BERLIN Zreitag 18. Mi 1930 10 P7. Nr. 332 B 165 47. Jahrgang Trscheinttiglich außer Sovat«»«. Zugleich Abendausgabe de».Vorwärts�. BeWgsprei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, S,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, Lindenstr.» «teigeupreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheckkonto: Vorwürts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.87SS«. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bis 2S7 Oer Neichstaa aufgelöst! Der Reichstag«ahm heute die sozialdemokratischen Anträge aus Aushebung der Notverordnungen mit 336 gegen 331 Stimmen an. Der Reichskanzler erklärte daraus den Reichstag sür ausgelöst. Das Volk entscheidet! Auf zum Wahlkampf gegen den Vürgerblock! Die Stunde der Abrechnung ist da? Das Volk hat das Wort. Der Versuch der Regierung, über!»en Willen des Reichstags hinweg die Pläne einer Minderheitsregierung durchzuführen, ist auf den Widerstand einer Reichstagsmehr- heit gestoßen. Der sozialdemokratische Gegenstoß gegen dhe Verfassungs- Verletzung durch das Kabinett Brüning hat einen ersten Erfolg gezeitigt. Jetzt ist es an den Wählern, dem Anschlag gegen das demokratische Recht des Volkes die entscheidende Niederlage beizubringen. Es gilt die Abrechnung mit den Bürger- dlocktendenzen! Trotz der klaren Wahlentscheidung vom Mai 1928 gegen den Bürgerblock haben unter Führung des Zentrums die Parteien der bürgerlichen Mitte sich aufs neue den Bürger- blocktendenzen ausgeliefert. Obwohl eine klare parlamentarische Mehirheit für einen Bürgerblock nicht vorhanden war. hat Herr Brüning die Mehrheitsregierung Hermann Müller gesprengt und eine bürgerlich-reaktionäre Minderheitsr-egie- r u n g an ihre Stelle gesetzt. Abbau der Arb-eits» losenoersicherung, Abbau der Krankeuver- sicherung, Ausschaltung der Arbeiter p-artei von der Regierung des Reichs— das waren die Programm- punkte, die diese Minderheitsregierung vertreten hat! Für die Verwirklichung dieser Programmpunkte hat das Kabinett Brüning die durch die Verfassung gezogenen Grenzen überschritten, als es keine Mehrheit erhielt. Die Verletzung der Verfassung durch das Kabiinett Brü- ning hat den faschistischen Kräften Mut gemacht: Hugenberg will das Reich zu einem Groß-Thüringcn machen, er will Deutschland in ein unabsehbares politisches und wirt- schaftliches Chaos stürzen! Die.Diktawrschwärmer wittern Morgenluft! Sie wollen die Zerstörung der parlamentarischen Mehrheitsregierung, die Sabotage des Parlaments durch das System Brüning für ihre Zwecke ausnutzen. Hinter dem System Brüning wie hinter den Diktatur- Plänen steht dasGroßkapital. Eine schwere Wirtschasts- krise erschüttert das Volk. Massenarbeitslosigkeit zehrt an der Kraft der Arbeiterschaft. In dieser Zeit der Not will das Großkapital die Arbeiterschaft zu Boden ringen: Zerschlagung der Sozialpolitik, Lohnabbau aufderganzenLinie, ZerstörungdesSchlich- tungswesens! � Darüber hinaus aber spielen die unverantwortlichen Bürgerblocktreiber mit dem Plane, der Arbeiterschaft den politischen Einfluß zu rauben. Sie wollen das Par» lament diskreditieren und sabotieren. Sie wollen d a s P a r» l a m e n t als Willensausdruck des Volkes ausschalten. Sie wollen an die Stelle der Gesetzgebung durch das Parlament eine Gesetzgebung durch Verordnung setzen! Die SoMldemotratische Partei rujt das-Lauze MfrttäfigeU Volk, die ungeheure Mehrheit des deutschen Volkes auf. sich dem Plane einer Beherrschung des Volkes durch die Diktatur des Großbesihes zu widersehen! Das verfassungsmäßige Mittel, um diese Pläne zu Boden zu schlagen, ist in der Hand des Volkes— es ist d i e W a h l- entscheidung gegen das unehrliche reaktionäre System des Bürgerblocks unter Brünings Führung. Die Sozialdemokratie vertritt die Sache der parlamentari- fchen Demokratie gegen alle Diktaturgelüste. Die Sozialdemokratie oertritt die Interessen des werk- tätigen Volkes gegen alle reaktionären Anschläge, die in der Zeit der Not gegen das Volk gefaßt werden. Die Sozialdemokratie als Vertreterin der Arbeiterschaft hat die Entscheidung des Volkes erzwungen! Ihr Ruf ergeht an das ganze Volk: für den demokratisäM» sozialen Volksstaal, für das Recht der Arbeil, für das Recht des ganzen werktätigen Volkes! Der Wahlkampf beginnt. Auf zur Sammlung hinter den Jahnen der Sozialdemokratie! Landsberg rechnet ab! Die letzte Sitzung. Der Reichstag war heute schon um Iv Uhr dicht beseht. Die Tribünen sind überfüllt. Präsident Löbe teilt zunächst neue Ttrafversolgungsanträgc gegen Abgeordnete mit und ruft dann den ersten Punkt der Tagesordnung auf: Die Aushebungs- und Miß- t r a u e n s a n trä g e der Sozialdemokraten und der Kommunisten. Die Redezeit wird auf eine halb« Stunde festgesetzt. Ms erster Redner ergreist das Wort, während die Hakenkreuzler auf Kam- mando Stühes den Saal verlassen. Abg. Landsberg(Goz): Ungern gehe ich an die Aufgabe, die Unzulässigkeit und Der- fassungswidrigteit der beiden Notverordnungen nachzuweisen, denn für jeden, der den Artikel 48 kennt, liegt diese Rechtswidrig- k e i t auf der Hand, und ich fürchte mich beinahe davor, einem von Ihnen eine ander« Ueberzeugung zuzutrauen.(Sehr gut! links.) DereReichstag hat schon einmal über diese Frage beraten und damals hat' sich die Einstimmigkeit der Juristen, die doch selten vor- Sntfcheidende SHamng des dleichslngs* SteidisminiUer 3)r. ITirlh, der freund fflalheuaus, fuchi den Terfaffungsbruch des JßeiHsüiürgt'iJjlocks scu redilierligeu V toimnt, im Sinne unserer Ueberze-iMmg ergeben. Es war cnn 26. Januar 19L8 und wir berieten über die Einstellung eines Hoch- v.« rra te p r oz esse s gegen Herrn C la ß. der damit operiert hatte, man könnte auf Grund des Artikels 48 die ganze Reichsver- sassung und mindestens den Reichstag ausschatten. Sowohl Geheim- rat K a h l»on der Deutschen Äolt sparte! wie Dr. Bell vom Jentrum haben damals erklärt, daß nie und nimmer der Artikel 48 derart ausgelegt werden könnte. Der Artikel 48 ist g u in Schutze der Verfassung da, und zwar zum Schrche dieser Verfassung vom II.'August 1919. Artikel 1 dieser Verfassung sagt:„Alle Staats- gemalt geht vom Bolk.e aus." Und disse Gewalt übt dos Volk durch den Reichstag aus. Es ist bezeichnend, daß der Reichs- tag bei einem Zwiespalt mit der Regierung ausgelöst werden kann, ober aus dem gleichen Anlaß mir einmal: hat dos Volk dem Reichstag in einem bestimmten Fall sein Ver- 'rvirn geschenkt, so muß die Regierung daraus andere Kon- !' sequenzen ziehen at» die Austösuag. Nach Artikel 4« hat der Reichstag das Recht, j>e d e Verordnung, die auf Grund des Artikels 48 erlassen ist, s o f o r t a u f z u h e b e n. Wie kann man da aus den Gedanken kommen, ein vom Reichstag abgelehntes Gesetz durch Anwendung des Artikels 48 zum Gesetz zu machen? Unter normalen Umstünden muß man doch damit rechnen, daß dieselbe Mehrheit, die soeben ein Gesetz otbgetchnt hat, die entsprechende Verordnung im gleichen Augenblick w i.e d e r auf- hebt. Versassungsartikel können doch nicht auf den Fall zuge- schnitten sein, daß es eine Fraktion gibt, die eine Vorlage nieder- stimmt und die Verantwortung dafür ablehnt, dann aber, nachdem die Regierung die Verantwortung übernommen und ein« solche Ber- ordmmg erlassen hat, diese VeroNdmmg gutheißt!(Sehr gut! links.) Nach dem Artikel 48 können gewisse Grundrechte aufgehoben werden. Mit größter Sorgsolt unterscheidet der Artikel 48 zwischen Grundrechten, die vorübergehend ausgehoben werden können, und solchen, che nicht«wfgehoben werden können. Wemr selbst bei den Grundrechten sich der Gesetzgeber aus doe- allergeringste Maß beschränkt, so beweist die Richlerwähnung einer Möglichkeit, die Grundtagen der Verfassung auszuheben, daß derartiges von vornherein vollkommen ausgeschlossen worden isl. Die Voraussetzung für die Anwendung des Aatitels 48 ist, daß die öffentliche Sicherheit und Ordming im Reich erheblich gestört oder gefährdet ist. Es muß das Staatsgonzc, dos Staats- wohl erheblich gefährdet sein und das Urteil darüber, ob dies« Voraussetzung gegeben ist, kann nicht abhängig sein von der Partei- stellung. Das Kriterium für eine solche erhebliche Störung ist ein objektives. Diktatorische Maßnahmen müssen getragen sein von der allgemeinen Ueberzeugung ihrer Notweniügkeit. Rur dann sind sie zulässig. Das ist der Sinn der wahren Demokratie. Wenn mehrere Maßnahmen in einer Verordnung enthalten sind, so muß jede«in- zeine nötig sein, um die Störung und Gefährdung der ösfentkicheu Ordnung und Sicherheit abzuwehre». Die Reichsregierung behauptet nicht, daß die öffentliche Ord- ming und Sicherheit im Deutschen Reich gejährdet sei oder doch nur, weil ihr Deckungsprogranmr vom Reichstag nicht angenommen worden ist. vis zur Ablehnung des Artikels 2 der Deckungsvor- lage hol eine Störung oder Gefährdung der ässentlichen Ordnung und Sicherheil nicht bestanden. Wochenlang Hot die Reichsregierung ibre Kraft durch sortgesetztx Unterhandlungen und durch ständige» Zurückweichen vor den Ansprüche« der Recht»- Parteien zum Ausdruck gebracht. Ihr Wille, das Programm durchzusetzen� von dessen Annahme angeblich Ordnung und Sicherheit im Deutschen Seiche abhängt, war durchaus nicht unerschütterlich. Erst vorgestern hat man doch auch mit verhandelt, wenigstens uns durch eine wohl ernstgemeinte Einlösung dazu gebeten. Di« Mehrheit des Reichstages hat im Interesse des Staatswohis die Deckungsyorlage abgelehnt, denn sonst würde die Mehrheit da« nicht getan haben, Die Regierung, hinter der nur ei« Minderheit hes Reichstags steht, hält sich vom g«jsbnt«iligen Standpunkt aus berechtigt, hie abgelehnte Vorlag« durch Art. 48 zu verordnen. Die Regierung sagt, wenn hie Sanierung her Reichs- finqnzen im Reichstag nicht möglich ist, so ist dos«ine Gejohr für die öfsentliche Ordnung und Sicherheit. Ich weiß nicht, ob nicht die Ordnung und Sicherheit in höherem vlaße garantiert durch ein« starke Heranziehung der höchslen Einkommen würde.(Lebhafte Zustimmung der Soz.) Wir haben der Reichs- regierung andere Wege gezeigt, die zu dem von der Reichsregierung gewählten Ziel führen. Glaubt hie Regierung den Stein der Weisen zu besitzen? Glaubt sie denn, daß es nur auf ihrem Wege geht? Die Bolkspartei hat die famose Bürgerabgabe gewünscht, die De- mokraten die Gemeinde getränkesteuer und deshalb sind beide Steuern in das Steuerbukett hineingenommen worden. Sind die Wünsche der Deutschen Votkpartei und der Demokraten wirklich so erheblich, daß nur durch ihre Erfüllung Ordnung und Sicherheit im Deutschen Reich gewährleistet werden kann? Heut« wird uns nun der Antrag der Wirtschaftsportei vorgelegt, die Verordnung übe? die G e- meindegeträntesteuer außer Kraft zu setzen.(Hört, hört! und große Heiterkeit). Eine von den Regierungsparteien ist also der Ansicht, daß diese Verordnung nicht nötig war. um Ordnung »nd Sicherheit im Reich ausrechtzuerhalten! Die Staatsrechtswissenschoft ist einig darüber, daß eine gerichtliche Rachprüsung der Zulässigkeil aller aus Grund de» Art. 48 ergangenen Maßnahmen vorgenommen werden kann uich zwar auch dahin, ob sie zur Ausrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit notwendig waren. Bei einer solchen geeicht- liehen Prüfung werden diese Berordnungen sehr schlecht bestehen. Was wird dann aber aus der Autorität der Reichsregierung?