BERLIN Mittag 30. Zum 1930 erfcheinttSslich außcrSonntaz«. Iuglc>ch Abkndau�gabe de«.Vorwärts". BejugSprei« »tide Zlusqab«n SöPf. pro Woche, 3,60M. pro Monat. Redaktion ond Expedition! Berlin SW 68, Lindeagr.Z fftäiWasfa 10 Pf. 7lr. 300 B 149 47. Jahrgang Anteigenprei«: Die einspaltige Vonpareillezeile so Pf., Reklamejeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VvrwärtS-Derlag G. m. b. H., Berlin Nr. 3733«. Fernsprecher: Dönhoff SV2 bis so? Hier sollt ihr sparen! Reichswehr und Geheimfonds.- Ratschläge für Dietrich. Die Reichsregierung will an den Ausgaben im Haushalt für das Jahr 1930 100 Millionen einsparen. Wo diese Abstriche vorgenommen werden sollen, weiß sie entweder nicht oder will sie nicht sagen. Vor ollen Dingen will sie den Reichstag von der Mitwirkung an diesen Ersparnissen ausschalten. tz 1a der von der Regierung vorgeschlagenen Ergänzung zum Reiclzs- haushall soll folgendermaßen lauten: „Bei den Ausgaben des ordentlichen Haushalts sind Beträge in der Gesamthöhe von 100 Millionen Reichsmark abzuietzen, deren Höh« im einzelnen von der Reichsregierung sestgeslell« wird." Zu dieser Ausschaltung des Reichstags liegt keinerlei sachliche Veranlasiung vor Für größere Ersparnisse ist eine Mehr- heit im Reichstag leicht zu erzielen. Wenn dennoch die Reichsregie- rung diese Mitwirkung des Reichstags nicht wünscht, so bleibt nur die Annahme übrig, daß sie die Ersparnisse am Wehretat zu oermeiden wünscht, obwohl sie hier am leichtesten durchzuführen sind. Die stark die Auffassung, daß der militärisch« Aufwand Deutschlands unsere cetffungssShigkeil übersteigt und hier Ersparnisse notwendig sind, auch in bürgerlichen Kreisen verbreitet ist, zeigt«ine Auslassung der.Kölnischen Volts- zeitung" in Nr. 326 vom Sonntag: „An einigen Etats kann grundsätzlich gestrichen werden. Wer kein Gell» hat, kann keine Schweizerreise machen, das heißt, das Auswärtig« Amt kann nicht da Botschafter anstellen, wo es mit einlachen Ministerresidenten auch getan wäre, und Heer und . RIariue müsseu in der Zeit einer so bedenklich angeschwollenen Rot aus Reisen, Rlaaöoer, ans Rluuition und Erneuerungen verzichten, wenn nicht die Stimmung für vollständige Streichung des wehr. rtats wachsen soll. Diese letzter« Stimmung— sie ist mit Panik- stimmung vergleichbar— greift in erstaunlichem Grad« auch in Kreisen um sich, die e m p ö r t wären, wenn man ihnen a n t i- national« Gesinnung vorwerfen würde: wer ihr begegnen und den Erfolg einer zwölfjährigen mühevollen Arbeit am Wieder- ausbau eines Wehrkrastzerllrums nicht gefährdet sehen möchte, muß zugeben, daß man. um Bestehendes zu erhalten und zu retten, a u s gewisse Ding« für gewisse Zeiten verzichten muß. Man kann, um auf andere Ministerien zu kommen, nicht Fonds mit Mitteln ausstatten, die gar nicht vorhanden sind. Will nvon aber Ersparnisse»m Militäretat, so wird man nicht daraus verzichten dürfen, dem Reichstag die letzte Entscheidung über die Art und die Höhe der Streichungen zu überlassen. Im Reichs kabtnett, wo Herr Groener durch sein Diktat die Erhöhung der diesjährigen militärische« Ausgaben um 40 Rlillionen durchgesetzt �at. wird man den Anforderungen der Militärs weit geringeren Widerstand leisten können als das im Reichstag geschehen wird, wo nicht nur der Druck der Finarynot, sondern auch der Einfluß der öffenttichen Meinung spürbar wirken kann. Im übrigen möchten wir die Aufmerksamkeit auch auf den letzten Satz der Auslassung der„Kölnischen Doltszeitung" lenken. Es gibt in der Tat im Reichsetat Fonds, aus denen Ausgaben ge- leistet werden, die mit der Zweckbestimmung nicht tu Einklang zu briugeu sind. Auch neuerdings fordert die Reichsregierung zur Durchführung des deutsch-polnischen Liquidations- abkommens eine erste Rate von 27 Millionen an(Kriegslasten- etat. Kapitel 5, Titel 3). Es besteht Grund zu der Annahme, daß tatsächlich im Jahre 1930 nur etwa 14 bis 15 Millionen Mark für Entschädigungszahlungen erforderlich sind und daß der Rest zu Zwecken verwendet werden soll, die mit diesem Titel nicht da» geringste zu tun haben! Wir möchten den neuen Reichsfinanzminister Dietrich darauf aufmerksam machen, daß er hier eine der leichtesten Sparmöglichkeiten vor sich hat, wenn er sein Amt mit dem Willen antritt, für Klarhett im Reichsetat zu sorgen und überflüssige Ausgaben zu vermeiden. Bcüninas Gt'aieaie. Di« Deckungsvorlagen der Rcichsrcgierung solle- Im Reichsrat spätestens Mittwoch erledigt werden,.ö daß sie �»m Donnerstag dem Reichstag vorliegen könnten. Die Regierung erklärt, sämtliche Deckungsvorlagen als zusammenhängen- des Ganzes anzusehen, aus dem einzelne Vorlogen nicht heraus- Oer gestörte Hilgenberg. heute einen besonderen Trlumphlag, denn in der Räu- inung des Rheinlaodes vollziehe sich endlich eine Forderung, die die sozialistische Znlernalionale schon gleich nach Kriegsende erhoben habe. Der ehemalige Ministerpräsident P o i n c a r e nimmt die Räu- mung im„Exoelsior" zum Anlaß eines Protestes gegen die Defizit- Wirtschaft im deutschen Budget und gegen' die übertriebenen Aus- gaben des Reichswehrministeriums. Der Reichswehretat, so schreibt Poincare. sei ein„Meisterwerk von Verdunkelung und Vertuschung". Es sei erstaunlich, daß der Reichswehrminister für seine Geldforde- rungen, mögen sie noch so groß sein, immer leicht eine gefügige Mehrheit im Reichstag jinde, während über die Steuerpolitik ein Finonzminister nach dem anderen stürze. -Fenster zu- es zieht!" Abzug der letzten Truppen. Alliierte Flaggen in Wiesbaden niedergeholt. Wiesbaden. 30. Zuni. Die Besatzung hak um 12.10 Uhr in einem Sonderzug wies. baden verlassen. Gegen 9'A Uhr rückte die Ehrenwache zum letzten Male vor den Sitz der interalliierten Rheinlandkommission, dem Hotel wilhelma, an, von dem dann unter den Klängen der Ralional- hymnen die drei Fahnen der Besahungsmächle eingezogen wurd.n. Roch dem Einholen der Fahnen sormierlen sich die Truppen und zogen unter klingendem Spiel über die wilhelmstraße nach dem Hauptbahnhof. Ehrung für die Gefallenen. Mainz, 30. Juni. Am Sonnabend nachmittag fanden sich die noch anwesenden französischen Truppen des Infanterieregiments 8 im Ärsmato- r i u m ein, wo ein Rundgang an die Kriegerehrenmäler angetreten wurde. An sämtlichen deutschen und ausländischen Kriegerdenkmälern allerer und neuerer Zeit wurden unter den Klängen der Marseillaise durch General Guillaumat, den Reichs- kommissar Langwerth von Simmern � und die Vertreter Belgiens, Englands usw. nach einer kurzen stillen Andacht Kränze und Blumen mit Schleifen in den Farben der einzelnen Länder nieder- gelegt. Gemischte Räumungsgesühle. Frankreich zwischen Mißtrauen und Versöhnuna. Paris, 30. Zuni.(Eigenbericht.) Die Räumung des Rhelalandes wird von der gesamten bürger- lichen Presse mit recht gewischten Gefühlen kommenlierl. Reberall hallen sich das olle Mißtrauen und ein ernstliches i Bemühen um den Frieden die Waage. Die Ueberpatrioteu, der Abg. Marin an der Spitze, sehen dos Vaterland wieder in schwerster Gefahr, well das„Verbrechen" der Räumung durchgeführt worden sei, ohne daß die Festuugsbautcn an der Grenze bcendek wären. Leon Blum gibt diesen palriollscheu Klageweibern im„Populalre" die richtige Antwort, indem er ihnen vorhält, daß die Sicherheit Frankreichs noch vielmehr bedroht wäre, wenn nicht dank der Sozialisten die Politik des Friedens und der Versöhnung mit Deutschland angebahnt worden wäre. Der Sozialismus feiere genommen oder durch andere ersetzt werden könnten Dageeen würde sich die Reichoreg'erung wie es schei t. mit A b ö n d e- rungen innerhalb der einzelnen Vorlagen einverstanden erklären wenn dadurch nicht die beabsichtigten Einnahmen beein- trächtig! werden Diese Haltung der Reichsregierung ist besonders der Deu schen Volkepartei sehr unangenehm, da sie groß« Lust gchibt hätte, ein- zelne Deckungsvorlagen verschwinden zu lassen und den Ausfall aus andere Weise, etwa durch Erhöhung des Ertrags, zu ersetzen. i„Oaily Herald" im Norden. Dstiesenpropaganda für neue Nord-Ausgabe ' London. 30. Zuni.(Eigenbericht.) Der„Daily Herald" wird in den nächsten Tagen in Manchester eine nordenglische Ausgabe seines Blattes heraus- geben. An der zu diesem Zweck ia Manchester abgehaltenen Pro- pagandaveran stallung beteiligten sich am Sonnabend nahezu eine halbe Million Menschen. Massen hungern�ergbauindustriearbeiter Deutschlands ist, wie die Jahrbücher der meisten größeren Gewerlschaften, nicht nur ein gewöhnlicher Ge- schöstsbericht, der über den Kreis der freigewertschoftlich organisierten Bergarbeiter hinaus kein Interesse mehr erweckt. Er ist viel- mehr«in getreues Spiegekbild der wirtschaftlichen Lage der Bergbau- Industrie, denn die rosig- und schwarzfärbenden Pinselstrichc der Bergbauunternehmer und ihrer Bilanzkünstler fehlen. Dem Bergbau, insbesondere dem kohlefördernden, ist es 1£)2ö nicht schlecht gegangen. Hinsichtlich der Produktion war das Jahr 1929 ein Rekordjahr, und zwar nicht nur gegenüber 1913, sondern auch gegenuoer 1928. So wurden z. B. gefördert an Steinkohlen 1913: 149,7 Mil- lionen Tonnen, 1928: 139,8 Millionen Tonnen und 192 9: 163,4 MillionenTonnen. An Koks 1913: 31,6 Millionen Tonnen, 1928: 33,8 Millionen Tonnen und 1929: 38,3 Millionen Tonnen. An Braunkohle 1913: 87,2 Millionen Tonnen. 