Morgenausgabe Nr. 299., A151 47'WWW Wöcheuwch«Vf,»on-Sch MJSÖWL Im oorous zahlbar. Uoftbc|ufi 029L ewschließlich«0 Pfg. Postzetwug». imfc 72 Pfg. Postdestellgebühre». Lu»l«mds» abonnemeut 6l— M. pro Monat. Der.»«rwärt«'«rlchewt»»chentSy. 1 zweimal, Sonntag» und Montag» «mmol, die Abendausgaben für Bern» und tm Handel mit dem Titel.Der Abend-. Illustrierte Beilagen.Volt und Zeit* und.Linderfreund*. Ferner .Unterhaltung und Wiffen"..Frauen« stimme".Technik"..Blick in die Bücherwelt" und.Jugend-Borwarts* p> berliner VoUsvla« Sonntag 29. Zum 1930 Groß-Äerlin 15 Pf- Auswärts 20 pf. Di« einspaltig« ükonpareillezetl« BO Pfennig. Reklameieile 5— Re.cr.». mark„Kleine Anzeiacu' das ettge« druckt» Wort 25 Pfennig(zuläffig zwei iettgedruckte Worte), ledes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuch» dos erft« Wort IS Pfennig, fedes wettere Won' 1Ü Pfennig. Worte über IS Buchstabe» Ihlen für zwei Worte Arbestsmattt leite 60 Pfennig. Famillenanzeigen Zeile ' Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt« geschält Lindenstraße 3. wochentäglich von 81/» bi» 17 Uht. Äentvalorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lwdenstratze 3 �ernlvr Trpolltenkalle Lindenstr S. Oer Rhein wird frei! Iltttt 30. Zum'/ Von Carl Severmg. Die Botschafterkonferen; hat der deutsche« Bot- schaft in Paris notifiziert, daß die Besetzung der rheinischen Gebiete am 30. Juni um Mitternacht beendet ist und hat damit auch die Tätigkeit der Nheinlandtommisfion ihr Ende erreicht. Das deutsche Volk hat am 30. Juni 1330 seinen Tag in der Geschichte. Wenn an diesem Tage die letzte Trikolore auf den ehemaligen Kasernen eingezogen wird, wenn in der Mitternachtsstunde feierliches Glockengeläut die wieder» gewonnene deutsche Freiheit am Rhein und in der Pfalz verkündet, dann darf sich das deutsche Volk beglückwünschen, daß sein Selbstvertrauen und sein uner- schütterlicher Zukunftsglaube einen der schönsten Siege er» fochten haben. Nationalgefühl und Vaterlandsliebe sind Werte, die man nicht durch Anteilscheine erwerben und nicht nach Anteil- scheinen verteilen kann, und gerade uns widerstrebt es, an diesem Festestage die Verdienste der einzelnen Parteien und Stände an der Befreiung der Rheinlande nach Prozentsätzen zu berechnen. Aber die Räumung des deutschen Westens ist noch nicht die Wiedererlangung der vollen Freiheit unseres Volkes. Eine Etappe ist gewonnen, aber noch immer drücken uns Reparationen und Auflagen, die eine wirkliche Gleich- berechtigung des deutschen Volkes mh seinem Nachbar nicht erkennen lassen. Der Kampf um die deutsche Freihest geht weiter, und darum ist der heutige Tag mit seinem Ergebnis besonders geeignet, die Methoden dieses Kampfes nachzuprüfen oder vielmehr die Richtigkest der bisher> geübten Methoden laut und vernehmlich festzustellen. Als uns in den Iahren 1918 und 1919 die harten Waffenstillstands» und Friedensbedingungen diktiert wurden, da hat die große Mehrhest des deutschen Volkes den De- dingungen zugestimmt in dem Bestreben, damit einer Auf» lösung des Reiches zu begegnen. Eine offene Ablehnung des Diktats wäre gleichbedeutend gewesen mit einer Fort- setzung des Krieges in der Form, daß im Westen die wichtig» ften industriellen Anlagen zerstört und schließlich das deutsche Land unter die Siegerstaaten verteilt worden wäre. Mit der Annahme des Diktats wurde aber nicht nur das Reich selbst» sondern auch seine Einheit gerettet. Es war eine kleine Minderheit des Volkes, die damals beiseite stand, ehrlich empörte Patrioten, deren Gefühl sich gegen die harten Auflagen der Interalliierten aufbäumte, hämische Nörgler, die für die Ueberheblichkeit der Sieger die neue republikanische Staatsform verantwortlich machten und Angsthasen, die sich die Gunst der Sieger durch separatistische Handlangerdienste zu erkaufen versuchten. Deutschland war nicht nur abgerüstet, sondern auch finanziell und wirtschaftlich bis zum Weißbluten geschwächt. Eine Erhebung mit Waffengewalt, wie sie von einigen sonderbaren Rettern als das alleinige Befreiungsmittel ge» legentlich angepriesen wurde, wäre verbrecherischer Wahn» sinn gewesen. Nur der ehrliche Wille des deutschen Volkes, den Frieden zu wahren und die Schäden und Zerstörungen des Weltkrieges mit den anderen Völkern gemeinsam zu hellen, konnte uns in der Welt wieder Freunde werben und Aussichten auf Milderung der Friedensbedingungen eröffnen. Einem zersplitterten Reich, das mit weiterem inneren Zerfall bedroht gewesen wäre, hätte man diese Chancen frei- lich nicht gegeben, und deshalb kam es a u ch darauf an, den Loslösungsbestrebungen im Rheinland und m der Pfalz von vornherein mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Von diesen Gesichtspunkten und Notwendigkeiten wurden die Methoden der deutschen Befreiungspolstik bestimmt, und diese Methoden erleben heute ihren feierlichsten Triumph. Die Sozialdemokratie Deutschlands hat sich vom ersten Tage an und ohne Schwanken für diese Methoden erklärt. Die hohe Schule der Außenpolitik war bis zum Zusammenbruch 1918 ihren Vertretern zwar ver- schlössen, und ihre Haltung tonnte darum nicht bestimmt werden von den Ratschlägen zünftiger Diplomaten. Aber in jener Situation brauchte man wirklich kein Diplomat zu sein, um zu erkennen, daß ein niedergebrochenes Volk, ganz «mf sich gestellt, fast ohne Freunde in der Welt, nur mit den Waffen des Rechts und der Vermmft feineu Wiederaugtieg bewerkstelligen könne. Die Sozialdemokratie hat sich nicht gescheut, diese Ertentnis besonders dann auszusprechen, wenn es nicht ganz ungefährlich war. gegen den Strom nationa- listischer Ueberschwenglichteiten anzuschwimmen. Zur Anwendung der Methoden der Verständigung ge- hört« aber nicht nur ein hohes Maß politischer Einsicht, sondern auch eine ebenso hohe Summe unerschütterlicher Ruhe und Disziplin. Zur Uebung dieser Tugenden war das Bismarcksche Sozialistengesetz der Sozialdemokratie eine zwar harte, aber erfolgreiche Schule gewesen. Die Degra» dierung sozialdemokratischer Parteigänger zu Staatsbürgern zweiter Klaffe, die Vertreibung braver Arbeiter von Haus und Familie, die gewaltsame Unterdrückung jeder selb- ständigen Regung der Arbeiterklaffe, die Konfiskation müh- fam erworbener Bücher und anderer Bildungsmittel durch Gerichte und Polizei— das alles trieb den Zorn und die Empörung der Arbeiter gegen ihre Peiniger oft bis zur Siedehitze. Wieviele der Opfer des Ausnahmegesetzes mögen von ihren aufwallenden Gefühlen zu der Ueberlegung geführt worden sein, ob es nicht nur gerecht sei, der Gewalt der Unterdrücker die gewaltsame Abwehr des Gepeinigten ent- gegenzusetzen! Doch immer siegte der erzene Glaube, daß die Flut der Unterdrückung, daß all« Lasten und Be» lästigungen sich an den Felsen des Rechts und der Gesetzlichkeit der Humanität brechen müßten. Unter den Ausschreitungen der Bosatzungstruppen, den schikanösen Einschränkungen der persönlichen Freiheit, der Lahmlegung des Ruhrgebiets im Jahre 1923 hat die Ar- beiterschaft. haben die Sozialdemokraten der besetzten Ge- biete mindestens so schwer leiden müssen, wie andere Stände und Parteien. Und doch sind sie gefeit geblieben von den Versuchungen, mit Verzweiflungsakten die Abwehr zu be- treiben. Oft hieß es in den Kundgebungen der Rechts- Parteien, daß Frankreich keine Reparationen, sondern Separationen und Annektionen wolle, und in der Tat haben manche Amtshandlungen der französischen Regierung und der Besatzungsbehörden diesen Verdacht mehr als hin- reichend begründet. Das sicherste Mittel, um derartige Pläne Frankreichs zur Ausführung zu bringen, wäre jedoch die Abwehr mit Dynamit und Maschinengewehren, mit Spren- gungen und Ueberfällen gewesen. Darum hat die Sozial- demokratie alle Bestrebungen bekämpft, die darauf gerichtet waren, einen aktiven Widerstand zu organisieren, weil dieser Widerstand nur zu«wer Verlängerung der Leidenszeit unserer westlichen Volksgenoffen hätte führen können. Diese Auffaffung ist im besetzten Gebiet Allgemeingut der Bevölkerung geworden. Daran vermag das billige Hurrageschrei unserer Chauvinisten in diesen Feiertagen nichts zu ändern. Wenn und wo es gefährlich war, die deutschen Interessen den Interalliierten gegenüber zu ver- treten, dann standen deutsche Arbeiter, deutsche Sozialdemo- traten mit in den vordersten Linien. Als auf der Konferenz in Spa im Juni 1920 die Bertreter Frankreichs und Eng- lands mit Repressalien drohten, da war es der Sozialdemo- krat Otto H u e, der den Millerand und Lloyd Georges auseinandersetzte, daß man mit Bajonetten zwar vieles an- stellen, aber keine Kohlen fördern könne. Als im Wies- badener Bezirk schon 1919 der Separatist Dorten sein ver- brecherisches Spiel begann, da waren es Arbeiterfäuste, die ihm und den Seinen bald klar machten, daß man im Ar- beiterlager mit Verrätern dieser Sorte bald fertig werden würde. Auf den gleichen fühlbaren Widerstand stießen im Jahre 1923 die Smetts, Mathes und Cremers, die in der tiefsten Rot des Reiches die Zeit für gekommen erachteten, die besetzten westlichen Gebiete vom Reiche loszulösen und den Franzosen in die Hände zu spielen. So hat die sozialdemokratische Arbeiterschaft in der Leidenszeit der Besetzung tapfer ihren Mann gestanden und in der Einheitsftont der Verteidiger deutschen Bodens und deutscher Rechte nie gewankt. Aber auch ihre inter- nationale Einstellung hat zu den Erfolgen beigetragen, die wir in der Befreiung der Rheinlande erblicken. Wenn in den nächsten Tagen der Männer gedacht werden soll, die an diesem Werke hervorragenden Anteil haben, wenn die Namen Hermann Müller und Josef W i r t h, Walter Rathenau und Gustav Stresemann ge- nannt werden, dann sollen auch die Namen Eduard Herriot, Lson Blum und Ramsay Macdonald nicht vergessen sein. Ihren Wahlsiegen von 1923 und 1924 verdanken wir den Umschwung der öffentlichen Meinung Deutschland gegenüber, verdanken wir die ersten Schritte zum Wege einer ersten Berständigung. Und diese Wahlsiege waren Siege der Sozialisten, der Friedensfreunde, der Weltbürger. Das deutsche Boll hat am 30. Juni seinen Tag in der Geschichte. Aber auch der internationale Sozialismus kann diesen Tag als Ehrentag begehen. Dietrichs Deckungsvorlagen. Einkommensteuer.— Beamtenabgabe.— Ledigensteuer. Stach der Vorlage, die die Reichsregierung dem Reichsrot unterbreitet hat. rechnet sie mit einem durch neue Einnahmen zu deckenden Fehlbetrag von 4 8 5 Millionen Mark. Dabei sind die Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung um ein Prozent mit einem Ertrag von 194 Millionen für die restlichen acht Monate des Jahres 1930 und die Ersparnisse in Höhe von 113 Millionen, die durch den Abbau der Leistungen erzielt werden sollen, bereits abgezogen. Der Fchlbetrog setzt sich zusammen: 1. für die Arbeitslosenversicherung.. 174 Millionen Ä. für die Kriseufürforge...... 161„ 3. Mindereinnahmen bei den Stenern. 130„ Dieser Fehlbetrag soll folgendermaßen gedeckt werden: 1. Anschlag zur veranlagten Einkommensteuer 38 Mill. ». Ledigensteuer........... HO„ 3. Retchshilfed. Personen deS öffentl Dienstes 133„ 4. Verkürzung der Fristen bei der Tabaksteuer 48„ 5. AuS HauShaltSabstrichen...... 133„ In einer zweiten Vorloge über eine Reichshilfe der Personen des öffentlichen Dienstes und über einmalige außerordentlich« Zu- schlage zur Einkommensteuer im Rechnungsjahr 1930 sind die Bestimmunge» über die Reichshilfe, de« Zuschlag zur Eiickommeo- steuer, der höheren Einkommen und über den Zuschlag zur Ein- kommensteuer der Ledigen enthalten. All« Maßnahmen sind für die Zeit bis zum 31. März 1931 besrlslel. Von der Reichshilfe werden erfaßt: 1. Die Beamten und Angestellten des Reiches, derLSnder und der Gemeinden, der sonstigen öffentlich-rechtlichen Körperschaften, der Reichsbahn und die Soldaten. 2. Die Beamten und Angestellten der Unternehmungen, die überwiegend in öffentlicher Hand sind. 3. Die Pensionäre, Wartestandsbeamten und Empfänger von Hinterblicbenenbezügen der zu 1. und 2. bezeichneten Körper- schaften. 4. Diejenigen höheren Beamten und Angestellten der zu 1 und 2 genannten Körperschaften, die nicht der Arbeitslosenversichc- rung unterliegen und Bezüge mit mehr als 8400 M. jährlich erhallen, soweit sie nicht schon nach 1 bis Z herangezogen werden. Die Festbesoldelen der Privalwlrlschafl sollen also von der Reichshilfe nicht ersaßt werden. Ebenso ist die ursprüngliche Absicht der Heranziehung der Aussichksratsmitglieder mit ihren Tantiemen und Gralisikalionen fallen gelassen worden. Die Abgabe soll für alle Einnahmen erhoben werden, die «ach de» 21, Juli 1930 gewährt werde«. Bei ihrer Berechnung bleiben außer Ansatz die Kinderzvka�en in HSHe«m s Sie tragen den Interessen der bestimmten ftretse ganz offen Rechnung Unzureichender Zuschlag zur Einkommensteuer der hohen Einkommen, Freilassung der Fesrvejoldelen mit hohem Einkommen in der Privatwirtschaft, Freilassung zur 240 M. jährlich und bei Angestellten, deren Einnahmen den Betrag von 8400 9JI. jährlich nicht übersteigen, der Beitrag von 3500 M. jährlich. Bon der Reichshils« sind befreit Pejrsonen, deren Ein. nahmen 2000 Mark jährlich nicht übersteigen und die An- gestellten, sofern fi« nicht ein Jahr hindurch in Beschäftigung gestanden heben. Die Reichshilse beträgt 21£ Proz. Sie fließt ausschließlich dem Reich zu. Der Zuschlag zur Einkommensteuer für. die Einkommen von mehr al» 8000 Mark wird auf 5 Proz. siestgesetzt. Er ist in zwei gleichen Beträgen am 10. Oktober 1030 und 10. Oktober 1931 zu entrichten. Dem Zuschlag zur Einkommensteuer der Ledige« unterliegen auch die Pflichtigen mit Einkommen unter 8000 M.. und zwar somokst bei der veranlagten Einkommensteuer als auch bei der Lohnsteuer. Bei ihnen wird die erhöhte Belastung auf zwei Wege« erreicht: einmal in einem Wegfall der Achs cht yge. also der seit 1S2S emgcsührteu Ermäßigung von 23 Proz., im Höchstsalle von 35 M. jährlich, und zweitens in einem Zuschlag von 10 P.roz. zur Einkommen st euer. Während der Wegsall der Abschläge olle Steuerpflichtigen belastet, wird der Zuschlag von 10 Proz. nur erhoben, wenn der Arbeitslohn 2540 M. jährlich(220 M. monatlich) übersteigt, bei der veranlagten Einkommensteuer, wenn das Ein- komm-u höher ist als 2150 M. jährlich. Die Herren Brüning und Dietrich haben also gestern im Reichsrat ihre Steuerpläne auseinandergesetzt. E» iokl gern anerkannt werden, daß ihre Reden frei waren von jenem dünkelhaften und befehlshaberischen Ton, in dem sich gewisse der Regierung nahestehend« Stellen bis in die letzten Tage hinein gefallen hatten. Hat man nun endlich einge- sehen, daß dieje Regierung zu allerletzt berechtigt ist, sich aufs hohe Pferd zu setzen? Oder ist man am Ende nur darum so höflich gewesen, weil man— zum Reichs? a t gesprochen hat? Run, die Reichstagsabgeordneten haben gestern in großer Zahl als Zuhörer an der Sitzung des Reichsrats teil- genommen, sie hegen die berechtigte Erwartung, daß die Reichsregierung dem Reichs tag als der unmittelbar qe- wählten Volksvertretung zum mindesten mit demselben Z�e- spekt begegnen wird, wie den Vertretern der Länderregie- rungen. Vom Reichstag kqnn. die Regierung eine sachlich« Prüfung ihrer Vorlagen erwarten aber nur dann, wenn sie auf alle dunklen Drohungen verzichtet und nicht mehr Selbstbewußtsein an den Tag legt, als sie nach den bisherigen Proben ihrer Kunst an den Tag zu legen berechtigt ist. � Sachlich ist es nicht richtig, wenn der Reichskanzler meint, zur Deckung des Fehlbetrages ständen nur die von der Regierung vorgeschlagenen Möglichkeiten zur Verfügung. Noch vor kurzem hat die Regierung mit dem Hinweis auf die Kapitalflucht und andere wirtschaftliche Gefahren jede Erhöhung der Einkommensteuer auf das schärfste bekämpft. Unter dem Druck der öffentlichen Weinung schlägt sie jetzt«inen Zuschlag von ö Proz. für die Einkommen über 8000 M. jährlich vor. Ist aber das Argument, man müsse auf die St euer scheu jener Kreise Rücksicht nehmen, die ihre Gelder ins Ausland dringen können, grund- iätzlich fallen gelassen, dankt ist Sicht einzufehen, warum nicht statt des Zu'chlages von S Proz. der Zuschlag uon 10 Proz. erhoben w'.rd, der«inen einigermaßen erträglichen Ausgleich für die starken Belastungen anderer und zwar wirtschaftlsth schwächerer Kreise darstellt. Viele schöne Worte sind über die Notwendigkeit der Ten- kung der Preis« gesprochen worden. Slber mit dem Hinweis allein ist es ebensowenig getan, wie mit der Hervor- Hebung der Schwierigkesten, dies« Preissenkung durchzu- setzen. Selbst die wenigen Möglichkeiten, die Senkung der Preise zu erzwingen, wurden überhaupt nicht erwähnt. Kein Wort wurde gesagt über die Anwendung der Kartell- gesetzgebung zum Druck auf die Preise der Kartelle und Monopole. Kein Wort darüber, daß die Zollgesetz- gebung eine wichtige Waffe sein kann in der Hand einer Re- gierung. die die Preissenkung wirklich will. Und während man sonst außerordentlich gierig ist nach Ermächtigungen, die der Regierung freie Bahn verschaffen, ist von einer Er- mächtigung zur Senkung von prciserhöhenden Zöllen keine Rede. Und was soll man schließlich dazu sagen, daß die Aus- nahmesteuer auf Warenhäuser und Konsumvereine, durch die die Preise künstlich erhöht werden und deren Besestigung den Weg zu der entscheidenden Senkung der Preise im Kleinhandel einleiten könnte, selbst bei einem demokratischen Finanzminister aus 2lngst vor.zwei Dutzend hirnverbrannter Mittelstöndler ein Kräutlein Rühr-mich-nicht-an ist! Unter diesen Umständen wird die Preissenkung kaum nennenswerte Fortschritte machen können. Der neue Finanzminister stellt allerdings in Aussicht, daß er vor drakonischen Sparmaßnahmen nicht zurückschrecken wird. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger. der nur 15 bis 20 Millionen einsparen wollte, stellt er Er- sparniss« in Höhe von 100 Millionen für das Jahr 1930 in Aussicht. Das könnte als ein Fortschritt an- gesehen werden, wenn Herr Dietrich so freundlich wäre, z» jagen, wo er diese Ersparnisse durchführen will. Aber das tut er nicht. Er verlangt eine Ermächtigung für die Reichs- reg'.erung, nach eigenem Ermessen diese Beträge am Etat abzustreichen. Nicht einmal andeutungsweise sagt er etwas sarüber, welche Ausgaben denn nun von der Späraktion be- troffen werden sollen. Kann semand daran zweifeln, daß unter diesen Umständen die Befürchtung gerechtfertigt ist, die Ersparnisse würden nicht an den militärischen Ausgaben und nicht an den Stellen vorgenommen werden, wo die Interessen einflußreicher Kreise in Frag« kommen? Daher ist ein? solche Ermächtigung, die auch aus etatpolitischen und ctatrechtiichen Erwägungen überaus bedenklich ist, doch kaum etwas anderes als die verschleierte Absicht einer weiteren Kürzung des Sozialetats. In der Rede des Reichskanzlers Dr. Brüning fand sich ein bemerkenswertes Zugeständnis. Er sagte: hätte man im vorigen Jahr rechtzeitig die Erhöhung der A r b e i t s l o s e n v e r s i cherungsbei träge vorgenommen. so würde das Defizit der Reichsanstalt jetzt nicht durch eine so gewaltige Erhöhung der Beiträge gedeckt wer- den müssen. Er folgerte daraus zutreffend:„Alles, was in einem entscheidenden Augenblick ver- säumt wird, muß später mit erheblich höhe- ren Lasten nachgeholt werden/' Gilt das. nicht- aber auch von den. jetzigen. Finanzplänen der Reichsregierung? der Aufsichtsratsbezüge, die ursprünglich Reichshilse herangezogen werden sollten, sind das nicht. alles! tragen morden ist. Anhaltspunkte dafür, daß man trotz schwerster Lasten für die � Masse des Nolles die Leistungsfähigen schonen will? Diese Hinweise genügen, um zu zeigen, daß die Veschlüsse der Reichsregierung alles anders eher sind als ein Meistsr» werk, das über jede Arilit erhoben wäre. Mehr und mehr «rweist sich überhaupt die ganze Regierung Brünina mit ihrer Methode, Gesetze zu machen, al» ein mißglücktes Ex» p eriment._ Demokratische Bedenken. De?„Demokratische Zeitungsdienst' bemerkt zu denDeckungs- Plänen der Regierung: „Soweit tich aus den bisherigen Mitteikunge« de» Reichskanzlers und des Reichssinanzmimsters ergibt, weichen die neuen Porlagen in wesentlichen Punkten von den früheren Deckung»- Vorschlägen ab. Es ist unverkennbar, daß stark« Lerbesserungen im Sinne der Wünsch« und Anregungen der Demokraten erfolgt sind. Das gilt im besmcheren für die Einsparungen im Reichs» h a u s h a l t, die in einem ganz anderen Maße durchgeführt werde» sollen, als dos bei den früheren Dorschlägen angekündigt war. Da» gilt auch für die Reichshilse der Beamten, bei der jetzt der Versuch unternommen ist, st« einzubauen in ein all» gemeines Opfer aller Schichten, zudem weiden die jetzt vorgeschlagenen Maßnahmen als Notmaßnahmen charakterisiert und sind infolgedessen zeitlich begrenzt worden. Die natürlich« Folge muß die weiter« Vorlage eine» großzüg.igen Finanz» Programm» sein, dessen Notwendigkeit der neue Reichsfinanz. minister Dietrich cmerkamii hat. Andererseits bestehen innerhalb der demokratischen Reichstags» frattion eine Reihe lebhafter Bedenken im Hinblick auf die die nicht oder nur«lzrckängklch erfüllt worde» sind. Es wird demgemäß noch eine genau« Prüfung erforderlich sein, wie weit den Grundsätzen der sozialen Notwendigkeit und der sozialen Gerechtigkeit im Hinblick auf den Ausgleich zwischen Beamtenreichshllfe und Einkonrmensteuerzujchlage Rechnung ge- Die Demokraten beharren auf ihrer alte» Forderung, daß Steuererhöhungen jetzt nur tragbar sind, wenn gleichzeitig die boldige Durchführung der Finanz- und Reichsreform gesichent ist." Lolkspartei sagt:„Scheialfilse/ Zur neuen Deckungsvorlage der Reichsregierung nimmt die Ratio nalliberw« Korrespondenz unter anderem wie folgt Stellung: Der Deutschen Bolkspartei kommt es nach wie vor ent- scheidend dorauf an, daß die Sanierung der öffentlichen Haus- halte grundsätzlich von der Wiederbelebung der Wirtschaft her erfolgt. Heut« bedeutet W» Erhöhung der Eltmahmen, das heißt die Erschließung neuer Steuerquellen, eine erneute Belastung der Wirtschaft und eine weitere Erschwerung der so dringend erforderlichen Äapitalbildung. Deshalb ist mft allem Nachdruck nach wie vor zu fordern, daß das Hauptgewicht aller Sanierungsmatznahmen auf die Ausgabensenkung.zu legen ist. Es ist richtig, daß die Regierung nicht ganz an dieser Forderung vorbeigegangen ist und die im ersten Programm vor- gesehene Ausgabensenkung von 33 Millionen um weitere 55 Mu- ltonen erweitert hat. Es erscheint doch wesentlich, daß der Reichs- tan-l-r wie auch der neu« Finanzminister Dietrich zu verstehen gegeben haben, daß Abänderungen des Regierung s- Programms im einzelnen nicht ausgeschlossen sind. Für d>« kommende Verhandlung der Reichsregierung mit den Parteien wird es darauf ankommen, die«ch t e Ausgabensentung zu erreichen und sich nicht mit Scheinhilsen zu begnügen, weil nur auf diese Weise die große Finanzreform tatsächlich vorberei'.et werden kann. Das gilt auch für die Beurteilung der sogenannten Reichshilse.'__ Reichsrat gegen Krankenkassen. Bezahlung für Krankenschein und Rezepte!- Stegerwald will höhere Gebühren. Aus der gestrigeu Bollsihuag des Reichsrockes stand dle Novelle zur Krankenversicherung, die eweu weseniliche« Bestandteil de» Re. gierungsprogramm» bildet, zur Debatte. Heber den Auegang haben wir bereits kurz berichtet. Au» der Beratung selbst tragen wir noch einige Einzelheiten nach: Den Bericht üb«? die AuvschußoerhoiMungev erstattete der württembergische Ministerialdirektor D- Widmanu. der zunächst auf die Ausgadensteigerung der Krankenoersicherung einging. Danach sind die Ausgaben in der Krankenversicherung vou 459, ö Millionen im Jahre 1913 auf 1866 Millionen im Jahre 1928 gestiegen. Dl« Zahlen für 1929 liegen noch nicht vor. Die Gründe für diese Steigerung liegen in dem Anwachsen der Zahl der Versicherten, dt« von 1913 bis 1928 von 15,5 auf rund 22 Milllonen gestiegen ist. während die Zahl der mttversich«rt«n Familien» angehörigen von 4 auf IS Millionen anwuchs. Sodann sind die Leistungen erweitert worden und fchLeßltch sind die Anforderungen an ärztliche Untersuchung und Behandlung größer, die Heilmittel tsurer. das Kronkheitsrisiko. hauptsächlich wohl insolge von Krieg, Inflation, Wohnungsnot und verändertem Altersausbau ungünstiger geworden. Der Entwurf der Reichsreglerung schlägt eins Reihe von Spar» maßnahmen vor, die die bestehenden Bestimmungen weiter ausbauen und wirtsamer gestalten. Schon bisher kann für die Ausstellung des Krankenscheines eine Gebühr erhoben werden. Der Entwurf schreibt eine Mark bindend vor. Ferner soll der Versicherte in Zukunft SO Pf. Hellmittelkosten- beteiligung. jedoch nicht ntehr al» die wirklichen Kosten, tragen. Für di« Bemessung des Grundlohnes war vor dem Krieg« das Arbeits» entgell bis zum Betrag von 5,14 M. für den Kalendertag zu berück. sichtigen. Diese Grundlohngrenze wurde nach dem Krieg auf 10 M erhöht, sie soll jetzt auf 9 M. herabgesetzt werden. Das Kranken- geld soll künftig erst vom vierten Werktag der Krankheit an, nicht wie bisher schon vom vierten Krankheitstag an, gezahll werben, Der Anspruch auf Kranken, und Hausgeld soll ruhen, soweit der Dersicherte Anspruch auf Arbeitsentgelt hat. Diesen Sparmaßnahmen steht auf der anderen Seit» gegenüber der Ausbau der Familien- krankenpflege zur Pflichtleistung. Die Grenzen für die Festsetzung der Beiträge werden eingeengt. Weiter werden die Kassen verpflichtet, alle zwei Jahre ihre Ge- schästssührmrg durch Roisoren nachprüfen zu lassen. Für den Erwerb von Grundstücken und für die Errichtung und Erweiterung von Ge- bäuden ist künftig die Genehmigung nicht nur de» Bersicherungs-, sondern des Reichsverficherungsamts erforderlich. Di» unmittelbar« Ersparnis schätzt die Reichs» regierung auf etwa 2l0 Millionen. Ferner hofft man. daß der durchschnittliche Voilragssah van 6,3 Proz. auf 53 Proz. gesenkt werden kann. In der Ausschußberatung wurden Bedenken au« dem Zu. sammenhang der Novelle zur Krankenversicherung mit der Reform der Arbeitslosenversicherung hergeleitet. Ferner wurden Bedenken geltend gemocht wegen der Einschränkung der Selbstverwaltung, wegen der Erschwerimg der Jnanspruch- nähme der Krankenhllfe und wegen der Einengung der BetStigungs. Möglichkeit des Aerztestandes. Trotzdem wurde dem Entwurf grundsätzlich zugestimmt. Rur bei der Beteiligung der Versicherten an den Arzneikosten waren di» Bedenken so stark, daß di« Mehrheit«ine Bestimmung einfügte, nach der der Reichsarbeits- minister ermächtigt ist, nach Anhörung de» Reichsausschusse, für Asrzie und Krankenkassen Ausnahmen von der genannten Bor. fchrift festzusetzen. Stark umstritten war auch die Kranken. scheingebühr. Die Mehrheit beschloß, die Gebühr von 1 M. auf 50 Pf. herabzusetzen. Steqerwald für»Scheinbehandlung". Stegerwald äußert« Bed-mken gegen die vorgenommenen Aenderungen/ bcsonvers aber gegen di« Herabsetzung der Krankenscheingebühr:. Die Reichsregierung hat vorgeschlagen, daß die Gebühr für den Krankenschein ein« Mark betragen soll. Die Satzung kann die Gebühr für Versicherte mtt einem Grundlohn von nicht mehr als vier Mark bis� auf die. Hälfte ermäßigen und für Versichert mtt einem Grundlohn von mehr als sieben Wart um die Hälft« erhöhen. Sie kann ferner mtt Zustimmung des Ober- versicherungsamtes aus besonderen Gründen die Gebühr auf ein Viertel herabsetzen. Auf diese Bestimniung legt die Reichsregierung großes Gewicht Es gibt kein zweites Land in der. Welt, das soviel für Arzt.und Arznei verausgabt wie das deutsche Volk. In der..Sozialversicherung allein werden gegenwärtig miickestens ein« Milliarde Mark jährlich für Aerzte und Apotheken ausgegeben. Dabei ist das deutsche Voll noch lange nicht das gesündeste. Skandinavier, Holländer und Amerikaner sind mindestens so gesund wie wir. Wenn, die Familienversicherung noch weiter durchgeführt ist, wird mehr als die Hälfte des deutschen Volkes keinen roten Pfennig aus eigenen Mitteln(1) für Kronkenhaus, Arzt und Apothekerkosten zu zahlen habe». Unter diesen Umständen ist es auch ganz selbstverständlich, daß Arzt und Apotheker mehr in Anspruch genommen werden, als«s.aus rein volksyesundhettlichen Gründen notwendig wäre. Preußischer Staatssekretär Weismann: Die preußische Staat;- regierung kann sich dem Appell der Reichsregierung nicht entziehen. Et« kann es nicht über sich gewinn««, sich gleich bei der«rsten Vorlage, di« ihr im Reichsrat gemacht wird, der Ersparnismögllchteit zu»erschließ«». Wir werden für den Antrag stdnmeu. Gegen d» Fassung der Regierungsvorlage(Krankeizscheingebühr 1 M.) stimmten die Länder Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Thüringen, Hessen, Hamburg, Draunschwe-g und Schauwburg-Lippe sowie d'e preußische Provinz Sachsen. Die übrigen Länder und preußischen Provinzen stimmten mtt der preußischen Staatsregierung für die Regierungsvorloge. Diese wurde daher mtt 34 gegen 31 Stimmen abgelehnt: es bleibt bei der von den Ausschüssen vorgeschlagenen Krankenscheingebühr von SOPi. Sie Reichsregierung behielt sich vor. dem Reichstag eine Doppelvorlagc zugehen zu lassen._ Gisenach republikanisch— Aber Irick verbietet es. Eisenach. 