(Der Reichskanzler unterhält sich während dieser Worte mit einem deutsch- nationalen Abgeordneten, lebhaft« Zurufe der Linken machen ihn darauf aufmerksam, daß er lieber zuhören soll). Ich weih nicht, ob«» der Regierung gelungen ist, die Hilf« der Deutschnatio. nalen zu gewinnen, aber deren Bedingungen sind bereits bekannt. Was sie unter Aenderung der auswärtigen Politik verstehen, weiß man ja. Aber was ist das für eine Politik einer republikanischen Regierung, der die äußerste Rechte Beifall spendet.(Sehr gut! links). Sie wissen, wie Verhängnis- voll in der Politik der Präzedenzfall ist. Diesen aber haben sie den Vesperado» mit diesen beiden Verordnungen gegeben. Wenn diese beiden Verordnungen gültig sind, kann man mit dem Art. 48 auch da» Unterst« zuoberst kehren und dann haben wir gegen die Zeit de» Obrigkeitsstaate», der zur Voraussetzung diktatorischer Maß- nahmen die DerküiGung de, Kriegszustande» hatte, keinen Fort- schritt, sondern«inen Rückschritt gemacht(sehr wahr! link»). Wenn die Regierung und diejenigen Parteien, deren Freundschosl zur versossung noch sehr jungen Datum» iK�A>8»4ne DMtjche Lvtksxartei solche Waßmchw« deckt, die ja seinerzeit die Weimarer Verfassung abgelehnt hat, so kann man dos begreifen. Aber Zentrum und Demokraten haben mit uns diese Verfassung gemacht in einer Zeit, die schwerer gewesen ist als die heuiige, als Ordming und Sicherheit sehr viel mehr be- droht waren, denn heute. Und gleichwohl haben wir dem Volk die volle Staatsgewalt oerschosft, weil wir wußten, daß wir uns auf das Volk verlassen tönnen und dieses Vertrauen hat uns nicht be- trogen.(Zuruf von der Bayerischen Volkspartei.) Sie müssen doch anerkennen, daß seit 1924, also länger als von 1919 bis 1924, vom Artikel 48 kein Gebrauch gemacht worden ist und schon gar kein Mißbrauch. Hätten Sie(zum Zentrum und den Demo- traten) bei der Schafsung des Artikels 48 eine derartige Anwendung für möglich gehalten, so hätten wir natürlich damals schon einen Riegel vorgeschoben. Die Reichsregierung hat sich der denkbar schwersten Verletzung der Verfassung schuldig gemocht, die sie in wenigen Wochen begeistert feiern wird. Wenn Sie die Versossung so wenig achten, wie können Sie dann Ais nach Landsberg der Reichsinnenminister Wirih an das Rednerpult tritt, kann er minutenlang nicht zu sprechen beginnen. Hundertsach wird ihm von der Linken zugerufen:„wo ficht der Feind? Der Feind fleht recht»!" Wirth verlsucht sich unter stürmischen Unterbrechungen damit herauszureden, daß auch in der Regierung Hermann Müller die An- wenbunq des Artikels 48 erwogen worden fei. Er vergißt zu sagen, daß von der Erwägung bis zur Tat«in weiter Weg ist und Hermann Müller nicht daran gedacht hat, den Artikel 48 gegen eine Reichstagsmehrheit bei vollkommen ruhigen Verhältnissen im Land« anzuwenden. Als Wirth beginnt, wieder über ine Krise de» Porla- mentarismus zu philosophieren, erhebt sich auf der Linken großesGelöchter. Es wird ihm zugerufen:„Reiten Sie immer noch den alten Gaul?" Wels reist:„Sie verwechseln sich mit dem Parlamentarismus!" Wirth macht gar nicht den Versuch, die ver» fassungsrechtlichen Ausführungen Landsbergs zu widerlegen. Er redet Phrasen von seinem Gewissen und ähnlichem«nd schließt, ohne irgendwelche Unterstützung von den Regierungsparteien zu finden. Abg. Obersohren(Dnat.) gibt ein« Erklärung ab, die besagt, daß die Regierung die Weiter« sührung der Verhandlungen mit den Deutschnationalen durch ihr Festhalten an der bisherigen Politik unmöglich gemocht Hab«. Man habe alle Borschläg« und Warnungen der Deutfchnationalen in den Wind geschlagen. Die Steuerpolitik der Regierung beruhe aus sozialistischen Gedankengängen.(Ungeheure Heiterkeit, Lärm links, Zuruf« von den Kommunisten.) Die Erklärung verlangt weiter Ablehnung der bisherigen Reparationspolitik, der im soziali- stsschen Geiste geführten Handels- und Finanzpolitik, Be- seitigung des überorganisierten Wohlfahrts. staates. Die Hilssgesetze für die Landwirtschaft, da« Ost- Programm seien unerträglich verwässert worden und ihre Wir, kung durch die Fortführung der bisherigen Handelspolittk beraubt. Es besteht di« Gefahr, daß mit Hilfe der Sozialdemokratie olle Handelsverträge, besonders der verwerfliche deutsch- polnische Handels- vertrag beschlossen werden. Da« Angebot der Deutsch- nationalen, eine Regierung gegen die Herrschast des Marxismus und des Kulturbolschewismus zu bilden, sei abgeschlagen worden. Die erst« Vorbedingung dafür wäre die Beseitigung de? sozialdemokratischen Diktatur in Preußen und des Wiltkürreglments von Otto Braun gewesen. (Heiterkeit und ironische Zurufe links.) Ohne die Beseitigung diese» wesenttichsten Krisensaktors ist eine Besserung unserer Rot nicht möglich. Mr verlangen die Deckung de» Etatsdesizil» durch Er- sparnisse mit hllf« neuer Rotverordnungen des Reichspräsidenten und durch verkauf überflüssigen Reichseigentum».(Lärm links, Beifall bei den Deutschnationalen.) Abg. Koenen(Komm.): Der Poung-Plan, den man als den Zlusweg aus der Misere gefeiert hat, hat zur faschistischen Diktatur geführt. Die Notverordnungen sind kein Ausweg aus der Krise. Reichsfinanzminister Or. Dietrich oersucht, die Steuern zu rechtferitgen, die die Mitte zwischen den Forderungen der Linken und der Mitte darstellen. Große Heiter- keit erweckt er mit den Worten, daß im Reichstag keine Mehrheit zu finden sei, da man die einen nicht kriege, wenn man mit den anderen gehe. Er hoffe, daß in diesem Hause genug den Ver- stand haben werden, zu erkennen, daß es nicht darauf ankomme, wie es gemacht wird, als daß«s gemocht wird. Stürmische Zu- rus« der äußersten Linken verweisen dem Minister diesen Ton. Er fragt die Linke, obl st« die Verantwortung übernehmen wolle, daß das Reich wieder bei den Banken betteln miisse. Noch sei die Retchstasse in Ordming, die Distontsenkung habe der Wirtschaft geholfen. Aber um das Defizit zu vermeiden und in Ordnung zu kommen, müßten oll«, die es gut meinen, mit dem Vaterland zu- sammenwirten. Mit der Sozialpolitik geht es nicht höher, das ist nicht zu ertragen.(Händeklatschen rechts.) Den Artikel 48 mußten wir schließlich anwenden, da das Ehaos im Steuerausschuß zeigt«, daß jeder nur seine persönliche Suppe kochen wollte. Ich hätte die Verordnungen nicht unter- schrieben, wenn sie nicht unerläßlich gewesen wären. Gegen die Republik werden wir den Artikel 48 nie anwenden. Es muß sich zeigen, ob wir ein Volk von Interessenten oder ein Staatsoolk sind. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen In der Mitte und rechts.) Abg. Graf Westarp» verlieft ein« Erklärung, daß eine Anzahl seiner Freunde diesem bürgerlichen, ohne Marxisten regierenden Kabinett noch eine Frist geben und den Bemühungen zur Lösung der finanziellen und wirtschaftlichen Probleme nicht durch Aushebung der Ver- ordnungen in den Arm fallen wollen. Wir halten die Verabschiedung der Amnestie, der Ost- und Westhlls« für so dringend, daß wir sie und die Sanierung der Wirtschost durch Regierungskrisen und Wahl- kämpfe nicht in Frag« stellen wollen. Aus der Regierungskrise könnte ein« Staatskrss« werden, daher lehnen wir die Anträge ab. Abg. Dr. Scholß(D. Lp.) spricht etwa im gleichen Sinne, hält den Sozialdemokraten unter dereb lebhaften Widerspruch dl« preußische Verordnungspraxis vor und behcupiet, daß die Regierung Hermann Müller auch mit Ar- tilel 48 regieren wollte, bloß nicht die Ermächtigung dazu erhalten habe. Daun redet er de» Deuljchaatioaolen zu. doch nicht gegen ewe die Achtung für die Verfassung von dem Mann auf der Stech» fordern, der sie nicht beschworen hat? ♦ Diese Reichsregierung hat Möglichkeiten dar De r st ä n- digung nach links nicht nur nicht ausgenutzt, sondern abge» lehnt, um ausschtießlich Verständigung nach rechts zu suchen. Die Reichsregierung oertraut auch jetzt darauf, daß Hilf« von rechts diesen beiven Verordnungen Gesetzeskraft verleiht. Das Ziel dieser Reichsregierung«st der erweiterte Bürgerblock, den kein anderer als der jetzig« Reich«nnenminlster vor einigen Sohren Besihbürgerblock getoujt Hot. Die Absichten der Regierung sind gekennzeichnet durch das piutokratrsche Deckungsprogramm, das sie uns unterbreitet hat. Wir spielen nicht mit Mißtrauensvoten(Unruhe der Komm.), aber angesichts dieser Verordnungen und der in ihren Tendenzen deutlich erkennbaren Gesamlpolilik dieser Regierung würden wir e« für eine pslichlverlehurtg halten, ihr unser Mißtrauen nicht auszu- sprechen.(Lebhafter anhaltender Beisall der Soz.) Regierung zu stimmen, deren Grundsähe mit denen der Deuli-�- notioaaten übereinstimmen(stürmisches Hört, hört! links). Abg. ZNeyer-Berlin(Dem.): Di« Sozialdemokratie hat die besonders von uns verlauglen Berhondiungen durch die Form ihrer Forderungen aussichtslos gemacht.(Widerspruch bei den Sog.) Wenn wir für die Aufhebung der Nowerordnung stimmen würden, so würden wir dem Paria- mentarismus den Todesstoß geben. Wir lehnen die Aushebung der Notverordnungen ab, beantragen aber die Ueberweisung der f- meinde-G« tränkesteuer an einen Ausschuß. Abg. von Keudell(Christs.-Nat.-Arbeitsgem.) spricht sein Befremde» aus, daß Dr. Obersohren die Verbesserungen des Ostprogronmis totschweigt. Für einen Bewohner der Ostmark ist die Uneinigkeit der Rechten in dieser Frage b e- schämend, weil die Rechte am stärksten mit dem Osten ver- wurzelt ist. Die Freunde des Herrn Oberfohrcu sind vor nicht langer Zeit mit der Parole:„Mehr Macht dem Reichs- Präsidenten" im Lande herumgezogen.(Heiterkeit. Beisall und Gegenrufe rechts.) Jetzt, wo der Reichspräsident seine erhöhte Math» ausnützt, dann man sich nur der Erklärung des Graf Westarp onschtießen.(Beifall und Gegenrufe rechts.) Abg. Feder(Nat.-Soz.) spricht über die Krise des Parlamentarismus, Marxismus usw., dauernd unter kommunistischen Zu- rufen, die ihn auch gleich als„Steuernazi" begrüßten. Deutsch- lands Riesenzahiungen beschützen Frankreich vor Arbeitssosigkeit und stärken die französische Konkurrenz. Als letzter Redner in der Debatte weist Abg. LondSberg(Soz.): die Berufung der 48er auf Preußen zurück: Gemäß der preußischen Verfassung hat die preußisch« Regierung mit Zustimmung eines ganz bestimmten Landtagsausschusse» Verordnungen erlassen, die in mehreren Fällen angefochten, aber vom Staats- gerichtshof als rechtsgültig erklärt und in allen Fällen vom Landtag gebilligt worden find. Niemals ist eine vom Landtag ab- getehnle Vortage durch Verordnung in Kraft gesetzt worden.— Zu der Frage Dietrichs, Interessentenvolt oder Staatsvolk gibt es für uns natürlich keinen Zweifel: Staatsvolk! Aber der Beifall zu Dietrichs Frag« von der W i r t s ch a f t s- parte« war auffallend, denn diese hat die Konsumvereins- und Warenhaussteuer durchgesetzt und verlangt jetzt die Auf- Hebung der Gemeindegetränkesteuer— alles für den Staat, nicht im Privatinteresse, nicht wahr?(Große Heiterkeit.). Auch die Deutsche Voltsparlei hat Beisall geNalscht, die den höheren Sleuerznschlag für die großen Einkommen und Ver- mögen bi» zum äußersten bekämpft, die Bier- und Tabaksteuer gegen die Regierirngsvorjchlöge herabgesetzt gegen die Verhandlung unseres Penstonskürzungsantrag» aufs äußerste gesträubt hat. Nur im Staatsintevesse, nicht wahr?