Morgenausgabe 7Ir. 327 A 165 47. Jahrgang Wöchevtlich 85 Pf, monatlich 3,60 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pfg.Postzeitungs- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslandsabonnement 6.— M. pro Monat. * Der„Vorwärts- erscheint wochentäg« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausoaben für Berlin vnd im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilogen„Volk und Zeit" und„Kindersreund". Ferner »Frauenstimme", Technik",„Blick in die Bücherwelt".„Jugend-Dorwärts" und»Stadtbeilage". Nerliner vottsvtatt Mittwoch 16. Juli 1930 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Retlame�eile 5,— Reichs- mark.„Kleine Anzeigen� das.ettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. 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Ich empfinde dies um so schmerzlicher, als dadurch ein Wißklang in die Be- freiungsseiern hineinkommen muß. den ich, soweit es an mir liegt, gern vermieden sehen würde. Am Ihrem Wunsche, Herr Reichspräsident, aus Wicderznlassung des Stahlhelms in den Provinzen Rheinland und Westfalen ent- gegenzukommen, hat der Herr preußische Minister des Innern mik meinem Einverständnis dem Bundesami des Stahlhelms gegenüber mit Schreiben vom 14. Iuli l9Z0 die Wiederzulastung der in diesen Provinzen ausgelösten Gruppen dieser Bereinigung in Aussicht gestellt. In diesem Schreiben, aus da» auch Sie, Herr Reichspräsident, Bezug nehmen, hat der Herr preußische Minister des Innern zum Ausdruck gebracht, daß er gegen eine Reubil- d u o g der ausgelösten Gruppen des Stahlhelms in den Provinzen Rheinland und Westfalen keine Bedenken geltend machen würde, wenn ihm von der Vnndesleitung des Stahlhelms bindende Zusicherungen für eine künftige, den bestehenden Gesehen nicht zuwiderlaufende Betätigung gegeben würden. Zu einer solchen Forderung bestand Veranlassung, da an der Ernsthaftigkeit der Versicherungen des Stahl- Helms auf Grund feiner bisherigen Haltung berechtigte Zweifel gehegt werden mußten, die nur mit besonderen Zusagen der verantwortlichen Bundesführer beseitigt werden können. Eine Antwort des Stahlhelms auf da» Schreiben des Herrn preußischen Ministers des Innern ist jedoch bisher nicht eingegangen. Ihre Auffassung, Herr Reichspräsident, daß die Auflösung des Stahlhelms in Rheinland und Westfalen dem Sinne des Gesetzes vom 22. März lS21(Reichsgesehblatt Seite 235) zuwiderlanfe, vermag ich mir nicht zu eigen zu machen. Ich stelle vielmehr fest, daß die gesetzmäßig zuständigen Stellen Preußens und de» Reiches übereinstimmend das verbot aus Grund einwandfreien und reichhaltigen Tatsachenmaterials erlassen haben. Es ist mir nicht bekannt, inwieweit Ihnen, Herr Reichspräsident, Material vorgelegen hat, das zu dem in Ihrem Schreiben vom 15. Iuli zum Ausdruck gebrachten Urteil führen konnte. Ich wäre nach wie vor bereit, die Reubildung des Stahl- Helms für die in Rede stehenden Gebiete zuzulassen, falls ich die Ernsthaftigkeit der vom Stahlhelm gegebenen Zusicherungen anzu- nehmen in der Lage wäre und infolgedessen die Gesetzmäßigkeit seines künftigen Verhaltens als gewährleistet betrachten könnte. Dies wäre möglich, wenn der Stahlhelm die von ihm geforderte Erklärung, die lediglich der geltenden Gesetzeslage entspricht, abgäbe und damit von sich aus das Hindernis, dos Ihrer Meinung nach Ihrer Teilnahme an den Befreiungsfelern entgegensteht, aus dem Wege räumte. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen wird, die Bedenken, die sich Ihrer Reise in das Rheinland entgegengestellt haben, noch zu beheben und daß es der Bevölkerung des preußischen Gebietes vergönnt sein wird, doch noch Sie, sehr geehrter Herr Reichspräsident, bei den vesreiungsseiern begrüßen zu können. Mit dem Ausdruck meiner besonderen Verehrung Ihr sehr ergebener Braun. Der Reichskanzler Brüning hat gestern im Reichstag angekündigt, daß er das abenteuerliche Spiel mit dem Artikel 48 wagen will. Zur selben Zeit hat der Reichs- Präsident die Autorität, auf die das Spiel mit dem Artikel 48 aufgebaut werden soll, selb st ins Wanken gebracht. Seine Absage an den preußischen Minister- Präsidenten, seine rechtlich wie staatsrechtlich völlig unbe- gründete Forderung, das Stahlhelmoerbot im Rheinland auszuheben, wird nun dazu führen, daß die preußische Re- gierung am Recht seschält und daß der Reichspräsident sich auf der ganzen Linie ins Unrecht versetzt sieht. Die unverantwortlichen Ratgeber des Reichspräsi- denten werden das Gegenteil von dem erreichen, was sie wünschten. Das Spiel dieser Ratgeber war auf eine Sprengung der Preußenkoalition angelegt. Am Montag, dem 14. Juli, hat der preußische Innenminister vom Stahlhelm als Vorbedingung für seine Neubildung im Rheinland eine Erklärung verlangt, daß er sich an die Ge- setze halten werde. Am gleichen Tage abends erklärten die Deutschnationalen, sie seien sofort zu einer Unter- stützung der Regierung Brüning bereit, wenn die Preußen- koalition gesprengt würde. Am folgendenTage— noch ehe eine Antwort des Stahlhelm vorliegen konnte— hat der Reichspräsident sein Schreiben an Otto Braun gesandt. Roch ehe Otto Braun sich mit dem Reichspräsidenten in Verbin- dung setzen konnte, ist das Schreiben veröffentlicht worden. Es ist zur Veröffentlichung gegeben worden, noch ehe es in den Händen von Otto Braun war. Ton und Inhalt des Briefes wie die Art seiner Ver- öffentlichung zeigen die Absicht, jede Verständigung unmög- lich zu machen. Welcher Intrigant hat dem Reichspräsidenten diesen Brief aufgesetzt, welche unverantwortlichen Ratgeber haben den Gang dieser Intrigue gegen das Preußenkabinett bestimmt? Der Gang der Dinge zeigt: der Reichspräsident ist als Werkzeug deutschnationaler Bestrebungen mißbraucht worden. Die unverantwortlichen Ratgeber wollten eine R e- gierungskrise in Preußen herbeiführen. Was sie tatsächlich erreicht haben, sieht einer Reichs- Präsidentenkrise verzweifelt ähnlich. Die Vorgänge werden voraussichtlich den Reichstag beschäftigen. Die demo- kratische Reichstagsfraktion bereitet eine Interpellation vor. Der Vergleich mit dem persönlichen Regiment der Vorkriegszeit drängt sich auf, die Erinnerung an das Daily- Telegraph-Jnterview ebenfalls. Die Antwort der Preußenregierung wie die Darlegun- gen, die Otto Braun vor der Presse über die Vorgeschichte des Briefes gab, setzen den Reichspräsidenten auf das schwerste ins Unrecht. Seine Ratgeber haben sich nicht einmal die Mühe genommen, das Schreiben mit vorausgegangenen un- bestreitbaren Tatsachen in Einklang zu bringen! Diese souveräne Verachtung der Tatsachen ist auch nötig für jene, die den Reichspräsidenten in diese unmögliche Lage hineinmanövriert haben. Denn die Tatsachen sind peinlich. Der Reichspräsident ist immer noch Ehrenmitglied d e s S t a h l h e l m. Er ist es geblieben, nachdem verant- wortliche Stahlhelmführer die berüchtigte Haßbotschaft gegen die Verfassung aussprachen und billigten. Die Ehre, die er davon hatte, bestand darin, daß er während des Hugenbergschen Volksbegehrens auf das schwerste angegriffen und in seiner nationalen Ehre beschimpft wurde. Herr S e l d t e, der sich jetzt wieder des vollsten Ver- trauens des Reichspräsidenten erfreut, war Mitglied des Reichsausschusses für das Volksbegehren, er hat den berüch- tigten Zuchthausparagraphen gebilligt, der den Reichspräsi- denten und seine Minister des Landesverrats bezichtigte. Herr Seldte und Herr Düsterberg haben mit dem Stahlhelm gegen die Befreiung des Rheinlands gekämpft — und der Reichspräsident belohnt sie dafür, indem er um ihretwillen der befreiten Rheinprovinz seine Anwesenheit versagt. Der Stahlhelm hat den Satz: das Vaterland über die Partei agitatorisch ausgenutzt— aber der Reichspräsident stellt jetzt ausgerechnet den Stahlhelm über das befreite Ge- biet! Das Schreiben des Reichspräsidenten nimmt Bezug auf die Pflicht zur Ueberparteilichkeit— aber es nimmt in Ltnd doch Verhandlungen! Fühlungnahme zwischen Zentrum und Sozialdemokratie im Reichstag. Am Dienstag vormittag wurde dem Vorstand der sozial- ! demokratischen Reichstagsfraktion von berufener Seite die Mitteilung gemacht, daß die Absicht bestände, mit ihm am Abend in verbindliche Verhandlungen einzu- treten, falls bis dahin der erste Artikel des Steuergesetzes an- genommen sein sollte. Es wurde keineswegs von der Sozial- demokratie verlangt, daß sie selber diesem Artikel zustimmen solle, sondern nur darauf hingewiesen, daß ja schon im Aus- schuß ihre Enthaltung genügt habe, um die Annahme des Artikels herbeizuführen. Nach diesem Gespräch vom Vormittag wirkte die Rede des Reichskanzlers Brüning einigermaßen überraschend. Denn aus ihr klang deutlich die Abneigung gegen alles Ver- handeln heraus und der Wunsch nach einer raschen Ent- scheidung auf Biegen oder Brechen. Auch diese Kanzlerrede schloß mit der unoerhüllten Drohung, wenn sich der Reichstag der Regierung versage, werde diese mit anderen Mitteln ihren Willen durchsetzen. Herr Brüning sprach allerdings von„verfassungsmäßigen" Mitteln, aber jeder verstand, daß damit verfassungswidrige gemeint waren. Nach der Rede des Reichskanzlers beschloß das Haus auf Vorschlag des Gen. D i t t m a n n, seine Beratungen für eine Stvnde zu unterbrechen. Die sozialdemokratische Fraktion versammelte sich und beschloß, sich bei Artikel I, wie sie das auch schon im Ausschuß getan, der Stimme zu enthalten. Die Gründe dafür hat nach Wiedereröffnung der Reichs- tagssitzung Gen. Keil in einer kraftvollen Rede, die die Fraktion wiederholt zu stürmischem Beifall hinriß, dargelegt. Die Sozialdemokratie läßt nicht den geringsten Zweifel daran, daß das Gesamtprogramm der Regierung in seiner gegenwärtigen Gestalt für sie unannehmbar ist. Sie will ober kein Mittel unversucht lassen, um die Regierung und die hinter ihr stehenden Parteien von dem Verhängnis- vollen Weg, den sie beschritten haben, abzubringen. Nach einer wenig belangreichen Debatte kam es Plötz- lich zur Abstimmung über den Artikel I, der ohne Forma- litäten bei halbgefülltem Hause von den Regierungsparteien angenommen wurde. Die Sozialdemokraten enthielten sich. Damit schienen die Voraussetzungen zu verbindlichen Verhandlungen geschaffen. Es kam jedoch zunächst nur zu einer mehr formalen Besprechung zwischen Brüning und Esser auf der einen, und Müller und V r e i t s ch e i d auf der anderen Seite.(Nach einem Bericht von TU. handelte es sich um eine Besprechung zwischen Esser, Müller und Breit- scheid, der„der Reichskanzler Brüning als Gast bei» wohnte"!) Danach traten die Führer der Regierungs- Parteien zusammen, um zu überlegen, ob sie der Sozial« demokratie Zugeständnisse, besonders auf sozialpolitischem Gebiet, machen könnten. Ein Ergebnis scheint dabei nicht er- zielt worden zu sein, denn die Besprechung endete mit der Aeußerung des Wunsches, die sozialdemokratische Reichstags- fraktion möge bis heute 12 Uhr mittags mitteilen, unter welchen Voraussetzungen sie zur positiven Mitarbeit bereit sein würde. Wie man sieht, ist man gestern über Vorbesprechungen nicht hinausgekommen, die Verhandlungen kommen nur schwer in Gang. Dennoch begrüßen wir es, wenn die Regierung oder einzelne ihrer Parteien Anstalten treffen, von ihrem sturen Nichtverhandlungsstandpunkt abzu- kommen. Gelänge es der Sozialdemokratie, den zur Be- ratung stehenden Vorlagen die Giftzähne auszubrechen und den Abrutsch zum Verfassungsbruch zu verhindern, so würde sie sich damit um die Arbeiterklasse und um das ganze Volk ein großes Verdienst erwerben. Sie wird darum ihre Be- mühunaen zu diesem Ziel nicht aufgeben, solange noch eine letzte Aussicht auf Erfolg besteht. Wollen aber die bürger- lichen Parteien die Verständigung nicht, so wird die Stellung der Sozialdemokratie in den kommenden Kämpfen n»' noch si arter fein! Die Vorgeschichte des Konflikts. Eine Darlegung des preußischen Muisterpräsidenten. schroffster Form Partei für sene Organ kfation, die gegen die Befreiung des Rheinlands angekämpft hat! Jene unverantwortlichen Ratgeber, auf deren Einflüste- rungen der Reichspräsident gehört hat, haben schon damgls einen schroffen Mißklang in die Freude über die Befreiung des Rheinlands gebracht,' als sie die Nennung des Namens Stresemann in dem offiziellen Aufruf von Reichsregie- rung und Reichspräsident sabotierten. Sie haben schon da- Urals den Reichspräsidenten in eine unmögliche Situation gebracht, sie haben jetzt durch die Entfesselung der Intrigue zugunsten des Stahlhelm dem Ansehen und der Autorität des Reichspräsidenten nach innen und außen eine beträchtliche Schlappe beigebracht, indem sie ihn als S a ch w a l t e r d e r Interesse w des Stahlhelm erscheinen lassen, seine Absage an Preußen noch vor der Antwort des Stahlhelm al? ein« Geschäftsführung ohne Auftrag. Die Reichsregierung läßt erklären, daß sie von diesem 'Schreiben des Reichspräsidenten überrascht worden sei, der Reichskanzler soll das Schreiben erst aus dem Wölffschen Bericht erfahren haben. Auch er ist in eine schwierige Lage manövriert worden. Kann man wirklich gegen den Willen des Parlaments Steuergesetze verordnen, gestützt auf eine Autorität, die soeben für die Zwecke des Stahlhelm diskredi- tiert worden ist? Die Iorderungeu des Innenministers. Der preußische Innenminister Dr. Wa entig hat unter dem 14. Juti tS30 an das Bundesamt des Stahlhelm— Bund der Frontsoldaten— in Berlin folgendes Schreiben gerichtet: „Der Herr preußisch« Ministerpräsident hat mir die an ihn ge- richtete Eingabe Ihres Herrn 1. Bundesführers Seldte vom 4. Juli l9W, in der die Bitte um Wiederzulassung des Stahlhelm in der Rheinprovinz und in der Provinz Westfalen ausgesprochen wird, zustöndigkeitshalber übersandt. In der dieser Eingabe beigefügten Luschrist an den Herrn Reichskanzler vom 23. Juni 1S3l) oersichert der Herr 1. Bundesführer, daß der Stahlhelm sich nicht militärisch betätige, und daß bereits feit Iahren eine Bundesanordnung be- treffend Verbot mititärischer Uebungen bestehe. Dabei oertritt die Bundesführung aber nach wie vor die Auffasiung, daß di« Betäti- gung des Stahlhelm in den beiden westlichen Provinzen, und zwar jcwohl die urkundlich festgestellten Vorbereitungen als mich die liebung am 21. und 22. September 1929 im Raum von Werden— Kupferdreh— Langenberg— und Kettwig— Velbert— Neviges keine nach dem Gesetz vom 22. März 1921(RGBl. S. 235) und seinen Ausführungsbestimmungen verbotene militärische Beschäfti- gung dargestellt habe. Diese Anffafsung nimmt Ihren Erklärungen jedes Gewicht. Der Wert Ihrer Versicherung über die künftige Beachtung der bestehenden Bestimmungen durch den Stahlhelm hängt vielmehr davon ob, daß die vom preu- hischen Staatsministerium vertreten« Auffassung der Bersicherung zugrunde gelegt wird. Ich könnte mich deshalb nur dann entschließen, die Versicherung als geeignete Grundlage für eine Wiederzulassung des Stahlhelm in Rheinland und Westfalen anzusehen, wenn sie diesem Gesichts- punkt Rechnung trägt und mir gegenüber in einer Form erfolgt, die eins stärker« Bindung des Bundes an die Zusage erkennen laßt. In der Anlage lasse ich Ihnen ein« solche Erklärung zu- gehen mit dem Anheimstellen, sie durch die Herren Bundesführer Seldte und Düsterberg eigenhändig vollziehen zu. lassen und �m,r einzureichen. Im Fay« der. Abgabe her Erklärung bin ich bereit, die Neubildung des Stahlhelm in Rheinland und Westfalen nicht zu beanstanden." *»» Di« dem Schreiben beigelegt« Erklärung hat de» folgenben Wortlaut:„Die unterzeichneten beiden Bundesführer des Stahl- Helm, Bund der Frontsoldaten, geben hiermit namens des von ihnen vertretenen Bundes der preußischen Staatsregierung gegenüber die sclgende Erklärung ob: 1. Die Bundesführer des Stahlhelin, BdF., bestreite« nicht mehr, daß die Vorgänge, die zu der Auflösung des Stahlhelm, BdF., in der Rheinprovinz und in der Provinz Westfalen durch Verfügung des preußischen Ministers des Innern vom 8. Oktober 1929 geführt haben, eine nach dem Gesetz vom 22. März 1921 oer- dotene Befassung mit militärischen Dingen darsteMen. . 2. Die Bundesführer des Stahlhelm, BdF., geben hiermit die nachdrückliche Versicherung ab, daß eine oen Vorschriften des Gc- setzes vom 22. März 1921 zuwiderlaufende Betätigung, namentlich auch die Ausbildung und llebung der Mitglieder im Waffenhand- werk und im Gebrauch von Kriegswaffen sowie die Veranstaltung solcher oder ähnlicher Uebungen, wie sie zu der Auflösung vom 8. Oktober 1929 Anlaß gegeben haben, im Stahlhelm ver- böte n ist. Der Stahlhelm, BdF., wird sich mit allen Mitteln dafür einsetzen, daß dieses Verbot restlos befolgt wird, und daß Mitglieder, die dem Verbot zuwiderhandeln, ohne weiteres aus dem Bunde ausgeschlossen werden. 3. Di« Bundesführer werden dafür Sarge trage«, daß sin Falle der Wiederzulassung des Stahlhelm in der Rheinprovinz und m der Provinz Westfalen an die Spitze neu zu bildender Landes- verbände und Unterorgvnisationen nur Personen gestellt werden, die die Gewähr dafür bieten, daß die Anordnungen und Zu- sicherungen der Bundesführung wirklich befolgt werden." Amtlich wird hierzu mitgeteilt, daß tun Abend des 15. Juli ein Antwortschreiben des Stahlhelm an den preußi- scheu Minister des Innern eingegangen ist. Die konziliante Form dieses Sckireibens biete der preußischen Staatsregierung di« Mög- lichkcit, mit dem Stahlhelm in Verhandlungen 'über die in dem oben wiedcrge geben en Schreiben aufgestellten Bedingungen einzutreten. Das Ltrteil in Frankfurt. Gefängnisstrofen für die Angellagiea. Zrankfurt a. d. Oder. 1!v 3ulL 3m Schwurgsrichtsprozeß gegen die vier Fürsten roolbct Arbeiter, die cm 25. Mai da» Mitglied de» Stahlhelm Ruedig.'r vaa Majsow erstochen haben, wurde folgendes Urteil verküudel: Der Angeklagte B e h« k e erhält wegen Körperverletzung mit Todesersolg fünf 3ahre Gefängnis. S chmaltek anderthalb 3«chre «Sefängnig, 3a eh de ein 3ahr Gesängni» und 3«resch neun Monate Gesängni». Der Haftbefehl wird auftechlerhalte«. sechs Machen der Untersuchungshaft werden für die Strasverbüßung angerechnet. Die Zahl der englischen Arbeilslosen ist in der verMngenen Woche wiederum um 42 925 aus 1933 509 Personen gestiegen. Das sind 789 254 mehr als in der ersten Iuliwache 192», MmffterprSsident Otto Braun gab gestern der Presse Er» tlärungen über die Vorgeschichte des Konfliktes. Aus feinen Aus- Mrungeu ging folgendes hervor: , Die Oberleitung des Stahlholms war mehrfach darauf hinge- wiesen worden, daß sie Uebungen militärischer Art, die zweifelsfrei gegen die Gefetze verstoßen, unterlassen müsse. Sie hat entsprechende Erklärungen abgegeben, aber die Uebungen fortge» setzt. Nach der großen Uebung bei Langenberg erfolgte das B e r- bot. Die tatsächlichen Dorgäng« und ein reiches dokumentarisches Material, das beim Stahlhelm gefunden wurde, haben die schlüssigsten Beweise erbracht, daß der Stahlhelm gegen da» Gesetz vom 22. März 1921 verstoßen hat. Bei einer gelegentlichen Unterredung des preußischen Mnffter- Präsidenten mit dem Reichspräsidenten hat der Reichspräsident er» värt, die Herren Seldte und Düsterberg hätten i h m dargelegt, daß das Verbot auf falschen Voraussetzungen beruh« und hätten ihm befriedigende Erklärungen abgegeben. Der preußisch« MinisterpA fident hat darauf die Sachlage dargelegt, der Reichspräsident bot chn, die beiden Führer selbst zu empfangen. Otto Braun erklärte sich dazu bereit, ober die beiden Stahlhelmführer siichteu nicht um «inen Empfang nach, sie sind auch auf ein Ersuchen des Reichs- Präsidenten nicht von diesem Standpunkt abgewichen. Ms die Rheinlandreise des Reichspräsidenten in Sicht kam, tauchten Gerüchte auf, daß der Reichspräsident seine Reis« von der Aufhebung des Berbotes abhängig machen woSe. Diese Gerüchte sind damals vom Büro de» Reichspröfidenten energisch dementiert worden. Der preußische Ministerpräsident hat weiterhin dem Reichskanzler Müller und dem späteren Jnnewninister W i r t h dargelegt, daß der Stahlhelm keine Erklärung abgegeben habe und daß keiner» lei neue Tatsachen vorliegen. Im weiteren Verlauf der Dinge hat der Reichskanzler Brüning dem preußischen Mtnffterpräsidenten den Wunsch des Reichspräsidenten abermals nahegelegt. Der Stahlhelm hat am 23. Juni an den Reichskanzler«m längeres Schreiben gerichtet, in dem er darauf beharrt, daß der Stahlhelm nicht gegen die Gesetze ver- stoßen habe. Die Abschrift dieses Schreibens hat der Stahlhelm am 4. Juli dem preußischen Ministerpräsidenten übersandt. Das preu- ßische Staatsministerium hat darauf die Sachlage geprüft und sich dahin entschieden,, daß dies Schreiben keine Grundlage biete für ein« Aufhebung des Verbotes. Die preußische Stocitsrejjierung hatte desHast, am 14. Juki an den Stahlhelm ein Schreibe« gerichtet, in dem erklärt wurde, daß das Stahlhelmverbot nur aufgehoben werden könne, wenn der Stahl- Helm folgende drei Punkte anerkenne: 1. Der Stahlhelm erkenne die Grundlag« des Verbots in Rheinland und Westfalen' als gerechtfertigt an; 2. Der Stahlhelm.verpflichte sich, für die Zukunft mMärffch« Nebimgen zu'Äeibleten:.