Morgenausgabe Sonniag •«M � MGchchG «öchoillich 8ZVf. moi>aMch».«o«.■B| DD! �TrSsSt'■■/ mm W> ZW WKf Aii�wärtZ 20 Df im°-nm.,°hld». P°su,�ug««M. RS I m wS B H /c■ H B■ 9' Br��Hr-1-llusivaris �s. einschließlich 60 Pfg.Postzeiwngs- und Bkl 99 99. D9 9Ü3 9»«D§038 BH g( KS 1$ 72 Pfg. Postbestellgebühren. Ausland»- L�flH! 99— 99 999 IB.|H HB 99%P) HB BB Jy Die einspaltige Nonpareillezeile abonnement 6.— M. pro Monat. BHöSfl II HfflB i Hfl HB WW{SffiS BH 1�9 99— � SS Kd3 JnL 80 Pfennig. Reklame eile 5,— Reichs- * 1 HR H IH 99 Bl l W W% B W mark,„kleine Anzeigen' das ettge- M>> U i» Mm? MiML M■ B8Äua»ta«s Ä'KssaÄK Hl M. � � M I m oni) im iwidel mit d.m Tlt«!.Iltr ESSBjfl�J�� /V UN> 10«Pfennig.«Borte übet 18 Sudjftoben ■»-. nertf �tilogeit Voik iß��\ Sagten für zwei Worte. Arbeitsmarkt Iwb Zett-Mtb.»inberfreunb-. Ferner~ �_...- � Zeile 80 Pfennig. Famiiienanzeigen Zeile rSrcs�TgssB Zentvawvsan der Gozialdemokrattschen Vavtel Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin TW 68. Lindenstraße 3 Kernfvrecher: Dönbofi RS— 297 Telearamm-Zldr t Soiialdemokrai Berlw. Nach dem Scheitern der Verhandlungen im Steuer- ausschuß traten gestern nachmittag 4 Uhr die Steuersachverständigen der Mittelparteien mit dem Reichsfinanzminister Dr. Dietrich zu einer Besprechung zusammen, die nach zwei Stunden abgebrochen wurde, um heute 10 Uhr vormittags fortgesetzt zu werden. Dem Vernehmen nach ist man da- bei nicht wesentlich weitergekommen. Die Vertreter der Deutschen Volkspartei beharrten tziuf der Kopfsteuer, die nach ihrer Versicherung die Schaffung einer Steuermehrheit nach rechts ermöglichen soll, und fanden damit lebhaften Widerspruch bei den Demokraten. Eine für 6 Uhr nachmittags vorgesehene Kabinettssitzung konnte mangels Beteiligung nicht abgehalten werden. Die Herren waren fast sämtlich fern von Berlin. Furcht vor der Entscheidung. Das pensionskürzungögesetz wieder verschoben. Im chaushaltsausschuß des Reichstages ging, nach Erledigung der Hilfsaktion für Neurode, bei der fortgeführten Bs- rawng des sozialdemokratischen Pensionskürzungsgeietzes eine große Zahl von Anträgen ein, t«ren sofortig« Erledigung nicht bewirkt werden tonnte. Es wurde zwar versucht, die Beratung fort- zuführen, doch wurde alsbald von der W i r t s ch a f t s p a r t« i be- antragt, die Regierung zu ersuchen. vergleichendesMaterial über das Pcnfionsrecht anderer Kulturländer bis zum Herbst vorzu- legen und die Beratung bis dahin zu vertagen. « Di«' Deutschnationalen beantragten die Vertagung des von der Regierung angekündigten Entwurfs eines Ausgabesenkungsgesetzes. Das Zentrum schließlich wünschte die Vertagung bis zum D i e n s- tag, da dann alle Anträge gedruckt vorliegen könnten. Dieser An- trag wurde mit großer Mehrheit angenommen, die Erledigung der Frage also wieder hinausgeschoben. Zürich. 12. Lull.(Eigenbericht.) Di« von der Sozialistischen Arbeiter-Internationale heraus- gegebene„International« Information" veröffentlicht einen Ausruf des Parteivorftandes der Sozialdemokratischen Partei Finnlands an die Arbetter aller Länder, in dem es heißt: „Die unverantwortliche Politik der finnischen Kommunisten hat die faschistischen Bestrebungen in der letzten Zeit ungeheuer ge- fördert. Die in Finnland betriebene kommunislisckie Propaganda ist zwar unfähig, die bestehende staatliche Ordnung ernstlich zu be- drohen. Indem aber ihre Stühe in Rußland die unabhängige staatliche Stellung und die gesetzliche Ordnung des eigenen Landes Rieten bedroh« erscheinen läßt. hat sie in der patriotischen finnischen Bevölkerung lebhaft« Ent- rüstung erweckt. Diese Entrüstung nutzen die Reaktionäre aus, uin auch solche Elemente unter ihre Führung zu bringen, die sonst keineswegs willig waren, die Reaktion zu fördern. Die Leidenschaften werden aufgepeitscht, so daß ruhige Ueberlegung erschwert wird. Eine ganze Reihe f a s ch i st i s ch e r Untaten hat ein Gefühl der Unsicherheit hervorgerufen. In dein Ausruf wird dann über die Politik der Regierung be» richtet, die. um den Wünschen der Reaktionäre entgegenzukommen. im Reichstag Gesetze eingebracht hat, die die wiciftigstcn staats- bürgerlichen Rechte einschränken sollen. Die finnische Sozialdemo- krati« hat seit Anbeginn der kommunistischen Bewegung sie durch Ausklärungsarbeit bekämpft und diese habe ihren Ein- stoß zum großen Teil bereits verloren. Zugleich aber bekämpft die Sozialdemokratie die Bestrebungen der Reaktion, die die angebliche kommunistisch« Gefahr ausnutzen, um die Rechte der Arbeiterschaft und der Demokratie zu bedrohen. Schließlich heißt« ül dem Aufruf:„Wir bedürfe» der Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Kampf um die Krankenversicherung. Heftige Debatten um die Splitterkrankenkassen. Der Sozialpolitische Ausschuß de» Reichstags nahm am Sonnabend in der Weiterberatung der Kranken» Versicherungsnovelle eine von den Sozialdemokraten be- antragte Verbesserung an, wonach durch Satzung Sterbegeld nicht nur den Ehegatten oder Kindern, sondern auch sonstigen in häuslicher Gemeinschaft lebenden Angehörigen gewährt werden kann. Di« Frage der Betriebs- und Innungskranten- lassen löste eine große Debatte aus. Der von Litke(Soz.) be- gründete Antrag, daß zur Errichtung solcher Kassen statt 150 mindestens 1000 und bei gemeinsamen Betriebskrankenkassen 2000 Bersicherungspslichtige erforderlich sein sollen, wurde abgelehnt. Ministerialdirektor G r i e s e r betonte, die Vorlag« bringe insofern einen Fortschritt, als die Errichtung der Kassen nur noch für das Handwerk, nicht mehr für gemischte Innungen zugelassen werde. Die Regierungsvorlage wurde unter Ablehnung aller Verbesserungsanträge angenommen. Durch einen Zusatz der Regierungsparteien wurde noch eine Erweiterung beschlossen. wonach mehrere Innungen gemeinsam eine Kasse errichten können. Ein sozialdemokratischer Antrag, wonach für die Kranken» tassenang« st eilten der Tarifvertrag den Borrang vor der Dienstordnung haben soll, wurde von dem Zentrums- abgeordneten Becker- Amsberg in einer geradzu unglaub- lichen reaktionären und tariffeindlichen Weise bekämpft. Schließlich gelangte aber gegen Becker mit 15 gegen 13 Stimmen eine Entschließung zur Annahme, in der die Reichsregierung er. sucht wird, alsbald eine Vorlage über die DienstvertragsverhAtnisse der in der Sozialversicherung tätigen Arbeitnehmer zu machen, worin der Vorrang des Tarifvertrags vor der Dienstordnung gesichert wird.— Weiterberatung wird am Montag fortgesetzt. Unterstützung der Arbeiter anderer Länder, wenn wir gegen mächtige reaktionäre Kräfte die Demokratie und die Möglichkeit eines künftigen sozialen Fortschritts verteidigen." Alle Kommunisten steckbrieflich verfolgt. helsingfors, 12. Juli. Die Polizei hat den kommunistischen Abg. V ä i s e n« n fest- genommen, als er in das Reichstagsbüro kam, um seine Diäten zu holen. Alle kommunistischen Abgeordneten werden steckbrieflich verfolgt. Väisenen ist 70 Jahre alt und gehört zu jenen Kam- inunisten, die sich den Sozialdemokraten nähern. Er ist der erste kommunistische Rcichstagsabgeordnete, der gemäß der Verfügung des Innenministers, wonach alle Kommunisten festgenommen w.rden sollen, in Haft genommen worden ist. Alle anderen sind vir- schwunden. Rur die beiden, vor einer Woche von den Loppoleuten aus dem Derfassungsausschuß herausgeholten Abgeordneten sind ebenfalls im Gewahrsam der Polizei. In Kotka sind fünf Kam- munisten und in Kymmen« drei Kommunisten festgenommen worden. Die Leningrader„Prawda" vom O.Juli berichtet, daß nach und nach 25 finnische Kommuni st en, darunter eine An. zahl Abgeordnete, in Leningrad eingetroffen sind. Die Faschisten hatten sie über die Grenze gejagt. Ein Teil der Exilierten behauptet, in der schlimmsten Weise miß- handelt worden zu sein. Der Slbgeoronete Perele hat beim finnischen Parlament telegraphisch protestiert, ebenso hat der Ab- geordnete Cheikka dem Zentralrat der sinnischen Gewertschasten Einzelheiten seiner Entführung gedrahtet. Dar dem Rothaus-Gericht in Vasa standen sechs Personen, die an der erfolgten Zerstörung einer kommunistischen Zeitungsdruckerei beteiligt waren. Drei der Angeklagten wurden zu je zwei Mo- naten Gefängnis, drei andere zu je 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Außerdem wurde den Angeklagten aufgegeben, der Druckerei den auf 300 000 finnische Mark geschätzten Schoden zu ersetzen. Den Verurteilten wuroe eine Bewährungsfrist voiz zwei Jahren zugebilligt. Poslkldecklomot Berlin 37530.— Bankkonlot Bank der Srbeiier Snacliellie» und Beannen. Wallllr 05 Dt B u Di»c.®e( Deposit enkali« Lindenllr 3. Defizit und Artikel 48. Regierung und Parteien am Scheideweg. .�Zersägt das Parlament, so wird die Reichsregierung das, was für die Lebensnotwendigreiten des deutschen Voltes erforderlich ist, auf anderem Wege durchsetzen." Mit Liesen Worten schloß in der Reichstagssitzung vom 12. April der Reichskanzler Brüning seine Rede. Der Bericht verzeichnet:„Beifall in der Mitte und rechts, Unruhe links." Ein Parlament, das etwas auf sich hält, hätte einen Regierungschef, der so zu reden wagt, noch an demselben Tage davongejagt. Der Deutsche Reichstag parierte. Am 14. April beschloß er die neuen Agrarzollerhöhun- gen mit 250 gegen 204 Stimmen, die Tabak- und Zucker steuern mit 230 gegen 224, die B i e r-, Um- s a tz- und Konsumverein st euern mit 229 gegen 224, die M i n e r a l w a s s e r st e u e r mit 229 gegen 225. Die Herabsetzung der Zuweisungen für die I n v a l i d e n v e r- s i ch e r u n g wurde mit 249 gegen 204 Stimmen beschlossen. Am Tage darauf konnte man in den Zeitungen der Re- gierungsparteien lesen, daß es der Regierung Brüning ge- lungen sei, den Etat für 1930 ins Gleichgewicht zu bringen und die Reichsfinanzen zu sanieren. Man mußte in der Tat annehmen, daß dem so sei. Denn nur ein großes Ziel konnte die Anwendung so außerordentlicher Mittel rechtfertigen. Bloß um zwei Monate wursteln zu können, droht ein ver- nünftiger Mensch nicht mit dem Staatsstreich. * Indes, nach zwei Monaten war es so weit! In dem Etat, der mit so ungewöhnlichem Energieaufwand angeblich ins Gleichgewicht gebracht worden war, sank die Schale der Ausgaben abermals, während die der Einnahmen in die Höhe schnellte. Hätte man im April schärfer gerechnet und im Juni den Kopf oben behalten, so hätte die einmalige Aktion im April zum mindesten bis zum Herbst gereicht. Einnahmen und Ausgaben müssen in Einklang mitein- ander gebracht werden. Niemand vertritt diesen Grundsatz schärfer als die Sozialdemokratische Partei. Deswegen aber heiligt der Zweck, einen Fehlbetrag im Reichshaushalt zu vermeiden, noch lange nicht jedes Mittel. Ein. Ver- fasfungsum stürz kann mit all den Konsequenzen, zu denen er möglicherweis« führt, dem deutschen Volt und der deutschen Wirtschaft so teuer zu stehen kommen, daß ein Fehlbetrag von einigen hundert Millionen dagegen noch gering erscheint. Von den bürgerlichen Parteien der Mitte aber sollte man die Einsicht erwarten, daß ein Regime, das die Wirt- schaft all« paar Wochen aufs neu« durch Panikstimmungen und innerpolitische Konfliktdrohungen beunruhigt, nicht länger ertragen werden kann. Sie sollten es darum Herrn Brüning nicht gestatten, noch einmal vor den Reichstag mit einer Erklärung zu treten, wie er sie am 12. April abgegeben hat. Roch weniger sollten sie ihm gestatten, im Sinne dieser Erklärung zu handeln. * Nach den Ausführungen, die gestern morgen hier ge- macht wurden, hat sich in der bürgerlichen Presse ein Raunen erhoben von einer„Anbiederung" oder einem„Angebot" der Sozialdemokratie. Mögen diejenigen, denen es Spaß macht, es so nennen! Richtig ist, daß die Sozial- demolratie niemals ihre Bereitschaft verleugnet hat, mit den bürgerlichen Mittelparteien über eine erträg- l i ch e L ö s u n g der augenblicklichen Schwierigkeiten zu ver- handeln. Keine bürgerliche Partei wird daher behaupten können, sie sei gezwungen gewesen, der Rechten widerwillig Konzessionen zu machen, well sich die Sozialdemokratie der positiven Mitarbeit versagt habe. Und ebensowenig wird die Regierung, wenn sie den Artikel 48 zur Anwendung bringt, behaupten können, sie habe, bevor sie zu diesem Ver- zweiflungsmittel gegriffen, alle parlamentarischen Möglich- leiten erschöpft. Das gerade Gegenteil ist Wahrheit. Die Regierung Brüning hat, seit sie am Ruder ist, nur den Bürger- block gewollt, nur die Hilfe der Rechten gesucht und diese mit kostspieligen Konzessionen bezahlt. Scheitert sie mit dieser Politik, so beweist das nur, daß eine ander« versucht werden muß. Keinesfalls aber gewinnt die Regierung das Recht, den normalen Gang der Gesetzgebung auszuschalten und sich ein Verordnungsrecht anzumaßen von einem Umfang und einer Fülle, wie sie die Verfassung nicht kennt. Die Sozialdemokratie hat den lebhaften Wunsch, Schädi- gungen, die der Arbeiterklasse von der bisherigen Polllit der Regierung Brüning drohen, zu oermeiden und Torheiten X Dauerkrise und Wochenende Eonntagsverhandlungen im Reichstag. Hilferuf aus Finnland. Gegen Kommunismus und Reaktion. z u verhindern, deren Folgen unabsehbar sind. Daraus erklärt sich ihre verhandlungs- und verständigungsbereits Haltung. Nur soll niemand glauben, daß sie so töricht sein konnte, irgendwelche Hilfsdienste zu leisten, ohne daß zuvor das Steuer herumgeworfen wird. Es ist geradezu lächerlich, wenn gewisse Regierungsblätter glauben, ihr wegen ihres Verhaltens im SteuerausschuH irgendwelche Vorhaltungen machen zu dürfen. Gegenüber diesem Kurs steht die Sozialdemokratie selb st verständlich in der schärfsten Opposition; seine Aenderung ist die Voraussetzung für die Aenderung ihres Verhaltens. » Darf die Regierung ihre Rechtspolitik, mit der sie auf verfassungsmäßigen Wegen nicht weitergekommen ist, auf verfassungswidrigen Wegen fortsetzen? Das ist die Frage, die in den nächsten Tagen zur Entscheidung steht. Keine staatsrechtliche Rabulistit und kein« Heranziehung an- geblicher Präzedenzfälle kann etwas daran ändern, daß der Artikel 48 der Verfassung nicht dazu da ist, um steckenge- bliebenen Regierungen auf die Strümpfe zu helfen und ihnen die Ausschaltung des Reichstags zu ermöglichen. Vielmehr geht aus dem Wortlaut dieses Artikels hervor, daß er die Regierung nur zu Notmaßnahmen im Falle drohen- der Unruhen ermächtigt. Wo es notwendig wird, da soll der Reichspräsident unter Verantwortung der parlamentarischen Regierung schneller eingreifen dürfen, als die gefetz- gebende Körperschaft es kann, doch soll dieses Eingreifen in ihrem Sinne geschehen. Beweis: Wenn der Reichstag es verlangt, sind die getroffenen Maßnahmen sofort wieder auf- zuHeben. Es heißt die Schöpfer der Verfassung beleidigen, wenn man ihnen zumutet, sie hätten die Möglichkeit schaffen wollen zur Vergewaltigung eines Reichstags, der seige ist, sich zu wehren! Die Sozialdemokratie ist an der Schöpfung der Ber« fassung von Weimar hervorragend beteiligt. Sie hat dieses Wert, durch das Deutschland vor dem Zerfall bewahrt wurde, gegen Kommunisten und Hakenkreuzler verteidigt, sie wird es auch gegen jede Regie rung ver- leidigen, die es antastet. Hat man aber im Lager der bürgerlichen Mitte schon überlegt, was ein solcher Kampf bedeutet und welche Folgen er haben kann? Man ist aus- gezogen, um ein Defizit zu decken. Die Folge wird ein mora- lisches, politisches und wirtschaftliches Defizit sein, in dessen Tiefen so manches versinken wird— nicht zuletzt die bürger- tiche Mitte selbst. Und das wird dann noch das Beste daran fein!_ Frick droht der Volkspartei. Trotzdem sie ihm erst seine Herrlichkeit ermSglicht. Gera. 12.%«. Heute nachmittag begann mit ein« VertreterversimmUumg der Ihüringer Gautag ber Nationalsozialisten. Zunächst sprach Frick, der zur Frage der Schnlgebete erklärte, es sei l Scherlich, daß solche Kleinigkeiten dem Stoatsgerichtshof über- Haupt zur Entscheidung übergebe» würden. Mit den Gebeten seien keinerlei Angriffe gegen Juden oder Marxisten beabsichtigt, sondern nur die sittliche Erneuerung des Dolle«. Trotz de? Ablehnung keinen die Gebete freiwillig weit über Thüringen hinaus zur Anwendung.' Der Minister setzte sich dann mit de? Deutschen Bolkspartei, im besonderen in Thüringen. auseinander. Die S hmme retho ltung der Deutschen Dolkspartei bei der Abstimmung üb« die Mißtrauensanträge gegen Frick und Marschner im Thüringer Sandtag würden von natwnasistdscher Seite als Koolitionslosungsgrund angesehen. Der Gautag werde in dieser Angelegenheit wichtige Beschlüsse zu fassen haben, die einen endgültigen Bruch mit d« Deutschen Volks- Partei Noeuten würden. Hitler sprach sodann über die letzten Ereignisse innerhalb der Partei und erklärte, die Absplitterung sei nicht als Spaltung an- zusehen, sondern die Partei stehe fester denn je zusammen. Zur Wassenvufsindung in Berlin erklärt« er, daß ein gefährlicher Versuch unternommen worden sei, die Partei durch angeb- liche Parteiangehörige bloßzustellen. Eine Erklärung Baums. Don dem Reichsinnenministerium wird zu der Entscheidung des Swatsgerichtshofes üb« die thüringischen Schulgebete darauf Hin- gewiesen, daß der thüringssche Staatsminister Daum in seinem Brief vom 24. Mai an den Reichs inneimii irffter die Erklärui� abgegeben Hot, das gesamte Staatsminssterium werde sich dem Spruch des verfassungsmäßigen Gerichtshofes fügen. Es sei demnach kein Zweifel, daß die Empfehlung der Schulgebete zurück- g e zogen werden würde. Frirf will sabotieren. München. 12. Juki. Der„Völlische Beobachter' meldet aus Weimar, Minister Frick stehe auf dem Standpunkt, daß der Entscheid des Staat»- gerichtshsse» in Sachen der thüringsschen Schulgebete ver- sosfungswidrig sei. Deshalb gedenke Minister Frick nicht, den Vorschlag der FreiHeitsgobete amtlich zurückzuziehen, sondern werde sich darauf beschränken, den Entscheid im Gesetzblart bekanntzugeben. Ehrengabe für Kärnien. Zehujahrfeier der Volksabstimmung. " Wien. 12. Auti. Der Finanzausschuß des Natio aalrate« bewilligt« drei Millionen Schilling, die zur Erinnerung an die zehnjährige Wiederkehr der Kärntner Volk Sab- stimm ung vom Qttober 1920 dem Lande Kärnten für Wohlfahrtbzwecke zur Verfügnag gestellt werden. Bundes- kanzler Dr. Schober verwies ans die Knappheit der znr Verfügung stehende» Mittel und betonte, die Regierung hoffe, durch die Widmung diese« Betrages eiue Ehren- Pflicht gegenüber den Kärntner» zu erfüllen, indem sie da« Land in einer de» Heldentums jener Tage wür- digen Weife ehre. Der Nationalrat wird diesem Befchlnß in einer Fest» f i h u n g beitreten. Die Antworten laufen in Paris ein. Oeuischland und die einstweilen„nicht lösbaren Kragen". Mit dem Herannahen des vereinbarten Termins am 1Z. Juli laufen immer zahlreichere Antworten der 27 europäischen Völkerbundstaaten auf das Memorandum Briands in Paris ein. Wir geben im Folgenden den wesentlichen Inhalt der österreichischen, der tschechoslowaki- s ch e n und der litauischen Antwort wieder, die, wenn auch aus verschiedenen Gründen,, für Deutschland von beson- derem Interesse sind. Die deutsche Antwort, die schon fertiggesteM ist. wird erst am Dienstag in Paris übergeben werden, well Montag. der 14. Juli, französischer Nationalfeiertag ist. Soviel man hört, wird die deutsche Antwort durchaus positiv aus- fallen. Die Hoffnung Mussolinis, durch feine Parole der „Revision der Verträge' Deutschland in eine Front gegen Frankreich zu manövrieren, dürfte enttäuscht werden. Das ergibt sich schon aus einem Artikel der „Deutschen Diplomatisch-politischen Korrespondenz', die der Wilhelmstraße sehr nahesteht. Darin heißt es: �„Alles, was bisher bekannt wurde, beutet auf eine weit- gehende Uebereinstimmang d« Aussaffung fast all« befragten Möchte, wenigstens nach der Richtung hin, daß mau die Einbeziehung schwieriger, bish« unlösbar« und innerhalb kurz« Frist zwischen einem so großen kreis von viessach gegensätzlich Zni«esfierten. wie es 27 Mächte sind, auch nicht in ein« kurzen Zeitspanne lösbar« werdender Fragen als ein« Vorbetastung d« notwendigen praktischen Arbeit empfindet und deshalb wenigstens vorläufig aus dem Programm verschwinden sehen möchte.' Offenbar werden im Gegensatz zu diesen vorläufig nicht lösbaren politischen Fragen— damit ist anscheinend auf die„Revision der Verträge' angespielt— die aussichtsreicheren wirtschaftlichen Probleme gestellt. Im übrigen wendet sich die offiziös« Korrespondenz auch gegen die von Frankreich in die Diskusston geworfene Frage der „Sicherheit', die man„ohne weiteres als eine außer- ordentliche Erschwerung der nächstliegenden Auf- gäbe erkennen wird, wenn man sie in Beziehung zum Rüstungsproblem fetzt'. Der Aufsatz bezeichnet diese Forderung als paradox, wenn sie gerade immer wieder von französischer Seite er- hoben wird. Dazu werden eine Reihe von eindrucksvollen Zahlen angeführt: Frankreichs Heereshaushalt(mit Luft- flotte, aber ohne Marine) beläust sich im Jahre 1930 auf 14,2 Milliarden Francs— 3,6 Milliarden Mark. Das sind �Milliarden Goldfranken mehr als der vorjährige Etat, und dieser Zuwachs eines Jahres beträgt fast ebensoviel wie die ge- samten Ausgaben für die deutsche Wehr- macht im Jahre 1930. Frankreichs Rüstungsausgaben machen 2 7 Proz. des gesamten Staatshaushall, die deutsche» 5bls6Proz. aus. Die von Frankreich immer wieder als BewÄs feines „Abrüstungswillens' angeführte Herabsetzung der Dienstzell auf ein Jahr ist dadurch ausgeglichen worden, daß die Zahl der langdienenden Berufssoldaten auf 106 000 erhöht wurde, das sind allein mehr als die ge- samt« deutsche Reichswehr! Man wird daher der„Diplomatifch-politifchen Korre- spondenz' recht geben müssen, wenn sie schreibt: In dieser Ausawmenstellung und in dies« Anhäufimg wirken die Bemühungen Frankreichs, in Verbindung mit ein« notwendigen und dringenden ökouomsschen Neuordnung Europas weitere Sicherheiten zu«halten, anstatt uns solche anzu- bieten, reichlich sinnwidrig. Sinnwidrig auch deshalb, weil wirkliche und dauernde Sicherheit auf keinem anderen Wege vollkommener geschaffen werden kann als durch Ab- rüstung, Stärkung des Rechtssystems und je« Interessen- s o l i d a r i t ä t und-Verengerung, wie sie am Ausgangspunkt des Briandschen Europa Projekts mit Recht proklamiert worden war. An den hier aufgeworfenen Fragen können wir Sozial- demokraten, die wir den ursprünglichen Ideen Briands über europäischer Zusammenarbeit am sympathischsten gegen- überstehen, nicht vorbeigehen. Ebensowenig läßt sich ver- schweigen, daß die Haltung Frankreichs in der Saar- frage sich nicht gut mit der Führerrolle Briands in den europäischen Plänen vereinbaren läßt. Solange Frankreich diese offenkundige milllärische Hegemonie in Europa aufrecht- erhäll, solange es bei der Lösung des Saarproblems den Sieaerftandpunkt hervorhebt, wird es sich nicht wundern dürfen, daß die scheinheiligen Lockrufe Mussolinis auf weite Kreise der öffentlichen Meinung in Deutschland und im übrigen Europa ihre Wirkung nicht verfehlen. Oesterreichs Antwort an Vrianö. Zustimmung zur europäischen Union. Wie«, tl ÄiR. Der österreichische G esandt« in Parts hat heute am Quai d'Orsay die Antwort der österreichischen Bundesregierung auf die Denkschrift der französischen Regierung vom 1. Mai 1930 über die föderative Gestaltung Europas überreicht. In der Antwort. note beglückwünscht die österreichische Regierung Briand zu der scharfsinnigen Art, in der er das Problem der Vereinigung Europas entwickelt und Richtlinien für die Lösung angegeben hat. Nirgends, so heißt es welter. werde d« uubesrtedlgeod« politische und wirtschastllche Zustand des heutigen Europa schowrzllcher empfunden als in Mitteleuropa. Wem, die bisher unternommenen Versuche, eine Erleichterung h«b«i. zuführen, keine erheblichen Erfolge gezeitigt hätten, so liege nach An- ficht der Bundesregierung der Grund darin, daß diele Aktionen isoliert blieben und sich auf einzelne Symptome, nicht aber auf das politische und wirtschaftliche Gesamtproblem be- zogen haben. Die französische Denkschrift vom 1. Mal führe aber m das politische Krästespiel ein ganzneuesElement ein. dem die Bundesregierung vollundganzzustimme. Die künftige Union müßte vom ersten Tag« ihrer Existenz an sich angelegen sein lassen, Besorgnisse, daß«in Unionspakt ein Instrument des Kampfes werden könnte, zu widerlegen. Der Kreis d« zur europäischen Zusammenarbeit zu berufenden Staaten müsse möglichst wei� gezogen werden. Auch außerhalb dieses Kreise» liegende» Staaten, die wirtschaftlich und politisch eng mit den Mitgliedern ber Union verquickt find, müsse die M ö g l i ch k e i t d a u e r nd er M i t- arbeit eingeräumt werden. Die Bundesregierung stimmt mit dem französischen Memorandum vollkommen darin überein, daß die Union nicht nur juristisch unter Berufung auf Artikel 21 des Dölkeibundspaktes und praktisch durch ihren Sitz mit dem Bölkerbund in Beziehung gebracht werden solle, sondern daß sie auch organisch dem Bund eingebaut werden kann. Für gewisse Prästdialgeschäste d-r europäischen Union»«de sich nach Auffassung der Bundesregierung die Einrichtung eines besond«en. kleinen Sekrrtarlatsdienstes als notwendig«weisen. Die sachliche Arbeit dieses Sekretariats falle aber mit den dem Sekretariat des Völkerbundes schon obliegenden Aufgaben nahezu völlig zusammen. Die Bundes- regierung glaubt, daß der in der Denkschrift vorgesehene Mechanismus der europäischen Union in voller Harmonie mit dem Völkerbund dem Genfer Mechanismus eingegliedert werde» könne und sollte. Was die vorgeschlagene Methodik betrifft, so scheint es der Bundesregierung zweffellos, der entscheidende Schritt zu ein« wirklich rationellen Ausschließung und Organisierung der wirl. schaftlichen Lebenskräfte Europas erst wird«folgen können, wenn die Möglichkeit eines inaereuropäischen Krieges endyüliig gebannt sein wird." Obwohl der Völkerbundspakt, die Abnwchungen von Locarno und vom Haag und der Kriegsächtungspakt einer dauern- den und definitiven Befriedung Europas mächtig vorgearbeitet haben, bestehen noch politische Probleme er st er Ord- nung, die nach dem Grundsatze voller Gleichberechti- gung aller Mitglied« der europäischen Staaten- und Böller- familie gelöst werden müssen, ehe d« Friede in Europa als gegen jede mögliche Anfechtung gesichert und garantiert betrachtet werden kann. Diese Lösungen in engster Verbindung mit dem Bölkerbund vorzubereiten, werde eine der vornehmsten Ausgaben des Apparates der zu schaffenden Union bilden. Was die Ausgaben vorwiegend wirtschaftlicher Art betrifft,, so sollten dies« nicht den Fachleuten überlassen bleiben, die von den Augenbticksanforderüstgen ihrer heimischen Wirtschaftskreise allzusehr becinslußt sind, sondern in den Händen der pol i- tischen Exponenten d« verschiedenen ReHi«ungen zusammen- lausen. Abschließend heißt es in d« Antwortnote: Die Bundesregierung sst gerne bereit, nach besten Kräften und im Geist« der Bersöhnung und der europäischen Eolidari- tät an dem großen Werke ber Organisierung Europas nutz». arbeiten. Solch« aufrichtige und loyale Mitarbeit gtaickrt sie eben- sowohl den»»endlichen Opfern schuLrig zu sein, die eine kaum vernarbt« Vergangenheit von den europässchen Böllern gefordert hat, wie den künftigen Generationen, die von uns«« Gegenwart erwarten dürfen, daß sie ihnen«ine lichtere und reinere Zukunft bereite. Tschechoslowakei stimmt natürlich zu.: Prag. 12. SuS.