Morgenausgabe Nr. 321_ �, AI 62 �--�hrgang «öchenllich SS Pf. monatlich Z.S0 ZI». Im oorau, zahlbar, Poftbrzug t£2 M. -infchNehlich i-OPfg.Postz.twag». und 72 Pfg. Poftbestellgebühr.n.iluslands. abonnem.nt S.— M. pro Monat. * S.r.vorwärt»" urfcheint woch.ntög. lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und Im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte BeUagen.Boll und Zeit" und.Ainderfreund". Ferner .Frauenstimme", Technil"..Blick in die Büchenoell",.Jugend.Donvärto" und»Stadtbeilag«". P> Vevttnev Vvttsblatt Sonnabend 12. M 1930 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswäris 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklame'zeile S,— Reichs- mark.„Kleine Anzeigen' da» ettge- druckte Wort 25 Pfennig tzuläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. �Arbeitsmarkt Zeile S0 Pfennig. Familienlnzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- gefchäft Lindenstraße 3, wochentäglich von SVe bis 17 Uhr. Aentvawvsan der Gozialdemotvatifchen Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 >zernlpr«weise. in weitem Umfange schwer verletzt. Der Einwand, daß die thüringische Regierung die Einführung der Gebete nicht angeordnet, sondern nur„empfohlen" habe, sei nicht stichhaltig. Artikel 148 Absatz 2 der Aeichsverfassung lege den Stellen, di« für den Unterricht an öffentlichen Schulen verantwortlich seien, ganz allgemein die Verpflichtung auf, alles zu unterlassen, was auf«inen Verstoß gegen den Grundsatz des Artikel» 148 Wfatz 2 hinwirken könne. Selbst wenn die thüringische Regierung sich auf eine An- rcgung beschränkt hätte, so würde auch das eine Verletzung des Artikels 148 bedeuten. Tatsächlich aber habe die thüringisch« Regierung den Lehrern empfohlen, die Schüler dazu anzuhalten, daß sie sich die Gebete in der gekennzeichneten Art zu eigen machen. Diese Tatsache, daß die Schülerselbst dazu gebracht werden sollten, dem Geist des Artikels 148 der Reichsoersassung zuwiderzuhandeln, lasse den Verstoß gegen die Reichs- Verfassung noch stärker hervortreten. Die verletzend« Wirkung der Gebet« in weiten Kreisen wäre schließlich noch dadurch verschärft, daß die thüringische Regierung durch die Wahl der Gebetsform auf da» religiös« Gebiet übergegriffen habe. Nie Gaarverhandluugen. CurtivS berichtet im Auswärtigen Ausschuß. Die Kürzung der hohen venfionen. Beratung im Haushaltsausschuß. In dar fortgesetzten Beratung des sozialdemokratischen Pension»» turzungsgeseges im Haushaltsausschuß des Reichstags hatte dar 'Abg. Ersing(Z.) erklärt, daß der Sozialdemokrat Herrmann in Stuttgart, der im Jahre 1919 einige Monate württembergischer Kriegsminister gewesen sei, jetzt nachträglich eine Pension fordere und außerdem verlange, daß ihm für die Zell von 1919 bis 1929 eine Nachzahlung von 6 5090 Mark gewährt werde. Dieser Dorgang zeige, daß die Soziakdemokratie die Ursache habe, die Frage der Großpensionen nicht agitatorisch zu behandeln. Abg. Roßmauu(Soz.) erklärte darauf, daß er nicht den Beruf in sich fühle, sozialdemokratische Pensionsempfänger zu verteidigen, aber Ersing habe diesen Fall einsellig und unvollständig dargestellt. In Württemberg habe bis 1927 für jeden Minister, ohne Rücksid# auf die Dienstdauer, das gesetzliche Recht aus den Bezug einer Pension bestanden. Bei der Neuregelung der Dienstverhältnisse der württem- bergifchen Minister habe die Regierung Bazille dieses Recht nicht etwa allgemein beseitigt, sondern mit rückwirkeirder Kraft nur für die noch der Staatsumwälzung ins Ministeramt gekommenen Männer, die nicht aus dem Beaintenberuf hervorgegangen waren, was praktisch auf ein« Ausnah Nieregelung gegen die früheren sozialdemokratischen Mini st er hinauslief. Das Reichsgericht habe dann eine Verletzung der Reichsoerfassung erblickt und die entsprechende württember- gische Gesetzesbestimmung für rechtsunwirksam erklärt. Erst infolge dieser Provokation der württembergischen Rechtsregierung hätten einige seiner Parteifreund«, darunter auch Herrmann, Pen- sionen beantragt, um feststellen zu lassen, ob die Sozial- demotraten minderen Rechtes feien und vom Reichs- gericht anders behandelt würden, als etwa die Kapp-Putschisten v. Lüttwitz, Ehrhardt, Pabst und Genossen. Das sei der poli- t i s ch e S i n n des Vorstohes. Die tatsächliche Inanspruchnahme einer Nachzahlung in so erheblichem Umfang würde wohl kaum in Betracht kommen und jedenfalls von seiner Partei nicht gebilligt werden. Abg. Roßmailn hatte den skandalösen Krefelder Borgang erwähnt, in welchem die Mehrheit der Stadtverorkw netenversammlung den Oberbürgermeister die Pension auf dessen Wunsch in eine privatrechtliche Rente von 38999 Mark jährlich umwandelte, um sie vor Kürzung durch Reichs- oder Landesgesetze zu sichern. Der Abg. Norath(DDP.) behauptete darauf, daß dieser be- schämend« Borgang durch Beschluß einer aus Zentrum und Sozialdemokratie bestehenden Mehrheit möglich ge- worden sei. Im weiteren Verlauf der Sitzung tonnt« Roß mann gegen- über dieser aufregenden Mitteilung auf Grund einer telephonischen Rücksprache in Krefeld feststellen, daß die Nehrheit sich aus Zentrum und Nirkschaftspariei zusammenfetzte, während die Sozialdemokratie gegen das Abkommen stimmke. Auf eine Anfrage de« Abg. Rohmann über den P e n s i o n s- fall Moldenhauer teilte Staatssekretär Dr. Schäfer mit, daß das Reichswirtschaftsministerium Pflicht- und übungsgemotz schon im vergangenen Herbst die pensionsrechtlichen Verhältnisse Moldenhauers klargestellt habe. Moldenhauer sei von 1991 bis 1929 Professor an der Universität Köln gewesen. Dieses Institut sei bis 1919 als Handelshochschule ein« kommunale Lehranstalt wesen. Die Anrechnung der Zeit von 1919 bis 1929 sei gesetzlich oorgeschrieden. Wegen der. Zeit von 1991 bis. 1919 sei beim vreuß:- scheu Kultusministerium angesragt worden, was in Preußen in solchen Fällen Uebung sei. Darauf habe das Kultusm'nisteriurn unter dem 17. März 1930 mitgeteilt, daß die Anrechnung einer solchen Zeit als Pensionsdienstzeit der regelmäßigen Uebung-nt- spreche. Ebenso entspreche es der regelmäßigen Uebung. daß der Reichsrat, sobald im Reich eine Pension praktisch werde, aus Antrio über die Anrechnungsfähigkeit der nicht im Reichs- oder Landesdienst zugebrachten Zeit entscheide. Moldenhauer habe also bei seinem Austritt aus dem Dienst mir getan, was feine frühere vorgesetzte Dienstbehörde als regelmäßig üblich bezeichnet habe. In einem heute eingegangenen Telegramm habe Herr Moldenhauer übrigens ieinen Antrag zurückgezogen.— Der Ausschuß vertagte sich dann bis Sonnabend. Tardieu Sberrumpell das Parlament. plötzliche Verlesung des(Schlußdekrets. Paris. 11. Juli. Zu der Sammer und im Senat wurde heule abend überrafcheud eis Dekret über die Schließung der parlaweaiesefsiou verlesen. Di« Kammer beriet den ganzen Nachmittag über dl« Frage der Reform der Reform der Kommunol- und Departementsfinanzen. Es lagen zwei Tagesordnungen vor: ist« des Adgeortmeteu B o n. n et förLert die Regierung auf. einen' Teil der Kommunal, und Departementsfinanzen auf das Budget' des Staates Zu übernehmen. Die andere Tagesordnung, die on dem Abgeordneten Simon (Dem.) eingebracht worden war. einem Mitgllei» der Gruppe Marin und der radikalen Lücken, sprach der Regierung das Vertrauen aus. daß sie die Reform der Kommunal- und Departementsfinanzen durchführen werde, und fordert« den Uebergang zur Tagesordnung. Ministerpräsident Tardieu nahm die zweit« Tagesordnung an und stellte gegen die Tagesordnung Bonnet die Vertrauensfrage. Di« Tagesordnung Bonnet wurde mit 316 gegen 268 Stimmen abgelehnt und hierauf di« Vertrauenstagesordnung Simon wider- spruchslos angenommen. Im Anschluß hieran verlangt« der sozialistische Abgeordnet« Zävrier Beratung der sozialistischen Int«. pellation über den P o st b e a m t e n st r« i k. Er erklärt«, daß er die notwendigen 59 Unterschriften gesammelt habe, um dies« Debatte noch heute zu Ende führen zu können. Darauf erhob sich Miuislerpräsideul Tardieu und verlas ohne wettere Erklärung das Schlußdekret. Der Kammer bemächtigt« sich ziemliche Erregans- Don den linksstohonden Parteien wurden Prtüests laut unter Hinweis darauf, daß wichtige Gefetzesnorlagsn, wie der Gesetz. «ichpurf über die Kolonialanleih« und ander«, nicht mehr ner. abschiedet worden seien. Eine Debatte entspann sich auch über du» Annahme des S ch l u ß p r o t o k o l I s, die schließlich mit 319 gegen 273 Stimmen erfolgte. Di« Verlesung des Schlußdekrets im Senat ging ahn« Opposition vor sich Der Auswärtige Ausschuß de» Reichstags beschäftigte sich gestern zunächst mit den Saarverhandlungen, über die.Reichs» Außenminister Dr. Eurtius ausführlich berichtete. An die Dar- legungen des Ministers schloß sich eine allgemein« Aussproche... Dann befaßte sich der Aurschuß mit zahlreichen politischen Ab- kommen, darunter auch mit den Handelsverträgen mit Oesterreich, Pclen und Aegypten. Am Schluß de-r Aussprach« wurde vom Vorsitzenden festgestellt, daß die Mehrheit des Ausschusses außen- politische Bedenken gegen di: Abkommen nicht geltend gemacht habe. Die Abkommen werden nun noch vom Handelspolitischen Ausschuß beraten. Leiter des Leutjchiand-Refcral» im polmfchcn Außcnministcnum ist fetzt der bisherige Botschaftsrat der polnischen Botschaft beim Vatikan, Komar«lck-h Llm Deutschlands„Neutralität" Französisch-italienisches KnegSgefchwätz. Die„Deutsche Zeitung", bekannt als Befürworterin eines dsutsch-italienischen Zusannnengehens gegen Frankreich, behauptet in Italien fei bekannt geworden,„daß in diesen Tagen sowohl in Berlin als auch In Wien französtscherseits Fühler in der Frage ausgestreckt worden sind, wie sich die deutsche und die deutsch- österreichische Regierung im Falle eines franzöfisch-italie- nischen Krieges verhalten würden." Auffallend ist, daß gleichzeitig in der englischen Press« aus Berlin gemeldet wird, Italien habe von Deutschland di« Zu- icherung der Neutralität für den Fall eines französisch- italienischen Krieges erlangen wollen: dagegen habe Frankreich bei der deutschen Regierung Protest eingelegt und Deutschland habe inzwischen auch Italiens Zumutung abgelehnt Mr sind überzeugt, daß sowohl die eine wie die andere Nach- richt vollkommen aus der Luft gegriffen ist. Angesichts der engen Beziehungen des alldeutschen Organs zum italienischen Faschismus handelt es sich bei seiner Meldung anscheinend um«inen V er» uchsbalion, um«ine öffentliche Diskussion über das Verholten Deutschlands im Falle eines solchen Krieges zu provozieren. Die englische Agenturmeldung ist offenbar auf. die starke Ner» vosität zurückzuführen, die in Frankreich seit dem Bekanntwerden der ablehnenden Antwort Mussolinis auf das Briandsche Memo- randum herrscht. In Paris sind viel« Leute'fest überzeugt, daß Deutschland und Italien ihre Antworten auf dos Memorandum im engsten Einvsrnehmen verfaßt haben, ja, es kursieren wilde Gerüchte über einen bevorstehenden oder sogar schon abgeschlossenen deutsch- italienisch«« Vertrag! Im übrigen wäre für. Deuffchland die Lag« im Fälle eines drohenden üaliemsch-französtschen Krieges ganz natürlich gegeben: es würde seine Rechte und Pflichten als'Mitglied des Völkerbundes wahrzunehnien' haben, mit dem Ziele, den Krieg zu verhindern. Aichibestatigung eines Amisvorflehers. Wegen seiner polii.schen Betätigung. Der Oberpräsident von Schlestmg-Holstcin versagte kürzlich die Bestätigung eines gewissen Freiherrn von Hollen. Schönweide bei Plön, als Amtsvorsteher. Einig« deutfchnationale Landtagsabgeordnete führten in einer Kleinen Anfrage. Beschwerde hierüber. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, führt der preußische Innenminister in seiner Antwort aus, der Ober- Präsident in Kiel habe der Wahl mü Recht die Bestätigung ver- sagt, weii die Art und Weise, in der Frei Herr von Hollen sich seit den, Kapp-Putfch bis zur Gegenwart öffentlich betätigt habe, den Schluß zulasse, daß er für das Amt eines Amtsoorftehers ungeeignet sei. Im übrigen sei di« Verfagung der Bestätigung nach d«n be- stehenden gesetzlichen Bestimmungen endgültig, so daß Weiteres seitens des Staätsministeriiyns doch nicht veranläßt werden könne. Aaiionalsozialisttsche Offiziere. Voruntersuchung gegen die Kilver Offiziere abgeschlossen Gegen di« beiden Ulmer 51 eich swehroffiziere, d-i« beschuldigt werden, in der Reichswehr nationalsozialistische Zellen gebildet zu haben, ist die Voruntersuchung abgeschlossen worden. Die Akten werden zwecks Änklogeerhebung der Reichsonwalt- schoft zugeleitet; es ist möglich, daß die Verhandlung noch im Laufe des Monats August vor dem Reichsgericht stattfindet.— Zurzeit befinden sich di« beiden Offizier« noch im Unterfnchungs.I Aasävgats Moabit. I Kn'cks Reinfall. Lieber Frick, mir scheint, daß du von wegen Der Gebete schmählich unterlegen. Dieses Pech reiht sich an die bisher sc Schon recht imposante Siegesserie. Wie km heldisch auch hcrumgefochten—, Alle Schnoddrigkeiten, sie vermochten Nicht den Staatsgerichtshof umzustimmen. Muß da nicht dein deutscher Leib ergrimmen? Bei der Fllmprüfftelle durchgefallen, Hörst im Ohr du noch die Watsche» schallen. Auch beim Reichsgericht nur?kiedcrlogen'. (Mancher Mrde da nie wieder klagen.) Du zwilgestärkter Heimattrieger Bliebst in jedgm Rennen zweiter Sieger... Das Idyll, das du. dir ausgesonnen, Ach. vorm Staaisgerichtshof ist's zerronnen: Wegen Hochverrate» vorbestraft sein.' Bon der Republik umparagrapht sein,' Dafür im Gebet sie zu beschimpfen. Schon den Haß der Jugend einzuimpfen. Lieber Frick, damit ist ts nun Essig. Deinen grimnicn Seelenschmerz ermcß' ich. Doch getrost: dem Siegeslauf geht weiter—, D i e Art wird durch Reinfall nicht gescheiter. jonatliaa. Zehn Lahre freies deutsches Osttaud. Severins spricht im Zfaodftmt. 3a der attaeUeu Abteilung der Aaakstaade sprach gestern Reichsmlalst« o. v. Genofle Seaeriag über die valksab. sttmwaag la Ost- and westpreastea. die gestern aar lst Jahren stattfand. Ssoermg führt« aus: Leistungen und Erfolg« des deutschen Volles können und dürfen nicht ihr« gerecht« Wertung verlieren durch den Vlük auf unsere augenblickliche wirtschaftlich« Not. Eine Mahnung dafür, daß wir nicht Grund haben, den Äopf hängen zu lassen, ist der Gedenktag, den wir heut« begehen W!