(Sehr gut! links.) Ebenso mar es mit dem Beifall der Bayerischen Volkspartei, die die B i e r st e»« r bekämpfte und Sonderpor- teile für Bayern herausschlagen wollte. wir aber treten für das Staalsvolk«in, für die arbeitenden Massen, die wir vor unverschuldeter Rot bewahre« wollen, während die Bolt«partej die Beitragserhöhung für die Arbeitslosenoersich?- rung bekämpft hat. Aber die»Deutsche Tageszeitung' sagt heute früh offen, daß diese Verordnungen der erste Versuch sind, den R e i chs p r S s! de n t en ge g en den Parlamentarismus regieren zu lassen. Darum dreht es sich und darum ersuche» wir Sie, unserem Antrag zuzustimmen.(Lebhafter Beifall der Sozialdemokraten.) Während der Rede von Landsberg ruft der Zentrumsabg. Esser unaufhörlich dazwischen:„Die fünf Minuten sind um." Darauf wird ihm aus den Reihen der Sozialdemokraten Zugerufen:„Herr Esser, e» gehk um das Deutsche Reich, nicht um Minuten!" Als nach der Rede von Landsberg die Abstimmung beginne» sollte, beantragte der Volkspart«!l«r Scholz, die Ab- stimmung über die Mißtrauensanlräge vorwegzunehmen. Der Zweck der Uebung war. bei Annahme der Mißtrauensaniräge eine Aufhebung der Verordnungen durch ein« Abstimmung des Reichs- tags zu vermeiden. Für diesen taktischen Schachzng stimmten alle Fruk- tionen des Reichstages außer den Sozialdemo- kragen und Kommunisten. Nach der Annahme des Scholzschen Antrags zogen Sozialdemokraten und Kommunisten ihre Bttßtrauens- antrüge zurück, so daß die Abstcht der Regierungsparteien durchkreuzt war und das Haus nunmehr zunächst über die Aufhebungsanträge abstimmen mußte. Die Ab- stimmung war namentlich. (?s wurden abgegeben 437 Stimmen, davon 23« mit Fa, 221 mit Rein. Räch Feststellung des Abstimmungsergebnisses er- klärte der Reichskanzler den Reichstag für aufgelöst. Goldaussuhr aus Amerika. Der Dampfer„Bremen" hat eine Goldladung von 4 Millionen Dollar an Bord. Das Gold ist für Frankreich bestimmt. Es ist seit Januar letzten Jahres die erste Goldaussuhr von den Vereinigten Staaten nach Frankoeich und die Folg« der Hav sse de» staogejisthe» geoDkea Wirth für Verfassungsverlehung. Brandunglück in Neukölln. Kunf Feuerwehrleute schwer verletzt. Schwere Jolgcn hatte ein verhattnismähig kleines Feuer, das heute in aller Frühe im Dachst uhl des Hauses hersurthslr. 8 in?l e u t ö l l n ausgebrochen war. Fünf Feuerwehrleute wurden bei den Löscharbeiten »on einer Stichflamme getroffen und schwer verletz t. Kurz vor 4 Uhr machte sich in den oberen Stockwerken des Quergebäudes eine immer stärker werdende Verqualmung bemerk- bar. Aon den Hausbewohnern wurde sofort die Feuerwehr alar- miert. Ein Löschtrupp von fünf Beamten drang mit einer Schlauch- leltung über das Treppenhaus nach oben vor. In dem Augen- blick, als die Bodcntür aufgebrochen wurde, schlug eine riesige Stichflamme heraus. Der ganze Löschtrupp wurde von der gewaltigen Flamme erfaßt. Durch den Lustdruck wurden einige Feuerwehrleute die Trepp« hinab- geschleudert. Hierbei stürzte einer der Beamten mit seiner Beilpicke so unglücklich auf den Schlauch, daß dieser mitten durch- schlagen wurde. Trotz der äußerst gefährliche» Situation konnten die Verunglückten, und zwar die Feuerwehrleute S z e r b o w s k i, Elsholz, Storch, Doberstein und der Brandmeister Ka» naschewsky, sämtlich von der Wache Neukölln, von sofort zu Hilfe eilenden Kameraden noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Die Verletzten wurden in das Buckomer Krankenhaus übergeführt. Die Verletzungen der Feuerwehrleute Elsholz und Doberstein sind besonders ernst. Der Brand konnte schon nach kurzer Löschtätigkeit nieder- gekämpft werden. Wie die Untersuchung ergab, muß das Feuer bereit» stundenlang geschwelt haben. Der Dachboden war im Laufe der Zeit so stark mit Rauchgasen angefüllt, daß beim Einschlagen der Bodentür die Gase durch 5)inzutreten von Sauerstoff sich dann sttchflammenartig entzündeten. Noch 33 Toie im(Schacht. Hangendes eingestürzt.— Bergungsarbeiten unmöglich. Neurod«, 18. Juli.(Eigenbericht.) Die Bergung der noch unter den Trümmern der Gruben- katostrophe liegenden Arbeiter gestaltet sich außerordentlich schwierig. Immer noch befinden sich 33 Bergleute oer» schüttet in dem Unglücksschacht. Vorerst ist in der Bergung in» Sieuben�fedenkiafM. In Berlin sind 250 Mitglieder der deutsch-amerikanischen Steuben-Gesellschast eingetroffen. Sie werden, nachdem sie hier offiziell begrüßt wurden, nach Magdeburg, der Geburtsstadt Steudens, fahren, wo zum 200. Geburtstag am Sonnabend die oben wiedergegebene Gedenktafel im Ehrenhof des Ausstellungs- geländes eingeweiht wird. sofern ein gewisser Stillstand eingetreten, als am Donners- tagmorgen etwa 60 bis 80 Meter des Hangenden eingestürzt sind und dos Vorwärtskommen der Sanitätsmann- schaft außerordentlich erschwert, wenn nicht gar unmöglich macht. Bürgermeister als Waffendieb. Ver Nest der gefiohlanen Maschinengewehre entdeckt. Leipzig, 18. Juli.(Eigenbericht.) In dem der Stadt Leipzig benachbarten Böhlitz. Ehren. b e r g wurden am Donnerstag nachmittag in einem, den Brüdern Walter und Rudolf I u r i ch gehörenden Schuppen ein schweres und zwei leichte Maschinengewehr« entdeckt, die im Februar dieses Jahres mit 36 leichten Maschinengewehren aus einem Waffendepot der Reichswehr in Leipzig gestohlen worden waren.._ Die Maschinengewehr« waren in Säcke gehüllt und in dVj Meter Tiefe unter der Erde auf Sägespäne gebettet worden. Walter Zürich, der stellvertretender Bürger- meister von Böhlitz-Ehrenberg ist, hat den Diebstahl gestanden und gleichzeitig erklärt, daß sein Bruder mit der Affäre nichts zu tun Hab«. Jurich ist feit Jahren Funktionär der Kommu» n i st i fch« n Pa rt e i. Im Zusammenhang mit der Diebstahlsassäre sind bisher nahezu zwei Dutzend Personen in Hast genommen worden. (Südbrafllien in Schnee und Eis. tleberroschende Kältewelle. Rio de Zoneii!», 18. Juli. In Sitd-Brasilien, besonders in den Staaten Sao Paulo, Parana und RioGrondedoSul ist überraschend starker Frost ausgetreten. In Porto Allegre fiel Schnee. und die Temperatur sank auf 9 Grad unter Null. An der Küste herrschen Stürme. In Rio de Janeiro selbst beträgt die Temperatur 5— 6 Grad unter Null. Wetter für Verlin: Wechselnde, meist stärkere Bewölkung, etwas Abkühlung, noch einzelne Regenschauer.— Für Deutschland: Im Alpenvorland und im Osten regnerisch, sonst unbeständig und einzelne Schauer. Westostwärts sortschreitender leichter Temperatur- ruckgang. Spital im Von.Arnold 1 Vielleicht sind die beiden Begriffe Spital und Sonnner irgend- wie allzu gegensätzlich. Vielleicht habe ich mir auch eine falsch« Vorstellung gemacht, die hervorgerufen wurde durch eine Reihe von Bildern, die in diesen Tagen eben dort, in dem Spital an der Peripherie der Stadt vor meinen Augen abrollten, in seltsamen Kontrasten. Vielleicht war es— und dies mag der Kern des Ganzen fein— gerade das Sommerliche, das die Spitalsolltäglich- keit mit der sarbigen Palette dieser Jahreszeit dargestellt hat: und es sind Bilder geworden, die einen kleinen, aber vergeblichen Kamps des sarbensrohen Sommers gegen dos Grau des Spitals zeigten... Zweiter Tag. Einem jungen Menschen— er ist ganz wenig über Zwanzig —'hat man ein Bein abnehmen müssen. Heber dem Knie. Heute ist der zweit« Tag, daß er es weiß. Im Krieg gab es jeden Tag in jedem Lande Europas Taufende jungerMänner, die.cheute den zweiten Tag" erlebten: da sie es wußten, daß man ihnen ein Bein, zwei Beine, abnehmen mußte. Aber jetzt ist wieder Friedenszeit, jetzt gibt's wieder so etwas wie die Tragik des einzelnen. Dieser sunge Mensch liegt also aus seinem Bett im Dachgarten des Spitals und sieht hilslos über die Dächer und Schornstein« hinw.'g, sein Blick bleibt an den ersten niederen Bergketten hängen, die von ferne her die äußersten Ränder des Häusermeeres zu berühren scheinen. Und da sängt er ganz leise zu weinen an. Berge— und sein Beinstumpf. Berge— und seine Hiljlosigkeit. Berge— und seine Prothese, von deren Annehmlichkeiten«hm gestern der Pro- fessor, gütig und väterlich, eine halbe Stunde lang erzählt hat. Uni» unten, im Garten des Spitals, steht er zwei junge Mädchen mit Jasmin und Rosenknospen aus einer Bank sitzen. Hier sein Beinstumpf— und dort Jugend, voll des Blühens und der Ge- sundheit... Er weint. Niemand kann, niemand wird ihm Helsen. Ein Krüppel.— Aber man müßte ihn später sehen: zwei, drei Jahre später. Da wird er bestimmt ondere als arme Krüppel be- dauern, denen beide Bein« oberhalb des Knies abgenommen werden mußten. Wahrscheinlich wird er das. Ich lrber sah bloß seine Tränen. Und es war schwer, sie anzusehen. Eine Narzisse. Röntgemönstitut. Im Borroum des großen blauen Raumes stauen sich die Tragbahren. Don allen Abteilungen des Spitals werden da die Kranken gebracht und liegen hier wartend, bis die Reihe an sie kommt. Knapp an der Tür zur Dunkelkammer der Qberschwsster,«in wenig den Verkehr störend— aber es war nirgendwo anders Platz— liegt ein« junge Frau, vielleicht ein junges Mädchen. Ihr blauschwarzes Haar ist in der Mitte ge- scheitelt, dos Gesicht blaß, der Teint überaus fein, weißgelb, die Augen groß, weit off«». Sie liegt fast regungslos, bloß ihre Hände. aus feinen Gelenken kommend, dünn, zart, sind in ständig spielender Bewegung: sie hält zwischen den Fingerspitzen eine Narzisse, deren Blütenblätter sje unzählig« Male einzeln, streichelt, sanft besühlt. Der Reihe noch, immer wieder, immer wieder. Bis sie«in Husten- anfall packt, der sie aus der Bahre hoch wirst. Sie spuckt in ein graues Taschentuch. Ihr« Wangen werden schön, wunderbar rot. O du schrecklich-schönes Rot! Die Narzisse ist aus den Fußboden gesollen. Das blaff« Ding hat sich von dem 5)ustenansall ein wenig erholt. Da trägt man sie auch schon in da» blaue Zimmer... �Erde." Ein neuer Nussenfilm. Im Marmor hau? wurde gestern ein neuer ukrainischer Film vor Interessenten aufgeführt, einmalig. Der Zweck dieser nierkmiirdigen Veranstaltung war, Protest gegen«ine Entscheidung der Fistnprüsstelle einzulegen, die auf Anregv.ng eines katholischen Prälaten hin einige Stellen streichen wollte, weil sie das religiöse Empfinden anderer verletzen könnten. Daraus wollten sich die Ver- treter des russischen Films nicht einlassen und gaben nun den Film unzensiert vor einem geladenen Kreis von Interessenten— zu Propaganda zwecken. Das Filmgesetz läßt dieses Verfahren zu: aber es ist nicht abzusehen, was dabei herauskommen soll. Erstlich weiß man nicht, welche Stellen gestrichen werden sollten, und zweitens hat die Entscheidung gegen etwaige Fehlurteile der gilmprüsstelle nicht von Interessentenvorsührungen. sondern von der Oberprüsstelle zu geschehen. Der Film behandelt das aus Eisensteins„Generallinie" her bekannte Theino vom Kampfe um das Dorf und von der Propaganda sllr die landwirtschaftliche Kollektiowirtschast. Es hat nicht die Krast und Geschlossenheit wie jener andere Film, aber er hat wundervolle Einzelheiten, die dem Wesen des ukrainischen Bauern und feinein gesegneten Boden gemäß sind. Ein junger Bauer, der an der Spitze der Kollektioanhänger steht, wird von den Kulaken, den Großbauern, umgebracht. Ein kolossales Begräbnis(das weit über die Verhält- Nisse russischer Dörser hinausgeht!) wird dem Vorkämpfer zuteil, ohne Mitwirkung der Kirche. Der Pope wird abgewiesen und er- geht sich in einsamen Betrachtungen in seiner Kirche. Es ist nicht ersichtlich, warum dadurch das religiös« Empsiuden andecer verletzt werden sollte. Dasür enthält aber der Film einige Un-tlarheiten der Handlung, die offenbar durch fehlende Zwischentitel verschuldet werden. Filmkompositorisch bietet der Film nichts Neue», er arbettet mit interessanten Details und vielen Großaufnahmen der Köpfe. Dem Regisseur D o w s ch e n k o ist es jedenfalls gelungen, uns für den ukrainischen Bauern und sein Leben auf» neue zu interessieren. Wieder ein Schüler-Redewettbewerb. Das Staatsbürgerliche Seminar der Deutschen Hochschule für Politik in Berlin veranstaltet auch in diesem Jahre einen Schüler-Redewettbewerb. Di« Prüfung der aus den Wettbewerben an einzelnen Schulen und innerhalb der Provinz hervorgegangenen Preisträger Im Endwettbewerb findet am 10. August in Berlin statt. Für die Durchführung sind diesmal zur Auswahl für die einzelnen Schüler.zwei Themen vorgesehen: 1. Deutschlands Stellung m der Well. 2 Was sagt uns Jungen die Geschichte?