1928: 166,2 Millionen Tonnen und 192 9: 173,1 Millionen Tonnen: an Braunkohlenbriketts 1913: 21,9 Millionen Tonnen, 1928: 49,1 Millionen Tonnen und 192 9: 42,2 Millionen Tonnen. Diese Mehrfördcrung wurde erreicht, obwohl z. B. im größten deutschen Kohlengebiet die Belegschaftszahlen gegen 1928 erheblich zurückgingen, in den anderen Revieren aber nicht in dem gleichen prozentualen Verhältnis stiegen wie die Produktion. Die Mehrförderung ist also zum größten Teil ein Ergebnis der Mehrleistung der Bergarbeiter. So ist, um nur einige Beispiele des Jahrbuches anzuführen, die Förderung je Kopf der Belegschaft seit 1913 gestiegen an der Ruhr von 1161 Kilogramm pro Tag auf 1384 Kilogramm, in Oberschlesicn von 1636 Kilogramm aus 1771 Kilogramm und im Aachener Revier von 937 Kilogramm auf 1172 Kilogramm. Im Braunkohlenbergbau wurde in Ostelbien die Vorkriegs- leistung je Mann und Schicht um 37,9 Proz. gesteigert, in Westelbien um 37,7 Proz. und im Rheinland sogar um 9 2 Proz.! Im Eisenerzbergbau stieg seit 1913 die Iahresförderung i« Mann von 296 auf 492 Tonnen, während die Zahl der Beschäftigten von 24 699 auf 17 999 z u r ü ck g i n g. Im K a l i b e r g b a u wurden 1913 rund 13,2 Millionen Doppelzentner Reinkali gefördert, 1929 dagegen 16,3 Millionen Doppelzentner, obwohl die Zahl der Arbeiter seit 1913 von 39 932 auf 22 348 Mann zurückgegangen ist. Ueber die lohn- und tarifpolitische' Tätigkeit des Verbandes haben wir bereits vor einiger Zeit berichtet und dabei darauf hin- gewiesen, daß die Organisation trotz des hartnäckigen Widerstandes der Unternehmer Verbesserungen durchsetzen tonnte, die die Organisationsleitung jedoch nicht befriedigen. Die Verbandslcstung betont mit Recht, daß an dem verhästnismäßig geringen Erfolg die Bergarbeiter selbst schuld haben, die zum größten Teil noch außer- halb der Gewerkschaften stehen und damit die Position der Unter- nehmer stärken. Die Mstgliederzahl ist im Berichtsjahr um 334 auf 198 924 zurückgegangen. Nicht zuletzt ist daran die wüste Hetze der SPD. gegen den Bergarbeiterverband und das Treiben der sogenannten „Opposition" innerhall» der Organisation selbst schuld gewesen. Cnt- fallen doch von 382 Ausschlüssen im Berichtsjahr 575 auf solche Mitglieder, die im Austrage der KPD. den eigenen Verband bekämpften. Auf welcher gesunden finanziellen Grundlage der Verband der Berg- bauindustrieorbeitcr steht, geht allein daraus hervor, daß sein Uer� mögen im Vorjahr« um 1,3 Millionen Mark auf9,8Millionen Mark stieg, obwohl er rund 1-� Millionen an Unterstützungen ousgahltc. Im ganzen gibt das Jahrbuch ein lebendiges Bild der Entwicklung, der Kräfte und Tendenzen im deutschen Berg- bau im allgemeinen und im Verband der Bergbauindustriearoeiter im besonderen. handeln. Auf Grund dies« Derhandlungen wird entweder der aw gekündigt« Verzicht auf die Gesamtvorlage oder— was vorläufig als wahrscheinlicher gllt— die Annahme der vom Oberhaus ge- wünschten 99stündigen Arbeitszeit für 14 Tag« anstatt des feste» 7!-�-Stundentages mit kleinen Abänderungen erwartet. Pfuscharbeit im Arbeiteministerium. Um Schwervrrdiener vorZahlung höhererLöhne zu schuhen Dom Zeutralverbond der Hotel-, Restaurant- und Eafe» angestellten wird uns geschrieben: Auf Antrag beider Parteien wurde der Tarifvertrag für das Berliner' Gastwirtsgcwerbe durch den Reichsarbeits- minister für allgemein verbindlich erklärt, und zwar für alle Betriebe, die der Schankerlaubnispflicht nach§ 33 der Gewerbeordnung unterliegen. Run gibt es in Berlin gastwirtschastliche Unternehmer, die nn direkten Verkehr Speisen und Getränke verkaufen, ihre Betrieb« bis zum Eintritt der Polizeistunde offenhalten,>ber wenn sie die Lo h n- und Arbeitsbedingungen des Tarif- Vertrages sür dos Gastwirtsgewerbe anerkennen sollen, kein« Gast- wirte sein wollen, sondern sich als Konditoren bezeichnen, weil sie«inen kleinen Teil der von. ihnen umgefetzten Waren, nämlich Kondftorworcn. selbst herstellen. Durch die Allgemeinverbindlichkeitserklärung des Tarifvertrages für das Gastwirtsgewerbe traten die erheblich günstigeren Lohn- todingungen für die gastwirtschoftlichen Arbeitnehmer ouch sür dl« Unternehmer in den sagenannten Konditoreien in Geltung. Die Unternehmer wurden vom Arbeitsgericht zur Zahlung dieser Löhne verurteilt. Darauf reichten die Unternehmer, die in der Kanditoreninnung organisiert find, ihren mit dem Rohrarngs- mittel- und Getränkealbeiterverband abgeschlossenen Tarifvertrag gegen den Willen der Gewerkschaft dem Reichsarbeits- minister zur Allgemeinverbindlichkeitserklärung ein. Der Reichsarbeitsmimster hat die Allgemeinverbindlichteits- erklärung schließlich unter ganz eigenartigen Umständen aus- gesprochen. Ob dabei der Wechsel im Reichsarbeitsmini- st e r i i: m eine Rolle spielte, konnte nicht festgestellt werden. Jeden- falls hat sich der Reichsarbeitsminister herbeigelassen, gerade die- jenigen Unternehmer, die an Cafe- und Kondftoreiwaren die größten Profite erzielen, vor der Zahlung ange- messener Löhne zu schützen. Ann und Zweck einer Allgemeinverbindlichkeftserklärung ist, eins Minderheft von Außenseitern zur Anerkennung tariflich« Lohn- und Arbeftsbedingungen zu zwingen. Da die Konditoren- innung eine Zwangsinnung ist, gibt es auch keine Außenseiter. Es bleibt also nur der Zweck übrig, den Unternehmern Gelegenheit zu geben, sich vor höher« Lohnzahlungen zu drücken. Dementsprechend sieht auch die Allgemeinverbindlichkeitserklärung aus. Der Tarisoertrag ist für allgemeinverbindlich erklärt für Arbeitnehmer in Konditoreiwaren erzeugenden Betrieben, soweit sie handwerksmäßig betrieben werden und der Konditoreibetriev Ursprung und Grundlage des Betriebes ist. Dielleicht ist der Herr Reichsarbeitsmimster so freundlich und schreibt ein kleines Buch als Kommentar zu dieser Allgemeinverbindlichkeitserklärung, in dem dar. gelegt wird, was er unter handwerksmäßig betriebenen Konditoreien versteht und wie man feststellt, ob der Konditoreibetrieb Uriprung und Grundlage des Betriebes ist. Der Zentraloerband d« Hotel-, Restaurant- und Eastan gestellten wird sich an diese Allgemeinverbindlichkeitserklärung nicht kehren. Die Arbeftsgerichte werden entscheiden müssen, was nun eigentlich handwerksmäßiger Konditoreibetrieb und ob der Konditoreibetrieb Ursprung und Grundtoge des Betriebes ist. Sind die Arbeitsgericht« aber dazu geschaffen worden, um die Pfuscharbeit des Reichsarbeits- Ministers abszubesssrn? Llm die Arbeiiszeit im englischen Bergbau. London, 39. Juni. Handelsminister Graham wird heut«(Montag) mft Vertretern der Bergarbeitergewerkschasten über die vom Oberhaus vorgenonr- mene Abänderung der Avbeitszeiteinteilung für den Bergbau ver- Arbeitswiennoi auch in Amerika. In Philadelphia sind die Kassen der mit der Untev. stützung der Nolleidenden betrauten privaten Wohltätigkc ts» Organisationen infolge der Arbeitslosigkeit in Schwierigkeiten ge» raten. Allein über 29 999 Personen mit 3999 Kindern fallen der Fürsorge zur Last. Di« Zahl der Arbeitslosen ist jedoch ! beträchtlich größer; sie wird in unterrichteien Kreisen auf mindestens 173 999 Personen geschätzt. Exmittierungen und Zwangsoerkäufe sind an der Tagesordnung. Jeden Monat verfallen 1399 bis 2999 Wohnungseinrichtungen im Wert von 299 999 Dollar, da deren Besitzer die'Teilzahlungsvereinbarungen nicht einhalten kösnen._ Der veutschnattonale handlungsgehilsenverband Hai Mitglieder und Funktionäre, die der Nationalsozialistischen Arbefter. Partei angehören, ausgefchlofsen. Es handelt sich dabei nicht etwa um eine örtliche Aktion, sondern um Mitgiieder in Rostock, Altona. Leipzig. Schwäbisch- Gmünd, Weimar uiw. Der DHV. fürchtet zwenellos, daß die Nationalsozialisten dft sehr mühsam zusammengehaltene Einheitsfront der deutschnationalen Kaufmanns» gehiifen zerschlagen. Derselbe Deutschnationale Handlungsgehilsen. verband hat früher wiederholt auf seine engere Verbindung mft den Nationalsozialisten verwiesen, mit denen er nach seinem Programm auch mft der Bekämpfung der Juden übereinstimmt. Anscheinend wird er jetzt die Geister, die er gerufen Hot, nicht mehr los. Achtung Staaker! Auf der Baustelle Tempelhos, Albionstraße, Bausirma Körner, sind bei dein Staakerunternehmer Albert Schar s f vier Schütter eingestellt, die nicht den Arbeitsnachweis in der Gormannstroße passiert haben. Unseren Hinweis auf§ 19, Absatz 3 des Tarifvertrages für das Staakergewerb« ließ die Firma Scharsj unbeachtet. Somft verhängen wir die Sperr« für obige Baustelle ab Dienstag, dem 1. Juli. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschast Berlin. Fachabteilung der Staaker. Weit« für Berlin: Heiter bis wolkig, ziemlich warm.— Deutschland: Im Nordosten veränderlich, im übrigen Reich« viel! heiter, im Westen sehr warm. >tantsL. 30. Juni. Berlin. 16.05 Friti Böhme: Vom Parlament der Tänrer. 16.30 I. Katharina Preiwald: Scherzo Es-Moil. op. i— 2. Brahms; Lieder. (Macda Lnppa, Sopran: riügel; Bürger.)— 3. Schumann: Etüde» tym- phoniques, op. 13.(Katharina Freiwald.)— 4. Zwei Lieder.(Magda LuppaJ Anschließend: Englische Lieder,(lohn Armstrong. Tenor; Flügel: Bürger.) 17.30 Peter Urbain: Von Kanu- und Faltbootiahrten. 18.00 Prot. Dr. König: Wie entsteht eine Wettervorhersage? 1&30 Hannes Küpper und Erik Reger, Essen: Struktur einer deutschen Industrielandschaft. 19.00 Unterbaltungsmnsik., 19.53 Arbeitsmarkt. 30.00 Rückblick auf Platten. 20. W Konzert. Nach den Abendmel Jungen; Theodor Loos: Reden an die deutsche Nation vo« Fichte. 23.00 Von Frankfurt: Festkonzert. Anschließend: Von Mainz: Befreiungsfeier. Künigswnsterhtnsei. 