BERLIN Mittwoch 2. M 193« LrscheluttSslichaußerSonntag«. Zugleich Abendausgabe bei.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben«sPf. pro Woche, 3,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition-, Berlin SWö8,Lindk»str. 3 SpJUautyciße x/eb 10 Pf. flr. 304 B 151 42. Jahrgang Anzeigenpreis: Die einspaltige Vonpareillezeile so Pf., Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwörtS-Derlag G. m. b. H., Berlin Nr.37S3«. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis W7 Eine Milliarde für den Osten. Bedenkliche Vollmachten für die Bürgerblockregierung. Auf der Tagesordnung der Mittwochsiyung des Ausschusses für den Reichshoushalt stand das im Ostausschuß bereits behandelt« O st p r o g r a m m in Verbindung mit dem Ergänziingsetat zum Reichshaushalt für Z030, der die Deckung für die geplanten Hills- maßnahmen bringen soll. Bevor in di« Tagesordnung eingetreten wurde, verlas det Vor. schert de einen ihm vom Rsichswshrminister zugegangenen Brief, in dem gebeten wurde, üt-er den in der Dienslagsißung des Aus- schuises einstimmig abgelehnten Antrag de» Reichswehr- Ministeriums noch einmal zu verhandelm Dieser Antrag ging dahin, zu den im Haushalt 1?3f> zum Ankauf von Remonten vor- gesehenen 4,9 Millionen, von denen nach dein Rothaushaltgeseß durch den Haushaltausschuß 2,8 Millionen zur Anzahlung bereits genehmigt worden waren, noch den Rest der Mittel in Höhe von 2,1 Millionen zur Verausgabung freizugeben. Abg. Ersiag(Z.) befürwortete die Bitte um nochmalig« sofortige Verhandlung. Von sozialdemokratischer Seite und vom Vorsitzenden aber wurde darauf Hingewiese«, daß nach der ständigen Proris des Ausschusses Vorlagen die endgültig erledigt seien, u ich twiederzurBeratungg« stellt werden können. Di« Herren in der Militärverwaltung mußten dal)er unverrithtctcr Sache abziehen und behielten sich vor, eine neue, geänderte Vorlage einzubringen. Das Ostprogramm wurde abschnittsweise beraten. Referent de- Ostausschusscs ist der Abg. Hergt(Dnot.). Die Beratung wird sich voraussichtlich aus mehrere Tage erstrecken, da schon bald nach Beginn der Verhandlung zwei Dutzend Anträge eingingen. An der Debatte über Ab- schnitt I über die landwirtschaftliche Siedlung beteiligten sich unter anderem die sozialdemokratischen Abgeordneten Mer- tins und Dr. H j l f e r d i n g. Letzterer führte aus, daß das ganze Hilfsprogramm ein weitgehendes Ermächtigungsgesetz darstelle, durch das die Regierung die Befugnis erhalle, im Laufe der Zahre über etwa 1 Milliarde zu verfügen. Er warf die Frage auf, ob der Haushaltsausschuß ein solches Ge- baren verantworten könne. Durch das Gesetz würden nach' außen hin ganz falsche Hoffnungen erweckt werden. Es fei ernsthaft zu erwägen, ob man das Gesetz nicht beschränken solle auf die' Mittel, die man in diesem und vielleicht im nächsten und über- nächsten Jahr zur Verfiigung stellen könnte. Man hätte nach Ab- laus dieser Zeit auch die Möglichkeit, Aenderungen im Gesetz vor- zunehmen, falls die Ausführung des.Gesetzes durch die Regierung nicht eine derartige sei, wie sie der Reichstag wünsche. Er mache auch darauf aufmerksam, daß sonst bei allen Garanticübernahmen stets ein G e g e n p o st e n in den E!at für das Risiko ein- gesetzt werde.' Hier sei derartiges nicht geschehen, trotzdem die Risiken sehr bedeutend leien. Er bitte um Auskunft, welche Summe in den nächsten zwei Jahren in Betracht kommen würde. Er halte es für richtig, die in Aussicht gestellte Hilf« genau abzustecken, um nicht in den beteiligten Kreisen später eine große Enttäuschung hervorzurufen. Der neuernannte Ministerialdirektor im Reichsernährungs- Ministerium Dr. Wachsmann antwortete sofort, daß man im Reichssinanzministerium in der Tat große Sorgen habe über die Risiken, die aus diesem Gesetz fließen. Richl�groß sei das Risiko nach allen bisherigen Ersahrungen bei den Siedlungs- k r c d i t e n. sehr viel größer aber bei der Umschuldungsaktion. Hier aber werde das Risiko dadurch herabgemindert, daß Preußen sich mit 5» Prozent bei der ganze» Aktion beteiligt. Man sei sich einig darüber, daß die Kredite nur in Wirtschaft- liche» Grenzen gegeben werden sollten, und in Durchführung des Gesetzes würden die Garantien auf ein beschränktes Risiko abgesteckt werden. Von der Einstellung einer Bürgschustsrücklagc im Etat habe das Finanzministerium abgesehen, weil in diesem Etat- jähr sicherlich kein« Ausfälle eintreten können. Im nächsten Etatsjahr müßten aber bestimmt für die Risiken Gegenposten im Etat auf. gestellt werden. Für die Siedlung käme zunächst ein Betrag von hg Millionen, für die Umschulung ein iolcher von etwa 199 Millionen in Frage. In welcher Weise der ganz« Umschuldungsbcdarf, der etwa K9V Millionen Mark betragen könnte, ausgebracht werden soll. darüber schwebten zur Zeit noch Pläne mit der Industrie. Der preußisch-bremische Vertrag angenommen. Die bremisch« Bürgerschaft hat am Dienstag den preußisch-bremijchen«taatsver- trog QCflen Stimmen der Kommunisten angenommen. Senator 2>r. Spitia als Leiter der bremischen Abordnung betonte daß Oer Vertrag.zum Nutzen des Gesamtmirtschastsinteresses des Vöeser- und Emsgebictes abgeschlossen worden sei. Oes Guten zuviel! Zu den Richtungskämpfen in der Rationalsoziaiistischen Partei OTTO STRASSEN ooeßßas Hitler:„Halt, halt! Soviel starke Männer wollte ich ja gar nicht haben? Zwanzigtausend Arbeiter im Streik. Sie wehren sich gegen Lohnabbau und Llniernehwerdiktatur. Bochum, 2. Juli.(Eigenbericht.) vorerst haben insgesamt etwa 20 000 Metallarbeiter e« abgelehnt, den von den Unternehmern diktierten durchschnittlichen Lohnobbau von 7% proz. hinzunehmen. Die Zahl dürste sich heule und ln den nächsten Tagen noch wesentlich vergrößern. Zn Hagen haben die Arbeiter des hasper Eisenwerke» die Lohnabbaubestrebungen geschlossen mit der Arbeitsnieder. l egu a g beantwortet. Der Betrieb beschäftinte etwa 30 0 0 A r» beiler. Sechs Opfer einer Famnientragödie. Selbstmord eines deutschen Ehepaares in Paris. London, 2. 3uli. Zu West.hartlepool wurden in der Wohnung eine» Arbeiter» der Familienvater und süns seiner sechs Kinder tot aufgesunden. Die Gasrohre waren durch- schallten. Dos jüngste Kind im Alter von l2 Monaten lebt« noch. Die Tragödie hatte sich in Abwesenheit der Frau des Arbeiters abgespielt. Paris, 2 Zuli. Der seit vier Zahr hier lebende Deutsche Harold von Eckordt, der Zugenieur in einer Rlotorensirmo war, und seine Frau Marie, sind in ihrer Wohnung tot ausgesunden worden. Sie hatten durch Einatmen von Leuchtgas ihrem Leben ein Ende bereitet. Zn einem hinterlassenen Brief geben sie an, daß Krankheil sie zu dem I Schritt veranlaßt habe. Oer 4S. Todesfall in Lübeck. Lübeck, 2. Zuli. Die Todeszisfer der mit dem Tuberkuloseserum gefütterte» Säuglinge Hot sich von 47 aus 48 erhöht. Krank sind u n- veränderk 71. gebessert 73. gesund 59 Säuglinge. Berlin ohne Etat. Nie alien Steuern werden einstweilen weiter erhoben. Der in der gestrigen Stadtverordnetensihung von dem Moglslcal durch den Sladtsyndikus Lange eingereichte Umlagevertei- l u n g s s ch l ü s s e l, der einen Zuschlag zur Grondoermo- gcnssteuer von 240 proz., zum Gewerbe st euerertrag von 535 proz. und zur L o h n s u m in e n st e u e r von 1225 proz. vorsah, hat die einmütige Ablehnung oller Fraktionen erfahren. Die Besorgnis der Stadtverordneten ist verständlich. Rachdeni eine Berdoppelung der staatlichen Grundvcrniögens- st c u e r eingetreten ist. wollte der Magistrat, der ursprünglich an einen Zuschlag von 300 proz. aus diese Steuer, die ja die Mieler belostet, gedacht hatte, um 60 proz. aus 240 proz. zurückgehen. Diesen Aussall sollte die Gewerbesteuer hereinbringen, die ursprünglich niit 500 Proz. vorgeschlagen war. Runmehr aber wird es sich zeigen. ob den Stadtoerordnetcn ihre Ablehnung genützt Hot. denn das Zahlen von Steuern wird de» Berliner,, natürlich nicht erspart werden. Roch der Ablehnung des Etals durch die Sladlvcrordnelen- versammlung wird der Magistral Slnsang der nächsten Woche seinen Entwurf zum Beschluß erheben. Dieser Beschluß geht au den Oberpräsideulen mit der Bitte um Fest- sctzung des llmlageverteilungsschlüsjels. Einzelne Ausgaben, die der Magistrat nicht vorschlagen wird, kann auch der Oberpräsident nicht in den Etat einsehen, soweit es sich nicht um gesetzliche Verpflichtungen Handel». während des gegenwärtigen Zwischenzustandes werden die b e- stehenden Steuern nach den bisherigen Sähen weiter erhoben, bis der neue Verteilungsschlüssel sestgeseht ist. Die gegenwärtige Lage ist natürlich nicht so. daß bi» zur endgültigen Annahme des Etats die Reichspauptstadt ohne Mittel da- sieh», abgesehen davon, daß Berlin aus den Aeberweisuug». steuern des Reiches aus anderen Steuern und aus den Werksabgaben Einnahmen bezieht, wird aus den zunächst zu den ollen Sähen weilerlausenden Steuern der Ausgabeetat des Z u n i, der, ähnlich wie bei den, Rotetal des Reiches, ein Zwölslel der Zahrcsausgabcu beiragen darf, gedeckt. Entgegen gewissen Nachrichten ist mit der E i» s e iz»» g eines S t a a t s k o m in, i f a r s für Berlin nicht zu rechnen. Die Einsetzung eines Staatskommissars kann lediglich auf Grund des Z 79 der Städteordnung erfolgen, wen» die Siadtverordnete». Versammlung völlig arbeitsunfähig und sachliche Arbeit überhaupt nicht mehr möglich ist. Die Ablehnung des llmlagcverteilungs- befchlusses, wie man sie gestern erlebt hat, bedeutet jedoch keine Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes. Die Fest- sctzung der Steuern durch die Aussichisbehärde ist übrigens gar nicht«ine so groß« Seltenheit, wenn sie auch für Berlin ein« erstmalige Notwendigkeit geworden ist. Fast in jedem Jahr muß die Aufsichtsbehörde ein- bis zweimal in> Preußen bei einer Stadt oder Gemeinde die Steuern selbst festsetzen, und vor«inigen Jahren ist dies sogar in allernächster Nähe Berlins, nämlich— in Potsdam geschehen. Oer Kämmerer pensioniert. Oer Magistrat stimmt zu. Der Magistrat hat heute der» Antrag des Stadt- kämmerers Dr. Lange aus Pensionierung stattgegeben Di« gc- fehliche Pension beträgt 58 Proz. des Gehalts, das find etwa 19 999 Mark jährlich. Dr. Lange steht« im 58. Lebensjahr. Die Pensionierung bedarf der Genehmigung durch die Stadtverordneten- Versammlung. Biindnisangeboie Mussolinis? Gerüchte in Paris.- Ein Aaumungsvorschlag von'ISZA. Neue Bündnisangebote an Deutschland?. Pari», Z. Zuli.(Eigenbericht.) L6on Ahm teilr Im„Populairc" mit. dah Mussolini vor wenigen Wochen in Berlin mehrere Vorschläge zu einem deutsch» italienischen Bündnis gemacht habe. Sein Angebot sei aber sowohl bei der augenblicklichen Neichsregierung(Blum unterstreicht augenblicklich) wie auch beim Reichspräsidenten aus eine kategorische Ablehnung gestoßen. Es sei dies das Verdienst, fährt Blum fort, jener Politik der Bersöhimng und Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland, die dank der unermüdlichen Forderungen der fron- zäsischen sozialistischen Partei eingeleitet morden sei, und die jetzt zur Räumung des Rheinlandes' geführt habe. Wenn aber nach dem Wunsche der französischen Uebcrpatrioten mit Z w a n g s in o ß- nahmen nach dem Muster der Ruhrbesetzung weiter gegen Deutsch- land vorgegangen wäre, so wäre ein feindlicher Block gegen Frankreich zustande gekommen. «- Zu diese« in Paris, anscheinend unter der Suggestion der fraozösisch-italienischea Spannung und der Rheinlandräumung oer. breilelcn Behauptungen, wird an Berliner zuständiger Stelle erklärt, daß au diesen ganzen Gerüchten über Bündnis. angebote Mussollais an Deutschland kein wahre» Wort sei. Meinlandräumung-1923? Ein angeblicher Vorschlag Mussolinis. London. 2. Zuii. !hn chinblick auf die Räumimg des Rheinlandes schreibt der ,�oily Telegraph"', er könne jetzi eine bemerkenswerte, aber der Oeffentlichkeit bisher nicht bekannte Tatsache mitteilen. Bereits am 3. April 1023, also vor mehr al» sieben Jahren, habe Mussolini der britischen Regierung die Zurückziehung der alliierten Armeen aus dem gesamten besetzten Gebiet vorgeschlagen. Das sei kurz nach der Ruhrbesetzung gewesen. Mustolini sei zu seinem Vorschlage vcr- anlaßt worden durch die Besorgnis, Jiaiicii würde infolge des deutschen possioen Widerstandes kein« Reparationskohle mehr erhallen können. Ferner habe er befürchtet, daß die sranzö- fischen Ralionalisten darauf bestehen würden, das Ruhrgebiet und das Rheinland dauernd in der Hand zu behalten, um eine militärische und Industriell« Oberherrschaft über Europa zu erlangen. Im März 1923 habe Mussolini in Mailand di« Lage mit dem belgischen Außcmninister Iaspar besprochen und ein Programm ausgestellt, dos völlig« Räumung des Ruhrgebietes und des Rhein- landes, Festsetzung der Reparationen auf ZV Milliarden Mark, ein tcilwcsscs Moratorium für vier Jahre, Auslegung innerer und interna!ivnal«r deutscher Anleihen bei einer gewissen Aufsicht üb«r die deutschen Finanzen vorsah. Iaspar habe sich im allgemeinen mit.diesem Vorschlage«inverstanden erklärt, und Mussolini habe ihn darauf durch den italienischen Votschasler tn London der britischen Regierung unterbreiten lassen. Diese sei ober besorgt gewesen wegen der Rückwirkungen solcher Vorschläge auf Poincarä und die französische öiicntlichc Meinung, und auch die belgische Regierung?ei schwankend geworden. Infolgedessen sei aus Mussolini� kühnem Plan nichts geworden. Korsifa wird befestigt. Paris, 2. Juli. In der Marinekommission des Senats kam das Londoner Ab- kommen zur Sprache. Dazu machte Marineminister Duniesnil Mitteilungen über den Stand der Verteidigungsarbeiten an der französischen Südost grenze und vor allem auf Korsika. Die Äom- misston hotte vor einiger Zeit einen alarmierenden Bericht über die Lage aus Korsika der Regierung übermittelt und drückte nun gestern durch den Mund ihres Vorsitzenden ihre Befriedigung darüber aus. daß die Regierung endlich ihre Aufmerksamkeit aus die dortige Lage gerichtet habe. Vekenniniffe eines Tschekisten. Agabekows Ertlärungen über die Gowjeis. In unserem heutigen Morgenblatt berichteten wir, daß«in hoher Funktionär der Tscheta namens Agabckow seine Stellung aus- gegeben und nach Paris geflüchtet sei. Di- Zahl der hohen Sowjet- beamten, die ihren Herren den Rücken gekehrt haben, hat sich somit um«inen vermehrt. Bessedowski hat d«n Ansang gemocht! ihm sind in kurzer Zeit gefolgt D m i t r i e w s k i und S o b o l e w in Stockholm. L r j u k o w in Paris, Aisigla n in Helsingfors und nun auch A ga b« low. Es ist ober zum erstenmal, daß ein so hoher Beamter der Tscheia den Sowjets abtrünnig wird. Und es ist das erstemal, daß ein so angesehener Kam wunist ins Ausland kommt mit der direkten'Absicht, über die Sowjet- gewaltigen Enthüllungen zu machen. Ueber die Persönlich- kcit Agabekows und über die Roll«, die er als Tschekist gespielt hat. wird noch einiges zu sagen sein. Im Augenblick interessiert nur die Erklärung, die er im Pariser E m i g ra n i e n b lo t t des Demokraten Miljutow über die Gründe seiner Flucht aus Sowsetrußland veröffentlicht hat. Dies» Erklärung ist um so intereflanter, al» sie im Augenblick geschieht, da Abagekows Freund Stalin aus dem Kongreß der kommunistischen Partei in Moskau die ganze Welt von der.