. Abt. Ab 17 Uhr Flugblattoerbreitung von Schwarzer, Gabriel-Mal- Straß« 17. Abt. Heute ah 18 Uhr und Sanntaa ab 8 Ubr Flugblattnerbreitung im Sportrestaurant Krumdeck. Die Bezirksfübrer müssen unbedingt erscheinen. Abt. Sämtlich« Gcnosssnnen und Genossen beteiligen sich an der Flug- blatwerbreitunq Sonnabend und Sonntag von den bekan'/en Lokalen aus. Abt. Hobeuschöuhaus««. Ab 18 Uhr Flugblattperbreitung»ou Lokal Schiede. Sämtlich« Funktionäre müssen anwesend sein, da kurz« Funk- tionärdesprechung. bi» 139. Abt. Pankow. Di« Bezirksfllhrer holen Sonnabend die Flug- blätter von Rickmiann, Mühlenstraßc, ad. Flugblattnerbreitung von den bekannten Bezirksstellen au». Heute. 20 Uhr, Bezirkswerbekonzert des Deutschen Arbeitersängerbunde». 3. Bezirk, im Schloß Schönhauscn smit Tanz). Heut«. 20 Uhr, Arbeiterschachgruppe Pankow, gesellige» Beisammen. sein bei Kober, Berliner Ecke Prinz-HeinriävStrsße. Rbt. Reinickendorf Ost. Sämtliche Genossinnen und Genossen beteiligen sich restlos an der allgemeinen Flugblattnerbreitung. Die Bezirksführer nehmen die Flugblätter am Sonnabend, 16 bis 18 Uhr, heim Genossen Kiehne in Empfang. Ein Vorstandsmitglied ist anwesend. Morgen, Sonnlag, 29. Juni. Abt. Flugblattperbreitung ab 9 Uhr bei Reisth, Eadiner Str. 10. Di« Flugblätter können bereit» Sonnabend in Empfang genommen werben. 74. Abt. Walbfest gemeinsam mit dem Krei« Steglitz. Gemeinsamer Abmarsch 14 Uhr vom llafe Brumm. 82. Abt. Raibmittag» Walbfest in Dahlem an ber Kronprinzenallee, gegen. über Finkenstraße. Treffpunkt 131, Uhr Morktplab. Düppelstraß«. Fahnen mitbringen. Abmarsch mit Musik. Nachzügler Straßenbahn 4». Endstation, bann Wegweiser beachten. 83. Abt. Alle Parkeigenossen mit Familien haben die Pflicht, am Wald- treffen in Dahlem,«ronprinzenallee. gegenüber ber Finkenstraße, sich zu beteiligen. Die Bezirksfllhrer rechnen die Karten mit dem Kassierer bort ad. Nicht abgerechnet« Karten werben a?» verkauft angesehen unb können später nicht zurückgenommen werben. 85. Abt. Tempelbof. Walbfest in Lichtenrade. Treffpunkt 14 Uhr Lichtenrade, Potsdamer Straße. Montag. 80. Juni, 20 Uhr, bei Pinger. Dottstt. 50, Mitglieberpersommlung. Referent: Dr. Eurt Geyer:»Da» Hakenkreuz'. 198. Abt. Sonntag. 9 Uhr. Flugblattperbreitung von den Sahlabenblokalen aus Restlose Beteiligung aller notwenbig. Walbfest de» Kreise» In ber Wichlherd!. Treffpunkt 14 Uhr am Bahnhof Rieöerfchönew-ibr zum Um- Reg» Beteiligung wirb erwartet. .SBztzlht, 8» 9 Ute fflnchfcrttmttoeitanc tat«Wert, »««cht. Arauenveranstattung. 120. Abt. Friataichsfelbe. Am Montag, dem 30. Juni, 20 Uhr. hei Tempel, Prinzenalle« 45. Bortrog:»Soziolhygienisch« Forderungen für die Prole- torierin'. Referentin: Dr. Frieda Alexander. Achtung, Bezirfsführer! Flugblatter sind heute, Sonnabend, 28. Juni, von 18 bis 20 Uhr. beim Genossen Wegner, Eapriviallee 104. abzuholen. Vereinigung der ZungsoziaUsten. P rea, lauer Berg. Wir beieiligen uns an der Sonnenwenöleier der SAI. Treffpunkt 7 Uhr Ringbahnhof Prenzlauer Allee. Bitte pünktlich lein. Tempelhol-Marienbars. Wir beteiligen uns am Waldfest der Pirtei. Für Demonstration treffen wir uns um IS'i Uhr in Lichtenrade. Reiuickenborf. Wir beteiligen uns an der Connenwendfeicr der SAI. in den Goscncr Bergen. Treffpunkt 18 Uhr om Bahnhof Gesundbrunnen, Bullen. Winkel. Abfahrt 18.19 Uhr. Nachzügler treffen sich mit der SAI. Reinickcn- darf 191-, Uhr ebendort. Zlrbeilsgemeinschafl der kinderfreunde Grok-Verlin. 13. Kroi». Zum Waldfest der Partei trifft sich am Sonntag die Gruppe Tempelhol um 12% Uhr Kaiserin-Augufta-Straße. Moriendorf 1201 Uhr Rote. Falkenkkete. Die Eltern fahren mit der Straßenbahn Linie 99. Einen Einblick in den akademischen slunstbetrieb der Vorkrieg?- Seit gibt Hans B a l uf ch e k in seinem kurzen Bericht über sein Leben. Er zeigt das Ringen um sin« neue künstlerische Form, er gibt ein« Reihe persönlicher Erlebnisse, und darüber hinaus fühlt der Hörer die erdrückende Enge der Kunstschulen vor dem Kriege. Baluschek gibt in seinem Referat einen Beitrag sur deutschen Kultuvgeschichte. Er ist das Bekenntnis eines Kämpfers für die Unterdrückten.— Frau©ina Holländer liest das Manuskript Felix Holländers über H e-l e n K e l l e r. In der Schilderung des Lebensschicksals dieser seltsamen Frau wird hervorgehoben, daß die blinde und taube Schriftstellerin auch glühenden Protest gegen die Arbeit am laufenden Band erhebt. Die sozialen Bestrebungen Helen Kellers rücken in den Mittelpunkt der Darstellunq. Allerdings werden sie schmackbost für den guten Bürger zubereitet. Leipzig sendet Suppe s„Schöne©alathe" in keiner guten Aufführung, mit zu starken Uebertrsi Hungen. Die Operette hätte ein besseres Los verdient und ein wohlwollendes Gewitter stört das zweifelhafte Ber- gnügen. Abends ein Orchesterkonzert, dos unter Leitung des Kam- ponrfien Werke von Franz Schmidt bringt. Es handelt sich um eine sehr kultiviert« Musik, die keineswegs mit den Jazzorgien der ©egenwart kokettiert. F. Sch. Ravienbapf. Unierfuchung Montag, 30. Zun!, 11 Uhr, beim Stodtarzt, Rathau sstroße. Kreis Neukölln. Heute, Sonnobenb, Helferfahrt. Treffpunkt 17 Uhr am Bahnhof Neukölln. Alle Zeltlagerhelfer werden erwartet. Geburtstage, Jubiläen usw. S. Abt. Unserem Genossen Fischer, Pallasstr. 9, zum 70. Geburtstage bi« herzlichsten Glückwünsche. Di« Abteilung. 115. Abt. Lichtenberg. Unserem treuen Genossen Karl Wenb«, Schorn. weberstt. 19, II, und seiner liebe» Frau, bi« besten Wünsche zur Silberhochzeit. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Sinsendungen für biefe �Rubrif nur an das Zugendse'retarim Sellin GW 68, Xfndenffroüe 3 Unsere heutige Sonnenwcndfcier kann nicht im großen Talkessel burchgesührt werden. Die sinbet statt im kleinen Talkessel, in bcu Sascne.r Bergen, zwischen Schillcrwart« unb Gosen. Ordner al» Wegweiser an ber Brücke in Schmöckwitz unb am Ottseinqang in e-''~ Treffpunkte der Abteilungen: Humboldthain: 191v Uhr Bahnhof Gesundbrunnen.— Brunnenplatz: 1914 Uhr Bahnhof Wedbing.— Arnowalber Platz I: 17 und 20 Uhr Bahnhof Weißensee.— Norbofien I: I7>4 und 20 Uhr Bahnhof Weißensee.— Fol». platz 1: 17 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee.— Schönhauser Vorstadt: 20 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee.— Ksttbusser Tor: 19 Uhr Görlitzer Bahnhof. lKarten vom Rast und von der Sonnenwende müssen dort abgerechnet werden.) — Köpenicker Viertel: 10 und 20>1 Uhr Görlitzer Bahnhof.— Südwesten: 19 Uhr Belle-Alliance. Platz, 1914 Uhr Görlitzer Bahnhos.— Schöneberg V: 20 Uhr Bahnhof Schöneberg.— Westend: 20 Uhr Bahnhof Westend. Zelte und Zeltbahnen nicht vergessen.— Laulwitz: 20,17 Uhr lnicht 20,27 Uhr) Absährt. Decken oder Zeltbahnen mitbringen.— Reukölln I: 1914 Uhr Reuterplatz.(Zur Flugblattperbreitung 1701 Uhr bei Grommeck.)— Reukölln XI: 10'i Uhr Selchower Straße.— Köpenick: 1914 Uhr am Forsthaus, Ende Müggelheimer Straße, anschließend Nachtfahrt. Decke» mitbringen.— Lichtenberg-Norbwest: 18 Uhr Etralau-Rummelsburg.— Pankow und Iungsozialifteu: 19 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee. Der um 21 Uhr angesetzte Treffpunkt sällt au». — Pankow III sR.-F): 20 Uhr Nordring.— SSG. Neukölln: 1914 Uhr Rat. Haus Neukölln. Decken mitbringen.— Werbebezirk Osten: 19 Uhr Frucht. Ecke Mabaistraße. Tambourkapelle erscheint mit Instrumenten.— Werbe bezirk Reulöllu: 20 Uhr Bahnhof Neukölln. Tambourkapelle spielt in den Goscncr Bergen.— Werbebezirk Tirrgarte» und Prenzlauer Berg: Der Sprechchor trifft sich 22 Uhr Uhr om Fahnenmast in den Gösener Bergen. * Werbebezi rk Tempel hos: Flugblattperbreitung. Jeder Genosse meldet sich bei dem Bezirksfübrer seines Bezirk». Marieubsrs I uug II: Treffpunkt zur Flugblattperbreitung 18 Uhr bei Görlitz. Werbebezirk Ritte: Morgen. Sonntag. Dampferfahrt nach Neue Mühle bei Königswusterhausen. Abfahrt 714 Uhr Michaelkirchbrücke. Die Partei- und Jugendgenossen des Kreises werden um reg« Beteiligung gebeten. Karten zum Preise von 2 M. sind noch am Dampfer zu haben. V stvas sagt 6er � K nl- Ein lockendes-Ziel bieten die modernen Anlagen des völlig umgesiaiieten Wonnseehades, das an B eliebih eil und Sym p aihie sein esgi eich en nur noch findet in der mit Recht so volkstümlich gewordenen •MoseäiimMuno Berlins meistgerauchter 4# Cigarette 3)er Uioyoi und feine Familie Ein heiteres Indianer mär chen/ SrmähH ton 9£ans tftudolf tRieder Der Sorjot lebte mit seiner Frau, einem Sohn und einer Tochter. Sie lebten im Walde, es ging ihnen so, daß sie meist nicht mußten, was sie essen sollten. Eines Morgens zog die Frau mit den Kindern los, um Holz zu holen. Sie hackte die Aestc des umgefallenen Baumes heraus, da sprang plötzlich ein Hirsch aus, der sich in dem Gesträuch verkrochen hatte. Es lag tiefer Schnee, der Hirsch brach bis zum Bauche ein. Di« Frau sprang rasch hinzu und sing ihn am Schwänze. .Laust, holt den Vater, daß er den Hirsch schießt!" Die Kinder eilten noch Hause:„Komm schnell. Die Mutter hat einen Hirsch gesangen. Du sollst ihn schießen." Er lief hinaus, hockt« einen Ast von einem Baum und ein paar Stöcke aus einem Strauch.„Geht zurück. Sagt, ich komme gleich." Dann warf er die Stöcke fort und suchte sich zwei andere. Er lies wieder in die Hütte. Die Riemen an den Schneeschuhen fehlten,'er machte sich neue. Er ging eine Streck« und kehrte wieder um.„Jetzt werden wir ja genug zu essen haben." Er holte den Sack mit getrockneten Beeren, schüttet« ihn au» und verzehrt« den ganzen Inhalt. Nun niachte er sich einen Bogen und zwei Pfeile. Dann zog er los. Die Frau hielt noch immer den Hirsch am Schwanz. Zuerst stampfte sich der Koyot vor einem Baum den Schnee fe't, damit er gut stehen könne. Dann zielte er. Dann rief er:„Laß jetzt los!" Sie ließ den Hirsch los. Der Hirsch begann zu laufen, und der Koyot schoß. Erst lief der Hirsch auf der harten Schneekrust«, in dem Augenblick, als der Koyot schoß, sank er tief in den Schnee,— der Pfeil flog über ihm hinweg. Der Koyot zielte und schoß wieder. Da kam der Hirsch an ein« harte Stell« im Schnee und stand hoch,— der Pfeil flog unter ihm durch. Der Koyot hatte kein« Pfeile mehr, und der Hirsch lief davon. Der Koyot warf ihm noch seinen Bogen noch. Nun standen ste da. Di« Frau sprach:„Ich habe Hunger, ich gehe nach Hause." Das klein« Mädchen weinte, es mochte nicht mehr gehen. Die Frau mußte es auf dem Rücken trogen. Der Knabe weinte auch. So kamen sie in die kalte Hütte.