BERLIN Sonnabend 28. Zum 1930 10 Pf. Nr. 298 B 145 47. Jahrgang LrscheivttSglich außer Gonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSW6S,Lindknstr.S i rr® »zeigeuPreiC Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. ostscheckkontv: Vorwärts, Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Oeckungspwgramm M. X. Brüning vor dem Z�eichsrat.- Die Weliarbeitskrise. Di« Bereinigten Ausschüsse des Reichsrats er» lebten heute ein besonderes Schauspiel. Außer den ständigen Mitgliedern der Reichsratsausschüsse waren die Mini st erPräsidenten der Län» der telephonisch und telegraphisch herbeigerufen, um das Deckungsprogramm Nr. X. un> mittelbar und persönlich zur Kenntnis zu nehmen. Dazu hatten sich auch zahlreiche Reichstagsabgeord» nete eingefunden. Denn das Plenum des Reichs« tags war von 10 Uhr auf 12K- Uhr vertagt worden. um Gelegenheit zu geben, daß die Abgeordneten ihre Kollegen, den Reichskanzler und den neuen Finanzminister, an anderer Stelle ihre neuesten Fiuanzprojekte erläutern hören könnten. Herr Brüning hielt als Kanzler des immerhin brüchigen Bürgerblocks eine sehr ausführliche Rede» der wir die folgenden Partien entnehmen: Di« Reichsregierung zieht die früheren Deckungsvorlogen zurück und reicht neue Deckungsvorlagen ein. Aus einer ousge- bautenLedigensteuer werden 110 Millionen zur Deckung des Defizits entnommen. Dazu tritt ein jüniprozentiger Zu» schlag aus qlle Einkommen über achttausend Mark mit einem Ertrage von S8 Millionen. Im Etat sollen Abstrich« gemacht werden. in Höhe von hundert Millionen. Außerdem sollen aus dem Minderdefizit des vergangenen Jahres ZS Millionen entnommen werden. Endlich fallen 135 Millionen durch eine Reichshilfe der Personen im öffentlichen Dienst aufgebracht werden. Der Etat und die Etatsschätzungen des früheren Kabinetts waren in einer Zeit aufgestellt, deren Merkmale auch noch gültig waren für ihre Verabschiedung, aber mit ganz anderen wirtschaftlichen Aus» sichten, als sie zurzeit bestehen. Di« Schätzungen waren zunächst darauf ausgebaut, daß die Zoung'Anleihe sehr viel früher zustande kommen würde und daß man damals von der Placierung der Poung-Anleihe unmittelbar einen erheblichen Aufschwung der llZirlschast. namentlich in Deutichtand erhoffte. Wir stehen vor wirtschaftlichen Erscheinungen, wie sie in dieser Eigenart in den letzten Jahrzehnten nicht bestanden haben. Als die Reichsregierung ihre internen Schätzungen aufstellte, herrscht noch ein gewisser Optimismus in den Vereinigten Staaten, auch bei den amtlichen Stellen. Es hat sich aber gezeigt, daß dieser Op- timisnni? nicht begründet und vielmehr damit zu rechnen ist, daß namentlich in den vereinigten Staaten die Arbeitslosigkeit und- die Erschütterung der Wirtschaft sehr viel längere Zeit dauern wird, als vorher selbst die Pessimisten angenommen haben. Die Krise der Wirtschast hat sich aus die ganze Welt ausgödchnl. Ich erinnere an die außerordentliche Arbeitslosigkeit und den Rückgang des Außenhandels in Japan, an die Auswirkungen der Unruhen in Indien. Ueberall ist eine Arbeitslosigkeit eingetreten in den Monaten einer Saison, in denen normalerweise die Arbcitslosig- feit erheblich zurückging. Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Lage auf dem Arbeitsmorkt in Deutschland nicht so ungünstig, wie vielfach angenommen wird. Trotzdem müssen wir mit einer erheblich höheren durchschnitttichen Arbeitstosenziffer rechnen, als noch vor zwei Monaten. Die Berechnungen beruhen jetzt auf die Durchschnittszifser von l.S Millionen Arbeitslosen. Es ist von entscheidender Bedeutung, daß diese Ziffer durch die Maßnahmen der Rcichsregierung in> Laus« dieses Jahres tatsächlich durchgehalten wird. Die Reichsregierung mußte auf dieser vorsichtigen Schätzung ausbauend sofort darangehen, «in neues Deckungsprogramm auszustellen. Mit der Weltwirtschasts» frife ist verbunden ein« internationale Veränderung des Preis- Niveaus auf der ganzen Linie, am wenigsten allerdings in den Einzelhandelspreisen. Die Preise sollen ollgemein die Tendenz haben, wenigstens die Großhandelspreise, auf das Niveau der B o r k r i« g s z« i t zurückzugehen. Das sind zum großen Teil heute noch Vermutungen. Niemand kann sie richtig beurteilen, wie insgesamt in der Zinaazwelt überall eine außerordentlich unsichere ve- urteilung der Lage und der zukünftigen Entwicklung in den letzten zwei Monaten eingetreten ist für die gesamt« Wirtschoftsentwicklung und damit auch für die jinanziellen Einnahmen des Reiches ist diese Preisentwicklung von ganz ungeheurer Bedeutung. Di« Spanne zwischen Produktions- preisen, Rohstofspreisen und Agrarstoffen ist ganz oußerordent- l i ch geworden. Jede Regierung m irgendeinem Lande der Welt ist angesichts dieser Tatsachen ganz plötzlich vor außerordentlich schwie- rige Aufgaben gestellt. Die Lage ist auch deswegen erschwert worden, weil eine Reihe von Ländern weitere Zollerhöhungen vor- genommen haben, um die drohenden Gefahren aus der geschilderten Entwicklung für ihre eigene Industrie abzuwehren. wir haben es nicht mit einer normalen Krise zu tun, sondern mit einer Krise, die ungeheure Ausgaben aus allen Gebieten schafft, und deren Ueberwindung eine Cebensnolwendigkeit und Schicksalsfrage des deutschen Volkes ist. Diese Reichsregierung hatte es sich zur Aufgab« gemacht, unter allen Umständen vollkommene Klarheit über den Stand der Reichs- „E>chein"behandlung Sin Krankenschein soll demnächst 1,- VI. bi« 1,50 M. kosten. Oer Kassenarzt:.Erst muß ich den Schein untersuchen, ehe ich Sie untersuchen darf". finanzm dem deutschen Volke zu geben, sie glaubt« dazu verpflichtet zu sein, um die Gefahren vergangener Jahr« zu bannen und an- gesichts der Tatsache, daß in den vergangenen Jahren aus Mangel an Einsicht der Parteien� oder aus außen. p o l t i s ch e n Rücksichten nicht sofort bei einer veränderten finanziellen Situation die Initiative ergriffen uno energisch an ein Sanierungsprogromm herangegangen wurde. Die neuen Vorschläge ergeben sich folgendermaßen: der Mehrbedarf für die Krisen« fürsorge beläuft sich auf 162 Millionen Mark, die Minder- einnahmen konnten auf 150 Millionen geschätzt werden bei der Bor- cinschätzung des Etats, obschon sie dort knapp bemessen waren: außerdem sino aus dem Etat'noch 174 Millionen für die Zweck« der Arbeitslosenversicherung bereitzustellen— alles in allein also 4S6 Millionen. Die Abdeckung dieses Bedarfs habe ich schon dar- gestellt. Die vielfach geäußerten Wunsche, die Abdeckung dieser Summe im Etat iin Rahmen des übrigen Programms, das die Reichsregierung für die Sanierung der Wirtschaft und die Gesamt- reform der Reichssinanzen vorbereitet, ist für die Reichsregierung nicht akzeptabel qus einer ganzen Reihe von Gründen. Entscheidend für den Kredit des Reichs und das Ansehen jeder Reichsregierung ist es in erster Linie, daß nicht gerüttelt wird an dem Schuldenlilgungsplan der„Lex Schacht" vor Weihnachten. Diese Ausgab« auf längerer Zeit ,zu verschieben, würde in der ganzen Finanzwelt unseren Kredit erschüttern und den Glauben an den energischen Willen des deutschen Volkes zur Sanierung seiner Finanzen. Es würde auch im Innern Deutschlands zu einer bedenklichen Vertrauenserschütterung führen. Denn man darf nicht unterschätzen: trotzdem unsere Finan.zdebatten früher überschattet wurden von dem schweren Ringen um den Poung-Plan, (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Eisenbahnzug unter Erdmaffen Folgen eines Erdrutsches inIapan.— SvNeisende begraben. London, 28. Juni. Nach Meldungen aus Tokio ist ein E i s e n b a h n z u z bei Uamaguchi durch eine» sehr umfangreichen Vrd- rutsch vollkommen begraben worden. In dem Zug bc» fanden sich fünfzig Reisende, deren Schicksal vor- läufig unbekannt ist. Achthundert Arbeiter sind fieber- Haft mit der Ausgrabung des Zuges beschäftigt, ohne daß es ihnen jedoch bisher gelungen wäre, zu den Pasiagierabteileu vorzudringen. Abmarsch nach Gtraßburg. Brückenlopfgebiet Kehl besahungsfrei. Sehl, 28. Juni. Die letzten französischen Truppen, ein Bataillon des Infanterie- regiments Nr. 170, haben heute Kehl kurz nach 8 Uhr verlassen und sind über die Rheinbrück« nach Straßburg abmarschiert. Da- mit ist das Brückenkopsgebiet Kehl endgültig von der Besetzung srei, Fünf Millionen arbeitslos in Amerika. Protest gegen die Zahlen der Länderregierung. New Park. 28. 3unl.(Eigenbericht.) Die Arbeitskommifsarin des Staates New Purk Miß Per- kln» protestierte gegen die von der Bundesregierung bekannlge- machten Arbeitslofenziffern. die laut Zahlenunterlagen der ein» zelnen Landesteile auf Z Prozent der Totalbevölkerung errechnet wurden. Die maßgebende Wirifchaftierin bezeichnet diese verech- nung als gänzlich irreführend, da nur 40 Prozent der Landesbevölkerung als Arbeitskräfte anzusehen seien und überdies die schwachbewohnten Agrardistrikte berücksichtigt wurden. Die kommissarin beziffert die T o t a l a r b e i t s l o s i g k e i t auf mindestens 1Z Prozent der arbeitenden Bevölkerung oder auf S Millionen und fordert eine ungeschminkle erneute Prüfung der Arbeitslosenzissern. Washington, 28. Juni. Der Vorsitzende des amerikanischen Gewerkschaftsbundes, Wil- liam Green, erNärte, daß etwa 20 Proz. der Gcwerkschastsmit- glieder gegenwärtig arbeitslos seien. Eine Besserung sei erst in, Spätsommer(?) zu erwarten. Wieder aniipolnische Oemonstraiion. Von Kommunisten in Paris. Paris, 28. Juni.(Eigenbericht.) Eine Gruppe von etwa 40 jugendlichen Kommunisten unternahm am Freitagabend kurz vor elf Uhr eine Protestdemonstration gegen die polnische Botschaft in Paris. Unter Schmährufen auf Pilsudfki wurden sämtliche Fensterscheiben des Gebäudes eingeworfen. Nach chrcr Tat suchten die Kommunisten so schnell das Weite, daß die Polizei nur noch das leere Schlachtfeld vorfand.' * Der Anlaß zu dieser Demonstration wird der gleiche fein wis der zu der Kommunistendemonstration vor dem polnischen Konsulat in Berlin: die skandalöse Derurteilui,g von drei polnischen Jung- kommunisten zum Tode, die vor kurzem ein polnischer Gerichtshof wegen Flugblattvcrbrcitung(!) ausgesprochen hat. Gchieles Roggenbroigeseh nach langen Kämpfen im Neichslagsausschuß angenommen. Das Roggenbrotgesetz wurde heute im Ausschuß nach längeren Redekämpsen mit allen Stimmen gegen die der Kam- munisten und der drei Vertreter des Böckereigewerbes angenommen. Der Kernpunkt d-s Gesetzes, der Verkauf nach Gewicht, fand eine Mehrheit trotz aller Einwände, die besonders die Wirt- schajtspartel dagegen ins Feld führte. Gegen den Antrag der So- zialdemokratie wurde die60prozentige Ausmahlung beschlassen, gleichzeitig wurde vom Ernährungsinimstcr eine Er- höhung des Kleiezoltes in nahe Aussicht gestellt, damit der oermehrte Klcteanfall nicht preisdrückend wirken kann. Stheinland- SSefreiungstaler ItlU der llmfchriH ,S)er Sthein Stentfch- lands Strom, nicht heulfchlands Qrens.e' trerden am 1. Juli Erinnerung smün&en im Werte ton 3 und 5 ättfL herausgegeben Kohlenkonveniion abgelehnt. Durch Haltung der Rerchsregierung Mehrheit nicht erreicht. Genf. 28. Juni.(Eigenbericht.) Die Internationale Arbeitskonferenz hat�heute morgen mit 93 gegen keine Stimme bei einer Anzahl Enthaltungen die Zwangsarbeitskonvention angenommen Vor der Schlußabstimmung über die Konvention für die Ar- beitszeit der Kohlenbergleut« gab der Vertreter der deutfchen Regierung. Ministerialrat Sitzler, eine Erklärung ab, in welcher aus- geführt wurde, daß die deutsche Regierungsvertretung sich der Stimme enthalten werde, weil die Konvention die Ge- Währung von Ueberzeitarbeit aus wirtschaftlichen Gründen nicht berücksichtigt habe. In der darauf folgenden Abstimmung, welche 79 Stimmen für und 49 Stimmen gegen die Konvention aufbrachte, wurde sodann die erforderliche Zweidrillelmehrheil(7Z) nicht erreicht, und der Präsident mußte erklären, daß die Konvention verworfen sei. Daraus setzte eine kurze lebhaste Debatte ein. Der deutsch« Regierungsvertreter stellte sofort den Antrag, die Frage der Arbeits- zeit der Kohlenbergleute auf die Tagesordnung der n ä ch st e n Arbeitskonferenz zu stellen. Der englische Regierungs- Vertreter unterstützte diesen Antrag. Er erhob jedoch dabei gleichzeitig starke Vorwürfe gegen die deutsche Regierung, weil sie es verschuldet habe, daß die Konoendion in dieser Konferenz nicht zustande gekommen sei. Unterstaatssekretär Shinwell führte dabei aus, daß in der Kommission die Arbeitergruppe und die britische Regierung der deutschen Regierung sehr weitgehende Zugeständnisse gemacht haben und es wäre deshalb sehr bedauerlich, daß die deutsche Regierungsoertretung ihrerseits wegen einer Frage von unter- geordneter Bedeutung sich der Stimme enthalten und damit zur Verwerfung der Konvention geführt habe. Die Schuld für dieje Verwerfung falle deshalb ganz auf die deutsche Regierung. Der belgische Arbeiteroertreter Dujardin machte ebenfalls in einer kurzen Erklärung die deutsche Regierungsvertretung für die Verwerfung der Konvention verantwortlich. Der deutsche Regierungsverteter, Ministerialdirektor Sitzler, erwiderte auf die Vorwürfe, daß diese besser unterblieben wären. Die deutsche Regierungsvertretung hätte bei der Beratung der Konvention genügend Beweise davon gegebci' daß sie mit bestem Willen für die Regelung der Arbeitszeit de'' Kohlenbergleute eintrete. Einen'weiteren Beweis liefere sie jetzt dadurch, daß sie die W i e d e r b e h a n d l u n g der Frage schon im nächsten Jahre beantrage. Wenn die Frage der Ueberzeitarbeit im allgemeinen nicht von besonderer Wichtigkeit sei, so müßte die deutsche Regierung aber erklären, daß diese Frage sür sie— also für Deutschland— von ganz großer Bedeutung sei, weshalb es auch durchaus gerecht- fertigt war, daß sie sich der Stimme enthalten habe, nachdem in der Frage der Ueberzeitarbeit keine Verbesserung der Konvention sich als möglich erwies. Der französische Regierungsvertreter Fontaine unterstützte ebenfalls kurz den deutschen Regierungsantrag für die Neubehand- lung der Frage im nächsten Jahre. Dogegen Hot der italienische Regierungsvertreter de Michelis die Auffassung vertreten, daß, wenn die Konferenz jetzt beschliehe, die Frag« der Arbeitszeit der Kohlen� bergleute auf die Tagesordnung der nächstjährigen Arbeitskonfcrnz zu setzen, dies nur in dem Sinne geschehen könne, daß es sich um die erste Lösung der Frage handele. bat ein so hohes Kassendefizit eine Erschütterung des Vertrauens im eigenen Volke herbeigeführt. Das ist keine Schuld der damaligen Regierung gewesen, die zur Zeit von Anteiheverhandlungen vielfach, auch durch die Bemühungen der Kreuger-Anleihe, das Kassendefizit gedeckt hat. Aber schieben wir noch einmal die rücksichtslose Canie- rung der Finanzen auf, dann ist es möglich, daß wir in einem späteren Zeitpunkt die weiteren intnernationalen Finanzverhandlungen ebenso haben, wie die Sachver- ständigen nach Paris gegangen sind, nämlich daß, wenn uns Forderungen gestellt werden, wir nicht wegen unserer Finanzlaa« imstano« sind, abzulehnen, sondern gezwungen sind, nachzugeben. Das Ziel und das Programm der Reichsregierung ist aus lange Sicht hinaus, die schwer erkaufte Freiheit von der Kontrolle zu er» halten und zu sichern, auch die außenpolitisch« Freiheit für die nächsten Jahre zu stabilisieren: daß der llebergang von dem früheren System der Kontrolle zur Freiheit der Finanzgebarung vom deutschen Volke noch nicht vollkommen verstanden wurde, braucht nicht zu wundern, aber es ist unsere Pflicht und Aufgabe, darauf aufmerksam zu machen und von, ersten Augenblick an mit zähem Willen dafür zu sorgen, daß die Konsequenzen dieser Freiheit in den I n st i n k t der parlamentarischen Körperschaften eingehen. Ziehen wir jetzt die Tilgung wieder ausemander, so kommen wir wieder in die Situation, wo Jahr für Jahr ein Sanierungsprogramm aufgestellt wird, aber die Versprechungen nicht durchzuführen sind. Es ist auch entscheidend für die poli- tische Entwicklung Deutschlands, daß wir festhalten an der un< bedingten Bereifftellung dieser Fonds für die Finanzfamerung