BERLIN Zreitag 11. Juli 1930 erscheinttSglich außerSenotas«. Zugleich Abendausgabe de«.DorirärtS'. Bezugspreis beide Ausgaben ssPf. pro Woche, Z.soM. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSWöS,Lindtnsir.» 10 Pf. Tlr. 320 B 159 42. Jahrgang LnzeigenpreiS: Die einspaltige Nonpareillezeil« 90 Pf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen»ach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärti-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Oer Polizist als Waffenschieber Waffenlager beim Nazi-Mann- Kolgen eines Autounglücks Ter Polizeipräsident teilt mit: Bei dem auf der Chaussee Potsdam— Geltow tödlich verunglückten Motorfahrer Dörre wurden Papiere gefunden, aus denen hervorgeht, daß Dörre an einen gewissen Willi Hoppe aus Wilmersdorf, Sig- maringenstr. 14, Waffenbestandteile liefer» sollte. Cine bei Hoppe sofort vorgenommene Durchsuchung förderte 128 Maschinengewehr schlösser, 43 fturbettetienglieder, 1 Schachtel mit Visierkörnern für Maschinengewehre. 3 P i st 0 l e n mit etwa 300 Tchuß, einen Leitfaden für Maschinengewehre und einen für Karabiner, Modell 08, ferner diverse Papiere und Anschriften» die aus Waffenhandel hindeuten, zutage. Wie aus den borgefundenen Papieren hervorgeht, ist Hoppe Strapenzellenobmann der NSDAP. . Dörre war im Aahre 1027 bei der Waffenmeisterei in Potsdam tätig. Hoppe will ihn bei einem Berliner Waffenhändler kennengelernt haben. Diese Angabe wird nachgeprüft. Hoppe wird heute dem Vernehmungsrichter im Polizeipräsidium vorgeführt werden. Von anderer Seite erfahren wir hierzu noch das Folgende: Die Polizei ist diesen Wosiensunden buchstäblich durch einen Zufall aus die Spur gekommen. Wie berichtet, ereignete sich in ■r Nacht vom Mittwoch zun> Donnerstag dieser Woche aus der 'leliower Chaussee ein schweres Autounglück, bei dem der auf dein Potsdamer Polizeipräsidium beschäftigte Versorgungsanwärter Kurt Dörre und eine seiner beiden Begleiterinnen, ein Fräulein Elise chaudtk«, die aus derselben Dienststelle tätig ist, auf der Stelle g e- tötet wurden. Bei der Durchsuchung der Kleider der Leiche wurden von den Kriminalbeamten in der Brieftasche Aufzeichnungen un d Briefe gefunden, die den Verdacht begründet erscheinen liehen, dah Dörre mit einem gewissen„ch," in Verbindung ge- sianden hat, dem er Zubehörteile zu Maschinen' gewchren, Maschinenpistolen und Karabinern l i e s e r n wollte. Ein größerer bei der Leiche gesundener Geldbetrag, der nnt dem geringen Beamteneinkommen des Dörre nicht in Einklang zu bringen war, legte die Vermutung nah«, daß solehe Waffenlieferungen bereits erfolgt und auch bezohlr seien. Um dahinter zu kommen, wer die Persönlichkeit ist, die ihre Briefe an Dörre nur immer mit unterzeichnet hat, wurde von dem Leiter der Inspektion des Potsdamer Polizeipräsidiums, Kriminalrat Dcgner, noch in derselben Nacht um 3 Uhr eine genaue Durchsuchung der Wohnung Dörre» Iii Nowawes vorgenommen. Im Schreibtisch wurden in einem Seitenfach zahlreiche Briefumschläge vorgefunden, aus denen als Absender ein gewisser Hoppe, Wilmersdorf, Sigmoringenstr. 14, verzeichnet war. Ohne Zeit zu verlieren, wurde daraus von Potsdam sofort ein« überraschende Durchsuchung bei dem verdächtigen Hoppe angeordnet. Im Dienstauto wurde ein Kriminalkommissar mit mehreren Beamten nach Berlin cnt- saudt, welche zusammen mit Beamten der Politischen Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums, die inzwischen von dein Bor- gefallenen benachrichtigt worden waren, gegen 6 Uhr früh über- rcischeud in der Sigmaringenstraße erschienen und die Durchsuchung bei Hoppe. der völlig überrascht war, vornahmen. Außer größeren Munitions- beständen verschiedener Kaliber wurden unter anderem 12 8 M a- schincngewchrschlösser gefunden und beschlagnahmt. Hopp« wurde daraufhin sofort festgenommen und dem Polizeipräsidium zu- geführt. In der Zwischenzeit wurden auch in den Diensträumen und Schreibtischen der tödlich verunglückten Dörre und Handtke im Potsdanier- Polizeipräsidium Durchsuchungen vorce- Nammen, die ober erfolglos blieben und nichts Belastendes zutage förderten. Der festgenommene Hoppe, der im 53. Lebensjahr« steht, ist seit langer Zeit Mitglied der Nationalsoziijisten. Er betrieb früher eine Gastwirtschast und lebt jeßi angeblich von Vcrmiitlungea und ähnlichen Geschäften, lieber die Herkunft der Waffen und der Munmop machte er bei jeiner ersten Vernehmung reichlich lw glaubwürdige Angaben. Er behauptet nämlich, die bei ihm gefundenen Maschinengewehrschlösser und die Munition bei einer Berliner Firma gestohlen zu haben, die w der Inflation größer« Heeresbeständ« aufgekaust hatte. Die Pressestelle des Potsdamer Polizeipräsidiums behauptet entgegen anderslautenden Mitteilungen, es hätten sich bisher keine Anzeichen dafür ergehen, daß der Dersorgungsanwärter Dörre und die Stenoti)pistin Handtke der NSDAP, angehörten. Vom Potsdamer Polizeipräsidium wird auch bestritten, daß die Stellung der beiden irgendwie einflußreich gewesen sei. Von Dörr« wird mit- geteilt, daß er bis 1927 der Schutzpolizei angehörte und auf ein Gesuch im Jahre 1929 beim Polizeipräsidium in Potsdam einge- stellt wurde, wo er offiziell der sogenannten Vormerkstell«(d. h. Zen- trale für Besetzung von Stellen bei Staats- und Gemcindepolizei- behörden) zugeteilt war. Seine Hauptbeschäftigung bestand aber in Rcchnungsarbeiten. Fräulein Handtke war in derselben Dienststelle tätig und bearbeitete die Kartei. Die Nachforschungen der Politischen Polizei des Berliner Polizeipräsidums, die gemeinsam mit den Potsdamer Beamten energisch roeiterbetrieben werden, sind noch nicht abgeschlossen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Affäre noch weitere Kreise ziehen wird, so daß vermutlich mit weiteren Festnahmen zu rechnen sein dürste. Hoppe wird noch heute in Berlin dem Richter vorgeführt werden. Jricks Haßgebete vor Gericht. Die Klage des Geichs gegen Thüringen. ''' Leipzig. 11. Juli. Unter dem Vorsitz des Reichsgerichtspräfidenten Dr. Bumke ist der Staatsgerichtshof' für das Deutsche Reich am Freitag vormittag zusammengetreten, um die Klage des Deutschen Reiches (Reichsminister des Innern) gegen das Land Thüringen wegen Empfehlung von Schulgebcten, die im amtlichen Blatt der thüringischen Staatsregicrung vom 22. April 1930 erfolgt ist, zu verhandeln. Das klagende Reich ist vertreten durch Staats- fekretär Zweigert, den Präsidenten des Landcsamtes sür Heimat- wescn Dr. Kneip, Konsistorialrat Prof. Dr. Eger-5)alle und Prälat Dr. Mausbach. Dos beklagte Land Thüringen vertreten Geheimrat Professor Schnöbet, Geheimrat Dr. Gerstenhauer und das Mitglied des thüringischen Landeskirchenrates Geheimer Ministerialrat Dr. Thieme. Berichterstatter ist Reichsgerichtsrat Lins. Außer ihm ist der Stoatsgerichtshos besetzt noch durch Reichsgerichtsrat Triebcl, Reichsgerichtsrat Dr. Schwalbe, Oberverwaltungsgerichtsrat Dr. Groythuisen, Oberoerwaltungsgerichtsrat Dr. Gumbel-Bayern und Obervcrwaltungsgerichtsrat Otto-Sachscn. Staaatssekretär Z w e i g e r t wies zur Unterstützung des Standpunktes der Reichsregierung auf Acußerungcn des thü- ringischen Ministers Dr. F r i ck hin, aus denen die Bedeutung der angefochtenen Schulgebet« sehr deutlich hervorgehe. In diesen Gc- beten werde die Strafe Gottes auf die Volksgenossen hcrobgefleht, die nicht Nationalsozialisten seien. Dies« Volksgenossen würden des Betrugs und des Landesverrates bezichtigt. Verletzt in ihren Empfindungen seien die Staatsbürger jüdischen Glaubens in erster Linie und die Mitglieder der Sozialdemo- kratischen Partei sowie weiter alle, die mit Uebexzeugung zum Ver- sassungswerk von Weimar stünden, und alle Anhänger der christ- lichen Kirche. Nach Staatssekretär Zweigert ergriff Konsistorialrat Professor Dr. E g e r- Halle das Wort. Er untersuchte die Frage, wie die Ge- bete in der Schulgemeinschast wirken müßten und wie diese Wir- kungen vom evangelisch-christlichcn Standpunkt tfns beurteilt werden müßten. Saboiierie Verfaffungsfeier. Thüringer Schulen die Teilnahme unterbunden. Di« Reichsrcgierung hat auch dieses Jahr wieder die Länder eingeladen, je einen Schüler aus jeder Schule zu der amtlichen Perfassungsjeier des Reiches nach Berlin zu entsenden. Die Aus- wähl soll auf Grund von Vorschlägen der Schulen durch das Los gesct�hen. Der Razikulturminister hat diese Einladung der Reichsregierung damit beantwortet, daß die„thüringisch« Regierung«ine Beteili- gnng der Schulen Thüringens aus erzieherischen und schulischen Gründen ablehne". Der„Völkische Beobachter" teilt das mit. nennt es sehr be- grühenswert und findet es unerfindlich, wenn deutsch« Schulen die uns aufgezwungene Versassung von B e rf a 1 l l e s noch loben sollen.__ Der englisch« vizekonsul in Marseille ist süt dem vergangenen Sannabend jpurlos verschwunden. Der Fall erscheint um so ge- heimnisvoller, als keine Anzeichen etwa auf einen Selbstmord oder eine Flucht jchlkeßen lassen. Kurdenstämme vernichtet. Tausends von ausständiichcn Kurde», die in den letzten Tagen im Zeilantal nördlich des Ban-Sees von türkischen Truppen umzingelt wurden, sind vernichtet worden, Italien erhält Gandwüfle. Aussicht auf Entspannung mit Frankreich. Paris. 11. Juli.(Eigenbericht.) Die Verhandlungen zwischen Frankreich und Italien sind mit einem neuen Besuch de» italienischen Botschaslers bei Briand wieder in Gang gekommen. Wie Briand dazu vor der Auswärtigen Kommission der Sammer erklärte, sei eine Entspannung bis zum Ende des Jahres zu envorten, zumal ein Kompromiß sowohl jür das Biederlasjungsrechl der Italiener in Tunis, wie auch für die Grenzberichligungcn zwischen Tunis und Tripolis möglich sei. Nach dem sozialistischen„Populaire" ist Briand bereil, den Italienern nicht weniger als 120 000 Quadratkilometer an Tri- polis abzutreten. Weiter habe Italien versucht, ein Kolonial- Mandat von Frankreich zu erhalten, jedoch wurde es, wie der „Populaire" ebenfalls berichtet, mit diesem Antrag an den Völker. bund verwiesen, hinsichtlich der Flottenabrüstung stehen die Aussichten nach wie vor ungünstig. Zwar hat Briand den Jta- lienern zugesagt, daß bis Ende des Jahres kein neues fron- zösischcs Kriegsschiff in Austrag gegeben werden solle. Dieses Zugeständnis sei aber nur ein scheinbares, erklärt Pertinax im„Echo de Paris", denn das Floltenbauprogramm für 1930 sei bereits voll durchgeführt. Labour-Mehrheit nur zwei Stimmen. Liberale Entrüstung über Lloyd George. London. 11. Juli.(Eigenbericht.) Das amtliche Ergebnis der am Mittwoch im Unterhaus er- folgten Abstimmung zeigt, daß die Regierung nur«in« Mehrheit von zwei und nicht von drei Stimmen erhalten Hot. In der liberalen Fraktion herrscht über die Haltung Lloyd Georges außerordentlich« Erbitterung. Man halt seine Stellung allgemein für erschüttert. Die Opposition gegen Lloyd George wird von 5xrbert Samuel geführt. 300 Opfer einer Munitionsexplosion? Granatenfabrik bei Stambul in die Lust geflogen. Galathn, 11. Juli.(Cigcnbericht.) In der Nähe von Stambul kam es am Donnerstag- abend innerhalb der Militärzone des KriegshafenS Jsmid zu einer folgenschweren Explosion. Tie große Munitionsfabrik Teriudsche flog teilweise in die Luft. Gerüchtweise verlautet, daß die Katastrophe 3 00 Tote gefordert hat.'Einzelheiten über das Unglück fehlen noch und sind angesichts der militärischen Kontrolle wahrscheinlich überhaupt nicht zu erreichen. Hoover legt Geheimakten nicht vor. Senat beugt sich/ Amerika-Votschaster über seine Kollegen. washioglon, 11. Juli.(Eigenbericht.) Der Bundessenat nahm am Donnerstag mit 53 gegen vier Stimmen die Mac Kellar-Entschließung an. die von der Regierung die Vorlegung der während der Londoner Flottenkonsercnz gesühr- teil Gehciinkorrespondenz fordert. Die Annahm« der Eni- jchließung ersolgt« erst, nachdem ihr eine Zusatzklausel an- gehängt worden war, m der es u. a. heißt, daß die Vorlegung nur krsolg«» soll, wenn sie„m i t d« n S f f« n t'l i ch e n Interessen s ne reinbar" ist. Dieser Ausatz ermöglicht dem Präsidenten, das «n ihn gestellte Ansinnen abzulehnen und vermeidet gleichzeitig, künslig« Aonflikte mit den Partnern des Londoner Flottennertrages.! Das Staatsdepartement will vor allem deshalb depi Senat die den Londoirer Flottenpakt betretenden Geheimakten nicht vorlegen, weil sich unter ihnen Briese de» amerikanischen Botschosters in London, Domes, befinden, in denen dieser sich sehr drastisch über einige Diplomaten äußert, die auf der Londoner Seeabnlstungs» konferenz vertreten waren. Bei den Toten von Neurode. Mehr als 60 noch in der Grube eingeschloffea. P e u r o d e. 11. Juli. •Bei den Bergungsarbeiten auf der Wenzes- laus-tKrube find im Verlaufe der letzten Rächt in der Abteilung 17 die I Ä Toten, die gestern während des Tages gesehen worden sind, ohne daß es möglich war, sie zu bergen, in Sicherheit gebracht worden. Sie wurden im Aechcngebäude der Wenzeslaus-Grube auf- gebahrt. Nach wie vor stelle« sich der Arbeit der Ret- tungsmannschasten die größten Schwierigkeiten in den Weg, so daß es immer noch nicht möglich war, bis zu den anderen cpfern der ltatastrophe vorzudringen. Tie Ncttnngs- und Aufräumungsarbeiten erfuhren gestern abend einen gewissen Stillstatkb, obgleich die Frischluftzusuhr gut funktioniert, so daß die Rettungs- Mannschaften ohne Gasmaske arbeiten können. Tie hohen Kohlenstaub-, Stein- und Kohlenmasfen bereiten riesige Schwierigkeiten. Tie Sage in der Grube ändert sich fast mit jeder Minute. Es ist den einzelnen Leuten oft nur möglich, wenige Minuten an der Rettungs- arbeit teilzunehmen. Nach allem scheint es sehr fraglich, ob die Absicht, die Aufräumungsarbeiten noch in dieser Nacht restlos durchzuführen, aussichtsvoll ist. Neurode, ll. Juli.(Eigenbericht.) Es ist fast imumstößlichc Gewißheit, daß die Zahl der Opfer der lSrubenkatastrophc bei Iteurode mehr al» 160 Menschen betrogen wird! Man sieht viele schwarze Kleider, venveintc Gesichter. Nach dem Knappschaftslazarett aber wallt schweigend eine unauf- hörlichc Prozession. Dort liegen die 51 Toten, die man zuerst bergen konnte. Drei lange Reihen bleicher Gestalten unter großen Leinentüchern. die Gesichter einzelner zerschiinden von den Kohlentrümmern, die der Ausbruch uniherschlenderte. Diele Jungs darunter. Auf manchem der wachsbleichen Gesichter liegt noch ein leichtes Lächeln, so, als hätten sich die Kumpels eben etwas Heiteres erzählt oder einen frsundlichen Gedanken gehabt, als der Tod ste überraschte. Das wirkt in dieser gelben Starrheit doppelt er- lchütternd Die Gestalten sind«in Bild des Elends, unter dem das ganze Revier steht. Ausgemergelt, klein, oft mit hoch- gezogenen Schultern, seit Generationen an schwere Arbeit und Entbehrungen gewähnt. In einer Ecke liegt ein magerer alter 'Pann, dessen Haupt schlohweiße Haare umgeben, und gerade ent- gcgcngcsetzt der Jüngste unter den Verunglückten, kaum 19 Jahre. Aus der anderen Seite Steiger Hossmonn, der bei den Rettungs- arbeiten der Starkstromleitung zu nahe kam und auf diese Weise sein Lebe» verlor. In den schmalen Gängen zwischen den an der Erde liegenden Toten schreiten still und vorsichtig die Menschen. Ost streise» ste die Füße der Verunglückten. Manchmal stöhnt ein unterdrücktes Schluchzen. Auf schivarzein schlichtem Altar flackert rotes Ampellicht, als wollte es mahnen an das rasche Verlöschen zuckenden Lebens. Draußen wächst fortwährend und schweigend die Aahl derer, die von einem Lieben oder einem treuen Kameraden schmerzvoll Abschied nehmen. Frankreichs Beileid. Paris. 11. Jul!. Das schwere Grubenunglück hat auch in der französische!'. Ocisenllichkcit eine rege Anteilnahme erweckt. Di« Pariser Press« bringt ausführliche Berich!« über die Rettungsarbeiten und gibt all- gfmein ihrem Bedauern über den tragischen Unglücksfall Ausdruck. Der französtlch« Minister für äi'entliche Arbeiten, Pernot, hat sasork nach Belaimrwerden des Unglücks der Reichsregierung tele- graphisch das Bedauern und die Anteilnahme der Regierung zum Ausdruck gebracht. Fahnen auf Halbmast. Das preußische Slaalsminlsterium ha» dem Amtlichen Preußischen Pressedienst zufolge angeordnet, daß am Sonnlag. dem 13. 