BERLIN Soimerstag 3. 3ull 1930 1© Pf. Nr. 306 B 152 42. Jahrgang SjuUml�aße Jei Jhhftwftf Hungerstrafen für Arbeitslose. Oer Bürgerblock feiert sozialreaktionäre Orgien. „Nationaler" Mob am Werke. Racheakt gegen ehemalige Separatisten. Die benflge Sitzung des sozialen Reichstagsausschusses war von kzestigen Auseinandersetzungen über die geradezu drakonischen Strafbestimmungen ausgesülll. die in das Arbeitslosenver- scherungsgeseh eingefügt werden sollen und noch denen die A r. beilslosenunlerstühung bis zu IS Wochen ent- zogen werden kann. Der deutschnationale Abgeordnele Leopold und der Volks- parleilcr h u e ck forderten sogar Sperrsristen bis zu sechs o n a t e n! Auch bei freiwilliger Arbeitsaufgabc sollen diese furchtbar harten Sperrfristen verhängt werden. Trotzdem wurden ste von den bürgerlichen Parteien nach der Regierungsvorlage angenommen, mit Ausnahme des§ SZ, der bei freiwilliger Arbeitsoufgab« Sperrfristen bis zu 8 Wochen vorsieht. kner wurde die Regierungsvorlage abgelehnt, so doh e» bei den bisherigen gesetzlichen vestimmungen verbleibt. Wirtschast, Horaiio! 50 Millionen gefordert, nur 10 werden gebraucht. Der Ausschuß für den Reichshousholt behandelte in seiner Donncrstagsitzung als elften Punkt die inzwischen neu eingegangene geänderte Vorlage des Reichswehrininistcriums über den Ankauf von Remontcpferden. Während in der endgültig abgelehnten Vorlage vom Haushaltsausschuß die Bereitstellung von 2,1 Millionen gewünscht worden war, wollte das Wehrministerium sich in der neuen Vorlage mit der vorab zu bewilligenden Veraus- gabung von 739 000 M. begnügen. Dieser Betrag werde aber un- bedingt benötigt, um die bis zum 18. Juli seit Februar 1930 ai� gesetzten Remontcmärkt« abzuhalten. Nachdem der Antrag von Vertretern des Wehrministeriums noch mündlich begründet worden war, ersucht« Zlbg. S ch ö p f l i n Soz.) Seit Ausschuh, aus den wiederholt angegebenen Gründen auch die neue herabgeminderte Vorlage abzulehnen. In der Abstimmung wurde die Vorlage dann auch mit 10 gegen 13 Stimmen verworfen. Mit deii Sozialdemokraten und Kam- irninisten stimmte nur ein Demokrat gegen die Vorlage, alle übrigen Parteien waren nunmehr bereit, entgegen ihrer bisherigen Haltung die Wünsche der Reichswehr zu befriedigen. Der Ausschuß setzte dann die Beratung der Osthilfsmaß- Ii a h ni c n bei dem wichtigsten Abschnitt K r c d i t h i l s e fort. Zu dem 6; 9, der von der Betriebssicherling handelt, hat!« die sozial- demokratische Fraktion einen Aenderung-antrog gestellt, der die Rcichsmittel in den Rechnungsjahren 1930, 1931 und 1932 in Höhe von 10 Millionen Mark begrenzen und Vorsorge treffen wollte, daß von diesen Mitteln mindeslens die hülste den klein- und witlelbetrieben zugute kommt. Der Antrag wurde von Dr. Hilfe rding ausführlich begründet, der forderte, daß bei der Durchführung des Gesetzes nicht nur die Großbetriebe bedacht werden. Für den Haushaltsausschuß seien die jetzt diskutierten Bestimmungen mit die wichtigsten. Für die Zwecke der Betriebssicherung sollen in diesem Rechnung?. jähr 50 Millionen im Etat vorgesehen werden. Diese Summe könne aber in diesem einen Rechnungsjahr nicht ausgegeben iverden und es erscheine geradezu absurd, in diesem einen Notjahr die volle Summe zu bewilligen. Ministerialdirektor Wachsinann gab zu, daß in der-Lat die ganze Summe nicht sofort gebraucht werd» könne, s sei daher wohl an sich niöglich. etwas abzusetzen xie Verwal- iung müßte aber unbedingt wissen, mit welcher Summe sie im ganzen rechnen könne. Wenn man sür dieses Jahr auch mit einer Heineren Summe sich begnügen könne, so sei es doch notwendig. erst bei den Kanatbouten die ganze Summe in den Etat einzusetzen irnd sie übertragbar zu machen. Dr. Hilfe rding erwiderte, daß durch den ueberlragbarkeits- vermerk die wenigen konkreten Bestimmungen des Gesetzes verwischt würden und die Reichsregierung eine Blankovollmachl erhalte, die nicht tragbar sei. Abg. He in ig(Soz.) ergänzte die letzteren Ausführungen von Dr. Hilserding noch nach der«tatsrcchtlichen Seit« und setzte auseinander, daß durch das Etatsdispositiv das Ministenum das Recht erhalte, über alle bewilligten Ost Hilfemittel frei zu oerfügen. Durch die Novelle zur Reichshaushalts. ovdnung seien solche Möglichkeiten beseitigt worden. Jetzt würden sie aber, und zw>r unter Mitwirkung des Reichssinanzniinisteriuins, durch eine geschickte Formulierung im Etatsdispositiv wieder zum «ufyyii fiiiifuij Mainz, 3. 3u(i.(Eigenbericht.) 3n der vergangenen Rächt kam es auch in Mainz zu schweren Ausschreitungen gegen ehemalige Separatisten. Gegen Mitternacht zogen größere Trupps meist junger Leute unter Führung einiger älterer Personen durch die Straßen. Vor den Ge- schäften und Wohnungen früherer Separatisten wurde hall gemacht. Mit großen Quadersteinen und mit Znstrumenten aller Art wurden die Wohnungen und Läden gestürmt und alles, was nicht niet- und nagelfest war, aus den Fenslern aus die Straße geworfen. Die Schaufenster und Ladeneinrichtungen wurden völlig zerstört. Erst in den Morgenstunden wurde dos Bild der Zerstörung sichtbar. 3n allen Teilen der Sladt fleht man zertrümmert« Geschäfle und Wohnungen. Die Straßen sind übersät von Laden, und Wohnungsgegenständen. Die Terroristen waren mehrere hundert Mann stark. Sie begleiteten das Zerstörungswerk mit dem Gesang des Deutschlandliedes und mit Rufen wie„Deutschland erwache!' Stellenweise wurde auch geplündert. Personen kamen nicht zu Schaden. da die bedrohten Familien ihre Wohnungen zum Teil schon gestern am Tage verlassen hatten. Die Polizei hatte einen schweren Stand. Sic ging schließlich mit dem Gummiknüppel vor und säuberte die Straßen. Mehrere Personen wurden verhaflet. Sei« heute morgen sind an ollen bedrohten Häusern Polizeiposten aufgestellt. Oos Klavier aus der Straße. Eine Erinnerung. Aus Kaiserslautern in der Pfalz meldet auch der„Lokal- Anzeiger": Die aus der Zeit des Landesverrats bekannten Kaufleute Rinsche, Knobloch und Mall ach wurden von der Menge ausgesucht, die die Schausenster der Läden zerschlug und die Läden selbst verwüstete. Aus der Wohnung des Knoblach wurde iwts Klavier aus d e in zweiten Stock auf die Straße geworfen und die gejainte Wohnungs- c i n r i ch t u n g zertrümmert. Eine Erinnerung taucht auf: Der„Cokal-Anzeiger" an einem' Augusttage des Jahres 1 9 1 ch Damals war bildlich zu sehen die demolierte Wohnung eines Deutschen in London. Die Möbel waren auf die Straß« geworfen, zum Teil in Brand gesteckt, und halb aus dem Fenster, gerade bereit auf die Straße zu stürzen, hing ein Klavier. Dazu eine Unterschrift:„Der Londoner Pöbel.. oder war„Mob" gesagt? Aber damals war das natürlich ganz etwas anderes... Neuer Skandal in Areslau. Breslau, 3. Juli. Auch in voriger Nacht versuchten eine Anzahl Personen, die sich, wie die Polizei ennitielte, als Nationalsozialisten bekannten, die öffentliche Ruhe und Ordnung zu stören. Wiederholt mußte die Polizei eingesetzt iverden, um Ansammlungen unter An- wendung des Gummiknüppels zu zerstreuen. Insgesamt wurden elf Personen verhaftet, in den Morgenstunden aber wieder ent- lassen. Unter ihnen befanden sich u. o. zwei Gerichts- referendare und fünf Studenten. Eisenbahnunglück bei Bologna. 14 Personen toi. Bologna. 3. Juli. In dem 18 Kilometer von hier entfernt liegenden Bahnhof S a s s o stießen heute früh kurz vor Uhr ein aus Mailand kommender Personenzug mit einem Güterzug zusammen. 1 ch Personen wurden getötet. zahlreich« verletzt. Großfeuer auf der Olympiabahn. heule früh wurde ein Teil der Tribünen und mehrere an- grenzende Gerüste der Olympia- Radrennbahn am Königs- damm in plöhenfee durch ein Großseuer zerfiörl. Die Feuerwehr mußte stundenlang angestrengt arbeilen. um die Radrenndahn vor der völligen Vernichtung zu schützen. Das Feuer wurde kurz»ach 3 Uhr von Laubeukolonisten bemerkt. als bereits ein Teil der Tribünen an der Südkurvc in hellen Flammen standen. Die Feuerwehr rückte aus den Alann„Großfcuer" unter Lei- tunz des Oberbaurates Z! l iu s mit vier Löschzügeu an. Da von dem brennende» Teil der durch die Hitze ausgedörrten Tribüne» ohnehin nichts mehr zu retten war, mußten sich die Wehren daraus beschränken. ein Weitergreisen des Feuers zu ver- hindern. Aus zahlreichen Schlauch- leitungen großen Kalibers wurden ungeheure Wassermengen aus die Tribünen geschleudert. Nach zwei- stündigem Wassergcbcn war der Brandherd endlich eingekreist und die Gefahr für den übrigen Teil der Radrennbahn behoben. Die Aufräumungsorbeiten zogen sich bis in die Borinittagestundsn hin. Die Entstehungsursache konnte nicht mchr ermittelt werden. Man nimmt an, doh das Feuer offenbar durch die Unachtsamkeit eines Rennbahnbesucher» oerursocht worden ist. Gestern abend jandcn aus der Olympia- Radrennbahn nämlich Dirt-Track-Rennen statt. Nach Schluß der Veranstaltung hat vermutlich ein Besucher«inen glimmen- den Zigarren st llmmel achtlos beiseite geworfen, wodurch das «msgetrocknet« Holz, das wahrscheinlich erst lang« Zeit geschwelt hat. plötzlich ia hellen Flammen ouslodert«. 20 Arbeiterinnen erkrankt. Zn einer Zigarettenfabrik in Johannisthal. 3« der Zigarettenfabrik von Abdullav. To. in Johannis- thal, Groh-Berliner Damm 27/Zt. erkranklen. vermutlich unter der starken Yihe, in einem großen Saal, in dem elwa 250 Frauen beschäftigt sind, 20 Arbeiterinnen. Aus Anordnung eine» so- fort hinzugezogenen Arztes mußten 12 der Erkrankten in da» Tlifobeth- Hospital gebracht werden, wo sich der größte Teil bald wieder erholte und entlassen werden konnte. Da gegen die Firma Vorwürfe erhoben werden, daß für die Entlüftung der Arbeitsräume nicht genügend gesorgt war, wurde des G e- werbeaussichlsoml um die Entsendung von Deamten zur Feststellung der Angelegenheit ersucht. Kolgenschwere Benzinexplosion Künf Personen erheblich verleht. Durch unvorsichtiges hantieren mit Benzin wurde heule mittag in der Wohnung des Regierungsbaurats Greisen- Hagen in der Innsbrucker Straße lb ein« schwere Explosion verursacht, bei der süns Personen erheb. liche Verletzungen davontrugen. Die Familie des Baurates wollte heute in die Sommerfrische reisen. Frau Greisenhagen war gegen 12 Uhr noch dainit beschäftigt, ein Kleidungsstück zu reinigen, wozu sie Benzin verwendete. Damit es schneller trocknen sollte, benutzte sie einen Fön. Durch einen Funken wurden Benzindämpse. die sich in größerer Menge gebildet hatten, plötzlich zur Explosion gebracht. Ein« große Stich- flamm« durchschoß den Raum. Frau Greisenhagen, sowie ihr« drei Gut dressiert! .Wie spricht der brave pieck?� .Wau, wau— Am'stie, Am'stie!" Kinder, die sich im selben Zimmer befanden, die IKjährig« Tochter Ellen, die Ichährige Tochter Dorothe und der Illjährig« Sohn Rudolf, sowie die 23jährige Hausangestellt« Bayer wurden von der Flamme getroffen. Den Verunglückten wurden von einem hinzugerusenen Arzt Notverbände angelegt. Bluttat im Tegeler Korst. polizeisekretör erschießt sein Kind und sich selbst. Am Donnerstag früh fand der Förster von Tegelgrund aus einem Pirschgang im hohen holz des Jagens g? die Leichen eine» Mannes und eines etwa g Jahre allen Mädchens. Dos Sind war durch zwel Schüsseln kopfundherzgetötel. der Mann hatte seinem Leben durch einen Herzschuß ein Ende gemacht. Die Kriminalpolizei in Tegel, die benachrichtigt wurde, stellte sest, daß der Mann der 40 Jahre alte PolizeisetretärK. au» der vlnetastraße in Pankow ist, der seit dem l. Juli von seinem Sommeraufenthall in Heiligensee vermißt wurde. K. war an diesem Tage mit seiner 9 Jahre alten Tochter zu einem Spazier- gange in den Wald weggegangen und nicht zurückgekehrt. Osfen- bar hat K. sein Kind und dann sich selbst erschossen. Oeutschnaiionaler Bluff? Die beschlossene Ablehnung der OeckungSvorlagen. Bon unterrichtet«? S«ite wird uns mitgeteilt, daß der Beschluß der deutschnationalen Reichstagsfrattion, die Deckungsvorschläg« der Regierung Brüning abzulehnen, nicht sehr tragisch zu nehmen s«i. Mit diesem Defchluh werde vielmehr die Abficht verfolgt, die Regierung unter Druck zu setzen und Zugeständnisse be. stimmt«? Art. zu«rlangen. Oer Lteberfoll auf das polenkonsulai. Bericht des Polizeipräsidiums. Leipzig, 3. Juli. Zu den Ausschreitungen vor dem p o.l n i s ch e n Konsulat am Mittwoch abend meldet der Polizeibericht ergänzend, daß die Demonstration überraschend gekommen sei, daß«ine kurze Ansprache gehalten wurde und daß das alsbald eingesetzt« U« b e r f a l l k o m m a n d o weder ein« Festnahm« hätte vor- nehmen, noch ein« Feststellung hätte treffen können. Die Demon» strapten seien mit dem Rufe„Rot Front" geflüchtet. Bäuber im Auto. Eine Krau auf der Landstraße überfallen und ausgeplündert. Oesterreichische Anleihe in Rem park. In New-Porker Finanz- kreisen geht das Gerücht, daß in aller Kürze eine österrcichische Anleihe im Petroge von 6S Millionen Dollar ausgelegt werden soll. Am amerikanischen Kapitalmarlt sollen ungefähr 25 Millionen Dollar ausgegeben werden, Ein Ueberfall, der in seiner Ausführung einzig da- steht, wurde am Mittwochabend gegen 1t Uhr auf eine Berliner Gefchüftsfran verübt. Es handelt sich um die Inhaberin der Firma für AutozubehSrteile Fischer u. Co. aus der Schwerinstr. 