Morgenausgabe Nr. 303 A 153 47.Iahrgang Wöchentlich SS Pf, monatlich 8,60 SR. bn voraus zahldar. Postbezug 4L2 M. emschließlich 60Pfg.Postzettuugs- und 72 Pfg. Poftbestellgebühren. Ausland»- abonnemeiu Ü.— M. pro Monat. Der.Dorwürts' erscheint Wochentag- vch zweimal. Sonntags und Montags «inmai. die Abendausgaben für Berlin und lm Handel mit dem Titel„Der Abend". Ällußirierte Beilagen„Volk und Zeit" unt�Kindersreund". Ferner .Unterhaltuno und Wissen".„Frauen- Smme".„Kchnik".„Blick in die ücherwelt" und„Iugend-Borwärts" irw-VW/Vf M. berliner volSsblatt Mittwoch X 3uli 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 p}. Die clntfolttg« NonpareMezeil» 10 Pfennig. RetlometeUe 5.— Reichsmart„Kleine Anzeigen' das etlge- druckt» WoN 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte),»edes weitere WoN iL Pfennig. Stellengesuch» das erste Won IS Pfennig, jedes weitere War»' »0 Pfennig. Worte über IS Buchstabe» ihlen für zwei Worte Ardeitsniarv eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« ) Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- Geschäft Lindenslraße 3. wochentäglich von 8»/, bis 17 Uhr. Zentvalorsan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstrohe 3 Fernsprecher: Dönhoff 202—297 Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwaris-Verlag G.m.b.H. Pollscheckkonio: Berlin Z753ö.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Anaeltellten und Beamten. Wallltr KS Dt B u Ti!c.-Gel.. Deposit enkalle Lindenstr. 2. Finnische Ausnahmegesehe. Kommunistische Herausforderung zieht den Faschismus groß. Helsrugfors. 1. Juli.(Eigenbericht.) In der außerordentlichen Session des Reichstags Protestierte die Sozialdemokratie gegen die gePlanten Ausnahmegesetze. Darauf legte die Regierung drei Gc- jeheutwiirfe über de» Schutz der Republik, die Einschrän- kung der Drnckfreiheit und die Abänderung des Wahl- gesetzes vor. Sämtliche Entwürfe richten sich gegen die kommunistische Bewegung, gegen die seit Wochen ein starker Terror ausgeübt wird. Von den 23 kommuni- stischeu Abgeordneten waren nur IS erschiene». Ein Teil der abwesenden Abgeordneten ist in letzter Zeit von Faschisten mit unbekanntem Ziel ver- schleppt worden. Zugleich mit dieser Drahtmeldung erhalten wir folgenden Bericht ans chelstngfors: Seitdem Finnland durch die Märzrevolution 1917 die staatliche Unabhängigkeit erlangte, der danach entstandene Bürgerkrieg ein Ende genommen und auch der darauf folgende weiße Terror durch- litten worden war, ist dem Lande ein Dutzend Jahre verhältnismäßig ruhiger demokratischer Entwicklung beschieden gewesen. Die Er- innerungcn an 1918, an die herrliche Zeit, wo unter dem Schutz der v. d. Goltzschen Bajonette die reaktionärsten Schichten der Bourgeoisie da» Laich unumschränkt beherrschten, leben aber noch unter ihnen fort. Lange schienen sie zur Unfruchtbarkeit verurteilt —? da kam aber der Kommunismus zur Hilfe und erregte durch feine auf Moskau gestützte Politik eine Empörung, die, von den Reaktionären zielbewußt geschürt, eine geistige Voraussetzung der jetzigen faschistischen Wallungen bildet. Schon seit Jahren hatte der Kommunisinus die früher so starke finnische Arbeiterbewegung so geschwächt, daß sie z. B. keine» kräftigen Widerstand leisten konnte, als sozialistische Arbeiter boykottiert oder durch Tantiemen und dergl. zum Verlassen ihrer Gewerkschaften verlockt wurden. Das Signal zur jetzigen„anti- kommunistischen� sin der Tat faschistischen) Bewegung gab da» provokatorische Benehmen der Kommunisten, als diese mitten unter der Vauernbevölkerung von Oesterbolien demonstrativ in rote» Hemden russischen Schnitt» austraten. Der Mißhandlung der Demonstranten folgte die nächtliche Z e r- pörung einer kommunistischen Druckerei in Wasa. Sogleich verstanden die reaktionären Führer, daß aus dieser spontanen Bauernbewegung etwas zu machen war. Sie stellten sich an die Spitz«»nd ließen überall von Massenversammlungen Resolutionen»gegen den Kommunismus" annehmen, tatsächlich auch gegen die demokratische Ordnung, die als unfähig bezeichnet wurde, den Kommunismus zu bekämpfen. Man müsse nicht nur mit dem Kommunismus, sondern auch mit der faulen Demokratie aufräumen, man donnert« gegen die„Berufspolitiker" usw. Die Bauernpartei und ihr« Regierung merkten die Absicht. Es gelang nicht, allen gefunden Bauernverstand in dem„antikom- munistrfchen" Strudel zu ertränken. Gegen die ganze Bewegung und besonders gegen den„Marsch aus helfingfors" entstand auch im Bürgcrkreis eine Opposition. Die Demokratie erwies sich für die Bauernschaft und die bürgerliche Intelligenz als unentbehrlich. Etwas mußte aber den vom Faschismus aufgestachelten Scharen geopfert werden— und man wählte die Rechtc der Arbeiterschaft.! Die Regierung arbeitete Gesetze aus, deren unmitteibarer Zweck ist, alle konimunistische Tätigkeit unmöglich zu machen und die Kommunisten aus den' Reichstag zu vertreiden. Diese Gesetze würden aber die Arbeiterschast überhaupt bedrohen und die Ent- sernung der Kommunisten aus dem Reichstag« würde dessen Zu- sammenfetzung in einer für die Reaktion förderlichen Weise ändern. Um auf den Reichstag einen Druck auszuüben, wurde der Marsch nach hclsingsors vorbereitet: es sollen etwa 10 000 Bauern nach der Hauptstadt entsendet werden. Im ganzen Lande treiben die Faschisten Terror, den zu verhindern die Regierung zu schwach ist. Die führenden Kommunisten und vor allem die Abgeordneten werden aufgespürt und in Autos weggebracht, mehrere sind überdieruffische Grenze gejagt worden. Die Sozialdemokratie hat gegen diese Erscheinungen laut ihre Stimme erhoben. Zahlreiche Arbeiterversaimnlungen haben die Aufrechterhaltung der gesetzlichen Ordnung und ihre Verteidigung gegen faschistische Putschversuche gefordert. Auf seine eigene Stärke angewiesen, wäre der Faschismus von geringerer Bedeutung: aber seiner strammen Organisation und seinen lügenhasten Verführungsparolen gegenüber mangelt es in den demokratischen Schichten an Organisation, an Entschlossenheit und an Klarheit. Finnländifcher Ingenieur im Sowjeigefängnis gestorben. helflngsors. 30. Juni.(Ost-Expreß.) lieber Leningrad traf die Nachricht ein, daß in Swerdlowsk nn Ural(früher Jekaterinburg) der siniiländischc Ingenieur Edvin Svedberg im Gefängnis gestorben ist. Svedherg war im herbst verhaftet worden, der Inhalt 0er Anklage ist in Finnland unbekannt geblieben. Alle sinnischen Schritte,»in die Freilassung Soenbbergs zu erlangen, blieben ersolglos. Svedberg war der Entdecker der Asbestlager in Basjenewo im Ural, deren Verwaltung er dann dreißig Jahre als Generaldirektor ge- leitet hat. Die Befteiungsfeiem. Lm Meinland und im Mich. Trier, 1. Juli. Auf der mitternächtlichen Befreiungsfeier der Stadt Trier, die tn Anwesenheit von etwa 30 090 bis 33 000 Menschen aus dem Palastplatz stattfand, sprach nach einein gemeinsamen Gesang und einem Männerchor-Vortrag der Oberbürgermeister der Stadt Trier, Reichsverkehrsminister von Guörard und der p r e u- bische h a n d e l s m i» i st e r Dr. Schreiber. Von Guerard über- brachte den Dank der Reichsregierung. Anschließend gedachte Dr. Schreiber Dr. Stresenianns, dem sein allzu früher Tod es ver- sagt habe, die Früchte seiner Lebensarbeit zu sehen. Auch er rief den Saarländern' einen herzlichen Gruß zu und betonte unter hin- weis auf die Saaroerhandlungen, es sei selbstverständlich, daß»ur solche Vereinbarungen in Frag« kommen könnten, die die Interessen des Saargebietes voll wahrten. Bayern feiert ohne Schwarzrotgold. München, 1. Juli. Die Befreiungsfeier in München begann gestern abend mit einem Zapsenftreich oer Garnison. Die Stadt hatte reich geflaggt, doch hielten es nicht einmal bei dieser nationalen Reichs- f e i e r die staatlichen und kommunalen Behörden sür notwendig, die Reich sflaggc zu hissen. Der Stadtrat vo» München hatte sich am Vorniittog zu einer Festsitzung im Rathaus versammelt, in der Bürgermeister Dr. K ü f n e r ein Bild von dem Ringen um den Rhein und von den Lasten und Leiden der Besatzuugszest in der Pfalz entwarf. Die Nationalsozialisten und die Kommunisten nahmen an der Kundgebung nicht teil. Am Schluß der Stadtratssitzung ließen di« Nationalsozialisten eine Erklärung abgeben, die ihr Fern- bleiben von der Festsitzung mit dem Uniformoerbot der bayerischen Staatsregierung und mit der Unterzeichnung oes Poung- Planes begründeten. Bürgermeister Dr. Knüpfer rügte hierbei die Behauptung des naiionalsozialistrschen Redners, daß an die Stelle der französischen Unterdrückung die Polizeidiktatur und oie Knechtung des eigenen Volkes durch die bayerische Staatsregierung getreten sei. Mit Ausnahme der deutschnationalen Fraktion hatten die Mitglieder der übrigen Parteien bei Abgabe der nationalsozialistischen Erklärung den Sitzungssaal verlassen. Brndergrüße aus Oesterreich. Glückwunschtelegramm des Bunpespräsisienten. Wien, 1. Juli.(Eigenbericht.) Der österreichische Bundespräsident, M i k l a s, hat an den Reichspräsidenten von hindenburg solgendes Glückwunschtelegramm gerichtet:„Anläßlich der- vollendeten Rheinlandräumung drängt es mich Eurer Exzellenz zu versichern, daß dieses sür die Geschichte des gesamten deutschen Volkes denkwürdige Ereignis auch beim deutschen Volt in Oesterreich brüderliche Gesühl« und aus- richtige Freude auslöst". (Siehe auch Z. Seite.) Ungerechte Lastenverteilung. Sie Mängel der neuen Oeckungsvorlagen. Unter dem Druck der scharfen Kritik, die die Ursprung- lichen Finanzvorlagen der Reichsregierung gefunden haben, hat sich das Kabinett zu einer Reihe von Abänderungen verstanden. Dem Verlangen nach größerer Sparsamkeit Hot die Regierung insofern nachgegeben, als jetzt statt der ursprünglich vorgesehenen 25 Millionen 166 Mil- lionen an den Ausgaben des Reichs für das Jahr 1936 ge- strichen werden. Wo diese Abstriche vorgenommen werden sollen, weiß die Regierung entweder nicht oder will sie nicht sagen. Sie verlangt vielmehr eine Ermächtigung, um diese Abstriche aus eigenem Ermessen vornehmen zu können. § 1a der von der Regierung vorgeschlagenen Ergänzung zum Reichshaushalt bestimmt daher: „Bei den Ausgaben des ordentlichen Haushalts sind Bc- träge in der Gesamthöhe von 166 Millionen Reichsmark ab- zusetzen, deren Höhe im einzelnen von der Reichsregierung fest gesetzt wird." Zu dieser Ausschaltung des Reichstags liegt aber keiner- lei sachliche Veranlassung vor. Für größere Ersparnisse ist eine Mehrheit im Reichstag leicht zu erzielen. Wenn dennoch die Reichsregierung diese Mitwirkung des Reichstags nicht wünscht, so bleibt nur die Annahme übrig, daß sie die Er- sparnisie am Wehretat zu vermeiden wünscht, obwohl sie hier am leichtesten durchzuführen sind. Auch die Deckungsvorlagen sind geändert wor- den. Die wichtigsten Aenderungen sind: 1. Alle Vorlagen gelten nur bis zum 31. März 19 31 und treten dann außer Kraft. 2. Die R e i ch s h i l f e erfaßt jetzt nur noch die Beamten und Angestellten von Reich, Ländern und Gemeinden und der übrigen ganz oder überwiegend öffentlichen Unternehmungen. Der Steuersatz ist von 4 Proz. auf 2� Proz. des Gehalts ermäßigt. Die Freigrenze ist von 1266 Mk. auf 2666 Mk. erhöht. Der Familienstand wird durch Freilassung der Kinderzulagen in Höhe von�je 246 Mk. berücksichtigt. 3. Die Ledigensteuer ist verschärft worden. Sie be- steht aus zwei nebeneinanderlaufenden Maßnahmen. Ein- mal soll der 25prozentige Abschlag wegfallen und außerdem soll von einer bestimmten Einkommenshöhe ab ein16prozentigerZuschlag zur Einkommensteuer erhoben werden.' 4. Neu ist, daß alle Einkommen über 8666 Mk. jährlich einen Zuschlag von 5 Proz. zur Einkommen- st e u e r zu entrichten haben. Die Befristung allerDeckungsvorlagen soll den vorübergehenden Charakter der Maßnahmen zum Aus- d-mck bringen. Wenn man auch daran zweifeln kann, ob die Sanierung der Reichsfinanzen in einer so kurzen Frist durch- geführt werden kann, so wird man dennoch gegen diese Be- fristung nichts einwenden können. Andererseits ist wichtig, daß die höheren Sätze für die Lohnsteuer nur für acht Monate gelten, weil sie erst am 1. August erhoben werden können. Das trifft auch für die Reichshilfe zu. Dagegen werden die Zuschläge zur verankagten Einkommensteuer für ein ganzes Jahr erhoben. Im Hauptstreitpunkt, der R e i ch s h i l f e, hat die Reichsregierung nachgegeben und die höheren Ange- st e l l t e n der Privatwirtschaft von der Belastung frei- gelassen. Daß sie diese Gelegenheit benutzte, um auch die Aufsichtsratsbezüge, die ursprünglich mit herangezogen wer- den sollten, zu befreien, entspricht nur den Tendenzen inner- halb der jetzigen Regierung. Der Steuersatz ist zwar her- abgesetzt. Wenn auch die Freigrenze erhöht werden soll, so ist doch die wichtige Forderung nach Staffelung des Steuer- satzes entsprechend der Höhe des Einkommens nach wie vor unerfüllt. Vergleicht man die in Aussicht genommene Be- lastung der Reichshilfe mit der bisherigen Belastung durch die Lohn- bzw. Einkommensteuer, so wird das Unrecht, das darin gegenüber den unteren Beamtengruppen liegt, erst deutlich. Die unteren Beamten sollen etwa das Doppelte ihrer bisheri- gen Steuerbelastung tragen, während die der oberen Be- amten bis auf ein Viertel der bisherigen Belastung sinkt. Dieses Unrecht wird um so stärker empfunden werden, wenn es bei den hohen Einkommen über 8666 Mk. jährlich bei dem vorgesehenen Zuschlag von 5 Proz. der Ein- kommensteuer bleibt. Boraussetzung für eine Sonderbelastung der Beamten muß sein, daß zuvor alle anderen Steuerquellen restlos ausgeschöpft werden, soweit das ohne Gefährdung der Wirtschaftslage geschehen kann. Ein fünfprozentiger Zuschlag zur Einkommensteuer dürfte bei Einkommen von 16 666 Mk. etwa 56 Mk. betragen. Dieselbe Summe aber zahlt ein Be- Der Tag der Befreiung. Oer Widerhall im Ausland. amter schon für je 2000 Mk. seines Einkommens. Die De- lastung des Beamten ist also um ein Viel- fach es höher als bei den hohen Einkommen, von denen doch in der Regel auch gesagt werden kann, daß sie sichere Einkommen sind, und die außerdem ihrem Besitzer eine Lebenshaltung gewährleisten, bei der Einschränkungen viel leichter möglich sind, als bei den festen Gehältern der großen Masse der Beamtem ■' Eine besonders komplizierte, unsoziale und grundsätzlich falsche Regelung aber ist für die L e d i g e n st e u e r beab- sichtigt. Daß jemand ledig ist, ist in der Regel kein Maßstab für eine besondere Leistungsfähigkeit. Vielfach ist Lohn oder Gehalt bei den Verheirateten höher als bei den Ledigen und zwar nur deswegen, weil sie verheiratet sind. Umgekehrt find die Löhne für die Frauen so niedrig, weil sie ursprünglich nur für ledige weibliche Arbeitskräfte bestimmt waren. Da- gegen sind die Ausgaben eines Ledigen oftmals höher als die eines Verheirateten. Der Hinweis der Regierung, daß ein Ausgleich der Belastung durch Zölle und Verbrauchssteuern notwendig sei, spricht nicht für, sondern gegen die Ledigen- steuer. Der Verheiratete kann sich oftmals einer solchen Be- lastung eher entziehen als der Ledige, der auf Gaststätten an- gewiesen ist. Vor allem aber ist diese Steuer eine Aus- nähme st euer gegen die weiblichen Arbeits- kräfte, die jetzt bereits geringeren Lohn haben, höhere Steuerlasten tragen und nun noch einmal empfindlich ge- troffen werden. Am unsozialsten ist die Ledigensteuer für jene Kategorie von Ledigen, die Familienangehörige zu unter- halten haben, aber auch solche, die völlig allein dastehen und jedem Schicksalsschlag aus eigener Kraft begegnen müssen. Die Verschärfung der Ledigen st euer ist ein besonders trübes Kapitel. War auch der Zöprozentige Ab- schlag, der auf Grund der Lex Brüning durchgesetzt worden ist, für die unteren Lohn- und Gehaltsempfänger keine sehr erhebliche Minderung ihrer Steuerbelastung, so wird seine Beseitigung doch besonders schmerzlich empfunden werden in einer Zeit, in der der Lohn vermindert wird, in der die Sözialleistungen eingeschränkt und die Beiträge zur Arbeits- losenversicherung erhöht werden. Der ledige Arbeiter wird gleichzeitig von mehreren Seiten be- lastet, so daß alle Belastungen zusammen sehr viel stärker werden als die kleine Belastung, die den oberen Einkommen zugemutet wird. In dieser unsozialen Verteilung der neuen Lasten liegt der Hauptmangel der Regierungsvorlagen. Die Beratung der Vorlagen. Die Reichstagsausschüsse haben am Dienstag b?