3 u l i, dem Tage der Veisehung der Opfer de» Grubenunglücks in Neurode in Schlesien, alle staat. lichen und kommunalen Dienstgebäude, die Gebäude der übrigen Körperschaften sowie die Gebäude der öfsentlichcn Schulen noch der Bestimmung der Verordnung vom 29. 3uni 1929 halbmast zu beflaggen sind. 3)er Kodesfchachi vonStausdorl S)te Angehörigen trarien auf dem JCofe des U n- glücksfchachles auf »reifere llachridilen über die Opfer der iKalafirophe Beamtennotopfer/Großpensionen Beriagungsanirage des Bürgerblocks Die untragbaren Z�eichsbahngehälier. (Sin scbarsts Schreiben Gu6rards an Herrn von Siemens Der Reichsverkehrsminister von Guärard hat in«inein Schreiben m» den Präsident«,, des Reichsbahnoerivaltuisgsrates, Herrn von Siemen», zu der Eingabe der Reichsbahn an den Reichskanzler Stellung genommen. Nach einer Begründung der Regiemngsbeschlüsse zu den Wün- schcn der Reichsbahn befaßt sich der Minister eingehend mit der Ausgabepolilir der Reichsbahn, besonders mit den hohen Diäten iür den Derwaltungsrat und den Spitzengehältern der leitenden Beamten. Herr von Guörard erkennt an, daß die Reichsbahn der Anregung der Regierung eistlprochen und die Bezüge der Vermal- tunosralsniitglieder gesenkt habe. Er stellt aber sest. daß auch noch der neuen Regelung die Bezüge der Mitglieder des Verwaltungsrots diesenigen der Mitglieder de, Reichstags übersteigen. Bezüglich der Frage der Gehälter der lei- lenden Beamten hält es die Reichsregierung, nachdem die Reübs- bahn nunmehr wieder enger an da« Reich angegliedert worden ist. nicht für tragbar, daß die Reichsbahn bei der von ihr selbst be- tonten schweren Rollagc an ihre leitenden Beamten, deneu die Ansprüche der Reichsbeamten gewährleistet sind, Gehälter zahlt, die diejenigen gleichgestellter Reichsbeonnten ganz außerordentlich über. steigen. Diese übermäßige Bezahlung der leitenden Beamten ge- fährdel die Inlerrksen d?g Reich», denn sie versperrt diesem die Mög- I ich-* eil, für das Reichsveekehrsminlsierium den notwendigen Räch. wuchs aus den Reihen der teilenden Beamten der Hauptverwaltung zu gensiimen. Im Ausschuß für den Reichshaushalt stand heute vormittag der in der Mntroochsttzung zurückgestellte sozialdemokratisch« Antrag über Kürzung der Pensionsbezüge von neuem zur Beratung. Es entspann sich zunächst wiederum eine längere Ge- schäftsordnungsdcbatte, in deren Verlauf der Abg. G o t t h e i» e r (Dnat.) den Antrag stellte, nicht in die sachliche Beratung ein» zutreten. Dieser Vcrtagiingsantrag wurde abgelehnt und die Be- ratung mit einer kurzen Erklärung des Reichssinanzministers Dietrich begonnen. Er führte aus, daß auch das Reichskabinett keine geschäftsordnungsmäßigen Bedenken gegen die Verhandlung habe. Auch Preußen sei bereit mitzuwirken und sachlich« Er- Närungen abzugeben. Es beständen auch erfreulicherweise zwischen der Reichsregierung und Preußen keine besonderen Meinungs- Verschiedenheiten. Aber sowohl das Reich wie Preußen seien der Ausfossung, daß es auch vom beamtenpolitischen Standpunkt das richtigere wäre, in dieser wichtigen und schwierigen Materie den ordnungsmäßigen Weg über den Reichsrat zu gehen, statt«inen Initiativantrag zu behandeln. Der preußisch« Regierungsvertreter führte aus, daß Preußen dem Grundgedanken des Antrages durchaus sympathisch gegenüberstehe. Allerdings hätte Preußen ge- wichtige Bedenken, die Höchstgrenze auf 12 00V Mark festzusetzen. Finanziell Hab« Preußen an dieser Frage k e i n I nt�er« s j e, inan Hab« ausgerechnet, daß eine solche Herabsetzung bei einer Gesamtpensionslast von 209 Millionen 120 000 Mark ausmachen würde. Zur Begründung des Antrags führte Abg. Roßmann(Soz.) aus, daß der Antrag keineswegs, wie mehrfach angedeutet wäre, agitatorischen Gründen entsprungen sei. Man müsse sich aber folgende Zahlen stets vor Augen halten: die P« n si o n s last des Reichs habe 1929 614 765 000 M. betragen. Es entfallen auf die Beamten 105 Millionen, auf die Offiziere 207, auf die neue Wehr- inacht 63)--!, ferner auf Reichspost 239, auf die Länder 535, die Gemeinben 271, die Reichsbahn 500 Millionen. Das Deutsche Reich habe also eine Gesamtpensionslast von 1920 Millionen zu tragen. Kein anderes Land kenne«inen derartigen Unfug, daß hohe Pensionen bei großen Privoteinkommen gezahlt werden. Durch den ewigen Hinweis auf die wohlerworbenen Rechte der Beamten werdc jede lebendige Fortentwicklung des Beamtenrechts ertötet und dem Unwillen immer weiterer Kreise der Bevölke- lung gegen die Beamtenrechte neue Nahrung zugesührt. Wenn in Zwischenrufen und in der Presse auf einzelne bedauerliche Vorgänge hingewiesen worden sei, so wolle die Sozialdemokratie die gesetzlichen Bestimmungen ja gerade so reformieren, daß Auswüchse nicht mehr vorkommen können. Dazu zwinge auch die traurige Wirtschaft- lich« Lage des Reichs und der weitesten Kreise seiner Bewohner. Selbstverständlich müssen sich Länder lind Gemeinden der reichs- gesetzlichen Regelung anschließen. Von den Abg. Drewitz(Wp.) und Dr. Reinhold(Dem.) wurden Zlnträge eingebracht, die auf Behandlung der Frage im Herbst herauslaufen, Abg. Ersing(Z.) begann sein« Ausführungen mit einer Polemik gegen die angeblich agitatorische und unsachliche Art, in der der An- trag von der Sozialdemokratie gegen das Zentrum behandelt werde. Seine Darlegungen in der vorigen Sitzung seien so umgedeutet worden, daß das Zentrum sachlich gegen den Antrag Stellung nehme. Er möchte glauben, daß die Parteien, die hinter der Re- publik stehen, eine solche Behandlung, die nur dem republikanischen Gedanken Schaden bringen könne, vermeiden sollen. Das Zentrum wünsche dringend eine positive Regelung. Di« vom Abg. Roß- mann gegebene» Zahlen seien richtig. Halle man dagegen, daß der Gesamtpensionsetat in Deutschland 1913/14 nur 400 Blillionen betragen habe, so sei jetzt eine Steigerung um 1500 Millionen ein- getreten. Abg. Ersing polemisierte gegen Preußen, dos unter sozial- demokratischem Einfluß stehe*," im Gegensatz aber zu Oldenburg, Baden und»och«inigen anderen Staaten bisher sich wenigstens noch nicht zur Regelung der Pensionsverhältnisse verstanden habe. Es sei zu hoffen, daß nach der fetzigen Erklärung der preußischen Staatsregierung eine Aenderung eintreten werde. Do» Zentrum stelle den Antrag, überall statt„gesamte Privoteinkommen" zu setzen „Arbeitseinkommen'. Abg. Sollmann(Soz.): Gerade die Beomtenvertreter müßten aus Rücksicht auf das Berufsbeamtentuni gegen den Mißstand der Riesenpensionen ankämpfen. Was vor dem Kriege erträglich gewesen sei, werde als unerträglich empfunden in einem Volke, dessen Arbeiterklasse zu Millionen erwerbslos sei, dessen Mittelstand prolctarisiert werde, das«in großes akademisches Pro- leiariat habe und dessen Bauernstand notleide. Bei derart großen soziologischen Wandlungen dürfe man nicht an bloßen Rechten fest- halten. Tu« der Reichstag nichts, so werde eines Tages ein Bojk«entscheid über alle Parteien hinweggehen. und den Schaden hätten die Beamten. Wenn ein nach wenige» Dicnstjahren pensionierter Minister für zwanzig bis dreißig Jahre Pension zwischen 20 000 und 36 000 Mark beziehe, so könne man nicht von„eingespartem Gehalt" reden. Es sei ein Erfolg des sozial- demokratischen Gesetzentwurfes, wenn nun beinahe alle Parteien erklärten, es müsse etwas geschehen. Hoffentlich kämen nun auch Taten. Die Sozialdemokratie werdc die Sache nicht mehr zur Ruhe kommen lassen. Abgelehnte Verbesserungsanträge. Der Steuerausschuß des Reichstages fuhr am Freitag n it der Beratung der Deckunzsoarlagen fori. Beim A§ 2 wird ein Antrag der Bayerische» Volkspartei und der Wirtschastspartci angenommen, durch den die R e i ch s h i l s e auf die Fe st- besoldeten der Privatwirtschaft, sofern ihr Einkomme» 8000 Mark jährlich übersteigt, ausgedehnt wird. Für den Antrag stimm- ten auch Sozialdemokraten und Kommunisten sowie der Zentrumsabgeordnete Dr. Fähr. � Ein Antrag der Dayerischen Bolkspartei und der Wirtschaits- parte! will die Bezüge der Aufsittsrät« ebenfalls mir 2,5 Proz. de» Einkommens abgabepflichtig machen. Ein sazuv demokratischer Antrag bezweckt die Wiedereinführung der ÜluT- sichtsratssteu r in Höhe von 20 Proz., die bis zum Jahre 1925 in Kraft war. Zur Begründung dieses Antrages erinneric Abg. Keil(Soz.), daß die Regierung selbst ihn ursprünglich vor- geschlagen hatte. Die Abstimmung ergab die Ablehnung des sozialdemokratischen und eines kommunistischen Antrages, aber die Annahme des Antrages der Bayerischen Volksportei. Beim§ 5 über die Höhender Reichshilfe beantraglc die Sozialdemokratie, statt des Satzes von 2)4 Proz. des Einkommens einen Zuschlag von 4 Proz. zur Lohn- und Einkommensteuer zu erheben. In der Begründung dieses Antrages weisen die Abg. Keil und Dr. Hertz(Soz.) darauf hin. daß es sich hirr um die Entscheidung der Frage handelt, ob die Steucrbelastung proportional oder progressiv fein solle. Die Regierungsvorlage verlasse den Grundsah der Anpassung der Steuerlast an die Leistungssähigkeil und belaste die uuteren Einkommen wesentlich höher al» die oberen. Ein Lcdiger hat bei 2)u Proz. der Reichz- hilfe 67 Proz. seiner bisherigen Steuerlast beizutragen. Diese Belastung steigt, je höher das Einkommen ist und zwar bis auf 18 Proz. bei einem Einkommen von 2000 M. Bei einem Ver- heirateten mit zwei Kindern stnd die entsprechenden Zahlen: bei 200 M. 89 Proz., bei 2000 M. 21 Proz. Diese ungeheure Benachteiligung der kleinen Einkommen müsse durch die Festsetzung der Abgabe in Prozenten der Lohnsteuer be- seitigt werden. Rcichssiiian,zmin:st«r Dietrich bekämpft den Antrag, für den eine Mehrheit sowieso nicht vorhanden sei, vor allem init dem Ge- sichtspunkt der stärkeren Belastung der oberen Beamten. Ministerial- dircktor Dr. Z a r d e n begründet die jetzige gleichmäßige Ab- gäbe mit dem Hinweis, sie sei doch eine Lohnkürzung und könne sich deshalb nicht an die Lohnsteuer anlehnen. Der sozialdemokratische Antrag wird gegen Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt. Zu§ 4 beantragte die Sozialdemokratie die Erhöhung d e r F r e i g r e n z e ans 2400 M. und Berücksichtigung der bei der Lohn- steuer vorgesehenen Familienermäßigung. Auch dieser Anirag wird von der Regierung bekämpft und von allen bürgerlichen Parteien abgelehnt. Dagegen findet ein Antrag der Regierungsparteien An- nähme, zur Freigrenze von 2000 M. Kinderzulage in Höhe von 240 M. für jedes Kind hinzuzurechnen. Auch ein Antrag auf Be- riicksichtigung der Frauenzulage(bei Altpenfionären) findet Annahme. §§ 5 bis 9 werden unverändert angenommen. Artikel 3 Z 10 enthält den Zuschlag von 5 Proz. für die Ein- kommen über 8000 Mk. Ein sozialdemokratischer Antrag sieht die Er- höhung auf 10 Proz. vor. Der Antrag wird mit Stimmen- g l e i ch h e i t 14 gegen 14 gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und Demokraten abgelehnt, wirlschastsparlei und Bayerische Volksparlei stimmen mit den Deutschnationalen, d«!' Zentrum und der Deutschen Volkspartei gegen diesen Antrag. Lleberschwemmung in Afghanistan. Gletscher schmelzen durch die Hitze. Moskau, ll. Zvli. 3n Zentralasicn herrscht, besonders im Pamirgebiet. zur Zeit außerordentliche Hitze. Die Temperaturen in dem Gebiet an der afghanischen Grenze sind so hoch, daß die Gletscher megschmelzcn und dadnrch ein Uebersließen der Flüsse veru.- jachen. Die Wasser des Oxus haben weile Gebiete überflute«. Man befürchtet, fcch hunderte von Menschen umgekommen sind. Oer Kindermord von Lübeck. Das Ergebnis des parlamentarischen Llntersvchungsausschuffes. Lübeck, 10. Juli,(Eigenbericht,) Der parlamemorische Unterjuchungsausjchuß, den die Lübecker Bürgerschaft zur Aufklärung des furchtbaren Kindersterbens eingesetzt hatte, hat nunmehr sein« Untersuchungen abgeschlossen und ihre Cr- gebnisse in einem längeren Bericht zusammengefaßt. Am Sonnabend, dem 12. Juli, wird der Bericht zwar erst der Oesfentlichkeit über- geben, aber einige seiner wesentlichsten Feststellungen sind bekannt geworden. Es handelt sich dabei in der Tat um mehrere sehr sensationell« F e st st c l l u n g e n. die in der großen Oefsent- lichkeit bisher nie bekannt waren, und die wir im folgenden wiedergeben: Der Bericht des Ausschusses kritisiert zunächst die Tatsache, daß man die Calmette-Jmpfungen trotz der Warnung des Reichsgesund- heitsomtes in Lübeck einführte, und wovon dem Reichs- g« s U n d h« i t s a m t nicht einmal Mitteilung gemacht wurde. Nach der Aussag« des befragten Präsidenten des Reichs- gesundheitsomte». Dr. Hömel, hätte dann das Rcichsgesundheitsamt die notwendigen Lorsichtsinaßrcgeln angegeben und das Unglück hätte nii in dieser Form austreten tonnen. Aber, so sagt der in vielen Einzelheiten erschütternde Bericht weiter, die maßgebenden Kreise in Lübeck schenkten der Warnung des Reichsgesundheitsamtes in keiner Weise Beachtung, Medizinalral Altstadt hat bei dem einführenden Vortrag vor seiner Behörde von dieser Warnung des Reichsgesundheitsomtcs überhaupt nichts erwähnt. In einer späteren Sitzung wurde zwar von der Warnung des Reichs- gesundheitsamtcs ganz allgemein gesprochen, Medizinolrat Altstädt fügte jedoch hinzu, daß der Präsident des Reichsgesundhcitsamtes, von Hamel, erklärt h,::, der Weg zur Einführung des Calmette-Ber- fahrens sei jetzt frei. Herr Präsident von Haniel aber stellt« bei seiner Vernehmung eine derartige Aeußeruno entschieden in Abrede, Bei der Durchführung des Bersahrens beschränkt« nion sich dann aus eine intensive Propaganda und setzte für jedes geimpfte Kind «ine Reichsmark aus. Das Unheil selbst war in seiner Größe nur möglich infolge Fehlens jeder ärztlichen Kontrolle über die Wirkung der Fütterung. i Dieses Bersäumnis beurteilt der Ausschuß als«in« außerordent- lich« schwere Fahrlässigkeit. Ueber die Behandlung der Vazillenkulluren sind in der Oesfentlichkeit sehr verschiedenartige Mitteilungen gemacht worden, auch iin Ausschuß waren die Angaben sehr widerspruchsvoll. Der Ausschuß stellte jedoch fest, daß die ersten Angaben der Herren Prof. Deyke und Dr. Altstädt osfenbar un- richtig waren und im 5ause der werteren Unter- suchung nicht aufrecht erhalten werden konnten. Folgende objeltiv« Feststellungen des Berichts sind für die Oesfentlichkeit von lohnendem Interesse: 1. Die Vorsichtsmaßnahmen bei der Behandlung der Kulturen erfüllten die Vorichristen des Prof, Calmette in keiner Weis«. Di« Herstellung der Calmette-Kulturen waren vom übrigen Labora- toriumsbetrieb nicht getrennt. Zu Beginn der Untersuchung hatte Prof. Deyke erklärt, daß er für die Calmette-Kulturen nur feste Nährböden verwandt habe, während er die echten Tuberkelbazillcn auf flüssigen Nährboden gezüchtet hätte, und daß ferner die Calmette-Kul- turen von den giptügen Kulturen räumlich ge- trenntgewesenseien, Der Ausschuß ab« stellte nach übereinstimmenden Aussagen iweier Schwestern fest, daß diese Angaben des Bros. Denke nicht stimmten, das vielmehr die Calmette-Kulturen aus festen und aus slüssigen Nährböden gezogeu. wurden, und daß diese Kulturen teil- weise in demselben Brutschrank aufbewahrt wurden, wie die giftigen wcnschentuberkelkulturen. Dem Vertreter des Reich s- gesundhcilsamtes waren über diesen Punkt von Pros. Deyke die- selben falschen Angaben gemacht worden wie dem Ausschuß. Der Ausschuß kommt aus Grund seiner Verhandlungen und Feststellungen zu dem Resultat, daß bei diesem Durcheinander der verschiedenen Kulturen die verhängnisvolle Verwechselung passiert sein muh. und erklärt sich aus diese weise den tragischen Verlauf der Lübecker Calmette-Vehandlung. 