Morgenausgabe fit. 309 A 156 47.Ieile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil» .0 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- Eescheft Lindenstratze 3. wochentäglich von S»/, bis 17 Uhr. Jentraloesan der GoziatdemoKratischen Oartei DeuttOSands 'Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Rfrtnfeiedj«: Dönbof» 292—297 TeleMamm-Adr.:©oitolbemohot Berlin. Vorwarts-Verlag G.m.b.H. BostsSeckkonlo: Berlin 87536,— Scnffonto: Bant der Arbeiter� Angesiellten und Beamten. Wallstr 65� Dt. B u TUc-GeL TevoMentalle Linden'tr 8. Die Volkspartei will verhandeln. Ver Zeniralvorstand läßt der Reichstagsfrattion freie Hand.> Die Tagung des Zentralvorstandes der Deutschen Volks- Partei hat deutlich erkennen lassen, daß die Volkspartei keinen offenen Bruch mÜ der Regierung Brüning will. Der Partei- Vorsitzende Dr. Scholz übte zunächst janfte Kritik cm der Regierung: ..Die Regierung Brüning, die mit unserer lebhaften Zustimmung 'M Frühjyhr ans Ruder kam, schien uns allen der Beginn einer Zeit zu sein, die bürgerliche Wirtschafts, und Finanzpolitik zum Durchbruch bringen würde. Das stark« Vertrauen, da« weit über die Kreise der Zentrumspartei hinaus in den ganzen bürgerlichen Kreisen der Regierung Brüning entgegen. gebrocht wurde, ist leider durch ihre bisherige Tätigkeit nickst in »ollem Umfange gerechtfertigt worden.' Dann ging er auf die Deckungsvorlagen ein und erklärte: „Auf der einen Seit« wird es im Volk schwer verstanden werden. wenn die Deutsche Volkspartei diese bürgerliche Regierung 'M schwersten Augenblick im Stiche läßt. Aus der anderen Seit« steht unsere grundsätzliche Auffassung, die im Programm der Regie- rung Brüning keine Erfüllung findet. Ein« gewiss« Freiheit des Handelns müssen Sie in diesem Augenblick der-Reichetagsfraktion geben." Abschließend stellte Dr. Scholz fest, daß die Volkspariei durchaus zur Verständigung bereit fei. wenn man ihr Entgegenkommen zeige. Worin das Entgegenkommen be- stehen soll, führte Jocholz in folgendem aus: Jbi« Deutsche Volkspartei müsse in erster llinie die Zusicherung erlangen, daß die unbeschränkte Zu j ch u ß p fl ich t de» Reiches zu? Arbeitslosenversicherung des«' t i g l wird. Es gell«.fern«, die Reichs Hilfe und hie Tinkommensteuererhöhung zu bekämpf CM.. Als Ersatz schlage die Deutschs Volkspartei eine weiter« Ausgabenfenkung und die Ei ns ü h ru ng der Kopf st euer»or. Wenn es möglich gewesen sei. in einer Frist von wenigen Tage» die Etnsparuvgsmöglichkest um beinahe hundert Million«» zu erhöhen, so werde es auch möglich sein, noch weitere 5)0 Millionen zu sparen, um die Euckommensteuererhohung über» flüssig zu machen." Der Zentraworstand nahm nach diesen Ausführungen die folgende Entschließung an:, „Der Zentralvorstand der Deutsch1!» Volkspartei stimmt den Ausführungen des Parteiführers und Vorsitzenden der Reichstags- fraktion, Reichsminister a. D. Dr. Scholz, zur politischen Lage zu- Er dankt der Reichstagsfraktion für die Klarheit und Eindringlich- fett, mit der st« die in der Finanzpolitik einzuschlagenden Wege auf- gezeigt Hai: Abkehr von einer Politik, die finanzielle Schwierigkeiten vorwiegend durch roeüere Erhöhung der Steuerlast beseitigen chll und dadurch dte Lage nur noch weiter verfchimmert. Demgegenüber fordern wir mit der Reuhstagsfraktron Wirtschaftsbelebung durch Senkung der Produktionskosten, damit Preis- senkung und größtmögliche Ausgab ensenkung in ollen Etats von Reich, Ländern und Gemeinden. Die neuen Finanz- vorlogen der Reichsregierung lassen wohl Anihtze zur Um- kehr erkennen, aber zu einer wirklichen Gesundung bedarf es ganzer Arbeit. Der Zentralvorstand fordert die Reichstags- froktion auf, bei dar Beratung der Vorlagen mit allem Rochdruck auf«ine Umgestaltung hinzuwirken, die den oufge- stetzten Zielen Rechnung trägt." Die Volkspartei wird demnach den Versuch unternehmen. die Deckitnasvorlo�en de? Kabinetts in ihrem Sinne umzu- gestalten. Sie scheint nach den'Lehren der Sachsenwahl keine Neigung zu haben, eine Krise herbeizuführen, die in einer Reichstagswahl enden könnte. Kritik am Ziheinlandaufruf des Kabinetts. Beim Begnu».seines Referats gedachte Scholz der Befremng des Rheinlandes und der Verdienste Stresemonns. Er führte aus: „Alls diese'Dinge wollen wir im Gedächtnis behalten. Aber wenn, wir dieses Rlchwergessen aussprechen, und wenn wir dadurch fnnn«» wekdiin an die Melle, ck» dunkelsten Tage deutschen Schick- sal«, dann muß sich um so Heller und leuchtender abheben der Rom« des Mannes, der dieses Schicksal gewendet hat: Gustav Stresemann. Mit t' e f st e m Bedauern haben wir davon Kenntnis nebwen müssen,.. daß die R ei ch»r q ai e ru y g in ihrer Proklamation den Rameii Stresemonns schamhaft o er« schwiegen hat" Diese Kritik am Rheinländaufruf der Reichsregierung wurde durch stürmischen Bestall der Versammlung unterstrichen. Die Besprechung der Kraktüms fuhrer. D>e am Freitag von der Regierung mit den hinter chr stehenden Parteien eingeleiteten Besprechungen sollen in den nächsten Tagen fortgesetzt werden. Im Verlauf der Besprechungen legten der Reichs- konzler. der Reichsfinonzminister und der Reichsarbeitsminister den Standpunkt der Reg,«rung zu den neuen Deckungsvorlogen dar. Die Fraktionsführer teilten dann die Auffassungen ihrer Fraktionen zu den Deckungsplänen mit. Faschistenterror in Finnland. Zeige Bluttaien.- Reichstagsauflösung in Sichi. fj elf la gfo r».«L Zuli. lEigenbericht.) Der aogekünWgte Marsch der faschtstischea Cappo- Ccaie«ach helsiaqfo'r» findet am nächsten Montag statt. Ts find 15 000 gemeldet, außer den Tansendn» aus d« Provinz helsingfor». Die ioverpol>lische Loge ist noch role vor sehe ernst. Heute morgen, 2 Uhr, drangen m Förssa, Südsinnland, un» bekannte Männer>n die Wohnung des als Kochmunstt bekannten Arbeiters cholnn» und erschossen ihn nach kurzem Wortwechsel. Die Täter sind entkommen, sie find höchstwahrscheinlich Faschisten Sn Rakkila wurden in der vergangenen Rächt mehrere Schüsse aus das Bolkshaus abgegeben. Als der sozialistische Wächter aus dem Hause kam, empfing ihn ein neuer Kugelregen. Die Täter sind ebenfalls unerkannt entkommen-, sicher waren es auch hier Faschisten Der bekannte Senator Soinhusond, der die Regierungsbildung übernommen hat. stt«in Vertrauensmann der Lappo-Männer. Da die Regierung nicht die Unterstützung der sozialdemokratischen Frak- tion zu den Schutzgesetzvorschlägen erhalten wird, ist bestimmt mit Reichst agsouflösung zu rechnen 2!« neuen Wahlen werden im Innern des Landes un'er faschistischem Terror stattfinden Auch sst es praktisch unmöglich, daß die Kam- mu nisten unter irgendeinem Decknamen Wahllisten aufstellen können Vorsichtige Bauern. Eia verstächiiger Zowacks. Marschau, i Juli. Aufsehen erregt der Austritt des Mg, Efeplai aus dem Re- zietzvngsblock. Tjeplok wandte sich an die Bauernpartei w!t d-r Bitte um Aufnahme. Die Bauernpartei erklärte sich bereit, ihn auf- zunehmen, wen» er östentüch die Gründe für seinen Austritt aus dsm Regierungsblock bekanntgibt, vstenbar fürchtet der Partei- vorstand, Cjeplak sei aus dem Regierungsblock gar nicht ausgetreten. sondern nur als Beobachter der Bauernpartei abkommandiert worden Englische SchutzzoNpsychose. Die großeaBanlen bekennen sich als Gegner des Freihandels tondo«, 4. 3 Uli(Eigenbericht.) linier dem Druck der sehr schweren englischen wirlschaslskrise hol die englische Schutzzollbewegung eine sehr bedeulsame Verslär. kung erfahren. Eine Versammlung führende» englischer Bankiers hal eine EnlschNeßung gefaßl. nach der innerhalb des eng- lischeo Imperiums allein in der Form von Handelsverträgen dos Prinzip des Freihandels noch durchgeführt werden soll, während zur Fernhaltnng tmperlnmsremder waren für das gesamte britische Reich Schutzzölle geschaffen werden sollen. « Kein Zweifel, daß diese Entschließung, wenn sie richtig icher- mittell stt, sehr hohe Bedeutung hat, denn die englischen Ban- ken konnten bisher als Vertreter des grundsätzlichen Freihandels für England angesehen werden. Riesenexplosion bei Leeds. Bisher 12 Tote geborgen. L o» d o«. 4. Juli.(Eigenbericht.) Jn Eastleford bei Leeds flog gestern ei» riesiger Benzinta«? i« die Lust. Die Zahl der Toten und Ver- letzte» ist sehr gros»- Biöher wurden 12 Seiche« ge- borge»; man rechnet mit etwa ZV Tote«. Einzelheiten über das Unglück bringen wir in der Beilage. Von Louis« stechro« sonders hart empfinden, müssen durch die neue De- lastung, die sogenannte Ledigensteuer, unnötig verbittert werden. Dazu kommt, daß sie ja selten wirklich nur für sich sorgen. In viel stärkerem Maße als der Sohn wird die Tochter in sich die Verpflichtung fühlen, für alte, arbeitsunfähige oder kranke Eltern zu sorgen. Das läßt sich nicht immer mit Zahlen nachweisen, ganz abgesehen davon, daß der Gesetzentwurf auch solche Ledige nicht befreit, die in der Lage sind, zahlenmäßig die Sorg« für ihre Eltern oder sonstige Angehörige nach- weisen zu können. Die soziale Ungerechtigkeit ddr Ledigensteuer geht aber besonders daraus hervor, daß sie von einem relativ' geringen Einkommen ab eine Gruppe von Menschen trifft, nur weil sie ledig sind, ohne jede Rücksicht auf ihre sonstigen sozialen Verhältnisse, daß sie aber pekuniär weit Besser- gestellte freiläßt. Wollte man aus der Not der Zeit heraus Kinderlose besonders belasten, so hätte man aber auch den Mut haben müssen, wirklick? alle Kinderlosen zu er- fassen. Was jetzt geschieht, bedeutet, daß auf der einen Seite kinderlose Eheleute, die unter Umständen beide erwerbstätig find oder bei denen der Mann ein höheres Einkommen hat, freigelassen werden, während auf der anderen Seite die un- verheirateten Frauen, die ollen Schicksalsschlägen, allen aus ihrer biologischen Beschaffenheit herrührenden körperlichen Schwierigkeiten, allen sonstigen Problemen des Lebens, auch des Alfers, ollein gegenüberstehen, belastet werden. So muß der Alleinstehende, der heute 220 Mk. monatlich verdient und vielleicht hinnen kurzem auf lange Zeit arbeitslos wird, eine Sonder st euer von 4,20 M. monatlich(Wegfall der 3 M. Abschlag plus 1,20 M. Ledigensteuer) zahlen, während der in einer gesicherten Position befindliche tinder- lose Ehemann oder kinderlos Geschiedene und Verwitwete mit einem hohen Einkommen von der Sonderbelastung freibleibt. An dieser Unlogik ändert auch nichts die Tatsachs, daß die Ledigensteuer bis zum 31. März 1931 befristet ist. denn niemand weiß, wie an diesem Zeitpunkt die Lage der Reiche- finanzen ist und ob die Steuer wirtlich wieder aufgehoben wird! Zakob Goldschmidi und die Nazis. Over: Wer finanziert? „Der vtational« Sozialist". Herausgeber Dv. Otto S t r a ß e r, veröffentticht folgende Erklärung i Don Unseren Gegnern wird verbreitet, unser« Tageszeitung „Der National« Sozialist" sei mit jüdischen, Geld(Jakob Goldschmidt o. o.) finanziert. Dieie Behauptung ist selbstverstondlich eine ebenso dwnm« wie frech: Lüge. „Der National« Sozialist" ist noch jeder Seite hin, sowohl wirtschaftlich und politisch, nollkommen unabhängig. Wir sind jederzeit bereit, wie wir dies in einem ähnlichen Falle auch gegenüber der„Roten Fahne" erklärt haben, cmer gewählten Kommission von chns Berliner Nationchsozialst'ien völligen Einblick in unsere Bücher zu gewähren." Verlag nitd Schristleitung des„51. S." Seit Jahr und Tag gehen die 5tazis inst der ebenso dummen wie frechen Lüge hausieren, der„B o r w ä r t s" fei von Jakob Gold- schmiht iinanziert. Jetzt muß sich der„Nationale Sozialist" iclber gegen d« ebenso dumme wie freche Lüge wehren, mit der er jahrelang gegen den „Vorwärts" hausieren gegangen ist. Man wird immer mit dem gestraft, womit nwn gesündigt hat. Mecklenburger Negierung bleibt. Weil München ihren Sturz noch nicht befohlen hat, L'hwerta. 4. Juli. Zw t*" Pressemeldungen, die von einem beaamehenden Sturz der Mecklenburg, schwertnschon Regierung durch die Nationalsozialisten und von eine», Ausschluß der nationolsazia» Ilstssch.-!, Abgeordneten Hildcdrandt und Steinfatt aus ihrer Partei Mitteilung machen, erklärt der Abgeordnete Steinfatt, daß sie aus München nicht den Auftrag erhalten hätten, toe medlcabuMtfchc Rechtsregierung zu stürzen. Auch sei ihnen als den am nächstem Beteiligten nichts davon bekannt, daß dt« Absicht bestehe, sie aus der Nationalsozialistischen Partei auszu- schließen. Diese Erklärung der mecklenburgischen Naziabgeordneten kenn- zeichnet den sturen Kadavergehorsani nioskowiti scher Prägung, der n, der Nationalsozialistischen Partei herrscht. Di« Frage, ob die Regierung in Mecklenburg-Schwerm von den Na- rionallozialisten gestürzt werden soll, wird nicht etwa von der Land- tagsfraktion beschlossen, sondern sie wird vom„Großen Haupt- quartier" in München befohlen Die Parallele zu Moskau ist unoerkennbar. Wie die kommunistischen Weltrevolutionäre in Deutschland sich wider- spruchslos jedem Diktat von Väterchen Stalin beugen müssen, gibt es auch bei den Nationalsozialisten nur den Kadaver- gehorsam gegenüber dem„militärischen Befehl" aus München. Diese schönen Zustände innerhalb der„deutschen Freiheitsportei" qeben dem deutschen Volk bereits euren Vorgeschmack, was ihm nach seiner„Lcsrciung" durch diese Helden hlüht. Gchnstleiier des„Landvolk" verurteilt. Wegen Aeleidigvng des Ministerpräfidenten Äraon. Itzehoe. 4. Juli. Vor dem Schössenserichr Itzehoe hatte sich heut« der Schriftleiter der Zeitung„Das Landvolk", Johannes Kühl, wegen Beleidigung des preußischen Minifterprösidenten Dr. Braun zu v« r- antworten. Der Staatsanovjlk beantragt« drei Monate Gefängnis, das Gericht erkonnts auf Geldbuße in Höhe von Z00M. Ein Antrag Kühl»,«inen der Sozialdemokratischen Partei angehörenden Schöffen wegen Befangenheit abzulehnen, wurde verworfen. Rückkehr de» Retchopräsidenken nqch Berlin. Reichsmäscherst non Hfodenburg ist. von ieinem Aufenthäft in Nevdeck lWestvrs zurückkehrend, gestern 8.06 Uhr aus Bahnhos Friedrichstraß« wieder , n Berlin eingetroffen. In» Zaleress« des Kremdeaverkehr» sind all« Aufmärsche im Burgenlan» vom 10. Juli bis 30. August verböte» ivarden. Karlsruhe. 4. Juli. Dos badische Uistemchtsministerium veröffentlicht folgenden Erlaß: „Der Minister des Kultus und Unterricht« sah sich genötigt. gegen einig« Lehrer, die sich als Organisatoren der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter- parte! betätigten, die sofortige Dienstenthebung an- zuordnen und gegen diese das Disziplinarverfahren auf Dienstentlassung einzuleiten. Es kann nicht geduldet werden, daß Staatsbeamte die für ihr außerdienstliches Verholten gezogenen Grenzen gröblich verletzen. Di« ZdSDAP. ist eine staatsfeindliche Partei. Nach der Rechtsprechung verstößt die positive Betätigung für diese Partei gegen die Treupflicht, d>« der Beamte dem Staat gegenüber eingegangen Hot. Eine öffentlich« Werbetätigkeit und die Annahme vonParteiämtern in der genannten Partei ist daher allen Staatsbeamten verboten. Wer diese verboten« praktische Tötigkest für eine staatsfeindliche Partei ausübt, hat die unnachfichtliche D i e n st« nth e b u n g zu gewärtigen." Ein neuer Schritt Births in Weimar. Weimar, 4. Juli.(Eigenbericht.) Der R« i ch s m i n i st e r des Innern Hot nach einer Mcl- dung des hiesigen nationalsozialistischen Blattes an die thürin- zische S t a a t s r e g i e r u n g ein Schreiben gerichtet. in dem um Auskimst über die Stellungnahme der Landesregierung zu den Aeußerungen ihres Mitgliedes, Staatsrots M a r s ch l e r, in Paris 4. Iuli. Die Agentur hava» verbreitet folgende halbamtliche Erklärung: Die Reglerungskommission des Saargebiels wird am 10. Juli zusammentreten, um festzustellen, ob sie dafür z o- ständig ist, die Zurücknahme des Bohnschohkorps des Soargebiels zu beschließen, das dazu bestimmt ist, die Verbindungen mit den Besatzungslruppen im Rheinlaad zu schützen(die nicht mehr vorhanden sind. Red.), oder ob dieser Beschluß vom DSlkerbund abhängt. Gaarlandesrat gegen Dohnfchuhttuppen und französische Schulpropaganda Saarbrücken. 4. Juli. Im Landesrat des Saargebicts begann am Donnerstag die Aussprach« über den Haushaltsplan der Regieningskommissian. Besonders scharf wandte man sich gegen da» weitere Verbleiben der Bahnschutztruppen im Saargehiet sowie gegen die französische Schutzpolitik im Saargebiet. Der Regierung»- kommifsion sei bekannt, daß van den französischen Schulen ein u n- erhörter Druck auf die Bergleute und deren Frauen ausgeübt werde. Besonders sei die Propaganda eines Lehrers der französischen Schule, des Luxemburgers Wingert, hervorzuheben. Wingert behaupte, daß die französische Regierung, die Regierungskommissiod im Saargebiet und die Gnibenoerwalwng hinter ihm stehen. Gegen die Bergleute wird mit offenen Drohungen vorgegangen. Entweder mühten sie ihre Sinder in die franzSstiche Schul« schicken oder sie müßten ihre Werkswohnungen verlassen. Auch würden die- jenigen, die ihr« Kinder zur französischen Schule schickten, von der allgemeinen Entlassung im Bergbaubetrieb verschont werden. Der Zentrumsabgeordnote, Schulrat Martin, richtet« an die Regierungskommission die Anfrage, ob sie gewillt sei, diesen Metho- den ein Ende zu machen. Die Saarbeoölk«rung erwarte von der Regierungskommissian. daß sie mit dieser unwürdigen französischen Schulpropaganda Schluß mache. Die Antwort war nichts- sagend und bracht« Einerlei Aufklärung. Französische Genaiskommission für den Status quo. Paris. 4. Juli. Die außenpolitisch« Senatskommissivn kn», schästigte sich heute mit der Saarsrage. Senator O r o i na i r e berichtete über die Roll« des Völkerbuiödes und über die Derhand- lungen, di« seit 1029 zwischen Frankreich und Deutschland geführt wurden. Er behauptet, die Tätigkeit des Völkerbundes sei eine wahre Wohltat(?) in dieser schwierigen Angelegenheit, die Oer abtrünnige Tschekist. Agobetow beginnt mit seinen Enthüllungen. Der Tschekist Abagekow, der soeben seinen früheren Brot- gcbern den Rück«n gekehrt hat, dürste sich nicht wundern, wenn man sowohl ihm als auch seinen Enthüllungen ein« gewisse Vorsicht ent- gegenbringen wird. Allerdings berechtigen Einzelheiten seiner Beamteillaus bahn zu der Aunahm«, daß er aus manchen Gebieten g u t unterrichtet sein muß. Sein« Tätigkeit al» Tschekist begann in der ollrussischen Ischeka in Moskau. Dann wurde er als deren Abgesandter nach Buchara delegiert: von dorr ging er noch Türke st an: hinterher wurde er Leiter des Insormotivnsbstros der SbwjtWertretung in Afghanistan,„Resident" der GPU. in P ersten und schließlich, unter dem bekannten Trilesser als Chef, Leiter der Ostabteilung im Auslondressort der GPU. Eiche 1920 wurde er qn Stelle des Trotzki-Anhänger» Bljunkin und des Mörders des Grafen Mirbach Resident der GPU. in der Türkei, Griechenland, Syrien, Palästina und Aegypten. Wenn er somit aus seiner Kenntnis der Ding« heraus Poriser Journalisten gesagt Hot, daß sein« Enthüllungen ein voll- standlges Bild dessen g«ben werden, ,wa» die Sowjet- rezierung für di« weitere Unterdrückung de» unterdrückten Ostens" tut, so dürste er sein Versprechen höchstwahrscheinlich halten. Auch er bestätigt, daß im Osten an« üherall, neben der legalen Abteilung der GPU. auch«in« illegale existiert, deren Ausgabe es ist, dte Tätigkeit der kommunistischen einer notionolsoziollstischen Versammlung in Aue in Sachsen, ersucht wird. Marschler beschäftigte sich in der betreffenden Versammlung mit der Sperre der Polizeizuschüsse durch das Reich und erklärte, daß die thüringische Regierung angesichts dieser Sperre gezwungen werden könnte, eine Braunhemdmiliz aufzustellen. Eine Münchener Lleberraschung für Hitler. München. 4. Juli. Für Sonnabendnochmittag war die Einw«ihungsf«ier des neuen nationalsozialistischen Reichsportei- gebäudes in der Brienner Straß« angesetzt. Stach einer Meldung des„Völkischen Beobachter" ist die Einweihungsfeier, die im Garten des Parteigebäudes stattfinden sollt«, von der Mün- chener Palizeidirektion mit der Begründung öerboten worden. daß es sich um ein« öffentliche Veranstaltung innerhalb der Bannmeile handele. Nazis untereinander. Das Rowdytum der Nationalsozialisten kann nicht besser charakterisiert werden, als durch die folgende Erklärung des Berliner Organs der nationalsozialistischen Opposition: Knüppelt sie nicderl Mit diesen Worten Hot der Ber- liner Gauführer Dr. Goebbels mangels geistiger Waffen den Kampf gegen die revolutionären Nationalsozialisten eingeleitet. In Befolgung dieser Mordparolc hat eine Gewalt- Hetze gegen unsere Zeitungshändler und gegen unsere als repa- lutionäre Nationalsozialisten bekannten Freunde eingesetzt..Wir machen Herrn Dr. Goebbels menschlich und juristisch für jede einzelne derart! ge Gewalttat persönlich verant- wörtlich! für die deutsch-französische Annäherung in der Vergangenheit große Gefahren in sich geborgen habe und di« für die Aikunst noch hä«e gefährlich wenden können. Nach seiner Ansicht müsse die Mitwirkung des Völkerbundes in Zukunft beibehalten werden.