BERLIN Sonnabend 12. M 193« 10 Pf. Nr. 322 B 160 47. Jahrgang ErfcheinttSslich t a f et 6»* at» 9 i. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Detugsprei« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, S,«)M. pro Monat. Redaktion und Expedition; B«rlinSWes,Lindenstr.» Ritt eis ea»e«t«t Die einspaltige Nonpareillqeile S« Pf», Reklawepeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: DvrwSrts-Dcrlag G. m. b. H., Berlin Nr. Z7SS«. Fernsprecher: Ddnhoff 292 bis 297 Knalleffekt im Steuerausschuß. Dietrich verzichtet auf Weiterberatung der Michshilse. Die heutig« Sitzung des Steuerausschusses des Reichs- tags begann mit der Abstimmung über Art. 3§ 10. Er enthält den einmaligen Zuschlag wm 5 Proz. zur Einkommensteuer bei Einkommen über 8000 M. jährlich. Der Z 10 wurde abgelehnt. Für ihn stimmten nur die Regierungsparteien. Tie Sozialdeim>- krotie lehnte den Dorschlag ab, weil in der gestrigen Sitzung ihr Antrag auf E r h ö h u n g des Zuschlags auf 10 Proz. abgelehnt wurde und die Regierungsparteien weder unter sich einig, noch geneigt sind, die Zustimmung der Sozialdemokratie durch ent- sprechende Zugeständnisse zu erzielen. Der Ausschutz begann sodann die Beratung der Ledigen- steuer. Abg. Dr. Rademachcr)Dnat.) lehnt die Lcdigen- steuer ob. Zlbg. Frau Schroedcr(Soz.) bekämpft die Ledigen- steuer insbesondere unter dem Gesichtspunkt der 0 l l e i n st« h e n- den Frauen, deren an und für sich schwcrs Los durch diese neue Steuerbelastung erheblich vcrschärst werde. Die Ledigen st euer wurde gleichsalls abgelehnt. Da in dem Entwurf zur Aenderung des Tabak st euergesetzcs die Verlängerung der Kontingentierung keine Mehrheit gesunden hotte, wurde der Schlutzartikel abgelehnt. Am Schlusie der Sitzung wurde die am Freiag zurückgistellte .Abstimmung über den Artikel II vorgenommen. Er enthält die Reichshilf« der Personen des öffentlichen Dienstes. Ein sozialdemokratischer Antrag, die' Z e i t a n g c st e l l t e n der Behörden von der Reichshilfc auszunehmen, fand insolge der Unterstützung durch Kommunisten und Deutsche. tionale Annahme. infolgedessen stimmten bei der Abstimmung über den ganzen Artikel von den Regierungsparteien nur die Demokraten dafür. Auch dieser Antrag war somit abgelehnt. Nachdem so alle materiellen Bestimmungen des Weseüentwurfes gefallen waren, erhob sich der Finanz» minister Dietrich und erklärte, die Regierung habe seht kein Interesse mehr an der vom Steuer- ausschuft vorgesehenen zweiten Beratung. Was will Dietrich? Der Sinn der von Dietrich in grotzer Erregung ab- gegebenen Erklärung ist nicht ohne weiteres klar. Es konnte damit die Zurückziehung der Regierungsvorlage überhaupt gemeint sein oder aber nur ein Verzicht auf weitere Ausschuhberatungen. da ja immerhin ein Artikel der Vorloge angenommen und damit ihre Beratung im Plenum gesichert mar. Im ersten unwahrscheinlichen Fall würde die Erklärung des Finanzministers eine Kriegs- erklärung an den Reichstag und die Ankündigung de-' deuten, doh nun mit dem Artikel 48 regiert werden solle. In dem zweiten wahrscheinlicheren Fall Hot der Finanzminisler aber mit seiner starken Geste nur unterstreichen wollen, daß es mit den bis- herigen Methoden der Verhandlungen nicht mehr weilergehl und daß ein letzter Rellungsversuch nach einer neuen Richtung hin unternommen werden mutzte. Tatsächlich liegen die Ding« heut« so. datz für cherrn Brüning d e r W e g n a ch r« ch l s so gut wie g«witz vollständig g«sp«rrt ist. Es ist aber falsch zu glauben, wenn die Rechiskombination scheitere, bleibe nur noch das Regieren mit Artikel 48. Es ist ein offenes Gehemnis, daß innerhalb der Regierung und der sogenannten bisherigen Regierungspartsien über die Anwendbarkeit des Artikels 48 unter den gegenwärtigen Umständen die allerschärf st en Mei- nungsverschiedenheiten bestehen. Eine Diktatur auf- zurichten, hinter der im Grunde genommen nichts und niemand steht, und auf deren Errichtung und Verteidigung sich nicht einmal eine Minderheit einigen kann, wäre ein geradezu wohnsinniges Beginnen. Eine Anwendung des Artikels 48 scheint zahlreichen Politikern, die ,etzt noch immer zur Rozierung stehen, auch deshalb schon ganz unmöglich, weil nicht der allergeringste Versuch gemacht worden ist, die drängenden Finanzprobleme aus dem Boden einer Links- oricntierung zur Lösung zu bringen. D'« Ausführungen, die dar- über heute morgen im„Vorwärts" zu lesen standen, haben überall stärkste Beachtung gefunden. Man erinnert sich der oft zuletzt von Herrn Dr. Scholz aus- gesprochenen Wahrheit, datz auf die Dauer nicht gegen die Sozialdemokratie regiert werden kann, und fügte hinzu, daß dies an» allerwenigsten mit dem Artikel 48 möglich sein würde. Ob es allerdings noch eine vernünftige Lösung gibt, ist Zweifel- hast Die Verwirrung, die unter der Kanzlerschaft des Herrn Brüning geschaffen worden ist, ist so vollkommen, daß man bei- nahe keinen Ausweg mehr sieht. Ivo Ovo Flugblätter über Mailand Antifaschistisches Flugzeug stürzt über dem Gotthardgebiet ab Bern, 12. Juli.(Eigenbericht.) Am Freitagnachmittag hat ein unbekanntes Flug- zeug in grotzer Höhe Mailand überflogen und schätzungsweise 1 0 0 0 0 0 Flugblätter abgeworfen, in denen zum Sturz des faschistischen Regimes aufgefor- dert wurde. Es kam zu zahlreichen Zwischenfällen zwischen Passanten und der Polizei, die versuchte, die Futzgänger an dem Auflesen der Flugblätter zu hindern. Bern, 12. Juli.(Eigenbericht.) lieber dem Gotthardgebiet ist ein ausländisches Flugzeug abgestürzt. Es raste im Nebel gegen eine Fels- wand. Als der Flieger das unvermeidliche llngluck kom- mcn sah, sprang er aus fünfzig Meter Höhe ab. Er wurde schwerverletzt, aber noch lebend geborgen. Er führte verschiedene italienische und französische Pässe bei sich. Tie Militärbehörden hüllen sich in Stillschweigen. Die �esfentlichkeit ist erregt, weil sie einen Spionageflug über dem militärisch stark befestigten Gotthardgebiet vermutet, das allen, namentlich ausländischen Fliegern, streng verboten ist. Der abgestürzte Flieger soll an- gegeben haben, datz er sich auf dem Rücksluge von Mailand ins Gotthardgebiet verirrt hatte; er hätte über den Simplon nach Paris zurückfliegen wollen. Die Untersuchung wird ergeben, ob die Bermutung zutrifft, datz der abgestürzte Flieger der italienische Emigrant ist, der über Mailand Flugblätter abgeworfen hat. Lern, 12. Juli. Zu den Blätternachrichten über den Absturz eines französischen Fliegers im Gotthardgehiet veröffentlicht die Schweizerische Depeschenagentur folgende Meldung aus Airolo: Gestern abend stürzte im Gotthardgebiet ein französisches Flugzeug ab, das dem Direktor des Pariser Blattes„L'Acion" gehört und von dem Piloten Giovanni Basfanefi gesteuert wurde. Das Flug- zeug wurde zertrümmert, der Pilot schwer verletzt. Es geht das Gerücht, datz das Flugzeug von Mailand kam, wo es anti- faschistische Manifeste abgeworfen hatte und sich auf der Rückreise noch Paris in den Alpen verirrte. Tatsächlich wurde in dem Flug- zeug ein antifaschistisches Flugblatt gefunden. Zeihet* Gchnelturieil Oer von einer nationalsozialistischen Horde übersallene französische Sportler Euoelitr erhielt vier Monate Gefänquis Die Nazi-Zeugen:„Der Franzose hat uns umzingelt!" Die Nachricht, daß ein Flugzeug unbekannter Herkunft übce Mailand Flugblätter antifaschistischen Inhalts abgeworfen habea soll, rührt an ein interessantes Problem: Wie lange wird es noch dauern, bis die Technik die Mitte! liefern wird, um jedes Zensur» s y st c m unmöglich zu machen? In Italien sind alle Druckerzeugnisse, die sich mit dem Faschis, mus kritisch auseinandersetzen, aufs strengste verboten. Der Druck ist so stark, doh«ine illegale Literatur kaum existiert- Plötzlich erscheint über einer italienischen Stadt ein.Flugzeug unZ wirft Druckschriften ab, für dessen im Ausland lebenden Verfasser so etwas wie eine italienische Zensur überhaupt nicht existiert, Niemond kann ihn zur Verantwortung ziehen: der Verbreiter aber verschwindet wieder auf dem Wege, aus dem er gekommen ist, wähe rend man sich unten in der Stadt um seine Flugblätter schlägt. In jeder Bevölkerung, die von bestimmten Meinungen zensiir, mäßig abgeschlossen ist, lebt ein Heißhunger nach oerbotener geisti- ger Kost. In Deutschland würde man politischen Flugblättern, die von einem Fsugzeug ausgestreut werden, nur geringe Bedeutung, zusprechen: es kann ja in ihnen auch nichl viel anderes stehen als das, was man an jeder Straßenecke für«inen Groschen kaufen kann. In Italien aber oder in Rußland muß jedes Flugzeug, das aus dem Auslände mit Flugblättern kommt, als Bote aus eines geheimnisvoll unbekannten Welt erscheinen. Indes wird zunächst weder das Flugblatt, das aus der Luft! kommt, noch der Rundfunksender,, der jede Grenzsperre durch- brechen kann, imstande sein,* die noch bestehenden Zensursysteme zu! überwinden. Dazu ist die Kraft eines zentral ausgeübten staatlichen, Terrorismus viel zu groß, der Aktionsradius der technischen Ein- bräche in das Sperrgebiet noch zu klein. Nur in ferner Zukunsti kann man eine Zeit heraufziehen sehen, in der jeder Versuch, die Meinungen zu knebeln, an einer fortgeschrittenen Technik scheitern wird. 240 Todesopfer der Hitze. Hitzewelle über Amerifa.- Zahlreiche Selbstmorde. New Jork. 12. Juli.' 4 Der mittlere Westen der vereinigten Slaalen wird seit einigen Tagen von einer starken Hitzewelle heimgesucht, de«? stärksten seit 30 Zahren. 3m Staate Iowa zeigt das Thermo- meter 44GradCelsiu». 53 Personen sind in den letzten beiden! Tagen Hitzschlägen erlegen. Die Zahl der insolge der außerordentlichen Hitze bisher um» Leben gekommenen Personen beträgt bereit» 24«. Zahlreiche Personen haben Selbstmord verübt. Heber 1000 P s e r d e sind insolge der Hitze verendet. Bei den Hitzewellen, die die Vereinigten Staaten periodisch heimsuchen, darf man nicht vergessen, daß der 4 0. nördliche Breitengrad, der quer durch die Vereinigten Staate» geht, i» Europa quer durch Spanien und durch das südliche Italien geht, während der 50. Breitengrad, der in Deutschland etwa Frankfurt am Main berührt, in Amerika ganz durch Kanada, also durch das nördliche Nordamerika läuft. Schnellgericht gegen Plünderer Oer„Patriot" muß ins Gefängnis. Düren. 12. Juli. Der Pförtner Mündt, einer der Haupttäter bei de» Aus« s ch r e i t u 11 g e 11 in der vorigen Nacht, hatte sich gestern nachmittag vor dem Schnellrichter zu verantworten. Er gab an, aus Haß gegen frühere Separatisten gehandelt zu haben. Die Anklag« lautete auf fortgesetzte Sachbeschädigung. Nach kurzer Verhandlung beantragt« der Vertreter der Anklage sechs Wochen Gefängnis. Das Urteil lautete auf einen Monat G e» f ä n g n i s bei sofortiger Verhaftung. Der Angeklagte nahm das Urteil an. Rardinol vannulelli, das älteste Mitglied des Kardinalkollegiums, ist im Alter von 94 Jahren gestorbr Sarg an Sarg. 101 Tote des Grubenunglücks bisher geborgen. UUi dem kurtschachl der Wen,eslai>sgrub« bei hausdorj lonnien bis S Uhr früh weitere acht Tote geborgen werden, so das» jetzt insgesamt 102 Tote geborgen sind. 4 g V e r g. l c u t e sind noch eingeschlossen. Die Bergungsarbeiten werdcn»»unterbrochen sortgeseh«. doch glaubt man nicht, dah es möglich sejn wird, sie im Laufe des heutigen Tages zum Abschluß zu bringen. Neurode, 12. Juli.(Eigenbericht.) lieber dein Neuroder Revier rieselt ununterbrochen feiner Regen. Auf der Unglückszeche ruht heute alle Arbeit. 102 tote Knappen, lvrunter viel« Partei- und Gervertschaftsgenossen, sind nn Pelegschaftshause aufgebahrt. Sarg an Sarg, nachdem man gestern noch 21 der Verschütteten bergen konnte. Seit den frühen Morgenstunden geht eine unaufhörliche Wanderung nach Mölke. Jeder will die toten Kameraden noch einmal sehen. Die gefahrengewohnten Männer schreiten schweigend, mit zuckenden Lippen die Frauen, und wenn eine laut schluchzt, wird des Weinens kein End«. Dann öffnet sich die Tür zu dem großen, hochgewölbten Raum, der die Toter» ausgenommen hat. Eine Halle mit rohen Ziegelwänden und Zementstreben, rasch mit Tannengrün und schwarzem Stoff verkleidet. Unter den Füßen hat man die schwarze Erde, aus der die Bergleute Licht und Wärme holten und in der sie den Tod fanden. Vor dem Sinnbild menschlicher Qual am Kreuz leuchten mild unzählige Kerzen. Rasch hat die öffentliche Hilfe eingesetzt. Schon gestern konnten die ersten Unterstützungen gezahlt werden. Auch derer ist dabei gedacht, die wegen des Unglücks nicht einfahren können und mit ihren Familien nicht hungern sollen. Wenn das soziale Gewissen durch solch ein Unglück wach wird, dann muß unsere rastlose Arbeit dafür sorgen, daß die Flamme der Opfer- bereitschaft nicht wieder verlöscht. * Den Hauptgegenstond der Beratung des Ausschusses für den Reichshaushalt bildeten die in der Sonnabend- Sitzung vom Plenum dem Ausschuß überwiesene«, das Neuroder Grubenunglück betreffenden Anträge Vreitscheid, P erlitt us und Torgler. Zn Ergänzung und Erweiterung des Antrages Dr. Breitscheid brachte Abg. huscmann(Soz.) einen Antrag ein, die Reichercgierung zu ersuchen, aus Anlaß der großen Gruben- katastrophe Neurode eine Million Mark dem Fonds beim Oberbergamt Breslau zur Verfügung zu stellen mit der Maßgabe, daß auch bei vorangegangenen und etwa nachfolgenden Einzelunfällen des niederschtesischen Bergbaues aus diesen Mitteln Beihilfen gewährt werden können. Dem Verwaltungsrat treten Vertreter des Reiches bei. Zur Begründung fühtte Abg. H u s e m a n n aus, daß aus An- laß»es großen Grubenunglücks des vorigen Jahres beim Oberberg- �mt Breslau«in Fonds gebildet worden sei, aus dem von Unglücks- fällen betroffene Bergarbeiterfamilien, natürlich über die gesetzliche Verpflichtungen hinaus, unterstützt werden. Man dürfe nicht ver- geffen, daß im niederschlefifchen Bergbau leider fast täglich leichtere oder schwerere Unglücksfälle vorkommen. Es gelze nicht an, nur-Familien zu unterstützen, deren Ernährer bei großen, die Welt erschütternoen Unglücksfällen verletzt oder getötet axrden, sondern die Not und der Kummer der Familien, deren Ernährer als einzelner verunglückt, fei genau so groß und genau so zu mildern. Die Lebenslage der schlefischen Bevölkerung sei außerordentlich traurig, ebenso seien auch die gesetzlichen Renten sehr niedrig. Sie betrage» z. B. sür eine Witwe ohne Kind etwa 30 M. monatlich. Di« Verwaltung des Fonds sei paritätisch und man sei dort in der Lag«, die Verhälinisse der einzelnen Fälle genau nachzuprüfen. Nach einer längeren Debatte, in der die Redner aller Parteien sich grundsätzlich zustimmend zu dem Antrag äußerten, erklärten die Regierungsvertreter, daß sie ohne vorherige Fühlung- nahm« mit Preußen große Bedenken gegen den Antrag hätten. Der Ankrag fand in der vorliegenden Fassung keine Annahme. dagegen wurde er mit der vom Zentrum beantragten Aenderung, daß„ei« Bettag bis zur 1 Million" zur Verfügung gestellt werden solle, mit großer Mehrheit angenommen. Explosion auf Zeche Zollverein. Sine Person getötet, drei schwer verletzt. Essen, 12. Juli. Auf der Kokerei der Zeche Zollverein, Schacht 1 bis 2, kam es heute'früh gegen 6.46 Uhr zu einer Gasexplosion, durch die vier Personen verletzt wurden. Eine Person ist an den erlittenen Brandwunden bereits gestorben, während sich die übrigen drei Verletzten außer Lebensgefahr befinden. Die Ursachen des Ausbruchs des Gases und seiner Entzündung sind noch nicht aufgeklärt. Die Untersuchung durch die Staatsanwalt- schaft und Bergbehörde ist bereits im Gange. d Massendemonstration in Bombay. 