2. Aber es lag nach Ansicht des Ausschusses noch eine weitere grobe Fahrläsiigkeit vor. Nach Ansicht aller maßgebenden Stellen empfiehlt es sich, monatelange s ortgezüchtete Bazillenkulturen vor ihrer praktischen Anwen- dung auf ihre Ungefährlichkeit durch Tier. versuche nachzuprüfen. Calmette selbst prüft fortdauernd sämtliche Kulturen in seinem Laboratorium an Tieren nach, Zwar hat Medizinalrat Altstädt der Lübecker Oesfentlichkeit ansänglich mitgeteilt, daß vor Einführung des Verfahrens Tier- versuche gemacht worden seien. Später mußte er diese Angabe aber wiederrufen. Die ersten Tieroersuche wurden erst angestellt, als die verhängnisvollen Folgen osfenbar wurden. Der Ausschuß kommt zu der vbiektioen oestst-llung. daß hier eine zweit« sehr beachtliche Fahrlässigkeit vorlag«, die ebenfalls sowohl Prof. Deyke als auch Medizinalrat Altstädt zur Last zu legen sei. Beim Fehlen jeder ärztlichen Kontrolle konnte der Ausschuh nicht mehr feststellen, wann die ersten Erkrankungen eingetreten sind. Sicherlich lagen um den 1. April die ersten Krank- heckssälle vor, und bei einiger Kontrolle wären mindestens 100 Kinder weniger geimpft worden. Es müssen aber schon im März Bed e n k e n vor» Händen gewesen sein. Denn am 2 3. März wurde Herrn Prof. Deyke die Drüse eines i n f o l g« der Impfung erkrankten Kindes zur Nachprüfung übergeben. Deyke hat mit dieser Drüse einen Tierversuch an- gestellt. Er fütterte vier Meerschweinchen mit dieser Drüse und vier andere Meerschweinchen mit Calmette-Bazillen. Ueber diesen Tier- versuch hat Prof. Deyke dem Ausschuß folgende'Angaben gemacht: Er habe sämtliche Meerschweinchen nach 6 Wochen gejchlachiet und hierbei gefunden, daß die mit der Drüse geimpften-uere eine schwere Tuberkulose aufwiesen, während die mit Calmette geimpften nur ganz unwesentliche Merkmale gehabt hätten. Bei der Besprechung mit dem Reichsgesund- heitsamt ergab sich, daß dies« Darstellung Deykes absolut falsch war. denn die Tiere wurden nichi geschlachtet, sondern mit Tuberkulin behandelt. D« Wirkung dieser wußte normalerweise sein, daß die mit der Drüse gefütterten Tiere starben, die mit Oialinette gefütterten jedoch am Leben blieben. In Wirklichkeit sind aber alle acht eingegangen. Weshalb Prof. Deyke aus diesem überraschenden Ergebnis des Tierversuches nicht die naheliegenden Konsequenzen zog, daß der Calmette-Impsstoff giftig war, vermag der Ausschuß nicht zu entscheiden. Es gibt nach Ansicht des Ausschusses»och einen weiteren Beweis dafür, daß bei einiger Sorgfalt das Unglück früher hätte festgestellt werden können. Prof. Dr. Klotz, der Chefarzt der Kindeiklinik berichtet in der„Medizinischen Welt" vom 24. Mai 1930 folgendes: „Es waren dann Ansang April die freipraktizierenden Kinder- örzte, welche mir gegenüber vertraulich die ersten Bedenken hin- sichtlich der vom Physitat proklamierten völligen Unschädlichkeit des Verfahrens äußerten und die ersten Kinder in das Kinder- Hospital einwiesen." Merkwürdigerweise hat Pros. Klotz aus diesen Mitteilungen keinerlei Konsequenzen ge.zogen, vor dem Ausschuß wandte er Aus- reden an, und die in Frage kommenden Kinderärzte oerweigerten ihre Aussage. Nach diesen Feststellungen kommt der Ausschuß zu der Schlußfolgerung, daß bei genügender Wachsamkeit oller Instanzen die vcr- hängnisvolle Wirkung mindestens drei Wochen früher festzustellen war, und daß zahlreiche Kinder der tödlichen Schädigung entgangen wären. Am 26. April 1930 wurde Fütterungstubertulose als Todes- Ursache eines Kindes— es war der dritte Todesfall— als Folg« der Ealmettc-Fütterung eindeutig festgestellt. Deyke ließ daraufhin den Impfstoff wegschütten. Cs ist jedoch festgestellt, daß von früher ausgegebenem Zmpfstoss auch noch nach dem 2S. April gefüttert wurde, und zwar nicht nur in der Stadt, sondern auch im Krankenhaus selbst. Diese Fahrlässigkeit ist in ihrer Ursache nicht mehr mit Sicherheit fest- zustellen. Irgendeine Nachprüfung fand jedenfalls nicht statt und Prof. Deyke benachrichtigte Obermedizinalrat Altstädt und teilt« ihm mit, daß er angeordnet habe, die Calmette-Jmpfung in aller Still« durch ein anderes harmloses Verfahren zu ersetzen. Weder Eltern, noch Hebamen, noch Aerzte wurden von dieser Maßnahme verständigt. Nun kümmerte sich überhaupt niemand mehr um die ganze'Angelegenheit, insbesondere hielt Ober- niedizinalrot Altstädt nicht für nötig, den Chef seiner Behörde oder den Gesundheitsrat zu oerständigen. Es wurden noch ins- gesamt 2 7 Kinder nach der Feststellung der Tötlichkeit des Mittels geimpft. Für diese unglaubliche Fahrlässigkeit und verantwortongslosig- keil trägt nach der Meinung Prof. Deykes Herr Obermedizinalrat Altstädt die Schuld, nach der Meinung Altstädts, Herr Pros. Deyke. Di« erste Mitteilung ging an die Behörde am 6. Mai 1930. Der Gcsundheitsrat trat am 13. Mai zusammen, also beinah« drei Wochen nachdem die tödliche Wirkung der Celmette-Impsung jestgestellk war. In der ganzen Zeit vom 26. April bis zum 14. Mai wurde nichts unternommen, um die Zahl der Erkrankungen festzustellen, und nichts, um den erkrankten Kindern, die fast durch- weg unter falscher Diagnose behandelt wurden, zu helfen. Dem Ausschuß scheint das verholten der oeranworllichen Aerzle nach der Feststellung der ersten Todesfälle weitaus am verhäagnis- vollflen. Aus die Gründe, weshalb Pros, klotz seinem vorgesetzten. Pros. Deyke, über den verhängnisvollen Lauf der Angelegenheit keinerlei Mitteilung machte, sind in der Oesfentlichkeit allerlei Er- klärungen im Umlauf, der Ausschuß sah sich jedoch nicht in der Lage, über diesen Punkt objektive Feststellungen zu treffen. ♦ In dieser Angelegenheit werden wir von anderer Seit« daraus aufmerksam gemacht, dvß der peinliche Ealmette-Bierabend, zu der heute abend einige nationalsozialistische Herren eingeladen haben, nur dem Reklamebcdürfnis des wild-antisemitischen und natio- nolistischen Rechtsanwaltes Wittern dient. Diese Veranstaltung muß um so mehr befremden, als die nationalsozialistische Bürger- jchastsfraktio« in Lübeck'mit den Rcchlparteien zusammen die Aerzte verteidigt med im Ausschuß dem Bericht nicht zustimmten, und von den Sozialdemokvaten, Demokraten und Kommunisten angenommen wurde. llebrigeiis ist man auch in Lübeck selbst über Dr. Wittern und den Vorsitzenden des Elternausschusses, Dr. Mangels, sehr empört. In allen Kreisen der Bevölkerung ist man der Auffassung, daß die vorhandenen Geldiniitel besser zu verwenden wären als zu Reisen und Bierabenden. Volksbühne,(2 Der Magistrat hat der Stadtverordnetenversammlung«in« Bor- läge zugehen lassen, in der um die B e w i l l i g u n g e i N« s z i n s- lofen Darlehens an� die Volksbühne in Höhe von 170 000 M. nochgesucht wird. Diese Mitteilung erschien in zahlreichen Blättern mit Ueber- schristen wie„Di« Volksbühne fordert neues Darlehen" oder„Neue Finanznot der Volksbühne". Die Blätter, die solche Ueberschriften wählten, haben mir übersehen, daß es sich um eine Summ« handelt, die der Volksbühne fchonvoretwaeinemIahre ausgezahlt wurde. Wenn nn», che Zeitungen die Mitteilung zum Anlaß nähme», auch wieder in gehässigen Bemerkungen über die Finanzwirtschast der Volksbühne herzufallen, fo kann man nur sagen: Wo gibt es fönst ein Thcaterunternehmen, von dem dos fertig gebracht wird, was die Volksbühne leistet? Wo besteht sonst eine Bühne, die«inen gleich w-ürdigen Spielplan und gleich werwolle Ausführungen bietet, tag- aus, tagein neun Zehntel der Plätze zu einem Einheitspreis von 1,70 M. abgibt und in keinem Jahre mehr als 170 000 M. au» össciit- lichen Mitteln in Anspruch nimmt? Die beiden staatlichen Schauspiel- Häuser in Berlin verschlingen alljährlich einen Zuschuß von nahezu 1,3 Millionen Mark. Daß die Stadt der Volksbühne in den letzten drei Iahren die Möglichkeit bot, ihr verhältnismäßig geringes Desizit zu decken, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Schlimm genug, daß die Be- träge bisher nur als Darlehen, nicht als glatter Zuschuß zur sozialen Kunstpflege gegeben wurden! Wenn ein Kunstunternehmen städtische Förderung verdient, so gewiß die Volksbühne! Seitdem vor etwa einem Jahr die jetzt in den Zeitungen herum- spukenden 170 000 M. gezahlt wurden, hat die Volksbühne keine An- träge auf Bewilligung von Geldmitteln an die Stadt gestellt. Das erklärt sich sicherlich nicht daraus, daß die Leitung der Volksbühne inzwischen ein Mittel gefunden hätte, ihr Theater ohne Desizit zu führen. Dergleichen ist bei den heutigen Verhältnissen für«in künstlerisch ernstes und zugleich der sozialen Kunstpflege dienendes Theater«in Unding. Vielleicht sieht die Volksbühne aber«ine Möglichkeit, die weiteren Fehlbeträge ihres Theaters auf andere Weise auszugleichen. Es ist in diesen Tagen auch mancherlei von den V e r h a n d- lungen zwischen Staat, Volksbühne und Stadt über die Schließung des Kroll-Betriebes und die Verlegung der dortigen Volksbühne nvorftellungen in die Städtische Oper(evtl. auch in die Linden-Oper) geschrieben worden. Die Ver- Handlungen sind tatsächlich inzwischen ziemlich weit gediehen. Man darf erwarten, daß sie im Herbst zu einem alle Teile einigcrmaß.'n befriedigenden Abschluß gelangen, wenngleich vorerst noch gewiss« Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen sind. Zweifellos ist es in mancher Hinsicht zu bedauern, wenn an ihrem Ende die Einstellung der Kroll-Oper stehen sollte. Gerade auch in der Leitung der Volksbühne, wo man sich ja lange genug mit allein Nachdruck gegen ihre Schließung gewehrt hat. wird das keiner verkennen. Wenn sich die Leitung der Volksbühne gleichwohl bereit erklärt, die ihr vertraglich zustehenden Vorstellungen in die anderen Berliner Opernhäuser zu verlegen, so müssen da immerhin s eh r g e- wichtige Gründe mitsprechen. Wie wir wissen, fällt vor allem ins Gewicht, daß der Bolls- bühne keine Aufgab« ihres noch über 20 Jahr« lausenden Vertrages über die Vorstellungen der Krollopcr zugemutet wird. Die Volks- bühne soll sich lediglich mit einer zeitweiligen Suspen- d i e r u n g dieses Vertrages abfinden. Außerdem sollen alle wesentlichen, für die Volksbühne vorteilhaften Bestimmungen des Kroll-Vertrages auf die Crsatzvorstellungen Anwendung finden. Man verlangt also nicht etwa, daß die Volksbühne für die Vor- stellungen der Städtischen Oper in ehr bezahlt, sie erhält auch bei diesen alle denkbaren Sicherungen für hervorragende Leistungen usw. tatst und Kroll. Daneben spielt iiir die Volksbühne sicherlich die Totsache«ine entscheidend« Rolle, daß ihr bei einer zeitweiligen Suspendierung des Kroll-Vertragss dir Möglichkeit erwächst,«ine größere Abgeltung zu oerlangen. Die Volksbühne hat seinerzeit dem preußische» Staat, als sie ihm die Krolloper abtrat, Bauwerte in Höhe von etwa 3 Millionen Golbmart übereignet, während sie nur 200 000 Mark in bar zur Abdeckung gewisser Brrpflichtnngen dekoin. Dafür behielt die Volksbühne weitgehende Rechte hinsichtlich der Be- «rutzung des Hauses. Werden diese nun aufgehoben, so ist«ine weiter« Abgeltung nicht mehr als recht und billig. Das Geschrei, das eine gewisse Presse noch jedesinal erhoben hat, wenn die Volksbühne genötigt war, den Zuschuhbedars des eigenen Hauses von der Stadt Berlin zu erbitten, inuß den Leitern der Voltsbühne die Aussicht ans jene staatliche Abgeltung jür die Bauauswendungcn bei Kroll besonders lockend machen. Sie würde die Möglichkeit schössen, i» absehbarer Zeit da» Theater am Bülow- platz wieder ganz aus eigenen Kräften zu erhalten. Nun hoben besorgte Freunde der Krolloper mahnend den Finger erhoben: begibt sich die Volksbühne da nicht in eine große Gefahr? Wenn der Staat Geld gibt, wird er doch auch seine Verwendung kontrollieren wollen. Er wird ein Aussichtsrecht über euren eigenen Theaterbetrieb verlangen! Und ähnliches mehr. In den bisherigen Verhandlungen der Volksbühne hat noch nie jemand auch nur andeutungsweise davon ge- sprachen., daß der Staat im Falle einer finanziellen Entschädigung der Volksbühne ein Recht der Mitwirkung bei der Verwendung dieser Sunu»« haben müßte. Eine solch« Forderung würde ja auch nur lächerlich wirken. Es ist ganz selbstverständlich, daß der Vor- stand der Volksbühne sie ablehnen wurde. Im gleichen Augen- blick wäre au einen Verzicht der Volksbühne auf die volle Erfüllung des derzeitigen Kroll-Vertrages nicht mehr zu denken. Die Volksbühne hat bei den heutigen Verhältnissen keinen leichten Stand. Die wirtschaftliche Situation, in der sich die werk- tätige Bevölkerung befindet, macht es so gut wie unmöglich, die Einnahmen aus den, Theaterbesuch zu steigern. Die Finaiiznot der Stadt und die Haltung gewisser Parteien lassen auch städtische Subventionen schwer erreichbar er- pyeinen. Da muß wohl oder übel nach anderen Auswegen gesucht werden. Ein Austausch der Kroll-Lorstellungen gegen Aufführungen der Städtischen und der Lindenoper ist am Ende noch nicht der schlechteste Ausweg. Man kann nur die'Achsein zucken, wenn ein Kominunistenblatt daraufhin über einen„schmählichen Verrat" der Volksbühne zetert. Im übrigen wird man gut tun, sich ein endgültiges Urteil über die Kroll-Frag« und den hier von der Voltsdichnenieitung eingenommenen Standpunkt erst dann zu bilden, wenn mit voller Klar- hcit feststeht, was beabsichtigt wird, was die Volksbühne opfern soll und was sie dafür erhält.« Zwei alte Lubitsth-Mme. Llniversum. Diese beiden allen Lubitsch-Filme sind für all« Filmbeslissenen von gewissem Jnieresse. Sehen wir doch im„Schuhpalast P i n k u s" Lubitsch selbst als hochtolentierten, bewußt sehr stark jüdelnden Hauptdarsteller. Dieser Film war damals guter Durch- schnitt. Er enthielt keinen Hinweis auf di« desonderen Fähigkeiten «ine» Lubitsch. Die primitiven Texte wurden viel belacht. Doch kann man darauf verweisen, daß mancher Tonfilmdialog von heute durchaus nicht auf einer höheren Stufe steht. No» ganz anderem Format ist„Die Bergkatze". Hier begegnen wir bereits in dem Regisseur Lubitsch dem vor- Züglichen Meister der Massenszenen, der eigen« und eigenartige Ein- fälle hat und phokographisch« Tricks und«ine bizarr ivirkend« Architektur zur harmonischen Gestaltung seines Werkes heranzieht Und dann sehen wir Pola N c g ri! Filmwirksom selbst in der allcrtleinften Szene. Da dieser Film ferner die tollst« und ulkigste Verspottung des Militarismus sowie des verwegenen Räubertums enthält, kann man sich noch heute köstlich über ihn amüsieren. Betrachtet man diese alten Filme genau und vergleicht sie mit manchem Tonfilm von heute, der singende Opercttentenörc und sprechende Komiker in Grassausnohm« bringt, dann wird einem so mancher Irrweg der Gegenivart deutlichst erkennbar. r. t>. Musikerziehung und Gingschule. Soeben hat die Städtische S i n g s ch u l« in Augs- bürg, die erste ihrer Art in Deutschland, ihr USjähriges Bestehen gefeiert. Sic hat durch das Wirken ihres Begründers und Leiters Albert Grciner eine ganz Deutschland umfassende Singschul- bewegung im Gefolge gehabt, die in der gegenwärtigen Musik- «rziehung einen wichtigen Platz ausfüllt. Die Erfahrung vieler musikpädagogischer Tagungen und der mit ihnen verbundenen Dar- führungen lehrt, datz der Einslutz dieser Singschulen sich meistens sehr anregend für das musikalische Erlebnis des jungen Menschen geltend macht, daß aber nirgends eine so tiefgreifende und um- fassende Wirkung erzielt wird, wi« gerade in Augsburg. Wie kommt das? Der Sinn der Singschule beruht aus der Boraussetzung, durch Vermittlung des naturgegebenen Musikinstrumentes, der menschlichen Stimme, schon im ersten Schuljahre ganz spontan das musikalische Wollen aus dem Kinde erwachsen zu lassen. Datz nun die von Anfang an einsetzende Stimmbildung nicht nur nicht in trockenen Unterricht ausartet, sondern die Kleinen sogar zu begeistertem Mit- machen veranlatzt, datz die Klippen des Stimmbruches durch Einrichtung besonderer Massen umschifft werden können, die sogar aus- gezeichnet singen, datz die schulentlassenen Jugendlichen mit Bc- geisterung bei der Sache bleiben und sich im gemischten Ehor musizierend zusamnxnschließen, dos olles sind Ding«, die nur in der werbenden Krast einer überragenden Führerpcrsönlichkeit ihre Erklärung finden. Die Anregungen für häusliche Musikübung und überhaupt die Sicherung der musikalischen Geschmacksbildung ergeben als Nebenprodukte dieses über Jahre sich erstreckenden Vorganges das Aufbaumaterial eines von musischen Elementen ganz durch- drungenen Lebensorganismus. Es kommt ein Zusammenhang höheren Grades zustande, wenn die junge Mutter ihr Kind mit den Erinnerungen