« die Nord- mark, so zog auch die Ostmark nicht Reichtum und materieller Vorteil zu Deutschland. Am H Marz verfehlten in Flensburg die dänischen Spcckpakel« ihre Wirkung, im Juli geschah das gleich« gegenüber den polnischen Versprechungen. Der Glaub« der Deutschen an Deutschland war unerschütterlich. Gewiß dars man keinen moralischen Maßstab an die Ansprüche der Polen stellen, die bis dahin in drei großen Reichen geschieden und getrennt lebten. Die Deutschen waren gewillt, sich weder durch Lockungen noch durch Waffen vergewaltigen zu lassen. Wenn wir heute der Siege gedenken, die mit dem Stimn�ett«! in der Hand im unblutigen Ringeu von der deutscheu Be- völterung erstritten worden sind, so dürfen wir nicht vorübergehen an den Kämpfen, die unter noch schwierigen Verhält- nissen um die Jahreswende 1S18/19 um jeden Fußbreit deutschen Bodens in der Grenzmark geführt worden sind. Das Bild ähnelt der Lage im Rheinland vom September 1923: Die reichstreu« Bevölkerung kämpfte für Deutschland! Leider haben im Rheinland verant- wortungslos« Menschen, die man in der Stund« der Ge- fahr nicht sah, sich nachher als Rächer aufgespielt und durch unheilvolle Taten dem deutschen Nomen Schande gemacht. B«- schämende Orgien der Roheit und des Hasses hat die deutsche Ost- mark nicht gesehen, dafür ober ein tapferes Grenzaolt, das in entschlossener Abwehr zusammenstand und dadurch den polnischen General Haller zum Verzicht auf seinen Westpreiißen- marsch zwang. Der Mai 1919 brachte Friedensbedingungen, die der Be- friedung Europas zuwiderlausen und durch die Schaffung des Korridors einen Pfahl in das Fleisch der beiden Völker, der Deutschen und der Polen, stießen. Nur in Ostpreußen und in dem Regierungsbezirk Marienwerder durste abgestimmt werden. Das übrige Westpreußen, Posen und das Soldauer und Memeler Ge biet wurden ungefragt an freinde Staaten abgetreten. Im Ab- stiinmungsgebiet aber zeigt« sich eine lückenlose Einheits- front der Parteien, und darüber hinaus hatte der Abstnnmungs» kommisiar Gayl recht, wenn er sagte, daß nach dem Dichterwort der ärmste Sohn in der Stunde der Gefahr auch der treuests ge- wesen ist. 150 OOV Menschen allein kamen aus dem Reich«, um trotz aller Strapazen, die gerade.in der wirren Zeit 1920 groß waren, für Deutschland zu stimmen. Marienwerder 92 Pro- zent, Allenstein 98 Prozent deutsch« Stimmen, das war das Ergebnis! Es ivar nicht mst Gold erkauft, wie überhaupt jede rein geld- liche Oschilse nur wirvsam ist, wenn über die blutenden Grenzen hinaus dos ganze Volk Gewinn hat. Ganz Deutschland braucht Wegstärkung auf seinem beschwerlichen Pfade, und die Erinnerung an fem« tapfere Ostmark soll ihm«ine solche Wcgstärkung sein! Die Reform der Krankenversicherung. Grundlohnherabsehnng abgelehnt/ Sraokenscheingebnhr anqenommm. Im So ziolpo litrschen Ausschuß des Reichstag» gedacht« zu Beginn der Sitzung der Vorsitzende Esser der Opfer der Berg. werkskatastrophe. Für den Ausschuß versprach er. alle» zu wn. was zur Milderung der Rot der Familien der Opfer und zur Per» meidung ähnlicher Katastrophen geleistet werden könne. Ein Der- trcter des Reichsarbeitsministeriums teilte mit, daß di� Reichs- knappschaft und die 5tnoppfchaftsbentfsgenossenschaften alle Hilfsmaßnahmen für die Opfer getroffen hätten. Bei der Beratimg der Krankenversicherungs- n o v« l l e wurde mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten, Demokraten und eines Zentrumsabgeordneten die Bestimmung der Vorlage abgelehnt, tvonach der Grundlohn von 10 auf 9 Mark herabgesetzt werden soll. Die Bestimmung der Borlag«, für jede Arzneivcrordnung vom Versicherten einen Zuschuß von 50 Pf. zu fordern, wurde mit einer Stimme Mehrheit a n- genommen. Ein sozialdemokratischer Antrag, nur 20 Pf. zu rechnen, wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt. Der Ausschuß beschloß ferner mit einer Stimme Mehrheit, die Gebühr für den Krankenschein auf 50 Pf. festzuschen. Dieser Satz entspricht dem Vorschlag des Reichsrats, während die Regierungsvorlage 1 Mark vorsah. Durch Satzung kann die Gebühr für Versicherte mit einem Grundlohn von jährlich bis 4000 Mark bis auf die Hälfte ermäßigt, für Versicherte mit einem Grundlohn von mehr als 7000 Mark um die Hälfte erhöht werden. Entsprechend der Regierungsvorlage wurde beschlossen, daß die Gebühr mit Au- stimmung des Oberversicherungsamts aus besonderen Gründen auf ein Viertel herabgesetzt werden kann. Die Trauer um Reurode. Kundgebung des Aottonalrats. Mea. 11. Juli.(Eigenbericht.) Im Nationolrai gedachte Präsident Dr. G ü r t l e r der Griibm- kqtastrophc im Neuroder Revier mit folgensen Worten: ..Welches Menschenherz wät« nicht tief erschüttert ab des namenlosen Elends, in das ein kurzer Augenblick viele hundert Familien jäh gestürzt hat. Wir Oestsrreicher, die wir in treuer Brüderschaft Freud und Leid mit unseren Stammes- genossen im Reich teilen, gedenken mit tiefer Ergrissenheit der be- llagenswerten Todesopfer und ihrer Hinterbliebenen. Wir trauern mit ganz Deutschland um den Verlust so vieler braven Mitbürger. die inmitten schaffender Arbeit in treuer Pflichteriüllung vom Tode gefällt wurden. Wir senden dem schwergeprüften Brudervolks unsere wehmutsvollen Grüß«, indem wir gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck geben, saß es den bewunderungswürdigen Bemühun- gen der tapferen Retter gelingen möge, noch manchen der Bergleute dem Tode zu entreißen." Auch alle reichsdeutfchen Landtage und Landesregierungen, so-' wie die Vertretungen des Auslandes hoben Beile idskundgebungen gesandt. Femeomneslle und ftomtnanlflen. In unserer Morgenausgabe vom 10. Juli gaben aür den Inhalt eine» Gesprächs wieder, dos zwischen dem Iusti»minister Dr. Bredt und einem Kommunisten über die Amnestie geführt worden ist. Berichtigend sei hinzugefügt� daß e» nicht der Abg. Torgler, sondern der Wg. Dr. Alexander war, d«r mit dem Iapizmiaister gesprochen hat. Die Schwurzeugen. V&olu&ton wie abjs *7* -/'' Vor der französischen Polizei, wo Vurzeff.nähere Einzelheiten bekanntgeben sollte, zeigte sich der neue Krönzeuge sehr schweig- s a m und zog sich Himer den Schutz des Beruf sgeheimnisse» zurück. Der indische Noykott wirkt. Schon ein Viertel eingebüßt. Bombah, 11. Juli.(Gigeubericht.) Mi« Bauurwolleinfuhr turn England nach Indien ist nach der neuesten Statistik in den Monaten April und Mai bereite» um. 2 3 5- Prozent niedriger als in den gleichen Monaten des Borjahres, obwohl der Boß- kott gegen die englischen Waren erst in» Juni mit aller Schärfe eingesetzt hat. Trotz TemonstrationS» und Versammlungsverbot kam es am Freitag wiederum zu großen Umzügen. Tie Poli- zei trieb die Masten auseinander. SV Personen wnrden verletzt. Wegen Kinderehe verurieilt. Sin Mohammedaner verheiratete selnensiebenjährigen Eoha Lahore, 11. Juli. In Rohtok(Pundschgb) ist zum ersten Male in Indien ein« Verurteilung auf Grund der Sarda-Berordmmg erfolgt, die in diesem Jahre in Kraft getreten ist und die Heiraten vpn Knaben unter achtzehn Iahren und von Mädchen unter vierzshn Iahren verbietet. Der Richter, der selbst Mohammedaner ist, ver. urtellte«wen anderen Mohammedaner zu fünfzehn Tagen Gefängnis, weil er seinen siebenjährigen Sohn trotz der Warnung de» Dorfschulzen verheiratet hatte. Oer ägyptische Volkssturm. Fahas propagiert Steuerstreif und Sahnboykott. Kairo. 11. Juli.(Eigenbericht.) Die Begräbinsfeierlichkeiten für die vor wenigen Tagen in Mensurah getöteten Anhänger des Wafd endeten mit großen Demonstrarionen gegen die antiparlamentarifche Regierung des Königs Fuad. An den Kundgebungen, die ruhig verliefen, be- teiligten sich etwa 80 900 Menschen. Der früher« Mimsterprasident Ra ho s Pascha begann mit der angekündigten öffentlichen Propaganda gegen das Diktawrregime. Er forderte die Beamtenschaft zum Rücktritt und die Be- aölkerung Kim Steuerst reik und.zum Boykott der Eisenbahnen auf Die Beratungen der Reichsregiervng über den Wortlaut der deutschen Antwort auf das franzöfiche En- ropa-Memorandum sind abgeschlossen. Die Antwort wird nunmehr der deutschen Boffchast in Paris Übermittelt werden, die sie m den nächsten Tagen der iranzösischen Regierung übergeben wird. Die Auhvart wird nach ihrer Ueberreichung veröfsenlllcht werden. Da» deutsch-poloffche Schiedsgerlchl verhandelt unter Vorsitz des Prof. Lacheral-Genf in Paris über Klagen der während des Krieges in Deutschland beschäftigten polnischen Landarbeiter gegen ihre damaligen Dienstherren. Deutsches Mitglied des Schieds- xerichls ist Prof. B r u h n c Berlin, polnischer Schiedsrichter Prof. Namitkjewicz-Warschau. Für Weltfrieden, gegen Zollkrieg. Harmonischer Ausklang in Stockholm. J. Sf. Slockhalm, 11 Juli.(Eigenbericht.) Der Internationale Gewerkschaftskongreß ist zu Ende. Wenn «s auch gestern zu lebhaften Auseinandersetzungen bei der Wahl des Sitzes der Internationale kam, so sind die U n st i m m i g k e i t e n offenbar inzwischen vollkommen überwunden. Der Kongreß endete in einem vollständig harmonischen Ausklang.' Einstimmig wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt: ebenso einstimmig wurde beschlossen, den nächsten Internationalen Kongreß in Brüssel abzuhalten. Die Schlußrede von I o u h a u x klang aus in einer Verherrlichung der durch ihre Vielfältigkeit um ja stärkeren Einheit der internationalen Gewerkschaftsbewegung. Iouhaux erklärte in seiner Schlußrede: Ein neuer Akt der internationalen Gcwerkschastsbewegniig ist abgeschlossen. Wir haben aus diesem Kongreß wichtige und weitreichende Entscheidungen gc- fällt, ein Wirtschaflsprcgrannn ausgestellt, ein sozialpolitisches Pro� gramm, Beschlüsse gefaßt gegen den Faschisinuz, gegen den Krieg: wir haben diese Beschlüsse gefaßt in den, Maße, in dem es uns möglich war, jetzt schon wirksam zu fein. Wir sind mcht voll befriedigt von diesen Lösungen, denn alle Lösungen auf interna tio- nalem Gebiete sind notwertdig Kompromisse, weil wir die ver- fchiädene Entwicklung und die verschiedene Ausfassung der verschiede- nen Länder berücksichtigen müssen. Wenn wir aber alle den Geist der Entschließungen richtig verstehen, dann werden wir es auch verstehen, sie in die Praxis umzusetzen. Wir haben beschlossen, den Sitz der Internationale nach Berlin zu verlegen. Man darf aus diesem Alllaß keineswegs ein Land gegen das andere ausspielen. Was der Kongreß mit diesem Beschluß gewollt hat, das war einzig, die ünkernationalc auf eine bessere Grundlage zu stellen, ihr eine bessere Möglichkeit zur Entfaltung zu geben. Die Zahl allein wacht es nicht aus, sondern es ist ihr Geist, der alle beseelt, es ist die Vielgestaltigkeit der Gesaimorganijalionen der Jnternmionalc, und in diesem Sinne wollen wir geineinseun arbeiten und können wir sagen, daß wir im Interesse der Arbeiterklasse gearbeitet haben. (Lebhafter, lang anhaltender Beifall.) Heute wurden die Berichte aus den Kommissionen gegeben. Heber die Wahl des Generalsekretärs berichtete Ku p e r s, daß man übereingekommen sei, den Genossen Sassenbach zu ersuchen, noch vier bis sechs Monate im Amt zu bleiben. Sofort nach Schluß des Kongresses werde der Vorstand die Landeszmtralen auffordern. Lorschläge zu machen zur Ernennung eines Generalsekretärs. Werde nur ein Vorschlag gemacht(Sche- venels), dann erübrige es sich, den Ausschuß einzuberufen. Liegen mehrere Borschläge vor, dann werde der Ausschuß entscheiden. Für die Kommission über die Sozialpolitik berichtete Mertens, der Richtlinien vorlegt, die wir noch veröffentlichen werden. Nach einer kurzen Debatte, an der II m b r e i t, S ch o rs ch- Oesterreich und H a yd a y teilnahmen, wurden die Richtlinien e i n st i m m i g angenommen. In den Richtlnicn wird u. a. vorgeschlagen, für die baldmöglichste Einführung der 44-Slunden»lVo dem Grunewald. .lonenVoruvve vess�ei'trtt'vrrl'anveS Ver AnoesseNten Leute. Sonnabend, finden folgen»« Veranstaltungen statt:«viel NN» Sport: Ab 19 Uhr auf dem Sportplatz im Humboldthain. Bcrantwortlich für Politik: Dr. Gurt Geyer: Wirtschast: G. stlingelhilse», Gewerkschaftsbewegung: z. steine«: geuiveton: st. H. Doscher: Lokale» und Sonsliacs Tri» starftädt: Anseiaen: lh. Gl»««: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m d. H. Berlin Druck: Vorwärts.BnS'druckcrek und Verlagsanstall Paul Singer-. Co.. Berlin SSB. 68, Lindcnftratz«(. Hier,» 2 Beilage». pterrer Heumann's Heilmittel I-evdllrt bei xahirr IcbenKrnnkheitCTi./ 180000 Dankschiciben./ Das Pfarrer Heuinann-Buch (272 S., ISO Abb.) erk&it jeder, der sich auf die- sc« Inserat beruft, völlig nmsonst und portofrei durch Lndwig Heumann& Co., Nürnberg S 10 Die Pfarrer Henrannn-HetWft-' Sie in allen Apolhaken Barlins, bestimmt Zioni- ApothoUe, Kerlin 31, Anktamer Straße 39. an der Ecke Brunnenstraße, ca. S Minuten vom Rosenihaler Piatr, Adlet— ApotheU«*. Berlln-Kpledennu. 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Juli gegen 4 Uhr nachmittags er- e-gnetc sich aus dem Kurt-Schacht während der Arbeit ein schwerer Kohlensäureausbruch, durch den 1-Z1 Bergleute töd- lich verunglückten. Die Ausbruchs st elle liegt im WenzeslausflSz dritte Sohle in der 17. A b- t eilung. In dem Flöz war im wesentlichen ein 200 Meter langer Abbaustreb mit der zugehörigen oberen und unteren Abbanstrebe belegt. Von der Belegschaft dieser Betriebspunkte hoben bisher 69 Mann noch nicht goborgen werden können. Aus der 17. Abteilung ist die in großen Mengen ausgekrochene Kohlensaure dem frischen Wetterstrom entgegen bis in die Nähe des cinzishenden Wetterschochtes vorgedrungen und mit den frischen Wettern in die Baue der 18. Abteilung übergetreten, wo- durch auch diese Betriebe vergast wurden. Nachdem die Lage der Abbruchsstelle in der 17. Abteilung feststand, wurde diese Abteilung obgeschlosscn, um das weitere Ausströmen der Kohlensäure in die Baue der 18. Abteilung zu verhindern. Zu dieser Zeit war es nach Lage der Berhältnissc bereits ausgeschlossen, daß sich von d>er Belegschaft des Wenzeslausflözes noch Leute am Leben befanden. Di« Durchführung dieser Maßnahme er- rnöglichte. abgesehen von der Verhinderung eines weiteren Ueherstriv mens der Kohlensäure, die Zuführung größerer Mengen frischer Wetter nach den bereits vergasten Betrieben der 18. Abteilung und ein schnelleres Vordringen der Nettungsmamischasten in dies«. Die Nettungs- und Bergungsarbeiten wurden nach dem Ausbruch unverzüglich eingeleitet und ununterbrochen Tag und Nacht durchgeführt. Rur dadurch, daß die Rettung smannfchasten. d>e von allen niederschlesischen Gruben herbeigeeilt waren, zur Lefchleunigung des Reltungswerkes ohne Gasschutzgeräte unter Lebensgefahr vorgingen, wurde der felteuc Erfolg möglich, daß aus deu vergasten Betrieben lisch 44 Rlavn. die meist bereits bewußtlos waren, lebend geborgen wurden. Ilm an die in der 17. Abteilung befindlichen Verunglück! en ge- langen zu können, ist noch die Veloin gung von Kohlensäure aus ver- schieden«» Bauen sowie die Ausräumung der ausgeworfenen Massen erforderlich, eine Arbeit, die voraussichtlich noch längere Zeit in Anspruch nehmen und ununterbrochen fortgesetzt wird-.»cbcr. d'e Ursache des Ausbruche? läßt sichicin Urteib erst fällen, wenn der Ausbruchsherd freigelegt ist.- Die wahrhast heldenmütige Selbstopserung der Retter, die die deutbar höchste Anerkcnuuug de» Staates verdient, wirst ober andererseits die Frage auf, wie es kommt, daß i u notorisch gefährdeten Zechen offenbar viel zu wenig Gasschuhgerät vorhanden ist. Die Oesseatlich. teit hat Anspruch daraus, daß diese Frage schnell und restlos auf. geklärt wird. * In Hausdorf werden seit Freitag Gräber für j« sechs Bergleute in Massen ausgehoben, teilweise von Verwandten, die verstört mit zusammengepreßten Lippen ihr« Arbeit verrichtcn. Am Sonnabend werden die bis jetzt geborgenen Toten ün Belcgschosts- Haus Mölke aufgebahrt und für den Besuch ihrer Angehörigen frei- gegeben. Di« öffentliche Irauerfeier wird den S o n n- lagvor mittag ausfüllen. Sie beginnt um 8 Uhr auf dem neuen katholischen Friedhof in.housdorf. Von dort werden blumen- geschmückte?lutamobile die auswärtigen Verunglückten zu den .Heimatfriedhöfen bringen. Erschwerte Bergungsarbeiten. Reurode. 