16.00 Breslau: Konzert. 17.30 Prof. Dr. Karl Malzdorf: Tagung der Schullandheime in Dresdeg. 17.55 Lothar Windsperger und Dr. H. Michaelis: Dichtung und Komposition. 18.20 Dr. Paul Hermann Ruth: Alt Rundfunk noch eine Utopie war. 18.40 Dr. Ellas Hurwicz: Parteiwesen und politische Bildung. 19.05 Englisch für Anfinger. 19.30 Dr. Schindler: Ausbau der Marktbeobachtung.» 23.50 Von Trier; Befreiungsfeier. Serontmortl. für hie Sleboltinn; Welfgeng Schwees. Berlin: Bnztiqen: Th. Siecke, «erlin. Brrioo: SoriBätts Verlost®. m. b. S.. Berlin. Druck: �nrwörfs Buch. druckerei und Berlogsonstalt Voul Elnster 6- Co.. Berlin SD 08. Linhrristruke Z. Kierzu l Beilege. T (> (. h) Theater, Lichtspiele usw. <) Montag, 30 o. Staats-Oper Unter d. Linden Tsil-ft. IL Mo. Ho. 1t l3lire5-llli.-1.llo.169 19"S Uhr Ende 22'b Uhr Staats-Oper Da nitr der tejibii: Vorst 112 20 Uhr Ende 22■ DndtiMaaarki R.-S 24 20 Uhr Gustav Adolf Ende» 22VSUht MI.WIet-IhMMIU 19--, Uhr Sdrerx, taltre, Ironie aad tlcicre Bedemaas Ende 22"» Uhr 1 l Winter ★ Garren* 8J5 Ohr Zemr.SSiS fiaoffien er asm SsenaUeM u. Sonntag Je 2 Versteltuagee 4 md S-a Unr. 4 Uhr kleine Preise Hqi. 5 u. 8U sannt. 2. a n. h u Alex. E 4. 8066 Internationale Attraktionen jßösi •Theater 1 QreBe Frankfurter 8tr. 132| Täglich S.t5 Uhr (Sonntags auch B" ükr): „Die anlere Seile" 3 Akte von Sheriff mit Gotthard Bog«. Arthur 1 i MalkowsKy, Robert MQtler, Paul , u. Willi Rate. Franz Stein, Erich[ Wilde. Regie Robert Mflller.{ Auf der QartenbOhne. nur m bis kommenden Sennabend,> | Rieton-ErSftnunssprooramm uad{ „Lese, Lotte. Liese" Vom 6—9. Juli: Rosenfest im Rose-Garten{ { Tauten#« Ten aasen. Riesen- Feuerwerk.— Willi Resee am Flügel. Tanz Im Freien. 8«ükr:| „Verlieht* Leute" Operette von KOnnake. Vorverkauf tAgl. von 11—1 ühr vorm. u. 3— 9 ühr abda rheaterl. d. Behrenstr. 53-54 5-/1 U A4 Zentrum 926-927 8'H U OlrckttOB Ralph Arthur Roberte Hein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Robs Reichshalien-Theater |T| Uhr stettiner ssnger Das oroß® Programm I liinhiiff-Srettl md Harten VerieU- Konzert- Teuz Volks bttlinc Ttalir n Ultfilih. 8-/. Uhr Julius Caesar ■egie: bH Mci Ibiti» StiitüdiillH-!k. TV» Uhr Sderx. Satire, Ironie b. tielere Beseatng Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Rigoletto MrlVestHU TSgliCh 8Vi Uhr; Der K&mmerspiele 12 VtiMiDD 5211 9 Uhr tnhyid teSpiilgintni- ntanivliitiSantpieltr Krach um Leutnant Blumcnthal von Alfred Herzog. Sommerpreise Netropol-Th. Tlglich 8<(i Uhr mit Dir allein aut einer einsamen- Insel Mieliael Bohnen 8"' OpnrettahiB (Zentral- Theoler) Dönh. 2047 Alte Jskobstr. 30/32 Darüber kommt kein mannbimuegl tau-uainL ientjüiBJ muttr 1 2«lidmtog 5211 8 Uhr Int* im SO. HU Phaea von Fritz*. Unruh. Rege Max Ret afairdi IbseebiUer bist Sdittl«. Die KomDdie 1 1 Bismck.2414/7516 S'li Uhr Vit«erdeidinidi ad Gl linai ii 1t IMiiluin m fehl Minis. Init ree Kitdii IgeUmk). Dein: End Engel Bühnenbilder. MnilUur Direktion Dr. Robert Klein Dtolsehes Kflnstler-Thtti Barberosu 3937 rsglich°-/> Uhi „im(anze tun dleVeltmlliUr" sei Kirallss Sdüffer Kuit: friidrio Bellfcdu lanMwsky-BshDen TBtaitr la der simnuMitr. Tlglich 8V» Uhr Mein Sdiwester ündidi Hnikf.lihhBtutzky Kr. Br. Mirtii im Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich 8V, Uhr liebe and Trompeten' blasen Siiih/Inltmiir s FieUer Jatrted/ leid/ Bdimdi Berliner Proier SommeroailtBllieaier Kastamenallee 7—9 Täglidi Inling 4 Uhr der große Varietd- Teil Eine entzückende Burleske 8.15 U. Ousti Beer, Grell Lilien, Alex Haber, V von Kobjltnsk« in die Bose TonStamliDl Operette in 3 Akten von Leo Fall BroBn Kalleekodien Eimrhtspreis von 3« PI. an. TüHL a. Kenh.Tei Kottbuser Str. 6 fir.lnH 10 mit Herta Loewe br dntute» MiHigell ______ Hr. ji Alt* Moebit 130 Kettbosacr Oam«75 �Bdraatatrafl« 40 ChntuMMtrat« 43 ChauMaeslr 90-92 InvaltdaastraBa 7 Schbg. HcrbarUtr- Charl Biaaarckat.7f Wlmdf, Augualaal.} Sp«nd.,B«hnhof»tr' PotscL Hoditzslr 2. IfDifW iftmUBT tfoillavt Dntscfii Kala! lOSaafardary Arbcifaloae 10 Pros. EsbaH. G E WO G- Marlendorff Bemelnnfltzlge WobanndspenossensdiaU e. 6. m. b. B. Bilanz per 31. Dezember 1929. Aktiva RM t. Bebaute Grundstücke.. 852093�0 2. Inventar....... 1.— 3. Baukonto....... 2512.42 4. Bankguthaben..... 2 918,— 5. Kassenbestand..... 156,81 Passiva 6 Hypotheken..... Reserven: 7 Uestzl Reservefonds.. 8. Konto Rückstellungen. 9. Geschäftsguthaben.. 10. Sonst. Verbindlichkeiten 11. Gewinn..... RM 718 125,— 645,— 116631.30 8 429.- 13 693,55 156,98 Verkäufe Möbel Sdlmtaatiukt».Btimifdino*. M«. IcHbttten� ttuileuematzaUrn, dbaiftlon- stueo. SBaltez, Stataarbertltole acht- «an. Rem Eabtn.• »SbrNänfer merk« flrebit nah bat «ibeUauz, sttele BnewaU, flu«« ü teilt! ...., Beispiel»»«»«: Echlafeimmtr 455,—. Speis«»inuner =i'.-. Berren, Immer 88»,-. Spiean- fchrdnEe 118.-. Dielenoarnitur 8«.- «»richtefüche Mtfsinabettft-ll' J®.— RleidrrfchrSnEe 48,—, ffbaife- jjtout» 28.-. SRelanbettfifDe 18.-. «ufleaematia*« 18.- 6onftiat»»bei anqemtflene Breis«. SetUabluna auf« fchlastfret. ZSachenraEen. Manateraltn, RanarabafE bi* Mbn Brotent. auch auf «ii*ablunfl«n. Rleim auch ohne Ansah. Iuit««n. Rrehite bi»»mel Zobre. Ma» mn». Ralalo» fcaiit». Hauplsteschdft. Stealik.(cdiloSfttafte 107; 2. Seschaff: 8>euEolln. Herrnannplai»<: Z. Sefdiäft: Belle.Alliante.Mraite 83,—, Unf-rarund» d-hn: 4. Sefchüft:«ottbuffer Strohe 23, sttstenilbet Slitefänget.• Husikinstrumenle «iBtpitB»». überaus preiswert fiiano- abciE LinE. Brunnenstrahe 85 857 681,43 Gewinn- and Vcrlatlrecbnang. 857681.43 Soll_ RM A Haus- u. Betriebsunkosten Ii 449,48 B Gexchältxunkosten.. 9 2;.32 C Hypothekenzins.... 42 752,6 D A Schreibungen... 3 173,27 E Gewinn..... 1-6.98 Hahr« RM F Mieten... 136318,9. G Sonstige Einnahmen.. 438,7. 136 757,68 136 757,68 Mitgliederzahl 307, Zuwachs 16. Geschäftsanteile 30 700 Mk, Hafissumme 30 700 Mk Der Vorstand. Die Revisoren. Fahrräder Seiljoblunfll monatlich 10,-, Dia- ntonttober, ätiumphtdbtt. Brrnnaüar- eäbet. Ballontouren-. Ballondamtn.. BaHonunnet,«dtitUtäbet. ä3illlet. tobet, Semperräber, ZRultipIerräder, Trumpfasräber. Monapolruber. bilb- Ichäne Damenräber. Ällerstärkste Touren- rädtr, bligschnelle Salbrenner. Arnn- maschinen. Sdjlam«. fflcinmriltecflroft« vier.• Kaufgesuche �ah»oebisi«. �IctinabfdQe Cbtginu. vlti. Qufdiilbet. 6ilbcrfdiineiit fpnulAftei Cftciflionat Jlbpcaidet- ftraRf 39.ÄoluftfUr Übalbectftraftei Verschiedenes BinfiEaufträge aller Art, auch En» semble» unb Orchester mit unb ohne Rapellmeiftrr vermittelt gebührenfrei BÄrw3.en die ungeschrie- denen Gesetz« diefer heutigen proletarischen Kinderwelt einzufügen. Äch will nicht sagen, daß wir verträumter waren: nein, wir rea- gierten wohl unser« Gcsunoheit in eine andere Abenteuerlichkeit ab: die wild« Welt des Indianer- und Räuberspiels, Srraßenschlachten im Kiez: das war der Himmel unserer Kindheit. Heute sind die Spiele der Jugend, oie durch Not und Schicksal unserer proletarischen Ideenwelt beheimatet ist, dem verantwortungsvollen Ausbau, einer größeren Ertüchtigung und S e l b st e r z i e h u n g zur Ordnung und Selbständigkeit näher. Zum Beispiel vier Wochen dazu beitragen, daß das Zeltlager der Roten Fal> k e n zu einer oer glücklichstes Formen des gemeinschaftlichen Zusammenlebens wird und darin Ordnung halten und hilfsbereit sein in seder Stunde, die das erfordert, das sind schon Leistungep der jüngsten Republikaner, denen die Zukunft gehören wird. Franz ist einer von.diesen Jungen. Am vorigen Freitag hat er die Eltern unseres Bezirks zusammengeholl. Es sollte ein lustiger Aden» werden, und das ist es auch geworden. So gegen 7 Uhr stieg Franz aus das Katheder, nuckelte ein paarmal mit der Nase wie ein Kaninchen, ein eindrucksvolles Zeichen, das Ruhe und Aus- merksamkeit gebieten sollte, und legte dann los. Es war ein Ver- gnügen, so einen Kiek-in-die-Welt erzählen zu hören. Die Augen glänzten, wenn er an das Werk unserer Kindcrrepublikaner er- inncrte. Gut machte er es, und Zweck wird es haben, und zum Schluß setzte er uns Aeltercn noch ein paar Worte in die Ohren, die wir uns merke» sollten: _____ und, liebe Genossen Eltern, wir sind nach jung, ober dos braucht ihr uns aar nicht zu sagen, das wissen wir nämlich auch. ! Aber wir können schon etwas, Freundschaft ist unser Gruß, jawoll, eine Sacke anpacken, daß der Stiebel knackt, und festhalten, bis was draus geworoen ist, so mache» wir's! Denn so eine Kinderrepublik ;u bauen, nämlich eine sozialistisd>e, das hobt ihr noch nickst fertig bekommen. Wir wollen uns in unserem Gemeinschaftsleben im Zeltlager uiüz daheim in der Gruppe schon vorbereiten für die kämpferische Arbeit, die uns später einmal erwarten wird. Damit euer Staat auch einmal so einer wird wie unsere Rote Kinderrepu- blik. Dariii organisieren und verwalten wir alles selber. Alle für olle! Do haben wir auch ein Parlament, und das ist not- weiwig. Darin wird gearbeitet. Vielleicht werden auch Bnige von uns jpäter Abgeordnete, die die Ideale und Jiilcreiscn der Ar- bcitcr vertreten sollen. Dann haben wir aber auch schon etwas bei uns gelernt. Denen, die wir gewähll haben, müssen wir vertrauen können. Das ist sell'stvcrständlich, und wenn sie uns enttäuschen, werden sie einfach abgebaut. So machen wir es auch in unserer Kinderrepublik/ Wie suchen dann einjach aus unseren Reihen einen Genossen, der befähigter und geeigneter