in Schlaf singt, die für ihr Liederlebnis als kleines Mädchen matzgebend waren, ebenso durch die ideell« Uebertragung dieser Erinnerungen auf jede spätere von Singen und Musizieren begleitete Lebenssituation(Tanzen, Spielen, Wandern). Es versteht sich fast von selbst, datz der pädagogisch« Aufbau ohne jede „Methode� erzielt wird; die Arbeitsotmosphär« ist eben einsach da als Auswirkung einer schöpferischen Kraft. Die äuhere Orgoni- satian der Schule dagegen erweist sich als systematisch bis in die kleinsten Nebendinge des Anschauungsmaterials durchdacht. Sie erfatzt in 47 Klaffen ständig 1700 Kinder, wozu noch in Abend- kuosen je 150 bereits berufstätige Jugendliche kommen. Diese Organisation hat ober auch eine soziologische Funktion. Sic ocr- einigt Kinder oller Gesellschaftsschichten unter den gleichen Arbeits- bedingungen, gibt damit Gelegenheit, datz alle Beteiligten sich zur Achtung vor der gegenseitigen Leistung erziehen und, durch wachsendes Gefühl der Verantwortung des einzelnen für das Gelingen des Ganzen, den Sinn für Gemeinschaftsbildung stärken. Bei dem als äutzeren Rahmen der Feier dienenden Jugend- singen bewährte sich dieser Sinn denn auch ganz augenfällig schon durch die äußere Disziplin des An- und Abmarsches der Kinder- maffen, die durch Drill in dieser selbstverständlichen Reibungslosigkeit nie und nimmer erzielt werden tonn. Das Wunder glockenreinen. sonst kaum von den besten Berufschören zu erzielenden Singens sbei tropischer chitze!), die leichte Ansprache der Stimmen, die er- staunliche Tatsache, datz selbst brüchigen Stimmen ein stetiger Ton abgenommen ist— dies alles Hot gegenwärtig in Deutschland nicht seinesgleichen. Den weiteren Schicksolen der Greinerschen Singschule gebührt daher doppelte Aufmerksamkeit: wenn aus dein Lehrcrkreise der Singschulen weitere Persönlichkeiten von der Stärke eines Greiner hervorgehen, dann wird fein großes Beispiel seinen letzten Sinn gewonnen haben! II. K. Oeuischnaiionales Agitationsiheaier. Wissen Sie, was Kulturbolschewismus ist? Das weiß nämlich kein Mensch. Und deshalb hatten sich die deutschnationalen Studenten gestern abend einen Schauspieler kommen lassen, der es zu wissen vorgab. Das Korreferat hotte Dr. Fechter von der „DAZ." übernommen. Zunächst wunderte man siä) darüber, datz inklusive der Der- stärkung durch die Prominenz nur.Ti Personen erschienen waren. Dann mutzte man viel abstruses Zeug hören, das leider nicht so lichtvoll war, wie es temperamentvoll vorgelesen wurde. Der Kern- punkt der Reden waren einige Forderungen, die es vielleicht doch verdienen, der Oefsentlichkeit vorgelegt zu werden. Da war erstens: der Sieg des Zcitthcaters, mehr noch: der Tendenzdramotik. Unsere Germanen wollen jetzt auch Politik von der Bühne herunter machen. Die Deutschnationale Lolkspartei plant die Schaffung eines Agitationstheaters. Bis zur Fornrnlierung des endgültigen Programms haben sie einen Theatcrausschutz in der Partei gegründet, dessen Vorsitz Frau Abg. Anna Grete Lehmann übernommen hat. Außerdem gehört zum Vorstand der durch die Verleumdung des Prof. Magnus chirschsel>d rühmlichst bekannt gewordene Steglitzer Sludicnrot Finke. Datz diese beiden auch im Bühnenvolksbund und in der Grotzdeutschcn Bühnengenosscnschast eine Rolle spielen, sei nur nebenbei erwähnt. Zwei Programm- punkte des deutschnationalen Theotcrausschusses sind: nationalistische Verhetzung und Zellenbi'dung unter den Schauspielern, die in Berufsorganisation«!, zu sammeixzc schlössen sind. Zweitens: Zell- bigdung in den Besucher- und Abonnentenvcrbänden. Durch forcierte Hetze will man«ine Art Volksbewegung vorzutäuschen suchen, um dann Einfluß auf die Programmgestaltung zu bekommen. In der Diskussion sprach u. a. Dr. Fechte r, der sein Kor- refcrat zurückgezogen hatte. Er ivandte sich gegen das Gesinnungs- theater schlechthin und befürwortete eine im Ewigen wurzelnde Dra- matik. Notionale Bühne als Agitationsmittel halte er für wirkungs- voll und angebracht, als Theater jedoch müsse er sie ablehnen. Er, der eigentlich als Kronzeuge gedacht war, bewies durch diese Aeutze- rungen die ganze Gegensätzlichkeit der Anschauungen, die sich in der Rechten nun nicht mehr länger verheimlichen läßt.— hld. Revolutionäre Kampfesweise. Mit Schußwaffen gegen organisierte Arbeiter. Auf der Baustell« der Kläranlage Stahnsdorf, sind die„reoo- lutionären" Zimmerer im Repschläger-Lcrein und bei dem Industrie- arbeitcrverband vor 4 Wochen in einen wilden Streik eingetreten. Der Zentralverband der Zimmerer Hot mit diesem Streik, der gegen seinen Willen von der„Opposition" angekurbelt wurde, nichts zu tun. Seine Mitglieder, etwa 18 Mann, arbeiten. Die„Revolutionäre" glauben nun, die freigcwerkschostlich organisierten Zimmerer als„Streikbrecher" behandeln zu können. Sie versuchen die Arbeitenden der Firma Förster von d«r Arbeits- stelle zu vertreiben, um ihre wilde Aktion bald abzuwürgen, da sie finanziell über ihre Krast geht. Donnerstag nachmittag sollte der entscheidende Schlag geführt werden. Zwischen 1234 und 12% Uhr erschien ein Stoßtrupp von etwa 30 Mann mit Eifenstangen bewaffnet, um den organisierten Zimmerern„revolutionäres Klassenbewußtsein" beizubringen. Die Helden warfen mit Steinen, zogen sich jedoch zurück, als Polizei ein- griff. Sie kamen jedoch wieder von der anderen Seite her und gaben etwa 12 Schüsse gegen die Zimmerer ab Verletzt wurde niemand. Noch ehe das alarmiert« Ueberfallkommando erschien, waren die Helden geflüchtet. Sie hatten offenbar Unterstützung bei der Gerlinischen Zlrbeiterschaft gefunden, auf deren Gebäude«ine Sowjetfahne gehißt und nach ihrer Entfernung wiederum aufge- steckt wurde. So„kämpfen" die„Revolutionäre": gegen die Ge- werkschoften, gegen die Gewerkschaftsmitglieder. Beruhigung in Zndien. Eine von der indischen Regierung aus- gegebene Mitteilung über die Lage in Indien bis zum S. Juli spricht die Ansicht aus, daß allen Anzeichen nach die Bewegung des bürgerlichen Ungehorsams in den meisten Provinzen an Stärk« abnehme. Auch an der Grenze nähmen die Dinge allmählich ihr gewöhnliches Aussehen an. Verliner Arveiismarkt fortgesetzt schlecht 421 269 Arbeitsuchende in Verlin und Brandenburg. Die Arbeitsmarktloge im Bereich« des L a n de s a r b« l l amles Brandenburg hat sich in der Berichtszeit vom lö. Znni bis Z0. Zum 1330 nicht wesentlich verändert. Die Zahl der Arbeitsuchenden erhöhte sich Zwar um weitere 45k Personen, doch erstreckte sich die Zunahme lediglich aus Berlin und ist durch den Saisonschlutz der Bläntelkonseklion beding». 3it der Provinz dagegen ging die Arbeitslosigkei» sowohl bei den männlichen wie bei den weiblichen Arbeitsuchenden zurück. Die Entlastung ist in erster Linie aus die erhöhte Vcrmittlungstätigkeit sür die Land Wirtschaft zurückzuführen: sie bezog sich jedoch meist nur aus Arbeil kurzfristiger Natur, nach deren Beendigung wieder mit einer erneuten Belastung gerechnet werden mutz. Zn den anderen Autzenberusen war die Bewegung des Veschäftigungs- grodes sehr uneinheitlich, vi« von der Konjunktur abhängigen Berussgruppen gewährten bei starker Fluktuation ein unverkennbares. Bild anhaltender Depression. Zn der verichtszeil stieg die Zahl der Arbeitsuchenden um 45« auf 421 28?: davon entfielen aus Berlin Z2S äZS, aus die Provinz Brandenburg 88 723 und auf die Grenzmark Posen westpreuhen 5K3g Personen. Die Zahl der hauptunter st utzungs- empfängcrinder versicheruvgsmätzigen Arbeitslosenunterstützung betrug 23k 54«, in der krisenunlerstühung koglt. zusammen 2S7 457 Personen. Bon den hauptunlerstühungs- empsängern in der Arbeitslosenversicherung enffielen aus Berlin 17S 408, auf die Provinz Braudenburg 5K S23. aus die Grenzmark Posen, westpreutzen 3515. Für die Srisensürsorge betrugen die enl. sprechenden Zahlen sür Berlin 43 999, Brandenburg 10 708, Grenz- mark Posen- westpreutzen 204. Wetter sür Berlin: Weiterhin ziemlich kühl und stark bewölkt mit Neigung zu leichten Regenfällen, vorherrschend westliche Winde. — Für Deutschland: Ueberwiegend stark bewölkt und ziemlich kühl, strichweise Regen. ..Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Freitag. 11. JulL | Berlin. 16.30 Von Leipzig: Mendelssohn-Bartholdy. 17.30 Prof. Dr. H. Rcicbcnbach: Naturwissenschaften. 17.50 Das neue Buch. 18.00 Dr. Paul Zucker: Zur Ausstellung„Alt-Berlin". 18.30 Aktuelle Abteilung. 19.00 Programm der nächsten Woche. 19.30 Arbeilsmarkt. 19.35 Auf drei Klavieren(Sinfonisches Jazz-Trio: Rio Gebhardt, Hans Rhode Rudolf Ehreckc). 20.00 Lieder österreichischer Komponisten(A. M. Topitz, Tenor; a« Flügel r. Julius Bürger). 20.30 Friedrich Burschcll: Erzählung der Woche. 21.00 Streichquartette. 1. Mozart: Quartett D-Moll(K.-V. 421). 2. Haydn: Quartett O-Moll. op. 74. Nr. 3(Dresdener Streichquartett). Nach den Abcnmcldungen bis 0.30� Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Obcrschulrat Franz Hilkcr: Bericht aus dem Zcntrallnstihit für Erziehung und Unterricht. 17.30 Emil Bischoff: Von der Weisheit des Ostens. 18.00 Dr. Waller Hagemann: Die Wirtschaftslage Oesterreichs. 18.30 Dr. J Lewin: Das Erwachen Asiens. 19.00 Alfred Auerbach: Der Taunus. 19.25 Wissenschaftlicher Vortrag für Zahnärzte. 20.00 1. Wagncr-Liszt: Isoldes Llcbcstod.— 2. Wagner-Lisit: Sommcrlied.— 3. Mendelssohn-Bartholdy: Drei Lieder ohne Worte.— 4. Lisrt: Sechste Rhapsodie(Michael von Zadora, Flügel). 20.30 Karlsruhe: Feierliche Eröffnung des..Badener Hcimtttages". �kranhrortl. Berlin trudtxei Hierzu 1 Beilage. för die Zeit vom 11. bis 14. Juli ©OG Potsdamer Strafe 36 KINO-TAFEL PROGRAMM für die Zeit vom 11. bis 14. Juli W 5. 7, 9 Uhr Ein venonter Film mit Musik- Sprcchei plagen: Cv.nkali mit Grete Mosheim TSnendes Beiprogramm Der rasende Gaocho und Rheinstraljc 14 Die Kosaken mit lohn Gilbert(10 Akte) Verlenmdand mit Ramon Novarro(6 Akte) Odeon, Potsdamer Str. 75 DererfolgreichsteTon- u. Sprechfilm; Zwei Herzen Im OreWiertel-Takl Jugendliche haben Zutritt Turmstraije 12 W. 5, 7, 9 Uhr Verlängeit Der erfolgreiche Toniilm; Die Nachl gehfirt nns m. Charfotle Ander, Hans Albers, Waller Janssen Welt-Kino \lt-Moabit 99 Tonfilm: Dich hab' ich geliebt mit Madr ChrUtlan« und Walter Jaalrahn G wiim«r«uore> Atrium Beha Palasl Kaiserallee, Ecke Berliner StraSe Täglich 7. 9.15 U Stg.: 5, 7, 9.15 U. Uraufführung! Francnnol— Fraoenglficfc «Ein Film vom Werden d.Menschen, v.Leiden u.Freuden d. Mutterschaft) AlhAmhrü Wchtgs s, 7, 9 Uhr AinamDr a Stgs. 5i � 9 SchSneherg. Hauptstr. 30 Zlgconerradie m. Dolores dcl Rio Am groben Strom Beiprogramm Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Masken mit Stnarl Wehhs (Ein spannendes Abenteuer) Die Wunder Asi ns (Ein Atlamic-Film in 5 Akten) f" Frfaelrlchstadt Dac Kamera z. Ws um Unter den Linden 14 Das Zeichen des Zorro mit Donglas Fairbanks Senorita mit Bebe Daniels c Moabit Artushof-Lichtspiele Film- und BOhncnsdiau Pcrleberger Str. 29 und Stendalcr-Str. Ehe an! Probe mit Rath Miller Woebgaendbraot mit Elga Drink Titania Cufa S�hAnebcrg) Hauptstraße 49 W 6.30, 9 U. Stg. 3 U- Liebe nnd Champagner mit I. Pctrovlch Die Hose mit Jenny Jogo ■«ta,n«g« Titania-Palast Steglitz. Schloflstr, 5. Ecke Gutsmuthsstr Täglich 6.50, 9 Uhr. Stg. 4, 6-30, 9 Uhr Der Groß-Tonfilm: Westiront 1018 mit Fritz Kampers, Gosiav Die«! Film-Palast Kammersäle Teltower Str. I W.ß't.Sbd 6,Stg 5 Uhr Es war mit Greta Garbo Wenn die GroSsiasH scblitt mit Lob Cbanej Südosten Filmeck Skalitzer Straße, am Görlitzcr Bahnhof Richard-Tauber-Tonfilm: Das Olrnenlled (Ich glaub' nie mehr an eine Frau) Flock and Fllcky Beiprogramm Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Beginn der Vorstellungen: Wochtgs 7 u. 9, Sonnt 5, 7, 9 Uhr Sie sehen und hören den Oroßfilm: Die Insel der verlorenen Scblfic Beiprogramm BfUincnscbaa Sternwarte— Treptow Sonnabend 8, Sonntag 4, 6, 8 Uhr: Maha, auf den Inseln der tausend Wunder(Film) „Elysium" Prenzlauer Allee 56 W. 7.9.15, S.S. 7, 9,15 Unser itglidi Bröl Die Dame ans Moskau mit Pola Negrl BtUmcnstb&o * O»»*!»■ Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Wochent 6 Uhr, Sonnt 3.30 Uhr Das brennende Herz mit Madr ChrUtlan., G. Fröhlich Ihe PUgrlm mit Cb. Chaplin Bühne; Groge Lachrevae. Concordia-Palast Andreasstraße 64 6 30, 8 45 U-, Stg. ab 4 U. Der lOOproz Sprech- und Tonfilm: Das RheinlandmÄdcl m G. Bernd t Die Peiisdjc des Gesetzes Viktoria-Lichtbild-Th. Frankfurter Allee 43 Böbnensdian Woch. 5, ca.7 u. 8.45. Stg. 3, 5. 7 u. ca. 8.45 ü. Die keusche Sünderin m. C Moore Rln-Tln-Tins MUlloneabalsband Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch. 5, ca. 7 u. 8.45, Stg. 3. 5, 7 u. ca. 8.45 U. Ton- und Sprechfilm; Der Flieger Tonfilmbclprogramm Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 7u An der schönen binnen Donau Blaue Jungen, blonde Mädchen Bühnenscfaau > Prletfrlchnf Me> Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Beiprogramm Die Yacht der sieben SQndcn mit Brigitte Helm Kopf hoch, Charley mit Marl. Dietrich, Michael Bohnen Elysium Hassclwerdcrsiraße 17 Liebe und Champagner mit I. Petrovich Revue; Nun geht s gut Gutes Beiprogramm �'wciBRniee Schloßpark FUm- Bahne Berliner Allee 205—210 Stg. V-3 Jgd.-V Tonfilm: Der Walzerkönlg 3 erstkl. 100 prez. Knrzfonfllme Beiprogramm ■ WOr�7. 9 U. Stg. 5, 7. 9 U Masken mit Stuart Wcbbs Die Bande der Wölfe Pharus-Liditspicle W.6U. Stg 5 U MBIIerstraße 142 2 große Schlager: Verbotene Liebe Die Hiromelhnnde, Flieger- sensatiönslilm Beiprogramm Colosseum wtgs. �7 u. 9 Uhr V-UIU»»CUU1 stg z 7 u.9Uhr Schönhauser Alice 123 Arhtung, Autodiebe I mit Harry Fiel Herrkönig Bfibnensthao „Alhambra" Badstraße 58 W. ab 6 IL, 5 ab 3 U 2 Großfilme: Gehetzte Mädchen Der Flieger ron Kalifornien BOhncnschan Ballsdimieder- Lichtsp Badstraße 15 Der große Tonfilm: Der grobe Gabbo Erich vi W. 6, S 3 U. mit Erich von Strohein» Los, Harold, lotl mit Harold Lloyd BOhnenschau Kristall-Palast Prinzenallee 1— � W. ab 5. S. ab 3 U. Der gr. Sensationsfilm in tönender Fassung: Die Insel der verlorenen Sthiiie Meine Scbwciicr nnd idl mit Madr Christians Panko Palast-Thcatcr Breite Straße 21 a_.. W. ab 7,30, Sonnt. 5.7. 9 U. Maba, die Inseln der 1000 Wunder .Emden III" fahrt um die Well Jugendlicne haben Zutritt_ Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W. Vi7. 9 U-, Stg. 5, 7 u. 9 U. Liebe mit Ellsabeih Bergner Der Wüstling mit Monly Baaks Bühnen,«hau �Wixlhrfchanhnugpn> Film-Palast IdTönhansen Blankenburger Straße, W. 7, 9U. Stg. 5, 7. 9U. lOOproz Tonfilm: Dich bab' Ich geliebt mit M. ChrUllans Tönendes Beiprogramm * T€fl*'* Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 W. 6, 8>,. Sig.4>,.6"-.8-< Sonnt. 2 Uhr Jugendfvorstellung Tonfilm: Heute Nacht eventuell mit Jenny Ingo, Siegfr. Arno Beiprogramm Auf neuester Tobis-Apparatur „Kosmos" Filmbahne Hauptstraße 6 W. 6. 8li, S. ab iVt Ausgezeichnetes Filmprogramm Gute Bübaenschan Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6,8i/.U. Stg. 2 U. Jugendvorst. Stg. IVt, 6'/s, 84« U. Export In Blond Im Sthaticn des Harem* G Hhnnlgadore M FiSmpalast s*. Betliner Straße 59 Stg. 2U. lug.