Morgenausgabe Nr. 325_, � A164 ��-�ahrgang Wöchentlich SS Pf., monatlich S.«) M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pfg. Postzeitungs- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslands- abonnement 6,— M. pro Monat. * Der �Vorwärts- erscheint wochentäg- Abend", Illustrierte Beilagen„Boll und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner „Frauenstimme", Technik".„Blick in die Bücherwelt",„Jugend-Vonvärts" und„Stadtbeilage". P- AerUnev volkSbtatt Dienstag 15. Juli 1930 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile 60 Pfennig. Reklame.eile 5,— Reichs- mark.„Kleine Anzeigen� das ettge- druckte Wort 26 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imchaupt- gefchäst Lindenstraße 3. wochentaglich von 8Va bis 17 Uhr. Jentealovsan der Goziatdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Kernsprecher: Dönbof: L92— LS? Telegramm-Adr.: Sozialdemokra» Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Vostschecktonio: Berlin 87536.— Bankkonio: Bank der Arbeiter. Angeltellten und Beamten. Wallstr 65. Dt. B u DiSc-Gel.. TepoNtenkasle Lindenstr. 3. Bedenken gegen Artikel 48. Lm Zufiizminifierium.- Und im Innenministerium? Die Wirtschaftspartei hat im Reichstag einen Antrag eingebracht, der die Reichsregierung ersucht, den Reichspräsi- denten zu bitten, daß im Falle der Ablehnung der Deckungs- vorläge und der Vorlagen über die Revision des Erwerbs- losen- und Krankenwesens und der Ausgabensenkungsbestim- mungen der Reichstag aufgelöst wird. Durch den An- trag soll verhindert werden, daß der Artikel 48 in An- wendung gebracht wird, ohne daß der Reichstag aufgelöst ist. Wie die Telegraphen-Union dazu zu melden weiß, hat der Staatssekretär im Reichsjustizministerium, Joel, über die Frage der Anwendungsmöglichkeit des Artikels 48 ein Gutachten ausgearbeitet, über das von der Reichsregie- rung strengstes Stillschweigen bewahrt wird. Angeblich soll der Antrag der Wirtschaftspartei auf Auflösung des Reichs- tages für den Fall der Ablehnung der Deckungsvorlagen usw. unmittelbar auf das Gutachten Joels zurückgehen, das st arke Bedenken gegen die Anwendung des Artikels 48 äußert. Und was sagen Wirth, Stegerwald, Gußrard, tvas der Demokrat Dietrich? Illusionen im Brüning-Lager. Die sozialdemokratische Fraktion wird vollzählig und geschlossen ablehnen. In einem Teil der bürgerlichen Presse, wie in den Wandelgängen des Reichstags, wurde gestern das Gerücht wiedergegeben, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bei den entscheidenden Abstimmungen sich nicht in voller Stärke beteiligen werde. Zu diesen Gerüchten schreibt der Sozialdemokratische Pressedienst: „Man kolportierte am Montag im Reichstag das Gerücht, die sozialdemokratische Fraktion werde eine Anzahl chrer Mitglieder abkommandieren, oder es würde ein Teil freiwillig der Abstimmung fernbleiben, um dem Kabinett aus der Verlegenheit zu helfen. Die Hugenberg-Press« wußte sogar die genaue Zahl dieser Retter anzugeben, nämlich vierzig. Alles erstunken und erlogen. Schon unter dem 11. Juli hat der sozialdemokratisch« Parteivorstand sämtliche Mitglieder dringend aufgefordert, an jedem Tage anwesend zu sein. Diese Mahnung ist am Montag wiederholtworden." Der Fraktionsvorstand hat ferner die Mitglieder der Fraktion aufgefordert, nicht zur Interparlamentarischen Union nach London zu reisen. Oas Kompromiß über die Kopfsteuer. Der Entwurf eines Gesetzes über die Einführung der Kops- st euer, der am Sonntag zwischen den Regieruilgsparteien ver- einbart worden ist, weicht in einigen Punkten von dem ersten Eni- wl�rf ab. Danach sind die Gemeinden bis zum 31. März 1931 lediglich berechtigt, die Kopfsteuer einzuführen. Eine Berpflich- tung zu chrer Einführung ist nur für den Fall vorgesehen, daß im Rechnungsjahr 1939 die Realsteuer über den bis zum 1. Juli 1939 beschlossenen Satz erhöht wird. Vom Rechnungsjahr 1931 ab bis zum Inkrafttreten des Grundsteuerrahmengesetzes und des Gewerbe- fteuerrahmengesetzes ist die Gemeinde verpflichtet, die Kopf- steuer einzuführen, wenn die Realsteuern den Landesdurchschnitt übersteigen. Für die Senkung der Realsteuern und für die Ver- koppelung der Zuschläge zur Kopfsteuer mit den Realsteuersätzen sind besondere Reichsgesetze in Aussicht genommen. Die Regierungsparteien einig. Die Fraktionen der Regierungsparteien haben sich auf die Deckungsvorlagen und das Kompromiß über die Kopfsteuer geeinigt. Die demokratische Reichstagsfraktion Hot chre Zu- stimmung zur Kopfsteuer in einem längeren Schreiben an den Reichskanzler begründet, dessen Schluß lautet: „Der letzte Grund, weswegen wir unter Zurückstellung wesent- licher Bedenken unsere Unterschrist zu leisten bereit sind, besteht in der Erkenntnis, daß ohne wesentliche Opfer von allen Seiten eine Einigung der Parteien über eine auf p a r- lamentarischem Wege zu verabschiedende Finanzreform Uberhaupt nicht zu erzielen sein würde, daß aber die Not- wendigkeit alsbaldiger Maßnahmen von niemand verneim werden kann, der sich der schweren Gefahren bewußt ist, die sonst Reich und Wirtschaft bedrohen." Man könnte in diesen Sätzen schon die Ueberleitung zu einem Umfall der Demokraten in der Frage der Anwendung des Artikels 48 sehen... Das Gemüt beim Zechenkapital Kürzung der Knappfchastsversicherung beantragt— einen Tag nach der Beisetzung der Opfer von Neurode. Im sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages wurden Montag abend die Beratungen über die Novelle zur Krankenversicherung be- endet. Nach Schluß der Beratungen begründete der Zechen- direttor Leopold einen deutschnationalen Antrag, worin die Regierung aufgefordert wird, nunmehr auch eine Novelle zur Knappschaftsversicherung vorzulegen und diese der verschlechterten Krankenversicherung an- z u p a s s e n. Abg. Aufhäuser(Soz.) beantragte sofort zur Geschäfts- ordnung gegenüber diesem Roheitsakt, der«inen Tag nach der Beisetzung der Opfer von Neurode vorgenommen werden soll, Uebergang zur Tagesordnung. Es wurde so beschlossen. Brot nach Gewicht! Vom Reichstag beschlossen. Beim Roggenbrotgesetz ist vor kurzem mit einer Reichstagsmchrheit von einer Stimme der 8 4 gestrichen worden, der Brotverkauf nach Gewicht vorschreiben wollte. Die sozialdemokratische Fraktion hatte nun beantragt, diese Bestimmung in das Gesetz über den Vermahlungs- zwang für Weizen einzufügen. Dieser Antrag ist gestern vom Reichstag in namentlicher Abstimmung mit 200 gegen 100 Stimmen bei 8 Enthaltungen zum Be- schluß erhoben worden. Da das Gesetz mit diesem Zusatz angenommen worden ist, wird— vorbehaltlich der Zustimmung des Reichsratcs— Brot künftig nach Gewicht verkauft werden. Frohe Boischast für Oeutfchösterreich. Die Anleihe gesichert. London, 14. Julk.(TO.) Die österreichische Wiederaufbauanleihe ist am Mon- tag in London abgeschlossen und von Finanzminister Juch als dem Vertreter der österreichischen Regierung sowie von den Vertretern der beteiligten Banken unter- zeichnet worden. Die Anleihe wird in New Bork bereits am Dienstag nachmittag, in London am Mittwoch, in Wien am Donnerstag, ferner in Holland, Italien, Schweden und der Schweiz zur Auflegung gelangen. Die Anleihesumme beträgt rund 02 Millionen Dollar, wird mit 7 v. H. verzinst und erstreckt sich über 27 Jahre. Rußlands höchste Instanz. Neuwahl des politbureaus und des Zentralkomitees. Schluß des Parteitages. Moskau, 14. Juli. Das Plenum des vom 19. Kommunistischen Parteitage ge- wählten Zentralkomitees wählt« zu Mitgliedern des Politbüros Stalin, Kaganowitsch, Molotow, Kalinin, Woroschilow, Kirow, Kuibschew, R y k o w, Rudsutka und Kossior und zu Ersatzmitgliedern dieses Büros Mikoian, Tschubar, Petrowski, Andrejew und Syrzow. Zu Sekretären des Zentralkomitees wurden Stalin, Kaganowitsch, Molotow, Baumann und Postyschew gewählt, ferner wurde Stalin als Generalsekretär bestätigt. Unter den 71 Mitgliedern des Zentralkomitees befinden sich auch die Oppositionellen Toinski und sogar Bucharin. Der Parteitag hat«instimmig die Bericht« Ordschonikidses über die Arbeit der Zentralkontrollkommission. Kuibyschews über die Durchführung des Fünfjahresplanes. Jakmvlews über die Kollektivwirtschaftsbewegung und Schwerniks über die Arbeit der Sowjet-Gewerkschaften gebilligt. Die Schlußrede auf den Parteitag hielt Kalinin. Mit Westarp oder Artikel 4S! In jedem Fall ohne und gegen die Sozialdemokratte. Heute nachmittag steht im Reichstag die zweite Lesung der Finanzvorlagen auf der Tagesord- nung. Man erwartet, daß der Reichskanzler Dr. Brüning die Debatte mit einer Erklärung einleiten wird. Danach wird sich das Hauptinteresse auf die A b st i m m u n g e n richten. Man sagt, daß die Regierung je nach dem Ausfall dieser Abstimmungen ihre Entschlüsse fassen wird, man spricht in diesem Zusammenhang wieder vom Artikel 48. Die Regierungsparteien haben gestern beschlossen, die im Ausschuß gefallene Regierungsvorlage wieder einzu- bringen und einen Entwurf einer Kopf st euer hin- zuzufügen. Das ist eine Kriegserklärung an die Sozialdemokratie und ein Werben um die Gunst der Deutschnationalen. Unter dem Druck des Reichskanzlers haben Zentrum und Demokraten es unterlassen, mit der Sozialdemokratie Fühlung zu nehmen, obwohl sie wissen, daß die Sozialdemokratie bereit war, mit ihnen zu verhandeln. Durch die Einbringung der Kopfsteuer hat man die Brücke nach rechts geschlagen: ob sie tragfähig ist, müssen die nächsten Tage zeigen. Gelingt der Regierung Brüning zum zweitenmal, was ihr im April dieses Jahres zum erstenmal gelungen ist, dann ist die Lage ohne weiteres klar. Dann haben wir eine Bürgerblockmehrheit, die zwar etwas morsch und nur durch stärksten Druck zusammenzuhalten ist, auf die gestützt aber die Regierung Brüning verfassungsmäßig regieren kann. Die Oppositionsstellung der Sozialdemokratie gegenüber dieser Mehrheit ist von selbst gegeben. Wenn aber die Spekulation mißlingt, wenn die deutsch- nationale Hilfsmannschaft zur Mehrheit nicht reicht, dann will, so. heißt es, die Regierung Brüning mit dem Artikel 4� regieren. Der Staatsstreich ist unterwegs, und als sein Vor- reiter erscheint pünktlich schon wieder der alte Schwindel von den angeblichen Präzedenzfällen aus Friedrich Eberts Zeit. Von den fünf Verordnungen finanzieller Natur, die Ebert in den Iahren 1923 und 1924, also in stürmischer Zeit erließ, hat keine einzige neue Steuern oder Steuererhöhungen eingeführt. Vielmehr handelte es sich in der Hauptsache darum, die Steuersätze den heftigen Schwankungen der Währung anzupassen. In keinem dieser Fälle ist der Ausnahmezustand des Art. 48 zu dem Zwecke verhängt worden, die Verordnungen erlassen zu kön- nen, er bestand vielmehr schon zuvor. In keinem dieser Fälle ist etwas verordnet worden, etw.a weil man wußte, daß der Reichstag dafür nicht zu haben fein würde. Was die Regierung Brüning vorhat, ist das gerade Gegenteil von dem, was damals geschah. Ein Ausnahme- zustand besteht nicht, es besteht auch kein gesetzlicher Grund, ihn zu verhängen. Der einzige Grund, ihn zu verhängen, be- steht darin, daß man Steuern ausschreiben will, für die man im Reichstag keine Mehrheit hat. Was ein solches Lorgehen staatsrechtlich bedeutet, darüber ist ein Zweifel nicht möglich. Was bedeutet es politisch? Verschärfung des Kampfes zwischen der bürgerlichen Mitte und der Sozialdemokratie. Eine vom Zentrum getragene Regierung spielt Diktatur, die Sozialdemokratie wird ihr sagen müssen, daß ihr Borgehen mit der Reichsverfassung nicht vereinbar ist. Die Sozial- demokratie wird in jedem Fall vom Reichstag verlangen, daß er die Verordnungen der Regierung aufheben soll. Wird sich dann eine Mehrheit finden, die durch Ablehnung dieses Ver- langens für das sachliche und formale Vorgehen der Regie- rung die Verantwortung übernimmt? Eine andere Frage: Wie weit kann die Regierung mit dem angemaßten Verordnungsrecht gehen? Staatsrechtlich kann sie damit, wenn sie Steuern ausschreiben darf, alles, also z. B. auch die Arbeitslosenversicherung, die Krankenverstche- rung verschlechtern, den Etat ändern. Subventionen entziehen oder austeilen usw. Ihr„Recht" zu solchen Maßnahmen ist genau so stark und so schwach, wie ihr Recht, ohne den Reichs- tag Steuern auszuschreiben. Aber politisch sind ihr Grenzen gesetzt. Es ist eine politische Frage, wie weit sie sich mit ihren Diktaten in das Gestrüpp der Unpopularität ver- lieren will. Die Erhöhung der Steuer auf die großen Ein- kommen ist zu ertragen Den B e a m t en ohne Beschluß des Reichstags 2i4 Prozent ihres Gehalts abzunehmen, dürfte schon schwieriger sein. Will die Regierung dann etwa noch mit Hilfe des Art. 48 die berüchtigte Neger st euer einführen, so wird sie sich nicht nur beim Reichsrat unbeliebt machen, sondern auch im Volk einen Sturm der Empörung hervor- rufen. Beliebt es ihr dann auch noch, den Arbeitslosen und den Kranken einige Hundert Millionen abzunehmen, Baffanesi vorläufig interniert. Oer Schweizer Bundesrai unierfuchi. unl auf der anderen Seite ostelbische Großagrarier desto reicher zu bedenken-- ja. dann kann es das nächste Mol ganz interessante Wahlen geben. Denn es ist ganz selbstverständlich, daß die bürgerlichen Parteien, die einem solchen Regiment die Existenzmöglichkeit geben und sein« Maßnahmen decken, für alle seine Taten die volleVerantwortungzutragenhaben- Eine weitere Frage: Was will Herr Brüning mit dem Reichstag machen, wenn er für feine Finanzoorlagen keine Mehrheit findet? Die einen sagen:..Dann muß er den Reichstag auflösen, denn solange der Reichstag da ist. kann er nicht mit dem Art. 48 arbeiten." Die anderen meinen:„Gerade umgekehrt! Brüning muß dann die Steuern mit Art. 48 verordnen, die Versthlechterung der Arbeitslosen-, der Krankenversicherung und die Osthilfe aber vom Reichstag beschließen lassen." Das wäre dann eine schöne Arbeits- tcilung! Die Schuld der Vürgerparteien am Ganzen würde dann nur noch deutlicher. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat sich nicht darauf beschränkt zu warnen. Sie war bis zum letzten Augen- blick bereit, an einer Lösung der vorhandenen Schwierig- leiten auf dem Boden der Verfaffung mitzuarbeiten. Wenn die Parteien der Mitte dennoch einer Regierung Gefolgschaft leisten, die den Boden der Verfassung zu verlassen bereit ist, so werden sie vor dem Volk und vor der Geschichte die Ver- antwortung dafür zu tragen haben. Es wird sich zeigen, wie lange man in dem Arbeiterstaat Deutschland mit dem Art. 48 gegen die Arbeiter regieren kann! Verschlechterung desWahlrechts Neuer voltsfeindlicher Vorstoß der Deutschen„VolkS'partei. Die Deutsche Volkspartei ist bekanntlich die Partei, die nahezu alle Kabinettskrisen in der Republik her- beigeführt hat. Letzter Sinn und Zweck aller dieser Krisen ist immer gewesen, den Einfluß der Sozialdemokratie von der Leitung der Staatsgeschäfte möglichst auszuschalten und die Herrschaft der„Wirtschaft" über den Staat aufzurichten. Diesen Zwecken dienen der vor allem von der Deutschen Volkspartei inszenierte und geführte Kampf gegen die Sicherung der Arbeitslosenversicherung und gegen die Wirt- schaft der öffentlichen Hand. Die Erschwerung und Abdrosse- lung der Zufuhr von Kapitalien an die Kommunen, sowie die Widerstände, die die Partei des Herrn Scholz selbst den Finanzplänen der Bürgerblockregierung Brüning gegen- über übt. Eine Zeit wie die gegenwärtige mit den großen finanziellen Schwierigkeiten des Reichs, der ungeheuren Arbeitslosigkeit und all dem, was diese Arbestslofig- keit im Gefolge haben kann, mit der schweren Notlage weite- stier Kreise der Bevölkerung erscheint der Deutschen Volks- partei nun als der geeignete Moment, nicht nur auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet gegen die moderne Entwicklung vorzustoßen, sondern auch ihre politischen reaktionären Ziel« zu fördern. In ihren Mappen fanden die Reichstags- abgeordneten am 14< Juli folgenden kurzen Antrag Dr. Scholz und Genossen: Im Artikel 22 der Reichsversassung werden die Worte„über 20 Jahre" durch..über 2S Zochre" ersetzt. Der bisherige Artikel 22 der Reichsverfafiung lautet: „Die Abgeordneten werden in allgemeiner, gleicher, unmsttel- barer und geheimer Wahl von den über zwanzig Jahre a l t e n Männern und Frauen nach den Grundsätzen der Per- hältniswahl gewählt." Der Antrag verlangt also nicht mehr und nicht weniger als die Heraufsetzung des wahlfähigen Alters von 20 auf 25 Jahre. Mit dem Antrag wird in die Kette der schon vorliegenden politischen Anträge der Deutschen Volkspartei ein neues Glied eingefügt. Die früheren Anträge verlangten bekanntlich «ine Zweidrittelmehrheit des Reichstags, wenn der Reichs- regierung, dem Reichskanzler und einem der Reichsminister das Vertrauen wieder entzogen werden soll, die Bindung des Reichstags, im Entwurf des Haushaltsplans ohne Zustim- mung der Reichsregierung und des Reichsrats Ausgaben nicht erhöhen oder neu einsetzen zu dürfen, und schließ- lich die Einsetzung eines mit weitgehenden Befugnissen aus- gestatteten Reichssparkommissars, der dem Reichsfinanz- minister als Vormund an die Seite gestellt werden sollte. Es ist ein selbstverständliches— wenn auch ungeschriebenes— GefetzeinerjedenKoalition, daß minde- stens grundlegende oder sonst politisch wichtig« Anträge von keiner Koalitionspartei ohne Zustimmung der anderen in der Koalition befindlichen Parteien gestellt werden dürfen. Nun wird kaum ein Antrag auszudenken sein, der geeignet wäre, Deutschland in schlimmere politische Wirrnisse zu stürzen, als der mitgeteilte, und die Beantwortung der Frage wäre wichtig und interessant, ob mit diesem Antrag auch die Bürgerblockreg i er u n g des Herrn Dr. Brüning und die hinter ihr stehenden Parteien einverstanden sind. Siraßerblockversuch in Sachsen. Ein Vorschlag der Rechtsparteien. Bresben, 14. Juli.(Eigenbericht) Die sächsischen Rechtsparteien non der Volkspartei bis zu den Nationalsozialisten haben sich am Montag auf die Kandidatur des dkutfchnotionalen Wirtschaftsministers Krug von Nidda als M.i n i st e r p r ä s i d e n t geeinigt. Die Rechtsparteien versügen jedoch nur über 46 von 40 zur Wahl notwendige Stimmen. Selbst wenn ihnen die zwei Volksnationolen H-lfersdi-nste leisten sollten. würden si« es nur aus 4s Sinnmcn bringen. Ma>n nimmt deshalb an, daß die Wahl de» Ministerpräsidenten am Dienstag e r g e b- n i» l o» verläuft." � Krick gibt klein bei. Die Haßgebete werden zurückgezogen. Meimar, 14. Juli.(Eigenbericht.) Von unterrichteter Seite verlautet, daß die thüringische Staatsregierung ihre Haßgebete zurückziehen wixd, sobald die Entscheidung des Reichsgerichts in Weimar ' offiziell vorliegt. Man rechnet mit dem Eingang dieser Ent- scheidung im Verlaus dieser Woche. Lern. 14. IuL. Der Bundesrat beschäftigt« sich heute mit der Angelegenheft des Fliegers Baflanesi. Da die Akten noch nicht eingetroffen sind, hat der. Bundesrat noch keinen Beschluß gesaßt. Bassanefi gilt vorläufig als interniert. Es wird untersucht, ob völterrechtsanftrige Handlungen vorliegen. Der Tessiner Rogierungsrat Caftoei wird am Dienstag im Bundeshaus über die Ergebnisse der Untersuchung Bericht erstatten. Anfänglich hatte B. jede Aussage verweigert, bis er sich davon überzeugt hatte, daß er sich nicht auf italiemschern, sondern auf s chweizerischem Boden befand. Berschiedene Flugblätter wurden in den Kleidern Bassanesis gefunden, sowie an Bord des abgestürzten Flugzeuges. Baffanesi hatte deshalb Lodrino zum Ausgangspunkt feines Mittagfluges noch Mailand gewählt, weil er hier ungestört die Flugblätter an Bord nehmen konnte, was auf dem Flugplatz von Belli nzoua die Aufmerksamkeit der Polizei erregt haben würde. Es ist noch nicht gelungen, die geheimnisvollen Perfoaev ausfindig zu machen, die die Flugblätter heamgefchofft haben und die auch nach der Rückkehr Bassanesis in einem Kraftwagen wieder in Lodrino eintrafen und mtt Bassanefi ein« Besprechung hatten. Oer Flugblatiregen über Mailand. Lasel, 14. Juli. Der Tessiner Korrespondent der Baseler„Nätionolzeitung* berichtet noch folgende Einzelheiten aus Mailand: Das Flugzeug erschien mittags 1 Uhr zur Zeil de» stärksteu Verkehrs und warf fünf Miuuleu lang ganze Wölken von Flugblättern ab, schätzungsweise mehr als 100 000 Stück. Die Zettel waren unter- zeichnet von der„Geheimen Vereinigung Gerechtigkeit und Eine wirkliche Berfassungsfeier., Die Verfassungsfeier der Berliner republikanischen Studenten. Im ehemaligen Herrenhaus« fand gestern abend ein« vom Zkreis Berlin des Deutschen Studentenverbandes, in dem auch die sozio- listische Studentenschaft vertreten ist, von der Frekheitlichen Studentenschast der Berliner Hochschule und den republikanischen Studcntengruppen vcranswUetc Bersasiungsfcier statt. Der festlich geschmückt« Saal und die Tribünen waren über- füllt. An der Veranstaltung nahmen ZZertreter der Behörden sind der Parlamente und ein« Anzahl von Prosefioren teil. Die Festansprache hielt Profi Dr. H'erman'n Heller. Seine Rede,«in starkes Gelöbnis zur Weimarer Verfassung wurde von der Versammlung mit jubelndem Beifall aufgenommen. Den Schluß der Feier bildete der Vortrag von republikanischen Dichtungen und «ine Ansprache von Frau Ministerialrat B ä u m« r ütr die Aufgaben der Akademiker und der Republik. Diese Feier— eine wirkliche Verfasiungsfeier— war nicht die trocken« Erfüllung einer Pflicht, sondern«ine von wahrhaft innerer demokratischer und republikanischer Begeisterung getragene Ehrung der Berfafsung! Oppositionsfieg über KPO. Bei den Siadtratswahlen in Nohla. Weimar, 14. Juli.(Eigenbericht.) In Ruhla, der kommunistischen Hochburg Thüringens mit einein kommunistischen Bürgermeister an der Spitze, bekamen die Kom- rnunisten bei der letzten Stadtratswahl die absolute Mehrheit. Dann erfolgte die Spaltung der KPD. Der kommunisttsch« Bürgermeister Kohlrausch trat mit einer Anzahl Stadtratsmitglieder zur kommu- nistischen Opposition über. Die Anhänger der Kommunistischen Zentral« lehnten den kommumstischen Bürgermeister, die neuen Steuern und den Etat ab, so daß ein von Frick eingesetzter Staatskommissar den Etat zum Ausgleich bringen mußte. Bei der am Sonntag er- folgten Neuwahl. erhielten die Kommunisten, die bisher 14 Sitz« innehatten, nur noch drei, die kommunistische Opposition aber elf Sitze, die Sozialdemokraten erhielt en drei, die Nazis. die sich zum ersten Male an der Wahl beteiligten, einen Sitz, die Wirtschaftspartei zwei und die Wirtschaftliche Bereinigung fünf Mandate. Der Stadtrat besteht mi» 25 Mitgliedern. Kommunisten und kommunistische Opposition haben auch fernerhin im neuen Stadtrat die absolute Mehrheit. Hindenburg und Groener beleidigi. Nationalsozialistischer Neichswehrfoldai vor Gericht. Güstrow, 14. Inkl.(Eigenbericht,) Vor dem hiesigen Schössengericht hatte sich am Montag der Oherkanoniet R j t t« r aus Güstrow wegen Beleidiguftg des Reichspräsidenten. des Reichswehrministers und des Generals Heye zu ver- antworten. Der Angeklagte wurde aus der Untersuchungshaft vor- geführt. Die Verhandlung wurde zunächst ausgesetzt, da noch ein« größere Anzahl-Zeugen geladen werden soll. Ritter hat kürzlich in Schwerin an einer national. sozialistischen Versammlung teilgenommen. Im Verlaus eines Gesprächs mft. Kameraden hat er geäußert, der Rechs. Präsident habe ijen Boung�Zlan unterschrieben, w« il er zu w enig Manu sei und General Groener habe b�rm Zusammenbruch des Kafferreiches erklärt, der Fahneneid stände nur aus dem Papier. Auch bezüglich des Generals Heye hat der Angeklagte mehrere ob- fähige Aeußerungen getan. Er erklärte am Montag zu. seiner Ent- schuldigung, daß er zu den AeußcrUngen über den Reichspräsidenten bzw. den Reichswehrminister ans Grund seiner Lektüre ttatianal- sozialistischer Zeitungen und Bücher gekommen sei. Im.übrigen besaß er die Kühnheit, vor Gericht ztl behaupten, daß ex den Wahrheitsbeweis fürdseBerechtiguNtz seiner B e, schimpf un gen antreten werde. Freiheit" und riefen zur tzieoolittion aof. S» kam zu zahl. reichen Zwischeofällen zwischen Passanten. Miliz und Polizei, die das Auflesen der Zettel verhindern wollte. Die Nachricht von der Kundgebung durcheilte wie ein Lausfeuer die Stadt. Ob- wohl man m Mailand das Flugzeug nach Norden verschwinden sah und es noch«ine länger« Strecke über ttokienifches Gebiet zu überfliegen hatte, versagte doch jeder Berfolgungs- dienst. Die Faschistenpresse tobt gegen Frankreich und oerrät dadurch, wie sehr der Flug über Mailand die Tyrannen ängstigt. Nach einem Prwattelegramm der Baseler„Nationalzeitung" aus Lugano gelingt es trotz der schärfsten Ueberwachungsmaß- nahmen von ttalienischer Seite immer mehr Flüchttingeu, die Grenz« in, Ausland zu überschreiten. In den letzten Togen kamen zwei Personen, dann zwei Grenz- Wächter und schlleßlich vom Iorwpaß herab eine Gesellschaft von nicht weniger als zehn Italienern ins Tessin, von wo aus sie nach Frankreich weiterreisten, um dort Arbeit zu suchen. Man glaubt, daß auch die zwei au der Schießerei bei Arzo beteiligten Per- fönen über die Grenz« flüchteten und Weiterreisen konnten. Schwarze Liste gegen den Geist. Zürich, 14. Juli.(Eigenbericht.) Die, Libero Stonrpa" in Lugano hat mtt der Veröffentlichung der schwarzen List« der Faschisten begonnen, in der u. o. Friedrich Adler, der schweizerische sozialistische Nationalrat Francesco B o r e lla und die österreichische sozialdemokratische Abge- ordnete Anna Boschek zu finden sind, liebe rraschend wirken Namen wie Theodor Däubler, der bekannte aus Trieft stam- mende deutsche Dichter und Angehörige der preußischen Dichter- akodemi«, der sich politisch nie betätigt hat, der deutsche Schriftsteller und ehemalige Dada-ist Dr. R. Hülsenbeck oder gar der Lust- spieldichter Georg Kaiser und der ungarische Expressionist Andor Nemeth. Landvoltprozeß in Itzehoe. Verteidiger provoziert dos Gericht. Itzehoe, 14. Juli.(Eigenbericht.) Im Jtzehoer Ständesaal begann am Montag vor dem Schössen- gericht ein neuer Landvolkprozeß gegen insgesamt 26 Angeklagte, unter denen sich die bekannten Landvolk- sichrer Hamkens, Weschke, Wulf. Solomon, Muthinann usw. befinden. Die Anklage lautet auf Anmaßung, Aufreizung zum Steuerstreik u. a. Den Vorsitz der Verhandlung führt Landgerichts- direktor Block, die Anklage wird von Oberstaatsanwalt G ol l n i k vertreten. Verteidiger der Angeklagten ist Rechtsanmatt Luetgebrune-Göttingen. Muthmcmn ist zur Verhandlung nicht erschienen. Rechtsanwalt Luetgsbrunc beantragt'Ablehnung des Schöffen Osnabrügg«. weil er Angehöriger der SPD. und Parteifreund des vom Landvolk besonders heftig angegriffenen Oberpräsidenten Kürbis sei. Der Oberstaatsanwalt widerspricht) dieser Ablehnung heftig, da die Parteizugehörigkeit die Ablehnung nicht rechtfertige. Der Schöffe erklärt sich nichtfür befangen. Der Vorsitzende lehnte daraufhin den Antrag des Verteidigers ab. Miliiarismus und Tanz. Oer 14. Juli in Frankreich. Paris. 14. Juli.(Eigenbericht.) Der französische Nationalfeiertag ist am Montag mit einem militärischen Prunk gefeiert worden, wie er feit dem Krieg« nicht mehr üblich war. Außer den Regimentern der Pariser Garnison mit ihren Tanks, ihren Autogeschützen und ihrer„motorisierten Kavallerie" nahmen zu Ehren der Jahr- Hundertfeier der Eroberung Algeriens mehrere Abteilungen in der Uniform der alten afrikanischen Armee an der Parade teil. An sich wirkt sich die Festesfreude der Pariser in weniger kriegerischen Kundgebungen aus. Seit zwei Tagen tanzt halb Paris unermüdlich auf den Straßen und Plätzen. Arn Montag war des Tanzens und der Musik kein Ende mehr. Am Mittag wurden wie üblich die Grotisvorstellungen in den Staatstheatern gestürmt. 