„Wer hat die ganzen Beeren gegessen?" Nichts war mehr übrig von ihrem Wintervorrat. Di« Frau nahm da» Mädchen wieder auf den Rücken, alles andere warf sie hin und ließ es liegen.„Das war nun die letzt« Enttchlschuqg. Ich habe genug von solch einem Leben." Sie ging mit der Tochter davon. Der Koyot blieb mit seinem Sohne allein. Miskolum hieß der Knabe, das Mädchen Quotaptsek. Miskolum begann zu weinen. „Weine nicht. Die Mutter wird schon wiederkommen, wenn sie hungrig wird. Wo sollte ste auch hingehen?" Di« Frau kam ober nicht wieder. Hungrig war sie schon, als sie fortzog. Sie ging durch den Wald zu anderen Leuten und blieb bei ihnen. Ein paar Tag« warteten der Koyot und der kleine Miskolum, dann zogen sie ebenfalls fort, sie folgten der alten Hirschspur. Sie wanderten umher und kamen an«inen Bibcrdamm.„Nun werden wir bald zu essen haben." Der Koyot ritz den Damm ein, daß das Wasser abfloß und das Biberhaus im Trockenen stand. Er griff hinein, zog einen jungen Biber heraus und schlug ihn gleich tot. Die Biber sprachen:„Der Koyot ist außen. Er wird uns alle umbringen. Wir müssen uns verstellen." Sie bissen sich in die Lippen: alz er sie herauszog, ließen sie Blut aus dem Maule tröpfeln und stellten sich tot. Der Koyot freut« sich:„Seid ihr schon tot!" Da» ist gut. dann Hab' ich keine Arbeit." Er legte die Biber nebeneinander ans User und ging, um Feuerholz zu holen. Bor. her band er die Biber mit den Schwänzen an dem kleinen Mis- kolum fest. Kaum war er außer Sicht, so standen die Biber auf:„Ich mein«, wir gehen nun wieder ins Wasser." Sie sprangen in das tiefe Wasser und zogen den schreienden Miskolum mit. Der Knabe schrie:„Dater. Vater!" Das Hörle der Koyot und kam zurück. Er sah noch die Füße seines Sohnes aus dem Wasier stecken. Di« ergriff er und zog ihn heraus, die Biber bissen sich inzwischen los. Nun hotten die beiden nichts als den kleinen Biber zu«siem Der Koyot röstete ihn und zerlegte ihn. Die setten, weichen Stücke gab er dem Miskolum, das zähere Fleisch behielt er für sich. Als aber der Knabe zu esien begann, sagte er:„Komm, wir wollen tauschen." Er atz selbst die fetten Brocken, er aß viel schneller als der Knabe. Als er mit seinem Teil fertig war, verzehrte er auch noch das Uebriggebliebene von dem anderen. Miskolum begann zu weinen. „Weine nicht. Wir werden jetzt weiter wandern." Sie gingen dahin, es war sehr kalt. Der Koyot mußte den Knaben tragen, es wurde immer kälter. Er glitt aus und rutschte eine lange Strecke den Berg hinab, bis er mit dem Knaben gegen einen Baum schlug. Er stand auf. Der kleine Miskolum log da und verzog das Gesicht.„Lachst du darüber, daß ich abrutschte? Ich will'es dir noch einmal vormachen, es ist wirklich lustig." Er stieg hinauf und ließ sich noch einmal herunterrutschen. Der Knabe machte stets das gleich« lachende Gesicht, so rutschte der Koyot immer von neuem herab.„Freut es dich? Worum lachst du nicht manchmal laut?" Er ging hin und ergriff den Knaben. Da sah er, daß er tot war, er war erfroren.„Nun ist er erfroren, und ich wollte ihm Spaß machen." Der Koyot wandert« weiter, er kam jetzt rascher vorwärts. Er gelangte in em Dorf. Ein großes Zelt stand dort, und er spähte hinein. Drinnen saß eine jung« Frau mit dem Rücken zur Türe gewandt, ein Kind lag in der Wieg«. Die Frau gefiel dem Koyoten. Er dachte bei sich:„Wenn die Frau allein wäre, möchte ich gern zu ihr gehen. Aber das Kind ist im Wege. Ach was, ich kann dos Kind auch tottreten." Von seinen Gedanken fing dos Kind zu weinen an. Aus einem Nsbenzelt kam eine Frau herbei, es war die Frau des Kyoten. „Warum hast du das Kind erschreckt? Es ist dein Enkelkind. Deine Tochter Hot hier den Häuptling geheiratet." Die Frau fragte weiter:„Wo hast du unseren Sohn Miskolum gelassen?"„Er ist im Walde erfroren."„Das hätte ich mir denken können, daß er es bei dir nicht gut hoben wird."„Geht es euch hier gut?"„Komm mit in mein Zelt, ich gebe dir zu essen." Er ging mit ihr und bekam reichlich zu essen. Die Frau sprach:„Bleib heute hier im Zelt. Die Männer zogen auf die Hirschjagd. Wenn sie am Abend heimkehren und beisammen sitzen, so setz dich nicht gleich zu ihnen. Warte erst bis morgen." Der Koyot freute sich nun, einen Häuptling als Schwiegersohn zu haben. Am Abend hörte er die Männer drüben im Zelt des Häuptlings. Sie saßen und verzehrten das frische Fleisch. Der Koyot stand aus und ging auch hinüber. Er trat in den Kreis an den Platz neben dem Häuptling. Wie er sich setzen wollte, schob ihn jemand gegen die Wand. Sie reichten Fleischstück« herum, der Koyot streckt« die Hand aus und griff nach einem Stück.„Es ist nicht für dich. Es ist für den nächsten." Sie reichten immer die Fleischstücke an ihm vorbei, er bekam gar nichts. Nachdem sie gegessen hatten, erhoben sie sich und gingen. Der Koyot stand ebenfalls auf. Er sucht« nach seiner Manteldeck«. Sie lag bei der Tür« und war ganz schmutzig. Die anderen hatten sich die Füße daran abgewischt. Der Koyot saß im Zelt bei seiner Frau. Cr war wütend über die Männer. Er sprach:„Was denken sie eigentlich? Bin ich ein Niemand? Ich werde ihnen schon zeigen. Morgen werde ich es ihnen zeigen." Di« Frau gab ihm zu essen.„Red' nicht so laut. Du könntest sie noch ärgerlich machen." Drüben aus dem Häuptlingszelt sprach ein« Stimme:„Wer ist der fremde Kerl? Nun redet er auch nach. Man müßte ihn totschlagen" Der Koyot trat hinaus. Da blies der Wind, daß das Zelt klatschte. Da lief der Koyot erschreckt davon und wandert« weiter. 3)as verängftigte tKind Ton ä)r. OL WeHael Als ich kürzlich eine mir bekannt« Familie besuchen wollte und an der Vorsaalttrr klingelte, hörte ich'schon von draußen lautes Weinen. Ich mußte nochmalz klingeln, bis mir die Kinder össneten. Die Eltern waren kurz« Zeit weggegangen, ur�» in ihrer Aowesen- heit hatte der elfjährige Fritz beim Spielen versehentlich mit dem Arm eine Vase heruntergeschlagen, die in tausend Scherben am Boden lag. Fritz, den ich nur als stilles, etwas gedrücktes Kind kannte, schluchzte zum Herzerbrechen, klammerte sich an mich und beschwor mich, ihn mitzunehmen, denn er fürchte sich so vor den Eltern und bekäme gor solche Schläge Meine Beschwichtigungs- verfuche nützten nichts, und er blieb fassungslos, bis ich ihm ver- sprach, wenigstens bis zur Ankunft der Eltern dazubleiben. Diese waren in der Tat aufs höchste erregt und wollten sofort eine „exemplarische" Bestrafung vornehmen. Erst im legten Augenblick gelang es mib,, sie zu einer ruhigen Aussprache auf die Stühle zu zwingen. Diese dauerte«ine Stunde, und wenn der Bater auch schwer zu überzeugen war, so gelang es mir, bei der Mutter Boden zu gewinnen, und damit war die nötige Bresche geschlagen. Leider waren es viel Binsenwahrheiten, die ich ihnen vorsichtig beibringen mußte: vom Strafen in der Erregung, von der Einrichtung und Ausschmückung eines Zimmers, das als Aufenthaltsort der Kinder dient, vom Bewegungstrieb der Kinder, von versehentlichen Hand- lungen, die jedem Erwachsenen genau jm passieren können, von einem hübschen Worte Theodor Fontanes, das ich in feinen„Kinder- jähren" gerade gelesen hatte: daß nämlich„beschränkte Leute von der Erziehungsvorstellung die Vorstellung der Strafe nicht trennen könnten", und schließlich von all dem, was sie mit einer solchen Be- Handlung des Kindes heraufbeschwören! Wie leicht kann ein der- ortig oerängstigtes Kind zu einer unüberlegten, verzweifelten Hand- lung getrieben werden, wie leicht auch auf den Weg der Lüge und damit auf die Bahn einer zunehmenden Entfremdung zu seinen Eltern! Ein Kind wird ja nicht nur von seinem Bewegungstrieb, son- dern überhaupt von den Eigentümlichkeiten seines Charakters und seiner Anlogen viel stärker beherrscht als der Erwachsene. Drückt aber die Autorität de» Erwachsenen zu sehr auf das Kind, versuchen die Eltern gar, ihm seine Welt zu rauben und in die junge Seele etwas hineinzuzwingen, wofür die Natur in ihr keinen Lebensbodsn geschaffen hat, so ersticken sie des Kindes Eigenpersönlichkeit und vernichten bodenständige» Leben. Aeußerlich zeigen solche Kinder stet« ein verängstigtes, verschüchtertes Wesen. Man hüte sich also davor, dem Kinde etwas als schlecht einzureden, was es als«inen Teil seines Wesens in sich fühlt und was zu pflegen ihm Bedürfnis und Seligkeit ist. Man oermeide es, ihm fortwährend zu sagen: „Du kannst nichts, aus dir wird nichts!" Nein, es gilt lebendig zu machen, nicht zu ersticken und zu ertöten! Nur so wird das Kind einmal eine starke, zielsichere Persönlichkeit. Mitunter schreibt sich die Vcrängstigung des Kindes auch aus einem anderen Erziehungsfehler her, aus der Unsitte, ihm allzu pliantastische, ja furchterregend« Geschichten zu erzählen, bei denen man das Gruseln lernen kann. Werden derartige Vorstellungen einer drohenden Gefahr oder auch nur schreckhafte Bilder in die Kindesseele gepflanzt, so kann schon di«�, Erwartung von etwas Unbekanntem, was nicht in den alltäglichen Vorstellungskreis hin- einpaßt, im Kinde gewohnheitsmäßige Angstzustände hervorrufen. Es ist oft st-hr schwer, derartig verängstigten Kindern wieder die Welt des Wirklichen mit ihren Maßstäben zum unverlierbaren Be- wußtseinsinhalt zu machen. Nur ruhiger Zuspruch, Geduld und schließlich reger Verkehr mit den verschiedensten gleichalterigen Ge- spielen werden hier zur Gesundung führen und das Kind zum Selbst- oerttauen gewöhnen. Don Pestalozzi stammt das Wort:„Menschen sind Rätsel yon Gott." Es ist nicht oerwunderlich, daß sich gerade ihm, einem der ersten, der tiefer in die Seele des Kindes zu forschen wußte, diese Beobachtung immer wieder aufdrängte. Liegt doch auch die Viel- fältigkeit