•'/'"_f 3. Der Stahlhelm müsse personelle Garantien dafür über- nehmen, daß Zuwiderhandlungen gegen Punkt 2 in Zukunft nicht erfolgten. Dies Schreiben ist am 14. Juki hinausgegangen. Die Reichs- regiernng Hot ein« Abschrift des Schreibens erhalten. Oeuifchlands Antwort an Briand. Für die Entwicklung Europas. Die gestern in Paris der französischen Regierung über- reichte und dann veröffentlichte Antwort der Reichsregierung auf das französische Memorandum über die.�Organisation einer europäischen Bundesordnung" begrüßt es mit Genug- tuung, daß Frankreich das europäische Problem zur Dis- tussivn gestellt hat, erklärt die Bereitwilligkeit, an seiner Lösung mitzuarbeiten, und sieht das Endziel darin„im Geiste der Verständigung eine mutige Reform der einmal als unhaltbar erkannten Berhältniss« ins Auge zu fassen und so eine wirkliche Befriedung Europas herbeizuführen". Die Notlage Europas hat ihre Ursachen in hohem Maße in seiner gegcnlvärtigen politischen Gestaltung. Die Wirtschaft- liche Verständigung wird wesentlich zur Verstärkung des Bewußtseins der Solidarität und damit des Gefühls der Sicherheit beitragen. Die Enttäuschungen über die Rück- schlüge nach der Weltwirtschaftskonferenz dürfen nicht dazu führen, die Bemühungen um die Erleichterung der«uro- päifchen Wirtschaft aufzugeben. Der Bölkerbund befindet sich mit seinen wichtigsten Aufgaben, die u n i o e r- s a l e n Charakter haben, immer noch im Anfangsstadium— es kommt alles darauf an, ihn in Richtung dieser Aufgaben zu stärken und ihre Lösung vorwärtszutreiben. Aus der grundsätzlichen Uebereinstnnmung in der S o r g e u m d e n Völkerbund, sollte keinesfalls in denjenigen Fragen, die bereits den Gegenstand von Völkerbundsarbeiten gebildet haben, eine Aenderung der organisatorischen Mechode vor- genommen werden. Das auf der Zusammenkunft im vorigen Herbst vorgelegte Material wäre zu sichten und zu einer Verhandlungsgrundlage zu gestalten. Diese, vor ihrer Absenduna im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages besprochene Antwort der Reichsregierung setzt die T r ä.d i t i o n d e r V e r st a irb i g u n g s p o Ii t i k früherer Regierungen fort. Angesichts der Notwendigkeit. Fünf weitere Tote geborgen.* Fortsetzung der Bergungsarbeiten in Hansdorf. Renrode. 15. 3nll. Bis Dienstag 23 Ahr gelang es im Snrkfchacht fünf«eitere Tote zu bergen. Die Kommunisten entfalteten im Laufe de« Tages eine rege Agitation durch Verleitung von hetzerischen Flngblatkern, womit sie jedoch keinen Erfolg hatten. 3hre verschiedenllichen versuche Versammlungen abzuhalten, worden dadurch hinfällig, daß sie keine Säle hierfür erhieflen. Noch bevor aber der Skahlhelm-Vundesvorfiand dazu Stellung genommen hakte, erhielt der preußische Ministerpräsident den Brief de» Reichspräsidenten. Der Brief ist so prononciert unfteundLch abgefaßt, daß er die Absicht erkennen ließ, jede Verständigung unmöglich zu machen. Er betont, daß die Staatsregierung ungesetzlich gehandelt habe. Er sagt, daß die Annahm« der Einladung von der Voraussetzung der Annahm« des Stahlhelmverbots abhängig gemacht worden sei. Davon könne jedoch kein« Rebe sein, vielmehr erging zu jener Zeit das bestimmte Dementi gegen die Behauptung der Rechtspresse, daß die Reise an Voraussetzungen geknüpft sei. Der preußische Winisterprästbent Hot dennoch versucht, die An- gelegenheit in einer Unterredung mit dem Reichspräsidenten zu klären und zu bereinigen, aber diese Unterredung wurde zwecklos, als er erfahren mußt«, daß der Brief veröffentlicht worden war. ehe er noch m feinen Händen war. Die preußische Staatsregierung hat danach in einem Antwort- schreiben ihr Bedauern über diesen Brief zum Ausdruck gebracht. Die preußische Staatsregierung hat im übrigen Beweismateriol in Händen, das beweist, daß der Stahlhelm entgegen seinen Ver- sicherungen im Rheinland illegal an der Aufziehung seiner Orga- nisation gearbeitet hat. Am Menb des 15. Juli traf dann eine Antwort des Stahlhelms auf das Schreiben de» preußischen Staatsministeriums ein, dessen Ton sich beträchtlich von dem des Brieses des Reichspräsidenten imterfchied. Was wird aus den Feiern? Nach der Absage des Reichspräsidenten sind die Feiern� die anläßlich der Reife des Reichspräsidenten geplant waren, gegenstands- los geworden. Die Staatsregierung wird sich wegen dieser Frage mit den örtlichen Behörden in Verbindung setzen. Die Demokraten zum Hindenburg-Vrief. Da- Schreiben des Reichspräsidenten von Hindenburg an de» preußischen Ministerpräsidenten Braun, m dem der Reichspräsident wegen der Aufrechterhalrung des Verbots des„Stahlhelms" in Rheinland und Westfalen seine Zusage zur Teilnahm« an der Be- fremngsseier in Koblenz, die Besuche in Trier, Aachen und Wies» baden absogt, hat in der Fraktionsfitzung der Deutschen Demokra- tischen Partei am Dienstagmittog schweres Befremden hervorgerufen. Reichsminister Dietrich wurde alsbav in die Sitzung benifen und begab sich aus der Atzung unmittelbar zum Reichskanzler, um ihn um Aufktärnng zu ersuchen. Die Fraktion bereitet eine Interpellation vor. Noch wah- rend der Vollsitzung des Reichstages hat der Reichskanzler den demokratischen Partei norsitzenden Abgeordneten Koch. Weser und den Fraktionsvorsitzenden Abgeordneten Oskar Meyer empfange»........ lieber das Ergebnis der Unterhastüng, die die demokratischen Abgeordneten Koch- Weser und Meyer- Berlin mit dem Reichs- kanzle r Brüning über den Hindenburg-Brief gehobt haben, erfährt das LdZ.-Büro. daß der Reichskanzler bemüht fein wird, einen vermittelnden Schritt zu imteraehmen,«u inest Angel sgenhert beizulegen.- mit Frankreich auch in Zukunft zur Lösung gemetnenrapZifcher Probleme zusammenzuarbeiten, gibt sie in vorsichtigen Worten dem Wunsche nach Reform— Gleichberechtigung, aleicher Sicherheit, friedlichem Ausgleich— Ausdruck. Indem sie die von Frankreich aufgeworfene Frage des Vorranges der Politik vor der Wirtschaft auffängt, bleibt sie gleich weit von den Bestrebungen auf'Stabilisierung unerträglicher Ver- hältnisie wie von den Anbiederungsversuchen des nur im eigenen Interesse Revision verlangenden Faschismus ent- fernt. Mit besonderer Sorge achtet die deutsche Antwort darauf, daß der Völkerbund nicht angetastet wird und keine Knuppienmg geschaffen wird, die als Fortsetzung der Bündnispolitik der früheren Zeit wirken könnte. Die Antwortnote der Reichsregierung ist ein Beweis da- für, wie unabänderlich die wahren Interessen des deutschen Volkes die Fortführung der bisherigen Friedens- und Völkerbundspolitik erzwingen. Dazu gehört aber nicht, daß die Regierungen..der Wirtschaft" und dem„freien Spiel der Kräfte" es überlassen sollen, Europa wirtschaftlich in di« Höhe zu bringen. Dieser Ladenhüter aus dem vergangenen Jahr- hundert des Mancheftertums macht sich in der Rote gerade einer Regierung etwas absonderlich, die sich durch Erhöhung der Zollschranken vor dem Ziel der europäischen Wirtschafts- einheit immer weiter entfernt. Mit vollem Recht wird als Folge der wirtschaftlichen Verständigung hervorgehoben, daß durch sie„das Bewußtsein der Solidarität und das Gefühl der Sicherheit" entwickelt wird. Gerade deshalb darf es nicht dem Privatkapitalismus überlassen bleiben, die europäische Wirtschasts- und Marktenheit zu sabotieren. Reichsiagsauflösung— in Finnland. Ausnahmegesetz gefallen.- Neuwahlen im Ottober. Rücktritt ver Regierung. Selsingfors, Juli. Tos Gesetz zum'GrHntze des Staates würbe heute vom finnische» Reichstag in der dritten Lesung abgelehnt. Daraufhin ist der Reichstag aufgelöst wordeu nud die Neuwahlen sind für den Oktober angesetzt. Die Ablehnung des Gesetzes hatte eine Regierungs- krife zur Folge. Die Regierungsbildung ist dem Führer der Sozialifte«. D a«» e r. augeboten worden. der fedoch ablehnte. Bis zu de» Neuwahlen wird ver- muttich die jetzige Regiernng Svinhnfvud die Gc- schäfte führen. Artikel 4« im Rundfunk. Im Programm der akwcllen Ab- teihiug„Vortragsreihe, wovon man spricht," wird am Donners'aa dem 17. Juli, 20 Uhr. Rei chs j u st i z m i st i ft e r Dr. Bredt über den Artikel 48 der Reuheoersakung sprechen. Volksbefragung! Nicht Verfassungsbruch! Die Antwort der Sozialdemokratie auf die Kanzlerrede. Jur gestrigen Reichstagssitzung hatten sich die Mitglieder fast vollzählig eingefunden. Die Tribunen für die Zuhörer und die Arbeitsplätze der Pressevertreter waren voll besetzt. Neugierige und Bewerber um Eintrittskarten standen vor dem Gebäude und eilten, wenn sie ein« Eintrittskarte erlangt hotten, freudiger Miene zum Tribüneneingang. Auflösungsantrag? Bor Eintritt in die Tagesordnung ersuchte Abg. Drewitz(Mrtschp.), den Antrag, die Auflösung de« Reichstags zu beschließen, zusammen mit den Dechungsvorlagen, also noch in der gleichen Sitzung zu beraten. Präsident Cöbc; Hiergegen mird wohl Einspruch nicht erhaben, mir verfahren demgemäß. Es folgt der Ausschußbericht über die Anträge betr. die Hilfs- aktion für die Opfer der Katastrophe von Neurode.— Bericht- erstatter ist Abg. Hirsemann(Saz.). Abg. Zaddasch(Komin.) behauptet, daß auf dem Kurt-Schacht die Sicherheitsvorschristen für Gruben, die von Koblesäureeinbrüchen bedroht sind, auf das schwerste verletzt worden seien. Die Einzel- bellen zur Bekräftigung dieser �Behauptung umkleidet der Redner niit wilden Angrissen aus die Sozialdemokratie. Abg. Limbertz(Soz.): Wenn jemand für die Bergarbeiter und ihre Sicherheit das menschenmögliche getan bat, dann war es meine Partei»nd der Bergarbellerverbaiid. �(Gebrüll der Kommunisten. Beifall der Sozialdemokraten.— Mehrere Kommunisten werden wegen schwerer Beschimpfungen des Redners zur Ordnung gerufen.) Sell vierzig Jahren hat der Berga rbeitcroerband im Kampf gegen die Zechenherren und die Staatsgewalt sich durchgesetzt. Mehr als einmal hat unser unvergeßlicher Otto Hu« von dieser Stell« aus ar. das Gewissen der Oeffentlichkeit appelliert. Was an Schutzbestim- inungen vorhanden ist, danken die Bergarbeiter ihrer Organisation und unserer Partei. Wir lehne» es ab. heute schon ein Urteil über die Schnldsrage zu sollen. Wir lehnen es aber auch ab, uns von solchen Leuten belehren zu lasten, die noch nicht einmal ihre Nase in Sin Bergwerk gesteckt Imben.(Gebrüll der Kommunisten.— Sehr wahr! bei den sozial- Demokraten.) Aus dem umfangreichen Bericht des Ausschusses zur Untersuchung der Kohlensäureausbrüche im schlesischen Bergbau, an dem auch die Arbeitervertreter mitgearbeitet haben, geht hervor, daß gegenüber diesen noch neuartigen Erscheinungen alles geschehen ist, was getan werden konnte. Bon 1901 bis 1910 hatten die Kohlensäursausbrüche in Niederschlesien 8.1 Proz. Unfälle zur Folge, von 1911 bis 1920 nach 4,2 Proz. und von 1921 bis 1929 nur 2.2 Pro, Dos spricht dafür, daß die vorstchismaßnahmen genützt haben. (Ruf von den Aommmnsten: Wo hast Du diese Zahlen her?) Aus dem Bericht, den Sie auch studiere« sollten, wenn Sic mitreden wollen.(Sehr gut! bei den So.zialdemokraten.— Geschrei der Kommunisten.) Wenn trotzdem ein so furchtbares Unglück passiert ist, so kann man nicht vor Abschluß der Untersuchung behaupten, daß jemand daran schuld ist. Die Ein.zelangaben des Borredners tiich auch unrichtig Es- kommen, doch auch.i» Rußland Bergwerks- Unglücks vor. Erst vor kurzem mit 2? Totm, dann wieder ein Eisenbahnunglück mit 39 Toten. Warum schreien Sie nicht darüber? Die allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen im deutschen Bergbau ond die Wikwirkung der Arbeiter daran stehen sedenfall» welk ■ über dem. wa» in.Hutzlaad ans diesem Gebiet vorhanden ist. Wir werden auch weller für die Sicherung der Bergleute arbeiten und uns nicht irre machen losten durch Ihr Theater.(Lobhaiter Beifall der Soziakdemok raten.>— Andauerndes Geschrei der Kam» munisten.) Der Ausschußantraa— Reichs hili« bis zu 1 Million Mark— wird mit großer Mehrheit angenommen. Es folgt die zwelle Beratung des Weingssetze».— Berichterstatter ist Abg. Kirschmann(Soz.). Abg. Dr. Die,.Baden(Z.) spricht über Krankheiten des Wein- stock? und gesetzliche Schutzmaßnahmen. Abg. Potz(Komm.) bezeichnet in einer Erktärung die Not der Winzer als Speziatsoll. der allgemeinen Not der Werktätigen und fordert die Winzer zum Kampf gegen den Kapitalismus auf. Das Weingejetz wird in zweiter und dritter Lefung mit gering. fügigen Aenderungen verabschiedet.— Nunmehr folgen die D c ck u n g s v o r l a g e n. Die Berichterst itter— darunter Zlbg. Stpinkopf(Soz.)— verzichten auf das Wort. lim 15,45 Uhr beginnt - Reichskanzler Or. Brüning unter allgemeiner Spannung mit feiner Rede. .Angesichts der gcsamtpolitischen Läge und der wochenlangen Berliandlungen ist es wohl nicht notwendig, hier noch viele Wort« zu machen Das Boll verlangt eine Entscheidung, aber nicht weitere Reden und Berhandlungen. Ueber dein Volk liegt dos dunkle Gefühl der Unsicherheit, das belastend für die Wiederankurbelung der deutschen Wirtschast wirkt. Da» Boll hat das ttarke Gefühl (Zuruf von den Kommu, isten:- daß Sie verschwinden müssen n. daß wir in dieser schwierigen Slluatu.n Taten zeigen müsten und nicht reden. Die Forderungen der Regierung, die für die Sa- nierung besonders der Arbeitslosenversicherung nnerlaßhch sind, sind nicht überall verstanden worden. Die völlig neuartige wirtschasMche CEnlrouftuttg mit ihrer Um- stür'unq der Warenpreisr Zwingt alle Hegrerurgzen von jeder denkbaren Znsammensetzung, die Etaworemschotzung außer- / ordentlich gciyissenhast ,o betreiben. Was die Reich-regienmg vor Wochen erkannt und ausgesprochen hat. bestätigt sich, daß es sich hier nicht um eine Konmnkturerschei. nung, sondern um ein« dauernd« Stni kturwandlnng der Weltwirb s cha f t handelt Die ungeheuren Ausgaben dieser Situatron sind noch schwieriger zu lösen als die des bisher für Deutschland schwierigsten Jahres 1923. Die befestigt« Wchrirng erleichtert zwar die Aur- gäbe»m etwas, aber die bisherigen Krisen waren fast oussiljließlich aus Deutschland beschrankt. Die Regierung darf ihre Pfftchi vor der Geschichte und vor dem deutschen Volk, all- notweickngen Matz. nahmen durchzusetzen, nicht verletzen, sondern sre wich den Mut oufbrivHjen, den Parteien, d-ie die Derantwortunst m't tragen, su- zumuten, dem deutschen Dolk zur Sicherung der �Manzen neue Opfer auszuerlegen. Zu schrankenlosem Pessimismus m fem Grund, weil Deutschland einen Dorteil gegenüber anderen Landern hat: ein Land mit einem starken agrarischen Hintergrund und mit«tner hauptsächlich aus B eredlungsorbeit beruhenden Industrie zu sein. Sirckende Rohstoffpreise, sinkende Zinssätze bedeuten also für unser Land nicht den Beginn des Abstiegs, sondern den eines neuen Wiederaufstiegs. Dieser Wiederausstieg hat zur Bonulssetzung, daß die von uns vorgeschlagenen Maßnahmen �auch wirklich durch- geführt werden, insbesondere die Arbeitsbeschaffung und die dafür notwendige Deckung des Defizcks. Ohne Wittel kann kein Ostprogramm, kann kein« Sanierung der Arbeitslosenversicherung geschassen werden. (Sehr wahr! bei den Regierungsparteien.) Die Entscheidung über die Deckungsvorlagc der Reichsregierung darf unmöglich auf- geschoben werden. Es besteht keine andere Möglichkeit der Deckung, als die von der Regierung vorgeschlagene.(Widerspruch links.) Di« Rsgierungsoorfchläge hat der Ausschuß durch Annahme des Artikels I auch grundsätzlich gebilligt. Das bedeutet die Anerkennung der Notwendigkeit, drei Wege einzuschlagen, nämlich den Zuschlag zur Einkommensteuer, die Reichshilfe und die Ledigensteuer. Der Ausschuß hat damit zugleich die Unmöglichkeit jeglichen Ausschob» anerkannt, wenn nicht der (Fonds zur Tilgung der schwebenden Schulden von 450 Wil- liooen aus der Lex Schacht angegriffen werden soll. Lecher müsten wir wahrend der furchtbarsten Krise all« Deckung». und Sanierungsmaßnahmen nachholen, die in den letzten Jahren nicht rechtzeitig erledigt worden sind.(Sehr wahr! bei den Re- giernngsparteien.) Wenn das Parlament diese seine Abgabe nicht erfüllt, ist es auch nicht möglich, im Herbst die großen, wiederholt angekündigten Reformmaßnahmen durchzuführen. Jetzt machen wir nach einem Wort des Dizekanzlers nur Aufräumungsarbeit. Es geht nicht an, daß das Reich für die Einnahmen der Länder und Gemeinden oer- antwortlich ist, aber keinen Einfluß auf die Ausgaben hat.(Sehr wahr! bei den Regierungsparteien.) Wir müssen ein Finanzsystem stchiffen, bei dem Länder und Gemeinden zugleich für Ausgäben und Einnahmen verantwortlich sind. Nur so kann man Sparsamkeit erzielen und daraus verzichten, einschneidend« Eingrifje in die Einzel- mteressen der Länder und Gemeinden vorzunehmen, was wahr- scheinlich auch an verfassungsrechtlichen Schwierigkeiten scheitern würde. Im Rahmen des Frnanzprogramms muß em finanziell auf mehrere Jahre gesichertes Bauprogramm zur weitgehenden Milderung der Wohnungsnot uird zum Umbau der Wohmmgswirkfchaft geschaffen werden. Das läßt sich nicht in einem Jahre oder in wenigen Monaten erledigen. Ich will hier nicht Berfprechungen machen, die nicht sofort eingelöst werden können. Wir müssen vermeiden, daß wir jedes Jahr mit wechselnden Koalitionen und wechselnden Stimmungen arbeiten müsten, und durchjetzen, daß eine Politik auf lange Sicht nach einheitlichem Plan gesetzlich verankert wird. Da« ist das Ziel der Regierung für den •Herlift. Die Reichsregierung ist der Ueberzeugung, daß das hoho Haus sich dieser Voramwortung trotz aller Schwierigkeiten bewußt sein wird. Eine große Stunde für deu Deutschen Reichstag ist gekommen. (Lärmende Zuruf« bei den Komm.) Bringt der Reichstag nach der Hoffnung der Reichsregierung das notwendige Maß von Bev« antwortuirg aus, dann hat er zur Sicherung des Parlamentarismus und der Demokratie mehr getan, als in früheren Jahren. Demokratie und Parlameat werden gesichert auch durch den Wut zur Verantwortung unpopulärer Waßmchmen (Aho-Rufe bei den Komm,), als durch Gesetze, Sollte es»ich möglich fein, den Reichstag zu dieser Gcschosseicheit seiner Aktionen zu bringen, so wird die Reichsregierung denn im Interesse der Demokratie von allen versastungsmäßigen Mitteln Gebrauch machen. die zur Deckung des Defizits notwendig sind.(Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien.) Abg, Ester(Z,) zur Geschäftsordnung: Wir beantragen, um eine sofortige Entscheidung herbeizuführen, nicht die go. samte Debattc gleich zu führen, sondern nur den Artikel I zur Beratung und Abstimmung zu stellen, wozu eine Redezeit von einer Viertel stunde ausreichend ist.(Rufe links: Unerhört!) Abg. Ditkmann(Soz.): Der Borschlag des Abg. Ester fft so außergewöhnlich und will ein« derartige Abweichung von dem gewöhnlichen Beratungsversahren, daß wir den Antrag stellen, das Haus auf«ine Stunde zu vertagen, um meiner Fraktion Gelegenheit zur Stellungnahm« zum Antrag Esser zu geben. Abg. Torgler(Komm.) verlangt anderthalb Stunden Redezeit. (Heckerkett.) Der vertagungsantrag wird mit den Stimmen der Heglernngs- Parteien und der Sozialdemokraten angenommen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung wird der Antrag Ester an» genommen, die Redezeit aber aus eine halbe Stunde festgesetzt. ? Abg. Keil(Soz.): Di« Rede des Kanzlers hat keinen Zweifel gelost«,, daß wir von der Regierung Brüning in eine Lag« hineinmanöveriert worden sind, die bedrohlich fft, wenn der Reichstag es gestattet, auf dem bisherigen Wege weiterzugehen. Groß« Dolkskreise, als deren Ber- treter wir uns ansehen, stehen der Regierung mtt dem größten Miß- trauen gegenüber. Andere, die beim Antritt der Regierung Brümiig ihr zujubelten in der Hoffnung, daß endlich die starke Regierung ge- kommen sei, sind heut« bitter enttäuscht. Die Heglmmg befindet sich in einer Sackgasse und findet , dq« Zurück nicht, Es fft ihr nicht gelungen, für ihre Deckungsomilag«« im Ausschuß eine Mehrheck zu erhalten, auch nicht für den Artikel 1. Nun rechnet sie aus die Deuffchnottonaten, und wie es damit sieht, wird sich ja bald zeigen. Eine Op p o fi ti o n s pa r tek. die sich in bieser hoch- ernsten Situation ihrer Berantwortung nicht bewußt wäre, die könnte Über das Schicksal Brüning Schadensreuhc empfinden. In der sozialdemokratischen Fraktion findet ein solches Gefühl keinen Raum, Dazu ist die Lage des Siaotes und der Wirtschaft viel zu ernst.