Mr. 83. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret tu's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit tllustr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DefterreichUngarn 2 M., für das übrige Ausland s Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Poft Beitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7877. Vorwärts 13. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzetle oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508 Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Parteigenossen! Nur noch wenige Wochen trennen uns von dem Arbeiter- Welkfeiertag. vorzubereiten. 1 Es gilt, ungesäumt alle Kräfte anzuspannen, da, wo organisirte Genoſſen vorhanden sind, eine würdige Feier des Weltfeiertags Die Genossen der größeren Parteiorte sind zwar schon in vollem Eifer an der Arbeit, eine würdige Feier des Maifestes zu veranstalten, doch auch von den kleineren Orten darf nicht einer zurückbleiben, in einer durch die Verhältnisse gebotenen Form sich an der Maidemonstration zu betheiligen. Ueber die Bedeutung und Form der Feier wurde auf dem Breslauer Parteitag folgende Resolution gefaßt: " In Uebereinstimmung mit den Beschlüssen der internationalen Arbeiterkongreffe zu Paris 1889, Brüssel 1891 und Zürich 1893 feiert die deutsche Sozialdemokratie den 1. Mai als das Weltfest der Arbeit, gewidmet den Klassenforderungen des Proletariats, der Verbrüderung und dem Weltfrieden. Als würdigste Feier des 1. Mai betrachtet die Partei die allgemeine Arbeitsruhe. Daher empfiehlt der Parteitag den jenigen Arbeitern und Arbeiterorganisationen, die ohne Schädigung der Arbeiterintereffen den 1. Mai neben den anderen gung der Arbeiterinteressen den 1. Mai neben den anderen Kundgebungen auch durch Arbeitsruhe feiern können, ArbeitsDonnerstag, den 9. April 1896. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Die Wandlungen 1871/74 1875/79 1880/84 1885/89 1890/92 1893/94 Landschaft Ohne Handel und Verkehr Freie Berufe Berufs angabe Beruf oder 10,21 1,18 25,48 15,17 1,89 21,84 34,55 8,50 1,01 24,44 30,05 14,59 1,12 32,42 wanderung in den Vereinigten Staaten seit 1880 ebenfalls start gestiegen ist- sie beträgt rund eine halbe Million im Jahr, wovon Deutschland allein durchschnittlich 100 000 der europäischen Auswanderung. liefert so müssen offenbar, weil der Getreidebau nicht Die europäische Auswanderung erzeugte die amerikanische mehr in der gleichen Weise wie früher sich ausgedehnt hat, Getreidekonkurrenz. Der mecklenburgische Häusler, vom die Einwanderer sich in größeren Massen anderen Bes der Landwirths Hofe verjagt, gehetzt und geschunden, der oft- und west- schäftigungen, außer preußische, der pommersche, der posensche Tagelöhner, vom ich a ft, zugewendet haben. So geschah es denn auch. Gutsbesitzer brutal ausgepreßt, der süddeutsche Kleinbauer, Nach der Hamburgischen Statistik war die Berufsdes heimischen Sauerkraut und Rüben überdrüssig geworden, gliederung der über Hamburg Ausgewanderten schüttelten den Staub des Vaterlandes von ihren Pantoffeln folgender Art( prozentuale Zusammensetzung): ab und schifften sich mit Weib Weib und Back nach Amerika ein. Da aber der Bauer da drüben, über dem großen Wasser, nicht mehr die patriotische Pflicht hatte, die staatserhaltende Klaffe der Junker mittels Champagner und Perioden wirth- Industrie Arbeiter Trüffeln zu ernähren, so wurde er rasch in den Stand gesetzt, nicht nur sich selbst zu ernähren, sondern einen beträchtlichen Ueberschuß seiner Getreideproduktion nach 33,79 13,55 15,79 Europa zu schicken. Jeder nach Amerika aus= 30,17 15,09 15,84 gewanderte Bauer schickte so und soviel Säcke 16,59 14,91 billigen Getreides seinem geliebten Vaterlande zu. So 9,26 12,56 8,35 11,52 33,72 12,29 1,05 wurden es ganze Schiffsladungen. Und so entstand jene 33,07 9,02 12,87 23,81 14,32 2:39 88,09 nordamerikanische Getreidefluth, die alle Zollschranken übersteigt. Man sieht, der Prozentsat unser Landwirthschaft ist In dieser Wechselwirkung zwischen europäischer und tanischer Getreidekonturrenz ist aber in den besonders deutscher Auswanderung und nordameri- regelmäßig und seit 1880 sehr stark zurückgegangen. Speziell die deutsche Auswanderung weist folgende letzten Jahren eine wichtige Wandlung eingetreten. Prozentsätze auf: ruhe eintreten zu lassen." Wir beginnen mit der bekannten Thatsache, daß die Parteigenoffen! Die gegenwärtige, aufsteigende Konjunktur Weizenfläche der Vereinigten Staaten sich seit Jahren ist für die allgemeinere Durchführung der Arbeitsruhe als der nicht mehr ausdehnt, sondern vielmehr zurückgeht. Die Perioden wirth- Industrie Arbeiter und würdigsten Form der Feier des 1. Mai eine günstige. überseeische Getreidekonkurrenz ist damit freilich noch nicht schaft Wir wissen, daß da, wo es angeht, die Genossen diese Gelegen- aus der Welt geschafft, denn an stelle der Vereinigten andere Länder, so besonders heit ausnügen werden, ohne in den Fehler der Uebereilung und Staaten treten eben Argentinien. Die Auswanderung nach diesem Lande 1871/74 Unbesonnenheit zu verfallen. und überhaupt nach Südamerika ist auch thatsächlich 1875/79 in neuerer Zeit start gestiegen. Diese Auswanderung rührt aber vorzüglich von den romanischen Ländern her. Das Hauptkontingent bilden die Italiener. Die italienische Auswanderung stieg rapid seit den achtziger Jahren. Sie betrug bis 1879 rund 20 000 per Jahr, da- Auch hier das gleiche Ergebniß die Landwirthschaft gegen in jenem Jahr 40 824, im Jahre 1884 bereits tritt den anderen Berufen gegenüber immer mehr zurück. 58 049, im Jahre 1887 wird das erste Hunderttausend mit Sie wird zum Schluß des beobachteten Zeitraums gänzlich 127 748 überftiegen, das folgende Jahr bringt sogar die in den Hintergrund geschoben. toloffale Summe von 195 993, dann erfolgt ein Sinten auf Einiges Bedenken könnten die Zahlen in der letzten wenigstens bis zum Jahre 1893, in welch letzterem Jahre sie Rubrik wird zum weitaus größten Theil gebildet durch 113 093, aber unter 100 000 finkt die Auswanderung, Rubrik" Ohne Beruf oder Angabe" erregen. Allein diese 124 312 beträgt, nicht mehr. Der größte Theil ging nach Süd- minderjährige Kinder und sonstige berufslose Angehörige amerika, besonders nach Brasilien und Argentinien. Dieselbe der Auswanderer, außerdem durch Dienstboten, die sich erRichtung nehmen die spanische und portugiesische Ausfahrungsgemäß meistens als beruflos bezeichnen. Die Zahl wanderung ein. Für die übrige europäische und besonders derjenigen, welche ihren Beruf verschwiegen haben, ist sehr für die deutsche Auswanderung bleiben noch immer die gering und deshalb ohne Einfluß auf die allgemeine berufVereinigten Staaten das Hauptziel. Da aber die Ein- liche Zusammensetzung. fäufer, Parteigenoffen! Der Moment muß ausgenügt werden, die Barteigenossen! Der Moment muß ausgenügt werden, die Kunde von der Jdee der Maifeier bis in die entlegenfte Arbeiter hütte zu tragen. Für die Förderung der Agitation der dem Weltfeiertage zu grunde liegenden Ideen ist die im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW., Beuthstr. 2 erscheinende Maifeft- Beitung ein vorzügliches Agitationsmittel. stehende Adresse aufgeben. Die Bestellungen wollen die Genoffen rechtzeitig an vor Die Bestellungen wollen die Genossen rechtzeitig an vor. Parteigenoffen! Nun alle Mann Hand ans Werk, damit die Feier eine würdige und allgemeine werde! 6) Hoch die Sozialdemokratie, die Vertreterin der Arbeiterklasse! Hamburg, den 7. April 1896. Der geschäftsführende Ausschuß. LandHandel Verkehr Freie Berufe Berufsangabe Dhne Beruf oder 1880/84 1885/89 1890/92 1893/94 34,34 14,59 18,19 5,60 0,89 26,39 24,70 17,20 18,49 12,41 1,70 25,50 20,31 18,01 30,46 5,86 1,04 24,32 15,95 15,69 26,81 8,23 1,46 31,86 14,08 15,83 27,39 9,00 1,72 31,98 11,84 16,31 20,77 12,80 2,70 85,58 während er auf demselben Brett hockt, Bauten seiner Vorbesitzer bedeckt ist. Es sei überall das Mach Kairuan.( Nachbr. verboten.) die einzelnen Stücke mit den Fingern abbröckelt. aufgerafft, was ihm das Schönste schien, und hat aus diesen Von Guy de Maupassant. Frei übersetzt von H. V. Da sind Gemüse, Gewürze und Pasten und in den abgebrochenen Stücken zerstörter Städte seinem Gott eine Den 15. Dezember. langen, gewundenen Bazars, Suts genannt, Stoffe, Teppiche, Wohnung errichtet und damit ein Bauwerk, ebenso vollDer Tag war noch nicht angebrochen, als einer meiner verziertes Sattelgeschirr, Gold- und Silberstickereien und tommen in seiner Art, als die reinsten Entwürfe der größten Gefährten mich weckte. Wir hatten beschlossen, ein maurisches eine große Menge Schuster, die Schlappschuhe von gelbem Baumeister. Bad zu nehmen; gleich früh, ehe wir die Stadt besuchten. Leder anfertigen. Bis zur französischen Otkupation durften Vor uns erscheint ein unbegrenzter Tempel, der wie ein Man verkehrte schon in den Straßen, denn die Morgen- Juden sich in dieser unzugänglichen Stadt nicht nieder heiliger Wald aussieht; dann hundertvierundzwanzig Säulen länder stehen vor Sonnenaufgang auf, über den Häusern lassen. Heut treiben sie dort Handel. Sie haben schon von Onyx, Porphyr und Marmor tragen die Gewölbe von bemerkten wir einen schönen, reinen und hellen einige Häuser erworben, auf die sie Geld geliehen hatten, siebzehn Schiffen, die den siebzehn Thüren entsprechen. Der Himmel, der viel Hize und Licht versprach. Wir und deren Besizer sie durch Verlängerung und Vermehrung Blick stutt und verliert sich in diesen tiefen Wirren von tameu durch verschiedene Gäßchen, am Brunnen der Schuld geworden sind, wobei sie mit großet Geschicklich schlanken Säulen makelloser Eleganz aller Nüanzen, die sich vorbei, wo ein Kameel ununterbrochen in der Gangbahn teit verfahren. mischen, miteinander harmoniren und deren byzantinische geht, um das Wasser zu heben. Endlich tritt man in ein Wir gehen nach der Moschee Djamar- Kebir und Kapitäle von der seltenen Arbeit und der unendlichen Dunkles Haus mit dicen Mauern, in dem man zuerst nichts von Sidi- Dkba, deren hohe Minarets die Stadt und die Mannigfaltigkeit der morgenländischen Schule sind. Einige sieht, dessen warme, feuchte Atmosphäre einem aber gleich Wüste, die sie von der Welt scheidet, beherrschen. Wir erblicken sind von vollendeter Schönheit, so ein vom Winde gedrehter beim Eintritt auffällt. Dann bemerkten wir Araber, die sie plöglich beim Ummenden in eine Straße. Es ist ein Palmenstamm. In dem Maße, als man in dieser auf Matten schlummerten und der Eigenthümer der An- ungeheures, durch hohe Strebepfeiler gehaltenes Gebäude, eine Gotteswohnung vorschreitet, scheinen alle Säulen ihren stalt führte uns, nachdem er uns hatte entkleiden laffen, in gewaltige, imponirende weiße Masse von unerklärlicher Standpunkt zu ändern und verschiedene Figuren von die Schwitstube, einer Art schwarzen gewölbten Loche, wo Schönheit und Wildheit. Man betritt zuerst einen präch- wechselnder Regelmäßigkeit bilden. In unseren der anbrechende Tag durch ein schmales Glas in der Decke tigen Hof von einem doppelten Kreuzgang umschlossen, den gothischen Kathedralen wird der Effekt durch die bes hereinfiel, und dessen Boden mit schlüpfrigem Waffer be- zwei Reihen eleganter römischer Säulen tragen. Man absichtigte Unverhältnißmäßigkeit der Höhe zur Breite erzielt. deckt ist, in dem man vorsichtig gehen muß, um nicht aus- glaubt sich in dem Innern eines schönen italienischen Hier kommt dagegen die einzige Harmonie dieses niedrigen zugleiten. Klosters. Die eigentliche Moschee mündet in diesen Hof Tempels von dem Verhältniß und der Zahl dieser leichten Als wir aber nach all den Massageoperationen an die durch siebzehn Flügelthüren, die wir weit öffnen lassen, Strebepfeiler, die das Gebäude tragen, es bevölkern und freie Luft tamen, berauschte uns eine freudige Trunken- ehe wir eintreten. Ich kenne auf der Welt nur drei firch das daraus machen, was seine Wirkung und seine Größe heit. Die aufgegangene Sonne erleuchtete die Straßen des liche Gebäude, die auf mich einen ähnlichen Eindruck ge- schafft. Ihre bunte Menge macht auf das Auge den Einheiligen Kairuan, das weiß wie alle arabischen Städte ist, macht haben, wie dieses überraschende, wilde Bauwerk: druck des Unbegrenzten, während die geringe Höhe des Geaber wilder und schärfer charakterisirt und in seiner sicht den Mont St. Michel, San Marco in Venedig und die bäudes der Seele ein Gefühl von Schwere giebt. Es ist baren Armuth zugleich einen gewissen großthuenden Adel tönigliche Rapelle in Palermo. weit wie eine Welt, aber man ist darunter gedrückt, wie zeigt. Die Einwohner haben einen schrecklichen Nothstand Das sind durchdachte, studirte Gebäude der großen unter der Hand Gottes. Dieser Umstand zeigt, daß dies durchgemacht, und man erkennt noch überall den Hunger- Architektur, sicher in ihrer Wirkung, ohne Zweifel fromm, große Kunstwerk nicht von dem Gott des Evangelium, Wie in den Flecken Mittelafritas verkauft man aber vor allem künstlerisch, welche die Liebe zu den Formen sondern von dem des Koran inspirirt ist. Auch dessen geringwerthige Sachen aller Art in großen Butiken, in und Linien der dekorativen Schönheit athmen, ebenso und Moral breitet sich mehr aus und frappirt uns mehr durch denen die Raufleute nach türkischer Art zusammengefauert mehr, als die Liebe zu Gott. Hier ist es anders. Ein Fernwirkung, als daß sie zur Höhe erhebt und strebt. fizzen. blick. zu Da sind Datteln von Gafsa oder Suf, in großer fanatisches, umherirrendes Volt, das kaum Mauern errichten Ueberall begegnet man bemerkenswerthen Einzelheiten. Masse einer tlebrigen Paſta zusammengeklumpt, deren Ver- tann, ist in ein Land gekommen, das mit den Ruinen der Die Kammer des Sultans, die in eine besondere Thür Die mitgetheilten Prozentsätze sind nun nach zwei Richtungen kennzeichnend: nicht blas für die wirthschaftliche Entwickelung Nordamerikas, sondern auch für die sozialen Aenderungen, die in Europa vor sich gehen. Für Amerika beweist das die Entwickelung von Industrie und Handel, für Europa aber das relative Zurückgehen der landwirthschaftlichen Erwerbsthätig- t e i t. Wir wollen das letztere besonders auf grund der deutschen Zahlen nachweisen. Die deutsche Auswanderung hat bekanntlich in der zweiten Hälfte der 70er Jahre bedeutend abgenommen. Aber schon mit dem Jahre 1830 beginnt wieder eine sehr starke Auswanderung. 1850 bis 1871 betrug die deutsche Auswanderung durchschnittlich 90 900 Personen pro Jahr, sie sank in der Periode 1872/80 aus 72 500, beträgt aber in dem Dezennium 1881/90 im Jahresdurchschnitt 130 700 Personen. Trotz dieser hohen Zahlen hat sich die Zusammensetzung der Auswanderung, wie oben an- gegeben, geändert. Woher rührt das? Nehmen jetzt andere Landestheile, andere wirthschaftliche Gebiete des Deutschen Reichs an der Auswanderung größeren Antheil? Keineswegs. Die Vertheilung der Auswanderer auf die einzelnen Gegenden hat sich nicht wesentlich verschoben. Aber inner- halb jeder einzelnen Gegend hat sich eben die gleiche Um- Wandlung in der beruflichen Zusamniensetzung der Aus- Wanderer vollzogen, wie im Reich überhaupt. Unter 100 Auswanderern über Hamburg entfielen auf den Beruf ,L a n d w i r t h s ch a f t": Ueberall das gleiche Ergebniß: eine Abnahme des Pro- zentsatzes der ländlichen Arbeiter unter den Auswanderern. Dennoch ist es noch immer das platte Land, das die meiste Auswandererzahl giebt. Das weist deutlich darauf hin, daß eine WandlunginderberuflichenZusammen- setzung der Landbevölkerung vor sich gegangen ist. Der Auswanderer ist nicht mehr der Bauer, der seinen Wohnort wechselt, es ist der proletarische Bauer, der eine industrielleVerwendung sucht und, weil er sie zu Hause nicht findet, die weite Reise über den Ozean nach einem fremden Lande wagt. Man hemmt durch Brodvertheuerung und Verbrauchs- steuern überhaupt die Entwickelung der deutschen Industrie. Und was ist die Folge davon? Statt deutscher Maaren werden deutsche Arbeiter nach den be- kannten Stapelplätzen des überseeischen Marktes versendet Was Wunder, daß sich in jenen Ländern, vor allem in den Vereinigten Staaten, eine selbständige Industrie entwickelt? Man sucht sich der amerikanischen Getreide- konkurrenz zu erwehren, die das Kapital selbst verschuldet hat, und so wächst die industrielle Konkurrenz Amerikas heran. Diese Konkurrenz macht sich schon recht fühlbar. Sie muß zum Zusammenbruch der kapitalistischen Produktionsweise führen. Volikifchv Berlin, 8. April. Die Wirren ini Zentrum. Die gestern von uns erwähnte anonyme Zuschrift in der„Deutschen Reichs zeitung", in der verschiedene Zentrumssührer eines reaktionären, agrarischen Komplotts zur Sprengung der Zentrumspartei bezichtigt werden, hat verschiedene Entgegnungen der Angegriffenen in den Parteizeitungen herbei geführt. Am ausführlichsten antwortet Dr. P o r s ch. der mündet, ist von mit Bildschnitzereien bedeckten Holzwänden hergestellt; auch das Thor macht mit seinen ausgearbeiteten Füllungen eine glückliche Wirkung. Auch die Mihrab, die Mecea anzeigt, eine von Marmor gemeißelte, gemalte und vergoldete Nische, ist von ausgezeichnetem Styl und Wirkung. Der mittleren Thür gegenüber erhebt sich links »nd rechts an der anderen Seite des Hofes der Minaret. Wir stiegen seine hundertneunundzwanzig Stufen hinauf. Von oben erscheint Kairuan zu unseren Füßen wie ein Schachbrett von Gipsterrassen, aus denen uberall die großen blendenden Kuppeln der Moscheen und Kubbas vor- springen. Während nahe den Mauern hier und da grüne Flecke von Kakteen erscheinen, ist weiter herum, so weit das Auge sehen kann, endlose, gelbe Wüste. Dieser Horizont ist unendlich traurig und öde und beängstigender als die Sahara selbst. Wie es scheint, war Kairnan früher viel größer; man führt noch die Namen der verschwundenen Stadttheile aus. Außerhalb der Stadt in der Entfernung von kaum einem Kilometer zieht die Zauia, die Moschee des Sidi-Sabal (des Barbier des Propheten) den Blick auf sich, und wir machen uns auf den Weg sie zu besuchen. Abweichend von Djama- Kebir ist sie in keiner Weise imposant. Aber sie ist die zierlichste, bunteste und koketteste Moschee, die ich je gesehen; und das vollkommenste Muster der dekorativen Kunst der Araber. Eine Treppe von Fayence von herrlicher Zeichnung führt auf einen kleinen gepflasterten mit ähnlichen Fayencen ver- täfelten Vorhof. Dieser ist von einem Kreuzgewölbe in Hufeisenform und römischen Säulen getragen und macht, wenn man bei Sonnenschein eintritt, den blendenden Effekt eines vergoldeten Vorhanges, der über andere mwcderbare Fayencen wogt, mit denen alle Mauern bedeckt smd; endlich ein weiter eingeschloffener viereckiger Hos, ebenfalls von prachtvollen, glänzenden Fayencen und von einer unglaublichen Mannigfaltigkeit zarter Ära- bcsken. Er führt in das Sanktuarium, das das Grab deS Sidi-Sabal umschließt, des Gefährten und Barbier des Propheten, von dem er drei Barthaare bis zu seinem Tode auf seiner Brust bewahrte. Dieses Heiligthum, verziert mit regelmäßigen Zeichnungen in weißem und schwarzem Mar- mor, auf dem sich Inschriften hinziehen und das voll dicker Teppiche und Fahnen ist, gefiel mir weniger, als die beiden unvergeßlichen Höfe, durch die man zu ihm gelangt. Beim Weggehen durchschritten wir einen dritten Hof, in dem sich junge Leute aufhielten. Es war eine Art muselmännisches Seminar, eine Schule des Fanatismus. Alle diese Ordens- Häuser der Zauias, mit denen der islamitische Boden bedeckt ist, sind sozusagen die Eier der unzähligen Orden und Brüderschaften, in die die einzelnen Sekten der Gläubigen sich rheilen.(Fortsetzung folgt.) rundweg für sich wie die anderen die ihnen zugeschobene Absicht bestreitet und den Anonymus auffordert, mit seinem„reiche lichen Material" hervorzutreten. Die Ausforderung läßt daran schließen, daß Dr. Porsch hinter dem Anonymus eine in der Zentrumspartei angesehene Persönlichkeit vermuthet. Dr. Porsch macht, um die Unzuverlässigkeit seines Angreifers zu kennzeichnen, darauf aufmerksam, daß der Fürstbischo' Kopp von Breslau, der angeblich in Rom„weilt", um den Papst für den reaktionären Plan zu gewinnen, bereits am 14. März nach Breslau zurückgekehrt sei. Unter den übrigen Zuschriften ist die des Fürsten v. Löwenstein be merkenswerlh, der zwar erklärt, er müsse„reif fürs Irren Haus" sein, wenn er die Sprengung des Zentrums und die Wiedererneuerung geburtsständischer Vertretungen anstreben wollte, der aber dann in Vertheidigung der Bestrebungen des agrarischen Freiherrn von Los schreibt: „Baron von Loö erkennt in der berufsgenossenschaftlichen Neorganisation das Heil- und RettungSmittel wie der Gesellschaft im allgemeinen, so auch des bäuerlichen Standes. Er befindet üch hierbei im Einklang mit den Lehren Leo XIII. und mit der Ueberzengung fast aller christlichen Sozialpolitiker. Nicht diese Bestrebungen des Freiherrn von Los werden verhängnißvoll für das Zentrum; verhängnißvoll wäre nur, wenn das Zentrum sich diesen Anschauungen verschließen oder gar ent- gegentreten würde, und wenn es abweichend von den Normen die es sich selbst in dem Programm bei seiner Konstiluirung 1871 gegeben hat, die libsrtas in dubiis(Freiheit in Zweifel haften Dingen) seinen Mitgliedern nicht gestatien wollte!— Gott sei Dank besteht aber hierfür keine Gefahr; noch vor wenigen Tagen erhielt ich aus sicherster Quelle die kategorische. beruhigendste Versicherung, daß sowohl das ideale Ziel berufsgenossenschaftlicher Organisation der Gesellschaft, als auch die im Punkt 3 des Programms vom Jahre 1871 gewährleistete Freiheit von dem ganzen Zentrum jetzt (seit 3 Jahren wieder) hochgehalten werden und auch serner als Grundsätze werden gewährt und befolgt werden." Durch diese Mitthcilung des Fürsten Löwenstein ge- winnt der Streit ein ganz neues Gesicht. Die ihm ge wordene„beruhigendste Versicherung", daß der Punkt 3 des Parteiprogramms jetzt wieder hochgehalten werden solle, läßt sich nur so verstehen, daß das Agrarierthum fortan in der Zentrumspartei genau so freien Spielraum haben soll, wie es ihn sich in der nationalliberalen Partei gesichert hat. Also der„feste Thurm" erweicht sich zu der Molluskenstruktur, die das Charakteristikum aller Mittelparteien ist. Im Lichte dieser Löwenstein schen Erklärung erscheint nun aber auch die Ent hüllung des Anonymus als ein letzter Versuch der demokratischen Elemente der Partei, den Agrariern in letzter Stunde noch das Spiel zu verderben. Es wird sich ja zeigen, wie weit sie noch das Heft in der Hand haben. Zunächst muß, auch wenn der Anonymus nichts weiter verlauten läßt die„Kölnische Volkszeitung" das Wort nehmen, da die vom Fürsten Löwenstein behauptete Stellungnahme der Parteileitung der von dem rheinischen Organ der Zentrums demokraten gegenüber dem Freiherrn von Lo« und den Agrariern eingeschlagene Politik direkt widerstreitet. Also: „Was steckt dahinter?" muß man mit der„Deutschen Reichszeitung" fragen.— Im Zwist Stöcker-Krause haben sich beide Kämpen, der H o f p r e d i g e r a.D. und der Oberst z. D., nun bereits wiederholt gegenseitig der Wahrheitswidrigkeit bezichtigt, in langathmigen Erklärungen natürlich. Wir wagen den Streit nicht zu entscheiden. Es kann ja sein, daß sie beide recht haben. Wahrhaft gerührt hat uns aber die in der heutigen Erklärung des Obersten v. Krause in der„Kreuz-Zeitung" enthaltene Versicherung: „Auch ein Offizier kann zu einer richtigen Erkenntniß gelangen." Gewiß kann er das! Es kommt nur leider nicht häufig vor. Dazu ist er meist zu sehr in Standesvorurtheile und Klaffeninteressen eingewickelt. Und uns will bedünken, daß der Oberst z. D. ebenso auf einen Holzweg gerathen ist wie der Herr Hofprediger a. D. Jndeß, wer weiß, vielleicht kommt er noch einmal zur richtigen Erkenntniß. Nur nicht den Diuth ver- lieren!— Plndter II. ärgert sich wieder einmal, daß die Sozial- demokratie von der Presse nicht todtgeschwiegen wird Aber warum fängt Pindter nicht bei sich selbst an? Wenn er uns todtschweigt, so wird kein Meissch das bemerken Daß die übrige Presse uns nicht todtschweigt, dafür sorgen w i r. Ein guter Peitschenhieb bringt auch den maulfaulsten Köter zum„Schreien".--- Die Petersgesellschaft verfolgt den alten Schwindler kniff, durch lautes Geschrei den Glauben der Unschuld er- wecken und die Ankläger einschüchtern zu wollen. Wir er- wähnten bereits der Lügenpeterei des Schicnenflicker-Organs, das von Bebel behauptete, er habe das Material gegen den afrikanischen Mädchenmörder schon voriges Jahr gehabt nnd aus unlauteren Beweggründen damit zurückgehalten. Bei dieser Behauptung verblieb das saubere Blatt, obgleich es dadurch nur verrieth, daß seine eigenen Hinter- männer schon seit länger als Jahressrist auch diese Infamie ihres Patrons gekannt haben. Jetzt nun, nachdem wir der Pctersgesellschaft'alle Aus- wege verrannt hatten, greift sie zu einer neuen Diebcslist und behauptet, w i r hätten auf Drängen des Schienenflickcr- Organs„einräumen müssen", daß die Partei schon voriges Jahr das Material gegen Peters gekannt habe,— nur sei es in Vollmar's und nicht in Bebel's Besitz ge- wesen. Nun, wer hat denn das jemals bestritten? Umgekehrt sind gerade w i r es gewesen, die von Anfang an sagten, alles in Frage kommende Material sei alt und den Eingeweihten läng st bekannt. Zu den Eingeweihten gehört aber in erster Linie die nationalliberale Schienenflicker-Gesellschaft, die seit Jahren von allen Schurkereien und Schandlhaten des Peters Kenntniß hatte, nnd denselben trotzdem— wo nicht deswegen— zu einem deutschen Nationalheiligen zu machen bemüht war. Tie Lügenpeters-Gesellschast war glücklicherweise nicht in der Lage, das Geheimniß hermetisch zu verschließen. Es giebt doch auch anständige Leute unter den Kolonial- menschen, und so gelangte unsere Partei allmälig in den Besitz des Materials. Um denen um Peters einige angenehme Stunden zu bereiten, sei hier verrathen, daß Bebel nicht alles Pulver verschossen hat, daß wir fortwährend in den Besitz neuen Materials kommen; und daß wir den Mädchenmörder und seinen Gönnern und Helfershelfern nächstens wieder Gelegenheit geben werden, sich im Spiegel zu betrachten und über neue indiskrete Enthüllung der schönen Petersseele sich in sittliche Entrüstung hineinzu- arbeiten. Also aufgepaßt: Die Nilpferdpeitsche ist er- hoben!— Islam und Kreuz. Unser gestriger Leitartikel hat doppeltes Pech gehabt. Zunächst ist er das Opfer der teiertagsstimmung geworden. Im letzten Satz hat nämlich der ruckfehlerteufel, den das Osterfest fromm gemacht zu haben scheint, durch Weglassung des Wörtchens„nicht" dem Christen- thum den Sieg gegeben über den Muhamedanismus. Und zweitens hat der Artikel dem heiligen„Reichsbote" das Seh- und Denkvermögen derartig erschüttert, daß eine dauernde Gesundheits- und Seelenstörung zu befürchten steht. Unser— allerdings unfreiwilliges— Lob des Christenthums ist von dem zu blinder Wuth ergrimmten Kollegen gar nicht be- merkt worden, was an sich schon, wie jeder Irrenarzt be- zeugen kann, ein höchst bedenkliches Symptom ist und auf eine bereits weitfortgeschrittene Hirnlähmung schließen läßt. Es würde uns wirklich leid thun, wenn ein christ- licher Mitmensch, der uns schon so oft erheitert hat, einem so traurigen Schicksal verfallen müßte. Hoffentlich ist für gute ärztliche Hilfe gesorgt.— Zum Prozest Auer und Genossen macht sich irgend ein Reporter den Spaß, jede Woche eine Notiz, die natür- lich falsch ist, in die Presse zu lanziren. Jetzt berichtet dieser Herr wieder, daß der Prozeß unter der Firma Hintze und Genossen am 28. April vor der 132. Abtheilung des Schöffengerichts am Amtsgericht I zur Verhandlung komme. In Wirklichkeit ist den Angeklagten von einem Termin noch nichts bekannt; der Prozeß findet außerdem vor dem Landgericht statt, und zwar unter der Firma Auer und Genossen.— Lügen über die Kommune. Wenn die reaktionäre Presse die alten, tausendmal widerlegten Lügen über die Pariser Kommune von neuem herkaut, so finden wir das natürlich und nehmen keine Notiz davon. Anders wenn ein anständiges Blatt, wie die„Breslauer Morgenzeitung" sich zur Auffrischung dieser Lügen mißbrauchen läßt. Herr Hans W a ch e n h u s e n ist es, der in den Spalten dieses Blattes seinen Quarck aus dem Jahre 1871, der durch die Ablagerung nicht besser geworden ist, dem Publikum abermals auftischt. Er redet da von der„Ent- sittlichung des französischen Volkes", von„Raub und Plünde- rung", von«Ferry dem Bluthund", von„Paris in Flammen" und ähnlichen Hintertreppen-Roman-Greucln. Herr Wachen- Husen hatte seinerzeit den Ruf eines liberalen, sogar demokratischen Schriftstellers. Diesen Ruf hat er allerdings 1870/71 verscherzt; wir hatten indeß gedacht, er sei gleich anderen wieder einigermaßen zur Vernunft gekommen. Es war dies ein Jrrthum, wie das Feuilleton der„Breslaner Morgenzeitung" beweist. Herr Wachenhusen schrieb 1871 a b, was er m der verworfensten Bourgeoispresse über die Kommune gelesen hatte, und weil er vor 1870 eine zeit- lang in Paris gewesen war, wußte er sich den Anschein zu geben, als habe er s e l b st gesehen und erlebt, was er er- zählte. Herr Wachenhusen hat aber nur anderen nach- gelogen. Und jetzt veranstaltet er eine zweite Auflage der alten Lügen. Wir wollen zu seinen Gunsten annehmen, er sei ein Opfer seiner Leichtgläubigkeit; und wir rathen ihm L'is sa garay's Geschichte der Kommune zu lesen. Dann wird Herr Wachenhusen sich überzeugen, daß das französische Volk, so weit die Kommune ins Spiel kommt, einen sittlichen Adel bewiesen hat, wie er in der Geschichte nur selten verzeichnet ist. Er wird sich überzeugen, daß „Raub und Plünderung" unter der Kommune auf- gehört haben; daß„Ferry der Bluthund" in zwei Sitzungen der Kommune den Antrag auf Repressalien, d. h. auf Beantwortung der Vcrsailler Blutthaten durch Erschießung von Geißeln bekämpft hat. und daß „Paris in Flammen" thatsächlich weit weniger beschädigt war, als das von den d e u t s ch e n B r ü d e r n b c- s ch o s s e n e und eroberte Straßburg. Kurz, Herr Hans Wachenhusen wird dann finden, daß er sich hat an- lügen lassen und daß er die Unwahrheit gesagt hat. Nimmt er nicht zurück, was er geschrieben, so ist er ein Lügner.