11, eine Frau Heß. Frau Heß macht im Interesse ihres Geschäftes oft größere Fahrten über Land und steuert ihren Wagen selb st. Am Mittwoch war sie nach Treuenbrietzen gefahren, hatte dort Geschäfte erledigt und Gelder eingezogen. Den Rückweg nahm sie über Rehbrücke. In der Nähe des Bahnhofes kam der Fahrerin plötzlich ein anderes Auto entgegen, das äußer st starke Schein- werfer führte. Frau Heß gab mit ihren Scheinwerfern Blink- zeichen, um darauf aufmerksam zu machen, daß sie geblendet sei und nicht weiterfahren könne. Die Insassen des anderen Wagens nahmen darauf gar keine Rücksicht, Frau Heß fuhr deshalb an die Seite und hielt ihren Wogen an. Dicht vor ihr stoppten nun auch die anderen. Die Scheinwerfer wurden abgestellt und aus dem Wagen sprangen drei Männer, die auf Frau Heß zueilten. Die Tür ihres Wagens wurde aufgerissen und in barschem Ton wurde sie aufgefordert, auszusteigen. Wohl oder übel mußte sie dem Ber- langen folgen, da sie sah, daß die Männer bewaffnet waren. Auch an ein Vorbeifahren war nicht zu denken, da der fremde Wogen dem ihren den Weg versperrte. Die Banditen umringten die Frau und verlangten die Herausgabe des Geldes. Sie war so erschrocken, daß sie zunächst kein Wort hervorbringen tonnte. Einer der Kerle stand vor ihr und setzte chr eine P i st o l e auf die B r u st, der zweite riß ihr die Kleider vom Leibe. Wahr- scheinlich glaubte er, daß sie Geld in einem Brustbeutel oder anderer Tasche bei sich trage. Der dritte Räuber durchsuchte das Innere des Wagens. Er fand auch tatsächlich einen kleinen braunen Lederkosfer, der etwas über 3000 Mark bares Geld enthielt. Es war die Summe, die Frmi Heß für verkaufte Reifen kassiert hatte. Der Vorgang nahm höchstens zehn Minuten in Anspruch. Hilferufe wagte die Ueberfollene nicht auszustoßen, weil sie ständig unter Bedrohung der Waffe stand. Als sich eine große Limou- sine, von der Frau Heß nur das Kennzeichen I E, aber nicht die Nummer sah, näherte, traten die Räuber mehr mit ihrem Opfer in den Schatten und blieben so unbemerkt. Der Wagen fuhr in Rich- tung nach Potsdam weiter. Der dritte der Banditen, der das Geld an sich genommen halle, machte sich nun daran, den wagen der lleberfalleneu unbrauchbar zu machen. Er zerstörte die Lichileitnng und zersetzte die hinteren Reifen, alles, um eine Verfolgung und vorzeitige Meldung unmöglich zu macheu. Dann bestiegen die Räuber ihren Wagen und fuhren in schnellstem Tempo in der Richtung nach Treuenbrietzen davon. Die Frau, die nur noch mit zerrissener Unterwäsche, Schuhen und Strümpfen bekleidet war, ging hoffnungslos in ihren Wagen zurück. Schließlich siel ihr ein, daß sie im hinteren Teil des Wagens einen Monteuranzug verwahrte, den sie hervorholte und an» zog. Nach längerer Zeit kam endlich ein Auto vorüber, das die Ausgeplünderte auf ihre Bitte mit nach Potsdam nahm. Hier erstattete Frau Heß bei der Kriminalpolizei Anzeige. Der Wagen, den die Räuber benutzten, war ein kleiner Zweisitzer-Sporttyp, in Form einer Zigarre. Er hatte eine unmoderne Motorhaube. Die Nummer konnte Frau Heß in der Dunkelheit nicht sehen. Die Männer beschreibt sie folgendermaßen: Der Kerl, der sie mit der Waffe bedrohte, war vielleicht 35 bis 40 Jahre alt und wohl 1,70 Meter groß. Er tnn einen hellen Sportanzug mit Kniehosen und passender Mütze. Die beiden anderen waren wesentlich jünger, etwa Anfang bis Mitte Zwanzig. Einer von ihnen trug auch einen Sportanzug. Beide hatten schwarze Baskenmützen auf. Außer dem baren Gelds haben die Banditen auch einen Verrechnungsscheck über 220 Mark erbeutet. Nachdem Frau Heß sich etwas erholt hatte, glaubte sie sich zu entsinnen, daß sie das Räuberauto mit den Insassen schon in Treuenbrietzen und in Beelitz gesehen hatte. Zweifellos sind die Räuber Personen, die von den Fahrten der Frau wußten und sie verfolgt haben. Die Limousine, die in der Nacht die Chaussee bei Nehbrücke entlag kam, ist noch nicht ermittelt. Der Chauffeur oder die Insassen werden deshalb ersucht, sich bei der Kriminalpolizei in Potsdam zu melden. Der erschlagene Stiefvater. Ein Sohn befreit seine Mutter von einem Unhold. Ei« jahrelanger innerer Sonfltkk zwischen Stiefvater und Stiefsohn fand am 2S. März d. I. seinen tragischen Abschluß. Der 25>Shrige Zimmermann h. erschlug den 4512hrigen Kutscher T., der eben erst die Multer des jungen Menschen und ihn selbst mißhandelt und zu erledigen gedroht hatte, vor dem Landgericht III verantwortete sich heute der Sliefjohn wegen Tvtjchtog. Das Drama hätte vielleicht keinen bößortigen Ausgang ge- nommen, wenn �Stiefsohn und Stiefvater am verhängnisvollen Tage nicht soviel getrunken hätten. Der Angeklagt« verlor im Alter von drei Jahren seinen Vater. Zwei Jahre später heiratete die Mutter den Kutscher T. Der Junge existierte sür den Stiefvater nicht. Dafür legte er sich von Anfang an aus das Trinken und behandelte seine Frau schlecht. Der Stiefvater zog dann in den Krieg. Nach dem Krieg« wurde das Zusammenleben besonders schlimm, als der Stiefvater sich in Berlin in der Memeler Strohe ein Milch-Engros-Geschäft angeschafft hatte. Er betrank sich immerfort, beschimpfte und mißhandelte seine Frau, warf das Essen vom Tisch herunter und zerschlug die Fensterscheiben. Der Stieffohn zog sich in ber Regel bei diesen Exzessen zurück, um den Betrunkenen nicht noch mehr zu reizen: er griff nur ein, wenn es galt, di« Mutter gegen Tätlichkeiten zu schützen. Er trug dabei dem Stiefvater die bösartigen Auftritte nicht nach: er be- sorgte ihm Arbeit und half ihm mit Geld aus, wenn dieser irgend- ein neues Geschäft beginnen wollt«. Am verhängnisvollen Tage hatten Stiefvater und Stiefsohn, die auf derselben Arbeitsstelle beschäftigt waren, gemeinsam v« r- schieden« Mollen und mehrer« Glas Schnaps ge- trunken. Sie kehrten im besten Einvernehmen nach Haufe zurück. Der junge Mensch hörte plötzlich in der Küche Krach und sah, wie der Stiefvater die Mutter auf den Boden warf und sie mtt den Füßen treten wollte. Er stürzt« sich dazwischen, hob die Mutter auf und erhielt vom Stiefvater einen Hieb gegen die linke Kinn- lade, fiel hin, der Stiefvater versetzte ihm Schläge ins Gesicht. Der junge Mensch stieß den Tobenden fort, dieser ließ nun von ihm ab, kleidete sich aus und legt- sich zu Bett. Auch der Stteffohn warf sich angekleidet auf sein Bett, das im selben Zimmer stand. Als er kurz darauf erwachte, sah er sein« Mutter am Ofen sitzen, sie erzählte ihm, der Stiefvater habe gesagt, daß er doch früher er- wache:„Dann passiert etwas, dann seid ihr beide erledigtl">... Bon einer plötzlichen Angst gefaßt, lief nun der Stiefsohn in den Rlilchtaden. holte da» Beil und schlug aus den schlafenden Vater ein. Man stellte den Tod des Stiefvaters fest. Der Stiefsohn stellte sich nun der Polizei. Für die Stimmung, die unter den Bekannten der Familie T. herrscht«, ist«in Brief charakterfftifch, den die Mutter des Angeklagten nach dem Tode ihres Mannes von einer Bekannten erhalten:„Endlich find Sie von dem Unhold befreit. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Sohne alles Gute." Der junge Mensch macht bei feiner Vernehmung tatsächlich«inen vorzüglichen Eindruck. Bon dem Martyrium seiner Mutter und von seiner Tat erzählt er in tiefer Bewegtheit. Die Mörder von Oucherow gefaßt? Slellin, 3. Juli. Ein Landjäger bemerkte auf der Swinemüuder Fähre zwei verdächtige Personen, auf die die Beschreibung der Mörder de» Pastor» Kappel- Ducherow paßte, und verfolgte sie aus einem Motorrad bis E a m m i n. wo sie verhaftet und in« Amlsgerichisgefängnis eingeliefert wurden. Es handelt sich um Leute im Alter von 20 und 28 Jahren. Die Untersuchung muß erst ergeben, ob es sich tatsächlich um die Mörder de, Pastors Kappel handelt. Schießende Streikbrecher. Bei der Marienhütie in Köpenick. Seit 6. Juni streiken die Glasarbeiter der Marienhütt« W Köpenick in der Abwehr gegen einen Lohnabbau. Mit allen Mitteln und aus aller Welt sucht die Direktion Streitbrecher zusammenzuholen. Auch aus der Tschechoslowakei befindet sich jetzt dort u. a. ein Streikbrecher, der mit einem einfachen Grenz- Übertrittsschein versehen, ohne Paß, Aufenthaltsgenehmigung und Genehmigung de» Landesarbeitsamts den Streikbrecher spielt. Wir hoffen, daß dieser Hinweis genügt, um da» Fremdenamt des Po- lizeipräsidiums zum Einschreiten zu veranlassen. In der letzten Nacht war die Ankimft einer Streikbrecherkolonne avisiert worden. Als diese im Lastkraftwagen gegen 1 Uhr morgens vor dem Fabrittor ankam, wurde dm Streikbrechern von den Streikposten bedeutet, daß diese mit ihnen zu sprechen wünschten. Sll» Antwort sielen zunächst Beschimpfungen, wie„Lumpen und Strolche", und darauf siel ein scharfer Schuß. Ein Landjäger, der zufällig auf einer Streife vorbeikam, versuchte den Schützen festzustellen. Die Streikbrecher leugneten zunächst und beschul- bigten die Streikposten, bis schließlich der Chauffeur sowohl den Schützen wie auch da» Ber st eck des Revolvers angab. Drei der Streikbrecher wurden daraufhin in Haft genommen. Oer Werstfchiedsfpruch verbindlich. Der Relchsarbeilsminister hat den Schiedsspruch für See- schisfswerslen für verbindlich erklärt. Der Schiedsspruch hat bekanntlich alle Anträge der Arbeiter abgelehnt und nur eine geringfügige Arbeitszeitverkürzung von einer Stunde in der Woche ausgesprochen. Einstimmig für den Diktator. Sunf»IahreSplan soll in vier Jahren durchgeführt werden. Sowno, 3. Juli. Nach dem offiziellen Bericht vom kommunistischen Parteitag in Moskau wurde in der Vormitiagssttzung am Mittwoch eine umfang« reich« Entschließung e i nst! m m i g a n g e n o m m e n, in der die Politik des Zentralkomitees gutgeheißen und ihm der Dank der Partei für sein« Arbeit ausgesprochen wird. Der Parteitag stellt mit Genugtuung fest, daß die Fortführung der Leninschen Politik durch das Zentralkomitee der Partei zu einer weiteren Be- festigung der internationalen Stellung der Sowjetunion, zu gigantischen Erfolgen auf dem Gebiet der Industrialisie- rung des Lande? und.zu einem weiteren Anwachsen der Macht der Partei geführt habe. Der Rechtsoppositton wird in der Entschließung weiter der schärfste Kamps angesagt. Das Zentralkomitee wird ge- beten, mit den schärfsten Maßnahmen gegen all« Parteimitglieder vorzugehen, die die Fraktionsbildung innerhalb der Parle, begünstigen, die sich Abweichungen von der Generallinie zuschulde» kommen lassen und damit Unsicherheit hervorrusen. Der Fortsetzung der Kollektioisierung wird wärmstens da» Wort geredet. Schließlich wird darauf hingewiesen, daß die bisherigen Erfolg« des Fünf- jähre» plans die Hoffnung berechtigt erscheinen ließen, daß dieser bereits in vier Iahren durchgeführt werden würde. Französisches Kriegsschiff auf Riff gelaufen. Part». Z. Zuli. 3m Golf von Grimaud in der Röhe von Toulon ist dg? französische TorpedobootszerstSrer„M i st r a l" ans ein Felsenriff gelaufen und dabei schwer beschädigt worden. Die Marine- behörden haben sofort alle Einheiten der ersten Flotille an die An- glücksstelle entsandt, um zu versuchen, da» SM frei zu--'ch-n. Lack London u Von Anni Unter Büchern von Jack London, die der Univsrsitäts-Bertag herausgibt, ist eins erschienen, das uns Frauen besonders angcht: „Die Herrin des großen Hauses."(Eigentlich heißt es: „Die kleine Herrin des großen Hauses.") Das ist eine seiner aller. spätesten Geschichten, geschrieben, als er selber zum zweitenmal ver- heiratet, aber kinderlos, als der erfolgreichst« Schriftsteller der Ver- einigten Staaten auf feinem Mustergut in Kalifornien saß, große Bauplan« und Projekte von Musterlandwirtschaft hegte, gleichzeitig ober, von innerlicher Unruhe verzehrt, umherreiste und in sich wohl schon den Todeskeim trug, der«in paar Jahr« später seinem Leben vorzeitig ein Ende setzte. Londons Bücher sind immer«ine glänzende Unterholtungs- lcktüre. Und wer das Geld zu einer Ferienreise hat, der greift sicher nicht fehl, wenn er dies Buch in seine Reisetasche packt. Er wird spannend« Unterhaltung finden. Darüber hinaus aber Stoff zu recht intensivem Nachdenken. Londons Bücher sind zu sehr großem Teile Selbstbekenntnisse. Sie sind aber darüber hinaus sehr häufig gestaltete Wunschträume. Wir haben ja wohl alle Zeiten durchgemacht, in denen wir uns in Situationen hineinträumten, die uns die Möglichkeit geben, un- geahnte Vollkommenheiten zu entfalten. Solch« Wunschträum«(in Pubertätsjahren häufiger) sind oft die aufschlußreichsten Selbst- ossenbarungen. Alle Dichtung besitzt ein wenig diesen Charakter. Bei solch ungemein tätigen, lebenshungrigen Menschen wie London ist solch gedichteter Wunschtraum«in Ventil für unbefriedigten Taten- durst. Seine Goldgräber, seine Revolutionär«, sein proletarischer Dichter und viele andere seiner Helden sind Wunschgestalten, in denen er ungelebtes Leben nachlebt. In sehr hohem Maße gilt das von dem Helden des„großen Hauses". Er ist der Sohn eines reichen Mannes. Früh verwajst, geht er auf eigen« Faust vagabundierend in die Welt, lernt Welt und Menschen, Wissenschaft und Technik, alle Abenteuer des Lebens kennen und setzt sich dann in den wundervollen Tälern Kaliforniens zur Arbeit. Er baut ein märchenhaftes Wunschhaus und beginnt auf seiner Riesenfarm vollkommene Tier« zu züchten: Schafe, Schwein«, Rinder, Ziegen und vor allem Pferde. Er tut das auf wisienschoft- liche, rationelle Art, verdient Unsummen, schafft sich ein Leben der Fülle, der Schönheit, der Gesundheit und höchsten Profits. Seine eigene Zeit ist auf eine märchenhaft rationelle Weise von 4 Uhr morgens bis Mitternacht erfüllt und eingeteilt. Und in diesem Paradies eines modernen Amerikaners hat er natürlich auch seine amerikanische Ehe, eben die„kleine Herrin de« großen Hauses", eine Frau, die gesund und schön, klug und liebenswürdig, höchst gebildet und höchst natürlich, der vollkommene Kamerad und das vollkommen« Weib Ist. In dieses Paradies aber kommt ein Freund, ein früherer Kamerad seiner Abenteuer. Er sieht die Frau und verliebt sich. Und sie— liebt zwar den Gatten, aber li«bt ebenso den Dritten. Und da sie keinen Ausweg sieht, und da sie merkt, daß der Gatte sich ihretwegen töten will, kommt sie ihm zuvor und erschießt sich. London hat hier nicht nur seine Phantasie etne» vollkommenen Lebens gestallet, sondern auch seine Auffassung der Liebe und ffle- schlechtsbeziehungen. Darum stellt er seine drei Liebenden mitten in«ine Atmosphäre der Erotik. Di« ganz» riesige Zuchtiarm dampft von Geschlechtsleidenschaft. Und Symbol dieser ganzen Kraft ist«in wundervoller Zuchthengst, auf dem der Held sein Liebes- und Lebens. lied dichtet:„Ich bin Eros, ich stampfe durch die Täler. Die Stuten kennen meinen Ruf..." So und nicht anders sieht London auch die Beziehung zwischen »d wir Frauen. Siemsen. Mann und Frau Die vollkommenste Frau ist jene, welch« aus- schließlich Weib ist, die am stärksten auf den Mann wirkt uni> sich ihm am völligsten gibt. Darum muß diese vollkommene Frau seinem Heiden, dem