28. Zum.(Eigenbericht.) In seiner letzten Sitzung nahm der Eisenacher Stadtra t ein« sozialdemokratische und ein« demokratische Entschließung gegen die in Thüringen betriebene Judenhetze der National- s o z i a l i st« n an. In der gleichen Sitzung wurde ein sozial- demokratischer Antrag angenommen, angesichts der Befrei- uyg des Rheinlandes Zwei Straßen und einen Platz nach Eb e rt, Ctresemann und Rathen au zu benennen. Der Oberbürger- Meister Dr. Ianson, dessen antirepublikanische Bernehmung eines Polizeioffiziers in Erinnenmg ist, versuchte die Annahme de» Antrages mit dem Hinweis.zu verhindern, daß er sich vor- behall«. aus Gründen stadtgeschichtlicher Vergangenheit und aus verkehrstechnischen Rücksichten einen entsprechenden Peschlutz de» Stadtrats zu beanstanden. Noch dem chüringijchen Wegegesetz steht jedoch dem Stadtrat die Strahenbenennung zu. Inzwijchen hat der Putschist Frick eine Ermächtigungsoerordnung herausgegeben, nach der ab 1. Juli nur noch d'e m Stadtvorstand das Recht der Benennung van Straßen zu- steht. Dadurch soll offenkundig verhindert werden, daß In den Städten Strahenbenennungen nach bekannten republikanischen Staatsmännern und damtt politische Kundgebungen gtgen dl« Weis- helt de« Hakenkreuzes erfolgen. Immer wieder Oikiaiurgerede. „WdS fchleichert dort im Lvfch herum?" Im„Berliner Tageblatt' ist zu lesen: „So sehr im Augenblick die Erörterung über ein« außerporlo» mentarksche Erledigung der Deckungsfragen in den Hintergrund g'- treten zu sein scheint, merden doch die Bestrebungen gewisser, Kreis« fortgesetzt, für all« Fälle den von der Linken zu erwartenden Wider» stand gegen die Erteilung außerordentlicher VoUnwchien an das Kabinett Brüning zu schwächen. Au diesem Zwecke ist versucht worden, aus Abgeordnete der Linken dadurch einzuwirken, daß ihnen angedeutet wurde, die Deutsch« Volksparlei arbeile auf eine Diktatur de» General» Schleicher hin. Demgegenüber seien außerordentliche Vollmachten für die jetzig« Reichsregierung als das geringere Uebel anzusehen Dieser plumpe Einwirkungsversuch dürfte allerdings durchaus sein Ziel vrrjehtt haben. Er zeigt aber aus» neue, daß man vorsorglich noch immer daran denkt, die Hindernisse, sei es für«in Crmächtigungs» gssetz� sei es für den Artikel 48, aus dem Weg«.zu räumen." Für die Sozialdemokratie heißt es nicht.„Brüning oder Schleicher?, sondern:„Weder der eine noch der andere!' Zehnflundenrede Stalins. Die.stürmische AuswärtseniwitNung' der Sowjetunion. Moskau. 28. Iurti(Tslsgrvphenagentur der Sowjrtuniott.) Auf dem Porteikongreh verwies Stalin m seinem annähernd zehnstündigen Bericht über d-e PolitÄ der Parteileitung auf die wirtschaftliche Krise, ine in fast allen kapitalistischen Ländern herrsche. Sie sei schwerer als s« und werde zu scharfen Kämpfen um die Absatzmärkte führen sowie gewaltige Arbeit»« lusi gleit schaffen. In gleicher Zeit Hab« sich die Sowjetunion trotz gewisser Schwierigkeiten der sozialistischen Umstellung stürmisch vor» w ä r t s entwickelt, was der Aufbau der Schwerindustrie und die Kollektivierung in der Landwirtschaft beweise. Die Sowjetunion sei auf dem Wege, aus einem Agrarland«in Industrieland zu werden und sich durch eins eigene Industrie wirtschaftlich unabhängig zu machen. In der Landwirtschaft sei das Getreideproblem grundsätzlich gelöst. Die landwirtschaftlich« Entwicklung geh« weiter in so- zialistischen Bahnen zur Massenkollektivisierung und Liquidation des Kulakenwms über. Die Schwierigkeiten, welche die Sowjetunion gegenwärtig durchmache, seien Schwierigkeiten des Wachstums auf dem Wege zu einer besseren Zukunft. Bezüglich der Parteipolitik kündigt« Stalin weiteren, energischen Kampf gegen die Reste des Trotzkismus und gegen die Rechtaopposition. die im wesentlichen bereits besiegt sei, an, so daß die gegemoärtige Tagung der erste Parteikongreh sei, auf dem keine O p po sit i o n s ri chtung wage, gegen die Parteiliine aufzutreten. « Noch vor zwei Monaten wurde chm nach seinen eigenen Worten „schwindlig"' zumute, angesichts des z u stürmischen Tempos der Zwangskollektivisierung auf dem Lande. Damals drohte ein Massenaufstand der Bauernklass« und die Rechtsopposttion erhob ihr Haupt. Beiden Gefahren hat Stalin durch seinen Rückzug vor- gebeugt. Jetzt, wo er wieder fest im Sattel sitzt und die Rechts- opposition aus Angst vor dem Schicksal der Trotz kisten kapituliert hat oder schweigt, redet er wieder große Töne— zehn Stunden langt Bis zur nächsten Wirtschaftskrise. Nach der Ernte werden wir erst sehen, wie das Getreideproblem.grundsätzkich gelöst" wurde. Steueroffenfive in Ost-Oberschlesien. Riesenpfandung beim Fürsten pleß. Salkowih, 28. IurtL Die noch nicht abgeschlossenen Auseinandersetzungen über angeb- liche Steuerrückstände der Fürstlich Pleßschen Verwaltung. die seit längerer Zeit zwischen darr Kattowitzer Finanzamt und der Verwaltung schweben, haben am Freitag zu einem aufsehenerregcn- den Vorfall geführt. Im Verwaltungsgebäude der Pleßlsche« Senevakdirekkoa erschiene» Finanzbeamte und forderte» die Vorlegung der Kassenbücher und der' KassenbsftSnd«. Ms die zur Aus» zahlung bereitlegenden Gehälter beschlagnahmt werden sollen, bemächtigte sich der Beamtenschast ein« große Gr» regung, und«s kam ga Zusammenrottungen, die gefährliche Formen anzunehmen drohten. Die Ftnanzbeavrte» forderten poli» zetfichen Schutz, der auch bald in Stärke von 20 Mann erschien. E» gelang noch, die Gehälter der zur Generaldirektion gehör enden Be- (Bruen auszuzahlen. Trotz Einspruchs der Verwaltung wurden dann die übrigen Lohngelder in Höhe von«tu» 237 000 Zloty be» lchlagnahmt. Knud 37 000 Zloty tpmbfu als PfüudlMgsgebShrcv für den Vollzieh ungsbeamleo beansprucht. Gleichzeitig wurden die Schreib- und Rechenmaschinen sowie das übrige Büroinoentar gepfändet. Die Generaldirettion rief sofort die zuständigen Aufsichtzbchörden an. Darauf wurden zwar die Löhne für die Arbeiter und Pensionsbeamten in Höhe von 340 000 Zloty freigegeben, nicht aber die Gehälter für die Gruben- angestellten im Betrage von 300000 Zloty., was angeblich zur Betriebseinstellung führen wird, da man diesen Beamten ihr Gehalt nicht zahlen könne. «Sraezynski gibt nach. 0m HaushaSsausschuß des schleflschen Sejms verlas Sejm- Marschall Wollny«inen Brief des Wojewoden Craczynski, der den Haushaltsausschuß«sucht, die Beratung bis zum nächsten Donners. tag zu vertagen. In der Zwischenzeit soll« mit de« einzelnen Klub» wegen der Beratung der Haushaltsfrage verhandeln. Der Haus- baltsausschuß hat der Vertagung zugestimmt, um den Willen zu einer friedlichen Zusa-mnenarbeit zu betonen. Damit scheint eine Vertagung des Sejms vermieden zu sein, und der Wojewode will anscheinend versuchen, den Streitfall beizulegen. Im Sejm glaubt man, daß der Wojewode ein« Parlamentskrise vermeiden wM. da die Opposition in ständigem Wachsen ist. Koalitionswirreu in Sachsen. Die Dottsnotwnale Vereinigung ist vcrschnvpfi. Dresden. 28. Juni(Eigenbericht). An der von der Dentschnationalen Lolkspartei für Sonnabend eiuberusenen Besprechung über die Regierung?- bildung in Sachsen nahmen außer der Demokratischen Partei auch die Deutsch« D o l k s p a r t e i nicht teil, da sich erst der Landesvorstand der Deutschen Volkspartei mit der durch die Wahlen in Sachsen geschaffenen Lage beschäftigen müsse. Di« volksnationale Vereinigung hat die Beteiligung an der Besprechung mit der Be- gründung abgelehnt/ daß sie in der nationalsozialistischen Presse schwer verunglimpft worden sei, und« daher für unter ihrer Würde halte, sich mit den Vertretern dieser Partei an einen Tisch zu setzen. Di« Besprechungen mußten angesichts der Absagen an die Deutsch- nationalen ergebnislos oerlrmfen. Immerhin.— so wird er- � klärt— seien die Teilnehmer in dem Ziel der Bildung einer „Marxisten freien" Regierung ewig und würden dieses Ziel wciterverfolgen.___ Baden stützt Curtius. Sr soll in der Fraktion und in der Regierung bleiben. Die Wahltreisgeschäftsstelle der Deutschen Volksportei in Karls- ruhe bezeichnet die Nachricht, daß der badische Wahlkreis seinen Abgeordneten, Reichsaußenminister Dr. Curtius. aujgefordert habe, sein Mandat niederzulegen, falls die Volkspartei aus der Re- gieru'ng ausscheide, er jedoch im Amte zu bleiben beabsichtige, a l s frei erfunden. Der badische Wahlkreis legt Wert darauf, daß Dr. Curtius das verbfeftea in der Fraktion und der Regierimg ermöglicht wird, i..___ I___'HMH-J- Das sächsische Bürgertum und sein Heiser. „Also abgemacht, ich zahle Ihr Biet, wenn Sie den»Nun. Ihr Biet haben Sie ausgekrunkeu. jetzt dtauf Arbeiter da drüben verdreschen." und dran."/ »Eiaverfiandeu. fopp!"»Erst mutz ich mich noch ei- wenig stärken." Ttun tos endlich!" »Trinken allein gibt keine Bouillon ia den Suochen. ich mutz auch was essen." »Zetzt haben Sie für mein Geld gegeste« und ge- tr-ukeu. nun halte- Sie auch wart."—-»Der ist mir über- Haupt zu trSftig, aber mit vir aehm' ich»-och grade auf." Die Zchemlandrcmmung. Schluß In Mainz.— Die Ordonnanzen erledigt. atota*, 28. Juni. Am Sonnabendmorgen verabschiedete sich General Gmllaumat vom Landeskommissar für die besetz«» Heffischen Gebiete. E» folgten die Abschluß� es prechungen zwischen dem prmseoberkommando und dem deutschen Generaldelegierten beim Oberkommando. Die ftatu zöstsche Rheinflotille ist in den frühen Morgenstunden mit den Pionieren nach Straßburg abgefahren. Die Kaserne», die noch im Besitz der Franzosen waren, winde» zurückge- geben. Im Besitz der Franzosen bleibt bis Montag nur noch ein« Kaserne, wo die Ehrenwachen untergebracht find. Am Montag, um 17 Uhr. wird dann Schutzpolizei über die Rheinbrück« in Mainz einziehen. Zugleich soll an einzelnen misitärischen Gebäuden die Reichsflazg« gehißt werden. Amtlich wird, die deutsche Flagg« nachts auf dem Halleplatz gehißt, im Rahmen der großen Befremngsseier, wahrscheinlich durch den Reichs- innenminffter Dr. Wirch. Die Rheinlandkommission hat dem Reichskommissar der besetzte» Gebiet« mitgeteilt, daß die Porschristen über die Besetzung am 30. Juni d. I., um 24 Uhr, außer Kraft trete». Abschiedsbesuch in Trier. Trier. 28. Juni. Der Generalsekretär der Rheinland?«nmtssilln E v eillard und Oberslleutnant T a r d y statteten im Regierungspräsidium ihren Abschiedsbesuch ab. Sie wurden in Vertretung de, zur Zeit in Paris weilenden Regierungspräsidenten Dr. Saaße« von seinem Stellvertreter empfangen, dem sie das Bedauern des Oberkommissars Tirard ausdrückten, daß er nicht persönlich noch Trier Hobe tmnmen können: der Oberkommissar lasse den Wunsch übermitteln» daß die so verheißungsvoll begonnene Annäherungspolitik fortgesetzt werde und reiche Früchte trag«. Der Vertreter des Re- gierungsprasidenten dankte sür die Abschiedsgrüß« und betont«, daß auch Deutschland die Hoffnung hege, die verantwormngsschwer« Politik, die Gegenstand ernster Beratungen sei. werde Frücht« zum Besten der Völker tragen. Im Anschluß an diesen Besuch gaben die beiden Vertreter der Rheinlandkommission im Bischof sh ose ihre Karten ab, da der Bischof zur Zeit«ms einer Firmungsreis« ist. De? preußische Ministerpräsident Dr. Braun hat an den Oberbürgermeister der Stadt Trier folgendes Telegramm gerichtet: Die Staatsregierung dankt der Stadtverwaltung und Bürgerschaft für das in der Stunde der Befreiung wiederholte Gelöbnis der Treue zum preußischen Staat. Di« in der schweren Be- satzungsnot gezeigte Stemdhaitigkeit, Treu« und vorbildlich« Bater» lemdstiebe wird der Stadt Trier nicht vergessen werden. Aufruf für die Befreiung des Gaargebiets. Trier. SS. Juni. Für die Befreiung des Saargebiet» erläßt ein Ehrsnaus- fchuß mit Oberbürgermeister Dr. R e i k« s» Saarbrücken. Ober- bürgermeifter Dr. Weiß- Trier. Regierungspräsident Dr. S a a ß« n- Trier,-Landeshauptmann Dr. Horton» Düsseldorf und anderen an der Spitze einen Aüfrüf, in dem es u. a. heißt:„5m rheinischen deutschen Land sind die Fesseln gefallen. Zehn Jahre haben die Rheinländer, Moseloner„ die Aachener und Pfälzer, die Rhein-Hessers um chre Freiheit gekämpft Der deutsche Rhein ist frei! Rur im Saarwold ist es stumm, denn hier ist noch nicht Freiheit, ist noch nicht Fried«. Roch regieren fremde Herren dieses Land, dessen Töchter und Söhn« deutsch sind, tausend Jahre und mehr. mG'ste wollen, wie es die Väter waren, immer deutsch sein, wollen auch jetzt in der Zeit des tiefsten Unglücks mit den deut- schen Brüdern und Schwestern vereint bleiben. Die Staatsmänner, die Europa regieren, haben ein feierliches Gelü b d e für den dauernde» europäischen Frieden getan. Sie haben erklärt, daß es ihr Wille sei, all« Fragen des Kriegs zn liquidieren und dadurch alle Gefahre» eines neuen europäischen Krieges zu beseitigen. Rur«nes hat man vergessen, hat man vergessen müssen, weil Frank« reich nicht zuließ, daß mau es in die Verhandlungen über die Liqui- dierung des Krieges einbezvg: das Saargebiet Es ist mit dem feierlichen Gelübde der Liquidierung des Kriege» und dar Befestigung eine» dauernden europäischen Friedens unvereinbar, wenn jetzt in letzter Stunde versucht wird, durch unberechtigte Besitz- ansprücheaufdieSaargruben. durch da» Verlangen nach wirtschaMchem Einfluß und nach Anerkennung der Soarpachi- Verträge die deutsch-französischen Saarverhandlungen zu v«r» schleppe», die Wiedergutmachung des Unrechts an der Saar zu verhindern«nd die sofortige Rückgliederung des Saar- gebiet» unmöglich zu machen. Angesichts der endlich errungenen Freiheit des deutschen Rheines und unter Berufung auf das Selbst- beftimmungsrecht der Böller richtet der Bund der Saarvereine in Uebereinftimmung mit der Bevölkerung des Saorgsbists an Völker- bund, Locarno-Mächte und das Weltgewissen die dringend« Forderung: �elftdasbentscheSaargebietbefrelen!" Die tehien Tage der„Repko." Am noch formale Amtshandlungen. Paris, 28. Juni.(Eigenbericht,) Die Reparationstommisfion hat in Erfüllung einer ihrer letzten Pflichten in«wer am Sonnabend abgehaltenen Sitzung von der Hinterlegung de? Urkunden über die Ratifikation der Haager Abkommen durch Oesterreich AennWi» genommen. Damit sind zugleich die Beziehungen zwischen Oesterreich und der Rc- paratlonskommWon erlosch«». Ungarn und Bulgarien dürsten gleichfalls w den nächsten Tagen die Ratifikationsurkunden hinterlegen, womit die Reparotionstommisfion offiziell zu existieren aufgehört haben wird. Das neue Wettrüsten. Gewaltige Mehrausgaben Italiens. Rom. 28. Juni. Der Ministerrat beschloß auf Borschlag Mussolinis eiae Erhöhung der Bürse»umsatz st euer vom 1. Juli ab, durch die es ermöglicht werden soll, die Mittel sür die Landesverteidigung vom Rechuuugsjahr 1930/31 ab um eiur halbeMilliardezu vermehren. Für da« Rechuuugsjahr 1930/31 werden die einzelnen Budgets der Laudesverteidigung um folgende Summen erhöht- Heer um 300 Millioueu. Mari«« um 100 Million««. Luftfahrt um 80 Millionen und Miliz um 20 Millionen. Für gemeinnützige Zwecke und für landwirtschaftliche Einrichtungen werden ebenfalls Er» höhungen beschlösse». Italienischer Offizier in Albanien ermordet. Rom, 28. Juni. ■ Der italienische Pwmerleutnant und Instrukteur im albanischen Heer. C h e st i. wurde von«wem Albanier e r s ch o s s« n. al? er auf der Straße von Skutari nach Soirocco aus einem Motorrad fuhr. Die Leiche wird auf einem italienischen Kriegsschiff in die Heimat übergeführt werden. Zn Ehiua lfi eine große Schlachi im Gange. Di« zurückpeworse- neu Nanking-Truppen haben an der Lunghai-Front«ine General» offensive gegen die RvrdkoaMou begonnen, deren Streitkräfte zu- nächst zurückgewichen sind. 66« Massenausschluß bei den Razis. »Oozialisienverfolgung- durch Goebbels.«— Ganz wie bei Thälmann. Der Redakteur der Berliner nationalsoziakfftffchen Tageszeitung »Der national« Sozialist", Richard S ch a p k e, früher Hauptschrist- leiter des„Niederdeutschen Beobachter", ist am Freitag aus der NSDAP, ausgesth lassen worden. Schapks wendet sich nun mit einer Erklärung an die Oeffentlichkeit, in der er sagt, daß sein Ausschluß auf Grund von Denunziationen und wegen seiner Haltung zum Wahl- ergebnis in Sachsen erfolgt sei. Er vertrete die Auffassung, daß die Noung-Parteien, die die heutigen Zustände durch ihre Er- füllungspolitik verschuldet hätten, für diese Politik auch offen die Berantwortung tragen mühten und sei der Ueberzeugung, daß es für die antisemitische NSDAP, einen Verrat ihrer Grund- sätze bedeuten würde, in Sachsen ein« bürgerliche Koalition zu bilden, die nur mit Einschluß oder durch Abhängigkeit von der Demokratischen Partei möglich sei. In der Untersuchung gegen ihn sei von ihm u. a. auch auf die großen Widersprüche in den Aussagen Goebbels im Hindenburg-Prozeß zu seinen späteren. Erklärungen in seiner Halb- wochenzeitung„Der Angriff" hingewiesen. Der Vorsitzende des Berliner Untersuchungs- und Schlichtungsausschusses habe daraus selbst zugeben müssen, daß bei der Stellung Dr. Goebbels in der Partei eine Klärung dieser Widersprüche unbedingt vor» genommen weiden müsse. Die Erklärung schließt:„Da am gleichen Tag« auch gegen verschiedene andere Parteigenossen von der Partei vorgegangen wurde, die eine gleiche revolutionäre und sozialistisch« Anschauung vertreten, z. B. Mo s s a k o w s t y, R a e s ch k«, Leit«r der Neuköllner Sektion und andere, betrachte ich meinen Parteiausschluß als den Ausschluß einer jetzt in der Partei »I»seß«»b«»«xtl Mc Partei weiß, daß wir als aufrechte und ehrliche Sozialisten ein Zusammen gehen mit der Reaktion immer aus, schärffte bekämpfen werden." Die Ein- und Ausfuhrverboie. Die Völterbundskonvention hinfällig, weil polen nicht unterzeichnet hat. Amtlich wird mitgetM: Das in Genf am 8. November 1927 unterzeichnete Inter- nati-onale Abkommen zur Abschaffung der Ein. und Au-- fuhrverbote und-befchränkungen war von Deuifchland ebenso wie von einer Reihe anderer Staaten nur vorläufig in Kraft gesetzt worden unter der Bedingung, daß auch Polen und Sie Tschechoslowakei es ratifizieren würden. Bei Nichteintritt dieser Bedingung sollte dss Abkommen mit dem 1. Juli 1939 für Deulsch- lond wieder außer Kraft treten. Di« Frist für die Ratifizierung des Abkommens lief für Polen am 29. Juni 1939, für die Tschecho- slowakei am 26. Juni 1939 ab. Die polnische Regierung hat dem Generalsekretär des Völkerbundes am 19. Juni 1939 mit- geteilt, daß sie das Abkommen zur Zeit nicht ratifizieren könne. Die Tschechoslowakei hat das Abkommen am 25. Juni 1930 ratifiziert, jedoch unter der Bedingung, daß auch eine Reihe anderer Staaten, darunter Polen, dos Abkommen raüfizierten. Unter diesen Umständen hat die R e i ch s r« g i e r u n g am 27. Juni 1939 auf eine Anfrage des Generalsekretärs des Völkerbundes geant- wartet, daß Deutschland sich noch dem 1. Juli 1939 nicht mehr an das Internationale Abkommen gebunden halten könne. Auch einige andere Staaten, z. B. Ungarn und die Schweiz. haben, wie bereits bekanntgeworden ist, dem Generalsekretär de- Völkerbundes eine ähnliche Mitteilung zukommen lassen. Der boNvlsche Exdlktalor Silves und der ehemals kaiserlich deutsch« General Kundt sollen von den Aufständischen gefangen, an die argentinische Grenze gebracht und in einen Zug nach Buenos Aires einwaggoniert worden sein. Oer Jofl Isolde Retter. Lnterfuchuag eingeleitet. Beim Hanshalt des Ausevärtigen Amtes hat Abg. Dr. Brettscheid auch die bestialische Mißhandlung der Schriftstellerin Isolde Reiter durch die südslawische Polizei besprochen. Nun kommt über Wien die Meldung» daß die Beschwerde der Miß- handelten zwar unter dem 14. Juni aus Sroß-Betschkerek an den Ministerpräsidenten Schiokowitsch abgeschickt worden, aber durch bis- her unaufgeklärte Umstände erst am 26. d. M. eingetrosten sei. Der Bonus des Donaubanats in Neusatz ist daraufhin beauftragt wor- den, unverzüglich eine strenge Untersuchung eitizuleiten. Desgleichen soll ausgeklärt werden, wie die vor einigen Tagen in der Presse enthaltene angebliche E r k l ä r u-n g Frau Reiters zu- standegekommen ist, in der diese jede Mißhandlung durch die Poli- zsj in Abrede stellt«. Die betreffenden Polizeiorgane sollen zur Verantwortung gezogen und exemplarisch bestraft werden. „Oer Mann mit dem Klepper." Lraufführung im Echiller-Theater. Ein Idealist setzt seine ganze Lebenshoffnung auf ein ab- getakeltes Rennpferd, wird dadurch vor aller Welt lächerlich, aber zum Schluß reich belohnt. In dem Rumänen G. C i p r i a n lernen wir einen Autor kennen, der die bemerkenswerte Kunst besitzt, vier langwierige Akte mtt lauter Belanglosigkeiten zu füllen. Lothar M ü t h e l wird begeistert gerufen. Dsr. (Gewerkschaftliches flehe 4. Beilage.) Seranrwortlich fBt Politik: Dr. Cut»(Scqtt; Wirtschaft:®.»liuaelhösrr: Drwerkschailsbetvrgung: z. Steiner: Feuilleton: it. K. Döscher: Lokales und Soni'tines grii» itarltädt: Anseiaen: Td Kl-xte- sämtlich in Berlin. Berlag: Bormärts-Leriag<3. m d. S, Berlin Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Lerlaasanlialt Paul Singer u. Co.. Berlin EW. 68, Lindenftrage 3 Hierzu 6 Beilagen. Nr. 299* 47. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Sonntag, 29. Juni-lyAv XVie vvärs mit einer Hühnerfarm? Zwischen Hühnern, Hähnen und Küken bei den Gro�zfiditem« Die fjö&ncrgrofifattn von henke erfüllt ihre Aufgab« nicht durch Verprodukiiou. sondern durch Rosien- und teistungs- zucht. Ein Besuch in einer solchen Anstalt kann über manche fragen, die vor allem dem Kleinkierzüchter angehen. Auf- schlich geben. Auf der Kteinbahnstrecke nochLiebenwold« gelangt man zu dem 25 Kilometer von Reinickendorf— Rosemhol gelegenen Wensickendorf. chier ist seit einundeinholb Jahren auf einem Terrain von 30 Morgen eine vorbildliche Grohanlage im Entstehen, der „B i r k e n h o s*, der als Versuchsonstalt von dem in Fachkreisen be- kannten Geflügelzuchtleiter Bergmann geleitet wird. Man hat eine Farm vor sich, die schulmäßig sich mit wissenschaftlichen und ersah. r imgstechnischen Versuchen beschäftigt, die selbstverständlich ebenfalls Gewinn abwerfen und bei dieser Farm wohl auch ausschlaggebend für ihre Rentabilität sind. 4 200 Legehühner. Die etwa 1200 Legehühner umfassende Zucht ist auf Rassen- und teistungsqualllät abgestellt. Nach den Worten des Leiters würde sich eine Eierproduktion kaum lohnen, da alles Futter für die Tiere gekauft und nicht selbst erzeugt wird. Selbst wenn die Inlondeier als Trinteier einen kleinen Aufschlag gegenüber den Martteiern erfahren, wird nach der Airsicht vieler Züchter eine Rentabilität nicht zu erreichen sein, zumal die Regierung durch die künstliche chinauf» treibung der Getreide, und Futtermittclpreife einen etwaigen Ver- dienst wieder hinweggesteuert hat.'Der Aufschlag auf die Futter- inittel beträgt etwa 1,50 Mk. an Mehrkosten pro chuhn. Da aber nur mit einem Nutzen von 4,— Mk. an jedem Tier pro Jahr gerechnet wird, können die 1,50 Mk. gleich als Verlust in Abzug gebracht werden. Einer der jungen Prattrler dient als Führer durch den weit- verzweigten Betrieb. Die Lehrlinge müssen«in« zweijährige Lehrzeit auf einer solchen staatlich anerkannten Zuchtfarm durch. machen, worauf sie den Gehilfenbrief erholten. Noch weiterer fünf- jähriger Tätigkeit können sie sich zur Ablegung der Geflügelmeistcr- Zucht. I« wehr nämlich eine chennc Eier legt, um so wertvollller ist sie für den Züchter. Es wird genau darüber Buch geführt. Die Eier werden mit der Nummer beschrieben, die die.thenne am Futzring oder auf einem Schildchen am Flügel trägt, und im Büro erfahren sie eine Eintragung in die Kartothek. Es gibt hier weiße Leghorn- Hühner, die mit 306 Eiern Jahresleistung wohl ziemlich den Rekord holten. Schlechte Legerinnen scheiden für die Zucht aus, die müssen ihre Faulheit mit einem frühzeitigen Tod bezahlen. Auch die Hähne werden nur van den Höchstieistungstieren gezüchtet, damit sich die guten Eigenschaften der Mutter durch den Sohn weiter vererben. Viele Hühnerfamilien haben ihren richtigen Stammbaum bis ins dritte und vierte Glied. Es lassen sich durch eine gewissenhafte Kon- trolle auch unangenehm« Eigenschaften der Tiere, Krankheiten. Nei- gung zum Mucken u. a. aus dem Stamm herauszüchten, wie über- daiipt die Zuchtwahl bei allen Kreuzungsverfuchen mit anderen Rafsenstämmcn ftur mittels peinlichster Buchführung und Kontrolle durchgeführt wird. Außer den weihen Leghorns wird ein Stamm „Susiex* geholten,«in ebenso fleischiges wie fleißiges Legehuhn: auch eine seltene Entenrasse, die braune Khaki-Cambcll-Ente, die im Eier- legen das Huhn noch übertreifen soll, ist vertreten. In den größeren Ausläufen, die bis 300 Hühner vereinigen, fallen die Stallungen auf, deren Einrichtung und Konstruktion bis auf dos geringste nach fachlichen Gesichtspunkten erfolgt. Eine schlecht angebrachte Sitzstange des Huhnes z. B. kann es zum Krüppel werden lassen: solche Belichtung, Lüftung oder Fütterung usw. kann bei einer Großzucht zu Fehlschlagen führen, die nur der Fachmann zu be- nri eilen weiß. Biel Sorgfalt und Pflege erfahren die jungen Aufzuchten. Eben wurden einig« Hundert kleine Hähnchen auf ein Auto nach einer Gcflügelmästcrei in Weißenfee verladen. Die Tiere waren in feäzs Wachen herangewachsen und haften durchschniirlich ein Gewicht von V/; Pfund. Nach weiteren acht Togen Mästung werden sie schon aus den Markt gebracht. Als Preis wurde für das Stück 1,20 Mk. genannt: bei richtiger Betrachtung sind dabei wohl kaum die Selbstkosten gedeckt. Aus dem Risiko, dos mit den Auizuchten verbunden ist, erklärt sich auch der hohe Preis für Eintagsküken und Iunghennen. Eine acht Wochen alte Iunghenne kostet 4,50 Mk. und steigt bei 12 Wochen auf 6,50 Mk. Der Aufzuchtprozeß, besonder« da» Brüten in den selbsttätigen Brutmaschinen geht schnell vor sich, nur durch die Laboratoriums- und Kontrollarbeiten beschwert, so daß täglich jung entschlüpfte Hühnchen zum Versand kommen köimen. Eben kommen sie aus dem Ei wie die Brötchen aus dem Backofen, und schon müssen die Kücken ihr Talent im Daseinskampf erweisen. Kränkliche Tierchen werden sofort ausgelesen. Die anderen machen eine Quarantäne D/e künstliche Glucke. auf Drahtgestellen im geheizten Raum durch«he sie in Ut Iung- ställe kommen. » Die Regierung beabsichtigt, durch Einfuhrbeschränkung und Zölle den Preis für Inlandeier hinaufzuschrauben. Sie vergatz nur mit- zuteilen, daß Deutschland durch langfristig« Handelsverträge mit einzelnen Randstaaten gar nicht in der Lage ist, das Auslandsei vom Markt fernzuhalten und das Publikum vor Uebervorteilung zu schützen. Man erfährt weiter, wie böse sich die«inseitigen Maß- nahmen der jetzigen landwirtschaftlichen Politik zum Teil für die landwirtschaftlichen Nebenberufe selbst auswirken. Auf Mais liegen große Einfuhrzölle, das drückt auf dl« Eierproduktion des Inlands und die Geflügelzüchter richten ihre Wünsche auf eine Ermäßigung des Zolls für Futtermittel. üroßfarmhaus tlft 300 Hühner. Prüfung melden und können auch bei Einschluß von einem Jahr Be. such einer staatlichen Lehronstoft vor dem Ministerium die Prüfung al» Zuchtleiter ablegen. Die Aussichten in diesem Beruf sind nicht ungünstig: nur ist die Ausbildung recht kostspielig. Bei den Hühnerfamilien. Bei der Besichtigung der Anlagen ersieht man, welche umfassenden Kenntnisse die scheinbar einfache Materie erfordert. Da sind vor ollem die Stallungen die nach verschiedenen Systemen an- gelegt wurden und nun praktisch ousgeprvbt werden. Es müssen ein. fache, billige Häuschen sein, die durch Verwendung mit isolierfähigcm Material trocken und kältegeschützt sein sollen. Meist sind 20 Hühner und ein Hohn, ein sogenannter Stamm, in einer Stollung mit Aus- luuf vereinig!: man rechnet ungefähr auf drei Hühner«inen Quadrat- meter Slallung. Die Südwand des Stalles ist zu Zweidrittel mit lüftbarcn Glasfenstern versehen. Der Boden ist zementiert und wird mit einer Schicht nichtstäubender Torfstreu bedeckt. Der mit Maschen- draht eingezäunte Auslauf ist so abgeteilt, daß sich immer die Gras- narbe auf dem einen Teil des Auslauses erneuern kann. In den Ställen befinden sich Fallennester, fürfünslzühnereinNest. die dem eierlegcnden Huhn so lange den Ausgang versperren, bis es die Kontrolle passiert hat. Die Legekontrolle ist sehr eigenartig, man könnte sagen amüsant. Auf ihr beruht das ganze Geheimnis der Wohnstadt Carl Legten. 