Morgenausgabe 7ir. 311_ �, A160 �hrgang VSchentNch SSVU monaMch S,S0ZR. »w voraus zahlbar. Postbezug 442 M. emschließlich 60 Pfg. Postzeitungs- und 72Pfg PostbestellgebShreu.AuslandO' abonneuient 6.— M. pro Monat. V«.vorwürts* erschetm wochentSg» lich zwetmal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgoden für Berlin und im Handel mit dem Titel»Der Abend". Illustrierte Beilagen»Dolf und Zeit" und»Kinderfreund". Ferner r VM G. Berliner voltöblatt Oonnerstag 1.0. �uli 19)0 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. AI» einspaltig» Nonparelllezeik« 80 Pfennig. Reflame'eile 5.— Reichs«. mark„Kleine Anzeigen' das ettge» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), tedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch» das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Won' »v Pfennig. Worte über 15 Buchstabe» ~l)Ien für zwei Worte Arbeitsmaitt eile 60 Pfennig. Familienonzeigen Zeile ' Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt« Lindenstraße 3. wochentäglich oou bt» l? Uhr. Jentealoesan der �Sozialdemokratischen Kartei Deutschlands Nedaktton und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprechern DönboN 292—291 lelearamm-Adr n Boitalbeatohat Berlin. Vorwaris-Berlag G.m.b.H. Poslschecklomon Berlin Z7S3K.— Bankkonto. Bank der Arbeiter Angeliclltc» und Beamten. Wallstr 65 Dt B u Ditc-Gel Devolitenkasle Lindenstr S. Massentod in der Gmbe. Katastrophe im Neuroder Revier.— Bisher 67 Tote. Breslau» de» S. Juli. Ei» furchtbares Grubenunglück hat fich am Mittwoch nachmittag gegen IL Uhr auf der Wenzeslaus» Grube bei Neurode durch einen Kohleugas» a u s b r u ch zugetragen. Bis 20 Uhr 30 Min. konnten von zwei Tteigerabteilungen. die zusammen 131 Mauu stark waren» im ganzen 50 Tote geborgen werden. Unter ihnen befindet sich der Steiger Schwertner. Der Kohlensäureansbrnch ereignete sich auf dem Nord- Schacht in A n s d o r f bei Neurode uud zwar auf der l. uud 2. Sohle. Die Rettungsmannschafte« aus den umliegeudea Grube« arbeiten fieberhaft. Visher 67 Tote. Bis 21,50 Uhr waren i« Hausdorf 07 Tote ge» borge». 18 Personen» der größte Teil mit Bergiftungs- erscheiuunge«. sind ins Lazarett eingeliefert worden. Man hofft, von de« eingeschlossenen 73 Bergleuten wenigstens einen Teil noch lebend bergen zu könuen. Bis 1 Uhr morgens sind keine weiteren Verunglück- ten lebend geborgen worden. Auch die Zahl der Toten hat sich nicht erhöht. Die Rettungsmannschaften arbeiten sich an die Ein- geschloffene« heran. * Genau vor einem Jahre, im Juli 192S. hat die Schlagwetterkatastrophe von Waldenburg 27 Todesopfer dahin- gerafft. Heute ist tiefe Trauer im Neuroder Revier eingekehrt. Das ist das Bergarbeiterschicksal— ein kärgliches Leben bei schwerer Arbeit unter Tage, dann eines Tages der Massen- tod. Die Ernährer von vielen Bergarbeiterfamilien kommen nicht mehr heim. Die Trauer von Neurode ist die Trauer der gesamten deutschen Arbeiterschaft. Mit tiefem Mitgefühl empfindet sie den Schmerz der Hinterbliebenen, der Witwen und Waisen, die trauernd an den Särgen ihrer Ernährer stehen. Ihr Leben wird nun noch grauer, noch kärglicher sein als bisher. Waldenburg und Neurode— beide bekannt als Ge- genden der schlimmsten Armut, in denen ein fleißiges, aber armes Arbeitsvolk mit der Not des Daseins kämpft. Nun noch trauriger bekannt durch die schrecklichen Katastrophen, die zur Not den Tod fügten. RetiungSarbeit im Gistfchwaden. Breslau, S. Juli. Die Rettuugsarbeiten gestaltete« sich außerordentlich schwierig» da die Kohlensäure das Vordringen der Rettuugsmannschasteu stark behindert. Die lebeud Gebor- geneu leiden unter Vergiftungserscheinungen, die ihre Ueberführung in Krankenhäuser notwendig machte. Der Gastod im Bergbau. Das Kohlengestein mancher Flöze enthält Einschlüsse von Gasen Werden diese Hohlräume bei der Kohlenförderung angeschlagen, so strömt das meist unter Druck stehend« Gas aus.„Bläser* nennt daher, der Bergmann diese gefährlichen Stellen. Es können Kohlen- stost-Wasserstoff-Verbindungen darin sein, besonders das sogenannt« Grubengas(Methan), aber auch Kohlenstoff-Sauerstoff-Verbindun- gen, besonders das Kohlendioxyd CO,, das gemeinhin.Lohlen- fäure* genannt« Gas � Gerade das Neuroder Revier liegt unter schwerem Bergdruck, der den Abbau schwierig und kostspielig macht, außerdem noch die Gasbildung fördert. Das Neuroder Kohlenrevier. Ganz nahe an der tschechoslowakischen Grenze, in einer Eni- fernung von nur vier Kilometern, liegt das Städtchen N e u r o d e mit seinen 85G0 Einwohnern. Es wird überragt vom Eulen- g e b i r g e. und es wird durchflössen von der tieinen W a l d i tz. Sitz eines Landratsamtes und eines Amtsgerichtes, dos dem Land- gcricht G l a tz untersteht, ist es der Typ der schlesischen Kleinstadt, die industriellen, proletarischen Charakter erhält durch den Stein- kohlenbergbau in der Nähe. Unfern ist das Bad Zentner. brunn mit seinem Erholungsheim, das von Kurgästen aus dem ganzen Reiche aufgesucht wird, die jetzt gleichfalls durch die furcht- bare Katastrophe in Erregung versetzt sind.— Schon einmal, vor 46 Iahren, stand die Stadt, die im Regierungsbezirk Breslau ge- legen ist. im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. 1884 wurde sie durch einen furchtbaren Brand heimgesucht, der viele öffent- liche Gebäude, viele Anwesen zerstörte. Neurod« war in früherer Zeit vor allem durch seine bedeutende Tuchfabrikation de- tonnt. Von der Kleinstadt ging ein starker Hausierhandel mtt Decken und Tcppichen, Tuchschuhen und Bändern aus. Die Chronik der Stadt rühmt ihre mechanischen Webereien, Spinnereien, Färbe- reien und Hand Webereien. Sie nennt ihre chromolithographischen Anstalten, die weit über Schlesien hinaus Ruf und Ansehen er- langten.— Die früher sehr bedeutende Tuchfabrikation ist zurück- gegangen. Neurode wurde zum Zentrmn des Steinkohlen- bergbaugebietes, dessen Ausbeutung heute zu dem furcht- boren Unglück führte, von dem wir berichten. Knapper Sieg Gnowdens. Drei Stimmen Mehrheit der Arbeiterregierung. London. 9. Juli.(Eigenbericht.) In der heutige« Unterhaussitzung entging die Arbeiterregiernng mit 2 78 gegen 2 75 Stimmen einer Niederlage und damit das Parlament seiner Auf- lösung. Selten hat das Unterhaus eine so erregte Sitzung erlebt wie am Mittwoch bei der Debatte und Abstimmung Uber einen. Antrag zum Finanzetat, der den Betrag der Einkommen- steuer um jährlich 7 Millionen Pfund herabsetzen wollte. Churchill und Lloyd George, die Begründer des Antrags. Arm in Arm gegen die Regierung, waren«ine sonderbare Bett- gemeinschaft und sie lieferten eine Schlacht, in der S n o w d e n wieder einmal auf der Höhe seiner Fechtkunst stand und die ganz? Schale seines vernichtenden Hohnes über seine Gegner ausgoß. Mochte auch Lloyd George erklären, er denke nicht daran, die Regierung stürzen zu wollen. er konnte nicht einmal sämtliche Mitglieder seiner eigenen Fraktion davon überzeugen. Und der wenderwendische liberale Füh-er mußte am Schlüsse der Mstimmung sehen, wie seine«igen« Part.i in drei Teil« zerfiel. Die Konservativen dach en nicht daran, die Liberalen aus der Sackgasse zu befrei.'n. in di«. fie von Lloyd Georg« hineinmanövriert worden waren, von 260' konservativen Abgeordneten waren 250 zur Stelle, die geschlossen gegen die Regierung stimmten. Noch während der Abstimmung hofften die Liberalen, die Konservativen würden einen Teil ihrer Leute aus dem Saale kommandieren. Weil ges.htt! Trotzdem sich 12 liberale Abgeordnete der Stimme enthielten, mußten in letzter Minute vier Liberale für die Regie» rung einspringen, was gerade genügte, nm dem Kabinett eine Mehrhett von drei Stimmen zu geben und das Unterhaus vor der Auflösung zu bewahren. Don der Arbeiterpartei wurde das Resultat mit Minuten- langen stürmischen Demonstrationen aufgenommen. Aber der Beifall und das Tücherschwenkeiz galten nicht der Drei- stimmenmajorität, sondern der schweren Niederlage, die Liloyd George und die liberale Parie- verdientermoßen durch ihr Verhalten erlitten hatten Zum Schluß gab es im Saale eine lebhafte Auseinandersetzung zwischen einzelnen liberalen Abgeord- neten und vor allem zwischen Lloyd George und Herbert Samuel weil sich dieser der Abstimmung enthalten halte. Welche Folgen das Verhalten von Lloyd George für das Zusammen- arbeiten zwischen Liberalen und Arbeiterpartei in d r A'brtts. losensrage haben wird, muß abgewartet werden. Ltmfall nach rechts. Abbau der Darlehenspflicht für die Arbeitslosen« Versicherung'- Kopfsteuer. Kabinettssitzungen, Fraktionssitzungen und wieder Ka- binettssitzungen. Besprechungen der Führer der Regierungs- Parteien und wieder Fraktionssitzungen. Endlich 10. Juli, 1 Uhr morgens, neueste Meldung: Das Kabinett hält nach wie vor an seinen bisherigen Deckungsoorschlägen fest, ist aber bereit, sie im Sinn der gestern mit den Parteiführern oerein- karten Vorschläge zu ergänzen. Neu ist das alles ja nicht, aber gerade darum wider» legt es die Behauptung, feit dem 1. April d. I. fei es anders und besser geworden als zuvor. Anders in mancher Beziehung gewiß, aber besser in keiner! Immerhin hat es sich früher bei solchen Verhandlungen darum gehandelt, eine Mehrheit zustande zu bringen. Die Verhandlungen aber, die jetzt geführt werden, dienen zunächst nur dem Zweck, jene Minderheit, die sich parlamentarisch noch zu Brüning bekennt, auf eine ge- meinsame Marschlinie zu einigen. Erst wenn das gelungen oder auch mißlungen ist, will die Regierung in der nächsten Woche die Entscheidung des Reichstags herbeiführen. So unklar und verworren nun auch alles noch ist, eines ist doch vollkommen klar: die Regierung Brüning sucht ihre Mehrheit ausschließlich und allein nach rechts. Sie ist dem Gesetz treu geblieben, nach dem sie angetreten ist: sie will eine Regierung, wenn auch nicht ganz offen gegen, so doch bestimmt ohne die Sozialdemokratie sein. Nachdem sie mit einer Brüskierung der Sozialdemokratie ihr Dasein begonnen, ihre ersten Finanz- und Zollmaßnahmen gegen die Sozialdemokratie durchgesetzt hat, steuert sie mit aner- kennenswerter Konsequenz ihren Kurs fort: den Kurs einer Bürgerblockregierung, die durch steigende Zuge- ständnisie an Agrariertum und Sozialreaktion ihre Existenz zu erhalten versucht. So ist denn auch setzt nicht entfernt davon die Rede, ob und wie marr ein für die Sozialdemokratie annehmbares Programm zustandebringen könnte. Man zerbricht sich ledig- lich den Kopf darüber, welche Zugeständnisse man noch nach rechts machen kann. Augenblicklich geht der Kampf um eine Verschlechterung des§ 163 des Arbeitslosen- g e s e tz e s, der die unbeschränkte Darlehnspflicht des Reiches vorsieht und um die Kopfsteuer für die Gemeinden. DerZ163desArbeitslosenversicherungs- g e s e tz e s soll folgenden Zusatz erhalten:„Der Höchstbetrag dieser Darlehen muß vom 1. April 1S31 jeweils im Haushaltsgesetz festgesetzt werden." So harmlos dieser Zusatz erscheint, so gefährlich ist er in Wirklichkeit. Um diese Beschränkung der Darlehnspflicht des Reiches hat die Deutsche Volkspartei seit Jahr und Tag gerungen. Solange die Sozial- demokratie in der Regierung war. hat sie sie nicht durchgesetzt. Die Beschränkung der Darlehnspflicht des Reichs ist deshalb so gefährlich, weil sie, solange die Wirtschaftskrise andauert, den Abbau der Leistungen zwangsläufig erwirkt. Ebenso reaktionär und verhängnisvoll müßte sich das andere Zugeständnis, zu dem die Regierung bereit ist, aus- wirken: dieKopfsteuer. Noch vor wenigen Tagen hat der Reichsfinanzminister Dietrich die Kopfsteuer ein Abenteuer genannt. Er hat mit den besten Argumenten nachgewiesen. ! daß die Kopfsteuer niemals die finanziellen Bedürfnisse der Gemeinden erfüllen kann, daß sie in chrer gleichmäßigen Höbe ungeheuer unsozial wirkt und daß ihre Einziehung Vermal- tungskosten erfordert, die den größten Teil des Ertrages dieser Steuer aufzehren. Aber mit all diesen Keulenschlägen hat Herr Dietrich die Kopfsteuer doch nicht totgekriegt. Gestern so gut wie erledigt. steht sie heute schon wieder als„Ergänzungsvorlage" der Regierung im Mittelpunkt der Ereignisse. Die Kopfsteuer— vom Volksmund auch„Neger- steuer" genannt— soll einen doppelten Zweck erfüllen. Sie soll erstens die Gemeinden zwingen, ihre sozialen Ausgaben weitgehend einzuschränken. Zwei- tens soll damit die Senkung der Realsteuern durchgesetzt werden. Der Abbau der sozialen Fürsorge in den Gemeinden» der seit langem von der Deutschen Bolkspartei erstrebt wird, um ein wichtiges Hindernis für eine weitere Senkung der Leistungen der Arbeitslosenversicherung und der Krisen- fürsorge wegzuräumen, wird durch die Einführung der Kopfsteuer und durch ihre Verkoppelung mit den Real- steuern in vielen Fällen nicht zu vermeiden sein. Hinzu fcmvnf, daß die Besitzer von Realvermögen entlastet und mit der Kopfsteuer uberwiegend die besitzlosen Schichten belastet werden. Hot man sich nun bei jener Minderheit, die heute das Regierungslager darstellt, über die Kopfsteuer geeinigt? M't Nichten! Man kann im Gegenteil jagen: Soviel Köpfe, soviel Meinungen über die Kopfsteuer. Ttce Deutsche Volkspartei ist für die Kopfsteuer. Die Bayerische Volkspartei ist gegen die Kopfsteuer. Die Demokraten sind für die Kopfsteuer, aber nur in Verbindung mit der Alkoholverzehrsteuer. Die Wirtschaftspartei ist gegen die Alkoholverzehr- steuer, aber für die Kopfsteuer. Das Zentrum stimmt„trotz mancher Bedenken einmütig" den Ergönzungsvorschlägen der Regierung zu. Es u n t er- m i rf t sich mit der Begründung, daß so die einzige Möglich» keit bestehe, eine parlamentarische Mehrheit zu- stände zu bringen. Wenn aber diese Mehrheit, das heißt die einzig noch mögliche Rechts Mehrheit nicht zustande kommt, was dann? Dekretierung der vom Reichstag abgelehnten Gefetze unter Mißbrauch des Artikels 48? Leistungsabbau in der Arbeitslosenversicherung, in der Krankenoersicherung, in der Kriegs- beschädigtenfürsorge, Abzug von den Beamtengehältern, Kopfsteuer-- alles das auf Grund des Artikels 48? Maß- nahmen, die auf Grund des Artikels 48 getroffen sind, müssen sofort aufgehoben werden, wenn der Reichstag es ver- langt. Jetzt will man Anordnungen treffen, von denen man von vornherein weiß, daß der Reichstag sie n i ch t b i l l i g t, man will sie treffen in der Erwartung, daß der Reichstag zu feige sein wird, ihre Aufhebung zu verlangen! All dies zeigt, daß man, seit die Sozialdemokratie aus der Mitarbeit herausgedrängt wurde, seit dem 1. April d. I., an dem die glorreiche Aera Brüning begann, recht weit gekommen ist— es fragt sich nur wohin. Länder und Beratungsstelle. Vertagung öurch öen Wiöer�anö t>er Kommunen.— Bts 30. November alte N»chtttnlen. 3m Relchskabinctl gab der Keichsmluister der Autauzen Sennlni» von der Neuregelung der ösfenflichen Kreditgebaruag. Donach fand nnler dem Vorsitz de» Reichsmlnisier» der Finanzen «nd in Anweseahetl des Reichsbantpräsidenten eine Länder' befprechnng fkati, in der über die geplante Ausgestaltung der Beratungsstelle für öffentliche Kredite verhandelt wurde. Nach eiulelteuden Worten des Reichsflaauzmlnister» und de» Reichsbank- Präsidenten stimmten die Länder Vertretungen der Notwendigkeit einer pfleglichen Behandlung der Kapitalmärkte zn. Es bestand Einmütigkeit darüber, daß eine lleberwachung der Auslands- kredite fortbestehen muß und daß auch für Inlandskredite geeijprele Wege zur Wahrung der gemeinsamen Zuteresseu der öffentlichen Kreditnehmer gefunden werden müsien. Demgemäß wurde zur Festlegung der Einzelheiten eine Aaterkommission eingesetzt. die ihre Tätigkeit bereit, oufgeaommea hak. Die Einsetzung der llnterkommission bedeutet, daß das Reichs- finanzministerium seine Richtlinien bei den Ländern nicht durch. zusetzen vermochte. Der Reichsfinanzmtnister bestand an- gestchts des Widerstandes der Kommunen selcht nicht ach der An- nähme der neuen Richtlinien und erklärte, den größten Wert auf die freiwillige Mitarbeit der Komnmuan legen zu müssen. Ein Mehrheitsbeschluß der Länder käme nicht in Frage, da die Annahm« der Richtlinien Bertragscharatter hat. Die Unter- kommissio» soll Grundlagen sichern, die diese freiwillig« Mitarbeit der Kommunen ermöglichen. Die alten Richtlinien werden bis 30. November in Gel- tupg b Leiben. Das ist die nächste bedauerliche Folge der Ilnzu- läuglichkeit der Geheimratsarbeit, für die das Finanzministerium eine nicht beneidenswerte Verantwortung trägt. Besserer Wille hätte dieses Fortschleppen des alten und schädlichen Uebels der Beratungsstelle überflüssig machen können. Der öffentliche Druck zur Schaffung einer vernünftigen Regelung wird trotz der Vertagung nicht nochlasien dürfen. Oer Griff nach den Säargruben. Franzöfische Abordnung im Dienst des Großkapitals. Wie die Kopfsteuer aussehen soll. Die Ergänzungsvorlagen, die die Regierung einbringen will, ändern zunächst den§ 163 des Arbeitslofenoersicherungsgesttzes in der angegebenen Weif« und sehen sodann die Einführung eiiier „B ü rg« r st e u e r" vor. Diese Steuer soll von den Geineinden erhoben werden. Steuerpflichtig soll jeder in der Gemeinde Wahl- berechtigte sein. Die Steuer wird nicht erhoben von Personen, die vom Wahlrecht ausgeschlossen sind oder bei daneu die Ausübung des Wohlrechts ruht, ferner nicht von den Perlanen, die laufend öffentliche Fürsorge genießen. Der Finanzmimft« wird ermächtigt. meiter« Personenkreise von der Eteuerpflicht zu befreien. Di« Höhe der Bürgersteuer wird von den Ländern bestimmt. � Jedoch soll der Slcuersah nicht unter 6 Mark für das Rechnungsjahr liegen. Bei Personen, die der Lohnsteuer nicht unterliegen, soll der Satz nicht niedriger als 3 Mark fein. Für Ehegatten soll er nicht weniger als das anderthalbfache der genannten Sätze betragen. Eine Slaffelung ist nicht vorgesehen. Mahgeberdd für di« Steuerpflicht sind die Lerhältnisse am ID. Oktober jeden Jahres. Ferner wird eine Verbindung mit den Real- steuern vorgesehen. Bis zum Inkrafttreten des Grund» und Gewerbe st euerrafimengesetzes darf in einer Gemeinde die Grund- oder Gewerbesteuer 1. mit mehr als 100 Proz., jedoch nicht mehr als ISO Proz. des Landesdurchschnitt» nur dann erhoben werden, wenn für das gleiche Rechnungsjahr ein Zuschlag von 50 Proz. zur Bürgersteuer er- hoben wird; 2. mit mehr als 150 und nicht mehr als 200 Proz., wenn 100 Proz. Zuschlag zur Bürgersteuer erhoben werden, und 3. mit mehr als 200 Proz., wenn 150 Proz. Zuschlag zur Bürgersteuer erhoben werden. , Der Landesdurchschnitt der Grund- und Gewerbesteuer wird von der Landesregierung bestimmt. Für di« Zell nach dem Jnkrast- treten der Rahmengesetze wird die Berkoppelung der Zuschläge zur Bürgersteuer mit der Höhe der Realsteuersätze durch besonderes Reichsgsjetz geregelt werden.' vom 1. April ISZl ab ist das Ausklommen an Sürgerskeuer von den Gemeinden zur Senkung der Realstenern zu verwenden. Maßgebend für die Senkung sind di« am 1. Juli 1930 geltenden Gemeindesteuersätze. Bon diesen Steuersätzen ist der Betrag ab- zuziehen, der dem voraussichtlichen Aufkommen an Bürgersteuer entspricht.