2lb«nds bewundert« man die offiziellen Feuerwerke und tanzte weiter zu Ehren des Vastillensturms bis in die frühen Morgenstunden. InStraßburg.woder kommunistisch-autonomistische Stadl- rat jede offiziell« Feier abgelehnt hat, kam es am Montag zu kleinen Radauszenen. Danfit die Sttaßburger aber nicht allzu sehr das fegende Feuerwerk und die Beleuchtung des Münsters ver- mißten, veranstaltete die Garnison ein riesiges Feuerwerk. Opfer des Nugzeugunglücks gefunden. Fünf Stunden von Kolberg. k o l b e r g � 14. Juli. i&u Fischer fand heute etwa fünf Stunden von Kolberg ent- fervt ein« mit einer Schwimmweste versehene männliche Leiche aus. Die In Kolberg vorgenommene llntersnchnng ergab, daß es sich der Schwimmweste nach nm ewen Fluggast de, bei Lornholm verunglückten Flugbootes l) 394 handelt. Die vorgefundenen Papiere fallen auf den Zlameo Garvert au» Hattingen in Westfalen lanlen. Lei dem Unglück wurde fedoch kein Fluggast mit dem Nonnen Garberl au» Hattingen vermißt, sondern ein Herr »rakelsberg au» Gevelsberg in wefifalen. der Inhaber ein«, Handelshans«, ist. Da. wie bestimmt mitgeteilt wird, der Tose eine gntrrhalten« Schwimmweste trug, wie sie die eufthanfa in ihren Flvgbooten verwende», bestehl Anlaß zu der Vermutung, daß es sich dach um deu als vermißt gemeldeten Herrn V rakelsberg handelt. Die eingeleitete Untersuchung dürfte zu einem bestimmte» Ergebnis st-chrea. I Major Buchrucker in Nöten. ,Ach wSr doch wieder putsch in Küstritt, das ging damals so gemütlich zu?' Arbeiterregierung/ Sozialismus. Macdonalds Rede auf einem Arbeiterfest. Die Berufs«Notwehrler. Notwehr- auch wenn lem anderer da ist?! Im Röntgentaler Prozeß hat sich ei» Verteidiger der Nationalsozialisten am Montag einen glänzende» Kitz ge- leistet: er beantragte Adolf Hitler, Frick und Haupt« mann von Pfeffer als Zeugen dafür zu laden, daß die Nationalsozialisten bei blutigen Auseinandersetzungen mit ihren Gegnern sich in fast lOO Proz. aller Fälle(warum nicht 110 Proz.?!) in Notwehr befänden. Der gute Mann hatte ostenbar verabsäumt, die Montags» zeitungen zu lesen. Vielleicht ist er auch auf die„Deutsche Zeitung" abonniert, die schamhaft ihren Lesern jenen pein« lichen Vorfall verschweigt, sonst hätte der Herr Der« teidiger doch etwas von dem blutigen Krawall in A l b e r s« h o f gewußt, bei dem das Nasenbein des Majors Buchrucker in Trümmer ging und mehrere Schwerverletzte auf dem Platze blieben. In dieser Versammlung wnren— nur und ausschließlich— Nationalsoziali st en anwesend. allerdings Nationalsozialisten zweier verschiedener Richtun- gen. Aber es ist doch kaum anzunehmen, daß die Buchrucker- Leute in den wenigen Tagen chrs Hinauswurfs aus der offiziellen Partei ihre Natur bereits gänzlich verändert haben. Kurz und gut: Hitler gerät in eine schauderhaste Lage, wenn er nun als„Sachverständiger" aussagen soll, wie es in Albersdorf nur zur Schlägerei unter lauter Nazis kommen konnte. Ostensichtlich— durch allseitige Notwehr! Angefangen hat keiner, es haben sich alle nur gewehrt— gegen wen bloß? Hitler wird als Sachverständiger nicht anders können, als den famosen„Palmström" des Christian Morgenstern(Bor- ficht, Jude!) zu zitieren: Und er kommt zu dem Ergebnis? Nur ein Traum war das Erlebnis, Weil— so schließt er messerschast— Nicht sein kann, was nicht sein darf! Aber vielleicht zieht der Herr Verteidiger vor, nach de» Ereignissen von Albershof den Sachverständigen Hitler durch den Sachverständigen Major Buchrucker zu er- setzen, den Mann mit dem„zernotwehrten" Nasenbein! * Zu den Borgängen in der gesprengten Lerfammlung ist noch folgendes nachzutragen: Die Hillerleute der offiziellen Richtung hatten ihre Anhänger aus der ganzen Umgebung, zum Teil sogar aus Hamburg mittels Lastkraftwagen zusammengezogen. Sie be- fanden sich daher gegenüber den Einberufern von der Opposition� richtung in starker Ucberzahl. Sie ließen es gar nicht«stt zur Er- öffnung kommen, sondern der Führer der Hitterleute bracht« nach einem Gesang ein Hoch auf Hitler aus, was das Signal zum Sturm auf das Podium war. Nach der osiiziellen Verlautbarung der Nationalsozialistischen Parteileitung sei am Lorstandstifch bei dem Lobgesang auf Hiller gelächelt worden, hierdurch hätten sich die Hilleriauer„provoziert" gefühlt. Also wieder einmal ein Notwehr» att: Notwehr gegen Lächeln! Der schwerverletzt« Nationalsozialist Bothmann ist nicht, wie zunächst gemeldet, aus dem Fenster gesprungen, sondern von den Angreifern aus dem Fenster geworfen worden. Er hat beide Knöchel gebrochen. Es trifft ferner nicht zu, daß die vier Landjäger irgendwen von den Angreifern festgenommen oder festgestellt hoben. Lediglich Bersanmilungsteilnehmer haben auf Grund persönlicher Bekanntschaft die Namen einiger Angreiser er- >nittelt. Das passive Verhalten der vier'Vertreter der Staatsgewalt ist recht auffällig. Schließlich f oll t« matt »»n vier Gendarmen erwarten, daß st««ehr können, als bloß zusehen, wie geprügelt wird. Iniernaiionale Tagung der Kriegsopfer. Deranstaltuag der<5iamac. Vom 28. bis 27. IuS findet tue«. Jahresversammlung der Internationalen r 6 e i t s g e m« i n s ch a s t der Berbände der Kriegsopfer und Kriegsteilnehmer(Ciamoc) in der Saar. bann«, zu Paris statt. Im Trokadero wird ein« große Friedens- kundgebung veranstaltet. Die Delegierten, unter denen sich mehrere Vertreter des Neichsbundes der Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen befinden, werden im Pariser Rathaus und im französischen Ministerium für auswärtige Angelegenhetten empfangen. Ein gemeinsamer Besuch der Kriegergräber am Ehe- min des Domes beschließt am 28. Juli die Tagung, auf der Fragen der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit, Sicherheit und Entwaff- nung sowie Beiträge zur Aufstellung eines internotionalem Verfoc- gungsrechts und der Umfang der Tuberkulose bei Kriegsopfern und die Recht« der Kriegsblinden zur Aussprach« stehen. .'Ueber das Programm der Veranstaltung erfahren wir noch fol- gend« Einzelheiten: In der Eiamac(zu deutsch: Internationale Arbeitsgemein- schaft der Verbände der Kriegsopfer und Kriegsteilnehmer) sind mit einem Mttgüedcrstand von 3 Millionen 25 Reichsorganisationen der Äriegsbeschädigtcnverbände aus elf verschiedenen Staaten zusammen- gesaßt: Neben der Herstellung und Förderung regelmäßiger Be- Ziehungen zwischen den Verbänden der Kriegsopfer aller Länder und der Vertretung ihrer materiellen und geistigen Jnteressen erstrebt die Eiamae auch die tätige Mitarbeit an der Berbesierung der Beziehungen der Völker untereinander und an der Wahrung des Weltfriedens.•.." In den vorhergehenden Jahren tagte die Eiamac in Gens, Wien. Berlin und Warschau. Der Pariser Tagung, die in ber Sar- bann«(Universität) stattfindet, kommt um so größere Bedeutung zu. als zum erstenmal Vertreter der deutsche n Kriegs- o p s c r in der Hauptstadt Frankreichs an den Beratungen einer wich- tigcn Tagesordnung teilnehmen. Den Höhepunkt der Tagung dürfte die Beratung über die Voraussetzungen dauernden Friedens: „Schiedsgerichtsbarkeit. Sicherheit, Entwaffnung" erreichen. Als Berichterstatter zu diesem Tagesordnungspuntt sind berufen Professor <£ a s s i n- Paris und der sozialdemokratisch« Reichstagsabgeordnet« R o ß m a n n- Stuttgart. Ferner stehen zur Debatte das Problem «inis internationalen Derforgungsgesegbuches, der Umfang der Tuberkulose bei Kriegsopfern und Kriegsteilnehmern und die Rechte der Kriegsblinden. Im Trokadero wird außerdem ein« große Friedenskundgebung stattfinden. Im Pariser Rathaus und im französischen Ministerium für auswärtig« Angelegenheiten erfolgt«in ossizieller Empfang der Delegierten, unter denen sich als Bsrtteter der deutschen Kriegsopfer Mitglieder des Bundesvorstandes und des Bundesausschusses des Reichsbundes der Kriegs- beschädigten, Kriegsteilnehmer und Krieger- hl ft't e rb l i c b e n«n befinden... Der Auslieferungsvertrag mit USA. ist unterzeichnet worden, der erste, den Deutschland nach Inkrafttreten des deutschen-Ausliefe- rungsgsfetzes vom 23. Dezember 1929 mit einem ftemden«staat abgeschiaffen hat. London. 14. Juli.(Eigenbericht). Aus einem Londoner Arbeiterfest führte Mardonald am Sonntag aus:„Ich bin gewiß nicht mit unserer bisherigen Arbeit m der Regierung zufrieden. Ein Rückblick auf das, was hinter uns liegt, bestätigt uns lediglich, daß wir uichts z» fürchten brauchen und in eine Zukunft blicken können, deren Früchte reicher fem«er- den, als sie die Vergangenheit bringen konnte. Milser Werk kann nur Schritt für Schritt vollendet werden und auch nur dann, wenn die Mehrheil zum Sozlafismo» sich be- kaont hat. Der Käpttalisnrv« hat Millionen in der ganzen Welt von der Ar- beitsstätte in die Arbeitslosigkeit gejagt. Es ist Zeit, den Ka- pitalismus zu regulieren und zu kon troll leren. Die.Prpduftiyn muß geordnet und planmäßig geregelt werden. Das ist jedoch erne internationale Frag«, die ein einzelnes Boll zu lösen nicht imstande ist. Die Lage in Indien ist heute ernst und-'''- Keine Milde in Krisco. Oer Meineidzeuge meldet fich. London, 14. Aul». Wie„Dailh Herald" aus New Bork meldet, wurde dort ein gewisier Aoh» Macdonald verhaftet, weil er fich selbst beschuldigt hat, in dem Prozeß gegea die Arbeiter» führer Mooney und Billings als Hauptzeug« eilten M e i u e i d geschworen zu habe«. Mooneh und Billings Ware» seinerzeit im Zusammenhang mit einem ISIS in San Franzisko begangene» Bombenattentat zum Tode verurteilt, später aber zu lebenslänglichem Gefängnis begnadigt worden. Wiederausnahme oder Begnadigung ist vom Staatsgouverneur immer wieder, auch eben jetzt wieder abgelehnt worden. In New Bork werde» diese Woche Kundgebungen veranstaltet werden, um die völlige Begnadigung der beiden Verurteilten zu erreichen. polnische Besorgnisse um den Korn'dor. Aus Anlaß der Europa«vistussion. Warschau. 14. Juli(Ost�kxpreß). Der regierungsfreundliche„E z a s" und der oppositionelle „Robotnik", das Hauptorgan der sozialistischen Partei Polens, äußern sich übereinstimmend dahin, daß die' bevorstehend« Dis- kusfion über die Pan-Eüropä-Plän« Briands zwangsläufig die Frage der Gren Zreo i s i o n aufs Tapet bringen werde. Der„Tzas" nimmt freilich an, daß diese Frage in der deutschen Antwort an Bftand u o ch nicht angeschnitten werden wird, und der„Robotnik" stellt ebenfalls fest, daß die deutsche Regierung über diese Dinge„ösfiziell noch nicht spreche". Indessen, so fährt das sozialistische Blatt fort,„sängt man in Frankreich und England bereits an, über die Notwendigkeit von Aenderungen an der deutsch-pchuischen Grenze zu munkeln." Mussolini habe sich ausdrücklich für eine Revision der Verträge ausgesprochen. Sobald aber die Revision akut würde, werde sie nicht bei den Italien interessierenden Fragen der Kolonien und der Balkan. grenzen stillhalten, sondern' sich auch auf das Problem der pol. Nischen Grenzen ausdehnen. Derartigen Bestrebungen könne Polen nur dann entgegen. wirken, wenn es den Nachweis führ«, daß der gegenwartige territorial« Status an der deutschen Grenz« dem wirtschaftlichen Vorteil ganz Osteuropas' diene, ohne für Deutschland von Nachteil zu sein. Das Llatt schließt mft dem melancholischen Eingeständnis. daß das heutige Pblen leider nicht in der Lage sei, diesen Nochweis zu erbringen. Der„CzaS" befürchtet vor allem, daß- Briand in beZug auf. eine Revifiion der deutsch'polnischen Grenze irgendeine Ko M p rio m! ßfte l k u n g als den geschicktesten Ausweg au»'.den Schwierigkeiten wählen könnt«. Symptomatisch sei' die neuerliche Aeußerung Sauerweins über die notwendige Wiederherstellung eines umnittelbaren Lerkehr, mit Ost« wir beklagen es als eine traurige Tatsache, daß Männer ins Gefängnis wandern mußten, mit denen wir zusammen arbeiten wollen, die aber, wenn sie selbst verantwortlich für die Leitung ihres Lan- des wären, nicht anders mft den Gesetzesverletzern verfahren wären, als jetzt ihnen gesteht. Staatliche Außenhandelskontrolle. London, 14. Juli.(Eigenbericht.) Der Vorstand der Unabhängigen Arbeiterpartei erNärte zu her Fvag«„Freihandel oder Schutzzoll":„Weder der Freihandel noch der Schutzzoll können der Arbeftslosigkeit abhelfen und die wirtschaftlich« Lag« der Arbeiterschaft oerbessern. Einen Ausweg aus der Wirtschaftskrise zeigen nur sozial! st ische Maßnahmen, die zur Zeit darin bestehen müssen, die Ein- undAusfuhr unter staatlich« Kontrolle zu nehmen, damit die Preise stabilisiert und«in- internationaler staatlicher Warenaustausch garantiert werden kann. Jenen auswärtigen Ländern, die nicht gleichfalls derartige Maßnahmen zum Staatsprinzip erheben, ist die Einfuhr von Waren nach England zu sperren." preußen. Durch die Einrede Sauerweins, er Hab« nur«irt- schaftliche und Tronfitftagen im Auge gehobt, würden dies« B«> fürchtungen in keiner Weife zerstreut. Der Transit über den Korridor sei auch heute schon geregelt: den Deutschen gehe«s aber nicht u m de« Transit, sondern um die Grenzen. Schweden skeptisch. Stockholm. 14. Juli. Schwedens Antwort auf die Denkschrift Briands wurde dem französischen Gesandten in Stockholm überreicht. Di« schwedische Regierung erklärte ihre Bereitwilligkeit zu einer Au?- sprach« in Genf, äußert sich jedoch skeptisch zu dem Gesanken, jetzt bereits ein wohlausgebildetes Staotensystem mit ständigem Sekretariat und Konferenzen zu schaffen und hält eine wirk» schaftkiche Besprechung im Zusammenhang mit den Völker- bundsratstogungen für zweckmäßig. Die Arbeiterjugend-Zniernationale. Fortschritt in allen Ländern. Kopenhagen, 14. Juli.(Eigenbericht.) Anläßlich des internationalen Iugendtages tagte in der dänischen Hauptstadt die Sozialistische Arbeiterjugendinternational«. Den Bericht des Sekretariats erstattete Ollenhauer- Berlin. Danach betrug die Mitgliederzahl der angeschlossenen Verbände am 31. Dezember v. I. 238 994, im Vergleich zu 1928 Zunahme um mehr als 18 000. An der Spitze marschiert die schwedische Arbeiterjugend mit 58 000 Mitgliedern. Die sozialistische Arbeiter- fugend Deutschlands hat ihre Mitglieder�hl in den letzten zwei Jahren um 7000 gesteigert. Der holländische Verband zählt 9000, die dänische Organisation über 12 000 Mitglieder. Auch die starke deutschösterreichijche Organisation und die beiden der Tschechoflawake! hatten ersreuliche Fortschrift«. Zur Förderung der Bewegung in den Balkan löndern wird im Oktober eine Kon- ferenz der Iugendoerbändc dieser Länder tagen. Die Gründung eines rumänischen Jugendverbandes ist kürzlich erfolgt. Di« Exekutive beschloß u. a., das dritte internationale sozial!- stische Jugendtteften 1 934 abzuhalten, der Ort soll in einer der nächsten Sitzungen der Exekutive bestimmt werden. Fort mit Tschiangkaischek. Wiedervereinigung der Kuomintang. London. 