BERLIN Mittwoch 9. Zu« 1930 10 Pf. flr. 316 B 157 47. Jahrgang erscheint täglich außer Sonntas«. Zugleich Abendausgabe des.vorwärts'. Belugsxrets beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, Z,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerliuSWss,LndenKr.3 ff Auttisenpreit: Die einspaltige Nonpareillezeile SV Pf., Reklameteile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwSrts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. S7üSS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Kampf den Großpensionen! Konflikt im Haushaltsausschuß.- Bürgerblock für Vertagung. Der Ausschuß für den Reichshaushalt sollt« in der Mittwoch- sigung den von der sozialdemokratischen Fraktion ein- gebrachten Gesetzentwurf über die Kürzung der Groß- Pensionen beraten. Der Entwurf sieht in der Hauptsache vor, daß Ruhegehaltsempsängern bzw. deren Hinterbliebenen, die neben ihrem Ruhegeholt oder sonstigen Bersorgungsgebührnissen«in weiteres steuerbares Privateinkommen beziehen, das Ruhegehalt um oie Hälfte des Betrages gekürzt werden soll, um den das gesamte Privateinkommen den Betrag von 6000 M. jährlich übersteigt. Des ferneren wird bestimmt, daß die Pension in keinem Falle mehr als lZOOO IN. jährlich beiragen darf. Die Verhandlung wurde eingeleitet durch eine kurze Erklärung des Reichssinanzministers Dietrich, der daraus hinwies, daß über die Kürzung von Höchstpensionen schon wiederholt im Reichs- tag verhandelt sei. Die Regierung beabsichtige im Herbst dos noch unter seinem Amtsvorgänger festgestellte Ausgaben- senkungsgesetz einzubringen. Die Einbringung noch jetzt vor den Ferien sei nicht beabsichtigt, weil eine Erledigung vor den Ferien doch nicht stattfinden könnt«. Aus diesen Gründen sei auch der sozialdemokratische Antrag zurückzustellen. Abg. Roßmonn(«oz.): Die Sozialdemokratie legt den größten Wert auf die alsbaldige Verabschiedung des Gesetzentwurfs. Unsere ganze Stellung zur Finanzreform ist abhängig von der Art der Erledigung des vorliegenden Entwurfs. Alan scheut sich nicht, die Bezüge der Kriegsopfer zu kürzen und darf daher in demselben Augenblick nicht eine Kürzung bei den Großpensionären unterlassen. Dr. fcremer(D. Vp.) behauptet, imch der ganzen Geschäfts- «mtcilung des Reichstags sei zur Erledigung dieses Gesetzentwurfs kein« Zeit mehr vorhanden. Er ersuche die Sozialdenwkratic, das Kriegsbeil noch in ihrer Toga zu belassen. Di« Abgg. Laverenz(Dnat.) und Leicht(B. Vp.) erklärten sich für ihre Fraktionen mit der Verschiebung der Beratung bis zum Herbst einverstanden. Ihnen gegenüber führte Dr. Hertz fSoz.) aus. die Sozialdemokratie lege auf die alsbaldige Beratung den größten Wert und werde all« geschäftsordnungsmäßig zulässigen Mög- lichkeiten ausnutzen, die Verhandlung zu erzwingen. Es handle sich nicht um ein« überraschende Vorlag«, sondern um ein« allbekannte Materie, die das Parlament seit langem beschäftigt habe. Der widerstand der bürgerlichen Parteien zeige, wie unangenehm ihnen die Beratung sei. Die Stellung der Regierung sei aber vollkommen unverständlich, besonders in einem Augenblick, wo sie im Begriff stehe, den weitesten Schichten der Bevölkerung größte Lasten aufzuerlegen. Die Sozialdemokratie sei bereit, die Ferien so weit zu verschieben, wie zur Erledigung der notwendigen Angelegenheiten erforderlich sei. Er erkläre den bürgerlichen Parteien in aller Osfenheit, daß sie keine Möglichkeit hätten, die Beratung zu verhindern. Es handle sich nur darum, ob die Beratung zunächst im Ausschuß oder gleich im Plenum stattfinden werde. Bei der Beratung der Agrarzölle haben die Rechtsparteien gezeigt, wie man selbst widersprechende Materien miteinander verbinden könne. Die Soziatdcmokralic werde die im Gong befindliche Erledigung einer Kürzung der Bezüge der Kriegsopfer verbinden mit der Frage der Kürzung der höchst- Pensionen. Nach Dr. Hertz griff der Reichssinanzminister Dietrich noch einmal ein mit der Bemerkung, er wolle die Verhandlungen über den Antrag durchaus nicht sabotieren, er persönlich stehe der Materie ganz objektiv gegenüber, da er trotz Njähriger Tätigkeit im öffentlichen Dienst ein« Pension nicht beziehe. Ein von seinem Amtsvorgänger verfaßter Regierungsentwurf über die gleich« Materie liege vor. Sie sei aber sehr' schwierig und er für seine Person könne den Entwurf im Augenblick nicht einbringen. Wenn der Ausschuß aber durchaus verhandeln wolle, dann solle er es in Gottes Namen tun. Der Zentrumsobgeordnete E r s i n g behauptet, bei der Behand- lung des Ministerp-nsionsgesetzes hätten die Sozialdemokraten eine Höchstgrenze gestrichen. Er mußte sich ober von den Sozial- demokraten R o h m a n n und Hertz belehren lassen, �daß es sich damals um etwas ganz anderes gehandelt habe. D:e Soztaldemo- tratie habe damals, um dos Minislerpcnsionsgosctz nicht scheitern zu lassen, sich in eine m Punkte zu einem Nachgeben verstehen ptüfte«, Ihr gmcHjn&tchyt Standpuutt jei aber m k-mer Weise von ihr aufgegeben worden und der vorliegend« Antrag bilde in geroder Linie die Fortsetzung jenes Gesetzes. Er wiederhole, die Sozialdemokratie werde im Zusammenhang mit weitgehenden Ein- griffen, die auf anderem Gebiete geplant sind, auch die Behandlung dieser Frage n o ch vor der Sommerpaus« erzwingen. Der Ausschuß dürfe sich doch nicht der Auffassung oerschließen, daß in den weitesten Kreisen des Volkes durch die geplante Reichshilfe der im öffentlichen Dienst stehenden Personen und durch die arideren Lasten ein« außerordentlich große Beunruhigung eingetreten sei. Im solchen Augenblick die Beratung dieses Antrages auf Mo- nate zu verschieben, sei unmöglich. Nachdem noch verschiedene Redner der bürgerlichen Parteien gesprochen hatten, beantragte die Wirtschaftspartei als Vermittlungs- Vorschlag, zunächst nur darüber zu entscheiden, ob die Verhandlungen bis zum Freitag vertagt werden sollen. Dieser Antrag wurde gegen Sozialdemokraten und Kommunisten mit 20 gegen 15 Stimmen angenommen. * Der Beschluß des Haushaltsausschusses, die Beratungen des sozialdemokratischen Gesetzentwurfs bis Freitag zu verschieben, ist nur ein taktisches Manöver. Er ist nur zustande gekommen als Vermittlungsoorschlag der Wirtschaftspartei, während alle übrigen bürgerlichen Parteien die Verschiebung bis zum Herbst verlangt hatten. Es unlerliegl aber kaum einem Zweifel, daß enlwcder mit oder auch ohne Zustimmung der wirlschoflsparlei am Freilag aufs neue der Versuch gemacht wird, die Verschiebung der Beratung bis in den herbst durchzusehen. Zn dieser Absicht sind alle übrigen Regierungsparteien jetzt bereits einig. Wie die zweite Rede des Reichssipanzministers Dietrich deutlich erkennen läßt, liegt der Widerstand gegen die Beratung des sozialdemokratischen Antrages nicht bei ihm. Es ist der Druck der Voltspartei, dem der Reichskanzler Dr. Brüning »achzukommen bereit ist. Die Deutsche Volksportei ist immer un- geheuer eifrig gewesen bei der Verteidigung der unberechtigten Vor- rechte der Großpensionäre. Sie macht deshalb auch jetzt ihre Stellung zu den Deckungsvorlagen der Rcichsregierung entscheidend davon abhängig, daß die Bezüge der Großpensionäre nicht gekürzt werden. wie die sozialdemokratischen Mitglieder de» Haushollsau«. schusse» erklärt haben, wird die Sozialdemokratie die Beratung ihres Gesehentwurfs noch vor dem Einlrill der Sammerpause er- zwingen. Geschäfliordnungsmähige Möglichkellen dazu sind zahl- reich vorhanden. Das deutsche Volk soll und muh sehen, ob seine besitzenden Schichten bereit sind, in der Zeit größter Rot und Opfer der Massen auf vorteile zu verzichten, die von einem erheblichen Teil der Bevölkerung als unmoralisch empfunden werden! Goebbels' Leibweh -+ Zarte Konstitution verhinderte Herrn Goebbels, por Gericht zu erscheinen. Hier unsere ärztliche Oiagnose seines Leidens. Verstärkungen ins Rheinland. Oie Polizei reicht nicht aus g?gen die Plünderer. Trier, g. tzuli. fEigenbericht.) In der vergangenen Rachl ist es in Trier wieder zu Ansammlungen vor den Wohnungen angeblicher srüherer Separatisten ge- kommen. Die Polizei, die mit Karabinern und Tränengasbomben ausgerüstet war, Halle olle Hände voll zu tun, die Demonstranten zurückzudrängen und die Straßen zu säubern. Mehrere Straßen wur- den zeitweise für den gesamten verkehr gesperrt. Trotzdem konnte die Polizei nicht verhindern, daß in einem Zigarrengeschast und in zwei anderen Häusern Fensterscheiben eingeworfen wurden. Zn einer Villa außerhalb von Trier wurden Fensler und Türen ausgehängt und zertrümmert sowie die Möbel zerstört. Erst gegen 2 Uhr nachts trat wieder Ruhe ein. Der Polizeipräsident hat beim preußischen Innenminister Verstärkung der polizeikräste anfordern müssen. da die vorhandenen zur Sicherung der Ordnung nicht ausreichen Diese Verstärkungen sind inzwischen bereits abgegangen und zwar nach Trier, Koblenz und Wiesbaden. * Gcgcmiixr unsere Kritik daran, daß die Rcichsregierung bis jetzt die Abmachungen über Berhmbcriozg eines Rachefeldzuges im befreiten Gebiet nicht genügend bekanntgemocht habe, verweist man jetzt offiziell darauf, daß in der R« i ch s ta g s d r u ck s a ch e Nr. 1619 über das Haager Abkommen auch diese Abmachun- gen enthalten seien. Tatsächlich findet man sie dort auf Seite 322 dieses umfang- reichen Bandes. Cs bleibt aber bestehen, daß ein zur a l l g e- meinen Kenntnis gebrachter und besonders in dem bedrohten Gebiet allgemein erkennbarer Hinweis auf diese Abmachungen, sei es durch die Presse oder durch Plakate usw. nicht erfolgt ist. Fricks Opfer. Oer lehte Sozialdemokrat abgebaut und plöhlich gestorben. Weimar, 9. Zuli.(Eigenbericht.) Der von Frick am 30. Iuni in den warlestand versetzte einzige thüringische sozialdemokratische Landrot Böhmc-Altenburg ist in der Rocht zum Mittwoch an einem Schlaganfall im Alter von 58 Iahren gestorben, vöhme wurde von Frick am 30. Zuni nach Weimar bestellt. Obwohl er schon krank war. ging er doch hin. weil er glaubte, daß eine Besprechung über wichtige Dicnsl- geschäste stattfinden sollte. Man ließ vöhme wie einen Re- kruten stundenlang warten, um ihm dann seine Warle- slondsurkunde in die Hand zu drücken. Man hatte den Landrat Böhme aus dem Grunde nach Weimar bestellt, damit man ihm noch am 30. Zuni persönlich die Urkunde aushändigen konnte, um ihm nicht noch einen Monat länger sein Gehalt zahlen zu müssen. Diese unglaubliche Behandlung, die sich Böhme durch den derzeitigen Innenminister Frick Hai gefallen lassen müssen und die dadurch hervorgerufene Aufregung hat zu seinem frühzeitigen Tode bei- getragen. Aazis gegen französische Gporiler. Eine ungerechtfertigte Verurteilung. Zeih, 9. Iuli.