und für die Umstellung des Finanzsystems, wie es die Reichsregierung für den Herbst vorbereitet. Der Glaube an eine absolut sichere, absolut und restlos verantwortungsvolle Finanzpolitik ist die Vor- ausfetzung, daß die übrigen TIaßnahmen der Reichsrezgierung zur Behebung der wirtschaftlichen Lage durchgeführt werden können. Was ist das Ost Programm, wenn es nicht gelingt, die Kredit« zu erhalten. Was ist das Arbeitsbefchasfungsprogoamm, wenn der Glaube an die Kreditsicherheit des Reichs und an den festen Willen zur Finanzreform erschüttert wird? Diese Abdeckung des Defizits ist die Voraussetzung, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Der Komplex der gesetzgeberischen Maßnahmen, der jetzt noch zum Teil im Reichstag für agrarpolitifche Zwecke vorliegt, muß noch abgeschlossen werden durch ein Standardisierungsgesetz, das die Reichsregierung in den nächsten Tagen oerabschieden wird. Dann sind die inneren Fragen für die Landwirffchaft im wesent- lichen abgeschlossen. Dann kommt eine andere Frage, die uns Sorge macht, da» Frachtenproblem und die Sicherung der Finanzloge der Reichsbahn. � Die Reichebahn schätzt ihr Deftzit in diesem Jahre auf S99 Mil- lionen. Deckung durch Tariferhöhung würde nicht zu einer Erleichte-- rung der Wirffchoft und zur Senkung der Produktionskosten führen. Wir müssen das gesamte Frachtenproblem auf der Schiene und auf der Straße gegeneinander abstimmen und helfen, daß die Eisenbahnen in der Lage sind, ihre Verpflichtungen zu erfüllen, ohne dauernd bei der schwankenden Wirtschaftslage zu neuen Tariferhöhungen zu kommen und dann wiederum die Wirt- ffchoft Mehr zu belasten und die Arbeitslosigkeit zu fördern. Die Tendenz der Reichsregierung auf Senkung der Preise und der Produktionskosten kann nicht einen Erfolg haben— auf lange Sicht gesehen—, wenn nicht nach gesenkten Preisen auch tatsächlich für die betreffenden Werke der Auftragsbestand sich mehrt und der Erfolg gerade der rationalisierten Wirtschaft sichergestellt werden kann. Auch für die Behebung des Pessimismus in der Bevölkerung ist es von entscheidender Bedeutung, daß dieses Arbeitsbeschaffungsprogramm durchgeführt wird. Es muß gelingen— und wir find der Ueberzeugung, daß es ge- lingen wird—, dadurch zu einer langsamen Besserung der Wirtschaft zu kommen. Im Zusammenhang mit der Vergebung der Aufträge des Arbeitsbeschaffungsprogramms wollen wir zu einer weiteren Senkung der Preise kommen. Schon 4926, wo wir eine partielle Krisis hatten, die deswegen verhältnismäßig leicht über- wurden werden konnte, weil die übrige Welt aufnahmefähiger war, hat man sich enffchlosfen, ein Arbeitsbeschaffungsprogramm aufzu- bauen. Wir müssen unter allen Umständen jetzt dieselben Maß- nahmen— allerdings mit anderen Methoden ohne Erschlltte- rung und Belastung des Etats— durchführen. Daß die Deckungsoorfchläge der Reichsregierung nicht populär sind, darüber ist sich die Reichsregierung klar. Aber weder Anleihen noch Steuererhöhungen kommen jetzt in Frage. 13S Millionen Mark sollen durch die Reichshilfe der Beamten gedeckt werden. Der Grund zu diesem formal leicht zu kritisierenden Vor- schlag ist ein psychologischer, aber auch ein rein etatsmäßiger. Psychologisch: angesichts der ungeheuren Arbeitslosigkeit und der Tendenz zu sinkenden Löhnen würde es praktisch sehr schwer sein, die Ruhe aufrechtzuerhalten, wenn man all die Lasten einer ungünstigen weltwirlschastlichen Konjunktur ausschließlich aus einzelne wenige Schichten werfen würde: Diese Reichshilf« stellt gerade so wie die 199 Millionen Ersparnisse am Etat— tatsächlich kommt eine Ersparnis von 135 Millionen an öffentlichen Ausgaben heraus— eine außerordentlich milde Form dar. Die Reichsregierung war gezwungen, auch' die Beamten der 'Länder und Gemeinden, der Eisenbahn und der Post heranzuziehen. Ich bin der Ueberzeugung, die Beamtenschaft wird selbst einsehen, daß dieses Opfer'im Rahmen all der Opfer, die den verschiedensten Berufsständen zugemutet werden, notwendig ist, und daß sie sich diesem Opfer nicht versagen wird in der vollen Erkenntnis, daß gerade eine solche befristete Form einer Er- sparnis an den Pcrsonalausgabcn für die Beamtenschaft zweifellos die mildeste überhaupt aufzufindende Form ist., Die Rcichsrcgicrung muß an diesem Deckungsprogramm fest- halten, auch an feiner zeitigen Erledigung, wenn nicht dasselbe passieren soll, was sich In den vergangenen Zähren oft ereignet hat, daß man nämlich durch die Aufschiebung von unbedingt sofort notwendigen Deckungsinaß- nahmen die Situation für die spätere Zei� erheblich erschwert hat. Hätte man beispielsweise im vorigen Jahre die Erhöhung-der Ar- beitslosenoersichcrungsbeiträge schon im Juni vorgenonnnen, so würde das Defizit der Reichsanstalt nicht jetzt durch eine, so ge» waltige Erhöhung der Beiträge gedeckt werden müssen. Alles, was in einem entscheidenden Augenblick versäumt wird, muß später mit erheblich größeren Lasten nachgeholt werden. Das ist das ganze Ergebnis der deutschen Finanzpolitik der letzten Jahre. Wir müssen b-re-«h< t> trn* dem System der vergangenen Jahre, wo wir glaubten, j auf Grund eines vielleicht noch vielfach günstigen Zustandes auf der ganzen Linie Ausgaben aufzustellen, die aus die Dauer nicht zu ertrqgen sind. Mix müssen einsehen, welche Ausgabemöglichkeiten vorhanden sind, und danach muß' sich unbedingt die Politik der Reichsregicnmg in den nächsten Jahren richten. Weil die Freiheit, die'wir teuer erkauft haben, die Freiheit von der Kontrolle, uns dazu zwingt, uns unter allen Umständen zu sichern gegen Wieder- holungen von Zuständen, wie ich sie angedeutet habe, bei künftigen internationalen Finanzverhandlungen. Wir müssen unter allen Um- ständen jetzt den Mut haben, das zu tun, was uns nach Ansicht der Reichsregierung über die Kulmination der Schwierigkeiten, über den Berg hinüberbringt. * Diese Rede wurde mit größter Aufmerksamkeit angehört. Beifall war nicht zu hören, ist im Reichsrat auch nicht Sitte. Im Anschluß an die Kanzlerrede sprach Reichsfinanzminister Dietrich über das Deckungsprogrvmm.(Vgl. 4. Seite.) Die Aufnahme im �eichsrai. In der Besprechung über die Vorschläge der Reichsregierung kam eine einheitliche Stellungnahm« der Länder nicht zum Ausdruck. Wohl war die Stimmung für die neuen Vorschläge der Regierung bedeutend günstiger als für die früheren Vorschläge Moldenhauers. Es darf angenommen werden, daß das Gefamtprogramm der Regie- rung im Reichsrat eine Mehrheit findet. Das jetzige Programm ist auch nur al»«in vorläufiges bezeichnet, als ein Auf- räumungsprogramm, weiter« finanzpolitische Maßnahmen wurden in Aussicht gestellt. Zto'chsfdi gegen Krankenkassen. Äerschlechterungsgeseh angenommen. Der Reichsrat hat heute das VerschlechterungS- g e f e tz gegen die Krankenkassen angenommen.(St hat dabei die Gebühr für einen Krankenschein von 1»— M. auf 50 Pf. herabgesetzt, den vorgesehenen Bei- trag zu den Arzneikosten aber btlassen. Schwere Llnwetter in Kanada. Eisenbahnkatastrophen.— Nahezu 100 Tote. Rem Park, ZS. Zuni. Furchtbare Gewitter stürme, die von schweren Hagel- schlagen begleitet waren, wüteten in den südlichen Provinzen Kanadas, besonders in Onlario. Durch Blitzschläge und Hagelkörner, die ein Pfund wogen, sind 53 Menschen getötet worden. Der Sachschaden ist sehr groß. Auch in den angrenzenden Rordstaaten der Bereinigten Staaten von Rordamerika, besonder» im Gebiet der großen Seen, haben heftige Gewitter gewütet: dabei wurden 3 3 Personen gelötet und 12 verletzt. Als Folge der Ueb«rschwemmungen haben sich Im Staate O n t a r i o verschiedene schwere Eisenbahnkatastrophen ereignet. Aus der Strecke Toronto— winnlpeg ist ein Ekpreßzug der kanadischen Eisenbahn am Freilag 100 Meilen westlich von Capero im Rorden der Provinz Onlario entgleist. Durch die schweren Regensälle der letzten Wochen war der Bahnkörper an verschiedenen Stellen unterwaschen, wodurch einige Wagen des Expreßzuges sich in voller Fahrt überschlugen. 5 Personen, darunter 4 Kinder, wurden g e l ö l e t. 21 andere wurden verletzt. Ein anderer Zug der tana- dischen Rationaleisenbahn ist vorher fastanderselben Stelle verunglückt. Dabei wurden 6 Tramps(Schwarzfahrer) g c- lötet. Ein dritter Zug Halle im Süden der Provinz Onlario einen ähnlichen Unfall zu verzeichnen. 3n der Rachbarschaft von Ludbury sind die Ueberschwemmungen besonder» stark. Groß-Kreuher Mörder verhasiei? Sin verdächtiger pole bei Jüterbog festgenommen. Jüterbog. 28. Zun!.(Eigenbericht.) heute früh wurde aus der Chaussee zwischen der Ortschasl Marke nkirchen und Züierbog ein Pole festgenommen, von dem man bisher annimmt, daß es sich um den flüchtigen Mörder von Groß-Kreuh. den Zljährigen Polen Stanislaus kocharski Handell, dem am 39. Mai zwei Menschenleben zum Opfer sielen. Ein' Oberlandfägerineister und zwei Landjägermeister, die sich auf einem Patrouillenritt befanden, sahen in einer Entfernung auf der Chaussee einen Mann, der beim Näherkommen der Beamten einen Seitenweg einschlagen wollte. Auf Anruf blieb der Mann jedoch stehen und als die Beamten feine Taschen durchsuchen wollten. riß sich der Fremde plötzlich los und flüchtet« querfeldein. Der Fluchtversuch war aber erfolglos, denn fchvn nach wenigen Minuten holten die Polizeibeamten den Verdächtigen ein, der sich in einem Gebüsch hinter einem Kleefeld versteckt hatte. Bei der Flucht hatten die Beamten beobachtet, wie der Mann mehrmals etwas von sich warf. Als die Beamten der Spur noch einmal genau nachgingen, fanden sie einen Revolverlauf, den dazugehörigen Kolben und Patronen. Die Waffe hatte der Mann zerlegt in der Tasche getragen. Da jeder Widerstand nutzlos gewesen wäre, ließ sich der Mann festnehmen. In Jüterbog wurden in seinem Besitz Papiere gefunden, die auf verschiedene Namen lauten und offenbar gefälscht sind. Wie die Iüterbogcr Polizeiverwaltung er- klärt, paßt die Beschreibung auf den flüchtigen Groß-Kreutzer Mörder bis in�alle Einzelheiten. Inzwischen haben sich vom Berliner Polizeipräsidium mehrere Kriminalkommissare nach Jüterbog begeben, um die näheren Fest- stcllungen zu treffen._ Generalstreiks in Spanien. Nach Sevilla, Granaba und Bilbao. Aus Sevilla wird berichtet, daß die Arbeiter der Munitionswsrke, der Tabakfabriten sowie verschiedener anderer Betriebe im Bezirk Triana die Arbeit wieder aufgenommen haben. Die Ruhe und Ordnung in den Straßen werde von der Bürgcrwehr ausrechterhalten. Kundgeberumzüge wurden zerstreut und viele Personen verhaftet. Auf Besehl der Behörden bleiben alle Trinkstätten geschloffen. Während in Sevilla völlige Ruhe eingetreten ist und die Stadt ihr ursprüngliches Bild wieder angenommen hat, haben die Streiken- den in Malaga ihre Arbeit am Freitag morgen zwar überall normal aufgenommen, sie aber«ine halbe Stunde später wieder ge- schloffen niedergelegt. Die noch über 1999 Streikenden bildeten neuerdings einen Demonstrattonszug. Aus der Menge wurden mehrere Schüsse auf die Offizier« der Bürgerwehr abgegeben. Ber- schiedene Trupps junger Burschen, die sämtlich« Schaufenster der Stadt zerschlugen, wurden von der Polizei mit blanker Waffe aus- cinandergetrieben. Perletzte sind nicht zu verzeichnen. In Gckanada wurde am Freitag der Generalstreik erklärt. U nru Heft örun gen sind bisher nicht vorgekommen. In Bilbao streiken die Hochofenarbeiter. Hier ist zu Montag ebenfalls Generalstreik angekündigt worden. D e r K u r s der Peseten ist an den hiesigen Börjea neuerdings ftark gefallen. Oer Regenmacher. Der holländische Professor Veeort, der sich in der letzten Zeit durch seine Bemühungen, auf künstliche Weise Regen zu erzeugen. einen Namen gemocht Hot, kommt in«inigen Togen nach Berlin, um auf Einladung mehrerer landwirtschaftlichen Gesellschasten seine Experimente hier vorzuführen. Da der Regen für die Landwirt schast von größter Bedeutung ist, und die Möglichkeit, in Jahren der Dürr« die Natur aus künstlichem Wege zur cherabsendung von Niederschlägen zu zwingen, eine kaum üdersehbare Tragweite Hot, so ist es selbstverständlich, daß nicht nur die Landwirte, sondern die ganze Welt an diesen Bemühungen das größte Interesse hat. Bei den heidnischen Völkern gab und gibt es heute noch Regengötter, die in Zeiten der Dürre angerufen lverden. Die Naturvölker haben sogenannte„Regenzauberer", die als Regenmacher dos größte An- sehen genießen. Oft verstehen diese Zauberer aus Grund ihrer meteorologischen Kenntnisse Regen vorauszusagen, und wenn dann tatsächlich Regen fällt, dann gelten sie bei den unwissenden Natur- Völkern als Wundermänner. Auch in Deutschland gab es früher Bittgänge und Prozessionen um Regen, und in vielen Provinzen sind sie auch heut noch nicht völlig ausgestorben. In Deutschland haben auch die sogenannten„Regenmädchen" ihren Ursprung, die heut« noch aus dem Balkan, besonders in Serbien und Bulgarien vielfach angetroffen werden und die die Gabe haben sollen, Regen herbeizuziehen. Diese jungen Mädchen werden nur mit Laub und Blumen bekleidet und tanzen in diesem Aufzuge auf den Straßen an heißen und trockenen Sommertagen, wobei sie von Zeit zu Zeit mit Wasser Übergossen werden. Als Erfrischung dürfte diese Be- gießung recht angenehm sein,«in« Wirkung auf die Gestaltung des Wetters wird sie ober kaum haben. Die modernen„Wettermacher" gehen viel rationeller und wissen- schaftlicher vor. Sie stützen ihre Bestrebungen auf die Annahm«' daß die meteorologischen Vorgänge wie Regen, Gewitter und Sturm entweder selbst elektrische Erscheinungen sind, oder durch elektrische Einflüsie hervorgerufen werden. Der erste, der auf wissenschaftlichem Wege das Wetter zu beeinflussen sucht«, war der amerikanische Meteorologe A. I. Davis, der die Elektrizität zur Beeinflussung des Wetters zu Hilfe nahm, ohne fedoch Erfolge zu erzielen. Seil mehreren Jahren macht der deutsche Privatgelehrt« Heinrich Iohannscn-Malente umfangreiche Versuche, um das Wetter in seiner Art zu beeinflussen. Diese Versuche wurden zuerst auf dem Jakobs- bcrg an der Westfälischen Pforte ins Werk gesetzt und später in Plön. Dos preußisch« Landwirtschastsministerium und mehrere wissenschaftliche Institute interessierten sich für diese Arbeiten, die auf der Auffassung beruhen, daß positiv elektrisch geladene Luft warmes Wetter erzeugt, wahrend negative Luftladung Kälte bringt Mit Hilfe von Akkumulatoren und Empfängern, die auf möglichst hoch gelegenen Orten, also auf Bergen, Türmen und aus hohen Häusern aufgestellt werden müssen, will Johannsen durch Entsendung positiv geladener Gase in den Weltenraum das Wetter beeinflußt hoben. Er kann nach seiner Anschauung noch Bedarf Regen er- zeugen und ebenso schönes Wetter machen, je nachdem die Landschaft entweder Regen oder schönes Wetter braucht. Angeblich hat er mit seinen Maßnahmen bereits Erfolge erzielt und ist damit beschäftigt, die Apparate zur Wetterbeeinflussung noch weiter auszubauen. Diese Versuche stehen nicht einzeln da. In Australien wurden bereits im vorigen Jahre durch Flugzeuge Versuche gemacht, mit Hilfe von elektrisch geladenem Sand Regenwolken zu erzeugen, da Australien unter der Dürre furchtbar leidet. Aehnlich« Versuche hat man in Philadelphia und Los Angeles unternommen. Es fragt sich nur, ob ohne jede Wolkenblldung auf diese Art Regen erzeugt werden kann. Prof. Beeart hat seine Versuche gleichfalls mit einem Flugzeug gemocht, und zwar verwendet er pulverisiertes Eis, das auf Minus 78 Grad Celsius gekühlt ist. Diese Eispulver schleudert« er am Strande von Scheoeningen gegen den Himmel, halte aber keine Erfolge, solange der Himmel unbedeckt war. Einen Tag später, als sich Wolken zeigten, soll er tatsächlich auf diese Weise künstlich Regen geschaffen haben. Allerdings ist Regen bei Wolkenbildung nicht gerade eine besonders künstlich« Erscheinung, sondern ein natürlicher Vorgang. Sollten die Arbeiten, von Johannsen oder Beeart wirklich erfolgreich sein, dann würden sie für die künstliche Bewässerung der Wüsten von größter Bedeutung werden. OieStuhlbeinschlachtamKriedrichsham 10 Verletzte ins Krankenhaus gebracht. Wie bereits im Morgenblatt