— Die Beurteilung der freien, ohne jedes Hilfsmittel zu hastenden Reden, deren Zeit höchstens 10 Minuten beträgt, er- sölgt nach folgenden Gesichtspunkten: Desamteindruck von R»d» und Persönlichkeit: Wirkung der Red« aus kritisches deutsches Publikum: voraussichtliche Wirkung der Rede auf angelsächstjche Zuhörer: rhetorischer Ausbau und sachliche Gliederung: Richtigkeit und Genauigkett des Gesagten. Die politische Tendenz der Rede ist für die Beurteilung unmaßgeblich. Der 1. Preis ist eine mehrwöchige Reise nach und durch tzdordamerika: als 2. bis 6. Preis sind PrSmien von 50 bis 200 Mark vorgesehen. Der Kamps gegen den tantsprecher. Die Anti-Lärni-Lchutzbewegiing in Brüssel Kat einen bemerkenswerten Erfolg»u verzeichnen. Die Brüsseler Stadtverwaltung hat eine Verordnung erlassen, nach der der generelle Pffrjpli Km» 9/rtitlhri'fFiM-tt ttfiff) 11 11fr** tißejjti nntnhuvtfirh herhrd+n tfL Sommer. wo man Kavernen sehen wird, hinter ihren zarten Rippen. Der Platz ist leer, wo ihre Bahre gestanden hat. Di« Narzisse liegt da, jemand ist schon darauf getreten. Slber es ist kein Unglück— eine Narzissenblüt« zertreten, wo jeder Sommer Millionen frischer junger Narzissen treibt! Die spanische Wand. Im Saal der Internen Abteilung, Männer, liegen oierund- zwanzig Kranke. Leichtere, schwerere Fälle, Junge, Alte. Ein Mann von etwa fünfzig Jahren ist da, schon lang, lange, halb erbeingesessen. Er hat den Belag der Betten schon süns-, sechsmal wechseln gesehen, sechzehnmal hat er die berühmte spanische Wand ausrichten sehen, die von den behenden Schwestern schnell um jene Betten gestellt wird, von wo Kranke aus stets unergründlichen Ursachen — wie dann am nächsten Tage auf schwarzumränderten Papieren steht— nach langem oder kurzem schwerem Leiden in«in angeblich besseres Jenseits abberufen werden. Nun hat sich vergangene Woche diese spanische Wand dem Bett dieses Erbeingesesienen genähert, drohend. Ganz knapp neben ihm. am Nachbarbett, ist sie ausgestellt worden. Das hat den sonst Gleichmütigen vollends aus der Fassung gebracht. Nun ist er schon die zweite Woche tagsüber— er darf für ein paar Stunden das Bett verlassen— ständig mit derselben Sache beschäftigt. Er schnüffelt der spanischen Wand noch. Di« wind aber dann, wenn der Tote fortgeschafft ist, gleich wieder zu- sammengeklappt und in eine Ecke des Schwesternzimmers getragen. Dort steht sie in einer Ecke, dem Ruheplätzchen der Diensthabenden, wo nebenan, aus dem Fensterbrett, viele bunte Blumen in Vasen und Garteinzeschirren leuchten und duften, Stiefmütterchen, Nelken, Rosen, Feldblumen. Di« Verwandten der Kranken bringen diese Blumen als klein« Aufmerksamkeit den Schwestern, wenn Besuchs- zeit ist. Der Fünszigsährig« lugt seit vergangener Woche immer durch den Türspalt ins Schwesternzimer und ist ganz unruhig, wenn er die spanische Wand nicht in der Ecke neben dem Fensterbrett mit den Blumen sieht. Dann fragt er nach ihrem Derbleib. Und die Schwestern müssen ihm genau Bescheid sagen, Wen» man die Wand nach einem der anderen Krankensäle verborgt hat. Wenn man ihm aber Auskunft gegeben hat, ist er wieder ruhig.(Jt ist bloß so unwahrscheinlich blaß geworden während der letzten Tag«. Er wartet... Die Einsame. Im Spitolhof ist«in Gartenrondell, liebevoll gepslegt. mit frischen, hellgrünen Rosen und bunten, dustenden kleinen Beeten. Darum ein paar Bänke. Da sitzen die, denen man frische Lust erlaubt hat, die aber das Spital nicht oder noch nicht verlassen dürfen. Ein junges Mädchen mit schweren blonde» Flechten, die hastig halb ausgesteckt sind, sitzt auf einer dieser Bänke, dort, wo man durch das groß« Glastor des Haupteingangs auf die Straß« hinaussehen kann. Jeden Tag, nach dem Mittagessen, sitzt sie da, wie wartend. Zu ihr ober kommt niemand. Sie versitzt die nach- mittägliche Besuchszeit hier, ans der Bank, vor den Beeten, mit den, Blick in die frühere, die gesunde Welt, draußen auf der Straß«— und wartet, bis die Besuchszeit vorbei ist. Da erträgt man'» leichter, wenn niemand zu einem kommt. Neulich hat ihr ein Arzt ein Päckchen Keks und ein paar Blumen gebracht. Sie hat daraufhin drei Stunden long geweint. Am nächsten Tage, nach Tisch, als die Besuchszeit begann, saß sie wieder aus der Bqnk. Kleine, Schicksal der Einsamkeit. � „Oie Kunst dem Volke." Uns wird geschrieben: Ein lobenswerter Grundsatz jedes Staatswesens in guten Zeiten, doppelt notwendig in einer Zeit, in der wir heute leben. Leider steht die Auslegung dieses Grund- jatzes zu dem Heißhunger nach guter Kunst in breitesten Volks- kreisen im umgekehrten Verhältnis. Bei uns wird ja immer noch mehr getan als in anderen Ländern, wenn es auch aus mannig- fachen Gründen wenig genug bleibt. Trotzdem möchte ich einiges ans London berichten, was mir bei meinem letzten Besuch auf- gefallen ist. Der Ansturm auf die öffentlichen Arbeitsnachweise spielt sich, dem Temperament des Engländers angemessen, genau in demselben Maße ab wie bei»ns. Auch dort bevölkern Arbeits- lose in größter Anzahl die Straße. Einige besonders findige Köpfe haben sich zusammengetan, meistens find es ehemalige Krieges l- nehmer. mit Orden behangen, oder Berussmusiker, und ziehen kapellenweis« die Straßen auf und ob, in denen die großen Fremdenhotels liege». Mit einem flotten Jazz wurde ich eins» Tages so geweckt. Ich konnte mir selbstverständlich nicht denken, daß ei herumziehende Musikanten seien, die diese Fruhmusik veranstalteten, sondern gsaubte im Hotel, wo viele spleenige Amerika- ner wohnen, hätte einer dieser Gents sie bestellt. Weit gefchltl Klassische Weisen ertönen, ich springe ans Fenster und sehe unten «ine Wusikbande von zirka 20 Mann konzertieren! Drei Mann mit verschlossencn Kassen, ähnlich Opferstöcken, gingen derweil de i Obulus einsammeln. In London deutsche Klassiker pon herum- ziehenden Arbeitslosen zu hören— und wie spielten sie diese gut—, war für mich trotz de» traurigen Ursprungs ei» Erlebnis. In London gibt es eine Albert Hatl, auf berlinisch ist das unsere Philharmonie: dort finden Sonntag», vormittag, große Orchesterkonzerte unter Leitung berühmter und auch bester Dirigea- ten sowie unter Mitwirkung weltbekannter Solisten statt. Bei diesen Veranstaltungen ist i>«r Eintritt völlig frei! Aber»ocku nicht genug damit. Dem Liebhaber alter Musik werden noch bo«nd.r- Genüsse geboten. Die St.- Pauls-Kathedrale veranstaltet allwöchentlich ein- bis zweimal AussiiHrungen großer Chorwerke. Sa hörte ich Händel und Bachs lil-Moll-Messe. Dies« Konzerte finden ebenfalls bei völlig sreiem Eintritt statt. Daß die Beran- stattungen denn auch tatsächlich von der arbeitenden Bevölkerung voll ausgenutzt werden, zeugt für die Notwendigkeit derartiger Kunstdarbielungen. Wir in Deutschland haben ja ober sicher nicht so viele Orchester wie die Engländer. Was sagen Si«? Wir haben mehr! Wenn man sich denn aber schon aus finanziellen Gründen offiziell nicht mit dieser Angelegenheit befaßt, so wäre dieses doch ein dankbares Feld sür die vielen guten Orchester und Ehorverenügimgeu bei uns. Ich denke speziell an eine Gruppe, hie wirtschaftlich unabhängiger als andere am ehesten dazu berufen wäre, die Kunst dem Volk« näherzubringen. Oder ließ« sich nicht au» dem Heer der arbeitslosen Berufsmusiker bei Auslese der Besten ein Musiklörper schaffen, der regelmäßig gule Orchester- mujik zu volkstümlichen Preisen, 1 M. ist für einen Arbeitslosen nicht oolkskilmlich, darbieten kann? An Lokalitäten für den guten Zweck kann es doch nicht mangeln. Wenn nur erst mal«in Anfang gemacht Ist, wird der Samen auf guten Boden fallen. W. H »Brest das Drama des europäischen Friedens von Haus I. Rehsijch, wurde von Direktor Saltenburg erworben und gelangt Ansang Btote te U,,MHn»g Stahlhelm-Wikinger-Kahrt. GeneralfeldmarschaN Seldie und seine Zinnsoldaienarmee. An Bord des Dampfers„Monte Olivia". im Juli.(Eigenbericht.) Wahrend über 60 Millionen Deutsche ahnungslos in ihren Dornröschenschlaf träumen, ist General Seldt« wie weiland Wilhelm der Eroberer mit einer kühnen Heldcnfchar gen Nordland gezogen. Noch Norwegen ging die Wikingerfahrt, ins Land der Felsenberge, der malerischen Fjorde, der stillen Täler und der um- brandeten Schären. Noch drang keine Kunde von dem Siegeszug der cheldenschar in die Heimat, kein Heeresbericht meldet davon... Am Sonnabend, 5. Juli, verließ der Dampfer„Monte Olivia" der Hamburg— Südamerikanischen Dampfschisfahrtsgesellschaft den Hamburger Hafen zu einer Nordlandfahrt. 1400 Passagiere waren an Bord, meist Touristen, die sich die 130 M. für eine neuntägig« Reis« zum Teil mühselig zusammengespart haben. Lange Gesichter gab es ober, als plötzlich beinahe„richtige" Soldaten anrückten, mobilisierte Slahlhelmer in voller Kriegsbemalung, teils alte Herren, die schon 1014 zu dick für Heldentaten waren, teils junge Leute, die 1918 sicherlich schon mit Erfolg geimpft waren, und schließlich einig« ehemalige Ossiziere, aktive oder Sommerleutnants und früher« Unteroffiziere. Sofort ging der Klimbim los. Fahnen und Standarten wurden an Bord gebracht, Trommeln, Trompeten, auch eine Pauke und Kränze mit schwarzweißroten Bändern. Plötz- lich große Bewegung. Heilruse erschallen, von Bord und vom Bollwerk rust es:„Heil! Heil!" Was ist los? Herr Selterwasser- fabrikant Seldte betritt das Schiff mit dem gesamten Stab der obersten Heeresleitung, mit Ordonnanzen, Wachoffizeren und Adjutanten. Die„Monte Olivia" setzte sich in Fahrt,«ine Stunde lang eskortiert von einem Extradampfcr, dessen Insassen sich die Kehlen heiser schreien mit Heilrufen. Heerlager an Bord. Während die ahnungslosen Zivilisten sich hemmungslos dem Genuß einer Seefahrt hingaben, entfesselte sich um Seldte dos mili- tärifche Kaspertheater. Auf dem Vorderdeck wurde ein« schwarze Tafel ausgehängt:„Bordbefehl des Stahlhelm. Bund der Frontsoldaten" stand darauf. Jeden morgen ließ die oberste Heeresleitung hier die„Tagesbefehle" anschlagen, zum Beispiel: „7 Uhr Gymnastik auf dem Porderdeck. Anzug: Turnhose. 16 Uhr: Skagerrak-Gedächtnisfeier." Oder:„Wecken 5,30 Uhr. 6 Uhr: Anlegung in Bergen. 