(Eigenberichts In ber Antwort der tschechoslowakische» Regierung aus Briands Curopa-Memorandum wird die Anregung Briands begrüßt und betont, daß seine Absichten durchaus ber Friedens, poLtik der Kleinen Entente entsprechen- Die tschechische Regierung wünsche, daß sich das Bestreben nach Schaffung einer europäischen Föd«ation im Rahme» und im Geiste des Völkerbundes bewegen und in voller Zusammenarbeit mit dem Völker- bund entwickeln möge. Mitglieder der neuen Föderation sollten sämtliche europäische Staaten unter voller Wahrung ihrer Gleichberechtigung und ihrer Souveränität werden. Dies« Be, strebungen feien jedoch nur«tappenweise durchaus ühre».> Litauens Antwort spielt auf Wilna an. Kowno, 12. JuS.' Heute imrrde dem französischen Gesandten die Antwort der li- tautschen Regierung auf das Memorandum Briands üb« die fö- derative Gestaltung Europas übergeben. Es wird darin erklärt. daß Litauen mit den Leitgedanken, von denen die fron- zöstfche Regierung bei ihrem Schritt ausging, übereinstimmt und zur Mitarbeit bereit ist, da es selbst seit sein« Wider- crstehung dem Ideat eines auf wahrer Gerechtigkeit gegründeten Friedens nachstrebt. Die litauische Regierung gibt s«ll« d« Meinung Ausdruck, daß eiae europäische Union unmöglich sei. silsnge zwischen ihre« künftigen Mitgliedern die kiesen Gegensähe fortbeständen. die von nicht wicdergukgemachteu Handlungen herrührten. Eine günstige Atmosphäre ließe sich nur auf der Grundlage der Ach- tung vor de« gegenseitigen Rechten schassen. Wichtig sei fern«, daß die Union soviel Mitglieder wie möglich Zähle._ Sozialistische Zugend in Dänemark. Großes Treffen der Arbeiterjugend. Kopenhagen. 1?. Zuli. Zn Kopenhagen begann am Sonnabend ein oordssches Treffe» der sozialistischen Arbeiterjugend, an de« etwa 2000 junge Ausländ« teilnehmen. Aus Deutsch lond sind SSO Zugeudgeuossen, eine große Anzahl aus Schweden und kleinere Gruppen aus Norwegen. England, Oesterreich und der Tschechoslowakei eb�elrosse». 5m Kopenhagen« Rathaus fand eine Begrüßung namens der Stadt durch den soziatistifchen Bürgermsist« Hedebold statt.— Der dänische R u u d s n n k hat für Monkag den Hamburger Arbeiter. Sprechchor aus An- laß des Treffen»»och Kopenhagen verpflichtet. Die Grenzkonflikte mit Polen. Ztegieruagsverhaodluagen in Äcriia. Warschau. 12. Juli. Auf Grund der zwischen der polnischen und der deutschen Regierung getroffenen Dereinbarung über eine gemeinsame a b s ch l i e- ß e nde Prüfung der Zwischenfälle an der deulsch-polnischen Grenze wird der stellvertretende Leiter der Westobteilung des pofni- schen Außenministeriums, Taddäus Lechnizki, am 13. d. M. nach Berlin kommen, um mit der Ostabteilung des Auswärtigen Amtes endgültige Besprechungen in dies« Angelegenheit auszunehmen. Ein Fünfzigjähriger. preußischer Iustizmwister Or. Permana Schmidt. Die Sunt»«, daß der preußische Iusti�miaister Dr. Hermann Schmiöt am heutigen Tage eine Jahrhunderthälfte an Jahren zurückgelegt hat. kommt am überraschendsten denen, die ihn aus der ?iöhe kennen und in ihm das Aild eines„jugendlichen- Ministers zu sehen gewohnt such, eines Ministers von frischer Initiative und imgebrochenem Resormeiser. Dr. Hermami Schmidt, der der Z e»- trumspartei angehört, stammt aus einfachen Verhöltnisien, die sich in der Schlichtheit seines Wesens noch heute sympathisch wider- spiegeln, die aber auch seinem Denken die demokratische und volksfreundliche Grundnvte verliehen Hadem Was Dr. Schmidt als Minister besonders auszeichnet, ist sein ' rückhaltloses Bekenntnis zu menschlichen und sozialfort- schrittlichen Anschauungem Er hat sich darin auch durch Parterrücksichten oder Porteita ktik niemals beirren lassem Das sei ihm besonders angerechnet. Als typisch für den Menschen Her- mann Schmidt kann fein Verhalten in der Frage der Todes- ltrafe angesehen werdem Bald nachdem er als Nachfolger seines Ilarteifreundes AmZehnhoff das Amt eines preußischen Justiz- Ministers angetreten hatte, fand die Hinrichtung des Lustmörders Böttcher statt. Der Minister wohnte ihr persönlich bei. um sich ein eigenes Urteil über die Todesstrafe zu bilden: es fiel dahin aus, daß der Minister tief erschüttert von dieser Barbarei erklärte, unter seiner Ministerschast würde« Preußen keine Hinrichtung mehr stattflndem Er hat Wort gehalten. Sicher hat er mit dieser Ablehnung der Todesstrafe manchen Widerstand in den Reihen seiner eigenen Partei überwinden müssen, ober die letzten Abstimmungen über die Todesstrafe in Preußen haben ge- zeigt, daß es ihm gelungen ist, innerhalb des preußischen Zentrums für die Abschaffung der Todesstrafe moralische Eroberungen zu machen. Auf dem Gebiet des Strafvoklzug es hat der Minister dem Grundgedanken der Besserung und Erziehung des Strafgefangenen gegenüber dem früher in Preußen herrschenden Prinzip der Abschreckung und Vergeltung endgültig zum Siege oerholsen. Auch hier ist charakteristisch, wie er sich durch u n- angemeldete Besuche in Strafanstalten ein ungeschminktes Vild des heutigen Strafvollzuges verschafft hat. Der Strafvols- zug in Stufen, der durch allmähliehen Uebergang den Rechts- brecher wieder in die menschliche Gesellschaft«inordnen soll, ist unter ihm praktisch in Angriff genommen worden. Wieviel trotz allem auf diesem ungeheuer komplizierten Gebiet noch zu tun übrig bleibt, weiß niemand besser als der Minister selber. Die bewährt« Gnadenpraxi» seines Vorgängers Am Zehn- hoff hat Minister Dr. Schmidt fortgesetzt. Das Gebiet, für das wir ihm auf seinem ferneren Lebensweg noch einen erheblichen Ener- giezuwachs wünschen, ist und bleibt das Schmerzenskind der Justizverwaltung: die Personolpolitik und die Republt- kanisierung der Rechtsp fleg«.(Sieh« Zeitz, sieh« Schweid- nitz!) Der best« Wunsch, de» wir dem Fünfzigjährigen mit auf den Weg geben können ist der, daß bis zu seinem 60. Geburtstag die heute leider noch allzu berechtigten Klagen über eine republikfsind- lich« Grundeinstellung der Justiz, namentlich der Strafsustiz,»er- iwmmt sein mögen inch daß er felbere» sein möge, der di�en Wunsch zur Erfüllung bringt. » —Der preußische Mimsterprästdent Dr. Braun hat an den geg�n- wärtig in Schrnns(Vorarlberg) weilenden Justtzmimster Dr. Schmidt«in Glückwunschtelegramm, zugleich im Namen de» Staoisministeriums, gesandt. Ferner hat er dem Justizminister ein in herzlichen Worten gehaltene« Handschreiben zugehen lallen Verlegenheit beim Reichsgericht. AnNoge vegea Landesverrats, dann fahrlässiges preß« vergehen. Leipzig. 12. Juli Die Reichsanwaltschaft hatte gegen den verantwortlichen Re- dokteur de« kommunistischen Rlchr-.Echo", Schröer, Anklag« wegen Landesverrats erhoben,»eil in dem Watte«ine Auf- iorderung an die sogenannten Arbeiterkorrespondenten enthalten war. Bericht« einzusenden über die Frage:.Welche Betriebe arbeiten für den kommenden Krieg? Und weiche können aus den Krieg schnell umgestellt werden und wie?* Der vierte Strafsenat des Reichsger ichls, der sich mit dieser Anklag« zu beschäftigen hatte, verurteilt« Schröer nur wegen Ver- gehens gegen§ 21 des Preßgesetzes zu einer Festungshaft von zmei Monaten. Der angezogen« Paragraph sagt, daß ein verantwortlicher Redakteur wegen Fahr- lässig keit mit Geldstrafe oder mit Haft oder mit Festungshaft oder mit Gesängnis belegt werden kann, wenn er nicht die An wen» düng der pflichtgemäßen Sorgfalt nachweist oder Umstäiche, welche ihm die Anwendung dieser pflichtgemäßen Sorg- falt unmöglich gernacht haben. Nachdem mit großem Aufwand«ine so schwer« Anklag«, wie die des versuchten oder vollendeten Landesverrat» erhoben worden wor, erscheint das ergangen« Urteil geradezu als«ine Verlegen- bcitsmaßnahme. Wenn schon dem angeklagten Redakteur eine Fahrlässigkeit nachgewiesen wird, so ist die Strafe von zwei Monaten Festungshast«in« s o gewollt hohe, daß man den Eindruck nicht los wird, der vierte Strafsenat de« Reichsgerichts habe durch ihre Derhängung die Reichsamoaltschaft vor einer all- zu großen Blamage behüten«ollen. Es ist ober nicht die Ausgabe des Reichsgerichts, solche Verlegenheitsurteil« z, fällen. Das Beispiel des höchsten deutschen Gerichtshof«» könnte auch hier sehr üble Folgen haben.___ Abstimmunasfeier in Marienburg. Teilnahme ans dem ganzen Äeich bei der Kundgebung. Marien bürg. 12. Juli. Die Heimattreuen Oft- vnd«estpreußen ausdemReichund die Bevölkerung de» Weichsellandes versammelten sich heute vor. mittag in der Marienburg zur Ahstimmungsfeier. Gegen XII Uhr vormittag» trafen mit Sonderzug etwa 600 Müglieder des rheinisch, westfälischen Hauptverbandes der Heimattreuen mit chren Fahnenabordnungen«in. Um 11 Uhr er- solgte der feierliche Einzug in die Stadt, die überau» festlich geschmückt war. In langen Zügen kamen die Danziger, 3R«neI- länder, Sudetendeutschen und Teilnehmer aus dem ganzen Reich. In seiner Begrüßungsrede betont« Oberbürger m e i st« r P a w e l c i k- Marienburg, daß unter den.zahlreichen aufrührenden Eindrücken der Nachkriegszeit die Volksabstimmung vom 11. Juli I!>20 als einer der gewaltigsten Ereigniffe hervorrage. Der Hauptdank gebühre den 160 00O Heimattreuen, die als geborene Ost-»nd Westpreußen, aus allen Teilen Deutschlands über Marienbirrg hereinströmte« und ihre Stimme in die Waagschale warfen, Oer Sparsamkettsminlster-der: Oas gute Beispiel. ..Elserae Sparsamkeit tut für da» ganze deutsche Volk vol." „Die veamteu müsse» durch ein Ztotopfer ein Muster- bei spiel des Bistens zur Einschränkung liefern.* „Die leitende Spitze mutz ein Fanal der Entsagung er- richten: Verzicht auf die Minifierpenfioneul* „So hat da» Finanzministerium meine Ansprüche errechnet. Ich selber weitz vou nichts. Mein Name ist Moldenhauer. Justiz und Hakenkreuz. Anfrage an die preußische Giaatsregierung. Die sozialdemokratische preußisch« Landtagsfraktion hat an die Staatsregierung folgend« Große Anfrage gerichtet: „Während sich die blutigen Ausschreitungen der Nationalsozialisten gegen Andersdenkende von Tag z» Tag mehren, behandelt ine Rechtsprechung auch bet schwerwiegenden Folgen dies« Cxzesie immer noch als Bagatellen. Hierdurch. entsteht in der Bevölkeruna das Gefühl, daß gegen Ueber- fäll« und Mißhandlungen durch Nationalsozialisten ei» wirk- samer strafrechtlicher Schutz vom Staate nicht g«-> währt werde. Dieses Gefühl wird bestärkt durch die Beobachtung, daß nationalsozialistische Angeklagte im Gerichtssaal ei« außer- ordentlich dreistes und provozierendes Wesen zur Schau trage« dürfen, ohne daß die« von den sonst sehr strenge« Gericht». oorsitzenden gerügt wird. Ws Einzelbeispiele aus jüngster Zeit führen wir«nc Ja der Berufungsverhandlun g des Schweidnitzer Pro» zesses führten die angeklagten Nationalsozialisten förmlich« Tumultszenen auf: si« verließen einmal auf Aufforderung ihre» Verteidigers Frank geschlossen den Verhandlungssaal. Der Vertreter der Nebenkläger wurde von ihnen und den national- sozialistischen Zeugen in jeder erdenklichen Weise al« Jude beschimpft und oerhöhnt. Der Vorsitzend« Landgerichtsdirrftor von Loefen war stets bereit, derartige Ausschreitungen zu überhören: er mußt« in den schwersten Fällen er st durch Anträge des Staats» anwalts zur Verhängung von Ordnungsstrafen förmlich gezwungen werden, die auch bei den ärgsten Tumulten ausfällig niedrig ausfielen. Das Verhalten de» Vorsitzenden ist um so auf- fälliger, als bereits die ungerügten Ordnungswidrigkeiten der Ver- Handlung erster Instanz Gegenstand lebhaftester öffentlicher Kritik gewesen waren. Der nachsichtigen Verhandlungsführung entspricht durchaus das Urteil, das die Absicht des Landfriedens- bruchs bei den Angeklagten verneint, obwohl aus sieben Orten der nationalsozialistische Sturm eigens zur Sprengung der Reichsbanner» erfammlung zusammengezogen war. Die«in- seiiig« Einstellung des Gerichts kommt in der Urteilsbegründung Aar zmn Ausdruck, i» der dem notionals ozialistis che» Führer Hitler ei« Loblied gesungen, seine./inständig« und ehr- lich« Weise* gerühmt wird, obwohl Hitlers Erklärung von der .Gewalüosigkeit* der Nationalsozialisten zu den offenkundigen Tatfachen, die sich allerorten ereignen, in schreiendem Widerspruch steht. In einem zweiten Fall hat die Strafkammer Köslin als BerufuiMinstanz Nationalsozialisten f r eiaesprochen, hie im Februar 1Ö3Ö als geschlossen« WumiMeilung vor"Wden und Wohnungen jüdischer Bürger gezogen und dort nach einem Trommelwirbel im Takt„Julia verrecke!* gerufen hatten. Die vom Amtsgericht Belgard gegen die Täter verhängt« sehr niedrige Geld- strafe von je SO M. hat die Strafkammer aufgehoben, da nach der Begründung de» Vorsitzenden, Landgerichtsrat Wachs tody. in dem Rufe„Juda verrecke!* weder«ine Aufreizung zu Gewalt- tätigkecken, noch auch eine Beleidigung einzelner Juden gesehen werden könne. Derselbe Vorsitzende duldete««, daß die An- geklagten im Gerichtssaal den Faschistengruß mochten. In einem dritten Fall hat die Strafkammer in Essen al» Berufungsinstanz die von der ersten Instanz gegen die Rational- sozialisten Dorny und Heinrich van Hall wegen schwerer Mißhandlung jüdischer Bürger verhängt« Straf« von je zebn Monaten Gefängnis in mwerständlicher Mild« auf je drei Monate Gefängnis herabgesetzt. Das Strafmaß der ersten Instanz war durchaus berechtigt, da beide Angeklagt« einschlägig und außer« dem wegen gemeiner Verbrechen vielfach vor- bestraft sind: Dorny achtmal, van Hall sünsmak. Wir fragen an: Ist das Staatsmmisterwm bereit, alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel dafür einzusetzen, daß nationalsozialisti- sche Gewaltakte vor Gericht angemessene Sühne finden? Ist«s serner bereit, zu verhindern, daß das System der Einschüchterung aus die Gerichtssäl« selber übergreift? Ist da» Staats- Ministerium berett, zu diesem Zweck die nötigen Zlnweisungen zu geben, damit der Zustand aushört, daß stch nationalsozialistische An- geklagt«, Zeugen Usw. im Gerichtssaal als die eigentlichen Herren «rffpielen, während die Würde de« Gerichts dauernd oerletzt wird?* Oer Flug über Mailand. Kein Vergehen gegen die Schwei». Basel, 12. JuA. Nach Srkundiguuge« de» vertvet-rs btt Telegraphen- Union bei dar Baudesanwaltschaft in Bern trifft ei nicht zu, daß es sich bei den» FlugzengungMck auf de« St. Gott- Harb um Spionage gegen die Schweiz handele. Es ist auch nicht richtig, daß der Flieger gefSlfchte Pässe«rit stch geführt habe. Tie Bundesanwaltschaft neigt stark der Auffassung z«. daß Sosfignosl der Flieger war. der am Freitag- nachmittag über Mailand die faschifteufeindliche« Flugblätter abgeworfen hat. Eine eingehende Vernehmung deS Fliegers ist iu Anbetracht seines eruste» Gesundheits- zustande» vorläufig nicht möglich. Sie prüft, ob Gosstgnosi die Flugblätter in der Schweiz hat anferti- «c» lassen. Aller Wahrscheinlichkeit»ach wird er sie bereits vou Parks mitgebracht habe», so daß gegenüber der Schwei, keinerlei Vergehe« vorliegt. Zweckloses Leugnen unierbleibt. Mailand, 12. Juli. Zu den Gerüchten, baß der im Gotthordgebiet verunglückte Flieger über Mailand ontifafchistisckie Flugblätter abgeworfen habe. meldet die Agenzin Stefam: Ein Fingzeug, dessen Natinnolität nicht festgestellt werden konnte, überflog gestern in großer Höhe die Außen- -b�irke der Stadt und warf besonders aus die Kafernen Palete mit Flilgbi�rtern autifaschistischen und a nt i mi li ta r i st ie scheu Intakt» ob. Eine, der Paket«, da» sechs Pfund wog, durch« schlug das Doch einer Fabrik. Die Flügblätter sind von den Be» wohnern unanf gefordert den Behörden o b geliefert mordenN Oer Verlauf der Tour. Lasel. 12. Juli Wie zu dem Unglück des italienischen Flugzeug«? auf dem St. Gotthard festgestellt wird, ist da» Flugzeug zunächst, oon Paris kommend, nach Genf geflogen, wo die Verzollung ochimngsgemäß oorgenommen wurde. Da» Flugzeug flog dann nach Dellinzoru weiter, wo es wiederum landet«. Am Freitagvormcktag stieg«s auf, angeblich um Uber die Ostschweiz auf deutsches Gebiet zu fliegen. Qieü dessen landete es bald darauf nicht weit von Bellinzona in Sodrinv bei der Eisenbahnstation Vsvgna. wo unter Aufsicht des dem Flugzeug entstiegenen französischen Führers von einem Laftkroftwagen Flugschriften in da» Flugzeug nerlaben wurden, das dann damit in südlicher Richtung ver- schmand. Am Nachmittag war es abermals in Lodrino. Hier ver» lieh der Franzose die Maschin«, und der Italiener flog allem in nördlicher Richtung weiter. Einige Zeck darauf ist er dann im S-.-Gotthard-G«biet verunglückt. Das eidgenössisch« Lustamt hat seinen Leiter an die Unglücksstelle entsandt» um die technische Unter, suchung vorzunehmen._ Cemmer legk den Vorsitz der Zungdemokralen nieder. Der Reichstogsabgi-ordnet« Ernst Lemmer ist, wie. di«„Dossische Zeitung* berichtet, vom Vorsitz des Reichsbundes der Jungdemokroten zurückgetreten, nachdem er bereits in Worms im Mai 1920 wegen seiner starken beruflichen und politischen Inanspruchnahme die Absicht seines Rücktritts onsgejprocheu hatte. Oer Arbeitermord von Röntgental -IS nationalsozialistische Rowdys vor Gericht. Am Montag beginnt vor dem Landgericht III der Prozeß gegen 18 nationalsozialistische Rowdys, die am 5. März d. I. den meuchlerischen Uebersall auf Reichsbannerleute in Röntgental ver- übt haben. Selbst unter den zahlreichen nationalsozialistischen Mordtaten der letzten Zeit verdient die von Röntgental wegen ihrer Planmäßigleit besondere Beachtung. Ohne jeglichen Grund, bloß weil dag Reichsbanner in Röntgental den nationalsozialistischen Sturmkolomicn schon längst ein Dorn im Auge gewesen, wurde be- schlössen, ihm, mit Revolvern, Gummiknüppeln und Messern b«> wasfnet, einen Denkzettel zu erteilen. Die Folge davon waren e i n Toter und drei Verletzt«. Etwa 3t> Schüsse wurden abgefeuert, und nur dem Zufall ist es zu verdanken, daß nicht noch mehr Menschen verwundet wurden. Vier Personen wurden von Kugeln gestreift und an ihrer Kleidung beschädigt. Die Anklage in dem jetzt beginnenden Prozeß lautet aus schweren Landfriedensbruch, Körperverletzung, die in einem Falle den Tod verursacht hat, Sochbeschödigung usw. Unter den 18 Angeklagten befinden sich fünf Minderjährige, auch Schüler und Lehrlinge, zwei Jugendliche, die übrigen im Alter zwischen 21 und 26 Jahren. Als Rädelsführer gelten der kauf. männisch« Angestellte Markquardt, der Bank- beamte Pankrath und der Telegraphenbauhand» werker Köppner. Acht Angeklagte sind zurzeit noch in Unter- suchungshast. Am 5. Mirz gegen 20 Uhr fand in der Gastwirtschaft Meißel, Bahnhofstraße 76, ein Uebungsabcnd des Tambour- k o r p s der Reichsbannerjugend statt. Am selben Abend gegen 8,30 Uhr hatte die Sturmabteilung der Nationalsozialisten in der Schankwirtschaft„Edelweiß", Ecke Bucher Chaussee und Edel- weißstraße ein« Truppversammlung anberaumt. Gegen 20 Uhr be- fanden sich der Truppführer Köppner in Begleitung von etwa sieben Mitgliedern der Sturmabteilung auf dem Wege dahin. In der Schillerstraße kamen ihnen die Reichsbannermitglieder Erwin und Walter U l m entgegen. Als Köppner bereits an ihnen vorüber war, drehte er sich plötzlich um und stkeß mit dem Fuß nach der Trommel des Walter Ulm. Dieser stellte ihn zur Rede, Köppner meinte: .Komm doch her, wenn du was willst." Erwin Ulm lief in das Lokal von Meißel, alarmierte hier die Kameraden. Diese begaben sich auf die Straße, beide Parteien gerieten in einen heftigen Wort- Wechsel, m dessen Verlauf Köppner Anstalten macht«, zu seinem Revolver zu greifen. Durch Zuredeit eines Reichsbannermannes, eines seiner früheren Schulkameraden, wurde er davon abgeholten. Auch andere Nationalsozialisten waren nahe daran, von den Waffen Gebrauch zu machen. Es kam jedoch nicht zu Tätlichkeiten. Die Reichrbannerleute kehrten zu ihrem Lokal zurück, die National- fozialisten setzten ihre» Weg zur Schankwirtschaft„Edelweiß" fort. Die jungen Reichsbannerleute, beunruhigt durch den Vorfall und eingedenk früherer Drohungen der Nationalsozialisten, wandten sich an den Gemeindevorsteher des Ortes und an den Landjäger- meister Gudot, mit der Bitte um Schutz; sie holten auch ihre älteren Kameraden herbei, darunter den Führer der Reichsbanner- Ortsgruppe Röntgental, Uhlig. Der Landjagerrneifter stattete dem Lokal Meißel«inen kurzen Besuch ab,„überzeugte" sich, daß im Lokal Edelweiß„Ruhe" herrschte und begab sich nach Hause. Wäh- rench dessen hielten die Nationalsozialisten ober Kriegsrat. Sie, die eben erst die Reichsbannerleut« angerempelt hatten, stellten Posten auf, erzählten ihren Kameraden, daß sie von Reichsbanner- leuten anoesallen worden seien und Köppner fragte, werVlust hätte, sich„heule noch ein bißchen mit den Reichsbannerleuten herum- zuschlagen". Man beschieß, von Berlin Verstärkung herbei- zurufen, läutet« das Lokal Wichertstraße 64 an und von hier aus machten sich zehn Nationalsozialisten auf den Weg nach Röntgen- tat. In der Bahn wurden Kampslieder gesungen, man sprach davon, ganz Röntgental in Klump zu schießen. Nach Ätzkunst des Trupps im Lokal„Edelweiß" fragte Pankrath, wer„warm angezogen sei", d. h. Schußwaffen bei sich habe und ob sie auch.Hustenbonbon" bei sich führten— im Jargon der SA.