— Fälligkeit und Art der Einziehung der Bürgersteuer wird von den Ländern oder nach Maßgabe des Landesrschts von den Gemeinden bestimmt. Die Verwaltung der Bürgersteuer liegt Ausschließlich den Gemeinden ob; chre Uebertragung auf Reichs- finanzbehörden ist nicht zulässig Ein« Erhebung im Wege des Sieuerahzugs vom Arbeitslohn findet nicht statt. Die Bürger st euervorlage soll am 1. Oktober in Kraft treten. Für 1930 werden die Bürgersteuer und die Zuschläge in voller Höhe erhoben. Paris. 9. Juli.(Eigenbericht.) Der Minister für öffentliche Arbeiten, Pernot. der die Saar- Verhandlungen führte, hat in einer Presieertlärung oersucht, oll« Schuld an dem Mißerfolg dieser seit acht Monaten nutzlos ge- führten Verhandlungen der deutschen Delegation zuzuschieben. Die Deutschen haben nach Pernot in„unbegreiflicher Starr- köpfigkeit* nicht darauf eingehen wollen, daß das Saargebiet zum Grundstein einer künftigen engen und mnfasienden wirtschaftlichen Zusammenarbeit Deutschland— Frankreich ausgestaltet würde. Nicht gesagt hat Pernot, daß die Zusammenarbeit, wie sie Frank- reich wünscht, Deutschland mit der Preisgabe der Saar- gruben alle materiellen Kosten aufbürden würde, denen keinerlei französisch« Gegenleistungen gegenüberständen. Dabei hatten die deutschen Unterhändler von Ansang an keinen Zweifel darüber gelassen, daß es ihnen unmöglich ist, die Saargrnben ans dem staatlichen Besitz herauszugeben und sie einer privat- wirtschaftlichen Gesellschaft zum alleinigen vorkeil der den Ischen und französischen Schwerindustrie zu überlassen. Die französisch« Delegation aber, die mit ihren Forderungen auf di« Unterstützung der deutschen Schwerindustrie spekulierte, glaubte, die deutschen Unterhändler mürbe zu bekommen. Der sozialistische Parteiführer Leon Blum protestierte im „Populaire" gegen die E r p r« s s e r p o l it i k der Schwer- lndustri«, die sich durch«ine Beteiligung an den Saargruben für die— doch nicht von ihr vollzogene— Rheinlandräumung bezahlt machen wösie: Blum betont, daß niemals der Friedensvertrag eine Enteignung des preußischen oder bayerischen Staates zugunsten der privaten Industrie gewollt hat. Aber unter dem Druck der Schwerindustrie Hab« sich die fron- zösische Delegation zu dem Versuch bereit gefunden, ein« Bertrags- abänderung durchzudrücken. Niemals hätten die Industriellen einer derartige Vergünstigung im Saargebiet besesien, weder in der Vorkriegszeit nckch unter dem Völkerbundsregime. Trotzdem sei die Industrie ihrer Kchhlenlieferungen immer sicher gewesen. Es sei unzulässig, daß die Regelung eines internationalen Problems von derartiger Wichtigkeit von der Befriedigung privater Interessen abhängen könne. Leon Blum kündigt schließlich an, daß die sozialistische Kammer- fraktion durch eine Interpellation über die Saarfrage rest- los« Klarheit schaffen werde. Milliarden für Rüstungen. pari«. 0. IuS.(Eigenbericht.) Die Finvnzkommifsion der Kammer hat nach kurzer Beratung den.neuen Milliardenkredit für Rüstwlgszweckc genehmigt. Di« Sozialisten, die den Antrag entschieden bekämpften. versuchten durchzusetzen, daß die neuen Mitel nicht wieder aus dem schon stark geschwächten Fonds des Schatzamtes entnommen, sondern durch Ersparnisse aus dem Budget ausgebracht werden. Der Antrag wurde jedoch mit 14 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Debatte um Aufwertungshypoiheken. Oer Gesehentwurf vor dem Rechtsausschuß. Der Rechtsaus schuh des Reichstages nahm am Mittwoch den Gejetzentwiirs über die Rückzahlung der A u f w e r t u n g s- Hypotheken in zweiter Lesung mit unwesentlichen Aenderungen der Beschlüsse erster Lesung an. Di« wichtigst« Frage, die noch zu entscheiden war, war die. ub als Folge der vorgesehenen Erhöhung des Zinses für die auf. gewerteten Hypotheken die gesetzliche Miete erhöht wer- den soll. Die Meinungen gingen überwiegend dahin, daß die aus der Zinserhöhung sich ergebende Dcckungssrage in diesem Gesetz nicht geregelt werden könne. Ein kommunistischer Antrag, zesetz- lich zu bestimmen, daß«in Zuschlag zu den Mieten insolge einer «us Grund dieses Gesetzes stattsindenden Erhöhung der Hypotheken- zinfen unzulässig ist, wurde daher gegen die Stimmen der Antragsteller und der Sozialdemokraten abgelehnt. Ange- ndmmen wurde folgende von den Sozialdemokraten beantragte Entschließung:.Ein« Erhöhung der gesetzlichen Miete««gen einer auf Grund des Gesetzes über die Fälligkeit der Auswsrtungshypoiheken ersalgenden Erhöhung de». Hypncheken- zint'ußes soll nicht erfolgen." D« Bevorzugung, die der Gesetzentwurf den entschul- leten großindu st riellcn Unternehmungen zuteil wer- den läßt, soll demnach im großen und ganzen bestehen bleiben. Separatisten? Vie LlebersaUenen am Rhein erklären. In den Mainzer Tageszeitungen veröffentlichen zwei Opfer des„Bolkszorns" Erklärungen, in denen sie darlegen. daß ihnen unrecht geschehen ist. Der eine, Christoph Acker, will vor Gericht den Beweis erbringen, daß es sich bei ihm um eine Namensverwechslung handle, der andere, Otto Planz, erklärt, es handle sich um„Ver- leumdungen neidischer M e n s ch e n." Der Verein Mainzer Kausleute e. V.. unterzeichnet Fischer, 2. Vorsitzender, und Dr. S t ö b e r, Syn- dikus, veröffentlicht in größter Aufmachung die folgende Anzeige: .Ehrenerklärung. Der Vorstand des Vereins Mainzer Kaufleut««. V. erklärt auf Grund seiner persönlichen Kenntnisse und der von ihm angestellten Ermittlungen, auch unter Hinweis auf den von Herrn Bürgern, eister Dr. Ehrhard ausgegebenen amilichen Bericht vom 3. Juli 1930, daß die im Zusammenhang mit den Unruhen der letzten Woche gegen seinen ersten Vorsitzen- den, Herrn Jean Becker, entstandenen Gerüchte, daß er zu der separatistischen Bewegung in irgendwelchen Be° Ziehungen gestanden habe, jeglicher Grundlage ent- b ehren. Herr Jean Becker genießt nach wie vor das volle Perträuen des Vereins Mainzer Kaufleute e. V." Diese Anzeigen lassen erkennen, was am Rhein vor sich geht! Ein Gerücht genügt, um die Rotten der Unruhestifter zu entfesseln. Wer eine Privatsack)« austragen will, tut sich als Separatistenfeind auf! Moldenhauer. Allgemeine Verurteilung seines PensionierungSankrageS. Der Antrag des ehemaligen Reichsfinanzministers Dr. Moldenhauer, ihm die Vollpension zu gewähren, wird in der gesamten Presse einmütig verurteilt. Die Presse der Regierungsparteien macht davon keine Ausnahm«. Die ermania" ichreibt: „Dr. Moldenhauer aber hätte besser daran getan, seinen hier vorliegenden Fall nicht unter dem Gesichtspunkte des formalen Rechts zu sehen, sondern unter dem Gesichtspunkt der psych vlogi- scheu Wirkung und der finanzpolitischen Lage. Gewiß würde die erhöhte Pension Moldenhauers kein Loch in den Etat reißen. Wer das ist nicht entscheidend. In einem Zcitpuntt, wo von weiten Bolkstrcisen erhebliche Opfer verlangt werden, ist es ebeufo unpsychologisch wie unrichtig, außergewöhnliche An- s p r ü ch e zp erheben. Wir sind der Meinung, daß das gut« DÄ- spiel von oben kommen muß—, nicht das Aergernis. Hier aber ist ein Aergernis." Die oolksparteiliche.�kölnische Zeitung� ist nicht minder scharf: „Formolrechtlich mag Herr Moldenbauer mit seinem Antrag im Recht sein. In dct Tat sprechen sein« bisherige Beomtenlauf- bahn und die ausdrückliche Lücke des von ihm selbst unterzeichneten Ministerpensionsgesetzes für seinen Antrag. Aber ein Minister, der zwar das.Rotopfe?" nicht erfunden hat, aber es mit verantwortet hat, durfte eine» solche»«»trag nicht stelle». Diese Ausnutzung der Rechtsbestimmung könnte den Gedanken auskommen lasseu, als ob Minister versuchten, Gesetze zu ihrem persönlichen Nutzen zu machen. Der Antrag Molden- Hauers ist, wie der außerordentliche Widerhall m der Oeffentlichkeit zeigt, nicht geeignet, irgendwelche Sympathie zu erwecken." Trotz dieser scharfen Urteile haben gestern die Rc- gierungsparteien im Ausschuß die Beratung des Pensions- kürzungsgefetzes verschleppt! Oer Amisn'chier vo« Zeih. Er nimmt Revanche auf seine Art. Französische Sportler sind in Zeitz auf der Straße von Hakenkreuzlern angegriffen worden. Sie setzten sich zur Wehr: dabei erhiell ein Mann, der vermittelnd dazwischen- trat, einen ungefährlichen Messerstich in die Brust. Die Angreifer wurden nicht angeklagt, wohl aber der angegriffene Franzose. Er kam vor das Schnellgericht. Es scheint, daß der Schnellrichter von Zeitz die Frage der Not- wehr nicht geprüft hat, er hat kurzerhand den Franzosen zu vier Monaten Gefängnis. verurteilt. Tatbestand und Höhe des Urtells lasten nur einen Schluß zu: hier ist von einem ftanzofenftesterifchen Amtsrichter ein Mann verurteilt worden, we i l e r Franzose i sll Das Urteil ist völlig unmöglich. Es ist ein ausgesprochen politisches Urteil, und als solches gefährlich. Es wirkt wie eine Aufforderung an Hakenkreuzstrolche, über Franzosen herzufallen, die sich in Deutschland aufhalten. Die sächsische �egierungsfrage. Immer«och Rechtsblockverhandlungen. Dresden, 9. Juli.(Eigenbericht.) Die am Mittwoch fortgesetzten Besprechungen der Rechts- Parteien über die Bildung einer„ma rxi st e n re in e n" Regierung sind abermals ergebnislos abgebrochen worden. Man will die Verhandlungen am Donnerstag fortsetzen. Aber selbst in rechtsstehenden Blättern wird jetzt ebenfalls die Auffasiung vertreten, daß die Besprechungen der Rechtsparteien keinen Zweck mehr haben. Im Berlauf der Beratungen wurde auch über die für Donners- tag angesetzte Wahl des Landtagsvorstandes verhande!!. Eine Einigung wurde nicht erzielt. Eine Dresdener Korrespondenz veröffentlicht eine Z u l ch r i s t von führender demokratischer Seite, in der gesagt wird, jede Hoffnung, daß die Demokraten es den Rechtsparteien durch Abgabe von weißen Stimmzetteln oder auf andere Weise ermöglichen würben, eine Mehrheit für einen Ministerpräsidenten zu erlangen, sei trügerisch. Die Demokratische Partei werde unter keinen Umständen ein« Rechtsregierung mit Bc- tciligung oder unter Führung der Nationalsozialisten dulden. Sic werde niemal? die Wohl eine? Ministerpräsidenien ermöglichcn, der «ine Rechtsregierung bilden würde. Wenn man in Sachsen ein« politische Regierung hoben wolle, könne man nicht den Weg der Rechtskocrlition, sondern nur den der Großen Koalition beschreiten. Brettscheid mahnt den Kanzler. Wegen der Iftiesengehalter bei Reichsbant und Reichsbahn. Der Vorsitzende der soziawemokratsichen Reichstags froktion. Abg. Dr. Breitscheid, hat an den Reichskanzler Dr. Brü- n i n g ein Schreiben gerichtet, in dem er darauf aufmerksam macht, Nitz die Regierung die vom Reichstag gewünscht« ZusammensteU lung über die Bezüge der obersten Beamten der Reichsb ank und Reichsbahn noch nicht vorgelegt habe.. � In dem Schreiben wird dargelegt, daß die Frist zwischen dem 12. Marz 1930 und dem 28. Mai 1930 für die umgehende Beant- wortung einer Entschließung des Reichstags schon alsrechtlang bezeichnet werden muß. Inzwischen sei seit dem 28. Mai, zu dem Termin die Regierung die Beantwortung in Aussicht gestellt Hobe, wieder mehr als ein Monat verstrichen, ohne daß der Reichstag eine Antwort auf die in der Entschließung enthaltenen Fragen erhalten hätte. Es wird deshalb verlangt, daß die Zlntwort auf die Entschließ ßung des Reichstages noch vor seiner Vertagung erfolgt. Verkehrsmmisier/ Neichsbahngehalier. Arbeitsbeschaffung durch Reichsbahnaustrage. Im Berkehrsausfchuß des Reichstages gab der Reichsvertchrs. minister von Guerard nähere Erklärungen über das Arbeitsbeschaf- sungsprogramm und die Spitzengehälter der Reichsbahn ab.. Der Minister betonte, daß der Bau neuer Linien vollkommen von der finanziellen Lage des Reiches und der Reichsbahn ab» hängig sei. Es fragt sich, inwiewett die Cmrichtung von lk rastfahr- linien finanziell und verkehrstechnisch dem Bau neuer Eisenbahn- linien vorzuziehen ist. Ueber das Arbeitsbeschaffungsprogramm haben wir mit der Reichsbahn wochenlange Verhandlungen und danach«in« Chef- bcsprechung gehabt, an welcher auch der Reichsbankpräsidmt be- teiligt war. Bei den Verhandlungen habe ich den Antrag gestellt, baß sich die Reichsbahn mit 3S0 Millionen M a r k an dem Arbeitsbeschaffungsprogramm beteiligt. Ein« ge- wisse Hilseleistung der Reichsregierung ist bereits vorgesehen. Hier- be! soll Hand in Hand mit der allgemeinen Preissenkungsaktion der Reichsregierung vorgegangen und eine Herabsetzung Oer Preise durchgesetzt werden. Der Venvalwngsrat der Reichs- bahn hat sich/ soweit ich bisher unterrichtet bin, in seiner gestrigen Sitzung in Stuttgart bereit erklärt, sich mit 350 Millionen Mark an dem Arbeitsbeschaffungsprogramm zu beteiligen.� Was. die Hohe der Gehälter der leitenden Beamten der Reichsbahn anlangt, so erklärte der Minister, daß«r sich mit der Bitte imi Auskunft an die Reichsbahn gewandt habe und daß er in iissentlicher' Rede darauf zurückkommen werde, sobald er di« Ant- wort erhalten habe. Schon jetzt könne er sagen, daß diese Ge» hälter ein Bielfaches von den Gehältern der höchsten Reichsbeamten betragen, wodurch beifpiels-' weise der an sich gewünschte Austausch von Beamten des Reichsver- lrhrsministeriums mst solchen der Reichsbahn sehr erschwert werde. Di« Bezüge der Mitglieder des Verwaltungsrats der Reichs- bahn feien bereits wesentlich herabgesetzt. Die Beform der Krankenversicherung. Aussprache im Sozialpolitischen Ausschuß. Gestern begann der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags mit der Beratung der Novelle.zur Krankenversicherung. Der Re- oierungsvertreter leitete die Aussprache mit dem Hinweis ein, daß der Entwurf aus der Absicht geboren sei, die Krankenversicherung gegen Mißbrauch zu schützen. Die Zukunft der Krankenversicherung solle damit gesichert werden. Denn wenn im Jahre 1935 tatsächlich die Ausgaben auf 3 Milliarden anwachsen sollten, dann würden schärfere Maßnahmen kaum zu vermeiden sein. Iii der allgemeinen Aussprache wandte sich Abg. Müller- Lichtenberg(Soz.) dagegen, daß eine Art Gefahrengemein- schaft zwischen der Krankenversicherung und den übrigen Zweigen der Sozialversicherung konstruiert werde. Es sei richtig, daß die Krankenversicherung an den Kassenärzten krankt, daß die Kassenärzte bei den Versicherten einen Medizinhunger künstlich großgezogen haben. Dieses Kassettarztsystem sei den Krankenkassen aber gegen ihren Willen aufgezwungen worden. Biel besser wäre die Einführung beamteter Aerzte gewesen. Abg. Thiel(DBP.) lehnte die sozialdemokratische Forderung, beanitete Aerzte anzustellen, ab. Ihr« Verwirklichung würde dazu führen, daß in Deutschland eine freie Aerzteschast überhaupt nicht mehr bestehen kann. Dos würde ein schwerer Schaden für die medizinische Forschungstätigkeit fein. Die Deutsche VolkspaNei werde den Entwurf sorgfältig daraufhin prüfen, ob er nicht der sozialdemokratischen Forderung schon zu weit entgegenkommt. Abg. Becker- Arnsberg(Z.) billigte die Tendenz des Eni- wurfs. Die Aerzte hätten lange genug darüber geklagt, daß sie von asozialen Versicherten zu viel in Bagatellsachen beansprucht ryerdcn. Jetzt werde von der Aerzteschast freilich dos Gegenteil gesagt. Es gebe aber auch asozial« Aerzte und asoziale Apotheker, die die Versicherten gegen die Krankenkasien aus« hetzen. Es wäre richtig, gegen olle dies« asozialen Elemente Maß- nahmen im Interesse der Krankenversicherung zu treffen. Abg. Litke(Soz.) trat für beamtete Aerzte«in. Wenn die kqssenSrztlichc Praxis vom Erwerbssinn befreit wird. dann werden die.meisten Mißstände im Krankcnkasienwescn verschwinden Die beamteten Krankenhausärzte haben die medizinische Forschung wesentlich gefördert. Die Vertrauensärzte müssen vollkonnnen unabhängig sein von den Krankenkassen, und von den Versicherten. Di« Einführung von Gebühren für den Krankenschein kann für die Voltsgesundheit dte unheilvollsten Konsequenzen haben; denn in vielen Fällen hängt alles davon ab, daß der Kranke ohne jede Verzögerung den Arzt aufsucht. Damit schloß die allgemeine Aussprache. Die Einzelberatung wurde auf Donnerstag vertagt. Schweres Llnglück bei poisbam. Zwei Tote, drei Schwerverleßie. Gegen 11 Ahr stieß auf der Ehauflee Potsdam— S-lko« ein IN o t o r r a d, da» einen Beiwagen mit sich fahrte, in noiler Fahrt ovf ein Aula. Bei dem Zusammenstoß wurden Zwei llnfasscn des INotorrade» getötet und einer schwer verletz!. Zwei Znsaffea de» Auto, erlitten auch schwere Verletzungen und fanden Aufnahme in einem Potsdamer Krankenhaus. tfe te Sola taorfa riW t**» Kleine Anfrage. AiobSels Anhänger verprsigelten einen Zeitung»- Händler de» Straßerschen �stational-Sozialisien". „3$ der preußische Innenminister bereit, die Organisation der Angreifer aufzulösen?" (Aus der Kleinen Anfrage Nr. 629 de» nationalsozialistischen Landtaqsabgeordneten Kub e.) Labour-Regierung an Indien. Aufforderung zur Gemeinschafisarbett. London, 9. Juli.