(!) Senator E c c a r d, der über die wirtschaftliche Seit« des Problems sprach, kam zu dem gleichen Schluß: Beibehaltung des gegenwärtigen Zustandes. Das Interesse Frank- reich» und des Saargebietcs verlange gebieterisch die Aufrecht- crholtung des Statu» quo. Jede Acnderung würde vernichtend« Wirkungen für die Saariichustri« und die französisch« Handels- bilanz haben. Nur die Völkerbundsregicrung, di« nötigenfalls noch gestärkt werden könnte, gebe Frankreich und dem Saargebiet Garvn- tien für die Sicherheit ihrer wirtschaftlichen Interessen und für das Zustandekommen einer fruchtbaren deutsch-französischen Zusammen- arbeiit. Was insbesondere die Frage der Kohlen angehe, so würden besondere Abkommen und selbst die Bildung deutsch-sranzäsischer Gesellschaften einen raschen Niedergang der Saargruben nicht ver. hindern, wenn diese wieder in das deutsch« Zollsystem eingegliedert würden. Die Kommission schloß sich diesen Darlegungen der beiden Be- richterftatter an und bescksioß. der Regierung einen genauen Fragebogen zu überreichen. Am nächsten Mittwoch wird die Kommission dem Ministerpräsioenten Tardieu, den Außenminister B r i a n d und den Minister der öffentlichen Arbeiten, P« r n o t. über das Saarprobtem anhören. « Die beiden genannten Senatoren Ordinaire und EecarÄ sind nationalistisch« Schorffnacher. die obendrein die Intereffen der französischen Schwerindustrie vertreten. Sollten sich das Parlament und die Regierung ihr« Ansichten zu eigen machen, bann ist wieder der ganze moralisch« Nutzen der Rheinlandräumung gefährdet, denn dann wird der Streit um di« Saar die deutsch-französischen Beziehungen bis zum Jahr« 1933 vergiften. Dann aber wird die V o l t s a b st i m m u n g ent- scheiden und sie wird den Befürwortern des Statu» quo eine v e r- nichtende Abfuhr Mail weroen lassen. • Die seit Monaten m Poris, mit Erfolgen nur in Einzelsrag.-n. geführten Saarnerhandlungen werden dieser Tag« aus unbestimmte Zeit unterbrochen werden. Di« bis jetzt erreichten Ergebnisse dürsten in darauffolgenden diplomatischen Verhandlungen mirverwertct werden. Die deutsche Abordmmg hat unerschütterlich daran fest- gehalten, daß die Saargrubev nur in deutschen Staats besitz (bayerischen und preußischen) zurückkehren dürften. Landesorganisation zu überwachen, und daß bolschewistische Emissäre «ffrig in Indien tätig seien. Aus die Frage, ob er sich fürchte, getötet zu werden, sagt« er: Allerdings: doch im Augenblick würden d'v Dolschewisten damit nichts erreichen. Mein Buch befindet sich bereits in den Händen der lleberfetzer. Sie wollten ja auch Desfedowski toten. Ich selbst hatte den?luitrog dazu erhalten. Trilesser hatte ihn mir persönlich erteilt. Als aber dann bereits Besisdowskis Enthüllungen kamen, sah man von semer Tötung ad. Man befürchtete ernstliche Komplikationen mit Frankreich. Diese Enthüllung ist allerdings sensationell. Was daran wahr ist, mag dahingestellt bleiben. Wieder einer? Der Lsgatiansrat der Sowjewertretung in Aighomstan. K u l a r o w, hat sich geweigert, noch Moskau.zurückzukehren. Aus Furcht. Afghanistan könnte ihn ausltefern. ist er nach P« r s i e n geflohen. Fori mit Kuod! Kairo, 4. Juli.(Eigenbericht) D'« UNabdongigkettsportte Waid hat in den letzte-, Togen-n mehreren vertraulichen Zusommenkünsten beschlnsjen� de Ab- setzung oe»Königs zu betreiben. Die politische Lage Hot da- durch«in««eitere wesintstch« Verschärfung erfahren. Der früher« Finonzminister und Dosd-Generolsekretär E b e i d ist nach London abgereist, um dort die Stimmung zu sondieren. Was wird aus dem Saar-Sahnschutz? Kann ihn die Negierungskommisfion selbst auflösen? Ewige Pensionen und vorübergehende llnierMungen .Aber Herr General, wegen der paar Nebenverdienste werden wir doch nicht Zhre Pension kürzen.. »Die Suppe hat Fettaugen? Hier muß nebenverdient sein! Ihnen wird sofort auf 6 Monate die Arbeitslosem Unterstützung entzogen!" „sinvechWe wirffchastliche Reaktion." Erkelenz gegen Gtegerwald.— Am Lohn zuletzt zu sparen. In der Wochenschrift„Die 5)ilfe" hält der demokratische Reichs- tagsabgeordnete Erkelenz sehr scharfe Abrechnung mit den wirtfchafts- und sozialpolitischen Tendenzen. die die gegenwärtige Regierung beherrschen. In einem Artikel „Fortschrittliche oder reaktionäre Wirts ohaftspolitik" sagt er,>dag stabil« Preise wohl für Produzenten und Verbraucher das Nütz- lichste mären, daß es aber Zeiten gebe, in denen starke Preis- senhmgen unuermcrdlich find. Oos war in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der Fall und ist heute wieder der Fall. Wenn man aber an eine Vcrkoppelung von Lohn- und Preis- senkung denke, so dürfe ein« Lohnfenkung erst ganz zu allerleizt erfolgen.------ �.. i- Preissenkungen seien in Deutschland auf vielfache Art möglich: durch Senkung der Fertigevarcnpreise entspre6)end den stark gc- suntenen Rohstossprelsen, durch Ssnkun-g der Lebensmittelpreise im chandel, durch Preissenkung aus Grund der durch Rationalisierung eingetretenen Verbilligung der Produktionskosten, durch die seit Januar eingetretenen Zm-ocrbilligungcn, durch Festsetzung der Presto nach den Unkosten der leistungssähigsten Betriebe, durch Aus- scholtung der minderlcistungsfähigen Wettbewerber, auch durch Steuersenkung, sobald durch Verminderung der Arbeitslosigkeit Zu- fchüssc an die Arbestsloseiwersichcrung frei werden und durch Lexzicht auf die weitgehend« Selbstfinan- zierung, die gekade die leistungsfähigen Teile der Industrie ans überhoheir Prcsten betrieben haben. Unter dem Kapitel„W er Wind sät, wird Stur in ernten" heißt es: „In dieser Zeit der Wirtschaftskrise wird jedenfalls versucht, Schuld und Last der Krise wesentlich auf die Arbeitnehmer abzuladen. Auch die Dietrichschen Steuern werden ganz über- wiegend vom Lohn oder Geholt getrogen infolge der falschen An- schauung, daß man so die„Wirtschaft" nicht beloste. Als wenn die Gehalts- und Lohnempfänger nicht auch ein ganz wesentliches Stück der Wirtschaft wären Die Agrarpolitik, soweit sie überhaupt wirk- sam ist, geht überwiegend zu. Last«: der Arbeitnehmer im breitesten Sinn des Wortes. Es gehört nicht viel dazu, um zu prophezeien, daß bei Fortdauer dieser Tendenzen der Lohn- und Gehalts- empsänger in seiner cedenshaltung bald lies unter dos Existenz- Minimum herabgedrückt ist. Das Allereigenartigste be! dieser Erscheinung ist. daß selbst ein i so kluger und den Arbeiterkreisen so nahestehender Mann wie Stegcrwald bei diesen Bestrebung«: Hilst, weil er unbewußtes! Opfer der schlechten„bürgerlichen" Nationalökonomie ist. Er und andere sind Opfer falscher politischer und wirtschaftlicher Tagesphrasen. Stegerwald sollte sich von dem Verfasser des Jahres� berichts des ihm nahestehenden Deutschnationalen chandlungs- gehilfen-Verbondes einige nationalokoruvniiahc Vorlesungen halten lassen. In keinem anderen modernen Jnduftrieland« würden sich die wohlorganisierten Arbeitnehmer sä widerstandslos all« Er- rungeirschafteii der letzten zwölf Jahr« nehmen lassen wie in Deutschland. In keinem Lande herrscht leider, von der öffentlichen Meinung weitgehend getragen, eine wirkschostlich so un- nerhüllle Reaktion wie in Deutschland. Der Staat kapituliert vor der Kapitalflucht und hält sich an den Kleinen schadlos." Wichtiger als der Weltmarkt sei für Deutschland die Erhaltung des inneren Marktes, das heißt die Erhaltung der Kaufkraft der Bevölkerung. Lohn- und Gehaltssenkung ist aber, soweit sie nicht durch Preissenkung ausgeglichen wird, dos Gegenteil von Kaufkraftsteigerung. Deshalb ist die Senkung des Real- lohns der letzte Faktor, an dem gespart werdey soll. Bell gegen Karumidse. Aufgei-egte Szenen im Tscherwonzenfolscher-prozeß. Das richige Dohinplätschern im Tscherwon.zenfälscherprozeß bei vollständiger Jnteressenlosigkeit der breiten Oeffentlichkeit wurde gestern durch erregte Szenen unterbrochen. Die Einheitsfront, die in der ersten Verhandlung von sämtlichen Angeklagten strikt eingehalten wurde, hat diesmal einen Riß er- halten Bell, dieses piychologische Rätsel, ist aus der Roll« ge- fallen. Er wandte sich gestern mit aller Schärfe gegen Karumidse und Sadathicraschwili. Er protestierte energisch dagegen, daß man ihn als Psychopathen hinstelle: er sei vollkommen normal. Wenn cr in eine Depräffion hineingeraten sei. so sei das bei den Machenschaften des Herrn Karumidse, der für den ganzen georgischen Schwindel verantwortlich ist, kein Wunder. Bell? Verteidiger,.Rechtsanwalt Dr. M e n z. versuchte seinen Klienten zu b-schwichrigen-, das Wort„Schwindel" sei nicht wörtlich zu nehmen, vielmehr georgischer'Jargon. Bell ließ sich aber nicht beruhigen. Aus die Frage des Staatsanwalts, ob die Georgier auch ein persönliches Interesse an den Tscherwonzensälschungen gehabt hätten, meinte er, er könne das nicht mit Bestimmtheit sagen, doch sei den russischen Emigranten, bei deren trostlosen materiellen Verhästnissen jedes Mittel recht gewesen. Er, Bell, habe in der ersten Derhand- lung dem Wunsch« seiner Mitangeklagten nochgegeben und Karumidse geschont, er habe geglaubt, daß dieser Georgier sich über die Verhältnisse des Landes geirrt hätte. Run wolle er aber die Wahrheit sagen. Das ganz« georgische Komitee sei von den Tscherwonzensälschungen unterrichtet gewesen. Der Vorsitzende des georgischen Komitees Kedijo hätte ihm gegen. über Sadothieraschwili einen kleinen Verbrecher genannt, der Politik machs-und über Karumidse geäußert, sie glaubten, er sei ein Agent der Sowjetregierung.... Bell sprach sich allmählich in einer derartige Erregung hinein, daß sein Verteidiger Menz den Antrag stellte, ihn auf seine Der- haiidlltngssähigkeit zu untersuchen. Inzwischen kam es zur Ver- nehmung eines Leumundszeugen, des Major Heiß aus München, eines früheren Führers der Reichsflagge. Bell hatte unter ihm gearbeitet und sich vorzüglich bewährt. Auch in der Niederwerfung des mitteldeutschen Aufstandes unter Hölz war er tätig. Selbswer- ständlich hat er auch am K a p p- P u t s ch gemeinsam mit dem Zeugen teilgenommen. Kann man sich einen besseren Leumunds- zeugen denken? Bell ist als Politiker rehabilitiert. Niemand wird ihm nun zutrauen, daß er sich für die Tscherwonzen aus Eigennutz interessiert habe. Rechtsanwalt Bär aber beantragt« die Ladung Kodijas zum Beweis dafür, daß Karumidse und Sadathieraschwils nur aus politischen Motiven gehandelt haben. Im Lause der Verhandlung erlitt Bell einen Nervenzusammenbruch. Am Montag sollte General Kreß von Kressenstein vernommen werden. Rechtsanwalt Menz erklärte jedoch heute, von dem Zeugen Abstand nehmen zu können. Rechtsanwalt Bär behielt sich ober die Ladung dieses Zeugen noch vor: er müsse allerdings vorerst Rück. spräche nehmen mit Karumidse. Das Gericht war der Ansicht, daß eine derartige Rücksprache überflüssig sei und man auch ohne diesen Zeugen auskommen könne. Daß Kreß von Kressenstein seinerzeit Karumidse ein Empfehlungsschreiben mitgegeben habe, wurde als wahr unterstellt. Tkeue Ausschreiiungen in Wiesbaden. Verstärkung der polizetkräste. Wiesbaden. 4. Juli. Die Ausschreitungen gegen die Separatisten haben heute vor- mittag eine Fortsetzung erlebt. Ein Zigorrenladen wurde überfallen und demoliert. Bor den zerstörten Geschäftslokolen haben sich überoll starke Menschenansammlungen gebildet. Da mit aller Energie gegen die Ruhestörer vorgegangen werden iall, hat dl« Wiesbadener Polizei in Frankfurt Hilf« angefordert. Es sind daher 60 Mann Schutzpolizei unter Führung von Zwei Poli.zeiofsizieren sowie 30 Kriminalbeamte nach Wiesbaden abgegangen. Schildbürger in Anhali. Ein Streich von Oeutschnationplen bis Kommunisten. Dessau. 4. Juli.(Eigenbericht.) Der Anhaltische Landtag hat mit 1ä Stimmen der Rechten und und der Kommunisten gegen 14 Stimmen der Sozialdemokraten und Demokraten eine Vorlage abgelehnt, mit der die Regierung den in Schwierigkeiten geratenen Anhaltischen Siedlerverband sanieren wollte. Die Summe, die der Siedlerverband für die Liquidation und zur Fertigstellung der begonnenen Bauten braucht, war IV* Million Mark. Die Staatsregierung hat die Hilfe des SMates vorgeschlagen. vm die Folgen von den Sparern, die sonst ihre Guthaben verlleren würden, und den Handwerkern, die Forderungen an den Siedler- verband haben, abzuwenden. Weil die Leitung des Siedlerverbandes in' sozialdemokratischen Händen ist. hoben die Rechtsparteien aus bornierter Gegnerschaft gegen die Sozialdemokratie die Vorlage ob- gelehnt, obwohl die Folgen dieser Ablehnung nicht aus die Sozialdemokraten. sondern die bürgerlichen Sporer und Handwerker fallen. Der Siedlerverband wird min voraussichtlich seinen Kontur» an- melden müsier_ Landwirtschastshilse in Oesterreich. SoziolSemokrakischer Gegenvorschlog. Wien. 4. Juli.(Eigenbericht.) Die Regierung hat im Nationalrat zur Durchführung von Hilf»- maßnahmen für den notleidenden Getreidebau ein Ermächti- gungsgesetz beantragt. Die Mittel sollen durch eine Erhöhung der Zuckersteuer um 18 Groschen, der Viersteuer um 4 Groschen pro Liter und eine zehnprozentige Erhöhung der Warenumsatzsteuer aus- gebracht werden. Der Ertrag dieser steuerlichen Maßnahmen wird auf 83 Mill. Schilling beziffert. Die anfänglich von per Regierung beabsichtigte und auf 100 Mill. Schilling berechnete Wehlabgobe. (die das Kilogramm Mehl um fast 10 Pf. verteuern sollte), ist fallen gelassen worden. Der Sozialdemokrat Dr. Bauer erklärte im Haushastsausschuß, daß die Sozialdemokratie von den neugeplanien Sl«u«rn lediglich die Erhöhung der B i e r st e u e r hinnehmen könne, die anderen Steuern müsse sie ablehnen. Bauer schlug vor. einen Teil der de- nöliaten Mittel durch di« Erhöhung der Einkommensteuer, der il m s g tz st e u e r auf Luxus waren, der Tgonkpre-se in den teureren Sorten und der Besitz st euer aufzubringen. Deutscher psarrer in Rußland verurteilt. Der deutsche Uckriier Koch m Odessa ist wegen angeblicher söwjeefeindlichor llmtr'ede m fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden: außerdem wird er nach Sibirien verbannt. Kurdeneinbruch in der Ostiürkei. Schwere Niederlage der Negierungstruppen. Angora, 4. Juli.(Eigenbericht.) Auö Ankara wird der Einbruch zweier Kurdenftämmc au» V« x f i e n in die türkische Ostprovinz W a n gemeldet. Die Kurden besetzten mehrere Dörfer. Die türkischen Truppe», die ihnen entgegengestellt wurden, erlitten eine schwere Niederlage. Zwischen Svnjastt und dem Wa»-Se« soll ei» türkisches Regiment von den Kurde» bis auf den letzten Mann»iedcrgemehelt worden sei«. Insgesamt solle» die Türken 30ftv Tote haben. Die türkische Oeffentlichkeit wird von der Presse über de» wahre» Verlauf der Kämpfe völlig in Unkenntnis gehalten. Amtlich wird jedoch der Einbruch der Kurden- stamme in die türkische Ostprovinz bestätigt. �SOMillionenM. für Rotstandsarbeiten Aeim britischen Unterhaus beantragt. London. 4. Juli.(Eigenbericht.) Anstelle der im Staatshaushalt festgesetzten neuneinhalb Mil- lionen Pfund für Wegeboutev hat die Arbeiterregierung dem Unter- hau» eine neu« Vorlage zugehen lassen, di« 21 Millionen Pfund zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch Vornahme von Straßen- bauten fordert. Gegen die Autoraserei. London. 4. Juli.(Eigenbericht) Dg- Unterhaus penpan einen Antrag auf Begrenzung der deruilg auf Einbeziehung in die Krisenuriter- st ü tz u n g erheben. Der Reichsarbeitsminister ist in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite gibt ihm seine Regierung keine Mittel zur Er- Weiterung der Krisenfürsorgc, auf der andern kommt er mit seinen Plänen zur Ankurbelung des Baumarkts nicht vom Fleck. Gelingt es ihm nicht, binnen Kürze den Wohnungsbau in Bewegung zu bringen, dann muh er, ob er will oder nicht, beträchtlich größere Mittel für den Ausbau der Krisenunterstützung an- fordern, als bisher vorgesehen ist. Einstwellen glaubt er noch mit einer Teileinbeziehung der Bauarbeiter in die Krisenfür- sorge auszukommen. Er denkt daran, vor allem die reinen Bouarbeiterbezirke, d. b. die Landstriche, wo die Arbeiter- fchast überwiegend ihr Brot im Baugewerbe verdient, in den Kreis der Krisen fürsorae einzirbeziehen. Ob er mit diesem Notbehelf durch- kommt, hängt— und das ist dos Schlimme für ihn— nicht von ihm I allein ob. Zunächst hat er »och immer nickst die 250 ZNillionen. mit denen er den Baumarkt ankurbeln will, fest in der chaniu Er will 50 Millionen von den Landesversicherungsonslalten, 100 Mü- lwnen aus dem Etat und weitere 100 Millionen aus einer Aus- landsanlelhe befchoften. Ob ihm die Londssverstcherungsanstallen an- gesichts der Schwierigkeiten der Invalidenversicherung ganze 50 Mil- Dianen geben können, erscheint fraglich. Aber das ist nicht das Ge- sährlichst«.'Akdenklich ist. daß er zur Stunde noch immer nicht mit seinem Geld sozusagen losschießen kann. Wohl ist der Gesetzentwurf für die Maßnahmen zur Verbilligung des mit öfssntllchen Mitteln geförderten Kleinwohnungsbaus und ebenso der Gesetzentwurf über die Bereitstellung von Kredit zur Förderung des Klernwohnungs- und Straßenbaus genehmigt. auch ist der Minister zur vorgriffsweisen Inanspruchnahme von 100 Millionen Mark ermächtigt, die zur Belebung des Bau- markts im außerordentlichen Haushalt vorgesehen sind: es hapert jedoch an einer anderen Stelle: an der Preissenkung in der Bau- und Voustoffindustrie. Gewiß, es find Richtlinien ausgearbeitet, die dem Minister ein« gewisse Ellenbogenfreiheit in der Verwendimg der zur An- kurbelung des Baumarkts vorgesehenen Gelder sichern sollen. Wird der Arbeitsminister aber diese Ellenbogenfreiheit wirklich bekommen? In den ihm nahestehenden Presseorganen wird darüber geklagt, daß das Reichskabinett die Beratung über die Preissenkung in der Bau- stofsindustri«, d. h. über die Voraussetzung für die Bereit- stellung von Reichsmitteln, verschoben hat.«eil es keine Zeit habe! Gibt es noch etwas Wichtigeres als die Belebung des Bau- markts? Anscheinend ja. Und dieses Wichtigere scheint die Sabotage der Preisseakungsbesirebungev zu sein. Wie verlautet, sind alle Bemühungen des Reichswrrtschasts- Ministeriums, die Baustoffindustrie zu einer wirklich fühlbaren Preis- sentung zu veranlassen, gescheitert. Etwas sind die Baukosten ins Rutschen gekommen. Nach der „Baumelt'' ist der Baustoffindex von 135,1 auf 1503 und der Baukosten index von 174,4 aus 169,2 zurückgegangen. Allein das genügt nicht! Denn die Baustoffpreise und die Baukosten im allgemeinen waren bisher abnorm übersetzt. Sie müssen zunächst einmal k r ä f- tig herunter, ohne daß auch nur ein Wörtchen über Lohn- senkung fallen darf. Schließlich kann doch unmöglich das Geld, das der Reichsarbeitsminister aus dem Etat, aus dem Ausland und bei den Landesverslcherungsynstollen zusammenkratzen will, für über- setzte Preise vergeudet werden. Jeder Pfennig dafür wäre zu schade, denn in erster Linie müssen billige Wohnungen gebaut werden— nicht Wohnungen mit einer Miete von 100 Mark monot- lich, sondern Wohnungen für die Arbeiterschaft. Wird der Reichsarbeitsminister dos schaffen? Kann er, die 250 Millionen in der Hand, die Preise kräftig senken? Er kann wohl sagen: nur der darf mit meinem Geld« bauen, der am billigsten baut. wird ober der Billigste auch«irklich billig sein? Das ist die Frage. Ja. wenn der Reichsarbeitsmmister im Wirtfchafts- Ministerium Hilfe hätte! Aber da liegt der Hund begraben. Das Kabinett Brüning hat zurzeit gar keinen Wirtfchafts- minister: das Wirtschaftsministerium ist verwaist und wird von seinem Staatssekretär geführt. Bezeichnend für die im Kabinett Brüning eingerissen« Regiererei. Wieder einmal ist die Frage einer Aendcrung der Kartellver- ordnung aufgetaucht, und der Reichsorbeitsminister will, wie die ihm nahestehende Presse mitteilt, im Reichskabinett sehr bestimmte Forde- rungen gegenüber dem Reichswirtschaftsministerium anmelden, um seine Baumarktaktion durchführen zu können. Wir sind gespannt auf den Inhalt dieser Forderungen und ob sich der Reichsarbeits- minister gegenüber seinen Regierungskollegen auch stark macht oder ob er weiter wi« bisher den Sündenbock für Torheiten, Un- begreiflichkeiten und Ungeheuerlichkeiten spielen muß. Fortgesetzier Angriff auf die Löhne. Oie Angesiellien werden nicht geschont. � ftöln. 