1 145 Kleinwohnungen in Berlin NO. Nachdem die Gemeinnützige Heimstätten Spar- und Bau-A,-G. unter der Abkürzung„G e h a g" bekannt, die großen Sied- lungs- und Wohnstättenblocks in Britz und die Großsiedlung im Fichtal in Ze Hiendorf vollendet, hatte sie sich an eine nicht minder bedeutungsvolle und wichtige Auf- gäbe gemacht, die Erstellung von Kleinwohnungen in Groß- Wohnblocks. Zu diesem Zweck war sie nach dem Nordosten Berlins gegangen. Auf dem zwischen Weißens« und der Ring- bahn gelegenen sogernrnnten Gelände der Bötzow'schen Erben Hot bahn gelegenen sogenannten Gelände der Bötzowschen Erben hat den verheißungsvollen Namen Wohnstadt Carl Legten er- holten hat. Ilm eine Straße als Mittelachse lagern sich auf der westlichen Seit« sieben und auf der östlichen Seite sechs große Wohnblocks, jedesmal getrennt duräi eine behagliche ausgebaute Wahnsiraße. In wüster- und meisterhafter Weise hat Bruno Taut diesen Massenwohnkomplex, der.nicht weniger als 1145 Wohnungen umfaßt, ausgestaltet. In der Hauptsache sind VA', 2- und 2K- Zimmer-Wohnungen erstellt worden, in einer geringen Anzahl auch 3- und Z?---Zimmcr-Wohiuingcn. Die Kleinstwohnung von VA Zimmer, die infolge der außerordentlich hohen Grundstückspreise 62 M. kosten wird, stellt dafür aber auch das schönste und beste dar, was aus dem Gebiet des modernsten Wohnungsbaues geleistet worden ist. Man darf dabei ober nicht vergessen, daß vor dem Kriege im Dckrchschnift für eine Wohnung nur 16 qrn Grund und Boden, hier aber für eine Wohnung im Durchschnitt 60 gm Grund und Boden aufgewendet wurden. Alle Häuserblocks stehen in freier Luft und im hellen Licht der Sonne. Dennoch ist die City in 15 Mi- nuten zu erreichen. Sehr viele Wohnungen haben Zentralheizung. Eine helle und luftige Zentralwaschküche erleichtert den Frauen die an sich unangenehme Arbeit der Wäsche. Während in der Wohnstadt selbst Genosse Groß von der ..Einsa" die zahlreich erschienenen Anwesenden begrüßte und führte, nahm in einer Zusammenkunft, die darauf im Gewerksthastshaus staltfand, Genosse Siegle, der Aussichtsratsvorsitzende der„Gehag", das Wort und begrüßte die Vertreter des Berliner Mogiftrols, des Vorstandes der sozialdemokratischen Stadtverovdnetenfrattion, der Gewerkschaften, des Verbandes der Kranken- k a f f« n, der Allgemeinen O r t s k r a n k e n k o s f« Berlin. der Konsumgenossenschaft, der A r b e i t« r b a n k, der „Demo g" und anderer Korporationen. Der Geschäftsführer der „Gehag", Genosse Gntschmidt, sprach im besonderen den For- derern des Gesamtwcrkes, Stadtbaurat Dr.-Jng. Wagner und Stadtbaurat Taut den Dank der„Gehag" aus und teilte mit, daß die„Gehag" minmehr insgesamt 8000 Wohnungen für 40 000 Menschen erbaut hat. In einem längeren Vortrag begründete Genosse ll m b r c i t vom ADGB. den Entschluß der„Gehag", die neue Grohwohnstätte nach dem großen Führer der Gewerkschaften Carl Legten zu nennen. Es war sehr interessant, wie er nach- wies, daß alle aufsteigenden Schichten, von den alten germanischen Volksgeschlechtern über die Feudalherren und die Fürsten bis zu den Herrschern des Kapitals(z. B. B o r s i g w a l d c, S i e m e n s- stadt, Spindlers seid) ihre Namen in den Siedlungen ver- ewigt haben. Durch die„Gehag" ist die Arbeiterbewegung in die Reihe des bauenden und siedelnden Gemeinwesens eingetreten. Der Name Carl Legten, dessen Gesamtarbeit und Werk über die Gegen- wart in die Zukunft weist, kann wohl mit keinem schöneren Werk verbunden werden, als, mit einem Wohnbauwerk für hie Massen, für die Carl Legien selber gearbeitet hat. Die Worte Umbreits wurden mit starkem Beifall aufgenommen. Fertige Betten gr«orot Inlatt m- griaBB Fediro Oderdett..... 6.95 Unterbett..... 5.90 Kissen...... 2.55 Fertige Inlette Qb>rb«tt Kits«« |rti-r«t... 4.90 1.55 e»t»e»rret-M»» 8.75 2.50 »«k t i I rk>« e tret 13.50 3.95 Ueberieken >»>«.«I«k»l l|. ««,....... 5.70 Oberbettbezug krittle«« LI«««._ leipt««. e«.iae*aD.. 3.45 Langetten- Kissenbezug 95 n. Kissenbezug rtieb bifttiekt, ca. 4-- «x«......... l.2o k e n .. 1.55 Bettle ungtbL kasstl, r.«. itoxne..... Äi«.0"'**' 2.25 �-411 x« te Badeleken k«lt ktriirt. lado-e tbr»»;M55fieo..... 0.75 Frottier- Handtuch Krlo««l«t«fta.(«rk A Q.. ttrait««, i«l»ki«d»i» MatUr. b««t»r Btzgg,»er- gQ � Reklame- Primtcn- Str. Ecke Sebastian-Strasse Wilmersdorfer-SlT.138 an der Bismarck• Strosse Frankfurter-Allee 504 Ab 2. Juli neuer Vsrkehrstan'f. Die neuen Bestimmungen über das Umsteigen. Die neuen Verkehrslarife werden, nicht wie erwartet, erst am 15. 3uli, sondern bereits am Mittwoch. dem 2. 3 u l i, mit Betriebsbeginn in Kraft treten. Di« Beförderungspreiss auf dem Omnibus werden wi« folgt geändert: Fahrscheine für Erwachsene ohne Umsteigeberechtigung 25 Pf., mit Umsteigeberechtigung auf einen anderen Om- nibus oder auf Straßenbahn bzw. U-Bahn 3 l) P f. Umfteigefahr- scheine von der Straßenbahn bzw. U-Bahn auf den Omnibus kosten ebenfalls 3l> Pf. Es werden ferner Sammelkarten für 12 Karten— ohne Umsteigeberechtigung—, gültig auf der Straßen- bahn und U-Bahn, zum Preise von 2,60 M. ausgegeben. Alls übrigen Beförderungspreise bleiben unverändert. Eine wesentllche Aenderung erfahren die Bestimmungen über das Umsteigen: Der Umsteigefahrschein der BBG. gilt nur zur Erreichung eines Reisezieles. Eine Unterbrechung zwecks Er- ledlgung von Besorgung usw. ist unzulässig. Die Zweite Fahrt soll vielmehr zeitlich und räumlich unmittelbar im Anschluß an die erste Fahrt erfolgen. Die Umsteigefrist wird von 1K auf 1 Stunde herabgesetzt. Die Frist von einer Stunde bedeutet aber nicht, daß der Fahrgast mit der Weiterfahrt beliebig warten kann bis kurz vor Ablauf dieser Zeit, sondern die Frist stellt ledig- � lich die Bcrfallzeit der Umsteigeberechtigung dar. Es soll in jedem Fall« beim Umsteigen die erste sich bietende Gelegenheit zur Weiter- fahrt benutzt werden. Auch räumlich soll künftig die zweite Fahrt eine unmittelbare Anschlußfahrt an die erste sein. Die Zwischen- schaltung von längeren Fußwegen oder van Zwischenfahrten . auf diesen Verkehrsmitteln ist nach den neuen Beförderungsbestim- mungen nicht mehr zulässig. Ebenso ist in Zukunft das Umsteigen auf eine Straßenbahn oder einen Omnibus derselben Linie nicht , mehr gestattet. Noilandung im Grunewald. Unfall des poflflugzeugs Berlin— Amsterdam. Gestern nachmittag mußte das Postflugzeug D1017, da« in Tempelhof.zum Fluge nach Amsterdam gestartet war, über dem Grunewald notlanden. Schon bald nach dem Abflug stellte der Pilot fest, daß der Motor nicht einwandfrei arbeitete und der Flieger mußte sich zur Notlandung entschließen. Dicht am I Kleinen Stern, an der Aousbahn, ging der Apparat nieder und i rollte in eine junge Kiefernschonung hinein. Der Apparat wurde ; beschädigt, der Pilot und sein Begleiter blieben un- verletzt. Die Feuerwehr Grunewald sorgt« sür den Abtrans- ' port des Flugzeuge«. Verurieilter Verleumder. Wieder einmal die„Rote Fahne". [ Vor dem Schöffengericht Bcrlin-Mitte hatte sich der kommu. nistische Reichstagsabgeordnete Den g e l zu verantworten, der vor � nunmehr einem Jahr mst seinem Namen die Verleumdungs- k a m p a g n e deckte, die in der„Roten Fahne" gegen die Mitglieder des chauptvorstande» des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes eröffnet worden waren. In sensationeller Auf- machüng beschuldigte damals das Berliner Bolschewistenblatt die ■ Vorstandsmitglieder des Textilarbeiteroerbandes der Bestechlichkeit, der Veruntreuung von Verbandsgeldern, der gleichzeittgen Zu- geHörigkeit zu zwei politischen Parteien usw. Die ganze„Aktion", die auch von der kommunistischen Presse des In- und Auslandes aufgegriffen wurde, stürzt« sich auf die verlogenen Angaben des ehemaligen besoldeten Hauptvorstandsmitgliedes Fritz Schulz, der wegen verschiedener Unkorrektheiten aus den Diensten des Textttarbeiterverbandcs entlassen worden war. Ein Jahr lang hatte es Dengel mit Hilfe seines Verteidigers, Rechtsanwalt S a m t e r, verstanden, sich vor der gerichtlichen Ver- antwortung zu drücken. Auch gestern versuchte sein Verteidiger wieder,«inen Bertagungsschluß herbeizuführen mit der Motivierung, daß er noch keine Zeit gefunden hätte, den angeblichen Haupt- belastungszeugen Schulz zu laden! Der Vertreter der Vorstands- Bern» wachst jahrlich um 100 000 Der Polizeipräsident über die gesteigerten Aufgaben seiner Beamten Auf der Deutschen Welle halte gestern der Berliner Po- lizeipräsident Zärgiebel ein Zwiegespräch mit dem ZNi. nisterialrat W o l d t über das Thema„Polizei und Publikum". Genosse Zärgiebel führte aus: Das Verhältnis zwischen Polizei und Publikum hat sich in der Nachkriegszeit erheblich ge» bessert. Reibungen entstehen durch die Nervosität der Zeit, die ein« Folge des verschärften Existenzkampfes sst, durch die Zuspitzung der politischen Meinungsverschiedenheiten und durch die immer größere Znsammenballung von Menschen in Berlin. Groß-Berlin schluckt jedes Jahr einen Bevölkerungszuwachs, der nahezu die Zahl einer Stadt van 100 000 Menschen ausmacht. In vier Jahren hat Berlin etwa 300 000 Menschen, das heißt eine Stadt von der Größe Magdeburgs, neu in sich aufgenommen. Die Zahl der Polizeibeamten ist aber nicht höher als 1925. Die durch Ratio» imlifierung mid Wirtfchaftslrrfe herbeigeführte Zuspitzung der p o l i- tischen Gegensätze hat an die Polizei größte Anforderungen gestellt. Rund 3500 Versammlungen unter freiem Himmel mit einer Teilnehmerzahl von 3i4 Millionen Menschen fanden 1923 statt. Zu ihrem Schutz wurden rund 73 000 Schutzpolizisten mit 3400 Kraft- wagen eingesetzt. In geschlossenen Räumen wurden rund 17 500 polizeilich geschützte Veranstaltungen mit gleichfalls Zli- Millionen Teilnehmern vorgenommen. 66 500 Beamte mit 2500 Kraftwagen waren zum Schutze notwendig. Erhöhte Bereitschaft von mindestens 24stündiger Dauer mußte an 9 Tagen für insgesamt 20 000 Beamte eingesetzt werden. Ebensoviel Beamte wurden von erhöhter Bereit- schast unter 24 Stunden an 232 Tagen, bei der Revierpolizei an 234 Tagen betroffen. Dias« Bereitschaften außerhalb des normalen Dienstes gehen den Beamten von ihrer Freizeit ab. Sonder- Vergütungen werden nicht gewährt. Mit Recht schaltet Ministerialrat Woldt ein:„Herr Präsident, das sind ja ungeheure Ziffern." Der Polizeipräsident schloß:„Ich sehe darauf, daß mein« Beamten in ihrem Dienst höflich und anständig gegen die friedliche Bevölkerung sind und auch bei entstehenden Schwierigkeiten die Ruhe bewahren. Diesem Ziel dient die Fachausbildung auf der Polizeischule und der Unterricht durch erfahrene Offiziere in Berlin, diesem Ziel muß aber auch die Mitarbeit des Publikums dienen, diesem Ziel muß aber auch die Mitarbett des Publikums dienen. Ich will mitwirken an der Schassung einer wahren Solls« polizei."_ Das Geheimnis eines LlebersaNs. Halb verhungert in einem Kornfeld aufgefunden. Bewußtlos und mit schweren Kopfverlehungen wurdx in in einem Kornfeld an der Chaussee R ü d n i tz— B lesen- khal ein Mann ausgesunden, der, als man ihn auffand, nur den Namen.Neumann" stammeln konnte. Noch der Ansicht des Arztes muß der Mann zwei bis drei Tage in dem Kornfeld gelegen haben. Er war fast verhungert und verblutet. Nur dem Zufall war es zu danken, daß ein vorüberkommender Landwirt das niedergetreten« Korn sah und das leise Stöhnen des Bewußtlosen hörte. Daß der Ueberfallen« be- raubt worden ist, zeigt sich an der zerrissenen Weste. In der Tasche des Mannes fand man einen Postabschnitt, nach dem er in Werneuchen 10 Mark an einen Kaufmann in Köpenick abgesandt hat. Anfragen in Köpenick haben ergeben, daß bei dem Kaufmann ein gewisser Neubauer aus Stettin gearbeitet, dann seinen Posten aber aufgegeben hat. Da der Mann kein Geld besaß, lieh ihm der Kaufmann 10 Mark und erhielt dafür die Uhr des Neu- bauer zum Pfand. Der Mann scheint in Werneuchen Beschäftigung gehabt zu haben. Jedenfalls sandte er dem Kaufmann das g«- liehene Geld zurück und bekam auch feine Uhr wieder. Die Uhr hat der noch unbekannte Räuber mitgenommen, ebenso die Papiere und vielleicht etwas Geld. Der Ueberfallens konnte im Krankenhaus noch nicht vernommen werden: fein Zustand ist noch wie vor ernst. Mitglieder des Textilarbeiterverbandes, Rechtsanwall Siegfried Weinberg, widersprach dem Bertagungsanirag. Der Zeuge Schulz fei schon wegen einer gleichen Klage gegen«ine tschechische kommunistische Zeitung in Berlin vernommen worden und habe bei dieser Vernehmung nicht den geringsten Wahrheit?- beweis für feine Behauptungen erbringen können. Das Gericht lehnte den Vertagungsantrag auch ab und ver- urteille den Angeiklagten zu300 M. Geldstrafe, den Kosten des Berfahrens und der Publikatton des Urteils in der„Roten Fahne", dem„Vorwärts" und der Textilarbeiter- Zeitung". * Nachdem der„Roten Fahne" die Phantasien um den Opossumpelz der Stadträtin Weyl die verdient« Geld- straf««ingetragen haben, mußt« sich gestern die„Welt am Abend" wegen ähnlicher Erfindungen verantworten. Das kommunistische Abendblatt hatte nämlich am 17. Oktober v. I. erklärt, Frau Stadt- rätin Weyl Hab« vlB den Sklareks einen Nerzpelz erhalten und die Bezahlung vergessen. Der verantwortliche Redakteur Gachmann war zwar gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte bereit, einen Vergleich zu schließen, Rechtsanwalt Dr. Oscar Cohn ging jedoch darauf nicht ein, die Sache wurde verhandelt. Genossin Weyl gab «ine Erklärung ab, aus der die Nichtswürdig teitdcr Ber- leumdung klar hervorging, und das Gericht verurteilte die„Welt am Abend" zu einer Geld ft rase in Höh« von 150 M. Di« erdichteten Pelze kommen den kommunistischen Morgen- und Abend- blättern mit der Zeit etwas teuer zu stehen. Fünf Verletzte bei einem Zusammenstoß. Gestern abend ereignete sich an der Kreuzung der Grimm- und Dieffenbachstraße ein folgenschwerer Zusammenstoß, bei dem fünf Personen zum Teil erhebliche Verletzungen davon- trugen. In die Fahrbahn eines mit zwei Personen besetzten M o- torrade» geriet plötzlich«in aus der Grimmstraße in die Dieffen- bachstraßs einbiegender Radfahrer. Der Führer des Motor- rades konnte einen Zusammenstoß nicht mehr vermeiden und zir ollem Unglück fuhr auf die om Boden Liegenden ein dicht hinterher kommendes Gefchöftsdreirad auf. Dabei wurde eines der Fahr- zeuge auf den Bürgersteig geschleudert und zwei Fußgänger, August Naruska aus der Urbanstroßs und die 34jährige Frau Frieda Pieck wurden erheblich verletzt. Der 16jährige Radfahrer Kabitzka und sein Begleiter, der 19jährig« Richaro Sommer- feld aus der Herfuvthstraße in Neukölln, sowie der Führer des Geschäftsdreirades, Helmuth Wolfram aus der Reinickendorfer Straße, erlitten gleichfalls schwere Verletzungen. Die Verunglückten wurden in das Urban-Kronkenhaus gebracht. Blitztod unter einer Eiche. Das Gewitter, das mn Freitag abend L b e k B e rll n niedei7» ging, hat ein Menschenleben gefordert. Am Sonnabend vormittag fanden Passanten in der Nähe des früheren Chaussee- Häuschens am Spandauer Bock unter einer großen Eiche einen Mann regungslos dasitzen. Bei ihm lag ein aufgespannter Regenschirm. Die Uitterfuchung ergab, daß der Mann vom Blitz erschlagen war. Der noch Unbekannte hatte wahrscheinlich om Freitag unter dem Baume Schutz vor dem Platzregen gesucht. Der Blitz streifte den Baum nur, traf aber den darunter Sitzenden in die linke Schulter und führte den Tod herbei. Die Per- sönlichkeit des Mannes konnte noch nicht festgestellt werden, da er keinerlei Papiere bei sich hatte. Der Unbekannte, der nach dem Charlottenburger Schauhause in der Sophie-Eharlotte-Ctraß« ge- bracht wurde, ist etwa 55 bis 61 Jahre alt, 1,70 Meter groß und trug blaues Jackett, braune Weste, braune Manchesterhose und weiße Wäsche. S/NOAIR LEWIS 'ROMA/V Uebcrsefzt ron CI. Mcitncr.— Meyer& Jessen, Vertrieb, Müncfacn. Es besteht ein gewaltiger Unterschied.zwischen dem An- kleiden eines nicht sehr hübschen, ganz und gar flicht reichen Mädchens und der erlesenen Freude einer schönen Frau an ihrer neuen Toilette. Statt des prickelnden Gefühls der Neugier, ob die Männer auch bemerken würden, wie vorteil- Haft dieser Ausschnitt die schöngeschwungene Nackenlinie be- tone, hat das unhübsche Mädchen nur die Hoffnung, es würde niemand sehen, daß das Kleid zipft, daß die spitzen, roten und etwas rauhen Ellbogen hervorsehen und das Haar schlecht onduliert ist.„Ich glaube nicht, daß es jemand be- merken wird", seufzt sie und oerachtet ihren dummen, steifen, gesunden Körper, während die Mutter umherflattert und zu glauben vorgibt, daß sie eine Figur habe wie eine Huri, wie die trojanische Helena, wie Isolde, als sie achtzehn war. Am Tage vor dem Tanzfest fragte I. I. Todd Una, ob er sie abholen und nach Hause bringen dürfe. Una nahm zögernd an. Dabei blickte sie verstohlen zu dem dekörativen Sam Weintraub hinüber, der sich auf den Fußspitzen wiegte und mit Fräulein Moore flirtete, der anerkannten Schönheit der Klasse. Una machte sich mit Todd auf den Weg. Während er unbefangen und natürlich über Tanz und Kleider und Wetter redete, sah sie prüfend auf seinen armseligen, zu Hause ge- reinigten schwarzen Anzug, seine selbstgeputzten großen, schwarzen Stiefel und auf die fertiggenähte Krawatte. In dem großen Lehrzimmer, das bis auf eine Reihe Sitzplätze längs der Wand von allen Bänken geräumt und geschmacklos mit Schulfahnen und patriotischen Flaggen ge- schmückt war, sah Una das hohlköpfige, die Zeit totschlagende Bälkcben, dem sie sich in der Klasse so überlegen fühlte. Broorlyner Juden, die mindere Tanzlokale gewohnt waren, Mädchen aus Bronx, die die Hausbälle der Gastwirtschaften besuchten, lachten und redeten und tanzten— alles zu gleicher Zeit— mit einer Leichtigkeit, die Una entmutigte. Für Una, aus Panama, waren Walzer und Twostep feierliche Angelegenheiten. Sie brachte es mit Mühe und Not zuwege, die Schritte richtig zu machen: Freiheiten tonnte sie sich nicht erlauben. Sie war beruhigt, als sie bemerkte, daß Todd mit einer schwerfälligen Korrektheit tanzte, die sie vor Fehltritten schützte... Doch sie tanzten feierlich und freudlos, während Sam Weintraub im Frack vorbeiwirbelle und sich mit dem anmutig in seinen Arm geschmiegten Fräu- lein Moore leicht und sicher in phantastischen Variationen des Tanzes wiegte. „Setzen wir das nächste Mal aus", sagte Todd, und Una war einverstanden, obwohl Sanford Hunt knabenhaft und errötend herankam, um sie zum Tanzen aufzflfordern... Sie war sich vollkommen bewußt, ein Mauerblümchen zu fein, sie und das zaghafte Fräulein Ingals und Fräulein Fisle, die alte Schachtel. Sam Weintraub schien sie zu meiden, und obwohl sie sich einzureden versuchte, daß seine fetten, lockigen roten Haare, sein übertrieben moderner Frack und sein scharf geschnitenes Gesicht schreiend jüdisch wirkten, wußte sie doch, daß sie seine Atmosphäre von Eleganz bewunderte und trostlos war, davon ausgeschlossen zu sein. Sie fürchtete sogar, daß Sanford nicht wirklich mit ihr habe tanzen wollen, und übersah eigensinnig seine häufigen freundlichen Blicke und seine Versuche, ihr seine Freundin vorzustellen. Sie blieb schweigsam und verdrossen, während der arme Todd es versuchte, keine radikalen Reden zu führen'oder Vorträge über Einkommensteuern und städtisches Eigentum zu halten, und sich bemühte, leichtfertig über Theater zu plaudern, das heißt über die eine Aufführung, die er bisher in New Aork gesehen hatte. Diese leise Unzufriedenheit steigerte sich bei ihr allmählich zu einer stillen Wut, ausgeschlossen zu sein von der Welt der hübschen Dinge, gutsitzenden Kleider, anmutigen Bewe- gungen und wohlriechenden Räume. Als Todd sie nach Haufe begleitete, sagte sie sich immer und immer wieder: „Gott, es ist genau so langweilig wie die Unterhaltungen in Panama. Hab mich nie wirklich dabei amüsiert. Das ist nichts für mich. Ich werde mich einfach wieder an Meine Arbeit halten. Hol der Kuckuck das ganze Getue!" Mit einem täglich wachsenden Glauben an ihre kauf- männische Zukunft schloß sie sich blindlings von all den störenden Unterhaltungen der Schule ab, kümmerte sich nicht um Todd und Sanford Hunt und Sam Weintraub und be- mühte sich gar nicht um das entzückende Fräulein Moore, das ihr ein so schmeichelhaft freundliches Entgegenkommen zeigte. Sie benahm sich wie eine, die darauf losbüffelt, um Klassenerste zu werden, und sich diesem Ziel mit Aufwendung ihrer ganzen geschlechtslosen Energie hingibt. Nur war Una eben nicht geschlechtslos. Obwohl sie nicht das offenkundige Vergnügen anderer Mädchen am Tanzen hatte, obwohl ihr gesunder Menschenverstand und ihr Wunsch. zu arbeiten, sie in einen Dauerzustand von Plackerei versetzt hatten, war Una lebhaft und liebenswürdig, was andere büffelnde Mädchen mit blühenden Gesichtern oft nicht sind zur höchsten Verwunderung leidenschaftlicher junger Männer. Sie konnte sich nicht lange ein Interesse für Sam Wein- traub und Sanford Hunt versagen, ja, sie idealisierte Todd sogar und sah in ihm einen demütigen Helden, einen ehr- lichen Selfmademann, der er auch wirklich war: dennoch fand Una, sie sei ihm gegenüber sehr gnädig. Wohltuend für sie war Sanford Hunts Zuneigung— obgleich er ihr gesagt hatte, daß er verlobt sei, und sie offen- kundig als ältere Schwester oder als eine sehr junge und ver- ständnisvolle Tante ansah.„Warum haben Sie mich eigent- lich gern— wenn Sie mich nämlich gern haben?" fragte sie ihn einmal in der Mittagspause, als er ihr eine Rippe Milch- jchokolade mitbrachte. „Ach. ich weiß selbst nicht. Sie sind so verteufelt auf- richtig und Sie haben so viel mehr Verstand als die ganze übrige Banbe. Ja, das werden Mordsstenotypistinnen wer« den. Ich kenne das. Ich habe in einem Büro gearbeitet. Sie haben immer Kaugummi und einen Taschenspiegel in der Lade ihres Tischchens, und der Herr Chef laßt sie elfzigmal im Tag rufen, und dann heiraten sie den Lageristen, gleich wenn er sich das erstemal hinter einer Kiste hervorwagt. Sie aber haben Verstand, und irgendwie— na, es scheint eben, als könnten Sie auch einen Mann richtig verstehen. Ich konnte diesen„Jüd", Weintraub, nie recht leiden, bis Sie mir zeigten, wie verflucht gescheit und nett er eigentlich ist, wenn er auch Gamaschen trägt." Sanford sagte ihr oft, er wünsche, sie könnte in der Lowry-Farben-Aktiengesellschaft eine Stell» bekommen, sobald sie ihren Kursus beendet hätte. Er sei vor ihr in die Schule eingetreten und werde daher auch früher fertig werden: wenn er wieder bei seiner Firma sein werde, wolle er ver- suchen, sie dort unterzubringen. Er wünsche sehr, daß sie Herrn Julius Edward Schwirtz kennenlerne, den Manhattan« Platzvertreter der Gesellschaft.(Fortsetzung folgt.) Sozialistische Studenten werben. Die sozialistisch« Studenlznschafl au der llniversilöl veranstaltete in diesen Tagen drei werbeabeude ihrer wissenschaftlich ausgebauten Aachschaslen. Bor der philosophischen Fachschaft sprach Studiendirektor Ge- nasse Dr. K a r s e n über UniversitätundLehrerbildung. Er forderte in der Lehrerbildung mehr Praxis, als sie von den Uni- versitüten bisher gegeben wurde, lehnte aber die Ausbitdung huma- nistrscher Vollmenschen, wie sie auf den Akademien geschieht, ab, um an ihre Stelle die Praxis der freien wisienfchaftlichen Forschung und der Pädagogik zu setzen. Aus dem Bestehen weltlicher Sammel- schulen ergibt sich die Notwendigkeit weltlicher Lehrerbildung, die auf den konsessionellen Akademien nicht geschieht. Ueberhaupt lehnte Karsen die Einrichtung besonderer Akademien der Lehrerbildung schärfstens ab, er erblicke in ihrer Errichtung einen neuen Versuch der bürgerlichen Klasse, ihr« Macht ideologisch zu stützen und den Gegensatz zwischen den beiden Lehrerkategonen aufrechtzuerhalten. Am zweiten Abend sprach Stadtrat Genosse Dr. Roeder vor den Medizmern über die Aufgaben der beamteten Aerzte. Er be- schränkte sich hauptsächlich auf ein« Schilderung der Tätigkeit der Kontmunalärzte, die von der Privatpraxis schon durch ihren öffentlichen Charakter grundverschieden ist. Der in der sozialen chygiene, dem Rettungswesen, dem Fürsorgewesen oder auf anderem öffentlichen Gebiet tätige Arzt hat nicht die Einzelperson im Auge, soikdern erstrebt die Hebung des gesundheitlichen Niveaus der Allgemeinheit. Der Bekämpfung von Volkstrankheiten und der vor- beugenden Bekämpsung von Massenkrankheiten bietet sich«in weites Arbeitsfeld und regt gerade den Sozialisten an, hier auf einem auch für den Sozialismus wichtigen Gebiet tätig zu sein. Die Juristen bestritten den letzten Abend. Genosse Dr. Rosen- f e l d, Ministerialdirigent im preußischen Justizministerium, begann mit einem Hinweis auf die H u m a ni s i e r u n g des Strafrechts seit 1919. In vielen Reformen, die zweifellos Folgen des Umsturzes und ein Zeichen der gestiegenen Macht der Arbeiterklasse sind, zeigte sich die Tendenz der Humanisierung: die Abkehr vom Vergellungegedanken und das Hervortreten des Erziehungsmoments wird immer sichtbarer. Sehr wichtig ist die seit 1920 bestehende Möglichkeit der Tilgung und Zeitbeschränkung der Strafen im Strasregister: oder die bedingte Strafaussetzung, die eine Strafe von der guten Führung des Verurteilten abhängig macht. Auch dos Begnadigungsrecht ist neu geregelt, und es entspricht dem demo- kratsschen Charakter des Staates, daß auf dem Wege über die Parla- mente Begnadigungen erwirkt werden können. An vielen Beispielen und besonders an der Gegenüberstellung jetziger mit der Dorkriegs- praxi? zeigte der Redner,, daß diese Zeit von zehn Iahren nicht ver- gebens gewesen ist. � Mit der Feuerspritze gegeu die Blattlaus. Zu einer sonderbaren Idee hat sich der Erfinder M i ch els« n oerstiegen, den in diesem Jahr besonders stark auftretenden Schädlingsbefall der Bäum« zu bekämpfen. Es ist eigenl- lich nichts Ns«es an der Sache als die Konfination, bereit» be- ftchende Spritz- und Destäubungsverfahren an»ne Feuer- spritz« anzuschließen. Auf dem städtischen Gut« Groß-Jiethen sollte das Verfahren erstmalig vor fachmännischen Gutachtern der Land- und Forstwirtschast vorgeführt werden. Eine bekannte Feuerlöschgerätesirma hatte eine starke tragbare Motorpumpe zur Gin Großhehler her Llnterwelt. Cafehausbesiher und Anführer einer Hehlerbande. Herr Prokop Erban, Besitzer von zwei bekannten Berliner llnterweltlokalen, steht Im dringenden verdacht, der Anführer einer weit verzweigten Diebes- und Hehlerbande zu sein, die ihre Netze über ganz.Deutschland gespannt hat. Herr Erbau ist geflüchtet und konnte bisher noch nicht aufgegriffen werden. trotzdem die Berliner Kriminalpolizei schon seit Tagen nach ihm focht. Erban ist sozusagen ein Trustinhaber im Bezirk des Berliner Unterweltbetriebs, oder wenigstens jener Etablissements für Halb- und Einoiertelwelt, die man dafür hält. Herrn Eoban gehört u. a. das Cafä„R o l a n d", dem kürzlich die sehr einbringliche Nacht- konzession entzogen werden mußte, weil die Szenen, die sich be- sonders am frühen Morgen vor und im Cafä abspielten, ein wirk- lich allgemeines öffentliches Aergernis geworden waren. Auch das Cafö„Erban", Prunkstück in der Krone der Erban'schen Betriebe, mußte seine Nachtkonzession streichen. Mit beiden Lokalen ging es rapide zurück. Das„Cafä Stern", das ihm blieb, machte den Kohl nicht fett. Die Erban'schen Betriebe gingen nicht auf den Namen des Herrn Eoban, sondern aus den seiner Frau. Diese Frau, die ein sehr abenteuerreiches und bewegtes Leben hinter sich haben soll, war die Seele des Unterwelttrusts rund um das Chausseestraßen- Viertel. Während die Frau die Berliner Betriebe versorgte und gedeihen ließ, spezialisierte sich Herr Erban auf das Hehlergewerbe, in dem er es zu einer großen Spezialität gebracht hatte. Was aber das psychologisch Interessante an dem Kriminalfall Erban ist, war die Position, die er und seine Frau innerhalb ihres Milieus ausübten. Herr Erban war Ausbeuter jener Schichten, die im Halbdunkel der Gesellschaft ihre Tage zu fristen pflegen. Er wohnte elegant und vornehm in einem westlichen Dillenbezirt, fuhr ein pikseines Auto, dessen Wert sich auf etwa 30 000 M. bezifserte. hielt sich zwei Reitpserde, spielte aus den Rennen eine gewichtige Rolle und war alles in allem ein Grohbürger mit einem starken Hang zu kostspieligen Unterhaltungen. Die Befreiungsfeier des Berliner Reichsbanners. Wie bereits mitgeteilt, findet aus Anlaß der Rheinland-Räu- mung am morgigen Montag im Lustgarten die große Be- foeiungsfeier des Reichsbanners statt, zu der auch alle republi- kanischcn Parteien und Organisationen, sowie die Gewerkschaften ihre Mitglieder zur Teilnahme ausrufen. Die Einleitung der Feier bildet ein bereite um Vtl Uhr beginnendes, von vier Kapellen aus- geführtes Platzkonzert im Lustgarten, der für die Kundgebung durch Fahnen und Dekorationen besonders hergerichtet wird. Die Abteilungen des Reichsbanners marschieren aus den einzelnen Stadt- teilen kreisweise nach dem Lustgarten und treffen dort um 8 Uhr ein. Im Anschluß daran findet der Anmarsch der Fahnenabteilun- gen statt, nach dessen Abschluß Reichstagsabgeordneter Dr. Rudolf Dreitscheid die Festrede hält. Während des Hochs auf die Republik werden riesige weithin leuchtende M a g n e s i u m f e u er aufflammen und an der Längsseite des Lustgartens werden in Flaxnmenbuchstammen die Worte„Der Rhein ist frei!" aufleuchten. Damit findet die Befreiungsfeier ihr Ende: die einzelnen Abteilungen des Reichsbanners marschieren mit ihren Kapellen und zum Teil auch mit Fackeln in ihre Stadtteile zurück. Verfügung gestellt, an die etwa 200 Meter Schlauch anzelsgi wurden. Eine Obstplantage, die stark mit Blutlaus und Fusi- cladium befallen ist, wurde als Herd der Bekämpfung benutzt, wobei freilich zur Probe nur mit klarem Wasser gespritzt wurde, das auf großen Wasserwogen herangebracht wurde. Am Kopsende des Schlauche« waren etwa ein Dutzend drcwiertelzöllige Gummi- schläuche angeschlossen, deren jeder in eine seine Zerstäuberdüse ausmündet. In verhältnismäßig kurzer Zeit gelang es, größere Baumflöchen zu spritzen. Nur zeigt es sich in der Praxis, daß auch die best« tragbare oder fahrbare Druckpumpe nichts hilft, wenn kein Wasser in der Nähe vorharSwn ist und das Wasser etwa erst auf Wagen herangebracht werden muß. Schwarzwetßrote Bäder-propaganöa. Man schreibt uns: Die Ostseebäder haben in den letzten Jahren gemerkt, daß anti- semitische Hetz« ihrem Geschäft schadet. Einige Badeverwaltungen sind darum auch in diesem Jahre gegen dos herausfordernd« Treiben der Faschisten vorgegangen. In anderen Ostseebädern scheint man immer noch zu glauben, mit der schwarzweißroten Propaganda bessere Geschäfte machm zu können. Wer an die Verwaltung des Ostseebades Iuliusruh schreibt, erhält nach einigen Tagen den Prospekt einer Penfionsinhaberin, der auf der 1. Seit« mit einem Hakenkreuz und einem schworweißroten Streifen geschmückt ist. Im Text heißt es dann: „Im Interesse meiner Gäste und zur Erhaltung des Burg- ftiedens lege ich Wert darauf, daß kein« Juden und nur fchwarzweißrot gesinnte Sommerfrischler von diesem Angebot Gebrauch machen." Da nur die Kurverwaltung die Adresse des Anfragenden weiter. gegeben hoben kann, muß sie also mit derartigen Reklamemethoden einverstanden sein. Die Leute wollen atso unter sich bleiben, die Re- publikaner werden ihnen gern den Gefallen tun. JkglmeM, die hS billigen Grünfeld-Tage iür Reise und Ferien". Sie finden an allen Lfigern Grünfeld-Waren zu ganz ander- gewöhnlich billigen Preisen nad(gbildvikird_rUrto*«t ra Größtes Sonderbaiis für Leinen nndtPäs cba Sandaletten mer, in Blau, Rot, Grau u. Beige, ---- 10,90, 8,90, 7,90, W Spangenschuhe_ in feinfarbigem Leder, mit VJ y(J IjOnia XV.