- Vorst PolUeimeUler Tagejeff(Sittenpaß) DteHocbreliarelae m. Monip Banks föeilage Freitag, 11. Juli 1930 9 er Ab Pili) SttaIaul4fajSe da* �JotuXisfl (Xis&l Wie(fyhmaxek I8y& den Hdeg enifahbette Di« Emscr Depesche ist es gewesen, die den Krieg ent- zündet hat und ihn entzünden sollte. Hans Delbrück. A 2301 war das Aktenzeichen einer Staatsdepesch«, die Bismarck am Spätnachmittag des 1 3. I u l i 1 870 empfing, als er gerade mit dem Generalstabschef Moltte und mit dem Kriegsminister R o o n zu Tisch saß: die Unterschrift des Geheimrats A b e ck e n tragend, war sie um 3 Uhr SO in Ems aufgegeben, um ki Uhr S in Berlin angekommen. Bismarck überflog den bereits dechiffrierten Text, las ihn seinen beiden Gästen vor, setzte sich an ein Nebentischchen und strich mit einem Riesenbleistift die Sätze zu- sammen. In der neuen gekürzten Fassung ging die Depesche noch vor Mitternacht an die Presse, und sellen ist im ganzen neunzehnten Jahrhundert ein verhängnisvolleres Schriftstück an die Presse ge- gangen. Was hotte es damit für eine Bewandtnis? Seit Bismarck als Ministerpräsident Preußen regierte, faßte er jene„L ö s u n g" der deutschen Frage ins Auge, durch die er der deutschen Bourgeoisie ein einheitliches Wirtschaftsgebiet unter Ausschluß Oesterreichs, dem ostelbischen Junkertum die Herrschast in diesem geeinten Deutschland und den Hohenzollern die Kaiserkrone ver- schafft� Das Mittel? Das Gewaltmittel eines Gewaltmenschen: But und Eisen! Nachdem das Schwert 1864 Schleswig und Holstein von Dänemark losgetrennt und 1866 die Frage der Bor- Herrschaft in Deutschland gegen die Habsburger entschieden hatte, blieb noch Frankreich, das sich unter dem Bonapartismus als Schieds- richte? Europas aufspielt« und mit Unbehagen Preußens Macht- Zuwachs betrachtete. Um Napoleon III. von einer Unterstützung Oesterreichs abzuhalten, hatte ihm Bismarck mit der Aussicht auf allerhand„Entschädigungen" bald Belgien, bald Mainz, bald Luxemburg, den Mund wässerig gemacht. In Wahrheit dachte er ihn zu prellen und hielt den Krieg für nötig, einmal, weil ihn bedünkte, daß nur so der dauernden Einmischung Frankreichs in innerdeutsche Angelegenheiten«in Riegel vorzuschieben sei, dann, um Deutschlands Norden und Süden durch genieinsam vergossenes Blut zusammenzukitten. Diesen Krieg bereitete als bedenkenloser Brandstifter Bis- marck planmäßig vor wie den von 1866. Erleichtert wurde ihm sein frivoles Spiel dadurch, daß auch die Pariser Macht- haber mit dem Gedanken eines Krieges nur zu gern umgingen. Da beh den Kammerwahlen von 1869 die Regierung zwar noch 4,4, die Opposition aber schon 3,2 Millionen Stimmen erhalten hatte, bedurfte das Lug- und Trugregime des Bonapartismus zur inneren Festigung der äußeren Triumphe. Die Gelegenheit war um so günstiger, als Oesterreich, nach Rache für Königgrätz dürstend. zu einem Schutz- und Trutzbündnis mit Frankreich bereit war. Erz- Herzog A l b r c ch t verhandelte im Mai in Parks, Napoleons Generaladjutant L e b r u n im Juni in Wien über den gemeinsamen Fevzugsplan gegen Preußen. Inzwischen hatte Bismarck schon die Schlinge gelegt, in der sich Napoleon fangen sollt«. Mit Eifer und Nachdruck, aber in oller Heimlichkeit betrieb er die Kandidatur einss Hohen- zollernprinzen aus der'Seitenlinie, Leopolds von Sia- Moringen, für den erledigten Königsthron in Spanien. Vielleicht rechnete er mit der Möglichkeit, daß nach einer Wallung des Widerspruchs Frankreich kleiit, beigeben und Preußen so einen hallenden diplomatischen Triumph'' einheimsen werde. Wahrschein- licher bleibt, daß er es von vornherein auf den Krieg abgesehen hatte. Lothar B u ch e r, der als Bertrauensmann Bismarcks noch Spanien gesandt wurde, wußte es nicht anders, als daß sein Herr und Meister mit der Sigmaringer Kaydidatur dem Franzosenkaiser eine Falle gestellt habe, und der Datei� des prinzlichen Kandidaten ließ sich dahin aus, daß der preußisch«. Staatsmann„die Thron- kandidatur nur in der Absicht und Voraussicht aufgebracht. respektive ausgenutzt habe, um daraus de�n Kriegsfall gegen Frankreich zu gewinne n". Als Ansang Juli die Bombe vor der Zeit platzte, gab es in Frankreich den erwarteten Sturm, und Paris forderte Erklärungen. Da B i s m a r ck sich auf seinem hinterpommerschen Gut Varzin ver- steckte, und das Auswärtige Amt sich dahinter verschanzt«, daß es sich um eine Familienangelegenheit des Hauses Hohenzollern handele. erhielt der französische Botschafter in Berlin, Benedeit i. der» Auftrag, sich an den in Ems zur Badekur weilenden Köni« Wilhelms I., als den Chef des Hauses, zu wenden. In Darzim schnaubte Bismarck Wut, als er hörte, daß sein Monarch dem Franzosen, statt ihn an der Schwelle abzuweisen, sehr höflich emp-- fangen habe.„Der König", knirschte er,„f ä n g t a n zu kneifen!" Vollends schienen zu seinem galligen Aerger die Kriegswolkcn zerblasen, als am 12. Juli der Sigmaringer auf die Kandidatur verzichtete. Um diesen Erfolg über sich selbst hinauszutreiben, wies, über» mütig geworden, das Poriser Kabinett B e n e d e t t i an,� von Wilhelm I. die Zusicherung zu verlangen, daß er auch künftig, der Kandidatur eines Hohenzollern seine Zustimmung versagen werde. Und nun kam es am Vormittag des 13. Juli zu der S z e n a auf der Kurpromenade in Ems, die vielfach entstellt in die- Geschichte eingegangen ist: B e n e d e t t i sprach nicht wider olle Etikette den König an, sondern wurde von ihm angesprochen, ent- ledigte sich seines peinlichen Auftrags, erfuhr gemessen« Abweisung. zog sich zurück. Das alles ging in den Formen vollkommenster Höflichkeit vor sich, und weder der König noch der Botschafter htltien den Eindruck, daß die Brücke abgebrochen sei: als Benedetti sich am folgenden Tag verabschiedete, reichte ihm der Monarch die Hand: „Wir zwei wollen Freund« bleiben!" Aber schildert« schon die Depesche Abeckens an seinen Ehef die Ereignisse des 13. Juli zugespitzter, als sie sich zugetragen hatten, so weckte dos von Bismarck zusammengestrichene und verösfent» lichte Telegramm den Eindruck, als habe der französische Botschafter für eine dreiste Zudringlichkeit ein für allemal brüske und bündige Abweisung erfahren:„Se. Majestät hat es darauf abgelehnt, den französischen Botschafter nochmals zu empfangen und demselben durch den Adjutanten vom Dienst sagen lasten, daß, Se. Majestät dem Botschafter nichts weiter mitzuteilen habe." Das hieß, den Sinn der Vorgänge nicht nur färben, sondern auch fälschen: mit Recht sagte M o l t k e von der Emser De- pcsche: Erst war es ein Rüchzugssignal, jetzt ist es ein Angriffssignal? Ein Zlngriffssignal sollte es sein! In Paris war inzwischen die Vernunft eingekehrt, und man beschloß, wenn der König von Preußen die verlangte Bürgschaft ablehne, sich dabei zu bescheiden: der Friede schien gesichert! Da knallte Bismarcks Ohrfeige. Eine solche Demütigung einzustecken war, angesichts eines leiden- schoftlich verhetzten Volkes, der Bonapartismus nicht mehr stark genug. Gleichwohl zögert« man noch vierundzwanzig Stunden mit der. Entscheidung, und Napoleon, der ein todkranker Mann war. liefen die dicken Tränen über die Backen, als er den Mobilmachungs» besehi unterzeichnete. Am 16. Juli erging die französische Kriegserklärung. Bismarck frohlockte. Er hatte, was er gewollt und erstrebt hotte, nicht nur den Krieg, sondern auch die ein- mütige Begeisterung des ganzen deutschen Volkes, dos unfähig, die Ränke einer trüben Kobinettspolitik zu durchschauen, um sein nationales Sein zu kämpfen glaubte. Ob ohne die Veröffentlichung der entstellten Emser Depesche der Deutsch-sranzösische Krieg vermieden worden wäre, ist ebenso schwer zu entscheiden wie die Frag«, ob ohne das Attentat von Sarajewo der Weltkrieg nicht ausgebrochen wäre. Hier wie dort deckten sich die Gründe für den Zusammenstoß nicht mir dem Anlaß, und wir wissen, daß einzelne nicht willkürlich Ge- schichte machen können. Aber im Rahmen der einmal gegebenen Möglichkeiten vernüjgen einzelne Vieles. Und daß Bismarck den Krieg 1870 entfesselt habe, hat gerade seine engste Umgebung nie bezweifelt. Als einmal später im Kreis seiner Familie die Red« darauf kam, daß der älteste Sohn, bei Mars-la-Tour schwer ver- wundet, auch hätte fallen können, sagte zu B i s m a rck seine Gattin. in ihrem Mutterherzen schmerzlich berührt:„Dann würde ich dir niemals verziehen haben, daß du diesen Krieg gemacht hast." Er fuhr zornig aus:„Wie kannst du sagen, daß ich diesen Krieg ge- macht hätte?" Aber Frau Johanna hatte das feinere und richtigere Gefühl. Hermann Wendel. tind noch cinmaCt Dtax Hochdolf: ßto&a StuxetnßuXQ Die Kühnheit, mit der Max 5zochdorf auf Hermann Müllers fachliche und äußerst schonungsvolle Kritik des Buchs über Rosa Luxemburg antwortet, veranlaßt mich, in dieser Kontroverse auch das Wort zu ergreifen. Hochdorf macht es sich allzu bequem, wenn er die unglaublichen Schlampereien, die er sich bei fast allen Zeit, und Namensangaben zuschulden kommen läßt, kurzerhand dem Druckfehlerteufel in die Schuhe schiebt, der es geradezu auf ihn abgesehen zu haben scheint. Es soll also ebenfalls ein Druckfehler sein, wenn er die nach seiner falschen Angabe am 6. Mai 1871 geboren« Rosa im Zwickauer Ge- fängnis im Jahre 1904 36 Jahr« alt sein läßt. Merkwürdig, in der Tat! Hermann Müller hat olle diese Teufeleien des Setzers schon berichtigt. Ich will daher nur noch aus«inen Punkt näher eingehen, der m. E. von allgemeinem parteigenösstschen Interesse sein dürfte. * Hochdorf beharrt darauf, daß Rosas Massenstreik- broschüre von der Partei verboten und daher eingestampft worden fei. Daran ist kein Wort wahr. Wer Rosa nur ein wenig kannte, der weiß, daß sie nie und nimmer sich einer Zensur unterworfen hätte. Hier liegt offenbar eine Verwechslung mit einer anderen Schrift vor, die wenig später nach jener Broschüre Rosas erschien und über die es fast zu einem internen Partcikonflikt kam. Davon durfte Hoäidorf etwas läuten hören haben. Diese Schrift war K a u t s k y s„We g zur Macht". Sie war es, in der der Porteivorftand. und zwar nicht etwa Ebert und Scheidemann, sondern Bebel und Singer, einzelne Sätze bean- standeten, nicht deshalb, weil sie ihnen falsch vorkamen, sondern weil st« fürchteten, sie könnten nicht nur zu einer schweren Verurteilung des Autors führen— das wäre schließlich zu ertragen gewesen—, sondern auch die Position d«r ganzen Partei erschweren. Daher verlangten sie Einstampfung der Broschüre— die schon gedruckt, ober noch nicht im Buchhandel war— und«ine Neuauflage mit Hinweglassung der beanstandeten Stellen. Kautsky lehnte das ab, sehr zur Freude Rosas, die. um Kautsky jeden Rückzug unmöglich Mi machen, ohne sein Dorwissen die beanstandeten Sätze in der„Leipziger Volkszeitung" veröffentlichte, sehr zu Kantskys wie des Parteivorstandes Mißvergnügen. Sah dieser doch in der Veröffentlichung, solange die Verhandlungen über die Schrift noch schwebten, eine Illoyalität Kautskys. Um einen Ausweg zu finden, wollte Kautsky die Broschüre in Wien oerlegen. Im letzten Moment gelang es jedoch Hugo Haas», zu vermitteln. Er fand für die beanstandeten Stellen«ine Fassung, dar Kautsky zustimmen konnte und die den juristischen Bedenken des Vorstandes Rechnung trug. In dieser Form erschien die Schrift in neuer Auflage: die erste sollte eingestampft werden. Tatsächlich ist das nie geschehen. Diese erste Auflage wantx-rte in die Keller der Partcibuchhondlung und wurde, nachdem schon ein großer Tell der neuen Aulloge verbreitet war, mit anderen Exem- plaven derselben vermischt und unauffällig verkauft. Das tonnte um so eher geschehen, als die Aenderungen juristisch wichtig sein mochten, politisch jedoch ganz bedeutungslos waren und cm dem Inholt der Schrift nichts änderten. Der Konflikt führte nicht dazu, daß Kautsky mit Bebel und Singer brach, sondern daß die Beteiligten sich mit Haases Hilfe verständigten. Das war ein Ausgong, der Rosa in ihrer damaligen scharfen Oppositionsstellung aufs äußerste empörte. Ihr bisheriges freundschaftliches Verhältnis erlitt dadurch einen argen Stoß, und nie hat sie ihm diese Nachgiebigkeit verziehen. Und sie sollt« ein derartiges Vorgehen bei einer eigenen Arbeit zulassen, sollte sich dem Diktat des Parteivorstandes gefügt hoben! Wer dos an- nimmt, kannte, wie gesagt, Rosa schlecht. Dazu kommt noch folgendes: Gerade damals, unmittelbar nach Rosas Rückkehr aus Rußland, war meine Freundschaft mit ihr auf dem Gipfelpunkt. Wir waren unzertrennlich, nicht nur tagtäglich beisammen, sondern Rosa nächtigt« sogar oft bei mir, wenn sie des Erzählens über all« ihre Erlebnisse kein Ende fand. Und da lallte sich etwas so Ungeheuerliches zugetragen haben, wie es ein Einspruch des Parteivorstandes gegen die Veröffentlichung einer ihrer An- sichte» in Rosas Augen gewesen wäre! Da hätte sie einen Sturmi in den ihr zu Gebote stehenden Parteiblättern entsacht, der nicht so unbemerkt vorübergegangen wäre, daß er heute schon völlig der Vergessenheit angehörte. Der Vorgang bei der Veröffentlichung des „Weg zur Macht" steht auch meines Wissens in der Parteigeschichte einzig da Nie vorher oder nachher hat sich ähnliches ereignet. * Di« Leser mögen mir meine Ausführungen verzeihen. Ich wollte durch sie die Leggnde von Rosas eingestampfter Broschüre aus der Welt schaffen. Eigentlich löge es bei Hochdorf, den Nachweis für seine Behauptung unwiderleglich zu erbringen. Hochdorf schließt seine Erwiderung auf Müllers Kritik mit dem stolzen Hinweis darauf, daß sein Buch über Rosa schon«ine neue Auflage erlebe. 2ch glaube, er ist im Irrtum, wenn er damit den Wert seiner Schrift Zu beweisen vermeint, die nicht nur in keiner Hinsicht der Gestalt Rosa Luxemburgs gerecht wird, sondern aus der der Leser nur ein verzerrtes Bild der großen Kämpferin empfängt. Wenn wirklich so viele Hände begierig nach einem ausführlichen Werk über Rala Luxemburg greifen, so nicht, weil Max Hochdorf es geschrieben, son- dern weil das Interesse an ihr heute noch ebenso lebendig ist wie vor einem Jahrzehnt und weil die Verehrung für sie im Proletariat und weit über dessen Kreise hinaus noch gewachsen ist. ilm so bedauerlicher, daß sich Hochdorf als viel zu klein ermesst, vm der Größe der Aufgabe, die er sich gestellt, auch nur annähernd gewachsen zu zeigen. Luis« Kacirky. fl.£utdus t Ein Oftensch von HnCiux Mr. Thomson, Präsident d«r Thomson l�eder Co., Ehikago, USA., tut seit dreißig Iahren nichts weiter als'�(egal bei Hausse oder Baisse) sein Konto bei der Philo Rat. Bans zu vergrößern Von dieser Beschäftigung hat er weniger harte Stellen auf den Händen, um so mehr aber weiche Stellen um den Nhrfen bekommen. Jetzt endlich beschloß Mr. Thomson auch etwas für seine Seele zu tun. Zu diesem Zweck entschloß er sich, hinaus in die Welt zu fahren. Eigentlich war es Mr. Thomson sehr schwer, s�re„Babbit- welt" zu verlassen, um in die„unkultivierten" Länder der„alten Welt" zu fahren, aber der Arzt sagte, reisen mache schlank und der Bauch des Herrn Präsidenten begann gerade noch schneller als sein Konto zu wachsen, also nahm er sein dickes Scheckbuch und gondelte los. Da ich die hohe Ehre habe, Mr. Thomson zu kennen, kam er zuerst zu mir nach Kopenhagen. In zwei Tagen hotte er ganz Dänemark bereist, ergriffen am Grobe Hamlets in Helsingör(die dänische Badeverwaltung hat dort, extra für die amerikanischen Turisten. einen Grabhügel aufgeworfen und einen alten Kater in ihn getan) gestanden: von dieser„heiligen" Stelle nahm Mr. Thomson etwas Erde nach Ehikago mit und fuhr dann weiter nach Indien! Von Indien schrieb mir dann Mr. Thomson wöchentlich Karten, adressiert: Mr. G., Kopenhagen. Holland. Erdkunde schwach. Aber wozu braucht auch der Herr Präsident Erdkunde? Taxis gibt's überall und seine Dollars lassen die Grenzen schwinden. Sechs Wochen fuhr Thomson in Indien herum Als er zurück kam, erwarteten wir mit begreiflicher Spannung seine Reiscbeschreibung. Ach Indien! Wer da hin kann... Mr. Thomson saß im Sessel, ichmotzte an einem Kaugummi. Wir umstanden den Dollarmonn. Fragen umschwirrten ihn. „Wie war«s in Indien? Wie ist die Loge? Gibt es viel Arbeitslose? Was sagen die Inder?" Mr. Thomson schüttelte sein von Millionen beschwertes Haupt... .Ladys and Gentlemen. es ist nichts los in Indien! Di« Leute sind sehr zurückgeblieben. Kein gutes Kino. Kein anständiges Hotel. Sie können nicht mal amerikanische Zeitungen dort bekommen... Und überhaupt die Inder sind richtige Banditen. Sie nehmen im Hotel für die Wäsche eines Hemdes 3 Dollar! Bedenken Sie, drei Dollar! Well, ich kriege ein neues Hemd dasür in Ehikago. Drei Dollar terible! Bandits!" Das war alles, was der Millionär über seine Indienreise zu erzählen hatte. Jedes Aussragen war zwecklos. Mr. Thomson begann gleich wieder:„Banditen, drei Dollar...«in Hemd.. Kein Kino... kein gutes Hotel...1" und steckte sich eine Zigarre an. Aber ein Mädel saß unter uns, schwärmerische Anhängerin Gandhis. Mit all ihrer Jugend verehrte sie diesen fernen Freiheitskämpfer. Dieses Mädel hob ihre schwärmerischen Augen empor zu Mr. Thomson und frug mit vor Ehrfurcht zitternder Stimme: „Sahen Sie Gandhi in Indien?!" Mr. Thomson nahm die Havanna aus dem Mund und dachte angestrengt nach: „Gandhi... Gande... Gandhi.." murmelte er.