(Andauernde lärmende Hohnrufe der Komm.) Di« Sozial- demokratic fft sich ihrer Berantwortung für Staat und Wirtschaft stets bewußt gewesen, ob sie Regierung»- oder Oppositionspartei war. Trotz aller Brüskierungen, die der Sozlaldemakrakischcn Partei zuteil geworden find, hol sie nie Opposition um jeden Preis ge- trieben und niemals sich der Politik de».Alle» oder nichts" verjchrieben. Unsere Fraktion ist sich bewußt, daß Willlonkn in den Strudel der wirffchaftskrffe hineingeristen« oder nm ihre Existenz gebrachten Menschen ihre ganze Hoffnung aus die Sozialdemokratie richten(lärmende» Getächter der Komm.), Wen- schen, die sich vollkommen im klaren ist. daß ihr Oos mit dem de» demokratischen Staates und seiner Finanzen aus das aller- engste verknüpft ist. � Die Sozialdemokratie hat deshalb mit der Kritik an der Finanz» und Wirtschaffspolitik des Kabinetts Brüning, de sie zu Üben ge» nötigt war, sorgfältig erwogene positive Borfchläge gemacht, die zur Lösung des Problems geeignet waren oder mindestens dazu beitragen konnten. Daseist zuletzt noch m der ersten Lesung dieser Vorlagen durch unseren Sprecher Dr. Hertz geschehen. Unsere Vor» schlage erkennen die Dringlichkeck einer Sanierung der Reichs- finanzen unbedingt an. Die Regierungsvörschläge ober sind, auf die Dauer gesehen, unzulänglich. Wir fordern rücksichtslose Spar» samkeit(Gelächter rechts), aber wir fordern sie dort, wo sie ohne Verletzung der Verpsllchtnugen des Reiches gegenüber de« unschuldigen Opfern. der planlosen kapttasistischen Wirtschaft möglich ist.(Sehr wahr! bei den Soz.) Eine Sparposittk, die da» große Heer jener Menschen, die gegen ihren Willen au» dem Pro- dukttonsprozeß ausgeschlossen oder in diesem Prozeß krank gewor- den oder verstümmelt worden sind, dem Hungertod preisgeben würde, macht die Sozialdemokrake nicht mit. Unter Währung dieser Gesichtspunkte sind Ersparnisse im Rsichshoushalt in viel größerem Ausmaß möglich, als die Rsgierung vorschlägt. Es ist die ver- fassüngsmäßige Pflicht des Reichstags, den Reichshaushalt in Orb- itung zu holten und daher auch die möglichen Ersparnisse selbst zu beschließe«: täte er das nicht, so würde er eine seiner Houptaus- gaben verletzen und gegen Sinn, Geist und Wortlaut der Verfassung verstoßen.(Lebhafte Zustimmung der Soz.) Wir werden unsere Sparvorschläge wiederholen, die auch den Bedürfnissen der Wirr- schast in höherem Grade gerecht werden als die Vorschläge der Re- gierung und der Regierungsparteien, nämlich dem Ersordernis, die Kaufkraft der Massen zu schonen und zu stärken. Da wir aber wissen, daß auch mit den von uns vorgeschlagenen Abstrichen allein noch nicht die Deckung zu erreichen ist, schlagen wir steuerliche Maßnahmen vor, die der Gerechtigkeit entsprechen. Wir haben den lOprozentigen Steuerzuschtag auf die ttagfähigen Einkommen vorgeschlagen. Di« Einwände dagegen sind nicht wirt- schastticher, sondern parteipolitischer und egoistischer Art. Die Re- gierung setbst schlägt einen 5prozentigen Zuschlag vor. Der Unter- Brünings Traum. \nr~~' Alexander J Die Besucher: ,Wir bieten unsere praktischen Erfahrungen für Einrichtung einer Diktatur an." schied zwischen 5 und 10 Proz. Zuschlag beträgt bei 100 000 M. Einkommen etwa 1500 M. Niemand wird behaupten wollen, baft diese Belastung für das Wirtschaftsleben schwerere Aolgen hätte als die Mehrbelastung 200 bis 300 armer Teufel mit der vorgeschlagenen Kopssleuer, die etwa ebensoviel bringt. Selbst die schärfsten Verlreler grostkapilalisli- scher Interessen werden nicht leugnen können, das; der zunächst nur für ein Jahr vorgesehene Zuschlag von einem Millionär nicht leichter gezahlt werden könnte als die Kopssteuer von den Neu- roder Bergarbeitern. (Lebhafte Zustimmung der Soz.) Zur Rcichshilse der Beamten verlangen wir eine einschrän. kende Umschreibung des Angestellteubegriffs. Die Reichshilfe soll mit dazu dienen, die in Erwerbslosigkeit Geratenen über Wasser zu halten: es wäre sinnwidrig und unsozial, Personen die morg.n selbst erwerbslos sein können, heute in die Reichshilsc einzu beziehen! Die Freigrenze muß höher sein als bei dem kümmerliche» Jahres- einkommen von 2000 M. Ganz unerträglich wäre es, die Reichs- htlfe nach dem Einkommen statt nach der Lohnsteuer zu bemessen, denn sonst würde der progressive Charakter der Einkommensteuer bei diesem Zuschlag in einen degressiven verwandelt werden. End- lich darf auch nicht an den Zlussichtsratsbezügen vorübergegangen werden: diese mühelos erworbenen Pfründen find sogar in der Borkricgszeit steuerlich ersaßt worden.(Tehr wahr! bei den Toz.) Die schwersten Bedenken hegen wir gegen die Ledigensteuer. die in unser ganzes Reichssteuersystem nicht hineinpaßt. In der vorliegenden Gestalt würden Personen, die unter Umständen viel höhere Familienpflichten haben als Verheiratete, von der Steuer getroffen, während die Verheirateten von ihr freibleiben würden. Leider haben im Steuerausschuß unsere Vorschläge nicht eine so sorgschtige Prüfung erfahren, wie wir erwarten konnten, wir wer- den sie daher im Plenum wiederholen. Die Kopfsteuer ist die rohcste und unsozialste Steuer, die sich ersinnen läßt. Sie ist auch ein Verwaltungsproblem, und der Reichsfinanzmmifter hat erst vor wenigen Tagen die stärksten Be- denken dagegen erhoben. Zwingt man jeden ohne Unterschied, diese Steuer zu entrichten, so müßte man ihm logischerweise auch ein gewisses Mindesteinkommen garantieren.(Sehr gut! links.) Das Allerbedenklichste an der Regierungsvorlage ist die Verknüpfung der Deckungsvorschlägc mit rücksichtslosen An- griffen aus die sozialpolitischen Einrichtungen. Wenn wir bereit sind, an einer Deckung mitzuwirken, die unseren Forderungen Rechnung trägt, so soll sie die sozialeit Einrichtungen sichern, nicht aber sie abbauen. Die politische Hauptfrage ist, wie die Regieruno ihre Vorlage durchbringen will. Der Reichskanzler hnt die Annahme des Ar- tikels I im Ausschuß erwähnt, ihr aber eine Deutung gegeben, die zum schärfsten Widerspruch herausfordert Die Annahme ist im Ausschuß nicht mit der Mehrheit des Ausschusses, sondern mit der Mehrheit der Abstimmenden, und die größte Fraktion hat sich der Stimme enthalten, nicht wegen des materiellen Inhalts, sondern weil es sich um die formale Grundlage handelte, und weil wir die Ge- legenheit haben wollten, unsere materielle Stellung nach dem Schicksal unserer Verbesserungsanträgc einzurichten, auch war ja uo-h«ine zweite Lesung vorgesehen. Es ist feststehender Gebrauch, daß die endgültige Haltung zu einem Geseßwerk erst bei der Schlußabstimmung eingenommen wird, undF? ist höchst illoyal, den Parteien wegen ihres Verhaltens zu einzelnen Paragraphen oder Gesetzen andere Motive zu unterstellen, als durch ihre eigene Er- kläruna gegeben sind. fvcun hat der Reichskanzler an die Rechte appelliert. Er wird dort nicht die erwünschte Geneigtheit finden. Aber vielleicht geschieht nach ein Wunder. Vielleicht erfreut uns Herr Hugenberg wieder mit einer so zielklaren, prinzipienfeste» und konsequenten Rede, wie im April.(Heiterkeit.) Wenn das aber nicht geschieht, so will der Reichskanzler„alle verfassungsmüßigen Mittel" anwenden. Er hat nicht klar gesagt, was er damit meint. Ein verfassungsmäßiges Mittel wäre der Rücktritt der Regierung, ein anderes die Auflösung des Reichstags. Sollte der Reichskanzler aber den Artikel 4S gemeint haben, so erheben wir noch einmal laut unsere warnende Stimme. Der Artikel 4S ist nach seiner Entstehungsgeschichte— und es sind noch genug Mitglieder des Weimarer versasiungsausschusses unter uns. die das bezeugen könne»— kein Instrument zur Rettung einer Regierung, die sich verrechnet hat. Der Artikel 48 kann unmöglich zur Durchsetzung von Gesetzen an- gewendet werden, die der Reichstag nicht genehmigen will. Eine fqlrf)« Anwendung des Artikels 48 wäre ein Mißbrauch, und das würde heißen, die Verfassung außer Kraft zu setzen. Das ober wäre ein Vabanquespiel, von dem niemand sagen kann, wo und wie es endet. Dieser Mißbrauch wäre um so unverantwortlicher, als die Möglichkeiten einer parkmientgrischen Erledigung dieses Gesetzgebungswerkes nicht erschöpft sind.(Aha-Rufe äußerst links und rechts.) Ich werde ganz offen darüber reden. Wir Sazialdemokraten haben wahrlich keinen Grund, uns der jetzigen Regierung anzu- bieten, und die Situation ist auch nicht danach angetan, daß sie uns verlocken könnte, in die Regierung einzutreten. Aber bei dieser ernsten Lage sind zimperlich« Erwägungen der Taktik nicht am Platze. Auf die Gefahr hin, daß meine Aeußerungen falsch gedeutet werden, stelle ich fest, daß die starken Kräfte der großen Barlei, die hier sitztat oft und oft den staatspolitischen Gewinn gepriesen, die große Arbeiterbewegung in die staatspolitischen Kräfte«in- bezogen zu haben. Soweit die Sozialdemokratie in Frage koinnt, bedarf es einer solchen Einbeziehung nicht erst. Die Sozialdcniokrolie hat das Deutsche Reich aus der tiefsten Not gerettet(Gelächter äußerst links und rechts, stürmischer Veisall und lebhaftes chändeklalschen der Sozialdemokraten. An- dauernde Unruhe), sie hat das neue Staatsgesüge ausgebaut, aus dem allein das Deutsche Reich noch lebensfähig war. Die J Sozialdemokratie ist seitdem die stärkste Stütze dieses Staates i gewesen.———*«»■ Wenn die Sozialdemokratie jetzt nicht an der Leitung des Reiches beteiligt ist, so hat das seinen Grund(andauerndes Geschrei der Kommrmisten, Abg. Mün.zenberg erhält zwei Ordnungsrufe, Präsident Lobe kündigt den Kommunisten, die den Redner an- dauernd niederschreien, Zlusweisung aus dem Saale an) in dem tiefen Interessengegensatz zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Arbeiterklasse und Unternehmertum. Dieser Gegensatz läßt sich nicht aus der Welt schaffen.(Sehr wahr! rechts.) Wenn aber die bürgerlichen Parteien den schwersten wirtschastlichen und poli- tischen Konflikten vorbeugen, wenn sie die ruhige politische und wirtschaftlich« Weiterentwicklung des deutschen Staates und Wirt- fchasslebens sichern wollen, dann werden sie sich entschließen müssen, der Arbeiterklasse die Konzessionen zu machen, die unserer Zeit ent- sprechen, und die die Arbeiterklasse beanspruchen muß. Wenn es sich als unmöglich erweist, dieses Gesetzwerk durch- zubrmgen, so ergibt sich daraus nicht die Anwendung des Ar- tikels 48, sondern in erster Linie der Rücktritt der Regierung. Kommt dann eine neue Regierung nich: zustande oder gelingt auch ihr nicht die Lösung der ichwebendeu Problem«, dann hat nach Neue Gefahr für Macdonald. Konservative und liberale wollen an der Anglo-Indienkonferenz teilnehmen aber als Mehrheit! London, 13. Juli.(Eigenbericht.) Wieder einmal bedrohen die bürgerlichen Parteien den Bestand der Arbeiterregierung. Konservative und Liberale verlangen proportionell ihrer parlamentarischen Stärke Sitz und Stimme in der von der Regierung für die kommende anglo- indische Konferenz I zu ernennenden englischen Delegation. Würde die Arbeiterregierung diesem Ansinnen stattgeben, so besäßen Konserva- tive und Liberale die M e h r h e i t in der britischen Delegation. Die Arbeiterpartei wäre in die Minderheit gedrängt, so daß das Kabinett , Macdonold der Möglichkeit beraubt würde, seinen Willen und seine ! Politik während der Konscrcnz vertreten zu lassen. Die Arbeiter- ! regierung hat sich bisher geweigert, dem Ansinnen der ' bürgerlichen Parteien zu entsprechen. Die Konservativen beab- sichtigen nunmehr, ihr Ziel im Unterhaus durchzusetzen. Sie haben einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung eingebracht, mit dem sie zugleich eine bisher von der Regierung abgelehnte Jndiendebatte erzwingen wollen. Die Frage der englischen Delega- tion auf der anglo-indischen Konferenz berührt jedoch so stark die Grundlagen der Politik der Arbeiterregierung, daß dies« sich selbst aufgeben würde, wenn sie das Verlangen der beiden bürgerlichen Parteien erfüllen wollt«. In» parlomcntarischen Kreisen wird der Ausgang des neuen Konfliktes zwischen der Arbeiterregicnmg und der bürgerlichen Mehrheit des Parlamentes stark erörtert.<£t kann unter Umständen zu einem Sturz der Regierung führen. Die Lords sabotieren die Regierungsarbeit. Landau. 15. Just.(Eigenbericht.) Das Oberhaus hat am Dienstagnachmittag der Labour-Regie- rung seine Feindseligkeit in der schärfsten Weise bekundet. Z u m dritten Mal wurde das Bergbaugesetz mit 168 gegen 36 Stimmen abgelehnt. Damit ist die Arbeiter- regierung um den Erfolg einer ihrer wichtigsten Arbeiten gebracht. Zweimal hatten die Lords das Gesetz dem Unterhaus zurückgeschickt. dreimal fand sich im Unterhaus eine Mehrheit, die sich nicht fügte. Die dritte Ablehnung im Oberhaus macht die Rechtskraft des Gesetzes einstweilen unmöglich. In den nächsten Jahren kann es nicht mehr beraten werden. Das Ergebnis der Oberhaussitzung zeigt, daß die Arbeiter- regierung in den Lords ihren unversöhnlichsten Feind besttzt. Die Erbitterung über die Haltung des Oberhauses ist in den Reihen der Arbeiterpartei groß. Ihre Mitglieder betonen, daß der nächst« Wahlkampf nicht nur unter der Parole ausgetragen werden müsse, wie das Oberhaus zu reformieren, sondern wie es zu töten sei. Dieses Oberhaus würde selbst eine Unterhaus- Mehrheit der Arbeiterpartei illifforisch machen. Vlutbad in Alexandrien. Polizei schießt: 14 Tote, 250 Verwundete. Alexandrien, 15. Just. Hier ist es zu blutigen Skraßenkämpfen gekommen. Taufende von Menschen beteiligten sich an einer großen Sympathiekundgebung für den Führer der Unabhängigseilspartei und früheren Ministerpräsidenten Nahas Pascha. Die Menge nahm eine drohende Haltung gegen die zum Schuhe der Ordnung ausgeboten« Polizei ein, die schließlich aus die Manifestanten dos Feuer eröffnete. Es entstand eine wilde Panik. ZahlreicheToteundVerleht« blieben aus dem Platze. Nach amtlichen Mitteilungen wurden 14 Personen, dar- unter acht Europäer getötet, und 250 verwundet. Die Anzahl der Schwerverletzten ist groß. Unter den acht Europäern befindet sich auch ein Italiener. Die Börse von Alexandrien und zahlreiche Geschäfte waren geschlossen. Ministerpräsidentenwahl in Sachsen. Ergebnisloser Wahlverlauf. Dresden, 15. Juli.(Eigenbericht.) Di« am Dienstag im Sachs ifchenLandtag vorgenommene Mini st erPräsidentenwahl verlief ergebnislos. Die Abstimmung ergab 45 Stimmen der Rechtsparteien für den früheren deutschnationalen Wirtschaftsminister Krug von Nidda und 32 Stimmen für den sozialdemokratischen Reichstagsabgeord- neten L i p i n s k i. Die Demokraten wählten den Reichstagsabgeord- neten Külz, die beiden volksnationalen Abgeordneten stimmten für den gegenwärtigen sächsischen Innenminister Richter. Eine Stimme au? hew Lager der Rechtsparteien wurde für den volksnationoleo Abgeordneten Lasse abgegeben. Vor der Wahl ließ die sozialdemokratische Fraktion durch den Abg. Böchel eine Erklärung abgeben, in der es heißt, daß die Deutsche Volkspartei die Nationalsozialisten im Wahlkampf be- kämpft und insbesondere der volkspartoWche Reichstagseckgeordncte Schneider die Hitlerianer als gewissenlos« Hetzer be- zeichnet habe, mit denen es keine Gemeinschaft und keine Zusammenarbeit gebe. Jetzt aber wolle die Deutsche Volks- partei gemeinsam mit den Nationalsozialisten eine Regierung bilden. Di« Nationalsozialisten hätten sich in der Wahlbewegung als Gegner des Kapitalismus aufgespielt. Jetzt wollten sie ein« Regierung bilden, die nur eine kapitalistische sein könne. JUgierungsniederlage in Bayern. Regierung will verordnen. München, 15. Juli.(Eigenbericht.) Der Bayerische Landtag lehnte am Dienstag in nament- sicher Abstimmung die Regierungsvorlage über die Schlachtsteuer mit 67 gegen 58 Stimmen bei einer Enthaltung ab. Was nun folgt, fft noch völlig ungewiß. DadieRegierung keine Mehrheit mehr hinter sich hat. will die Rumpskoalition die Schlachffteuer offenbar unter mißbräuchlicher Anwendung des Ruhe- und Ordmingsparagraphen(§ 64) in Kraft setzen. Das dürfte aber in kürzester Frfft zu heftigen Auseinandersetzungen und neuen Entscheidungen im Landtag fähren. Arn Ende des Konfliktes kann nur der Rücktritt der Regierung und die Auflösung des Landtages stehen. Da aber auf Grund einer Entscheidung des Staatsgerichtshofes für Bayern erst noch ein neues Wahlgesetz zu schaffen ist, wird sich die Lösung der Krise wohl noch bis in der Herbst hinziehen._ Revision im Gchweidniher Prozeß. Breslau. 15. Juli. Im Schweidnitzer Rationalsozialistenprozeß fft gegen das Urteil der Breslauer Großen Strafkammer vom 5. d. M. sowohl von den verurteilten Angeklagten, als auch von der Staatsanwaltschaft R e» vision eingelegt worden. der Reichsverfossung das deuffche Volk das Wort.(Sehr wahr! links.) Nun, wohlan, wir sind bereit, dem deutschen Volk unsere Anschauungen und Vorschläge vorzutragen, frei und offen und ohne Bemäntelung. Sind die anderen Parteien dazu auch bereit, so kann das deutsche Volk seine Entscheidung sollen. Mir werden dieser volksentscheidung nicht ausweichen, denn wir haben sie nicht zu fürchten. (Lebhafter langanhaltender Beifall und Händeklatschen der Sozialdemokraten. Andauernde große Unruhe.) Abg. Dr. Obersohren(Dnat.): Die Situation hat sich seit der ersten Lesung nicht geändert. Die deutschnationale Fraktion steht nach wie vor auf dem Standpunkt ihrer ablehnenden Erklärung von damals.(Zuruf links: Zu wieviel Prozent.) Abg. Dr. Föhr(Z.): In dieser ernsten Stunde unterstützen wir die Regierung mit einem freudigen Ja.(Heiterkeit links.) Niemand wird den Mut haben, das Etatdesizit der Regierung zur Last zu legen, das als Folge der furchtbaren Wirtschastskrise schon den Sturz der Regierung Müller verursacht l>at. Grundsätzlich werden die Regierungsvorschläge von der Mehrheit des Hauses gebilligt, auch von der Sozialdemokratie. Wenn keine Mehrheit.zustande kommt, so aus politischen, und nicht aus fachlichen Gründen. Die Opposition hat den Regierung?- Parteien Uneinigkeit vorgeworfen und Abg. Hertz hat eine starke Regierung verlangt. Jetzt, nu> die Regierung stark ist und eine einige Koalition hinter sich hat, ist die Opposition in der Lage, zu unseren Beschlüssen Stellung zu nehmen. Auf unsere Initiative hin sind Härten bei den neuen Steuern gemildert worden. Die Bürgerabgabe ist zur Sanierung der Gemeindefinanzcn nicht aus- reichend und muß gestaffelt werden. Das Notopfer ist keine Sondersteuer, denn Opfer werden auch von der Arbeiterschaft und der Landwirtscho.ft verlangt.(Ironische Zurufe links.) Wir wenden uns gegen jede Verunqlinipsung der Bcamtenschaft und appellieren zugleich an ihr Verantwortungsbewußtsein. Die Deutschnationalen propagieren wieder einmal die Volks- gemelnschast: glauben sie ihr damit zu dienen, daß sie den Ar- beitstosen die Existenzmittel nehmen? Dio finanzielle Sanierung und Erhattnng der Arbeitslosenversiche- rung ist unmöglich, wenn die Sozialdcinvkratie ihren Willen den anderen Parteien aufzwingen will.(Widerspruch links.) Abg. Dr. Neubauer(Komm.): Das Negierungsprogramm ist rein faschistisch und umfaßt viel mehr als die heut vorgebrachten Deckungsvorlagen. Die Sozialdemokratie macht der Regierung Liebeserklärungen, um wieder in die Koalition aufgenommen zu werden. Abg. Dr. Scholz(DVp.) gibt eine Erklärung ab. die troß starker Bedenken die Z u st i m m u n g zu den Regicrungevorschlägen aus- spricht. Die Erhöhung der Einkommensteuer, d'e Methoden, die Einnahmen zu steigern, anstatt die Ausgaben zu senken, werden scharf verurteilt. In den Gemeinden muß das finanzielle Verant- wortungsbewußtlein wieder erwachen. Wir stellen mit Befriedi- gung fest, daß die von UNS verlangte Verbesserung der Vorlage zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung vorgenommen werden soll. Die ernsthaften Reformversuche in der Sozialversicherung erkennen wir an. Wir stellen unsere Bedenken gegenüber den Deckunqsvorlagen zurück, weil sie befristet sind und vom Reichskaazler als Teil eines von uns gebilligten Gesamtprogramms bezeichnet wurden. Abg. Mollath(Wirffchp.) gibt eine Erklärung in gleichem Sinne ab. Die Wirffchaftspartei hat ihr seit Iahren verfolgtes Ziel, Ersparnisse durchzusetzen,.zum großen Test erreicht.(Abg. Torgler: Es hat sich bloß noch nicht' herumgesprochen!— Allgemeine HeNee- keit.) Abg. Meyer-Berlin(Dem.) verlangt Ersparnisse in Verwaltung und öffentlichen Betrieben. Nur die Einsparung von 100 Millionen ermögsicht uns die Zu- stimmung zu den Deckungsvorlagen, gegen die unsere Bedenken fortbestehen. Ein« Ergänzung der Regierungsvorschläge durch Sanierung der Gemeindesmonzen ist dringend notwendig. Abg. Leicht(Bayer. 23p.); Di« Reichshilfe ist eine verbesserte Form des alten Notopsers. Sie stellt uns aber noch nicht ganz zu- frieden, ebenfoivenig wie die B Ü rq e r a b g a b e. Trotzdem stinnnen wir den Deckungsvorlagen zu. Abg. v. Lindeiner-Wildau(Chr. nat. Arbeitsgemeinschaft) oerliest eine Erklärung, die den Regierungsvorschlägen zustimmt, aber weiter« Ersparnisse oerlangt. Abg. Döbrich(Chr. nat. Bauernp.) gibt eine Erklärung im gleichen Sinne ab, die besonders noch die unbedingte Annahme der Osthilfe und die Verpflichtung des Reichskanzlers auf sein Ver- sprechen zur Vorlage eines Finanzresormprogramms im Herbst fordert. Die Debatte ist geschlossen.