- und anoh Block-/ absatz, Sonderangebot» Reiseschuhe farbiger steif, mit Kordelf ohle, 1 beaondera billig...............' Badeschuhe ichxrar* Satin, mit aufgenUiter 1» � Gommisoble..... 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Dabei muß gegenüber beliebten agitatorischen Verallgemeinerungen betont werden, daß die Behauptung von der Not der gesamten ostelbischen Landwirtschaft eine Uebertreibung ist, daß auch östlich der Elbe viele schuldenfreie oder wenig verschuldete, echte Reinerträge erzielende Wirtschaften vorhanden sind. Diese brauchen keine Hilfe. Wer die Gesundung der oskdeukscheu eandnnrkschafl ehrlich will, der muh au dem Ostprogramm der Regierung ernste Kritik üben. Es ist zuzugeben, daß dieses Programm gegenüber den ersten Regierungsenrwürfen wesentliche, ja ganz entscheidend« Verbesserungen in sachlicher und organisatorischer Hinsicht -fahren hat. Trotzdem besteht aber immer noch die Gefahr 'arker unproduktiver Subventionierung und Fort- 'chleppung todkranker und vor dem Zusammenbruch stehender Be- -rieb« aus Kosten der Steuerzahler. Diese Gefahr wird verstärkt urch die in dem Gesetz enthaltenen Ermächtigungen, an deren Stelle ? ne durchsichtige und klare Gesetzessormulierung not- wendig ist. Da» Gesetz and» eingeleitet durch Forderungen für die Sied- iungsfinonzierung. Die bisher für Siedlung zur Der- iügung stehenden Zwischenkredite sollen durch langfristige Kredite abgelöst und damit für neue Sicdlungsarbeit frei gemacht lverden. Diese Maßnahme ist wünschenswert, nicht aber sollte die Regie- rung, wie im Gesetz vorgesehen, eine Ermächtigung erhallen. die Siedlungskredite in eine erst zu gründende zentrale Gesellschaft einzubringen, vielmehr sollte die Regierung über diese Zentralisierung der Siedlungskredite dem Reichstag nach Vorlage eines be- sonderen Gesegemwurfes die Entscheidung überlasten. Der Kernpunkt des Programms ist die ilmschuldungs- unk» B e- triebssicherungsaktion. Umschuldung kurzfristiger in langfristige Kredit« ist bei sehr vielen, sonst gesunden und lebens- fähigen Betrieben notwendig. Die vorliegende Gesetzessostung birgt icdoch bei der Umschuldung große Gefahren in sich. Da -n dem Osthilsegesetz der ungeheure Betrag von Köv Millionen Mark an Reichsbürgschaften für Umschuldungskrcdlle und außerdem die theoretisch« Möglichkeit«in« Beschaffung von 400 bis 500 Millionen Mark Schullwerschrerbungen durch die Ablösungsbank vorgesehen ist. muß eine allzu großzügig« Umschuldung unter Reichsbürgschast be- fürchtet werden. Es besteht die Gefahr, daß ähnlich wie bei früheren Umschuldungsaktionen in Ostpreußen sehr zweifelhafte Forderungen privater Gläubiger durch das Reich ausbezahlt oder garantiert werden. Das wäre einer Erhallung oder zur Wiederherstellung schon verlorener privat« Vermögen aus Staatskosten gleichbedeutend. Die liisgesamt für Umschuldung vorgesehenen Reichsbürgschaften sindvielzu hoch und sollten vermindert werden. Bis zu einem gewisten Grade geschieht dos vielleicht automatisch dadurch, daß ein Teil der Bürgschaften erst nach Durchführung der noch in nebelhafter Ferne liegenden, wenn überhaupt in absehbarer Zeit durchgeführten Finanzreform begeben werden soll, also vorläufig nur aus dem Pap!« steht. Für UmschuLmngsdarlehen sollen auf Reichskosten eventuell Zuschüsse gewährt werden. Da keine Begrenzung für die Zinszuschüste vorgesehen ist. sind hier große Mißbräuche zu be- fürchten. So kann durch weitgehende Zinssenkung auch eine über- mäßig« Schuldenlast fiir den Betrieb erträglich werden, was nicht nur zu sin« Ueberwälzung der gegenwärtigen Zinsbelaswng, son> dern auch nach Aufhören der Zinszuschüste zu einer Heber- | Vp- V V VßV - Klare und begrenzte Vollmachten. w S l z u n g der dann untragbaren und vom Reich garantierten Schuldenlast auf das Reich führen kann. Um solche Mißbräuche zu vermeiden, wären die Gesetzesbestimmungen über Umwälzung und Zinszuschüste zu ergänzen und zu präzisieren. Besondere Beachtung verdient die Konstruktion der neuen Ablösungsbank, die, durch Heranziehung eines Teiles der Aufbringungsumlage der Industrie gespeist, die Umschuldung der landwirtschafllichen Betriebs großenteils durchzuführen hat. Nach Auffassung der Industrie und den Absichten des Ostprogramms soll der Industrie eine Vorzugsstellung in der Abiösungsbank cutgeräumt und die Fiktion aufrechterhalten werden, als ob die Mit'el der Ablösungsbank letzten Endes der Industrie gehörten, und als ob der Industrie ein besonderes Verdienst um die landwirtschaftliche Umschuldung zukomme. In Wirklichkeit hondcll«s sich bei der industriellen Aufbringungsumlage um Steuermlttel, auf die die Industrie keinen Anspruch erheben kann und für deren Ver- wendung für Umschuldungszwecke der Industrie keinerlei Sonder- rechte gewährt werden dürsen. Während eine vernünftig durchgeführte Umschuldung ein brauchbares Heilmittel für viele ostelbische Großbetrieb« darstellt, ist die in dem Ostprogramm vorgesehene Detriebssicherung zum großen Teil ein in seiner Wirkung sehr zweifelhaftes Geschenk. Insgesamt sollen 50 Millionen als Sanierungszuschüsse verwendet werden. Ziemlich unverblümt wird der reine Subventions- ch a r a k t e r dieser Mittel im Gesetz hervorgehoben. Außerdem sind die Richtlinien für den Verwendungszweck dieser Gelder so weit gefaßt, daß praktische jede Berwendungsmöglichkeit offen steht. Es wird notwendig sein, die vorgesehenen 50 Millionen zur Lelriebserhallnng auf allerhöchstens die Hälfte herabzusehen. Auch diese 25 Millionen dürfen nur ausnahmsweise als Zuschüste, in der Hauptsache aber nur als Darlehen verwendet werden. Der Verwendungszweck ist aus produktive Zweck« zu b«- schränken. Di« soziakdemotratische Reich, togssraktion hat eine Gefetzesänderung beantragt, nach der«ne Verwendung der auf die Hälfte reduzierten Mittel für allgemeine Sanierung ausge- schlössen ist und die Finanzierung von Anlieg er fiedluv-gen und Inventarausstattung von Klein- und Mittelbetrieben rm Vorder- grunö steht. Zuschüste für Neuerwerber von Grundstücken oder gar bei der Aufnahme erststellig« Hypochekarkredite dürfen danach n-cht gewährt werden. Die Sozialdemokratie hat diesen Antrag gestellt, um die Ost hilf« wirkungsvoller und produktiver zu gestallen und unproduktive Subventionen weitgehend auszuschließen. Die Agrarkrise mi Osten hat rn der Hauptsache den Großgrund- besitz erfaßt' seine Sanierung bezweckt das Ostprogramm in erster Linie. An Stelle der Vesitzerhaltung, die jetzt im Vordergrund des ganzen Programms steht, muß in stärkerem Maße die Sanierung durch Betriebsaufteilung und Siedlung treten. Da dem Bauern im Osten die'Zukunft gehört, ist besonders darauf zu achten und gesetz- lich festzulegen, daß di« Siedlung nicht durch Besitzerhal- tung von Großbetrieben g�e schädigt wird und daß auch die Lage von Bauernbetrieben, soweit erforderlich, erleichtert wird. Ein weilerer Mangel des Ofiprogramms lieql in seiner einseiligen Beionung der Agrarhilfe. Gewerbe und vor allem Industrie der Ostprovinzen sind aber teilweise in einer außerordentlich schwierigen Lage. Die Arbeitslosigkeit in manchen Industriezweigen und damit die Rot gonger Städte und Gegenden hat ein nie dagewesenes Ausmatz erreicht. Wenn dem Osten wirklich geholfen werden soll, müssen neben der Landwirtschaft auch für die notleidenden Wirtschaftszweige und Volkskreise Erleichterungen geschaffen werden. So notwendig ein« Gesundung der östlichen Landwirtschaft ist, so birgt doch, wie hier gezeigt, das Ostprogramm die große Gefahr, daß die Sanierung auf einein unproduktiven Subventionswege er- folgt, wodurch vielfach nicht einmal eine Sanierung, sondern n u t eine Hinauszögerung der Gesundung bewirkt wird. Gefährdete Preissenkung. Ourch Herabsetzung ver Sondertarife für Kohlenaussuhr. Die Tarispolitik der Reichsbahn wird immer rätselhafter. Mit der Begründung, daß man für ein Jahr eine Notstandsmaßnahme durchführen wolle, hat die Reichsbahn jetzt ab 1. Juli neue Fracht- ermößigungen für deutsche Ausfuhrkohle nach den deutschen, belgischen und niederländischen Seehäfen eintreten lasten, in der Höhe von 2 bis 5 M. je Tonne. Die Ermäßigungen gelten nur für Mehrmengen über eine Grundmenge hinaus, die sich nach dem Ausfuhrversand früherer Jahre richten. Diese Maßnahme ist vom Standpunkt der Reichsbahn vielleicht insofern verständlich, als die mit der Frachtsentung für deutsche Aussuhrkohle verbundene Erhöhung der Konkurrenzfähig- keit der deutschen Kohle den Absatz auf dem Weltmarkt steigern und damit auch der Reichsbahn mehr Frachten geben könnte. Sie ist auch für die rein privatkapitalistischen Interesten der Steinkohlen- und Brankohlenwerke nützlich, was sich aus einer Kostensenkung bei den Frachten von selbst versteht. Unbegreis- l i ch aber ist die Maßnahme unter dem Gesichtspunkt der für Deutschland notwendigen Preissenkung und der wünschen?- werten Möglichkeit, auch durch Tarifmaßnahmen der Reichsbahn der innerdeutschen Wirtschaft einen neuen Antrieb zu geben. Wir hätten es noch verstehen können, wenn die Reichsbahn die Seehäfen- Tarisermäßigung an die Bedingung geknüpft hätte, daß die für Deutschland geltenden Kohlenpreise ermäßigt werden. Damit hätte die Reichsbahn sich selbst, der gesamten deutschen Kohl« verbrauchenden Industrie und letztlich auch dem Bergbau geholfen. Jetzt aber werden allein für das Kohle lausende Ausland die Selbstkosten gesenkt, der Konkurrenzkampf der deutschen Verarbeiter erschwert und die Kohlenindustrie wird geradezu er- muntert, da ja die Reichsbahn ihre Gewinnmöglichkeiten steigert, die inländischen Kohlenpreise nicht zu ermäßi-gen. Man muß sich wirklich fragen, wer bei dieser neuen Variante der Reichsbahntarifpolitik wieder einmal die Hand im Spiele gehabt hat. Soll man annehmen, daß die Reichsbahn bewußt eine mögliche Kohlensenkung im Inland sabotieren, die Exportindustrie schädigen und so die Möglichkellen zur Konjunkturbesierung hinter- treiben wollte? Do man das kaum annehmen kann, wird man auf einen neuen Erfolg jener pfiffigen schwer- l n d u st r i e l l e n Berater bei der Reichsbahn schließen dürsen, die schon bisher eine Moste von Subventionstarisen zu Lasten d« übrigen Reichsbahnverfrachter durchzusetzen vermocht haben. Der Reichsverkehrsminister hat di« Pflicht, sich diesen neuen schwerindustriellen Subventionstarif auch auf das genaueste anzusehen. preußische Mntengutssiedlung. Zwei Zadre preußische Landesrentenbanf. Zur zentralen Finanzierung der Rentengutssiedlung auf dem flachen Lande und zur zentralen Regelung tl�r Aufwertung für die früheren Provinzialrentenbanken wurde von Preußen die Preußische Landeszentralbank im Januar 1928 gegründet. Das Institut legt»un den Bericht über seine Tätigkeit bis zum 31. Dezember 1929 vor. Die Aufgaben, die die nicht auf Gewinnerzielung abzielende An- stall zu erfüllen hatte, lassen sich am besten am Beispiel der Wvh. nungsbaufinanzierung klarmachen. Wie für den Ttzohnungsbou, sind auch bei der Siedlung Zwischenkredite zur Errichtung der Siedlungen(hier Rentengüter) erforderlich. Wie beim Wohnung?- bau die Zwischentredlle später durch Hypothekenkredite, beschafft durch Psandbriefverkäuse, ersetzt werden, io werden bei der Rentengut?- siedlung später die Zwischenkredite gewissermaßen durch Siedlung?- Hypotheken, beschafft durch Verkauf von Rentenbriefen, ersetzt. Diese Funktion hat die Preußisch« Landesrentenbank. Aehnlich wie Haus- zinssteuerhypotheten aber billiger sind ais andere, so auch diese Ciedlungshypotheken, für deren Verbilligung zur Förderung der Siedlung der Staat eintritt. Die Kreditmitiel wurden, soweit ihre Verzinsung durch die Siedlungen garantiert ist. durch dl« Ausgabe (bis 1. April 1930) von 41,60 Millionen Mark achtprozentigen Goldlandesrentenbriefen beschafft, für die der preußische Staat haftet. Bei der Verteilung der Rentenbeträge war die Nachfrage in llttimo! Qualitäten, die Sie suchen ca. 70/80 cm breit Woll- musselin neue Mutter Meter 175 ca. 80 cm breit Reinseiden Toiledesoie la Qualil&i. in nur gulen Farben, Meier 75 Muster nach«nswSrts trank« ter Provinz Schleswig-Holstein am grSßtett; es folgten Brandenburg, Ostpreußen, Pommern und Niederschlesien. Di« meisten bis Ende 1929 gewährten Kredite, nämlich 1360 im Gesamtbeträge von 29,42 Millionen Marl, entfielen aus die Klasse zwischen 10 009 und 50 000 Mark. Es folgte die van 1000 bis 5000 Mark mit 1228 Krediten und die bis zu 1000 Mark mit 202 Krediten. Bei weitem die meisten Rentengüter, nämlich 1439, gehören der Betriebsklasse zwischen 10 und 20 Hektar an. Insgesamt wurden 1928 889 und 1929 2724 Rcntengüter finanziert.(Darunter befinden sich auch geschlossen« Stammessiedlnngen.f Die Verwaltungskost«» der Landesrentenbank, die in Personal- und Berwaltungsunion mit der Preußischen Staatsbank steht, wurden, den Bestimmungen des Landcsrentenbankgcsetzss ent. sprechend, vom Staate getragen! sie betrugen 1928 etwa 0,30 und 1929 0,51 Millionen Mark. Die Taxierung der Rentengüter und die übrige Außenarbeit wird von den Landeskulturdchörden besorgt, die Einziehung der Zinsen von den Kreisämtern: die Landesrcntenbank erspart dadurch die Aufziehung eines großen Eigenapparates und kann verhältnismäßig billig arbeiten. Ein„E»alamander"-Trust. Tlettt Gesellschaft mit 32 Millionen Kapital. Di« Generalversammlung der I. Sigle u. Cie. Schuhfabriken A.-G., Kornwestheim(Marke„Salamander"'), beschloß die Grün- dung«ine? Salamander-Aktiengesellschaft mit 32 Millionen Kapital und einem Reservefonds von 3,2 Millionen, der in Gestalt des jetzt auf 4,5 Millionen angeschwollenen Reservefonds der Sigle A.-G. bereits zur Verfügung steht. Die bisherige Fabrikationsgesellschaft des Konzerns verteilt dem Vorschlag der Verwaltung entsprechend 16(im Vorjahr 14) Prozent Dividende. Die neu« Salamander A.-G. faßt die bisherigen Fabrikations- und Verkaufsabteilungen, sowie eine Tochter-Gesellschaft(A.Lehne G.m.b.H., Poppenfabrik) für Halbfabrikate zusammen: darüber hinaus ermöglicht sie mit ihrem hohen Kapital eine weitere Ex- pansion, da das Kapital von Sigle bisher nur 14, das der Sola- mandcr(Verkaufs-) G. m. b. H. nur 1,5 Millionen Mark betrug. Konferenz der Konjunkiurinstituie. In der ersten Iulihälfte werden die Leiter der Konjunktur- forschungsinstitute von USA., Belgien, England. Frankreich, Holland, Italien, Oesterreich, Polen, Ungarn und vielleicht auch Rußland in Berlin eintreffen, um gemeiirsain mit dem deutschen Institut für Konjunkturforschung Fragen der weltwirtschaftlichen Eniwicklungs- tcndenzen zu besprechen und methodische Fragen der Konjunktur- fovschung zu klären. Besonderer Anlaß ist der durchaus inter- nationale Charakter der gegenwärtigen Wirt- f ch a f t sk r l f t s, der niit der in den letzten Iahren stark gewochse- nen weltwirtschaftlichen Verflechte mg zusammenhängt. Monopol für optisches Glas? Die Aufsichtsratswahlen der Oeutfchen Spiegelglas A.-G. Die Deutsch« Spiegelglas A.-G., Freden-Leine, scheint sich zu einem Monopolunternehmen für optische Glashalbfabrikate zu entwickeln. Das Unternehmen hat seine Spiegelglasquote schon vor vier Iahren verkauft unl�sich jetzt ganz auf die Herstellung optischer Halbfabrikate spezialisiert: für 1,3 Millionen Mar? wurde das optische Glaswerk Mitterteich(Boyerischer Wald) von der Fürthcr Tafel-Salin erworben. In der Generalversammlung der Deutschen Spiegelglas A.-G., die die Dividende für 1929 auf wieder 6 Proz. seftjetzt«, bestritt die Verwaltung, daß s!h«ine Monopolstellung an- strebt; sie mag recht haben, denn die Gesellschaft steht auf dem Gebiet der optischeil Halbfabrikat« schon heute so gut wie ohne Konkurrenz da und hat also das„Anstreben" eines Monopols nicht mehr nötig. Von dem neuen Großaktionär der Spiegelglas A.-G., der Jenaer Zeiß-Gruppe. ist ja feit der vorjährigen Generalversammlung der Optischen Industrie Emil Busch 2l.-G. Rathenow bekannt, daß er die optische Industrie Deutschlands ganz an sich zu reißen sucht. Erfolgreicher Waggon-Außenseiier. Wird ihm der Ha«s umgedreht? Der 5)annoverschcn Waggonfabrik A.-G.(Hawa) ist ihr« Außen- stiterstellung gegenüber der Dcuwi, dem Kartell für das reichsbahn- freie Waggongeschäft, im Geschäftsjahr 1929/30 gut bekommen. Die Verwaltung schlug den Attionären die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung mit 5 Prozent vor, nachdem der Reingewinn sich von 0,19 Millionen auf 0,40 Millionen und der Umsatz um 40 Prozent erhöht hat. Der Auftragsbestand sichert die Beschäftigung der gegenwärtigen Belegschaft von etwa 1000 Mann bis in den Herbst. Mit den Erfolgen scheint es aber jetzt ein Ende haben zu sollen. Di« Sonderabkommen der Hawa mit deutschen Stadtverwal- tungen machten die Beibehaltung der Außenseiterstellung für die Zutunft wünschenswert. Die Kommunen müssen sich zwar vorerst mit Rücksicht auf ihre Finanzlage bei Bestellungen einige Zurück- Haltung auserlegen: letzten Endes würde aber die Zusammenarbeit der Städte mit der Hawa außerhalb des kommenden Waggontrufts für beide Teile vorteilhaft sein. Der Waggoirsabrik würde sie die Vergrößerung des'Absatzes über die vom Kartell angebotene Quote hinaus ermöglichen, den Kommunen könnte sie Schntz vor Willkür- lichcn Preiserhöhungen bringen. Nach dem Ergebnis der Hawa-Teneralversammiung ist die Versorgung der Kommunen zu trustsreien Preisen aber platz- lich gcsährdet. Die Danat-Bank scheint mit Linke-Hofmann- Busch zusammen, hinter denen die Der« in igten Stahl- s werke stehen, durch fortgesetzte BörsenKuke die Akttesmehr» heit der Hawa an sich gebracht zu haben. Kommerzien- rat Busch ist gestern bereits in den Aufsichtsrat der Hawa gewählt worden. Der Stahltrust hat damit, nach den Reichsbahnquoten berechnet, seinen Anteil an der deutschen WaHgonindustrie aus über 50 Prozent erhöht. Die Frag« ist nun: Was soll aus den Sonderverträgen der Hawa mit den Konmmueu werden? Sie lausen an sich bis zum Jahre 1934. Wenn aber die Hawa jetzt der Deuwi, dem Kartell für das reichsbahnsreie Geschäft, beitritt und Preisvereinbarungen mit dem Waggontrust trisjt, können die Kommunalverträge für die Gc- sellschast bei der Absatzentwickttmg wie auch für die Städte Berlin, Frankfurt a. M., Leipzig, Halle, Magdeburg usw. beim Waggon- einkauf leicht.zu einem wertlosen Stück Papier«erden. Wollen die deutschen Großstädte sich nicht der Prcisdiktatur des Waggon- lrufls ausliefern lassen, so werden besonder« Maßnahmen aus breiter Grundlage kaum zu umgehen sein, und zwar bevor die wenigen. noch übrig bleibenden Außenseiter-Fabriken auch umgebracht war- den sind._ Oie Wirtschaftskrise in LtGA. Die Natixmal City-Bauk in New ssjork hat aus den Abschluß- ziffern von 300 Gesellschaften für das 1. Quartal 1930 fest» gestellt, daß im Vergleich mit dem Vorsichre der Gesamtgewinn dieser Gesellschaften von 438 auf 344 Millionen Dollar, also um 21 Pr o z. gesunken ist. Besonders stark sind die Ee- winne m der Autoindustrie, nn Kohlenbergbau, in der Metall-, Tabak- und Papierindustrie zurückgegangen, wo die für die laufenden Dlvidcndenzahlmtgen erforderlichen Beträge nicht erreicht worden slud. Nach der National City-Bank sind 30 Proz. der erfaßten 300 Gesellschaften in dieser Lage. Sperre für �oggenemfuhrscheme. Der Reichsfinanzininistcr hat am Freitag bestimmt, daß Anmeldungen zur Aussuhr von Roggen und Roggenschrot mit dem An- spruch auf Erteilung von Einfuhvscheinen ab 5. Iultnichtmeh? zulässig sind._ Goidpslurdbriefe zum Wohnungsbau. Die Preußisch» Landespsandbriesanstalt in Berlin, die satzungsgemäß Darlehen zur Herstellung und Erhaltung oon Klein- und Mittel. Wohnungen gewährt, ist zum 7prozentlgen Pfandbrief übergegangen, um damtt zu einer Verbilligung der Baukosten beizutragen. Die Anstalt bietet(vgl. Anzeigenteil) in der Zeit vom 3. Juli bis 23. Juli 1930 10 Millionen 7proz-ntige Pfandbriefe zur Zeichnung zum Borzugskurs von 95 Proz. an. Einen Umsatz von 270 Millionen hat der Obertokskonzer» für 1929 erzielt, wie in der Generalversammlung bekanntgegeben wurde. Der Oberkokskonzer» hat in den letzten drei Jahren die Divi- dende auf das 80-Millioncn Kapital von 6 auf 7 und dann aufP Pro;. erhöht: Ende 1929 waren rund 27 000 Arbeiter und Angestellte be- schämgt. S Prozeuk Papierdioidcnde. Di« Pavierfabrik Krap- p itz A.-G., Berlin, verteitt für das Ge-chäftsjabr 1928 auf ihr Kapital von 2 Millionen 5 Prozent Dividende(noch 9 Prozent im Vorjahre). Die Bilanz zeigt eine gewisse'Anspannung in der Er- höhunq der Akz«pt-Verk»inolichk«!ten um ein« halb« Million, der «ine Höhcrbewertung des Lagers um den gleichen Betrag gegen« übersteht. Mit dieser Hoheibewermna scheinen früher gebildet« stille Reserven aktiviert worden zu sein. Die Abschreibungen hielten sich auf der Höhe des Vorjahres(250 000 Mark). Di« Ermäßigung der Prei!« imolg« der'charfen Konkurrenz konnte durch Produktions» steigcmng ausgeglichen werden. Die Beschäftigung war gut und wird voraussichtlich infolge der Aufnahme der Erzeugung hoch- wertiger Papiere befriedigend bleiben. Wochenprogramm de Sonntag. 29. Juni: 6.30; Funkgymnastik. 7: Aus Hamburg: Hafeukonzert 8: Für dca Landwirt 8.50: Morgenfciftr. Anschließend Glockengeläut des Berliner Doms. 10.05: Wettervorhersage. II: Elternstundc. 11.30: Schallplattenkonzert. 12: Mittagskonzert. 13.50: Jugendstunde. 14.20: Solistenkonzert. 14.50: Vom Nürbnrg- rirtgr Großer Preis von Deutschland für Motorräder. 15.20: Wie liest der Dichter Zeitung? 15.40; Konzert. 16.25: Aus Hamburg; Das deutsche Derby. 17: Aus Breslau: Staffclrcporlage von den Deutschen Kampfspiclen. 17; Dentschlandsender Könlgsvasterbauseo: Aus dem Stadion Grunewald: Fest Peter und Paul. 18.2Ü: Aus den Archiven der Berliner Staatsoper. 19.30: Programm der Aktuellen Abteilung. 20: Populäre» Orchesterkonzert, AU Einlage Heiteres. Danach Tanzmusik. Montag. 30. Juni: t M: Funkeymnastfli. AnsdilleBend Frfihktmrerl. 12.U: WetlenneMuncon fftr den Landwirt. 14: Schallplattenkoniert. ISJO: Konservierung von Nah- mngsmittein. 15.40: 75 Jahre LUfr. ß-Sduie. 16.05: Voll» Parlament der Tänzer. 16.40: Konzert. Anschließend Enziiscbe Lieder. 17.30: Jueendstufide. 1$: Wie entsteht eine Wettcrvorhersazc? 18.30: Struktur einer deutschen Industrielandschaft. 1»: Unterhaltnuismusik. 19.55: Drei Minuten von» Arbeitsmarkt. 20: Rückblick auf Platten. 30.30: Zur Befrclune der Rheinlande. Danach Reden an die deutsche Nation von Fichte. 23: Befreiurtcsfcier ans Speyer. Dienstag, 1. Juli: 6J0: Funkzymnastlk Anschließend Prühkoniert, Iis As« fpeyer: Be- froieng der Pfalz. 12.30; Die Viertelstunde für den Landwirt. 14t Schallplattenkonzert. 15.20: Schreiben und Zeichnen. 13.45; DoppcJbegabuagca. 16.05: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30: Der Arbeitstag des Beamten. ,17: Volksmusik aus fremden Ländern. I7J®i Jugendstunde. 1S.10: Stunde mit Bflchorn. 18.40: Unterhaltungsmusik. 19.58: Drei Minuten vom Arbeltsmarkt. 20: Wovon mad spricht 20.30: Ouerschnlttr„Johann von Paris'4, Komische Gper von Francois Adrietiae Bolcldieu. .Mittwoch. 2. Juli: 6.30; Funkgymnastik. Anschließend FrOhkotizert 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Frauenleben im Orient 15.10: Hundert Pferdekräfte In einer Hand. 16.05: Der zweite Curopa-Pundflag. 16.30: Unterhaltungsmusik. 17.30; Abend-Gymnasium und Abend-Universität 18; Jugendstunde. 18.20; Interview der Woche. 18.45: Die Ostmark. 19.10: Drei Minuten vom Arbeitsmarkt 19.15: Arien und Lieder. 19.40; Lin Sommerabend aus Leipzig. Masikvorträgc. 20.30;„Kieselack und seine Nichte", Posse mit Musik und Gesang von Wci rauch. 22: Neue Musik. Danach Tanzmusik. Donnerstag. 3. Juli: 6.3»: Fnnksyninaslik Anschließtad FrChkoniert II. 15: Ans der Universität Halle d. S.: Luther-Feier.>2.5»: Die Viertelstunde für den Landsvirt. 14: Schallplattenkonsert. 15.2»: Seltsame CrfinderaehleVsala. 15,4»: Zur Fraie der Zwei Vortröge und zwar die interessantesten des Programms, „JugendorAanisation" und„Dos staatliche Werk Mussolinis", fallen aus. Professor Anna Siems«», wie auch Freiherr von Meden sind krankheitshalber verhindert. Man hört dafür Dr. Heimuth Falkenfeld in einem Vortrog„Berlin im Roma»". Er will zeigen, wie sich diese Stadt in der ethischen Kunst spiegell und welche Formen sie in der Gestaltung der Dichter annimmt. Dabei kommt Falkenseld zu einer gesellschästlichen Kritik, allerdings nur andeutungsweise, denn der hier zusammengedrängte Stoff würde für eine Vortragsserie ausreichen. Das ganze bleibt also eine interessante Skizze. Den, Komponisten Allan Gray gehört«ine(jeribe Stunde. Es handelt sich um einen ausgeprägten Ehansoiikompoiiiste!', der mimer wieder den reinen Kabarettcharakter betont und nicht ins Tänzerische abbiegt. Die Musik enthält, wie auch die vertonte» Ge- dichte, starke karikaturistische und satirische Elemente, sie ist sprühend von Witz und Einfällen. Die kabarettistische Abendveranstaltung „Essig und O e findet keine originellen Wege zu>n Funk- kabareti. Die alte Form, die ichon durch allzu häusigen Gebrauch abgenutzt ist, wird gewabrt. Neues regt sich nur schüchtern, aber die einzelnen Leistungen sind ausgezeichnet. In erster Reihe stehen Schnog und Graetz. Die Vorträge eittfesseln nicht gerade elementar« Lachstürme, aber der Hörer kann vergnüglich lächeln. F. Leb. 5 Berliner Rundfunks. Flussicherbcit 16.»5: Konzert. 17.3»: Jtucndstunde. 15; Zern Wochenende. 18.25:„Gestern oder heute?" Ein literarischer Ouerschnltt 155»: Eine Wanderfahrt in Liedern. 19.15: Drei Minuten vom Arbeltsmarkt. 20: Ans der Staatsoper Unter den Linden:„La Traviata" von Verdi. Freitag. 4. Juli: 6.30; Funkgymnastik. AnschticÄcnd Frühkonzcrt 12.30: Wcttcnncldangcn für den Landwirt 14; Schallplattenkonzert 15.20: Wie Frauen über die Ehe denken. 15.45: In der Heimat des Korsen Napoleon. 16,05: Erdbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren. 16.30; Unterhaltungsmusik. 17.30: Sportliche Improvisationen. 17.55: TeemusOc- 18.05: Thesen-Diskussion. Für und gegen den Okkuitisrans. 18.45: Tcemnsik. 19: Das neue Bach. 19.10: Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. 19.15: Programm der nächsten Woche. 19-45: Klara Vicbig erzählt Ihr Leben. 20.10: Programm der Aktuellen Abteilung. 20.40: Orchesterkonzert In der Pause:..Tragödie im Hintergrund" von Gerhart Herrmann- Mostar. Danach Abendunterhaltung. Sonnabend, 5. Juli: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frtihkonjcrt 12.3»: Wettcrmeldonscn für den Landwirt. 14: Scfcallplatlenkonzeri. 15.20: Joseodstonde. 15.45: Medi- tlnlsch-hyticniscbe Plauderei. 16.05: HuniertstScklse rtiuser. 16.3»: Unter- haliungsmusik. 18: Ferien und Ferienkultur. 18.25: Flötenvortriee. 18.43: Menschenrechte und Literatur. 19.10: Drei Minuten von: Arbeilsiuarkt. 19.15: Chansons. 19.35: Die Erzßbluns der Woche. 20: Tanzmusik. 