menschlicher Wesensanlagen in der Jugend ganz besonders klar zutage! Ein solches Rätsel sind süt den Erzieher oft die- jenigen Kinder, deren Gefühlsleben besonders stark entwickelt ist. Sie pflegen heutzutage nicht die große Meng« auszumachen, finden sich aber unter Knaben genau so häufig wie unter Mädchen. Sie sind femer besaitet als die anderen, ojt ruhen in ihnen künstlerische Anlagen, aus denen bei rechter Pflege und Beachtung Bedeutendes werden kann: mitunter fehlt ihnen aber die Brücke, die vom Kinder. land in die wirkliche Welt führt. Schüchtern bis zur Aengstlichkeit, werden sie rot und verlegen, sowie man sie nur anspricht, und unter ihren robusteren Kameraden fühlen sie sich vereinsamt, zumal sie bäufig in der Abgeschlossenheit der Kinderstube aufgewachsen sind. Karl Scheffler schildert in seinem„Jungen Tobias"«inen solchen Knaben und sucht gleichzeitig nach einer Erklärung seines Wesens: „Die Verlegenheit war ihm wie«in körperlicher Zwang, sie war wie ein« Lähmung... von den fremden Menschen ging für ihn ein Strom von Willen und Kraft aus, der ihn vollkommen oerwirrte. Vor dem, was ihm stärker erschien, wurde der Knabe verlegen, weil er sich selber gering vorkam. Es sst schwer zu sagen, was es iNit dieser peinigenden Verlegenheit auf sich hat, ob die Verlegenheit mehr etwas Körperliches von feitet» der Nerven ist oder etwas rein Seelisches, dergestalt, daß seelssche Kräfte mit Hilfe ftr Verlegenheit Absperrungsmaßregeln gegen die Außenwelt ergreisen, um in der ihnen wesentstchen Entfastung nicht von außen g«stärk zu werben.* E» bedarf keines Wortes, daß gerade hier eine zielbewußte Leitung des Kindes vonnöten ist, daß nian es früh an fremd« Gesichter, Menschen und Eindrücke gewöhnen muß. Mit Geduld und sachlichem Zuspruch wird auch hier allmählich der rechte Ausgleich zwischen einer derartigen Charakteranlog« und den Erfordernissen der Wirk- lichkeit erreicht werden können. Das verängstigte Kind ist— ganz gleich aus welchen Quellen die Verängstigung stammt— für das später« Leben schlecht gerüstet. Aus derartigen Kindern pflegen die Menschen hervorzugehen, die in- folg« ihres herabgedrückten Selbstbewußtseins niemals Kraft ent- wickeln können und keiner Lage gewachsen sind. Bei ollem, was sie tun, fragen sie nur danach, was die anderen von ihnen denken, und statt Selbstsicherheit und Glaube an sich selbst folgt ihnen wie ein Schatten jene Lebensangst, die es ihnen immer wieder unmöglich macht, das Leben und den Erfolg.zu zwingen. Eltern und Erzieher sollten daher olles tun, um beizeiten einer Verängstigung und Der- schüchtevung des Kindes vorzubeugen! 3)ie Stadl der iOOprosenligen OTioral Ein« neue Sittenordnung, die jeden,. der gegen ihre B-- stimmunaen oerstößt, mit Strafen von 100 Dollars oder 30 Tagen Gefängnis bedroht, sst von dem Bürgermeister der Stadt Willaeoochee im nordamerikanijchen Bundesstaat Georgia kürzlich in Kraft gesetzt worden. Danach ist es jedermann verboten, nach ein Uhr nachts bis-zum Sonnenaufgang in den Straßen der Stadt spazieren zu gehen, es sei denn, daß es für eine solche nächtlich« Wanderung eine stichhaltige, den aufsichtführenden Beamten befriedigende Erklärung zu geben vermag. Als gesetzwidrige Handlung gilt ferner, wenn jemand nach Mitternacht bis zum Morgen ein fremdes Haus be- tritt, sofern er dafür keinen befriedigenden Grund anzugeben ver- mag. Eines strafwürdigen Vergehens macht sich auch jeder ver- heiratete Mann, der nicht geschieden ist, schuldig, wenn er bei einer Fahrt mit einem oder mehreren Mädchen betroffen wird, oder ein Vertreter des starken Geschlechts, ganz gleich, ob verheiratet oder ledig, der nach Mtternacht mit einer Frau oder einem Mädchen eine Spazierfahrt macht. Straflos bleiben nur die Fälle, in denen die ertappten Gesetzesübertreter dem Beamten nachweisen können, daß die nächtlich« Fahrt über jeden moralischen Zweifel erhaben sst. Mr. Davis, der sittenstrenge Bürgermeister der guten Stadt Willaeoochee, sst nicht wenig stolz aus seine moralische Tot.„Ich habe bereit» von verschieben«» Magistraten amerikanischer Städte Anfragen über die Wirksamkeit meiner neuen Verfügung erhalten", erklärt« er.„Ich weiß zwar nicht, ob eine andere Gemeinde dem von uns gegebenen Beispiel bereits gefolgt sst. Ich kann es aber allen Kollegen zur Nachahmung empfehlen, die das ehrliche Streben haben, allerlei Dingen«inen Riegel vorzuschieben, wie sie in vielen kleinen Stäbten aus dem Land leider gang und gäbe sind. Mau würde gleichwohl fehlgehen, wenn man etwa annehmen wollte, daß wir in Willaeoochee drakonisch« Sittengesetz« eingeführt haben, die irgendwie in das Berufsleben obex das private Unterhaltungs- bedürfnis einer Dame oder eines Herren eingreifen. Wir fordern nichts weiter als die Wahrung des öffentlichen Anstandes von denen, die ihre Selbstachtung und mit chr die Achtung vor den anderen verloren haben." TTie ifl der Ruß enlf landen? '„Warum küssen sich die Menschen?" fragt Schessels weiser Kater Hiddigeigei im„Trompeter von Säckingen" und bekundet damit die Verwunderung, die die Tierwelt über diese sonderbare Gewohnheit der Menschheit ergreist. Uns aber erscheint dies- süß« Art der Begrüßung und der Liebkosung so natürlich und selbstverständlich, daß wir uns ein« Welt ohne Kuß gar nicht denken können. Auch dies ist «in Irrtum. Bekanntlich gibt es eine groß« Anzahl von Döll-r- gemeinschcssten, die den Kuß nicht kennen und sich von dieser„sinn- losen Prozedur" schaudernd abwenden. Man braucht ja nur an d:e Japaner zu denken, die erst durch den Film die Kußmode kennen- gelernt haben und sich noch heute gegen sie ablehnend verhalten. Auch bei primitiven Völkern fehlt vielfach der Kuß, und man hat daraus geschlossen, daß e» sich dabei um eine verhältnismäßig junge Neuerung in der Geschichte der Menschheit ljandelt. Es ist ziemlich sicher, daß sich Adam und Eoa nicht geküßt haben, sondern für ihre Liebkosungen dos— Nasenreiben verwendeten.- Der gelehrt« britische Ethnologe Warren R. Dawfcn befchäftizt sich in seinem soeben erschienenen Werk„Der Zügel des Pegasus' mit der Entstehung der Kußsitt- und kommt zu der Pehaupmng. daß der Kuß«in«„entartete"— oder wie wir vielleicht höflicher sagen würden„veredelte"— Form der Zeremonie des Nasenreibens ist, durch die ebenso die alten A-gypter der Pyramide, izeil wie die modernen Maoris von Neuseeland sich begrüßen. Diese Zeremonie wird aus uralten mythilchen Vorstellungen erklärt. Das Reiben der Nasen war eine Erleichterung des Riechens und ursprünglich ein Teil eines heiligen Vorganges, bei dem der Gott den Atem des Lebens in die Nüstern des Königs einblies. Das war die göttliche Methode, um Lebenskraft und Herrschermacht auf den lebenden König zu übertragen und den toten Herrscher dadurch zu neuem Leben zu erwecken. Als dann im Lauf der Zeiten dies« rituell« Zeremonie von den Fürsten auch auf die gewöhnlichen Sterblichen übertragen wurde, wurde da» Nasenrei-ben, d. h. das Einblafen der Lebenskraft in«inen anderen, unter den Völkern als Gruß und Bezeugung einer Freundlichkeit allgemein. Es war eine Weiterentwicklung, als man im europäischen Altertum dazu überging, den Atem direkt von Mund zu Mund zu übertragen, und so-kam e? zu der Berührung der Lippen, die gewiß bald als angenehm empfunden und von den Liebenden eifrig benutzt wurde. So geht also letzten Endes der Kuß auf den Glauben zurück, daß man dem anderen etwas von dem Kostbarsten, was man besitzt, nämlich von seinem eigenen Lebens« odem mitteilt._ Der lehle Engländer am letzten Schandpfahl. Bor 100 Iahren hatten die Londoner zum letztenmal Gelegenheit, einem unterhalt- fomen Schauspiel beizuwohnen, dos Jahrhunderte hindurch der Menge ein« volkstümlich« Unterhaltung geboten hatte. Am 24. Juni 1SZ0 wurde der Pranger in London zum letztenmal benutzt, um einen. Delinquenten, einen gewissen Peter Boß, der des Meineides überführt war, der öfientlichen Schande preiszugeben. Der Ursprung der eniehrenden Strafe-des Prongerstehen» ist nicht bekannt, ober schon im Jahre 1256 war. nach Ausweis eines Bildes, der Pranger in England im Gebrauch. In früheren Zeiten würbe die Sttaie noch durch körperlich« Verstümmelung, wie da» Abschneiden von Nase und Obren oerschärst. Im 16. Jahrhundert, brach sich dann eine mildere Praxis Bahn. Das galt aber auch nur in der Theorie, da es den Zuschauern freistand, ihrer Verachtung nach Gutdünken Ausdruck zu geben. Diese Derachtuna äußert« sich um so brastischer, je unbeliebter sich der Delinquent beim Volk gemacht hatte. In diesem Fall« wurde er häufig genug mit faulen Eiern und anderen Wurfgeschossen bombardiert: es kam sogar vor, daß das Opier gesteinigt wurde. walsischsleisih wird, nachdem das Oet herausgezogen wurde, in Büchsen konserviert und findet unter den E-ingebemenen der Westküste Afrikas bereitwillig« Aufnahme, Nr. 297* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 2S. Znni 49Z0 Die Verschlechterung der Arbeitslosenversicherung. (Scharfe Kritik der(Sozialdemokratie. Nach der Rede des Abg. Graß mann über die Ar- beitslosenversicherung. über die wir im Hauptblott berichtet hoben, lprach Abg. lBols-Stettin(Dnat.): Das Parlament ist an dem Defizit mitschuldig. Die übermäßigen Lohnforderungen der Arbeiter nach der Inflation, die«ine berechtigte Reaktion gegen die Verelendung der Inflation waren, haben eine neue Markentwertung verschuldet. Die Beamtenbesoldungserhöhung, die Verschwendung koimmmaler Gelder durch Luxusbauten, die bedenkenlose cherein- nahm« von Auslandskrediten haben unsere Krise und die katastrophale Arbeitslosigkeit erzeugt. Durch Macht kann man gegen Wirtschafts- gesetz« keine Lohnerhöhung erzwingen. Der Geist der Nächstenliebe und Sozialpolitik mindert das Kapital der Volkswirtschaft. Die Arbeiter haben das größte Interesse an der Erhaltung der Wirt- schaft, weil sie ihre Existenz dadurch stützen. Wir müssen aber auch dafür sorgen, daß der Arbeiter in dieser Wirtschast mehr beachtet wird, denn die Arbeiterfrage.ist keine reine Magenfrage. Der ge- ringste Arbeiter leistet Gottesdienst an der Nation.