(Rufe der Kommunisten: Wo bleiben die Nazis? Gegennff« von diesen: Wir stimmen dafür.) In der Abstimmung wird Art. I des veckungsprogramms bei Stimmenenthaltung der Sozialdemokraten gegen Deutschnationale. Kommunisten uud Nationalsozialisten angenommen. Ein Antrag des?lbg. v. Lindeiner-Wildan, heute den Einspruch des Reichsrats gegen die F e in e a in n e st i e zu erledigen. wird oon einer Mehrheit der Rechten, der Deutschen Volkspartei, des Zentrums und der Komnmnisten angenommen. Um 19 Uhr vertagt sich das Haus auf heute 15 Uhr zur Weiter» beratung der Deckimgsvorlagen. (Gewerkschaftliches stehe 2. Beilage.) Pcrauimorillilimgsgesell- ichait L i e b e r t und den früheren Buchprüfer des. Finanzamts Luding ausgedehnt. Zur Zeit liegen noch Haftbefehle vor gegen die drei Brüder Sklarek, Degner, Gäbel und Lehmann. Auch) sie besinden sich aber, teils wegen Unfähigkeit, teils gegen Hinterlegung einer Kaution, nicht in Untersuchungshaft. Die An- gelegenheit Sklarek-Stadtbank war in der Voruntersuchung bereits im Mörz d. I. abgeschlossen. Es waren weiter zu prüfen die Geschäfte der Sklarek mit den städtischen Dienststellen und den beiden städtischen Gesellschaften, der Berliner Zlnschasiungsgesellschtft lind der Kleiden, ertriebsgesells, Haft, sowie die Kreditgeschäfte der «klareks und di« Bestechungsfälle. Ein Fluggast stürzt ins Meer. TtaieS schweres Unglück bei Warnemünde. Warnemünde, IS. Zvli. Au� dem Flugzeug der Deutschen Vcrkehrsflseger» schule O 1174 stürzt« der Fluggast HampkcnS an� Schleswig und ertrank in der Lstsee. Zu den, Zlbsrurz wird ergänzend gemeldet: In Warnemünde starteten zwei kleinere Uebungsslugzeuge der Deutschen Lerkehrssliegerjchulc nach Kiel. In der Nähe von Schönbcrg- Vaake wurde das eine Flugzeug plötzlich ovn ein«r Bö ersaßz. Die Maschine stellte sich aus den Kopf uird überschlug sich. Dabei stürzte der Fluggast H a m p k e n s aus einer Höhe von ungefähr 600 Metern in die Ostsee. Dein Führer glückte es, dgs abstürzende Flugzeug kurz vor dem Ausschlagen auf die Wasserfläche wieder in feine Gewalt zu bekommen, ohne Schaden zu erleiden. Cr nahm sofort zusammen mit dem anderen Flugzeug die Suche nach dem Verunglückten auf, ohne eine Spur von ihm zu finden. Bon zwei«Flugzeugen, die zufälligerweise kurz darauf über der Unglücksstellc erschienen und die mit Funktelegraphie aus- gerüstet waren, wurde sofort die Verkehrsfliegerschulc in Warnemünde benachrichtigt. An der Suche beteiligten sich auch mehrer« Flugzeuge der Flugzcugstotian Holtenau bei Kiel, die von Warnemünde telephonisch von dem Unfall in Kenntnis gefetzt worden war. Man nimmt an, daß der verunglückte Fluggast hei dem Auf- schlagen aus das Wasser getötet wurde»ich sofort unter- gegangen ist. SINOAIR LEW/S 23] 'ROMAN „Seien Sie doch bitte nicht beleidigt, wo wir doch immer so gut miteinander waren, Fräulein Golden! Ich weiß nichts Schlechtes von diesem Babson, oder ich wollte Ihnen nur erzählen, was die anderen alle sagen— daß er trinkt und sich mit Weibern herumtreibt und so weiter: aber— aber, wenn Sie es sagen, so ist natürlich nichts an chm auszusetzen, und bei Gott, Fräulein Golden, hören Sie, wirklich, mein Ehrenwort, ich mächte ihm gew'ß nichts nachsagen, wenn ich wüßte, daß er Ihr Freund ist! Und", voll Bewunderung, „und er ist doch Redakteur!" Una oersuchte sich wie eine Prinzessm vorzukommen, die ihrer ergebenen Dienerin) verzeiht. Aber im Grunde war sie einfach wütend, daß ihr romantisches Erlebnis in den Schmuß eines Düroklatsches gezerrt wurde. Als Walter genau um fünf Uhr dreißig wieder auf sie losstürmte, begrüßte sie ihn mit einem Lächeln rückhaltloser Vertraulichkeit. „Wenn Sie heute abend überhaupt zu Hause sind, lassen Sie mich nur für ein« Viertelstunde hinaufkommen!" bat er. „Ja!" sagte sie atemlos„Ach, ich sollte ja nicht, aber — kommen Sie gegen neun." 2. Una hatte ganz instinktiv Kinder schon immer sehr gern gehabt, hatte beim Anblick jedes Rachborkindes ausgerufen: -Llch, der süße, kleine Kerl!"; hatte sich ausgemalt, wie es wäre, selbst Kinder zu haben: doch niemals zuvor, bis zu jenem Abend, war der Wunsch, dos Köpfchen des eigenen Kindes gegen die Brust zu drücken, zu einer Leidenschaft ge- morden. Noch dem Abendessen saß sie auf den Stufen vor dem Haustor und sah den Kindern zu. die zwischen Wagen und Automobilen auf der Straße spielten. „Dh. es müßte wunderbar sein,«in Kind zu haben— «rnen Buben, wie Walter gewesen sein muß— es zu pflegen, #1«—»»fihwen. und rnn seinetwillen zu weinen!" dachte sie, während sie einem K'nd« zusah, das hellbraune Locken hatte — Haare, die einst schwarz sein würden, so wie Walters Haare. Später schalt sie sich, weil sie so gewagt, so un- panamaisch dachte, und doch war sie stolz, zu wissen, daß sie sich nach dem Kusse eines Kindermundes sehnte. Waller sollte heute abend koinmen! Sie erinnerte sich ihrer Mutter oben. Von dem Ruhe- plötzchen aus, wo sie ihre Gedanken nachhängen konnte, mußte sie die vielen Stufen hinaufkriechcn in ihre Wohnung, um mindestens zwanzig Fragen darüber zu beantworten, was sie getan hatte. Von Walters Kommen konnte sie nichts sagen: sie konnte ihr Interesse für einen Mann, den sse nicht kannte, nicht«ingestehen. Gegen dreiviertel neun wagte sie, so gleichgültigen Tones wie nur möglich, zu sagen:„Ich Hobe ein wenig Kopf- schmerzen. Ich werde noch einmal hinunterspringen und etwas frische Luft schöpfen vor der Türe." „Geben wir«in wenig mstsammen spazieren. Ich möchte auch noch ein wenig an die Luft", sagte Frau Golden strahlend. ,Lm— ja— um die Wahrheit zu sagen, ich wollte mir etwas überlegen, was ich im Büro zu tun habe." „Oh, natürlich, mein Kind, wenn ich dich störe...!" Frau Golden seufzte und zog langsam in ihr Schlafzimmer ab. Sie konnte sich nicht umkleiden. Ihre Mutter lag im Schlafzimmer und schluchzte. Auf dem ganzen Weg« über die vier Treppen hinunter wollte sie zu ihrer Mutter zurückeilen. Mit kühler Ungeduld sah sie schließlich Walter auf das Haus zukommen: zehn Minuten zu spät. Er sah grotesk aus in seiner wahnsinnigen, pustenden Eile. Das war nicht mehr der strahlende Herr Babson. sondern ein verschwitzter junger Mann, der stotternd und sprudelnd hervorstieß:„Tja, wissen Sie— Hab keinen sauberen Kragen gesunden— Hab mich halb tot gehetzt— schließlich doch den Expreßzug versäumt auf der Untergrund- bahn— konnt's einfach nicht machen— puh, ist mir heiß!" „Es macht nichts", sage Una herablassend. Er ließ sich eine Stufe tiefer als sie auf die Treppe niedersinken und mischte sich die Stirn ab. Keines von ihnen konnte sprechen. Dann nahm er seinen horngefaßten Kneifer ab. steckte sorgfältig die Spitze seines Bleistifts in den Bügel, schwang das Augenglas surrend im Kreis herum und wollte es wieder aus setzen. „Oh. lassen Sie es doch unten!" fuhr sie ihn ungeduldig an., Sie sehen so affektiert aus damit!" „J— juh; aber... n— natürlich!" Sie kam sich sehr überlegen vor. Er fuhr sich nervös mit einem Finger über den oberen Rand des linken Ohrs, sprang aus, bückte sich, um Uno» Hand zu fassen, starrte ihr in die Augen, bis sie den Blick senkte— und dann fiel ein Nagelreiniger, eine gewöhnliche Feile zu zehn Cents, aus seiner Innentasche klirrend ans die Steinstufe. „Oh, verflucht!" stöhnte er. Sie lachtchi beide.' „Ich glaube wirklich, es wird regnen", sagte sie. Er ließ sich neben ihr niederfallen, unbequem zwischen ihr und dem Geländer eingezwängt. Dann ergriff er ihre Hand und umschlang ihre Finger so mild mit den seinen, daß ihre Knöchel schmerzten.„Hören Sie", befahl er.„Sie glauben gor nicht, daß es wirklich regnen wird oder irgend so etwas Dummes. Ich bin vierzehn Millionen heiße Meilen hiehergerannt, wegen fünfzehn Minuten— ja, und Sic selbst wollten mich auch sehen! Und jetzt wollen Sie über die Ge- schichte zukünftiger Regen sprechen?" In dem bitter-süßen Bann seines Händedrucks vergaß sie die Straße, die Kinder, den Himmel. Sie versuchte, ihre Hond zurückzuziehen, aber er preßte ihre Finger nur desto stärker, und die beiden Hände sanken auf ihr schmales Knie herab, das bei der Berührung erbebte. „Aber— aber warum wollten Sie mich sprechen?" Ihr« ganze Ueberlegenheit war verschwunden. Er antwortete auf ihr Zögern mit einer flehenden Vitt«: „Ich kann hier nicht wll Ihnen reden! Können wir nicht anderswohin gehen— kommen Sie, gehen wir zum Fluß hinunter." „Oh. ich darf nicht— wirklich. Waltor. Meine Mutter ist so— so unwohl heute und ich muß zu ihr zurück..« bald mindestens." „Aber möchten Sie gerne mit mir gehen?" „Ja." „Nun— darauf allein kommt es an." „Vielleicht— vielleicht könnten wir h'or aus? Dach hinaufgehen, für ein paar Minuten. Dann muß ich Sie nach Haus« schicken." j „Hvrral Komme« ote."(Fortsetzung folgt.)■ J Ein harter Spruch. Oer Angegriffene wegen versuchten Totschlags verurteilt. Nachgesandte Zeugenladung. Während der Ferien- und Reisezeit ereignet es sich nicht selten, daß der fern von seinem Wohnort Weilende mit einer ihm nachgesandten Zeugenladung in einer Zivil- prozeß fach« beglückt wird, der er unbedingt Folge leisten zu müssen glaubt. Denn, wie der Vordruck im Zcugensormular besagt, werden auf Grund des Z 380 der Zivilprozeßordnung Zeugen, die ohne Entschuldigung ausbleiben, in die durch das Ausbleiben verursachten Kosten verurteilt sowie zu einer Ord- nungsstrase in Geld, die im Nichtbeitreibung-ssalle in eine Hast- straf« bis zu sechs Wochen umgewandelt wird. Das Formular enthält indes noch einen zweiten Absatz, der aber vielfach übersehen wird. Er lautet also:„Mr den Fall, daß Sie den in dieser Ladung angegebenen Ausenthaltsort inzwischen verlassen haben oder daß Sie bis zu dem Termin noch Ihren Auf- «nthaltsort wechseln sollten, wollen Sie hiervon schleunigst Anzeige machen." Unterbricht der Geladene nun also seinen Urlaub, viel- leicht eine Badekur, und begibt sich nach seinem Wohnort, so wird er Hoistens nicht wenig enttäuscht sein, wenn er hört, daß er keinen Anspruch auf Erstattung der Reisekosten aus der Staatskasse erheben kann. Diese Enttäuschung und die Kosten hätte er sich ersparen können, wenn er unter näherer Begründung beim Gericht um die Aufschiebung seiner Vernehmung «ingekornmen wäre oder ausdrücklich angefragt hätte, ob sein Er- scheinen an dem festgesetzten Tage unbedingt notwendig wäre. Falls ihm wegen der Kürze der Zeit hierdurch D e p e s ch e» k o st e n er- «wachsen, so kann«r deren Erstattung verlangen. Bekommt er kein« Antwort, so muß er der Ladung allerdings 1F o l g e l« i st e n. Erscheint der Zeuge zu einem Termin, der aufgehoben wurde, �■von dessen Aufhebung er aber nicht mehr rechtzeitig Kenntnis grhielt, Mo ist die Entschädigungssrage seitens des Gerichts noch billigem Er- �messen und unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Mmstände zu beurteilen und zu entscheiden. Die Entschädigung wird >?>em Zeugen nicht versagt werden können, wenn er seine Abreise linicht allzu lange vor der letzten möglichen Reisegelegenheit an- getreten hat. Auch kann er, salls die Reis« infolge großer Ent- jSsermmg mit erheblichen Kosten verbunden ist, die Bewilligung seines Vorschusses beantragen. ; tont« ter Referent die parteipolitische Neutralität des Ver- bandes. Vom Vertreter des„Vorwärts� gefragt, wie der Reichs- verband über diese parteipolitische Neutralität hinaus zur ver- sassungsmäßigen Staatssorm der demokratischen Republik stehe, erwidert« der Verbandsoertreter. daß diese Frag« ein heikles Gebiet der hohen Politik berühre. Der Verband stehe der Republik nicht feindlich gegenüber. Aber viel« Kriegs- teilnehmer hielten die alt« Staatsform für besser als die heutige, und, da dem Verbände als Hauptziel die Zusammenfassung aller Kriegsteilnehmer am Herzen liege, müsse er eine Fe st legung des Verbandes ablehnen. Nach dieser Stellungnahme ist es für jedes Kriegsopfer, das Anhänger der Republik ist, klar: Es gibt nur einen Bund, dem man angehören kann, dem Reichs- bund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen, der sich rückhaltlos zur Republik bekannt hat. Reichsbanner gibt für die Neuroder Opfer. Zu der Sammlung zugunsten der Hinterbliebenen des Grubenunglücks in Hausdorf hat der Ortsverein Berlin- Kreuzberg des Reichs- bayners Schwarz-Rot-Gold den Betrog von hundert Mark bei- gesteuert und dem Verlag des„Vorwärts" zur Weiterleitung über- wiesen. als Abschreckung für erforderlich hält. Es wäre aber b«dau«lich, wenn dies dazu führen sollte, baß Arbeiter, einerlei ob kommu- nistische oder andere, auch dann zu harten Strafen verurteilt wür- den, wenn sie gegenüber einer Mehrzahl von Angreifern vielleicht über die Grenzen dessen hinausgehen, was bei kalter Ueberlegung das Richtige gewesen wäre._ � Strafantrag im Tscherwonzenprozeß. Staatsanwalt plädiert für Gefängnisstrafen Im Tscherwonzenfälscherprozeß wurde heute von der 1. Straf- kammer des Landgerichts I die B e w e i s a u f n a h m« ge- schlössen, woraus Staatsanwaltschaftsrat Dr. Grüneberg die Anklagerede hielt und die Verurteilung der Angeklagten wegen Münzverbrechens und Betrugs forderte, die in der ersten Instanz amnestiert oder freigesprochen waren. Oberstaatsanwalt Freiherr v. Steinecker kam � sodann z» dem Ergebnis, daß die georgischen Angeklagten Karumidze und Sarathieraschwili nicht aus politischen Beweggründen zugunsten Deutschland- gehandelt hätten, also die Anwendung des Amnestie- gesetzes nicht in Frage komme. Auch die übrigen deutschen An- geklagten Böhl«, Bell und Schmidt hätten nicht aus uneigennützigen, sondern aus wirtschaftlichen Beweggründen gehandelt. Lediglich bei dem Angeklagten Dr. Weber, der in der ersten Instanz freige- sprachen war, unterstellte der Oberstaatsanwalt uneigennntzige poii- tische Motive und beantragte, die von der Stoatsanwaltschoft einge- legt« Berufung zu verwerfen. Gegen die übrigen Angeklagten stellte« erneut die Antröge der ersten Instanz, und zwar gegen Karumidze wogen Münz- verbrechen? und Urkundenfälschung 2 Jahr« 10 Monate Gefängnis, gegen den Angeklagten Sarathieraschwili wegen Münzverbrcchens und Betruges 2 Jahre S Monate Gefängnis, gegen Böhl« wegen Beihilfe zum Münz- verbrechen 4 Monat« Gesänqnis, gegen Bell wegen Mjinz- Verbrechens und Betruges 1 Jahr 7 Monate und gegen den Angeklagten-S ch m id t wegen Betruges an Stelle einer an sich »«wirkten Gefängnisstrafe eine Geldstrafe von 6000 M. Preußens Baderfürsorge. Staatliche Neubauten im staatlichen Rheumabad Nennborf. Der außergewöhnliche Aufstieg des dem preußischen Staat gehörenden Schlamm- und Schwefelbades Nenn- darf, der durch große Heilerfolge auf dem Gebiet aller Rheumacrkrankungen bedingt wird, hat den preußi- schen Staat zum weiteren Ausbau dieses größten deutschen Schlammbades veranlaßt. Soeben wurde nun im Bad Nsnndorf ein neu« Anbau am Großen Schlammbadehaus in B?tried genommen, in dem 12 Vollschlammbadezellen mit doppelten Ruhe- zellen und 24 Teilbadezellcn in technisch-hygienisch modernster Aus- führung untergebracht sind. Fern« ist in Bad Nenndors ein großes Freibad fertiggestellt, das ein besonderes Kinderplansch- b e ck�e.n für H.oles, enthält. Der weitere Ausbau des Bades siehk- den Neubau eines mve h r'ft ö ck i g e n S chl a m mb a d c h a u je s mit einem modernen Kurmittelhaus vor, in dem ein- Forschungsinstitut für Rheumacrkrankungen zur wissenschaftlichen Znsammenarbeit mit den benachbarte» Unioersi- täten untergebracht werden soll. Bei der zur Eröffnung stattfindenden Feierlichkeit wies der Ministcrialvcrtreter, Oberregierungs- und Landeskulturrot Dr. Kasper darauf hin, daß es Preußen als Ehrenpflicht und Kulturausgabe betrachte, die Heilschätze der preußischen Staatsböder der Volksgesundheit dienstbar z» machen, und damit die soziale Bädersürsorge zu fördern. Oberpräsident R o s k e überbrachte die Grüße der Provinz Hannover. Landtags- abgeordneter L e i n e r t versprach die weitere kräftige Förderung des Bades durch den Landtag. Gerichtsferien und Ferieusachen. Die G e r i cht s f« r i e n beginnen am 15. Juli und endigen am 15. September einschließlich. Wöhrend der Gerichtsserien werden nur in Feriensachen Termine abgehalten und Entscheidungen erlassen. Es sind dies: 1. Sämtliche Strafsochen: 2. Die Angelegen- heiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit(Grundbuch-, Dormundschafts-, Nachlaß- und Registersochen): 3. die a r b e i t s r e cht l i ch« n Streitigkeiten; 4. von den bürgerlichen Rschtsstreitigteiten: a) Arrestsachen und einstweilige Verfügungen: b) Meß- und Marli- fachen: c) Streitigkeiten zwischen Vermieter und Mieter oder Unter- mieter wegen Ueberlassung, Benutzung oder Räumung von Woh. nungen oder anderen Räumen oder wegen Zurückhaltung von ein- gebrachten Sachen. Der p r« u ß i s ch e I u st i z m i n i st e r hat am 13. Mai dieses Jahres folgende allgemeine Verfügung erlassen: Die Notwendig. keit zur Beschleunigung der Zivilprozess« besteht angesichts der noch andauernden schwierigen Wirtschaftslage auch m diesem Jahr«. Ich erwarte daher, daß die Gerichte ebenso wie in den vergangenen Iahren auch weiterhin den Wünschen der Prozeßparteien auf Beschleunigung der Rechts- oevsolgung wahrend der Gerichtsserien soweit wie irgend möglich ist, entgegenkommen werden. Wieviel Kinder soll man haben? Die Deutsche Welle ver- anstaltet im Rohmen ihrer Vortragsreihe„Gedanken zur Zeit" am Mittwoch, dem 16. Juli, in der Zeit von 20 bis 20.40 Uhr ein Zwiegespräch zwischen der sozialdemokratischen Reichstags- abgeordneten Frqu Luise Schröder und dem Zentrumsabgeord- neten Martin I o o s über das Thema:„Wieviel Kinder soll man haben?" Der Volkschor Moabit gibt oen Besuchern des Volks- Parks Rehberge am 18. d. M., 20 Uhr, ein Freiluftkonzert. Der Chor versammelt sich an der Betonbrücke. von Vierlingen entbunden. Eine in Breslau wohnhaite Frau wurde von Bierlingen, zwei Knaben und zwei Mädchen. entbunden. Die Mutter sowie die vi« Neugeborenen befinden sich wohl. Der Bat« ist erwerbslos. Gelbe Raucherzähne.„Ich benutze seit Jahren die Ehlorodont- Zahnpaste und bin mit der Verwendung derselben sehr zufrieden. Trotzdem ich ein Kettenraucher bin, sind meine Zähne stets blendend weiß. Auch fehlt mir kein einziger Zahn, sodaß uh behaupte, nur „Ehlorodont" erhält meine Zähne gesund." H. Emnenbera, Manchen. — Ehlorodont: Zahnpaste 60 Pf. und 1 Mk., Zahnbürsten, Mundwasser 1 Mi. bei höchster Qualität. In allen Ehlorodont- Verlaussstellen zu chaben. Oer„schönste Mann�. Ein bekannt«? Berliner Vergnügungspark hat wieder einmal einen Wettbewerb veranstaltet: Diesmal ging es um die Schönheit des Mannes, die mit 500 Mark im ersten Preis und je IM Mark in fünf Trostpreisen bewertet wurde. Da erfolgte«in Vorbeimarsch von Männern, der seinesgleichen suchte: viel mehr als der Karikaturist kam dabei eigentlich der S o- zialpsycholog« auf feine Kosten. Unter den mehr als hundert Bewerbern, die mit artig tänzelndem Schritt und geziertem Lächeln um die Gunst der Jury buhlten, waren es neben einigen auf keß geschniegelten und gestriegelten Männern fast durchweg B a j a z z i der Not, die mit lächelnd verzerrter Grimasse um«in Almosen bettelten, die letzte Aussaat des Romanischen Cafes und der Film- börfe, darunter erloschene Sterne der Filmleinwand und der Palette. Mst todernstem Gesicht inmitten der grinsenden Schäicheitsgarde steht«in alter Weißhaariger, beleibt, gutbürgerlichen Aussehens: und jeder fragt sich: was will der hier? Da tuschelt einem einer von der Jury ins Ohr:.Oh, dem ging's einmal besser wie uns allen! Der war mehrsacher Hausbesitzer am Kurfürstendamm. Heute ist alles futsch bei chm!" Wie ein Tier auf der Schlachtbant läßt er sich von allen Seiten mit den Augen befühlen und mischt sich dann in das wartende Heer der Anwärter, die nun gesiebt werden sollen. Wirklich ist auch er unter der engeren Wahl: man kann das wohl nicht recht begreifen, aber man freut sich für ihn, der auch jetzt noch die gleiche hoffnungslose Miene zur Schau trägt. Das Biertelhundert der„Gesiebten" wird jetzt auf die harrende Meng« drunten im Park losgelassen: Volksentscheid! Hoffentlich ist der traurige Wie mit dabei. Di« Devise hieß: Der i n t« r- essantefte Mann von Berlin! Da meldeten sich eben jene, die das„markanteste" Gesicht auszuweisen glaubten. Und den schärfften Stift führt bekanntlich das Elend... Und wirtlich hatte die Masse Mensch Einsehen und wählte als Preisträger alle jene, die ihr Schicksal mit„interessanten" Runen gezeichnet hatte. Auch der bedauernswerte Alte war darunter. Otusrildimgen für dies« Nubril sind «, r l i» 2««. Lindensteag« X stet,«n da»»«jirk-sekretariai t. Hos, 2 Zr»pp«u recht», zu richten. Die Sozialdemokratische Partei demonstriert am I.August im Lustgarten! Auf verschiedene Anfragen aus den Kreisen unserer Partei- und Betricb-funkkionärc teilen wir mit. daß die diesjährige am Freitag, dem I.August, bestimmt im Lustgarten stattfinde», wenn die»Rote Fahne" zur gleichen Zeit im Lustgarten cine kommunistische'Veranstaltung ankündigt, kann das nur den Zweck haben, unsere Genossen von der Teilnahme abzuhalten und in den Betrieben Verwirrung anzurichten. Der Polizeipräsident hat gemäß seiner Verfügung vom Alai d. Z. pur eine Partei im Lustgarten zugelassen. Deshalb sorgt für Massenbesuch. Der Bezirksvorstand. X X»U Zittau Tb»,«chtuoq, Jttti.nritfllwb«! Heul«,»iwr-ch. 1«. z»l>. studet»i« Monat Vit StmonfteoftOD«fflen ben �«schiomu» Itoit. SomtMloloS fllfin« Ticrgoite» um 18 Uhr. Sobnen sind mitjubrinnen. Vit«WtilnnoilchfT rottbrn gebct«».»eb«««noffen Ol» vrdiur mit «i-d« btttttzuftcllttt. Di« 58.