(Eigenbericht.) Der französische Schwimmer E u v e l i e r. der hier am Sonntag an dem Länderkamps Frankreich gegen Deutschland teilnahm, wurde am Dienstag von dem hiesigen Schnellgericht zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Die Hetze der nationalsozialistischen presse gegen die an dem Länderkamps beteiligte französische Mannschaft führte in der Rächt zum Montag zu Zusammenstößen, in deren Verlaus ein Mann, der den Streit schlichten wollte, mehrere Messerstiche erhielt. Als Urheber der Tat wird der verurteilte französische Schwimmer Euvelier bezeichnet, ohne daß bestimmte' AnHalls- punkte dafür vorlägen. Das Urteil gegen den französischen Schwim- mer hat selbst»in rechtsstehenden bürgerlichen Kreisen der Stadt ziemliche Empörung ausgelöst. Geheimnisse derBürgerblock-Regierung Nicht Abänderung sondern Ergänzung— was ist das? Die Reichsregicriing scheint großen Wert darauf zu legen, daß sie über ihr Derfungsprogramm nicht längere Verhandlungen mit den Reichstagsfraktionen führe. Sie läßt oerbreiten, daß die gestrige Besprechung mit den Parteiführern der RegierungS' iraktionen die erste und sozusagen auch die letzte Besprechung gewesen sei. Dabei ist aber vorig« Woche offiziell durch WTB. schon über eine solche Besprechung berichtet worden, mit dem Zusatz, daß sie fortgesetzt werden würde. Außerdem läßt die Regierung erklären, daß meist A bände- r u n g s vorschlüge, sondern nur E r g ä nz un g s antrüge besprochen worden seien. Der Unterschied zwischen beiden ist ihr Geheimnis. Das Dcckungsnrogramm, so wird verkündet, bleibt in seiner Form, aber die Regierung würde Ergänzungsanträge ausarbeiten und den Fraktionen vorlegen. Es handelt sich dabei uni den§ 163 des Ar- bdtsversicherungsgcsetzes(Zuschußpflicht des Reiches), um die Kopf- ftcuer, die der Rcichsfinanzminister vorgestern als unmöglich erklärt Hot, und schließlich soll der nach zu ersparende Betrag nicht auf 100 Millionen, sondern auf m i n d e st« n s 100 Millionen festgesetzt werden �» Berbraucherschutz im Milchgesetz. Sozialdemokratischer Antrag angenommen. Im Volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstags wurde die zweite Lesung des Milchgcfctzes beendet. Bei der ersten Lesung hatten die Regierungsparteien cin«n neuen§ Z7a eingebrach, wonach die oberslcn Landesbehörden das Rech haben sollen, für be- stimmte Gebiete die milchwirtschaftlichen Betriebe zu Zwangs- s y n d i k a t c n zusammenzuschließen. Die sozialdemokratischen Ver- treter gaben ihre Zustimmung, kündigten aber für die zweite Lesung ergänzende Bestimmungen für einen Verbraucher- schütz an. Nach diesem heute vorgelegten sozialdemokratischen Antrage sollen die vorgesehenen Zusammenschlüsse P r e i s r egu li e- r u n g e n nur dann vornehmen dürfen, wenn besondere Preis- a u s s ch ü s s e dazu ihr« Zustimmung gegeben Häven. Diese Aus- schütze sollen je zur Hälfte zusammengesetzt werden aus Vertretern der privatwirtschaftlichcn Erzeuger- und Verarbeitungsbetriebe und aus Vertreter» der Kommunen und Verbraucherorga- nisationcn. Wenn mindestens ein Viertel der Mitglieder Ein- spruch gegen einen Prcisbcschluß erhebt, entscheidet die oberste Landcebelstird«, die auch von sich aus Einspruch erheben kann. Der Autrag, der vom Genossen Tornow begründet wurde, löste eine lebhafte Debatte aus, bck der aus den Kreisen der Re- gierungsparteien wie von den Regierungsvertretern Sturm dagegen gelaufen wurde. Man erklärte zwar, daß ein Verbraucherschutz not- lvendig sei, aber das mutz« den Aussührungsvorschristen überlassen bleiben. Ueberdies seien durch die Kartelloerordnung bereits weit- gehende Sicherungen gegeben. Die Regierungsparteien erklärten sich nur bereit, in das Gesetz eine Bestimmung aufzunehmen, wo- nach die Aussührungsvorschristen„Sicherungen gegen eine volks- wirtschaftlich nicht gerechtfertigte Steigerung oder Hochhaltung der Preise" enthalten soll. Die Debatte ließ deutlich erkennen, daß die Regierungsparteien eine» wirklichen Verbrauchcrschutz ernsthaft nicht wollen. Lhn« einen solchen würde aber die Zwangssyndizierung der Milch- Wirtschaft geradezu eine staatliche Förderung des Preis- wuchers auf einem wichtigen Gebiete der Voltsernährung be- deuten. Di« sozialdemokratischen Redner ließen keinen Zweifel darüber, daß sie ohne Sicherung der Konsumenten den an sich wün- schenswerten Zusammenschlüssen die gesetzliche Förderung nicht geben könnten. Bei der Abstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag mit 14 gegen 13 Stimmen angenommen, wobei mit den Sozialdemokraten und Kommunisten auch die demokratischen Vertreter und ein Zentrumsvertrcter stimmten. Daraufhin stimmten bei der Schlußabstimmui»g über das ganze Gesetz ein Teil der Regierungsparteien dagegen, während andere sich der Stimme enthielten. Dennoch wurde dos Gesetz nnt der Acnderung des sozialdemokratischen Antrages angenommen. Großfeuer am Wittenbergplatz Zwei Oachstühle eingeäschert.— Drei Verletzte. 3m Dachsluhl des Vorderhauses Ansbacher StrahebZ, in unmittelbarer Nähe des Wittenbergplatzes, brach heute früh Aeuer aus. das schnell große Slusdehnung annahm. Der Hausbewohner der oberen Stockwerke bemächtigte sich eine begreifliche Erregung und mehrere von ihnen verließen fluchtartig, nur notdürftig bekleidet, die stark verqualmten Wohnungen. Bei den Löscharbeile» wurden drei Feuerwehrleute leicht verletzt. Die Flammen zerstörten den Dachstuhl des Vorderhauses in seiner ganzen Ausdehnung und sprangen auf den Dachstuhl des Seitenflügels über. Der gauze Hausblock war bald derart ver- qualmt, daß ein Spezialfahrzeug mit Sauerstoffgeräten uacholariniert werden mußte, mit denen die Löschtrupps aus- gerüstet wurden. Fünf Züge griffen unter Leitung des Branddirek- tors Pozdziech in die Bekampsting des Großfeuers ein. Aus sieben Schlauchleitungen wurden über zwei Stunden lang ungeheure Wasser- mengen in das Feuermeer geschleudert, bis es gegen 8 llhr dann end- f[ich gelang, des Feuers Herr zu werden. Der Schaden ist sehr hoch, da die Wohnungen des dritten und vierte» Stockwerkes durch R a u ch u n d W a s s« r st a r k g« l i t t e n haben. Die Kriminalpolizei ist zurzeit mit den Ermittlungen über die E n t st e h'u ngsursache beschäftigt. General kundt, der ehemalige bolivianische Generalstobschef, Hai gegen Zusicherung freien Geleits sich dem bolivianischen Militärrat .w einer Vernehmung gestellt. Kundt erklärte, er habe nur oersucht. die Ordnung wieder herzustellen. Er beabsichtige, nach Europa ab- zureisen und kehrte unbehelligt in die deutsche Gesandtschast zurück. Die d«ulsch.russische Schlichtungskommission Hot ihre Arbeit be- endet. Die Ergebnisse der Tagung werden in einem gemeinsamen Bericht dargelegt, der den beiden Regierungen unterbreitet werden wird. Zwilchen mexikanischen Dauerngruppen im Bundesstaat Guana- juato kam es um den Besitz größerer Ländereien z» schweben blu- tigen Auccinandcrsctzungc». Zmdif Personen wurden geiötet, zahl- reiche schwer verletzt. Die Bundestruppcn konnten'. man kann direkt sog«n, daß ein schlechter Katalog auch d!« inler essanlcsten Büchersommlunge» ZU gewissermaßen„toten Beständen" herabsinken läßt. � Wie wichtig heute derartige Gesamtkataloge sind, geht auch daraus hervor, daß in England und Frankreich an solchen gearbeitet wird. In wenigen Jahren wird der große Katalog des Britis hen Museums in London und der Pariser Rationalbibliothek beendet sein. vr. U. Urteil im Prozeß Reißner-Trotzti. In dem Prozeß zwischen dem Verlag Reißner in Dresden und Trotzki wurde vom Dresdener Landgericht das Urteil gefällt. Die Klage des Reißnerschelt Verlages auf Auslieferung zweier Manuskript« durch Trotzki zwecks Veröffentlichung wurde vom Gericht abgewiesen und der Verlag zur Tragung der Kosten de, Verfahrens verurteilt. Der Verlag Reißner hatte seinerzeit mit Trotzki einen Bertrag abgeschlossen, durch den der Verlag dos Veröffentlichungsrecht zweier Trotzkischer Bücher erwarb. Dieser Vertrag wurde von Trotzki später mit der Begründung angefochten, daß Reißner ihm beim Vertragsabschluß wichtige Umstände verschwiegen habe. Ee handelte sich dabei um die Tatjache, daß im Reißnerschen Verlag ein Buch Kerenskis erschienen war das schwere Beleidigungen Trotzki« cnt- hielt. Das Gericht trat in der Urteilsbegründung'der Auffasjiing Trotzkis bei, daß er Hab« oerlangen können, von dem Erscheinen des Kerenskijchen Buches im Reißnerschen Berlag unierrichtet zu werden. Da dies unterblieben sei, sei der Vertrag ungültig. Andererseits� kam das Gericht zu der Feststellung, daß ein arglistiges Verhalten des Reißnerschen Verlages nicht vorliege. Ein enthülltes Geheimnis der Wüste. Eine Wüstentragödie ist, wie aus Lüdeng in Südwestafriko berichtet wird, durch die Aufsindung von acht Skeletten in dem Wüstengebiet nördlich des Orange-Flusses aufgeklärt wanden. An einer Stelle, 2S Kilometer nördlich von dem Fluß, stieß ein Polizei- sergeant plötzlich aus 8 menschliche Skelett«. F«tzen von Kleidung. ein alter Geldbeutel init 6 Schillingen,«in rostiges Taschenmesser, Fetzen eines Billetts mit der Nummer 3179 logen herum. Die Nachsorfchungen ergaben, daß es die Leichen von eingeborenen Arbeitern der Vereinigten Diamantminen waren. Die Zahl 3179 ist d« Nummer eines eingeborenen Arbeiters in den Minen. Zwischen März und Mai 192ö desertierten über 169 Eingeborene aus den Bergwerken; von ihnen wurden 88 wieder eingefangen, nachdem sie mehr als 609 Kilometer durch eine wass«rlos« Wüste gewandert waren und furchtbar unter Hunger und Dufft gelitien hatten. Nach den Angaben der Ucberlebenden starben 14 der Flücht- lingc am Weg« den Tod des Verdurstens, und viele andere wandten sich nach dem Meer und stürzten sich hinein. Bon diesen war bisher keine Spur gesunden worden; nun sind 8 Skelette durch da» Ver- schwinden des Treibsandes, in dem sie jahrelang verborgen waren, aufgedeckt worden. Die größte Turmuhr der Welt soll an dem neuen Turm an- gebracht werden, der jetzt neben der wieder aufgebauten Kathedrale von M e s s i n a errichtet wird. Der Turm ist 49 Meter hoch und in Anbetracht der häusigen Erdbeben, die ja den früheren Turm ver- nichtet haben, ist er so angelegt, daß er auch starken Stößen Wider- stand leisten kann. Die llhr an der Spitze wird ein wahres Wunder- werk werden, denn sie soll nach dem Lorbild der ollen Turmuhren, besonders der berühmten Uhr des Stvaßburger lvtünsters, künstliche Figuren zeigen, die automatisch bewegt werden und den Ablauf der Stunden und der Tage, ja sogar der Wochen und des ganzen Kalen- ders darstellen. Die Uhr, die im Auftrag des Erzbffchof« von Messina, Monsignore Pajno, geschaffen wird, ist das Werk eines elsässischen Künstlers. Ein Schuhgebiet für wilde Blumen. Das erste Schutzgebiet für wildwachsend« Blumen in England ist aus den 899 Hektar großen nseln des Wanstead-Park» bei London eingerichtet worden. Die Gesellschaft zum Schutze der wilden Blumen»nd Rslanzcn wird er, soweit möglich, die wild wachsenden Gewächse, besonders Blumen, anpflanzen, uin einen Ileberblick über diesen Teil der britischen Flora zu gewähren. Die Klassenjustiz in LlGA. Gtrafgesehe gegen Gewerkschaften/ Enirechtung der Neger/ Redeverbote. New Jork,>m 3uli.(Eigenbericht.) Unermüdlich tobt in Amerika der Kampf um Freiheit und(Be- rechtigkeit. Das Schlachtfeld, auf dem um elementare Menschenrechte gerungen wird, ist so weit wie die Nation, von Boston bis Los Angeles, von Maine bis zu den Karolinas. Gesetze stehen alhzu oft nur auf dem Papier. De Willkür des Mächtigen und 8cs Systems wirkt sich dem Schwächeren gegenüber nur zu häusig hemmungslos aus. Jeder Tag bringt neue Tragödien gröheren und kleineren Ausmaßes. Sie alle zeigen, wie wenig es die amerikanische Nation inmitten ihres gigantischen Wachstums verstanden hat, ihr Haus im Inneren sauber zu halten. Dieser Tage ist der Jahresbericht der„American Civil Libcrties „Union" erschienen, die den Kampf gegen diese Uebelstände uno den Schutz des Unterdrückten auf ihr Banner geschrieben hat. Der Bericht enthüllt Dinge, die man bei allem Verständnis für die überstürzte Entwicklung im Lande des vielgepriesenen Fort- schritt? schlechterdings nicht für möglich gehalten hätte. Da wird unter den verschiedensten Flaggen gegen vermeintlichen Radikolismus, gegen die Arbeiterbewegung, gegen den Ausbau von Gewerkschaften, gegen die wirtschaftliche und politische Emanzipation des Schwächeren zu Felde gezogen. Wer weiß, daß in 32 Bundesstaaten der Union schwere Strafgesetze gegen syndikalistische Bestrebun- gen bestehen, die in zahlreichen Fällen gegen besseres Wissen auch als Kampfmittel gegen den gewerkschaftlichen Aufbau angewandt werden?! Von diesen 32 Staaten haben sich 26 ihr« arbeiterfeindlichen Gesetze erst in dem berüchtigten Hetzjahre J9lg und später gegeben. In 28 Bundesstaaten steht das Hissen einer rolen Fahne unter schwerer Strafe «nd wird dank einer glücklichen juristischen Kombination häufig auch als Landesverrat verfolgt. Nur zehn Bundesstaaten sind von dieser modernen Hetz« frei, aber auch sie haben zum großen Teile Gesetze, die aus dem vorigen Jahrhundert stammen und durch ihre kautschukartigcn Bestimmungen jeder behördlichen Willkür Tür und Tor öffnen. Da ist das Kapital des Lynchens, dos abgrundtiefe Einblicke in alle Derruchtheiten ungezügelter menschlicher Natur gewährt. Da ist die Tragödie des amerikanischen Negers, aus dessen rechtlicher Stellung sich kein Mensch herausfinden kann. Wie viel« Amerikaner können selbst im glorreichen Jahre des Fortschritts 1936 sagen, wo die Rechte des Negers und der ihm feierlich zugesagte Schutz als Mitglied der amerikanischen Nation anfangen?! In Gegensatz zur Bundesverfassung verbieten zehn Bundesstaaten die Ausübung des allgemeinen Wahlrechts durch Neger und die Ehe mit Weißen. Bei öffentlichen Veranstaltungen und in Schulen müssen die Farbigen von den Weißen getrennt gehalten werden. Fünf weitere Bundesstaaten bekennen sich zu den gleichen Verboten, haben es ober aus innerpolitischcn Gründen vorgezogen, die Ausübung des Wahlrechts durch Farbige zuzulassen. Vielleicht die überraschendste imd wohl nur wenigen Amerikanern bekannte Tatsache ist das Ver bot von Mischehen zwischen Negern und Weißen, zu dem' sich nicht weniger als 36 Bundesstaaten bekennen. Im Angesicht dieser Zustände kann das in der Bundesverfassung niedergelegt« Bürger- recht der farbigen Bevölkerung nur als Phrase bezeichnet werden. Man glaube ja nicht, daß die letzten Jahre eine nennenswerte Besserung in diesem erbarmungslosen Kleinkriege um die geistigen und rechtlichen Güter der Nation gesehen haben. Em« tief reaktionäre Rechtsprechung hat die Gegensätze in zahlreichen Fällen noch oerschärft und einen Geist aufkommen lassen, der alle Merkmale einer Iustiztrise am Leibe trägt. Im Jahre 1928 wurden 4lS Slrafversolgungen wegen ösfentlicher Reden durchgeführt, obgleich Sie amerikanische Verfassung überhaupt keine Ein- schränkungen des Rechts der freien Rede und der sachlichen Kritik kennt. Im angeblichen Prosperitätsjahre 1929 waren es nur 218 Strafverfahren, die ober im ersten Vierteljahre 1936, also in einer Periode bitterer Arbeitslosigkeit und schwerer Wirtschaftskrise, auf 926 anwuchsen. Dos ist die Methode, mit der die amerikanische Rechtsmaschincrie auf die Unzufriedenheit und die Kritik der breiten Volksmasfe» antwortet. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Bundes- Verfassung?! Ach was, erbitterte Arbeitslose darf man nickst zu viel reden lassen. Zur Ehre der amerikanischen Nation sei aber gesagt, daß das aller Vernunft hohnsprechende Vorgehen der Behörden im steigenden Maße die Kritik der öffentlichen Meinung aller Richtungen gefunden hat. Das roie Hamburg. Machivottes pariei- und Gewerkschastsleben.- Oer Ausflieg der Genossenschaften. Hamburg— das Tor der Welt. Es ist kein« Phrase. Die vielfältigen und vor allein unmittelbaren Beziehungen, die wirt» schaftlich zwischen Hamburg und seinem weiten Hinterland, zwischen Hamburg und den fernen Kontinenten bestehen, haben auch den Menschen dieser Stadt irgendwie geformt. Sie haben ihn weit- und geistoffen gemacht. Wer aber einmal tiefer hineinschaut in das poli- tische, soziale und wirtjchaftliche Getriebe dieses Stadtstaates, dessen städtische Einwohnerschast dt« erste Million seit langem überschritten hat. der entdeckt sehr schnell einen treibenden Faktor dieses großen Gemeinwesens: Tle Arbeiterbewegung. Das durch die Folgewirkungen des Krieges demokrattsierte Hamburg, ist nicht mehr denkbar ohne die Arbeiterbewegung, die schon ein gut Stück ihres Willens und Wollens dem Gesicht der Stadt eingeprägt hat. Drei große Gliederungen, drei Säulen gleichsain tragen den mächtigen Bau: die politisch« Bewegung, die freien Gewerk- s ch a f t c n und die Genossenschaften. Die politisch« Bewegung ist die Sozialdemo- kratie. Scit� jeher gehört sie zu den führenden Landcsorgani- falionon in der Partei. Was sie von allen anderen Parteien unter- scheidet, ist, ihre Durchorganisation in D i st r i k t e, die sich etiva mit den Stadtteilen decken und Bezirke, die etwa der Wahlkreis- «intcilung zur Bürgerschaft-Wahl entsprechen. Auf diese Weise ist die Hamburger Sozialdemokratie in der tage, binnen wenigen Stunden an alle Einwohner in den Wohnungen heran- zukommmen. Parallel läuft eiire noch im Ausbau begriffene, aber gleichfalls wcit- icichcnde Durchorganisierung der Betricbsbeleg- s ch a f t e n. Hier ersteht die Möglichkeit, schnell über den Betrieb an die Arbeiterschaft heranzukommen. Getragen wird diese Organisation von über S6 666 männlichen u n d w e i b l i ch e n Mitgliedern. Die politisch« Vertretung im Parlament des Stadtstaates Hamburg, der Hamburger Bürgerschaft, bildet die sozialdemokratische Bürgerschaftsfrak- t i o n, die für die Wahlperiode von 1928 bis 1931 61 Mitglieder von insgesamt 166 Abgeordnenten zählt. Das entspricht dem Wahl- «rgebnis der Wahlen vom 19. Februar 1928, bei denen die Harn- burger Sozialde aokratie von insgesamt 691966 Stimmen 216 68Z auf sich vereinigte. In der Landesregierung, den, Senat, stellt die Sozialdemokratie von 16 Senatoren 8. unter ihnest seit dem 1. Januar 1936 den Präsidenten des Senats, Rudolf Roß. In der Tageszeitung., H a in b u r g e r Echo" unterhält die Hanl- burgcr Sozialdemokratie ein üler das ganze Städtegcbiet vsrbrei- tetcs Organ, das in dem Eigeubetrieb der Sozialdemokratie, der Buchdruckerei und Verlags an st alt Auer u. Co., eine der größten Hamburger Buchdruckcreien, hergestellt wird. Weltanschaulich« Bindungen führen von der Sozialdemokratie hinüber zur freien Gewerkschaftsbewegung, die die weitaus stärkst« oller örtlichen Gcwerkschaitsorganisationen darstellt. Im Ortsausschuß Groß-Hamburg des ADGB. sind allein 37 frei- gewerkschaftliche Organisationen der verschiedensten Beruf-arten zu- sammcngejchlossen, die Ende 1929 213 666 v o l l z a h l c n d c Mit- g l i e d c r umfassen. Daß sich die freie Gewerkschaftsbewegung wieder im Aufstieg befindet, geht aus der Tntsache hervor, daß sie ihre Mitgliederzahl im Jahre 1929 um 15 666 steigern konnte. Für U n t e rft ü tz u n g s« i n r i cht u n g c n wurden im gleichen Jahre 4,5 Millionen Mk. aufgewandt. Allein für Erwerbslosenunlerstühung verausgabten die Hamburger Gewerkschaften im angezogenen Berichtsjahre 1,S Mil- lionen?Nk. Großzügig hat sich das freigewertfchaftliche Bildungswesen entwickelt. Daneben stehen in engster Verbindung mit den freien Ge- werkschaften eine Reihe von gewerkschaftlichen Unternehmungen, die gleichfalls festen Fuß in liamburg gefaßt haben. Es sind der G e- m e i n n ii tz i g« Berkel) rsvereftn Groß-Hamburg e. V., die Niederlage Hamburg der Lindcar-Fahrrad werke A.- G., der G r o ß h a m b u r g i s ch e Bcstattungsverein 1 mit der»«gritdatskssf«»»« 1924. tee« hau» Hamburg G.m.b.H., die Heimstätte de» Allge- meinen Deutschen Gewertschaftsbunde», Ortsaus- schuh Groß-Hamburg G.m.b.H., die Filiale Hamburg der Bant der Arbeiter, Ange st eilten und Beamten A.-G. und die Gemeinnützige Kleinwohnungsbaugesell- s ch a f t. Während es sich bei den letzgcnannten Unternehmungen zum Teil um unmittelbar mit der Gewerkschaftsbewegung zusammen-- hängende oder aber um während der legten Jahre ins Leben ge-- rufen« Einrichtungen handelt, finden wir in Hamburg neben der politischen und gewerkschaftlichen Bewegung als einen nicht mehr zu übersehenden Faktor im Wirtschaftsleben die Genossenschaftsbcwegung als eine der starken Säulen der Arbeiterbewegung. Zunächst ist Hamburg Sitz der Großeintaufs-Gesellschaft Deut- scher Consumvereine, die Ausgang 1929 885 Gesellschaften umfaßte. Im Gründungsjahr 1894 erzielte sie einen Umsatz von 541 471,44 Mk. bei einein Stammkapital von 34 566 Mk. Im Jahra 1929 betrug der Umsatz 561 378 122 M t. bei einem Stamm- kapital von 25 Millionen Mk.— Auch die Verlags--- gesellschaft deutsche rKonsum vereine, die ihren Sitz, in Hamburg hat, weist«ine ähnlich grandiose Entwicklung auf. Im eigenen Geschäft erreichte sie im Jahre 1964 einen Unisatz von 186 369 Mk. und im Jahre 1929 einen Umsatz von 14 384 351 Mk.— Neben diesen beiden genossenschaftlichen Zentralen steht der Zen- traloerband deutscher Konsuni oereine e. V., der aus zentralgenossenschaftlichen Vereinigungen, aus Reoisionsverbänden und diesen angeschlossenen Konsum-, Arbeits- und sonstigen Genossenschaften besteht. Erstaunlich ist auch der Aufstieg der gewerkschaftlich» genossenschaftlichen Versicherungs-Aktienge- s e l l s ch a f t„ V o l k s f ü r f o r g e Ihr Verstchernngsbestand be- lief sich 1913 auf 76123 Policen mit einer Versicherungssumme von 12 912 968 Mk.. 1929 lag der Bestand bei 1 918 267 Policen mit einer Versicherungssumme von 783 136 971 Mk. Bon unmittelbarster Bedeutung für die Hamburger Bevölkerung ist der Konsuni- Vau- und Sparverein„Produktion" e. G. m. b. H., der im Jahre 1899 von einigen hundert ge- werkschaftlich organisierten Arbeitern gegründet wurde. Im ersten Jahre tonnte die„Produttion" sechs Verkaufsstellen eröffnen, die einen Umsatz von 163 748,27 Mk. erzielten. Nach dem Bericht der „Produktion" über das Jahr 1929 hatte sie am 1. Januar 192? 116128 Mitglieder mit einem Gesamtumsatz von 79 646 463,13 Mk.i sie verfügt über 443 Kolonialwaren- und Ge-- müse-, 168 Schlächter- und 81 Brotläden, 4 Kaufhäuser, 4 Möbel- laden und zwei Kohlcnläger, und unterhält Großschlächterei, Groß- bäckerei, Mühlen, Molkereien, Kaffeerösterei, Kellerei, eine chemisch- technische Fabrik, technische Betriebe, eine Möbelfabrik, eine Ziegelei. landwirtschaftliche Betriebe und ein« Sparkasse. Vorstehender zwar gedrängter Ueberblick über die Homburger Arbeiterbewegung wird dem Fremden immerhin ein Bild von der Vielgestaltigkeit der Hamburger Arbeiterbewegung vermitteln, die in starken Organisationen und in politischen und wirtschaftlichen Leistungen zum Ausdruck kommt. Akademiker-Lteberangebot. - Oer Andrang zum Studium soll gebremst werden. Die Zahl der Zlbiturientcn hat sich gegen die Vorkriegszeit rn Preußen verdreifacht, in anderen deutschen Ländern verdoppelt: die. Zahl der höheren Schüler steht heute gegen damals 156: 166, der Hochschüler 166: 166, die der technischen und wirtschaftlichen 5)och- schulen noch bedeutend höher. In wenigen Jahren wird eine Viertel Million absolvierter Akademiker ohne Aussicht auf Anstellung dastehen!' Wenn«ine Erhebung in Preußen ergeben hat, daß 43 Proz. der höheren Schüler nur bis zur Beendigung der Schulpflicht in der höheren Schule gelassen werden, so ist damit erwiesen, daß«in großer Teil der Eltern gar nicht die Absicht hat, ihre Kinder dem Studium zuzuführen, sondern sie nur eine„Berechtigung", zumeist die des„Einjährigen" erwerben lassen will, damit sie bessere An- stellungsaussichten haben. Es ist nun zunächst in Preußen geplant. die Volksschule durch einen zweijährigen Aufbau so zu ergänzen. daß das Abschlußzeugnis dem„Einjährigen" gleichwertig ist. In einer Konserenz des Reichsinnenininisters Dr. W i r t h mit Vertretern der Schul- und Arbeitsvermittlungen der Kommunal- verbände und der Wirtjchaftskörperjchaftcn haben sich gerade auch die letzteren bereit erklärt, für die praktische Gleichberechtigung dieses Mittelschulzeugnisses mit dem Einjährigen zu wirken. Der inlerparleiliche englisch« Ausschuß über die Todes- strafe hörte den Erzbischof von Bork, der sich energisch gegen die Todesstrafe erklärte. Sie widerspreche dem Geist der christlichen Religion. Eine phiisischc Vernichtung könne höchstens gegen einen Menschen vollzogen werden, wenn er ein völliger Teufel sei. Aber ein derartiges menschliches Wesen sei auf Erden nicht vorhanden und für jeden Menschen gebe es eine Hoffnung auf Besse- r u n g. TUe&let, Lidilspiele usw. LJH.I------ i jgjk Staats-Theater geschlossen! Abonnements- Anmeldungen für die Spielzeit 1930-31 (Beginn am l. September) werben auch wahrend derThe- aterierien entgegengenommen: a) für die Staatsoper und das Staatl. Schauspielhaus vomAbonqements- büro, Berlin W56, Ober- wallstr. 22.— Femspr. Merkur 9024, b) für das Staatl. Schillertheater vom Abonnementsbüro, Berlin-Chartottenburg, Grolman- straße 76.— Fernspr. Steinpl. 6715. Uql. 5 u. 619 Zonal. 2, s o. s u Alex. E 4. 8066 Internationale Attraktionen VolKsbUhne Tlintir an BOlovpliti. 8 Uhr Zum 1. Male; Der fröhlidie Weinberg Lustsp. in 3 Akten vod Karl Zudiniazer Regit: IL D. Reuter. Dir. Dr. Hirtin Zidil Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Tiglich 8'/a Uhr Liebe and Trompeten' blasen StliDl:/Viitim,- Uhr Wie werde idi reidi und glQdklidi? Dg Kann Ii 11 IMtiigggn nn Wir Jndiimug. ÜBkik von Xiidu Spolimkj Rigii: Eridi Eggü Bühnenbilder Lgdwig Kiiur Renaissance- Theater 9 Uhr Steinplatz 6780 □la Wunder- Bar Revuestück Theater i Westens Täglich 8M, Uhr: nas Land des Ufcbelns Franz Lehars SenMtionsertolgl rose! -Theater Große Frankfurter Str. 132 I Blllettkam: Alex. 3422 u. 34f4| Heute letzter Tag Rosenfest Im Rose-Garten I Tautanda von Rotan. Rleaan- Fauarwark. Tanz Im Fralan. Naua Gartan- BalaueMungi- aflakta. Varlattachau.— Willi I Roian am Fügal.— 8» Uhr: >, Verliebt« Leute" Operette von KOnnaka. Im Inaeniheatar Tiglich 8.15 1„Die andere Seite" 1 - iar groBa kOnatlariicha Erlolg bat iar(aaamtan Prataa Barllnt. Pwl Rata ala Kampagnlafllhrar Beriiner Proier Sommeroaiienincaiei Kastanicnallee 7—9 Tiglidi lofang 4 Uhr der große Varietd- Teil. Eine entzückende Burleske 8.1 S U. Qustl Beer, Grell Lilien, Alex Haber, V, von Kobylanska in die Rose vonStambul Operette in 3 Akten von Leo Fall Brases Ranmodien Eintrittspreis von 50 PI. an, rneai.smKoiiD.ror Kottbusser Str. 6 p lag). 