4. Juli. Eigenbericht.) Die Direktion der Blannslaedlwerke ln Troisdorf bei Köln, die zum Klöckaer- Konzern gehören und mehrere hun- deck Arbeiter beschäftigen, hat der zesomteu Lelegschajl mit ein- tägiger Frist gekündigt. Die Kündigung ersolgle zum Zwecke einer Lohnsenkong, die im Durchschnitt 15 Proz. betragen soll! Auch die Verträge mil den Angestellten wurden in der gleichen Absicht gekündigt. Es wird nachgeprüst. Oie Senkung der Eisenpreise. Da; Reichswirtschaftsmini st er:um laßt zurzsit im Bezirk der Graßeisenindustrie N o r d w e st die Auswirkungen des Oeynhausener Schiedsspruchs vor allem in der Preisabbau- frage nachprüfen. In unterrichteten Kreisen steht man dem Er- gebnis dieser Nachprüfungen mit starker Skepsis entgegen. Im Reich sarbeitsministerium rechnet man damit, daß die durch «die Lohnsenkung in Arbeit Nordwest erstandenen Konflikte in der ersten Hälft« der nächsten Woche zum Abschluß kommen. Erst dann würde sich ein klares Bild über den Effekt der Lohn, und Preis- jenkungsakrion in der nordwestlichen Eisenindustrie gewinnen lasse». Bekanntlich sollte die Preissenkung der Lohnsenkung vorausgehen rmd erheblich größer sein als dies«. Wir werden das Ergebnis der Nachprüfung abwarten und sind wirklich gespannt auf das Ergeb- ni» der Nachprüfung des Reichswirtschaftsministeriums. Vernünstige Osthilfebedingung. Vefchäfiigung deutscher lundurbeiter. Protz der fürchterlich en Arbeitslosigkeit wer- den in Deutschland— well die Agrarier dos so wallen— noch immer taus«nd« polnisch« Landarbeit«? beschäf. tigt. Dabei sind in diesem S omm e r rund 50000 deutsche fach- lich ausgebildete Landarbeiter arbeitslos! Der Ostausfchutz des Reichstages ist daher dafür eingetreten, daß die Gewährung der Osthilf« davon abhängig gemacht wird, daß die z» unterstützenden landwirtschaftlichen Betriebe kein« polnischen Arbeit skräsie beschästigen, sondern deutschen Menschen Ar- beit und Brot geben. Der polnische Lohndrücker ist auch in Holland beliebt. Dort hat die Direktion der Stoatsbergwerke 40 holländische arbeitsuchende Bergleute abgewiesen, dagegen polnische Arbeiter gegen Vergütung der Reise und mit einer Beschäftigungsgarantie von Zwölf Monaten eingestellt. Zweierlei Beamte. Nicht alle sinS aus Lebenszeit angestellt. Bei den Kämpfen um das Notopfer wurde den Be- amten wiederholt der Vorwurf gemacht, daß sie eigentlich «n wenigsten Grund hätten, ein Noiopser zu verweigern, da sie durch lebenslängliche Anstellung und spätere Pen» ffionierung gegenüber den Angestellten und Arbeitern eine unverhältnismäßig günstigere Position einnähmen. Dieser Vorwurf zeigt, daß über die Situation der Beamten in großen Teilen der Bevölkerung eine falsche Meinung besteht. Es ist durchaus nicht so, daß die ganzen IIb Millionen Beamten, die wir w Reich. Ländern und Gemeinden, Gemeindeverbänden und Körperschaften des öffentlichen Rechts in Deutschland haben, leben?- länglich angestellt und pensionsberechiigt sind. Ein großer Teil von ihnen sind Kündigungsbeamte ohne P e n s i o n s. anspruch. Ein Recht auf Pension hat jeder Beamte erst nach zehnjähriger Dien st zeit. Voraussetzung dafür ist. daß er lebenslänglich angestellt� ist. Wenn er auf Kündigung angestellt ist, dann erhält er einen Airspruch auf Pension nach zehn- jähriger Dienstzeit nur dann, wenn er«ine planmäßige Stell« bekleidet. Ztz und 57 des Reichsbeamtengef etzes.) Wie groß die Zahl der Kündigungsbsowten ist, sei an«nngen Beispielen erläutert. Bei der Reichsbahn sind im Normalfall ein Drittel aller Beamten, d. h. rund 100 000 ftüirdigungs- beamte: bei der Reichspost sind zur Zeit zirka 52 000 Kündi- gungsbeamte vorhanden. Für die Gemeinden und Gemeinde- verbände wird durchschnittlich mit einem Anteil von 53 Proz. Kündi- gungsbeamte» gerechnet. Legt mm die Angaben des Statistischen Reichsamtes über die Anzahl der Beamten in den Gemeinden und Gemerndeoerbärrden für das Jahr 1927 zugrunde, so ergibt sich, daß dort 81 000 Beamten gekündigt werden kann. Genaue und umfassende Angaben über die Anzahl der Kündi- gungsbeamten selben leider. Aber schon aus den angegebenen Zahlen geht hervor, daß die allgemeinverbreüete Meinung von der abso- Inten Sicherheit der Stellung und der Altersversorgung, die angeb- kch alle Beamten besitzen, nichts ist als ein populäres Borurtell. das den Tatsachen nicht entspricht. Gckeinstittegung. Lm die unbequemen Betriebsratsmitglieder los zu werden. vi« Firma Starig in Finsterwalde erstattet« im Jull 1929 Stillegungsanzeig«. In den Verhandlungen hierüber wurde da« End« der Sperrfrist auf den 7, August 1929 festgesetzt. An diesem Tage wurde die Arbeiterschaft samt den Betriebsrats- Mitgliedern entlassen, letzter« ohne Zustimmung der Betriebs- Vertretung. Im Betriebe blieben stoben Lehrling« und einige allere Angestellte, die Entlassungsschutz genossen. Die hinausgeworfenen Bekriebsratsmitglieder klagten. Es habe sich nicht um«ine ernsthafte Stillegung gehandell, sondern um ein« Scheinstillegung, um die Betriebsratsmitglieder zu entfernen. Ihre Entlassung ohne Zustimmung der Betri-bsvertretung sei unwirksam, weshalb ihnen der Lohn für die Zeit vom 7. August bis 14. Sep>. tember zu zahlen sei. Das Arbeitsgericht hat die Klage abgewiesen. Es hat angenommen, daß ein« wirtliche Betriebsstillegung vorgelegen hat, well die schwierige wirtschaftliche Log« des Unter- nehmers ein Aussetzen in der Produktion erforderte und zu diesem Zellpunkt noch nicht zu erkennen war, daß der Betrieb in kurzer Zeit wieder aufgenommen werden konnte. Das Landesa rbeitsgericht hob das vorinstanzliche Urteil auf und entschied zugunsten der Kläger. Die Beklagtewurde oerurteilt, den Klägern den Lohn nachzuzahlen. Das Reichsarbeitsgericht wies die Revision der Firma als völlig unbcgründel zurück und legte ihr die Kosten des Rechts- streits auf. Es Habs sich nur um«ine Scheinstillegung gehandell, so daß eine Kündigung der Betriebsrotsmitglieder nicht in Frage komme. Lohnabbau. Auch in der oderschlefifcheu Eisenindustrie. Don Yen Vertretern des Arbellgeberverbande- der Montan i n du str ie O b er s ch l e s i e n s wurde den am Tarifvertrag de- teiligten Gewerkschaften mitgeteilt, daß, durch das Lorgehen der Gruppe Nordwest gezwungen, auch in Oberschlesien eine Lohn- senkung in gleicher Höhe vorgenommen werden müsi«. Die Eisen- Preissenkung ist auch für die Produkte der oberschkesischen Hütte» werke maßgebend, und da ein anderer Weg, einen Ausglich für die verminderten Einnahmen zu bekommen, nicht besteh«, bleibe nichts anderes übrig, als deo gleichcu Weg wie die Gruppe Nordwest ja gehen Bedauerlich sei, daß man gerade de» besten Ar- beitern ihre Verdienste kürzen müsse, zumal diese auf Leistungen beruhen, aber die Not zwinge. Die erbeten« Zustimmung der Gewerkschaften kannte selbstverständlich nicht gegebe« werden. Die Verdienste der oberschlesischen Arbeiter sind wesentlich geringer als im Westen. Der Durchschnittsveroienst für den qualifizierten Mann wird 85 Pf. pro Stunde betragen. In den zurückliegenden Monaten sind die Akkordverdien st e schon wesentlich gesenkt worden. Das ergibt sich klar aus Gegenüberstellungen. Während im Novem- ber 1929 noch Verdienste von 1,14 M. pro Stunde festzustellen waren, wurden im Aprll d. I. nur noch 1,05 M. pro Stunde ge- geben. Neuere Ziffern Legen im Augenblick nicht vor, doch ist sicher noch eine weitere Senkung eingetreten. Anstatt Hebung der Kaufkraft des Arbeiters, eine sortgesetzte Senkung. Alle Vorhaltungen, die die Arbellnehmervertrster den Arbeit- gsbern machten, um sie von ihrer geplanten Maßnahme abzubrinen, waren vergeblich Di« oberfchlesifche Ciseninwistri« sei noch besonders dadurch hart betroffen, daß die Preis« für Martin- und Thomoseiien gleichgesetzt wurden. Thomaseisen ober wird in Oberschlesien schon seit Iahren nicht wehr hergestellt. Bedauerlich ist, daß die Arbeitgeber sich bei ihrer Maßnahme auf Aeußerungen ehemaliger christlicher Gewerkjchaftssekretäre stützen können. � Hoffentlich erkennen die oberschlesischen Arbeiter, daß ihre Interessen nur durch die freien Gewerkschaften gewahrt werden. Di« Lohnsenkung wird unter der oberschlesischen Arbellerfchast größte Empörung auslösen, die noch nicht vergessen haben, daß während der Abstimmung ihnen der Himmel auf Erden versprochen wurde. Ein Verleumder gesaßi. Oer ,Agfa-Alih" schlägt nach hinten ein. In den Betriebszeitungen glaubt die KPD. ungehindert jedem nichtkommunfftifchen Betriebsangehörigen die Ehr« abschneiden und den Funktionären der Gewerkschaften ungestraft die gemeinsten Verdächtigungen nachsagen zu können. Zu dieser Sorte„Lektüre" gehört auch die kommunistisch« Betriebszeitung in den I. G. Farben. Werken in Treptow, der„A g f a- B l i tz", für dessen Sudeleien der kommunistische Parteisekretär und„Reichsleller der revolutionären Gewerkschaftsopposition" der Ehemieindustrie. Steffen, verant- wortlich zeichnet, der zufällig nicht Abgeordneter äst und also gerichtlich gefaßt werden kann. Anläßlich eines sogenannten„roten Betriebsfestes" der Arbeiter der I. G. Farben-Werls war im„Agfa-Blitz" die verleumderische Behauptung aufqestellt worden, die Genossen Rück er und Koch von der Berliner Ortsverwaltung des Fabrikarbeiterverbandes hätten die Arbeiter der Agfa bei der Direktion denunziert, um den Kartenverkauf für diese kommunistifche Veranstaltung zu unter- binden. Gestern sollte nun Steffen vor dem Amtsgericht Berlin- Wedding den Wahrheitsbeweis dafür antreten. Wer hier fpielle er im Gegensatz zu seinem wortrodckalen Aus- treten in Versammlungen eine ganz jämmerliche Roll«. Zunächst wollte er gegen dc« Genossen Rücker und Koch Widerklag« er> heben, well sie ihn angeblich in Versammlungen wiederholt be- leidigt hätten durch Bezeichnungen wi« Mostausöldling, G ewe r k j cha f t sz er st a r e r iffw Don dem Richter darauf aunHerksom gemacht, daß er dafür auch Beweis«, gegeberenfall? durch Zeugen, erbringen müsse, zog er schleunigst diesen Antrag zurück. Dann versuchte er sich mit Hilfe de?§ 19Z StGB, aus der Schlinge zu ziehen, da er die Behauptungen angeblich„in Wahr. nehmung berechtigter Interessen" erhoben habe. Aber auch die'er Sprung ms schützend« Dunkel mißlang chm. Zur Sache selbst konnte er auch nicht den gering st en Beweis erbringen. Das Ge- richt verurteilte ihn auf Grund des S 186 StGB, zu eine? Geldstrafe von 100 M., den gesamte» Kosten des Verfahrens und zu der Verpflichtung, das llrtell im„Agfa-Blitz" zu veröffentlichen. Mit Recht hatte der Derlrerer der Kläger. Rechtsonwalt Dr. Lehmann, betont, daß die Gemerffchafien gar nicht daran denken, durch solche Prozesse etwa die Kritik an ihrem Verhalten unterbinden zu wollen: sie wollen lediglich dadurch erreichen, daß diese Kritik sachlich geführt wird und nicht mit den gemeinen Mitteln der Ehrabschneiderei und der bewußten Verleumdung der Gewerkschaftsfunktionäre. Oer Lohnabbau in Amerika. Die Polizei Hilst den Unternehmern. New Jork. 4. Juki.(Eigenbericht.) D'o Detroit Ehrysler-Auto-Corporation ond. nete mit sofortiger Wirkung eine zehnprozontig« Kürzun g sämtlicher Angestelltengehäller an. Di« Kürzungsaktion wird mit der Wirtschaftskrise begründet, die bereits zu Arbeitsein. schräntungen und Senkungen der Arbeiterlöhne geführt hat. In Flint(Michigan) kam es zu heftigen Zusammen- stoße» zwischen streikenden Autoarbellern und der Polizei. Die oemonstrierenden Arbeiter wurden brutal auseinandergetrieben und zahlreiche Streikend« verhaftet. Der Streikausschuß erklärt, daß der Streik von 4300 Arbeiter>n den Frsher Karosserik- werken durch eine SOprozentige Lohnkürzung verur, sacht worden sei. Die Fabrilleitung macht die üblichen Ausslüchte und führt die Streikbewegung auf radikale Propaganda zurück. Achtung. Slaterf Die Sperre gegen die StakerFirma Albert Scharff, Baustelle Körner. Tempelhof, Albionstraße, ist ab heute. Sonnabend, aufgehoben, da diese Finna sich berell er-.» klärte, von nun an die tariflichen Bestimmungen einzuhatten. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschoft Berlin, Fachgruppe der Staaker. Die Zahl der Arbeikslosen in Großbritannien betrug am 25. Juni 1815 300. d. b. 70 001 weniger als am 16. Juni, je- doch 697 493 mehr als im vorigen Jahre. �reteGewerkschafis.Iuaend Berlin A»ut» folflcnhe Beranstaltung«!,: SüUnU: Äitisiteffairl na4 aieln. ÄiJeu. Ireffpunlt am SätliÄer«ahlchof um 17 Ubr. gaßrgelt uai Ukiernachtuna 1,70 SB.— Sie(Sncune Silde». Südwest«» trifft sich um 18 lUSt am©otlifeer Bahnhof. A-xdBgler kännen sich Meftt Stuntie anschließen. Lcrantwortssch'üt Bolllit: Sr. Cuxt Teuer: ZZittschast:®. Stliiaclliältf Tcroetirdmilsbeotaunä; Z. Steiner: Feuilleton: Ä. S. koscher: fcolalc« und conflioes Sri» Ä«ßöM: aejeiaen: Tb. Stocke: tdmt.id) in Berlin Beelaq: Borwärts-ZZerlas ffi. m b. H.. Berlin Druck: Lorwärlo-Busdrucker� und serlaaeanfialt Paul Tinaer a. So.. Berlin SD. 18. iindcnfirtaSe fc pieq» 3 Beilajt«, Nr. 309- 47. Iabrgang Sonnabend, 5. Juli il 930 Woclwmictt M Ausflüge In di Gpreewald. Die so oft gepriesene Romantik des Spreewaldcs dauert auch heute noch fort trotz der durch bequemere Verkehrsoerhältnisse und Massenführung so stark gesteigerten Menschen- menge. Wer freilich in dem Kirchgang der Wendinnen die Hauptsensation des Spree- waldes erblickt, mag getrost mit der Bahn nach Burg fahren— für all die aber, denen die Natur eine Offenbarung bedeutet, wird die altväterliche Kahnfahrt— ohne weiteres Geräusch als dos der eigenen Reisegesellschaft — eine Erinnerung abgeben, die höchstens erst in— Venedig übertrumpft wird. Die Bahn Lübben— Straupitz— Burg— Kottbus bringt den Reifenden in Alt- Z a u ch e und in Straupitz zum Anschluß an das Wasscrelement— der auf Straupitz folgende Ort Byleguhre(mit See) ist Som- merfrischc. Für Autofahrer ist die neue Ehaussce Lübben— Straupitz— Burg geschai- sen. Wer zu Fuß durch den Spreewald gehen will, wird gleichfalls die obere Parti: des Spreewaldgebietes durchstreifen. Deren Bevorzugung erklärt sich dadurch, daß es W a l d g e b i e t ist, während die gerade Strecke Lübbenau— Leipe— Burg durch das Wiefengebiet führt. Das zu Berlin näher gelegene Lübben hat sich durch die bereits genannte Bahn seinen Anteil an den, Oberspreewald gesichert, es ist aber auch Ausgangspunkt für den weniger bekannten, aber besuchenswerten Unterspreewald, in dem Schiepzig sich eine dominierende Stellung verschafft hat. Hn Lübben ist auch Sitz und Hauptbüro des Verkehrsamts für Ober- und Unterspreewald. Lübbenau ist aber der gegebene Ort für den Reisenden, der in bequemer Kahnfahrt die Schönheiten des Wäldreviers und die Reize der Gegend-um Burg und diesen Ort selbst kennen lernen will. Die Fährt Lübbenau— Burg(reine Kahn- Umge&uxig fahrt 6— 7 Stunden) geht über L e h d c(Spreewald-Venedig) nach Gasthaus Wotfchofska, dann nach Kreuzung der Großen Mutnitza und Eintritt in das Waldrevier zum Forsthaus Schützenhaus, weiter auf der Mühlspree nach Försterei Kannomühlc, dann über Eich: Spreewaldbank(Brücke) im Erlenwald bei Eiche (Gasthaus, Forsthaus) entweder direkt nach Straupitzer Buschmühls oder auf dem Umwege auf der Milanka und dem Straupitzer Fahr- fließ über Forsthaus Horst ebendahin. Weiter geht es in südlicher Richtung durch die Burger Kaupen nach Burg. Will man Leipe das„Lagunendorf in typischer Spreewaldlandschast" kennenlernen, so fährt man von Lehde auf einem Fließ dorthin und findet durch Weiterfahrt auf der Leipfchen Grobla an der Polenzschenke vorbei— Anschluß in Eiche an die Route Lübbenau— Burg. Todessturz vom Leiiergerüst. Sin morsches Laufbrett die Ursache. Auf dem Hof des Grundstücks cinksiraße 16 ereignete sich gestern nachmittag ein schwerer Unfall, bei dem der brjährige Hilfsarbeiter Adols k l i n g s p o r n aus der Friesen- slraße 11 aus entsetzliche Weise ums Leben kam. Der alte Mann war auf einem Leitergerüst, das zum Verputzen der Hinterfassade errichtet worden war, in der Höhe des 4. Stockwerkes beschäftigt. Als Klingsporn ein Laufbrett überschritt, brach das Brett plötzlich mitten durch. K. stürzte kopfüber auf den asphaltierten Hof hinab, wo er mit zerschmetterten Gliedern tot liegen blieb. S/NOAIR LEW/S t&E&m Ucbeuetzl von CI. Meitner.— Meyer 4 Jessen. Verlrieb, MünAen. „Haben Sie schon je versucht, einen Roman zu schreiben?" hörte Una einmal S. Herbert fragen. „Nein, aber mein Gott! Jeder Esel könnte was Besseres ichreiben als das Zeug, das heute veröffentlicht wird. Es ist alles ein abgekartetes Spieli die Verleger nehmen nur, was ihre Freunde ihnen bringen." Im Laufe einer Woche hörte Una. wie Walter Babson ungefähr dieselben Behauptungen drei verfchiedenen Leuten gegenüber äußerte, ja, er erzählte es einfach jedem im Büro, der es hören und sich zunutze machen wollte. Dann wieder chatte er anscheinend dem Rufe der Literatur sein Ohr ver- schlössen und schnauzte den dicken Assistenten des Herrn S. .Herbert Roß an, er sei ein Lohnsklave und ein Narr, weil er nicht eine Angestellten-Gewerkschast gründe Nach ein oder zwei Wochen war er wieder literarisch eingestellt. Er stürzte auf den Bürochef zu. legte ihm ein Manuskriptblatt hin und rief:„Sie, Nat! Lesen Sie das einmal und sagen Sie ehrlich. was Sie davon halten. Ich will ein wenig Literatur in die Benzintonne" träufeln, auf die Gefahr hin daß sie explodiert. Da. sehen Sie einmal! Ich soll den Kells-Bergaser propa- gieren— dabei ist die ganze Propaganda erlogen— und da Hab' ich ein Gedicht daraus gemacht: lesen«ie es einfach wie Prosa, leicht und angenehm zu verdauen, besonders zu- träglich für Kinder und S. Herbert Souse, Sherbert vouse, meine ich." Er las schnell sein seltsames lyrisches Werk vor, hielt aber nach wenigen Zeilen inne und schrie:„Schweinerei, die letzte Zeile: aber das werd' ich schon noch acksbessern. Sagen Sic. das wird doch Aufsehen machen, wie?" Zwei Tage später hörte Una Babson herauskommen und sich beklagen, daß sein Meisterwerk dem Chefredakteur nicht gefallen habe, der nun den Originalentwurf der Kells-Der- Wie die sofort«ingeleitete polizeiliche Untersuchung ergeben hat, war das Brett an der Bruchstelle derart morsch, daß es selbst eine schwächere Belastung nicht mehr hätte aushalten können. Gegen den Unternehmer, den durch mangelhafte Materialkontrolle die Schuld an dem Unglück beizumessen ist, chird«in Verfahren eingeleitet werde». Die lebensgefährliche Tätigkell der Bauarbeiter bedarf ganz besonders sorgfältigen Schutzes, und gegen Unternehmer, die denSchutz vermissen lassen, sollte rücksichtslos vorgegangen werden. * In der Gartenstraße wurde der ZZsährige Kaufmann Jeremias L e w i b e r g aus der Chodowieckistraße 10 beim Ueber- schreiten des Fahrdammes von einem Lastauto überfahren und lebensgefährlich verletzt. Der Verunglückte fand im Lazaruskranken- Haus Aufnahme, wo er bald nach seiner Einlieferung gestorben ist. gasergesellschaft verwenden würde.„Das hat man davon, wenn man versucht, die„Benzintonne" literarisch anzu- streichen— die Leute wissen's nicht zu schätzen." Una wäre eigentlich geneigt gewesen, ihn zu verachten, aber dann blieb er wieder bei den Laufburschen stehen, zog sie an den Haaren und riet ihnen, ein wenig Grammatik zu lernen. Und als Fräulein Moynihan einmal niedergeschlagen aussah, fragte Babson sie:„Was ist denn los, Mädel? Soll. ich jemand für Sie durchprügeln? Wird mir ein Vergnügen' fein, den Chef hinauszuwerfen, oder dergleichen. Habe bisher noch nicht das Vergnügen gehabt, aber meine Name ist Roose- velt und ich bin der neue Portier", und so brachte er tausend Blödheiten hervor, bis Fräulein Moynihan wieder vergnügt drejnsah. Bei solchen Freundlichkeiten wurde es Una warm ums Herz, wie wenn ein kleines gelbes Hündchen mit dem Schwanz wedelt. Während dieser ganzen Zeit hatte Walter Babson noch nie mit ihr gesprochen. Fünftes Kapitel. •. 1. Der Bürochef trat mit gleichgültiger Miene zu Unas Schreibtisch und fragte:„Haben Sie hier schon einmal ein Stenogramm aufgenommen?" „Nein, aber...", bebend vor Eifer,„ich möchte gerne, ich kann ziemlich gut stenographieren." „Schön. Herr Babson in der Redaktion will etwas diktieren: Sie könnten's einmal versuchen." Una war so aufgeregt, daß sie sich selbst eine dumme Person schalt. Sie ergriff ihr noch unberührtes Stenogramm- Heft, ihre wie Lanzen gespitzten Bleistifte und bemühte sich, so bescheiden wie ein Mäuschen auszugehen, als sie durch das Büro schritt, um ihr.erstes wirkliches Diktat aufzunehmen— ihre glorreiche Laufbahn zu beg'nnen... Und obendrein für Walter Babson, den geliebten Toren, der nun zu ihr sprechen würde. Es war ein harter Schlag für sie, daß sie— m seinem Zimmer angelangt— wartend hinter ihm stehenbleiben mußte, während er in seinem Rollschreibtisch herumrumorte und anscheined damit beschäftigt war, sich die Haare auszu- reißen Dann sah er sich um, erblickte sie und plauderte drauf- los: �Oh. Sie find's. Fräulein Golden? Man hat mir ge- Aenderung der Ltmsteigebedingungen! Die Beschlüsse des Aulsichtsrats der BVG. Was wir im gestrigen Abendblatt voraussagten, ist eingetreten: Der Aussichtsrat der Verliner Verkehrsgesell- s ch a s t beschloß, die ll m st e ig e b e d i n g u n g e n auf den Berliner Verkehrsmitteln abzuändern. Wie wir erfahren, standen im Vordergrund der Verhandlungen die zahlreichen Klagen aus dem Publikum, die in den letzten Tagen nicht nur bei uns und auf andere» Redaktionen, fon- dern in natürlich noch größerer Zahl bei der BVG. eingelaufen sind. In der Sitzung des Auffichtsrats wurde festgelegt, daß an sich an den Beschlüssen, die Umfteigezeit auf eine Stund« zu beschrän- ken und das Umsteigen nur in unmittelbarem, zeitlichem und räum- lichem Anschluß zur Erledigung einer Fahrt zu gestatten, s e st g c- halten werden müsse. Der Aufsichtsrat wünfcht aber im übrigen eine möglichst liberale Handhabung der Umftcigebestim- mungen. Der Aussichtsrat beschloß deshalb den Fortfall der Vorschristen, nach denen nur bestimmte Bahnhöfe der Untergrundbahn beim Umsteigen zu benutzen sind, und ebenso den Fortsoll der Bestimmungen, wonach der kürzeste Weg zur Erreichung des Reiseziels zu wählen ist. Dies wurde nicht deswegen beschlossen, weil sachlich die Zweck- mäßigkell der Wahl eines kürzesten Weges bestritten wurde, sondern weil man bei der Vielseitigkeit der Verkchrsbeziehungen in Berlin Diskussionen zwischen dem Fahrpersonal und den Fahrgästen über di« verschiedenen Möglichkeiten der Erreichung des bestimmten Zieles ausschalten will. Wie wir weiter hören, wird die Direktion der BVG. auf Grund dieser Beschlüsse des Auffichtsrats nach Benehmen mit der Polizei in kürzester Frist neue Anweisungen geben. Die Beschlüsse des Auffichtsrats tragen einem Teil der Wünsche Rechnung, die der „Vorwärts" in den letzten Tagen geltend machte, wiewohl nicht verschwiegen sei, daß auch jetzt noch gewisse Härten bleiben, auf die zu gegebener Stunde zurückzukommen sein wird. Wieder ein Kommunist gebrandmarkt. Wie Stadtrat Stimming verleumdet wurde. Im Oktober 1923 machte der kommunistische Bczirksyerordnete Paul G o l d b a ch in der Bezirksoersammlung von Lichtenberg mit deutlichem Hinweis auf den stellvertretenden Bürgermeister, den sozialdemokratischen Stadtrat Stimming, den Zuruf:„Wir kennen schon die K o r r u p t i o n s w i r t s ch a f t, die in der Bau- Verwaltung herrscht!" Außerdem verbreitete er über Stimming, daß ein Haus kauf, den dieser getätigt habe, nur ein Schein- kauf gewesen sei. Jetzt halt« sich G o l d b a ch wegen Beleidigung vor dem erweiterten Schöffengericht zu verantworten. Am 22. Mai hatte er eine Vgr.tagung erreicht unter dem Vorgeben, neues B c weis- Material vorlegen zu wollen. Bei dem Termin, der jetzt statt- fand, erwies es sich, daß Goldbach aus dem hohlen Faß gesprochen hatte und nicht in der Lage war, den Wahrheitsbeweis zu er- bringen. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 490 Mark. Das Gericht eillfchied dementsprechend. Wieder einmal, wie stets, wenn Kommunisten Sozialdemokraten angreifen, wurde in der Urteilsbegründung festgestellt, daß der Beleidiger einen Wahr- heitsbeweis für feine frech in die Welt hinaus posaunten Behaup- tungen nicht erbringen konnte. Erhöhter Feuerschutz auch in den Berussschulen. Der Magistrat hat in seiner Sitzung vom lh. Juni die zur Beschaffung von 8 3 F e u c r l ö s ch d« ck e n für die Berufs- schulen notwendigen Mittel bewilligt. Damit ist ein weiterer Schritt getan, um nach Möglichkeit die Fcuerunsirherheit in den Verliner Schulen zu beheben. sagt, daß Sie für mich ein Diktat aufnehmen werden. Werfen Sie die Blaupausen von dem Stuhl dort und setzen Sie sich. Bin gleich fertig." Während Una auf der Stuhlkante saß, riß er alle Laden auf, fuhr suchend mit den Händen in allen Fächern herum, durchwühlte ganze Stöße von Papieren und Briefen, die überquellend einen Drahtkorb füllten, ja, er holte sogar ein Wörterbuch von einem Regal herunter und schlug hoffnungs- voll den Deckel des Buches auf. Die ganze Zeit über hörte er nicht auf zu reden, und Una lächelte verlegen, nicht ganz sicher, ob seine Bemerkungen an sie gerichtet seien oder nicht: „Zum Teufel! Wo habe ich denn jetzt nur diese ver- fluchten Notizen hingesteckt? Jetzt möchte ich wissen, wo in des... Hier sind... Nein.. ," Endlich fand er in einem Buch über Brennstoffe für Motoren ein paar Zettel, auf die er mit einem stumpfen weichen Bleistift einige Notizen gekritzelt hatte, und dann begann er einen kurzen Artikel über Luftkühlung zu diktieren. Una hatte entsetzliche Angst, ob sie bloß nachkommen würde: doch sie hatte die letzten Nummern der, Auto- und Benzin- Woche" sorgfältig gelesen, hatte sich im Stenographieren der fachtechnischen Ausdrücke geübt, auch war ihr angenehm, daß man ihr bei der Arbeit nicht zusah. Babson schien wahrhaftig genügend damit beschäftigt, seinen ruhelosen Geist davon ab- zuhalten, geradeswegs aus dem Körper zu fahren. Als erfertig war, fragte er:„Haben Sic hier schon ein- mal ein Diktat ausgenommen?" „Nein, Herr Babson." „Ueberhaupt schon einmal ein automobiltechnisches Diktat?" „Tvin." , Dan lesen Sie's mir lieber einmal vor! Ihr unmittel- barer Vorgesetzter— der Bürochef— ist ganz anständig, aber der Sekretär schleicht immer herum, und falls Sie einmal mit Ihrem Stenogramm Schwierigkeiten haben sollten, wenn der alte Schafskopf in der Nähe ist, so tippen Sie nur schnell drauflos, ganz egal was So, jetzt lesen Sie mir das Zeug vor." Das Stenogramm war ganz in Ordnung. Er nickte und sagte:„Gut gemacht. Kleine. Sw werden ganz schön vor- wärtskommen. Sie nehmen mein Diktat�besser auf als diese aufgeregte Antilope, Fräulein Harman.«o. das wäre altvs." (Fortsetzung folgt.) Gaiienmord oder Gerede? Eine Verhaftung in Schmargendorf. Unter der schweren Beschuldigung, seine Ehesrau ermordet iu lMben. wurde von der Kriminalpolizei der kausmonn k o n r a d S. aus der Bornstedter Strohe zu Schmargendors seslgenommen. 3. mar seit 192S verheiratet und bezog mit seiner Frau, die seht ein Kind erwartete,«ine Erdgeschohwohnung in den, Hause. Einige Tage vor Piingstsn plante dos Ehepaar einen Ausslug mit Bekannten. Es kam aber nicht zur Ausführung, da S. auf ein« Geschäftsreise nach Neu-Slrelifi ging. Am 6. Juni, dem Freitag»or Psingsten, tchrie er um lt Uhr abends heim und erschien bald daraus bei der Polizei mit der Meldung, daß er seine Frau tot aufgefunden habe. Die Frau habe in der Kück« Wäsche zum Kochen aufgefegt gehabt, die bei seiner Ankunsi noch aus dem Herde stand. Die Frau lag tot in«incr Ecke zwischen dem Küchenschrank und der Wand. Es schien, daß das Wasser in dem Wäschekesscl über gekocht sei und die Gazflamme ausgelöscht habe. Demnach mußte die Frau einer Gasvergiftung erlegen fein. Gerüchte wuchten aber ball» auf, daß bei dieser Gasvergiftung nicht alles mit rechten Dingen zugegangen fei. Es hieß vielmehr, daß S. ein Interesse an dem Tode der Frau gehabt habe, da d,e Ekicgattcn gegen Unfall mit Todesersolg mit se ZÜOM Mk. ver- sichert waren. Der Festgenommene best rettet jede Schuld. Ais zur völligen Klärung hat aber der Untersuchungsrichter Haft- be f e h l erlassen. Hellseher Hanuffen klagt. Weil ihn ein berliner Blatt„Schwindler" nannte. Der..Sieger von Leitmeritz", der Hellseher H o n u s s e n, klagt Eben erst ist er von der Anklage des Betruges freigesprochen, eben erst hat er vor dem hohen Leitmeritzer Gerichtshof und vor Gelehr» tcn a is verschiedenen Ländern das Examen auf seine hellseherischen Fähigkeilen glänzend bestanden, da will er sich nicht von einem Berliner Blatt einen Schwindler und Hochstapler nennen lassen, will er nicht die Behauptung hinnehmen, er arbeite mit Tricks. Pathetisch rief er als Nebenkläger vor dem Einzelrichter Berlin- Mitre ausi„Ich furni mir nicht gefallen lassen, daß ein Berliner Bouleoardbiatt an meiner Ehre rührt, deshalb habe ich Klage erhoben. Und aus dem gleichen Grunde habe ich auch gegen den Potsdamer Landgcrichtsdirettor Dr. Hellwig Strafanzeige erstattet." Landgcrichtsdirektor Hellwig, der violmnstri'tene Sachverständige im Heklseherprozeß des Lehrers Droste in Bernburg, faß indessen auf der Aeugenbank und machte sich eifrig Notizen. Außer ihm war auch der bekannte Hellsehen sachverständige Dr. K r ö n e r anwesend. Der Antrag der Verteidigung des angeklagten Redakteurs auf Er- Hebung einer Beweismifnahme wurde abgelehnt. Sie sollte ergeben, daß Hanuffen bei seinen hellseherischen Experimenten mit b e- zahlten Leuten aus dem Publikum arbeite und sich auch anderer Tricks bediene, die auf«in Beschwindeln seiner-Juhörer ' inauslausen. Di« Verteidigung berief sich auch aus die Vergangen- heit deb Herrn Ha wissen. So habe er dein Hungertünstler Eriks«» gezeigt, in welcher Weise er mit Erfolg hungern soll den Schwindel des Glasschluckers Omikron mit- gemacht und in'""ert im Kampfs mit dem E i s e n b r« i tb a r t zu �Wfliförischen Tricks gegriffen habe. Herr Hanuffen war indes der Änsscht, daß die artistische Vergangenheit, deren Darstellung durch den Beklagten übrigens nicht der Wahrheit entspreche, mchts mit (einen hellseherischen Fähigkeit?» zu tun habe, die ihm vom(Oelehrten der ganzen Welt bescheinigt worden seien Das Gericht sprach den Redakteur frei. Er habe seine Pflichten nicht vcrlcßt, sonoern in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt. Es stehe ihm der ß gl>Z zur Seite. H a n u s s e N selbst babe erklärt, daß cr sich v o n e i n e m V a r> e t ö a r t> st e n � u m Wisscnschostlcr emporgearbeitet Hobe. Da müsse er sich schon ösientliche.ßritik gefallen lassen Die Meinungen der Wisscns.chait über das Hellsehen gehen zwar auseinander, und die össemlichen Schaustellungen haben nichts mit Wissenschaft zu tun. Es ist anzunehmen, daß Herr Hanussen diese höchst eindeutigen lind äußerst scharfen Ausdrücke Schwindler u n d H o ch st a p l e r nicht auf(ich fißen lassen wird In dieser Angelegenheit dürste also wohl noch nicht das letzte Wort gesprochen worden sein. Sensation im Tscherwonzen-prozeß. Georgier keine politischen Verbrecher. Im Tschcrwonzensälscherprozcß, der gegenwärtig das Land geeicht I als Berufungsinstanz beschäftigt, das Publikum aber n cht allzu sehr interessiert, ereignete sich am gestrigen Frcitagvormiltag ein sei, iationeller Vorfall. Der Mitangeklagte Bell, der während der ersten Verhandlung und auch noch bis vor kurzem in seinen Aussagen stets erklärt hacke, daß die G e o r g i e r K a r» m i d z e und Sadathieraschwili die Fölichung der russischen Tscherwonzen aus politischen Gründen vorgenommen hätten, um so gemeinsam mit deutsch.» Kreise» den Bolschewismus zu bekämpfen und die georgische Frei- heitabewegung zu finanzieren, erschütterte gestern die bisherig« gemeinsame Derteidigungssront durch die Erklärung, daß die Geor- gier nicht au, uneigennützigen politischen, son- dern aus gewinnsüchtigen Gründen gehandelt hä teil. Bell berief sich aus den Verdacht des Georgischen Komitees in Paris, das Karumidze infolge seines eigentümlichen Verhaltens für«inen feindliche» Agenten gehalten Hab« und das auch Sadathieraschwili als einen lächerlichen kleinen Verbrecher charakterisiert habe, der sich als Poiltiker aufspielen wolle. Der Ofsizialvertcidiger des ceor- «tischen Angeklagte» Sadathieraschwili zweifelte ebenso wie Bells eigener Verteidiger an dem klaren Geisteszustand dieses Angeklagt n, der plöszlich seine bisherigen Aussagen über den Hausen lvars. Bell erlitt dann auch einen Reroenzusaminenbruch, wie schon einmal in erster Instanz, und brach in Tränen aus. Der Antrag der Ver- tsidiger, ihn auf seine Verhandlungsjähigkeit gerichisärzilich un er- suchen zu lassen, wurde vom Gericht abgelehnt., da Bell sich selbst für verhandlungssähig erklärte. Tecfische als svmmcrlichcs Nahrungs»nittel. E» ist sehr bedauerlich, daß breite Schichten unseres Lölkes noch immer glouben. man könnt« in der wärmeren Jahreszeit leine Ftsche essen. Vorurteile gegen den Sccfischgcnutz werden kritiklos hingenommen, obgleich sie längst als falsch erwiefen sind. Gerade im Sommer sind die Fifch« sehr nahrhaft und wohl- schmeckend. Sie haben dann ihr« Lnichgeit hinter sich, stehen in de? Mastpericde und befinden sich, da die Nahrung reichlich vor- be�en ist, in einem vorzüglichen Ernährungszustands. Andererseits ist der Fettbedarf des menschlichen Körpers im Sommer herab- Explosionskatastrophe in England. Mehr als 30 Todesopfer.- Straßenzüge eingestürzt. London, 4. Juli. lSigesbericht.) Ju Caftleford l�jorkshirej entstand am Freitag- mittag in einer chemischen Fabrik ein Brand, der wenige Minuten später einen riesigen Benzintank zur Explosion brachte. Dann flogen Nitroglyzerin- behältcr in die Luft und mit ihnen das gesamte Fabrik- gebäude und die umliegende« Privathäuser. Eisen- st ü ck e wurden kilometerweit in die Umgegend geschleudert. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine Panik; sie flüchtete kopflos ins Freie. Eastleford gleicht einer im Kriege schwer beschossenen Stade, stahlreiche Häuser sind eingestürzt. Ganze JtrasicnzLgc muhten wegen Eiusturzgesabr geräumt werden. Selbst ein fünf Kilometer von Eastlesord cnt- fernt liegendes Torf wurde durch die Explosion erschüt- tert. Zur Zeit des Unglücks befanden sich etwa ksiv Arbeiter in der Fabrik. Vorerst kvnnten 12 Leiche« identifiziert werde». Die«eisten Tote« liegen noch unter den Trümmern. Tie Wirkung der Explosion war so stark, daß die Leichen haus» hoch in die Luft gewirbelt wurden. Tie Brand- statte schwefelt gelbes Gas, so daß der Umkreis von ein- einhalb Meilen als Gefahrenzone erklärt und abgesperrt worden ist. Nach weiteren Meldungen wird befürchtet, daß noch zahlreiche lote unter den Schuttmassen liegen, 10 Personen haben Verletzungen erlitten. Die Rettungsarbeiten wurden dadurch wesentlich erschwert, daß kurz nach der Explosion ein Brand mit starker Rauch- e n t w i ck l u n g ausbrach. Mehrere Fcuerwehrleule erlitten Rouchvergistuugcn und konnten zum Teil nur unter An- wendung von Sa u« r st o s sa p p o ra le n ins Leben wieder zu- rückgeruien werden. Die Ursache der Explosion wird aus eine» Brand im Fabrikgebäude zurückgeführt. Aus die erste große Explosion folgten mehrere Heine, worauf j ein starker Brand ausbrach und viele hundert Meter hohe Flammen zum Himmel einporschossen. Eine Wolke gelben Dampfes und die Gefahr weherer Explosionen verhinderten den Zugang zu den Gebäuden. Das Hauptgebäude ist dem Erdboden gleich gemachl. lausende von Fensterscheiben sind in der Umgebung z e r t r ü m- m e r t worden. Es ist damll zu rechnen, daß mindestens Z0 Menschen uns Leben gekommen sind. Ein junger Mann, der am Ufer eine, Flusses spazieren ging, wurde in das Waffer geschleudert, so daß er ertrank. Glühende Metall- trünimer wurden viele hundert Meter weit geschleudert. Bei den Rettungsversuchen sind mehrere Personen durch die giftigen Dämpfe bewußtlos geworden, darunter auch der Leiter der Feuer» wehr. Einem Manne wurde durch die Explosion der Kopf vom Rumpf getrennt. Einem anderen wurde«in Bein ob- gerissen, während sein zweites Bein schwer verletzt wurde. Die Angehörigen der Verunglückten, die in großen Scharen herbeieilten. mußten von der Polizei mit Gewalt zurückgehalten werden. Don einem Schulgebäude wurde das Dach abgehoben. während der Unterricht im Gange war, ohne daß jedoch die Schul- linder zu Schaden kamen. Der Prozeß der 22 Lugendlichen. Jahr Gefängnis fstr den Rädelsführer. Zu dem Mossenprazeß gegen die 22 jugendlichen Angeklagten. die sich zu Bandendiebstählen als Aulodiedfiohlcaktien. gesellschast unter der Bezeichnung„vaudiag" zusammengelau holten. wurde gestern nachmiltag das Urleil de» Schöffengerichts vetsin- Mitte gesollt. Der Hauptangeklagte Müller wurde wegen schweren Diebstahls In 27 Fällen zu 1 Z a h r 6 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 4 Monaten llntersvchnmjahast sowie zu 3 Jahren Ebrveilust verurteilt. Ferner erhielten die Angeklag en Bruno 2 Jahre 3 Monate, Rippei 1 Jahr 6 Monate, die letzteren beiden ebenfalls 3 Ichre Ehroerlust, und der Angeklagte Heyendors 1 Jahr Gefängnis. Die 'ädrigen Angeklagten wurden zu Gefängnisstrafen von 1 bis S Monaten oerurteilt. Auch dos einzig« weiblich« Mitglied der Einbrecher, j gesellschast wurde schuldig befunden und zu 4 Monaten Gesän'n» verurteilt. Die Straf« gilt aber als durch die Untersuchung.'h st verbüßt Bei fünf Angeklagten erfolgte Fr.isprechang. Das Gericht hat es für erwiesen angesehen, daß die Angeklagien sich in der berüchtigten Rückerklause getroffen und zu Bandendiebstählen zu- sommengetan haben. Di« vom Gericht verhängten Strafen entsprachen im allgemeinen den Anträgen der Staatsanwaltschait. Es mag schon richtig sein, daß ein großer Teil dieser junge» Leute für einige Zelt unter er- zieherischcn Einfluß genomine» werden müßte, damit sie von ih em Runimellebcn abkommen. Denn abgcj hcn von der Gefahr, die sie, trotz der verhältnismäßig unbedeutenden strafbaren Handtungen. die sie sich zuschulden kommen ließen, für die Allgemeinheit bedeuten, bilden sie eine noch größere für sich selbst. Dieser Tatsache schienen sie sich in keiner Weise bewußt; sie befände» sich im Gerihtssaal gewissermaßen in bester Stimmung und»ahn en mitunter sogar eine zynische Haltung ein. Rur als sie ihre Lebensläufe erzählten und ass die Verteidiger für sie vor dem Gericht ein gutes Wort einl'g en, da kam etwas wie Gemütsbewegung über sie. Man hat ja oft genug Gelegenheit, junge Leute von 19 bis 23 Jahren vor dem Schnellrichter und in den Moabüer Gerichtssälen zu sehen. Aber gerade die Menge der jungen Leute aus der Anklagebank süh:te einem besonders eindrucksvoll vor Augen, wie schutzlos dach die Grohstadtjugend letzten Endes ist. Ohne geordnete Häuslichkeit und Arbeit findet sie sich in irgendeiner Kneipe ziisammen. und mancher harmlose und ehrliche, aber Willensschwäche junge Mensch, der kein Zuhause hat oder keine sorgsam bedachten Ebern, gerät hier in schlecht« Gesellschaft, wird mitgezogen und— sieht sich plötzlich unter Anklage gestellt. Hörte man die jungen Leute erzähscn. so mußte man sich wun- dern. wie sie wochenlang ungestört in ihrem Stammlokal in der Rückerstrahe ihre Pläne schmieden konnten. In der Gerichtsver-- Handlung waren Vertreter de» Jugendamts ynd der so« zial en Gerichtshilf« anwesend. Jetzt wird den jungen Leu- ten wenn irgend möglich geholfen werden. Aber wäre es wirtlich nicht zu erreichen, daß durch Fürsorge der Versuch gemacht wird, junge Leute, die durch den Verkehr in bestimm!«» Lokalen Gesahr lausen, abzugtfiten, zu schützen, bevor sie mit dem Strafgesetz in Konflikt geraten? Ein solcher praktischer Iugcndschich wäre des Schweißes oller wahren Volks- und Jugendfreunde wert. Liebesiragödie in Reinickendorf. Er durchschnitt seiner Braut die Schlagader. Eine Liebestragädie spielte sich gestern abend in Reinickendorf ad. Der 23 Zahre alte Arbeiter Erwin Tv o l s- darf hatte in seiner Wohnung Besuch von seiner IS Zahre alten Braui. der Kontoristin Elisabeth Sander, aus der h a n p l st r. 60. Sie gerieten miteinander in Streit, und Wolsdorf ergriff ein W e s j e r und schnitt seiner Braut die linke Halsschlagader durch. Als er sah. wa» er angerichtet hatte, sorgte er für Hilfe und stellte sich selbst der Polizei. gesetzt: schwerverdauliche und besonders fettreiche Nahrungsmittel widerstehen uns daher vielfach. Hervorgehoben sei noch, daß Räucherfische namentlich das Ideal eines nahrhaften und leicht verdaulichen Nahrungsmittels darstellen In den sischcssendcn Ländern, zu denen Deutschland leider immer noch nicht zä hlt, weiß man die Vorzüge der Fischnahrung im Sommer sehr wohl zu schätzen. Di« Bosürchtung, daß die Güte der Fische namentlich bei länge- rem Transport durch die Wärme leidet, ist zänzlich unbegründet. Höhcrc Temperatur und größere Entfernung des Dcrbrauchsortes von der Küste spielen heute im Fischhandel keine Rolle mehr. 16 Touristen erirunken. Schweres BootSunglück bei Odessa. Odessa. 4. Juli. Ein schweres Bvotsunglück. bei dem 1 K Todesopfer zu betlagen sind, ereignete sich bei der Ausschiffung einer Touristengesellschaft, die archäolo- gischc Ausgrabungen in Olbiopol sbei Odrsia) besich- tigen wollte. Tas Boot kenterte, und die 43 Insassen stürzten ins Waffer. nur 2K konnten gerettet werden. Pädagogische Akademie in Köpenick. Der Magistrat hat in seiner letzten Sitzung vom Z. Juli den mit dem preußischen Staate gepslcgten Verhandlungen über die Er- richtung einer pädagogischen Akademie aus dem Grundstück der Papstwerst'in Köpenick unter der Boraussetzung zugestimmt, daß die Kosten für dos Grundstück und den Neubau je zur Hälfte vom Staat und von der Stadt Berlin zu tragen sind, Der preußische Staai lzat schon 15 Akademien in vcrschie» denen Städten geschaffen. Auch in Berlin sollen nunmehr zwei Akademien eingerichtet werden. Di« ein«,«ine katholische Akademie, in Spandau, für die die Stadl Berlin keinerlei Kosten zu übernehmen hat, die andere in Köpenick. Sie sst für M i t- glieder aller Konsessionen gedacht und soll der Aus» bildung von Lehrern an«vangelischen, katholischen jüdischen und Sammelschulcn diene». Man rechne: m» einem Besuch von ungefähr 200 bis 600 Student em Das 50. Todesopfer in Lübeck. Lübeck. 4. Juli. Roch dem Bericht des Lübecker Gesundheiisamls vom Freitag vormittag hat sich die Zahl der nach der Füllern ng mit dem Ealmette- Präparat gestorbenen Säuglinge auf 50 erhöht. 