« ertte Lesung der neuen Deckungsvorlagen abgeschlossen. Zum Zwecke einer nochmaligen genauen Ueberprüfung der gesamten Materie soll noch«ine zweite Ausschuhlesung stattfinden. Die Verabschiedung der Vorlagen im Plenum des Reichsrats wird spätestens in der für D a n n e r st a g na ch m i tta g einberufenen Sitzung. ersalqen.. Am Freitag werden die Dorlagen dann dem Reichstag überwiesen. Wegen der Fristen wird die erste Lesung im R-ichstagsplenuni in dieser Woche nicht mehr stattsinb«, können» sondern wahrscheinlich erst am Montag nächster Woche. Beamte und Reichshilfe. Ablesinende Stellungnahme der Beamten organifatlonen. Die letzte Aussprache des Reichskanzlers mit den Beamten- ipitzenorganilationen über die Notopferfrage hat die Beamten- schalt yi keiner Aenderung ihrer HHtung bewegen können. Der Hauptgrund dafür liegt darin, daß M neue Notopfervorlage wohl eitrige iinanzielle Abschioachungen und Erleichterungen enthalt, in ihrem Grundcharakter jedoch keine Aenderung erfahren hat. Der Allgemeine Deutsche Beamtenbund hat sofort nach der Besprechung mit der Regierung in einem Tchreiben an den Reichskanzler nochmals gegen die Notopferpläne Protest «rhoden. Wie am Sonnabend der Allgemeine Deutsche Beamtenbund, so hat am Dienstag der V o r st a n d d e s D e u t f ch« n Beamten. b u n d e s der Reichsrogierung fein« ablehnend« Stellungnahme zu der neuen Notopfervorlage mitgeteilt. Amtliches Ergebnis der Sachsenwahl. Keine Aenderung der Mandatsverteilung. Dresden, 1. Juli. Am Dienstag vormittag ist das amtliche Ergebnis der sächsischen Laichtagswahlen bekanntgegeben warben. Aenderungen in der Mandatsverteilunq sind gegenüber dem bisherigen Ergebnis nicht z u v c rz e i chn c n. Einberufung des Sächsischen Landtags. Dresden. 1. IuL. Räch einem Beschlutz des Gesamtmini st«ri« ms wird der Sächsische Landtag für Donnerstag, den 10. Juli d. I. nach- mittags 1. Uhr, nach Dresden einberufen. Zricks Polizeigesetz. Sozialdemokratische Gegenerklärung im Landtag. Weimar. 1. Juli.(Eigenbericht.) Der.T h u r.i nger Landtag beriet am Dienstag das Gesetz über die Verstaatlichung der Polizei. Die Sozialdemokratische Partei und die KPD. erklärten, daß sie die Vorlage ablehnen würden. Iii der sozialdemokratischen Erklärung heißt es, di« Partei ser grundsätzlich mit der Berstaatlichung der Polizei einverstanden. Sie opponiere aber dagegen, daß sich die Vorlage auf das Ermächti- gungsgesetz stützt, das von der Linken als versckssungs- rnidtig angesehen werde. Auch habe sie politische Be- denken, die in der Person des P o l i z e i m i n i st e r s I r i ck begründet st-ien, cer einen diktatorischen und rechtswidrigen Gebrauch » von seiner Polizeigcwult gemacht habe. Die Vorlage wurde nach lönger-r Debatte dem Haushalts- astsfchutz übers-ec-sen. Speyer, 1. Juli.(Eigenbericht.) Die Bsfremngskundgebung der Bayerischen Staatsregisrung wurde heute vormittag durch Gottesdienst« aller drei Konfessionell eingeleitet, an denen prominente Vertreter der Reichs- und Staats- regierung und der sonstigen Behörden teilnahmen. In allen pfälzischen Schulen finden aus Anlaß des denkwürdigen Tages besondere Feiern statt. Nach der Reoe des Iustizmimsters Dr. Gürtnsr hielt als 2er« treter der Rcichsregierung der Reichsminister für die besetzten Gebiete Treviranus eine Ansprache. Der Präsident des pfälzischen Kreistages S t r o b e l, der als letzter Redner sprach, schloß seine Rede mit den Worten:„Wir sind frei. Ein Teil des großen Lebenswerkes von Dr. S t r e s e m a n n ist damit erfüllt."— Mir dem Deutschlandlied, in da» sich die Klänge der mächtigen Domglocken mischten, endete die Kundgebung. An den in der Pfalz oeranstalleten amtlichen Befreiungs- feiern nahmen die Sozialdemokratie und die Freien Eisenbahner nicht teil. Sozialdemokratie und Freie Cisenhahner begründen ihren Ent- schluß damit, daß der derzeitige bayerische Ministerpräsident Dr. Held der ungeeignetste Mann sei. die erfreuliche Tatsache der Räumung zu feiern, well er in völliger Derkennung her Interessen der Pfalz bis zuletzt durch politische Zweideutigketlen bedenklicher Art den Erfolg der vorzestigen Räumung gefährdet habe. Di« sozialdemokratische Bevölkerung der Pfalz war zu ihrer ablehnenden Haltung schließlich auch dadurch veranlaßt worden, daß sich im Gefolge der Regierungsmitglieder der Präsident des bayerischen Nenvaktungsgerichtshoses befand, jener Herr von K ä'h r, unter dessen Führung in Deutschlands schwerster Notzeit die bayerische Regierimg ihren Treubruch am Reiche vollzog und. offene Rebellion gegen' die Reichsverfassung und die Reichsregierung leisteten. Man braucht nur an jene hochverräterischen Verbrechen des amtlichen Bayern zu erinnern, die den Franzosen den Mut gaben, mit dem Separatismus noch einmal einen letzten Versuch der Lasreißung der Rheinlande und besonders der Pfasz vom deutschen Vaterlande zu machen, um die Berechtigung des Beschlufles der sozialdemokratischen. Parteiinstanzen der Pflaz zu verstehen.. Dem Gedächtnis der Vorkämpfer.* Wiesbadeu, 30. Juni. Aus Anlaß der Befreiungsfeier hat die Stadt Wiesbaden an den Gräbern des Reichspräsidenten Ebert in Heidelberg und des Reichsaußenmimsters Dr. Stresemann in Berlin Kränze niederlegen lassen. Widerhall in Paris. Parts. 1. Juli.(Eigenbericht.) Der ehemalige Chef der interalliierten Rheinlandiomrnisston, Tirard. wurde am Dienstag nach seiner Rückkehr nach Paris zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt. Der Ober- kommandierende der Rhsinarmee. General Guilleaumat. wurde durch Glückwunschtelegramme des Außenministers Briand, des Kriegsministers und Tirard's geehrt. Die Entgleisungen, di« sich einzelne rechtsstehende deutsch» BlWer bei der Kommentierung der Räumung zuschulden kominen ließen, geben'verschiedene», frynzösilchen ZeitMgen willkommeneii Anlaß zu einer abwehrenden Kritik. Der J&n krank i$ e a ttf' sind et. daß Deutschland sich wenig dankbar für die vorzeitig« Räumung erwiesen Hab« und befürchtet, daß durch sie der Politik der„immanenten Revision", wie ein deutsches Blatt die Paliiik Strefemanns bezeichnet habe, das Tor weü geöffnet worden sei. „Ein Boll gibt dem anderen aug purer Liebenswürdigkeit, als ein- jaches Zeichen der geistigen Abrüstung sein Gebiet zurück— das andere aber öffnet den Mund nur um zu rufen„Gut, und jetzt die Saar, und jetzt Posen und nachher dies und nachher jenes". „So sehen nach der lapidaren Darstellung des.Lntransigeaiü" die deutsch-französtschen Beziehungen heute aus!" Der„T« m p s" ist in feinen Kommentaren nicht freundlicher. Er bemängelt in erster Linie, daß die vom Reichspräsidenten und der Reichsregierung gezeichnete Proklamation kein Wort über die Politik der deut sch-französischen Annäherung enthalte, die die logische Folge der Räumung darstellen müßt«, und daß sie S t r e s e m a n n s nicht gedenk«.„Offenbar hätten sich die Reaktionäre Schiele und Treviranus bei einem solchen Hinweis allzu unbehaglich gefühlt", stellt das Blatt fest und findet es erstaunlich, daß es die deutsche Regierung durch den Druck der Reaktion dazu habe kommen lassen, auf die Ehrung seiner großen Kämpfer, denen sie so vieles danke, zu verzichten. Außerdem findet es der„Temps" „wenig politisch", daß die Proklamation Hindenburgs und der Mißirauensanm können wir ganz krasse Ungerechtigkeiten beseitigen: denn spälcstens im nächsten Reichstag werden sie mit uns u n d den Kommuni st enzufammen eine Mehrheit bilden Hosten sie ihr Wort nicht— und ich fürchte es, dann wird der Nationalsozialismus für viele, für alle proletarischen und halbproie- tarischen Wähler, nur ein Durchgangsstadium zum wirk« lichen Sozialismus, zur Sozialdemokratie sein. Aber nur. wenn wir wirklich mit Kroit und Rücksichtslosigkeit in der oben be- zeichneten'Richtung vorstoßen." vor llllL gedruckte ungarische Bücher sind in der Tschechoslowakei verbot« und sind an der Grenze zu Tausenden beschlagnahmt worden. Der schwarze Tag der Patrioten. »Daß nun doch die Feder gutgemacht hat, was unser Schwert verdorben!" Goebbels„Sozialistenverfolgung" „Der Sozialismus ist für uns Nationalsozialisten nur Mittel zum Zweck." Der Zwist im nationalsozialistischen Lager frißt weiter. Die am Montag in der„Reuen Welt" abgehaltene Gener.alver» sammlung des Gaues Berlin stand im Zeichen des Krachs. Zu Beginn wurde nämlich die Opposition zum Verlosten des Saales aufgefordert und, als sie gegen dies Verfahren Einwände erhob, durch Rollkommandos gewaltsam an dl« Lust befördert. Unter den Hinausgeworfenen befand sich auch der Mo f o r Buch« ruck er. Leiter der Schwarzen Reichswehr und Organisator des Küstriner Putsche s von 1923, ferner der Leiter der nattonalsozialPi- schen Führerschulen Willem Korn. Dieser veröffentlicht in Straßers„Rationalem Sozialist*«ine Erklärung, die besonders deshalb Interesse v schient, weil- sie die wirkAche Einstellung des Nationalsozialismus �zu dem für b» zweite Halste ihres Firmennamens mißbrauchten Sozialismus schlag. artig beleuchtet.. Korn schrÄht nämlich: � X. Unter ungeheurer seelischer Belastung hat die Partei genoffen- schast die gegen den„Nationalen Soziaßst' gerichteten Kampfmaß- nahmen als gegen die Sozialisten rn der Partei ge- richtet empfunden. Aus diesem Grunde wurde Herr Dr. Soeb. b e l s bereits vor 5 Wochen von einem Funktionär des Gaues Berlin, den ein« Reihe Parteigenosten darum gebeten hotten, um Aufklärung über den Kampf gegen den„N. S." gebeten und ihm in dieser Unterredung die konkrete Frage vorgelegt:„W i c stehen Sie z u m S o z i a l i s m u s?" Herr Dr. Goebbels antwortete: «Der StrziaNsmus ist für uns Mittel zu« Zweck!" Korn spricht dann weiter von einer„Sozialistenverfol» gung innerhalb der NSDAP.* und schildert seinen Äm» ausmurf aus der Generalversammlung folgendermaßen: Vor Eröffnung der General Versammlung wurden jedoch olle Sprecher, die sich gegen die GauleUung wenden wollten, unter Bruch der Parteisatzung durch den Gaugeschäst?führ«r Wilke aus dem Saal gewiesen. Nachdem ich mich weigerte, wurde ein Rollkommando mobili- siert, das mich zum Verlassen des Saales zwang. Di« nunwehr abrollende Generalmitgliederversammlung wurde da»nt zu einer Farce. Herr Dr. Goebbels ließ nach diesen Regieoorbereitungen erklären, daß er zu allen diesen Maßnahmen von Adolf Hiilec Goneralvollmacht habe! Damit wird aber diese«Soziallsten Verfolgung" zum Partei- kurs gestempelt. Schließlich fft noch eine Erklärung des ausgeschlossenen Re- datteurs Richard Schapte zu notieren. Sie ergibt, daß Goebbels' vor Gericht ausgestellte Behauptung, er habe sür Hinden. bürg 14 Tage in belgischen Gefängnissen gesessen und sei dabei mit der Reilpeitsche tralliert worden, eitel Renommist er ei und Aus». schnei der ei gewesen ist Weil Schapke sich unterstanden hat, darauf aufmerksam zu machen, daß Goebbels heldenhaften Kehaup» wngen kein« entsprechenden Heldentaten gegenüberständen, mußte er über in« Klinge springen.■ Interessant ist, daß Hitlers„Völkischer Beobachter" bisher zu den Vorgängen in Berlin noch keine Stellung genommen hat. Der Diktator ist sich anscheinend noch nicht ganz Cor, auf welche» Pferd als da» aussichtsreichere er setzen soll. Oer Krach geht weiter: Die Nationalsozialisten hielten gestern abend im Sport» palast eine Versammlung ab, die sich gegen die Befretungsselsrn richtet«. In dieser Versammlung sprach der Roichstagsabgeordnel« Wagner- Bochum, die Nationalsozialistische Partei müsse eiserne Dffziplin üben. Wer nicht mitmache, werde rücksichtslos an die Wand gedrückt. Der. neugewählte sächsische Wg. Dr. Brennecke ist von der Dresdener Schriftleitung des in Berlin erscheine, Iben nationallazio». listischen„Sächsischen Bepbochters" zurückgetreten. Dieser Rücktritt fft auf Meinungsverschiedenheiten zurückzuführen, die zwi- schen Hitler und der Leitung des Straßerfchen Kampfverlags, in dem die Zeitung erscheint, über die.Haltung der.. Nationalsozialisten bei der.sächsischen Regierungsbildung bestehen. Sozialpolitische Debatte. Reform der Arbeitslosenversicherung vor dem Ausschuß. Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstage» bat am Dienstag mit der Beratung der Regierungsvorlage zur Ab» anderung der Arbeltslosavversicherung begonnen. Abg. Aufhäuser sSozl wandte sich gegen die Aenderung des § 3ft, wodurch den Arbeitsamtsvarsttzenden die Befugnis zur Ein. ftellu'Ng gehobener Persovalkräfte genommen und für Versetzung von Fachkräften jedes Borfchlagsrschl der Verwaltungs- ausschüste aufgehoben werden soll. Der Zweck der Aenderung fft Stärkung der Besugniss« der oberen Bürokratie. Der sozialdewo» kratische Antrag auf Streichung der vorgesehenen Verschlechterung werde, obwohl Winffterialdirektor Weigert keinen einzigen Fall anführen kann, wo dienstlich begründete Versetzungen von Fachkräften bisher erschwert worden wäre, von alle» bürgerlichen Parteien abgelehnt. Di« Uebertragbarkeit von Ctatsmitteln von einem Arbeitsamt zum anderen innerhalb des Etatsjahres soll nach der Vor- läge lünftig zulässig sein. Die sozialdemokratischen Abgeordneten Gerlach und Auf Häuser wiesen auf das Bedenllich« dieser Mahnahme hin. Der Ausschuß beschloß auf sozialdemokratischen An- trag, daß der Dorftand der Reichsanstalt bei solchen Etatsübertragun» gen vorher den zuständigen Perwaltungsousfchuß zu hören hat. Eine große Debatte brachte die Frag« der Stell««« Vermittlung. Aushäuser begründete«inen sozialdemokra, tischen Antrag, wonach dem§ 65. der die Möglichkeit der Einführung einer Meldepflicht offener Stellen durch den Arbeits- minister vorsteht, eine gesetzlich« Bestimmung angefügt werden soll. wonach Betrieb«, die öffentliche Austräge auszuführen haben oder öffentliche Subventionen erhalten, die Meldepflicht bei dem zu- ständigen Arbeitsamt auszuüben haben. Im welteren Verlauf der Sitzung wies Aufhäuser daraus hin, daß die Auswirkung des von der Reichsregierung angelündigten Arbeitsbeschaffungsprogramms nur gewährleistet sei, wenn die mit öffentlichen Aufträgen bedachten Firmen einer Melde- pfl'cht an die Arbeitsämter unterstellt würden. Ministerialdirektor Weigert erkannte an, daß auch die Reichsregieruiig die Tendenz oes sozialdemokratffchen Antrags billige, doch walle er keine gesetzliche Festlegung. Abg. Dr. Brauns(Z.) und Leopold lDnat.) wandten sich gegen jede gesetzliche Meldepflicht. Thiel(DBp.) erklärte, seine Fraktion lehne den sozialdemokratischen Antrag„selbstverständlich* ab. Wissell(Soz.) wies darauf hin, daß die Schichauwerft in Clbing Riesensubventionen erhalte, trotzdem aber Tausende von Industriearbeitern a r b e i t s- l o s gekästen und ländliche Arbeitskräfte herangeholt habe.- Die Abstimmung über den sozialdemokratischen Antrag innrde zunächst zurückgestellt und die Frage Arbeitslosenversiche- rung und Landwirtschaft angeschnitten Während die Deutichnationalen den Personenkreis weiter einschränken wollen, vcr- langt ein soziäldemotratischer Antrag Ausdehnung der Versicherungspflicht auf das ländliche Ge- finde. I ä ck« r sSoz.) beleuchtete die wachsende Arbeitslosigkeit uM«r den Landarbeitern und betont, daß langfristige Arbeitsver- träge immer sellener werden. Behren»(Valkekonservatios de- stätigte die Ausführungen Iäckers. Frau Schraeder(Soz.) reizte an den Berichten der Gefährdeten, Fürsorge, in welch großem Ausmaß die Erwerbslosigkeit von Landarbeiteriime» schädliche Rückwirkung«« Hab« und zur welteren Belastung der Gemein. den führe: Sie bekämpfte danach sehr scharf den Regietungsoorjchchg. kieralleJugendlichen uuterlS Jahren aus der Arbeits-. tosenversicherunH herausnehmen will. Wegen einer geringfügigen Ersparnis überantworte mau die jugendlichen Arbeitslosen einfach ihrem Schicksal. Die Antwort der Regierung und der bürgerlichen Parteien bestand in den üblichen Redensarten über unerfreuliche Begleiterscheinungen der Iugandlichen-Unterstützung.— Die Weiterberatung wird am Mittwoch fortgesetzt. Derfaffungsfeier 4930. Oer Vefchlvß des preußischen Staatsministermms. Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: Das Preußische Staatsminffterium hat beschlossen, den diesjährigen Ber- fojsungstag wie in den vergangenen Iahren zu feiern. Die er- iolgte Räumung der 3. Zone des besetzten Rheinlandes bedeutet einen weiteren bedeutsamen Markstein auf dem schweren Wege des Wiedcraufftiegs. Dieser Grund legt den Gedanken nahe, die Berfastungsfeier unter voller Aufrechterhallung ihres Charakters gleichzeitig allenthalben in dem Sinn« auszugestalten, daß die Feiern insbesondere der langersehnten vollständigen Befreiung unseres Rheinland«, gellen. Zu diesem Zweck wird angeordnet, daß für die Beflaggung der öffentlichen Gebäude die Bestimmungen der Berord- mmg vom 29. Juni 1929 gelten. Ferner soyen in allen Orten, in denen sich Spitzen der Behörden befinden, möglichst g«. meinsome Feiern der Landes, und Reichsbehörden mit den Kommunalbehörden vorbereitet werden. Sämtliche Staatsbeamte, staatliche Angestellte und Arbeiter sind zu den Festalten ein- z u l a d e n. Es wird vonden Staatsbeamten erwartet. daß sie sich an den Festakten beteiligen. Für den Dienst am Bersassungstag gelten die Dorschnften übe? den Sonntagsdien fft Soweit diese Regelung in einzelnen Derwaltungszweigen zu Schwierigkeiten führen sollte, bleibt es den betreffenden Fach- ministern vorbehalten, die erforderlichen Sonderbestimmun- g e n zu treffen.