500 verletzt— 30 schwer verwundet. Bombay, 12. Juli. vi« Zahl der bei den Zusammenstößen dus dem Moidanplah Verwundelen ist auf 500 gestiegen. 150 verletz«« befinden sich im Hospital, darunter ZO Schweroer mundete. Der Präsident des Nationaltongrefses, Modi, ist wegen der Kundgebung zu 4 Monaten schweren Kerkers verurteilt worden. England stimmt grundsatzlich zu. Rumänien über Briands Memorandum begeistert. Paris. 12. Juli.(Eigenberichts Die rumänische Antwort, die am Freitag von Außenminister Mironesc» am Quai dDrfay übergeben worden ist, bringt«ine „e n l h u f i a st i f ch c Z u ft i m m» n g" zu dem Curopapakt, bemerkt aber, daß ker neu« Bund die unbeSingtc Wahrung der Ver- trüge und der Grenzen, die Unabhängigkeit und die Gleichheit der Staaten gewährleisten müsse. Am Freitag hatte Bnand eine Unterredung mit dem eng- lischcn Botschafter Lora Tizrcll. in der es ihm gelungen sci.i soll, durchzusetzen, daß die englische Regiening nicht, wie sie ursprünglich beabsichtigt hatte, nur mit einer kurzen Empfangsbestäti- gung auf dos Europamemorandum antworte, sondern zum mindesten ihre prizipielle Zustimmung zu dem Pokt- gedonken äußere.__ Polens Beileid. Der polnische Handelsminister Kwiatkowsk� hat dem Aeichswirischastsminister das Beileid der polnischen Bergwerks- Verwaltung anlaßlich des Grubenunglücks ausgesprochen. Bierabend über Kindertod. Aazi-Propaganda auf Kosten der Lübecker Eltern. Man schreibt uns: Em„Arbeitsausschuß zur Verfolgung der Lübecker Kinder- töiung" hatte für Freitag abend Vertreter der Berliner Presse ins „Rheingolo" zu einer„vertraulichen" Besprechung eingeladen.(Der „D o r w ä r t s" hatte eine Einladung jedoch nicht erhalten.) Die Einberufer kündigten an, daß Delegierte des Lübecker Elternausschusses den Journalisten bisher noch nicht bekanntes Material vorlegen würden. Sie wählten für diese Besprechung„die Form eines einfachen Bierabends", so heißt es wörtlich in der Einladung. Nichts kennzeichnet die Gedankenwelt dieses „Arbeitsausschusses" besser als die Derirrung: eine der er- schlltterndsten Tragödien unserer Zeit, der Tod von 56 Kindern, soll bei einem Bierabend erörtert werden! Selbst- verständlich müssen die armen Lübecker Eltern den Bierabend und die Reise der Delegierten nach Berlin bezahlen. Was hatte die ganze Veranstaltung für einen Zweck? Neues wurde den Journalisten nicht erzählt. Alles was die Redner vor- brachten, ist der Oesfentlichkeit aus den Berichten und Artikeln der Tagespresse, vor allem der sozialdemokratischen Presse, seit Wochen bekannt. Menschliche Teilnahme weckten nur die Ausführungen eines Ingenieurs, dessen Kind vor einer Woche an der Calmette-„Fütte- rung" gestorben ist. Roch ein« Woche vor dem Tod war das Kind von den untersuchenden Aerzten sür gesund erklärt worden. Bei der Obduktion wurde eine generell« Tuberkulose festgestellt, die alle Organe verseucht hatte. Der Redner schilderte, wie erst durch das Eingreifen der Eltern der Skandal zutage trat, wie vertuscht wurde, wie beispielsweise von einer Hebamme auch ein zweijähriges Kind geimpft wurde und schwer erkrankte, wie dieser Fall heute noch offiziell in Abrede gestellt wird, obgleich er nachgewiesen ist usw. Wer waren die Einberufer dieses„Bierabends"? Der 1. Vorsitzende des„Arbeitsausschusses" ist ein Dr. med. Steintet, ein nationalsozialistischer Agitator. Der Wortführer des Lübecker Elternausschusses, ein Rechtsanwalt Wittern, ist ebenfalls Hauptagttotor der dortigen Nazis. Das Ganze ist der Versuch, die Erregung der Lübecker Eltern für die politischen Zwecke der Nazis zu mißbrauchen. Gerade die Nazis aber sind es gewesen, die sich in der Bürgerschaft mit den Rechtsparteien zusammen- geschlossen hatten, um die Anträge der Sozialdemokraten auf Sühne des Verbrechens zu sabotieren. Die Vorgänge in der gestrigen„Besprechung" bei Freibier verdienen es, der breiten Oesfentlichkeit als Beispiel von national- sozialistischer Propaganda und polittscher Ahnungslosigkeit einiger unberufener Dilettanten, die behaupten,„linksradikal" zu sein, vor Augen geführt zu werden. Dr. Wittern, der offenbar spürte, daß etwas in der Lust lag, beklagte sich über die unfreundliche Begrüßung in einem Teil der Berliner Presse(gemeint war der„Abend") und erklärte pathetisch, die Veranstaltung habe mit Politik nichts zu tun. Die Lübecker Angelegenhett dürfe nicht politisch ausgeschlachtet werden. Abg. Dr. Moses stellte darauf an den„Arbeitsausschuß" folgende Anfrage: Wie reimt sich diese Behauptung des Herrn Wittern mit dem Artikel zusammen, den sein Parteigenosse und 1. Vorsitzender des sog. Elternausschusses, Dr. Steintel, im„Nationalsozialist" vom 28. Juni veröffentlicht hatte und in dem es wörtlich heißt: „...Herr Dr. Moses hat sich als Beschützer der deutschen Bolksgesimdheit aufgeworfen und die schweiften Anklagen gegen die Aerzt« erhoben. Es dürfte für«inen Uneingeweihten den An- schein erwecken, als ob ausgerechnet jüdische Aerzte und südische Blätter sich schützend vor die deutsch« Volks- gesundhett stellen wolllen. Was haben wir von dieser Mache zu halten? Nichts! Ei« ist echt jüdisch!" Wird, fvagte Dr. Moses, der„Arb«ttsausschuß" von dieser Ver- leumdung abrücken? Wird er sofort die Erklärung abgeben, daß er mit diesem fanatischen Nazi-Moim, der das Lübecker Unglück zu parteipolitischer Stänkerei ausnützt, nichts mehr zu tun haben will? Genosse Moses warnte den„Arbeitsausschuß" eindringlich, sich von den Nationalsozialisten als Vorspann sür ihre Parteiagitation bc- nutzen zu lassen! Und jetzt kommt die G r o t e s k e. Die E i n b e r u s e r der Versammlung neben dem Nazi-Steintel waren ein Berliner Rechtsanwalt Dr. Kurt Beek und ein Arzt, die beide politisch ganz links cingcstellt sind. Beide brachten das Kunststück fertig, die Aetißerungen des Herrn Steinte! nn„Rattonalsozialift" als Prioatmeinung zu erklären, gegen die nichts einzuwenden sei. Der Arzt meinte, man müsse doch froh(!) sein, wenn Nationalsozialisten sich an der Arbeit des Ausschusses beteiligen. all« Parteien müßten zusammenarbeiten. Tiefgekränkt erhob sich auch der Nazifiihrer Wittern und versicherte feierlich, er betätige sich seit Jahren nicht mehr politsich. Ueberhaupt habe doch die ganze Sache mit Politik nichts zu tun. Zu seinem Unglück konnte ihm der anNsend« Abg. Genosse Dr. L e b e r- L ü b e ck die richtige Anwort geben. Herr Wittern wurde erst bei den letzten Bürgerschaftswahlen auf der national- sozialistischen Liste als Kandidat aufgestellt, vermutlich, weil er sich nicht politisch betätigt. Es ist erstaunlich, daß Herr Wittern sich dessen nicht mehr erinnert. Genosse Leber erklärte: In Lübeck haben bei der parlamentarischen Erörterung des Skandals nur politische Gesichtspunkte entschieden. Der von den Sozialdemokraten beantragte Bericht des Untersuchungsausschusses der Bürgerschaft, der die schärfste strafrechtliche und disziplinarische Ahndung verlangt, wurde angenommen gegen die Rechtsparteien und die Nazis, die Parteigenossen der Herren Wittern und Steintel. Die Nazis stimmten für einen Minderheitsbericht, in dem jede Schuld der Aerzte in Abrede gestellt, das Unglück auf höhere Gewalt zurückgeführt wird, und was derartige Beschönigungen mehr sind. Wenn es gelungen ist, sagte Abg. Leber, den Slaatsanwalt endlich mobilzumachen, wenn das Verbrechen an den Kindern gesühnt wird, dann ist dies nur dem Drängen der Linksparteien zu verdanken, die sich gegen den Widerstand der Nazis durchsetzen muhten., Der Lübecker Nazisllhrer Dr. Wittern war auf den Mund ge- schlagen. Er stammelte, er sei über das Verhalten seiner Partei- genossen im Lübecker Parlament nicht näher unterrichtet, der Vertreter der Partei in der Bürgerschaft sei ein Arzt, sür dessen Verhalten man ihn nicht verantwortlich machen könne usw. So endete dieser„Bierabend" mit einem Hcreinfall für die Ein- berufer, den sie redlich verdient haben. Den bedauernsivekten Eltern in Lübeck wurde der denkbor sdsiechteste Dienst erwiesen. Vielleicht kommen sie doch noch zur Besinnung und schütieln diese gemischte Gesellschaft ab. Nazis schießen abermals. Wieder ein Arbeiter schwer verletzt. Braunjchweig. 12. Juli.(Eigenbericht.) In Schöniiigen wurde im Anschluß an eine nationalsozialistische Versammlung eine Gegenkundgebung der Kommunisten veranstaltet. Beide Parteien stießen zusammen; es kam zu einer Schlägerei, an der Hunderte von Personen teilnahmen. Im Verlaus wurde von Nationalsozialisten scharf geschossen; der Arbeiter Körber erhielt einen Lungenschuß und liegt hoffnungslos darnieder. In einer öffentlichen Versammlung in Holzminden erklärte ein Führer der Volksnationalen Reichsverelnigung(Jungdeutscher Orden), daß die Reichsoereinigung sich aus taktischen Gründen bei den sächsischen Wahlen beteiligt hätte, eine solche Beteiligung aber bei den bevorstehenden Wahlen in Braunschweig nicht beabsichtige. Den Nationalsozialismus müsse die Reichsveremigung auf das schärsite ablehnen. Schnellarbeit gegen Arbeiter. parlamentarischer Fleiß, wenn es sich um Abbau handelt. Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags hat am Freitag«inen Rekord in Dauersitzungen geleistet, lhie Ausschußmitglieder haben in Ausschuhsitzungen am Morgen und am Abend einschließlich der Plenarsitzungen 13 Stunden getagt l Aber trotz langer Redekömps« stehen sich in den großen Fragen des Abbaues der Krankenversicherung der Bürgerblock einerseits, Sozialdemokraten und Koni- munisten andererseits geschlossen gegenüber. Die Sozial- demokratie hatte u. a. ein« Erhöhung der Grundlohnes, auf dem die Barleistungen aufgebaut sind, von 10 auf 12 Mark beantragt, während nach der Regierungsvorlage eine Senkung von 10 auf 9 Mark verlangt wird. Abg. Litte(Sog.) begründete eingehend den sozialdemokrati- schen Standpunkt, die Sätze im Einklang mit der Lohnentwicklung zu halten. Die Abstimmung brachte Ablehnung der beiderseitigen Abänderungsvorschläge. Es bleibt also bei dem heutigen Grundlohn von 10 Mark. Die Verschlechterung im Entwurf, wonach Krankengeld erst vom vierten Werktag an gezahlt wird, wurde gegen Sozial- dcmokraten und Kommunisten angenommen. Die geradezu volks- feindlichen Reglerungsvorschläge, den kranken eine Kostenbeteiligung von 50 Pf. an den Arznei-, heil- und Slärkungsmillela und eine Krankenscheingebühr von 1 Mark aufzuzwingen. enifesselte heftige Auseinandersetzungen. Die Sozialdemokraten Litte, Jäcker und Frau Schroedcr wiesen darauf hin, daß mit dieser Regelung die Inanspruchnahme des Arztes, die Abgabe notwendiger Heilmtttel in Frage gestellt und die D o l k s g e s u n d- heit direktgesährdet wird. Auch aus den bürgerlichen Por- teien erfolgte Widerspruch. Dennoch wurde von den bürgerlichen Parteien beschlossen, in beiden Fällen 50 Pf. Gebühr zu erheben! 1 Ebenso wurde gegen den Widerstand der Sozialdemokraten beschlossen, da, Krankengeld ruhen zu lassen, wenn während der Krankheit irgendwelche Fortzahlung des Lohnes erfolgt.» Abg. A u f h ä u s e r(Soz.). hatte dazu ausgeführt, daß sich diese soziale Härte besonders gegen die HandlungsgehUfen. ober auch gegen weit über eine Million Staats- und Ge- meindearbeiter richtet, denen heute tarifvertraglich Kranken« lohn zusteht. Dennoch wurde auch dieser brutal« Eingriff in das geltende Arbeitsrecht und die Tarisoerträge vorgenommen. Die Familienhilfe wird in dem Entwurf zur Pflicht» l« i st u n g der Kassen gemacht. Abg. Frau Schroeder(Soz.) erläuterte die sozialdemokratischen Anttäge. Darin wird für die Familienhilfe die Erfaffung aller Kinder(auch der unehelichen und der Stiefkinder), die Gleichstellung der Lebensgefährtin mit der Ehegattin und die Einbeziehung aller Zlngehörigen in die Haus- liche Gemeinschaft gefordert. Die Regierungsparteien brachten zum Regierungs- entwurf Verschlechterungsanträge bezüglich derüeistungen; vor allem, daß die krankenhauspflege als pslichileisiung wegsallen soll. Es gelang, den die Kinder betreffenden sozialdemokratischen Anttag zur Annahme zu bringen� im übrigen wurde die unzu- reichende Regierungsvorlage m i t den Verschlechterungen ongenom- men, die von den bürgerlichen Parteien beantragt waren. Die Berattingen gehen Sonnabend früh weiter. „Bluff, Lüge, Illoyalität". Protest der Linksparteien gegen Tardieus Parlamentsschluß. Paris. 12. Juli.(Eigenbericht.) Die plötzliche Beendigung der Pavkamentssession durch den um leine Existenz bangenden Ministerpräsidenten Tardieu Hit die drei großen Linksparteien, die Sozialisten, die Radikalen und die Republikaner zu einem gemeinsamen scharfen Pro- test gegen diese Verhöhnung des parlamentarischen Systems ver- anlaßt. Das erste Resultat des verzweifeiten Streiches Tardieus mar also, die gesamte Linksopposition wieder zu geeinter Ab- wehr zusammenzuschweißen. Die Linkspresse bescheinigt heute dem in die Ferien flüchtenden Ministerpräsidenten, daß er nicht nur seine wiederhotten feierlichen Zusagen aufs schmählichste mißachtet, sondern auch reichlich drei Biertel seines mit großemeReklameauf- wand in der Regierungserklärung verkündetem Programms auf de?. Streck« gelassen habe. Er habe zwar feine Existenz für die Ferien- zeit gesichert, schreibt der sozialistische„Populaire", aber er habe sich dafür mit dem Vorwurs des Bluffs, der Lüge und der Illoyalität betastet. Mit einem Male Vom Leben und E>i Besonders in den dunklen Winternächten leuchten sie weit, die hohen, roten Fackeln, die da un Lande stehen. Schon vor Freiburg leuchten und lodern die ersten, glühen und tanzen um Altwasser. um Waldenburg herum, flackern noch weit hinter Neurode, da oben an der„Eule". Abziehende, verbrennende Grubengase aus den Wettermaschinen? Glühende Retorten? Schlackenhausen? Oder— Totcnfockeln? Heute sind's wohl Totenfackeln. � Durch das ungeheure Kohlenbecken rollen die Züge mit der Frühschicht. Kumpels. Ei« stehen dicht gedrängt. Zum Sitzen ist zu wenig Platz, denn ihrer sind viele. So ist es auch wärmer. Denn besonders im Winter, um 4 Uhr morgens, da ist es kalt im schlecht geheizten Wogen. Besonders dort oben in den Bergen, nicht wahr? Die Kumpels sind sehr schlecht angezogen, was sollen sie auch mit einer guten Kluft dort unten— wenn sie überhaupt eine haben. Sie sind nicht rasiert. Wozu auch. Dort unten? Die Kumpels sind„Usniger", ihre Sprache ist schwer zu verstehen. Einzeln« Worte fliegen:„Hoot's nimm«!"„Kreizgemille!"