�unerschütterlichen Einigkeit' der ru-fsischen Kommunistischen Partei und dem wirtschaftlichen Aus- schwung Sowjctrußlands überzeugen will. Agabekows Erklärung hat folgenden Wortlaut:.xich. Agabekow, habe seit 1920 bis zum gegenwärtigen Airgenblick in den verschiedensten Institutionen der allru-s fischen Tscheka und der besonderen Abteilung der Staatlichen Politischen Verwaltung gearbeitet sowie als Mitglied der russischen Kommunistischen Partei seil 1918 den Posten eines Leiters der orientalischen Abteilung des Auslondsressort« der Staatlichen politischen Verwaltung in Moskau bekleidet. Im vorigen Jahre wurde ich als illegaler„Rejider-l' der besonderen Abteilung der GPU. nach der Türkei, Griechenland, Syrien, Palästina und Aegypten geschickt. Bis zum letzten Augen- blick habe ich ehrlich und ergeben für Sowjetrußland ge- arbeitet. In den letzten zwei Jahren habe ich gemerkt, daß der revolutionäre Enthusiasmus der niederen kommunistischen Junktim näre sich in Liebedienerei und Bürokroiismns umgewandelt hat, in die bloße Sorge, den warmen Platz nicht zu verlieren und nicht brottos zu werden. Bei den kommunistischen Spitzen trat an Stell« der Frage Wt Revolution der Kampf um Ministerportescuilles. Während diese privilegierte Gruppe mit revolutionären Phrasen über Freiheit um sich wirft, in Wirklichkeit aber jede Freiheit s- äußerung vernichtet, bringt die Arbeitcrklasic unerhörte materielle und moralische Opfer für die Verwirklichung des ver- brecherisch-phantastischen Fünfjahrplanes und geht daran physisch zugrunde! die Bauernschaft wird aber durch das Hineinjagen in die Kollektwwlrtschasi oollkomnien ruinte-rt. die ui- dividuelle Bauernwirtschast wird zsrstärt. Die Stalinsche Regierung bietet an deren Stell« rein gar nichts. Die Folge davon Ist d«. nde Hungersnot In einem Agrarland« wie Rußland. Die Auslandspolitik wird von verlogene» revolutionären Ausrufen an die Arbetterschast Westeuropas beherrscht. Die Prokla- mieruvg der„Befreiung des geknechteten Ostens' ist begleitet von einer imperialistischen Politik in China. Persien. Afghanistan und im nahen Osten! das werde ich in meinem bald erscheinenden Buch? mit Tatfachen belegen. Auf dem Gebiet« des Handets hatte ich es für verbrecherisch. daß angesichts einer tatsächlich bestehenden Hungersnot aus Sowjetrußland Lebensmittel ausgeführt werden und der Erlös in die Taschen der Sowjetgewaltigen und in die Kasten der kommunistischen Parteien anderer Länder stießt. Dieses Regime, das für die IZ» Millionen' stark« Bevölke- rung Sowjetrußlands«in unerträgliches Lehen ichotsi und sich nur auf Bajonett«, die Unbewußtheit der Armee und die Unorganisiert- heit der Arbeiter und Bayern stützt, verspreche ich von nun anzu betämpsen. Ich kenne hundert« ehrlicher Kommunisien. Mitglieder der GPU., die ebenso denken wie ich, jedoch aus Furcht, im Auslande umgebracht zu werden. es niäit wagen, meinem Beispiel zu folgen. Ich bin der erst« unter ihnen, der es gewagl. Möge mein Handeln als Beilpiel für bll« mein« ehrlichen Kameraden dienen, die noch nicht«ndgüttia von der ofsiziellen Demagogie des Zentralkomitees angesresten sind. Ich ruf« Euch zum Kampf« für die echte und wahre Freiheit.' Aus dem Munde eines' Manne», der zehn Jahre lang nichts andere» getan hat al« die wahre und echte Freiheit in Blutzu ersticken, ist das ein niederschmetterndes Bekenntnis der sawjetrussischen Unsreihettl Man darf out Abagekows Eni- hüllungen mit Recht gespannt sein. Der tägliche Krawall. 15 Mann überfallen einen Wehrlosen. Räch Schluß der hakevkreuzlerkundgebung im Sport- palast halten sich cm Dienstagabend mehrere Züge gebildet, dl« nach dem Westen marschierten, in der ossenkundigen Ab. ficht, die Umgebung de» Wltteobcrgplahe» nnd der Gedächtniskirche unter ihren Terror zn zwingen. Am Mittenbergplatz mußte«in über lüül) Mann starker Zug zum Teil unter Anwendung des Polizeiknüppeis auseinander. getrieben werden. Die nationalistischen Strolch« rotteten sich in den Nebenstraßen jedoch immer wieder zusammen, und mit den Rufen „Inda verrecke— Deutschland erwache' sielen sie über Harm- los« Possanten her. Fünfzehn Krakeeler wurden fest- genommen und der Politischen Polizei übergeben. In den Talchen eines Halbwüchsigen entdeckten die Beamten eine scharfgeladene Pistole. In der Hauptstraße in Schönederg wurden vor Mitternacht vier Hakenkreuzler sestgenoimnen, die Stahlruten und eiserne Rohr« mit sich führten. Zu einem blutigen Zwischensall kam es noch um 23 Uhr in der L ü tz o w st r a ß e. Dort wurde der 2Sjährig« Schleifer Rudolf Speichert aus der Nrondenburgstraßc von 15 Nationalsozialisten übersollen. Sp kies in seiner Angst in den Flur des Hauses Lützowstraße 91 hinein. Er wurde jedoch von seinen Verfolgern eingeholl und niedergeschlagen. Der Polizei gelang es, fünf Täter fettzunehmen. Der Beilctzte erhielt im Elisabethkrankenhaus die erste Hilfe. Steinhagel und Messerstecherei. Zinnaburg. 2. Juli. Gestern abend wurde in Annaburg bei Torgau im Gasthof „Goldener Ring' eine nationalsozialistische Versammlung abgehalten. Um Zusammenstöh« zu verhindern, Halle der Amtsvorsteher acht Schutzpolizeibeamte au» Wittenberg kommen lassen Nach Schluß der Versammlung, die ruhig verlies, wurden die Nationalsozialisten von Polizeibeamten nach Hause begleitet. Unter- weg? wurde eine aus 25 Nationalsozialisten bestehend« Gruppe von einem über hundert Mann starken Trupp Kommunisten überfallen und mit Psiostersteinen beworfen.- Hierbei wurde«in Polizei- beamicr, dem ein Pflasterstein an die Brust geschleudert wurde, besonders schwer verletzt. Er mußte in das Wittenberger Kranken- haus gcblacht werden. Zwei Rationalsoziaiisten wurden durch Messerstiche schwer und drei andere durch Steinwürse leichter orrtctzi. Bei den Kommunisten gab es einen Verletzten. Schießerei in Neumünster. Reumünster. 2. Juli. Zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten kam es gestern nacht inmitten der Stadt. Die Nationalsozialisten, die statt mit ihrer sonstigen Uniform mtt weißen Hemden bekleidet waren, wollten einen Ausslug in die nähere Umgebung der Siadl machen. Ein großer Trupp Kommu-- nisten wollte sie am Verlasien der Stadt hindern. Nachdem der Trupp der Nationalsozialisten auseinon-der- gegangen war, wurde ein Teil, etwa 30 Mann, van den Kommu- nisten oerjolgt. An der Eck« der Kieler Straß« kam es zu einem Zusammenstoß, der noch unblutig verlies. Etniae hundert Meter weiter wurde aus den Rethen' der Naüanalsozlo listen scharf geschassen. Der hiesig« Kommunistensührer Timm erhielt zwei Bauchschüsse, der Kommunist C lassen wurde ebenfalls getroffen. und beide mußten ins Kronkenhaus gebracht werden. Am Auf- kommen des Timm wird gezweifelt. Die Notionalsoziatitten hatten einige Leichtverletzte. Mehrere Nationalsozialisten wuroen ver- hastet. Kasseler Polizei greift zu. Kassel. 2. Juli. Di« Nationassozialisten hatten für gestern abend«ine Veriamm- tung nach der Stadthalle etnberusen, in der der thüringssch,? Innen- minffter Dr. Frick sowie die sechs nationassozialistifchen Abgeord- neten des thüringischen Landtages sprechen sollten. Da der Polizeipräsident diel« Kundgebung und auch die geplante kommu- nistische Gegendemonstration verboten hotte, waren Minister Frick und die Landtagsabgeordneten nicht erschienen. Vor der Stadthalle kam es zu Ansammlungen, so daß die Polizei zur Räumung des Platzes schreiten muhte. Einige Personen, die der Aufforderung der Polizei nicht Folge leisteten, wurden Zwangs- gestellt. Außerdem wurde der Führer der Kasicler Nationalsozialisten, Rechtsanwalt Dr. F reisler, wegeu Landsriedens- bruchs und der Regierungssekretär E n g« l l o n d wegen Autreizung testgenommen. Gegen 11 Uhr wurde oon der Polizei«ine national- sozialistisch« Versammlung in der Rothausschänke aufgeläst! die Anwesenden wurden In Pottzelgewahrsam genommen. Insgesamt wurden 75 Personen von der-Polizei Zwangsgestell!. Ermordung eines Geifilichen. Lieber den Täter kein« Spur. Friedland(Mccklhg.), 2. Juli. Eigenbericht.) Am Mittwoch früh wurde unter Umständen, die auf einen Mord schließen lassen, der Ortsgeistlich« Pastor Gustav Kappel in D n ch e r o w in seinem Arbeitszimmer als Leiche aufgefunden. Ein Schuh in den Kopf hat anscheinend den Tod herbeigeführt. Merkwürdig ist, daß der Pfarrer noch einen Bauch- und einen B r u st s ch u ß erhalten hat. Hiernach„nd aus firurch der Tatsache, daß keinerlei Wasse in der Nähe der Leiche aufgefunden wurde, wird angenommen, daß Kappel ermochet wurde. Man nimmt an, daß ein Kampf zwischen Kappel und Ein- brechern siattgesunden hat. in deren Verlaus der Pastor erschossen nwrden ist. Sichere Feststellungen lassen sich jedoch erst nach der heute stattfindenden staatsanwoltlchafttichcn Untersuchung treffen. Verbesserungen im Arbeiislosengeseh. Ablehnung beabsichtigter Verschlechterungen. In der Writerberatung des sozialpolitischen Reichs Kigsausschiisses über die Arbeitslosenversicherung habe» die Sozial- demokraten zwei wesentliche Verbesserungen der Re- gierungsvorlagen durchi-'tzen können. Die von der Regierung vor- geschlagene Ausschaltung der Jugendlichen unter 10 Jahren ist wieder gestrichen worden. Ebenso ist die Verweigerung von Erwechslosenunterstützung an Arbeitslose, die bei Geschwistern den Lebensunterhalt verdienen könnten, ausgehoben morden. E ntäoiger Vroteftstrc�! In ganz Zndien. Ale Rrotett seaen b!e Perhgstzung und Verurteilung Reyru» haben außer Bombay auch alle ondoeen wichtigen indischen Städte mit einem«intägtgsn Streik geantwortet, an dem sich sogar Behörden und Schulen beteiligten. Prozeß Nrolat gegen„Aoie Kahne". Grundlose Veschimpsungen. Im kleinen Schwurgerichtssaal im Kriminalgericht In Moabit begann heute der große Belei digungsprozeh des Direktors der Berliner Verkehrsgefellschait, B r o l a t, gegen di« verantwortlichen Redwkteu« der„Roten Fahne' Hirsch, F i r l und Frau Altmann. E« handelt sich um di« Beleidigungen und Beschdmptimgen, die die.Mot« Fahne' sich kurz nor den Berliner Stadtverordneteuevahlen gegen Brolat geleistet hatte. Die Beschimpfungen, im schlimmsten Gosseitton gehalten, seien keine persönliche Verunglimpfung Brolats, sagten die Angeklagten, alles sei politisch zu werten. Lang« politische Reden unterbrach der Vorsitzende, Amtsgcrichtsrat Bues, sehr bald: er umriß den Gegen- stand der Verhandlung auf die Behandtung des Verhottnisse? Brolats zu den Skloret» und zur Slodt Berlin, au» denen sich di« Pressekampagne gegen Brolat ergab. Uitter den vielen Zeugen befinden sich Leo und Willi Stlarek. der Inhaber der Pelz- firma Hohlick«, Ncumann, Oberregierungsrat Tapolski. Ober- magistralsrot Brandes und— geladen oon den kuirum-iüftischen Angeklagten— der sozialdemokratische Stadtverordnet« K rille von der Brennstaffgesellschaft, der früher« Stadtverordnete Mühtmann und der Vorsitzend« der Berliner Partei. Künstler. Oberregterungs- rat Tapolski bcstSttgte, daß er bei feinen Untersuchungen keinen Anhalt gesunden habe, daß Brolat etwa zugunsten der Sklarek? Peeimlussungen von amtlichen Stellen vorgenommen rder den Kauf des bewußten Pelze? in unlautcrer?!dstcht getätigt bäte. Brolat erläuterte, wie er direkt mkt vollem Namen bei der Pelz- firma den Pelz bestellte, wie er ihn auch tn di« Wohnung geliefert bekam und später, al» der Zahlungstermin noch längst nicht ab- gelaufen war. feststellen mußte, daß Sklareks d!