(Zuruf von den Kommunisten- Amen!) Andererseits fehlt in weiten Kreisen die An- crkennung der Unternehnrerpersönlichkeiten, die opferbereit und tat- kräftig sind.(Ironische Zurufe links.) Ohne das Unter- nehniertum könnten die Arbeiter verhungern. (chsiterkeit links.) Nachdem ich nun dies« volkswirtschaftlichen Aus- führungen gemocht habe...(Schallende Heiterkeit links, Zurufe iind Lärm). Sie könnten von mir noch etwas lernen. Wenn die Arbeitslofeirversicherung nicht die Erwerbslosigkeit vermindert, so ist sie überhaupt schädlich. Die Stände müssen aufeinander Rücksicht nehmen und den Klassenkampf überwinden. Moskauer Schallplatte. Abg. Ulbricht-Westfalen(Komm.): Abgeordneter Graßmann bat nichts über den Oeynhavsen-Schiedsspruch, über den allgemeinen von, Minister angekündigten Lohnabbau gesagt. Die sozialdemo- kratische Aonsunkturbeemsiussungspolitik ist als alberne Farce«nt- hüllt. Die Arbeiter werden durch Streiks die Unternehmer bc- zwingen und die Sozialfaschisten davonjagen. Die christliche Politik des Ministers ist die Unterstützung des Hinauswurfs der Arbeiter aus den Betrieben ohne Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung. Oer Sprecher des Unternehmertums. Abg. hueck(D. Vp.): Die Unternehmer treiben nicht Zweck- Pessimismus oder künstliche Kapitaleinengung, wie Abg. Graßmann ihnen vorwarf. Die Kaufkrasttheorie der Gewerkschaften ist falsch. Trotz der Erhöhung der deutschen Gesamtlohnsumme in den letzten Iahren um 6 Milliarden mit Hilfe der staatlichen Lohnbeeinflussung ist die Krise«ingetreten. Die Arbeilslosenoerstcherung zerstört die Arbeitsmoral. Die von der Regierung geplante künstliche Arbeitsbeschaffung ist ein gefährliches Experiment, denn die öffentliche Hand ist unfähig, produktive Werte zu schaffen.(Widerspruch links.) Wir wenden uns gegen das Beamtennotopfer, weil die Beamten nicht allein für die Ausgobenscnkung der Wirtschaft in Anspruch genommen werden sollen. Wir verlangen zur Bekämpfung der Landflucht die Herausnahme der Landorbeiter aus der Arbeitslosenversicherung., (Zuruf von den Saz.: Bc.zahlen Sie lieber die Landarbeiter besser!) -Die Ablehnung unserer Anträge zur Arbeitslosenversicherung im vorigen Herbst ist die Ursache der Finanzmijere in der Reichsanstalt. Die Regierungsvorlage erfüllt unsere Wünsche noch nicht.(Zuruf der Komni.: Sic sind ein Gemütsmensch!— Zuruf von der D. Vp.: Sie sind Illusionisten!) 8 5iSa gestattet den Gemeinden noch immer, ihre Fürsorgelasten zum Teil aus die Versicherung abzuwälzen. Einstweilen muß man ja noch die 48-Slunden°Woche als Grundlag« der Arbeitslosenversicherung gelten lassen. Der Fort- call des Paragraphen 74, der die Lehrlinge versicherungsftei gemacht bat, ist ein« unerträgliche Verschlechterung. In ilebereinstimmung mit den früheren sozialdemokratischen Ministern H i l f« r d i n q und Müller halten wir alle direkten Steuern, die die Wirtschaft be- loiten. für schädlich. Eine solche direkte Steuer ist auch der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung, dessen Erhöhung um 1 Prozent mit längstens dem 31. Dezember befristet werden muß. Di« Aufrecht- «Haltung der unbegrenzten Darlehenspslicht des Reichs im§ 163 lehnen wir ob. Wir verlangen für den Defizitausgleich von Fall zu Fall Beitragserhöhungen und erst in letzter Linie Reichszuschllsse. Abg.(Serlach(Soz.): Di« selbstbewußten Worte des Vorredners(große Unruhe rechts) standen in Gegensatz zu den„Verdiensten" seiner Partei um die deutsche Wirtschaft.(Sehr wahr! bei den Soz.) Es wird noch einer meiner Genossen daraus antworten.— Die Zweiteilung der Arbeits- losenfürsorg« durch die besondere Krisensürsorge führt zu unerträg- lichen Folgen. Die Gemeinden sind über ihre Leistungsfähigkeit belastet. Immer mehr Arbeitslose sind ausgesteuert und fallen der Wohlfahrt zur Last. So ist die Zahl der Wohlfahrts-Erwerbslosen vom 30. Juni ISZS zum 31. Mai 1930 gestiegen: in Chemnitz von 250 auf 5000, in Halle von 3S0 auf 2414, in Sruttgart von 212 aus 1400, in Köln von 800 auf 4500, in Berlin von 24 000 auf 66 000.(Hört, hört! bei den Soz.) 5 vrozenl der Bevölkerung Deutschlands sind erwerbslos, und in manchen Städten sollen sie alle der Dohlsahrt zur Lost, so in Offenbach 5 Prozent der Gesamteinwohnerschajt, in Breslau, Wiesbaden und Kassel 3 Prozent, im rheinisch-westfälischen Industrie- gebiet 2 Prozent. Die Zweiteilung führt nun auch zu einer Zwei- teilung der Arbeitsvermittlung: die Reichsanstalt will ihr Risiko vermindern und hat darum begreiflicherweise mehr Interesse an der Unterbringung von Arbeitslosen, als von Wohlfahrts-Erwerbslosen. Den letzteren aber droht infolge der langen Zeit, daß sie der Arbeit entwöhnt werden. Grundsätzlich fordern wir, daß Arbeitssähig« und Arbeitswillige überhaupt nicht in die Wohlfahrtspflege kommen. Der Vorstand der Reichsanstalt hat einen ebensolchen Vorschlag ge- macht, er ist aber in die Regierungsvorlage nicht aufgenommen. Bei der Krisensürsorge ist durch die Hineinnahme einzelner Berufe und durch die Ausschaltung anderer große Verwirrung angerichtet. So z. B. sind die Arbeiter der Eisenhülleniudustrie von der krisensürsorge ausgeschlossen und fallen desto mehr der Wohlfahrt anHeim, was die Gemeinden«norm belastet. Die Mittel für die so nützlich« Werte schassende Erwerbslosensürforge sind stark gedrosselt worden. Im Interesse der Wiedereinbeziehung der Arbeitslosen in die Pro- duktion beantragen wir Erhöhung dieses Etatstitels von 55 auf 80 Millionen. Wenn das Arbeitsbeschafsungsprogramm Kredite dafür vorsieht, so ist es uns gewiß recht, aber besser ist es schon, sie im Etat zu fixieren. Im Mai v. I. waren noch 104 000 Rot- standsarbeiter beschäftigt, im April d. I. nur noch 31 000. Zahl- reiche Gemeinden und Arbeitsämter klagen, daß begonnen« und halb- fertige Arbeiten durch die Einstellung zu Bruch gehen müssen. Für den Bau von Landarbeiterwohnungen sind nur 5 Millionen Mark eingestellt.(Zuruf vom Regierungstisch: Wird auf 25 Millionen erhöht.) Wir bitten, daß das auch geschieht, zumal die Landarbeiter im Vertrauen auf den Wohnungsbau schon Ausgaben gemacht hoben. Es würde ungeheuer verbittern, wenn das Osthilfeprögromm den Grundbesitzern Hilst, aber die Landarbeiter nichts bekommen. Schnelles Handeln ist notwendig, allerdings im Interesse der Werktätigen. Ich glaube, auch der Minister weiß, daß die Werktätigen die wirNichen Tragpfeiler der deutschen Wirtschaft sind. Nur wenn ihnen geholfen wird, ist die deutsche Wirtschost scst untermauert!(Lebhafter Beifall der Soz.) Wg. Troßmann(Bayer. Vp.):.Die Krankenkassen leisten sich viel zu teure Bauten. Eine Kasse hat nach Mitteilungen, die ich aus Kassenkreisen selbst erhalten habe, ohne jede Notwendigkeit ein« Heilanstalt gebaut.(Zuruf von den Soz.: Welche Kasse war das?) Das werden Sie im Ausschuß erfahren.(Zuruf von den Soz.: Haben Sie hier nicht den Mut dazu? Sie nrüssen eine sauber« Quelle haben.) Zentrum wirbt um Arbeiterstimmen. Abg. Esser(Z.) polemisiert scharf gegen den Abg. Hueck. Die Industrie trägt an der Arbeitslosigkeit auch eine große Schuld. Wenn es möglich ist, Tausend« wegen des Verkaufs einer Produk- tionsquot« auf die Stxahc zu setzen, �dann muß das ganze Volk und der Staat sich dagegen wehren.(Sehr richtig! in der Mitte und links.) Wenn Sie eine durchgreifende Reform der Versicherung wollen, zu der auch die Beitragserhöhung gehört, so verstehe ich Ihre dauernde Verschleppung dieser Erhöhung nicht. Die Regierungsvorlage, die Sie bekämpfen, ist von einem Minister Ihrer Partei milgeschasfen worden. Wenn Sie d«r verkehrten Wirtschaftspolitik die Schuld an der Wirtschaftskrise geben, so srage ich: Wie lange besetzte eigentlich die Deutsche Volkspartei das Wirtschaftsministerium?(Lebhaste Zu- stimmung.— Zuruf des Abg. Hueck: Eine Schwalbe macht keinen Sommer.— Ironische Heiterkeit.) Das Werk der Arbeitslos««- Versicherung, das auch den Arbeitgebern sehr genützt hat, muß er- halten werden.(Sehr richtig! links und in der Mitte.) Abg. Schneider-B«rlin(Dem.): Die Polemik des Abg. Hueck ist unsachlich und verkennt leichtfertig di« Problem« unserer Not. Die Arbeitslos«« sind Opfer der Weltkrise und dürfen nicht ihrer Not überlassen werden. Der Redner verlangt Ausspaltung der Arbeitslosenversicherung in die verschiedenen Berussgruppen mit verschiedenem Risiko, da es ungerecht sei, Berussgruppcn mit günstigem Risiko di« Unterstlltzungskosten für andere Gruppen auf- zubürdcn. Abg. Or. Wissel!(So,.): Die väterliche christliche Milde, mit der Herr Esser die Rede des Herrn Hueck beurteilt hat, bringe ich nicht auf. Denn über dicscr Rede stand als unsichtbares Motto das Wort von Heinrich Heine: Aber wenn du gar nichts hast, Mensch, dann lasse dich begraben. Denn ein Recht zum Leben, Lump, Haben nur, die etwas haben. (Sehr gut! bei den Soz.) Herr Hueck erwähnte selbst, daß wir 1,9 Millionen unterstützte Arbeitslose hoben, über 900 000 mehr als im vorig«» Jahre; ober in derselben Rede sagt er, daß alles getan werden müsse, um den Arbeitswillen zu heben! Genau wie Dr. Scholz, der behauptet hat, daß die Arbeitslosenversicherung die Arbeitsmoral schädige. Der kern dieser Vorlage ist, den Beziehern von Arbeilsloseo- Unterstützung ein Rolopscr aufzuerlegen, das pro Woche 6,20 Rl., in der zweiten Klasse 4,20 Bl. beträgt, und das bei den qualifizierten Arbeitern! Aber diese Kürzungen gehen Herrn Hueck noch nicht weit genug. Ich weiß, woher der Druck kommt, der manchmal so stark wird, daß man sich ihm nicht entziehen kann, und der auch den Reichs- arbeitsminister zu dieser Vorlage gezwungen hat. Wo bleibt denn Artikel 181 der Reichsverfassung, wonach jedem Deutschen die Möglichkeit gegeben ist, durch gesellschaftliche Arbeit seinen Unterhalt zu erwerben, und der weiter bestimmt, daß, wenn ihm nicht an» gemessene Arbeit nachgewiesen werden kann, für seinen notwendigen Unterhall gesorgt werden solle. Kann man das bei einer solchen Kürzung noch behaupten? Freilich, aus die Arbeiter braucht die volkspartei nicht mehr Rückficht zu nehmen, so will sie für die Angestellten Ersatzkassen herausschlagen. Ich verstehe übrigens auch nicht, wie Herr Schneider in einem Augen, blick, wo der Kampf um die Aufrechterhaltung der jetzigen Unter- stützung geführt werden muß, höhere Unterstützung für einzelne Angestelllengruppen verlangen kann, wodurch der augenblickliche Kampf geschwächt wird.