-Leute soviel wie scharfe Patronen. Dann vertellte man sich in kleine Trupps unter Führung von Marquardt und Pankrath und begab sich in die Richtung zum Reichsbannerlokal. In der Nähe des Lokals Meißel nahmen 17 bis 18 Nationalsozialisten Auf- stellung. Im nächsten Augenblick erschienen sllnf Reichsbannerleute, die von ihren Kameraden zu einem Streifgang ausgeschickt worden waren. Fünf Nationalsozialisten, unter Führung von Marquardt, gingen auf sie los. Der Reichsbannermann Werner gab auf seiner Trillerpfeife ein Notsignal. Marquardt ließ seinerseits ein Signal ertönen, kommandierte „Kanonen heraus! Achtung, gebt Feuer!" Und schon trachten Schüsse. Beide Parteien flüchteten. Wenige Augenblick«, bevor die Signalpfisfe abgegeben wurden, ver- ließen Mitglieder des bei Meißel tagenden Mietervereins das Lokal. Auf die Pfiffe hin eilten Reichsbannerleute ihren Käme- raden zu Hilfe. Ganz unerwartet stellten sich ihnen in Schützen- l i n i e die Nationalsozialisten entgegen, wieder ertönten Komnwiido. ruf«:„Kanonen heraus! Fcrtignwchen, gebt Feuert" Die Gäste aus dem Lokal Meißel und die Reichsbannerleut« � flüchteten fv schnell fte konnten. Ein Teil lief zurück in das Lokal,'die Nationalsozialisten schössen durch die Fenster. Die Folg« der Schießerei war der Tod des Gärtner, Albert Kubow Er erhielt«inen Steckschuß von hinten in die link« Rückenseite: der Reichsbanner- mann Erich Uhlig erlitt einen Oberschenkeldurchfchuß, der Jung- kommunist Kurt Seifert«inen Durchschuß der linken Wade, der völlig unbeteiligte Otto Gebauer«ine Streisschußwunde über dem linken Hüftknochen. Die Angeklagten sind nur zu einem Teil geständig. So bestreitet z. B. Marquardt, geschossen zu haben. Ebenso will Pankrath über- Haupt nicht am Tatort gewesen sein; auch Köppner leugnet seine Be- teiligung an den Angriffshandlungen. Sie werden aber nicht bloß durch die Aussagen der Reichsbannerleut«, sondern auch durch die- jenigen ihrer eigenen Kameraden überführt. Zur Verhandlung sind 51 Zeugen und sechs Sachverständig« ge- laden. Unter den Ueberführungsstücken befinden sich eine Schreck- schußpiftole,«ine Selbstladepistol«. ein« Bayardpistole mit scharfen Patronen, ein Trommelrevolver und eine Stahlrute. Der Vorsitzend« der Reichsbannerortsgruppe Röntgental Uhlig, nimmt an der Verhandlung nicht bloß als Zeuge, sondern auch als Nebenkläger teil. Kurze ReichstagsMung. Vermahlungszwang und Weizenwucher. Im Reichstag teilte Präsident Löbe am Beginn der Sonnabend- sitzung mit, daß der Präsident des Danziger Volkstags dos Belleid zur Katastrophe von Neurode telegraphisch ausgesprochen hat. Ein Gesetz auf Aeiwerung des schiedsgerichtlichen Verfahrens im Zivilprozeß wird dem Rechtsausschuß überwiesen.— In der dritten Beratung der an, Freitag verhandelten Hypothekenaufwertungs- gesetze wird das Wort nicht verlangt. Zur zweiten Beratung de? Dorlage über den Vermahlungs- zwang für Jnlandsweizen spricht Abg. Mathilde Wurm(Soz.): Unseren Antrag, diesen Dermohlungszwong aufzuheben, bsan- tragt der Ausschuß als erledigt zu erklären. Ich spreche daher zun, Gesetz selbst. In diesem Jahre ist 1 Million Tonnen Weizen in Deutschland weniger vermählen und daher auch weniger von Men- scben konsumiert worden, als im vorigen Jahr. Dieser Rückgang üt eine Folge der schlechten Wirtschaftslage und der ungeheuren Arbeitslosigkeit, die die Menschen zur Einschränkung und zur Ver- sckrlechterung ihres Konsums zwingt/ Weizenbrot ist den Massen zu teuer, ja selbst Obst und Gemüse sind Luxus geworden. Sogar die- jcnigen, die noch in Arbeit stehen, müssen fast ihr ganzes Einkommen für den täglichen Lebensbedars ausgeben, dessen Preise gewaltig ge- stiegen ssnd. Infolge der deukschen Weizenpolilik ist der Preisunterschied zwischen etwa gleichwertigem Auslands- und deutschem Weizen aus 120 Mark sür die Tonne gestiegen. Es ist also erwiesen, daß der von 6,50 Mark aus 15 Mark erhöhte Zoll nicht vom Ausland getragen wird, sondern daß die inländischen Konsumenten ihn bezahlen. Eine weitere Folge dieser Politik und des Vermahlungszwangs ist, daß immer mehr Mühlen im Binnenlande zum Stillstand kommen. 14 Großmühlen in Süddeutschland haben bereits Stillegungsanträge gestellt. Das ganze Mühlengewsrbe ist in großer Unsicherheit und weiß nicht, wie es sich über Wasser halten soll.(Sehr wahr! bei den Soz.) Deutscher Weizen wird überhaupt nicht mehr exportiert. Man spricht hier immer von Exportförderung, in Wirklichkeit aber wird der Export gedrosselt, nicht mir durch den Vennahlungszwang, sondern auch infolge der Aenderung des Einfuhrscheinsystems, wodurch der Export weniger rentabel gemacht wird. Man kann auf die Dauer nicht so arbeiten, daß bei sinkendem Weltmarktpreis der deutsche Weizen hoch bezahlt werden muß. Das ist eine Ungerechtigkeit und eine Rücksichtslosigkeit in einer Zeit, wo Millionen Erwerbslose sind. Wir haben seinerzeit die Fest» setzung eines Weizenrichtpreises von 260 Mark als zu hoch bezeichnet und totsächlich ist dieser Höchstpreis längst zum Normalpreis geworden. Einem Gesetz, das gewisserniaßen einen Wucher mit in- ländischem Weizen begünstigt, dadurch die Konsumenten schädigt, ohne der Gesamtheit der Landwirte zu nutzen, sonoern nur denen, die nur Weizen anbauen, einem solchen Gesetz können wir nicht zustimmen. Wir müssen es aber auch ablehnen, dem Minister Schiel« die Ermächtigung zu geben, die Dauer des Vermahlung� Zwangs bestimmen zu können. Abg. hoernle(Komm.) spricht gleichfalls gegen den Vermoh- lungszwang. Reichecrnährungsntinister Schiele erklärt, er werde vor Fest- setzung der Bermahlungsquote den Bolkswirtschaftlichen Ausschuß hören. Abg. Peine(Soz.) begründet den Antrag, in dieses Gesetz die Borschrift des Brotoer- tauss nach Gewicht einzufügen, die beim Roggenbrotgesetz mit einer Stimme Mehrhell abgelehnt worden ist. Zur Begründung verweist der Redner auf das Schreiben eines Bäckermeisterverbcmdes, das die Absicht verrät, die Konsumenten zu betrügen. Das Gesetz w:rd unter Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten angenom- men, die Schlußabstiinmung jedoch ausgesetzt.— Zur dritten Bera- tuna der Gesetze über den Reichswirtschastsrat spricht nur Abg. Everling(Dnat.) wiederum für ständische Gliederung des Rcichswirtschaftsrats und verliest eine Erklärung seiner Fraktion für eine antiparlamentarische Reichsresorm. Die Abstimmungen werden ausgesetzt. Gegen 14 Uhr vertagt sich das Haus auf Montag, 15 Uhr: Warenaustausch zwischen Saargebiet und deutschem Zollgebiet. Aus- lösung des Reichsausgleichsamtes, Kleinwobnungs- und Straßenbau (Arbeitsbefchaifungsprogramm), Osthilf«, Weingesetz, Bahnbaupro- gramm der Reichsbahn und die heute ausgesetzten Abstimmungen. Das Zeiher Llrteil. Oer AngeNagie und Oberstaatsanwalt legen Vervfung ein. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat in der Zeitzcr Strafsache gegen den französischen Staatsangehörigen C u- v e l l i« r der Angeklagte gegen das Urtell des Amtsgerichts in Zeitz Berufung eingelegt. Auch der Oberstaatsanwalt bei dem Landgericht in Naumburg a. d. S. habe dieses Rechtsmittel angemeldet, um zum Ausdruck zu bringen, daß auch er ein« er- neute Nachprüfung des Sachoerhalles, insbesondere der zu- gunsten des Angeklagten sprechenden Umstände sür angezeigt erachte. „Im Westen nichts Neues." Die Zensur in Neuseeland hat die Ausführung des nach Remarques Buch gedrehten Films oerboten._ sGewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Bcrantwortlich wr Dolit!!: Dr. Sari Seqer; WirlschaN:®. Nli-aklhSku; G-werkschaslsbiwegung: I. Strluer: ssruilleton:#. tz. Dölchrr; Lokale» und Sonsliacs. Sri»»arftädt: Anzeiakn: Td. Glocke: sämtlich in Berlin. Lerlaa: Borwärlo-Berloa®. m b. Berlin. Druck: Borwärto-Buchdruckerrt und Berlagsanflalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 63, Liadenstraie L Hierzu 4 Beilage». .............. .„.-o . oCV\«ri�. V*". rtV6s u Q \V»V>X" )tr. 323> 47..Satirgang Sonntag, 43. Suli 2S30 f, WM Schüler beim Pflügen in Scharfenberg. Hebet die Zlufbauschulc Scharfenberg im Tegeler See sagf Eugenie Schwarzwald:„Gott fei Dank, daß wir arm geworden sind. Als wir noch reich waren, ist uns ein so ge- scheikes Schnlexpcrimenl nicht eingefallen.'" Wie Scharfenberg wurde. Schorfenberg ist selbständig gewochsen. Im engen Zusammen- wirken des Schullörpers, Lehrer und Schüler mit den Eltern der Schüler, entstand dies« Gemeinschaft. In der Zeit revolutionärer Gärung 1918 waren es einig« Schüler der oberen Klassen des Berliner chumboldb-Gymnassums, die sich um chren Lehrer, dem heutigen Leiter vog Schorfenberg, Direktor W. Blum«, scharten, dessen erzieherische Persönlichkeit ihnen Holt und Führung bot. Man wollte die Schule der Zukunft begründen. Diesen Ruf verstanden die jungen Menschen dahin, daß sie das Wort„Gemeinschaft", ein Modewort jener Zeit, dem nur wenige Rechnung trugen, aus dein Wust ministerieller Schulerlasse heraushoben und in die Praxis umsetzten. Eine verlassene Waldarbeiterhülle bei Stolpe an der Nordbahn, in der die Schüler ihr Weekend verbrachten, war der erste Koloni- sationsversuch. Dann kam man auf die glücklich« Idee, auch die Schultog« draußen zu verbringen. Der Kampf um dies«„Freiheit". dos gemeinsame Leben mit seinen vielfachen Bedürfnissen und der diesem Leben angepaßten Unterricht förderten die Gemeinschaft. Die erst«„Schulgemeinde" entstand. Di« Furcht vor dem grauen Montagmorgen im Schulgbbäude lieh die junge Schar nach anderen Möglichkeiten Umschau halten. Ein glücklicher Umstand fügte es, daß den Naturhungrigen der städtische Besitz der Insel Scharfenberg im Tegeler See als Logis angeboten wurde. Auch der damalige Stadt- schulrat Paulsen war«in eifriger Förderer der Sache. Scharfenberg ober war nicht viel mehr als eine Art verwilderter Garten mit feinen etwa 90 Morgen Wold und Wiesen, der langsam verfi«l. Ein Tegeler Einwohner hatte die Insel als Ktchweide gepachtet. Es war ein gewagter Schritt für Lehrer und Schiller, alle Brücken hinter sich abzubrechen, aus dem Berliner Schulwesen auszuscheiden ernd ohne Hilfe diese neue Schulrepublik zu begründen. Die Jungen fanden ein Gebäude, daß bei einiger Instandsetzung zur Not noch bewohnbar war,«ne strohgedeckte Scheune, in der man schlafen konnte. Die Eltern der Schüler zogen mit hinaus und halfen„einrichten". Dabei waren die Proletariercltcrn mit Hand- wertlichen Kenntnisscir die angesehensten: tatsächlich hat mancher Bater viele Wochen hindurch in freiwilliger Hiljsarbeit noch Feierobend mit den Jungen gemeinsam hier draußen„Häuser" gebaut. Man mauerte, tischlerte, schlosserte, Lehrer und Schüler überboten sich, mit Hand anzulegen. Nebenher aber mußte auch das Abitur vorbereitet werden. In dieser Zeit sind die n n u n g« n" auf der Insel entstanden, ein« Tischler-. Schlosser-, Maler-, Gärtner, und landwirlschajllichc Innung. Wer zu keinem Gewerbe Neigung und Talent verspürt, muß mindestens der Innung AZB.„Allzeit bereit!" angehören, deren Hilfsbereitschaft anerkannt ist. In Zlbendaussprachen wurden die Arbeiten besprochen und man vcr- suchte den sich anhäufenden Schwierigkeiten zu begegnen. Aus dem Gefühl der Verantwortung jedes einzelnen für dos Ganze ent> wickelt« sich ein Geist, den man gern als„Scharfcnberg-Geist" de- zeichnet. Diese Selbstverwaltung der Insel durch die Schüler ist beibehalten worden, sie ist die logische Konsequenz des neuen Schul- degrifjs. Als Selbstversorger während der Inflationsnöte schufen sich die Schüler eine umfangreich« Landwirtschaft, die zur Zeit S Sähe. 30 Schweine. 2 Pferde und eine Geflügelfarm mit einschließt. Bei der Arbeit m Haus und Hof. Man muß die Berßner Jungen auf ihrer Schulfarm bei der Arbeit sehen, beim G rasmähen, beim Anstreichen, beim Kirschen- pfückeu oder beim Abendessen an selbstgezimmerten Tischen im Garten, um sich ein rechtes Bild von ihrem Leben zu machen. Di« Schule ist heut« aus vielen Schwierigkeiten herausgewachsen, auch di« Stadt hat sich ihrer müllerlich angenommen und zeigt sie chren Gästen gern als Dersuchsschule. Es siod heule etwa 100 Schüler aus der Znsel. Aber den Neuoufgenommenen zu Ostern wird von den großen Tage» und Toten des Anbeginns erzählt und die Neuen bedauern, nicht dabei gewesen zu sein. Sommers und winters(auch bei 30 Grad Kalle wie im vorletzten Winter) hallen die Jungen darauf, den Tag morgens um ö Uhr nur mit der Turnhose bekleidet mll einem Dauerlauf um die Insel zu beginnen. Natürlich muß jeder Schüler, um die.Meise" für Scharfenberg zu besitzen, sich „frei" schwimmen. Well die Essenszeiten die wertvollen Stunden des Unterrichts zerrissen, beschloß man, den Morgenkaffee mit dem Frühstück zusammenzulegen, daß also erst um 9 Uhr morgens nach zwei vorausgegangenen Schulstunden eingenommen wird. Um so freudiger wird dann der Hauptmahlzell zu Mittag zugesprochen. Der Tischdienst, wie überhaupt alle Arbeit an der Gemeinschaft, wird als Ehrendienst betrachtet: es bedeutet eine harte Strafe, wegen eines Vergehens etwa zwei Wochen vom Tischdienst cnt- bunden zu werden. Die Körper der Jungen werden hart und gesund: Krankheiten und Erkältungen sind aus der Insel so gut wie uubekannl. Die Inselbewohner besitzen das Stimmrecht und üben es in sehr verantwortlicher Weise aus. Jeder Schüler muß ein Jahr auf der Insel verbringen, während dem er in seiner Art und in seinem Tun von den Stimmberechtigten beobachtet wird, ob er sich für die Gemeinschaft eignet. Erhält er die erforderliche Zwei- stimm e nmehrheit an den drer zeitlich getrennten Abstimmungs- terminen nicht, so bedeutet das seinen Ausschluß. Die Eltern der Schüler, die sich in dem„Verein der Freunde der Scharfenberg- Schulidee"— dem auch Außenstehende beitreten können— zu- sammcngeschlossen haben, werden mehrfach im Jahr bei den Be- ratungen über die innere Verwoltimg und Unterrillstsumgestaltung hinzugezogen. Ein Paradies der Botanik. Als unnennbares Glück hatten die ersten Schüler auf der wilden Insel noch etwas gefunden, nämlich«in Paradies an Naturschön- hellen und botanischen Merkwürdigkeiten. Leider haben es die vielen Wassersparller auf dem Tegeler See auch im Laufe der Jahre herausgefunden, sie legen auf der Insel an und verursachen eine Invasion, di« vor nichts Heiligem mehr Scheu hat. Es wird bekannt fein, daß der große Naturforscher W. v. Humboldt auf der Insel einen botanischen Garten mit den seltensten Bäumen und pflanzen angelegt hat. Man findet den Zedcrnboum ebenso wie den Bambus und afrikanisch« Schlinggewächs«. In der ZOer Iahren bewohnte der Naturforscher Bolle die Insel und betrieb hier seine botanischen Das Unterrichtsgebäude. Liebhabereien. Das alles verwalten die Schüler, pflegen und sördern es, so daß alle naturwissenschaftlichen Fächer sich reich entfallen können. Die Insel ist häufig von den Schillern topographisch und geographisch vermessen worden: es werden Plonktonunterfuchungen im See gemacht, andere registrieren und zeichnen die vorkommenden Pflanzen- und Tierarten der Insel aus. Eine Zlrbeitsgruppe hat im Frühjahr begonnen, die Vogelwelt der Insel zu studieren, was sie zwang, bereits um 2 Uhr beim Tagesgrauen Wochen hindurch aufzustehen. Der Unterricht, der sich bis zur Ablegung des Abiturs erstreckt, erfährt durch die Bewirtschaftung der Insel keinerlci Behinderung, eher eine Bereicherung. Die beseelte Natur im Übertragenen Sinne des Wortes erstreckt sich auf alle Wissensgebiete, mögen die Begriffe auch noch so abstrakt sein. In den Wipfeln der hundertjährigen Bäume kann man die Jungen in selbstgezimmerten Hütten sitzen sehen, wie sie lateintsche Bokabcla lernen. Man unterscheidet einen Gesamtunterricht für alle Klassen(soweit man von Klassen an Stelle von Arbeitsgruppen sprechen kann) und«inen Einzelunterricht, der sich in Form von Arbeitsgemeinschaften(siehe Innungen) vollzieht. Was eine bestimmt« Arbeitsgemeinschaft in einem halb- bis ganz- jährigen Kursus mit durchaus wissenschaftlichen Ergebnissen erarbeitet, vermittelt sie bei Abendveranstaltungen dem Schülerforum. * Die Stadt hat in den letzten Iahren zum Aufbau der Schule einige schöne Gebäude errichtet, ein Unterrichtsgebäude mit Schlaf sälcn und ein Fährdien st haus mll anschließenden Werkstätten. Die Stadt Berlin mit ihrem umfangreichen Gemein- besitz hätte Gelegenheit, solche Schulfarmen auch an anderen Stellen erstehen zu lassen. Mit 67 Personen in den Fluß gestürzt. Furchtbares Straßenbahnunglück in Buenos Aires. Buenos Ll i er s. i2. Juli. Ein vollbesetzter Straßenbahnwagen entgleiste ans einer über den Riaehuelo führenden Brücke, durchbrach das Geländer und stürzte in den Fluß. Man be- fürchtet, daß die 7 0 Personen, die sich in dem Wagen befunden haben sollen, sämtlich umgekommen sind mit Ausnahme von drei Passagieren, die sich auf der Plattform des Wagens befanden und aus dem Wasser gezogen werden konnten. Nach einer weiteren Meldung wurden von den Insassen des in den Riachuelo gestürzten Straßenbahnwagens bis zum Wittag 53 lol geborgen, darunter fünf Frauen. Di« Katastrophe ereignete sich kurz nach 6 Uhr. Die Mehrzahl der Todesopfer waren Arbeiter. die zu ihrer Arbeitsstätte fuhren. Der verunglückte Wogen war im Begriff, über die Kantileverbrücke über den Riachuelosluß zu fahren, der Buenos Aires von der Ortschaft Avallaneda trennt. Ein Brücken- aufzug war hochgezogen. Vermutlich infolge des herrschenden dichten Nebels bemerkte der Führer des Wagens nicht, daß die Brücke geöffnet war und fuhr so in den Fluh hinein. All« Passagiere im Innern des Wagen sind, wie man befürchtet hatte, ertrunken, nur drei Personen, die in der Nähe der hinteren Plattform sahen, konnten sich retten. Der Wagen war vollkommen vom Wasser bedeckt, wir die Kontaktstangc ragte heraus. Polizei und Feuerwehr organi- sierten das Rettungswerk. Bei der Identifizierung der Leichen durch die Angehörigen spielten sich erschütternde Szenen ab. Die Fabriken erlaubten ihren Angestellten, die Arbcll zu verlassen, da alle wegen des Schicksals von Angehörigen in Unruhe waren. Die Schuld der Lübecker Aerzie. Skr Burgerfchofisausfchvß veröffentlicht seinen Bericht. Der Ausschuß der Lübecker Bürgerschaft. der mtt der Untersuchung des klndersterbens beauftragt war, hat seineu Bericht fersiggeflellt und veröfsenllichl. Der Bericht gliedert sich in zwei Teile: Die Mehrheit kommt zu einer scharfen Berurtellung der Lübecker Acrzte, während eine bürgerliche Minderheit ein weniger hartes Urtell fällt. Die Mehrhell rügt, daß bei der Einführung des Calmette-Derfahrens in Lübeck der Warnung des Reichsgesundheitsrats keinerlei Beachtung geschenkt wurde. Die Angaben im Ausschuß seien widerspruchsvoll gewesen und bedürften genauester Nachprüfung. Im Laboratorium war keine Vorsorge getrosten, nm eine Vermengung der Calmettc-Kulturen mit menschlichen Tuberkeln zu verhindern. Eine rechtzeitige Kontrolle durch Tierversuch« ist v e r- säumt. Ein so weitgehendes Experiment durfte auf lokaler Grund- läge und mit beschränkten Hilfsmitteln nicht vorgenommen werden. Notwendig ist die Erweiterung der Zuständigkeit des Beichsgesund- heitsamts dahin, daß es bei Einführung neuer medizinischer Meth»- den die Entscheidung hat und berechtigt ist, zwingende Vorschriften zu erlassen. Der Umsaag der Katastrophe wäre zu vermeiden ge- wesen. wenn die verantwortlichen Acrzte die notwendige Sorgfalt angewandt und pflichtgemäß zusommengeorbeitel hätten. Allen drei Acrzten, Dr. A l t st ä d t, Prof. Dr. D e y ck e und Dr. Klo tz, werden schwere Fehler zur Lost gelegt. Gegen A l t st ä d t wiegt am schwersten, daß er, am 26. April von dem Unglück benachrichtigt, zwei Tage lang sich überhaupt nicht um die Zlngclegenheit kümmerte und den an Hebammen ausgcgebc- ncn, noch nicht verfütterten Jmpfstost nicht zurückzog. Dr. D e y ck c wird vorgeworfen, daß die Unterlassung der nötigen Vor- sichtsmaßnahmen im Laboratorium die entscheidende Ursache des Unglücks war. Es wurden nach den Feststellungen Ealmelle-Kul- tnren in demselben Brutschrank wie menschliche Tuberkulosekullurcu aufbewahrt. Dr. Klotz hat sogar am 19. April, als im Kinder- Hospital ein Todesfall vorlag, den er selbst auf die Fütterung zurück- führte, keine Meldung davon gemacht und nichts unternommen, um die Einstellung des Verfahrens herbeizuführen. Die Mehrheit des Ausschusses ficht sich zu der Feststellung ge- zwungen, daß die verantwortlichen Acrzte die ihnen durch ihr Amt auferlegte Sorgfalt in ernster Weise verletzt und mll einer Fahrlässigkeit gehandelt haben, für die sie d i s z i p l i- narisch und strafrechtlich zur Rechenschaft zu ziehen sind. Drei Kieler Primaner erirunken. Flcasbnrg, 12. Juli. Auf der Geltiuger Bucht schlug au» Freitagnach- mittag ein der Sirler Rudcrvereiniguug ge- Höreudes mit fünf Personen besetztes Ruderboot bei böigem Nordwcstwinb plötzlich voll Wasser und strnk. Während sich zwei der Insassen durch Schwimme« rette« koni»ten, werden die drei anderen vermißt. Der eine der zwei Geretteten ist nach Z�-stündige» Kampfe mit den Wellen auf der Birk(äußerster Spitze von Beveroe) gelandet, der zweite wurde von Maas- holmer Fischern aufgefunden und au Land gebracht. VtrMeb fOr USA GtogeutCf Chicago L f HundemouseniM nehmen as Afeßcfr 1. f AU—»»a J" i* iQ&senentso politische Ferienprozeffe. Kommunisten und Nationalsozialisten vor Gericht. Auf den Erlaf} des preußischen Iustizministers über die ve- schleunigie Aburteilung der politischen Aowdys. die selbst vor dem Leben ihrer Mitmenschen nicht hallmachen, sind in Moabit zwei Aerien-Schwurgerichtsperioden eingeschoben worden, je eine beim Landgericht III und Landgericht II. Den Reigen der großen politischen Rowdyprozesse eröffnet der Arbeitermord in Röntgenthal am 14. Juli. 18 Rc- tionatsozialisten sind angeklagt, den Tod eines Arbeiters und die Verletzungen dreier weiterer verursacht zu haben. Am gleichen j Tage findet vor dem Landgericht II der Prozeß gegen den Kom- ; rnunisten M az ia k statt, der am 80. Mai einen Rationalsozialisten schwer verletzt hat. Die Anklage lautet auf oersuchten Totschlag. Gemeinsam mit«inigen Gesinnungsgenossen hatte er in Köpenick [•den Techniker Scharsik, der aus einer nationalsozialistischen Ver- sammlung kam, überfallen. Am 3l). Juli beginnt gleichfalls vor dem Landgericht II die Verhandlung gegen sieben Rational» s o z i a l i st e n, von denen sich sechs in Hast befinden. In der Nacht von 16. zum 17. Mai fielen sie Ecke Haupt- und Stierstraße über den ahnungslos dahingehenden ZSjährigen Arbeiter Walter Heim- l burgcr her. Er erhielt einen tiefen Stich in die Herzgegend und f war sofort tot. Anfang August findet nach Beendigung des Röntgen- j thaler Prozesses vor dem Landgericht III die Verhandlung gegen , 10 Nationalsozialisten statt, die gleichfalls in der Nacht i vom 16. zum 17. Mai den Tod der Kommunisten Schumann und [ Seelenowski verschuldet haben. Vor dem Landgericht III findet s schließlich auch der Prozeß Bogt und Genossen sein« Erledi- gung. Dieser Fall liegt zwei Jahre zurück. Hier waren National- > sozialisiert die Opfer; die Kommunisten die Schuldigen. Wer ist Herr Hoppe? llnd wer sind seine Hintermänner? Don der Berliner Politischen Polizei ist inzwischen der Inhaber derjenigen Waffenhandlungsfirma gehört worden, bei der der inzwischen von dem Vernehmungsrichter am Berliner Poli» zeiprästdium wieder auf freien Fuß gesetzte Hoppe früher tätig war, und von der er angeblich die bei ihm gefundenen Waffentcile gestohlen haben will. Die vernommenen Personen dieser Firma haben nur angeben können, daß sie in der Inflation mit Waffen gehandelt haben, und daß Hoppe bei ihnen als Lagerist b es ch ä f t i g t war. Bon dem Diebstahl, dessen sich Hoppe be- zichtigt, wollen sie seinerzeit nichts gemerkt haben. Nach den weiteren Feststellungen der Berliner Kriminalpolizei stammen die 20 00 M., die die Potsdamer Beamten bei dem töd» lich verunglückten Dörre fanden, sicherlich von Hoppe, der nach An- ficht der Berliner Stellen dafür weitere Waffen besorgen wollte. Ungeklärt ist bisher noch, von welcher Stelle Hoppe die Waffen hatte und woher er neue Waffen beschaffen wollte. Die Ermittlungen der Politischen Polizei erstrecken sich hauptsächlich auf die Hintermänner. Von weile- ren Haussuchungen hat man jedoch abgesehen, weil die Personen durch die vorzeitigen Verössenttichungen nach Anficht der Polizei gewarnt waren. Llrieil im Brolai-prozeß rechtskräftig. In dem Beleidigungsprozeß des Direktors der Berliner Verkehrs- gesellschaft, B r o l a t, gegen die Redaktion der„Roten Fahne'' ist bis heute beim Amtsgericht weder von dem Nebenkläger noch von den Angeklagten Berufung eingelegt worden. Da die Be- rufungsfrist von einer Woche inzwischen bereits sei t drei Tagen v e r st r i ch e n ist, so ist damit das Urteil des Amts» gerichts rechtskräftig geworden. Die Helden von der „Roten Fahne' sind also sehr schweigsam und sehr klein und häßlich geworden. Sie werden 630 Mark bzw. L30 Mark bzw. 430 Mark Geldstrafe nebst den Kosten zu blechen haben. Schlimmer aber als diese recht harmlose Strafe tst die Blamage, die die kommunistischen Großschnauzen einstecken müssen. Toienwacht bei den Grubenopfern. Heute die öffentliche Trauerfeier. Neurode. 