7 Uhr: Ausbooten." Das war zwar seit Monaten in den Reiseprospekten der Schiffahrtsgesellschaft ver- öffentlicht, aber erst als„Heeresbefehl" nimmt ein echter Stahl- helmer es zur Kenntnis. Eine ander« Parole:„Landurlaud von 9 bis 13 Uhr. Anzug: D i en ft a n z u g." Man muß die Typen der Beteiligten gesehen haben, um das begreifen zu können. Auf dem Promenadendeck stolziert die Generalität einher in Uniformen der alten Armee, die Pelerine angezogen mit beiden Armen, dos Haupt wichtig gesenkt, als gelte es, den Plan einer Seeschlacht zu entwerfen. Allerdings: Am Koppel, wo das Seitengewehr ehemals seinen Platz hatte, baumelt ein Photo st ativ, es schlenkert gesühlsvoll und leicht melan- cholifch. Ein ganzer S p i e k ma n n s zu g ist auch dabei, junge Leute, die bestimmt das Reisegeld nicht selbst bezahlt haben, an ihrer Spitze ein ehemaliger aktiver Tambourinmajor. Eisern« Kreuze werden weit zum Knopfloch hinausgehängt, allerdings können nicht oiele damit renomieren.„Wer die Unterschrift des Bundesführers Komm. Seldte auf Ansichtskarten wünscht, kann diese von 9 bis 1 Uhr und von 3 bis 3 Uhr beim Wach- habenden ausliefern." So steht eines Tages an der Befehlstafel zu lesen. Welche Gruppe daran ist, den Putzer für Herrn Seldte» Stiefel zu stellen, wird einstweilen der öffentlichen Bekanntgab« entzogen. Warum eigentlich? Man läßt doch sonst keine Gelegenheit aus, den deutschen Militarismus noch nach seinem Tode lächerlich zu machen. Oer Zug durch Bergen. Tagesbefehl für Bergen:„9 Uhr Antreten am Bvllwers. 9,13 Uhr Abmarsch nach dem Björnsondenkmal zur Kranznicdcr- legung. Daselbst 1V Uhr Eintreffen des Bundesführers Seldte. Kurze Ansprache. Kranzniederlegung. Abmarsch in die Stadt zum Fischmarkt. Borbeimarsch vor dem Bundes sührer Seldte. Auflösung. Fahnengruppe begleitet den Bundesführer zum Gricg-Denkmal, dort Kranzniederlegung. Spielmannszug be- gleitet die Fahnen zum Schiff. Fahnen abgeben. Anschließend Landurlaub." Na also, sogar Urlaub gibt der gütige Heer- sührer. Doch vorher nimmt— genau vor den Jahrhunderte alten Lagerhäusern der Hanseatischen Kaufleute— Generalfeldmarschall Seldte die Parade ab. Die Einwohner machten sonderbare Ge- sichter, als Trommelwirbel und Flötentöne die stillen Straßen durchtönten. Altpreußischer Kommiß auf norwegischem Boden? Was mögen bloß die Norweger gedacht haben, und was haben die Engländer gedacht, die von Bord des großen Ueberseedampfers dem militärischen Schauspiel zusahen? Einige sollen vor Lachkrämpfe Ohnmachtsanfälle erlitten haben. Am folgenden Tag« ertönten Trommelwirbel und Trompeten- signale in dem stillen Hochtal hinter dem Geiranger-Fjord. Die Stahlhelmer marschierten, ober nur ein kleines Stück. Die Fußtour überließen sie den Zivillst�n. Autos und Wagen sind bequemer. also werden sie benutzt. Die Stahlhelmstratcgen werden nach Wikingerart Eroberungen machen... moralische selbstredend!! Gegen diese Auslandsreklame für Deutschland hift keine Diplomatie. Wegen„Abstammung" enilaffen. Säuberungsattion nach Moskauer Rezept. In den Charkower Fabriken ist eine„S ä u b e r u n g s- a k t i o n" im Gange. Eine groß« Zahl von Arbeitern ist aus der Charkower Lokomotivfabrik wegen Verfehlungen gegen die Arbeitsdisziplin,„kleinbürgerlicher Abstammung" und politischer U n zu o« r l ä s s i g k« i t fristlos entlassen worden. Di«„Säuberung" soll fortgesetzt werden. » Gibt es etwas Grausameres und Widerlicheres als dies« Ver- folgung von Proletariern, die sich nichts anderes zuschulden kam- men ließen, als von kleinbürgerlichen Eltern zu stammen! Diese Söhne und Töchter von„Kapitalisten", die wohl zeitlebens sogar in der Zarenzeit schlechter daran waren als heut« mancher Potentbolschewist, sind nun Arbeiter geworden und schuften in den Fabriken unter sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, die kein deutscher Industrieproletarier ertragen würde. Jetzt aber kommt die GPU. oder eine sonstige bolschewistisch« Parteibehörde und schnüffelt nach: dein Dater oder Groß- vater war Kaufmann, oder selbständiger Handwerksmeister, oder Gerichtsschreiber— deshalb mußt du raus aus dem Be- trieb! Dein« schon so kümmerlichen Hungerrationen werden gekürzt, denn nur Arbeiter, die selbst Söhne und Enkel von Arbeitern sind, haben Anspruch auf die V o r z u g s rationen. Sieh zu, daß du so schnell wie möglich krepierst, und wenn es dir nicht paßt, kannst du dich bei deinem längst oermoderten Großvater beschweren, denn er war«in Kleinbürgerl! Was, du hast noch die Stirn zu antworten? Daß T r o tz k i auch ein Klein- bürgersohn war? Nun, dem haben wir es ingwischen auch ordentlich gegeben, dem Schuft, dem Verräter, dem sozialfaschistischen Mister Trotzki! Wie? Unverschämtheit! Lenin— unser großer Lenin, behauptest du, war auch Sohn eines Kleinbürgers? Du Schwein, du Kulak, wenn du das noch einmal sagst, wirst du wegen konter- revolutionärer Umtriebe vor das Revolutionstribunal gestellt.� Im übrigen: was kleinbürgerliche Abstammung ist, das bestimmen w i r, im Namen Stalins, du schmutziger Burschui. Wir werden es euch schon zeigen, was bei uns Sozialismus ist! Schluß! Groß-Potsdam. Wie der Magistrat Potsdam bekannt gibt, hat sich dos Stadtgebiet durch Eingemeindung in den letzten Iahren um138Proz. vergrößert. Don 1308 Hektar im Jahre 1914 war die Gesamtfläche des Stadtgebietes 1928 auf rund 3117 Hektar angewachsen. Die Einwohnerzahl beträgt jetzt 72 197. Die Lords fürchten die Ladys. Das britisch« Oberhaus hat«inen Antrag des Grafen Astor auf die Zulassung von weiblichen Dele- gierten in das Oberhaus mit 53 gegen 49 Stimmen abgelchnt. Frankreich— das Land ohne Arbeitslose Aber zwei Millionen ausländische Arbeitskräste. Paris, 17. Juli.(Eigenbericht.) In D i j o n hat sich Ministerpräsident T a r d i e u kürzlich be- sonders über die dringende Notwendigkeit seine» großen Wirt- s ch a f t s Projektes ausgelassen, well, wie er erklärte— Frankreich im Herbst oder späte st ens im Winter sicherlich auch m i t Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben werde. Inzwischen ist das große Milliartenprojekt ins Wajfer gefallen, und deshalb sahen sich der Handclsminister Flandin und der Finanzminister Reynaud letzt genötigt, in doppelt optimistischen Kundgebungen die düsteren Prophezeiungen ihres Chefs zu dementieren. Handelsminister Flandin betonte am Donnerstag, daß der Beschäftigungsgrad in der französischen Industrie trotz eines merk- liehen Rückganges im Export sich auf voller Höhe geyalten habe, da es gelungen sei, oen Exportausfall durch Erhöhung des Inlandsabsatzes weit zu machen. Nur die Luxus- industri« und die Textilindustrie seien bisher von der Weltwirt- fchastskrise in Mitleidenschaft gezogen worden. 3n ganz Frankreich zähle man noch nicht 1000 Arbeitslose. Dagegen beschästige Frankreich noch immer zwei Millionen ausländische Arbeitsträste. Finanz- minister Reynaud betonte, daß sich das„Wunder der Franken- stabilisienmg" auch heute noch fortsetze, dank der unermüdlichen Mitarbeit des französischen Volkes, das mehr produziere als es verbrauche. Gerade in den letzten Monaten habe Frankreich wieder große Anstrengungen gemacht, um die Konsolidierung und Amor- tisierung seiner Schulden zu fördern. So seien die drei Milliarden Franken, di« Frankreich aus der Poung-Anleihe erhalten habe, rest- los der Amortisierungskasse zugeführt worden. Die Vermittlungsstelle für Schwerbeschädigte. Erwerbsbeschränkle und Unfallverletzte beim Landeswohlfahrts- und-Jugendamt Berlin, Abteilung Kriegsbeschädigten- und Kriegerhinterbliebenenfürsorge, wird von Pvststr. 16 nach Poststr. 4/3 verlegt. Wegen des Umzuges bleiben die Räume für den Publikumverkehr am Freitag, dem 18., und Sonnabend, dem 19. Juli, geschlossen. 16.05 16.50 :7.Z0 17.45 18.05 18.15 18.40 19.10 19.15 20.30 Nach 16.00 16.30 17.30 18.00 18.30 19.00 19.25 20.00 20.30 Freitag, 18. JulL Berlin. Walther Kiaulchn: Von nnbekannten Städten. Seen nod— Mumien 1» der Prieirnitr. Leipzig: Shakespeare-OuvertOren. F. P. Witdemann; Dentsche Turnerschalt einst und letzt. Prof. Dr. H. Reichenbach: Naturwissenschaften. Das neue Buch.. Interview der Woche. Dr. Hans Fiesch: Programm der nächsten Woche. Arbeitsmarkt. Unterhaltungsmusik. Pyrmont: Musikfest der Internationalen Gesellschaft f«r neue Musik, Sektion Deutschland. Dirigent: Walter StSver. I, Wladimir VoipIiS.jto Vokalisen für Soli. Chor und 5 Saxofone.— 2. Hans Heifritz: Konzert für Cembalo und kleines Orchester(Julia Menz. Cembalo).— 3. Pitit1 � F. Sanders: La vieille(Chor a capella).— 4. Kar! Vollmer: Tanz-Suite für Kammerorchester.— 5. H. Trantow: Aus der Sommerfrische(für Soli, Chor und Orchester).(Das Dresdener Philharmonische Orchester.� Berliner Funkchor. Ltg.: Maximilian Albrecht.) den Abendmcldungen: Abendunterhaltung. Königswnsterhausen. Min.-Dirigent Crigh Wende: Die Pädagogische Akademie*nd das Land. Leipzig: Nachmittagskonzerl. Emil Bischoff: Von der Weisheit des Ostens.'j Prof. Dr. Prion: Die Börsenkonjunktur. Dr. J. Lewin; Das Erwachen Asiens. Dr. Elias Auerbach: Palästina vor 20 Jahren und heute. Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. I. Joh. Schenk: Suite Nr. IX aus den„Scherzi Musicall" für Viola da Oamba und Cembalo.— 2. J. S. Bach: Sonate D-Dur für Viola da Oamba und Cembalo(Maurits Frank, Viola da Gamba und Dr. Cigel Kruttge, Cembalo). Norderney; Wagner-Abend. Setanhnotll. fUr hie Rrhoktion: ffiolfflen« Schwer,. Berlin:«n, eigen: Tb-»feefe, Berlin. Bering: Borwiirte Bering K. m. b. S., Berlin. Bruck: Bormnrts Buch. bruckerei und Berlngsnnstnlt Pnul Singer& Co., Berlin SW 66, Linbensknße 3. Theater, Lichtspiele usw. Staats-Theater geschlossen! Abonnements- Anmeldungen tor die Spielzeit 1930-31 (Beginn am 1. Sepiember) werden auch während der The- aterferien entgegengenommen: a) für die Staatsoper und das Staat). Schauspielhaus vomAbonnexnents- büro, Berlin W56, Ober- wallstr. 22.— Fernspr. Merkur 9024, b) für das Staat). Schillertheater vom Abonne- mentsbüroJ3«rtin-Char- tottenburg, Grolman- straße 70.— Feraspr. Steinpl. 6713. Reichshallen-Theater IT] Uhr Gastspiel Dresdner �uieieria-sanger Ma wdiz ZI.« iMtnim 11163 0- � DOnhof t-(5rcHl; (Herrlichem, k ü h I c r Gar ten) Variete— Konzert— Tanz Winter ★ Garreru l15 Uhr.— Zenhum 2819.— Rauchen erlaubt. Corlinis Dollarsegen 3 Bredwini, Anna Wünich, Salerno Gilbart und Franch, Swanson und Bradow utw. Sonnabend und Sonntag Je 2 Vontcllnngcn — 4 VI'*' Uhr und 8"• Ihr kleine Preise. Das fahrende Variete tyrtpeeiswefte �YNIMM Retfäurant Berlins BETRIEB/ KEMPIHSKP VolUsbUItne Ihntir in niweliti. BVi Uhr Der Iröhlldie Weinberg Lustsp. jn3Akten von Elfi Ziiduuayu Biqie; H. O. Iintir. Tbeater d. Westens Täglich gt/j Uhr: Das Land des Ucbelns Fianz Leiters Sensationserfolg! Netropol-Th. Täglich 8>b Uhr Miehatl Bohnen in fflit Dir sliBin.. Denlsöies Idealer 1 2 Wtidotnmn 5281 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Kegc M" Raiuhardi Unit: Fhafh-k HiUanbr. likinbiidtr Eni« Sdtlfli. Die Komödie II Bismck.2414/7516 SL» Uhr Wie verde idi reich nod gledilidi? k!» Imn ii« I Wailng« m Nil Judiinuo. Nnik th Kidn Spslimkr Bagii: Er« Eifd Bühnenbilder Ludwig biur zur Miete WäO.Ansbicherslr.l rheaterl.d.Behrenstr. 