vollkommenen Mann, so erliegen, wie die Stute dem Hengst. Und da sich ein Zweiter, gleich vollkommener zu ihr findet, muß sie auch diesen lieben. Don Schuld ist dabei kemc Rede. Der Konflikt ist naturnolwendig und der Kampf unoermeldiich. Rur gehen in der Mcnschenwelt nicht die beiden Rivalen zum Kampf, wie zwei Hengst« es tun würden, sondern die Frau räumt sich aus dem Wege. Es ist ein durchaus ehrlicher Versuch, eine ganz bestimmte Ge- schlcchtsphilosophie zu Ende zu denken. Wunderlich bleibt dabei, daß die� vollkommene, weiblich« Frau, welche die Zeugungskroft der Männer aufs höchste erregt, unfruchtbar, kinderlos ist. Damit kommt ein Bruch in die Darstellung, da wird der ganze, als unvermeidlich geschilderte Konflikt zu«inem gefälligen Unfall. Geht man nämlich der Ursache genauer nach, weswegen Lon» dons„kleine H«rrin" sich in den Freund ihres Gallen verliebt, so findet man sie höchst einfach darin, daß sie sich jammervoll lang. weilt. Sie ist eine reiche Frau, von ollem erdenklichen Lurus um. geben. Sie hat interessante Gesellschaft, Sport. Bücher, Musik,' Reisen. schöne Kleider und schöne Natur. Sie hat einen Gatten, aber er hat höchstens bei den Mahlzeiten und zu nächtlichem Vergnügen Zeit sür sie. Im übrigen paart sie Hengst« und Stuten und züchtet Gold- fische. Wir brauchen nur einen Augenblick die kleine Herrin aus dem großen Hause in normale Verhältnisse zu versetzen: in einen Haushalt mit Kindern, die auf ihre Pflege angewiesen sind, mit häuslicher Arbeit und Geldso gen, bei denen sie ihrem Manne helfen und sein Kamerad sein muß. Das Abenteuer mit dem interessanten Freund verliert dann sofort die tragische Bedeutung. Denn der Gatte und die Kinder könnten sie ja nicht entbehren, während sie für den anderen nichts Ist als ein Abenteuer und eine Unterhaltung. Der Konflikt, den London schildert als die unvermeidliche Tragik höchst- entwickelter Menschen, entpuppt sich also als die Nöte einer Lurus- frau und einer kleinen Klasse reiher Männer. Und hier liegt Londons Schwäche und Blindheit, die bei ihm, dem Proletarier und Sozialisten, doppelt auffallend ist. Trotzdem er die arbeitende und kämpfende Frau, die Frau, die„dem Manne «ine Gehilfin ist", sehr wohl kennt, erscheint ihm das Weib, das er be- gchrt, immer als Luxusgegenstand, als die Frau, die verhätschelt, ver- wähnt, die ausgehaften werden muß dafür, daß sie dem Mann« geschlechtliche Befriedigung gibt. Gewiß ist diese Befriedigung nicht roh und brutal bei ihm, vielmehr zu einer allerfeinsten, schönheits- trunkenen Sinnlichkeit geläutert. Di« Grundeinstellung aber ist diese: „Ich bin Eros... die Stuten kennen meinen Ruf." Und dabei haben wir Frauen und hoffentlich auch die Männer doch einiges hinzuzusetzen. Beispielsweise dies, daß unsere Be- Ziehungen nicht rein biologische, sondern auch gesellschaftliche sind, daß die höchstentwickelte Frau keinesfalls nur Weib, sondern als Ehe- frau und Mutter, als Kameradin und Arbeftsgefährtin de« Mannes, selbständiger Mensch mit den mannigfaltigsten selbständigen Be- ziehungen zu Menschen, Gesellschaft und Welt ist. Daß infolgedessen nur ganz ausnahmsweise und in unnormalen Fälle« erotische Vee. Wicklungen diese verhängnisvoll« Triebhaftigkeft zeigen; kurz, daß Jack London» Bekenntnisbuch einen Ausnahmefall zeigt und kein Gesetz. Und daß wir, wenn wir den Knäuel seiner Liebesphilosophi« aufgewickelt haben, erst am Anfang des Problems und am Anfang unserer Betrachtungen stehen. Zu der ich allen fruchtbringendes Nachdenken wünsche. Sozialisten unerwünscht. Oer evangelische Kirchentag hindert einen sozialistischen Pfarrer am Dfcden. Der deutsche evangelische Kirchentag, die Zusammenfassung aller deutschen evangelischen Kirchenregierungen, die ergänzt ist durch 210 gewählte Vertreter sämtlicher deutscher evangelischer Landes- jynoden, tagte in Nürnberg. Zum Zeichen seiner Gesinnung wählt? er den Generalleutnant a. D. Gras Vitzthum von Eck- s: ä d t aus Dresden zum Vorsitzenden. Als einziger Vertreter der religiösen Sozialisten war Pfarrer Eckert aus Mannheim anwesend. Die bürgerlichen Kruppen machten ihm die Mitarbeit in den Ausschüssen des Kirchentags un- möglich und suchten zu verhindern, duß die Ansichten der sozialistisch denkenden evangelischen Christen durch ihn zu Wort kämen. Bei einer Kundgebung gegen„die Ehristenverfolgung in Sowjetrußland" wollt« Pfarrer Eckert leine ablehnende Stellung de- gründen, er wurde jedoch zunächst vom Präsidenten daran gehindert, das Wort zu ergreifen. Der Protest einer größeren Anzahl von Kirchenratsmitgliedern letzte aber durch, daß Eckert doch nach zu Wort kam. TosenderLärm der übrigen 200 Abgeord- ncten, die Glocke des Präsidenten, beleidigende Zwischen- rufe suchten seine Ausführungen unmöglich zu machen, was ihnen allerdings nicht gelang. Die Kundgebung gegen die Christcnverfol- gung in Sowjetrußland wurde dann mit 203 gegen die«ine Stimm« des Genossen Eckert angenommen. Die nächste Sitzung eröffnet« der Präsident mit der Feststellung, daß durch die Ausführungen des Genossen Eckert am Sonnabend ..die Ehre unserer alten Armee"(!!!) auf das gröblichste beschimpft und dadurch„die he i l i g st e n Gefühle" des deutschen evange- lischen Kirchentages"(!!!) verletzt worden seien. Er erteilte ihm des- halb nachträglich«inen Ordnungsruf. Der wichtigste Tagesordnungspunkt der Verhandlungen am Man- tag war die Beratung eines Aufrufs an das Kirchenvolk zur Treu« und Anhänglichkeit an die Kirche, die sich seit den Tagen von Augsburg durch„unersetzliche Dienste an Volk und Vaterland" bewährt habe. Die Vertreter der drei bürgerlichen Gruppen kamen nach der Rede des Berichterstatters ausgiebig zu Wort. Als Eckert, der sich schon vor Beginn der Verhandlung schriftlich zum Wort ge- meldet hatte, nach der Geschäftsordnung zum Reden kommen mußte, stellte der Führer der orthodoxe» Gruppe, Pastor Philipps aus Berlin, den Antrag auf Schluß der Debatte, der mit großer Genugtuung von dem Präsidenten zur Abstimmung gestellt und von der Mehrheit angenommen wurde. Der Kirchentag brachte damit eindeutig zum Ausdruck, daß er die Stimme der sozialisti- )' ch e n Arbeiter, die sich noch zur Kirche bekennen, �und die zur jchärfsten Kritik an der vergangenen und gegenwärtigen Führung der deutschen evangelischen Kirchen gezwungen sind, nichtHören will. Pfarrer Eckert erklärte daraus, daß die Geschäftsordnung des Kirchen. tages so gehandhabt werde, daß ein« von der Auffassung der Mehr- heit abweichend« Ansicht nicht zum Ausdruck ge- bracht, werden könne. Er verließ deswegen unter Protest den Saal. Diese Vorkommnisse zeigen, wie gering die herrschenden Kreise der evangelischen Kirche von der Mitwirkung sozialistischer Glaubens- genvssen denken. Es wird sie deshalb nicht besonders kränken, wenn ihr« Kirche immer mehr zu einem Vereinchen des geistig rückständigen ..Kirchenvolks" wird. . Die neuen Tarife in der Praxis Die neuen T a r i f b e st i m m u n g e n im Berliner Ver- kehr haben sich am ersten Tage ihrer Anwendung im Allgemeinen ehne Reibungen eingeführt. Die Mehrzahl des Publikums war durch die Presse über die Veränderungen informiert und viele der Fahrgäste legten bereits bei Lösung des Scheines die pernlichen ö Pfennige für Umsteigen zu. Nur bei der praktischen Aus- mirtung der neuen Tarife zeigten sich Verwicklungen, die von den Vertehrsgesellschaften wohl nicht vorausgesehen waren. Das geschulte Personal gab sich alle Mühe, bei jedem neuen Schein dem Fahrgast einen kurzen Unterricht zu holten, was durch- weg mit Humor aufgenommen wurde. Nur am Abend war es durch diese Mehrarbeit so ermüdet, daß strittige Fälle oft zu langen 'Vagendebatten zwischen Schaftner und Publikum führten. Ein Arbeiter, der am Bahnhof Halensee einen„Umsteiger" löste und . m Olloaer Platz in die Omnibuslinie„T" umstieg, mußt« ein pein- liche» Verhör über sich ergehen lassen, warum er eine halb« Stund« seit dem Einsteigen und Umsteigen habe verstreichen lassen. Der Schaffner rechnet« ihm vor: Der Schein mar um 9 Uhr abends ge- inipst, der Omnibus braucht zur Fahrt bis»um Oliooer Platz 10 Minuten, die Uhr zeigt« aber schon 9% Uhr. Der Fahrschein wurde zerrissen und der Fahrgast mußt« einen neuen lösen. Hier scheint man mit der Bestimmung des„Umsteigens ohne Aufenthalt" doch etwas rigoros zu verfahren, denn wenn man rechnet, daß der Fahrgast außer den 10 Minuten der ersten Fahrt etwa l» Minuten auf das Eintresfen des Omnibus„T" gewartet hat und der Schein erst nach der zweiten Haltestelle der zweiten Fahrt kontrolliert wurde, sind genau 30 Minuten ver- gangen. Dies« Bestimmung, wie auch die anderen des direkten Zieles und der Einftundenfahrt auf dem gelösten Umsteiger, welche die Fahrgäste zu ehrlichen Menschen erziehen wolle», birgt viel Widersinn in sich Das Pubsikinn und vor ollem die Fremden in Berlin wissen häufig nicht, welches die direkt« Anschlußstrecke ist. Di« Verkehr-gesellschast müßte mindestens die Schaffner auf den Hauptvertehrs!ini«n g�nou nach!>en Anschluhmöglichkelten m- struieren.«v., Zweifellos geht es zu wett. wenn man es zum Beispiel den über Steglitz und Friedenau zur Stadls fahren�n Fahrgästen rnmeigert, bU direkte Weiterfahrt mit ber �-Bcihn Hauptstraße ju bemißen und ihnen aufgibt, erst an dem Knoienpinkt Kuriürslen- stroße oder Bülowstrahe umzusteigen, nur well die O-Bahn den kleinen Umweg von einer Station über den'Rollendorfplatz macht. Will mau vom Westen oder von der«tadt aus nach Tegelort, jo wird man auf der Hinfahrt nrit einem Umste-ger bis zum �iel ge- laugen, während die Rückfahrt auf der gleichen Strecke zwei Fahr- 'cheine, also fast dos Doppelte de» Preises, enorom, weil die Straßenbahn von Tegelott bis zum Unisteigepunkt Invaltomstraße oder Oranienburger Tor über ein« Stund« braucht und der Um- steigesahrschein daher seine Gültigkeit verloren Hai. Besonders arg ist die Verteuerung für die Bewohner von M a h l» i> o r f und cNichen anderen Vororten. Hier fuhr man früher beupielsweise von Mohlsdorf zum Bahnhof Mahlsdorj im Autobus, benutzte dann die Wochenkarte der Stadtbahn und kam mit dem allen Umiteige- schein auf einem städtischen Verkehrsmittel zum m mcht mehr statthaft, es muß ein zweiter Fahrschein gelöst werden, so daß sich der Preis de? ganzen Fahrt um 2ö Pfennige mr 70 Pfennige erhöht. Im Interesse eines reibungslosen Verlaufs der neuen Vcr- kehrsordnung wäre zu wünschen, daß diese Unebenheiten bald aus- flfiRttflt merben, „Aeues vom Tage." Neueinstudierung in der Nepublit-Oper. „Neues vom Tage", die lustige, tages- und zeitgemäße Oper von Paul H i n d e m i t h und Marcellus Schiffer, erscheint neu- «instudiett am Platz der Republik. Mehrere Rollen sind neu besetzt, im Szensschen gewahren wir manche Veränderung und Verbesse- rung. Doch w, wesentlichcn ist unter Klemperer» Führung das Gesamtbild der Ausführung wieder hergestellt, dos wir kennen, Bild leichten, lockeren und zugleich dichtesten Opernspiels, Bild voll- endeter Opernenseinblekunft, wie st« m keinem anderen Berliner Opernhaus gepflegt wirft Keine Gelegenheit, uns mit der Arbeit der Republik-Oper zu beschäftigen— die nicht zu immer erneutem Anlaß wurde, vor dem unersetzlichen Verlust zu warnen, der uns durch ihre Schließung zugefügt nniid«; einem Verlust in jeder Hin- sicht, auch in künstlerischer jenseits aller sozialen Erwägungen. Für diesmal also hat die Republik-Oper einen Abend des unbestreit- barsten Erfolgs für den Spielplan wiedergewonnen. Zum Schluß Beifall von demonstrativer Herzlichkeit für Klemperer und für die Hauptdarsteller: Rose Pauly. Krenn, Witt. 1?.?. Was studieren die Kinder der Arbeiter! Im Kommersemester 1323 hoben von den HS 949 deutschen Studierenden aller unserer Hochschulen 3120. also 2,07 Proz.. als Beruf des Boters„Arbeiter" angegeben. Au» einer näheren Unter- suchung der Zahlen, die im„Studentenwert" veröffentlicht wird, er- gibt sich nun eine charakteristische Aetteilung der Arbeiterkinder auf die einzelnen Studiengebiete. Während mehr als ein Viettel aller Universttätsstudenten sich der Rechts- und Staatswissenschoft widmet. entfallen hier auf die Kinder der Arbeiter nur 13.64 Proz.; bei der Medizin und Zohnheiltunde Ist das Verhältnis sogar 20,56 zu 7,80 Proz. Ander» steht«« mit dem Studium der kacholischen Theologie: die an den Universitäten und den katholischen Akademien und Hochschulen katholische Theologie studierenden Arbeitersöhne machen 12.21 Proz. oller Theowgiestudiercnden und 18,78 Proz. der Arbeiterstudenten aus. Weiter sind die Arbeiterkinder erhebüch mehr, als es dem Durchschnitt entspräche, beteiligt am Studium der Sprachen und der(Germanistik, der Philosophie und Pädagogik, der Mathematik und Physik, also an allen auf den Lehrerberuf zielenden Studien: die gleiche Tendenz macht sich auch an den Technischen Hochschulen bemerkbar. Im ganzen widmeten sich an aller, deutschen Hochschulen 43.43 Proz. der Arbeiterkinder gegenüber Z6.1ö Proz. der Gesamtheit philologisch-pädagoglschen, 17,76 gegenüber 7,11 thealogischen Studien, wahrend an allen anderen Fächern die Kinder der Arbeiter mit 38.81, die übrigen Studierenden mit 66.74 Proz. beteiligt sind._ |\ Lloatstheater und Tonfilm. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, haben bi€_ Generalintendanten der Staats- theaier von Preußen, Bayern, Sachsen, low!« der Generaldirektor der österreichischen Bundestheater eine Interessengemeinschaft ge- schlössen, noch der in allen Angelegenheiten des Tonfilm- gemein- sam vorgegangen werden soll. Das Leben eine Reportage. In einer neubegründeien Berliner Zeitschrift war kürzlich ein recht anregender Attikel zu lesen, der sich„Die Luft um R«- ni a r q u e" nannte.