11. Juli. Im Lause der vergangenen Nacht machten die Bergungsarbeiten auf dem Kurt-Schocht keine großen Fortschritte. Nur zwei Bergleute konnten noch geborgen werden: einem von ihnen waren durch den ungeheuren Druck die Kleider buchstäblich vom Leibe gerissen. Er wurde völlig nackt aufgefunden. Die Bergungsmoimschoiten sind jetzt etwa fünf Meter von dem Haupt- pfciler entfernt. Die Bergungsarbeiten sind ungeheuer schwierig und anstrengend, so daß die Mannschaften noch 13 Minilten voll- ständig ermottet sind und abgelöst werden müssen. Von der Beschaffenheit des Hauptpfcilers wird es abhängen, wie sich die weiteren Bergungsarbeiten gestalten. Dann wird man auch den Herd der Katastrophe feststellen können, der auch noch auf der Strecke hinter dem Hauptpfeiler liegen kann. . Uober die Ursache des Unglücks läßt sich immer noch nichts sagen. Es kursiercn'die verschiedensten Gerüchte. Man gibt die Schuld zunächst der Schrämmaschine, die arbeitete, als der Kohlensäurcousbruch erfolgte. Diese Moschine, die einen Keil in den Flöz hineinfräst, wird dort angewandt, wo die Kohlen- säure nicht so stark ist, daß mit dem Schießversahren gearbeitet werden müßte. Es kann natürlich geschehen, daß ein plötzlicher Riß entsteht und daß durch diesen Riß Kohlensäuremassen ausbrechen. Es besteht ober nach eine ander« Möglichkeit, die das Unglück her- beigeführt haben könnte. An Stelle der herausgenommenen Kohlen werden Steine gesetzt, um den sreigewordenen Naum auszufüllen. Es besteht die Möglichkeit, daß sich das darüber liegend« Gelage all- mählich wieder aussetzt. Wenn allerdings Stützhölzer Plötz- lich nachlassen und sich dos Gelage durchsetzt, kann durch den mit Naturnotwendigkeit erfolgenden Schlag ein Kohlcnsäureausbruch hervorgerufen werden. Die Bergung der noch eingeschlossenen Ar- b« i t e r kann 14 Tage in Anspruch nehmen, da die Strecke auf 140 Meter verschüttet ist und die Leichen zum Teil unter eineinhalb Meter tiesen Ausmurfmassen begraben sind. Verforgungslage der Hinterbliebenen. An die Hinterbliebenen der verunglückten Bergleute find am Freitag zunächst je noch Zahl der Familienmitglieder 20 0 bis 2 30 Mark ausgezahlt morden. Diese Summ« setzt sich zu- sammen aus V« des Johresocrdienstes des Bergmanns durch die Berufsgenofsenschoft, aus einem kleineren Zuschuß der Knoppschaft sowie aus einem weiteren Zuschuß aus einem S o nd.er f o nds. des Oberbcrßämtsr.Der Kr ei s Neurod« hak ein« A n k« rst ü tz.u n gs.a k t ko n insofern eingeleitet, als st«c jeden berhs watete u Toten Mark gezählt werden sollen. Außer! dem wird für jedes Kind der Hinterbliebenen Familien ein Betrag von 20 Mark gezahlt. Die Kreisverwältung ist bemüht, für die- jenigen Bergleute, die infolg« der Katastrophe nicht arbeiten können, zu sorgen. Sie sollen die A r b e! t s l o s e n u n t e r st ü tz u n g mit voller gehobener Fürsorge erhalten. Die spätere Rente regelt sich wie folgt: Jedes Familienmitglied erhält ein« U n- fallrenk« der Berufsgenosfenfchaft in der Höh« von ♦/» des letzten Arbeitsoerdienstes des Dergmamics bis zur Grenze van 4», so daß eine Witwe mit 3 Kindern 4/» des Arbeitsverdienstes des Ehemanns erhält. Wenn diese Grenz« nicht erreicht ist, tritt hinzu«ine Knappschaftspension und wenn die Ehefrau nicht in der Lage ist,% des ortsüblichen Tagelohnes selbst zu verdienen, tritt «in Zuschuß seitens der Jnvaliditätsversicherung hinzu. Es ist be- reits Anweisung gegeben, die Höhe der Renten in beschleunigtem Verfahren festzusetzen. Die Bestattungskosten der Verunglückten werden van der Unkernehinung getragen. Gpendenannahme für den Bergmannsfonds. Breslau. 11. Juli. Das Oberbcrgamt Breslau gibt folgende Bekannt- machung heraus: .Alle diejenigen, die den Wunsch hoben, die aus Anlaß des Grubenunglücks auf der Wenzcslausgrub« entstandene Not lindern z u helfen, und gleichzeitig zur Unterstützung der Hinter- bliebencn der bei anderen Bergwerksunsällen getöteten Berzleuu' des niederschlesischen Steinkohlenbezirks beizutragen, werden gebeten, ihre Spenden der Filiale Waldenburg der Deutschen Bank und Disco nto- Gesellschaft zu Waldenburg in Schlesien auf das dort bestehende Konto des„Bergmannsfonds für das niederschlestsche Steinkohlenrevier" zu überweisen. In Berlin nimmt die R« i ch s g c j ch ä f r s st e I l e der Deutschen N o th i Is e, Berlin W. 8., Wilhelinstraßc 62, im Einoernehmen mit den zuständigen Behörden für die Hinter- bliebenen der ums Leben gekommenen Bergleute und für die Ver- letzten Geldspenden entgegen. Di« Einzahlung der Spenden wird erbeten auf das Postscheckkonto Berlin 1,:6 000 oder aus Konto „Deutsche Nochilse, Grubenunglück Neuroder Steinkohlenbezirk" bei der Zentrale der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft in Berlin. Hoppe auf freiem Fuß. Eine unbegreifliche Maßnahme des Vernehmungarichters. Gestern nachmittag ist der national soziali st i» schc Waffenschicber Hopp« nach einem längeren Verhör durch den Bernchmungsrichter im Ver- liner Polizeipräsidium, da Fluchtverdacht und Verdunkelungsgefahr angeblich nicht bestehen sollen. wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Wie auch bei seiner, ersten Vernehmung, behauptete Hoppe vor dem Richter erneut, daß er die Masch inengewchrteile bei der Firma, bei der er früher angestellt war, g e st o h l c n und versucht habe, sie zu verkaufen. Da ihm dies nicht gelungen sei. habe er sich an Dö r r e. den er in einem Wafsengeschätt zufällig kennengelernt haben will, gewandt. Er habe außerdem früher ein- mal versucht, die gestohlenen Schlösser wieder seiner früheren Finna zu verkaufen. Diese Hab« jedoch abgelehnt mit der Begründung, daß ihr jetzt der Vertrieb von Maschinengcwchrtcilcn nicht mehr gestaktet sei. Dörre sollte ihm nun, wie er weiter angibt, weiter« Teile besorgen, um die vorhandenen so zu ergänzen, daß man da- für Abnehmer finden würde. Im krassen Widerspruch hierzu steht allerdings der Inhalt einiger Briefe, die bei der Haussuchung in der Wohnung des Dörre gefunden wurden. Hierin geht an Dörre wiederholt die Aufforderung, Teil« sür Maschinengewehre und Maschinenpistolen zu bcschas- f e n. Der Inhalt kann nur so verstanden werden, daß es sich um solche Teile handeln kann, wie sie bereits vorgefunden und de- schlagnahmt worden sind. Vielleicht stammt sogar schon ein Pest des Lagers aus Lieferungen, die durch Bermittclmig des Dörr« ge- gangen find/. ei Inzwischen hat sich die P o ti z t k auch mit der Firma in Ber- bindung gesetzt, die Hoppe nach seiner Behauptung bestohlen hoben will. Der Inhaber des Geschäfts Hot jedoch erklärt, daß er auf ein« Straioerfolgung keine» Wert lege. Von Dörre ist bekanntlich amtlicherfeits in Abrede gestellt worden, daß sich Beweise für seine Zugehörigkeit zur NSDAP, ergeben haben. Was allerdings von einem republlkonischen Polizeibeamten zu halten ist, der mit notio- nalistischen Wasfenschiebcrn gemeinsame Sache machte, dürste nicht zweiselhoft sein. Gustav- Stresemairn-Realschnle. Mit Genehmigung des Herrn Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung führt die Real- schule in Berlin-Adlershos fortan die Bezeichnung„Gustav-Stvese- mann- Realschule". SJNCJAIR LEW/S 20] ROMAN „Hm, überhaupt die meisten Menschen. Brauchte mich auch nicht im Büro zu schinden, wenn die Leute etwas ver- stünden... Was haben Sie für Schulen gemacht?" „Ach. bloß Voltsschule, Untermittelschule und einen Handelskursus. -.Wo?" �.. ,Ln Panama, Pennsylvamen. „Och kenne das. Ungefähr so wie meine Schule m Kansas— der Direktor, wäre ebensogut Leichenbestnrrer ge- worden, wenn er das nötige Kapital gehabt hätte... Tja! Schuldirektoren und Kapital— könnte eme ganz gut« Satire daraus machen, wenn uh die Sache ein wenig ausarbeiten würde. Och kenne das..- Gehen Sie m die K'rche? „Warum— ja. natürlich." tf,_ ,,. „Welchen Gott ziehen Sie augenblickt.ch vor— Umtaner. Katholiken, Christian Science, Stebenten-Tag-Adventisten? „Oa— es ist doch immer derselbe.. „Kommen Sie mir bitte nicht wit der Phrase, ,�s ist Immer derselbe Sott". Es ist nicht derselbe Gott, der rn enwr Episkopalkirche nach Kerzen und Mustk emsach verschmachtet und andererseits der Plqmouther Bruderschaft im besonderen die urheberrechtlich geschützt« Osfenbarung macht, daß Orgel- fpiel und Kerzell etwas Verruchtes stnd.� „Sie sind schrecklich gotteslästerlich. „Sie glauben ja auch nicht an all das Zeug.. Solist würden Sie mich ja verprügeln— so wie man es Zur Zeit der Kreuzfahrer getan hat. Es ist Ihnen eben höchst jchnuvve" „Ja, eigentlich ist es mir egal", hört« st« sich zu ihrer pigenen Verwunderung sagen. „Och bin natürlich schrecklich roh und ordmifc, icher nne joH man beim fein, wenn man mit diasaw Hanfe»»an Kirchen zu tun hat, die nicht halb so groß und halb so schön sind wie ein« rote Bauernscheune? Und dabei läuft dieser Abschaum der Menschheit herum und versichert einem, die Kirche wäre Gottes Haus. Wenn ich der liebe Gott wäre, würde ich mich bestimmt dagegen wehren, schlechter unter- gebracht zu sein als das liebe Vieh. Aber zum Teufel! Lassen wir das. Wenn ich davon anfangen wollte, was ich von all den Dingen halte— beinahe von allen, von der Kirche und von den Schulen und von diesem ganzen verlogenen Reklame- wesen, würde ich wahrscheinlich die ganze Nacht hindurch weiter kläffen, und Sie könnten mir auf alles einfach zur Antwort geben, daß ich ein Neurastheniker bin, der es zu nichts gebracht hat. während die großen Kanonen, auf die ich schimpfe, im eigenen Auto fahren." Er brach seine lange Tirade plötzlich ab, warf einer Katze, die ihn auf ihrer Runde um die einzelnen Tische fragend ansah, ein Stück Zucker hin, blickte finster drein und platzte dann plötzlich heraus: „Was halten Sie eigentlich von mir?" „Sie sind der freundlichste Mensch, der mir je be- gegnet ist." „So? Freundlich? Gut zu meiner Mutter?" „Dielleicht. Rur um Ihretwillen gehe ich gerne ins Büro. Ich bewundere Sie wirtlich... Ich glaube, es ist schrecklich unpassend, daß ich Ihnen das sage." „Tja, so was!" rief er erstaunt.„Also jemand, der mich bewundert! Und ich habe Sie immer für«in ganz besonders vernünftiges Madchen gehalten. Beweist wieder mal, wie leicht man euch täuschen kann." Er sah ihr gerade jns Gesicht, lächelte sie an— ziemlich verloren— und so stolz auf ihr Lob. Ohne auf die Leute am Nebentisch zu achten, streckte er die Hand über den Tisch und berührte einen Augenblick lang leise die ihre. Niedergeschlagen fragte er dann:„Aber warum haben Sie mich gern?.ch habe gewiß die besten DorsÄtze: ich bin bereu, Tolstois Lorbeerkranz von seinem Grab zu stehlen und«in Redner zu sein wie William Iennings Bryan. Aber es gibt Millionen Menschen, die sich nach diesen Dingen sehnen. Es gibt keinen Laufburschen in ganz New Bort, der nicht gern« ein Genie wäre." „Ich habe Sie gern, weil Sie Feuer haben. Sehen S'«, Herr Babson..' .Walter!" „Wie voreilig Sie sind." „Walter!" „Nächstens werden Sic mich„Una" nennen: bedenken Sie doch nur, wie entsetzt alle im Büro wären!" „O nein, ich habe schon beschlossen, Sie„Goldi" zu nennen: das klingt hübsch und gefühlvoll. Aber, um Himmeis- willen, so erzählen Sie mir doch weiter, warum Sic mich gern haben. Das ist kein so alltägliches Thema für mich." „Ach, ich habe noch nie jemand gekannt, der wirk- lich Feuer hat, ausgenommen vielleicht S. Herbert Roß, und der— der—" „Der ist ein richtiger Schwätzer." Ja. so was Aehnliches. Ich weiß nicht, ob Sie es je zu etwas bringen werden mit all Ihrem Feuer, Herr Babson: aber Sie haben etwas in sich." „Wahrscheinlich werde ich damit hinausgefeuert werden.. Sagen Sie, haben Sic Omar gelesen?" Es gibt nichts, womit die„Millionen Laufburschen, die gerne Genietz sein möchten", ihr Provinzlertum so sicher zu überwinden glauben, wie mit ihrer Schwärmerei für irgendeinen kleinen Zyniker. In Walter Babsons Fall war es Herr Fitzgerald mtt seinen Variationen über Omar Chad- schtzm. Für Una waren Omars Verse hübsche Gedichte über Rosen und plätschernde Brunnen in Höfen gewesen, aber sie hatte ihn gelesen: und Walters Begeisterung über diese Tat- sack)« war so groß, daß er ihr augenblicklich seine eigene Luft an Zynismen beweisen wollte. Er stieß mit der Gabel nach der Speisekarte und rief begeistert:„Sagen Sie, ist das nicht ein großartiger Vierzeiler, der so anfängt:„Nehmt dos Geld, mag der Kredit auch schwinden"?" Una strahlte und bewunderte den jugendlichen Enchusias- mus ihres Freundes. Stammutter der Rasse. Weib des Ur- stammes, Burgherrin des Mittelalters— all dos war sie m diesem Augenblick: stammverwandt allen Frauen, die zu allen Zeiten den Prahlereien ihres Gefährten freudig Beifall klatschte. Dach die Dankbarkeit, die Una empfand, well sie'in das Reich der Dinge treten durfte, die ihn begeisterten, wurde bloß zum Hintergrund ihres jähen Aufloderns, als er plötz- lich kühn ihr weißes Pfötchen faßte und murmelte:„Arme, müde klein« Hand, die so schwer arbeiten muh!" (Fortsetzung folgt.) f i ia g e In Umgebung Ln der Neumark. Das zwischen der pommerschen Südgrenze und der Ofibechn ge- legenc Gebiet— die Neumark— hat an drei Stellen bemerkenswerte Partien, die Landschasts- und Altertumsfreunde in stärkerem Maße anziehen sollten, als es jetzt der Fall ist. Im Osten ist es das Ge- biet westlich der Drage, wo es einen so verlockenden Ort wie„Hoch- zeit" gibt. Station Driesen-Vordamm und die Bahn Kreuz- Ar n s w a l d e erleichtern den Eintritt in das Waldrevier. Dann in der Mitte das Gebiet zwischen Landsberg und Ver» ;l i n ch e n, zu welchen Städtchen auch die Bahn Kiistrin— Arnswalde -führt, die zwischen Berlinchen und Arnswalde noch ein fo malerisch zwischen Wassermassen gebettetes Städtchen wie„B e r n st e i n" aufweist. Das dritte Gebiet endlich ist der westlich« T«il, von der Bahnlinie Küstrin— Stettin durchschnitten, es ist westlich von der Oder begrenzt und hat dadurch starken Verkehr zum Oderbruch und zu den Städten Schwedt und Angermünde, was natürlich auch dem lTauristen zugute kommt. Man gelangt auf dem Wege von Küstrin zu Städten, die trotz ihrer Kleinheit durch die zum Teil noch ganz erhaltene Stadtumwallung einen über den gewöhnlichen Kleinstadt» charakter hinausgehenden Eindruck hervorrufen. Tritt dann noch wie in Königsberg i. d. N. eine künstlerische Ueberraschung hinzu, so -wird der Besucher es nicht bereuen, in diese Gegend eingedrungen zu «sein. Die Bahnfahrt ab Küstrin führt zunächst nach Bärwalde, auch von Güflebiese on der Oder erreickchar, dann nach M o h r i n, von Freienwalde über Z c h d e n zugänglich, und schließlich nach Königsberg i. d. N., zu dem auch das links der Oder gelegene Schwedt beguem Zugang bietet. Hier in Königs- berg ist nicht nur die Stadtmauer(Backsteinarbeit, bei der man die modernen Ausbesserungen durch das kleinere Format der Ziegel er» kennt) ganz erhalten, so daß man in ihrer Innenseite um die Stadt herumgehen kann, sondern sie hat durch die interessante Architektur ihrer Türme und Tore hohen malerischen Reiz, der sich freillch noch in ganz anderer Weise in der Gotik des Rathauses und der Marienkirche kundgibt. Namentlich der Marktgiebel des Rat- Hauses von 1497 gehört zu den schönsten märkischen Bauten. Reben dem Schwedter Tor ist das Bernikower Tor zu nennen, durch das der vorn Bahnhof Kommende die Stadt betritt. Schwedter Tor in Königsberg i. N. Lösche mit Sand. — v•-Der Laie kennt bei Bränden kein anderes Löschmittel als das Wasser, aber die Entwicklung der industriellen Betriebe hat'es mit sich gebrocht, daß bei gewissen Bränden das Wasser als Lösch» mittel sich als gefährlich erwiesen hat. Eine sehr lehrreiche Zu» sammenstellung aller wichtigen Löschmittel, deren ein moderner Industriebetrieb bedarf, findet sich in der von Oberingenieur . K. A. Tramm und dem Baurat bei der Berliner Feuerwehr, Dipl.