(Eigenbericht.) Ein wichtiges Ereignis ist die Stellungnahm« der Arbeiter- regierung zum Simon-Bertcht und dadurch zum gesamten indischen Problem. Die Rede Lord Jrvins, des Bizetönigs von Indien, vor dem indischen Parlament zu Snnla beweist di« Entschlossenheit der Labourregierung, sich trotz aller konservativen und liberalen Wider- stände nicht irre machen zu lassen in der Erkenntnis, daß nur Taten aber keine leere Redensarten die Verständigung mit dem indischen Volk herbeiführen können.. Lord Jrvin verkündete im Namen der englischen Regierung feierlich: „Nach sehr sorgfältigen Ileberlegungen hat die englische Rggicruna entschieden., daß die kommende englisch- indische Konferenz in voller Freiheit ihre Entscheidungen treffen und ihre Aufgabe lösen soll, unbehindert von den Vorschlägen der Sinum-Koinmission. Das Wort, daß die englische Regierung bereits im vergangenen No- vember ausgesprochen hat, bleibt bestehen: � der Dominloussiaius ist selbstverständlich die Vollendung iu der koustituttonelleu Entwicklung Indiens. Die englische. Sieaierüira ist. der lleberzeugung. daß di« englisch, indische Krmferenz im Oktober gene Lösung find«, wird, die von beiden Länder» und ihren Parteien in Ehren angenommen werden können. Die Konferenz soll kein Diskutierklub fein, sondern eine Versammlung der beiden Völker,»nd welches auch die Beschlüsse sein mögen, sie werden di- Basis der Dorfchlägs fein, die später die englische Regierung dem Parlament zur Annahme vorzulege i hat. Die Vorschläge der Simon-Konmüssion. ein so wichtiger Beitrag sie auch zu einem so schwierigen Problem fein mögen, diese Vorschläge hatten n i cht den Zweck, die Entchcrdung der Regierung v o r we g- zunehmen." Lord Jrvin forderic dann das indische Volk zur Mitarbeit auf» damit dos konstniktwe Verfassungswerk vollendet werden könne. Nicht Gesehesiiberschreikungen und auch kein Wunder könne dem indischen Volk die Freiheit bringen, sondern nur die gemeinsame Arbeil der beiden Völker. Zwei Weg« sind offen, heißt es am Schlüsse der Kundgebung: der ein« führt zur Uneinigkeit, zum Aufruhr und zu enttäuschten Er- ivartungen, der andere Weg wird uns zu jenem Indien leiten, dos «in-stolzsr Partner im freien Wettbewerb der Nationen fein soll. Indien hat zu wählen! Die Vorschläge der Siinon-Kommission hatten dos Tor, das zur cnglisch-indtjchen Konferenz führen sollt«, krachend zugeschlagen. Die Arbeiterregierung hat es durch die Rede des indischen Vize- königs neu, wenn vielleicht auch noch nicht weit genug geöffnet. Wer der Weg zum Frieden und zur Verständigung ist wieder sichtbar geworden. Opposition gegen Kriegsschiffbauten. London. 9. Juli(Eigenben cht.) In einer von 70 Wgeordneten besuchten Fraktiansptzunz der Labour-Party trug der Chef des englischen'Admiralstobes, Alexander, sein« Gründe für die beantragten Schifssersatz- bauten vor. Der Admiral stieß in der Debatte aus ein« hestigc. von Kennworthy geführte Opposition. 23 Abgeordnete stimmten für eine Entschließung, die das Marineerjatzprogramin und damit die Bewilligung der angeforderten Mittel ablehnt. Die Versorgung der Kriegsbeschädigien Neuanträge auf Rentenversorgung ausgeschlossen. Der Reichstag sausschuß für Kriegsbeschädigtenfragen beendete am Mittwoch die Beratung der Novelle zum Reichsvers or- gungsgesetz sowie der Novelle zum Versahrensgesetz in Versorgungssachen. Er behandelte dabei gerade die wichtigsten Ve- stünmungen dieser beiden Novellen, deren Beratung bis zum Schluß zurückgestellt worden war./■ Der stärkste Eingriff der ooriiegetchen Novelle zum Reichsversorgungsgesetz in das bestehende Recht liegt darin, daß praktisch jeder neue Antrag auf Rentenversorgüng, Heilbehairdliung, Erteilung eines Beamtenjchems und jeder Fest- stellungsanfpruch von Kriegsteilnehmern vom Zeitpunkt des Jntrast- tretens der Novolle an, ausgeschlossen sein soll. Dasselbe gilt für Antröge aus Gemährung von Eltern renk«. Solche Anträge können nicht mehr gestellt werden von Eltern derjenigen.Kriegs- teilnehme� die schon vor dem 1. April'1927 gefallen oder ge- starben sind. Die Novelle zum Verfahvensgesetz schränkt die Rekursmöglich- ketten ja erheblich ein, daß innerhalb von etwa zwei Jahren die Tätigkeit des Reichsverforgungsgerichts im. wesentlichen abgeschlossen sein dürste.. Höchstens ein.Senat wird dann an Stelle der bisherigen 20 Senat« und des bayerischen Landesveisor- gungsgerichts noch Erforderlich sein. •• Di« sazialdemokrat'ische Fraktion hatte ihre Zu. stimmung zu den beiden Entwürfen davon abhängig gemacht, daß auch in Zukunft unter bestimmten Voraussetzungen noch Eltern- bsihilien und Kriegsbeschödigtenrenten wenigstens in schweren Fällen und bei Nachweis des zeitlichen Zufainmenhangs mit dem Kriegsdienst gewährt«erden, sollten Di« sich jedoch die Regierung zu einem Entgegenkommen in diesen beiden Punkten nicht bereit erklärte, wurden die beiden Rrwellen gegendie Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten nur mit den Stimmen der Regierungsparteien und der Deutsch nationalen im all» gemeinen in der Fassimg der R-gievnngsentwürse angenommen „©er fröhliche Weinberg". Srfiauffühnmg in der Volksbühne. Carl Zuckmayers Luftspiel bot aufs neu« fein« Zugkraft bewiesen. In Dietrich K.e.ntei s Jnfzsisicxung entstfht, ein lebensnahes Bild rheinischen Polkslebkns. Echte Fröhlichkeit strahlt von der Bühne ins Paskett. Der jubelnde Bersall der Zuschauer ruft Autor, Regisseur und den.Hauptdarsteller Haas Peppler vor die Rampe. Dgr. Vertrauensvotum für Svinhufvud. Jagd ans Kommunisten.—©ie©rockereizerstörer bedingt verurteilt. Helsingfors.S. Juli. Die Kammer hat in der Frage der Verhaftung der kommunistischen Abgeordneten der Regierung mit IVB gegen 58 Stimmen ihr Vertrauen ausgesprochen. Die Sowjetregicrung hat gegen die Eintreibung finnischer Kommunisten nach Sotvjetrußland bei dem finnischen Gesandten in Moskau Einspruch erhoben. Oer Kampf in Polen. pilsudsti möchte die Oppositionsführer einlochen lassen. Warschau, 9. Juli.(Ost-Expreß.) Dem 10. Juli wird mit einiger Spannung entgegensehen, da eine Beschlußfassung der Links- und Mittelparteien über«inen Bor« schlag der Nationaldemokraten erwartet wird, durch gemeinsamen Antrag vom Staatspräsidenten die Einberufung des Sejm zu einer außerordentlichen Tagung zu verlangen. Wieder taucht das Gerücht von der Absicht der Regierung auf, das Parlament aufzulösen, jetzt um so mehr, da der Regierung für den Prozeß gegen die Teilnehmer an dem Krakauer Oppofittonskongreß an der Aushebung der Immunität gelegen ist. Ein christlich-demokratisches Blatt behauptet, der Plan, auf» zuläsen, um die in Krakau hervorgetretenen Abgeordneten v e r h a f» t e n zu können, gehe aus persönlichen Wunsch Pilsudstis zurück. Die Poruntersuchung gegen die Kongreßteilnehmer ist sor- mell noch nicht eingeleitet. Der Krakauer„Czas"(.D'e Zeit") mm-nt an. daß es zum Prozeß überhaupt nicht kommen wird, da d:« Ab- urtellung der Kongreßteilnehmer vor dem Schwur gericht mit einer triumphalen Freisprechung enden würde. Di« Regierung hat den Mitgliedern der polnischen Gruppe der Jnterpärlamentarischen Union, di« zum bevorstehenden Kongreß noch London reisen wollen, die Ausstellung von Ber- günstigungspössen l billiger als 250 Zloty. Red. d.„B.") ner- weigert. Die Verhandlungen mit der Behörde haben auch keine Sicherheit darüber gebrocht, daß wenigstcns die normalen Pässe ausgereicht werden, vielmehr wird befürchtet, daß durch Ber- j ch l e p p u n g der Formalitäten die Teilnahme der Palen an der Londoner Tagung unmöglich gemacht wird. Theater, Lichtspiele usw. __________<) \a> ��v�vsvyy� Staats-Theater!J geschlossen! Abonnements- Anmeldungen Iii iüp öle Spielzeit 1930-31 (Begion sm 1. Septemflsr) werden auch während derthe- aterierien entgegengenommen: a) für die Staatsoper und das Staat!. Schauspielhaus vomAbonnements- büro, Berlin W56, Ober- wallstr. 22.•— Fernspr. Merkur 9024, b) für das StnatL Schiller- theater vom Abonnementsbüro, Berün-Char- tottenburg, Grolman- straße 70.— Fernspr. Steinpl. 6715. Die PrUfung und Begutachtung der vielen Einsendungen zu unserem KINDER-PREISAUSSCHREIBEN ist beendet. Das Preisrichterkolleglum, das unter Vorsitz des Notars Rechtsanwalt Gross, Berlin, Anhaltstr. 4, tagte, hat die ihm zur Verfügung stehenden 40 Preise im Gesamtwert von 1000 M. i. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. Preis: Preis: Preis: Preis: Preis: Preis: Preis: Preis: Preis: Preis: Zehn Erwin WScke, Berlin NO 55, Elbinger Strasea 71. Grete Kirech, Berlin Wls, Uhland- strasse 47 Karl Kuben, Berlin N68, SchOnhaueer Allee 45a 4 Tr Ursula Riisler, Berlin, Welseenburger Straese 16 wie nachstehend aufgeführt, verteilt; Ehrenlraut Rasch Berlin C25, Alexarderstrasse 3-6, Jugendheim Anneüesa Liebling Berlin• Baumachulenweg, Kiefholzstrasse 269 Else Hornung bei Masch Berlin-Neukölln, Prinz-Handjery-Straeee 30. 4 Tr. Rosemzrla fesch Berlin 0 25, Alexandcrstrasee 3-8, Jugendheim Willy Podetko Berlin O, Paul-Sir, ger-Strassa 66, vom 2 Trepp. Vera Bauer Berlin S 69, Wiasmannstraese 26 Werner Pollin Berlin- Lichtenberg, ROdigeratraaae 42 Alfred Briese Berlin, Prenzlauer Strasse 19a Hans Siaffetsleln Berlin, Helnrlch-Roller-Strasse 26 Rudolf Berchmeyer Berlin-Neukölln, Emaer Strasse 100. erste Trostpreise: Heina Rosen, Berlin, HöchsteStrasse 49 Inge Kuba, Barlin, Meyerdeeretrasse 6 Kur» Zlelenzlger, Berlin O 27, Krautalrasse 52 Horst Bernd», Berlin, Kleine Frankfurter Strasse 13 Bruno Fischer, Berlin. MOnzstrasso 16 Margot Schubert, Berlin, Gleimstr. 27. Zwanzig zweite Trostpreise: Margot Wllke, Berlin, Stahlheimer- Strasse 3a Frida Fargasch, Berlin C26, Kleine Alexanderstrasse Horst Picht, Berlin NO 66, Brauns- barger Strasee 10 Gerda Junk, Berlin 027, Blumen- Strasse 88, 2 Tr. Gerhard Mal, Berlin N 20, Zachliner Strasse 6 Irene Danslgar, Berlin W, Passauer Strasse 17 Margot Klein, Berlin N24, Artilleriestrasse 1, 4 Tr. Hilda Hilter, Berlin, Prenzlauer Allee 1 Pater SalwIU, Berlin W, Undauer Strasse 7 Hans Hoffmann, Berlin N58, Danziger Strasse 71 Georg Klein, Berlin NO 55, Grellst rassa 13 Walter Bartels, Bertin NO 43, Uetz- mannstrasse 24 Edltha Höpfner, Berlin N0 18, Knlp- rode straese 18 Rolf Schaplra, Berlin, MOnzstr. 14:16 Benno Wrozlawskl, Berlin, Pappel- aUee 24 Wulter Konter, Berlin S 69, Urban- etrassa 25 Annemarie Kirsch, Berlin NO 66, Rastenburger Strasse 20 Siegfried Freund, Berlin-Lichtenberg, Wühliscnstrasse 64 Günther Baehr, Fürsterborg a-d.Oder, Wilhelmstrasse 8 Charlotte Falke, Berlin SO, Mutkauer Strasse 49. ISS HERNANN UETZ ALEX ANDERPLATZ Idealer I. d. Behrtnslr. 53-51 U. A4 Zentrum 926-927 8** U- Direktion Ralph Arthur Robert« Mein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Rods Reichshallen-Theater [T| Uhr Stelliner Singer jflf W 16. Jafi: Gastspisl der /M Dresflneruicicria-sangep Dönhof l-lireUl: (Saal and herrlidi kühler Gsrlai) Vorietö- Konzert- T«az Die M i 1 1 i ö nen-Uensä tze r'L, ,w. V wyj*--vü■.... ''peweesen am bestem meine Lcistungsiahigkcif! Kxtrn prima I*flllr.er WellSvrotne......... Vi Fl. 0.80 Nterstelner nnd lilebfranmllch.......... Vi Fl. 1.35 Echter nllBer �relBcr Bordeaux.......... i/, FI. 1.50 Entre denx Mcra,»OOer weißer Bordeaux,. V, FI. 1.T5 Echter süßer Unffarvreln.............. Vi FI. 1.75 Achtunfff 1 Liter enthält»/ic mehr sie eine Vi Flasche Feinste süße Obstweine..ut« von 0b75»-> Echter roter süßer Malvasier......»..•. Liter 1.10 Echter reiner süßer Tarraxona......... Liter 1.35 Echter reiner süßer Malagru............ Liter 1.00 Echter reiner süßer..................... Liter 1.40 Eehter reiner deutscher Wermut hneln.... Liter 1.8B Echter feinster Pepsin� ein für Kranke... Vz Liter 1.30 llimdeet», Kirsch-, Zitronen■ Orangeade- Ä_ mit feintter Raffinade eingekocbl(ea. 2'/» Pfund), Liter leOh Echte Edel-Ltköre....... rt 2.95 Weinbrande/ Verschnitte/ Aquavlt/ Rum Eigmif.br kate, feinste Qualitäten, epottbUUg Kostproben gratis! ___ Preise ohne Glas! Brunnenstr. 4a Müllerstr. 144 Chausseestr. 76 Koppenstr. 87 WoIIankstr. 98 Wismarplatz 1 (Ecke Boxhagener) Prenzlauer Allee 50 Petersburger Str. 60 Grünauer Str. IJ Köpenicker Str. III Martin-Luther-Str. 86 Wilmersdorfer Str. 157 Neukölln: Berliner Str. 12 Hermannstr. 27 Schöneberg: Kolonnenstr. 9 Steglitz: Schloßstr. 121 Moabit: Wilsnacker Str. 25 Spandau: Potsdamer Str.23 WdSensee: Berliner Allee 247 Tcmpclh.: Berliner Str. 152 Oberschöneweide: Wilhelminenhofstr. 40 Frankfurt-Oder: Riehls tr. 7, Rathenow, Dunkers tr. 29 Kdstrin-Neustadt, Landsberger Str. 4 Küstrln-Altstadt, Berliner Str. 19 Brandenburg(Havel), Hauptstr. 38 VolKsbtUine Hinter ein BOlowtilati. 8»/. Uhr Der IrShlldie Weinberg Luslsp. in 3 Akten ng Rirl Zadimyer Regie: IL D. Reuter. Dbuisüiüs Itieaier 1 2 Weideiubnin 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. ReeuMarReinhardi •tili: Friclrirti Hallaenlu. Bfhnrabtldir Emt Siiättt, Die Komödie II Bismck.24t4/7SIA S'/j Uhr Wie werde idi reidi end slüdilidi? Ein Rorsi» in Ii AMsiluogen von Feüx Joadiimsoo. lik töü Miuha Spolianvky. Regie; Eridi Er.gci Bühnenbilder Ixdvig Rainer Theater 1 Westens Täglich 8Vj Uhr: Das Land des Lächelns Franz Lehars Sensationserfolg 1 Lessing- Theater Wddtndaora 2197 g.OSII Täglich 8'� Uhr Der Faun tod Ed«. Xooliliuii PhI Hmdelt. Halm, flamme. Rnil. Sndtuinkr, Frankn, Fiidlcr. Bant«. Um i/iifffi/nf. leaumnt 'tLA4- ftELHWINN ZW All Operettenhaus (Zentral- Thealer) Dönh 2047 Alte Jakobstr. 30/32 0er groBen Hitze wegen geschlossen. Wledereröifanng am 1. August Beniner Praier somDsrgatUiiUisaicr Kastanienallee 7—9 TSglldi Rnfang 4 Ubr der groBe variete- Tcil. 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Juni 1930, an der teilgenommen haben: Ami?get>d>srat Dr. Bne« als Anuerlchler, Iuilitanwarter Lulowski als Urkunbsbeamler der SeschSfisstelle für Recht erlannt: Der Angeklagte wird wegen Sffentlicher Beleidigung begangen durch die Presse zu einer iDelbltaue von 300RM— Drethunberl Reichsmarl— im Ntchtdeitreidunge'alle»u einem Monat Geläug»!« und in die Kosten des Verlahrens verurteil:. Die Privaltläger erhalten die Befugnis, die Itrlrlsiormel innerhalb 2 Wochen nach Nechlskrasi de« Uneil« je einmal in salgen den Zeitungen zu verbfiemlichen: 1. in der.Raten Fahnech 2, im„Vorwärts-, 3. im.Texlil-Arbeiter'. g-z. Dr. B u e s gez. LukvwslL Beglaubigt Dr. Siegtrted Weinberg, Rechtsanwalt. „erst prodisTSB.... ....«isnn UTteilsn!" W.nn all, M �3 B rt F-DBlan,-as«1, achon jahrelang erkannt und erprobt haben, wenn sie wüßten, daß.Oka«.' (nach üeheimrat Dr. med. Lahusen) von keinen ähnlichen Präparaten übertroffen werden kann,— dann brauchte dieses Inserat nicht zu erscheinen I Doch wir fühlen, daß es keinen Zweck ha', die vielen Vorfelle unseres„Okasa" an dieser Stelle lang und breit auseinanderzusetzen; Uffr wollen Sie ja nlchl dherredenl Sie sollen sich selbst überzeugen I jeden, der„Okasa", das hoch- -Kräftigungsmittel noch �Tlir O/ffl.Tfl. Wir versenden daher nochmals für wertige, wissenschaftlich anerkannte nicht kennt, diskret verschlossen ohne jede Absenderangabe 50009 Probepackungen umsonst ohne jede Verpflichtung(unverlangte Nachnahmen Rennen wir prinzipiell nicht) gegen 40 Pf. i toppelbiiefpono; wir legen hochinteressante Broschüre mit notariell begiaubigten lausenden'.teiwilligen Anerkennungen von Aerzten und dankbaren Verbrauchern jeder Probepackung kostenlos bei Qeneraldepot und Alleinversand für Deutschland Radiauers Kronen-Apotheke, Berlin W 61. Friedrichstraße 160 Bflärtlllin tin nnnail' Okasa(Silber) lü denMann. 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M. verstarb insalge Herz. schlage« beim Baden unser liebet hoffnungsvoller jüngster Sohn und Bruder Heilig im jugeudlicheu Alter von 15 Iabreu. In tiefer Trauer um stilles Beileid bitteud Familie Brun» Weiner. Einäscherung sindel am Sonnabend, dem 12. Juli nachmittags 5 Uhr. Im Krematorium Baumläiulenweg statt I»»NR»»RUI»R Für di« uns anläßlich de, sähen tnscheiben« meine» lieben Manne«, unsere« guten Baters, des Revisor» Georg Götsch erwiesene Teilnahme und dl« reichen Kranzlvenden sagen wir allen Ber- wanbien. Freunden und Belannleu, den Mielern der Siedlung am Damm- weg, der Dire.llon. dem Meiller, Kolleginnen und Kollegen der ASS. (FRO,). Dcno. sinnen und Senossen der SPD.(W, Abt.g, unserrn herz. nchsten Dan!. Zn»besonber« danken wir Herrn Redner Sllltfe sowie Herrn Linke lür die trostreichen Worte am Sarge de» so früh Dahin» geschiedenen Olga Gtflsch und Kinder Danksagung. Für die erwiesene Tei nahme an» lätzlich de« Hinscheiden» meiner lieben Frau und unserer guten Mutter Gertrud Kutschenreiter sagen mit aüen Genossen, Freunden und Bekannten herzlichen Dank Max KatacBcxirelfter and Kinder. Deutsch-Kroner Str. 3. „Tag alter HflhnerangenkapitSn, Hab' dich schon lange nicht gesehn." „Grüß mich nicht mehr mit solchem Wort, Durch„Lebewohl"*) ist alles fort." *) Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzten empfohlene HOhnerangcn-Lebewohl und Lebe- wohl-BaUensiheibeTj, Blechdose(8 Pflaster) 75 Pfg, Lebcwohl-Fogbad gegen emofindllche Füße und Fußschweiß, Schachtel(2 Bäder) SO Pig., erhältlich in Apotheken und Diogenen. Wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das edrte Lebewohl In Blcdtdoeen und weisen andere, angeblich.ebensogute* Mittel zurück. Fr. S1?» 