„Remarque", so wurde dott ungefähr gesagt. „sehr schön, sehr erfreulich, sehr nützlich. Gratulieren wir uns zu Remarque!... Indessen..., irgend etwas stimmt hier nicht. Es schlecht einem zuweilen das Gefühl an: das ist die letzte Etappe der Kttegslieferungen. Dieser Mann verdient an unseren Leiden." Aber es handelt sich nicht um Remarque ollein. E» handelt sich um etwas anderes. I« der„Berliner Illustrirten Zeitung" begegnet man dem Attikel des Kaplan» F a h s« l, eines promi. nenten Katholiken, in dem er einen Besuch in K o n n e r s r« u t h schildett. Im Berliner.B-Uhr-Abendblott" findet man den Vor- addruck eines Buches, das sich„Wie wir Empörer wurden" nennt. Und von Ernst von Solomon stammt, einem illianne, der am Rathenau-Mord beteiligt war und in die Bombenoffär« verwickelt ist. Der Fromme schreibt in einem höchst weltlichen, der Ultra- radikal« in«inem linksdemokratischen und sozusagen jüdischen Blatt.... E» gibt eine Badewanne voll triftiger Rechtfertigungsmotiv« dafür, die«Inleuchtend beweisen, daß die Autoren dennoch ihrer Sache durchaus treu sind, und daß kein Makel auf sie ent- fällk. Aber wie muß der Therese Neumann zumuk« sein, wenn sie den Artikel eines Glaubensgefährten über sich in der„Berliner Illustrirten" liest! Was würden die Fischer und Kern, die ihr Verbrechen mit dem Tod« gebüßt haben, empfinden, wenn sie er. führen, daß einer ihrer Mordtomplizen aus den gemeinsamen Er. innerungen Kapital aus Masse schlägt!„Die verdienen an unseren Leiden." Früher hatte man Erlebnisse; heute publiziert man st«. Dos Cttebnie ist nicht immer in dem Maß« Weinbesitz wie ehe- dem: es fehlt ihm die Äeuschheft. Die Welt hat einen ungeheuren Materialhunger. Die Zeitung, dos Kino, dos Radio, das Buch schreien nach Stoss. Der Mann, der am Vormittag seine Frau er- schlägt, wird seinen Namen am Nachmittag im Senjottoneblatt finden, vielleicht auch sein Photo. Man muß das Wissen darum, daß dem so sein wird, die Tat oder die Stinnnungsmomente, die zu der Tat führe», nicht beeinstussen, ihr die Urwüchsigkeit, die Unmittelbarkeit nehmen? Es hallt heute der dringliche Ruf an Wirklichkeit! Aber in eben dem Maße, wie Leben und Wirklichkeit Stoftgebiete für die tägliche Unterhaltung werden, bekommen sie selbst etwas Schattenhaftes, Posenhoftes. Das Leben scheint um der Repottage willen da zu sein. Vielleicht kommt die Zeit, da vi« Menschheit m zwei Hälften zersällt. Die eine Hälfte lebt Die ander« Hälfte berichtet über das Leben. Auch Remarque ist in- zwischen verftlmt worden. Der Fall soll ausgezetchnet und durch- aus pazifistisch sein. Wunderschön prächtig, hocherfreultch. Der Regisseur heißt Laemmle junior und sst der Sohn vom alten Laemrnle aus dem Heiligen Lande des Dollars. Laemmle iiinior wird sich gut einführen in der internationaicn Fiimweit und es dem Sujet Weltkrieg, das 12 Millionen Namen verlöschte, ver- danken, daß e r sich einen Rainen machen konnte. ll. L. Mansfeld kein Feld für die KPD. Ein mustergültig geführter Abwehrkampf. ZNansfeld, 3. Juli.(Ei�cnbcricht.) Die mlichioolle, von den Gewerkschaften durchgeführte Demo»- ftrotion aller Streikenden, die am Montag aus dein Marktplag in Eislcben stattfand, hat den Kampswillcn der Mansfelder Bergorbeiter ungemein gestärkt. Bewies schon diese Demonstration, dag die erdrückende Mehrzahl aller Streikenden noch wie vor hinter der gewerkschaftlichen Zentrallcitung steht, so haben die gestern von den Gewerkschaften in etwa fünfzehn Haupt- orten des Streikgebiets abgehaltenen Ma ssenvcriaminlunge,, diese Tatsache nur noch erhärtet. Die hysterischen Lügenb.richre der kommunistischen Presse über den Stand des Streiks, insbesondere über die Zwischenfälle nach der Demonstration in Eisleben, haben sich überall nur gegen die sogenannte„reoolu.ionäre" Opposition gewendet. Während die kommunistische Revolverpresse schrieb, die Verbondsangestellten wären blutig geschlagen und vor den Streikenden geflüchtet, traten in den gestrigen Versammlungen olle dtesc angeblich Verprügelten als Referenten auf und wider- legten schon dadurch am besten die Lügen der Opposition. Die V.r- sammlüngen selbst verliefen in m u st e r g ll l t i g c r Ruhe. Kommunistische Schreihälse, die auf höheren Befehl auch die gestrig»» Versammlungen stören sollten, wurden schnell durch die über die .revolutionäre" Desperadotaktik der KPD. empörten Bergarbeiter zur Ordnung gewiesen. In allen Orten wurde rückhaltelos der xc- werkschaftlichen Zentralstreikleilung das Bcrtrauen erklärt. Zu dramatischen Szenen kam ez in der kommunistischen Hochburg H e t t st e d t> wo in der überfüllten Kundgebung der Ar- beiter des mit im Kampf stehenden M e s s i n g w e r k s der bis vor kurzem in der KPD. organisierte Vorsitzende der örtlichen Streikleitung, Köhler, erklärte, er stehe treu zuni Verband und werde überoll jede Einmischung dunkler Elemente in den geschlossc- neu Abwehrkompf der Mansfelder Berg- und Hüttenarbeiter m> i allen Mitteln entgegentreten. Auf das einsetzende Ge- brüll einiger„Linientreuer", die ihn„Renegat",„Verräter" schimpf- ten, antwortete er:„Ihr schweigt, sonst werde ich den Hcttstcdter Arbeitern Dinge über euer Treiben mitteilen, daß ihr nicht mehr auszusehen wogt!" Noch aus anderen Gründen wächst täglich das Vertrauen der Kumpels zum B-rgarbciterverband. Trotz aller prahlerischen An- kündigungen der Opposition, ist es ihr bisher lediglich gelungen, ganze v'f Küchen einzurichten, wo von Zeit zu Zeit die Bet.elsuppen der IAH. verteilt werden. Man muß hierzu wissen, daß das Kampfgebiet in den drei preußischen Kreisen: Mansfelder See- and Mansselder Gebirgskreis wie Sangcrhausen, allein 6 4 B e r g- arbciterdörfer umfaßt Demgegenüber sehen die Kämpfen- den in den Gewerkschaften ihre große, selbstgebaute Schutzorganisa- tion, die jede» Freitag reibungslos die teilweise Ins zu 22 M. betragenden Streikunterstützungen zur Auszahlung bringt, während die„revolutionären" Unorganisierten vergeblich auf dre Erfüllung jener großsprecherischen Ankündigungen der kommunistischen Führer warten. Deutsche Landsknechte. Nazi Nöhm als Landsknecht des Finanzkapitals. In der deutschen P u t s ch b e w e g u n g hat der Hauptmann R ö h m jahrelang«ine besondere Rolle gespielt. Er war Gehilfe des Generals von Epp, er hat die bayerischen Waffen« schiebiingen nach O b e r s ch l e s i« n organisiert und später nationalistische Kompfoerbände gegründet. Der Kopp-Putsch wurde von Röhm, der damals aktiver Reichswehrofsizier in München war, begeistert begrüßt. Am Hitler-Putsch nahm er aktiv teil, er kam jedoch mit einer geringen Gesängnisstrofc davon. Dann wandte er sich der große» Politik zu. Nach den Maiwohlcn des Jahres l!i24 ziert« Röhm als nationalsozialistischer?kbgcordnet«r auch wenige Monate den Deutschen Reichstag. Als er bei den Dezenibenvahle» nicht wiedergewählt wurde, ging er ins Ausland. Man hörte, daß er�sich nach Bolivien gewandt hatte. Was er dort getan hat, das erfährt man aus dem sächsischen Organ der National- fozialistischen Partei. Dort liest man das solgende: „Die Demonstranten haben sich u. o. auch gegen den General- stabschcf K u n d t, einen früheren deutschen Offizier, gerichtet. Damit wären die beruhigenden Berichte der Bolivianijchcn Gesandtschast leider i,»richtig gewesen, was wir besonders in> Hinblick auf General Kundt und unseren in seinem Stab tätigen Parteigenossen Hauptmann Röhm bedauern." Diese deutschen Landsknechte trogen die deutsche Schande in dke ganze Welt. In Oesterreich der Major Pa b st, in Ehina der Oberst Bauer, in Bolivien der Hauptmann Röhm: überall sind sie dabei, wo es gilt, den Freiheitswillen eines Volkes niederzuschlagen. Die Tätigkeit des nationafazialistischen Hauptmann Röhm ist aber noch besonders zu bewerten. Die jetzt gestürzte bolivianisch« Regierung bestand aus Politikern, die vom Nordamerika- nischen Finanzkapital obhingen und die Aufgabe hatten, Land und Volk Boliviens zu einem Ausbeutungsobjekt der amerikanischen Kapitalsmagnaten zu machen, linier diesen befinden sich nicht wenige, die jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft sind. In ihren Dienst hat sich also dieser deutsche Nationalsozialist gestellt, er halte die Ausgabe übernommen, zugunsten des amerikanischen Finanzkapitals den Aufstand des Volkes niederzuschlagen. Diese Aufgabe ist General Kundt und Hauptmann Röhm nicht gelungen, aber sie haben das eine erreicht, daß zahllose Menschenopfer fallen mußten, bevor die alte Regierung und ihre deutschen Landsknechte beseitigt werden konnten. Zuerst hies es, daß General Kundt erschossen worden fei. Später aber wurde berichtet, daß er sich in die Deutsche Gesandtschaft in der Hauptstadt Boliviens g e f l ü ch t e t habe, wahrscheinlich sein Gehilse Röhm mit ihm. Die deutschen Lands- knechte sind also ebensowenig wie Wilhelm der Letzte„an der Spitze der Armee" gefallen, sie haben es vorgezogen, sich noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Es muß wohl angenommen werden, daß Kundt und Röhm die deutsche Staatszugehörigkeit aufgegeben haben, als sie in die Dienste der van dem amerikanischen Finanzkapital abhängigen Regiernng von Bolivien getreten waren. Wenn sie die Folgen ihrer Handlungen nicht auf sich nehmen wollen, hat dos Deutsche Reich die Pflicht, sich ihrer anzunehmen? Das Milchgefeh vor dem Ausschuß. Ausbau der M-lchkoniro!le gefordert. Der Reichstogsau zschuß für Volkswirtschaft trat am Dienstag in die allgemeine Aussprache Über dos Mitchgesetz ein. Ministerialrat Base vom Reichsministerinm siit Ernährung und Landwirtschaft begründete den Gesetzentwurs, wobei er aus die Geschichte und die Bedeutung des Entwurfs für die gesamte Milch- und Volkswirtschaft einging. In der Aussprache erklärte Abg. Frau Wurm(Soz), daß die Mitarbeit der Landwirtschaftskammcrn usw. bei der Durchführung des Gesetzes nicht genüge.— Abg. B a ch m a n n(Dnat.) erklärte sich mit der Grundtendenz des Gesetzes einoerstanden, welckies der Landwirtschast neben dem noch sehlenden zollpolitischen Schutz nur dann Erfolg bringen könne, wenn die freiwillige Mitarbeit der milchwirtschastlichen Organisationen und eine fach- gemäße Zusarmnenarbeit aller beteiligten Gruppen sichergestellt werde.— Zlbg. Bornefeld-Ettmann(Z.) hielt die Einfügung eines Paragraphen für unerläßlich, der die vorhandene» Lücken in der Absatzorganisation schließen Hilst.— Abg. Döbrich (Chr. Vp.) führte aus, daß die Durchführung des Milchgesetzes der Landwirtschaft keine neuen, die Produktion belastenden Kosten bringen dürfe.— Abg. Freiherr v. Richthofen(Dnat.) stellt« an die Regierung Anfragen bezüglich der Untersuchung d c r M i l ch- t i e re und bezüglich der Uebcrgangszeit. Damit war die allgemeine Aussprache beendet. Am Mittwoch wird der?lusschuß in die Einzelberotung eintreten. Volkspartei hat nichts gelernt. Hitler befiehlt Frieden mit der Industrie. Dresden, 3. Juli.(Eigenbericht.) Die Deutsche Volkspartei hat sich bereit erklärt, an einer Besprechung der bürgerlichen Parleien über die Regierungsbildung teilzunehmen. Da aber erst am 4. Juli der Zentralausschuß der Deutschen Volksportei Sachsens tagt, inll die Besprechung am Montag, 7. Juli, stattsindeu. Wie ein Dresdener Blatt meldet, hat Hitler jeden Angriff auf Deutschnationale, Stahl- helmer und die bodenständige Schwerindustrie untersagt. Der Sächsische Landtag ist für vonnerstaz. dein lO. Juli, nachmittags 1 Uhr, einberufen worden. Die erste Sitzung des neuen Parlaments wird ausschließlich seiner Kon- srituierung dienen. Die„Kanönchen". Liebenswürdigkeiten unter Regierungsparteien. In den„Volkstonservatioen Stimmen", dem Blättchen der Treviranus-Gruppe, fand sich kürzlich diese Bemerkung: „Die Deutsche Volksparte! will die Heranziehung der L e- a m t e n s ch a s t zur Behebung der siitanziellen Rot des Reiches solange hinausschieben, bis alle Berufsgruppen, außer der Beamtenschaft und der Industrie, soviel geopfert haben, daß weitere Opfer überflüssig sind." Dies« Zeilen haben die sonst so lammfromme„Nationalliberole Korrespondenz" in Harnisch gebracht. Entrüstet wirft sie die Frage auf: „woher kommt dieses Geschoß der„Volkskonservativen Stimme"? Wer hat am 28. Juni das Kanönchen des Herrn Treviravus bedient? Es ist in diesem kriegerischen Zeitalter immerhin schon«ün Fortschritt, daß die Parteien der Regierung Brüning sich nur mit „Kanönchen" beschießen, da es zu ausgewachsenen Kanonen wahr» scheinlich auf beiden Seiten nicht mehr langt. Spionageprozeß in Leipzig. Llnter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Vor dem Reichsgericht begann heute der Spion ogeprozeß Hessel und Genossen. Angeklagt sind der in Franksutt am Main geborene Musiker Hessel, der Elektromonteur Rech aus Rammelsbach iii der Pfalz, der Arbeiter Lemm aus Gelsen kirchen- Buer und der in Dresden geboren« Musiker Albert aus Freiberg in Sachsen. Die drei Erstgenannten, die ihren Wohnsitz in Luxemburg hatten, befinden sich zurzeit in Leipzig in Ilntersuchungshast. Die Angeklagten sind verdächtig, im Jahre lllZ!) in Luxemburg, Straß- bürg, Longwy, Metz, Diedcnhoien, Freibcrg in Sachsen usw. vor- sätzlich vo» Dingen, die im Interesse der Landesverteidigung ge- heim zu lfalten waren, Angehörigen fremder Mächte Mitteilimg gemacht zu haben. Donnerst««. Z. Juli. Berlin. 16.0-5 Konzert. Schubert. Schumann: Lieder.(Maria Serct van Cykcp. Alt.)— Pugnan-Kreisler: Präludium und AlleEro: Wagner: Albumlatt; Reger: 3 Violinstücke.(Ocorg Steiner. Violine.)— Wolf: Lieder.(Maria Sereu van Pyken).— Dvoräk: Humoreske; Brahms; Ungarischer Tanz.(Georg Steiner; Flügel:.T. Bürger.) Siegfried W. Möller. 1. Sonatina I, F-Dur.(Uraufführung.)—?. Sonatina II. B-Dur.(Uraufführung.)— 3. Kleine Suite, E-Moll.(Uraufführung.) (Flörcl: Der Komponist.) 17.30 Prof. Dr. IL Reichenbach: Naturwissenschaften. 1*.00"W. Trojan: Praktische Ratschläge. 13.25„Gestern oder heute?" Fin literarischer yuerschmtt.(Mitw.:' trnsl öringolf, Hans Georg Brenner.) 18.50 Line Wanderfahrt in Liedern. 9 19.15 Arbcitsmarkt. 19.20..Zeitberichte." Italien. Frankreich und die Wcltpolitik. 10.55 Staatsoper Unter den Linden:„La Traviata", Oper von Verdi. Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. 17.30 Stud.-Rat Dr. Will Zicgclmayer; Gesamtunterricht In den Naturwissenschaften. 18.00 Fritz Heinz Rclmcsch: 600 Jahre Gottschce. 18.30 Prof. Dr. Jumpcrtz: Die wirtschaftliche Bedeutung der Mccrcsströmungc 19.00 Ernst Schlicpe; Die großen Berliner Dirigenten. 