31:„ReisepUn:." Danach Tanzmusik. Königswusterhausen. Soontae, 29. Juni: Ab 6.30: Uebertrezuut«m Pertin. 15a»: Platze an der Soune: Amazonas. >9: Plauderei über die Mosel. HJOt Fritz Diettricb liest an» eixeneu Werken. {!> Oeutschlandsender; Theodor Dänbier liest aus"eieenen Werken, 20.5»: A is Haziburz: Millöcker-Abend. AnschheSend L'ebertragun« aus Berlin. Montag, 30. Juni: 16: Aus Breslau: Nachmltta�skonzcrt. 17.30: Bericht Ober die Tacu.nc der Schullandheime in Dresden. 17.55: Dlchluux und Komposition. 13.29: Unterhaltende Stunde. 18.40: Parteiwesea und politische Bildunc. 19 08: Enxiisch für Aniänier. 10.30: Landvirtschaftslunk. 20: Deolschlaadseodcr: Uebertra- tunc aus Berlin. 23.8»; Aus Trier: Defreinnxsfeler. 24: Ans Mainz: Be- (reiunsslelcr. Dienstag. 1. Juli: 16: Das Problem des Gcsarnttretet-rlchts tu den Natonvisscuschafteri. 16.30: Aas Leipzig: NachmitUgskoazcrt 17.30; Helgoland 40 Jahre reichsdculscb. 18: Die Pflanzenwelt unserer Gebirge. 18.39; Das Drama der Gegenwart 19; Viertelstunde für die Gesundheit 19.25: Wege sozialer Gemeinschaft! 19.55: Wetterbericht für die Landwlrtschalt. 20: DeatscfaUndseadert üebertragung aus Berlin. 20.30: Aas Breslau:„Der Rundfunk kommt aufs Dorf"*. Anschließend Uebcrtragang aus Berlin. Mittwoch. 3. Juli: 16: Aus Hambur«: MachmiftacsWonzert. 174»: 30 Jahre Zeppell«. 15: Diehluu* und Komposition. IS..3#: Kunst und Kultur In Abrahams Heimat vor 5000 Jahren- 19: Wie erwerbe ich den Führerschein? 19.25: Beamteniuu:, 19.55: Wetterbericht für die LandwirUchafL 20: Dentschlaudtouder: Violi. wortrige. 21: Aus Hannover; MiUtlrkonzert. Anschließend Uebeftrajune aus Berlin. Donnerstag. 3. Juli: 16: Aus Berlin: Nachmirtaeskonzert. 17.3«; Praktischer Raumlehreunier« rieht. 18: 600 Jahr« Gottxche«. 18.30: Die wlrtachaitiiche Bedeutung der Meeresströmungen. 19: Die großen Berliner Dirigenten. 19,28; Landwirt- schaftsfunk. 20: DculschJandsender: Aug der Staatsoper Unter den Linden: „La Traviata". Oper von VerdL Anschließend Tanzmusik. FreltaK, 4. Juli: 16: Schulgesetze in der Arbeitsgemeinschaft. 16.30: Ana Leipzig: Nach- mltiagskonzert. 17.30: Wir machen eine Segelfahrt. 18: Die volkswirtschaftliche Verffechtnng der Koninnktnr. 18.30: Gustav Adolf und der Dreißigidhrlge Krieg. 19: Bernanos. 19.28: Wissenschaftlicher Vortrag für Acrztc. 19.55; Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Deutschlandscnder; Aus Wiesbaden: Großes Festkonzert. Anschließend: Uebcrtragung aus Berlin. Sonnabend, ä. Juli: 16: Au, Hamburg; Nachmittagskonzert. 17.30: Literarische Stunde. Ig: Klein- oder Kleinstwohnnng, Hoch-»der Flachbau? I8J0: Die großen Berliner Dirigenten. 19: Reisen Anno dazumal. 19.25: Die Wartburg. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft 20: Dcutschlandsonder: Uebcrtragung aus Berlin. 20.30: Aus Frankfurt a. M.: I. Bluff(ein Scherz), 2. In flagranti (eine Groteske). 21: Aus Franktnrt a. M.; Allösterrclchische Militirmärschc. Anschließend: Leberlragure aas Berlin. fjp'ism a rkt» herausgebracht MausmarKce Cßrcnas- S&rtimem Jahres« baaiz 1920 in diesem Sortiment 23 Millionen 1»*«* Brosil-ttQüsmarte �Xde�noc ofl?5.1VAcra25P}' SO StUcK • Vthant. die unübedreffliche Sumaira-Spezialmarkc: Coroniias.... to'/j cm 12 Pf. Coronas klein iv s cm 13 Pf. Coronas mit fei« cm 15 Pf Coronas groß is cm is Pf. Coronas extra w1/? cm 20 Pf. Kisten so tOO und SO Stück A»-A*0/ Pfthaf/ bei Barbetag von Orictnab weHerhln O! O /vaOaiT Kitten im Werte von M S.- an „hütet" sein wollen— die Hüte: den Strohhut für die zarten, duftigen Sominerlleider. und dos Filzhütchen als Ergänzung zum Mantel oder Kostüm, Unsere Preise sind ja aber so fabelhaft niedrig, daß Sie getrost beide- Hüte kaufen tön- neu. Auch die kleinste Reisekajse läßt das zul Di« obrngezeichnet« vornehm« FIlzglack« mit dezent besticktem Kops und aparter Garnternng ist der ideale Reilehut. Sie tostet bei im»«j7S — nach in Helleck Farben— nur .Pass'- Bescheinigung. Mam«:. 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Die Krankenversicherung soll erst in der nächsten Woche beraten werden, wenn die Novellen zum Kranlenverslcherungsgejetz vorliegen. Die Kommunisten stellen den üblichen Mitztrauensantrag gegen den Minister, was mit Heiterkeit aufgenommen wird. Abg. Aushäuser(Soz.) gibt als Berichterstatter einen ausführ- lichen Bericht über die Ausschuhverhandlungen. Abg. Karsten(Soz.): Sehr ZU Unrecht sind di« übrigen Zweige der Sozialversicherung, die neben der Arbeitslosenversicherung noch bestehen, stark in den Hintergrund bei der Beratung gedrängt worden. Besonders bei /der Invalidenversicherung werden in den nächsten Jahren Schwie- l»igkeiten austreten. Ich vermisse in dem Programm des Ministers, das ein ausgesprochenes Sparprogramm ist, Borschlöge zur Verwaltungsvereinfachung in sämtlichen Zweigen der Sozial- Versicherung, wo ein furchtbares Durcheinander an Organisationen herrscht. In Deutschland existieren 8000 Krankenkassen, von denen die kleineren ständig last dem Defizit kämpfen. Die aus rein politischen Motiven vor dem Kriege neben die Invalidenversicherung gestellte Ange- stelltenversicherung muß mit der Invalidenversicherung vereinigt werden. Hier liegt eine der wichtigsten Bereinfachungs« und Ersparnisquellen. Die Bernachlässtgung der anderen Zweige der Sozialoersicherung zugunsten der Arbeitslosenversicherung soll sogar soweit getrieben werden, daß Kürzungen zugunsten der Arbeitslosen- Versicherung in ihren Einnahmen vorgenommen werden. Es handelt sich da besonders um die Aenderung der Lex Brüning. Man hat aus den Lohnsteuerüberschüssen, die der Jnoalidenversicherung zu- fließen sollen, einen Betrag herausgenommen und ihn der Arbeits- losenversicherung gutgeschrieben. Das ist ein unmögliches Verfahren, weil in den nächsten Jahren dieselben Zustände in der Inva- lidenoersicherung herrschen werden, wie heut« in der Arbeitslosen- Versicherung. Die Unfallversicherung muß reformiert werden. Für die landwirtschaftlichen Arbeiter mutz als Berechnungsgrundlag« der tatsächliche und nicht ein Durchschnittslohn gelten, weil die londwirischastlichen Arbeiter sonst lächerlich geringe Unfall- renlen erhalten. Es ist ebenso ungerecht, daß die Unfallrentner ihr ganzes Leben lang die Renten auf Grund des Lohnniveaus erhalten, das zsir Zeit ihres UnsaUes bestand. Der Redner weist zahlenmäßig Beispielen nach, daß Rentenempfänger, di« vor längerer Zeit ncxuugtual sind, völlig u u t/ite i cbe u be R« iu e rr�erdglte u. Im Hauptausschuß hat der M!nWr verspro-yen, Skne iS?sferung durchzuführen, und icl, hoffe, datz er sein Bersprechen spätestens bis zum Herbst einlöst. Wir verlangen ein erweitertes Mitbestimmungs- rcdft der Arbeiter in der Unfallversicheruno. Jetzt steht den Arbeitern nur der Klogsweg zur Anfechtung von Rentenentscheidungen offen. Die Invalidenrenten sind durchweg viel zu niedrig und müsien er» höht werden. Renten von 38 Mark im Monat sind unzureichend. Eine bessere Einstufung der Lohn Nassen in der Invalidenversicherung muß eingeführt werden. Es ist ein onerlräqlicher Zustand, daß selbst die Arbeiter mit dem höchsten Lohn nur bis zum Maximum von ZS Mark Wochen- lohn versichert werden. In der Angestelltenversscherung ist das Dersicherungs- maxinwm viel höher. In vielen Industrien sind bis zu 95 Prozent der Arbeiter unterversichert. Abgesehen davon, daß höhere Renten eingeführt werden müssen, wären viel« Mchrverdiener in der Lag«, zur Aufbringung der für di« Invalidenversicherung erforderlichen Mehreinnahmen beizutragen. Die Kontrolle der richtigen Beitrags- zahlung wird in der Invalidenversicherung sehr lax gehandhabt. Auf dem Laude werden die Arbeiter durchweg uulerverflcherl und um ihre berechligieu Ansprüche betrogen. Wir haben Anträge zur vereinfachten Regelung des Beitragswesens in der Unfall- und Invalidenversicherung gestellt und bitten um Annahme. Die Leute, die ihre Arbeitspflicht ihr Leben lang erfüllt haben, haben es nicht verdient, mst Hungerrenten ihr Leben fristen zu müssen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Solh(Dnat.) oerlangt Erhöhung der Beträge im Etat des Arbeitsministerium für die Siedlung im Osten. Die Land- flucht aus den Ostprovinzen ist größer als die Neuansiedlung. Di« Gutsbesitzer erhalten von den Siedlungsverbänden zu geringe Preise für ihr Land.(Widerspruch links.) Die Landlose für die Bauernsiedlung sind messt zu klein, um die Rentabssität zu gewähr- leisten. Abg. Krau Schröder(Soz.): Da Abg. Soth sich so warm für eine vernünftig« BeoRkenmgs. polZtik eingesetzt hat, Host« ich, daß er uns Helsen wird, ein« u n- er trüg ll che bevölkerungspolitische Verschlechterung in diesem Etat zu beseitigen,' es soll ausgerechnet der Betrag von 32 Millionen für Familienwochenhilf« auf 15 Millionen herabgesetzt werden, vor Iahren Hot der Reichstag beschlossen, daß den Krankenkassen die Hälfte dieser Leistungen zurückgezahlt wird, um chnen dies« außerordentlich schwer« Aufgabe zu erleichtern, die als bevölkernagspostsssche Sache eigentlich Sache de» Reiches wäre. Unsere Fraktion hat wiederholt gefordert, daß die ge- samten Ausgaben für Familienhilfe den Kronkenkassen zurück- gegeben werden. Statt dessen soll die Beihilfe jetzt noch auf die Halste herabgesetzt� werden. Im Ausschuß hat der Minister auf meine Frage erklärt, es könne nicht so sehr ins Gewicht fallen, wenn den. Krankenkassen 10 Millionen genommen werden. Ob es mit 10 Millionen getan sein wird, sst mir sehr zweifelhaft. Dieser Rückerstattung an die Krankenkassen ist es mit ,u verdanken. daß trotz Krieg. Inflation und aller Rot die Säuqlinossterb. lichteil in Deutschland zurückgegangen ist. Di« Krankenoersicherung hat 1927 für Wochen- und Famssien wochen- Hilfe 72 500 000 Mark ausgegeben und neben 274(566 versicherten Frauen 501 423 Familienangehörigen von Versicherten diese Hilfe gewährt. Wird jetzt der Zuschuß gekürzt. lo müssen die Kranken- tassen diese Hilfe einschränken, oder die für die Volksgesundheit so notwendige Fürsorge für Genesung und Erholung verschlechtern. Ein« solche Einschränkung ist bei aller Finanznot nicht ,u rechtsertlgen. Warum spart man nicht bei anderen Ausgaben, etwa beim Wehr- eml, wo mein« Fraktion Abstriche von 100 Millionen beantragt hol? MVp-pin mußte da alles bewilligt werden, wahrend in einer so außerordentlich wichtigen Frage des deuifchen Nachwuchses 15 Mil- lionen gespart werden sollen. Ein nichtjozialistisches Blatt, das „Magazin der Wirtschaft" schreibt:„Die Mutterschastshilf« sollte in einem zivilisierten Lande eigentlich nicht Gegenstand von Sparmaß- nahmen sein, am allerwenigsten in einem Lande, in dem der Geburtenstreik«in so großes Ausmaß anzunehmen droht, wie in Deutschland." Gewiß haben wir>n Deutschland eine Geburkenregelung gerade in den wertvollsten Arbellerschichlen. die nicht nur leben wollen, um zu essen, zu trinken und zu schlafen, sondern die sich kulturell emporarbeiten und nur so- viele Kinder in die Welt setzen wollen, wie sie einigermaßen hassen können, sie zu kulturell wertvollen Menschen zu erziehen. (Sehr wahr! bei den Soz.) Wenn di« Regierungsparteien sich nicht entschließen können, selbst in einer solchen Zeit den barbarischen Z 218 mit seinen katastrophalen Folgen für zahlreiche Familien ab- zuändcrn, dann hat di« zitierte Bemerkung vollauf recht. Nicht mit Zwangsmaßnahmen, sondern nur, indem man die Geburten materiell erleichtert, kann man, wenn überhaupt, den Geburtenrückgang ein- schränken. Der Zentrumsabgeordnete I o o s hat das Verlangen nach Abschwächung des§ 218 als Kulturbolschewismus bezeichnet. Nun, es sind auch sehr viele katholische Frauen, die nicht glauben, ver- antworten zu können, in dieser Zeit noch mehr Kinder in die Welt zu setzen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Noch immer ist der Schwangeren- und Wöchnerinnenschutz auf die Landarbeiterinnen und Hausgehilfinnen nicht ausgedehnt, ob- gleich am 24. April 1929 hier ohne Widerspruch«ine Ausschuß- entschließung mit dieser Foderung angenommen worden ist. Die Nolwendigkeit dieser Ausdehnung ist schlagend nachgewiesen dadurch, daß di« Säuglingssterblichkeit nicht in den Städten, sondern aus dem Lande am größten ist: in Berlin 7,8 Prozent, in Ostpreußen 10,1, in Westpreußen 11/ in Mecklenburg-Schwerin 10, in Mecklenburg-Strelitz 11,1 Prozent. (Hört, hört! links.) Die Säuglingssterblichkeit der unehelich Ge- borenen beträgt im Reichsdurchschnitt 14,8 Prozent, aber in den ländlichen Gebieten über 19 Prozent. Auch die Kinderarbest ist in der Landwirtschaft noch sehr verbreitet. Ist es denn zu rechtfertigen, daß in einer Zest, wo so viele Erwachsen« arbeitslos sind, die Schwächsten zur Arbeit gezwungen werden?(Lebhafte Zustimmung der Soz.) Wir fordern, daß di« Streichung an der Invalidenversicherung nicht gemacht und daß nicht nur«ine Million, sondern vier Mil- lionen sür die Kinderspeisung bewilligt werden. In der jetzigen Not sind die Gemeinden gezwungen, die Wohlfahrtspflege einzuschränken, nm so mehr muß für die Krlegskinder geschehen, von denen sehr viele jetzt bei der Schulenllassunq nicht berusssähig sind, weil sie nicht genug ernährt worden sind. Wir appellieren nicht an die Partei des Herrn M ö n k e, dessen gestrig« Rede darauf hinauslief: dem einen der Wohlstand, dem an- deren der Hunger, aber an di« Regierungsparteien) besonders an die, Ifitf ffc- rirre- yiftfi'flchc tmb geftmbe ißatfstommfnfdjnrf eintreten, sie fordern wir aus. uns zu-helfen und die nötigen Mittel dafür auch bereitzustellen.(Lebhafter, anhaltender Beifall der Soz.) Abg. Gräf-Dresden(Komm.): Die Reichspost erhall für das Feilhalten der Invalidenversicherungsmarken 8,4 Millionen oder 47 Pfennig pro Kopf der Versicherten und 10,6 Millionen für Aus- zahlung von Renten.(Hört, hört! links.) Für Bearbeitung der Invalidenversicherungsakten außerhalb der Dienststuttden erhalten höhere Postbeamte Nebenverdienste bis 9500 Mark.(Hört, hört! links.) Die Unfallzahlea sind von 1928 bl» 1929 um das Fünffache gestiegen, die Entschädigungen sind gefallen. Große Teil« der Arbetterschast sind nicht in di« Unfalloersicherung einbezogen. Di« Verufskrank- hellen werden nur anerkannt wenn sie nicht zu viel kosten. Der graue Star der Glasbläser ist trotz einem Versprechen des sozial- demokratischen Reichsarbeitsmirtisters nicht als Unfallfolge anerkannt worden.(Hört, hört! äußerst links.) Di« Novelle zum Reichs- Versorgungsgesetz beraubt 70 Prozent der Rentenempfänger ihres Revisionsrechts beim Reichsversorgungsgericht. Abg. Fceidel(Wirtschp.): Kein �Staat der Welt, auch Rußland nicht, hat eine derartige Höhe der Sozialausgaben, daß das Wlri- schastsleben zusammenzubrechen droht.(Lärm und Widerspruch links.) Weitere Erhöhungen der Beiträge und Leistungen sind „untragbar". Der Mittelstand hat in der Inflation ein ungeheures Notopier gebracht: man soll die Notopser nicht immer von der Wirtschaft, sondern von anderen Ständen verlangen. Ein großer Teil der Arbeitslosen will gar keine Arbeit, sondern Anterstühung von der staatlichen Futterkrippe. (Stürmische Entrllstungsruse links.) Hunderttauscildc wallen in Deutschland nicht arbeiten.(Zurus der Komm.: Dazu gehören Sie!) Die Jnnungsktantenkassen, gegen die von links dauernd ge- hetzt wird, leisten mehr als die Ortskrankenkassen.(Widerspruch links.) Sie müssen erhallen bleiben, und ihre Zusammenlegung darf das preußische Wohlfahttsministcrium nicht mimer erschweren. Bei der Siedlung wird die Privatbauwirtschast zugunsten der sogenannten gemeinnützigen Siedlungsgesellschaften benachteiligt. Beim Der- sorgungsetat muß gespart werden. Die Arbeitslosenversicherung schießt weil über das Ziel hinaus. (Widerspruch links.) Wir oerlangen produktive Ausgestaltung der Arbeitslosenversicherung. Die Unterstützungen der Bauarbeiter sollte man lieber als zinslose Hypotheken zum Wohnungsbau geben. Das Heer der jugendlichen'Arbeitslosen sollte durch Einführung der'Ar- beitsdienstpflicht vermindert werden. Di« jugendlichen Arbeitsloseir müssen wieder Ordnung und Unterordnung lernen.(Ironische Zu- rufe links.) Abg. Frau Arendsee(Komm.): Sie von der Rechten brauchen sich nicht nach der Futterkrippe zu drängen und können die Arbeits- losen noch verhöhnen. Wer zalstt denn die� hohen Beiträge zur Sozialversicherung anders als di« Arbeiter? Sie bereichern sich noch an rückständigen Beiträgen.(Lärm und Widerspruch rechts.) Nur 20 von den 8000 Kassen gehen über die Regelleistungen bei der Wochenhilfe hinaus. Der Minister hat behauptet, die Kassen würden die Wochenhilse nicht abbauen; sie werden eben nur noch die Regel- leistungen geben. Abg. Lipinski(Soz.): Am 20. Dezember v. I. ist die Annahme der Richtlinien zum Wohnungsbau erfolgt. Die Wohnungsnot hat sich aber seitdem noch vergrößert. Es wird oft so dargestellt, als ob heute die Woh- nungsnot keine so dringende Frage mehr sei, weil infolge der wirtschaftlichen Not viel« Familien keinen Anspruch auf neue und gesunde Wohmingen mehr erheben können. Das ist ein großer Irrtum, weil die sittlichen und hygienischen Gefahren der Woh- nungsnot durch die Arbeitslosigkeit noch ungeheuer wachsen. Der Redner schildert Beispiele der sittlichen Verwahrlosung von Schul- kindern durch das. enge Zusayrmenwohnen mit.viele» Erwachienen. Jetzt im Hochsommer, wo eigentlich alle Boraussetzungen sür die Durchführung von Neubauten vorhanden sind, ift trotzdem die Zahl der Arbeitslosen im Baugewerbe noch g e st i e g e n! Di« Bau- arbeiter, die im Winter sowieso arb.�itsios sind, fallen jetzt besanders in Seinen Gemeinden der. Wohlsohrt. zur Last. Es gibt Gemeinden, n»o trotz Bakancierung des Etats die Klckturausgaven unterbleiben müssen, weil eine unvorhergesehene große Zahl van Wahl'ahrts. erwerbslosen zu versorgen waren. Die Frage der Geldbes:. usfunz spielt im Baugewerbe nicht einmal die entscheidende Rolle. Ich glaube, daß sich die Krise der Vauwirtschafl verhältnismäßig leicht beheben ließe, denn die Geldanspannung der vodenbanken geh« zurück und psandbriese werden in steigendem Maße gekaust, warum wird der Raumarkt voa den Danken nicht stärker gefördert? Im vorigen Jahr sind den Gemeinden die Kredite geschmälert worden. Durch Beschluß des Städtetages wurden di« Gemeinden verpflichtet, die Kredite zunächst zur Umschuldung der kurzfristigen Anleihen in langfristige zu verwenden. Dadurch wird dem Bau- markt das Geld entzogen. Biete Gemeinden können jetzt erst an die Aufstellung eines Bauprogramms gehen. Die Großbanken ver- wenden große Gelder zur Hypothekenumschuldung, also nicht zur Förderung des Bauwesens. Im April d. I. sind 19 Prozent weniger Baugenehmigungen erteilt worden, als im vorigen Jahre und 57 Prozent weniger Bauten in Angriff genommen worden. Das Ortskrankenkasse pbeo zu Barlin. Di« in der Ausichub- Sitzung vonl Zt. April d. Z. beschlossene IS. Satzungsänderung betr.:§8 9, 18, 20, 23, 29, 30, 31,«, 46, 49, 55, 74, 91 und 92 ist vom Oberoersiche- rungoamt Berlin unterm 5. Juni 3» B. R 272,30) genehmigt worden. Die Aendernngen treten mst dem 1. Juli 30 in straft. Sine gedruckt« Satzungsänderung geh» pimtiichen Betrieben»n. Weitere Druck- stücke sind bei der stasse erhaltlich. Hugo Albrecht, Vorsitzender. Garderobe Hmnmalli!niniiniiiniii mit alloholfreiem Ausschank im städt. Freibad Aeulölln, iiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Grenzallee zu verpachten, Inhaber hat un- »ntgelttich die Reinigung des Platze» von Papier und Adiiillen und die Reinigung der Toiletten zu lldernchmcn. Riihere Auslunst im Bezirlssugendamt. Neutiilln, Rathau», 2 Treppen. Zimmer 285.— Angebote stnd umgebend an di« genannt« Dienststelle einzureichen. Groller Ferien-Verkaul Lodenanzüge mit kuner oder lavger«"» Hoie....55.- 42-£/•' Sportanzüge m. lanc.'Hose, Breeches od. 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Hose 3.75 Oberhemden-.. eehSne Muster.... 5.40 Socken-. bunt semostert.... 0.40 Aufträge von außerhalb werden in der Reihenfolge ihres Eingangs sorgfältig und unverzüglich gegen Nachnahme ausgeführt Bademäntel• Badeanzüge• Badewäsche BAER SOHN£ Berlin N 4, Chausseestraße 29-30, u-Bahns Stettiner Bahnhof kommt daher, daß der ReichshanMskont zwar gestmken ist, mid damit zugleich der Zinssag für kurzfristige Zwischenkredit«, aber di« loagi'ristlgea Kapitalanlagen nach immer durchschnittlich 10 Vrozcai Zinsen„.,.. erfordern. Erst kürzlich hat die Preußische ZentroHypochekenbank wieder eine Pfandbriefserie mst WprozeNtiger'Verzinsung heraus- gegeben, was immer noch einen L�prozentigen Hypothekenzinsfag ausmacht. Offenbar warten die Zluftraggeber für- die Bauten immer noch auf eine Senkung dieses Zinses. Es ist erfreulich, daß Mimster Dietrich Söll Millionen für Velabung des Paumarktes aufbringen will. Die Umschuldung der Kommunalanleihen erfordert 300—400 Millionen. Dje Verzögerung der Durchführung der begonnenen.Woh- nungsbauten liegt auch an bürokratischen Hemmungen. Der Redner weist auf den Fall einer Gemeinde hin. die auf lue»er- fprochene Anleiheunterstützung aus Mitteln der Arbeitslofenpersiche- rung vom Oktober bis zum Juni warten mußte, ob WIW gleich es sich um einen ganz geringen Betrag handelte. Auf. diese Weise kann man die Bauwirtschaft nicht ankurbeln. Die Reichsrichtlimen versprechen den Gemeinden größere Beihilfen aus Hauszmsstellermitteln für Bauzweck«. Den Gemeinden müsse» beschleunigt einzelne Zuschüsse aus diesen Mitteln gegeben werden. Der vaumlttelindex ist vom Ianuar bis seht aar um 0.9 prozeal gesunken, der Laukosienindex um uur 1.4 Prozent. Hier muß der Reichsarbeitsminisser gegen, die Kartell wirk, ich a f t im Vaustossgewerbe endlich etwas unternehmen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Frau Dr. Hertwlg-Bflnger(D. Vp) oerlangt baldige Ein- bringung des Rahmengesetzes zur Vereinfachung des Jnstanzenzugs bei der Baugenehmigung durch die Behörden. Abg. �ichter-HildeSheim(Goz.): Leider sind, die Mittel für Siedlung im Etat des Arbeits- Ministeriums von 50 auf 25 Millionen gekürzt worden mit der Maß». gäbe, den Rest möglichst durch Anleihen einzubringen. Im letzten Jahre sind 3302 Neusiedler und 1187 Anliegersiedler angesetzt worden. Man kann das nicht mit den Worten des Abg. Soth abtun, daß gar nichts geschehen fei, wenn wir auch mit diesen Zahlen noch nicht zufrieden sind. Wenn der Großgrundbesitz bei der Landkieferung angeblich seine Pflicht erfüllt habe, so wird das auch seine metallischen Gründe gehabt haben.(Sehr wahr! bei den Soz.) Die als ein« maiige Ausgab« für Oedlandstedlung eingestellten 2 Millionen müßten in jedem Etat stehen. Nicht nur Bauernsöhne, wie Abg. Soth meinte, sondern in allererster Linie auch Landarbeiter kommen für die Siedlung in Frage, besonders die Arbeiter, die bei der Gütcraufteilung arbeitslos werden. Sollen die vielleicht auch der Arbeitslofenversichevung anheimfallen?(Abg. Soth: Das will ja niemand!) Dos geschieht aber sehr häufig. Abg. Soth hat sich gewundert, daß wir mindestens 5 Hektar für die Landarbeiterstedlungs- stelle verlangen. Wir wollen den Landarbeiter unabhängig vom Terror und de» Druck des Unternehmer, machen, wenn er arbeitslos wird. Geben Sie dem Landarbeiter die Mielchen Rechte und sozialen Der- günstigungen wie dem städtischen Arbelier und Sie machen ihn scß« hast und verhindern die Landflucht! Die bisher immer verlängerte vorlaufige Pa chtschutzregelung muß«ine endgültige Form er- halten, weil die Kleinpächter, hauptsächlich Bauern, von der Un- sicherhelt ihres Lebensunterhalts befreit werden musien. Wir be- zweifeln allerdings, daß dies« Regierung fähig sein wird, solche Wünsche zu erfüllen, denn der Justizminister Bredt. dem die juristische Formulierung der endgültigen Pachtschutzordnung obliegt. gehört einer Partei an, die im Verpächteninterefs« stets den wirk- stchen Pachtschutz bekämpft hat.(Lebhaste Zustimmung und B-lsall der Soz.) Abg. passehl-pommern(Soz): Wir stimmen der beschleunigte» Äerabfchiedung der Novelle WM Äersorgüngsgesetz zu. Den Ardeitsministern der letzten Jahre, be- sonders unserem Freund Wissell, ist es zu verdanken, daß die Beschwerden in der Versorgungsarbeit so gut wie verschwunden stnld. Im Herbst v. I. haben wir uns von dem hohen Stand der Der- sorgungsanstalten überzeugen können. Der Reichsfinanzmimster hat heute im Reichsrat erklärt, daß er auch an. der Derwalmng sparen wolle. Nun sind beim Reichsoersorgungsgericht 10 Hilfskräfte mit einem Jahresaufwand von rund 200 000 Mark beschäftigt. Hier könnte gespart werden! Dogegen sind die Kosten für Beweis- erhebung im Etat herabgedrückt und werden desto sicherer über- schritten werden. Demokratische Politiker kämpfen um eine Kosten- Verminderung in der Verwaltung des Vsrsorgungsweiens. Man behauptet da u. w, daß Dr. Brecht diese Koste» mit denen der preußischen Verwaltuua oeralichen Hab«. Das ist unmöglich. Denn ein sehr großer Teil der Verwaltung d«r preußischen Kreise wird von diesen selbst bezahlt. Die Bersorgungsbehörden. haben doch nicht nur Renten festzusetzen, sondern nicht weniger als.zehn Reichsgesetze anzuwenden. Sie sind soziale Behörden mit fürsorgerischen Auf- gaben, sie sind den Kriegsopfern zur Seite gestellt, um ihre persön- lichen Verhältnisse zu prüfen und diesen Rechnung zu trage» Man kann st« nicht mit reinen Rechnungsstellen vergleiche» Dies« Be» Hörden müssen bestehen bleiben, die Vorwürfe gegen sie sind un- perecht, die persönlichen Aufwendungen betragen nur 4 bis 5 Prozent der Gefamtaitsgabe» Es kann auch keine Rede davon sein, die versorgungsstellen irgendwelchen anderen ReHörden anzugliedern. Das Reich mutz diese sozialen Behörden, die 38 Prozenk der ganzen Reichsausgaben verwalken. in seiner Hand behaue» Die Kritiker sollten sich einmal die versorgungsämler. den ärztlichen Dienst, die Krankenhäuser und Erholungsheime ansehen, sie würden dabei viel lernen. Auch die größte Sparnotwendigteit könnte einen Abbau dieser sozialen Einrichtungen mit ihrer ungeheuren Bedeutung nicht reckst- fertigen. Schließlich hat dos Perjorgungswefen auch die Aufgab«, durch sein« Fürsorge die Kriegsopfer, die zum Neubau des Staates beigetragen haben, zu der notwendigen Gesinnung ihm gegenüber zu dringen, und sie zu lehren, was der Staat für sie tut. Äe Per- forgungsarbeit ist«in wichtiger Teil des Ausbaues unseres Staates zum sozialen Volksstaat. Also nicht aus falsch verstandenem Spar- sinn die 3 Millionen Kriegsopfer und die ganze Staatspolitik schwer sckstidigen! Wir lehnen alle derartigen Forderungen auf das ent- schiedenst« ab.(Lebhafter andauernder Beifall der Soz.) Abg. Frau Dr. Bläh(D. Vp.): Die Beruksgenofsenschasten wollten die Funktionäre, Angestellten und Bediensteten der Sport- vereine ais unfalwerstcherungspflichkig.erkläre» Die Einsprüche des Reichsansschusses für Leibesübungen und der Zentral? om- Mission für Arbeiter. Sport, und Körperpflege hoben zunächst eisten Ausschub und.die Uebertragung der Cntschei- bting an das Reichsversicherungsamt eingereicht. Die Belastung disfer Person«», die nicht einmal ausübende Sportler sein müssen, mit den Versicherungsbeiträgen muß verhindert werden. Montag, 13 Uhr: Dersorgunys- und Ruhegehälter.