__ Die Moskauer Verhandlungen. Sehr laugsamer Zsortganq. Moskau. 1. Juli.(Eigenbericht.) Die am 17. Juni begonnenen Verhandlungen der deutsch- russischen Schlichtungskonunisston schreiten nur sehr langsam oor- wärts. Da das deuffch-russische Schiedsabkommen vom 25. Januar 1929 bestimmt, daß die Tagung der Schlichtung». kommisston in der RegÄ nicht länger als 14 Tage beanspruchen darf, so muß im Einverständnis der beiden Regierungen eine Verlängerung erfolgen. Bisher ist nur eine Teil- «inigung in gewisten Einzelfragen zustande gekommen: man verhandell übet Transtffragen. Postpaketverkehr. Konzesflonen. gewerblichen Rechtsschutz, Zahlungsverschleppungen der Ä erlin et S o w jet h a n d el s v ert re t er usw. Weitaus schwieriger gestaltet sich die Behandlung der grundsätzlichen Fragen(Rechtsstellung der Berliner Sawjothandelsveriretung. Meist- begünstigung im Hanbelaoerkehr, Steigerung des deutschen A b f» tz e«»ach Rußttmd Admirale gegen Flottenabkommen. Ihre Parole: Nicht Rüffunasstillstand, sondern 20 Schlachtschiffe mehr?... Loudo«. 1. Juli.(Eigenbericht.) Im englischen Oberhaus wurde heute die Arbeiterregie- rung von den früheren Admiralen Beatty und Iellico« außerordentlich heftig wegen ihrer Flottenpolitik angegriffen. Di« Redner kritisierten aufs schärffte die aus der Flottentonfe- renz von Macdonold mit Amerika und Japan getroffenen Abmachungen, und Iellicoe meinte am Schluste feiner Rede, daß von der Arbefterregierung für die Erwerbslosen ausgestreute Geld sei bester angelegt, wenn England, stall seine Flotte zu vermindern, 20 Schlachtschiffe mehr bauen würde.(!) Für die Regierung erwiderte Lord Parmoor und Lord Thompson. Sie wiesen die Angriffe der AdmirAe zurück. Thompson sagte, wenn das von den Admirälen bezüglich der Sicher- heit Englands gemalte schwarze Bild richtig sei. so könne England weder durch 70 noch durch 170 Schlachtschiffe gerettet werden. Die beste Sicherung meinten Parmoor und Thompson am Schlüsse. liege in den freundschaftliche» Beziehungen zu den verschisdenen Ländern.___ Sie gehen schweigend ins Gefängnis. Indische Dolksführer verteidigen sich nicht vor englischem Gericht Bombay, 1. Juli.(Eigenbericht.) Motilal Rehru, der tags vorher verhaftete Präsident des allindffchen Kongresses, und sein Sekretär. Dr. S e y e d. find wegen Gesetzesüberschreitung zu je sechs Monaten Gefängnis »erurteilt worden. Vor Gericht oerweigerten die Angeklagten jede Aussäge, ebenso verzichtete,, sie aus jede Verteidigung. Die Bevölkerung, die anläßlich der Verhaftung Rehrus in einen mehrstimmigen Proteststreik getreten war, antwortete auf das Urteil mit einer Demonstration, an der sich besonders stark Studenten beteiligten. Ueber die Hälfte der Baumwollspinnerei«� stellte die Arbeit ein. Zahlreiche Kinos und Theater wurden ge, schlössen. Ein neuer Fall Beffedowski? Ein Gpll.-Leiter will enthüllen. pari». 1. Just. Nach einer Meldung des russischen Emigrantenblatt«» „Die letzten Nachrichten" hat ein hoher Funktionär der T s ch e f a namens Agabekow seine Stellung ausgegeben und ist nach Paria geflüchtet. Er sei Chef der orientalischen Abteilung der GPU. und in den letzten Jahren als Geheimagent in der Türkei, Griechenland und Aegypten tötig gewesen- Er Hab« nicht mehr Mitwisser der bolschewistischen Unterdrücker und der Jhuirger- Politik in China, Persten, Afghanistan und im nahen Orient sein wollen. Er habe außerdem für die nächste Zeit die A e r ö f s e n t- lichung von Geheimdolumenten über die Machen- schasten„5er Sowjets angekündigt. Blamable Sowjeipapiere. Bsr einigen Tagen war aus Reval gemeldet worden, daß niffffche Marinopopiere und eine Sowjetflagge an die estische Küst« angetrieben worden seien und man deshalb sin Schiffsunglück bei den Manövern der Sowjetflotte vermute. Jetzt wird weiter be- richtet, daß diese Dokumente vom Sowjetkriegsschiff„Kljuz* stammen und zum großen Teil Tagesbefehl und Verfügungen seien, die sich gegen die. Disziplinlosigkeit und in manchen Fällen sogar Verwahrlosung richten. 3n Bolivien ist nach Meldung der Deuffchen(Gesandtschaft ein provisorischer Regelllschostsrat ckus sechs Offizieren unter Borsitz»es Generals Carls Blanco Galinbo eingesetzt worden. Sämtliche Ge- sondffchaften haben mrs. Anforderung Militärwachen erhalten. Der Widerstand an der Ziuhr. Beginn des Kampfes im l�uhrgebiet. Esten, I. Juli.(Eigenbericht.) Heute liefen die Kündigungsfristen im Bereich der Nordwestlichen Eisenindustrie ab und die neuen Akkordsätze, die von den Unternehmern diktiert wurden, sollten in Kraft treten. Der Deutsche Metatiarbeiterverband hatte seinen Mitgliedern Anweisung gegeben, jede Verschlechterung der Akkordsätze ab- z u l e h n e n, während der C h r i st l i ch e Metallarbeiterverband die gegenteilige Anweisung herausgab. Ii? den Betrieben war den Arbeitern von den Werkleilungen gesagt worden, daß sie ent- weder zu den neuen Bedingungen arbeiten oder sich als entlassen betrachten müßten. Obwohl die Unternehmer bei den Nachverhandlungen im Reichs- arbeUsministerium die Zusicherung gegeben hatten, einen durch- schnittlichen Lohnabbau von TMt P r o z. vorzunehmen sind die Akkordsätze teilweise bis zu 30 Bf. die Stunde verkürzt worden. In einzelnen Betrieben wiederum sind er- heblich niedrigere Abzüge gemacht worden. So besonders in Witten. Die Wittener Hütte hat, als die Arbeiter sich weigerten, zu den neuen Bedingungen zu arbeiten, die neuen Akkord- sätze sowie auch die. Kündigung zurückgezogen. Es bleibt also dort bei den bisherigen Löhnen. Soweit bisher Meldungen beim Deutschen Metallarbeiter- | verband in Essen vorliegen, haben sich von der Tagschicht ins- gesamt lb ovo Mann geweigert, zu den neuen Bedingungen zu arbeilen und sind somit ausgesperrt. Cs ist aber anzunehmen, daß diese Zahl sich erheblich v e r» g r ö ß e r n wird. Zunächst werden die Arbeiter der Nachtschicht hinzukmwnen, die sich weigern, zu den verkürzten Löhnen weiter- zuarbeiten. Es muß ober auch sonst mit einer Ausdehnung des Kampfes gerechnet werden. Bei Krupp in Essen haben von der Tagschicht insgesamt LtOO Mann die Ausnahme der Arbeit verweigert. Das Stahl- und Walzwerk von Thießen in Mülheim a. d. Ruhr mit SlOll Mann ist vollständig stillgelegt. Bei der Friedrich- Wilhelm-Hütte in Mülheim, die den Vereinigten Stahlwerken gehört, haben von 3300 Mann Belegschaft 2500 die Arbeit nicht wieder aufgenommen. Infolgedessen ist der Betrieb st i l l g e l e g t. Das Montagewerk van S i e m c n s- S ch u ck c r t mit j700 Mann ist vollständig st i l l g e l e gt. In Düsseldorf haben in 11 Betrieben bisher 1800 Mann die Arbeitsaufnahme zu den neuen Bedingungen verweigert. In Gelsenkirchen haben in 2 Betrieben 750 Mann die Arbeitsaufnahme verweigert. In Bach u m, beim B o ch u m e r Verein und bei der Eisenhütten A.- G. hoben bisher 600 Mann die Arbeit niedergelegt. Der Deutsche Metallarbeilerverband beschloß gestern auf einer Vezirkskonserenz. das Arbeitszeitabkommen vom 30. September zu kündigen. Der Christliche Metallarbeiterverband hat den gleichen Beschluß gefaßt. Die Unternehmer haben dagegen das eohnabkom- men gleichfalls zum 30. September gekündigt, wie wir erfahren, werden die ersten Verhandlungen am S. Juli stattfinden. Hasper Eisenwerke stillgelegt. Essen, 1. Juli.(5VTB.) Die Arbeiter des Hasper Eisenwerkes in Hagen haben heute morgen die Arbeit nicht wieder aufgenommen. 2L00 Personen sind den Betrieben ferngeblieben. Es wird über die Wiederauf- nähme der Zlrbeit verhandelt. Wie Gtegerwald den Frieden sichert. Die ersten Wirkungen der Verbindlichkeitserklärung. Der Reichsarbeitsminister S t e g e r w a l d hat im Reichstag erklärt, daß er den Schiedsspruch von Oeynhausen, der bekanntlich die sogenannte Severing-Klausel aufhob und den Unter- nehmern dadurch die Möglichkeit gab, die Akkordsätze herab- zusetzen, deshalb für verbindlich erklärt, um im Ruhrgebiet einen großen Arbeitskampf zu oerhindern. Die Tatsachen liegen ganz anders. Wäre der Schiedsspruch nicht für verbindlich erklärt worden, dann hätte vor dem 30. Sep- tember ein Kampf überhaupt nicht stattfinden können. Erst durch die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs von Oeynhausen wurde die Gefahr eines großen Kampfes akut. Es lag ohne weiteres auf der Hand, daß die Arbeiter sich einer durch nichts gerechtfertigten Lohnkürzung widersetzen würden. Wenn auch der Christliche Metallarbeiteroerbaild, um sich nicht in offenen Widerspruch zu setzen mit seinem prominentesten Vertreter in der Reichsregierung, die Anweisung herausgab, sich mit den Lahn- kiirzungen abzufinden, so ist es doch sehr unwahrscheinlich, daß der Versuch der Schwerindustriellen, einen allgemeinen Lohn- a b b a u durchzuführen, glatt durchgehen wird. Wenn auch das Organisationsverhältnis in der Nordwestlichen Eisenindustrie nicht ein besonders günstiges ist, wozu noch die Tatsache gerechnet werden muß, daß der Christliche Metallarbciterverband dort seine st ä r k- sten Mitgliedergruppen hat, so trifft der Lohnabbau die Arbeiterschaft so empfindlich, daß die Stellungnahme des Christlichen Mctallarbeiterverbandes auf die Dauer eine sehr schwierige werden wird. Hinzu kommt, daß gerade die qualifizierten Arbeiter, die für jeden Betrieb lebensw-ästig sind, weit besser organisierl und besonders auch freigcwerkschaftlich organisiert sind, als die ungelernten Arbeiter. Der Lohnabbau wird also trotz aller Hindernisse und Zersplitterung, trotz der Ungunst der organisatorischen Verhältnisse aus einen entschiedenen Widerstand stoßen. Unbeachtet kann dabei das Geschrei der Kommunisten bleiben. Die Anweisungen der Koimnunisten werden auch von ihren treuesten Anhängern nicht befolgt. Zst das christliche Gewerkfchaftspolitik? Die Lügen und Fälschungen des„Deutschen". Wir haben durchaus Verständnis für die schwierige Süuation, in die die christlichen Gewerkschaften dadurch gebracht wurden, daß Herr Stegcrwald Reichsarbcitsminister wurde. Herr Stegerwald l?ält sich auch für einen großen Wirtschaitspolitiker. Es will der deutschen Wirtschast zu Hilfe kommen, indem er sie„entlastet". Die Unternehmer sollen also entlastet sein nicht nur von den Soziolausgaben,- soirdern auch von den„hohen Löhnen". Eine derartige Politik zu verteidigen, ist für ein Arbeiterblatt, auch wenn er gleichzeitig volksparteiliche, zentnimliche, deutschnationale, volksnationale und nationalsozialistische Arbeiter vertritt und vor- gibt, eine„Tageszeitung für Deutsche Volksgemeinschaft und für ein unabhängiges Deutschland" zu sein, recht schwer. Wir hätten also unter diesen Umständen einiges Verständnis für polemische Entgleisungen und Uebertreibungen. Was sich„Der Deutsche" aber in den legten Tagen und Wochen leistet, hat mit Polemik überhaupt nichts mehr zu tun. Wir haben wiederholt die bewußt unwahren Angriffe auf unseren Genossen Wissel! zurückweisen müssen. Das stärkste Stück mar wohl die Behauptung. daß Genosse Wissell als Reichsarbeitsminister die Lohnerhöhung von 8 Proz., die ein Schiedsspruch den streikenden niederschlesischen Berg- arbeitern zugesprochen hatte, aus 4 Proz. herabgesetzt und daß er dann in dieser Form den Schiedsspruch für verbindlich erklärt hätte. Wir haben festgestellt, daß diese Behauptung des„Deutschen" m keiner Weise den Tatsachen entspricht und auch nicht ent- jprechen konnte. Der einfachste journalistische Anstand hätte den„Deutschen" ver- pflichtet, seine in großer Ausmachung aufgestellte Behauptung zu berichtigen. Aber Anstand scheint elwas zu sein, was gegenwärtig im„Deutschen" streng verpönt ist. Dafür ein weiteres Beispiel: Im„Deutschen" von heute wird unter der kichnen Ueberschrist„Rote Unehrlichkeit", behauptet, Genasse Helnruch Lehmann bewundere und verteidige in einem Artikel der„Deutschen Krankenkasse" die sogenannte Reform der Krankenversicherung des Herrn Stegerwald. Tatsächlich unterzieht Genasse Lehmann diese sogenannte Reform einer vernichtenden Kritik. Nur soweit die Neuregelung der Arztfrage in Betracht kommt, stimmt Genosse Lehmann grundsätzlich zu, weil er eben als Sozialdemokrat auch den Gegner nicht mit jesuitischer Demagogie und Verlogenheit, sondern mit sachlichen Argumenten bekämpft. Mit Recht ist Genosse Lehmann aber, in diesem Punkte sehr fkepüsch und befürchtet, daß der Reichstag vielleicht in seiner reaktionären Mehrheit bereit sein wird, die ungeheuerlichen Verschlechterungen anzunehmen, aber in der Arztfrage versagen wird. Deshalb schreibt Genosse Lehmann auch:„Erst wenn erkennbar ist, ob der Reichstag in diesem Punkte bereit ist, der Regierung zu folgen, lohnt es sich, zu den Einzelheiten dieser Regelung Stellung zu nehmen." Daß Genosse Lehmann den, Entwurf focht kritisch und ablehnend gegenübersteht, ist ja im übrigen durch seine Rede auf der Kundgebung des Hauptverbandcs der deutschen Kranken- lassen bekannt. „Der Deutsche" besitzt auch die Kühnheit,„die unier Leitung des sozialdemokratischen Ministerpräsideute» Dr. Braun stehende preußische Regierung" auszuspielen gegen den„Vorwärts" und die sozialdemokratische Reichstagsfrattion, obwohl er weiß, daß in dieser Frage der dem Zentrum und der christlichen Gewerkschaftsbewegung angehörende Wohlfahrts minister H i rt s i e fe r ausschlaggebend ist. Wir stellen also fest:„Der Deutsche" setzt bewußte und handgreifliche Lügen in die Welt. Er fälscht Zitate in ihr Gegenteil um und gibt die Stellungnahme des Zeirtnnnsniinister Hirtsiefer aus für die des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten. Wir machen diese Feststellung, ohne zu er- warten, daß„Der Deutsche" seine groben Lügen und Fälschungen berichtigen wird. Schlußsitzung der Schuhmacher. Der Verbandstag der Schuhmacher in Magdc« bürg nahm in seiner am vergangenen Sonnabend stattgefundenen Schlußsitzung eine bedeutsame Statutenänderung vor, wonach auch die Erwerbslosen- und Jnvalidenmorkcn als Mitgliederbeiträge für die Wahlen zum Verbandstog gelten. Das neue Statut tritt am 1. Oktober in Kraft. Vorstand und Redakteur, die unbesoldeten Vorstandsmitglieder und der Ausschußvorsitzendc wurden einstimmig wiedergewählt. Der Berbandsvorfitzendc Simon gab dem Wunsche Ausdruck, daß man mehr Frauen zum Verbandstog delegieren möge. Dies- mal sei eine einzige Frau die Vertreterin von Zehntausende» weiblicher Mitglieder gewesen. In seinem Schlußwort hob Simon mit besonderem Nachdruck die Sachlichkeit der Verhandlungen des Verbaudstogs hervor. Von Tagung zu Tagung sei man sich einander näher gekommen. Auch die Kritik der ideologisch Anders- eingestellten Hobe gezeigt, daß auch sie das ehrliche Streben der Mehrheit der Mitglieder zum Wohl des Verbandes immer besser würdigen. Der Ausklang des Verbandstags war ein packender Beweis für die Einmütigkeit und Stärke des freigewerkschoftlichen Schuh- macherverbandes. Die„revoluiionären" Zimmerer. Sie arbeiten und schwindeln in Alkord. Mit der Ueberschrist:„Gewerkschoftsbürokrat Z'ege vermittelt Zimmerer nach gesperrter Baustelle" brachte die„R. F." eine Notiz wonach die Baustelle Kläranlage in Stahnsdorf bei Teltow, Firma F. W. u n d H. Förster, Berlin WO, Köthener Straße'31. gesperrt sei, weil sie sich weigere, eine Schlußabrechnung für Akkordarbeiten zu geben und die Zimmerer und Cinschaler ausge- 'perrt Hobe, als sie endgültig Abrechnung forderten. „Jetzt haben die Reformisten vom Zentrolverband der Zimmerer hinter dem Rücken der Kämpfenden mit dem Unter- nehmer ausgemacht, daß die Forderung von 60,— Mark Nachzahlung auf 30,— Mark herabgesetzt wird und ein 20prozentiger Zuschlag für Akkordarbeiten künftig nur von Fall zu Fall gezahlt werden soll. Die Zimmerer lehnten mit aller Entschiedenheit ab. Jetzt erklärt die Bürokratie, daß für sie ein Streik auf dieser Baustelle n i ch t b c st e l> t und empfiehlt arbeitslosen Zimmerern ihrer Organi- sation, auf dieser Baustelle Arbeit arizunehmen. Leider haben sich 13 bis 15 Zimmerer dazu bereitgefunden." Dazu ist zu sagen: Die Zimmerer der Firma hatten ent- gegen den Satzungen und Beschlüssen des Zentralverbandes der Zimmerer Deutschlands sich erboten, die Einschalarbeiten auf der Baustelle„Kläranlage Stahnsdorf" in Akkord auszuführen. Da sie mit dem vereinbarten Lohnsatz nicht auskamen, wurde er von 2,— Mark auf 2,30 pro Quadratmeter erhöht. Es stellte sich i«doch heraus, daß die an diesem Akkordoertrag beteiligten Zimmerer auch jetzt noch nicht auf den erhofften Lohn kamen. Sie traten an die Firma mit einer nachträglichen Fordes.' ag von 60 Mark pro Mann steran und verlangten auch eiu Ausmaß der bis dahin ge- leisteten Arbeit. Die Firma lehnte dies ab, woraus die Zimmerer am 12. Juni die Arbeit niederlegten. Roch mehrmaliger ver- geblicher Aufforderung der Bauleitung, die Arbeit wieder auszu- nehmen, wurden sie entlassen. Am 13. Juni nachmittag«, erhielt die Ort-verwaSlmg der Zsttf merer von der Arbeitsniederlegung erst Kenntnis. Am 16. Juni ver- handelte dann der Berband sangestellte Z i e g e in Gegenwart von drei der dort beschäftigten Kameraden mit der Bauleitung. Er machte den Lorschlag, die Arbeit sobald wie möglich wieder auszunehmen, nicht wieder in Akkord, sondern in Zeitlohn, zu den tariflichen Lohn- und Arbeitsbedingungen. Die bisher geleistete Arbeit sollte endlich aufgemessen werden. Die Bauleitung und die anwesenden Zimmerer waren damit e i n v e r st o n d e n. Den weiteren Vorschlag, jedem der beteiligten Zimmerer zur Abgeltung 30,— Mark zu zahlen, lehnte die Bauleitung und die Zimmerleute ab. Di« Annahme dieses Vorschlages wäre für die Zimmerleute unter den gegebenen Umständen das günstigste ge- wese» was zu erreichen war. Am nächsten Tage verhandelte Ziege mit dem Syndckus der Firma und dem Vertreter des„Reichs- Verbandes industrieller Bauunternehmungen", jedoch ohne En'olg. Kein Wort von einein 20prozentigen Zuschlag sür künftige Akkordarbeiten. Der Zentralverband der Zimmerleute hat auch noch keinen Zimmerer dorthin geschickt. Noch während der Verhandlungen mit der Firma Förster teilte die Bauleitung telephonisch mit, daß sich bereits vier Zimmerer zur Wiederaufnahme der Arbeit bereit erklärt hätten, die nach unseren Informationen Anhänger der Rep- schlöger-Richtung waren. Für den Zentralverband der Zimmerer als Tarifkontrahent lag keine Veranlassung mehr vor, an den Dingen irgend etwas zu ändern, nachdem der Vertreter des Repschläger-Verbandes, T r o h n e, und der Vertreter des Industrieoerbandes für das Baugewerbe, Z i m- m e r m a n n, den Streik bereits entfesselt und die gewählte„Kampf- leitung" ihre Tätigkeit begonnen hatte. Intervention in Mansfeld. Eine Eingabe an den Reichsarbeitsminister. Cislcben. 