4?. Jahrgang 01�10(11��5 Oonnerstag, 40. Juli �950 Ssrüns neusz Zoivsniirskwerk 48 Äaaten find in der meltum- spannenden Arbeitsgemeinschaft ver» »inigt. di« un Jahre 1924 als„Welt- lraftkonferenz' ins Leben gerufen wurde, um durch internationale Zu- farnmenarbeit die Erzeugung, Vcr- teilung und Verwendung von Energie in jeder Form wissenschaftlich und industriell zu fördern. Sic will die Fachmänner der Energieversorgung mit den Vertretern der Wissenschaft und Wirtschaft zu gemeinsamem Erfahrungsaustausch zusanunen- fuhren, aber zugleich wich die„Platt- form" schaffen, von der aus die Energiewirtschaft zur breitesten Oes- scntlichkeit spricht. In der Reichs- Hauptstadt selbst wurden dem frem- den Ingenieur in erster Linie die vorbildlichen Elektrizitätswerke der Bewag gezeigt. Das vor der Vollendung stehende Kraftwerk West der Bewag kann auch besondere Baach- tung beanspruchen; sind doch bei seinem Bau die neuesten technischen Erfahrungen der letzten Jahre nrit- verwertet worden. Während das im Jahre 19Z«; fertiggestellte Grohkraft- wcrk Klingenberg vornehmlich die Versorgung des ä ft l i ch e n Stadt- gebietes versehen soll, ist das in der Nähe von Spandau gelegene Kraftwerk West für die Strom- Versorgung im Westen Berlins bestimmt. In nicht allzu ferner Zeit werden diese beiden Werke zwe 5f a b e I r i n g verbunden, an welchen auch die übrigen vorhandenen älteren Werke angeschlossen werden. Später wird im Norden und Süden von Berlin im Anschluß an diesen Ausgleichsring noch je ein großes Abspannwerk errichtet, die eben- fclls wie die Kraftwerke für die Speisung des großen Vcrteilungs. Netzes Berlins bestimmt sind. Diese Abspannwerke können auch zur Aufnahme der Energiemengen aus Fernstromwerken dienen. Das neue Kraftwerk West ist mit feiner installierten Mofchinen- leiftugg von zirka 28 000 Kilowatt um etwa 1ö Prozent kleiner als Klingcr.berg ausgelegt. In feinen technischen Einzelheiten weicht es wesentlich von den maschinellen Einrichtungen im Klingenberg- Werk ab. Vor allem ist die Art der Feuerung, der Dampfdruck, die Unterteilung der Maschinenleistung und die Art der Kühl- ivasserversorgung verschieden. Aus der Eigenart der Berliner Be- laftungskurve ergab sich die Notwendigkeit dieser Abweichungen. Das Krortwcrk West wird nämlich nur die Tageslast init�decken haben, so daß- dasselbe mehr als ein- Spitzenkraftwerk., im. OZegensatz zu Klingenbcrg als Grundlastkraftwerk, anzusprechen ist. .'Heraus folgt, baß aus den(tzestehimgspreis der hier erzeugten .' ilo Wattstunden die Zinsen des Baukapitals einen verhältnismäßig l ößeren Einfluß hoben als die Breiinswsfkosten. Es mußte daher i'.gestrebt worden, dieses Krastwerk besonders billig zu bauen und erst in zweiter Linie durch mehr oder weniger große Aufwendungen I ei den Einrichtungen den künftigen Dampfverbrauch fo tief wie »mglich zu senken. Die Kohlen au? dem oberschlcsischen und westfälischen Revier werden durch Großraumgüterwogen mit 60 Tonnen Ladung oder durch Kähne zu dem neu errichteten Hasen herangebracht. Als Trans- Krsftwsrk„West" bei Spandau xortmittel für die Kohlen sind in weitestem Maße Gummi- bänder für Betrieb im Freien vorgesehen. Die acht Kessel des Kraftwerks West mit je ISO Tonnen Dampf in der Stunde sind soppelt so groß wie in Klingenberg. Der Dampfdruck ist mit 28 atü am Kessel etwas niedriger als der bisher benutzte Dampfdruck von 35 atü. Je vier dieser Großkefsel sind an einen 110 Meter hohen Schornstein angeschlossen. Die Bauarbeiten sind fo weit fortgeschritten, daß Programm- mäßig die erste Hälfte des Kraftwerks mit etwa 100 000 Kilowatt Leistung im Herbst diese? Jahres in Betrieb genommen werden lamr. Im Herbst 1931 wird das Kraftwerk West mit seinem vollen Ausbau der Berliner Stromversorgung zur Verfiigung stehen. Zerien in der Giadt. Seit drei Tagen sind die großen Außenspielplätz« der Stadt Berlin wieder in Betrieb. Im Tegeler Forst und in der Iungfernheide, im Plänterwald, im GrünewÄd und an vielen anderen-großen-■Frei platzen--außerbalb-des Weichbildes der Stadt Berlin wimmelt es von fröhlichen kleinen Leuten. Es ist dies das große Heer.der Daheimgebliebenen, die nicht den Treffer der Ferien- Verschickung zogen und die eben ihre Schulferien so gut es geht daheim verleben müssen. In der achten Morgenstunde bringen Extrazüge der Straßenbahn die zahlreiche kleine Gesellschaft an den Ort ihrer Bestimmung, und bis 6 Uhr abends tummeln sie sich in guter Lust und fröhlicher Gesellschaft umher. Da wird gespielt und gebadet, spazieren gegangen und— gegessen. Und dos Essen ist mit eine der Lieblingsbeschäftigungen. Besonders die Schrippen hat die Urlaubcrschaft ganz besonders in ihr Herz geschlossen, und wer ihnen zu einer Extraschrippe verHilst, der kann dafür allerlei nützliche Dienste im Waldquartier verlangen. Nur schade, daß in diesem Jahre die begehrte Schrippe so arg zlisaminengeschrumpit ist: von 70 auf 35 Gramm. Sparmaßnahmen, die die hungrige Jugend bitter empfindet. Auch sonst sind allerlei empfindliche. E i n- s ch r ä n k u n g c n vorgenommen worden. So fehlt es beifpiels- weise an genügend Freiplätzen. Es gibt Hunderte, wahrjchein- lich sogar Tausend- von Kindern, deren Eltern den Wochenbeitoog von 1,50 Mark nicht aufbringen können und die die großen Ferien auf dem traurigen Hof oder in der gefahrvollen, staubigen Straße verleben müssen. Es ist eine Freude, zu sehen, wie sich die blassen Gesichter bräunen, wie all der kindliche Frohsinn aus den Augen leuchtet, weil man spielen und essen und ruhen darf. Llntersuchung des Flugbooiunglücks. Bestand für die 5 Ertrunkenen keine Rettungsmögiichkeit? Der in der gestrigen Abendausgabe wiedcrgegebenc erschütternde Bericht des Kapitäns des holländischen Seglers „S p e»" läßt keinen Zweifel mehr zu. daß bei dem Unter- gan» des Dornier-Zlugbootes vor Bornholm die Passagiere Birk, Brakelsberg. Burgkoller und Zräulein N o t r o p. sowie der Funkmaschinist Tippmann um» Leben gekommen sind. Auf B o r n h o l m fand gestern vor dem dortigen deutschen Konsul wegen des Fiugbootunglücks die sogenannte„Verklarung" statt, bei der Flugzeugführer K u r i n g die notwendigen Erklärungen abgab. Auf Grund des hierbei aufgenommenen Protokolls wird dann das zuständige Sceamt in Stettin die weiteren Formalitäten erledigen. Im übrigen wird das Unglück die Unierfuchungs- krnnmission der Luithansa noch eingehend beschäftigen. Flugzeug- sührcr Kuring dürfte im Lause des heutigen, spätestens aber des morgigen Tages in B c r l i n e in t r e f f e n, um seine telcphonischen und telegraphischen Schilderungen durch einen eingehenden münd- liehen Bericht an die Direktion und an den Leiter der Seeslug- abteilung, Schiller, zu ergänzen. Die Lufthansa hat in N c r ö den Führer des Schoners„Maja" vernehmen lassen und hat noch gestern einen Beauftragten nach der Insel Niens bei Greifswald entsandt. um den Kapitän des Motorseglers„Spes" über feine Walst- nehmungen an der Unglücksstelle zu hören. Die Suche in dem Gebiet südlich von Bornholm nach dem Wrack des Flugbootes und den Leichen der ertrunkenen Insassen mußte gestern wegen des Sturmes auf der Ostsee eingestellt werden. Die deutschen Torpedoboote liefen in Nexö ein, da der außerordentlich hohe Seegang alle Beobachtungen unmöglich machte. Der bei dem Flngbaotungtück aus der Ostsee ums Leben gc- kommene Funker Fritz Tippmonn beslog erst seit knapp vier Wochen die Strecke Stettin— Stockholm. Vorher wurde er von der Lufthansa auf der Linie Basel— Barcelona beschäftigt. i Lautsprecher als Ruhestörer. Eingreifen der Sendegefellschasten. Wie.di« Funkstugde Berlin. nüstcilt,�mehrcn sich täglich, die Be- schwerden über ü n.Z nf ässi g c Be dieiiung vo n L a u t s p r e chcrn bei geöffneten Fenstern und im Freien, die teil- weise von frühmorgens bis spät in die Nacht mit übermäßiger Laut- stärke betrieben iverden, so daß die Mitbewohner des Hauses und oft auch die Nachborfchoft im weiten Umtreis in unerträglicher Weile belästigt werden. Di« Scndegejellschasten sehen sich genötigt, in solchen Fällen, in'denen sie um Abhilfe angerufen werden, gegen den betreffenden Ruhestörer einzuschreiten und, wenn ihre Bermitt? lung nichts fruchtet, nötigenfalls auch ein« Anzeige on die Polizei weiterzugeben, damit von dort aus mit allen zur Verfügung stehen- den Mitteln gegen die betreffenden Störer vorgegangen wird, S/NOA/RLEW/S 1SJ 'ROMAN Im Büro wurden sogar diejenigen der Borgejetzten, die sonst am schärfsten zur Arbeit trieben, ein wenig menschlicher. Die Fenster standen nun offen, und meist blickte irgend jemand hinaus und sah dem Leben zu, dem Leben auf dem Pflaster da unten, acht Stockwerke tiescr. In der Mittags- pause schlenderten die jüngeren Mädchen des Büros zu dritt und viert auf und ab, ohne Hut und Arm in Arm— ihr Frühlingspfad war ein gewundener Weg zwischen Kisten vor den zum Himmel ragenden Häusern. Oder sie ver- speisten das in Papierservietten mitgebrachte Essen auf den Sprossen der Feuerleitern im Hofe unten. Sie spamüen kichernd ihre Röcke eng um die Beine und flirteten mit jungen Trägern und Packern, die sich aus den gegenüber- liegenden Fenstern des Hofes zu ihnen hinausbeugten. Una saß mitten unter ihnen und wünschtcjich, so stierten zu können wie die Töchter New Dorks. Sie vernahm eine er- höhte Zahl vertraulicher Mittellungen, wie:„Und da hat er mir gesagt.. oder„Und da habe ich zu ihm gesagt.. oder„Na. sag ehrlich. Tetz, ist er nicht ein Prachtkerl?."� Sie hörte vom Vellchenpflücken im Van Cortland Park erzählen und von Spaziergängen längs der Palisaden. Und sie er- tappte sich bei dem Wunsche, auch dort zu lustwandeln mit — mit Wolter Babson, der nicht einmal ihren Vornamen kannte. Wenn sie an solchen Tagen ihre Wohnung verließ, ver- gaß sie sofort ihre einsame Mutter unter dem trügerischen Zauber dieses zartblauen Himmels; sie hatte das Verlangen, durchzubrennen, sich diesen goldenen Sonnentag zu stehlen. Doch sobald sie ins Büro kam. war alles verschwunden— da gab es kein Gold und keine Sonne, sondern auf Schreibtische aus gelber Eiche, und auf Scheidewände aus Holz und Milch- glas fiel dasselbe fahle Licht wie an Wintertagen. Manchmal, wenn sie zeitig fertig wurde, brachte ihr ein stiller Abend- gstinz, türkis- und ambrafarben, das Gefühl des Frühlings wieder. Doch den ganzen Tag über sah sie nur Anzeichen dafür, daß es anderswo und für andere Leute einen> ling gab, und versonnen glaubte sie daran, wenn sie Walter Babson beobachtete und ihm bei der Arbeit half. Ihr war nicht entgangen, daß sie beide schon mehr uvie Kameraden miteinander arbeiteten, nicht wie ein Beamter mll seiner Hilfskraft. Nicht etwa, daß sie sich in einem leuchtenden Augenblick gegenseitigen Berstehens gefunden hätten; er benahm sich gegen sie ganz unpersönlich. Und doch glich ihre Beziehung mit jedem Tage weniger einer rein mechanischen Zusammenarbeit und immer mehr einer persönlichen Freundschaft. Sie fühlte, daß er wirklich von ihrer sorgfältigen und beständigen Umsicht abhängig war, und sie erkannte hinter dem Gewirr seines zerfahvenen, impulsiven Wesens das Bestreben, edel zu sein. 5. An einem Nachmittag im Mai kam er zwischen den Reihen der Schreibtische auf sie zugeschritten und bat:„Hören Sie einmal, Fräulein Golden, ich hänge. Ich soll da einen Artikel des Gouverneurs über Lastenstroßen propagieren, den wir veröffentlichen werden: ich möchte ihn gerne schon vorher vierzig Zeitungen zusenden und habe nur ein Dutzend Kopien. Und das Zeug muß noch heute abends weg. Können Sie mir einige Kopien machen? Sie können das dünnste Papier nehmen und Durchschläge machen, so daß Sie fünf Kopien auf einmal herausbekommen. Aber Sie werden wahrscheinlich lange hier bleiben müssen. Haben Sie etwas für heute abend vor? Könnten Sic es machen? Bitte, könnten Sie es machen?" „Natürlich." „Na, da ist die Geschichte. Die Einleitung oben schreiben Sie bitte einzellig." Una riß das Rundschreiben, das sie für S. Herbert Roß zu vervielfältigen hatte, aus der Schreibmaschme und be- gann. den Artikel für Walter zu schreiben, mit vorgebeugten Schultern, ohne aufzublicken und ohne auf das fortwährende Geplapper der anderen Mädchen zu achten. Er brauchte sie? Da wäre sie bis Mitternacht im Büro geblieben! Während die Tasten unter ihren Fingern klapperten, sah sie sich schon die halbe Nacht bei der Arbeit sitzen in dem menschenleeren, verfinsterten Büroraum, sah ein totenbleiches Gesicht durch die Fensterscheiben neben ihrem Schreibtisch hercinstarren (was nicht leicht war, da sich das Fenster im achten Stockwerk befand),, und sah sich auf dem Heimweg von einem Mann auf der Straße verfolgt; dann hörte sie. endlich zu Hause angelangt, die Mutter sagen:„Ich verstehe nicht, wie du mich den ganzen Abend so allein lassen kannst." Und oll die Zeit über hatte sie die Empfindung, mit wichtigen Angelegen- hellen zu tun zu haben— ein Artikel vom Gouverneur des Staates diese selben Blätter, die sie hier schrieb, sollten an die größten Zeitungen gehen, zu den„dröhnenden Drucker- pressen", von denen sie in Romanen gelesen hatte; eine große, dringende Staatssache war das und— ein Liebesdienst für Walter Babson. Gegen Büroschluß, um fünf Uhr dreißig, arbeitete sie immer noch in höchster Eile. Der Artikel war lang; sie hatte mindestens noch zwei Stunden Arbeit vor sich. Fräulein Moynihan kam schwerfällig heran, um ihre gute Nacht zu Minschen. Die übrigen Stenotypistinnen schwirrten hinaus zu den Fahrstühlen. An ihren Plätzen wurde es bedrückend still. Müßig strich der Bürochef noch ein wenig hin und her, wünschte Una gute Nacht und machte sich davon. S. Herbert Roß trat lärmend aus seinem Zimmer und er- klärte einem Benzolmenschen in kleinkariertem Anzug mit lauter Stimme die Theorie der Reklame, während sie zum Fahrstuhl schlenderten. Die Telephonistin eilte zurück, um noch schnell einen verspäteten Anrufer zu verbinden, wartete stirnrunzelnd, riß den Kontakt heraus und rannte davon— ein rosiges, rehäugiges Ding, hübsch und tief unglücklich bei ihrer aufreibenden Beschäftigung, den ganzen Tag nervöse Menschen miteinander verbinden zu müssen. Bier Männer, Redakteure und Leute aus dem Annoncenbüro, drängten sich unter dröhnendem Gelächter über einen schlechten Witz zum Ausgang. Una wurde sich mit einemmal bemußt, datz alle fort waren, daß ihre klappernde Schreibmaschine von schweigenden Wänden umgeben war. Und daß Walter Babson noch nicht fortgegangen war; daß er mit ihr die flüsternden Räume dieses verlassenen Büros teilte. Da kam er schlendernd aus dem Rcdaktionszimmer heraus. Er hatte seine groteske, große Hornbrille abgenommen und strich mll der Hand über seine Augen, die aufrührerisch wirkten in dem dunklen, melancholischen Gesicht, und schüttelte den Kopf. All dies bemerkte Una mit einem Blick.„Armer, müder Kerl!" dachte sie. Er setzte sich auf den zunächstehenden Schreibtisch, um- faßte seine Knie und schaukelte hin und her.„Noch viel, Fräulein Golden?" fragte er. „Ich istaul?«. ich bin in zwei Stunden fertig." „Du lieber Gott! So lange dürfen Sie nicht dableiben." „Das macht nichts. Wirklich nicht! Ich tue es ganz gerne. Es ist bisher selten vorgekommen, daß ich länger bleiben mußte."(Fortsetzung folgt.) Berlin protestiert. Gegen Knebelung der Gemeinden durch VeraiungssteNe. Der ZNagistrak Berlin beschäftigte sich gestern mit dem durch die Presse veröffentlichten Entwurf' der neuen Richtlinien für die Beratungsstellen. Wie wir berichteten, hat das Reichsfinanzministerium den Ländern neu«„Richtlinien für das Schuldenwesen der Gemeinden" vorgelegt, deren Ziel es ist, den Kontroll- apparat nicht zu beseitigen, sondern zu vevschärfen und auf lange Dauer hinaus festzulegen. Es sollen in die Kontrolle außer den Ausländsanleihen auch die Inlandsanleihen, außer den langfristigen Anleihen auch die kurzfristigen Anleihen, außer den Gemeinden selbst auch die Betriebe mit eigener Rechtspersönlichkeit, auf die ein maßgebender Einfluß der Gemeinde besteht, in die Kontrolle eiirbezogen werden. Die Durchführung dieser Richtlinien würde ein« Entmündigung der Gemeinden bedeuten. Eine Regelung nach den Vorschlägen des Finanzministeriums würde keine Erleichterung, sondern«ine Verstopfung der Kapitalzufuhr bedeuten. Der B e r l i n e r M a g i st r a t Ist der Ansicht, daß dieser Enl- wurf in schwerster weise gegen die Grundsähe der Selbstverwaltung verstößt. Er würde jede wirffchaftlich« und finanzielle Betätigung der Gemeinden unmöglich machen. Die durch ihn bedingte weitere Einschränkung der Aufträge, die von den Gemeinden ausgehen, müßte zu einer schweren Erschütterung der gesamten deutschen Wirtschaft führen. Der Magistrat der Stadt Berlin hat deshalb beschlossen, bei den zuständigen Stellen schriftlich und mündlich vor- st e l l i g zu werden. Es kann nur noch einmal im Interesse der Arbeitsbeschaffung, der Kapitalszufuhr und der öffentlichen Wirt- schaft vor einer Weiterführung der Beratungsstelle aus der Grund- lqge dieser Richtlinien gewarnt werden. Halbe Million Berliner verreist! 2 Prozent schwächerer Reiseverkehr als im Borjahr. Nachdem der chauptreisestrom der Ferienreisenden verebbt ist, läßt sich ein genauerer Ueberblick über dos Gesamtergebnis des Ber- liner Reiseverkehrs in der e r st« n I u l i w o ch« gewinnen. Die schwere wirtschaftliche Notlage, in der sich weite Kreise der Beoölke- rung befinden, ist nicht ohne Folgen geblieben: Gegenüber dem Vor. fahr, dessen Ferienreiseverkehr 1 Proz. über die Frequenzzifsern des Jahres 1928 hinausging, ist der Verkehr 7 Proz. schwächer gewesen! Von den zehn großen Berliner Bahnhöfen, einschließlich der amilichen Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebüros, wurden vom 1. bis 7. Juli 472 354(im Vorjahre 513 369) Fahrkarten ausgegeben. Rechnet man den noch etwa 19 Proz. betragenden Durchgangsverkehr hinzu, so sind insgesamt etwa 529 OCH) Reisende in der ersten Iuliwoche von den Berliner Bahnhöfen abgefahren, während es im vorigen Jahr« in der gleichen Zeit 569 999 waren! Trotz des Rückganges der Gesamtzahl der Reisenden hat die Reichsbahn verhältnismäßig viel« Züge zur Verfügung gestellt, so daß das Platzangebot wesentlich höher als 1929 war. Da die fahr- planmäßigen Züge und die 189 Vor- und Nachzüge(im Vorjahre 227) nur zu 79 bis 89 Proz. besetzt waren— nur die 66(i. V. 62) Ferien- sonderzüg« und die 17(i. V. 8) Gesellschafts-- und Kindersonderzüge waren 199prozentig besetzt— ist für die Bahn durch den vermin- derten Reiseverkehr«in beträchtlicher Einnahmeaussall zu verzeichnen.