— Schluß gegen 16 Uhr. Hier Mri�emcKir- iiier Boxen Ein Chimrgenausschuf) als Proiekior des Mensurenwesens Der„Ausschuß der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie" vsrösfentlicht. der..Kreuz-Zeitung" zufolge, eine Erklärung, die sich gegen dos Verbot der studentischen Schläger» mensur richtet. Es heißt da:„Dem Bernehmen nach soll ein Gesetz in Vorbereitung sein, das die Schlägermsnfur der Studenten als Zweikampf mst tödlichen Waffen unter schwer« Strafe stellt. Der Ausschuß der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, dem man doch ein sachverständiges Urteil auf diesem Gebiete zutrauen muß(?!), warnt vor diesem Gesetz." Folgend« Gründe für die Stellung- nähme der Chirurgen werden angeführt: Erstens:.Der Schläger ist keine tödliche Waffe, wenn die vorgeschriebenen Bandagen und andere Vorsichtsmaßregeln benutzt werde»" Diese Behauptung hält der Kritik nicht stand. Wiederholt sind Schläger» Mensuren tödlich oerlaufen, obwohl die vorgeschriebenen Bandagen benutzt und die anderen üblichen Vorsichtsmaßregeln an- gewandt wurden. Es ist auch nicht Sache der Chirurgen, als Sach- verständige für Waffenkunde aufzittrete» Zweitens:„Die Schläger- mensur ist«in Kampfspiel oder ein Kampfsport, nicht ein Zwei- kämpf." Di« Begriffsbestimmung„Schlägermensur" ist ganz gewiß nicht eine chirurgische Angelegenheit, sondern ein« Sache der Jurisdiktion. Im übrigen können die Begriff«„Kampfsport" und .Zweikampf", die von dem Ausschuß der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie einander gegenübergestellt werden, sich sehr wohl mitein- ander decken. In anderem Zusammenhange sagt der Chirurgen- Ausschuß:.Das Boxen ist mindestens ebenso sehr Zweikampf wie die Schlägermensur." Die Herren Chirurgen scheinen ihrer Sache also doch nicht so sicher zu sein, nämlich daß die Schlägermenfur kein Zweikampf seil... In der Erklärung der Chirurgen heißt es ferner: ,Die Verletzungen durch den Schläger sind weit ungefährlicher als die durch die Faust beim Boxen, wie der Vergleich der Zahl der Todesfälle und der dauernden Schädigungen bei beiden Kampfspielarten klar beweist." Auch diese Behauptung muß mit einem Fragezeichen versehen werde» Die vortiegenden Statistiken sind in vieler Be- ziehung sehr mangelhaft. Es fragt sich überhaupt, ob es vom Standpunkt des Statistikers aus angängig ist, eine derartige Ver- gleichsstatistik.aufzustelle» Die Erklärung des Ausschusses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie hat folgenden weiteren Wortlaut:„Die Todesfälle nach Schlägermensuren waren fast stets indirekte Folgen, vor allem Blut- Vergiftungen oder Nachblutungen; die Todesfälle beim Boxen sind häufig direkte Folgen des Kampfes(Schädelbrüche, Schocktod). Wollen sich die Gesetzgeber nicht dem Vorwurf aussetzen, daß sie «m Ausnahmegesetz gegen die Studenten schaffen, dann müßte mindestens gleichzeitig dos Boxen oerboten werden, weil die beHand- schuhte Faust eine viel gefährlichere Waffe im Sinne der Tötung ist als der Schläger und weil(wie bereits erwähnt) das Boxen mindestens ebenso sehr Zweikampf ist wie die Schlägermensur. Kein« Regierung aber wird sich wohl durch Verbieten des Boxen» lächerlich machen wolle»" Ob«in« Regierung sich wirklich.Fächer» lich machen" würde, wenn sie ein Boxverbot herausbrächt«, ober ob sie nicht vielleicht ganz im Gegenteil bei der Mehrheit des Volkes lebhafte Zustimmung fände, das sei dahingestellt. Im übrigen wird die Frage des Verbots der Schlägermenfuren in Deutschland bestimmt nicht mst den Requisiten der Chirurgie ent- schieden werde» Und dann: Ausnahmegesetz'? Der.Gesetzgeber kann' doch nichts dafür, haß die Schlägerrnensttren nur von Studenten geschlagen zu ioerden pflege» Oder soll der Gesetz- gebet etwa in der heutigen Zest noch ein besondere, Privileg der Studentenschaft auf Schlägermensuren gelten lassen? Der Chirurgen-Ausschuß meint, die behandschuhte Faust sei eine viel gefährlichere Waffe als der Schläger. Diese Auffassung wird von vielen Sellen ganz entschieden bestritte» In der Erklärung des Chirurgen-Ausschusses heißt es weiter: „Es ist klar, daß jeder männliche Sport Gefahren nach sich zieht. So sind zum Beispiel Bergsteigen, Baden, Schwimmen, Reiten. Fußball auch zweifellos weit gefährlicher als die Schlägermensur." Dos ist zuviel des. Gute» Wer so etwas hört, gerät in Hesterteit. Schließlich macht der Chirurgen-Ausschuß noch darauf aus. mertsam, daß.hos Boxen, wie es heute geübt wird, ein auf Ten» sätiön und Geldverdienen eingestellter Sport ist,' während bei der Schlägermensur materielle Gesichtspunkt« nicht in Betracht kommen, sondern lediglich Erprobung und Stärkung des Mutes." Es gibt doch aber auch Tausend« von Menschen, die in Boxklubs sich sportlich betätigen und darum Loxübungen mit Sensationshascherei oder Geldöerdienen nicht das mindeste zu wn habest. Wie kommt der Chirurgen-Ausschuß dazu, diese Leute zu diffamieren, zumal doch eine ganze Anzahl von Chirurgen zu derartigen Boxklubs in engeren Beziehungen steht!. Daß bei der Schlägermensur materielle Gesicktspuntte in Be- tracht kämen, ist kaum je behauptet worde» Der Meinung, bei der Schlägermensur. handle es sich lediglich um eine Erprobung und Stärkung des Mutes, kann aber keineswegs zugestimmt werde» Wer will denn ernstlich bezweifeln, daß viele Studenten deshalb ihr« Mensuren schlagen, weil sie sich durch ihre Schmisse im Gesicht äußerlich als ZLIademiker kenntlich machen wollen? Dies« Chance wird aber durch ein eventuelles Verbot der Schlägermensur bedroht oder gar zunichte gemacht. Umso- weniger sollte sich der Gesetzgeber dadurch abhalten lassen, die Schlägermenfur der Studenten al» Zweikampf mit tödlichen Waffen unter verschärfte Strafe zu stelle» Ltadtenrt Dr. Alfred Kon«h. Ulf- Bern» Die nächste Führung durch die vergessenen Winkel der- answltet daS Bezirksamt Schöneberg unter der Leitung de» Schriftstellers Georg Bamberger am Sonntag, dem 2S. Juni. Treffvuntt: 10,30 Uhr auf dem Spittelmarlt, Ausgang llntergrundbahn. Teilnahme 80 Pfennig. parieinachrichien/M� fürGroß-Vertin stet» n da» Bezirktsekreiariiu t.Hof, 2 Trepp«, recht», zu richte». Xchtuttg» In ffendtv eil) earrnaftm«stellen? Sbctsü§ gorfffOfnfrn 2b$z bziadfcüi), fafoxt o Zugeatweihc.Sekretariat, vs«. Ltlldevstr. z, 1 tzot, 2 Tr. link», eis- l> reiche». L«rei»«Ute. Sie(de umständehalber erst am Swinemtiuder Str. II, statt. brohlaw. 4. Nr et» St«t|l«SCT Sa» und i. strei» Friedrichihain. Drohe» Sommcrfest am Sonnabenb. 8. Zull, im Saalbau Friedrichshaia mit folgendem Programm: Buhnenschau. Gesangverein, Son,ert, Tan». «ilcherbelustigungen Ulm. SrBffuimq 14 Uhr. Eintritt 0,50 SRI. ein. Steuer. Um recht zahlreichen Besuch wird gebeten. 7. strcie Eharlottendura. Dienstag. 1. Zull. 20 Uhr. erweiterte Kreisvor, stai dssthung im Rathau». Zimmer I. Die Bücherkreiswerle de» 2. Quartals lind erschiene» Sie Abteilungsvertrrter känneu die Werte im Jugendheim . abhole» 7. Trot» Sharlottesduog. Bezirk» oerordnetensraktio-: Die Sitzung findet nicht am Montag, sondern am Mittwoch. 2. Juli. 171, Uhr. Sitzungszimmer U Rathaus C�atlotteitibarg, ftaft. 9. Treis Wilmersdorf. Am Dienstag, 1. Juli. 20 Uhr. findet im Lokal Zhlen. feld. Uhland-, Ecke Dllntzelstratz«,«Ine Sitzung de» iireisbildungsausschusses statt. Sir bitten, ausser den M' iglieder» de» Bildungsausschusses auch die Obleute der SAZ.. der Zungsozialtsten, die Vertreterin der Frauen und den kreiskassierer, an dieser Sitzung teilzunehmen. 19. Treis Zeblendorf. Genosse Bernhard Zander hält in seiner Wohnung, Zchlendorf, Sven-Ledin-Str. 74. jeden Donnerztag von 17—19 Uhr kostenlos Sprechstunde in. allen Wohlsabrtsangeleqcnheiten ab. 1». Niel» Zeblendorf und 11. firsi, Steglitz: Zchlendorf, Dahlem, Wannfec, Steglitz.Slldrude, Lankwitz. Lichtcrfelde! Die Senossen nehmen mit chren Familien am Waldfest in Dahlem. Grunewald teil! Kronprinzenallee. Nähe Iuaendspielplätzc. Beginn 18 Uhr. Sammelplatz: Steglitz, Diippclmarkt, 14 Uhr. Festzug mit Fahnen in den Wald. N. Frei» Schoneberg. Montag. 30. Juni, 20 Uhr, Nreisfunktionärsitzung bei Will, Martin-Luther-Stratze 69. Vortrag des Genossen EmU Borth über .Unsere Arbeit In de» Betrieben�. Alle Abteilung?, und Nretsfunktionäre müssen erscheine»— Montag, 17 Uhr. Fraktiondlitzung mit Bürgerdepu. tierten im neuen Rathaus. Zimmer 144. ö. Ätei» Tempelhof. Mittwoch, 2. Juli. 1914 Uhr.»rei-vorstandsfitzung bei Hennig, Tempelhof,»aifer-Wilhelm., Ecke Moltkestratze. Heute Waldfest .in Lichtenrade. Beginn pünktlich 2 Uhr. Verbindung mtt der Linie SS bis Kaiser-Wilhelm-Strasse. An der Haltesteve rote» Transparent„Station Waldfest". Von dort Weqweifen bis zum Festplatz. 14.«reis Neukölln. Die Sitzung des engeren Vorstand«» mit de» Abteilung». leitern findet am Mittwoch, 2. sluli, statt. 15. 9 tri« Treptv». Heute: Sonntag, Volkssest in der Wuhlheide unter Be. teiligung de» Reichsbanners, der SAI.. der Ninderfreund«, FTSB. und der ZdA..Iuaend. Gemeinsamer Abmarsch mit Mustk um 14 Uhr vom Bahnhof Schoneweide. Anschliessend auf der Wiese am Vlanschteich Konzert. Handballwerbespiele. volkstümliche Spiel«. Schlusskundgebung. Unkosten. bettraq 20 Vf. Die Abteilungen bringen Fahnen und Banner mit. 17.«rei» Lichtenberg. Mittwoch. 2. Juli. 1914 Uhr,«reisoorstanbssttzung im Lokal Tempel, Gudrunstr. 7. 19.«reis Leissenfee. Dienstag, 1. Zuli. 20 Uhr,«reisoorstanbssttzung bei Galla«. Die Funktionürkonferenz fällt. WWWMW I_-- miitgliederversatumluna im gr Th-atersaal Linder, Pankow, Breite Str. 32. Referent Genosse«arl � Sc Oering, Reichs minister' a. 9. All« Genossinnen und Genossen müssen erscheinen, auch die«leingartenbesstzer! Mitgliedsbuch legitimiert. Von Mitgltedern eingeführte Gaste haben Zutritt. 20.«rei» Reinickendorf. Bolkshan» Reinickenho Achtung. Elternbeiräte! Mania«. 90. Znui. findet km . jorMBeft, Scharnweberstr. 114, eise Sitzung aller sozialdemokratischen Glterndeirilte de, 29. B«»irke« statt. Eeschelsen all« Beiräte ist notwendig. Parteiausw«!,. Beginn 20 Uhr.— Der OtMaxs. 40. tzwt henke. Sonntag. 29. Zun!: ---- Sie Genossinnen und Genossen beteiligen sich vallzäblig an �l»dors. Sozialistische Ärbeiteaemeinschast: Nächste Zusammenkunft .tag, 1. Juli. 20 Uhr. bei Schmidt. Maricnbnrger Str. 8.»Di». eud.� Frauenveranstaltungen. 18.«rei» Weißen sc«. Am Montag. SO. Juni, treffen stch hie Genassinnr» um 17 Uhr zum«affcelochcn an den Terrassen am Orankesee. Bei schlechtem Wetter Unterkunft im Saal. 20.«rei» Reinickendorf. Am Monkag. 80. Juni, van 15 Uhr ob,«affeelochen Im Neichsbanner-Bootshans, Tegel. Alle Abteilungen beteiligen stch daran. 91. Abt. Rcnlöll» Der Frauenabend fällt in Hiesem Monat an». Morgen. Moniag. 30. Juni: 7. Abt. M4 Uhr in der Borstgstr. 14. Vortrag:.Eherecht und«indesrecht*. Referentin Mathilde Wurm. M. d. R. 20. Abt. 19>4 Uhr bei Vontke, Schulstr. 74. Dartrag: JSAt Auswirkungen der Bürgerblockrcnieruug". Referent Ernst Neumann. 27. Abt. IS'/- Uhr bedReetz, Sonnend Iirgcr Str. l, Vortrag: �iameradschafts- ehe". Referentin Margarete Schenkalowslp. Reuwahl der Leiterin. 88. Abt. 22 Uhr bei Bartusch, Friedenstr. 88. wichtige Abteilungsangelegen- heiten. Alle Genossinnen werden erwartet. 87. Abt. Eharlottenbnig. Lehrerzimmer der 1. Volksschule, Vestalo«istr- 89, Referent Genone Dr. Ludwig Zaffe. Thema: Tuberkuloseschutzimpfung. Gäste herzlich eingeladen. 1«. Abt. Treptow. 1946 Uhr bei Diihlin«.«iefholz. Ecke«IsenstoaGe.«ortrag: .Was mutz dw Frau von der Sozialversicherung wissen?" Referent Bern- hard«äring. 129. Abt. Friebrichsfrlde. 20 Uhr bei Tempel. Prinzenalle« 4L, Bortrag: �Zozialhogienifche Forderungen fstr die Proletarlerfrau". Referent!» Dr. Frieda Alexander. 131. Abt. Rwdetschünhause» Am Montag. 30. Juni, treffen sich die Genossinnen mit ihren«indrrn zum«affeelochen im Restaurant Schlltzler. Nicderschvn- Haufe» Schlotzpark, um 10�4 Uhr. Vortragende: Margaret« Merlbach. Rezitatorm. Auch Pankower Genossinnen sowie Genossen und Gäste sind herzlichst eingeladen. Der Frauenab-nd fällt Int Monat Juli aus. 139. Abt. Tegel. Der ssrauenäbend fällt am Montag. 30. Juni. au». Dakllr beteiligen wir uns am«reiskaffeekochen im Bootshaus de» Re'chsbann-r- am Tegeler See. Anfang 18 Uhr. Bei genügender Beteiligung Bootsfahrt. 139». Abt. Tegel. Freie Schölle: Da im Juni der Frauenabcnd ausfällt, bitten wir-bie. GanoMmwu.. stch an dem.«reiskaffeekochen am M»ntag. 30 Juni, 18 Uhr. Im Relchtanner-Bootshau», Tegeler Sc«, zu beteilig-» Treffpunkt 1414 Uhr«onfumhauo. 140. Abt.«itteo-n. Di- G-nossinne» irt-Mge» stch rcstlo, an dem«aff.e- lochen,«retsframntreffen. in Tegel. i'Z-ähcre» stehe«reisnotitzl Mutti macht unsere Brause selbst Es Ist Ja so einfach, eine wohlschmeckende Brause zu bereiten, 1 Teelöffel„Bullrldi-Salz" wird In einem Glase Zuckerwässer(Fruchtsaft nach Belleben) unter Zusatz von ein wenig Essig oder Zitronensaft aufgelöst Dieses erfrischende durststillende Getränk wird in der ganzen Welt, speziell In heißen Ländern, wegen seiner Bekömmlichkeit geschätzt. •Sah Dleuslag. L Zoll- *L tru. See ffemma&esk Mt an». SeSs sauintaBca Baftubtu im SPnTtspatl SujIBHit um 18 Uhr. 75.«bt. Sanol«. 20 USt im 3i«i®»ail«, WSttifffh. 26, Partrag:-S>« Anf» tau unserer Organlsatisn". Nsfirentin Herta Heinflu». IZ». Abt. Rlinickeodzrs.vft. 20 Wr in der Schul« Hausuuervla» Helferinnen. schnog. Um pünktliche» und nollzödlige» Erscheinen wird gebeten. Mittwoch, Z. ZuN: 154. Alt. Doch. Ter ffrauenaiend fM aus. Die Settaffmatu beteMge« sich rcftls, au der«reismitzNedernersammlung. rn der Sarl Severing. Reich». minister a. D., spricht. Voranzeige. S. Abt. Die ssrouenod-nd« sollen in den Monaten Znni und Zuli au». «m Sonn rag. 8. Juli, Ausflug nach.AignersSSh'. Zehleudorf.West. Treffpunkt 10 Uhr Lahnhof Srohgörschenstraße. Genossen und Gast« willkommen. Dezirkeaasschuß für Arbeikerwohlfahrt. Z. SStAt Setding. ffachgrupp« Zngendwohlfahrt: Dienstag, 1. Juli, tt Ks 19 Uhr. Ausgabe der Arbeit an die Abteilungsleiter im Zugendamt Wedding, Berwaltungsgeboud», Limburaer Straße, 4. Stock. Zimmer 472.— Die Ausgabe de: Arbeit erfolgt feist regelmäßig Dienstags jeder Woche. 4.«reis P-enMucr»erg. Dienstag. 2 Zuli. Lestckstigung de» Trtziehungs. Heims Grüne» Haus. Tegel, Hermsdorfer Str. � Trefft, un!t 14H Uhr nor dem Heim l? äffte mit Suchen S« Ps. daselbst). Das Heim ist mit den Straßen. bahnlinien 27. 28, 29, 128 oder Dororrbahn ju erreichen. 18. Abt. Dienstag, 1. Zuli. 19 Vi Uhr. Sißung der Seltersinnen) der 18. Abt. in der Alkoholfreien GaststStte, Pankstr. 12 Fachgrnpo« Sa 8. Sericktshilfe. Die Helferlinnen) werden gebeten, die Zahl der oon l. Januar bis 89. Juni bearbeiteten Tilll- dem Obmann, Senolsen August Dornig, Berlin, ltiautschonstr. i, bi» svStestens 15. Juli mitzuteilen. Die Tüll« vom Dezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt und dem Wohlfahrtsamt sind getrennt anzugeben. An die Abrechnung der Arbeiterwohlfahrtsnu-rien und der Sbert- starten sowie an die Rückgabe der S-Iferoerzeichnisse und AusweiÄarten werden die Abteilungsleiter nochmals erinnert. Sozialistische Skudenkenfchafi, 0rl«gnippe Vek.ia. Dienstag, 2 JnN, 2» Uhr: Medizinlfche, Seminar. Referent Genosse Gsld. stein.— Drei tag, 2 Juli, 2V Uhr: Juristisch« Fachlchaft. Referat de» Genossen Dr. Äirchheimer Über.Wirtschaft und Sebbstverwaltungskörper". ZungfoziaNstifche Vereinigung. Gruppe Sharlatteubnrg: Margen,« Uhr, SditgN-derver�nrnwng im Jugendheim Rosinenstr. 4. Alle Mitglieder müssen erschetneu. 2 M. mitbringen für Werbefahrt am 8. I»n. Lichtenberg: Unser Gruppenabend füllt Montag an». Nächster Gruppen» abend eine Woche später. Reinickendorf! Morgen, zg. Juni, 19'; Uhr, Referat de» Genossen Lepinski Uber.Demolrati«— Diktatur� im städtischen Jugenheim Tegel, Schöneberger Straße 5. Vollzähliges Erscheinen ist Pflicht. SAZ.»Mitglieder und junge Parteimitglieder stich willkommen. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde. im Di«»reis» RenkAln und Mariendorf müssen die Restsalkenkleider i »indermaltag bis spätestens Mittwoch in der Zentrale abgeben, da diele Munfterlager gebraucht werten. Di« streif-, die die Bescheinigung der Srholnngsbedsirftigkett für die Schwei,. fahre- noch nicht abgeliefert höben, müssen die» unbedingt am Montagabend in der Zentrale erledigen, weil wir ohne diese Bescheinigungen den Fahrschein für die Schwei, fahrt Nicht bekommen. Di« zentral« ist am Montag» und Mittwochnachmittag geöffnet. Restfalkenhelser: Der GymnastiSursus findet am Montag und Mittwoch nicht wehr statt. Munfterlaoer: Di« Genossen ffie die Vorardett im Munfterlager treffe» sich Dienstag, 1. Juli, 8.10 Uhr Lehrter Bahnhack an der Sperre für o-Zug. «rrnzbcrg: Untersuchung aller Helfer, Rest», Jung» und Raten Falken Mtlwoch, 2 Juli, 28 Uhr, im Geiundheitshaus am Urban. Treffen 12% Uhr nora dem Eesundheitshans. Montag, SO. Juni, 18—10 Ilhr, Nestfalkenvolloer- sammlung im Zugendheim Belle-Alliance-Plaß 2 All-»inder und Helfer, die nach Munster fahren, müssen anwesend sein. All« Wunstersahrer treffen stch Sonnadend. 5. Zuli,«.10 Uhr an der Brückl vor dem Lehrter Bahnhof sHalt«. stelle der Straßenbahnen 7, 15. 21 ufw.).— Gruppen»ottbusser Tai,«rangel», Görlißer Straße, Süden und Wassertarstraß«: Elternbesprechung am Montag. 80. Zuni, um 20 Uhr. im Zugentheim Brißer Str. 27—28. Restzahlungen find boti voezuneHmen. w streu Friedrichshain! All»«inder. welche»in« Geig«,«mcholtne«der Gitarre besißcn und Spielen lernen wollen, haben Gelegenheit, durch Teilnahm« an der Mustkgruppe de,«reife», welch« tagt Montag van Ist— 1» Uhr für An» fänaer: für Vorgeschritten« von- 19— Uhr im Zugendheim Diest-lmeyer. ströß« b—«. Für S-lier ist die Teilnahm« m-r Pflicht gemacht. Don 20 bis 2? Uhr tagt die streis-Photogememschaft im gleichen Seim.— Dienstag, 1. Juli. Achtung, Helfer! 20—22 Uhr wichtig» Krei-h-lfetfißung im Jugendheim Diestel» ineperstr. 5—«. Alle SammeMsten abrechnen. Alle Zunghelier erscheinen bi» sslmull i« Uhr an afcttbro Hei»».—«»Mager, und Munftkrtah-rel Alle Falken äÄll�n�Unterft�.urni�vüaltftch� arn'��iöaq� brück« fein,«er f.htl kann am Selilaaer nicht teilnehmen.— Gruppe Land». berge» Plast:«IN Montag ist von 18—20 llbr wichtig« Gruppenkinderversamm. lung. an der feder teilnebmen muß. Pünktlich erscheinen. «reis P reu, lauer Beta, Gruppe.Freiheit': Die Snltfabrer treffen stch am Montag, 80. Zuni, um 17 Uhr im Hort, Danzlger Str.«2 Baracke 2 vi« Elternhelorechung dieser Snltsahrer findet am Dienstag, 2 Juli, um 20 llhr am gleichen Ort statt.— Die zeltlagerteilnehmer versammeln sich mit ihren Eltern am Montag, 80. Jnnl. um 18 Uhr im Zugendheim Sonnenburger Str. 20. Der H-lferkrei» und Falkairat muß ebenfalls zu einer wichtigen Besprechung an» niesend sein. Bis ,u diesem Termin müssen unbedingt di» noch ausstehenden Re.fi.zablungen erfolgen.— Die Grnppenveranstolftmgen für alle«inder fallen während der großen Ferien ans. Die in Berlin bleibenden«inder achten in d-n Ferien auf di«.9armSrt»".9lotizen, die im Bedapfsfallc an den Sonntagen veröffentlicht meiden. Wiederbeginn der Gruppenvernnstalwngen am Donners» tag. 7. August, um 17 Uhr Im Heim Sonnenburger Str. 20.— Mittwoch, 2. Zuli, 179J Uhr, erscheinen alle steltlagerteilnebmer mit fertig gepacktem Ruck» sack In den Baracken Danziger Str. 82. Alle Snltsahrer treffen sich Montag, 80. Juni. 17 Uhr, im Kort Danziger Str.«2, zu einer wichtige» Besorechung. Sonnabend. 5. Juli. 15— 18 Uhr. am selben Ort, Appell mit allen Sachen. «reis Rlinickenstorft Die Untersuchung der Zeltlagerfadrer erfolgt Montag, Mittwoch und Donnerstag um 11 Uhr durch Genossen Dr. Menersteln, Reinicken. dorf.Ost, Lettealle«. Am Donnerstag werden auch die Nestfallen untersucht, sie treffen sich um 11 Uhr am Seebad.— steltlagerfahre»! Wir fahren am Frei» tag lllS Uhr vorn Anhalter Bahnhof ab. Treffpunkt 10 Uhr Anhalter Bahnhof. kreis Rettkölln! Legte Unieeftickwng für alle Nachzügler am Mittwoch. 2. Juli, mn» Uhr. T-llftr. 9.— Vollversammlung für alle Resiffallen mit Eltern lKeidesahrer) am Mittwoch, 2. Juli, um 17 Uhr im Jugendheim Berg» straße 29 lU.Bahn). Di« lestten Informationen werden gegeben. Lieder für Restfalken werden geübt.— Am Mittwoch,?. Znli. ab 18 Uhr Arbeitsstunde im Heim Ganghofcestraße. Vis bahin müssen alle Zahlungen für Munsterlager und Schwei» erledigt sein.— Gruppe Ltiiitkllmpser: Am Dienstag sind all- Teilnehmer am Ocfterreichlager im Heim Bergstraß« NM 17 Uhr. Wegen de» Fahrtlermin, müssen alle erscheinen. Geburkskage. Jubiläen usw. 78. Att. Unser wackerer Genosse August Stieger.«bcrsstr. 88. begeht heute seinen 70. Geburtstag, wozu wir ihm all«, Gut« wünschen. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin 2 JnN. pftnkt» «nsendsngev Kit diese Vntrif« Deelw«W«&. Q-b-nsse-ge J Bezieksvorffanbsfistnng mit««tbebezk-Islertern lich 19 llbr im Vortragssaal de» P�B.. Lindenstr. 2. Abteilungsleiter, rechnet umgehend die«arten vom.Mast' ab! Heule. Soualag, 29. Zuni: Roedssten 1: Heim Danziger Str.«: Funktionärversammlnng.— f.. � Hopser Vorstadt! 20 Uhr Heimabend Schönslicßcr Straße.— Lanftmst: 15)4 Uhr Steglist. Düppelplast, zur Demonstration nach Dahlem.— Steglist: Waldfest im Gtun-wold. Treffpunkt 19Vj Uhr Marktplast. Düppelstraße. Fahnen mit» bringen. Nachzügler Grunewald. Kronprinz nallce. gegeniider ffinkenstraße. «erbebeziel RUtt«! Dampferfahrt nach Reue Mühle-stönigswusterhausen. Abfahrt Michaelklrchh rücke 7>., Uhr. Die Partei» und Zugendgenossc» des «reifes Mitte weiden um reg« BeteiNgnng gebeten,«arten zum Preise von 2 M sind noch am Dampcker 8u haben.___.. Sierbek«,ir» Tempel hos! Treffpunkt 18W Uhr zum Waldfest der Partei. Lichtenrade. Potsdamer Straße(mit der 99 bis Potsdamer Straße fahren). Weededezirt Teltowkanol: Treffpunkt 13)4 Uhr zur Demonstration lDllPpel» Plast) Bahnhof Steglist. morgen, monfag. 30. Juni. 19X Uhr: Moabit N: Keim Sehrter Str. iL— lS: Mitgliedevoersarnmlp Moabit M: Heim Lehrter Str. 18—19: Mitgliederversammlung.— Heim in SchSnedcrg. Sauptstr. IS:.Gehört die Frau iu den Beruft'— plnst I: Schul« Sonnenburger Str. 20:.Die Erziehungsanstalt Siru-esh» Falinlast N: Schule Sonnenburger Str. 20:.Freikörperkultur'.—«rnimplast: Tunk'ionärssstuna heim Genossen E. Hohendorf,«openhagener Str. 28.— Kord- itau 11: Seim Danziocr Str. SS, B. 8:.Zunge deutsch« Dichtung'.— Andrea». »last: Heim«rommvstr. 1:»Da,«abw-tt Brüning und fein Programm'— Stralau er Viertel! Heim«oßlerstr. kl:.Modern« Albeiterliteratur'.— Lichter. ftld«' Heim 8-»ffl..«lb-ech.'ftr. 14»; Funktianörvecsaimnluna.— Brist- Schul« Barchimer Allee: Arbeitsgemeinschaft.Da« proletarische«ind in der bürger» tichen Gesellschaft'.— RenkSlln I: Heim Sander» Ecke Hobrechtstroße: Funk» «ooärsistung.— Zkarlshorst: Heim Treskowalle« 44: Mitgliederveffammlung für �- Hstmannplast- Gw-pp-nabend fällt ans. Wichtig« Funkti-märv-rsarnm. luira pünftli» 19 Uhr Scherenbergstr. 7 Seebebez>>ff«Besten: Di« Gruppenleiter müssen dt« fftr ____ Teilnehnerrzahlen TOlÄ&lWi «bckwwäraH» KenOOln:? im varteLcktr», FuBafbaße. Vorträge, Vereine und Versammlungen. G Reichsbanner �Schwarz-Rot-Gold". SeschS-tsaell»! Berlin S 14. Sebastianstr«7—88. Hof 2. Tr. Sonntag, 2». Zuni. Steglist fOrtsverein): Propaganbafabet. A» treten 12% Uhr Düppelplast. Fahnen mitbringe». Friedrichshagen skorne radschaft): zwanglole« Beisammensein Mit Familie in Wilhelmshof, Nähe Bahnhof Hi�chgarten, Sirschgartenstr. 1. Eintritt freu Nenlölln-Brist 12 Sameradschaft): Waldfest iu der«öuigkheids. Abmarsch pünktlich 18 Uhr mit Musik vom Weichselplast. Erscheinen aller«ameraden Pflicht. Pankow lOutoverein): Farnilienauzslug nach Schildow. Treffpunkt der Kameraden mn 18)4 Ubr Pankow l«irche), Autobuehaltestell»' 29. Treffpunkt der Familien. an gehör: gen Nicderschönhausen(Kirche), Friedensplast, um 13)4 llhr. Zivil mit Bundesnadel. Köpenick! Ab 1Z llbr Treffen der«ärnernden mit Familien im Wilhelmshas, Sirschgartenstr. 2 Rheinlondbefrewngsfeler des Reichsbanners. 80. Znni, treten die Ortsoerein« usw. anläßlich her Khetnland» wie folgt an:«reis Besten: Di« Ortsverein« stehen 19)4 Uhr auf dem Sendarmenmarkt mit Fahnen und Mussk.«reis Norden: Antreten aller Ortsoerein« um 18)4 Uhr Grenzstraße am Dahnhof Gesundbrunnen. Pflicht» Veranstaltung! Große Musik wird mitgebracht. Prenzlauer Berg(Ortsverein): Sämtlich« Kameraben, die nicht nach Altona fahren, beteUige» sich an der Kundgebung im Lustgarten. Antreten 18)4 Uhr Bezirksamt, RachMler K»bettsPl»jI«Sungi5eIwIe Oer Beitrstsansschost(flr sozialistische Bildungsarbeit Berita veranstaltet in diesem Sommer wieder dfei FcyicnHwi'sc C Vom 17. Ua 33. Auguat In Klein-KSris, Natuifre— dahalm .Relherhorst". Dr. Karl Klerendorf:„Unsere Qegner Im Klaeeenkempft'(die deutschen politischen Partelen, Ihr Wesen, ihre ueechichta, ihre Organisation und Ihre Politik). 2. Vom 24. bis 30. Cugust In Klein-KSris, Naturfreundehelm „Reiherhorst". Dr. A. Gurland:„Die Marx'sche Geschichte-, ------ Gasellschalte- und Stsateauffassung." .3, Vom 31. August bis 0. September in Klein-KSris, Naturfreundeheim„Reiherhorst". Georg Puchs-Leipzig: Thema: Der Kapitalismus in der GegenwarL Der erste Kursus ist ein EuifQhnmgskursus. Es wird.nur die elementarste Kenntnis des Sozialismus vörauseeseizt. Der zweite und dritte Kursus ist für Fortgeschrittene. Das Hörgeld für einen Kursus beträgt SS. 40 M. Darin Ist eingeschlossen Fahrpeld, Quartier und»olle Verpflegung. Da trotz der Teilnahme am Kursus noch viel Zeit zur Erholung übrig bleibt, sollten recht viele Genossinnen und Genossen von dieser Gelegenheit, die Ferientage gut und nützlich zu verbringen, Gebrauch machen.— Die Obleute werden gebeten, recht eifrig für unsere Ferienkurse zu werben und dafür zu sorgen, daB bald recht viele Anmeldungen an uns gelangen. 19J0 Uhr Bernau« Ecke Vrunneiistvaß«. treten 18)4 llhr Neuer Markt Nachzügler Lustgarten. Tiergarten(Ort««- ein): Antreten mn 1894 Uhr Bahnhof Bellevu« für Mvabit: für Weste» nm 19 Uhr Bahnhof Bülowstraße. Nachzügler um 19)4 Uhr am Gendarmenmarkt Pflichtveranstaltung mit Fahnen und EvieNeuten.«renzberg: Um 19)4 Uhr Antreten im Waideitpark mit Tambourkvrp» und Fahnen. Eharlottesterg: Antreten um 19)4 Uhr auf dem Sendarmenmarkt mit Fahnen. So»»des (Ortsoerein): Auf dem Gendannenmarkt Antreten sämtlich« aktiven«ameradew um 18.20 Uhr. Bahnhof Spandon-West, Fahrkarten bis Bahnhof Börse. Fahnen und Tarnbourdirp» zur Stell«. Mr Kameradschaft Staaken Abfahrt Bahnhof Staaken UM 18.09 Uhr. Wilmersdorf(Ortsoerein): 18)4 Uhr am Rathaus, Brandenburgisch« Straße. Steglist(Ortsoerein): 19)4 llhr Hausvogteiplast. Nachzügler 20 Uhr Lustgarten. Tempelhos(Ortsoerein): Antreten 19 Uhr bei Poimnerrning. Nachzügler 19)4 Uhr Breite Straß«. Treptow(Ortsoerein): 18.48 llhr Fahrt ab Schöneweide bis Görlister Bahnhof, 19)« Uhr cm Orauien» Plast.«Speuick(OttsceteinV Abfahrt Bahnhof Friedrichshaqen 18.88 Uhr, Köpenick 1888 Uhr, Grünau 18.40 Uhr. Spindlerofeld 18 LS llhr bis Stralau» Runttnelsburg. Ausgang Reue Bahnlwckstraß«. Dort pünktlicher Abmarsch 19 Uhr. Fahnen mitbringen. Schien beza(Ortmerein): Pflichtbeteilignng! Der gesamt« Ortsverein sanmeft sich pünktlich NM 12% Uhr am Bechnftick Stralau-Rmmnelsburg, Evnmtogstraße. Gpielmanvszvg ist restlos Mr Stelle. Rur die Ortsvereinsfahne geht mit SchtenSerg(Jungmannschoft und Schust. spcrtler): Trainingsabend fällt ans, refklol« BeteiNgnng an d« Rheinland. befteiungzkeier. Pankow(vrtspezrin): Restlose Beieiliguno an der Rdeinland- befreiungsfeier. Sieh« Notiz des«reff« Norden. Reinickendorf: Treffen nm 18)4 Uhr am Bahnhof Gesundbrunnen(Hiimnelfahrtskirche) für Kameradschaft Reinickendorf-Vst. Reinickendorf(Ortsoerein): Treffen NM 19 Uhr. Antrete» am Bahnhof Gesundbrunnen(«irche). Reiwickendors.«ameradschnft Rosenthal: :".: jiia�»)wai�»i�� q-schl-sfen. Dt««arneroden beteilimm sich in ihren Ortmwreinen.«eddlng: l8'4 Uhr Grenzstraße(Sumbo'dthain).(Friste Himmelfahrtskirche. Friedrich». Hein: 19)4 llhr auf den«ameradschaftssammelplästen in Dannefflleidvns. Schinebergffrriedenau: 19)4 Uhr Sendarmenmarkt. Bannffchnlenmea: 18)4 U� Bahnhof Baumfchnleirweg.«eißenfee(Ortsverein): 18.20 Uhr an der«Piste. Nachzügler 19.10 Uhr Bernauer Eck« Brunnenstraß«. Pflichtveranftaltung. Ren» IMn.Briß(Ortsverein): Antreten 19 Uhr Sehönstrdt» Ecke Koiser�riedrickw Straße Mr Kundgebung im Lustgarten. Mittwoch, 8. Juli, Funktionärver» sammlung, Zdealpassag«, Deichselstr. 8. * Dienstag. 2 9*3. Pankow,«ameradschoft Roeh: Svm» rubfchaftsverfamm» ftntg fdM aus und findet am Dienstag, 8. Zuli. 2V Ubr, im„Türkischen Reif statt«renzberg: 20 Uhr Monatsoerf-mmlungen. Zug IV bei Grünbker. Zimmerstr.«; Zug V im Medvalast. Ritter. Ecke Akte Zakobstraße.— Mitt» wach, 2. Zuli. Monatsoersammlungen um 2» Uhr. Zu« U bei Krepp, Plan. nser 75-76. Vortrag«am. Sickert. Zu« m bei Grahl. Bartenburgstr. 12 Zu«, 97 bm Smffchner. Dieffenbachstr. 82 Zug VN im Reichenberger Hof, Re-.chenherger Str. 147. Vortrag«am. Gißling. Aktuell« Tagesfragen. Zug vm bei Adam, Lübbe» er Str. 28. Vollzähliges Erscheinen wird erwartet. 28 Uhr. 118. Eck» »eichsbent, der«rtegsbeschMgtea,«eteMteNn.___ Miede n en. Oeftgruppe Odeffp-ee: Bersannnlnng am Dienstag. 2. wl. Restaurant von«züger. Niederfchöneweld»..«erliner Str. Fennstraße. Ardetter.Aadiii.Gnnb. ,.«„ vetsgenpp» GceMMIn. Uni »Ichshain:«Donnerstag. 8. ZuN, 20 Uhr, Lokal Eadiner Str. 18: «harlottenbuvg: Freitag. 4. Zuli. 28 Uhr. Lokal Lehmann, Eharlottenbnr» «önigsweg 8. Vortrag:„Der Akku und sein« Behandlung'.— Renlölln: Donnerstag. 8. Juli, 2» Uhr, bei Wilhelm Uttke, Neukölln. Herntannstr. 22 Thema: �Zwiegespräch Schröder—Kirsch'. Gäste herzlichst willkommen l Brnd reNqiöter Sozialisten. Montag. 88. Juni. 28 Uhr. im«emeindesaak ReukMn, Hertastr. 