69 Säuglinge sind noch krank. Am Donnerstag sand eine neue Konferenz der Lübecker Aerztcschast mit Hamburger Aerzten statt, auf der besonders zwei Behandtungsmethoden besprochen wurden, die für die Behandlung der erkrankten Säuglinge empfohlen worden sind. Es honbeU sich dabei einmal um das Bersahreii nach Friednmnn. Da dieses in der Einspritzung von lebenden Tuberkelbazillen(sog. Schildkröten-Tuberkelbazillen) besieht und die Wirkung des Ver- fahrcns gerade bei den vorliegeirden, besonders gearteten Krank- heitssollen nicht vorauegesthen werden kann, koimte sich die Aerztc- schajt nicht entschließen, die Verantwortung für seine Anwendung zu übernehme» Weiter Handell es sich um ein sermenthaltiges Mittel eines Dresdener Arztes, der selbst darüber berichtete. Do sich drr Bortragende für nicht berechtigt erklärte, über Zusannnensetzung und Herstellung des Mittels eingehend« Angaben zu machen, und ferner ärztliche Erfahrungen über die Anwendung des Mittels bisher nur an etwa 200 Erwachsenen, nicht aber an Säuglingen, vorliege». konnte sich die Aerzteschait auch in diesem Falle nicht entschließen, von dem Mittel Gebrauch zu machen. Wasserrettungsstation Rahnsdorf und Friedrichshagcn. Die Wasserwacht c. V. folgt einer Anregung der Rettungsgesellschaft der Wasserjporwereine von Berlin und Umgegend und bittet olle Motorboot- und Dampfersührer, an den Rettungs- stationen Rahnsdorf und Fricdrichshogen beson- der» langsam und rücksichtsvoll vorüber zu fahren, da die dort in Alarmbereitschaft liezenden Dienstboote der Wasser- rettungsgesellschast schon mehrfach durch vorüberfahrcnde Fahrzeuge gesährdet und sogar beschädigt wurden. Das ideale $ff Abführ-Konfekh Pech in der Ehe. Dreimal verheiratet und dreimal betrogen. Di« WIrtschoftsrin 3-.«in« noch junge und ansehnliche Frau, hatte entschieden Pech mit ihre» Münnerdekarmtschasten. Als ganz junges Mädchen hatte sie in ihrer ostpreußischen Heimat einen Lokomotivheizer geheiratet. Kurz nach der Trauung wurde der Mann aber eingezogen, denn er hatte verschiedene Stras- taten aus dem Kerbholz, und muhte aus länger« Zeit ins Ge- s ä n g n i s moiÄern. Sie leitete die Chescheidungsklage ein, die sich aber jahrelang hinzog. Da sie den Namen des Mannes nicht mehr führen wollte, meldete sie sich aus ihren Mädchennamen in Berlin an und suchte nun«inen neuen Mann. Sie hat e ihn auch bald gesunden. Kurz vor der Trauung gestand dieser ihr aber, daß er mehrere un- ■eheliche Kinder Hab«. Das schien ihr nun nicht die richtige Ehe und sie worchte ihm den Rücken. Schließlich iand sie dann aber einen wohlsituierten Tischlermeister, der sie in den Haien der Ehe führte. Aber auch diese Ehe war nur von kurzer Dauer. Durch einen Zufall ism es heraus, daß sie eine Doppelehe geschlossen hatte. Die Eh« war unziüng und der Eheinann hat sich dann auch bald getröstet und wieder geheiratet. Nicht genug damit, daß sie von einer Enttäuschung in die ander« gekommen war, mußte sich die bedauernsweri« Frau mm auch noch vor dem Schöffengericht Lichterfelde wogen Doppelehe verantworten. Tatsächlich wurde die Frau, die von ihren drei Ehen, durch die Schuld der Männer, nichts als Enttäuschung, Kummer und Aerger gehabt hatte, auch noch zu sechs Monaten Gesänge n i 3 verurteilt. Ein Glück, daß die moderne Rachkriegsjustiz die Einrichtung der Bewährungsfrist kennt, die �er Frau dem auch zuteil wurde. Wintergarten. Im Iuliprogramm des Wintergartens sieht man einige Nummern von ungewöhnlicher artistischer Höh«. Die amerikanischen Gcotesktänzer Gilbert und French haben mit einem, geradezu raffinierten Fleiß ihre Nummer ausgearbritei und durchgefeilt, so daß i*r Zuschauer von einer belachten Ueberraschung in die andere purzelt. Gleich hinter ihnen kommen die d r« i B r e d w i n s. Zwei von ihnen sind Handstandequilibristen, die dieses doch gewiß nicht unbekannte(Sebiei mit unerhörten Neuigkeiten ausstatten. Der Amateurartist wird Mund und Augen aussperren. Ihr Partner ist ein urkomiicher Koutschukmonn. dessen Verdrehungen geradezu revolutionär aus das Zwergfell wirkt. Die vierKendztorskys arbeiten im wesentlichen mit dem Schleuderbrett, sie arbeiten sicher. elegant und esicktooll. Auch hier«in stchr drolliger komischer Part. ner. Außerordentlich apart das elegante sympathische Tönzerpaar Svcnson und Bredow. Die schöne, schianie Schwedin unter- liegt offenbar zu leicht der Versuchung, ihrem leidenschaftlichen Temperament die Zügel schiehcn zu lassen. Der Tango z. B. ist viel zu sehr mit Akrobatik bepackt. Man sollte ihn verhaltener, mit spar- sam«inzestreuten Effekten tanzen. Di« als Tänzerin angekündigte Karinoff entpuppt« sich als.zSchlangenmensch' von allerdings ungewöhnlichem Können. Sehr hübsch und mirlungsvall auch das Dschungolidyll von Alomo Alegris Die drei Schwestern Cotta sollen musikalisch« Universalkünsller sein, enttäuschen aber in dieser Hinsicht vollkommen, denn sie spielen nur aus drei Flügeln, hier zwar mit routinierter Technik. Warum enthielten sie uns das artistisch Interesiante vor? Meister Salerno» Jongleurkünst« sind bekannt, man bewundert aber auss neue sein großes Können. C o r t t n i zaubert Hunderte von blechernen Talern aus dein Nichrs und als er einem alten Herrn aus dem Publikum die Taler dutzend- weise aus der Nase zieht, ist der Alte dermaßen verblüsst. daß er dem Artisten wie«in treues Hündchen folgt. Harry Allist er aber muß für feine mäßige Mimik vorher das Publikum mit einem Schmus um gut Wetter bitten. Modern« Typen wie Eckner und Hindenburg gelingen ihm gar nicht. Bei Bismarck. Napoleon, dein letzten Zaren und dem unvermeidlichcn Frivericus macht er es nur mit der Uniform. Gegen Pogromhetze. Der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten ver- emstaltet« unter der Parole„Gegen Pogromhetze" in der Stadlhall« eine ösjeiillich« Versammlung, die sehr stark besucht war. Nachdem der Vorsitzende. Rechtsanwalt Dr. Elkeles, zunächst der Befreiung des Rheinland«- gedacht hatte, wandten sich vi« Reiner, Profefsor Georg Bernhard und Direktor Kareski. mit sachlicher Schärfe gegen die Angrisse und Verleumdungen, denen die jüdische» Staatsbürger namentlich durch die Nationalsozialisten ausgesetzt sind. Besonders zu begrüßen und zu beachten waren die Ausführungen des Vertreters der preußischen Staatsregierung. Ministerialdirektor Brecht, daß die Regierune, alle Maßnohmen ergreifen werde, um jeden Staatsbürger zu schützen und jeden Terror, oon welcher Seite er auch kommen möge, zu unter- drücken. Waldfest der westlichen Bezirke. Zu einem fröhlichen Treffen im Grunewald hatten sich die westlichen Parteibczirte Steglitz, Lichterfeld« und Zeh- lendorf am vergangenen Sonntag zusammengefunden. Unter dem grünen Zeltdach des Waldez entevickelt« sich bald eine lebhaste Geselligkeit. Das fröhliche Spiel der Kinder, der Rote-Falken- und SA?-Mitglieder gab neben den schmetternden Klängen der Musik ein Hörbild oon lebhaftem R-'Z. das durch das farbige Bild roter und schwarzrotgoldener Fahnen, blauer Blusen und sommerlicher Kleider vorteilhaft ergänzt wurde. Genossin Mathilde Wurm er- wähnte darum mit Recht in ihrer Ansprache, daß es«in Zi-l der jazialiftifchen Gemeinschaft fei, neben der bereits erkämpften„Freiheit" des Arbeiters auch sein« freie Entsaltung zur Persönlichkeit zu fordern. Die Jugend oerstand«». in einer ausgezeichneten Aufsich- rung einer politischen Revue Stimmung zu machen. Ein Kasperle- theater sorgte für kernigen Humor. Ein„illuminierter" Zeig schloß den glücklichen Tag.___• Der Sommett«un«oaI der Falkcnberger. Am Sonntag, dem «. Juli d. I. feiern die Falkenderger wie alliährtich aus ihrem herrlich gelegenen Festplatze chrcn F a s o ka, gleich Falkenbergcr Sommerkarneval Rheinisch« Frählichteir soll an■ diesem Tage noch Falkenberg übertragen werden. Die Gafte i ollen sich oll« ein.Kostüm mitbringen und im Ge'.neinschaftshaus der Siedlung unentgeltlich umkleiden. In diesem Jahre gibts Sitzgelegenheit für Taufende. Friseure sind zur Stelle, Bärte, Nasen, dicke Backen usw. vorhanden. Wer die Volkssestt der Falkenbeiger schon kennen. gelernt Hot, wird sich sagen, daß sich ein Besuch auch tn diesem Jahre lohnen wird. Hosseiitlich hat der Wellergvtt� Berstandnis genug, um«in Gelingen de« Festes durch Spenden schönen Wetters zu garantieren. Dm" Festzug beginnt um 14 Uhr. JUoz Schmeling traf gestern auf dem Flughafen Tempelhof, von Vertretern der Stadt und Sportfreunden begrüßt, unter der Be- aerjternng«ine« zahlreiche» Publikum» in Berlin«in. ReichSlagsdebaite A Everling für die Gelben Der Reichstag überwies am Freitognachmtttag einige Bus- landsoenräge den zuständigen Ausschüssen. Anträge des Geschäftsordnuirgsausschusses, die Immunität einiger kommunistischer Abgeordneten auszu- heben, zum Teil jedoch erst mit Beginn der Sommerpause, bekömpit Abg. Pieck(Kamm.) unter Hinweis auf die Hochverratsjustiz des Reichsgerichts. Gerade die Sommerpause ist für die Abgeordneten die Gelegenheit, mit ihren Wählern in Verbindung zu treten. Der Untersuchungsrichter des Reichsgerichts in Berlin und Spezialist für komniunistenverfolgung, Dr. Braune, läßt Abgeordnete, die sich bereits vor ihm geäußert, aber weitere Ladungen wegen beruilicher Verhinderung abgelehnt haben, um 7 Uhr morgens verhaften und vorführen, sie dann aber bis zum Nachmittag auf ihre Vernehmung warten.(Hört, hört! bei den Komm.) Die Ausschußanträge werden gegen die Kommunisten und die äußerste Reckte angenommen. Ein Gesetz betreffend die Pauschalisieruna der Verrnaltungs- kostenzuschüsse wird verabschiedet.— Es folgt die zweite Beratung des Gesetzes über Maßnahmen zur Kontrolle der Einfuhr aus- ländischcr Bildstreifen. Berichterstatter ist Abg. Fleiß- ner fSoz.), der besonders auch die starken Bedenken der Minderheit hervorhebt. Abg. Maslowski(Komm.): Dieser angebliche Schutz der baut- schcn Kultur ist nur ein Konkurrenzmanöver der dcu fchen Film- konzerne, Kamps gegen die proletarische Filmkunst und um eine hinterhältige Verscharsung der Filmzensur, besonders durch Aus- fchaltung des Reichstags zugunsten des Reichsrats als.Kontroll- instanz. Dos Gesetz wird in der Ausschußsasiung gegen Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Es folgt ein Gesetzentwurf über Erhebungen zur 3 tagt der Besteuerung der öffenllichen Betriebe. Abg. Ende(Komm.): Die Gemeinden sollen hiernach selbst die Stricke liefern, mit denen die Steuersrecheit ihrer Betrieb« gehängt wird. Diese bereits oon der Müller-Regicrirng vorbereiteten Er- Hebungen sollen dazu dienen, die Komnmnalbetriebe auf Kosten der Verbraucher im Interesse des Prioattapitals zu belasten und das in einer Zeit, wo die Gemeinden durch die Sozialiosten schon z u- sam me»zubrechen drohen. Der Redner begründet eine kom- munistyche Interpellation über die Finanzplöne der Reichsregierung gegen die Gemeinden. Abg. Dr. Steiniger(Dnat.): Die Besteuerung der öfsenllichen Betriebe hat nicht? zu tun mit ihrer Privat ifieriing, gegen die wir heftig kämpfen.(Zuruf von den Kamm.: Eiche Elektrizitätswert Dortmund!) Die Kommunisten sind mitschuldig an der Herbei- führung dieser Gefahr der Auslieferung der kommunalen Ver- sorgungsbetriebc an das Großkapital, weil sie aus ihnen Profit- quellen zugunsten des Kammunalhaushatts, z. B. der BVG. machen und die Lohne über Gebühr erhöhen.(Zuruf van den komm.: Sic meinen wohl Brokats 72 000 M. Ti Diese 72 000 M. sind eine Bagatelle gegen die wirtschaftliche Belastung durch ständige Lohn- erhöhungen. In der kapitalistischen Gesellschaft müssen auch gemein- nützige Betrieb« wirtschaftlich, d. h. kapitalistisch geführt werden.(Widerspruch und Lärm bei den Komm.) Abg. Simon-Schwaben(So,.): Die Vorlage ist eine Folge der Reichstogsentschtteßung vom Juli 102.9, sie ist jedoch vom Reichsrat und Reichswirtschastsrat abgeändert worden. Manche erwarten von diesem Entwurf die Vorbereitung der Besteuerung der ösfeMlichen Betriebe, wofür sehr lebhaft agitiert wird, meist aus sehr egoistischen Gründen. Die Sozialdemokratische Partei würde sich einer solchen Besteuerung aus das äußerste widersetzen. Vorbedingung für die Beurteilung der ganzen Frage ist eine eingehende und auf einwandfreiem Material beruhende Untersuchung, die mit amtlicher Autorität durchgeführt wird. Aus einer solchen Erhebung wird aber das Gegenteil der Behauptungen hervorgehen, mit denen man die Notwendigkeit und Nützlichkeit einer Besteuerung der öffentlichen Betriebe beweisen will. Unier« früheren Anträge auf eine solche Erhebung sind abgelehnt worden, der Kamps um Aufhebung der Sleuersreiheii der össeullichen Betriebe ist daran gescheitert, daß das Reich-flnanzminlsleriom«Ine solche Er- Hebung für unbedingt notwendig erklärte. Was jetzt für die Besteuerung vorgebracht wird, kann für den Reichs. rat und Reichstag nicht maßgebend sein, denn es sehlt die ausreichend« Unterloge einer gründlichen Erhebung. Es ist ja neben der Leistungssähigkeit der öffentlichen Betriebe auch noch zu berück-- sichtigen, was sie für Aufgaben zugunsten der Allgemeinheit und welche soziafpolitftchen Aufgaden sie haben Wen» der oorlieoende Entwurf die volle Auskunftspflicht der ösfentlichen Bc.ii bc soidert, so muß das gleich« auch von den pivalen und genxinwirtjchastliche» Betrieben verlangt werden. Die Mängel des Gesetzes werden im Aueschuß zu beseitigen sein. Die Offenlegung der Steuerakten gibt keine Auskunst über die wirkliche Leistungsfähigkeit eines Betriebes. Wir beantragen Ueberweijung an den Steuerausschuß. Abg. Lücke(Wp.) verlangt grundsätzliche Bekämpfung der Er- richtung kommunaler Regiebetriebe, zum mindesten aber glnchmäßige Besteuerung mit den Privatbetrieben. Die Gemeinden dürfen ober nicht zur Wiedereinbringung der neuen Lasten die Realstenern erhöhen: sie müssen ebenso wirtschaf en lernen wie die Gewerbe- treibenden. Die Ausschußüberwefst'.ng wird beschlossen. Angenommen wird«ine Ailsschußentsästießung aus Beschleunigung der kNalnkanallsierung und Bollendung des Miftellandkonalv. Abgelehnt wird ein« Entschließung der Bayerttchen Volkspartei die Kanalbanten einzuschränken. Zum Gesetz über den cndgüliige» Reichswirtsch<>:srat(2. und 3. Beratung) spricht zunächst: Abg. Everling(Dnat.): Wir brauchen Sicherung gegen Miß- brauch des Enqutterechts zur Wirtschaftsspionog«. Man sollt« gründ. licherc Reformen vornehmen, wie sie unser Parteivorsitzender vor- geschlagen hat und den Parlamentsabsolli tismus be- jeit gen, anstatt in der Ländcrkonscren; unmögliche Projekt« zu wälzen. In einem Ständeparlament ist dieser Reichswirtschastsrat nicht einmal ein Ansang. Statt«in Spiegelbild der Wirtjchajt zu geben, stellt man nach marxistischem Schema Arbettgeber und Arbeit, nehmer einander gegenüber als eine verlängerte Arbett'gemein- schaft, unö alle» übrige verdammt man in die dritte Abtei ung. Di« GEG. reiht man als Konsumentenocrtrening ein, während sie doch eine der größten Handelsfirmen ist. Als Demokraten mühten Sie(Zu den Sozialisten) ständische Gleichberechtigung slast des militaristischen Klassen- kämpfe« und de» faschistisch ausgebauten Relchswirlschaslsrates «insühren. Die aus dem Mittelalter überlieferte Aus- faMung kannte nickt die Trennung in Arbeitgeber und-nehmer, an der sogar der frühere Marxist Mussolini noch festhält(Heiter- keit links.) Aber Sie(Zu den Sozialisten) wollen Verlnocherung und Versteifung der nun einmal bestehenden Klossentrennung statt Ge- rechtigteit. Wir beantragen Zulassung der wirtschajtssried» er den Mffenkanipf. > Tarnows Erwiderung. I i ch e n„Gewerkschaften" und ein Sondergericht, das Leute, die am Reichswirtschastsrat teilnehme» wollen, nach Prüfung zu- lassen kann. Abg. Tornow(Soz.): Wir sehen in der Wiriichaftsoeriosjung nach Artikel 131 der Relchsverfassung eine notwendige Ergänzung der politischen Der- fassung, weil die Wirtschast auch im staatlichen Bewußtsein schon eine überragende, allgemein interessierende Bedeutung erhalten hat. Wir waren nach den Andeutungen, die Abg. Hergt hier einmal gemacht hat, neugierig auf die noch in Vorbereitung befindlichen ganz neuen Gedanken über ein berussständisches Parlament. Wir haben uns die größte Mühe gegeben, zu erfahren, was ein berufsständisches Paria- ment besonderes fein soll.(Abg. EoerOng: In den 20 Minuten Redezeit wae es nicht möglich, Ihnen dos klar zu machen.) Aber auch in den anderthalb Zcchren Aueschußberatunq haben wir nichts erfahren, oder nicht mehr, als daß ein berufsständisches Parlament ein Parlament ans Vertretern von Berufsstouden fei. (Sehr richtig bei den Sozialisten.) Wir haben heute nur gehört, was sich Abg. Everling unter Äntimarxismus und unter Marxismus vor- stellt. Das ist natürlich notwendig für jeden gebildeten Menichen in einer Zell, wo der Äntimarxismus eine komplette Welt- anschauung geworden ist.(Heiterkeit links.) Danach ist Marxismus die Auffassung, daß«s gegensätzliche Interessen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gäbe. Also wäre«ine Der- « i n! g u n g der Vertretung oon Interessen der Arbeitgeber auch eine marxistische Organisation.(Lärm rechts.) Ich bezweijle. ob die Arbeitgeber diesen Zustand ändern wollen, daß diese Intereisen- gegensätz- bestehen und auch ihre Vertretung in Organisationen finde». Wenn die Unternehmer das wollen, dann fordere ich sie aus, sich unserer Weltanschauungsgemeinickaft anzuschließen.(Sehr gut! bei den Sozialisten.) die eine wirkliche Volksgemeinschaft unter Beseitigung der Klassengegensätze schassen und die Dirtschast von der Beherrschnnn durch das Ausbcutungs- prlnzip befreien will. Eine sozial« Interessengemeinschaft zwischen Ausbeutern und Ausgebenteten gibt es nicht und wird es nie geben.(Widerspruch rechts.) Herr Everling preist den hcirmon'sche» Zustand zwischen Unternehmern und Arbeitern, den er für möglich hält, aus einem begreiflichen Interesse an den fogenaunten wirtschastsiriedlichen gelben Verbänden. Heute ist zwar Herr Everling erheblich vorlickliger als im Ausschuß gewesen, wo er sich außerordentlich warm für „die heldenmütige und bruderliebende" Tätigkeit der gelben Verbände eingesetzt hat, die wirkliche Fllhrernaturen schafften. Ich nehm? es einem Rechtsanwalt nicht übel, daß er in einem Plädoyer— und das war seine Rede— die schwärzesten Gestalten als unschvldsvolle Engel darstellt.(Sehr gut und Heiterkeit links.) In Wirklichkeit sind die gelben Verbände Sumpfblüten des kapitalistischen Systems, Verkörperungen des krassesten Egoismus. Wenn Ihnen diese gelben Blumen so gut gefallen, so st-cken Sie sich e>n ge davon ins Knopfloch aber in den Reichswirtschastsrat werden sie als Ver- treter der Arbeiterschaft niemals hineinkommen. Daß die!« gelben Verbände überhaupt noch bestehen. Legt an sehr verständstcker Unter- stützung durch interessierte Kreise. Die Ursache ihrer Existenz ist das Bedürfnis d?r Unternehmer nach einer Streik brecherornani� s a t i o n. Ein gelber Verband ist ein Erwerbsunternehmen V�e jadse ander« kapitalistische Unternehmen, dn? beweist die Aeußerung c n«s sogenannten Führers der„nationalen Gewerkschaften" in ihrem Der- bandsblatt, daß jeder, der ein paar tausend Mark zusammengesvort habe, eine Gewerkschaft gründet, um sein Leben sicherzustellen! Das Urteil eines höchsten Gerichts, das den wirtschaftssriedltchen Ver- einigungen die Tarissähigkeit zuspricht, gibt ihnen noch nicht den gewertschastlichen Charakter Im übrigen ist dieses Urteil von ernst- haften Äozialvolitikern auch im Bürgertum stark anpegrissen worden. Nach diesem Urteil hat aber das Re i ch s orheitsgericht der Arbeit- nehmergruppe des Pommerschen L-mdbundes, der vorher die Tarif- sähigkeit zugesprochen war, die Berechtigung zur Teilnahme an sozialpo'itischen Wahlen abgesprochen(Abg. Everlivg? Dos stimmt nicht, da? war vor dem Tariffähigteitsi'rtett!) Herr E>>-tting, S'e sind im Irrtum, es bandelt sich bei dem von Ibnen angeiührten Fall nur um«in« Bestätigung eines Urteils de? Lanbaerjcht» Frank- furt ans früherer Reist Es kann gar nicht die Rede davon sein daß die wirtschastsfriedfichen Verbände wirkliche Arbeiterorganisationen seien. Wenn die Unternehmer so grotzr,, Wert daraus legen, daß Vertreter der Vereinigung mit dem schönen Namen „kampfgemelnschast der w'.rtschasksfriedlichen verbände" (Heiterkeit links!) In den Reichewirtschaftsrat komme», dann können Sie ihnen meineiwege» Vertretelsitze der Abteilung I(Arbeitgeber) einräumen. Bei uns auf der Ar'aeftnehinerseite werden sie kein« Sitze erhalten!