„No. Ist denn der Mann auch aus d«r Lederbranche?" Also sprach Mr. Thomson.. Ich habe Ihnen den Besitzer des Konto Phila. Nat. Bank Nr. 196 479 vorgestellt. Man soll aber nicht den Teufel an die Wand malen... Eben kriege ich von Thomson eine Karte... ..Will mir Deutschland ansehen, komme am Montag" Uh... Ah.. Ich muß mich auf Mr. Thomson vorbereiten. Wollen Sie mir bitte schnell sagen, wo der deutsche Feldherr Goethe begraben ist und welche Werke der große Dichter Moltke geschrieben hat? Denn das wollte der Herr Präsident schon m Kopenhagen wissen! (28. Fortsetzung� „Wenn du ihn erst sehen wirst", widersprach sie,„so wirst du schon anderer Meinung werden." „Nicht über meine Schwelle", sagte die Majori n noch einmal entschlossen. Wäre Denis« der eigentliche Grund eingefollen, weshalb sich ihre Mutter so ausgeregt gegen eine Invasion chammerschlag» sträubte, so hätte sie sasort mit ihren zwecklosen Versuchen zur Nein- waschung Hammerschlags aufgehört. Denn die Majorin dachte gar nicht daran, einen Schwiegersohtr deshalb abzulehnen, well es ihm an der letzten, vornehmste» Haltung fehlte— übrigens, die Haltung wollte sie ihm schon beibringen, wenn es darauf ankam—; hätte dieser Mangel durch«inen groß- artigen Namen, durch«inen Titel seinen Ausgleich gcfuitden, so war« olles gut gewesen. Es gab Söhne aus fürstlichen Kreisen, di« trotz aller Erziehung steif, ungeschickt im Ilmgang waren. Niemand nahm ihnen das übel. Es konnte der Gloriole, die die hohe Abstainmung um sie wob, nichts anhaben. Oder— man brauchte nur an die Herren Gelehrten zu denken. Gerade dl« tüchtigsten unter ihnen wußten sich am schlechtesten zu bewegen. Man lacht« ein wenig über sie, aber ihrem Ruf schadete ihre Unbeholfercheit nicht. Der Titel, der Name deckt« die Blöße. Wo aber hatte Hammerschlag solch einen ousgleichenden Wert wie Titel und Rang oufzuweisen? Er war Redakteur an einer Zeitschrist für den Mittelstand. Die Majorin von Langen, die mit ihrer Tochter viel höher hinaus wollte, hotte gar kein Interesse für ihn. Und wenn er selbst die bezauberndsten Formen besäße, sagt« Denises Mutter zu sich selber— nein, dieser Herr ohne Rang kommt nicht in Betracht. „Gegen seinen Besuch ist nichts mehr zu machen", bemerkte Denis«,„da ich nicht weiß, in welchem Hotel er wohnt, kann ich ihm mit dem besten Willen keine Nachricht geben." Ihre Mutter schalt. „Wer ist hier in meiner Wohnung der Herr", schalt sie,„ich oder du?" „Du", sagte Denis«,„ober was soll ich machen, wenn ich nun einmal seine Adresse nicht weiß?" Pünktlich wie zu einer militärischen Hebung erschien Hammerschlag zu seinem Antrittsbesuch. Er wurde in ein beklemmend überladene», sehr großes Zimmer geführt. Er hatte eine Weil« zu warten. „Hier habe ich mich wohl in ein Museum verlaufen", brummte er für sich und spazierte herum, um die Fülle der Erscheinungen zu besichtigen. Die Majorin bewahrte die Vergangenheit auf. In kleinen Kästen lagen Orden: an den Wänden hingen Säbel: Photo- graphien, die fast sämtlich uniformiert« Herren darstellten, staken in verschiedener! Sammelrahmen, und außerdem waren in Oel gemalte Offiziere und schleppentragcnde Damen zu sehen. In dickes Leder gebundene Bücher mit Goldschnitt prunkten auf den Tischen. Denis« kam herein. Sie trug ei» blauseidcnes Kleid, dos am Halse mit einer Schleife vom gleichen Stoff gebunden war. Sie konnte in Hammerschlags Augen das Entzücken lesen, das ihre Gestalt, schlank und von der Seide spielerisch glänzend, in ihm hervorrief. Er freute sich über ihr liebenswürdiges Lächeln und oq» fröhlich« Geplauder, dos ihm Mutze ließ, ungbgeleirkt fein Glück zu gcnietzen. Datz diese zur Schau getrogen« Fr&hlichksit nur eine Maske war, um Besorgnis zu oerbergen, ahnte er nicht. Sein Glück war noch nicht so fest besiegelt, al» er meint«. Während sie mit oertraulich leiser Stimm« zu ihm sprach, er- wartete sie voll innerer Unruhe das Erscheinen ihrer Mutter. Der Austritt der Majorin vollzog sich ober auf ein« u«»erwartet« Weise. Donise hatte beleidigend« Zurückhaltung gefürchtet. Kaum «vor jedoch Ihre Mutter zu sehen, als geschah, ivas Denis« nicht für möglich gehalten hatte. Hammerschlag entpuppte sich als Kavalier van besten Qualitäten, seine Verbeugung war tadellos, als ob ihm diese Höfljchkcitsbezeugiing eine Selbstverständlichkeit, eine Gewohn- heit wäre. Frau von Langen war geradezu überrumpelt. Es gab für sie keine Wahl— diesen tadellosen Manieren ließ sich nur mit gleiche» Manieren begegnen. Dazu entwickelte Hammerschlag in der Kon- veisation«in« Liebenswürdigkeit, die Denis« als«tiva» völlig Un- bekanntes jetzt erst an ihm entdeckte und der sie voll Stolz ihre Mutter erliegen sah. Das Ueberivälligende für sie war, daß Hammerschlag sich in keiner Weise verstellte, daß er sich zu dieser Llebensrvllrdigkeit durchaus nicht vergewaltigte, sondern daß sie nur wie der gefilterte Saft seines immer schäumenden Wesens«vor. Denis« sah ihre Mutter an, ihre Blicke lächelten: Nun? Und was sagst du nun?— Das Gespräch drehte sich natürlich um die Vergangenheit,«vvvon sprach die Majorin lieber! Als sie erfuhr, daß auch 5iaminerschlag Offizier, wenn auch freilich mir der Reserve, gewesen war, sah sie ihn mit noch freundlichere» Augen a». Sie lieferte ihm zu jeder Photographie in den verschiedenen Sammelrahmen und zu jedem Gamälde eine Geschichte. Die Abkonterfeiten waren Verwandte: Namen und Titel gingen über Hommeischlag hin, er gab es auf, etwas davon zu behalten. Dann gingen sie i» eine andere Stube hinüber, wo der Kassee- tisch gedeckt war. Hier fand sich auch ein Herr ein, bei dessen Anblick Hammerschlag beinahe vor Freude laut herausgeschrien hätte: der Indionerkopp...! Es war derselbe indianisch schwarzhaarige, ossizierhaft aussehende Herr, mit dem Denis« damals am Halleschen Tor gegongen war. Damals hotte Hammerschlag ihn für seinen Rivalen gehalten und setzt wurde chm der Mann als der Sohn der Majorin vorg«stellt. Hammerschlag machte sein««rnsthastest« Ver- beugung, aber er tonnte nicht uinhm, dem iung«n H«rrn unvor- schristsmäßig lange die Hand zu schütteln. Nachher ging di« Majorin mit ihrem Gast wieder ins„Mu. seum" hinüber, um ihm noch einig« Seltenheiten zu zeigen. Sie machte ihn auf einen lebeiisstrotzenden Gummibaum auf- merljam, der mitten in dieser toten Vergangenheit wuchs. „Donnerwetter, du bist ja ein dicker Kerl", jagt« Hammerschlag zu dem Baum. Als er der Majorin gegenüber Platz genommen hatte, räusperte er sich. „Ich muß mit Ihnen noch etwas bereden, gnädige Frau", sagt« er,„ich möchte nämlich Ihre Tochter heiraten. Ihren freundlichen Seg«n hierzu erbittend, hochachtungsvoll und ergebenst Max Hammerschlag." Solche Forniulierung eines Heiratsontrags«vor der Majorin auch noch nicht einmal in Romanen vorgekommen. Sie mar baff wie über einen unmittelbaren Wolkenbruch. Als sie sich ein ivcnig gesammelt hotte, zupfte sie ihr Spitzentuch an den Schulten« zurecht. „Aber so unvermutet«vie das ist mir noch nichts im Leben passiert", begann sie. „Die etwas ausfällige Eile, mit der ich auf» Ziel losgehe", sagte Hammerschlag,„erklärt sich dainit, daß ich in einigen Tagen zurück nach Berlin muß. Wenn ich dort auch eine ganz selbständige, eine leiteitbe Position habe, so suhle ich mich darum doch nicht weniger verpflichtet, ineinen Posten zur rechten Zeit wieder anzutreten." „Ja,«veil Sie gerade Ihre Position erwähnen.. sagte die Majorin— und sie legte ihm jetzt verschiedene Fragen vor. tz Wie in einem Examen«mißt« er sie beantworten. Bei sich fand Hammer- schlag, daß diese Frau sich vorzüglich aufs Excnnlnieren verstand. Dabei saß sie mit einem freundlichen Lächeln im Sesiel, als ob es sich um eine angenehme Unterhaltung, aber nicht um eine der wich- tigsten Fragen drehte, di« es in ihrem Leben gab. „Eine Mutter", sagt« sie am Ende lächelnd,„kann sich nicht innerhalb einer halben Stund« über dos Schicksal ihrer Tochter entscheiden, Sie werden das verstehen. Auch muß ich ja selbst. versländlich mit Denis« sprechen." „Die Sitzung wird also vertagt", sagte Hammerschlag. Bald darauf gingen sie wieder hinüber. Ehe Hammerschlag sich verabschiedete, traf er mit Denis« eine Verabredung für den Morgen des nächstfolgenden Tages— das war der Tag, an dem er nach Mittag zu reisen gedachte. Ms Treff» puntt vereinbarten sie das Schottentor. Von dort aus wollten sie nach Grinzing und noch weiter hinaus fahren: Denis? wollte ihm die historischen Weg« zeigen, wo Grillparzer, Beethoven und Schubert spazierengegangen waren und ihre Lieder geboren hatten. Ehe die Majorin sich hatte einmischen körnten, war dies» Abmachung perfekt. Als Hammerschlag die breiten steinernen Treppen hinunter ging, nickte er für sich Er hatte das Gefühl, als ob dl- Sachs kr Ordmmq wXct, Denis« hatte übrigens dasselbe Gefühl wie er. Es war ihr unmöglnh, sich vorzustellen, daß ein Meirsch der bezaubernden Männlichkeit Hammerschlags widerstehen könne. Aber der Mensch kann sich irren! „Dieser Herr hat mir seine Absichten auf deine Hand bekannt- gegeben", sagte die Majorin mit unheimlicher Ruhe, als sie den Besucher eben mit gnädigem Lächeln verabschiedet hatte,„natürlich kommt er für eine von Lanzen nicht im entferntesten in Betrocht." „Was?" sagte Denis« und rieb sich di« Augen.„Träum' ich?... Nicht in Betrocht?" Die Majorin entwickelte nun unverhüllt ihre hochslicgcnden Pläne, die sie mit Denisc vorhotte. „Herr Hammerschlag kann mir leider dmchaus nicht imponieren", sagte sie abschließend und zog ihr Spitzcmtucki fester um die Schultern.(Fortsetzung folgt.) e Buch •Die 3>rofa des jungen Jtofmannslhal U Itter dem Titel„L o r i s", dem Pseudonym, mit welchem der große österreichische Dichter Hugo von Hof mannsthal, dessen tragischer,«vahrhast poetischer Tod— er starb bekanntlich bei der Beerdigung seines Sohnes an einem Herzschlag— vor wenigen Monaten etncm ebenso poetischen Leben ein Ende setzte, als blut- junger Mensch seine ersten Werke unterzeichnete,— unter dem Titel„Lotts" brachte der S. Fischer Verlag, Berlin, kürzlich«ine Sammlung von in der breiteren Oeffentlichkcit fast unbekannten Essays des Dichters heraus, die, teils aus dem Nachlaß, teils aus längst vergilbten und vergessenen Zettschriften geholt, nun zu einem fast ZOO Seiten starken Band« vereinigt sind. Erstaunlich, wie reif das Urteil de» zur Zeit der ersten Veröffentlichungen erst Sechzehn- jährigen, der damals noch die Schulbank eines Wiener Gymnasiums drückte, in künstlerischen Fragen war, überraschend, wie meisterhast er schon zu dieser Zeit Form und Sprach« beherrschte. Deutlich spürt mm« sein Bemuhen, mit den Problemen des Lebens in einer Weife fertig zu werden, die Einheit und Uebersichtlichkeit, Ordnung und Einordnung, ohne die ihm das Dosein unerträglich schien, zu gc- «vahrleisten vermochte. Die Künstlerpersönlichkeiten seiner Zeit und ihre Werke, Ma- lerei, Dichtung und Theater, Eindrücke aus fremden Ländern und kleine, skizzenhaft« Novellen, das ist der Inhalt dieses fesselnden Buches, das un» Hvfmannsthal, den innerlich ewig Bewegten und sich Wandelnden, in der ersten Phase seines Schassen» zeigt. Mit wirtlichem Genuß ivendct man Seste um Seite um und freut sich an der sprühenden Lebendigkeit und geistigen Dynamik dieses jungen Dichters, dessen spätere Werke geholten haben, was diese ersten Versuche versprachen. Ein Nachwort von Max Meli bringt wertvolle biographische und psychologische Hinweis«, die das Bild des jungen Hofmcmnsthal noch eindringlicher und airschaulicher entstehen lassen. Ilsni Zeuger. Berichtigung: Wie uns der Verlag Anton Schroll u. Co. mttteilt. ist der Preis des bei ihm erschienenen Buches LeonhardFranz. „Vorgeschichtliches Leben in den Alpen", nicht 10 M., sondern für das broschierte Exemplar 6 M., gebunden 7,50 M. WAS DER TAG BRINGT. MMlttttlllllNNNNNMMMtNttlNlttl'lttttUiNNNMMUMttNMlMwUIIttttlMMIMttUMUMMNMINMNMkMMNNIlNMlUMtUIIllllllllllllttlllttüIIUlllMUMMUIlttNttttMttlllttMNw Rückgang des amerikanischen Flugverkehrs. Wie aus einer soeben erschienenen Statistik des Luftverkehrs- Ministeriums in Washington hervorgeht, ist der Flugverkehr in den Vereinigten Staaten von Nordamerika trotz der �zahlreichen neu- eröffneten Linien nach allen Richtungen des Landes im vergangenen Jahre doch weit hinter den Erlvartungen und Berechnungen zurückgeblieben. Von den 12b Millionen Einwohnern, die'Amerika nach der letzten Volkszählung besitzt, lwben sich nur 165 263 bei ihren Reisen des Flugzeugs bedient,«vobei noch zu bemerken ist, daß in der letztgenannten Zahl auch viel« Reisend« enthalten sind, die dos Flugzeug wiederholt benutzten, so daß die«virklich« Zahl der Reisenden kauin mehr als 100 000 beträgt. Es läßt sich daher sagen. daß auf«inen Amerikaner, der sich des Flugzeugs bedient, 7A kommen, die andere Beförderungsmittel vorziehen. Nicht ohne Humor bemerken amerikanische Blätter zu dieser Stottsttk, daß die Vorliebe der Amerikaner für den Aufenthalt in der Luft sich im wesentlichen auf die Dächer der Wolkenkratzer zu beschränken schein«. Der Grund für den Rückgang des Flugverkehrs wird übrigens nicht nur darin gesucht, daß viele Amerikaner, durch die wiederholten Unglücksfälle des letzten Jahres abgeschreckt, sich lieber anderen Be- sörderungsmifteln zuwenden, sondern hauptsächlich in den Beinühun- gen der Eisenbahngesellschaftcn, die durchgehenden Züge nicht nur mit einer gesteigerten Schnelligkeit fahren zu lassen, sondern sie auch mit allen nur möglichen Bequemlichkeiten auszustatten, um den Ausfällen, die ihnen durch den stets zunehmenden Automobil- verkehr erwachsen, nicht noch weitere Verluste durch den Flugverkehr hinzuzufügen. Musik als Linie. Wenn ein Musiklehrer seine Schülerin prüft, so nimmt er die Musik mit den Ohren auf, und er fällt dann sein Urteil nach dem Gehör. Nun kann man oder auch zu einer mehr sachlichen Beurtei- lung gelangen, wenn Musik schaubildlich als Linie dargestellt wird. Und es gibt eine Einrichtung, die diesem Zweck vorzüglich dient. Der Schall der Stiinrnc pder eines Instrumentes wird dabei auf ein Mikrophon geleitet, und die entstehenden Ström« oersetzen dann ein seiites Spiegelchen in Schwankungen. Dieser Spiegel wird nun von einem Lichtstrahl getroffen, der nach seiner Zuräckroerfultg allerhand Schwingungen ausführt, die mittels eines zivciten Spiegels fortlaufend auf lichtempfindliches Papier aufgezeichnet werden. So gewinnt man eine Schaulinie, eine Kurve der mufikailfchen Leistung. die sich von einem kundigen Betrachter sein und gerecht ausdeuten läßt. Die größten Ströme. Die größten Ströme der Erde sind der Mississippi in Nord- omerika und der Nil in Afrika mit je 6000 Kilomeier Länge. Es folgt der Amazon« nstrom in Südamerika mit 5700 Kilometer, der Ob, der Jenesfei und Iang-tse-kiang, alle drei in Wen. mit je 5200 Kilometer. Die Lena mißt 4600 Kilometer, der Amur 4480 Kilometer, der Kongo 4200 Kilometer, der Niger 4180 Kilo- meter und der Hoangho in Ehina 4100 Kilometer. Der Lorenz- stron«. der die kanadischen Seen mit dem Atlantischen Moer ver- birtdet, mißt 3820 Kilometer, der La Plata in Südamerika ist 3700 Kilometer long. Erst jetzt kommt als größter europäischer Strom die Wolga mit 3570 Kilometer. Der Indus>n Asien mißt 3180 Kilometer, der Gaitges rund 3000 Kilometer. Der größte in Deutschland entspringe«»!»