— Ter neueste italienische„Sieg", über den von Chauvinisten schon laut gekräht wurde, war nicht blos ein „sehr windiger Sieg", sondern eine positive Niederlage. Die neuesten Depeschen lauten: M a s s a u a h, ö. April. Bei dem Angriff auf die befestigte Stellung der Derwische bei Tukruf durch die Kolonne des Oberst Stevani am 3. ds. Mts. betrugen die italienischen Verluste an Offizieren vier Lieutenants todt, darunter Partini, welcher an der Vertheidigung Makalle's theilgeuoinmen hat und trotz seiner in der Schlacht bei Adua erhaltenen und noch nicht völlig geheilten Wunde darauf bestanden halte, wieder Dienst zu thun. Verwundet wurden ein Hauptmann und fünf Lieutenants. Die eingeborenen Truppen hatten einen Verlust von etwa 300 Mann an Tobten und Verwundeten.— Nach dein Siege am 2. d. M. ging Oberst Stevani nach Kassala zurück; die Derwische hatte» sich in die Wälder und die Vcrschanzungen von Tukruf geflüchtet. Oberst Stevani ließ am Morgen des 3. d. M. die Karawane abgehen und unternahm dann eine Rekognoszirung in der Richtung auf Tukruf; er griff die Derwische in den Wäldern und den Verschauzungen an, welche er auch theilweise besetzte, es gelang ihm aber nicht, alle Streitkräfte der Derwische ans ihren Stellungen zu werfen. ierauf ging Stevani in voller Ordnung nach a s s a l a zurück und meldete General Baldissera, er habe die Absicht, am nächsten Morgen den Angriff zu erneuern, da er sich stark genug fühle; General Baldissera aber untersagte den Angriff mit Rücksicht auf die allgenieine Lage und befahl Stevani, sich mit s e i n e n T r u p p e n n a ch Agordat zurückzuziehen. Stevani ist zur Zeit auf dem Wege nach Agordat. An diesen Telegrammen ist zunächst bemerkcnswerth, daß die Nachricht von Kassala nach Massauah zwei Tage, und die von Massauah zu uns ebenfalls zwei Tage, zusammen vier Tage gebracht hat. Die Verbindungen der Italiener sind also sehr schlecht. Tie Telegramme selbst geben die neue Niederlage ziem- lich unverblümt zu. Daß die Verluste der Italiener an Mannschaft verschwiegen werden, beweist, daß sie schwer waren, wofür auch die großen Verluste der Eingeborenen- Hilfstrnppen sprechen. Tie„siegreiche" Schlacht von Tukruf steht offenbar auf gleicher Stufe mit dem„ruhmvollen"— Verlust von Makalle.- Deutsches Reich. — U e b e r den Schluß der preußischen Land- tags-Session haben, wie man den„Berliner Neuesten Nachrichten" schreibt, innerhalb der Staatsregieruug Erwägungen ftattgefunden. Danach ist man in ben leitenden Kreisen der Die Beamten ehre unterscheidet sich bekanntlich mannig- Woche nochmals an den Verband der Konfektionäre gewandt " Ueberzeugung, daß vor Pfingsten der Abschluß der fach von der gewöhnlichen Menschenehre. Welche Auffassung von mit dem Ersuchen, Vergleichsvorschläge zu machen. Arbeiten nicht erwartet werden kann. Mitte der Ehre noch vielfach in den Kreisen der Richter und Staats- Die gesammte Lohnkommission, auch deren Mitglieder, April steht die zweite Berathung des Lehrerbefolbungsanwälte umgeht, ergiebt ein foeben veröffentlichtes Urtheil des mit denen man früher nicht mehr verhandeln wollte, sei darauf Gefeßes auf der Tagesordnung; dieselbe wird vorausichtlich Ehrengerichtshofs für deutsche Rechtsanwälte vom 6. Fe- von den Konfektionären zu einer gemeinschaftlichen Sigung einvier Tage in Anspruch nehmen. Wenn dann noch die dritte bruar v. J., von dem der Frankfurter Zeitung" mitgetheilt geladen worden. Die Konfektionäre hätten dort das Zugeständniß Berathung dieses Entwurfes vor Ende April erledigt wird, so wird: Ein Oberstaatsanwalt erhob gegen einen Rechtsanwalt gemacht, einen Minimaltarif auf grund der bei der Firma steht doch noch seine Durchberathung im Herrenhause aus. Die ehrengerichtliche Anklage, weil er hinreichend ver- S. Levin bestehenden Löhne einzuführen. Die Firmen Dort wird sie ebenfalls zu längeren eingehenden Verhandlungen dächtig" erscheine: die ihm als Rechtsanwalt obliegenden hätten sich gegen Konventionalstrafe verpflichtet, nicht unter führen, da die Vertreter der Städte hauptsächlich eine Pflichten dadurch verletzt zu haben, daß er in Ausübung seiner Berufs- den Löhnen der Firma S. Levin zu zahlen. Dadurch würden ernstliche Opposition eröffnen werden. Doch tann die thätigkeit beim Eintritt in dasSizungszimmer dem die Verhandlungen eine Anzahl Firmen gezwungen, nicht unbedeutende Zulagen zu Annahme des Gesetzes bei der Stellung der Majorität leitenden Am tsrichter abfichtlich den Gruß ver gewähren. Der Minimalpreis für das billigste Jaquet betrage des Herrenhauses dazu als gesichert angesehen werden. sagt und durch dies Verhalten sich der Achtung danach beispielsweise 1,35 M.; außerdem hätten sich die Ges Ausgeschlossen ist indessen nicht, daß die Vorlage einige nicht würdig gezeigt habe, die sein Berufer- schäfte verpflichtet, nicht an den höheren Löhnen zu rütteln, die Abänderungen erfährt und deshalb nochmals an das Ab- forbere!" Selbstverständlich lehnte das Ehrengericht( Bor- am 1. Februar bestanden. Die Vereinigung der Konfektionsbea geordnetenhaus zurückgehen muß. Schon in diesem Falle müßte stand der Anwaltskammer) die Gröffnung des Hauptverfahrens Engrosfirmen hätte mittlermeile einen schon vorher die Session über Pfingsten hinaus verlängert werden. Es sollen, ab; auf Beschwerde des Oberstaatsanwalts ordnete aber der schlossenen Aufruf veröffentlicht, des Inhalts, daß nach dem von Kammervorlagen und zahlreichen Berichten über Petitionen Straffenat des Oberlandesgerichts die Eröffnung des Haupt- 10. April laut Beschluß der Vereinigung teine noch ausständigen abgesehen, noch berathen werden das Gesetz über die Erbauung verfahrens an und der beschuldigte Rechtsanwalt mußte sich nun Schneider mehr beschäftigt würden. Ohne Rücksicht auf diese und Subventionirung von Klein- Eisenbahnen und Getreidelager von der Antlage dieser schweren Verfehlung vom Ehrengericht Bekanntmachung schlage die Lohnkommission folgende Resohäusern, das Anerbenrecht bei Renten- und Ansiedlungsgütern, freisprechen lassen. Auch hierbei beruhigte sich der Ober- lution vor: das Handelskammer- Gefeß; ferner liegen dem Abgeordnetenhause itaatsanwalt nicht; er legte vielmehr Berufung an den Ehren- An anbetracht des Angebots der Konfektionäre auf Festnoch 8 Initiativanträge vor. Dazu kommt noch, abgesehen von gerichtshof in Leipzig ein, die indeß verworfen wurde. Diese setzung der Löhne nach unten und Garantie dafür, daß an den unvermeidlichen agrarischen Interpellationen, das sogenannte Anklage ist für die bei Staatsanwälten und Gerichten über die den bis jetzt bestehenden höchsten Löhnen bei Berwirkung Assessorengeses, welches wahrscheinlich an eine Kommission Stellung des Rechtsanwalts herrschende Auffassung noch viel einer Konventionalstrafe nicht zu rütteln ist, beschließt die Ververwiesen wird und dort zu langandauernden Berathungen führen charakteristischer, als der im Jahre 1884 vom Ehrengerichtshof ſammlung unter vollständiger Außerachtlaffung des Inserats der wird. Auch dieser Entwurf muß noch durch beide Häuser des entschiedene Fall, wo ein Rechtsanwalt der Verlegung seiner Bes Konfektionäre vom 5. d. M., den Streit unter den uns angebotenen Landtags gehen und alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß rufspflichten angeklagt war, weil er den Landgerichts- Präsidenten Bedingungen beizulegen. die Session bis in den Juni hinein andauert, falls anders nach seit längerer Zeit nicht mehr gegrüßt hatte. Der Ehrengerichts- Ferner erklären die Streifenden, fortab für eine weitere Pfingsten noch auf beschlußfähige Häuser zu rechnen sein sollte. hof verneinte damals das Beftehen einer staatlichen" oder„ amt- Stärkung unseres Verbandes einzutreten, bamit wir zut Ein Verzeichniß der unerledigten Vorlagen, der wir einige lichen" Pflicht des Rechtsanwalts, den Präsidenten oder andere günstigen Zeiten gerüstet dastehen. Etwaige Maß der vorstehenden Mittheilungen entnommen haben, ist soeben zur Richter zu grüßen und betonte die Nothwendigkeit des gegen regelungen werden wir damit beantworten, daß wir es Vertheilung gelangt. feitigen Grüßens" nur aus dem Gesichtspunkt der be- durch ausreichende Unterstützungen möglich machen, daß sich die Zur Organisation des Handwerts. Die stehenden gesellschaftlichen Formen. Inzwischen, also nach Ablauf betreffenden Kollegen anderswo ansiedeln." In der Debatte wurde von mehreren Rednern lebhaft die N. A. Btg." widerspricht der Meldung, daß der Gefeßentwurf von etwa zehn Jahren, ist bei Gerichten und Staatsanwälten die über die Organisation des Handwerks das Staatsministerium Meinung herrschend geworden, daß ein Rechtsanwalt sich ehren- Weiterführung des Streits befürwortet, weil die fähigsten schon in seiner legten Sibung beschäftigt habe. Die Vorlage sei gerichtlich strafbar mache, wenn er beim Eintritt in das Sigungs- Arbeiter sich noch geschlossen im Streit befänden und gewillt seien, dem Staatsministerium noch nicht zugegangen. Nach der zimmer einen Amtsrichter nicht grüßt!" die einmal aufgestellten Forderungen vollständig zu erkämpfen. Militär- Politischen Korrespondenz" werden auch die frei- Dieses energische Betreiben einer Ahndung bes rechts- Ein Antrag aus der Versammlung, über die Fortsetzung des willigen Organisationen in der Zwangsorganisation zugelassen anwaltlichen Grußfrevels steht in auffälligem Gegensatz zu Streits per Stimmzettel abstimmen zu lassen und wenn mehr werden. Es sind in dieser Angelegenheit noch neuerdings die der Zurückhaltung der Staatsanwaltschaft in der gestern von als ein Fünftel der Streifenden für Beendigung der LohnAnsichten hervorragender Mitglieder des Berliner Bentral- uns erwähnten Angelegenheit des Richters Stenglein in bewegung sei, den Streit für beendet zu erklären, wurde anInnungs- Ausschusses eingeholt worden. Es wurden gleichzeitig Colmar. genommen. Von 191 abgegebenen Stimmen waren 42, also über noch die Fragen des Fortbestehens der Innungs- Gesellen- Kranten- Dresden, 6. April. Dem Hofrath Dr. Paul Mehnert, dem ein Fünftel für Aufnahme der Arbeit zu den angebotenen Be taffen, sowie der Schiedsgerichte gestreift und von den Hand- eifrigsten Verfechter des neuen fächsischen Klaffenwahlrechts, ist bingungen. Infolgedessen ist der Streit beendet. wertern auf deren Erhaltung hingewirkt. vom Kaiser der Kronenorden 3. Klasse verliehen worden! - Gegen das beabsichtigte Verbot des- Die braunschweigischen Welfen werden in Detailreifens ist seitens der Berliner Uniform, Militär- der nächsten Zeit einen Parteitag in Blankenburg am Harz abund Herrenmodenbranche eine Agitation eingeleitet. Das damit halten.betraute Komitee hat, wie in einer Versammlung im Hotel " Die Militärverwaltung hat in Kornwest Saxonia am Dienstag bekannt gegeben wurde, sich mit etwa heim bei Ludwigsburg( Württ.) für 900 000 m. der besten 30 deutschen Städten in Verbindung gefeßt, Fragebogen( 5000) Meder angekauft, um den großen Ererzirplak vergrößern zu versandt und bereits eine größere Zahl Protestzustimmungen, tönnen. auch seitens verschiedener Handelskammern erhalten. In der Frankreich. Belgien. cio Holland. " Die Stettiner Konfettionäre hatten ihre Halsstarrigfeit gegen die Arbeiter bisher immer mit der Konkurrenz Berlins begründen gesucht, wo niedrigere Löhne als in Stettin gezahlt würden. Um zu ermitteln, ob das wahr ist, beziehentlich um für die Kommission für Arbeiterstatistik weiteres Material zu schaffen, wurde von der Regierung das Stettiner Gewerbegericht beauftragt, eine Erhebung über die Berhältnisse der bortigen Konfektion vorzunehmen. Das sollte durch Befragung von Auskunfspersonen aus den Debatte wurde allseitig betont, daß die Vorlage, falls sie Gefeß der vom Volksverein für das katholische Deutschland veranstaltet geschehen. Ein erster oberelfäffischer Katholikentag, Kreifen der Konfektionäre, Zwischenmeister und Arbeiter Das Stettiner Gewerbegericht hatte deshalb zumi würde, nicht den Mittelstand heben, sondern aufs empfindlichste wurde, hat am 6. April in Colmar( Elsaß) stattgefunden. Ab- 4. April Einladungen ergehen lassen und den herangezogenen schädigen werde. Konsument, Arbeiter, Geschäftsmann und Eisenbahnverwaltung würden gleicherweise betroffen werden, gesehen von der üblichen gründlichen Vernichtung der Sozial Industriellen dabei aufgegeben, sich bereits vorher aus ihren Büchern über folgende Fragen zu informiren und diesbezügliche Gefeßesumgehungen, Denunziationen und unzählige Straf- Demokratie ist von diesem Tage nichts zu melden.Notizen zu machen" über: 1. Zahl der Arbeiter überhaupt; prozesse die Folge sein. Solle das Verbot des Detail2. Zahl der Zwischenmeister; 8. Zahl der in der Werf reisens wirklich zum Gesetz erhoben werden, müsse Die unehelichen Kinder in Frankreich hatten stätte, 4. Zahl der außerhalb der Werkstätte arbeitenden wenigstens den hier in betracht kommenden Branchen dieselbe bisher amtlich blos Mütter, keine Väter. Nun werden diese Personen; 5. Sind die Personen angemeldet: a) zur KrankenVergünstigung, wie der Wäschefabritation gewährt auch zur Alimentation herangezogen. Die unehelichen Kinder fasse, b) zur Invaliditäts- und Altersversicherung; 6. Wie viele werden. Um das zu erreichen, sollen fämmliche Reichstags- fönnen sogar ihre Eltern beerben. Dieses Gesetz ist seit Montag Ihrer Wertmeister, Buschneider und Zwischenmeister verdienen Abgeordnete mündlich und außerdem durch eine gedruckte Dent in traft. mehr als 2000 m. 7. Angabe der Löhne für ihre sämmtlichen schrift über die Tragweite der geplanten Aenderung aufgeklärt Fabritate( Westen, Hosen, Stoffhosen u. f. w.); 8. Verstehen sich und, um die öffentliche Meinung zu gewinnen, Volts versammlungen einberufen werden. Für Berlin findet eine Brüffel, 8. April. Die meisten europäischen Staaten sowie dieselben inkl. Buthaten, eventuell welche Buthaten müssen die solche am 15. d. M. in der Tonhalle, Friedrichstraße, mit der Japan und Persien haben ihrer Betheiligung an der nächstjährigen Zwischenmeister liefern? Bei den Fragen unter 1-4 ist auch regelmäßig noch unterschieden zwischen männlichen und weiblichen Tagesordnung ftatt:„ Wird dem Mittelstande und der arbeitenden Brüsseler Weltausstellung zugestimmt. Personen. Bevölkerung durch das Detailreisen genügt oder geschadet?" Die Mitglieder des Konfektionärverbandes haben Abgeordnete aller Parteien sollen ihr Erscheinen zugesagt haben. Amfterdam, 8. April. Nach telegraphischen Nachrichten, es aber abgelehnt, vor dem Gewerbegericht Auskunft zu - Ein christlich- sozialer Parteitag für den welche das Algemeen Handelsblad" aus Batavia erhalten hat, geben, zu welchen Bedingungen sie ihre Waaren anfertigen lassen. Norden und Often des Reiches tagt gegenwärtig. Es haben die Operationen in Atschin ihren Anfang genommen. Die Wir begreifen dieses Berhalten vollkommen", sagt der Volksfind 80 Delegirte anwesend. Hofprediger a. D. Stöcker führt Regierung hat den Rücktritt des Generalmajors Denkerhoff, Bivil- bote", es ist eben ein peinliches Gefühl, der Un den Vorsitz in Berlin. und Militär- Gouverneurs von Atschin, veröffentlicht; derselbe wahrheit überführt zu werden. Indessen wird Die Berhandlungen waren streng vertraulich. Vor fehrt nach den Niederlanden zurück und wird vorläufig durch den durch die Enquete doch der beabsichtigte Zweck erreicht Eintritt der Mittagspause waren folgende Beschlüsse gefaßt: Residenten für Atschin, van Bangen, ersetzt. Diese Veränderung werden. Andere, nicht zum Verband gehörende Konfektionäre Der Parteitag beschließt, daß die christlich- soziale Agitation wird allgemein als Anzeichen dafür angesehen, daß die haben bereits ihre Aussagen gemacht, und was für Löhne in erster Linie in den Städten ihre bisher ruhende Thätig- Regierung eine firaffe Politit gegen die Atfchinesen befolgen von den Herren, welche dem Ringe angehören, gezahlt werben, feit aufzunehmen und mit geeigneten, den lokalen Verhältnissen wird. General Better ist gestern mit einem Bataillon in Atschin wird durch Vernehmung von Arbeitern festgestellt. Wenn die entsprechenden Mitteln ihre Ziele zu fördern hat: Arbeiter eingetroffen. Gesetzgebung den Konfektionären den Daumen auf's Auge drückt, frage, Handwerkerfrage und Frauenfrage sind zunächst dem Die Operationsbasis der Holländer in Ats chin bilden der so sind jene Herren selbst schuld daran. Wer so handelt, muß allgemeinen Verständniß in chriftlich- fozialem Sinne nahe Safenplay Oleh- leh und die Stadt Rotaraja auf der durch Gesetz gezwungen werden, und die Zeit dürfte nicht mehr zu bringen und dahin zu wirken, daß ftaatliche und ordspitze von Sumatra, welche nur wenige Kilometer fern sein, wo den Unternehmern die Errichtung von Betriebskommunale Inftitutionen den Forderungen der verschiedenen auseinanderliegen und durch eine Eisenbahn verbunden sind. werkstätten gefeßlich aufgezwungen wird. Hochmuth kommt vor sozialen in besonderer Noth und Gefahr fiehenden Voltsgruppen m Halbkreis Dor Dieſem Kern der holländischen dem Fall." gerecht werden. Der Parteitag spricht Herrn Hofprediger a. D. Stellung zieht sich eine doppelte Linie von befestigten Stöcker, dem hochverehrten und geliebten Borsigenden, in dant. Poften hin, deren äußere von der inneren durch einen außerhalb des Berbandes stehende Konfektionsfirmen sich zur barer Anerkennung seiner ungebeugten Festigkeit gegenüber auch gänzlich rafirten Raum von 1 Kilometer Breite getrennt Auskunft bereit erklärt. Da die Sohnkommission der Aufforderung seinen neuen Gegnern aus dem konservativen Lager das unist. Die äußeren Forts, 21 an der Bahl, find aber alle von des Gewerbegerichts selbstverständlich bereitwilligst nachgekommen begrenzte Bertrauen aus und gelobt, feiner Fahne in Atschinesen besetzt, und ihrer sind die Holländer jetzt nicht mehr ist und die Zwischenmeister ebenfalls die Eingabe unterstützen, so unerschütterlicher Treue Folge zu leisten. Die Annahme der Re- sicher. Tutu Djahan oder Umar, wie er auch manchmal wird der Zweck der amtlichen Erhebung vollständig erreicht folutionen erfolgte einstimmig. genannt wird, ein langer hagerer Mann zwischen 30 und werden. Das Prädikat Herr" will der Lublinier 40 Jahren, bekennt sich äußerlich zum Muhamedanismus, in Landrath Prinz Karl von Ratibor nach der amt- Wirklichkeit fümmert er sich nichts um dessen Lehren. Da er die lichen Bekanntmachung im Kreisblatt nur gewissen Kategorien Art der holländischen Kriegführung ganz genau fennt, so dürfte von Personen beigelegt wiffen. Der Bauer, der Förster feine Bezwingung eine ungewöhnlich schwierige Aufgabe bilden. und der Lehrer sind danach keine Dem Kolonialmoloch Hollands werden also in Atschin neue Herren", während dem Amtsvorsteher und dem praktischen Arzt dieses ungezählte Opfer gebracht werden. Prädikat zugestanden ist. England. " Die Fragen, die den Arbeitern und Arbeiterinnen vom Gewerbegericht vorgelegt werden, lauten: 1. Wo haben Sie zuletzt gearbeitet( fester Lohn oder Stücklohn)? 2. Welcher Art war Ihre Beschäftigung? 8. Wieviel betrug der feste Wochenlohn? 4. Wieviel betrug der Stücklohn, pro Stück? pro Dutzend? 5. Welchen durchschnittlichen Wochenverdienst haben Sie erzielt? 6. Wie lange war die tägliche Arbeitszeit? Recht so! Dem Bauern, dem Förster und dem Lehrer muß London, 6. April. Ohne Aufsehen ist vor kurzem einer der In Hamburg ist der Streit nun auch vollständig beüberhaupt noch auf schärfere Weise eingebläut werden, daß sie irischen Dynamitarben, welche im Zuchthause von endet, nachdem die Firma Oppenheim u. Rapport sich nur untergeordnete Mitglieder des Klassenstaats sind. Bisher Portland ihre Strafe abbüßen, in Freiheit gesetzt worden. zu einer Einigung verstanden hat. Gestern ist die Arbeit wieder haben sie sich etwas schwer von Begriffen gezeigt. Viel- Der jetzige Minister des Innern, Sir White Ridley will, wie aufgenommen worden. Bedauerlicherweise tönnen nicht alle am leicht verhilft ihnen die Methode des Prinzen Ratibor zur Er- die„ Allg. engl. Gorr." meint, thatsächlich einen nach dem andern Streik betheiligt gewefenen Arbeiterinnen sofort wieder eintreten, fenntniß. weil es der Firma gelungen war, einen großen Theil der Plätze freilaffen, ohne sie förmlich zu begnadigen. anderweit zu besegen. Ausgemacht ist aber, daß die am Streit Eine brüderliche Empfehlung. Gin Bruder Italien. betheiligt gewesenen Arbeiterinnen nach Bedarf berücksichtigt bes Regierungsraths Polomsti in Breslau, Robert Polomsti, offerirt den königlichen Betriebsinspektionen eine Reihe von Rom, 8. April. Die Aufklärungen, welche die italienische werden. Wir wollen wünschen, daß das Versprechen gehalten Artikeln, welche bei der Bahnunterhaltung und bei souftigen Regierung bezüglich der Entsendung der für Abessynien bestimmiten wird. In Halle a. S. dagegen ist zwischen dem Konfektionär Bauarbeiten gebraucht werden. Dieser Offerte des Robert Bo- Abtheilung des Rothen Kreuzes aus St. Petersburg erwartete, Iomisti ist beigelegt eine der Freifinnigen Beitung" im Original find gestern hier eingetroffen. Dieſelben sind zufriedenstellend Sernau und den streifenden Arbeiterinnen noch immer feine vorliegende Visitenkarte. Dieselbe hat folgenden Inhalt: Re- und schließen die Möglichkeit eines Schmuggels von Einigung zu stande gekommen. gierungsrath Bolomsti, Mitglied der töniglichen Offizieren unter ärztlicher Maste aus. Gleichwohl dürfte Eisenbahndirettion, Breslau, den 20. März 1896, er der Abtheilung mit Rücksicht auf die Unsicherheit der Wege der laubt sich, feinen Bruder bestens zu empfehlen." Durchzug durch Erythräa nur unter bestimmten Voraussetzungen Daß in Ungarn und weit hinten in der Türkei solche Fälle gestattet werden. vorkommen, ist allgemein bekannt. Wir möchten gerne wissen, ob der hier angeführte Fall ein vollkommen vereinzelter in Preußen ist. # " Rußland. Partei- Nachrichten. Bei der Gemeinderathswahl in Küpper im Kreise Lauban in Schlesien siegte in der 3. Klasse zum ersten Mal ein Vivat sequens! öffentlich als Sozialdemokrat bekannter Kandidat, Genosse Mosig. - Die Voruntersuchung, welche eingeleitet wurde aus Anlaß des im Vorwärts" mitgetheilten Krawalls, den die Aus Köln wird der„ Bossischen Zeitung" telegraphisch beim Bau der sibirischen Eisenbahn in der Nähe des Dorfes Die Parteigenoffen in Lauffen am Neckar haben durch gemeldet: Eine von Gewerbetreibenden aus zahlreichen Dunajewo beschäftigten chinesischen Arbeiter verursacht haben, ist jahrelange Kämpfe endlich erreicht, daß die Gemeindekollegien Städten des Rheinlands start besuchte Versammlung be- jetzt abgeschlossen. Der Untersuchungsrichter, welcher sie leitete, das Schulgeld für die Volksschule aufhoben. Auch ihre Agitation gegen die Bürgeraufnahmegebühr war insofern von Erschloß energischen Einspruch gegen die in zweiter Lesung ist zu dem Schluffe gekommen, daß auch gegen den höheren folg, als diese Gebühr von 10 Mart auf 5 Mart herabgesetzt bereits angenommene Bestimmung der Gewerbe Ordnungs- Gisenbahnbeamten Sacharom, welcher einigen Chinesen mit SchießNovelle, betreffend das Verbot des Detailreisen3, zu waffen Wunden beigebracht hat, ein Strafverfahren eingeleitet erheben und eine Deputation nach Berlin zu entfenden, werden muß. die mit den einzelnen Fraktionen in Beziehungen treten soll. Von zwei in der Versammlung anwesenden Zentrums Abgeordneten, Trimborn und Fuchs, trat letterer entschieden gegen die Vorlage ein, während Trimborn keine bindenden Bersprechungen gab. In den nächsten Tagen sollen auch in anderen preußischen Provinzen große Einspruchsversammlungen stattfinden. Selbst in dieser Frage also spaltet sich die Zentrums vertretung. Die Bewegung in der Konfektions- Industrie. Die englische unabhängige Arbeiterpartei hat am 6. April in Nottingham ihren vierten Jahreskongreß eröffnet. Nach dem von Tom Mann erstatteten Jahresbericht zählt die Partei jetzt schon nicht weniger als 20 000 Mitglieder. 8000 öffentliche Versammlungen haben im letzten Jahre stattgefunden. In den Gemeindevertretungen hat die Partei 4 Grafschaftsräthe, Der Streik der Konfektionsarbeiter Stettin's ist am 35 Stadträthe, 39 Schulräthe, 13 Distriktsräthe und 40 PfarrDienstag in einer öffentlichen Versammlung für beendet erklärt. räthe. Keir Hardie, der Leiter der Partei, hielt eine längere Der Berichterstatter der Lohnkommission gab einen Ueberblick Einleitungsrede, in der er für den Achtstundentag eintrat. über die Situation. Die Lohntommission hätte sich in der leyten| Hierauf wurde ein Antrag auf Bildung einer großen sozialistischen Partei und Abhaltung eines britischen SozialistenkongresseS gestellt. Dieser solle für Großbritannien dasselbe besorgen, was der internationale Sozialistenkongreß für die internationale Bewegung thut. Mit S2 gegen 24 Stimmen wurde schließlich die Abhaltung des Einigungskongresses be- schlössen. Todtenliste der Partei. In Nürnberg ist wieder ein überaus wackerer Kampfgenosse, der Kammmacher K ar l G ö ttler, dahin gegangen, von wannen keine Wiederkehr ist. Die„Fränk. Tagespost" widmet dem im S7. Lebensjahr stehenden Braven einen Nachruf, dem wir zur Nutzanwendung für die jüngere Generation denZParteigenossen auch hier Raum gewähren. Göttler, in Weißenfels a. S. geboren, gehörte zu den Aeltesten der alten Garde der Partei Nürnbergs. Nicht nur die Periode des nichts- würdigen Ausnahmegesetzes hat er mit durchgekämpft und dabei allezeit seine volle Schuldigkeit gethan, sowohl in den Wahlschlachten als auch namentlich, wenn es galt, einen Anschlag der damaligen Spitzelmeute zu Nichte zu machen oder Uuterstützungs- uno Agitationsbeiträge zu beschaffen oder ein Opfer der Verfolgungswuth in Sicherheit zu bringen, sondern auch jene Zeit vor dem Sozialistengesetz, in der die denkbar größten Anforderungen an jeden einzelnen Partei- genossen gestellt wurden; wo ein paar Dutzend Leute Tag für Tag mit Aufbietung aller Kräfte für die damals noch neuen Ideen gegen eine noch weit gehässigere Gegnerschaft als sie heute ist, eintreten mußten, ohne Preßorgan, mit kärglichsten materiellen Mitteln ausgerüstet, wo die Agitation bei den Wahlen und zu deren Vor- berettung mit Schwierigkeiten verknüpft war, die man heute kaum mehr vom Hörensagen kennt. Unentwegt hat da allezeit Karl Göttler seinen Mann gestellt. Und bis an sein Ende ist er thätig geblieben, und nicht blos für die Partei allein, sondern ebenso für die Gewerkschafts- und für die freireligiöse Be- wegung. Trotzdem er selbst seine Subsistenzmittel in hartem Arbeilskampf erwerben mußte, hatte er doch immer auch einen Groschen übrig für noch Aermere und sorgte getreulich für An- verwandte, denen es übel ging im Leben; er selbst ist un- verheirathet geblieben. Dünner und dünner werden die Reihen derer unserer Parteigenossen, die„von Anfang an dabei ge- wesen", deshalb, Ihr jüngeren Genossen, schließt die Reihen! Polizeiliches, Gerichtliches zc. — Wegen einiger Notizen und Berichte über den Halle'schen Konfcktionsarbeiterstreik wurde in Halle a. S. der verantwort- liche Redakteur des„Volksblatt", Genosse W e i ß m a n n, zu 1 Woche Gefängniß verurtheilt. Der Staatsanwalt hatte drei Monate beantragt. — Eine Saalverweigerung war vom„Volksblatt" in H a l l e a. S., in folgender Form veröffentlicht woroen: „Herr Kunze in den Kaisersälen hat sein uns gegebenes Wort schnöde gebrochen":c. Der damals verantwortliche Redakteur Franz Lehmann wurde des groben Unfugs angeklagt, vom Schöffengericht aber freigesprochen. Das Landgericht als Berusungsinstanz erkannte ebenso. — Abgeblitzt ist die Polizei in M a g d e b u r g mit dem Versuche, eine Tellersammlung zu einer öffentlichen Kollekte zu stempeln. Der Maurer G e r ch e l war angeklagt worden, sich am 2. Dezember vorigen Jahres gegen die Polizei- Verordnung voni 22. Mai 1890 dadurch vergangen zu haben, daß er in einer Versammlung der Maurer eine Tellersammlung veranstaltete. Das Schöffengericht verurtheilte ihn auch. Er legte jedoch Berufung ein, und das Landgericht gab dieser statt. Das Urtheil lautete auf Freisprechung. Zwar habe, so lauteten die Gründe, das Gericht in der Tellersainmlung eine Kollekte er- blickt, doch sei dem Vertheidiger darin beizutreten, daß die Kollekte nicht ausgeschrieben sei und daß es der Ausschreibung bedurft hätte, um zur Verurtheilung des Angeklagten zu gelange». Die Kosten habe die Staatskasse zu tragen. — Den Parteigenossen Ludwig und Heinrich in Altona soll wegen Ausreizung zum Klassenhaß der Prozeß ge- macht werden; sie haben einige Exemplare der Märznummer des „Süddeutschen Postillons" verbreitet beziehentlich verkauft— das ist das ganze„Vergehen". — Wegen eines geschichtlichen Vortrages über die deutschen Bauernkämpfe, wodurch er groben Unfug verübt haben soll, erhielt Genosse Manfred Witticy aus Leipzig von der Dresdener Polizeidirektion einen Strafbefehl, der auf 7 Tage Haft lautete. Er beantragte gerichtliche Entscheidung. Beim Schöffengericht kam er aber aus dem Regen in die Traufe, denn es erkannte auf 14 Tage Haft. — Nach den, März-Gedenkblatt ist in der Volksbuchhand- lung in Chemnitz erfolglos gehaussucht worden. GemevKftfjÄftlirfjes. Achtung, Putzer! Nachdem am Dienstag die von zirka 2900 Putzern besuchte öffentliche Versammlung einstimmig beschloffen hat, daß auf allen Bauten, wo unsere Forderungen, welche den gesummten Arbeitgebern zugestellt sind, nicht bewilligt wurden, von gestern ab die Arbeit ruhen solle, ist nun der Aus- stand definitiv eingetreten. Eine ganze Anzahl der besseren Bau- geschäfte hat unsere Forderungen bereits bewilligt, die große Mehrheit befindet sich noch in Unterhandlung, wobei der Schwerpunkt die Unterschrift ist. Eine Anzahl Unternehmer haben aber unsere Forderungen barsch zurückgewiesen und drohen, sich Putzer von außerhalb kommen zu lassen, wobei sie namentlich auf Magdeburg reflektire». Wir bitten deshalb alle auswärtigen Kollegen uni solidarisches Verhalten. Die Berliner Kollegen, die mit den Unternehmern noch unterhandeln, fordern wir auf, etwaige Zugeständnisse sofort beim Bureau, Grenadierstraße 33, zu melden. Alle vom Ausstand betroffenen Kollegen haben sich in den Besitz einer Streiklegitimation zu setze». Die Ausgabe derselben erfolgt täglich von morgens 9 bis abends 8 Uhr. Alle in Arbeit bleibenden Kollegen haben sich eine Arbeitsberechtigungs- Karte zu lösen; diese wird von 8—8 Uhr abends ausgegeben. Die Abstempelung der Streikkarlen findet der Kontrolle halber vormittags von 9—12 Uhr, nachmittags von 2—4 Uhr Grenadierstraßes Nr. 33 statt. Die in Arbeit bleibenden Kollegen haben laut Versammlungsbeschluß pro Arbeits- tag S0 Pfennige zur Unterstützung der Streikenden zu zahlen. Die ernannten BaUdeputirten und vom Ausstand betroffenen Kollegen werden zu Freitag, den 10. April, nach- mittags 2 Uhr, nach dem Lokal Grenadierstr. 