(Lebhafter Beifall bei''cn Sozialisten) Abg. Vogt. Westfalen(Kom.) behauptet, daß der Reichswirt- schasterat das Werk der verkrachien Arbeitsgemeinschaft fortsetzen, das Hineinwachsen der Arbeiterbewegung in den kapitalisstschen Staat fördern solle. Abg. Drewitz(Wrtp.) begründet einen Antrag, daß von den acht Vertretern des Handels im Reichswirtschastsrat neben den fünf Groß- Händlern zwei Kleinhändler und ein Klemgewerbetre'bender fein soll. Von dem Schicksal dieses Antrags hängt unsere Haltung zur Vor- lag« ab. Abg. Dr. Aker-er, Berlin(Dem.) würbe stärker« V«rtrct"'m h«? Bankgewerbes und der Hausfrauen begrüßen, da aber eine Meh chcit für«ine Vermehrung der Vertreterzahl nicht vorhanden ist, stimmt er der Ausschußsasiung des Gesetzes zu. Abg. Rauch, München lBayer Vp.) verlangt stärkere Ver- trctung Bayerns: von dem einzigen Huissrauensitz sollen die katho. lichcn Hausfrauenvereine nickt ausgeschlvsieu sein. Abg. hänse lEhr. nat. Bauernp.) wünscht stärkere Vertretung der Landfrauen sowie des Deutschen Landgemeindetags und bc- anspracht ein Drittel oller Vertreter für die Landwirtschaft. Das Gesetz und das Alissühriingkgejetz werden in der Ausschuß- sassung angenommen, die dritte Beratung ausgesetzt. Um 18'-. Uhr vertagt sich das Haus auf lxeut« 12 Uhr: Brotgesetz, Etat des Reichs- tags,'Arbeitsdienstpflicht. * Rokopser von Diäten. Der Reichstag wird einen Umerausschuß, bestehend aus je einen, Vertreter jeder Fraktion, einsetzen, der Vor- schlöge für die Einbeziehung der Diäten der Reichstags- abgeordneten in das allgemein« N o t o p f e r machen soll. Knapper �egierungssieg in Bayern. Die v elumkämpste Schlachtsteuer angenommen. München, st Juli. Im Haushaltsausschuß des Bayerischen Landtags wurde die vielumkämpfte Schlachthaussteuervorlage der Regierung in e ster Lesung mit 13 gegen 12 Stimmen angenommen. Gegen die Borlage stimmten der Bauernbund und dk T* ial- d-emokraten. Die Nationcilsoziatisten und die Deutsche Volk p rtei enthielten sich der Stimme Die zweite Lesung erfolgt morgen. Für diese haben sich alle Parteien ihre endgültige Stet- lungnohm» zu Einzelheiten des Tarif» vorbe hellten BadwiiKiirorfr Besucht das freie Meinland! Die Besetzung ist vorbei! Doch die- Sorge und di« Not drucken weiter. Die Pensionen und Fremdenheime haben besonders unter der Besetzung ieiden müssen. Die Einreise in das besetzte Gebiet wurde stark erschwert. Die Scheu vor Schikanen legte allen Frem- den verkehr still, das Gewerbe lag weiterhin danieder, während im übrigen Deutschland das allgemeine Wirtschaftsleben diese Gewerbe zweig« wenigstens etwas wieder erstarken ließ. Die Sehnsucht nach dem schönen deutschen Rhein ist wieder wach geworden! Die Er- holung und die erhebende Freude am schönen Rhein mit seinen alten herrlichen Burgen und seinen prächtigen Weinbergen bleibt nicht aus! Die Reisen an Rhein und Mosel werden nicht tost- spielig. In den Pensionen und Fremdenheimen kann jeder sehr gut für räglich 5 bis 6 M. bei sehr guter voller Penston wohnen. Zu- schlüge für Getränke und Trinkgelder gibt es nicht, so daß dieser Kostenansatz ausreicht und nur noch die Ausgaben für Ausflüge mit Schiff, Omnibus und Eisenbahn hinzukommen. Kostenlose Aus- künfle über gute Pensionen und Töchterheime erteilt bereitwilligst und ausführlich der Berband Westdeutscher Pensionen und Fremdenheime E. V., Sitz Bonn, Geschäftsstelle in Bad Honnef am Rhein, Hauptstr. 93, Fernruf 97, der ebenfalls kostenlos Reiseplän« für das Rheinland zusammenstellt. Städtchen am Mittelrhein? Boppard, das alte„Baudobriga"' der Kelten, das jrSmische Grcnzkastell unmittelbar am Ufer des ewig fließenden»stromes, sah einst Fürsten und Herrscher. In der„Villa regis" ist ihm heui« noch die Stätte erhalten, an der die fränkischen Könige ihre Er- holung verbrachten. Boppard war ihre Sommerresidenz. Vier- zehn Tage Standquartier in Boppard! Dann kommt nian langsam hinter die Geheimnisse des Rheins. Man benutzt von Boppard für bl> Pf. eins der flinken Motorboote nach Camp, Bornhofen, jenem berühmten Wallfahrtsort, der von den„feindlichen Brüdern"(wie der Volksmund die beiden Ruinen Sternberg und Liebcnstein nennt) überragt wird. In wenigen Minuten ist man von dort in Bad walzig, jenem echten rheinischen Winzer- und Baucrndorf. Würzig duftet das Heu, das die Bauern auf ihren leichten, von schönen Kühen gezogenen Wägelchen jetzt dort einfahren. Herzig knappen sich die� Kirschen, die in diesem ganzen Kirschenparadies von Bop- pard Filsen bis St. Goar hinauf gedeihen. Und köstlich mundet der Wein, den di« Salziger Winzer in mühseliger Arbeit auf dein anderen Ufer des Rheins ziehen. In Kähnen schaffen sie den Weinbergsdünger hinüber und in Kähnen holen sie die Traubenernte von den Schroffen des anderen Ufers herüber. Die Salziger verstehen natürlich den Umgang mit Kähnen, denn vielen von ihnen steckt Rheinschifferblut in den Adern. Am Salziger Ufer ist nämlich eine große„Rede" Alle Schleppzüg«. die mit 6 Kähnen hier ein- treffen, stoppen und legen drei Schleppschiffe vor Anker, denn nur mit drei Kähnen können sie den hier stark strömenden Fluß durch die vielen Windungen des engen Tals durch das Binger Loch hinauf nach Mainz passieren. Allenthalben findet man so hier viele der echten braun verbrannten kernigen Rheinschiffertypen. Neben dem schönen alten Bauerndorf hat das aufstrebende Salzig ein ganz reizendes, sehr zukunftsreiches Kur- und Badeviertel mit herrlichem Park entzückendem Kurhaus iznd hervorragenden Hcilfalmuellen für Magen-, Leber-, Zucker- und Nierenleidende. Kaum 10 Minuten Fahrt über das schöne Winzerdorf Hirzenach und neue Reize fesseln. Während man auf dem rechten Ufer die Burgruine Maus bewvn- dert, überrascht auf dem linken Ufer Burg Rheinfels. Böllerschüsse begrüßen den Wanderer bei seiner Ankunft in St. Goar, und siebenfach hallt das Echo wider aus den Bergen. Burg Katz vräfen- tiert über St. Goarshausen dessen Häuser zwischen zwei Türmen wie riesengroße Flügelmänner„Front machen". Und wieder um die Ecke— und es zeigt sich das Felsentor der Loreley.... Das Ferien- und Kurhotel Tesserete(bei Lugano, Südschweiz) ist in den letzten Iahren immer mehr zu einem Ferienheim der Arbeiterschaft geworden. Ferien in Tesserete bedeuten für den Ar- bciter nicht nur reduzierte Preise und günstige Kurbedingungcn. sondern es kann auch ein Aufenthalt unter Klasiengenossen sein. Das Kurhotel Tesserete betrachtet sich in erster Linie al« Hefan für Gewerkschalter, wird deshalb von anderen Kreisen gemieden und hat ein gewisses Anrecht auf Bevorzugung seitens der Feriengänger aus der Arbeiterklasse. In den legten Iahren ist die Institution beträchtlich erweitert und modernisiert worden. Die Zimmer haben fließendes Wasser, es gibt zahlreiche Gesellschaftsräum«. große Gär- ten usw. Für Bildungs- und Reiseinstitutionen der Gewerkschaflen. die mit größeren Gnippen nach Tesserete kommen, köimen besondere Abmachungen getroffen werden. Bad Landeck, Jws Spezialbad für Frauenkrankheiten, erfreut sich auch in dieser Saison eines recht guten Besuchs. Trotzdem sind auch heute noch genügend Quartiere zur Verfügung, so daß allen Nachfragen entsprochen werden kann. Anmeldungen und Auskünfte durch die Badeverwaltung. Bad Salzuflen, das dank seinem Reichtum an kohlensäuvoreichen Thermal- und Solquellen einen wohlgegründeten Ruf als eins der ersten Heilbäder-Deutschlands besitzt, gewinnt eine steigende An- ziehungskraft auf«in geistig anspruchsvolleres Publikum, dank der Reichhaltigkeit seiner künstlerischen Darbicwngen, die mit denen eines jeden Weltbades wetteifern können. Die hervorragend neu- zeitliche» technischen Anlagen des Bades werden oft von Siudien- kommisfionen in- und ausländischer Aerzte, Studierender sowie In- genieuren besucht, wie überhaupt Bad Salzuflen dank seiner schönen landschaftlichen Lage als Tagungsort immer beliebter wird. Braunlage im harz. Vor kurzem wurde im Beisein von Ver- tretern des braunschweigifchen Staatsministeriums, der Krcisdirek- tion Blankenburg, vieler Ehrengäste, zahlreicher Vertreter der Presse und einer etwa 299yköpfigen Zuschauermenge das neue Wald- schwimmbad eröffnet. Das Waldbad liegt, von Hochwald um- geben, in einen, tiefen Talkessel, abseits von jeglichem Verkehr in unmittelbarer Nähe von Braunlage. Die Außenmaße des Schwimm- beckens sind 30x25 Meter, das Planschbecken für Kinder ist 12X20 Meter. Unmittelbar an des Schwimmband schließen sich zirka 4000 Quadratmeter Liegewiese an. zuin Teil mit Hochwald bestanden Das Bad ist bei seiner reizvollen Lage eine wertvolle Bereicherung der übrigen Kureinrichtungen des a'ufftrebendcn Kurortes Braun- läge KsS Frankenhausen, Kyffh. Das altbewährte Heilbad am Kyff- häuser. Ausk. d. die Badedirektion. Oorh werden Sie gesund! Kolk- u. Solbad für Arterienverkalkung, Organische, Neryen-.Stoffwechjel-und Frauenkrankheiten. Prospekt kostenlos. Bad Lauterberg i. Harz iiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiniiiiiiniiiii Luft- und Wasserheilbad. Vom Kneippbunde anerkannt. Kneipp-Kurort fürMittel-u Norddeutschland Blankenburg i. H. (254 m mittlere Höhe) entzückend gelegener Luftkurort, mildes Gebirgsklima, viel Sonne, herrl. Wälder, großes Freibad. Der Ort der Erholangl ElliinflGroüß-Harz„S1oön Der beliebte bill. Höhenluftkurort. Herrl. Freibad, ausgedehnte Walde. G«th.Z.Sdlfl!zenliaflS. 5—5.50. T.69 d.a.W. 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Wie immer lassen wir auch jetzt nur Zahlen spreche»! wir entnehmen sie den für 1929 vorliegenden Geschäftsberichten d«r Bewag, der Gaswerke und der Wasserwerke. Die Bewag meldet eine neue, starke Aufwärtsentwicklung. Die nutzbare S t r o m a b g a b e ist um 29,6 Proz. von 1098 auf 1324 Millionen Kilowattstuirden gestiegen, die Bruttoerzeugung zusätzlich des Fremdstroms hat sich von 1316 ans 1347 Mil- lionen, der Fremdstrom allein von 411 auf 429 Millionen Kilowatt- stunden erhöht. Um so viel hat sich in dem schlechten Konjunktur- jähr 1929 die Kraft- und Lichtversorgung Berlins erweitert. Der 'Nutzeffekt ist bedeutend g e st i e g e n: die Netzverluste sind nämlich von 19,96 auf 8,81 Proz. des abgegebenen Stroms gesunken. Um 18 Proz.— von 719 783 auf 849 044— ist die Zahl der eingebauten Zähler g e st i e g e n. Die Maschinenleistung mußte der gegen das Borjahr von 438 399 aus 477 799 Kilowatt ver- mehrten H ö ch st b e a n s p r u ch n n g des Netzes genügen. Das geschah. Der Berliner kennt keine versagende Kraft- und Licht- Versorgung. Im E l e k t r i s s i m a- Teilzahlungssystem stieg die Zahl der Kreditgesuche von 179 999 aus 172 999. Im Herbst 1939 soll das neue Großkraftwerk West den Probebetrieb der ersten Maschinen erfahren. Die neuen R u t h s s p e i che r anlagen in Charlottenburg wurden ab 1929 zur Deckung der Morgen- und Abendspitze eingesetzt. Trog dieser. gewaltigen Mehrleistungen brauchten für die Bewag die Strompreise nicht erhöht z» werden. Wären die großen Abgaben an die Stadt nicht, hätten sie vielleicht etwas gesenkt werden können.'Die am 18. Dezember vorigen Jahres beschlossene Tariferhöhung von 16 auf 29 Pf. wird nämlich restlos an die Staat zu finanziellen Zwecken abgeführt.' In der Bilanz zeigt sich eine Erhöhung des Anlage- werts von 211 auf 277 Millionen. Dementsprechend vernrehrte sich die'Anleiheschuld von 116 aus 168 Millionen. Die Liescrantenkredite für den Lau Kraftwerk West stiegen von 23,2 auf 32,8 Millionen. Da die Forderungen stärker gestiegen sind als die laufenden.Schulden, ergibt, sich iijt ganzen noch eine Verb esse- r u ii.g. der Vermögensbilanz. Die G e w i n n r« ch n u n g zeigt eine Erhöhung der Einnahmen von 131,2 auf 146,3 Millionen. Die Lelriebskosten sind von 54,Z aus b<>!4 Zllillionen gestiegen, das heißt, vm rund 11 proz.; die nutzbare Skrömabgabe hak sich über NM 20.6 Pro;, erhöhl. Ein eklatanter ' Beweis für die hohe tvirlschostlichkeik, mit det gearbeiket wird. lieber die naturgemäß gestiegenen Handlungsunkosten, Steuern und Zinsen hinaus wurde» insgesamt verdient—.natürlich m i t allest Abschreibungen und neuen Reserven— 38,93 �Millionen gegen 55,14 Millionen im Vorjahr. Die Ablieferung an die Stadt— ohne Dividende— erhöhte sich von 21,99 aus 24,69 Millionen Mark. Dazu kamen noch 13 Millionen sür 19 JJrov Dividende aus das 13-Millionen-kapital. Für jede Kilowattstunde, die der Berliner von der Bewag bezieht. werden 2 ps. an den Stadtsäckel abgcsührl, ohne die 4 ps. Toriserhöhung vom Dezember. Diese b Ps. insgesamt machen rund 39 Proz. des Richtpreises, die von der Bewag an die Stadt ab- aesührt werden müssen. Dabei Hot verlin auch heule noch fast die billigsten Strompreise im Reich. Das ist ein glänzendes Bild. Die Bürger aller Welt- städtc dürjen Berlin und die Berlincr um die Bewag beneiden; aber die wenigsten Berliner wissen etwas davon, die meisten Berliner lassen die Bewag guten Glaubens schlecht machen und ihren Kredit verderben. Die Gaswerke haben es etwas schlechter als die Kraftwerke. Das hängt mit der Verdrängung des Gases durch die elektrische Kraft zustimmen. Dazu kam, daß Kohlenfrachten(gefrorene Flüsse im Winter) und Betriebskosten 1929 erheblich stiegen und zu- gleich sehr wichtige Nebenprooukte. wie Teer und Ammoniak, sehr viel schlechtere Erlöse brachten. Aber auch hier stieg die Er- zeuguNg von 499 auf 312 Millionen Kubikmeter Gas, die Nutz- abgäbe von 432 aus 471 Mill. Kubikmeter, wobei sich freilich für da» vergleichbar« Gebiet—« erfolgte nämlich ein Gebietszu- wachs für die Werke— nur eine Steigening des Gasverkaufs um 1,2 Millionen Kubikmeter ergab. Aber die Werbungserfolge des vergangenen Jahres überstiegen doch 21 Millionen Kubikmeter, da man die Verluste an die elektrische Kraft auf 29 Millionen Kubik- meter schätzen darf. Weil von dem Neuzuwachs von 19 Millionen Kubikmeter oas meiste auf Industrie- und Behördenlieserm,gen mit billigeren Preisen entfiel, weil die Kohlensrachten stiegen, die Neben- produktenerlöse sanken(bei Teer allein um 899999 M. oder 23 Proz., bei Ammoniak um 333 999 M. oder 29 Proz.), weil die Lohn-, Gehalts- und Pensionslasten um 3,78 Millionen sich er- höhten, ging in diesem Jahre der Durchschnittserlös von 13,87 aus 13,72 Pf. je Kubikmeter zurück, und auch der Ueber- schuß sank von 8,13 aus 4,79 Millionen Mark. Davon gingen 2,48 Millionen für Abschreibungen ab. so daß ein Reinüber. schuß von 2,31 Millionen blieb. Die Abgaben an die Stadl stiegen von 7,14 aus 7,34 Millionen, außerdem werden aus dem Gewinn 2,19 Millionen an die Sladl gezahlt, so daß der Sleuersäckel Verlins trotz des ausnahmsweise schlechten Bclriebsjahres der Gaswerk« mil 19,33 Millionen noch stärker erleichtert wurde als im vorigen Zohr. von jedem Kubik- metcr»Gas, den die Gaswerke in Rechnung stellen, zahlt der Bürger au die Skadtkasse 1.9 Ps.. wozu noch die 2 ps. exlra aus der Taris. Erhöhung sür 1939 kommen, von denen auch die Gaswerke nichts haben. Die Gaswerk« haben es immer schwerer als Kraftwerke. Aber auch die Berliner Gaswerte haben 1929 gut gearbeitet, und jeder Berliner darf mit seiner Kapitalbeteiligung, die er als Stadt- bürger an den Gaswerken hat, zufrieden sein.. Das gesamte Gas- «rkskapital wurde«rat ch« Pro» verzinst. Die Berliner Städtischen Wasserwerke waren ebenfalls auf der Höhe. Bei der jetzigen B o in b e n h i tz e hat wieder kein Berliner, der von der Stadt versorgt wird, über die Wasserversorgung zu klagen brauchen. Es hat alles geklappt. Aber daß das einer An- erkennung wert ist, daß ein Stadtbürger, der nicht nur eine Nünmier, sondern ein wirtlicher Bürger ist, stolz darauf sein dcrrs, daran denkt niemand. 1929 gingen in die Rohrnetze rund 188 Millionen gegen rund 162 Millionen Kubikmeter im Vorjahr bei einer Netzlänge von 3366 Kilometer. Der Verkauf über Wassermesser stieg um 18,4 Proz. von 146,5 auf 173,4 Mil- lionen Kubikmeter. Am 23. Juli vorigen Jahres, dem heißesten Tag des Jahres, haben die Wasserwerke auf den Kopf jedes städtisch versorgten Berliners 231 Liter Wasser geliefert, versorgt waren dabei 3 472 999 Menschen. Im Durchschnitt des Jahres 1929 erhielt jeder Versorgte täglich 148 Leter gegen nur 137 Liter im Jahre vorher. Durch die lausenden Bauten wird die Tages- leistung auf 939 999 oder 229 Millionen Kubikmeter im Jahr erhöht. Die Gesamteinnahmen sind von 22,39 auf 26,26 Mil- lionen angewachsen; die Abgabe an die Stadt wurde von 3,75 auf 4,98 Millionen Mark erhöht. Zeder Kubikmeter, der von einem Berliner Bürger verbraucht wird, bringt dem Steuer- säckel Berlins 2,4 Pf. Bon der Tariferhöhung von 13 aus 29 Ps. erhallen auch die Wasserwerke nichls, so daß im Zahre 1939 jeder Kubikmeter der Sladt rund 7-4 Pf. bringen wird. Also sind auch die Berliner Städtischen Wasserwerke im höchsten Maße leistungs- fähig. Die Berlincr Slädlifchen Werke dürfen sich sehen lassen. S ch l i in m genug, daß das noch ausdrücklich gesagt werden muß. Schlimme r, daß wir das in der Verteidigung gegen hetzerische Angriffe eigener Stadtbürgergruppen sagen müssen. A m schlimmsten, daß trotz der hohen Wirtschaftlichkeit und Renta- bilität der Werke dennoch ihr Kredit sysleinatisch herabgewürdigt wird. Je Einheit elektrische Kraft, Gas und Wasser wurden z»- sammen 6 Ps.(je Kilowattstünde, je Kubikmeter Gas und je Kubikmeter Wasser) 1929 an' die. Sladt abgeführt. In den elf Monaten 1939 bis November werden noch 11 Pf. hinzukommen. Soviel Steuern stecken je Kilowatt st unde'bzw. Gas- und W a s s e r k u b i k m e t e r in jeder Rechnung, die der Berliner Bürger bezahlt. Dennoch wird nach st ä r k e r e r B e st e u e r u n g der öffentlichen Betriebe geschrien. Auch die Notwendigkeit der Ab- wehr dieser stärkeren Besteuerung öffentlicher Betriebe soll der Berliner aus diesen Feststellungen erkennen. Der Berliner soll aber auch wissen und erkennen, daß es mit der Heranziehung der Städtischen Werke zur'Ste verde ckung(Abgaben) nur deshalb, weil sich die Zahlungsfähigen unter der Mode der Steuer- flucht um ihre Stadtbürgerpflichtcn drücken wollen, einmal ein Ende haben muß. X— r. Oas Gold und die preise. Haben wir mit einer dauernden Weltpreissenkung zu rechnen? In einem im Zoo von. der Gemeinschaft ausländischer Studierender veranstalteten Vortrag sprach Prof. Dr. Pal y i über .Das internationale Goldprobl« in", das heute wichtig ist, weil das Sinken des Weltpreisniveaus nichts anderes ist als das Sinken des Goldwertes. Die Beunruhigung über das allgemeine Sinken der Preise ist deshalb so groß, weil diese Erscheinung un- gewohnt ist, denn seit den 99er Jahren des vorigen Jahrhunderts haben wir steigende Preise gehabt. Ein Sinken des Goldwerts kann einmal aus zirkulären Gründen eintreten, wenn das Ver- hältnis von Goldproduklion und Nachfrage nach Gold sich ändert. Es kann aber auch aus konjunkturellen Gründen sinken, wenn die Preis« infolge von Ursachen fallen, die auf der Seite der Produktion, nicht aber aus der Seite des Goldes liegen. Die U r- fachen der gegenwärtigen internationalen Preissenkung werden endgültig wohl erst in 29 Jahren klar zutage liegen, heute haben wir nur einige Anhaltspunkte. Von zwei Seiten wird die Goldmenge, die verfügbar ist, an- gegriffen. Einerseits ist der Weltbedarf nach Gold ge- st i e g e n, da außer China nahezu sämtliche wirtschaftlich bedeutenden Länder zur Goldwährung oder zu einer Währung, die auf dem Golde als Währungseinheit beruht,- übergegangen sind." In den meisten Ländern, fst"das"Gold zwar'" kM umlaufendes Zahlüngs- mittel mehr, aber die Goldvorräie der Ztvtenbanken dieser Länder sind gegen früher stark erhöht wovden. Andererseits ist die jähr- liche G o l d p r o d ü k t i o n der Welt von 2 Milliarden Mark in den Jahren 1919 bis 1913 auf etwa 1,6 Milliarden z u r ü ck- gegangen. Trotzdem sind nach Palyi dies« Veränderungen, die auf der Seite des Goldes stattgefunden haben, also die relative Ber- knappung des Goldes, nicht als die Ursache der Preissenkung an- Zusehen. Zugleich mit der Goldwähruirg hat sich in allen Ländern ein modernes Bankw«f»en entwickelt, das mit seinen Möglichkeiten zur Kreditschöpfung den Zahlungsmitteluinlauf der Länder erhöhen konnte. Der gesunkenen Goldproduktion und dem gestiegenen Gold- bedarf stand nämlich eine gewaltige Steigerung der Pro- duktion in der ganzen Welt gegenüber. Infolge ihrer Kredit- schöpsungsmöglichkeiten ist es den Banken gelungen, die Kaufkraft so zu erweitern, daß sie die produzierten Waren aufnehmen tonnte. Die Goldmenge hatte somit auf die Preishöhe keinen Einfluß, denn die Waren werden nicht mit Gold bezahlt, sondern mit K r e d i t. Die jetzige Weltpreissenkung hat also konjunkturelle Ursachen und ist kein« Dauererscheinung. Wer wundert sich? Die Cisenherren sind betrübt, daß sich trotz der Eisenpreissenkung der'Absatz nicht bessern will.„Stahl und Eisen" meldet sür Juni trotz der Senkung der Roheisenpreise eine Ver- schlechterung des Marktes. Dasselbe gilt für Halbzeug, Form- und Stabeisen.