« Strom ist die Do«, au mit 2860 Kilometer. dann kommt der Rio Grande del Norte, der Grenzfluß zwischen tum Vereinigten Staaten und Mexiko, er Ist 2750 Kilometer lang. Die gleiche Länge hat der Euphrat in Asien. Der Colorado in Nord- amerika mißt 2700 Kilometer, der Sambesi in Afrika 2660 Kilometer. der Amu Darja in Asien 2200 Kilometer, der Orinoko ebenfalls 2200 Kilometer, der Kolumbia im Nordwesten Nordamerikas, der den nordlichen Felfengedirgen entspringt, ist 2180 Ailometer lang. Dann kommt als drittgrößter europäischer Strom der Dnjepr mit 2150 Kilometer, der asrikanische Oranje ist 2050 Kilometer lang, der Limpopo oder Krokodilsluß im südlichen Afrika hat eine Länge von 1600 Kilometer, der Senegal eine solche von 1430 Kilometer. Außer den drei bereits genannten europäischen Strömen sei genannt der Don(1860 Kilometer), die Dwina(1780 Kilometer), die Petschora (1580 Kilometer), der Ural(1500 Kilometer), der Rhein(1225 Kilo- meter), die Elbe(1156 Kilometer), die Weichsel(1050 Kilometer), die Oder(905 Kilometer) und die Weser(710 Kilometer). Australien. das In dieser Zusammenstellung bisher nicht erwähnt wurde, ha: nur einen einzigen bedeutenden Strom, den Murray mit 2500 Kilo- meter Läitge. Automatische Eisenbahnsicherung. Es sind fast unzählig« Ersi«»dungen gemacht worden, um bei Eisenbahnzügen aus mechanischem Wege ein Ueberfahren der Halte- signale zu verhindern. Eine Neuerung arbeitet mit einer besonderen Lichtwirkung. Auf der Maschine seitdet dabei ein kleiner Scheinwerfer ständig Licht aufwärts, und wenn ein Signal auf der Streck« erreicht wird, so fällt die Strahlung oben auf einen Spiegel, der je nach der Stellung des Signals eine besondere Lage hat. Dieser wirft dann das Licht in einer bestimmten Richtung zurück, und es fällt auf der Maschine auf eine bestimmte Selenzelle, die dann dem Führer der jeweiligen Stellung des Signals auf elektrischem Weg- angibt. Bringt der Mann den Zug im gegebenen Falle nicht durch Bremsen zum Halten, so schaltet sich die Bremse selbsttättg ein. USA. Lei der Polizeioerwaltung In Chikago läuttt« es Sturm. In einem großen Konsektionshaus sei ein Mann aus dem Fenster gestürzt und lieg« verblutend aus der Straß«. Polizei uird Rettung». wogen«ilen zur Unsallstelle. Eine riesig« Menschenmenge. Was war geschehen? Das Konfektionshaus hatte eine täuschend menschen- ähnliche Modellpuppe aus dem Fenster werfen lassen und selbst die Polizei benachnchttgt. um auf diese Art die OeffenUichkeit auf das Konfektionshaus aufmerksam zu inachen! Der Rekord-Unfug. Die neueste Errungenschaft auf dem Gebiete des Rekordunwesens ist ein Wettbewerb im Aasen von Seifenblasen, bei welchem derjenige der Bewerber einen Preis davonträgt, der die größten und meisten Seijenblascn innerhalb einer bestimmten Zeit produziert. Dieser Rekordunjttg komntt. wie so viele, aus USA. Seid ihr alle da? Vergnüötc Spiel- und Turnstunde bei den Kleinsten aJdttr, Mutter, Onkel und Tanten sind sich einig, daß die kleinen Krümels von fünf bis acht Jahren sich beim Spiel noch zu dumm anstellen. Aber ein Kinderfreund meint, man könnte es einmal verbuchen, und fo ging's denn los.„Seid ihr alle da?" Schüchtern kommt als Antwort dos„Ja". Der Spielleiter fagt, das war gar nicht zu Hören; er muß noch zweimal fragen, aber dann klappt es, alle bestätigen, so laut sie können, daß sie da sind. Das ist erfreulich, denn nun können wir anfangen. Zunächst ein rleiner Wettlauf an den nächsten Baum, das ist ein« oergnügte Sache. Nun zurückhüpfen auf einem Bein. Das ist schon etwas schwieriger. Nun stellen wir uns alle auf«in Bein, erfassen das Kmie des anderen Beines und hüpfen, indem wir uns um die eigene Achse drehen. Das ist drollig, die kleinen Wildlinge strahlen. So, nun machen wir ein Hunderennen, auf ollen Pieren, aber dabei tüchtig bellen. Das habt ihr wirklich fein gemacht. Jetzt hoben wir uns jehr angestrengt, da müssen wir einmal tüchtig Luft holen. Alle heben langsam die Arm« hoch und holen dabei tief Atem. Dann mit voller Kraft die Luft aushusten und die Arme schnell senken. Das Auspusten war aber wirklich nicht zu hören, chr müßt tüchtig Wmd machen. Beim Dritten und vierten Male klappt es gut. Die beim Lausen und Springen angestrengten Lungei, sind nun bis in die Lugenspitzen durchgearbeitet. Es war systematische Lungengynmostik, während wir scheinbar nur gespielt haben. Nun kommt etwas ttzeruhsames. Es gibt allerhand nette Spiele. Nor allem Singspiele, an denen sich auch die Frauen sehr gern beteiligen und die leicht gelernt werden.„Ich hatte mal'nen Zappclmann. der war so hübsch und fein, wenn man so zog am Jaden dran, dann hob er Arm und Lein."„Wir Fröschekin, wir Fröschetin, wir sind ein lustig Chor, wir haben, wir haben kein Geld und doch Humor." Dabei machen die damit verbundenen Bewegungen besonderen Spaß. Oder:„Bauer bind' den Pudel an, na, na, na, daß er uns nicht beißen kann, ach, ach, och." Der Arbciter-Turn- und Sportbund hat ein kleines Heft:„Tanze mit, 127 Turn- und Tanzmelodien" (also mit Noten) herausgegeben, das jeder Spielleiter haben sollte. Dazu kommen dann die T u r n s p i e l e. Im Kreis: Ball-Abschlagen (der Ball wird im Kreis weitergegeben, der Spieler in der Mitte muß versuchen, den Ball zu schlagen); Gesöngnisspiel(die Spieler stellen im enggeschlossenen Kreis, der Gefangene in der Mitte ver- sucht, aus dem Kreis« herauszukommen); Stehball(der Ball wird hochgeworfen und der Name desjenigen gerufen, der den Ball fangen soll); Ballsuchen(alle fitzen im Kreise). Auch die Kleinen messen gern ihre Kräfte. Wir machen deshalb «in Tauziehen, zuerst am langen Tau, dann wird das Tau verknotet und im Kreis gezogen. Ein dünnes Tau kann auch zum Springen(einzeln und paarweise) benutzt werden. Spring- reifen und Springschnüre bieten den Mädchen stundenlang« Unterhaltung. Zwischen den Spielen schalten wir zweckmäßig gelegentlich Gymnastik ein mit anschließenden Atemübungen. Das schwingen der Arme, Rumpfdrehen, Kniebeugen usw. macht auch den Kleinen großes Vergnügen. Dann gibt es allerlei Scherz- Übungen: Hüpfen wie die Spatzen, Frösche; Storchgang; Galopp- hüpfen wie die Pferde; schwerfälliges Gehen wie der Elefant auf allen Nieren. Auf dem Rücken liegend: Schaukelpferd, strampeln wie ein Maikäfer, der auf dem Rücken liegt. Aus der einen Spielstunde sind zwei geworden. Wo blieb die Zeit? Die Kleinen rufen: Noch mehr! Aber wir trösten sie: das nächstemal geht's weiter. Run noch ein Schlußlicd. Wer kennt ein schönes Lied?„Es war einmal ein treuer Husar!" Aber das ist doch nichts. Zwei kennen dos Lied:„Lieder stimmt an." Das lernen wir noch zum Schluß. Dann tollt die junge Schar zu den Müttern. Sie haben guten Appetit bekommen. ist. Charlottenburg Wasserballmeister! Weißensee mit 6:4(1:1) geschlagen Den Freien Schwimmern Chorlottenburg gelang es gestern im Protestspiel gegen Neptun Weißensce wiederum zu siegen und damit Kreismeister des Arbeiter- Turn- und Sport- bundes zu werden. Schon am letzten Sonntag im Juli muß Char- lottenburg in Stettin zur Ausscheidung um die Kreisverbandsmeister- schuft antreten. Di« Gegner sind Königsberg oder Elbing vom 12. Kreis, Stettin(14. Kreis) und sicherlich Senftenberg als Vertreter des 16. Kreises. Der Sieger aus den Spielen fährt als Ostdeutscher Meister im August nach Göttingen und tritt dort mit den besten Mannschaften der Nord-, Süd- und Mitteldeutschen Kreisoerbände zum Endspiel um die Bundesmeisterschast in die Schranken. Mit dem�Ausgang des Treffens Repwn-Weißensee— Charlottew bürg ist die Sommerrunde und damit auch die Serie beendet. Der Charlottenburger Mauuschast, deren Mitglieder olle aus der Jugend- abteilung hervorgegangen sind, gelang es von 14 Spielen 12 zu ge- winnen und nur zwei zu verlieren. Ein Spiel verlor die Mannschaft in der Winterrund« und die zweite Niederlage brachte ihnen vor wenigen Tagen Hellas überraschend mit 6: 4 bei. Hellas, der in den letzten Wochen gut« Form zeigte und alle Spiele der Sommerferi« für sich entscheiden konnte, hatte aber in der Winterrunde mehrere Spiei« verloren. Weißensec, der letzte Bundesmeister, hielt wider Erwarten dem Ansturm der jüngerell�und schnellere» Mannschaften stand. Dos gute Stellungsspiel wurde vielen Nachwuchsmannschaften zum Ver- hängnis. Gestern zeigten Weißense« und Charlottenburg den zahlreichen Zuschauern in Spandau«in Spiel in höchster Vollendung der Technik und spannendem Spielverlauf. Was Charlottenburg Weißens« in Schnelligkeit voraus hat, macht Weißensee durch großen Eiser wieder weit. Nach anfänglich verteiltem Spiel macht sich ein« leichte lieber- legenheit Charlottenburgs bemerkbar, die sich auch zahlenmäßig aus- drückt. Einen Erfolg schoß aus einiger Entfernung der linke Stürmer Charlottenburgs. Kurz darauf stellt der Mittelstürmer auf eine Vor- läge des rechte» Stürmers das Resultat aus 2: 6. Trotzdem Char- lottenburg durch unermüdliches Schwimmen niehr vom Spiel hat, g«° lang es dem rechten Stürmer Weißensees, kurz vor Halbzeit durch einen fabelhaften Weitschuß ein Tor zu erzielen. Mit 2: 1 für Char- lottenburg geht es in die Pause. Aus dem Gedränge vor dem Weißenfee-Tor schießt der rechte Stürmer Charlottenburg Nummer 3. Derselbe Spieler gibt wenig später dem linken Stürmer eine gute Vorlage, die auch prompt verwandelt wird. Es steht 4: 1 für Char- lottenburg. Weißens« kaim kurz hmtereiuander zwei weitere Er- folge erzielen. Das dritte Tor für Weißensee verschuldet der Char- lottenburger Torwart, der bei der Abwehr den Ball direkt dem rechten Stürmer Weißensees zuwirft, den dieser auch sofort wieder zurück- gibt, mit dem Erfolg: Tor. Nachdem der linke Stürmer Charlotten- burgs das Resultat auf ö: 3 stellt, gelingt es Weißensee, durch«inen Freiwurf vor dem Tor«inen vierten Erfolg zu erzielen. Charlotten- bürg ist sich der schwierigen Situation bewußt und durch unermüdliche Arbeit des linken Stürmers, der besonders schuhfreudig ist, wird das Resultat aus 6: 4 erhöht. Damit ist Schluß. Nun liegt es an den Charlottenburger Wasserballspielern, dafür zu sorgen, daß die Bundesmeisterschast auch in diesem Jahre nach Berlin fällt. Nach dem Sportplatz Wuhlheldc Treffpunkt der Arbeitcr»portlcr Berlins Dem dichtbevölkerten Arbciterbezirk Oberschöneweide ist inmitten der Wvhlheid« ein wunderschöner Dolkspark erstanden. Schöne Anlagen bieten der Bevölkerung nach des Tages Last und Mühen ein« ruhige Erholungsstätte. Dürftiger Kiefernwald ist in eine Anzahl Rasenflächen für Spiel und Sport umgewandelt worden. Nun wird morgen abend unter Mitwirkung der Arbeitersportler die neu eingefügt« Sportonloge mit einer 400 Meter langen Aschenbahn und terrassenartig angelegten Zuschauerplätzen, die 10 000 Besuchern Platz bieten, eingeweiht. Mit einem dreistündigen Programm findet um 17 Uhr di« Erössnung statt. Bürgermeister Grunow vom Bezirksamt Treptow hält die Festansprache; Arbeitersänger und Musiker helfen die Veranstaltung verschönen:. Um 17 Uhr versam» mein sich die Arb«it«rsportvereine mit ihren Fahnen zum Einmarsch auf dem Stellplatz. Gleichzeitig steigen die notwendig werdenden Vorläuf« über 160 Meter aller Klassen und die 4x160 Meter Frauenstasfel. Der 866.Meterlauf der Männer weist 13 Nennungen auf. Für die-Jugend ist Speerwerfen, für Männer Hoch- spruirg und für Frauen Kugelstoßen vorgesehen. Das Hauptinteresse dürften jedoch di« Einweihungsstafette über 16 x 200 Meter, die Schwedcnftafett« der Jugend und die 4X100 Meter Frauenstasfel hoben. Di« Frauen zeigen außerdem die Kreisfestgyinnastit nach Musik. Ein Handbollspiel bringt die Mannschaften der Bezirksver- ein« F. C, Obcrspr« und Baumschulcnweg zusammen. Die Arbeitersportler Berlins werden aufgesordert, spatesten» um 16.30 Uhr im Valkspark zu sein und geschlossen om Einmarsch sowie an der Massengymnastik teilzunehmen; denn gerade ein« der- artige Veranstaltung ist«ine gute Wcrbemöglichkeit. �Eiickritt wird nicht erhoben. Die beste Fahroerbindung sind die Straßenbahnen S7, 137 und 95 bis Frischcnstraß« in Oberschöncwcide. Die Frischen- stroß« mündet nach 3 Minuten Weg als Hauptzugangsstraße direkt im Polksport. Der Platz liegt auf der Schöneweider Seite hinter der Karlshorfttk Rennbahn und ist vom Bahnhof Karlshorst cn 26 Minuten ju erreichen._ «Zehn deutsche Meilen* auf der Rüff- Arena Die heutigen ütenbienmn auf der Rütt«Ar«na, die um 20,13 Uhr beginne«, gipfeln in einem Mannschaftsrennen nach Sechstage- art über fy deutsch« Meilen(73 Kilometer), zu dem nicht weniger als 16 Mannschaften verpflichtet worden sind. Daneben gibt es noch einige«eitere Ktitöt&tebt, die«inen nicht weniger interessante» Säeritraj verspreche», SÄ« m allem«te Programm, da» viel An» klang finden müßt«. Die Starterliste des 75-Kilometer-Man»schasts- rennens zeigt folgendes Bild: Lemoine-Guimbretiere, Goossens- Degroeve, Mieche-Buschenhagen. Ehmer-Knappe, Lehma nn-Wtsiel, Dorn-Maczynski, Krüger-Funda. Nickel-Mandeltov», B. Wolke- Longardt, Schwemmler-Kontorowicz, Evert-Michlbach, Dahms-Kod- ziersti, Kühl�Schütze, Balle-Kicßlich, Kuhn-Riedel, Arndt-Fischer (Chemnitz). Das Fest der 50000 Zum Aufmarsch der roten Kavallerie in Dresden Allen Mitgliedern von„Solidarität", di« in den letzten Julitag«» die große Wallfahrt nach Dresden antrete», Hot der Bundesausjchuß jetzt das Festbuch für dieses erste Fest des Arbeiter- Rad- und Krastfahrerbundes zugehen lassen. Es mußt« auch schon ein ganzes Festbuch sein, denn ein einfaches Programm, nun ja, das hätte für«in lokales Sommerfest genügt, aber nicht für das bevorstehende dreitägig« Massenmeeting auf den Dresdner Elb- wiesen. 116 Seite» ist das Festbuch stark geworden und einen bunten Stadtplan von Dresden gibt es zu. Ein kleines Konversations- lexikon mit etwas Felddieustordnung, ein wenig Werbeschrift und natürlich der ganzen Skala der Veranstaltungen. Run braucht jeder nur dos Buch aufzuschlagen und weiß: 6,43 Uhr früh ist ein Start am Jestplatz, dann geht es ganz bestimmte Straßen entlang. Oder jeder Festteilnehmer braucht Dresden nie in seinem Leben gesehen zu haben, aber er meiß, in welchem Quartier er heut« abend schlafen wird. Und so geht es weiter: ein Kapitel über Post, über Eisenbahn, über die Preisvergünstigungen, die Dresden den Festteilnehmern«ingeräumt Hot, über die Standorte der Sanitäts- kolonnen, über die Farbe der Armbinden derjenigen, die vom 23. bis 27. Juli„etwas zu sagen haben". Dann meldet sich der technische Aus- schuh, der Festzug, der Wohnungs-, der Verkehrs-Ausschuß. nein, man kann sie nicht alle aufzählen. Aber lesen muß man das, was der Wirt- schostsausjchuß schreibt, sonst bekommt man nichts zu essen. Noch viel mehr steht in den, Luch, wann man am besten zum Zwinger geht und wann aus die Albrechtsburg, wie man in die Säch- fische Schweiz kommt, was Bebel und Singer in Deesden gemacht haben, wie viele Arbeitelos« Dresden hat. wir sagten es schon,«in kleines Lexikon ift das übersichtliche Festbuch. Es wird wen gefragt werden in Dresden, wenn es hoch' ein�r macht:„Wo schläft denn der Gau 14?" braucht man nur zu antworten:„Bitte, die grün« Liste Hinter Seit« 34!" Mit jv einem Fchbuch muß ja alles klappen. ARBEITER, ruSSBALL Spiele am Sonntag, 13. Juli Lichtenberg I spielt auf dem Sportplatz in der Kynaststraßc, am Bahnhof Stralau-Rummelsburg, gegen Butab. Strausberg spielt gegen Schöneberg. Storkow 2 gegen Oberspree 2. Deutsch- Wusterhausen gegen Neukölln 2. Kogel gegen Teltow. Klausdorf gegen Wonsdorf. Weißcnsee gegen Storkow. Freie Scholle gegen Sokol. Drewitz 1 gegen Spandau 2. Friedenau 1 gegen Eintracht 2. Kaputh 2 gegen Wilmersdorf. Werder 77 gegen Lichtenberg IL Schönebcrg 2 gegen Jüterbog 2. Luckenwalde II 2 gegen btiemegk 2. Lichtenberg II 2 gegen Werder 2. Rowaroes Jugend gegen Wil- mcrsdorf. Beginn der 1. Mannschaften 17.30 Uhr. Vorher untere Mannschaften. MurutbaJÜL' Die nächsten Spiele Am Sonnabend, dem 12. Juli, spielen im Humboldt- Hain um 18,45 Uhr FTGB. Bezirk Norden 1(1. Männer) gegen Eintracht-Mahlsdors 2 und FTGB. Bezirk Norden 3(1. Männer) gegen JfTGB. Osten 2. Am Sonntag hat Freie Sportvereinigung Kaulsdars sich aus dem Platz an der Köpenicker Straße Frei« Turnerjchast Rehseldc oerpflichtet. Es spiele» die Frauen um 13.36 Uhr, die Jugendmann- schasten um 16,23 Uhr und die 1. Männermannschaften um 17,46 Uhr. Die Freie Turnerschast Erkner Hot sich zu Werbespielcn in Fangschleus« FTGB. Neukölln auserkoren. Hier spielen die 2. Männermamischasten um 13 Uhr, die Frauen um 16,16 Uhr und die 1. Männermannschaften um 17 Uhr. In Friedenau, Offenbacher Straße, spielen FTGB. Friedenau(2. Männer) gegen Neukölln 3 um 12,56 Uhr, und Friedenau(3. Männer) gegen Sozialistische Studenten 1 um 14 Uhr. Wester spielen noch FTGB. Spandau(1. Männer) gegen Freie Turnerschaft Potsdam 1 um 9 Uhr in Spandau, Seeburger Straße; Frei« Sportvereinigung Teltow(1. Männer) gegen Schenkendors 1 um 17 Uhr in Sputeitdors; Fußballklub Obcrspree(1. Mäimer) gegen Mohlsdorf 1 um 13 Uhr in der Wuhlheide; Frei« Turner- schast Wilmersdorf(2. Männer) gegen Kleingärtner 1 um 16 Uhr in Wilmersdorf, Fehrbelliner Platz, und Bohnsdorf(1. Frauen) gegen Mahlsdorf 1 um 13 Uhr in Köpenick, Wendenschloßstraße. Tennis Rot Die A- Gruppen der Tennisserie sind am kommenden Sonntag spielfrei, weil die Mannschaften durch nach Dresden gefahren« Spieler unvollständig sind. In der L-Gruppe sind bis auf«ine Köpenicker alle Mannschaften im Spiel. Zu dem Spiel der Frauen von F. T. Spandau gegen die der FTGB. Neukölln in Neukölln läßt sich nichts Wahrscheinliches sagen. Ebensowenig zu dem der Friedrichshainer Frauen gegen die von Prenzlauer Berg, weil Friedrichsham mit zwei Ersatzleuten weniger spielstark antreten muß. Das Spiel TR. Wedding gegen TR. Neukölln wird voraussichtlich Neukölln für sich entscheiden. Bai den Männern hat Friedrichshain gegen Prenzlauer Berg(beide Tennis-Rot) die besseren Chancen. Leide Mannschaften von TR. Prenzlauer Berg spielen im Friedrichsham, es wird den Spielern nicht leicht sein, sich an die ganz anders belichteten Plätze zu gewöhnen. Gleichstark dürften die TR.