8'- Uhr Hiebael Bohnen in ntit Dir allein.. Operettenhaus (Zentral- Theater) Dönh. 2047 Alte Jakobstr. 30/32 Der großen Hitze wegen geschlossen. Wiedereröffnung am I.August mmm %Spfeiswrte /«YNMM Resteurant Berlins KEStKld> Theater I. d. Behrenstr. 53-54 S*/» U- A4 Zentrum 926-927 Wk U OlrcklioD Ralph Arlhar Roberts Mein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Rods C Winter * Garten* (.15 Ohr— Banihen erlaom Corlinis Dollarsegen usw. J Reichshallen-Theater |T| Uhr Stettiner Sänger Das g roße Program ml Cinhoff-Brettl und Garten Varleti— Konzert— Tanz te-linrlrh" iit tnhtta«ulrwtetlii Vitt«» iitd Ci iiDirai Amo bj||ig J Strümpfe wasche Gardinen Kanlhaus Emil Moses Nudii. Birkeos(r.20(Ed(e Pntlltzstr.) noderne ovale form mit echtem Goldrand Aiunch 12 MOMATSRATEri Main Kautabak scbmeckt mir doch am besten! tfleiloge Mittwoch, 9. Juli 1930 BffWtpnD Suilüuk&xße 4t* IbutarC Ellis Island, die Träneninsel Eltl Rundgang** Von Herbert Hartmann New Zork. Ende Juni 1330. Battery Place, unten an der Südspitze Manhattans, ge- hört$u den historischen Platzen Amerikas. Hier haben die Engländer am 25. Nooenrber 1783, als sie New Pork dem besrciten amerikani- scheu Boll überlassen mußten, noch einmal den Union Jack auf hoher Flaggenstange gehißt und, um sein Niederholen zu erschweren, den Mast über und über mit Wagensett beschmiert. Einem amerikani- schen Soldaten mit dem unamcrikanischen Namen Ban Arsdale ge- lang es trotzdem, die Stange zu erklettern und an Stell« der eng- tischen Flagge das Sternenbanner zu setzen. Ein Gedenkstein gibt von dem Ereignis Kunde: und aus dem noch vorhandenen Flaggen- mast wird jedes Jahr am„evacuation day" das Star-Spangekd- Banner gesetzt. Battery Place hat aber auch eine große Alltagsbedeu- tun g, vor allem für die Einwanderer in die Staaten. Denn hier legen die Bundessährboote an, die Ellis Island, die Tränen- msel, mit der Freiheit verbinden. Und wenn auch längst nicht mehr jeder Einwanderer bei der Ankunft in New Port nach Ellis Island gebracht wird zur letzten und gründlichsten Reifeprüfung für den Eintritt in das neue Kanaan: wenn auch heute in 16 europässchen Staaten 27 amerikanische Einwonderungskommissare— davon fünf allein in Deutschland— ausreichende Vorarbeit leisten, so beginnen doch immer noch mehr als 1500 Drittklah-Passagiere allmonatlich ihren Aufenthalt im Land« der Freiheit mit einer Gefangenschaft von 20 Minuten bis zu sechs Monaten auf dem kleinen Eiland zwischen der Freiheitsstatue und dem Festland«: einer Ge- fangenschast freilich, die in der Form mildester Haft vollzogen wird. Aber die Entziehung der Freiheit bleibt: und auch die unfreiwilligen ..Gäste* der Träneninsel, die in der weit überwiegenden Zahl ab- solut keine Verbrecher im Sinne des Strafrechts sind, werden von Aufsehern bewacht und dürfen nur zu bestimmten Stunden frische Luft in einem kleinen Garten schöpfen. Wer von den Ankömmlingen nach Ellis Island muß, bestimmen der Arzt und die Einwanderungskommissare, die Passagiere und Besatzung jedes einlaufenden Schiffes einem genauen Examen unterziehen. Der Verdacht einer Krankheit(bei allein- reisenden, unverheirateten Frauen auch Schwangerschaft!), ein Form- fehler in den Papieren, die Nichtanwesenheit von Bürgen oder Ver- wandten am Pier genügen, um trotz aller Voruntersuchung in der Heimat den freien Zugang zum amerikanischen Land zu sperren. Aber auch vom Land selbst bekommt Ellis Island Zuwachs, vor allem die aus gesundheitlichen oder kriminellen Gründen Deportierten, die sogenannten„Warrant cases", also Nichtbürger, die der richter- kiche Befehl oder das richterliche Urteil aus dem Lande stößt, ferner Deserteure von Schiffsbesatzungen und Leute, die aus- krumme» Wegen, etwa über Kanada, unrechlmäßig in die Staaten gekommen sind. Dabei sei gleich der viel begangene Irrtum Besuchsreisender aufgeklärt, als ob die Dauer des amerikanischen Besuchsvisums identisch wäre mit der tatsächlichen Aufenthaltserlaubnis im Lande. Selbst wer ein Zwölf-Monats-Visum hat, wird vom Einwanderungs- kominiffar an Bord höchstens sechs Monate Aufenthalts- erlaubnis im Paß vermerkt bekonimen. Und dos ist maßgebend. Wer da nicht rechtzeitig um Verlängerung nachsucht, kann leicht mit Ellis Island Bekanntschaft schließen. Unbeliebt, vor allem auch bei den Reedereien, sind die Besatzungsdeserteure deshalb, weil die Schiffsgesellschaft verurteilt werden kann, für jeden einzelnen tausend Dollar Straf« wegen zu nachlässiger Beaufsichtigung zu bezahlen: sie schützt sich dadurch, daß sie unsicheren Kantonisten keinen Landurlaub in amerikanischen Häfen gibt. Im übrigen aber deportieren auch die Amerikaner keinen, sie hätten ihn denn... Und der liebenswürdige Beamte mit dem „amerikanischen* Namen Hermann Mohr, der mir die Einrichtungen der Träneninsel zeigt, meint mit Recht, daß Ellis Island und seine Schwesterstationen im Süden, Westen und Norden des Landes ge- waltig vergrößert werden müßten, wenn man auch nur annähernd die nach amerikanischem Recht deportationsreisen Fälle erfassen würde. Ein kleines Beispiel: Auf Denunziation eines lieben Nach- barn wird in Brooklyn ein junger Deutscher von der Polizei auf- gegriffen und in Haft genormnen. Cr gibt zu Protokoll, unrecht- ' mäßig seit Jahren im Lande zu leben und wird dem Richter vor- geführt. Deportation? Kein Gedanke. Der Verlreter des Deutschen macht geltend, daß diese Verhaftung der Form nach gegen die Bundesverfassung verstößt, denn die Polizei hatte keine» richterlichen Haftbefehl, der hier in allen Fällen, in denen nicht gerade ein Kriminalverbrecher auf frischer Tat gefaßt wird, erforderlich ist. Dem Richter bleibt nichts übrig, als den Deutschen wieder frei zu lassen, nachdem er vorher noch darum gebeten hat, von einer Schadenersatzanklage wegen der verfassungswidrigen Inhaftierung abzusehen. Der junge Deutsche lebt weiter„unrechtmäßig" in den Staaten. Da es hier kein polizeiliches Anmeldewesen gibt, wird es nicht leicht sein, ihn abermals in Sichtweite zu be- kommen. Auf Ellis Island selbst lebt man nicht so schlecht, wie der Aus- druck„Träneninsel" vermuten ließe, der eben mehr auf psychologische Leiden zurückzuführen ist. Abgesehen von den Chinesen, die separat untergebracht werden, finden sich tagsüber in den riesigen, durch mehrere Stockwerke gehenden Ausentholtsräumen Vertreter so ziem- lich oller Nationen zusammen, von deuischen Landsleuten bis zu Negern aus Britisch-Afrika. Das unvermeidliche Sternenbanner liegt von den Galerien über dem Saale. Gleich daneben steht der ebenso unvermeidliche Filmprojektionsopparat. der regel- mäßig Unterhaltung bringt. Auch für Konzcrtveranstal- tun gen sind Einrichtungen vorhanden: und jeden Sonntagvor- mittag finden Gottesdienste statt für Protestanten. Katholiken und Presbyterianer. Drei verschiedene Küchen, die„General"-, die jüdisch-rituale und die chinesische Küche, sorgen für die leiblichen Be- dürfniss». Die Menüs sind, dem amerikanischen„Standard ot lile* cirtsprechend, mindestens so gut wie in einem deutschen bürgerlichen Lokal: Suppe, Hauptmahlzeit mit Fleisch und Genmse, Dessert und Kaffee Zur Arbeitsleistung ist niemand verpflichtet. Wer aber Lust hat, sicki zu beschästigen, kann dies zu eigenem Nutzen tun und erhält das Rohmaterial dazu kostenlos qclielert. Die Frauen bekommen Stoffe. Wolle und sonstiges Zubehör: sie machen Hand- arbeiten und kleiden ihre Kinder ein. Viele Männer vertreiben sich die Zeit mit Wc bearbeiten. In den wjligcn Hallen jtchu» weißbezogene Tagesbettchen für Säuglinge. Durch die hohen, weit geöffneten Fenster kommen mit der Sonn- audz Vögel herein, geben ihr Konzert und picken sich das Honorar unter den Tischen zusammen. Innerhalb der Gebäude dürfen sich die Passagiere frei bewegen: sie können Post und(allerdings in durch Gitter geschiedenen Räumen) Besuche empfangen. Streng getrennt für Männer und Frauen liegen die Schlaf- und Baderäume. Nicht einmal Ehepaare haben ein gemeinsames Schlafzimmer. Die Schlafräume für Frauen enthalten durchschnittlich zehn freistehende weißbezogene Metallbetten. Die Bettwäsche für die Passagiere wird täglich gewechselt. Die weiß- gekachelten Dusch- und Badeeinrichtungen blitzen vor Sauberkeit. Kosten erwachsen den Betroffenen aus ihrem Aufenthalt auf Ellis Island nidit. Wenn die Leute vom Schiff'mit der Fähre ankommen, werden sie zunächst unter Zuziehung von Dolmetschern eingehend verhört. Für Deutsche wird aber nur selten ein Dolmetscher nötig sein, denn auffallend viele Ellis-Jsland-Beamte sind selbst frühere Deutsche und haben ihr« Muttersprache keineswegs vergessen. Einen grauhaarigen Wächter habe ich besonders begrüßt, der 1880 als Einwanderer aus Sachsen Ellis Island passierte und nun in diesen Tagen als Bundesbeamter pensioniert wurde. Auf das Ver- hör folgt die ärztliche Unterfuihung. Kranken stehen 20 kleinere SpezialHospitäler sür Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten usw. auf der Insel zur Verfügung.„Warrant cases" kommen in besonders abgeriegelte Gebäude mit vergitterten Einzelzimmern. Bei vielen Neuankömmlingen sind die„Zweifelsfragen* schon nach nn Minuten geklärt. Diese Glücklichen nehmen sofort die Fähre in Freiheit. Dabei können sie im Verwaltungsgebäude, noch auf de-. Insel, Eisenbahnsohrkarten lösen, sich der post ollice bedienen und auch einen amtlichen Reiseführer fordern, solls sie völlig sprachen- unkundig sind. Besondere Angst haben die USA. vor dem Zuzug von Analphabeten. Deshalb muh jeder Ellis-Jslond- Gänger auch eine Leseprobe ablegen, wofür Hefte vorhanden sind, die kurze Druckabschnitte in allen lebendigen Sprachen enthalten. Für die„Einfuhr* eines Analphabeten ist die Schiffsgesellschaft abermals mit 1000 Dollar Strafe bedroht. Trotz aller scharfen Bestimmungen betragen zur Zeit die D e portationsfälle weniger als ein Prozent. Wer allerdings einmal auf richterliches Urteil deportiert wurde, darf amerikanisches Land niemals mehr betreten. Indessen bleibt auch dieses Gebot Nicht ohne Verletzung. Der Photograph, der die Un- erwünschten im Bilde festzuhalten hat, wurde erst dieser Tage von einem Deportierten gefragt:„Kennst du mich nicht mehr? Ich bin doch vor sechs Monaten schon einmal deportiert worden."— Bei aller humanen Ausgestaltung wird und kann Ellis Island seine „Gäste" niemals so fesseln, daß nicht doch mancher, dessen Jdentitäts- feststellung im Heimatland sich monatelang' verzögert, die Geduld verlöre. So mancher gute Schwimmer hat sich näästlicher- weile von der Träneninsel empfohlen, indem er den Hudson da über- querte, wo er von der Insel aus am schmälsten ist, in Richtung New Jersey. Blumen machen Wirtschaftskrisen Die holländische Tulpenmanie Man schenkt sich Blumen, wenn man sich lieb hat. Aber Engländer und Franzosen haben sich im Zeichen roter und weißer Rosen jahrzehntelang befehdet und zersleisicht. Und Blumen führten auch zu Handelskrisen. Wir meinen die Tulpenmanie in den dreißiger Iahren des 17. Jahrhunderts, die, Kurichum der Wirtschaftsgeschichte, nicht nur das Wirtschaftsleben der hauptbeteiligten Niederlande auf den Kopf stellte, sondern auch die großen europäischen Handelsplätze stark in Mitleidenschaft zog. lieber die Tulpenmanie von 1631 bis 1637 heißt es in eitler alten Schrift, daß Edelleute, Kaufleute, Handwerker, Schiffer, Bayern, Torsträger, Schornsteinfeger, Knecht«, Mägde, Trödel- weiber usw. alles vo» der gleichen Sucht befallen war. Wie bei jeder Hausse gewann natürlich im Anfang jeder. Und viele kamen nach gemachtem Handel, wie die Holländer sich mit einer im Bauern- krieg auch in Deutschland sehr beliebten Bezeichnung ausdrückten, als die„großen Hansen* daher. In ollen Städten waren Wirtshäuser gewählt, die als Börsen dienten, wo Vornehme und Geringe um Blumen handelten und die Kontrakte mit großen Traktamenten bestätigten. Sie hatten unter sich Gesetz«, Notare und Schreiber. Das ganze Höllentheater dauerte ungefähr vier Jahre. Die Tulpe war ungefähr um das Jahr 15S0 durch den Forschungsreisendcn Busbeck von Adrianopel nach Europa gebracht worden. Freunde und Züchter fand sie besonders in Holland. Mittlerweile entstand dort«ine derariige Liebhaberei für die Tulpe, daß sie sehr hoch bezahlt wurde. Es entwickelte sich ein regelrechter Handel, an dm sich Städte wie Amsterdam, Utrecht, Rotterdan,, Alkmar, Leyden, Haarlem, Enkhuisen, Viauen, Hoorn undMedenblick beteiligt haben. Gehandelt wurden die Zwiebeln, und zwar nach einem sehr genauen Gewicht, nach Assen. Die damals für Tulpenzwiebeln gezahlten Preise erregen heute noch K o p f s ch ü t t e l». Wenn Max Wirth in seiner„Geschichte der Handelskrisen* feststellt, daß Geld, Güter, Haus und Hof, Vieh, Gerätschaften und Kleider für Tulpenzwiebeln gegeben und ver- schrieben worden sind, ist das keine Ucbertreibung. 