1. Juli. Die Landräte des Mansfelder Ceekrerses und des Mansfelder Gebirgskreifes sowie die Bürgermeister von Eisleben und Hettstedt haben ein« gemeinsame Eingabe an den Reichsarbeits- minister gerichtet, in der sie ihn bitten, unverzüglich alles zu tun, um die Beendigung des Wirts chostskamp'es bei der Mansfeld A.-G herbeizuführen. Eine gleiche Eingabe ist auch an den Dcmobil- machungskommissar in Merseburg gerichtet worden. » Der Reichsarbeitsminister hat bereits in einer Reichstagsrede indirekt für die Mansfeld-A.-G. Partei ergriffen, als er sich zur Verteidigung des Gchaltsabbaues der Beamten auf die Mansfeld- A.-G. berief. Aber nachdem die Kumpels sich seit vier Wochen heldenmütig gegen den ungeheuerlichen Lohnabbau von 15 Proz. wehren, wird auch Stegcrwald der Mansfeld-A.-G. nicht helfen können. Diese wird sich schon bequemen müssen, von ihrem hohe» Pferd herabzusteigen. Taschen zu, Augen auf! Die„Revolutionäre" sammeln weiter. Cisleben. 1. Juli.(Eigenbericht.) Der kommunistische Bettelsack geht um. Wie einige Zahlstellen •3 Verbandes der Bergbainnduftriearbeiter nicht der Mansfelder, sondern anderer Reviere— melden, werden Sammlungen für die Mansfelder Streikenden veranstaltet. Es kann sich dabei nur um kommunistische Sammlungen handeln. Die Gewerkschasken haben damit nicht» zu tun und fordern ihre Mit- g l i e d e r aus, sich an diesen Sammlungen nichtzu beteiligen. Für die Töpfe der Moskauer IAH. sind die Groschen der Berg- arbeitcr wie die aller übrigen Arbeiter zu schade. Bettel- s n p p e n sind erfahningsgemäß die teuer st en Suppen; die Köche, die diese Suppe herstellen, arbeiten am allerwenigsten umsonst. Verhandlungen im amerikanischen Bergbau. New Vork, 1. Juli.(Eigenbericht.) Vertreter der amerikanischen Grubenbesitzer und Grubenarbeiter verhandeln zur Zeit über den Abschluß eines neuen fünf- jährigen Lohntarifs. Der gegenwärtig noch geltende Tarif läuft am 1. September ab. Di« Gewcrksehaftcn fordern die Bei- beHaltung des bisherigen Lohnes, Verbesserung der Ari'eitsbedin- gungen und die Sicherung gegen Entlassungen. Man hofft, die Ver- Handlungen zu einem für beide Teile zufriedenstellenden Ergebnis abschließen zu können. Nicht neun Mark, sondern 13 oder 15 Mark c'-hielten die Kellner bei dem Fest anläßlich der Weltkrastlanferenz im Sportpalast am 18. Juni. Ans Wunsch der Direktion des Sportpalastes bcrich- tigen wir diesen Irrtum.__ �reie Gewerkfchafts Tugend Berlin <59 spielen die lSnippen: Kumbolbt im Siimbnldttiain: SLdxste». Rt». LichtenScrp und Lichtender,, in Trcp'om. Wiese t: La»d»beraer Pia»»od zraatfurtcr Ällec im Fricdrichsdain Pia»>— brüte, Mltuppch, NN? Uhr, tonen die(Sruppen:«onmschvlenwea: guftendheim Ernststr. I». beimdesprechun«.— SchönlKiaser Xai: Iuaenicheim Zehdenicker Str. 24— 2h. Sunler Abend.— SuilBIIo: Sruppenbeim Bcraitr."29, Hof- Seimdesprcchunn. — Süden. Tiidmeften: Stöbt. Iuoendh-jm Porckstr. 11(ftobtifflehäude). Bor. trofl:.Die politischen Baiteien und ihr« Bestrebungen".— gluaboseu! Zugend» beim NeukSll». IZIugbofenstr. GS. Seimbesprechung und Licderobcrrd.— Adler». hos: chruppcnbeim Adlersbof. Bismorckstr. 1. Bortrog:„Aufgoben der gSI." — Schönhanfer Vorftodt: Ingo, dbeim ber schule Agsiouienollec Rl. Wir be» suiKn die Brronstollung de» Merbcbc,>rk».— Nordost: Iugrndbeim Daiuliger Strohe<>2 lBorockc 2).„Sin Iohr Schbichouser Vorftodi."— Ttralon: Jugend. heim der Schule EoHlrrflr. fi] Vortrag:.Jtoeckmöhigcr Sport". Referent Nosel.— Aenlell»: Jugendheim Böhmisch» Str. 14. Ecke Ztonner Ströhe. Wir desulften die Berlommlung de» Werbeduirk».— Südost: Jugendheim Wrongei- itrohc 128. Bortrog:„Kllndigungsfristcn für Angestellte". Referent Möhl.— Spandou: Jugendheim Lindenuier 1. Wir besuchen die Veefammlnng de» Wcrbebcjirk». .�uoenvaruvve des?entralverbandes der Angestellten iifA Heute. Mittwoch, finden folgende Beronstaltungen statt: Sesnndbrunne«: Bortrog:..Was ich im e esöngal» loh". Referent Lewinski.—«hör» lottenburg: Jugrndheim Roflnenflr. 4.!3ir besuchen die Versammlung de» Serdedezirk». Lerontwortlich ijjr Politik: Dr.«urt Seger: Wirtschaft: p p e r t den Sitzungssaal vcr- l>«b, folgten ihm einige kommunistische Stadtverordnete und schlu- genausihnein. Es entstand ein Tumult, die ,L1assenkämps«r" wurden ober bald auseinander gebracht.— Die Redeireiheit im Parlament.zu schützen hatte der Borsteher vorher ausgiebige Ge- legenhest: Frau Rofenthol, früher prominente kommunistische Stadtverordnete, nach der Wahl im November ober aus der Partei ausgeschlossen, wallte zum Etat eine längere Erklärung abgeben. Aber die gesamte, ätz Köpfe starke kommunistische Fraktion stürzte sich aus die eine Frau am Rednerpult: mit Brüllen, Pultdeckel- geklapper und den unqualifiziertesten Zurufen versuchte man die Frau am Reden zu hindern. Borstehcr Haß mutzt« mit aller Energie Ruhe schassen, aber dos Gebrüll fetzt« immer wieder von neuem ein. Erst als Frau Rosenthal, die gegenwärtig srak- tionslos ist, ihre Erklärung beendet hatte, trat wieder Ruhe«in. Volksbühne und Stadt. Der Magistrat hat der Stadtverordnetenversammlung«ine Dringlichkeitsvorlage zugehen lasten mit der Bitte, der Volks- bühne ein zinsloses Darlehen in Höhe von 7Z 000 M. für das Spieljahr 1028/29 und ein weiteres in Höhe von 100 00t) Mk. für das Spieljahr 1929/30 zu gewähren und sich mit der bereits erfolgten Auszahlung nachträglich einverstanden zu erklären. Das Darlehen soll bis spätestens 31. März 1931 zurückgezahlt werden. Gleichzeitig wird die Stadtverordnetenversammlung um ihr Einverständnis dafür gebeten, daß die im Rechnungsjahr 1928 gewährten zinslosen Dar- lehen von insgesamt 300 000 M. der Dolksbühne belasten bleiben. Wir wollen hoffen, daß die Stadwerordnetenversammlung sich der Bitte der Volksbühne nicht verschließen wird. Die volks- bildnerisch wertvolle Arbeit der Volksbühne hat ein Anrecht aus Unterstützung durch die Kommune. Die Existenz sür 300 Mark geopseri. Zuchthausurteil gegen einen Zostizinspettor. Da, Erweiterte Schösseogericht Neukölln ver- urteilte den SZMrigeu Zustizlnspektor Oskar Hol, wegen fortgesehler Unlerschlagung im Amt« in höhe vou dreihundert Mark, unrichtiger Führung eines Register» und Urkundenbeseitigung zu einer Zuchthausstrafe von einem Zahr zwei Monaten und dreihundert Mark Geldstrafe. Der Angeklagte, der noch am Montag seinen Dienst versah und nicht suspendiert war. ist fest Jahren Abteilungsleiterbeim Amtsgericht Neukölln.?n dieser Eigenschaft hatte er auch mit der Zahlung von Geldstrafen zu tun, die ihm zum Dechängnis wurden. In den Iahren 1927 und 1928 wurde ein Neuköllner Fabri- kant wegen eines Steuerdeliktes zu 1500 Mark Geldstrafe verurteilt, die unter der Bedingung auf sechshundert Mark herabgesetzt wurde, daß regelmäßig Ratenzahlungen erfolgten. Auf eine Anfrage des Finanzamtes Neukölln, ob die Geldstrafe gezahlt sei, gab Holz wahr- heitswidrig einen Bescheid, daß die Zahlungen noch weiterhin gestundet seien. Die Ermittlungen ergaben, daß der Iustizinspektor den Fabrikanten selbst in seinem Geschäftslokal oitsgesucht und Gelder einkassiert hat und daß plötzlich die Akten zu dem Fall verschwunden waren. Der Angaklagt« gab zu. Geld ür bor ein- gezogen zu haben, obwohl er das nicht durfte. Es fei aber«ine Gefälligkeit gewesen. Die Unterschlagung bestritt tr auf das ent. fchiedemte. Er will für das eingezogen« Geld Koftenmarken er- worden und entwertet haben, die er in die Akten geklebt habe. Ueber den Verbleib der Akten wiffe er nichts. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr zwei Monate Zuchthaus und tausend Mark Geldstrafe. Der Derteidiger, Rechtsanwalt Dr. Ziehe, führte aus, daß trotz aller Verdachtsmomente der Angeklagte nicht verurteilt werden könne, da schon oft Indizienbeweise zu Fehlurteilen geführt hätten. Das Gericht kam trotzdem zu dem oben miedevgegebenen Urteil. Berlin muß schmoren. Jmganzen Reich herrscht zur Zeit schönstes Ferien- wetter und wenn nicht alle Anzeichen trügen, ist mit einer Fortdauer der Schönwefterpcriade auch für die nächste Zeit zu rechnen. Die Temperaturen waren allerdings gestern in den einzelnen Landestesten recht verschieden. Ostpreußen meldete 22 Grad Wärme, Berlin hatte als höchste Togestemperatur 23 Grad Wärme und Sachsen 28 Grad Wärme lm Schatten. Besonders heiß mar es in den frühen Nachmsttagsftundcn in der Rheingegend, mb das Thermometer 32 Grad Wärme im Schatte« erreichte. Diese ausgesprochen tropisch« Temperatur war ober nur von kurzer Dauer. Für Berlin ist kein Anzeichen für eine Aenderung des Witterungscharokters zu er- kennen. Die Winde werden mehr nach Südosten drehen�, was mit einem weiteren Ansteigen der Temperaturen verbunden sein dürste. Oer(Schuldige von Buir gefunden? Aufsehen erregende Aussage eines Betriebsassifienten. Köln, 1. Juli. In der heutigen Verhandlung gegen den Lokomotivführer Nordhous und den Fahrdienstleiter Fischer wegen des Eisen- bahnunglücks bei Buir sagte ein Eisenbahnwerkstältenvorsteher in Hamm, wo Nordhaus beheimatet war, aus, daß der entscheidende Dorsichtsbefehl 32 vor dem Unglück nicht an der Tafel angeschlagen gewesen sei. Auch das Dienstanweisungstele- gramm, das die Dienstanweisung in Kraft setzen sollte, sei bei den Telegrammen geblieben und nicht in die Dienstmappe gekommen. Ein« Aussehen exregende Erklärung gab ein Eisenbahnbetriebs-- asiiftent ab. Er sagte,«r habe noch der Dicnstanweffung 32 gesucht. sie aber nirgends gesunden und daher angenommen, daß sie für den Bezirk ohne Bedeutung war. Deshalb habe er den Tele- grommbrief abgelegt. Nach dem Unglück am Montag habe er dann die vermißte Dienstanweisung 3 2 g« s n n d e n. Sie hatte sich in die Dienstanweisung 33 geschoben. Staatsanwalt: Auf der Dienstanweisung 32 steht doch aus- drücklich:..Angeheftet am 23. August, abgenommen am 2tz. August." Ist das nicht richtig? Zeuge: Nein, das habe ich selbst erst am Montag darauf geschrieben. Rechtsanwalt Frank(Dort- mund): Ich weis« daraus hin, daß dieser Zeuge das Recht der Zeug- nisverweigerung hat. Er hat die AnordnungenherReichs- bahn durchkreuzt, also schwere Urkundenfälschung begangen. Ein Lokomotivführer erklärte, der Werkstättenvorsteher habe gesagt, die Lokomotivführer sollten doch d!e Bescheinigung unter- schreiben, daß sie den Telegrammbries und die Dienstanweisung 3? gesehen hätten. Es handele sich ja nur um«ine Formsach«. Heute nachmittag findet ein Lokaltermin an der Unfallstelle statt. Bluttat eines �eichswehrsoldaten. Llm 5 Pfennig zum Mörder geworden. Sin Glogauer Reichswehrsoldat geriet wegen einer Bierverkeuerung von 5 Pf. pro Glos mit einem Glogauer Gast- wirk in einen sehr heftigen Streik, der damit endete, daß der Soldat den Wirt mit dem Seiteugewehr kurzerhand erstach. Ver Mörder wurde verhaftet. Soll dos Seitengewehr, das in der q/ten Arm« oft ein« ver- höngnisvoll« Rolle gespielt hat, auch in der neuen Arm« da« Leben der Bürger bedrohen?"" Neue Fahrscheine bei ber BVG. Die am 2. Juli in Kraft tretend« Tarifönderung bei den städtischen BBG.-Verkehrsmitteln macht auch die Ausgab« neuer Fahrscheine notwendig. Für die Straßenbahn werden neben den bisherigen Fahrscheinen weißgraue mit roten Streifen ausgegeben, die zum Umsteigen zur Straßenbahn oder Untergrundbahn berechtigen. Für die Untergrundbahnen wenden neben den bisherigen gelben Fahrkarten gelbe mit blauem Streifen ausgegeben. Der Omnibusfahrschein für die einfache Fahrt bleibt wie bisher rot, der Umsteigefahrschein zu 30 Pf. trägt einen dunkelroten Streifen. Die Sammelfahrscheine für zwölf Karten sind für den Juli grün: die Farbe soll jedoch alle Monate gewechselt werden. Die zwölf Fahrten des Sammel- fahrscheins müssen innerhalb eines Monats abgefahren werden, jedoch sind Ueberschreftungen bis zu drei Tagen zugelassen. S/NOAIR LEW/S n] ROMAN Uebcrselit to« LI. Meitn«.— Meyer& Jessen. Vertrieb, Manien. Zart, fein und die gekränkte Würde in Person, verließ Frau Golden das Zimmer: sie legte sich im Schlafzimmer nieder, das Gesicht von der Türe abgewandt, an der Una gänzlich verwirrt und bestürzt stand. Sie lief zur Mutter hin und küßte ihre Schultern und bat um Verzeihung. Die Mutter streichelte Unas Wangen und schluchzte:„Ach, es macht ja nichts", doch in einem so hilflos unglücklichen Ton der Der- lasienheit, daß es entsetzlich viel machte. Diese Trostlosigkeit quälte Una, während es ihr klar wurde, daß ihre Mutter das praktische Verständnis für die Einzelheiten des Lebens ver- loren hatte, wieder zum Kinde geworden war und alles ver- trauensvoll ihrer Tochter überließ: und doch eine Fähigkeit zu stillem Dulden bewahrt hatte, die kein Kmd begreifen kann. Es war leicht gewesen, die Mutter hieher zu bringen, um «in neues Leben anzufangen. Beide hatten sich ein Leben der Freude und der Schönheit vorgestellt inmitten von reizenden Leuten und Bildern und Konzerten. Döch oll diese Gnadengeschenk« des Lebens lagen hinter einer staubigen Mauer von Stenographie und Maschineschreiben verborgen, unas Kampf, in New York Fuß zu fassen, hatte eben erst begonnen. Einmal im Monat fanden in der Handelslchul« Schluß- Prüfungen statt. Una wurde im Januar fertig. Mit aufrich- tigem Bedauern hatte sie sich bereits im Dezember, als«am Weiutraub und Sanford chunt ausgetreten waren, von chnen verabschiedet, und nun, im letzten Augenblick, als I- Z. Todd andeutete, er würde sie gern einmal besuchen, zögerte sie so lange mit der Antwort, daß er sich entmutigt abwandte. Una streifte mit einem letzten Blick das Schulzimmer— den Ort. an dem ihre Arbeit zum erstenmal ernst genommen worden war— und marschierte in ihre erste Schlacht im ewigen Krieg de» GojchäftslelkxnZ- BiertesKapitel. 1. Sanford Hunt telephonierte eines Tages, daß er und Herr Julius Edward Schwirtz,— den er„Eddie" nannte—, ihr Möglichstes getan hätten, um ihr eine Anfängerstelle in der Lowry-Farben-Aktiengesellschaft zu verschaffen, daß die Sache jedoch gänzlich aussichtslos sei. In der Handelsschule gab man ihr einige Firmen an. bei denen sie vielleicht eine Anstellung bekommen könnte, doch diese suchten alle annähernd perfekte Kräfte um annähernd Sar kein Gehalt. Nach zehntägigem angstvollen Warten im lrbestsvermittlungsbüro einer Schreibmaschinengesellschast und nach unzähligen Antworten auf inserierte„Offene Stellen" wurde sie von den Schreibmaschinenleuten in das Büro der „Auto- und Benzin-Woche" geschickt, einer Fachzeitschrift. In dieser Atmosphäre einer Literatur über Schmieröl, Schweiß- Methoden und Emaillierverfahren lernte Una, als Kopistin mit acht Dollar die Woche, zum ersten Male die Tragik und Romantik der Büromelt kennen. 