9—11, Vortrag de» Genossen Pfarrer Dr. Lehmann»na Stannhetm:.Arbeft oder Rente?' Freie Aussprache, gutritt freu Gäste will» kommen. Die Schokoladenfabrik für das Warenhaus. Ml die Schotoladenpyramiden und Konservengebirg«. vom Roh. prvdukt bis zur verkaufsfertigen Ware werben zu fehen, ift kein uninteressanter Anblick. Im HarMdtchen Wernigerod«, in der Nähe der alten Burgmühle, werden in einem Fabrikbetrieb von gewaltigen Ausmaßen entsprechend phantastische Mengen..süßer" Sachen hergestellt. Ktfkao, Schokolade und Pralinen, soweit Aug« und Nase reichen. Aus Amerika, Afrika und cholländisch-Jndiea rollen die Kakaobohnen an. Riesenmaschinen reinigen zuerst di« Bohnen von den grdbsten Beimengen, dann folgt das Handoe riefen. worauf sie mittels Maschine von der Schale befreit, sortiert,«. wählen, gewalzt und je nach ihrer Berwendunzsart in Schokolade. tafeln, Kakaopulver oder Pralinenbezug verwandelt werden. In Riesenkesseln brodelt der dampfende, rhythmisch durchknetete Schoko. ladenbrei, der zur KakaodereUung in hydraulischen Pressen unter einem Druck von 400 Atmosphären vom Fett befreit und hierauf zum steinharten Ktstkookuchen gepreßt wird: Kuchenzerbrecher zer» kleinern die Masse, andere Maschinen mahlen sie zu staubseinem Pulver. Der zur Schokolodentafel bestimmte Brei wird in Metall- formen gegossen, am lausenden Band durch Kühlbahnen geführt, um zum Schluß als erstarrt«, fertig« Schokoladentafel in die färben» frohe, vielgestaltige Verpackung zu wandern. Im Gegensaß zur tosenden, surrenden und klqpfenden Melodie der Kaken, und Schoko» ladenszenerie geht«s im Pralinenbetrieb weit beschaulicher zu. Bei den Tönen sanfter Radiomusik kocht still und unentwegt in großen Behältern di« Füllmasse, die dann in Vertiefungen aus reinem Mais- puder eingeschüttet, später wieder herausgehoben, auf langen Ueber- ziehänlagen mit Schokoladenmasse bezogen, garniert, durch die Kühl» bahn geführt wird, um am Ende als verpackungsfertige Praline zum Dörscheln zu kommen, isier ist der Handbetrieb durch Frauen vorherrschend: zwar mechonssch und monoton, aber doch ein« schnelle, geschickte und präzise arbeitende chand erfordernd. Tägliche Höchst» leistung 100 000 Tafeln Schokolade, 40 Zentner Pralinen, 25 Zentner Kakaopulver in 60 bis 80 verschiedenen Artikeln und Sorien. All diese Massen guter Dinge, wandern in die Karstadt» SchUUb*, Mt den Riejemnagen einer Großstadt fülle» Die»« nur 10 Tage dauernde SCH U H HO F- Veranstal' hing steht im Zeichen äußerster Leistungssteigerung. Die unerhört billigen Preise entsprechen voll und ganz der augenblicklich schlechten Wirt» cfaaftslagCw Prüfen Sie unsere Angebote; Sie können bares Geld sparen» SCHUHHOF ün hslr 11»Wi I mersdorferslnll? T0rmsfr.45*MüIlerslrasse143a i Sreitestrosse 22 MvimmmmufaMm] Feinflor'Teppiche 49.- d°5�- Koffein iiefzr ca 250 Zbv 149; Sgii-193; ■238.- ordern6' (f*0 cfeT- f�US"� 335 ca 335 �35 BOUCL�- LÄUFERSTOFFE s?ss ca 67 cm. brh Mir. � 90 caJZOcm.�BO feToürnay-Velour T"8-» S-.• W .515 Boucle-Teppiche 16.- COA Verkauf nur Cl. 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Ve? de??i7ihettzverk»andes der Eisenbahn« Deutsch. lartbs Hot«i bem bekannten Siemens-Bnef an den Reichskanzler, d« ein« Unterstichung her politischen Absichten des deutschen Unter. nehmertums bezmeckt, mit h« folgenden Entschließung Stellung genommen. Der Beschluß murde dem Reichskanzler übermittelt und den übrigen Reichsminfftcrn zur Kenntnis gegeben: Der Präsident des Bermoltungsrats der Deutschen Reichsbahn« Gesellschaft hat bei seiner Darstellung über die Lage der Reichs- bahn und die Höhe der Personalausgaben verschieden« wichtig« Tatsachen, die gegen seine Forderung auf Herabsetzung der Löhne und Gehälter sprechen, vollkommen anßer Betracht gelassen. Der Rüchgang des Verkehrs bei der Reichsbahn ist ein« Folge der Wirtschaftskrise und der zunehmenden Konkurrenz von Schiff. fahrt und Kraftwagen. Di« damit verbundenen ungünstigen Wir. kungen auf die Finonzsagc der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft werden durch die ständige Belastung des Unternehmens mit Reparations steuern, Beförderung» steuern und sonstigen politischen Lasten oerschärst. Dies« Zahlungen sind fast unabänderlich und belasten bei sinkenden Einnahmen den Etat in steigendem Maße. Demgegenüber hat die Reichsbahnverwartung durch sofortig« laufende Anpassung des Personalstandes an den verminderten Ar- beitsumfang im Personaletat erheblich« Einsparungen erzielt. So sind gegenwärtig bei d« Reichsbahn 39 000 bis 40 000 Arbeiter wenig« beschäftigt als im Vorjahr. Auch die Zahl der Beamten ist dauernd zurückgegangen. Di« Personolkosten haben sich dadurch um mindesten? bO bis 80 Millionen Mark verringert. Hinzu kommen noch Ersparnisse durch die Feierschichten in den Wert statten und sonstiger Personalmaßnahmen, die ebenfalls «ine laufende Ausgabensenkung zur Folg« haben. Außerdem kann die finanzielle Lage der Gesellschaft nicht so schlecht sein, wie es dargestellt wurde, da nach eigenen Angab«» der Verwaltung ver- fügbare Reserven von mehr als einer halben Milliarde Mark vorhanden sein müsse. Angesicht? dieser Tatsachen weist der Einheitsverband der Eisen. bahn« Deutschlands«ine Danstellung zurück, die den Eindruck zu «wecken sucht, daß die Personalkosten der Reichsbahn unberechtigt hoch sind. Die angeführten Bergleiche mit d-m Persanalousgoben in den Fachren 1013 und 1024 sind aus verschiedenen Gründen un- balibar. Sie berücksichtigen weder die anormok niedrigen Ein« kommen der Eisenbabner der Vorkriegszeit, noch die im Fobre 1024, auch noch?lnsicht der damaligen Reichsregierung, viel zu geringen Löhn« und Gehälter. Unberücksichtigt blieb bei der Darstellung.m Schreiben des Dr. von Siemens auch die Tatsach«, daß seit 1024 bei einem um 62 000 Köpfe verminderten Personalstand ein«»n. geheure Leistungssteigerung sinyetvetev ist. die im Durchschnitt mindestens sin Drittel beträgt Der vorstand des Einheitsvcrbandes hex Eisenbahn«»dfl die Bestrebungen des Berwaltungsrats der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft aus Gehalts- und Lohnabbau mit oller Entschiedenheit zurück. Er hält sich ober auch für verpflichtet, die Reichsregierung auf die wirtschasts- und stoatspnlitischen Folgen dieser Bestrebungen. die zu einer weiteren Schwächung der Koufkrost und da- mit zu einer Verschärfung der Wirtschaftswirrnisse führen, hinzuweisen. Der Einheitsverband ist jederzeit b«e»t, der Reichsregierung Vorschläge zur Vcrbesierung d« Finanzlage der Reichsbahn zu unterbreiten. V« Einheilsverband der Eisenbahn« veukschlands weiß sich in d« Abwehr d« geplanten Angriffe airf die tebenshaltung der breiten Massen einig mit der gesamten gemerkschastlich organisierten Arbeitnehmerschaft Deutschlands und ist entschlossen, dem geplanten Lohn- und Geballsabbau mit'allen gewerkschaftlichen Mitteln ml- gegenzutreten. • Es gibt sehr wohl Ersp a r n i s m ö gl i ch k e i t« n, wie auch aus dsm Begleitschreiben zu dem vorstehenden, dem Reichskanzler übermittelten Beschluß de» Eircheitsoevbandes hervorgeht. So sind zunächst schon im Personoletat der Reichsbahn beachtenswert« Ersparnismöglichkeiten vorhanden. Das sind z. B. die Leistungs- Zulagen. Die Reichsbahn könnt« da 24 Millionen Mark jährlich einsparen. Ein anderes: die Reichsbahn leistet sich auch heute noch Millionenausgaben für Bahnschutz., Schieß, und Sportverein« und ähnliche Einrichtungen: sie dürften mit 10 Millionen eher zu niedrig als zu hoch beziftert fein. Wäre es nicht angebracht, einmal der Oeffentlichkeit auch die Progentverhaltniss« über die P r e is« für Sachousgoben mitzuteilen? Sehr schnell würde man erkennen, daß die Preisaufschläge der großen Lieferfirmen sehr viel mcbr gestiegen sind als die Löhne. Nach dem Personaletat für das Jahr lOZO waren für den Ve> trieb?- und Verkchrsdienft 522 000 Köpfe vorgesehen. Die Direk- tionen sind jedoch angewiesen worden, die Kopfzahl um 20 000 zu kürzen. Außerdem wurden 20 000 bis 25 000 Zeitorbeiter nicht eingestellt: Taufende von Werkstättenarbeitcrn wurden entlassen: für etwa 74 000 Werkftättenarbeiter sind bereits zweimal Feierschichten vereinbart worden: die Zahl der Beamten wurde ebensalls dauernd vermindert. Schließliä) hat sich noch fast bei jedem Jahresabschluß«in wesentlicher Ileberschuß herausgestellt, und man darf arniehinen, daß trotz der Wirtschaftskrise in« Mindereinnahme geringer sein wird als die Schätzung. Vierzig Lahre Kulwmrbeii. Oer Aufstieg des Kabrikarbeiter-Derbandes. Der Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands kann am 20. Juni 1030 auf eine sehr ersolgreich« gewerkschaftliche Entwicklung zurückbücken. Klein und unscheinbar war der Ansonq..Heut« umfatzi der Fabrikarbeiter-Berband f a st«ine halbe Million Mit» g i i e d e r und gehört zu den stärksten orgamsationen d« deutschen Gewerkschaftsbewegung. Was sein Werden und seinen Ausstieg soziolgeschichtlich und auch soziologisch besonders interessant macht, dos ist die ihm gsänzend gelungene Schöpfung einer machtvollen Gew«kschaft ungelernter Industriearbell«. Diese. Ausgabe war ungleich schwieriger zu lösen, als der Aufbau von Berussverbänden gelernter Facharbeiter. Alles das, was sür die Werbearbeit der Berufsverbände so außerordentlich förderlich war, die Berusserziehung, die handwerkerliche Lehr«, das enge Bcrbundcnsein mit dem Berus und dessen Traditionen, da? fehlte bei den ungelernten Industriearbeitern. Was der Fabrik- arbeiter�Derband zu organisieren hatte, waren Fnditstrieprole'.arier, leicht ersetzbar in der Produktion, immer aufs neue vennehrt durch die Opfer der sozialen Umschichtung, wie sie der Kapitalismus, insbesondere in Krisenzeiten und Perioden großen technischen Fort- schritts vornimmt, verdrängt« Berufsarbeiter, deklassierte Mittet- ständler, v«ran»te Bauern und Landproletarier. In keinem Industrieland« der Welt ist die Organisation der ungelernten Industriearbeiter besser gelöst als in Deutschland. Und daß es so ist, das ist ein wesentliches Verdienst des Fabrikarbeiter- Verbandes. Das ist die große gewerkschaftliche Leistung des Verbandes, die nur möglich war unter der Schwungkraft der gewaltigen sozialistischen Idee, die zum Zusammenschluß aller Proletarier aufrief. Bürgerliche Gewerkschaststheori«, die die Gewerkschaftsbewegung aus dem„b e r u f s st ä n d i s ch« n" Prinzip erklären möchte iiitd sie nicht als K l a s s e n b e w e g u n g anerkennen will, findet in der Entwicklung des Fabrikorbeiter-Ver- bandes ihr« praktische Widerlegung. Die Gründung des Fabrik- arbeiter-Verbandes erfolgte in jenen Togen, als das Sozialisten- gesetz aufgehoben wurde. In einer ganzen Reihe von Industrie- städten kam c» zur Gründung lokaler Fachvereine sür Fabrik- und „nichtgewerbliche", d. h. ungelernte Arbeiter. Genosse August L o h r b e r g- Hannover— später Geschäftsführer der Hannover- jchen Parteizeitung, jetzt noch als Vorsitzender der Allgemeinen Ortskrankenkasse Hannover tätig— berief einen„Kongreß aller nichtgewerblichen Arbeiter Deutschlands" nach.Hannover ein. Auf diesem Kongreß, der vom 20. Juni bis 2. Juli 1800 im historischen B a l l h o f in Hannover abgehalten wurde, kam es zur Gründung des„Verbandes der Fabrik-, Land- und sonstigen gewerblichen Hilfsarbeit« Deutschlands". Der Ortsverein Hannover muri)« beauftragt, den Borsitzenden und geschäftsführenden Vorstand zu wählen. Auf Vorschlag Lohrbergs wählte« den Genossen August Brey, der damals als junger Schuhmachergeselle sehr lebhost in der hannoverschen Parteibewegung tätig war und u. o. auch als sozial- demokratischer Reichstagskandidat in der Provinz Hannover aus. gestellt war, zum Vorsitzenden der Organisation. Augtist Brey steht heut« noch an der Spitze des Verbandes als ihr anerkannter Führer und kann jetzt auf eine sehr erfolgreiche 40jährig« Tätigkeit als Vorsitzender zurückblicken. Der Aufstieg des Fobrikarbeit«-V«bondes vollzog sich unter dem schärfsten Widerstand des großkapitalistischen Unternehmertums, das im Bunde mit dem Klaflenstoal, der Polizei und den Gerichten den Verband rücksichtslos bekämpfte. Auf- l ö s u n g von Zahlstellen, wiederholte Politischerklärungen des Verbandes mit all den tausend kleinlichen Polizeischika- neu, Ueberweisung der Mitgliederlisten an die Unter- v e h m e r durch Polizeiorgane, und olles, was daraus folgte. Maß- regelungen, schwarze Listen, Lzinauswurs aus den Werks- wöhnunzen, Einschüchterung der anderen Mitglieder, alles das hat der Verband zu spüren bekommen. Trotz alledem wuchs dar Fabrikarbeiter-Verband, fand Achtung und Anerkennung bei Freund und Gegner. In der Spanne zwischen den wenigen Kundert Mitgliedern, die sich 1890 in Hannover zusammenschlössen, und der großen gewerkschafllichen Armee von nahezu einer halben Million gewerkschaftlicher Streiter, die der Fabrikarbeiter-Verband jetzt mustert, zwischen den paar hundert Mark an Einnohmen, welche die erste Jahresabrechnung aufwies, bis zu den fast 22 Millionen Mark an Mn- gliedsbefträgen. und den 7H Millionen Unierstützungsausgabch, in» Jahr« 1020 Kegt der Aufftiag des Verbandes. Sein gewerkschaftlicher Einfluß hat ftie Lohn- und Arbeitsbedingimgen in allen Industriegruppei� deren Arbeiterschaft ihre gewerkschaftliche Vertretung im Fabrik- arbeiter-Berband find«, völlig umgestaltet. Es ist ein ungeheurer, sozial« Fortschritt der z. B. zwischen den Arbeits- bedingungev in den„Zieglerhöllen", in den Gifthöhlen der chemischen Industrie der neunziger Jahre und der tariflichen Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Gegen. wart liegt. Der Fabrikarbeiter-Verband ist nicht mehr der Verband d« Ungelernten schlechthin, sondern die gewerkschaftliche In- dustrieorganssation für die Arbeiterschaft bestimmter In. dustrien. In semer Gewerkschaftspolitik hat er stets den orga- nisotorifchen Notwendigkeiten gewerkschaftlicher Kräftekonzentration Rechnung getrogen. Seine Pionierorbeit unter den Landarbeitern hat den Grundstock zu der modernen Landarbeiter-Organisation gelegt. Auch anderswo kämpft« er als gewerkschaftliche Avantgarde. An dem Aufstieg der deutschen Gewerkschaftsbewegung hat der Verband der Fabrikorbeiter Deutschlands einen starken Anteil. Er hat ihr Kräfte zugeführt, deren Einreihung in die Kampfesfront sich unt« den schwierigsten Umständen vollzog. Sein Wirken hör die soziale Struktur des deutschen Volkes in gutem Sinne beeinflußt, Seine erfolgreiche Arbeit in den vergangenen vi« Jahrzehnten bürgt auch für seinen weiteren Aufstieg. Ertjetav Ri-rnann. 50000 gekündigt. Rordwefi will auch die Angestelltengehälter kürzen- Düsseldorf, 2«. Inns. Im Zusammenhang mit der Preis- und Lohnsenkung»- aktion haben sämtliche eisenschaffenden und eisender- arbeitenden Werke der Nordwestlichen Gruppe der Elsen- und Stahlindustrie zum Zwecke der Neuregelung der übertariflichen Gehälter den in Betracht kommenden An» gestellten formell die Kündigung zugestellt. Auch die außertariflichen Gehälter sind bis zur höchsten Spitze ge» kündigt worden. Die Lbertariflichen Gehälter der Auge- stellte« solle« um durchschnittlich 7X Proz. verringert werden. Von den Gehaltskürzungen würden etwa 90 Proz. der auf insgesamt.10 000 Personen geschätzte» Augestelltenschaft im Bereiche der Gruppe Nordwest be» troffen werden. Die Gehaltstarif« bleiben zunächst uv- verändert. » Di« Angestellten haben zwar weder den Mantel, noch den Go> Hallstarif gekündigt, sie stehen zu dem Schiedsspruch von Oeynhausen in keinerlei Beziehimg. Ab« die Schwerindustriellen sagen frei nach Stegerwald: wenn den Arbeitern die Löhne abgebaut werden. marnrn sollen den Angestellten, denen es nicht schlechter geht als den Arbeitern, nicht auch die Geh Sit« abgebaut werden? E» gibt zwar unter den Angestellten nicht wenige, die sich etwa» „Besseres" dünken als ein.gewöhnlicher Arbeiter", die einer bürgerlichen Organisation ovgehören und bei den Wahlen deutschnational. nationalsozialistisch, volksporteilich oder zentrümlich mahlen. Denen wird jetzt beigebracht, wohin sie gehören. Es war« ganz zwecklos, sich üb« die.Herren zu entrüsten, die in Nordwest den Ton angeben, ihnen van Treu und Glauben zu reden. Wenn die Angestellten sich z u r Wehr setzen würden, sich einheitlich und geschlossen im A f A- B u n d zusammenfinden, diese Sprache werden die Schmerindustriellen sofort oerstchen. Beim Stahlwert Becker fing es an. Der Deutsch na Zonale Handlungsgehilfenverband gab damals seine' Zuststn- mung zum Gehaltsabbau. Nun geht die Saat auf. Die Schmer- industriellen bereiten sich zur Ernte. An den Angestellten selbst liegt es, den Unternehmern die Ernte zu verhageln. Mansfeld will den Angesiettten kündigen Di« Mansfeld A.-G. hat sich entschlossen, sämtlichen beim Kupier schiefcrberg bau und Hüitenbetrieb beschäftigten Angestellien einschließlich der Betriebsdirektoren zum nöchstzulössigen Termin zu kündigen. Es handelt ssch hierbei um ein« vorsorglich« Maß- nähme für den Fall, daß die Stillegung des Kupfcrbcrgbaues und Hüttenbetriebes noch länger« Zeit andauert. Gaiilerverband in der Krise. Das Jahr'tSTS gut überstanden. Trotz großer Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, die fast alle Branchen des Verbandes im Jahre 1020 durchmachen mußten, blieb die Zahl der Mitglieder stabil und hat sich noch etwas erhöht. Lohn- bewegungen gingen in 764 Orten für 40SZ Betriebe mit 39 150 Beschäftigten vor sich. Die Lohnerhöhung war in den ein- zelnen Branchen, Orten nocr Bezirken sehr unterschiedlich. Sie bc« trug in den maßgebendsten Orten in der Lederwarenindustri« 2 Vf., im Tapezierergew« rbe 2,5 Pf. und in der Lcdertreibriemenindustrie 5 Pf. pro Stunde Im Durchschnitt. Das T a r i f w e f e n konnte durch Neuabschlüsse von Bezirks» und Ortstarifen ausgedehnt werden. Ende 1929 bestanden 12L B-r. träge für 5069 Betriebe mit 39 532 Beschäftigten, ferner 78 Lohn» abkommen. Die wöchentliche Arbeitszeit betrögt in 113 Der- trägen 48 Stunden mit etwa 34 500 Beschäftigten, während in 9534Z vratden im letzten Jahte verurteilt, und für 1% Millionen Mark Werte »•erden jeden Tag durch Feuer vernichtet. Schützen Sie Haren Haushalt vor Verlusten durch Feuer, Einbruchdiebstahl und Beraubung durch unsere kombinierte Versicherung: besonders bequem, praktisch und vorteilhaft, da nur EIN Antrag, nur EINE Police, nur EINE Zahlung der Prämie. ALLIANZ UND STUTTGARTER VEREIN VE8SICHE R U NC S," AKTIE N-CE SE LLSCH A_F. T M. ' Tag zihlec wir an onsete Verjkhcrten iOOQOORhchimafk. jede Minute• Tas und Nicht- njeJdet man uns einen Schaden. Jede dritte Ptunilie ist bei uns v«rsichert und über.■ 280Ö Miii Ret ch mark Lebens- Versicherungen Uufeo bei der ALUAUZ UND STUTTGARTER LEBEN SVERSICH F. RUlkOS BANK A-Ö 13 Verträgen ein« kürzere wöchentliche Arbeitszeit von 45 b i» 47 Stunden für etwa 4650 Beschäftigte tariflich vereinbart wurde. Di« Zahl der Streiks und Aussperrungen war gering. Einen erfreulichen Aufschwung hatte die Jugendbewegung zu verzeichnen, die 42 Jugendgruppen im Reiche zählt. Neben der Berbanoszeitung wird für die Jugend die Monatsschrift„Der Weggenosse" herausgegeben. Der Verband, der im verflossenen Jahr auf ein« vierzigjährige Wirksamkeit zurückblicken konnte, hat neben den sonstigen Unter- stützungen auch die Jnvalidenunterstützung«ingeführt. Die Ausgaben für Erwerbslosenunterstützung bei Arbeitslosigkeit, Krankheit und für die reisenden Mitglieder haben sich gegen die früheren Jahr« nicht unbeträchtlich gesteigert. Im Jahre 1329 wurden pro Kopf nicht weniger als 12,80 M. ausgegeben, Wöhrens im Jahre 1326, wo die Arbeitslosigkeit ebenfalls sehr groß war, nur 12,20 M. pro Kopf ausgeworfen wurden. Trotz der schlechten Beschäftigung, die für alle Branchen zu ver« zeichnen war und die dadurch starke Inanspruchnahme der chmipt- koss«, hoben sich di« Kassenverhältniss« günstig entwickelt. Angestetltenkonvention angenommen. Die Arbeitskonferenz hat am Sonnabend mit 86 gegen 31 Stimmen die Konvention über die Arbeitszeit der Handels- und Büroangestellten angenommen. Die Arbeitergrupp« ließ ein« Cr- klärung abgeben, daß sie den Konventionstext mit feinen vielen Ausnahmebestimmungen für unbefriedigend chalte. Sie stimme ihm jedoch aus der Erwägung zu, daß damit zum ersten Male in einer internationalen Konvention auch für die Angestellten der Grundsatz des Achtstundentages anerkannt werde. Der Verwaltungsrat des Jmcrnationalen Arbeitsamtes nahm am Sonnabend mit 12 gegen 10 Stimmen den englischen Antrag auf Revision der Konvention über die Frauen- Nachtarbeit an. Ausgesteuerte Bauarbeiter! Die Mitglieder, die bei der Arbeitslosenversicherung und beim BaugewerksHund ausgesteuert sind, erhalten eine einmalig« Beihilfe von 1 5 M a r k, wenn sie von der 45 Woche 1923 ab bis zur 26. Woche 1930 arbeitslos waren und in der angegebenen Zeit nicht mehr als vier Wochen gearbeitet haben. Verbandsbuch und Kontrollkarte müssen vorgelegt werden. Da» Verdandsbuch muß in Ordnung fein, d. h. soweit gearbeitet worden ist, müssen die Vollbeiträg«, und soweit nicht gearbeitet wurde, die schwarzen Marken geklebt sein. Die Unterstützung gelangt wie folgt zur Auszahlung: Buch- staben A~G Dienstag, 1. Juli, von 2 bis 6 Uhr nachmittags, Buchstaben H— K Mittwoch, 2. Juli, von 2 bis 6 Uhr nachmittags, Büch- stoben L— Z Donnerstag. 3. Juli, von 9 bis 1 Uhr vormittags und von 2 bis 6 Uhr nachmittags. Di« Unterstützung wird«itbgültig bis zum 15. Juli 1930 aus- gezahlt.— Spätere Meldungen finden keine Berücksichtigung. Baugewerkschaft Berlin des Deutschen Bangewerksbundes. Der Dereinsvorstand. Gesperrte Gastwirtsbetriebe. Wegen Disferenzen Hot der Zentralverband der Hotel-, Nestau- rant- und Eafö-Angestellten für seine Mitglieder folgende Gastwirts. betrieb« gesperrt: Treptow: Kaiserbad-Garten, Jnh. Jauernick. Grünau: Hotel und Restaurant Jägerheim, Jnh. Ehrhardt: Wendenschloh, Jnh. Uhde: Gesellschaftshaus. Jnh. Liebing: Richters- Horn, Jnh. Reeck. Tegel: Restaurant Seeblick, Jnh. Radowitz, Tegelort(nicht Restaurant Seeblick Saatwinket): Restaurant Leucht- türm, Jnh. Becker, Tegelort. Grunewald: Schloß S-Aochten- see, Jnh. W. Staegemann. Woltersdorf: Cafö Ruhwald, Jnh. Glatz. Erkner: Restaurant„Eisenbahn", Jnh. Stadelmann: Restaurant Seeblick, Jnh. Hiller, Fangschleus«. Köpenick: Restau- rant Hubertus, Jnh. Max Selke, Mohlsdorf: Restaurant Reu-Ahlbeck, Jnh. Hans Peters, gegenüber Hirschgarten. F r i« d r i ch s h a g e n: Bürgerbräustübl, Jnh. Kurt Schmidt: Neu-Helgoland am Müggelsee, Jnh. Fröhlich, Oekonom Tabbert: MüggeUverder, Jnh. Baron von Stackelberg. Süden-Neukölln: Casö Sieverz, Jnh. Sieoer.z, Vor dem Schlesisthen Tor 2: Strausberg: Hotel„Wolsstal", Jnh. Freudiger und Keller: Restaurant„Schlagmühle", Jnh. Hedrich: Restaurant„Rotkäppchen", Jnh. Bahn: Restaurant„Alte Spitz- wühle", Jnh. Kerschbaum.___ was die ArbeUslofenunlerstühung in England kostet, teilt« Arbeitsmlnister Frl. Bondfieldam Donnerstag im Unterhause mit. Seit dem 1. Januar 1929 sei ein Betrag von 6 20 Millio. nen Mark an Vorschüssen für Unternehmen zur Minderung der Arbeitslosigkeit bewilligt worden. Außerdem sei eine Reihe weiterer Pläne bewilligt, die Darlehen im Betrage von 23 M i l- lionen Mark erfordern würden. $ Freie Gewertschafts«Iuaend Verlin Heut« folgeird« Beranstaltung Liepnitk«. Treffcn um Smppe SSdoftc«: ffrfirt nach Bernau— 8 Uhr am Stettin«« Bahnhof.— Die Urlaub«- Zeit naht! Wandert mit! Mit her schwimmend»» Iugrndh-rb««« .Sachs«»-'»ach Drcad»» Zur Kqgie««.«u»ft«ll>u>a oom 2. bi, ly. August, lln. kostrn: szahrgcld. Uebkrnachtnna, Derpflegunit 80 M. Meld-schluh 13. Juli.— Sieb«» Tag« im Thii ringe, Sal» vom 20. di» 27. Juli,«ölten fitr Fahrgeld, Ueb-rnachtun«. Mittagbrot ZV M. Fahrtlrit«,®«orfl Srrhord. Meldeschluß 5. Juli.— alt r-ge durch ha»»»»surisch« See»g«hi»t»»d»»» S«»U«»dii>st« pom 24. Juli bis 8. August. Unkosten: Bahnfahrten, U»hrrnacht«n, Dampf»!. fahrten. Besichtigungen, Frlthstitck, Mittag- und Adenichro! etwa 83 M. Fahrt. lciter Erich Prießel. Iuqendamppe des Zentralverbandes der Angestellten Biorgen, Montag, finden folgimd» Veranstaltungen statt: Wedding: gugondheim Turiner Säe Seestraß«. Bunter Abend.— Britz: Städti- sche» Zug-ndh«im Bathau». Auesprach» über da« Eaujugendtreffen.— Ilrbaa: Jugendheim Flughafenstr. 68. stinnnerspiele.— Teaepelhof: Jugendheim der Schule Sermaniaftr. 4— 6, Eingang(hötzstraße. Arbeitsgemeinschaft:.Da» Deutsche Reich".— Referent Wilhelm Leminstli.— Schtinhauser Vorstadt: Jeden Montag von 20—22 Uhr EinhestZkurZschrift.— Spiel n»d Spart ad 18 Uhr auf dem Dominieuo-Spielploß lSchitneberg). Allgemeine Wetterlage. .«i'-s.-Iae.S lisSv.StmIddiöWlt! Owdkty®!)«deckl*ResjnAGr9v{isto Di« kühlen westlichen Lustmassen, die am Freitag abend Mittel- deutfchland unter Gewistern erreichten, haben sich über das ganz« Reich ausgebreitet. Die Abkühlung, di« sie brachten, war ober vor- übergehender Natur; denn in den Mittagsstunden stiegen die Tem- peraturen stellenweise wieder über 2ä Grad empor. Der kräftige Druckanstieg innerhalb der Westluft dürft« die noch vorhandenen Störungen ausgleichen. Man kann daher erwarten, daß sich das südwestliche Hoch nach Mitteleuropa ausdehnt und so uns wieder beständiges Wetter bringt. Damit dürsten auch die Winde, die in Rorddeutschiand noch zeitweise böig waren, abflauen. Ein« noch westlich von Irland gelegene Störung dürste erst am Montag in der westlichen Hälfte des Reiches zu etwas Gewitterneigung führen. * Wetter für Berlin: Meist heiter und trocken, im ganzen etwas wärmer als heute.— Für Deutschland: Allgemein ziemlich heiter ohne nennenswerte Niederschläge, Temperaturen im Westen ein wenig höher. | Theater, � Lichtspiele usw. Sonntag, 29. 6. Staats-Oper Unter d. Linden t-IMi.td.-f.Il». Ii« 19 Uhr MW Ende geg 23Uhr Staats-Oper l» Pliti dir IUZiUU R.-S. 67 19V» Uhr Don Giovanni Enden 22V. Uhr Sonntag, 29. 6. Stadl Oper Bisrnarckstr. Turnus IV 20 Uhr Ende n. 22»/» Uhr Staat). SAaisph. »(ndemannti i-ire-lUL-l.«0.154 20 Uhr Musik Ende n. 22 Uhr WtLidilllir'TIrcater.Niarltlig. 19V- Uhr Der Mann mit dem Klepper Ende 22'/» Uhr RÖSi -Theater ! Grofi« Frankfurter Str. 132| Heut* 5» und S" Uhr xxxxn letrten Male» I„Ann wie eine KirtaaDf, mit Traute, Paul ü. Willi Roie. Ab morgen täglich 8*5 Ühr (Sonntags such 515 Uhr): „Die andere Seite" 3 Akte von Sherifl mit Ootthard Bog». Arthur 1 Malkomky, Roborl MBIIor, P«ul u. Willi Rote, Franz Stein. Eilch Wilde. Reale: Robert MDIUr. Aul der Gartenbohne, nur»och I dl» kommenden Sonnabend, du| Rleeen-ErBtinunotprooramm und j „Lette, Lotte, Liese" Vom 6.-9. Juli: Rosenfest im Rose-Garten 1 Tau.ende von Rat»n. Rluen- F.uerwerk.— Willi Rotan am FIQgel. Tanz Im Frelan. 8» Dbr;{ „Verliebte Leute" Operette von KQnnske. Vorverknul tägl. von 11—1 ühr vorm. u. 3—9 Uhr abds Relchshallen-Theater Itl Uhr Stettiner Singer Das große Programm! ßfinboff-Brettl und Garten Varlet«- Konzert- Tanz Tägl. S ii. SU Saut. 2. s«. tzu Alex. E 4.«06» Internationale Attraktionen Metropol-Tft. Tiglich B'k Uhr mit Dir allem auf einer eiusaman Insel Michael Bohnen Sonntzg 4 Uhr Bas Land des Ucbelns Berliner VglkTriO N■ U k S 1 1 0, ��Lahnstr. 74/75.1 TolKsbtlline Unat« am Bülowplafi. 8»/« Uhr Julius Caesar Rag!»: hH Hänz MirUn Staatl.Sdiiller-Tli. 7-st Uhr Der mann mit dem Klepper Denttdies Ileater D 2 Weldnilnin 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Regj Max Reinhard! Bni: FrWrWi IMMndir. BSntibildcr Emst Sdiötte. Die Komödie M BIsmck.2414/7518 8'/j Uhr Wie werde idi leich und glodilidi? Ein Kam» Ii II Utiilgegn wo Eilst JudiiaKio. ÜDik m Ktdu Spoliinskr. Ugit: Erl* Eosd Bühnenbilder Udvig Klintr Kammerspiele 0 2 WeidendaiüiD 5201 9 Uhr Gastspiil darSpielgtnieiD- sdiaiflleiliBeiSdiaujpialsr Krach um Leutnant Blumenthal von Alfred Herzog. 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Da der letzte Zinsschein der jetzt fälligen Schatzanweisungen die Zeit bis zum 30 September 1930 umfaßt, sind seitens der Umtauschenden die Zinsen tür einen Monat zu 6V,% rurückzuvergöten. Die Umtauschenden erhalten mithin den erhöhten Zinsgenuß von 7% bereits vom I. Sep- tember d. J. ab. Stückelung s RM 500,—, 1 000,—, 10000,—, 50 000,—, Zulassung der Schatzanweisungen zum Handel und zur Notiz an den deutschen Hauptbörsenplätzen wird veranlaßt werden. UmiauschantrSge sind unter Einreichung der alten Schatzanweisungen sogleich bei uns direkt oder durch Vermitllunfl �oa-Rankao. Bankiers oder Sparkassen zu stellen. Jederzeitiger Schluß des Umtauschgeschäftes bleibt vorbehalten. Für den Umtausch Ist Börsenumsatzsteuer nicht zu entrichten. Berlin, im Juni 1930. Preußische Staatsbank (Seehandlung) atonlaa. den 30. 3nni. mittag» 12 Ahr. im Sihnngsfaal de» Verbandshauses. ciaienstratze SZ/SS VLFSSMMillNg cer im omv. orsamsierten ar&oitsiosen Elsen- u.Reuoiuei'- ürenep, oreherinnen u. Rund- schieiter Di, Taaesordnung Wird in der Versammlung leianntgegebrn. Ohne Mitgliedsbuch»der Ausweis leinen gutritt. Zahlreiche« Erscheinen wird ermattet. Vieastag. de» 1. 3uU, abend» S Ahr, im Sihnng»saol de» Verb and» Hause», Liniensir. 63/0» II LFSnoksn-vei'Liimmiung aller Scdraudeo-, Aulomttn- and »»n«u>»nil-r>»r>ei>ter, Scfaraabra- dreher and-Dreherinnen sovie aller In der Sdiraobcnindasirte besdilf- (igten Personen Tag»»ordnung: 1. Dottrag de,«ollegen Arid Zimmer. mann:.Die Wittschattslage und die Erwerdslosenstirsorge." 2. Diskussion. z. Branchenaugelegenheilen und Ver- schieden«». Mitgliedsbuch leAsimiett. Bei der Wichtig!, it der Tagesordnung Ist da» Erscheinen oller KoUcginne» und Kollegen dringend«rforderiich. Vienskag, den 1. Jnii. abds. 