-Mannschasten von Köpenick und Gesundbrunnen sein, ihr Spiel in Köpenick ist ebenso offen wie die Spiele zwischen FT. Spandau gegen FTGB. Wedding in den Rehbergen und zwischen TR. Wedding gegen FTGB. Neukölln, ebemal's im Volks- park Rehbergc. Kreissporttest der Athleten Am Sonntag, dem 13. Juli, veranstalten die bundestreuen A r b e i t e r a t h I e t e n ihr alljährliches Kreis- und Sportjeft, unter Mitwirkung der gesamten Artistensparte des Art'eiierathleteii- bundes, in dem wunderschönen Garten des Moabiter Schützen- Hauses am Freibad Plötzensee, Norduser 28. Anfang des Konzerts 3 Uhr, der Veranstaltung 3 Uhr. Busc und Tictz In Frankreich ausgeschieden Die neunte Steppe der Radrundfahrt durch Frankreich von Pau nach Louchon hat durch ihren schwierigen Kurs zahlreiche Opfer gefordert. Davon ist auch die deutsche Länder- Mannschaft nicht verschont geblieben. Gerade die mit so großen Hoffnungen entsandten Bu s e undT ietz waren di« ersten, die. ihr« Kämeraden im Stich lassen und ausgeben mußten Unsere Hofs- nungen ruhen nun also nur nach aus, Schön, Siegel, Manthey, Wolke. Nebe und Thierbach. Der Franzose W o u c l a i r, ein Mit- glied der französischen Löndermannschast, schied durch Schlüssel- b« i n b r u ch aus, auch fein Landsmann Fontan mußte die Waffen strecken, noch bevor er Louchon erreichte. - 1 ArbeUszeweiaschast föt Jorstschich»od Nawrlaade. ?tn der Aufsührung sind autzer dem Berner Siadlorchefter«00 Sänger und Sängerinnen, grotzeh Kinderchor, Sprech- und BewegungSchär« beteilig!. eB. Südoft-Treptoi». T« her Hallenbeirieb voraussichtlich.-ril am ft wieder beginnen wird, werden alte chenvssmiien und tbenossea ersucht, sich tu den Spiel- und SporNagen, Mittwochs und Sonnabends in Treptow. Wiese II, Dienstags and Treitogs in Banmfchuteiewez, Sportptah, «iaaufiptwx. S»» ei verein Moabit. Tie Taenabende aller«bteituaaen fallen wälirend der Schulferien au«. TaMr ergetmähig platzt raining auf dem Sporiplag Tiergarten irden Tienstag und Tvnnerstag ab 0 Übe. Neue Mitglieder «rrde» dort Bufgenonimtit.— schtnog. SaaUionote! Montag, den 14. Juli. '.iB llhr, im LolaI von Schmidt, äBitleffte. 17: wichtige gunZtionijrsitznng. FTchB Sciiil Westen: Badotoue(tum Aiihsee bei Strausberg. Trefipunit Sonntag srvh 7 llbr am Bohnbof tzoo. Stifte willkommen. 8X09. Xarow, Fuhballabteilung. Stombimertc Munnlchafi sucht Gegner auf eigenem Plah. Siilrffpiet»ugesicheei. Anseagen Buch vcmber 1929 erklärt, daß fein Ziel die Umwandlung Indiens in ein Dominion sei, und erst als trotz aller Versprechungen praktisch keinerlei Fortschritt erzielt wurde, habe Gandhi sich an die Spitze der Unabhängigkeitsbcwegung gestellt. Es sei jedoch kein Zweifel, daß Gandhi auch heute noch sich mit der Umwandlung in ein Dominion abfinden würde. Eine sozialistische Partei gibt es in Indien nicht, aber es gibt Sozialisten, besonders natürlich unter den Mitgliedern der Gewcrk- schasten. Die Gewerkschaften geben Wochenblätter heraus, die gewöhnlich in der L o k a l s p r a ch e ihres Erscheinungsortes veröffentlicht werden, denn Zentralverbände über ganz Indien gibt es nicht. Die g e- meinsame Verhandlungssprache auf Kongressen sei h i n d u st a n i s ch, dos von allen Indern verstanden werde, wenn auch nicht alle Inder hindustanisch sprechen. Auf den indischen Gewerkschaftskongressen sprechen die Delegierten, die hidustanisch nicht beherrschen, englisch, und deren Reden werden dann ins Hindu- stanische übersetzt. Die Löhne und die sonstigen Arbeitsbedingungen sind, wie bekannt, in Indien selbst elend. Sie sind gleich schlecht bei indischen wie bei ausländischen Unternehmern. Männliche Un- gelernte verdienen etwa 9 bis 13 Pence, Gelernte 18 bis 32 Pence täglich in den Großstädten. Auf dem Lande sind die Löhn« erheblich niedriger und betragen etwa 7 Pence pro Tag. Die Frauen ver- dienen die Hälfte bis drei Viertel dieser Löhne. Di« A r b e i t s z e ist in den Fabriken, d. h. in solchen Un'er- nehmen, di« mindestens 20 Personen beschäftigen und Maschinen- kraft benutzen, 10 Stunden täglich oder 60 Stunden wöchent- lich. In den anderen Unternehmen und in der Landwirtschaft Ist die Arbeitszeit unbegrenzt. Die Kindersterblichkeit ist ungeheuer groß, eine Folge der elenden Lobensverhällnisse. Von 1000 Kindern sterben nach der offiziellen Statistik 667 Im ersten Lebensjahr. Die Arbeitslosigkeit in Indien sei sehr groß. Jedoch trete sie nicht so in Erscheinung wie in Europa, und zwar deshalb nicht, weil es in Indien Tradition ist, daß der, der noch über Sub- sistenzmittcl oerfügt, die Pflicht hat, diese mit allen seinen Ver- wandten, die keine haben, zu teilen. Daraus erklärt sich auch, daß das durchschnittliche Jahreseinkommen auf den Kopf der Bevölkerung 4 Pfund Sterling(80 Mark)(?) beträgt und daß 60 Proz. der Be- oölkcrung sich täglich nur nüt einer Mahlzeit begnügen müssen. Eireiken ist siiienwidrig. Das behauptet ein Kommunist vor dem Arbeitsgericht. In einer Schallplattenfabrik, deren Arbeiter fast reft- los organisiert sind, wurde ein Unorganisierter eingestellt. Das erregte natürlich den Unwillen der Arbeiterschaft, um so mehr, da eine Vereinbarung mit der Direktion besteht, wonach Arbettcr nur durch Vermittlung des Arbeitsnachweises dos Fabrikarbeiteroerbandes einzustellen sind. Der Unorganisierte hatte die Stelle durch wochenlanges Herumscharwenzeln bei dem M c i- st e r erhalten. Drei Mitglieder des Arbeiterrat» oerhandolten mit deni Meister und dem Betriebsleiter, sie beriefen sich auf die Ver- einbarung mit dem Verband und forderten, daß der Unorganisierte nicht beschäftigt werde. Die Arbeiter erwarteten das Resultat der Verhandlung, die während der Frühstückspause stattfand. Als nach Schluß der Pause noch kein Ergebnis erzielt war, nahm die ganze Belegschafl dl« Arbeit nicht wieder auf. Das wäre vielleicht gar nicht nötig gewesen, denn bei den Besprechungen mit den Arbeiterratsmitgliedern zeigte sich der Meister bereit, aus die Beschäftigung des Unorganisierten zu verzichten, um Ruhe im Betriebe zu haben. Der Unorganisier.e wurde denn auch entlassen. Nun nahm sich die oppositionelle Dreherorgani- s a t i o n seiner an und, obgleich man fast in jeder Nummer der „Roten Fahne" lesen kann, daß das Arbeitsgericht ein gegen die Arbeiter eingestelltes Klassengericht sei, wollte der Vertreter der oppositionellen Dreher, ein waschechter K o m m u n i st, m't Hilfe dieses Gerichts für seinen Mandanten etwas hcrau-holm. Dieser Vertreter hatte herausgefunden, daß im Bürgerlichen Gesetz- buch ein Paragraph zu finden ist, welcher lautet:„Wer in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weis« einem anderen vorsätz- lich Schaden zufügt, ist dem anderen zum Ersatz de« Schadens ver- pflichtet.» Also der Streik ist hier, wo es dem kommunistischen Der- trcter in den Kram paßt, eine gegen die guten Sitten verstoßende Handlung. Deshalb verlangt er, daß die drei Arbeiterratsmitglieder, die den Streik veranlaßt haben sollen, dem Un. organisierten seinen vollen Lohn zahlen, bis er Arbeit gefunden hat. Bor Gericht stellte sich heraus, daß die Arbciterratsmitglieder das Ruhenlassen der Arbeit nicht nur nicht oeranlaßt, son- dern der Belegschaft geraten haben, weiterzuarbeiten, da di« Ange- legenheit durch Verhandlung geregelt werde. Aber der Rat wurde nicht befolgt, die allgemeine Stimmung kam durch Ruhenlassen der Arbeit zum Ausdruck. Das Gericht erkannte auf Abweisung der Klag«, weil nicht nachgewiesen sei, daß der gegen die Beschäftigung des Kagers gc> richtete Streik von den Beklagten veranlaßt sei. Zepp über Spitzbergen. sZstückflug läng« der schottischen Küste. Stockholm, II. Juli. Das Luftschiff„Graf Zeppelin» flog von Hammerfest zum Nord- kap und von dort gegen Mittag nach Spitzbergen, das um 18 Uhr bei strahlender Sonne erreicht wurde. Von dort ging die Fahrt wieder zur n o r w e g i s ch e n N o r d k ü st e. Hamburg, 11. Juli. Das Luftschiff„Graf Zeppelin» befand sich nach einer bei der Hamburg-Amerika-Linie vorliegenden Funkmeldung heut« früh um 9.30 Uhr MEZ. an der Nordtüste von Schottland. Die nationale Lügenpreffe. Lügt selber und beschuldigt den„Vorwärts" der Lüge. Der nationalistischen Presie gefällt«» gar nicht, daß wir da» Fehlurteil des Zeitzer Schnellrichters gegen den französischen Sport- lcr Cuvelier aufgedeckt und scharf kritisiert haben. Da sie auf un- sere sachlichen Argumente nichts zu erwidern weiß, greift sie nach bewährter Taktik zur Lüge. Unter der vielsagenden Ueberjchnft: „Der„Vorwärts" und die französische Presse Arm in Arm be- hauptet die„Deutsche Zenung": „Genau so, wie es Im ,,V o r w ä r t s" geschieht, wird in der französischen Presse behauptet, daß man dem Angeklagten obwohl er kein Wort deutsch sprechen konnte, einen D o l m e t Ich« r verweigert habe.... Das Amtsgericht Zeitz hat inzwischen ein« amtliche Darstellung der Verhandlung veröffentlicht, aus der hervorgeht, daß im Gegensatz zu der vom„Vorwärts verbreiteten Behauptung dem Angeklagten ein Dal- metscher zur Seite gestanden hat." Was hatte der„Vorwärts" behauptet? EenaudasGcgen- teil dessen, was ihm di«„Deutsche Zeitung» unterschiebt. � In unserem Bericht vom 8. Juli, der allein zur Dolmetscherfrage Siel- lung nahm, schrieben wir: „Zwar war der Form halber ein Dolmetscher zugegen, aber man hielt es nicht für notwendig, diesen die Verhandlung wirk- lich übersetzen zu lassen. Beispiele: Von der dreioiertel- stündigen Anklagerede des Oberstaatsanwalts Keßler wurde dem Angeklagten allein der auf 6 Vlonaie gehende Ttrafantrag übcr- jeh» usw.» Weiter hatten wir hervorgcchoben, daß von den Zeugenaus- sagen nur Auszüge übersetzt und daß trotz der prioateit Intervention des Anwalts Dr. Mehn es bei dieser bruchstück- w e i s- n U« b e r s e tz u n g blieb. Solche Darstellungen kann wohl «in Blatt nicht geben, wenn es gleichzeitig behaupten will, daß ein Dolmetscher nicht zugegen gewesen sei! Lügen sind allerdings in dieser Sache verbreitet worden, näm- lich— von der„Deutschen Zeitung"! Diese hat in ihrer Nr. 139- (Beilage) folgend- Sachdarstellung über den Zusammenstoß gegeben: „Zwei Mitglieder der französischen Mannschaft glaubten ihre Eigenschaft als Sportslent« noch besonders dadurch zu beweisen, daß sie abends in einer Schankwirtschaft mit zwei Mädchen zechten. Sie gerieten, wahrscheinlich unter Ei n w i r- kung überreichlich genossenen Alkohol», späte: hm mit anderen Leuten in Streit. Cuvetters Begleiter, der das pein- liche der Lage erfaßte, entfernte sich stillschweigend, wahrend Cuvelier sich selbst in Beschimpfungen gegen die Deutschen erging. Jeder Satz dieser Darstellung ist erlogen. Euve- lier und sein Begleiter hatten an dem offiziellen Bankett, dos den französischen Gästen gegeben wurde, teilgenommen. Nicht das mindest« hat die Verhandlung dafür erbracht, daß die Franzosen unter Wirkung des Alkohols standen, dies ist freie Phan- tosie der„Deutschen Zeitung". Ferner„gerieten" die Franzosen nicht in Streit, sondern wurden— auch nach Feststellung des Zeitzer Schnellgerichts— von Nationalsozialisten verfolgt. beleidigt und gerempelt, wie das selbst die Hugeuberg- Presse(vergl. heutige Morgenausgabe) zugestehen muß. Und nicht Cuvelier hat die Deutschen beleidigt, sondern die Nazis haben hinter den Franzosen hergeschricn:„Für euch französische Schweine ist der Fahrdamm gut genug." Es ist alt« nationalistisch« Taktik, Blößen der nationalen Ehr« durch Lügen decken zu wollen. Die Sache wird dadurch nur schkiminer. Gegen Kaution entlassen. Cuvelier, der in Zeitz verurteilte französische Sportler, ist gegen eine Kaution von 2000 Mark aus der Ihaft entlassen worden. Di« Summe ist sofort von den Zeitzer bürgerlichen Sportverbänden auf- gebracht worden, die damit ebenfalls von dem skandalösen Urteil abgerückt sind. Hitzewelle über Ehicago. Chicago, 11. Juli. Seit Ansang dieser wache find nicht weniger al, 2 7 per- sonen als Opfer der Hitzewelle, die das ganze nörd- liche Zentralgebiet der Vereinigten Staaten heimsucht, gestorben. Zn zehn amerikanischen Städten worden Temperaturen von ZS Grad Celsius gemessen. 57 Perfonen find beim Laden ums Leben gekommen. DankMuHiii*. Für dir erwiesene Teilnahme an- ISfllich des Hinscheidens meiner lieben Frau und unsrier guten Mutier klorentlne Schllnske sagen wir dem Borstand und de» Kollegen de» Deutschen Landarbeiier- Berdande», den Porteigcnosten sowie allen Freunden und Deiannien herz- tichen Dank. Anton SchUnike and Kinder Theater i.d.Bebrenstr. 53-54 S'/t U. A4 Zentrum 926-927 S'd U DlrekHon Ralph Artfaur Roberia Mein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Rods Staats-Theater geschlossen! Abonnements- Anmeldungen tur die Spielzeit 1930-31 (Bigioo am 1. Sapfember) werden auch während der Theaterferien entgegengenommen: a) für die Staatsoper und das Staatl. Schauspielhaus vomAbonnements- büro, Berlin W56, Ober- wallstr. 22.— Femspr. Merkur 9024, b) für das Staatl. Schillertheater vom Abonnc- raentsbüro, Berlin-Chartottenburg, Grolman- strafie 70.— Fernspr. Steinpl. 6715. VolKsbttline Theatir in BOlorpliti. SVt Uhr Der frdhlidie Wetnberg Lustsp. in 3 Akten ioi Karl Ztiddnayef legie: LD.Intir. �afp/fTswüte Konugimg* R�faurant Berlins BETRIEB KEMPIMSKI*" Tbeai.aaRaitA.Tar Koubusser Str. 6 Tägl. 8';. Wiederauf- iteten der Eiue- sanger mit Schonch RussUi. Grosses UtliidilewcPrwmim! Töeater d. Wettern Täglich 8i/i Uhr: Das Land des Uichelns Pram Uehars Sensationserfolg I Renaissance- Theater 9 Uhr Steinplatz 6780 Torlititi taffflluiiH). Die Vunder-Bar Revuestllck Metropol-Th. Täglich 8l/t Uhr ■iehael Bohnen 11 Dir allein.. Berilner Praier sommergaiiBDUiMter Kastanienallee 7—9 UM lifaq 4 lllik der grolle Varietd- Teil Fine entzückende Burleske 8.15 U- Oustl Beer. Grell Lilien, Alex Haber, V von Kobylaoska in die Boso vonSfamBul Operette in 3 Akten von Leo Fall erotas Kalleekotlien Eintrittspreis von SO n. an. ROSE -Theatnr OroSe Frankfurter Str. 133 BIIHI(kam: AU*. 3422 n. 34S4 Täglich 5.30: KONZERT Ab 6 Uhr: Varleltschau 8.15 Uhr: „Verliebte Leute" Operette von KUnneke. Im Innentheatar Täglich l.tä „Die andere Seite" - dar iraBt kOnsllartach* Ertelo bei dar oaumtan Praatt Barllnt. Pwl Rott alt Kampaanlarahrar Rocnnriopc*iwig nu<)■ Ufiäfä ahzeicd Dcauillicra istohuaHaflaffhillinl Bs.VomtriT>°s tnhSn ninUalM D11I1QI Und Uf Dein Urlaub nodi fo klein» im Cal�Scbdncbcrd muH! Da Sevelen fein! Inhaber: Wolf gang Grunge, HanptttraHe 23/24 Lessing-Tbeater IMniatM 2197 t.KU Täglich S» Uhr Vie verdt idi rtidi und glodilidi? Ei» Kinu Ii II Wtilvngn m Uli Jndiioua. Muik m Ksdi ipeliudy bfic Eridi Enal Bühnenbilder Irtwlt hiiier zur Miete WSO.ABSbacberatr.) 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