33 eingeladen. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Die Streikkommission der Mu her Berlins. Die Arbeiterpresse wird gebeten, von unserer Lohnbewegung Notiz zu nehmen. Die Arbeit niedergelegt haben in Berlin bei der Firma Friedrich, Reichenbergerstraße 4, sämmtliche Former und Gießerei-Arbeiter, und bei der Firma L i e d k e sämmt- liche Mechaniker. Der Vor st and des Berliner Metallarbeiter-Verbandes. In der Mechanischen Schuhfabrik von Oppenheim in Berlin, Meyerbeerstr. S, sind Differenzen ausgebrochen. Agitationskom misfion der Schuhmacher Berlins. Zur Lohnbewegung der Berliner Maler. In den Werk- stätten von Sobotta, Lange, Elsasserftr. 13, sind unsere Tarifbedingungen nicht bewilligt worden. Der Malermeister Franz Opper mann, Königsbergerstr. 26— 27, erklärt uns in einer Zuschrift:„Die mir von einem Theil meiner Gehilfen durch unwahreVorspiegelungen abgenöthigte Unter- schrift nehme ich hiermit zurück." Auf deutsch heißt das: Als bei Ausbruch des Streiks Herr Oppermann sich in einer riesigen Klenime befand, mußte er den, Druck der Gehilfen nachgeben; nach vier Wochen, wo ein kleiner Stillstand eingetreten, vermeint der Herr, seine Unter- schrift zurückziehen zu können. Auch die Firma C. Mairose, Steglitzerstraße SS, glaubt sich berufen, ihre unS gegebene Unter« schrift wieder zurückziehen zu können. Die Kollegen, die bei diesen Firmen arbeiten, werden sicher nicht ermangeln, hieraus die nothwendigen Konsequenzen zu ziehen. Wir ersuchen sie, sich auf dem Streikbureau, Neue Friedrichstr. 44, zu melden. Weiter ersuchen wir sämmtliche übrigen Maler und Berufsgenossen um solidarisches Ver-Halten. Mit kollegialem Gruß Die Lohn- kommission der Maler Berlins und Vororte. An alle in der Leder- und Galanteriewaaren-Branche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins! Kollegen! Endesunterzeichnete Kommisston giebt hierdurch bekannt, daß sämmtliche Briefe, Anfragen jc., Lohnbewegung betreffend, an Eugen Brückner, Memelerstr. S3 vorn parterre, Geldsendungen dagegen an Höhe, Böckhstr. 8, Quergebäude 3 Treppen zu richten sind. Die Lohnkommission der Leder- und Galanterie-Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins. Aus KottbuS. Ueber die gegenwärtige Situation des Streiks ist uns zur Stunde, wo wir dies schreiben, noch kein Bericht zugegangen. Die im Juli v. I. mit 60 Mitgliedern begründete Kottbuser Filiale des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes hat jetzt 2240 Mitglieder, darunter 4— S00 Mädchen. Die Polizei hat das Mitgliederverzeichniß eingefordert. Man ist diesem Ver- langen nachgekommen. Der neuen, aus den Fabrikkommissionen gewählten Fünfer« kommission gehört auch ein Mitglied des katholischen Gesellen- Vereins an. Tischlerbewegung. In Dortmund hatten vorige Woche in 29 Werkstellen 178 Tischlergehilfen ihre Forderungen ein- gereicht(Verkürzung der Arbeitszeit und Lohnerhöhung betreffend). Da die meisten Meister den Forderungen sympathisch gegenüber- stehen, erscheint baldige Beilegung der Differenzen wahrscheinlich. In Breslau haben sämmtliche Möbeltischer der Haus- w a l d t' schen Möbelfabrik die Arbeit niedergelegt, weil der Inhaber der Firma. Herr E. Jäger, das Gesuch abschlug, den Werkführer Hahn zu entlassen. In Leipzig haben, wie die Lohnkommission in der gestrigen Tischlerversammlung mittheilte, 26 Unternehmer(mit 277 Tischlergehilfen) die Forderungen glatt bewilligt. Da- gegen haben 30 Unternehmer(mit 411 Gehilfen), einem von der Innung gefaßten Beschluß entsprechend, die S7 stündige statt der geforderten Sgstündigen Arbeitszeit und 8 pCt. statt der geforderten 10 pCt. Aufschlag für Doppelthüren bewilligt. Der Ausstand erstreck: sich deshalb nur auf einige Werkstätten. Eine weitere Tischlerversammlung wird zu den Vorschlägen der Innung Stellung nehmen; akzeptirt sie die Vorschläge, so dürfte die Lohnbewegung ohne Streik beendet werden. Lohnbewegung im Baugewerbe. In Magdeburg ist in der Maurer- und Zimmerer-Be wegung eine Einigung vor dem Gewerbegericht als Einigungsamt zu stände gekommen. Die Abmachungen lauten nach der„Magde- burgischen Zeitung" wie folgt: Arbeitszeit: Vom 1. bis 31. Oktober von 7 Uhr morgens bis 5 Uhr abends, 8V2 bis 9 Uhr Frühstück, 12 bis 1 Uhr Mittag, kein Vesper, 8�/2 Stunden Arbeitszeit. Vom 1. November bis 31. Januar von 8 Uhr morgens bis 4>/2 Uhr nachmittags, 9 bis S�/2 Uhr Frühstück, 12 bis 1 Uhr Mittag, kein Vesper, 7 St. Arbeitszeit. Vom 1. bis 23. Februar von 7�2 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, 9 bis 9Vz Uhr Frühstück, 12 bis 1 Uhr Mittag, kein Vesper, 8 St. Arbeitszeit. Vom 1. bis 31. März von 7 Uhr morgens bis S Uhr abends, 8�/2 bis 9 Uhr Frühstück, 12 bis 1 Uhr Mittag, kein Vesper, 8V2 St. Arbeitszeit. Vom 1. April bis 30. September von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, 3 bis S>/2 Uhr Frühstück, 12 bis 1 Uhr Mittag. 4 bis 4-/2 Uhr Vesper, 10 Stunden Arbeitszeit. Während der Arbeits- zeit von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends wird am Sonnabend um S'/e Uhr Feierabend gemacht, an den Sonnabenden vor Ostern und Pfingsten um 4 Uhr ohne Lohnabzug, in letzteren Fällen fällt die Vesperpause aus.— Lohnsatz: Alle in den Tarif festgesetzten Arbeitsstunden werden mit 37 Pf. ge- lohnt. Ausgenommen sind Junggesellen und theilweise invalide Gesellen, bei denen eine freie Vereinbarung über den Lohn- satz zwischen Meister und Gesellen freisteht. Arbeit an Sonn- und Feiertagen soll mit 10 Pf. Aufschlag für die Stunde bezahlt werden.— Sonstige Vereinbarungen: Das Arbeitsverhältniß kann zu jeder Zeit gelöst werden, ohne vor- herige Kündigung. Die Abrechnung erfolgt von Freitag zu Freitag, die Lohnzahlung erfolgt am Sonnabend.— Diese Abmachungen treten mit dem 18. April in kraft. Die Maurer Dortmunds sind in den Streik ge- treten, weil die Meister sich weigern, den geforderten Stunden- lohn von 33 und 40 Pf. auf das ganze Jahr zu bewilligen. Die Zimmerer werden, nach ordnungsmäßiger Kündigung. am 13. April die Arbeit einstellen, wenn die Meister bis dahin nicht nachgeben sollten. Die Maurer Kassels stehen in einer Bewegung um Einführung eines Tarifs, der neben anderem einen Stundenlohn von 40 Pf. vorschreibt. Acht Meister haben den Tarif sofort unterschriftlich bewilligt. Die Innung hat sich betreffs zweier Punkte(40 Pf. Stundenlohn und heizbare Baubuden) noch nicht entschieden. Die Maurer haben ihr bis zum 9. April Frist gestellt. In der Lohnbewegung der Zimmerer Mannheims hat das Gewerbegericht als Einigungsamt einen Vergleich zu stände gebracht. Die Gesellen begnügten sich mit 33 Pf., an- statt der geforderte» 40 Pf. Stundenlohn und die Meister nahmen die übrigen Forderungen mit unwesentlichen Aenderungen an. Dies Ergebniß ist erreicht worden, ohne daß es ernsthaft zum Kampfe gekommen wäre. Die Zimmermeister hatten mit der� Thatsache zu rechnen, daß ihre Gesellen zu 95 pCt., also fast sämmtlich dem Fachverein angehören. Die übrigen Bauhandwerker Mannheims stehen noch in der Lohnbewegung. Es sind dies Maurer, Schreiner, Schlosser, Maler, Tüncher, Glaser. Gypser ze. Die Zimmerer in Stuttgart haben am Dienstag die Arbeil niedergelegt. Zirka 300 Zimmerer befinden sich im Ausstand. Die Maurer Stuttgarts arbeiten jetzt nur noch zehn Stunden, doch ist an vielen Baustellen die zebnprozentige Lohn- erhöhung für den Zeitausfall noch nicht eingeführt worden; an einigen Plätzen wurden kleinere Lohnzuschläge gewährt. Die Zimmerer in Heilbronn haben den Streik für beendet erklärt, nachdem ihnen ein Stundenlohn von 34—36 Pfennigen und 23 pCt. Zuschlag bei gefährlichen Arbeiten bewilligt wurde. Die Zimmerer in Ravensburg haben, bevor sie in den Streik eintraten, das dortige Gewerbegericht als Einigungs- amt angerufen. I» Magdeburg haben, wie die„Volksstimme" meldet, die Steinmetzen ihre Forderungen von den meisten Unter- nehmern bewilligt bekommen. Aus Bielefeld. Wie gestern kurz im Depeschentheile ge- meldet wurde, beschlossen 2500 Arbeiter der Viele- elder Maschinenfabrik vorm. Dürrkopp u. Ko., die sich mit der Anfertigung von Fahrrädern und Nähmaschinen beschäftigt, mit allen gegen 1 Stimme, die Arbeit niederzulegen. Die Forderungen, die sie stellen, sind: neunstündige Arbeitszeit, lö prozentige Lohnerhöhung. Einsetzung eines Arbeiterausschufses, Abschaffung des Kolonnenführer-Systems, Vermeidung der lieber- stunden; Bezahlung derselben mit 50 pCt. Zuschlag und der Nacht- und Sonnlagsarbeit mit 100 pCt. Zuschlag, Einführung von Lohnbüchern und Aushängen der Tarife, Unterlassung von Maßregelungen. Ob die Firma finanziell im stände ist, de» Arbeitern entgegen zu kommen, ergiebt sich aus dem letzten Geschäftsbericht. Die„Volkswacht" theilt hierüber folgendes mit: Der Rohgewinn beträgt 1035 255,64 M. gegen 733 718,26 M. im Vorjahre, also fast 800 000 M. mehr. Nach einem Abzug von 53 233,03M. gegen 34 S7S,S8M. im Vorjahr auf Delkredere-Konto und Abschreibungen von 238 526,78 M. gegen 198 032,91 M. im Vorjahr bleibt ein effektiver Reingewinn von 745 332,8SM. gegen 513 070,30M. im Vorjahr. Davon erhalten nun der Aufsichtsrath Tantiemen und die Veamten Gratifikationen in Höhe von 79 011,80 M., der.SpezialReservefonds 150 000 M., der Uuterstützungs- und Pensionsfonds 15000 M., der Neubaufonds 90000 M. und dann bleiben noch immer 405 000 M. übrig, von welchen 18 pCt. Dividende bezahlt werden sollen. Wirklich ist dieser außerordentlich günstige Geschäftsbericht der unmittelbare Anlaß zur Lohn- bewegung gewesen. Die Kommission der Arbeiter hatte am Sonnabend eine Unterredung mit den Direktoren der Fabrik, wobei ihr gesagt wurde, man werde am Abend die Antwort schriftlich geben. Das geschah in Form eines an das Personal der Fabrik gerichteten Flugblattes, worin die Direktion betreffs der allgemeinen Lohn- erhöhung um 15 pCt., der Svprozentigen Erhöhung für Ueber- stunden und 100 prozentigen Mehrzahlung für Nacht- arbeit ausführt:„Da wir zur Zeit täglich 7500 Mark und mehr Lohn zahlen, würde eine solche Erhöhung täglich ca. 1200 Mark oder per Jahr rund 360 000 Mark betragen. Unsere Aktionäre würden also mit leeren Händen ausgehen, wenn wir diese Forderungen bewilligen wollten." Diese Angabe stimmt mit den 403 OOv M. Dividenden, die diesmal nach überaus reichlichen Abschreibungen noch gezahlt werden können, nicht überein. Wenn Firmen, die so bedeutende Profite einheimsen, ihren Arbeitern nicht entgegenkommen wollen, welcher Unternehmer soll es denn sonst thun? Auch in Wien, wo dieselbe Firma eine Fabrik besitzt, sind Differenzen ausge- brachen. Wir wollen hoffen, daß es in beiden Orten noch zur Einigung kommt. Ueber das Urtheil deS Enpener Schöffengerichts in der Klage der Tuchfabrik Sternickel u. Gülcher gegen ihre aus- ständigen Weberinnen berichtet die„Kölnische Zeitung" näheres. Der Gebeime Kommerzienrath Arthur Gülcher, als Be- sitzer der Fabrik, hatte 93 der Ausständischen wegen Vertrags- bruchs verklagt, weil sie die Arbeit am 5. März d. I. wider- rechtlich verlassen und auch nachher trotz mehrmaliger Aufforde- rung nicht wieder aufgenommen haben sollten. Die Weberinnen sollten verpflichtet gewesen sein, die auf den Stühlen befindlichen Stücke vor Verlassen der Fabrik abzuweben. Die Verhandlungen vor Gericht nahmen mehrere Sitzungen in Anspruch. Die Beklagten machten geltend, daß ihrer Arbeitseinstellung e i n mehrmaliger Vertragsbruch von seilen der klägerisckien Firma vorausgegangen sei, indem diese bei Schlichtung des ersten bei ihr ausgebrochenen Ausstandes am 27. Januar d. I. einen Lohntarif mit den Weberinnen ver- einbart habe, der nach mündlicher Versicherung des Arbeitgebers vorläufig auf sechs Wochen gelten sollte, von der Klägerin aber schon nach vier Wochen durch Abänderung der vereinbarten Löhne u. f. w. verletzt worden sei. Die Beweisaufnahme fiel durchweg zu gunsten der Weberinnen aus. Wie bereits g< meldet, wurde die Klage der Fjirma Sternickel u. Gülcher gegen sämmtliche Ausständischen abgewiesen. Allerdings ist das Erkenntniß noch nicht rechtskräftig. Nebenbei ergaben die Verhandlungen, daß die klägerische Firma unter gleichen Ver- Hältnissen geringere Löhne gezahlt hat, als andere Tuchfabriken Eupens, infolge dessen sie auch wettbewerbsfähiger war. Ob des Urtheils herrscht in den Arbeiterkreisen großer Jubel und es ent- steht die Frage, ob nunmehr nicht die ausständigen Weberinnen gegen die Firma Sternickel u. Gülcher auf Schadenersatz für Lohnausfall klagen werden. Der Ausstand dauert schon vier Wochen und die Verluste der Arbeiterinnen, von denen manche ihre ganze Familie ernähren müssen, sind sehr bedeutend. In Speyer hat eine Anzahl Brauerei- Arbeiter wegen der neulich erwähnten Differenzen die Arbeit am Sonnabend ein- gestellt. Es sind dann während der Feiertage in Speyer, Mann- heim und vielleicht auch anderen Orten Flugblätter vertheilt worden, worin zum Boykott der betreffenden Brauereien auf- gefordert wird. Diese Flugblätter tragen weder eine Unterschrift noch die Druckfirma. Ebensowenig ist die Arbeiterschaft um ihre Zustimmung angegangen worden. Kurz es handelt sich um eine mißbräuchliche Anwendung des Boykotts, und unsere dortigen Parteiorgane nehmen denn auch sehr entschieden Stellung dagegen. Es scheint sich bei dem Boykottversuch um einen Geschäftskniff einer Mannheimer Brauerei zu handeln. Angestellte derselben haben die Flugblätter verbreitet, und der Druck der Flugblätter ist, wie man allgemein annimmt, von einer ultramontanen Druckerei besorgt worden. Die Stuckateure Münchens sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Hauptforderung ist die 9stündige Arbeitszeit. Wenn Zuzug fernbleibt, ist der Sieg sicher. Die Zinngicsier Nürnbergs stehen in einer Bewegung um S7stündige Arbeitszeit pro Woche und 25 pCt. Zuschlag für Uebcrstunden. 4 Meister haben sofort bewilligt. 5 weigern sich. 6 Zinngießer legten die Arbeit sofort nieder, 21 kündigten, 24 arbeiten zu den neuen Bedingungen. In sämmtliche» Fabriken FürthS haben die GlaS- arbeiter die Arbeit eingestellt. In Wien ist die Lohnbewegung der Schneider der englischen Kostümbranche siegreich beendet. Die Forderungen der Arbeiter bestanden in einer Verkürzung der Arbeitszeit auf 9 Stunden, Erhöhung der Löhne und Freigabe des 1. Mai als Feiertag. Bei einigen Damenkonsektions« Firmen sind die gleichen Forderungen errungen worden. In Budapest wurde zu Ostern der Kongreß der ungarischen Holzarbeiter polizeilich aufgelöst, und als er das nicht ganz ruhig hinnahm, wegen„Widerstandes" aus- einandergesprengt. Die Dockarbeiter in Rotterdam haben ihren Kampf gegen die elektrischen Krähne verloren, was bei der mangelhaften Organisation vorauszusehen war. Damit jedoch der Vortheil der neuen Maschine nicht ganz dem Kapital zufällt, beschlossen die Arbeiter, später den Streik von neuem aufzunehmen. Vorher wollen sie eine stramme Organisation gründen. Dazu ist ein neuer Dockarbeiterverein errichtet, unter der Leitung eines be- soldeten Vorsitzenden, der sich der Sache voll widmen kann. S00 Glasarbeiter der Firma P. Regout in Maastricht (Holland) sind in den Ausstand eingetreten. Sie fordern eine Lohnerhöhung von 20 pCt. Ihre Organisation ist gut. Sieben „Rädelsführer" sind sofort entlassen worden. Deposrkzen und letzte Vacheichken. Dresden, 8. April.(W. T. B.) In der heutigen Landes- Versammlung der Sozialdemokraten Sachsens wurde ein Antrag Geyer, wonach die sozialdemokratische Partei sich an den nächsten Landtagswahlen in Sachsen zu betheiligen und wonach die sozialdemokratischen Landtags-Abgeordneten ihre Mandate beizu- behalten haben, mit 65 gegen 34 bezw. gegen 19 Stimmen angenommen. Rom, 8. April.(B. H) Die neuesten aus Kassala hier ein- gelaufenen Nachrichten riefen große Bestürzung hervor. Aus der Räumung Kassala's ersieht man, daß die italienischen Truppen nicht stark genug waren, um den Anprall der Derwische aus- zuhalten. Es ist nölhig, daß neue Truppenverstärkungen sofort dahin abgehen. Belgrad, 8. April.(B. H.) Am ersten Feiertage wurde der griechische Gottesdienst in der Metropolitankirche zu Ueskueb plötzlich von Serchen unterbrochen, die slavische Gesänge an- stimmten. Darauf entwickelte sich eine furchtbare Schlägerei zwischen Serben und Griechen, so daß die Gendarmerie ein- treten mußte. Die Kirche wurde gesperrt. Als Haupträdelsführer der Serben wird ein Schullehrer und der Dragoman des russischen Konsulats bezeichnet. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey, Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen. i Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 83. Donnerstag, den 9. April 1896. 13. Jahrg. Sozmldenroltrcrkische Patfcifarzc. Landesversammlung der sozialdemokratischen Partei Sachsens. (Fortsetzung.) Zum Bericht über die Thätigkeit der Landtagsfraktion wird das Wort nicht begehrt. Genosse Schmidt- Zwickau erstattet für die Mandats- prüfungs- Kommission Bericht. Sämmtliche 23 sächsische Reichstags- Wahlkreise sind durch Delegirts vertreten. 17 Kreise entsandten je 4, 2 Kreise je 8 und 4 Kreise je 2 Delegirte, zusammen 82 Delegirte. Außerdem sind 12 Landtags-Abgeordnete, von dem Zenlral-Agitationskomitee die Genossen Heiliveck und Fischer und als Delegirter der Gefamintpartei ist Genosse Gerisch an« wesend. Sämmtliche Mandate werden für giltig erklärt. Es folgt die Berathung über Punkt 3 der Tagesordnung: Wahlrechts- änderung und Stellung der Partei zu derselben. Referent Abg. Geyer: Nicht allein aus dem Landtage sollen die Sozialdemokraten verdrängt werden, so»dern auch die Agitation soll verstummen. Von Volksvertretung kann unter dem Dreiklassenwahlsystem nicht die Rede sein, doch muß es den Gegnern selbst zum Schaden gereichen, wenn jede ehrliche Oppo- sition entfernt wird. Denn die Opposition, welche bisweilen von einzelnen bürgerlichen Abgeordneten gemacht wird, war nur eine persönliche. Opposition wird also nicht mehr sein und gleich- bedeutend ist damit die Verminderung des Interesses am Land- tage in den weiten Volkskreisen. Ein politischer Rückschritt wird eintreten, so hoffen die Gegner. Doch welche Thorheit zu glauben, die Sozialdemokraten.würden die Wahlen nicht aus- nützen zur Agitation. Mögen Differenzen bestehen, w i e das geschehen soll: darin sind wir einig, daß scharfer Protest sein soll und sein wird.(Sehr wahr.) Der Beweis ist ge- liefert, daß unsere Partei trotz der Polizeimaßnahmen stets ge- wachsen ist, und die Zukunft wird lehren, daß die Stimmenzahl auch bei den Landtagswahlen wachsen wird. Eine allgemein giltige Schablone läßt sich nicht fest- stellen; auch eine besondere Organisation wird nicht nöthig sein. Wir werden mit der bisherigen Organisation auch unter dem Dreiklassen-Wahlsystem kämpfen können. Nicht eine Ueberstürzung, sondern eine andauernde Steigerung muß erzielt werden. Die Wahlbewegungen in Oesterreich und Belgien müssen zu Nutze gemacht werden. Ein Kompromiß mit Gegnern muß völlig aus- geschlossen sein, wir wollen einzig auf unsere Kraft vertrauen. Will man in die Wahlbetheiligung eintreten, so wird man die Mandate beibehalten müssen.(Sehr richtig.) Von lö Landtags- Abgeordneten stimmen 14 für Betheiligung an den nächsten Landtags- Wahlen. Denn nur für diese wird Beschluß gefaßt werden können, die Partei kann nicht für alle Zeit festgelegt werden. Nun ist von einer Anzahl Genossen gegen eine Wahlbetheiligung gesprochen worden, aber die Gegner stützen sich darauf, daß sie sagen: Die Bevölkerung ist mit der Aenderung einverstanden. Wir können den Gegenbeweis antreten, wenn wir uns an der Abstimmung betheiligen und an richtiger Stelle Protest gegen das Wahlgesetz erheben. Wenn eine Steigerung der bisherigen Betheiligung an den Wahlen möglich ist— und sie ist möglich— dann werde» 1S0 000 neuer Wähler geschaffen, es ist der Unwille im Volk gestiegen, selbst in weiten gegnerischen Kreisen strömen uns Massen zu, so steigert sich unsere Stimmen- zahl gewaltig. Die Abstinenz ist ein zweifelhafter Beweis, daß das Volk sich gegen das Dreiklassenwahlrecht wendet; positiv wird der Beweis erbracht einzig durch die Abstimmung. Es ist keine Abfindung mit dem Gesetz, wenn die Maffen nicht zur Urne gehen. Es ist wahr, der Landtag wird bedeutungsloser, wenn die Menge nicht wählt. Aber wenn dies der Fall ist, so wird es um so schwieriger sein, eine Protestbewegung zu ent- flammen. Darin sind wir einig mit den Genoffen, die gegen die Wahlbetheiligung sind, daß Mandate nicht zu erringen sind. Wir wollen den festen Beweis bringen, daß kein Sozialdemokrat gewählt wird. Man hat eingewendet, daß die Aufwendung der Mittel dann in keinem Verhällniß zu dem Erfolg stehen würde. Wir haben auch jetzt nicht nur der Mandate wegen die Mittel aufgewendet, sondern um unsere Ideen ins Volk zu bringen. Daß wir natürlich auch unsere Ideen von der Parlamentstribüne propagiren wollen wo wir können, leuchtet ein. Die Parlamentstribüne ist kein zu unterschätzender Faktor. Aber trotzdem wir Mandate uicht er- ringen können, müssen wir weiter agitiren, und diese Agitation ist die Mittel werth. Erfolglos werden deshalb die Wahlen nicht sein, weil keine Mandate mehr zu erringen sind. Ein weiterer Einwand betrifft den möglicherweise eintretenden Mangel an Wahlmännern. Wir hatten früher Mangel an Kandidaten, jetzt nicht mehr, wir werden in Zukunft auch genug Wahlmänner haben, namentlich in industriellen Bezirken. Wenn wir Wahlenthaltung proklamiren, werden unsere Gegner alles ausbieten, um Wähler der 3. Klasse an die Urne zu bringen, die in ihrem Sinne wählen. Die Gegner wollen dann auch groß- müthig Kandidaten präsentiren, die wie Arbeiterkandidaten aus- sehe». Man will diese Leute als Staffage in den Landtag bringen. Diese Staffage müssen wir durch die Wahlbetheiligung verhindern. Betheiligen wir uns das nächste Mal nicht, so könnte uns das möglicherweise gereuen. Also ist es besser, wir machen das erste Mal den Versuch und richten unser Verhalten nach den hierbei gewonnenen Erfahrungen ein. Es in möglich, daß die Beschränkung der Redefreiheit in nächster Zeit in Sachsen noch größer wird. Schon deshalb werden wir die nächste Wahlzeit zur Agitation besonders ver- wenden müssen. Nun will Mandatsniederlegung übergehen objektiv erörtern. Ich wiederhole: theiligung beschließen, kann von einer Niedcrlegung der Mandate nicht die Rede sein. Aber schon darum, weil die Parlaments- tribüne das wirksamste Mittel bildet, an den Handlungen unserer Gegner Kritik zu üben, kann für mich von Mandatsniederlegung nicht die Rede sein. Die Genossen, die noch im Landtage bleiben, können diese Kritik weiter üben. Wenn sie auch keine selbständigen Anträge mehr stellen können, so können sie mit ihrer Kritik bei der Berathung der einzelnen Etats einsetzen. Unsere Anträge sind sowieso stets niedergeslimmt worden. Was bisher fünfzehn Mann vermochten, werden auch die noch zurückbleibenden Genossen noch ausführen können. Sie werden auch Stand halten den gehässigsten Anfeindungen der Gegner und sie zurückschlagen. Hätte man uns allesammt hinausbringen können, man hätte es gethan. Vor der Verfassungs- änderung aber ist man zurückgeschreckt. Zu einer Verfassungs- änderung bedarf es der Zustimmung zweier nach einander ge- wählter Landtage. Vor der Agitation für diesen zweiten Landtag hat man sich gefürchtet, deshalb kann auch nicht davon die Rede sein, daß man uns aus Gnade noch stückweise im Landtage lassen will. Es liegt ein Zwang für die Gegner vor. sonst würden sie den Landtag aufgelöst haben. Es ist von Gnade auch deshalb nicht die Rede, weil es unser gutes Recht ist, das erworbene Mandat auch auszunützen. Die zurückbleibenden Genossen werden ihre Thätigkeit steigern müssen, sie werden anch die Wahlrechts- bewegung im Landtag fördern. Außerdem will ich zu bedenken geben, daß alle die Dinge, wie das Kapitel der Fabrikinspektoren, die Polizeimaßnahmen:c. jetzt plötzlich nicht mehr besprochen werden könnten. Man hat weiter gesagt, der Kopf geht weg, und ich zur Frage der und sie ebenfalls ganz Wenn wir eine weitere Be nur der Rumpf bleibt. Wir machen keinen Unterschied in der Qualität, wir haben stets kollegial zusammengearbeitet. Die Zurückbleibenden werden ebenso eifrig weiterarbeiten wie bisher, auch der„Rumpf" wird der Partei niemals Schande machen, im Gegcntheil, ich habe vollstes Vertrauen zu den Genossen. Weiler ist gesagt worden, die Wähler sind entrechtet, also brauchen wir keine Abgeordneten. Die Mandate haben wir aber rechtmäßig erworben, warum sollen wir, wo die Wähler entrechtet, noch weitere Rechte drangeben. Ich schließe hier nicht blos mit dem Rufe:„Fort mit dem Dreiklassen-Wahlsystem!" sondern auch: „Fort mit diesem ganzen Regierungssystem!" Ich schlage Ihnen folgende Resolution vor: In Erwägung, daß es die Aufgabe der sächsischen Sozialdemokratie ist, den Kanips gegen das Dreiklassen-Wahlsystem andauernd fortzu- führen und mit allen Mitteln das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht zu erkämpfen, in fernerer Erwägung, daß die Einführung des Drei- klassen-Wahlsystems ohne Befragung und Zustimmung der Wähler geschehen ist, und es deshalb nöthig erscheint, Ziffern- mäßig festzustellen, daß das sächsische Volk in seiner großen Mehrheit dem Dreiklassen-Wahlsystem feindlich gegenübersteht. serner, daß die Sozialdemokratie zur Verfechtung ihrer Grundsätze die Parlamentstribüne als geeignetes Kampf- mittel— auch unter den besonderen Verhältnissen, wie sie durch die Einführung des Dreiklassen-Wahlsystems geschaffen worden sind, nicht aufgeben darf, beschließt die Landesversammlung: 1. Die sozialdemokratische Partei hat ununterbrochen und unter Aufwendung aller Kräfte für die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für die Landtagswadlen zu wirken. 2. Die sozialdemokratische Partei betheiligt sich an den n ä ch st e n Landtagswahlen. 