12. Zusi. Tausende pilgern im Laufe des Tages zu den Särgen der Opfer von hausdlorf. Acht der Toleu sind volltommeu zugedeckt, da ihre Verletzungen so furchtbar sind, daß sie nicht gezeigt werden köim-n. Die Toten sind größtenteils in graue Särge gebettet und mit Blumen überschüttet. Die Toienwacht wird von einer Solonne Bergleute unter Führung von vier Steigern in der Bergmonnsuniform gehalten. Am Kopfend« der Särge steht ela von brennenden Lichtern umgebener Altar, der mit Blumen ge- schmückt ist. Bei dem am Sonnlag vormlllag stallfindenden Requiem werden 150 Sänger des Deutschen Sängerbundes und des Arbeiter- fängerbundes singen. 3n der Rächt werden die Särge nach Hans- dorf übergeführt werden, wo die öffentliche Trauerfeier staitfinden wird. 3n Berfoftf der Bergnngsarbeiieu konnte heule früh noch ein weiteres Opfer der Katastrophe geborgen werden, so daß jetzt insgesamt noch 48 Bergleute verschüttet sind. Krankreichs Beileid. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der französische Minister der öffentlichen Arbeiten an den preußischen Minister für Handel und Gewerbe folgendes Tele- gramm gerichtet: Tief erschüttert durch das schwere Unglück auf der Wenzeslaus- Grub« darf ich Ihnen mein aufrichtiges Beileid aussprechen und bitte Sie, den Familien der Verunglückten den Ausdruck meines tiefgefühlten Mitleides zu übermitteln. Die Bergleute Frankreichs, in deren Namen ich spreche, nehmen lebhaft Anteil an dem Unglück, das ihre deutschen Kameraden so furchtbar betroffen hat. Der preußische Handelsminister hat mit folgendem Telegramm gedankt: Für die warmen Worte des Beileids, die Sie an mich aus An- laß des traurigen Unglücks auf der Wenzeslaus-Grube gerichtet haben, danke ich Ihnen, Herr Minister, aufrichtig. Ich bin über- zeugt, daß den Angehörigen der Verunglückten und allen deutschen Bergleuten das Mitgefühl ihrer französischen Kameraden ein Trost sein wird, und hoffe, daß es den vereinten Bestrebungen gelingt, neue Wege zur Vermeidung solcher Unglücke zu finden. An der Trauerfeier, die Soirntag, den 13. Juli, auf der Wen- zeslaus-Grube für die Opfer des Grubenunglücks stattfindet, nehmen vom preußischen Handelsministerium Oberberghauptmann Flemminz, Ministerialrat Böhme und Ministerialrat Rocher teil. Ernstes Programm der Kunkstunde. Aus Anlaß der Grubenkatastrophe in Neurode erfährt das Programm der Berliner Funtstund« am heutigen Sonntag eins grundlegende Aenderung. Von 8 bis 8.43 Uhr, zu gleicher Zeit mit der Bestattung der Opfer des schlestfchen Grubenunglücks, findet eine Trauerfeier statt. Die für dieselbe Zeit vorgesehene„Viertel- stunde für den Landwirt' und der sich anschließende Vortrag des Regierungsrots Dr. Otto Butz fallen aus. Dem Ernst des Tages an- geinessen, ersährt das Programm dieses Sonntags noch einige Aende- rungen: Die Programmfolge des Hamburger Hafenkonzerts, des Mtttagskonzerts aus Dresden und des Nachmittagskonzertes ändert sich. Die Rezitationen der„Neuen Gedichte' von Erich Kästner, sowie„Eine halb« Stunde Humor'(Hans Miihlhofer) fallen aus. An Stell« des Blosorchester-Konzertes um 8.10 Uhr abends findet ein ernstes O r ch« st e r- K o n z e r t des„Berliner Konzert- Bereins 1S30" unter Leitung von Alexander Michael Sz�nkar statt. Die Tanzmusik fällt aus. Beirügerin aus Liebe. Die Geschichte einer Tombolafchwindlerin. Ein« Verhandlung, zugleich grotesk und tragisch, spielte im Moabiter Gerichtssaal. Auf der Anklagebank saß die 30jährige Tochter eines wohlhabenden Kaufmannes. Das einzige Kind. Schön, anmutig, verwöhnt, Liebling des Vaters, fein Stolz und seine Freude. Die Liebe des Vaters wurde der Tochter zum Verhängnis. Keiner ihrer Bewerber war ihm gut genug, er schlug all« aus. Fand der Dater für die Tochter keinen Mann, so holte sie sich selbst einen. Sie verlobt« sich und stellte den Dater vor die vollzogen« Tatsache. Das konnte er sich nicht bieten lassen. Er sagte:„Heirate wenn du willst, du erhältst aber keinen Pfennig Mitgift.'„Wenn ich sterbe, sollst du mich beerben, vorher keinen Psennig.' Um die Tochter von ihrer Liebe abzubringen, schickte er sie nach Berlin. Sie wohnte in teueren Pensionen, machte Gesellschaften und Bälle mit; schön und anmutig wie sie war, hatte sie gesellschaftliche Er- folge und viele neu« Verehrer. Sie blieb aber dem Erwählten ihres Herzens treu. Die Heiratsstrategie des Baters hatte Fiasko erlitten. Trotzdem beharrte er weiter auf feinem Willen? mit der Mitgift rückt« er nicht hhuu*. D» kam das.jung« Mädchen auf einen sonderbaren Gedanken, Sie beschloß sich die ZRit- g ist aus eigene Wets� zu ve.rscha-sferü Än„besten' Berliner Kreisen eingeführt, wirkt« sie an den Wintevbällen mit, oerkaufte To.mbolalos« und behielt einen Teil der verein- ncchmten Gelder für sich zurück. Im Laufe des Winters macht« es so das runde Sümmchen von 5000 Mark. In drei Wintern hinter- «inander 13 000 Mark. Die Mitgift wäre bald beisammen, wenn... wenn eines Tages die Unterschlagungen nicht ans Tageslicht ge- kommen wären. Sie war geständig, erleichterte ihr Herz, erzählte, daß sie bereits drei Jahre hindurch ihre Mitgift durch Tombola- lose gesammelt habe und mußte schließlich vor dos Schöffengericht Berlin-Mitt«. Di« Tochter weinte ein wenig. Di« Mutter nahm ihr einziges Kind in Schutz, klagte über die allzu groß« Streng« ihres Mannes und versprach alles zu tun, um ihn zu verantasien, mit der Mitgift herauszurücken. Denn mit der Mitgift ist der junge Mensch auch noch heute bereit, sein Ehegelvbnis einzulösen. Der Staatsanwalt beantragt««inen Monat Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe. Das Gericht erkannte auf drei Monate Gefängnis unter Zubilligung einer Bewährungsfrist. Rolltreppen am Ä-Bahnhof Gesundbrunnen. Der weitere Ausbau des Untergrundbohnhofs Gesundbrunnen ist soweit gediehen, daß die Ausgänge an den beiden Enden des Bahnhofs, die mit je zwei Rolltreppen ausgestattet sind, von heute ab mit Betriebsdeginn dem Verkehr übergeben werden können. Der Einbau von Rolltreppen ist vorgesehen worden, weil infolge der Ueberführung der Reichsbahn mehr als 70 Stufen zum Bahnsteig hinabsühren. An der Vadsttaße ist ei» Empfangsgebäude entstanden. Durch die Inbetriebnahme der beiden Aus- bzw. Eingänge ist«ine wesentlich verbesserte Uebcr- gangsmöglichkeit von der Stvaßenobersläche zur U-Bahn geschaffen. An dem Uebergang zur Reichsbahn wird im Augenblick noch gc- arbeitet. Auch er wird in der nächsten Zeit sedier Vollendung cnt- gegengehen.''____ vi-- i■ Das Rauchen auf den Omnibussen. Mit Wirkung vom 13. d. M. ab tritt bei den Omnibussen bezüglich der Raucherlaubnis eine Aenderung ein. Infolge zahl» reicher Unzulässigkeiten ist künftig bei Decksitzwagen das Rauchen auf der Plattform nicht mehr gestattet. Es darf also bei solchen Wagen nur noch auf dem Oberdeck geraucht werden. Bei den Wagen ohne Verdeckplätz« ist dagegen das Rauchen auf der Plattform nach wie vor gestattet. Zu der Liebestragödie in der Ansbacher Straße 23 bitten uns die Angehörigen mitzuteilen, daß die jungen Leute im gegen- seittgen Einverständnis freiwillig aus dem Leben ge- schieden sind. SSJNCIAIR LEW/S m iii m W ROMAN t Sie konnte sich nicht rühren; sie fürchtete sich, ihn anzusehen. Der Lärm des Restaurants, der Geruch gebratenen Schweinefleisches und die Leute rings um sie— all dies verging vor ihrer Aufregung. Sie schüttelte heftig den Kopf, wie um aufzuwachen, und hörte sich mit ruhiger Stimme sagen:„Es ist entsetzlich spät. Glauben Sie nicht auch?' und wußte, daß sie aufstand. Doch sie schritt in süßer Mattigkeit neben ihm die Straße entlang, mit jeder Faser ihres entrückten Körpers neugierig wartend, ob er ihre Hand wieder berühren werde, was er tun werde. Erst als sie zur Haltestelle der Untergrundbahn kamen, fiel ihr — und dem ewig-fürsorglichen Schutzgeist, der in jedem Weibe wohnt— der langsame Schritt und die schleppende Stimme ihres Begleiters auf und sie raffte sich zusammen und sagte:„Oh, bitte, kommen Sie nicht mit in die Unter- grundbahn: ich bin wirklich gewohnt, allein zu gehen!' „Meine liebe Goldi: Sie sind an gar nichts im wirk- -lichen Leben gewöhnt. Oh! Ich Hab das nur so gesagt, ohne dabei was zu denken!' Er packte sie am Arm— der bei der Berührung seiner Finger leise erschauerte— und rannte mit ihr die Stufen zur Untergrundbahn hinunter, und während er die Fahrkarten löste, lächelten sie einander zu. Die Untergrundbahn tauchte hinab in die gleichförmige Finsternis und führte die beiden aus dem Bereiche der dunklen hohen Gebäude und der Autos, die zu den Theatern eilten, zu einer weit draußen gelegenen Straße, deren An- blick durch Bäume gemildert und durch niedrige Wohnhäuser und kleine Läden freundlicher gestaltet wurde. Am Ende der Straße unten konnten sie über den Hudson hin die traumhaften Weiten einer frühlinghaften Dunkelheit sehen- Di« von Kohle und Eisen vergewaltigte Natur schien nach ihnen zu greifen und— wo immer nur sie sich in einem leeren Plätzchen freimachen konnte— strahlte sie den be- lebenden Duft frischer Gartenerde aus. „Beinahe ländlich", sagte Walter. Ein drängender, verwegener Blick leuchtete plötzlich auf m seinen Augen. Er blieb stehen, faßte ihren Arm. In seiner Stimme klang es wie Frühlingstaumel, als er fragte: „Möchten Sie nicht heut nacht auf und davonlaufen mit mir? Kosten Sie diesen Wind auf Ihren Lippen— er ist erfüllt von geheimnisvollen Dingen. Wollen Sie nicht durchbrennen? Wir könnten bis zum Morgengrauen über bie Palisaden wandern und schlafen gehen, wenn die Maien- sonne funkelnd über den Hudson steigt. Wollen Sie nicht— wollen Sie nicht?' Obwohl er den Kopf leidenschaftlich zurückgeworfen hielt, sah sie, daß sein« Faunaugen an den ihren hingen und daß seine Lippen sich leise öffneten. Sie hätte schrecklich gerne „ja" gejagt. Una Golden aus Panama, Angestellte der „Auto- und Benzin-Woche", überlegte tatsächlich eine Zehntelsekunde lang, ob sie nicht mitgehen könnte. Taumel — das Plätschern des Flusses und Dunkelheit und Stern«! Doch sie sagte:„Nein, ich fürchte, wir können leider nicht!" „Nein", sagte er langsam.„Natürlich— natürlich, ich Hab auch nicht ernstlich gemeint, daß wir's tun könnten, aber — Goldi, kleine Goldi, die leben will und die Dinge lenken— möchten Sie es nicht wenigstens gerne tun? Möchten Sie nicht?" „Ia!... Sie tun mir so weh am Arm!... Oh, bitte, nicht! Wir müssen.. Sie schrie leise auf, als wollte sie ihn bitten, sie vor dem unwiderstehlichen, lachenden Locken des Frühlings zu retten; bebend schien jeder Nero in ihr ihn anzuflehen: nicht Erleichterung war es, sondern Dankbarkeit, was sie empfand, als er sagte:„Armes Kind! Kommen Sie. Wie müssen wir gehen?" Sie gingen vernünftig weiter bis zur Wohnung der Goldens, und vernünftig überlegte er: „Beide sind wir arme Kinder, bemühen uns, brave Bureau- sklaven zu sein und möchten doch viel lieber alles zer- schlagen... Sie werden Königin werden— Sie werden nach dem Throne langen, wie nach den Papieren auf meinem Schreibtisch. Und vielleicht darf ich dann Hofnarr sein bei Ihnen." „Warum sagen Sie, daß ich— oh, daß ich Königin sein werde? Meinen Sie es wörtlich— im Geschäft ein« leitende Stellung?" Hab nicht an etwas Bestimmtes gedacht, aber es wird schon so was sein." „Aber warum? Warum? Ich bin doch nur eine von Millionen Stenotypistinnen." „Ia, nun, weil Sie sich nicht einfach damit zufrieden geben, die Dinge so zu nehmen, wie sie Ihnen in die Hand kommen. Die meisten Leute sind damit zufrieden, und darum bleiben sie in irgendeinem Geleise stecken und wundern sich, wie sie hineingeraten sind. Diese ganze Sache mit dem großen Erfolg ist ein Mysterium— aber ich weiß, Sie werden ihn haben, weil Sie nicht leicht zufrieden sind— verlassen Sie sich auf mein Wort, Sie bringen's fertig! Sie sind bereit, in einem verborgenen Winkel zu arbeiten, bis die Zeit gekommen ist, um zuzuspringen. Das ist mein Fehler — ich kann nicht durchhalten." „Ich— vielleicht.— Hier wohne ich." „Mein Eottl" rief er,„wir müssen noch einen Häuser- block weiter gehen, und dann kommen wir wieder zurück, ja?" .. Ja." Und noch ehe sie ihr„Ja" gesprochen hatte, waren sie schon weiter gegangen, dem Winde entgegen, der vom Fluß her wehte. „Denken Sie nur, da vergeuden wir diesen bezaubern- den Abend mit Gesprächen über Erfolg— der so viel be- deutet, wie ein Haus besitzen in Donkers! Jetzt, da wir Freunde geworden sind, Goldi, kleine Goldi. Freunde— wenigstens für heute abend! Sind wir das nicht, meine Liebe, sagen Sie, sind wir nicht Freunde?" „Oh, ich hoffe es!" flüsterte sie. Er zog ihre Hand in seine Tasche und hielt sie dort fest. Sie sah schüchtern zu Boden. Merkwürdig, daß ihre Hand nicht sichtbar war, da sie doch ihre Handfläche auflodern fühlte in der seinen: warm und sicher schmiegte sie sich darein... Herr Walter Babson war kein junger Mann mit„schlechten Aussichten" oder mit„guten Aussichten": er war die verkörperte Liebe, in zauberhaft warmem Fleisch, und seine Hand war die Hand der Liebe. Una fühlte, wie seine gestärkten Manschetten gegen ihren bloßen Arm drückten — eine Männermanschette unter der derben Hülle seines Männerrockärmels. Er begleitete sie bis zum Hausflur ihrer Wohnung zurück. Einen Augenblick lang hielt er ihre beiden Arme am Ellbogen und sah ihr in die Augen, während sie angst- erstarrt überlegte, warum sie sich nicht rühren konnte— und ob er sie küssen werde. Cr zog seine Hand zurück, seufzte:„Gute Nacht, Goldi. Heute Nacht werde ich mich nicht einsam fühlen!" und wandte sich hastig ab. Una hörte geduldig all die langen, schluchzen- den Fragen ihrer Mutter an, warum sie sie den ganzen Abend allein gelassen habe. Denn sie wußte, daß sie einen stillen Augenblick vor sich hatte, daß sie mit dem Gott der Liebe allein sein und zu ihm beten würde, er möge ihren Jungen bewahren, ihren tollen Jungen, Walter. (Fortsetzung folgt.) �00 Lahre Berliner Pferderennen. Cin.Tempelhofer Jubiläum. Der Sport ist nicht immer eine Erningenschast der Neuzeit. Alle Jahrhunderte kenneir Leibesiibungcn, wenn auch nicht»er- Kunden mit der Nervenanspannung der Zuschauer von heute. Auch Pferdesport ist sehr alt. Stiche erzählen von Turnieren auf der Berliner Stechbahn, bei denen allerdings nickst die Pferde die Hauptroll« spielten. 1820 kam auf dein Tempelhofer Feld der Pferdesport, der Rennsport, auf. Da in damaliger Zeit der Berliner bei jeder Neuerung noch dem Nutzen fragt«, bürgerten sich die Pferderennen unter dein Motto: �Verbesserung der Pferdezucht"«in. Als die napoleomschen Kriege nicht allein unter dem Pferdebestand aufgeräumt hatten, sondern auch die Wertung des Pferdes, insbesondere der Oualitäts- pferd«, erneut zur Geltung brachten, wurde in Preutzen der Pferdezucht erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt. Diese Tatsache kreditierte die Pferderennen und warb im günstigen Sinne für sie. Es gab jedoch im Berkin des Biedermeier, der behaglichen Ruhe, der länd- lichen Unbeweglichkeit auch Stimmen gegen die Pferde- r e n n e n, die eben meinten, daß sie wohl weniger zur Verbesserung der Pferderassen beitragen und mehr ein gewisses Hasard- oder Zufallsspiel begünstigen. Jedoch kamen den damaligen Pferderennen, die nur im Juni bis Ansang Juli abgehalten wunden, zwei günstig« Momente zu Hilfe. In dieser Zeit fand der für Berlin hochbedeut- same W o l l m a r k t statt, der sehr viele Leute anlockte. Mit ihm wurden auch eine Tierschau und eine landwirtschaftliche Aus- stcllung verbunden, die man allerdings noch nicht„Grüne Woche" nannte! So hatten die Messebesucher Gelegenheit, als besondere Attraktion dem Pferderennen beizuwohnen. Auch der gesamte Hof war dabei anwesend. Dies« Rennen fundierte man in alther- gebrachter idealer Weis«. So gab es als Preise wertvolle Pferde, kostbar« Degen, fein ausgearbeitete Hirschfänger und dergleichen. Auch Geld war mitunter ausgesetzt, jedoch nur in festen Summen von 50 bis 200 Friedrichsdor. Das Abschließen von Wetten kannte man aber nickst. Die Gilde derer, die von Nennweiten leben, ist eine neuere Errungenschaft. Die alten Berliner Pferderennen waren eine Volksbelustigung, verbunden mit der M«sse ein Volksfest, eine Lustbarkeit im wahren Sinne des Wortes, die kaum über den Rahmen der idyllischen Biedermeierzeit hinausragte. Neue deutsche Städtemarken. Aus Anlaß der Internationalen Postwertzeichen- a u s st« l l u n g, di« vom 12. bis 21. September 1930 in Berlin stattfindet, läßt die Reichspost auf besonderem Wasserzeichenpapier e i n Blatt ntit 4 Wohlfahrtsmarken d«s Jahres 1930 her- stellen. Die Marken zeigen folgende Städteansichten: 8 Rps Aachen, 15 Rpf. Verlin, 25 Rps. Marienwerder, 50 Rpf. Wiirzburg. Jeder Besucher der Ausstellung kann ein Diererblatt g«g«n Ab- gäbe eines Abschnitts der Eintrittskarte für den auch den Wohl- fahrtszuschlag enthaltenden Preis von 1,70 M. beim Ausstellungs- Postamt kaufen. Bei anderen Postanstalten od«r durch die Versand- stellen sür Sammlermarken werden die Viererblätter nicht vertrieben. Das Viererblatt wird in begrenzter Auflage hergestellt. Etwaig« Restbeständ« werü::, nach Schluß der Ausstellung vernichtet. Die Marken des Viererblattes können zum Freimachen von Post- sendungen nach dem In- und Auslande verwend-t werden. Ihre Gültigkeit läuft erst am 30. Juni 1931 ab. Die auf gewöhnlichem Wasserzeichenpapier gedruckt«» Wohl- fahrtsmarken des Jahres 1930 werden erst vom 1. November ab bei den Postanstalten erhältlich sein; von diesen Marken werden kein« Mererblätt«r hergestellt. ffiuddhifiifche &eier in Frohnau In Frohnau, vor dem auf sKUer Höh« liegenden Buddhatempel, wurde«in japanischer Gedenk- gottesdienst für die Gefallenen des Weltkrieges abgehalten. Der japanisch- buddhistische Priester Gido Jshida bei der Andacht vor der Buddhastatue. Im Hinter- gnmd die Berliner Buddhisten, die der Feier beiwohnten. Das Berliner Arbeiisgerichi. In einem halben Jahr 346�0 Klagen. r~' Ein Blick in di« neueste Statistit de« Berliner Arbeitsgerichts gibt interessant« Aufschlüsse über die Entwicklung der Arbeitsstreitig- ketten ttn letzten halben Jahr. Die neuen Zahlen umfassen die Zeit vom 1. Januar bis zum 30. Juni 1930, die man mit den Ergebnissen der gleichen sechs Monat« des vorigen Jahres vergleichen muß. Die Zahl der 34 610 eingereichten Klagen ist mir umTH Proz. gestiegen. Mit 13 156 Vergleichen wurden 1929 44 Proz. aller Fälle er- ledigt, mit 13 146 in diesem Jahr nur 38 Proz. Dieses Jahr mußten 5�7 8 Urteile gefällt werden, ebenfalls 15 Proz. mehr als ttn vorigen Jahr. An der Spitze stehen die zahllosen Prozesse der enilassenen Aageslelllen mit 13446 Klagen, das sind noch 33 Proz. mehr ok» im vorigen Jahr. Bei den Jndustriearbettern hat sich nicht viel geändert: Metallarbeiter hatten 1929 noch 3397 Klagen ein- gereicht, dieses Jahr nur 3192, Textil- und Bekleidungsarbeiter stiegen um eine unbedeutend« Zahl auf 1669. Bauarbeiter hatten 2175 Klagen aufzuweisen gegen 1889 im Vorjahr, Land- und Forstavbeiter sind merkwürdigerweise wn 41 Proz. gestiegen, von 378 auf 524. Daß die Hausfrauen, wenn das Gell) knapp wird, leider sehr oft an der falschen Stelle mit Sparen beginnen, zeigt die unverhältnis- mäßig stark« Zunahm« der klagen von Hausangestellken. Die Steigerung von 1886 auf 2583 Fälle, um mehr als 36 Proz., zeigt deutlich, daß sich Disserenzmöglichkeiten in diesem Beruf in schlechten Zeiten weit stärker bemerkbar machen als in anderen Arbeits- Verhältnissen. Wiederum, genau wi« in früheren Jahren, ist eine steigend« Inanspruchnahme des Beschlußverfahrens zu konstatieren. Die Anträge aus Beschlußsassung über Anfechtung oder Anerkennung «iner Bemcbsratswahl, Absetzung eines Betriebsrat-Mitgliedes und verwandte Fragen sind um 33sh Proz. gegen das Vorjahr gestiegen Es handelte sich in diesem Jahr sehr häufig um ernste politische Kämpfe und um die Berteidigung sehr wichtiger Machtpositionen. Die meisten derartigen Beschlußaitträge kamen vor die Kaminer der Angestellten bei Behörden und Kvrperschasten des öffentlichen Rechts, sowie vor die Fachkammer für die Metollindustrie, die graphischen Betriebe, Transport und Reichsbahnarbeiter. Verlegung des Kiudersesles in Neukölln. 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Abonnements- Anmeldungen ior die Spielzeit 1930-31 (Beginn am 1. ssptemder) werden auch während der Theaterferien entgegengenommen: a) fnr die Staatsoper nnd das Staat). Schauspielhaus vomAbonnements- büro, Berlin W56, Ober- wallstr. 22.— Femspr. Merkur 9024. b) für das StaatL Schillertheater vom Abotme- mentsbiiro3erlin-Cbar- tottenburg, Grolman- etraße 70.— Femspr. Steinpl. 6715. VLAZa Reichshallen-Theater |T) Uhr stettinor sanger Hb 16. Juli: HastspUl dir Dresdnerüictona-sanaer Dönhoff-Breill: (SasI und Midi kühler Garten) Variete- Konzert- Tanz ZOO |2ooiog.6arien Ab 4 Uhr naduslttags GROSSES KONZERT Täg�ch Taaz im Freien Auf d. Schaus:elluncsplaiz „1000 Krokodile" Aquarium Tlarkunmt.Ausstellung ★ Qarren* e.is um- Bgomea eriaobi Corflnls Dollarsegen ns*. Soaaafeaad g. Sonnt« g J« 3 Vorstellung«« 4 und 8« Uhr. 4 Uhr Kleine Preis« Touubimne Tbeatv u BUnrplib. S'h Uhr Oer fröhlWie Weinberg Lustsp. inSAkten ige brt Imtmaju fagletS. Linter. Metropol-Th. Täglich Ph Uhr ■lebae| lehnen mitDir aiieio.. Deofiues neam D 2 Vildnidaniii 5281 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh Reg.: Max Reinhard« Hirt: FriiWdi Hollinin. BEhnmbllier End Sdittt». Die Komödie II Bismck.24] 4/751« 8V. Uhr Vie werde ich reidi und sMIidi? 3o Ilms ii II Uhilngn m Wh Janhlmn. Kuh ng Misda Speliwsly. (tsfli.; End Emtl Bönnenbilder Lolwiii lainr Tlgl. A u.©U SQBDL 2, 3 8u Alex. E 4. 8066 Internationale Attraktionen Theater i. d.Bebrenstr. 53-34 8% U. A4 Zentrum 926�27 8*/» U Direktion Ralph Arth cor Roberts Mein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Robs FÜR ALLE DAHEIMGEBUEBENEN FERIENPAROLE BERLINER SGMMER- SCHAU 1930 FuinuiuiaiUEi in uiseeoium «EUCH 9-8 UHR GEÖFFNET 10 7 UHR(SÜSSER DOIIERS- TIG) BEI GUTEM WIE SCHIECHTEM WEITER KOÜZERT DES BERUIER SINFONIEORCHESTERS DIR.: DR. HEUHÜTH THIERFELOER „Das Rast- HBtattr tat\ stet mit dieser Außut- ntug der„Andere* Seite" | fär diese* Sommer an 1 die Spitze der Berßner j Tteater gesteift" sc sdreitt die_ Weitstadt-| ecm 7. Ju£. Pul Rmc als KMipaanteMhrer „Die andere Seite"| tod 8b©ril( ! TKclieb S» Uhr, aber aar 1 noch bi» Sonntag, d. 20. JaJi. AI lionU|,21 Juli ia InnonthMtsr völllgr b«« eiBetudlert . JlndUBMU als Eritehir" Eomödio von Ott© Ernst 1 Auf der asrtonbflhno, tlfl. 6» U. (Sonntags 5« Uhr) Des Bomben programm I mit Willi Rosen am Fia#«L oü„Verliebte Leute" I [ Operette reo K i n n• k«. In den Hecptrollen; Dlttars, Hol«r,Kantins.P)«nMflt, GOlllch, Kanlteh. Mute. Hau« Rom und Rlehter-Wauer. BIllettfcaM.:äJ«x.3422 a.3404. Gr. Ffafcftutar Str. 183 Rose-Theater I Lessiig-Tbeater Wildodama 2731 1. 