des„Vorwärts" berichtet. wurden bei der blutigen Schlägerei, die sich gestern abend zwischen Kommuni st en und Nationalsoziali st«n im Saalbau Friedrichshain abspielte, etwa 25 bis 30 Personen zum Teil erheblich verletzt. Bierseidel, Stuhlbeine usw. waren'die Massen, mit denen die Gegner solang« aufeinander einschlugen, bis die Polizei energisch durchgriff und dem Handgeinenge«in Ende bereitete. Der Saal zeigte deutliche Spuren des blutigen Kampfes. Zerbrochene Bier- gläser und zertrümmerte Stühle lagen massenhaft umher. Zehn Personen mußten in das nahegelegene Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. Neun von ihnen konnten nach Anlegung von Notverbänden entlassen werden, während ein weiterer Verletzter mit schweren Wunden bedenklich da- niederliegt. Nach d«r Räumung des Versammlungslokals versuchten sich in der Umgegend des Friedrichshains wiederHoll größere Trupps zu sammeln, die von der Polizei immer wieder aus- einandergetrieben werden mußten. Ein starker Patrouillen- dienst sorgte später dafür, daß es zu keinen weiteren Zwischenfällen mehr kommen konnte. Martyrium der Schwiegertochter. Die Schwiegermutter erwürgt. Der Abschluß eines erschütternden Dramas spielle sich gestern vor dem Landgericht l ab. Die Angeklagte Ella M., ein uneheliches Kind, wurde bei den Großeltern erzogen. Sie war sehr begabt, lernte gut, fand eine Anstellung und lernte im Jahr« 1920 den jungen Expedienten M. tennen. Das Liebesverhältnis stieß bei der Mutter des jungen Mannes auf Widerstand. Die Frau Postsekretär war bemüht, für ihren Sohn eine gut« Partie zu finden. Im Jahre 1920 verlobten sich die jungen Leute. Als die Mutter davon erfuhr, verbat sie der zukünftigen Schwiegertochter das Haus, mußte aber schließlich klein beigeben. Im Jahre 1928 starb der Postsekretär. Im Juli 1929 fand bip Hochzeit statt. Jetzt begann dasMartyriumderjungenFrau. Die Schwiegermutter gab der Schwiegertochter zu verstehen, daß sie ohne Mitgift in die Ehe gegangen sei. Sie stichelte und demütigte sie bei jeder Gelegenheit, und machte sie beim Mann« und bei den Nachbarn schlecht. Sie erhielt vom Sohne das Wirtschaftsgeld, die Schwieger- tochter mußte jeden Pfennig erbetteln. Besonders schlimm wurde das Verhältnis zwischen den Frauen, als die Schwiegermutter von einem Wäschekauf auf Abzahlung erfuhr. Um diesem Leben ein Ende zu machen, beging die junge Frau mehrfachSelbstmord- versuch«: einmal wollte sie sich vom Balkon hinunterstürzen;«in anderes Mal steckte sie sich den Gasschlauch in den Mund. Sie wurde gerettet, als sie aus dem Krankenhaus zurückkam, verweigerte die Schwiegermutter ihr das Haus. Eines Abends wurde sie tatsächlich aus der Wohnung ausgesperrt und konnte sich nur mit Hilfe eines Schupobeamten Einlaß verschaffen. Der Mann war im Grunde gut zu ihr, in Gegenwart der Mutter aber wie ausgewechselt; er stand surchterfüllt ganz unter Einfluß der alten Frau. Der Ausgangspunkt des tragischen Ereignisses vom 0. Februar d. I. bildete die Geburtstagsfeier der Schwiegermutter. Sie hatte ihre Schwiegertochter an diesen, Tage wieder in unerhörter Weis« gedemütigt; auch deren Freundin O. gegenüber sie der Herumtreiberei bezichtigt. Die jung« Frau stellte in Gegenwart der b. die Schwiegermutter zur Rede und forderte Genugtuung. Während des Wort- Wechsels packte sie ihre Beleidigerin und schüttelte sie heftig an den Schultern. Beide Frauen kamen zu Fall, die Angeklagte wandte, wie sie behauptet, einen Iiu-Iitsu-Griff an, um die Schwiegermutter am Schreien zu verhirtbern. Ihre Hand formte sich zum Würge- griff, dem die alt« Frau erlag. So schildert« die Angeklagte ihre Tat. Ihre Aussagen machten«inen glaubwürdigen Eindruck. Ihre Erzählung wurde immer wieder durch Tränenergüsse unterbrochen. Das Gericht verurteill« die Angeklagte zu 1 Jahr Gefäng- n i s unter Anrechnung der Untersuchungshost und unter Zubilligung einer Bewährungsfrist für die restlichen sechs Monat«. Die Auf- Hebung des Haftbefehls wurde verweigert. Ltralzeff-Maljewski. Gr will in Berlin abgeurteilt werden. Der am Donnerstag oerhastete Russe Alexander Uralzeff führt, wie sich jetzt herausstellt, diesen Namen zu Unrecht. Er heißt in Wirklichkeit Alexander Maljewsti, ist am 23. November 1890 in R« v a l geboren und behauptet, von dem General I n d e n i t s ch die Erlaubnis zur Führung des Namens Uralzeff erhalten zu haben. Als vor dem Untersuchungsausschuß des Landtags einmal die Frag« an ihn gerichtet wurde, ob er tatsächlich Uralzeff heiße, hat er charakteristischerwesse die Aussage verweigert. Bisher hat er un- angemeldet in der Helmstedter Straße in Berlin-Wilmersdorf gewohnt. Maljewskt wird cheute noch von der Staatsanwaltschaft, zu- nächst in großen Zügen, vernommen werden. Er ist bekanntlich auf Ersuchen der Dresdener Staatsanwaltschaft festgenommen worden, nachdem er«inen Arzt in Berlin und einen Kaufmann in Dresden bewogen hatte, ihm größere Beträge zu leihen. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Sandak hat den Antrag gestellt, Uralzeff nicht ent- sprechend der Ersuchen der Dresdener Stoaisanwaiffchoft, nach Dresden zu transportieren. Dr. Sandak verlangt vielmehr, daß der gesamt« Fall der Staatsanwaltschaft in Berlin zur Untersuchung übergeben wird.____ Parteitag ganz geheim. Etalins Sieben-Stunden-Rede. Uloskau. 28. Juni. Der politssche Bericht Stalins auf dem kommunistischen Partei- tag füllte Morgen- und Abendsitzung und dauerte sieben Stunden. Stalin analysiert««ingehend die internattonale und die innere Lage der Sowjetunion sowie die Probleme der Partei. Nach Beendigung des Berichts wurde Stalin ein« langandauernde, stürmische Ovo- t i o n bereitet. Das Präsidium des 10. Sowjetkongresfes beschloß, sämtliche Sitzungen geheim stattfinden zu lassen und auch keine Der- treter der Press«, weder des Jb- noch Auslandes, zuzulassen. Di« Press« soll lediglich durch das Informationsbüro unterrichtet werden. Nur an Veranstaltungen festlicher Art ist Pressever- tretern die Teilnahm« gestattet. Nach der Rede Stalins haben die Moskauer und Leningrader Parteiorganisationen einen Antrag eingebracht, der Stalin das vollste Vertrauen und den Dank für sein« Verdienste um die Er- startung der proletarischen Diktatur ausspricht. Die Bildergalerie in Sanssouci. Neben Schloß Sanssouci erhebt sich auf dem ehemaligen Wein- berge, als Gegenstück zur Orangerie gegen den Obeliskeneingang ein langgestreckter eingeschossiger Vau, in der Mitte von einer Kuppel gekrönt. Man geht ohne besonderen Hinweis leicht an dem hinter dichten Anlagen versteckten Gebäude vorüber, und doch gehört diese ganze Partie mit ihren Springbrunnen. Laubengängcn und Terrassen zu den schönsten Teilen von Sanssouci. Es ist die afte Bildergalerie, die Friedrich II. 17SS bis 4764 von I. G. Düring bauen ließ; ein ausgezeichnetes und in vieler Hinsicht interessantes Werk. Die Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten hat in ihrem rühmlichen Bestreben, das alte Hohenzollernfche Kunstgut im unsprünglichen Zustand wiederherzustellen und der Keffentlichkeit zugänglich zu machen, sich auch dieses fast vergessenen Kleinods wiedek angenommen. Man kann dieser Zkunstbehörde ein« glückliche Hand in ihren Unternehmungen nachrühmen. Wenn die Potsdamer Schlösser und Parks zu neuem Waltruhm erwacht und wahrhaft volkstümlich geworden sind, ja fft das zum guten Beil ihr Perdienst. Di« Bildergalerie Friedrichs II. war im 19. Jahrhundert durch staatliche Eingriffe um ihren Reiz gebracht worden; vor»llein waren 1829 die wertvollsten Bilder in die öffentlichen Museen übergeführt worden. Jetzt hat man das einst Verschleuderte von überall her, einen Teil auch aus dem Kaifer-Friedrich-Mufeum, wieder hergeholt und den ursprünglichen Zustand von 1770 mit geringen Ausnahmen wieder hergestellt. Elisabeth H e n s ch e l- S i m o n hat das Hauptoerdienst daran. Am 20. Juni wurde die in den alten Stand versetzte Galerle mit einer anmutigen Feier wieder eröffnet, zu der Kultus- minister Grimme die Vertreter von Kunst, Dichtung und Wissenschaft geladen hatte. Eine gut gewählte Folge musikalischer Vorträge begleitete das Fest, dessen Rahmen die köstlich« Archstek- tur Dürings abgab. Die Besucher von Sanssouci werden fortan neben dem Schloß auch die Gemäldesammlung Friedrich- II. in der alten Gestalt sehen können. Das einzigartige an diesem Fall ist die vollständige Erhaltung des alten Zuftandes. Es gibt in Deutschland keine andere Galerie aus dem 18. Jahrhundert mehr; diese ist die einzige, die sich als Bau und als Galerie so vollkommen konserviert hat. Das Kostbare daran ist die Einheit eines hervorragenden, in spätem Rokoko weiß und golden dekorierten Saalraumes mit den zwei Reihen übereinandergehängten Gemälden, vor allein Vlomen und Italiener des 17. Jahrhunderts. Die Stimmung de- 18. Jahr- Hunderts ist kaum in Sanssouci selber so rein und stark zu emp- finden wie in dieser Lieblingsschöpfung des Preußenkömgs. Dsul Schmidt. „Schmeling-Sharkey." Marmorhaus. Das ganz« Programm verrät ein« direkt peinlich wirkend« Ver- lcgenheit/ Das Theater hat keine Kapell« zu seiner Verfügung, das Publikum aber lehnt stumme Film« ohne musikalische Illustration ab und daher müssen recht schlecht« amerikanisch« Tonfilmschmarren das Beiprogramm füllen. So sitzen„Auf Feuerwache" stocksteif wie unmoderne Schaufenster- puppen, mit ängsttich schielendem Blick nach dem Kapellmeister, die Feuerwehrleute und singen Lieder über Lieder. Als dann endlich Feueralarm geschlagen wird und etwas Bewegung in die Sache kommt, da ist der Film zu Ende. Die„Klugen Kakadu' sind ein« vorzügliche Dressurnummer. wenn es auch höchst überflüssig ist, Kakadus ein Gewehr tragen und eine Kanone abschießen zu lassen. Aber, was hat denn nun die Tierdressur mit dem Tonfilm zu tun? „Auf der Walze" ist eine rein« Barietenummer, die gleichfalls im Tonfilm völlig versagt, weil die Farbe und das persönliche Er- leben fehlen. Nachdem das Borprogramm die Stimmung nahezu in Lang- weiligkeit erstickt hatte, kam endlich der Kampf Schmeling-Sharkey. Er ist für den Poxsport ein Dokument, für die Zuschauer aber wird er durch den unmöglichen Ansager zur Katastrophe. Der erlaubte sich nämlich zu viel«„Tieffchläge" gegen den guten Geschmack, so daß ein Teil des Publikums in helle Empörung ausbrach. Das..aber brachte die unentwegten Max-Schrneling-Freunde in kochend« Wut. Sie schrien:„Halten Sie doch Ihren Bauch hin", darum fehlt« nicht »iel und es hätte im Luxuskino Marmorhaus unter den Zuschauern eine solenne Keilerei gegeben. Auf jeden Fall war der Blick in den wogenden Zuschauerraum interessanter als der Blick auf die Leinwand. e.d,. Hundekämpfe beim Schmuggeln. Kämpfe zwischen den Hunden der Zollbeamten und der Schmugg- ler finden jede Woche an der französifch-belgischen Grenze statt. Durch die dichten Wälder jagen die Schmugglerhunde, meist Schäfer- Hunde, um das Tabakmonopol zu durchbrechen, das der französischen Regierung jährlich Einnahmen von 500 Millionen Mark' bringt. So hoch ist der Tabakpreis in Frankreich und so niedrig in Belgien, daß ein Mann 40 bis 00 Mark in einer einzigen Nacht verdient, wenn er 20 bis 30 Pfund Tabak durchschmuggelt. Ihm selbst wird das bei der scharfen Aufficht nicht leicht, aber sein Hund ist so gut abgerichtet, daß er spornstreichs über die Grenze rennt, wo er von einem Helfershelfer in Empfang genommen wird und sein« kostbare Last abliefert. Wenn die Zollbeamten einen solchen oierfüßigen Schmugg. ler erblicken, dann schicken sie ihm ihre eigenen Hunde noch, und dann kommt es zwischen den gut dressierten Tieren häusig zu schweren Kämpfen. In den Jahren 1928 und 1929 wurden 307 Schmugglerhunde getötet, Hauptsächlich von den Hunden der Zollpatrouillen, und nach dem letzten Bericht des französischen Finanzministeriums sind jetzt 1007 Hunde im Zolldienst aus dieser 350 Kilometer langen Grenze. Doch nicht immer ist es der Hui des Gesetzes, der siegt. Medor, einer der Hundeoeteranen der Zoll- behörden und Sieger in Dutzenden von Schlachten, ist jetzt aus dem Felde der Pflicht gefallen. Er starb in einem furchtbaren Kampf bei Dalenciennes, den er mit einem„bewaffneten" Schmugglerhund ausfocht. Zehn Minuten wogte die Schlacht hin und her, und als die Zollbeamten auf dem Schauplatz erschienen, fanden sie Medor schwer verletzt durch die nadelscharfen Stacheln, die am Halsband des Schmugglerhundes angebracht waren, der nach Erledigung seines Gegners mit großen Sätzen flüchtet«. Jüdische Hochschule in polen. In L u b l i n ist vor einigen Tagen«ine mosaische talmudistssche Schule eröffnet worden, die den Charakter einer Hochschule haben und das größte Institut dieser Art in der ganzen Welt sein wird. Der Eröffnung gestaltete sich zu einer großen Feier, in erster Linie für die örtliche jüdische Bevölkerung und.zahlreiche aus dem Auslände eingetroffene Vertreter des Judentum». Die nolnisch« Regierung hotte zur Eröffnungsfeier sine Vertretung entsandt. Das Hochjchulgebäud« hat 120 Hörsäle und andere Räume, ein Internat für die Studenten und eine talmudistssche Bibliothek, die bereits 30 000 Bände zählt. Der verein Berliner Künstler beabsichtigt die in der Uhland- straße gelegen« Villa de» Kunstsammlers Böhm als Ver- eins- und Klubhaus anzukaufen. Da der Derein aus dem Verkauf des Künftlerhaujes mehr als 3 Millionen Mark vereinnahmt hat, könnt« er die Summe von 800 060 M., die für die Böhmsch« Villa verlangt wird, bezahlen. Die Kausverhandlungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Charlie Chaplins Kampf gegen den Tonfilm. Charlie EHaplin ist bekanntlich einer der eifrigsten Verteidiger des stummen Films. Nach einer Meldung aus Hollywood haben ssch Douglas Fairbanks sowie John Gilbert ihm angeschlossen und«s ist ihm gelungen, eine Reih« von Kapitalisten für die Gründung einer neuen Gesellschaft, die ausschließlich stumm« Film« herstellt, zu gewinnen. Das ge- samt« ihnen zur Verfügung stehende Kapital beträgt 50 Millionen Dollar. Wirkung der Farben aus Nervenkranke. Di« Jahre zurück- liegenden Versuche Dr. Zellers mit' der Wirkung der Farben sind von dem italienischen Arzt Dr. Ponza in der Irrenanstalt von Messandria in umfangreicher Weise nachgeprüft worden. Dr. Ponza berichtet, daß in einer mit»Rot ausgeschlagenen Kammer einine schwere Fälle von Depression geheilt werden konnten. Durch Ge b wurden Lähmungszustänbe gelindert, dagegen erweist sich das Gejb bei Fieber als schädlich und führte zu Delirium und akuten Em- Zündungen Blau erwies sich als lindernd und kühlend für Er- regungszuftände, erzeugte jedoch bei zu reichlichem Gebrauch Mc- lancholie. Orange wirkte anregend und gesundheitsfördernd. Malve- färben und Violett erzeugten Schlaf. Grün wirkt als Betäubun's- mittel. Leningrad über 2 Millionen Einwohner. Am l. Junx d. I. sind in Leningrad 2 000 400 Einwohner gezählt worden, darunter 985 006 männlichen und 1 020 000 weiblichen Geschlechts. Damit hat die ehemalige Hauptstadt Rußlands ihreg Bevälkerunasstand von 1912 wieder erreicht, während sie im Jahre 1910 bereits 2 400 000 Einwohner auswies._ Professor Elfried Bock, Schiller Wölfilin« und seit 1303 in den Berliner Museen tätig, ist zum Direktor des Staatlichen KuPserstichkabmettS ernannt worden. Dietrichs Deckungsprogramm. Gparmöglichkeiien.