14. Juli. Me„Daily Telegraph" aus Peking meldet, hat sich die Kuomin» tany-Partei. die sich nach dem Tod« ihres Begründers. Dr. Sun- y a t f e n im Jahre 1925 in zwei Richtungen gespalten hatte, wieder zusammengeschlossen und eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie ihre Absicht verkünden, eine Regierung zu bilden. Dies bedeutet, daß der Führer der Extremisten Waugtschingwci mit den Generälen Penhsischan und Fenguhsiang gemeinsame Sache macht. Kür Abrüstung und Demokratie. Oer iniernationale Gewerkschaftskongreß an das Weltproletariai. Der Internationale Gewcrkschaftsbund hat die Losung„S r i e g dem Kriege" aufgestellt. Er macht sich die von den Regierungen abgegebenen Erklärungen zu eigen, die den Krieg außerhalb des Gesetzes stellen und ihn als internationales Verbrechen bezeichnen. Er hält sie für eine geeignete Grundlage einer immer kräftigeren Aktion gegen die Kriegsgefahren sowie die offenen und geheimen Kriegstrcibcreicn. Diese Aktion hat folgende Punkte zu umfassen: Eosortige Begrenzung und Herabsetzung der Rüstun- gen: baldmöglichste Einberufung der allgemeinen Abrüstungs- konferenz durch den Völkerbund und Abschluß eines ersten Ueber- einkommens zur Eindämmung des Rüstungswettlaufs. Kontrolle der Herstellung von Waffen, Munition und onderein Kriegsmaterial sowie Kontrolle des Handels mit Kriegsmaterial Durchführung einer energischen Aktion gegen die Kapita- listen der Rüstungsindustrie durch Broschüren, Plakate, Artikel uird Versammlungen, um auf diese Weise die von ihnen er- zeugten Gefahren aufzudecken und die Widerstände zu brechen, die sie dem Werke des Friedens durch ihre Interessenverbindungen ent- gegensetzen. Ausbau des obligatorischen Schiedsgerichts. Aktion der Arbeiter eines jeden Landes zur Erzwingung der Ratifizierung des inter- nationalen Uebereinkommens über das obligatorische Schiedsgerichtsverfahren durch die Regierungen. Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit der Völker. Damit übt die Arbeiterbewegung in ollen Ländern auf die Regie- rungen einen wirksamen und dauernden Druck aus. Die Gewerkschaftsbewegung bleibt im Mittelpunkt der Friedensaktion. Im Kampfe gegen Krieg und Militarismus ist die Zusammenarbeit mit der Sozialistischen Arbeiter-Internationale und ihren angeschlossenen Parteien eine unbedingte Notwendigkeit. Die Aktion der Arbeiterschaft muß bei allen Gelegenheiten gefördert werden. Sie ist die einzige Garantie für den Frieden. Die Bestrebungen der Arbeiter zugunsten des Friedens werden also mit Nachdruck fortgesetzt. Es geht dabei um �die direkten Interessen der Arbeiterklasse, um die Hoffnung auf ihre Befreiung, ihren Willen zur Schaffung einer gerechten Gesell- schaftsordnung und die Bereitung des Weges der Menschheil nach einer besseren Zukunft, zu Freiheit und sozialer Gerechtigkeit. Zur Lage der Gewerkschaftsbewegung in de» Ländern ohne Demokratie faßte der Internationale Gewerkschaftskongreß folgende Entschließung: Der 5. ordentliche Internationale Gewerkschaftskongreß billigt die vom JGB. und seinen angeschlossenen Organisationen im Kampfe gegen die internationale Reaktion und Diktatur unternommenen Schritte in der Verteidigung der Rede-, Presse-, Versammlungs- und Vereinsfreiheit sowie oller anderen demo- kratischen Rechte. Der Kongreß stellt fest, daß volle Demo k r a t i e für die Wirksamkeit der Gewerkschaftsbewegung eine Lebensbedingung ist. Er lehnt jede Form der Diktatur ab. Der Kongreß stellt fest, daß der JGB. und alle ihm angehörenden Organisationen in der Fortsetzung des Kampfes für die Demokratie alle ihre Kraft und ihren ganzen Einfluß aufbieten müssen. Der Kongreß weist auf die Wichtigkeit der Solidarität der inter- nationalen Arbeiterklasse hin und gibt seiner Sympathie für alle Opfer der Reaktion und Diktatur Ausdruck. Der JGB. ist bereit, allen, die infolge ihres Bekenntnisses zu den ge werkschaftlichen Prinzipien Opfer der Einkerkerung und Ver bannung, der Unterdrückung und des Terrors geworden sind, d i e Hand der Kameradschaft zu reichen und sie mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen. Der Kongreß fordert den JGB. und alle ihm angeschlossenen Organisationen auf: Energisch den Widerstand der Arbeiter jener Länder zu unter stützen, in denen die Gefahr der Reaktion in der Form des Faschis mus oder unter anderer Maske besonders akut ist. Den Opfern der Reaktion und Diktatur materiell und moralisch beizustehen. Ein Beispiel solcher Unterstützungsmöglichkeiten ist der Matteotti-Fonds. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit seinen Beistand zu leisten bei der Wiedererrichtung freier gewerkschaftlicher Organisationen und der Wiedereinführung demokratischer Rechte in den von der Diktatur beherrschten Ländern. > Den engsten Kontakt mit den freien Gewerkschaften und den führenden Gewerkschaftern in den der Tyrannei und Unterdrückung ausgelieferten Ländern zu unterhalten. Eine kräftigere Propaganda für die Demokratie zu führen, besonders unter jenen Gruppen der Bevölkerung der in Frag« kommenden Länder, die die Herrschaft der Diktatur blind unterstützen. Sich für das volle Asylrecht der Flüchtlinge einzusetzen, die infolge ihres Kampfes für die Demokratie aus Ländern der Diktatur flüchten mußten. Paffe, wie sie der Völker- bund ausstellt, sollen ihnen gesichert werden. Im Kampfe für die Demokratie die engste Zusammenarbeit aus nationalem und internationalem Roden mit den sozialistischen Arbeiterparteien herbeizuführen und aufrechtzuerhalten. Vor schweren Entscheidungen. Heute Verhandlungen mit dem VSM). Heute beginnen im Hause des Verbandes Berliner Metall- industrieller(VBMJ.) in der Potsdamer Straße schwerwiegende Verhandlungen. Die Vertreter der Berliner Angestelltengewerk- fchaften sollen sich zu dem Vorschlag des Verbandes Berliner Metall- industrieller äußern, oer auf eine Verkürzung der Arbeits- zeit der Metallangestellten im Maximum bis zu 20 Proz. abzielt mit einer parallel laufenden Gehaltsreduzierung im gleichen Umfange. Bei der AEG. soll diese Gehalts- und Arbeits- zeitverkürzung voraussichtlich 10 Proz. betragen und ini Siemens- Konzern etwa IS Proz. Für die übrigen namhaften Betrieb« d«r Berliner Metallindustrie steht noch nicht fest, wie groß das„Not- rpfer" der Angestellten sei» soll. Die Entscheidung ist für die Gewerkschaftsvertreter gewiß schwierig, zumal ihnen der VBMJ. bereits ganz ungeschminkt er- klärt hat, daß die Ablehnung seiner Vorschläge durch die Gewerk- fchaften Entlassungen von Angestellten in großem Umfange nach sich ziehen würde. Der VBMJ. stellt einen großen Teil seiner Angestellten einfach vor die Wahl, entweder zu 85 oder 90 Proz. zu existieren oder noch notdürftiger als Arbeitslos«. Dessenungeachtet werden die Gewerkschaftsvertreter unbeirrt den Weg gehen, den ihnen ihre gewerkschaftliche Auffassung vorzeichnet und der auch bereits in der letzten Funktionärkonferenz des Butab als der einzig gangbare Weg bezeichnet worden ist. Sie werden zunächst einmal der Ausfasiung der Metallindustriellen entgegen- treten, daß es eine wirtschaftliche Notwendigkeit sei, die Gehälter der Angestellten in dem gleichen Maße zu kürzen wie die Arbeits- zeit. Vor allem aber werden sie ausreichende Sicherun- gen dafür»»erlangen, daß währeird der Zeit dieser„Notmaß- nahmen" und auch im Anschluß daran keine Kündigungen ausge- sprachen werben dürfen. Dazu kommt noch«ine Reihe anderer Forderungen— die nicht etwa rein demonstrativen Charakter haben—, wie z. B. die noch Verbot der Ueberatbeit in den Bc- trieben, wo verkürzt gearbeitet wird usw. Jedenfalls sind die Vorschläge, so»vie sie der Verband Berlmer Metallindustrieller in der ersten unverbindlichen Zusammenkunft gemocht hat, für die Angestelltengewerkschaften nicht annehmbar. Mit dem Ergebnis der heutigen Verhandlungen wird sich am Mittwoch eine Konferenz der AfA-Funktionäre der Berliner Metall- industri« eingehend beschäftigen. Teuerung und Geburtenrückgang in Preußen Z �Z.s 1H7.6'v — �• o# o«• o 110-3 100.o 119.* �.o——— o r\ �- 66«� 70. o 1913=100 • Le'beits'halbunfsmdex ---- EK e scKlle ssun�ert G e'burb enSljers cKuft 19*H 915 th SIT aa 19 9. 9 Erwerbslose, Taschen zu! Oer Reichsverband der Arbeitswilligen will eure Groschen. Im Deutschen Vereinsregister ist eine neue Seite aufgeschlagen worden: in diesen Tagen erblickte das Licht der Welt„Der Reichsoerband der Arbeitswilligen e. V., Berlin- Friedens u." Gestern abend stellte sich der. Vorstand dieser Organisation der Berliner Presse vor, aber obwohl in den Reden, die gehalten wurden, bald fünszigmal gesagt wurde„wir sind streng- stens unpolitisch", hatte man für die Informierung der Berliner Presse keinen anderen Raum gefunden als ausgerechnet die Klub- räume der Deutschnationalen Volkspartei. Nach feinen Slatzungen hat der neugegründete„Verband" die Aufgabe,„die in Deutschland herrschende Arbeitslosigkeit planmäßig zu bekämpfen und die Belange aller Arbei swilligen zu vertreten" Das stellt sich der Vorstand folgendermaßen vor: irgendwo soll Brachland aufgeforstet werden, dann wüchse dort in etwa 30 Iahren ein Kapital darstellender Wald heran, mit dem man einen Teil der Reparationsschuld abdecken könne. Oder, wurde gesagt: es habe gar keinen Zweck, Urrfuminen für Arbeitslosenunterstützung hinaus- zuwerfen: diese Beträge sollen für Bauten aller Art und für Kredite an die Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus sollen Verhairdlungen»nit den Mandatar- mächte» über die Rückgabe der ehemals deutschen Kolomen geführt werden, um die Arbeitslosen in den Kongosümpfen an- z u s i e d e l n. Also ungefähr ein Arbeitsbeschaffungsprogramm, wie es sich der klein« Moritz vorstellt. Alles übrige bewegte sich zwischen abgestandenen Phrasen und geheimnisvollen Andeutungen. So sollen durch verschiedene Organisationen dem Reichsverband der Arbeitswilligen bisher 500 000 Mann zugeführt worden sein, die durch ein weitverzweigtes. sich über ganz Deutschland erstreckendes Netz von Vertrauensleuten bearbeitet werden. Die örtlichen Organisationen haben die besondere Aufgabe, die Kommunen wegen d«r Arbeitsbeschaffung unter Druck zu setzen. Ueber alles andere verrveigerte der Vorstand jede Auskunft, besonders hartnäckig die Namen derjenigen Verbände, auf die sich der Reichsverband der Arbeitswilligen angeblich stützt. Aber«ins konnte man doch erfahren, nämlich die Höhe des Mitglieds- b e i t r a g s. Dieser beträgt pro Jahr und Mann drei Mark. Wir können demnach nur eins sagen: Errverbslose, Augen auf und Taschen zu!__ $or5 gegen soziale Verpflichtungen. W»ll polen ihm eine Extrawurst braten? Bei den Verhandlungen über die Errichtung des von Ford geplanten großen Montagewerts in Gdingen sind, wie verlautet, Schwierigkeiten sozialpolitischer Art entstanden. Die von Ford nach Gdingei, entsandten Unterhändler sollen nämlich die Be- dingung gestellt haben, daß das amerikanische Unternehmen von den sozialen Lasten befreit werden und auch an die Bestimmungen über den achtstündigen Arbeitstag(!) nicht gebunden fein fall. Erst Schriftleiter, dann Packer. Die Rot der„freien" Berufe. Einen Einblick in die trostlose Lag« vieler Angehöriger der sogenannten„freien" Berufe gewahrte ein Prozeß am Sonnabend vor der Angestelltenkammer des Berliner Arbeitsgerichts. Die Deutsche Buchgemeinschaft, der die Deutsche Beamten- buchhandlung angegliedert ist, engagierte am 1. Oktober v. I. den Schrifisteller E. als Redakteur. Der Mann, mittleren Alters, ist Verfasser»nehrerer Lücher, oerheiratet und hat Zwei Kinder. Sein Gehalt betrug 167 M. pro Monat. Auf seine ständigen Be- mühungcn hin wurde es am 7. Dezeinder v. I. auf 237 M. monatlich erhöht, was einein Nettoentgelt von 208 M. entspricht. Trol; der Gehaltserhöhung blieb E. nur Aushilfsangestelltcr mit täglicher Kündigung. Er genoß also nicht einmal den Kündigungsschutz eines gewerblichen Arbeiters: in der Lohnhöhe erreichte er kaum den Durchschnittsverdienst eines ungelernten Arbeiters. Au seinen Obliegenheiten gehörte die Redigierung der Halb- Monatsschrift„Der Beamte und das Buch"(jede Nummer achtseilig im Berliner Zeitungsformat) und die Leitung der Werbe- a b t e i l u n g Er ist hierbei der Vorgesetzte von zivei Steno- typistinnen und drei Arbeiten», die ihm an Gehalt jedoch fast gleich- kommen. Herr E. hat aber noch mehr zu erledigen:»venn Not an» Mann ist, muß er als Packer einspringen. Nun ist ja der Beruf eines Packers durchaus nicht entwürdigend: aber der Schrift- steller E. jedoch kann diese Art seiner Tätigkeit nicht verwinden. Nachdem er festgestellt hat, daß er sich an einem Tag« löOOmal zur Erde bücken niußte, erleidet er zu Weihnachten v. I. einen schweren Nervenzusammenbruch. Er wird wieder bei der Geschäftsleiwng vorstellig, die ihm zwar keine Gehaltserhöhung, aber die Bürgschaft für ein bei einer Beamtenbank aufzunehmendes Darlehn über 500 M. zugesteht. Herrn E. ist es natürlich um eine Vergrößerung seiner Schulden nicht zu tun: er setzt vielmehr an jedem Ultimo die Bemühungen um Aufbesserung seines Gehalts fort. Aber alle seine Bemühungen bleiben fruchtlos, bis man ihm am 6. Juni eine Bezahlung nach Gruppe g des Berliner Buchhandelstarifs zugesteht, einschließlich eines Zuschlags, wonach fein Bruttogehalt monatlich 300 M. betragen sollte. Herr E- forderte jedoch die Eingruppierung in Klasse L— seine Qualifikation hierfür hat er mehrfach über- zeugend nachgewiesen—, aber die Geschäftsleitung blieb bei Klaffe ES, in der die beiden Steno'ypistinnen übrigens auch sind. Das Arbeitsverhältnis wird schließlich gelöst, Ende Juli wird Herr C. wieder in die große Armee der Eraxrbslosen eingegliedert sein. Der Klageanspruch beträgt 811,50 M., der sich aus Nach- forderungen an Gehalt, Honoraren und anderen Ansprüchen zu- sammensetzt. Wie vorauszusehen, kam es vor dem Arbeitsgericht zu keiner Einigung. Jetzt wird im folgenden Kammertermin der Schriftsteller E., Verfasser mehrerer Bücher, sein« Qualitäten als Schriftleiter rrochzuweisen haben, rvährend ihm die Deutsche Buch- geineinschaft nur ein« solche