3. Die sozialdemokratischen Landtags- Abgeordneten haben ihre Mandate beizubehalten. F. Geyer. Nach Verlesung dieser Resolution erfolgte donnernder, lang- anhaltender Beifall. Korreferent Dr. Schoenlank» Leipzig: Die Sozial- demokratie ist vor eine gleich folgenschwere Entscheidung gestellt. wie die Regierung beim Einbringen der Vorlage. Diese Wahl- rechts-Vorlage ist nur ein Glied in der Kette der Maßnahmen gegen die Sozialdemokratie, sie ist nur eine Etappe in dem Kampf der Bourgeoisie gegen die Arbeiterklassen. Sachsen ist nur das Probirland; wir werden sehen, wie die Bourgeoisie der anderen Länder gleich so handeln wird. Daß die Herren von der Re- gierung sich vor einer Verfassungsänderung scheuten, ist wohl nicht ganz richtig. Es liegt gewiß nicht im Interesse der Gegner, wenn die Sozialdemokraten mit einen. Mal eliminirt werden, das gäbe so unliebsames Aussehen. Aussicht auf die Erringung von Mandaten ist nicht vorhanden. Das Volk weiß jetzt schon, was von dem Dreiklaffen-Wahlrecht zu halten ist und de» Gegnern haben wir die Stimmung des Volkes durch die kolossale Protestbewegung, die einzig dasteht in der Geschichte Deutschlands, zur genüge gezeigt. Das Dreiklassen- Wahlrecht ist ein Agitator, der nicht konsiszirl, dem nicht das Wort entzogen werden kann. Die Arbeiterklasse ist jederzeit zum Protest bereit, aber stets sruchtlos zur Urne zu wandern ohne Aussicht auf Erfolg, das thut sie nicht. Blicken Sie nach Preußen und fragen Sie sich: Wie viele betheiligen sich dorr an de» Wahlen? Noch nicht 9 pCt. waren es bei den letzten Wahlen. Und glauben Sie, das sächsische Volk würde etwas anderes thun? Aber da kommt man und sagt: Ja, wir wollen erst Er- fahrungen sammeln. Welche Hoffnungen knüpft man denn daran? Glaubt man, die zweite und dritte!klaffe könnten zu- sammengehen? Sind denn Kälber und Metzger jemals zusammengegangen? Wir haben doch eine Menge Mittel, um den Protest zu schüren, auch ohne Wahlbetheiligung. Was ist denn das für ein Widerspruch, im gleichen Alhem Protest einzulegen und für die Stimmabgabe zu sprechen. Man will die Wähler einschläfern. An Agitation wird es nicht fehlen, wir sind auf die Zlbgeordneten nicht angewiesen, und so lange wir kein neues Sozialistengesetz haben, kann die Presse viel mehr thu», als die paar Schützer im Landlage. Die Zurück- bleibenden sitzen im Landtage auf Kündigung, sie können niemals auf Zuschub rechnen. Ihre Zahl wird immer geringer, sie schrumpfen immer mehr zusammen. Mit Hohn und Spott wird man ihnen begegnen. Mit welcher Stimmung sollen wir denn in die Landtags-Agitation gehen, so lange noch Genossen im Landtage sitzen? Verträgt es sich denn mit der Würde der Partei, mit dem proletarischen Gefühl, die Mandate beizubehalten, wo gegen hunderttausende von Proletariern der schwerste Schlag geführt worden ist? Vermeide man doch jeden Schein eines Kompromisses. Wir dürfen das Feuer der Empörung nicht ver- glimmen lassen. Weil wir rückständige Elemente haben, dürfen nicht die vor- geschrittenen durch die rückständigen niajorisirl werden. Wir dürfen keinen Rest in der Kämmer lassen, er lähmt unsere Be- wegung. Mit der Landtagspolitik ist es aus, aus und zum dritten Male aus. Wir legilimiren sonst indirekt dieses Drei- klassen-Wahlsystcm. Die Entwickelung geht ihren Gang weiter. Die sächsische Bourgeoisie ist mit ihrem Latein zu Ende, sie will parlamentarisch nicht weiter mil uns diskutiren. Gut. zeige man.daß nicht nur das Volk. nein, auch die Volksvertreter protestircn könne». Aus die revolutionäre Bewegung des Protestes darf man nicht das Wasser der Mandatsbeibehaltung gieße». Nicht etwa Einig- keit wird erzielt, der Keim der Spaltung wird in die Bewegung gesenkt, denn gar viele Genossen stehen auf dem Standpunkt der Niederlegung. Das Opfer der Niederlegung ist nicht groß, an- genehm wird den Genossen der Aufenthalt in der Kammer nicht sein. Vermeiden Sie den dauernden Konflikt. Das Bürgerthum hat alle Brücken abgebrochen, die Gegensätze haben sich aufs Höchste zugespitzt zum permanenten Kampf zwischen Reich und Arm. Wir müssen diesen Kampf ohne alle Klügele« führen. Wir haben einen Akt der Klassenpolitik, der mit dem einmüthigen Protest so glücklich begonnen hat, glücklich zu Ende zu führen. Zeigen wir, daß wir als Vertreter der revolutionären Sozialdemokratie zu handeln wissen. Fassen wir den Beschluß, der unserer Partei allein würdig ist.(Lebhafter Beifall.) Ein Antrag Grenz- Leipzig auf unbegrenzte Redezeit in der Diskussion wird gegen die Stimmen weniger Genossen a b- gelehnt. Zu Ehren der Delegirten geben die Dresdener Parteigenossen einen Kommers, es wird aus diesem Anlaß um 6 Uhr Ver- tagung beschlossen. Zuvor verlas der Vorsitzende ein lebhaft acclamirtes Begrüßungstelegramm der Kottbuser streikenden Textilarbeiter. »* �Dresden, den 8. April. Kurz nach 9 Uhr eröffnete Kaden die Sitzung. Es wird zunächst je einem Redner zur Begründung der gestellten Anträge das Wort ertheilt. Antrag 1 wird begründet durch Grenz- Leipzig: Ich stehe aus dem Standpunkt des Ge- nosscn Schoenlank. Ich meine, wenn man seit Jahren in den Versammlungen einen radikalen Ton anschlägr, so soll man auch im Parlament eine radikalere Taktik ein- schlagen. Die Leipziger Parteigenossen sind nach reiflicher Ueberlegung, nicht um für sich eine Extrawurst zu haben, in gutbesuchten Versammlungen, die der„Vorwärts" abzu- schwächen gesucht hat, einstimmig zu dem Beschlüsse gekommen, daß die Abgeordneten ihre Mandate niederzulegen haben. Ich glaube, versichern zu können, daß sich in Leipzig eine wesentliche Wahlbetheiligung nicht erzielen lassen wird.(Ruf: Schöne Sozialdemokraten!) Antrag 2 begründet R o s e n o w- Chemnitz: Unbeschadet der Geyer'schen Resolution kann diesem Antrage zugestimmt werden. Antrag 3 begründet E. Fischer- Dresden: Obwohl mein Antrag fast dasselbe sagt, als der von Geyer gestellte, so kann ich demselben nicht zustimmen, da dieser sich über- Haupt für Betheiligung an den Wahlen und gegen die Mandatsniederlegung ausspricht, während ich im Prinzip für die Niederlegung der Mandate und gegen eine künftige Betheiligung an der Wahl bin. Aber die Gründe, welche von gegnerischer Seite vorgebracht worden, sind, obwohl sie mich nicht zu anderer Ansicht bringen konnten, sehr beachtens- werth, und es ist immerhin die Frage, ob die Gegner meiner Ansicht nicht demnach recht und ich unrecht habe. Auch sind es nicht die rückständigen Kreise, welche zuerst für Wahlbetheiligung und gegen Mandatsniederlegung eintraten. Es waren gerade die tüchtigsten Parteigenossen, darunter Genosse Kautsky, welche sich zuerst ganz enischieden gegen die Mandatsniederlegung und Mahlenthaltung aussprachen; auch waren es die großen Städte, wie Dresden, Chemnitz u. a., welche den Standpunkt der Wahlbetheiligung vertreten. Aber auch die Gründe, welche von den Genoffen in den Weberbezirken vorgebracht wurden, sind beachtenswerth und wenn Genosse Schoenlank sich der Mühe unterzöge, in diese Weberdörfer zu gehen, so würde er finden, daß die dortigen Genossen ebenso tüchtige und über- zeugte Sozialdemokraten sind, als die Genossen der großen Städte. Merkwürdig ist es, daß Schoenlank im vorigen Jahre den Schwer- punkt auf das Land, dieses Jahr aus die große Stadt legte. Jetzt habe es ja doch keinen Zweck, die Mandate niederzulegen, eine Wahlrechisbewegung habe nur einen Zweck während der Tagung des Landtages. Einer einmaligen Betheiligung an der Wahl könne jeder zustimmen; nach der ersten Wahl habe man die Erfahrung hinter sich und könne dann auch eine Landeskonferenz die zukünftige Taktik festlegen. Dann würde die Mandatsniederlegung die Wahlrechtsbewegung wieder in Fluß bringen. Die Reaktionäre müßten erkennen lernen, daß sie nicht der Sozialdemokratie, sondern sich selbst schaden, wenn sie die Sozialdemokraten vom Wahlrecht aus- schließen. Der von mir gestellte Antrag bietet Gelegenheit zu einem einheitlichen Beschlüsse, nehmen sie ihn daher an! In der Diskussion nimmt zunächst das Wort Gold stein-Zwickau: Wenn ich die Ueberzeugung hätte, daß über die Wirkung des Wahlgesetzes im Lande völlige Klarheit herrscht, so würde ich unbedenklich für Wahlenthaltung eintreten. Die Ueberzeugung habe ich aber nicht. Die bürger- liche Presse hat das Volk vollständig über die Wirkungen des Wahlgesetzes im Unklaren gelassen und unsere Presse und unsere Versammlungen konnten diese Lücke nicht ausfüllen. Der Parlamentarismus in Sachsen ist für mich todt und wir müssen unsere Taktik ändern. Wir müssen die Mandate niederlegen, aber vorher noch eine Probewahl vornehmen, um diejenigen zu überzeugen, die bis jetzt noch gar nicht im Klaren sind. Die Wahlbetheiligung kann nur noch einmal groß werden, dann schläft die Sache sicher ein. Ich werde mich dem Antrage Fischer anschließen. R o s e n o w- Chemnitz: Wir sind aus der„Leipziger Volksztg." schon an Liebenswürdigkeiten gewöhnt, gestern hat Schoenlank aber dem Faß den Boden ausgeschlagen, indem er alle, die nicht seiner Meinung sind, als rückständige Elemente bezeichnete. Die Leipziger dürfen sich wirklich nicht als die einzigen„Hellen" hin- stellen. Die Mandatsniederlegung, also die Waffen aus der Hand legen, das ist kein Gegenschlag, sondern heißt eine Ohrfeige mit dem Hintern pariren. Ich bitte Sie, der Resolution Geyer zu- zustimmen. Dr. Gradnauer- Dresden: Ich finde nichts revo» lutionäres in Schoenlank's Phrasen, vielmehr steckt eine ge- wisse Resignation dahinter. Mit Eklats zu rechnen. das wäre unserer Partei nicht würdig.(Sehr richtig!) Schoenlank hat sich in eine Nebensache verrannt und die wichtigen Fragen der Wahlbetheiligung hat er außer Acht gelassen. Es handelt sich nur darum, wie wir am besten Proteste organisiren. In solche Versammlungen, die von vornherein die bloße Negation an der Stirn tragen, kommt kein Mensch. Wir können aber sehr wohl etwas Bestimmtes dem Volke vor Augen führen: die Wiedergewinnung des allgemeinen gleichen Wahlrechts und den Sturz des Dreiklassen-Wahlsystems. Das ist das große Ziel. für welches das Volk ins Treffen geführt werden muß. Alle Protestversammlungen konnte die Reaktion negiren, sie konnte sagen: das sind ja junge Burschen, die gar nicht Wähler sind. Völlig wird diese Rede widerlegt durch den Beweis der Abstimmung. Wir können noch gar nicht absehen, wie die politischen Verhüll- nisse in Sachsen sich gestalten werden. Betheiligen wir uns nicht an den Wahlen, so werden die bürgerlichen Parteien die Wähler der 3. Klasse an sich ziehen. Ich komme zu entgegengesetzten Schlüssen wie Schoenlank. Wollen wir resigniren und uns mit den Gemeinde- und Reichstagswahlen zufrieden geben, so wird den Gegnern der Muth wachsen, auch dieses anzutasten. Schoen- lank meint es wohl nicht so tragisch, wenn er von dem Keil redet, der in die Bewegung getrieben wird; darin kennt er die Leipziger schlecht: Nie werden dieselben gegen die Beschlüsse der Gefamintpartei auftreten! G e r i s ch: Die bisherige Debatte hat außerordentliche Meinungsverschiedenheiten gezeitigt. Leipzig und Chemnitz, alte Parteiorte, stehen in diametralem Gegensatz. Das ist für mich ei» Beweis, daß die Fraktion gut daran gethan hat, die An- gelegenheit nicht selbständig zu entscheiden. Es hätte der Sache nur gedient, wäre immer so sachlich diskutirt worden, wie zu meiner Freude gestern und heute. Es hat aber überall schmerzlich berührt, wie sich die Leipziger Genossen und besonders die „Leipziger Volks-Zeitung" in dem Meinungsstreit verhalten hat. Schoenlank hat gestern diesem Verhalten die Krone aufgesetzt, als er die ländlichen Genossen hinter die städtischen zurück- setzte. Von einer Probewahl, wie sie Goldstein will, halte ich nicht viel. Dem Genossen Rosenow gebe ich recht, daß die Behörden eine bloße Protestbewegung sehr bald unmöglich machen würde. Wir sind in Sachsen ja schon daran gewöhnt. Wo man gegen den„Faust" schon sitt- liche Bedenken hat(Heiterkeit), da»st auch noch anderes möglich. An Gründen zu Versammlungsverboten fehlt es nicht und wenn da einer nicht mehr genügt, kommt der andere an die Reihe. (Der überwachende Kommissar Hohlfeld entzieht den» Redner hier das Wort und Gerisch muß die Tribüne verlassen, ohne seiner Ansicht Ausdruck gegeben zu haben.) A l t e r in a n n- Freiberg: Wir haben doch bisher nicht gewählt, nnr um Mandate zu erringe», sondern die Wahl- bewegung wurde uns ein Mittel zum Zweck; wir brachten unsere Ideen ins Volk. Dasselbe können wir künftig thun, wenn anch Mandate nicht zu erringen sind. Es steht auch noch gar nicht fest, ob nicht doch ei» oder das andere Mandat uns zufällt.(Große Heiterkeit.) Ja, Genoffen, die wirlhschaftliche Entwickelung treibt auch die Wähler 2. Klasse uns zu. Höppner- Cotta: Echoenlank hat seine Haltung, die er bei Beralhung des Agrarprogramms eingenommen, jetzt sehr geändert Was die Frage selbst anlangt, so ist größte Wahlagitation selbst verständlich. Geyer will nur Belheiligung für die nächste Wahl. Aber alle diese Gründe passen auch für die Betheiligung bei späteren Wahlen. Ich meine aber, viel Erfolge werden wir mit der Wahlbetheilignng überhaupt nicht erzielen. Wo das Volk keine positiven Erfolge sieht, läßt es sich nicht an die Urne bringen. Wahlbetheilignng bleibt zwecklos. Anders ist meine Stellung zur Niederlegung der Mandate, die ich für einen schweren taktischen Fehler halten würde. Die Gegner würden sich darüber nur freuen. Schoenlank sagte, daß es traurig sei, noch im Landtage zu verbleiben, ich frage, ob es einer so großen Partei würdig ist einfach die Waffen zu strecken. Eine Waffe wird dadurch nicht stumpfer, wenn sie von weniger Personen geschwungen wird Einen Konsiikt innerhalb der Partei fürchte ich nicht. Lehmann- Leipzig mit 20 Genossen beantragt die folgende Resolution: Die Landesversammlung erklärt: Mit dem Dreillassen Wahlgesetz, das von der herrschenden Klasse geschaffen worden ist, um die Sozialdemokratie, die stärkste Partei Sachsens, aus der Volksvertretung zu verdrängen, hat die Sozialdemokratie nichts zu thun und wird sich, da es ihr un möglich ist, bei den Wahlen Mandate zu erringen, an den Landtagswahlen nicht betheiligen. Die Sozialdemokratie Sachsens wird aber bei jeder Gelegenheit eine lebhafte Agi tation entfalten gegen dieses Klassen- Wahlgesetz und für Ein sührung des gleichen, allgemeinen, geheimen und direkten Wahlrechts. Die Landesversammlung hält es weiter für an würdig, daß noch ferner Abgeordnete der sozialdemokratischen Partei einem Parlament angehören, von dem die E»t rechtung des arbeitenden Volkes beschlossen worden ist und die Versammlung fordert deshalb die sozial demokratischen Landtags-Abgeordneten auf, ihre Mandate nieder zulegen. Lehmann» Leipzig, Lange- Leipzig, Grenz- Leipzig. K l e e m a n n- Leipzig, Schoenlank, Menge, Siilter Leipzig, R iem-Wurzen, S ch m i d t» Zwickau, Kalbitz Krimmitschau, S ch w a r z- Werdau, Saubre-Planitz. Nitsche, Breslauer, Zimnr er mann. Wallfisch Dresden, Henker-Hänichen, R o e h l» Leipzig, L i n d n e r Pegau, N e u- Reichenbach, Preß-Netzschkau. Schmidt- Zwickau: Obgleich mehrere Abgeordnete und auch unsere Zeitung für die Wahlbetheiligung und für Mandatsi beibehaltung eintraten, entschied unsere Parteiversammlung da gegen. Wie wir wußten, daß mir damit in der Minderheit waren, so wissen wir auch, daß die Genossen sich dem Beschlüsse fügen werden. Den Abgeordnelen ist jede Möglichkeit genommen. in der Kammer zu wirken. Kompromisse werden bei Wahl betheilignng gar mcht zu vermeiden sei». Wie es besser wäre. wenn mancher Sieg bei den Gemeinderaths-Wahle» nicht erzielt würde, so wäre das dann der Fall mit dem Landtage. Ohne Mandate werden wir kämpfen müssen und ohne Wahlbetheiligung Abg. S ch u lz e- Cossebaude: Es handelt sich nur darum Ist die Wahlbetheiligung eines der Mittel, welches geeignet ist. das alte Wahlrecht zurückzuerobern. Durch die Reden der Gegner hat sich die Frage der Mandatsgewinnnng durchgezogen. Für mich ist wichtiger die Gewinnung der Wahlmänner und der Urwähler. Jedes Mittel müssen wir benutzen: Durch das Drei kassen-Wahlsystem muß die Beseitigung des Dreiklassen-Wahl systems erreicht werden. Grenz-Leipzig: Genosse Gradnauer und andere, die früher für Mandatsniederlegung waren, haben vollständig geschwenkt Man hat gesagt, die'„Volks-Zeitung" habe den Leipziger Genossen ihre Haltung vorgeschrieben. Es ist noch niemals eine solche Einmüthigkeit zwischen der Redaktion der„Leipziger Volks dings vorhanden, selbe entstanden Wünschen Leipzigs bedroht. Und doch wiegende Mehrheit weise der„Leipz. Zeitung" und den Leipziger Genossen vorhanden gewesen, wie in dieser Frage. Im Gegentheil, die Leipziger Genossen haben die Redaktion zu schnellerem Vorgehen ermuntert. Die Leipziger werden sich nicht mehr an den Landtagowahlen betheiligen, daS ist nun einmal ihre Ueberzeugung, die sie nicht mehr aufgeben werden. P i n k a u: Es sei nicht richtig, daß in Leipzig keine Oppa sition gegen die„Volks- Zeitung" bestanden habe. Die Stimmung, welche Schoenlank vertritt, ist in Leipzig aller aber man muh beachten, wie die ist. Weil die Fraktion nicht den entsprach, wurde sie mit allerlei Reden ist hier zu sehen, daß die weitaus über gegen die Leipziger ist. Die ganze Schreib Volksztg." niußle die Leipziger Genossen täuschen. Nicht eine Zeile hat die„Volkszeitung" von Anders- denkenden gebracht, systematisch wurden diese todtgeschwiegen systematisch wurde darauf hingearbeitet, die Stimmung zu steigern, sie zuzuspitzen und auszunützen. Noch nie dagewesen in der Partcipresse ist, daß eine ernste Sache unter dem Strich an geulkt wurde. Noch nie dagewesen ist, daß ein Aufruf der Fraktion nicht abgedruckt wurde.(Zuruf Schoenlank's Er ist ja abgedruckt worden!) Ja, nachdem die Genossen, der„ Vorwärts" und andere Zeitungen es verlangten, erschien er auf der letzten Seit« mit unwürdigen Glossen versehen. Man nannte uns Streber und Kleber, der ärgsten Gemeinheit zieh man uns. Im Laufe der Zeit mußte die„Volkszeitung" sich aber doch überzeugen, daß die Mehrheit der Genossen gegen die„Volkszeitung" war und in den letzten 14 Tagen war die Schreibweise eine objektive, mit der man sich «inverstanden erklären kann. Was uns zuvor in Leipzig an den Kopf geworfen wurde, läßt sich nicht wiedergeben.(Zuruf Die Schreibweise der„Volkszeitung" war gemein!) Daß die Frage, um die es sich handelt, keine einfache war, beweisen doch die ernsten Ausführungen, die allerorts gepflogen wurden. Die Schreibweise der„Leipziger Volkszeitung" muß zurückgewiesen werden und ich schlage Ihnen jolgende Resolution vor: „Die Landeskonferenz erklärt die Sckrcibweise der„Leipz. Volksztg." in Sachen der Mandatsniederlegung für eine der Partei nicht würdige und spricht ihren schärfsten Tadel darüber aus. daß die„Leipz. Volksztg." den Aufruf der Landtags sraktion zur Einberufung der Landeskonferenz nur auf der letzten Seite mit Randglossen zum Abdruck gebracht hat." S a chff e- Planitz: Ich bin Gegner einer Wahlbetheiligung, weil es uns nicht gelingen wird, Wahlmänner zu finden, denn dieselben würden einfach gemaßregelt werden. Das Vorgehen der„Leipziger Volkszeitung" kann ich nicht billigen, aber ähnlich steht es mit dem Verhalten mehrerer Abgeordneten. Deshalb kann ich nicht für die Resolution Pinkau stimmen. Es ist von beiden Seiten gesündigt worden, wenn auch der Anlaß von Leipzig ausging. Lehmann- Leipzig: Die Leipziger Genossen haben die Haltung der„Volkszeitung" verstanden, denn der„Vorwärts" hat auch eine verletzende Haltung eingenommen. Aber die Sache liegt nunmehr hinter uns und es ist nicht gut. alle alten Dinge auszuwärmen. Mit der Agitation für die Betheiligung an den Wahlen würden wir nicht weit kommen, unter keinen Umständen darf man sich an der Wahl betheiligen, stk Kaden- Dresden: Ich habe erst eine abwartende Stellung eingenommen, nachdem aber jetzt das Wahlgesetz angenommen ist, halte ich eine Wahlbetheiligung für unmöglich. Das Volk will Erfolge sehen, und wo diese nicht zu erringen sind, wird die Wählerschaft muthlos. Ich halte auch eine Probewahl für zwecklos, unsere Leute sind vernünftig genug, das einzusehen. Sie sagen, es ist schade um den Gang zum Wahltisch. Es ver- lohnt sich nicht, für dieses Wahlgesetz einzutreten, es müßte sonst koinpromisselt werden und das wollen wir nicht. Die radikalen bürgerlichen Elemente sind in Sachsen auch so gut wie ausgestorben. Mögen einige Antisemiten mehr gewählt werden, sie sind von den Konservativen uns darauf besinnen, daß wir eine propagandistische Partei sind. Ich bin auch für Mandatsniederlegung, nicht durch die Haltung der„Leipziger Volkszeitung", sondern durch reif liche Ueberlegung. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben mich in der Ueberzeugung bestärkt, daß wir die Mandate nieder legen. Wir müssen das Prinzip des Klassenkampfes stärker hervorheben, wir brauchen uns nicht an den Debatten um eine Bahn-Haltestelle oder den Bau eines Amtsgerichts zu be theiligen. Die Wahlbetheiligung wird unter dem neuen Gesetz noch viel schwächer werden als jetzt. Die„Leipz. Volksztg." hat an der Partei schwer gefrevelt. Die Wahlrechtsbeivegung hat durch die von den Leipzigern hineingeworfene Brandfackel schwer gelitten. Ja, ich habe meine Parteigenossen gefragt, ob diejenigen, die solche Schreibweise beliebt haben, noch Raum in der Partei haben sollen.(Schoenlank ruft: Ganz Leipzig steht hinter mir.) Ja, Genosse Schoenlank, ich verweise blos auf den Cri-Lri-Artikel, in dem es hieß: Sie klebe», klebe», kleben. Und j war kleben wegen pekuniärer Vorlheile. Genossen, wir stehen eit Jahrzehnten in der politischen Bewegung und müssen uns o etwas nachsagen lassen. So etwas kann nur jemand chreiben, der selber hinter dem Strauche steckt, hinter dem er andere sucht.(Beifall.) Ich sage mit dem Genossen Bebel: Solche Leute gehen zur Bourgeoisie, wenn sie bei der Partei nicht entsprechend bezahlt werden. Wo bleibt, frage ich, das Prinzip? Wir hielten es unter unserer Würde. darauf zu antworten, wir hätten uns selbst zu beschmutzen geglaubt. Aber Genosse Pinkau hat mit seiner Resolution das richtige ge- troffen und ich bitte Sie, nehmen Sie das Tadelsvotum an. (Lebhafter Beifall.) Lorenz- Chemnitz: Für Chemnitz trifft doch am meisten zu, daß die Klasienscheidung besteht und doch ist man dafür, das Agitationsmittel der Wahlbetheiligung nicht aus der Hand zu lassen. Wenn die Genossen durch Thatsachen belehrt werden, daß unter dem Dreiklassen-Wahlsystem keine Erfolge zu erringen sind, so wirkt dies anders, als wenn dies blos durch Worte ge- schieht! Dieselben Argumente, welche gegen eine Wahlbetheiligung sprechen, nämlich daß die Genossen ermüden würden, treffen auf die bloße Protestverweigerung auch zu. Die Kreise, welche Schoenlank als rückständige bezeichnet, sind unsere besten. Das Erzgebirge, nicht die großen Städte, wie Dresden und Leipzig entsenden Abgeordnete in den Reichstag. Ich bin gegen die Mandatsniederlegung. Es können 9 Mann so gut schießen wie vorher 15. Um 1 Uhr wird in die Mittagspause eingetreten. »* Welche Bedeutung die Regierung den Verhandlungen der Landeskonferenz beilegt, erhellt aus der Thalsache, daß fünf Parlaments- Stenographen die Verhandlungen wortgetreu auf nehmen._ Tl. Parteitag der badischen Sozialdemokratie. «Schluß.) Die Preßangelegenheit wurde zu einer allgefälligen Lösung in die Behandlung des Landesvorstandes überwiesen. Mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie schloß Kalnbach den Kongreß, der im ganzen eine» sehr sachlichen Verlauf nahm und die Entwickelung der badischen Sozial- demokratie fördern wird. Zu Ostern des nächsten Jahres findet der nächste badische Parteitag in Offenburg statt. UoKerfes. Wenn zwei dasselbe thun, so ist eS nicht dasselbe. Von dem jetzigen preußischen Justizminister ist dieser Schalksspruch des Terenz bekanntlich als einer der Rechtsgrundsätze des deutschen Polizeireiches bezeichnet worden. Wie sehr dies offen- herzige Bekenntniß den Nagel auf den Kopf trifft, lehrt ja vor allem die Handhabung des preußischen Vereinsgesetzes, mit dem man brav sozialistische Organisationen zu zerstören sucht, das aber„ordnnngsfreundlichen" Vereinen gegen- über selbst dann nicht in betrachl kommt, wenn diese ich offenkundig begangener Gesetzesverletzungen rühmen. Ein neues Beispiel für diese praktische Anwendung des gleichen Rechts für alle finden wir in dem 1öS6er Jahrbuch des O st- deutschen Jünglingsbundes, einer Organisation für römmigkeit und Patriotismus, die ihren Sitz in Berlin, ivphienstr. 19, bat. Der Bund sagt von sich, daß er aus 219 Vereinen bestehe und eine» Bundesvorstand habe, der regel- mäßig allmonatlich seine Sitzungen abhalte. Ein paar Zeile» weiter heißt es im Bericht:„Auf Vorstandsbeschluß wurde ämmllichen Vereinen eine Petition an den B u n d e s r a t h zur Unterschrift zugesandt, in welcher um Einschränkung des Schankgewerbes an Sonn- und Feiertagen und ganz besonders um Schließung der Schank- wirthschaften an den Sonntag-Vormittagen gebeten wurde." Auch thut der Bundesvorstand sich etwas darauf zu gute, daß die„acht vereinigten deutschen Jünglingsbündnisse" dem alten Volksfeinde im Sachsenwalde zu seinem 69. Geburtstage gemein. am eine Adresse überreicht haben. Wo hört man da etwas vom Einschreiten des Staats- a n w a l t s? Man komme nicht mit dem von Rechts wegen den in betracht kommenden Behörden übrigens völlig gleichgiltigen Einwand, daß die herzenseinfältigen Jünglingsbündler bei Er örterung der nach heuliger Rechtsprechung eminent politischen Angelegenheit der Petition etwa gar nicht gewußt habe», daß es einen Paragraphen acht des Vereinsgesetzes giebt, dem man mit solchen Dingen schnurstracks zuwiderhandelt. Dem gesetzesverletzenden Vorstand gehören an: zehn Pastoren, ein Rektor, ein königlicher Betriebssekrelär, ein Konsistorialrath, ein Professor der Theologie, ein Geheimer Rechnungsrath, ein Kommerzienrath u. s. w. Stöcker ist Ehrenmitglied. Dies sind alles Leute, welche kraft ihrer Stellung im öffentlichen Leben doch wohl wissen müssen, daß Vereine,„welche bezwecken, politische Gegenstände in Versammlungen zu erörtern", nicht mit andern Vereinen gleicher Art in Verbindung treten dürfen u. s. w Aber— wenn zwei dasselbe thun, so ist es nicht dasselbe. Die wundersamsten Auslegungen unseres so schon in einem Lande mit politischem Leben durchaus sinn- widrigen Vereinsgesetzes, wenn es gilt, sozialdemokratischen Organisationen den Garaus zu machen; völliges Versagen dieses Gesetzes aber gegenüber den offenkundigen Vergehen staatsfreund- licher Vereine. Es ist ein gntes Zeichen der Gesittung und des rechtlichen Sinnes im deutschen Volke, daß es mit lichtseindlichen Vereinen trotz aller Begünstigungen nicht vorwärts geht geschmackvoll sagt der Jünglingsbund von dem zweifelhasten Erfolg seiner Propaganda, daß Gottes Sachen laugsam wachsen — während die deutsche Sozialdemokratie den härtesten Ver- olgungen zum Trotz blüht und sich von Tag zu Tag mächtiger entfaltet! Tie Sparsamkeit der Berliner SanStvirthe ist jedem Miethcr bekannt. Wieweit diese bedenkliche Tugend geht, zeigt der Umstand, daß die einzige Müllabs uhr-Gesell- chaft, welche ihr Geschäft wirklich den behördlichen An- orderungen entsprechend staubfrei besorgte, ihren..Kastenwechsel- -etrieb" wegen ungenügender Frequenz hat einstellen müsse». Dies System war den Hauswirthen eben zu theuer und daher lassen sie dem behördlichen Verbot zum Trotz den Müll bei der Abnahme lustig weiter umherwirbeln zum gesundheitlichen Nach- theil des Publikums und der mit der Absuhr beschäftigten Arbeiter. Zur praktischen Nutzbarmachung des Tucllmordcs bringt die„Köln. Volks-Ztg." folgenden Plan in Vorschlag: „Vielleicht ladet man überhaupt das Publikum an den Anschlag- faulen zu dem Schauspiel ein und stellt zugleich eine» olalisator auf, damit das Publikum aus den Ausgang der Schießerei Wetten veranstalten kann und so ein größerer Reiz es nicht für Pistolen, Munition, Arzt und Begräbniß- kosten verbraucht wird, zum Bau einer Kirche spenden, in der dem Volke Moral und-Religion gepredigt wird. Dann wären doch wenigstens die Ironie und der Hohn auf Vernunft, Moral und Religion konsequent durchgeführt. Und ausarten muß offenbar der Unfug noch mehr, wenn ihm endlich Einhalt gethan werden soll. Zu belehren und zu bekehren sind ja diese Leute von der satisfaklionssähigen Gesellschaft nicht. Wenn ihnen nicht Zwang angethan wird, werden sie in ihrem verrückten Treiben fort- fahren, bis, wie vor hundert Jahren, der allgemeine Umsturz ihm ein Ziel setzt."— In letzterem naiven Nothschrei giebt das ultramontane Blatt die ganze Hilflosigkeit desjenigen Theils der herrschenden Klasse kund, in dem die aufmerksam protegirte Schneidigkeit noch nicht alle Vernunft erstickt hat. Barrikaden in Berlin. Der hiesige Vertreter des„New- Iorker Journals" hat am 23. März einen guten Fang gethan. Das Blatt brachte am 24. März eine Kabeldepesche. deren erste Ueberschrift in knüppeldicken Buchstaben lautet:„Barrikaden in Berlin". Als Untertitel folgen:„Anarchistischer Aufruhr im Ostende";„Bäcker- und Fleischerläden werden geplündert"; „Nach hartem Kampf 70 Ruhestörer verhaftet." Die Erfolge, welche die Sozialisten im deutschen Reichstage in letzter Zeit er- zielt haben, haben die Anarchisten nicht ruhen lassen. Sie wollen offenbar einmal zeige», daß sie auch noch da sind. So haben sie heute auf der Ostseite Berlins einen ernstlichen Riot arrangirt. bei dem sie sich im Plündern von Läden und Barrikadenbauen übten. Es war zwar kein Eigenthum zerstört worden, aber Männer und Erauen. welche den maskirten Eindringlingen in ihre äden Widerstand zu leisten suchten, wurden von den Radau- und Nationalliberalen nicht zu unterscheiden. Wir müssen ausgeübt wird. Das Eintrittsgeld kann man za, so weit brüdern in rohester Weise mißhandelt. Straßenbahnwagen Droschken, Frachtsuhrwerke wurden angehalten. Die Waare der Bäckerläden wurde auf die Straße geworfen. Der friedlichen Bürger bemächtigte sich ob dieses Treibens des anarchistischen Mobs ein solcher Schrecken, daß sie glaubten, die Herrschaft des Kommunismus sei angebrochen. Die Polizei verhastete siebzig der Aufrührer. Aber es gelang ihr dies erst nach heftigem Kampfe. Die meisten der Verhafteten sind chronische Arbeitslose und Prostituirte. Als sich das Gesindel gegen die Polizei nicht mehr aus der Straße halten konnte, verbarrikadirte es sich in einer jener Kellerwirthschaften, die als Rendezvous-Platz für Diebe und allerlei gesetzloses Gesindel dienen."