„Eine Belebung des Jnlandmarktes auf Grund der er- folgten Preisermäßigung ist. bisher nicht in Er- scheinung getreten. Auch eine Zunahme der Abrufe auf früher getätigte Geschäfte ist noch nicht wahrzunehmen." Das gleiche traurige Lied wird für Oberbaustoffe, Bandeisen, Universaleisen und Bleche gesungen. Ob sich außer den Eisenherren darüber in Deutschland jemand wundert? Bei solch lächerlicher Preissenkung wird„Stahl und Eisen" noch lange Hein« Marktbesserung melden können. Herr Reichswirtschaftsminister, bitte, notieren Sie! Zündholzverluste iroh Monopol. Sine orakelhafie Bilanz. Geschäftsbericht und Bilanz der Deutschen Zündholz ver- kauss-A-G., Berlin, gleichen einem delphische»Orakel. Das Unternehmen, das 1929 noch allein dem Vertrieb der Syndikats- Produkte und nebenbei dem Aufkauf von Außenseitern dient«, hält es für angebracht, der Oefientlichkeit Rätsel aufzugeben, obwohl Staat und Oesfentlichkeit nach dem neuen Monopolgesctz cm der Rentabilität und dem Stand des Unternehmens brennend inter- essiert sind. Der Aussichtsrat trifft für den Geschäftsabschluß für 1929 die taum glaubliche Feststellung, dem Abschluß komme wegen des Ueber- gangs auf die Zündwaren-Monopolgesellschaft nur noch formelle Bedeutung zu. Die Verwaltung berichtet über Schädigungen durch den Konkurrenzkampf mit Außenseitern, die schließlich aufgekauft wurden, und die Folgen des russischen Zündholzimportes nach Deutschland. Diese beiden Faktoren bewirkten offenbar große Aerlvstc, über deren Ausmaß man nur Vermutungen anstelle» kann. Am wahrscheinlichsten erscheint nach der Bilanz eine Sunime von etwa 4 bis 5 Millionen. Bei einem Aktienkapital von 1 Million und der bekannten Schwäche der aufgekauften. Außenseiter' muß dieser Verlust zu Befürchtungen für die wünschenswerte Sparsamkeit unter dem neuen Schutzdach des Monopolgesetzes Anlaß' geben. Das Bilanzbild der Gesellschaft wurde in den letzten Monaten des Jahres 1929 durch dlc V a r v e r f o r g u n g vor dem Inkrast- treten des Monopolgefetzes und dem Ausverkauf der Läger nach unerwartet günstig beeinflußt. Es wird formell ein Renn- gewinn von 9,l6 Mill. M. ausgewiesen, um den" sich der Verlust- Vortrag aus den Jahren 1926/28 337 999 M.) vermindert. In der Bilanz erscheint jedoch aus der Bermögensseite neu ein„Ausgleichs- konto" mit einer Summe von 3,59 Mill.; diese stellt scheinbar den im vergangenen Jahr erlittenen Gesaiiitverliist dar, der wohl gll- mählich von den Zündholzfabriken abgetragen werden soll. E r- klärt wird dieser Posten mit dem Hinweis, daß es sich um Aus- Wendungen für den Ankauf von Außenseitern handle. Gchiffahrtsmonopol im Güdoilaniit. Die Abmachungen, die vor einigen Tagen in Frankfurt o. M. von den vierzehn größten europäischen Süd- atlantik-Reedereicn getroffen wurden, hobxn entgegen den ersten Meldungen nicht nur zu einer Verlängerung der bisherigen Preisvereinbarungen, sondern zu einer völligen Ä u f t e i l u n g des.Passagierverkehrs ,3. Klasse geführt.'Auf Hamburg-Süd, die Slittnes-Linie(A.-G, für SeesHlssahrt),.Hapag und Nordlloyd, die jetzt emen geniemsrmien Fähbplän ausgearbeitet haben, entfastt dabei eine Quote-von etwa' 59 Proz. des Gesnmtverkehrs' Eürapa- Südamerika; in den Rest teilen sich der Holtändische Lloyd, die ver- einigten italienischen, zwei französische und die britischen Reedereien. Als' A uße n seiter kommen für anspruchslose Passagiere nach wie vor kleinere nordeuropäische und spanische Schiffahrtsiinternehmungen in Frage, auch was die llebcrfahrtspreise betrifft. Der Erklärung der Schiffahrtsgesellschasteii, daß keine Preiserhöhung geplant sei, wird nicht allgemein Glauben geschenkt. Karding kündigt Baukrise an. Die Dortmunder Tagung des deutschen Baugewerbes. Auf der Dortmunder Tagung der Spitzcnoerbändc des deutschen Baugewerber sprach Dr. Karding, der frühere Berliner Kämmerer, jetzt Vorstandsmitglied in der Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypo- thekenbanken, über die„Finanzierung des Wohnungsbaues" und gab für das Baugewerbe einen wcithinvernehm baren Alarm. schuh ab. Karding argumentiert, daß in den kommenden Jahren infolge des Gebiirtcnausfall,?s der Kricgzjahle die Haushalts- gründungen sehr stark abnehmen und der lausende Reuwohnungsbedarf' bis unter die Hälfte Zurückgehen werde, daß spätestens ab 1932 mit der Neuregelung der'Aiifwertusigshypo- theken eine Erhöhung der'A l t m i e t c n erfolgen müsse und daß im Zusammenhang damit deni Baugewerbe und den Neubau- besitzern in absehbarer Zeit eine schwer« Krise, wenn nicht gar eine Katastrophe drohe. Es genüge nicht, Wohnungen herzustellen, sie müssen auch vermietet werden können. Deshalb könne- nur eine Verlangsamung im Neubautempo, so. schmerzlich das auch im Augenblick scheine, den Zusammenbruch der Bauwirtschaft verhindern. Die Dinge, von denen Herr Karding spricht, sind beachtlich. Da man sie aber auf Jahre voraussehen kann, außerdem die Folgen nicht so schwarz gesehen zu werden brauchen, hat man auch nicht nötig, die Kardingschen Konsegucnzen zu ziehen. Zluherdem muß Herr Karding heute, im Gegensatz zu früher, auch Hyypothekenbanr- und Peioatwirtschaftsinteressen vertreten. Aus sein Urteil bleibt das nicht ganz ohne Wirkung. Gut beobachten" und voraus- sehen wird die Lehre sein, die man aus Kardings Alarm zu ziehen hat. Oie Gewinne des Hefeirusts. Die Norddeutsche Hefeindustrie A.-G.- Berlin (Konzern Schultheiß-Patzenhofer-Ostwerke), die zusammen mit der ihr nahestehenden Rücksorth-Gruppe und befreundeten süddeutschen Werken die deutsche Hefeindustrie fast völlig in der Hand hat, erzielte. 1929 einen um 9,17 Mill. Mark von 1,19 aus 1,36 Mill. gestiegenen Reingewinn aus dem wieder 6 Prozent Dividende auf 16,6 Mill. Kapital verteilt werden. Der Ab- schluß läßt die Bildung von hohen, zum Teil vor Feststellung des Reingewinns abgebuchten— Reserven. erkennen, die mindestens 9,37 Mill. erreichen. Die Verwaltung begründe» die Reservenpolitik mit der Möglichkeit, im laufenden Jahr Kampspreise gegen Außenseiter einführen zu müssen. Aus dem Geschäftsbericht ist folgend« Aeußerung hervor- zuhebenc„Der schon in der zweiten Hülste des Vorjahres zu kon- stalierende Rückgang des Hefeverbrauches scheint in der Hauptsache aus der a l l g e m e i u e n Notlage breiter Konsumenten- schichten zu beruhen." Siran 9£eilbtU: (Schluß.) Mars» und Anders hatten eine Vsrschönerung der Wohnung im Sinn. Anders wollte die Stüde streichen, und zwar die Wände in roter Forde mit brcitwcißem Strcisen gegen die Decke abgesetzt. (fcr stand aus der Leiter und ipar schon dabei. Es war ein wunder« schöner Nachmittag, nur Wenige Tage vor Ostern, die Sonn« kam schräg ins Zimmer, durch die Blumen am Fenster stralzlend.(Die Liebe zu den Blumen war Maren eingeboren, die Blumen waren für sie ,chie Kleinsten", aus die man als Lehrerin bekamülich außer- ordentlich ouszupalsen hat, da sie ihre besonderen zarten Ansprüche haben.) Die Malerarbeit, mit der Anders aus der höchsten Stuf« der Leiter, geradezu fachmännisch interessiert, beschäftigt war. bedeutete gleichsam ein Ostergeschenk für Maren. Aber Maren hatte ein etwas wehleidiges Gesicht, richtig abgebloht sah die Farbe ihrer Backen aus. Endlich bemerkte es Anders von oben. „Was hast du denn, Mqren?" „Ja, ich weiß nicht," sagte sie. etwas gequält lochend,„mit ist so zu Mut..." „Wie denn?" „Gar nicht schon." Alters strich die Decke. Mit solch unbestimmtein Ausdruck von Empfindungen wußte er nichts anzusangeiu Endlich wollte er doch n»ch eiire Frage deswegen stellen, aber im gleichen Augenblick fing auch Maren zu sprechen an. „Es ist nur... mir ist so, als ob Menschen über mich sprächen... von mir redeten.. „Wie das?" „Ja. ich weiß ja auch nicht. Ich fühl' es so." „Dann wird es wohl nichts Angenehmes fein, was von dir geredet wird, was?" fragte Anders. „Nc, das glaub' ich eben auch, Anders." „Aber, wer kann es denn sein..." Anders war vollkommen ahnungslos: von ihren Erfahrungen bei den Konfirmationsbesuchen hatte Maren ihm keine Wort erzählt.„Aus welcher Richtung loirmien die feindlichen Schwingungen?" Er fand etwas Lustiges daran. Da mußte Maien durch die Gardine sehen. Ein Mann ging an ihrem Fenster vorbei. „Anders," sagte sie und war mm vollkommen blaß,„komm lieber herunter.,." „Was ist denn?" rief er leise. „Ich glaube, er kommt." „Wer denn?" Waren lauschte. „Der Gemeindevorsteher," sagte sie dann,„aber«r ist nebenan zum Lehrer gegangen." Anders war von der Leiter heruntergestiegen. „Du hör mal, Maren," sagte er,„wenn du solch eine böse Ahnung hast— wäre es dann nicht besser, ich reiste ab, und sobald wie möglich?" „Nein," sagte Maren ohne Destmien,„du bleibst hier. Das gibt es nicht.— Du bist mein Besuch", fügte sie noch hinzu. .La. aber was hältst du denn nun im Emst von deiner Ahnung?" fragte Anders nervös,„ich habe keine Luft, verstehst du, dir Ungelegenheiten zu machen." „Ja, ich weiß nicht," sagt« Maren unsicher,„— aber weggehen sollst du nicht. Aus keinen Fall." Sie sagte dies letzt« wieder mit einem entschiedenen, aber verzweifelten Nachdruck: in ihren Augen blitzten Tränen. Anders war still. Ihr Gesicht war ganz rot, ein« kobaltblaue Schläfenader lief längs der Stirn.„Das war ja noch schöner, wenn ich zu Ostern nicht einmal Besuch haben dürfte." Am Abend kam der Lehrer und bat sie um einige Minuten für «in« kleine Unterredung m seine Wohnung hinüber. Der Gemeinde« narsteher hatte Bemerkungen fallen lasten, die der Lehrer, weil er es gut mit ihr meinte, Fräulein Lund nun unverzüglich mitteile» wollte. Natürlich handelte es sich um Anders. Seine Anwesenheit siele unliebsam auf. Er wäre bislang nicht angemeldet und gäbe auf jeden Fall den Leuten Anlaß zu übler Nachrede. Maren wurde rot und blaß, sie bezwang sich und dankte dem Lehrer. Auf dem Wege über den dunklen Hausflur in ihre Wohnung hinüber, dachte sie mit aller Kraft nach, wie sie Anders über den Inhalt dieses Gesprächs mit dem Lehrer täuschen könnte. Aber es fiel ihr nichts ein. Sie fühlte, daß Anders ihr ansehen mußt«, was soeben drüben gesprochen worden war... und sie sagte die Wahrbeit heraus. „Mein armer Anders." flüsterte sie mit glühendroter Stirn. an deren seiner Wölbung leuchtendblau die Ader lief,„mein armer Anders", sagte sie immer wieder.„Denke gar nicht weiter darüber, nach." „Ja. aber weg nruß ich nun", sagte Anders. Er sah sie nervös an. „Du bleibst hier— mindestens noch ein paar Tage", sagte Maren mit aller Bestimmtheit, die sie aufzubringen imstande war. „Vor Ostern— weg? Denke doch bloß nicht an so etwas." Weder der Lehrer noch sein« Frau fragten Inden nächsten Tagen, ob der Besuch abgereist sei. Sie hielten sich absichtlich zurück. Es log ihnen daran. b«i einer Anfrage des Gemeindevorsteher» oder sonst eines Neugierigen mü ehrlichem Gewisten die Schultern zucken zu können. Sie wollten, aus Gründen guter Nachbarschaft, Fräulein! Lund aus keinen Fall verraten: aber gleichzeitig, um niemandem gegenüber zum Lügen gezwungen zu sein, wollten sie den Besuch nicht zu Gesicht bekommen. Keiner oiso wußte, ob Anders noch im Haufe war. Auch Maren bekamen die Leute in diesen Togen fast nie zu sehen. Sie ließ sich von den Kindern ihre Einkäufe besorgen, einen Einblick in ihr« Stube ließ sie niemanden tun: mit den Kindern oerhandelte sie an der Tür oder höchstens In der Küche.— Eine Woche ging darüber hin, die Frauen im Dorfe unterhielten sich am liebsten über den Besuch der Lehrerin, und die Männer beteiligten sich mit Ber- gnügen an solchen Gesprochen. Der Gemeindevorsteher, als er Fräulein Lund einmal von seinem Garten ou» am Kücheiifenster sah, zog zwar wie gewohnt seine Mütze, aber er blickte mißtrauisch. stur zu ihr hinüber. Die Ferien waren fast.zu Ende. In einer warmen Nacht, als der Gemeindevorsteher, an feine Angelegenheiten denkend, schlaflos lag. börte er plötzlich, wie im benachbarten Lehrerhaus« ein Fenster geöffnet wurde Für«ine Weile dachte er sich nichts weiter dabei. Aber dann fiel ihm ein. daß es tief in der Nacht war. Wer hatte da ei» Fenster zu öffnen? So behende wie es ihm seine Jahre erlaubten, klettert« er aus dem Bett und tastete sich an oi« Fenster- band Auf der Straße, auch vor dem Lehrerl>ouse. war olles still. Aber es ließ ihm keine Ruhe. Er kleidete sich oberflächlich an.! oerließ das Hau» und ging mit aufmerksamen Augen an de» j heimliche Qafl Fenstern der Lehrerin vorbei. Sie waren geschlossen. Er blieb lauschend stehen. Er hörte nicht das mindeste— und das kam ihm verdächtig vor. Die Nacht um ihn herum schwieg. Plötzlich begann in der Ferne ein helles Lallen. Vermutlich stammte es von einem Vogel, der aus dem Neste gesallen war. Am Morgen, noch bevor die Sonne aufging, saß der Gemeindevorsteher am Fenster, um das Nachbarhaus zu beobachten. Er setzte seinen Stolz darin, diese Sache zu ergründen. Sämtliche Ausgänge aus dem Lehrerhaus«, die nur möglich waren, beherrschte sein Blick über die beiden zwischenliegenden Gärten weg. Nicht einmal übers Dach konnte jemand, der augenblicklich bei der Lehrerin weilte, das Haus verlosten, ohne daß der Beobachter ihn bemerkt hätte.— Aber die Sonne stieg über die Erde, es wurde hell und heller, und kein heimlicher Gast kam durchs Fenster Herausgestiege». Der Gemeindevorsteher ärgerte sich. Er kam zu der Annahme, daß der Bursche sich über den Tag in einem Gasthaus in der Um- gegend aufhallen müßte und nur nachts in der Dunkelheit und Still« die Lehrerin besuchen käme. Das Oessnen des Fensters in der Nacht war wahrscheinlich geschehen, um ihm den Weg ins Freie zu öffnen. Der Gemeindevorsteher sagt« vorerst niemandem etwas von feiner Beobachtung. Cr wollte ganz allein die Ehre von dieser Eni- hüllung haben. Seine Aufmerksamkeit war die eines Wochhundes, in der Nacht schlief er nun gar nicht mehr. Da er ein Junggeselle war, hatte er niemanden, der ihn auf die Pflicht zum Schlafen auf- merksam machen konnte: der seltsame Mann hatte nicht einmal eine Magd in Hause, er besorgte feine Stuben wie den Garten selber. Und so koimte er denn ungestört und nach Herzenslust in tiefer Stacht vorsichtig durchs Feilster spähen, zum Nachbarhaus hinüber. — Nichts.— Erst gegen Morgen schlummert« er ein. Aber vier Nächte nach jener ersten Wahrnehmung, in einer warmen Regennacht, schrak er auf. Unbezweifclbar— es wurde leise«in Fenster geöffnet. Der Gemeindevorsteher warf sich mit Gewalt aus dem Bett und an» Fenster. Wieder zu spät, kein Laut und keine Bewegung war draußen. Aber nun hatte er die Gewiß- heit, daß der Besucher nicht etwa das Haus verlassen hatte. In diesen kurzen Sekunden hatte er unmöglich von der Straße verschwinden können— nein, ganz sicher war der nächtliche Gast jetzt eben durchs Fenster hineingestiegen. Da ging der Gemeindevorsteher zum Handein vor. Bestimmt, setzt halle er seinen Feind in der Fall«. Hastig kleidete er sich an. er ging mit langen, leisen' Schritten die Straße abwärts und klopfte beim Gastwirt ans Fenster. Der Mond stand als breitsilbernes Hörnerpaor zwischen Wolken am Himmel. Der Gastwirt, als er hörte, daß man ihn in solch einer Interessanten Angelegenhell als Zeuge brauche, war sofort dabei. Er weckte noch seinen Sohn, sie fuhren eiiig in Hosen und Röcke und dann machten sich die drei Männer auf den Weg. Der Gemeindevorsteher trug eine kleine Latente voran. Mit leisen Sohlen, flüsternd, näherten sie sich dem Lehrerhausc. Es regnet« leicht, sie merkten es nicht. Der Sohn des Gastwirts behielt vor allem die Haustür im Auge. Die beiden anderen gingen ent- schlössen aus dos Fenster los. Zu ihrer Verwunderung bemerkten sie, daß es angelehnt war. Sie sahen sich an. Machte die Lehrerin es ihnen so leicht, sie zu überführen? Die Laterne des Gemeinde- Vorstehers schob sich sacht« durchs Fechter jn die Stube vor, wah-end seine linke Hand den Vorhang beiseite hielt. Die Köpfe der Männer streckten sich vorsichtig-neugierig und mit erregten Augen In den Raum hinein. Da lag ach ihrem breiten Ruhebett, auf weißen Kisten, halb nur von einer leichten violetten Decke überhüllt, im mageren Strahl der Laterne— die Lehrerin Lund und schlief. Einsam log sie da. den Mund ein wenig geöffnet:«in kindlich frommer Ausdruck träumt« auf ihrem Gesicht. Von einem Besucher war nichts zu erspähen, wie gründlich der Gemeindevorsteher auch seine Laterne durchs Dunkel herumgehen lieh. Do wurde dem Manne verlegen zumute, er wagte nicht, seinen Begleiter anzusehen, der neben ihm diese friedliche Szene mit einem breiten Lächeln anstarrte. Aber plötzlich machte der Gastwirt große Augen. Denn am Ofen, aus einem kissenbelcgten Stuhl, mit klebendem Fell, zusammengeringelt— „Lore!" rief der Gastwirt verblüfft. Da lag seine Katze, dos Lorchen. Der Gemeindevorsteher zuckte vor Schreck mit der Laterne zurück, die Laterne stieß dabei mit einem Krach gegen das mnere Fenstergehäuje. Er stieß ernen leisen Fluch au». Der Gastwirt zog schnell seinen Schädel rückwärts und bumste mit dem Gemeindevor- steh« zusammen. Aber es war zu spät. Nicht nur die Katze war erschrocken in die Höh« gefahren. „Wer ist da?" rief die Leherin Lund. Keine Antwort. Tief« Stille. Ein silberner Keil des Mondlichts sag elle still durch Fenster hevein.— Draußen gingen die beiden schweren Gestalten so teisesohlig und so rasch als es ihnen möglich war. davon. Der Sohn des Gastwirts, der nichts von diesem über. raschenden Rückzug verstand, schloß sich ihnen an. Plötzlich begann der Gemeindevorsteher zu lausen, im Galopp verschwand er durch den Garten in sein Haus hinein. Maren saß noch immer aufgerichtet im Bett und suchte heraus- zuflnden, ob der Ruf und das Geräusch vielleicht nur im Traum gewesen wären. Aber die unruhig aufgerichtete Katze bestärkte sie in dem Verdacht, es hätte einer, der eben vorbeigekommen war, einen schlechten Witz mit ihr machen wollen. Einige Telegraph m- arbeiter, der Schmiedegesell« und andere junge Burschen mehr, die immer, wo sie die kleine Lehrerin sahen, ein lustiges Wort hinter ihr herrufen mußten(„Kleine Puppel",„Du süßer Engel!"), es war wohl möglich, daß einer von ihnen, auf einem späten Heimweg begriffen, an ihrem Fenster vorbeigekommen war. Sie mußte lachen. Sie lief zum Fenster und schloß die well offenen Flügel. Dann lag sie wieder auf dem breiten Bett, seufzte und schlief ein. Der Gemeindevorstehr ging noch lange in seinem Hause uinh�r, für sich murmelnd und auf den Gastwirt fluchend. Er wußte, daß dieser Mann sich jetzt schon auf den kommenden Tag freute, an dem er allen Leute» in seiner Wirtsstube erzählen werde, daß der Gc- meindevorstcher seine(des Gastwirts) Katze, die sich die Gäste alle besehen könnten, für den Liebsten der Lehrerin Lund gehalten hatte. *** Denn Anders war wenige Tage, nachdem das Warnungssignal durch den Lehrer gegeben war, abgereist. Er sah bedrohliche Er. ig- niss« für sich und vor allem für Maren voraus— für den Fall. daß er bliebe. Sie hatten zum Abschied eine Reise für die großen Ferien verabredet, eine gemeinsame Reise in die bayerischen Berge, durch Tirol. Maren wanderte wieder allein in den Wesen herum. Am Sonntag ging sie in den Wald, sie suchte den Platz, wo sie mit Ander- gesestsn hotte. Der Ausblick zeigte ihr unendliche Weiden. am Horizont ein paar Dörfer. Auf dem Heimweg kam sie an der Stelle vorbei, wo die Zigeunerwagen gestanden hatten.— Weitergezogen! dachte Maren Sie ging langsam und sah für sich zu Boden. Ein« rötliche Nachmittagssonn« durchstrahlte die Wolken. Und Maren tröstet« sich mit dem Gedanken an die Ferien des herannahenden Sommers. **» sMkonM: SOer Nltti/ttsns s»A DsMsMZKNSZ Der neue Tanz,' die Kunst der rhythmischen Körperbewegung, ist eine deutsche Schöpfung. Im Deutschland der Nachkriegszeit wuchs er heran, wurde er gepflegt, entfaltet« er feine ersten Blüten. Das Ausland versucht jetzt, ihm nahezukommen. Nicht nur in den europäischen Kulturftaaten, sondern auch in Anlerika. Aber nur die ausländischen Künstler, die ihn in deutschen Schulen erlernt haben, zählen bis jetzt mit. Alle anderen, ohne Ausnahm«, geben äußer- liche, mehr oder weniger mißverstandene Nachahmungen. Bei uns hat die Entwicklung in den letzten fünf Iahren erstaun- liche Fortschritte gemacht. Eine sichere und solide Technik ist Allgemeingut der Tanzelevrn geworden. Und die sehr wichtige Scheidung in Solo- und Gruppentänze hat sich deutlich vollzogen. Die Scheidung war notwendig, weil aus den Gruppentänzen der Bühnen- und Theatertanz hervorgeht. Und diesem gehört die Zukunft, künstlerisch und wirtschaftlich. Doch wäre es«in verhäng- nisvoller Fehler, wollte man die Pflege des Solotanzes jetzt ver- nachlässigen. Denn auch ihn braucht das Theater. Der 3. d« u t sche Tänzerkongreß. der dieser Tage in München stattfand, hat diesen Fehler gemacht. Aus den künstlerischen Vorführungen waren die Solisten fast ganz ausgeschlossen. Nur als junger Nachwuchs und als Ausland kamen sie zu Worte. Dos Hauptgewicht der Münchener Vorführungen lag in der Darstellung dramatischer Tanzschöpsungen. in Gruppen, und Studio- tanzen. Aus ihnen wurde der hohe Stand des Kunsttanzes in Deutschland ersichtlich Kipfel punkte waren dir Bühnenspiele„Tanz der Gegenpole" und„Kaleidoskop" der Tanzgruppe B e ra S k o r o n e l, kompositorisch und tänzerisch geniale Werke, dl« den Beweis lieferten, daß auch in streng abstraktem Stil stärkste Bühnen- Wirkung zu erzielen ist. Die Skoronel selber tanzte die Hauptpartien, ihre Kammergruppe und die Meisterklasie der Trümpy-Skoronel- Schul« stellten die übrigen Mitwirkenden. Ebenfalls in strengem Stil, dem nur wenige pantomimische Elemente beigemischt waren, bewegte sich die Uraufführung des„Orpheus Dionysos", eines Tanzdramas, das FelixEmmel nach Gtuckjcher Musik geschickt in vier Bilder gefaßt und Margarethe Wallmann mit der Berliner „Tanzergruppe 1930" choreographisch gestaltet und inszeniert hatte. Eine Leistung allerersten Ranges, von klarem und wuchtigem Aufbau und sauberster, bis in die feinsten Details gehender tänzerischer Durcharbeitung. L«ider war die Titelrolle durch den Amerikaner Ted Shawn unzulänglich besetzt, der ein glatter rhythmischer Gymnastiker ist, dem aber jede Spur von tänzerischem Ausdruck mangelt. Diesen beiden Meisterwerken schloß sich ebenbürtig da» den Berlinern schon bekannte Ballett„C o p p e l i a" unserer städtischen Ballettmeisterin L i z z i e M a u d r i k an. mit Georg Grote, Jens Keith, Alice Uhlen, Ruth Abramowitsch und Julia Markus in den Hauptrollen. Das große Ereignis des Konarelses. die Festvorstellung von Talhoffs „T o t e n m a l" in der Choreographie der W i g m a n. die auch die Hauptfigur tanzte, mußt» leider auf eine klein« Werkprob« de- schränkt werden, weil der Bühnenapparat, namentlich die Beleuch- lungevornchtung, nicht tertig««worden mar. Man erhielt daher nur einen allgemeinen Eindruck von der Größe und Kühnheit des g«. walligen Werkes. Auch die kleineren Gruppenanfführungen, die man in München zeigte, waren zum größten Teil Früchte einer technisch vollendeten und künstlerisch ernsten Arbeit. Wir sahen die Palucca-Gruppe, leicht, melodisch, an die Meisterin heranwachsend: feinste Rokoko- grazie ohne Süßlichkeit gab die Kammertanzgrupp« der Rosalia C h l a d e k vom Baseler Konservatorium(von der nächsten Saison Leiterin in Hellerau-Laxenburg): klarer, reiner Stil in künstlerisch vornehmer Hallung kennzeichnete die Tanzsuite„Ex profundis" der I u t t a- K l a m t- G r u p p e und die abstrakt geformten Spiele der Valeria Kratina, die, bisher in Laxenburg, vom Herbst an als Ballettmeisterin an der Breslauer Oper wirken wird: Gertrud W i e n e ck». Berlin brachte mit ihrer Studio-Gruppe einen choreo- graphisch und in der Ausführung sehr schönen Cohenitischen Tanz: die Wienerin Gertrud Kraus zeigte Proben aus dem Zyklus „Ghetto-Lieder", streng gefügt, eigenartig, nicht ohne kühle Berechnung auf äußere Essekte auch in scheinbar ekstatischer Selbstoergestenheit: die größte Ueberraschung aber bot das Auftreten der Kammertanz- bühne der Münchener Günther. Schule, dt« eine„Barbarische Suite" für Tanz, Blockflöten und Schlogzeugorchester vorführte in origineller, brillanter Gruppenarbeit mit einem Zusammenklingen, wie es die besten Girlreihen nicht exakter ausführen können. Die Berliner werden im kommenden Herbst Gelegenheit haben, dies« aus- gezeichnet«, bisher noch nicht hervorgetretene Gruppe in einer Tanz- matinä der Volksbühne kennenzulernen. Der neu« Tanz ist eine deutsche Schöpfung. Aber mit Be- dauern muß man konstatieren, daß die Stellen, denen die Kunstpslege in Deutschland von Amtswegen anvertraut ist, noch immer viel zu wenig Interesse und Verständnis für ihn zeigen. Man hat z. B. bis- her nichts davon gehört, daß Behörden, denen dies« Pflicht obläge, Auslandgastspiele unserer größten modernen Tanzkünstler und Tanz- gruppen propagieren und finanzieren. Man überläßt das der pri- oaten Initiative. Und wie sieht es im Betriebe der deutschen staat- lichen und städtischen Opern aus? Da werden die Miiglieder der Tanzensembles, zum Teil Künstler von Format, kontraktmäßig ge- z wungen, als Statisten mitzuwirken, und die Tanzleiter werden den Launen der choreographisch meist ungebildeten Opernregisieure aus- geliefert. Die Gagenverhältniste der Tänzer aber sind fast ausnahm?