— Interessant sind die Zahlen der Reisenden, die von den einzelnen Berliner Fernbahnhösen abgefahren sind: An der Spitz« steht mit 137 999 der Stettiner Bahnhof, dann folgen Stadtbahn, Richtung Osten mit 198999, Anhalter Bahnhof mit 99 990, Stadtbahn, Richtung Westen mit 64 999, Görlitzer Bahnhof mit 48 999, Potsdamer Bahnhof mit 38 999 und der Lehrter Bahnhof 'mit 35 999 Reifenden. Verkehrsregelung am Bahnhof Alexanderplatz. Anläßlich des Umbaues des Bahnhofs Alexander- platz, durch den der gesamte Zugangsverkehr zu dem Bahnhof bis auf weiteres von der Dirckfen» in die Gontardstrahe verlegt wird, wird die An- und Abfahrt wie folgt geregelt: Di« Zufahrt erfolgt nur von der König st raße aus durch die Gontardstrahe, die während der Dauer der Bauarbeiten zur Ein- bahnstraße in nördlicher Richtung erklärt wird. Die Abfahrt vom Bahnhof muß in der gleichen Fahrtrichtung bis zur Unter- führung in der Panoramastraße stattfinden. Von hier aus wird der Verkehr nach Osten durch die Straße am Königgraben und die Kleine Alexanderstraße, noch Norden und Süden durch die Dirckfen- straßc abgeleitet. Letztere wird zwischen Panorama- und Alexander- straße zur Einbahnstraße in südlicher Richtung erklärt. Der Droschkenhalteplotz in der Dircksenstraßc wird in die Gontardstrahe verlegt. Das Parken in der Gontardstrahe ist verboten. „Lumpen." Gin politischer Prozeß in Magdeburg. In der Reihe der politischen Prozesse, von denen man fast täglich liest, verdient ein Veleidigungsprozeß politischer Ratur besondere Beachtung, der sich in der Berufung am 12. IuU vor dem Uiagdeburger Landgericht abwickeln wird. Ep handelt sich um die schon früher geschilderten Vorkommnisse in der Kreisstadt Wanzleben, Regierungsbezirk Magdeburg. Am Abend vor der Feier des Verfossungstages 1929 ließ dort der Kreisgeschäftsführer der Dcutschnationalen Partei«in Flugblatt verbreiten, das unter anderem die Worte enthielt: „Republik, das Losungswort der Ueberläufer, Republik, das Losungs- wort der Meuterei: Schwarz-Rot-Gold, die Umrahmung für eine Gesinnung des Verrats." Der sozialdemokratische Lartbrat Baunrann, dem dieses Flugblatt als Festredner kurz vor seiner Rede ge- geben wurde, ging in seinen, Vortrag mit solgenden Worten darauf ein:„Lumpen haben ein Flugblatt oerbreitet, in dem sie die heiligen Farben der Republik geschändet haben." Der deutschnationale Kreis- geschäftsführer streng'c des Ausdrucks„Lumpen" wegen gegen den - Landrat Baumann eine Beleidigungsklage an. Landrat Bau- ; mann reichte Widerklage ein. Die Staatsanwaltschaft in Magdeburg interessierte sich für den Fall und brachte beide Kläger als Angeklagte vor das Amtsgericht in Magdeburg. - In der Verhandlung, der damals auch der Magdeburger Land- gerichtspräsident beiwohnte, beantragte der Vertreter» der Staats- i anwaltschast, den Landrat freizusprechen, da dieser einen rechts- widrigen gegenwärtigen Angriff— nämlich die Beleidigungen durch - das Flugblatt— nur abgewehrt habe. Der Landrat als Republi- taner und republikanischer Staatsbeamter sei in seiner Ehre schwer £ angegriffen worden. Gegen den deutschnationalen Kreisgeschäfts- b fuhrer Kortkamp beantragte der Staatsanwalt wegen öffentlicher ! Beleidigung eine Geldstrafe von 399 Mark, für die eventuell 39 Tage ; Gefängnis kommen sollten. Das Urteil lautete damals wie folgt: ;' Der Kreisgeschäftsführer der Deutschnationalen Volkspartei Kort- : kamp wird wegen öffentlicher Beleidigung zu 299 Mark Geld- .strafe verurteilt. Landrat Baumann wird ebenfalls der öffent- . lichen Beleidigung für schuldig befunden, aber im Sinne des§ 199 ; des Strafgesetzbuches für straffrei erklärt.— Außerdem beschloß • das Gericht, den, Landrat Baumann die Pubkikationsbefugnis für die„Volksstimme",„Magdeburger Generalanzeiger" und„Wanz- r lebener Kreisblatt" zu erteilen, ferner die Beschlagnahme aller s Exemplare des fraglichen Flugblattes. Gegen das Urteil war von allen Seiten Berufung eingelegt. Es c findet nun, wie schon eingangs mitgeteilt, die Berufungsvcrhandlung f' am 12. Juli beim Landgericht statt. Vom Rechtsanwalt zum Luwelenhänöler. Das Schicksal eines russischen Emigranten. Er war einmal Rechtsanwalt in Petrograd: nach der Revo- lution in Leningrad. Dann wurden die russischen Anwälte ver- staaUicht und aus Gehalt gestellt, der freie Anwoltsberus hörte auf: gleich vielen feiner Kollegen verließ der Rechtsanwalt Eh. Sowjet- . rußland und ging nach Berlin. Hier wechselte er seinen Beruf: er wunde Journalist, Mitarbeiter an dem demokratischen Blatt, . dessen Chefredakteur der Ministerpräsident der provisorischen russi- sehen Regierung Kerenski war. Recht und schlecht schlug sich Eh. durchs Leben, bekam feine Zeilenhonorare und konnte sich satt essen und seine Familie ernähren. Kerenski siedelte aber mit seinem Blatt nach Paris über, Ch. wurde brotlos, und wechselte zum drittenmal seinen Berus. Er besaß Bekannte unter Juwelieren und machte nun Komm-issionsgeschäfte. Sie gingen schlecht, brachten wenig«in, er beschloß, auch auf eigenes Risiko Juwelen zu kaufen med zu verkaufen, geriet in Schulden und in die Hände eines Wucherers. Er nahm ein Darlehen von 37 999 M. auf mit 5 Proz. monatlich, also 69 Proz. im Jahr: die Zinsen verschlangen den größten Teil seines Verdienstes. Es reichte kaum zum Leben. Um mit den Zins- Zahlungen nicht in Verzug zu geraten, versetzte er ihm an- vertraute Juwelen. Es wurde gegen ihn Anzeige erstattet: der frühere Rechtsanwalt kam auf die Anklagebank. Das Schöffen- gcricht Berliu-Mitte übte gegen ihn Nachsicht. Es verurteilte ihn zu 6 Monaten Gefängnis nicht wegen Betruges oder Unter- schlagung, sondern wegen Untreue im Sinne des Bürgerlichen - Gesetzbuchs. Ein gefährlicher Freund der Kinder. „Hofsängkr« als Sittlichteitsverbrecher. Ein gefährlicher Bursche, der kleinen Mädchen nach- stellt, treibt im Nordosten der Stadt sein Unwesen. Ein etwa 49 Jahre alter Mann zieht dort von Hof zu Hof und begleitet seine gesanglichen Darbietungen mit der Geige. Zuweilen spielt er auch mir Mundharmonika. Um die Kinder, die sich bald um ihn sammeln, zu belustigen, gebärdet er sich als Spaßmacher, steigt auf die Müllkästen und ahmt durch Trampeln mit den Füßen eine Jazzband mich. Hinter seinem heiteren Gebaren steht aber eine böfe Absicht. Wenn seine Vorträge beendet sind, und die kleinen Zuhörer sich zerstreuen, lockt der Sänger eines der Mädchen an sich und geht mit dem Kinde auf den Boden, um sich hier an ihm zu vergehen. Die Kinder folgen ihm um so eher, als sie eine Fortsetzung der Späße erwarten. Bisher find 12 Fälle bekanntgeworden, in denen der Unhold kleine Opfer ge- funden hat. Es war noch nicht möglich, seiner habhaft zu werden. Ein besonderes Kennzeichen find sehr starke Augengläser. Es wäre angebracht, die Kinder vor diesem gemeingefährlichen Pa- tron zu warnen. Mitteilungen, die geeignet sind, auf seine Spur zu führen, nimmt die Dienststelle 1! 4 im Polizeipräsidium entgegen. erd«b»»!«k Reinickendorf: Werb«b«zir?zmiigl!kdcrnersammlung piinlilich >9'., Uhr im Jugendheim in Selmsdorf, Roon straße, Turnhallenaedaude fr. scheine» aller Miiglieder ist Bflichi. Karbebcgirt»enlölln: Unser 3»g»nd,enoss« Kein« Werner wird am Saun. abend, dem 12. Juli, im Nremalorium?oumsch>ilknweg eingeäschert Wir beteiligen uns voll«ählig. Treffpunkt 10', 4 Uhr am Bahnhpf Neukölln.' Sozialistische Arbeiterjugend Groß'Serliu Etnsendunqen Nie dies« Ztndrtl nur a» da« Zugendielretartat lierlw«D 68. THidenilrafc S Zum Roggenbrotgesch. Oer Krämergeist siegt mit—-1 Stimme Mehrheit. Die dritte Lesung des Roggenbrotgesetzes stand gestern auf der Tagesordnung des Reichstags. Die Sozialdenokratie datte dem Gesetz in zweiter Lesung trotz einiger Bedenken zugestimmt, weil es ihr gelungen war, die ursprüngliche Fassung des Gesetzes, wie sie von der Regierung Müller vorgelegt worden war, insoweit wieder- herzustellen, als auf ihren Antrag der 8 welcher den verkauf von Vrol nach Gewicht vorschreibt, und den die Bäckermeister von Anfang an aus ganz persönlichen Berussinteressen bekämpft hatten, wiederherzustellen. Ohne diesen Vcrbroucherschutz, der' den Kernpunkt des Gesetzes darstellt, hätte die Sozialdemokratie das Gesetz schon in der zweiten Lesung abgelehnt. Die Befürchtung, dah das..gleitende Brotgewicht" an Stelle des „gleitenden Drotpmses' eine Auswirkung sinkender Roggen- und Mehlpreise auf den Brotpreis verhindert, ist nur zu begründet. Für den Verbraucher, der im allgemeinen Brot nicht nachwiegt, tritt die Berändening des Brotgewichts bei weitem nicht so deutlich in Er- scheinung wie die Veränderung des Preises. Er merkt daher gar nicht, daß ihnfürzuniedriges Brotgewicht ein unan- gemessener Preis abverlangt wird. Mit diesem System aufzuräumen, daraus kam es der Sozial- demokratie vor allem an. Dieses Gesetz, das zum Zwecke der Entlastung des Roggenmarktes geschaffen werden soll, kann dieses Ziel nur erreichen, wenn endlich mit dem Unfug des„gleitenden Gewichts" aufgeräuntt wird und Brot wie alle anderen Lebensmittel noch festem Gewicht und gleitendem preis verkauft wird. wie dies übrigens schon in einigen Teilen des Reiches der Fall ist. Die Niedrighalwng der Preisspanne erscheint uns unerläßliche Bor- aussetzung, weil ohne eine reichsgesetzliche Regelung des Verkaufs des Brotes nach Einheitsgewicht eine genau« Preiskontrolle und eine Ricdriglzaltung der Preisspanne zur Unmöglichkeit wird. Das ist es aber gerade, was ein großer Teil der Bäckermeister fürch- tete, und deshalb ihr Sturmlauf gegen diesen Kon- sumentenschutz. Und die Deutschnationalen, die angeblichen Vertreter agrarischer Interessen, leisten ihnen Beihilfe und verhindern dadurch die Steigerung des Roggenbrotkonsums. Diesen beiden kon- sumentenfeindlichen Parteien gelang es gestern unter Führung ihrer Bäckermeister, den Z 4 des Gesetzes mit einerStimme Mehr- beit zu Fall zu bringen. Eine Zufallsmehrheit, die das Resultat haben wird, daß, wenn heute, wie beabsichtigt, die End- abstimmung über das Roggenbrotgssetz stattfindet, die Sozialdemokratie es im Zulereffe der Landwirtschast wie der Verbraucher ab- lehnen wird. Moldenhauers Riesenpension. Proteste im Reichstag.- Gewichtbrot abgelehnt. Der Reichstag setzte gestern um 15 Uhr die 5)aushaltsberatung beim Etat des Reichssiiranzministeriums fort. 2lbg. Dr.. Jeder-Sachjen(Mtfo.�): Kraftmeierei und Bluff waren der Charakter der Finanzpolitik Motdenhauers. Daß er eine Pension von 29 000 Mark oerlangt, ist unerhört. Auch sonst hat er ein Regime der Verschwendung geführt. Abg. Dr. Lest(Volksrechtsp.) verlangt energische Bekämpfung der Kapitalflucht und bekämpft das Beamtennotopfer. Abg. Schmidt-Stettin(Dnot.) verlangt Abbau der Ueberzahl der Finanzbeamten und Einlösung des Moldenhauerfchen Versprechens auf Vorlage oller Gutachten des Spartommissors. Abg. Torgler lKomm.): Dr. Feder ist wohl der künftige Finanz- minister Sachsens? Warum Hot er nicht von der unsozialen Kopf- steuer gesprochen, die der Nationalsozialist F r i ck in Thüringen auf die brutalste Weise eintreibt? Ein Skandal ist es, in dieser Zeit des Notopfers der Regierungsparteien die Pensionskürzung aus den Herbst zu verschieben. Mit dem Ministerpensionsgesetz hat man es eiliger gehabt, und mit dessen Hilsc kann Moldenhauer jetzt diese Zahrevpension verlangen— das schamloseste, was man sich denken kann von einem Mann, der Gehalts- und Lohnkürzung und Rentenhcrab- sctzung betrieben hat.(Lärmende Rufe der Kommunisten: Scham- loser Lump!— Ordnungsruf.— Abg. Dr. Kahl(DLP.) hebt in einer kurzen Zwischen rede hervor, daß Moldenhauer sein Lehramt niedergelegt, also kein Einkommen mehr habe.— Die Kommunisten suchen Dr. Kahl niederzubrüllen, bis er ihnen sagt, sie schienen Angst vor dem zu haben, was er ausführen wolle.) Moldenhauer ist wahrscheinlich wieder im Aufsichlsrat der 3. G. Farben, der er seinerzeit eine sinanzamtliche Buchprüfung erspart hat, ebenso wie der ACG. etwa i'A Millionen Mark Umsatzsteuer, von denen nachher 200 000 Mark statt ursprünglich 2.7 Millionen Mark gezahlt worden sind. Der Firma A. wert- hciiu G. m. b. h. sind 600 000 Mark Industriebelastung glatt erlassen worden. Bei den Kleinen wird aber alles auf Heller und Pfennig eingetrieben. Man sollte ein Verzeichnis der Steuernachlässe usw. vorlegen. Abg. Sliag(D. Bauernp.): Bleiben Steuersenkungen aus, so verliert das Volk das Bertrauen zum Reichstag und zum Staat: allerdings trägt dazu die Rechtspresse sehr viel bei. An einem Etat von 12 Milliarden können bestimmt einige hundert Millionen ge- spart werden. Wir bestehen auf der Kops st euer für die Gc- meinden, da werden die Leute auch an der Gemeinde interessiert sein. Herr Best hat die Beamten zum Kampf gegen das Notopfer aufgerufen. Es soll verfassungswidrig sein, wenn die Beamten durch ein halbes Jahr zwei Prozent von ihrem Gehalt in dieser Not hergeben müssen. Aber Gehaltserhöhungen, wie die von 1927, die das Reich in diese Not gebracht hat, sind nicht versassungswidrig! Für die Verwaltungsreform hat Preußen den Weg gewiesen durch das verbot an die veamten, Kommunisten oder Rational- sozialisten zu sein, viele jüngere Beamte sind Nationalsozialisten. Wersen Sie über Nacht Zehntausende solcher Rüpel hinaus und schaffen Sie die Stellen ob, dann sparen Sie viel Geld! In der Abstimmung wird ein Antrag der Wirtschaftspartei auf Vorlegung eines Gesetzes zur Nachprüfung der Beamten- cinstufungen gegen Kommunisten und Deutschnationale a n g e n o m- m e n.— Der Haushalt tvird in der Ausschußsassung bewilligt. Dritte Lesung des Ärotgesehes: Der Antrag der Wirtschaftsportei und der Bäckermeister ans dem Zentrum und der Rechten auf S t r e i ch u n g des 8 4(Verkauf nach Gewicht) wird in namentlicher Abstimmung mit 185 Stimmen aller Parteien von äußerst rechts bis einschließlich der Demotraten gegen 183 Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten bei drei Enthaltungen angenommen. Infolgedessen wird die Schlußabstimmung ausgesetzt, da sowohl die genauen Abstimmungs- zahlen wie auch die Folgerungen aus dieser Abstimmung für den Wortlaut der übrigen Paragraphen festgestellt werden müssen. Gegen 18 Uhr vertagt sich der Reichstag aus heut« 15 Uhr. Schlußabstimmung über das Brotgesetz, Anträge auf Strafverfol- gung von Abgeordneten. Die Prüfung de� Abstinnnungsergebnisscs zeigte, daß der An- trag aus Streichung� von 8 4 nur mit einer Stimm« Mehrheit angenommen worden war. parteinachrichien fürGroß-Nerlin ei»send»»ge» für diese Rubrik sind «« r l t» SA n, Lindenstraß« 3, stet» an da» Bejirk-sekretariai 2. Hof, 2 Treppe» recht», zu richte». Seei» Prenzlauer Der». Am Sonniafl, dem 13. Juli, wird von den Jung- sozialisten eine Landagitationsfolirt durchgeführt. Teilnchmergcditdr 2 M. Die jungen Parteigenossen werden gebeten, sich daran zu beteilige». Karten find zu haben aus dem heutigen Druppeuabend in der weltlichen «chulc Danzigcr Str. 23. Konferenzzimmer, ab 20 Uhr, und beim Se» nassen Botara. Meyerheimstr. 2. 13. Kr«!» Tempelhos. Sonntag, 13. Juli, tresfe» ssch all« »»sstuuen und«enosse» um 13 Uhr Ranteusselstraß«, 1. Semetube. schule, zu« Umzug de» Arbeitersportkartell». Sportplaß Kaiserin. August«- Straß«. Wettkäuips«. Symnastil, Radsahren usw. Rachdrm gemütliche» Peisammenseiu im«irienwäldchen bei sreiem Sintritt. Heute. Donnerstag. 10. Juli. 21.«dt. 1» Uhr treffen sich sämtlich« Mtglieder mit Abteilungdbanner am Leopoldploß. Morgen. Freitag, lt. 3u(i. 124». Bbt. Mahl«t»orf-Sud. 20 ITfot bei Drob er, IHIandstr. 18, FmiVtionär- {Itzling....-... Frauenoeranstattung. 1230.»dt.«a»l»d»rs.Süd Am Montag, dem i*. Juli. Motarbootfahrt nach dem Stienidsee. Absähet»äpeniik. Spreekafina um 9,20 Uhr. TrefsvunN Autobuohaivstelle Ulmcnstraße. pünktlich 8!4 Uhr. Tahrprci» hin und zurück 1 M.. Kinder frei. Gäste willkommen. Jungsozialisten. Grnppe Ritte. Heute, Donnerstag, lg. Juli, 20 Uhr, im Zugendheim Zchdenicker Str. 24— 2l>. Thema:..Das Arbeitzloseuproblcm". Pünktlich fein. Prenzlauer Vrrg. Heute. 20 Uhr, weltliche Schule Danziger Str. 23, Kanferenzzimmcr, Bortrag:„Arbciterbankcn". Leitung: Genosse Leo Holz. Gäste gern qesehen. Warbebe, iet Rorden, Osten und Süden. Eountag, 13. Juli. Agitatious. fahrt mit Lastwagc» nach Nauen, Krcmnie».«elte». Oranienburg. Beteili- gung aller Genossen ist Pflicht. Abfahrt pünktlich 3 Uhr am„Vorwärts". Gebäude. SAI.-Genossen und junge Partcimitgiioder sind zur Teilnahme eingeladen. Gebühr 2 M. Gruppe Wedbiag.Geiuubbru»»«». Heut« Trostpunkt zur Demoustration um 10 Uhr. Sonntag. 13. Juli, Landagttationssahrt mit der SAI. Treff. Punkt 8 Uhr Brunncuplaß. Gruppe Friebrich»hain. Heute, Donnerstag, pünktlich 20 Uhr, im Jugend» heim Frankfurter Allee 302, Hof ll, Läns-Fimmer,„Kampf-Liederabend". Instrumente und Liederbücher mitbringen. SÄI. willkommen. Arbeitsgemeinschaft der kindersreunde Groß-Verlin. Zentral«. Freitag. 11. IuN, ist unsere Teschäft-st-lle von 17 bi» 10 Uhr geöffnet. »reuzberg. Achtung für die Gruppe» Kottbusscr Tor, Wrangelstraß-»nd Görlißer Straße. Morgen, Freitag, mache» wir eine Fahrt nach dem Grüne. wald. Dir tresfe» uns»m 8 Uhr Görlißer Bahnhof. Badeanzug, Bäll« und 30 Pf. Fahrgeld sind mitzubringen. Geburlslage. Jubiläen usw. 112.»dt. Rahnsdarj. Unserem langjährige» Genossen Emil Psauder und seiner treuen Sattin zn« Goldenen Hochzeit die herzlilbsten Glückwünsche. Die Abteiluagslertung. j Sterbetafel der Groß. Berliner Partei- Organisation 33. Abt. Unser Genosse Walter Müller. Simon-Dach-Etr. 28, ist am St. Juni verstorben. Ehre seinem Andeuten. Di--Cinäsch-rung Hot bereits stattgefunden.— Am 7. Juli ist unsere Genosf» Florcntine Echlinotn. R-- valer Str 28, verstorben. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung heut«. Don- nerstag, 10. Juli, 14 IS Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Wir ditten im A bt!! 0 Dir" rffif norn u Franziska Senf, Charlottenburger Ils-r 16, ist plößlich verstorben. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung Freitag, 13 Uhr, Krematorium Gerichtstroße..., 128. 130, Abt. Pankow. Die Lebensgefährtin unsere» Genossen Weichmann, Anna Weichmann, Berliner Str. 4, ist vlößlich»erstorben. Ehre ihrem Andenken. Beerdigung heute, Donnerstag, 10. Juli, 16 Uhr, auf dem Fricdhof Schön- holzer Heid«. Vorkrage, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". D e s S S k t»» e II»: Berlin£. 14. Eebastianstr 37-38. Sok 2. Tr. Sauocrstaub. Kameraden, die fich an der Besreinngsfeier in Mainz am 20. Juli beteiligen wollen, melden stch unverzüglich im Sau- bür». Kosten bei Geselllchastosahrt für Hiu» und Rückfahrt«insckließlich Fest- Plakette 42,60 M. Abfahrt Berlin Anhalter Dahnhos am Freitag, dem 18. J»li, 20% Ubr. Meldungen müssen bis spütestens 15. Juli im Sa»bür» erfolgt sein.— Donnerstag, 10. Juli. Frilbrichshain(Kameradschast Petersburg). 20 Uhr außcrordcutliche Versammluno bei Busch, Tilsttcr Sir. 27.— Freitag, 11. Juli. Pankow iKamrrodschost Ziiederlchöuhaufen). 20 Uhr Ber- lammlung bei Klemm. Nordend, Blaukenselder Str. 20.— Souaobend, 12. Juli. Fried richahai» lIungbanner). Um 18 Uhr Appell in Iungbanner. kleidung antreten auf dem Kiiftrinrr Piaß. Kreuzberg. Autofahrt der Jugend und des Tambourkorps. Abfahrt l?'/» Uhr Fontaucpromenade.— Lichtcuberg. Iungmannschaft und Echußsportlcr. Donnerstag, 10. Juli, 18 Uhr, auf dem Städtischen Sportplaß in der Treskowallce Ecke Uppstallweg. Handbälle usw. stnd zur Stelle._ Allgemeine Wetterlage. 