(Sehr wahr! bei den Soz.) Wenn Herr Hueck die Wirtschaftspolitik des Reiches tadelt, so tristt er damit seine eigenen Fraktionsgenossen, die jahrelang das Reichs- wirtschastsministerium geleitet haben. Aber das einzige Ziel Huecks ist Lohnsenkung. In der Nachkriegszeit haben wir es gehört, in der Inflation und beim Wiederaufbau, immer wieder sollte nur durch Lohnsenkung die Produktion möglich sein. Warum sprechen Sie nicht von der überspannten Ratipnalisierung, die den Menschen zum Sklaven der Maschine macht? In seinem Bericht gibt der Stohlwerksosrband selbst zu, daß der Aufwand von 300 Millionen für die Rationalisierung das erwartete wirtschaftliche Resullot nicht gebracht hat. Ja, daß das Ergebnis nicht einmal ausgereicht hat, um die Zinsen für diese Millionen aufzubringen. (Rufe rechts: Was heißt das?) Daß das Tempo der Rationali- sierung nicht das für Deutschland richtige war. Dann aber ver- sangen Sie nicht von den Arbeitern, daß sie mit geringeren Löhnen den Ausgleich dafür schaffen! Auch bürgerliche Blätter, wie die „Voss. Ztg.". haben die katastrophalen Folgen der verfehlten Wirtschaftspolitik festgestellt. Ungeheure Opfer haben die Arbeiter dabei gebrachl, Erhöhung der Arbeitslosigkeit, zunehmend« Unsicherheit ihrer Existenz, geisttötende Mechanisierung des Arbeiksprozefses, Herabwürdigung des Menschen. Und jetzt soll zu der Lohnkürzung auch noch die Entziehung der kargen Unterstützung kommen. Die Preissenkung müßte weit, weit über die Lohnsenkung hinaus» geizen, um sie einigermaßen zu entschärfen. Wenn sie mit Lohn- senkung usw. ein Dumping treiben, so wird das Ausland chit neuen Schutzzöllen antworten, und Sie werden die'Ausfuhr doch nicht steigern. In der Vorlage fehlt eine Bestimmung, wie sie für die Unfall- Versicherung schon bestbht, daß wenn ein Verwsltungsmitglied nicht mitspielen will, an seine Stelle ein behördlich ernannter Vertreter kommt. Das muß auch für die Arbeitslssenversicherung bestimmt werden. Wir werden die Borlage auf das Genaueste prüfen, wir werden das Notopfer der Arbeitslosen und den ganzen Abbau aufs äußerste bekämpfe� und in dieser Fassun nicht annehmen.(Lebhafter Beifall der werden wir die Vorlage oz.) Christlich-nationaler Hohn. Abg. Mönke(Chr.-nat. Bauernp.): Di« Landwirtschast hat genug Opfer für das deutsch« Volk gebracht: warum sollen die Arbeller, die Arbeitslosen und die vielen Schwarzarbeiter nicht auch einmal Opfer bringen.(Abg. Torgler sKomm.s ruft zweimal „Unverschämtheit" und erhält Ordnungstuse.— Rufe von der Zuschauertribün«: Gemeinheit, Frechheit!— Der Rufer wird auf 'Anordnung des Präsidenten entfernt.) Die Landwirte- arbeiten schwer Tag und Nacht und leiden doch Not.(Zurufe der Komm.: Und di« Arbeitslosen? Die Großagrarier kriegen Subventionen!) Die Landgemeinden und Kreise gehen an den Wohlsahrtserwerbs- losen zugrunde. In Köln hol man ohne Schwierigkeiten den Wohlsahrtserwerbs- losen die Unterstützung entzogen. (Hört, hört! links.) Wir sind«s gewohnt, unsere Landorbeiter das ganz« Jahr zu beschäftigen und sie nicht dem Reich im Winter zu» zuschieben.(Lärm und Widerspruch links.) Man sollt« Dr. Schacht als Verwalter der Arbeitslosenversicherung einsetzen, der erklärt hat. mit der Hälfte der Leistungen auszukommen.(Ironische Heiterkeit Si© dirf dl© Reis© gehen, besichtigen Sie bitte unsere schönen Salamander- Modelle für die Reise. Gediegener, dabei doch eleganter Geschmack, verbunden mit bester Qualitätsarbeit; in jeder Preislage eine Höchstleistung der größten deutschen Schuhfabrik -r,','-.'VrChl'»hj'•■'i v'Ar.'■ f- V-*. •*■■i;«; und Lärm tlnfs.) Nicht JdKrn das©Teiche, sondern jedem dos Seine!(Pfui-Rufe lints.) 2rbfl. Leopold(Dnct.): Ich gebe Abg. Wissell recht, daß in Deutschland die Rationalisierung zu weit getrieben ist, aber der „Vorwärts' hat noch vor Zwei Jahren der deutschen Industrie vor- geworfen, sie sei technisch rückständig. Das haben die Gewerkfchafts- Vertreter im Enqueteausschuß und Frau Sender im 6. Ausschuß auch erklärt.(Widerspruch bei den Soz.) Der Lohmmteil in der Industrie ist gesunken. (Hört, hört! bei den Soz.), aber der Zinsanteil ist gestiegen. Ihnen kommt es ja nur darauf an, w-ie hoch Ihre Diäten sind.(Eni- rüstungsrus« links.) Ich will damit sagen, ebensowenig wie es Ihnen darauf ankommt, wie hoch der Anteil Ihrer Diäten am Reichs- Haushalt ist, kommt es dem Arbeiter auf die Höhe des Lohnanteils an der Produktion an, sondern auf die absolute Lohnhöhe. Sie sogen, wir hätten di« Preise erhöht. Di« Konsumvereine kennen auch kein anderes Mittel, ihre Einnahmen in Krisenzeiken zu sichern. (Widerspruch links.) Geben Sie erst ein Beispiel größerer mirt- schoftlicher Tüchtigkeit, dann können Sie uns tadeln!(Beifall rechts, Widerspruch links.)» Abg. Tremmel(Z.): Die Ausführungen des Abg. Mönle sind bedauerlich. Es gibt nicht nur Drückeberger unter den Arbeitern, sondern auch anderswo(Sehr wahr! links und in der Mitte), die ihre Verantwortung nicht kennen.(Zuruf von der Deutschnatio- nalen: Die meisten bei der Arbeiterschaft!— Entrüstungsrufe links.) Die Debatte schließt.— In persönlicher Bemerkung" kommt Abg. Tony Sender(Soz.) auf die vorhin erwähnte Diskussion zurück, die sich um die elenden Löhne in der Inflationszeit und den daraus folgenden Exportaufschwung, sowie die technische Rückständig- keit' der Industrie gedreht hat. Wenn die Rationalisierung falsch geleitet worden ist, so können die Wirtschaftsführer dafür doch nicht die Arbeiter und ihre Vertrauensleute verantwortlich machen. Die Lorlage geht an den Sozialpolitischen Ausschuß.— Die weitere Etatsberatung wird um Ihss Uhr auf heut«, 10 Uhr. vertagt. Bilanz der Wellkrastkonferenz. Lücken und Wünsche.- Lehren für Ai�eiterklaffe und Staat. Die Zweite Welttraftkonferenz ist beendet. Die Frage, welchen Zweck eigentlich dieser Massenaufmarsch von Fachleuten(3900), von Fachsitzungen(Zä), von Spezialberichten(380), von Generalberichten (34), von Vorträgen und Besichtigungsfahrten, auch von festlichen Veranstaltungen vieler Art gehabt hat, worin die positiven Resultate dieses erheblichen Aufwands an Arbeit und Geld zu sehen sind, diese Frag« wird insbesondere von allen denen mit Recht gestellt werden, die von der großen wirtschaftlichen und politischen Bedeutung dieser Tagyng gehört haben und mit greifbaren Erfolgen rechneten. Enttäuschung und Skepsis? Eine Hauptfrage steht im Vordergrunde. Sie wurde bei der Eröffnungssitzung von deutscher Regierungsseit« angeschnitten: Nachdem infolge der vermehrten Maschinenkraft, der Dampf-, Gas- und Elettrizitätsverwendung in allen Ländern die Nachfrage nach Muskelarbeit gesunken ist, die A r b e i t s l o s i g- keit sich überall vergrößert hat— welche Möglichkeiten wissen die Energiewirtschaftler aller Länder aufzuZvhlen, um die aus dem Produktionsprozeh herausgeschleuderten vielen Millionen Menschen wieder zu beschäftigen? Auf diese Kardinalsrage ist di« Welt- krastkonferenz die Antwort schuldig geblieben. Vielfach wurden auch neue technische Erfindungen erwartet— doch hoben die Berichte wohl zahlreiche noch wenig in der Praxis erprobte Verfahren behandelt, aber es wurden keine absolut neuen Entdeckungen und Erfindungen mitgeteilt. Don Teilnehmern selbst wurden ebenfalls einige Mängel empfunden: so z. B. di« Uebersülle an Material, durch das sich die Teilnehmer durcharbeiten sollten, insbesondere die übergroße Zahl der Spezialberichte, serner die starre Diskussionsform— es mußte jede Erwiderung vorher schriftlich niedergelegt werden—, teilweise auch Mängel in der Uebrrsetzung aus der einen Kongreßsprache in di« andere. Berechtigen die hier aufgezählten kritischen Bemerkungen, um über den Wert der Welttraftkonferenz zu einem negativen Er- g eb n i s zu kommen? Keineswegs. Man muß sich zunächst vor Augen halten, daß der Hauptschwerpunkt der Tagung in den 34 Fach- sitzungen lag, daß hier spezielle technische und wirtschaftliche Fragen besprochen wurden, daß Interessenten aller Länder hier Er- sahrungen austauschten: die Konferenz war ja kein gemeinsam tagender Wirtschastskongreß, der zu aktuellen Fragen endgültig Stellung zu nehmen hotte. Da aber di« Weltkraftkonferenz keine einmalige Veranstaltung ist, da sie einen dauernden Internationalen Hauptausschuß(in Londop) befitzt, abgesehen von den rund 40 notio. nalen Ausschüssen in allen wichtigen Ländern, so hat die Organi- sation auch Gelegenheit, dos diesmal Versäumte noch nachzuholen. Es wäre wichtig zu erfahren, welche Wege hierzu von dieser Or- ganisation empfohlen würden, wenn z. B. die Gewerkschaftsorgani- sationen der Industrieländer sich an sie wenden würden, um einen gemeinsamen Kampf gegen die internationale Massenarbeilslosigkeil einzuleiten: es ist eigentlich nicht anzunehmen, daß die Energie- Wirtschaftler, die Ingenieure, di« beteiligten Wirtschafts- und Fach- organisationen sich zu einer Antwort für unfähig erklären sollten. den» dann würden sie.sich aus der wirtschaftspolitischen Praxis ausschalten. Hiervon abgesehen, sind aber doch di« Ergebnisse der Berliner Welttraftkonferenz von zweifellos großer internationaler Bedeutung. Wir können hierbei zweierlei Arten von Ergebnissen unterscheiden: erstens solche, die im offiziellen Rohmen der Konferenzarbeiten lagen, zweitens solche, zu denen diese Zusammenkunst von energiewirtschast- lich führenden Männern aus aller Herren Länder erst die Veran- lassung war. Die erste Art der Ergebnisse ist auf technischem und privatwirtschaftlichem Gebiet zu suchen. Es wurden in den Fachsitzungen und den Berichten zahlreiche Erfahrungen über die jeweilig zweckmäßigsten Formen der Energiegewinnung, der Energieverteilung und der Energieverwertung ausgetauscht. Der Nutzen solcher gegenseitigen Anregungen kann nicht statistisch ersaßt werden, dürft« aber allein bereits wertvoll genug fein, um— all gemeinwirtschaftlich gesehen— die gesamten Kosten der Konferenz um das Vielfache zu übertreffen. Die zweit« Art der Ergebnisse liegt, wie schon gesagt, darin be- gründet, daß auf diesen Tagungen nicht nur Techniker, Theoretiker und Wissenschaftler, sondern Geschäftsleute zusammenkamen. di« gewöhnt sind, aus jeder Reife neue geschäftliche Erfolg« herauszuziehen. Bald gab hierbei der Erfahrungsaustausch in techni- schen und wirtschaftlichen Punkten Anknüpfungsmöglichkeiten, bald die Besichtigungsfahrten und sonstigen Veranstaltungen. Die deutschen Jndustrieunternehmungen haben es zweifellos meist gut oerstanden, zahlreiche Teilnehmer für ihre Werke und Erzeugnisse zu interessieren. Wenn z. B. der Besuch der Siemens- oder AEG.