« Ingenieur Noack im Auftrag der Feucrsozietät der Provinz Branden- . bürg vor einiger Zeit herausgegebenen reich bebilderten Schrift „Feuergefahr im Betrieb". Danach wird bei Bränden von Benzin, Benzol und anderen Leichtflüssigkeiten als Löschmittel Sand oder Asch«, Trocken-, Tetra- oder Schaum- l ö s ch e r anzuwenden sein, weil Wasser die brennende Flüssigkeit verbreiten würde Wenn siedende Oele, Feit« oder .schmelzende Metalle in Brand geraten sind, hilft gleichfalls nur ein Trocken- oder Schaumlöscher, denn Wasser würde, durch große Hitze chemisch zersetzt und sogar explos'ions- gefährlich werden. Sand und Asche, Trocken- und Tetralöschcr helfen gegen Brände von elektrischen Leitungen, Gc- röten und Maschinen, die unter Spannung stehen. Wasser würde den elektrischen Strom leiten und den Löschenden geradezu in Lebensgefahr bringen. Auch pulver- und ftaubartlge Stoffe, z. B. Mehl- und Kohlen st au b dürfen, wenn sie in Brand geraten sind, nur mitTrocken- und Schaumlöscher gelöscht werden, weil der Wasserstrahl brennbaren Staub auf- wirbelt und ihn explosionsgefährlich macht. Beim Brand von Karbiden, Kalk, Elektron- und Alu« minium fpänen wird mit Sand- und Tetralöscher gelöscht. Es kommt allerdings nicht nur darauf an, daß die Belegschaften hierüber unterrichtet sind, sondern daß die Betriebsleitungen jederzeit das geeignete Speziallöschmittel in ausreichendem Maß zur Hand haben. Rache für ermordete Genossen. Kommunisten überfallen Nazis- Sieben Monate Gefängnis Ein blutiger Kreislauf: Nazis meucheln Kommunisten. Kommunisten überfallen Nazis, um die ermordeten Genossen zu rächen. Neue Opfer und unausbleibliche Gefängnisstrafen sind die Folge. In der Nacht vom 16. zum 17. Mai erschossen national- sozialistisch« Mörder drei Kommunisten. Am 18. Mai überfielen 15 Kommunisten zwei Nazis und richteten einen von ihnen besonders übel zu. Wegen schweren Landfriedensbruch und gefilhr- sicher Körperverletzung hatte sich einer der Täter, der Wjährige Kohlenarbeiter Richard H. vor dem Schöffengericht W e d d i n g zu verantworten. H. wor on jenem Tage vom Arbeitsnachweis gesagt worden, daß er am Montag Arbeit antreten tonnte. Bor Freude trank er einen über den Durst. Den Abend oerbrachte er in Gesellschaft von Gesinnungsgenossen. Zwei sunge Nationalsozialisten, K. und A., kamen gerade von einer Iugendversammlung der NSAP. Sie wurden von den Kommu- nisten umringt: man rief:„Nieder mit der Mörderbande!" Der Angeklagt« schnallte seinen Koppel ab und schlug mit dem Schloß auf beide Nationalsozialisten ein. K. trug - erhebliche Verletzungen davon. Bor Gericht erklärte H., daß er noch immer unter d e m Eindruck der Ermordung der drei Kommunisten in der Naugarder Straße gestanden habe. Nur aus diesem Grunds habe er sich zu den Gewalttätig- keiten hinreißen lassen. Es mag sein, daß man es in diesem Falle tatsächlich mit einem.l'oM nicht gewalltätigen Menschen zu tun hatte. H., einschlägig nicht vorbestrafi, machte im großen und ganzen einen ruhigen Eindruck. Das Gericht, verurteilte ihn zu sieben Monaten Gefängnis— die Mindeststrafc beträgt sechs Monate— und hob den Hastbefehl auf. Eine Bewährungsfrist, erklärte der Vorsitzende, käme in diesem Fall nicht in Betracht. Oie neuen Kommunalsteuern. Oberpräsident wird sie mit Beschleunigung festsehen. Der Obcrpräsidcnt der Provinz Brandenburg besprach in einer Verhandlung am Freitag mit dem als Vertreter des Magistrats er- schienenen Bürgermeister S ch o l tz, dem stellvertretenden Kämmerer Stadtsyndikus Lange, dem Obersteuerdirektor Mackensen und dem Magistratsrat Moldenhaucr die durch die Beschlüsse der städtischen Körperschaften geschaffene Rechtslage. Es wurde festgestellt, daß über die Festsetzung der Ausgaben und Einnahmen eine Uebereinstimmung der städtischen Körperschaften herbeigeführt worden ist, bis auf die Festsetzung der Steuerzüschläge, so daß nach§ 59 des Kommunalabgabengesetzes die staats- aussichtlichc Entscheidung über die Höh« dieser Steuer- zuschlage zu ergehen hat. Es- wurde ferner über die Lage des Haushaltsplans, insbesondere im Hinblick auf die aufrecht- zuerhaltende Liquidität der Kassen, gesprochen. Nach den neuesten Berechnungen des Magistrats ist«in durch Steuerzuschläge auf- zubringender Mehrbedarf von 56.9 Millionen Mark auf Grund der Beschlüsse der städtischen Körperschaften über die bewilligten Aus- gaben hinaus vorhanden. Die Entscheidung des Ober- Präsidenten über die Höhe und über das Verhältnis der ein- zelnen Steckerzuschläge wird mit größter Beschleunigung getroffen werden. Die Leiche des Grafen Ttolberg geborgen. Am Freitag vormittag sahen Spaziergänger am Großen Wannsee, in der Nähe des Seebades, eine männliche Leiche treiben. Die Polizei, die benachrichtigt wurde, ließ den Leichnam nach dem Schauhaus in Eharlottenburg bringen. Hier wurde der Tote als der 28jährige Theodor Graf Stolberg- Wernigerpde identifiziert, der am 7. Juli, wie wir berichteten, bei einer Poddelbootsahrt am Haveleck verunglückte und dabei ertrank. Gegen nationalsozialistisches Rowdytum. Gegen das Schweidniger Iustizurteil, das den Rational- sozialisten einen Freibrief zur Sprengung von Reichsbanner- Versammlungen ausstellt, demonstrierte am Donnerstag abend die republikanische Bevölkerung des Weddings. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, die Sozialdemokratische Partei, die sozialistisch« Arbeiterjugend und die Ar- b« i t«r s p o r t l e-r hätten zu dieser Kundgebung aufgerufen. Am Leopoldplatz trafen sich die Demonstranten und zogen in etwa zweistündigem Ummarsch durch die Straßenbezirk« des Wsddings. Am Brunnenplatz sprach Landtagsabgeordneter Otto Meier. Wir sind gegen die Bestrebungen, bei den innerpalitischen Auseinandersetzungen als Kampfmittel den Schlagring und Revolver einzuführen, betonte der Redner. Bei der letzten Kundgebung des Reichsbanners im Kleinen Tiergarten hatte der Referent die gleichen Ausführungen gemacht, was die Rechtspresse veranlaßt«, von einer Mordhetze des Reichslxnmers zu phaniafiersn. Diese Berichte, so konnte Otto Mcier unter allgemeiner Zustimmung ausführen, sind bewußt ins Gegenteil'verk ehrt worden. Das. Reichs- banner marschiert aus, um die Behörden aufzurütteln, gegen das politische Rowdytum energisch einzuschreiten. Die BehSrden habe» erst in allerletzter Zeit durch das Unisorniverbot schärfere Methoden gegen die Nationalsozialisten angewandt. Leider versagt die Justiz noch immer, wenn es heißt, Verbrechen gegen Andersdenkende zu sühnen. Nach dem Hoch auf die Republik marschierten die Dcmon- stranten bis zum Lcopoldplotz. In der Kösliner Straße hatten sich einige Kommunisten angc- sammelt, die, gut geschützt hinter einem Polizeikordon, johlten und pfiffen...... Herr von Gievers enthütli. Eine Sensation im Tfcherwonzenfäkscher-prozeß. Im Tschenwonzensälscherprozeß ist die Beweisaufnahme beendet worden. Die Berteidigung hat noch im letzten Augen- blick«ine Anzahl doltischer Adligen und auch einen preußischen adligen Herrn vor die Schranken des Ge- richts treten lassen. Der Kunstmaler von Kurse!, der an der Londoner Konierenz teilgenommen hat, hatte seinen Bers bereits am Montag zugunsten Karumid.zes hergesagt. Ebenso der Baron von Mantcussei, der«m Hause des Generals Hossmann ein und aus ging. Gestern erschien aber als Zeuge der aus Riga ge- ladenc Baron von K l e i st, General Hossmanns Sekretär in den georgisch- ukrainischen Angelegenheiten. Der Herr blieb un- vereidigt, weil er der Begünstigung der Tscherwonzenjälscher, wenn nicht gar der Mittäterschaft verdächtig war. Darüber, ob er selbst über die Tscherwonzcnsälschungen orientiert gewesen war, verweigerte er die Aussage: auch gab er keine Antwort auf die Frage, was er dem General Hoffmann gesagt hatte, als dieser, in die theoretischen Absichten der Tscherwonzenfälschuinzen«inge- weiht, danach gefragt hatte, was eigentlich aus der Sache geworden sei. Unvereidigt blieb auch der preußische Herr von Sie- vers. Als Geschäftsführer der völkischen Verbände Ostpreußens will er sich mit der Kanimidze-Sachc ausführlich besaßt haben. ver Plan der Tscherwouzensölschungen sei von einer Gruppe vou Vertrauensleuten rechtsradikaler Organisationen cnisge- gangen. Die Namen könne er nicht nennen, er sei chrenwörk- sich gebunden. Aus sein Ehrenwort berief sich auch der Zeuge, als er Rede und Ant- wort darüber stehen sollte, mit welchen Rcichstagsabgc» ordneten er in Berlin über die Tschcrwonzensäl- schungen gesprochen habe. Herr von Sievers behauptete nämlich, daß die beiden Volksvertreter den Fälschungsplan gebilligt hätten. Es habe, erklärte er weiter, bereits in Sowfetrußland ein Industrieunternehmen und ein« Bankvcrtretung zwecks Umwechsc- lung der gefälschten Tscherwonzcn in Valuta zur Verfügung ge- standen: es sollte ein Fonds gebildet und von einem besonderen Komitee verwaltet, das Geld teils für Sabotageakt« in Rußland, teils für den Kampf gegen den Kommu- nismus ttn Deutschland verwandt werden. Das alles brachte Herr von Sievers mit größter Wichtigkeit vor. Am Montag be- ginnen die Plädoyers. Zu gleicher Zeit wurde auch im S t i n n e s- P r o z e ß die Beweisaufnahme beendet und am Montag beginnen auch in ihm die Plädoyers. Viel schneller als erwartet. Nur vier Zeugen sind vernommen worden. Der Kriminalkommissar von Rasso.w» dem Waldow sein erstes Geständnis abgelegt hatte: Waldorvs frühere Freundin Fräulein G r o s ch, Waldows Bsrteidiger Rechtsanwalt Dr. Ehlers, und Stinnes'„väterlicher Freund" und Verteidiger im ersten Prozeß, der Hamburger Rechtsanwalt Dr. Heu k. Auf die übrigen Zeugen wurde verzichtet.' Belastend wor nur die Aus- sage des Rechtsanwalts Ehlers, de? bestätigte, daß Wa'dow ihm gesagt habe, Stinnes hätte bereits im Dezember 1926 über den Charakter des Anleihegeschäftes Bsscheid gewußt. Entlastend für Stinnes war Dr. Heuks Aussage. Stinnes, so erklärte Heuk, habe ihm nach seiner Verhaftung mitgeteilt, daß er«in falsches Geständ- nis abgelegt"habe. Das Ergebnis der Beweisaufnahme in dieser Devhondlung ist kein anderes als in der vorigen. Schiebungen bei der Reichsmarine. Zn den letzten Tagen wurden beim Morineoerpfle. gungsaml in Wilhelmshaven umfangreiche Schiebungen aufgedeckt. Die Kriminalpolizei verhaslele bisher unter dem verdacht der Bestechung und Unterschlagung 2 Marinebcamle, einen Geschöslsmann und 2 Arbeiter, weitere verhaflungen stehen bevor. Die Elbe ohne Wasser. Di« an der Elbeschisfahrt beteiligten Reedereien in Hamburg und Dresden haben sich infolge des außerordentlich niedrigen W a s s e r st a n d c s der Eibe gezwungen gesehen, mit dem heutigen Freitag den regelmäßigen Schifsahrt-ibetrieb als g c- schloffen zu erklären. Es soll nach Möglichkeit oersucht werden, den Verkehr nach der Mittelelbe und den märkischen Gewässern auf- recht zu erhalten/_ Frenzel-Prozesi am 25. August. Di« Berufungsverhandlung im Blutschandeprozeß Frenze! gelangt am 25. August vor der Berufungskammer des Landgerichts Potsdam zur Durchführung. Di« Verteidigung des Angeklagten hat Dr. Artur Brandt übernommen, den Borsitz im Prozeß wird Oberlandesgerichtsrat H e l l w i g führen. Als SachverstänMger wurde vom Gericht unter anderem Sanitätsrat Dr. Magnus H i r s ch f e l d vorgeladen. Vorträge, Vereine und Versammtungen. FZ» Reichsbauaer„Schwarz-Rot-Gold". ßWÖPffj EikSäktsItill»! Berlin S. 14. CebaManNr. 37—38, Sok Z. Tr. Autos-irt nach Main». Abfahrt gteiiag, 18. Juli. Preis für Sin- • unb Rückfahrt etma 20 M. Meldungen sofort hei Reaendogen, Weder- straße 40. gcmspreiher: Alexander 7228.— Sharlotteabarq. Nameradrn. die in das neu am,,ustcllcndc Tambourtorps eintreten wollen, melden sich fchrif!- lich bis zum lö. Juli beim Nameradon Solar, Kaoelftr. 2.— Lichtenlxra. Iungmannschait>md Schutfsportler. Die Trainingsabcnde in der Turnhalle sowie auf dem Etiilrtisch«» Sportplatz fallen bis auf weiteres aus.— Sonntag, 13. Znli. fttrajbtrg. Zug 5. 7 Uhr Antreten in Zivil mtt Angehöngrn am Bahnhof Iannowitzbriickc. Fahrt nach Brieselang. Lichtenberg(Ortsverein). 13 Uhr beteiligen sich alle Äamcraden und Angehörigen restlos an dem Bolks» fest des greife» Osten in Dictz ,Sect«rrassrn". Boeder straste. Eintritt 30 Pf. — Montag, 14. Znli. Steglitz iOrtoverein). Allgemeine Funttianäroerfamm. lung um 20 Uhr im Rcstaurant Schmidt. Roonstr. 39, Ecke Sindenburgdamm. Reichobnad Deutscher Mieter, Bertan» Berlin c. V. Sonntag. 13. Juli, im Rosenthaler Löf. Rosenthalcr Str. 11—12, Zimmer 2, um 10 Uhr, autzer. ordentlicher Lerbandstag. Themia..Bericht über den Reichsmietertag in Braunlchweig-. Wir bitten, tief« Sitzung aahlreich ju besuchen. Republilanitche Redneeoerciaiguug. Montag, 20 Uhr. Restaurant„Alter Askanier", Anhaltstr. 11, spricht Lionel Stützer über:„Pol! mu» und Psochologle der Halbwllchstgen". Genossen und Snmpathisserend« ol» Giiste herzlich willkommen. Anmeldungen zur Teilnahme an den Redner, kurfcn. die für Mitglieder der SPD. unentgeltlich find, zu Beginn der Ver- fammlung. rfb oto % führt ab, es wirkt sehr milde, versuch es, und Ou bist im Bilde Aufwertungsdebatte im Reichstag Die Aeurode-Hilfe dem Ausschuß überwiesen. D«r Reichstag beriet gestern nachmittag die Antröge auf chrkfe fiir die Opfer des Neuroder Bmfwerkunglücks. Reichsarbeitsminister Or. Siegerwald spricht im Namen der Reichsregicrung den Betroffenen das Bsrleid aus und sagt desondere Hilfsmaßnahmen auch gegen die Wirtschaft- liche Not des Neuroder Reviers zu. Er zählt die bisher erfolgten HtLfsmafenahmen auf und weift darauf hin, daß die Spziatoersiche- rung(Kuappschaftskasse usw.) die Auszahlung der Sterbshilfen und Renten befchteunigen wird. Der Minister betont, daß der Bergarbeiterschutf eigentlich Landesfache sei, aber die Reichs- regierung durch den Reichskohlenrat und das Arbeitsminifterium in Verbindung mit den preußischen Instanzen die Bekmnpfuirg und Verhütung der Kohlenfäureausdrüche berät. Der Ministerialrat, dem das Preußische Grubensickfecheitsomt unterstellt ist, berichtet über den Stand der Hilfsarbeiten in der Wenzeslousgrube. 49 Gerettete im Lazarett feien außer Lebens- gsfahr. Abg. Wendemuih(Soz.): Deutschland steht mit der ganzen Welt erschüttert dem riesigen Grubenunglück gegenüber.