400 As von einer Tulpenzwiebel, die den Namen Admiral Liesken führte, also eine Menge, bequem in der Westentasche zu tragen, wurde mit 1400 holländischen Gulden bezahlt. Admiral von Eyk war billiger. Von Ihr kosteten etwa 430 As 1620 Gulden. Für 1600 As Schilder mußten 1615, für 410 As Viceroy 3000 und für 200 As Semper Auguftus sogar 5530 Gulden angelegt werden. Aus der Chronik von Alkmar geht hervor, daß, es war im Jahre 1637, für 120 Tulpenzwiebeln 30 000 Gulden erzielt wurden. Das Geld verwandte man in diesem Falle mal ver- nünftig, nämlich zugunsten des Waisenhauses in Alkmar. Sonst führte der Blumenhandel mit seinen leichten Verdiensten zu den bekannten Uebertreibungen im Lebensgenuß, wodurch sich ja Krisen- vorzeiten charakterisieren. lieber die ganze tolle Zeit hat John Francis folgende treffende Zusammenfassung gegeben:„Im Jahre 1634 waren die.Hauptstädte der Niederlande in einen Schocher verwickelt, welcher den soliden Handel ruinierte, indem er dos Spiel aufmunterte, welcher die Lüsternheit der Reichen, wie die Begierde des Armen verlockt«, welcher den Preis einer Blume höher als ihr Gewicht in Gold steigerte, und welcher endigte, wie oll« solche Perioden geendigt haben, in Elend und wilder Verzweiflung. Viele wurden zugrunde gerichtet, nur wenig« bereichert. Geschäste wurden abgeschlossen auf die Lieferung gewisser Tulpenzwiebeln und wenn, wie ein Fall vorkam, nur zwei Stück auf dem Markt waren, so wurden Herr- schost und Land, Pferde, Ochsen, Hob und Gut verkauft, um die Differenz zu zahlen. Kontrakte wurden abgeschlossen auf tousende von Tulpen zur Tulpenzeit, welche weder Makler noch Käufer oder Verkäufer gesehen haben. Für einig« Zeit gewannen, wie gewöhnlich in solchen Perioden alle, und keiner verlor. Arme Personen wurden reich. Hoch und Nieder handelt« in Blumen. Die Notare bereicherten sid>, und selbst der nüchterne Holländer träumte, ein dauerhaftes Glück vor sich zu sehen. Leute der verschiedensten Prosessionen versilberten ihr Eigentum. Häuser und Gerätschaften wurde» zu Schleuderpreise» angeboten. Das Land gab sich der trügerischen Hoffnung hin, daß die Lcidenschajt für Tulpeu imincr andaueru würde, und als man erfuhr, daß j« l b ft das Ausland von diesem Fieber ergriffen wurde, so glaubt« man, daß der Reichtum der Welt siä) an den Ufern des Zuidersees konzentriere und das die Armut hinfüro in Holland zur Sage werden würde. Daß man ernsthaft bei diesem Glauben war, beweisen die Preise, die gezahlt wurden, und diese Manie muß in der Tat tief gewurzelt haben, wenn, wie von vielen in dieser Zeit glaubwürdig versichert wurde. Güter im Werte von 2500 Gulden sür eine Spezies gegeben wurden, wenn für eine andere in der Regel 2000 Gulden geboten und eine dritte einen neuen Wogen. 2 Schimmel samt Geschirr wert geachtet wurde, wenn 12 Acker Land für eine Tulpe bezahlt wurden." Soweit John Francis. Wir können uns den Taumel der Tulpenmanie sicherlich gut vorstellen. Haben wir doch das Börsenspiel in der Inflationszeit noch in genügender Erinnerung. Oder denken wir an die Gründerzeit mit den Stroußbergfchen Emissionen. hier wurden eben Aktien gehandelt, dort Tulpen. Weiler nichts. Der Verlauf der ganzen Affäre ist hier wie da derselbe. Auch einzelne Anekdoten, die sich auf unsere Tage gerettet haben, sollen hier nicht vorenthalten werden. Ein reiäzer Kaufmann in Holland hatte seinen Bootsmann zu Tisch, der ihm soeben Waren gebracht hatte. Der Bootsmann wurde mit Heringen und einer Kanne Bier bewirtet. Dabei gelüstete ihn nach einer Zwiebel. Sie log zufällig zur Hand. Der Bootsmann schälte und verspeiste sie zu den, Hering. Hinterher stellte es sich heraus, daß es eine Tulpen- zwiebel war, die der Kaufmann vor wenigen Augenblicken mit 5 00 Gulden bezahlt hatte. Die Chronik bemerkt dazu, daß das Heringsfrühstück mit Zwiebel dem Kaufmann mehr gekostet habe, als wenn er den Prinzen von Oranien traktiert hätte. Eine andere Anekdote, die so rechr die Umwertung aller Werte im Zeichen einer Manie beweist: Ein Engländer, der sich in Holland aufhielt, fand zufällig in einem Garte» ei» paar Tulpenzwiebeln. Er steckte sie zu sick), um naturwy'sensdzost- liche Forschungen anzustellen. Resultat: hochnotpeinliches Verfahren gegen ihn wegen Diebstahls Er ivor schließlich froh, als man ihn gegen Hinterlegung einer großen Summ« feines Weges ziehen ließ. Bei jedem Spiel kann der eine nur das gewinnen, was der ander« verliert. So machte die Tulpenkrtse zunächst viel« Leute reich. Die Chronik weiß von einem Mann zu berichten, der In wenigen Wochen 60 000 Gulden gewann. Das Gegenstück davon: daß bekannte reiche Häuser zugrunde gerichtet wurden. In einer einzigen holländischen Stadt wurden in den vier Jahren der Tulpenmanie sür 10 Millionen Mark in Tulpen umgesetzt. Die Bevölkerung von Haarlem jährte lange Zeit aus den Tagen der Tulpenmanie her den Namen „Blumiften". Wenn aber verdient wird, dann schafft man Waren und die Tulpe ist etwas, das sich mühelos produzieren läßt. So trat etwa um das Jahr 1637 eine Ueberproduktion ein. Man wurde gegenüber diesen Sachwerten mißtrauisd). Dann kam, «in Gesetz der Krise, die Panik. Hatte nian vorher die Tulpe nach Gramm mit Tausenden von Gulden bezahlt, so wollte jetzt niemand mehr etwas von Tulpen wissen. Die Flucht aus den Sachwerten setzte ein. Die Tulpenhändler mochten es so, wie man das heute macht. Sie griffen zu einer großen Propaganda und bewiesen haorscharj, wie unsinnig die Panik sei. Die Chronik weiß auch von einzelnen Versuchen, das Angebot zu drosseln und zu kontingentieren,.zu berichten. Es ist eben schon alles dagewesen. A b e r e s h o l f n i ch t s. Die Abkehr von der Tulpe wurde all- gemein. Kontrakte wurden gebrochen und die beteiligten Finanzier» leiteten, herrliche Parallele, Exekutionen, den zwangsweisen Verkauf von Tulpen ein. Das drückte dann auf den Markt. Der letzte Damm war damit gebrochen. Als dann auch die Gerichte, die die Interessenten anriefen, ihre Mithilfe verjagten, weil es sich um Spielschulden Handels, war alles vorbei. Für ein paar Pfennige konnte man jetzt Tulpen haben, und wenn der Bootsmann bei dem oben erwähnten Kaufivann dieses Mal zu einem Zwiebelessen gebeten worden wäre, hätte dieser den Fall weniger tragisch genommen als in jenen Togen, wo die Zwiebel 500 Gulden kostete. Friedrich Olk (26. Fortsetzung.) Aber diese Empfindung war nur für einen Moment in ihm bemutzt. Seine Ausmertsamkeit war im übrigen ungeteilt auf die vor ihm spazierende Gestalt in Gelb tonzentriert. Er hatte es nicht schwer, ihr auf den Fersen zu bleiben. Ihr Morgenausslug war ofsenbar ahne Aweck, ohne Ziel. Der Lautsprecher befand sich auf dem Ausstellungsgelände, dos ein Anzichungspunlt für viele Be- such« des Praters war. Denise ging in der entgegengesetzten Rich- tung eine breite Allee hinunter! Hammevschlog hatte es durchaus nicht mehr so leicht wie vorher, in Deckung zu bleiben. Ab und zu überholten ihn Fußgänger, mitunter kamen zweispännige Gefährte in prachtvoller Fahrt aus der schnurgeraden Allee hergesprengt. Nach einer Weile bog Denis« auf einem schmalen Weg linker Hand in die Anlagen czn. Hier war es noch gefahrvoller, ihr zu folgen. In der'Abgeschlossenheit dieser umwaldeten Wiesenstücke mußte» die Anwesenheit eines Menschen die Aufmerksamkeit des andere» erwecken. Hammerschlag hielt sich nach Möglichkeit hinter Bäumen und Büschen, er verleiserte feine Schritte, verhielt unwill- kürlich das Atmen. Bon ganz weither war die Musik des kolossalen Lautsprechers hörbar. Davon wurde die Stille gleichsam stiller. Denise ging immer weiter auf den schmalen Waldwegen, sie schien sich hier voll- kommen auszukennen. Plötzlich war sie verschwunden. Eine dichte Wand von Stämmen und Gebüsch entzog sie seinen Augen. Zlls er mit lautlosen Sprüngen heran war und spähte, sah er sie mitten in einer Lichtung, die halb beschattet mar, eben im Begriff sich ins Gras zu fetzen. Dann streckte sie sich aus, sie lag aus der Grenze von Sonne und Schatten. Ihr gebräuntes Gesicht mit geschlossenen Lidern ruhte in blauer Dämme- rung, eine schwarze Locke hing auf der offenen Stirn, auf dos helle Kleid pfeilten grüngoldene Lichter. In mühsam gestauter Begeisterung stand Hammerschlag in seiner Verborgenheit. Dann zupfte er energisch seine Weste herunter und ging mit festen Schritten auf die Liegende zu. Erst als er genau vor ihr stand, fuhr sie mit dem Oberkörper in die Höhe. Rechtwinklig starr saß sie da. Grüßend ließ er seinen Hut einen ausladenden Bogen in der Luft beschreiben. „Einen schönen guten Morgen, Fräulein von Langen", sagte er, „ich bin sehr erfreut, Sie hier zu finden." Und mit diesen Worten setzte er sich ins Gras, in die helle Sonne, so, daß sie beide aus nächster Nähe einander in die Augen sahen. Ilzre gebräunte Haut war saht geworden.„Was wollen Sie", sagte sie mühsam. Zur Flucht, obgleich der Gedanke daran in ihren Augen zu lesen war, machte sie keinen Versuch.— Er wird mich einfangen und alles wird noch schlimmer stehen als jetzt, dachte sie wohl. Sie starrte ihn an. „Was ich will?" sagte 5)ammerschlag.„Ich will Ihnen Ihr letztes Monatsgehalt bringen, sonst nichts." Seine Hand machte wirklich eine Bewegung zur Brust, als wollte er da eine Brieftasche hervorziehen.„Sie sind uns in Berlin ja so eilig davongelaufen— ich will niemanden etwas schuldig sein, durchaus nicht." Da tat Denise ihr Gesicht in die Hände und sing an zu iveinen. „Warum lassen Sie mich nicht in Ruhe", weinte sie,„weshalb verfolgen Sie mich bis ans Ende der Welt?" „Bis ans Ende der Welt... ober nein", sagte Hammerschlag, unfähig, etwas Eigenes zu denken. Er hatte ganz etwas anderes erwartet— so etwas Achnliches, wie er schon einmal, in Berlin. von Denise empsongen hatte— und nun kamen Tränen! Tränen in den Augen von Denise— das war für ihn der knock-out. Die Luft blieb ihm weg. Er suchte nach beruhigenden Worten für sie, aber in seinem Kopf schien die Durchfahrt sür jeden Gedanken gesperrt. „Hören Sie einmal, Fräulein von Langen", sagte er plötzlich derb,„ich glaube, Sie wollen mir meine Ferienreise verbieten? Ich bin hierhergesahren, um den Frühling irgendwo recht angenehm zu verleben.— Sie verfolgen? Sie denken natürlich an den Schas- berg. Aber da muß ich Ihnen sagen, daß Sie im Irrtum sind, wenn Sie die Begegnung da oben für einen vorbereiteten Plan halten. Damit will ich nicht sagen, daß mir ein Zusammentresfen mit Ihnen etwa unangenehm gewesen wäre— im Gegenteil, es tut mir leid, sehr leid, daß Sie vor mir Reißaus nehmen, wo Sie mich nur zu Gesicht bekommen wie vor einem Menschenfresser. Wenn ich vor Ihren Augen nun nicht gerade das ollerverworsenste Geschöpf auf dem Erdboden bin, dann erklären Sie mir vor ollem einmal, wodurch ich dies Mißtrauen verdiene?" Denise schwieg Sie hatte das Gesicht immer noch in den Hände» versteckt. Endlich, als die Pause unangenehm lang wurde, hob sie den Kopf, und ihre eisigen Züge schienen zu sagen: Wenn du auf meine Antwort wartest, mein Freund, dann kannst du aber noch lange warten. „Na", munterte Hammerschlag auf,„schießen Sie doch mal los." „Weil Sie mich quälen", schrie Denise wütend,„wie kommen S' denn dazu, inich»»einer Freiheit zu berauben!" „Ich danke Ihnen", sagte Hammerschlag erleichtert. Verdutzt sah Sie ihn an. „Nichts konnte mir einen größeren Schmerz bereiten", erklärte er sachlich,„als die Ursache der Tränen in Ihren Augen zu sein. Wenn Sic bloß auf mich ärgerlich sind— das ertrage ich be- deutend leichter. Es geht gerecht zu. Auch Sie haben mir Anlaß zum Aerger gegeben, vergessen Sie das nicht." Denise steckte die Zeigefinger in die Ohren und sah vor sich hin. „Außerdem", sing Hammerschlag dessenungeachtet an.