2. Das Gefchästsleben ist voller Romantik. Schöne, große, bedeutungslose, allgemeine Ausdrücke, wie Romantik und Ge- schäftsleben können stets miteinander in Verbindung gebracht werden. Sie ersetzen das Denken und sind für Optimisten und Vortragende ungemein verwendbar und nützlich. Doch es gibt in der Geschäftswelt sine seltsame neue Muse der Romantik, die nicht in silberfarbene Traumschleier gekleidet ist, sondern in ein schlichtes Gewand aus blauem Stoff, der an den Ellbogen nicht zu schnell glänzend werden soll. Und so begannen Unas Erlebnisse in der Geschästswelt: Erlebnisse der Büros, der müden, gewöhnlichen Menschen, die eine Romantik der Tatsachen kennen, von denen eure Masken- ballaristokraten, eure flitterbehängten Schauspielerinnen und verliebten Milchmädchen mit den Rosenwangen, sich allerdings nichts träumen lassen. Für die jungen Männer in unseren Gedichten und modernen Automobil-Romanen ist die Liebe eine lange, zeitfüllende Unterhaltung: der Bürojüngling im fadenscheinigen Rock jedoch, der in den müden Augen eines Büromädchens einen menschlichen Blick auffängt, weiß, daß er alle Wunder der Entrücklheit in fünf Minuten hineinpressen muß» weil der Chef mnherschleicht und wie von ungefähr flüchtig nach der Wandaufschrift guckt, auf der zu lesen steht: „Deine Zeit ist das Geld deines Chefs: stiehl sie nicht!" Es ist dies eine Welt, deren lockende Szenerie aus Schreibtischen, Schreibmaschinen, Briefordnern, Reklame- kalendern und Telephonapparaten aufgebaut ist, und aus den leuchtenden Kahlköpfen von Leuten, die Träume für etwas Idiotisches halten. Hier taucht keine Galione am Horizont auf: es wirbt kein eleganter Abenteurer im Frack um die reiche Erbin. Hier jagen keine tollkühnen Cowboys über die Prärie, es stürmen reine Helden in den europäischen Krieg. Es ist eine Welt, deren Tiefen ihr nicht erfassen könnt, solange ihr nicht gelernt habt, daß der Unterschied zwischen einem 2-A.- Bleistift und einem 2-L-Bleistift zumindest dem Gegensatz zwischen London und Tibet gleichkommt: solange ihr nicht be- greift, warum ein normales Mädchen mit dem durchschnitt- lichen Quantum an Selbstbeherrschung eine Woche in wahrer Verzweiflung verbringt, weil sie eine für Fakturen eingerich- tete Schreibmaschine statt ihrer gewohnten Brief-Schreib- maschine benutzen muß. Die Verlegung des Wasserkühlers vom Bürozimmer in den Packraum kann zu einem epochalen Ereignis für eine Stenotypistin werden, die anscheinend keine andere Daseinsberechtigung hat, als über einer klappernden Schreibmaschine zu sitzen: die kein Heim, leine Familie, keine Gefühle zu haben scheint-, für die der Besitz eurer V-förmig ausgeschnittenen Bluse scheinbar einen vollen Ersatz für allen Stolz und alle Wunder der West und das wechseloolle Drama des Lebens bildet. Die Verlegung des Wasiertühlers kann zur Folge hoben, daß sie nunmehr beim Personalchef vorbeigehen muß: daß sie es daher nicht immer wagt, die unglautiliche Monotonie der Arbeit zu unterbrechen, um sich ein Glas Wasser zu holen. Und die Folge davon ist. daß sie das Büro- dasein aufgibt und unglücklich heiratet. Ein gewaltiger, vollkommener und größte nieits unnützer Kosmos von Büros! Er verausgabt Riesenkräfte, um Ankündigungen von Bier und Kaugummi und Berufskleidern und Topfreinigern die ganze Landschaft überwuchern zu lassen. Er setzt ganze Armeen in Bewegung, um eine Messing- nadel zu verkaufen. Er läßt Schuhe entstehen, die unbequem und abscheulich und wenig dauerhaft sind, und hegt eine wahr- Haft rührende Hoffnung, daß alle Frauen die Sache des guten Gejchästes dadurch fördern werden, daß sie diese Schuh« trage«.(Fortsetzung folgt.) � Das Photo erobert die Welt. Ausstellung des Buchdrucker-VildungSverbandeS. Die Photographie hat sich auch das Gebiet der Technik erobert. Hier ist sie nicht nur Ausdruck und Wiedergabe des Tech- nischen. nicht nur das Aussuchen ästhetischer Reize von Maschinen- konstruktionen, das Festhalten von Bewegung und Rhythmus eines welterobernden Stoffes, sie dringt auch jn den besonderen Ausgaben- kreis der Technik ein. Indem sie sich gleichsam selbst technisieren läßt, dient sie zur Werbung aus Prospekten, wird sie«in wichtiges Ver- lindungsglied zwischen dem technischen Kaufmann und seinen Kunden. Insbesondere bei der Drucksache und beim Buch, also im graphischen G e w e r b e,' ist sie ein wichtiges Behclfsmittel zum künstlerischen Ausdruck. Die Titelseite einer Zeitschrift, das Reklomeplakat, die Illustration im Buch selbst spricht heute durch das Photo oft mehr als eine geschickte Zeichnung. Der B i l d u n g s verband Deutscher Buchdrucker hat sich die Aufgabe ge- stellt, seine Mitglieder auch in diesen Zweig des Gewerbes einzu sühren. Es handelt sich nicht nur darum, den Amateurphotographen zur Erreichung einer guten Aufnahme zu schulen, er muß auch den weiteren Werdegang des Photos zum Druckbild kennen und sauber drucken lernen. Die Photogruppe Frankfurt a. M., die seit vier Winterhalbjahren Kurs« unterhält, stellt im Buch gewerbesaal des Ve r b a n d s h a u s« s, Dreibundstraße 5, eine solche Kollektion Photo-Werbedrucke aus. Wir begegnen dem Photo im Inserat, Katalog, Prospekt, in der technischen Zeitschrift oder in starker Vergrößerung auf dem Pla» ka t. Immer ist es ein« sachlich richtig gesehene und praktisch an- gewandte Placierung, die das Photo entweder als Hauptmotiv vor der Schrift oder als Hintergrund erscheinen läßt. Oft hat das Photo nur den Charakter einer Marke oder eines Signets und bildet«ine vorteilhafte Ergänzung und den Gegensaß zur weihen oder farbigen Fläche. Sehr gelungene Vorlagen geben die Titelblätter der Zeit- fchrift„Graphischer Betrieb"'. Auch einige Bücher mit Photos als Illustrationen zeigen neue Wege und Ideen auf: Hier fällt ins Auge, wie das Bild den drucktechnischen Rahmen zu sprengen versucht und über den Druckrond bis zum Schnitt hinaus- greift, gleichsam eine nähere Verbindung mit dem Leser suchend. Di« außerordentlich lehrreiche Ausstellung, die auch dem Arbeiteramateur viel Neues und Anregendes zu bieten hat, ist bis zum 12. Juli von 9 bis 18 Uhr, Sonnabends von 9 bis 13 Uhr, bei freiem Eintritt geöffnet. Sonntags ist die Ausstellung geschlossen. Oer Verkehrsunfall am Kleinen Stern. Neun Monate Gefängnis für einen Krastdrofchkensührer. Dem kraftdroschkensührer Geyer, der sich vor dem Schöffengericht 21 erlin-Milte wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung zu verantworten hatte, machte die Anklage den schweren Vorwurf, daß seine große Fahrlässigkeit, durch die er das schwere Verkehrsunglück am Kleinen Stern verursacht hatte, fast an vorsah grenze. In der Nacht des 3. Januar hielt«ine Kraftdroschke in der Bellevue-Allee dicht mn Kleinen Stern hart an der Bordschwelle. Der Führer des Wagens, Wilhelm Korilla, war dabei, das linke .Hinterrad auszuwechseln und arbeitete init dem Wagenheber. Um dieselbe Zeit kam der Angeklagte mit seinem Krafüvagen in der gleichen Richtung angefahren Und fuhr auf die haltende Droschke auf. Der Zusammenstoß war so heftig, daß der haltende Wagen gegen einen Baum geschleudert und vorn vollständig eingebeult wurde. Auch die ausfahrende Droschke wurde am Vorderwagen vollkommen zertrümmert. Korilla wurde zwischen den beiden Droschken zu Tode gequetscht. Auch zwei Insassen der haltenden Kraft- drajchke erlitten erhsbliche Verletzungen. Der Angeklagte Geyer be- hauptete, daß das Schlußlicht der haltenden Droschke nicht zu sehen gewesen sei. Dieser Behauptung widersprechen aber die Zeugen. Der Wagen hatte überdies zwischen zwei Straßenlaternen gestanden und mußte aus erheblicher Entfernung gesichtet werden. Der Staatsanwalt hatte nur drei Monate Gefängnis beantragt. Das Gericht ging aber über diesen Strasantrag weit hinaus und verurteilte den Angeklagten zu neun Monaten Gefängnis, wobei ihm für vier Monate der Restsiros« Bewährungsfrist bewilligt wurde. Das Gericht hielt«ine strenge Strafe für notwendig, weil der Angeklagt« grob fahrlässig gehandelt habe. Karl Ladners Heimgang. Am 28. Jum 1939 verstarb nach kurzen, Krankenlager unser Genosse Karl Ladner im 71. Lebensjahre. Mit ihm ist wieder emer aus der alten Garde der sozialistischen Arbeiterbewegung von uns geschieden. Karl Ladner wurde am 11. Oktober 1859 als Sohn eines Maschinenbauers in Berlin geboren. Er ist in rein prole- tarischen Verhältnissen aufgewachsen. Schon in den achtziger Jahren hat er sich der sozialistischen Arbeiterbewegung angeschlossen. Zuerst auf dem äußersten linken Flügel der Arbeiterbewegung tätig, ist er am 1. 2. 1892 in die S o z i a l d e m o k r a t i s ch.e Partei ein- getreten und der Partei bis zu seinem Tode ein unermüdlicher und treuer Mitarbeiter gewesen. Sein hauptsächlichstes Tätigkeits- gebiet war Tegel. Aber nicht nur in der Partei war der Ver- starben« tätig, sondern in gleicher Werse auch in der Gewerkschafts- bewegung. Er hat im Jahre 1897 die Verwaltungsstelle des Ler- bandes der Kupferschmiede mitbegründet und ist in dieser Verwaltungsstelle 43 Jahre ununterbrochen als ehrenamtlicher Funktionär tätig gewesen. Seit 25 Iahren gehörte er mit kurzer Unterbrechung dem Zentralvorstand des Verbandes der Kupfer- schmiede an. Nun hat der Tod diesem selten arbeitsreichen Leben ein Ziel gesetzt. Partei und Gewerkschaft senken in Trauer das rote Banner vor diesem schlichten und doch großen Kämpfer für die Sache der Arbeiterklasse. Ins Loch mit dem Kerl! Man schreibt uns: Zustände, die allzusehr an die„gute alte Zeit" gemahnen. Herr- scheu auch heute noch bei der Reichswehr. Der Reichswehr- ongehörige P., Familienvater mit Frau und drei kleinen Kindern — das vierte ist in wenigen Wochen zu erwarten— sah sich nach einer Zivildienst st ellung um und reichte, als er«ine Beschäf- tigung in Aussicht hatte, sein« Entlassung aus dem Heersedlenst ein. Zum 1. April 1939 sollte die Entlassung erfolgen, wird aber von dem Vorgesetzten des Mannes unausgesetzt hinausgeschoben. Am 39. Juni sollt« der Mann die Stellung, die eine bedeutend» Verbesse- rung seiner wirtschaftlichen Lage mit sich bringen würde, antreten, doch hat er bis heute seine Entlassung, die bereits durchgeführt war, nicht erhalten können. Seine hochschwangere Frau wird infolge der Ausregungen schwer krank, und der Mann mußte, da niemand DniMziiianziii innge Mensclien wir MM. Insgesamt 53 Einbrüche werden ihnen zur Last gelegt. Ein trüber Film jugendlicher Verwahrlosung rollt sich seit Dienstag morgen im großen Schwurgerichtssaal des alten kriminal- gerichtsgebäudes vor dem Schüfsengericht Berlin-Vlittx ab. Aus der Anklagebank sitzen 23 junge Menschen, in der Hauptsache im Alter von 19 bis 23 Jahren, darunter 2 Fllrsorgezögllnge: der größte Teil der Angeklagten ist bereits vorbestraft, einer bereits viel- fach. Sie haben vom 1. Januar bis Ende Februar etwa 5 3 Schau- seustereinbrüche begangen. Ein Teil der Angeklagten hat die sogenannte„v a u d i a g"— Berliner Automobil- und Diebstahls- A.-G.— gegründet. Die Angehörigen der Baudiag stahlen in den Berliner Straßen Autos, mochten darin Abstecher in die Provinz. schlugen auch dort Schaufenster ein und stahlen. Sie find bereits in Eberswalde abgeurteilt. „Generalstabsquartier" der Bande war eine Kneipe in der Ritterstraße. Hier lernten die jungen Leute einander kennen, hier wurden Pläne geschmiedet und auch, wenigstens zum Teil, die Beute oerschärft. Ost waren es mehrere Fenstereinbrüch« in einer Nacht. Kein Gewerbe blieb verschont: Bäckerläden, Lebensmittel- und Buttergeschäfte, Kolonialwarenhändler, Zigarren- lüden, Installations-, Konfektions-, Fleischwaren-, Motorrad- und Ledenvarengeschäste, Musikalienhandlungen usw. büßten Schaufenster und Waren ein. Die Gcsamtbeute von 53 Einbrüchen machte etwa im Laufe von 2 Monaten 6500 Mark aus. Rechnet nian nun aber 8 Einbrüche mit einer Beute von je über 259 M. ab, so haben 45 Einbrüche die Gesamtsumme von rund 2599 M. eingebracht, also 69 M. pro Einbruch. Pro Kopf kamen im Lauf« von 2 Monaten 399 M. D«--Erlös beim Verschärfen der„Sore" ist noch weit geringer gewesen. Es wurde aber gar nicht alles verschärst. Schokolade, Käse, Wurst, Brot, Oelsardinen, Liköre wurden einfach oerzehrt. Den Lebenslauf der einzelnen jungen Leute— unter den Angeklagten befindet sich nur«ine Frau— wird man erst im Lause der Verhandlung erfahren. Die Vertreter des Jugendamtes, die der Verhandlung beiwohnen, haben über einige der Angeklagten ausführliche Erkundigungen eingezogen: manche von ihnen sind bereits beim Jugendamt seit langem bekannt. Es sind aber nicht nur Berliner, die sich in der Bande zusammengefunden haben, son- der« auch Burschen aus anderen Städten Deutsch- l a n d s: aus Königshütts und Hamborn, aus Oberbaysrn und Mühlheim, aus Breslau, Hannover und Allans. In welcher Weife die jungen Leute in die Bande hinein- gekommen sind, hörte man z. B. vom ersten Angeklagten Müller. Er stanmit aus Oberbäyern und kam»ach Berlin, weil es hier, wie er sagt, viel Mädels gibt. Die bayerischen Mädels konnten ihm nicht gefallen. In der Riller- kneipe waren Mädels, Musik und Bier. Sein Geld war bald alle. Einige Burschen machten ihm den Vorschlag, mit ihm zu gehen: er tat's auch, schlug ball» hier, bald dort ein Fensler ein, immer in derselben Weise mit der behandschuhten Faust. In der Provinz machte die„Baudiag" es anders: sie ließ in der Regel den Motor des Autos laufen und schlug unter dem Schutze des Ge- räufchs die Fensterscheiben ein. Jn Berlin bediente man sich mit- unter eines Glasschneiders. Die Verhandlung kommt nur langsam vorwärts, da jeder Fall der Diebstähle einzeln besprochen werden muß. Eine Bluttat ausgeklärt. Oer Täter aus der Mansteinfiraße festgenommen. Der Kriminalpolizei ist e« gestern nachmittag gelungen. die nächtliche Bluttat in der Mansteiustrahe restlos aufzuklären und den Täter, einen 2Siährigen Friseur Wilhelm Rndeck, der in der Eulmstraße beschäftigt war. fest- zunehmen. Rndeck ist in vollem Umfange geständig. Wie berichtet, wurde in der Nacht vom vergangener, Soniwbevd zum Sonntag in der Türnische des Hauses Mansteinstraße 12 der 27jährige Schlosser Arthur Knispel aus der Reuen Culm- straße öa mit einem Stich Hinter dem Ohr von Passanten sterbend aufgesunden. In sämtlichen Lokalen der Umgebung wurde darauf von Kriminalbeamten Umfrage gehalten, und dabei kamen die Beamten aus die Spur des Täters. Rudeck hatte in einer Gastwirt- schaft mit mehreren Gästen Streit angefangen, wurde verprügelt und hinausgeworfen. Auf Grund der Personalbeschreibung wurde Rudeck dann ermittelt, und unter der Last des gegen ihn vorgc- tragenen Beweismaterials gab er zu, Knispel niedergeschlagen zn haben. Er habe Knispel, der ruhig seines Weges ging, ohne jeden Grund gerempelt, sei aus ihn eingedrungen und habe dann, als dos unschuldige Opfer seiner Rachgier bewußtlos am Boden lag, seinen Weg fortgesetzt. Der Rohling wird im Laufe des Tages dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. im Haufe und bei den Kindern ist, zu Hause nach dem rechten sehen und sich vom Dienst beurlauben: trotzdem der Mann seinem Urlaubs- gesuch das Attest des Arztes über den Zustand seiner Frau beifügt«. ward er den näcbsten Tag zur Dienststelle besohlen, wo ihm mit- geteilt ward, daß er„wegen unerlaubter Entsernung von der Truppe" mit sieben Tagen st rengen Arrest bestraft würde und die Strafe sofort anzutreten hätte. Es war dos zweitemal, daß der Mann wegen entschuldigten Fortbleibens infolge Krankheit seiner Frau mit Arrest bestraft wurde. O welche. Lust Soldat zu sein! Der„Sturmvogel", der am 19. August einen Modellslugzeug- «Wettbewerb veranstaltet, wird auch am diesjährigen Berfassungstage Tausenden von Berlinern die Möglichkeit bieten, Rundflüge zu er- mäßigten Preisen zu unternehmen. Sozialistischer Esperanto-Bund. Kommunisten zerstörten den Arbeiter-Esperanto-Vund. Durch die Beschlüsse des Arbeiter-Esperanto- Bundes auf dem letzten Bundestag« in Essen war ein« Stellungnahme der sozialdemokratischen Ge- nassen notwendig geworden. Der ACB. war völlig ins kam- munistische Fahrwasser geraten, ein« Abwehr der SPD.-Genosien mußte einsetzen. Die Berliner„Freie Arbeiter-Esperanto-Ber- e i n i g u n g hatte deshalb zu Pfingsten zu einer Reichs- konferenz Sozialdemokratischer Esperantisten eingeladen. 