« Rechnungen im allgemeinen Gejchästsvcrkehr mit d«r Pelzsirma beglichen hatten. Die Brüder Stlarek bestätigten das vollinhaltlich sie wiesen es von sich, Brolat«»was haben schenken wollen, da sie wußten, ihn mit solcher Absicht deleidigt zu haben und sie bestätigten auch, daß der Kläger sofort dos Geld noch einem Auftritt dem Leo Stlarek in die Tasche steckte. Es wurd: ferner von den Zeugen ausgesagt, daß sie keine Deronlassung hotten, Brolat zur Fürsprach« für sie zur Oberprüsungsstell« der Stadt Berlin zu schicken, wie es die„Rote F-chne' behauptete. Von Brolat als Direktor der Breniistoffgescllschast und später der Verkehrsgesellschast Hütten sie nie Vorteile oder eine Bevorzugung bei Gachlieserungen an diese Gescllschasien gehabt! bei der Verkehrsgesellschast waren sie süns Jtchre vor Brolats Amtsantritt eingeführt! als er Direktor wurde, liehen die Ausiräg« sogar nach, obwohl sie stets besser« Waren lieferten als andere Firmen. Erst der deutschnational« Direktor Lüdtke hätte ihnen wieder mehr Aus- träge zugewiesen. Interessant war dann noch die Vernehmung des Ober- magjstratsrates Brandes, der bestätigt«, daß er nicht den Eindmck hatte, Brolat wollte ihn bei seinem Besuch zugunsten der Sklareks deeinflvsseir. Dazu könnt« her Privatkläger mitteile», daß er zu der Zeit von d«n Krediten der Sklareks bei der Stadtbonk absolut nichts wußte. Di« Verhandlung wird fortgesetzt. Ergänzung der Räumungsmv neflien. Am 27. Jum wurde:n > W':sbadcn'wifchrn SfM R e i ch 5 k o m m i f i a r für die besetzten Gebier? und den Obertom missaren der beteiligten Regierungen ein Abkommen zur Ergänzung der Räumung»- omnestien abgeschlossen. Es handelt sich dabei um dl« Ungleichung der Fristen. Mörder Kleinstaat. Die feindlichen Aerzte und das Lübecker Kindersterben. Zu dem kindersterben iu Lübeck, dem bis zur Stunde 48 Säuglinge erlegen sind, werden Einzelheiten bekannt, die den Fall In einem ganz besonderen Lichte erscheinen lassen. Erkundigungen an wohlunterrichteter Lübecker Stelle lassen uns hierüber folgendes erfahren: Wenn eine Meldung aus Lübeck die Todfeindschaft zweier Lübecker Professoren als Hauptgrund des Kinderjterbens bezeichnet, fo ist an dieser Meldung ohne Zweifel ein wahrer Lern, wenn es sich auch in Einzelheiten um ungenaue Indiskretionen aus dem vertraulichen parlamentarischen Untersuchungsausschuß der Lübecker Bürgerschast handelt. Richtig ist— utiö dies ist auch außerhalb des Ausschusses bekannt—, daß der Leiter des Krankenhauses Professor Deycke und der Leiter des Lübecker Kinderhospitals Professor Kloß sest langem aufs schwerste verfeindet sind. Als Anfang April die ersten er- krankten Kinder ins Hospital des Professors Kloß gebracht wurden. hat nach allgemeiner Ueberzeugung Klotz die Gefahr erkannt, sie aber Deycke verheimlicht. In Klotz nahestehenden Kreisen will man dies damit entschuldigen, daß Professor Klotz ,zu einer Meldung nicht in der Lage war, weil— Deycke und er sieh gegenseitig über- 3)er ßcneral küfll General Guilleaumat. der Oberkommandierende der sranzö- sischeo Rheinla ndbes atzu ng. küßt zum Zlbichied die herabgeholte TrUolore. Man stelle sich vor, daß ein Reichswehrgenerak die fchwarzrotgokden« Reichsfahne in aller öeffcnÜichfetr' küssen würde. Aber dos ist einstweilen kaum vorzustellen... sahen und kein Wort- miteinander wechiellen. Aus den Gedanken, dem Professor Deycke di« furchtbare Mitteilung über die Gefahr, in der sich etwa 250 Kinder befanden, durch einen Assistenzarzt oder j christlich zu machen, ist Kloß anscheinend nicht gekommen. So wurde die Calmette-Fütterung noch weiier bis zum Ende Apnl verabfolgt. An einem Verschulden des Professor Klotz scheint kein Zweifel zu bestehen. Es geht aber nicht an. deshalb die groben Nsrf«hlung«n des Herrn Medizinalrat Altstädt und Professor Deycke vertuschen zu wollen, wie dies vom Lübecker Bürgertum und auch anscheinend von der Anklagebehörde versucht wird. Es sind schon in öffentlicher Bürger schastssitzung ja grobe Fahr. lassigkesten der beiden Aerzte festgestellt worden, daß ihre Rein- Waschung unmöglich ist. Die Lübecker Sozialdemokratie hat weder an Deycke und Altstadt noch an Klotz Interesse Ihr liegt an einer restlosen Aufklärung, an einer gründlichen Säuberung, ohne jede Rücksichtnahme aus verwandtschaftliche und gesellschaftlich« Bindungen. Sie wird sich von der Verfolgung dieses Zieles durch niemanden abbringen msien. Was jetzt über das Verhältnis der Lübecker Aerzte untereinander bekannt wird, beleuchtet grell die Verhältnisse des kleinen Stadtstaates, in dem die führenden Schichten des Bürgertums und der Beamtenschaft verfilzt, versippt ober aber aus den Tod ver- feindet sind und die nötige Aufsicht mangelt. Die Hauptschuld am Lübecker Kindersterben trägt der Mörder Kleinstaat. „GchaMlte" ausgeblieben. Die große Lumbitze über Europa Die Klhnaableilung de? Preußischen Mefeorologis che n I n st l t u t s teilt mit: Der tetzt« Monat war auffallend warm und trocken. Mit einer Mitteltentperotur von 20 Grad steht er an siebenter Stell« der bis 1760 zurückreichenden Berliner Temperatur- reih«. Es ergibt sich eine Abweichung von tVa Krad vom Normal- mittel, an einzelnen Tagen wurde aber der Mittelwert um über 10 Grad überschritten. Fünf Tag« hatten eine Höchsttemperatur ron über 60 Grad, das Marimum betrug 64 Grad. Di« Nieder. schlagsverhält nisse waren ebenso bemerkenswert. In Berlin wurden 28 Millimeter, in Dahlem 22 Millimeter gemessen: disser Betrag stellt nur ein Drittel der normalen Regenmenge dar. Der Hanptteil fiel am 2. und 27. dazwischen dehin sich eine lange Trockenperiode aus, in der 19 aufeinanderfolgende Tage(2. bis 30.) ohne jeden Regen blieben. In den 1647 begonnenen Aufzeich- nungcn kommt nur im Jahre 1908 cie ähnlich lauge regenlos« Zeit von 20 Tagen vor. Im ganzen fiel nur an 5 Togen Regen, ein Fall, der bisher nur zweimal, 1908 und 1912, verzeichnet wurde. Im allgemeinen tritt Mitte Juni«ine mit ergiebigen Nieder- schlagen verbundene Abkühlung, die'„Scha s k ä l t ein. In An. l.'hnung an de» indischen Monsun hat man diese Erscheinung als den Einbruch des europäischen Monsuns bezeichnet. Er ist in dieiem Jahr« ausgeblieben, dies« äußere Erklärung könne» wir lern merkwürdigen Witterungsablauf im Juni löZO geben. Die lieferen Ursachen hierfür sind uns aber nicht bekannt. Vor dem Endkampf vm dir Repnblik-Opek. Staat- Stadt- Volksbühne. Annexion der Eiewüste. Ein demokratischer Senator brachre cmo Entschließung cm, in der Präsident Hoover aulsielordert vürii, die orj Konievadmirak Pqrö und onde.ren amerikanischen Forschern «irtdecktcn rntarktilchrn Gelüste als amerilanischsa Land zu beanspruchen. Es ist kein Geheimnis, daß seit längerer Zeit Perhandlungen un Gange sind, die aus Schließung der Staatsoper am Platz der Republik hinzielen. Sie werden zwischen Vertretern der Staatsrrgierung, der Stadt und der Volksbühne geführt. Die letzte Enlscheidung wird voraussichtlich beim Preußischn Landtag liegen. Damit kehrt die Angelegenheit zu ihrem Aurgangspunlt zurück. Denn im Landtag ist der Beschluß gefaßt worden, dem min die Republik-Oper geopfert werden soll: sinnlos einem unver- nünftigen Machtgebot. Jener Beschuß war in höchster Eindeutig- feit ein Vorstoß der kulturellen und sozialen Reaktion — ein erfolgreicher Vorstoß gegen den einmütigen Widerstand. der preußischen Sozialdemokratie. Darüber müssen sich olle Beteiligten Nor bleiben: und wir dürfen überzeugt sein, daß es ebenso wie dem Vorstand der Volksbühne auch unseren Partei- genossen im Aussichtsrat der Städtischen Oper äußerst jchver fallen müßte, zur Realisierung dieses reaktionären Erfolgs ihrerseits beizutragen. Aber beide, Volksbühne und Städtische Oper, haben freilich die Pflicht, die Sache auch vom Standpunkt ihrer besonderen Interessen zu betrachten. Und die beteiligten Ministerien müsien jetzt loyalcrrveise bemüht sein, den Partnern am Verhandlungstisch möglichst annehmbare Bedingungen zu bieten. Der ursprüngliche Verhandlungszweck— Auflösung der Republlk-Opar— erscheint sozusagen mar noch als Nebenprodukt: zu fragen haben sich die Kontrahenten des offerierten Geschäfts vor allem, wws ihre Institute dabei etwa zu gewinnen haben. Zunächst ist klar: die Volksbühne vertiert viel, wen» sie den mühevollen, mit Opfern bezahlten Aufbau einer selbständigen Opernabteilung eingehen und in die ideellen Voraussetzungen jenes Zustandes zurücksinken laßt, in dem sich die gesamte Theaterkultur des Proletariers befand,«he die Volksbühne ihm ein eigenes Heim und damit die Basis eigener Theaterkunst zu bieten vermochte. Und ihre Mitglieder verlieren viel, wenn sie aus dem Haus, das nach chren Bedürfnissen und mit ihrem Gelde umgebaut worden ist, in ein Theater übersiedeln, dessen Platzeinteilung der Situation eine- nach seiner Zahlungsfähigkeit abgestufte» Publikums entspricht. Ihnen diesen Tausch schmackhnsl zu inachen, ist wohl nicht unseres Amtes. Der Volksbühne soll ihr etwaiges Entgegenkommen durch erhebliche Vorteile auf anderem Gebiet vergolten werden. Es ist leicht zu erraten, daß diese Vorteile auf finanziellem Gebiet zu suchen sind. Und manche Blätter nennen auch schon die genaue Höhe der Sunune. die ihr vom Staat als jährliche Subvention für ihr Stammhaus am Biilowplatz geboten werden soll. Ein« jährlich« Subveiüio»— ohne Zweifel für di« Dauer der Suspendierung des Kroll- Vertrages: und das könnte im Effekt nur heißen: für die Dauer dieses Vertrages selbst. Denn daß eine Wieder- einrichtung des zerschlagenen Opern betriebes im Kroll-Haus ernstlich nicht mehr in Frage kommen wird, daran ist wohl nicht zu zweifeln. Es entzieht sich unserer Beurteilung, ob juristische Sicherungen denkbar sind, durch die eine sortlousende Gewährung dieser Subvention von der sämtlichen Zustimmung durch den Landtag, oh'o von einer unbekannten Zukunftsgröße, ein für alleinol unälfhängig gemacht würde. Aber noch wichtiger wäre wohl. daß die Volksbühne sich in keiner�,' Innere Aph'''kett vom Staat begäbe, wenn er ihren Theaierbetrieb si.zisll stützt. Und wie auch immer das Ergebnis der jetzigen Vsrhznd- wngen schließlich auafeijen möge: es ist zu befürchten, daß gewissen Kräften im Staat— gerade jenen Kräften, von denen vor allem die Volksbühne unabhängig bleiben wüßte, auf direktem oder indirektem Wege dpch gelingen würde, sich einen Einsluß auf die Gestattung der künstlerischen Arbeit, aus den Spielplan und aus die kulturelle Ge- sämthaltung nun auch des Schauspielbetriebes der Volks- bühnc.zu verschaffen. Die Städtische Oper soll für den Cinnohmeausfall, den sie durch die Uebernohme der Volksbühnenvorstellungen critlicn würde, vom Staat entschädigt werdcn— gleichfalls in Form einer jährlichen Subvention. Der städtische Aussichtsrot scheint gewillt, diesen Einnahmeausfall sehr hoch zu beziffern und noch höher de- zahlen zu lassen. In städtischen Kreisen scheint man die Sache wesentlich vom geschäftlichen Siondpunkt zu betrachten, und das ist für die Zukunst des sozialen Odjelts, um das der Handel geht, freilich keine erfreuliche Zlussicht. Die Stadt würde in sinan- zieller Hinsicht gewiß ihrön Vorteil finden, aber trotzdem, es würde zum Schaden der Städtisehen Oper sein. Noch dein jetzigen Plan würde sie in der Hauptsache ihre Sonnabend- und Sonntag- Vorstellungen der Volksbühne überlassen. Die Montage sind schon jetzt für die Volksvorftellungen der Stadt belegt, an deren Bestand auch in Zukunit nicht gerührt werden darf. Das heißt, daß fast die halbe Woche über die Städtische Oper als Boltsoper zu funzieren hätte. Und die andere Hälfte der Woche— Gssellschafts- und Repräsentationsoper? Dies Theater wäre ewig verurteilt, zwei Gesichter zu zeigen. Die Er- fohrungen, die im Kroll-Haus in der Aera Schillings gemacht sor- den sind, sollten schrecken; das gosellschafUich« Fundament ist heute die wichtigst« Grundlage jedes Theaterbelriebs: an der heillosen Uneinhcttlichkeit dieses Fundaments muß jedes künstlerische Pro- gramm scheitern. Die Städtische Oper würde nur noch ein Publikum ewig Unfiisriedener in ihrem Hause haben. Die alten Abonnenten werden sich durch den billigen Einheitspreis der Volksbühne finan- ziell benachteiligt fühlen und immer eine Minderung ihres gesell- schasllichen Glanzes argwöhnen. Und die Dolksbühnenbesucher, die in der Republik-Oper gelernt haben, ihre Aufmerksamkeit a.f das künstlerisch« Ganze einer Ausführung zu konzentrieren, werken>n die versnobte Atmosphäre der bürgerlichen Starmißwirischajt ge- zogen werden: sie werden mit Inlercsss die Besetzungen der großen Premieren verfolgen und auch In ihren Vorstellungen ihre Onegin, ihre Ioogün hören wollen. Die Intendanz mag heute versprechen, daß sie alles'»so gut und ebenso sein habe» seilen wie da» Publikum der teuren Vorstellungen.. Wer aber das Theater kennt, der weiß, daß solche Versprechungen niemals gehalten werden können. Gegen die Schließung der Republik-Oper hat nicht nur der „Vorwärts", sondern auch der größte Teil der bürgerlichen Presse energisch Einspruch erleben, deren Proteste sind erst verstmnmt, seitdem nicht mehr die tunstlZrischen, sondern angeblich höhere, nämlich s i n a n z p o l i t i s ch« Gesichtspunkte in den Vordergrund der Diskussion gebracht worden sind. Wir fürchten, daß da ein gesähr- liches, unredliches Spiel getrieben wird. Es ist leicht auszurechnen — und wir behalten uns vor, diese Rechnung aufzumachen—, daß der Staat bei der beabsichtigten, angeblich auf nennenswerte Er- fparnis abzielenden Regelung nach menschlichem Ermessen nicht eine Mark ersparen wird. Diese Reg lung würde den Staat Jahr für Jahr ebensoviel kosten, wie er zur Zeit für dm Opernbetrieb Im Kroll-Haus aufzuwenden hat. Di« Absicht ist allzu durchsichtig: di« zugkräftige Sparpaxolc ist nur ein Vorwand, um das Aergsrnis zu vefeittgen, das gewiss« Kreis» an.der Rcoub-rk-. Oper nehmen. Immar wieder a» da» soziale und kulturelle Gr- wissen dieser Kreise zu appellieren, wäre endlich zwecklos. Wenn die Republik-Oper dennoch erhalten bleiben wird, so werden wir ihre Rettung weniger der Auswirkung positiver Willenskräfte zu danken haben ols�dem Umstand, daß den Urhebern und Haupcbeteilizter des fragwürdigen Gcschästs, das mit ihr gemacht werden soll, doch noch vor seinem Abschluß mieß geworden ist. Ein« schöne Hosfnung ist das nicht: immerhin—«s ist eine Hoffnung. lOauz Pringslicirn. Ausstellung deuifcher Kunst in Amerika. Eine sehr günstige Gelegenheit, deutsche Malerei im Ausland, speziell in den Vereinigten Staaten össentlich zu zeigen, sind di« Ausstellungen, die die E a r n e g i e- S t i f t u n g in jedem Jahr veranstaltet. Vierzehn Kunsttänder sind durch besondere Sektionen vertreten: außer in Pittsdurg werden di« Ausstellungen in zwei Städten Amerika» gezeigt, jedes Jahr in anderen. Der materielle Erfolg für Deutschland ist nicht unbeträchtlich, es sind eine ganze Reihe von Bildern in Amerika vertäust, Geldpreise sind an Beck- mann und Pechstein verteilt morden. Bei der Wichtigkeit dieser Kunjtpropaganda fragt man nach der Auswahl der Werke. Sie geschieht durch zwei Mitglieder des Carnegic-Jnstititts in Verbindung mii Dr. C h a r 1 o't t e W e i d l e r, deren Bestreben auf immer stärkere Herousarbeilung unserer weselü- lichsten Künstler geht(was bei der konservativen Tendenz der Amerikaner nicht immer leicht ist). Man kann sich nun im Reckcndors.Haus(.Hedemannftr. 