„war es regelrecht ungesetzlich, einfach ohne Kündigung vom Büro weg- zubleiben. Wer soll denn nun all die eingesandten Manuskripte prüfen, wie? Fühlen Sie denn gar kein Erbarmen mit mir?" In diesem Augenblick lachte Denise hell heraus. Die Zeige- finger gaben das Spiel auf und verließen die Ohren. Ihre Schul- tern imd der Rücken bebten. Dann wendete sie da? Gesicht von ihm weg. „Ich lache über was anderes als über Ihre Witze", jagte sie so barsch, als«s ihr möglich war.«Ihre Witze habe ich überhaupt nicht gehört. Ich loche nur, weil ich denk, wie kann ein Mensch nur so aufdringlich sein wie Sic?" Hammerschlag strahlte. „Fräulein Denise", sagte er,„zum erstenmal in meinem Leben haben Sie mir die Ehre angetan, mir zu zeigen, wie Ihr Gesicht aussieht, wenn es lacht. Dos ist so, als ob Ihr Herz seine Bisiten- karte bei mir abgegeben hätte. Verzeihung, zehntausendmal Der- zeihung", sagte er rasch.„Es ist eben mein Unglück, daß jede meiner wohlgemeinten Bemerkungen für einen Ausbruch von Bösartigkeit von Ihnen gehalten wird. Sehen Sie, wenn ich nicht gerade ein Mann wäre, so wäre jetzt die Reihe an mir, eine Träne zur Erde fallen zu lassen." Er schwierg, Denise gab keine Antwort. Der kolossale Lautsprecher musizierte den Wiener Walzer durch die Bäume. Die Sonne stand im Mittag. „Mir hat's in Berlin nicht gefall'»", sagte sie plötzlich. Er sah sie an, öffnete den Mund, schwieg und sagte dann doch: „Mit Berlin geht es Ihnen noch einmal wie mit mir.— Sehen Sie, im Anfang habe ich Ihnen auch nicht gefallen—" Sie blickte zu ihm hinüber, als wollte sie sagen: Und jetzt? Hat sich denn da das geringste in meiner Meinung geändert? Aber da machte er sein verschmitztes Gesicht. Und sie mußte, warum wußte sie selber nicht, lachen. „Bei uns in Berlin", fuhr er unbeirrt fort,„muß man eben erst mit dem Leben leben, eh man es kennen lernt. Vom bloßen An- sehen versteht inan's noch nicht. Das ist ja überall so aus der Welt, aber in Berlin tritt es besonders auffällig zutage. Bei euch in Wien kann man natürlich auch noch lange nicht von den Worten, die einer spricht, auf die Menschen schließen. Wer aber meint, er könnte einen echten Berliner beurteilen nach der Art, wie er sich von außen zeigt— nee, der is schief jelandet." „Ich geb gern zu", sagte Denise leise,„vielleicht lebt sich's da, wenn man's glücklich trifft, ebensogut oder vielleicht noch besser als hier. Auf die Liebenswürdigkeit, wo nix dahinter steckt", sagte sie,„geb ich gar nix. Wenn einer schön redt und nachher nix hält, dos ich schlimmer noch als umgekehrt." „Richtig", bestätigte Hammerschlog. Sie sah chn nicht an, fuhr aber ebenso leise wie vorher fort: „Ich hatte damals auch einen ganz anderen Grund, Berlin zu verlassen. Mein Bruder war plötzlich angekommen— er lam von Prag und hatte eine Nachricht sür mich, übrigens eine freudige Nachricht. Ein Prager Verwandter, der kürzlich gestorben war, hatte mich in seinem Testament sehr freundlich bedacht." Ach so, dachte Hancmerschlag, und im glücklichen Rausch bist dlt mir davongeflogen.— Laut aber sagte er: „Ich bin sehr enttäuscht, Fräulein von Langen... Und ich in meiner männlichen Eitelkeit hatte mir eingebildet, Sie hätten eigens um meinetwillen Berlin verlassen." „Ja, es kam grad eins zum andern", meinte Denise,„da häb ich's getan."(Fortsetzung folgt) e Buch Jtenin Zehn Jahre nach dem Tode Lenins besitzen wir bereits eine recht umfangreiche Lenin-Literatur. Vergöttert von seinen An- hängern, die ihn ja glücklich auch zum Sowjetheiligen gemacht haben, verflucht von seinen Gegnern, denen er ein Mensch ge- wordener Teufel scheint, gibt es nur einige wenige gute Bücher über Lenins Leben. Jetzt bringt der Sisben-Stäbe-Berlag, Berlin, ein Werk des Polen Offendowsti„Lenin, ein biographischer Roman"(436 Seiten, Preis 2,8., Mark) heraus, das in keiner Weise zur qualitativen Bereicherung der Lenin-Literatur beiträgt. Der biographische Roman ist der vorletzte Schrei in der Lite- ratur, und im Grunde ist gegen diese Gattung Bücher auch nichts einzuwenden.'Im Gegenteil, in dieser Form werden auch olle die Kreise Biographien lesen, die für eine wissenschaftliche Darstellung nichts übrig hoben. Der biographische Roman braucht nicht mit unbedingter historischer Treue und wissenschaftlicher Genauigkeit ge- schrieben zu werden, der Romanschriftsteller hat die Freiheit, das Leben seines Helden so nachzubilden, daß es plastisch vor uns em° steht: er kann Unklares, Verborgenes so deuten und aufhellen, daß das Bild an Leben gewinnt:«r darf seinen Helden Gedanken aus- sprechen lassen, die vielleicht nie ausgesprochen wurden, die jedoch, wenn sie in den historischen Rahmen passen, legitimiert sind. Je- doch auch dieser dichterischen Freiheit sind Grenzen gesetzt, wenn auch nicht die unbedingte historische Treue, so muß doch die historische Wahrscheinlichkeit gewahrt werden. Und Ossendowski hat diese Grenze beträchtlich überschritten. Sein Lenin ist ein mongolischer Dämon, eine oft ans Kitschige heranreichende Mischung aus Gott und Teufel. Um dieses Bild glaubhaft zu machen, schreckt Ojse>i- dowski vor keiner Bcrwaltigung zurück. Lenin werden für irgend- welche Handlungen Gedanken und Motive unterschoben, die sich in keiner Weise rechtfertigen lassen. Unverbürgte Tatsachen werden so ausgedeutet, daß sie nur noch unglaubwürdig wirken. Und die edlen Bourgeois! Die edlen bürgerlichen Ingenieure leisten— in einer psychologisch ganz unmöglichen Handlung— sozialistische Arbeit. Und der edle Oberst bleibt aus seinem Gute und damit in der sicheren Lebensgefahr, um den Bauern, die sein Gut austeilen wollen, Berater zu sein. Aus der anderen Seite gibt es nur räuberische Bauern oder, wenn sie brav sind, kriecherische und unterwürjige. Die Arbeiter sind nur immer betrunken„und singen die Inter- nationale". Eine Schwarzweißmalerei, die durch den widerlich-ge- hässigen Ton nur noch abstoßender wirkt. Die Schrecken der Revo- lution und des Bürgerkrieges sind auch von den neuen russischen Schriftstellern schonungslos und realistisch genug dargestellt worden, bei Ossendowski jedoch geschieht es mit einer unwürdigen Dem- agogie, die das an Spannungen gewiß reiche Leben Lenins in einer oft kolportagehaften Art schief und verzerrt zur Darstellung bringt, und der Persönlichkeit Lenins, der man als Politiker durch- aus feindlich gegenüberstehen kann, in keiner Werse gerecht wird. Richard Junge. f�ät sei-Ecke des„Abend". aiiUiJiiuiniuiniiiiiiiiiiuiimiinitiiiiiiiuiiiuiiiiiinuiUumiiuuiHiiimiiuiuiiuiiiuiuiiiiimuuuiiiiiuiuittiauiHiuiuiuuumimtBiiDnminiiiuiiiuiniiuiuiuuDunminiiuimuiiiii» Silbenrätsel. Aus den Silben a ä band bürg dach de de de del del dek e el el ell er er cm srie ge gen gers gi gi gno gromm gung gung Heid i ker land le lei lein Ii lied lob lüb lung ma ma man na na na ni ni an pfeh ran rau ster ta ta te tel ten ti tri um un ve wan we zeu sind 22 Wörter folgender Bedeutung zu bilden: 1. Nordseebao: 2. Stadt in Württemberg: 3. Stadt in Assyrien: 4. Chemikaiie: 5. Südjrucht: 6. Einbildung: 7. Depesche: 8. Handwerker: 9. Kurort in Thüringen: 16. Aierbaum: 11. Äpinne: 12. weiblicher Borname: 13. Preisgesang: 14. Herstellung: 15. Else; 16. Versprechen: 17. weiblicher Borna nie: 18. Mustkiirstnimeitt: 19. griechische Göttin: 20. Wildsang: 21. Konferenz: 22. Anpreisung. — Die ersten und vierten Buchstoben, von oben nach unten gelesen, nennen einen alten Wahrspruch. ab. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Frühlingsgewächs:7.Für- wort: 8� Doppelookal: 9 amerikanischer«Vorname: 10. Naturerscheinung: 12 erregte Auseinandersetzung: 14 Fragewort: 15. Flächenmaß: 16. Ausruf: 19 a arabischer Artikel: 20. Doppelkonsonant: 22. Schmer- zensrus: 24, Bruder des Moses: 25. Gebiet einer ehem ägyptischen König- stadt: 27. gebräuchliche Abkürzung für Platz: 28. sranzösischer Artikel: 30. Arzneihandlung. � Senkrecht: 1. Altdeutsches Getränk: 2. Münzeinheit d. römischen, gegossenen, daraufhin ge- ' prägten Kupsergeldes: 3. , Deutsche Stadt: 4. Innen- - organ: 5. in Verbindung mit Nr. 9 waagerecht: angeborenes Kennzeichen: 6. Prophet; 10 lateinisch „und": 11. Tierprodukt: 12. Kurs: 13. englisch„nach": 14. gebräuchlich« Abkürzung für Toilette: 17. Maß s abgekürzt): 18. arabischer Artikel: 19. hinweisen. des Wort: 19a Flächenmaß: 20. oerlobles Mädchen: 21. amerika. nischer Politiker: 23. Heimat Abrahams: 24. Präposition: 25. Angst- träum: 26. Bogel: 27. abgekürzter Elternname: 29. Umlaut. Kapselrätsel. Aus den nachstehenden Wörtern sind je zwei aufeinander- folgende Buchstoben zu entnehmen, die, richtig zusammengestellt, ein Sprichwort ergeben: Erde, Wink, Idee, Heim, Durst, Shaw, Kind, Zelt, Star.' ot F-üllrätsel. Nachstehende Buchstaben sind in nebenstehende Figur einzusetzen: a a a a a a a bbddddddeeee eeeeeeeeeeekf iiiikkkk 111111 mmnnnnnnnno oooooprrrrrrs ssssssttttnuu ü z z.— Die Wörter bedeuten: 1. Parteiab- zeichen: 2. Stadt in Han- nooer: 3. Abordnung: 4. Kirchlicher Feiertag: 5. Stadt in England: 6 Im alten Athen der Adel: 7. Stadt am Rhein: 8. Papst- name: 9. Französischer Re- volutionär: 10. Deutscher Rundfunksender. Sind die Wörter richtig gebildet, so ergibt die schräg punktierte Linie den Namen eines be- kannten Sozialdemokraten. skr. Klubvergnügen. Die„u" der„e" auf gleicher Bahn, Den„e" fällt„u" im Laufen an. Stürzt„e" danieder, ist's nicht schlecht, Dem Spieler kam es eben recht.— kr. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Leder; 2. Enge; S. Wales; 6. Elbe: 7. Meto; S. Ragusa: 11. Meile; 13. Largo: lö. Rose; 17. Maro; 19. Tenne: 21. Rabe; 22. Logo; 23. Debatte; 25. Rochade; 27. Parterre: 28. Telegramm: 29. Rosine; 31. Adele: 34. Kino: 35. Edom; 36. Prater: 38. Togo; 39. Lager; 41. Minze; 43. Buche; 44. Barbarei; 46. Brahe; 48. Bankett; 49. Sade; 50. Gen- barm: 51. Degen.— Senkrecht: 2. Dame; 4. Gera; 5. Waso; 6. Ell«: 8. Talar; 10. Guben; IL Meise; 12. Pomade; 14. Goten; 15. Robe; 16. Tagore; 18. Rabatte: 20. Nero; 21. Rade; 22. Laterne: 24. Te- leskop: 26. Charaoe: 27. Parsifal; 30. Eskimo; 31. Adam; 32. Lepra; 23. Helgoland: 35. Eger: 37. Termin: 39. Lache: 40. Saba; 42. Zebra: 43. Bukett: 44. Barde: 45. Reigen: 47. Hede. Jäger und Wild: Kaffer— Affe. Zahlenrätsel: weltkraftkonferenz, Erkner, Lot«. Tonne, Kelle, Ratte, Arkvna, Foltsr, Tante. Srcniz, Ozean, Newa, Talke. Enkel, Rakete, Ella. Nektar, Zank. S ch l a n a e n r ä tse l. Waagerecht: 1. Po; 3. Lob: 4. Paß: 6. Kreuz; 7. Stanze: 9. Sinöbadi: 10. Sanstbar; 12. Waldhoriü — Senkrecht: 2. Ob; 4. Pol: 5. Salz;' 7. Speck; L. Eöuorde Iß. Seegras; IL SRatputitt. Bezirks«Schwimmfest in Wittenberge Berliner Schwimmer als Gäste schwimmen für Jugendliche über 100 Meter sicherte sich in den» Laus der Vereine mit Wintcrbad Knobel, Charlottenburg, von Ansang an einen Vorsprung und gewann auch in 1: 19,3 vor Job-Potsdam mit 1: 22,2. Den Laus der Vereine ohne Winterbad gewann Meier- Wittenberge in der Zeit von 1: 21,4. Das Crawlen für Männer gewann erwartungsgemäß Grün-Charlottenburg. Die erreichte Zei: von 1:6,5 Sek. ist als sehr gut äu bezeichnen, da die Bahn allgemein als schwer bezeichnet wird. Zweiter wurde Regiin-Spandau in 1: 7,3. Den Abschluß der schwimmerischen Vorführungen bildete eine Bereins-Brustschnellstasette über SO, 100, 200, 100, SO Meter. Von Ansang an hatte Charlottenburg einen Vorsprung, der sich später mit zedem Wechsel erhöhte. Erster: Charlottenburg mit 7:49,4 vor Falkensee 8:2,6: 3. Wittenberge. Die beiden folgenden Wasserballlpiele nahmen noch einmal das ganze Interesse der Zu- schauer in Anspruch. Im Spiel Wittenberge— Nowawes mußten sich die Ortsansässigen nach recht wechselndem Spielverlmis mit 2:1 gc- schlagen geben. Das Spiel der.�-Klass, Charlottenburg-Spandau wurde als Spiel um die Bezirksmeisterschast ausgetragen. Beide Mannschaften hatten einen Ersatzmann im Feld. Trotzdem zeigte ch aus beiden Seiten ein gutes Zusammenspiel. Bis Halbzeit war der Verlaus ziemlich gleichmäßig, was sich auch im 1:-Stand beim Wechsel spiegelt. Dann macht Charlottenburg wiederholt schnelle Durchbräche, die zum Teil Erfolge bringen. Bei Schluß des Spieles ist Stand 3; 1 für Charlottenburg. Beide Mannschaften befleißigen sich, fair zu spielen. Fraucnstafett«, 4X50 Meter: 1. Wittenberge 3;39,6: 2. Spanbou 3:42,3. Miinnerlogenstasette, 4X100 Meter(Älaffc H): 1. Nowawes 5:41,2; 2. Ehar- lottenburg 5:47,6. Kindcrbrustschwiminen. 