— Daß die amerika- nischen Leser sich solchen Ulk regelmäßig vormachen lassen, spricht gerade nicht für deren Intelligenz. Freilich sind die meisten von zenseits des Ozeans kommenden Depeschen auch nicht viel mehr werlh, wie die vorstehende Tartarennachricht. Der Philister dies- und jenseits des großen Wassers will eben„Neuigkeiten" lesen und an armen Tröpfen, die für 19 Pf. die Zeile das Blaue vom Himmel herunterlügen, fehlt es-weder in der alten, noch in der neuen Welt. Mummenschanz. Bei der Eröffnungsfeier der diesjährigen großen Kunstausstellung, mit der die Erinnerungsfeier an die vor 299 Jahren erfolgte Gründung der tönigl. Akademie der Künste verbunden ist, wird der Senat der Akademie zum ersten Male in einer ganz sonderbaren Festtracht erscheinen. Sie besteht der „Voss. Ztg." zufolge in einem rothen Mantel mit weite», lang herabhängenden Aermeln und in einer rothen Kappe. Es ist die Tracht, die einst die Senatoren des stolzen Venedig trugen.— Das muß sehr komisch werden. Eine Reorganisation der Kriminalpolizei soll die Tages- ordnung einer Konferenz gewesen sein, die von höheren Polizei- beamten kürzlich abgehalten worden ist. Wenigstens behauptet dies das„Berliner Tageblatt", das in wohlthuender Be- scheidenheit sich das Verdienst zuschreibt, durch„seine" Er- örterungen der offenkundigen Mißerfolge, die unseren Sicherheits- behörden bei der Aufspürung von Kapitalverbrechern leider an- haften, die Anregung zu diesen, angeblich übrigens resultatlos verlaufenen Verhandlungen gegeben zu haben. Gegen solche Protzerei des Mosse'schen Blattes streitet ärgerlich die„Staats- bürger-Zeitung", die sich bekanntlich etwas darauf zu gute thut, das polizeisrömmste Blatt in Berlin zu sein. Sie verlangt„mehr individuelle Freiheit für die einzelnen Beamten". Uns will be- dünken, daß es den Polizeibeamten, soweit sie Privatpersonen gegenüber agiren, an individueller Freiheit eigentlich nicht mangelt. Wenigstens hat der letzte Mißhandlungsprozeß in uns abermals diese Ausfassung hervorgerufen. Desgleichen die verschiedentlichen Thaten der politische» Polizei vor. während und nach dem Sozialistengesetze. Erfolg haben sie aber auch nicht gehabt. Antisemitisches. Reichstags- Abgeordneter Dr. Böckel hat ich wieder ein eigenes Organ geschaffen. Es ist dies ein in Berlin erscheinendes„unabhängiges und unpolitisches Wochen- blatt für Volkswirthschaft und geistiges Leben",„Der Vorkämpfer" betitelt, welches den Interessen des deutsch-wirthschaftlichen Ver- bandes dienen will.— Wie die„New-Aorker Staatszeitnng" erzählt, hat der Reichstags-Abgeordnete Ahlwardt in Hoboken die erste Nummer feiner Antisemitenzeitung veröffentlicht.„Sein Mitarbeiter und erster Redakteur ist ein Herr Friedow. der in seiner vorchristlichen Epoche den Namen Schmuhl geführt hat." Ferdinand Gumbert, der bekannte Komponist so mancher populärer Lieder, ist hier im fast vollendeten 79. Lebens- jähre(geboren 22. April 1918) gestorben. Die in ihrer Ein- sachheil herrlichen Melodien von„Ich bitt Euch, liebe Vögelein",„Zwei Aeuglein braun",„Was ich so tief im Herzen trage" u. s. w. sind heute noch in manches Sängers und mancher Sängerin Munde. Die Beerdigung Ferdinand Gnmbert's findet heute, Donnerstag. 4 Uhr nachmittags, aus dem israelitischen Friedhofe in der Schönhauser-Allee statt. Tie Waldpfade in der Umgebung des Müggelsees sollen jetzt Orientirungstaseln erhalten. Tie Große Berliner Pferdeeisenbahn-Gesellschaft hat den Fahrpreis für die Linie Spittelmarkt-Treptow auf 1ö Pf. herabgesetzt. Ter Vorstand des deutschen Thierschutzvcreins bittet das Publikum, welches Hausthiere hält, überzählige junge Hunde und Katzen ihm zu überweisen. Die Abholung wird durch das Thierdepot(Stadlbahnbogen 79 und 89 an der Slralauer Brücke), nöthigenfalls unentgeltlich bewirkt. Auch übernimmt der Verein alte, kranke oder überzählige Thiers, sei es zur freien Verfügung oder schmerzlosen Tödtung durch den Vereins-Thierarzt, welcher im Depot am Montag, Mittwoch und Freitag, im Asyl(Schul- straße 112), am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von II bis 12 Uhr zu sprechen ist und zwar für Mitglieder und Un- bemittelte unentgeltlich. Folgende Berichtigung hat Herr Dr. Friedrich Lange. Herausgeber der„Deutschen Zeitung", der„Täglichen Rundschau" eingesandt.„Es ist unwahr, daß ich meinem Verpacker irgend welchen Auftrag an den Verpacker der„Täglichen Rundschau" er- theilt habe, mithin auch unwahr, daß ich den Verpacker der„Tag- lichen Rundschau" zu irgend welchem Zwecke zu mir gebeten oder ihm eine Vergütung für irgend eine mir zu leistende Gefälligkeit angeboten hatte. Wahr ist dagegen, daß mein Verpacker mir gegenüber die Absicht ausgesprochen hat, mit dem Verpacker Ihres Blattes Rücksprache zu nehmen und daß ich ihm in Gegen- wart eines Zeugen wiederholt und in bestimmtester Form ver- bolen habe, in meinem Dienste irgend welchen unlauteren Ge- brauch von den Beziehungen seines früheren Dienstverhältnisses zu mache». Dies geschah, nachdem ich ihn auf seine wieder- holte Bewerbung um den von ihm jetzt eingenommenen Posten nur unter der ausdrücklichen Bedingung an- gestellt hatte, daß ich von ihm keinerlei Durchstechereien zu defürchten hätte. Hat mein Verpacker die Aussagen gemacht, so hat er gelogen und außerdem gegen meinen ausdrücklichen Befehl gehandelt; er wird demgemäß zur Verantwortung gezogen werden. Da ich glücklicherweise für die Unterredung mit meinem Verpncker einen Zeugen habe, so sehe ich der Anzeige bei der Slaalsanwaltschaft mit Gelassenheit entgegen." Von seinem IS jährigen Bruder ist der 17 jährige Lehr- ling Hans Sachse in Reinickendors nicht unbedenklich mit einem Messer verletzt worden, als er diesen, der in betrunkenem Zu- stände die Passanten aus der Straße anrempelte, nach Hause bringen wollte. Ans dem Wege zum StandeSamte wurde Dienstag Vor- Mittag um 11 Uhr der Sleinietzgeselle Gustav Merbitz ans der Vrunnenstraße Nr. 104 vom Tode ereilt. Ferbch, ein Mann von K6 Jahren, war seit drei Jahren Wittwer und stand im Begriffe, sich zum zweiten Male zu verheirathen. Dienstag Vormittag sollte die standesamtliche Trauung stattfinden, der bejahrte Bräu- tigam wurde jedoch, als er seine Braut abholen wollte, in der Usedömstraße vor dem Hause Nr. ISb von einem Herzschlage ge- troffen und verschied auf der Wach« des S9. Polizeireviers, wohin mau ihn getragen hatte. Bei dem Versuch, eine entflohene Taube einzufangen, ist der 15 jährige Knabe Körner vorgestern von dem Dache eines Hauses der Reichenbergerstraße herabgefallen. Das Kind wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Vou der Staatsanwaltschaft ist die Leiche eines Kindes beschlagnahmt, das am ersten Feiertage im Krankenhause starb. Am 3. d. M. war die Waschfrau Mühlenbcck aus der Schulzendorferstraße 17, deren Mann als Maurer außer dem Hause weilte, in ihrer Küche bei der Wäsche. An der Erde stand ein Kessel mit kochendem Wasser, auf der Maschine eine Kanne mit Kakao. Bon diesem wollte der vierjährige Otto naschen und er benutzte die Gelegenheit, als die Mutter hinausging, um einem Mädchen zu öffnen, das Wäsche brachte. Der Kleine stieg auf den Kesselrand, um die Maschine zu erklettern, fiel in das kochende Wasser hinein und verbrühte sich schwer. Im Kranken- hause ist er seinen Verletzungen erlegen. Wcttcr-Prognose fiiv Donnerstag, den 9. April 1896. Ziemlich mildes Wetter mit schwachen westlichen Winden und veränderlicher Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Kunfl und WHJTrnMafk. Moderner Dichter- und Komponisten- Abend. Die Arbeiter-Bildungsschule veranstaltet am Eonnadend, den 18. April, in Keller's Festsälen, Koppenstraße, einen„Modernen Dichter- und'Komponisten- Abend". Die Arbeiter- Bildungsschule, so wird uns geschrieben, beiritt damit ein neues Gebiet: neben ihrer Hauptthärigkeit, dem methodischen Unterricht, der naturgemäß nur an eine kleinere Anzahl von Arbeitern und Arbeilerinnen ertheilt werden kann, und neben den Wissenschaft- lichen Veranstaltungen, wie die Urania- Vorstellungen, will sie von Zeit zu Zeit auch dem Bedürfnisse des arbeitenden Volkes von Berlin nach künstlerischen Genüssen dichterischer, musikalischer und theatralischer Art Rechnung tragen. Ten An- saug bildet ein„Moderner Dichter- und Komponistenabend", dessen Verlauf etwa folgendermaßen gedacht ist: Einleitend wird ein Vortrag über„Moderne Dichlercharaktere und ihr Verhältnißzur neueren Liederkomposition" geHallen, der in knappen Umrissen die zeitgenössische Dichtkunst, besonders die lyrische, charakteri- siren, sowie ihr Verhältniß zur modernen Liederkomposition an- deuten soll, um dadurch das Versländniß sür die nachfolgenden Gesangsvorträge zu erleichtern. Diesen Theil des Abends hat Schriftsteller Heinrich Schulz übernommen. Im Anschlüsse daran werden die künstlerisch bedeutendsten und inhaltlich dem modernen Geist am meisten entsprechenden Gedichte zeitgenössischer Dichter, soweit sie von der modernen Liederkomposilion berücksichtigt sind, zum gesanglichen Vortrag gelangen. Von den hierher gehörigen Dichtern seien u. a. Namen genannt wie Liliencron, Conr. Ferd. Meyer, die Gebrüder Hart, Bierbaum, Mackay, Henckell, der jüngst verstorbene Leopold Jacoby, Robert Seidel, Audorf, Fuchs; von den neueren Liederkomponisten, die von wirklich strebendem Geiste beseelt sind, seien nur Richard Straub, ferner Max Schillings, Professor Thuille und Hermann Bischoff erwähnt. Außer den Liedervorlrägen wird noch In st ru mentalkonzert und zwar Kammermusik geboten werden. Ihre Mitwirkung haben bis jetzt bereits eine stattliche Anzahl von Künstlern zugesagt, so die Konzertsängerin Emily Hamann- Martinsen (Sopran), der Konzertsäuger Emil Severin(Bariton), der Konzertmeister E u g e n Donderer(Violinvirtuos), der Kapell- meister Wilhelm Klatt«, Hern, ann Bisch off(Klavier- begleitung) u. a. Wenn man bedenkt, wie den ärmeren Volks- schichten durch die hohen Eintrittspreise zu allen musikali- scheu Veranstaltungen seitens der bürgerlichen Kreise jeder künstlerische Genuß illusorisch gemacht wird, so sollte die Arbeiterschaft Berlins den neuen Versuch der Arbeiter- Bildungsschule sreudig begrüßen und sie durch zahlreichen Besuch— wir verweisen in dieser Beziehung auf die glänzend verlaufene Pefkalozziseier— zu weiteren Veranstaltungen dieser Art ermuntern. Studentinnen in Genf. Im Winterhalbjahr 1895/96 ludirten an der Universität Genf etwas mehr als 200 Frauen, »arunter 136 immatrikulirte. Ungefähr ein Drittel ist russischer Nationalität; allein in der medizinischen Fakultät ist ein halbes Hundert Russinnen immatrikulirt. Auf sie folgen in der Medizin 18 Polinnen, 5 Armenierinnen, 4 Bulgarinnen, 1 Serbin und 2 Genferinnen, die einzigen immatrikulirten Studentinnen der Universitätsstadt selbst. Am meisten drängt sich das weibliche Geschlecht zu der literarischen Fakultät. Da finden sich unter 109 Immatrikulirten 41 Frauen,(davon 17 Deutsche, 7 Russinnen) und unter den Hörern bilden sie sogar die Mehrheit, von 136 eingeschriebenen Hörern sind 75 weiblichen Geschlechts. Die Aussichten ans Nanfen's Rückkehr und auch die Be- stätigung seiner Erfolge beginnen leider zu schwinden. lieber den Ursprung der ersten Nachricht wird jetzt in russischen Blättern eine Version laut, die geeignet ist. alle Hoffnungen herabzustimmen. Im„Tomski Listok" liest man: Dieser Tage passirle Tomsk der jakutische Kaufmann Kuschnarew. e,n Onkel desselben Kandakow, der die Nachricht über Nansen in die Welt gesetzt hat. Wie der Onkel in Tomsk er- zählte, hat sein Neffe eigentlich nur eine Vermuthung aufgestellt. Die Sache verhielt sich folgendermaßen: Von den neu- sibirischen Inseln kehrte eine der drei Partien zurück, die Kuschnarew dahin zur Ausbeutung von Mammuth- Elfenbein expedirt hatte. Diese Elfenbeinsucher erzählten, daß sie in der Nähe der neusibirische» Inseln ein Schiss mit Europäern gesehen hätten, das sie jedoch nicht weiter interessirte. Sie wußten eben, daß es Europäer giebt, die sich mit so unnützen Dingen, wie das Befahren des Eismeers zu wissenschaftlichen Zwecken beschäftigen, und daß sie gar keine ernsten Zwecke(also Handels- zwecke) verfolgen. Daher fetzten sie sich auch gar nicht mit dem Schiffe in Verbindung, sondern ließen es ganz un- beachtet. Kandakow, dem die Elfenbeinsuchcr die Nachricht brachten, dachte sofort, daß es sich hier nur um Nansen handeln könnte und schrieb darüber nach Jrkutsk, von wo dann die Bot- schaft die ganze Welt umflog. Auf den neusibirischen Inseln befinden sich gegenwärtig noch zwei Partien der Kuschnarew'schen Elfeubeinsucher. die im November zurückkehren müssen und vielleicht nähere Nachrichten über das gesehene Schiff bringen werden. Eine von der Geographischen Gesellschaft in Peters- bnrg ausgerüstete Expedition zur Erforschung des Distrikts Jrkutsk ist an, 7. April abgereist. Die Expeditton wird erst nach drei Jahren zurückkehren. Gabriel Tcville:„iLrineixos sociallste s". Unser Genosse Gabriel Deville, der 1883 ein französisches Resümee des „Kapitals" von Carl Marx schrieb und dessen Schrift über de» Anarchismus den deutschen Genossen bekannt ist, hat unter dem Titel:„ S o z i alistische Grundsätze"(Principss Socia- listes) zum Preise vou 3 Frcs. 50 Cent, eine Arbeit veröffent- licht, die, in klarer, verständlicher Sprache, eine Art Encyklopädie des Sozialismus bildet. Die Schrift bildet den I. Band der bei I. Giard u. E. Bribre i» Paris erscheinenden Internationalen sozialistischen Bibliothek(Lidliotstegus LooialiLto ivtor- vaüouaJe).— GevMzks�Ieikung. Ein Berliner Börsenblatt vor Gericht. Eine Privat- klage des Kommerzienraths Hugo Landau und des General. konsuls Engen Landau gegen den Chefredakteur der„Bank- und Handelszeitung", Walther M a n ck e, die gestern das hiesige Schöffengericht beschäftigte, scheint sich zu einer Art Monstre- prozeß auswachsen z» sollen. Die Inhaber der Firma Jakob Landau sind seit geraumer Zeit Gegenstand heftiger Angriffe der„Bank- und Handelßzeitung". Diese hat in drei Arlikeln unter der Ueberschrift„In eigener Sache",„Eugen Richter, der Beschützer der Unschuld" und„Das Recht auf Diskussion" Be- leidigungen gegen die Privalkläger geschleudert und zwar, indem sie Vorgänge besprach, die bei der Aktiengesellschaft Gladenbeck, bei der Rositzer Zuckerraffinerie und bei der Jeserich-Asphalt-Gesell- schaft angeblich vorgekommen seien. Die Ehre der Privat- klüger, die bei diesen Gesellschaften als Anfsichtsräthe bezw. Hauplaktionäre betheiligt sind, wird durch verschiedene Rede- Wendungen auf das Heftigste angegriffen; es wird behauptet, daß „die Manipulationen der Firma Jakob Landau dem armen Privatpubltkum Millionen Mark kosten", daß die„Freisinnige Zeitung" sich vergeblich mit der Ehrenrettung dieser Manipulationen abmühe, und es werden dann allerlei Angriffe auf die persönliche und geschäftliche Ehre der Privatkläger gerichtet. Zum gestrigen Termin, in welchem die Kläger durch Rechtsanwalt Träger, der Angeklagte durch den Rechtsanwalt Lconh. Friedmann verireten waren, hatten beide Parteien umfangreiche Schriftsätze eingereicht. Der Angeklagte, welcher erklärte, für alle in den Artikeln aufgestellten Behauptungen den Beweis der Wahrheit führen zu können, stellte es so dar, als ob seine Artikel nur Entgegnungen und Verlheidigungen gegen Angriffe der„Frei- sinnigen Zeitung" gewesen seien. Klägerischerseits war dagegen ein umfangreicher Beweis dafür angeboten worden, daß der An- geklagte mit seinen Angriffen nicht„berechtigte" Interessen, sondern sehr unberechtigte Interessen des eigenen Geld- beutels vertrete. Es wurde behauptet, daß der An- geklagte Bankiers, Bankhäuser und Aktiengesellschaften sich tributpflichtig zu machen und namentlich dadurch zur Ueberlassung von Inseraten und Prospekten zu nölhigen suche, daß er sie heftig angreife und ihnen dann den Preis des Friedens diktire. Die Kläger behauptelen trotz des Widerspruchs des Angeklagten, daß auch dessen Gehässigkeit gegen sie ans derselben Grundlage beruhe. Insbesondere erklärten sie sich zum Beweise dafür bereit, daß der Avgeklagte ohne Auftrag Börsen- Annoncen in seiner Zeitung abzudrucken und dann die Rechnungen dafür den betr. Gesellschaften mit der Bitte um Honorirung zuzuschicken pflege. Der Angeklagte bestrittzunächst die Thalsache, als ihm aber B r i e f e vorgelegt wurden, welche nachwiesen, daß er bei derBreslauerDiskonlobankin dieserArt vorgegangen, gab er die Möglichkeit zu. verweigerte aber weitere Auskunft nach dieser Richtung hin, da er meinte, daß solche Sachen doch weit ab von dieser Privatklage lägen, und er über die Lage der einzelnen Fälle unmöglich sofort Auskunft geben könne. Der Amtsrichter war anderer An- ficht. Er meinte, daß es doch zur Beurtheilnng der Frage nach der Vertretung„berechtigter Interessen" wichtig sei. zu prüfen, auf welche Motive des Angeklagten Angriffe gegen die Privatkläger zurückzuführen seien. Es wurde deshalb beschlossen, die Sache zu vertagen, um Gelegenheit zu gewinnen, die von den Privalkläger» gegen den Angeklagten in der an- gedeuteten Richtung erhobenen Beschuldigungen, deren das Schrift- stück des R.-A. Träger eine ganze Reihe enthält, näher zu prüfen, auf der anderen Seite aber auch, um sich über den vom An- geklagten angebotenen Wahrheitsbeweis näher zu oricntiren. Der Bibelspruch:„Wenn dich jemand ans die rechte Backe schlägt, so reiche ihm auch die linke dar" fand gestern vor Gericht eine eigenartige Illustration. Wegen Beleidigung eines katho- lischen Priesters wurde unser Parteigenosse Johann P i ch o ck y vor der III. Straskaunner hiesigen Landgerichts I zur Verant- wortuna gezogen. Der Angeklagte ist verantwortlicher Redakteur der in Berlin in polnischer Sprache erscheinenden sozialdemokra- tischen Arbeiterzeitung. Die letztere brachte in ihrer Nummer vom 16. November v. I. eine Korrespondenz aus Kattowitz, in welcher der in einem dort benachbarten Ort amtireude Pfarrer Max Krocker angegriffen wurde. Dieser hatte am 3. November über das Evangelium„Gebet Gott, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist" gepredigt, und soll dabei, wie in der Korrespondenz behauptet wurde, auf die Sozialdemokratie gescholten haben. Der Angeklagte hatte eine Reihe von Personen angegeben, die bezeugen'sollten, daß die Behauptungen des Artikels der Wahrheit entsprächen. Den Wahrheitsbeweis hielt das Gericht aber nicht für erbracht. Der Staatsanwalt beantragte 3 Monate und der Gerichtshof erkannte auf e i n e n M o n a t G e f ä ii g n i ß. Ter Arbeiter Angust Zippel kam in etwas angetrunkenem Zustande am 16. Dezember v. I. in die 177. Gemeinde- schule in der Görlitzerstraße, um sich zu erkundigen, warum er wegen Schulversäumuiß seines Kindes zwei Mark Strafe zahlen sollte. Als der Rektor nicht zu sprechen war, beschimpfte Zippel einen Lehrer und mußte, als er sich nicht entfernte, von einem Schutzmann fortgebracht werden. Die 140. Abthcilung des Schöffengerichts verurtheilte Z. zu 3 Monaten Gesängniß. Einen Beitrag zu dem Kapitel von der Dienstboten- bchandlung in Berlin und Umgegend har der Fahrradfabrikant H e r m a n n B a r t a in der Bergstraße zu Rixdorf zu liefern gesucht. Derselbe unternahm eines Tages ein Altentat auf die Ehre seines Dienstmädchens, welches allerdings nur den Erfolg hatte, daß gegen den stürmischen Dienstherrn eine Anklage wegen thällicher Beleidigung erhoben wurde. Für eine Anklage wegen versuchler Nothzucht fand die Staatsanwaltschaft nicht ausreichen. des Belastungsmaterial. Die Verhandlung fand vor der II. Straf- kammer am Landgericht II unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt und endete mit der Verurtheilung des Angeklagten zu der Geldstrafe von 200 Mark und den Kosten des Verfahrens. Auf dem Gebiete der Gewerbesteuer hat, der„Voss. Ztg." zufolge, das Oberverwallungsgericht aus Anlaß des Falles, daß ein Hauseigenthümer möblirte Zimmer seines Hauses vcrmiethet, den wichtigen Grundsatz ausgesprochen: Das A e r m i e t h e n möblirter Zimmer(Wohnungen) bildet stets einen steuer- Pflichtigen Gewerbebetrieb' Zur Begründung wurde nach Mit- lheilungen der„Dtsch. Jur.-Ztg." ausgeführt: Es ist zwar richtig, daß bei dem Hinzutreten von Leistungen des Vermielhers behufs Bedienung oder Verpflegung des Mielhers die Merkmale des Gewerbebetriebes, nämlich des Beherbergungsgewerbes, deutlicher erkennbar sind. Allein schon die bloße Dar- bietung der Möbel zum Gebrauche des Miethers gegen Entgelt, welche mit der Vermiethung möblirter Zimmer stets verbunden ist, erfüllt den steuerlichen Gewerbebegriff. Nur die Vermiethung des nackten Gebäudes stellt sich als eine dein gewerblichen Gebiete entzogene, reine Nutzung des Grund- und Gebäudebesitzes dar. Die seitens de? Hausbesitzers bewirkte AuS- stattung des Gebäudes oder eines Gedäudetheilcs mit Möbeln zum Zweck der dauernden oder wiederholten Vermiethung er- scheinr als eine über die Grenze der reinen Jmmobiliarnutzung hinausgehende gewerbliche Thätigkeit, welche dem ganzen Er- werbszweig den Charakter des Gewerbebetriebes ausdrückt. Soziale Vechlspflege/ LehvlingSansb— ildung. Der Versichernngsbeamte©ch. klagte gegen den früheren Kaufmann, jetzigen Buchdruckereibesitzer V o l k in a n n aus Aufhebung eines Lehrvertrages, den er für seinen Sohn mit dem Beklagten abgeschlossen hatte. Der Kläger begründete seinen Antrag damit, daß Volkmann seinen Ver- pflichtungen als„Lehrherr" in keiner Beziehung nachgekommen sei. Obwohl der Sohn habe Schriftsetzer lernen sollen, wäre er viel zu Gängen benutzt und auch an der Maschine beschäftigt worden. Dann hätte den Lehrlingen des Beklagten auch keine tüchtige, technisch gebildete Kraft zur Seite gestanden, die ihre gründliche Ausbildung hätte vornehmen können, Gehilsen wären überhaupt nur zeitweilig im Betriebe thätig gewesen. Und bei all' diesen Umständen sei es dein Lehrling nicht mal ermöglicht worden, die Fachschule zu besuchen.— Die Kammer 3 hob unter dem Vorsitz des Assessors A l t m a n n den Lehrvertrag ans, nach- dem sie«ine Beweiserhebung veranstaltet hatte. Zur Begründung des Urtheils führte der Vorsitzende u. a. aus: Da der Beklagte nicht Fachmann sei, hätte er unter allen Umständen für eine geeignete technische Vertretung sorgen müssen. Diese sei aber. nach der Zeugenaussage und den vorgelegten Arbeitsproben zu urtheilen, absolut nicht vorhanden gewesen. Die betreffenden Arbeiten strotzten, wie die sachverständigen Beisitzer feststellten und an einer besonderen Arbeit erläuterten, von typographischen Fehlern. Speziell wäre der als Zeuge vernommene Schriftsetzer vollständig unfähig, iiehrlinge auszubilden. Bemerkt sei noch, daß Sch. junior seit kurzein der zweite Lehrling ist, welcher Herrn Volkmann ans dem gekennzeichneten Wege verloren geht. Drei junge Leute stehen jetzt noch unter seiner väterlichen Zucht; die in den beircssenden Kontrakten enthaltenen Kontraktbruchsklauseln sehen keine geringeren Strafen als 500 M. vor. Wenn das nicht zieht—!_ Versammlttngen. Die Agitations-Kommission für den Austritt aus der Landeskirche hielt am 30. März eine Versammlung in Kliem's Volksgarten ab. Das Referat hatte Dr. Pinn übernommen und nahmen in der Diskussion mehrfach Gegner das Wort. Fr«ir»ligtö>'» G«m»>»dr. Donnerstag, den s. April, abends sj Uhr pstnllstch, Rosenihalerstr. 3ä: Beschließende Versammlung. Vorwahl. Rege Belheiligung erwünscht. VevmiMtes. Duellpfaffe'Schall II? Der„Bolks-Zeitung" wird ge- schrieben: Die Duell-Rauferei. welche vor einiger Zeit im Oster- holze bei Derenburg in der Nähe von Halberstadl zwischen dem Lieutenant der Reserve Mooshake und Schwanecke stattgefunden hat, verdient insofern Beachtung, als ein Theologe eine merk- würdige Rolle dabei gespielt hat. Nachdem die dem Mooshake slm. von Schwanecke zugefügte Beleidigung dadurch beglichen worden war, daß letzterer dem ersteren Abbitte gelha», belegte Mooshake juv. den Schwanecke mit Ausdrücken wie Schuft, Lump ic.; da Sch. jedoch hierauf nicht reagirte, Lieutenant M. aber auf alle Fälle eine Enlscheidung herbeizuführen wünschte, gab der Kandidat der Theologie K., welcher hier als Lehrer an einer Privatschule thätig ist, dem Lieutenant M. den Rath, diesen Fall der studentischen Verbindung, welcher Sch. angehört, mitzu- theilen; diese werde den Sch. veranlassen, den M. zu fordern, was denn auch geschehen ist. Dem Duell, welches an einem Sonntagmorgcn stattfand, hat auch der Herr Kandidat K., welcher am I. Juni d. I. als wohlbestallter Geistlicher in ein Pfarramt treten wird, mit beigewohnt. Kindisch. Aus den Glückwunschbriefen, die dem Fürsten Bismarck am 1. April zugingen, dünkte den„Hamb. Nachr." das nachstehende Schreiben„politischen Inhalts", das den Poststempel eines Ortes in der Uckermark trägt und adressirt ist: An Herrn v. Bismarck, Friedrichsruh, werth, hier im Wortlaut wiedergegeben zu werden: Lieber Bismarck. Ich gratulire zum Geburtstag. Papas Kühe haben die Maul- und Klauenseuche. Papa sagt, da ist nur C a p r i v i dran schuld.�tMein Bruder ist schon von der Milch krank ge- worden. Bitte, schreiben Sie mir bald einen Brief. Viele Grüße. Sch. bei S. Uckermark Ernst Sch..... 31 M. 1896. ich gratulire auch Frida. Bereits 1848 war es in Ostelbien Sitte, den Demokraten die Schuld zu geben, wenn die Kartoffeln nicht gedeihen wollten. Jetzt scheint Caprivi in agrarischen Familienkreisen die Rolle des Butzemann zu spielen. Vielleicht ist dies christlich- patriotische Kindererziehung. Im Bärengraben zu Bern wurde Mittwoch früh der zer- rissene Körper eines Mannes aufgefunden, welcher während der Nacht in den Zwinger gestürzt sein inuß. Im Etschthal ist am 7. April ein verheerender Waldbrand ausgebrochen, der große Dimensionen annimmt, so daß auch Meran ernstlich bedroht ist. Absturz einer Lokomotive. Aus London wird vom 7. April berichtet: Bei der gestem erfolgten Eröffnung der Snowdon-Bergbahn löste sich auf der Rückfahrt die Lokomotive los, stürzte über den Abhang hinab und wurde zerschmettert. Der Maschinist und der Heizer retteten sich durch Abspringen; die Wagen wurden durch schnelles Bremsen sofort zum Stehen gebracht. Nur ein Passagier, welcher abgesprungen war, wurde getödtet, einige Passagiere erlitten leichte Verletzungen. Die Maschine hatte bei der Entgleisung eine Telegraphenstange um- geworfen, wodurch auf der Anhöhe die Signalglocke für die Ab- lassung des zweiten Zuges in Bewegung gesetzt wurde. Dieser lies in einen Wagen des ersten Zuges hinein, welcher eine Strecke die Bahnlinie eiittang geschleudert wurde. Die Passagiere hatten den Wagen verlassen. Ei» Doppclmord ist am Sonnabend in London verübt worden, der um so erschreckender ist, als er zur Miltagsstmide und im Herzen von Whitcchapel, dem sehr volksreichen Viertel. bedangen wurde. Die Mörder drangen in das Hans eines 74jährigen Mannes John Levy ein, der für wohlhabend galt, und brachten dem Greis, sowie dessen in den besten Jahren stehender Wirthschafterin mit einem Fleischermesser Schnitte in den Hals bei, die den schnellen Tod der Angegriffenen zur Folge hatten. An der Beraubung des Ermordeten wurden die Ver- brecher jedoch dadurch gehindert, daß eine Verwandte Levy's, die von diesem zum Mittagbrot eingeladen war, Polizisten herbei- holte, als ihr auf wiederholtes Klopfen das Haus nicht geöffnet wurde. Einer der Uebellhäter suchte sich durch Flucht auf das Dach zu retten. Ein Polizist folgte ihm jedoch dahin und der Verbrecher stürzte sich auf die Straße hinab. Er brachte dabei ein Kind, das an der Hand der Mutter an dem Hause vorüber- ging, zu Falle, ohne es jedoch ernstlich zn beschädigen, während er selbst schwere innere Verletzungen erlitt. Von seinen Helfers- Helfern hat die Polizei bisher keine Spur entdeckt. Eine Pockcncpidcinic greift in Gloucester um sich. In der vorletzten Woche wurden 172 nnd in der letzten Woche 195 Er- kraiikniigsfälle konstatirt. 104 Personen find der Krankheit bereits erlegen. Zur Hilfeleistung gingen 30 Londoner Aerzte uach Gloucester ab Briefkasten der Redaktion. Wir bitten bei feber Anfrage eine Chiffre( zwei Buchstaben ober eine Bahl) anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden soll. Die juristische Sprechstunde findet am Montag, Dienstag, Freitag und Sonnabend, abends von 6-7 Uhr statt. Hoffmann. Rann der Mann nicht zu uns fommen? Wakmann in P. Die Aufforderung muß als Inserat auf gegeben werden. Alter Kiftenmacher. Hans Blum ist allerdings ein Sohn Robert Blum's. Ein Glück für diesen, daß ihn die Standrecht fugeln gut trafen. B. R., Belleallianceftr. 6. Die in den Beitungen annoncirten fosmetischen Mittel gegen ihr Uebel find in der Regel genau so viel werth, wie die sogenannten Bartwuchsmittel, welche auch ausnahmslos Schwindel sind. Lassen Sie die Haare also ruhig stehen. Wollen Sie dieselben aber unter allen Umständen los werden, so brühen Sie sie weg. Sie werden damit die Haare los und die Haut dazu. Beitungsnummern in unferer Expedition nachzuschlagent. " Eingelaufene Drudschriften, Bon der Gleichheit, Beitschrift für die Intereffen der Arbeitertinen( Stutt gart, J. H. W. Diey' Verlag) ist uns soeben die Nr. 7 des 6. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Jnhalt dieser Nummer heben wir hervor: Keine Wohlthat, ein Recht. Die Bewegung der Konfektionsarbeiterschaft. Aus der Bewegung. Aus dem Bericht der badischen Fabrikinspektion für 1895. Die gewerkschaftliche Organisation der Arbeiterinnen in England. Von Helene Simon. Feuilleton: Neuigkeiten vom deutschen BücherKleine Nachrichten. martt. Besprochen von Brutus.( Schluß.) Die Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Poft bezogen( eingetragen in der Reichspost- Zeitungsliste für 1896 unter Nr. 2837) beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgelb 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Inseratenpreis die zweigespaltene Betitzeile 20 Pf. 196. Die Räumung muß am 2. April um 12 Uhr beendet fein; 1 3immer muß bereits am 1. April frei sein. Die Geschäftsräume zählen nicht mit. J. K. 1. und 2. Nein.