0wolkenlo8,Gh8ifer.9holbbed4ckr #»«lkig,#bedeokt»Regen/iGraijpeln SdineftSNeWF GewiHec@Winjsfille Mitteleuropa liegt jetzt am Ostrande eines Hochdruckgebietes, das einen großen Teil des Nordatlantijchen Ozeans überdeckt. Seine Ausläufer reichen�bis nach Süddeudschland. Da in Deutschland meist westlich« bis nordwestliche Winde wehten, liegen die Temperaturen immer noch unter ihren normalen Werten. Ein kräftiges Tief bc- findet sich jetzt aus der östlichen Ostsee. Es scheint stch langsam nach Westen zu verlagern, da die warme Oststrämung aus seiner Nord- feite— in Lappland stieg die Temperatur stellenweise auf 32 Grad und am Nordkapp auf 22 Grad Celsius— es in dieser Richtung schiebt. Es dürft« für den nordöstlichen Teil Deutschlands immer noch Norweftwinde bedingen. Ein nennenswerter Temperaturanstieg ist daher noch nicht zu erwarten. .......*. Wetter aussichten für Berlin. Immer noch etwas nn beständig bei wenig veränderten Temperaturen.— Für Deutschland. Im Nordosten immer noch einzelne Regcnsälle, im übrigen Reiche keine wesentlich« Aenderung des ziemlich kühlen und etwas veränderlichen Wetters. Vom Baumwollbatten zum Kleiderstoff. Die größtmögliche Rentabilität und Ratioiialisierungsmöglich- leit eines Vetnebes läßt sich naturgemäß dort erzielen, wo der Prodnktionsgang ein ungeteilter ist, wo also das Rohprodukt als ver- kaufsfertige Ware erst den Betrieb ix-rläßt. In Bocholt Westfalen) befindet sich auf einem über 106 000 Quadratmeter großen Gelände die Rudolph K a r st« d t AG. B a u m>v o l l- s p i n n e r e i und Weberei, die, entsprechend ihren gewaltigen ränin- lichen Ausmaßen auch plxmtoftiiche Warenmengen produziert. So beträgt das jährliche Arbeitspensum der Spinnerei ungefähr 4 Mil- tione» Kilogramm Garn, was einer Garnlänge von etwa 200 Millionen Kilometern entspricht, dqs der Weberei 14 Millionen Meter Baumwoll- und Halbleinenware. Dieser gewaltige Fabri- kationsbetrieb stellt auch auf dem internationalen Wirtsch istsmarkt einen bedeutenden Faktor dar, da ein beträchtlicher Teil der Ware ins Ausland geht.-Der gewaltige Betrieb spiegelt durch die Art seiner Arbeitsleistung das Bild emsigsten Fleißes in einer Riesen- spinnstube wieder. Besonders interessant ist die Tätigkeit der neu. artigen Iacquard-Webstühl«, bei denen die teufend und aber taufend Fäden der Kette nach den Karten der Iacqnavd-Maschine gehoben oder gesenkt werden: dann die angegliederte Frottierweberei, die aus modernen SpezialWebstühlen die verschiedenartigsten Erzeugnisse auf dem Gebiete der Bade- und Strandmode herstellt. 5)ier arbeiten die Maschinen fast selbständig, lediglich unter Ueberwachung der Ar- beiter und Arbeiterinnen. Den letzten Schliff erhalte» die Gewebe dann in der Ronherei, wo sie durch seine Stachclwalzen ein- oder doppelseitig misgermcht werden, zum Teil kommen sie aber auch in den Mangel- und Kalandersaal, um hier den richtigen Glanz und Gvisf zu empfangen. Ueber 2000 Zlrbeiter und Angestellte sind im Betrieb« tätig, sie bedienen und beaufsichtigen die Maschinen, machen die vorkommende Handarbeit, sind am Lager und m der Expedition tütig! durch helle, lustig« Arbeitsräume, Staubsauganlagen, Bade- einrichtuugen und andere hygienische Fürsorge ist man bestrebt, all den sleißigen Menschen günstige Arbeitsbedingungen zu schaffen. Julian Sismond(wariatau): 3)CT JßCtSBiß Cr dachte an jene unvergeßlichen Jahre, da er als kleines, rät- liches, plumpes Wiscntkalb, zottig wie ein Bär. an der Seite der Mutter ein glückliches Leben im lächelnden Urwald geführt hatte. Die Wisentkuh lockt« ihm mit leisem, unruhigen Gebrüll, das voll grenzenloser Liebe war, und wenn er zu saugen begann, mit dem plumpen kleinen Kopf gegen das Euter der Mutter stieß und mit dem Schwanzchen wedelte, leckte st« ihn zärtlich mit ihrer lieben, warmen Zunge... Und in der Liebkosung dieser liebenden, etwas rauhen Zunge lag ihr« ganze Mutterliebe und ihre ganz« mütterlich« Zärtlichkeit. Er gedachte dann der weiten Ausflug«, auf denen sie saftige Gräser suchten, der Wanderungen durch Wälder und Sümpf«, wo das von der Mutier als Leittier geführt« Rudel die duftigen Bluten des Mariengrases, des Wiesenschwingels, des Ruchgrases und des Süßgrases reizten... Er erinnerte sich an den Geschmack jedes Grases in jenen fernen Tagen, die ihm wundervoll sorglos und heiter erschienen... Er erinnerte sich der herrlichen Bäder im trockenen, lockeren Sand und der tollen Jagden durch Windbruch und zwischen be- moostcn Baumstümpfen mit hochgehobenem Schwanz und im Wind« flatternder Mähne... Und dann kam das Mannesolter— die Zeit der Siegs. Er begab sich zum Rudel der Wisentstiere. Aber als der Herbst kam, lernte er die Liebe kennen... * Zu Ende des Sommers begann ihn ein« merkwürdige Unruh« zu erfassen. Er zerbrach Bäume, scharrte die Wurzeln von Eträuchern aus dem Erdinnern und pflügte sie zornig mit den Hörnern. Dann wieder brach er in die Dickungen, wand Zweige und Kräuter um die Hörner und schüttelte stolz die von seinem Kopf herabhängenden Laubgewinde... Zwei alte Stiere, die ihn begleiteten, hielten ihn für«inen Milchbart. Das beleidigte feinen wachsenden Stolz. Noch unlängst war cr stärkeren Keilern ausgewichen. Er hatte sich vor Wölfen gefürchtet. Jetzt jühlte er die Kraft in sich, allen Mächten des Waldes die Stirne zu bieten. ★ An einem Herbstmorgen begegneten unsere drei Wisente auf tzmer Waldlichtung, die mit einem blaßgoldenen, wogenden Meer von Gräsern bedeckt war, aus dem hier und da violette Heidekraut- 'inseln hervorragten, der Liebe. Sie hatte ,J)i« Gestalt einer schönen Wisenttuh. Das violette Rot des Heidekrauts, das Grün der Fichten, das blasse, kalte Blau des Himmels und jene Wisentkuh— olles dos bezaudert« den jungen Stier. Bezauberte aber auch seine beiden alteren Gefährten. Sie fühlten plötzlich unüberwindlichen Haß gegeneinander. Beide Wisente begriffen, daß einer von ihnen sterben mußte. Drohend wandten sie sich gegeneinander, schüttelten die ungeheuren Köpfe und beleckten mit der Zunge die Rüstern, was ein An.zeichen von Wut war. Dann begannen sie mit den Schalen der Border- käufe die Erde aufzuwühlen und di« Seifen mit dem Schwanz.zu schlagen, als ob sie sich zum Kampf anfeuerten. Ihre Augen waren blutunterlaufen. Zuerst rissen sie gleichzeitig, wie auf Kommando, Büsche aus dem Boden, zerbrachen, zausten und traten sie mit den Füßen. Ihr« Haare sträubten sich. Einen Augenblick standen si« sich wütend gegenüber, unbeweglich, zwei schwankenden, schwarzen Granit- blocken gleich— bis sie sich aufeinander stürzten und mit einem furchtbaren Prall zusammenstießen. Und es entbrannt« ein Kampf zwischen ihnen, ein erbitterter Kampf mit den unnachgiebigen Hörnern, bei dem sie das Herz unter den dichten Haarzotten juchten. Doch gleich beim ersten Zusammen- stoß glitt einer der Nebenbuhler aus und fiel schwer zu Boden. Der Sieger stieß ihm sein Horn bis zum Ansvtz in di« Seit« und begann on dem Besiegten sein Mütchen zu kühlen, indem er dessen rauchende Eingeweide zaust« und riß... Er sah und hörte nichts� Er war di« verkörpert« Wut und rochsüchtig« Raserei. Inzwischen begann unser junger Wisent, der stumme Zeuge des blutigen Zusammenstoßes und des blutigen Triumphes des einen der beiden alten Nebenbuhler, sich langsam, aufmerksam und vor- sichtig der schönen Wisentkuh zu nälzern. Dos grüne Dickicht er- stickte jede Kund« von ihm und feiner ersten Liebe.. * Doch da» alles war heut« nur ein« Erinnerung. Er wurde ein grimmiger, unerschrockener Wisent mit schwarz«? Mähne. Die ältesten Einzelgänger wichen ihm aus. Und als«r nun im Vollbesitz seiner Kraft im Schatten eines himmelhohen Bauines lag und, fein ganzes bisheriges Leben über- denkend, mit Stolz empfand, daß jede Furcht ihm heute fremd fei— geriet er plötzlich in Bestürzung. Ihn überkam eine so seit- same Furcht, daß sich das wollige Haar auf seinem Rücken sträubte. Aus sehr weifer Ferne klang etwa-, dos dem Donner eines herauf- ziehenden Gewitters ähnlich war. Es war ein eigentümlicher, im Urwald nie gehörter, unheilverkündender Laut. Er hallte durch den Forst, drang bis in die tiefsten Waldesgründc und verkündete allen Tieren des Waldes große Jagd, bei der Menschen die Jäger und Menschen das Wild waren. Bei diesem Donner zitterten vor Angst die riesigen Espen, Donnergrollen ging über die Gipfel der Kiefern und der urallen Eichen. Der Wisent erhob sich... Mit schwarzen, feuchten Nüstern sog er den Waldesduft«in... Der Geruch des Forstes sagt« ihm nichts. Es war nichts Beunruhigendes in dem harzigen, schwülen, von der Sonne erhitzten Forst, der den vollen Aauberduft des reifen Sommers ausströmte. Und cs war nichts Beunruhigendes an dem lächelnden Himmel, der die Farbe blühender Vergißmeinnicht zeigt«, dem blauen, gütigen und liebenden Himmel... Dom Himmelsblau schien froher Segen auf die Erde heradzusließe». Di« durch- glüht« Luft zitferte und fliminertc wollusttrunken unter der brünstigen Liebkosung der Sonne... Totenstill war es im Urwald, nur auf einer Waldlichtung er- tönte das goldene Summen der Bienen, die aus den Blüten Honig sammelten. * Wie ein kurzes, heftiges Gewitter braust« der Krieg durch den Urwald. Und ging wieder vorüber. Doch sobald der schwer« Kanonendonner sich entfernt und sich aus dem Gebrüll eines zornigen Tieres in«in fernes Klagegeheul verwandelt hott«, erfüllten andere seltsame Stimmen den Urwald. In den verbotenen Revieren des unergründlichen Forstes be- gönnen Marodeure der geschlagenen Arme« und einzeln pürschendc Soldaten Jagd auf das Haarwild zu machen, um mit dem Fleisch der Beute ihren Hunger zu stillen.» In den Waldesgründen auf den Weideplätzen des Rotwildes und der Wisents, wohin die Tier« aus dem Urwald zogen, auf die Fürsorge der Menschen bauend, begann ein blutiges Hürschlochten der furchtlosen und dem Menschen trauenden Geschöpfe. Der Krieg rast« durch die Well, ober der Urwald war Herren- los. Da ergriff die dadurch dreist geworden« Bauernschaft aus den nahen Dörfern die von den abziehenden Truppen weggeworfenen Gewehr« und richtet« sie gegen die großen Tiere des Urwaldes. Die Jagd wurde ein Niedermetzeln und blutiges Morden. Das war kein Schlachten der Tiere Mehr um der Nahrung willen, nach. der- der leere Nagen schreit.. Es war ein.niederträchtiges Töten. Es war ein Morden um des Blutrausches willen. � Der Schnee, der alljährlich den Wald mit dein Miteren, in der Sonne glitzernden Tuch von strahlendem Weiß bedeckte, verriet wie ein elender, fetter Spion dön blutgierigen Wttderern die geheimen Wechsel und sicheren Verstecke der todgeweihten Tiere. Sie folgten der ftijchen, weißen Fährte, und wenn sie zurückkehrten, hinter- ließen si« stets eine rote Spur...(Schluß folgt.) doch gkückkich. Ich hob Else, ich höh Bmnmi. ich hat�«lne«Ö* Wohnung!" Geier sprach zu überhastet. Aus der Küche drong Bunmüs freudiges Krähen.„Du kennst nicht Else, sie wird übrigens bald kommen, und dann wirft du sie kennen lernen, dm weißt nicht. wie lieb sie ist." Wieder trat ein Leuchten in Geiers Augen, dos ober bald erlosch.„Wir hotten beide kein Geld," fuhr er nach einer Pause fort,..und dann kam Bummi. Man behält in diesen Zeiten seine Stellung, man gibt sie nicht für Ungewisses auf. Ich hatte für die Meinen Angst!" Ein mitleidiger, verschleierter Blick traf ihn. Beide schwiegeii. „Bist du verheiratet?" fragte Geier unvermittelt. „Nein," Jerger lochte.„Danach trag ich fein Verlangen!" Und daraus erzählle er von seinem Leben m den letzten acht Iahren, von seinen Erfolgen und dem schnellen Ausstieg im Konzern.„Jetzt fahre ich als Generalbevollmächtigter nach Rußland!" „Und bist du glücklich?" Geier sah ihn forschend an. „Selbstverständlich! Ich glaube, ich Hab« Grund dazu!" Der Abschied fiel kurz aus. Iergcr verfprach. den Freund noch einmal auf der Rückreise zu besuchen. Bummi hotte alle Künste, die er in seinem vierjährigen Leben bisher erlernt, zeigen müssen, und Geier war auf den Vorschlag des Freundes, ihm eine bessere Stellung zu besorgen, nicht«ingegangen. Der Schnellzug hatte zwanzig Minuten Verspätung. Jerger war der einzige Reisende, der die verträumte Stadt verlassen wollte. Der Bahnhof lag in einein Dornröschenschlaf. Die Sonne traf An- statten zum Untergehen. In drei Stunden saß er im Flugzeug nach Rußland, rechnete Jerger nach. Morgen früh würde er Moskau betreten als mächtiger Mann eines mächtigen Konzerns, der auch Staaten Bedingungen diktieren konnte. Ja, er war glücklich! Seine Augen suchten die Gegend ob. Dort mußte dos kleine Haus in der Brombergstroße liegen. Sonderbar, daß es Menschen ohne Ehrgeiz gab. Jerger schüttclle sich. Und doch. Fritz war glücklich, cr hatte«inen entzücken- Jungen und sicherlich eine nette Frau. Genügte das nicht? Warum sollte Iergers Leben sinnvoller sein? Warum das ewige Herumfahren in der Welt, dos Konstruieren neuer Konzerne? Als der Zug den Bahnhof verließ, stand Jerger am Fenster Hinter jenen Baumen lag das.Haus. Zwei Falten waren um jeinev Mund eingekerbt. Frau Elfe fand, als sie spät zurückkam, Bummi weinend in der Küche. Papa hatte heute nicht mit ihm gespielt, sich überhaupt nicht mchr um ihn gekümmert, als der fremde Mann fortgegangen war. Geier saß im dunklen Zimmer und starrte aus die Rauchwolken, die die Lokomotiven da draußen an den Himmel matten. ä)as Vorbild Sherlock fflolmes Der Meisterdetäktin Sherlock Holmes, mit dem der dahingeschiedene Conan Doyle ein« neue Gattung der Defekttvgsschicht: begründete, hat zwei literarische und einen„natürlichen" Bäte«. Di« Detektivgestalten, die die beiden größten Meister der Kriminal- gesch'chtc vor Doyle, Poe und Gaboriou, geschassen, der scharfsinnige aber tatenlose Denker und der kühn« Erforscher aller Dunkelheiten sie wurden van ihm zu einem Wesen vereinigt, für das ihm fem Lehrer an der Universität Edinburgh, Dr. Joseph Bell, ais Vorbild diente. JBon Bell erhielt Holmes die Habichtsnase, das scharf geschnittene Profil und di« durchdringenden Augen, von ihm die schnelle Kombinationsgabe, die durch erstaunliche Feststellungen überraschte. Bell ging donon aus. daß die wich igst« Eigenschaft, die der Arzt besitzen müsse. Beobachtungsgabe sei. und er glaubte, daß man diese Fähigkeit durch beständig« Schlüsse aus kleinsten Einzelheiten zu hoher Vollendung auzbikden könne. Aus dem G sicht, der.Kleidung, aus sonst nicht beobachteten Dingen offenbarten sich ihm Mcnschenschicksole und ganze Geschichten. Conan Doyle hat selbst eine Füll« von Beispielen dieser Kunst de- Dr. Bell erzählt, die er zur Grundlage seiner Sherlock-Holmes-Geschichten machte.„Ich war Assistent in Dr. Bells Sprechstunde", erzähl, c er,„und mußte ihm die Patienten vorstellen. Fall l kommt herein: „Ich sehe, daß Sie an Trunksucht leiden", sagt Bell zu ihm.„Sie haben da eine Flasche in der Innentasche Ihres Rockes. Wersen Sie sie sofort weg." Ein anderer Fall.„Schuhfticker, wie ich sehe." Er hatte an der Innenseite der Beinkleider on den Knien die Ab- schabungen erkannt, die dos vom Schuhsticker benutzte Instrument hervorruft. Aus den besonderen Schwielen der Hände wußte er anzugeben, ob e» sich um einen Schmied oder Schlosser oder Schieferdecker handotte. Einem Mann sagte er sofort, als er ins Zimmer trat:„Sie sind Soldat, und zwar Ilnteroffizier gewesen und dienten in Bermuda." Auf den militärischen Stand schloß cr daraus, daß der Mann im Zimmer zunächst den Hut aufbehielt, sich also wie eine Ordonnanz benahm, die beim Vorgesetzten erscheint, der befehlend« Gesichtsousdruck, zusammen mit den, Wer, ließ auf einen Ilnterossizier schließen, und der Hautausschlag an seiner Stirn verriet ein« Krankheit, die nur in Bermuda vorkommt." Die ersten Sherlock-Holmes-Geschichten, die in den beiden kleinen Büchern„Eine Studie in Scharlach" und„Das Zeichen der Vier" 1887 und 1889 erschienen, fanden wenig Beachtung. Erst als Doy'e 1891 mit der Kurzgeschichfe„Ein Skandal in Böhmen" im Strand- Magazine hervortrat, fand das Publikum Gefallen an dieser Figur und verlangt« nun immer neue Holmes-Geschichfen, die schl-«ßsich aus 56 angewachsen waren. Aber Doyle selbst, der unterdessen in verschiedenen Romanen ein« ander« Art der Dichtung gepflegt und sich immer mehr vom Diesseits zum Jenseits hin en.wickelte hatte, faßte eines Tages eineiz kühnen Entschluß und lieh seinen Sherlock Holme-, der sich für ihn zu einem wahren Quälgeist entwickctt hatte, sterben. Eine nicht endenwallend« Flut von entrüsteten Briefen lohnt« ihm diese Toi. Man verlangte die Wiederauftrstehung, wenn, auch nicht stets in so entschiedenem Ton wie«ine Dame, di« ihr Schreiben mit der Anrede begann:„Sie Riesenrindvieh!" Die Lieblingsgeschichfe des verstorbenen Conan Doyle, die er gern erzähl!«, wenn von der Beliebtheit seiner Figur die Red« war, begegnet« ihm bei einer Bortragsreise in den Vereinigten Staaten. Er war in Boston angekommen, hatte sich aus dem Babnhof eine Droschke genommen und war zu einem Hotel gefahren. Alz er den Wagenlenker bezahlen wollte, lehnt« dieser ab und sagte:„Wer-n es Ihnen nichts ausmacht. Mister Doyle, so möchte ich statt des Fahrgeldes lieber eine Eintrittskarte zu einer Vorlesung haben. Es genügt schon, wenn Sie Ähren Namen auf ein Stückchen Papier schreiben." Conan Doyle war erstaunt und fragte, woher er ihn denn kenne? Worauf der andere erwiderte:„Man liest doch die Zeitungen, und da stand überall, daß der berühmte Conan Doyle mii dem Zuge nach Boston kommen würde Nun habe ich Ih--« Geschichten gelesen, und da bemerkte ich gleich an Ihrem Mantel die Spuren der zudringlichen Griff«, die die New-Porker Iourna- listen hinterlassen hatten. Der Schnitt Ihres Haares zeigt deutlich an, daß es nur in Philadelphia geschnitten'ein kann, und Ihr Hut muß aus Chikago stammen. Ihr rechter Stiesel zeigt etwas Schmutz, der aus Buffolo stammt—, na. und da hatte ich Ihre Reiseroute!"„Und sonst hatten Si« keine Merkmale, on de-en Sie mich erkennen konnten?" fragte Sir Arthur, eist, zückt über diese praktische Verwermng seiner Methode.