«bttilan« eborlott-»b»r« bctcUiat«ich an der Drmonstrotioa aad trisst«ich«de» soll» im Zlelae» Tlernorten. heute, Mittwoch. 16. Juli. «.*». OTp anitflliciet BttfUiflcn sich ort bn»rttsbtmoalhotion. anlwhn i om 18 Übt pllnlilich Äkinct Sittflotttn. Morgen. Donnerstag. 17. Juli. 32.«bi.«cht»»«: ftmtwnlerfunftionärc btt 37. goblssrurpe lsroltionostdung um l»>.r Uhr bei Kromphorbt. Poul-Srnott-Stt. 49. 218,«St. eichtnabero. 1»V» Übt michliflc Kunktwnärsitzuna b«t Slbbtr, Sun«- (Sic Obccstroß«. Direkte Kurswagen Berlin-Bad Ems ab Berlin-Potadam. Bhf. 8,45 an Bad Ems 19,43 ab Berlln-Bhl.Friedrichstr. 20,23 an Bad Ems 7,43 Frauenveranslaltung. 38.«St. Alle ffienoffmntn beteiligen lich om Donncrsta«, dem 17. Sali, noch. mittofls, om floffedochen der Zlonsumgenossenschoft in Dietz„SccterrolTfn", Rbbcrstroßc. Zungsozialisten. H Di« Sruppenlonserenz findet beute. Mittwoch, 16. Sali, 20 Uhr, M in de«©oftftötlc de««rbeiter-ASstinenten-Bande». Slolitzee Str. 0, W @ statt. Wesen der wicht!««!, Tooeoorbnun« bitten wir um«ünktliche« l? Erscheinen,«rbeiteouoschubmitqiieber kommra lxeeitz am 1» Übe rg g«n bot gleichen Stelle zasommen. H S���RealSlln� H�ute.�Mttwech/ 20 Uhr.� Jugjntbhcim �Ttep� lomcr etc. 98—96, Soctra«;„Wos geht in Potttil und Wirischoft vor?" Sie. fcrent: Bruno Krüger. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. Srurp«„Mortbo Demmniag". All« Kinder treffen sich om Mittwoch, pünktlich 18 Uhr, im Iugenbbeim Ebertvstr. 12. Sebr wichtige Mitteilungen, daher unbebingteo Erscheinen Pflicht. Kreuzbcrg. Gruppen Lotibusler Tor, Wrongclstro�e und Gbrlider Stroke. Donneroiog. 17. Inli, von 17 bis 19 Ubr, im Iugenbheim Briper Stroße, „Bunter Abend". Alle Kinder und Helfer sind herzlich kiugeloden. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 9«. Ab«. Reutiilln. Unser« Genossin Kloro Hempel, Illeftr. 16, ist ner- starben. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung am Dannerstog, dem 17. Suli, um 15 Übe, im Krrmotorium Doumschulenweg. Wir bitten um rege B«- terligung. 97- 9lbt. Neukölln. Unser SertoiTe Albert sseblow, Ionosstr. 32. ist om 12. Juli verswrben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung heute. Mittwoch, 16!� Uhr, im Krematorium Baumschuleuweg. Wir bitten um rcge Beteiligung. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an des Zügen dsekretartat. Setflu GW SS.-CindenftroSf S Abteilunaslcite?, reicht umgeh?nd die Programme Mr August et«, rechnet oic Rertfn vom �Rast" und ron der Sonnenwende ab. Streichorchester Groh-Berlin. Heute. IS Uhr. P-flicktprob« i» Sinderheim, Gehrener Str. 2 fNohe Bezfirksomr Prenzlauer Derq). Die Karten für dic„Daldur". Fahrt am 2fi. und 27. Juli müssen von den in ssrage kommenden Werbebe/zirren umgehend abgeholt werden. heute. Mittwoch. lg>- Uhr: Selandbrannea U- Heim Ehristioniostr. 38.„Geschichte der Wirtlchoft." � Wedlnno: Heim Turiner Ecke Seestroße...Worum SAJ.?"— Peter» bärge 1 ®'«tttl: Heim Gbertnstr. 12.„Erste Hilfe bei Unglücksfällen.�— s»ilea. stobt: Heim Wossettorstr. 9. Plauderei über kulturelle Stögen.»» Neichea. berget Pirrtel! Heim Briher Sir. 27--z«..Tbc NTT�AL."— Liadenhof- Iuaendbeim der eieblung..„smeck und Kiele der SAJ"— aboelott««burq. Nord: Heim Blbersstroße. Heimobend.— Lonkwig: Gemeindeschul« Echül, sirofte. Probe im Heim um 30 Uhr. Kostüme mitbringen.— Teiapelbos: Heim Gbststroße.„Gondbi und die indisch« Freiheitsbewegung."— Lichten. bcrg. Ritte: Heim echornwoberstr. 29.„Die Arbeiterbewegung Englonds."— Lrchtenbeeg.Nord: Heim Gunterstr. 4t...Religion und Kirche."— Lichtenberg. Nordwest: Nothousstrobe, Barocke 5„Arbeiterjugend und Porteivolitik."— Mohlobors: Heim im Eitzungssaol der Ligo, Melonchtonstroße. Adomson» Abend mit Lichtbildern. Wer bebe, irl Tiergarten: Wir beteiligen uns gefchlosten on der Demon» stration der Portei„Gegen die Notionolsoziolisten". Treffpunkt 18 Uhr Kieiner Ticrgorten. Wortebezirk Peenzlomer Berg: Tombourkovelle. Mitglredeppersommlunq >n ber Schul« Wehlouer Str. 8. Wichtige Togesordnung. Erscheinen oller Spieler notwendig. Derbe beirl Lichtenberg: Morgen Werbebezirksvorstondosrbun« im Keim Gunterstr. 44. Erscheinen müssen olle l. Borfillenden und Iugenddeiräte. Ab. rechnung des Werbebezirksbeitrogs muh für dos l. Quortol unbedingt bi» zum 17. Siilt erledigt sei,,. Derbebejirt Neukölln: Achtung, Wanderleiter, heute Kursus über.Erst« Stift ouf Skobrt im Heim Böhmische Strohe. Interessenten können teil- ircrjnwn. -.D« r S ch la gb a u m", ein Lustspiel rund um den Zollverein brachte«in Kapitel berlinffch-preußisiyer Kulturgeschichte al» freund- lich naive Unterchaltung. Ein kleiner«rheiternder und doch recht nachdenklicher Rückblick aus die Zeit vor IM Iahren. Alfred B r a u n s Regie, an Berliner Volksstücken oft erprobt, bewährte sich auch hier wieder.— lieber„Dic gegen wä r t i o e Krise der Kultur unddas junge Geschlecht" sprach Dr. Werner Ziegenfuß. Er bemühte sich, aufzuzeigen, daß der Begriff Kultur ein« Umwertung ersahren hat: der Vorkriegsgeneration war er ein dekoratives, gern zur Schau gestelltes Museumsstück ihrer bürger- Iich«n Lebenssührung. Für unsere Zeit, der die Rot der Masse und das Aufwärtsstreben der Masse den Stempel ausdrückt, ist dieses Beiwerk sinnlos geworden. Kultur kann sich nur noch in der Lebensgestaltung selber beweisen.— Ueber den Vortrag, den Otto Bach, Referent im Internationalen Arbeitsamt Berlin, über „Jugendschutz im Lichte der internationalen Sozialpolitik" hielt, wird an anderer Stelle berichtet werden. Am Montag wurde als R a ch t v e r a n st a l t u n g ein Hör- spiel„Flaubert vor dem Staatsanwalt" gesendet. Der Sittenprozeß, der sich um Flauberts klassischen Roman des Reolis- mus„Madame Bovary" abspielte— er endet« mit einem Freispruch des Dichters— war im Grunde nichts anderes, als einer der ewigen Kämpfe, den das Alt« gegen das Reue führt. Diese Tatsache hat der Verfasser des Hörspiels, Ludwig Mareufe und Ernst Schoen wohl auch zur Rekonstruktion der' Verhandlungen gelockt. Doch mußten sich die Hörer mit einer Uebersicht über den Berhandlungsstoff begnügen, da den Verfassern die Möglichkeit mangelte, in prägnanten Dialogen das Milieu solcher Prozesse zu charakterisieren. Tes. Voriräge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". Gesiftäktsstelle: Berlin S 14, Sebostianstr. 37—38, Hof 2. Tr. Mittwoch, 1». Juli. Friedrichohoin lKomerodschost Worschoul. Um I9Zb Uhr Bcrsommlung bei Sohn, Eimon-Doch-Strohe. Erscheinen Pflicht.— Donnerstas, 17. Salt. Prenzlauer Boro. Für Komcrodschoft Ro» bert Blum NM 20 Ubr Bersommluno bei Kluo. Douzioer Str. 71: sür Kome» rodschoft Wöriher PIoh um 20 Uhr Bersommluno bei Roötke, Eberswolder 2: rohe 35. fAchiuno, Lokoländerung!) Wilmersdorf(Komer»dschoft). Um 29 Uhr Bersommluno bei Knllo, Louenburoer Str. 21. Lichtenbero(£5tU- verein). Iunobonner und Schuhsportler. 20 Uhr Bersommluno bei Rodeoost, Zlormonneustr. 38. Wichtig« Togcsorbnimg. Erscheinen Pflicht.— greitoo. 18. Sali. Sietflarten(Orfsnetein). Moabit 19 Uhr Kleiner Tiergorten! Westen 19 Uhr bei Rickert. Antreten zur Lostwooenfohrt. Bonncrkleidung. Pslichi. »eronstoltuno. Rciuickcadorf-vst lKomerodschoft). Um 20 Uhr Eihung bei Klehne, Restdenzstr. S. Erscheinen Pflicht. Meldungen, zu dem om Sonntag, dem 27. Juli, stoitfindenden SomMenousflug noch Tiefenfe« ssnd bis zum ssreitog. dem 18. Juli, unter Beifügung des ssohrgeldes in Höhe von 2 M. beim Kameraden Liebig. Epensteinstr. 8, oder im Bereinslokal Kiehne. Rest- dlnzstr. 9, obzngeden._____ ArSefter.NodioBnnb Dentschlond» 6. B., Ortsgruppe GrohDerlin. llntergrappe Ehorlottenburg. Gruvpenlokol Lehmonn, Chorlottenburg, Königs- weg 8. iZreitog. 18. Juli. 29 Uhr, Bortrog:„Wirkungsweise von Anoden und Giiterbotterien". Gäste willkommen.— Untergruppe ffriedrichshoiu. Lokal Codincr Str. 19. Donnerstag. 17. Juli. 29 Uhr. Mitgliederversammlung. — Untergruppe Neukölln. Lokal Wilhelm Utk«, Hermonnstr. 11. Donnerstag, 17. Juli, 20 Uhr, Dortrog:.Schaltung lesen". Gäste willkommen. Allgemeine Wetterlage. QHaM 3 wolkenlos,® haiter.C) halbbedeckt 9wolkig,eb8deckr,»R�eaAGr3upeln "Schn&ftSHsbalJGee.iUtcl�Wicdstille Das unbeständige Wetter dauert in Deutschland noch immer an. In dem Gebiet tiefen Luftdruckes, das sich gegenwärtig über Nord- deutschland befindet, sind noch einzelne Störungen vorhanden. Daher kam es noch zu ViedelHolten Niederschlägen. Oestlich der Elbe kam es auch zu weitverbreiteten Gewittern. Die Niederschlagsmengen waren aber nicht mehr allzu groß. Westlich von Island ist jetzt ein« neue, für die Jahreszeit sehr tiefe Depression aufgetreten, ans deren Vorderseite bei Regensällen der Lustdruck sehr stark fällt. Sie scheint sich nach Osten zu bewegen, wird also voraussichtlich in den nächsten beiden Togen auch unser Wetter in Mitleidenschast ziehen. Ein« Beruhigung dürfte nur vorübergehend eintreten. Wetter sür verlin: Noch kurzer VeruHigung wieder vielfach bewölkt mit Regenfällen, Temperaturen später wieder etwas sinkend. — Für Deutschland: Im Westen stark bewölkt mit Regensällen bei wenig verändcrten Temperaturen, im übrigen Reich« nach kurzer Besserung erneut Niederschläge. Das Gesund heitS' wasserl Fiehlngtr Ters»ndstelle, Berlin SV II SchBoebereer Str. Iba. Tel. LQtzow 8260-61 Auch der Stadtverkehr verlangt viel von der Bereifung des Fahrrades und des Motorrades Stadtstraßen sind zwar im allgemeinen besser, d.h. ebener and glatter als Landstraßen, aber sie stellen besondere Ansprüche an die Bereifung. In der Stadt noch mehr als anderswo hängt die Sicherheit des Fahrens, besonders bei nassem Wetter, von der Griffigkeit des Reifenprofils ab. Und zäh, widerstandsfähig, elastisch muß der Reifen auch hier sein, denn Asphalt und Gramtpflastcr schenken ihm nichts in puncto Strapazierung. Excelsior-Reifen sind in der Stadt ebenso zuverlässig wie auf der Landstraße. | Nur beim Hindi« koaflich> FAHRRAD-UND KRAFTRAD-REIFEN W�flenbiMung im JlapHntisimm Sine wichtige£ebensfrage des Proletariats r Noch Auffassung namhafter bürgerlicher Natianalakonmnen leben wir heute in der Periode des Spätkapitalismus. Liegt in einer solchen Definition nicht ein bemerkenswertes Eingeständnis? Spricht daraus nicht eine gewisse Resignation? Die Antwort lautet ?o und Nein zugleich. Zweifellos wird sich das großkapitalistische Bürgertum unter dem Eindruck bestimmter sozial-ökonomischer Tendenzen nach und noch seiner historischen, d. h. nergönglichen Rolle bewußt. Aber daraus solgt noch lange nicht, daß die Kapitalisten- klaffe als solche auch nur im Traum daran dächte, freiwillig vom Schauplatz der Geschichte abzutreten. Das gerade Gegenteil ist richtig. Immer noch haben herrschende Gesellschaftsschichten, wenn sie den Boden unter sich wanken fühlten, alles daran gesetzt, ihre Piachtposition um jeden Preis zu halten. Indes, soviel ist sicher: Mit Gewaltmethaden allein kann sich auf die Dauer keine Klassenherrschafb behaupten. Dos hatte sogar ber deutsche Militarismus begriffen, als es— zu spät war. Jedes Gesellschaftssystem muß eben— will es Bestand haben— in letzter klnstanz vom Massenwillen getragen sein. Das ist freilich nur mag- lich, wenn es gelingt, die große Mehrheit der Gesellschaft inner- l i ch an das herrschende System zu fesseln. Wirtschaftlich und sozial «entrechtete Volksschichten kann man aber nur dadurch bis zu einem gewissen Grade mit ihrem Ktassenschicksal versöhnen, daß man ihr Denken und Wallen in eine bestimmte Richtung hinzulenken ver- fleht oder mit anderen Worten: daß man M a s s e n b i l d u n g in großem Stile organisiert. Das Problem der Massenbildung ist also «ine Frage von Sein oder Richstein für jode bestehende Gesellschaft. Verhält es sich aber so, dann ist über die vermeintliche Neutralität ider Bildungszielc von heute und gestern eigentlich alles gesogt. Die mittelalterliche Fcndalgesellschaft hatte es insofern oerhält- nismäßig leicht, als ihr ein großartiger, international aufgebauter Tuldungsapparat zur Verfügung stand: die röinische Kirche. Auch der Kapitalismus, der i» seiner ersten Jugendblüte gegen diese »nächtige Institution init dem Schlachtruf:„Vernichtet die Schänd- iiche!" zu Felde gezogen war. mußte in einer späteren Epoche den Vorteil eines Friodensschluffes mit dem Gegner van gestern ein- sehen. Es kam also zu der für beide Teile brauchobren Einigungs- formel:„Die Religion muß dem Volke erhalten werden." Jedoch im Zeitalter der modernen Biologie und Physik, im Zeitalter des Flugzeugs und der Radiowellen und vor allem in der Llera der modernen G es ellschoft swi siech chott tonnte die Religion ihre jrühere, nahezu unumschränkte Einflußsphäre naturgemäß nicht aufrechterhalten. Sie ist heute— denkt man besonders an gloßstädtijche Industrieproletarier und verwandte Schichten— mehr eine äußere Tradition als eine lebendige Realität. Wollte sich der Kapitalismus heute, wo seine ökonomische Ausweglosigkeit immer drastischer in Erscheinung tritt, nur noch aus die Religion, als den einzigen ausschlaggebenden Bildungsfaktor, stützen, so hätte ihn wahrscheinlich sein historisches Schicksal längst ereilt. Das wissen die herrschenden Dberschichten sehr genau. Zum mindesten sagt ihnen ein untrüglicher Klasseninsttnkt, daß Masten- siiggestion im kapitalistischen Sinne sich heutzutage wirksamerer Instrumente bedienen muß als jener, die eine eingefrorene kirchlich- religiöse Ideologie zu bieten vermag. Es kommt oben in der Gegen- wart alles darauf an, den Geist des Kapftaiismus im Massen- bewußtsein zu verankern. Keine ganz leichte Aufgabe! Schließlich mutz es auch ein Blinder merken, daß vom Kapitalismus nur solche Werte geschaffen werden, die dem Unternehmertum Mehrwert bringen. Weil dieses Gbsellschostssystem aber keine Wert« an sich kennt, muß es nach außen anders erscheinen, als es im Grunde ist. Es steht immer vor der Notwendigkeit, sein« Existenzberechtigung zu beweisen, d. h. es muß dem Maffenbewuhst'ein plausibel machen, daß individuelle Profitiiftcreffen mit allgemeinen Gesellschafts- Interessen gleichbedeutend find. Und dos in einer Zeit, wo die Fragwürdigkeit des Systems immer offenkundiger wird! Dennoch bringen die herrschenden Klassen das Kunststück fertig, große Teile des eigentlichen Proletariats und vor allem proletarisierte Zwischen- schichten in kapitalistische Fesseln zu schlagen. Da? Rezept, dos sie dafür verwenden, ist im Grunde sehr einfach: Da? Massenbewußt- fem darf sich über die Grenzen des Heute nicht erheben, die Masten dürfen nicht dahinter kommen, daß es ein I e n s e i t s- d l e s e r- Gesellschaft gibt. In diesem Sinne arbeftet der gesamte Bildungsapparat, über den das modeln« Großkapital verfügt. Wir sehen hier von der Funktion der heutigen Volksschule geflissentlich ob, weil das Problem der Jugenderziehung ein Kapitel für sich bildet. Und außerdem fei bemerkt, daß aus dem großen Arsenal neuzeftlicher Massen- bildung nur eine kleine Auswahl von Lehrbeispielen herangezogen werden kann., Eins der wirksamsten Instrumente solcher Mostenbildung bleibt immer noch die bürgerliche Presse im weitesten Sinne, also auch Zeitschriften sachlicher Natur, illustrierte Zeitungen, Witz- blätter, Magazine usw. mit inbegriffen. Es ist merkwürdig, daß gerade das Bürgertum, das in der Theorie die sogenannten „Ewigkeitswerte" wi« Dichtung, Kunst, Moral, Recht»sw. aus der „niederen" Sphäre der Politik herausgehoben wünscht, in der Praxis den gegenteiligen Grundsatz befolgt. Denn in der bürger- lichen Presse wird von der ersten bis zur letzten Zeile Politik gemacht, natürlich Klastenpolitik in großem Stile. Sie stt im Unterhaltungsroman genau so zu Hause wi« in der humoristischen Ecke und im Kreuzworträtsel und kommt selbst im Inserat noch deutlich gemig zum Vorschein, von Buch-, Film-, Rodiokritik und gesellschastskritischen Betrachtungen gar nicht erst zu reden. Wer «ine bürgerliche Zeitung zu lesen versteht, wird finden, daß sich hier eine große Zentralidee durchsetzt, die sich wie von selbst dem Gehirn des Lesers einprägt: Die heuttze Gesellschaft ist die einzig mögliche, die bürgerliche Welt stt die beste aller Welten! Glücklicherweise ist die Macht der bürgerlichen Presse nicht un- begrenzt. Trotz geringerer Zahl und Auslagestsser ist der sozialistische Zeitungsapparat ein immerhin beachtenswerter Faktor. Anders steht die Sache schon beim Film, weil dieses Mittel neu- zeitlicher Mastenbeeinflustung sich so gut wie ausschließlich in kapftal'stischen Händen befindet. Daß das Kino in weitem Maße zur Propaganda bürgerlicher Klasteninteressen verwendet wird, zeigt sich nicht etwa nur in militaristisch«! und nationalistischen ? cndenzsilmen, wie wir sie eine Zeitlang serienweise erlebt hoben. Die sichtbare Tendenz ist noch die verbältiftsmaßig ungefährlichste. Bedenklicher ist natürlich der sogenannte„neutrale" Geselljchafts- f'lm mit seinem so charakteristischen„Happy end", das keineswegs einer an sich nicht unglaubhaften Ideenarmut bürgerlicher Film- outoren entspringt. Rein, hierin liegt System, weil die glücklich« Endlösung im filmdramatischen Konflikt dem Zuschauer die Suggestion vermitteln soll: Rur eine bürgerlich-optimistische Welt- anschauung ist angebracht! Es liegt an dir, daß du es in dieser Gesellschaft zu etwas bringst! Man wird vielleicht einwenden, daß es auch„gute" Film« gibt, die sich sehen lasten können. Niemand bezweifelt das. Ader hier stt vom Filmbstrieb als einem Gesamtkomplex die Rede, dem notiir- lich eine bestimmte Klossentenden.; innewohnt. Das gleiche erleben wir übrigens beim Rundfunk, der sich dank«mer rapiden technischen Entwicklung in kurzer Zeit zu einem riesenhaften Bil- ixmgsapporat entfalten konnte. Indes, die Technik bildete nur die Voraussetzung dafür, daß es so kam. Mit sicherem Instinkt haben die herrschenden Schichten sich dieser Iisttitutton bemächtigt und durch Staotsmonopol jede privat«(soll heißen: proletarisch«) Ein- slußnahme so gut wie auszuschalten gewußt. Es soll nun durchaus nicht belmuptet werden, daß der Rundfunk sich porteipolittsch nn buchstäblichen Sinne des Wortes betätigt. Man kann sogar noch einen Schritt weitergehen und den meisten Sendergruppen dos Zugeständnis machen, daß sie ehrlich bemüht find, sozusagen Jedem das Seine zu geben. Aber erstens einmal ist das in einer Klastengesellschoft an sich umnöglich und außerdem kann niemand aus seiner Haut heraus. Der Rundfunk in seiner heutigen Struktur ist von.Hause aus gar nicht imstande, fein bürgerliches Ich zu vew leugnen. Ein Beispiel aus den letzten Tagen— übrigens e i n Bei» spiel von unzähligen— soll das verdeutlichen. Bei einer heiteren Abendneranstaltung wird ein„humoristischer" Ehedialog gesendet, bei dem die Dame des Hauses den teuren Gatten beschwört, er möchte ihr zu den bereits vorhandenen 20 kostboren Gesellschaftskleidern noch ein 21. gewähren, dos sie eben gerode zu einer bc- stimmten Gelegenheit ihrer Meinung nach dringend benötigt. Sicherlich hat sich die Funkstund« bei der Sendung dieses„harm- losen" Intermezzos nichts gedacht. Sic hat vor ollem nicht daran gedacht, daß wir nach der amtlichen Statistik rund 3 Millionen Erwerbslose zu verzeichnen haben! Der Kontrast zwischen der inneren Haltung einer solchen Szene und der sozialen Wirklichkeit st! derart lähmend, daß sich darüber jedes weitere Wort erübrigt. Das ist es, was wir bürgerliches Klastendenken nennen. Aus solchem Klassendenken aber ergibt sich zwangslöistig der Charakter der heutigen Mastenbildung. /Xrtkur Ooldstein. &ritM Wüller-Partenkirchen: 3)16 JCdidT Wie ich als Kaufmannslehrling anfing, hatte ich am ersten or- beftsschweren Lehrtag ein Gesicht. Spräche ich„geschwollen" hieß« ich's Vision. Mein Freund der lange Gunzelmonn, dem ich'? erzählt«, hieß«s eine Schnapsidee. Mir kam mein Leben vor wie ein« Letter. Ich durfte auf die unterste der Sprossen treten, lieber mir, himmelan bis Wolken- höhe— Sprossen, Sprossen, Sprossen. Die meisten für mich sicher unersteigbar. Ich w«rd« froh sein nnissen, wenigstens ein paar von ihnen zu erklimmen. Jahrelang aus«iner ersten groben Sprosse steh» zu müssen, unter einem nichts als harte Erde— ich schlief nicht gut in jener ersten Lehrnacht. In der zweiten wußte ich's schon bester: Unter meiner ersten Sprofl« waren andere Sprossen, die ich hatte überspringen dürfen, Zlusgehersprossen, Aktenklebersprossen, Fuhrknechtssprossen, Putz. frausprosten— wenn mein Blick noch unten mich nicht trog: Die Leiter reichte unter meinen Füßen nicht viel kürzer in die Ties«, als sie über meinem Kopf sich in den Himmel reckt«. In der Mitte stand ich, nicht am Anfang. Der Sprosse unter mir, der Auszehersprosse, durste ich schon sagen:.Dahin gehen Sie, Herr Bröselmann, und dorthin." Neid- erfüllte Augen sahen zu mir auf. Gleich darauf scholl es von der nächsten Sproste über mir: „Stift, schreiben Sie geschwind ein Duplikat zu diesem Primawechsel." Neiderfüllte Augen sahen zu ihm auf, dem Kontokorrentbuchhaster Förtner. Der Neid verblaßte, als ich es über der Kontokorrentbuthholter- sprosse von der Hauptbuchhaltersprosse her befehlen hörte:„Wie lange, Förtner, meinen Sie, daß meine Bilanz aus Ihren Debitoren- saldo wohl noch warten soll?" Roch weiter her kam«ine Prokuristenstimnie. In der zweiten Lehrnacht träumte nftr, einmal würde meine Stimme auch von einer Prokuristensprosse äbwörtstönen. Am dritten Lehrtag ober hörte ich von fern des Bastes Grund- gewaft von einer Divektorenfprosse. Flugs träumte mir in meiner vierten Lehrnacht, ich selber würde einmal dies« tiefe Stimme aus der Höhe haben. Am nächsten Lefnrtog ober wetterte es von einer Generaldirektor« sprosse. Zaghaft nur verstieg sich mein nächster Traum in diese Woltenhöhe, wo man Wolkenwand an Wolkenwand wohl mft dem lieben Gott logierte. Ich irrte mich Ueberm lieben Gott näselte die unzufriedene Stimme eines Aufsicht svatspräsidenten. Das war wohl der Leiter End«. Ich irrte mich zum zweitenmal. Wir hatten eines Tages Ge- neralversamnllung. Ein Mann im Lodenrocke meldete sich zum Wort.