-F. B. S. Die Sachen können gepfändet werden, müssen aber auf dann erfolgende Interventionstlage Ihrer Frau hin frei gegeben werden. H. F. 1. Ohne mündliche Rücksprache nicht zu beantworten. Die Benutzung der Sprechstunde auch ohne besondere Aufforderung frei. steht jedem Gäste. Bimetallismus nennt man ( Goette'sche die Währung, bei der zwei Edelmetalle gefeßlich im Verkehr gleichmäßig anerkannte Zahlungsmittel sind, Mono- Metallismus von der euen Zeit"( Stuttgart, J. H. W. Dies' Verlag) ist soeben das nnr Gold oder nur Silber die die Währung, bei der Grundlage der Währung( Goldwährung oder Silberwährung) bildete, hinkende Währung endlich nennt man die Währung, bei der zwar nur ein Metall( in Deutschland Gold) das gefeßliche Zahlungsmittel ist, dem Silber( durch die Thalerstücke in Deutschland) aber noch ein Stelzfuß gelassen ist. Das Nähere finden Ks. Sie haben Recht. Sie in Wurm's Volkslexikon S. 748. -Schöneberg, Merseburgstraße. Zur Anstellung einer Klage $. 70. 46. Sie be A. M. Die Sachen der Frau haften für die Miethe. durch einen Anwalt wäre zu rathen. Rathenow 26. 1. und 2. Ja. C. S. 31. 1. u. 2. Ja. 3. 3wang und Geldstrafe in Ge- finden sich leider im Irrthum. Ein Gastwirth ist nicht vers mäßheit des behördlich genehmigten Statuts der betreffenden 3. Nein. 2. Gransee. IG. 3. 10,. O. 41, Innung.-Zukunftsstaat R. Verjährung liegt nicht vor. pflichtet, Gäfte zu beherbergen. F. F. 100. Sie können auf Entfernung des betreffenden event. B. 100, C. B. 15. Ja.- Wildenowftr. 25. Der Schneider Anerkennung Ihres Rücktrittsrechts tlagen. Zuständig ist das Amts. hat den dritten Theil des Krankengeldes zu zahlen. Ihre Frau gericht. Fr. Nora. Die Kündigung ist erst zum 11. Nov. giltig. ist zur Einklagung der Beträge berechtigt. Steglit. Sie können 196. Die polizeiliche Bekanntmachung bezieht sich nur auf auf Unterlassen des Baues flagen, falls derfelbe die BewohnbarWohnräume. K. M. Kirchh. A. 2. 22. Sch., Lindenplag. teit Ihrer Wohnung schädigt und Sie nicht etwa im Vertrage Kummer 58. 1. Nein. 2. Ja. Rmbg. 26. 1. Am 1. April. 2. Der Tarif Bau- Erlaubniß im Voraus ertheilt haben. ist komplizirt. N. L., Rigdorf. Wenn die Sache sich so ver 1. Nein. 2. Ja. 3. Für den Fall der Hilfsbedürftigkeit ja. hält, wie Sie angeben: nichts- sonst zwischen 1 Tag und 5 Jahren. 4. Wenn Sie die Beerdigungskosten bestreiten und über das Geld A. R. Nimmt der Wirth die Miethe nicht an, so kann sie noch nicht verfügt ist. 5. Wenn Sie vorbehaltlicher Erbe werden, hinterlegt werden. S. B., C. J., W. 26, Grothe, Er haften Sie für die Schulden und erhalten die Hälfte der Sachen. fat 70, 156b, W., Rigdorf, Hobrechtstraße. Ja. F.-P. Hedmann. Die Betreffenden mögen sich an Dr. Zadek N. In zwei Jahren vom 31. Dezember des Jahres an gerechnet, wenden. C. B. 81. Auch ohne Vermerk des Absenders auf in dem die Malerarbeit geliefert war, verjährt die Forderung der Außenseite eines eingeschriebenen Briefes hat dieser volle auf Zahlung der Arbeiten, falls nicht nachher Unterbrechung der Giltigkeit. 2. 2. 71. Auch wenn ein gerichtlicher Vertrag Verjährung eingetreten war.-T. S., Grüner Weg 48. Der jetzt gefchloffen würde, müßte in jedem Einzelfall der Nachweis Gesems. Wer die bürgerMeister darf höchstens für zwei Lohnzahlungsperioden die Bei der Einbringung geführt werden. träge zur Krankenkasse und zu der Klebemarke abziehen. Das lichen Ehrenrechte nicht besikt, kann nicht Gemeindevertreter sein. mehr Abgezogene fann durch eine Lohnklage eingeklagt, der 2. Behufs Austritts aus der Landeskirche müssen Sie einen AnMeister auch strafrechtlich verfolgt werden. Müller. Zur Fuß- trag, Termin zur Entgegennahme Ihrer Erklärung auf Austritt artillerie tauglich. W. R., A. B. 29, R. E. 100, R. aus der Landeskirche anzuberaumen, beim Amtsgericht einreichen. R. 100. Nein. R. S. Bericht in nächster Nummer. Die Kinder müssen nach der jetzigen Rechtsprechung am ReligionsFlemming. Es steht Ihnen frei, die betreffenden unterricht theilnehmen. .. Für den Juhalt der Juserate über. nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Donnerstag, den 9. April. National- Theater. Große Frankfurterstraße 132. Direktion: Max Samst. Volksvorstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen. Gastspiel des Herrn Rob. Hartberg vom Stadttheater zu Düsseldorf: Opernhaus. Rienzi, der legte der Der Pfarrer von Kirchfeld. Tribunen. Schauspielhaus. 1812. Deutsches Theater. Zu Hause. Hierauf: Der Weiberschreck. Leug Theater. Das Glück im Winkel. Berliner Theater. König Heinrich. Neues Theater. Wallenstein's Tod. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Der Hungerleider. Theater Unter den Linden. Ma dame Herzog. Adolph Gruft- Theater. Das flotte Berlin. Volksstück mit Gesang in 4 Akten von 2. Anzengruber. Regie: Max Samst. Morgen: Gastspiel des Frl. Clara Leno vom Berliner Theater und Frl. Ida Lanz.„ Die Grille". Alcazar. Variété- u. Spezialitäten- Theater. Dresdenerstr. 52/53, Annenftr. 42/43 ( City- Passage). Noch einige Tage: E Im Residenz- Theater. Hotel zum Frei- wunderschönen Monat Mai. hafen. Schiller- Theater. Halder und Sohn. Central- Theater. Eine tolle Nacht. Belle- Alliance- Theater. Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Liederspiel in 1 Aft von Stuckenbrod. Emilie Galletti. Morell Stuart mit seiner Gallerie berühmter Männer. National Theater. Der Pfarrer Entree: Wochent. 10 Pf., Anf. 8. von Kirchfeld. Alexanderplatz- Theater. Musketiere im Damenstift. Die Reichshallen- Theater. Die fleinen Lämmer. Borher: Die Balletschule. Sonntag 30 R.Winkler. 7, " " " Eden- Theater. American- Theater. Spezialitäten Welt- Restaurant Borstellung. Apollo Theater. Spezialitäten- Borstellung. Kaufmann's Variété. SpezialitätenBorstellung. Schiller- Theater. ( Wallner- Theater.) Donnerstag, abends 8 Uhr: Halder und Sohn. Freitag, abends 8 Uhr: Die Kinder der Excellent. Central- Theater. Alte Jakobstraße 30. Donnerstag, den 9. April 1896: Letzte Vorstellung. Zum Benefize für Fräulein Thea Göhrs. Emil Thomas a. G. Bum 216. Male: Eine tolle Nacht. Große Posse mit Gesang und Zanz in 5 Bildern von Jul. Freund und Wilh. Mannstädt. Mufit von Jul. Einödshofer. Anfang 1/28 Uhr. Morgen: Geschlossen. Sonnabend, den 11. April 1896: Erstes Gastspiel des Conrad DreherEnsembles vom Münchener Gärtnerplatz- Theater. Conrad Dreher a. G.: Zum 1. Male: Der Schwiegervater. Adolph Ernst- Theater. Das flotte Berlin. Große Ausstattungs- Gesangsposse in 3 Atten von Leon Treptow und Ed. Jacobson. Kuplets und Quodlibets von G. Görß. Mufit von G. Steffens. 2. Aft: ,, Alt Berlin." Anfang 2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. 97. Dresdenerstr. 97. Jm vorderen Saal täglich: Weltberühmte E Tyroler Sänger- Gesellschaft Almenrausch u. Edelweiss. Direktion: Alois Ebner. Entree vollständig frei! Jm Theater- Saal: Neu! Sensationell! Neu! The 4 Rose Buds! Excentric singers und dancers. Anfang 71/2 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Urania Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes- Ausstellungspark ( Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 7-10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Passage- Panopticum. Echter Harem aus der afrikanischen Stadt Kayrowan. Haremsfrauen und Rinder, Tänzerinnen, Sängerinnen, Eunuchen und Stlaven. Apollo- Theater Friedrichstr. 218. Dir. J. Glück. Die Beste aller deutschen Chansonetten 27. Heft des 14. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Das böse Gewissen. Bwet bisher unbekannte Auffäße von Karl Marr aus den vierziger Jahren. Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte des Aus früheren wissenschaftlichen Sozialismus. Von Peter v. Struve. Kämpfen. Allerlei aus den Erinnerungen eines englischen Agitators. Bon Ed. Bernstein. I. Stürme( Tempefte). Neue Dichtungen von Ada Negri. Bon Dora Landé( Berlin). Revue der Revuen. Notizen: Ein legtes Wort. Von F. Mehring. Feuilleton: Das Ende[ vom Liede. Eine Ges schichte von Konrad Zelmann. Soziale Praxis, Zentralblatt für Sozialpolitit"( Berlin, Carl Heymann's Berlag) enthält in ihrer neuesten Nr. 27 folgenden leitenden Aufſay: Aus dem Notizentheil Bäckerei- Genossenschaften. Von Dr. K. Thieß. Vorträge heben wir hervor: Städtisches Leichenfuhrwerk in Münster. im Mainzer Alterthumsverein. Gegenleistung für städtische Subventionirung. Städtische Regie oder Privatbetrieb für Straßenbahnen in Breslau. Städtische Arbeiterwohnungen in Zürich. Kommunale Arbeiterwohnungen in Venedig. Regierungspräsidial- Verfügung über städtische Verwaltungsberichte in Oppeln. Statistit der Evangelischen Arbeitervereine Deutsch lands. Entwurf eines Schußgefeßes für das Ladenpersonal in Deutschland. Bon Dr. jur. M. Quard. Bauarbeiter- Schuh in Sachsen. Sonntags: ruhe der Rechtsanwalts- Bureaubeamten. Beilegung eines Streits durch ben Fabrikinspektor in Lübeck. Eingriffe eines Unternehmers in die Selbstverwaltung seiner Betriebs- Krankenfaffe. Organisirte Wohlthätigkeit Von Dr. E. Loew. in London. Internationaler Kongreß für ArmenSanatorium pflege in Genf. Armenpflegerinnen für Frankfurt a. M. für unbemittelte Lungentrante im Kanton Bern. Mieths- Schiedsgericht in Zürich. Obdachlosen- Asyle in Paris. Die Wochenschrift für Politik, Wissenschaft, Kunst und ene Revue" öffentliches Leben Neue Revue" veröffentlicht in Heft Nr. 14( 7. Jahrgang) vom 1. April 1896 folgende Auffäße: B. v. Suttner: Zweierlei Moral. S. Kaff: Die jüngste Gewerbenovelle. Das hohe Haus, parlamentarische Köpfe. Dr. S. Rosenfeld: Rassenverbesserung. Dr. J. Pap: Die Graf'sche Gemäldeausstellung. W. Hylander: zu viel Mensch( Skizze aus dem österreichischen Offiziersleben; Kunst und Musit; Miniaturbilder aus ber Zeit. 1 isling's Radfahrer- Plan von Berlin. 50 Pf. Berlin, Berlag von Alerius Kießling. SW., Kleinbeerenstr. 26. Die gemeinsame Elementarschule. Von J. Tews. Bielefelb, Berlag von A. Helmich's Buchhandlung( Sugo Anders). 18 Geiten. 50 Pf. Geschichte der Reformation. Von J. Sophronizon. Leipzig. Berlag Britische Bemerkungen zur Schlußrevision des Entwurfs des Deutfchen Bürgerlichen Gesetzbuchs. Von Dr. J. Meisner. Breslau. Verlag von Wilhelm Koebner. von Stegbert Schnurpfeil. Fünf Dekorirte. Epos in 7 Gesängen. Bon Chr. Rub. Jenny. Leipzig und Zürich. Berlag von Th. Schröter. Die Beleidigung gegen H. Birth Castan's Panopticum. nehme auric.[ 798b]§. Kourad. Die Neu!! Neu!! Neu!! 30 getigerten frankheitshalber Grünkramgeschäft fofort verkäuflich M 703 Stralauerstraße 20. Grazien!! Brockhaus' Leviken, Meyer, aus Central- Afrika, die neuesten Weltwunder! Wer ist Rudinoff??? Rudinoff macht alles!!! Jeden Abend 91% Uhr: Die geniale Rudinoff Kaufmann's Variété- Theater Königstraße, Colonnaden. Bomben- Erfolg des neuen Programms. Die Nimrode. Die deutschen Eichen. Die lebende Brücke. Jean Bayer mit seinen Lokal- Schlagern. Frihi Ferry. 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Abschiedsgruß! ift es mir ein ganz besonders inniges BeBei meinem diesmaligen Scheiben von Berlin dürfniß, dem hochgeschäßten Publikum der Reichshauptstadt meinen herzlichsten Dant auszusprechen für die meinem Hause nunmehr bald fünfzig Jahre gewährte und auch diesmal erhaltene Gunst und Anhänglichkeit, welche durch den zahlreichen Besuch und die liebenswürdige Anerkennung aus allen Gesellschafts- und Berufskreisen meinen Vorstellungen im Gesammt und den Leistungen meiner Künstlerschaft im Speziellen, namentlich auch den beiden Ausstattungs- Novitäten„ Erinnerangen an 1870/71" und Lustige Blätter", in so schmeichelhafter Weise zu theil geworden ist. In diesem mir in erster Reihe auch seitens der hohen königlichen Behörden und der gesammten Presse Berlins erwiesenen, für mich unschäzbaren Wohlwollen liegt auch der Grund, daß ich die diesjährige Berliner Gewerbe- Ausstellung, als getreuer, dankespflichtiger Berliner, nicht vorübergehen lassen kann, ohne mein Institut in nur möglicher glanzvollster Art mit in den Repräsentationsdienst der Residenz zu stellen. Wie bei dieser Gelegenheit, so soll es aber auch für alle Butunft mein angeftrengtes Ringen und Trachten sein, die circensischen, pantomimischen und choreographischen Künste in vornehmster und vollendetster Gattung und Ausführung zu Ehren zu bringen und hoffe ich gerade damit den Ausdruck meines Dantes am besten bethätigen zu können. Somit scheide ich heute mit dem Rufe: ,, Auf baldiges frohes Wiedersehen!" In tiefster Hochachtung und Ergebenheit Franz Renz, Direktor, Königlicher Kommissionsrath. Feen- Palast Burgstraße Nr. 22. Direktion: Winkler& Fröbel. Gr. Fest- Vorstellung des gesammten, durchweg neu engagirten, sensationellen Künstler- Personals. Kommen! Sehen! Stannen! Das wunderbarste und beste Programm der Saison. Schlager auf Schlager. Anf. Concert 7 Uhr: Entree 30 Pf. " 8 " Victoria- Brauerei Lützowstrasse 111/112. Freitag, den 10. April: Stettiner Sänger ( Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schrader) Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf.( siehe Plakate.) Sonntag, den 12. April: Abschieds- Soirée in Sanssouci. Montag, den 13. April: Abschieds- Soirée in der VictoriaBrauerei.( Ueberhaupt legte Soirée der Stettiner Sänger" vor ihrer Abreise nach Hamburg). Brehm's Thierleben, Bücher jeder Wissenschaft kauft Antiquariat Kochstr. 56. * Muschel- Wirthschaft verkaufe sofort spottbillig, vollständige Wohn- u. Schlafzimmer- Einrichtungen, darunter 8 Fenster neue Gardinen Brautleuten geeignet. Frau Büttner, Röpnickerstr. 141, Vorderhaus 1. Etage. gebrauchte, tauft Burow Möbel, Rosenthalerfr. 18. 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Wo eine starke politische Bewegung ist, da Städten mit Hilfe der sozialdemokratischen Gemeindevertreter Parteitag III. der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Defterreichs. Prag, 7. April 1896. Die heutigen Verhandlungen leitet Dr. Thaddäus Reger, der Organisator der polnischen Bergarbeiter im Karminer Revier. Die Debatte über die Wahlreform wird fortgeführt. Die Mehrheit der Redner tritt für den Antrag der Parteivertretung ein, die Minderheit vertheidigt den Antrag der mittelmährischen Organisation und bekämpft die Betheiligung an den Wahlen auf Grundlage der Badeni'schen Wahlreform. Die Ansichten eines Theiles der Minorität kommen in folgender von dem italienischen Delegirten Gerin gestellten Resolution zum Ausdruck: " In Erwägung, daß das Wahlreformprojekt Badeni den Forderungen der Sozialdemokratie nicht entspricht, beschließt der Parteitag, daß( vorausgesetzt, daß der Entwurf Gesetz wird) die Parteikandidaturen aufzustellen sind mit der Verpflichtung für die Gewählten, im im Parlament die Forderung des allgemeinen Wahlrechts zu erheben, dann aber sofort ihre Mandate niederzulegen, um Ergänzungswahlen zu provoziren, worauf sie neuerdings kandidiren sollen, und so fort, bis unsere Forderung erfüllt ist." gewerkschaftlichen Bewegung durchaus nicht der Boden entzogen| ruhe herbeizuführen, werden die Delegirten verpflichtet, in ihren ist auch eine starke Gewerkschaftsbewegung. In Oberschlesien oder durch Petitionen eine Verkürzung resp. Abschaffung der und an der Saar sind Partei und Gewerkschaften schwach vertreten. Sonntagsarbeit durch Ortsstatut zu erstreben. Es ist ein Fehlschluß, daß beide Bewegungen nicht neben einander bestehen können. daß wenn Was die Wahlreformfrage betrifft, so hebt Redner hervor, Landes so lange die Sozialdemokratie eines darauf warten wolle, bis das Wahlrecht nach ihren Wünschen ist, sie sich überhaupt nie an den Wahlen betheiligen könnte. Redner verweist auf Belgien und England und hebt die agitatorische Wirkung der Wahlagitation hervor. Die Reden im Parlamente dringen in Kreise, die sonst von gar nicht Der deuten etwas, sondern die zwei Millionen Stimmen, die für uns Sozialdemokratie berührt werden. Nicht unsere 47 Mandate be= abgegeben sind, bilden unsere Macht im Volke! Solche Armeen werden Sie auch aufbieten tönnen. Die Vorbereitungen zur Wahl müssen eitig getroffen werden. Die Organisationsarbeit muß hinter Ihnen liegen, wenn Sie in den Wahlkampf gehen.( Beifall.) Für die Opposition gegen die Wahlbetheiligung beantragt Dr. Berst 1 Neunkirchen: Ueber die Stellung der Handlungsgehilfen zur VersicherungsGesetzgebung wird nach einem Referate von Wilde: Berlin folgende Resolution einstimmig angenommen: Der pp. Kongreß empfiehlt den auf gleichem Standpunkt stehenden Gehilfen- Organisationen zur Versicherungs= Gesetzgebung folgende Stellung einzunehmen: 1. Das Kranten- Versicherungsgesetz ist auf alle Handlungsgehilfen auszudehnen. 2. Mit bezug auf das Alters- und Invaliden- Versicherungsgesetz ist eine Aenderung dahin zu erstreben, daß die Altersgrenze der Versicherten auf 55 Jahre herabgesetzt und die Renten erhöht werden. 8. Die Unfall- Versicherungsgesetzgebung ist auch auf die Handlungsgehilfen auszudehnen mit der Maßgabe, daß die Verwaltung der Versicherungsanstalten von den Versicherten selbst übernommen wird." : Ferner wird hierzu noch ein Antrag Blum Berlin an " Die Regierungsvorlage betreffend die Wahlreform genommen, der die Delegirten verpflichtet, für eine regere Beist auf das entschiedenste zu bekämpfen. Mit allen theiligung der Handlungsgehilfen an den Krankenkassen Wahlen Mitteln muß verhindert werden, daß diese Regierungs- in ihren Städten Sorge zu tragen. Nunmehr kommt der auf vorlage Gesetz und daß auf grund dieser Regierungsvorlage Antrag des Dr. Quarck auf die Tagesordnung gesetzte Punkt: gewählt werden kann." Stellungnahme gegen die§§ 9 und 10 des Gesezentwurfs zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes, zur Berathung. Von einem Referat wird Abstand genommen und folgende Resolution von Dr. Quarck- Frankfurt a. M. angenommen: Wenn der Karren verfahren sei, so sei dies Schuld der Parteivertretung, die während der zwei Jahre die Partei nicht gehörig vorwärts gebracht habe und das Machtvertrauen der Partei künstlich verkleinere. Am schärfsten spricht sich die Opposition in der Rede des Delegirten Mornik aus Wien I. Bezirk aus. Der Redner ist der Ansicht, daß die Parteivertretung gegenüber der Wahlreform Badeni, deren Inhalt dem Dr. Adler schon vor der Unterbreitung merkwürdiger Weise bekannt gewesen sei, eine Die Debatte spinnt sich bis in die Abendstunden fort, ohne zweideutige Haltung, eingenommen habe. Nur um diese zu be- daß wesentlich neues gesagt wird. mänteln, sei man in die Kommunalwahlen eingetreten. Nach einigen Angriffen gegen einzelne Mitglieder der Parteivertretung die Wahlbetheiligung aus, während von den früheren Anhängern Von den czechischen Rednern spricht sich die Mehrzahl gegen. beantragt er ein Mißtrauensvotum gegen diese. Abg. Pernerstorfer: Ich gebe zunächst die Erklärung des Massenstreiks die meisten erklären, daß sie von ihrem Standvor dem Parteitag ab, daß ich, wenn ich in der fünften Curie punkt zurückgekommen seien. In den sauren Apfel der Resolution kandidire, unter keinen Umständen gegen einen sozialdemokratischen der Erkenntniß der thatsächlichen Machtverhältnisse sei. der Parteivertretung müsse gebissen werden, weil es der Apfel Kandidaten kandidiren werde.( Beifall.) Seit Monaten wußten wir, was als Wahlreform von Badeni vorgeschlagen werden würde. Das wußte nicht Dr. Adler allein( Heiterkeit), das wußten die jung czechischen Abgeordneten, die in ihren Blättern darüber be richteten, das wußte jeder Abgeordnete, der nicht blind und taub ist. Wie der Badeni'sche Entwurf zu beurtheilen ist, darüber ist jeder Mensch sich klar. Er ist ein miserables Machwerk. Wir dürfen uns nicht in Deklamationen gegen dies Monstrum er gehen, sondern die Dinge nehmen, wie sie sind. Das ist ja der Stolz der Sozialdemokratie aller Länder, sich immer tlar über die Verhältnisse zu sein und diesen Ver hältniffen angepaßt zu arbeiten, ohne das Prinzip zu verlegen. ( Bravo.) Der Badeni'sche Entwurf wird Gefeß werden. Möglich ist nur, daß die kleine Opposition im Parlament durch konfequente Obstruktion gewisse Berbesserungen( direkte Wahl, Wahl am Sonntage) durchsetzt. In der Gerin'schen Resolution kommt der heißblütige Italiener zum Vorschein. Durch beständige Protestwahlen würde nur erreicht werden, daß das Parlament falt lächelnd ein Gesez auNationalität Steiner- Prag hervor, daß 3/4 der czechischen In seinem Schlußworte hebt der Referent für die czechische Delegirten für die Resolution der Parteivertretung und nur 1/4 dagegen stimmen werde. Dr. Adler weist in seiner mit lebhaftestem Beifall aufgenommenen Schlußrede die Angriffe gegen die Parteivertretung zurück und empfiehlt nochmals die Annahme der Resolution. Mit diesem Beschlusse trete die österreichische Sozialdemokratie in eine neue Epoche: sie trete zum ersten Male in einen modernen politischen Kampf mit modernen politischen Waffen und beginne damit erst eine moderne politische Arbeiterpartei zu werden. Es wird zur Abstimmung geschritten. In namentlicher Abſtimmung wird die Resolution der Parteivertretung mit 101 gegen 9 Stimmen, bei 7 Stimmenthaltungen, angenommen. Beschlossen wird ferner die Betheiligung an den Landtagswahlen und die Herausgabe eines Leitfadens zu den Reichstags wahlen. Die Weiterverhandlung wird vertagt. Schluß 812 Uhr. Gewerkschafts- Kongreffe. Erfter Kongreß aller auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands. Montag, den 6. April. 3weiter Tag. Die Anträge der Opposition werden gegen eine verschwindende nimmt, wonach solche Wahlen ungiltig sind. Die Waffe tann Minorität( 1 bis 7 Stimmen) abgelehnt. Ueber den Antrag, die man sich nicht immer selbst wählen, auf die Soldaten Kandidaten auf das Hainfelder Programm zu verpflichten, wird zur tommt es an, die fie tragen.( Beifall.) Bei den Wahlen fann die Partei eine folossale Agitation ent- Tagesordnung übergegangen. Der Antrag, der Parteivertretung falten. Wahlversammlungen tagen ohne polizeiliche Ueberwachung. wegen ihres Verhaltens zur Badeni'schen Wahlreform ein Mißtrauensvotum zu ertheilen, wird gegen 2 Stimmen abgelehnt. Das ist besonders für die Provinz von großer Bedeutung, die als Wahltag soll der Sonntag gefordert werden. unter der Willkür der Regierungsvertreter zu leiden hat. ( Beifall.) Schon jetzt ist die Sozialdemokratie ein politischer Faktor. Ihre Bedeutung Bedeutung wird noch wachsen, wenn fie Abgeordnete im Parlamente hat. In Desterreich genießen die Abgeordneten viele Privilegien. Ihnen öffnen sich Thüren, die sonst verschlossen sind. Schon jetzt hat die Anwesen= heit von zwei, drei Leuten im Parlament genügt, um eine Menge Dinge zu beleuchten, die sonst nie beleuchtet worden wären und die öffentliche Meinung darüber aufzuklären, die sonst, wie es in Desterreich üblich ist, versumpft wäre. Ein weiterer Vorzug ist die Immunität des In das Bureau werden gewählt: Penn- Berlin, 1 VorAbgeordneten. Es ist doch nicht der Beruf eines sozialdemo- sitzender; Fräulein Schrein Bielefeld, 2. Vorsitzende; Lischke= tratischen Agitators, beständig im Gefängniß zu sein.( Heiterkeit.) Dresden, Schriftführer. Er soll draußen sein, draußen wirken. Durch die Wahlen be- Der Vorsitzende verliest zunächst mehrere eingelaufene tommen Sie mindestens zehn Leute, die man nicht beständig Begrüßungstelegramme. Den ersten Gegenstand, der jetzt zur einsperren kann. Die neue Kurie wird überhaupt mehr volksthüm- Berathung gelangt, bildet Die Lage der weiblichen Angestellten liches Material im Parlament liefern, als es die alten Stammsiz im Handelsgewerbe." Fräulein Clara Haase- Berlin, inhaber( Heiterkeit) bisher gethan haben. Die Situation ist für welche hierzu referirt, führt etwa folgendes aus: Das Glend Sie unbezahlbar. Mit der Badeni'schen Wahlreform ist die der Handlungsgehilfin unterscheidet sich in nichts von dem Wahlrechtsbewegung nicht beendet. Sie wird im neuen Parla- Elend der Fabrikarbeiterin. 45 M. pro Monat bildet den ment sofort wieder auftauchen und noch mehr als bisher in den Durchschnittslohn für alle weiblichen Angestellten und dies bei Vordergrund des öffentlichen Lebens treten. In einer Ver- einer viel längeren Arbeitszeit. Die Handlungsgehilsen selbst sammlung von unentschlossenen Leuten bedeuten 10 entschlossene haben das größte Interesse daran, sich mit den Forderungen der Leute etwas. Ich schließe also mit dem Vorschlag: Erheben wir weiblichen Angestellten zu beschäftigen. uns zu einem feierlichen, mit allen Schimpfwörtern des deutschen Lexikons ausgerüsteten Protest( Stürmische Heiterkeit) gegen die Badenische Reform, ergreifen wir aber dann, weil wir vernünftige Leute sind, auch die schlechte Waffe und kämpfen wir weiter mit ihr an der kompetenten Stelle. Schlagen wir uns nicht stolz seitwärts in die Büsche Jede Frage der Taftit muß fühl erwogen werden.( Lebhafter Beifall.) Die einzige Quelle, aus der in Defterreich die Wasser der Zukunft fließen, ist die Arbeiterbewegung. In ihrem Siege ift alles eingeschlossen, was wir in Desterreich an Freiheit und ökonomischer Entwickelung erwarten können.( Lehafter Beifall.) Die Mittagspause tritt ein. * * * In der Nachmittags- Sigung gelangt ein Schreiben von Wilhelm Liebknecht zur Verlesung, in dem er für die zahlreichen Glückwünsche aus Desterreich seinen warmen Dank ausspricht. Es wird hierauf mitgetheilt, daß die Firma Brüder Perah in Lieben heute 500 streikende Arbeiter aus den Wohnungen getrieben habe.( Lebhafte Pfuirufe.) Den Streifenden werden 100 Gulden bewilligt und mit der Sympathie für die hungernden Arbeiter die Verachtung über die Haltung der hiesigen liberalen und jungczechischen Presse in dieser Angelegenheit ausgesprochen. Nach Eintritt in die Tagesordnung wird die Wahlreformdebatte fortgesetzt. Die meisten Redner vertreten den Standpunkt der Parteivertretung. Daszinsti- Kratau verwirst die Abstinenz- und Protestpolitit. Resel: Graz: Bor zwei Jahren war ich Anhänger des Generalstreits. Ich habe mich aber davon überzeugt, daß der Generalftreit in Desterreich nur ein Streit der Generale, aber nicht der Massen sein würde.( Große Heiterfeit.) Ich bin davon abgekommen. Wir müssen uns mit der Wahlreform des Genossen Badeni befassen.( Stürmische Heiterkeit.) " Das, was die weiblichen Angestellten wollen, hat Rednerin in folgender Resolution niedergelegt, welche einstimmige Annahme findet: " In Erwägung, daß infolge geringer Entlohnung der Frauenarbeit im Handelsgewerbe auch die Lage der männlichen Angestellten mehr und mehr verschlechtert wird, erachtet der Kongreß es für unbedingt nothwendig, ganz energisch die Forderung gleicher Bezahlung bei gleicher Leistung für die Kolleginnen zu erheben.' Des weiteren gelangt ein Antrag zur Annahme, daß die Agitationskommission der Handlungsgehilfen Deutschlands auch die Agitation unter den Gehilfinnen zu betreiben hat und in der Kommission die Gehilfinnen durch ein Mitglied vertreten sein sollen. Im Anschluß hieran wird beschlossen, Fräulein Haase eine größere Agitationstour nach allen größeren Plätzen Deutschlands unternehmen zu lassen. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung:„ Einführung einer einheitlichen Ladenschlußstunde" wird nach einem Referat von Daniel Magdeburg folgende Resolution einstimmig angenommen: Der Kongreß erklärt: Die Annahme der§§ 9 und 10 des Gefeßentwurfes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes durch den Reichstag würde von den Handlungsgehilfen Deutschlands als einfache Vergewaltigung im Interesse der Prinzipale empfunden werden. Obgleich nun der Kongreß es begrüßen könnte, wenn die Klasse der gleichgiltigen Kollegen durch solche Nackenschläge aufgerüttelt würde, so richtet er doch an den Reichstag in legter Stunde die energische Aufforderung die erwähnten Strafparagraphen vollständig abzulehnen, weil sie ein Ausnahmegesez sind, das nicht einmal für Beamte in Giltigkeit ist, weil sie Geschäftsvortheile schützen, die der Handlungsgehilfe durch seine Arbeit mit errungen hat, weil sie unmündige Personen mit Gefängnißstrafe bedrohen und weil sie endlich ganz einseitig die angeblichen Geschäftsgeheimnisse des Prinzipals schützen sollen, während der Prinzipal die Geheimnisse der Gehilfen ungestraft soll verrathen dürfen." Die beiden Punkte„ Stellung der Handlungsgehilfen unter die Gewerbe Ordnung" und" die Lehrlingsfrage" werden zusammen berathen. Nach eingehenden Referaten von Hinge= Halberstadt 13 und Wilde Berlin wird eine Resolution angenommen, nach der der Kongreß an den Reichstag und Bundesrath das dringende Ersuchen richtet, die Ausdehnung der Gewerbe- Ordnung auf alle Handelsbetriebe baldigst zur Durchführung zu bringen. Auch hält der Kongreß die Anstellung von durch Gehilfen gewählten Handelsinspektoren zur Beaufsichtigung der Forderungen nothwendig. Hierzu wird noch ein Amendement Dörnberger Stuttgart und Jastrow- Mannheim angenommen, nach dem der Kongreß beschließt, daß, für den Fall der Ablehnung der Unterstellung von Handlungsgehilfen unter die Gewerbeordnung, es dringend nothwendig ist, daß die§§ 118, 119a, 120, 120a, b, c, e, 134, 135, 136, 137 der Gewerbe- Ordnung in das Handels Gesetzbuch aufgenommen werden. Zu diesem Zwecke werden die Delegirten aufgefordert, durch Petitionen die Kommission zur Revision des Handels- Gesetzbuches zu ersuchen, Auskunftspersonen der Freien Vereinigungen der Kaufleute zu vernehmen. Angenommen wird gleichfalls eine Resolution Wilde- Berlin, die verlangt, daß die im Handelsgewerbe beschäftigten jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen unter 18 Jahren ebenfalls den in der Gewerbe- Ordnung enthaltenen Schutzbestimmungen unter stellt werden. Zum nächsten Gegenstand der Tagesordnung„ Die Ausdehnung der Gewerbegerichte auf die Handlungsgehilfen" hält Lipinski Leipzig das Referat. Folgende Resolution wird an genommen: " Der Kongreß erachtet die jetzt den Handlungsgehilfen gewährte Rechtshilfe, den veränderten sozialen Verhältnissen nicht mehr entsprechend, für ungenügend, da die Handlungsgehilfen feinen sozialen Einfluß auf die Rechtsprechung haben, das Klageverfahren vor den Amts- bezw. Landgerichten ein tostspieliges und langwieriges ist und fordert die Ausdehnung der Gewerbegerichte auf die Handlungsgehilfen und Gehilfinnen. Obgleich der Kongreß die Gewerbegerichte nicht als fehlerfrei betrachtet, sieht er in der Kompetenzerweiterung der Gewerbegerichte auf die Handlungsgehilfen eine Verbesserung der Rechtshilfe der Handlungsgehilfen, weil hierdurch eine soziale Vertretung, eine schnelle, sachliche, und billige Erledigung der Streitigkeiten ermöglicht wird; er erklärt sich gegen die Augliederung sogenannter faufmännischer Schiedsgerichte an die Amtsgerichte bezw. Handelskammern, weil dadurch eine schnelle und billige Erledigung der Klagen in Frage gestellt wird, in den Organisationen auch eine organische soziale Vertretung der Handlungsgehilfen wie bei den Gewerbegerichten nicht möglich ist und spricht sich gegen die Errichtung besonderer Kammern für Handlungsgehilfen aus. Es wird sodann zur Grörterung der Einführung einer Minimal- Kündigungsfrist geschritten. Nach einem Referat von Preiß( Dresden) wird eine von demselben eingebrachte Resolution angenommen, die an den Reichstag und Bundesrath die Forde rung richtet, dem Artikel 61 des Handelsgesetzbuches folgende Fassung zu geben: 1. Die sechswöchentliche Kündigungsfrist bleibt bestehen. 