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Juni 1930 Oeorg von der Vring: Zlls her Verbrecher Thomas pünktlich zehn Uhr morgens am Kai«intraf, um sich nach seiner zuletzt verfrachteten Kiste umzu- sehen, war diese noch nicht eingetroffen Ein kleiner, schnurrbärtiger Steuermann mit einem von der Kälte geröteten Halse, der die Auf- ficht führte, gab an, dah der letzte Lastwagen und somit die Kiste des Herrn Thomas jede Minute erwartet werde. Thomas nickte, hob die Hand an seine schwarz« Persionermütze und schritt durch's Gedränge, in dem polnische und kroatisch« Frauen- tücher aufleuchteten. Er beschloß, zu warten. Genau dem Bug- spriet der„Mosel" gegenüber blieb er an der Kaimauer stehen. Sein Herz war genau so kalt, wie sein« Backen über dem vollen Bart kalt waren. Es wehte ein harscher Wind, der den vollqualmenden Schornsteinrauch des Dampfers zerflückt« und gegen die eisige Wasserfläche warf. Thomas' Herz war ebenso kalt wie seine Füße, er stampfte hin und her, ein gut angezogener Mann mit Pelzmütze, Pelzkragen und Pelzhandschuhen— alles schwarz. Jeden Augenblick konnte die Kiste mit der Höllenmaschine eintreffen, die elf Tage hinter den Needles die„Mosel" zerreißen und versenken sollte. Er wußte, daß hundert- fünfzig bis zweihundert Menschen dabei den Tod erleiden würden, doch waren diese Menschen Thomas zum weitaus größten Teil un- bekannt. Er dachte überhaupt nicht an sie, ebenso wie er nicht an jene dachte, die er kannte: den Kapitän, den Steuermann und ander«. Der Verbrecher Thomas— übrigens nannte er sich, wenn er nach Fehlschlägen schlecht« Laune hatte, selber so— würde die Reise bis Southampton mitmachen, dort das Dampfschiff verlassen und— abwarten. Bielleicht fände sich in England auch die Gelegenhest zu einer Zwischenkombination. Die Reisenden gingen an Bort». Thomas stampfte vor und zurück und spähte nach seiner Kiste aus. Eine ärmlich gekleidete Frau, hochfüßig wegen ihres hochgeschnürten Rockes, den Kopf in der Kapuze, hob plötzlich vor ihm die Hand mtd rief durchdringend: »Fridolin! FridolinI" Thomas schielte, gestört durch dies« ungebildete Stimme, zur „Mosel" hinüber und erblickt« einen Schiffsjungen, der in weißer Wolljack«, blal»er Hos« und ebensolcher Pudelmütze wie ein behendes kleines Tier über das Tauwert hüpft« und beide Hände voll Arbeit zu haben schien. Cr will nicht hersehen, dacht« Thomas. „Fridolin!" schrie die Frau, diesmal auf eine so barbarische Art, daß der Herr mit der Persianermütze seine aufs Dampfschiff ge. richteten Augen schmal macht«. Im gleichen Augenblick hob sich der Jung« kurz wie ein Eichhörnchen von den Tauen, schwenkt« die Hand abwehrend und fuhr in seiner Geschäftigkeit fort. „Du könntest das Tuch umbinden!" rief die Frau. Da aber Fridolin weder Zeit zu haben schien, ein Gespräch zu führen noch ein Tuch umzubinden, begann sie ihm mitzuteilen, daß sie in einer Stunde wieder da sein würde, um das Paket zu bringen. Thomas stellte sich in diesem Paket«in« winzige Maschine vor, wandte sich sodann ärgerlich ad und richtete seinen Blick zum Deich. D« vr«(.xt««h. nicht iah. stieg ihm sein Aerger bis in den Hals. Schon war er im Begriff, sich fnwn mir rsiymoy- worten zu überhäufen, da wandte er fein letztes Mittel, Sorglofig- keit zurückzugewinnen, an: er pfiff. Er pfiff mit seinen ewig feuchten Lippen, um die sich der Bart wie ein Pelz, innen ockerhell, außen sich verdunkelnd, sträubt«—«in Lied: das Schiff streicht durch die Wellen. Fridolin... Niemand beobachtete diesen pfeifenden Herrn, dessen Mund, sonst durch den Bart verdeckt, plötzlich wie ein« rote geheime Schande aufglänzt«. Dann, als ihm dennoch die Ungeduld übermannte, streckte er, den Bart schließend, seine Schritt«, stieß bis zum Steuer- mann vor und sagte herrisch: „Wenn mein« Kiste da ist, schicken Sie mir Bescheid ins Hotel." „Jawohl, Herr Thomas", nickte der Steuermann und ließ die Spitze seines Schnurrbartes fahren. Als Thomas drei Minuten später die Tür seines Hotelzimmers hinter sich geschlossen hatte, stimmt« ihn die wohlige Wärme sofort heiter. Er trat vor den großen Wandspiegel, dessen Stuckkrone ein goldenes Füllhorn darstellte, aus dem ebenso gefärbte Früchte zu rollen schienen. Thomas sah hinein— er liebte es, in einen Spiegel zu blicken. Es war fruchtbar für ihn, die besten Gedanken kamen ihm dabei. Di« Gedanken ließen sich sozusagen aus dem Spiegel hervorlocken, vorausgesetzt, daß man beharrlich zu stehen wußte. Wie das möglich war, war schwer zu sagen— vielleicht hatten, die Augen ihre Weide und fanden das Möglichkeiten, von denen nie- mand sich eine Borstellung machen konnte. Zluch jetzt ließ Thomas sie weiden. Um ihnen jedoch keine Enttäuschung zu bereiten, blieb er in Mantel und Mütze, obwohl ihm die Stubenumrme lästig zu werden begann. Er macht« übrigens kein« Stellungen, sondern stand vollkommen natürlich da, ein stattlicher, vollbärtiger Mann im schwarzen Lammpelz. Danach empfand er das Bedürfnis, sich zu bürsten. Zunächst nahm er vom Spiegelbord die Kleiderbürste und strich damit über Aerinel und Brust. Jener Mann im Spiegel tat das gleiche auf höchst anziehend« Weise. Sodann griff er zur Bart- bürste und begann, sich den Bart von den Lippen fortzuarbeiten. Den Schnurrbart strich er aufwärts, den Kinnbart nach unten. Der Schnurrbart war widerspenstig, Thomas jedoch erreichte es, dah nach einiger Zeit— auch ohne Nachbürsten— der Mundfleck diskret sein Rot herwies. Mittlerweile war er geradezu ins Schwitzen gekommen und warf die Bürste fort. Nachdem er nochmals„das Schiff streicht durch die Wellen, Fridolin" gepfiffen und das rot« Wellenspiel seiner Lippen beobachtet hatte, erschien plötzlich hinter dein Thomas im Spiegel ein kleiner Mann. „Sind. Sie Herr Thomas?" Der dampfende Herr im Pelz »vandte sich mit einem Ruck— vor ihm stand Fridolin, der Schiffs- jung«, die blaue Pudelmütze in der rotgefrorenen Hand. „Sind Sie Herr Thomas?" fragte Fridolin keck und schlenkerte die Arme, als s«>« schon auf See. „Ja, Fri— do— lin!" sagte Thomas scharf, als äff« er den Ruf ber Mutter nach. „So sollen Sie kommen wegen der Kiste, sie ist da." �Ia, Fri— fco— lin, sogleich!" äffte Thomas. Der kleine Matrose rannte hinaus, polterte die Treppe hinunter. Plötzlich warf Thomas seine Mütze auf den Tisch, schritt rasch vor öew wehenden Dampf seines Kopfes über den Korridor und rief hinunter: �gri— do—!'"!* Das Gepolter verstummte. jh>a? noch?" fragte der Junge von unten „jioinm' noch einmal herauf." Indessen Fridolin ividerwillig und einigermaßen langsam die Stieg« wieder erklomm, war Thomas vor die Spiegelfläche zurück- gekehrt.„Ich sehe blaß aus", flüstert« er.„aber«s ist fein« andere Tatsache dort zu lesen. Vielleicht, daß ich zu viel gepfiffen habe heute morgen. Man muß auch hierin eine vernünftig« Regelung treffen." „Was noch?" fragte Fridolin, bereits in der Stube. Er war ein hübscher, dunkelhaariger Bursche, braunäugig, mit trotziger Stirn, er würde einmal groß werden. Nicht, daß Thomas plötzlich diesen kleinen Burschen, dieses herzige Wiesel, zerstückt und tot vor sich gesehen hätte, nein— vielleicht war es nur der Name, der mit dem Schiff so hurtig und freudevoll durch die Wellen streicht, einem Schisse mit einer singen- den Besatzung, feetüchtig und keinen tückischen Gefahren ausgesetzt—, vielleicht auch hatte die Hitze dieses glühenden Kolosses von Ofen seine Bluttemperatur zu rasch verändert— genug, er hatte plötzlich den Gedanken gehabt, dem kleinen verfrorenen Fridolin einen Kognak einzugießen. Die Flasche ist nicht zur Hand, Thomas durch- wühlt einen Koffer, es verstreichen Mimiten. Da er ein mäßiger Mensch ist, weih er nicht den Platz der Kognakslasche. Im Suchen — dampfend— fragt er: „Deine erste Reise, Fridolin?" „Meine zweite", antwortet der Jung« stolz und breitbeinig und bringt wieder die Arm« ins Baumeln. „Und die Mama bringt ein Paket? Da ist die Flasche— darfst du auch?" „Sie möchten«Ng kommen, es ist«in« schwere Kiste", begehrt Fridolin aus, eine winzige Falte auf der Naren Stirn. „Nun das Glas", sagt Thomas und schaut sich um. „Am Fenster steht es ja!" ruft der Junge. Da-- erschallt die Explosion. Fridolin stürzt zur Erde, schlägt die Hände in Glas- fcherben, die vom Fenster hergestoben sind. Dann sieht er Thomas mit vorgeneigtem Oberkörper dastehen und den Teppich betrachten, wo die Kognakflasche rötlich aussprudelt. „Gewitter?" fragt der Kleine halb betäubt und erhebt sich. „Raus! Schau nach!" schreit Thomas, drängt ihn zur Tür hinaus. Rasch zieht er eine große langläufig« Pistole aus dem Koffer, rennt zum Fenster, wo Rauch über den Dächern steht, auf die noch Steinsplitter niederrasseln. „Irgendein Schwein hat sie fallen lassen", murmelt er, und „Idioten!" Er stülpt sich wieder die Pelzmütze über, denn ihm ist plötzlich kalt, Winterwind strömt durch die zersprungenen Scheiben. Jetzt steht er in ganzer Gestalt vor dem Spiegel, hebt in einem weiten Bogen die langläufig« Pistole gegen die Schläfe— nicht so übel, denkt er und öffnet ein wenig den rot:» Mundsleck, als ob er zum Pfeifen ansetzen wolle— Da poltert es auf der Treppe wie vorhin, Fridolin kehrt zurück. Und während draußen der Laufschritt der ersten Schutzmannschaften und Sanitäter aufklingt, erscheint der Junge klein und mit weit ausgerissenen Augen aus der Schwelle. Thomas, der sich zu ihm gewendet hat, und die Waffe hinterm Rücken versteckt, kreischt wie ein Affe: „Fridolin!" Dieser flüstert ganz atemlos: „Hände... Füße... Arm«... fallen vom Himmel...". „Fri— fco— lin hat Glück gehabt", nickt das verzerrte Gesicht des Thomas. Danach ivendet er sich langsam wieder zum Spiegel. schiebt mit der Linken den rechten Rand seiner Pelzmütze ein wenig aus der Schläfe, hebt wiederum in weitläufigem Bogen die lang- läufige Pistole und setzt an. „Mumpitz", murmell sein ekelerregender Mund. Dann drückt er ab. Amerikas JiuUurgeticM Arthur K»Iitfcher hat tarn foeüen Rat« A»«rlla hrsucht, 18 Jahr« nachdem«r«» zum erlten Mal« gesehen hatte. S«in« Ein- druck«— die ein«» vielgerristen, au» dem Leben und nicht aus den Bilchern lernenden Cchriftstrllcrs— hat er in„Wiedersehen mit Amerika" niedergelegt.(Verlag S. ssischer, Berlin. Geh. Z M., geb. S M.) Wir dringen daraus mit Genchmlgung des Verlage» einige«liaralteristische Kulturbetrachlungen. Die Press« Amerikas ist die Presse eines in der Hochkonjunktur des Kapitalismus befindlichen Staatenverbandes. Was man gegen die Presse Amerikas einzuwenden hat, muß sich als Einwand gegen den Kapitalismus erweisen. Fest ist das System des Kapitalismus, auch durch di« besonderen Bedingungen, in denen die Arbeit«? leben, die Mentalität des heutigen Amerika, Ursache und Auswirkung der Prosperity, begründet. Die spezifische Form der Presse des heuttgen .l,a»«u>.kn einem Interview an die Presse, daß aus Grund seiner For- jchunzen der Platz westlich der Aorinud.'-Ins.ln als einer dcr h.'Upt- sächlichsten Laichplätze des europäischen Flußaales anzusprechen sei. Immerhin hatte er aber auch noch weitere Plätze getroffen, davon je einen im östlichen und westlichen Teil des Indischen Ozeans. Qeorg SSriUing: JjOljiCV Ii In meiner Stadt an der Donau steht ein großer gotischer Dom, mit zwei Türmen, grauen Stcintürmen, von den Domdahlen um- lärmt. Im Juli, im August, an heißen Tagen, wenn der Himmel wolkenlos blau ist, und das war er oft damals in unserer Knaben- zeit, gab's nichts Hitzigeres als den Domplatz. Von den Pflaster- steinen stieg kochende graue Luft empor, und der Dom mit seinen beiden Türmen blendete so sehr, daß inan zu den Dohlen, die oben die Kreuzblumen mit Geschrei umflogen, nicht hinaufzuschaucn wagte, weil es den Augen zu wehe tat. Man brauchte auch nicht hinaufzuschauen, die Dohlen waren da, man hörte ihre unruhigen Rufe. Wir saßen auf den Steinstufen des Doms, die brannten uns fast Löcher in die Hosen, und wenn uns die Hitze zu arg wurde, flüchteten wir ins dunkle Dominnere. Da mar es teilt, zum Schaudern, die dunkelbraunen fast schwarzen Holzbänke glänzten matt, durch die farbigen Fenster fiel buntes Licht, es war fast unheimlich, und da gingen wir schnell wieder auf den sonnen- klirrenden Platz hinaus. Unsere Knabcnspiele trieben wir am Dom, Räuber und Gendarmen vor allem. Da gab es viele Ecken und Winkel, sich zu verstecken. Erker und Bogengänge, Türnischen und Pfcilerschattcn. Einmal stürzte einer von uns ab, der verfolgt wurde, weil er Räuber war. Er stürzte von dem Steingang ab, der überdacht rund um den Dom läuft, stürzte vier Meter tief; Ich hörte noch, wie er unten aufschlug auf dem Pflaster. Der Räuber blieb bewußtlos liegen, der verfolgende Gendarm rannte davon, wohl schuldbewußt, obwohl er doch unschuldig war. Ich blieb, noch ein paar von uns blieben, der Abgestürzte rührte sich nicht, Blut war nicht zu sehen, gar kein Blut. Erwachsene kamen dazu, schimpften. Ein Herr rief eine Pferdedroschke heran, und wir fuhren los. Ich saß zum erstenmal in meinem Leben, ich war sechs Jahre alt, in einem Fuhrwerk. Der Abgestürzte lag bleich auf dem abgeschabten Leder- Polster, der Wagen wackelte, wir wackelten mit, ich und der Ohn- mächtige. Die bekannten Straßen kamen mir so verändert vor, als führe ich durch eine fremde, reiche, inenschemuiinmelnde Stadt. Die Fahrt dauerte lange. Endlich hielt der Wogen.„Er wohnt im zweiten Stock", sagte ich,„der Abgestürzte", und der Kutscher ging ins Haus, um die Unglücksbotschast zu überbringen, und hieß mich, bei dem bleichen Bewußtlosen zu bleiben. Aber kaum lvar er im Haus verschwunden, lief ich schnell davon, lief Hehn und erzählte daheim nichts von dem Vorfall. Wie war meine Mutter erstaunt über ihren willigen und ruhigen Sohn, der sanfte Spiele spielte und sich nicht rührte und der sich möglichst uimufsällig zu machen suchte. Der Sturz war übrigens harmlos, erfuhr ich am anderen Tag, und davon wollte ich ja auch gar nicht erzählen, sondern von einem späteren Abenteuer, das ich am Dom erlebte, als ich schon siinfzehn- jährig war, in die Realschule ging. Schulferien hatten wir. Es war Ende Juli, ein heißer Tag folgte dem anderen. Die Donau fiel täglich, ihr Wasser war hellgrün, nackte weihe Steine traten am Ufer aus der Flut. Ich hatte«inen Freund, mit dem ich viel zusammen war, er wollte Arzt werden, und er hatte damals eine heftige und wißbegierig« Liebe für Gifte. Wir wollten zu- sammen ein Buch über Gifte herausgeben. Das Buch ist natürlich nie geschrieben worden, aber wir berieten schon, wie der Einband auszusehen habe. Wir sahen viel Brodelndes, Gärendes, Schlau,- miges in uns, wenn wir in uns hineinsahen, und der Umgang mit Giften schien uns kühn und verbrecherisch schön zu fein, und wenn wir wirkliche, todbringende Gifte uns nicht zu verschaffen wußten, Wein kaum kannten, kaum Tabak, so nahmen wir seelisches Gift. Hinterm großen Dom ist ein grüner Domgartcn. Dort ist's schattig kühl, wenn der steinerne Domplotz vor Hitze kracht, und dos Grün der Bäume und der Blätterschatten auf dem Pflaster, der grüne, wie ist er wohltuend gegen die lähmend« Glut vorn. In diesem grünen Domgarten steht eine kleine Domkapelle, uralt, und der dunkle Eingang in die Kapelle düstert unheimlich. Hier brannte vor dem Goldaltor das ewige Licht, schwamm in einer rote» mit Oel gefüllten Glasschale ein winziger Docht. Rötlich schimmerte das Lichtlein, zum Zeichen, daß der Herr leibhaftig im Altarfchrein zugegen war. Da schlichen wir nun,' wir zwei Fünfzehnjährigen, über-den heißen Domplatz, bogen in den grünen Domgarten, traten durch das Steinportal in die Kapelle. Kühl schauerte es hier, Gold glänzte ungewiß, Heilige standen steif und steinern, und der rät- liche Glanz des ewigen Lämpchcns flimmerte. Minutenlang standen wir unbeweglich, nachdem wir dos Knie gebeugt hatten und dos Kreuz geschlagen, wie es sich für fromme Beter geziemt. Ich wußte, heute mußte ich es tun. Ich zittert«, ging nahe an das Lämpchen heran, der Docht schwankte vor nie inen Augen auf und ab, elfenbeinfarben, wie ein Schiff in einem rötlichen, seit- somen Meer, ich hielt den Atem an, stieß ihn aus und blies das Licht aus. Langfamen Schrittes, unauffällig, ganz unauffällig, ver- liehen wir die Kapelle, waren im Domgarten, gingen langsam, aber am liebsten wären wir wild gerannt, gingen langsam an der langen, grauen Mauer entlang, sahen allen uns Begegnenden fest und un- schuldig in die Augen, verließen den Garten, bogen in eine Quer- gaste und wieder in eine und schlugen einen Haken und noch einen, daß kein Schutzmann und kein Polizeihund unsere Fährte hätte oerfolgen können. Und morgens kam Hans, mein Freund, daran, das ewige Licht kirchenschänderifch auszublasen. Wir saßen auf den Bänken der Allee, erschöpft von dem Aben- teuer. Wenn man uns erwischte! Man hätte uns von der Schule verwiesen, vielleicht wären wir sogar ins Gefängnis gekommen, vielleicht sogar ins Zuchthaus. Gotteslästerung murmelten wir mit bleichen Lippen. Wir dachten an unseren gutmütigen Religions- lehret, wie große Verbrecher fühlten wir uns, und das gab uns ein« Haltung, die uns unterschied von unseren Schulkameraden. Und dann fingen wir von dem Gistbuch an zu reden, dos wir schreiben Holllen, von wilden und gefährlichen Giften, von schnell wirkenden und von schleichenden, von Pfeilgisten und von Gift- schlangen. Und morgen nachmittag kam dann Hans daran, das ewige Licht zu löschen, das jedesmal, wenn wir wiederkamen, still und rötlich brannte, von dem unermüdlichen Mehner immer wieder neu entzündet. Eine Woche lang trieben wir es fo. Jeden Tag wurde die Tat gefährlicher, unsere Spannung größer; denn es war damit zu rechnen, daß man versuchen würde, die Uebeltäter zu erwischen, daß man Beobachtungsposten aufftelltc. Es nahm dann ein Ende. Wir waren nachmittags gegen zwei Uhr gekommen. Wir schlugen das Kreuz und knieten, und heute traf es mich, das Verbreche» auszuführen. Da stand ich auf, trat schon einen Schritt auf das Lämpchen zu, sah nach rechts und sah, daß dort ein Mann im Schatten stand und mit großen schwarzen Zlugen mich ansah. Ich erstarrte. Das war der Wächter, der Spion, der Lauerer. Ich glitt schnell in die kniende Stellung zurück. Hans hotte jetzt den Mann auch gesehen. Wir rührten uns nicht, ich fühlte den starren Blick des Mannes in meinem Rücken. Run war alles aus. Vor mir flimmerte das rote gnädige Lichtlein. Da begann ich inbrünstig zu beten. Zu flehen, daß diesmal noch alles gut vorbeigehen möge, daß der Fremde kein Spion solle sein, daß er, wenn er einer sei, für diesmal noch nwgc Gnade für Recht er- gel)en lasten Fordernd, stürmisch fordernd betete ich, und das Lämpchen vor mir zuckte bald höhnisch: Rein, bald brannte es still und tröstlich und sagte: Ja. Minutenlang war das so, es war wie ein Rausch, und da ging der fremd« Mann, nachdem er das Kreuz geschlagen hatte. Wir warteten noch eine Weile. Dann gingen wir zur Tür. Niemand war zu sehen. Es war irgendein Beter gewesen, kein Spion, ein Mann ohne jeden Argwohn, ein Frommer. Da glitt Hans noch einmal schnell i>»s Dunkle, löschte das Lämpchen noch einmal. Aber das war das letztemal, daß wir es taten. Wir gingen an diesem Nachmittag über die steinerne Brücke, gingen donau- aufwärts, bis dos Weidendickicht begann. Hans, der sehr geschickt war, schnitzte sich eine Weidenflöte; wir lagen im Gras, über uns der blaue Himmel. Und dann begann Hans zu blasen auf seiner Flöte: Schön ist die Jugend, Sie kommt nicht mehr. Sie kommt nicht mehr zurück... Bis zum Abend logen wir, und Hans blies immer wieder dieses Lied, und wir Fünfzehnjährigen waren traurig und spürten, daß wir einmal würden Greise sein, weißhaarig, knöchelschwach und von Erinnerungen angefüllt. Und wie das einst fein würde, alt sein, müd sein und auf seine Jugend znrückschauen, das nahmen wir uns jetzt schon vorweg, dieses Greisengefühl, dieses obendfüße— aber wie war das unterbaut von dem triumphierenden Wissen, daß wir noch jung, jung, o wie jung waren, fünfzehnjährig waren, während wir komödiantisch sangen und bliesen: Drum sag ich's noch einmal Und jag es tausendmal, Schön ist die Jugend, Sie koinint nicht mehr. 19S0- ein„JCemming-yahr!" Dies Jahr ist für Norwegen ein Jahr der Beunruhigung, denn es hat den Anschein, daß die Lemminge wieder auf eine ihrer gefürchteten Wanderungen gehen, Not und Krankheit verbreitend. Diese kleinen Wühlmäuse, in der Größe zwischen Maus und Ratte. sind wieder einmal auf der Wanderschaft und bieten damit der Welt das Schauspiel eines einzigartigen, noch nicht ganz aufgeklärten Naturereignisses. Diese harmlosen Nager, die sonst scheu in ihren Berghöhlen leben und wenig von sich reden machen, vermehren sich zu bestimmten Zeiten plötzlich jast wie der Sand am Meer und unternehmen dann«ine tolle Wanderung, bis st« sich in den Meeres- fluten begraben. In normalen Zeiten haben die Lemminge jeden Sommer zwei Würfe van etwa 6 Jungen, und von denen sterben dann viel« durch Krankheiten und werden die Beute von Raubvögeln und anderen Tieren, die ihnen nachstellen. Dann aber schwillt auf einmal die Fruchtbarkeit dieser Tierchen ins Ungeheure. Augen» scheinlich ist die besonders reichlich« Nahrung in fruchtbaren Zellen, vielleicht auch lliinatijchs Bedingungen, die die zahlreichen Würfe hervorbringen. Die Feinde der Lemminge halten nun reich« Mahl- zeit, und auf unerklärliche Weise verbreitet sich die Nachricht, daß es ein.Lemming-Iahr" gibt, über ganz Europa und«inen Teil Asiens, so daß Eulen. Geier und ander« Tiere aus den Steppen Rußlands und sogar von der Türkei nach Norwegen kommen, um sich an dem reichen Fraß zu beteiligen. Die Wälder sind voll von Wieseln. Hermelinen, Dachsen usw., und die Raubvögel verdunkeln den Himmel mit ihren Schwärmen. Aber dieses feindliche Aufgebot kann den einmal zu Riesen- anstrengungen erwachten Lemmingen nichts anhaben. Sie vermehren sich zu Schwärmen, von denen die alten Norweger glaubten, daß sie von den Göttern aus dem Himmel herabgeschüttet würden, drängen in die Täler und fressen das ganze Land kahl. Man mag noch so viele töten, Hunde und Katzen auf ste hetzen— es nützt nichts. Im ersten Jahr macht sich nur als warnendes Zeichen eine größer« Lebendigkeit der Tiere in den Gebirgsgegenden bemerkbar, aber im zweiten Sommer, wenn der Schnee schmilzt, dann ist die Flut der Lemming-Massen nicht mehr zu holten, und die Spur, die sie hinter- lassen, ist Verwüstung und Oed«. Verschiedene Gelehrte vertreten die Ansicht, daß die Wikinger zu ihren kühnen Ranbsahrten an die Küsten Europas durch solche Lemmingsahre getrieben wurden, in denen ste sich der Hungersnot gegenüber sahen. Weder Flüsse noch Gebirg« vermögen den Wandertrieb der Tiere aufzuhalten, wenn Menschen oder feindliche Tiere in ihre Reihen ein- dringen, dann stoßen ste«inen seltsamen bellenden Laut aus, richten sich auf ihren Hinterfüßen auf und zeigen wütend ihre Schneidezähne. Aber wenn ste auch in das Schuhwerk beißen, so sind sie doch nicht gefährlich mck» können mit Knütteln totgeschlagen«erden. Da Nachts, wenn sie Rast machen und ihre anderen Feinde sie nicht mehr verfolgen, dann kommen große Schwärme von Nachtenlen und hatten unter chnen lauttos ihr Mahl. Di« Raubvögel und Raubtier« bevor. zugen besonders die vorderen Reihen der Lemminge, weil sie dort die fettesten und stärksten Tiere finden. Selbst vor einer Stadt machen die Scharen nicht halt, sondern ziehen durch die Straßen, bellen Menschen und Kraftwagen an uich marschieren durch offene Türen, wenn ste in ihrer Richtung liegen. Während der großen Wanderung 1863 liefen sie die Granittreppen der Universität von Christiania herauf und drängten sich in die Hörsäle. Im Jahr« 187S waren sie so zahlreich, daß in manchen Küsten- städten das erste, was man jeden Morgen tun mußte, war, die durch die Katzen getöteten Lemminge aus den Straßen und Höfen fortzu- räumen. Sie kennen keine Furcht und kein Hallen; wenn gan-e Reihen in große Löcher oder Gräben fallen, soElcttern die folgenden über sie weg und drücken sie tot. Die einzelnen Trupps sind nicht groß; nur an den See- und Flußufern sammeln sie sich zu großen Masten und liefern sich in dem Gedränge gegenseitig Schlachten. Sie befinden sich in einer wilden Ausregung, so daß man sie für„toll" und„wahnsinnig" erklärt hat. Durch das Verwesen der Leichen, die am Wege liegen bleiben, werden ganze Gebiete vergiftet und viele Menschen vom„Lemmingfieber" ergriffen, dessen Ausbreitung auch jetzt wieder gemeldet wird. Schließlich kommen st« in ihrem dunklen Drang an die Meeresküsten und dort stürzen sie in Scharen in die Fluten und werden von den Fischen verspeist, die sich in großen Schwärmen sammeln. Was sie in das Wasser treibt, ist noch nicht genügend erklärt. In dem Jahr, das einer solchen Riescnwanderung der Lemminge solgt, hält es schwer, ein lebendes Tier in ganz Skandinavien zu finden. Man sollte glauben, daß ste sich selbst au-- gerottet haben, aber einige wenige haben sich in den Bergen erhalten, pflanzen sich fort und sühren ihr unscheinbares Dasein, bis schließlich wieder einmal die geheime Macht, die in diesen Tierchen wohnt, zu einem neuen riesigen Ausbruch ihrer Fruchtbark ett führt. -ü TerliiimmeUe Mätide Unier den Zeichnungen in den vorgeschichtlichen Höhlen hat man verschiedentlich Abdrücke von Händen gefunden, aber jetzt ist man zum ersten Male in einer neuentdeckten Höhle auf verstümmelie Hände gestoßen, die von einem uralten Brauch der Menzchheit Zeugnis ablegen. Das„prähistorische Rätsel", das sich hier ouftut, wird von Norbert Casteret in einem Aufsatz der„Umschau" gelöst. Die Höhle von Cargas, die bei Luchon in den Zentralpyrenäcn liegt, weist mehrere schöne Räume auf, die von Menschen der älteren Steinzeit vor etwa 20 000 Jahren bewohnt wurden, linier den etwas ungeschickten Zeichnungen, mit denen sie die Wände schmückten, befinden sich zahlreiche Hände, an denen einzeln« Fingerglieder oder ganze Finger fehlen und die zum Teil schrecklich verstümmelt sind. Die Handbilder sind nach dem natürlichen Modell hergestellt, und zwar entweder, indem die Jnnensläch« der Hand mit Farbe bc- strichen und auf die Felswand aufgedrückt wurde oder indem dcr Mensch die Hand mit ausgespreizten Fingern auf den Stein leg.'e und alles rundum mit Farbe bestrich. Auffallend ist die große Zahl von Kinderhänden, und überhaupt sind die Hände im allgemeinen kleiner als die des heutigen Menschen; sie müssen also von Frauen und Minderjährigen herstammen, da die Größe des Urmenschen nicht wesonttich anders war als die des heutigem Was bedeuten nun diese wunderlichen Verzierungen? Sie sind sicherlich nach—-v scheinlich ein Zeichen der Trauer waren. Solche Handverstümme- hingen sind bei primitiven Volkern vielfach beobachtet worden. Es gibt kaum ein Gebiet der Erde, in dem dieser Brauch nicht herrscht«, und schon aus dem alten Aegypten, aus Palästina und Indien kennt man Abbildungen von solchen verstümmelten Händen. Wie die Feststellungen bei den Naturvölkern beweisen, wurde die Hondverstüm- melung hauptsächlich als Totenopfer ausgeführt: man wollte dadurch fürs ganze Leben an den Dahingeschiedenen erinnert sein, betrachtete das Abschneiden der Finger wohl auch als Abwehropfer gegen böle Geister oder als freiwillige Verstärkung des Schmerzes um den Toten. Die Funde der„Hände" in der Grotte von Eargas zeigen nun, daß der Urmensch denselben Brauch belaß, den man noch vor kurzem bei heute lebenden Völkerschaften beobachten konnte, und zwar ist sicherlich derselbe Beweggrund maßgebend gewesen. Degelabnifther NLse Wie in den„Naturwissenschaften" berichtet wird, kennen die Ehinescn die Verwendung der Milch zu Käse, und Butterbereiwng nicht, ober sie besitzen schon seft schr langer Zeit«inen„Sufu" oder „Tosufu" genannten Käse, der aus dem Eiweiß der Sojabohne be- reitet wird. Prof. Wai Hot den bei der Bereitung benutzten Gärungs- prozeß kürzlich genauer untersucht. Es ist ein« bisher scheinbar un- bekannt gewesene Pilzart, die Wai in der Gärungskammcr als grauen Ueberzug auf dem Käse fand. Der Soja-Käs« soll etwa unseren Roquefort-Käs« entsprechen und mit Fleisch, Salat oder Brot gereicht ausgezeichnet munden. Als Würze wird eine braune salzige Flüssigkett, eine Art Sojatunke. verwendet. Die von GeneroUon zu Generation übersiefert« Bereitung be- ruht lediglich auf Erfahrung, ohne genauere Kenntnis der Vorgänge im einzelen. Erfolg oder Mißerfolg wird von den einfachen Leuten einer Gottheit zugeschrieben, der auch Geschenke dargebractft werden. Die Herstellung erfolgt in sehr weit von einander entfernten Landschaften Chinas in gleicher Weise, so daß man annehmen muß. die Kenntnis des Verfahrens habe sich schon seit sehr langer Zeit erhallen. Die ätteste nachweisbare Erwähnung geht bis ins Jahr 2000 v. Chr. Geb. zurück. In Berlin besteht«ine Edel-Soja-Gesellschaft, die sich die Ber- breitung des ans der Sojabohne gewonnenen eiweißreichen Mehles angelegen sein läßt und auch Rezepte zu den verschiedensten An- Wendungen beispielsweise zu Teigwaren und Mehlspeisen gibt. Die Bereitung des Soja-Käse ist in diesen Rezepten m. W. bisher nicht enthalten. Bt. GS.— .».Srns-SS.- 75.— Anzug, blaa Rainrnffarn- Cher�!- u. 2Thg..... 75,— Gabardlnfl'Mantel, impr... 7S.— lUo. gansgef.05.— 82.— dto. impr, orig. «ogt gefüttert, Marke „Nicholson London" 122,-108— --------- Gberl*. SDort-Anmo. 2 teilig.. 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