19.25 Prof. Dr. v. ürigalski: Unser täglich Brot. weller für Berlin: Keine wesentliche Aenderung,— Für Deutsch« lond: Im Westen und Südwesten stellenweise Gewitterneigung, in Mittel- und Ostdeutschland weiterhin heiter bei wenig geänderten Temperaturen. Vcrantwertl. für bic Redaltwn: S-ifg-n« Schw-r,. Berlin: Anzcigen: Sh. Sl»««. Berlin. Scriafl: Pnrwlirts Berlaa ffi. m. b. s.. Berlin. Druck: Borwart» Bu». briick.-m und Bcrlvgsanitalt Paul Singcr& Co.. Berlin(c® 68. Linbcnstraße 3. Aierzu 1 Beilage. Donnerstag, 3 7. Staats-Oper Unter d. Linden TeiHlli. O.Do. Ho.tl Jilra-llk.-T.lo. 112 20 Uhr la Mala Ende 22', j Uhr Donnerstag. 37. Stadt. Oper Elismarckstr. Geschlossen Staats-ßper '01 Pliti tv Ripoblh Vorst IIS 20 Uhr Neues vom Tage Ende g 22>/z Uhr ZtuII. Sdiausph. im Gimliniitoman. I3hns-Jb.-T.llii. 157 20 Uhr Musik Ende 22 Uhr M.Wiiller-Msr.Cliarltbg. 20 Uhr Ger Mann mit dem Klepper Ende 72'» Uhr ITägl. S u.S't. Uhr. U S Bar». 825B Pr. 1-6 U Wochentg. 5 U 50 Pf.-3 M. VoiksbUime Thuter am BUowplalz. 8V< Uhr Julius Caesar Rqli: bri Heim Vulin Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Neues vomTage 8• upülthl (Zentral-Theater) Dönh 2047 Alte lakobstr. 30/32 DerUher kommt kein mann Hinweg I Kasse U-In. ab 6 Dbr, Banowsky-Slte Tteaur in dci btreseniamii. Täglich 8«,i Uhi Meine Sdiwesier und ild Musiki. Ralph Banalikj Deatsüiss Theater D 2 WeidmdiDiiH 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Regd Max Reintiardl Ms tili: FrMrMi KoKanilir. Böhncnbtidir End SdiDttä Hammerspiele 0 2 Weidaadimra 5211 9 Uhr Gastspiel dtrSpiilsmeia- sdiaitBeiliacrSdiacspialtr Krach um Leutnant Biumenthal von Alfred Henog. Sommerpteise Die Komödie II Bismck. 2414/7516 8'/b Uhr Wie werde idi leicti DDd glodllidi 7 Ein hiat ia II UtailiiagBB *Bt fBiii JoBäimson. *BSil bbb Biidn SpolilBltj Rigii: En« Sagtl Bühnenbilder UMiUiBr Lessing- Theater Wiiändamm 2W i.Ntt Täglich 8'/a Uhr Der Faun ion Ed«. KoobM. Päd Hrtdtfh. Hilm. Flamme. Rrral, Grodtczinsky, Franken, Fitdbr, Kinltn, Lün Dir. Dr. Hirtia litkal Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich 8'b Uhr Liebe und Trompeten- blasen Stbili/WBlBniiBiir z finllii Jah'brt y Hait> 8ttihidi ROSE -Theater 1 Große Frankfurter Str. 132] Taglich 3.15 Uhr (Sonntags auch 515 Uhr); „Die andere Seile" 3 Akt« von Sheriff mit Gotthard Boge. Arthur j M«lko*sky. Robart MQIiar, Paul' 1 u. Willi Rote. Franz Stein. Erich 1 | Wlldd. Regie: Robert MOIter. Auf der Gartenbohne, nur noch bis kommenden Sonnabend, das Rteeen-ErBffnunosprooramm und' ..Lese. Utile. Liese' Vom 6.— 3. 3 Uli: Rozentat im Rose-6arten | Taueenda von Rosen. Rleeen- Feuerwerk.- Willi Roten am| FIOqoI. Tanz Im Freien. 8« Uhr „Verliebte Leute" Operette von KQnneke. Vorverkauf lÄgi. von 11—1 Uhr vorm. u. 3— 9 ühr abds Berliner(Ilh-TriO N• B k e 1 1 B. wLehnstr. 74/75J Reste, Fabrikabfälle für Leib' und Bettwäsche 1 Verkaurszett 8 5 Uhr, Sonnabencfs 8-2 Uhr auBerordantlic'T Praiaan! Sommerstorfe aller Art Mechanische Feinweberei Adlershof A.-G. ■ Gegenüber Stadibahn. Fernspr.: Adlershof 237. 238. 248 ffCi'nl-Bfl� l"1" Gr. Steher- Rennen niiff Arnna Mannschafts Omnium KUll'AI Dilti Amateur. Rennen rtieateri.d.Behrenstr. 53-54 8»/2 U. 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Juli 1930 SprNbpnd Mutter Fmgler an Frau Meier Antwort auf drei Fragen Mit groh«m Ii»tcrefle verfolge ich stets Frau Meiers Be- nruhuirgen, obgleich es für uns Mutter beschämend sein müßte, Frau Meier, die von sich behauptet, von Erziehung nichts zu wissen und, was noch drolliger ist, keinen Erziehungsgegcnstand(Kinder) zu haben, das Recht einzuräumen, hierüber zu diskutieren, Sie find ein tapferer Mensch, liebe Frau Meier, haben wenig- stcns den Mut, an dieses in der Praxis so schwer« Problem heran- zugehen: meine Hochachtung! Versuchen es doch schon seit Jahren unsere größten Wissenschaftler, ohne zum Resultat zu kommen. Soziales Verständnis und Menschenliebe, liebe Frau Meier, werden uns der Sache ein Stück näher bringen, und diese beiden Faktoren sind es, die im Erwachen begriffen sind, bei den Eltern wie auch Lehrern. Ich wünschte, es wären 30 Prozent Eltern und Lehrer bemüht, den Kindern Freund« zu werden, wie Sie—-, dann, liebe Frau Meier, würden wir nur noch frohe und sonnige Kinder um uns haben. Leider glaubt der größte Teil der gegen- wärtigcn Eltern und Lehrer(den Lehrern dürfen Sie Ihre Auf- inerksamkeit nicht versagen, sie sind es, die das Seelenleben vom sechsten Lebensjahre beeinflussen, manchmal zum Guten, leider oft zum Nachteil), das Kind müsse ihren Anordnungen blindlings folgen, weil sie die Aeltcren und Erfahreneren sind. Sic vergessen in ihrer Voreingcnominenhcit, daß das Kind alle Eharaktcreigenschaften mitgebracht hat und nur darauf wartet, fürs Leben geformt zu werden. Hierzu sollte man sein Bestes hergeben. Das Kind ist so dankbar für liebevolles Verständnis und läßt sich so gut lenken, daß es unsere heiligste Aufgabe sein müßte, unsere besten Eigenschaften dem Kinde zu geben, dann würden wir Menschen nicht so viel über die sogenannte Vererbung schlechter Eigenschaften zu klagen haben. Was nun Ihre direkte Frage beziiglich der Unarten und der nötigen Strafen betrifft, liebe Frau Meier, sällt es mir schwer, von mir zu rede»: ich finde es immer so albern, wenn Mütter behaupten, ihre Kinder oder die Erziehung wären so gut. Ich für meinen Teil sage, es gibt keine Erziehung. Nur durch gutes oder böses Bei- jpiel wird der Mensch dos Produkt seiner Umgebung. Meine Kindheit, die eine sehr traurige war und fast nur in Schlägen und Grobheiten bestand, da ich als Waise groß wurde, hat mich zum Denken veranlaßt und nicincn Kindern ein Freund zu werden. Jedes Kind von meinen dreien hat einen anderen Charakter, den muß man erst zu ergründen suchen und dann vcr. suchen auszugleichen, dos Gute nach Möglichkeit fördern, das Schlechte zu dämpfen. Wenn nun eines meiner Kinder den söge- nannten schlechten Tag hat, hole ich es mir, nehme es auf den Schoß, und wir erklären uns gegenseitig, wie das Böse möglich war und wie wir es fortschaffen können. Es ist herrlich zu beobachten, („..Wie die kleinen Menschen, wenn sie das Böfe überwunden l>aben, erleichtert aufatmen und sagen einfach und treu:„So, nun ist das Böse weg.* Man könnte vieles anführen, doch das spielt keine Rolle, jeden- falls trifft es zu, liebe Frau Meier, wenn Sie in einem Ihrer Artikel sagten:„Ich vergleiche die Kinder mit meinen Blumen, wenn man sie pflegt usw." Es gehört allerdings in er st erLinie viel Selbsterzichung dazu, zu dieser Methode zu konnnen, ich Hab« es auch erst gelernt. Nun aber mag der Einfluß von Straße und Schule nur kommen, das Elternhaus muß das Friedens Haus sein, dort muß das Kind feinen Schuß und seine Stärke sinden im Kamps« gegen den Alltag. Vor allen Dingen sollen Eltern Meinungsvcr- fchiedenheiten, die uns der Kampf ums Dasein bringt, nie in Gegen- wart der Kinder führen. Ich bin jetzt seit kurzem dahintergekommen, daß das Kind vom vierten Lebensjahr bewußt am Existenzkampf teilnimmt inü> genau beobachtet, ob das Geld reicht oder nicht. Mein Großer, neun Jahre alt, hat neulich sogar das Essen abgelehnt und gesagt:„Dann bleibt nichts für dich, Mutti, du wirst immer dünner." Nur weil er das Urteil vom Arzt gehört hatte:„Sie»missen sich pflegen, sie müssen wenigstens 110 Pstmd wiegen." Jedenfalls, liebe Frau Meier, die drei Fragen: An welchen Fehlern leidet euer Kind? Wie befreit ihr es davon? Welche Strafen haltet ihr für die zweck- mäßigen? muß ich folgendermaßen beantworten: 1. An den Fehlern seiner Umgebung. 2. Durch gutes Beispiel und Verständnis. 3. Keine, nur Verständigung und Aufklärung. Das Leben hat mich gelehrt, nur das Schönste und Beste heraus- zuholen wo irgend möglich. Zuerst auch versuche ich es bei meinen Kindern. Ich hoffe, daß Ihnen Ihre herrliche Ausgabe, die Sie sich gestellt haben, gelingt und wünsche Ihnen von Herzen Mut und Ausdauer. Mit freundlichem Gruß Mutter F e n g l e r. Muß Straf« fei«? Liebe Frau Meicrl Ihre Frage, welche Strafe für die richtigste gehalten werden muß, wird zwar sehr häufig von den Eltern gestell», ist aber des- wegen nicht minder schief. Man fragt auch nicht,»velche Verbrechen man für die besten hält. Die Frag« lautet also nicht: welche Strafe?, sondern: soll, bzw. kann man mit oder ohne Strafe erziehen? Sehen Sie sich doch eimnal all das an, rvas so in urrserer täg- lichen gedankenlosen„Erziehungsarbeit" als„Strafe" in Gebrauch ist: Prügel, Abbittenmüssen, Isolierungsstrofen(Eckcnstehen), Entziehungsstrafen(z. B. das Verfahren der Frau Oberschlau, ihr Kind hungrig zu Bett zu schicken). Es ist natürlich nicht möglich, hier in einer kurzen Zuschrift auseinanderzusetzen, welche bisweilen sehr ver- wickelten Folgen dies« Maßnahmen beim Kinde zeitigen: doch sind diese Dinge heute schon so sehr in aller Oeffentlichkeit diskutiert, daß hier vielleicht schon Schlagworte genügen Also: Die Prügel- st r a f e nützt nie(es scheint nur manchmal so), schadet aber sast umner, sehr selten körperlich, fast immer seelisch Vor allem muß «in Kind wissen, was es falsch gemacht hat, und warum und wie es seine Sache besser machen soll, wozu die Prügelstrafe ihm sehr wenig helfen wird. Das Abbittenmüssen konimt meist aus ungehemmten Trieben des Erziehers, der seinem eigenen Selbst- gefühl damit schmeicheln möchte, und hat für das Kind ebenfalls keinen erzieherischen Wert. Di« Jsolierungs st rasen schaffen die bekaimten Minderivertigkeitsgefühl«, die dann ihrerseits ein übersteigertes Geltungsbedürfnis hervorrufen, das erst recht zu Bock, Unarten und gelegentlich sogar zu Verbrechen Jugendlicher führen kann. Kluge Pädagogen trennen heute nicht eimnal mehr die „schwererziehbaren" von den üb» igen Kindern. Entziehungs- st r a f e n find ein zweischneidiges Schwert. Wenn man sie als indirekte Folge der Tat dein Kinde bewußt gemacht hat, sind sie unter Umständen angebracht; wenn ohne sinnvollen Zusammenhang mit der Tat, untergraben sie in gefährlicher Weise das Vertrauen ui»d lassen Zweifel an der elterlichen Liebe aufkommen. Wie man sich auch umsehen mag, keine Strafe, die da nicht ihre gefährliche Kehrseite hat. Noch nachdenklicher werden wir aber, wenn wir einmal die Frage nach der tieferen Ursache des Straf ens beim Erivachsencn stellen. Die Strafe ist nämlich weit weniger ein Problem der Erziehungsinethode, als sie ein seelisches Problem der E r z i e h« r p e r s ö n l i ch k e i t ist. Gewöhnlich wird der Erzieher mit seiner Straf« Besserungsabsichten verfolgen, er merkt aber fast nie, daß er im Unbewußten fast immer eine Vergeltung an dem Kinde ausübt, und das auch da, wo er nicht, wie so häufig, im Augenblicke einer Gefühlsaufroallung straft. Fast in jedem Menschen sind gewisse Ding« aus seiner eigenen Jugend(namentlich bei der bisher durchschnittlich dock) ganz miserablen Erziehung) noch immer so weit in Unordnuirg, daß ihm diese„Komplexe", wie der gelehrte Ausdruck heißt, den Blick für eine objektive Beurteilung des Kindes trüben. Gewöhnlich straft er gerade dort am heftigsten,>vo feine eigenen Mängel sitzen und er dem Kinde kein Vorbild zu sein vermag. Das dritte Argument, das ich gegen die Strafe einzuwenden habe, ist die Tatsache, daß es beim Kinde(wie übrigens beiin Er- wachsenen auch) ein Strafbedürfnis gibt, welches die Aeuße- rung eines„schlechten Gewisser»" ist. Wenn wir wirklich in der Erziehung dos Ziel versolgen, einen der Wirklichkeit des Lcbei»s angepaßten Menschen heranzubilden, der seine soziale Aufgabe er- kennt und so weit wie möglich erfüllt, so dürfen wir diesem Straf- bedürsnis nicht entgegenkommen, weil wir dem Kinde damit die Möglichkeit einer gesunden Entwicklung seines Gewissens abschneiden. Also: Strafe soll überhaupt nicht sein; denn sie ist immer schädlich: 1. weil sie das Kind verängstigt, verbittert und ihm keinen Anreiz für eine bessere soziale Einordnung bietet, 2. weil sie den erzieherischen Verirrungen der Erlvachsenen Tür und Tor öffnet, und 3. weil sie dem Strafbedürfnis des Kindes entgegenkommt und so die Persönlichkeitscntwicklung des Kindes aufhält, anstatt sie fort- zuentwickeln. Die übrigbleibende Frage, w i e man ohne Strafe erziehen kann, läßt sich ebenso einfach wie kurz mit einem Worte Friedrich S ch l e i e r m o ch e r s beantworten:„Man lasse die Kinder Cr- sahrungen machen--, damit sie lernen, ihren Willen selbst zu beschränken."