— Preissenkung. vor dem veichsrul führte Reichefinanzminifter Dietrich über die Einzelheiten des Rcgierungsprogramms aus: Für die Arbeitslosenversicherung wird bei Annahm« von 1.6 Millionen Arbeitslos«» im Durchschnitt ein Bedarf von l,65S ZNilliorden bestehen. Daoon sind durch de» 3i4pro.zent!zen Beitrag gedeckt 1,015 Milliarden, durch den bisher vorgesehenen Zuschutz des Reiches 150 Millionen, durch die Zuwendungen aus dem Re- servefonds der Bank für Industrieobligationen 50 Millionen. Endlich war vorgesehm, daß aus der lex Brüning 30 Millionen zugeschossen werden sollten. Diese werden aber tatsächlich für den Zuschuß nicht in Betracht kommen, da das Lohnsteueraufkommen die geschätzte Höhe nicht erreicht hat. Es sind an dem Bedarf gedeckt 1.215 Milliarden, und es fehlen noch 443 Millionen. Bon diesem Fehlbetrag sollten durch Erhöhung des Bei- t r a g s um 1 Proz. für acht Monate 104 Millionen eingebracht werden, durch die R e f o r m der Arbeitslosenversicherung, die jetzt dem Reichstag zugegangen ist, 115 Millionen, insgesamt also 309 Millionen. Run hat aber Minister Stegerwald in den letzten Tagen darauf hingewiesen, daß diese Rechnung nicht ganz stimmt. weil sowohl die Durchführung der Beitragserhöhung als auch der Reform sich so verzögert hat. daß der errechnete Betrag daraus nicht eingeht, zumal auch der Reichsrat bei der Reform durch einen Aenderungsbeschluß den Ertrag um 6 Millionen herabgesetzt hat. Es werden also im ganzen 40 Millionen fehlen,, und der Er- trag aus Beitragserhöhung und Reform verringert sich auf 269 Mi!- lionen Es bleiben noch aufzubringen 174 Millionen. Dos ist der erste Fehlbetrag, den wir zu decken hoben. Dazu tritt der Fehlbetrag aus der Krisensürsorgc. Man hatte mit 150 000 bis 200 000 Unterstützungsberechtigten gerechnet, tatsächlich wird man aber mit einem Jahresdurchschnitt von 400 000 rechnen müssen, so daß der Bedarf aus 300 Millionen steigt. Außer- dem soll entsprechend dem Borschlag des Borstandes der Reichs- anstalt das Reich 11 Millionen von den Berwaltungs- tostenübernehmen. Der Bedarf für die Krisenfürsorge hat sich um 150 Millionen erhöht und mit den 11 Millionen für die Ber- waltungstosten sind demnach 161 Millionen zu decken. Außerdem wird man mit einem Mindereingang bei den Einnahmen von 150 Millionen rechnen. Bon diesen Mindereinnahmen fallen 100 Milli- onen auf Zölle und Verbrauchsabgaben und 50 Millionen auf die Umsatz-, Vermögens- und Körperschastssteuer. Die Fehlbeträge sind also bei der Arbeitslosenversicherung 174 Millionen, bei der Krisen- fürsorge 150 Millionen plus 11 Millionen Verwaltungskostenbeitrag, dazu kommt die Mindereinnahin« von 150 Millionen, so daß uns im ganzen 485 Millionen fehlen/ Dabei ist die Beitragserhöhung um 1 Proz. und der Ertrag der Reform schon einkalkuliert. Zur Deckung dieses Fehlbetrages ist einmal vorgesehen die Reichshilfe der Personen des öffentlichen Dienstes. Darunter find verstanden die Beamten nicht nur des Reiches, der Länder und Gemeinden, sondern auch die der öfsent- lich-re�tUchen Körperschaften. Ferner die D a uc ra n g est e l l t e n der öffentlich-rechtlichen Körperschaften, die Pensionäre, aber nicht die Witwen und Waisen. Es ist eine Freigrenze gesetzt von 2000 Vkark Jahreseinkommen, auch die Kinderzulagen(240 Mark) sind freigemacht. Bei den Dauer- angestellten des Reiches und der ösfentlichen Organisationen beginnt die Zahlungsverpflichtung erst bei 3600 Mark, weil diese Angestellten der Arbeitslosenversicherung unterliegen. Die Höhe der Reichshilse ist auf 2Vq Proz. für die Bezüge festgelegt. Vom 1. August 1930 bis zum 31. März 1931 soll diese Reichshilse einen Ertrag erbringen von 135 Millionen Mark. Es sind also zwei Momente, die uns vor die gegenwärtige schwierige Lage geführt haben. Zluf der einen Seite das Rach'assen der Steuereingänge, das besonders bedrohlich ist bei den Zöllen und bei den Verbrauchssteuern, sodann die Mehrkosten, die durch die wachsend« Arbeitslosigkeit verursacht werden Wenn man genau zusieht, wird man sagen dürsen, daß ein großer Teil des zu er- wartenden Steueraussalls vor allen Dingen gilt das von den Verbrauchssteuern— auf die Arbeitslosigkeit zurückzuführen ist, so daß also dies« auch für das verminderte Steueraufkommen die Ursache darstellt. Wenn im Reichsetat die Gesamtausgaben rund 1 1 Mi M i ll iarden betragen, so sind darin zunächst enthalten die K r i e g s. l a st e n, aus deren Höhe die Sparsamkeit keinen Einfluß hat im Betrage von rund 2200 Millionen, die Ausgaben für den S ch u l de n d i e n st im Betrage von 1060, die Pensionen und die K r i e g s b e s ch ä d i g t e n- R e n t e n im Betrag« von 1760 und endlich die Ueberweisungen an die Länder, die gesetzlich festgelegt sind, im Betrage von 3600 Millionen. Bon der dann noch verbleibenden Summe von rund 3000 Millionen sind feststehend« Gehälter einschließlich der Bezahlung des Rcichsheeres 860 Millionen. Es beschränkt sich also die Sparmöglichkeit aus 2140 vlillionen. In dieser Summe sind über eine Milliarde für soziale Zweck« (Zuschüsse zur Invalidenversicherung und Erwerbslosensürsorge! enthalten. In dem verbleibenden Restbetrag von rund einer Mil- liarde sind noch enthalten für die Bürobedürfnisse, für die Bau- Unterhaltung, für Reisen, sür Umzug, für Bewirt- s ch a f t u n g von Grundstücken, für Pibliotheken, überhaupt sür alle sächlichen Verwaltungsausgaben eine Summe von 166 Millionen in der gesamten Reichsverwaltung. Das ist also der Posten, an welchem man zunächst sparen kann. Der nächste Posten wäre die Bauten und die B e s ch a f- f u n g e n und sonstige sächliche Ausgaben, die bei dem großen Ausgaberessort bestehen. Solang« man nicht die Gehälter der Be- amten und Angestellten angreist und sonstige bestehend« gesetzliche Verpflichtungen nicht ändert, beschränkt sich also die bewegliche Summe des Etats auf eine runde Milliarde. Hiervon 100 Millionen einzusparen, ist wahrhaftig eine schwere Aufgabe. Es muß endlich einmal öffentlich gesagt werden, daß von diesem Betrage nicht von heute auf morgen Hunderte von Mil- lionen abgesetzt werden können. Ich bin mir darüber im klaren, daß die Durchsetzung der vorgesehenen Ersparnisse nur möglich ist, nachdem das Kabinett sich einstimmig darauf festgelegt hat und ferner dahin schlüssig gemacht hat, wenn eine Verständigung unter ten Ressorts die erforderliche Summ« nicht ausbringen sollt«, die Zlbstriche dann in einem kurzen Derfahren, über dessen Einzelheiten hier nichts gesagt zu werden braucht, erfolgen. Wie weit im nächsten Jahre etwa der Etat des Reichs beschnitten werden kann, hängt nicht von dem Willen des Finangministers ab, sondern davon, ob es mög- lich ist, das A r b« i t s g« b i e t zu verringern und damit dann an solchen Kräften zu sparen, die nicht im Beamlenverhältnis stehen. Im Gegensatz zu den bisherigen Ansichten ist die Lost der Be- amten wesentlich erleichtert, und es ist nur das Alleräußerste, was man unbedingt von ihnen braucht, genommen. Außerdem ist jede Verbindung mit der Arbeitslosenversicherung ge- l ö st und es ist der Forderung der Beamten Rechnung getragen, die höheren Ein>.mmen mit heranzuziehen, was allerdings nur in einem beschränkten Maße geschehen ist. In diesem Punkte haben wir unsere bisherig« Stellung geändert. Im übrigen ist die gesamte Aktion beschränkt auf das laufende Etatsjahr. Man würde aber den Ernst der Lage verkennen, wenn wir unsere heutige Berhandlung auf diese Ausfüllung der Lücke des Etats beschränken wollen. Für das ganze Volk und auch für die von den neuen Steuern Betroffenen ist sehr viel wichtiger eine lieber- legung darüj�r, wie wird es weitergehen! Da ist zunächst festzu- stellen, daß das Reich nicht in der Lag« ist. in nächster Zeit irgend- welche, auch noch so geringfügige weitere Ausgaben zu übernebmen, im Gegenteil, sich auf weiteren Abbau besinnen wird und muß.� Das zweite ist die'Feststellung, daß wir die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nicht zu übersehen vermögen und daß wir infolgedessen auch nicht wissen, weil die Arbeitslosigkeit zugleft) Stillstand und Leerlauf der Wirtschaft be- deutet, ob die Schätzung der Steuerausfälle wirklich zutreffen wird. Da aber die Steuerausfälle das Sekundäre und die Arbeitslosigkeit bzw. die schlechte Lage der Wirtschast das Primäre ist, so konzentriert sich das Problem aus die Fragedcr Bekämpfung der Ar- beitslosikeit. Soll diese ernstlich bekämpft werden, so sind drei Dinge vonnöten. Erstens Ordnung der Finanzen und damit Wiederherstellung des Vertrauens in die deutsche Wirtschaft und des Vertrauens der deutschen Wirtschaft in ihre Entwicklung. Zweitens Herstellung der deutschen Konkurrenzfähigkeit und drittens Zlrbeitsbejchasfung. Ueber die Arbeitsbeschaffung, soweit das Reich hier mitwirken kann, hat der Kollege Stegerwald gestern das Nötige gesagt und Sie werden daraus ersehen haben, daß hier große Dinge im Werke sind. Mit der Reichsbahn schweben Verhandlungen, bei denen ein Eingehen auf die Pläne der Reichsregierung erhofft werden darf. Die Rcichspoft ist entschlossen, zunächst Aufträge in Höhe von 200 Millionen heraus- zubringen. Ein Wohnungsbauprogramm zur Vcr- st ä r k u n g des Bauwesens ist in die Weg« geleitet. Verhandlungen über die Sicherung von Geldern für beschleunigten Ausbau des Straßenwesens und für die werteschaffend« Arbeits- lofenfürforge stehen vor dem Abschluß. Aber das sind Rot- be helfe, die vielleicht hinreichen, die Zahl der Arbeitslosen so zu beschränken, daß wir mit den jetzt vorgesehenen Mitteln auskommen können. Di« viel wichtigere Frage ist die, ch e» gellngk. die Presi« hermiterzubekommen. Das gilt vor allen Dingen auch von den Preisen und Pro. du kti ans kosten der Bauten, die am stärksten über. t e u e r t sind. Darüber hinaus hat der Reichsarbeitsminier eine weittragende Vorlage über die Reform der Krankenversicherung gemacht. Man kann gegen alles Bedenken haben, aber bei den ungeheuren Lasten, die heute die Arbeitslosenversicherung vcr- ursacht, muß daraus gesehen werden, an anderen Punkten der sozialen Lasten zu sparen. Die Ersparnisse haben ober nur einen Zweck, wenn sie tatsächlich zur Verminderung der Bei- träge verwendet werden. Direkt nützt das den Reichsffnanzen nichts, aber Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden entlastet. Wir sehen also, daß man auch vor einschneidenden Maßnahmen auf sozialem Gebiet nicht Halt gemacht hat. Der Kampf geht nicht allein darum, einige 100 Millionen neu aufzubringen, um den gegenwärtigen Nofftand zu beheben, sondern er geht darum, endgültig« Auseinandersetzungen zwischen Reich. Ländern und Gemeinden zu ermöglichen, die Ordnung der Finanzen zu schassen, welche die Voraussetzung für ein« fruchtbare Tätigkeit der Wirtschast sind. Ich kann im gegenwärtigen Augenblick nicht von den alten Plänen sprechen, die aus Steuersenkungen hinaus- gehen. Zum Versprechen ist die Lage des Reiches und feiner Finanzen zu ernst. Ich kann das um fo weniger tun, solange wir nicht die Eni- Wicklung in der Weltwirtschast und auf dem Weltmarkt übersehen können. Die Arbeit, die wir vor uns haben, vollzieht sich in zwei Etappen. Die erste ist die Verabfchieknmg der vorliegenden Gesetz» entwürfe, die zweite ist die generelle Neuordnung un- seres Finanzausbaues. Das deutsche Volk hat schon schwierigere Zeiten überwunden als die gegenwärtigen. Trotzdem jede Partei an unseren Vorschlägen das eine oder das andere nicht gut findet, habe ich das Vertrauen zum deutschen Volke, daß es noch soviel gesunde und opferwillige Teile in sich birgt, daß wir an seiner Zukunft nicht zu verzagen brauchen. Die weiteren Verhandlungen der Ausschüsse waren oertraulich. Kriegsschuld und Kriegsächtung. In einer Erklärung des Ar- beitsausschusfes deutscher Verbände zur Rheinlandräumung und dem Unterzeichnungstag von Beffailles heißt es:„Nach den 1914 geltenden Grundsätzen des Völkerrechts war der Krieg als Mittel der Politik erlaubt: deshalb fehlt der Versailler Kriegsschulüthese die rechtliche Begründung. Die wissenschaftlich einwandfreie, nicht �durch politische Zwecksetzung behindert« Aufhebung der Kriegs- 'ursachen bedeutet einen Schritt weiter aus dem Wege zu Kriegs- ächtung und Kriegsverhinderung.* Wetter für Berlin: Ziemlich heiter und am Tage wieder wärmer; nachlassende westliche Winde.— Für Deutschland: Wieder größten- teils trockenes Wetter mit neuer Erwärmung. ..Volk und Zeit-, unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Theater der Woche. Vom 29. Juni bis 7. Juli. Volksbühne. Theatce im BSllwvlitz: Julius Caesar.' Staatsthealer. vper Unter de» Sinde»! 29. Die ssrau obne Schatten. 30.. 4. und 7. Di« Traiancr. 1. Tannhiiuser. 2. Chrisloph Colunrbui. 3. La Traviata. Ab S. Juli «-schlössen. Oper am Platz der Republik: 29. Dan Giovanni. 30. Ri«olett». l. und 3. Neues vom Tage. 2. Die Zplederinau» 4. Carnren. Ab S. Juli«»schlössen. Städtische Oper: 29. Ein Maskenball. Ad 30! Juni«eschlossen. Staatitdeaier: 29. und 3. Musik. 30., 1. und 4. Gustav Adall. 2. Zaust, I. Teil. Ab ä. Juli geschlossen. Schillcr-Theatcr: 29.. 2. und 3. Der Mann mit dem Klepper. 30.. l. und 4. Scherz, Satire, Ironie und tictere Bedeutung. Ad ö. Juli geschlossen. Thealer mit festem Spielplan: Deutsche« Theater: Phaea.— Kanrmerspiele: Krach um Leutnant Blumen- tbal.— Die Kamädi«: Wie uxrde ich reich und gltieklich.— Theater in der Strrsemanastrasse: Meine Schwester und ich.— Kamabicnhau«: Eeschlosien.— Theater de» Weste»»: Der Bettclstudent.— Kamische Oper: Lieb« und Trompetcnblascn.— Deutsche» KSnstlcrtheater: Ich tanze um die Welt mit dir.— Lelfing-Zheater: Der tzaun.— Theater am Kottbusscr T-r: Ab l. Heideröslein.— Theater in der Behrenstrahe: Mein Vettcr Cduard.— Metropal-Theater: Mit dir allein auf einer einsamen. Insel.— Die Zribsin«: Skandal im Savon. Ab 31. geschlossen— Reuaissauee-Theater: Di« Wunder- Bar.— Rase-Zheater: Die andere Seit«.— Schlatzpark-Theaier Steglitz: Ein Walzer von Etrausi. Ab l. Der Kiinigsleutnant.— Wintergarten, Skala: Internationales Variete. Erflaufführnngen der Woche: Montag. Rose»Thcoter: Die andere Seit«.— Dienitag. R e p u- b I i k o p c r: Reue» vom Tage.— Operettenhaus: Darilbcr kommt kein Mann hinweg.— Schlosspark. Theater Steglitz: Der Königs- leutnant. Verontwortl. fsir die Redaktion: Wolfgan« Schwarz. Berlin: Anzeigen: Th.»loche, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S.. Verlin. Druck: Vorwärt» Buch- druckerci und Vcrlagsanstolt Paul Singer& Co.. Berlin SW SS, Lindcnstrassc 3. Hierzu l Beilage. ».Ii in» Zenir. 2819 Roudiea ir iitl Sonnaban» u. Sanntag j» 2 Vnratallunga« 4 und 8U Uhr. 4 Uhr kleine preise Täqi. S u. S15 Soini. 2. i, 8» A ex. E 4. 8046 Internationale Attraktionen Sonnabend Japanisches [irschblüten-Fest| Geishas Japanische Gaukler ligshlwara ImBIDtEnschmnckl Japan-Revue FEUERWERK! Sonntag; Wiederholung Nachm. Uap.Tnget-Feuorwerk Abds.; Gr.Brillnnt-Fnuarwerk fwiffr VolKsbiUtne Timttr>« Bölnwplali. SV« Uhr Julius Gassar Ragia; Iirl Daio: Hirtin Staat). Sdiiller-Di. T'h Uhr Der mann mit dem Klepper OeDtsdiei neater 1 2 WeidiBdanm 5281 8 Uhr Phaea «cm Frit* v. Unruh. Rega Max Reinhardt Mnü: FriadM Hillanilir. Eibanh'Mar Ens) Sdictti. Die Komödie II Bi«mck.2414/7SI« 8% Uhr Wie werde idi teidi Oed jMlidi? Gl lann Ii II ttitilnin m Falii Joadrauo. Hnik na Hiidia tgalianh. Digia: tridi EagaJ BOtinenbilder UMgUa« Kammerspiele 8 2 Wekliodunm 5201 9 Uhr Gistspid dtrSpulspiniin- sdutt Berliner Sduuspieler Krach um Lautnant Blumenthai von Alfred Herzog. Sommerprelse BarDOWskHDhoen mal« In Ser Slrcscraannsir. Täglich 8>- Uhr MeiDB Sdiwester uDdidi Musik v.RjlpliBeMtzky pfeuswerte ISrijnupngy R�taifönt Berlins BETRIEB i KEHPIHSKn Iheater d. Westeos Täglich SVi Uhr: Der BetteMlenl Direktion Dr. Robert Klein Denlsehes Kflnstier-Tbeal. Barbarossa 3937 Täglich 8Vj Uhr „Idi tanze um dleWeltmit dir" im Sintün Sdliflsr Inik: Friidridi Dalliadn Rqli: Haos Sratm Kr. Dr. Marti» Zickel Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich S'd Uhr liebe und Trompeten' blasen Scholz/Wtstermncr/ fiokler| Jihrbcdr/ Haid/ Bcbritdi Melropol-Th. 