0346 Täglich 8V, Uhr Der Faun Tin Edw. RmliitiidL PulHmaib. K�a. Flanna. ImL Grwjtaiiuty, Fnokn, Fiedltr. Rarätn, Ihn Renaissance- Theater 9 Uhr Steinplatz 6780 Heute und allabendiidi Die Wunder-Bar RevuestOck Mr 1 ffesteoi Täglich 8V> Uhr das Land des Ucbelns Fianz Lehars Sensationserfolg! 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Majerrzik, Vorstandsmitglied der BVG. Mchdem die Umsteigebedingungen der BDnatskortenpr«>se. Die jetzig« Tarifänderung bringt teils eine Erhöhung, teils«ine Ermäßigung des Fahrpreises. Erhöht wurde der Preis d«s Ornnibus-Umsteig«- fahrfcheins von 25 auf 30 Pfennig. Außerdem gelangte eine Sammelkarte für 12 Fahrten auf der Straßenbahn oder U-Vahn ohne Umsteigeberechtigung zum Preise von 2, SO Mark zur Ein- sührung. Di« Sammelkarte stellt eine Preisermäßigung dar. Schließ- lich wurden die Urnsteigebedingungen neu gefaßt, was bei einem Teil der Fahrgäste einen lebhaften Unwillen hervorrief. Die Bevölkerung wird über die neuen Umsteigevorschristen vielleicht gerechter urteilen, wenn sie die folgenden Tatsachen erfährt. In dem Umst«igewesen der BVG. hatten sich im Lauf« der Zeit schwere Mißstände herausgebildet. Die lange Dauer der früheren Umsteigefrist von Stunden und die beliebige räumliche Verwendbarkeit des Fahrscheins im Bereiche des BVG.-Netzes hatten dazu geführt, daß sich in der Stadt richtige Tausch- stellen für die LVG.-Fahrschein« entwickelt hallen. Aber auch dort, wo keine Absicht des Betruges vorlag, ist der Fahrschein viel- iach nicht zu einer Reis« verwandt worden, wie es dem inneren Sinn« des Umsteigens entspricht, sondern zu zwei Reisen. Der BVG. ist aus diesem Mißstände«in finanzieller Schaden erwachsen, der zwar nicht abzuschätzen ist. der aber sicher in die Millionen ging. Durch die Verkürzung der Umsteigesrist auf«in« Stund« und durch die Bestimmung, daß die zweite Fahrt im unmittelbaren Anschluß an die erst« angetreten werden muß, wird den Mißbräuchen zu einem großen Teil vorgebeugt. Es ist natürlich«ine peinliche Sache, in d«r gegenwärtigen Zeit der wirtschaftlichen Notlag« Fahrpreis» zu erhöhen und das Umsteigerecht«inzuengen. Aber derartig» Maßnahmen entspringen nicht dem bösen Willen de« vusstchtsrats oder de» Vorstandes der BVG-, sondern ste sind als Notwendigkellen au« der Lage geboren. Welches nnrrev dl« Ursache«. Mt oazu geführt haben, daß das Torifwesen her BDG- in der verhällnwmäßig kurzen Zeit von einem halben Jahre zweimal geändert werden mußte? Um dies zu begreifen, muß man auf die füngste Entwicklung des Berliner Verkehrswesens kurz eingehen. Di« drei jetzt zusqmmangeschlossenen Verkehrsunternehmungen, die Hchatzenbahn. der Omnibus und pi« LJ-Bahn. hoben in den letzten Jahren«in» außerordentlich st arkeErweiterung erfahren. Es sind neu« Untergrundbahnlinien und neu« Strecken der Straßenbahn gebaut worden. Es wurden neu« Omnibuslinien«in- gerichtet. Hlraßenbahnwagen, 1%Dahn«og«n und Autobusse wurde« angeschafft. Betriebshöse und Werkstötten wurden errichtet, Arbeiter- Wohnhäuser gebaut usw. Die zahlreichen neuen Linien bedeuten für die Bevölkerung eine besser« Verkehrsbedienung. Sie machen es zahlreichen Bolksgenossen erst möglich, in neuen und gesunden Siedlungen zu wohnen. Die Benutzung der neuen Schnell- bahnen spart dem arbeitenden Volk Zeit, das wichtigste Lebensgut. Natürlich aber kosten oll« diese Erwellerungen und Aerbesserungeu Geld. Sie koste» einmal Geld in der Form van Verzinsung und Tilgung des neuen Anlagekapitals, sie kosten außerdem neue» Geld in Gestoll erhöhter Betriebsauegaben. Eine Borstellvng von der Größe der Kapitalien, die In den letzten Jahren für den Verkehr ausgewandt worden sind, gibt die Entwicklung des Schuldenstund!» b« den Unternehmungen. vle kurzsristisea und tangsristigen Schulde»(einschließlich der hypothekenschuldens bei der BVG. bzw. ihren Rechtsvorgängerinnen, der Straßenbahn-, der Omnibus, und der chochbahngvsellschsft betrugen: End« 1926..» 109,4 Millionen Mark m 1927,--- 140,5,„ .. 1928..... 220,5 , 1929..... 265,9 «an sieht, daß die Schulden End« 1929 bereits sehr erhebliche Beträge ausmachten. Hierbei ist zu bemerken, daß der obig« in d«s Bilanz der BVG. für End« 1929 ausgewiesene Schuldcnstand noch keineswegs den Gesamtbetrag dersenigen Mittel dar- stellt, die von der Stadt für Verkehrszwecke aufgewandt wurden. Mit der Ausdehnung des Verkehrsnetzes wuchsen die Fahr- l« s st u n g«» und damit zugleich der Werkstättendienst und die gesamt« technische und kaufmännische Verwaltung. Eine vor- stellung von dem Wachstum de» Betriedes geben die Zahl der Belegschaft und die gezahlten Löhne und Gehälter: End« 1926 End« 19?9 Kopizahl der Belegschaft..- 22 000P«rf. 28 000 Pees. Summ? der Löhne u. Sehälter 52.1 Miss. M. 84.3 Mill, M. Di« Löhne und Gehäll-r bilden in«mein Verkehrsbetrieb« den chauptposten der Ausgaben. Nicht im gleichen Maß« wie die Ausgaben sind die Zahl der Fahrgäste und die Summe der Einnahmen gestiegen. E, betrugen die Verkehrsleistung und dl« Netrieb»einnochwen.- im Jahr« 1826 1929 Zahl der beförderten Fahrgäste 1089 Miss Perl l 217 Miss. Perl. Summ« der Betriebseinnahmen 163,8 Mill. RM 210,3 Miss RM. (Zu der Zahl der beförderten Person«» im Jahr« 1929 ist zu bemerk««, daß der Um- und u-bersteig-r hierbei nur ak« s« ein Fahrgast gerechnet ist.)..... Um die verschiedenen abengenannten Zahlen nut«mand«r»er» gleichen zu können, drücken wir in der fvlgknd Roten Hauses gefunden. Im besonderen sind die kostspieligen � U-Bahnbauten von der Stadtverordnetenversammlung fast sämtlich s mit großer Mehrheit boschlossen worden. Die gegenwärtige Lage der DDG. ist nicht leicht. Wie sie sich im Laufe dieses und des kommenden Jahres ge«■( stalten wird, läßt sich nur vermuten. Biel wird von der Entwick-| lung der wirtschaftlichen Verhältnisse in der nächsten Zell abhängen» j und zwar von der Entwicklung des Arbeitsmarktes wie auch von der des Kapitalmarkte». Für«ine privat« Berkehrsunternehmung ist di« Erzielung einer möglichst hohen Rente das oberste Gesetz ihres wirtjchastlichen Handelns. Die BVG., di« ein ö s f e n t l i ch« s Unternehmen ist, darf den Gesichtspunkt der Rentabilität zwar nicht vernachlässigen, ober ihr oberstes Gesetz müssen das ösfentlich« Wohl und ein« hohe Verkehrsleistung sein. Die Berkehrsbauten sind im Interesse der Berliner Bevölkerung, im Interesse der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Stadt durchgeführt werden. Die BVG. trägt augenblicklich wegen der Ungunst der Loge schwer an der Last der Ausgaben. In späteren Iahren ober, wenn die Einwohnerzahl der Stadt größer und die Besiedlung dichter geworden sind, werden die jetzt errichteten Bauten des Oberstächen- wie des Untergrundoerkehrs sich volkswirtschaftlich bezahlt machen. Diktierte Preiserhöhungen. LleberoN Verteuerung des Verkehrs.— Oeltrufis und Groß- gnmbbesitz gegen Verbraucher. Um U August soll der veazlnprel»«nieder nm 2 ans 39 Vfeunige erhöhl werden. Die n«l« Benzinpreiserhöhung mn 2 Pf. auf 39 Pf. für da» Liter, die am 1. August tn Kraft tritt, wird von den großen Oel, und Tankstelle nkonzernen als automatische Wirkung des S p i- rstvsbezvgszwaage» bezeichnet. Zu Unrecht. Di« Regie- rnngsverordming verpflichtet die Importeure und dl« inländische» .Hersteller von Treibstoffen lediglich zum Bezüge von VA Kilo Kar» toffelsprtt(de? von der Reichs-Monapolverwalamg zu 80 Bs. für das Liter abgegeben wird) auf(je) 100 Kilo spritsreien Treibstoff. Da? bedeutet für di« Oelkonzerue«ine Verteuerung des Benzins um ziemlich genau 1 Pfennig pro Liter, wi« sich leicht berech. nen läßt. Run hcchen die Oelkonzerne ab« erst hei der letzten Zoll- «rhähung der Kleinverkaufspreise für Kraftstoffe um einen halben Pfennig mehr verteuert, als berechtigt war, wahrscheinlich jedoch um noch mehr. Der Denzinprris wurde nämlich um 5 Pf. pro Liter erhöht, während die Zollerhähung nur 3,8 Pf. ausmachte. Shell. Standard Ott, Deropa usw. wären also in der Lage, die durch die Spiritusverortmung hervorgerufene Steigerung ihrer Selbstkosten selb st zu tragen, um so mehr, als sie auf der anderen Seite durch Rationalisierungsmaßnahmen und die Ausschaltung der Außenseiter ihre Profite erhöht habe». Rechnerisch zu rechtfertigen, bei schlechter Wirtschaftslage ober auch unvernünftig, wäre vielleicht eine Benzinpreiserhöhung um 1 Pf. Durchaus ungerechtfertigt aber ist di« Erhöhung um 2 Pf. pro Liter; die Tankstellenkonzerne können sich diesen Sonderprofit von 40 bis 50 Millionen jährlich nur durch ihre Monopol st ellung perschaffen. Di« ungerechtfertigte Preissteigerung ist verhängnisvoll für alle, die auf Krafträder und Auws angewisse» sind, besonders angesichts der jetzigen Personeiltariferhöhung der Reichsbahn. Sie ist im Verein mit der gleichzeitig geplanten Lastkraftwagen- sonder st euer und der Tariferhöhung der Reichs- bahn durchaus geeignet, die von der Regierung propagierte ollgemeine Preissenkung im kritischen Moment aufzuhalten. Noch eins Ist zu bedenken. Der.IIa n d w i r t s ch a f t" sollte mit dem Spiritusbezugszwang geholfen werden. Tatsächlich hilft er den O e l t r u st S. die eine Unterstützung bestimmt von keiner Seit« nötig haben, und auch nur den größten unter den Großgrundbesitzern; denn für die großen Güter steigen die Brennereieinnahmen bis zu 25 Proz. ihrer Gesamteinnahmen. Auf die kleinen und mittleren Bauern dagegen entsollen so gut wie gar keine Brennereirechte So führt auch der Spritbezugszwang lediglich zu einer Bereicherung derer, die da haben, auf Kosten derer, dl« viel weniger haben Noch ein Wort zur L a st k r a f t w o g« n st e u e r: Sie ist so ziemlich die unsozialst« aller Araftfahrzeugsteuern. denn sie wird vollständig aus den Konsum abgewälzt. Wäre es der Regierung darum zu tun. die Kosten ihrer Spirituosubventionsn nach dem Maße der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu verteilen, so wäre sie auf eine Besteuerung luxuriöser Privatwagen verfallen. Aber der Zweck der Uebuug ist offenbar das Gegenteil von dem, was selbst Industrieherren wie Carnegie und Henry Ford unter steuerlicher Gerechtigkeit verstehen. Gelsenkirchener Kohlen-Gewinne. Ol« neuen Kohleniuteressen der Stahltrustholding. Di« Gelsenkirchener BergwerksA.�N� hat sich im Geschäftsjahr 1029/30 nicht mehr mit der Verwallling der Hunderte von Millionen Stohltrust-Aktisn, einiger Kohlenzechen und ihrer Granatenfabrlk begnügt, sondern ihr Tätigkeitsfeld im Bergbau um«in Vielfaches vergrößert: am deutlichsten tritt da» in der eingetretenen Steigerung der Arbeiter, zahl von 3866(«n 31. März 1929) auf 18375(am 31. März 1930) in Erscheinung,«eneroldirektar Vogler, der Aufsichtsrats, narsttzeude der Gesellschaft. Hot nach de« glänzenden Snvinnen von 1929 offenbar den Schluß gezogen, daß am kartellierten Kohlen� bergbau in den nächsten Jahren fast noch mehr zu verdienen sei» wird, als bei der Eisenerzeugung, und so wurden große Zechen (Essener Steknkvhlen Bergwerke A.-G.) neu erworben, die wertvoll«! Anthrazitkohle liefern und einen verhältnismäßig sicheren Absatz haben. Die Gelsenkirchener Bergwcrks-N.-G. konnte ihre Gewinnd gegen 1 SA/29 ganz bedeutend erhöhen, wenn di« Steigerung auch nur zu einem Bruchteil in festen Ziffern erkennbar ist. Bilanz-, mäßig ist der Reingewinn gegenüber dem Vorjahr von 25,84 Mll, Honen Mark um 2,36 aus 28,20 Millionen gestiegen, also immer« hin fast mn«in Zehntel: im übrigen wurden die Profite zur Bss, dung von stillen Reserven— namentlich aus dem Wert- papierkonto— verwendet, sowie zu einer ob e-mal igen Erhöhung der offenen Abschreibung« n um 1,48 auf 9,94 Millionen. Die Aktionäre erhalten wie im Dorsahr« 8 Prozent Divi- dende oder 19,08 Millionen Mark auf das Stammkapital von 250 Millionen, Da« alljährliche Geschenk an den Aufsichtsrat, dem nur prominent« Schwerverdiener angehören, wird wiederum er» höht, wenn auch mn«inen verhältnismäßig kleinen Betrag: die Tantiemen erfordern jetzt 408 000 Mark. Wie sehr am Steinkohlenbergbau im Ruhrbezirk und damir auch bei der Gelsenkircheuer Bergbau 2l.-G. während des letzten Jahres verdient worden sein muß, geht aus der neuesten Ber- öfientlichung des Reichskohlenverbandes hervor. Während der durchschnittlich« Reallohn der Arbeiter unter Tage(unter Be- rücffichtigung der Geldentwertung) seit 1913 mir von 6,60 Mark auf 6,86 Mark pro Schicht stieg, also kaum eine Berände» r u n g erfahren hat, ist die Leistung derselben Arbeiter je Stapft und Schicht seit 1913 bis Ende 1929 um 34,1 und bis zum 1. April 1930 sogar um 3 7,8 Proz. gestiegen. Welch« Einsparung«»» müssBft da vergleichsweis« auf dem Lohnkonto erzielt worden sein, und dennoch wird gegen die„unerträgliche Lohnsteigerung" immer wieder Stirrm gelausen. Konsumverein senkt Milchpreise. Der 16. Verbandstag mitteldeutscher Milchhändlerverein« hat ein Flugblatt beschlossen, in ivelchem es über die Berhäktnisse in Dresden heißt: Der Versuch(der privaten Milchhändler. D. Red), die Milch- preise hoch zu halten, hat die Konsumvereine veranlaßt, in den Milchuerkaui»inzugreifen. Dies« ließen sich zunächst billige außer-! sächsische Milch kommen, und dann gingen sie dazu über, auch die- sächsische Frischmilch im Preis« herunterzudrücken. In Dresden' ist es bereits so iveit gekommen, daß der K o n su m v e re i n i ..Vorwärts' als Preisdiktotor austritt und einfach ohne sedc; Rücksicht aus die Preiskommission der Erzeuger, Molkereien und Händler den Milchpreis ansetzt und össentlich bekanngibt. � wie er«» will. Die Lieseronien dieses Konsumvereins sind ye- j zwungcn zu liefern(Geuossenschaftsmolkereien der sächsischen- Landwirtschaft), wen» sie ihre Milch nickt durch billige Milch aus' schlesischeii Mottereicn verdrängt haben wallen. In Schlesien zahlt man den Erzeugern 9 bis 10 Pf. für ihr« Milch frei Molkerei. wodurch es n täglich Ist, solche Milch molkereimäßig behandelt für etwa 15 Ps. nach Sachsen hcreinzulixfern. Die Versuche, an diesen Dingen etwas zu ändsru, haben bis»- her zu großen Verlusten der Landwirte geführt, so bei den von der Landwirts choit in Plauen und Pirna gegründeten Molkereien. Die letzter« Molkerei beliefert jetzt sogar den Konsunwcrein„Vor- wart»' in Dresden, trotzdem dieser sogar den Preisdrücker und Preisdiktotor spielt.... Di« Verbraucher wären sicher froh, wenn sie mehr von diesen eigenartigen Preisdikwtoren hätten, welche die Preise noch unten drücken. Und die Landwirte wären gewiß ebenfall« ftoh, wenn sie lauter so prompte Zahler hätten wie die Konsumvereine, Agrarpreise ziehen an. Di« auf den Stichtag des 9. Juli be- rechnete G r o ß ha n dels> n d e;z i f f e r des Statistischen Reichs- amtes Heu sich mit 124,8 gegenüber der Vorwoche um 0,6 Proz erhöht. Van den Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agror- stokfe um 2.7 Proz. aus 113,1 gestiegen, während d>c Indexziffer fist industriell« Rohstoffe und Halbwaren um 0.5 Proz. aus 120,0 zurückgegangen ist. Die Indexziffer für industrielle Fertigware» war«U 130,9 unverändert, 1 Das Ergebnis von Stockholm. Und eine Warnung: Demokratie— oder Faschismus. J. S. Stockholm, 12. Juli.(Eigenbericht.) Der Kongreß von Stockholm wird in die Geschichte der Arbeiterbewegung eingehen als eine Tagung der großen Eni- scheidu ngen und ernster fruchtbringender Arbeit. In diesem — und in vielen anderen Punkten— unterscheidet er sich von seinem Vorgänger, der im Grunde nur einen und auch nur nega- tiven Entschluß gefaßt hat: den Sitz zu verlegen. Die positive Seite dieses Entschlusses, wohin der Sitz verlegt werden soll, ließ er aber offen. Die wichtigste Entscheidung von Stockholm ist die Aufstellung eines wirtschaftspolitischen Programms, das in ollen seinen Teilen wohl abgewogen und durchdacht ist. Es bedarf keines besonderen Nachweises der' dringenden Notwendigkeit dieses Programms. Das sich überstürzend« Tempo der Mechanisierung und Konzentrierung der Produktion hat die Arbeiterschaft immer mehr in die Defensive gedrängt. Dieser Prozeß ist so stark und so allgemein, daß das Programm, obwohl eine Kollektivarbeit, doch wie aus einem Guß ist. Hier waren alle sonst bei internationalen Beschküssen notwendigen Kompromisse überflüssig. Und daher ist der Beschluß, den S i tz von Amsterdam nach Berlin zu verlegen, nur die geradezu zwangsläufige E r g ä n- zung des Entschlusses, in den Wirtschaftsfragen die Gewerkschaften aus ihrer Defensivstellung herauszuführen. Denn es bedarf wohl nicht einer langen Erörterung darüber, ob die Gewertschaftsinter- nationale in einem Lande wie Holland die notwendigen Materialien zur Untersuchung und Durchleuchtung der Wirtschaft immer m Handreichweile, ob sie dort unmittelbar vor Augen den täglichen Anschauungsunterricht hat, den ihn ein Land wie Deutschland bietet. Der Vertrag von Versailles zwingt Deutschland zur Uebersteigerung seiner Ausfuhr und damit zur Uebersteigerung der Rationalisierung. Wo besser als in Deutschland kann man sonst. die Wirkungen der Rationalisierung mit ihren Gefahren und Auswüchsen studieren? Hier in Stockholm zum Beispiel glaubt man sich, verglichen mit Deutschland, in eine andere Welt versetzt, obwohl es doch schließlich auch hier«inen entwickelten Kapitalismus gibt. Zu den Berichten sei besonders erwähnt die Rede von Bu o zzi, Sekretär des im Exil befindlichen italienischen Gewerkschastsbundes. Er beschwor den Kongreß, die Frage der Demokratie nicht etwa auf die leichte Schulter zu nehmen. Ohne Demokratie gebe es weder Frieden noch Freiheit. Der Faschismus ziehe seine schwarze Kette von Spanien über Italien und den Balkan bis nach Litauen. Niemand wiege sich in Sicher- heit:„Auch wir in Italien haben geglaubt, die Demokratie könne nicht mehr beseitigt werden, wo sie einmal herrsche; und doch sind wir ins finsterste Mittelalter zurückgefallen." Bu iss o n-- Frankreich berichtete über eine Reihe von An- trägen, deren Annahme die Kommisston vorschlägt und die sich hauptsächlich mit den Fragen der inneren Organisation des IGB. befassen. Der Kongreß hat ihnen zugestimmt und auch hier gute Arbeit getan. Sie haben vornehmlich zum Zweck,«in besseres Zusammenarbeiten mit den Internationalen Berufssekre- tariaten und innerhalb des Internationalen Arbeitsamtes herbeizuführen. Auch die Förderung der Anschlußbewegung der Über- seeischen Länder soll intensiver betrieben werden. Die Tatsache, daß aus Indien, Japan, Australien und Aegypten 12 Gastdelegierte anwesend waren, fft dafür ein verheißungsvolles Omen. Vierundvierzigstun den-Woche. Nefoluiion des Internationalen Gewerkschaftskongresses. Der vom S. bis 11. Juli in Stockholm abgehaltene 5. Ordentliche Kongreß des Internationalen Gewerkschaftsbundes hatte sich mit der Besprechung und Prüfung«mes sozialpolitischen Programmes zu befassen, das der vom IGB. zu führenden Aktion zugrunde gelegt werden soll. Der Kongreß ist der Ansicht, daß die Arbeitszeitfrage von so großer Wichtigkeit ist, daß sie eine spezielle und sofortige Behandlung verdient In diesem Zusammenhang erinnert der Kongreß an die den Arbeitern w ä h- rend des Krieges der Jahre IlllZ— 1918 in schwierigen Stunden gemachten und von vielen Regierungen nicht geholte- nen feierlichen Versprechen. Er weist auf die Hoffnungen hin, die in der Arbeiterklasse durch die Annahme des W a s h i n g- to ne r Uebereintommens geweckt wurden, das die Dauer der Arbeitszeit auf 8 Stunden per Tag und 48 Stunden pro Woche festlegt. Mit Entrüstung stellt der Kongreß fest, daß dieses seit mehr als 10 Jahren angenommene Übereinkommen erst von einigen kleinen Ländern bestätigt worden ist. Die meisten der wichtigsten Staaten haben die Ratifizierung bisher unterlassen. Anstatt daß die Vorteile seiner Bestimmungen ohne Unterschied auf alle Arbeiter ausgedehnt und der vorgesehene Schutz erweitert wurde, war das Uebereinkomnien während dieser ganzen Zeit dauernd Gegenstand von Angriffen. Der Kongreß erinnert andererseits daran, daß infolge der Per- vollständigung des Produktionsapparates und der nationalen Eni- wicklung der Organisation der Arbeit auf der ganzen Welt, die Pro- duktion in ihrer Gesamtheit und pro Kopf der Bevölkerung beträcht- lich erhöht worden ist. Die dem Arbeiter auferlegt«, oft sehr drückende Arbeitslast wird immer größer und führt zu solcher Erschöpfung, daß sie immer mehr Arbeits- Unfähigkeit und früheren Tod zur Folge hat. In den meisten Ländern nimmt die Arbeitslosigkeit in besorgnis- erregendem Maße zu. Und die Arbeitslosen verlangen doch nichts anderes, als durch Arbeit ehrlich für den Unterhalt ihrer Familie sorgen zu können! Selbst jene Länder, die in den letzten Jahren nicht große Arbeitslosenzahlen zu melden hatten, sind nicht voll- ständig vor der Arbeitslosigkeit geschützt, fondern müssen sie'M Gegenteil dauernd gewärtigen und können jeden Augenblick davon betrosfen.werden. Der Kongreß ist deshalb der Ansicht, daß es nötig ist, Maß nahmen ins Äuge zu fassen und zu treffen, die geeignet sind, der geschilderten Lage Rechnung zu tragen. Es ist von dringlicher Wichtigkeit, den Arbeiter gegen die rücksichtsloseste Ausbeutung zu schuhen, deren Opfer er mehr und mehr wird. Er darf nicht, wie dies zur Zeit allzuoft der Fall ist, der Arbeitslosigkeit aus geliefert und dazu verurteilt werden, mit seiner Familie schuld los ins tiefste Elend zu geraten. Aus all den angeführten Gründen stellt sich die Berkürzung der Arbeitszeit als unbedingt« Notwendig keit dar. Der Kongreß ist gewiß, den Gefühlen und Wünschen der Acbeitermassen Ausdruck zu geben, die allein die verhängnisvollen Folgen der gegenwärtigen Gesellschaftsordung zu tragen haben. Er spricht sich für die boldmöglichste Einführung der 44-Stunden. Woche als Etappe zu einer weiteren Verkürzung der Arbeitszeit aus und hält die Forderung für berechtigt, daß die Vorteil« der 44-Stunden-Woche auf all« Hand- und Kopfarbeiter ausgedehnt werden, ohne Unterschied des Geschlechtes, der Rasse und der Nationalität und gleichviel, ob es sich um freie und unabhängige Länder, dem Internationalen Arbeitsamte angehörende oder nicht angehörende Staaten oder um Gebiet« handelt, die auf Grund eines Beschlusses des Völkerbundes Mandatsgebiete sind. Damit dieser Beschluß so bald als möglich durchgeführt werden kann, beschließt der Kongreß, daß der ZGB. in der ganzen Welt eine Kampagne einleiten soll. Die angeschlossenen Organisationen haben die Pflicht, mit allen ihren Kräften bei dieser Aktion mit- zuwirken. Der Kongreß beauftragt den Vorstand des IGB., diese Kampagne zu organisieren und zu leiten sowie die nötigen Maßnahmen ins Auge zu fassen und durchzuführen:«r soll gegebenenfalls zu diesem Zwecke eine besondere Sitzung des Äusfchusses des IGB. einberufen. Der Kongreß fordert die Arbeiter der ganzen Welt aus, den 3GB. in seinen Anstrengungen für die Einführung einer kürzeren Arbeitswoche und die Verbesserung des Loses der Arbeitermassen zu unterstützen. Zigarrenfabrikanten wollen sich drücken. Von der Verpflichtung, die Löhne um 2 proz. zu erhöhen. Die Hamburger Vereinbarung zwischen den Zigarronfabrikanten und den Zigarreirmachern vom 1(5. Mai 1929 sieht eine Erhöhung der Endtariflöhne um 2 Prozent der Reichs- grundlöhne ab 1. Oktober 1930 vor. Doch schon jetzt erklären die Herren, sie wollen nicht zahlen. Sie verweisen darauf, daß die allgemeine Lohnbewegung in Deutschland zum. Stillstand ge- kommen sei und die Zigarrenindustrie es daher als unbillig empfinden müsse, daß sie am 1. Oktober noch eine Erhöhung der Löhn« vornehmen soll, obgleich andere maßgebliche Gewerbezweige sogar einen Äbbau der Löhne durchgeführt hätten. Die Hamburger Vereinbarung gebe zwar die Möglichkeit zu, bei einer wesentlichen Veränderung der Lebenshaltungskosten vom Ok- tober 1930 an«ine Revision des Lohneinkommens zu verlangen, allein wenn auch nach der Reichsmeßziffer die Lebenshaltungskvsten seit dem Vertragsabschluß um etwa 4% Prozent zurückgegangen seien, so lasse sich doch schwer voraussagen, wie sich die Derhältnisse bis zum Oktober entwickeln. Die Tabakarbeiter, die sich zum Teil in Sicherheit ge- wiegt haben, müssen unverzüglich