„Man leite ihren Willen stets durch Gründe." lind wenn nun weiter gefragt»vird, wie man denn das macht, so lautet meine Antwort: Der Erzieher erhalte sich stets das Vertrauen des Zöglings und sei ihm ein Vorbild. Dies ist allerdings die oller- i schwerste Aufgabe, vor die ein Erzieher gestellt wird, eine Aufgabe, die viel schwerer ist als dos Strafen, und vor der der Erwachsene deshalb so gern ausweicht. Die moderne Pädagogik freilich erleichtert ihm diese Aufgabe insofern, als sie längst nicht mehr alle„Unarten" des Kindes so tragisch ninmit, wie man das früher getan hat; denn das Kind ist ja noch das Spiegelbild des primitiven Menschen und soll erst ein„zivilisierter" Mensch lverden. Wir Erwachsenen haben also nicht das Recht, unsere Maßstäbe auch an die Handlungen des Kindes zu legem L�-alck Böhm. Die ttmvcrßtatsvcrfaCung Profefform und Swömtm/ Seminare und Studium In zwei Aufsätzen(Nr. 259 vom 5. Juni und Nr.. 282 vom 19. Juni) haben wir die Grundzüge der neuen Unioersitätsverfassung dargelegt. Es bleibt noch übrig, uns mit den Rechten und Pflichten der Dozenten, mit der Stellung der Studentenschaft und niit dem eigentlichen Lehrbetrieb, soweit er in der Verfassung geregelt ist, zu beschäftigen. An den Universitäten gibt es ordentliche Professoren, Honorar- Professoren, außerordentliche Professoren, Prioatdozentcn, beaus- tragtc Dozenten, Lektoren, Turn- und Sportlehrer und Technis.he Lehrer. Die ordentlichen Professoren sind der Mittel- punkt des Lehrkörpers. Sie rverden namens des Staatsministe- riums vom Kultusinmister ernannt. Sie sind berechtigt, über alle zum wissenschaftlichen Gebiet der Universität gehörigen Fächer Vor- lesungen zu halten: sie siird verpflichtet, ihr Lehramt in Vorlesungen und liebungen angemessen»vahrzunehmen und in jedem Semester mindestens eine private, alle zwei Jahre eine össentliche Vorlesung zu halten. Jedoch machen die ordentlichen Professoren nur in Aus- nohmesällen von dem weitgehenden Recht, über alle Fächer Z» lesen, Gebrauch. Die Spezialisierung der Wissenschaftsgebiete bringt es mit sich, daß sich jeder Professor im allgemeinen auf sem engstes Fachgebiet beschränkt. Im Gegensatz zu den sonsti- gen Beamtengruppen werden die ordentlichen Professoren nicht pensioniert, sondern unter Bclassung ihres gesamten Gehalts „emeritiert"(von den'amtlichen Verpflichtungen entbunden). Sie behalten dann das Recht, Borlesungen zu halten und an den Sitzungen der Fakultät und des Großen Senats mit beratender Stimme teilzunehmen. Honorarprofessoren sind Gelehrt«, die ursprünglich außerhalb der Universität stehen und die nach ihren»vissenschaft- lichen Leistungen zur Mitarbeit an der Universität ü» Unterricht und Forschung geeignet sind und den Anforderungen entsprechen. die an die ordentlichen Profesiorcn gestellt rverden. Sie sind keine Beamten und erhalten auch kein Gehalt. Der Minister kann ihnen einen Lehrauftrag für ein bestimmtes Gebiet verleihen, für das die übliche Entschädigung gezahlt wind. Zu außerordent- lichen Professoren können vom Minister Prioatdozenten ernannt werden, deren wissenschaftliche Leistungen denen der ordenl- lichen Professoren entsprechen. Durch die Ernennung erwerben sie keinen Anspruch an den Staat, insbesondere keine Anivartschaft auf Uebertragung eines planmäßigen Lehrstuhls. Wir haben schon im ersten Aufsatz darauf aufmerksam gemacht, daß die Tatsache, daß außerordentliche Prosessoren und Privat- dvzenten in keinem festen Dienstoerhältnis zum Staat stehen und also auch kein Gehalt beziehen, unseres Erachtens verderblich ist sür die Auelese und Ausbildung des Nachwuchses. Ein außer- ordentlicher Professor ist ein Gelehrter, der nach seiner Doktor- Prüfung mindestens drei Jahr« und nach der dann erfolgenden Habilitation als Priimtdozent im allgemeine» fünf Jahre, zusammen also acht Jahre wissenschaftlich gearbeitet hat. Auch dann hat ein solcher Proscsior keinen Anspruch auf Gehalt, er ist daraus ange- wiesen, als Assistent mit kümmerlick-em Gehalt angestellt zu werden oder eine gering« Lehrauftragsvergütung zu erhalten oder ein noch geringeres Privatdozcntenstipcndium zu beziehen. Daß Privat- dozenten und außerordentlich« Professoren auf diese Weise in«ine sür all« Teile schädliche Abhängigkeit von den ordent- lichen Professoren ihres Fachgebiets geraten, liegt auf der Hand.' Die Zulassung zum St u d i u m setzt das Reifezeugnis einer höheren Schule oder ein gleichivertiges Zeugnis voraus. Jeder aufgenommene Student wird außerdem bei einer Fakultät eingetragen. Di« Zurücknahme der Immatrikulation (Aufnahme) ist nur in bestimmten Fällen und in» übrigen mir durch ein Dtfziplinarversohrei» möglich. Gegen Studenten, die gegen die Ordnung und Sitte des akademischen Lebens verstoßen, kann, außer auf dem üblichen Wege durch die ordentlichen Gerichte, im Diszi- plinorversahrcn vorgegangen werden. Dieses Versahren beruht aus einen» Gesetz von 1879, das reichlich veraltet ist. An seiner Reforu» »vird seit Jahren genrbeiiet. Das jetzige Gesetz entspricht nicht den Grundsätzen moderner Pädagogik und de» veränderten An- schauungcn über das Wesei» eines Studenten. Theoretisch besteht die Möglichkeit, daß sich alle Studei'tcn zu ciner Studentenschaft zusammenschließen, die nach den be- sonderen Bestimmungen einer preußischen M»nisteriolverordn»iiig von der Regierung anerkannt werden kann und danach das Be- steuerungs- und Vertretungsrecht aller Studenten erhält. Bekannt- lich haben 1927 die Studenten der preußischen Hochschulen in ihrer Mehrheit dieses Studcntsnrecht abgelehnt. Es bestehen also an den preußischen Hochschulen gegenwärtig keine Studentenschaften. Das Universitälsjohr umsaßt zwei Semester. Das Sommer- seuiester reicht vom 15. April bis zum 31. Juli, das Winlcrsemester vom 1. November bis Ende Febinar. Bis zur Reform rvar dos Somiuersemestcr 14 Tage, das Wintersemester 30 Tage länger. Da es sich im Lause der Jahrzehute herausgestellt hat, daß Semester- ansang und Semesterschluß nicht innegehalten wurden, Hot sich das Ministerium dazu entschlossen, die taksächlichen Anfangs- und Schluß- tage einzlrsetzen und auf pünktlichem Beginn und Schluß zu bestehen. Die Vorlesungen sind entweder privat(gegen Bezahlung) oder öffentlich(unentgeltlich). Di« Studenten zahlen eine all- gemeine Gebühr und dazu Vorlesungshonorar, welches der be- treffende Professor erhält. Es ist immer nrieder versucht worden, das Vorlesungshonorar abzuschaffen, weil es nach Ansicht vi ler Kenner der Verhältnisse demoralisierende Wirkungen ausübt. Aus mancherlei Gründen ist eine an sich notwendige Reform bisher unterblieben. Der eigentlichen wissenschaftlichen Zlrbeit dienen außer den Vorlesungen die liebungen in Seminaren und I n st i t u t e n, die vor allem aus dem Gebiete der Naturwissenschaften und d--r Medizin ein««ntscheideirde Rolle spielen. Die Direktoren der Kli- niken, Institute und Seminare werden vom Minister ernannt. Die Universitätsverfassting gibt nur den äußeren Rahmen für die Verrvaltung der Universi ät Ihn auszufüllen, st Ausgab»»er Dozenten Ihre Arbeit läßt sich durch Instruktio en e? Mi i'ier fördern, aber»richt ersetzen Nachd m die Relorm der Vers si ng beendet ist(wir wiesen bereits darauf hin daß das letzt- Wort h er bei noch»rieht gesprochen sein kann) steh die S I u d i e n r e s o r m im Vordergrund der Erörterungen. Weitgehend« Pläne sür ine Neuordnung des juristischen Studiums sind kürzlich vom Mi siterium veröffentlicht wovdeit. Der bekannte Pädagoge der Berliner Uni- versttät, Profesior Eduard Spranger, stellt eine» iv«»tvalle Dorschlag zur Diskussion: das deu sch« Universitätelystem dem en-' tischen College-System anzunähern. Wir we d n(M-a-n'-ei ne' men. zur rechten Zeit auf diese Pläne zurvckzu'oi m n. lV «!< Berichtigung: Der dirigierende Arzt am Hufeland-Hospttal Verlin. Dr. Felix Bönheim, teilt uns mit, daß er nicht der Autor des Artikels„Experiment und Klassenmedizin' in der Beilag? des„Abend" vom 1. Juli ist. Vom Korrcfpondenzvüro Zadel, dem der Aufsatz entnommen war, erfahren wir dazi», daß es sich tat- sächlich um das Versehen eines Mitarbeiters anläßlich einiger Interviews handelt (21. Fortsetzung.) Oer Schafberg! Kaum hatte sie diesen Gedanken empfangen, als es für sie auch gewiß war: chammerschlag befand sich aus der Fahrt zum Schofberggipfel! Dieser Berg übte auf ihn seit der Begegnung mit jener Dame in Gelb eine magnetisch« Anziehungskraft! Fräulein Saat lief, ganz und gar in ihren inneren Aufruhr ver- wen, zur Zahnradbahnstation. Sie ließ sich keine Zeit, selber den Fahrplan zu studieren, sie rannte«inen Beamten an, um ihn nach dem zuletzt abgegangenen Zug zu fragen. Bor fünfundzwanzig Minuten hatte er die Station verlassen. Bor fünfundzwanzig Minuten? Das paßte genau in Fräulein Saats Kambination. Ob er einen dicken, blonden Herrn mit einem kleinen Handkoffer gesehen hätte, bestürmte sie den Beamten. Ah ja, das könnt« schon sein, sagt« der Beamte aus purer Lieb. holierei am Auskunstgeben. Seine wahre Meinung war— aber er sprach sie nicht aus—, daß es zu viele dicke, blonde Herren auf der Welt gäbe, als daß man sich eines einzelnen noch nach fünfund- rwanzig Minuten erinnern könnte. Djun war es für Fräulein Saat gewiß! Sie lief zu dem nahegelegenen Hotel, dessen Döpendance auf dem Schafberg stand— sie wollte sich von Hammerschlags Ankunft oben durch das Mutterhaue hier unten unterrichten lassen. Aber während sie durch den Garten ging und die mißbilligenden Blicke einiger junger Damen an ihrer Gestalt hinabgehen fühlte, er. wacht« sie quasi zum erstenmal aus ihrer triebhaften Aktivität— sie sah sich ihre für die Straße unmögliche Kleidung an. sie wurde ihrer verwirrten Frisur inne— und wie begossen machte sie Kehrt und ging mit ihren etwas einwärts gerichteten, plump dahinftreifenden Füßen, gesenkten Blickes in ihr Hotel zurück. Während sie sich umkleidet«, kam sie zu der Meinung, daß es geratener wäre, sich überhaupt nicht nach Hammerschlag zu er- kundigen, sondern ihn einfach an der Zahnradbahnstation abzuwarten, bis er von oben zurückkäme. Sie würde eben die Station im Auge behalten müssen— ja, das war die sicherste Art, ihn wieder einzu- sangen. *** In einem Punkt hatte Fräulein Saat richtig geraten: Hammer. schlag war tatsächlich in der Zahnradbahn bergaufwärts gefahren, nur um ihr zu entwischen. Im anderen hatte st« sich geirrt- Er woMe durchaus wcht im Hotek auf dem Gipfel wohnen— ein Gefühl, als ob er sich dort oben ein für allemal unmöglich gemacht hätte, hielt ihn von dieser Absicht zurück. Aus der Station Schasbergalp«, mehr als dreizehnhundert Meter über der Menschenwelt, stieg er aus. Der Bahnhof leuchtet« in rot- weißroten Farben. Es gab hier ein Gasthaus, nicht von so städtischem Gehaben wie ganz oben, aber um so einladender für Hammerschlags Gefühl. Di« Fensterläden hatten ein Ansehen wie ein Kartenspiel. mit Kreuz, Herz und Aß.— Er nahm ein Zimmer, ließ sich«in Früh- stück geben und setzte sich mit seinem Butlerbrot auf die Alpe draußen. Das Zügl« war schon im Weiterfohren. Hammerschlag sah zu, wie es, immer kleiner werdend, aufwärts seinen Blicken entschwand. Er saß am gemächlichen Abhang, Sennhütten lagen in der Nähe, die Bläu« der Welt spiegelte sich in seinem Blick. Gebirgsketten zogen sich hin, den Himmel begrenzend— die Hohen Tauern. der Dachstein. Hochkönig und Gölln. Ja, ja. sagte Hammerschlag zu sich selbst, dies ist auch etwas wert! dies ist vielleicht noch mehr wert als da» andere.— Was„das andere" mar. drückten seine«in wenig getrübten Augen aus. Und vor allem die Freiheit, träumte er vor sich hin— meine Herren, hungern ist gar nichts gegen die Gefangenschaft bei Fräulein Saat. Don jetzt an kann es überhaupt nur noch besser werden, denn was dos schlimmste ist, habe ich nun erfahren. Er hob seine breite Brust und seufzte. Bon einigen hundert Metern her hörte er dunkelklingende Glocken. Er sah sich nicht um. Es ging gegen Mittag. Eine Art Biene mit roten Flügeln summt« herum. Krähen flogen auf. Falter, glllhendfarbige, gaukelten. Ein feiner Windhauch strich her. Hammerschlag sah und hörte nichts, er fühlte, nur Freiheit und Frieden. Aber plötzlich trat etwas Ueberraschendes ein. Er bekam von hinten einen Stoß an die Schulter und als er auffuhr, ging bereits die Kuh langsam mit ihrem dunkeln Geläute an ihm vorbei. „Nanu?" sagte Hammerschlag,„Kind, was willst du von mir?" Im selben Augenblick fiel ihm auf. daß er von Geläut« regelrecht umwogt war. Er sah sich um— und«ine ganze Kuhherd« trottete auf ihn los. „Was wollt ihr von mir?" rief Hammersichlag,„macht daß ihr wegkommt, ich trink« nur Bier." Einen Moment später war er von den Kühen umringt. Und nun wurde deutlich, wo der Magnet, der sie anzog, zu suchen war. Ja, die Kühe wußten genau, was sie wollten. Ham.nerschlag hatte sein ganzes Frühstiick mit sich genommen,«s lag offen auf dem Papier im Gras. Und auf dies Frühstück hatten die Kühe es abge- jehen. Mit einer oorbild'ich fanftmutigen Energie gaben sie Hammer- ichlag mit ihren dicken Köpfen verschieden« Stöße, ja, er kriegte sogar einige mit dem Horn und dabei sah er sein Frühstück in den Mäulern oerschwinden. Cr gönnte es ihnen. Aber zwischen diesem Heer von Hörnern war ihm nlcht wohl. Di« Tiere drängten sich zu dem Häufchen Salz, dos neben dem Ei auf dem Papier lag. „Wem, ihr mir mein Sahz wegsreßt, dann freßi mir nur gleich mein Ei dazu," rief Hammerschlag empört. Gleich darauf sing«in« Kuh an, ihn selber zu lecken. Sie pustete ihn aus den Nüstern an, jeder Atemstoß jagte puff und schlug stinkend zu HannnerscAogs Riechorgan empor. Eins andere Kuh nahm sich ihr« Freundin zum Muster, sie schnaubte gleich. iolls mit weichen nassen Nüstern an dem Fremdling heruin. „O ihr Verfluchten," rief Hammerschlag,„euch sehe ich schon als Lendenbraten zwischen meinen Zähnen verschwinden— Himmel, Hund und Wolken!" flucht« er, denn es gelang ihm nicht, sich zwifchcn den Leibern durchzudrängen, er hakte einfach an den Hörnern fest. „Ist hier denn kein Idiot in der Nähe, der mich von diesem Ochsen- Weibervolk befreit?" Ja, Gott sei Dank, der Idiot war in der Nähe und er kam rennend, schreiend heran. Es war der Hütejunge, er rief die Kühe bei ihren Namen, mit seinem Stock haute er auf sie ein, sie galoppierten mit ihren kurzen Beinen schwerfällig dawen, im Nu hatte Hammerfchlog Luft. „Uff, du Lümmel," sagte er zu dem Jungen,„die Kühe haben Verstand, daß sie sich was zum Frühstück holen wollten— aber solch ein Kalb wie dich sollte man am Euter lutschen lasten. Wie kannst du denn«in« Herde von Kühen auf mich loslassen?" Der nacktbeinige braune Junge sah ihn an und wurde rot. Hammerschlag warf ihm einen halben Schilling an die offene Brust. „Welche von den Kühen ist denn die, die du Lies gerufen host?" Der Junge deutete mit der Hand noch einer gescheckten. „So, mit dieser Liesbeth," befahl Hammerschlag,„machst du zu allererst, daß du wegkommst— die erweckt Erinnerungen in mir..." Dieser Frühling war eine Herrlichkeit ohne End«. Mitunter er- schienen Wolken, aber es war, als ob ihnen sofort bedeutet würde, daß sie an diesem Firmament nichts zu suchen hätten— nach einer Weile verschwanden sie wieder. Hammerschlag war«ine Nacht im Gasthaus auf der Schafberg- alpe geblieben. Am nächsten Bormittag ging er gemächlich zur Höhe hinauf, sein kleines Gepäck hott« er der Bahn übergeben. Von Zeit zu Zeit stand er still, und jedesmal, wenn er so atmend die Nüstern blähte, freute er sich über das neue Stück Welt, das er seinem Blick erobert hatte. Der Wolfgangsee spritzte Myriaden winzigfunkelnde Blitz« aus seinem Blau in die Höhe. „Daß ich so gut bergsteigen kann." sagte Hammerschlag, von seiner eigenen Tüchtigkeit überrascht:„donnerwetter." Als