als Packer zugesteht. Ihn aber als Redakteur und Werbeleiter beschäftigt«. Betriebsflukiuation in Sowjei-Rußland Flucht vor ven Mißständen, aber keine Abstellung. Es ist bekannt, in welch ständigem Fluß sich die Arbeiter in den Sowjetfabriken befinden. Der häufige Wechsel der Arbeus- stellen ist hier einfach das normal Gegebene. Die Klagen darüoer wiederholen sich in den Sowjetblättern ständig. Das Zeirtralorgan der Gewerkschaften,„T r u d", vom 28. Juri», weiß aber»nleressame Dinge über die Gründe dieses Wechsels, der bis 10 Proz.»nonatlich ausmacht, zu berichten. In vielen Fällen geben die Arbeiter die Arbeit auf, weil. sie woanders besser entlohnte Beschäftigung zu finden Haffen. Nicht selten feiern sie, nur uin entlassen zu wer- den. Der Arbeitsnachweis weigert sich zlvar, solche Slrbeiter zu registrieren. Die Fabriken aber stellen die Leute auch ohne Ar- beitsnachweis ein. Man versucht, gegen diesen ständigen Arbeitswechsel, der die Produktion. in hohem Maße schädigt, anzukämpfen. Man vergißt aber, sagt das Blatt, daß die Ursachen dieser Arbeitersluktuation tiefer liegen. Sie sind eine Reaktion auf gewisse Mißstände inner- halb der Betriebe, Mißstände, die mitunter zu einer Verminderung des Arbeitsverdienstes führten. Das»»»ar z. B. in der Fabrik Die Arbeiterin" der Fall: hier hatten in 22 Tagen Z6S Ar- beiter aufgehört. Die Drehbänke»varen schlecht repariert und v:r- ringerten die Arbeitsleistung und somit auch den Arbeltslohn. Die Meister waren grob. Die Arbeitsbedingungen schlecht. Die medizinische Hilfe ungenügend. In viele» anderen Betrieben liegen diese Dinge ebenso. Die Klagen über„unmögliche" Tarifsätze sind allgemein. Wie oft aber. fragt das Blatt, ist es vorgekominen, daß die Verbände bei Massenabgängen sich die Mühe genommen hätten, sich von der Richtigkeit der Klagen zu überzeugen? Z�elchsbahnwerk Dortmund wird stillgelegt. In Ausführung der Beschlüsse der Stadtverordnetenversamm- lung hat Bürgermeister Hirsch mit der Direktion der Werkabteilung der Eisenbahndirektion Köln verhandelt. Es steht nunmehr«r»d- gültig fest, daß sich an der Stillegung der Dortmunder Werkstätten nichts änder», läßt, da der Rationalisierungsprozeß der Reichsbahn Verwaltung unt«r allen Umständen durchgeführt werden soll. Dagegen wird das Schwerter Werk nicht still- gelegt. Allerdings werden auch dort ein« Anzahl Dortmunder Ar- l'eiter entlassen, doch bleiben alle diejenigen beschäftigt, die schon 25 Jahre und mehr im Eijenbahndienst stehen oder die drei bis vier Kinder zu ernähren haben. Ein Teil der Belegschaft der Dort- inuirder Werkstätten und all« Lehrlinge sind auf beirachbarte Werke oerteill worden. i Freie Gewerkschafts-Jugend Berlin bcrge.— SStnrei»! l»r«isbol>»ab«nd im Flußbad itlinacnbera.— SüdnKftr»! Treffen zum Kreisbadeabend um I« Uhr am Hallcfchen Tor, Normaluhr— Heute, Meurtaa, lirtb Uhr, tagen die Grupixn: Treptow: Kruppenheim, Schule Wildenbruchltr. R— fHortzimmer). Vortrag:„Ent. llehung und Eutmicklung der Religion".— Humboldt: Jugendheim Grau». Ecke Lorßingftraßc. ästiges Kleinholz."— Spandau: Gruppenhcim. Stadl. Jugendheim. Liudcnufcr I. Fahrt zum Spor'plaß Rchberge.— Franiiurter Zlllee: Städt. Jugendheim Litauer Str. 18. Vortrag:„Warum Freie Gewerk» schoitsjugend?"— Landsberger Plag: Gruppenhcim Dieftelmenerstr. S. Bor» trag:„Älltiigliches und HundatägliS>es."— Lichtenberg: Jugendheim Doffe. straße 22. Vorlrag:„Die Bedeutung des Sturmvogels für die arbeitende Vc» völkerung".— Reu- Lichtenberg: Iugendheiltr Dunterftr. 4t. Vortrag:„Die FGI. und ihre Gegner".— Pankow: Gruppenheim Pankow, Killingenstr. 48. Ein Spaziergang durch die Echönholzcr Heid«.— Südosten: Gcwcrkschasts. haus. Engelufcr 24— 2S, Saal lt. des Fabrikarbeitcrvcrbandes. Wir. gehen zum Kreisbadeabcnd. � 3uoeni>ciruppe 0e«l?en4 Übt bei Htibner, Wilsnacker Str. 3t. Transparente und Fabncn mitbringen. kz. Abt. IgZb Uhr ftufanunenkunft junger Parteimitglieder bei Grunewald, Komeruner Str. lS. «. Abt. Schwerhörige. 10' i Ahe Mitglieder» erfammlnag im?»ge»di>ri» Lindeastr. i,». I. Wichtig««ageaorbalUig. fi* ist Pflicht tiw» jebe» Mtglledc». bestimmt und»üuktlich Ut erscheinen. 82. Abt. Steglitz. Die Iulimitgliedernersammlung sällt aus. l». Abt. ffriedrichshage». Pünktlich 20 Uhr im Stadtthea tet. ffriedrichstr. 6, am Marktplatz, Mitgli-deroersommlung. Aussprache Uber die neuestcn politischen Ereignisse. Berichte. Frauenveranstalluugen. 8. fttfi«»rr»,berg. Donnerztag, 17. Zuli, 19 Uhr. bei Krüger. Srimm- stratze 1, Funktionärinnensitzung mit wichtiger Tagesordnung. lZ4. Abt. Mohlsdorf. Heute. Dienstag, IS. Juli. Ausflug nach Pferdebucht. Treffpunkt g Uhr Bahnhof. Ecke Treslowstratze. Nachzügler Restaurant Sanssouci. Wir fahren mit der Linie 83. Zungsozialiskeu. Wertebezirk Destell. Heute, Dienstag. 2V Uhr, findet in Wilmersd-rs, Wilhelmsave 123—124 lJugendheim), die Werbedeiurlsmitglikderversanunlung statt. Dichtige Tagesordnung. Jede Entnpistn und jeder«benosse mutz»un- bedingt kommen. Die Gruppenleiter komme» schon um 19M Uhr au einer Besprechung zusammen. Tempelhos-Rarieiidors. Dienstag, 15. Juli, Fortsetzung der Arbcitsgemein- schaff mit Gregor Bicnstock. Lucie Rother spricht über:„Bourgeoisrepublik tn Oesterreich-. Gruppe Wilmersdorf. Heute, pünktlich 2» Uhr, im Jugendheim Wilhelms- oue 123— l2i. Dir beteilige» un» geschlossen an der bei uns slotifindendcn Werbebezirksneranftaltung. Arbeiksgemeinschask der Sindersrcunde. Zentrale. Heute, 2st Uhr. Zusammenkunft der Helfer Gi der Zentrale. Käpanick lOrtsqruppe). Am Mittrvoch, dem 16. Juli, 19V: Uhr, kommen alle Eltern im Jugendheim, Dahlwifler Ttr. I?, zusammen. Tagesordnunq: 1. Reserat:„Wege und Ziele der«indersreundebemegunq". 2. Diskussto». 3. Btldunq eine, Elternnerein,. Helfer werden dringend gebraucht. Rel- dünge« dert. Geburistage. Jubiläen usw. 3. Abt. Unserer lieben alten Genossin Berte Meyer zu Ihre» 7». Gr- bnrtntag« di« herzlichsten Sliilkwünsch«. 31. Abt. Unsere» oerehrtcn Genoffen Karl Behnsfeld, Schinelbeinersle.<7, zum 70. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. 94. Abt. Unlerem Scnoffen und ifnnffionär Willy Rehdanz nebst Frnn, Renkölln. Weiseste. 27,»nr Silberhochzeit die herzlichsten»lncknmnlch«. I Sterbetafel per Groß- Berliner Partei- Organisation| 91. Abt. Reulölln. Unsere liebe Genosffn Marie Anklom, Weiseslr, 84, ist an einer Operation verstorben. Ehr« ihrem Andenken. Di« Einäscherung erfolgt am Dienstag, dem 15, Juli, 17 Uhr. im Krematorium Baumschulen. weg. Reg« Beteiligung erwünscht. 101. Abt. nnd 109. Abt. Treptow. Baumschulen weg. A» 11. Zoll verstarb der allen bekannt« Genoff«, unser Parteiveteran und Barkämpser unter dem Sozialistengesetz, Wilbelm Brann. nach schwerem Krankenlager im 05. Lrteii». jähr«. Shnr seinem Andenken. Trnnertundgebung gestaltet sich wie lolgt: Die Ecvosffnnen nnd Senoffe« von Trevtow und Bai'lirsckulcnwcg nehmen mit nwffortem Banner und stahne Ansftellnng am Donnerstag, dem>7. stnli, 1791 Uhr. vor de« Rathaus T-eptow. Rene«rngallee. Eck« Poradicigarten. Die Seiche de» Berstordeven trifft um 18 Uhr mit Wagen ein»nd wird durch den Trauerzug mit Mufll di» zum Krematorium in Banmschulenweg begleitet, wo um>9 Uhr die Trauerfeier ftafffiudet. Alle Geuoffinuen und Senaffen werden un regst« Beteiligung ersucht. Beratung der Osthilfe. Gewichisvertauf ins Weizengesetz eingefügt.- Gefetze über den Reichswirtschastsrat gefallen. Der Reichstag verwies am Montogriachmittag nach debatte- loser Erledigung kleinerer Vorlagen dos Baukreditgesetz 1330 an den Ausschuß und beriet darauf das Osthilsegesetz. Abg. Stelling(Soz): Di« Rot der Ostgebiete ist mit verursacht durch die allgemeine Not Deutschlands: die Grenzziehung und der jahrelange Wirtschasts- krieg mit Polen haben diese Not furchtbar verschärft. Im Osten leidet die gesamt« Wirtschaft, und ihr, nicht einer bestimmten Pro- duzentengrupp«, muß geholfen werden. Das jetzige Osthilfsprogramm nimmt fast nur auf die Not der Landwirtschaft Rücksicht, die in ganz Deutschland besteht. Unter den Folgen der Grenzziehung und des Zollkrieges leiden auch Industrie, Handel, Gewerbe und oeson- ders die Arbeiterschaft. wir haben wiederholt bewiesen, daß wir wirNicher Agrarnol abhelfe« wollen. Das«chielen mit beiden Augen nach dem Großgrundbesitz ist nicht die richtige Hilfe für die Landwirtschaft. Die Regelung der Um- schuldung und der anderen finanziellen Hilfsmaßnahmen, die Hände, in die die Ausführung der Hilfsmaßnahmen gelegt ist, flößen uns großes Mißtrauen ein. wie diese Regierung und Herr Schiele überhauvt. Gesetze für den Eisenbahnbau in Ostdeutschland und andere Vertehrsverbesserungen sind in Aussicht gestellt worden, aber ihre Durchführung ist von einer Besserung der Finanzlage abhängig gemacht. Das ist ein sehr sauler Wechsel.(Sehr richtig! bei den Soz.) Im Ausschuß sind einige Verbesserungen durch Annahm« unserer Anträge durchgesetzt worden, besonders durch die Erhöhung des Betrages„für sonstige wirtschastliche Zwecke� von 3,8 Millionen aus 50 Millionen. Das rfar das mindeste, um den Eindruck zu vermeiden, daß man ein« einseitige Hilfsaktion nur für die Landwirtschaft plant. Im Ostprograinm stehen 800 Millionen für die Landwirtschaft 180 Millionen für Bochnbauten und einem noch kleineren Betrage für Handel und Gewerbe gegenüber. Diese letzteren Summen sind noch dazu sehr problematisch. Ein Entwurf, der noch von der Müller-Regicrung ausgearbeitet wurde und den Seoering vertreten sollte, beabsichtigte 350 Mil- lionen auszuwerfen, davon 59 Millionen für Kultur-, Hygiene- und Wohlfahrtszwecke, 80 Millionen für Chausseen, Wasserstroßeisbauten und andere Verkehrsverbesserungen. 18,5 Millionen für Gewerbe- förderung. Elektrizitätsanlagen, insgesamt 178 Millionen Mark, den Rest für die Landwirtschaft. Außerdem waren 5 Millionen für die Frachiensenkung, 70 Millionen für die Lastensenkung vergessen. Dieses Programm trug den wirklichen Bedürfnissen des deutschen Ostens Rechnung und brachte vor allem für die Arbeiterschaft wich- tige Hilfsmaßnahmen. Mein Freund Mache hat bereits hervor- gehoben, daß die Oder monatelang nicht schiffbar ist. Dieser Zustand ist auf die Dauer unerträglich. Unterhalb Breslaus bis zur Mun- dung liegen augenblicklich 1800 Kähne fest. Das zerreißt völlig die Verkehrsoerbindung init der schlesischen Wirtschast. Wittel für de« Ausbau der Oder als Großschiffahrtsweg sind in da» jetzige Ostprogramm nicht eingestellt. Das im Bau befindliche Staubecken von Ottmachau ist unzureichend. Auch das oberfchlefifche Steinkohlenrevier braucht eine Schistahrts- v-rbindung mit der Oder, denn nach der Fertigstellung des Mittel- landkanals wird die oberfchlefifche Kohle in Rorddeutfchland völlig konkurrenzunfähig fein, wo sie jetzt schon durch die polnische Kohle, die billigere Frachten und Löhne hat. oerdrängt wird. Es wäre ein Jammer, wenn«in solches Gebiet, das dt« schwer« Ab- stnmnungszeit mitgemacht hat, dem Rntn ausgelieferb würde. Die Arbeitslosigkeit ist dort furchtbar gestiegen, 13,6 Proz. der Bclegfchaften sind entlassen, die Feierschichten sind erschreckend lMfig. Es bestehen schwere Verkehrsschw'erigkeiten. In Neusalz a. d. Oder mutz die alte Holzbrück«, die die Schiffahrt hindert, durch eine neue ersetzt werden: die Stadt kann die Kosten dafür nicht auf- bringen. In Marienburg muß der Hafen erweitert werden, in Tilsit der Umschlagshofen ausgebaut werden. Der Hafen in Elbing muß verbessert werden. Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn wir in nächster Zeit vom finanziellen Erllegen vieler Städte im deutschen Ofien hören, z. B. Ratibor, Neustadt i. Oberschi. usw. Den Interessen der Industriearbeiter ist bisher überhaupt nicht Rechnung getragen worden, Massen polnischer Zlrbeiter werden in der Industrie und der Londwirtlchaft beschäftigt, auch auf den staat- Uchen Hütten- und Bergwerken. Man soll diese Leute nicht mit Gewalt um Lohn und Brot bringen, aber ein gewisser Druck auf die deutschen Wirtschaftsleiter zur Linderung der deutschen Arbeitslosigkeit ist notwendig. Die Leute, die sich gern national nennen, vergessen gerne, daß es die Arbeiter waren, die Oberfchlefien»or der polnischen Annexion gerettet haben: diese Leute wollen auch in Oberschlesien Lohnkürzungen und Ent- lassungen vornehmen. In Seitenberg. Kr. Glatz, war die Glasfabrik in Zahlungsschwierigkeiten und schuldet heute Ihren 400 Arbeitern noch 100 000 Mark Lohn. Das ist der Beweis, daß die Arbeiter am schwersten an der Wirtschaftskrise zu tragen haben, weil ihnen alle Opfer für die Erhaltung der Betriebe zugemutet werden. Es gibt Ort« in den Grenzkreisen, die an Bahnlinien liegen, die durch die neu« Grenzziehung zerschnitten wurden, so Ramslou und Tirsch- tiegel mit einer früher regen Industrie, die fast völlig stillgelegt ist, weit kein Absatzgebiet zu erreichen ist. Das industrielle Kapital , verlaßt aus Furcht vor Unrentabilität die Ostgebiete. Die Grenz- chausseen verfallen. Die schlesische Arbeitslosigkeit steht feit Iahren über dem Reichsdurchschnitt, im März 1930 schon um 33 Proz. Wir hoben jetzt 57 000 Arbeitslose in Schlesien. 32 000 mehr als im Vorjahr. Wer sich so energisch für die Kopfsteuer«insetzt, sollte sich fragen, ob Gemeinden mit riesigen Wohlfahrtsausgaben überhaupt Verschwendung treiben können. Die Bergarbeiter sind nicht in die Krisensürsorge einbezogen worden. Die Folge ist für die Stadt Hindcnburg i, Obcrschl., daß 3500 Arbeiter von der städtischen Wohl- fahrt erhalten werden müssen, eine wöchentliche Ausgabe von 175 000 Mark, die die Stadt nicht tragen kann. Ii, Rauschs bei Görlitz sind alle fünf Glasfabriken mit 1200 Arbeitern feit über einem Jahr stillgelegt.(Hört, hört!) Der Redner schildert nun die Not des deutschen Schulwesens Im Osten, den Mangel an Klassenzimmern und Lehrkräften, wodurch die Kinder in manchen Orten gezwungen sind, bei jedem Wetter im Freien zu warten, bi» der Lehrer einen Teil der Schüler nach Hause schickt, um die anderen zu unterrichten. Große Gemeinden ermangeln noch der Kaaalisakion, und et fehlt das Geld dafür. Die hygienisthrn Einrichtungen find unzureichend, dabei ist die Seüchengeiahr so nahe der Grenze größer als sonstwo. Die Säuglingssterblichkeit in Oberschlesien beträgt 13,5 Proz. gegen 8,4 Proz. im übrigen Preußen, die Tuberkuloscsterblichkeit 12,16 gegen 10,3.