>59 tote Bergarbeiter bedeuten, daß in beinahe derselben Anzahl Familien Frauen und Kinder um ihre Ernährer weinen. Am Reichstag liegt es, den Worten des Reichs- Präsidenten vor zwei Iahren endlich die helfende Tat folgen zu lassen. Mir verlangen allerschärfste Untersuchung der Ursachen des Unglücks. Stellt es sich heraus, daß es sich um ein unabwendbares Naturgeschehen handelte, dann fordern wir beschleunigte Aus- arbeitung neuer Schuhwahnahmen. Zeigt sich aber, daß Profit- sireben das Unglück verursacht hat. dann verlangen wir, daß ein Exempel statuiert wird. Vir nehmen die Aufage von Hilfsmaßnahmen durch den Arbeits- linkster erfreut zur Kenntnis. Es liegt allerdings eine llngerechttg- keit darin, daß nur bei einem großen Unglück fchort Hilfsmaßnahmen bewilligt werden, während bei den unzähligen kleinen Unfällen die Mittel nicht in diesem Maße zur Bevsüqung stehen. Wir im Wawen- burger Revier haben schon vevsucht, einen Hilfsfonds für diese Fälle anzÄammeln, um zu helfen, soweit es möglich ist. Wir müssen hier im Ausschuß feststellen, wieweit dieser Weg weiter gangbar ist. Die Lebensverhältnisse der Arbeiter in diesem Revier sind unerträg- lich und ungeheuerlich-, der Reichspräsident hat vor zwei Jahren, als er das Gebiet besucht«, evschültert versprochen, alle feine Macht- mittet und seinen ganzen Einfluß.zur Durchsetzung von Hilfs- maßnahmen einzusetzen. Seit diesen zwei Jahren ist aber von den maßgebenden Berliner Regierungsstellen uns nicht genügend Unlerstnhnng zuteil geworden. Endlich müssen die Versprechungen einmal wahr gemocht werden. dem Waldenburg-Neuroder Revier durchgreifend zu helfen Was wir in diesem ltzeoier erlebt haben, ist grauenhast. Es geht nicht an, daß man nach der ersten Erschütterung wieder die Dinge lausen läßt. Ich hoffe, daß man im Osten Deutschlands ebenso tatkräftig hilft, wie man im Westen immer geholfen hat.(Lcbh. Beifall bei den Soz.)_ Abg. Dr. Perlitius Co.): Gerade die nisdevschlesifchen Berg- orbeiter sichren«inen heroischen Kamps um ihr eigenes Leben und um die Erhaltung des wirtschaftlich ungünstigen und so sehr gefähr- lichen Kohlenbergbaus im Elendsgebiet Waldenburg-Neurode. Dieses furchtbare Unglück mahnt zur Pflicht, ausreichend zu Helsen. Trotz aller Sicherung und aller Rationalisierung— vielleicht sogar ihr zufolge— ist die Zahl der schweren und tödlichen Uissälle. im. Bergbau nicht zurückgegangen. Abg. Florin(Komm.) hält mit icherlauter Stimme eine Red« gegen die Unternehmer, die Sozialdemokratische Partei» die ihr änzchörenden Polizeipräsidenten, die Gewerkschaften usw. Abg. tejeune Jung(Dnat.) beantragt, olle diese Anträge dem Hauehaltsausfchuß zur Beratung der notwendigen Maßnahmen zu überweifen. Abg. Leopold(Dnat.) weist die Angriff« Florins auf die Unter- nehmer zurück, bezeichnet sie angesichts der 159 Toten als besonders nerurteilenswert und weist daraus hin, daß erst jüngst der Kali- bergwerksbesitzer Low das Opfer eines gräßlichen Unfalls geworden ist. Abg. Hufemann(Goz.): Nur in ruhiger und sachlicher Verhandluitg können wir weiier- kommen. Wir sind es gewohnt, daß die Kommunisten auch bei ioich trauriger Gelegenheit unsere Partei und die Gewerkschaften angreisen und sie sogar als die Schuldigen hinstellen: ober das wird uns in unserer ruhigen Tätigkeit für die Arbeiterbewegung nicht stören.(Wütendes Geschrei der Komm.) Durch Ihre Ordinär- hellen werden Sie keinen von den 159 Bergleuten wieder lebendig machen und werden auch nichts zur Verhütung späterer Un- sälle tun. wir werden alles tun. um die Ursachen dieser Katastrophe auf-. zudecken. (Geschrei de? Komm.) Selbswerftändlich wird der Betriebsrat bei der Untersuchung mitwirken. Im vorigen Jahre habe ich mit einigen Kollegen aus dam Bergbau die dortigen Gruben besichtigt und wir haben auch mit einigen Mitgliedern des Betriebsrats den Wenzeslaus-Schacht befahren. Ich kann mir sagen, daß, nachdem man uns alle Sicherheitsmaßnahmen gezeigt hatte, z. B. auch, wie vor dam Schießen die ganze Belegschaft aui tausend Meter Entfernung hinter die Wetterrür zurückgezogen, diese fest geschlossen und nach eine doppelte Kontrolle ausgeübt wurde, daß keiner mehr hinter der Tür sei, wir den Eindruck hatten, daß alles Notwendige vor- gekchrt ist. Das muß ja auch felbstoerständlich immer geschehen. Aber alle Gefahrenquellen, besonders die noch unbekanten, kann man nicht ousschließen, denn der Bergbau ist darauf angewiesen, die Produkte aus der Tief« hevauszuholen.(Lärm der Komm.) Um so mehr muß die Sozialversicherung so ausgebaut sein. daß. wenn der Tod sich seine Opfer unier den Bergleuten holt, die Angehörigen und Hinterbliebenen, die den Ernährer verloren habe», vor Rot geschäht sind. (Andaiierndes Gebrüll der Komm. Lebh. Bei, oll der Soz.) Nach einem kommunistischen Protest werden die Anträge dem Haushaltsausschuß überwiesen.(Psui-Rufe der Komm.) Zur 2. Beratung eines Gesetzes über Fälligkeit und Verzinsung der Aufwertungshypotheten und B e- reinigung der Grundbücher spricht Abg. Marum(Soz.) gegen die Ausarbeitung der Ausführungsl'estimmungcn zur Be- reinigung der Grundbücher durch die Länder und gegen die vom Zentrum beantragte Ausschließung von Entschädigungsansprüchen gegen da, Reich aus den Folgen dieses Gesetzes, die verfassungs- widrig sei. Am i. Zanu« 1932 sollten 6 Milliarden Auswertungshypotheken söllig werden. Da» bedeutet eine Katastrophe für den Grund. ttücksmarkt. Die Beschaffung von langsristigem Kapilol zur Umschutdung ist völlig unmägtich. Deswegen ist die Auflockerung der Tilgungsfristen bis 1935 nalwcndig. Aber ein unbegrenzter Zahlungsaufschub für den Schuldner ist un- »möglich, sondern ein Aufschub nur zuzulassen, wenn der Schuldner nachweislich Kapital für die Umschuldung nicht erhält. Die Wieder- Herstellung der ursprünglichen Regierungsvorlage, die den Termin der plötzlichen Fälligkeit der 6 Milliarden nur verschiebt, ist abzu- lehnen. Den Gläubigern muß als Entgelt für die Fristverlängerung der Hypotheken ein angemessener Zinsfuß gegeben werden. Aber bei Festsetzung eines höheren als des landesüblichen Zinsfußes wird der Zinsfuß auf dem Baumarkt mit hinaufgetrieben. Die Regierung muß bei der Festsetzung des neuen Zinsfußes vor- sichtig sein, weil hohe 5)ypothekcnzinscn zudem noch die Mieten zu erhöhen drohen, wogegen sich allerdings die Ausschußresoiution wendet. Eine endgültige Entscheidung, ob diese Mieterbelastung durch Belastung der Hausbesitzer oder durch Senkung der Hauszins- steuer vermieden werden soll, ist heute noch nicht zu treffen. Es besteht kein Gnind dafür, daß die Londmirtschwst geringere Aus- wertuugshypokhekenzinsen zahlt als die Stadt. Zum mindesten darf man unter der Not der Landwirtichast nicht noch die ohnehin schon schwer geschädigten Aufwertungsgläubiger leiden losten. Der Zinsfuß der Industrieobligationen sollte an dieses Gesetz angeglichen werden; gegen diese unsere Absicht hat sich aber eine Einheilssronl der bürgerlichen Jnteressenverlreler gebildet. Mit den Austvertungszinsen und Genußrechten der Indu- strieobligatianen ist die Industrie ohnehin viel zu billig weg- gekoimnen. Den Spekulanten, die solche Genußrechte aufgekauft haben, dürft« allerdings diese Neuauswertung nicht zugute kommen. Hier muß eine Angleichung an die Grundstückshypothekenzinfen vorgenommen werden. Dem Gesetz werden wir zustimmen. Den In- flationsgeschädigten muh aber klar gesagt werden, daß nach diesem Schluhgesetz noch weitere Erhöhungen der Auswertung nicht möglich sind, so sehr wir auch das Schicksal dieser Opfer der furchtbaren Wirtschaftskrise tief beklagen.(Lebh. Bravo bei den Soz.) Abg. Dr. Rademacher(Dnat.): Die alle zufriedenstellende Lösung der Aufwerwngsproblem« ist unmöglich. Wir lehnen die Angleichung der Industrieobligationen an die Behandlung der Hypotheken ab, weil die Industrie heut« immer noch die Dawes- Industriebelastung trägt. Dem Gesetz stimmen wir zu, beantragen aber Entlastung der Landwirtschast. Abg. Schumann-Leipzig(Komm.): Den Antrag, die Nicht- erhöhung der Mieten im Gesetz festzulegen, hoben alle Parteien ad- gelehnt. Das Gefetz wird die Sttuotion auf dem Hypothekenmarkt auch nickst ändern, sondern die Lasten der Zinserhöhung auf die arbeitenden Masten abwälzen. Abg. Dr. Schetter-Äöin(Z.): Die Regierungsvorlage muh dort wiederhergestellt werden, wo sie das richterliche Ermessen in Auf- Wertungsstreitigkeiten einschränken werde. Die Verhinderung der Abwälzung der erhöhten Zinsen auf die Mieter muß beim Finanz- ousgleich entschteben werden. Abg. Dingeldey tDBP.) empfiehlt die Lösung des Deckungs- Problems für den städtischen Hausbesttz durch Herabsetzung der Hauszinssteuer. Reichsjustizminister Or. Bredt: Die Zinshöhe der Auswertungshypotl>eken wird nach dem tat- sächlichen Hypochcnkenzinsniveau festgesetzt werden, es ist ober nicht nötig, diesen Zinssatz für die ganze Zeit bis zur Ablösung zu fixieren. Die Deckungssrage ist Landessache. Abg. hetzet(Wp): Der Housbesitz l)at von den letzten Miete evhöhungen nichts gehabt, deswegen ist eine Reiibelostung der Hauswirte ohne Ermäßigmig der Hauszinssteuer abzulehnen. Abg. Dr. Ehlermann(Dem.) lehnt Wiederherstellung der Re- gierungsvcrlage ab.-L— Eine heftige Schimpferei der deutschnatio- nalen Abegordiieten gegen den Redner über die Schuld an der Sabotage einer ausreichenden Aufwertung wird durch mehrere Ord- nungsrufe an die Deutschnationalen beendet. Abg. Rlönke(Chr. not. BP.): Durch die Erhöhung des Pfand- briefzinfes wird die ostpreußische Landwirtschaft mit einer halben Million mehrbelastet, in Westpreußen erhalten dadurch die pol- uischen Pfandbriefbesitzer ein Geschenk, dieselben Polen, die jetzt 392 deutsche Gastwirte durch Konzession sentziehu ng ruinieren. Den Nutzen haben überhaupt nur- Banken und Spekulanten, die seinerzeit die Pfandbriefe an der Börse für ein Butterbrot gekauft haben. Die Bauern haben den Schaden, und die Erwerbslasenarmee erhält neuen Zuwachs. Abg. Dr. Emminger(Bayer. VP.): Es liegt nicht im Interesse der Landwirtschaft, ihr ein neues Moratorium zu bewilligen. Sche- matisches Vorgehen der Auswertungsstellen muß mrterbletben. Der Zinsfuß muß etwas über dem landesüblichen stehen, dieser aber, soweit das nur möglich, gesenkt werde». Wir stimmen für das Gesetz. Abg. Dr. Lest(Vvlksrechtsp.) lehnt das Gesetz ab. Die Abg. Dr. Ehlermann(Dem.) und Seil(Soz.) weisen in per- sönlichen Bemerkungen den Deutschnationalen ihre Untätigkeit in der Frage der Auswertung der Kleinrentnerkapitalien nach. (Lärm und Widerspruch bei den Deuffchnationalen.) Das Gesetz über die Aufwertungshypolheken wird mit unwefent- lichen Aenderungen, das Gesetz über die Bereinigung der Grund- bücher unverändert in zweiter Lesung angenommen. Das Haus vertagt um 29 Uhr die dritte Beratung auf morgen 13 Uhr, außerdem Gesetze über die Vermahlung von Inlandseveizen und über den Endgültigen Reichswirffchaftsrat.- Der Strasrechtsausschuß vertagt sich. Der Strafrechtsausschuß des Reichstages nahm am cireitag den§ 195 über den Parteioerrat in einer neuen Formulierung an und vertagte sich bis zum 23. September, um dann die zweite Lesung des Etvafgefetzbuches fortzusetzen. Der Reichstagsabgeortmete Ernst Lemmer ist von dem Amt des Vorsitzenden der Junxdemokraten zurückgetreten, das er wegen feiner starken beruslichen und politischen In- anspruchnahine nicht länger verwalten kann. Sehr viel Musik steht aus dem Programm. Aus Leipzig wird am Nachmittag«in Mendelssohn-Konzert aesandt, dos für den Komponisten nicht besonders charakteristisch ist. Der Tenor Anton Maria Topitz versucht in seinem Konzert„Moderne und volkstümliche Lieder österreichischer Kompoiüste»" die schöne Seele der Dvnaustadt wieder zu entdecken. Zum wievielten Male eigentlich? Und der Hörer steht vor der schweren Entscheidung, welcher Musik er den Vorzug geben soll. Nun, jeder nach seinem Geslymack. Aber dieser ewig gleichbleibende Rhythmus, diese Koketterie mit der Träne oder mit Juchheoptimisinus fallen allmählich aus die Nerven. Einen harmonischen Ausklang bietet das Dres- dener Streichquartett, das vollendet Mozart und Haydn jpiell, mit zartem delikatem Strich, mit stiller hochkünstlerijcher Einftihlsarn- kcit. Burschells„Erzählung der Wache" beweist von neuem den sachlich berichtenden Stil des Romanciers. Hinter den rei» schildernden Tatsachen verbirgt sich ein« Psychologie, die die Ober- fläche durchringt. Ein energischer Gestaltungswille, lieber die Rede des Reichsministers a. D. Severing wird an anderer Stell« berichtet. Sah, Aus der Partei. Abraham Cahan, der Gründer und Leiter der großen jüdisch- sozialistischen New-lljorker Tageszeitung„Forward"— tägliche Auflage 299 909— wird heute 70 Jahre alt. Die New-Vorkcr Genossen veranstalten ihm zu Ehren ein großes Fest. parteinachrichten fürGroß-Berlin tfBsendangen fSr Mef« Zisbrik find B e c 1 1 n LA 68, ginderntco&e 3, stet» an daa BejirfafelretaiUt 2. Hos. 2 Stenden recht», zu richten. ö. firei» ffriedrichodain. Am Sauntag, de« 13. Juli, veranstaltet ha« Reichsbanner Tchmarz-Rot-Lsld, Kreis!?ften, ein aroße» Sommer. seft in den„Lcotcrralscn", Lichtender!,. Rocderstr. 11—18. Praaramm: Sionjcr», Tanz, iZenerwerl, Kinde rdcinstigunge», Äafseclachen. Ansang 13 Uhr.«iniTiit 50 Ps., Kinder 15 Ps. 13. Krei» Tempelhas. Sonntag, 13. 3«Ii, treffen sich aüc Sc- noffinnen und©Crossen um 13 Uhr Manteusfelstrohe, 1. eScmcindc- schule, jum Umzug de» Arbe-tersportlarteU». Lportplag Kaiserin. Augnsta-Strabe. Wettsämpse,©ymnastit, Radsahren usw. Nachdem geuiütliche» Beisammensein im Mrlcnwäldchen bei freiem Linteiti. Sonntag, 13. Juli. 18. Abt. Sämtliche Genossen treffen sich mit ihren AngcHBrigen zum?b- icilmigsausflug nach Brieselang um 7 Uhr IannowitibrUefe. Montag, 14. Zuli. 10. Abi. 20 Uhr Hei ssOrster, Dreibundstr. U, AbieilungsmügNederversamm- lung. Referent: Stadtverordneter Richarö Barth:„Me Tätigkeit der Partei in der Stadtverordneienversammlung". Iungsozialisten. Gruppe Reinickendart. Sonntag. 13, Juli, Agitationotahrt nacki Nauen, Kremmen. Betten, Oraniendurg. Wir treffen uns 714 Uhr am Brunnen- platz. Unkostenbcitrag 2 M. SAZ.-Mitglieder Merten ebenialls gebeten, daran teilzunehmen. Lrnppc thorlottenturg. Morgen, Sonntag, 7 Uhr, Treffpunkt zur IZahrt am Bahnhof Charlottenburg. Vedding-Keinudbrnnnen. Morgen. Sonntag. 8 Uhr, treffen mir uns mit der SAI. Wedding am Brunnenplatz zur Landagitationsfahrt. Arbeiksgemeinschaft der kindersreunde Groß-Derlin. fientrnlc. Dienstag, 18. Juli, 20 Uhr, znsammenkunft der Kriser in der zentrale, Lindenfir. 3. Snmpp« Tempelhas. Die Nestfalken und Roten Talken treffen sich Dien». tag, lZ. Juli, 17 Uhr, im Jugendheim Sermaniasteatze, Eingang Eötzslratz«. Geburlstage. Jubiläen usw. 30. Abt. Unserer Denoffin Ann« S'egemnnd. Lochencr Str. 8, ihr«» 80. Geburtstage die herzlichficn Elnckmunsche. Die Abieüungsleiiurg. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlm Ewsendungen für diese Rubrik nur an das Zogendsekrewrwt Äerfln GW 68. �wdenstroSe S heule, Sonnabend, 12. Juli. Kalenheidr: ffahrt nach Brieselang. Tresspunkt 19 Uhr Kottbusser Tor. Rachzilgler morgen. 