„Eines doch noch". meint« der Kittscher pfiffig,„auf Ihrem Koffer steht ja in großen Buchstoben Ihr Name." &eUx Scherret: Sttl WlCdCffctldfl Der Schnellzug hämmerte durch die kleine Station. Die Wagen stießen hart über die Weichen. Ein paar armselige Gehöfte ver- schwanden in deni Rauch der Lokomotive. Der Schaffner rief den Namen der Stadt aus, die der Zug in einigen Minuten erreichen sollte. Anton Jerger ließ die Zeiwng sinken. Er stand auf, stolperte über die neugierig vorgestreckten Beine eines Mitteisenden und ttat auf den Korridor. Der Zug durchfuhr Wald, einen gut beftondenen Buchenwald. Ein dünnes Flüßchen, in dem Kinder badeten, quetschte sich unter dein Bahndamm hervor. Jerger riß das Fenster herunter. Telegraphenstangen flogen vorüber, das Läuten eines Melders schrillte. Jetzt beschrieb die Bahn eine groß« Kurve. Der Wold wurde dünner. Im Hintergrund blaute die See. Ein Schaffner eilte den Gang entlang. Jerger hielt ihn an. „Verzeihen Sie, wann folgt der nächste Schnellzug nach dem Osten?" „In zwei Stunden." Diese Zeit genügte. Jerger ttat in sein Abteil und packt« die Koffer. Das Bahnhofsgebäude au» verräuchertem Fachwert sah genau so aus wie vor acht Jahren. Auch derselbe all« Wasserturm dämmerte noch immer in seinem langweiligen Grau dahin. Jerger gab sein Gepäck der W'bewohrungsstelle. Auf dem Bahnhofsplatz zögert« er. Er machte ein paar Schritte auf der großen Promenade, die zum Strand führte, dann wandte er sich plötzlich um und ging dem Walde zu. Die Zeit schien spurlos voriibergegangen zu sein. Allerdings waren zwei oder drei Fischerhäuschen verschwunden und hatten Willen Platz gemacht, aber alles träumte so welteni rückt wie damals. als Jerger hier inst seinen Eltern lebte. „Brombergstraßc", sprach er vor ssch hin,„ab er dort noch wohnt?" Noch fünf Minuten stand er vor einem zweistöckigen Haus, um das ein kleiner, gepflegter Garten den Eindruck von Wohlhabenheit erwecken wollt«. Die Treppen hatten durch allzu häufiges Reinigen die Farbe verloren. Das Haus roch nach Seife, Bratenfett und kleinen Kindern. Das üppige Weib mit kannosinrotem Mantel auf dem Flurfenster war allmählich verblaßt, und der Putz der Wände zeigt« bedenk- jiche Risse.. In der zweiten Etage stand auf einer schmalen Bisitenkart« unter einem blitzenden Klingelzug„Dr. Fritz Geier". Jerger hörte hinter der Tür energisch wirtschaften und die Stimme eines Kindes. das in unoerständlicher Kindersprache allerlei wichtig« Dinge erzählte. Jerger läutete. -Di« Kinderftimm« lachte hell aus, und es näherten sich Schritt«, fehr männliche Schritte. Ein Boß dröhnte:„Hörst du, Bummi, die Mama kommt!" In der geöffneten Tür stand ein breiter, glatttasierter Mann in Hemd-ärmeln und blauer Küchenschürze. Als er den fremden Herrn erblickte, tastete er verwirrt nach der Schürze, an der sich ein kleines Junzchen ängstlich klammerte, den Daumen tief im Munde vergraben. „Guten Tag, Fritz, beHove ruhig die Schürze um!" Jerger reichte ihm die Hand, die Geier in seiner Aufregung übersah. „Du?!" stotterte er.„Woher kommst du?" Der klein« Herr, der an der Schürz« hing, begann leise vor sich hinzuweinen. Der Dater war so verwirrt, daß er diese entschiedene Mißfollensäußerung.überhörte. Jerger streichelte den kleinen, blonden Kopf. „Liebling, ich tu dir doch nichts!" Darauf wandte er sich an den Freund.„Ich bin auf der Durchresse in geschäftlichen Ange- legerchetten!" Sie saßen sich im Wohnzimmer vor einem schmalen Fenster gegenüber. Bummi hockte auf dem Fußboden und studiert« inter- essiert den fremden Herrn. Das Zimmer war karg möbliert. Di« Möbel stammen bestimmt aus einem billigen Abzahlungsgeschäft, überlegte Jerger, während Geier Zigaretten und zwei Flaschen Bier brachte. „Sonderbar, wie wenig sich hier in der S'adt verändert hat." Jerger stocherte in der Afchenschale herum.„Ich oersteh« nicht, daß du es aushältst!" „Entschuldige mich bitte einen Augenblick," Geier sprang auf. ..Ich glaub«, die Milch läuft über." Er raste aus dem Zimpier und kam mit freudestrahlendem Gesicht zurück.„Ich hob« mich, Gott sei Donk, getäuscht. Sieh mal. ich muß heut« aus di« Wirtschast aui- passen. Else, och Gott, du kennst sie noch gor nicht, ich mein« meine Frau, ist, als ich aus dem Büro kam. zu ihren Eltern gefahren. Da' muß ich auf alles hier im Hause achten!" Er lächelte glücklich. „Ein Mädchen habt ihr nicht?" „Rein, dazu reicht es kaum." Dos Lächeln erstarb auf Geiers Gesicht.„Die Gshä'lter sind zu schlecht! Meine Exportfirma kann ihren Expedienten nicht viel zahlen." Schweigen tröpfelte ins Zimmer. Jerger war aufgestanden und sah aus die still« Straße und den Garten hinaus. „Ich glaubte, du würdest es weifer bringen!" In der Stimme schwang die Ahnung einer Trauer. Sehr schnell antwortete Geier:„Mein Gott, was willst du» ich Ar. 317- 47. Jahrgang 2. Ootmeröfog, 10. 3uli 1930 Die Gewerkschasts-Internationale Der Tag der Referate. �s. St. Stockholm, 9. Juli.(Tigenbencht.) An den Bericht von Sasfci'b ach schloß sich eine kurze >md lebhafte Debatte.• Sic war vor allem deshalb kurz, weil die große Mehrheit des Kongreiies wohl der Ansicht ist, daß die Periode von Amsterdam als abgeschlossen zu betrachten ist und es setzt weniger darauf ankommt, die Vergangenheit zu kritisieren, als vielmehr die Zukunft zu organisieren.'K u p e r s- Holland kritisiert sehr lebhaft, daß gegen den Krieg und in der Frage der See- abrüswng nichts oder sehr wenig geschehen sei und daß die ganze Frage um den Bericht nur einige Zeilen umfaßt. Er bedauere auch, daß inan mit den amerikanischen Gewerkschaften nicht in nähere Fühlung getreten sei. Cook- England kritisiert sehr scharf die Haltung der Arbeiter- oruppe in Genf gegenüber den faschistischen und den christlichen Gewerkschaften innerhalb des Internationalen Arbeftsamtes. Es sei nicht zulässig, sich mit Leuten an einen Tisch zu setzen oder Kompromisse mit ihnen abzuschließen, die uns auf das schärfste bekämpfen. Sassenbach erwidert kurz, daß die Frage des Friedens auf der Tagesordnung des Kongresses stehe. Was Amerika betreff«, habe man die amerikanischen Gewerkschaften in einem sehr herzlichst ge- haltenen Schreiben eingeladen, darauf ober eine so kurz« und 'ächtssagende Antwort erhalten, daß er, Sassenbach, sich gescheut habe, sie zu verlesen. Die christlichen Gewerkschaften könne man mit den Faschisten nicht in einen Topf werfen. Der Ausschuß des ZGB. habe sich mit der Haltung der Arbeitergruppe in Genf be° -aßt und«inen Beschluß gesaßt, der den gewerkschaftlichen Lande s- -entralen zugehen wird. Am Mittwoch hielt Eggert vom ADGB. an Stelle von Leipart das Referat über Das Wirtschaftsprogramm des Znternatsoiialen Gewerkschaftsbundes. Eggert ergänzte den gedruckt vorliegenden Bericht Leiparts und iuhrte unter anderem aust Je stärker der JGB. als Bund wird und je einflußreicher die einzelnen Landeszentralen auf ihre Volkswirtschaft werden, desto dringlicher eröffnet sich ihnen das Feld weltwirtschaftspolitischer Betätigung. Eine neue Orientierung in der Weltwirtschaft ist im Werden. Gewaltige Strukturveränderungen sind vor sich gegangen. Die meltwirtschaftlichen Schwergewichte haben sich verschoben, die Produktionsapparate der einzelnen Volkswirtschaften sind vervoll- lammnet worden. Ungeheuer groß ist die Leistungsfähigkeit der Produktion. Ungeheuer gering aber ist die Konsumfähigkeit der Masien. Dieser Widerspruch, der in dem privatkapitalistischen Wirtschaftssystem klasft. führt zu heftigen Konkurrenzkämpfen der Volkswirtschaften auf den Weltmärkten, zu erbittertem Ringen um die Rohstoffquellen der Welt, zu gefahrvoller Zoll- und Handels- Politik, zum wirtschaftlichen Kampf Aller gegen Alle. Letztes Er- eebnis dieser Kämpfe sind internationale Kartelle und Trusts, welche die Völker beherrschen wollen, ober die Völker müssen lernen, den Kapitalisinus zu beherrschen und zu überwinden. Eine Wirtschoftsordming muß erkämpft werden, die dem Proletariat einen höheren, gerechten Anteil am Ertrage der Arbeit sichert. Das sozialpolikische Programm des 3<ßB. behandelte Wertens- Belgien, der eingangs darauf hinweist. daß der„Vorwärts' in seinem Artikel am Somttag sehr richtig auf die große Umwäfptng hingewiesen hat, die sich in den Aus, gaben der Gewerkschaften seit dem Kriege vollzogen hat. Vor dem Jahre 19l4 betrachtete die im Sekretariat in Berlin verkörperte internationale Gewcrkfchoftsbewegting sowie die größte Zahl der angeschlossenen Oraanisotiomm die sozialpolitischen Bestrebungen als eigentliches Tätigkeilsgebiet der politischen Parteien. Man -Vaubte, die Sozialgesetzgebung sei ausschließlich vom Willen der Parlament« abhängig. Nach dem Jahre 1919 trat«ine völlige Umkehr ein. In der ganzen Gewerkschaftsbewegung gelangte man zu der Ueber« zeugung, daß sich unsere Bewegung gegenüber einem solchen Problem nicht mehr gleichgültig verhasten könne. Di« Entwicklung der Gewerkschaften, nicht mir auf nationalem inndern auch aus internationalem Gebiet, ferner die Stärkung ihrer Macht sowie ihr Einfluß auf das wirtschaftliche und sogar dos polftische Leben der Völker machten es ihr zur Ausgabe, sich mft Problemen und Aktionen zu befassen, die äußerst ernst und anderen Charakters waren, als die vor dem Krieg geführten Kämpfe um Erhöhungen der Löhne, Verkürzung der Arbeitszeit und Der- bcsserung der Arbeitsbedingungen. Wir machen uns kaum einer Uebertreibung schuldig, wenn wir sagen, daß die Ereignisse der Jahre 1914 bis 1918 für die Aus- gestaltung des Arbeiterschutzes entscheidend waren. Will man über diese Entwicklung reden, so muh zunächst die Aufnahme des Teiles Xlll den Friedensvertrag von Versailles und die Schaffung der Internationalen Arbeitsorganisation mit ihrem Internationalen Arbeitsamt(IAA.) und ihren Internationalen Arbeitskonferenzen ge- nannt werden. Durch die Arbeitskraft und die überlegene Führung eines Albert Thomas ist das Internationale Arbeftsamt für die Arbeiterklasse ein Organismus geworden, dessen Wohllate» in allen Teilen der West spürbar sind. Es ist zu einer treibenden Kraft der sozialpolitischen Gesetzgebung geworden. Wenn auch nicht alle Länder alle Konventionen ratifizieren oder nur zögernd dazu über- gehen, so begeben sie sich doch langsam aber sicher auf den Weg der Sozialgesetzgebung. Vom Standpunkt der nationalen und internationalen Gewerk- schaftsbewegung aus soll trotzdem nicht ausschließlich auf die Wirk- samkeit und den Einfluß des Jnternolionalen Arbeftsamts gebaut werden. was bis jetzt auf nationalem und internationalem Gebiete erreicht wurde, Ist lediglich den gemeinsamen kreisten der Ausgebeuteten sowie den in den letzten fünfzig Jahren von den Arbeitermafsen gemachten organisatorischen Anstrengungen zu danken. Wenn nicht alle diese Errungenschaften verloren geizen, wenn weitere Fortschritte erziell werden sollen, so müssen sich die Arbeiter i�mmer enger zusammenschließen. Durch gesteigertes Selbstbewußtsein, durch die erhöhte Macht ihrer Organisationen. müssen sie auf die Geschicke ihres Landes einen wachsenden Einfluß gewinnen. Der Redner erläuterte dann das in die Abschnitte Sozialoersicherung. Sonderschutz. Kontrolle und Verhütung gegliederte sozialpolitische Programm des Internationalen Gewerk- schaftsbundes. Er berührte di« gegensätzlichen Auf- f a s s u n g e n, die selbst noch in den Reihen der organisierten Arbeiterklasse bestehen und befürwortet« zur Besserung des Loses der eingewanderten Arbeiter und erklärt« als allgemeine Prinzipien: 1. Die Arbeiter haben ein Recht auf hinreichenden Schutz gegen die ihre Existenz und den Bestand ihrer Familie be° drohenden beruflichen und sozialen Gefahren. Unter den bs- stehenden Umständen kann dieser Schutz am besten durch die o'bli- ga t o r i s ch e Sozialversicherung verwirklicht werden. 2. Die Mittel für die Versicherung sollen durch Bei träge der Unternehmer und der Versicherten sowie durch einen Beitrag der öffentlichen Behörden ausgebracht werden. Hingegen sollen die aus den beruslichen Gefahren entstehenden Kosten(Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten) aus- schließlich von den Arbeitgebern getragen werden. 3. Die Auszahlungen der Versicherungsinstitutionen müssen einen dreifachen Zweck haben: a) möglichst hohe Bergütung für den dem Arbeitnehmer durch die Gefahren seiner Arbeit ent- stehenden materiellen Verlust: b) Wiederherstellung seiiter Gesundheit und seiner Erwerbsfähigkeit durch angemessenen ärztlichen und pharmazeutischen Beistand: c) Verhütung von Gefahren. 4. Di« Sozialversicherung soll von selbständigen, unter der Kontroll« der Behörden stehenden Körperschaften verwaltet sowie von den Dertretern der an der Versicherung Beteiligten ge- leitet werden. Die Abrüstung und der Friede. I o u h a u x hält sein Referat über die Frage des Friedens und der Bekämpfung des jkrieges. Es gebe zweierlei Frieden, den bewaffneten und den wirklichen Frieden. Wenn der Friedensvertrag Deutschland und Oesterreich die Eni- waffnung auferlegt habe, während er gleichzeftig den anderen Staaten nur einen Hinweis gegeben habe, später vielleicht auch zu entwaffnen, dann sei das ein Zustand, der, wemt er dauern sollt«, unerträglich wäre. Wenn es ein Gebiet gibt, auf dem es ein Zusammenarbeiten zwischen der SAJ. und dem JGB. gäbe, dann ist es wohl dos Gebiet der Bekämpfung des Krieges und die Aktion ftir den Frieden, aber unter der Bedingung, daß nicht eine Organisation die Last der Arbeit und der Verantwortung auf die andere abwälze. Jouhaux fordert: 1. Sofortige Begrenzung und herabsehung der Rüstungen. baldmöglichst« Einberufung der allgemeinen Abrüstungskonferenz durch den Völkerbund und Zlbfchluß einer ersten Konvention zur Eindömmnng des Rüstungswettlaufs. 2. Internationale Kontrolle der privaten Herstellung und des Handels von Wafsen, Munition und anderen Kriegsmaterials. Energische Aktion gegen die Kapftalisten der Rüstungsindustrie durch Broschüren, Plakate. Artikel und Dersammlungen, um auf diese Weise die von diesen Mächten erzeugten Gefahren aufzudecken, die Herstellung und den Handel von Kriegswertzeugen und Kriegs- munition ans Licht der Oeffentlichkeit zu bringen und di« dem Werk des Friedens von dieser Seite entgegenstehenden Widerstände zu brechen. Z Ausbau des obligatorischen Schiedsgerichts. Aktion der Arbefter aller Länder zur Erzwingung der Ratifizierung der be- stehenden Verträge seitens der Regierungen. 4. Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit der Völker. Mit diesen Bestrebungen der Arbefterbewegung aller Länder soll auf die Regierungen ein wirksamer und dauerhafter Druck aus- geübt werden. Die Versäumnisse der Regierungen deuten unsere Pflicht an. Hierauf berichtete Hicks- England über die Gewerkschaftsbewegung in den zurückgebliebenen Ländern. Die von ihm empfohlene Entschließung fordert die internatio- nale Gewerkschaftsbewegung auf: 1. Die Opfer der Reaktion materiell und moralisch zu unter- stützen. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit seinen Beistand zu leisten bei der Wiedererrichtung gewerkschaftlicher Organisationen und der Wiedereinführung demokratischer Rechte in den von Diktatur und fremdem Imperialismus beherrschten Ländern. 3. Den engsten Kontakt mit den Gewertschaftsbewegungen und den führenden Gewerkschaftern in den der Tyrannei und Unterdrückung ausgelieferten Ländern zu unterhalten. 4. Zur Förderung des Kampfes für die Demotrati« die engste Zusammenarbeit mit den sozialistischen und Arbeiterparteien herbei- zuführen und aufrechtzuerhalten. S. Eine kräftige Propaganda für die Demokratie zu führen, speziell unter jenen Gruppen der Bevölkerung der in Frage kom- Menden Länder, die die Herrschaft der Diktatoren blind unterstützen. 6. Sich für die volle gesetzlich« Gleichstellung fremder Staats- bürger einzusetzen. Mittwochnachmittog traten die verschiedenen Kommissionen zusammen, um auf Grund der Berichte ihre Beratungen zu be- ginnen und dem Kongreß Vorschläge zu machen. Man nimmt an, daß die Kommissionsberatungen Donne rstagvormittag beendet sein werden und der Kongreß seine Plenarsitzungen am Donnerstag- itachmittag wieder aufnehmen wird. Sehr umstritten ist noch die Frage der S i tz v e r l e g u n g. Es scheint jedoch sich eine entschiedene Mehrheit für die Sitz- Verlegung nach Berlin zu bilden. Die Rolle der Opposition. Bei den ausgesperrten Glasarbeitern in Köpenick. Die KPD. sucht sich bei jeidem Kampf her Arbeiterschaft in hie Führung einzumischen, mn die gewerkschaftliche Disziplin her Kämpfenden zu erschüttern. Ob es sich um den Abwehrkamps in der Nordwestlichen Eisen- und Stahlindustrie handelt oder um das gigantische Ringen im Mansfeld-Gebiet, überall sucht die Oppssitiaa die Gewerkschaften und den Gewerkschnststamps zu schädigen. Das gleiche Schauspiel zeigt sich jetzt bei der Aussperrung der Glasarbeiter in der vlarienhütte zu Köpenick. Da der übergroße Teil der Ausgesperrten von den kommunistischen Parolen nichts wissen will, versucht die KPD. ihre Bedeutung slosi gke ft in diesem Abwehrkampf durch lügenhaste Berichte in ihrer Presse zu ver- tuschen und sogar ins Gegenteil umzukehren. So erschien in der Nr. ISS der„Roten Fahne' in sensationeller Ausmachung ein Bericht über eine Versammlung der ausge>sperrien Glasarbeiter in Köpenick, in dem behauptet wurde, die Veriammlunz habe einstimmig erklärt, auf.dem Boden der Gewerkschaftsopposi'.inn zu stehen, deren Eingreifen in den Kampf zu begrüßen, von der Gewerkschaft die Unter st ützung der Unorganisierten zu sondern ufw. Weiter wind in dem Bericht der Airschein«rivecki, als ob die Ausgesperrten den verhaßten„Resortnisten" ganz gehörig den Marsch geblasen hätten. Wie war nun der wirkliche Verlauf dieser Versammlung? Nach- dem sie geschloffen war und der Vorsitzende sowie der Vor- treter des Fabrikarbeiterverbandes Klein zusammen mit einer Kommission, die zum Bezirksamt ging, den Saal verlassen hatten, blieben etwa 6 0 b i s 70 Ausgesperrte zurück. Davon haben ganze 15 für die„oppositionelle" Entschließung ge- stimmt, während sich die anderen aus Grund der Bedetttungslosigkeit der konrrnunistifchen Hilfsmittel in diesem Kampfe her Abstimrming enthielten. 