-Anlagen, der Vorsig-Fabriken, des Berliner Kraftwerks Klingenberg, des Großkraftwerks Zfchornewitz(reichseigene Elektro- werke) usw.«inen Teil der teilnehmenden Ausländer davon über- zeugt Habeft, daß Deutschland ein« technisch auf der Höhe stehende und in jeder Hinsicht leistungsfähige Elektro- und Mafchineirbau- industrie besitzt, so ist ein solcher Erfolg gar nicht zu unterschätzen. Ein von uns schon mehrfach betontes charakteristisches Merkmal dieser Konferenz war die oft gemachte Feststellung, daß es große technische und energiewirtschaftliche Aufgaben gibt, die über die Leiswngsfähigkeit und die Größe einer einzelnen Nation hinausgehen. Der Gedanke der Zusammenarbeit insbesondere der europäischen Nationen kam mehrfach in den Berichten, Dis- kussionsreden und Hauptvorirägen zum Ausdruck, am markantesten in dem von Generaldirektor Ohven vorgetragenen Projekt eines ganz Europa überspannei.den Großkrastnetzes. Es unterliegt keinem Zwsisel, daß die mit so großer Einmütigkeit betonte . Rolwendigkeik iniernationaler Zusammenarbeit politisch von gröhter Bedeutung sein kann. Als Gesamteindruck ist trotz der aufgezählten Mängel fest- zuhalten: Es war eine große internationale Tagung von Welt- bedeutung, wie sie feit der Vorkriegszeit in Deuffchland nicht mehr stattgefunden hat. Die Gesamtorganisation, an der insbesondere der Verein Deutscher Ingenieure starken Anteil gehabt hat, verdient angesichts der Größe und Vielseitigkeit der Tagung Anerkennung. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind ebenso wie die technischen wahr- scheinlich sehr weittragend. Ob das private Unternehmertum zahlreiche technische und roirtschastliche Anregungen überhaupt nutzen kann, ist freilich zu bezweifeln; es wird dies nur tun, sofern diese Anregungen p ri v a t wirffchaftlichen Nutzen bringen. Es gab dagegen manche Anregung, den Raubbau an Energiekräften und ebenso an Arbeits- kräften durch eine wirtschaftlichere Ausnutzungsform zu ersetzen, z. B. mit den vorhandenen Kohlenschätzen nicht mehr im bisherigen Grade zu wüsten und die Aufmerksamkeit statt dessen stärker dem vermehrten Ausbau von Wasserkräften, der Ausnutzung der Kräfte von Ebbe und Flut, der Windkraft usw. zuzuwenden, d. h. Energien, die immer wieder in gleichem Umfang zur Verfügung stehen, während Kohle und Oel allmählich aufgebraucht werden, die deutschen Braun- kohlen z. B. schon in acht bis zehn Jahrzehnten. Hier Hot, da für jedes Privatunternehmen nur der Profit entscheidet, der Staat entscheidende Aufgaben. Die Arbeiterklasse hat für diese allgemeinwirtschastlichen Erfordernisse die Augen offen zu halten. Die Sitzungen und Berichte der Weltkraftkonserenz haben ihr hierzu Anregungen in Fülle gegeben. lieber das internationale Goldproblem spricht am 2. Juli im Banketffaal des Zoo Professor Dr. M. P a l y!. Der Vortrag wird von der Gemeinschaft ausländischer Studierender an der Handels- Hochschule Berlin veranstaltet. Für Mansseld höhere Zechenbetelligung. Eine Zechenbesißer- Versammlung des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats hat mit Rücksicht auf die schwierig« Lag« des Mansfeld- Konzerns beschlossen, die Berkaufsbeteiligung der dem Konzern gehörenden» Steinkohlengewertschaft Sachsen um 100000 Tonnen zu erhöhen. Dieses Zugeständnis gilt jedoch nur f ü r d e n F a l l des freiwilligen Beitritts zu dem neuen Kohlen- lyndikatsoertrag. Reichskuratorium berichtet. Wann kommt die innere Wandlung? Der von dem Reichskuratorium für Wirffchaftlichkeit(RKW.) jetzt vorgelegte Jahresbericht für 1929 hat sich in seinem Umfang gegenüber dem Borjahr nahezu verdreifacht. Er enchält u. a. einen für den Fachmann wertvollen Ueberblick über die von, RKffi. geförderten Arbeiten. Das Arbeitsgebiet des Instituts hat sich ausgedehnt. So hat man der Frage einer rationellen Pausengewährung bei Fließarbeit erhöht« Ausmerk- samkeit geschenkt. Viel oersprechen kann man sich auch von dem angeregten Gedanken, durch branchenmäßige Betriebsuntersuchungen typische Fehlerquellen festzustellen und zu beseitigen. Hier und da hat man aber den Eindruck, daß sich das Institut zu sehr in Einzelheiten verliert. Vielfach gehen seine Arbeiten anscheinend auch fehl. So können wir nicht recht begreisen, was die „Schaffung von Lehrmaterial" mit Arbeiten zu tun hat, die, wie der Bericht des RKW. sagt, den„menschlichen Faktor im rationali- sierten Betrieb zum Gegenstand" haben. Weiter haben wir das Gefühl— es sind ganze Lehrgänge für Handwerker fertiggestellt worden—, daß sich das RKW. mit Arbeiten belastet, die eigentlich Sache der Industrie sind. Im Etatsjahr 1929/30 hat d a s R e i ch für das Reichskuratorium 500 000 M. zur Verfügung gestellt gegenüber— Auswirkungen der Sparmaßnahmen— 1,2 Millionen Mark im Vorjahre. Insgesamt sind vom Reich während der letzten fünf Jahre 6,05 Mit- lionen Mark bewilligt worden, wovon 5,85 Millionen Mark im Rohmen des Arbeitsgebietes oerteilt worden sind. Die Industrie führt dem Kuratorium bekanntlich keine Mittel zu. Nebenbei sei erwähnt, daß der Rechnungshof, der vom Reichstag den Auf- trag erhalten hat, die Verwendung der für die Förderung der Wirt- fchaftlichkeit zur Verfügung gestellten Gelder zu überprüfen, uns demnächst auch eine Antwort geben wird, wie sich die dem Reichs- kuratorium zugeführten Mittel wirffchaftsfördernd ausgewirkt haben. Die von der Oeffentlichkeit von dem so erweiterten. Bericht er- hoffte positive Antwort, wie eine unabhängige und neutrale Stelle über das Rationalisierungs Problem denkt, wird nicht gegeben. Wir sind überzeugt, daß diese Zurückhaltung dem RKW. nicht be- kommen wird, und wenn sich die Stimmen mehren, die immer wieder angesichts des Standes der industriellen Rationalisierung von dem „überflüssigen" Reichskuratorium für Wirffchoftlichkeit sprechen, dann hängt das zweifellos auch damit zusammen, daß das Institut die Fühlung mit der Welt außerhalb der Luisenstraße so ziemlich verloren hat. Es hat sich, vorsichtig ausgedrückt, technisch eingekapselt und gegenüber den brennenden Fragen unserer Tage neutralisiert. Es ist sicher kein Zufall, daß, wie wir hören, die letzte General- Versammlung des Instituts nur von 10 Proz. seiner Mitglieder besucht war und daß man eine Hinzuziehung der Presse für überflüssig erachtete. Wir lehnen es selbst- verständlich ab, uns mit den obenerwähnten Stimmen zu identifi- zieren, und möchten auch davor warnen, daß das berüchtigte Streich- quartetl dos Reichskuratorium demnächst zum Opfer seines Blaustift« macht. Aber es geht nicht an, daß immerhin beträchtliche Reichs- mittel für eine Einrichtung verwendet werden, die im eng gezogenen Rahmen gewiß Ersprießliches leistet, aber auf dem Gebiet der großen Rationalisierungsfragen versagt. Eine Reorganisation des Instituts ist dringend geboten. Das RKW. muß endlich erkennen, daß die sich st e i g e r n d e K r i t i k in der Oeffentlichkeit keine Nörgelei ist und daß sie sich auch nicht mit der Bereinigung von Einzelheiten und Kleinlichkeiten begnügen wird, sondern ein« grundsätzliche Wandlung verlangt. — lk. preußag bereinigt die Nilanz. Kopitalherabsehung um 30 auf �0 Mill— Das Dienen« burger Kaliunglück. Das Ersaufen der Vienenburger Kalifchächt«, in denen hochwertigste Salze gefördert wurden, waren für die Preußische Bergwerks- und Hütten-A.-G.(Preußag) ein sehr schwerer Verlust. Die Preußag hat di« mit dem Dienenburger Unglück verbundenen Vermögens- und Gewinnverluste zum Anlaß genommen, um im ganzen eine Bereinigung ihrer Bilanz vorzunehmen. Ueber die Verluste in Vienenburg hinaus hat die Entwicklung der Metall- Märkte auch dazu geführt, daß die Erzförderung im Clausthal- gebiet, da in den letzten Iahren immer weniger ergiebigere Erz- gäng« abgebaut wurden, stillegungsreif geworden sind. Der Aufsichtsrat der Preußag hat beschlossen, das- am 4. April v.J. erst von 100 auf 140 Millionen erhöhte Kapital wieder um 30 auf 110 Millionen herabzusetzen. Die Kapitalreduktion war nicht vermeidbar, da di« Preußag, die erst seit 1926 di« zerstreuten preußischen Bergwerks-, Hüten-, Kali-, Braunkohle-, Kalk- und Bernfteinbelriebe zusammengefaßt hat, inzwischen noch nicht genügend Reserven ansammeln konirte, um daraus die erforderlichen Abschreibungen vornehmen zu können. Di« Bernsteinbetriebe, die Oberschlesischen Hütten, der Deisterbergbau und der Clausthaler Bezirk waren schon immer als Verlustquellen anzusehen und wurden im wesentlichen aus sozialen Gründen von den rentablen Konzernteilen durchgeschleppt. Die Kalischächte Vienenburg, die für 30 Millionen erworben wurden und in die noch etwa 20 Millionen hineing-ffteckt worden sind, sind im wesentlichen als verloren anzusehen, wenn der Verlust auch kein hundertprozentiger sein wird, da die Kali- beteiligungen Vienenburgs eoenluell zu 50 Proz. von den übrigen ENVEQ BEY S�Cns-Le iür&iscPiQ ZigareUen. Werlmarken lieoen den 25 Slück Packungen von 5P(g.aulwörte bei. :h�e tn ßl' ric--o Sie preußischen Kaliwerken— besonders Bleichenrode— ausgenutzt werden können. Tie vom preußischen Handelsministerium mitgeteilt wurde, be- trugen die diesjährigen Umsatzausfälle bisher etwa S Mil. lionen Mark(für 1929 war ein Gesamtumsatz von IZZ Millionen Mark gemeldet worden). Auf Vienenburg waren 381, in Clausthal 729 Mann beschäftigt. Diese Belegschaften der stilliegenden Betriebe sind aber bereits auf anderen Werken untergebracht oder pensioniert, so daß nur der kleinere Teil arbeitslos werden dürste. Im Gesamtkonzern der Preußag waren Ende 1929 29 SM Arbeiter und 2236 Angestellte beschäftigt. Schätzet ist optimistisch. Günstiger Neichspostabfchluß für 1929.