15 Gruppen waren vertreten, eine Reihe weiterer Gruppen konnte keine Vertreter entsenden, machte aber ihr weiteres Verhalten von den Beschlüssen der Konferenz abhängig. Genosse S p r o e ck, Berlin, gab den Gericht. Gegen«ine Stimme wurde sodann die Gründung des sozialistischen Esperanto- Bundes" beschlossen. Sitz des neuen Bundes ist Frankfurt am Main, Vorsitzender Ludwig Pusf, Redaktion A. Sproeck, Verlin. Vorläufig wird für die Mitglieder des SEB. die Zeitung der österreichischen Genossen„La Sociolisto" mit einer Beilag« für die Bundesgruppen geliefert. Einstimmig wurde«in« Resolution angenommen, in der es heißt: Angesichts der Beschlüsse des 8. Bundestages des Arbeiter- Esperanto-Bundes in Essen(Ostern 1939) ist kein Zweifel mchr möglich an der Tatsache, daß der Arbeiter-Esperanto- Bund kommunistisch geworden ist. trotz der warnenden Vorzeichen wurde von den Kommunisten alles getan, um eine fried- liche Zusammenarbeit— ein« rein kulturelle Tätigkeit — im Bunde unmöglich zu machen. Es wurde«in« von den So- zialdemokraten beantragte Statutenänderung abgelehnt, die das Be- stshen mehrerer Gruppen an einem Ort zulassen sollte. Weiter schloß sich der Bund der IFA. an, damit dokumentierend, daß er gewillt ist, sich in seiner weiteren Tätigkeit ans die kommunisti- schen Organisationen zu stützen. Diese Anlehnung an die IFA. hat hat ganz natürlich eine Abkehr von allen sozialdemokratischen und mit der 2. Internationale(Amsterdam) sympathisierenden Or- ganisotionen zur Folg«. Die Stellung der sozialdemokratischen Esperanttsten ist damit gegeben. Es bleibt nur die Bildung einer neuen Organisation sozialdemokratischer Esperantisten. Wir fordern die sozialdemokratischen Genossen im Arbeiter- Esperanto-Bund aus, unverzüglich den Bund zu verlassen, zur Bil- dung von sozialdemokratischen Gruppen zu schreiten und sich dem Sozialistischen Esperanto-Bund anzuschließen. Alles Nähere durch die Geschäftsstelle Ludwig Pusf, Frankfurt a. M.-Praumheim, Heerstraße 85. Sommerfest des„Sturmvogels". Der„Sturmvogel", Flugvcrband der Werktätigen, veran- staltete Ende voriger Woche in den Gesamträumen des„Ulap" ein Gartenfest, das einen alle Besucher vollauf befriedigenden Verlaus nahm. Der Nachmittag gehörte vorwiegend den Kindern. Da war Onkel Pelle, da gab es ein Kasperletheater, da waren all« die Dinge zu sehen, an denen die Kleinen Freud« haben. Das Abendprogramm wurde von guten Kräften aus der„Skala" und dem„Wintergarten" bestritten. Die Jugend tanzt« unentwegt, tanzte im Freien und in den Sälen, tanzte während des Feuerwerks und schwang noch das Tanzbein, als ein Glücklicher den Hauptgewinn aus der Tombola, «in Motorrad, keuchend nach Haus« schob. Nächtliches Großfeuer! Nadiofabrit ausgebrannt. �In der oergätigenen Macht»vurde die Feuerwehr nach her G i ts ch i ne r Straße 63 alarmiert: wo in den Räumen' dew Radioteilefabrik der Firma Hugo Schicmann Feuer ausgebrochen war. Vier Löschzüge waren mit der Bekämpfung des Feuers stundenlang angestrengl beschäftigt. Die Werkstätten der Radiöfabrik liegen im zweiten Stockwerk des zweiten Fabrikquergebäudes. Gegen 2 Uhr zersprangen plötz- lich lautklirrend die Fensterscheiben und lange Flammcngarbeu schlugen heraus. Das Feuer muß lange Zeit unbemerkt geschwelt haben, denn als die Feuerwehr anrückte, hatten sich die Flammen bereits über mehrere Räume ausgedehnt. Das Feuer fand an leicht brennbaren Materialien, die in großen Mengen dort lagerten, viel Nahrung. Trotz starken Wassergebns aus fünf Schlauchleitungen konnte nicht verhindert werden, daß die Flammen auch noch auf die im 1. Stockwerk gelegene Berliner Zünd- terzenfabrik übergriff und hier ebenfalls erheblichen Schaden anrichtete. Gegen 4 Uhr war die Hauptgefohr beseitigt und die Aufräumungsorbeiten konnten vorgenommen werden. Bon der Kriminalpolizei sind inzwischen die Ermitte- lungen über die Entstehungsursache eingeleitet worden. Großfeuer am Schöneberger Siadipark. Durch ein Großfeuer wurde in den gestrigen späten Abendstunden der Dachstuhl des Eckhauses Martin-Luthcr-Stroße 4l, das gegenüber dem Schöneberger Stadtpark liegt, völlig zer- stört. Der Löschangrifs erfolgte über vier mechanische Leitern, wobei aus sieben Schlauchleitungen Wasser gegeben wurde Die Aufräumungsarbeiten dauerten bis lange nach Mitternacht. Das 47. Opfer in Lübeck. In der Nacht zum Dienstag ist in Lübeck das 4 7. E a l m e t t e- Opfer gestorben. Außerdem werden fünf Neuerkran- k u n g« n gemeldet. Rektoralsübergabe an der Technischen Hochschule. Im großen Ehrenhof der Technischen Hochschule Eharlottenburg fand am Diens- tag nachmittag die Feier der Rektoratsübcrgabe statt. Der scheidende Rektor, Pross D r a w e, überreichte dem neuen Rektor, Prof. Dr. Krencker» die goldene Amtskette. Professor Krencker erwiderte mit Dankesworten an seinen Amtsoorgänger und ermahnt« die Studentenschaft, die akademisch« Freiheit nicht zu mißbrauchen und in parteipolitischen Fragen Toleranz zu üben. Dann gab er ein Referat über das Thema„Baukunst". Er beschäftigte sich hierbei besonders mit den Beziehungen von� Natur, Zweck und Kunftsorm zur Baukunst. keine Wiederausnahme des Prozesses Friedläuder. M a n a s s« Friedländer wird auch weiterhin in der Irrenanstolr Herzberge bleiben. Es ist also vorläufig nicht mit einer Ver Handlung im Wiederaufnahmeverfahren zu rechnen, da die Aerzte ihn für oerhandlungsunföhig halten. Schöne weiße Zähne„Auch ich möchte nicht verfehlen, Ihnen meine flrötzte Anerkennung und vollste Zufriedenheit über die„Chlorodont- Zahnpaste" zu übermitteln. Ich gebrauche„Thlorodont" schon seit Jahren und ich werde ob meiner schönen weißen Zähne oft beneidet, die ich letzten Endes nur durch den täglichen Gebrauch Ihrer„Chlorodont- Zahnvaste" erreicht habe." C. Reichelt, Schwerz, Amt Niemberg, Saalkreis.— Chlorodont: Zahnpaste 60 Pf. und 1 Ml., Zahnbürsten, Mundwasser 1 Mk. bei höchster Qualität. In allen Chlorodont- Verkaufsstellen zu haben. Aus der Partei. Bildungsarbeit und Partei. Der Zusammenhang zwischen sozialistischer Bildungsarbeit und allgemeiner chaltung der?Ärtei rollt noturgemäh immer wieder neue Brobleme aus, dic� theoretisch und praktisch von gleicher Bedeutung sind. In der„.sozialdemokratischen Bildung" wird dieses Problem in einem Artikel„Kommunistische Bildungsarbeit" von Leo Friedjunq von einer besonderen Seite behandelt. Er zeigt an chand der Entwicklung in der Kommunistischen Partei Deutsch- lands, wie die theoretische Schulung der Mitglieder durch das stän- dige Auf und Ab�der Parteiparolen illusorisch gemacht wird und wie sich die gesamte Schulungsarbeit durch ihre Unterordnung unter die taktischen Tagesbediirsnisse in eine elende Stümperei verwandelt hat. Der Artikel verschafft Einblick in ein Gebiet, das der Oeffentlichkeit so gut wie verschlossen ist, und regt an, das Bildungsproblcm in der Partei unter neuen Gesichtspunkten zu werten. Von weiteren Beiträgen sei verwiesen auf den Artikel von Frisier„DicAufgabcndcrKulturkar teile in der Praxis" und von A. Kern„Unsere Filmveranstaltungen und ihr Gewinn für die Partei", die für die Praktiker der Bildungsarbeit wertvolles Material bringen. Die„Sozialistische Erziehung", die ständige Beilage der„Sozialistischen Bildung", bringt Artikel von A. Torhorst und Anna Siemsen über die Ausbildung der Gewerbelehrer, ferner Bei- träge von Weinber-'er und Gayk über die diesjährigen Kinder- republiken. parteinachnchten fürGroß-Berlin Einsendungen für diel« Rubrik sind », r I>» SB 68, Lilldeustraße 3, stet» an da» Bezirktsekretarial 2, Hof, 2 Treppen recht», zu richten. t. ttrei» Bilwer»dors. Donnerstag, 3. Juli, jrtlnktlich 20 Uhr, Sigung des üreisoorstundes mit den Abteilungsleiter», de» Obleuten und den Mit- gliedern der szraktion bei Kraiß, Holsteinische Str. 60. W 18. Abt.(3. Kreis). Achtung! Sonntag, 6. Juli, Eomipersest in f=i der Ldwenbrauerei, Hochstr. 2. Karten bei de» Bczirksfllhrern und pt beim Genossen Sorgast, Ufcrstr. 12, noch zu haben. Rege Beteiligung W erwartet der Vorstand. Heute, Mittwoch, 2. 3uli. Abt. ssriedenau. Bildungsgruppe jüngerer Parteigenossen: 20 Uhr bei Klabe. Handjernstr. 60— 61. Thema:„Grundftzäe und Forderungen der SPD." Referent Dr. Hans Tohn. Abt. Buch. Alle Parteigenossinnen und-genossen beteiligen ssch heute an der Kreismitgliederversammlung bei Linder, Pankow, Breit« Str. 32. Ad- fahrt 10.38 Uhr. Morgen, Donnerstag. 3. Juli. Abt. �unktionärsi�unfl 19�? Ul>r bc! Brandis, Stralauer St?. 10. Abt. fiiinftumärfifriina um 20 Uhr bei Lojak, Beymestr. 8. Abt. �unktisnärsitzung 19',� Uhr bei Busch, Tilfiter Str. 28. Bas Er- scheinen oller Funktionäre, besonders der BeZirksfiihrer. ist dringend not- wendia. Vorher. 19 Uhr, Si�ung des Abteilungsvorstaudes. Abt. Renlöll». ssunktionürsi�ung 19�? Uhr bei sslekinger, WissmQnnsir. 10. Abt. ly� Uhr Vorstands- und' Funktionärsitzung bei Schmar�er, Gabriel- Max. Str. 17. Arauenveranslaltnngen. Krei» liergarteo. Die Trauen beteiligen ssch an dem Konsumkoffeekochen Donnerstag. 3. Juli, im Sarlshof. Kreis Dedding. Dienstag. 8. Juli, lt»ciskrauc»a»sflug nach Krumme Lanke. Treffpunkt 1014 bis II Uhr Endstation Krumme Lankc. Nachzügler um 11 Uhr. Krei» Tempclbof, Maricndorf, Mariea.seld«. Lichtenrade. Die Froucnabende der bö. und 86. Abt. fallen im Juli und August aus. Die Genossinnen beteiligen ssch Eonnabend..>. Juli, I.VH Uhr, am Krrislaffeckochen bei Üsto-Li. Maricndorf.. Dhausseestr. 305. Bei Ungünstiger Bftirtufrg im Saal. Kajfeetochen aus der kkrauenkass», Kaastimiuchen mitbringen.— Anch-Mc Genossen sowie Keeunhe und Sompathisicrendc herzlich willkommen. Kaffee- auzschank bis 18 Uhr. Kreis Köpenick. Am Dienstag. 8. Zuli, Dampferfahrt nach Möllenhorst. Abfahrt für Köpenick, Grüna», Bohnsdorf 0 Uhr Lniscnheim,. ssriednchs, Hagen um 8 Uhr am Tunnel. Teilnehmerkarten sind noch bei den ssunl. tlonijrinncn zu habe». Abt. Das fiie heute, MItwoch, 2. Juli, geplante Kakfcclochen in Pliissen» fre findet mit Rücksicht auf das Konfumkaffeckoche» und die Krcisvrran» staltung am 8. Juli nicht statt. Abt. fsreitag, 4. Juli, Mo'orbootfahrt nach der Berliner Schweiz um 10 Ubr von der Wiidendruchbrllcke, Reuiölln, Reederei Langwald und Schmolte. Treffpunkt o'e Ubr am Boot. fZahrncrbindung: Straßenbahn 3 vom Hallcfchcn Tor. Blllcherstraßc ab. oder!>8 bis Wildenbruchflraßc. Alle Genossen und Genossinnen nebst Kindern sind herzlich eingeladen. Jungsozialistische Vereinigung.' Spiclgemeinschast: Morgen. Donnerstag, wichtige Zusammenkunft 20 Uhr im Jugendheim Porckstr. ll. All- eingeladenen Genossen werden bestimmt er- warte«. Intercsscnte» willkommen. Gruppe Neukölln: Heute, Mittwoch, 1914 Uhr, Jugendheim Treptower Straße 95—96, Vortrag:„Psnchologic und Marxismus". Refcrcntin Anna Hortoch. Arbeltsgemeinschast der kindersreunde. Gruppe Rariendars: Sämtliche Zeltlogerteilnchmer treffen sick» um 9 Uhr ifhaussec. Ecke Äaiscrstraße(Rotc-Dallen-Ecke) am lsrcitag, 4. Juli. Pünktlich- kell ist Pflicht. Ritte: Die Rachunicrsuchung der Kinder findet heute, Mittwoch, für die Gruppen Toller, Pappelplaß, Matleotti, Haas« und Liebknecht bei Dr. Wr>god- znnsti, Monbijouplaß 10, um 19'.4 Uhr: äir die Gruppe Engcliifcr bei Dr. Easimir, Magazinstr. 5. um 10 Uhr statt' Geburtstage, Jubiläen usw. 23. Ab4. Unserem langjährigen Funktionär Wilhelm Hcmpcl und seiner Wcggcnosssn zur Silberhochzeit unsere besten Wünsche. 81. 134. «1. 114. 16. 39. Voriräge,VereineundVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. EebaNianstr 37-3«. Hol 2. Tr. Mitte: Mittwoch, 2. Juli, 20 Uhr, 4. Kameradschaft, Versammlung Stralau-r Str. 10.— Donnerstag. 3. Juli. Prenzlauer Berg, Jung- banner: 20 Uhr Zusammenkunft sämtlirfter Iugendobleute bei Menschel, Ebers- maldcr Str. 29. Lichtenberg, Iungmannschast: Echußsportler 18 Uhr vollzählig auf dem städtischen Vollopark in der Trcskowallee, Ecke Uppstallweg. Handball und Wurfspeer sind zur Stelle.- Freitag, 4. Juli. Kr-uzbcrg. Zug I: 29 Uhr Monatsversammlung bei Sechak, Willibald-Alexts-Etr. 3. Zahlreiche Beteiligung erforderlich aharl-ttenburg, Kameradföiaft Westend: 20 Uhr Versammlung de: Echellbach. Känigin�lisabeth-Siraßc. Vortrag«am. Dr. Laubach:.Reichsbanner und Faschismus". Angehörige und Gäste sind eingeladen. Pankow, Kamerad. schakt Süd: 20 Uhr Kameradfchastsvcrfammlung bei Kobcr, Berliner Etr.«6. Reinickeudo rf-Ost< Kameradschaft): Mitgliederversammlung im Bcreinslokal. Reich.bnnd der Krieosb-schäoiaten.«riea-tcila-hmer und Krieaerhintcr. bliebenen. Osten v. Monatsvcrsammlung«m Mitt-woch, 3. Juli, 20 Uhr, im Vereinslokal, Schmidts Gescllschsftshaus, Fruchtstr. 3".,. Deutsche Hochschule sür Politik, Gommersemestcr lg30. Zwei Condcrvorträge im Hörsaal lll dc» Hochschulgebäudcs. Schinkelplatz 0. am Freitag. 4. und 11. Juli. 19 Usir. Dr. Ä. Tsiiemt':..Wahlreform und deutichec Parlamontaris- mus". Dr. S. Neumann:„Partcikrise und Partcienbewtgung. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Verlin cklasendungen für diese Rubrik nur an das Zuaend-ekretorw» __ J'trfln«SD 6�. ClndtnOrofte 3 Streichorchester Groß-Berlin: Heute 19 Uhr Pflichtprobe im Altersheim Dan�iger Str. 62. Milgliederversammlungen. heule. ZNillwoch. 2. Juli. Spandau: Iugendhei» Lindenuker 1.— Falkenberq: Jugendheim Gutshof.— Gesundbrunnen ll: Jugendheim Or:hstr. 10.- Wedding: Jugendhe.m Turrner Ccke Seestraße.— Hohenschönhausen: Schule Dinqelstädter Str. 59.— � durqer Viertel: Jugendheim Ebertpstr. 12.- Luisenstadt: Zugrndhe'.m Wasser- torstr. 9. Neichenberger Bieriel: Jugendheim Britzer Sie. 27— 30.- Ltuden- Hof: Im Jugendheim der Siedlung.- Charlotten bura-Rord: Jugendheim Olbersstraße.— Lankwitz: Iugendheinr Schulstr. 15.— Tempelhof: IugcnohelM l�ötzstraße.— Friedrichsfelde: Jugendheim Gunlerstr. i\.—«aulsdorf: Zügen d- heim Adolfstr. 25—26.— Lichtenberg- Mitte: Jugendheim Scharnwcderstr. 29..— Lichtenberg-Norch: Gunterstr. 41. Mohlsdorf(Siedlung): Iugendherm Melanchtonstraße. Abstimmungen zum Sozialetat. Mißirauensanträge gegen Curtius und Gtegerwald abgelehnt. Der Reichstap nahm Iestern nachniittass zunächst die vom Abg. Ester eingebrachte und von soft allen Parteien unterschriebene Eni- schliehung sür eine Hilfsaktion für di« von der Besatzung befreiten Gebiete gegen die Stimmen der Kommunisten an. Abg. Torgler(Komm.) gab dazu eine Erklärung ab, di« die Hilfsaktion für die besreiten Gebiete als eine Irreführung der werk- tätigen Masten und sin« Aktion zugunsten der westdeutschen Unter- nehmer bezeichnet. In der fortgesetzten Beratung des Etats des Reichsarbeitsmini- steriums verlangt Abg. Büll(Dem.) beschleunigte Erledigung des Arbeitsschutz- gesetzes. Abg. Mönke(Chr.-nat. Bp.) fordert Sicherung dagegen, daß die Erwerbslosen ihre Unterstützung nicht bloß zum Vertrinken benutzen.(Erregte Gegenrufe links.) Die Kleinbauern stelle«: wegen der hohen Soziallasten weniger Arbeiter sin und müssen ihre Familienangehörigen ausbeuten. In der Krankenkasse Magde- bürg wurden bei einer Revision S1 Proz. der Kranken gesund- geschrieben. Diele kranke beziehen unrechlmäßigerweise Lohn und Krankengeld zugleich. Biele Arbeitslose lasten sich krank schreiben.(Empörte Zwischen- rufe links.) Wir wenden uns gegen Korruption an jeder Stelle. (Oho! links.) Abg. Dr. Pfesser(D. Vp.): Die Sozialpolitik ist mitschuldig an der schweren Krisenlage. Wir werden jetzt in der Arbeitslosen»?!'. sicherung das durchführen, was wir im vorigen Jahre gefordert haben und was uns, damals angenommen, unser schweres Defizit erspart hätte. Jetzt ist auch diese Reform nicht einmal ausreichend. Bei der Reform der Krankenversicherung ist die Arztfrog« da» wichtigst«. Das System der Amtsärzte lehnen wir ab: das Prinzip der freien Arztwahl muß aufrechterhalten werden. Arbeitercntlastun- gen führen so oft zu schwierigen Prozessen, daß man sehr begreiflicher- weise mit Arbeitereinstellungen sehr zögert. Will denn die Regierung wirklich das Washingtoner Achtstundenabkommen ratifizieren? An der Lohnstatistik des Genfer Arbeitsamtes sollte sich Deutschland nicht beteiligen, denn das dort angewandte System führt dazu, daß Deutschland als Land der niedrigsten Löhne hingestellt wird u. a. m. Daraufhin erhöht man die Zölle gegen uns und vergrößert unsere Arbeitslosigkeit. Um internationale Abkommen sollten wir ims nicht bemühe n�unsere Sozialpolitik bringen die nicht vorwärts! Die zehn Jahre Sozialpolitik haben bewiesen, daß es mit solch straffen Vorschristen nicht geht, versuchen wir es doch mit mehr Frei- heit!(Beifall rechts.— Gegenrufe links). Abg. Frau Arendsee(Komm.) spricht scharf gegen die Borsch sich- terung der Krankenversicherung. Abg. Beck-Oppeln(Z.) setzt sich noch einmal für ländliche Sied- lung im Ostgebiet ein. Zleichsarbeitöminister Siegerwald bestreitet, daß die Regierungsvorlage dem Ministerium von anderen Faktoren eingegeben sei, weder vom Unternehmerverband, wie Abg. Litke und der Vorredner, noch vom Krankenkassenführer Lehmann, wie Frau Arendsee behauptet hat. Das Ministerium hat seine eigene Meinung. Der Minister polemisiert dann gegen den Artikel von Litke im„B o r w ä r t s der Unrichtigkeiten und unausführbare VorschlägK eiithglle, D je. Au SMbon. i UI. Jsat..iili!l.