24), wo die Ausstellung vor ihrer Versendung noch USA. zwei Wochen zu sehen ist, von der Qualität des Gewählten überzeugen. Neben Liebermann(einer Skizze zu„Simson und Delila", di« viel schöner Ist als das große Gemälde), PH. Frank, I a e ck e l, Heckcndorf findet man einige er- lesen« Bilder von Schmidt-Rottluff, Nold«, Otto Mueller, Hoscr, Kauz und Kökoschko: nur 22 Werke km ganzen, die aber zu einem guten Teil«inen wahrhaften Begriss von der Bedeutung unserer Gegenwartskunst geben. Für das nächste Jahr sind auch G. Groß, Schrimpi, Paul Klee neben anderen aufgefordert worden. p. k. eck. „Abenteuer unier Kannibalen." llfa-pavillon. Haben Si« schon einmal unter Menichensresiern gelebt? Können Sie sich vorstellen, was Sie empfinden, wenn Sie aus einer Menschenfresserinsel mitten im Süllen Ozean landen, durch einen Sturm Ihr Schiff verlieren und nun gezwungen sind, mit diesen Menschen in irgendein Verhältnis zu kommen? Der sranzöstiche Schriftsteller A. P. Antvine hatte es sich in den Kops gesetzt, einen Menschensresseriilm zu drehe» und sich dazu die Neuen Hebri- den, östlich von Australien, ausgesucht, wo solche Exemplare noch gedeihen sollen. Di« Sache ließ sich auch anfangs sehr nett an, der Film zeigt« uns dt« Fahrt durch den Arcisipel. Wir begcgncn»nre:- wegs einem Totenschlif, wori» Gestorbene tn die jenseitigen Gefilde reisen, aber min bricht ein furchtbarer Sturm aus(vom Film fest- gehalten) und das Segrischifs ist gestrandet. Man sucht und finoei Anschluß an di« Eingeborenen, die �u den Papuas p«hären, ir d lebt sechs Monate in ihrer Mitte, lernt ihre Sitten und Gebräuche können und iinbrt, daß sie sehr sreundllche Menschen sind. Aber dann bricht ein Krieg mit einem Nachbarstaat aus, und nutz werden sie wild: die feindlichen Dörfer werden venchchtrt und Kriege- gefangene eingebracht. Ehe st«»den(Lottern geopfert"(?) werdtn, finden ausgelassene Tanzseste statt, bei denen die verschieden n Stämme mit ihren Totemuercn auftreten. Man sieht den Haisis h- stamm und den Stamm des langschnab Ilgen Vogels! Dann Iricht der Film plötzlich ab. angeblich, weil die Ei!. geborenen die rede c Filmaufnahme verhindert hätten, und die Expedition kehrt zur ck. Der Film gibt gewiß sehr interessante Einblicke in das Leben und Treiben der Kanaken, aber man hat nicht immer das bestimmte Gefühl der absoluten Echtheit. Vieles mußt« natürlich gestellt wer- den, und die ganze Kriegsgeschichte ist zweifellos Theater. Ob über- Haupt der Kannibalismus aus jenen Inseln noch gefäh lich ist, sei dahingestellt. Der selig« Tatarin von Tarascon war sicher auch unt bei der Expedition. r. Die Höhlenbewohner von Leningrad. Die russische Regierung hat soeben beschlossen, die Lata- komben von Leningiad zu säubern, die Tausenden von Kindern, jungen Menschen und Diebsgesindel als Unterschlupf dienen. „Es ist schwer", schreibt der, Korrespondent einer auslänidischen Zeitung, der sich in der ehemaligen Zarcnhauptstadt umgesehen Hot, ,/daz Bild dieses Unglücks zu malen. Di« Kinder schlüpf«» wie di« Ratten in die Löcher) di« in dies« unsag- bar schmutzigen Schlnpfminlel führen. Wenn man ihnen folgt, gelangt man in euren Korridor, der so niedrig ist, daß man sich nicht ousrechihalten kann. Aus einem Rohr hocken etwa.zehn zerlumpt« Gestalten, die beim Schein einer Kerze Korten spielen. Sic sind höflich gemig, auszustehen und sich an die Wand zu drängen, damit wir vorbei können. In der Näh« beobachten wir halbbekleidete Kinder. Ueberall liegen leere Wvdkaslaschcn. Diese Unglücklichen haben einen„Bürgermeister", gewähnlich«inen alten Bettler.„Das Leben in den Katakomben", erklärt uns einer,„beginnt um Mitternacht Es gibt Frauen, die mit Ihren Kmdern und ihrem de- trunkenen Mann hierher kommen. Do»n tauchen Diebe auf, die ihren Raub teilen. In diesem Tell der Katakomben allein, der sich unter«iner einzigen Straß« hinzieht, gibt e» 300 Einwohner." Das„berühmleste vabq der well". Die Geburt des Sohnes des Obersten Lindbcrgh ist in Amerika als nationales Ereignis über- schmängrich begrüßt ivoröen. Di» Familie Linbbergh steht wieder einmal im Mittelpunkt des Interesses Mrs. Lindbcrgh ist„die be- rühmtest« Mutter der Welt"— vorher war sie schon die„berühm- teste Frau der Welt"— und der Säugling wird in der gesamten Presie natürlich ebenialls als das„berühmteste Baby der Well" gefeiert. Man behauptet sogar, Sic Aussichren des Großvaters mütter- iichtrieils auf die Präsidentschost der Vereinigten Staaten seien durch die Geburt des Enkels wesentlich gestiegen. Lühneiichronlk.?lvf Eirlndiwa von Direktor Anflicht In'senfevi Lrobold I« s s n e r im Theater am Vchfibauerdamm bat Drama ,3iid Sütz" von Pitii! Kornfeld. S'ahlinöbel säe die üsfleler kchule». D!»£!d! f Kassel knt für ihr« in feibmc bcftndiichcn Schwcn große:« Äujträge aus Siahlfchulbänto und -stühle«rttitt. Die Landvolkbewegung. Ihr Aufstieg und Llntergang.— Vormarsch der Sozialdemokratie. Kiel, im Juli.(Tigenbericht.) ki, unterstützt« die Politik der Parteimehrheit in ihrein Kampf gegen die Rechtsopposition und sagte, daß die Erklärungen der drei Rechtsführer nicht befriedigen könnten. Entgegen ihren Fest- stellungcn hätten sie noch bis zum letzten Augenblick eine rege Propa- gajtda gegen die Parteilinis geführt. Der ehemalige Vorsitzende des Moskauer Komitees, B a u m o n n, gab zwar seine eigenen Fehler zu, lehnte aber die Erklärungen der Recht-führer ebenfalls schroff ab und forderte insbesondere, daß auch Bucharin von seinen bis- herigen Theorien abrücke. Ebenso trat ein Vertreter von Usbekistan gegen die Rechtsopposition auf und verlangte, daß die drei Führer, wenn sie es mit ihrer Unterwerfung ernst meinten, ihre Anhänger- fchaft namhaft mächten, damit ein- für allemal mit der Rechtsgefahr aufgeräumt werden könnte. Schließlich forderte ein Vertreter Lenin- grads, daß gegenüber den Rechtsführern der Novcmbcrbefchluß in Kraft gesetzt werde, wonach die Zugehörigkeit zur Rechtsopposition mit dem weiteren Verbleiben in der Partei unvereinbar sei. Allgemeine Aufmerksamkeit erregte in der Dienstagsttzung da» Auftreten der Witwe Lenins, Krupfkaja. Sie wies auf die Richtigkeit der Zentrallinie der Partei hin ui«d betonte, daß schon Lenin die große Bedeutung des sozialistischen Umbaus der Landwirtschaft erkannt habe. Die Anfänge der gegenwärtigen Be- wegung der Kollektivisierung reichten bis in die Zeit Lenins zurück. Krupfkaja, der man bis zuletzt Sympathien für die Rechtsoppofition nachjagte, wurde im ZZerlaufe ihrer Rede wiederholt aus den Reihen der Teilnehmer aufgefordert, sich zu den Erklärungen Rykows und Tomskis zu äußern. Sie streifte die Frage der Rechtsgefahr aber nur mit wenigen Worten, und der amtlich« Bericht hebt hervor, daß sie erst auf mehrmalige hartnäckige Zwischen- rufe hin kurz auf die Reden der Rechtsführer einging. Sie er- klärt«, sie hätten diese Reden nicht befriedigt. Insbesondere Tomski, ein hervorragender Arbeiter,„hätte anders über fem« Fehler sprechen müssen". Auch an Rykow rügte sie dessen Rede im Uralgebiet, die zu lebhafter Unzufriedenheit in der Partei Anlaß gegeben hat. Der offizielle Bericht, der die Rede der Krupfkaja sehr ausführlich behan- delt, enthäll an keiner Stelle einen Hinweis darauf, ob sie auch dies- inal Beifall gefunden hat, mit dem die Witwe Lenins bisher stets von allen Parteitagen begrüßt wurde. Aeuer Spionageprozeß. Arbeiter wegen»Verrats militärischer Geheimnisse' vor dem Reichsgericht. Leipzig. 2. Juli. Der vierte Strafsenat des Reichsgerichts verhandelt am Miät- woch und au den kommenden Togen gegen den Musiker Theodor Hessel aus Frankfurt a. M., gegen den Elektromonteur Ernst Rech aus Cufel(Pfalz), gegen den Arbeiter Wilhelm Lemm aus Gelsen- kirchen-Bucr und gegen den Musiker Adolf Albert aus Freiberg, die alle unter der Anklage des Verrats militärischer Ge- heim«risse stehen. Die Oesfentlichkeit wurde«vegen Gefährdung der Staatssicherheit für die ganze Dauer des Prozesses ausgefchlos- sei«. Die ersten drei Angeklagten hatten, als sie gemeinsam an der luxemburgischen Grenze und in Luxemburg wohnten, den Versuch gemacht, dem französischen Nachrichtendienst Mitteilungen über E i n- richtungen der Reichswehr zu machen. Sie haben zien«- lich unzulängliches Material geliefert. Später haben sie sich dann mit oem Angeklagten Albert ins Benehmen gesetzt, der, wie Hessel, ebenfalls Rcichswehrsoldat geroesen ist. Die Angeklagten haben dann in Straßburg zu arbeiten versucht, aber auch dort haben sie nennens- werte Ergebinssc nicht erzielen können, well das von ihnen gelieferte Material iminer ziemlich wertlos«vor. Mittwoch. 2. Juli. Berlin. 16.05 Gert von Hoeppner: Der zweite Europarundflus. Ifi.oO Unterhaltunssrausik. 17.30 Prof. Dr. P. A. Silbermann: Ahcnd-Qymnasium tmd Abcnd-Univcrsftät. 18.00 Dr. Felix(jüjither: Zwei- und Drciklänzc. 18.20 Interview der Woche.• 18.45 Prof. Dr. Wilhelm Vlcugels: Die Ostmark. 19.10 Arbeitsmarkt. 19.15 Arien und Lieder.(Nicola Geißc-WinkcL Bariton. Flügel: Bruno Seidlcr- Winkkr.) 19.40 Leipzig; Ein Sommerabeod. 20.30..Kieselack und seine Nichte." Posse mit Musik und Gesang von A. Wei- rauch. Für den Rundfunk frei bearbeitet von M. Felix- Mondeissohn. Musik nach alten Handschriften von August Conradi. Regie: Alfred Braun. 22.00 Auslese aus den Veranstaltungen der Rundfunk-Versuchsstelle bei der Staatl. akademischen Hochschule für Musik.„Neue Musik." S'ach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Hamburg: Nachmittagskonzert 17.30 Walter Stölting: 30 Jahre Zeppelin. 18.00 Windspcrger und Michaelis: Dichtung und Komposition. 18.30 Prof. Dr. Werner: Kunst und Kultur in Abrahams Heimat vor 5000 Jahren. 19.00 Carl Schöne: Wie erwerbe ich den Führerschein? 19.25 Else Kolshorn: Beamten Vertretung und Beamtenorganisation. 20.00 Violinvorträge, 1. VivaldJ-K reisler: Konzert C-Dur.— 2. Beethoven: Sonate G-Dur. op. 30. Nr. 3. für Violine und Klavier.— 3. Korngold: Suite„Viel Lärm um nichts".— 4. Suk: Zwei Stücke, op. 17.(Boris Schwarz, Violine: Josef Schwarz, Flügel.) 21.00 Militärkonzert. Welter für Lerlin: Heiter und sehr warn«.— Für Deutschland: Im Westen vielfach Gewüter, sonst weiüg Aenoerung. Vcrantwortl. filr die Redaktion: Wolsgang Ich«,.,. Berlin: Anzeigen: Zh. Glocke, Berlin. Verlan: Vorwärts Verlan®. m. b. L, Berlin, Druck: Vorwärts Bucki- druckerci und Verlagsanktalt Paul Sinncr& Co Berlin S® 08, Lindenftrake 3. Sierzu 1 Beil-nci | The. TUealet Lichtspiele usw. Mittwoch, 2 7. Staats-oper Unier d. Linden TsiUb. D.Mi. Ho. 11 Mtt-iid.-k.Ht>. 171 20 Uhr Cbrlstopb Uolnmbas Ende 223/i Uhr Staats-Oper An Plitz dir Republik Vorst. IIA 20 Uhr Die Ml!» Endegeg 23 Uhr Mittwoch. 2. 7. Stäöt. Oper Bismarckstr. Geschlossen Staatl. Sdiauspli. an Gendarmenmarki Jahr8s-Jlb.-V.Ho. 156 1 20 Uhr Fayst Ende 23 Uhr 18.13 Uhr— Ranthen er.aubi 12 Spitzenleistungen der itaatl.MiilHeater.Cliarltiig. 2 hr DerMann mit dem Klepper Ende 72' j Uhr Täql. 5 Ii. 815 Sonm. 2. so. cu Aicx. E 4. 6066 Internationale Attraktionen VoihsbUhne Theater am SOlowalatz. »>/. Uhr Julius Caesar Regie: Karl Keim Kartin Staatsoper Am PI. d Republik 8 Uhr Die Flerierniafls äarcowsky- Salinen Tteatec In de« Stresemannstr. Täglich 8Vj Uhr Meine Sdiwestar vnil ia Miislite.BalphBeaalzit) Ibeater 1 Wetleot Täglich 8"» Uhr: aas Land des Lächelns Ftanz Lehars Sensationserfolg! Dir. Dr. Martin Zickel Komische oper Friedrichstr. 104. Merkur«401/4330. Täglich SVt Uhr Liebe und Trompeien- blasen Sthulr/Westirauiir ✓ FMlir iit.rtaä> Hiid-- WiriKii MelropoMIt. Täglich gi-'a Uhr Michael Bohnen in ittit Dir allein auf 1 einer einsamen Insel D 2 Weidendamm 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg.: Max Reinhardi Musik: Friidridi Hoilaender. Bühnenbilder Emst Sdififte. Kammerspieie 0 2 Weideidantn 5201 9 Uhr Gasstpiel derSpielgeinein- sduft BertiaerSlbauspielcr Krach um Leutnant Blumenthal von Alfred Herzog. Sommerpreise Die Komödie II Bismck.24U/75ls 80j Uhr Wie werde ild leidi und gluddidi? El Ultras in 1 1 AMeilnflgin ng Fdii loiMmun. Kinik ng Misdii Sgoliassity kezie: Eriiti En;i! Bühnenbilder latvig biasr Theater!, d. Behrenstr. 53-54 Vh U. A4 Zentrum 926-927 8»Ä U Direktion Ralph Arthur Roberts Mein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Robs ROSE -Theater Große Frankfurter Str. 132 T&glidi 8.15 Uhr (Sonntags auch 515 Uhr)- ..Die andere Seite" 3 Akte von Sheriff mit Gotthard Boge. Arthur Malkowsky, Robert Müller, Paul u. Willi Rose, Franz Stein. Erich Wilde. Regie Robert Müller. Auf der Gartenbohne, nur noch bis kommenden Sonnabend, dos Rlesen-ErBffnunosprooramm»u, „Lene, Lotle, Liese" Vom 6.-9. Juli- Rosenfest im Rose-6arten Tausande oan Rosen. Riesen- Feuerwerk.- Willi Rosen am Flügel. Tanz im Freien. 8« Uhr „Verliebte Leute« Operette von KOnneke. i VorTerkauf tagt, von 11--' Uhr vorm. u. 3— 9 Uhr abd* Denlsehes Künstler-Theai. »>i> Uhr Barbarossa 3937 Torletzte Au Ifühning! „im tanze nm dieWeltmitdir" Rivue ng Sdiiffir gnd Hgllandtr Renaissance- Theater 9 Uhr Stein platz 6780 Die Wunder Bar Revuestück Lessiog- Thealer Weidtgdimgi 2791 g.U8«E Täglich g'/a Uhr Der Faun »DD Edw. Knohlaudi. Pid HendtiU. Hihi, Flammf. Rtril. C rgdlaigsky. Frggktn, Fiedler, Rsrefn. lieg Berliner Praier 3onimergai lentlieaier Kastanienallee 7—9 Tigiidi Anlang 4 ühr der große Variete- Teil Eine entrückende Burleske g.Iä U. Gusll Beer, Greil Lilien, Alex Haber, V von Kobylanska in die Bose vonSlamDul Operette in 3 Akten von Leo Fall SroDes KalieekoAen Eintriitspreis von SO PI. an. 8'u (Zentral-Theater) Dönh 2047 Alte Jakobstr. 30/32 Daruber Kommt Kein Mann bimuegl Kasse 10-tu. ah 6 Uhr. �jpFORSTT�g�. preiswerte MMUYIIM R�tdufönt Berlins BETRIEB rfA KEMPINSKIw' roeai.araKoiiD.ror Kottbusser Str. 6 lagl.«V» Wiederauftreten der Lille- Sander mit Scharsch RusetiL Grosses UdndilMirPrggrggigi! Reichshallen-Theater |T) Uhr Stettiner Sänger Das g roße Programm I Gönhofl-Srotll and Garten Variel6— Konzert— Tanz Berliner Ulh-TrlO N• U k 8 1 1 B. w Lahnstr. 74/76.1 Original- Befema Patentmatratzen/ Ruhebetten mit Betema-Federung Patcni-Drehbelt(D.R.P.) ein Griff- ein Bett, sowie das neue Holzbett mit Bcfema-Fedeinng sind TolUcommen dcräuscbtosl— Kein Einliefen. För schwerste Belastung. Ueberau erhält«. 20 Jahre Garantie. Ben. f bdermatritz.