(Hört, hört! bei den Soz.) Fürchterlich ist die Woh- nungsnot z. B. in Gleiwitz. Das Elend in Waldenburg-Neurode ist bekannt genug: wenn doch das furchtbare Unglück dazu beitragen würde, den Bergarbeitern dort endlich eine gründliche Besserung zu schaffen. Die Löhne in Schlesien stehen unter denen im Gesamt- staat. Für Jugend- und Gesundheitspflege ist längst nicht soviel auf- gewendet worden wie im Westen. Der dafür vorgeschriebene Betrag von 8,3 Millionen muß wesentlich erhöht werden. Denken Sie doch auch an die nationalpolitischen Momente an der blutenden Grenze unserer Republik, und Helsen Sie, Zustände zu schaffen, die«in gesundes, lebensfrohes Volk heranwachsen machen. Zeigen Sie durch Taten, daß Sie für die Volksnot Verständnis haben, das wird weit besser fein, als wenn Sie(nach rechts) die Grenzbevölkerung zu einem Ritt gen Osten auffordern!(Lebh. Beifall der Soz.) Abg. Dr. kleiner(Dnat.) fordert die in Preußen regierende Sozialdemokratie auf, dem Elend'an der Ostgrenze abzuhelfen und spricht dann von tichechisch-polnischen Eroberungs- und Teilungsplänen gegen Schlesien. Der dentsch-polnische Handelsvertrag wird die Entlassung von 20 000 Bergarbeitern notwendig machen, daher stimmen Sie(zu den Soz.) doch dagegen! Polen fördert seinen Export durch Prämien von 160 Millionen Zloty, davon 116 Mil- lionen für Kohle, wir aber tun fast nichts. Abg. Dr. verlltiu,(Z.) hebt die Bedeutung des preußsschen Siedlungswerkes im Osten hervor und führt die schlechte Wirt- schaftsloge Schlesiens auch auf feine Einschnürung durch den pol- nischen Korridor und da. Entstehen des Tschechenftoates zurück, während die frühere österreichische Grenze kein Hindernis für die Ent- saltung der schlesischen Industrie gewesen sei. Abg. MertinS(6>oz.) Daß unschuldig in Not geratenen Landesteilen von der Allge- meinheit geHofen werden muß, ist selbswerstöndlich. Für den Osten ist das aber schon seit Jahren geschehen, und hauptsächlich unter Mitwirkung von Sozialdemokraten in der Regierung. von 250 Millionen, die dem Osten schon zugeflossen sind, wurden 240 Millionen unter der Regierung Müller bewilligt,(hört. hört! bei den Soz.) Preußen mil seiner sozialdemokratischen Regierungsbeteiligung hat insgesamt 1 050 000 000 Mark sür den Osten aufgewandt. Daß Abg. Hergt angesichts dieser 1,3 Milliarden von Vernachlässigung des Ostens spricht, ist unverständlich.(Sehr richtig! bei den Soz.) Die Staatsraison, von der. Minsster Schiel« sprach, erfordert auch strengste Kontrolle über Verwendung der Milliarde, die in den nächsten Iahren dem Osten zufließen soll. Wir begrüßen, daß die Sieblungeaktion im Vordergrund de» Ostprogramms steht.' Die Siedler muffen aber auch in den Iahren nach ihrer Ansetzung weitgehend durch Rat und materielle Hilfe gefördert werden. Die Anliegersiedlung ist die wirtschaftlichste Form der Siedlung: es ist erfreulich, daß im§ 6 des Gesetzes besondere Bestimmungen sür die Ansiedlung verdrängter Landarbeiter enthalten sind. Die bisherigen Bestimmungen darüber waren unzureichend, denn nur 4.5 Proz. aller Siedler waren bisher Arbeiter.(Hört, hört! bei den Soz.) von der Arb«it»lostnunlerstühung der meisten» langfristig arbeitslosen Landarbeiter könnte tausend«« eine Heimstätte geschaffen werden. Die Umschuldung, Betriebssicherung usw. beiraphten njir mit glößtem Mißtrauen wegen der Formen der Ermächtigung, die der Regierung gegeben werden soll. Wir warnen vorder Verall- g e in e i n« ru n g der Rot der Landwirtschast. Nur jeder 600. Klein- betrieb, aber schon jeder 60. Großbetrieb wird als notleidend in der Statistik geführt. 16 621 Hektar Großgrundbesitz gegen nur 1201 Hektar Kleinbesitz wurden im letzten Jalsr in Ostpreußen ver- steigert. Ein großer Teil der größeren Güter wurde nicht wegen wirtschaftlicher Not, sondern aus Erbschaftsspekulotion versteigert.(Hört, hört! bei den Soz.) Nach Untersuchungen von Dr. Best gehen die Unterschiede im Hektarertrag auf gleichen Böden bi» zu 240 Mark pro Hektar.(Hört, hört! bei den Soz.) Herr Best bemerkt recht vorsichtig dazu, daß es in der Landwirt- schoft weitgehend auf die Tüchtigkeit des Landbesitzers an- komme. Die Not des Ostens ist Grenzlandnot und nicht landwirt- schaftliche Not. Sie ist zu ernst, als daß man sie mit Mitteln der Vereinsmeierei und des Lokalpatriotismus beseitigen könnte. Die Frachtmchrbelastung Ostpreußens durch die Grenze macht allein jährlich 30 Millionen aus. Die EiNkommensverhältnisfe im Osten stellen das Minimum unter dem deutschen Reichsdurchschnitt dar: Berlin liegt mit 160 Punkten über dem Durchschnitt, Königsberg 68 Punkte darunter.(Hört, hört! bei den Saz.) Landarbeiter- famiticn erhalten für vier Arbeitskräfte knapp 2500 Mark im Jahre. Am Sonntag sagte der Berliner Rundfirnk seine heiteren Veranstaltungen ab. Man widmete den Tag dem Gedenken an die toten Arbeitskämpser, die man in Neurod« zu Grabe trug. Ernste Vorträge blieben im Programm, so die wertvolle Schilderung„Dichter Her Potsdamer Straße" von Alfred Mühr. Oskar Loerke las eigene Gedichte, Bruno Fritz gut aus- gewählte ernste Prosa. Am Montag brachte ein Kammer- or che st er mit Prof. Gustav Havemann als Solisten ein sehr schönes Abendkonzcrt. Vorher las Hans Sochaczewer„Die Erzählung der Woche", Bericht von dem Ausklang eines armen Groß- ftadtlebens: aber erst für die Schilderung der tragischen Lösung schnxmq die Darstellung zu eindringlicher Schlichtheit aus. In der Jugendstunde erzählte Mar Barthel i» bildl>aster Sachlichkeit von „Erlebnissen bei den tatarischen Fischern". Cr fuhr mit ihnen hin- aus auf die Wolga: er sah ihre Frauen und Mädchen den Fang marktfertig machen: er saß mit den Männern im Zelt, lauschte ihrem Gesang, sah ihre seltsamen Tänze. Er lernte ihre bildungs- eifrige Jugend kennen, die erfreut sein Geschenk nahm: eine deutsch- russische Grammatik. Der Zeichner Pros. Rudolf Großmann schilderte„Menschen, die mir begegneten". Der jugendlich begeiste- rungssähiqe Kunsthistoriker Meier-Gräfe, der unter der tragischen Komik des Lebens schmerzhast leidend« Simplizisfimuszeichner Th. Heine. Männer und Frauen rund um die Bühne— Reinhardt und Klöpser, die Dorsch und Elisalieth Bergner—, wurden durch einige klare Sätze oft überraschend deutlich sichtbar gemacht. Diese Lohnverhältnisse sind unerhört, aber es gibt trotzdem noch Landwirte, die eine Tarifvers chlschterung durchsetzen wollen! 40 Sägewerk« an der Memcl in Ostpreußen liegen still, der masurische Kanal ist unvollendet und erfordert jährlich 120 000 Mark unnütze Erhaltungsausgaben. Kulturelle und sozial« Ausgaben sind ebenso wichtig wie die Umschuldung. Wir verlangen wenigstens, daß die Uinschuldungskredite nicht wieder verloren gehen können. Von den bisl>er gegebenen 70 Millionen Mark Umschuldungskrediten sind 25 Millionen bereits verloren.(Hört, hört! bei den Soz.) Herr von Auer, Goldschmieden in Ostpreußen, ließ sein Gut um- schulden und dann in der Zwangsversteigerung von seiner Frau kaufen, ein anderer Großagrarier rerwandte feinen siebenjährigen Sohn zu diesem Manöver. (Hört, hört! bei den Soz.) Wir verlangen die Verteilung der Kredite auf die verschiedenen Größenklassen noch dem Anteil der wirlfchastlichen Fläche. Wir lehnen die Mitwirkung von Gläubigern und Schuldnern bei der Umschuldung ab. Gegen die Methoden der Betriebssicherung haben wir die schwersten Bedenken. Wir be- antragen die Abzweigung einer Summe von 15 Millionen aus den Betriebssicherungsmitteln für soziale und kulturelle Zwecke. Erst nach Annahm« unserer Anträge kann dieser„Alt der Staatsraison" vor dem Forum der Oesfentlichkeit bestehen.(Lebh. Beifall bei den Soz.) Abg v. Rheinbaben(D. Bp.) befürchtet von einer Einschaltung des Reichstags oder des Re.chsrats in die Ausführung des Osthilie- geseßes eine Verzögerung, die keinesfalls erträglich wäre, und hält dem deutschnationalen Redner entgegen, daß man nicht zugleich Ablehnung des Handelsvertrags mit Polen und gewaltige Sub- veirtionen'für den Osten fordern könne! Abg. Hörnle(Komm.) bespricht die Not der Arbeiterschaft im Osten, die schon seit der sogenannten Bauernbefreiung vor 120 Iahren zurückgesetzt und benachteiligt werde, um den Junkern zu nützen. Mit der Siedlung fessele man die Landarbeiter an die Scholle und mache sie zu Lohndrückern. Es folgen die am Sonnabend zurückgestellten Abstimmungen. Das Hypothekcnaufrvertungsgesetz wird unter Ablehnung deutsch- nationaler Anträge verabschiedet. Dazu«in« Entschließung gegen Erhöhung der gesetzlichen Miete. Für die beiden Gesetze über den Reichswirtfchaftsrat stimmen in der Schlußabstimniung 228 Abgeordnete der Regierungsparteien und der Sozialdemokratie, dagegen 168 Abgeordnete der Rechten und der Kommunisien, zwei enthalten sich. Da somit die wegen des verfassungsändernden Charakters dieser Gesetze erforderliche Zwei- drittel Mehrheit nicht gegeben ist, verkündet der Präsident ihr« Ablehnung.(Lebh. Bewegung.) Beim Gesetz über die Weizenvermahlung wird der sozialdemotratiiche Antrag auf Einführung der Vorschrift aus Ge- wichlsverkauf(die beim Roggenbrolgesetz mit einer Stimme Mehr- heit abgelehnt worden ist), mit 200«timnien der Linken gegen 190 Stimmen der Rechten und eines Teils der Mitte bei acht Ent- Haltungen angenommen. In der darauffolgenden Schluß- abftimmung stimmen die Sozialdemokraten gegen das Vermcchlungs- zwanggesetz, das im Hammelsprung jedoch mit 208 Stimmen der Re- gierungsparteien und der Rechten gegen 146 Stimmen der Sozial- demokraten und der Kommunisten bei einer Enthaltung v c r a b- schiedet wird. Nach Genehmigung des Bauprogramms der Reichsbahn ver- tagt sich das Haus 20 Uhr auf heute 15 Uhr: Ausschuhbcricht über die Unterstützung der Opfer von Neurode, Weingesetz, Deckung?- vorlagen, Osthilfe. Allgemeine Wetterlage. Das wolkige und unbeständige Wetter hielt auch am Montag im größten Teil Deutschlands an. Allein in Mitteldeutschland heiterte sich am Vormittag der Himmel zeitweise auf. Nur an der Ostseekiiste und in Süddeutschland blieb es trocken, sonst kam es meist zu einzelnen Rcgenfällen, in Mitteldeutschland stellenweise zu Gewittern. Die Temperaturen stiegen am Montag durchschnittlich etwas über 20 Grad Celsius. lieber der Nordsee liegt zurzeit der Kern eines Tiefdruckgebietes. An seiner'Südjeite dringen wieder feuchte ozeanische Lustmassen nach Osten vor. Gleichzeitig fällt das Barometer über Mitteleuropa, so daß das Tief seinen Einfluß dort- hin auszudehnen scheint. Daher müssen wir für die nächsten beiden Tage für unseren Bezirk mit unbeständigem Wetter mit einzelnen Regenfällen rechnen. » Wetteraussichten für Verlin: Meist stark bewölkt, mit einzelnen Regenföllen, Temperaturen im ganzen etwas niedriger, westliche Winde.— Für Deutschland: Ueberall ünbeständigez Wetter mit ein- zelnen Regenfällen, stellenweise Gewitter. 1 I Ä � � / Löhne und preise. Lohnsenkung als Mittel der Konjunkturpolittk nicht brauchbar. Das Institut für Konjunkturforschung hat sich be- müht, zu der Frage, ob durch Preis- und Lohnpolitik im augenblick- lichen Zeitpunkt erfolgreich Konjunkwrpolitik getrieben werden könne, Material beizutragen und in objektiver Weife Stellung zu nehmen. Dos Institut kommt zu folgenden abschließenden Bcmcr- t u n g e n:. »Das Dilemma dieses Problems liegt darin, daß auf den ersten Blick jede lohnpolitische Maßnahme, die noch einer Richtung hin getroffen wird, in ihrer konjunkturpolilischen Wirkung wegen der doppelten Funktion der Löhne(als Kosten- und als Kaufkraftbcstondtcil. D. R.) ins Gegenteil ausschlagen kann. Senkung der Löhne bedeutet— nach der Koftenfeite hin— Erleichterung der Kosten, bietet somit die Möglichkeit, die Preise zu senken und würde dadurch den Absaß fordern, wenn nicht gleichzeitig durch eine Senkung der Löhne auch eine Schwächung des Binnen- Marktes eintreten würde. Bei sinkenden Preisen würde ein Gleich- bleiben der Löhne oder gar eine Lohnerhöhung andererseits den Binnenmarkt stärken, den Absaß der Könsumgütcrindustrien anregen und so die Borausseßungen für einen neuen Aufschwung stüßen, wenn nicht gleichzeitig dadurch die Senkung der Preise ge- hemmt werden würde, die ebenfalls eine der Borausseßungen für einen neuen Aufschwung bildet. Wäre es möglich, diese skizzierten Wirkungen quantitativ genau durchzurechnen, so könnte— in der volkswirtschaftlichen konjunkturpolitischen Argumentation— das Für und Wider genau abgewogen werden. Solche Rechnungen sind jedoch kaum durchführbar. Diese Feststellung allein ist wichtig genug: denn sie zeigt, daß allgemein gültige Grundsohc hier nicht ausgestellt werden können, daß vielmehr von generellen Regelungen Wirkungen aus- gehen können, die konjunkturpolitisch unter llmständen geradedas Gegenteil dessen bewirken, was beabsichtigt ist." Da gegenwärtig in erster Linie eine Lohnsenkung als konjunkturförderndes Mittel im Brennpunkt der Diskussion steht, wird man die(vorsichtige) Aeußerung des Instituts dahin kennzeichnen können, daß es eine generelle Lohnsenkung als eine volks- wirtscho'tliche Fehldisposition und nicht als ein Mittel zur Kon- junkturfördenmg ansickt. Selbst dos Konjunktursorschungsinstitut, das gewiß gerne bemüht wäre, der gegenwärtigen Regierung zu dienen, kann eine konjunktursördernde Wirkung von Lohnsenkungen nicht bejahen. Es häuft sogar die Gründe bergehoch an. die dagegen sprechen, nur ohne scheinbar den subjektiven Mut auch zum Aussprechen eines klaren Rein zu finden. Was bedauerlich ist. Aus dem Material ist mancherlei interessant, so u. a. ein« Z u- sammenstellung der Lohnanteile bei einer Anzahl von Industrien. Leider gelten die Schätzungen meist für dos Jahr 1925, die jüngsten für das Jahr 1928, so daß ein großer Deik» der den Lohnanteil senkenden Ratianalisterungsvorgänge noch nicht erfaßt ist. Dieser Lohnantcil beträgt: Steinkohlengeminnung SS Proz.(1928), Steinkohlenkokerei 10 Proz.