„Holt amole mei Tobich!" Vereinzelte„Pierruns" sind darunter und auch Ruhr- lcute. Die Kumpels sind in mittleren Iahren oder ganz jung. Alte Leute gibt's dort nicht. Warum nicht? Ja— schlagende Wetter, Grubengas, Gesteinschlag,— ach das sind ja alles nur Kleinig- leiten— aber die Tuberkulose!! Die Lungen sind voll Kohlenstaub, „a Ordeet is schwaar, und a Frau und zwee Kindla und blus vier Morl uf a Tog, wie füll man do laba?" Es ist ein„a sun schiener Summertich ize draußen", aber in der Grube ist es dunkel, auch am hellsten Mittag. Sicherheits- lampen leuchten. Es pfeift 2 Uhr. Die Preßluft in den Schläuchen hört auf zu zischen. Das Kreischen der Drehbohrer wird«inen Augenblick unterbrochen, das Rollen der Züge verhält. Stille. Der war's geschehen. irben der Kumpels. letzte Schuß von Ost kracht, dröhnt. Stille. Langsam fressen die schweigenden Wettermaschinen den dicken Staub. Die Förderschale saust, das Riesenrad des Förderturms rollt— eilig— eilig— eilig. Die Drähte singen. Schicht. Ihr Ingenieure, ihr Obersteiger, ihr Beamten: Habt ihr keine gefährlichen Anzeichen gesehen, nichts wahrgenommen? Keine Kohlensäure nachweisen können, keine Schlagwetter? Nein, nichts, es ist alles wie gewöhnlich. Ihr Kumpels: Habt ihr nichts bemerkt? Ist nicht der still«, graue kleine unbekannte Mann vorllbergekommen, der niemand mit seinen toten Augen anblickt, der eine Lampe in der Hand trägt, deren Flämmchen blau über dem Schutzgitter schwebt? Hat nicht unten im tiefsten Schacht ein riesiger Bergmann mit flammend rotem Bart gestanden und euch warnend euren Achtungsruf„uba, uba" zugerufen? Nein, ihr glaubt ja auch nicht mehr daran, weder an den „Rübenzagel" noch an den„loten Bergmann". Ihr seid ja auf- geklärt. Oder glaubt ihr doch noch heimlich daran, ganz tief drinnen? Ihr seid doch Bergleute. Aber ganz gleich! Es geschah nichts! Nichts? Doch. M i t einem Male war's geschehen. Wie ihr gingt und standet, lagt ihr an euren Geräten. Der Häuer mit der Picke vor Ort, der Maschinist neben der Maschine. Ueber-, unter-, nebeneinander. Und ihr wüßtet vielleicht nicht«inmat, daß es geschehen war. Da lagt ihr wie gemäht. Plötzlich, tückisch, schweigend war e» gekommen. 150, einhundertfünszig Kumpels. Ihr Soldaten: Das sind zwei Moschinengewehrkompagnien! Ihr Lehrer: Das sind vier Voltsschulklassen! Ihr Fabrikhcrren: Das ist die Belegschaft einer mittleren Fabrik! Ihr Abgeordneten: Das ist der halbe Reichstag. 150 Menschen— über- und unter- und nebeneinander. Fünfzehnjähriger Räuber. Versuchter Raubüberfall eines Lehrlings. Ela dreister Raubversuch wurde in der vergangenen Rächt von einem lS Jahre alten Auloschlosserlehrling aus Reukölln unternommen. Der Junge, der bei seinen Eltern wohnt und Arbeit hat, befindet sich nicht in Not. In der vergangenen Nacht gegen 3 Uhr rief er ani Hermannplatz eine Autodroschke an, die von dem Chaufseuer Herbert Münk« aus der Kopfftraße 2K zu Neukölln geführt wird. Der Lehrling gab Anweifiing. ihn nach der Kronprinzenstraße 110 in Adlershof zu bringen. Dort angelangt, muht« der Chauffeur aber feststellen, daß keine Häuser standen, sondern, daß man sich auf freiem Gelände befand. Der Fahrgast stieg hier aus und fragte, was er zu zahlen habe. Münte beugte sich zurück, um den Betrag von der Zähleruhr abzulesen. In diesem Augenblick faßte der Lehrling in die Tasche, holte ein schweres Schlüssel- b u n d heraus und schlug es dem Chauffeur gegen das Gesicht in der Absicht, die Schläfe zu treffen und den Mann zu betäuben. Er traf statt dessen aber den Mundwinkel, so daß dem Chauffeur mehrere Zähne gelocken wurden. Als der jugendliche Taugenichts merkt«, daß sein Opfer nicht betäubt war, ergriff er schleunigst das Hafenpanier. Der Chauffeur setzt« ihm rasch entschlossen nach, holt« ihn ein und verabfolgte ihm«ine derb« Tracht Prügel. Dann band er ihm die Bein« zusammen und die Hände aus den Rücken und brachte den Unschädlichgemachten»ach der nächsten Polizeiwache, wo er seine Angaben macht«. Der Lehrling K. wird wegen oersuchten Straßenraubes der Kriminalpolizei und dem Jugendgericht vorgesührt werden. Der Chauffeur ist zum Glück ohne ernste Verletzungen davongekommen. Hoffentlich bringt die Verhandlung vor dem Jugendgericht Klarheit darüber, was dieses halbe Kind eigentlich veranlaßt hat, sich auf eine jo abschüssige Bahn zu begeben. Gegen Entrechtung der Kriegsopfer. Lleberfullte Protestversammlungen. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen veranstaltete in Klicms Fcstsälen eine Kundgebung gegen den sozial- reaktionären Kurs der Regierung 2 r ü n i n g, die so übersüllt war, daß im Rebensool eine Parallelversammluug abgehalten werden mußte. Es sprachen der Gauleiter des Bundes Wende und die Gau- sekretäre Schwarz und Schubert. Gerade in diesen Tagen, so führten sie aus, wo aus Anlaß der Rheinbefrciung mit W o r t e n der Kriegsopfer gedacht wird, werden sie mit Taten vom sogenannten e Kabinett der Frontkämpfer im Stiche gelassen. Di« Auswirkungen, di? bei ihrer Verwirklichung die Absichten der Regierung Brüning- Stcgerwald im Versorgungswesen haben müssen, sind ungeheuer. Möge sich die Regierung hüten, die Verbitterung, di« unter den Kriegsopfern herrscht, noch zu erhöhen! Sie hat die Pflicht,«ine menschenwürdige Versorgung der Kriegsopscr sicherzustellen. Di« Novelle zum Berforgungs- und Versahrensgesetz darf nicht Wirklichkeit werden. Die bisherigen F r i st o o r s ch r i f t e n für Kriegsbeschädigte und Kriegereltern müssen unbedingt beibehalten werden. Eine weitere Einschränkung des Spruchverfahrcns ist möglich. Zlor ollem muß jede rein schriftliche Entscheidun g s- Möglichkeit der Spruchinstanzen ohne mündliche Verhandlung ausKeschaltet werden. Der§ 104 des Gesetzes ist in seiner bisherigen Fassung zu erhalten. Wir verlangen von den Reichstogsfraktionen, daß sie jede Verschlechterung des Versorgungsgesetzes ablehnen. Di« Hinterbliebenenoersorgung bedarf wesentlicher Verbesserung. Vor allem muß endlich aus Reichsmitteln die Heilbehandlung sür die Hinterbliebenen durchgeführt werden Für die sozialreaktionäre Einstellung der Regierung Briining-Stegcrwald ist bezeichnend, daß nicht einmal die Mittel des Etats für 1920 sür den diesjährigen Vcr- forgungshaushalt eingesetzt w«rden sollen. Es geht nicht an, daß die durch Arbeits, und Beitragsleistung erworbenen Bezüge auf di« Ver- sorgungsgebührnisse angerechnet werden. Eine restlose Durchführung der Heilbehandlung durch die Krankenkassen unter Ausschluß des Mit- wirkungsrechts der Versorgungsbehörden ist unbedingt notwendig. Eine Resolution, di« diese Forderungen zusammenfaßt und Reichs- regierung und Reichstag zugestellt wird, fand einmütige Annahme. Es war ein würdiger Augenblick, nls sich Tausend« von Opfern des Krieges zu Ehren der Opfer der Arbeit, der Toten und Hinter- bli ebenen von Reu rode, in ernstem Gedenken erhoben. pariser Warenhaus in Klammen. Vis auf die Grundmauern niedergebrannt. Paris, 12. Juli. In dem IvarenhauseRouv.«lle».GaUerlesous dem Boulevard Soone-Rouvelle brach um Mitternacht ein Brand aus. der so schnell um sich griss, daß in kurzer Zeii das RiesengebSud e ti, Flammen stand. Troß der Bemühungen der eiligst herbeigerufenen gesamten pariser Feuerwehr konnte das Warenhaus nicht gerettet werden. E? brannte vollständig nieder. Die Feuerwehr mußte sich daraus beschränken, die Rachbar- gebäude zu schützen. Bei den Löscharbeiten wurden mehrere Feuerwehrleute verletzt. Ueber die Brandursache ist noch nicht» bekannt. Die Nouvelles-iSalleries erstrecken sich vom Boulevard Bonne- Nouvell« mit der Rückfront bis auf die bekannte Geschäftsstraße Rue Lächiquier. Sie liegen in dem Stadtviertel, in dem die meisten Engro-geschäfte etabliert sind. Excelsior schätzt den Schaden aus mehrere 30 M i lli o n e n F r a n c s. Di« Kundschaft des Waren- Hauses setzt« sich vor allem aus dem kleineren Mittelstande zu- sammen. Das Feuer brach kurz nach Mitternacht anscheinend insotge Kurzschlusses in der Möbclabteilung aus. In kurzer Zeit bildete das vierstöckige Gebäude, das«ine ganze Straßenbr-ite bedeckt, ein ein. z i g« r F l a m m« n m« e r. Die Feuerwehren aus ganz Paris trafen an der Brandstelle ein und bekämpften das Feuer aus 30 Rohren. Den, Höhepunkt erreichte die Feuerbrunst, als gegen 2 Uhr der Wass«»druck nachließ und die Spritze noorüberge. hend oersagten. DioHäuser der anliegenden Straße» die durch Funtenflug stark gefährdet waren, wurden aufpolizeilicheAn- ordnung geräumt. Kurze Zeit darauf brach der Dachstuhl des Warenhauses zusammen. Em Teil der Mauern stürzte«in. Ein großer Steinblock fiel auf«in« Motorspritz«. Zwei Feuerwehrleute wurden schwer, ein dritter leicht ver- letzt. Am frühen Morgen standen von dem riesigen Gebäude nur noch die Umfassungsmauern. Der Schaben beläust sich nach den ersten Schätzungen auf 20 bis 30 Milliooen Franken. Gold durch die Luft. 6900 Kilo Gold trafen auf dem Luftwege in Paris ein. Das Gotd, das für die Bank von Frankreich bestimmt ist. wurde von zwei Banken in Amsterdam verfrachtet. Etikettierte Natur. Oer Naturpfad in der Vredowfchen Forst. Die gedörrte, fein etikettierte, mit Eifer und Sorgfalt zusammen- gestellte Sammlung war früher der Stolz der Museen. Inzwischen kopiert man in geschickten, lebenswahren Zusammenstellungen, mit mehr oder weniger Erfolg, die Natur. Doch weih heut« jeder Museumsdirektor, soweit er Gegenwartsmensch ist, ooß er nicht nur die Pslicht hat, wertvolles Lehr- und Anschauungsmaterial gut übersichtlich zu ordnen, sondern, daß er darüber hinaus das Interesse für sein Wissensgebiet wecken muß. Dieses Problem geht alle Nationen an und jedes Land sucht es von sich aus zu lösen. Bei diesen Lösungsversuchen kam das Museum für Natur- gcschichtc in New Park auf den Gedanken, einen„Naturpsad" einzurichten, das heißt, einen natürlichen Pfad für naturkundliche Belehrung des Publikums zu benutzen. Diese Naturpfode faiwen in Amerika sofort Anerkennung und Nachahmung. Heute bestehen Tausende solcher Pfade und viele Vereine, mögen ihre Mitglieder nun Wandervögel oder Pfadfinder sein, drängen sich, einen eigenen Naturpfad, zu haben. Das bedeutet freilich nicht, daß sie ihn als Privateigentum betrachten, sondern daß sie ihn für die Belehrung der Allgemeinheit mit Schildern versehen. Das ist bestimmt ein gangbarer Weg, Naturinteresse in weiteren Kreisen zu wecken, weshalb auch das Berliner Museum für Naturkunde und 0i«»Staatliche Stelle für Natur- denk malpflege in Preußen in der Bredowschen Forst einen solchen Pfad einrichteten. Wenn man auf ihn ge- langen will, muß man vom Bahnhof Finkenkrug rechts von der Bahn am Waldrand in der Richtung auf Brieselang entlanggehen und beim Bahnwärterhaus die Bahn überschreiten. Eine Tafel weist auf ihn hin. Man wird dort über die Pflanzen und auch über die Tätigkeit der Tiere unterrichtet. Da heißt es z. B.:„Diese klein« Gruppe des Bergahorns ist nicht angepftanzt, sondern hat sich vor acht Iahren hier selbst ausgesät."„Die weihen Flöckchen auf dieser Nessel sind Tiere. Es ist die Nesselwachslous, die ihren Körper mit ausgeschiedenen weißen Wachsjädchcn überdeckt hat." „Die vor uns liegende Dün« besteht aus nährstoffarmem San». Der auf ihr wachsende Eichenbestaird ist deshalb trotz seines KSjährigen Alters kümmerlich geblieben."„Diese Rüstenrblättcr sind durch einen grünen Rüsselkäfer Im Monat Mai zerfressen worden." Dadurch wird nicht nur auf Tiere und Pflanzen in der Natur hingewiesen, sondern es werden zugleich sür das Geschehen in der Natur die Augen geöffnet. Man kann nun gespannt sein, wie die Berliner auf diesen Naturpsad reagieren. Wird er nach seinem Be- kenntwerden den ersten Sonntag überstehen? Werden Besucher, wie es in den Museen unbcgreislicherweise immer wieder vorkommt, sich zum Andenken»i« Schilder mit nach Hause nehmen?. Werden irgendwelche Vorwitzigen aus Schabernack die Schilder vertauschen? Oder werden sich ausnahmslos all« Berliner herzlich freuen? Das wäre gut und wünschenswert. Ern» Büsing. �Hokuspokus." Gloriapalast. Kann man ein so entzückendes Theaterstück wie„Hokuspokus" von Kurt Goetz, dessen ganze Wirkung auf dem witzigen und ge- schliffencn Dialog beruht, in einen Tonsilm verwandeln? Kann ein Tonfilm ganz aus den Dialog aufgebaut wOrden, ohne daß das Bildliche erstarrt und di« Handlung versandet? Die Uraufführung im Gloriapalast bejahte in ihrem Erfolg beide Fragen aufs deutlichst«. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine Schwurgerichts» Verhandlung, in der der Staatsanwalt einer jungen hübschen Frau mit allen Raffinements seines Berufes den Mord an ihrem Mann nachweisen will. Immer dichter zieht sich das Netz um die sich ungeschickt verteidigende Frau: aber da das Ganze auf einen leichten, ironischen Ton gestimmt ist. ist der Zuschauer sicher, daß sie nicht der Schuldig« ist. Seltsame Vorgänge, di« sich vor der Verhandlung in der Wohnung des Staatsanwalts abgespielt haben, haben ihn� zudem schon beruhigt und über die Unstnnigkeit eines bloßen Indizienbeweise» aufgeklärt. Ja, de» Mann der junge» Frau ist und bleibt verschwunden, und findet sich erst am Schlüsse der Ber- Handlung wieder ein. nachdem seine Bilder durch die Sensation des Prozesses zu kostbaren Anlagewerten geworden sind, und klärt den' Fall auf. In der Hauptsache spielt sich die ganz« Geschichte im Schwur- gerichtssaal ab. Die Kunst de» Regisseur, Gustav Uclcky bestand darm. ihn in immer neuen Aspekten zu zeigen. Da die Dialog» ihre vvrwärtstreibende Kraft und sozusagen ihren Spannungsreiz wie im Drama behalten haben, gelang es wirklich; um so mehr, da die Besetzung ein« ausgezeichnet« war. Bon Willy F ritsch, der den jungen Künstler sehr frisch gab, und Allan Harvey. die der interessanten jungen Frau ihren Charme lieh, bis zu dem würdigen Präsidenten des Oskar Homolka, dem etwas Überkandidelten Verteidiger Otto Wallburgs und dem etwas ironisch gezeichneten Staatsanwalt Gustav G r ü n d g c n s'. Auch die zahlreichen Neben- figuren waren mit klugem Bedacht besetzt. Vor allem soll der Landstreicher des Kurt Lilien gebührend hervorgehoben werden. Die Geschworenenbant und das zahlreiche Publikunr wurden in immer neuer Beleuchtung gezeigt. Das Wort, das von lauter guten Sprechern bedient wurde, spielte die Hauptrolle; ober das filmis�e Bild illustrierte es und gab ihm di« Perspektiven der Wirkung. D. „Das Geheimnis vom Königssee". Gchauburg. Dieser Film, der den Untertitel„Der Mönch von Sankt Bartholomä" trägt, wird kein« Ehrenrettung für den stummen Film. In einein lockeren Manuskript wird vom Mosner Lenz erzählt, einem armen, hitzköpfigen Holzfäller, der nichts von der Kirch« wissen will und höhere Löhne usw. verlangt. Aber der mildherzige Pater Antonius und des Holzfällers schönes Weib bringen den Rebellen auf den rechten Weg zurück. Als dann das verloren geglaubt« Kind in des Paters treuer Hut wieder auftaucht, wird auch der l'«b« Gott belohnt, denn der Holzfäller glaubt wieder an ihn. Dieses Traktätchen eignet sich allenfalls für eine Srnrntagnach- mittagsvorstellung eines katholischen kirchlichen Vereins. Aber viel- leicht hätte auch dieser Bedenken, weil zu wenig inner« Wahrheit und vor allen' Dingen gar keine Ueberzeugungskraft in dem Manuskript liegt. Für einen größeren Kreis kommt der Film überhaupt nicht in Frage. Charles Willy Kaiser, einst ein« Größe der Leinwand, spielt den Mönch. Er wird so herausgestellt, daß man sein Verschwinden aus dein Film gerade nicht bedauert. G r i t H a id ist be-> sorgt um das eigene schöne Aussehen, W c i ß F e r d l kommt gar nicht zur Geltung und Harald G i e l e n,«in frisches, talentiertes Kind, wird peinlicherweise als Jackie Coogan-Kopie verbrauchl. e. h. „Gag' es mit Liedern." Eapitol. Der deutsche Filmmarkt ist in eine seltsame Situation geraten. Die Auslandskonkurrenz hat so gut wie aufgehört. Stumm« Filme werden bei uns nur noch wenig hergestellt, der Tonfilm ist maßgebend. Aber die Russen können noch kein« Tonfilme liefern und die Amerltancr dürfen es nicht wegen der Patentstreitigkeiten. Die Pariser Tonfilmkonferenz, die seit Wochen tagt, ist immer noch zu keinen, entscheidenden Beschlüsse gekommen. Welche Stuf« der Ton- film inzwischen in Amerika erreicht hat, wissen wir hierzulande nicht, da wir neuere amerikanische Tonfilme nicht zu sehen bekommen. Jetzt ist zwar einer durch die Sperre der Patentschwierigkeite» zu uns durchgedrungen, weil seine Hersteller ein Abkommen mit den Deutschen getroffen haben. Aber er bedeutet leider nichts Neues für uns. A l I o l f o n wurde un« seinerzeit In seinen damals schon einige Jahre alten Filmen v»geführt<..Der singende Narr' und „Der Iazzsänger"). Es waren die ersten amerikanischen Tonfilme, die zu uns gelangten, und sie machten schon deshalb Eindruck auf uns, ganz abgesehen von der sympathischen Persönlichkeit des populären Sängers. Aber schon damals ging uns die übertrieben« Sentimentalität auf die Nerven.