-f«rtt, nepmotlr.lS III Donnerstag, den 3. Juli nachmittags 6 Uhr: Abendrennen Strilmpie wasche Gardinen Miaus Emil Moses «isail. BlrKeastr.M(Effie Pniutistr.) äSeiloge Mittwoch, 2. Juli 1930 SprMmd Die Landwirtschaft Groß'Berlins Rundgang durch die städtischen Güter Der ReichsausschuH für sozialistische Bildungsarbeit veranstaltet augenblicklich einen Agrarkursus mit an- schließenden Besichtigungen? die n. a. durch die Provinz Brandenburg, Grenzmark und Pommern führen werden, Genosse Simon wird uns— ähnlich wie im Vorjahr bei der Studiensahrt nach Dänemark— über die einzelnen Führun- gen fortlaufend berichten. Sei erster Bericht behandelt die städtischen Güter Groß-Berlins, Es regnete in Strömen, als wir durch die südlichen Vororte in unserem großen Autobus«inigen der städtischen Güter zusteuerten, Der erst« Besuch gilt Brusendorf, ein Gut, das erst ein Jahr im Besitz der Stadt ist. Es war völlig verlottert, verrät aber in Stall, Brennerei und im Fruchtstand bereits die neue intensive Be- wirt choftung. Es ist 1200 Morgen groß, hat etwa 100 Milchkühe. derei Leistungen gegen früher schon erheblich gestiegen sind. Die Milch wird in die Kranken- und Pflegeanstalten Berlins geliefert. Die früher veraltet« Brennerei ist völlig umgebaut und modernisiert, besonders interessierte die Teilnehmer die K a r t o f s« l w ä s ch e. Das der Brennerei zugestandene Kontingent beträgt 120 000 Liter, der Spiritus geht an die Monopolverwallung und findet dann technische Verwendung. Die Brennerei ist 210 Tage im Maximum im Betriebe. Aus dem Gut kommen aus 100 Morgen Z.ö Arbeitskräfte. Den früheren Zustand der S ch n i t t e r k a s e r n e charakterisiert, daß im Sommerhalbjahr vor dem Erwerb des Gutes durch die Stadt insgesamt ZZO Schnitter einander abwechselten. Die Stadt baute auch diese absolut verwahrlosten Räume wohnlich aus, schuf Zentralheizung, ausreichende Wasch- und Badegelegenheit, einen Trockenraum, sreundliche Tagesröume, luftige und saubere Schlaf- räume. Nun wechseln die Schnitter, die vom Zentralarbeitsnachweis Berlin vermittelt werden, nicht mehr, und fühlen sich ansässig wie die ständigen Landarbeiter, die- in anständigen Zwcizimmerwohnun- gen mit Küche wohnen. Das städtische Gut Boddinsfelde, das nun besucht wurde. kann als Musterbetrieb angesprochen werden. Es wurde 1908 für die Stadtgemeinde Neukölln sRixdorf) gekauft und völlig neu auf- gebaut. Schon die Leutegärten vor den Arbeiterfamilien- Häusern verraten eine ältere Kultur. Das Gut ist 2600 Morgen groß, 500 Morgen sind Riestlland, wieder 300 Morgen davon an Kleinbesitzer verpachtet. Das Gut zählt 140 Kühe und 16 Pferde(früher 40 Pferde). Der gering« Pferdebestand erklärt sich aus der Einführung vieler Schlepper, wie überhaupt das Gut in seiner maschinellen Ein- richtung modern und r a t i on cll eingestellt ist. Hier wie in dem später besuchten Gut Deutsch-Wlisterhausen finden wir die Ein- richtung der Hängebahn, um den Mist aus dem Stall zu bringen, der, dann hochgeschichtet wtr», sich auf 65 Grad erhitzt, dann zusammengetreten und konserviert wird. Bei diesem Verfahren verschwinden die Fliegen und anderes Ungeziefer, das so getötet wird, Der Jahresdurchschnitt der Milchleistung ist 4200 Liter. Bc- inerkenswert ist ein Silo für'Aufspeicherung von Wiesengras und Mais, um überreichliches Futter rechtzeitig mähen zu können. Der Bau weiterer Silos ist geplant. ' Ein Heugebläse, das ein Fuder Heu in 5 Minuten ablädt und das Heu bis auf 500 M«ter Entfernung einlagert, ist schon seit Jahren im Gebrauch, Der Maschinenpark entspricht in jeder Be- Ziehung den Anforderungen moderner Betriebsführung. Sä- und Mähmaschinen, Düitgersrrcuer, Kartofselmaschinen(für die Ernte ist eine einwandfreie Maschine noch nicht erfunden, die billigste Ernteart ist mich hier noch das.Hocken durch Menschenkräfte), Kalt- streuer usw. sind Zeugen rationeller Bewirtschaftung, Neu war vielen Teilnehmern auch die Einrichtung der hier vorhandenen Kartosselüb erwinter ungskeller für Saatgut. Schweinezucht und Mast wird auf diesem Gut nicht getrieben. Wir besuchten die Wohnungen eines Landarbeiters und des Gutsgärtners: 2 Zimmer, Küche, Nebengelaß. Die Räume der Melker sahen etwas wüst aus. Es erklärt sich das dtirch die Friihmorgenarbeit und notwendige Mittagsruhe, Ein Melker hat 20 Kühe zu melken. Auf der Fahrt zum Gut Dcutsch-Wusterhausen erläuterte der Güterdirektor vom Damm des Klärbeckens aus Geschichte, Anlag«, Struktur, Ertragsnwglichkeiten usw. der Berliner Riesel- f e l d e r. Naturland der verpachteten Flächen bringt 15 bis 17 M. Pacht, die Rieselfelder im Durchschnitt pro Morgen 63 M. Je nach der Bodenart bewegen sich aber auch hier die Pachtpreise zwischen 15 bis 120 M. auf den Groß-Berliner Gütern. Auf den meisten, immer einen Morgen großen Rieselfeldern kann ein achtmaliger Schnitt erfolgen. Aus der weiteren Fahrt lvar interessant zu beobachten, daß die großen Kartoffelfelder— Benutzung der Ä o r t o f f e l l c g e- Maschine— nicht eine einzige Fehlstelle auswiesen. Das Gut Deutsch- Wusterhausen ist 3600 Morgen groß. 600 Morgen sind Oedland, etwa Z8P0.Morgen Rieselfelder, 1800 Morgen sind davon verpachtet, 150 Morgen sind Koppeln. Das Gut zählt 140 Milchkühe und 250 Stück Jungvieh, Ein Bulle— Gewicht 21 Zentner—, ein jüngerer Bulle, dessen Mutter die best« Kuh mit 8600 Liter Jahresleistung war(ohne zu präparieren). 21 Zuchtsauen, etwa 80 Schweine(die bis zu 2 Zentnern gernästet werden), waren interessante Schauobjekte und Zeugen intensiver Bewirtschaftung. Gefüttert wird im Sommer mit Gras, im Winter und all Regenlagen mit Kraftfutter. Etwa 200 Stück des Jungviehs weidete auf den Koppeln. In den Ställen steht das Vieh auf dem sogenannten Kurz st and, dem„Schwarzburger Ausstand". Die Molkerei erscheint blitzsauber, sie verarbeitet 180 0 Liter des Gutes t ä g l i ch, die Milch geht in eigenen Wagen direkt als Frisch- milch jeden Morgen nach Königswusterhausen, und wir» zum Preise von 34 Pf. abgesetzt. Weil auf einwandfreie Qualitätsmilch gehalten wird, sind die Gestehungskosten immerhin höher als beim Bauern, Das Gut ist im wesentlichen auf Frühkartoffelerzeugung und Milchwirtschaft eingestellt. Die Fortschritte, die erzielt wurden, lassen sich daran erkennen, daß der durchschnittliche Milch- ertrag von 1923— 2200 Liter auf 4400 Liter an- gestiegen ist, die ssettprozente sich in der gleichen Zeit von 3 auf, 4 bis 5 y;• 3 z. erhöhten. Groß- Berlin besitzt 67 Einzelgüter mit einer Geiamtflächc von 29000 Hektar. Es find dabei 30 Hauptgüter, 37 sind Nebengüter, Vorwerke usw. 10 Hauptgüter und 7 Ncbengüter sind verpochtet, Der Berliner Forst— 22000 Hektar— steht unter be- sonderer Verwaltung. Der Gesamtgrundbesitz Berlins umfaßt also 51 000 Hektar.(Vergleichsweise sei angeführt, daß der Domänenbesitz ganz Preußens 260 000 Hektar umfaßt, davon liegen in Brandenburg 40 000 Hektar Staatsdomänen.) Groß-Berlin hat von seiner landwirtschaftlich genutzten Fläche 12000 Hektar im Rieselfeldbetrieb. Mit Aus- nähme von drei sind alle Güter am Rieselfeldbetrieb beteiligt. Durch die Rieselfelder erhält das Land die vierfache Regenmenge des Durchschnitts in Groß-Berlin. In den Kläranlagen bleiben— wie es bei der voran- gegangenen Besichtigung eines Rieselsekdbetriebes von uns beobachtet werden koimte— 70 P r o z. der S ch l i ck m a s s e n zurück. Dieser Schlick wird zmn Teil zur Gewinnung von Mentangas beimtzt. Er wird aber als guter Dünger auch an die Bauern abgegeben. Die beste Pflanze für das Rieselfeld ist die Graspfanze, die viel Wasser benötigt. Man erachtet pro Hektar und Tag eine Wasser- menge von 45 Kubikmeter für notwendig. Ein Gut— Carolinenhof — hat erwiesen, daß die fünffache Menge, 250 Kubikmeter pro Hektar und Tag, angewendet werden kann. Die heutigen Rieselfelder Groß-Berlins würden für eine Bevölkerungszahl Groß-Berlins von 11 Millionen ausreichen. Bei der Eigenart der notwendigen Abgrenzung kommen viel« Felder für den Großbetrieb nicht in Frage. Sie sind darum an Bauern und Krauter verpachtet. Die Vorteile sind, daß die Pächter keinen Dünger brauchen, daß sie schon aus Vi Morgen, statt auf 4 Morgen eine Kuh halten können, daß sie bei der erhöhten Vieh- hallung den Dünger aus die eigenen Naturfeldcr und Weiden brin- gen können. Die verhältnismäßig guten Wohn- und Wirtschajts- gebäude der Rieselfelderbauern sind ein Zeugnis für diese Vorteile. Gewisse Zahlen des landwirtschaftlichen Großbetriebes der Stadt Berlin müssen ssstgehalten werden. Berlin zählt in seiner Land- Wirtschaft 2000 Schweine. 3200 Schafe. 9 Brennereien mit einem Kontingent von 900 000 Litern. 1 Fleischerei, die 25 000 Stück Vieh im Jahre verarbeite», 1 Sägewerk, das 12 000 Kubikmeter Hotz verarbeite». u. a, eine Großmolkerei in Berlin-Weißenfee, die Berlin täglich mit 40 000 Litern bzw. 80 000 Flaschen Milch beliefert usw. Ein vorbildliches Vertrags- und Lieserungsverhältnis besteht zum Konsumverein, der allein 12000 Liter Milch täglich bezieht. Berlin bezieht ein Viertel des Gesamtbedarfes an Milch wie an Gemüse von den Berliner Gütern. Durch die Berliner Landwirtschaft und die Rieselfelder werden 20000 Menschen voll beschäftigt und ernährt. Max Simon, M. ü. L. DEUTSCHLAND mit verliebten Augen gesehen Seitdem jener unselige Henry Beraub seine von Haß erfüllle und von Mißverständnissen strotzende Artikelserie üb«? Deutschland im Pariser„Journal" veröffentlicht hat, ist viel Wasser Rhein und Rhone hinabgeflossen. Mittlerweile wurden aber die Berichte französischer Journalisten um Objektivität bemühter und imn ist sogar in.einer Reihe französischer Blätter ein« Artikel- seric über Deutschland erschienen, die vom Atem der Liebe für unser Land durchweht ist. Der Autor: Gabriel Gobron, Professor am Lyzeum in Rethel,«in ganz junger Mensch noch. Der geistige Extrakt der Gobronschen Arttkelserie ist sein Buch:„Contacts avec la jeune Generation AUenvande"(Berührung mit der neuen deutschen Generation), Eckitions de la„Lanteme du Midi", Toulouse. Eine notwendig« Zwischenbeuterkuitg: Ein Franzose, der poli- tifck) rechts steht, wird über Deutschland nicht gerade sehr liebevoll schreiben. Das liegt im Wesen der Sache, das liegt im Wesen der nationalisttsäieu Politik. Gobron ist ausgesprochen links, a u s g« s p r o ck) e n Pazifist. Er ist nach Deutschland mit dem Wunsch(und wohl auch schon mit dem Borurteil) gekommen, hier tin ausgesprochen friedfertiges Volk zu finden, und er sieht seinen Wunsch erfüllt, sein Borurteil bestättgt. Man kann im Grunde über jedes Land sowohl eine Rechts-, als auch eine Liicksreportagc schreiben. Es kommt immer aus den Standpunkt des Betrachters an. Man sieht am Ende nur das, was man, unbewußt, sehen will. Die Sachlichkeit der Reportage hat ihre Grenze an der persönlichen Leidenschaft ihres Verfassers. Gobrons Buch ist sehr leidenschaftlich, Es hat die Absicht, dem Frieden zu dienen, es will zeigen, daß Deutschland gar nicht der gepanzerte Popanz ist, als den ihn die sranzösifchen Militaristen in eindeutiger Absichr gern an die Wand malen. Das Buch spricht aud> vom Jungdo, vom Stahlhelm, vom Typ Ludendorff, von der Reaktion aus den Universitäten— aber im ganzen überwiegt das Lob des linken Deutschland. Ein Lob, das im übrigen nicht geredet, sondern ntit viel Fakten, viel Zahlen belegt wird. Um das Buch ist in Frankreich eine heftige Diskussion entbrannt, sie wird auch wieder verebben— aber die Materialsammlung als solche bildet in der französischen Deutschland- literatur ein Dokument von bleibendem Wert. Gobron war mehrfach in Deutschland und erfreulicherweise nicht bloß i» Berlin. Köln, Bremen, Hamburg, Eisenach, Weimar, Heidelberg, Lübeck, Dresden, Frankfurt, Leipzig— das sah er sich auch alles an. Das Buch ist indes nicht geographisch, sondern mehr soziologisch gegliedert: Gobron ist mehr Wissenschaftier als Reifeplcruderer, versteht indes gewandt zu schreiben— seine lothringischen Romane, Dichtungswerte sind preisgekrönt. Gobron sieht, daß alles ungeheuer kompliziert ist. Er schildert, wie sich alles in Meinungen zerfleischt, in Bünden, Vereinen, Parteien.zerorganisiert. Mit den Problemen der Jugend, der Pädagogik, be- schäftigt sich Gobron— das bringt wohl sein Beruf mit sich— am meisten. Einleitend wischt er da den„Süddeutschen Monatsheften" eins aus, die sich in außerordentlicher Ausführlichkeit mit«inigen in Frankreich nur wenig verbreiteten Schulbüchern, die im Haßgeist geschrieben sein mögen, beschäftigen, während doch die überwältigende Mehr, zahl der französischen Schulbücher gerade in dieser dcutschpolitischen Hinsicht absolut einwandfrei sei— das stimmt mich!—, wäh reich ferner die 120000 freisinnigen Lehrer der französischen Volksschulen die eifrigsten Aktiv- Pazifisten seien— was gleichfalls objektto und subjektiv richtig ist. Auf diese Weis« könnten natürlich auch französische Notonalisten die deutsche Pädagogik als haßlüsterne Institution beschimpfen, etwas ließe sich immer finden, Gobron bemüht sid) also, das Gute zu finden. Begeistert« Worte äußert er über einen Besuch in der 10. Gemeindeschul« in Berlin. Sie sei laique(freireligiös), geradezu positivistisch". Es gäbe da keinen Direktor, die Lehrer würden alles selbst leiten. Die Lehrer hätten ein« herrliche Freiheit, sie seien an keine Zeit, an kein Programm gebunden. Besonders auffällig: die Misch- e r z i e h u n g.