53-54 8'Jj U. A4 Zentrum 926-927 8 Vi U. Hein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten mit —— Ralph Arthur Roberts. •aaeaaa— Beniner Pruer Sonmtrgailenlkealcr Kastanienallee 7—9 4 Uhr Grosses Gaiteokoszert 6 Uhr Eine entzückende Burleske sowie der auserwählte Varietd-Teil. 8.15 Uhr fiustl Beer. Oretl Lilien, Alex Haber, Erwin Härtung in Das Drei- müderlhaus Singspiel in 3 Akten Musik nach Franz Schubert Eintrittspreis von 50 Pia. an. Inserate Im .Vorwärts� verbürgen Erffoli Lessing-Tlieater Writeuhan 1797».0816 Täglich SM» Uhr Der Faun mftr.lKbM. OailHnMs. Hdm. 71»»»». Rril, G rwftciiDtiy. fnekn. FWhr. Ramm, Um Komische Oper SM» Uhr Paul Heideinann in: Die Frau ohne Kuss Kollo-Operette mit Grit Haid. TBBBI.amKOHII.Tor Kottbusser Str. 6 rägl. SM« Wiederauf- treten der Eitle' Mi�er mit Schursch RuseEi. Grosses Kottbu 4' % MDas Rost-Theater hat siS mit dieser Aufführung der„Anderen Seite" | für diesen Sommer an | die Spitze der Berftner Theater gestefft" sc sdreiSt die„ Welt Stadt" vom 7. Juii- Paul Rm< tl» Kas beste, was in diesem düstern Hause zu finden ist: buntes Steingutgeschirr und feingeschlissene böhmische Weinkelche. Schauerlich sind die Gemälde an den Wänden: die hat Friedrich Wilhelm, als«hn die Gicht ans Zimmer fesselte, selber verbrochen. Nicht von seiner Hand, ober in seinem Geiste ist das lebensgroße Bildnis des Hosrats und „Zeitungsreferenten", ehemaligen Akademieprofessors Gundling. Cr hält, von seiner Frau mit dem Pantoffel bedroht, ein Vier- glas in die höhe, indessen zwei Hafen in die Bücher„historica" und„politica" Einträge machen und ein Asse ihm einen andern Folianten aus die unappetitlichste Art beschmuht. Ein besonders trübes Kapitel: Gundling war ein Geschichtsschreiber von Ansehen und Bedeutung, ehe ihn der„Soldatenkönig" samt allen Kollegen von der neugegründeten„Akademie der Wissen- schasten" aus dem Amt jagte und zu feinem Hofnarren und Zotenreißer degradierte. Das war„königlicher Humor" und „fürstliche Kultur". Mit einem Seufzer der Erleichterung verläßt man das finstere Haus des Despotismus. Ein neuer Geist hat in Königswusterhausen Einzug gehalten, wie die elf schlanken Hochantennen des Rundfunksenders bezeugen.., 3)ie DogelweU unterer Seen Sine Studie von 9iurl Aiging So reich di« Dogelwelt unserer Felder und Wälder ist, so be> schränkt sie sich meist auf die kleiireren Arten, die schwieriger zu beobachten sind. Die weiten Flächen der märkischen Seen dagegen beherbergen eine stattliche Zahl größerer Arten, die zudem leicht zr beobachten sind, da sie sich in gewisser Entfernung vom menschen- wimmelnden festen Land ungezwungener geben. Dazu kommt, daß man sie in deutlich ausgeprägter Geselligkeit leben und hausen ficht. Am häufigsten begegnen wir den wilden C n t e n ilnh den M ö v e n, die ihr« Scheu vor dem Räuber Mensch so weit ver- gessen, daß sie im Winter sogar in die Gewässer innerhalb der Stadt übersiedeln, weil sie hier günstigere Ernährungsbedingungen antreffen. Die Ente bevorzugt die seichten Stellen der Gewässer, weil zwischen den Uferpflonzen ein reiches Leben herrscht, aus dem der Vogel seine Nahrung bezieht. Sie vertilgt Schnecken uno Würmer, ferner Wasscrinsckten und ihr« Larven— sie wird so zum Helfer in der Mückenbekämpfung—, greift auch gelegentlich einen kleinen Fisch, vergißt jedoch auch den vegetarischen Teil ihrer Speisekarte nicht. Da der Schwerpunkt ihres Körpers weit vorn liegt, vermag sie leicht nach vorn überzukippen und so bequem am Boden zu„gründeln". Die Innenkante ihres Schnabels und der Rano ihrer Zunge sind mit hornigen Leisten und Fransen bedeckt, die wie ein Seihapparat wirken: das Tier füllt den Schnabel mit Schlamm, das Wasser läuft ab, di« festen Bestandteile bleiben darin und werden mit der empfindlichen Zunge dann auf Freßbares und Unfreßbarcs ausgesondert. Gegen ihre zahlreichen Feinde aus der Raubtierwelt ist die Ente durch ihre unscheinbar« Farben, die ihr ein Verbergen im Userschilf ermöglichen, und durch ihre starke Ver- mehrung ch-schützt: die Entcnmama produziert zehn bis sechzehn Eier, die zudem jedesmal, wenn die Mutter beim Brüten das Nest verläßt, sorgfältig zugedeckt werden, und zwar mit demselben Materiol, aus dem das Nest besteht. Außer dieser gewöhnlichen wilden Stockente finden sich bei uns noch die durch ihre Schnabelform ausgezeichnet« Löffelente, ferner die Spieß- e n t c mit ihren verlängerten mittleren Schwanzfedern und die kleine Krickente mit pompöser goldgrllner Flügelzcichnung. Ihr großer Verwandter, die W i l d g a n s, besucht uns auf ihren Herbstzügen: um die Dämmermrg fallen sie in gewaltigen Scharen in die Schilfdickichte ein und erschrecken durch ihr plötzliches lautes Geschrei den Spaziergänger, der manchmal glauben könnte, daß da Hunderte von kleinen Kindern geschlachtet werden, so erfüllt der vielhundertfache seltsame Ruf die Dunkelheit. Auch die sonst an den Meeresküsten heimischen M ö v e n sind unsere Dauergäste geworden. Ein räuberisches, zänkisches, miß- günstiges Gesindel, das dem Artgenosien nicht den Bissen gönnt, den er eben erhascht«. Ihre vollendete Flugkunst macht sie vor dem Menschen sicher. Scharenweis« begleiten sie die Ausflllglerdampfer und greifen mit virtuosenhafter Geschicklichkeit die Brotbissen aus der Luft, die ihnen zugeworfen weichen. Durch seine Schwimmkunst berühmt ist der Pinguin unserer Seen, der Haubentaucher: er sieht wirklich einem Pinguin sehr ähnlich, da seine kurzen Beine ganz hinten am Körper stehen das hat ihm auch den Namen„H a u b e n st e i ß f u ß" eingebracht. Er ist«in Fischer reinsten Wassers, ein lebendiges Unterseeboot, das in einer Minute unter Wasser über hundert Meter zurückzulegen vermag. Schwimmen ist so sehr sein Element, daß er schwiimnend sogar schläft und sein Nest, das an eine paar Rohrstengel verankert ist, gleichfalls schwimmend eingerichtet hat. Auf dem Lande ist er außerordentlich unbeholfen und kriecht über längere Strecken unter Zuhilfenahme seiner Flügel w:- aus allen Vieren. Eine wirkliche Zierde der Gewässer ist das B l ä ß h u h n, das fchwarzgesiedert« mit dem weißen Schnabel und der weißen Hornplatte an der Stirn. Es ist ein guter Schwimmer und Taucher und lebt wie die Ente, ohne aber den vorzüglich eingerichteten Schnabel der Konkurrenz zu besitzen. Verwandt mit dem Bläßhiihn ist das Teichhuhn, das kleinere Tümpel bevorzugt und sich bei Gefahr geschickt unter Wasser zu verstecken versteht. Zu derselben Familie '«chöxt im.& ÄMi mit im Mjam schnarrenden Ruf, mit dem er gespensterhaft die nächtlichen Wiesen belebt. In sumpfigen Gegenden weit verbreitet ist der Kiebitz, ein taubengroßer Kunstflicger hohen Ranges. In bewunderungswürdigen Bögen wippt er auf und nieder und macht sich schon von weitem durch sein. charakteristisches Geschrei bemerkbar. Die soziale Gemeinschaft der Kiebitze ist gut organisiert— sowie sich ein..Feind, etwa eine Krähe, in der Nähe blicken läßt, ertönt lautes Mobilmochungsgeschrei, und der Störenfried wird mit beänstigendem Lärm verjagt: eine ganze wilde Luftflott« rast kreuz und quer über die Wiesen und treibt den Gegner immer weiter und höher. Der Kiebitz ist ein eifriger Iiisektenfänger: mit fast lächerlicher Ge- schäftigkeit läuft er bei der.Nahrungssuche am Boden hin. Sein Gelege verteidigt er mit einem an Tollkühnheit grenzenden Mut und wendet sich dabei selbst gegen den sür ihn riesengroßen Menschen, der das Nest plündern will. Das„fliegend« Juwel" unserer Fließe und Bäche, der Eis- vogel, der kolibribunte Uferbewohner, ist leider in seinem Be- stand arg zusammengeschmolzen. Man schalt ihn einen gesährlichen Fischfreund, aber der Schaden, den er möglicherweis« einmal in Zuchtteichen anrichtet, wird durch die Vertilgung der Wasserinsekten, die der gefräßige Bursche betreibt, durchaus wieder gut gemocht. Wie ein Philosoph, regungslos und würdig, sitzt der kleine Kerl auf überhängenden Arsten über der Wasserfläch« und stürzt, wenn er eine Beute erblickt hat, senkrecht wie ein Stein ins Wasser, um die Nahrung zu ergreifen. Er ist Höhlenbrüter, der sich in steile Erdwälle mit dem starken Schnabel Gang und Bruthöhle meißelt. Besonders häufig findet man ihn an der Löcknitz zwischen Erkner und Fangschleuse. Der Storch, der früher in viel größeren Mengen die Sümpf« und Wiesen bcjagte, ist in den letzten Jahrzehnten seltener ge- worocn. Man hat ihm als angeblichen Jagdschädling heftig nach- gestellt, aber in Wirklichkeit ist er nicht so schlimm wie sein Ruf, wenn er auch hin und wieder sich an Junghosen, Vögeln und Eiern vergreist. Aber als M ä u s e f ä n g e r hat er seine unleugbaren Verdienste. Seine langen Bein« gestatten ihm das Waten in Ge- wässern, ohne das Gefieder naß zu machen, und die Bindehäute zwischen den gespreizten Zehen bewahren ihn davor, selbst in weichem Sumpfboden einzusinken. Das Renommierstück unserer Gewässer ist aber der Fisch- reiher, der auf hohen Waldbäumen nistet und wie ein Säulen- heiliger, ähnlich dem Eisvogel, am Rande der Gewässer aus Beule lauert oder seierlich auf der Pirsch die seichten Stellen durchwatet. Das prachtvolle Tier ist äußerst selten geworden, weil man ihm als Konkurrenten der Fischerei allzu eifrig nachstellte. Jetzt steht er bei uns unter Naturschutz. In der Forst an der Dubrow ist ein berühmter Reiherhorst, dessen kahle Bäume aber wenig imposant aussehen, da der Reiher die unästhetische Gewohnheit hat, die Stämme vom Nest aus, sagen wir einmal, zu bekleckern. Di« langen weihen Streifen seines Kotes überziehen oi« Bäume und be- decken den Boden daninter. Man sollte lieber mit ausgespanntem Schirm durch eine Reiherkolonie gehen. Bisweilen lebt der Reiher in freundnachborlicher Gemeinschaft mit einem Raubvogel, der Gabelweihe oder dem Milan, der den Falkenvögeln angehört. Sellen zu erblicken, aber häufiger zu hören, sind zwei Bewohner unserer Ufer, die Rohrdommel und der Brachvogel. Bei Gefahr nimmt die Rohrdommel eine eigenartige Schutz st«llung ein: sie reckt sich in die Höhe und legt die Federn so eng an, daß sie wie ein Stück trockenen Pfahls aussieht. Der Ruf des Männchens zur Paarungszeit ist tief und dröhnend und ähnell dem Gebrüll eines Rindes. Und dann der Brachvogel, der zu den Regen- pfeifern gehört! Geisterhaft schwebt er über die nebligen Wiesen zur Nachtzeit und gibt einen Schrei von sich, einen hohen und tiefen Pieifton, der wie der Ruf eines ruhelosen Gespenstes den Hörer erschrocken aufmerken läßt. Brächvogelschrci und Irrlichter gehören Mir Uhuurtiü«» llxr EIN NBAHNER- OMAKI rvoN HER 1. Eine Entdeckung. Feuchter Nebel lagerte noch über den weiten Bahnanlagen. Das fast unübersehbar« Gewirr der Schienensträng« glih«rt« van den Tautropfen wie ein silbernes, riesenhaftes Spinnengewebe. Die einzelnen Lokomotiven, die sich darauf bewegten, glichen mächtigen dorüberhinkriechenden Spinnen, waren aber geräuschvoller, dampften und prusteten, chier ersaht« eines der Ungetüme einen ganzen Güterzug und schleppte ihn fort, dort packte eine andcre Lokamotiae nur einen Zugteil und rangierte ihn wo anders hin. An einer anderen Stelle kam einer der ersten Frühzüge angebraust, bremste plötzlich und rollte dann langsam in die Bahnhofshalle ein. Signalzcichen wurden hochgezogen und niedergelassen. Weichen wurden verstellt, Horner- und Pseifcnsignalc ertönten allmählich immer zahlreicher, und bald darauf erwachte der ganze Bahnhof wieder zu seindm vollen Lerkehrsleben. Auch in den Nächten schlief er nicht ganz, aber sie waren weniger geräuschvoll. Jetzt drang die Morgcnsonne durch den Nebel, zwang ihn zum Weichen, lieh die glitzernden Tautropfen noch einige Minuten wie Edelsteine auf den platten Schienensträngen