15 von 350 Ausgesperrten, das ist nach bolschewistischem Begriff Eü n st i in m i g k e i t. Wie sieht aber die großsprecherisch angekündigte. H i kf s a k ti a n der KPD. aus? Während des minmshr vierwöchigen Kampf-s sind 120 M., l0 bis 12 Brote, 3 Pfund Dutter, 2 Pfund Wurp, 4 Büchsen Konserven und 1 Paket Kaffee verteilt worden. Was da bei 3 50 Ausgesperrten auf jeden einzelnen kommt, kann sich jeder leicht ausrechnen. Es ist darum zu verstehen, wenn man von den Gewerkschoften oerlaingt, auch di« Unorganisierten zu unter- stützen, weil die KPD. für die Unorganisierten nur magere Semmel- suppen und dafür um so kräftigere Redensorten übrig hat. Von den Ausgsjperrten auf die schlechte Hilfe hingewiesen, rodeten sich die Maulholden damit heraus, daß in der Glashütte stets wenig für die Rote Hilf« gezeichnet worden fei, weshalb jetzt auch nur wenig gegeben werden könne. In Refolnttonen von den Gewerkschaften die Unterstützung der Uit« organisierten zu verlangen, ist jedenfalls bequemer und„rovolutio- närer', als selbst zu helfen. Die kommunistische Hilfe besteht lediglich in den Bevsuchen, den Kampfeswillen zu zersplittern und Mißtrauen gegen die gewerk- schaftliche Führung zu säen. Bis jetzt ist das der KPD. bei den Aus- gesperrten der Marienhütte nicht gelungen. Das beweist der Beschluß der Funktionäre, in Zukunft keine Betriebsfremden mehr zu den Versammlungen zuzulassen, sowie das gute Zusammenarbeiten der Streikleitung, in der auch Mitglieder der KPD. sitzen, mit dem Verband der Fabrikarbeiter. Lohnabbausireik in Herne. Etwa 700 Mann der Maschinenfabrik Flottmann A G. in Herne i. W. haben die Arbeit niedergelegt, lveil sie mit dem Lohn- abbau aus Grund des Oeynhausener Schiedsspruches nicht eimter- standen sind. Der Betrieb liegt still. .Kreie Gewerkschafts-Iuaend Berlin #■> Heute, Donnersta». 19t4 lltit. tagen die Gruppen! Köpenick: Jugend- heim Erttnauer Str. 5. Aorirag:»Der Mensch als Industriepalast".— Eeluudbrunnen: Jugendheim. Note Cchulc, Sotendurger Str. 2.?or. trag:„Aus der deutschen Gewertschaitsgeschichte".— Südosten: Grnppenhrlm Rcichenberger Str. t-i ssscuernichrhaust. Vortrag:„Nikotin und Atlohol-.— Tempclhos: Gruppenheim. L:i»cnm Gcrmaniaslr. 4—6. Vor'rag:„Die Gewerk. schatten in Nuhland".— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 16— 19. Vortrag: „Aiiidel und Bursche in der Jugendbewegung".— Lichtenberg: Jugendheim Houffstrafte. an der Lessingstraßc. Vortrag:„Der Lehrling im Arbeitsrecht". — Reu-Lichtenderg: Jugendheim Gunterstr. 44. Reihenvorirag:.Kommune Berlin— Schuh- und Hilsswcsen". Iuaenvaruppe des?ep.*vV, rivC 2 V�vr-y-5 1 1. Zur natürlichen Bräunung der Haut fette man vor und nach der Besonnung die Haut, insbesondere Gesicht und Hände, mit Creme Leodor gründlich ein; man erzielt dann ohne schmerzhafte Rötung eine gesunde, sonnengebräunte Hautfärbung.— Creme Leodor, Tube 60 PL und 1 Mark, Leodor-£d ei•Seile 50 PI. In allen Chiorodont- Verkaufsstellea zu babeo. 2. Zur Erlangung schöner weißer Zähne putze man früh und abends die Zähne mit der herrlich erfrischenden Zahnpaste Chlorodont, die auch an den Seitenflächen mit Hilfe der Chlorodont-Zahnbürste einen elfenbeinarligen Glanz erzeugt.— Chlorodont-Zahnpaste, Tube 60 PL und 1 Mk; Chlorodont-Zahnbürste 1 Mark, Cblorodont-Mundwasser 1 Mark. Lohn- und Preisabbau Nordwest. Eine Znschnst aus westdeutschen Wirtschastskreisen. Der lltunuf über die(Eifeuptd:(cn!ung ist auch in west- bcatfchcn wirtschastskreisen groß, wie folgende Zuschrift zeigt: Die Verb-indlichkeüserUärung des Schiedsspruchs für die Gruppe Nordwest der«rsenerzeugenden Industrie bringt für die Ar. beitnehmer dieses Bezirkes so wesentliche Lohnkürzungen, daß die hierdurch und durch Aussperrungen und Streiks zu erwartenden wirlschostlichen und politischen Folgen noch nicht abzusehen sind. Weit darüber hinaus ist der dort begonnene Kampf von aUgememem Interesse, da diese Mahnahmen nur der Auftakt eines allgemeinen Lohnabbaues sein sollen. Diesem Lohnabbau soll nach dem Vor- bild in Nordwest ein entsprechender Abbau der Preise parallel kaufen, die Kaufkraft für dos Inland also nicht geändert, dagegen die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt vorteilhafter gestaltet werden. Ob diese gleichzeitige Lohnpreissenkung bei der Lage und Struktur unseres'Außenhandels, bei der starken Einfuhr von Kon- sumgütern, die ja dann auch entsprechend teuerer bezahlt werden müssen, wirklich das Mittel ist, um die Wirtschaft„anzukurbeln". steht auf einem anderen Blakt. Hier fall nur die Frage beantwortet werden, welchen Einfluß die vorhanden- Preissenkung in der eisen- erzeugenden Industrie auf die Gesamtwirtschaft hat und «st. die„Opfer" dieser Industrie, von denen so gern die Rede belcuchlel werden. Die fetzige Preissenkung bewegt sich auf einer Höhe von etwa 4 Mark pro Tonne Formeisen, für Stahl tritt eine Sondercnnäßi- gung von 2 Mark pro Tonne ein, bei einem Preis von etwa l3ü Mark pro Tonne, den dach eine Preissenkung um 3— t Prozent. Im Januar und Mai lS28 trat ein« Preis erhöhung von zu- fammen mindestens 7 Mark je Tonne ein, für Stahl wurde der Siemens-Martin-Zufchlag um 8 Mark erhöht, im ganzen«ine Steigerung um das Doppelte der jetzigen Quote. Als damals Proteste gegen diese Aufschläge laut wurden, erklärt« der �r- «in deutscher Eisenhuttcnlcute durch sein offizielles Organ„Stahl und Eisen"(Bd. 43, S. 104, 1928), daß kein Anlaß bestehe, von den Eisenpreiscrhö Hungen einen Konsunktur- rück schlag zu befürchten". Begründet wurde diese Behauptung damit, daß beim Fertiopreis der Erzeugnisse der Eilenindustrie der Materialpreis eine so geringe Nolle spielt, daß ,chie Preisstcig«- rupg im Endpreis kaum zum Ausdruck kommt". Und eine jetzige Preissenkung um die Hälfte der damaligen Erhöhung soll der Wirtschast wieder auf. die Bein« helfen können, sie soll imstande sein, die Ausfuhr zu heben, für die im wesentlichen(dem Wert nach) nur hochbezahlte Maschinen vsw. in Betracht kommen, bei denen der Eisenpreis einen verschwindenden Bruchteil des Wertes ausmacht? Nach diesen„Vorteilen" für die deutsche Wirtschaft find die „Opfer" der eisenschaffenden Industrie interessant. Bei der Aus- dehnung der Unternehmungen und der Vertrustung im rheinisch westfälischen Industriegebiet fällt Eisenerzeugung und-Verarbeitung zum groß«: Teil zusammen, ein« Gewinnsenkung tritt danach nur in ganz geringem Umfang ein. Die Ten- kung der Rohstofsprcise hat in diesen Werken interne Bedeutung und tritt nur bei dein am Wert gemessenen geringeren Berkaus von Roh- und Zwischenprodukten in Erscheinung. Eine Einbuße konnte die Preisermäßigung für die kleine- ren, nur«isenerzeugenden Hütten darstellen, die jedoch nur etwa 20 Prozent des Gesamtanlagekapitals dieses Be- zirks ausmachen. Aber auch hier sind die Preisermäßigungen go- ring gerechnet, ausgeglichen durch die seit der letzten Eisenpreis- erhöhung eingetretene Berbilligung des Schrottes, die bei der erheblichen Verwendung dieses Materials für die Stahl- «rzeugung der jetzigen Senkung gleichkommt. Dazu kommen noch Mehrerlöse aus den seit 1928 im Preis gestiegenen Neben- Produkten, zum Beispiel Thomasmehl und«in« Minderung der Produktionskosten durch oerbilligte Kahnfrachten usw. Die großen Werke genießen diese Borteile natürlich mich. Stellt man diesen„Opfern" die 7Xprozentigcn Abzüge für Arbeiter und Angestellte gegenüber, die nur zu wirtlich sind, so ergibt sich ein ganz anderes Bild dieses vielleicht großzügig g e- dachten Wirtschoftsexpcrimentes. Wenn auch weitere Senkungen des Eisenpreises vorgesehen sind und sich auch schon Ausblicke in dieser Richtung zeigen, so ist doch jetzt zu sagen. daß dcr Lohnabbau zwar der Eisenindustrie den gewünschten Ersolg gebracht hol. die Allgemeinwirlschaft jedoch von der wirklichen oder nicht wirklichen Gegengabe keinen Jtntzen hat und haben kann. Solang« die lebensnotwendigen Berbrauchsgüter keine sinkende Tendenz zeigen und das vor der Kürzung der Lohnbezüge, kann ein Lohnabbau nur«inen Unternehmergewinn bedeuten auf Kosten der Allgemeinheit unter Schädigung dcr Fertig- industrien. Die Erfahrungen im Bezirk Nordwest zeigen, mit welcher Vor- sich die angekündigten Versuche zur Belebung der Wirtschaft in dieser Richtung aufzunehme» sind, um so mehr, als auf der Lohn- leite Abzüge reell zu verfolgen stnd. eine Kontrolle der Preissenkungen aber fast unmöglich ist. reif. Im Zusammenhang mit der in Gong kommenden Senkung der Warenpreise wäre eine Diskontermätzigung nützlich. Di« Reichs- bank soll das ernsthaft bedenken. Die Aufträge der Reichspost. Ueber die Berwaltungsratssttzung der Reichspost ist noch einiges nachzutragen. Der sozialdemokratische Abg. Bender begrüßte das Arbeitsbeschaffungsprogramm und die Preissenkung?- aktion und forderte, daß diese nicht ausKosten des Arbeits- l o h n« s geschehen dürfe. Dtertwürdig sei, daß die Post Tele- graphenarbeiter entlasse, während gleichzeitig ein 200-Millionen- Programm zur Arbeitsbeschaffung beschlossen werde. Reichspost- minister Schätzet erwiderte, daß die Entlassungen durch eine Ver- fügung überholt seien: es werde im Gegenteil möglich sein, noch 10 0 0 Arbeiter neu einzustellen. Bei der Vergebung der Aufträge habe die Reichspost den Unternehmern keinerlei Aus- läge hrnsichtlichderLohnsenkung gemacht. Eine Entschließung fordert, daß bei der Vergebung der neuen Aufträge die einzelnen Länder entsprechend bedacht werden sollen, sofern dies ohne Erhöhung der Preise und Kosten ftir die Reichspost möglich ist. Im Verkehr mit Ostpreußen führt auch die Reichspost ein Ost- hilfeprogramm durch. Bei den Fernsprechgebühren wird ab 1. August jeweils nur die nächst niedrige Entfernung berechnet, so daß der Korridor gewissermaßen von der Geiamtentfeniung abge- zogen wird. Guter„Adler".Autoabsah. Nach der Bilanzsttzung des Auisichts- rats wurden von der Verwaltung der Zldler-Werke vormals H. KIcyer A.-G., Frankfurt a. M.. ziffernmäßige Angaben über den Auf- schwung gemacht, den das Unternehmen seit seiner Sanierung ye- nommen hat. Der Gesamtumsatz betrug in der Zeit zwischen dem l. Oktober 1928 und dem 31. Dezember 1930 rund 80 Mill. M. Der Automobilabsotz stieg 1928.29 gegenüber dem Vorjahr mengenmäßig um 3S P r o z., wert mäßig infolg« der Preis- Herabsetzungen um 25 Pro z. Eine weitere mengenmäßige Absatz- steigerung in Höhe von 25 Proz. wurde im ersten Halbjahr 1930 aegenüber derselben Zeit des Vorjahres erzielt. Den Reingewinn von 3,085 Mill. M. will der Aufsichtsrat zu Zlbschreibungen und zur Stärkung der Reserven verwenden.-_ z?ern,!«wortliS>«it■'Coli HI: Dr. Cntl E-yer: MrNcha«:®. JHinntXtöl«: Scwerlscku itedeweaunz: I. Steiner: iseuilleton: ft S. DSicher; Lokalee und Eonliiae»: Rti»«arßödt:»rnlnen: 56. SloSc: sämtliS in Berlin. Striae; Socroätts-ScrlaB®. m. b. S. Berlin. Druck: Sorn>Sri»Buckdrucker-i und Serlassanstalt Baut Sinaer u. 06.. Berlin EW. 68. Sir, ScnfhoSt 8. Situs 2 Leilsacn. Steinkohlenkrise. Don einer Senkung der Kohlenpreise verlautet immer noch kein Wort. Die oute Zelt des deutschen Steinkohlenbergbau«? ist nach un«r< hyrt Dünstigen Förderungs» und EewinnreloLdjahron zu Ende. Das Landcsorbaitsamt Rheinland— ähnliche? wird für Westfalen gelh-n— meldet Arbeitslojenziffern, die rn den iiidu- ftriellcn Bezirken noch über der Wintcrarbeitslosigkeit liegen und die zum großen Teil auf die rückgängig« Beschäftigung der Zechen zurückzuführen ist. In der Mitgliederoevsammlung des Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikats wurden Absatzzissern bekanntgegeben, die die Tatsache dcr Absatzkrise eklatant machen. Danach ist der a r b c i t S t ä t i g e Y« s a m t a b f a tz des Sqn. dikats gegen Dezencher mit noch 280 000 Tonnen im Februar auf 219 000, im März auf 207 000 Tonnen abgestürzt. Er betrug im April und Mai 209 000 bzw 217 000 Tonnen und ün Juni (Sommerrobattc) 229 000 Tonnen. Im zweiten Vierteljahr 19.30 «roibt sich gegenüber der gleichen Zeit des Borfuhre? ein Minder- absotz von rund 2 0 Proz. Im Juli ist eine weitere Der. -cklechterung eingetreten. Seit Ende Dezember lzaben sich die Halden« bestände von 1.7 auf 6,1 Millionen Tonnen zu Ende Juni erhöht. und zwar bei rund 1 Million Feiers chichten. Sehr wichtig ist die Feststellung, daß im ersten Quartal die Absatzzohlen für da? unbestrittene Gebiet unter denjenigen für da? bestrittene lagen, während sich im 2. Quartal der Absatz im bestrittenen Gebiet erbeb sich unter den des unbestrittenen Gebietes, das ist im wesentlichen da? ftachtgünstigere Inland, senkte. Die deutschen Steinkohlen sind also gegenüber der Auslands- konkurrenz stark ins Hintertreffen geraten, und zwar trotz der hohen Inlandsprei'«, die theoretisch den Erp ort erleichern fallen, ober wegen des absolut starken Rückgangs im Inlandsabfatz offenbar, zur Zurückdämmung der Sluslandskonkurrenz nicht aus- reichte. Es ist ganz klar, daß in' diesen Symptomen der Beweis für «ine kritische Zuspitzung der Kohle nsituation für Deutschland liegt. Dieselbe Mitgliederversammlung de? Syndikat? läßt aber nickst da? geringste darüber ertennen, ob auch über die Zweckmäßigkeit oder Notwendigkeit einer Preissenkung etwa? gesagt worden. ist. Für diese Natwenidigkest liegen untrügliche Beweise vor. Ver- gleichbar« Kohlensorten, z. B. die englische Dur ha m Fett- kohle, ist von März bis Juni ab Grube im Preise von 14,04 M. aus 11,78 M. oder um mehr als 15 Proz. gesunken, während Ruhrfettför verkohle ob Grube in der gleichen Zeit sogar von 16,87 mif 16,89 M. gestiegen ist. Wenn dieses Preis- Verhältnis auch nichts jür die Preisrelation auf dem bestrittenen Markt besagt, so oersteht es sich von selbst, daß der deutsche Inlands- markt auch deshalb unergiebiger ist. weil die Inlandstohlenpreise unerträglich hoch gehalten werden und deshalb die Konkurrenzfähig- keit gegenüber dem Ausland verschlechtert werden muß. Wie lange will das Reichswlrtschaftsn, ini- st er tu in dulden, daß es bei den jetzigen hohen Kohlenprcssen .bleibt? Wir haben nrehrfach nachzewi:scn. daß eine Sohlen- Preissenkung wegen der früheren Rekordgewimre und der oleichzeitigen Leistungssteigerung, die auch 1930 noch fortgedauert hat, ohne Rücksicht auf die Löhne möglich ist. Die Markttag« be- weist, daß selbst eventuell ohne Rücksicht auf die Rentabilität die Kohlenpreisc gesenkt werden müssen. Die Senkung der Kohlen- preis« ist außerdem ein unbedingte? allgemeine? Konjunttur- «»fordernis für Deutschland. Wir verlangen, daß der Reichswirtschastsminister mit dem Zuwarten aufhört und die deutsche Äeinkoblenindustrie fragt, ob sie sofort die Jnlandspreije senken will. Wenn nicht, muß die Senkung erzwungen werden. Gchieles Fett- und Margan'nepläne. Der Reichsernährungsminifter erklärte auf dem SO. Verbands tag des Deutschen Fleifcher-Verbandes, zur Bsrwer, tung des Fettübsrflusje» m Deutschland müßten ähnlich» gesetzliche Maßnahmen wie der W e j z e n b ei ma h- lunqszwang Platz greifen. Außerdem würden in Berlin und nn Reich zunächst drei Fettjchmelzen geschaffen werden, um der Einfuhr ausländischer Fette entgegentreten zu können. Was die neuen Fettjchmelzen nützen sollen, ist«miger- maßen rätselhaft. Der„Fachausschuß für Fleischversorgung" hat vor einigen Tagen festgestellt, den bestehenden Schmelzen gehe es so schlecht, daß sie Kredite vom Reich brauchten. Natürlich hatten auch die Fleischer des Berbandktages ein warmes Herz für die Schieleschen Pläne. Freilich nichi. weil die Landwirtschaft st« interessiert, sondern wegen der Hoffnung, bei steigenden Fettpressen den Handelsnutzen erhöhen zu können. Die„Mag" a!s Ounkettammer. Generaldirektor Greffenivs, Zovag und Röhr-Auto. Bor einigen Tagen ist bekanntgeworden, daß Generaldirektor Greffcnius. der den„Miag"— Mühlen- und Mühlenbau-Konzern — aufgebaut und bis jetzt erfolgreich geführt hat. aus dem Vorstand der.Miag" ausscheidet. Ilm die Hintergründe dieses Ausscheidens werden Rätsel geraten. Die Angelegenheit ist um so merkwürdiger, alz Grcsfenius Großaktionär der„Miag" sst, und der Auisichtsral dieser Gosellschast am Mittwoch das Ausscheiden aus dem Vorstand genehmigte, ohne daß die Wahl von Gresfernus in den Aufsichtsrat. die sonst in dcr- artigen Fällen üblich ist. auch nur vorgeschlagen worden wäre. Es wird dafür jetzt offen zugegeben, daß unter Gressenins bei der„Miag" tonzernfremde Arbeitsgebiete lAutomobilbau) betreten wurden, auf denen sich wahrscheinlich Verluste ergeben werden. Unrlche auf dcr Börse ist dadurch eistslanden, daß die„Miag"- Verwaltung sich weigert, anzugehen, inwieweit die Position des Konzern-, dcr für das Jahr 1929 noch 10 Proz. Dividende oerteilt hat. jetzt angegriffen ist. Gretfenius hat sich durch seine maß- gebende Beteiligung an der R ö h r>?l u t o A.-G. stark und es bestehen Anhaltspunkte dafür, daß dabei nicht nur zwei Aufsichtsratsmitglieder der„Miag", sondern auch deren Aktionäre mit hereingefallen sind. Allein an die Klmkursmoiie des Favag Konzerns hat Greffenius infolg« feiner Interessen bei der Röhr Auto A.>G. noch zwei Millionen Mark zu bezahlen. Die Oefientlichkeit hat einen Anspruch auf Klärung der Ver hältnisse. Wo bleibt übrigens der Röhr-Abschluß ftir 1925/29? Verkaufe Taixtcn. S,illat. NolflnitfttaSt 9._ Billigt TtppiSit mit Iltintn �ehltr». Susnaijrncrttis ca. 2X3 16.— Marl Äusnadmtvrti» Ca. 2X3 20,— Mark. Äusnabmepre!« ta. SZj xZli 31,— Mark. Susnahrnopttt« ra. Z'ivgVj SO,— Mark. üusnalnntprtts ra. 3x4 4S,— Mark. BusnafimtptrtB ca. 3 X 4 55,— Mark. äusnadmtptcl« ca. 3X4 35,— Mark. Körner, Berlin, Batsdamtrftrazr ZK» Sarssummer tcaättzn.' BeVlgi ck ungpstüclce,1 Wäsztbe«fsz», venia qettaatst«an» li traarStrob, «an Bbllionllrrn, atnttn. ilnmältrn iZabtlbait billiat Brtitt. Cmpitblt DaMtnmSnktl, Balttat», ffrack«. Tma- king». StArackan-2gt. Sösts. Lrori» Ktdntlt-. Dtlttltiihtitekäiist in irtutl C-aricroSt.•Btifclicr Weg lahstnö. 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Die srem- den Gelder auf Girokonto sind um 110,6 auf 381,1 Millionen zurück. gegangen. Der Umlauf an R e i ch s b a n k n o t e n hat sich um 193,4 auf 4492, der on Rentenbanksche-.nen um 39,4 auf 397/3 Willionen verringert. Di« Goldbestände blieben mit 2618,8 Millionen fast unverändert, wogcoen die deckungsfähigen Devisen— schein- dar im Zusammenhang mit Rückzahlungen uu-täiid!jchsr Gelder durch deutsche Banken— um 36,3 auf 422,7 Millionen abnahmen. Die Notendeckung durch Gold- und deckungssähige Devisen erhöhte. sich trotzdem von 65,7 auf 67,7 Proz. Die Situation ist für eine neue Diskontermäßigung im SabrikgeMnde. Ä'KWuiikin5trumenkp;r, Segen kleine Baten erhalten Sie ge. braucht« sowie neu« Bianp». Grob« filnswabl. Lagerbesuch lolinend. Suciv mannstraKe 14 und Brunnenstrafi« ZSI. Teil,ablnng! monatlich u>�». Dia. manträder, Triumphräder. Brennador- raber. Ballontouren.. Ballanbawen-, Vallonrennrr. Görickertider. Gittler- räder. Semperräder, Multipleiräder, Trumpkasräber. 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