ist. Einen Kops muß er haben! Ich weiß nicht, das ist doch jo ein« emsache Sache!" (18. Fortsetzung.) „Es iiüereffiert mich", antwortete sie auf sein Erstaunen,„weil ich mitunter reiflich mit mir zu Rate gehe, ob ich ez nicht mit einem Posten als Sekretärin versuchen soll. Di« fremden Sprachen be- herrsche ich, mit der Vuchhaltung bin ich vom Gut meines Vaters her vertraut, und Stenographie habe ick) mir gleichfalls angeeignet. Der Beruf ist lebhafter, man ist unabhängiger, man hat sich nicht in der Schulklosse mit den Kindern abzuärgern— höchstens mit seinem Chef—' Als sie dies letzte sagte, lächelte sie. Hammerschlag wurde es leicht ums Herz. Er glaubte über die Absichten des Fräulein Saat plötzlich eines Besseren belehrt zu sein. Sie hatte es nicht unbedingt auf ihn— sie hatte es vielmehr auf den Sekrctärinposten abgesehen. Deshalb also war sie nicht von seiner Seite gewichen. Und sie hatte ihn betreut, um. gleich in der Praxis zu beweisen, wie verlählich und sympathisch sie wäre. Ja, so ist es. dachte Hammerschlag froh. Er war eben im Begriff, den Mund zu öffnen, er lächelte und wollt« etwas besonders Freundliches äußern— da fiel ihm plötzlich die Gabel auf den Teller, klirrend— wie von einer höheren Macht aus der Hand geschlagen. Er starrte diagonal durch den Raum— Fräulein Saat, die seinen Blick mit den Augen verfolgte, sah ihn aus dem Tisch in der genau entgegengesetzte» Eck« des Speisesaals haften. Sie wurde unruhig, denn sie begriff, daß Hamn»erschlag in diesem Augenblick unmittelbar mit einem der Angelpunkte seines Lebens in magnetisch« Beziehung getreten war. Im Leben eines jeden Menschen, auch des erlebnisärmstcn, gibt es einen, nein vielmehr eine bestimmte Reihe von solchen Angelpunkten, neben dem alle übrigen Beziehungen gleichgültig werden. Was war geschehen? An einem Tisch in der g«gemiberl!e«»enden Ecke des Speisesaals — faß Denis?. Hammerschlag hotte sie von draußen hereinkommen sehen. und in diesem Augenblick war ihn zu Mute geworden, als ob er die Erde stillstehen und dann mich der verkehrten Seit? sich um- drehen fühlte. Die Sache sah verteufelt nach einem Traum aus. I» Trauin passieren ja so seltsame Sachen, man hat Flügel und kann fliegen, man kann ctlichz hundert Meter weit springen— im Traum konnte es schon leicht möglich sein, daß Denis« in einem Hotel, ausgerechnet fieb.zehnhundert Meter über der sonstigen Erde, erschien und sich gApz selbstverständlich und obendrein noch ohne Begleitung an den ..Kegenüberliegenden Tisch in dsr Ecke setzte. Aber in der Wirklichkeit geschehen solche Ereignisse doch nicht! Jnmierhin, nach einer reichlich langen Pause, während der er sich sammeln konnte, blieb Hammerschlag bei der Ansicht, die- müßte trrtzdem Wirklichkeit sein. Als er mit seinen Gedanken so weit war, hörte er augenblicklich zu starren auf. Denis« war ohne Hut hcreingekoirmien, überhaupt ohne irgend- ein Gepäck, mit dem man sich auch bei kürzeren Wanderungen zu beladen pflegt. Es hatte den Anschein, als ob sie schon vorher hier im Raum abgelegt hätte. Od:r— dacht« Hcinmerfchlog plötzlich. mcrtet vielleicht vor dem Hotel der Schwarzhaarige, in dessen Be- gloitiing sie sich damals in Berlin befand? Cr suchte sich so unscheinbar zu niachen, als es ihm möglich war Cr kroch geradezu in sich zusammen. Er l)atte Angst, richtige Angst, daß Denis« ihn zu früh bemerken könnte. Der Breite des Raumes und ihrem Platz— er sah sie im Profil— hatte er es zu verdanken, daß sie noch ahnungslos war. Ihr Gesicht war gebräunt, das Haar, dunkel und wie von einem Abglanz der Sonn« schimmernd, stand prachtvoll im Zusammenklang mit dieser Farbe der Haut, die Hammerschlag vorher nicht an ihr gekannt hatte und die quasi neue Trompelenfiötze des Entzückens jetzt in ihm munter macht«. Dazu trug Denise sin leichtgelbliches Kleid mit einem helleren Gurr. Das war alles so, daß«in überschwenglich-r Mensch es ein« Sinfonie genannt hätte.* Hammerfchlog war aber nicht der Mann, der einen Menschen als eine Sinfonie nahm. Er nwchte ein Gesicht, als ob er weder schlucken noch atmen könnte. Innerlich mußte ihm heiß sein. Dann rückte er seinen Stuhl ein wenig herum und sah gleichsam überrascht neben sich Fräulein Liesbelh Saat sitzen. Nanu? dachte er. Beinahe hätte er gedacht: Wer ist denn das? — Aber er dachte nur: Was will denn die? Er wünschte sie ganz wo anders hin, obgleich er für eine Zehntelsekunde bedachte, daß gerade dies Fräulein Saat mit ihrem ekelhaften Drängen es wäre, der er die Bergfahrt eben an diescin Tage und dadurch dies« unvermutete Begegnung verdankte. Hammerfchlog dacht? emsig hin und her. Wo Denise wohl ihr Standquartier hotte? Wie er es wohl am besten anstellte, Fräu- lein Liesbelh Saat zu entwischen und unvermerkt an Fräulein von Langens Teste zu kommen? Er mußte sie irgendwo in der Enge fangen, wo es keinen Fluchtversuch für sie gab. Er mußte ihr ober gleichzeitig jedwedes Angstgefühl nehmen und die unglaub- liehe.Zufälligkeit" dieses Zusammentreffens durch überzeugende Worte vor ihr glaubhaft machen. Nichts wcist sich schwerer über seine Person aus als solch ein Zufall. Ja, es ist in den meisten Fällen leichter, eine nnt allen Schikanen durchgeführte Absicht wie eine Zufälligkeit erscheinen zu lassen, als den wahren„Zufall" zu legitimieren. Hammsrfchlag fühlt« bei diesem Gedanken etwas Unbehagen— aber(ein Grund- gesühl war zuoersichllichcr Mut. Seine Nerven prickelten, seine Bmst war gespannt. Aber gleich darauf kamen Ereignisse dazwsschen, die sein« Ge- danken für eine uich noch eine Minute auf andere Dinge lenkten. Er war so ganz und gar nicht oorbereitet aus dos, was nun kam— iuir daraus konnte er sich später, wenn er an diese Minuten zurück- dachte, erklären, wie dies« Ablenkung ihm hotte passieren können. Fräulein Saat nämlich, die mit ihrem Lächeln, das die Mund- winket vertieft«, immerfort zu der dunklen, aristokratischen Dame im helle» Kleid hinübergef ehe» Halle— Fräulein Saat hatte be- merkt, daß die Blick« der Dame be, einer unbefangenen Musterung der Gäste plötzlich stockten--- dunkle Röte stieg in die Stirn und siegt« über die gebräunte Farbe. Fräulein Saat hatte gesehen, wie die Dame sich durch sie beobachtet sühlle— sie. die Dame, hatte sich sofort abgewandt, und min saß sie mit eingezogenen Schultern da. Die Beobachterin konnte nur ihren Rücken sehen. Fräulein Saat oerstynd jetzt die Situation vollkommen. Sie erinnerte sich an Hoinmerschlags einigermaßen verblüfftes Gesicht, als sie ihm, bei der ersten Begegnung im Cafe in Salzburg,„auf den Kopf zu" gesagt hotte, er suche jenianden. Daß in dieser Dam« die Person, um die es sich für Hmnmcrschlag handelte, zu erblicken war, unterlag für Fräulein Saat keinem Zweifel. Aber was es da für eine hochinteressant« Vorgeschichte gab, daß diese beiden sich auf solche geheimnisvolle Weise ignorierten, dies stand für Fräulein Saot noch zu ergründen. Sie begann in der Art, die ihr so ganz gemäß war. Sie sprach als Einleitung einige pathetische Worte, die auf die Größe der fol- genden Minute vorbereiten solUen. „Ich habe Sie etwas Tisfernstes zu fragen", sagte sie,„ich hoffe, Sie werden mir offen Rede stehen." Homnierschlog, der jedesmal, wenn sie so etwas Verblüffendes sagte, aufhorchte, obgleich er die Theorie, die Methode schon kannre — fragte fast erschrocken: „Run?" „Wer ist jene Dame dort?" Hammerlchlag sah sich Fräulein Saat an, er dachte nach und machte absichtlich«in blödes Gesicht.* „Das geht dich doch nichts an, mein liebes Gänschen", sagte er, wie es schien, auf Grund seiner lange» Neberlegung. Im Nu war das Lächeln von ihrem Gesicht verjchwundc», Zuerst wurde sie bloß, dann rot. „Das brauch« ich mir nicht gefallen zu lassen", sagt- sie. „Schön", sagt« Hammerfchlog. Aber Fräulein Saat wurde nicht still, obgleich Hammerschlaz zu allen ihren Aeußerungen beifällig nickt« und„schön" sagte. Sie betont«, sie hätte diese Behandlung nun endlich satt. Sie wäre gewohnt, aus»ine menschenwürdige Weise behandelt zu werden. Diesmal machte Hammerschlag ein aufrichtig dummes Ge- ficht. Er wußte wirtlich nicht, was er von diesen Reden halten sollte. Wenn Liesbeth sich seinen Ton nicht länger gefallen lassen wollte, dann war ja alles in Ordnung und beiden Parteien geholfen. Schluß brauchte nicht gemacht zu werden, nämlich weil gar kein An- fang gemocht worden war. Aber gerade biete— die oinfachkt« Folgerung schien Fräulein Saat nicht ziehen zu wollen. Uebersah sie es denn einfach, daß dies die natürliche Lösung war? Sie rädete, immer mft»fem Keficht, sehr viele Sachen, aus denen hervorging, daß sie sich nichts, aber auch gar nichts gefallen ließe, daß sie eine freiheitlich empfindende Natur wäre und daß sie vor allem keiner fremden Hand anzurühren ge- stattet«, was sie sür sich allein in Anspruch nehmen müßte. Für Hammerschtag waren dos wieder unzusammenhängend« Redensarten, er verstand nicht, um was es sich in ihrem Kopf drehte, Endlich aber wurde er der Einfachheit halber selber aktiv. Er machte ein entschlossenes Gesicht. Auch er halte«s sür geraten, sagte er, die Reisegemeinschaft aufzulösen. Nun kommt das berühmte„Nun schön, dann— Adieu!" dacht« er bei sich. Aber das folgte nicht, sondern etwas anderes. Di« Rcizcgcmeinschast aufzulösen..? Wie«r sich das denn bitte vorstellte? Ob er meinte, zu ollen Ungezogenheiten— Ungezogenheiten sagte sie, und Hannnerschlag dachte: Det is richtig, det paßt ins Iesanitbild— ließe sie sich nun auch noch diese Grobheit gefallen? „Wegen der Leute in Sankt Wolfgong?' fragte Hammerschlag: „mein Gott, man kann doch Weiterreisen, jeder für sich: man wohnt doch nicht da unten."