- los skandalös. Es genügt nicht, daß die Kicktnsministerien den Tänzern ihr Wohlwollen versichern. Wir wollen Taten sehen. Und wir werden nicht eher ruhen, bis wir sie sehen. Drahtlose Wetterberichte. Seit einiger Zeit weichen besonders in Frankreich von den metereologischen Stationen kleine sogenannte Wetterballons verwandt, die sich ln bestimmter Höhe befinden und derart mit Meßinstrumenten für Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit eingerichtet sind, daß ste alle drei Mimtten drahtlos und durch«ine besondere Anlage automatisch Angaben über die Wetterlage zur Erde schicken können. Drei dehnbare Zeiger hängen mll den Meßinstrumenten zusammen, die sich je nach dem Wetter- charaktcr einstellen. Die Signale selbst sind graphisch oder akulttw. und lassen genau die augenblickllch« Stellung der Zeiger erterawL Allgemeine Wetterlage. 4üulM930t-Nel>»: Berlin S 14. Cebaltianstr Z7— Z». Koi 2. Tr Sonnabend, 5. Juli. Wcddinq iOrtsoerein). Fahrt nach Bernau. Treffpunkt 1B/< Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Abfahrt 19,2S Uhr. Pflich'antreten ffir Fug Stahl.— Wil-nersdorf iOrtsverein). Pflichtantreten zum Umzug in Moabit um 19 Uhr Bahnhof Bcllcvue.— Iungbanncr. An- treten um I8H, Uhr Bahnhof Schmargendorf zum Ummarsch Tiergarten. Treptow iZkameradfchaftl. Versammlung um 20 Uhr bei Günther. Grachstr. 70. Acitercr Abend mit Tomen. Anichiieheud gemütliches Beisammensein. Schönrierg-F�rfedcaan. 19 Uhr Troffpunkt Dahnhoi Bellevur zur Beran- üoitung che- Ortsvcreins Tiergarten. Charlottenburg. WA Uhr Einäscherung des Nameraden Hugo Stelnkeu im Wilmersdorfer Nrematorium. Beteiligung aller arbeitsfreien Nameraden erwünscht.— Sountag, 8. Juli, ilreio Borden. Son>«crfest des Kreises Norden im Schlosi Biißenlec. Gäste sind herzlich ein- geladen. Tie Ortsucreine treten um 14 Uhr Bahnhof Prenzlauer Allee an. Wedding fOrtsvercins. Pflichtanircten zum Sommerfest. Treffpunkt 1314 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen fLichiburg), Mr Angehörige Schloß Weißensee.— NaMaHrcr- und Nachrichtenabteilung. Fahrt nach Weißcnsee. Start: 12 Uhr bei Bondile, Echulstr. 74. Die Rachrichteuobteilung vom Nrei» Norden tritt Während am Freitug die Tempernturen im Osten des Reiä>«s nicht mehr io hoch stiegen wie nm Donnerstag und stellenweise kaum 2k) Grad Celsius überschritten, stiegen sie in Westdeutschland wieder kräftig an. Zw'schen Oder und Rhein wurden ini Binnenlande mittags ZV Krad allgemein überschritten. Die Abkühlung Iin Osten ist auf den Zustrom von nordöstlichen Luftmassen zunickzuführ.n. die ursprünglich aus den Polargegenden stammten. Auf ihrem Wege nach bilden haben sie sich aber kräftig erwärmt. In Nordeuropa hat die Wärme weiter zugenommen, so daß lm Lappland stellenweise 31 Grad im Lchatien erreicht wurden. Unser Gebiet dürste in den nächsten beide» Tagen auch in dem Bereich der nordästlicheu Luft- massc liegen, hat also mit etwas Milderung der Hitze zu rechnen. Das 2Vetler wird aber, da die vorhandenen Druckstömngen nicht recht zur Entwicklung kommen, im großen und ganzen heiter bleiben. * wetleraussichten für Berlin: Weiterhin ziemlich heiter, Temperaturen nicht ganz so hoch wie bisher.— Aür Deutschland: 3m Westen wolkig, vielfach Gewitter, lm übrigen Reiche weiterhin heiter, allgemein warm. parieinachrichten für Groß-Aerlin «i>rs»»dm,gm> für diel« R-drlk find txTjC/JI stet»»» da, Bezirkosekrewliai Berti» SB 88. Lindensiraß«». 2- Hof, 2 Treppe» recht».;» rtchte» <>»od 8. Bteis. Leute, Sonnabend, Sommersest im Garten und in allen Räumen des Soaldau ffrlkdrilhshain. Ttuflkdarbietungen. Gefongsvor- träge, Buoegungschor, erstkiafstge Spezialitäten, Kinderbelustigungen, Tanz. Beginn lö Uhr. Eintritt für Ewachfenc SO Pf.. Kinder frei, ar- beitslofe Parieigenolfen haben gegeu Auswels mit ihren Familien freien Eintritt. ll.»nd 8. Kreis. Wegen der Gerichtsferien findet die juristische Sprechstunde im Juli und August nicht statt. M- Keei» Schöoelxrg. Montag, 7. IuN, beginnt die Ferienkolonie. Fahr!» koftenblitrag für da, erste Kind lL8 M., wr da« zweite Kind 1 M., jedes weitere Kind aus der gleichen Familie frei. Treffpunkt für die »inder der 80. Abt.«8t Uhr am Lauterplad. für die Kinder der LI. Abt. 88t Uhr an der Kaffer-Eiche. Alle anderen Kinder treffen stch um die gZelch« Fett am Straßenbahnhof Beiziger Elraßc. Abfahrt pünktlich 9 Uhr. Die Leiser und Helferinnen müssen rechtzeitig an der Abfahrfftelle sein. Eßlöffel ist mitzubringen. Anmeldungen find zu richten: 77. Abi. Frau Krone, Tempelhofer Str. 18: 79. Abt. Restaurant Reimann, Sedan- straße 17:«0. Abt. Frau Lich'enbcrg, Fregestr. 77: 81. Abt. Frau Paulus, Kai f. rast ee 112. Gartenhaus II. zT' � Neukölln. Heute. Sonnabend, findet im»Alten Cierhäuschen', Treptow, ein S-mmernachtsfeft statt. ErVinuna 18 Uhr. Beginn 17 Uhr. Konzert, ssackelreigen der Freien Schwimmer, Kafperlc.Theater, satirischer Umzug durch den Garte»,«affeetochen ist gestattet. heute, Sonnabend, S. ZuN. M. Abt. Sie Gruppenführer werden gebeten, sofort»Unser Weg' vom Ab- teilungskasst-rer abzuholen. 84- ��4. Di« Bczirtsfllhrer werden qebeten, zu der am Mittwoch stattfindenden Abtillungsversammlung einzuladen. 88. Vbt. Die Bezirksfllhrer� rechnen heute die karten zum Sommerfest in der Feit von 17 bis 30 Uhr beim Kafficrcr Im Saalbau Fricdrichshaiu ab. Nicht zurückgegebene Karlen gelten als verkauft. Dezirksansschuß für Arbeikerwohlfahrt. n. Lichtenderg. Die Abrechnung der AW..Hefte muß bis?mn 1l). Zvli bei dem Genossen Blaschte, Lichtenberg, Wotanstr. 10 erfolgen. Zungsozialisten. Friedrickshaia. Morgen, Lonntag, Tagesfahrt nach Hangelsberg. Treff. dt 5% Ilhr Schlessfcher Bahnhof tPoftomt �cuchtstraße). ChaUottenburg. Morgen, 7 Uhr, Treffpunkt am WUHelmplafc zur Agi- tationsfahr». Kissen oder Decke mitbringen. Auch die CAI. trifft sich erst um 7 Uhr am Wilhelmplaß. nicht um 6 Uhr, wie irrtümlich angegeben wurde. Tempelhof-Marieudorf. Morgen, Conntag. ssahrt nach dem Oder�pree- Kanal. Treffpunkt 6� Uhr Bahnhof Tcmpelhof. Reinickendorf. Heute, Conn<�bend. Nachtfahrt nach Strausberg-Tiefensee. Wir fahren 20�6 Uhr vom Schlessschen Bahnhof(nicht Bahnhof Friedrich. straße). Treffvunk' 20� Uhr am Laupteingang unter dem Glasvordach am Echlestschcn Bahnhof' Straßenbahnhaltestelle 82. SAI..Mitglicder sind will- kommen. Arbeilsgemeinschafl der Kinderfreunde. Krenzberg. Achtung für die Gruppen ftottbusser Tor, Wraugelstraße und Görlifer Straße! Alle Kinder, die an den Ferien-fahrten nicht beteiligt sind, treffen stch am Sonnabend um 16 Uhr am Gvrlißer Bahnhof zu einer Wochen. eudfahrt nach Nowawes. Schlafsack, Decke, Trinkbecher und Essen für einen ganzen Tag, sowie 80 Pf., sind mitzubringen. pun Geburtslage. Jubiläen usw. 21. Abt. Uieserem Geposse» Kael Lehman». Reinickendorfer Str. 42,»nd leiner liebe» Saltin, die herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit. � Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation � 82. Abt. Miliwocki, 2. Juli, verstarb die Frau unseres Genossen Oskar Voll. THUringir Straße. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung heute, ö. Juli, Krl»!a:orü.m Baumschulcnweg. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin «Ztnseubunaen(ür diese istvbeik nur an das Zuaendsettdariat "erttn GW 6ä. lindcnOroße 5 heule, Sonnabend, 5. Juli. Werbe bezirk Ncukrlln: Wir beteiligen UN» geschlossen am Sommerfest der --artc: im Alten Eierhäuschen in Treptow. Eröffnung de» Gar en» um 18 Uhr. sfi tgiiedsbuch mttbringcn. Briß trifft sich um 10 Uhr Jahn- Ecke Nudower Zttaße. Anschließend Fahr,. Neukölln IV Treffpunkt 19 Uhr am Zugcndheim. Anschließend Fahrt. Wr--9ct»,irt t.reiizberg: Die Mussfer sind zum lleben um WA Uhr, die -.avrt um 19'i Uhr im Heim Lindenstr. 4 Keiner darf fehle». Morgen, Sonntag, b. Juli. Kerbebez-rk Meften: 8 Uhr Wilhelmplaß Treffpunkt zur Autofahrt. Foikcutracht..Zeltbahnen mitbringen. Im Rahmen des abendlichen Orchesterkonzerts hörte man eine Erzählung von Geihard Hernmnn Mostar„Trapik im Hinter- g r u n d ein Querscymt! durch das Geschehen weniger Minuten in ! einem enp begrenzten Raum. Eiuem winzigen Fisch wird es zum vernichtenden Lchicksal, daß die Menschen Beethoven spielen. Die 1 Wucht der Tone zerreist sein mühevoll aus Schaumblasen erbautes Nest, so wütend er sich auch dagegen wehrt. Das hat Mostar einfach und sehr nachdenklich erzäh't. Margarete Hruby sprach das Werk gut.»Die Autobiographie oon Klara V i e i> i g bewies die erstaun- tiche Frische dieser TOjäljricftn Schrislslellerin, die noch immer zielbewußt und froh im Leben steht und die rückschauend mit jedem Laß bestätigte: Es war doch so schön— Eine Diskussion über den Ok- k u l t i s in» s führten Dr. Kröner und Dr. A. Herzberg. Das Thema»Für und gegen den Okkultismus" war irrcsührend. Dr. Herzberg steht auf dem Standpunkt: ee kann Okkultismus geben, Dr. Kröner behauptet: es gibt ihn. Die Diskussion mußt« nn- fruchtbar bleibest. Sie hätte nur Sinn gehabt, wenn auf Grund bestimmter Erperimen'e, die beide Sprecher gleichzeitig miterlebt haben, die Frage nach dem Vorhandensein okkulter Erscheinungen diskutiert worden war«. Tos. «ff ihren RS-rn bei ihren Orts- ereinen an. Frl«idpl»»h-tn. fSimo'hmmetsi. 7 Uhr Antreten in BanncrNeidung mit Brotbeutel Madai- Ecke Fruchtstraße. Tempelhof IOrtsverein). Kreisveranstaltung nach Teltow. Antreten um 12 Uhr bei Pommcrening, Tcmpelhof. Köpenick IOrtsverein). Autofahrt nach«It. Landsberg. Abfahrt Köpenick WA Uhr Köllnifchen Platz, Frledrichshag-n 1281 Uhr Marktplatz. Pankow IOrtsverein). Ummarsch durch Weißensee Antreten um 14 Uhr Bahnhof Prenzlauer Allee. Pffichtveranstaltung. Wintersport-bteilnng. Um 10 Ubr Tennis-Turnier gegen SEE. auf unseren Plätzen an der Avus. Gäste willkommen. Teltow. Krcistreffen. Pflichtocranstaltung. Restaurant Weißer Schwan und Schwarzer Adler. Alt-Landsberg. Siebeniahrhundertfeier. Festakt um 18 Uhr. Berbindunq ab Schlestfcher Bahnhof um 1322 und 142o Uhr bis Hoppegarten, dann weiter mit Kleinbahn bis Alt-Landsberg. Troffen de» Vrlsvereins um IS Uhr bei Pickmtzck.- Montag, 7. Juli. Fricor.chsbain IZungbanner). Um 19ZH Uhr Antreten in fiivilkleidung am Strausbergcr Platz. Lichtenberg lIungmannfchaft und Schutzsportler). Traimngsabend in der Turnholle Rummelsburqer Str. 84, linker Eingang, alte Halle. Mine. 8. Kameradschaft. 20 Uhr im Restaurant Kuhn, Borstgstr. 1«. Arbeiker-Samariler-Bund. Kolonne Berlin. Sefchäftsstell-! N. 24, Gr. Hamburger Str. 20. Tel.: v 1 Norden 2248. Schule Gipsstr. Ä>a.>ytieoria)sr>ain; VUIU), aiiinec v=>.t.. Nroihs. Holsteinische Ett. 80. Treptow! Graetz. Ecke Wildenbruchstraße.— Donnerstag. 10. Juli. Tiergarien: Laufch, Brcdowstr. 22. Wedding: Duwe, Schi'lftr 100.— Freitag, 11. Juli. Steglitz: Lichtcrfelde-West, Schmidt. Roon> straße. Lichtenberg: Scipke. Kronprinzenstr. 47.— Montag, 14. Juli. Kreuz- berg: Zum Urbanhafen. Am Urban 20. Schönebcrg: Gericke, Ebersstr. LS. Köpenick: Hin,. Schönerlindcr Str. 8. Weißcnsee: Stärke. Eharlottenburger Straße 2— Dienstag. 12 Juli. S-rmsdorf: Turnhalle Roonstraßc. Prenz- lauer Berg: Schule Kastanienalle, 81-82.— Freitag, 12. Juli. Reinickendorf: Matter, Eichbornstr. 94.— Dienstag, 20. Juli- Hermsdorf: Turnhalle Roon. straße._ LZeichs-ereinignnq«he«. 1»rieg«�fangener, Gruppe Berfia Norden II. Bcrsammlung am Sonnabend, dem 2. Juli, bei Hemprich, Berlin, Bornholmcr Stieße 72. Ehemalige Kriegsgesangr« Willkomm-!!. Sport. Rennen zn Grunewald am Freitag, dem 4. ZuN. 1. Nennen. 1. Revident(Osteunann), 2. Herzensfreude, 8. Christ- role. Toto: 77:10. Platz: 28, 20, 56; 10. Ferner Uesen: Indigo, Rhenus, Paicko, ServatiilZ. Ordnungssinn, Nnimator, Soravia. Anheim, Pamina. 2. Rennen i. Biabant Iv. Blottnitz, 2. Lieserer, 3. Richtlinie. Toto: 131:10. Platz: 28, 16, 34:10 Ferner liesen: Grosa, Houlgaie, Hardinac, Maikronc, Ainala, Undin«, MInnclIed. 3. 3! e n n e n. 1. Felsen sMüschen), 2. Teuiobod, 3. PerihiS. Toto: 63:10. Platz: 31. 65: 10. Ferner liefen: Sans pareil. Hadrian, Egmvnt. 4. Stenn en. I. Markgräsin iZebmisch), 2. Vicht), 3. Flrlcsanz. Toloi 23: 10 Platz: 15, 12; 10. Ferner liefen: Elatz, Ferrari, Bliloiia. 5. R e n n e n. l. Jlabell IHauser), 2 Roibuche, 3. Rodrian. Toto: 23: 10. Platz: 15, 20, 30:10. Ferner Uesen: Wille, Ornphaie, Hanau, Mayini. Ried. 6 Renn en. 1. Leichte Jsabell IWotffi, 2. Siesta, Z. Marchesa. Toto: 30:10. Platz: 13,12:10. Ferner ltes: Ottogebe. 7. Rennen, l. Wien l Unterholzner), 2. Torrone, 3. Osirls, 4. Anslar. Toto: 56:10. Platz: 17, 21, 17. 31:10. Ferner Uesen: Kassensungc, Tantor. Melon, Semper idem, Ouos ego, Lucrczia, Hellseherin, Hulda, Empsehlung. üzMek �!s!izj!ii!!!l!s-wj!Si!!l vei'ün TcicisLSnöts-.'gen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unier Kollege, der Zlohrleger Wilhelm RöSier Juli geboren 4 April 1853, a gestorben ist. DI? Einäscherung findet Eonnabend. den 5. Iuü, ib'f, Uhr, im Krcma- lorium Baumschuicnireg, Kleiholz- straße. statt, Am Z, Juli starb unser Kollege. der Drücker Rmtoik Gursch geboren am 31. März 1676. Die Etnäicherung findet am Mon tag, dem 7. Zun. I0>/, Uhr, im Krematorium Derichlstraße statt. Am 2. Juli starb unser Kollege, der Silderardciier pgll! Rehremtt geboren am 20. Juni 1820 Die Einäscherung findet am Mon- tag. dem 7. Juli. Ii Utzr. im Krema- torium Grrichtstraße stait. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Am 1. Juli starb unser Kollege, der Echlofier Gtto ltOrenz geboren am 16. Januar 1865. Die Einäscherung Ha! bereils statt- gefunden. Ehr« ihrem Andenken! Sie 0rt»eerv»lt»»g. Am 2. Juli»erschied nach langen, schweren Leiden meine liede Frau und Kämeradin. Mutter, Schwester. Schwägerin»nd Tanie, Frau (terteud Zigelski, aeb. Hegmann im Alter oon 51 Jahren. In tieker Trauer Paul Zigelski nrdft Angehörige». Die Einäfcheruna findet am Dien«- tag, dem 8. Juli, ll'/a Uhr, im Krematorium Baumschulcnweg, Kiel- hol'straß« 221 stall �nxenednisn /Vakentlialt distsn nnsors sII-akolti'e-Kvn JRr- frlMchunKsstellen: Volkspark Rehlierse Volkspark Wulilhelde VolksparkFrledrlclisliain Zeitgomäße billige Preise! Ujltfliv" GeoielnnDtiipe Vtririebv jßRfllUI gesellsdiaft m.b.H. Berlin W.X4 ENBUR6 BERLIN. 6ERTRAUDEN-STRASSE 25-27 Zwangsversteigerung. Im Wege der Jwangsoollstreckung soll das im Brundduche von Berlin-Buckow, Band>2, Blatt Nr. 277, eingetragene, nachbehend beschriebene Grundstück am 28. September>920, 10 Uhr, an der Gr- richlellellc Beritner Straße85/8S,g>mmer70, oerfteigerr werden. Gemarkung Buckow Kartcndlatt Nr. 1, Parzelle Nr 18!», i70/t7. Grundsteuer- munerroll« Nr. 2108, GedäudestenerroNe J. Wirtfchastsart und Lage: Acker an und zur Straße 2. Stöße: Sa, 22 qm. Drundsteucireinerlrag: 0 65 Tlr. «cbäudesteuernutzungswett./. Der Berstelgerungsvermerk Ist am 18 Juni 1930 in das Grundbuch ringe- lragen. Als Eigentümer war damals der «auunlernehmer Ferdinand Pieple in Berlin eingetragen. Neukölln, den 22. Juni ISN. Du» Aiuksgerich». Abteilung 21. X 49. 20. Verkäufe r-pet-n. Czillal. Koloniestraße s.* Wenig getragene, teils auf Seide«c- arbeitete, erstkiafstge Jackcttanzüge. Frack- anzüoe..�mokinganzüge. Geiirockan,üac, Bg'.Ige. Sommcrmänlcs und Pale- tois, für icde Figur passend und in leder Form stets vorrätig: außerdem hock»eleaante neue Gar- derobe, von erstklassigen Schneidern ge- arbeitet, zu staunend billigen Preisen. Gelegenheitskäufe in Herren- und Damenpelzen. Leihhaus Lowicki. Prin- zenftraße 102. eine Trepp«. Keine Lombardware._• getragene oon Seat»________ MMIonären. Kavaliergarberod, Aerzten, Anwälten Fabelhaft billige Preike. Empfehle Taillenmäntel. Paletots. Fracks. Smo- kings, Gchrockauzüge, Hofen, Sport. kebvelze. Gelegenheitskäufe In neuer Garderobe. Weitester Weg lohnend. Lothringerstraße 88. l Treppe. Rosen. tdalcr Platz.' Bekieiilungsstückc, Wäsche usw. 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Direktion Ralph Arihar Roberls Mein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Robs IRÖSB -Theater Grofie Frankfurter Str. 132| Täglich 8.15 Uhr (Sonntags auch S s Uhr): „Die andere Seite" 3 Akte von Shcriff [ mit Gotthard Boge. Arthur I Malkowsky, Robert Müder, Paul f u. Willi Rose, Franz Stein, Erich Wilde. Regie: Robert MOIIer. j Auf der Gartenbühne, nur noch his kommenden Sonnabend, das I Rfcsen-Eröffnunosprogramm und| „Leue, Lotte. Liese" Vom 6.— 9. Juli: Rosenfest im Rose-Sarten j ! Tausende von Rosen. Riesen- Feuerwerk.— Willi Rosen am| Flügel. Tanz im Freien. 8» Uhr: „Verliebte Leute" Operelte von KOnneke. Vorverkauf tÄgl. von 11— 1 Uhr vorm. u. 3— 9 ühr atnls W �•I'lzoüloa.fiäiin Ab 4 Uhr nachinfttags GROSSES KONZERT Täglich: Tanz im Freien Auf d. Schaustellunesplaiz ,,1000 Krokodile" Aquarium— Tierkunsi-Auntellg. „Heule Abend: Deutsche Volkstänze in Originaluachlen." Dir. Dr. Martin Zitkal lomische opei Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. 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Lesstog- Theater Weidsadino 2797 O.0846 Täglich 8'.'2 Uhr Der Faun von Edw. Knoblaudi. Paul Hendels. Hahn. Flamme. Reval, Crodtalnsky. Franken, Fiedler, Rarsten. Linn Reichshallen-Theater |T| Uhr Stettiner sanger Das große Programm I Dünboff-Brettl und Garten V.rlelE- Konzert- Tau Verein der Berliner Buchdrucker und SchrifigieBer Montag, den 7. Juli, abends Ä2 Uhr, Im Gcwerksdiafis« bans, Saal 4: Versammlnnn der Betriebsrdle u. BelriebsoDleofe Tagesordnung: Kampfmaßnahmen der BeriinerBudidradiunlernehmer? Zu dieser Versammlung sind alle Mitglieder eingeladen, die dem Betriebsrat ihrer Firma angehören.— Pünktliches und vollzähliges Erscheinen erwartet Der Vorstand. uermögen Bilanz zum ai.oezemiierigzg Uerbindlichkelten Bankguthaben leiligungen....... romaschinen und Fuhrpark abzügl. 30°, 0 Abschreibung roeinrichtung(einschlieBI. Zweigniederlassungen). abzügl. 15»., Abschreibung 19i6/28...... abzügl. Gewinn 1959 Reichsmark Aktienkapital....... Verpflichiungcn bei Banken....... bei Lieferwerken u Sonstigen Reichsmark RM 1 Pf 4 862 050:— 4 163 896 81 RM Pf 1000 000— 9 025 946 10 025 946 81 81 eewinn- und uenustrechnung mr die zeit uom i. Januar ms 31. oezemner 1929 Haben Unkosten und Vertriebs- Reichsmark Berlin, den 26. Juni 1930 Deutsche Zündholz-Verkaufs Aktiengesellschaft Der Vorstand Dr. SUeknra Adolph Um Oer Aufsichtsrat Hans Kraemer, Vorsitzender