„Sag' es mit Liedern" ist eine völlige Wiederholung des„Singenden Narren". Di« Liebe des Vaters zu seinem Kinde ist das Hauptthema und wird in endlosen Variationen ausgespielt. Der Vater ist jetzt Schlagerkompomst und Radiosänger, und so erschallt denn sein Gesang bei seder passenden und unpassenden Gelegenheit. Am Bett des Kindes, bei der Radio- ausnähme, im Zuchthaus, wo er eine Strafe wegen eines aus Eifer- sucht begangenen Totschlages absitzt usnx Gewiß vibriert die Stimme Iolsons von Gefühl: Sehnsucht, Wehmut und schluchzender Schmerz klingen ergreifend darin wider, aber die Spekulation auf die Tränendrüsen ist diesmal doch so übersteigert, daß der Beifall zum Schluß gering war. Filmisch bedeutet dies neue Singstück keinerlei Fortschritt. Di« bretten Dialoge, die uns wieder englisch mit daraus- gesetzten deutschen Texten geboten werden, die vielen Sologesänge wirken trotz Iolson« markanten Gebärdenspiels und seine» wiegenden Körperrhychmus stark hemmend in der Entwicklung der Handlung und bieten filmisch kaum Interesse. Es wird Zeit, daß der deutsche Film wieder ein« wirtliche Konkurrenz bekommt, damit er nicht auf seinen Operettenlorbeeren einschläft. v. Hertha Zelt» wird bei den D ah reut ber Festipielen im .Tannhäujer" eine tänzerische Führerrolle unter der Regie Rudo!, von LabanS übernehmen. Nachtarbeit als Ideal. Neue bolschewistische Produktionspropaganda. Die bisherig« Gestaltung der industriellen Produktion in Ruß- land im laufenden Wirtschaftsjahr hat gezeigt, daß dos im Fünf- jahresplan der Sorojetwirtfchajt vorgesehene Industrialisierung�- tcmpo in diesem Jahr nicht eingehalten werden wird. Die Sorge um die Industrialisierung und um die finanzielle Rücken dcckung des Fünfjahresplanes hat die Sowjetrcgierung bereits zu Beginn des laufenden Wirtschaftsjahres veranlaßt, ihre bisherige Arbeiterpolitik erheblich zu revidieren und mit den Grundsätzen der ersten Revolutionsjahre des Sowjetregimes auf diesem Gebiet zu brechen. Auf die Verordnung über, die Ein führung der„einheitlichen Befehlsgcwalt" in den Sowjetfabriken folgt« der Abbau der Arbeitslosenversicherung. auf den Abbau der Arbeitslosenversicherung die Verordnung über die „ununterbrochene Produktionswoche'. Von ollen diesen Maßnahmen ist eigentlich nur der Abbau der Arbeitslosenversicherung restlos durchgeführt worden, während sowohl in bezug auf die„einheitliche Befehlsgewalt" in den Sowjetfabriken, als auch auf die„ununter brochene Produktionswoche" die Ergebnisse sich bisher im Rohmen des Experiments halten. Der Mißerfolg der neuen Arbeiterpolitik der Sowjetregierung veranlaßt sie jetzt wieder neue Wege hinsichtlich der Steigerung der Produktion zu suchen. Das Organ des Obersten Volkswirtschafts- rotes der Sowjetunion formuliert das Problem solgendermaßen wie kann die Sowjet regicrung ohne neue Kapital� invc stierungen in kürzester Zeit dos größtmöglich« Pro duktionscrgebnis erzielen, welche neuen Reserven können in dem Kampf um die Ueberschrcitung der Produktionsvorschläge eingesetzt rverden? Das Blatt beantwortet diese Frage mit der Erklärung, die Lösung dieser Aufgabe bestehe darin, die Maschinen ununterbrochen arbeiten zu lassen. Ml der„arbeitsfreien Rächt" müsse endgültig Schluß gemacht werden. Die Neuausrüstung der Sowjetindustrie sei noch nicht so weit gc- diehen, daß man auf ein«„Ausbeutung der alten Ausrüstungen auf biegen oder brechen" verzichten könnte. Der Nacht müsse die größt- mögliche Anzahl von Stunden für Zwecke der Produktion abgerungen werden. Dies bedeutet nicht mehr und nicht weniger als einen 24-Stunden-Arbeits>tag, d. h. Nachtschichten unter den gleichen Bedingungen wie Tagesschichten. In leitenden Sowjetkreisen ist man sich völlig im klaren darüber, daß die Durchführung dieses Vorschlages der vielgeplagtcn Sowjetarbeitcrschaft keines- wegs als�eine Besserung ihrer Lage erscheinen dürste. Die Sowjetpresse sucht daher durch längere Artikel die Arbeiter davon zu überzeugen, daß der Standpunkt, Nachtarbeit sei schädlich und könne nur eine geringe Arbeitsleistung airf weisen,„völlig irrig'(!!) seu Nachts könne man so gut wie am Tage arbeiten. Wenn die Speisehäuser, Arbeiterklubs, Gcwerkschaftsbüros usw. auch nachts in Betrieb bleiben würden, so könnten alle Schwierig. feiten überwunden werden.„Von der ununterbrochenen Produktion zum Leben am laufenden Band!" sei die Parole. Zunächst soll der„ununterbrochene Pcoduktionstag" versuchsweise im Erzbergbau, in der Brennstoffindustrie, in der Baumatcrialienindustrie, im allgemeinen Maschineichau, im Werk- zeugmaschinenbau, in der Landmaschinenindustric, im Traktorenbau, in der Automobilindustric und in der metallverarbeitenden Industrie eingeführt werden. In der Sowjetpresse selbst werden jedoch kritische Stimmen laut, die, abgesehen von den p s y ch o l o g i s ch c n. Umständen, auf die ungeheuren technischen Schwierigkeiten hinweisen, mit denen die Einführung des„ununterbrochenen Produktionstagcs" zu kämpfen haben würde. Es wird vor allem bezweifelt, ob die an sich schon überaus gespannte Rohstoffversorgung der Sowjetfabriken weiteren Anforderungen auch nur annähernd ge- wachsen ist. Auch der Mangel an Strom muß zwangsläufig zunehmen, wenn der„ununterbrochene Produktionstag" eingeführt wird. Die starke Abnutzung der Fabrikanlagen und Ausrüstungen ist ebenfalls eine Schwierigkeit, die nicht unterschätzt werden darf. Es fehlt an ausgebildeten technischen Kräfte» und qualifizierten Arbeitern. Die Frag« der notwendigen Reparaturen, die bereits heute der russischen Industrieleitung sehr starkes Kopfzerbrechen ver- ursacht, würde bei einem„ununterbrochenen Produktionstag" erheb� lich kompliziert werden. Offenbar glaubt jedoch die Sowjetregierung, diese Schwierigkeiten überwinden zu können. Was die Abnutzung der Ausrüstungen und Anlagen betrisst, so hofft man, diese Schwierigkeit dadurch zu beseitigen, daß man die leistungsfähigsten Anlagen auf relativ wenige Fabriken jedes einzelnen Industriezweiges konzentriert, wäh- rend die mit schlechteren Anlagen versehenen Betriebe stillgelegt werden. Mit welcher Eilfertigkeit an die Verwirklichung aller dieser Pläne gegangen wird, zeigt die Tatsache, daß bereits für Ende Juli in Moskau«ine Konferenz von Fabrikleitcrn vorgesehen ist, auf der über die bis dahin vorliegenden Erfahrungen in bezug auf die versuchsweise Einsührung des„ununterbrochenen Produktions- tagcs" berichZet werden soll. Auf Grund dieser Berichte will dann die Sowjetregierung ihre weiteren Entscheidungen aus diesem Gebiet treffen. Studentische Äerfaffungsfeier. Die republikanischen Studenten Berlins hallen es noch dem un- befriedigenden Verlauf der offiziellen Versassungsscier der Berliner Hochschulen, die in keiner Weise den Charakter einer republikanischen Staatsfeier trug, für ihre Pflicht, »mmiehr ihrerseits die Berliner Studenten zu einer Versassungsseicr auszurufen. In ihr soll die enge Verbundenheit der r e- publikanischen Studentenschaft mit dem republi- konischen Volks st aat bekuirdet werden. Die Festrede des Staatsrechtslehrers der Berliner Universität, Professor Dr. Heller, wird umrahmt von Rezitationen und musikalischen Darbietungen. Einladende zu dieser Veranstaltung sind die einzelnen republika- irischen Studentengruppen, die freiheitlichen Studentenschaften der Berliner Hochjchuien und die freiheitlichen Korporationen unter Lei- tung des Kreises Berlin des Deutschen Studentenoerbondes. Die Feier, zu der Eintrittskarten in beschränkter Zahl im Büro, Albrecht- straße 11, ausgegeben werden, findet am Montag, dem 14. Juli, 20 Uhr/ im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses statt. Sozialistische Studenten werben. Zu diesem in Nr. 299 des /.Vorwärts" erschienenen Bericht schreibt uns Genosse Dr. Kursen: „Ich habe mich im Sinne unserer Parteiaussassung grundsätzlich für Universitätsausbildung und einheitliche pädagogische Ausbildung der Lehrer der Volks- und höheren schulen ausgesprochen, habe aber keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Akademien heute eine Gegebenheit sind, die wir nicht abschaffen können, sondern die wir im Sinne der Einheitlichkeit ausbauen müssen." versuchsweiser vahnhos„Teltowkanal" in Britz. Die„Neu- kölln— Mittcnwalder E i s c n b a h n- G e s« l ls ch a f t" hat seit dem 6. Juli versuchsweise eine Haltestelle für Personenverkehr auch am Teltowkanal in Britz, an der Grade- und Riedclstraßc, eingerichtet. Während der Monat« I n l'i und 21 u g u st werden die Züge der Mittenwalder Bahn nach Bedarf hier halten. Der größte Stenographentag der Welt. Den siegreichen Vor- marsch der Einhcitsstenographie wird der große deutsche Stenographentag beweisen, 0er in den Tagen vom 31.. Juli bis 5. August d. I. in Berlin stattsindet. Er wird eine Heerschau der vielen Tausende, in Vereinen und Verbänden als Führer tätigen Stenographen fein. Die Leiftungsjähigteit der Einheitsstenograplfie wird sich in einem groß angelegien Preiswettschreiben zeigen. Die Werbetrafi der Frauen. In Verlin 1220 Neuaufnahmen zur Partei. In diesem Jahre wurden vom 18. Mai bis 1. Juni zum erstenmal zwei Frauenwerbewochen zun, inter- nationalen Frauentag von der Sozialdemokratischen Partei durch- geführt. Trotz der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse und der großen Arbeitslosigkeit gelang es unfern Genossinnen, in Berlin 1270 Neuaufnahmen für die Partei zu machen. Allen Funktionärinnen und Genossinnen, die durch ihre Bc- mühungen zu diesem Erfolg beigetragen haben, sei auch an dieser Stelle aufs herzlichste gedankt. weller für Berlin: Zeitweise aufheiternd, aber noch meist be- wölkt ohne nennenswerte Temperaturändcrung. Nach einzelne leichte Regenfälle.— Iür Deutschland: Nachlassen der Niederschläge und zeitweiliges Aufreißen der Wolkendecke; keine wesentliche Temperaturänderung. KoS 16.05 16.30 18.30 18.55 19.00 19.30 19.50 20.00 I 20.30 Nach 16.00 17.30 18.00 18.30 19.00 19.25 SonnabeudL 12. JulL Bertis. Hans Heuert: Recht und Rcchtsprcchunt zur Störbescltirunr des Rundfunkempfangs. Unterha! tungsmusik. Dr. Leo Matthias: Bei den Teufclsanbcters. Arbeitsmarkt. B. Travcn. I. Erich Knauf: Kennen Sic B. Traven?— 2. Alfred Bcicrlc: Aus den Werken. Finnische Volkslieder(Türe Ära, Bariton; am Flflgel: Julius Bürger). Sportliche Improvisationen. I nterview der Woche. Das Funkhans in Berlin(ein beweglicher Sonnabendabend). den Abendmcldungen bis 0.30: Tanzmusik, Königswustcrhansei. Nachmittagskonzert von Hamburg. Dr. Kurt Zarek: Indien heute. Hans Roselieb: Kitsch und Arbeiterkunst. Maria Menoni: Heitere Erzählungen von Manfred Kybcr. Ob.-Rcg.-Rat Paetsch: Verkehrsunfälle. Dr. Theodor Heuß: Deutsche Burgen. SonntaK- 13. JulL Berlin. 6.30 Funkgymnastlk. 7.00 Hamburg: Hafenkonzert. 8.00 Für den Landwirt 8.50 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.-30 Aus dem Bach-Saal: Orgelkonzert. 12.00 Dresden: Konzert. 14.00 Märchen von Felicia de Witt(Sprecher: Johanna Meyer). 14..30 Walaer. Anschließend Solistenkonrert. 15.30 Alfred Möhr: Dichter der Potsdamer StiaBe. 10.00 Unterhaltuncsmusik. 16.30 SCC.-Plati: Brandenburtische Leichtathletflc-Melsterachaften. 18.40 Erich Kästner. Neue Gedichte.(Sprecher: Steffa Bernhard.) 10.00 Arien.(Ma* Lorenr. Tenor. Flünel: Julius Bürger.) 19.20 Hans Mühlhofer; Eine halbe Stunde Humor. 20.00 Sportnachrichten. 20.10 Blasorchcstcrkonrert. Anschließend Zeit. Wetter, Taeesnachrichten, Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Könicswnsterbausei. 11.00 Ursula Scherz: Wir verreisen nicht in den Ferien. 12.00 Leipzig: Konzert. 18.30 Dr. A Schirokauer, K. Grael: Indien und Siam. 19.00 Arnim T. Wencner: Der See der Vcrfluchunc. 19.30 Dr. Paul Fechter: Klara Viebis zum 70. Geburlstag. 20.00 Breslau: Die Osthille deutsche Pflicht. 20.30 Breslau: Konzert. it: Zh- Siede, ____________________________________, lomarfs Sudi- btuefetei unb Perlagsanstalt Paul Sinaer& Co.. Berlin<5® 68, Lindenstrage 3. gietju 1 Beilage. Beranttpotll. für die Redaktion: Wolkgaug Schwarz, Berlin Berlin. Perlag: Vorwärts Verlag(S. m. b. S., Berlin. Druck: Staatfs-Tbsofei' geschlossen! Abonnements- Anmeldungen tor die Spielzeit 1930-31 (Beginn am l. sepiemaer) werden auch während derThe- aterlerien enlgegengenommen: a) für die Staatsoper und das Staatl. Schauspielhaus vom Abonnements- büro, Berlin W56, Ober- wallstr. 22.— Femspr. Merkur 9024, b) für das Staatl. SchiUer- theatcr vom Abonnementsbüro, Berlin-Char- tottenburg, Groiman- stralie 70.— Femspr. Steinpl. 6715. [ Winfer * Garren* 8.1 s Dhr— Bönnien erianlii Cortinls Dollarsegen ns«. Sonnabend u. Sonntag ja 2 Voratallunnan 4 und 8U Uhr. 4 Uhr kleine Preise ■: Volks btuine Ttutir am BDIovplatz. »>/. Uhr Der fröhlldie Weinberg Lustsp. in 3 Akten NU Karl Zntkmaier Dqic: B. B. Renter. Berliner Pmier Sommergniienuieater Kastanienallee 7—9 Tlglidi Rn lang 4 Dir der groBe Varietd- Teil. Eine entzückende Burleske 8.15 U. flustl Beer, Crell Lilien, Alex Haber, V. von Kobylanska in die Rose vonStamDul Operette in 3 Akten von Leo Fall Brotes RnlleiHioitini Eintrittspreis von 50 PI. an. Operettenhaus (Zealral-Theater) Dönh. 2047 Alte Jakobsir. 30/32 Der großen Hitze wegen geschlossen. Wiedereröffnung am l.Angnst Lessing- Theater Wtidindimm 2797 b. Mi! Täglich«>.<, Uhr Der Faun in Edw. boblaodi. Pill Hnitls, Hilm, Nimm!. Jeril, CredtuiiBkr. Franktz, FMlir. Kintn. Uta Deoitdies ineater 1 2 Weidemhimii 5201 8 Uhr Phaea von Fritz tr. Unruh. Reg�MaxRelnhardl ■Buk: fritdrldi MtBritr. Biilmnfaiidtr EmtSdUtt«. Die Komödie II Bismck.2414/751d 8'h Uhr Wie werde idi reich und zllchlich 7 Ca lanas in 11 UtiilBtiti nn Filii InadiiBuaB. Itsik na Mlutn Stoiiantitr. Rigit: Eridl Engtl Bühnenbilder Ladnig Kainir Renaissance- Theater 9 Uhr Steinplatz 6780. Dia Wunder-Bar Revuestflck LMN/i Heute wird gewählt Oeffontlicha Vorwahl; Sonnaband Oeffantliche Hauptwahl: Sonntag Preis; 1000 Ml€n in bar arestlftet Ton der Lands• Mokri- Sapsrb, Zigarett.-Fabrik Dresden Bewerber melden sieh beute von 7Vi bis 9 Uhr bei der iurp Auch heute erhält jeder Besucher gratis einen Schlüssel für das im Laaapark Offen tl. ausgestellte Auto Wer den passenden Schiftasel erwischt, erhält das Anto geschenkt. rtieater 1. d. ßetirenstr. 