-2l.rzn ei sind, in Deutschland so hoch, wie nirgendwo: Anstellung der Aerzte als Be- amte ist nicht möglich, ebensowenig die Abschließung fester Ver- träge mit Aerzten— also bleibt nur die Ucbcrnahme eines Teils der Kosten durch die Kranken selbst. Der Minister wendet sich unter leb- haften Gegenrufen der Rechten auch gegen ihre Argumente. Wir ver- handeln mit einer Bank über«ine Arbeitsbcschasfungsanleihe. Abg. Frau Marie Lüders(Dem.) warnt vor Optimismus in bezug aus die zukünftige Höhe der Arbeitslosigkeit. Die Arbeitsbe- jchaffung wurde bisher finanziell zugunsten der Arbeitslosenuntsr- ftügung vernachlässigt. Das Verhältnis muß von jetzt ab umgekehrt werden. Die Arbeitslosenversicherung muß in verschiedene Gesahren- klassen«ingeteilt werden.— Die Besprechung schließt. Es folgen Abstimmungen. Die gleichlautenden ZNihlrauensanträge der Dcutschnationalen und der Kommunisten gegen den Rcichsaußenminister Dr. Curlius werden in namenilicher Abstimmung mit 283 gegen 121 Stimmen bei 3 Enthaltungen abgelehnt. Angenommen werden Entschließungen aus Borstellungen gegen diebelgischeHaßpropatjanda im Kriegsmuseum Zeebrügge, sowie auf Ratifikation der Genfer Wirtschaftskonvention. Ange- nonmicn werden weiter Entschließungen auf Förderung des Studiums von Ausländern im Reich und umgekehrt. Auch die Anträge zum Arbeitsministerium werden erledigt, und dabei der kommunistische Mißtrauensantrag gegen Minister Slcgerwald mit 203 gegen 61 Stimmen der Links- und Rechtsradikalen bei 133 Enthaltungen der Sozialdemokralen abgelehnt. Die Entschließun zugunsten der Einführung eines Arbeits- dienstjahres wird nach Ablehnung einer Ausschiißberotung durch eine sozialdemokratisch- kommunistisch-nationalsozialistische Mehr- heit mit dem gleichen Stimmenverhältnis abgelehnt. Eine Entschließung der Rechten gegen den Zuzug„arbeits- und wohnungsloser Elemente" in die Großstädte wird gegen die Stimmen der Linken dem Ausschuß überwiesen. Sozialdemokratische Eni- schließungen über den Ausbau der Invalidenversicherung und Ein- beziehung nichwersicherter Betriebe werden an den Ausschuß über- wiesen. Bei einer kommunistischen Entschließung auf Berbot von Betriebsstillegung und Einführung des 7-Stund«ntages wird Aus- schußüberweisung im Hammelsprung mit 204 Summen der Rechten und der Kommunisten gegen 148 Stimmen der Sozialdemokraten und der Demokraten abgelehnt, die Entschließung selbst wird dann gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Der sozialdemokratische An- trag, den Reichszuschuß zur Arbeitslosenversicherung von ISO auf 225 Millionen zu erhöhen, wird gegen die Stimmen der Sozialdemo- traten und Kommunisten abgelehnt.. Eine Entschließung der Kommunisten auf Aushebung der Miet- erhöhung in Thüringen wird abgelehnt. Das internationale Ab- kommen über die Arbeitsbedingungen der Heuerleute wird verab- schiedet: Die Kommunisten stimmen mit den Deutschnationalen und anderen Reaktionären auf der Rechten dagegen, was die Sozialdemo- kraten laut feststellen. Nach diesen zwei Atstimmungsstunden vertagt sich das Haus um 19)4 Uhr auf heute 15 Uhr. Bin der Festsetzung der Tagesordnung beantragt Abg. v. Lindeiner-Wildau(Christi, not. Zl.-G), die' dritte Beratung der Amnestie vor die Weiterberatimg des Haushalts zu stellen. Dieser Antrag wird mit den Stimmen der Rechten und der Kommunisten angenommen, was vielleicht die Zustimmung der Kommunisten zu dieser Amnestie im Gegensatz zu ihrer Erklärung in der zweiten Lesung ankündigt. .. Heute zunächst klein« Vorlagen, dann Amnestie, Penstpnsetqt und Haushalt dos-Reichssparkommstsars., Frailtfurter Viertel: Iusirntisscim Frankfurter Allcc 307„Ein Taa im Gefängnis".— Kottbusser Tor: Jugendheim Beiher Str. 27- 30: Funktionär. sihung.— SS®. Neukölln: Jugendheim Bergstraße:„Erinnerungen zum Sozio. Iismus".— Zricdrtch»hagen: Jugendheim Friedrichstr. 87:„Anarchismus, Korn- munismus und Sozialismus".— Licktenberg-Rordweft:„Wirtfchaftsdcmolratic". — Karlshorst: Der Heimabend fällt heule aus. Nächster Heimabend Mittwoch, 9. Juli.— Pankow III, R. F.: Wir beteilige» uns an der Parteivcranstaltung. Treffpunkt 19% Uhr Marktplatz. Mitgliedsbuch mitbringen. Werbebezirk Neukölln: Sprechchorprobc auf dem Sportplatz in der Sonnen. alle«. Wir üben für das Waldfcst in der Äöniqsheide. Nachdem Spiel und Sport. Werbebezirk Prenzlauer Berg: lg'. Uhr im Heim Sonnrnbürger Straße Vor- sstzrndenkonfcrenz. Werbebezirk Westcu: Die Abteilungsleiter müssen bis spätestens heute alle Teilnehmrr zur Autofahrt am 6. Juli dem Genossen Rud. scheuch gemeldet haben. Sport. Rennen zu Strausberg am Dienstag, dem 1. Juli. 1. Rennen, 1. Lieferer(Eperjesty), 2. Partie, 3. Mentor. Toto: 15:19. Platz: IS, 11, 11:19. sterncr Ursen: Indra. Heideland, Ni< mosa. PeisnchS mal, Elia». Kißling. Groin, Slaffelstcin. S. R e n n c n. 1. Bergfcc lWolff», 2. Frauengunst, 3. Geschäftsfreund, 4. Monte Carlo. Toto: 53l: 19. Platz: 58, 13, 13, 14: 19. Ferner liefen: Bodo, Gräsin Minzi, Mainixe, Matrone, Ratisbona, Pflicht, Corhx, Dctita, Silvio. 3. R c n n e n. t. Alike lWolff), 2. La Poloina, 3. Florestan. Toto: 29:19. Platz: 12, 12: 19. Ferner Uesen: Narr, Zorndorf. 4. Renne n, I. Morganat(D. Schmidt), 2. Chapeau, 3. Prievlusa. Toto: 34:19. Platz: 12,11,14:19. Ferner liefen: Ambrosia, Saharel, Altmühl. Metamorphose, Petarde, Wegwart. Diomcde». 5. Rennen. 1. Hohenfels fHauler), 2. Jrrländerin, Ii Tornado. Toto: 29: 19. Platz: 14. 34: 19. Ferner Uesen: Othello, Gladiator. Der Querschnitt aus Boitdieus Oper„Johann von Paris", der am'Abend gesendet werden sollte, wurde— ossenbor aus Anlaß der Rheinlandbclreiuiigsfei-er— ersetzt durch eine Veranstaltung „Aus deutschen Oper n": ein angemessener Tausch. Barher sprach im Rahmen der Bortragssolge„Wovon man spricht", Viktor Schiff über die„Diplomatische Vorgeschichte der R h e i n l a» d s b e s r e i u Ii g". Er erinnert-daran, daß die Rhein- landbesesiung durch die alliierten Truppen die natürliche Folge der Abmachungen war, die Frankreich im Weltkriege getroffen hatte, um sich das Rheinland als Siegestrophäe zu sichern. Nicht durch groß« vertragliche Gesten, sondern nur uurch zähe, zielbewußte Ber- handlungen konnte dieses deutsche Gebiet der Heimat erholten und Zlirllckpcwonnen werden. Mit dem Erfolg dieser Bemühungen ist der Name Gustav Stresemanns verknüpft, des großen deutschen Staats- mann«, der lei!«r die Krönung seine« Werks, die Befreiung des Rheinlands nicht mehr erleben durfte.— Die Veranstaltung „Volksmusik aus iremdin Ländern" brachte eine über- raschend« Stimmbeggbuna. den Tenor Hanns von Loewen: vor das Mikrophon. Käte Conrad fpelte saubere, technisch gut gekonnte Klavierkompositionen im Rahmen dieser Veranstaltung.— Im . Programm der aktuellen Abteilung" gab es diesmal eine Führung durch die Betriebe der B e r I i n e r M ü l l a b f u h r. Es war aller- dings weniger Josef Delmontd oft übcrnaivcn Fragen zu verdanken, als den klugen sachlichen Antworten des leitenden Direktors, daß die Hörer einen Eindruck von der gewaltigen Ausdehnung dieses Unternehmens und der vielseitigen Verwendbarkeit der Abfall- Produkte einer Stadt gewannen. T«. 6. Rennen. 1. Henvill{Plälfc), 2. Darrja, 3. Variante. Toto: 26: 19. Platz: 15, 25, 91: 19. Ferner liefen: Balaton, Runktcr, Fclseu- Ipitze, Lebensmut, Ordensregel, Epbeu II. Mirim, Burggraf. 7. Rennen. 1. Rolensteiii(0. Schmidt), 2. Black Bridge, 3. Minne- klang. Toto: 39:19. Platz: 17, 16, 35:19. Ferner liescn: Felsen, Fatinitzli, Simplar», Borgia.___ Allgemeine Wetterlage. I.Jüli 4930. abds: 0woll srau möchte auch gerv unter die Dusche, aber vor dem Käfig steht ein Chinese freundlich lähelnd und der stört den Ticrkoloß. Er hat der Frau Walroß nie etwas getan, doch ärgert sie sich über ihn. Ist ihr, einem Poltier, sein Geruch etwa unangenehm? Was nun auch sein mag, weil sie sich über den lieben Nächsten ärgert, kommt sie zu keinem reinen Lebensgenuß. Ob solche Dummheiten nicht etwas Menschliches an sich hoben und übrigens nicht nur bei übel- launigen Walrossen vorkommen? Im sorgfältig aufgeschichteten Sttoh liegt ein kleiner, kranker Shellandpony. Die Nllllter ist so groß wie ein ausgewachsener deutscher Schäferhund und das Kind ist viel, viel kleiner. Es wurde im Stall geboren, es ist der Liebling aller. Es ward gestreichett und liebkost, man spiett« und tollt« mtt ihm. Und abends bei der Parade, da durfte es bereits mit in den Zirkus. Eine riesige Schleife bekam es in die kleine, spärliche Mähne gebunden. Ein Clown führte das Pferdebaby: die beiden gingen hinter dem größten Ele- fanten. Pony sprang vor Freude und versackte beinah« in der Spur des Dickhäuters. Das Publikum lachte und Elown und Pony waren frohgelaunt. Und nun ist Pserdchen krank und liegt im Stroh und sehnt sich nach dem Leben. Es ist doch so schön, dieses tausend- fach« Leben im Zirkusstall, von dem sich«in bunter Widerschein in den fiebrig großen Augen des kleinen Ponys spiegelt. Waffe SteUerflrOm: IVäfldßTVÖffBl E» war. mal ein Älterer Herr,, der einen Fimmel für lange. Fuß- tourrn hott«:- Er wanderte t>st stundenlang mit feinem-fünfzehn--- jährig«n Sohn chraußetr im Walde......... Eines Tages aber regnet« es Bindfaden, und da sagt« der Sohn zu seinen, Vater, der einen Fimmel für Bewegung hatte: „Heut« können wir doch nicht weggehen, Papa?" „Nein", sagte der Vater,„heute können wir nicht weggehen. Aber Bewegung müssen wir haben. Wir laufen zu Hause." Dann packten sie den Rucksack wie immer, und dann singen sie an, um den Eßzimmertisch herumzulaufen. Der Jung« trug den Rucksack. Als sie zwei Stunden gelaufen waren, sagte der Alte: „Jetzt wir» uns ein bißchen Frühstück schmecken! Wir wollen uns hier ins Grüne setzen und essen." lind dann setzten sie sich auf den Fußboden, und der Junge packte das Frühstück aus. Plötzlich entdeckten sie, daß sie den Korkenzieher vergessen hatten. „Du. mußt nach Hause laufen und den Korkenzieher holen", sagte der Vater. Der Junge ging ans Büfett, um den Korkenzieher zu holen. „Nein, Freundchen", sagte der Vater,„ich habe gesagt, du sollst nach Haus« laufen, um den Korkenzieher zu holenl" Da mußte der Junge' zwei Stunden lang zurücklaufen, und unterdessen lag der Alte da und las die Morgenzeitung. Als der Junge wiederkam, wurde gefrühstückt.. Dann ruhten sie sich aus, und dann sagt« der Alt«: .Letzt gehen wir»ach Hause." „Weißt du was, Papa", sagte der Junge,„ich bleibe hier,— ich gehe morgen nach Hause." Und das tat er auch. (Aus dem Schwedischen von-Zlg« Avenstrn» und fflifadcU) Treitel.) Eine Elfeinbeiukullur In Alaska, lieber ein« der ältesten und größlen Kulturen der neuen Welt, die sich gerade unter dem Polar- kreis aui den Tundren von Nordwestalaska entialtete, sind in letzter Zeit überraschende Einzelheiten bekannt geworden. Die erste Kunde von kunstreich aus Elfenbein geschnitzten Werkzeugen, die unter der gefrorenen Erde des hohen lltordens gefunden wurden, stammt aus dem Jahr« lS26. als ein amerikanischer Anthropologe in Alaska einige prächtige Elfenbeinaegenständc fand. Diese Arbeiten, die mit stilisierten Figuren und Ornamenten bedeckt waren, wurden aus den alten� Wohnstätten von Eskimos ausgegraben und ihm über- bracht. Seitdem sind in den folgenden Jahren große Mengen van Erzeugnissen dieses„Elienbeinzeitallers" zusammengebracht worden, aber nach einem Bericht der„Umschau" ist bisher noch nichts Sicheres über das verschwundene Volk in Erfahrung gebracht worden, dos diese Gegenständ« geschaffen Da» weitblickende Amerika. Der Vorsitzende des USA. Ein- Wanderungskomitees brachte im oeuat einen Gesetzentwurf ein, dem zufolg« jedes im Flugzeug. Luftschiff oder Unterseebot geboren« Ein- wondererkirtd die Nationalität des Daters besitzen soll. Der Niesenflnger. Der kleinste Finger der berühmten antiken Statu« im Hafen von Rhodos, des sogenannten Koloß, war noch annähernd zwei Meter läng. Da»»Kind der Uleeresjungfrau". In den chinesischen Ge- wässern bei Hongkong lebt ein Fisch, der das Aussehen eines Kinds- kopfes hat. mit Augen, Mund, Nase, Ohren und zwei eigenartigen Flossen. Bei den Chinesen ist dieser settene Fisch als.Kind der Meeresfungfrau" bekannt, da er Laut« von ssch gibt, die dem Schreien des Kindes ähneln. Das Messing ist eine Legierung von Kupfer und Zink. Es wurde m Demschland zum ersten Malc von dem Nürnberger Eras- mus Ebener im Jahr« tSSE hergestellt. Tlr. 303» 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 2. Juli 1930 Neues Recht— alte Llnvernunst. Die Beratungsstelle soll fortleben.- Die neuen Richtlinien. Das Reichssinanzmimslcrlum hat zum Sonnabend cinc Kon- fcrenz der Ländervertreter einberufen,, in der über die »eijcn Richtlinien für die Beratungsstelle vcr- handelt werden fall. Ztachdcin, was über die neuen Richtlinien be- könnt geworden ist, gewinnt man den Eindruck, als ob die schweren Schädigungen des Beschäftigungsgrades der deut- schcn Wirtschaft, die von der falsche» Politik der Unterbindung von öffentlichen Anleihen durch die Beratungsstelle in den vergangenen Iahren ausgegangen find, noch nicht genügt haben, um das Reichsfinanzministerium zu einer wirklichen Umkehr zu bewegen Es verlautet z. B., daß die Kontrolle der Auslandsanleihen der Gemeinden im wesentlichen wie bisher fortgesetzt werden soll. Der einzige Unterschied(der allerdings als ein gewisser Fortschritt anzu- erkennen wäre) soll darin liegen, daß der Berwendungs- i w e ck und die Dringlichkeit der einzelnen Anleihen künftig von den zuständigen Zentralb lchtirden der Länder geprüft werden und diese Zentralbehörden bei der Weitergabe der Anträge an die Beratungsstelle zu erklären haben, daß sie die Frage der Zweck- inäßigkeir und produktiven Verwendung der Anleihen bejahen. Die Beratungsstelle selbst soll dann lediglich die Bedingungen der Anleihe < fföhc der Verzinsung, Emiffionskiirs usw.) zu prüfen hoben. Diese Prüfung der Bedingungen Hot sich auch aus kurzfristige Kredite der Kommunen zu erstrecken. Diese Regelung bedeutet im wesentlichen, daß die Frage, ob es im gegebenen Augenblick nützlich ist, zu bestimmten Be- dingungen Auslandskreditc aufzunehmen oder nicht, nach wie vor von der Beratungsstelle allein zu entscheiden fein wird. Es unterliegt keinem Zweifel, daß auch, wenn man damit rechnet, daß die Zentralbehörden der Länder vernünftigere Richtlinien hin- stchtlich der Beurteilung der produktiven Verwendung befolgen lönnten, als sie früher von der Beratungsstelle unter dem ent- scheidenden Einfluß des Rcichsdankpräsidenten Dr. Schacht aufge- stellt worden sind, doch die Deralungs stelle weiter auf dem Wege über die Bedingungsfrage eine zentrale hrrrfchaft ansüben kann. An Stelle der Selbstkontrolle, die die Gemeinden in den unter Führung des Städtetages eingerichteten Areditausfchüsfen zu üben bereit sind, soll also die Bevormundung durch eine Instanz ausrecht erhalten bleiben, die ihre Unfähigkeit, die Entwicklung des internationalen Kapitalmarktes richtig einzuschätzen, in den vergangenen Jahren nachdrücklich bewiesen hat. Aber man begnügt sich nicht einmal damit, den bestehenden Kontrollapparat im wesentlichen zu erhalten, sondern man will ihn auch aus die kommunalen Inlandsanleihen ausdehnen. -hier soll zwar dos Genehmigungsrecht bei den Landern»er- bleiben. Die Länder ihrerseits aber sollen sich verpflichten, kein« Anleihen zu genehmigen, deren Bedingungen den Richtlinien, die die Beratungsstelle von Zeit zu Zeit ihnen bekanntgeben wird, midcriprechen. Die Länder sollen auch verpflichtet fein, der Be- oatungsstelle die ihnen vorliegenden Anleiheanträge mitzuteilen und die Beratungsstelle soll das Recht haben, hinsichtlich der Be- dingungen Einspruch zu erheben und Abänderungen zu fordern. Die Tendenz der neuen Richtlinien ist offenbar durch ein gewisses Entgegenkommen in der Form an die zentralen Beizörden der Länder, die Kontrolle über die Kapital b« f ch a f f u n g der Gemeinden und anderer öffentlicher Selbstverwaltungskörper möglichst fest auszubauen. Das birgt praktisch die Gefahr in sich, daß die für eine Erweiterung der Beschäftigungsmöglichkeitcn in der deutschen Wirtschaft so dringend notwendige Zufuhr von Auslandskapital in der Form langfristiger Kommunalanleihen weiter gehemmt bleiben wird, und daß im besonderen durch einen schwerfälligen bürokratffchcn Apparat es den Gemeinden un- möglich gemacht werden wird, einen günstigen Augenblick im Ver- kehr mit ausländischen Kreditgebern