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Juni 1930 AprAbmÄ SjuUaulfaJßa UyitüarA J)et Hund Ttfiomctö(1HÜH$et& Eine Hutoxic aus dem(fyauexn&xieq/ Tom ö&kax WsfoCo Die C-Hronik berichtet, daß, als der thüringisch« Schwarmgeist Anrio Domini 1525, Mitte Maien, mit dreihundert Mann seiner Leibwache und acht Feldgeschützen im Eilmarsch von Mühlhausen nach dem Baucrnlager vor Franken Hausen zog, um dem dort festsitzenden hellen Haufen wider den Grasen Ernst von Mansseld, den Tyrannen von Heldrungen, zu Helsen, er«inen großen schwarzen Hund mit sich führte, der besonders darum au-fsiel, weil er einäugig war und weil ihn bis zu diesem Tage noch keiner bei dem Streiter Gottes gesehen Haitis Die Chronik berichtet des ferneren, daß dieser schwarze, außer- gewöhnlich groß« Hund höchstwahrscheinlich niemand anderes ge- wesen sei, als der leibhaftige Satanas selber, dem sich Münzer, der entlaufene Mönch, seinerzeit behufs Weltgeltung verschrieben habe, und der nun, kurz vor Ablauf der Paktfrist, in eigener Person gekommen wäre, sich der Seele des verdammten Ketzers zu ver- sichern und sie bei geeigneter Gelegenheit dahin abzuholen, wohin sie noch der Meinung der frommgebliebenen und um ihr« selten Pfründen zitternden Diener der Kirche schon längst gehörte: näm- lich in die allerunterst«, allerseurigste Hölle. Nun, so genau die Chronik auch sonst die Tatsachen und gerade die Kleinigkeiten auszeichnet, in diesem einen Punkte zeigt« sie sich schlecht unterrichtet: denn Thomas Münzers Vierbeiner hatte mit dem Gottseibeiuns nicht das mindeste zu tun: wennschon zugegeben werden muß, daß dieser anscheinend aus dem Nichts zugelaufene Hund in den letzten vierzehn Lebenslagen des Reformators«in« Roll« spielte, die geeignet erscheint, die Behauptung mancher Mystiker zu erhärten, es gäbe Ding«, die so sein und so geheimnisvoll sind, daß sie sich den groben, unvollkommenen Sinnen des Menschen und seinem tappigen Zugriss entziehen. Jedenfalls ist Tatsache, daß dieser Hund genau in dem Zeit- punkte austaucht«, da Thomas Münzers jäh erstrahlender Stern im Zenith seiner atemoevschlageuden Bahn stand. Freilich, wer die Geschichte und ihr« mannigfachen Verwicklungen näher kennt, weiß, daß dieses plötzliche Auftauchen des schwarzen Hundes nichts Wunderbares an sich hatte. Ganz und gar nicht! Dieser Gesell Vierfuß war weiter nichts anderes �ils «in Pfand, von Züni, dem rothaarichten, pockennarbigen Schweizer hinterlassen, den Münzer mit neunhundert Gulden nach Nürnberg geschickt hatte, um bei den Fuggern Pulver für den Bundschuh«in- zuHandeln. Denn Gejchlltze waren für die Bauern erreichbar, die tonnten sie stürmender Hand nehmen. Aber an Puloer mangelt« es. Das fabrizierten die Gran-Abwieger in den Gewölben der großen Städte und gaben'? gegen bar Geld an jeden ab, der zu zahlen vermochte, mochte er Freund sein, mochte er Feind sein. Wie es unruhiger Zeiten Lauf ist, in der selbst das am festesten Gefügte schwankt, die Freundschaft: der ausgeschickte Schweizer kam nie wieder, weder mit den neunhundert Gulden, noch mit dem an- deren Pulver. Lediglich sein Hund blieb da, gleichsam zum Ange- denken, und schloß sich seinem neuen Herrn weit enger an als < seinem früheren und wurde, wie sich bald zeigen wird, sogar Mün- zers Schicksal. Denn als am 19. Mai die von allen Seiten herangerückten Fürsten mit ihrem Begehr, Münzer und seinen gesamten Anhang ausgeliefert zu erhalten, von der im Lager von Frankenhausen ver- sammelten Bauernschaft abgewiesen worden waren, da warfen die Herren, wie das so ihr« Art ist, von sich die geschworenen Zusiche- rungen, zu Scherben sie zerbrechend, und gössen aus die schwarzen Kübel des Verrats. Während die gutgläubigen Bauern sich noch in„gutem Stillstaich und Frieden' wähnten, da plötzlich trachten und donnerten aus ein verabredetes Zeichen von allen Seiten die Geschütze der' Fürsten, die Falkonette, die Kartaunen, die Mörser und Feld- schlangen in die umzingelt«, verräterisch Überfallene Schar. Schauerlich rollten und sausten die Steinkugeln in die dicht massierten Hausen, ganze Rechen der Ahnungslosen niederreißend, sie zermalmend, sie zerschmetternd und die Uebrigbleibenden lähmeich mit hündischer Furcht. Pulvcrqualm verdeckte die Szene. Die Wagenburg wurde an vielen Stellen zerrissen vom Feuerstrahl des unaufhörlich Verdorben speienden gutbedientcn Geschützes. Die aufgestachelten Landsknechte drangen«in durch die Breschen und ein Gemetzel ohne gleichen ging an, ein Ueberswrz von Blut, ein Abschlachten, wie es die Geschichte kein zweites Mal m«hr kennt. Wie Tiere im Schlachthof wurden die in regungslosen Klumpen beieinandevstehenden Bauern jämmerlich ermordet, erstochen, er- würgt, und, falls sie sich wandten, von den Hufen der Ritterpferde und der der Reisigen zertrampelt. Wohl setzten sich einige aus dem weichenden Hausen tapfer zur Wehr, als die erst« Schreckstarre vorbei war. Aber die Mehr- zahl, todgeängstigt, ließ olles im Stich, Freund, Bruder, Fähn- lein, Gewasse und stob davon, wie im Herbstwirbel die Versamm- lung dürren, windgetriebencn Buchenblattes. Auch Münzer, so sehr er sich stemmt«, vermocht« die allgemeine Panik nicht zu dämmen mit seinem weichinhallendcn Wort. Ehe er sich'S versah, war er, der oberste Führer, selber mitgerissen von dem Angststrom, der mit Elementsgewolt losbrach und sich nach den rottenden Mauern des nahen Städtleins Frankenhausen ergoß. Und eben hier, wo Münzer. hart bedrängt, vor der verfolgen- den Reiterei sich in ein Haus nah« dem Nordhäufsr Tor geworfen hatte und dort verborgen hielt, wunde sein Versteck verraten von dem winselnden, sich wie toll gebärdende» schwarzen Hund, der, aus sezncn mächtigen Hintertäusem stehend, mit scharrenden Pfoten schier die Bcdenkammertüre auskratzt« und so dem Hungerknecht des lüneburgischen Ritters, der in ollen Winkeln und Vcrfchlägen pach Beute späht«, das Edelwild geradezu vor die Hellebarde trieb. Was nützt« es, daß, als Münzer vor die verhörenden Fürsten �etyebeu wurde wie e» Stück Weh, in die Weich« getreten, ge- stoßen vom Spießschast, der Hund unterwegs in einemfort auf- heulte vor Freude, seinen Herrn wieder zu haben, der ihm im Schlachtgetümmel abhanden gekommen war, aufheult« und aber- mals ausheulte vor Hundslust, ihm wieder nah zu sein! Was nützte es, wenn er, des Freudengeheuls müd, Herrn Thomas die derb- gefesselten, blutunterlaufenen Hände leckte, um ihm seine stürmisch« Liebe zu beweisen! Die Gurgel hätte er ihm durchbeißen müssen mit seinem scharfen, unerbittlichen Doggenzahn! Das wäre die einzige rechte Liebe gewiesen: denn das hätte Thomas Münzer all den unendlichen Jammer erspart, der jetzt aus ihn einschlug mit der Wucht einer zusammenkrachenden, mit dem Donnerton einer einstürzenden Welt. Der Fürsten breit« Nüstern hatten Blutdampf gerochen. Sie waren im Uebermut des Sieges, im Anblick der höchsten Beute, zu Tjeren verwandelt, zu Wieseln, zu Iltissen, zu vor Gier stinken- lllllllllllllllllllllllllUlllllllllllMllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllWIIIIIWWWIMWIlWIWWIllllllllll ä)er 9$auer Daß ich ein Bauer bin, das wissen alle, so weit die Welt ist und so groß! Doch meiner lacht und spottet man; denn ich bin nur ein Bauer, ein armseliger Bauer. Lesen und schreiben bann ich nicht, nicht gehl glatt meine Zunge; denn ewig nur pflüge und säe ich. Ich bin ja nur ein Bauer, ein armseliger Bauer. Nur bückend ich mir Brot verdiene, muß ertragen Gebell und Gekeif, und von Festen nur seifen weiß ich; denn ich bin nur ein Bauer, ein armseliger Baue- Meine Kinder hungern nach Fleisch und Brot. Zerrissen sind meines Weibes Schuhe. Ich habe kein Geld für meine Bedürfnisse; denn ich bin nur ein Bauer, ein armseliger Bauer. Der Schweiß, der bittre, rinnt in meine Augen. Ob ich jung bin, ob ich alt bin, schuften muß ich, wie am Karren der Arbeitsochse; denn ich bin nur ein Bauer, ein armseliger Bauer. Da nackt ich bin, muß ich umkommen wie im dunkeln Wald der Sauerampfer, muß, wie ein Hund, die Welt verlassen; denn ich bin nur ein Bauer, ein armseliger Bauer. Doch: trotzdem nur kurz ich leben werde, wird meine Ewigkeit sein so groß, so groß! Niemals, Brüder, kann ich vergessen, daß ich ein Mensch bin, ich, ein Mensch, obwohl ein Bauer! Und jeder, der mich danach fragt, wird von mir nur hören einen Schrei: Trotzdem die Herren meiner spotten, werde ich ewig leben; denn ich bin ein Bauer. Aus dem Weißrussischen des Jas Kupala. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiniiinmiiuini den, schlagadevdurchbeißenden Frettchen, spitzmäulig, zahnglitzernd, unersättlich in ihrem Rachedurst. Da Münzer, vor ihren qualheische»che» Augen aus der Folter- bank liegend, ausschrie vor Wahnsinnsschmerz, als der Henker an- fing ihn zu strecken und ihm die Knochen aus den Gelenken zu drillen, in denen sie siebenundzwanzig Jahre ihres Lebens unoer- sehrt geruht hatten, dq höhnten die Zobelgemäntelten:„Wie hast du Uns vor kurzem erst zugeschrieben. Mann Gottes? Ich will die hellen Posaunen mit neuem Klang erfüllen! Höre, Thomas, er tönt Uns lieblich, der Klang!' Als der Daniederliegend« nichts bekannt«, ließen sie ihn weiter- foltern. Stunde um Stunde, mit immer neuer, unerhörterer Qual. Aber trotz aller Schmerzen, die sie für ihn in ihren verderbten Ge- Hirnen erfanden, trotz aller Quälinstrumente, die sie auf ihn ein- stechen ließen, vermochten sie doch nicht, seinen Willen zu brechen. Blut konnten sie ihm entreißen, aber keines seiner Geheimnisse. Münzer redet« nicht. Er quatschte nichts aus. Nur sein Ge- sicht verzog sich im Taumel der Qual wie zu einem irrsinnigen Gelächter. Und irrsinnig war zuletzt auch das Geschrei, das Gebrüll eines gewarteten Leibes, das sich wie ein aufbäumendes Pferd an den Gewölben des tiefen Turmes stieß, und das zur Begleitung das aller Ohren zerreißende Geheul des Hundes hatte, der seinem Herrn in die Folterkammer nachgekrochen war und nun mitheult«, angehörts des Leids der geplagten Menschkreatur.' Nachher, als der gräulich Zerschundene im Durstbrond des Wundfiebers zwölf große Kannen Wassers aussoff und zurückfiel auf sein Lager aus stinkigem Stroh, schmerzgesteilt, allein, und doch bei der geringsten Bewegung von den hundert scharfen Ge- lenken der Kette umrasselt, da war es wieder der von allen ver- gessene Hund, der aus allen Vieren herankroch, selber wie ver- prügelt, die Hand des Jllchtigers fürchtend. Da war es wieder der Hund, der bei ihm war in seiner tiefsten Verlassenheit, der ihn umschnob, wie«ine Ticrmutter ihr Kind, der ihm sorgsam die Ränder der klaffenden Wunden beleckte. In der Nacht gar, gebüttelt, geschüttelt, geknllttelt vom Schmerz des Körpers, vom Leid der Seele, vom Fieberwohn des Geistes, da schien Münzer des Hundes einziges Auge, dos opalhaft glänzte, das immer größer und größer wurde und ins Himmelhaft« wuchs. der. Mood einer verwunschenen, in Schrecken verfangenen Welt zu sein. Aber ein Himmelsmond, der nicht kältete, sondern der tröstete. Ein Himmelsaug«, das Kenntnis gab von der Nähe eines lebendigen, miffühlendcn Wesens. Und Münzer, in seiner unsäg- lichen Not, von ollen Menschen verlassen, schnaufte den strengen Ruch des Tieres«in als die letzte Verkündigung Gottes. So sehr es der Schm«rzg«martete auch erflehte, diese Nacht war nicht seine letzte. Nein! Noch viel«, viel« Qualstationen hatte er in der Hand seiner Peiniger zu bestehen, mehr als Christus auf seinem Weg zum Caloarienberg. Wer der schwarz«, einäugig« Hund war bei jeder dabei. Er folgte dem Schmerzensmann wie der eigen« Schatten. So auch am 30. Mai, als Thomas Münzer, angeschmiedet an einen elenden Bouernwagen, in den Ring geführt und dortselbst, im Angesicht von achttausend bewaffneten Männern, dem Nach- richter überhandet wurde. Di« Stätte, daraus der Schwergesesselte stand, troff von Blut. Denn zuvor waren 70 aus Münzers verlorenem Haufen«ings- brachten Bauern vom Henker die aufrührerischen Schädel vor die Füße gelegt worden. Und noch weitere 20 Mann, dumpf ergeben wie Schlachtoich, standen zitternd da und warteten, daß auch ihnen das Ende gemacht würde. Aber der Nachrichter konnte nicht mehr. Er war rechtschaffen erschöpft. Di« Arme sausten ihm, als ob schwärmende Bienen darin- säßen, und die wohlousgebildeten Muskeln an den Achseln und über dem Brustkasten waren ihm pelzig geworden vom vielen Zu- schlagen. So mußten die Fürsten, seine Auftraggeber, ihm wohl oder übel ein sandgefüllt Holbstundenglas als Schlachtpause gönnen. Diesen Ausschub benutzten die hochgeborenen Herren, um ihrerseits vollends mit dem Volksaufwiegler abzurechnen, in Worten, die be- stimmt waren, ihn ärger zu treffen, als die Schläge der Folter. Doch so scharf ihre Reden auch waren, siehe, sie ritzten ihm nicht einmal die Haut. Laut und zuisammeichängend antwortete er seinen Widersachern im Ring. Sein« Rede war eine voll«, klare Rechtfertigung seines Tuns. darüber hinaus eine so ernste Vermahnung der Fürsten, daß es die Herren trotz der warmen Maisonne ganz merkbar über das Rücken- mark fröstelte. Dem jungen Markgrafen, der bisher der Keckste ge« wesen war, klackten hörbar die Zähne zusammen und heller Schweiß sammelt« sich aus seiner einundzwangigjährigen, faltenlosen Stirn«, als fei er selber der arme Schächer, um dessen Entleibung es ging«. Die halbe Stunde Henkerpause war vorüber. ! Der ausgeruht« Nachrichter schlug zu, ohne erst den üblichen Luststreich voraus zu machen. Er traf den vor ihm stehenden Münzer gleich auf den ersten Hieb. Doch während Münzers Kopf noch durch die Luft flog, das plötzlich aus dem Zwang der Adern in Freiheit gesetzte Blut aus der furchtbaren Wunde des Rumpfes wie ein Brunnenstrahl empor- stieg, und während das blutspritzende Richtschwert noch das letzt« Viertel seines tödlichen Halbkreises durchpfiff, war mit einem Riefen- satz die schwarz«, einäugige Dogge unter dem Bauernwagen her- vorgesprungen und hatte mit einem einzigen Kiefernschlag des Henkers Hand mitten im Knöchel durchgebissen, so daß das Krachen der Knochen des lebendigen Arms viel weiter im Ring gehört wurde, als das dumpfe Aufflutschen des Kopfes des Gerichteten im glutternden Blutsumpf. Ein gellender Schrei folgte auf den Biß hin. Der Henker brüllte entsetzlicher, als je eines seiner armseligen, geschundenen Opfer geschrien hatte! Er ließ sein Richtfchwert fallen, als ob ihm feuriger Schwefel die Hand versengt hätte, hielt schüttelnd das zermalmte Gelenk und hüpfte vor Schmerz von einem Fuß auf den anderen. Der fchwarz« Hund, der llebeltäter, entlief geschickt vor den ihm nachgeschmetterten Prügeln der Knechte. Sein Biß rettet« den noch bereitstehenden zwanzig weiteren Opfern Kopf und Kragen. Denn selbst aus mehrfache Anfrag« fand sich unter den Follknechten leiner, der für diesen Tag an Lebendigen noch weiter henkeriert hätte, mochten die hvchmögenden Herr«» noch so verlockend den Säckel mit den Blutglllden schütteln. Eines aber war in dem allgemeinen Durcheinander, das auf den Angriff des Hundes entstand, den meisten Zuschauern ent- gangen, sogar den nächststehenden. Nämlich, als Münzers enthaup- teter Rumpf vornüberstürzte in den Blutmatsch, lösten sich seine gefangenen Hönde aus den Fesseln. Sein« Schreibershänd« schlüpften aus den Handschellen, als seien ihnen dies« aus einmal viel zu weit geworden. Abschließend weiß die Chronik noch zu vermelden, daß, noch- dem Münzers Rumpf gespießt und sein Kopf am Schadeberg auf einen hohen Pfahl gesteckt worden war. sich prompt auch der der Hölle verdächtige Hund Einouge wieder eingefunden hätte. Wie eine Drohung sah er am Tage da und bewacht« die Ueber- rest« seines Herrn. Er knurrt« bös, wenn jemand nah« kam, und ließ sich durch nichts vertreiben. In den Nächten ober füllte sein langgezw}«"« Heulen das gange Land Thüringen bis in seine hintersten Klüfte und Schlüste. * Was die Chronik aber nicht weiß, ist, daß Thomas Münz«rs gespenstischer Hund niemals gestorben ist, sondern heute noch lebt. Die Fürsten und Herren sind verschwunden, die Horste der Raubvögel verfallen. Aber an Stelle der Zwingburgen stehen jetzt Fabriken da Noch inmier beugen sich arme Rücken,, in Fron. ' Noch immer werden rasend« Schlacht«» geschlagen Noch immer fallen Opfer. Noch immer heult Thomas Münzers Hund durch die Nacht. Du brauchst nur Arbeiter zu sein, um ihn jammern und winseln und anklagen zu hören. (17. Fortsetzung.) Si« freute sich darüber, daß sie wieder einmal so diplomatisch gehandelt hatte: datz sie mit ihrer Diplomatie noch klüger als der so klug« Hammerschlag gewesen war. Solche Stunden waren die Feierstunden in Fräulein Saats Leben. Sie genoß dann die Gottesgabe ihrer so großen Klugheit, von der si« selber so überaus viel hielt und die sie sozusagen für ihr lebenswichtigstes Organ hielt, so wie das Insekt seinen Stachel. Zwischenfall in Verlin. In Berlin passierte an demselben Tage dem Lehrling Arnold Fein von der Versicherungsfirma etwas Unangenehme«. Er hatte bereits einige Wochen darüber nachgedacht, mit welchen Worten er seinen Brief an das junge Mädchen im Büro nebenan beginnen sollte. Schon die Anrede machte ihm Schwierigkeit („Liebes" oder„Sehr geehrtes Fräulein"?)