— 200 Millionen für Arbeitsbeschaffung. Im Arbeitsausschuß des Verwaltungsrats der Deutschen Reichs- post stellte Reichspostminister Dr Schätzel fest, daß Verkehr und Ein- nahmen in fast allen Betriebszweigen der Reichspost im Mai gegenüber April erfreulich g e st i e g e n sind. Dr. Schätzel hofft, daß man die günstige Entwicklung des Postoerkehrs, da nach den bisherigen Erfahrungen diese Entwicklung der in den übrigen Wirt- schastszweigen gewöhnlich um einige Monate vorausgehe, als gutes Anzeichen für die allgemeine deutsche Konjunkturentwicklung betrachten darf. Der Abschluß für 1929 habe zwar einen Ausfall von 29 Millionen Mark gebracht, dieser Ausfall könne jedoch durch Er- ( fparnisfe ausgeglichen werden. Die Barablieferungen an dos Reich im Betrage von 151,5 Millionen seien sichergestellt, 119 Millionen bereits vorschußweise gezahlt. Di« Deutsche Rcichspost werde 299 Millionen Mark zur Linderung der Wirtschaftskrise bereit- stellen, davon 89 Millionen als Vorgriff auf 1931, 39 Millionen aus dem Posthaushalt 1939 für sonst im Winter zu oergebende Aufträge, 49 Millionen aus dem zur Tilgung fälliger Schatz- anweisungen angesammelten Fonds und schließlich 59 Millionen aus einer neuen Anleihe. Avi'-�stückvergüiungen nicht herabgesetzt. Die Eisenindustrie fängt an zu lernen. Die Ersenoerbände haben die für den Monat Juli geltenden Sätze bekanntgegeben, die der weiterverarbeitenden Industrie für das zu Exportzwecken verwendete Eisen vergütet werden. Au unserer angenehmen Ueberroschung können wir fest- stellen, daß diese Rüückvergütungssätze, soweit uns Bergleichsmaterial für Juni vorliegt, nicht entsprechend der Senkung der Eisenprcise herabgesetzt, sondern unverändert gelassen worden sind. Damit wird auch für den Teil der Eisenerzeugung, der für den Transport weitcrverarbeitet wird, die Eisenpreissenkung wirksam. Freilich war schon früher festzustellen, daß die zugrunde gelegten Weltmarktpreise keine effektiven Weltmarktpreise sind, sondern unterschritten werden, und das wird heute noch stärker der Fall sein als früher. Da auch die Weltmarktpreis« unverändert gelassen sind, wird der Vorteil der unveränderten Rückvergütungs- fätze natürlich wieder zu einem erheblichen Teil aufgehoben. Die„B e r g w e r k s z e i t u n g" hat noch vor ganz wenigen Tagen geschrieben, daß als notwendige Folge der Eisenpreis- fenkung auch die Rückoergütungssätz« gekürzt werden müßten, wobei es nur offen bleibe, ob man um das volle Ausmaß der Eisenpreissenkung die Kürzung vornehmen werde. Wir können als Erfolg unserer bisherigen Kritik feststellen, daß die Eisen- verbände«ine Kürzung der Sätze nicht gewagt haben. Aber auch dieses der Eisenindustvie abgezwungene Zugeständnis ändert nicht das allermindest« daran, daß einmal die bisherigen Eisenpreissenkungen ohne jede �Lohnkürzung voll von der Eisenindustrie selbst hätten getragen werden können und daß zum anderen die vorgenommene Senkung der Eisenpreise unzureichend bleibt und auch jetzt noch erst etwa zwei Drittel der deutschen Eisen- Produktion erfaßt. Klialsteuer und Warenhaus. Lehren französischer Steuerpolitik. Die Berliner Forschungsstellc für den Handel, die unter der Leitung von Professor Dr. Julius Hirsch steht, legt unter o«m Titel! „Der Einzelhandel in Frankreich" eine Broschüre von aktueller Bedeutung vor. Die Untersuchung leidet zwar etwas unter dem Mangel an Zahlenmaterial aus den letzten Jahren, gelangt aber doch zu Ergebnissen, an denen man in Deutschland bei der Lösung schwe- bender Fragen nicht vorübergehen sollte. So wurde in Frankreich beispielsweise die Erfahrung gemacht, daß eine Filialsteuer die Konzentration der Betriebe der Warenverteilung keinesfalls aufzuhalten, sondern nur in andere Bahnen zu lenken vermag. Große Einzelhandelsunternehmungen, die den größten Teil ihrer Waren selbst herstellen, umgingen die Filialsteuer einfach dadurch, daß sie ihre Angestellten nur kurze Zeit behielten, um sie dann als„selbständige Kaufleute" unter systematischer Auswahl kleiner Geschäftslokale zu strengen Be- dingungen mit den Waren des Konzerns zu beliefern. Die Folg«: die Angestellten blieben vor der Sonntagsarbeit nicht mehr bewahrt und verloren den sozialen Schutz. Auch die französischen Konsumgenossenschaften, die im Gegensatz zu den deutschen nicht in ihrer überwiegenden Mehrheit aus dem Boden der Arbeiterbewegung stehen, nahmen ein ähnliches System an. Bei der Werbung wurde die Markenreklame besonders gepslegt, so daß die Uebevtragung des Firmennamens auf die Filialgeschäste nicht mehr notwendig war. Enqueie überLeder- und Schuhindustrie Die Außenhandelsgruppe des Enqueteausschusses gab als An- fang einer Reihe von Verösfentlichungen zwei Bände über die deutsche Schuh- und die Lederindustrie heraus. Das Ergebnis de« beiden Untersuchungen werden wir noch ausführlicher behandeln, aber auf zwei wichtig« Feststellungen sei heute schon hingewiesen: Die Verkürzung der Arbeitszeit in der Schuhindustrie während der Nachkriegsjahre, ist, wie der Ausschuß vorsichtig'jest- stellte, durch die Intensivierung der Arbeit mindestens k o m- p c n s i e r t, in zahlreichen Fällen— vor allem in den großen Fabriken— überkompensiert worden: und zwar, obwohl die wasch- nellen Verbesserungen nach dem Urteil des Ausschusses in den letzten anderthalb Jahrzehnten nicht sehr ins Gewicht fallen. Als zweites Ergebnis wird festgestellt, daß für die Einführung des Fließbandes in Deutschland ein« Möglichkeit bei jenen Schuhfabrikanten bestehe, die durch«in großes eigenes Filialenneg eine gewisse Uniformierunz des Geschmacks vornehmen können. Sehr bemerkensweri ist eine Bemerkung über den Werk der Sozialgesetzgebung. Die Sozialgesetzgebung, insbesondere die E r- werbslosenunkerstühung und die Arbeitslosenversicherung. sind der ganzen Schuhindustrie und damit auch der Schuharbciter- schast sehr zugute ge kommen. Die als Unterstützung gezahlten Betröge sind in großem Umfange zum Ankauf von Schuhwerk verwendet worden, so daß der Berkaus von Schuhen in Krisenzeiten nicht so sehr mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen hakte. die sich andernfalls eingestellt hätten. Ltnberechtigte Vorwürfe. Die fünf größten deutschen Lokomotivsabriken hotten gegen die vom Reich subventionierten Schichauwerke in Elving den Borwurf erhoben, daß dies« in unlauterer Weise bei auslän- difchen Wettbewerben die Preise der anderen deutschen Fabriken unterbiete. Es könne nickst geduldet werden, daß Schichau mit Per- luftangeboten im Ausland arbeit« und daß die Verluste später vom Staate gedeckt würden. Diose Beschwerden schienen um so mehr Gewicht zu haben, als die fünf Fabriken in ihren Eingaben an den Reichswirtschasts- minister und den preußischen Handelsminister behauptet hatten, daß ihre eigenen Angebot« schon Verlustangebot« gewesen seien. Die von den Behörden vorgenommene Untersuchung hat nun er- geben, daß die Kalkulationsgrundlagen bei Schichau dieselben seien wie bei der Konkurrenz und Vorwürfe gegen die Leitung des Wertes nicht am Platze feien. Sonp-abend Japanisches [irschblüten-Fesi] Geishas Japanische Gaukler �sshlwaraimBIUtenschniticM Japan-Revue FEUERWERK! Sonntag; Wiedorhotung Haclun.Uap.Taijes-Foucrwerl« Abdt.; Gr.Brillanl Feuerv/erk ZOO [2oolog.6arisn Ab* Uhr nadimittagi GROSSES KONZERT Tiglich: Tan z im Freien Auf d. Schausiellunesplaiz „1000 Krokodile" Aquarium- Aquarium TlarkunstaAussUliung VolKsbttbne Tbutir in BQlo* platz. 8<;. Uhr Julius Caesar Regit: Riri Heinz Martin StaatLSdiiller-Iti- 7»/» Uhr Der mann mit dem Klapper 8.15 Uhr Zcnir.2819 Baumen ertooht Sonnabend u. Sonntag Je 2 Verstellungen 4 und S14 Uhr. 4 Uhr kleine Preise A 4 Zentrum 926-927 8Vs U- Direktion Ralph Arthur Roberts Mein Vetler Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Robs STAta ITägl. 5 ii.S';, Uhr. B S Bard. 8256 Pr. 1-6M. Wochantg 5 U. 50 Pf.-3 M. Tägl. 5 u. 019 r an III. 2. s n. o u Alex. E 4, 8066 Internationale Attraktionen ROSE -Theater GroBe Freakfurter Str. 132 BillcUkus«: Alex. 3422 u. 3491 Täglich 8.15 Uhr .«4 Bit Traut«. Paul u. Willi Rest. 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Ohne MttgUeddhuch lein gutritL Wegen der Wichtigkeit der Tagesord- nung ist das Erscheinen aller Aollegen und Kolleginnen unbedingte Pflicht. _ IMe Ort«Terw«lhmg. Bilanz der NöbelfabriK»Osfen' Elngeinaene Gerossensdmn m.btsdirlDklgr Baiipnum von Zl.Beiemder 1928. AkdWa RM Warenkonto....... 16 692,85 Maschinen- u. Werkzeugkonto 2050,00 Kaulionskonto...... 7,00 üebiiorenkonto...... 5 257,90 Bankkonto........ 44,08 Kasse- und Wechselkonto.. 3 557,97 Verlust per>929...... 2239,25 Summa 29 843,05 Passiva RM Anteilkonto....... 210,00 Reservesondskonto..... 6 713.90 Rflcklagekomo...... 877.70 Kreditorenkonto...... 5818,95 Darlehenkonto...... 16 222.50 Summa 29 843,05 Die Anzahl der Genossen beträgt 7 Es ist kein Genosse ein- noch ausgetreten. Die Haftpflicht aller Genossen beträgt 210 RM. F. Fnllmen. Franz Sdioliz, rUchtlgesHaus u.Wirtschalts- personal meldet sich sofort auf eine 1 Kleine Anzeige 1 | im„VorwSrts"| DeotsAer Metallarbeiter-Mild Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern Mir Nachricht, bafj unser Kollege, der Graveur FriedriGb Dupezik geb. II. Februar 1007, am 25. Juni gestorben ist. Die Beerdigung findet Sonnabend. den 28. Juni. 15 Uhr, von der Leichen- halle de» Petri-KirchHoses, Frieden- stratze, aus statt. Am 26. Zun! starb unser Kollege, der Werkzeugschiesser Adolf Schröder geb. 28. April 1871 Die Einäscherung findet am Eonn- abend, dem 28. Zuni. Wh Uhr. im Krematorium Wilmersdorf statt. Am 26. Juni ltard unser Kollege, der Rohrlcger-Hetser Heinrich Spranger geh 27. Januar 1860 Die Einäscherung findet Montag, den 80. Ciuni, Ii'/, Uhr, im Krematorium Beritn, Derichtsiraße. statt. Rege Beteiligung wirb erwartet. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwnltung. 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Wir sind in der Nähe des auf keiner Autokarte und keinem Atlas ver- zeichneten Reiherhorstes. An«inigen rötlich glimmenden Kief.r- ästen und Föhrenstämmen, auf denen tanzende Sonnenkringel spielen, sind weiße Wegzeichen von den Reihern selbst angebracht worden, die die Nähe der Reiherkolonie verraten. Majestätisch ziehen die Herren Reiher mit L-färmig zurückgelegtem Hals Kreise über ihren Behausungen, die kugelförmig einzeln und paarweise in den Wipfeln hängen. Mit geschlossenen, nachziehenden Läusen führt der graue Reiher(Arclea cinerea) seine Gleitflüge aus, während Frau Reiher die Regelung des Brutgeschäfts überlassen wird. Aus den frisch geweißten Wohnstätten gucken die galanten Damen, denen die sommerliche Sonne willkommene Hilfe ist. Frei- gebig werfen sie aus ihren Fenstern die himmelblauen Eierschalen, die weiß« Reihergrütze und die lustig im Winde tanzenden grauen Federn. Schon sind Aeste, Stämme und Waldboden gepudert, als Zeichen des gesegneten Appetits und des Wohlstandes in Reiher- hausen. Der Reiher sucht in einem Umkreis von lO Kilometern die Gewässer nach Fischen und Lurchen ab, trotzdem hin und wieder die am Dorfrand als Hinterinsassen wohnenden Raubvögel durch die Dorfgassen ziehen. Nur die Rabengilde der Umgebung bring! ab und zu Krakeel in die friedliche Siedlung, weil sie nicht nur bettelnd mit den Abfällen von Lurchen und Fischen vorlieb nimmt, sondern auch diebisch nach den türkisblauen Eiern späht. Da gibt es Sträßenkämpfe mit großem Geschrei. Boxkämpfe werden ausgeführt, bei denen die schwarzen Gesellen fauchend den Kampsplatz verlassen müssen. Ein seltenes Familienidyll so nahe vor den Toren Berlins! Reise in die Pfalz. Man kann in der Pfalz eigentlich überall hin reisen. Jedes Fleckchen Erde ist in diesem von der Natur besonders begnadeten .Lande reizvoll, Schönheit, Genuß und Erholung spendend. Frucht- bar dehnt sich vom Rhein her die Ebene, leicht ansteigend wie ein einziger großer Obstgarten zu den rebenschweren Hängen des Haardtgebirges, wo zwischen den„Wingerten" und an den Straßen Pfirsiche, Mandeln, Feigen und Edelkastanien reifen. Unvergeßlich ist eine Wanderung am Haardtgebirge entlang, von Landau nach Neustadt und von da wetter nach Ruppertsberg, Königsbach, Deides- heim, Forst. Wachenheim, Dürkheim. Kallstadt. Ungsheim, Herx- heim, Freinsheim, Orte mit oerlockendem Klang für jeden Freund eines guten Tropfens, denn hier gedeihen Qualitätsweine, die einzig in der Welt sind. Für Wanderungen ist besonders der schöne Pfälzerwald geeignet, der den Hauptbestand des gebirgigen Westrich ausmacht und das Land von Nord nach Süd durchzieht. Nicht nur die freundlichen, lebhaften Städtchen mit ihrer arbeit- famen Bevölkerung und die weindufterfüllten Dörfer biilde» das Entzücken des Besuchers der Pfalz, sondern das ganze, immer wie- der abwechslungsreiche Landschaftsbild nimmt gefangen! Dabei kommt auch die Romantik einer reichen Bergangenheit nicht zu kurz, denn auf den Pfälzer Bergen erheben sich weit mehr als hundert Burgen und Ruinen. Das Verkehrsnetz ist in der Pfalz außerordentlich dicht. Eisenbahn, Kraftpost, Straßenbahnen bieten zahlreiche und günstige Verbindungen. Unterkunft und Verpslegung sind ersreulich billig (Zimmer von 2 M. an, volle Pension von 3,S0, 4,—, 4,50 M. an). Für einige zehn„Ptnninge"— das f ist bei den Pfälzern ver- pönt!— bekommt man in den Weinorten Brot mit Butter und einem riesigen Stück Schweizerkäse oder auch mit erfrischendem Weißkäse(mit Zwiebel!). Baden-Baden in Rosen— das ist das Charakteristikum des Monats Juni. Zu keiner anderen Zeit erhebt Baden-Baden deut- licher Anspruch darauf, ein Paradies von Blüten, Blumen und Wäldern zu sein. Die berühmte Lichtentaler Allee steht jetzt in ihrem schönsten Schmuck, die seltenen Bäume und Pflanzen geben ihr das Bild eines Farbenmeeres, und im Schatten der uralten Baumriesen auf dem Corso des eleganten Badelebens zu spazieren, ist gerade in diesen sommerwarmcn Tagen ein Genuß, den nicht nur der Naturfreund liebt. Hochgeschätzt sind die kühlen Abende, die das Klima ausgleichen und zu einer täglich neu erfrischenden Atmosphäre inachen, in der man selbst die heißesten Tag« unbeschwert erträgt. Herzbad Allheide! Die Herzheilung— die Herzgesundung — ist die große Grundlage Bad Altheides, das sich aus. einem armen schlesischen. Gebirgsdörschen zu internationalem Ruf und Ruhm emporgearbeitet hat. Hier in dieser Landschaft der meilenweiten Wälder kann man wirklich einmal, nach des schlesischen Dichters Paul Kellers Rezept,„Ferien vom Ich" machen. Der Sommer im harz ist der typisch« deutsche Sommer. Es wird nie drückend heiß im Harz, und es gibt auch fast nie so schroffe Witterungswechsel, wie sie das Hochgebirge kennt. Der Sommer im Harz ist von wohliger Frische, voll Dust und Behagen, Allgemeine Wetterlage. Das Regengebiet, das am Donnerstag Deutschland von Süd- westen nach Nordosten durchzog, hat sich nach Norden verschoben und dabei sehr an'Intensität«ingebüßt. Wir lagen am Freitag bereits auf feiner Südseite in einer Lustinass«, die ursprünglich aus nördlichen Breiten des Attantijchen Ozeans stammte. Ein weiterer Schwall ozeanischer Luft drang dann im Lal�fe des Tages in Deutsch- land ein und brachte fast überall kräftige Gewitter. In der nächsten Zeit dürsten wir in der westlichen Lustströmung bleiben. Einzeln« Störungen, die in ihr nach Osten ziehen, dürften ein« durchgreifende Beruhigung vorläufig mcht auskommen lassen. » Weiler für Berlin: Teils heiter, teils stark wolkig, Temperaturen etwas niedriger, noch Regenschauer oder Gewitter.— Für Deutsch. land: Im Nordosten krüstige Gewitter mit Abkühlung, im übrigen Deutschland veränderlich, strichweise Regenfälle oder Gewitter. überspannt von blauem Himmel und bis auf einige wenige be» sonders tiefgefurchte Harztäler fast während des ganzen Tages der Sonn« zugänglich. Bei der restlichen Erschließung des Harzes durch Wanderwege, Fahrstraßen und Bahnen verteilt sich auch der ge- waltigste Verkehrsstrom eines Hochjommertages im Harz mühelos, und für Freunde einsamer Wanderungen finden sich selbst dann noch wenig ausgesuchte Berge, Täler, Harzwiesen und Waldland» schaften. Rordhausen, die tausendjährige Stadl. Die alte Reichsstadt an» Südharz bietet neuerdings ihren Besuchern tägliche Fremden- führungen, die vormittags und nachmittags stattfinden. Bei einem zweistündigen Rundgang um die mittelalterliche Stadtmauer und durch die fachwerkbunten Gassen der Altstadt lernt man unter fach- kundiger Führung die Bau- und Kunstdenkmäler aus Nordhausens großer Vergangenheit kennen. Nordhaujen, günstig gelegen am Reiseweg zwischen Kysshäuser und Brocken, hat als Verkehrszentrum des Südharzes gute Verbindungen nach allen Richtungen. 3m Spessartbad Orb konnte trotz mißlicher Umstände die Frequenzziffer des vergangenen Jahres nicht nur gehalten, sondern um fast 20 Prozent gesteigert werden. Während vom 1. Januar 1ll29 bis 15. Juni 1929 3120 Kurgäste und Passanten gezählt: wurden, stieg die Zahl für den gleichen Zeitraum 1930 auf 3715. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß die Zahl der Passanten von 422 nur aus 493, also um 15 Prozent gestiegen ist, während die Zahl der heilbedürstigen Kurgäste relativ viel stärker anwuchs. Dies kommt am deutlichsten in der Zahl der in Bad Orb verabreichten Bäder zum Ausdruck. Während vom 1. Januar 1929 bis 15. Juni 1929 22 224 Bäder abgegeben wurden, erreichte die Zahl für 1930: 2 9 6 1 4. Sol- und Moorbad Lüneburg. Als besonders heilkräftig haben sich die Lüneburger Jod-Solbädcr erwiesen, deren Anwendung in Verbindung mit dem Lüneburger Jod-Billungbrunnen bei Blut- Hochdruck, Adernverkalkung, Rheuma, Frauenleiden. Schilddrüsen- erkrankung, sowie Haut- und Herzkrankheiten eine vorzügliche Wirkung ausüben. Das Bad verfügt über modern eingerichtete Badehäuser mit Einzel- und Gesellschaslsinhalatorien und ist im Besitz eines Gradierwerkes. Bad Langenau in der Grasschaft Glotz, idyllisch gelegen, mit starken Kohlensäurequellen und minerallialtigem Moor, bekannt durch seine vorzüglichen Heilerfolge bei Nerven- und Herzleiden, Rheuma, Gicht, Ischias und Frauenkrankheiten gibt ab 1. August bis 30. November wieder Gelegenheit, Mittelftandskuren zu einem Pauschal- satz, in welchem sämtliche Kurkosten inbegriffen sind, durchzuführen. Der Gesamtpreis einer solchen Pauschalkur beträgt für die Kurdaucc von 4 Wochen 224,— Mark. Es empfiehlt sich rechtzeitig Bestellung bei der Kurverwaltung, da die Nachfrage nach diesen besonders billigen Kuren sehr groß ist. Prospekt« kostenlos durch die Kur- Verwaltung. 3m Rordseebad Borkum finden in diesem Jahre wieder zwei allgemeine Tennisturniere vom 17. bis 20. Juli und vom 14. bis 17. August statt. Die Badeverwaltung hat. den Wünschen ihrer Gäste nochkommend, die alten Tennisanlagen mtt ihren vier Plätzen vergrößert. Die neue Anlage wurde großzügig angelegt und in- mitten der Dünen Platz für oi«r neue Spielplätze geschaffen. Mit einem Wall von vier Meter Höhe sind die Plätze umgeben und dadurch windgeschützt. Zwei Plätze wurden im Mai fertiggestellt. Die neue Anlage liegt unmittelbar neben den alten Plätzen an der Bismarckstraß«. Das Ostseebad Ahlbeck— von überall rasch erreichbar— gilt als eine Perle der Ostsee. Der steinfreie Strand, der Laub- und Nadelwald bieten Ruhebedürftigen jede Erholung. „ZRer" bei Karstadt. Das„Mer"(Mitteleuropäisches Reisebüro) hat im Karstadthaus, Hermannplatz, ein« Filiale eingerichtet, die dem reisenden Publikum für alle Fahrten zu Wasser, zu Lande und in der Luft Fahrscheine besorgt: ebenso werden Pauschal- und Gesell- schastsreisen zusammengestellt. 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