(Fortsetzung folgt.) eBuch ffiußland nackl Als ich am 24. Mörz im Abend-Lorwörts über Istratis drei Bücher über Sowjetrußland auf Grund der französischen Originalausgabe berichtet habe, haben zahlreiche Anfragen, wann und wo die deutsche Ausgab« erscheinen wird, erkennen lasten, daß weit« Kreise der Arbeiter und der sozialistischen Intellektuellen auf ein großes Quellenwerk über Rußland warten. Erfreulicherweise ist die deutsche Ausgabe binnen drei Monaten im Verlag Piper Eo.. München, wirkungsvoll und besonders billig erschienen. Der Gesamt- titel der deutschen Ausgabe heißt: Drei DücherüberSowjet- r u ß l a n d. Die Einzelbände führen folgeirde Titel:„A u s falscher Bahn.(16 Monat« in Rußland.)"—„So geht« s nicht.(Die Sowjets von heute.)"—„Rußland nackt.(Zahlen beweisen.)" Die ersten beiden Bände kosten steis kartoniert nur je 2,80 M., der dritte, fast doppelt so starke und weitaus wichtigst« Band„Rußland nackt" kostei 3,80 M. Jedes Buch ist in sich ob- geschlossen. Wer also nicht gleich drei Bücher über Rußland kaufen oder lesen w>ll, lese dann mindestens aber unbedingt„Rußland nackt"! Istroti gibt in dem Buch die Entwicklung des bedeutendeil Dichters wieder, der in 16 Monaten Rußland au» einen, Festgast der sogenannten Sowjetregierung ihr erbitterter Feind geworden ist. ohne übrigens den Bolschewismus aufzugeben. Jftrati gibt nicht nur die Entwicklung seiner Anschauungen rücksichtslos wieder, er hat auch die Mitarbeit kenntnisreicher Gesinnungsfreunde in Anspruch genommen. Das gewaltige Dokumentenmaterial des 3 Bandes „Rußland nackt" verdankt er offenbor der Mitarbeit von Victor Serge, dem Herausgeber der französischen Lenin-Ausgabe. Im Interesse der Wahrheit über Sowjetrußland müßt« dieses Buch in Massen verbreitet werden. Alle Volks- und Gewerk- schastsbibliotheken müssen Istroti ihren Lesern zur Verfügung stellen. Die Wahrheit, die in diesem Buche steht, darf nicht im Buch? begraben bleiben. Holsen wir, daß sie ins Bewußtsein der ganzen Arbeiterschaft übergehe. Störsiusrer. WAS DER TAG BRINGT. •wimitiiiMiiMHiDiiMiiiiiuntimiiiHiiluinntttwtiimHiimiimHimniluiiiiitiiiiniiniiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii.iiiiMiiiiiHUUliiiiiiiiimmiiiiiuniiUMMiiimiiuimiuulitninmniiiiw Die Heilkraft des Meeres. Di« Heilkraft des Meeres beruht unter anderen: darauf, daß der Wasserdampf die roten Strahlen des Sonnenlichtes zurückhält, die ultraviÄettcn aber durchläßt. In der Großstadt gehen letztere nicht durch die Luftschicht hindurch, weil Ruß und Staub ultra- violettes Licht abfangen. Bon besonderer Bedeutung ist die Rein- heit der Lust an der Sc«, während zum Beispiel Potsdam im Kubikmeter Luft 23 000 Staubteilchen im Durchschnitt hat, wurden in Kolberg nur 8000 Staubteilchen gezählt. Der Iodgehalt der Luft ist an der See zwölf- bis drei.zehnmal so groß wie im Binnen- lande. Zu beachten ist, daß der Blutdruck im Luftbad« ssnkt, im kalten Seebade jedoch steigt. Die ältesten Gerichtsakten. Das älteste Dokument einer Gerichtsverhandlung ist von dem Assyriologcn der Universität Kalisornia, Prof. Henry F. Lutz, in einem Tontäsetchen gefunden worden. Dr. Lutz, der kürzlich von seinen Grabungen in Mesopotamien nach Amerika zurückkehrte, er- klärt, daß das Täfelchen von ihm im vergangenen November bei Arab at Tell Saba ausgegraben wurde. Er hat gegen 000 Fund- stück« mitgebracht, die aus der Zeit von 3600 v. Chr. bis zum Beginn des mohammedanischen Zeitalters stammen. Di« Tafel enthält d e Gerichtsatten über einen Prozeh wegen Körperverletzung aus der Zeit um etwa vor 2200 v. Chr..Dieses Dokument ist für die Ge- schichte der Rechtswissenschaft von großer Bedeutung," führt« der Ge- lehrt« aus.„Der Angeklagte war ein Lehensmann im Dienste eines großen Herren und zeigte sich unbotmäßig gegen den Sohn dieses Herrn:«r ließ sich sogar dazu hinreißen, ihn zu schlagen. Der Fall kam vor ein Zivilgericht, aber es stellt« sich heraus, daß dieses Ge- richt über einen Lehensmann nicht urteilen durste, und so wurde er unter Bewachung nach Babylon geschickt. Dort kam er vor �in Lehensgericht, das am Ischtar-Tor tagte, und wurde für schuldig er- klärt. Er mußte eine große Geldstrafe bezahlen. Interessant ist auch, daß der Kläger, der Sohn des großen Herren, obwohl«r minderjährig war, keines gesetzlichen Vertreters bedurfte und auch nicht selbst vor Gericht zu erscheinen brauchte. Das Täfelch«:, stammt aus der Hommurabi-Zeit." Ein anderer wichtiger Fund des Prof. Lutz ist ein Tonzylinder der sich mit Nebukadnezar beschäftigt und neues Licht auf die Persönlichkeit dieses Herrschers wirst. Dr. Lutz hat auch noch 180 Asjabi-Täfelchcn entdeckt, die aus der Zeit nach 2000 o. Chr. stammen und von einer bisher ganz unbekannten Dynastie berichten, die zur selben Zeit wie die Hammurobi-Dynasti« herrschte. Ein Geiängnislustspiel. In Preßburg. in der Tschechoslowakei, ist heule Ludwig Reoesz, ein kleiner Beamter, der eines kleinen Betruges holb»r im lliüer- suchungsgcfängnis sitz», plötzlich ein berühmter Mann geworden. Schon seit über einer Woche war Revesz Untersuchungsgesanqener. Er saß in seiner Zelle, langweilte sich und hatte allerlei finster« Gedanken.' Da, eines Dormittags öffnet« sich ganz unerwartet die Tür, der Aufseher kam lächelnden Gesichtes und sagte:..Sie sind frei, Sie können gehen, wohin Sie wollen." Er drückt« ihm auch zugleich ein Enttossnngsschreiben in die Hand. Der Betrüger mar froh und glücklich, steckte den Schein in die Tasche, packte sein« Sie- bensachen und verließ erhobenen Hauptes dos Gefängnis. Sein erster Weg führ»« ihn zu seinem Verteidiger Dr. Sitos, dem er die Freudenbotschaft mirteitte. Der Rechtsanwalt war im höchsten Maße erstaunt. Er verstand die ganze Geschichte nicht und beschloß, der Sache nachzugehen. Er ging also in das Gefängnis. Dort Herrsäste große Aufregung. Man entdeckte inzwischen, daß Revesz verschwunden war und wollte eben die notroendigen Maßnahmen ergreifen, um des Geflohenen wieder habhast zu»»erden, als der Rechtsanwalt kain und mitteilte, daß sein Schützling aus dem Ge- fongnis entlassen wurde. Run kam alles ans Tageslicht. Der Auf- jeher war an allem schuld. Er hatte sich ganz einfach in der Zelle geirrt und übergab den Entlassungsschein, der auf den Namen Kovscs ausgestellt war, Revesz. Und so kam es, daß Reoesz süx einige kurze Stunden als Kavöcs die Freiheit genießen durste. Grausamer Scherz. Eine Familie in Malaga erhielt kürzlich ein Paket, das einen lleinen Sorg enthielt. Dieser Sorg war in Fächer geteitt, in die die Namen der verschiedenen Familienmitglieder und deren angeblicher Todestag eingeschrieben waren. Durch die Aufregung über dieses Paket wurde der Dater nach kurzer Zeit trank und starb an dem Tage, der in dem Sarg angegeben war. Durch dieses Zu» sammeutrefsen wurde die Aufregung der Familie natürlich noch mehr gesteigert. Di« Polizei sucht zwar eifrig nach dem Absender des Paketes, koimte ihn oder bisher rnckst ermitteln. Ist irdisches Licht im Weltraum sichtbar? Prof. Dr. I. Plaßmano weist in Heft 11 der Zeitschrift „Der Naturforscher"(Hugo-Bermühler-Derlog. Lichterfeld«) im Zu- sammenhang mit der Frage einer Derständigung mit dem Mars darauf hin, daß die Industriegebiete Rheinland, Westfalen, Belgien und Großbritannien einerseits, sowie der nordöstliche Teil der Der- einigten Staaten von. Nordamerika andererseits, die meisten Liäst- quellen erzeugen. Dieses nächtliche Lichtmecr«richeint noch den Be- rechnungen von Prof. Ploßmann auf dem Mars nur als«in Sternchen der Größe l6,6, zu dessen Sichtbarmachung unbedingt ein Riefenfernrohr benötigt wird. Der Wissenschaftler schreibt wörtlich: „Ein Sternchen solcher Art würde also der Marsbewohner auf der Nachtseite der Erde sehen, ober nicht ganz leicht: denn die Tagesseite der Erde, von der er einen Teil an seinem Abend siehl, geht nicht, wie die des lustlosen Mondes, scharf und unvermittelt in die Nacht- seile über, vielmehr ganz allmähltch durch ein Teil der Atmosphäre, der Abenddämmerung Hot. Die Lichter werden vielfach nicht erst mit dein Einbruch der vollen Dunkelheit entzündet, und«s wäre also der rote �oum, der sich an dem Grenzstrich hinzieht und den Rest des Sonnenlichtes andeutet, von dem künstlichen»lern nur schwer.zu irernie». Dieser würde sich auch nach Norden. Süden und Osten unbestimmt weit erstrecken und nur bei schwacher«er- größerung sternartig aussehen.