glänzen, dann schwanden auch sie mit dem verschwebenden Nebelstreifen und die warmen Sonnenstrahlen glänzten auf den blinkenden Gleisanlagen. Aus einem niedrigen Gebäude, wo die Streckenarbeiter ihre Werkzeuge hatten, trat Bahnmeister Kern, ein mittelgroßer breitschultriger Mann, blieb einen Augenblick stehen, bedeckte sein Gesicht mit der rechten Hand zum Schutze vor der blendenden Sonne und ließ seine Blicke prüfend über die Bahnhossanlagen schweifen. Dann drehte er sich mal rechts und mal links um, ging einige Schritte, blieb stehen und senkte nachdenkend seinen Kopf. Einige Augen- blicke verweilte Kern so, strich mit Daumen und Zeigefinger über seinen kräftigen Schnurrbart, hob seine Dienstmütze hoch, fuhr sich mit der Hand über den Kopf, rückte die Mütze wieder zurecht und stieg dann mit vorsichtigen großen Schritten über die Gleise. Nach einiger Zeit bog er rechts ab und ging an einem Schienenstrang entlang weiter. Am Ende der Bahnhossanlagen überquerte er wieder einige Gleise, ging dann wieder geradeaus, bis er an einen Bahndamm kam, an dem er nun weit hinaus, reichlich eine Stunde, weiter ging. In alter Gewohnheit stieß Kern hier und da mit der Spitz« seines Gehstockes auf die Holzbohlen, an denen die Schienenstränge befestigt waren, oder probierte mit der Hand hier eme Schraube, dort eine Lasche, die Schienen und Bohlen miteinander verbanden. Häusig ging er solche Kontrollwege, bei gutem und bei schlechtem Wetter. Und er ging gern. Mit einem zufriedenen, gehobenen Gefühle trat er frühmorgens diese Wege an. Wenn er das Räder- rollen auf den Bahnanlagen, das Zischen und Prusten der in Dampf gehüllten Lokomotiven hörte, wenn er sah, wie die Ein- und Ausfahrtszeichen sich auf den hohen Eisengestellen hoben und senkten und die Weichen sich noch hier und dorthin drehten, dann fühlte er sich eng mit diesem großen, komplizierten Getriebe verbunden. Als Glied des Ganzen erfüllte er ein« wichtige Aufgabe, fein Leben war nicht leer, nicht nutzlos. Er bekam ein bescheidenes, auskömm- liches Gehalt, leistete dafür ober auch«ine nützliche, wichtige Arbeit, und so war er innerlich befriedigt, fühlte sich mit den, ganzen Bahn- betrieb verbunden, wie mit einem geliebten Wesen. Schon viele Jahre tat er seinen Dienst mit fast übertriebenem Pflichtgefühl. Nur selten hatte man an seiner dienstlichen Tätigkeit etwas auszusetzen gehabt. Sein« Personalakten wiesen keine einzige bedenkliche Stelle auf. Darum war er von ganz unten bis zur mittleren Beamtenlaufbahn aufgerückt. Nur vereinzelt traf er auf Mit- arbeiter, die ihn nicht leiden mochten. Die meisteii hatten für Kern etwas übrig,,, schätzten ihn ol» intelligenten, pflichteifrigen Mitarbeiter und als charaktervollen Menschen. Das trug viel dazu bei, daß er sich mit dem ganzen Bahnbetrieb so eng verbunden suhlte und daß er Freude an der'Ausübung seines Berufes hatte. Auch heute morgen fühlte er sich wohl, wenn er auch unge- wöhnlich früh seinen Dienst angetreten hatte. Ein Kolonnensührer der ihm unterstellten Streckenarbeiter hatte ihm Meldung gemacht, daß auf der viel befahrenen Bahnstrecke nach E., in der Nähe von Block 8., auf einem ungefähr hundert Meter langen Streckenstück, die Bohlen morsch seien. Dos schien K«rn zwar wenig glaubhaft, denn der ganze Streckenabschnitt>var erst in einer Zeit erneuert worden, in der die Bohlen noch nicht vermorscht sein tonnten. Das wiesen die darüber vorhandenen Streckenakten nach. Und warum sollten denn gerade nur auf einem Teil dieser vor Iahren erst er- neuerten Streck«, die Bohlen morsch sein?— Der Kolonnensührer mußte sich wohl geirrt haben. Jmmerhin— er mußte sich vom Tatbestand selbst überzeugen. Darum war er heut« so früh heraus. Für seine» Dienst gab es keine genau vorgeschrieben« Arbeitszeit, er mußte sie einhalten je nach dem, was vorlag. Wenn es wirklich zutraf, daß auf der viel- befahrenen Strecke eine größere Anzahl Bohlen morsch war, muhte rasch gehandelt werden. Rüstig schrüt er aus. Jetzt war Kern der angegebenen Stelle auf der Streck« nach E. nahegekommen. Fester, als bisher, stieß er die Stockspitz« auf die Bohlen. Sie zeigten sich alle noch kerngesund. Er faßte nach den Schrauben und Laschen, alles war in Ordnung. Auf dein Neben- gleis kain hinter ihm ein Schnellzug angebraust. Kern blieb stehen und drehte si h um da war die Maschine schon heran. Die Mu- schine stampfte und zischte, ihre Kolben bewegten sich blitzschnell hin und her, und ihre großen Räder drehten sich in stolzem Schwünge. Im Nu war der gon.ze Zug vorüber. Lächelnd sah' Kern ihm nach:„Könnt mit Ruhe fahren," murmelte er, langt« mit dem Stock« nach dem Gleise hinüber, aus dem der Zug eben vorübergebranst war und stieß die Stockspitze mit voller Kraft auf einige Bohlen.„Alles kerngesund," brummte er, sah auf und trat auf das andere Gleis hinüber, da er in einiger Entfernung einen Zug heranfahren sah, der auf dem Gleise kam, auf dem er bisher geganzen war. Es war ein Personenzug. der nicht so schnell wie der andere fuhr. Als er vorübergerollt war, trat Kern wieder nach dem anderen Gleis zurück. Man kann auf loschen Konti-ollgängen gar nicht vorsichtig genug sein. Immer gehen die Bahnleute aus dem Gleise, auf dem herannahende Züge ihnen entgegeickonmren müssen. Im Weitergehen prüft« Kern fast jede Bohle. Block L war in näckzster Nähe. Nach der Meldung des Kolonneiiführers muhte hier die schadhafte Stelle sein. Indes, die Bohlen schienen gesund. Bis über das Blockhaus hinaus untersuchte Kern die Bohlen, prüfte auch Schrauben und Leschen und fonid alles in Ordnung.„Muß ja auch stimmen," brummte er zufrieden,„die Akten weisen es aus." Nun blieb er stehen, zündete sich seine kurze Pfeife an und ging dann langsam wieder zurück, jetzt an dem anderen Gleise entlang. Kurz hinter dem Blockhause muht« er wieder seitwärts treten, denn «in Güterzug kam langsam und schwerfällig herangerollt. Eine endlas lange Wagenschlange, alle Wagen schwer beladen, schleppte die starke Maschine, ein neuer Typ. hinter sich her. Mit Wohl- gefallen betrachtete Kern den schön gestrichenen Kessel und die blanken, gelben und weißen Maschinenteile. Schwer drückte die Last der Lokomotive auf die Schienen, denn sie rollte nur langsam darüber hin. Auch die Güterwagen drückten sichtbar so schwer auf die Schienen, daß man sie sich deutlich bewegen sah. Bei rasch fahrenden Zügen ist dos kaum zu bemerken. Aufmertjam sah Kern auf das Gleis, als der lang« Zug an ihm vorüberrollte. Zunächst fiel ihm nichts besonderes auf, aber dann kam eine An, zahl Doppelwagen mit vierhundcrt Zentner Belastung. Jetzt wurde Kern stutzig. Nur einem geübten und erfahrenen Fach. mann konnte auffallen, was Kern jetzt beobachtete. Dos war nicht inehr die normale Bewegung des Schienenstrangs beim Darüber- Hinwegfahren eines Zuges. Mit scharf angestrengten Blicken starrte Kern auf die Schienen, bis der Zug vorüber war. Dann sah er ihm einen Moment nach, sah wieder auf die Schienen, hob den Kopf, warf einen Blick nach der Sonne, die nun schon stark bleichet«, schob unruhig die Mütze auf seinem Kopfe hin und her und starrte dann wieder nachdenklich auf die vier nebeneicmderlaufenden Schienenstränge. Da schien tatsächlich etwas nicht zu stinimen. Es war ja kaum zu merken gewesen, daß sich die Schienen stärker gesenkt hatten, als das normalerweif« der Fall fein durfte, wie der Güterzug da vorüber- gefahren war, aber Kern hatte es doch bemerkt. Sollte der Ko- lonnenführer recht gehabt haben? Unsinn, er hatte alle Bohle» auf der angegebenen Strecke genau untersucht— sollte er das noch einmal tun? Das hatte er, der bekannte Bahnmeister Kern, nicht nötig. Außerdem wiesen die Streckenakten aus, wie alt die Bohlen waren. Ja, natürlich die Akten— da mußte er lächeln. Als alter Praktiker hatte er häusig gefunden, daß Akten und Wirklichkeit nicht übereinstimmten. Noch in Grübelei versunken und mit sich uneinig, mußte er rasch zur Seite springen, denn eben kam auf dem Gleise, an dem er stand, wieder ein Schnellzug vorübergerast. Beinahe hätte er ihn erfaßt, so war Kern in Gedankeii bei den Bohlen gewesen. Sollte er sie nicht doch noch einmal untersuchen? In dem Schnellzug, der da vorllbcrraste, hatten sicher einige huirdert Menschen gesessen. Wena die... wenn diese hundert Menschen— und die Bohlen sind morsch, trotz der Aktenausweise?! Blitzschnell schössen Kern die Gedanken durch den Kopf. Sein Blick siel auf dos Blockhäuscheu. Richtig! Bei Block L hatte der Kolonnensührer gemeldet. Sicher ist sicher und Pflicht ist Pflicht! Und so stieß Kern seine Stockspitze zum zweitenmal auf die Bohlen. Er fand jetzt den Klang etwas dumpfer und nun fing er an, mit der Stockspitze die Bohlen zu beschaben. Auch da schien ihm etroas auffällig. Schließlich tastete er auf einem längeren Strcckenstück jede einzelne Schraube ab und es schien ihm jetzt tatsächlich, daß viele nicht so ganz fest säßen. Damit war er sich schlüssig gewordeiu Mit raschen Schritten lief er die ganze Strecke zurück. Itnweit der Einfahrt zum Bahnhossgelände traf er auf einen Trupp Streckenarbeiter mit jenem Kolonnensührer, der ihm die Meldung von den morschen Bohlen gemacht hatte. Die Leute hatten eben ihr Tagewerk begonnen. In einiger Entfernung von ihnen blieb Kern stehen, grüßte kameradschaftlich und erhielt den Gruß in der gleichen Weise zurück. Dann rief er den Kolonnenführer zu sich heran. Nach kurzem Gespräch nahm dieser einiges Werkzeug zur Hand und folgte Kern. der die Strecke nach der Blockstelle wieder zurückging. Unterwegs blieb Kern stehen und fragte den Kolonnensührer: „Sagen sie mal, Bormann, was waren Sie denn früher?" „Zimmermann. Herr Bahnmeister." „Da haben Sie wohl viel altes Holz verarbeiten gelernt?" „Fast ebensoviel als neues." „Da bekomnit man die Unterschiede bald gut heraus?" „Das lernt sich alles, Herr Bahnmeister." (Fortsetzung folgt.) Sriisi ifileiu:„iS Vlänner regieren fnropu"') Warum hat sich der Berfasser dieses Buches nicht auf das be- schränkt, was der Titel feines Buches versprach? Seine Schilde- rungen der bekanntesten europäischen Staatsmänner sind unterhalt- fam, und da sie mit vielen persönlichen Beobachtungen und Er- innerungen gespickt find, könnte man, bei allen Meinungsverschieden- hellen im einzelnen, die Lektüre dieses Buches als angenehm und nützlich preisen. Leider hat der Chefredakteur der„Deutschen Allge- meinen Zeitung" aus einem nicht klar ersichtlichen Grunde diesen Schilderungen eine Art programmatische„Rede vor Industriellen" vorangestellt. Und diese ist s» erzreaktionär, so fanatisch anti- sozialistisch, daß man am liebsten das Buch beiseite legen und auf den wertvolleren zweiten Teil verzichten möchte. Dabei war an- scheinend der Zweck dieses Vortrages,„Wirtschastsführer" für die Grundideen Stresemonns gegen die Desperadopolitik Hugenbergs zu gewinnen. Wenn«s aber zu diesem Zweck nötig ist, auf dieses tiefe Niveau sozialreaktionärer Demagogie herabzusteigen, dann ist das nur ein Beweis mehr dajür, wie kläglich e? m Deutschland um den politischen Verstand der heutigen„Köpfe" der Wirtschaft be- stellt ist. V. beb. *) Friß klein:„13 Aläiwer regieren Europa."