„Wer sind Sie, und wieviel Aktien vertreten Sie?" herrschte ihn der Austichtsraispräsident an. „Ich heiße Woltermann und besitze die Majorität des Akten»- kapitals," Ich sah nie auf einer Leitersprosse einen Menschen so zistammem knicken, wie den Vorsitzenden unseres Aufsichtsrots. Mein erster Urlaub kam. Ich kletterte auf einen hohen Berg. Als ich droben ankam, spie eine Bergbahn Hunderte von Menschen ans. Sie wollten all« übernachten. Ich natürlich im Toursttenhous- Es mar voll. Man gab mir schließlich im Hotel unterm Dach«in Bett. Auf dem gleichen Speicher schlief das Personal. Spät hinter Mitternacht ein Poltern aus der Treppe und«in Mädchenschrci. Ich fuhr in meine Kleider, tappte noch der Treppe. knipste eine Lampe an, da log«in Zimmermädchen, orbeitsüber- müdct. Verrenkter Knöchel am Fuß, der treppauf, treppab gelaufen war, wenn man den Zimmerdienst in einem Tag addierte: Leichtlich siebenmal die Strecke aus dem Tal zur Bei geshöhe. Sie konnte keinen Schritt mehr gehen. Ich trug sie in di« Mädchenkammer. Kaum daß zwei andre Mädchen drinnen s schwer nach uns sahen. Mötzlich brach's aus der Gebrochenen� Weinen, Klagen, Heulen. Ueber dreißigmal habe es aus Zimmer einunddrcihig geläutet. Ein Ehepaar darin, schwerreich. Die Frau bequem:„Fräulein, öffnen Sie den Warmwasserhohn!'„Fräulein. drehen sie das Licht an, bitte!" Wieder Läuten:„Fräulein, der Hohn tropft noch, bitte!" Läuten:„Fräulein, Fsti. dos arme Hündchen stöhnt, geben Sie ihm diese Tropfen ein." Sie machte ein« Paus«: „Wer", schrie sie plötzlich,„wer— Fifi oder ich— wer ist der Hund. Herr, wer?" Sie machte eine zweit« Pause, eine nachdenkliche:„Einer hat's noch schleckiter, Herr— ihr Mann." Unterm Weinen und Erzählen schlief sie«in. Ich schlich hinaus Am andern Morgen strahlender Sonnenschein. Ich sah dos Zimmermädchen auf dem Bergkämm. Ausgeruht, strahlend wie die Sonne und vergnügt: Einen Halden Tag. läng dienstfrei. Wir schauten aufs Hotel hinab. Aus dem Tore wälzt« sich eine mißvergnügte Kugel. Ich schaute Fräulein Grete an:„Nicht wahr, das ist sie?" Sie nickt«, indes der Mami da unten müde hinteriherkam. Er trug eine Lodenjoppe:„Wollerwann!" entfuhr's mir. „Sie kennen ihn. den Armen?" „Allerdings. Er hat die Aktienmehrheit in dem großen Syndikat Germania—" „Wie, in welchem meine Mutter Putzfrau ist?" Ich Hobe seither allen Leitersprostenneid verloren. tftudolf Schildkraul geHorben Wie oiis Hellnweei» 0-melZxU»iri, Vrt Nr Schoulpieler Rudolf Schildkniut oesfern im zilmadelier einen Hensschwäck-nnfod erlitten, on dessen ftoloen er heute im Heim feines Sohnes Joses«estorden ist. Seit Iahren lebte Rudolf Schildkraut in Zlmerika. Er spiell« an Rew-Dorker Iargontheatern, und b-ie Europäer kamften ihn nur noch au» dem Film.„Der Landarzt",„S«ne Söhne" oder„Die neue Heimat" legten Zeugnis ab von der großen und verinnec- lichten Gestaltungskraft dieses Schauspielers. Was brachte Schildkraut? Dos Kindliche, Vertrauend« im Manne. Der Kern des Landarztes oder des kleinen Ostjuden, der in New Park eine neu« Heimat findet, ist dos Vertrauen, das Gütig« und die groß« Liebe zum Kinde, zur Familie, und dieser Kern ent- hüllte sich auch im Shylock oder im König Lear, di« er vor Jahren, um 1008 herum, im Deutschen Theater unter der Regie Mar Rein. Hardts spielte.-Bestimmt war Albert Bassermann an derselben Stell« in denselben Rollen härter, prägnanter, durchglüht von einem herberen und dabei doch stürmischeren Temperament, aber er hatte nie, wie einmal Alfred Kerr über seinen Shylock schrieb,«ine Tochter verloren, und gerade hier begann der Darstellungsbereich Schildkrauts. Schildkrauts Shylock brach zusammen, als Jessica ihn verließ, Schildkrauts Lear war geistig tot in dem Augenblick, da Goneril und Regan gegen ihn aufstanden. Für ihn war es etwas Unfaßbares. daß sich ein Kind gegen den Pater empört. Sein Ostjudentum, ver- ankert in der Familie und in der Tradition, kam hier ungehemmt zym Durchbruch. Und auf dieser Ebene bewegten sich seine Menschen bei Hejermanns oder in Schalom Afchs Ghctiotragödie„Der Gott der Rache". Aber dieses' Gefühl, dieses plötzlich auflodernde Temperament oerbarg sich hinter einer Wellouffastung, die di« Ding« humorvoll betrachtete, gütig lächelnd und verstehend. Die letzten Film« zeigen Schildkraut nur noch von dieser Seit«. Sein Rollenkreis war jedoch weiter gespannt. Schildkraut, der zur Zeit von Reinhardts Anfängen nn Deutschen Theater zu den besten Mitgliedern des Ensembles gehört«, blieb durch und durch ein« Schau spie lernatur,«in Mensch, der aus einer großen, unoer- brauchten Vitalität schöpfte, ein Komödiant mtt der Frende am Spielen, on der Posse, on der Komödie Kalibon und Autalykuz im „Wintermärchen" sind aus diesem Geist heraus gestallet, und auch der Mephisto verwandelt sich bei Schildkraut in einen spielerischen Komödianten, in den Hokuspokus. Und hier Segen die Grenzen von Schildkrauts Begabung. Es fehll« diesem Mephisto alles zum Dämon und alle? zum eleganten, skeptischen Kavalier, und es fehlte Schildkraut fehr viel zum großen. genialen Gestalter, wenn di« Figur der eigenen Persönlichkeit nicht entsprach. Denn Schildkraut spielte trotz vieler Arobesken nur au? sich selbst heraus, aus einem etwa primitiven Ich, aus einer Leiden- schaft, di««ine ruhig« Objekttvierung nicht konnte. F. Seh. Sin'Mormon gegen hohen Mlnidruck Profestor Dr. Karl Emil Frey, der langjährige Mitarbeiter von Professor Dr. Sauerbruch, machte vor einer Aerzttversamm- lung im Langenbeck-Dlrchow-Hous zu Berlin die aufsehenerregende Mitteilung, daß es ihm gelungen sei, als inneres Sekret der Bauch- speichsldrüfe ein Hormon. gegen den erhöhten Blutdruck pi entdecken. Die Bauchspeicheldrüse hat schon bisher in der Medizin«ine er- höhte Bedeutung dadurch erlangt, daß aus den Inseln dieser Drüse bekanntlich das Insulin zur Behandlung der Zuckerkrankheit ge- wonnen wird. Die Versuche wurden von Professor Dr. Frey ge- meinschoftlich mit dem Privotdozemen Professor Dr. Bauer unter- nommen. dem Assistenten des berühmten Gelehrten Professor Dr. Willsstätter. Von ihnen gemeinsam wurde ein bisher un- bekannter Stoff isoliert, der für die Regelung des Blutdrucks des Menschen von größter Bedeutung zu werden verspricht. Haupt- sächlich interessiert hie Gewinnung dieses neuen Hormons die All- gemeinheit deshalb, weil der erhöhte Blutdruck eine weit verbreitete Erscheinung, besonders bei Menschen in höheren Lebensaltern, ist. Sebald man das Sekret den Menschen einspritzt, werden die kleinsten Gesäße der Haut und Muskulatur erweitert und der krankhaft er- höhte Blutdruck sinkt sehr schnell ab. Fernerhin wird zugleich die Herztätigkeit verbessert, die bei erhöhtem Blutdruck häusig zu wün- schen übrig läßt, und die das Herz versorgenden Blutgefäße werden bester durchblutet. Das Pharmakologische Institut der llniversttät Berlin ist der An- schauung. daß die bei der Behandlung der Menschen mtt hohem Blutdruck zur Anwendung kommenden Mengen dieses Hormons, das Übrigens von Menschen täglich in beträchtlicher Menge ausgeschieden wird, unschädlich sind. Dos Hormon konnte schon nach Einhetten festgelegt werden, so daß die Behandlung nach einer bestimmten Menge von Einheiten möglich ist. Da durch das Hormon eine stärkere Durchblutung erzeugt wird, so können mtt ihm Kreislauf- störungcn behandelt werden, di« durch zu geringe Durchblutung hervorgerufen werden und eine Anzahl von Erkrankungen der Blitt- gefäße, bei denen es bisher eine erfolgreiche Behandlung, trotz atUt Bemühungen, nicht gab. Nr. 321• 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 46. Juli 4930 Deutschland für Europa. Reichsregierung antwortet Vriand: Reform der politischen Grundlagen/ private Verständigung derWirtschast/LtnantastbarkeitdesVölkerbundes/KeineneuenOrgane/Weiterberatung inGens Die Antwort der Reichsregierung auf dos französische Memorandum über die Bildung eines europäischen Bundes wurde gestern nachmittag vom deutschen Botschafter in pari» übergeben. Sie hat folgenden Wortlaut: „1. Die Gemeinsamkeit europäischer Interessen Hot die Staaten Europas im vergangenen Herbst« zu einer ersten Beratung zu- sammengeführt. Die Motive, welche die deutsche Regierung damals zur Mitwirkung bewogen haben, bestehen für Deutschland fort. Die Länder Europas, weit entfernt von einem Zustand ruhiger Aus- geglichenheit, sind mit Spannung«n und Geyensätzen der verschiedensten Art belastet. Die gesamte gegenwärtige Gestaltung des Kontinents in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht hemmt die E n t w i ck l u n g, die den natürlichen Lebensbedingungen der Völker entsprechen würde. Die Folgeerscheinungen treten auf materiellem und momlischem Gebiet immer deutlicher zutage. Das zwingt die europäischen Regierungen zur Ueberlegung, welche Möglichkeiten vorhanden sind, um den drohenden Gefahren durch solidarische Maß- nahmen zu begegnen. Di« deutsche Regierung hat es daher mit Genugtuung begrüßt. daß die französische Regierung in ihrem Memorandum das«uro- päische Problem in seinen Einzelheiten zur Diskussion gestellt und ihre eigen« Auffassung darüber mitgeteilt hat. Daß jedes Land die gestellte Aufgabe von seinem Standpunkt aus unter einem anderen Gesichtswinkel sieht, sst nur natürlich. Kein Land kann die Mängel der Struktur Europas stärker empfinden, als Deutschland, da», in der Mitte de» Kantinen«» gelegen, von diesen Mängeln und ihren Auswirkungen in besonders hohem Maße berührt wird. Kein Land hat an der Beseitigung dieser Mängel ein höheres Interesse als Deutschland. Die deutsch« Regierung wird daher bereit- willig an der Lösung des Problems mitarbeiten und stellt sich für eine eingehende Beratung während der Tagung des Bölker- bundes im Herbste dieses Jahres zur Bersügung. Sie sieht das Endziel darin, im Geiste der Verständigung eine mutige Reform der einmal al» unhaltbar erkannten Berhältnisse in» Auge zu fassen und so eine wirkliche Befriedung Europas herbeizuführen, die nur auf den Grundsätzen der Gerechtigkeit und Gleichheit beruhen kann. 2. Es bedarf zunächst der Feststellung, welche Gegenstände der internationalen Beziehungen für ein« spezifisch europässche Regelung in Betracht kommen. Bei der Prüfung dieser Frage muß mit größter Sorgfall vorgegangen werden. Jede Spitz« gegen andere Länder oder Kominente ist zu vermeiden. Die Wechsel- Wirkung zwischen den europäischen und den außereuropäischen Län- dern ist auf manchen Gebieten stärker als die Wechselwirkung inner- halb Europas. Solche interkontinentalen Beziehungen ein- schränken zu wollen, wäre verfehlt. E» darf nicht gefchehen, daß einzelne europäische Länder der europäischen Zusammenarbeit entfremdet werden. Dazu kommen die Schwierigkeiten, die sich aus der staatsrechtlichen und zollpolitischen Verbindung einzelner europäischer Staaten mit außereuropäischen Gebieten ergeben. Ein europäisches Programm nrüßte daher materiell und geographisch so elastisch wie möglich gestaltet werden. Auch der Ausschluß solcher europäischen Länder, die nicht dem Völkerbund angehören, wie Rußland und die Türkei, widerspräche der bisher mit Recht geübten Praxis. 3. Di« französisch« Regierung betont die Notwendigkeit, die europäische Aufgabe van der politischen Seite aus in Angriff zu nehmen und erst nach Erfüllung bestimmter politischer Voraus- segungen an die wirtschaftlichen Probleme heranzutreten. Die deutsche Regierung kann der französischen Regierung insofern durch- au» zustimmen, als auch sie davon überzeugt ist, daß die Tloüagt Europas ihre Ursachen in hohem Maß« in der gegenwärtigen polittschen Gestaltung unseres konlineuts ho». Deshalb kann in der Tat. wenn man die bestehenden Schwierig- leiten wirklich von Grund aus beseitigen will, an diesen politi- schen Ursachen nicht vorbeigegangen werden. Die deutsche Re- gierung kann ihr« Ansicht darüber, in welcher Richtung die Lösung dieser politischen Problem« zu suchen ist, als bekannt voraussetzen. Sie hat ihre Auffassung bei den verschiedensten Gelegenheiten dar- gelegt und braucht in dieser Beziehung nur an ihre Stellungnahme bei den Diskussionen über die Fragen der Sicherheit, der Abrüstung, der nationalen Minderheiten und des Ausbaues einzelner Artikel des Völkerbundspaktes zu erinnern. Das eine möchte die deutsche Regierung indes auch heute besonders betonen: alle Versuch« einer Besserung der politischen Lage in Europa werden davon ab- hängen, daß die Grundsätze der vollen Gleichberechtigung, der gleichen Sicherheit für alle und de» friedlichen Ausgleichs der natürlichen Lebensnotwendigkeiten der Völker zur Anwendung kommen. Wo bestehend« Verhältnisse diesen Grundsätzen widersprechen, nmssen wirksame Msttel für ihre Aenderung gefunden werden. Es wäre aussichtslos, em neues Europa auf einem Fundament auf- bauen zu wollen, das der lebendigen Entwicklung nicht standhalten würde. <. Unabhängig von politischen Erwägungen sind auf rein wi r t- schaftlichem Gebiete zweifellos Möglichkesten gegeben, die im Interesse des europäischen Fortschrstts geprüft und genützt werden müssen. Eine engere Zusammenarbeit auf diesem Gebiet« sollt« nicht von der Schaffung größerer Sicherheit abhängig gemacht werden. Umgekehrt wird gerade die wirkfchoslliche Verständigung weseullich zur Verstärkung de» Bewußtseiu» der Solidarität und damit des Gefühls der Sicherheit beitragen. Di« Untersuchung der europäischen Wirtfchastsnot wird von der Krise der Landwirtschaft und der Absatznot der Industrie aus- gehen und Mittel und Wege suchen müssen, um größere Markt- gebiet« zu r/win»en, und um den Austausch der Güter zwischen den vorwiegend agrarischen und vorwiegend industriellen Gebieten Europas zu erleichtern. Enttäuschungen über die Ergebnisf« der bisherigen Bestrebungen und Rückschläge nach der Wellwirtschaftskonferenz von 1927 dürfen nicht zur Passivität verleiten, zumal da es sich um Anfangsversuche Handell« und die besondere wirtschaftlich« Situation der letzten Jahre den Bestrebungen nicht günstig war. Di« deutsche Regierung hält es daher für angebracht, die Bemühungen um die Erleichterung der europäischeu wirk- schaff, insbesondere der europäischen Zollpolitik, fortzusetzen. Sie verwefft hierfür neben der Aufzählung in Kapitel IV des Memorandums der französischen Regierung auf die Beschlüsse der Weltwirtschaftskonferenz und dos Protokoll für künstige Berhand- lungen vom 24. März 1930. Bei der Behandlung des europäischen Wirtschoftsproblems dürfen indes nach Ansicht der deutschen Regie- rung folgende Gesichtspuntte nicht außer acht gelassen werden: So notwendig es sst, daß die Regierungen selbst das europäische Problem in die Hand nehmen, so können doch Regierungsmaß- nahmen allein dem notleidenden Europa nicht helfen. Es wird weite Gebiete geben, wo die Wirtschast selbst die Aufgabe in Angriff nehmen muß. Die unmittelbare Verständigung bestimmter Wirtschaftszweige aus privalwirtschasllicher Grundlage bleibt ein Arbeitsfeld, dem in der Neuordnung des wirsschaftlichen Europa ein wichttger Platz anzuweisen ist. Sache der Regierungen wird es bleiben, ihre gemeinsam« Wirtschaftspolitik mit dem freien Spiel der Kimste in Einklang zu bringen. Bei wirffchaftlichen Fragen dürfen militärische Ge° sichtspunkte nicht in den Vordergrund gestellt werden. Sonst würden wichtige Gruppen der Erzeugung von der Verständigung ausgenommen bleiben und dem Ziele einer zweckmäßigen Ar- beitsteilung schwere Hemmnisse in den Weg gelegt werden. Es müssen alle Folgen in Betracht gezogen werden, die sich aus der besonderen Lage einzelner Länder, namentlich aus ihrer sozialen Struktur und aus ihrer durch den Krieg bedingten finanziellen Gesamtbelastung ergeben. 5. In organisatorischer Beziehung betont das Memorandum der französischen Regierung wiederholt mit Recht den engen Zusammen- hang, der zwischen der Arbeit des Völkerbundes und der«uro- pässchen Gemeinschaftsarbeit bestehen muß. Die deutsche Regierung stimmt der Auffassung zu, daß der Völkerbund unter den europäischen Bestrebungen nicht leiden darf. Es sollte keine europäische Absonderung cinzeleitet werden, die andere Gruppenbildungen im Völkerbund nach sich ziehen könnte. Die Teilnahme aller Völkerbundsmitgliedcr an den großen Aufgaben aller Kontinente gehörte von Anfang an zu den wesentlichen Zügen des Völkerbundes. Durch eine Neigung zur Gruppierung nach Kontinenten könnte dieses gleichmäßige allgemein« Interesse abgeschwächt und die Struktur des Bundes nachteilig be- einflußt werden. Bei jeder Art engeren europäischen Zusammen- gehens wird daher die Wirkung auf den Völkerbund genau zu über- legen und nötigenfalls dem Urteil des ganzen Bundes zu unter- breiten sein. Dies gilt um ja mehr, als sich der Völkerbund mit seinen wichtigsten Aufgaben, die universalen Charakter haben, immer noch im Anfangs st adium befindet, so daß alles darauf an- kommt, ihn in der Richtung dieser Aufgaben zu stärken und deren Lösung vorwärts zu treiben. Auch bei grundsätzlicher Ueberein- stimmung in dieser Sorge um den Völkerbund wird man ernstlich bezweifeln müssen, ob ihr praktisch Rechnung getragen werden kann, wenn man von vornherein besondere Organe für dce europäische Gemeinschaftsarbeit schaffen wollte. Keinesfalls sollte in denjenigen Fragen, die bereits den Gegenstand von Völker- bundsarbeiten gebildet haben oder bilden, eine Aenderung der or- ganisatorischcn Methode vorgenommen werden. 6. Die deutsche Regierung möchte sich einstweilen auf die vor- stehenden grundsätzlichen Bemerkungen beschränken. Sie sieht danach die nächste Ausgabe darin, zuerst rinckal einen Ueberblick über die Materien zu gewinnen, die in europäischer Gemeinschofts- arbeit behandelt werden können und müssen. Sie hofft auf wert- volle Anregungen bei der Zusammenkunft in Gens im Sep- t e m b e r dieses Jahres, zu der auch die europäischen Nichtmit- glieder des Völkerbundes und die nichteuropäischen Staaten Zutritt haben sollten. Für diese Zusammenkunst behält sich die deutsche Regierung ihrersests Erläuterungen und Ergänzungen ihrer eigenen Ausführungen vor. Das dann insgesamt vorgebrachte Materiol wäre zu sichten und zu einer Verhandlungsgrundlage zu gestalten. Ist der Inhalt der ganzen Aufgabe klar und über- sichtlich festgestellt, wird man der Frage der weiteren Behandlung nähertreten können." Oer DBMI. unnachgiebig. Arbeitszeit« und Gehaltsverhandlungen gescheitert. Die Verhandlungen, die gestern zwischen dem Verband Ber- liner Rietallindustrieller(BBRIXs und den Angeslelllengewerk- schaflen wegen der beabsichliglen Arbeikszeit- und Gehaltskürzung gefiKrt wurden, sind ergebnislos verlaufen. Die Metallindustriellen haben e» abgelehnt, den Gewerkschaftsverkretern irgendwelche Siche- rungen anzubieten hinsichtlich der Zurücknahme bereits onsgefproihe- ner Kündigungen von Angestellten, der lleberflundenfrage in den verkürzt arbeilenden Betrieben usw. Heber die Einzelheiten der Ver- Handlungen wird heule um 19� Uhr in der Konferenz der AsA- Funktionäre der Metallindustrie in Hoverlands-Festfälen berichtet werden, die auch die weiteren Befchlüffe fassen wird. Tragikomisches aus Leningrad. 