53-54 8»/s U. A4 Zentrum 926-927 8Va U Direktion Ralph Arthnr Roberts Mein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Robs (T| Uhr stettiner Singer M 16. Juri; Castspul du DresrniBrmcioria-stfHiBr Dönhoff-Brettl: (Saal and btrrluk küliler fiarten) Variete— Konzert— Tanz ZOO |2ooiog.6arten Ab 4 Uhr naduntttags GROSSES KONZERT Täglich: Tan* im Freien Anf d. Schaustellunesplatz »1000 Krokodile" Aqnsriam TierkunsNAussleilunfl Angenehmen Aufenthalt bieten unsere alkoholfreien F.p- rrischnngsetellen: Volkspark Rehberge Volkspark Wuhlheide Volkspark Friedrlchshain Zeitgemäße billige Preisel llAfair" lweeisePtch« Tiririibv „naiur xti Berlin W. 24 Wnleot Täglich 8V» Uhr: Das Land des Uchelns Franz Lehars Sensationserfolg I Tkni.HKetn.Tor Kottbusser Str. 6 Tägl. ,>/. Wiederauf- treten der Ellie- sanger mit Schorsch Ruselll. Grosses JjtochjajtrJrjjttj«! Metropol-in. Täglich S'h Uhr liehael Bohnen in mit Dir allein... fnfecotc im Vorwärts sichern Erfolg! Landre-Breithaupt E D E LW EISSE föctlagc Sonnabend, 12. Juli 1930 gprAbimd ßffjZf\bhüojf4k Umbau der Welt! Weltwirtschaftsprovinzen in Lateinamerika In zunehniendem Maß« verschiebt sich das Schwergewicht der Wirtschast aus den alten Zentren europäischer Volkswirtschost in neue Zentren der Weltwirtschast. Diese gewaltige Umgruppierung der Kräfte, vor dem Kriege schon angebahnt, durch die besonderen Wirtschaftsbedingungen während des Krieges weitgehend verschärft und beschleunigt, ruft fortlaufend die großen Wirtschaftskämp-s« und Wirtschaftskrisen hervor, denen sich kaum ein Land entziehen kann. Nicht mehr ist Europa allein Ausgangspunkt-weltumspon- nender Industrien, nicht mehr kämpft es mit Amerika allein um die Absatzmärkte der„industriclosen", neuen Länder. Japan hat sich mit erstaunlicher Entwickelung in die Front der Großmächte eingereiht, die Kapstaaten stellen im britischen Imperium«in selbständiges Glied dar, Kanada und A u st a l i c n betreiben«ine eigene Wclthondelspolitik, weitgehend gelöst von der einstigen Vorherrschaft des„Mutterlandes", und der grandiose Kampf Indiens findet feine Antriebskräfte immer wieder in der Verschiebung dieser ökonomischen Basis, wie auch der Kampf i n China und um China dieser Ursache entspringt. Aber diese Umgruppierung vollzieht sich nicht nur im Hinblick auf die Absatzmärkte der alten Industriestaaten, sondern umgekehrt ist auch das Verhältnis der Rohstofjländer zu diesen Industrie- ländcrn ein anderes geworden. Der Begriff der Kolonien, von der einseitigen Bedorssdcckungspolitik der merkantilistischen Wirtschaft eingegangen in die imperialistische Politik der kapitalistischen Volks- Wirtschaft, hat seine Gültigkeit verloren. Die Kolonien sind selb- ständige Wirtschostszentren, selbständige Staaten geworden und treiben ihre eigen«, nach den Notwendigkeiten des eigenen Landes ausgerichtete Wirtschaftspolitik. Doch der Regulator t>er aufeinander- stoßenden Wirtschaftskräfte ist nicht viehr die in nationalen Grenzen ge- bundene Volkswirtschaft, der große Regulator ist vielmehr die Gesetz- Mäßigkeit derWeltwirt- Schaft. Längst sind unsere Bodiftsnisie und damit die Anforderungen an die Wirt- schaft über die Möglichkeilen einer nationalen Wirtschaft hinausgewachsen, lange schon sind wir in jedem auf die Wirtschast anderer Staaten und Länder angewiesen. International baut sich die gesamt« Wirtschaft auf, international wird die Wirts 6) aftspolitik jedes Lan- des bestimmt und internatio- nal nur kann und muß die Ausrichtung der einzelnen Wirtfchaftsträger fein. In diesen großartigen Prozeß der Umgruppierung der Wirtschaftskräfte Einblick zu erhallen muß das Bestreben des Marxisten sein. Leider übersehen so viele Neu- erschcinungen auf wirtschaftspolitischem Gebiet diese Zusammen- häng«. Um so wertvoller ist uns eine Arbeit, die von dieser Basis ausgeht. Dr. Hermann Lufst, bekannt durch seine beachtenswerten Aufsätze und Veröffentlichungen über Wirtschaftspolitik und Weltwirtschaftsprooinzen, hat jetzt ein Werk über Latcinamerika*) herausgebracht, das die höchste Beachtung verdient. Schöpfend aus eigener Anschauung und tiefster Kenntnisse der weltwirtschaftlichen Zusammenhänge und des süd- amerikanischen Kontinents ist dieses Buch sowohl eine umfassende Darstellung der mittel- und südainerikanischcn Staaten und ihrer Eingliederung in die Weltwirtschast als auch ein wertvoller Beitrag zur Erkenntnis der weltwirtschaftlichen Umgruppierungen überhaupt. Früher waren die südamerikanischen Staaten Niederlassungen, Kolonien Spaniens(daher Lateinamerika im Gegensatz zu Anglo- amerika). Als solche hatten sie den einseitigen Raubbau des Merkantilismus zu ertragen. Aber schon eher als andere Kolonien erlangten sie«ine gewisse Selbständigkeit, weil das Mutterland ständig an Bedeutung und Kraft verlor. Diese Zeit des Eintretens in die Weltgeschichte ist gekennzeichnet durch die vielen Revolutionen, die auch heute noch nicht völlig überwunden sind. In zunehmendem Maße wird aber dieses Land, werden diese Staaten Wirtschostszentren und damit Wirtschastsfaktoren von weit- politischer Bedeutung. Die Welt hat schon heute mit ihnen zu rechnen. Jinvorstellbare Weiträumigkeit Don europäischen Verhältnissen aus sich in Südamerika zurecht- zufinden wird schon äußerst erschwert durch die unoorstell- bare Wciträumigkeit dieses Kontinents. Wir sind gewohn', dje außereuropäischen Länder in unseren Atlanten aift der gleichen Blatlgröße zu sehen wie die einzelnen europäischen Staaten, ohne eine Anschauung von der Mahstabsverschicdenheit zu haben. Da- durch wird uns selten bewußt, wie außerordentlich unsere Größen- Verhältnisse hinter denen dieser Länder zurückbleiben. Diese Weiträumigkeit ist ober ein unmittelbarer wirtschaftlicher Faktor, er wirkt sich aus in der lleberwindung von Zeit und Kraft. Dies gilt für die Ausfuhr der Agrarprodukle und Rohstoffe wie für die Einführung der Fertigfabrikate, besonders der Maschinen und ihrer Ersatzteile. Jede Verzögerung eines Irans- partes, und sei es nur um Tag«, ruft wiederum wirtschaftliche Störungen hervor. So ist der E n t f e r n u n g s f o k t o r ein nicht zu unterschätzender Wertmesser in der Marktfähigkeit einer Wirt- schaftsprovinz. Für diese Größenverhällniss« hier einige Beispiele: Die Ost- küste Südamerikas mißt vom Panamakanal bis Recife de Pernambuco über 6000 Kilometer— 15 Tage für ein Frachtschiff und 3 Tage für ein Pasiagierschiff, beide in voller Fahrt. Von Recife bis Buenos Aires ist es noch ungesähr di« gleiche Entfernung. Ein Frachtschiff fährt von 5) am bürg bis New Jork(etwa 6800 Kilometer) in 17 Tagen, ein Pasiagierschiff in lO'/i Tagen. Recife nimmt gegenüber Südamerika, USA. und Europa ungefähr Mittelpunktstellung ei», die Entfernungen nach den wichtigsten Welt- Häfen um den Atlantischen Ozean sind daher nahezu gleich. Setzen wir die Entfernung Recife— London gleich 100, so ist sie für Recife bis Hamburg gleich 1Y2, für Recife— Philadelphia(USA.) gleich 9S, für Recife— Galvestone(Golf von Mexiko) gleich 104, Recife bis Magallanes(Sudspitze Südamerikas) gleich 80. An Reisetagen liedeutct das(Frachtschiff: Passagierschiff) für Recife— London 18:11 Tage, Recife— Hamburg 19; Uli- Tage, für Recife— Philade phia 17: 10 Tage, für Recife— Galvastone 20: 12 Tage, für Recife— Magallanes 15: 9 Tage. Für die Raumgröße sei noch folgendes Beispiel angeführt. Die beiden großen Ströme Parana-Paraguay und Uruguay münden als La Plata j�s Meer. Dieser La Plata ist ober mehr ein großer Mündungstrichter als ein Fluß. Er ist in der engeren Einbuchtung 100 Kilometer breit und bei Monte- video 210 Kilometer. Sein Flächenraum ist weit größer Die folgend« Statistik zeigt, wie sich die Staaten vor ollem an die Küstenzon« anschmiegen, zugleich aber auch um die Becken- landschaft des La Plata gruppieren: Raumverleilung der Landschaften Südamerika» nach Staaten in Mill. qkm Fläche, Mill. Einwohner, Mill. Dollar Ausfuhr. Slallfllfchc Webcrflchl von Südamerika Die Diagramme zeigen nach geographischer Lage geordnet In vergleichbarer Darstellung 1. die Größe, 2. die Einwohnerzahl, 3. den Außenhandel der *) Dr. Hermann Cufft: ,La t e i n o m e r i k a". Mit 17 Karten. 202 Abbildungen und Diagrammen. Bibliographisches Jnftctut A.-G., Leipzig 1930. 484 Seiten. Ganzleinen 28 M. Leider erscheint das Buch, wie so viel« heute, auf Glanzpapier. Trotzdem dies für die Schärfe der Bilder nötig scheint, wird der Preis so hoch, daß weite Kreise der Interessierten ausgeschlossen werden. Es wäre Zweck- dienlicher gewesen, die Bilder m Anlagen zu bringen und den Preis niedrig zu halte», südamerikanischen Staaten als di« Provinz Schleswig-Holstein. Das ganze Stromsystem, d. h. der Hauptstuß mit feinen großen und kleinen Nebenflüssen, mißt von der Quelle bis zur Mündung des Hauptslusies 2300 Kilo- meter in der Länge bei etwa 2200 Kilometer größter Breite; das so erfaßte Land hat mit 3 Millionen Quadratkilometer die Flächengröhe von einem Drittel Europas! Das Stromgebiet des Amazonas ist noch doppelt so groß, auch hat der Amazonas infolge reicherer Niederschläge größere Wassermcngen. Der Hauptstrom ist an der peruanischen Grenze, 3000 Kilometer von der Miindung entfernt, schon 2,5 Kilometer breit und bei Sontarem, noch 500 Kilometer vom Ozean entfernt, 15 Kilometer! Die Stromcnge bei Obidoz drängt ihn zwar auf 1,8 Kilometer zusammen, bewirkt ober gleichzeitig ein« Tiefe von 400 Meter. Zum Vergleich sei erwähnt, daß die Unter- clbe unterhalb Hamburgs bei einer Breite von 1,2 bis 2 Kilometer eine ungebaggerte Tiefe von 3 bis 5 Meter erreichte und die Nordsee in ihrem südlichen Teil nicht über 60 Meter, in ihrem nördlichen Teil 100 bis 130 Meter Tiefe hat. Durch diese gewaltigen Ströme in Südamerika können natürlich die Ozeanschiffe tief in das Land eindringen und Flußschiffe stoßen vor bis an den Fuß der Anden. Aber andererseits setzt der Amazonas jährlich für einig« Monate Gebiete von der Größe Preußens unter Wasser und erschwert durch Hoch- und Tiefw.isserunter- schiede von oft 15 bis 20 Meter den regelmäßigen Verkehr. Die Landmassen entsprechen diesen Größen, wie es die bei- gegebene Skizze(Europa in Südamerika hineingezeichnet) zeigt. Selbstverständlich rufen solche Größenverhältnisie besondere Wirt- schafts- und Kulturformen hervor, wie es denn auch überall zu beobachten ist. �utteihing in Wirtschaftsprovinzen Der südamerikanische Kontinent wird ohne die nütlelamerikani- schen Staaten von 11 Staaten eingenommen, die an Größe. Ein- wohnerzahl und wirtschastlicher Bedeutung äußerst ungleich sind. Diese Staaten sind ebensowenig„naturbedingt" wie die 28 Staaten Europas. Biclmehr sind durch Lage, Aufgeschlossenheit und Er- giebiakeit Wirtsäiastsprouinzen entstanden, die als solche weltwirt- schaftlich in Erscheinung treten. In dem Maße, wie die Staaten sich um diese wirtschaftlichen Zentren gruppieren und dadurch an ihren Schätzen Anteil haben, sind sie bedeutungsvoll und politisch mächtig. Südamerika hat im Gegensatz zu Europa am Meere hoch- getürmte Gebirge mit schmalem Vorland und riesige Beckenlandschaften im Innern, die erst durch die Strom- systenie erschlossen werden. So ergeben sich wirtschaftlich drei Land- schaftstypen: das Küstenland, das Gebiet des La-Plata-Systems und das des Amazonas. Diese Statistik ist in mehr als einer Hinsicht aufschlußreich. Sie zeigt einmal die Vorherrschast der ABC- Staaten (Argentinien. Brasilien, Chile), di« vor allem noch auf der wirt- jchaftlichen Stärke der Küstenlandschaft beruht. Zugleich zeigt sie aber auch die große Bedeutung der einen Beckenlandschaft, der La-Plata-Landschaft, an der fünf Staaten teilhaben. Gewiß ist heut« noch die Küstenlage ausschlaggebend und bleibt es auch insofern, als sie einen direkten Zugang zum Meer sichert. Gewiß ist auch das La-Plata-Becken heute noch unvollkommen be- siedelt und bewirtschaftet. Aber schon jetzt zeigt sich, daß das La- Plata-Becken bei zunehmender wirtschaftlicher Durchdringung die ertragreichste Wirtschastsprovinz Südamc- rikas und damit ein bedeutender Faktor der Weltwirtschaft zu werden beginnt. Die Stellung Argentiniens stützt sich in erster Linie auf den Anteil an dieser Wirtschaftsprovin,;(stehe Statistik). Uruguay nimmt mit 98 Millionen Dollar Ausfuhr ebenfalls großen Anteil an den Schätzen und Paraguay beginnt in er- staunlichem Maße seine Stellung auszubauen. Brasiliens Anteil am La Plata ist bei 40 Millionen Dollar auch bedeutungsvoll, doch beruht seine wirtschaftliche Machtstellung auf den Kaffeeanbau- Provinzen, die zur Kaffeemonopolstellung Brasiliens geführt haben. Das Amazonasgebiet, auf das der größte Teil Brasiliens entfällt, ist wegen seines Regenreichtums im tropischen Klima nicht oder nur gering besiedelbar. Die feuchtwarme Atmosphäre rufen die vielen Tropenfieber(Malaria) hervor, so daß das Gebiet wirt- schoftlich unbrauchbar ist. So schiebt sich das La-Plata-Gebiet vor. hinter dem auch die kleinen Staaten der Westküste zurückbleiben, wenngleich sie heute noch an der Ausfuhr stark beteiligt sind. Die große Einheitlichkeit, Zlufgeschlosscnhcit und londwirtschostliche Brauchbarkeit des La Plata bei auch für Europäer gesundem Klima werden mit zunehmender Kolonisierung die größte und bedeutungsvollste Wirtschaftsprovinz Südamerikas hervorrufen. Ausschlaggebend sür den Welthandel ist dieses Gebiet durch die Agrarprodukte Weizen, Hafer, Mais, Leinsamen, Roggen, Gerste, durch Viehzucht und in Weiterung dieses durch Wollproduktion und Fleischverarbeitung. Das gilt für alle Staaten gleichermgßen. Insbesondere ist di« Aussuhr von Weizen und Mais erheblich, für Südamerika und Europa im Größenverhältnis zueinander, Europa ist im gleichen Maßstab in Südamerika hineingelegt.— Zur besseren Uebersicht Karte so drehen, daß die Südspitze waagerecht linker Hand liegt Argentinien 20 Proz. bzw. 23 Proz. des Gesamthandels. Uruguays Außenhandel besteht zu 85 Proz. aus den Produkten der Vieh- Wirtschaft(Gefrierfleisch. Wolle, Häute). Für Paraguay kommt aus der Waldzone noch die Ausfuhr der forstwirtschaftlichen Produkte hinzu, vor allem Mate und Quebrachoextrakt. Die erste Verarbeitung der Rohprodukte wird jetzt schon vielfach durch di« eigene Industrie vorgenommen, wie auch der einfachere Bedarf aus der eigenen Industrie gedeckt werden kann. In steigen- dem Maße wird die Industrie ausgebaut. Hier macht sich die Ver» sclbständigung der ehemals politisch und vor allem wirtschaftlich abhängigen Staaten deutsch bemerkbar. Wilhelm Tietgens. X (29. Fortsetzmig.) „Mir ist mein Bräutigam gut genug', warf Denise keck ijm. „Bräutigam? Wie? Was?" rief die Majorin. „Ich liebe ihn", rief Denis«,„und damit Punkt." „Er ist aus einer kleinen Stadt in Ostpreußen, aus einer kleinen Familie", eifert« die Majorin,„seine Vorfahren waren Handwerker, oas hat er mir vorhin selber erzählt." „Daran siehst du", lachte Denise,„daß«r ein famoser Kerl ist. Er ist nicht auf eine Ahnentasel angewiesen, er ist ein Mann, der jelbcr etwas aus sich gemacht hat." „Das sind ja mit einemmal ganz neue Ansichten", wettert« die Mutter,„schöne Aussichten, das muß ich sagen." Denise verließ das Zimmer. „Daraus wird nix, schlag dir's nur aus dem Kopf", rief die Majorin hinter ihr her. Si« dachte angestrengt darüber nach, was sich tun keß«, um iias Zusammenkommen Hammerschlags mit ihrer Tochter am Schottenior zu verhindern. � Der nächste Tag verlief in vollkommenem Frieden zwischen Mutler und Tochter. Wer nicht unterrichtet war, hätte das liebe- vollste Einverständnis in Kglicher Frag« zwischen ihnen voraus- gefeßt. Das einzige Auffällige,, das Frau von Langen unternahm, be- stand darin, daß sie ihren Sohn drängte, eine gar nicht zu große Brise, Familienangelegenheiten betreffend, die er eigentlich erst in der nächsten Wache unternchinen wollte, schon jetzt anzutreten. Mit ihrem Drängen, das sie klug zu motivieren verstand, hatte sie den Erfolg, daß ihr Sohn sich nach am Nachmittag zum Bahnhof ixgab. Jetzt befand sich außer Denise und ihrer Mutter nur noä) das 5zau-!nÄ>chen in dcr Wohnung. Denise kam nicht auf den Gedanken, hierin einen Grund zu besonderer Vorsicht