die Reihen schließen und darüber hinaus durch kräftige Werbearbeit schon jetzt den Widerstand gegen die Pläne der Zigarrenfabrikanten organisieren. Wer im Glashaus sitzi. Gebattsabdau— aber dann bis in die Spitze. So hatte sich die Zheichshahn-Gesellschgft den von ihr geforderten Gehaltsabbau sicherlich nicht gedacht. Sie wollte imten ansangen, aber nicht bis ganz oben heraufgehen. Nun muß De sich sogar vom Reichsverkehr« minister sage» lassen, daß nur der den Teufel austreiben kann, der selbst rein ist. Der Rcichsverkehrsministcr hat in seiner Beantwortung des Siemens- Briefes an die Rcichsregierung, der die Lösung der Reichsbahn von ihren Arbcitstarifbindungen bezweckte, auf die Bezüge der leitenden Beamten der Reichsbahn hingewiesen. Ein« sehr wunde Stelle! Sogar in der Unternchmcrpresse wird jetzt die Forderung er- hoben, daß die O e f f« n t l i ch k e i t von der Reichsbahn über die Bezüge der leitenden Beaniten genau so weitgehend unterrichtet werde, wie das der Staat über die Besoldung seiner Beamten tu«. In der von der Reichsbahn besonders unterstützten Presse wird so getan, als ob die Bezüge der leitenden Beamten der Reichsbahn keineswegs so phantastisch groß sind, wie vielfach angenommen wird. Wenn das wirklich der Fall ist, dann ist nicht einzusehen, warum die Reichsbahn-Gesellschast sich so fürchterlich sträubt, die Bezüge und Nebenbezüge etwaiger leitenden Persönlichkeiten endlich einmal anzugeben. Oie Kommunisten bekommen Zuzug. tScharfmacher als Vertreter der Kommuniflischen Tcktll. Die Nichtorganisierten sind die Liebling« der Arbeitgeber. Sie erfreuen sich des besonderen Schutzes der Fobrikdirektoren und Arbeitgcbersyndici. Neuerdings führen die Direktoren sogar für die Unorganisierten Schaden- ersatzklagen gegen die Gewerkschaften, wie folgen. der Fall zeigt: Durch den vor kurzem beendeten Textilarbeiterstreit in Maul- bürg(Baden) war auch die Arbeiterschaft der Textilbetriebe in Steinen in Mitleidenschast gezogen worden. Obwohl ein« lftägige Künbigungsfrrst bestand, war die Belegschaft von de« Firma von einer Stunde auf die ander« nach Hanse geschickt«oe. den. Die Nichtorganisierten«Hielte» keine Unterstützung. Eine« Tages wurden sie von der Direktion des Betriebes aufgefordert, sich in Listen einzutragen. Anfangs glaubte man, die Firma wolle sich großzügig zeigen und den Unorganisierten als An- «rkennung und Dank dafür, daß sie keiner Organisation angehören, für die Dauer des Streiks Unterstützung gewähren. Bald zeigte sich jedoch, daß d«r Zweck der Listenausstellung ein ganz anderer war. Di« Firma brauchte die Namen, einmal um feststellen zu können, wieviel Leute in Steinen nicht organisiert sind, und dann, um die Gewerkschaften schadenersatz- p f l i ch t i g machen zu können. Tatsächlich ist auch bereits den Ge- werkschaftsvertretern Kieslich vom Deutschen und Kindt« vom Christlichen Textilarbeiterverband eine K l a g e s ch�r i s t zu- gegangen, wonach sechs mtorganisierte Arbeiter von steinen— vertreten durch den Fabrikdirektor Dr. Walz und den Rechtsanwalt Grimm-Lörrach, im Hauptamt Syndikus des Deutschen Texlilarbeii- geberoerbandes— auf Schadenersatz klagen. Die Nichtorgani- sterten machen die Gewerkschaften dafür haftbar, daß sie mit der Arbeit aushören mußten und ohne Kündigung auf die«traße ge- setzt wurden. Di« Gewerkschaften sollen den Lohnausfall bezahlen! Das ist die kommunistische These, daß die Gewerkschaften die Pflicht hätten, die Unorganisierten zu unterstützen. Ja, die„revolutionären Unorganisierten", die sind„tausendmal besser als die Organisierten", wie ein obskurer kommunistischer Ab- geordneter einmal im Reichstag ausrief. Sie sind so gut, daß sogar die Besitzenden sich ihrer annehmen. Im übrigen«ine Illustration zu dem Kapitel der Unabhängigkeit der Gelben. Auf den Prozeß kann man wirklich gespannt sein. Die russischen Gtaatsgewerkschafien. Schwernit der Nachfolger von Tomsli. Moskau. 12. Juli.(Telegr.-Agentur d. Sowjetunion.) Auf dem Kommunistifchen Parteitag erklärt« der Sekretär des Zentralrates der russischen Gewerkschaften S ch w e r n i k, daß von den Sowjetgewerkschoften 12 Millionen Arbeiter, d. h. 80 Prozent der gesamten Arbeiterzahl, erfaßt würden. Seit 1928 habe die Milgliederzahl um 2 Millionen zugenommen, und im letzten Jahre sei die Zahl der Arbeiter in den staatlichen Industrien um 250 000 gestiegen. In den letzten vier Jahren sei eine Erhöhung des Durch- t schnittslohnes um 75 Prozent eingetreten: 47 Prozent der Avbeiter- s schaft arbeite nur sieben Stunden, und die Betriebe, in denen die -ununterbrochene fünftägige Arbeitswoche �eingeführt sei, umfaßten 63 Prozent der Gesamtarbeiterzahl der Sowsetunion. Der Kampf zwischen der kapitalistischen und sozialistischen Pro- duktionssorm werde letzten Endes durch die Produktivität«nt- schieden. Durch eine gewaltige Entfaltung des industriellen Wctt- bewerbe?, in den bereits über 2 Millionen Arbeiter und 51 Pro- zent des gesamten Ingenieur- und Technikerpersonals einbezogen seien, wäre«in« Erhöhung der Arbeitsproduktivität eingetreten, die im März 8 Prozent im Bergleich zum Januar betrage. Die Erfüllung des Fünffahresplanes ersorder««ine erheblich« Steigerung der Arbeitsproduktivität- und die Ein- beziehung der gesamten Arbeiterklasse in den industriellen Weit- bewerb.(Eine Umschreibung der Antreiberei. D. Red.> Unter der Führung von Tomski Hab« die Gewerkschafts- leitung die politische Schulung der Gewerkschaften, unter Voranstellung der rein kulturellen Arbeit, stark vernachlässigt. Di« kulturelle Arbeit der Gewerkschaften müsse einen politischen Charakter tragen und aus die Generallinie der Partei gebracht werden._ AfA-Funsiionare der„Meiallmduftn'e". Mittwoch, den 16. 3uli, 19 V* Ahr. ist in Havellands Festsälen. Neue Friedrich. Ecke Rochstroße. eine wichtige Funktionär. Versammlung. Di« DWT.- und ZdA..Funktionäre sind hiermit bereits für IS Uhr geladen,»estlos« Beteiligung aller Funktionäre wird bestimmt erwartet. AsA-Ortskartell. Bnkab. DWV. ZdA. Günther. 3aeger. Goktsurcht. Lange. Gesperrte Gastwirlsbetriebe. Wegen Differenzen sind für die Mitglieder des Zentralverbandes der'Hotel-, Restaurant, und Cafe- Angestellten folgende Gastwirtsbelriebe gesperrt: Treptow: Kaiser- bad-G arten. Jnh. Jauernick.— Grünau: Hotel und Restaurant Iägerheim. Jnh. ErHardt.— Wendenschloß, Jnh. Uhde.— Gesell schastshaus, Jnh. Fiebing.— Richtershorn, Jnh. Reeck.— Tegel: Restaurant S e e b l i ck, Jnh. Radowitz, Tegelort (nicht Restaurant Seeblick, Saatwinkel).— Restaurant Leuchtturm, Jnh. Becker, Tegelort.— Grunewald: Schloß Schlachten- s e e, Jnh. Ww. Staegemanm— Wollersdorf: Caic Nuhroald, Jnh. Glotz.— Erkner: Restaurant„E i f e n b a h n", Jnh. Sudel- mann.— Restaurant„S e e b l i ck", Jnh. Hiller, Fanglchleuse.— Köpenick: Restaurant„N e u- A h l b« ck", Jnh. Hans Peters, gegen- über Hirschgarten.— Friedrichshagen: Neu-Helgoland am Müggelsee. Jnh. Fröhlich, Oekonom Tabbert.— M ü g g e l- werder, Jnh. Baron von Stockelberg. Süden: Cafe S i e v e r z, Jnh. vieverz. Bor dem Schlcsischen Tor 2.— Osten: Löwen- Böhmisch, Jnh. Klemke, Landsberger Allee 11/13.— Norden: Berliner P r a t e r, Kastonienallee 8/9.— Strausberg: Hotel „W o l f s t a l". Jnh. Freudiger u. Keller.— Restaurant„Schlagmühle". Jnh. Hedrich.— Restaurant„R o t k o p v ch c n". Jnh. Bahn. — Restaurant„Alte S p i tz m ü h l e", Jnh. Kerschbaum. Achtiuig, Sanarbni*!! Die Bousteve Karl-Horst. AnSrrnochor Sit Thron. foNrstro�c. grohnauer Lirdlunasgosollschaft. ist sijr Maurer und Stointrägor wogen Lohndifscronzon gosperrt. Bange workschaft Berlin, Verband der Sllardmaurcr. �reieGewerkfchafts-IuaendVerlin Ernpp« Wedding trifft p.ch zur Besichtigung der Ausstellung„Alt Bor- litt" um ii>� Uhr Bahnhof Wedding. Eingang Lindower Etraßc.— Aeriensahrt der sckiwimment» n Iugcndhcrderge„Lachsen" nach Wehlen— Sächsische Schweis— während d-r Zeit uom 2. bis 10. August, zahrtroutc: B-r. lin— Brandenburg— Rathenow— chavelberg— Arneburg— TangerinLnde — Magdeburg— Dessau— Torgau— Meissen— Wehlen— Dresden im Tttüc&endtic&e? &**■ 60 Ja m fasto/l rerdd g Um mriangtiaunMä äatenlsau/ii.SehLnus*- JJn&j*. ssst-NWM BERLIN HAMBURG ALTONA KÖLN HANNOVER DOSSELOORF DORTMUND ESSEN DUISBURG MAGDEBURG FRANKFURT'Vm 1930 Cx�widmei allen freunden unseres TLßLVLSGS und denen, die es-werden-wollen. Copyright b» Kurt Lisser Reklame 1930 Nachdruck von Wort und Bild verboten! VI Zu den Plagen der Hitze, unter denen wir leiden, gesellt sich noch die Plage der wirtschaftlichen Not. Steuern, Notopfer, Preiserhöhungen, und demgegenüber keine sichtbare Zunahme der Geschäftstätigkeit keine Abnahme der Arbeitslosigkeit Wie wird das werden, wie wird man alles bestreiten- die Miete, das Schulgeld, die notwendige Ernährung, die Kleidung? Nun. gerade in bezug auf Kleidung wird es nicht so arg werden. Denn da haben wir einWörtchen mitzureden, und dieses Wörtchen heißt Preise runterl" Unser Ziel, immer bessere Kleidung für immer weniger Geld zu liefern, ist unverändert das gleiche, seit wir im Oktober 1911 unser 1. Geschäft in Deutschland eröffneten. (Und nnsere heutigen Angebote sind wieder ein klarer Beweis dafür, wie fabelhalt vorteilhaft man bei uns kauft) JiH Seitdem sind ays dem einen Geschäft 13 geworden. Im Herbst kommen wieder 2 neue hinzu: eins in Bremen und eins inBarmen. Damit wächst unsere Madit im Einkauf— in der Organisation— und die Möglichkeit, unserem Motto: „Preise runterl" zu immer schöneren Erfolgen zu verhelfen, und uns immer energischer und erfolgreicher gegen jede Preiserhöhung zu stemmen Mögen die Zeiten noch so schwer werden, wegen Ihrer Kleidung brauchen Sie nicht zu bangen. Da können Sie sich getrost auf C.&A. verlassen. Alle, die bereits unsere Freunde sind— alle, die es werden wollen. Viele stehen noch auherhalb unseres Geschäftes, wohl unsere niedrigen Preise bestaunend, aber mlfetrauisch— wohl von dem Wunsche nach preiswerter Kleidung erfabt, aber von Vorurteilen befangen. Gerade denen gilt unser Rat: Lassen Sie nicht Zweifel oder Vorurteile zwischen sich und billiger. guter Kleidung stehen. Folgen Sie dem Rat dieser Seiten (Sie wissen ja:„Probieren geht über studieren") und B6RUN, KÖNIOSTR. 33 Foolardine-Kleider, praktisch. ATS leicht, für heißeTage 1 6.50, 1 2.50 9 Crcpe-de-Chine-KleiderinprSch. 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Sagt der Professor nach vielem Beklopfen und Behorchen, wobei er immer stärker mit dem Kopf schüttelt: .Dissen Sie, liebes Frauchen, Sie gefalle» mir aber gar nichts „Na', sagt etwas pikiert Großmutterchen— „Herr Professor, der Schönste sind Sie aber gerade auch nicht!' Orantenftr.40 Am Oranltnplatt Chaimeettr.113 Könisttrafie 33 Seim StettJBcr Bitmhoi AmOehnboCAIexuOcrDittz Herrca» ia den hridHi QochSflcnt KdniOftr./ Ctuuuseestr. i 1 J AH R KARSTÄD Damen-Reigenmänteln Gruppe I Gummi- u. StofFmänteJ mit gOO Lederolabseite. M. 12.00, Lederolmäntel, Stoff seite, wetterf. Qual. Engl. Leder-Imit. Mär warm, angewbt. Abseit. Gruppe II Lederolmäntel, Stoffab- 1 C00 *" 1, AA. I O Gruppeiii Engl. Leder-Imit. Mäntel, 0075 t jlV I JAHR KARSTADT Complet 48 au» kunttseidenem Voile, nur mod Blumenmuster, bis Gr&ße 50... M. Blusen-Weste OSpe de Chine mit TüllrückeR.... JA. Damen-Pullover ohne Xrmel, Original Wien, weift und farbig mit Bordüre.........,, M. Damenstrümpfe KQnstUdie Waschseide...... 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EsSB&jS!!Sf&PQ WUJI fo- Sefiets, itrankasische. 1 Unterricht Ä'U"S?ei�iBt»�"TnÄ «'HS. Hala oa �onlT" �aü �eTT. �?rr»..eNeTM.uz.� x�'S- L-tI-ANr° -�s�aaber�g��K- J'ItwWanfli-- «etlHaHtung! ®I#8; Verschiedenes »r BcOissadico, Hnanz- saaeii, Gnindbo«. sadien und Personal SSSCtCSCidcUCB muenu 'ZTüte/'Z? 4"- Zugehörigiteli ru'dcn n'W der Arbelierschaft, OehL?«1] S4"0nen rn,,Zeu6n,»6schr�n0sÄÄ I dl■.«die —" ki?0" Benin soi6 Wrubai, ndpeatcker Strafte»o-sz «"sü»emTV«n Aneebof�«!'!6 VO"en 5Chri'[l'ch« .. W«w« aacebtn, parsönliche Vor. �atiBdrt«- fgutSitlan ffat.(--- Stellung ru-ecklns. ,bsft«,"HrfEn«eaä?r��7fr-r.,vr ,1"' 3" günSigsn äWrfc'.i.i'■" f®n»n und bisft.f«..��"'�'aqunacii 'bamm 140.»Wü-a W' fw-qi-iia». Z'mnter 1 j ber-..«..aara.™——"1 j Uli bl•|- 1 1 f• 11 n,te"CD*•—- Sa»�'sta46etß"�*,*�Mj'�aneaTf�acoaä: An,u«»bsy »iöbrl.eam�ii��ö-�—_."cht S-krrftraß. K'�aul. U-tter. S Marken»,1,..-� «tÄs„..''.?"LwA° � Nraße L. �»'unf Dldbo.........a-„, all�r.- gu> J«|�f - e— sfrial,,"'■ ?,c""ng zwecklos. ißmWmm � VA» eBpVVäets". i'irtktit» SuJ&jp�äs AteiiÄS���fcfäSliiSSSySS-eiSiS?!1» j........~dch städtisch, Grüßan, Schoenberg. Im Jsergebirge notieren wir Greisfenberg, Friedeberg an der Queis— im Bober-Katzbach- Gebirge ist fast jeder Ort ein Lustsanatorium—, Löwenberg, Schönau, Goldberg, Rieder-Kauffung, ferner seien genannt Lieben- thal. Bolkenhain, Jouer, GotteÄ>erg, Freiburg, Silberberg, Neurode, Habelschwcrdt usw. Ferienkursus in �Heinsberg. Der sozialdemokratische Dezirksverband Brandenburg« Grenzmark in Verbindung mit dem Reichsousschuß für sozia- listische Bildungsarbeit veranstaltet in der Zeit vom 2 0. bis 2 6. Juli in Rheinsberg einen Ferienkursus. Es werden folgende Themen behandelt:„Die Reichsvcrfastung und die politischen Par- teien"(Lehrer: Genosse Rudolph-Weimar):„Das Agrarprogramm" «Lehrer: Dr. Lipfchütz, Leiter der Agrarpolitischen Zentrale beim Parteioorstand). Außerdem werden noch folgende Themen be- handelt:„Die Grundfragen der Kommunalpolitik": Soziale Aufgaben in den Gemeinden":„Geld, Bank und Börse". Di« Teilnehmergebühr beträgt einschließlich Logis und Verpflegung 27 Mark. Reflektanten auf diesen FerienlunVs werden gebeten, ihre Anmeldungen unter Angabe des Alter* Berufs und ihrer Funktionen in der Partei der Kommunalabteilung des Bran- denburger Bezirkssekretariats(Otto Lück), Berlin EW. 68, Linden- straße 3, einzureichen. Rote Falke« aus Böhme« in Berlin. Vor kurzem trafen auf dem Anhalter Bahnhof 3 5 Rote Falken au» Brünn in der Tschechoslowakei ein. Das Ziel der kleinen Gäste war das Kinder- und Jugendtreffen in Kopenhagen. Aber vorher muß man natürlich Berlin gesehen haben. Für Quartier hatten die Schöneberger Kinder- freunde und S AJ. gesorgt. Mit dem eigenen Tambourkorps marschierten sie in Schöneberg ein. Am nächsten Tage wurden sie von Jugendgenosten durch die Stadt geführt. Im Reichstagsgeb aud« wurden sie vom Genosten Paul L S b e empfangen und begrüßt. Nach einer Stärkung ging es zum Potsdamer Platz und von dort mit der U-Bahn zum Flughafen. Hier hatte der„Sturmvogel" seine sämtlichen Flugzeuge zum Ansehen. Besteigen und Befühlen zur Verfügung gestellt. Das Segelslugzeug„Wiesen pieper" wind« besonders in Augenschein genommen. Dann zurück nach Schöneberg. Um 20 Uhr fand auf dem Kaifer-Wilhelm-Platz ein« Abschiedsseier und Plätzkonzert statt. Hier überreichten die kleinen Tschechen der Echöneberger SAJ. als Dank für die schönen Stunden in Berkn«inen tschechischen Roten-Falken-Wimpel. Dies« Kund- gebung, an der sich mehrere hundert Personen beteiligten, zeigte, wie lebendig der international« Gedanke in der sozia» listischen Bewegung ist. Ein gemeinsamer Heimabend ver- «inte noch einmal oll« zum gegenseitigen Auswusch und Absingen von Kampf- und Wanderliedern. Freientvochevfahrt der Arbeiterwohlfahrt. Die Arbeiterwohlfahrt«ezirt Brandenburg veranstaltet in der Woche vom 4. bis 9. August d. I. eine Ferienfahrt für Kinder und Erwachsen« nach Stettin. Das Motorschifs Hot Kabinen und 200 Betten an Bord, elektrisches Licht und fließendes Wasier in jeder Kabine. Die Teilnahm« an dieser Fahrt kostet für Kinder 14 M., für Erwachsene 16 M. mit Morgenkaffee, Mittagessen. Abendkafiee oder Kakao. Die Fahrt beginnt am Montag, dem 4. August. vormittag« 10 Uhr, in Spandau, Lindenuser, und endet am 9. August 1930 daselbst. Teilnehmerkarten sind zu haben im Bezirksburo Bran- denburg der Arbeiter-Wohlfahrt. Lindenstraße 3. 1. Hof II, Telephon Dönhoff 7770/71, und in der Dorwärtserpeditlon Lindenstraße im Laden._ Praler lhealer. Die Freiluftbühne des Berliner Nordens, das Prater-Theater in der Kastanienallee, wartei auch in diesem Monat «it eine« ebenso reichhaltigen wie abwechslungsreichen Programm «4- Boa 4 Uhr nnchmitngs ab konzertiert die Haustapelle. dann steigt eine lustige Berwechflungskomödie„Das verkehrte Telephongespräch" mit Guftl Beer, Gretl Lllien und dem dazugehörigen Dritten im Bunde, Hary Gillmann: nachher wird die Sprechbühne zum Barietä und ein vollständiges artistisches Programm mit Tanz und Akrobatik, fröhlichstem Klamauk und musikalischer Fertigkeit rollt vor dem Zuschauer ab. Abermalige Verwandlung: Operette. Leo Falls„Rose von S ta m b u l". Der drastische Humor von Gretl Lilien und Gustl Beer schützt die Besucher vor Langeweile und fordert die Lacher vor die Schranken. Wünelbude und Schießstand. Würstelmaxe und Tanzpodimn, rings um die weltbedeutenden Bretter auf- gebaut, sorgen dafür, daß aber auch ein jeder zu seinem Recht komme. Man tut wirklich, was man kann, und der gute Besuch sowie die sröh- liche Stimmung zeugen dafür, daß es wieder mal„richtig" hier ist! Stafcnbirnaen für dies« Staftril stud Berti» SQ 68, Si»de«ftr»b« 3, parieinachrichien für Groß-Berlin trt»»» da» Detirfisetrrterial .Hof, 7 Trespen recht»,>u richte» t. tei» Prr»�a»er Ber».«ilsaade der Sintadung«- und Einklebe, ettek am Mittwoch, dem 1«. Juli,»wischen 17 und 18 Uhr, in der.Vorwärts". Svedition Srelfenhageinr Str. 22. Jede Abteilun« entsendet einen Ge- nosse« mit Quittung zur Entgezenohme. Nach 18 Uchr geschlossen. 14. Zteei«»entöl! n. Engere Borstandsfltzung am Dienstag, dem 15. Inli, 1S?4 Ul>r, im Sekretariat. heute. Sonnlag. 13. Juli: 32. 9tw. Die Eenosssnae» und Sen offen t rossen sich»n»«»»Nnq»ach Fried. richshagen um 8>4 Uhr a» Schlessschrn Dahnhof. Eingang Mo Kai. Ecke Ztopprnstrahe. Nachzügler kommen gleich zum Lokal Wersen gtnnd. vald- geläud» link, der Bahn. Morgen. Montag. 14. ZuK: 18. Wtt. Wnktlich 30 Uhr wichtige Funktion Srsthung im Lokal Lausch. Der. doeostraße. 77.«dt. SebSnader«. 20 Uhr bei Koschen», Apo Itel-Paulus-Str. 37, Dor- standsstHung. Mittwoch, IS. Juli: 4». Abt. SchwerhSrige. l»'.4 Uhr SUtgUed« ex« rsammlnng ta Lindenftr. 4. Vichtig« Tagesordnung. E» ist Psicht eine« gliede», pünktlich und bestimmt zu crscheiuen. Frauenveranstaltungen. 18. Drei» Pank»«. Am Dien«tag, dem 15. Juli, beteiligen ssch all« De. nosfinnen am Aonsumkoffeekochrn im Schloß Schönholz, fljäste herzlich willkommen. 7». Abt. SchSneierg. Der Frauenabend fällt in diesem Monat an». Dafür beteiligen ssch die Eenosssnnen am Naffeckochen. Bitte die Roti, am Sonn- tag. dem 27 Juli, zu bcachtc». 73». Abt. Noinickendorf�stt. Die Sermsdarfer Franen veranstalten am Dienstag. dem 5. August, ein« Dompfenfohrt mit Mussk nach den Ib lindower Aspen. Neinickendvrf.Qst wird gebeten, ssch»ahlreich daran»u beteiligen. starten»u 1.50 M. bin und»»rück, stindrr die Hälfte, ssnd bei Ge- nvsssn Börner, Kopenhagener Str. 30.»u haben. Morgen, Montag. 14. Juli: 123«. Abt. staul»borf-?äh. Motorboolkahrt nach dem Stienihtee. Abfahrt von Köpenick, Evreekvssno. um 9L0 Uhr. Treffpunkt Autobushaltestelle Ulmen» strosse pünktlich um 811 Uhr. Fahrpreis hin und zurück 1 M. stinder frei. Eäste herzlich willkommen. 138. Abt. Kermsborf. Der Fraucnabend im I»N fällt aus. Die Genossinnen beteiligen ssch dafür am Krriskaffeckochen am 14. Juli in Tegel, Raichs- bannerboatsdaus. Am ö. August findet ein« Dampferfahrt nach de» Glindower Alpen statt, starten ssnd bei Genossen Schmidt,'Hermstorf, Bahnhofstr. 9, sowie bei den Funktionärinnen, zu haben. Mittwoch, IS. Juli: 91. Abf. Friedenau. Der Frauenabcnd fällt in diese« Monat au». Dafür treffen ssch die Genossinnen am 16. Juli um 15 Uhr auf dem Spielplatz der Ferienkawnie in Dahlem. Gebäck mitbringen. 116.«be. Grünau. Koslseekachen im Seim der Wassersportabteilung de» Nrichs- banner». Aendenlchlosi 123. Treffpunkt 14 Ubr Grünau. Wilhelmstroße, an der Fähr«. Der Frauenabend fällt in diesem Monat«US. III. Abt. Dodnsdors. Kaffeekoiben in Wendenschloh. Nestainunt Kli Waldesruh. Treffpunkt 13 Ubr am Babnhof Grünau. Alle Genossinnen W lZ und Gäste sind herzlich willkonimen. Ferner findet am 33. Juli da» � W Konsiimkaefeekochen am Spartdenkmal statt. Alle Genossinnen beteiligen" D.sich daran. Der Frauenabend fällt in diesem Monat aus. jp ! 1 1 tzi M» 1 J'.I t>..11!•! 4 l l-lU.L,l I U l Bezirksausschuß für Zlrbeilerwohlfahrl. 38. Drei« Reinickendarf. Die Funktionär« und Helfer aller Abteilungen beteiligen sich am Monwg. dem 14. Juli, um 15 Uhr, am Kreiskaffeekochen in Tegel im Reichsbannerbootshaus. Mocheaprogramm der sozialistischen Studentenschaft. Ortsgruppe Verlin. Montag, 84. Juli, A Uhr, Berfassungsfeier der republikanischen Studenten im Menarsitzunassaal des ehemaliaen Herrenhause» in der Leipziger Etrahe— Dienstag, 15. Znli, 20 Uhr. Seminarabend der Medizinergrupp« über aktuelle gesundheitspolitisch« Brableme im Bund. NW. 6. Albrecht» strotze.— Dauner, tag, 17. Juli, 20 Uhr, im A»d. mar. der Hock, schul« für Politik spricht Ministerialdirektor Dr. Brecht über:»Das Deutschland der neuen Generation". 20 Uhr Arbeitsqemeinfchast der sozialökonomischen Fach. schvft über..Wandlungen des historischen Materiakismus".— Freitag, 18. Zoll, 20 Uhr. Juristische Fachschaft. Referat be» Genossen Dr.«irchheimer: ..Wirtschaftlicher Selbstverwaltiingskörper. Fllhruna der Medizinischen Fach» schaft durch die Genossenschastsdrauerri Friedrichshagen. Treffmlnkt siehe schwarzes Brett.— Sonnabend, 18. Juli. Medizinische Fochschast. Basschti. gung der Tuberkiiloseheilstätten und der Alkohosenlziehiingsanstalt in Hohen» lochen. Borherige Anmeldung beim Obmann erforderlich. Jungsozialisten. Gruppe Neiaickendorf. Montag. 14. Juli, pünktlich 30 Uhr, Im Jugend- heim Neinickentorf-Ost, Lindauer Strotze. Portrag:»Die Frau und der Sozialismus". Referentin: Genossin Miiboelis Einer sehr wichtigen Aussprach« wegen sPolksbühne) müsseu alle erscheinen. Eharlottenburg. Morgen, iss, Uhr,„Allerhand stunterbund" im Zugend- heim Nosinenstr. 4. SAF. und junge Parteigenossen willkommen. Gruppe Lichtenberg. Am Montag, dem 14. Zuli, wichtiger Gruppenabend mit Raserat de» Genossen Hans Seigewasser»m 20 Uhr pünktlich Im Fugend- heim«unterstr. 44. SAJ... Aelter« und Sewerkschaftsiugeiid ssnd freundlich eingeladen....._ Gruppe Moabit. Morgen. Montag. Gruppenabend bei»erger. Leoetzow- stratze. Referat des Genossen Stern:»Grundsätzliches zur innenpolitischen Lage". SAF. und süngere Parteigenossen herzlich willkommen. Autzerdem beteiligt ssch die Gruppe geschlossen an der Werde bezirksdersammlung am Dienstag. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groh-Verlin. strei» Schöneberg. Wir»ttwi die Eltern der stinder. dt« In der«ckn-ei, und In der Lüneburg«- Seide ssnd. sofort die Restbeträge für die UnWften einsenden zu wollen, und zwar an die Adresse: Petersohn, Berlin.Echvnedcrg, Feurigstr. 66.. � Pankow lRofr« fallen). Heimabend am Montag fällt«nw. DaMr Werbe- bezi� Pankow, große Mitgliederversammlung, Kissingenstr. 4«, 20 Uhr. Geburtstage, Jubiläen usw. 118. Abt. Lichtesberg. Unserem Genosse» B«"I Welk. Freiapsatz J, zun, »iZhoig«» Partrijnlnläum die beste» Glückwünsche. A Eozialifilsche Arbeiterjugend Groß-Serliu awsendougen Kr Heft Rudi« INN-» da- Zu,-Ndl«>irt»e«at Zl«rlw«W 68. rwbgiffnill« 5 Abteilungsleiter, sorgt dafür, datz umgehend di-«arten ttm„Rast" und von der Sonnenwende abgerechnet werden. Relcht da- Augustprogramm ei». heute, Sonntag. 13. Juli: Besitz: Besuch de» Botanischen Garten». Treffpunkt 8H Uhr Jahn- Ecke Rvdower Straße. Morgen Montag. 14. Zuli. 19K Ahr: Moabit Ii Schule Waldcnserstr. 20. Wien-Abend.—«efte»: Seim Znmvristischer Abend.—«rniwalder Platz U: Fahrtenerlebnisse.— Falkplatz ll« Schule San- H-uptstr. 15 sSchöneberg). Humoristischer Abend.—«rnswalder Platz U: Heim Raftenburqer Str. 16. Fahrtenerlebnisse.— Falkplatz Ni Schule San- etc.».«-fr' sstzsit, sei- Zebta«vi sei» Werk."— Humonnpiatzt Schul« Scherenberg ftr. 7.„Sexuelle Fragen", II. Teil.— Schönhauser Bor. stadt: Schule Sonnenburger Str. 20.„Bub und Mädel."