er oben angelangt war, ging er scheinbar gleichgültig herum. Er sah den Damen vorm Hotel kurz ins Gesicht. Später machte er sich an das Fenster, von dem er wußte, daß e» zu Denises ehemaligem Zimmer gehörte. Er sah nebenbei in das Zimmer hinein. Es schien unbewohnt. Er schüttelt« ärgerlich den Kopf und ging energisch davon. Er beorderte fem kleines Gepäck nach Strobl, nicht weit von Sankt Wolf- gang entfernt, am Ende des Sees. Er selber wollte den Abstieg zu Fuß machen, er hatte Lust am Wandern bekommen. Es gab zwei Wege, die hinunterführten— einen, in der Richtung der Zahnradbahn, den Hammerschlag beim Aufstieg genommen hatte: der zweite, reizvoller, aber auch schwieriger, führte durch die Himmels- pfort«, ein kleines Tor aus der Höhe. Hammerschlag stieg vorsichtig am Abhang hinunter, auf dem steilen, schmalen Pfad hielt er sich fest, wo es nur einen Halt gab. „Diese Himmelspsorte lönnte auch in die Hölle führen," brummte er. Der Weg war für stine Nichthochtouristenbegnsfe steil. Kolossale Bergwände begleiteten ihn. Cr fühlte die Steine, auf denen er ging, mit empfindlichen Sohlen. Aber dos kümnrerte ihn nicht. „Wenn man was Schönes genießen will, muß man auch was in Kauf nehmen," jagte er. Er dachte wieder an Denis«. Als er nach einigen Stunden, am Spätnachmittag, ermüdet war und sein Blut zu Kopf gestiegen fühlte, setzte er sich auf den Stamm einer quer über den Weg gestürzten riesigen Tanne. (Fortsetzung folgt.) eBuch SEur Soziologie des ftichleriums Martin Berodts, im Verlage Rütten u. Loening erschie- neues Buch„Der deutsche Richter" ist ein erfreulicher, gründliche Beherrschung des Materials mit leichter und doch tem- peromentvoller und kräftig zupackender Vortragswesse verkrrllp- sender Erkunduirgsritt in die Seelenlandschaft des Richtertums und das Gefüge des Gerechtigkeitsbetriebes. Beradt, selbst Jurist, Rechtsanwalt am Kammergericht, kennt das Milieu, in das er sich begibt, von Grund aus: das Jneinanderfpielen des Räderwerks, das Zeremoniell der feierlichen Geste, hinter der«in sozial zwar gesicherter, aber ökonomisch nicht sonderlich bevorzugter Stand sich befindet, die Unzulänglichkeiten, die Menschlichkeiten, die Mängel. Beradt spricht sich über die Herkunft und Erziehung des Richters aus, prüft die Art und das Wesen seines Amtes, wirft Licht auf sein« Abhängigkeit und Freiheit, stellt sein Verhältnis zur Oeffent- lichkeit fest, untersucht die Logik und Psychologie der Urteile, ver- weist auf die Last von Gesetzen und Entscheidungen, die den Richter drückt und ihn, da er unmöglich alle Bestimmungen, Verfügungen, Verordnungen, höchstrichterlichen Erkenntnisse und Kommentare dazu beherrschen kann, innerlich unsicher macht. Von dem Wort„Klassen- justiz", will Beradt nichts wissen. Es sei zu polemisch. In der Sache rechtfertigt er ober durchaus den Standpunkt derer, die vor Polemik nicht zurückschrecken und gibt einen niederdrückenden Ueberblick über die von deutschen Richtern gelieferten Beweis« ihrer Bor- eingenommenheit gegen Links. Beradts Ideal: Ein reformierter, vermenschlichter, modernisierter Betrieb. Und darin: Der gure Richter, dem Gerechtigkeit wichtiger ist als dos Gesetz und der sich immer dos wundervoll zynische Wort des Anotole Franee vor Augen hält:.Das Gesetz in seiner majestätischen Gleichheit verbietet es Reichen wie Armen, unter Brücken zu schlafen, auf Slroße,, zu betteln und Brot zu stehlen." Kans Bauer. •• FÜR DEN KLEINGÄRTNER. ....................................................................................................................................................................................................... Kleintierhaltung im Juli. Im Juli sollte der Kleintierhalter auf dem Geflügelhof dem Trinkwasser seine besonder« Aufmerksamkeit schenken, das jetzt unbedingt öfter erneuert werden muh. Wer will, kann ihm auch etwas Eisenvitriol zusetzen! denn es bietet immerhin gegen ge- wisse Erkrankungen«irren Schutz. Dem Ungeziefer im Hühnerstall kann man nicht energisch genug zu Leibe gehen. Es hat augenblicklich sein« beste Zeit und peinigt die Tiere sehr, deren Nutzwert infolgedessen langsam aber sicher zurückgeht. Will man di« Hühner von ihren unangenehmen Quälgeistern befreien, so streue man ihnen Insektenpulver ins Ge- fieder und stell« ihnen Staubbäder zur Verfügung. Die Sitzstangen und Kotbretter— die man zweckmäßig allmorgendlich mit Torfmull bestreut— müssen außerdem wenigstens einmal in der Woche ge- säubert werden. Enten und Gänse— jedoch keine Zuchtgänse— kann man jetzt, bevor sie zu mausern beginnen, rupsen, muß si« dann aber danach bis zum Herbst mit gutem Futter versehen. Am besten ist es, wenn man die Tiere auf die Stoppelfelder treiben kann, aber eine gute Grasweide ist ebenfalls sehr vorteilhaft, besonders für Laufenten, di« weniger Wasser zum Schwimmen brauchen. Wer klug ist, denkt übrigens schon jetzt gelegentlich an die Winternahrung seiner Tiere und sammelt zu diesem Zweck möglichst viel Brennesseln zum Trocknen ein. Das geschieht am besten des Abends, wenn ein sehr heißer Tag vorüber ist. Die Nesseln werden dann lose gebündelt und an einem lustigen Ort, wo sie vor Sonne geschützt sind, aufgehängt. Im Ziegenstall kann di« Milchnahrung den Jungtieren zu Beginn des Monats entzogen werden. Man gewöhne sie langsam an andere Nahrnngsstosse. Haupssächlich gebe man junges Grün- futter, gutes Heu und Gemüfeabfäll«. Von den KrastfuttermUteln sind besonders Leinsamen, Leinkuchenmehl und Crdnußkuchen, für Milchtiere Kokos- und Polmkernkuchen zu empfehlen. Auch gute, grobe Weizenkleie sollte wenn möglich mit verwendet werden, da sie die Entwicklung der jungen Tiere günstig beeinflußt. Wer irgendwie Wiese zur Derfllgung hat, sorge unbedingt da- für, daß die alten und jungen Ziegen an schönen Tagen au-f die Weide kommen; denn dort ernähren sie sich besser, als es bei oller Sorgfalt im Stall möglich ist. Bevor man die Tiere jedoch auf die Weide treibt, verabfolg« man ihnen im Stall noch etwas Heu, damit sie gegen etwa noch auf der Wiese vorhandenes seuchtes Gras immun find, überschwemmt gewesene Wiesen müssen die Ziegen allerding» meiden, weil si« dort beim Fressen leicht Lcberegelbrut aufnehmen können. Während di« Tier« aus der Meid« sind,- müssen die Ställe gereinigt und gut gelüstet werden. Die Reinigung erfolgt. je nachdem wieviel Tiere man hat, vierzehntäglich oder monatlich. Bei allen anderen Kleintieren sorge man ebenfalls für aus» reichend« Rewegungsmöglichkeit— Kaninchen müssen in ihren Aus- läufen Schattenstellen haben—, lüfte die Ställe gut und halte auch hier wegen des Ungeziefers auf größte Sauberkeit. Den Schweinen wird der Kleintierhalter leider nur in den seltensten Fällen«in Wasserbassin zur Verfügung stellen können, aber eine Freude kann er ihnen doch machen, wenn er eine Erd- Vertiefung schaufelt und einige Eimer Wasser hineingießt, bevor die Tiere aus ihrem Stall herausgelassen werden. Wer so oersährt, wird sich über die Entwicklung seiner Tier« nicht zu beklagen haben. G, B, Dringende Arbeit. Das Regenwetter am Schlüsse des Juni läßt— wie gewöhnlich — einen feuchten Hochsommer erwarten. Für neu« Aussaaten, die an Stelle der durch die Hitze nahezu zerstörten ollen Pflanzen treten können, wäre ein solches Wetter fördernd— freilich wird die sonst der Pfleg« und der beginnenden Ernte gewidmete Zeit nun wieder stark durch die neuen Kulturen in Anspruch genommen. Salate und Radiese, zwar keine Lebensnotwendigkeiten, aber s.hr angenehme und gesundheitfördernde Zugaben zum täglichen Brot, können bei genügender Feuchtigkeit auch im Hochsommer gezogen werden— Kohlrabi ist durch späte Sorten glänzeist» vertreten, ab r auch Erbsen und selbst Bohnen können mit sicherer Aussicht aus Erfolg noch dem Boden anvertraut werden. Und man kann auch die schmackhaften Karotten des Frühjahrs im Herbst haben, wenn man zur Aussaat di« Sorten nimmt, die gewöhnlich sür Treibtullur und erste Aussaat verwendet werden, z. B. Pariser kurze eirunde aller- früheste Markt. Die noch nicht allgemein bekannten Speiserübcn sollte man jedenfalls einmal versuchen— die Aussaat erfolgt auch in normalen Iahren immer erst Mitte Juli bis Anfang August. Man sät auf abgeernteten Feldern breitwürfig(ver- ziehen, sosern an einzelnen Stellen notwendig), und bei Trockenheit ist Feuchchalten notwendig. Ueberall, wo die Erdbeeren stark gelitten haben, suche man durch Neuanlage im August Er- satz zu schassen. Bei Verwendung von gut bewurzelten Jungpslan-en aus nahrhaftem Boden und aufmerksamer Winter- und Frühjahrs« pflege kann man schon im ersten Jahre auf einen schönen Ertrag rechnen.?. E>. Der dicke Spargel. Wer in der Spargelzeit die Spargeloerkaussstände mustert, wird fast immer finden, daß der dünne und mittelstarke Spargel die Masse der starken Ware überwiegt. Der Gedanke, daß eine Zeit kommen könnte, in der es nur starken Spargel gäbe, dürfte den meisten Menschen unfaßbar sein. Man sieht wohl ein, daß es der Hausfrau die Arbeit des Spargelschälens ungemein erleichtern müßte, wenn si« statt 20 dünne Stangen nur etwa 7 Stangen auf das Pfund bekäme. Aber hört man da nicht die Stimme des Pessi- misten, welche raunt, so dicker Spargel muß„holzig" sein— der kocht sich nicht weich! Ein Irrtum, der sich nur dadurch erklären läßt, daß der Betreffende noch nicht Gelegenheit gehabt hat, den jetzt bereits zur Tatsache gewordenen„dicken" Spargel zu kosten. Heber die Spargelsorten zerbrechen sich die Tpargelgelehrten nach die Köpfe, Die Bezeichnung Braunschwciger Spargel ist wohl ein Sammelname sür die verschiedenen Abkömmlinge von Urformen. Daneben gibt es freilich noch einen Spargel von Argenteuil und die deutsche Kultur dieser Sorte wird unter dem Namen„E o n o- vers Colofsal(Fr. v. Argenteuil) angeboten. Stangen, van denen je S bis 8 Stück ein Pfund wiegen, machen drei Viertel der Gcsamternt« dieser Sorte aus. Zur Zeit sind wohl hauptsächlich Hotelgäste di« Verzehrer dieser Leckerbissen, ober wenn man er- fährt, daß deutsche Spargelbauer bis zu 120 000 Pflanzen bezogen haben, so wird der Rlesetispargel wohl bald wetteren Äreisen.zugänglich werden. Zur Zell steht der Preis für 100 einjährige Pflanzen mtt 4 M. auf nicht ganz das Doppelt« de» Preises der guten„Brounschweiger"(2,50 Mark). Da auch der Kleingärtner in steigendem Maße sich eine kleine Spargelanlage schafft, so würde e» wohl ratsam sein, trog des höheren Preises zum gegenwärtig Besten zu greisen. L. Q. -ARBEiTEH 7USSEALL Immer noch Sericnspielc! Während ander« Bezirk« längst mit ihnen Serienspiclen fertig fii»b, ist der 1. Bezirk noch nicht fertig. So stehen sich am kmnmcn- den Sonntag auf dem Sportplatz Normannenstraße in Lichtenberg U n i o n- Tempclhof urö» Lichtenberg II gegeniAbcr.— In Storkow treffen sich der dortige Frrßballverein„Wrcker" und Wildau Schöneberg erhält den Besuch von Treuenbrietzen. Börsenfpiele: Sonnabend, 18,4.? Uhr: Lichtenberg I gegen choppegortcn in der 5lynaststraße, om Bahnhof Stralou-Rummele- bürg. Vorher Lichtenberg I? gegen Weißensce 2.— Sonntag: Britz 88 gegen Strausberg. Karow gegen Weißense«. Caputh gegen Butab. Werder 77 gegen Brandenburg tchavcl>. Ieferich gegen Fohrdc.— Zweite Mannschaften: Wilmersdorf gegen Nowawcs. Britz 88 gegen Klausdorf 1. Trebbin gegen Drewitz 1. Werder 77 gegen Brandenburg. Jeserich gegen Fohrde. Lichten- derg II gegen Union-Tempelhof. Storkow gegen Eichc-Köpenick. Deutfch-Wusterhausen 1 gegen Li6)t«nb«rg I. Oberspree gegen Caputh 1.— Jugendmannschasten: Wilmersdors gegen Lichtenberg 1. Werder gegen Saronia. Beginn der Spiele: erste Männermanirschasten 16,30 Uhr; zweite Männermannschaften 14,45 Uhr; Jugendmannschasten 11 Uhr. Kleine Fuljballnachrichten. Der Fußballbezirk der FTGB. Lichtenberg II beabsichtigt in Kürz« auch eine Jugendabteilung ins Leben zu rufen. Meldungen Freitags ab 19 Uhr bei Schade, Normannen-, Ecke Ruschestraße. * Sparta-Nauen, Brieselang und Trebbin suchen zum 6. Juli noch Spiel« auf eigenem Platz. Anfragen bei Scheller, Frauenhofer 1682. * Die Spiel- und Sportvereinigung Oberspr«e sucht für den Monat Juli Spiele auf eigenem oder Gegners Platz. Anfragen an Kurt Laue, Berlin-Baumschulenweg, Baumschulen- tiroße 94, oder Oberspree 3947(Bengsch), oder Freitags ab 20 Uhr Oberfpre« 0376(Pomp). va»„Quer durch Neukölln" der Arbeüerschwimmcr Am kommenden Sonntag veranstalten die„Freien Schwimmer Groß- Berlin", Gruppe Neukölln, noch dreijähriger Ruhepause wieder ein Langstreckenschwimmen„Quer durch Neukölln", an dem olle dem Berein angeschlossenen Gruppen teilnehmen. Der Melde- fchluß ergab, daß sich 200 Schwimmer dem Starter zur Verfügung stellen werden, so daß die Bevölkerung Neuköllns bestimmt als Zu- chauer auf ihre Kosten kommt. Der Start ist morgens 9 Uhr Lohmühlenbrücke: es werden folgende Brücken passiert: Wildenbruch- brücke, Elsenbrücke, Treptower Brücke, Teupitzer Brücke, Eisenbahn- brücke bis Kaiser-Friedrich-Brücke. Aus der Strecke wird von den Männern Pariser vor A. Frohn sicher das Rennen für sich buchen können. Bon den Frauen wird Lotte Frohn voraussichtlich den 1. Platz belegen. In den Jugend- klasien läßt sich vorher niemand als Sieger feststellen, da dies« beiden Klassen erbittert um den 1. Platz kämpfen werden. Die Kinder sind ebenfalls stark vertreten, sie dürften der Jugend nicht viel nachstehen.