„Es ist eine den Deutschen kostbare Idee, die Ge- schlechter nicht zu trennen, wie wir dos immer in Frankreich tun." Und dann gibt Gobron ein« genau« Schilderung des sehr legeren, dabei pädagogisch ganz einwandfreien Unterrichts, der die Kinder spielend lernen läßt und der erfreulichenveise mehr Kund? gäbe von der Kultur der Völker als von ihren Kriegen. Und jetzt eine brüderliche Botsd)afl der Kinder der 10. Volksschule in Berlin für' unsere Kleinen in Frankreich. Eine ganze Klasse erhebt sich, wie ich gehen will, und eines der kleinen Mädchen bittet mick), den jungeil sranzösisihen Kameraden den Gruß der jungen Berlinerinnen zu Übermittein, Und ich habe versprochen, die für mich so ehrenvolle Vcrpstilhtung nicht zu vergessen. Ich entledige mich ihrer hiermit mit dem größten Vergnügen." Nach der Schule die Jugendbewegung. Der Aussatz über dieses Thema wird mit einer Betrachtung über die Arbeiterjugend eingeleitet. Gobron beschreibt die Versammlungen, notiert die systematische Vorbereitungsarbeit der Referenten, freut sich über die so regen, sich anschließenden Debatten, bewundert den Ernst, mit dem sie ausgetragen werden. Dann brechen wieder Gobrons Minder- Wertigkeitsgefühle durch: wie blöd benehmen sie sich dagegen m Frankreich..,—„Frankreich," man muß es vor Gobron in Schutz nehmen. Er sieht alles zu einseitg national resp. international und überhaupt nicht klassen- regional, überhaupt nicht marxistisch. Natürlich wird in Deutschland mehr über alles diskutiert, weil ja auck die Dinge der Praxis dringender»ach Umgestaltung und Be» wältigung verlangen als in einem rustikalen Lande, in dem im ganzen genommen die wirtschaftliche Not doch nichl s o groß ist! Deutschland hat mehr Industrie, mehr Arbeiterschaft, ist an sich ein Land der Sehnsüchte und Theorien— erklärlich, daß auch in der Jungarbeiterschast die Zahl der marxistisd) orientierten Debatter weit größer ist als in dem geistig serttgeren und praktisch doch nicht so zerwirtschyteten, weil so ackerreichen Frankreich. „Was mich mich frappiert, das ist die R ü ck k e h r zum« i n- fachen Leben. Alle Sonn- und Feiertage verlassen die Volks- Massen die Städte, ihre Kneipen und Kinos und führen ein natür- liches Leben. Frische Lust, Sonne, Volkssong. Volkstänze, Lagern im Wald, einfadi« und gesunde Nahrung, kein Alkohol, kein Tabak(für die Deutschen!). Der deutsche Sozialist hat sich, die Einrichtung der Sonntagsbillets zum reduzierten Preis erkämpft: eines Sanntags legte ich 180 Kilometer für vier Mark zurück." Dann ist ganz allgemein die Rede von den Wandervögeln, schließlich auch von den Zlnhängern der Nacktkultur—„nach allem, was ich in dieser Hinsicht gesehen habe, scheint es mir nicht, daß die Nacktkulwriften der freien Liebe huldigen, im Gegenteil, sie respektieren das Ideal der Keuschheit". Schade, Gobron ist sonst so vernünftig, aber wenn cr über Geschlechtliches schreibt, kommt er nicht aus seiner Ober- lehrerhaut heraus. Der neudeutsche Typ würde in der Frau nicht die Geliebte von morgen, sondern die Schwester, die Kameradin sehen. Und in seiner Gesamtheit wäre das deutsche Volk weniger lasterhaft als das französische--- was muß der arme Gobron bei sich zu Haufe erlebt haben, daß er so ungerecht sein kann! Diese seine ungerecht« Einstellung kommt auch wieder zum Aus- druck, wenn cr den deutschen und den französischen Arbeiter, die deutsche und die französische Wißbegier miteinander vergleicht,.Ich keniizeichii« den Berliner Arbeiter durch drei Details: sein Badezimmer, seinen Blumenbalton, seine Bücher. Ich definiere den französischen Arbeiter(es gibt erfreulicherweise Aus- nahmen) durch die Alkoholika, die cr zu sich nimmt.,, Man hat mir in Berlin eine Menge van Autodidakten gezeigt, die sranzösisch gelernt haben, um uiffere Autoren in der Ursprache zu lesen, Flaubert, Zola und unsere großen sozialistischen Theoretiker sind von der Mehrheit der deutschen Arbeiterjugend gekannt. Kennt ein französische? Arbeifer Goethe und Schiller auch nur dem Namen nach?" Kurz und gut: das französische Proletariat sei dem deutschen in intellektueller Hinsicht unterlegen. Klassischster Beweis: die Güte der deutschen proletarischen Literatur---: alles Feststellungen, in denen sich Richtiges mit Falschem mischt, aber es ist schließlich besser, es bläst einer die International« mit ein paar falschen Tönen, als unentwegt Militärmärsche richtig. Das Lob der deutschen Arbeiterschaft steigert sich zu Hymnen bei der Schildenmg der Besichtigung einiger ihrer Institutionen: Volks» haus Bremen, Gewerkschastshaus Hamburg, Kansumperein Lübeck. Aber das beglückendste Erlebnis für Gobron ist trotzdem nicht die Kenntnis dessen, was Zielwille, Oemeinschastssiiin und Org'anisations- talent der Arbeiterschaft hier schufen, sondern das schöne Gefühl, in den breiten, sozial meist unterdrückten deutschen Volksinassen immer wieder ehrlichsten Friedenswillen gefunden zu haben. In diesem wesentlichsten Punkt irrt Gobron nicht. Wir grüßen ihn und wünschen seinem Buch in Frankreich viel Erfolg! Erieb. Gottgetreu. (20. Fortsetzunz.) Er erkundigte sich nach den Admhrtszeiten. Dann suchte g; sich einen angenehmen Platz zum Liegen, der«ine herrliche Sicyt in die Tiese und über Berge bat. Er hatte die Uhr nSben sich hingelegt. Unruhig sah er von Zeit zu Zeit nach den Zeigern. Ties unten sah er die blouqrijne ilirrenbe ßaniischaft, die Seen. Ein angenehmer Lirsthauch umsirrte seine Schläfen.— Zur rechten Zeit, kurz vor der Abfahrt, sand er sich an der Bahnstatton ein und nähert« sich vorsichtig dem kleinen Zug. Cr sah in alle Abteil« hinein. Nirgend- war Denise zu entdecken. Aber Fräulein Saat spaziert« lächelnd am Zug aus und ab. Sie ihrerseits patzte auf, ob ihr.hammerschlag etwa versuchte, zu entwischen.— Verdrossen zag er sich aus seinen vorherigen Aussichtspunkt zurück. Wieder lag er Stunde um Stunde neben der tickenden Uhr Di« Sanne senkte sich zum Rande. Di« Natur sing»n abend- lich zu werden.-- Beim nächsten Zug, den er«-beusalls gründlich visitierte, ging es ihm nicht bester als dos vorige Wal. Und wieder ging Fräulein Saat wie«in Posten aus und ab. Und wieder lächeUe sie dabei. Und wieder zog sich Hammerschlag verdrossen zurück. Die Täler waren dunkel. Er saß über der Welt. „Jetzt nicht allein, sondern mit ihr ztrsammen", sagte«r für sich hin",— warum si« mir und sich selber dies Vergnügen wohl nicht gönnt?" Er horchte. Alles in her Rund« war still. Sein« letzte chojsnung war, si« bei seiner Rückkehr ins Hotel »ielleicht doch noch zu finden. Vielleicht hatte ihn der Kellner auf ihre Anordnung hin ge- täufcht? Vielleicht war es ihre Zidsicht, weiterhin im Hotel oben zu wohnen? Und sie. hatte sich vielleicht über all dies« Stunden, in der Zuversicht, daß er bald verschwinden würde, in einem sicheren Versteck verborgen gehalten? 7.„Wo i st mein.hammerschlag geblieben?" Als«s schon eine Stund« lang dunkell war. trat hammerschlag aus dem sternreichen Abend in' die helle des Spciseraum? ein. Mit schnellen Blicken sgh er hierhm und dorthin er erblickte FrSukelu Saat und glaubte nicht mehr an sein Glück- Diese Lies- bcth Saat war sein böser Engel, wo sie sich befand, konnte für ihn nicht» Erfreuliches gedeihen.. In der Tat, von Denise war im Speisesaal nichts zu sehen. Aber Fräulein Saat war schon ausgestanden, sie kam ihm ent- gegen, sie lächelte sich zwei Grübchen in die Bocken hinein— das war alles vorher genau ausgearbeitet und zurechtgelegt— und sagte mit einer Stimm«, in her ihr Verzeihen schon völlig aus- gedrückt war: „Du hast mich aber lange warten kosten." „Ja", sagte hammerschlag. Und so groß ist die Macht des Motzen„einmal miteinander geplaudert zu haben", und wenn die Plauderei auch die langweiligste war— es entsteht doch so etwas wie ein« zu Höflichkeit verpilich- tende Bindung, und so lange man sich wie ein Mensch der Zivi- lisation zu benehmen gedenkt, kann man nicht einfach einen offen sichtbaren Bogen um das vermaledeit« Aegsrnis machen-- und .hammerschlag ging mit Fräulein Saat an den Tisch, an dem si« gesessen hatte. „Was soll ich jür dich zum Abendbrot bestellen?" fragt« sie an.--- Lange hielt cr's nicht aus. Der Gedanke, datz Denise sich vielleicht im Hotel befände, wühlte geradezu in seinen Eingeweiden. Er stand aus und verliest wortlos den Saal Da Fräulein Saat ihn für die kommende Nacht sicher ge- fangen wußte und überdies seinen Hut in ihren liebevoll lächelnden Augen behielt— liest sie ihn hinaus und hinderte ihn nicht. Hammerschlag machte da» gesamte hotelperlonal, das er traf oder suchte, verrückt. Aber wäre er ihnen auch mit einer Kanone zu Leibe gogongen. sie hätten, wofern sie bei der Wahrheit bleiben wollten, keine andere Auskunft geben können, als die sie ihm gaben: Das Fräulein pon Langen hätte um Mittag das Hotel oerlassen. wn weiter.zureisen. Wohin? Wohin? Das mutzten sie nicht.(Die Frage war ja auch nur aus Bor- zweiflung gestellt.) Zurückgekehrt sei das Fräulein inzwischen nicht. hammerschlag verlangte ihr Zimmer zu sehen. Man zeigte ihm den oerlastenen Raum. Nachdem er ein« Weil« wortlos in der Mitte zwischen den Wäitden gestanden hatte, sagte cr— er wollte das Zimmer mieten. Aber dos Zemmer war für diese Nacht schon au cm Fräulein Saat abgegeben. hammetfchlog seufzt«. Das Zimmer trug noch den Duft von Denis«! in dem Bett dort hatte sie noch am Morgen gelegen... Und nun sollte also Fräulein Saat da hinein Er nahm ein anderes Zimmer, so weit wie mir möglich von jenem entfernt. Dann begab er sich wieder in den Speiscraum und atz mechanisch von dem inzwischen aufgetragenen Abendbrott Fräulein Saat satz dabei. Sie schwieg wie er. Später ging er noch ein bitzchen drautzen Heruni. gräuiein Saat begleitete ihn. Aber sie sprachen kein Wort. Er ging früh auf sein Zimmer.— Di« Bedtenuqg hati« für die beiden Reisenden, die tmvorbereitet, aller Toflettengegenstänoe bor, einigetrasfcn waren, nach Möglichkeit in entsprechender Weste gosorgt. *** Am nächsten Vormittag fuhren hqmmerschlag und Fräulein Saat mit der Zastnradbobn wieder hinunter. Die Fahrt hinaus war angenehmer geavfwt. Jetzt waren beide schweigsam. Der Himmel war mij«!n?r schwülen Wolkenlast bepackt. Aber Hammer- schlag- Schweigen war nicht gewitterdrohcttd, sondern kalt. Denis« ist zu Fuß den Berg hinuntergegangen, verslucht, dachte «r für sich Da kann ich ja sehen, was sie alles um meinetwillen auf sich nimmt, sogar an Gefahren. Wahrscheinlich vergrößerte sich ihre Angst vor ihm, je dringender sie sich verfolgt glaubte und je öfter sie. vor ihm die Fluch» ergriff. Di« Zahnradbahn puffte, und die beiden schwiegen. hammerschlag sah überhaupt nicht aus die Landschaft hinaus. Er war diesem Frätllein Sa« jetzt auch nicht mehr für«inen Groschen dankbar dafür, datz sie— quasi das Werkzeug einer höheren Macht— ihn zu diesem Ausflug gedrängt hatte. Er verfluchte sie nur— und sonst nichts. Sie hatte ihr« Sendung in seinem Leben nicht verstanden. Nachdem sie ihn auf den Berg der Bestimmung geführt hatte, inar sie zur Negatton ihrer selbst geworden. Sie hatte ihre eigen« Zmtbert«— ausgelöscht— Verfluchtes Gcquastche, stöhnte hammerschlag in sich hinein, datz ich auch darauf hereinfallen mutzte. Ueberhaupt— hätte ich Denise doch gar nicht gesehen, dachte er bitter, dann wäre mir angenehmer zu Mut als jetzt. Mir ist ja grab so wie bei meinem eigenen Begräbnis. Als sie, wieder auf der ebenen Erde, in ihrem Hotel onge-> kommen waren, war das erste, was Fräulein Saat unternahm, datz � sie dem Stubenmädchen klingelte, um anzuordnen— sie hatte, wo sie glaubte, es sich erlauben zu können, einen gehörigen Beiehlston am Leibe—: Datz ihr sofort, wenn hammerschlag Anstalten träfe, abzureisen, Mitteilung gemacht werde.— Etwas später klingelte sie das Stubenmädchen noch einmal herein, denn sie hatte es sich überlegt, daß es in diesem Fall diplomatischer wäre, nicht zu be- fehlen, sondern zu bitten. Sie wiederholt« ihr Anliegen in genau umgekehrtem Tou. Nach einer Weile klingelte sie zum drittenmal. Und diesmal schenkte sie dem Mädchen einen halben Schilling. Uehti den Nachmittag und auch über den Abend blieb Hammer- schlag in seinem Zimmer. Auch am nächsten Tage bekam Fräulein Saal ihn nicht zu sehen. Jeglicher Versuch, die Verbindung mit ihm- neu herzustellen, scheiterte an seiner verschlossenen Tür Aber an dem nächstfolgenden Tage war hammerschlag sort. Als das Stubenmädchen kam, um es Fräulein Saat, die sich über den ganzen Tag im Hotel aushielt, zu berichten, war hammerschlag schon über olle Berge. Fräulein Saat rannte, als sie nur das Gesicht de» Mädchens sab, ohne sich zu besinnen die Treppen hinunter, durch die Strqtzen, zur Dampssranlegesielle. Bon hier aus gingen die Schiff« einige Zeit vpr Abfahrt jedes Zuge» zur Station am jenseitigen User hinüber: si« hatten d>e Ausgab« einer Fähre. Aber kein Dämpfer war an der Anlegesteste noch überhaupt auf dem See zu erblicken. Auf ihre Frag« hin erhielt Fräulein Saat Auskunft, daß im Verlaus der vergangenen iowi? der kommenden Stund« kein Dampier im Fahrplan sti. Fräulein Saat ging an dem Weinen Stationsgebäude auf und ab, sehr schnell, wie ein gefangene? Naiidtier, mit kurze» Schotten. In der Nähe wurde ein über alle Maßen dicker Gepäckträger von einer Dame, die ein hittterlisttg ernstes(Besicht dazu machte, gelnipst. Ihm war das bestimmt schon einige Dutzend Maie passiert, man sah es ihm an. Er stand da. ergebe» wie ein Lamm, aber doch selbstbewußt wie ein König. Im Mundwinkel hing ihm eine Zigarette. Fräulein Saat sah von dieser komischen Szene, die sich nebe»'hr abwickelt«, nichts. Mit aller Macht ihres diplomatisch geschulten 5?irns dachte sie— sie dachte nach, wo sie hammerschlag suchen könnte.. Datz er nicht im Auto fort war, hatte sie noch auf der Treppe durch das Stubenmädchen erfahren. Welche Gelegenheit gab es für ihn denn außerdem, um zu entfliehen? Si« sah über den See. An seinem einen End«, wenn man am User entlang marschiert, lag Strobl', am anderen Sankt Gilgen. Aber dorthin würde hammerschlag nicht gehen, wenn es ihm mit seiner Flucht vor ihr ernst war. die Gefahr einer Entdeckung wäre dort für ihn allzu groß. Ihr Gefühl sagte ihr, datz hammerschlag sich in dieser Stund« weit, sehr weit vvn ihr entfernte. Trotzdem sah sie dcn Leuten, die nah am Ufer im See herum- ichwammen, genau aus die Köpf«— ob etwa Hammerschlags blondes haar dort triefend zu entdecken wäre. Nein, einige magere Herren, 'ein jchwaizhaarigdr Dicker, und ihre Damen, dazu«in Junge— sie schrien und lachten und neckten sich. Der Sc« spritzte fröhlich. Kein« Spur von hammerschlag weit und breit. Mit einemmal kam ihr. wie eine Eingebung von oben, der Ee- danke an noch eine die letzte--- Möglichkeit, die es für Hammer- schlag gäbe, Sankt Wotfgqng zu oerlassen. Er konnte mit der Zahn- radbahn entwichen sein.