8Z»> Udr. Kochdahnhos Prinzenstratze.— Sndwesten: 7% Uhr Bahnhof Porckstratze. gahrt zum Scfdi-See.— Neukölln I: Treff. Punkt W«4 Uhr Reuterplatz.— Britz: 19 Uhr Arbeitsgemeinschaft. SS®. Neukölln, Die Tahrt fällt umständchalber aus. We-be bezirk Kreuzbeeg: Alle Musiker und Tänzer treffen fich 18 Uhr am Schießplatz in der Sasenheide. N Warbebezirk Renkölln! Unser Iugendgenosse Heinz Werner wird kB heute im Krematorium Baumschi, lenmeg eingeäschert. Wir beteiligen D uns pollzählig. Treffpunkt. IS'., Uhr am Bahnhof Neukölln. Morgen, Sonnlag. 13. Juli. SSben: Treffpunkt zur ffahrt nach Brieselang um Oll Uhr an der „Roten E-ke'.— Steglitz: ssuhrt zum Keidesee. Treffpunkt 7 Uhr Ralhaus- Platz.— Britz: Besuch des Bolanischen Garten».'Tresspuntt tzss, Uhr Jahn- Ecke Rudower Strotze. Werbe bezirl Kreuzberg: Dir Iungsozialistcu pcranfialten eine Autofahrt nach Leiten. Treffpunkt 7 hg Uhr im„Bamvärts". * Werbebezirk Mitte: Montag, 14. Juli, Keim Elisobethkirchfir, 19, Be» sprechung der l. Porfitzcnden mit den Iugendbeiräten. Werbe bezirl Prenzlauar Berg: Montag, 14. Juli, Werhebezirkmmrftand»- fitzung im Keim Rastendurger Str. 10. Werbebezirk Neukölln: Montag. 14, Juli, politischer Jnfotmalionsabeni im Heim Rannet Straße. Allgemeine Wetterlage. «.ckuli 4930.«beia. stti üffiTiOrtTiff� wolleonlos.C3 hoitor.CI halbbedockr av>o!i(ig,®bedecl,t*Reg«rrt-Graup«ln ,T-Geeeittet@Wimi3tille Deutstölanö liegt jetzt im Bereich eines mestlichen bis Nordwest- lichen Luststromes. In Mittel- und Ostdeutschland stiegen die Tein- peraturen tagsüber bis auf etwa 29 Grad, im Westen und Süden blieben sie bäufig mehrere Grad« darunter. In diesen kühleren Gebieten traten auch Regenfälle aus. Sie waren in den bergigen Teilen ziemlich erheblich. Bei der allgemeinen Abschwäehung der Lustdruckgegensätze über Deutschland werden sich die westlichen Lust- Massen recht langsam nach Osten ausbreiten. Si« dürften aber an« Sonnabend die Oder erreicht haben. « Ivetkcrausjichlcn für Berlin: Ziemlich kühl und stark bewölkt mit Neigung zu leichten Regenfällen: vorherrschende westliche Winde. — Für Deutschland:«tark bewölkt und ziemlich kühl; strichweise Regen, besonders in West, und Mitteldeutschland. Durchs Wattenmeer. Wenig« kannten vor dem Krieg« die Halligen: mir Kenner der schleswig-holsteinischen Küste erzählten von merk- würdig stillen Eilanden und waren begeistert van ihrer Wander- Wattenfahrt oder dem Schaukeln auf dem kleinen Segelboot. Die Halligen als Reiseziel zu benutzen, daran dachte niemand. Heute wissen die meisten, daß eine Reis« nach diesen Inseln Kräftigung. Er- holung und vor ollem eine Füll« schöner, neuer Eindrücke mit sich bringt. Durch die irerbesserten Derkehrsmöglicksteiten find die Halligen eigentlich erst richtig eindeckt und bekannt geworden. Während man früher aus ein« der gelegentlichen„Lustsahrten" warten imißte, die • von den Motorkuttern der benachborten Nordseebäder unternommen wurden, haben wir heute eine Reihe gut begehbarer Halligdämme. Keine Knüppel- und Faschinendämme, sondern feste Spundbohlen- dämme, auf deren Kopf man ruhig und sicher vom Festtand aus hinauswandern kann. Von Dagebüll geht's in einer Stund« nach Oland und von da in einer weiteren Stunde noch Longeneß. der größten oller Holligen, die aus drei Inseln. Longeneß, Vutwohl und Rordnrarsch zusannncngewachsen ist. Es ist eine Hall von 80 Kilo- meter Länge: vorbei an zahlreichen Warften, über typisches Vorland und breite Priele führt ein bequemer Fußsteig. Es lockt die schöne hnlage der Warft von Hilligenley. In Vorbercitiing ist ein Damm nach den Halligen Habel und Gröde. Habel ist besonders interessant, weil der Priel sich im Lauf der letzten Jahre so verlagert hat, daß er hart an der Hallig wühlt. An kaum einer Stelle der Rardseeküste ist die Gewalt der wühlenden, drängenden, pressenden Wottenströmc so gut zu sehen. Ein breiter, gut begehbarer Damm führt auch zur Marschinsel Rovdstrand, die man im allgemeinen auch noch zu den Halligen rechnet, trotzdem sie eingedeicht ist. Bon Nordstrand sind lohnende Wanderungen nach den Rungholt-Watten um Südfall und Boots- fahrten nach Nordstrandisch-Meer möglich. Die zweit« gute Ver- kchrsmöglichkcit bietet dos reich« Fahrtenprogramm des städtischen Derkehrsdampsers„Stadt Husum", der von Ansang bis Ende August täglich außerordentlich billige Fahrten unternimmt. Ein« dritte Verkehrsmöglichkeit bieten die P o st b o o t f a h r t« n, die fast täglich von Bongsiel, südlich Degebülls, in dieser icher umgekehrter Richtung die Holligen Habel, Gröde, Longeneß und Oland berühren und so lange Aufenthalt hoben, daß eine Besichtigung der Holligen möglich ist. Am Nordwestufer Pellworins liegt die Hooger- fähre, die täglich zu dieser Hallig fährt, deren Königspegel wohl der erste Punkt der Halligen war, der weiteren Kreisen bekannt wurde. Dieser Pegel ist noch völlig im allen Austand erhalten. Durch eine Kombination von Berkehrsdampfer», Föhre, Post- boot, Wattlauf und Halligdammweg lasten sich Reisepläne aufstellen, die in drei Tagen schöne Eindrücke geben, in acht Tagen einen lieber- blick über die Halligen ermöglichen, in kurzen Wochen ein tiefes Ein- dringen in die Well dieser kargen Landschaft mit einer eigenartigen und wertvollen Kullur, von der wir bisher nur durch feittiinentafc Hollig- Geschichten hörten, ermöglichen. Aus ollen Halligen gibt es gut« Gasthöfe, die bei guter Der- pflegung zu billigen Preisen Ruhe und Erholung garantieren. Stoffwechsellalwrolorium in Bad Svdoiva. Die im Lause von vielen Iahren in Bad Kudowa erziellen ausfallenden Kurerfolge bei Störungen der Drüsen mit innerer Sekretion, besonders bei Basedowscher Krankheit, hoben die Bcrdeverwaltung und Aerzteschoit zur Errichtung eines Staftwechsellaborotoriums veranlaßt. Die Bodeverwoltuiig hat sich bekanntlich vor einiger Zeit entschlossen, die Pauschalkuren für Minderbemittelte, die sonst mir in der Zeit vor dem lö. Mai und nach dem ZO. August zugelassen waren, auch während der Hauptkurzeii durchzuführen, um aus diese Weise möglichst weiten Kreisen der deutschen Voltsgenosten den Ge- brauch der Heilmittel zu ermöglichen. Die außerordentlich starke Inanspruchnahme der PauschaMiren liefert den Beweis, daß diese Einrichtung dankbar ausgenommen wird, weil der Kurgast in der Lage ist. sich seine Badekur im voraus auf den Pfennig zu berechnen. Die Pauschalkur umfaßt bekanntlich für die Dauer von 28 Togen die gesamten Kosten für Unterbringung, Verpflegung, Kurtaxe und Kur- mittel sowie ärzttiche Behandlung. Da, wo eine Mittellosigkeit?-«, bescheinigung beigebrocht werden kann, ist auch die Möglichkeit einer erheblichen Ermäßigung d-r Eisenbahnsahrprelje gegeben. Bad Solzelmen. Rur wer van früheren Iahren her Bad Salzelmen kennt und es jetzt wiedersieht, oermag die Eniwickluno dieses Kurortes gebührend zu schätzen. Kaum eines der allen Ge- bände, dos nicht im neuen Glanz seine Auferstehung feierte. Scharen von.Handwerkern schufen in monatelanger Arbeit das neue Gewand von Bad Salzelmen. Roch kurz vor Beginn der Sommersaison voll endete man die Erneuerung von den Spiel- und Lesezimmern, an die sich schattige Beranden gliedern. Auch der Musiksoal erstand im neuen Glanz. Kristollen scheinende toalzblöcke van bizarrer Farm erinnern an die nahen Solquellen, die sich nieltausendiach. nomeittlich qegen Rachitis und Skrosulose, Blutarmut und Bleichsucht bewahrten Moor und Fango bilden schon länger eine wertvolle Ergänzung der sich eines guten Rufes erfreuenden Kurmittel. Von den gewaltigen, sast 2000 Meter langen Gradiermerken wurde ein �bedeittender Teil vollständig erneuert. Durch lleberbelostung mit Salzschlocken war der Einsturz in bedrohliche Nähe gerückt. Schwetzingen, jenes nächst Heidellwg gelegene badische Städtchen, das gleichermaßen durch seinen wundervollen Schloßpark wie durch seinen vortrefflichen Sporgel berühmt ist, hat als erste deutsche Stadt «inen billigen Feriengutjchcin mit Ratenzahlung eingesübrt. der einen IZtägigen Erholungsaufenthalt einschließlich voller Verpflegung. Wohnung, ollen Ausflügen, Eintrittsgeldern zu Sehenswürdigkeiten der Umgebung, Trinkgeldern usm für nur 120 M a r k vorsieht.' Von diesen. Betrag muh die Hälfte angezahlt werden, der Rest wird in monatlichen Raten abgetragen. Die Gut- scheine für den! stögigen Aufenthalt sind durch alle, großen Reise- büros oder den Berkehrsverein in Schwetzingen zu beziehen. Mineral' Sandbäder in Bad Homburg. Das Taunusbad Hot der Menge seiner Heilmittel ein neues, sehr beachtetes hinzugefügt: Mineral-Sandbäder zur Bekämpfung von rheumatischen und neuralgischen Störungen. Der Sand ist mit den natürlichen Homburger Mineralsalzen durchtränkt und enttallet dadurch eine doppelte Wirkung. Rheumatismen werden schnell sehr günstig be- einslußt und Gewichtsabnahmen von 8 bis 10 Pfund in der Woche gehören zu den Tatsachen. KM Badi>ru.Kurorf� � Theater, Lichtspiele usw. I Staats-Theater geschlossen! Abonnements- Anmeldungen für die Spielzeit 1930-31 (Beginn am l. septom&er) werden auch während der Theaterferien entgegengenommen: a) für die Staatsoper und das Staats. Schauspielhaus vomAbonnements- büro, Berlin W56, Ober- wallstr. 22.— Feraspr. Merknr 9024, b) für das Staats. Schillertheater vom Abonne- mentsbüro3erlin-Char- tottenburg, Grolman- straße 70.— Fernspr. Steinpl. 671?. PLAZA Täqi. 9 u.•» SeBIL 2, i■. 8" Alex. E 4. 8066 Internationale Attraktionen ROSE •Theater GroSe Frinkfnrter Str. 191 Blllattkorai: AI». 3492 o. 34M TAglich 5.30: KONZERT Ab 6 Uhr; Varleltschan 8.13 Uhr: „Verliebte Leute" Operette von KOnneke. Im InaMthMtar TigOsfe all „Die andere Seite" — Her«rat« kOnilUritch« Ertola Dil der gMtmtin Pnn* Bwllni. Pml«OM Di KmiwgnltfOhrar V{•I-lffloiiHi.Bai'leii Ab 4 Uhr SSÜSSeS KONZERT Täglich Taas im Freien Auf/. Uhr Der fröhlldie Welnlierg Lustsp. in 3 Akten ra bri Zatnapr IVullLMa. DemsaiK meaier 1 2 ViUntuui SAH 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Rege Max Reiobardl |S— ,|L. B.l.il-' A V"---> bumi. mfuiOT notwtnwr. ClftMBbiHirEnBt&Mtl«. Die Komödie 1 1 BismeJt. 2414/731' 8»/! Uhr V» verde idutidi nd glsddidi? 5i lamt Ii 1t UMogn na Wh JudiiBsn. Musik m Ksdu Spolitsch. Seih: Erfdi EagM Bühnenbilder tut»!,«mm Tbeater l Wetiem Täglich 8% Uhr: cos Und des Ucneins Fianz Lehars Sensationsertolgl Renaissance- Theater » Uhr Steinplatz 6780 Die Vonder-Bar Revuestück Netropoi-Iii. Täglich 8a Uhr Der Faun ra Etv.lHMmdL Fhumubnl. Enttuhstj. FmJm. FMv. bidn. Ilm Stelermarl 3 um Värenwlrl •iurl SanDl m Aich«stach Im schönen Tale der Em« gelegen. 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Verbaad der BudiblRder nd Paplervanrbelter Deutsdiiaiids Ortsverwaltuag Berlin Ted«s«nsRl9R Den Mitgliedern zur Nachrichl. dag unsere Kollegin, die �uxuspapier- arbeiterin lleleoe Bevgsed wahnhast Pücklerstr. 5. verstarben Ist. Uhr« ihrem Azbcslcat Die Siniischerana findet am Montag. dem 14. Juli, nachmittags Uhr, im Krematorium Sertchistraße statt. Reg» Beteiligung erwart«! Die Qnaverweltung Am 9. ZulL mittags'/.I Uhr,»er- starb nach Ichwerem Leiden mein innigstgeirebter Mann, unser Herten«. guter treusorgender Baier, Bruder. Schwager und Schwiegeroaler Wilhelm Gohlke im Alter von 53 Jahren. Zn tiefet Trauer, um stilles Bei- lein bittend Mertbe Gohlke als Gattin Walter o. Kurt Gohlke als Söbne Friede Leid geb. Gohlke Erleb Leid als Schwiegersohn Einäscherung am Monlaq. dem 14. Juli, nachmittags>/,5 Uhr, im Krematorium Serichtftrah« Verkäufe Tapetea. Ssillat, flolvnlestrahi 9. Bekleidunasstücke, Wäsche usw. 'Äm tondttn, Bülten, änwälten SmpieHIe deihait billig- Preise. aillenmantei. 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Der Leiter des Beamten- Heimstättenamtes, Johannes Lubahn, hat diese Gedanken u. a. in der Zeitschrift„Bodenreform" ausführlich dargestellt und begründet. Lubahn geht davon aus, daß die vorgesehene Reich-Hilfe in ihrer jetzigen Form einen Eingriff in die wohlerworbenen Rechte der Beamtenschast bedeutet, gegen den sich diese aufs schärfst« wahren müsse; dagegen wären die Beamten bereit, zur Bekämpfung der Arbeitkilosigkeit beizusteuern, indem sie für einen bestimmten produk- tiven und sozialen Zweck, die Errichtung von Wohnungen und helmslötten für die Beamten. Zwangsbeiträge in der Höhe der vorgesehenen Reichshitfe leisten. Durch ein Reichsgesetz soll festgelegt werden, daß die Be- amten den gleichen Prozentsatz ihres Diensteintommens, den die Regierung jetzl für die Reichshilfe fordert, also insgesamt 13 5 M i l- l i o n e n Mark, an die„Beamtenbausparkasse" abführen und nach 10 Jahren wieder zinslos zurückerholten. Ein gleich hoh�r Betrag soll auf dem Anleiheweg« unter Reichsbürgschaft beschafft werden. Mit diesen Mitteln stellt die Beamtenbausparkasse ihren Bausparern Darlehen zum cheimstäckenbau zur Verfügung bzw. vor- gibt Hypotheken am Beamtenbaugenossenschaften und fördert damit im großen Stile den Wohnungsbau. Aus diesem Wege würde nach Lubahns Darstellung wesentlich wirksamer die Arbeitslosennot be- kämpft werden können. Während durch die„Reichshilfe" gerade 270 000 Arbeitslose die notdürftige Arbeitslosenunterstützung er- halten könnten, würde durch die„Beamtenhilfe" die gleiche Zahl von bisher Arbeitslosen produktive, wertschafsende Beschästigungs- Möglichkeiten erhalten. Die Sozialdemokratie billigt das jetzige Deckungsprogramm der Regierung keineswegs, well sie der Auffassung ist, daß in ihm der Besitz und die leistungs- fähigsten Schichten übermäßig geschont werden. Die Sozialdemo- kratie hat gefordert, daß zur Milderung der Massennot in erster Linie die leistungsfähigsten Volksschichten herangezogen würden und bat in diesent Sinne einen 10prozentlgen Zuschlag zur Einkommen st euer auf alle höheren Einkommen gejordert. Daruber hinaus hielt sie in Anbetracht der Größe der zur Sanierung der öffentlichen Finanzen und der Aufrechterhal- tung der sozialen Leistungen notwendigen Mittel ein zeitlich be- fristet«? Notopser aller Festbesoldeten, sowohl der Beamten wie der Angestellten der Privatwirtschaft unter Herauslassung der kleinen Einkommen und unter Rücksichtnahme auf besonders soziale Um- stände, für unvermeidbar. Es schien chr in einer Zeit größten Massenelends nicht unbillig, dafür einzutreten, daß diejenigen Bolksschichten, die der Gesahr der Erwerbslosigkeit nicht ausgesetzt sind und deren Existenz gegenwärtig und später einigermaßen sichergestellt ist. zur Milderung der Massennot ihrer Arbeitsbrüder beisteuern. Der Vorschlag, das Bcamtennotopfer durch die„Beairtephilst" für Beamtsnheimstättcn zu ersetzen, geht jedoch von falschen Vorstellungen und Voraussehungen aus stößt auch grundsätzlich auf stärkste Bedenken. Es ist nicht angängig, daß eine Schicht die Uebernahme eines Opfers davon ab- hängig macht, daß die von ihr geleisteten Zuschüsse lediglich im Interesse ihrerGruppe Verwendung finden. Mit demselben Reckst könnten die von der Ledigensteuer betroffenen Krtije beanspruchen, daß die Ledigensteuer zum Bau von Ledigenwoh- nungen— sicherlich auch ein dringendes soziales Bedürfnis— Verwendung findet. Wenn es überhaupt jetzt möglich wäre, größere Summen aus Steuergeldern und Anleihen für den Wohnungsbau zusätzlich zu verwenden, so müßten diese Steuerbeträge gleich» mäßig für alle Schichten und zunächst dort, wo der dringendste Notstand besteht, also sür die Beschaffung billigster Kleinwohnungen, Verwendung finden. Nun sind aber auch die Voraussetzungen, von denen diese und ähnliche Vorschläge ausgehen, nicht richtig. Wir treten ganz gew.