„Die Unreinheiten der irdischen Atmosphäre werden zudem den Stern erheblich schwächen und noch rot verfärben. Ferner müßt« man tragen, ob die Marsbewohner ausgerechnet auf lange Lichtwellen, die»vir Menschen bei der künst-- lichen Beleuchtung oornehrrilich gebrauchen, reagieren würden? Haus am Ucdcrscc• Berliner Naturfreunde im eigenen Heim vierhundert Heimstätten hat der solidarische Wille aller Mit- xlieder der grohcn internationalen Organisation der Arbeitcrwan- derer. des Touristenvereins,.vie?tlltarfreunde-. vom Jets bis zum ZIleer schon erstehen lassen, und gestern ist eine neue, die die schönste ist. aus märkischer Heide hinzugekommen. Um zehn Uhr vormittags übergab vor einer sestlich gestimmten, tausend- köpfigen Menge der Vaumeister dem Hausmeister den Schlüssel für das Aerien. und Zugendwanderheim„Haus Ii e d e r s e«". Und datz an dem Stolz und dem Zubel über das von den Berliner Na- tursreunden vollbrachte Werk, von dem die gestrige weihestunde am lledersee crsüllt war. die ganze Arbeilerschast teilnahm, das bewies die Riesenzohl von Abordnungen und Vertretern der Berliner Ar. beilerschasl. die in nickst cndenwollender Folg« die Glückwünsche ihrer Organlsalionen überbrachten. An einem Maicntage des Jahres 1927 fanden die ersten Be- fprechrmgen über die Auksrellung des Hauses statt, am 18. März 1928 war es so weit siir den ersten Spatenstich, im darauffolgenden Ok- sover konnte der Gru»dstein gelegt werden, ein Jahr später, im hcooember 1929 war Richtetest und gestern war die Einweihung. Würdevoll blickt dos helle Haus auf den Sc« und die Heid«, dos wolkenvsrhcmgene Sonnenzelt läßt die Kontraste noch schärfer er- scheinen: ganz tief unten auf dem Wasserspiegel drei, vier Faltboote, wie ein weißer Farbstrich in das satte Blau des Sees gemalt und über dem tiefen Grün der Wälder ringsum weht hoch oben luftig ein rater Wimpel im Winde. Aber man muß in dos Haus hineingehen. um feine zwcckgcwollte Schönheit zu erfassen, da sind Dunkelkammern, Wannenbäder, ein Krankenzimmer, Küchen für Selbstkocher, Tngesröume. dos sagt sich so einfach Tagesräume, aber was für mal che, man möchte dableiben und die Freundlichkeit aufnehmen, die die Handwerker in diese Tagcsräuine hineingezaubert haben. Oder die eigentlichen Zimmer, von denen das zweistöckige Haus sechzehn zu je zwei, drei und vier Betten Hot. Das eine hol man meergrün gestrichen, das andere strohfarben, dann wieder eins taubenblau und sür ein anderes mußte roter Safran seine Farbe hergeben; blütcnweiß warten die Betten auf die ersten Gäste, die dann nwr- gen? ausstehen und hinaussehen können aus den See und auf die Heid«. E Zur Weihe dieses schönen Hauses war Paul Löh« gekommen; stürmisch begrüßt trat er aus die improvisierte Rednertribüne. Ein f Chor sang ein Lied in den Morgen hinein; dann sprach er von der � Sehnsucht, b;e das Prolctarierkind'erfüllt, wenn die Besitzenden an die See und in die Berge fahren, wie es feine Rase durch das engmaschige Netz der Tennisplätze steckt und den Spielern zusieht, und er sprach davon, wie sich dos Proletariat die Naturfreunde- Organisation geschaffen hat, die in ihrem Ringen um eine neue Kultur das Haus am Uederfee erstehen ließ. Franz Rothen- felder konnte danach noch seinen Weihespruch sprechen, dann mußten alle Reden verstummen, ein brummender Gast war ge- kommen und entbot seinen Gruß, jubelnd wiedergegrüßt: ein Flu'g- zeug des„Sturmvogel", der zum Uederfee gesunden hotte. Daß„haus Uederfee" das schönste im bunten Kranze der Natursrcundeheime ist, sagte George von der Reichsleitung, und «r muß es ja wisien; Franz Künstler überbrachte die Glück- wünsche der Partei, der Jugend, die am anderen End« der Mark — in den Goscner Bergen— sah, und der Porlamentsfraktion der Sozialoemokratischen Partei und dann wollte das Gratulieren kein Ende nehmen: der ATGB., der MA, die Stadl Berlin, der Pots- damer Regierungspräsident, das Arbeitersportkartell, der Verband für Jugendherbergen, die Kommission für Natnrdenkmalspflege und fast jeder hatte ein Geschenk nutgebracht, die Behörden hotten etwas tieser in den Staatssäckel gefaßt und gaben etwas zu zum Bauen, der Vater aller Herbergen gab einen Posten Decken und die Nawr- denkmalspfleger schenkten den Grundstock zu einer heimbücherei. Es war Mittag geworden, als wir freudig gestimmt, wie nur leinols, dann gemeinsam sangen:„Wenn wir schreiten Seit' an Seite und die alten Lieder singen, und die Wälder widerklingen, fühlen wir, es muß gelingen, mit uns zieht die neue Zeit!" Kre�vers �Goldenes Rad" Und Sawall versagt Nahezu ousveriaufte Tribünen wies gestern die Olympia- bahn auf, die dos klassische Dauerrenuen„Das Große Gol- de n e Rad" zum Austrog bringen ließ. Für die erkrankten Franzosen Paillard und Vreau waren ihre Landsleute Urago und der aus Sechstagerennen bekannt« Laquehay verpflichtet. Zwei Fahrer, die sich von einer recht starken Seite z-eigtcn. Laquehay? Start aus der Olympiabahn war sein Dcbut als Dauerjahrer in Deuffchlar.d. Das Renne» bildete in beiden Läusen über je öl) Kilometer � ein ständiges Angreisen jedes gegen jeden! Rur einer von den sechs Fahrern sand sich gestern aus dem Zement nicht zurecht: der Bahn- matador Walter S a w ä l I. Er fuhr ei» schlechtes Rennen, fuhr unlustig. und zeigte da Ehrgeiz, wo ie sich nicht mehr verlohnte. Im ersten Lauf hatte Sawoll den vierten Platz hinter Möller, Krewer und Thollembeek gelost, während Laquehay und Urago den fünften bzw. den sechsten innehatten. Nach elf Runde» ging der deutsche Meister zu einem feiner Gewaltangriff« über, der völlig verpuffte und Sawall zurückwarf. Unter sich stritten dann mehrfach Thollembeek, Laquehay und Urago um die Plätze, bis dann Laquehay ernsthaft nach vor» stieß und Möller und Ltrewer aus der Spitze verdrängte. Der Kölner fiel zurück, während Möller nach längeren Bemühungen wieder zur zweiten Stell« aufrücken konnte, nachdem Urago die Führung übernommen halte. Thollembeek und Sawall legten dann zeitweise ein icharses Tempo vor und konnten so noch viel Platz ausholen. Den Lauf beendet« als Sieger Urago. als zweiter kam. 5 Meter zurück, Möller vor Thollembeek(49), Sawall(89), Laquehay(85) und Krewer(209 Meter zurück) ein. War Sawall im ersten Lauf noch einigcrmoßcn aus dem Posten, so rersagte er im zweiten Laus völlig! Hier wurde in umgekehrter Reihenfolge ge- startet: Urago vor Laquehay, Sawall, Thollembeek, Krewer und Möller. Zwar konnte sich Sawall sofort vor Laquehay legen, mußte ober gleich beigeben, als der an dritter Stelle liegende Thollembeek von dem nun zum Großangriff übergehenden Krewer passiert worden war. Bei der nun einsetzenden Serie von Kämpjen, die der Kölner in eigener Manier bestimmte, wurde der Bahnmatador Sawall mehrere Male überrundet. Krewer ging vor Urago an die Spitze. Selten hat man wohl de» Kölner so fahren sehen wie gestern auf der Olympiabahn, unermüdlich waren seine Angriffe. Auch nachdem er die Spitze hatte, wurde er nicht müde, das große Tempo fortzusetzen und den Platzverlust aus dem ersten Lauf wettzumachen. So sicherte«r sich im Gesamtklassement den einwandfreien Sieg. Laquehay konnte sich infolge Defekts seiner Schrittmachermaschine nicht recht durchsetzen. Das„Kleine Goldene Rad", das zwei Läuse über je .59 Minuten brachte, war mit Bauer und den Nachwuchsfahrern Schäfer, Hille, Cap und dem als Dauerfahrer debütierenden Straßen- lahrer Sieronski besetzt. Beide Läufe wurden eine sichere Beute Bauers, der ganz bei der Sache war und leicht feine Gegner Hille und Schäfer abfertigen konnte. Cap bildete eine Niet«, während Sieronski bei seinem ernsten Start achtbar zu fahren versuchte. — tz. einidcincSnift«.«Sölden»» ztad von Berlin, l. Lauf, 50 Kilometer: 1. Urago +4:04; 2. Möller 5 Meter: 3. Thollembce! 40 Meter: 4. Eawall 80 Meter: 5. Laequehan 8S Meter: 8. Krewer 200 Meter.nirUck.— 2. Lauf, 50 Kilometer: i. Krewer 41:29; 2. Möller 840 Meter: 3. Uraao 600 Meter: 4. Tholleirdeer 690 Meter: 5. Lacqucliati 2320 Meter: 6.«La wall 2600 Meter zurück.— Seiamt- eegebni»: 1. Baut krewer 99.800 Kilometer: 2. Möller 99,655 Kilometer: 3. Urago 99.400 Kilometer: 4. Tdollenbeel 99,270 Kilometer: 5. Lacgucliao 91.590 ÄilonRtirtr£«Savall 97.340 NNomctcr..»leine, Salden«» Rad. U-Lavi. _"_-.nir, Arbeiter-Rasenspiele Osten— Westen 4; 3(3: Z) Daß die Leitungen des 1. und 3. Bezirks mit dieser Werbe- Veranstaltung nicht schlecht beraten waren, bewies der gut« Besuch. Ungefähr 699 Zuschauer hatten sich bei dem schöne» Wetter cinge- sunde» und wohl niemand wurde enttäuscht. Mit dem Anstoß des Ostens beginnt ein während der ersten 39 Minuten aufgeregter Kampf. Der„Weste n" zeigte sich seinem Gegner vollkommen ebenbüttig. Der Angriff des„O st e n s" war etwas trästiger. So konnte es der Torwart des 3. Bezirks in der 8. Minute auch nicht verhindern, daß der Halbrechte der„Blau- Hemden" mit scharfein Schuß zum Führungstor einsandte. Schon .ächkl. lKinuten späier war. Ts der kleine Rcchtsaußcif.'der einen -einer Bffmbenlchusie neben den Pfosten sagte. Alles andere wurde ein« sichere Beute des sehr g irrd>> W« fi. 1» r a r t? Der West-Sturm war auch nieht müßig, lo manch« heikle Situation wurde vor dem Ost-Tor geschaffen, ohne jedoch zu Erfolgen zu iühren. In der 13. Minute unternahm der Osten wieder einen Angriff. Linksaußen stand in klarer Abseitsstellung. Die West- Hintermannschaft wartete auf den Pfiff des Schiedsrichters, der aber ausblieb. Vollkommen freistehend legte sich Halbrechts den Ball schußgerecht vor und das zweit« Tor war fällig: der Osten führte mit 2:9. Der Anstoß wurde von Osten abgefangen. Schnell ging es dem gegnerischen Tor zu, doch war es wieder der Linksaußen. der durch Abseits unterband. Weit wurde der Ball ins Feld ge- geben. Halblinks fetzte nach und, von der Sonne geblendet, mußte der Ost-Torwart den Ball passieren lassen. Das Spiel wurde nun durch das Nachlassen der Osten-Mannschaft ausgeglichener. In der 24. Minute vermochte der West-Halblinke durch einen Schrägschuß den Ausgleich zu erringen. Die Angriffe des Westens wurden nun gefährlicher, zumal der rechte Verteidiger des Ostens sehr schwach spielte. Der West�Sturm aber schoß stets zu spät. In der 39. Minute gelang es dann aber doch durch eine vom Halblinken mittels Kops- schuß verwandelten Ecke den Führungstreffer zu erzi«len. Nur noch wenig« Minuten fehlten bis zur Paus«. Der Ost-Halblinke ging allein durch und das Resultat stand 3: 3. Nach dem Wiederanstoß herrschte bei beiden Mannschaften all- gemein« Derwirrung. Wohl wurden auf beiden Seiten gefährliche Moment« vor den Toren geschaffen, übergroße Nervosität beider Stürmerreihen ließ es aber zu Erfolgen nicht kommen. Die 14. Mi- nute gab dem Osten Gelegenheit, in Führung zu gehen, doch warf sich der West-Torwart im letzten Augenblick dem Boll entgegen. Erst 19 Minuten später konnte der Mittelstürmer«inen schwach abgewehrten. Ball zun, Führungs- und auch Siegestor einsenden. Der Rest der Spielzeit stand im Zeichen des Ostens. Der West- Torwart hielt aber alles. Das Spiel der beiderseitigen Jugendmannschaslen endete mit einem 3:9- Sieg des„Ostens". * Wedding Zwischenrundensieger.