— Andreasplatz: Heim Brommystr. 1.„Unsere Volksbühne."— Stralauer Biertel: Seim Ebertp- stratze 12.„Alt Berlin."— Hallesche» Tar: Heim Porckstr. U. Heimabend.— Lankwitz: Waldfcstprobe. Treffpunkt Istii Uhr Bahnhof Lichterselde-Sst.— Pankow NI sR.-F.): Heim stissingenstr. 4«.„Sexuelle Fragen."— Nord. vsten II: Heim Danziger Str. 62, B. 3. r. Bunter Abend.— Tegel: Heimabend im städtischen Heim. Schöneberger Strotze, von 18 bis 22 Uhr. Werbe bezirk Mitte: Heim Elisabethkirchstr. 19. U>',� Uhr Besprechung bin l. Borsstzcndcn mit den Fugendbeiräten. Werbebczirk Prenzlauer Berg: Heim Rastrnburger Str. Ii. 20 Uhr Werbe» hezirlsvorstandssitzung. Serbebezirl Neuliilla: Heim stanncr Stratze. I»l4 Uhr politlsäier Ii», forma! ionsvbcnd. Vorkrage, Vereine undVersammlungen. G Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Gefchäktsstelle: Berlin S 14. Sebostianstr 37—38. Hot Z. T«. Sonntag, 13. Juli, stöpenick tOrtsocrein). Die ssch am Sommer» fest de- Kreises Osten beteiligenden Komcrndcn fahren bis Bobn» bof Landsberger Allee.— Montag. 14. Juli. Preuzlauer Berg sInngbanner). Um 20 Ubr Heimobend in der Schule Sonnenburger Stratze. Tagesordnung: Bericht von ber Kreisfunktionirvcrsammlung sowie Progrommscstsetzung. Fried» richshai» sIungbonner). Um 20 Uhr Jugendheim Frankfurter Allee 307. Dis- kussion über die Arbeitslosenversscherung.«öpeuick lKamcradschaft Friedrichs- Hägens. Um 20 Uhr Bersammlung des 1. Fuges bei Fahrentholz, stirchstr. 28. — Dienstag, 18. Zuli. Frredriebshoia(Kameradschaft Stralaus. Um 10lh Uhr Brrsammlung bei Wertalla, Hohen>o!>estr. 3. Vortrag des Kameraden Dr. med, Kiwi. Thema:„Ungleiche Entwicklung der Körperbölsten". Preuzlauer Berg. Brrsammlung der Kameradschofl Senffelderplotz bei Heile». Metzer Stratze Ecke Prenzlauer Allee. Brrsammlung der Kameradschaft Arnswolder Platz bei Sawatzke, Allensteiner Str. 23. Versammlung der Kameradschaft Humann» platz bei Pohft, Etorgarder Str. 19.— Mittwach, 16. Juli,«reis Noiden. Sämtlich« radsahrenden Kameraden und die Mitglieder der Nachrichtenabtei» lunq Bersammlung 20 Uhr bei Bvndtke, Schulstr. 74. Referat:„Zweck und Ziel« der Radfahrer, und Nachrichtenabteilung". Referent: Keeislriter Bruch. Tempelhos(Ortsncrein). Erweiterte Vorstandssitzung bei Ma-Li, Mariendorf. um 20 Uhr. Wintersportabtrilung. Ab l7'4 Uhr gemeinsame Rundflüge. Um 19(4 Uhr Flughofcnbcsichtigung. Um 21 Uhr Mono'soersammlung im Zentral- slughafen-Restaurant. Mariueabtrilung. Rudern und Schwimmen.— Neukölln- Britz, l. Kameradschaft. Montag, 14. Juli. 20 Uhr, Kamceadschoftsvrrsomm- lung in der„Kottbusscr Klause", Kottbusser Tamm 90. Erscheinen Pflicht. Allgemeine Wetterlage. 42. JulM930, abds.; 0v/Dll<8nlos.O heitar, 9 halb bedeckt «P wo) kig,® bedeckt« Regen�Graupeh sNebelllGewfftwlgJWindstille Der Westen des Reiches stand am Sonnobend unter dem Ein- fluß einer kleinen, aber kräftigen Depression. Das Wetter war trübe, kühl und windig. Stellenweise fielen mehr als 40 Millimeter Regen. Auch in den mittleren und östlichen Teilen des Reiches traten Regen- fälle auf, hervorgerufen durch kühle und feuchte westliche Listtlnassen. Der Nordosten blieb dagegen bei nordöstlichen Winden und ziemlich mildem Wetter trocken. Die westliche Depression, deren Kern am Sonnabend abend über Holland und dem nördlichen Rheniland lag, wird nach Süden ziehen und am Sonntag unser Wetter nicht wesent- lich beeinflussen. » weiierau»sichten für VerNn. Vorübergehend etwas aufklarend, nur vereinzelt noch Regenfälle, wenig Temperaturänderung.— Für Deutschland: Im Westen trüb«, regnerisch und windig, in Mittel- und Ostdeutschland veränderlich, noch vereinzelt Regen, im Nordosten teils heiter, teils wolkig, trocken und ziemlich mild. Sport. Rennen zu Strausberg am Sonnabend, dem 12. Juli. 1. Rennen. 1. Spala(SchwikowSki). 2. Moni Dore. 3. Lese». Toto: 152: 10. Platz: 46. 18:10. Ferner liefen: Colibri, Cberi. Vipida. 2. R- n n e n. 1. Doralide(Müschen), 2. VinwZ, 3. Pflichtlieue. Toto: 36: 10. Platz: 15, 10, 21: 10. Ferner liefen: Hanau, Maiburg. Dulcisfima, Jnnocenzia. 3. R e n n e n. 1. Flugbold«(«. Murphy), 2. Balaton. 3. Burggraf. Toto: 76:10. Platz: 21, 12, 3S:10. Ferner liefen: Luerezia, Irrlicht, Rheinsonne. Runtler, Most, Variante, Helge. -4. R e n n e n. 1. Sachse(Schuller), 2. Colone!, 3. Rieb. Toto: 20:10, Platz: 12, 12: 10. Ferner lies: Herea.. 5. Rennen, t Hohenfels(Hauler), 2. Funler, 3. tlnbine. Toto: 18:10. Platz: 12, 13, 20:10. Ferner liefen: Laxcnourg, Legende, Radanies, Eiche. 6. Rennen. 1. Don JolS(Grabsch). 2. Morganat, 3. Sturlu on, 4. Altenstädt. Toto: 81:10. Platz: 17. 12. 17, 15:10. Ferner Ueien: Saharet, Carabach, Teja, Märchenland, Metamorphose, NordsrieSland, DiomedeS. PerlaudabtliS, Mark. 7. R e n n e n. 1. Empleblung(Pretzner), 2. Odaig. 3. Trlanon. Toto: 37:10- Platz: 24,21:10. Ferner liefen: Borgia, La Piave, EimpiarS. Gute Boeaebeft beim Waschen. Will mqn ein« tadellose Leistung eezielen, so mutz man gut vorarbeiten, ganz einerlei, auf welchem Gebiet es fei. Dies weiss auch jede kluge Hausfrau. Ihr ist z. B. klar, datz das Waschen der Wäsche viel schneller und leichter geht, wenn di« Wäsche vorher richtig c.n» geweicht wurde. Am desten ist, man oevwendet zum Einweichen die bekannte Henko-Bleichsoda, die durch ihr« hervareagend« schmutzlösende Wirkung die CO.. t»•••**.* X„»» V„».r A»»4s» 4„-»4.(IPam«-«eftnwf 1*88 /Tflrt» ru* 1 1»«»* Reinigung der Wäsche bedeutend erleichtert. Man rechnet im allgemeinen 1 Paket Lenk» aus 4 bis 5 Eimer kalte, Wasser. Alfa-Sirdlung am Marie« darse« Bolkspark. Die Alfa-Terrain-Berwer» tungsdSes. m. b. v., die mit der Austeilung ihre» an der Rixdovser Eiratze, dsrekt am Wariendorser Polkspari. gelegenen Terrain» begonnen hat, hat bereits zahlreich« Bauparzellen verkauft, so datz schon in kurzer Zeit mit dem Ausbau der Etratzen und dem Bau von Säufern begonnen wird. Die reg« Nächflage ist auf die rat.pnelle Aufteilung des Gelände» lind die bequem« Zahlungsweise zurückzuführen. Autzerdem bietet die Alka Ihren stäuser» Ge» legenheit. sich durch ihr« Ilntarstlltzung ein eigene» massive» Hau» mit allem Kamfort zu bauen. Da» Terrain ist von allen Stadtteil« in kürzester Zeit Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag. 13. Jnll: iJd; Funlttymntsdk. Ts Am(Twabur*: Hafeakoozert 8: rar dt» Lwd- »irt. 8.(0 1 Morgeoloier Ansohlietend Glockengeliat de» Berliner Dem». 10.08: �■»«tervorbws»«». U: Clteroxtunde JJJO: OrgeUtoniert IJ: Aus Dresden: MiUegskonxert. Ut Jugendstunde. ICIO: Walzer. AnschlleSend Solistenkonzert. 18.00: Dlebter dar Potsdamer Straß«. 16: Unterhaltungsmusik- 16-30: AI» einlege: Brandenburglsdbe Lelchtatbletlkmelsterscbalten. 18.40:„Neue Gedichte" • od Brich Kistner.!♦: Arien. 10.20: Eine halbe Stunde Humor. 20: Erste Bekanntgabe der Sportnachrichten. 20.10; Blase rchesterkoniert. Wihrend einer Pause- Zehn Minuten Wollgang Rauch. Nach dem Konzert Tanzmusik. Montag. 14. Juli: 1.30: Funkgymnastlk. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Wettermeldungen tür den Landu-irc 14: Schallplsttenkonzert. 10.20: Berühmte Freuen. 10.40: Ferienfreuden. 16.05: Die Internationale Uygieoeausstellnng Dresden 1030. 16.30: Ausgewählte Unterhaltungsmusik. 17.30: Jugendstunde. 17-11: Menschen. die mir begegneten. 18-10: Der Kampf oms FUmpublikunt. 18.40; Drei Mltm- teii vom Arbeltsmarkt 18.40: Blasorchesterkonzert- 20.30: Die Crzlblung der Woche. 31: Kammerorchesterabend. 22:„Flaubert vor dem Staatsanwalt". Hörspiel. Danach Tanzmusik. Dienstag. 15. Juli: 6.3»; Funkrvmnastlk. Anschließend FrOhkonzert 12.30: Die Viertel stund« Ihr den handwirt-, 14: Schallplattenkonzert IA20; Jugendstunde. 11.40: Naturschutz als soziale Aulgabe eines Volkes. 16.01: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30; Aus Leipzig: Konzert 17.38: Der Jugendschutz im Uchte der internationalen Sozialpolitik. 17.00: Uedsr. 18.10: Stande mit Büchern. 18.40: Die gegenwärtige Krise der Kultur and das Junge Geschlecht 10.05; Unterhaltungsmusik. 20.30:„Der Scblacbtnm", Volkslnstsplel. Musik von Hermann Krome. Mittwoch, 16, Juli: 4.3ft; Funkgymnastik. Anschließend Früh kontert 12.30: Wettenseldaagea für den Landwirt 14; Seballplaltenkoazert 1830: Deutsche Küche in der Vergangenheit. 10.40: Das Utere Zeit- und Tendenzdrama. 14.00; lallndlscbe Literatur. 16.30; Aas Halle a. d S.: Konzert 1730: Jugendstunde. 10: Kla- vlervortrlge. 10.31: Drei Minuten vorn Arbeltsmarkt. 1831: Muslkvortrlge. 18.10; Tlesen-Diskussion. Für und gegen den Sportrekord. 10.30: Aus Leipzig; Konzert. 30.40: Das Leben der Autos. 21; Von Anne dazumal bis zur neuen Sachlichkeit. Danach Schallplattenkonzert 22.10: Ans Budapest: Zigeunermusik.— Donnerstag. 17. Juli: 6.30: Funkgvmnastik. Anschließend FrOhkonzert. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert 1130: Flüssiges Obst 1840: Der Ausgleich zwischen flberlieferter und moderner Musik. 16.01: Konzert 17.30: Parlamentarische Untersuchungsausschüsse. 17.11: Jugendstunde. 1820; Klar« Vleblg zum 70. Geburtstage. 1810: Chorgeslnge. 10.11: Musikalisches Magazin. 20: Wovon man spricht. 20.30; Ans Operetten. Danach Tanzmusik. Freitag. 18. Juli: 430: Funkgymnastik. Anschließend FrOhkonzert. 1330: Wettermeldungen tdr den Landwirt 14: Schallplattenkonzert 11.20: Die Frau In der Karikatur. 11.40; Spltsommerarbeiten im Gemüsegarten. 1631: Von unbekannten Städten, Seen und Mumien In der Prlegnilz. 1430: Aus Leipzig; Shakespeare-Ouvertüren. 17.30: Deutsche Turnerschalt elnat und jetzt 17.41: Jugendstunde. 1801. Das neue Büch. 1811: Pas Interview der Woche. 18.40:. Pregrsmm der ntchalen Woche. 10.10: Drei Minuten vom Arbeltsmarkt 10.10: Unlerhal- tnngsmuslk. 20. 3C: Aus Bad Pyrmont: Musikfest der Internationalen Oesellschaft für neue Musik. Danach Abendunterhaltung. Sonnabend. 19. Juli: 630: Funkgymnastik. Anschließend FrOhkonzert 1230: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert 1820: Jugendstunde. 11.40: Medizinisch-hygienische Plauderei. 1631: Unrichtige ReehtsaDSchamingen. 1830: Unterhaltungsmusik. 1730: Menschen von heute. 1730: Arien. 1030. Programm der Aktuellen Abteilung. 1840: Sportliche Improvisationen. 10: Firel Minuten uotr Arbeltsmarkt 10.81; Kunst und Staat 19.30: Aus Leipzig: Unterhal(ungsm qsik. 31:„Spaziergang Ober die Dächer Berlins.",- Eine Kabaren- stunde In Sketschen und Chansons. Danach Tanzmusik. Königswusterhausen* Sonntag. 15. Juli: Ah 630: Uebertragunt ans Berlin. 1830: Indien und Stern. 10: Im FaHhoot Ober Jordan und Totes Meer. 1030: Klar» Vleblc zum 70. Geburtstage. 20: Doatschlandseader: Aus Breslau: Die Osthille deutsche Pflicht 2830: Ans Breslau: Konzert Anschließend Uebertragung aus Berlin. Montag. 14 Jnll: 16; Aus Breslau: Nachmittagskonsert. 1730: Dar Unterricht in dar Und- liehen Knaben/ortblldungsacbula. 18:„Die Davldsbdndler" von Robert Scbu- vann. 1030: Landvolk und Kirche. 10: Heitere Anekdoten. 1031: Landwirt. scbaftslunk. 20: Deutschlandsender: Gesänge mit Orgelbegleitnng 2030: Ans dem Lananark: Konzert 32: Uebertragung aus Berlin. Dienstag. 15. Juli: 16: Was kann die Landschule iflr die Mädcheuhfldnng tun? 1630: Aus Leipzig: Nachmlttagskouzert 1730: Biologische Ferienspaziergänge am Ost- seestrande. 18: Meißen. 1830: Sprechgestalt und Sinngehalt der Dichtung. 19: Viertelstunde für die Gesundheit 1030: Polizei und Justiz. 1030; Wetterbericht für die Landwirtschaft 20: Deutachlandsender: AusgewOhlte Schall- platten. 20.10: Aas KSIn: Meyerbeer-Abend. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Mittwoch. 16. Juli: 16: Ans Hamburg: Nachmittagskoogert 1630: Bellmann-Lieder.' 1730: Nofretele und Ihre Verwandtschaft 18: Lieder und Gesänge nach Gedichten von Gottfried Keller. 1830: Adolf Bastian, ein deutsches Forsdxerbild. 10: Die Brüder der Landstraße. 1030: Der neueste Stand der Beamtengesetz- gebung- 1038: Wetterbericht für die Landwirtschaft 20: Denlschlandsender: Von der Deutschen Welle: Gedanken zur Zelt 20.40: Lieder im Volkston. 21: Uebertragung ana Berlin. Donnerstag. 17. JuO: 16; Ana Bertin: Nachmlttagskouzert. 1730: Die«eelenkundMcben Grundlagen aller Blldungsarbclt an der Landiugead. 18: Das Deutschtum in Bessarabien. 1830: Russlache Musik im Spiegel russischer Kultur. 10: Palistina vor 20 Jahren und beute. 1038: Landwirtschaftsfunk. AoscblleOend Uebertragung ans Berlin. Freitag, 18. Juli: 16: Die Pädagogische Akademie und des Land. 1630: Aas Leipzig: Nach- mtttagskonzert 17.30: Vea der Weisheit des Ostens. 10: Die BSrsenkoniank- tur. 1830: Das Erwachen Asiens. 10: Palästina vor 20 Jahren and heute. 1035: Wissenschaftlicher Vortrag für A erste. 10.50: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Dentscblandsender; Gambe und Cembalo. 20.30: Ans Norderney: Wagner-Abend. Anschließend Uebertragung ans Berlin. In der literarischen Stunde geht«s UM Persönlichkeit und Werk des Schriftstellers Tranen. Erich Knauf charakterisiert ganz kurz diesen sonderbaren Menschen, der in Mexiko anonym lebt. Dann liest Beierl« das grandiose Kapitel ,L>er Bahnüberfall� aus dem Buch„Der Schatz in der Sierra Madre". Immer wieder erstaunt man über die große künstlerische Objektivität, mit der Traven die abenteuerlichsten Situationen gestaltet, und über die unerbittliche Wahrheit, die in seinen Werken lebt. Es ist gut, daß sich die Funk- stund« für diesen Schriftsteller einsetzt, der besonders in den titera- rischen Kreisen Deutschlands noch nicht genügend gewürdigt wird.— Der Abend heißt„Das Funkhaus in Berti n* eine Kabarettfolg« in neuer Form. Chansons und Sketsch« wechseln ab mit Repor- tagen aus allerlei Dergnügungsanstalten. Bahnhöfen und anderen Stellen. Die Chansons sind mehr oder weniger nett und harmlos. Aber die Reportagen erscheinen problematisch. Es ist nicht not- wendig, daß in einer immerhin heiteren Veranstaltung mit statistischen Zahlen operiert wird, wie es der Reporter aus dem Lunabad unter- nimmt. Hier müßt« ein Brillantfeuerwerk von Witz und Gefft ab- gebrannt werden, gesprochen« pointierte Momentaufnahm« wäre am ' ie aus dem Aui Platze. Einfälle, die übrigens der Reporter au« dem «in Versuch mit nicht völlig aus müßte ein« besser« Auswahl treffen. enblick geboren sind und übe? lue o verfügt. Kein schlechter Abend, henden Kräften! Die Funtstunde F. Sch. Saunabend. 19. Job: 16: Aus Hamburg: Naefanittagskonzert. 1730: Die schfiae 18: Der Minister im Volksstast. 1810; Wanderungen Im Wesergeblrge. 10r Die soziale Bedeutung des politischen Theaters. 19.25: Die Marienburg; 10.08: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Uebertragung aus Berlin. 31� Deusehlandseuder: Aus Leipzig: Kabarett. Anschließend Uebertragung ans Berlin.__ Mi« RelllnMüI-BtlMli Achtung, Funktionäre! Durch den Lorstand kommt ein Flugblatt zur Verbreitung, das an alle Metallarbeiter durch die Funktionäre verteilt werden mutz. Die Bezirksleiter Haben die Funklionäre zu Dienstag, dem, IS. Juli oder Mittwoch, dem 17 Juli 1930. nach einem Lokal inner- Halb des Bezirks geladen, wo die Ausgabe der- Flugblätter erfolgt. Wir ersuchen, dieser Einladung unbedingt Folge zu leisten. Die Ausgabe findet statt: 1. Dezirk: Lokal von Gallas, Weißensee, LeHderstroße 122. 2.. Schmidts Gesellfchastshaus. Fruchtstraße 3ka. 3... S e i p k e. Lichtenberg. Kronprinzenstrohe 47. 4.> L o j a t, Beymestraße 8. 5... Siedentopf, Muskouer Straß« SS. 6.. Rudolph. Neukölln, Hermann- Ecke Knesebeckstr. Marienfelde, K n a u e r, Großbeerenstraße. 7.. Lokal R i ch ter, Maybachuser ü, S... Prasser, Michaelkirchstraße 29 a. Sa.,. Roenlpieß. Nchslg,. Wossertorstraße 71. g... Lohann. Brüderstraße lö— 18. 10.,. Topp, Alte Iakobstraße 1. 11.,. Dörnbach, Bülowstraße 69 12.,. Borchmann, Rheinstrahe 40. 13.,, Dörre, Dankebnannstraße 18. 14„„ Oe ls ch l S g e r, Berlichingenftraße 5. 15., Verbandshaus, Linienstraße 83/85, Zimmer 3. 16., Lokal Senkel, Utrechter Straße 10 17... Regenberg, Gartenstraße 75. 18.. Verbandshaus, Linienstraße 83/85. 19.. Lokal B e i n l i ch, Weißenburger Straße 1. 20.,, Wende, Koloniestroße 147, 21.„ Derbandsbüro, Laufener Straße 5 und„Auf- w ä rts�-V e r t e i lu n g sst elle n. 22.„ Lokal Schulz, Köpenick, Bahnhosstroße 34. 23.„ B e r b a n d s b-ü r o, Lindenuser 25/:6. 24. Lokal Karus, Voltastraße 19 und Mach aleck, Droncheimer Straße 4. 25.„ Lokal„Zur Wartburg", Siemensstadt, Reißstr, 20. Achtung, Funktionare! Für folgende Drancheu fallen im 2N o u a k Juli die verlrauensmänuerkonsereuzen an»: AutOflwnschwaiBwr, Kisendrcber, QUrtlcr, Hobler, Bohrer, Mechaniker, Uhrmacher, Optiker, Schnittarbeiter und Schraubendreher» Mechaniker, Optiker, Uhrmacher, Eicher und EicherinnenS Dienstag, den 15. Juli, vormittag» 10 Uhr, findet im Verbands« Haus. Linienstraße 83/85, Sitzungssaal, Portal 3. 2 Trp„ eine Vsrssmmlung sämtlicher Arbeitslosen unserer Branche statt. Stempelkarte und Milglledsbuch für obige Dernfe gilt als Ausweis. Wir ersuchen um rechtzeitiges und x-».,,,«-- e-w-m-n, oi««rtav-rwniwns. SCÄS» • USB *» llg Ssiil, a&tt Otof�SSS* 4,5 zu «a, •»d 1» ins mm Berlin S.i OranlenstraBe 164-1C5 Charlottenbum i RoslnenstraBe 4 Barlln N.i Relnlckentferfer Strafie 31 Barlin N.: BrunnenstraOe 108-190 (Spezialhsuo»ur HerrenbeUeMune) taelW veim�n, Gustav I ustig I flJamwiG 6611. IMi Prinzen-Str. Ufce Seboefion-Strosse Wilmersdorfer-SftßC ander Bismarcb■ Stranc Frankfurter-Ailee _-224_ Ingeniearsdiale Bad Sulza|Thfir. Höhere Techn. Lehranstalt, Maschinenbau, Elektro- tecknlk. Automobil- und Flujtechnilt, Gas- und Wassertechnik, Chemie, Werkmeister- Abtellune Programm frei Von der Reise xm flüt I Dr. med. Edwin Picard fliBineosiiendei jeder Art liefert preisweri Paul Oollctz norm. Robert Me�er MarUnnceatrete S Ecke NaunynftraKe Amt Moritzpl 10303 Chirurgie und Urologie Keitbatr. I» Znrfickl Dr. imian NamanblDl. Von der Reise znrtlckl Dr.Moeller,Dnnckerstr. 32. Für die überaus zahlreichen Beweise herzlicher Anteilnahtne bei der Einäscherung meines lieben Mannes Emil Weill sage ich allen Kollegen, Parteigenossinnen und Genossen, den zahlreichen Vertretern aller Organisationen, meinen aufrichtigsten Dank, ganz besonders Horm Bergmann und Herrn Stach für die Trostreden am Sarge unseres teuren Toten. Agnes Welll. er für'Wobnungen in äffen Siif arten cfpeziafbefeucßiungen für Verkaufsräume� efebaufensfer, Werkstätten /« Uhr, nach einer Operation, meine lieb«, treu- lorgende Frau, unsere gute Mutter Marie Anklam, geh. Thiele im 60. Lebensjahre. Zu Hefa Trauer Alfred AakUas Harttal Anldaa ScnlBIIs,«risestraße 64. Die Trauerseier findet am Dien»- lag, dem 16. Juli, 17 Uhr, im Trema. torium Baumschulenweg statt, Alle» Freunden und Bekannten,\ die unserem lieben Zungen Wolfgang die letzte Ehr» erwiesen Huden, unseren I herzlichen Dank. VOheb»■. Moita Hendte. Sht-FaHnchort, den IT Znli 1930. 1 Danksagung. Ffir dl« herzliche Tellnahm« bei der Einäscherung meiner lieben Frau und anien Mutter, Echwefter, Tante, Echwagerw Gertrud Zigelski sagen wir allen aus diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Z» Namen der Hinlerbliedeum Paal Zigelski und Sohn. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden mei- ne» liebe» Manne», unsere, gnlen Vater» Alkred Paersch sogen wir allen Parteigenossinnen nnb genossen, allen Freunden und Bekannten sowie allen Organisationen für die lieben Wort« und Kranzspenden unseren herzlichen Dank, Anna P.erseta und Tochter. UMIielllZlilllllMM! Euer Versicherungsunternehmen, die Vollcsfi&rsortfe GewerkschaMIch-Oenossenschaftliche Verslchenings- Aktiengcsellschaft, ist die greßte UoiHsuBPSlchBrungsBeseiiscftaJl Ii I Günstige Versicherungsbedingungen I Hohe Gewinn- antellel Bei Unlalltod doppelte Verslcherungssummel Arbeiter, Aagcstcllle n. 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Beilage des Vorwärts Gonniag,-13. Juli 4930 t-r.Cibntka: SHC �fWitSUtH flßl* r?m rtobre 1603 war b€r fforrenoC fit Sterehig besondsrs ou?« ■ gelaffe« intb srnWch, weil der vorausgeqanqene siart des wllen m it.fNg Eurnpa deriibniten Muwmcnschcmzes wir die Maske des schwarzen Todes gesehen hatte. So ftirchthar war die Aeit gewesen. daß niemand mehr an sie erinnert sein wollt«, man nun über die Wochen der Lust der Toten vergoß und sich dem Rausche der Stund«, dem Taumel der Fr«ibeit ungehemmt hingab. Man nahm die Fest«, wie sie fielen; denn es konnte ja morgen schon geschehen, daß wieder der Schreckensrus„Die Pest- krerschend durch die Kanäle und Lagunen hallte. In keiner dieser wilden Nächte war man sicher, daß nicht die Maske des Grauens unsichtbar schon durch das bunte Gewoge des Karnevals wandle. So glich Venedig in diesen Wochen einer Schaubühne, aitf der ein jeder, oh Nobile oder Bettler, vermummt einherlief und seine Späße zum besten gab, die er sich ein Fahr lang ausgedacht. Am ersten Februarabend— schwül strich die Lust nach einem warmen Tage vom Lido her— begann um die neunte Stunde das Fest des Dogen. Zu 5) linderten glitten die Gondeln über dos träge. nach Fischen und Netzwerk riechend« Master des Canale Grande. Schwimmende Särge nannten sie die Aengstlichcn, die neues Un- heil in der Luft zu wittern meinten, schone schwarze Schwäne mit silbernen Schnäbeln die Unbekümmerten und Fröhlichen. An der Piazetta brandete die Springflut von Masken— Possenreißer. Harlekin« und lustige Zwerg« voran— lärmend über die steinernen Stufen der Ufermauer. Aus allen Gasten quollen Vermummte. Sänften schwankien durch die gaffende Menae, die jede gelungene Maske nnt Beffoll begrüßte. Läufer mst Fackeln schufen durch Geschrei und Püffe vor dem Nobili Raum. Pünktlicher dls sonst flutete das kirnte Treib«, über die goldene Stiege des Dogenpaloftes. Den-n es war das Gerücht ausgeflogen. daß es beim Fest« des Dogen etwas Besonderes zur Belustigung geben werde, wie man es selbst im venezianischen Karneval noch niemals gesehen. Die Sb irren de» Rat» sorgten dafür, daß da» neugierig drängend« Boll, das vom Palast nicht weichen wollte, einen Stveffen zum Meer hin frei ließ. Ein« breite Gaste, die sich zwischen den Gondeln und ankernden Galeeren fortsetzte und sich in mondloser Nacht im schwarzen Master des Hauses verlor. So dauert« es nicht lang«, bis unter den Gaffenden das Gerücht entstand, es werde um Mitternacht der Meergott Neptun nnt Triton«, und Nereiden oder irgendein anderes Seeoolk der Herrin der Adrra fein« Staatsoisite abstatten. Es vernahm dieses Gerücht, das die Leute einander unter au». gekastenen Scherzen zuriefen, indes schon Flöten- und Lauienspie! au» dem Palast zu hören war, auch der kaiserlich« Gesandt«, der als einer der letzten Gäste seiner nnt dem doppelten Adler ge- schmückten Gondel entstieg. So würdevoll er auch sein schwarzes, spanisches Kleid zu trogen perständ, wenn er in Staatsgefchästen vor der Signorie erschien, so lebenslustig war der noch junge Herr. wenn er sich als Privatmann in der Gesellschaft Venedigs bewegte, j So wenig die Republik und der Kaiser einander liebten, und so oft der Gesandte auch ernste und drohende Wort« vor den Prukuratoren zu sprechen hatte und auch selbst zu Höven bekam, so gern gesehen war er als Gast. Darum war er erstaunt, daß in dem AugeiiMick, da er de» großen Saal betrat, wo Mastentreiben schon im Geflimmer der Kerzen wogte, der Prokurator, der den auswärtigen Angelegen» heiten vorstand, auf ihn zuschritt und ernsten Antlitzes um ein« Unterredung bot. Noch verwundcrten aber war er, als der Venezianer ihn in eine Nein« Galerie führte, wohin das Lärmen des beginnenden Festes nur als ein fernes Brausen drang. Und be- troffen sah er auf, als der Prokurator zu reden begann:„Es hat die Signorie nnt Befremden gehört, daß der Kaiser, entgegen aller feierlicher Zusage, immer nock) nichts Ernstliches gegen die dalmati- wischen Piraten, die Uskoken, unternommen habe. Immer noch stoßen fie wie die Seeadler aus ihren Felsnestern von Buccari und Zengg noch unseren friedlichen Schiffen...