ß aufs entschiedenste für Arbeitsbeschaffung und produktive Erwerbs- losenfürsorge ein und sind der Ansicht, daß die von der Reichs- regierung für diese Zweck« zur Bersügung gestellten Mittel in An- bctracht der furchtbaren Arbeitslosigkeit völlig unzureichend sind, und daß durchgreifende wirtschastspolitiiche Maßnahmen, insbesondere in der Richtung des Preisabbaues, ergriffen werden müssen. Nun ist es aber falsch, zu glauben, daß man die Wahl hätte, nnt dem gleichen Betrag einen Arbeitslosen notdürftig zu unterstützen oder ihm eine produktive Arbeitsbeschöftigung nachzuweisen. Lubahn unterstellt ohne weiteres, daß ohne Schwierigkeit eine Au- leihe in Höhe von 135 Millionen für den Bau von Beamten- Heimstätten ausgenommen werden kann. Bisher ist es trotz mannte- langer Bemühungen noch nicht gelungen, für seit langem bearbeite.e Projekte, wie für den Straßenbau, für die Umbildung der produk- tiven Erwerbslosensürsorge u. a. m. Anleihen unter Dach und Fach zu bringen. Die zusätzlichen Mistel, die das Reich für den Bau von Kleinwohnungen zur Verfügung stellt, müssen durch den Verkauf von Vorzugsaktien der Reichsbahn beschafft werden. Wenn es aber mögl'ch wäre, größere Anleihen für Zwecke der produktiven Arbeitsbeschaffung aufzunehmen, so muß man zunächst für sozial und volkswirtschaftlich dringlichere Aufgaben afs den Bau von Beamtenheimstätten— deren Wert und deren ideale Bedeutung wir durchaus anerkennen, den wir aber in An- betracht der bereits durchgeführten und bestehenden weitreichenden Wohnungsfürsorge für die Beamten und angesichts schwerster Not- stände auf anderen Gebieten nicht als vordringlich ansahen können— Arbeitsplätze und Arbeitsmöglichkeiten schaffen. Es scheint uns end- sich nach den vorhandenen Unterlagen wesentlich zu hoch gegriffen zu sein, wenn Lubahn den direkten und indirekten Lohnanteil an der Wohnungzherstellung mit 80— 85 Proz. annimmt. Ganz ab- gesehen von den grundsätzlichen Bedenken, die gegen diesen Vorschlag bestehen, geht er also auch von irrigen Vor- aussetzungen und Berechnungen aus. So stark wir uns von dem jetzigen Deckungsprogramm der Regierung Brüning abgrenzen, und so sehr wir ihre unsozialen Seiten bekämpfen werden, so meinen wir doch, daß die Beamten- schaft in ihrer grundsätzlichen Abwehr gegen die be- fristete Heranziehung zu einem Notopfer sich in einer falschen Front befindet, und daß ihre Gegen- vorschlüge, wie der von Lubahn n. a., die Kernfrag« übersahen und in der gegenwärtigen Situation nicht annehmbar sind. Reichsforschung für Wohnungswesen. Der vom Reichsarbeitsminister neu bestellte Verwaltungsrat der Reichsforschungsgesellschaft für Wirtschaft- lichkeit im Bau- und Wohnungswesen wählte Baurat Dr.-Ing. Riepert und Frau Dr. Lüders, M. d. R., zu seinen Vor- sitzenden. Weiter genehmigte der Verwaltungsrat den ihm vor- gelegten Haushaltsplan für das Jahr 1930/31, in dem neben den für die Verwaltung benötigten Mittsln«in Betrag für Forschungs- arbeiten vorgesehen ist, über den der Vorstand der Rcichsforschungs- gesellschaft verfügt. Aus diesen Mitteln sollen, entgegen der frühe- ren Praxis der Reichssorschungsgcsellschoft, Beihilfen zur Förderung von Forschungssiedlungen nicht mehr gegeben werden, vielmehr sollen die zur Verfügung stehenden Mittel lediglich Forschungszwecken dienen. Geiden-Michels wird AG. Die bekannte Berliner Seidenfivma Michels u. Co., Leipziger Straße und Tauentzienftraße, wird mit Wirkung vom 1. Jamiar 1930 eins Aktiengesellschaft sein mit einem Ka p i ta l v o n 6 Mi 1 l M. Das Kapital wird fast vollständig in der Fanülie Guggenheim bleiben. Im Auffichtsrat ist der Vorsitz bei Guggenheim, ober auch Jakob Goldschmidt von der Danat und Georg Mosler von der Dresdener Bank werden vertreten fein. Di- letzte Bilanz der bisher als offene HandeZsgsfsllschost betriebenen Firma zeigt Forderungen van 2,89, Vorräte von 4.75 Mill. Die Außenstände erscheinen mit der Hülste des Aktienkapitals sehr beträchtlich. Bei den Verpflichtungen ergibt sich eine Gesamffumme von 4,7 Mill. Mark. Für 1929 wird ein Gewinn von 500 000 M. ausgewiesen. Gute Zeiten für Waggon-Verleih. Eisendahn-Verkehrsmitiel-A.-G. ertzöht Dividende von i2 auf 15 Prozent. Die Eifenbahn-B«rkehrsmittel-A.-G.. Berlin-Wismar, deren Ar- beilsgebiet Bau und Verlech von Spezial-Eifenbahnwaggons bildet. erhöht ihr« Dividende für das Geschäftsjahr 1929/30 auf 15 Proz. (Vorjahr 12 Proz.). Seit 1925 hat die Gesellschaft chre Dividenden von 5 auf 8, 10, 12, 15 Proz. erhöht. Sie hat ihren Wagenpark stark oermehrt, so daß die Einnahmen aus Mieten jetzt stark ge- stiegen sind. Im abgelaufenen Jahr wurden wieder sür 2,16 Millionen neue Mictwaggons und daneben v-Zug- und Spezialwaggoirs für die Reichsbahn und private Auftraggeber gebaut. Di« Ausnutzung der Kühlwagen ließ infoige der Beschränkung der Fleisch, einfuhr durch die Reichsregierung zu wünschen übrig.(Sollte dem Reich durch die Einfuhrsperre für Gefrierfleisch hier eine neu« Schodenersatzklage erwachsen?) Der Reingewinn wird nach einer weiteren, mehr als fiiiff- Prozent igen Steigerung der schon im Vorjahr stark erhöhten Ab« seht"«Hungen fast U Mfll. mit 0,93 Mill.(vorjohr 0,74 Mill.) an- gegeben. Man vermißt im Bericht«ne Erklärung für die Erhöhung des Betsisigungskantos»nd Angaben darüber, inwieweit die Zusammenarbeit mil Borsig(C. v. Borsig ist Aufsichtsrats- Mitglied der„Evag") zu einer Verwertung des ausländischen Sisica- Gol-Vcrsahrens für Kühlwaggons gefiihrt hat, für dos die Ma- schirren bei B orfig gebaut werden. Ausländische Aufkäufe von„Evag"-Aktien, von denen vor einiger Zeit die Rede war, köimten damit in Zusammenhang stehen. Feierfchichien statt preissenwng. Rheinische Braunkohlen- Gesellschaft erzielt il Millionen Lleberschuß. Die unnötige Braunkahlenpreiserhöhung für das rheinische Re- vier wirkte sich für die von Paul Silverberg beherrschte R h e i- n ische Aktiengesellschaft für Braunkohlen berg- bau und Brikettfabrikation in dem am 31. März 1930 beendet«: Geschästsjahr zwar noch nicht voll aus, aber das Unter- nehmen konnte den Betriebsüberschuß doch wieder um 3,08 Mil- kirnen auf 16,7 Millionen steigern. Borweg werden 1 Million Mark mehr als im Vorjahr, also 7 Millionen, zu Abschreibungen verwendet. Der Aussichtsrat will den Aktionären wieder zehn Prozent Dividende— 6 Millionen Mark geben. Jni neuen Jahr mußte die Gesellschaft nrehrfach Feierschichten entlegen, weil der Absatz zu wünschen übrig läßt. Warum dokumentiert Herr Sckverberg, der Aufsichtsvatsvor- sitzende der Gesellschaft, seine Wirtschaftsverbundenheit mit dem Volke, die er so gern betont, nicht durch ein« Preissenkung? Leichte Besserung im Maschinenbau. Der Monat Juni hat noch dem Bericht des Vereins Deutscher Maschinenbauanstakten für den Auftrags- eingang aus dem In- und Ausland ein« geringe Belebung gebracht. Die Anfragetätigkeit, die sich flu Mai belebt hatte, ging wieder zu- rück. Leichte Besserungen in der Beschäftigung liegen bei den Landmaschinenfabriken und bei der Erzeugung von Kraftinafchinen, Hütten-, 5t« Generalversammlung irgend- welche Konsequenzen zog. Ein« hübsche Zlrt, wie man durch Gesälligkeiten Verluste„er- zielt"!__ Rur noch I-prozeniige Anleihen! Unter Führung des Reichswirts chaftsministeriimis fanden mit den privaten und den öffentlichen Bankorganifationeu Berhand» lungen statt, die zu der einmütigen Auffassung sührteir. daß der U ebergang zum 7prozentigen Nominalziirssuß mit allen Mitteln gefördert werden muß. Die Verbände wollen auf chre Mitglieder dahin einwirken, daß dos künftige Anleihegeschäft möglichst nur noch auf der Grundlage von 7prozeirtigen Papieren vorge- nommen wird und traß insbesondere jede öffentliche Werbung sür den Absatz 8prozentiger Werte unterbleibt. Insbesondere soll auch auf«ine Senkung der Bonifikationen oder sonstigen Vermittlungsgebühren hingewirkt werden. Reue Senkung der Kupferpreise. Das amerikanische Kupferexportkartell war gezwungen, nachdem auf dem amerikanischen Markt durch kanadische und amerikanische Firnren die bisherigen Preise unterboten wurden, den Kupfer- preis weiter von 12,30 au f 11,80 Cents herabzusetzen. Jleoe Ans tröge sür Schwarhkopss. Di« Berliner Majchineirbau- A.-G. vormals L. Schwartzkopf/, Berlin, erhielt von der Vulgari- schen Staatseisenbahn einen Auftrag auf lOLokomotiven. Einen seltenen Weitlaus, nämlich um die Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen veranstaltet gegenwärtig Opel und die Deutsche Ford-Gesellschast. Klar, daß es sich hier mehr um Reklame als um ein echtes Publizitätsbedürfnis handelt. Nachdem Opel kürzlich seine höheren Absatzziffern bekanntgegeben hat, teilt Ford jetzt mit, daß in den sechs Monaten 1930 gegenüber der entsprechenden Vorjahrezeit der Umsatz um etwa 55 Pro- z« n t, da« heißt noch erheblich stärker als bei Opel gewachsen ist. Gegenwärtig werden täglich 62 Wagen bei 5 Arbeitswochen- tagen hergestellt, wobei der Betrieb etwa 600 Arbeiter beschäftigt, gegen mir 400 vor einem Jahr. In der Eisen- und Stahlivarcn>nd!.'flrie hat der Monat Juni ebenfalls noch keine Wendung zum Besseren gebrocht, so daß zu wetteren Entlassungen irnd Arbeitszeitkiirzungen geschritten wurde. Noch nie ist nach der Mttsibmg des Eisen- und Stahlwarentndustri»- brnides die Erteilung von Aufträgen so zurückhaltend erfolgt wie jetzt. % Anna Siemfen: MKS 3iräulerwelMelm Au mir kommt allwöchentlich etn altes Weiblem. Zwemnö- siebzig ist sie, wie sie selber sagt. Zlbcr sie könnte viel älter sein, so runzlig, wetterzerbissen und wetterversärbt ist chr Gesicht, so krumm ehr Rucken, so knochig und verkrümmt sind ihre �ande. Sie hat eint Kiepe bei sich. Daraus holt sie im Winter„Rapünzchen", den Feldsalat, der in Thüringen wild auf den Feldern wächst. Den sucht sie in stundenweitem Wandern talab und Hügelauf. Sie hätte das gar nicht nötig, sagt sie selbst. Sie hat Kinder und Enkel. Bei ihnen hat sie jahrelang gewohnt: Kinder gehütet. Essen gekocht. Strümps- gestopft. Zlbsr der Kleinbauerin gefiel das schlecht. Sie war das £«ben und die Arbeit im Freien gewohnt. Und„man will doch gern seine Sache für sich haben". So wohnt sie jetzt, in zwei Stüblein rllein, hat ihr sehr kleines Ausgedinge, ein paar Gartenbeete, siu paar Hühner,«ine Ziege. Und sie wandert Tag für Tag bei gutem und schlechtem Wetter und sammelt— Feldarbeit kann sie nicht mehr tun—, was auf den Hügelabhängen und in den Talgründen, im Buschwold, auf Weiden und Brachfeldern das Jahr so bringt, und was sich gut oertausen läßt. Das ist viel mehr, als man denken sollte. Im Winter sind'« die„Rapünzchen", die alle ihr gern abnehmen. Im Frühjahr sticht sie in den Wiesen die zarten Sprossen des Löwenzahnes aus. Die gclieii einen guten Salat. Dann kommt der Sammer, und es gibt vielerlei Beeren: Erdbeeren, Blaubeeren, Preißelbeeren, und im Herbst die reichste Ernte an Pilzen vom alltäglichen Psisferling bis zum vornehmen Champignon und Reizker. Und natürlich die Blumen. Denn Thüringen hat viele Blumen und viele Blumen- l>ebhaber. Es ist gar nicht solch trauriges Leben, das mein .Kräutcrweiblein führt, obschon es ärmlich und mühselig genug ist. Sie wandert gern. Sic kennt und liebt Regen und Sonnenschein und freie Lust. Und sie kennt und liebt vor allein die Wälder und Felder mit allem, was daraus gedeiht. Und sie ist nicht die einzige, die so als Sammlerin sich ihr bißchen Nahrung holt. Es gibt manch alt« Männlein und Weiblein, die es. ihr gleich tun. Und wie viele Kinder tun diese Arbeit. Kaum eine Bauernfrau kommt auf den Wochcnmarkt, die nicht neben ihrer Ernte von Obst und Gemüse, Eiern und Butter solch« Sammelfrllchtc hat. wenn es auch nur«in paar Bündel Brunnenkresse sind, oder ein paar Sträußchen Märzen- bscher. Wer nicht mehr oder noch nicht die volle schwere Landarbeit tun kann unter diesen Kleinbauern, der hilft, indem er sammelt,„was uns von selbst zuwächst". So hält sich hier mitten in unserer modernen Wirtschast, die so kompliziert und rationalisiert ist, ein Stückchen urältester Menschen- arbeit an den Rändern dieser unserer entwickelten Kultur. Denn alle Menschenarbeit hat ja so angefangen mit Sammeln. Und es gibt heut« noch lleine Ueberreste solcher Urkultur iln Innern Australiens, in den Steppen und Buschwäldecn Südafrikas, auf manchen entlegenen Inseln des Ozeans, wo Menschenhorden als „Sammler und Jäger" umherziehen. Während da die Männer mit Bogen und Pfeil oder mit Bumerangs vor allem Tiere jagen, niachen es die Frauen nicht anders, als mein Kräuterweiblein. Sie suchen Kräuter und Beeren. Pilze und Knollen, wie das unser aller Dormütter vor Jahrtausenden oder Jahrzchntausenden getan haben. Wir können heute noch an«inigen anderen Völkerschaften beobachten, wie aus diesem Sammeln langsam der Ackerbau eni. standen ist. Man steckte Knallen und Runken in die Erde, die man mit Stöcken lockerte. Man säte Samen, und nach«in paar Wochen und Monaten kam mm, wieder vorbei an dieser Stelle, um nachzu- sch«n, was aus dieser Arbeit geworden war. So wurden Beete und Gärien im Walde. Aus den Gärten wuchsen Felder. Aus d«n Sammlerinnen wurden Frauen, die Hackbau trieben. Und nun ging es unaushaltsam weiter: zur festen Siedlung, zur Ackerwirtschast, zu Handwerk und Dorsmirtschaft, zur Stadt, und schließlich in langen Jahrtausenden zu unserer technisch so vollkommenen Zioili« iation. Felder und Wiesen fraßen den Wald und die Steppe. Das Privateigentum fraß das Gemeinrecht aller an allem, was auf der Erde wächst. Heute muß sich sogar das Kräuterweiblein«inen Erlaubnisschein holen, wenn sie ihr« Kräuter und Rapünzchen sammeln will. Und was früher die Nahrung der Menschen wir, das ist jetzt eine hübsche Abwechslung und Zugabe geworden, wenn wir unserer allzu zivilisierten Nahrung müde sind. Sammeln und Jagen, die Haupinahrungsquellen der Menschen, 'Die größten QrubenkutaSlrophen Eine tragische Kette von Unglücksfällen unter Tag zieht sich durch die Geschichte des modernen Bergbaus. Das größte und folgenschwerste Grubenunglück war das von Courrieres in Frank- reich, das sich am 10. März 1906 ereignete, 1219 Bergleuten das Leben kostete und 6000 Kinder zu vaterlosen Waisen machte. Die verhängnisvollste Grubenkatastrophe, von der Deutschland bisher betrossen worden ist, geschah am 16. November 1908 airf der Zeche Radbod, bei der 360 Menschen umkamen. Das zweitgrößte Unglück auf einer deutschen Zeche dürfte wohl die furchtbare Schlagwetter- kmastrophe auf den sächsischen Schächten„Segen Gottes" und.Jjjff- nutig" 1869 gewesen fein, der 274 Menschenleben zum Opfer fieien. Das Unp.'