50 Meter< Mild eben): 1. Aodderitsch (avillenlee) 52,6;(Knaben): 1. Seeger(Fatkensee) 47,8. Wcibl. Iuacndbrust- schwimmen, Ivo Meter: 1. Erunwalb(Wittenberge) und Peters(Patsbam) 1:50. Mitnncrrllckenschwimmcn, 100 Meter: 1. Kutsibkan(Charlottenburg) 1:26; 2. Wangcmann(Nowawes). Männl. Iugendbrustsebwimme», 100 Meter Ifiir Vereine o. W.): 1. Göllncr(Wittenberge) 1:34:(sitr Vereine m. W.>: 1. Grigullis(galkensec) 1:31. Meinnl. Iugendbruststafette, 4X100 Meter: 1. ffoltnisce 6:41,4; 2. Wittenberge 6:42,5. Wasserball: ssolkensee gegen Pcrleberg 3: 0; Rathenow 1 gegen Spandau II 3: 7. Fußballspieler auf Wandersdiaft Das Wandern ist nicht nur des Müllers, sondern auch des Fußballers Lust. Sobald die Serienspiel« beendet, die einzelnen Meisterschaftsspiele erledigt sind, beginnt die Zeit zum Wandern, allerdings nicht mit Wanderstab und Ränzel, sondern mit der Fuß- ballklust. Als Wanderziel gelten immer die größeren Vereine. Durch die bürgerliche Sport- und Tagespresse kreist die Mit' teilung, daß prominente Spieler aus dem Reich in der kommenden Saison in Berlin beim neuen deutschen Fußballmeister spielen wer- den. H e i d k a m p(München), Lcinbcrger(Fürth) und H o j- mann(Dresden) sind die Wanderer Heidkamp dementiert in der bürgerlichen„Fußballwoche" dieses Gerächt, steht aber weiter mit Hcrtha-BSC. in engster Fühlungnahme: also ein Dementi, aus das nicht viel gegeben werden kann. Vielleicht zahlt Hertha noch nicht genug. Ein altes Sprichwort sagt ja:„Kommt Zeit, kommt (D)Rat." Leinberger hat nichts weiter von sich hören lassen. Diese Sache scheint also geklappt zu haben. Herr Hosmann, der�mit der silbernen Verdienstmedaille ausgestattete internationale Stürmer. zog es vor, persönlich nach Berlin zu kommen. Rein zufällig traf er Jim Anhalter Bahnhof mit prominenten Vertretern des Hertha- BSC.-Vorstandes zusammen. Ob es Hertha allerdings gelungen ist, diese Verhandlungen zu Ende zu fähren, wird nicht bekannt. Ist doch Hosmann einer der größten Autodroschkcnbesitzer in Dresden. Wird ihm Hertha-BSC. etwas ähnliches bieten können? Ein anderes Kapitel in der Wanderei ist der Fürther Frank. Hier handelt es sich nicht nur um den Spieler, den sich Tennis- Borussia„ziehen" mußte, auch die Braut mußte mit„übep nommen" werden. S ie fährte die Verhandlungen: pc schloß den Vertrag ab: sie kassiert das Geld: er geht arbeiten, d. h. spielt Fußball. Von den Einnahmen, die e r erzielt, werden die Unkosten der Lebenshaltung bestritten. Und da rede noch einer, die Spieler des Deutschen Fußballbundes wären keine Amateure! Die„Wanderei" der Fußballer besteht allerdings nicht nur bei den„Prominenten". Auch„kleine" Größen gehen da hin, wo ihnen Gelegenheit geboten wird, billig über den Sonntag zu kommen. So sahen wir am letzten Sonnabend bei den kommunistischen„Krampf- jportlern"(oh Verzeihung, ich meine natürlich Kampssportler), daß bei einem Spiel Zldler 08 gegen Borussia Mitglieder des Fußball- Vereins„Rorden-Nordwest" mitwirkten. Bekanntlich besteht beim Deutschen Fußballbund während des Monats Juli Spielverbot. Diese ihnen ausgezwungene Pause benutzen die Revolutionäre im bürgerlichen Lager dazu, um mit ihren Gesinttungsgenossen in der kommunistischen„Kamps"organisation Frcundschastsspiele auszu- tragen. »„Wo bleiben da die Aufstiegsmöglichkeiten für die jungen Spieler?", so fragt eine bekannte Berliner Montagszcitung. Der Vorsitzend« des„Deutschen Fußballbundes", Herr Linnemann, sagte vor einiger Zeit in der„B. Z.", wir hätten keine Berus-spieler. Nach dcii hier angeführten Totsachen scheint es aber anders zu sein. Am vergangenen Sonntag weilten die Sportler des 3. Bc- I z i r k s im 1. Kreis ATSB. in Wittenberge. Verbunden mit dem Bezirks-Turn- und Sportfest war die 3S-Jahrscier der dortigen Freien Turncrschast. Die Stadt hatte zu Ehren dieses ihr festliches Kleid angelegt. Vom Rathausturm wehten die Fahnen und überall sah man Girlandenschniuck. Zlus dem neuen Städtischen Zentralsportplatz wickelt»! Turner und Leichtathleten ihr Programm ab. Die Schwimmer trugen ihre Kämpfe nn Städtischen Volksbad aus. Schon am Vormittag war hier reger Betrieb. Von den vier Wasser- ballspielcn waren besonders interessant das Spiel der Männer Spandau II— Rathenow I. Hier gewann Spandau 7:3. Bei der Jugend siegte Charlottenburg über Wittenberge mit 3:1. Di: Kämpfe am Nachmittag, die vor einer stattlichen Zuschauermenge ausgetragen wurden, begannen mit einer Crawlstasette 6 X SO Meter. Die Spandau« r waren mit 3: 3 Min. überlegener Sieger über Rathenow, die mit 3: 48,8 vor Wittenberge einkamen. Im Wasser- ball-Mannschaftskampf, der aus Balldribboln, Weit- und Zielwurj bestand, wurde Erster Charlottenburg mit 7S Punkten �oor Spandau 71 Punkte. Ausschlaggebend war hier der Zielwurf, den der Char- lottenburgcr gut warf. Im Monnerbrustschwimmen der Klasse I* waren drei Läuse notwendig. In allen wurde scharf gekämpft. Sieger wurde im Endresultat: Vöse-Falkensee vor Vrässow-Char- lottenburg. Zeit: Vöse 1: 30, S, Brüssow 1; 31. Im Rahmen des volkstümlichen Programms zeigten die Wittenbergerinnen ein Figurenliegen, das großen Anklang fand. Die Ausführung war äußerst exakt, obgleich es der erste Reigen war, den die Wittenberger Frauenabteilung seit ihrem Bestehen schwamm. Rettung s- oorsührungen und Kunstspringen wurde recht beifällig ausgenommen. Das Streckeniauchen für Männer gewann Junker mit 48 Meter vor Poerschkc, Charlottenburg, 40, S Meter. Bei den Jugendlichen er- reichte Böttcher-Falkensee 36 Meter. Im Konkurrenz-Crawl- Bundes-Tennis-Turnier in Dresden In Dresden werden vom 11. bis zum 13. Juli zum ersten und wahrscheinlich zum letzten Male in dieser Art die Bundes- Meisterschaften der T'ennissparte des Arbeiter- Turn- und Sportbundes ausgetragen. Trotzdem dieses Turnier noch in der überkommenen Zählweise mit den fürchterlichen„Bandwurmsätzen", die ein Spiel unter Umständen über Stunden ausdehnen, trotzdem noch Bundesmeister im Männer- und im Fraueneinzelspiel ausgetragen werden, unterscheidet sich dieses Arbeitertennisturnier doch ganz gewaltig von den üblichen bürgerlichen Turnieren. Während dort verregnete Tage, ja sogar Wochen geduldig abgewartet werden können, während dort kein Spieler mehrere Spiele an einem Tage auszutragen braucht, während dort reichlich Geld dem Spieler letzt« Annehmlichtesten ver- schafft, muß das Dresdener Turnier auf drei Tage zusammen- gebrängt, können die vielleicht verregneten drei Tag« niemals wieder angesetzt werden, weil kein Spieler einen zweiten Urlaub bekommt und kein zweites Mal Geld zu einer Reise zum Tennisturnier auf- bringt. Ebenso groß wie dieses Risiko sind die körperlichen Leistun- gen, die das Turmer von den Spielern verlangt. Das Letzte müssen die besten Spieler hergeben, die an diesen Tagen sich nicht nur durch fünf Runden, sondern, weil sie zumeist noch für eine zweite Konkurrenz gemeldet sind, sich durch noch einige Runden mehr hin- durchzuspielen haben. Um das Bundestennisturnier vom zufälligen Regen unabhängig zu machen, vor allem aber, um es ohne solche übermenschlichen Anforderungen an den Spielen durchzuführen, muß dieses Turnier das letzte seiner Art sein. Der erste Kreis spielt in diesem Jahre zum ersten Male Serien in Mannschaften. Vier Frauen bzw. vier Männer.bilden eine Mannschaft, die sechs Spiele, vier Einzel- und zwei Doppejpicle auszutragen Hot. In dieser Serie werden die beste Frauen- und die beste Männcrinomischast des Kreises ermittelt. Ein künftiges Bunbestennisturnier muß daraus ausbauen und dort nur ein Turnier der besten Dcrbandsmannschastcn sein, die im Ausspiel der Kreis« untereinander festgestellt worden sind. Dann hat»in verhällnismäßig kleiner Kreis Menschen zueinander zu fahren, dann hat vor allen Dingen, wie jetzt in Berlin, jeder Spieler nur zu einem Einzel- und zu einem Doppclspiele anzutreten. lind zu dieser Zeit- und Krastersparnis kommt noch, daß dann auch das im ersten Kreis erprobte und vom Bundessachausschuß empfohlene Mannschaftsspiel endlich Bundesregel wird. T e n-n i s- R o t G r o ß- B e r l i n e. V. ist mit fast einem Drittel an der Spielerzahl beteiligt. Ob sein Anteil an den Siegen mindestens ebenso groß sein wird, läßt sich kaum voraussagen. Beste Aus- sichten hat Berlin für das Männereinzel- und für das Gemischt- doppelspiel. Tennisturnier des Reichsbanners Die Wintersportabteilung des Reichsbanners und der Tennis- und Wintersportklub Schwarz-Rot-Gold haben sich ein« recht vorbildliche Tennisanlage am Eingang der Avus ge- schaffen. Acht Tennisplätze eines Sportvereins wurden von den Kameraden wieder hergerichtet und im aufopfernden Arbeitsdienst wurden auch die notwendigen Umkleideräume und Erholungsanlagen geschassen. Aus den Plätzen hat sich ein reger Eportbetrieb ent- wickelt. So wurde am letzten Sonistag ein Freundschafts- t u r n i e r zwischen den, Reichsbanner und dem SCC. ausgetragen, das mit 3: 4 für den SCC. endete. Eine Reihe recht spannender Kämpfe wurde gezeigt, die von den Spielern Einsatz all ihres Könnens verlangten. In dem Kamps Horst(Reichsbanner) gegen Hübrich(SCC.) stand das Spiel 6:1, 6:8, 7: S. Der Kampf Kaspary(Reichsbanner) und Breithaupt(SCC.) endigte mit 6: 2, 7: Z, und Traenkner(SCC.) g�gen Tischbein(Reichsbaimer) schloß mit 6:3, 3:7, 6:4. Aus dieser bundeseigenen Tennisanlage wird vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und vom Tennis- und Winter- sportklub Schwarz-Rot-Gold in der Zeit vom 9.. bis 17. August ein Verfassungsturnier ausgetragen, zu dem auch die Staatsregierung einen Preis stiften wird. �tadttdadeabende im Stadtbad Mitte Für alle in sozialistischen Arbeitersport- und Kulturorganisa- tionen sowie in der Partei und in den freien Gewerkschaften orga- nlsterten Genossinnen und Genossen veranstltet die Körper- kulturschule Adolf Koch im Einvernehmen mit dem Bezirkskartell Berlin-Mitte vierzehntäglich in dem neuen Stadtbad Mitte, Berlin, Gartenstraße. Nacktbadcabende. Der erste Abend ist am Freitag, dem 11. Juli, 1914 bis 21/4»hr. Die Mitglied- ousweise sind mitzubringen. Ohne Ausweis keinen Zutritt. Un- Iost»nbestrag 40 Ps. pro Abend. Die Abende sollen den Beweis hrwge� daß die Gedanken der sozialistischen Freikörperkulturbewe- gung in unseren Kreisen bereits festen Fuß gesaßt haben. Anfragen über die geschlossene Beteiligung von Organisationsgruppen sind zu richten an: Körperkulturschule Adolf Koch. Berlin SW 48, Friedrichstraße 218._ Hakenkreuzpest auf dem Wasser! Wo bleibt die Wasserpolizei? Man schreibt uns; Wer als Republikaner seit Jahren Wasser- spart betreibt, konnte in den letzten Jahren mit Genugtuung fest- stellen, daß selbst aus den Gewässern zwischen Spandau und Potsdam die Reichssahne sich gegen Schwarzweißrot sehr gut behauptet. Außer der Wassersportabteilung des Reichsbanners setzen auch die dem Deutschen Wassersportverband angeschlossenen Bereine sowiF zahlreiche Einzelsahrer die Reichssahne. Anpöbe- lungen, die wir uns vor Jahren mitunter noch anhören mußten, sind heute dank der allgemeinen Disziplin der Wassersportler selten. Neuerdings jedoch machen sich die Nazis recht mausig. Man kann jetzt neben ganzen Faltbootgruppen auch Ruderer und Segler mit der H a k e n k r e u z s l a g g e fahren sehen. Die Segler haben einer Jolle den bezeichnenden Namen„Horst Wessel" gegeben. Seit 14 Tagen weht neben der Vercinssahne des Ruderoereins Kurmark E. B., Bootshaus Tieswerder, eine zwei Meter große Hakenkreuz- sahne. Man sollte sich derartige Vereine genau ansehen» denn sie treiben durchweg sogenannte„Jugendpflege". Ich glaub«, daß hier bald etwas geschehen muß, um die Anmaßungen der Nazislegcl aus dem Wasser zu stoppen. Soweit ich informiert bin, ist bekannt- lich das Unisormoerbot sür die Nazis erlassen, ebenso das Tragen jeglicher Abzeichen sowie das Führen von Flaggen, aus welchen zu erkennen ist, daß die Träger sich zu den Nationalsozialisten zählen. Ilm so verwunderlicher ist gerade das provozierende Be- nehmen der wassersporttreibendcn Nazis seit dem Uniformverbot. Es ist erstaunlich, daß der R e i ch s w a s sc r s ch u tz oder die Strompolizei, die doch den ganzen Tag aus ckm Gewässern patrouillieren, diesem Treiben zusehen ohne einzuschreiten. Oder sollte da- Verbot für die Wasserfohrcr keine Geltung haben? Ich hoste, daß diese Zeilen dazu fuhren werden, einmal die Oessentlich- keit aus diese sogenannte Hakenkreuzpcst hinzuweisen, zum anderen als Warnung für die Behörde, unter deren Schutz wir aus dem Wasser stehen. Wenn erst das Hakenkreuz ansängt, sich auf dem Wasser breitzuqiachen, so kommen wir bald zu denselben Zuständen, die das Uniformverbot der Hakenkreuzler heraufbeschworen haben. klußdienst von heute „Man lernt nichts kennen, als was man liebt." Dieses Goethe- wort stellt Willy Meyer an die Spitze seines Buches„Flug- dienst von he u t e", das in der Süinmlung„Ve r k e h r und Wissen" erschien. In klarer Gliederung schildert er das Flugzeug von gestern und den Luftverkehr, wie er ward. Nüchtern und ohne übertreibenden Optimismus sieht er die Aussichten des Transozean- luftverkehrs und des Lustschisses als Verkehrsinstrument. Bezeichnend für seine Einstellung ist das Kapitel über das Flugzeug in der Politik.