* Die Zwischenrund« im Arbeiterhandball um die Ost- deutsch« Verbandsmeisterschaft ist entschieden: der Kreismeistcr des 1. Kreises F TG B.- Wedding wurde zahlenmäßig überlegener Sieger mit'11:4(4:1) Toren. Es hätte auch anders, kommen können. Weddrng hatte Anwurf, koniiic aber nichts verwerten, denn bei beiden Mannfihaflen wurde zu?lnfang reiflich nervös und zerfahren gespielt. Erst in der 15. Minute gelang es dem Weddinger Halb- rechten, dos erst« Tor anzubringen, dem I Minute später durch Linksaußen Stettins der Zlusgleich folgte. Jetzt war der Bann gebrochen, und recht wechfeloolle Spielgelegenheiten sorgten für Spannung, nur tonnte Wedding durch kräftigere, sür den Tor» Wächter unhaltbace Schüsse die Torzahl bald erhöhen. So konnte der Mittelstürmer in der 22. Minute einen Freiwnrs durch einen scharfen Linkshandschuß zum zweite» Tor verwandeln, dem in der 23. Minute Halbrechts aus dem dicksten Gewühl heraus das dritte Tor anreihte. Zwei Minuten später erzkelte der Mittelläufer dos vierte Tor. Stettin blieb bis zur Pause erfolglos, denn dos enge Spiel und die Eigensinnigkeit waren der Weddinger Verteidigung von Nutzen. Sofort nach Beginn der zweiten Halbzeit wurde Stettin etwas überlegen und drückte zeitweis« stark, aber die Weddinger Hinter- Mannschaft konnte alles gut klären. Erst in der 35. Minute voll- führt« der Weddinger Mittelstürmer einen Alleingang, den Weddings Torhüter durch leichtsinnige Fußabwehr zum zweiten Tor durch. lassen mußt« Sofort war aber auch Wedding wieder durchgekommen, und Rechtsaußen konnte nach einem kurzen Drehen zum fünften Er. folg einsenden. Wedding schien in einer Krise, die aber über- wunden wurde; langsam klappte jetzt die Stettiner Verteidigung vollständig zusammen, und so konnte Wedding bis zum Schluß noch sechs Tore buchen.. Handball- Länderspiel Deutschland— Belgien 17:2(13:0). Die Auswahlmannschaft des belgischen Arbeiter-Turn» und Sporibundes war kein internationaler Gegner für die deutsche Ländermannschast. Die Deutschen befleißigten sich nach Seitenwechsel einer lehr starken Mäßigung im Torwerfen, damit das Spiel nicht zu einseitig wurde. Soll beim Sport derSieg Dir winken, musst Du nurSinälcOfrinken J � SlIldfCG ist stärkend, erfrischend, bekömmlich, da aus bestem Zucker und naturreinen tfruchtaromen hergestellt, Slarkfc ft Krtw O. m. b.*, I bMar*>7. Atoxmidcr 4703/ KMsaL 1000 Qer Motorradsport erfordert vollendete Zwcckklcidung. Nur sie schütrt Ihre Gesundheit und steigert den Genuß der Fahrt. Unsere Spezial- Abteilung besitzt große Erfahrung gerade auf diesem Gebiete. Ihre fachmännische Leitung sidicrt Ihnen jeden Vorteil und verdient uneingeschränktes Vertrauen. Für Damen COMBIN ATION aus imprägniertem BaumTeolU» Stoff„„...... M. 27- �4." COMBIN ATION mit Reißverschluß, imprägn.* a Köper- M. 3Ü»- lederjackeoq aus braunem Leder- M. 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Bei herrlichem, nur zu heißem Wetter, mären viele lausende von Zuschauern herbeigeeilt, um dem Motorradrennen um den Großen Preis von Deutschland beizuwohnen. Das ausgezeichnet besetzte Programm wurde dank guter Organisation reibungslos abgewickelt, Dem gewaltigen englischen Ansturm waren unsere Fahrer nicht gewachsen. Di« Fahrweise der Gäste war bewundernswert. Beson- ders ihre 5hirventechiiik notigt Bewunderung ab. Das Haupt- interesse galt dem Rennen der H a l b � i t e r m a s ch i n« n. Der später« Sieger Walker sRudge Whitworth) fuhr mit einem Stundenmittel von Ivb, 3 Kilometer eine Schnelligkeit, wie man sie auf dem Nürburgring nicht für möglich gehalten hätte. Er ging von der.zweiten Runde ab an die Spitze vor seinen Landsleuten Woods(Norton) und Tyrell Smich(Rudge Whitworth). Dieses Terzett blieb dann auch in der gleichen Reihenfolg« bis zum Schluß beisammen. Einen guten Achtungserfolg für die deutsche Industrie gab es durch den guten vierten Platz, den der Engländer Bullus auf einer NSÜ,-Maschine mit dem ausgezeichneten Stundendurch- schnitt von 102,2 Stundenkilometer herausholt«. In der 1 vvv e r- K l a ff«, die nur von Einheimischen be- stritten wurde, waren die Zlussälle besonders stark. Bon 1b Ge- st«rteten erreichten nur drei das Ziel, in Front der Hannoveraner Wies«(BMW.). In den beiden übrigen Klassen war England wieder in Front zu finden, bei den 3SV-Kubitzenti meter- Maschinen Guthrie(AIS.) vor dem Nürnberger Ley(Triumph). bei den 2 5vern L. C. Grabtree(Bayliß-Thomas) vor seinen Landsleuten Longman(OK. Supreine) und Mcllors(New Im- perial). t • Das Motorradrennen um den Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring brachte am Sonntag auf den Straßen von Köln zum Nürburgring«inen geradezu un- heimlichen Auto- und Motorradverkehr. Autos und Motorräder sichren nicht mehr hintereinander, sondern zu fünsen nebeneinander. Nicht weniger als sechs Menschenopfer hat dieser Verkehr gekostet. In Godorf stieß ein Motorradfahrer mit einem Lieferwagen zusammen'. Fahrer und Sozius waren sofort tot. In Wesse- ling und in Widdig stürzten je zwei Fahrer, die auch sofort den Tod erlitten. Bei dem Rennen auf dem Nürburgring selbst trug der Fahrer Gall durch Sturz einen Oberschenkel- und einen'Arm- druch davon. 67: 36 Punkten geschlagen Scgclwettkampf Deutschland- Amerika beendet Der nunmehr beendete deutsch-ameriknnische Segel- wettkanipf um den Hindciiburg-Preis auf der Kieler Förde ist von Deutschland mit 67; 36 Punkten gewonnen worden, nachdem unsere Vertreter schon bei der vorjährigen, in amerika- Nischen Gewässern stattgefungenen ersten Veaegming siegreich ge- blieben waren. Den Ehrenpreis des Deutschen Seglerverbandes sür die höchste Punktzahl eines Bootes erhielt die Hamburger Docht ,'Wichel V"(John Karsten), doch wurde auch die Amerikanerin Mrs. Hovey mit einem Trostpreis bedacht. .Alba siegt im Deutschen Derby Auf der Rennbahn in H a m b u r g- H o r n wurde gestern bei slrahlendeni Sonnenschein das Deutsche Derby 19 3V enr- schieden Der heiß favorisiert« Alba aus dem Kölner Stall von Oppenheim rechtfertigte das Vertrauen seiner zahlreichen Anhänger und schlug den Weinbergschen Ladro sicher mit einer halben Läng«. den dritten Platz belegte klar zurück Ladros Stallgefährt«.Gregor vor Präsect. Die Totalisatorguote betrug sür den Sieger 11: Iv; Platz 12, 15, 29: 10. Es liefen nenn Pferde. Der Richterspruch lautete:— ZVi Längen. Ucbermcnschen! Zwei Menschen tliegcn 18 Tage lang Ehitago, 30. Juni. Der Dauerflugretocd nnt Verproviantierung in der Luft ist von dem Flugzeug„Stadt Chikago" geschlagen worden. Um b.vl Uhr gestern morgen befand sich der Apparat 43V Stunden und 21 Minuten in der Luft. An Bord befindet sich alles wohl, und die beiden Flieger, die Brüder Hunter, teilten mit, daß der Motor noch vorzüglich lauf«. Sie wollen mindestens Svv Stunden in der Luft bleiben, das heißt bis zum 4. Juli. Sie stiegen ain 12. Juni auf, sind.also bis jetzt 18 Tage ununterbrochen in der Lujt. Tum befreiten Rhein Mit Flugzeug, Auto und Mo.'orrad Am 30. Juni wird die drille Zone des besetzten Gebietes offiziell geräumt sein und so ist endlich die langersehnte Stunde gekommen, in der nach 12jähriger Fremdherrschaft auch die Mittelrhcingegend und die Pfalz wieder frei werden. Lustfahrt- und Motorsport- verbünde ergreifen diese Gelegenheit zu einer großen deutfchen Kundggebung für die Tage vom 5. und b. Juli. Der Rheinland- Befreiungsslug des Deutschen Luftfahrt-Berbandes wird eine imposante Flugschau werden, wurden doch nicht weniger als 84 Flug- zeuge eingeschrieben, die von den besten deutschen Sportsliegern xefiihrt werden. Geschmückt mit den Farben des Reiches und der i heinischen Provinzen werden Deutschlands Flieger ihre Anteilnahme an den Besreiungsfeiern bekunden und gleichzeitig für den Gedanken der Luftfahrt werben. Auch das Luftschiff„Gras Zeppelin" wird über dem Rheinland seine Kreise ziehen und am Sonntag. b. Juli, morgens zwischen 7 und 8 Uhr in Köln sefimachen. Auch die Ausschreibung der vom ADAE. veranstalteten Huldigung?- fahrt hat ebenso wie die Befreiungsfahrt des DMV. eine be- geisterte Aufnahme bei den Motorsportlern gefunden. Als Zielorte für diese Fahrten sind Köln, Aachen, Koblenz, Trier, Mainz. Ludwigshasen und Kaiserslautern vorgemerkt worden Der DMV., leitet seine Besreiungsfahrt außerdem durch eine F r e i h e i t s- st«fette zum deutschen Rhein ein, die aus Nord-,'Mittel- und Süddeutschland erkolgt. Das Ziel der Staffel ist Worms. g«l« Kanu. Uni»» e. B..«Weilar« Hapcl. Sitzung Dicnstag. I. Juli, Ii Uhr, bei 2 titrann, Äilmrrsdarfer Cckc fianalftiatzc. A übe raerein.Borwärt,". Dieustan. 