* Längst war da» Lächeln aus den Zügen des Deutschen ver- schwunden. Sein Blick wurde hart, und gemessen kam seine Ant> wort:„Es wird der Signorie nicht entgangen sein, daß erst im Herbst drorhundert Söldner im Kampfe gegen die Uskoken vor Zengg geblieben sind. Und im übrigen scheint mir hier nicht der rechte Ort, von Geschäften zu reden. Ich bin erstaunt, daß est, Prokurvtor von San Marco für«in solches Gespräch keine bessere Stunde zu wählen wußte.* Sc'«» Zorn mit Mühe bekämpfend, trat der Deutsch« ans Fenster. Hinter sich hört« er die Stimm« des Proturators:„Er- sto-unter noch werdet Ihr sein, wenn Ihr vernehmt, daß wir heute noch eure dalmottnischen Freunde als Gäste hier bei uns begrüßen sollen...* Verblüfft wandte der Gesandte sich um. Da sah er da» fröhliche Lachen des anderen und verstand. Sem Zorn war verflogen, und nur ein leiser Spott blitzte aus feinen Worten:„Vergebt, wenn ich über Eure ernst« Red« vergaß, daß im Karneval die Republik sogar über den Uskok«, schrecken zu scherzen ocmwg. Oder habt Ihr am Ende Frieden mit den Piraten geschlossen, die auch die Signorie zu ihren Freunden rechireie, als die Türken bis vor dem Lido kreuzten?* Der Leitezioner nahm das Wortgefecht auf, in dem Scherz und Ernst sich seltsam vermeinten.„Friede mit den Uskoken? Vielleicht! Doch da die deutsche Majestät der Korsaren nicht Herr wurde...* „Die MasestSt hat kein« Schiffc. Für die Kriegsflotte Venedig« ober wäre es ein leichtes, die Piratenstänü« auszuschwefeln wie Wespenefter.* „Das Korsarenlond ist öflerreichisches Gebiet!* „Nun, ich bin bevollmächtigt*, erwidert« der Deutsche.„Euch morgen schon, wenn Ihr wollt, die Erlaubnis ZU geben, in Zengg und Buccari nach Uskoken zu jagen. Aber Ihr wollt eben nicht. Ihr meint, e» wäre gescheiter, der Kaiser verbocnne sich dort die Finger als Ihr selbst.— Doch nun sogt, welcher Spatz steht uns devoe. Ich Hort« auf der Piazetta, daß Gott Neptun oder sonst ein Meerwunder uns um Mitternacht besuchen werde.* „Der Kornevolsrat,* gab der Prokurator zur Antwort,„ist verschwiegener denn der Rot der Zehn. Und so weiß ich selber nicht mehr zu sagen, als was die Gerüchte mir zugetragen. Doch Gott Nepwn scheint es nickt zu sein Ibr habt doch gehört, daß vor etlichen Wochen d>e Uskoken am hellichten Tage über die Insel Curzola herfielen und sich die schönsten Weiber singen. Nicht, um nach Piratenart mit ihnen zu oersahren, sondern um sie als recht- mätzige Ehefrauen in ihr« Räuberstädte zu führen. Weil die Teufels- b rüder wohl die Sorge um den Nachwuchs für ihr Höllen Handwerk überkommt.— Nun. dieser„Brautraub der Uskoken* soll uns als Maskenscherz vorgeführt werden.* „Der Spaß ist gitt*, lächle der Gesandte.„Doch um wieder von politicis zu reden, so ersehe ich daraus, daß Ihr das Gelichter nicht allzu sehr mehr fürchtet, sonst würdet Ihr den Teufel nicht an die Wand malen. Denn was in Curzola geschah, könnte eines Tage? auch in Venedig sich ereignen.* Der Prokurator schüttest« den Kopf und deutete hinaus auf den Hafen, wo schwaches Mondlicht über den Mastenwald rieselte. ..Hundertdreißig Galeeren liegen kampsbereit auf der Reede...* �* Mst jeder Sttmde stieg die Erwartung. Vergebe,» versuchte man, näheres zu erfahren. Niemand wußte Antwort. Selbst die Mstglieder der Eowpognia della Ealza schüstelten verwundert die Köpfe. Denn auch sie hatten den Scherz nicht ausgedacht. Und so mußten es wohl Spaßvögel aus der Schar der jungen Nobili sein, die diese Uskokenhochzest ausgeheckt. Da und dort drängten sich Vermummte an die schönsten Frauen heran und raunten ihnen zu. daß nun bald die U-ckokengaleeren heranfliegen würden, um die Venezianerinnen zu rauben wie die Fischerweiber von Curzola. Die Erwartung wurde zum Fieber. Trotz Flöten und Lauten ruhte der Tanz. Das Schwirren der erregten Stimmen übertönte da» Spiel. Selbst die verschwiegenen Nischen auf der Galerie, aus denen um diese Stunde sonst längst schon Kichern und Flüstern drang, blieb leer. Mitternacht war vorüber. Da stieg von der Piazetta«in bvaulender Schrei. Im Saale drängt« man zu de» Fenstern und aus du Ballone. Mild war die Nacht. Mondlicht überflutete den Hafen, und aus dem Meere sah man«in seltsames Spiel. Au» dem Dunkel der Nackt glitten Barken und kleine Galeeren. Takt- schlag von Rudern war zu hören pnd dos Schrammen der Bord- wände an der steinernen Ufermauer. Segel flatterte» im Winde. Ein buntes Schtffsvoll stürzte über die Stufen der Piazetta herauf. von tosendem Zuruf begrüßt. Handschar« blitzten im Fackellicht. Schüsse au» Faustrohren gellten. Die Wachen an den Toren, die in dieser Rocht«inen Scherz wohl verstanden, gaben sich lachend geschlagen. Ueber die goldene Treppe raste die verwegen« Schar. Bon der Galerie des Saales jauchzte ein Schrei: ,D)er Brautraub der Uskoken!* Donnernder Beifall dankt« dem Rufer. Denn wahrhaftig. solchen Spaß hatte man auch im. venezianisches. Karneval noch niemals erlebt. Die Türen des Saales flogen auf. Hochgewachsene, braungebrannt« Gcstolten in roten und blauen Gewändern mit silbernen und golbenen Schärpen, au» denen Dolche und Fmisttohrc scchenj brachen lärmend herein. Der Beifall wurde zum Rosen. Herrlich schienen die Masken getroffen. Die schönsten der Frauen riß dqs Meervoll in seine Arme. Musik siel ein. Und ein Tanz, wild wie die Stürme im Conal di Mostempo um die Felsen von Zengg, durchswmpste den Saal. Dann erhob sich der Dog«. Es war das Zeichen zum Mahl. Doch eine Maske, bunt und prächtig wie ein Türk« geklefdet, trat vor ihn hin, verneigte sich tief, irnd eine fröhliche Stimm« sprach: , Mii Verlaub, eure Hoheit, nicht zum Essen sind wir gekommen. Hochzest wollen wir hallen! Wein und Essen gibt es auf unseren Schiffen genug. Wir müssen mst unseren Bräuten auf unseren Burgen sein, eh« Venedig sein« Galeeren bemannt.* Lachendes Einverständnis der Schönen. Der Ruf„Zu den Schiffen* erscholl. Wieder durchroste Veffall den Saal. Ein Zeichen des Sprechers. Di« Uskokemnasken hoben die Frauen auf ihr« Arme. Durch die Türe hinaus, über die Treppen hinunter fegten mst ihrem Raub die wilden Gesellen. Aus der Piozetta Gebrüll und Jauchzen des Volkes. Lachen und Winken von den Ballonen und Fenstern des Dogenpaloftes. Die Segel steigen. Der Takffchlog der Ruder setzt ein. Und«n der wieder mondlosen Nacht verschwindet der Maskenscherz wie ein Spuk. Oben im Saale fröhliches Lärmen. Man wußte: bald würden sie wiederkehren und das Mahl mst ihren Spaßen und Erzählungen würzen. Doch wie tot ruht das Meer. Eine Stunde vergeht. Das Lachen weicht erregtem Geflüster. Da. ein Bombarvenschuß! Ein zweiter, ein dritter! Da» Warn»- zeichen der Flotte. Auf der Piazetta wüstes Geschrei. Verwirrung und Fluchen. Bewaffnete klirren im Lauffchritt nach dem Hafen. Galeeren gleiten über das von Fackeln erleuchtete Meer. Der Doge, gefolgt vom Rate der Zehn, verläßt eilig den Saal. Irgendwo in dem beklommenen Flüstern ein Schrei:„Madonna— dos waren die Uskoken selbst!* Am nächsten Abend— rat wie Blut brannte die Sonne aus die Felsen des Belebst— läuten die Glocken von den Kathedralen, in Buccari und Zengg, flattern in der Bora die Flaggen und Wimpel von den Toppen der Raubgolsersn. Es halten die Uskoken Hochzest mst den venezianischen Edelfvauen, deren Weinen im Donner der Stücke verhallt. Indes draußen die Flott« Venedigs in Sturm an den schäumenden Riffen und Scoglie» vor den Inseln zerschellt. In jenem Jahre war der Karneval in Venedig zu Ende,.zwei Wochen eh« die Feste begannen.~...... fflilfe! Och»reiß seu viel von mir Ton Wilhelm Xichienberg Jeden Morgen, wenn ich meine Zeitung zur Hand nehme, kredenzt mir einer, der es von Berufs wegen verstehen muß, stast meines Morgenkaffees den bitteren Trank der Selbsterkenntnis. Ich lerne alle Gefahren schaudernd erkennen, die meinen, armen Körper drohen. Ich werde mit Krankheitssymptomen gefüttert und mit Frühdiagnosen aufgepäppelt. Ich kam, nicht mehr m den Spiegel sehen, ohne vor meiner Iris zu erschrecken; ich kann nichts mehr verdauen, ohne den unerhört komplizierten Apparat vor Augen zu haben; ich kann mein« Knie nicht mehr vibrieren lassen, lchne an die Paralyse zu denken. Nichts kann ich mehr. Ich werde mir selbst «nffremdet, indem ich meinen Körper kennen lerne.� Ich dank« da- für. Mein Körper interessiert mich nicht. Mein Körper wird mir schon srüh genug in den Rücken fallen. Ich lege keinen Wert darauf, mein eigener Diagnostiker zu sein. Die-holdselig« Behaglichkeit des Essens, des Genießens. ist mir fremd geworden. Früher aß ich Beeffteaks-und Zwetschenknödel und Kuchen und Schlagsahne. Vorbei! Das heißt, ich esse ja diese wundervollen Ding« immer noch. Aber seitdem ich so viel von mir weiß, sind sie eben keine Beefsteaks und keine Zwetschenknödel mehr. Sie haben sich in Kalorien und Vstamine und Hydrate und Eiweiß- stoff« aufgelöst. Zuwesten ist mir, als hätte irgendein Forscher an meinem Gaumen ein« Tabelle angebracht. Und dies« Tabelle läßt immer nur so viel an Kalorien, Vitaminen, Hydraten durchrutschen, alz unbedingt notwendig ist. Habe ich mein« Kalorien bereits inne, muß ich zu würgen beginnen. Ich weiß zu viel von mir. Das Essen hat für mich allen Reiz verloren. An meinem Tisch sitzen stets ungebeten« Gäste und grinsen mich höhnisch und menetekelnd an. Rechts neben mir sitzt Madame Arteriosklerose und feixt bei jedem Bissen, den ich über die Kalorie esse, mit zahnlosem Mund; links sitzt Monsieur Dementia tremens, imd seine Augen leuchten wahnwitzig bei jedem Schluck Rotwein, den ich zu mir nehme. Gegenüber hockt Mademoiselle Diabetes und hebt warnend die dürren, pergamenienen Finger. Ueberall. an allen Ecken der Taiel, haben sich diese schauerlichen Gäste eingenistet, und ich habe einen schweren Stand ihnen gegenüber. Den Stand der nudernsten Forschung von der Maschin« Mensch. Wenn sie wenigstens meine Seele verschont hätte, die modern« Forschung! Aber nein! Sie wühlt darin, wie jetzt der Hunger in meinen Eingemeiden. Glückliche Menschen früherer Zeitalter! Ihr mußtet, daß die Seele unsterblich sei, und fettig. Ich mutz sagen— mir hAte es genügt, nicht mehr von der Seele z» wissen. Jetzt weiß ich sogar, wie mein« Seele aussieht. Ilngcsöhr wie «in Tiniensischer. aus Komplexenrestchen ziisainwengeflickt. Ich Hab« keine Seele mehr: nur mehr herzige, süße, kleine Komplexchcn. Ich habe keine Träume mehr. Shakespeare sagt irgendwo, daß der Schlaf der Beglücker der Mens hen sei. Shakespeare sollte heute leben und seine Behauptung noch einmal wagen! Ich schlaf« überhaupt nur mehr mit Adjektiven. Sie ersetzen jene kleinen, un- appetitlichen Tierchen, di« man manchmal in gewissen Betten trifft. Ich habe Wahrtraum« und Wunschträume, verbrecherisch« Träume und Exhibstionsphantafien. Früher einmal setzte mau seine Träume in die Lotterie, jetzt setzt man sie ins Kriminalmuseum. Früher ein» mal erwachte man am Morgen erfrischt und gekräftigt, jetzt bringt der junge Tag so viel Ekel und Abscheu vor sich selbst, daß man am liebsten nicht mehr weiter leben möchte. Ich weiß eben zu viel von mir. Mit Rührung erinnere ich mich einer Zest, wo man sagte: Diesen Menschen kenne ich wie meine Tasche. Ich sage jetzt nur mehr: Diesen Menschen kenne ich wie mein Minderwertigkeitsgefühl. Denn tatsächlich ist mir nichts so sehr vertraut. wie mein Minderwertigkeitsgefühl. Auch meine überwettigen Ideen laufen mir nach, wie ehedem»«in« Dackel. So pendle ich zwischen Psychoanalyse und Indioidualpsychologi«, und mein Tintenwischer, einstmals Seele genannt, wird demnächst, in Spiritus konserviert, in einer hygienischen Ausstellung gezeigt werden. Ich kann mein Kind nicht mehr erziehen, wenn ich kein Lehrbuch zur Hand habe. Die verdrängten Komplexe meiner Seinen Tochter wachsen mir über den Kopf. Ueber Komplex« hat man kein Züch. tigungsrecht. Ich kann meine Mutter nicht mehr küssen, wegen dieses ver. flixten Oedipus, der die modernen Familienbeziehungen über sein antikes Grab hinaus zerstött hat. Ich kann meiner Frau kein neues Kleid mehr kaufen, weil sie so» sott behauptet, in diesem 5kl eid hätte ich meine Mordabsichten ihr gegenüber abreagiett. Und wenn ich ihr wieder kein neues Kleid kaufe, behauptet sie, ich wäre ein Gedanken-Scheckfälscher, west ich«, nicht über mich brächt«, Geld in Umlauf zu setzen. Ich kann keinen Brief mehr schreiben, weil mir di« Graphologie im Racken sitzt. Jeder Schnörkel, den ich mache, ist ein Grund, mich sofott aus der nächsten Polizeistatton zu stellen und mich zu leben». länglichem Zuchthaus verutteilen zu lassen. Jeder Schattenstrich fällt auf meinen armen Charakter zurück; und keinen guten Haarstrich lasse ich mehr an mir. Aus meinen Handflächen lese ich mein Todesdotum heraus. Und die 5kiirv« meiner Mißerfolge. Meine Nase zeigt mir deutlich die Summ« meiner verwerflichen Leidenschaften. Das hat man herausgefunden, damit die Menschen ssch immer wieder bei der Nase packen können. Ich weiß, welche Mädchen man nicht heiraten soll und welch« Frauen am freuest«« sind. Ermesse jemand meine Qualen, wenn ich sage, daß die Stattstik meine eigene Frau in die Kategorie der weib. lichen Wesen einreiht, die nicht treu sein können. Ich meiß... Ach. wozu noch mehr Wotte! Ich weiß, daß ich zuviel weiß. Seitdem ich mich, mein«» Körper, meine Seele, meine Lebens» linie. meine Handschrist, meinen Gong, mein« Nase, mein Gestirn kenne, hat das Leben allen Reiz für mich verloren. Ich lebe nicht mehr. Ich analysiere mich. Ich reagier« mit verdrängten Komplexen di« Hemmungen meiner Minderwertigkeitsgefühl« nz� überwertiaen Ideen ab. Hilfe! Ich weiß zu viel von mir. gem xornien: Wmiä Die Vorstellung ist aus, Äas Badevolk, das vom warmen Strand zum Wanderzirkus Wolter hinaufgeftröint war und mit oder cchnc Mäntel auf den harten Bänken die Hochseilschau betrachtet hatte, strömt« mit viel schlechten und einigen guten Witzen auseinander. Es war«in Zirkus, der in zwei Stunden auszuschlagen und abzubrechen ist. Der Eigner stand am Ausgang und machte einige unbeholfen« Verbeugungen.»Sieht eigentlich gar nicht wie ein Zirkusdirektor aus." »Und ob das einer ist", versicherte ein anderer,»wenn der Kapital hätte." »Also auf Wiedersehen, Herr Direktor, morgen mehr!" Noch eine Verbeugung, ein Lüften des uralten Zylinders, dann wandt« sich der Angeredete, der zugleich sein eigener Arbeit»- mann, Pserdehalter, Kutscher und Impresario war, dem Wohn- »vagen zu, der,«in wenig schief und krumm, auf da» Gras g«- fahren war. Die Frau, die eben noch wohlbeleibt, aber geschickt, auf dem Sejl getänzelt hatte, machte schon das Abendbrot für die tuinm«l»ifcen Kinder und zankte sich mit dem Arbcitsjungen, der den Zirkus begleitete und wieder ein riesiges Dreieck in sein« schäbig« Jacke gerissen hatte. Wolter hörte eine Weile zu, nicht ohne Schaden- freude. So ein Direktor, der bei Wind und Regen die Seebäder entlang klappert, ist daheim über sede Ablenkung sroh.»Fohren wir morgen weitcr?" fragte die Frau plötzlich mitten zwischen den Zurechtweisungen. Der Mann zog die Stirn kraus. Da war so ein Unbehagen. Man machte sonst für die Vorstellung des zweiten Tages noch einmal mit Paukenschlag einen Umzug durchs Dorf. Das genügte meist für ein« zweite Vonstellung. Aber hier paßte es nicht. Ein Mann, anders als die Badegäste, die bei ihm zur Schau- stellung gewesen waren, stand bei den Pferden: einer, dem man's ansah, daß er tagsüber hinter dem Pslug herging: Wolters Detter hatte sich eingefunden und wartet« auf ihn. Er tat gleichgültig, ai, befäh« er sich die Pferd«, tlopste diesem, klopfte jenem den Hals entlang und öffnete ein wenig neugierig das Maul. »Na. Jochann. wie geht es denn?" fragte der Bauer, �willst nicht mal auf den Hof kommen?" Wolter nickte, er hatte auch schon daran gedacht, warum sollte er den Detter nicht einmal besuchen? Er fühlte sich gleichwert, er hatte zwei Wagen, er hatte vier Pferde, hotte sein Eigene» wie ander« auch. »Ich komme", sagt« er,»in einer Stunde vielleicht." Der Bauer wandt« sich langsam.»Ist gut!" Dann fuhr seine prüfende Hand noch mal über die Mähnen.»Deine Pferd« taugen nicht viel, Johann!" »Wae sagte er?" fragte die Frau, die näher koinmend dem Abgehenden nachschaut«. Sie verstand die Mundart nicht, aber sie wußte, ihr Mann hatte hier am Ort noch Verwandtschaft und sie hatte ihn gern, sie wollte, daß er ohne Aerger weiterführe.»War doch nichts Böses?" Wolter schüttelte den Kops. Dann machten sie sich dabei, das Holzgerät abzubrechen. Was eben sine Hochturmscilschau gewesen, war bald ein Haufen Bretter, ein Stangengewirr, da» unter dem Wagen verstaut und verschnürt wurde. Nun noch die ausgelassen tummelnden Kinder zu Bett bringen! Wolter stand schweigend in> der Wagentür, er sah der Frau zu, allerhand Bergangenes zog I ihm durch den Kopf.„Die Pferde taugen nicht viel?" Nun, man hätte besser« Pferde haben können. Einer von beiden, sein Detter j oder er, konnten die lange Mine haben, die gut« Pferd« auf dem Hof hatte. Sein Netter hatte es gewagt, er war lieber in die weite Welt gegangen, fuhr mit dem Wagen von Ort zu Ort den Bade- strand entlaß ,»Hör", sagte er plötzlich, als er sah, daß die Frau fertig war und die sechs Pausbacken gut, und noch blühend vom Windtag, unter den Decken lagen,»hör.«sien könnt' ich nachher", sagte er halb neugierig,„ich will noch zu meinem Better rüber. Willst du mit?"—' „Ich muß da» Zeug nachsehen", wich sie aus, sie hatte Furcht vor der Verwandtschaft. Es war gerade noch Halbdunkel, die Sommernächte waren lang und ehe die lange Mine etwas aufgetischt hatte, mußte Wolter erst noch von Stall zu Stall und von Tier zu Tier gehen. Kein Zweifel, die Pferde waren gut gehalten. Bier waren es,«in kleiner Hof, mehr nicht, aber blitzblank von oben bis unten. Die lange Mine lief mit, als die Vettern durch den Stall gingen, sie war strohdürr, wie sie.immer gewescit war, die Schultern vornüberhängcnd, die spitze hochgerichtet« Nase immer mitten im gleichen Lächeln. „Sind die Pferde nicht gut?" „Ja, die Pferde sind gut!" Johann Wolter nickte; langsam schob er sich zu den Wohnräumen zurück. Bor der Schlafkammer blieb er stehen, man öffnete ihm die Tür, hob die Laterne und leuchtete die Betten ab. Schmal«, spitzgesichtig« Köpf« rekelten sich, halb erschrocken Wer das Licht, unter den Federn hoch, eins wie das andere der dürren Min« gleich. »Di« Kinder taugen nicht viel", sagt Wolter dürr. Er gibt den: Detter und der Schwägerin die Hand, nickt und geht, ohne zu Tisch zu blechen, zum Wagen zurück. Di« Frau wartet vor der Tür.„Na?" fragt sie,„roie war es?" „Besser die Kinder taugen als die Psendel" „Was soll dos heißen?" Aber der Mann lächelt nur und llapste ihr auf feie Schulter, auf die breiten, vom Trapez ausge- arbeit«ten Schultern. S>as übervölkerte Japan jährlich eine'tltillion Vlenfchen mehr Das Problem, wie man die jährlich um eine Million Menschen zunehmende Bevölkerung Japans ernähren kann, ist heikel und schwierig genug, um der japanischen Regierung nicht geringe Kopf- schmerzen zu verursachen. Die zunehmend« Arbeitslosigkeit trägt noch weiter dazu bei, diese Schwierigkeiten zu verdoppeln.„Japan produziert", so führt Suyeo Nakano in einem japanischen Blatt aus, „jährlich rund 60 Millionen Koku Reis(ein Koku ist etwa 123 Kilogramm). Ein Teil dieser Erzeugung wird für die Herstellung des nationalen Sake verwandt, eines Getränkes, dessen Alkoholgehalt zwischen Bier und Branntwein die Mitte hält. Diesen Teil der für die Sakefabrikation entnommenen Reismengen muß Japan durch Einfuhr von ausländischem Material ergänzen, Japans Hauptquelle der Doltsernährung ist in Gefahr zu versiegen, wenn die Beoölte- rungsziffer in dem gleichen Maß wie bisher wächst, und es nicht möglich ist, für den Bevölterungsüberfchuh einen Ausweg zu finden. Das Arbeitslosenproblem wollen einige dadurch lösen, daß man die Ausmauerung nach Südamerika und der Slldse« begünstigt. Aber die Auswanderang nach Südamerika läßt sich nur durch stark« finanzielle Hiisc fördern, und was die Südsee betrifft, so ist Japan die Eröffnung gemacht worden, daß das Land außerstande sei, die Arbeitslosen Japans aufzunehmen. Auch die Aussichten, die sich der Auswanderung nach der Mandschurei und Mongolei eröffnen, sind wenig ermutigend. Es gibt in der Mandschurei und Mongolei heute etwa 300 000 jopamschc Ansiedler, während die chinesische Einwände- rang nach der Mandschurei und dem Hinterland auf etwa 1,5 Millionen zu schätzen'ist. Die Einwanderung aus China ist hauptsächlich durch die tyrannische Willkür des Gelben Flusses bestimmt, der in der Zeit der Trockenheit die an den Ufern gelegenen Farmen ver- wüstet und die gleichen Verwüstungen anrichtet, wenn er mit Hoch- wasfer geht. Dadurch gezwungen, wandern die Chinesen in immer stärkerer Zahl aus, um sich in den Ebenen der Mandschurei und der Mongolei anzusiedeln. Sie haben dabei den Borteil, daß sie nicht wie die Japaner die See zu überqueren haben. Dabei ist der Chinese viel genügsamer als der Japaner. Der chinesische Arbeiter kann mit Mehl auskommen, das er mit Wasier zu einem Teig rührt, wobei er darauf verzichtet, zur Verbesserung des Geschmackes Salz oder Zucker zuzusetzen. Er bestreitet seinen täglichen Unterholt mit wenigen Pfennigen, und ebenso bescheiden ist er in seinen An- sprächen, was Kleidung und Wohnung angeht. So kommt es, des; er mit rund SO Pfennig täglich feinen Lebensunterhalt decken kann. Ganz anders der Japaner! Um mit dem Chinesen konkurrieren .zu können, muß der japanische Arbeiter mehr Geld für das Essen ausgeben, und obendrein macht er in bezug auf Kleidung und Woh- nung ungleich höhere Ansprüche, um sein Arbeitsnioeau einzuhalten. Kurz, der japanische Arbeiter fordert einen Lohn, der den des Chi- nesen um fast das Zehnfache übersteigt. Di« Arbeitgeber in der Mandschurei und Mongolei ziehen deshalb die Chinesen den Japanern vor, da jene leistungsfähiger und dabei billiger sind. Die Gcburtcneinschrünkung ist in Japan vom Gesetz nicht gestattet; gleich- wohl wird sie in den mittleren und höheren Ständen ausgeübt. Man hat bei der AuswanderuiHg auch an Ostsibirien gedacht, aber da dieses Land der Sowjetunion gehört, bleibt abzuwarten, ob Moskau japanische Siedlungen dort zulassen will. Abgesehen davon dürfre aber auch die japanische Regierung kaum geneigt sein, diese Aus- Wanderung zu fördern, aus Furcht vor der bolschewistischen An- steckungsgefahr. Kurz, die japanische Regierung verfügt nicht über Mittel, die geeignet erscheinen könnten, gegen die steigende Beoölfe- rungsziffer und die fortschreitende wirtschaftliche Depression ein Hrlfsmittei zu bieten. Im Kämpfe gegen diese Depression gibt es nur ein Mittel, und dieses Mittel besteht darin, die industrielle Ent- Wicklung auf eine brettere Basis zu stellen. Hierbei kommt in erster Linie die Ausnützung der Wasserkräfte zur Erzeugung elektrischer Kraft in Frage. Wenn man auf diesem Gebiet rasche und ganze Arbeit leistet, so würde das Gespenst des Bevölkerungsüberschusses rasch verschwinden. Die Provinzen Hokkaido und Sachalin können überdies noch große Menschenmengen aufnehmen, und deshalb sollte Japan aufhören, Rohmaterial von Menschen auszuführen. Eine Pyramide mit elektrischer Znnenbeleuchtung. Eine am«- ritonische Forschungsexpedition, unter Führung von Gelehrten der Haroard-Unioerfität. beschäftigt sich gegenwärtig mit der Feststellung weiterer Einzelheiten aus dem Grab in der Cheops-Pyromide. Für die Fortsetzung der Arbeiten hat sich eine besser« Beleuchtung im Innern der Pyramide als dringendste Voraussetzung heraus- gestellt, und man hat daher«in« elektrisch« Lichtanlage geschassen, die 4000 Kerzen liesern iann. Mit Hilfe dieser Anlage hofft man jetzt in die Rätsel der Pharaoneu-Gräber endlich einmal genügend hineinleuchten zu können. tmmichm mitHenho etäpwdJhtm. Einweiciien mitHenko ist aie Bequemste Art der Stkmutzlösung! Gesundheit uncfWascfie bfeibcfTgesdhonf. Sie waschen bedeutend Billiger und schneller. Legen Sie also die schmutzige Wasche abends vor dem Waschtag in eine kalte Henkolösung, fasscnSie diese nachtsüber stehen� morgens ist der Schmutz vollkommen gelockert« B eq wejDL&c köjincrn Sic n Loh t waschen. AIso� nehmen zum Wäscheeinweichen nehmen zum Wasserweichmachen Keonen Sic schon das jüngste Erzeugnis der Pcr§jlwerke:® Ijenler» Aufwasch»? Spuf# tmd ReTitfgmrgrnnffryf