(1927), Braunkohlen- sörderung 36 Proz.(1928), Braunkohlenbriketts 15 Proz.(19271, .ihochofenbetrisbe 7, Flußstablwerke 6, Walzwerke 13 Proz.(alles für 1928, ohne Gehälter und soziale Aufwendungen), Maschinenbau 25 bis 35 Proz., Elektrotechnik 35 bis 40 Proz.,(beides rohe Schätzun- gen). Autoindustric 20 Proz.(1927), chemische Industrie rund 10 Proz. (Schätzung), Textilindustrie im Durchschnitt zwischen 12 und 17 Prrzz. 11925), Lederindustrie 10 Proz.(1928),' Schuhindustrie 20 Proz. (1928), Papierindustrie 25 bis 30 Pro;.(1027/28), Papierverar- b'Ming und-veroielfältigung' 35 bis 40 Proz.(1927/28). Porzellan- Industrie 45 bis 50 Proz.(1928), Glasindustrie 30 bis 35 Proz. (1927) und Uhrenindustric 40 bis 45 Proz.(1928). Diese Aufstellung ist als Anhaltspunkt wertvoll und besonders für die Nachprüfung in der Praxis wichtig. Sie zeigt aber, daß auch theoretisch jede Lohnsenkung sich niemals in entsprechender Höhe als Preissenkung auswirken könnte. Eine zweite Ausstellung zeigt, wie sehr gerade der Abbau der Spitzeneinkommen bei Arbeitern und Angestellten die verarbeitende Industrie schädigen muß. Je höher nämlich das Einkommen ist, um so mehr wird über die Befriodi- gung des Rahrungs- und Wohnungsbedorfs an werwolleren Gütern verbraucht. Di« Arbeiterhaushaltsstotistik der letzten Jahre hat g«> zeigt, daß bei Einkommenssteigerungen auf dos 2V»foch« der Roh- rungs- und Wohnungsbedarf nur gerade doppelt so starke Ausgaben mit sich bringt, während der Bekleidungsbedarf auf das 3fache, die Ausgaben für Körper- und Gesundheitspflege auf dos 3,kfache, die für Erholung und Verkehr auf dos 4�5foche, die für Wohnungs- cinrichtung auf dos 5,4foche und die für Vergnügungen und Unter- Haltungen sogar auf dos g,6foche steigt. Die Drosselung der Spitzenlöhn« muß sich also gerade für die Jndustriekonjunkwr schädlich auswirken. Die Senkung der Kohlenpreise. Der Jahresbericht der A.�Y. Reichskohlenverband spricht zwar kein Wort über die wichtig« Frag« der Erlös-, Selbstkosten- und Lohnonteilentwicklung, was für 1929 besonders interessant gewesen wäre, ober der schäbige Rest an Daten gibt hinsichtlich Löhnen und Preisen doch noch Anlaß zu einer Bemerkung. Nach der Auffassung der Zechen sind natürlich auch im Bergbau die Löhn« zu hoch, und sicher tut es vielen Bergherren weh, daß Oeynhausen nicht ohne weiteres auf die Kohle anwendbar ist, nachdem die Zechen nur echte Tariflöhne kennen. Aber der Druck auf die Löhn« ist natürlich höchst populär und die Forderung nach Abbau der Kohlenpreise wird sicher durch einen Hinweis auf die— auch im Verhältnis zum Ausland—»zu hohen" deutschen Bergarbeiterlöhne pariert werden. Dazu sind folgende Ziffern wichtig: Förderanteil je Kvvf und Schicht(für.�auft und Schlepper), Oberbergamis- bez'rks Dortmund (1913- 1(0 Pro,.) te kg in Proz. 1913.>,. 1183 100,0 1924..., 1077 91,0 1928.... 1458 123,2 1929.... 1552 131,2 1930(1. Quartal) 1594 134,7 SanerMntll IStMÜotn) 1« Schicht für Kauer unt Schi«wer Iii der 3>uf- runasinder IsoPraz umgerechnet(1913" wo Proz. in 9Ratf in Pri�. 6.71 100,0 4F4 6,48 6,80 6,86 68,7 98,6 101,3 102,3 Diese Ziffern sollt«» wirklich beachtet««den:«ner enormen realen Leistungssteigerung steht ein bei Berücksichtigung der höheren Sozialbeiträge der Zechen belegschaften überhaupt nicht erhöhter Rea/lohn gegenüber. Gleichzeitig liegen die Kohlenpreise(auch im Rahmen des deutschen Großhandelsindex) heute außerordentlich hoch. Rein produktionswirtschaftlich ist die Entvncklung der englischen Zechen viel ungünstiger gewesen. Im englischen Durchschnitt beträgt die Leistungssteigerunq gegen 1913 nur 108,2 Proz. bis Ende 1929, die Löhn« sind auch heute noch die Reallöhne von 1913, und die Preise sind viel niedriger als die deutschen: auch die Erlös«. Dennoch wurden für das 1. Quartal 1930 je Tonne steigend« Kohlen- gewinn« in. England gyneldei. Daraus ergibt sich: d k e d' e u t f ch e n � o h l« n p r e i s e m ü s se n u n b":f Sri n eV'gef« ftff werden. Diese Senkung miiß und kanst s öf o r�t erfolgen, und zwar ohne Rücksicht aus das bestehende Lohnniveau, das«her zu niedrig als zu hoch ist.> „Kartell der Starken?" Der erste Henfchel-Abschluß und die Arbeitsbeschaffung der Lokomotiv-Zndustrie. Di« Lokomotivfobrik H e n s ch e l u.Sohn. Kassel, schließt das erste Halbjahr als Aktiengesellschaft mit einem Verlust von 2,04 Millionen bei einem Kapital von 45 Millionen ab. Die Beschäftigung bei dem Unternehmen litt unter dem bekannten Mangel an Inlandsaufträgen, während Bestellungen aus dem Ausland noch dem Bericht fast mir zu Derwstpreiscn zu erhalten waren. Der Stand des Unternehmens ist trotzdem nicht schlecht. Der Verlust wird aus der gesetzlichen Reserve gedeckt, die bei der Bewertung der Aktiven(neben der Bildung großer stillen Reserven) gelegentlich der Gründung sehr hoch angesetzt wurden. Zu Ansang des lausenden Jahres beschäftigte Henschel (schon ohne Essener Steinkohl«) noch 3400 Mann: für die nächste Zeit werden jedoch erhebliche Entlasiungen angekündigt. Gleichzeitig mit dem Verluft-Abschluß von Henschel wird von der Lokomotio-Industri« eine Eingabe bekannt- gegeben, durch die die Firmen Krupp, Borstg. Schwartzk.ipss, Hann- mag und Henschcl die Rei6)sregierung um Notstands- oufträge über einige hundert Lokomotiven ersuchen, damit große Entlassungen in der Lokomotivindnstrie vermieden werden können. Bedenken gegen dies« gewiß diskutierbare Forderung läßt jedoch eine Stelle im Bericht der Henschel u. Sohn A.-G. auftauchen, deren Betrieb trotz der Aufkäufe von Krupp nach wie vor als die größte deutsch« Lnkomotivfabr'k gilt. Der Kampf um die Auslandsgeschäfte zu Verfustpreisen. sagt die Henschel u. Sohn A.-G., wird den notwendigen Ausscheidungsprozeß in der noch heute übersetzten Lokomotivindnstrie beschleunigen. Solange die Bereinigung nicht genügend weit fortgeschritten ist, hält die Gesellschaft ein Kartell für den Lokomotwexport für nicht tragbar Zwischen den Zeilen liest man da für später den Wunsch nach einem Lokomotivkartell der großen Fabriken. Wenn die Loko- motivkabriken jetzt subventionierende Notausträge fordern würde zunächst der von Henschel gewünschte Auescheidungsprszeß gehemmt. Gegenüber eniem späteren„Kartell der Starken" müßte aber erst recht die schärfst« Kalkuletians- und Preiskontrolle stattfinden OKW. baut weiter aus... und verdient 24 Prozent Em» rationelle Betriebsauslostung versuchten mit Erfolg die Zschopai-e: Motorenwert« I. S. Rasmussen A.-G. (..DKW"). Um für di« einseitige Saison(Frühjahr) der Motor- radindustrie einen Ausgleich zu schaffen, wurde di« Fabrikation von Eisschränken aufgenommen, deren Saison im Sommer und Herbst liegt. Wenig Erfolg hotte dos Unternehmen dagegen mit der neu aufgenommenen Fobrrkotion von 6- und tz.Zykinder-Motoren Im laufenden Jahr« hat sich da» Schwergewicht der Fabrikation hei dem Unternehmen nach der Seite des Kleinauto» ver- schoben. Im Jahre 1929 wurde ein Reingewinn von 2,3 5 Mil- lionen erzielt: das sind mehr als 24 Prozent auf dos Aktien- kapital. Diese Summe wird zunächst zur Volleinyz hlung des Aktien- kopitals verwandt,«ine Methode der Finanzierung aus laufenden Gewinnen, di« wenigstens den Vorzug der Offenheit hat. Der Rest des Reingewinns würde, wie in der Generaloersammlung erklärt munde, zur Verteilung von wieder 10 Prozent Dividend« ausreichen. Herr Rasmussen, der aus dem Unternehmen noch in anderer Form erhebliche Beträge erhält, zieht es jedoch vor, den gesamten Reingewinn zur Stärkung der finanziellen Position zu verwendm. Die Bilanz ist stüssiger als die vorjährige, obwohl allein da» Konto Grundstück«, Gebäude und Moschinen einen Zu- wachs von 3,17 Millionen erhalten hat. Expansion des Metallbank-Konzerns. Der Frankfurter Metallbonk-Konzern, der in letzter Zeit«ine außerordentliche Aktivität gezeigt hat, schluckt jetzt schon wieder ein großes Industrie-Unternohmen. Eine außerordentliche General- Versammlung der Deutschen Göld- und Äilber-Scheide- onstalt A.-G., Frankfurt a. M. beschloß di« Fusion mit der .fi olzoerkohlungsindustri« A.-G., Konstanz(Kapital 10,41 Millionen!, die sieben chemische Fabriken in Deutschsand sowie mehrere Tochtersabriken im In- und Ausland besitzt. Da» gesamte Vermögen der Holzverkohlungsindustrie A.-G.., der nun ein großer und berühmter Mann„da draußen" geworden ist, erzählt hat: Vor dreißig Jahren, als ich ein junger Mann mgr, gab es keine Eisenbahn in Z. Abgeschnitten von der ganzen Welt waren wir. Zeitungen kamen überhaupt nicht ins Städtchen. Wir saßen inmitten Europos unt» hörten von nichts. Eines Tages kamen die ersten Zeitungen nach Z. Der Schuster Hersch erhielt ein Leder- paket aus Warschau. Die Häute waren in alte Zeitungen ge- wickelt. Nach langem Flehen gab er mir die Zeitungen. Heiß- hungrig stürzte ich mich auf die allen hebrässchen Blätter. Ich ver- schlang lede Neuigkeit und merkte gar nicht, daß die Zeihmgen schon damals 19 Jahre alt waren! Da auf der ersten Seite eines Blattes stand in Riesenbuchstaben:„Alexander II. von Nihilisten ermordet!" Zitternd vor Schreck stürzte ich m die Synagoge, wo die Alten versammelt waren. „Der Zar ist ermordet worden", schrie ich. Die Zeitung wurde vorgelesen. Es stimmte. Das ganz« Städt- che» lief zusammen. Ein« ungeheure Panik brach aus. Der Zar sst ermordet! Also wen wird man schlagen...? Zu- erst auf alle Fälle die Juden. Das Städtchen zitterte vor einei» Pogrom. Und keiner merkte, daß die Zeitung schon beinahe zwanzig Jahr alt war! Alexander II. moderte schon lange; sein Enkel regierte schon und im Judenstädtchen Z. lebten wir wochenlang in Todesangst wegen der Ermordung Alexanders II., zwanzig Jahre nach seinem Tode! Diese wahre Geschichte kam mir in den Sinn, als ich die alten Juden von heute oertieft in ihre hebräisch« und-jiddische Zeitungen sah. Es hat sich also vieles verändert. » Wir sind in Z. Bremsen quietschen. Jämmerlich pseift das Lokomotivchen. In aller Eile stürzen alle nach Hause; in zwei Stunden Sabbatbeginn! Das Städtchen Z. ist wie immer Freitag- abend voll hastender Menschen. Aber je mehr der Sabbat herauf- zieht, desto mehr schließen die Handwerker und„Kaufleute" ihre Stände. Und aus einmal werden die vollen Straßen leer. Durch die Luft zieht der bekannte Duft von frischgebackenen„Barches" und gefülltem Fisch. Aus den Fenstern der kleinen zerfallenen Häuser dringt Kcrzenschimmer. Und da aus einmal füllen sich die Straßen mit den Menschen des Städtchens Z. Aber wie anders sehen jetzt die Handwerker, Lastträger.„Kaufleute" aus. All« in neuen seide- neu Kaftanen, neue Mützen, blank die Schaflstiefcl. Die Frauen in neue Tücher gehüllt. Alle ziehen sie dahin in feiertäglicher Stimmung zur Synagoge. Ein neues Bild für Z. fällt mir in die Augen... Die Jugend. Viele von ihnen schon europäisch airgezogen,„deiljch gekle'det", sagt man da. In den Knopflöchern Abzeicheu jüdischer Sportklubs und zionistischer Arbeiterverbände. Ausrecht gehen sie neben den Alten mit gebeugten Rücken. Zwei Jahrhunderte ziehen da neben- einander. Da geht neben der alten Generation die neue aufrechte, die keine Pogrom« erlebte. Judenstädtchen Z. begeht seinen Schabbes..... Dasselbe BUd seit Hunderten von Jahren. Aber auch da ist jetzt die neue Zeit eingedrungen. Denn immer leuchten helle Sportsblusen neben den langen, dunklen Kaftanen des Ghettos. Aber die Jugend Acht doch in neuen Kleidern, mit neuen Gedanken, mit den Alten, und nicht gegen sie. Ein unvergeßliches Bild..... Ich bin inmitten Europcks. Weltstadt Berlm. Lichter rasen. Menschen haste». Autos briil'en. Tempo. Tempo... Für Gedanken, Gefühl« keine Zeit. Die Millionenstadt rast und reißt aar mit... Aber an den Freitagabenden sehe ich auf einmal zwischen den Lichtreklamen und Autobussen hindurch: Graue Gebäudchen. graue Gestalten, Kcrzenschimmer.... Judenstädichen Z.! ZParifer Warenhäufer Tie„Rouvelles-Galleries" in Paris, dos große Warenhaus an dem Boulevard Bonne-Nouvelle, ist«in Raub der Flammen ge- worden. Damit sst Paris um ein Riesenunternehmen ärmer ge- worden, das hauptsächlich den Mittelstand zu seiner Kundschaft zählte. Paris ist die eigentliche Geburtsstadt der Warenhäuser, die sich im Lause der Jahrzehnte die Welt erobert und dem Klein- Handel ein neues Aussehen gegeben haben. Es sind jetzt gerade 73 Jahre her, daß in Paris das erste„Grand Magasin", also das erste Warenhaus im heutigen Sinne, entstand. Im Jahre 18a5 wurde nämlich das berühmt geworden« Warenhaus der„Loiivre" begründet. Dieses Grand Magasin, das seinen Namen von dem berühmten Schloß und Museum ablehnte, wurde das Vorbild sür alle künftigen Warenhäuser, die bald in England. Amerika und Deutschland entstanden. Kleinere Warenhäuser, die sich nicht aus ein Spezialgebiet beschränkten, wurden schon in den vierziger Jahren in England begründet. Ihren Siegesgug durch die Welt traten sie aber erst noch der Eröffnung des„fiouvre" an, ixr in Paris bald großen Zulauf fand. Am meisten hat ohne seinen Willen der ftanzöstsch« Romandichter Emile Zola für die Warenhäuser Propa- ganda gemacht. In seinem bekannten Warenhausroman„.