zu erblicken. Am Abend brachte die Majorin eigenhändig einen Brief, den sie in dcr vergangkiien Nacht geschrieben hatte, auf 6>e Post. Es war ein Schreiben an Hammerschlag, die Majorin kannte nun seine ?ldrcssc ini Hotel. D.'r Brief hatte folgenden Wortlaut: „Sehr geeierter Herr Hammerschlag! Ich l)obe mir'Ihren Antrag angehört, ohne Ihnen in- Wort zu fallen. Auch habe ich mich absichtlich nicht sogleich entschieden, 'nmit in Ihnen nicht der Eindruck entstünde, meine Entscheidung mär« keine endgültige. Ader ich muß Ihnen leider mitteilen, daß Ihr Wunsch nach ehelicher Berbindung mit meiner Tochter nicht zu verwirklichen ist. Die Zeckunft, die ich meiner Tochter bestimmt habe, ist schon genau vorgezeichnet, und ich weiß mich mit meiner Tochter glücklicherweise in meinen Absichten eins. Ich wünsche Ihnen, sehr geehrter Herr, daß Sie in Berlin dennoch zu einer Zufriedenheit in vollem Umfang gelangen Mägen. Ich glaube, mir weitere Worte sparen zu dürfen, da Ihre Lebens- Erfahrung sowie Ihr reife» Alter Sie vor dein verhängnisvollen Irrtum der Jugend bewahren werden, als fei das ehelich« Glück sowie das Glück d«r Liebe nur an eine einzige, bestimmte Person gekettet. Ich verbleibe mit bestem Gruß, auch von, neiner Tochter, Frau Majorin Adelaide von Langen." Am nächsten Vormittag sollte, der ursprünglichen Abrede gc- mäß, das erste Wiedersehen nach dem Besuch Hammcrschlags zwischen ihm und Denise stattfinden. Die Majonn wußte ebensogut wie ihre Tochter, daß Hammer- schlag am Nachmittag nach Berlin zurückfahren wollte: er hatte ihnen im Laufe des Gesprächs niitgetcitt, welche» Zug er spätestens benutzen mußte, um rechtzeitig an Ort und Stelle zu sein. Was die Majorin an diesem Tage tat, um ein Zusammen- lonnnen ihrer Tochter mit Hammerschlag zu verhindern, war bei- spiellas. Sie fürchtete von einer Begegnung der beiden die völlige Durchkreuzung ihrer Pläne. Sie sperrte ihr« Tochter ei». Als Denis« am Morgen, zum Ausgehen fertig— sie hatte sich für die Begegnung eigens sorgfältig gekleidet— ihr Zimmer ver- assen halte, fand ftc sämtliche Stubentürcn und auch die Wohnungs« llr— zugesperrt! „Was soll das bedeuten?" rief Denise, die die Zlbsicht verstand, vor dcr Bür ihrer Mutter. „Nur bis heut« Mittag, mein Kind", rief die Majorin von drinnen,„muß ich dich bitten, dies« Unannehmlichkeiten auf dich zu nehmen. Heute mittag stehen sämtliche Türen wieder für dich offen." Heute Mittag? dachte Denise, und innerlich wurde etwas ruhig iii ihr— zwar wird er vergeblich am Schottcntor warten, aber ich werde noch Gelegenheit haben, ihn auszusuchen und ihm den Zu« fammenhang zu erklären, erst am Nachmittag oerläßt er Wien. Sie protestierte noch durch Rufen und Klopfen. Sie befand sich mit ihrer Mutter alle!» in der Wohnung, die Majorin hatte das .fyiiisinädchen ans weitläufige Besorgeingen, die viele Stunden in Anspruch»ahmen, sortgeschickt. Nun verstand Denise auch, weshalb chr Bruder am vorigen Tag zur Abreise gedrängt worden war. Als sie die Erfolglosigkeit ihres Protestes einsehen mußte, zog sie sich in ihr Zimmer zurück. Sic verbrachte die Stunden lesend und ungeduldig liiiihergehend. Um Mittag, wenn ihre Mutter sie in Freiheit setzte, war die Listige, trotzdem sie das Rendezvous am Schottentor vereitelt hatte, überlistet- *** Am Morgen hatte Hammerschlag durch die Post den Brief der Majorin erhalten- Blaß bis in die Lippen hatte er ihn gelesen. Nachdem er«ine Weile schweigend mit zusammengebissenen Zähnen dagestanden hatte, sagte er: „Unsinn, so etwas tut Denise nicht; weim ich nur ein wenig von den kleinen Mädchen verstehe, ist Denise mir rückhaltlos zugetan. Dcr Passus betreff Denksas Cinverständnic ist eine Lüge dcr Mutter." Di« Mütter, istejc Biper,,, dachte er weiter. Der Ausdruck- „Ihr reifes Alter", den er im Schreiben dcr Majorin fand, verdroß ihn.— Soll das etwa heißen, knurrte er, daß ich zu alt für Dcinse bin? Er besah sich im Spiegel. Der Anflug von Tränensäcken unter den Augen machte ihn nach ärgerlicher. „Ja natürlich", sagte er heftig,„wenn einem solch eine lieber- roschung ms Haus geschickt wird, dann soll man wohl ans der Stelle um zehn Jahre älter und im Gesicht etwas käsig werden." Er beschloß, trotzdem die Verabredung für den Bormittag seinerseits iniwzühalten, so als ob überhaupt kein Brief gekommen wäre. „Eh Denise mir nicht abschreibt", murneelte er,„ist die Ver- adredung gültig." Er ließ sich zum Schottenior fahren. Aber Denise kam nicht. Hammerschiag wartete etwa eine Stmrde. Dan» schlendert« er ins Hotel zurück. Während der nächsten Stunden blieb er dort. Nicht das min- deste ereignete sich. Bon Minute zu Minute wunde er unruhiger. In weniger als zwei Stunden fuhr sein Zug vom Westbahnhof ab. Die Mittagstunde wab bereiis vorbei. Er horchte— auf dem Flur hörte er gedämpfte Schritte— lauschend stand er an der Tür— aber es waren fremde Füße, die vorübergingen, Stubenmädchen, Gäste im Hotel... Hammerschlag schwitzte... Punkt zwölf llhr hatte Denise an die Tir ihrer Mutter geklopft. I „Es ist jetzt Mittag", rief sie./ „Im Flur, rechts neben deiner Tür auf dem Tischchen, habe ich heute morgen für dich kaltes Roastbeef, Salat und Weißbrot hin- stellen lassen", rief die Majonn, zurück,„bitte, bediene dich." „Ich will hinaus", schrie Denise,„es ist Mittag, und du hast mir versprochen, um Mittag—" „Nur noch bis zum Nachmittag", flötete die Majorin von drinnen,„bitte ich dich um Geduld." „Bis zum Rachmittag?!" rief Denise außer sich»ich begann mit den Fäusten gegen die verschlossene Tür der Majorin zu ballern. „Ich werde einen Skandal machen", schrie sie,„ich werde zum Fenster hinaus um Hilfe rufen." Für einige Augenblick« war es drinnen still- Dann sagte die Majorin ruhig: „Du wirst keinen Skandal machen, mein Kind." Die Mutier wußte, daß sie sich auf Ihre Tochter verlasse» tonnte. Es lag in der Erziehung begründet, daß Denise nichts so sehr verabscheute und fürchtete wie einen Skandal. Ein Skandal, der ernen selber betraf, war das schlimmste.— wie m mancher anderen Familie galt dieser Leitsatz auch im Hause der von Langen. Denise ging verzweifelt in ihr Zimmer zurück, sie wirf sich über die Chaiselongue und krampste die Nägel ins Polster. Hammerschlag durste nicht Wien verlassen, ohne die Wahrheit über das, was sich ereignet hatte, zu erfahren. Wahrscheinlich hatte ihn ihr« Mutter durch einen Brief gehörig hinters Licht geführt, Denise konnte sich'? denken. Ihr Schweigen mußte ihn beunruhigen und am Ende zweifelnd machen. Wie sollte er auf den Gedanken kommen, man hätte sie eingesperrt? Wüßt er's, er würde mit einer Arme von Schlossern kommen, um sie zu befreien. Aber so... er würde ver- mundet, verbittert nach Hause fahren...(Fortsetzung folgt.) eßviA Sin ä)rama als Vornan Erfolgreiche Romane werden manchmal dramatisiert. In den meisten Fällen geschieht dii�, um eine gute Konjunktur auszunutzen und weniger, um die Literatur zu bereichern, denn die Kunstformcn sind keine willkürlichen Produkte, mit denen man virtuos jonglieren darf. Allerdings hat die Dramatisierung den Vorteil, daß vieles Ueberflüssige fortfällt und daß dcr Stoff kenzentrierter behandelt wi-ro. Der Engländer S he r ri f f wählt nun den entgegengesetzten Weg. Zusammen mit Vernon Bartlctt schrieb er sein Kriegs- dranm„D i e a u d e r e S e i t e" zu einem Roman um, dessen deutsche Uebersetzung jetzt im Drei-Masken-Berlag vorliegt. Hier scheint es sich offensichtlich um eine geschäftliche Spekulation zu handeln, da der Verlag außerdem noch ein Preisausschreiben in die Welt gesandt hat, ob Drama oder Roman den stärkeren Eindruck hervorrufen. Bei einem Vergleich zwischen Drama und Roman fällt zuerst auf, daß überflüssige Verbreiterungen vorgenommen worden sind. Dcr Roman übernimmt die Dialoge fast wörtlich und fügt Schilde- rungen ein, die weder zur Charakterisierung der Menschen noch des Milieus neue Momente hinzubringen, sondern lediglich Stojf an- häufen sollen. Die Handlung, die schon im Drama wohl temperiert abläuft, quält sich jetzt geradezu dahin. Der größte Teil dcr Einfügungen steht am Anfang. Dcr Ro- man beginnt mit der Jugendfreundschaft Raleighs und Stanhope- auf dem Kolleg. Wieder einmal wird das englische Gymnasiasten- leben liebevoll ausgenwlt, ohne daß aber die Forben Leuchtkraft gc- Winne». Auch die Hauptfiguren zeigen kein ausgeprägtes Gesicht. während sie im Drama scharf umrissen sind. Zwischen dem ersten und zweiten Teil des Roman» klafft ein Bruch. Di« Charakter:- sierung bleibt in den neu hinzugeschriebenen Teilen an der Ober- fläche: sie ist unlebendig, während die Menschen des Dramas tatsächlich Leben atmen. Sherrisf übersieht, daß Stanhope, dieser problematische Held, der mit Whisky seine Angst betäubt und die Haltung des angelsächsischen Gentlemens bewahren will, auch als Knabe viel uuausgeglichener sein muß. Ein starker Wille sucht bestiimntc elementare Triebe zu unterdrücken. Gewisse typische Idealvorstellungen erhalten den Cha- mkter des inneren Zwanges. Im Drama kommt diese seelische Struktur Stanhopcs zum Ausdruck, leider nicht im Roman. Ein paar Episoden hätten es andeuten müssen. Aber scheinbar fehlt den beiden Autoren dazu die Gestaltungskraft. Sin Dramatiker formt ander» als ein Romaneier. Das hat Shetriff vergessen. Jedenfalls wäre es für seinen künstlerischen Ruf besser gewesen, wenn er den Roman nicht geschrieben hätte. .�Ilreck Arna, Rätsel-Ecke des„Abend". Silbenrätsel. Aus den Silben a au den cho cho da di du ei et erz«x fan gi hu in in is kro li ma man nie meb mi na nan ne ncr ner o on phon psi re rein ri rie som stock te ter ti tin tsu va wag sind 1ö Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen ein Zitat von Schiller ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Stadt im Erzgebirge; 2. Truppengattung: 3. Straußenart; 4. Deutscher Komponist: 5. Hawaische Insel: 6. Badeort in Schfcfic»; 7. Muse: 8. Schweizer Botaniker; 9. Nervcnausstattung eines Organs; 10. Radiosendegerät: 11. Südfrucht; 12. Endpunkt der Otavibahu; 13. Sohn Mrahams; 15. Stadt in Rumänien,- 1«. Kirchensonntog.(ue= ii, ch und ck— ein Buchstabe.)— kr.— Kreuzworträtsel. Waagerecht: 2. italienische Insel; 5 Farbstoff: 7. amerikanischer Schriftsteller:9.segeltech- nischerAusdruck: 1 1 Ber- einigung: 13 Europäer: 15. afrikanischer Strom: 16. Nebenfluß der Donau; IS.Ausruf: 19 Dop- pelkonsonant; 21. nicht döse: 23. konjugiertes Berdum; 25. Schauspiel von Ibsen: 27. lateini- sches Wort für ebenfalls: 29. französisch„König": 30. halbwarm: 32. deut- sche Münze(abgekürzt); 33. Zeitabschnitt.— Senkrecht: 1. In Der- bindung mit Nr. 33 waagerecht: deutsche He- xensagennacht; 3. End- punkt der Erdachse: 4. sauber: 6 Papst- name: 8. russisches Mu- sitiiistrument: 10. Prophet: 12. Wacholderschnaps; ftimmungswort: 20. moralischer Beistand: 22 garischer Borname: 26. europäische Hauptstadt; Vorname: 31. Ausruf. Glück im Winkel. 14. schmal; 17. Be- Eingang; 24. un- 28. amerikanischer Beim 2. 3 war als Aktuar Er tage von neun bis drei, Die Zeit— da er sehr fleißig war, Ging ihm stets schnell vorbei. Für seinen 1 sorgt seine Frau Indessen gut zu Haus, Und locht ihm— sieh' mal an, schau schau— Sem 1, 2, 2 zum Schmaus. r-zst,-» Silbenkreuzworträisel. Waagerecht: 2. Indischer Tempel: 5. früherer Bolksstamm: 7. Gestalt, Größe: 9 italienische Stadt: 12. Truthahn: 13. Wasch- mittel; 14. deutsche Reichssarben: 16. Wildnis: 17. Farbstoff; 20. Urlaub.— Senkrecht: 1. Oper von Verdi; 3. Weissagung: 4. Bestandaufnahme: 6. Teil einer Scheune; 7. aufgeschichtete Waren- menge: 8. Staatsform: 10. Naturerscheinung; 11. Bortrag: 14. süd- roestdeutsches Gebirge; 15. Blume; 16. Dokument; 18. Gewehr; 19. Erdteil. ale. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Silbenrätsel: 1. Westerland: 2. Ellwangen: 3. Ninloe: 4. Natrium: 5. Wandel: 6. Zmaginatlon: 7. Telegramm; 8. Dach» dekker; 9. Elgersburg: 10. Magnolie; 11. Tarantel; 12. Adelheid; 13. Loblied; 14. Erzeugung: 15. Rcmkendelein: 16. Gelüboe: 17. Elfriede: 18. Leier; 19. Aegina: 20. Anband: 21. Tagung: 22. Empfehlung.—„Wenn mit dem Taler geläutet wird, gehen alle Türen auf. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Maiblume; 7. es; 8. ee; 9. Al; 10. Ebbe; 12. Streit; 14. wo: 15 Ar; 16. oh: 19» al: 20. bb; 22. au: 24. Aron; 25. Amarna: 27. PI; 28. Ifl; 30. Apotheke.— Senkrecht: 1. Met; 2. Äs: 3. Bebra: 4. Leber; 5. Mal: 6. Eli; 10. et: 11. Ei: 12. SO: 13. to; 14. WC: 17. Hl; 18. al; 19. da; 19a Ar; 20. Braut; 21. Borah; 23. Ur; 24. am; 25. Alp; 26. Alk; 27. Pa; 29. ae. Kapselrätsel:„Denke, ehe du handelst." Fülkrätsel: 1. Hakenkreuz: 2. Hildesheim: 3. Delegation; 4. Karfreitag: S. Folteftone: ß. Eupatriden; 7. Düsseldorf: 8 Boni- fazius; 9. Desmoulins: 10. Lanzenberg.— Hilserding. Ltubvorguüges; Kugel. Kegel. Nie. 322 47. Jahrgang Sonnabend 12. Juli 1930 Kohlensäuieausbvüche in Niederschlesien Die Kohle irsäure, die jetzt zu dem furchtbaren Unglück im Neuroder Revier geführt hat, ist ein f a r b l o s e s G o s. Es ist in einer Reihe von Kohlenflözen Niederschlesiens, ähnlich wie Wasser in einem Schwamm enthalten. Das Vorkommen wird bergmännisch direkt als„Schwamm' bezeichnet. Bei Freilegung der Kohlen- stötze tritt Kcchlensäure in mehr oder minder starkem Maße häusig unter bedeutendem Druck und urplötzlich aus. In Niederschlesien wird das Auftreten von Kohlensäure schon seit Jahr- zehnten beobachtet. Das Gas schüsse, die den Kohlenstoß derart erschüttern, daß die darin ent- haltene Kohlensäure explosionsartig frei wird. Dagegen muß wäh- rend der Anwesenheit der Bergleute vor Ort jede stärkere Erschütte- rung des Ortsstoßes vermieden werden. Deshalb ist die Arbeit mit der Keilhaue und mit' sonstigen schlagenden Geräten, wie Bohr- und Abhauhammer, im allgemeinen verboten und nur zur Herstellung von Bühnlöchern, zur leichten Begradigung der Stöße und zum Ab- lösen der freihängenden Schalen gestattet. entstammt dem glutflüssigen Innern des vulkanischen Gesteins, welches dos Steinkohlengebirge durchsetzt, und stellt den Rest der vulkanischen Tätigkeit dar. Nach einem Bericht des Ausschusses zur Erforschung der Kohlensäure- ausbräche in Niedcrschlesieu traten die Ausbrüche zum ersten- nial im Jahre 1894 auf. Bis zum Jahre 1925 erfolgten 438 Ausbrüche, die nickst weniger als 44 OOU Tonnen feste Massen bc- wegten. Unser zweites S xh a u b i l d zeigt die starken mechanischen Wirkungen eines Kohlensäurcausbruchs. Man hat auf Grund weit- gehender Studien die Erfahrung gemacht, daß ständige und all- niählichc Kohlensäureausströniung des Gebirges und der Flöze oer- hältnismäßig wenig Unfälle her- vorrufen, obwohl sie zeitweise bis zu 190 Kubikmeter pro Tonne geförderter Kohle betragen. Hier hat man der Gefahr durch tech- nifche Mittel entgegengewirkt, insbesondere durch Bewetterung der Gruben, und weiter dadurch, daß man die Bergleute mit den Eigenschaften der Kohlensäure l»stannt machte. Ist Katastrophen kommt es m der Regel, wenn die Kohlensäure plötzlich aus- bricht. Gewöhnlich erfolgt der Ausbruch an standfesten Kohlen- stoßen. Die hochgespannte Kohlen- säure zertrümmert dann die Kohle imd schleudert sie als Staub beiseite. Ausbrüche von 500 Tonnen Kohle und 5000 Kubik- meter Kohlensäure sind in Niederschlesien nicht festen. Von Bedeutung ist auch, daß die Gefahr des Kohlenfäureausdruchs mit der zunehmenden Teufe wächst. Der Ausschuß zur Erforschung der Kohlensäureausbrüche in Niederschlesien