2. Durch besondere Abrede kann eine kürzere Kündigungsfrist festgesetzt werden, doch muß dieselbe für beide Theile von gleicher Dauer sein und mindestens einen vollen Kalendermonat umfassen. Der Vertrag fann nur am ersten eines jeden Monats zum nächsten ersten gelöst werden. 8. Nach erfolgter Kündigung bis zur Erlangung einer dauernden Stellung ist den Handlungsgehilfen und Lehrlingen am Tage die nöthige Zeit von zwei Stunden ohne Gehaltsabzug zu gewähren, um sich eine Anstellung verschaffen zu können. Der Kongreß erklärt, daß der gefeßliche Achtstundentag nicht blos für offene Verkaufsgeschäfte, sondern für die Angestellten des gesaminten Handelsgewerbes nach wie vor mit allen Kräften zu erstreben ist. Als Uebergangsstadium erscheint der von der Reichskommission für Arbeiterstatistik vorgeschlagene Abend 8 Uhr Schluß ohne alle Ausnahme, aber für alle Handels. Bei diesem Punkt wird von Maaß Berlin die elende Lage geschäfte überhaupt als annehmbar. Der Kongreß hält jedoch der Adressenschreiber zur Sprache gebracht und hierauf Die von der Reichskommission vorgeschlagene Gröffnungsstunde eine Resolution angenommen, nach der die Delegirten sich verfür viel zu früh auf 5 Uhr morgens festgesetzt, und verlangt pflichten, daß an allen Städten, wo sich Adressenbureaus befinden, die Einführung einer Eröffnungsstunde auf 8 Uhr morgens. Die Kollegen am Orte in eine eingehende Erörterung der MißAußerdem ist für die jugendlichen Personen bis zu 18 Jahren stände eintreten. eine um mindestens 2 Stunden fürzere Arbeitszeit einzuführen." Zu dem Punkte Unterstützung bezw. Versicherung gegen Hieran sich anschließend, wird ein Antrag Blum- Berlin an- Stellenlosigkeit" soll nunmehr übergegangen werden. Auch soll genommen, nach welchem der Kongreß die Einführung des hierbei gleich die Organisationsfrage mit berathen werden. obligatorischen Fortbildungs- Unterrichtes für alle jugendlichen Arbeiter unter 18 Jahren im Handelsgewerbe durch Reichsgesetz während der Geschäftsstunden fordert. Reichstags- Abgeordneter Moltenbuhr stellt einige Jrrthümer der Debatte richtig. Die deutschen Sozialdemokraten bedauern am allermeisten die betrübende Thatsache, daß die moderne Arbeiterbewegung in den Bergwerkdiftritten Oberschlesiens Bezüglich des Punktes über die Sonntagsruhe" wird ohne und der Saar noch so wenig Eingang gefunden hat. Sie tönnen weitere Debatte eine Resolution Blum- Berlin angenommen, nach der aber zunächst nicht viel daran ändern. Versucht ist beständig der Kongreß die Einführung einer vollständigen Sonntagsruhe durch worden, in das oberschlesische Revier einzudringen. Durch die Reichsgesetz für nothwendig erachtet. Da aber auch den Kommunal Entwickelung der politischen Bewegung in Deutschland ist der verwaltungen das Recht zusteht, eine Einschränkung der Sonntags: : Lipinski Leipzig hält hierzu wiederum das Referat, bei welchem er seine Forderungen in einer Resolution zusammenfaßt. durch die der Kongreß die Unterstützung stellungsloser Handlungsgehilfen nicht für geboten hält, dagegen hält er die Versicherung gegen Stellungslosigkeit für diskutabel und wird die neue Agitationskommission beauftragt, die nöthigen Unterlagen zu beschaffen und Vorschläge zu machen. Die Resolution wird angenommen. Des weiteren wird ein Antrag Hinge( Halber stadt) angenommen, der auch die Zentralisation einstweilen nicht s für geboten hält. Von der Beschickung des internationalen GewerkschaftsRongresses zu London durch einen eigenen Delegirten sieht der Kongreß ab und wird ebenfalls durch Attlamation der Genosse Haller in Wien mit der Vertretung der deutschen Handlungsgehilfen betraut. A13 Siz der Agitations- Kommission wird wiederum Berlin bestimmt, doch wird die Wahl der 5 Personen den Berliner Genossen in einer öffentlichen Versammlung vorzunehmen überlassen. Auf Antrag Türt's werden als Vororte für die Agitation bestimmt: 1. Magdeburg für Nord- und Westdeutschland. 2. Leipzig für Sachsen. 3. Fürth für Süddeutschland. = " = = " M Nach diesem Redner erhalten noch über 20 Personen das Nr. 1848 der Lohnliste: Sohn 3,20 m., Strafe 3 M., Kassene Wort, die meistens neues nicht vorbringen. Der Ber- beiträge 15 Pf., baar ausgezahlt 5 Pf. Die Firma, die diese Ferner gelangt ein Antrag Wilde zur Annahme, nach dem treter der männlichen Textilarbeiter Forsts und Frau Löhne zahlt( für eine volle Woche), ist die Leipziger Baumwolleine Unterstützung eingeführt werden soll, die den stellenlosen Peters für die dortigen weiblichen Textilarbeiter erklären, spinnerei in Leipzig- Lindenau. Diese Lohnangaben wurden mit Handlungsgehilfen die weitere Krankenversicherung ermöglicht. daß die lokalorganisirten Arbeiter in Forst dem Zentral- lebhaftem Unwillen entgegengenommen. Aehnliche, aus Schlesien Nunmehr wird zur Wahl der Delegirten zum Berliner Ge- verband beitreten werden. Nowack Potsdam und John- datirende, noch ungünstigere Mittheilungen wurden von sehr werkschaftstongreß geschritten und werden die Genossen Hinze Schönweide traten für obligatorische Arbeitslosen vielen Delegirten gemacht. Einem Antrag Liebold Greiz und Türk per Attlamation gewählt. Unterstügung ein. Eine dahingehende Resolution wird der verlangt, daß bei allen Lohnbewegungen die Frage erörtert eingebracht. Desgleichen eine Resolution, die die weitere Er- werden soll, ob es möglich ist, die Forderung des Minimallohnes richtung von Agitations resp. Organisationskomitees fordert für mit aufzustellen, stimmt der Kongreß zu. Ebenso der Resolution Landestheile, wo bisher noch feine bestehen, und weiter verlangt, Sagte, wonach der Kongreß erkennt, daß die Anbahnung eines daß diesen Komitees die nöthigen Mittel zur Entfaltung einheitlichen Lohntarifs in der Textilbranche der erste Schritt ist energischer Thätigkeit zur Verfügung gestellt werden sollen. Ein zur Verbesserung der Arbeitslöhne. Alle Vorbereitungen zur Schlußantrag wird durch Stimmengleichheit abgelehnt. Die Ver- Durchführung desselben könnten jedoch nur von der Organisation treterin der Generalfommission, Frau Kähler- Hamburg bringt vorgenommen werden. als Meinung der Generalfommission zum Ausdruck, daß dieselbe Wagner- Burgstädt referirt sodann über die Beschickung für Einführung der Arbeitslosen Unterstützung in allen der internationalen Kongresse. Beschlossen wird, Organisationen ist. Doch tönne dies nicht mit 15 und den Londoner allgemeinen Rongreß nicht zu beschicken, wohl 20 Pfennigbeiträgen geschehen. Persönlich ist sie der aber den im Jahre 1897 in Rourbaix in Frankreich Ansicht, daß wenn die die Generalversammlung sich schon zusammentretenden internationalen Textilarbeiter Kongreß. mit der Frage befaßt und die Unterstützung abgelehnt hat, fein Die Wahl des Delegirten soll durch Urwahlen in Anlaß bestehe, daß der Kongreß sich mit der Frage befaffe. späterer Zeit vorgenommen werden. Weiter soll erstrebt werden, Der Kongreß befchließt ferner, daß eine Breßkommission ge- Uebrigens halte fie es nicht für richtig, daß die orgauisirten Ar- die internationalen Tegtilarbeiter- Kongresse höchstens alle drei wählt wird, doch bleibt die Wahl der Personen Berlin über beiter Aufgaben des Staates übernehmen. Der Staat, die Jahre stattfinden zu lassen. Iaffen. Gesellschaft, welche die Arbeitslosen erstehen läßt, solle auch für Frau Vogel- Netschtau stellt am Schlusse ihres Referats Es wird sodann noch eine Resolution angenommen, nach der deren Ernährung und Unterhaltung sorgen. Nach einigen per zu Puntt 6: Forderung des weiblichen Inspet= die Arbeiter Konsumvereine verpflichtet sind, ihren Angestellten sönlichen Bemerkungen erfolgt die Abstimmung über die ein- torats, den Antrag, bei jeder Gelegenheit zu betonen, daß im den Forderungen der Arbeiterschaft entsprechende Arbeits- gebrachten Refolutionen. Interesse der weiblichen Arbeiterschaft, besonders in Rücksicht auf bedingungen zu bieten. Dem Lagerhaltertage zu Leipzig Die oben mitgetheilte Resolution Wagner, ebenso auch die große Zahl der Textilarbeiterinnen, die Anstellung weiblicher wird noch eine angenommene Resolution übermittelt, die von demselben gestellte Resolution betreffs der Agitations Inspektoren nothwendig sei, bis dieser Forderung Gehör ge nach der der Kongreß die in Konsumvereinen beschäftigten Lager- fomitee's werden einstimmig, augenommen. Die Resolution schenkt wird. Nach Befürwortung seitens mehrerer Redner wird halter( Verkäufer) als Handelsgehilfen betrachtet und dieselben zur Arbeitslosenunterstüßung wird mit großer Majorität dieser Antrag angenommen und der Gegenstand damit verlassen. aufgefordert werden, den Forderungen der Handlungsgehilfen sich abgelehnt. Zu einem Antrag, die Arrangirung von Festlichkeiten bei anzuschließen und die Beschlüsse gemeinsam auszuführen. Der Es folgt der Punkt: Die Hausindustrie, be- Rongreffen betreffend, wird Uebergang zur Tagesordnung beRongreß wird sodann mit einem dreifachen Hoch auf die interziehentlich Hausweberei und ihre Zukunft. schlossen. nationale Sozialdemokratie geschlossen. Vor Eintritt in die Berathung dieses Gegenstandes verliest der Der Vorsitzende erklärt sodann, daß alle vom Kongreß ge Vorsitzende ein Begrüßungstelegramm aus Gera. Sodann faßten Beschlüsse, welche eine Einwirkung auf die Gefeßgebung erhält Klösterlein- Berlin als Referent das Wort. Seine bezwecken, vom Bureau in einer Eingabe an den Bundesrath Kongreß der Textilarbeiterschaft Deutschlands in Apolda Ausführungen gipfeln darin, daß der Minister des Innern nicht abgegeben werden. Im Anschluß an die Generalversammlung trat am ersten recht habe, wenn er sage, dem Handwerk sei überhaupt nicht zu Das Protokoll des Kongresses soll in Broschürenform gedruckt Osterfeiertage der Kongreß der Textilarbeiter Deutschlands im helfen. Wenn die Forderungen der Arbeiter nach dem Acht- und vom Verlag des Textilarbeiters" zum Selbstkostenpreis Gasthof Vorwärts" zusammen. stundentag, entsprechend höheren Löhnen und ausreichendem herausgegeben werden. Der Redakteur des Textilarbeiters", Wagner- Burgstädt, Arbeiterschutz angenommen und gesetzlich sanktionirt seien, so sei Die Tagesordnung des Kongresses ist damit erschöpft. Der eröffnet den Kongreß um 81/2 Uhr nachmittags. Nach furzer auch der Hausindustrie resp. den Haus- und Handwebern ge- Vorsitzende Rohleder richtet noch eine Ansprache an die Delegirten. Begrüßung durch Naumann Apolda und den Einberufer holfen. Er bitte deshalb, seiner Resolution dahin zuzustimmen, In derselben wird zum Ausdruck gebracht, daß die Verhandlungen wird sofort zur Wahl des Bureaus geschritten. Als erster Vor- daß den noch vorhandenen wenigen Tausend Handwebern die von größter Sachlichkeit und Einmüthigkeit getragen waren, figender wird Rohleder Elsterburg gewählt, als zweiter Vor- Existenz erleichtert werde durch unterstellung auch der Haus- wofür allen Delegirten Dank zu zollen sei. Diese würden auch figender Naumann- Apolda, als Schriftführer Wagner- industrie unter die Aufsicht der Fabrikinspektionen, durch die Ein- in ihren Heimathsorten von neuem für die Sache der TextilBurgstädt, Georgi Glauchau und Landgraf Burgstädt. Bur führung des gesetzlichen Achtstundentages u. s. w., kurz durch die arbeiterbewegung wirken. Dieselbe bedürfe auch des Vorschubs, Prüfung der Mandate werden 2erchner Limbach, Rönig- Bewilligung der bekannten Arbeiterforderungen. denn sie sei eine derjenigen, welche noch am schwächsten dastehe. Chemnitz und Schulz- Berlin erwählt. Durch einen Frrthum sind zwei In der Hoffnung, daß seine Erwartung zutreffe, bringe er ein elfäffische Delegirte ohne Mandate geblieben; sie werden auch Hoch der deutschen Textilarbeiterbewegung. Hierin stimmen die ohne dieselben als stimmberechtigt anerkannt. Auf Antrag von Es wird zunächst beschlossen, daß nur noch 5 Minuten Rede- Anwesenden begeistert ein. Sodann erklärt der Vorsitzende den Semmler Limbach wird die aus 17 Punkten bestehende Tageszeit gewährt werden. Zu dem Punkte Hausindustrie 2c." sind Kongreß für geschlossen, dabei nicht vergessend, den Apoldaer ordnung durch Zusammenlegung der einzelnen Gegenstände auf drei Resolutionen eingelaufen. Kollegen für die von ihnen aufgewendete Mühe und Arbeit zu fieben reduzirt. Das Bureau empfiehlt eine Geschäftsordnung, Die erste, von Küffe- Bielefeld beantragt, lautet: In danken. die ohne Widerspruch afzeptirt wird. Zum ersten Gegenstand anbetracht der immer mehr verbesserten Technik in der mechanider Tagesordnung giebt Vieweg Limbach den Bericht der schen Weberei aller Branchen und der nuglosen Resolutionen an Ein Verbandstag der süddeutschen Mühlenarbeiter Preßkommission und referirt zugleich über einen Antrag, das die Regierung möge der Kongreß von den anscheinend lang wurde vom 5. bis 7. April in Nürnberg abgehalten. VerFach organ einen Tag später in Druck zu geben und demselben wierigen Verhandlungen über diesen Punkt Abstand nehmen, wurde vom 5. bis 7. April in Nürnberg abgehalten. Vereine Beilage zu geben, sowie über den Antrag, eine fachgewerbliche jedoch sich mit den Handwebern solidarisch zu erklären und den treten waren die Städte München, Rosenheim, Freising, Eßlingen, Beilage zu schaffen. Der Berichterstatter bezeichnet den Stand des felben anzurathen, sich der modernen Arbeiterbewegung an- Waiblingen, Ludwigshafen, Frankfurt, Würzburg, Nürnberg und Erlangen durch 8 Delegirte. Die General- Kommission ist durch Fachorgans als verhältnißmäßig gut, ersucht jedoch um Ablehnung zuschließen, soweit dieses noch nicht geschehen ist." jener Anträge. Das Organ wird in einer Auflage von fast Scholz- Berlin wünscht, der Kongreß soll fordern: 1. Gin- Segi- Fürth, die Nürnberger Gewerkschaften durch Breder20 000 Gremplaren hergestellt, von denen jedoch 16 500 allein für führung eines Normalarbeitstages für Fabrik- und Hausindustrie; Nürnberg vertreten. Außerdem find anwesend: Käppler. die Verbandsmitglieder abgegeben werden.- Altenburg für den Deutschen Müller- Verband, KlemenzSübsch Berlin 2. Verbesserung und Ausdehnung der Arbeiterschutz- Gesetze auf Nürnberg als Geschäftsführer des süddeutschen Müller- Verbandes wünscht den Druckfort des Organs von Burgstädt nach Berlin die Hausindustrie; 3. Abschaffung der Zuchthausarbeit. verlegt, wo jede Nummer um 30 Mart billiger hergestellt werden Klösterlein's Resolution fordert, daß der Kongreß die und Stapf- Heilbronn als früherer Borsitzender des süddeutschen tönne. In Berlin habe auch der Redakteur mehr geistige Be- Nothwendigkeit des Bestehens der Handweberei anerkennt. Alle Müller- Verbandes. Zum Vorsitzenden wird Brendel Frankwegung und beffere Verbindungen. Jobb Bernau beantragt auf die Besserung der Lage der Handweber abzielenden Be- furt, als Schriftführer Steger Würzburg gewählt. Die Tagesdie Verlegung. Nachdem dieser Antrag mit dem Bericht über ftrebungen sollen von der gesammten Textilarbeiterschaft unter- ordnung umfaßt 14 Punkte. Ueber die Geschäftsführung des zwei Stunden distutirt worden war, zieht ihn der Antragsteller stützt werden. Zuletzt fordert die Resolution auch die Aus- früheren Vorsitzenden des süddeutschen Verbandes, Stapf, zurück. Ein Antrag Greifeld's aus Apolda, eine zwei- dehnung der Arbeiterschuh- Gesetzgebung auf die gesammte Haus- entspann sich eine lebhafte Debatte, weil unter seiner Leitung bedeutende finanzielle Mißerfolge zu verzeichnen waren. feitige Beilage einzuführen, findet nicht genügende Unterstüßung. industrie. Die beiden obengenannten Anträge werden abgelehnt; dagegen Es sprechen hierzu eine ganze Reihe Delegirte, unter ihnen ein Antrag Sandmann- Leipzig angenommen, im Fach- auch viele Handweber und mehrere Jnnungsmeister. Alle er organ eine Rubrik" Versammlungs- Kalender" einzuführen. fennen an, daß die Hausweberei nicht werth sei, erhalten zu Inzwischen hat die Mandatprüfungs- Kommiffion ihre Ar- bleiben. Je früher je besser müsse dieselbe beseitigt werden. Aber beiten beendet und erstattet Bericht. Es sind anwesend 67 Dele- den Arbeitern dieser Industrie müsse man die höchste Sympathie girte, die 69 Orte vertreten. Alle Mandate werden für giltig entgegenbringen und sich solidarisch mit ihnen erklären. Wolle erklärt. Unter den Delegirten find die Frauen Vogel man aber der Resolution Klösterlein's beistimmen, so würde das Die Hauptdebatte drehte fich um die Frage, ob der südNetschkau und Peters. Forst. Frau Kähler Hamburg ist Elend der Handweber nur noch verlängert werden. Mit der deutsche Berband weiter bestehen oder sich auflösen und den als Vertreterin der Generalkommission anwesend. Auf Vorschlag Einführung der Achtstundenarbeit in der Hausindustrie werde deutsche Verband weiter bestehen oder sich auflösen und dem von Frau Vogel, der von einem Delegirten zum Antrag erhoben lettere unprofitabel und dadurch end giltig und gänzlich ver- deutschen Verbande sich anschließen solle. In namentlicher Ab stimmung wurde einstimmig beschlossen, der süddeutsche Verband wird, erfolgt die Wiederwahl der bisherigen Preßkommissions- schwinden. Mitglieder per Akklamation. Es sind dies: Viehweg, Die Vertreter der Handweber aus Schlesien und Berlin, habe sich aufzulösen und fich bis 15. Juli d. J. dem deutschen Semmler, Landgraf, Wermann und Pietscholl. Sachsen und Rheinland sind hierin fast durchweg einig und ver- Verbande anzuschließen. In Beziehung auf die Zeitungsfrage 8 weiter Verhandlungstag. langen deshalb für die Hausindustrie- Betriebe die Aufsicht der beschloß man, die Sache der Zentralleitung des deutschen Verbandes ZIN überweisen; gewünscht wurde, daß aus Es folgen Berichte über die Thätigkeit der Agitationskomitee's, Fabrikinspektoren und weitere Ausdehnung der Arbeiterschuhwerde, das Verbandsorgan, die„ Einigkeit", wobei über die geringe Unterstützung geklagt wird, die den gesetze. Der Gegenstand ist überhaupt nur auf die Tagesgesprochen Romitee's seitens der Textilarbeiter geleistet wird. Die Hinder ordnung gesetzt worden, um eine prinzipielle Aussprache auf statt wie bisher 2 mal, 3 mal monatlich erscheinen solle. Als niffe, die der Organisation durch die verschiedenartige Auslegung diesem Gebiet herbeizuführen. Klösterlein erklärt, daß es letzter Punkt wurde die Agitation unter den Müllern auf dem der Vereinsgesetze bereitet werden, bilden den Gegenstand weiterer eine falsche Anschauung sei, wenn angenommen werde, er be- Lande besprochen und beschlossen, Vertrauensmänner aufzustellen Er habe sich und Agitationsmarken einzuführen. Hierauf wurde der VerKlagen. Wagner Burgstädt bringt hierzu folgende Reso- fände sich im Gegensatz zu den übrigen Rednern. lution ein: wenigstens genau so ausdrücken wollen, wie diese: Die von ihm bandstag vom Vorsigenden mit einer Aufforderung an die DeleDer Ostern 1896 im Vorwärts in Apolda tagende Textil- gestellte Resolution zieht er zu gunsten der von Echolz- Berlin ge- girten, stets für die gemeinsame Sache zu arbeiten, und mit einem arbeiter- und Arbeiterinnen- Kongreß legt ganz entschieden Verstellten zurück. Es wird die Resolution von Echolz angenommen Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung geschlossen. wahrung ein gegen die verschiedenartige Hand- mit dem Zusatz, daß der Kongreß die Einführung eines Minimalhabung der Vereinsgefeße, die den Arbeitern und lohnes für die Arbeiter in Hand- und mechanischen Webereien Arbeiterinnen die Ausübung des ihnen durch die Reichs- Gewerbe- für nothwendig erachte. Damit ist die Resolution Küffe er Ordnung garantirten" Vereins- und Versammlungsrechts in den ledigt. " Nachmittagssigung. V = Eine Kommission, welche die Buchführung zu revidiren hatte, kam zu dem Resultat, daß Stapf zwar nicht unehrlich mit den Verbandsgeldern umgegangen war, daß er aber nicht die Fähigkeit besize, die Geschäftsführung in forrekter Weise zu leiten. Der Verband, der taum 500 Mitglieder besitzt, hat infolge dieser Geschäftsführung ein Defizit von 1340 M. zu decken. Soziale Weberlicht. Der Vorstand des Verbandes deutscher Post- und Telegraphenassistenten hat jetzt den Mitgliedern seinen Geschäftsbericht für das Jahr 1895 zur Kenntniß gebracht. Der Verband ist gegen das Vorjahr wiederum erheblich gewachsen und auch seine Finanzlage ist sehr günstig. Die Zahl der Mitglieder, welche Ende Dezember 1894 erst 5610 betrug, hat sich bis Dezember 1895 schon auf 7703 vermehrt, während sich das Vermögen des Verbandes am Jahresschluß auf 100 776 M. be= lief, bei einem Rassenabschluß von 361 900 M. Die Haupteinnahmen 291 570. wurden aus dem Waarenhause des Verbandes erzielt, das den Mitgliedern Kleidungsstücke und andere Gegenstände liefert. Der Umfaz betrug an den 5 Betriebsstellen des Verbandes( Hauptgeschäft Berlin und Zweiggeschäfte Samburg, Düsseldorf, Hannover, Leipzig) 363 666 M., wovon allein auf dem Umfaß an Kleidungsstücken 223 886 M. fommen. Die Lage des Verbandes wird also tros aller Befehdungen, die er von gewisser Stelle aus erfährt, mit jedem Jahre günstiger und stärter. meisten Bundesstaaten außerordentlich erschwert, in einigen Bum nächsten Punkt: Gründung eines Streit oft unmöglich macht und Frauen die Theilnahme an fonds, referirt Hübsch Berlin. Er betont die Nothwendig Vereinen und Versammlungen gewerkschaftlichen und poli feit und empfiehlt die Anfammlung eines Fonds durch regeltischen Charakters in manchen Bundesstaaten ganz vermäßige Sammlungen. Biehweg- Limbach beantragt, der bietet. Der Kongreß protestirt gegen die unter dem Vor- Kongreß solle einen Ort bestimmen, wo drei Personen gewählt wande, daß in Aussicht genommene Redner oder Rednerinnen werden, die als Streitkommission die nothwendigen Arbeiten vor nicht genügend oder zu genügend bekannt seien und von ihnen bereiten und den Fonds verwalten. Eine andere Resolution will Gesetzesübertretungen zu befürchten wären, in letzter Zeit häufig das dem internationalen Vertrauensmann der deutschen TextilEr protestirt im besonderen arbeiter übertragen. Rahle Offenburg vertritt daffelbe. erfolgten Versammlungsverbote. dagegen, daß den Frauen, die doch mit Ausnahme der Der Antrag Viehireg enthält auch noch die Bestimmung, daß die Wehrpflicht dem Staate gegenüber dieselben Kommission überall Vertrauensmänner werben soll, an welche Pflichten zu erfüllen haben wie die Männer, Sammelbous ausgegeben werden. Die Begutachtung der Streits Die bezüglichen Rechte noch gefliffentlicher vorenthalten werden, soll der Zentralleitung überlassen bleiben. Dieser Antrag wird als den werkthätigen Männern. Das Recht der Vereinigung angenommen. Die dann vorgenommene Wahl des Ortes für die und Versammlung ist dem deutschen Reichsbürger durch Reichs Kommission fällt einstimmig auf Elberfeld. Hiermit ist der gefeß zugesichert; in Geltung gebliebene ältere Verordnungen Gegenstand erledigt. und Geseze werden daher durch ihre Anwendung zu Werkzeugen Die Referenten zum nächsten Gegenstand der Tagesordnung, der Unterdrückung reichsgesehlicher Bestim KontrolImarten betreffend, verzichten auf das Wort und Eltern und Vormünder, die ihre zu Ostern aus der Schule mungen und führen nicht allein zur Verfümmerung der Volts wünschen sofortige Diskussion. Der Ausschuß für die Kontrollrechte, sondern auch zur Verwirrung der ohnedies schon unklaren marke beantragt die Auflösung des Ausschusses, weil die Kontroll- entlassenen Pflegebefohlenen die Leder- und GalanterieRechtsbegriffe. Das Rechtsbewußtsein der befizenden Slaffen marte als Kampimittel in der Textilbranche fich nicht bewährt waaren Bran dhe erlernen lassen wollen, werden darauf wird durch die auf grund veralteter Gefeße geübte Verlegung habe. Von einzelnen Rednern wird die Stontroumarte als Sta- aufmertfam gemacht, daß sie bei der Wahl des Lehrmeisters be= der Reichs- Gewerbe- Ordnung nicht erschüttert, im Gegentheil, daver" bezeichnet. Der Ausschußantrag wird angenommen und Branche Leute, die, aus anderen Berufen herübergekommen, sonders vorsichtig sein müssen. Es giebt in dieser durch die immer augenfälliger werdende, einseitige An- ist damit der Punkt ebenfalls abgethan. wendung bundesstaatlicher Geseze und Verordnungen erheb- Ueber die Durchführung eines einheitlichen Lohn- absolut keine Fachkenntnisse haben, sondern nur einen bestimmten lich befestigt und deren gewohnte Anmaßung und Ueberhebung tarifs für die gefammte mechanische Weberei Deutschlands Artikel herstellen tönnen, aber dennoch Lehrlinge annehmen und in bedenklichem Maße gefördert, ja selbst herausgefordert. Die entspinnt sich noch eine längere Debatte. In derselben giebt der diese dann 3-4 Jahre in der schlimmsten Weise ausbeuten. Annullirung eines Reichsgesetzes durch bundesstaatliche Gesetze Delegirte Landmann Leipzig einige Löhne bekannt, welche Nach beendeter Lehrzeit" macht dann so ein junger Mann die ist ein Rechtszustand, dem jeder wahrhafte Reichsfreund mit Nach für die Zeit vom 21.- 27. März d. J. in einer Leipziger Weberei bittere Erfahrung, daß er eine der vielen verpfuschten Existenzen ist, die die heutige anarchische Produktionsweise Jahr für Jahr von 18-21 Jahren ausgezahlt wurden. bruck entgegentreten muß. In dieser Erwägung fordert der Kongreß an Nr. 1533 der Lohnliste, hatte von in immer größerer Zahl erzeugt. Die Lohnkommission der die Aufhebung aller bundesstaatlichen Verein 3. Der Arbeiter Riedel, gefeße und die Schaffung eines Reichs- Wer- 4,86 M. Wochenverdienst 3 M. Strafe, für Krankengeld und Leder- und Galanterie- Arbeiter( Portefeuiller) Berlins und Umeinigungs- und Versammlungsrechts, daß der Invalidenbeitrag 17 Pf. zu zahlen, es blieben ihm übrig 1,69 m. gegend( G. Schmidt, Manteuffelftr. 13, v. 2 Tr.) erbietet sich, Reichsbürgerschaft auf dem Gebiet des Vereins- und Versamm Ein anderer Arbeiter, Nr. 1842 der Lohnliste, hat 4,54 Lohn. Eltern und Vormündern bei der Wahl des Lehrmeisters mit Iungewesens umbeschränkteste Freiheit gewährleistet, jede behörd- Davon ab 3 M. Strafe, 17 Pf. Rrankengeld, baar erbalten lath und That zur Seite zu stehen. liche Bevormundung aufhebt und von Klaffenhaß gezeitigte 1,37 m. Nr. 1282 der Lohnliste: Lohn 3,61 M., Strafe 2 M., Krantenkaffe und Invalidenbeitrag 15 Pf., baar erhalten 1,43 Mt. Chikanen unmöglich macht." Arbeiter V = Bei der Durchführung der sozialen VersicherungsGeseze ist, wie uns geschrieben wird, oft der große Nebelstand Das vorläufige Ergebnis der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 für das Königreich Sachfen stellt sich n der Leipziger Beitung" im Vergleich zu den letzten Zählungen folgendermaßen: Zunahme zwischen zwei Volkszählungen Bählungs jahre Be völkerungszahl abfolut Auf je 1000 männliche tommen weibliche = Im Verein deutscher Schuhmacher( Filiale II.) sprach im Jahres. Bewohner am 30. März Dr. Bey) in einem intereſſanten Bortrag über pro- durchschn. Hypnotismus. Unter Vereinsangelegenheiten erfolgte die Wahl zentual pet. eines Delegirten zum Gewerkschaftskongreß. Die Versammlung übertrug dieses Amt dem Mitgliede Hammacher mit dem Auftrage, für den Antrag der Dresdener Metallarbeiter zu stimmen, der die Aufhebung der Generalfommission bezweckt. Sodann wurden die Mitglieder darauf aufmerksam gemacht, daß in der Schuh fabrit von Bergschmidt u. Lange die Differenzen noch nicht bei gelegt sind. Den fäumigen Mitgliedern diene zur Nachricht, daß fie in den Mitgliederlisten gestrichen werden, wenn sie ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. Die nächste Versammlung findet am 3. Osterfeiertag statt. 