�u bon- heur des dames" hat er bereits in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts den Kampf des Kleinhandels gegen den Wettbewerb der Warenhäuser dramatisch und packend geschildert. Er zeigte den Rausch, den die Zusammeuballung von ungeheuren Warenmassen in einem Haus« bei dem Publikum erzeugt, den Warenverkauf als geschäftliche Weltstadssensation, die Betäubung jeder Uebcrleguug des kaufenden Publikums durch geschickte Werbungsmaßnahmen. Di« Propagandachefs der Warenhäuser konnten von dem geschäftlichen Außenseiter Zola viel lernen und haben auch von ihm gelernt. Durch dies« dichterische Gestaltung einer neuen Art von Massen- .Psychose auf dem Gebiet« des geschäftlichen Lebens hat Zola die Warenhäuser in Paris erst richtig volkstümlich gemacht. Das Warenhaus„Louvre" blühte in ungeahnter Weife auf und wurde bald in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die über mehr als 20 Millionen Franken Kapital verfügt« und in den ersten Jahren des Jahrhunderts schon über 3000 Angestellte zählte. Noch bedeutender als �Louvre" wurde bllrnählich das große Warenhaus »Bon marche", das das Vorbild für Zolas„Au bonheur des dames* gewesen sein soll. Nach den großen Erfolgen, die die ersten Unter- nehmungen auszuwessen hatten, schössen in Paris bald zahlreiche Warenhäuser wie Pilz« aus der Erde hervor. Unter chnen waren große Geschäfte, wie„Belle jardiniere" und„Printemps", aber auch viel kleinere, die nicht eine lange Lebensdauer hatten. Im Gegensatz zu den deutschen Warenhäusern, die ganz nüchterne Namen nach den Besitzern führen, hohen die meisten französischen„Grand magostns" poetische Bezeichnungen, wie„Frühling",„Zum guten Einkauf", da»fienbar die Französin durch derartig« Aeußerlich- leiten beinslußt wird. Es sst darum kein Zufall, daß auch da» Warenhaus in dem Roman von Zola den werbenden Namen„Zum Glück der Damen" führt. Der Unterschied zwischen deutschem und französischem Wesen kommt auch in dieser Belänglosigkett zum Ausdruck, denn es ist ganz sicher kein Zufall, daß die Namen der Warenhäuser in Frank- reich und Deutschland sich so eigenartig unterscheiden. Der Deussihe liebt Werbung durch Leistung, während schön« und verlockende Namen, die in Frankreich ihre Zugkraft ausüben, bei uns eher miß- traussch belächelt werden. Heute verfügt Frankreich nicht mehr über die größten Warenhäuser, denn mit ähnlichen Unternehmungen in New Dort, Chikago, Philadelphia und anderen amerikanischen Städten kann Paris nicht wetteifern. Auch Deutschland und England haben heute, insbesondere durch die weitgrcifende Konzern- bildung, die Größe der sranzössschen Unternehnrungen überflügelt. Sin wohlriechendes SEuknnflsbild Em indisches Paradies, das nur von den zartesten und süßesten Düften durchwogt wird, ist das Zukunftsbild, das der Proscssor der Psychologie an der Colgate-Universität im Staat New Port, Dr. Donald A. Laird, zeichnet. Er kündigt eine neue Entdeckung an, durch die alle schlechten Gerüche verbannt werden, die setzt noch unsere Nasen belästigen. Di« moderne Chemie hat es so weit gebracht, aus der Verbindung zweier schlechter Gerüihe einen angenehmen Dust herstellen zu können. Man nimmt eine stinkend« Flüssigkeit, wie z. B. Kareson. und läßt sie gleichsam„gegen sich selbst arbeiten". indem man ihr kleine Mengen einer starken Chcmikalie als Hilfe beigibt. Dieser chemische Stoff kann an stckz ebenfalls unangenehm riechen, aber durch die Verbindung beider Stoffe entsteht«in herrlicher Geruch. Einige der stärksten Gerüche, wie z. B. der von Gas, sind nun überhaupt dieser neuen Behandlung noch nicht ausgesetzt worden, aber nach Dr. Laird ist es nur eine Frage der Zeit, daß man alle üblen Düfte auf diese Weise behandeln und bekämpfen wird. Eines Tages ist man so weit, daß sämtliche Attentate aus unsere Nasen beseitigt und alle Stoffe mir noch süße Düfte ausatmen. Unsere Wohnungen werden dann von Wohlgerüchen durchweht werden, und in den Theatern, Konzertsälen und Kinos werden die sonstigen Genüsse, die uns dargeboten werden, durch unerhörte Sensationen für die Nase gesteigert sein. Aller und Tennehrung der Italfifche Seitdem die Gefahr besteht, daß die Walfische durch allzu eifrig« Jagd ausgerottet werden, sucht man ihre Lebensweise genauer zu erforschen, namentlich festzustellen, wie alt sie werden und in welchem Maße sie sich vermehren. Wenn man die Größe«Ines Walfisches mit der Größe eines Menschen oergleicht, so nimmt man unwillkürlich an, daß die Wale ein ungleich höheres Alter erreickzen müßten, um so niehr staunt man, wenn man erfährt, daß die Wale selten älter als sechs Jahre werden. Erst durch läugere Forschung?- fahrten des englischen Dampfers„Discovery" im südlichen Atlantischen Ozean zwischen dem Kap der guten Hofsnung und dem Kap Horn ist es durch die Untersuchung von 1683 Watfischen, die innerhalb drei Jahren gesangen wurden, gelungen, dies sestzustellen. Ebenfalls zum ersten Male hat man durch diese Untersuchungen eine richtig« und klare Auffasimig von der Bermehning der Walfische bekommen. Ein Wolfijchweibihen bringt durchschnittlich alle zwei Jahre«in Junges von 6.3 bis 7 Meter Länge im April bis Juli zur Welt. Das Jung« wird mit fettreicher Milch bis zum Dezember gesäugt und ist dann schon IL bis 16 Meter lang. Im Winter der südlichen Halbkugel wandert es mit den Alken nach Norden und kehrt im Sommer noch Süden zurück. Nach zwei Iahren ist es ausgewachsen und beginnt sich fortzupflanzen. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Gnter. reicht unt(ic5eni> die älufiafttwdfltflmir.« für uns«„Jugend wvwn" cht. rechnet,'ouKit noch nicht geschehen, sofort die Raiten vom„Rast" und von der Sonnenwende ab. Streichorchester Sroß-Berlin. Mvrgen. Ist Uchr. PMchtftroti, im Rinder. bei« Stihrener Str.! i'Ziähe Bozirkoamt Prenzlauer BergV heule. Dienstag. 15. ZnN. 19� Uhr. RZIlni Icher Park: Helm Waiftnstr. IS.„Gandhis Bewegung und die cmgiische Regierung."— Rofeathaler Lorstadt: Schule Elisadetlst rchstr. 19. Bericht nom Iugendtag in Rogenhagen.— Brunn-nolah! Heim Wiesen. Eck» Panrstrahe. Polttisch-satirischer glbend.— Gesundbrunnen I: Schule Goten» kiurger Str. 2. Berich: vom Zugendtag in Kopenhagen.— Humdoldthaia: Heim Puthuffer Str. Z...'Zlriieiterkthrer", II. Teil.— LeopoldplaN: Schule ll'rechter Ecke Turiner Strohe. IN-Minuten-Referate.— S�histerpaö: Schule Schiiningstr. 17.„Bik faschistische Gefahr."-»eddir.g sR.-Is.): Hei« LIHticher Straße 4. Heimadend.— Weddiog. Sold: Hei« Turiner Ecke Seestraße.„Aevo. lution oder Evolution?"— Arniinplaß: Schule Sonnenhurger Str. so. �.fsaschismuo."— Keltnholßvlot,: Heim Danziaer Str. LZ. s. 2.„Ein?ahr nach Wien."— Rordosto» I: Heim Danziger Str. tiQ. 0. 8...SAI. und Ret?." — Worth« Plaß: Seim Rastanienastee SO.„Burschen und Mädel in Gemein. schaft."— Hasenheide: Heim Wasscrwrstr. 0. Tagespolitik.— Süden: Seim Borckstr. 11. Bericht vom Zugendtag in Ropenhagen.— Schönebelg I: Heim Hauptstr. lä.„a/weck und Ziel« des Nationalsozialismus."— Schöneberg ll: Heim Hauptstr. lä.„Berufsausbildungsgefeß."— GchöneSerg IN: Heim Haupt- straße lö.„Schußbund und Reichsbanner."— Schonebrra n/: Heim Hanpt» straße lö.„Der Friedensvertrag."— Schönrderg V: Tagespolitik.— Ehar- lottendnrg: Keim Noiwenstr. 4. Lied und Arbeit."— Stfarlsttenteeg-SSd iAelt?«!: Heim Walls! r. 7S...Sozialversicherung."— Westend sAalterel: Heim auf dem Sport plan Westend.„Pädagogik." Wismeredori: Heim Wilhelm». au» IN. Trauerseier rstr die Opfer de» 12. Fuli in Wen.— Steglitz: K«. such der Gruppe Lichterselde. Treffpunkt Isl� llhr im Keim Albrechtstraße.— Mamendorf H: Siedlung Daheim 128/120.„Psvchoanalgse."— Reuföll» U Heim Sander- Ecke Hobrechtstraße.„Seruelle Tragen."— Reuköll» VI: Seim Trevwmer Str. 22— 96.„Warum bin ich in der SAZ.?"— Neukölln VIII: Heim Bergstr. 29, Raum L Tagespolitik.— Röpenick, Gruppe I: Heim Grünauer Str. 2.„Barum sind wir in der SAZ.?"— Reinickcndorf Ost: Vortrage, Vereine undVersammlungen. #R«ichsbonacr„Schwarz-Rot-Gold". Geschöktsstelle: Berlin S. 14. Sebastian str S7-3S, H»k 2. Tr Mittmoch, 1«. Juli. Friedrichshai» sR-merodschaft Warschau). 18)h Uhr bei Hahn. Simon-Dach-Straß«. Erscheinen Pflicht. Zier- ! garte» sOrtsoerein). Um 1« Uhr zur Demonstration der SPD. in: Kleinen Tiergarten. Zivil mit Bundcsnadel. Prrnzlaver Berg tZungbauner). Die Znngkameraden treffen sich um 20 Uhr in der Turnhalle Sreifenhagener Straß«. Alles Naher« dort. Zivil. Turnkleidung nicht vergessen. Wintersport- abteilung. Ad IT'i Uhr gemeinsame RundMige. Um 19'e Uhr Zlughasen- bestchtigung. Um 21 Uhr Monatsversavlmlung im Zentradflughafenrestauront. . Donnerst-g, 17. Juli. Preazlaitrr Berg. Ramcradschaft Robert Blum. 20 Uhr Beriammlung bei Ring, Danzig«: Str. 71. Kameradschaft Wiirther Platz. 20 Uhr Versammlung bei Radtte. Edcrswolder Srr. 22. Achtung, Lokal» änderung! Mlmrrsdoefast). 20 Uhr Bcrsammlung bei Rulka. Lauenburger Str. 21. Spart. Renne» an Mariendorf am Alonkag. dem 14. 2vL, 1. Ist» tt n e n.}. Diarnnnl(Jauß it.),?. Lid-Lo. 8. Dnrothen To»»" 12:10. Platz: 13. 16. 15:10. Ferner liefen: Morgan. Blaustruinp'. Poesie, Oiterprinz. Baron Dnsfh. Jristol, Nordeck. Fahrenheit, Heureka. 2. Rennen. 1. Huniorist(Janß ir.). 2. Serenade. 3. Ko»°Ila. Toto: 14:10. Platz- II. 11. 16:10. Ferner Hefen: Traute, Sich die, Kafseite, Berolina, Hubert-, Billi Bell. D!ikosch. 3. Rennen. 1. Enzian stv. Neuenfeld), 2.«marhlliS. 3. Ouebeck. Toto: 18:10. Platz: 11. 13. 20:10. Ferner liefen: Hallore. Perlen. kette. Hella Tunoko._._„ «-.Rennen. 1. Panell• k a.{ In den Hanptralleti; Ditter«, Heter,K»nt»n». Pyrmont. SOIIIch, Kanlsch. Muth. Hant| Reia and Rlcktar-Wauer. Sl'.Iettkaaw: Alex. 3422«.3494.| G*. Freakfonor Str. 183 Rose-Theater I AUW Achtung, Funktiondrei Durch den Vorstand kommt«in Flugblatt zur Verbreitung, da, an alle Metallarbeiter durch die Funktionäre verteilt werden muh Die Beztrksleiter haben die Funktionäre zu Dienstag. � . 5 ufi oder Mittwoch, dem 17. Juli 1930, nach einem Lokal dem �_________________ � inner» halb des Bezirks geladen, wo die Ausgabe der Flugblätter erfolgt Wir ersuchen, dieser Einladung unbedingt Folge zu leisten. Die Ausgabe findet statt: l. Bezirk: Lokal von Gallas. Weißensse. Lehderstraße 12?. 2...............' g'' 3.. 4.. 5.. 6.. I Theater I. d. Beörenstr. 53-54 Z'/z U. A4 Zentrum 926-927 ,'b U. Dlrcktloe Ralph Arthur Robert» Mein Vstter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Robs Reichshallen-Theator ITI Uhr Stettiner Sänger ja II1I6.J11H: OastspfelilBr PrssanarmctBrla-Mngor \'Ä DSnhoff.BretH: (Saäl ssd dilllilt kühisf Garten) Variett- Konzert- Tan« Gewimmuszug 4. Klaff« 35. Preichisch-Süddeotsche Klasse»»Lotterst. Ohne Gewähr Nachdruck verboten iv Komödie II Bismck. 2414/751» »>1- Uhr Vis werde idiieidi find glDcklidi? in Kam in II Ukilnim» tot Feli: Jnahimser ätnsik m Mi-jtn Hestint, Fazit: knt Enqai BShnenbilder. Maiz Kaimi Aus jede gezogene Nummer find gefallen, und zwar je einer aus '' teib »wer ra den feiten Abteilungen i gleich hohe Lose gleicher I und II Gewinne Ruunner l. Ziehungstog 14. Juli ISA) Schmidts Geselljchastshaus. Fruchtstratze Z6a. . S e i p k e, Lichtenberg. Kronprmzenstraße 47. . L o j a k, Veymestratze«. ,>stedentopf, Muskauer Straße 35. , Rudolph, Neukölln, Hermann- Ecke Anesebeckftr. Marienselde, K n a u e r. Großbeerenstraße. Lokal Richter. Maybachufer 5. Prasser, Michaeltirchstraße 29z. . R o e n j p i e ß. Nchslg., Wassertorstrahe 71. ,, L o h a n n, Brüderstraße 16— 18. ,. Topp, Alst Iakobftraße 1. ,. Dornbach, Bülowstraße KS. . Borchinonn, Rheinstraß« 40. , Dörre, Donkelmannstraße 18. ,. Oe l s ch l ä g e r, Berlichingenstroße 5. Verbandshaus, Linienstraße 83/85, Zimmer 3. Lokal Senkel, Utrechter Straße 10. Regen Kerg, Garienstraße 75. Verbands Haus, Linienstraße 83/85. Lokal Betulich, Weitzenburger Straße 1. . Wende, Koloniestrahe 147. Verbandsbüro, Laufener Straße 5 und„Auf- wärts'-D« rteilungs stellen. Lokal Schulz, Köpenick, Bahnhofstraße 34. Verbandsbüro, Lindenufer 25/26. Lokal K a r u s, Voltastraße 19 und M a ch a l e ck, Drontheimer Straße 4. Lokal»Zur Wartburg", Siemensstadt, Neißftr. 20. Achtuns, Funktionäre! Für folgende Branchen fallen im Bio not Juli die vertraoeusmänuerkonferenzen aus: Bis«»» efreher, OQrtlsr, Nobler, Bohrer, Mechanlkor, Uhrmacher. Optiker, Schnlttarbeitor, Schrauben« drehar und Schwarzbiachschlosser. 7. 8. 8a. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. Älittwoch, den 16. Juli. l9 llhr: Blranchenvernammiung der Verkceugmacher, WerkxauQhärter und Scharf« Schleifer Im GewerkschaslsHtius, Engelnfer 24-25. Großer SooL Tagesordnung: 1. Verbands- und Branchenangelegenheiten! 2. Dtskujjian. Mit- gliedsbuch legitimiert. Sie VerlrauensmSnnerkonferenz am 17. Juli I8IH aus. Achtung, Betriehsräfel £ie NettiebSräte.Zeitschrift Nr. 14 ist erschienen und kann gegen Der- eigung der L-gttimattonSkarle deS Betrieb? rast-Obmanne» in nnserem lurv, Zimmer 5, täglich bis 4 llhr, Frettag« bis 7 Uhr, enlgegenzeiwmmrn Die Orlsverwaltung. Hobel «„Primisfimn", We. Patent meteaaen„Prim tnllbetten, Ällflegemntratzen. Ehäiselon. gues. Walter, Smraarderstrotze acht- »ebn. Rein Laden. «eti-opyl-Iti. TLglich»lt, Uhr «ledsel Ssdneo M W lZIfi«... In der Heutigen BormtttagszstHung wmden Gewurn« über 150 M. gezogen 2•«»tun,|B 100000 TU B5768 a©«rinne ,u 2000 M. 349020 4©Haina« m 1000 M. 107138 334249 8©BPhm.|» 800«t. 12415 146763 189113 19182» 24©etohmo tu 500 RR. 12165 58312 69405 64941 91181 187689 228014 231068 231504 266033 870405 330685 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurde» Gewinne über 150 M. gezogen 2©«wian« m 6000 SR, 130288 4©«toinn« ju 3000 M. 1 49696 31 2479 2»cßian« ju 2000 M. 397831 4©fitafnn, in 1 000 SR. 129071 374191 12©«totnna an 800 SR, 26673 33219 149171 178272 188162 331301 "7 500 M. 8399 1181 1 88120 142916 167996 221022 237965 244869 282482 294898 307291 334934 336542 346593 353263 382217 Renaissance- Theater 9 Uhr Steinplatz 4780 Hwh und altebendliä Dlo Vunder-Bür RevuestOck Lessing-Tlieatfir tiUmtäu 2757 a.DMß Täglich S'fs Ubr Der Faun «an fttw. XlUllMl. Paul Hfcdcai!. Hahn. flamme Sani. Giadtcziiukr. faota. brstaa. Lira Zahlen beweisen! Die Versicherungsgesellschaft der werktätigen Bevölkeiung, die IToifissfiarsor�� Gewerkschaftlich-Genossenschaftliche Verslchcrunas- Aktiengesellschaft, gewährt ihren Versicherten auf die gewinnberechtigte Jahresprämie für 1929 30% Qewinnantsiia in der Volkubtailung, 35 V" Gewinnabteile in der Lebensabteilung. Bei der VolksfOrsorge sind 2 Millionen Versicherungen in Kraft: sie hat ein Varmtigan von rund 100 Mülionsn Reichsmark. Nähere Auskunft erteilen die Bechnungsstellen: Sikl-Ä 11-___ J__ C A2»V. f-|.... � n._.'--— Mariendorf, RathaustraSe'S 16.- Mark. •2�a Ai.- Mark. StixgVi 31,- Mark. .1».- Mark. 5X4 48.- Mark. 8X4 33.— Mbrk. 8X4 85.— Mark. riusuahntipreis c« ivIusnQhutrprris es. Busiiahmeprei» ca. Äusttahmepreis ca. 4usttahmeprei» cot, Ausnahmepreis ca. RSrner, Berlin. Potsdamerftraße 26». Hausnmmilrr beachten. MSbeltänier merk« lleedit na» bar Miibelbazar große Anstvadl. Neine Preis«! 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