ück auf der Zeche„Camphaufeu" in den Saargruben 1383 kostete 185 Bergleuten das Leben. Die Explosion auf den Zechen , Zollen," und„Karolinenglück" im Ruhrreoier 1898 hatte den Tod von 163 Bergleuten zur Folge. Auch in der letzten Zeit sind wir von solchen Katastrophen nicht verschont, geblieben. So brachte das Unglück auf der Heinitz-Grube bei Bevtsien 141 Tot« und das auf der Zeche„Minister Stein" bei Dortmund 130 Tote. Was die Fiäusigkeit iolcher Katastrophen anbetrifft, so steht England an der Spitze der traurigen Statistik. Das größte Unglück, das sich hier erciznet hat, geschah im Jahre 1866 auf der Oak-Grube bei Jork- shire und forderte«in Opfer von 361 Bergleuten. Das schwerste Ung/ück, das die belgischen Bergwerke betroffen hat, dürfte die Explosion zu Anderlus bei Mens 189? gewesen sein, die 205 Ar- bester tötete. In Amerika kamen 1907 bei der Schlagwetter- katastrovhe in der Dore-Mme 500 Personen ums Leben, und im selben Jahne gingen aus den Zechen der Fairmont-Coal-Compagn'c 400 und 1910 in Marianna 300 Bergleute zugrunde. Die größte voaenbriicke der well. Die Riesenbrucke über den Hafen von Sidncq in Australien, an der seit 1924 gebaut wird, nähert sich jetzt ihrer Vallenduna. D!« beiden Bogen dieser größten Brücke ibrer Art werden jetzt miteinander verbunden, und damft ist der entscheidende Schritt der Konstruktion getan. Die Brücke wird eine Spannweite von 350 Meter und eine höchste Erhebung ilbcr dem Wasserspiegel von 56 Meter haben. Ein« Million Farben.'Nach den Beobachtungen von Professor Ostwald gibt es mindestens eine Million von Farben, die das mensch- kiche Aug«, sofern es auch nur einigermaßen für Farbenunterfchicde geschult ist, oll« voneinander unterscheiden kann. sind nur noch Randb«schästigung«>, sehr verschiedener Art. Ein Luxus der Reichen und Dornehmen und durch Jahrhunderte gepflegtes Herrenrecht dieses, jenes die Arbeit und letzte HUfsguellc der ganz Armen und Hilfslosen. Nur unsere Kinder, die machen keinen linterschied. Wie sie in ihren Spielen sehr viel allerälteste Menschcnarbeft und Sitte aus- bewahren, so auch hier. Wenn die Jungen mit„Flitzbogen" schießen, wenn die Mädchen Beeren sammeln gehen, so ahmen si« die aller. älteste Arbeit steiluag zwischen den Geschlechtern nach und durch- leben im Spiele das Leben vergangener Jahrtausend«. M«in Kräuterweiblein aber würde wohl sehr erstaunt sein, wenn ich ihr sagte, daß ihr Rapünzchensammcln der Ansang ge- wesen ist für die ganz« groß« Arbeit der menschlichen Zivilisation, und also genau so vornehm wie die Hirsch- und Wildschweinjagden von weiland Kaiser Wilhelm. Genau so vornehm, aber weitaus nützlicher, menschlicher, liebenswerter. UrbayrilcJie SKraltworle „Das Bayrische ist eine männliche Sprache. Es ist grob gegen das gemütlich« Frankfurterisch, saftig-simllich gegenüber dem Ost- preußischen, sein Witz ist trockener als der des rheinischen Platt, gemütvoller als der der Berliner Zunge: seine Haftung ist würdevoll im Vergleich zum Obersächsischen, kraftvoll im Vergleich zum Wienerischen, klangvoll im Vergleich zum Alemannischen: neben dem Pfälzischen erscheint es schwerfällig, neben dem Schwäbischen durchsichtig." So charakterisiert Johann Lachner das bajuvarifchc Idiom in einem lustigen und nützlichen Luch„9 9 9 Worte B a y r i f ch", das er demnächst als„Eine lleine Sprachlehre für Zugereiste, Fremd« und Ausländer" bei Georg Müller in München oeröffenUicht. Auf die angenehmste und spaßigste Weise werden wir hier durch das bornige Labyrinth dieses Sprachgeistes geleitet, der so viel Urwüchsiges hervorgebracht hat, und dabei spielen na- türlich die Kraftworte ein« nickst geringe Rolle.„Der Bayer nimmt nicht leicht etwas krumm", erfahren wir..sondern freut sich von Herzen über saftige Ausdrücke, auch wenn er selbst dckmit belegt wird. Es gibt keine andere Sprache, in der sich zwei Spähzi (enge Freunde) ihre Eigeitschaften in so farbenreichen Worten vor- halten könnten, kein anderes Volk, bei dem das so unerschöpfliche Heiterkeit auslöst. Don den folgenden, ihrer ursprünglichen Bedeutung nach durch- weg kritisierenden Ausdrücken kann beinahe die Hälfte ins Komische gewendet werden. Einige sind, unter Freunden gebraucht, direkt anerkennend. Nur lobend sagt man in der Stadt zu einem lustigen Kerl, der viele S p a ss e t t l n und G s ch p a ß weiß, er ist ein Vihch. Je nach der Lage kritisierend, komisch oder anerkennend sind dse Bezeichwmgen Trohpf. Lump, Hodalump, Bahzi, Gauna, Luada, Spihzbu, Spihzbuam- heiptling, Schlawihna(mit Vorsicht zu gebrauchen), Sau i(nur m der Stadt anerkennend). Saggramenta; dazu dleGige» ! schaftswörter abfcheiliga(abscheulicher), jchlechta. ganz ! schlechta, vadächtiga oder vodächtlga, nhdrahto. i«iskoita(zu Trohps), miserabligo, e l e n di g 0, aus- 1 g sch a m t c>. Nur krüijierend und reciü beleidigend sagt man ! Kerl. Lackl. Hammi, Pfundhammi, gschehria � R a m m i, um die gröberen nienschltchen Spielarten M beze.chnen: Däpp, Schäps, Schohs bei da Nacht, R t n d v i h ch damischa Ritta, um aus mangelnden Geist anzuspielen: da. selbe, in Verbindung mit Ullmännlichkeit bedeute» L a p p. Lattirl, Dahdirl: unfreundlich sind noch Hanswurschi und Strihzi, grob ist das Schimpfwort Krüpp'. Dazu die Eigenschaftswörter damischa, deppata.»in- diga, st i n k a t a. nixiga. trapsta, gschissva(bei Menschen selten), vareckta. Die stärkste Beschimpfung ist etwa. Sauhund, vareckta! Spezialitäten sind: für Kinder Mistbuo, Rohzbua, Saubua, Saufrotz(auch zu jungen Mädchm) und im stärksten Fall, wenn etwa der Bub dein Vater das Bier umstoßt, Scheißkrüppi: jür einen alten, gebrechlichen Mann otda Krakla, für einen täppisch gewordenen Greis oida Dahdirl(dagegen ist aide H ü t t n eine intim-freundschaftlich.' Anrede): sür einen, der sich unverständlich benimmt, spinnota Deifi: für einen, der unnatürlich ist und immer etwas besonderes macht. Krampfbruada(weiblich K r a m p f h c n na): für einen Geizigen Schundniggl(Eigenschaftswörter schundi und vohdi): sür einen Habgierigen R u a ch(Zeitwort ruacha). Schließlich nennt noch der Münchener jene Leute, die aus dem Balkan zum Kunststudium in seine Stadt kommen, Schlawihna Der Ausdruck hat sich dann auf alle übertragen, die lange Haare haben und sich mit verdächtigen Dingen wie Literatur, Schachspielen im Kaffeehaus, modernem Tanz usw. beschäftigen. Der Schlawihna ist ein verdächtiger Mensch und deshalb kann der Ausdruck unter Freunden auch als Anerkennung(siehe oben!) gebraucht werden. Er hat dann den Sinn von Bahzi, vadächtiga! Die Weibsbilder kommen auch nicht ungeschoren davon. Be sonders die alten. Man heißt sie(Einzahl!) aide Trummel, oid« Schartäkn, aide Schra u b n: wenn sie recht bös sind B«ißzanga oder Bihsgurn. Bei den jungen unterscheidet man zwischen einer faden Wacht! und dem Gegenteil, der Flihtschn(oder dem Flihtscherl) und dem schon ganz sich weg- werfenden Fehn. Schlampn ist«ine unordentliche Person, M i st a m s« l«in leeres Schimpfwort, ebenso gschert« Mölln und L 0 a s. Dinge w«rden kritisiert durch die Wörter©lump, G rafft, Schmo rrn, D r e h g. Glump ist etwas, was nichts taugt, Schmorrn etwas, was nichts heißt. Nun seien noch die kritischen Präfix« erwähnt, Hauptwörter, die man vor andere stellt. um diese zu kennzeichnen. Sie heißen in der Reihenfolge der Steigerung M a l e f i Saggraments-, Scheiß- und Bluats-. Wenn man in em Wirtshaus kommt und die Kellnerin geht mchl gleich her und fragt, was man will, und hernach ist das Bier auch noch wann, so handelt es sich, je nachdem, uni eine Malefizwirt- schaft, Saggramentswirtschast. Scheißwtrtschaft oder Bluats- wirtschaft. Malefiz ist ein harmloser Tadel, Bluats«ine furchtbare Verwünschung. Außerdem sagt man noch Bruch.' wom» das Klägliche. Kümmerliche einer Sache betont wird. XecherbiSSen des IMeeres Ton Dr. Anton Itlayer Bielen Binnenländern, tn««m« Ferienreise an die Meeresküste s führt, ist nicht klar, welchen Reichtum an den schönsten Leckerbissen di« grünblaue Weit« birgt: wohl ist den meisten Bewohnern der von der Waterkant entfernt liegenden Gegenden eine Anzahl von Fischen bekannt, die, in Eis verpackt, weite Reisen zurückgelegt und ihre Frische in erstaunlicher Weise bewahrt haben, bis sie zum Verkauf gelangen: aber«s sind naturgemäß immer wieder dieselben Arten, welche aus dem festen Land allgemeine Verbreitung ge- funden haben, nämlich die gut zum Versand geeigneten. Eine Reihe sehr wohlschmeckender Tier« kommt niemals über das engste Küsten- gebiet heraus, da ihre chemische Zusammensetzung den Einflüssen der Lust nicht lang« Widerstand zu leisten vermag. Wieder andere verändern Aussehen und Geschmack durch den Massensang, dem sie infolge des Hochseefifchereibetriebes mit Dampfern ausgesetzt sind, und schließlich oerlangen gewisse Zube.'eitungsarten, wie das Räuchern, daß man di« als» behandelten Wesen schnellstens v«:- zehre und möglichst nicht nach auf groß« Reisen schickt, obgleich eben ein solches Verfahren im Interesse des größten Teiles der Menschen unvermeidlich ist. Einer der beliebtesten und häufigsten Meerbewohner ist der Schellfisch, durch Weiße und Festigkeit des Fleisches besonders ausgezeichnet: gerat« er aber leidet durch den Massenfang, bei dem er in Netzen gedrückt, dann an Bord des Dampfers tagelang auf Eis gehalten wird und schließlich noch«ine langwierige Prozedur des Verkauf» und der Verschickung durchmachen muß. Da er trotz allen diesen ihm nach seinem Tode auferlegten Strapazen immer noch sehr gut schmeckt, gehört keine große Einbildungskrast dazu, um sich vorzustellen, wieviel besser er sein mutz, wenn ihm alle die genannten Unaimehnilichkeiten erspart bleiben und er als Angel- fchellstsch genossen werden kann. Älllerdings ist es nicht immer möglich, dieses feinste aller Nordseefischgericht« zu bekommen, da der Schellfisch in nicht müheloser und zeitraubender Arbeft vom Boot auS einzeln mit der Angel gefangen und lebend an Land gebracht werden muß. Die Helgoländer Fischer fahren manchmal hinaus und angeln ihn. Ein Angelschellfisch nimmt es an Zartheit des Ge. ichmackes. an Feinheit der Fleiichkonsistsnz mit jedem Ostendsr Steinbutt auf— ich bekenne für meine Person, daß er mir sozrr lieber ist als der Turbat. Er wird nur gekocht gegessen: hat man die Möglichkeit, eine wirklich korrekte mchllose HnHandais«, nicht das übliche gotteslästerliche gelb« Gepansch dieses Namens zu be- kommen, so wird man diese Zusammenstellung der gewöhnlichen Butterbegleitung vorziehen. Ein anderer sehr empfehlenewertes Mecrtier, das während des Juli und August in riesigen Schwärmsn die Nordsee.-ievölkert, ift die M a k r c l e, äußerlich durch ihre wnnderoolle grünblaue Färbung ausgezeichnet. Es ist der beliebteste Sport der Badegäste, vom Segelboot aus Makrelen zu angeln, bei welcher Beschäftigung von Zeft zu Zeit das alt« Frschgebet„Fiske, biet, Fiek« biet, noch is Tid" aufzusagen ist, obgleich auch ohne diese Beschwörungsformel mit Leichtigkeft jedesmal«in reichlicher Fang zu erzielen ist. Di« Makrele sollte nach meinem Dafürhalte» nur gebraten, niemals gekocht werden: das sehr wohlschiiKckeiide Fleisch isi ziemlich weich und fällt beim Kochen schnell ganz auseinander. Nachmittag» auf den Fang zu gehen und Abends die Malrslm zu vertpeisen, ist eine lehr angsnehme Beschäftigung. Hausfrauen, die während der Ferien eigne Wirtschaft führen, ist zu raten, sie einzulegen oder agch lall mit Aspik zu servieren, wozu eine Tatarsaue« stets willkommen sein wird. Die Anwohner der Nordsee hegen ein« ganz merkwürdige,-x völlig unverständliche Verachtung für eins der geschmacksreichsten Meertiere, das sich in anderen Ländern einer hohen Wertschätzung erfreut. Der Taschenkrebs, a» der Nordsee„Knieper", englisch„crab" genannt(nicht mit„Krabben" zu verwechseln, di« englisch„sljrimps" heißen), kostet in einem Londoner Fischrestauram. „dressend", schon zurechtgemacht, serviert, 4 bis 7 Schilling: in Helgoland habe ich vor kurzem vier der prächtigsten Exemplare jür fünfzig Psenlge erstanden. Die Hummers'scher der roten Insel be- nutzen die Kniepers als Köder für ihre Körbe, in denen die kost- baren Schalentier« gefangen werden dann werfen sie sie achtlos fort oder bereiten sie sich selbst einmal— auf keiner Speisekarl« sind Taschenkrebte zu finden. Das Fleisch der Scheren ist von zartem nußailigen Wohlgeschmack, das Innere der breiten und flachen Tasche bietet nach Entfernung der schlechten Teil« ein« Art Puroe von voll- «ndeter Pikanten«. Sie werden, wie Hummern, in Salzwasser gekocht und kaft gegessen: ich ziehe sie dem sür vornehmer gellenden Scherenträger«unbedingt vor, sie sind viel seiner und sozusagen meerwürziger. Eine Sauce, etwa«in« Majonnaife, ist vom Uebel. frische Butter dagegen sehr richlig. Eines der Tiere, die den Transport nicht vertragen, ist der Rochen, aus der klassischen Dichtung als„greuliche Mißgestalt" bekannt, die man ihm auch nicht absprechen kann. Desto besser-st fein Geschmack belchaften: das ganz feste, vollkommen grätenlos« Fleisch erinnert an Hummerscheren, ist aber noch süßer. Niemand nersäume, ihn gekocht mit Petersilienkartoffcln und gelber Butter zu sich zu nehmen, wenn er erhältlich ist. Einige niedliche Spezialitäten, wie der Knurrhohn oder der Seehase, sind als Gesellen kurioser Form des Interesses halber mitzunehmen: die Finkenwärder Fischer, die mit ihren Booten in der Nordsee kreuzen, haben manch- mal welche gefangen und geben si« gern ab. Zum Frühstück am Meer gehören die geräucherten Fische, die Abends eingeliefert werden und am Morgen aus dem Rauchsong kommen: ihre warm« Frische, ihr Aroma, ihre sanfte Fettigkeit bilden«in hinreißendes Ensemble. Alle möglichen Mcerweson finden sich hier zusammen: Schellfisch, Kabeljau, Makrelen. Rochen. Schollen, auch Katzenhoie, di« geräuchert recht gut sind wie all- größeren Fische natürlich in Stücken zubereitet. Allerdmgs ist ihr Fleisch van bedeutend gröberer Art als das der anderen genannten Arten. Am feinsten sind wohl Makrele und Rochen, aber auch Schellfisch ist ganz ausgezeichnet: all« aber können den ins Binnen- land verschickten ohne weiteres vcrgezogen werden. Ein Wort noch für di« Reisenden, die. wie es jetzt immer häufiger geschieht, die Gestade ixe- Mittelmeeres aussuche". Es ist sehr schade, daß vor den appetitlichen Anklagender„frutu di mare"- Höndlcr von Marseille bis?1eapel und von Venedig bis Brindisi dringend gewarnt werden muß: hinter den Muscheln, Seeigeln, Krabben und.Krebsen lauern Typhus und ander« schön« Dinge. Eine Ausnahm« möchte ich— ganz unverbindlicherweis«— für Venedig gellen lassen: wenigstens ist mir dort auch im Somnier mit den G a m b« r e t t i, den großen Krabben, die köstlich sind, nie etwas passiert, au.-b nicht mit„-eampi" genanten Meevkrebsen— aber vor diesen wird neuerdings viel Bo-sich' gepredigt, da Ver- schiedcnes vorgekommen sein soll. Am sichersten ist und bleibt die Languste, die aus die verschiedenste Weise zubereitet, warm oder kalt, in der Suppe, mit Butter oder mit Masonnafte stet? viel B'r- gnügen zu erregen imstande sein wird.