„Es wäre sehr zu wünschen, daß eine rege Beanspruchung des europäischen Luftverkehrs die Erkenntnis von der Unstnnigkeit der staatspolitischen Zerrissenheit unseres Kontinentes in immer weitere Kreise tragen möchte... Im Frieden kann das Flugzeug ein weitwirkender Helfer der Außenpolitik auch insofern sein, als kühne internationale Flüge starke seelische Bewegungen bei den Völkern auslösen und somit eine Verbesserung und Vertiefung der politischen Beziehungen herbeizuführen vermögen." Willy Meyer er- kennt klar die Gefahr des Flugwesens im Zukunstskrieg, aber man wird ihm nicht ganz zustimmen können, wenn er seine Argumente allein aus das Wort Painleves stützt:„Ein abgerüstetes Volk ist eine Versuchung für seinen Nachbar." Wenn man das Sittlich« aus der Politik nicht völlig ausschalten will, ist es für seine Nachbarn auch«ine Mahnung zum Frieden. Ein besonderer Abschnitt ist dem Sturmvogel gewidmet, dem Meyer bescheinigt, daß er den Wunsch breiter Massen nach Rundslägen zu erschwinglichen Preisen bereits bis zum gewissen Grade zu erfüllen vermocht hat. In einem Monat allein hat der Flugverband der Werktätigen über ZOOltMenschen in die Lüste geführt. Meyers-Buch ist sehr lesenswert und gewinnt noch durch eine große Anzahl guter photographischcr Darstellungen. b. d. Die Freie Sportvereinigung hoppegorlen veranstaltet am 20. Juli in Alt-Landsberg ein großes Werbesest. Neben vier Fußballspiele» soll auch ein Handballspiel ausgetragen werden. Zu dieser Veranstaltung, die als Abschluß der 700-Jahrfeicr Alt-Lands- bergs gedacht ist, melden sich spielstarke Handballmannschasten an H. He'rpich, Hoppegarten bei Berlin, Siedlung Virteafteiu(G enoss enschastsdäckerei) Arbcitcrsporiler Wedding und Gesundbrunnen Az�alle dem Kartell für Arbeitersport und Körperpflege 3. Bez. Wedding angeschlossenen Vereine und Abteilungen ergeht das Er- suchen, sich rege an der vom 3. Kreis der Sozialdemokratischen Partei Wedding veranstalteten Demonstration gegen die National- sozialisten zu beteiligen. Denkt daran, wie im Reiche und in Berlin in heimtückischer Weise Vereinsmaterial vernichtet und verschiedene unserer Genossen niedergestochen wurden. Laßt am Donnerstag, dem 10. Juni, den Sportbetrieb oder Heimabend aussallen.und demon- striert gemeinsam mit Partei, SAI., Jungsozialisten und Reichs- banner gegen die angeblich arbeiterfrenndliche Politik der Nazis, die vom Großkapital ausgel)alten werden. Treffpunkt ist auf 19 Uhr, Leopoldplatz, festgesetzt. Fahnen und Transparente mitbringen. Kleine Tuhhall-dtachrichten Lichtenberg II sticht zum kommenden Sonntag Gegner für zwei Mannschaften aus eigenem Platz. Telephonische Mewungen unter Lichtenberg 3111(Schade). Spiel- und Sportvereinigung Oberspree wünscht für kommenden Sonntag Gegner für zwei Männermannschaften und eine Jugendmannschast. AiHhristen an K. Laue, Baumschulenweg, Baumschulenstr. 94, oder OBerspree 0376(Pamp), oder Ober- spree 3947(Bengsch). ZTSB., Bcnirt Paoloi». Donnrrsla«, 9. Juli, 20 Uhr, Sissung der CpirlMhrcr usw. jwcits Vorbrrcitungrn zum Epirlcrtag br! Lehnionn, Milhlrn., Eil- Marimiliunstragr. gTGB., Brzirl Pankow.?onnrrslaa. 17. Juli, 20 Uhr, ssunklionijrssiiunz bei Lehmann, Milblcn,, Grfe Marimillonftraöc. Achtung! Kranen dca 1. Arcisr«. Eämtlichr lsunktioniirinncn am tzrcilag. 11. Juli, Sihung in drr Krriegclchäslssttllr. Eliasscr(ütraftc 83—86. Auf bet Tagcaordnung unser Areisfraucnsporlfcst. Sämtlichc Vrrrinc müssen vcr» trctrn sein. FT1SB„ Bezirk Tharlottrnburg. Während drr sscricn jcdcn Montag und Mittwoch Epielbrtrirb an der Avus. Jrdrr rrfcheinc. ssssc wriblichrn Mit- Bliebet mllssen besonders an Nowawes denken und eifrig Üben. Am 26. Juli Mitaliederversammlung aber Abteilungen bei Jamin. Freie Ruderer.BereiniBUNB 1913. Nächste Sitzung am tzreitag, 11. Juli, 2030 Uhr, im Etrandschloß, Oberfchöneweide. Uebungsabend jeden Dienstag und Freitag ab 17 Uhr im Bootshaus, Oberichöneweide. Spreeftraste 4/5. Ml glieder in der grauen-, Jugend- und Männerabteilung werde» noch auf. genommen. Freie Konu-Union, Abkeilnng Kaoel. Donnerstag, 10 Juli, abends 20 Uhr Trainingabend im Bootshaus Fleifeher, Spandau, tbotelstr. 75. Sonn- abend und Sonntag Bereinsfahrt nach dem Breiten Horn. FTGB. Karow, Fußballabteilung. 1. Mannschaft sucht zum Sonntag, 13. Iult, spielstarken Gegner aus eigenem Platz. Ntlckspiel zugesichert. An- fragen an Albert Engel, Berlin-Karow, Spinolastraße 30, oder Tel. Buch(E 7) 8248. Freie Schwimmer Groß-Berlin E. B. Hauptausfchußsttzung Donnerstag 10. Juli, 20 Uhr, Geschäftsstelle, Elsasser. Str. 86, Aufgang A IV.— Gruppe Friedrichshain: Freitag, 11. Juli, 20 klhr, Altersriegensitzung bei Lehnigk, Btsthlenstr. 58. Zum 3. Nreisiraueniportiest am 23. und 24. A»g»s« in Nowawes findet am Freitag, 11. Juli, 20 Uhr, im Sitzungssaal der ktreisqeschäftsstelle. Elsaiser Straße 86—88, Aufgang A IV, eine wichtige Konferenz der Frauen der Groß, Berliner Bereine des Arbeiter-Turn- lind Sporthnndes statt. Sämtliche Ab- teilungen, Gruppen und Bezirke mllssen ihre Berlreter entsenden. Ruderoerein Eollegia.Eharlottrnbnrg e. B. Donnerstag, 10. Juli. Bor- standssitzung im Bootshaus. Sonnabend. 12. Juli, Iuaendverfammlung im Bootshaus. Sanntag, 13. Juli, Taufe unsere» neuen Achters. Einzelmitglieder der Freien Ruderer und Kanufahrer im Arbeiter-Turn- und Sportbund, 1. Kreis. Donnerstag, 10. Juli, 20 Uhr. bei Sachse, Lindower Str. 26(Bahnhof Wedding), Sitzung. Wegen wichtiger Tages- ordnung wird um vollzähliges Erscheinen gebeten. Aufnahme neuer M'tglieder. Freie Faltbaotsahrer Berlin. Heute, Mittwoch. 20 Uhr, Badeabend im Etadtbad Mitte, Gartenstr. 6. Donnerstag. 10. Juli, Zusammenkunft „Haekescher Hof", Rosentholer Str. 41, um 20 Uhr. Tagesordnung:..Bon großer Fahrt. 1000 Kilometer im Faltboot." Gäste willkommen. Sonnabend. 12. Juli, und Sonntag. 13. Juli, Spiel- und Spoettag am Keossinsee, Billchl- fahr«. Abfahetszeiten xim Seim. Freitag, lt. Juli: Photogen-einfchaft, Abt. Osten: cheimabend, Friedrich» Eberl-Saal. Jugendheim. Feonkfuetee Allee ,"07.-- Faltbooiabt.: 20 Uhr. Jugendheim Britzer Slr, 27. Bolkspark Nehberge. 20 Uhr, Eingang Trans- voalftraße.— Sit dost: 20 Uhr, im Heim Britzer Sir. 27, Ilnierhalttings- abend.— Eharlottenbnrg: Treffe» am Teufelssee. Genosse Erich Kirsebbaum nimmt Abschied. Bei schlechtem Better im Seim.— Britz: Abendlpazier- gang. 20 Uhr, Chausseestr. 48 fRathaus).- Treptow: lO'.fi Uhr. Elfenftr. 3, Spielabend. Sonnabend, 12. Juli, und Sonntag. 13. Juli; Ratnrkundliibe Abteilung: 18. Juli: Die Natur am Uedersee. Treffen NM 9 Uhr 00" dem Gainrfreundr- Hans zum gemeinsamen Epazieraana.— Mitte: 13. Juli: Fllrst-nwalde, DeHmsee. Abfahrt 7.08, Führer Utbrich«.- Tiergarten: 12. u. 13. Juli: Jechliner Hlllte, Gronsee. Abfahrt 17.47. Bahnhof Gefundbrunnen. Führer Kuschel.— Gesundbrunnen: 12. u. 13. Juli: König»Wusterhausen, Hölzerner See. Abfahrt 22.10. Görlitzer Bahnhof. Fllhftr Feldner.— Humboldlhain: 12. u. 13. Juli: Königswusterbausen, Seidesee. Führer Glotz.— Wedding: 13. Juli: Fangschleuse-Marsee, 7 Uhr. Bahnhof Wedding. Führer Krüger.— Brenzlauer Berg: 12. u. 13. Juli: Barsteiner See, Abfahrt 17.25. Stettiner Fernbahnhof. Führer Birkner.— Fredrietehaiu: 12. U. 13. Juli. Königs- Wusterhausen, Frauensee. Abfahrt 17 Uhr, Cchlrstscher Bahnbof eOleif). Führer Dannenberg.— Ingendgenppe Südost: 12. n. 13. Juli: Hangelsberg.Marlee t.tzeltlager), 18 Uhr. Warschauer Straße. Führer Lüdecke.— klhartottenburg: 13. Juli: Kau Indorf, Mittesser Abfahrt 6.04 Uhr. Bahnhof Eharlottenburq. Führer Willens und Lehmann. Trent»»! 12. Juli: Alobichscr.— Beißen- {Mi& a. 18. Sali: Buckow, WörfkUck» Schwei» Führer Bliß. Einer, der Einstein ablehnt. Die Sache klingt wie«in schlechter Witz, ist aber trotzdem wahr! Da beriet der Zweigvcrein Berlin des L a n d e s v c r e i n s der Preußischen Gewerbe- und Handelslehrer- jchaft über die Gewinnung namhast«r Persönlichkeiten sür wissen- schaftliche Vorträge. Als der Name„Professor Einstein" genannt wurde, beantragte der als Nationalsozialist bekannte Gc- werbeoberlehreranwärter Hanke, Professor Einstein als Vor- lragenden abzulehnen, und er gab auch gleich die Begründung zu feiner Haltung: Einstein sei„kein Deutscher". Zur Ehre des Gewerbelchrervereins sei mitgeteilt, daß ohne lange Debatte der nationalsozialistische Antrag abgelehnt wurde, da mit dem Antragsteller nur e i n Mitglied des Vereins stimmte. Herr Hank« wird, davon sind wir überzeugt, von Albert Einstein wenig, klarer gesagt nichts lernen können, weil dem Herrn Ober- lchreranwärter die geistixen Unterlagen sehlen! Ob aber die Gc- werbe- und Handelsschüler von Herr» Hanke Gescheites lernen können,— das ist für uns und hoffentlich auch für die Aufsichts- bchörden die wichtiger« Frage! !>Uttvocd. 9. Juli. Berlin. 16.05 Kurt Seeger; Pechvögel im Sport. 16.30 Der Streit zwischen David und Goliath. Klaviersonate von Johann Kuhnau, mit verbindenden Worten von Franz Conrad Hoefert. Gesprochen vom Verfasser.(Am Flügel: Hartmut Wegener.) 17.00 Kinderfest bei Doktor Ueberau. 17.45 Teemusik. 19,00 Vortrag. 19.25 Kriegsbüchcr und Nachkricgsgencration, Gespräch zwischen Anton Ganthncr und Armin Kesscr. 19.55 Arbeitsmarkt. 20.00 Mikrophonprobe der Opernabteilung. Nach den Abendmeldungcn bis 0.30: Tanzmusik. K 5 s) g s w o 1 1• r k»« t« E. 16.00 Nachmittagskonzert von Hamburg. 17.30 Karl Meißner: Arnold Böcklin und Gottfried Keller. 18.00..Die Davidsbündlcr'* von Robert Schumann.(Am Flügel: Paul Heil«* brunn.) 18.30 Ernst Schliep: Die großen Berliner Dirigenten. 19.00 Dr. Max Clauß:..Die Sicherheitspolitik der Frangoscn. V 19..30 Konrektor Rosin: Die Herkunft des Volksschullchrer»,, 20.00 Hamburg: Konzert._ Arbeitsgemeinschaft proletarischer Volkstanzkreise. Wir tanzeg ab heute wieder jeden Mittwoch in Treptow, Wiese 4. Wetter sür Verlin: Ziemlich kühl mit veränderlicher Bewölkung und Neigung zu einzelnen Schauern, lebhaste Nordwest- bis Nord- winde,— Sur Deutschland: Im Westen und Süden meist trocken und ziemlich heiter, am Tage mähig warm. In Mittel- und Süd- ostdeutschland strichweise Regenschauer, im Nordosten wendlg mit Regenfällen. Ber-nw-rtl. für die Rrd-ktion!«-«gang Schwaß»"lin: Antigen:«h. Berlin. Bering: Dorwärts Bcrlag®. m. b. s.. Berlin. Druck: Vorwart« Buck. druck�rei und Verlagsanftalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68, Lmdenstrave 3. Hierzu 1 Beilage. Hk ßefchäfis'Jbi&iger (Bezirk"Süden-Weften. Das reine Roggenbrot Echtes Kommißbrot Faronia-Brotfabrik mus dar Gebrüder Hagen Berlin-Schmargendorf, Salzbrunner Straße 18/20. Fernspr. Brabant 1418 Lieferant sämllidier Krankenkassen Staad gepr. Optiker OPTIK UND PHOTO LindenstraBe 106 ff Bei le vue" 7."»"°�—°' Jeden Donnentag, ab 3. Juli 1930 Großes SSrillatU- Feuerwerk. Erstklassiges Gartenkonzert, ausgeführt von der Ostmdrkiidien SditUzenbnnd-KapeUe. Krapkol- Bootslacke sowie s&mtlichc Lacke- Farben- Pinsel crhftltllcfa bei Berthold Krapke, Neukölln, Börknerstr. Z7 _ Telephon NeukfillB F II 9Ä0« Bruno Fleisdier Bandagist Berlin SO. 16, KOpenldier Sir. 98£ (Nabe Brüchen-, Neandenlrate) Werkstatt für Kunstglieder, Leibbinden, Brudibdnder, Platlfußeinlatfen, Kramptaderstrfimpte. Lieferant der Krankenkauen Berlin,». 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