1 tzuli, 20 Uhr. Barstanhsttgung. ronnftstag, 3. Juli. 20 Uhr. Rilgiichcrverssmmluug, Scniitoa, S, ZuU, SceBtta in dtämtL.___. HO Jahre 9Celqoland Am 1. Juli sind es 40 Jahre, daß die Felseninfel Helgoland durch Tausch von England er» warben wurde. Deutschland gab Teile seines Kolonialbesitzes im Witu- und Somaliland, sowie auf Sansibar sür die Insel au der Elbmündung. Helgoland wurde zu eineni Flottenstützpunkt ausgebaut, aber bei Kriegsende mußten alle Befestigungswerte geschleift werden. Unser Bild zeigt Landschaft und Völkstypeu Helgolands. Ein verdammter Marxist. Besahungs-Erinnerungen eines jungen Sozialisten. Zwölf lange Jahre war das Gebiet links des Rheines von den ehemaligen Kriegsgegnern besetzt. Für die Bevölkerung war dies eine Zeit unsäglicher politischer und wirtschaftlicher Leiden. In den ersten Jahren der Besatzung war der Belagerungszustand der eigentliche normale Zu st and. Jede Person über zehn Jahr« mußte im Besitze eines Passes sein, den man immer bei sich tragen mußte. Wer ohne Paß angetroffen wurde, mußte eine hohe Geldstrafe zahlen. Tausende von Arbeitern wurden wegen aller möglichen„Bergehen" zu Gefängnis und Geldstrafen verurteilt. Ost mußten für Handlungen einiger Nationalisten viele Unschuldige leiden. Bei einem Zwischenfall mit der Besatzungsbehörde, be* Konflikten zwischen einer Stadtverwaltung und dem Kommandanten wurde der Belagerungszustand oerhängt, alle Versammlungen und Demonstrationen verboten un.d jeglicher Verkehr während der Nachtzeit untersagt. Zuweilen durste sich uan 7 ttchr abends bis b Uhr morgens niemand aus der Straße sehen lassen. Wer es doch wagte und erwischt wurde, der hatte hohe Strafen zu erwarten. Ja, die Fälle waren leider nicht so selten, wo Passanten sich zu verbotener Zeit auf der Straße befanden, auf den Anruf davonliefen und dann e r j ch o s s e n wurden. Vor allem die Kriegsgerichte haben sich sehr rücksichtslos verhalten. Weshalb die Be- völkerung auch auf dieje Gerichte nicht gut zu sprechet' ist. Auf diese Wirren und Kämpfe mit der Besatzungsbehörde folgte dcr Ruhrkamps. Schon einige Zeit vorher log die linksrheinische Wirtschaft danieder. Durch den Ruhrkampf ruhte nun der ganze Eisenbahnverkehr. Fast alle Betriebe erhielten weder Rohstoff« noch konnten sie ihre Waren absetzen. Die Arbeiter wu'den deshalb entlassen. Woher sollte man di« Lebensmittel nehmen, um diese Arbeiterscha-�f.zu ernähren? Wie sollte man diese Arbeitslosen unterstützen? �er Verkehr mit dem Mntterlande war unterbrochen, Geld oder Waren tonnten nicht herüber kommen. Boten, die heim- lich die Unterstützungsgelder des Reiches über den Rhein bringen sollten, wurden immer mehr abgefaßt, und das Gelb ging verloren. D!« Arbeitslosen blieben ohne Unterstützung. In ihrer höchsten Not haben die Stadtoäter eingegriffen und selbst Geld drucken lassen. Dabei war Inflationszeit. Was man diese Woche drucken ließ, halte die nächste Woche leinen Wert mehr In dieser Zeit tauchten nun die Separatisten aus mit der Unterstützung der Besatzungs- truppen. Diese Zeit der politischen Wirren und der wirtschaftlichen Not hemmte natürlich auch die' Arbeit der Arbeiterorganisationen. Die Versanimlungen wurden entweder verboten oder überwacht. Während des Belagerungszustandes ruhte jede organisatorische Arbeit. Im Ruhrkampf war«s sogar unmöglich, mit den Organi- sationen der anderen Städte in Verbindung zu bleiben, Konferenzen zu organisieren usw. War doch dcr ganze Eisenbahnverkehr ein- gestellt. Alle dieje Umstände beeintckichtigten auch die Jugendarbeit. Wie lange schon hatten wir uns auf den I u g e n d t a g in N ü r n- borg gefreut, gespart und die Beteiligung des Bezirks vorbereitet. Doch ach, wir hatten unser« Rechnung ohne die Franzosen gemacht. Zwei Tage vor unserer Abfahrt nach Nürnberg erfolgte ein Zwischen- fall mit der Besatzungsbehörde. Diese verhängte nun als Strafe die Berte hrssperre über den Rhein. Wir pochten auf unsere Genehmigung zur Ueberjahrt, versuchten alles mögliche, um über den Rhein zu kommen. Vergebens. Nur wenige Genossen warfen ihre Kleider von sich, schwammen be! Itacht und Nebel über den Rhein, liehen sich bei anderen Genossen auf der rechten Rheinseite neue Kleider und kamen auf diese Weis« nach Nürnberg. Viel? davon wurden bei ihrer Rückkehr in die Heimat erwischt nid schwer bestraft. Wjr anderen aber mußten uns mit einer Fahrt!n den Pfälzerwald zufrieden geben. Wie in diesem Beispiel, so häuften tsich bei jeder Arbeit die Schwierigkeiten. Zu Anfang der Besetzung wurde die Jugend- Meidung als Uniform betrachtet Da das Tragen von Uni- formen oerboten war, konnten wir nicht geschlossen in einer Stadt ausmarschieren. Daß wir natürlich unsere Kluft aus den Wände- rungen doch trugen und unter Anwendung aller möglichen Kniffe uns dem Verordnungsnetz der Besatzung zu entziehen wußten, ist selbstverständlich. Je schärfer das Tragen von Wimpeln beflrasl wurde, je schwerer es war, sich mit einem Tornister auf dem Rücken sehen zu tasten, desto mehr jejjten wir uns für di« verbotenen Geräte ein. Einmal kam auch ich mit einer solchen Verordnung in Konflikt. Es war im Sommer 1924. Das Reichsjugendheim in Tän- n i ch war gerade eingeweiht worden. Der Hanptoorftand lud nun die Bczirke zum ersten Wanderführerkursus ein. Für den Bezirk Pfalz wurde ich zur Teilnahm« an diesem Kursus bestimmt. Es war mein erster Kursus, alles verlies zur volle« Befriedigung. Leider waren die acht Tage bald um, die Heinisahn muhte angetreten werden. Nach einer vierzehn st ündigen.jährt kam ich im Bummelzug in Mannheim an Da zwischen Mannheim und Ludwigshafen keine Eilenbohnvcrbinduug bestand, mußte ich mit der Straßenbahn nach dem Bahnhof Ludwigshafen, lieber die Rheinbrucke kam ich ohne Störung hinweg. In Ludwigshafen mußta ich noch ein« Stunde auf meinen Zug warten. Um mir die Zeit ZU vertreiben, spazierte ich in der Bahnhasshalle auf und ab. Plötzlich Pe7stiK7k?''kch, wie Ich von zwei französischen Offizieren und einem französischen Spion irtior« b. od» cht-» m.--*-.- ach*»«• Manchesteranzug: meine Sachen hatte ich in einen-ärmster verstaut und um den Tornister eine Deck« geschnallt. Grund genug, um ver- dächtig zu sein. Doch damals ahnte ich nichts: daß das-lornister» tragen verboten war, hatte ich vergessen. So ging ich dann in der Näh« meiner Beobachter vorbei. Da kam der Spion auf mich zu. ..Halt.. Zischte er..... j Paß zeigen." Dieser Aufforderung kam ich bereitwilligst nach.„Mitkommen!" befahl der Sp'vn. Nun weigerte ich mich, fragte, wer er überhaupt sei. Da holte er den Ausweis eines französischen Geheimpolizisten heiau» und sagte in gebrochenem Deutsch: ..Sie sind verhastet... Mitkommen!" Nun ging es in die Räume der französischen Wache im Bahnhof. Hier wurde ich nach geheimen Flugschriften untersucht und einem scharfen Verhör unterzogen. All« meine Behauptungen, ich sei Sozialist, komme von einer Tagung usw. wurden ungläubig belächelt. „Taschen leeren, alles zeigen!" befahl der Spion. Da ich wußte. daß bei mir alles in Ordnung war. zeigt« ich alles. Als meine Brief» lasche durchgesehen war, steckte ich sie vorsichtshalber in die Tasche. Eine halbe Stunde untersuchte der Franzmann, doch ohne was zu finden. Da wurde er ärgerlich und sing noch einmal an, mich abzutasten. Da entdeckte er mein« Briestasche. Wie wild sing er an zu schreien und schlug mir mit der Faust ins Geficht. Ich bebt« vor Wut über diese Ungerechtigkeit. Nur mit Mühe konnte ich mich zurückhallen. Ein Widerstand war jedoch sinnlos, haben doch fünf bewaffnet« Soldaten diesem Schauspi«! zugesehen. Noch einmal wurden alle meine Sachen durchstöbert. Da auch diey ohne Erfolg blieb, entließ mich diejer gemeine Kerl mii den Worten:„Ein verdammter Marxist!" Roch heute ist mir dieses Erlebnis in Erinnerung. Noch heule cigreijt mich Erbiiterung über dies« Schmach. Solch« Erinnerung«» haben leider viele Funktionäre der Arbeiterbewegung. Wenn die Besatzlingsarmee nach Frankreich zurückkehrt, so atmen viele erleichtert aus und denken: Endlich sind wir von dieser Oual befreit! Arhir Schweitzer. Die Schuldigen von Lübeck. Tleue schwere Vorwürfe geqen die leitenden Aerzte. Das Lübecker kindersterben ha» zur Feststellung einer er» schlitternden Tatsache geführt Die Lübecker krankonhausverwaltung hat. wie sich jeht herausstellt, insofern äußerst fahrlässig gehandelt, weil sie das Ealmctte-Rlittcl auch dann noch Säuglingen eingeben lieh, als bereits di« ersten Tod-ssälle in Lübeck bekannt» geworden waren. Am 27. April wurde festgestellt, daß der Tod eine- Säug- lings unzweifelhasi aus Jütterung mit dem Calmette-Serum zu» lückzuführen war. Daraufhin wurde die Fütterung im Krankenhause selbst gestoppt. Man hat es unter- lassen, auch außerhalb des Krankenhauses di« Fütre- rungen abzublasen, die am 28. April und am 1. Mai stattfinden sollten. Die Erössming dcr gerichtlichen Dorinitersuchung gegen Ober- medizinalral A l I st ä d t vom Lübecker Gesnndheitsomt und gegen Professor v eyke wird zweifellos Licht in diese Angelegenheit bringen, die von einer kaum erklärlichen FahrlSfflgkeit Zeugnis ablegt. Daneben geht die Frage, welche Maßnahmen mit» grwlikl haben, um den einwandfreien Ealmette-Fütterunosstoff'.u � einem tödlichen Mittel zu machen. Man nimmt an. daß nach» lässige Behandlung des Mittels im Lübecker Sanatorium die Ursache geweje» ist.