43? OOS Arbeiter und Angestellte verschwunden. Man stelle sich vor: In Leningrad sind eines schöne» Tage» 137 500 Arbeiter und Angestellte spurlos von der Erdoberfläche ver» lchwunden,— schwarz aus weiß in der„Roten Zeitung" vom 4. Ju'.i zu lesen. Diese grauenhaste Entdeckung wurde unter folgenden Um. ständen gemacht: Es sollte die Anleihe„Der Fllnf-Jahrplan in vier Iahren" von den Arbeitern und Angestellten Lenin- grads untergebracht werden. Es galt also festzustellen, in welcher Weis« die Anleiheanteilc in den verschiedenen Rayons und Fabriken zu verteilen seien. Laut Berechnung der Kommission mußte die Zahl der Arbeite? und Angestellten, Mitglieder der Gewerkschaften 740 000 betragen, die Bezirke behaupteten jedoch, daß es nicht mehr als 576 500 seien. So z. B. ergab allein schon der Wolodarsche Rayon ein Minus von 32 000 Mann, der Moskauer und Narvsche Rayon ein Minus von 79 000. Das gleiche Resultat ergab die Nachprüfung der Zahlen nach einzelnen Fabriken. In dem„Roten Putiloivetz" waren plötzlich 2000 Arbeiter verschwunden. In der Fabrik„Elektrik" 1200� in der Fabrik„Elektroapparat" 800 usw. usw. Alles Suchen nach den rerschwundenen 137 500 Arbeitern und Angestellten blieb erfolglos. Heute, sagt das Blatt, sollte«ine Ver- sammlung der Mitglieder der Anleihc-Kommission stattfinden zweck» westerer Feststellungen, wo die verschwundenen 137 500.Menschen geblieben sind. So sieht also die Statistik in Leningrad aus, Welchen Wert unter solchen Umständen die Stalinschen Zahlen haben mögen, kann man sich wohl denken. erien Reisen Welch eine lust! Ausspannung vorn Alltag. Der Geist ruht aus, aber auch der Körper und nicht zuletzt die Füße verlangen ihr Recht. Tragen Sie daher nur; .«ff n-i;X',v fc■ v.ifV A d>'M«r-'*:.'5*•' .IE ERZEUGNIS OER GROSSIEN D E U TS C H E N S CH U H F AB R 1 K Neuer Vorstoß in Nordwest. Nie Angestelltengehälter als Angriffsziel. Der Lohnabbaukairflikt in der Eisenindustrie Nordwest geht zu Ende. Die Etnzelkämpfe gegen den Atkordlohnabbau dürften noch in dieser Woche zum Abschluß kommen. Die Arbeit in den Be- trieben ist fast überall wieder aufgenominen worden. Ganz um- sonst war der Wider st and der Arbeiter nicht. Größtenteils sind in den Verhandlungen gegenüber den norge- sehenen Kürzungen der Akkordsöiz« Verbesserungen erzielt morsen. Jum Teil erfolgt« die Wiederaufnahme der Arbeit natürlich auch zu dem Zweit, die Einstellung fremder Arbeitskräste zu verhindern oder die Stillegung von Betrieben und damit eine neue Vermehrung der Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Mit der Kampfpause in der Lohnfrage ist sedoch der durch den Oeynhausen«? Schiedsspruch geschaffene Konfliktstoff keine»- «egs beseitigt. Die Unternehmer der Nordwestgrupp« wollen zu- gleich mit dem Akkordlnhnabbau in einen, Zug« auch den Abbau der Geheilter der Angestellten festlegen. Auch hier werden sich ihr« Pläne jedoch durchaus nicht so glatt verwirklichen lassen, wie sie vielleicht glauben. Die Ver- bindlichkeitserklürung de» Oeynhauser Schiedsspruchs hat mcht, wie vielfach angenoirnnen wird, eindeutig die 7�prozcntige Kürzung der Bezüge auch auf die Angestellten ausgedehnt. Im Spruch ist davon nicht di« Red«. Nun läuft der Atrgestelltentonf noch bis zum Zt. Dezember.. Eine sofortige Klärung des Streits um di« Gehaltskürzung war für die Unternehmer also nur auf dem Weg der Kündi» g u n g möglich. Diese Kündigung ist erfolgt. Ob in rechtsgültiger W«ise, läßt sich im Augenblick nicht klar erkennen. Wie aus dem Ruhrgebiet gemeldet wird, hat di« Arbeitgebergruppe Nordwest den Angestellten durch Rundschreiben mitgctellt, daß die Übertarif- lichen Gehälter gekürzt wenden sollen.„Wir beabsichtigen", so heißt«s in dem Rundschreiben,„die übertariflichen Einkommen der Angestellten zum t. Iairuar 1031 zu kürzen, und hoffen Sie, falls Sie noch in unseren Diensten bleiben wollen, mit dieser Rege- lung einverstanden. De Festsetzung Ihres neuen Einkommens wird Nhnen bald mitgeteilt werden." Was soll«» die Angestellten mit diesem Rundschreiben? Sie müssen doch von vornherein gleich klipp und klar wissen, wie hock) irin tatsächlich ihr neues Einkommen fein soll. Aber wie dem auch sein mag, jedenfalls hat der Angestelltenrat der Vereinigten Siahlwerk« g«g«n die Kündigung zum Zwecke der Gehaltskürzung Stellung genommen. Wie gemeldet wird, soll«s auch bereits vor dem Mülheim«? Arbeitsgericht zu einer Klage im Gehallsabbaukonflikt gekommen sein. Was jedoch vor dem Arbeitsgericht verhandelt wurd«, geht aus den verschiedenen Meldungen nicht klar hervor. Ein Teil der Meldungen spricht von einer Klage der Unter- »ehiner wegen Feststellung der Rechisgültigkeit der 7l4prozentiZ«n Kürzung der libertariflichen Angestelltengehälter in der Nordwest- llchen Eisenindustrie. Die Unternehmer dagegen loss«n die Tele- graphen-Union mitteilen, daß diese Meldung frei erfunden sei. Richtig sei vielmehr folgendes: der Angestclltenrat der Vereinigten Stahlwerke A.-G., Stahl- und Walzwerke Thyssen iy Mülheim habe die Zustinnnung zur Kündigung der AngestelltenrotÄnitglieber zwecks Kündigung der übertariflichcn Verdienste abgelehnt. Bei der Vcschlußfassung dieser Ablehnung habe er gegen zwingende ge- setzliche Vorschriften verstoßen, so daß totsächlich ein gesetzlich zu- kässtger Beschluß des Angestelltenrat» über die Ablehnung nicht vorgelegen habe. Voraussetzung für die Anrufung des Ärlunts- gerichts durch die Dereinigten Stahlwerke A.-G. sei aber«in ord- nungsmäßiger Beschluß des Angestelltenrat». Ein solcher Beschluß müsse daher jetzt nachgeholt werden, bevor eine materielle Entschei- düng durch das Arbeitsgericht erfolgen könne. Der Antrag d«r Bestog, der im übrigen nur auf Zustimmung zur Sündigung der Angestelllcnralsmitglieder gehe, habe lediglich infolg« de» gesetz- widrigen Beschlusses des Angcftclltenrats abgelehnt werden müssen. Irgendein« Entscheidung über die Zulässigkeit des Gehaltsobbous bei Arbeit Nordwest sei nicht gefällt worden, und Hobe auch nicht gefällt werden können. Wenn die Dinge so liegen, dann Hot es sich bei der Klag« vor dem Arbeitsgericht bis jetzt nur um ein« oerhältnimäßig neben- sächlich« Angelegenheit gehandelt. Einstweilen wird man also zunächst eine Klarstellung des Sachverhalts und den weiteren Verlauf des Kanstikts zwischen Angestelltenrot und Bestag abwarten müssen. Eins aber ist klar: Die llnlernchmer der Nordwestgruppe haben es mit der Durch. sührung der Gehaltsobbaupläne eilig. Sie wissen, daß in der Ocfsentlichkeit in der Lohn- und Preisabbau- frage sine gewisse Ernüchterung«ingetret«» ist. Das Publikum sieht die Preise steigen, aber nicht sollen. Jede Woche wird an irgend- einem Punkt das Preisniveau in die Höhe getrieben. An ein« gsmeinsame Durchführung eines Lahn- und Preis- abbaus glaubt heut« kein Mensch mehr. Dos ist der Grund, warum die Unternehmer der Metallindustrie RardMest so schnell wie mög- lich nun auch den Gehaltsabbau in de? Schwerindustrie auf irgend. eine Weife zu verankern suchen. Die Angestellten, deren Tarif neben dem Lohntarif herläuft, und zwar noch bis Ende des Jahres, haben ollen Grund, diese Drängelei der Unternehmer nicht rnitzu- machen. Wenn sie sich dagegen wehren, unter Berusimg auf den Ocynhauser Schiedsspruch in den Gehältern gekürzt zu werden, so sind sie im Recht. Aber wird der R e i ch s a r b e i t> m i n ist« r das ihm anver- traute Schlichtungswesen nicht dazu mißbrauchen lassen, daß ine Lasten der Krise einseitig auf die Schultern der Arbeit- nehmer abgewälzt werden? Die Beantwortung dieser Frage hängt nicht zuletzt von dem Ausgang der großen politischen Entscheidung im Reichstag ob. Verkauft sich die Regierung Brüning mit.Haut uns Haaren den Rechtsparteien, dann wird der Reichsarbeftsminister diesem politischen Faktum Rechnung tragen. Es wird dann nicht nur in de? Sozialversicherung aus Kosten der Arbeitslosen uitd Kvonken, sondern auch in der Wirtschost auf Kosten der Arbeiter und Angestellten„gespart" werden. Mit brutalem Zynismus wird dann die durch die Riefenarbeltslosigkcit geschwächte Kampfstellung der Arbeitnehmer bis aufs letzte vom Unternehmertum und von den Besitzenden ausgenutzt werden. w«nn nicht die Arb«it«r und Augs- stellten sich zusammentun und aufraff«». Eine lehie Mahnung. Protestbewegung der ostpreußischen Landorbeiter. Die landwirtschaftlichen Unternehmer Ostpreußens haben bekanntlich beschlossen, jede Erhöhung der schlechten Londarbeiterlöhn« abzul«hn«n und darüber hinaus zu versuchen,«ine erhebliche Anzahl von Verschlechterungen tariflicher Bestimmungen durchzuführen. Wie nicht anders zu erwarten war, hat dieser Beschluß in den Kreisen der ostpreußischen Landarbeiter ein« gewaltig« Empörung ausgelöst. Die Landarbeiter erblicken in der Zumutung, die augenblicklichen Lohnsätze beizubehalten, ein« grenzenlos« Verhöhnung. Die Empörung der ostpreußischen Landarbeiter kam in zahl- rsichen Protestkundgebungen zum Ausdruck, die dieser Tage in verschiedenen Kreisstädten Ostpreußens abgehalten wurden. Allein an der Protestkundgebung in Gumbinnen beteiligten sich über AS00 Landarbeiter.' Nach Ausführungen des Vertreters der Gauleitung des Deutschen Landarbeitcr-Perbandes, di««in« klar« Kampsansaae an die landwirtschaftlichen Unternehmer enchielten, wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der es heißt: „Die in Gumbinnen vor der Regierung demonstrierenden Landarbeiter und Landorbeiterinven des Kreises Gumbinnen bekunden, daß sie geschlossen hinler den Forderungen des Deutschen Land- arbeiterverbandes stehen. Die Versaimnelten betrachten da« Be- nehmen der Arbeitgeber als eine direkte Verhöhnung der Land- orbeitcrschost. Die heutige Demonstration zeigt kein Bitten, sondern ist die ernste und letzte Mahnung an die Behörden und das Arbeitgehcrtum. Sollte der staatliche Schlichter wider Erwarten«inen Schieds- spruch fällen, der den Wünschen des hungernden Londproletariots nicht Rechnung trägt, so beauftragen die Versammelten den Deut- schon Landarbeiterverband, alles zu unternehmen, um die berech- tigten Forderungen zur Durchführung zu bringen."» Di« Kommunisten versuchten bei der Protestkundgebung in Gumbinnen im Trüben zu fischen. Ähre Absicht, die Kundgebung unter ihren Einfluß zu bringen, mißlang kläglich. Die Zohl der Demonstranten, die sich mit Hilfe der Kommunisten aus der Stadt Gumbinnen um ihre Fahne scharten, betrug kaum 25)0. Bei d«m Rückmarsch schmalz die Zahl der KPD.-Dcmonstranten auf 150 zu- sammen. Dies« Tatsachen sind wert, bei der neuesten Bewegung der ostpreußischcn Landarbeiter nicht auß«r acht gelassen zu«erden. Widerliche Kampf, /genoffen". Kommunistische Sabotage der Lanbarbeitertämpfe. Wiederholt hat die Zentrale der Kommunistischen Partei darüber gejammert, daß ihr Einfluß unter den Landarbeitern gleich Rull ist. Um dem abzuhelfen, l>aben ihre Kreaturen jetzt vor all«« in Mitteldeutschland sich zu einem neuen Fcldzug gegen den Deutschen Landarbeiterverband versliegen. Wie ge- wohnlich, ist Verleumdung ihre Hauptmasse. So bringt es der„Klas s e n k ci m p s", das kommumstrsch-- Organ für den Bezirk Holl« und Merseburg, fertig, m einem Ar- likcl„Landarbsiter, nehmt den Kampf auf!" folgende dummdreiste Lüge aufzutischen:„Die Führer des Deutschen Landarbeiter-Ver- banbcs, die Führer des Christlichen Landarbeiter-Perbandes, werden sie den Landarbeitern beistehen? Sie denken nicht darbn. Sie stecken mit den Gutsbesitzern unter einer Decke. Sie werden die größten Anstrengungen maiben, um die Landarbeiter nun Kampf abzuhalten, ihren Kamps zu sabotieren. Sie werden die Landarbeiter out den Ablauf des Tarifs, auf di« kommenden Wintermonate ver- trösten."..» Besonders frech haben sich Kommmristen vor einigen Tagen m Nauendorf im Saalekreis benommen. Sie haben dort eine Fahnenweihe des Verbandes derart gestört, daß ein« Ab- Wicklung des Weiheaktes unmöglich war. Es ist nicht das erstemal, daß die Kommunisten sich den Deut- schen Lant>arbeit«r-D»rband als Angriffsobjekt ausgesucht haben. Stets ist ihnen dos übel aufgestoßen, und mich diesmal werden sie den Kummer der Zentrale, daß mit kommunistischen Phrasen unter den Landarbeitern kein- Geschäste zu machen sind, nur vergräß.-rn. Immer neue Veiriebseinschräntungen. Zwischen der Belegschaft und der Verwaltung der Adler. werke in Frankfurt o. Main fanden in den letzten Tagen Ver- hairdlungen über die Verkürzung der Arbeitswoche auf 32 Stunden statt. Die Verwaltung erklärt«, daß die Zlbsatzstockung«in« Pro» duktionsimnderunq von 30 auf 20 Wogen täglich notwendig mache. Man einigte sich auf«ine Wochenorbeitszeit von 4 0 Stunden. Trotz dieser starken Verkürzung der Arbeitszeit erklärten die Werke, daß zur Durchführung der notwendigen Pro- duktionsminderung die Entlassung von 500 Arbeitern notwendig fei. Bochum. 15. Juli.(Eigerchericht.) Im R u h r b e r g b a u droht-ine neue Entlassungswelle. Von unterrichteter Seite verlautet, daß schon in allernächster Zeit mehrere Schachtanlagen stillgelegt werden sollen. Als Grund wird der außerordentlich schlecht« Verkauf an Kohl« in der ersten Iulihälste angeführt. Für den Schutz der orbeilenden Zugend hat der 2 n t e r n a t i o» nale Gewerkschaitsbund«ine B r o! ch ü r e Herausaegeben. Mindestalter der Zulassung zur Erwerbsarbeit, Regelung der Ar» beitszeit, Nachtarbeit, Arbeit unter Tage in Bergwerken, Arbeits- aufticht und noch eine ganze Reihe von wichtigen Arbeiterjugend- schutzsrogen werden in der Broschüre«Ingehend behandelt. Darüber hinaus bring! sie llebersichten über Gesetze verschiedener Länder, die die gewcrkschostliche Organisierung jugendlicher Personen beeinträch- tigen oder unter bestimmte Bestimmungen preisen. Den Schlußteil der Broschüre bilden Zusammenstellungen über den bezahlten Urlaub G ___ Jugendschutz Programm WWWW>W.... M. W>. werkschaftliche Bildungspragramm sind der Broschüre beigefügt. Ihr Preis beträgt nach dcuetschem Geldwert 1,50 Mark. �reieGewerkfchafts-Iusend Berlin I-d«ir«Ht-wch sp>,I-n Wc'? llfir, lognt die Gruppen: B<>umschol»n>»»g: Iugcim<»rn1t- strasir Il>. Kortraff:„?>c Ursachen unZ- Wirkungen der jetzigen P!rtschafi»kr!se", — Tchonhau!« Tor: Jugendheim Zehdenichcr-Ztr. 24—23. Bortrag:„iSrund- nrrtle der. inissculcha ftlimtii eoiialifmui".— R»uIZl>» It Sruppenheim Berattr. 29, Sdf. Vortrag:.Jugend und seruell» Frage".— Süd«». Sädnxstea: Stadt. Jugendheim. Itorchstr. 1tule Jugend» »d- dheim «nd. Stordoftl Iugendheu« Igenhgerichtshilfe� Rosereut ... M.... Soglerstr. m. Sunt*« Abend. — Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1—1. Bus nach Jlteuto» in Klamm-»". sSitzz-Ieg-nheit und Saueschlitssel nicht veraelfen.)—«hdasi: Jugendheim Branqelslr. IM. G-luiIlplattenabend: ,Bibetterbicht»n,".— Spandau: Iuaendheiin Lintenufer 1..Srnfteo und Seit««» in Bd-sie und Prosa."- Potidam.Nawaw«»: Iugendherberg« in ZZaivaine».«rirsterstratze. ..S» klingt im Stirrm ein alte« Lied." Aeferentin: sfriedel baB.— Spiel »od Sport: 96 19 Uhr aus dem Sportplatz Zriedrichtzhain. JKandke.. S freie stunde vexsdka f 1£SSlÖfF£l AUF 10 UTE# Wenn Sie zum Geschirrspulen, zum Aufwaschen und Reinigen nehmen» haben Sic es viel leichter und sind viel schneller fertig. Q ruckt allem Schmutz und Fett energisch zu Leibe. Messer, Gabeln und Löffel, Teller und Schusseln, Töpfe und Pfannen, kurz alles Geschirr säubert D im Augenblick. AuchbeimPufzenvonSteinfliesen,Wändscjckeln,5ade' wannen und Spülbecken bewahrt sich O vortrefflich. O spart Ihnen soviel Mühe und Arbeit, dab es rüdeständig wäre, es nicht zu benutzen-. Es kostet doch nur 25 Pfennige und ist außerordentlich ergiebig. Henkels Aufwasch- Spül- und Reinigungsmittel für Haus- und Küchengerät aller Art Hcrgestelir in iden Persilwerken Angünstiger Außenhandel. ©o« der Reichstag neue Zndustn'ezölle durchpeitschen? Der deutsche Außenhandel Hot im Verhältnis zum Außeichoirdel der übrigen WeUwarttländer bisher ein« große Wiberstondskrost beipiesen. Deutschlands Anteil am Welthandel ist relativ am memgsten zuniekgegangen. Man muß aber beachten, daß nach den neuesten Zistcrn des Statistischen Reichsamts auch im 3uni dieser Rückgang sich sortgeseßt Hot. Der gesamt« Ilmsang d«K deutschen Auhenhoirdels ist im Juni auf 17?I Millionen(Ein- und Ausfuhr zusammen, Reparationen abgerechnet) weiter gesunken gegen l8Sg Millionen im Mai, l514 Millionen im April, 1927 Millionen im März und 1943 Millionen im Februar dieses Jahres. Die Kurve zeigt also abwärts. Im Juni ist die deutsche Einsuhr weiter von ßlttf Mil« lionen auf 814 Millionen gesunken, die Ausfuhr ist van IMS Millionen auf 910 Millionen fdarin 51,8 Millionen Reparationslieferungen), also um rund 18k Millionen Mark gesunken. Der Aus» fuhrüberschuß des Mai von 166 Millionen ist auf rund 109 Millionen zurückgegangen. Dabei ist zu beachten, daß der Juni immer ein ousfichrschwacher Monat ist und daß aus der Einfuhr. seit« gewiss«, noch nicht veröffentlichte Einfuhren hinzuzuzählen sind. so daß zwar der Ausfuhrüberschuß noch etwas geringer, das Außen- Handelsvolumen ober etwas größer anzusehen wäre. Einsuhr tszo ausfuhr 1839 Warengrupp en Juni Mai Juni Mai in l000 M. Sufammcn: 847 424 862 073 012 600 1009 49» Die Einfuhr von Oelfrüchten und Oelsaaten ist um 15,9 Mi'- lionen, die von Baumwolle um 9L Millionen, die von Mineralölen um S.4 Millionen gesunken. Die Einfuhr von Wolle Hot uin S,S Millionen zugenommen. Besonders charokteristisä) für den weltwirtschaftlichen Krisen- charakter der Juniziffern ist die Gestaltung der Fertig- Warenausfuhr. 76 Proz. des gesamten Aussuhrrückgangs cntsolien auf Fertigwaren, deren Absatz gegenüber Mai von 813 Millionen auf 670 Millionen absank. Der Rückgang der Fcrtigwarcnausfuhr betrifft vor allnn die Textilfertigwaren(■— 25,3 Millionen), die Ausfuhr von Wasserfahrzeugen(—24,4 Millionen), Walzwerkserzeugnissc und sonstige Eisenwaren (— 19,3 Millionen), chemische und pharmazeutische Erzeugnisse ein- schließlich Farben(—12,1 Millionen), mch'elektrische Maschinen (—12,1 Millionen), elektrotechnische Erzeugnisse(—6.8 Millionen). In erster Lini« sind es also Produktionsmittel, die der Weltmarkt weniger aufnimmt und durch deren Absatzrückgang die Weltwirtschaftskrise auch die deutsche Jndustriekrise fördert. Zollerhöhungen am laufenden Band? Nachdem der Reichswirffchastsrat sich ungefähr ein halbes Jahr lang mit einer Füll« von industriellen Zotlerhohungsantrögen befaßt hat, scheint beabsichtigt zu sein, noch diesen Verhandlungen, die teil- weij« zur Ablehnung der Zollanträge, teilweis« aber auch zur Be- fürwortung pon Zollerhöhungcn geführt haben, ohne jede Prü- sung zahlreich« Zollerhöhungsanträge im Reichs- jag nach vor den Ferien durchzupeitschen. Daß ein« solche Erledigung von tiefgreifenden Zolländerungen, die in ihrer «Sesamtheit ohne Zweifel geeignet sind, die Tendenzen zu Preiserhöhungen im Gegensatz zu dem verkündeten Regie- rungsziel der Preissenkung zu stärken, nur möglich ist, wenn auf eine crnschaft« sachliche Durchlierotung der einzelnen Positionen ner- zichtet wird, kann keinem Zweifel unterliegen. Der Reichswirtschaftsrat konnte bei dem Druck auf Beschleunigung, der von der Regierung und vom Reichstag auf ihn ausgeübt worden ist, der Regierung nur die Abstimmungs- «rgebnisse zu den einzelnen Positionen mitteilen ohne Begrün- dnng des Standpunktes der jeweiligen Mehrheit und Minderheit. Da nun die Mehrheiten für manche Zollerhöhungsonträge außer- ordentlich knapp waren und da erfahrungsgemäß in solchen Fällen im Reichswirtschastsrat die Frage, ob eine knapp« Mehrheit zustande kommt, oft von Zufälligkeiten der Anwesenheit im Ausschuß ob- hängig ist, kaim e» kemem Zweifel unberRegen, daß der Reichs» tag, wenn er sich seiner Verantwortung bewußt ist, die Pflicht h a t. die Entscheidungen und die Dcrhaitdlungsprotokolle des Reich», wirtschaftsrats lediglich als Material für eine gründlich« eigen« Meinungsbildung zu benutzen. Das ist um so notwendiger, als eine Häufung von indu» striellen Z'oller höhungen in diesem Zlvgenblick, abgesehen von ihren möglichen Wirkungen auf das Preisniveau, auch die Ge» fahr sehr unerwünschter Rückwirkungen auf unser Handelgver» tragssystem ausüben könnte. Es wäre unverantwortlich, wenn angesichts dieser Lag« der Reickistog im Sturmtempo der letzten Verhandlungstage über eine Fülle von Zollanträgen gleichsam a m laufenden Bande entscheiden würde. Einer Neigung, in dieser Weise den Wünschen einiger industrieller Interessengruppen nochzukontmen, müßte mit aller Schärfeentgegengetrete,, werden, denn das mindeste, was jede Reichstvgsmehrheit anerkennen sollte, ist, daß bei Zollbeschlüssen nicht die ernsthaft« Beratung der Fixigkeit zum Opfer gebracht wird. Reichsinitative für Mansfeld. Verhandlungen im Reichsarbeiisministerium. Am Diensiagnachmiitag um drei Uhr begannen im Reichs- arbeitsminffterium Besprechungen, die di» Beilegung der Streitigkeiten im Monsfelder Kupferbcrgbau zum Ziel« hatten. Die Verhandlungen sind nach etwa vierstündiger Dauer aus Donnerstagvormittog vertagt worden. Im Mansfeldkampf hoben, nachdem die Lage der Ge- meinden katastrophal geworden ist und Hilferuf« immer lauter ertönen. die Reichsregierung und auch dl« preußische Staotsregierung die Initiative«rgriffen. Gestern wurde im Reichsarbeits- Ministerium verhandelt, um die Möglichkeiten abzutasten, die Kupfcrbctriebc des Mansscldkonzern» in irgendeiner Form wie, der in Betrieb zu setzen. Di« Mitteilungen darüber sind sehr pptU mistisch. Die Wsoderaufnahm« der Arbeit wird schon für die aller, nächsten Tage erwartet. Nach den bisherige» vorliegenden Nachrichten'aßt die Ber- mittlungsaktion des Reichs auch den Gedanken ins Auge, vorüber- gehend, jedenfalls während der außerordentlichen Baisse der Kupftr- preise, den Mansfeldkonzern mit einer öffentlichen Ge l d- Hilfe zu unterstützen. Unklar ist»och, ob und wie Preußen sich dabei beteiligen wird. Man ist offenbar auf den Gedanken einer materiellen Subvention für die Kupferbetricbe des Mansfeldkonzerns durch die Ucberlegung gekommen, daß die an die ausgesperrten Be- legschaften zu zahlenden II n t e r st ii tz u n g« n e r h e b l- ch größer sind ol» jeder eventuell an die Mansseldbetriebe zu zah- lende Subventionsbetrag, ja daß es sich in einem gewissen Sinne um ein« Subvention von produktivein Wert handelt. Di« Absichten der Reichsstellen scheinen zunächst für die Zeit vom 15. Juli bis 31. Dezember d. I.