(Fortsetzung folgt.) eBud\ Sarialla" „F a r f a l l o"(Brelpu Verlag, Berlin Eharlottenburg, Ganz- kedien 3 M.) berichtet darüber, wie man Schmetterlinge, gleich Blumen, im eigenen Heime ziehen kann. Unter dem Bersasser- »amen K. L o n g u s verbirgt sich ein vielbeschäftigter Chirurg. Die Falterzucht braucht kein Reservatrecht zu bleiben, da man in Frankfurt o. Motu den E n k o m o l o g i s ch e n Verein hak, der eine ctuoinolvgischc Zeitschrift herausgibt, welcher eine Insekte n bärse beigefügt ist. In ihr findet man die Bezugs- quellen für Zuchtmatertgl sowohl für Puppen wie jür Kokons europäischer und cxotiichcr Falter. Mit Sem Ansclzzfsungspreis ver- hält es sich so, datz nicht der schönste und größte, sondern der seltenste Falter der teuerste ist. Fall- man Puppen erhallen kann, braucht man keine Falterzucht, weil es zur Erzielung von Schmettcr- lingen genügt, dcn Puppen eine ruhige Lagerstatt und den nötigen Feuchtigkeitsgehalt der Lust zu sichern. Der Verfasser ließ, nach sechseckigem Grundriß, eine Schmeiterlingswiege anfertigen, deren Seitenwänäe gläsern sind und deren Dachbcspantumg au» Tüll be- steht, damit die Lust hjndurchitreichcn kann. In drin unteren Teil einer solchen Wiege.ist eine Wasser- qdcr Sa>wir:ale, darüber ein Drahlgstter, aus dem in Moos oder in Weinen Fiizgehäusen hie nackte» Puppen ruhen. Kolons werden aufgehängt. Natürlich hat auch die eigene Zucht ihre Reize. Zu züchtepiichru Zwecken mutz man sich die Eier besorgen lassen, die in dem sicheren Ruhebette, da- ein Federkiel bietet, versandt werden. Sind sie befruchtet, kommen in acht bis vierzehn Tagen die Rhupchen, die man auf eine ihren Nahrungsbedürinisjcn eutsprcckzende Futterpsbinze setzen mutz. Um den Platz aus der Futterpflanze zu wechseln, be- dient man sich eines seinen Pinsels, denn die Räupchen sind äußerst empfindliche Lebewesen. Nach der zweiten Häufung(die Raupe p hauten sich vier- bis iünsmo» kommen sie in ein Raupenhaus, dos gleichfalls sehr viel Freude bietet Aus der Raupe wird ichlletzüch hie Puppe, die vierundzwanzig Stunden Trockenzeit benötigt, und in dieser Zeit nicht angerührt wetden darf, da sie snnjt zum Krüppel wird. Man mutz die Puppen siets in der gleichen Zage aufbewahren, die sie in der Natur anzunehmen pflegen: mithin mutz man fei» unterscheiden, ob� i.i der Freiheit die Puapen hängen, stehen oder liegen. Im großen und ganzen sind die Raupen der großen Exoten nicht schwer zuchtbqr, während einheimische Falter oft bedeutende Mühe machen. Man fqun die Schmetterlinge bequem im Zimmer hallen, und soll es sogar wagen dürfen, die Fenster zu öffnen. Etliche Tagfalter kann man durch eui in eine Schale ge- legtcs Stück Zucker ernähren, das man mit Wasser übergießt. Wenn man bei den Faltern niemals dos Gefühl der Fesselung erweckt, werden si« zutraulich, fürchten die menschliche Hand nicht und kommen auf die Finger. Vorzügliche Bilder unterstützen den Text vortrefflich. Sin» Büsing. Rätsel-Ecke des„Abend. aiBuiiuuiiiuuiiiiuuniit!ttJiu!iiiuiiiHVuiiMiiiMiUttuiuiiiiuwHmi4MiHiiutti»iHiiiuinicuuiHiuiuuHiuiiiiiuHunuiiMiumi»uimuminiiüHnii«miiiuiuiuujimmm!mimiiu!i]a» Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Kleinstes Teilchen. 5«tadt in Holland: H Spiegel(türf.); 9 Schtundzäpfchen: 10. Stadt in Schlesien: lZ. Gebirge in Rußland: 13. Der Erde an- vertrautes Gut: H asiatisches Rind: 18. männlicher Vorname: 19 rechter Nebenflutz des Rheins: 20 englischer ?ld.lstitel: 21 Liebesgott: 22. persönliches Fürwort.— Senkrecht: 1. Fluß in Lettland: Fluß in Italien: 3. engl, eins: 4 Bezeichnnng für hinterrücks: 5. horrohr: 8 Artikel: 7 alle Bezeichnung ll kleiner Jung«: Iis japanischer Staatsmann: Ausruf: 18. Ansehen: 17. Waopenticr: 18 Artikel: 23 italie- sie Tonstufe.(Waagerecht 14: i— y: senkrecht 4: ch für Böotien: IS. IBuchstabe 8>t- Logogriph. Mit M aus weitem Meer man's trisst. Mit L man'» schwer empfindet, Mit G es uns willkommen ist, Mit h die Zeit«ntfchwindel. Mit R der Wandrer es ersehnt. Mit B braucht man's zum Binden. Nun sehe, lieber Leser, du. Di« Läsung rasch zu finden.* Silbenrätsel. Aus den Silben al bahn bar be der bo bor da die eh eis«n gant qe ge aar gre he i i ig kus la lan nias rnur na ne- nc na ot preis rd ra rag ran rant re ren rha ri rto se te tel ti to um ve mach wan weis zi sinö 19 Wörter zu bilden, deren Anfangs- buchsiaben von oben noch unten und die dritten Buchstaben van unten nach oben gelesen ein Zitat von Goethe ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Nordseeiitfel: 2, geschmackvoll und modisch: Z. weiter herrenmontel: 4. Landschaft in Italien; 5. Geistesschwacher: 6 Blume; 7. chemische Verfuchsonstall: 8. Winterfportplotz: 9. Pelzart: 10. Dorlegnng der Wahrheit oder Unwahrheit: 11. Stadt in Schlesien: 12. weiblicher Vorname: 13 Festung in Belgien: 14. Papstnani«: IS. Stadt in Persien: 16. Bogelart: 17. Unwisjen- der; 1«. Gartenpflanze: 19. Stadl in Syrien.— kr.— Schneckenräisel. Senkrecht: I T on- stufe: 3 Mädchennrnne: 4 schmale Stelle: 8. Skandal: 7 Remise: 9. Stadl .in Deutschland: 10 Zahl: 12 Bewegung; 13 Lebens- mittel.— Waagerecht: 2 Stadt in Italien: 1. Stadt in Holland; S. Män- nernome; 7. Drehpunkt: 8. Schweizer Hochtal: 10. Insel der Kleinen Antillen: 11. Aschensalzllein: 13. Jen- trale Leitang; 14. Luxus- i kleidungsstück. gk. (Auslösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auslösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Baude: 5. Tora: 7 Ebbe. 10. Gras; 11. Elf: 12. Zoll: 13. Berlin: 14. Zill«: 19. Rinde: 20. Amsel: 23. Fohlen: 28. Kontor: 29. Paul:-30. Akt: 32. Lunn: 3,3. Lupe; 34. Else: 35. Dolde.— Senkrecht: 2. Un'e. 3. Bassin: 4. Benzin: 6. Töa«: 8. real: 8. Brot: 9. Erle: 15. Gorti: 16. Felge: 17. GEG.: 18. Mai: 21. Eeller; 22. Bolzen: 24. Opal: 25. Lump: 27. Null; 28. Oase: 31. Kanal. Kapsekrätsel: Ballkleid, Veränderung, Andernach, Vor- stellung, Biirfchenschast, Gymnastik, Ballwerfen, Trabrennbahn, Gemeinde, Fenster, Gemarkung. Veranda, Gcrmersheim, Ipswich, Rollschuh,— All« Röder stehen still, wenn mein starker Arm es will, Vorsetzrätsel: Oeber, Esau, Zsokrates, Celle, Halm. Tanne, Amur, Trost. Hegel, Lotio, Eger, Tadel, Ibach, Sahn,— Leichtathleti'i. Silbenrätsel: 1. Mitternacht;?. Akkusotiy: 3. Nero: 4. Sansibar; S. Odenwald: 6. Lorgnette: 7. Liebermann: 8. Diana; 9 Eigelb; 10. Narzisse: 11. Talisman: 12. Adelheid; 13. General; 14. Netto; 15. Jakob: 18. Celle: 17. hebrideo.—„Man soll den Tag nicht vor dem Abend laben." Schl a n q e n rö t s el: Waagerecht: 1. AK.: 2. Not; 4. Baer: 5. Rabob; 7.' Paulus: 8. Lederer: 10. 9i«nfta0t: 11. Nußbaum.-— Senkrecht: 1. an; 3. Rat; 4. Bahn: 6. Staub; 7. Pedell; 9. Treiber; 10. Norwegen. „Zweitausend' Zu dem unter dieser Ueberjchrist im„Abend" verösjent- lichlea Aussatz von Ar. Heine schreibt uns der Vorsitzende des Arbeiter-Turn- und Sportbundes Geliert folgende Er- widerung: Hein« kommt zu der recht eigentümlichen Aufsajsung, daß wir im Bund 2000Bcrein< zuviel haben und daß es eine unserer kommenden Aufgaben sein mich, die Vereine zujammenzuführe», um in jedem Ort nur»och einen zentralisierten Verein auszuweisen. Ich weift, da[j man sich augenblicklich in bürgerlichen Sport- kreisen ebenfalls mit dieser. Frage besaht: aber warum sollen wir uns unsere Handlungen diktieren lassen von den Alissassungen, die gerade augenblicklich im bürgerlichen Lager vorhanden sind? F. h. glaubt, wir mühten den Ausamnienjchluß der örtlichen Vereins unter- srülzen und sördern, damit wir durch Arbeitersparnis einen w-esent- lichen Fortschritt erreichen können. Das stinimt in der Theorie; denn ein groh geleiteter V«rein init einheitlicher Zentralstelle ist natürlich etwas Einfacheres in der Gestaltung und Betonung nach auhen. Aber die Praxis sieht doch anders aus. h. hat eine Aus- stellunz geniachi und hat die Kreise des Bundes nack> den dort be- stehenden Vereinen unter Zugrundelegung der Anzahl der Orte zu gegenüberstellenden Vergleichen heranzugogcn. Diese Aufstellung hinkt, ebenfalls die wertere Begründning. Wir geben gern zu. das, wir Orte kennen, in denen„Zwerg- vereine" bestehen. Wer will es leugnen, dah wir in Krefeld einen Verein besitzen, der infolge der örtlichen Berhältnilsc von seinem früheren Mitgliederbestand von 46 auf 8 gesunken ist. Sollen wir die restlichen 8 Mitglieder nun nussck�iegen, oder sollen wir diesen Stützpunkt halten zum weiteren Aus- und Ausbau des Vereins? Wir erinnern au unsere Genossen in Essen. Remscheid, Solingen usw., wo unsere Bundesgenossen jroh waren, in diesen komnmnisti- scheu hochlnirgen wenigstens noch einige Bestünde an Mitgliedern retien zu können. Diese Tatsachen müssen wir als Beweise der un- günstigen Verhält», iie anerlenncn und von der Betrachtung solcher Fülle absehen. Ran habe ich die Einwohnerzahlen der 20 Grohüödte des Reiches zugrunde gelegt zz, einem prozentualen Bcrhältnts zu der Zahl der Bundesmiigtieder. Daraus ergibt sich nachstehe, ade Zu- sammenstellung; Also Leipzig r,nd Nürnberg marschieren mit der gleichen Schürhzchl— aus je 65 Einwohner ein Arbeitersporiler— an erster Stell«. Diese beiden Orte verkörpern aber nacht das System ltrengüer Zentralisierung. In Leipzig und Nürnberg besieht in ledem Ortsteil ein gut ausgebauter Verein, der unter Zugrunde- legung der örUichcn Verhältnisse seine Bereinsarbeit durchführt. Di« J ereine zuviel" Tatsack)«, daß Berlin in der Ausstellung erst an 13. Stelle steht, ist zum Teil mit auf die Nachwirkungen der Spaltung zurückzuführen: aber in einer schon im Jahre 1924 gemachten Ausstellung(siehe Bundeskalender 1924) stand Berlin(mit dem Zentralverein„Fichte") an der Spitze. Im Berhültnis der Mitglieder zu den Einwohner- zahlen gar an 30. Stelle. Also die Gründung neuer Bereine in Berlin hat das Verhältnis der Einwohnerzahl zu den Bundes- Mitgliedern günstig becinsinßt. Die Freie Turnerschast Frankfurt beschiotz i», Jahre 1926 die Selbständigmochung ihrer Abteilungen. Vor dieser Zeit gab es in Frankfurt und in den nunmehr eingemeindeten Vororten insgesamt 3384 Bundesmitglicder. Nach der Selbständigmachnng ist diese Zahl dem Bundeszeichen auf Werbung aus 4630, also um fast 33 Proz., gestiegen. Ich gehe zu, grosse Ver- eine können Größeres leisten als kleine Vereine; aber richtiger ist doch der Gedanke, daß gut geleitete und lebensfähige Vereine die beste Grundlage für die Organisation sind, unbeschadet der Zentralisation oder anderer Zwangsbestim- .nungen. Ein anderes Problem: Wenn in Berlin an Stelle eines Zentral- Vereins in jedem Bezirk eine Freie Turnerschast mit selbständiger Leitung wäre, so würde meinem Erachten nach unter guter Gruppen-, Bezirks- und Kreisleitung die Ausbreitungsmöglichkeit unserer Bewegung und die Gewinnung»euer Mitglieder viel größer« Erfolge zeitigen al? jetzt. .Was ist der Zweck der Vereins- und �Vuichesarben? Ein zentralisiertes System schaffen, das in der Durchführung und Bs- arbcikmg und infolge der Rücksichtnahme auf die verschiedensten Ortslcile schwieriger, umständlicher und zeitraubender arbeitet, oder recht viele Stätten der Körperkultur zu besitzen, um so der Arbeiter- schaft wirklich brauchbare und gut geleitete Stätten der Erholung zu sichern? Zentralisation kann gut sein an ihrem Ort; aber in dem Kampfe für die Ausbreitung unserer Bewegung recht viel gut geleitet« lebensfähige Vereine zu besitzen, ist eine mindest ebenso, wenn nicht gar besser« Boraussetzung weiterer Aus- dehnung. Nicht die Schaffung zentralisierter Bcreine bringt uns vor- wä> ts. londern das Anwachsen der Mitglied schast und die chöherentroicklimg unserer Arbeit, die dann ganz von selbst zu- sammenslicßt.zu einem einheitlichen Ganzen, das aus taktischen, örtlichen und auch organisatorischen Gründen vom„Ortotirchturm" aus geleitet werden kann. C. Geliert. Berliner Schwimmer als Gäste In Brandenburg und Sachsen Am letzten Sonntag hielten die„Freien Schwimmer Brandenburg" wie alljährlich ein lokales Sch,vimn>lest in ihrer mit eigenen Kräften erbauten Scnmnerbadcanstalt vor etwa 500 Zu- schauern ab. 5iellas-Bcr!>n. FSGB.-Reukälln und Obcrspree, Ro- wawcs und Rathenow waren erschienen, so daß mit Brandenburg 230 Siartende Zeugniz von ihrem sportliche» Können ablegen konnten. Bormittags fanden zwei Wasserball-Scrienfpiele Hellas I gegen Brandenburg II und Hellas II gegen Brandenburg I statt, die Hellas beidemal für sich entscheiden konnte. 6:2, 8:2. Die Rachmittagswettkämpje wiesen durchweg eine gute Besetzung auk und konnte das Programm in schneller Reihenfolge abgewickelt werden. Die Plätze tonnten die anwesenden Vereine ziemlich gleich- müßig unter sich teilen. Die Freien Schwimmer Spandau 28 weilten am Sonntag in Heidenau bei Dresden. In dem herrlich, hoch über der Stadt gelegenen Lich:- und Lustbad trasen sich vor etwa 3000 Zuschauern Dresden-Rcustadt, Chemnitz, Radeberg, Freital, Heidenau und Spandau zum friedlichen Wettkampf. Die Eröffnungscrawi- stafctte 6 X'70 Meter und die 4 X 70- Meter- Lagenstafettc'ah Spandau jedesmal vor Dresden bzw. Chemnitz mit drei Meter Vor» sprung am Ziel. Das Crawischwimmcn für Männer über 70 Meie: gewann Reglin vor Melzer-Hcidenau in 47.3 Sekunden. Zweiter wurde Spandau in der 4X70-Me!«r-Bruststafette(2 Frauen und 2 Manner), denselben Platz bchauptete Sarnowski im 70-Me:er- Crowlschwimmen für Frauen. Im Frauenbrustschwimmen 70 Meter wurde E. Loste, im Münnerbrustschwimmen 140 Meter Kannowade und im Streckentauchen Rajchke Dritter. Am Vormittag endete das Wasserballspiel zwischen Spandau II und Chemnitz II 3:3. Am Nachmittag schlug Spandau I Dresden-Reustadt 13:1, Spandau II spielte gegen Heidenau I unentschieden 2: 2 und Chenmitz I verlor >m Schlußspiel' gegen die abgekämpstc Spandouer Mannschaft knapp 2:3.'___ „Solidarität" in Wannsec Ein Mannschalisrcnnen über 20 Kilometer Die bundestreuen Rennfahrer Groß-Berlins veranstalteten am Sonntag einige Bahnrennen in Wannse«. Da in der Reih« der Bezirksmeisterschasten noch die im Mannschaftsfahren über 20 Kilometer offen stand, wurde sie zuerst gefahren. Es starteten sieben Mannschaften. Schon nach eitrigen Runden hatte Prause Reifenschaden, so daß sein Partner Köllner die Fahrt allein fortsstzte und auch siegte. Ritschke und Unger, die auch gut fuhren, mutzten in jeder Wertung mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen, da Gänderich-Schwarz, die gut eingefahren waren, sich den ersten Platz sicherten. Sachtleben- Schneider konnten sich nur an einer Wertung beteiligen, Firley- Rückert lagen bereits nach 8 Kilomeler eine Runde zurück. Im Jugend rennen über l Kilomeier gelang es Herzog vor Wethe und Gliefchc das Ziel zu pqssieren. Im Fliegerlauf über 1 Ktlomeler konist« Prauj« vor Gulschinjky und Sachtleben sich be» haupten. Da? Rundenzeitsahren über 475 Meter sah Schmidt und Prause mit gleicher Zeit, während Sachtleben% Sek. mehr brauchte: der Zllterssahrer Eichler wollte die eben aufgestellte •$eit drücken, siel aber ab. Das Jugendrennen über 3 Kilometer mit Punktwertung sah Herzog vor Glieschc und Wothe am Ziel. Im Ausscheidungsfahren gelang es Unger und Ritschke sich bis zu den zwei Sputtruiiden zu halten, schließlich siegte Ritschke knapp vor Unger. Die nächste Rennfahrrrsitzung ist Donnerstag, 3. Juli, 20 Juli, bei Lohann, Brüderstr. 