1042 1047 1041 1867 2423 586 1871 2556 244 182 658 5,47 1,37 1875 2 760 586 204 342 7,99 2,00 1880 2972 805 212 218 7,60 1,52 1057 1882 3 014 822 1058 1885 3 182 003 209 198 7,04 1,41 1063 21890 1895 1895 3 502 684 820 681 10,08 2,01 1059 3 753 372 280 330 1057 1060 3 783 014 zu beobachten, daß Berufsgenossenschaften, Versicherungsanstalten eine Anzahl von Denunziationen zeitigen würden. Zum Schluß willigt worden ist, wurden durch einen Beschluß verpflichtet. und Schiedsgerichte in ihren den Versicherten ertheilten Be- erklärte Rechtsanwalt Hugo Sonnenfeld, der Syndikus des 10 pct. ihres Wochenverdienstes an die Streitkommission zu scheiden die sogenannte Berufungstlaufel fortlaffen, Romitees, daß die Annahme einzelner Geschäfte, sie würden Unterstützungszwecken abzuführen. Zu Revisoren der Kommission das heißt, nicht zum Ausdruck bringen, wie und wo der Antrag durch das Gesetz nicht geschädigt werden, ein großer Irrthum wählte man W. Blau, Bunke und K. Winstowsti. steller gegen die betreffende Entscheidung Widerspruch erheben sei, da die Schädigung, direkt oder indirekt, gleichmäßig Am Freitag Abend findet eine öffentliche Bersammlung. wieder tann. Berufsgenossenschaften unterlassen diesen Hinweis mit fämmtliche Geschäfte der betheiligten Branchen treffen bei Cohn, Beuthstraße, statt, in der über den Stand des Streits Vorliebe dann, wenn die Entscheidung nach ihrer eigenen Ueber- würde. Sodann theilte Herr UIImann noch mit, daß am Bericht erstattet werden wird. Mit einem Hoch auf die moderne zeugung einer rechtlichen Unterlage entbehrt oder doch mindestens 15. d. M. in der Tonhalle eine große öffentliche Protest Arbeiterbewegung trennten sich die Versammelten. in ihrer Begründung zweifelhaft ift. Schiedsgerichte verversammlung gegen den Gefeßentwurf abgehalten werden Die Bauauschläger hielten am Dienstag Abend eine öffent weisen in den wenigsten Fällen Fällen auf баз Reichs solle, worauf einstimmig folgende Resolution angenommen Versicherungsant als letzte Instanz. Man darf nicht damit wurde: Die Versammlung der Interessenten der Uniform, liche Versammlung ab, in der Gen. Jahn über„ Die Kulturrechnen, daß nach mehrjährigem Bestehen der sozialen Versiche Militäreffetten- und Herrenmoden Maaß- Branchen spricht ihr aufgaben des Sozialismus“ referirte. Eine sehr rege und aus rungs- Gesetzgebung der Instanzenzug ziemlich allgemein bekannt Ginverständniß mit den bisherigen Maßnahmen des Komitees gedehnte Diskussion, an der sich gegen 20 Redner betheiligten, fei; im Gegentheil herrscht in den Kreisen der Versicherten über für Agitation gegen das Verbot des Detailreisens hiermit aus entspann sich nun über die schon früher gehegte Zusammendie grundlegenden Bestimmungen dieser Gesetze noch sehr große und ermächtigt das Komitee, in gleichem Sinne namens der Ge- schließung bezw. Auflösung der beiden Vereinigungen zur einheits Ge- lichen Organisation. Im allgemeinen war man der Ansicht, Unkenntniß. Die geschilderte Handlungsweise der bezeichneten sammtheit obiger Branchen weiter thätig zu sein." daß die kleinlichen Interessen, welche von einzelnen Personen in Organe vermehrt diese Unkenntniß und säet obendrein Mißtrauen. Der Fachverein der Musikinstrumenten Arbeiter voll beiden Vereinen mit einer Bähigkeit und Ausdauer, die Bei Abänderung der beiden in Frage kommenden Gesetze sollte zog in seiner Versammlung am 30. März die Ersatzwahl des einer besseren Sache würdig wäre, vertheidigt werden. daher nicht vergessen werden, zu bestimmen, daß Bescheide Borstandes. Gewählt wurden: Stolp, erster Schriftführer; nur dazu beigetragen haben, die gesammte Bewegung zu ohne Hinweis auf die nächste Instanz keine recht Böttcher, zweiter Schriftführer; Solz, zweiter Raffirer; schädigen und das auf den Bauten eingeriffene Kolonnenliche Wirkung haben. Voigt, Beifizer. In die Werkstatt Kontrollkommission wurde system zu züchten. Man möge anstatt für die einseitige Abt und in die Arbeitsvermittelungs- Kommission Ehrte und Krankenunterstüßung in den Vereinen eher für Abschaffung der Die Arbeiter der Firma Buchholz. Attordarbeit und Einführung der Lohnarbeit agitiren. Schröder Schröter delegirt. Klaviaturfabrik, baben durch einmüthiges Zusammen- und Bergau sind der Meinung, daß man unbedingt eine halten die 52stündige Arbeitszeit, eine 71/2 bis 10prozentige Lohn- Statutenänderung vornehmen müsse, um die Vereinigung zu er= erhöhung nebst Freigabe des 1. Mai erzielt. Verschiedene Ar- zielen. Das Ergebniß der Diskussion war die Annahme eines beiter von Lexow und von 2anger fonstatirten, daß sich da Antrages: eine Kommission zu wählen, welche die Vereinigung selbst wieder unhaltbare Zustände eingeschlichen haben. Neu auf- herbeiführen soll. Als Mitglieder dieser Kommission wurden genommen wurden 40 Kollegen. hierauf Finke, Günther, A. Bergau, Perlin und 2. Fiebiger gewählt. In der am nächsten Sonntag bei Buste stattfindenden Versammlung der Bau Anschläger sollen die Verhandlungen über die Einigung besprochen werden. Die Schuhmacher hielten am Dienstag Vormittag eine öffentliche Versammlung ab, wo Genoffe Lipinsti aus Leipzig einen beifällig aufgenommenen Vortrag über die Nothwendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit im Schuhmachergewerbe hielt, dem eine längere Diskussion folgte, wobei namentlich der Anschluß an die Organisation, die leider von den Berufsgenossen zu wenig beachtet werde, als erstes Erforderniß hingestellt wurde. Das Auftreten eines Hirsch Duncker'schen Gewerkvereinlers rief eine längere Auseinandersetzung über die grundsätzlichen Unterschiede zwischen dieser Organisation und den auf dem Boden der Die für die Schneider und Näherinnen in der Herren- modernen Arbeiterbewegung stehenden Gewerkschaften hervor. 8,00 1,60 und Knabentonfettion zum dritten Osterfeiertag Bor- Eine eingehende Debatte wurde über die Bedeutung der MaiIm letzten Jahrfünft war die durchschnittliche jährliche Zu- mittag im Lokal von Gründel in der Brunnenstr. 188 einberufene feier und über die Art, wie dieselbe in diesem Jahre zu gestalten nahme etwas geringer, als sie zwischen den Zähljahren 1871 75 Versammlung war leider nur schwach besucht. 3 ander gab in fei, gepflogen. Einerseits wurde gewünscht, die Arbeit nur da ruhen zu und 1885/90 gewefen ist. Seit den letzten 15 Jahren hat sich Rürge einen Gesammtüberblick über die Thätigkeit des Einigungs- lassen, wo dies ohne materielle Schädigung der Kollegen möglich der Ueberschuß der weiblichen Bevölkerung über die männliche amtes und nahm eine Reihe von Beschwerden über Vorkommnisse sei, während von anderer Seite stritte Arbeitsruhe beantragt auf einer beträchtlichen Höhe erhalten: Am 2. Dezember 1895 bei den einzelnen Arbeitgebern entgegen. Zum Schluß ersuchte wurde. Wilder er befürwortete einen Antrag: um polizeiliche standen 1836 445 männlichen Bewohnern 1946 569 weibliche Redner die Anwesenden, in der Abendversammlung bei Rauten- Genehmigung eines öffentlichen Umzuges einzukommen. Er wisse berg zu erscheinen. gegenüber.ne zwar, daß eine solche Genehmigung nicht ertheilt werden würde, Von den 143 Städten haben seit der letzten Bolkszählung Die Versammlung der Mäntelnäherinnen, boch wäre es interessant, die Begründung der Ablehnung eines 35 an der Bewohnerzahl abgenommen. Unter diesen befinden Bügler, Zuschneider, Unter diesen befinden Bügler, Zuschneider, Stepper und Steppe Umzuges zu erfahren, der Innungen und ähnlichen Vereinigungen Dieser Antrag wurde von mehreren fich 10 mit mehr als 5000 Bewohnern. Von den Landgemeinden rinnen, die am 3. Osterfeiertage Abend bei Rautenberg, anstandslos ertheilt werde. mit mehr als 5000 Einwohnern hatten vier eine Abnahme erfahren. Oranienftr. 180, tagte, erfreute sich eines regeren Zuspruches. Rednern entschieden bekämpft und schließlich zurückgezogen. Nach Ueber 10 pet. betrug die Bevölkerungszunahme in 34 Städten. Einleitend berichtete 3 ander über eine ganze Anzahl von Be zweistündiger Debatte beschloß die Versammlung: den 1. Mai Bon den 39 größeren Landgemeinden hatten 22 eine Zunahme von schwerden, die aus den Kreifen der Arbeiter und Arbeiterinnen durch strikte Arbeitsruhe zu feiern und am Vormittag eine Vermehr als 10 pet. in den letzten 5 Jahren erfahren. Die Be- über Nichtinnehaltung der Vereinbarungen zwischen Arbeiterinnen sammlung mit entsprechender Tagesordnung zu veranstalten. wohnerzahl der Stadtgemeiden betrug am Tage der Volkszählung und Zwischenmeistern dem Arbeitsnachweis- und Auskunfts- Nunmehr wurden die Verhältnisse der Schoßarbeiter( Hand48,8 pt., die der Landgemeinden 51,2 pot. der gesammten Be- bureau Alte Jakobstr. 83 zugegangen sind. Im Anschluß arbeiter) der Friedrichstadt besprochen. Christensen schilderte die völkerung des Landes. Bezeichnet man aber im statistischen hieran ersuchte er die Anwesenden, die auf ihren Arbeitsplägen Lage dieser Kollegen als eine äußerst elende. Obwohl durch die Sinne die Bewohner von Orten mit 2000 und mehr Bewohnern vorkommenden Umgebungen der getroffenen Vereinbarungen mit feinen Geschäfte der Friedrichstadt die höchsten und allerhöchsten als städtische und die übrigen Orte unter 2000 Bewohnern als zutheilen, um über diefelben bei den bevorstehenden Verhandlungen Herrschaften beschuht werden, haben die dort beschäftigten Arländliche Bevölkerung, so tommen auf erñere 66, auf lettere nur aburtheilen zu können. Es wurde hierauf von verschiedenen beiter doch unter niedrigen Löhnen und langer Arbeitszeit zu 34 pCt. Vornehmlich hat sich die Bevölkerungszunahme in den Rednern resp. Arbeiterinnen lebhaft Klage geführt über eigen leiden. Wie aus der Diskussion hervorging, haben diese Kollegen Großstädten und in den größeren Mittelstädten, ferner in den artige Praktiken der Zwischenmeister, sowie über das brutale sich entschlossen, etwas für die Verbesserung ihrer Lage zu thun, diefen Städten angrenzenden Industriedörfern geltend gemacht. und abweisende Verhalten gegenüber den Arbeiterinnen, die ihre und wurde ihnen in dieser Hinsicht die Unterstützung der in Die leineren Städte haben eine verhältnißmäßig noch geringere so schwer erkämpften Rechte nun auch zu wahren suchen. Hieran Fabriken beschäftigten Schuhmacher zugesichert. Da am Montag Zunahme erfahren, als die Landgemeinden unter 2000 Beschloß sich die Wahl von zwei Delegirten zum Gewerkschafts- sich eine Versammlung mit dieser Angelegenheit beschäftigen wird, wohnern. Am Tage der vorjährigen Berufs- und Gewerbe- fongreß. Gewählt wurden Timm und Holzhäuser- Flensburg. vertagte man bis dahin die Besprechung und ersuchte die in zählung war die ortsanwesende Bevölkerung in vielen Am 8. April vormittags hielt die Kostümbranche Frage tommenden Kollegen, Material über ihre Lohnverhältnisse fleineren Orten eine größere, als bei der Volkszählung ermittelt abermals in Gohn's Festsälen eine Versammlung ab, um den mit zur Stelle zu bringen. Bericht über den Stand der Bewegung entgegenzunehmen. Der In den Versammlungsbericht der Zintgießer Was die Bewegung der Bevölkerung in den Amtshauptmann Berichterstatter Timm fonnte mittheilen, daß in allen Werk- und Stürzer vom 5. d. Wt. haben sich einige unrichtigkeiten schaften anbelangt, so war die Zunahme am geringsten in den stätten die Forderungen der Arbeiter bewilligt wurden, außer eingeschlichen. Anstatt 30 Pf. Minimallohu muß es heißen 30 M. Amtshauptmannschaften Dippoldiswalde, Freiberg, Borna, Flöha bei Schnurmacher und bei Hansen. Die Kollegen diefer beiden Für Ueberstunden wurden 25 Pf. pro Stunde, nicht 25 pet. und Marienberg. Die Durchschnittsziffer von 8 pCt. der 3u Werkstätten beharrten um so mehr auf ihren Forderungen be- verlangt. nahme im ganzen Lande wird nur von der Bevölkerungszunahme züglich der neunstündigen Arbeitszeit, als dieselben in allen in den drei Großstädten und in den vier Amtshauptmann übrigen maßgebenden Werkstätten zur Anerkennung gelangten. schaften Dresden Alt- und Neustadt, Leipzig und Plauen Es wurde in Vorschlag gebracht, am 9. April abends bedingt. Die prozentuale Zunahme in den Amtshaupt noch einmal in einer Verhandlung mit den Arbeitgebern einen mannschaften Großenhain, Meißen und Zwickau erreichte gütlichen Ausgleich zu versuchen, um dann einen endgiltigen Bezwar annähernd das Landesmittel, und die in der Amts- schluß zu fassen. Verschiedene Redner wiefen diesen Weg als hauptmannschaft Delsnitz war etwas höher, aber in allen übrigen ergebnißlos zurück, andere befürworteten denselben. Schließlich Verwaltungsbezirken ist die Zunahme eine erheblich geringere ge- wurde der Vorschlag angenommen, die Agitationskommission der Schöneberger Genossen bei der Stichwahl habe ich im Namen Zu der Kritik der Redaktion betreffend das Verhalten der wesen. Seit der Berufszählung am 14. Juni bat in den Amts Schneider und Schneiderinnen zu beauftragen, zu den Verhand- der Schöneberger Genoffen zu erklären, daß der Vorwurf der hauptmannschaften Löbau, Dippoldiswalde, Dresden- Neustadt, lungen die Arbeitgeber schriftlich einzuladen. Weiter wurde be- Muthlosigkeit, der Ungeschicktheit und des Begehens eines Freiberg, Pirna, Borna, Döbeln, Grimma, Oschaz, Flöga und schlossen, von sämmtlichen Geschäften die Bewilligungen schrift: taktischen Fehlers wohl bei ruhiger Erwägung seitens der Delsuizz die ortsanwesende Bevölkerung sich vermindert. Dies lich im Bureau Alte Jakobstraße 83 niederzulegen, damit die zu Redaktion nicht fallen fonnte. Wir werden doch wohl erklärt sich zum theil durch die Rückkehr zahlreicher Fremder und ziehenden Kollegen sich informiren können. gute Gründe haben, venn wir trot Betheiligung Bewohner von Großstädten von dem Landaufenthalt. Nur in Die Dachdecker Berlins hatten sich am Abend des dritten bei der Hauptwahl jetzt vor der Stichwahl zurückDen Amishauptmannschaften Dresden- Altstadt, Großenhain und uns Beiläufig gefagt, riethen felbft Leipzig überwiegt die männliche Bevölkerung; das Ueberwiegen Feiertags im großen Saal von Cohn, Beuthstraße, zahlreich ver- treten. der weiblichen fritt besonders in den Bezirken mit Textilindustrie sammelt, um betreffs ihrer Lohnbewegung entscheidende Be- Genossen dazu. Die Verhältnisse liegen nun einmal so, schlüsse zu fassen. Nach einem interessanten Vortrage des daß es tein tattischer Fehler sein kann, wenn beim Messen der hervor, z. B. in Löbau und Zittau, in einigen Bezirken des Erz Genossen Millarg über die Ursachen der diesjährigen Be- Kräfte bei der Hauptwahl sich ergiebt, daß wir bei der dies gebirges und des Vogtlandes.( Reichs- Anzeiger.) wegung der Bauarbeiter, welcher viel Beifall fand, begründete jährigen Klaffenwahl eine Aussicht auf Durchdringen bei der Beste nochmals die folgenden, schon in früheren Versammlungen Stichwahl nicht haben, infolgedessen von einer Betheiligung bei aufgestellten Forderungen: 1. Neunstündige Arbeitszeit und der letzteren abrathen, um weniger der Partei, als vielmehr den 15 pCt. Lohnerhöhung für Gesellen und Arbeiter. 2. Pünktliche einzelnen Genoffen Zeit und deshalb auch Geld zu ersparen. Um gegen die dem Reichstag vorliegende Novelle Handhabung der von der Polizei vorgeschriebenen Schutzmaß- In unserem Dorf( sprichw. Millionendorf) find im Gegensatz zu den 4. Abschaffung der Afford- Arbeitern, die in großer Zahl wegen zu niedrigen Steuersatzes zur Gewerbe- Ordnung, durch welche für die Uniform, regeln. 3. Freigabe des 1. Mai. Militär- Effetten- und Herrenmoden- Branche das Detailreisen arbeit. 5. Bei Sonntagsarbeit und Ueberstunden 50 pet. Lohn nicht wahlberechtigt sind, sehr viele Angehörige der bürgerlichen verboten werden soll, Stellung zu nehmen, war von einem zuschlag. 6. Die Wartezeit bei der Lohnzahlung am Sonnabend Klasse der 3. Wählerklasse angehörend, während sie vielleicht in Komitee zu gestern Abend eine sehr zahlreich besuchte Versamm Abend nach 7 Uhr ist gleich einer Stunde Arbeitszeit zu be- anderen Orten der 2., ja sogar der 1. Klasse angehören würden, lung von Interessenten nach dem Hotel Saxonia zusammen zahlen." Redner brachte dann einen Brief des Gründers und daher das Nebergewicht von jener Seite bei der Wahl. Die Betheiberufen worden. Der Leiter der Versammlung, Herr ehemaligen Vorsitzenden der Dachdeckerorganisation, Carl Mat, ligung im gegnerischen Sinne von Straßenfegern und Wächtern war F. Galow, Abtheilungschef des Waarenhauses für Armee in Firma C. H. Maß, zur Verlesung, worin diefer wohl der Bewegung beider Versammlung nur nebenbei erwähnt worden, hatte also und Marine, führte in einer längeren Eröffnungsansprache alles Glück wünscht, aber zugleich erklärt, die Forderungen selbst nicht ein Eingehen der Redaktion hierauf nicht nöthig gemacht. Im zunächst aus, daß die Novelle, wenn sie in der dritten Lesung eher bewilligen zu wollen, bevor seine früheren Kampfesgenossen übrigen ist der Beschluß von der allein hierzu kompetenten Gesetz werden sollte, für die ganzen vorbezeichneten Branchen nicht mehrere größere Firmen zum Nachgeben gezwungen hätten. Versammlung einstimmig gefaßt worden, so daß es sich erübrigt eine eminente Gefahr bilden würde. Man wolle durch das Gesetz Nach dem weiteren Bericht Beste's haben einige Firmen bereits hätte, weiter darauf einzugehen, wenn nicht weitere Kreise der dem Mittelstande aufhelfen, werde damit aber gerade das Gegen- bewilligt, während andererseits außer der Aussperrung durch die Genoffen durch die Nachschrift der Redaktion bei einem doch theil erreichen und vor allem dem unlautern Wettbewerb, den Firma Hochmuth auch schon von den Arbeitern verhängte nicht alles wiedergebenden Versammlungsbericht die Meinung Angesichts des letzteren Um- bekommen könnten, als hätten wir uns grober Verstöße schuldig man ebenfalls durch ein Gesetz bekämpfen wolle, dadurch Sperren zu verzeichnen waren. Sollten durch diese Polemik die hiesigen Genossen sich die die großen Firmen, heute fast standes schlägt Redner namens der Lohukommission vor, am gemacht. fördern, indem nur die von ihren Detailreisenden aufgegebenen Be- nächsten Morgen( den 8. April) nicht erst die Arbeit zu beginnen, mehr um örtliche Verhältnisse fümmern, ihrer Pflicht mehr stellungen nach Maaß ausführten, dann ihre Artikel in allen sondern den Meistern und Unternehmern die aufgestellten Forde als bisher nachkommen, beschließende Versammlungen besuchen, an möglichen Maaßen en masse herstellen und auf den Markt werfen rungen nochmal mündlich zu unterbreiten und im Falle der Ab- den Wahlen theilnehmen u. s. w., so hätte die ganze Angelegen und hierdurch die kleinen Gewerbetreibenden voll- lehnung sofort in den Ausstand zu treten.( Lebhafter Beifall.) Im heit für uns den besten Abschluß gefunden. Schöneberg, den 28. März 1896. ständig erdrücken würden. Die Novelle sei also ge- Laufe der Debatte wurde mehrfach das Verhalten des Herrn Herr Hermann May, ebenfalls H. Meiling, Vertrauensmann. eignet, tie allergrößten volkswirthschaftlichen Schädigungen Karl Mas gerügt. Mit dem letzteren Wunsche können wir uns auch einver. zu verursachen und müsse daher aufs entschiedenste be- Dachdeckermeister, sprach seine Freude über das Vorgehen der Hierauf berichtete Herr Ludwig UII Gesellen und Arbeiter des Berufs aus und erklärt, die Forde standen erklären. Im übrigen ist die Angelegenheit durch das tämpft werden. mann, welcher die Agitation gegen den Gesezentwurf ins rungen voll und ganz zu bewilligen, jedoch vorläufig nur Gingesandt unserer Schöneberger Parteigenoffen in kein anderes Gelingt es den Dachdeckern innerhalb Stadium getreten. Dieselben Gründe waren im VersammlungsLeben gerufen hat, über die von dem Komitee bisher erzielten auf 4 Wochen. Frist nicht, nennenswerthe Erfolge ศู น er- bericht enthalten und führten uns bei ganz ruhiger Erfolge, worauf noch in längerer Diskussion erklärt wurde, die dieser dann will er aus Rücksicht auf die Ron- Erwägung denn wir wüßten nicht, weshalb wir uns wegen Regierung sei in der Sache äußerst schlecht berathen; denn zielen, Die der an sich unbedeutenden Sache erregen sollten zu dem aba während sie durch das Gesetz die wirthschaftlich Schwächeren furrenz die Bewilligung wieder rückgängig machen. Die angeführten ungünstigen Verhältnisse daß sie zu Versammlung faßte schließlich einstimmig den gestern unter fälligen Urtheil. wolle, werde sie gerade erreichen, stärken wolle So seien tausende von fleinen Gewerkschaftliches" schon publizirten, dem Vorschlage Beste's mußten unseren Genossen zum größten Theil vor der Wahl be grunde gerichtet werden. Schneidern ausnahmslos auf den Besuch ihrer Kunden entsprechenden Beschluß. Beschlossen wurde ferner, daß die bis fannt sein; wenn sie aus diesen Gründen die Betheiligung an der angewiesen und müßten aufhören zu eristiren, wenn sie herige Lohnkommiffion als Streitkomitee zu fungiren habe, und, Wahl überhaupt ablehnen, so läßt sich darüber reden, aber bei dies nicht mehr dürften. Ueberhaupt werde das Gesetz daß die Ausständigen verpflichtet seien, sich täglich zweimal der Stichwahl tritt man nicht zurück. Wir werden auch in Zunach allen Seiten nur Schaden verursachen und niemandem einen im Streikbureau, Kleine Markusstraße 10, zur Kontrolle ein- funft uns erlauben, Beschlüsse der Volksversammlungen, wenn sie Nußen bringen, ausgenommen vielleicht der Staatstaffe durch zufinden, und zwar zwischen 9 und 10 Uhr vormittags und unserer Meinung nach eine unrichtige Tattit empfahlen, zu eine Menge von Strafgeldern, da die bewußten Bestimmungen zwischen 8 und 4 Uhr nachmittags. Die Dachdecker, denen be- tritifiren.( Die Red.) wurde. Versammlungen. " Sprechlaal. Die Redaktion stellt die Benugung des Sprechsaals, soweit der Raum dafür abzugeben ift, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Intereffes zur Verfügung; fte verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben identifizirt zu werden. ältere 6. Wahlkreis( Moabit). Donnerstag, abends 8 Uhr, im Saale der Kronen Brauerei, Alt Moabit Nr. 47-49: Volksversammlung. General- Versammlung empfehle die lebensgroße Büſte Friedrich Engels der Orts- Krankenkasse der Hutmacher, Hutfournituren Tagesordnung: 1. Der Entwurf des Bürgerlichen Gesetzbuches. und Filzwaaren- Verfertiger 2. Zeitungsspedition. 3. Verschiedenes. Der Vertrauensmann. Bildhauer Berlins! 220/4 zu Berlin aus feinstem Alabaster, 75 cm hoch, fauberfte Arbeit, zu 25 Mart. Fracht Unserem Vater, dem Metallschleifer Aug. Jeffe, zu seinem heutigen 25 jährigen Jubiläum ein donnerndes Hoch, daß die ganze 7866 Grenzstraße wackelt. Seine Kinder. Todes- Anzeige. Allen Kollegen zur Nachricht, daß und Verpackung frei. Garantire unbeschädigte Ankunft. Jos. Trimborn, der Steinmetz 794b Köln, Hothgerberbach 50. am Sonntag, den 19. April 1896, Möbel- Ausverkauf, vormittags 10 Uhr, im Restaurant des Herrn A. Feind, Weinstr. II, Freitag, den 10. April 1896, abends 8 Uhr, im großen oberen Saale wozu die Delegirten hiermit eingeladen des Englischen Gartens, Alexanderstraße 27c: Große öffentl. Versammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Maifeier. 2. Bericht der Delegirten zur Gewerkschafts- Kommission, Neuwahl derselben. 3. Bericht über den Verlauf des Holzbildhauerstreits. 4. Verschiedenes. 28/1 Es ist nothwendig, daß alle Kollegen in dieser Versammlung erscheinen. Der Vertrauensmann. Achtung! Dachdecker. werden. Tages- Ordnung: 7936 1. Jahres und Kassenbericht. 2. Bericht der Kassenrevisoren pro 1895 und Antrag auf Ertheilung der Decharge. 3. Ergänzungswahl zweier Vorstandsmitglieder der Arbeitnehmer. 4. Verschiedenes. Zur Beachtung! Anfragen oder Beschwerden, zu deren Erledigung die Einsicht der Kaffenregister erforderlich passendste Gelegenheit für Brautleute. Sn meinem größten Möbelspeicher, Neue Königfraße 59, follen ca. 200 Wohnungseinrichtungen, Herm. Gartmann- Müller gen. der alte Müller im Alter von 62 Jahren verstorben ist. Wir verlieren in ihm das älteste Mitglied unserer Organisation. verliehen gewesene und neue Möbel zu jedem Ehre seinem Andenken! annehmbaren Preise verkauft werden. Durch Die Beerdigung findet Donnerstag, sehr große, billige Gelegenheitseintäufe ist es mir möglich, schon ganze Wirthschaften für 90, 100, den 9. April, nachmittags 4 Uhr, von 300 Mart abzugeben. Theilzahlung gestattet. Der Leichenhalle des St. Johanniss Beamten ohne Anzahlung. Kleiderspind 15 Mart, Evangelist- Kirchhofes in der BarfußKommoden, Küchenfpind 12, Nußbaum- Kleider- straße( an der Müllerstraße) aus statt. Der Vertrauensmann spinden, Bertitows 30 Mart. Muschelspinden 35, Bettstellen mit Matragen 18 Mart, Sophas der Steinarbeiter Berlins u. Ung. 18, Säulenspinden, Kleiderspind, hochelegant 56, Trümeaux mit Säulen und Krystallglas 60, Serrenschreibtisch, Plüschgarnituren 60 Mart, Paneelfophas 75 Mart. Steppdecken, Tisch= becken, Gardinen, Fenster 5 Mart. Getaufte meinem Aufbewahrungsspeicher lagern, werden außerhalb. Freitag, abends 8 Uhr, in Cohn's Festsälen, Beuthstr. 20: ist, werden nur beachtet, wenn die Möbel tönnen brei Monate toftenfrei auf Große öffentliche Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Berichterstattung der Streitkommission. 2. Verschiedenes. Wegen der wichtigen Tagesordnung werden die Kollegen ersucht, pünkt. lich zu erscheinen. 54/7 Der Einberufer. Große öffentliche Versammlung aller in Schrauben- Fabriken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen am Freitag, 10. April, abends 7 Uhr, im Lonisenstädtischen Konzerthaus, Alte Jakobftr. 37. Tages Ordnung: • 1. Der Stand unserer jetzigen Lohnbewegung. 2. Regelung der Unterstützungsfrage. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. B Recht zahlreichen Besuch erwartet selben bis 14. April 1896 im Kassentotal, Chorinerstr. 84, schriftlich eingereicht worden ind. Eintritt nur gegen Vorzeigung der Postkarte gestattet. Der Vorstand gez. H. Rieck, Vorsitzender, Anhaltstraße 14. Ortskrankenkasse der Messerschmiede u. s. w. General Versammlung = Sonntag, 19. April, vorm. 10 Uhr, bei Wernau, Rosenthalerstr. 57. Tagesordnung: 1. Raffenbericht. 2. Bericht über die 280/18 Abnahme der Jahresrechnung, sowie die Entlastung des Rendanten. 3. Ver schiedenes. 787b Zu dieser Versammlung werden die Mitglieder, sowie die zahlenden Arbeit Der Vertrauensmann: Gust. Eisenblätter, Gisenbahnstr. 33. geber hiermit eingeladen. Achtung! Putzer! Achtung! Freitag, den 10. April, nachmittags 2 Uhr, Grenadierstraße 33: Oeffentliche Versammlung der Streifenden u. Baudeputirten der Puzer Berlins u. Umg. Zages Ordnung: Der gegenwärtige Stand nnferer Lohnbewegung. Die Kollegen, die noch in Arbeit stehen, sind verpflichtet, einen Baudeputirten zu entfenden. Die Streikkommission. Siehe unter„ Gewerkschaftliches". 133/3 Achtung! Klempner. Achtung! Donnerstag, den 9. April, abends 8 Uhr: Werkstatt- Vertrauensmänner- Versammlung bei Cohn, Beuthstr. 21( fl. Saal). Jede Werkstatt, welche noch keinen Vertrauensmann besitzt, hat die Pflicht, sofort einen zu wählen und denselben zu entsenden. 280/17 Auch werden daselbst alle bis jetzt kassirten Gelder angenommen. Franz Zimmermann, Vertrauensmann der Klempner, Bücklerstr. 55. Preis: 30 Pfennige. Verlag von Hans Baake, Berlin S., City- Passage. Soeben ist erschienen und durch alle Buchhandlungen und Kolporteure zu beziehen: Die Röntgen'sche Entdeckung in gemeinverständlicher Darstellung. 64 Seiten mit 10 Illustrationen und einer nach dem Röntgen'schen Verfahren aufgenommenen Photographie von Dr. B. Borchardt. Preis: 30 Pfennige. 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Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum diesjährigen Rongreß der Arbeiter- RadfahrerDeutschlands zu Pfingsten am 24. und 25. Mai in Offenbach a. M. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 265/6 Zur Deckung der Unkosten Teller fammlung. Der Vertrauensmann. Ankauf von Opal- Fleckenwaffer macht sich bei einmaligem Gebrauch bezahlt. Opal- Fleckenwasser macht die theure chemische Wäsche entbehrlich, da ein leichtes Reiben mit Opal genügt, sämmtliche Flecken zu beseitigen. OpalFleckenwasser ist in der Junggesellen Wirthschaft ebenso unentbehrlich, wie im FamilienHausstand. Benzin dagegen hinterläßt Ränder, riecht unangenehm und ist feuergefährlich. Breis 30, 50 und 90 Pf. Erhält lich in Droguenhandlungen. Möbel- Kaufgelegenheit, paffendste Gelegenheit für Brautleute, Gneisenaustraße 15, parterre, in der Möbelfabrit follen ca. 200 tomplete Wohnungs- Einrichtungen, verliehen gewesene und neue Möbel zu jedem annehmbaren Preise verkauft werden. Theilzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung. 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Achtung! 278/6 Bei der Firma Schultz& Co., Brückenstraße 13a, find infolge der bekannt sind, neun Stuckateure und gestellten Forderungen, welche offiziell zwei Bildhauer entlassen worden. Wir machen Bildhauer und Stuckateure darauf aufmerksam. 171/16 Die Lohnkommission. Krankenkasse H* sucht einen Haupt- Agenten und einige Agenten. Offert. sub U. R. 495 an Haasenstein & Vogler A. G. Berlin SW. 19. Tüchtiger Stahlschleifer verlangt Alte Jakobstr. 85. 800b Möbel- Ausverkauf Schneider auf beſſere Lager- Röcke des Möbelspeichers Rosenthalerstr. 13. und Paletots in und außer dem Haufe Wegen ganz bedeutender Vergrößerung meiner verlangt Carl Stier, Oranienftr. 168. Räumlichkeiten vertaufe ich mein Waarenlager zu noch nie dagewesenen Preisen vollständig aus. Bum Umzuge und für Brautleute Blousenist somit die einzig reelle Gelegenheit gegeben, Arbeiter verlangt Neuländer, WallAusstattungen, sowie einzelne Stücke gediegen straße 14. Probenvorlage. und billigst einzutaufen. 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