«ineir veränderlichen Zuschuß noch dem Stand der Knpfcrpreis« und serner einen testen Zu- schuß vorzusehen, und zwar für die nach einem gewissen Lohnabzug noch verbleibenden Betriebsverluste. D>« Monsfeld A. G. ihrerseits scheint sich bereit erklärt zu haben, zur Prüfung der Selbstkosten und zur dauernden Kontrolle der Rentabilität für den Fall der Subvention die Kupserbetriebe in einer bcsondereh'Gesellschast zu vereinigen. Insgesamt scheint«ine Summe von monat- l i ch ü Million o d r jährlich 6 Millionen Mark ms Subvention ins Aug« gefaßt zu sein, lieber die Ergebnisse diese? Versuch« läßt sich im gegenwärtigen Augenblick noch nichts sagen, die gestern mit den Parteien aufgenommenen Verhandlungen wer- den in den näckisten Togen fortgeführt werben. Der interessanteste Punkt dieser Versuche ist notilrilich die Höh« und die Art der materiellen Subventionen. Wenn die Ziffer von 6 Millionen jährlich richtig ist. so entspricht das ungefähr 3H Cents auf ein englisches Pfund Kupfer von rund 450 Gramm. In der Tat werden an die im Kupferbetrieb, ausgesperrten D«l«g. schaffen wahrscheinlich etwa doppelt so hohe Unterstützungen ge» zahlt al, die in? Auge gefaßt« materielle Reichs, und Staotshilfe beträgt. Wenn man aus sozialen und politischen Gründen sich zu der Subvention verstehen will, dann muß sie natürlich be. grenzt, scharf kontrolliert und auf da» niedrigst-möglich« Maß be- messen sein. Es würde auch n i ch t an g e h e n. daß etwa die übrige» Konzernteile nicht zur Deckung von Verlusten in den Kupfcrbetr'e, den herangezogen würden. Es muß auch heute noch, trotz der neuerlichen Senkung der Kupferpreise, das seinerzeit van der Mansseldverwaltung aufgestellte Rotprogramm, da» bekanntlich d« Forderung einer lSprozentigen Lohnsenkung enthielt, als übertrie» bcn und unvernünftig bezeichnet werden: im Zusammenhang mit der beabsichtigten materiellen Unterstützung müßt« es auf das ge« naueste geprüft werden. Wir haben sichere Anhaltspunkt« dafür, daß einschließlich Nebenprodukten die Mansfeld A. G. d>e Kosten ihre? Kupferbetriebe bei einem Preise von etwa 16 Cents aus» gleichen kann. Da wir gegenwärtig einen Preis von annähernd 12 Cents hoben, würde eine Subvention wie die geplante diese Differenz schon weitgehend decken. Wenn das Notprogramm der Mansfeld Zl.-G. darüber hinausgehende Forderungen aufstellt, so wären dies« Mehrforderungen alz unberechtigt abzulehnen, was insbesondere hinsichtlich der Lohnfrage zu beachten ist. Kommt ein europäischer Kupferblock? Zn England wird eine 2(X)l>00-Tonnen-Nupfeshütte gebaut . In letzter Zeit entwickeln die maßgebenden, europäischen Metall» und Kupfererz-Konzern« ein« bemerkenswert« Aktivität auf dem Gebiete der Kupferverhüttung. Die. Bindungen zwischen dein Met o llb a n k- Konzern. Hirsch-Kupfer-Halberstadt, der belgische» K a t o n g a-Gruppe, der englischen Imperial Ehemic.al Industrie? und den britischen Kupfergesellschoften sind in letzter Zeit immer enger gestaltet worden, niit dem möglichen Ziel, im inter. nationalen Kupfer-Kartell die Slm«rikan«r zu schwächen. Jetzt wird«in englischer Plan bekannt, nach dem in der Gegend von Liverpool eine große Kupferhütte gebaut werden soll, die auf elektrolytischem Weg« Iäl>rlich 200 000 Tonne» Raffinade kupfer gewinnen soll, also»whr als die englische Industrie vorerst verarbeiten kann. Da? Rohmaterial sür dies« Hütt« wird von den britischen <®> Warum sich zwei Drittel alier Käufer von Autos„unter 3000 Mark" für Opel entscheiden... t i,» weil Opel schon für 1990 RM ein richtiges Automobil herausbringt• mit einem kräftigen 4 Zylinder 4 Takt- Motor!- weil sein Radstand 10-33 8/o länger ist, als der andererSerienwagen dieser Klasse- weil seine Spurweite 16% breiter- weil seine Tragkraft 20% größer- weil der 1,01 Liter 4 PS Opel mit Automobil Ballon Reifen (nicht mit Motorrad Reifen!) ausgerüstet ist- und- weil er für 4 Erwachsene(nicht nur für 3 oder 3% Personen) gebaut istr also 33% mehr befördert!... Er ist genügend WINTER A.-G. Xadsfpnd- 2510 mm lang- er ist genügend breit- er ist genügend groß— und wirklich bequem! Das kann man zwar auch von anderen Wagen dieser Klasse- behaupten, aber nicht mit den gleichen Tatsachen belegen! Daraus erklärt sich: 1. die Oberlegenheit - 2. die Verbreitung des Opel 4 PS... 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KfofWatwreufl. Handebge«. Oskar Schmidt m.b.H., Wilmersdorf. Bodensdiestroße 48, H2 Uhlond 8872...Willi Schultze- Herfort Kraftfahrzeuge, W35, Potsdamer Str, 109, B1 Kurfürst 2258...Georg Schwager, Maschinenfabrik, NW87,Koi«arm-Auguita-Allee 5, C5, Hansa 8306.>. Herbert G. Treptau, 0112, Frankfurter Allee 293, E 8 Andreas 276... Werlheim Auto- mobilges. m. ft. H., W 9, Friedrich-Eberf-Straße 14, A 4 Zentrum 8641—55... Erich R. W. Wetzel, Charlottenburg, BismerekstraAe 31, C4 Wilhelm 2104 Kupfcrerzgruben in Nord°RH odesia cseliefert werben. Diese besinden sich zum größten Teil im Besitz ven Tochtergesellschaften der British South Africa Company-Loirdon, deren Letter Edmund Davis unter anderem auch Aufsichtsratsmitglied der deutschen Otavi- Minengejellschast ist, die ihrerseits Kupfererzoorkommen in Südwest- afrika abbaut. Zuckerpreise sind zu hoch! Senkung bedeutet auch Gesundung in der Landwirtschast. Der gegenwärtige Austand in der deutschen Auckerwirtschast ist dadurch gekennzeichnet, daß der deutschen Aiickerwirtschost nicht nur, wie es bei der Gesetzgebung seinerzeit oie Absicht der Sozialdemo- krati« war, ihre Existenz gesichert ist, sondern die Zuckerpreise sind künstlich derartig hoch gehalten, daß der deutsche Zuckerrübenanbau ständig weiter ansteigt und die Zuckerproduktion die deutsche Nachfrage weit übertrifft. Da die We l t m a r k t zuckerpreise nur rund M Proz. der deutschen Zuckerpreise betragen, wird von der deutschen kartellierten Zuckerindustrie die den deutschen Bedarf übersteigende Zucker- Produktion mit enormen B e r l u st c n ins Ausland abgestoßen. Der bei diesem Export entstehende Verlust wird in Fonn höherer inländischer Zuckerpreise auf die Verbraucher umgelegt. Insgesamt entsteht dadurch jährlich ein Schaden und eine Verbraucher- belastung von 60 bis 86 Millionen Mark. Von soziali- stischer Seite ist auf diesen völligen Widersinn in der deutschen Zllckerwirtschaft wiederholt energisch in der Oesfentlichkeit hinge- wiesen und eine Senkung der Zuckerpreise gefordert worden. Bisher ohne Erfolg. Es erfüllt uns mit Genugtuung, daß diese sozialistische For- derung auf Abbau der Zuckerpreise jetzt auch von anderen Wirt- schaftsführern aufgegriffen wird. Es erscheint uns besonders er- wähncnswert, daß Herr C o l l i n, der als holländischer Vertreter auf den Wirtschaftskonferenzen in Genf bekannt ist, neuerdings eine Denkschrift zur deutschen Zuckerwirtschaft veröffentlicht, die sich restlos mit unserem Standpunkt deckt. Herr Collin betont in dieser Denkschrift, daß die deutsche Zuckerproduktion in den letzten Jahren so zugenommen hat, daß aus dem früheren Zuschußland ein Heber- schußland an Zucker geworden ist, und daß in Deutschland die Zucker» Politik ständig daraus ausging, die Verluste, sie der Zuckerwirtschaft bei der Zuckerausfuhr entstanden sind, durch Zoll- und Preis- erhöhungen im Inland wieder auszugleichen. Die gegenwärtig durch dig Zuckerausfuhr entstehenden Verluste berechnet Herr Collin auf 1,77 M. pro Zentner Verbrauchszucker. Er schlägt vor, den deutschen Zuckerhöchstpreis von gegenwärtig 20,,?0 M. auf 18,50 M. zu senken und nimmt dabei an, daß diese Preissenkung zu einer starken Anregung des inländischen Zucker Verbrauchs führen wird, daß der Zuckerexport wegfällt. Er fügt dem hinzu, daß diese Preissenkung weiterhin die bei hochgelegenen Preisen erfolgte Produktionsmisdehnung hemmen würde, was durchaus im Interesse einer Gesundung der deutschen Zuckerwirtschaft liegt. Wir können die Ausfiihrungen des hollänoischen Völkerbunds- Vertreters nur mit Nachdruck unterstreichen. Industriebauten statt Wohnungen. Heilmann& Littmann stellt sich auf Tiefbau um. Die Heilmann u. Littmann Bau- und Immobilien A.-G„ München-Berlin, schlägt ihren Aktionären die Verteilung von 5 Proz. Dividend« für das Jahr 19Z9(Vorjahr 8 Proz.) auf 15 Millionen Mark Stammaktien vor: die Rückstellungen werden stark erhöht, und zwar die Abschreibungen von 172 623 auf 671988 M., die Delkrederezuweisung(Verlustreserve) von 47 715 auf 344 S16 M. Die Gesellschaft hat im Berichtsjahr große Mengen Maschinen und Geräte neu angeschafft, die auf dem betreffenden Konto einen Zugang von 1,67 Millionen Mark verursachten. Diese umfangreichen Neuanschaffungen sind durch die Ueber nähme größerer Tiefbauarbeiten notwendig geworden, die zu einem erheb- lichen Teil der Verwertung von Wasserkräften galten. Für di« nächste Zeit liegen aus dem Gebiete des Tiefbaus große Projekte vor. Ueber die Aussichten des Wohnungsbaus äußert die Verwaltung der Heilmann u. Littmann A.-G. sich recht pessimistisch, vor allem mit Rücksicht auf die Finanzierung, bei der die Brücke zwischen dem billigen kurzfristigen und Hypathekenkredit SchwierrgkeSen bertBA Die SeriuÄuug fothed die Aushebung der Wohnungszwangswirtschaft, von der sie sich«i« Verstärkung der Wohnbautätigkeit oerspricht. In Anbetracht der vom Berliner Landgericht I vor einigen Tagen festgestellten und wegen ihrer übermäßigen Höhe herabgesetzten Mietgewinne einer privaten Wohnungsbaugesellschaft fällt die Erklärung für diesen Wunsch der Heilmann u. Littmann A.-G. nicht schwer. Dle Berliner paketfahrl. Spedition«, und Lagerha« vor». Barh u. Co. A.ttS. schließt das Jahr 1929 wieder mit einem. kleinen Verlust in Höhe von 27594 M. ab, um den sich der vorjährige Verluftvortrag auf 321 782 M. erhöht. Die Gesellschaft, deren größter Aktionär die Speditionsfirma Schenker u. Co. ist, litt unter der Konkurrenz kleiner Firmen. Neu beteiligt hat sie sich an der Bartz u. Co. G. m. b. H., der Berliner Spediteur-Verein G. m. b. H. Für das laufende Jahr wird mit einem befferen Ergebnis gerechnet. 3800 Mark Gewinn pro Arbeiter. Die Brandenburgffchen Elektrizitöts-, Gas- und Wasserwerke A.-G., eine private Ver- sorgungsgesellschaft mit zehn meist kleineren Betrieben im ganzen Reich, erhöht ihre Dividende für das Geschäftsjahr 1929/30 auf 8%(im Vorjahr 7K) Proz. Die Gesellschaft erzielte mit etwa 100 Arbeitern einen um 0,10 Mill. M.(von 0,28 Mill. im Vorjahr auf 0,38 Mill.) gesteigerten, bilanzmäßigen Reingewinn, so daß auf die Tätigkeit eines Arbeiters im letzten Jahr durchschnittlich etwa 3800 M. Reingewinn trafen. Dabei sind die-Anfsichtsratstantiemen und eine Zuweisung in Höh« von 0/)8 Mill. an den Erneuerungs- fonds vorweg vom Gewinn abgebucht. Die Gesellschaft konnte ihren Stromabsatz— zu den Abnehmern gehört die Reichsbahn im Bezirk Schneidemühl— im Berichtsjahr von 12,5 auf 13,5 Mill. Kilowattstunden steigern, den Absatz von Wasser von 777 000 auf 820 000 Kubikmeter. Die Schrauben- und Mutternsabrik vorm. S. Riehm u. Söhne A.-G., Berlin und Görlitz, schließt das Geschäftsjahr 1928/29 mit einem Verlust von nind 33 009 M. ab(im Borjahr 62 000 M. Verlust bei 1 Million Aktienkapital). Der Vorstand weist im Geschäftsbericht auf die ungünstige Lage der Schraubenindufttie hin, die unseres Wissens jedoch auch recht rentable Unternehmungen in Deutschland hat. Das Vermögen der Gesellschaft ist vorsichtig be- wertet. Von der Gründung eines Schranbenfyndttat« verspricht die Vertboltung sich vorderhand keine Besserung der Lage. 14. d.M wurde meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Schwiegermutter Emilie fuflis, Ä lU Abonnements- durch einen sanften Tod von ihrem schweren Leiden erlöst, In tiefer Trauer im Namen der Hinterbliebenen: Gostav Fndu Berlin SO 36, Kottbusser Ufer 46, im Juli 1930 Die Einäscherung findet am Freitag, 18 d M, um l6>/z Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Kranzspenden dankend verbeten DeDlsdier Metallarbeiter-VeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, d unler Sollege. der Fortner Wühelm Kroll geboren L Februar 1867, am 11. Zuli gestorben ist. Die Einäscherung findet Mittwoch, 16 Juli, 14t, 2 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Am 14. Juli starb unser Kollege, der Metalldreher Erich Potschantek geboren 8. November 1610. Beerdigung tindct am Donnerotag, dem 17.IuIi, 14 Uhr, von der Leichen- halle des Sebastian-Kirchhofes in Neinickendots ans statt., Rege Beteiligung wird erwartet. Nab Uhr Der fröhlidie Weinberg Lustsp. in 3 Akten nn Karl Zudiniayer Regie: L D. Ren!»:. DüDtidies Theater 0 2 Waidendaiimi 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg.: MaxReinhardi Musik: fririridi BollKnder, Bühumbililar Emst Sdiutit. Die KomSdie II Bismck.2414/7516 8'ä Uhr Wie wetde iüi leidi und giodtlidi? Ein Kunos in 11 Abtiilungen ron Felix Jcadiimun. Musik ron Miuha Sptiaosky. Rnia: Eridi Engel Bühnenbilder Ludwig Kainer Lessing-Theater Wsidtadamm 2791 b. 0846 Täglich S'b Uhr Der Faun von Edv. Knoblaudi. Paol tieadrls. Hrbn. Flaaini. Rnil. CndtuunkT, Fraaknu Ridlr, lantn. Uta Berliner Prater SoDimergiiilcBltienle! Kastanienallee 7—9 4 Uhr Grossts GaiienkoDzert 6 Uhr Eine entzückende Burleske sowie der auserwählte Varietö-Teil 8.15 Uhr Premiere Gustl Beer, Greil Lilien, Alex Haber Erwin Hanuiik, in Das Drei' müderlhaus Singspiel in 3 Akten Mubik nach Fi an* Schuberf. Heute Kindertag! Eintrittspreis von UO-an. Staats-Theater geschlossen! Anmeldungen tor die Spielzeit 1930-31 (Beginn am 1. Septemner) v/erden auch während der Theaterserien entgegengenommen: a) für die Staatsoper und das Staat]. Schauspielhaus vom Abonnements- büro, Berlin W56, Ober- wallstr. 22.— Fernspr. Merkur 9024, b) für das Staatl. Schiller- I beater vom Abonne- inentsbüro,Berlin-Char- tottenburg, Grolman- strafie 70.--- Fernspr. Steinpl. 6715.. PEAZa „Das Rgse- Theater hat 1 sieh mit dieser Auffüh-| rung der„Anderen Seite"\ I für diesen Sommer an die Spitze der Berfiner Theater gesteift" so scAreifil die„ Weit staät" vom 7. Juii. Paul Rott all KompagnlsfOhrer{ „Die andere Seite" ▼on S herif f Täglich 8'» Uhr, aber nur I noch bis Sonntag, d. 20. Juli. AfeMontao,21 Juliinlnnentheater| völllgr■ ea elnstadlert I ..FladisniaßD als Enieäer" ■ Komödie von Otto Ernst j Auf derGartsnbQbne. täfll. R* U. (Sonntags 6°° Uhr) Dar Bombenprogramm 1 mit Willi Rosen am FlOgoi. v'n'r„Verliebte Leute"! Operette von K ü n n e k e.| In den Hauptrollen: Oltters, Hofsr.Karstsns.Pyrmont. GÜMich, Kanitch, Muth. Hans I Rsst and Richtsr-Wauar. Billettkssas: Alex. 3422 u. 3494.| Gr. Frankfurter Str. 132 Rose-Theater V B.lSDhr— Banfflea sriaahl Cortinis Dolltrsegen usw. Täql. 5 u.«15 Sonnt. 2, 3 a. 8" Alex. E 4, 8066 Oscar Sabo u. Lotte Werkmeister in der Srene..Beim 6-Tage-Rennen" mit Original-Krficke usw. Renaissance- Theater 9 Uhr Sleinplatr 6780 üfste nd allabaiiliidi Die Wunder-Bar RevuestOck Komische Oper 84/i �hr Paul Heidemann in: OSc ßrau ohne Kuss Kollo-Operette mit üritüajä. Theater Kd.Belirenstr. 53-54 S»/2 U. A4 Zentrum 926-927 8*% U Direktion Ralph Arthur Roberts Mein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Robs Aktiva Kasse........ Häuser....... Grundstück.• Bauhütte Berlin. Reichshollen-Iheater ITl Uhr Heute erstes Gastspiel der Dresdner kUlctona-Sänger fOr Berlin völlig neues Repertoirt, Dönhoff- BrcUl; (Saal und Midi kühler Carlen) Variete- Konzert- Tanz Theater d. Westens Täglich 8V1 Uhr: Das Land des Lachems Franz Lehars Sensationserfolg I Metropol-Tli. Täglich 80» Uhr Hiebael Bohnen in mit Dir aliein... original- Befema Palentmatratzen/ Ruhebetten mttBetema-Federung Patenl-Drehbeit(D. R.P.) ein Griff— ein Beff, sowie das neue Holzbett mit Befema-Federnnä sind vollkommen geräiudilo.!— Kein Elnliegen. l ör sefawente Belastnng. Ueberau erhältl 20 Jahre Garantie. Ben. Federmatratz.-FUirtk, Hoposnstr. 29 ThnLaiBRsnii.Tor Kottbusser Str. 6 Tägl. BV< Wiederauftreten der Elite' Sander mit Scborsch Ruselll. 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Sali 1930 3n der heutigen Vormlttagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2»ewlim. ,» 60000 SB. 324661 2»-Winne ,» 10000 SB. 122805 2««Winne in 5000 M. 248302 2 Gewinn« zu 3000 SB. 557 1 8 4»«Winne m 2000 SB. 18036 112689 8»ewinn« ,u 1000 SB. 131443 207333 218707 16«ewinn»«u 800 SB. 19480 32402 100564 21 1882 269814 267985 343907 399162 20»ewinn, ,« 500-m. 15681 63293 63193 98093 143771 207558 302670. 328646 8Z3234 380834 In der Heuligen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2»«winn« l» 3000 SB. 19033 2 a«toinn«(tt 2000 SB. 66246 6»-wwn« tu 1000 SB. 149627 229791 367334 4»«Bilm« 1« 800 SB. 110274 221777 24®r»inn«|U 500 SB. 4918 75585 79758 82382 108793 141239 169774 228267 282056 284993 288108 306482 Bilanz für den ZI. Dezember 1929 der Gemeinnfllzigen BanRenoMeiudialt«Baobflite Berlin" e. G. m. b. H. Verkäufe itschherde. Gas, Kohle, Ofentüren, Ofenrohr, Waschfefscl, Waschmaschinen, Adwaschtische, Wäscherollen. Teilzahlung, Gisschränie, Vabcwannen. 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Dezember 1929 Erträge Entwässerung.... 39,93 Miete.......... 10 851,— Grundsteuer..... 169,50 Hausainssieuer... 4,80 638,15 Licht......... 110,44 Beiträge...... 72.— Anfwendongen Unkosten....... 4 065,64 Zinsen......... 6 372,68 Schornsteinfeger.. 1,20 Erbpacht....... 170.— Gewinn.. 1 1 247,67 11 247,67 MilgliederbewegoBg Anzahl der Mitglieder am I.Januar 1929 24 Zugang im Jahre 1929....... o Abgang im Jahre 1929....■■. 0 Verbleiben am 31. Dezember 1929.. 24 Höhe der Geschäftsguthaben je Mitglied 300 Mk. Höhe der llaf summe je Mitglied... 300 Mk. Höhe säm'licher Haftsummen..,. 7200.Mk. Berlin, den 14. Juli 1929. Für den Vorstand; Otto Hanke, Herrn. Richter. Für den Aufsichtsrat: Felix Breiske Linoleum, Szillat, Koloniesirane 9. o Mobcl Möbelfäuler «erl« Kredit und bar Modelba,-r. arosse An«wadf. kleine Preis«! Beispielsweise! Schlafzimmer 455,—. övelsesimmer 517.—. Herrenzimmer 389,— Svicgeb schränke 118.—. Dielenaarnitur 38.— Anrichtekücke 99,—, Wesstnadettsiell« 66.—. 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August an das Bezirkssekretariat der SPD., Dresden-A., Wottdner Platz 10, zu richten. Bezirksvorstand der SPD. Ostsacfasen. Erastzkasse, die sich über das gesamte Reich erstreckt,«acht einen GescMSbfüiirer. Es wird genaue Kenntnis der gesetzlichen Vorschriften vorausgesetzt, daneben aber auch organisatorisches Talent und alle sonstigen Fähigkeiten, die für die erfolgreiche Leitung eines solchen Unternehmens mit zahlreichen Beamten erforderlich sind. Angebote unter II. JiSÖO betöicert Rudolf lloase, Berlin BW lOO.