16—18. Sonntag, 6. Juli, 7 Uhr, Straßenrennen. Bernau.. Nachstehend die Resultate: 2»»gil»mrekr.Man»s�aftefahrra: 1. v-ünderich-Elbwar,. 17 Punkt«. Zeit: Z4:1Z: 2. Ritschke. Unqrr, 11 Punkte: 3. Nöllncr.Praufe, 5 Punkte.- l Ailo» meto I»»c>!d: 1. Scr?oq, Zeit: 1:54: 2. Wothe: 3.«liesche.- i«ilo. iwtet s-uptklafl«: 1. Prattfe, Zeit: 2:0; 2.«uisckinskn: 3, Lachtleben.— 3«II« Meter Iuqend: I. S-cison. 9 Punkt». Zeit: 6:.2lH; 2.»licsche. Ii Punkte; 3. Wothe, 1 Punkt.— Runden�itfahrrn(475 Meter): Prause, 33 Sek.: SdiniiM. 38 Eck.: Eachtlchen. 38)� Sek.;(Sichlet, 42 Eck.— Ausscheidunassahren: 1. Ritschke 7:4«zzi 2. Unger. „55 Zuschauer" bei kommunistischen Werbefesten Etwa» verspätet gehl uns eine Darstellung von ..Werbeveranstaltungen" gewisser kommunistischer Sporlorganisakionen zu. Sie iätzi den mangelnden Werl der großmäuligen Reklame in den Moskauer Subventionsbiältern erkennen. „Nach einer am Montag, 23. Juni, aus Anlaß der Kartell- werbewoch« smttgesmidenen recht kläglich verlaufenen Demo,,- stration des komniunlstischen Sporttartells(es waren nur 130 bis 170 Sportler anwesend), wurde am Dienstag, 24. Juni, im Stadtbad Oderberger Straße ein Kartell- "W e r b e"- S ch w i m in j e st abgehalten. Es hinterließ in organi- so torrscher und sinanzleller Hinsicht einen geradezu katastrophale« Eindruck. Es hatten sich höchstens 35 Zuschauer ei»gesun>0eii, während 83 Sportler, in zum Teil recht komischer Form, für die Unterhaltung der Gäste sorgten. Schon vor Beginn des Festes spielten sich in Gegenwart der Gäste recht ergötzlich« Szenen ab. Ein Funktionär des„SB. Vorwärts" geleitete«inen seiner Genossen, der seine Startkarte oergesten hatte, durch die Kontrolle unö wurde dafür von dem vom Kartell gestellten Kontrolleur als Betrüger hingestellt. In unseren Kreisen dürfte so etwas nicht palsieren. Aber die paar Zuschauer, die ojfenbar von der KPD. abkoimnandiert waren, sind ja durch die Sonnabend und Sonntag, 5. und S-Iuli Ruder- und Kanu-Regatta der Bundestreuen in Grünau Vorrennen: Sonnabend 18 Uhr, Sonntag 9 Uhr Hauptrennen: Sonntag 13 Uhr Volkstümliche Eintrittspreise von 30 Pf. bis 2 M. Korruptionsfalle innerhalb der KPD., a!a Neumann und Witiorn, jo abgestumpft, daß ein Betrüger mehr oder weniger gar keinen Eindruck mehr auf sie macht. Weiterhin bekam man ein« sehr heftige Auseinandersetzung zu hören, in welcher Mitglieder des„SV. Vorwärts" den Kortellvertretern und diese den Mitgliedern des „SV. Vorwärts" d.e Schuko gaben, für das Fest nicht genügend „Reklome geschoben" zu haben. Das Fest wurde m.l einem Auf- schwimmen eräfsnet, das mehr einer des Hirten beraubten Hammel- Herde glich, als einer von disziplinierten Sporllern als Einleitung zu einer Veranstaltung gedachten Aussllhrung. Auch wurden einige Staseiren geschwommen. Hierbei kam es vor, das van vier ge- starteten Mamischasien nur zwei am Ziel ankamen. Die anderen beiden Mannschaften sind entweder unterwegs ausgestiegen oder sie kommen in den nächsten Tagen am Ziel an. Jedenfalls steht fest, daß sie am Schluß der„Werbe"verauftaltulig noch nicht eingetrossen waren. Am Schluß des Festes wurde ein Wasserballspiel ausgetragen. Es wäre aufs liesste zu bedauern, wenn alte Wasserbaltspiele einen so tragischen Verlauf nehmen würden. Die Jugendmannschoft war der Männermannschaft be, weitem überlegen. I» Ermangelung technischen Könnens sahen sich die Männer genötigt, ihre ganze robuste, körperliche krajt einzusehen. Als dieses Vorgehen auch nicht zum gewünschten Ziele führte, mußten die bedauernswerten Jugend- lichen sehr viel Wasser schlucken: denn jeder, der von ihnen am Ball war, wurde unbarmherzig getaucht." Das muß wirklich eine nette Sportlergesellschafr sein, die solche „Werbeseste" zustande bringt. Vermeidet Waldbrände? Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, legen der Minister für Bolkswohisahrt und der Minister für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung angesichts der erheblichen Waldbrände in den letzten Wochen Wert auf erneute Bekanntgabe des Rund- erlasses vom 25. Juli 1924, der folgenden Wortlaut hat: „In der letzten Zeit mehren sich die Nachrichten darüber, daß Wandergruppen zum Zwecke des Abkochens osfene Holz- jener im Walde angezündet und dadurch Waldbestünde ge- fährdet oder in einigen Fällen sogar vernichtet haben. Ganz ab- gesehen davon, daß Feueranzünden im Walde nach Z 44 des Feld- und Forstpolizeigesetzes und, wenn es sich um gefährliche Stellen im Walde handelt, nach§ 368 Nr. 6 des Strafgesetzbuches strafbar ist, und daß außerdem der Täter odep seine Angehörigen für allen Schaden haftbar gemacht werden, der durch«in�n Waldbrand entsteht, muß in allen an Wanderungen beteiligten Kreisen noch mehr Per, ftändnis dafür geweckt werden, daß durch solches fahrlässiges Ber- hasten dem Volksvermögen schwerer SchadeM zu- gefügt wird, der bei der heutigen ernsten Lage des Staates unbedingt vermieden werden muß. Wir ersuchen daher, die Jugend- leiter, Lehrer, Schulvorstände, Schulräte, Vereinsleiter und andere leitende Persönlichkeiten anzuhalten, daß von ihnen im Unterricht und bei Wandersührerlehrgängen regelmäßig darauf hingewiesen wird, daß die jugendlichen Wanderer beim Feuermochen in der Nähe eines Waldes äußerste Vorsicht zu beobachten und auch sonst olls behördlichen Anordnungen bei ihren Wanderungen peinlichst zu be> folgen haben." Schneller a?s der D-Zu� Der von den beiden Berliner Journalisten RcinHold O t t e uich Stefan v. Szenasy mit einem 2.6 Liter Mercedes-Benz-Wogen unternommene Versuch, in einer Nonstopfahrt Berlin— Pari s die Zeit des fahrplanmäßigen l)?Zugcs zu unterbieten, ist geglückt. Trotz teilweise schlechter Straßenverhältnisse bewältigten die Fahrer die 1100 Kilometer lange Strecke mit dem hervorragende» Stunden- mittel von 62 Kilometer in 18 Stunden 3 Minuten, während der D-Zug etwa?3 Stunden benötigt. 1. Kreis ATSB. Für das groß« F e r j e n f e st in Rowawes am 23. und 24. August ist der technische Kreissraucnausschuh jeden Dienstag und Freitag 19 Uhr im Büro unseres Verbandes, Berii», Elsasser Straße 86/88, IV. Etage, in allen Angelegenheiten zu sprechen. * Die Uebupgsabend« der Tnrnerinncnklasse sind in den Ferien nicht mehr in Friedenau, sondern aus Sportplätzen in Berlin, die jede Woche bekanntgegeben werde». Diesen Mittwoch fällt di? Stunde aus, dafür fährt die ganze Klasse Donnerstag, 3 Juli, nach Rawawes. auf den Sportplatz, Priesterftratz«. Trefspunkt 19 Uhr, Bahnhof Nowawes. Fahrtverbindung mit den Zuge» nach Potsdam. 5««i« Boun-JiBion€. 8.(Krvg, Perlt«, A8t. Saxel. TVniere.Ian. 3. Juli. 18 Ubr. Trainlno im Taotslmus chuifrticv. Spaohou. MNolieder irrrden ou:- zcu.ommen. Poelzstänkc find»«ch irrt. Neueouielkuugc»:>c!>me>i c»:acgei>: Zilired Reiman«,(Ihiirlvtiinburii. Äavsir. 7g.»nd N«rl Tchönederc,, Ho!>enfri«dbcrgstr. 2. Tenni».Aot«roh.Perlin c. B. Abteiluiiosuerf>i>"miu», Allee 81.— Röptnid; 8. I>(Ii. 20 Uhr. Heidcschlögelie». Ackcnbachstreche.— zrichrichshai«: 3. Juli, 21 Uhr, b«i Rost, Berneucheieer Ccic Elinuger Etraijc. Reaiblln: 18. Juli, 20 Uhr,(läse Rcinhoi dt. Hascnheidc 37.— Prenzlauer Per«,: 3, Zuli. 20 U, Uhr. Eportrcstaurant Canliaullrahe.— iSchbinq: i). Juli. 20 Uhr, Spart- hau- Lehn Hordt, Oteiroifft. 21.— Weihe»!«: 14. Juli, bei Peter-. Uichlenherger Etcahc 12. Z,n>i>».»ot Srah Berli», c. P.. S»-tcyabt«iluu. no Pitt- woch. 2. Zulil.18 Uhr. Sporlplah Jriedrichsl�i». Ärb«jter-Lichthilh-Bund. T. P..Die Ratrirsrrund«-. Photoormcinichait. Abt. Rarden: Donnerzta«. 3. Iuii. 20 Uhr, Im Phnlitzimmee der weltlich» Schule, Panl- Ecke Bicscnltrahe. Phatairchnisches."— SlNt. Rerielln: Miinroch. 2. Jul:, 20 Uhr. Jugt-hlicim Bergslr. 28, Zimmer 1...Ansäujierkurlue.".- Abt. Osten: Jreitafl, 4. Juli. 20 Uhr. Zuftendhein, frankfurter Allee:jU7, riedricil. Ellert» Saal,„Photofrageu".— Gesamtaruop«! tRou'ao, 7. Iuii. Johanniasir. l'i', Aullsprachcabend:„Das Photo und die Raturircundiheweau»!,":«rbritcr» Phllto-Silde Berlin: greiiaq, 4. Juli, Iuaendh.'!« Liildcnltr.'4. Porlra» des Laudlchartsphlltooraphen Mar Schiel:.,4as schiine Landschaltsdilll";iiit.Dia» vosttiven, Slaiutcnberatuna.— Photoi,rn'4p« der Zrcicn Sewerlschaltsiuiiend: Wochenta»?. Gcwcrkschoikt-Haus. E»j,elufcr 13. ilrhcitcn in der Dynkelkammer und Pergrdheruuoen: Mitarbeit nach Bereindaruno mit der Irreigewerllchalttichen Zuzeudsenirale.— Kriedrichshaqea: Pholasreundc, die an der(Srllndunu eiper dertigcn Photogruppc Interesse haben. Übermitteln ihre Rdrossc ftnrt ch. Älekdel. Jrirdrich-Haoen, Eiedlun« Sirschaorle». Juhweo 313. Saus l.— Ardeltee-Photz» Sllde Spandau: Zusauimenkunit Lindenuler I am Montau, dein 7. Juli, um M Uhr. ?r«i« ZaUb«»tsadr«r Berlin. Donners:«»,.!. Juli, Zulammsakunft iur �ollelchen Hof", Rolenthalcr Etr. 41, 20 Uhr. Bortragsabcnd Jriedcl Soll: „Perlin wie es weint und lacht".(Sösts w:llto:::men. Eonntac,. 8. Juli, Regatta in Gellnau. Karten bei R. Siurhwaa« erhältlich. Tittit Ruderer-Vereiaianng 1*13. Eillung am ssreilaa. de», 4. Juli, 21 Uhr. im„Sirandlchloh", Oberlchoncweid«. Ucbungsabende jeden Dienstag und Ire:» tag ab 17 Uhr ii» Bootshaus. In der Jugend». Männer» und �rauenalltetlung werden MitaUeder aulgcnommen. ?r«le Wasscrsahrer„Auswart»�.(Scneralverkamlnluna am 3. Juli bei(Sroh» mann, Seeitr. 17. RegattaolSstt» können dor, enlgcgeuzcnommsn werden. Boot.'» »länd« sind noch srei Anfragen sind zu richten an ssnh Dietrich. Berlin R. oä. Dubliner Str. K4. Arbcit«r-Rad nah Krasssahrcr-Burd„Solidarität", diau S. Bezirk t. Orts- grupp«(Sroh'Berltn. Motorfahrer. Berkarnmiungen: Abt. Norden: Jreilag. 4. Jnli. bei Winkellesser. Sparrltr. 3.—«ht. vberlchöncwaide: Freilag, 4. Juli. bei Emmerich. Ailholniinenholstr. 84.— Abt. Srenzdcrg: Zreitag, 4. Juli, in ber Kindl-Luelle. Reichenbergcr Str.'-II.— Abt. Shar1«tt»ilb»rg: Donncrsrag, S, Juli, bei Reimer. Wilmcrsdorsir Eir. 21.— Touren für Sonntag. 6. Juli: Abt. Rord-n: Mahl-Sdors" Stransnerg— choheuiliesi— stlöhsre(etwa 10» Kilomsterl. S'i Uhr. Eaarrftr.!i- Akt- OXrichönewelde: Rachnour»ach dem Wöri!H.Part t'Drilau). 18 Uhr. Bilh-lul:nci:holnr. 04.—' Abt. Brenzberg: Lodfcheiee bei Wandlitz. 7 Uhr. Warschauer Elte Renaler Strahe.— Abt. Sharlotteaburg! Redlitz— Potsdam-Äaüewitzkee. 7 Uhr. Wilmersäorser Str. 23. Wie Gowjetsaisonarbeiier leben. Oa können unsere Agrarier nicht mit. � Die„Rote Zeitung" vom 13. Juni schildert in geradezu er- schütternder Weise die Wohnungsverhältnisse der Saisonarbeiter in Leningrad. Da sind zum Beispiel die A r b e i t e r k a s e r n e n. die den hochtönenden Namen.Karl Marx" sichre». Sie beherbergen HSO Mann. Beim Eintritt u, die Wohnräume schlägt einem ein unbeschreiblicher Geruch in die Nase. Der Fußboden ist mil Zigarettenreslen übersät, die Bettstellen stehen eng anein- ander gepsercht. Es gibl weder einen Speise räum noch Tische, weder Waschgelcgenheit noch Klosetts. Für den Fall einer Erkrankung oder irgendeiner Berletzung ist weder eine Hausapotheke noch sonst irgendwelche medizinische Hilfe zur Hand! Eine andere Arbeiterkaserne auf der„Podkowyrowka 7". Der S ch m u tz ist hier noch schliinmer. Eine Luft, nicht zu atmen. In bezug auf Speiseräum«, Klosetts und medizinische Hilse dasselbe Bild wie in der Arbeiterkasern«„Karl Marx". Diese Wohnräume erscheinen aber, fährt das Blatt fori, im Bergleich zur Kloake in den Jsmoilowschen Kasernen mit ihren 800 Saisonarbeitern geradezu als Wohnstätten von Neppleuten (K a u f l e u t e n). Die Arbeiter liegen hier zu Zweien und Dreien auf einer Bett st eile. Ein großer Teil muß einfach mit dein schmutzigen oollgespienen Fußboden vorlieb nehmen. Ihren Tee trinken sie auf den Bettstslleir, bedrängt von dem Un- gezieser. das hier in ungeahntem Ausmaße verbreitet ist. Was Wunder, daß bei solch einem Leben die von der Tagesarbeit er- schöpften Mensche», die keinen ruhigen Winkel zur Besinnuno haben, saufen, randalieren� stundenlang Karte» spielen, bis auf den letzten Heller und Pfennig ihren Lohn verjubeln und einander bcstehlen. Es ist auch niemand da, der die Skandalmacher auseinanderbringt. Auf 3 bis 5 Gemeinschaftskasernen gibt es nur einen Kommandanten. Bon einer kulturellen Arbeit kann unter solchen Umständen überhaupt keine Rede sein, klagt das Blalt. Als vor kurzem eine größer« Anzahl von Saisonarbeitern, von deinen 1500 in den Gcmcinschaftskasernen auf der 19. Linie untergebrachten, an die Arbeiter- und Bauerninspettion ein Gesuch einreichte, in dem sie neben vielen anderen Beschwerden unter anderem auch das Fehl«? jeder Kulturarbeit erwähnten, erhielten sie vom Bauarbeiter. verband überhaupt keinen Bescheid. Die Folge dieser Zustände ist, daß die Saisonarbeiter die Borschüsse nehmen und sich auf- und davomnachen.„Wir können doch hier nicht verludern". erklären sie._ Reichsarbeitsgerichlsrechtsprechung zum arbeilsgerichtlichen Verfahren, von Clemens Rörpel, eine im Verlag des ADGB. soeben erschienene Schrift. Ihr Zweck ist, den überlasteten Gewerkschasts- funklionären die Sorge un, die Kenntnis der Verfahrensbestimmungen des Arbeitsgerichtsgesetzes und der Zivilprozeßordnung so weit als möglich abzunehmen, dainit sie sich mehr der Kenntnis und Durch- sctzung des materiellen Rechtes widmen können. Sänrtliche Reiche- arbeitsgerichtsentfcheidungen zum arbeilsgerichtlichen Verfahren find in der Broschüre berücksichtigt. Die Entscheidungen über das schiedsgerichtliche Verfahren und die Bescheide der Ministerien über die Aueschüsse sür Lehrlingsstreitigkeiten sind besonders zusammengestellt worden. Die Anschaffung der Broschüre ist den Gewerkschasts- sunktioiüiren dringend zu raten. 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