— abgesehen davon, daß er den Namen nicht kannte—; der Text, der zu folgen hätte, beklemmte ihn nicht minder. Mitunter bildeten sich in seinem Gehirn Sätze, die er sich sorgfältig auf einem Zettel notiert«. Er hoffte,«» würden sich mit der Zelt so viele Teilstücke einstellen, daß es am Eick« ein Ganzes ergäbe. In dieser Hoffnung begann er in der Mittagspause dieses Tages, an seinem Lehrlingspult sitzend, mit einem neuen Versuch. Er hatte nach dem ersten besten Stück Papier gelangt— es war«ine Police gewesen. Seine Gedanken rankten sich aneinander hoch, und der Umfang des Schreibens wuchs. Die Rückseite, und als sie nicht reichte, auch die Vorderseite, bedeckte er mit seinen Zügen. Als die Mittagspause zu Ende war und die Angestellten wieder an ihre Böcke kamen, legte er seine Police zwischen anderen For- muloren vor sich hin. Anfangs gab er sich den Anschein, als arbeite er gewissenhast auf dem obersten Blatt— das in Wirklichkeit mir als die Deckung für seine Prioatkorrespondenz diente. Aber mit der Zeit vergaß er alle Borsicht. Mußte es seinem Pultnachbarn, dem rotblondschnurrbärtigen Ährmeister in der grau- grünen Soldatenjacke, schon auffällig erscheinen, daß lein Lehrling arbeitete, richtig arbeitete— er hatte da» bislang noch niemals erlebt—, so konnte ein gewisses heftiges Atmen, das Arnold beim Schreiben hervorstieß, nicht verfehlen, ihn in seinem Verdacht zu bestärken. „Was schreiben Sie da eigentlich?� fragte er plötzllch und stand, so dicht wie ein Alp aus der Seele des Träumers, neben Arnold. „Nichts", sagte Arnold. Aber„nichts"— das war dumm gesagt.„Hier", sagte er lieber schnell hinterher und zeigte feinem Meister das oberste Blatt. „Die Tinte, ist ja längst trocken", sagte der andere drohend, es klang deutlich aus seiner Stimme, er wollte der Sache auf den Grund kommen—„lassen Sie einmal sehen, dazwischen hoben Sie noch ein anderes Blatt, auf dem Sie schreiben." „Keine Spur", sagte Arnold,„dieser Haufen von Formularen dient mir doch nur als Unterlage." Er hob ihn auf und klopfte den Schnitt, wie um der regelmäßigen Lage willen, auf dem Pult. „Geben Sie einmal den Schwung da her", befahl der Mann. „Ja", sagte Arnold. Aber zuvor suchte er eins von den For- mularen, ein bestimmtes, aus der Masse heraus. Arnold sagte, er hätte sich aus diesen. Bogen eine Notiz gemacht, eine private Be- sorgung betreffend, nur eine kleine Notiz, die ohne jedes Interesse für einen Zweiten wäre, nur ein« Notiz... Ohne jedes Interesse—? Das war noch durchaus nicht gesagt. Der schnurrbärtige Herr trat dem Lehrling auf den Füßen herum, er wollte das Formular mit der privaten Notiz in Augenschein nehmen. Aber Arnold hatte es schon zusammengefaltet und in die Brust. tasch« seiner Weste hinuntergeschoben. „Ich will Ihnen etwas sagen", rief sein Nachbar, die Herren an den übrigen Pulten sahen überrascht hin,„Sie haben schon über die ganze Zeit an Ihrem Liebesbrief da geschrieben." „Ein Liebesbrief ist das überhaupt nicht", sagte Arnold leise. „Dos hat noch gerade gefehlt", rief der Wütende, lauter als vorher,„daß Sie zu all Ihrer Dummheti auch noch Liebesbriefe während der Geschäftszeit schreiben." Die anderen lachten. Eine Police, die auf solch eine Art aus- gefüllt wurde, war noch nicht dagewesen. Da« war einfach ein Witz — dem übrigens niemand diesem Streber Fein zugetraut hatte. Arnold war rot, sagte kein Wort und rechnete Biertelpromilles aus. Die Hauptsache ist, daß der Dicke von diesem Geschrei nichts hört, dachte er für sich.(„Der Dicke", das war der Chef, den einige wegen feines Knurrens für eine gefährliche Dogge— ander« hin- gegen für„eine Seele von einem Menschen" hielten.) Die Empönmg seines Nachbarn legte sich nicht so bald. Da schuftete er sich wochenlang ab, um ein bißchen Verstand in diesen Schafskopf hineinzutrichtern, und zum Dank schrieb der Schafskopf in der Geschäftszeit— Liebesbriefe. Ein wenig Neid kam bei dem Herrn, der unter der Nase den rotblonden Schnurrbart und am Finger einen Ehering trug, hinzu. Uebrigens fand Arnold, als er am Nachmittag auf dem Nach- Hauseweg das Geschriebene überlas, datz er es unmöglich absenden konnte. Das war kein Brief— das war Kitsch. Er zerknüllte die Police. S. Eine überirdische Begegnung. Hammens chlag hielt sein Versprechen, das er Fräulein Saat in bezng aus die Schafberg parti« gegeben hatte, ein wenig mißmutig zwar— aber andererseits mit dem milden überlegenen Lächeln. zu dem nur ganz unbefangene, frei« Menschen Befähigung haben. Hammerschlag war ja so frei, daß er niemals in den letzten Jahren über das Problem der Freiheit nachzudenken Grund gefunden hatte — Hammerschlag konnte tun, was er tat, er konnte es, wenn's ihm gefiel, aber auch lassen. Weshalb hätte er sich also über irgend- jemanden in der Welt ernstlich ärgern sollen? Wenn jemand sich «inbildete, ihm Vorschriften machen zu können, so ließ er dieser Person gern das Vergnügen. Bon mir aus, dachte Hammerschlag, bilde dir ein, soviel du willst. Auf der Station in der Nähe de» großen Hotel» stiegen sie in die Zahnradbahn ein. Das zuverlässige Lokomotiochen schob mit vorgestrecktem Bauch den ein paar Meter langen Zug vor sich her in die Höhe. Wo die Bergwälder nah an die Gleise herantraten, puffte es hallend und angestrengt. Man begann die Welt von olen her zu besichtigen. Ein Herr in Sportstrümpfen, als er über stattliche Berge hinweg noch stattlichere sah, sing an: „O Täler weit, o Höhen— und Fräulein Saat, die hinter sich eine Dame mutmaßen hörte, jene hohe, schneegeäderte Kette wäre der Dachstein, sang trällernd „Hoch vom Dachstein aus wo der Aar noch haust—" Wieder bereitete Ihr Gesang Hammerschlag einiges Mtzbehagen. — Ich hätte mir ein Gesangsverbot für längere Frist ausbedingen sollen, dachte er. An der Station Schofbcrgalp« hielt der Zug, dann ging es weiter hinauf, jetzt war nur noch rin relativ kleines Stück bis zur Höh« zu erklimmen. Auf dem Berge standen die Blumen in helleren, leuchtenderen Farben, als man sie an ihnen im Tale kannte. Falter, schwarze und mit rotem Leibchen, gaukelten um den Zug und in den Waggon hinein. Mondsee und Aberse« tagen in ttefer Ferne glatt und strichweise in Gekräusel blitzend, blaugrüne Seide, an ihren Ufern Flecken und vereinzelte Häuser. Oben hielt der Zug nah beim Hotel. An der Rückseite des Ge- bäudes befand sich der Aussichtspunkt mit seinem berühmten Blick in die Ferne. Um eine Kreistafel, auf der Pfeile nach allen Richtungen hin di« Berg« mit ihren Namen bezeichneten, standen einige Touristen, die wahrscheinlich auf ihrer Pfingstferienwanderung begriffen waren. In unberührter Rangordnung schwiegen rundum die hohen über den kleineren Gebirgen. Hinterm Attersee erhob sich das schwarzweißstreifige Höllengebirge, und aus einer sagenhaften Weite, mit überragender eisiger Stirn sah der Dachstein her. Fräulein Saat stand ergriffen neben Hammerschlag» ihr« seligen Gedanken waren in den glänzenden Augen zu lesen. Vor dem Hotel und noch mehr im Speiseraum, in den Hammer. schlag und Fräulein Saat später«intraten, war Großstadt. Hatte er draußen über einen auf dem Gipsel sitzenden Herrn, der durchs Einglas das Journal studiert«, gelächelt, so erkamite er hier drinnen den Grohstadtmenschen sofort an jenem stepttschen Blick, mit dem jeder Eintretende gemustert ward. Der Raum, der sich vom Eingang au» nach, beiden Seiten m gehöriger Breite erstreckte, stand im Zeichen des Mittags, an ein- zelnen Tischen saßen Gäste, der Kellner eilte umher. Hammerschlag und Fräulein Saat setzten sich«n eine Eck« des Speiseraums gänzlich für sich. Fräulein Saat sog den Duft der Alpenveilchen, die auf dem gedeckten Tisch im Glase stcmden, in die Rase und sagte etwas Entsprechendes. Hammerschlag schien nach- deicklich zu sein, er starrte vor sich hin. „Denken Sie wieder an Verlin?" fragte Fräulein Saat. Hammerschlag wurde rot. „Ich habe ihn ertappt, dachte Fräulein Saat— worauf, wußte sie selber nicht: sie gab sich ihren Vermutungen hin. Dann richtete sie allerlei Fragen an ihn. Sie fragte danach, wo in Berlin sein Büro gelegen wäre und wie lauge er dort zu arbeiten pslegte. Er antwortete mechanisch: er war wieder in Nach- denken versunken. Als sie ihn aber nach seiner Sekretärin fragte, gab es ihm gleichsam einen Ruck durch den Körper, er riß die Augen aus. Sie lächelt« ihn ruhig an Ob an ihren„Ahnungen" vielleicht doch etwas Wahres ist, dachte er. Sie machte sich ja scheinbar ein Vergnügen daraus, ihn aui seinen Gedanken zu ertappen.(Fortsetzung folgt.) gße/M «Liane O'&laherly:.Nie töeflie envachi" Im S.�ischer-Berlag, Berlin, ist jetzt der englische Krieg». romon„Die Bestie erwacht" des irischen Dichters Liane O' F l a h e r t y in deutscher Spruche erschienen. Es handelt sich um einen kleinen Ausschnitt ou» dem Kriege, um ein Intermezzo, um ein rein zwischenmenschliches Geschehen. O'Flaherty zeigt, wie sich der Mensch allmählich in«in« Bestie verwandelt, und wie ihn persönliche Motive zur Tat treiben und alles andere überlagern. Die Liebe gilt nicht dem Heimatland, der Haß nicht den Deutschen, sondern diese Affekte richten sich auf die eigenen Kameraden. Der Infanterist Gunn liebt einen jungen Kameraden und haßt den tyrannisierenden Unteroffizier, einen kleinen Wicht, der später seiner elementaren blinden Wut zum Opfer fällt. Sieben Leute sind mit ihrem Haß und ihrer Liebe in einer Sappe aneinander geschmiedet. Sinnlos« Befehl«, Todesangst, die Leiden unter Hunger, Temperatur und Stumpfsinn unterhöhlen die Disziplin. Nach der Größe ihrer Intelligenz erkennen dies« Menschen die Sinn- losigteit des staatlich santtionierteli Mordens. Die Schlacken der Zivilisation fallen ab, die Leidenschaften allein bleiben übrig, und dies« überwältigen schließlich den Infanteristen Gunn. Wie in O'Flahertys„Nacht nach dem Verrat" steht auch hier ein dumpfer, m seinen Instinkten verhasteler Mensch im Zentrum, dessen Triebe die Intelligenz überwuchern. Gunn kennt weder Gut noch Bös«, er handelt au» einem inneren Drang« heraus. Er erträgt vieles, ohne zu murren, aber plötzlich fetzt seine seelische Maschinerie aus, ihn beherrscht nur noch ein wilder, ungezügelter Haß. Der Roman wirkt wie«in« psychologische Studie über dag Wachsen und Ausbrechen der Leidenschaften und über das Aus- löschen de» Intellekt». Die Folie des Krieges ist dazu nicht unbedingt notwendig, aber hier unter diesen oerwilderten und außerordent- lichen Zuständen erhält der Prozeß eine ungeheure Beschleunigung. O'Flaherty umreißt mit ein paar Sätzen seine Gestalten, gibt ihnen Plastik und Leben, und darüber hinaus wächst die Zeichnung von dem furchtbaren Berdrechen des Krieges. Xlkreä /�rn» Rätsel- Boke des„Abend". nmmuuiiunumm Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Gebirgshütte: 5. Leergewicht: 7. Meeres- «rschcinung: 10. Futtermittel: 11. Zahlwort: 12. Ein- resp- Ausfuhrgebühr: 1?. eine Weltstadt; 14. Sait»ninstrument: 19. Baumbestand- teil: 20. Singvogel: 23. sunges Haustier: 26. Schreibstube; 29. Knabenname: 30. Studie: 32. Mondgöttin: 33. optisches Gerät; 34. Mädchenname: 35. Blütenstand.— Senkrecht: 2. Mädchen- name: 3. Wasserbehälter: 4. Betriebsstoff: 5. Zeitbegriff(Mehrzahl): 6. der Wirklichkeit entsprechend: 8. Nahrungsmittel: 9. Baum: 15. rulsilcber Dichter; 16. Radteil: 17. Firmakürzunq einer genossenschaftlichen Gesellichaft: 18. Monat: 21. Getränt: 22. Ersenstift: 24. Halbedelstein: 25. Schimpfwort; 27. Zahlwort: 28. fruchtbarer Wüstenstrich: 31. Schiffahrtsweg.»Ic. Kapselrätsel. Au» den Wörtern Ballkleid, Veränderung, Andernach, Vor- stellung, Bupschenschaft, Gymnastik, Ballwerfen, Trabrennbahn, Gemeinde. Fenster, Gemarkung, Veranda, Germersheim, Ipswich, Rollschuh sind je drei, dem letzten Wort zwei auseinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die aneinandergereiht«inen Sinnspruch ergeben.— kr.— Borsehrätsel. Bor di« Wörter Eber, Sau, Sokrates, Elle, Alm, Anne, Mur, Rost, Egel, Otto, Ger, Adel. Bach, Ahn ist ein Buchstabe vorzusetzen. Die neugefundenen Buchstaben aneinandergereiht nennen einen Sportzweig.—«Irr-—! Silbenrätsel. Aus den Silben a a ak bar der bri cd del den den di ei ge gelb he hlid ja kob ku le lie Iis lorg man mann mit na nacht nar n« ne net net o ral ro ja san fe st ta t« ter tiv to wold zis sind 17 Wörter zu bilden deren Ansang»- und Endbuchstaben, beide von oben nach unter gelesen, ein Sprichwort von Schiller ergeben.— Di« Wörter be deuten: 1. Tageszeit: 2. Vierter Fall; 3. Römischer Kaiser: 4. Insel an der afrikanischen Ostküst«: 5. Deutsches Gebirge: K. Stielbrill«: 7. Deutscher Maler: 8. Italienische Gottheit: 9. Teil des Eies; 10. Blume: 11. Glückbringender Gegenstand; 12. Weibl. Vorname: 13. Militärischer Dienstgrad: 14. Gewicht ohne Ver- Packung; 15. Biblische Person: 16. Stadt in Hannover; 17. Insel- gruppe an der Westküste Schottlands,(j— i).— kr.— Schlangenrätsel. Waagerecht: 1. ge- bräuchliche Firmenab- kürzung:2. Entbehrung; 4. Raubtier: 2. indischer Reicher; 7. Apostel; 6 berühmter Bildhauer: 10 deutscherStädtename: 11. Nutzgewächs— Senkrecht- 1. Präpo- sition: 8. moralischer Beistand: 4. Verkehrs- mittel: 6. trockener Schmutz: 7. Schuldiencr; 9 Iagdgehilfe; 10.«uro- päischer Staat.' ii (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Ha: 4. ab: 6. Ade; 8. Eli: 0. Gasometer: 12. der: 13. Ben: 15. Portier; 18. Ire; 20. dem: 21. Eseuranke: 2«. Lei: 27. Bai: 28. le: 29. PS— Senkrecht: 1. Hagen: 2. Ada; 3. Armentieres: 4. Al«: 5.«imc; 7. es: 8. et: 10. Oder; 11. er; 13. Boa; 14. Le«: 16. Irma; 17. Drell: 19. Gleis: 20. Du; 22. Fee; 23. Ei: 24. NB: 25. Kap. Diamanträtsel: 1. r, 2. Ruf. 3. Somme, 4. Magazin. 5. Rumoenien. 