- Die Stafetten, für olle Klassen ausgeschrieben, weisen stärkste Be- setzung aus. Auch hier dürften interessant« Kämpse zu erwarten sein. Am Ziel werden die Springer mit einem Brücken-Schauspringen aufwarten, das von den Zuschauern stets begeistert aufgenommen wird- Dem Schauspringen folgen die sür die badende Bevölkerung sehr notwendigen Rettungsoorführungen des Arbeiter-Wasserrettungs- dienftes. Als Abschluß werden Wasserballspiele gezeigt. �hend-Itennen Sieher und Amateure Freitagabend bei Ruh Die Abendrennen auf der Rütt-Arena am Freitag haben in allen Wettbewerben«ine gleichmäßig gut« Besetzung aus. zuweisen. Die Rütt-Arena hat ein vielseitiges Programm zusammen- gestellt, das wohl seinen Höhepunkt in dem„Großen Befreiungspreis der Rheinlande" finden dürfte. Dieses Dauerrennen, das in drei Läufen über 20, 20 und 30 Kilometer entschieden wird, vereinigt fünf Fahrer am Start, die all« als Spezialisten der Holzbahn bezeichnet werden können. Jnerster Linie interessiert natürlich das Wiedererscheinender beiden französischen Fahrer Lacquehay und Urago.der beiden neuen Stern«. Ihre Fahrweise beim Goldenen Rad begeistert« so, daß die Rütt-Arena sofort die beiden Franzosen für ihr« Rennen verpflichtete. da man erwarten konnte, daß sie auf einer Holzbahn dies« Leistung noch überbieten würden. Als gefährlichsten Gegner für sie darf man nach Gesamtsorm wohl den Italiener Z u ch e t t i bezeichnen, der erst erst in diesem Jahre wieder in Europa Dauerrennen bestreitet und sich im vergangenen Jahre bei den Kämpfen um die amerikanisch« Mcisterschast gegen die besten Fahrer behaupten konnte. Di« beiden deutschen Teilnehmer stehen vor einer ungemein schweren Aufgab«, die ob«r bei genauester Betrachtung nicht als unlösbar zu bezeichnen ist. Der Berliner Fritz Bauer ist zur Zeit in der Form seines Lebens und hat das„Kleine Goldene Rad' in so überlegener Manier gewonnen, daß man ihn getrost wieder zur Ertroklalse rechnen kann. Bauer, der auch diesmal wieder hinter Meichsner an den Start gehen wird, dürste wiederum seine zahlreichen Anhänger nicht ent- täuschen. Der Hannoveraner W i ß b r ö ck�e r wurde ebenfalls für die Dau«rrennen«ngagiert. Sein« gute Fahrroeise bei den letzten Steherrennen auf der Rütt-Arena ist noch in aller Erinnerung, und wenn er diese Leistung wiederholen kann, ist er durchaus nicht choneenlos. Di« zweite Hauptnummer des Programms wird von einem O m n i u m gebildet, das diesmal aus vier Wettbewerben zu- scmmengesetzt ist. Neben den üblichen Fliegerlauf, Punktefahren und Verfolgungsrennen bestreiten die Omniumfahrer zum erstenmal e.n lOOO.Meter-Zeitfahren. Miethe-Buschenhagen, die von Lehmann- Wisiell zu diesem Kampf herausgefordert wurden, hoben sich sehr ernsthaft auf diese Bewegung vorbereitet, da sie natürlich versuchen wollen, ihren guten Ruf weiter zu festigen. Außerdem finden zwei Amateurrennen statt. Die„Gro�e Grünauer" Regatta der Arbeiter-Ruderer und-Paddler Die Ruder- und K a» u v c r e i n e des 1. Kreises im Arbeiter- Turn- und Sportbund veranstalten am kommenden Sonnabend und Sonntag ihre diesjährig« Ruder- und K a n u- R e ga t t a. Die Veranstaltung, die wie alljährlich vor den Tribünen des Berliner Regattavercins in Grünau stattfindet, ist äußerst stark besetz!. Außer den 13 Ruder-, Kanu- und Faltboot-Rcnnen wird die Regatta durch eine Massen auffahrt in Achtern und Bieren! durch Rudcrinncn eingeleitet. Ein 48er Schwimmreigen der Frauen wird weiter von der Aktivität des weiblichen Geschlechts im Sport zeigen. Das gleiche gilt vom S t i l r u d e r n im Doppel- vierer und Stil päd dein im Kanuviercr der Frauen. Auch Rettun gsoorführ un gen sind in das Programm aufge- Nammen. Regen Anteil nehmen auch die auslvartigen Vereine. Außer den Berliner Vereinen RB. Borwärts, RB. Collegia, RB. Butab, Freie Ruderervereinignng 1913, RnKB. 1924, den Ruder- und Kanubezirken der FTGB., Freie Kanu-Union, KV. Schwcifsterne, WV. Aufwärts, Kanuableilung der Freien Schwimmer Charlottenburg, Freie Wassersahrer Cöpenick, den Einzeifohrern des 1. Kreises und den Freien Faltbooisahrern Berlin, sind beteiligt Freie Wasserfahrer Brandenburg, FKB. Cottbus, Verein Fortschritt Dresden- Laubegast, Dort- m u n d. Ho f i. B., RB. Vorwärts Leipzig, WV. R a t h en o w. RV. Borwärts Stettin und RV. Saxonia Würzen; im ganzen 24 Vereine. Der Riemenvierer für Junioren wird in zwei Läusen gestartet. Durch seine gute Besetzung—«s starten die Ber- liner Collegia, Vorwärts, Butab, 1913, außerdem Leipzig, Stellin, Brandenburg And Dortmund, einige Vereine mit mehreren Mann- schaften— wird dieses Rennen eines der interessantesten. Ebenso der Riemenvierer für Anfänger, besetzt von Leipzig, Brandenburg, und die Berliner Vorwärts, Collegia, 1913, FTGB. — Der Doppclzweier mit Steuermann bleibt Sache der Berliner Vereine Vorwärts, Butab, FTGB., 1913 und 1924. Im Doppelvierer für Junioren starten fünf Mann- schaften von Borwärts-Stettin, FTGB. und Vorwärts-Derlin. Einen äußerst scharfen Kamps werden sich die alten Rivalen im Senioren-Riemenoierer liesern; es tressen sich hier Vorwärts-Berlin, Collegia-Charlottenburg, Fortschritt-Laubegast und Saxonia-Wurzen.— Der Doppelvierer für Senioren ist leider schwach besetzt und machen Vorwärts und FTGB. dies«« Rennen unter sich aus. Der Junioren- sowie der Senioren» achter sind beide von den Vereinen Dorwärts-Leipzig, Collegia- Chorlottenburg und Vorwärts-Berlin gemeldet. In beiden Rennen haben die drei Vereine ihr bestes eingesetzt; sie versprechen einen Bord-an-Bord-Kampf. Di« Jugend tritt auf den Plan mit einem Iugend-Etilrudern im Riemenvierer. Es ist, wie dos Frauen-Stilfghrcn nur von Berliner Verein«» besetzt. Von den Kanurennen ist der D o p p e l k a j a k f ü r I u n i o r e n am stärksten besetzt, 14 Mannschaften stellen sich dem Starter, zehn Vereine, Brandenburg, Rathenow, Cöpenick, Union, Auswärts, FTGB., 1924, Schweifsterne, Frei« Schwimmer und Einzelfahrer lverden ihre Kräfte messen. Der Biererkajat für Junioren wird von Schweiffterne, Union, Fr. Schw., FTGB.»nd Brandenburg umkämpft. Der Einer-Rennkaiak findet Hof i. B., Bran- denburg, FTGB. und Fr. Schw. am Start. Der Clou der Kanu« sahrer bildet das Viererkajak-Rennen für Senioren. Fortschritt-Laubegast, Union, Schweissterne, Cöpenick und FTGB. ringen hier um den Sieg. Die Faltbootfahrer starten in zwei Rennen. Das Einerkajak-Fattbootrennen wird von sechs Mannschaften bestritten. Eine sehr gute Besetzung weist auch das Doppelkajak-Rennen auf. Elf Mannschaften der FFB„ FTGB., Fr. Schw., Union, Brandenburg, Cottbus werden das Rennen begleichen. Die Regatta kann jedem zum Besuch empfohlen werden. Die B o r r e n n«n der Ruderer finden Sonnabend, S. Juli, um 18 Uhr, di« der Kanu, und Faltbootfahrer am Sonntag um 9 Uhr, die Haupt regatta am Sonntag um 13 Uhr staft. Die Eintrittspreise sind volkstümlich gehalten und betragen für beide Tage 30 Pf. bis 2 M. Karten an den Kassen. Boxkämpfe am ssreikag. Zu den om Freitag, 4. Juli in der Bockbrauerei veranstalteten B o x k a m p s a b e n d steht nun- mehr das Programm wie folgt fest: Pauike-Bremen gegen Thkiene- Hannover, Buchbaum-Köln gegen Riege-Berlin, Trolftnann-Hanno- ver gegen Vogel-Beriin, Reuiel-Beftin gegen Rokin-Beigien, Kosko- Gleiwig gegen Guillaume-Belgien. Lustiges Trio im Rhönrad So eine Gesellschaft Kommunistische I-G. inburgerlichcm Sporlvcrband Nachdem auch der Arbeitcr-Rad- und Kraftfahrcrbund Soli- d a r i t ä t sich gezwungen sah, jpie Ortsgruppen, die sich den Be fchlüssen der Zentralkommission ssur Arbeiiersport und Körperpflege nicht sögen wollten, au? dem BunVVüszuschliesten, war diesen Orts- gruppcn unter anderem mich die MMichkeit genommen, Zuoer- läffigkeitsfahrten zur Durchftihrung zu bringen. Di« Ge- nehnngung hierzu wird ja nur denjenigen Radsportvsrbänden erteilt, die der obersten Behörde für Verkehr und Sport angeschlossen sind. Die komiminiftische Interessengemeinschaft zur Wiederherstellung der Einheit im Arbeitersport, Sparte der Rad- und Kraftfahrer, hotte um Aufnahme nariigcsucht, die Sporibe Hörde lehnte aber ab. Was geschah mm? Wie wir erfahren, hat sich die Sparte der Rod- und Kraftfahrer der JE. unter die Fittiche de» bürgerlichen Bundc-i Deutscher Radfahrer begeben. Nach Erkundigungen, di« man dort eingezogen hat, beruht es aus Wahrheit! Also die revolutionären Radfahrer aus der Landsberger Straße, die nicht genug über den Verrat und die Verbürgerlichung des Ar- beitersports schimpfen können, haben sich den Statuten des Bundes Deutscher Radfahrer unterworfen. Das find die Louto, die die Tradition des Arbeitersports hochhalten wollen. Ob man ihre Mit- glieder'chon von dieser Sache unterrichtet hat, bezweifeln wir sehr. tiegen die Einheit Das gut unterrichtete Organ der KPD,-Opposition„Gegen den Strom" berichtet über das Ergebnis der Reichstagung des tommuniftifchen Sportverbandes: „Der Reichskongreß der„Jnteresjengcm:inschait zur Wieder- Herstellung der Einheit im Arbeitersport"(JG.) hat in Erfurt ein ganzes Bündel von Beschlüssen gefaßt. Bor allem wurde der Name geändert, in„Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit". Die Fortsetzung der ultralinken Politik der derzeitigen Parteiführung kommt in der Firmenänderung der JG. deutlich zum Ausdruck. Es wird verzichtet auf einen wesentlichen Prozrammleil der„Wieder- Herstellung der Einheit im Arbeitersport". Aufgaben und Ziel werden im neuen Firmcntitel beschränkt aus„rot? Sporte'nhcit". Damit wird bestätigt, was wir wiederholt der JG. zum Vorwurf gemacht haben, daß ihre Politik unter einer falschen Flagge segelt, daß d'e Praxis nicht ihrem Namen entsprach, sondert! aus die Schaffung eines eigenen selbständigen Sport- vcrbandeshinausläust. Der ultrolinke Kurs zwang jetzt die IG.-Fllhning. diesen Widerspruch zu beseitigen; indem sie den Verbandsnamen in llebereinftimmung zu ihrer Politik zu bringen versucht, di« statt einer Klassensportbewegung eine Partelsport- bewegung anstrebt." Die KPD.-Opposition bestätigt also, was wir von jeher über die JG. schrieben. WerMniMt Die nächsten Wochencndtahrtcn Die Wochenendfahrten des Touristenoereins„Die Naturfreunde" beginnen mit einer Spreewaldfahrt am S. und 6. Juli. Der Fahrtverlauf ist kurz folgender: Mit der Bahn bis Rahdufch und anschließend Kahnfahrt durch die Radduscher Kaupen zum Erlkönig. Sonntag früh nach Burg zum Kirchgang der Wendinnen, dann nach der Mittagspause sechsstündige Kahnfahrt durch den Hochwald über Forsthaus Eiche, Kaimowmühle, Schützen- Haus, Wodfchowka und Lehde nach Lübbenau. Teilnehmerkarten zum Preise von 12.2? M.(Eisenbahnfahrt, Kahniahrten, Bettenlogis und erstes Frühstück). Die zweite Fahrt führt nach Fürstenbcrg, Wovligkanal und Lychen. Die Teilnehmer fahren zunächst nach Fürstenberg(Mecklen- bürg) und kommen noch kurzem Rundgang durch di« Stadt zur Dampferanlegestelle. Dampferfahrt durch die Siggelhavel über den Stolpje«. vorbei an Himmelpfont mit alter Klosterruine und weiter durch den herrlichen Woblitzkanal und großen Lychensee nach Lychen. Teilnehmerkarten zum Preise von 6,30 M. inkl. Eisenbohnfahrten und Dampserfahrteii. Karten sür beide Fahrten in der Geschäfts- stelle des Touristenvereins„Die Naturfreunde", Berlin N. 24, Iohannisstr. 1?; bei Schmidt. W. 50, Rankestr. SO; Walter, Berlin- Neukölln. Siegfrtedstr. 53;„Vorwärts'-Spedition, Treptow, Grätz- stnoße 50; Sinn, N. 20, Stettiner Sir. 30; Thomas. R. 65, Luxemburger Str. 1. Gäste herzlichst willkommen. Die Einweihung de» Muhlheidestadion» findet nicht, wie gestern irrtümlich berichtet, am lommenden Sonnabend, sondern am Sonn- abend, den 12. Juli, um 17 Uhr, statt. Ausschreibung stehe im„Abend" vom I.Juli.___ «tMitfrSU»- un»«(«FtMctt-Snik.Selikatittt'. Teuren der Radfahrer Sonnadcnd. 5. und Connta«. 5. Juli: 1.«dt.: Pützer Lordcrsee 5 Uhrs Ran«». dort 13 Uhr. Start:»itlowftr. 55.- 1.«dt.: Uedersee. 5 Uhr. S:ott; Dieffcn. dachstr. 86.— I.««.:»lein-ttöri», tzonlanehaus, J Uhr. Statt; Mariannrn. platz(Feuertoehrdentmal).— 8.«dt.: Rahmerse«, 8 Uhr. Start: ttoi>«»ha«ruer Straße 17. 8.«dt.: grtzin an der Havel, 18 und 8 Uhr. S'ort: Tritiftr, 85. —«bteilua« R»at»lla: Stienitzfce. 5 Uhr. Start: Hohrnzsllernplatz.-«»- tettna, rr»»t«».«a»i»ich»>eaw««: Irofsinsee, 8 Uhr. Start: Bahnhof Baum- schulenwe«.—«ttrilua« Weiheute«. Heiner» darf: Earinsee, 8 Uhr. S'art: «ntanptatz.—«dteilnua«»iniSendorf: Stolzenhagener See. 6 Uhr. Start: Prvvinzstr. 1«,—«dt»,!»»« Od»«Ich»--»>»id«: Mi» der«inladun« der Oppo- sition»ur«ersanunlun« heute, ronneroiag, habe»«!t nicht» zu iun. untere Perfamwlung findet morgen, gteiiag, bei Emmerich, statt. 18.«ft<«l»(ar»<8. Die«ortellfitzung wird r»m 7. Juli auf den 14. Juli verlegt Alle Sartellverein« rechnen die Sintritt-tarten zum R oft ab. Matsertdartabteil»«« de» Sp»-t»el»i»» Raadit. M tgtiederversammlung lsreitog, 4. Zuli, 20 Uhr, bei»rill. Biitenstz. 5«, «artell IS-«rdetterfport»ad»8rp»rpsl-«»,»«,>»»«eißenfe«. Rion'ag, 7. Juli, 20 Uhr, Sitzung bei Prtcr», Lichtendergrr Straße fttartelldelegierte und Dereinstcchniker), lonriftranerri»-Die Ratuofrenndc". Zreitog, 4. Juli.?«:!><-» abteilunq: 20 Uhr Jugendheim»ritzer Str. 37.(OefilXifttiifie».—«idost: 21 Uhr»ritzer Straße 37. Besuch der Ausstellung im kesundy-ilshaei» ani Urban. Treffen IS'4 Uhr.— Sharlatirnburg: tsr, Uhr Jugendheim Spreeftr. 3«. Geschalt. liche». Bericht der LiedetprUfung-Iommiskiou und Diskussion.— Britz: Jugend» heim Shansseestr. 48 sRaihou,). KeschtiltUche».— Strpt,»:!#'•; Uhr Slsrn- straße 8o» 17 di, 18 Uhr in der Iohannisstr. 15.— s»an. abend, i-, Sonata«, 8. Juli. Kambold-baia: I. Herlsprung. Paarsteiner See sssithrer: Wede». 2. Mithlenbecker See tJiihrer: Sleudlt).—«eeo, lauer Berg; 8. Juli Mittelsee. Steffen 6 Uhr Aleronterplatz.— Zfriadrichahaia: 8. Juli Hangellberg. Brllskederg.«hsohrt 6 Uhr SchlefUcher Bahnhai sslllhrrr: Lau).— Z>,g»adg«Upp« Stidast: 6. Juli ttSnigswusterhause». Uklßisee. Tressen 6� Uhr Warschauer Straße sg"i>hrer Raaei).— 8d«rl,tt»ni,urg: 6, Ju'i Zossen. Gallinchen issilhrer Stich».— Sichtenradr! 5. Juli Mrißuerahok.— Reutill»: Irden Sonntag Heidesee. außerdem am 5. Juli Dedmsee de! Berken. drttek.—add«trikd im gelttaaer am«tegfsinfe». aabrt mit Linie 88 di« Schmttchwitz und dann Shaustee nach Bernndors, ht««'i-meterftein 2. Di« Srbffnuna der ltinderadieilun» eriolgt nach den großen Serien. Son». abend 26. Juli beteiligen stch alle«slersriegenmilgliedee am Schwimm- und Badeabend im BootRiau»„Vorwärts". Tllr die?ohri der Äitersriegen am n. sah KU Allgust gnd noch Karten de» den Kassierern erhältlich. SNi« 7 M. �(Befchäfts-Jtnjefger (Bezirk Jlorden-Cften. IRestaoranl zur Post Otto Troge Ii 113, Born&olnier Sir. S | Jeden Sonnabend und Sonntag Unterhaltungsmusik I Vereins? immer» Franz. 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