hat ein sogenanntes Unfalloerhütungstzild herausgebracht, das unsere erste Abbildung zeigt. Man verfolgt mit derartigen Maßnahmen den Zweck, die Ortsbelegschaften für die Ab- wehr der Kohlensäurcgesahr zu schulen. Der Bergmann merkt das Vorhandensein von Kohlensäure u. a. an der Benzinsicherheitslampe. Ist Kohlensäure vorhanden, dann hebt sich die sich blau färbende Flamme vom Brennrand ab. Sie wird matter und matter und er- lischt schließlich. Zu gleicher Zeit ist ein säuerlicher Geschmack wahr- zunehmen, der an das bekannte Sellerwasier erinnert. Bei dem Ar- beiter, der sich in Kohlensäuregefahr befindet, stellen sich Atem- beschwerden und Angstgefühle ein. Die Betroffenen schnappen nach Lust. Es bricht Schweiß aus; Herzklopfen, Kopsschinerzen und Schwiickelanfalle treten hinzu. Dann ist schleunigste Flucht in frischen Wetterstrom notwendig. Wahrzunehmen ist auch das Vor- Handensein von Kohlensäure durch Aussteigen von Blasen in der Wassersaige, an merWcher Abkühlung der Bohrlochtemperatur gegen- über der Streckentemperatür und an fühlbarer Kälte des Kohlenhauf- werks. Die wichtigste Maßnahme zurBekämpsung derAusbruchgefahr ist die gewollte Ausläsung der Ausbrüche zu einer bestimmten Zeit, in der sich die Ortsbelegschaft und die Belegschaft der im gleichen Wetterstrom liegenden Betriebe in Sicherheit, d. h. hinter dicht- schließenden Wettertüren, den sogenannten Schießtüren, befinden. Man erreicht diese Auslösung durch besonders stark geladene Spreng- Sdteiit nicht den Weg zu den SchfeBtümt! Zündet nur von sicherer Stelle aus! Ein Kehlensüureaushruch gefährdet Euch und viele Kameraden! Unfhllyerbütangsblatt: Herausgegeben von dem Äassdiufl rar Erforsch ung der Kohlevsanre- ansbrüefae in Niedeisdiksien. Im Rahmen der Erörterungen der Nenrodcr Katastrophe ist darauf hingewiesen worden, daß der Bergmann infolge der Mechanisierung der Betrieb« nicht mehr die Möglichkeit wi» früher Hab«, ans die Sicherheitsverhättnisse zu achten. Es ist Das Bild gibt eine Vorstellung von den starken mechanischen Wirklingen eines Kohlensänreansbrnchea. schon möglich, daß die Anwendung der Schremm-Maschinen die Kontrolle schwieriger macht als früher bei der Anwendung von Handbohrern. Sollte das zutreffen, dann muß die Schrennn- Maschine aus den von Kohlensäureausbrachen bedrohten Revieren so bald wie möglich verschwinden. Wieviel Menschen leben auf der Erde? Das Internationale Institut für Statistik im Haag bringt in seiner Veröfsenttichung 1929„Apercu de la Demographie des divers pays du Monde'(Ueberficht über die Bevölkerungsstatistik der v�r- schiedenen Länder der Erde) die neuesten Angaben über die Zahl der Bewohner unseres Planeten. Nach den Ergebnissen der Zählung-n und Schätzungen im Jahre 1928 beträgt di« Gesamtzahl der Erdbe- wohner 1 936 567 000 Menschen gegen 1811012000 im Jahre 1920; sie hat sich also mn rund 125 Millwnen Menschen(etwa 7 Proz.) vermehrt. Auf die Kontinente verteilt, ergibt sich in abnehmender Reihenfolge folgende Ueberficht: Die Gejawtodechköch« der Eette 12670000 vnckdmtkvv- meter der arttischen und antarktischen Länder) wurde mit 145 552 000 Quoldratkilometer sestgestellt, während man im Jahre 1920 146 424 000 Quadratkilometer errechnet hatte. Die Differenz ist durch die ver- besserten Messungsmethodeu und die größere Genauigkeit der Be- rechnungen zugunsten der neueren Zahl zu erklären. Mit der steigenden Bevölkerungszahl und der Korrektur der Fläche hat sich die Dichte der Bevölkerung naturgemäß erhöht, und zwar von 12,4 auf 13,3 pro Quadratkilometer. Im einzelnen haben wir in abnehmender Reihenfolge.- Europa... Asien.... Amerika... Afrika..», Ozeanien.,, 1920 1928 Menschen auf 1 qkm 46,9 23,0 4,9 4,6 0,9 48,6 24,8 5,5 5,0 1,1 Es ist also Europa am dichtesten besiedell, in großem Abstände folgt Asien, sehr viel Platz gibt c» in Amerika und Afrika, für Australien hat die Zahlenangabe nur theoretischen Wert, da ein großer Test des Kontinent» menschenleer ist, weil für menschlich« Siedlung(vorläufig?) unverwendbar. S, IC, Dfe zuteil* Weltkraftkenfierenz*) Die zweite Weltkvaftkonferenz, die vom 16. bis 25. Juni tagte und über die wir bereits berichteten, ist zu Ende. Eine bedeutsame Tagung ist dmntt zum Abschluß gekommen. Rund 4000 Teilnehmer aus 48 Staaten— ein babylonisches Sprachengewirr— waren vertreten. In der zweiten Welt- krastkonferenz fanden sich Vertreter aller Energieversorgungszweige und technischer und wirtsihaftlicher Verbände von internationalem Ruf. Während die erste Wellkraftkonferenz 1924 in London und die nachfolgenden Tcilkonferenzen in Basel, London. Barcelona und Tokio wertvolle Erkenntnisse in bezug auf Energieerzeugung aus Wasserkraft und Brennstroffen brachte, betrachtete die zweite Welt- krastkonferenz ihre Aufgaben unter dem Gesichtspunkte der wirt- schaftlich st«n Verteilung der Energien.— Wir kennen die im Schöße der Erde ruhenden Schätze, Kohle, Erdöl, Erdgas, wir haben sie uns nutzbar gemacht in den mannigfaltigsten Industrien, im Verkehr, im Hause. Wir haben diese Energien ver- teilt über Dörfer, Städte, Provinzen und Länder, ja Erdteile durch sie verbunden. Tausende und ober Tausende erhalten durch sie ihren Lebensunterhalt, Licht und Wärme, sie bringen Belehrung und Unterhaltung in die fernst« Hütte. Die Kenntnisse der Energien und ihre beste Ausnützung betrachtete die Weltkraftkonserenz als Gemeingut aller; sie will aus den Erfahrungen einzelner neues Wisien schöpfen, dos allen, der ganzen Menschheit zugute kommen soll. Sie wollte aber nicht nur schon Bekanntes mitteilen, sie will auch neue Wege, neue Ziele zur Erschließung neuer Energiequellen zeigen. Das war die andere Aufgabe der Weltkraftkonferenz.— Vergessen wir aber nicht eine andere Seite dieser gemeinsamen Interessen. Das intensive Zusammenarbeiten, dieser Austausch der gesammelten Erfahrungen, das gemeinsame Ziel, die Energien der Welt am wirtschaftlichsten zu gewinnen und wstterzugeden. So sind die Aufgaben der Weltkraftkonserenz nicht nur technischer, sondern auch weltwirtschaftlicher, weltfinonzieller und weltpolitischer Natur. Die erste Begrüßung der erschienenen Gäste fand am Sonntag, dem 15. Juni, durch den Ehrenpräsidenten Dr.- Ing. h. c. von M iller und den Vorsitzenden der Weltkraftkonserenz Dr.- Ing. h. e. E. Köttgen im Reichswgsgebäude statt. Die eigent- liche Tagung begann am folgenden Montag. Es lagen etwa 400 Berichte vor, die 34 Sektionen zugeteilt waren, die wieder- um dies« Berichte zu Generalberichten zusammenfaßten und den Konferenzteilnehmern bereit» vor der Tagung in den Konferenz- sprachen Deutsch, Englisch und Französisch zur Verfügung stellten. Welch großes Interesse nicht nur die europäischen Länder der Kon- ferenz entgegenbrachten, geht daraus hervor, daß allein die Ver- einigten Staaten von Amerika mit etwa 60 Berichten beteiligt waren.— Die Reihe der Vorträge eröfsnete am ersten Tage Pro- sessor Dr. Einstein mit seinen Ausführungen über:„Das physikalische Raum- und Aetherproblem". Den Höhepunkt erreichte die Tagung wohl am 18. Juni im Rahmen der „Amerikanischen Stunde'. H. Fast er Batn sprach über „Die Bedeutung der Mineralien in einer von Kraft abhängigen Welt', eih Vortrag, der naturgemäß allsettige Beachtung fand. Selbst der unermüdliche Edison, der Zauderer von Melopark, wi« er drüben genannt wird, hatte es sich trotz seiner 83 Jahre nicht nehmen lassen, vor den zahlreichen Hörern die Gebnrtsstunde der Glühlampe zu schildern. Es war am 21. Oktober 1879, als es Edison nach vielen mühseligen, Versuchen durch Verkohlen eines Bambusstreifens gelang, das lang- gesuchte Material für seine Glühbirne zu finden. Das war der erste Schritt zu der ungeheuren Entwicklung, die wir alle miterleben durften. Reicher Beifall wurde dem greisen Erfinder im Lehnstuhl zuteil und man bedauerte es allgemein, daß er nur im Tonfilm zu uns gesprochen hatte.— Am gleichen Abend fanden drahllose Fernübertvagungen statt. Die zur selben Zeit in San Fran- z i s k o tagende National Electric Association sandte durch ihren Präsidenten Mr. S l ö a n den deutschen Freunden und ihren Gästen Grüß«. Ihm antwortete Dr. Köttgen. Es folgten noch Gespräche durch Fernkabel mit dem Eearl os Derby und Marconl in London, und schließlich sprach noch Edison von seinem Laboratorium m Orange. Als Kuriosum soll noch erwähnt werden, daß San Franziska seine Begrüßung mit„Guten Morgen' «inleitete und daß ihm ein„Guten Abend" zurückgerufen wurde. Aus der Reihe der Vorträge der nächsten Tage seien noch her- vorgehoben der Vortrag von Dr.-Ing. Oskar Oliven:„Eu- ropas Großkraftlinie n" und der Interessante Vortrag von Professor A. S. Eddington über:„Inneratomare Euer- g i e'. Die Zertrümmerung der Atome und di« dadurch sreiwerden- den ungeheuren Energien zu sammeln und nutzbringend zu ver- werten ist augenblicklich unsere größte Zukunftshosfnung. Der Raubbau an Kohle und Erdöl wird uns über kurz oder lang zu unübersehbaren Wirtschaftskatastrophen führen, wenn es uns nicht gelingt, neue Energiequellen zu erschließen und uns nutzbar zu machen. Stammen doch 95 Prozent aller von uns erzeugten Ener- gien aus Bergwerken und Oelquellen, und weiter wissen wir. daß, wenn wir bei dem stetig ansteigenden Verbrauch bleiben, unsere Braunkohlengruben in etwa 30— 40 Iahren erschöpft haben. Der Vorrat an Steinkohlen hält allerdings noch einige Jahrhunderte an, aber es ist an uns, mit den vorhandenen Mitteln hauszuhalten und neue Energiequellen zu suchen. Wir haben noch die weiße Kohle, die Wasserkraft, deren Nutzbarmachung in den letzten Iahren große Fortschritte gemacht hat. Da ist vor allem die große Lebenspen- derin, die Somie, deren Energieschätze, wenn wir sie nur zu einem geringen Prozentsatz gewinnen könnten, uns von allen Zukunfts- sorgen befreien würden. Versuche sind auch hier schon gemacht, aber der erzielte Nutzeffekt ist noch viel zu gering. Auch hat diese Energie- quell« den Nachteil, daß sie nicht liberoll und nicht immer zur Per- sügung steht. Aus diesen kurzen Erwägungen mag ersehen weroen, mit welchem großen Interesse man den Ausführungen von Professor Eddington entgegensah und welche großen Aufgäben unsere Forscher noch zu lösen haben. Besichtigungen in und mn Berlin gaben den Teilnehmern Gr- legenheit, verschiedene Großbetriebe, wie Großkraftwerk Klingen- der und andere, zu besichtigen. *) Berqtdch» auch„Technik' poa Wai 1930. Radrennen durch die Pyrenäen Bis auf Tieiz und Buse alle Deutschen dabei Welch ungeheure Schwierigkeiten die R a d r u n d f a h r t durch Frankreich in sich birgt, lernten die 77 noch im Rennen befindlichen Teilnehmer am Donnerstag auf der 9. Etappe von Pau nach Louchon kennen. Die bisherigen acht Tagesstrecke» waren eine Spielerei in> Vergleich zu dem, was auf der 227 Kilo- »neter langen Strecke nach Louchon zw leisten war. Es war ein ewiges Wechseln der Uebersetzungen. Schon bald nach dein Start gab es die ersten Steigungen. Zunächst galt es, in einem 17 Kilo- Nieter langen Anstieg den 1748 Meter hohen Col d' A u b i s q u«(SS Kilometer) zu erkliinmen, von dessen Höhe man einen herrlichen Rundblick über die Gebirgslandschaft genießen konnte. Aber dafür hatten die in Schweiß gebadeten Giganten der Landstraße kein Auge, konnten es nicht haben, weil jede Minute Zeitverlust Terrain kostete. In atemraubender Geschwindigkeit ging es zu Tal, doch stieg der Weg bald wieder zum 16S0 Meter hohen Col de Tortes an, der beim 28. Kilometer erreicht wurde. Die steile Abfahrt auf teilweise nur 3 Meter breiter Straße gestaltete sich äußerst schwierig und erforderte größte Vorsicht. Und weiter ging die Schinderei. Noch vor der Kontroll« Barcges (lüg Kilometer) kamen die Fahrer an eine der schwierigsten Stellen der ganzen Tour, zum Col du Tourmalet. Auf einer 18, S Kilo- meter langen Streck« war bis zum Tourmaletgipsel <2122 Meter) eine Höhendifferenz von 1487 M«ter zu bewältigen, wobei die Steigung im Durchschnitt 8, stellenweise aber auch 14 bis 18 Prozent betrug. Vielfach blieb nichts anderes übrig, als die Räder zu schieben, obwohl die kleinsten Uebersetzungen eingeschaltet waren. Die Steilabsahrt auf eng gewundenen Serpentinen war nicht minder beschwerlich, und auch der restliche Teil der Etappe bis Louchon war eine ununterbrochene Berg- ur d Talfahrt. Hinter Montrejeau(193 Kilometer) gab es noch ein 18prozentiges Gefälle, bevor die Rationalstraß« nach Louchon erreicht war. Daß auf dieser beschwerlichen Fahrt das bislang noch ziemlich dicht beisammen- liegende Feld ziemlich aufgelöst wurde, war vorauszusehen. Besser als erwartet hielten sich die Deutschen bei der ersten Ichwcrcn Prüfung. Eine hervorragende Rolle spielte insbesondere Alfred S ch'ö n- Wiesbaden, der einen achtbaren elften Platz besetzte und ohne einen Sturz sicher noch weiter vorn gewesen wäre. Er ti'af nur IS Minuten nach der aus Binda und den beiden Franzosen P. Magne'und Leducq bestehenden Spitzengruppe in Louchon ein. Erst eine halbe Stunde nach Schön trafen Nebe und Thierbach als 27. und 28. in 19: OS; 44 ein, M a n t h e y wurde 32. und Wolke und Siegel schrieben sich als 43. und 44. in die Zielkontrolle ei». Ganz aus dem Rennen gefallen sind die Berliner Buse und T i e tz, die man allgemein als die Hauptstützen der deutschen Mannschaft betrachtet hatte. Schon beim Aufstieg zum Col d'Au- bisque(1748 Meter) sicherte sich der Einzelfahrer Benoit Faure einen Vorsprung von 4 bis 6 Minuten, den er bis IS Kilometer vor dem Ziel zu halten vermochte Lange Zeit lagen Schön und Thierbach hinter ihin, von denen Schön bei der Talsahrt zu Fall kam und wert- volle Minuten einbüßte Während Thierbach weiter zurückfiel, konnte Schön sich den Gebrüdern Magne anschließen. Zu diesein Terzett ge- seilte sich Leduca,' der schließlich allein davonzog. Beim Col du Tour- malet(2122 Meter) erlitt Schön einen Schwöcheanfall und mußte seine gute Position aufgeben. Allmählich hatte sich hinter dem immer noch führenden Faure eine dreiköpfige Gruppe mit Binda. Leducq und P. Magne gebildet, die schließlich den von einem Defekt betraf- fenen Einzelsahrer Faure kurz vor dem Ziel passierte. K.u!»etage bei der Tour de France Den Anforderungen her schweren Bergetappe von P a u nach Louchon waren insgesamt zehn von den 79 in Pau gestarteten Fahrern nicht gewachsen, darunter auch Oskar Tietz und Hermann Buse. Auch die französische Ländermannschaft hotte zwei Verluste zu beklagen: Fonlan und Mauclair, von denen sich letzterer eine schwere Schulterprellung zugezogen hat. Allein Belgien hat noch all« acht Fahrer der Ländermannschast beisammen. Der Held der deutschen Mannschaft bei der bisher schwersten Tagesstvecke, der an «lster Stelle eingekommene Wiesbadener Alfred Schön, heimst« eine Prämie von 2000 Franken«in, da er als erster der„Asse" die Ausbiscque-Höhe(1748 Meter) erklommen hatte. In der G e- samtwertung. m der der Franzose Leducq mit 64:13:10 die Spitze hat, liegen die Deutschen wie folgt: Schön 11. in 64:44:13, Nebe 23. in 65:08:39, Thierbach 24. in 65:10:11, Manthey 29. in 65:17:48, Rudolf Wolke 33. in 6S:2S:41 und S i e g e l 35. in 65:28:33. Die nächste Etappe von Louchon nach Perpignan ist nicht weniger als 323 Kilometer lang, so daß voraussichtlich«ine mehr als 13stündige Fahrzeit erforderlich wird. Faltbootsportler auf Ferienfahrt Wasserwandern ist zu einem wichtigen Glied des Arbeiter- ffports geworden. Ferienfahrten im Paddelboot sind heut« keine Seltenheit mehr. Sie bringen oft engere Berührung mit der ur- sprünglichen Natur, als sie sonst unter normalen Verhältnissen dem Wanderer geboten wird. Nur sind zur Durchführung solcher Fahr- tcn weit größer« Vorbereitungen erforderlich. Es sei hier abgesehest von der Erläuterung aller technischen Einzelheiten zur gesicherten Durchführung einer Wasier-Ferien- nxmderung. Das ist Ausgab« der Diskussion in den Vereinen. In erster Linie muß man sich hier mit den Grundlagen der Fahrt be- schästigen, mit Fragen der Benutzbarkeit der gewählten Wasser- straßen und den einschlägigen Bestimmungen zur Benutzung, die örtlich oft außerordentlich verschieden sind, eingehend vertraut -machen. Hier ist Nachfrage bei den Provinziaksportkartellen er- forderlich. Ein weiteres Kapitel ist die Frag« der geeigneten Unter- kunft. W ass e r s p o r th e i in e der Arbeiterschaft sind heute leider noch nicht so zahlreich. Für Faltbootsahrten bieten sich aber auch in nianchen Naturfreundeheimen bereits gute Stützpunkte. So sind den Heimen in K ö n i g st e i n a. d. Elb«(Sächsische Schweiz), -in Ammendorf bei Halle, dem Lahntalhaus bei Villmar an der Lahn, dem Bodenseehaus bei Markclfingen am Unter- see, dem Uederseehaus bei Cb«rswal-de u. a. Bootshäuser bzw. Bootsunterstände angegliedert. Auch die Wassersportler der Naturfreunde, Ortsgruppe Wien, besitzen ein eigenes Heim. Eine weitere Zahl von Naturfreundehcimen kann als Stand- platz gelten, von dem aus Streiffahrten zu Wasser und zu Lande lunternommen werden können. Wir nennen aaus einigen der wich- tigsten Wandergebiet« an O st- und N o r d s e e: das Königs- berger Heim im Fischerdorf Sarkau am Kurischen Haff, die Priwallhütte der Lübecker bei Travemünde, das Wescrmünder Heim am Wollingster See, das Natursreundehaus Nor-dfeestrand in Rüstringen; in der Mark: die Luchhütt« bei Kremmen, die Grotte- witzhütten an der Großen Krampe, die Kottbusser Heim« in Nauw darf(Sprcewald) und auf der Schwansccinsel bei Lieberosc, das Brandenburger Heim auf Buhnenwerder im Plauer See; im Rheinland: das Heim im Holzerbachtal(Ortsgruppe Wald) und das Remscheider an der Talsperre, Heim Neuenkamp der Orts- gruppe Berg.