6. Bremer, 7. Weide, 8. See. 9. n. Silbenrätsel: 1. TNignoa: g. Indien: 3. Sahara: 4. Sauerbruch: 5. Jlachod; 6. Irene: 7. Cheltenham: 8. Terpsichore: 9. Vonati; 10. Eisenderg: 11. Normannen: 12. Neurologie: 13 Ähren: 14. Ehloroform; 15. Salattdra; 16. luni»; 17 Eo». — Miß nicht den Nächsten nach dem eignen Maß." Rösselsprung:» Jedem Menschen für sein Leben Ist ein Maß von Krast gegeben. Dos«r nicttt erweitern kann; Aber nach den rechten Zielen Seine Kräfte tasten spielen. Soll und kam» dm rechter Manu. Rackert j ■ DK■ UdL Sonnabend 47. Jahrgang B HU W IM UH W�M» Druckluft-I In den technischen Beschreibungen des neuen Iunkers-Riesen- flu�zeuges 38" war u. a. auch davon die Rede, daß die Maschine zur Verkürzung des Auslaufs bei der ßanbung mit einer neuartigen Drucklustbremsung der Fohrgestellräder ausgerüstet sei. Da es sich hier um eine für die zukünftige Entwicklung des Flugverkehrs sehr bedeutsame Neuerung handelt, dürfte eine kurze Schilderung der Konstruktion und Wirkungsweise dieser von einer bekannten deut- schen Großfirma entwickelten und gebauten Bremse von allgemeinem Interesse sein. Die Gründe, die die Werke bewogen haben, ihre Type„G 38" mit einer besonderen Fahrgestellbremse zu versehen, sind in großen Umrissen folgende: Solange die Flugzeuge ver� hältnismäßig Nein und leicht waren und beim Landen nicht über eine bestimmte Geschwindigkeit(70— 80 Kilometer/Stunden) hinauskamen, war es möglich, die Abbremfung des Auslaufs allein durch die Lust- und Bodenreibung, unterstützt durch den am Schwanzende der Maschine angebrachten Schleifsporn, erfolgen zu lassen. Als jedoch die Flugzeuge in den letzten Iahren immer größer, schwerer und schneller wurden, gelangte man schließlich zu A u s l a u s- st recken, die bei Windstille nicht selten mehrere hundert Meter betrugen. Das zwang einerseits zur Anlage und Unterhaltung sehr großer, entsprechend teurer Flugplätze und bedeutete andererseits eine ständige Gefahrenquelle für den Fall einer Notlandung in ungünstigem Gelände, wo keine genügend lange glatte Ausrollbahn zur Verfügung stand. Bei einem Flugzeug von den Abmessungen und Gewichten der „G 38", das zudem eine sehr erhebliche Geschwindigkeit besitzt, hätten sich die genannten Uebelstände natürlich in besonders starke»» Maß bemerkbor gemacht. Das führt« zu dem Gedanken, d i e Fahrgestellräder mit vom Führer zu betätigen» den Bremsen zu versehen, durch die sich die Auslausstrecke nötigenfalls auf die Hälfte oder noch weniger verkürzen ließ. Gleichzeitig wurde es auf diese Weise möglich, den empfindlichen und die Grasnabe der Flugplätze oft stark beschädigenden Schleif- sporn durch ein normales Laufrad zu ersetzen. Es zeigt« sich jedoch, daß die Konstruktion einer brauchbaren Flugzeug-Auslaufbremse durchaus keine leichte Aufgabe war. Denn erstens durfte die Be- tätigung der Brems« für den Führer stoß der gewaltigen lebendigen Energie, die zu verruchten war, mit keinem nennenswerten Kraft- aufwand verbunden sein; zweitens mußte das Anziehen der Bremse mit jeder gewünschten Feinfühligkeit erfolgen können; und drittens durste die Federung der Fahrgestellräder beim Ueberrollen von Bodenunebenheiten und dergl. durch die Bremsanloge in keiner Weife beeinträchtigt werden. Nach mancherlei Versuchen gelang es schließlich, in der D ru ck- luft ein Mittel zur Uebertragung der Bremskraft zu finden, das den eben genannten Anforderungen in jeder Weif« gerecht wurde. Durch die Druckluft wird der Führer von der eigentlichen Brems- arbeit vollkommen entlastet: seine Tätigkeit beschränkt sich auf das Oeffnen und Schließen einiger kleiner Ventil«, was nicht die mindeste körperliche Anstrengung«rsordert. Die Druckluftüber- tragung der Bremskrast ermöglicht ferner ein außerordentlich weiches und feinfühliges Anziehen der Bremse, wie es aus rein mechanischem Wege kaum zu erreichen ist. Endlich lösen sich bei Verwendung von Druckluft auf das einfachste die Schwierigkeiten, die sonst durch die federnde Aufhängung der Räder im Fahrgestell entstehen. Die Zuführung der Drucklust zu den unmittelbar an den Rädern sitzenden Bremszylindern erfolgt nämlich durch biegsame Schläuche, j>ie jeder Bewegung der Radachse folgen und ihr Feder- spiel in keiner Weise behindern. Im einzelnen arbeitet die neu« Bremse folgendermaßen: Zur Erzeugung der Druckluft dient ein kleiner Kompressor, der entweder von einer Nebenwell« des Motors oder durch einen nn Fahrtwind liegenden Hilfspropeller angetrieben wird, und der die Luft über ein Rückschlagventil in einen aus Duroluminiumblech gefertigten Drucktessel pumpt. Bei Flugzeugen, die zum Anlassen der Motoren bereits einen Kom- pressor und einen Druckkessel besitzen, wird diese Anlage gleichzeitig zur Erzeugung der Bremslust verwendet. Der Kompressor läuft ständig mit. Ueberschrestet der Druck im Kessel ein« bestimmte Hähe, so wird durch ein« Regelmembrane das Leerlaufventil des Kompressors angehoben, wodurch die Druckluftförderung solang'« unterbrochen wird, bis der Druck im Behälter infolg« Verbrauchs wieder etwas gesunken ist. Die Regelung der Bremsstärke erfolgt durch zwei mit dem Bremshandhebel verbundene Druckminderventile, die eine Druck- Sahrgeslell der Sunker».Q. 38' Sehen dem vorderen Laufrad ist deutlich der Bremszylinder samt Druckluftzuleitung und Bremsgestänge erkennbar steigenmg und-Minderung in feinsten Abstufungen zutassen und auf ein Zehntel Atmosphäre genau anspielen. Sie wirken progressiv, d. h. jeder Stellung des Bremshandhebel» entspricht ein bestimmter Bremsdruck. Wird der Hobel vorgerückt, so steigt der Bremsdruck, wird er zurückgenommen, so fällt der Druck in gleichem Maße. Bleibt der Hebel in einer bestimmten Stellung stehen, so verharrt Schema der neuen SKnorr-Sruckluflbremae für Flugzeuge Unten der Druckluftkessel, in Mitte zwei Bremszylinder, oben die beiden Regelventile samt Kontrollmanometer und Bedienungshebel mit Quergriff für Lenkung auch der Bremsdruck auf gleicher Höhe. Jede» der erwähMen beiden Druc�ylinderventile dient zur Regelung der Bremszylinder einer Fahrgestellseite. Je nach der Zahl der Lausräder werden zwei oder vier Bremszylinder verwendet, die unmittelbar an der Radachse sitzen und mit ihr mitschwingen. Das Federspiel der Achse bleibt also ohne Einfluß auf die Größe der Bremskraft. Die Zu- führung der' Druckluft zu den Bremszylindern erfolgt durch''biegsame Schläuche, die an eine längs der Fahrgestellstreben fest oerlegt« Rohrleitung angeschlossen sind. Private versuchslunKsandeaniage In Kreisen der Funksreunde ist mehrjach die Frage ausgeworse.i worden, ob«in experimentelles Arbeiten mit privaten Verfuchsfunk- sendeanlagen auf Wellen über 60 000 lctl�(unter S Meter), die nach der allgemeinen Vollzugsordnung zum Weltsunkvertrag(Washington 1927) für keine besonderen Zwecke vorbehalten sind, einer Ver- leihung der Deutschen Reichspost bedarf. Nach Z 1 des Gesetzes über Fernmeldeanlagen(FAG.) vom 14. Januar 1928(RGBl. I S. 8) sind Funkanlagen elektrische Sendeeinrichtungen sowie elektrisch« Empfangseinrichtungen, bei denen die Uebermittlung oder der Empfang von Nachrichten, Zeichen, Bildern oder Tönen ohne Der- bindungsleitungen oder unter Verwendung elektrischer, an einem Leiter entlang geführter Schwingungen stattjinden kann. Auch bei den Anlagen zur Erzeugung sehr kurzer elektrischer Wellen handelt es sich um Funkanlagen, so daß deren Genehmigungspfiicht außer Zwetfek steht, da sie in jedem Falle für die Uebermittlung von Räch- richten, Zeichen, Bildern oder Tonen bestimmt sind oder hierzu tatsächlich verwendet werLen. Es spielt dabei kein« Roll«, ob eine Uebertragung nur innerhalb. desselben Raumes bzw. desselben Grundstücks oder darüber hinaus stattfindet, denn die Ausnahmen von der Genehmigungspflicht, die der Z 3 FAG. vorsieht, gelten nicht für Funkanlagen(Z 3 Abf. 3 FAG). Deshalb find olle„Funk- anlagen" ausnahmslos genehmigungspflichtig. Hochfrequenzheil- gerate, Klingeln, Hochfrequenzfeuerzeug«, Houshaltsmotoren(Staub- sauger, Kleinmotoren jeder Art), Lichtschalter, Quecksilberdampfgleich- richter usw. sind nicht Funkanlagen, wenn sie nur für ihren eigentlichen Zweck oerwendet werden. Sie fallen aber als Funk- anlagen unter das Gefetz über Fernmeldeanlagen, wenn sie unter Ausnutzung der bei ihrem Betrieb auftretenden elektrischen Schwin- gungen für die Uebermittlung von Nachrichten, Zeichen, Bildern oder Tönen bestimmt sind oder hierzu tatsächlich verwendet werden. Vielfach besteht serner Unklarheir darüber, wie Anlagen zu bc- handeln sind, die sich nicht der Elektrizität als Ueber- mittlungsmittel bedienen, die vielmehr mit Wärmestrahlen, optischen (Lichtstrahlen) oder akustischen(Schollwellen) Mitteln arbeiten. Der- artige Anlagen sind keine Funkanlagen; sie sind auch kein« Fern- meldeanlagen, also genehmigungsfrei, wenn die Uebermittlungs- zeichM der sendenden Stelle selbst mit Auge, Ohr und Gefühl empsangen werden. Si« werden aber Fernmeldeanlagen im Sinne des Gesetzes über Fernmeldeanlagen und sind daher genehmigungs- pflichtig, wenn die Fernübermittlung in der Wesse vor sich geht, daß die Uebermittlungszeichen der sendenden Stelle(ohne körperlich« Uebersendung eines Trägers des zu Uebermittelndcn) durch eine oder mehrere an einem anderen Orte besindlich« Anlage nachgebildet �reproduziert) werden. Solche Anlagen sind nur dann genehmigungs- frei, wenn auf sie die Voraussetzungen des§ 3 Abf. 1 Ziffer 1 bis 3 des Gesetzes über Fernmeldeanlagen zutreffen. So wäre zum Bei- spiel«ine Fernmeldeanlage, die kein« Funkanlage ist, genehmigungs- frei, wenn die Anlage nicht über die Grenzen eines Grundstücks hinausgeht(8 3 Abs. 1, 3- des Gesetzes über Fernmeldeanlagen). Di« Frag«, ob Anlagen, die ultraviolette Strahlen oder Röntgenstrahlen aussenden, als Fernmeldeanlagen anzusehen sind, läßt sich allgemein nicht b«antwort«n. Versuche haben ergeben, daß sich mit Hilse der neuen Bremse die A u s l o u f st r e ck e auf etwa ein Drittel ihrer ursprünglichen Länge verkürzen läßt. Sie haben weiterhin ergeben, daß das Flugzeug selbst dann nicht sich überschlägt, wenn der Führer bei der Landung versehentlich zu stark bremst, so daß die Röder blockiert werben und beim Ackfsetzen der Maschine auf den Boden nicht rollen, fondern gleiten. Diese auf den ersten Blick überraschende Tatsache erNärt sich daraus, daß der anfänglich(solange die Hub- Wirkung der Tragflächen noch beträchtlich ist) nur geringe Raddruck eine entsprechend geringe Reibung am Boden und dadurch eine nur Unwesentliche Kippneigung hervorruft,. Verringert sich die Ge- schwindigkeit und läßt die Hubwirkung der Tragflächen nach, so wächst zwar der Raddruck und damit die Reibung und die Kipp- gefahr, im selben Maße steigt aber auch automatisch die Stabilität des Flugzeugs. Die neue Bremse ermöglicht jedoch nicht nur die geschilderte erhebliche Verkürzung des Auslaussweges, sondern ver- leiht dem Flugzeug gleichzeitig beim Rollen aus dem Boden eine hervorragende Lenksähigkeit, da eine sinnreiche Zusatz- einrichtung es dem Führer ermöglicht, die Räder der beiden Fahr- gestellseiten verschieden stark abzubremsen. Die oben erwähnten beiden Druckminderventile sind zu diesem Zweck durch ein Kegel- rad-Differentialgetriebe mit den Seitensteuer-Fuh- Hebeln im Führersitz gekuppelt. Die Kupplung ist so ausgebildet, daß, wenn sich der Handbremshebel in Ruhestellung besindet, die Bewegungen der Seitensteuer-Fuhhebel ohne Einfluß auf das Differentialgetriebe bleiben. Will der Führer dagegen bremsen und drückt zu diesem Zweck den Handbremshebel vor. so bewirkt jeder Ausschlag der Scitensteuer-Fußhebel eine Verdrehung des Differen- tialgetriebes, wodurch die beiden Druckminderventile gegeneinander so verstellt werden, daß auf der einen Sei'« eine Erhöhung, auf der anderen Seite«ine Verminderung des Bremsdrucks eintritt. Das Flugzeug wird infolgedessen einen Bogen nach der Seite des stärker gebremsten Rades beschreiben. W e die praktischen Versuche gezeigt haben, lassen sich auf diese Weise so enge Kurven fahren, daß sie fast einem Wenden aus der Stelle gleichkommen Natürlich ist es auch möglich, die Betätigung der Lenkung und Bremsung in einen gemeinsamen Handgriff zu verlegen. Der Bremshebel erhält zu diesem Zweck oben einen drehbaren Ouergriff, Durch einfaches Vordrücken des Hebels wird ein gleichmäßiges Bremsen beider Fahrgeftellfeiten bewirkt, während gleichzeitiges Verdrehen des Ouergriffes ein Differenzieren der Bremskraft und damit ein Lenken des Flugzeugs ermöglicht. Die neue Druckluft-Auslaufbremfe darf nach alledem als ein wichtiges Hilfsmittel zur Erhöhung der Sicherheit im Flugverkehr bezeichnet werden, Ihr« allgemeine Einführung bei schweren, schnellen Flugzeugen dürste nur noch eine Frage der Zeit sein. Wcfc Bacher der Technih Zllusterbetrlcbe deutscher Wirtschaft. Band 16. Die Fischwirt- schast.(Kühlsisch A.-G., W«s«rmiinde.) Von Dr. Walter Schlienz. Mit 4S Bild«rn. Berlin 1930. Organisation Verlagsgejell- schaft m. b. H., Verlin W. 8, Leipziger Straße 115/116. Das klein« Buch vermittelt einen lebendigen Einblick in die verschiedenen Zweige der Fischwirtschaft. Es behandelt zunächst den Fischfang auf offenem Meere, näinhch die Hochsee- oder Frisch- fischerei und die Heringsfischerei mit ihren wichtigsten Fangplätzen und Fangergebnissen, ihrem Einkauf und ihren Marktpreisen. Di« Kühlstsch A.-G. in Wesermünde wurde gegründet, um die Seefische durch patentierte Versahren längere Zeit frisch zu erhalten. Der Ver- sasser beschreibt aussührlich diesen Betrieb, er schildert die Tieskühl- anlag«, die Veredelung der Ware, die Herstellung von Kühlfischen und ihren Absatz. Das technische Lichtbild. Seine Herstellung und seine Verwer- tung in Schule, Vortrag und Industrie. Von Prof. Dipl.-Jng. G. von Hanfs st enget. Berlin 1930. VDI.-Verlag G. m. b. H., Berlin NW. 7. 104 Seiten m.t 55 Abbildungen. Broschiert 3 M. (Für Mitglieder bes BDI. 4,50 M.) Das Lichtbild wird heute in der modernen Pädagogik nicht nur beim Unterricht, sondern auch beim Abhalten belehrender oder utrtsr- haltender Vorträg« stark bevorzugt, weil e» die lebendige Anschauung in ganz anderem Maße zu ersetzen vermag als das gesprochene Wort. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß das Lichtbild gut erkennbar ist. Das kleine Büchlein gibt gute, in der Praxi» er- probt« Ratschläge zur Herstellung und Verwertung von Lichtbildern. Es behandelt den heutigen Stand des technischen Lichtbildwefens, die Technik der Lichtbildverwertung und die Anwendung des tech- Nischen Lichtbildes in Unterricht, Vorttagswesen und Industrie. Ein wertvoller Ratgeber für Pädagogen, Vortragende und alle Freunde des Lichtbilds. wir lernen Funkbasteln. Von F. Bödigheimer. 120. Bänd- chen der Sammlung Spiel und Arbeit. Preis 2 M. Verlag von Otto Maier, Ravensburg. Der moderne Radioamaleur. Von F. Bödigheimer. Mit zwei Modellbogen. 116. Bändchen der Sammlung Spiel und Arbeit. Verlag von Otto Maier, Ravensburg. Preis 3,75 M. Beide Bändchen bieten in allgemeinverständlicher Form eine Einführung in die Radiotechnik und leiten zum Bau von Empfangs- geräten an.„Wir lernen Funkbasteln" ist gewissermaßen die Grundlage, auf d«r sich alles andere aufbaut. Selbst wer noch niemals in seinem Leben sich mit technischen Fragen irgend welcher Art beschäftigt hat, wird das Büchlein mit Nutzen lesen und fähig werden, Detektorempfänger für den Nahempfang, Niederfrequenz- Verstärker für Lautsprecherbetrieb und Audionenempfönger für Orts- und Fernempfang selbst herzustellen.„Der moderne Radio- a in a t« u r" gibt Anleitung zum Bau modernen Röhrenapparat«. auch für Netzanschluß und zum Bau von Netzanschlußgeräten. Sdimeling- Zeitungspleite Man stellt„niedrige Stimmungsmache" fest Nun Hot„ein« Welt" vor uni> noch dem„Weltmeister- schoftskompf" zwischen Schmeling und Sharkey„g«- sisbert" und jetzt ist nach dem Delirium die ernüchternde Pl« i te-da. Gestern hat mon in Berlin den Film von dem Weltmeister- schaftskompf gegeigt und alle die Sensationsblötter, die vorher die Welt und ihre Vororte verrückt gemacht hatten von der„großen Sache des Deutschtums" in New Dork drüben, dieselben Blätter, die den Kampf zweier starker Männer dazu bcmitzten, um ein be- fonderes Geschäft beim Zeitungsverkauf zu machen, müssen jetzt zu- geben, daß der große Boxkampf eine elende Holzerei war, bei der, »vir zitieren ein Berliner Mittagsblatt wörtlich,„Schmeling stets von neuem in das Sperrfeuer der Linken und Rechten von Sharkey unsinnig hineinrennt". Jetzt findet man auch, daß Sharkey„ein Star größte» Formats" ist und daß ihn in den neun Minuten des Kampfes keine Schläge von Belang getroffen haben. Der Kampsverlauf war ein reines Trauerspiel", schreibt das Blatt weiter,„alle müßten diesen Film sehen, um die llnwahrhastigkeit einer niedrigen Stimmungsmache in ihrer ganzen Niedrigkeit zu begreisen!" Wir müssen gestehen, daß wir dieser Selbstcharakterisierung des Berliner Mittags-blattes nichts hinzuzusetzen Hoben, daß wir aber mit unseren Behauptungen von einer widerlichen ekelhasten Sensationsmacherei um nichts weiter als einen Boxkampf Recht ge- habt haben. bOrndUocUV Belgien— Deutschland Am kommenden Sonntag findet in Hamburg das erste Treffen der 5)andballauswahlinonnschaft«n des deut- scheu und belgischen Arbeiter-Turn- und Sportbundes statt. Die Gäste stellen trotz der kurzen Entwicklungszeit des Handboll- spiclcs in ihrem Lande eine äußerst gefährliche Mannschaft und werden die deutsche Mannschaft zur Hergabe ihres ganzen Könnens zwingen. Letztere ist voriiehmlich aus Spielern des Nordwest- deutschen Verbandes zusammengestellt, der ein« beachtliche Spiel- stärke aufweist. Die deutsche Mannschaft steht: Möhler Paul Bernhardt Melneradrof Refferrt tbarburg)(Ätfl)(ktiel)(Hannover) E pallier lHannover) Weidlich(Peine) Marls(Hannover) Dahmen(Elberle, d) Friedrich,(Nöln) Müller(Barmen) Ersatzleute sind: Wittgen(Harburg), Lehe(Hinschenfelde). Schiedsrichter ist: Herth(Hamburg). Die Voraussetzungen sind geschaffen, daß Hamburg am Sonntag ein erstklassiges Länderspiel zu sehen bekommt. Bor dem Handball-Länderspiel