auszunutzen. Die Zusammensetzung der Beratungsstelle soll nach den Plänen des Reichssinavzministeriums u n v c r- ä n.d e r t bleiben. Wenn diese Pläne verwirklicht würden, so be- stände die einzige Hoffnung darin, daß der Einfluß der Reichsbank nach dem Ausscheiden Dr. Schachts weniger unvernünftig sein wird als früher. Aber auch diese Hoffnung ist sehr ungewiß. Deshalb erwarten wir, daß die Regierungen der Länder sich weigern, diesem Abkommen, das im wesentlichen der ungünstigen Aufrechterhaltuag der Hemmungen für die ausländische kapitalem- fuhr dient und da, Sonderrecht für den össeatlichen Kapitalbedarf gegenüber dem privaten Kapitalbedarf verewigen will, ihre Zu- stimmung verweigern würden. Das Gebot der Stunde in diefer schweren Krise am Ar- beitsmarkt ist nicht ein« Airfrechterholtung und Erweiterung des bürokratischen Hemmungsapporates, fondern die freie Bahn für mögliche Ausländsanleihen der Gemeinden, damit sie durch Konsolidierung der unter dem Druck der Anleihe- sperre angewachsenen schwebenden Schulden wieder beweglich für eine vernünftige Politik zur Förderung der Arbeits- beschaffung werden. Wenn man sich durchaus nicht ganz von der Beratungsstelle trennen will, deren Funktionen an sich durch die Kreditausschüsse der Gemeinden und des Aufsichtsrates der.zentralen Behörden der Länder hinreichend erfüllt werden können, so soll man wenigstens die Beratungsstelle zu dem umgestalten, was sie ihrem Namen nach fein sollte, nämlich zu einer zentralen Instanz zur Unter- richtnng und Beratung der Länder und der Kreditaiisschüsse der Länder, der aber das Einspruchsrecht vollkommen ge- nommen werden muß. Wenn das Rcichsfinanzministerium statt dessen die Herrschaft diefer Instanz ausbauen will, so dient es damit nur den Interesienwünschen, die aus Feindschaft gegen die öffentliche Wirtschaft die Gemeinden weiter in der Geldbefchasfung drosseln wollen. In dem Augenblick, in dem alle polstijchen Kräfte ein- gesetzt werden muffen, um die Belebung der Wirtschaft zu fördern, wirkt es geradezu he-r ausfordernd, wenn man die Jnftru- mente zur Hemmung der Kapitaleinfuhr und damit zur Hemmung der Besserung am Arbeitsmarkt noch verschärfen will. Diesen Plänen muß von der Sozialdemokratie der schärf st« Widerstand entgegengefetzt werden. Wir fordern Er- leichterung für die Auslandsanleihen der Kommunen, weil nnr ver- mehrt« Arbeitsmöglichkeit schaffen wollen, und nicht die Bergröße- rung eines behördlichen Apparates, der uns nur Schaden ge- bracht hat. Eine große Metallfufion. Berg— Heckmann— Selve und Walzwerke der Metall- gesellschast werden fusioniert. In der Metallhalbzeugproduktion für Kupfer, Nickel, Aluminium und andere Nichteffenlegierungen(XS-Metalle) wird eine bedeutsame Konzentration durch Fusion erfolgen. Die Aussichtsräte der Berg- Hcckmann-Selos A.-G. Altena und der Frankfurter Metallgefellfchaft treten am 3. Juli.zusammen, um die Fusion der acht Betriebe des Berg-Heckmann-Selve-Konzerns und der Metallbank-Walzwerke in Heddernheim, Köln-Ehrenfeld, Nürnberg-Schweinau sowie eines Drahtwerkes und zweier Kabelwerke in Mainz-Vustavsburg und Mannbeim, die ebenfalls der Mctallgefellschaft gehören, zu beschließen. Der Berg. Heckmann- Tel v«-Konzern beschäftigt an- nähernd 400» Arbeiter, hatte 1928/20 einen Umsatz von 85 Mill M., erhöhte 1928 sein Kapital von 16 auf 2» Mill. M, blieb aber im letzten Geschäftsjahr ohne Dividende. Das Konzentrations. b e d ü r f n i s dürfte in erster Linie von diesem Konzern ausgehen. Die Werke der Metallgesellschaft haben rentabler gearbeitet, wenn auch Einzelheiten über die Gewinnrechnung unbekannt geblieben sind. da sie im Metallkonzern als G. m. b. H. geführt werden. In erster Linie wird durch die Zusammenfassung der Produktion deren Ber- b i l l i g u n g erstrebt. Ob und welche Werke stillgelegt werden, ist noch nicht bekannt. Die Fusion ist auch deshalb schwierig, well Reichsinter- essen dabei betroffen werden. Die Vereinigte Industrieimter- nehmungen A.-G.(Viag), die dem Reich hundertprozentig gehört. hotte für ihre Aluminium-Ünternehmungen bisher W a l z v c r t r ä g e mit. dem Berg-Heckmann-Selve-Konzern, die auch in einer B e- teiligung von etwa 33 Proz. kapitalmäßig zum Ausdruck kamen. Die Metallaesellschaft dürfte bisher nur etwa 2 bis 3 Mill. M.. d. h. höchstens«iit Sechstel der Berg-HeckmanwSeloe A.-G. besessen hoben. Da sie jetzt ihre, wenigstens vom Standpunkt der Rentobili- int überlegenen Walzwerke in den neuen Konzern einbringt, wird die M o j o r i t ä t der neu zu bildenden Gesellschaft bei der F r a n k- surter M e t a l l g« s e l ls ch o f t liegen. Sowohl die Verträge der Viag als auch ihre bisherige Beteiligung bleiben aufrechterhalten. Wir hören, daß die Viag bei der wahrscheinlichen Erhöhung des Kapitals der neuen Gesellschaft über 2» Mill. hinaus auch in einem entsprechenden Umfang neue Aktien beziehen wird. Zunächst dürfte bei Berg-Heckmann-Selve eine Kapitalzusämmenlegung erfolgen, worauf für die neue Gesellschaft dos Kapital wieder erhöht wird. Ausmaß der Zusammenlegung und Kapitalerhöhung sind noch nicht bekannt. Zwischen Viag und Metallgesellschaft werden durch diese Fusion die Fäden noch enger geknüpft, nachdem bisher schon durch eine gemeinsame Gründung(Bereinigt« Leichtmetall- werke G. m. b. H. in Bonn) freundschaftliche Beziehungen bepanden. Die(Selbstkosten im Maschinenbau. 'Zwanzig Prozent entsollen auf kartelliertes Rohmaterial. Aus einer Tagung des Vereins der Märkischen Klcineiseli- industrie machte Direktor Longe vom Verein Deut- scher Maschine nbauan st alten(VDMA.) in einem Vortrog über„Selbstkostenkrise und Eisenwirffchaff" Mitteilungen über die Kostenbestandteile im Maschinenbau, die angesichts der gegenwärtigen Diskussionen über die Eisenpreissenkungcn von beson- d-erem Interesse sind. Gegenwärtig entfallen danach im Maschinenbau von den gesamten Selbstkosten etwa 50 Proz. aus Tariflöhne und Gehälter, aus Steuern und Gehälter außer Tarjs 7 bis S proz.. ans nichlkartelllerte Materialien ebenfalls 7 bis S Proz. und nicht weniger als 20 Proz. sämtlicher kosten kommen aus kartellierte Rohmaterialien, unter denen naturgemäß das Eisen eine besondere Rolle spielt. Die Tariflöhne und Gehälter seien seit dem Herbst 1927 um etwa 13 Proz. gestiegen,(lieber die Leistungssteigerung der Belegschaften wurde nichts gesagt.) Die Preise der kor- t silierten Rohmaterialien seien seit 1927 um S Proz. in die höhe gegangen, während die Preise der nlchtkartellierten um 24 Proz. zurückgegangen sind. Direktor Lange sogt mit diesen Ziffern an sich nichts Neues. In äußerst einprägsamer Weise zeigen aber die Ziffern über die Kosten- entwicklung im Maschinenbau, wie sehr jede wirtschaftliche Hemmung in der Entwicklung des Maschinenbaues und die Ueberwindung der Krise für die Maschinenbauanstalten von der Gestaltung der Kartellpreise abhängig sind. Wenn die von Direktor Lange angegebene Lohnsteigerung richtig ist, so wird er sicher nicht bestreiten, daß diese Lohnsteigerung deshalb keine Belastung im eigentlichen Sinne darstellt, weil auch die Leistungen in einem ent- sprechenden Verhältnis stiegen. Eine hundertprozentige Belastung stellt dagegen die Erhöhung der Kartellpreise dar. Ob das Reichs- wirtschaftsministerium, ob dos Reichsarbeitsministerium daraus «ine Lehre ziehen werden? Die Wirifchast im Juni. Die preußischen Industrie- und Handels- k a m m e r n stellen fest: Die Wirtschaftslage zeigt« bisher noch keine wesentliche Besserung. In Bergbau und Eisenindustrie blieb die Lage gedrückt. Nur im Braunkohlen- und Kalibergbau war eine Belebung sestzustellen. Auch in der Maschinenindustrie hielt der unbefriedigend« Absatz an. Die chemische Industrie konnte ihren verhältnismäßig günstigen Stand nicht überall behaupten. Elektrotechnisch« und Werftindustrie klagen ebenso wie Automobil- und Filmindustrie und fast alle Konsumgüter. industrien über Absatzmangel. Im Handel trat nur teilweise eine geringe Belebung«in. Das gleiche gilt vom Handwerk. Das Kurs- moeau ging weiter zurück. Nur im AußenhanM für Mai zeigt« sich ein günstiges Moment, da der Ausfuhrüberschuß von 266 Millionen einen Export an Fertigware in Höhe von 78,9 Millionen Reichsmark auswies. Altes Bankhaus meldet schwere Verluste Kreditoren bei Speyer-ElUssen um über 40 proz verr.ngert. Eines der ältesten und besonders durch seine Ausland;- beziehungen bekanntesten deutschen Prinatbankhäuser, die Lazaro- Speyer-Cllissen Kommanditgesellschaft aus Aktien in Frankfurt und Berlin, meldet in seiner mit großer Verspätung veröffentlichten Bilanz- und Gewinnrechnung sehr bedeutende Verluste für das Jahr 1929. Es dürfte die erste Berlustbilanz sein, die dieses alte Bankhaus aufzuweisen hat. Gegenüber dem Vorjahr wird ein Bruttoertrag von nur 2,98 gegen 7,97 Mill. M. ausgewiesen, und nur durch den Rückgang der Handlungsunkosten von 5,20 auf 2,98 Mill.(wieviel stille Reserven müssen im Borjahr unter den Handlungsunkosten gebildet worden sein!) ist es erklärlich, daß nur ein Verlust von 996»»» M. aus- gewiesen wird gegenüber einem Reingewinn von 2,77 Mill. im Jahre 1928. Die Bilanz und Gewiniirechnnug kamen zustande, nachdem die englische Remsionssirrna Price-Waterho.ise die Geschäftsunterlagen auf das gründlichste geprüft und starke Abschreibungen vor- genommen hatte. So wurden dos Galeries L a f a y c t i-Geschätt und die Risiken aus der Beteiligung des F a o a g krachs und der Frankfurter Drcyfus-Insol'oetiz voll abgebucht; ebenso wurden sehr beträchtliche Abschreibunge» aus Änrsverlusten in amerikanischen Kunstseideaktien und aus der Beteiligung am Börsen- stützungskonsortium vorgenommen. Ans diese Weise wurden die Bilanzzissern sehr stark zusammengestrichen. Di« Summe der fremden Gelder(Kreditoren), die Ende 1928 noch 72,72 Mill. betrug, erscheint in der neuen Bilanz sür Ende 1929 nunmehr mit 43.59 Mill. Abgesehen von der Deutschen Effekten- und Wechselbank in Franksurt, wo nach der Fusion mit der Bereinsbank ebenfalls gewaltige Zusammenstreichungen in der Bilanz vorgenommen wurden, ist Speyer-Ellissen das erste große Bankhaus, das ganz offen die schweren Verlust« bereinigt, die das Bankenjahr 1929 wohl allen großen Kredit- und Effektenbankcn in Deutschland gebracht hat. f „Nora"-Rundfunk-Gewinne 56 proz.! Oer erste Abschluß der Berliner Aron-Werke. Die?l ronwerke Eleiktrizitäts A.- G., Berlin-Char- lottenburg, find durch eine Fusion(mit 8 Mill. M. Kapital) aus Unternehmungen der Elektro, zubehör- und der Radio-Industrie ge- gründet worden, die dem jetzigen Auffichtsratsvorsttzenden Manfred Aron nahestanden. Die Gesellschaft konnte in ihrem erst e n G e- schäftsjahr 19 29 den Umsatz, den die in ihr vereinigten Gesellschaften 1928 zusammen erzielt hatten, um 39 Proz. steigern. Besonders der Absatz der Radio-Abteilung, in der die „Nora"-Rundfunkgeräte hergestellt werden, machte erhebliche Fort- schritte. Den gesteigerten Anforderungen der Fabrikation und des Vertriebes, an den die Verwaltung sehr erhebliche Unkosten(2,38 Mill.) wandt«, wurde durch die Errichtung eines neuen Fabrik- betriebes in Charlottenburg und durch Erwtiteriing des Fabrikgebäudes in Schweidnitz Rechnung getragen. Die Aronwerke verteilen für das erste Geschäftsjahr 19 Pro z. Dividende, nach Rückstellungen, die weit über den Rahmen de» Ueblichen hinausgehen. Bom Fabrikationsgewmn werden P69 999 M' gleich 1 2 P r o ,z. des Aktienkapitals zu Abfchreibun- gen verwendet, 399 999 M. zur Erhöhung des. gesetzlichen Reservefonds, weitere 399 999 M. zur Schaffung eine? z we i t e n Res« r ve- f o n d s und 95 999 M zur Erhöhung der S t e u e r. r e j e r o c auf 9,86 Mill. Da von dem Gesamtkapital bis jetzt nur Z,39 Mill. M. Aktien ausgegeben sind, hat die Gesellschaft im ersten Geschäftsjahr anscheinend 5 6 Proz.(—2,02 Mill. M.) der aisgelegten Mittel verdient! Verbilligung des ReaZkrediis. Hannoversche Bodenkredilbank geßt zum Iprozeniigen Pfandbrief über. Wie wir hören, hat auch die Hannoversche Bodenkreditbank Hildesheim-Berlin, die der Bank der?l r b e i t e r, Auge- stellten und Beamten nahesteht, sich zur Herausgabe von 7prozentigen Goldpfandbriefen entschlossen. DalNit ist das dritte größere Bodenkreditin st itut zum 7prozentigen PfanS- bricf mit der Absicht ü' ergegangcn, den Realkredit für den Bau- markt zu verbilligen. Einen Forffchritt stellt auch der Emissions- kurs der Hannoverschen Boden dar. Die neuen Psandbri.'se sollen zum Kurs von 96'/.! Proz. in den Verkauf gebracht werden. Lebenshattungsindex im Luni gestiepen. Di« Reichsinderziffer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und„Sonstiger Bedarf") belauft sich nach den Festellungen des Statistischen Reichsamts für d-m Durchschnitt des Monats Juni auf 147,6 gegenüber 146,. im Vormonat. An dieser Steiger ung sind im wesenllichen die Be- darfsgruppen„Ernährung" und„Wohnung" beteiligt. Innerhalb der Ernährnngsausgaben konnte im Monatsdurchschnitt die Erhöhung der Preise für Gemj�e, Eier, Kartoffeln sowie Brot sind Mehl durch den Rückgang der Preise für Milch und Butter, die in der zweiten Monats- Hälfte wieder angezogen haben, sowie Fleisch»nd Fleischwaren nicht ausgeglichen werden. Bei den Wohnungsausgaben wirkt« sich die Heraufsetzung der staatlichen Grundvermögenssteuer in den preußffchen Gemeinden aus. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen(1913/14— 199): für Ernährung 142,7, für Wohnung 129,8, für Heizung und Beleuchtung 149,4, für Bekleidung 166,8, für den„Sonstigen Bcdars" einschließlich Verkehr 193,6. Die Bayerischen Spiegelglasfabriken Bechmann-Kupfer A.-G. oerteilen für 1929 fünf Proz. Dividende, gegen sieben Proz. im Vorjahr: der Reingewinn ist von 9,24 auf 9,19 Mill. M. gesunken. Die Gesellschaft, die als Außenseiter mit dem Spiegelglassyndikat konkurriert, gibt einen unzulänglichen Geschäfts- bericht heraus, der keine Erklärung für den Gewinnrückgang bietet. Die Verwaltung berichtet im wesentlichen nur, daß für die Spiegel- glasproduktion eine U m st« l l�i n g in die Wege geleitet sei. die im lausenden Geschöstsjahr eine Senkung der Gestehungskosten sichere. K* ) ....................) Theater, Lichtspiele usw. PLAZA Tagl. S u. 815 Sonnt. 2, 8n. 8» Alex. E 4, 8066 Internationale Attraktionen Theater 1. d. Bebrenstr. 33-54 «i/a U. A4 Zentrum 926-927 8»/a U. OlreldioD Ralph Arthur Roberts Hein Vetter Eduard Schwank In z Akten von Fred Robs pösi -Theater Große Frankfurter Str. 132| Täglich 8.15 Uhr (Sonntagb auch vis Dbr); „öle andere Seite 3 Akt« von SheriS. [ mit Gotthard Boge, Arthur) Malkowsky. Rohort Müller, Paul u. Willi Rot«. Franz Stein. Erich Wild«. Regio: Robart WOIIar.| Aul dar QartanMhna, nur noch bis kommanden San itaband, das Rleaen-Erlftnungsgrogranim und| Lese. Lotte. Liese' Vom 6.— 9. Juli: Rasenfest im Rose-6arteri 1 Tausande veo Rosan. RJasee- reuamrarfc.- Willi Rosan am 1 FICboL Tenr Im Fralen.••tOu:| „Verliebte Leute" Opareu« von KOnnalca. Vorvarkauf tkgL von 1 1— 1 Ohr vorm. u- 3—e Cbr abds. Reichshallen-Theater Ul Ohr stettinsr sanger Das oroß© Programml Variete— Konzert- Tanz ZD Mittwocb, den 2. Juni nocbmlttaft« S'b Uhr. ToUMbttiine Thetfr jb Blliwplah. m Uhr Julius Caesar ksgla! Karl Bciiu Martin Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Deoisdies lüeater D 2 Weidsmtainni 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg.; Max Reinhard) Mnsh; fritiri* Honaendar. Bihnaabllilir Emt kbUttg. Kammerspiele D 2 Wsldendamni 5201 9 Uhr Oastspisl datSpialgemein- sdiaft Berliner SdiaiJTplder Krach um Leutnant Blumenthal von Alfred Herzog. Sommerpreise Die Komödie II Bisynck.2414/7516 8'fc Uhr fie werde ich»ich und glWich? Rn Renn In 11 tMalmj'.n «n fslir laai'cKM. MM rnn Media Sjcliamty. dsgls: Erl* Enssl Bühnenbilder; Udvlt üiinir Saraowslty-Sülineo Tiieaiar in I« Sirasemtuaisu. Täglich Sty» Uhr Mich VMg.hllidBgiiMj B«rilner Prot er Kastanienallee 7—9 Täjliii Anknj 4 Du der große Varletd- Teil Eine entzückende Burleske 8.16 U- Qustl Beer, Gretl Lilien, Alex Haber, V. von Kobylansk« in die Sose vonSiarabnl Operette in 3 Akten von Leo Fall firoBas Kail ub oth sn Eintrittspreis von SO PL an. Deulsehes KOnsner-Theat. 8>d Uhr Barbarossa 3937 Vorktite lutflmug! ..Ich tanze um aieVeltmildlr" Brroerra Sdtlffnr um) HnllaoidÄr Ben&issanoe- Theater 9 Uhr steinplatz 6780. Die VuDder-Bar Revuestück 87: 4 Geistiait: äicutöUn. Scrmannplat 7: 3. Geschast: Belle-Alliante-Eirane 93,—, Unterarund» bahn; 4. Geschäft:»ottbuffcr Etrafie 28, gegenüber Elitesanger.__* Ohne Aa,adl»ag bis 24 Monatsraten. Schlaf, immer. Süthen, Ankleideichränke. Metallbettslellen, Chaiselongues. Eolas, ssederbeüer. 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