-Neukirchen am Eingang in» Murbachtal, Haus Kammersteisöeg« am Wupperstrand(Ortsgruppe Barmen), das Bonner Haus im Vischelbachtal(Eisel): in Süddeutschland schließlich: das Hohenloher Haus der Ortsgruppe Künzelsau an der Jagst bei Dörzbach(Württemberg), das Ulmer Haus bei Weidach:m Kleinen Lautertal, das Kelheimer Haus im Hammertal, das Fürther Haus bei Veilbronn im Leinleitertal(Fränkische Schweiz), das Kaiserslauterner Ferienheim im Fin-sterbrunner Tal unweit Schopp (Pfälzer Bergland), und viele andere mehr. Ein Auszug nur, der einige Anhaltspunkte gibt. Die kommende Zeit der praktischen Ar- beit— gerade auch in Natursreundekvcisen— wird dem Ausbau guter Wassersporthein, e dienen müssen, denn zahlreiche Naturfreunde- und andere Faltbootgruppen künden von reger Ar- beit auf dem Gebiete des Wasierwanderns. Manche Ferien-fahrten erstrecken sich heut« bereits über die heimischen Grenzen hinaus. Da sind wieder beim Grenzüber- tritt mit Faltbooten mancherlei Bedingungen zu beachten. Früher wurden vielfach hohe Kautionshinterlegungen verlangt. Das ist heute stark gemildert, oft ganz aufgehoben. Mit O st e r r e i ch z. B. Hot die Reichsgruppe Deutschland des Touriftcnoereins„Die Naturfreunde"«in sogenanntes Triptyk sür Faltboote abgeschlossen, wonach bei Grengübertritt mit vollgültiger Mitgliedskarte der Naturfreund« eine Kaution nicht hinterlegt werden braucht. Zoll- und visumfrei sind die Tschechoslowakei, England, Däne- inork, Schweden und Norwegen. Kantionen werden verlangt in Slldslawien(100 M.) und Frankreich(300 Franken) Visum und Bootszoll in Italien(je 15 M. etwa), Rumänien(21 M.), Bulgarien(10,50 M.), Türkei(12,50 M.) und Frankreich(10,50 Franken). In der Schweiz werden in der Regel klein« Kautionen verlangt. Den Bootsfahrern wird im allgemeinen zur Pflicht ge- macht, sich bei Ein- und Ausreise bei der zuständigen Grenzbehörde des betreffenden Landes zu melden. Photoapparate und -platten sind für den Eigengcbrauch fast überall zollfrei, nur Un- garn verlangt Plombierung und» Schweden eine kleine Abgabe für Filme. Frankreich verneint die Zollfreiheit für Berussphotographen. Den Auslandsfahrern feien diese Bestinunungen zur größten Beachtung empfohlen. Je besser die Vorbereitungen, desto größer und ungehemmter das Erlebnis. Wassersdmtz und Hakenkreuz Zu den Ausführungen der Abendausgabe vom 9. Juli schreibt »ns die Republikanische Beschwerdestelle: Wir haben dieser Angelegenheit bereits vor einiger Zeit unsere Aufmerksamkeit zugewendet und sind bei dem Reichswasserschutz, Polizeitommando Spandau, vorstellig geworden. Der Reichs- wasser schütz nimmt folgende Stellung ein: „Zu den, dortigen Schreiben wird mitgeteilt: Nach diesseitiger Ausfassung berechtigt das Führen einer Hakenkreuzflagge durch ein E i n z e l boot— auf Grund des Erlasses des preußischen Ministers des Innern und des Berliner Polizeipräsidenten— noch nicht zum polizeilichen Einschreiten. Erst wenn durch das gleichzeitig« Setzen dieser Flagge auf mehreren Booten der Charakter einer V e r- anstaltung gegeben ist, kann aus Grund der Polizeiverordnung des Polizeipräsidenten Verlin eingeschritten werden. Der RWS., Polizeitommando Spandau, wird in solchen Fällen das Erforder- liche veranlassen. Die Abteilung l A. des Polizeipräsidiums ist nochmals um Bestätigung der Richtigkeit dieser Ansicht gebeten worden. Eine eventuelle andere Auffassung wird mitgeteilt werden." Diese Stellungnahme des Reichswasscrschutzes mutet nach allem Vorhergegangenen etwas eigentümlich an und bedarf dringend der Klärung. Von anderer Seite wird uns dazu geschrieben: Warum nach der Polizei rufen? Sind die Republikaner in Preußen und besonders hier in Berlin nicht stark und aktiv genug? Von diesen Gedanken ließ sich die Reichsbännerwasser- sportabteilung mit ihren Zügen Obcrspree. Tegel und Havel leiten, als sie am Sonntag, dem 6. Juli 1930, eine große Werbeauffahrt auf den Havelgewässern veranstaltete. Ungefähr 100 Boote aller Gattungen, Paddel-. Ruder-, Segel- und Motorboote vereinigten sich am Bootshaus des Zuges Havel in Tiefwerder und fuhren von dort in geschlossenem Zuge an den Laubenkolonien. I dem Freibad Wannsee entlang, umrundeten die Pfaueninsel und\ fuhren an anderen User der Havel entlang wieder zum Bootshaus zurück. Ueberall fand die stattliche Armada eine begeisterte Auf- nähme, soviel Flaggen und Wimpel in den Farben der Republik hatten die Havelgewässer schon lange nicht mehr gesehen. Am k o m- menden Sonntag findet die Werbeveranstaltung ihre Fort- setzung in einer Stadt fahrt, die ihren Weg von Tiefwerder über die Charlottenburger Schleuse, Tiergartenschleuse, durch den Landwehrkanal, vorbei an den Eierhäusern in Treptow, wo eine kurze Rast eingelegt wird, zu den beiden Bootshäusern der Reichs- bannerwasiersportabteilung in Wendenschloß nehmen wird. Für die Anwohner des Landwehrkanals wird es sicher eine interessante Abwechselung sein, die republikanische Flotte auf der Durchfahrt begrüßen zu können. Die Boote werden gegen 11.30 U h r a n der Tiergartenschleuse eintreffen und gegen 1 Uhr den Landwehrkanal passieren. Die Tempelhofer laden ein! Das Kartell für Arbeitersport und Körperpflege, Bezirk 13, veranstaltet an, Sonntag, 13. Juli, ein großes Sportfest. Di« Ausschreibung ist allen zugegangen. Das Fest findet auf de», Sportplatz Auguftastraße skitt. Der Platz ist bequem mit den Straßenbahnlinien 23, 33, 96, 99, 199 (Haliestelle Kaiserin-Augusta-Straße) und 60(Albion- Ecke Kaiserin- Augusta-Straße) zu erreichen. Im Programm sind vorgesehen: Fest- zug, gemeinsame Freiübungen. Turnen, Hockey, Fußball, Radball, Voltstän.'e der Arbeiterjugend und Naturfreunde, Handball der Kinder, Uebungen der Arbeitersamariter, Wettkämpfe der Leicht- athleten. Die Musik(Tambour- uizd Blasorchester) wird das ihre ■um Gelingen des Festes tun.'Beginn auf de», Platz 3 Uhr. Di« Umkleideräume befinden sich in der 1. Gemeindeschul«, Manteufsel- ltraße 66(Nähe Dorfstraß«). Bon dort Demonstration durch Tempel- Hof. Abmarsch'�12 Uhr. Propagandaspiele: 9 Uhr, Hockey: FTGB.-Tempelhof gegen FTGB.-Neukölln; Handball: FTGB.- Jugend gegen SAJ. Mariendorf; 10 3-: Uhr, Fußball: Union 28 gegen Frei« Sportoereinigung Borussia 2. Gestern bei Rütt Ehmcr— Knappe siegen im Mannschafisrennen Di« ungünstige finanzielle Lag« der Rütt-Arena ist eine längst bekannte Tatsache. Veranstaltungen vor nur schwach besetzten Tri- bünen müssen schließlich die finanzielle Grundlage eines Unterneh- mens gefährden und seine Weiterführung in Frge stelle». Wenig glückliche Hand in der Programmgestaltung ließ die Publikums- massen ausbleiben, und nur selten konnte die kleine Holzbah» in der Hasenheide Renntage aufweisen, die in sportlicher und finanzieller Hinsicht gut ausfielen und das hier nicht oft zu findende Massen- Publikum auf die Beine brachten. Einmal glückte hier ein großer Wurf. Das war am 17. Juni dieses Jahres, als sich die internatio- nale Fliegerelite auf der Rütt-Arena ein prächtige- Stelldichein gab! Ein Beweis mehr dafür, daß die Berliner Radsportgemeinde er- scheint, wenn sie etwas geboten bekommt! Nun verlautet, daß die Rütt-Arena G. m. b. H. als Veranstalter nicht mehr direkt fungieren will. Und so sollen gestern die Rennfahrer auf eigenes Risika ge- startet haben. Der finanzielle Ertrag dürfte, nach dem Besuch zu urteilen, nicht sondenlich groß sein. Das Programm gefiel. Tie Fahrer gaben sich alle Mühe und sorgten u. a. im 75-Kilomeier- Mannschaftsrennen— das allerdings wegen Regen beim 49. Kilo- meter abgebrochen werden mußte— für einen flotten Verlaus. Auch im Hauptfahren wurde zäh um die Plöze gerungen. Di» Ergebnisse: Hauvtfohren: 1. Degraeve: 2. Guimbretiere; S. Dorn; 4. Ehmcr. Mannschasts-Omnium: l. Eoossens.Lcmoine W Punkte: 2. Wissel» Micthc 27 Punkte: Ausscheibungsfahren: I. Macmnski: 2. Longardt: 3. Seife. Mannschaftsfahren(Ixim 49. Kilometer abgebrochen): 1. Ebmer.Knavve 1: 11,32: eine Runde zuritck: 2. Krssgcr.tzunda SS Punkte; 3. Lehmann- Wissel 21 Punkte: 4.?orn.Mac,l>nski 14 Punkte: S. Lemoinr-Guimbretier- 13 Punkte: ti. Miethe-Bufchenhagen s Punkte: 7. B. Wolke-Longardt 2 Punkte: 3 Schaocmmlcr-Kankdrowlcz 0 Punkte: zwei Runde» uirück: g. Goosscns- Dcgracve 3 Punkte: 10. Kühl-Echiihc 3 Punkte; 11. Rickel-Mandelkom 2 Punkte: drei Runden zuriiek: 12. Bolkc.Kichlich 3 Punk'e: vier Runden„iriiek: 13. Dohins.Kcdzicrski 10 Punkte; Kuhn-Miilbach 1 Punkt; 14. Arndt-Fischcr 0 Punkte._ Schwindel der«Roten Fahne" Man schreibt uns aus Leipzig: Di«„Rote Fahne" vom 10. Juli bringt in ihrem Sportteil unter der lleberfchrift„Handballspiel Leipzig— Berlin" als besonder« Zugnummer die Nachricht, daß der ASB. Fichte (Berlin) als Gegner eine Mannschaft des ASV. Vorwärts- Leipzig verpflichtet hat. Dieser starke Verein(Vorwärts) wurde vor nicht allzu langer Zeit wegen seiner revolutionären Gesinnung aus dem ATSB.„ausgeschlossen".— Das ist Schwindel. E« ist in Leipzig kein Verein„Vorwärts" aus dem Bund ausgeschlossen worden. Arbeiier-Fuijball-Borscnspiclc Am 12. Juli: llnion-Tempelhof 1 gegen Vorwärt»» Wedding 1(Sotol Charlottenburg): Union-Tempelhof 2 gegen Bor- wärts-Wedding 2(auslosen). Am 13. Juli: Fr. T. Britz 1 gegen Ioserick 1(Minerva); Fr. T. Britz 2 gegen Jeserick 2(Union-Tempcl- hos): Union-Tempelhof 1 gegen Borussia 1(Eichc-Köpenick); Union- Tempelhof 2 gegen Borussia 2(Schöneberg); Fr. Sp. Lichtenberg I 1 gegen Blitab i(Lichtenberg II); Fr. Sp. Lichtenberg I 2 gegen Butab 2(Weißensee): M'.nerva-Neukölln 1 gegen Vorwärt-We.dding 1 (Saxonia); Mineroa-Neukölln 2 gegen Vorwäns-Wedding 2 (Borussia); Eiche-Köpenick 1(Jugend) gegen Weißensce 1(Britz). Die Abendlrabrennen zu Mariendors werden am Montag, dem 14. Juli, sortgesetzt. Das interessante Programm ver- spricht wieder ausgezeichneten Sport. Zwei größere Konkurrenzen bilden den Mittelpunkt. In, Preis von Goehren 2000 Meter kommt ein starkes Feld schneller dreijähriger und älterer Traber an den Start und im Preis von der Granitz, einem über 2400 Meter füh- rendcn Ausgleich, treten die Internationalen zum Kampfe an. Tie Rennen beginnen wieder um 18 Uhr. Im Sommerlurnicr der Freien Arbeiter» Schachvcreinigunq Groß-Beriin haben sich nach der kurzen ErHolm, gspause wiederum die starke» Spieler in, 5tan,ps ans den 64 Feldern zu-iammengefun- den. Denn jetzt gilt es zu beweisen, wer nach der Wintersaison am n, eisten an Spielstörke gewonnen hat, und man kann aus den ein- gelaufenen Resultaten jchoii sehen, daß sehr zähe gekämpft wird. Wie in allen Turnieren, so sind auch hier Ueberraschunaen auf der Tagesordnung. Da in etwa 4 Wochen das Turnier beendet ist, dürfte man auf die Endresultate der 40 Spieler gespannt sein. Touristen»«»«!»„Die Ratursrcunbc". Monlaq, 14. Juli: Phowaemein- schalt: Pholo.,cikfchrif!cnscho» 19,3« Uhr. Iohannisstrassc ,3. Malacmeinscliaft: 1S„30 Uhr Jugendheim Wrangelstrasse 12S: Eraphischc Technik. RartcD sür Arbeitersport und Körperpflege, ,3. Be»irk Tempelhof. Die Karten»um Sportfest müssen am Sonntag abgerechnet werden. Nicht abgc. rechnete Karten gelten als verkauft. Rartellbezirk Wedding. Am Monlag, dem 14. guli, um 20 Uhr startell- ssssunq im Sporthaus Rchbergr,, Limmer 2t. Wichtiae Tagesordnung. Samt- liche Bcreinc oder Abteilungen müssen vertreten fein. Freie Sport- und Schüsscnocreiuiguvg Wrrti». Sonntag, 13. Juli, 9 Uhr. Nleinkaliberfchiessen der Abteilungen Echöneberg. Lichterfelde, Skegliss und Mitte anf dem Eportplat, ssrirdrichssrldc am Uppstollweg. Etäste willkommen. gl®«., Bezirk Tempelhos.Rariendors. Alle Senstsinnen und Genossen betciiigen sich am startcllsportscst Sonntag, 13. Juli. Trestpunkt 1 Uhr Madchenschule Mantcusfelslrasse. stlcidung: lo weit wie möglich gelbe Hose, weisses Semd. Altcrsturner: Lange weisse Hose und Hemd. Paddelcr Paddeln mitbringen. Tennisspieler den Schläger. Freie Schwimmer Charlottcnburg 04 S. V. Ouartalsversammlung am Dienstag, 13. Suli, in. Lokal von Kriesäie, Kaiser-�riedrich-Strasse 13, um 20 Uhr. Wichtige Tagesordnung, u. a. Ausgabe der starten zum September- oergnllgen. ZT®«., Reukölln-Priss. Briber Abteilungen: 13. tznli Wanderung Michendori— Lienewisssec. Trcfspunlt 3,30 Uhr Bahnhof Hermannstrasse. Theater der Woche. Dom i3 bis 21. Zuli. Bolksbühue. Theater am Bülowplah: Der fröhliche Weinberg. Staatsthealer. Erschlossen......„.,. Thealer mit seztem Spielplan: Deutsche« Theater: Phaea.— Die stomidic: Wie weich« ich reich und glücklich?— Theater des Westens: Das Land des Lächelns.— Lesssng-Theater: Der Zann.— Theater in der Behreust'gss« 33 34: Mein Vetter Eduard.— Mcrropol Theater: Mi: dir allein auf einer einsamen Znsel.— Rcnaissaucc. Theater: Die Wunder. Bar.— Rolr-Theatcr: Die andere Seite. Ea Hne: Verliedtc Leute.— Schlosspark-TH-atcr Steglitz: Sätlvindclmeicr u. Eo.— Wintergarten-Plaza: Internat anales Barirl«.— Rcichshallea-Tieatcr: di» 15. Etctlincr Sängrr, ab I«. Easttpicl der Dresdener Biktoria-Sänger.— Theater am stpttbuscr Tor: EIUc-Sänger. jNachmitlagsveranstaltungen: Rose-Theater: Eartcnbvhne: Konzert und Bunter Teil.— Plaz«: Inter- nationales Panel«.— Wintergartea: 13., 19., 20. Znternationakes Variete. Erstaufführungen der Woche: Sonntag. Schlosspaok. Theater:„Schwindckmeicr u. Eo." r-i ssiNttiooch. stomifckK Over:„Di« Frau oho« stutz.' t