wird der Nord- westdeutsche Verbandsfußballmeister sein« Kräfte mit der Hamburger Städtefußballmannschaft messen. Am 2. Juli spielt die belgisch« Mannschaft gegen die Städtemannschaft Neumünster und am 4. Juli gegen die Städtemannschaft Bremen. Sport am Sonntag Die in der Sportbeilage des„Abend" angekündigten Arbeiter-Haild« lind Fußballspiele gehen auf den mit- geteilten Plätzen zu den festgesetzten Zeiten vor sich Die Fußballer haben sich ein Spiel zweier Zluswahlmannschaften unter dem Signum „Osten gegen Westen" ausgesucht, während bei den Handballern das Zwischenrundenspiel um die ostdeutsche Verbandsmeisterschaft das Interesse in Anspruch nimmt. Sonnenwendfeiern finden am heutigen Sonnabend an verschiedenen Orten statt. Unter den bereits angekündigten nimmt die große Sonnenwendfeier der Naturfreunde am Uedersee bei Ebcrswalde, die mit einer Einweihung des neuerbauten Ferienheims verbunden ist, den ersten Platz ein. Die Berliner Olympia-Radrennbahn läßt morgen das„Gol- d e n e Rad" ausfahren, zu dem die bekanntesten Steher verpflichtet sind. Anschließend findet ein Dirt-Track-Rennen statt, daß um 20 Uhr 20 Min. beginnt und„Eine Stunde Dirt-Track" bringen soll. Es werden besondere Eintrittspreise erhoben. Auf der Ruhlebener Trabrennbahn wird morgen der„Große Preis von Ruhleben" im Werte von 30 000 Mark ausgefahren. Ein außerordentlich scharfes Rennen verspricht der„Große Preis von Deutschland" zu werden, der mehr als sechzig der besten Motorradfahrer des In- und Auslandes auf den, N ü r- d u r g r i n g oersammelt sehen wird. Mit einer sehr starken Streit- macht ist besonders England vertreten. Zoimonweoctfcier der FTGB. Heute, Sonnabend, 23)4 Uhr, feiert der Freikörpcr- kulturbezirt der Freien Turnerschaft Groß-Verlin e. V. in Kallinchen am Motzener See die Sonnenwende. Die Teilnehmer treffen sich um 22 Uhr auf dem Gelände der FTGB. unterhalb der Windmühle. Zu der Feier sind alle Anhänger und Freunde des Frsikörperkulturbezirks innerhalb der FTGB. und der Kartellvereine herzlich eingeladen. Festbeitag wird nicht erhoben. Wegen des Geländebesuchs zum Wochenende und während des Urlaubs erteilt die Vereinsgeschäftsstelle NO. 18, Lichtenberger Str. 3, gern Aus- kunft. Die Sprechzeit des Bezirksvorstandes ist jeden Donnerstag von 18—10 Uhr. * „Orientalisches Sommerfest" auf dem Sonnenplatz in der Sonnenallee, Neukölln, am 29. Juni. Unter diesem Stichwort vcr- anstaltet der Gesamtbezirk Neukölln-Britz der FTGB. ein Fest, das einzig in seiner Art sein wird. Punkt 15 Uhr erfolgt der Einmarsch aller orientalischen und exotischen Gruppen in Original- tracht. Ueberraschungen und Vorführungen verschiedenster Art werden olle Besucher zu einer frohen Festgcmeinschaft verbinden. Dos gesamte Bläserkorps unter Leitung feines Dirigenten Walter wirkt ebenfalls mit. Der Sonnenplatz steht mit allen seinen Ein- richtungen zur Verfügung. Unkostenbeitrag für diese Veranstaltung nur 50 Pf. Im.Auta übers Meer Fremde Autotouristen in Berlin In den letzten Tagen sind wiederum eine größere Anzahl fremder Automobilisten mit ihren Wagen in Berlin eingetroffen, darunter viel« Amerikaner. Die Verschifsungsmöglichkeiten imverpackter Auto- mobile, wieji« die großen SchijfahrtsgescUfchaften, der Norddeutsch« Lloyd, die Hamburg-Alnerika-Linie usw. in den schwimmenden Ga- ragen ihrer großen Dampfer bieten, werden immer mehr in Anspruch genommen. Die Automobilisten fahren in New Port mit ihren Wagen an den Quai, nach Ausleerung des Benzins wird dieser in der Schiffsgarage vertaut. Bei Ankunft am deutschen Landungsplatz kann dann die Fahrt nach Einfüllung von Betriebsstoff sogleich ange- treten werden. Die amerikanischen Autotouristen sind zumeist mit Empfehlungen des Automobilclub von Amerika an den A. v. D. versehen. Die Fahrer äußern sich sehr anerkennend über den Zustand des deutschen Straßennetzes, über Tankmöglichkeit und Unterkunft und erklären für einen starte» Besuch des so inieressanten deutschen Landes nach ihrer Rückkehr in der Heimat Stimmung machen zu wollen. Gr o£siadt-Sonnen wendf cier Mitten im Friedrichshain Wir erleben in diesen Tagen viele Sonnenwendfetern. Eine der letzten war die gestrige, vom Arbeitersporttartell des 5. Bezirks zusammen mit der SAI. und der Gewertschaftsjugend veranstaltete. Doch das letzte ist nicht das schlechteste, sagt' ein gc- slügeltes Wort, und so in vollstem Maße auch gestern. Zweifellos gehören die Feierstunden um die Sonnenwende zu den erhebendsten, die sich die Arbesterschaft gönnt. Ganz abgesehen, daß diese Feiern in ihrer schlichten Art eins der wirksamsten und dazu noch unauf- fälligsten Kampfmittel gegen den im Volke verwurzelten kirchlichen Aberglauben sind. Es fehlt den Sonnenwendfeiern nur an der nötigen Popularisierung. Es ist gewiß romantischer und auch meist stilvoller, irgendwo an die Löcknitz oder in die Dubrow zu ziehen, um dort in einen, begrenzten Kreis schon zun, Klassenbewußtseist erweckter Gesinnungsgenossen die Feier der Sonnenwende zu be- gehen. Nur ist man dann eben unter sich. Und das ist schade um den schönen Brauch. Wie ganz anders die Arbeitersportler von, Friedrichshain. Sie setzten sich mitten in die Großstadt, draußen auf einen Sportplatz zwischen den Proletarierquartierei, des fünften Verwaltungsbezirks. Und machten ein richtiggehendes Volksfest. Mit Musik, Gesang, Spiel und Sport. Alles, jung und alt, was gestern abend in, und an, Friedrichshain lustwandelte, kam herbei und sah sich diese, manchen noch ein wenig sonderbar anmutend« Feier an. Kaum eine Sonnenwendfeier wird eine dermaßen große Beteiligung auf- zuweisen haben wie die gestrige, wo einfach der halbe Friedrichs- Hain(das Wort als Verwaltungsbezirk genommen) mit dabei war. Als das Feuer aufloderte, war natürlich alles, und die Indifferenten sicher am meisten, gefesselt, man hörte sich die Rede an, und wie viele mögen gestern abend zu», erstenmal erfahren haben, was wir denn eigentlich mit unseren Sonnenwendfeiern naemen und wanim wir da mitten im nächtlichen Friedrichshain ein Feuer anstecken, an dem man zehn Ochsen braten könnte.. Dann sprach noch ein Ver- treter vom Bezirksamt und begrüßte ganz offiziell alle Anwesen- den; also, sagten sich vielleicht die letzten Zweifler, ist das Ganze hier doch nicht irgendeine geheimnisvolle Angelegenhest verschrobener Leute. Unterdessen verteilten die Derein« die Adressen ihrer Tagungslotale, auch„Solidarität" ließ ein paar tausend Flug- blätter springen, das konnte man alles machen, weil eben Massen da waren. Wie gesagt, am Möllensee ist natürlich eine Sonnenwendfeier wuchtiger und eindringlicher, aber an wen will man da die Flug- blätter verteilen? An die, die schon erfaßt sind? Nehmen wir nur die Kinder, die über das Feuer gestern abend ganz aus dem Häuschen gerieten. Was werden die heute und auch noch morgen erzählen über die Sache vom Sportplatz. Bei ihren Erzählungen wird nicht gleich das Wort„Arbeitersportkartell" vorkommen, aber vielleicht doch das Wort„Arbeitersport". Was schon sehr wesentlich ist- Dann kann man weitersehen. Und was im Fricdrlchshain ging und ein voller Erfolg für unser« Sache war, wanim soll dos nicht im Humboldthain oder sonstwo in der Stadt auch gehen. Treibt Radsport bei«Soli" 1 Die Mediziner betrachten das Radfahren als ein« köcper- liche Uebung, die auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen einen sehr günstigen Einfluß ausübt, weil der Appetit angeregt und die Verdauung gefördert wird. Die Atmung und damit die Durchlüftung der Lungen ist viel vollkommener als beim Gehen. Voraussetzung ist, daß man beim Fahren«in vernünftiges Tempo einhält. Auf die richtige Hastung und passende Kleidung ist gleichfalls zu achten. Alle Radler und Rodlerinnen haben im Arbeiter-Rad- und-Kraftfahrer-Bund Solidarität Gelegen- Heit, richtige»Radsport zu treiben. Unter sicherer Führung von ortskundigen Fahrwarten lernen sie die Naturschönheiten weit und breit kennen. Die Ausfahrte» erstrecken sich auf den halben oder ganzen Tag oder mehrere Tage. Für Jugendliche werden besondere Ausfahrten veranstaltet. Im Monat Juni erfolgt der Eintritt in den Bund Solidarität unentgeltlich. Die sozialen Einrichtungen des Bundes sind mustergültig. Im Jahre 1929 er- hielten u. a. 7320 Mitglieder 296000 M. Unterstützung bei Rad- Unfällen, 251 Mitglieder 16 000 M. Unterstützung bei Haftpflicht- ansprüchen, 519 Mitglieder 41 000 M. Unterstützung in Rechtsschutz- fällen, 674 Mitglieder unentgeltlich'ein neues Frischauf-Fahrrad für ihr gestohlenes, und bei 1208 Todesfällen 46 000 M. Unter- stützung die Hinterbliebenen. Demnach ist für alle Rodlerinnen und Radler des Arbeiterstandes die beste Organisation der Arbeiter- Rad- und-Kraftfahrer-Bund Solidarität. Meldungen für Radfahrer an Robert Rotbart, Schöneberger Str. 17a, A. II: für Rennfahrer an Kurt Kowalke, Königgrätzer Str. 101: und für Kraftfahrer an Bruno Tscheuschner, Sickingenstr. 57, IV, erbeten. Die«Rote Fabne" berichtet Heber«ine Werbekundgebung der bundestreuen Arbeitersportler in Lichtenberg weiß die„Rote Fahne" zu erzähle», daß da'oci „oppositionelle" Kommunistensportler durch ein Rollkommando des Reichsbanners überfallen, mißhandelt und der Polizei übergeben worden seien. Der Anführer des Reichsbanners soll ein Franz Kühn gewesen sein. Der Genannte bitttet uns mitzuteilen, daß an der Darstellung kein wahres Wort ist. Allerdings haben die Bundestreuen die Der- teilung von Flugblättern durch die Kommunisten während der Ver. anstaltung verhindert. Aber dabei ist kein Kommunist auch nur an- gefaßt noch ist einer der Polizei übergeben worden. Nötig wäre es allerdings gewesen. Fii» Schurkenstreich 1 Am letzten Sonntognachmittag, als großer Bade- und Boots- betrieb auf dem Tegeler See herrschte, wurde die Rettungs- st a t i o n S a a t w i n k« l(Tegeler See) der Arbeiter- Samariter-Kolonne Berlin durch Telephon mitgeteilt, daß auf dem Bahnhof Tegel ein großes Massenunglück passiert sei und dringend Sanitätshilfe gebraucht werde. Die Station entsandte sofort all« nur verfügbaren Samariter und den Arzt. Beim Ein- treffen auf der angeblichen Unglücksstelle mußten dies« die Wahr- nehmung machen, daß sie einem Bubenstreich zum Opfer gefallen waren. Nach sofortiger Anfrage bei der Fernsprech- Vermittlungsstelle erhielt die Station die Antwort, daß es ein Autoinatenanruf war. Der Vorfall ist um so bedauerlicher, als die Samariter während dieser Zeit der Nation entzogen waren. Man sollte nicht glauben, daß es Elemente gibt, die ihre Freude daran haben, die mir ehrenamtlich tätigen Samariter umsonst zu bemühen. Wir bitten die Polizeibehörden und das Publikum, ihr Augenmerk auf solche Dummcnjungenstreiche zu richten. Ohne Faß in die Tsdiedioslowakei Der Leitung des deutsch-tschcchischen Arbeiter-Turn- mW Sport- verbände? ist es durch Verhandlungen mit dem tschechischen Innen- Ministerium gelungen, daß alle Teilnehmer des 2. Bundestur n- f e ft c s in Aussig, d. h. alle Besitzer von Bundesfestkarten, die Grenze auf der Ein- und Rückreise ohne Paß passieren können. Das gilt vom 1. bis 15. Juli d. I. Auf der Festkart« müssen ent- halten sein: Vor- und Zuname, Geburtsjahr, Beruf, Wohnort, eigen- händige Unterschrift und ein Lichtbild. Wer«inen amtlichen Aus- weis mit Lichtbild besitzt, braucht auf der Festkarte das Lichtbild nicht beizubringen. Das Fest findet vom 4. bis 6. Juli in Aussig an der Elbe statt. Arbeiterturner und-fportler, die noch an ihm teilnehmen wollen, müssen dies durch ihre Vereinsleitung um- gehend an die sächsische Kreisleitung, Dresden A 1, Parkstraße 6, melden lassen._ Ein Werbe- und Gesellschaslskegeln veranstaltet der Bezirk Berlin des neuen Gaues Berlin-Brandenburg im A r b e N e r- Keglerbund am morgigen Sonntag ob 14.30 Uhr im Span- dauer Stadtparkrestaurant„Karlslust". Der Kamps geht über 60 Kugeln pro Mann auf Bohlenbahn. Gäste, die auf dem Boden der bundestreuen Arbeitersportbewegung stehen, sind hierzu ein- geladen und willkommen.— Wie der Bundesvorstand des DAKB. durch Rundschreiben bekanntgibt, sind die oppositionellen Vereine des früheren Gaues 4(Berlin) aus dem Bund ausgeschlossen wor- den: es sind dies die Berliner Kegelklubs„Ab geht se",„Herz und Seele",„Rotkehlchen",„Rote Kugel" sowie die Dereine in Dabendorf und Hennig-dorrf. � „Die Walnrlnunht", Zentrale Bteu, fflonU«, Z». Z»»!. Ph»ti>«em»iasitakt. I»'- Mir Iotonnissir. 15. ffilm»der Platit.— Malgemeinschaft. l»'; Uhr Jugendheim Srongelslr. 12». Skiue au, dcm Strgreis. — Esverantoarbeit«,emeiaschast. 2» Uhr Jugendheim Tilsilrr Str. 4. Tiergarten: Iedcn Dienstag 1« Uhr Boden odrr Spielen Bogeltoiese(Blöhenseel.— Di«»«- tag. l. Zuli. Photogemeinschaft,«bteilun« Oft«». 20 Uhr Jugendheim Front. furter Allee 307, Friedrich.z Uhr Orthftr. 10. Gruppen. fragen.— Mittwoch, 2. Juli. Photogemeinschaft Neulölla. 20 Uhr Bergstr. 2», Zimmer 4. Allfängerkurse. Gäste stets milllonrmen.— Donnerstag. Z. Zuli. Raturkundlich« Abteilung. Zohannisstr. 13. 20 Uhr Arbeitsabend.— Photo» gemeinschaft, Abt. Norde». 20 Uhr in der weltlichen Schule, Pank. Ecke Wiesenstraße.— Tiergarte». W.b Uhr Jugendheim Lehrter Str. 15/I9.— Gesund. brunnen: 20 Uhr Jugendheim Pank. Ecke Wicsenstroße. Geschäftliches und Unterhaltuilgsabend. Liederbücher mitbringen. Prenzlauer Berg. lSZS Uhr Danzigcr Ekr. S2. Baracke 2. Geschäftliches.— Siibweft. Porckstr. u, Bezirks. amt Nreuzberg, Zimmer 5. Abendspaziergang, Bolkspark. Treffen lSZa Uhr Zlorck- Ecke Dneisenaustraße.— Spandau. 20 Uhr Zugendheim Lindenufer l. — Neulölln. 20 Uhr Jugendheim Bergstr. 29, Hof. Barocke Raum z. Geschäftliches.— veißense«. 20 Uhr Jugendheim Pistorinsstr. 2l. Mitglieder- Versammlung.— Lichtenberg. 20 Uhr Jugendheim Suntcrftr. 44. Abendspazirr- gang zum Stadtpark. Tennio-Rot Groß-Berli». r. B. Dienstag, 1. Juli, W Uhr, Vorstands. fißung. 20 Uhr Zunktionärkonferenz, KreisgeschSftsstrlle, Elsäfser Str.»«-»5, Portal I, 4 Treppen. Arbeitersport, und Schütienoereiaigung. Treffen zum Rast in Angermllnde morgen, Sonntag, 7 Uhr. Stcttiner sZerndohnhof. Sportkleidung, Gesangbücher, Sportgeräte, Transparente mitbringen. Berlin. 15.05 Burschard von Reznicek. Die deutschen Kampfsplele. 15.30 Unterhaltungsmusik. 17.50 Breslau: Stafselreportace. 18.50 Freiherr von Meiern: Das Werk Mussolini». 19.15 Eine halbe Stunde Allan Cra)-. Anschllellend' Arbeitsmarkt. 19.45 Konzert. 21.00 Essig und Oel. Eine hellere Stunde. Nach den Abendmeldunjen bis 0.30 Tanzmusik. �. Känicssrnsterhansei. 16.00 Von ffamdurp: Nachmilianskonzert..j 17.30 Arbeilssemeinschalt für Funkpädazozik. 17.55 Interview des Polizeipräsidenten Zörciebel. 18.20 v. Auteried: Siedlungen und Kulturpflanzen auf Sumatra. 18.40 Prof. Dr. Sachs: Jahrtausende der Musik. 19.05 Französisch für Fortgeschrittene., � 19.30 Uachender Ernst. 21.00 München: Kundgebung auf dem Hauptmarkt ru Nürnberg anlillllch dea deutschen evangelischen Kirchentages In Nürnberg. Soantas, 29. Juni Berlin. 6.30k Funkgymnastik. 7.00 Hamburg: Hafenkonzert. 8.00 Für den Landwirt, 8.30 Morgenfeier. 10.05 Wettet vorhersage. 11.00 Ria Nippoldt-Böhler: Geselligkeit in der Familie. 11.30 Prominente Schallplalten. 12.00 Konzert. 13.50 Grete Maria Markstein: Märchen. 14.20 Solislenkonzert. 14.50 Vom Nürburgring; Großer Preis von Deutschland fllr Motorräder. 15.20 Wie liest der Dichter Zeitung?(Vortrag mit Interviews.)(Sprecher: Erich Gotlgetreu.) 15.40 Konzert. 16.25 Hamburg: Das deutsche Derby. 17.00 Breslau: Staffelreportage. 18.30 Aus den Archiven der Berliner Staatsoper. 19.30 Aktuelle Abteilung. 20.00 Populäres Orchesterkonzert. Anschließend: Zeit. Weiter, Tagesnaebrichten, Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Königswüsterhausen. 17.15 Stadion im Grunewald: Fest Peter und Paul. Ansprache des Bischof» Dr. Christian Schreiber anläßlich des 28. Märkischen Katholikentages. Reportage: Allred Braun. 18.30 Dr. Arno Schlrokauer: Amazonas.» 19.00 Curt Holzel: Die Mosel. 19.30 Fritz Diettrich liest aus eigenen Werken. 20.00 Theodor Däubler liest ans eigenen Werken. 20.30 Hamburg; Milläcker- Abend.