(Hanseatische Per- logsanstalt, Hamburg, Leipzig, Berlin.) WAS DER TAG BRINGT, witiimiiiiimminnmirainimimiiinmwmraiwmitiiimtinimminflMiiinmmirai Der Dieselmotor im Kraftwagen. Der so wertvolle Dieselmotor wird jetzt auch beim Kraftwagen benutzt. Er hat bekanntlich den Vorzug, daß man b«i ihm verhält- nismähig minderwertige, billige Trieböle benutzen kann. Jüngst ist es möglich geworden, mit einem Kraftwagen«ine Strecke von rund 1300 Kilometer zurückzulegen, wobei nicht mehr als etwa 114 Liter flüssigen Brennstoffes gebracht wurden, deren Wert un- gefähr SB0 Mark ausmachte. Der Versuchswagen hotte im übrigen keine besondere Einrichtung, sondern entsprach dem sonst üblichen Vau. Damit wäre also erwiesen, daß man Dieselmotoren an- wenden kann, auch ohne daß man neue Formen bei den Wagen ersinnen muß. Die literarische Ausfuhr in USA. Während der allgemeine amerikanische Export, wie sich aus dem soeben erschienenen Bericht der Handelskammer in Washington ergibt, im ersten Viertel dieses Jahres nicht unwesentlich gegen die gleiche Zeit des vergangenen Jahres zurückgeblieben ist, hat die Aussuhr amerikanischer Bücher und Schriften in den ersten drei Monaten dieses Jahres gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres zugenommen. Wenn auch die Zunahme keine sehr bedeutende ist (der Wert der literarischen Aussuhr stieg von 3 244 000 Dollar auf 3 362 000 Dollar), so geht doch aus dieser Steigerung hervor, daß in der Welt ein noch immer wachsendes Interesse für das literarische Leben Amerikas vorhanden ist. Unter den in das Aus- land verschifften Büchern befinden sich Werke aus allen Gebieten des Wissens und der schönen Literatur, bemerkenswert aber ist die große Zahl der ausgeführten Detektiogeschichten zu einer Zell, wo die Lust an solchen Schriften in Amerika selbst in ständigem Ab- nehmen begriffen ist. Was nun die hauptsächlichsten Absatzgebiete betrisft, so stehen England und die englisch sprechendcn Länder der Welt an erster Stell«, an zweiter folgt China. Hier ist freilich nur für zwei Gruppen von Büchern Interesse vorhairden, zunächst und in überwiegendem Maße für alles, was mit Missionen zusammen- hängt, was daraus schließen läßt, daß solche Bücher zum größten Teil von Missionaren zum Zweck der Verbreitung des christlichen Glaubens bestellt werdcn, dann folgen die Veröffentlichungen kauf- männischen und geschäftlichen Inhalts. Größere Werke sind dabei freilich weniger erwünscht, am meisten werden ungebundene Schristen verlangt, die sich leicht in der Tasche mitführen lassen. Fleischfressende Drachen. Der vorsintflutliche Drache ist nicht ganz ausgestorben. Er lebt in zahlreichen Exemplaren aus der weltverlorenen, kaum 35 Kilo- meter großen Südseeinsel Komedo, wo die riesigen Tiere von der amerikanischen Expedition Douglas Burdens unlängst näher beob- achtet wurden. Nach Ansicht der Gelehrten sind sie direkte Nach- kommen der vorweltlichen Drachen, von denen in Sagen und Mythen soviel die Red« ist. Sie werdcn ungefähr 7 bis 8 Meter lang und sind ganz mit dicken Schuppen gepanzert. Aus ihren Mäulern hängt ständig suchend und geifernd«ine gespaltene, lange, gelbe Zunge, die in der Phantasie der Alien wohl zu einem aus dem Schlünde steigen- den Feuer wurde. Richtet sich ein Drache aus den Hinterbeinen auf. minraiuiKimtimwimjiiuimiiii tuimmiHiiiuuiuiiiuimiiuwiuiii so ist. wie Bürden schreibt, der Eindruck eines Dinosauriers voll- ständig, und sein Anblick kann selbst einem beherzten Mann einen Schauer über den Rücken jagen. Merkwürdigerweise sind alle Tiere. deren verhällnisrnäßig schnelle Füße mit großen scharfen Krallen versehen sind, taub. Als Nahrung bevorzugen sie jede Art von Groß- wild, das ihnen vor die Pranken kommt. Die Lieder der Australier. Wie aus Adelaide in Slustralisn geschrieben wird, sind aus Der- anlassung der dortigen Universität zum ersten Male die Gesänge und Lieder der Ureinwohner des Landes auf Grammophonpiatten aufgenommen worden. Um diese Aufnahmen herzustellen, waren vor- schiedene Expeditionen in das Innere des Landes erforderlich, da sich die Eingeborenen nur schwer dazu verstehen wollten, vor den Appa- raten zu singen, die ihnen Furcht einflößten. Das Material, das au� diese Weise gesammelt worden ist, bietet neben seiner Bedeutung für die allgemeine Kenntnis der Anthropologie auch einen werlvollen Beitrag zur Musikgeschichte der primitiven Völker, dencn bei aller Ein- fachheit in der Ausdrucksweise doch ein« gewisse Höh« nicht abge- sprochen werden kann. In diese Sammlung sind nicht nur solche Lieder ausgenommen worden, die bei Festen gesungen werden, und soslche, die man etwa als Volkslieder bezeichnen könnte, sondern auch die religiösen Lieder, die seltsamerweise in manchen Wendungen und Modulationen an den Jazz unserer Tage erinnern. Aus allem aber geht hervor, daß das musikalische Empsinden selbst der frühesten Menschen bis zu einem gewissen Grade ein reichentwickeltes genannt werden kann. Im allgemeinen bestehen die Lieder der Eingeborenen Australiens, ob si« nun religiösen oder weltlichen Inhalts find, in einer sich stets wiederholenden, übrigens sehr ansprechenden Melodie, die nur selten durch leichte Variationen unterbrochen wird. Giftige Feuerlöschmittel, In der„Deutschen medizinischen Wochenschrift" veröffentlicht Pro- fessor Joachiinoglu-Athen eine Arbeit, wonach die im Handel befind- lichen modernen Feuerlöschmittel bei unsachgemäßer Anwendung nicht ganz ungefährlich sind. Diese modernen Feuerlöscher enthalten Tetra- chlorkohlenstoff. das sst ein Betäubungsmittel für das Zentralnervcn- system von viel stärkerer Wirkung als selbst Chlorosorm. Beim Löschen eines Brandes entwickelt sich aus dem Tetrachlorkohlenstoff Phosgengas. das ja. wie erinnerlich ist, vor einiger Zeit in Hamburg die furchtbare Gaskatastrophe herbeiführte. Der Verfasser des Zluf- satzes warnt davor, mit diesen modernen Feuerlöschmitteln Lösch- Übungen in geschlossenen Räumen abzuhalten, oder zumindest doch Gasmasken anzulegen. Syphilis durch Ungeziefer. Während bisher die Auffassung verbreitet war, daß Syphilis nur durch körperliche Berührung übertragen werden könne, wird jetzt in einer jugoflawifchen medizinischen Zeitschrift eine Arbeit veröffentlicht. wonach Syphilikübertragung anchjsnrch Ungeziefer, besonders durch Wanzen, möglich sei. Noch vier Stunden nach dem Srngakt ließen sich im Körper der Wanzen und ihren Ausscheidungen die Snphilis- erreg«? einrgandjrcl nachweisen. Der Internationale Rundflug FLUGPLATZ� Zum inteniotionalen Europa-Rundflug, der nm kommenden Sonntag in Berlin be- ginnen mit), sind bisher auf dem Stagkcner Fbigfstde 48 Maschinen eingetroffen. Dieselben oerteilen sich auf Deutschland(Zg>, Polen(lli), England(5), Frankreich(2) und Spanien(2). Von den Deutschen sind zur Stelle: 11 BJW, 8 Klemm. 4 Arado, 3 Inn- fers, Albatros und die 0 18 der Akademischen Ftiegergnippc Darmstadt. Unter den Teil- fLifaT nehmern bemerkt man bis jetzt von bekannteren � ,'HAi, Fliegern die Deutfclzen Rocder, Riszstic�z," 1 Gothe und Lusser, die Engländer Kapt. Broad, I. E. Carberry und Lady Bailey, den Fran- zosen Arrachart und den Spanier Naoarra. —. Von der Internationalen Sportkommission trafen die Vertreter Frankreichs(Oberst chirfchauer), Englands(Perrin), Polens(Kwie- cinsfi) ein. die zusammen mit dem Vizcpräsi- denten des Aeroklubs von Deutschland, Gerd von Hoeppner, die Sportleitung bilden wer- den. Hinzu kommen noch die Vertreter der Schiveiz und Tschechoslowakei, die bisher noch nicht eingetroffen sind. FLUGZEUGE NACH DE B. LAN D IJ N O. Äsftsss» der Der Start auf dem Flugplatz T e m p e l h o f findet am Sonntag um 9 Uhr vormittags statt. Bergprühmg bei Nizza Au� der 14. Etappe der Frankreichrundfahrt Die am Donnerstag ausgefahrene 14. Etappe der französischen Radrundfahrt war zwar mit ihren 132 Kilometern die kürzeste des ganzen Rennens, doch bracht« sie dafür eine anstrengend« Berg- Prüfung, die noch dadurch erschwert wurde, daß sie während der Mittagshitze erledigt werden mußte. Von E a n n e s ging es zu- nächst an den herrlichen Gestaden der Riviera entlang zur 33 Kilo- meter entfernten Kontroll« Nizza. Aus der anschließenden 99 Kilometer langen Schleifen rundfahrt Nizza— Sospel— Nizza waren der 385 Meter hohe Col de Nice und der 999 Meter hoch aufragende Col de Braus mit 12 Proz. Steigung zu bewältigen. Diesmal wurde das Feld völlig durcheinandergewirbelt. Als bester Fahrer erwies sich der Einzelfahrer P c g l i o n. der ein über- legenes Rennen fuhr und am Ziele mit fast fünf Minuten Bor- sprung als Erster eintraf. Hinter ihm bemühte sich eine sechsköpfige Gruppe, in der sich auch der ausgezeichnet in Schwung befindliche Dresdener Thierbach befand, vergeblich, den Ausreiher einzu- holen. Der Deutsche plazierte sich hinter Leducq und Bonduel als Vierter. Von den übrigen kamen Wolke, Schön und Manthey noch verhältnismäßig gut ein, dagegen waren Siegel und Nebe immer noch nicht zu sehen, als schon 50 Teilnehmer das Ziel passiert hatten. Ergebnis der 14. Etappe: I. Poglion 4:33:51: 2. Ledueq 4: 48: 48: 3. Bonduel; 4. Thierbach: 5. Demyfere: 6. Faure: 7. Faillu: 8. Bidot 4: 49: 03: 9. Eh. Pelifsier: 19. Delaunay ':41:33; 11, Sosfchc 4: 45: 56; 12. P. Magne 4:47:35. Die erigen Deutschen: 18. Wolke 4:53:92: 19. Schön 4: 53: 92: 21, Manchey 4:53:11. Das E i n z e k k la ss e me n t hat sich im Mitteltressen etwas verschoben, in Front liegt nach wie vor Leducq mit 98: 51: 94 vor A. A. Magne mit 99: 94: 45: Demyser« 99: 06: 97: Pelifsier 99: 11: 19: Guerra 99: 13: 15; Bidot 99:25:51;-Bonduel 99:29:21; P. Magne 99: 32: 56; B. Faure 99: 38: 52; Mertens 99: 43: 91 und Schön 99: 56: 95. Nach einem Ruhetage in Nizza erfolgt am Sonnabend früh 3 U�r der Start zur 15. Etappe irach Grenobl«. die mit 333 Kilo- meter die längste des Rennens ist. Zweite Arbeiter-Olympiade 1931 Der Aktionsausschuß sllr die Olympiade hat in seiner letzten Sitzung den Festheitrag sür die olympischen Wintersport- w e t t k ä m p s«, die im Februar in Mürzzuschlag(Steiermark) stattfinden, festgelegt. Er beträgt sür die Teilnehmer an den Welt- kämpfen und am internationalen Skifahrertressen 1,59 Schilling (99 deutsche Reichspsennige), wofür die Teilnehmer Abzeichen und Festsührer erhellten. Für die Teilnehmer, die Quartier wünschen, be- trägt der Festbeitvag 3,59 Schilling. Es wird Massen- oder nach Maßgabe des Vorhandenseins Privatquartier zur Verfügung gestellt. Der Eintrittspreis für Besucher wurde mit 2 Schilling für die Dauer der Wintersportolympiade zu den öffentlichen Veranstaltungen fest- gesetzt. Die Tageskarte tostet 1 Schilling. Für besondere Tribünen- plätze sind Auszahlungen zu leisten. Der Rohbau der Hauptkampf- bahn des Wiener Stadions wird spätestens im August fertig- gestellt sein. Dann wird mit der Inneneinrichtung begonnen. Die Wiener Theater werden aus Grund des Festausweises und des Festsührers für den zweimaligen Theaterbesuch je 59 Prozent Ermäßigung gewähren, In der Tschechoslowakei rüsten so- wohl der tschechoslowakische als auch der deutsche Arbeiterturn- und Sportverband eifrig sür die Teilnahme am Olympia. Es wird da- mit gerechnet, daß etwa 8999 Teilnehmer aus der Tschechoslowakei nach Wien reisen. Aus Palästina wird dem Festsekretariat mit« geteilt, daß im Oktober die zweite Landeszusammenkunst der Ar- beitersportvereine stattfindet, um die Delegation für das Olympia zu bestimmen. Für die Reise nach Wien ist großes Interesse vorhanden. Die palästinischen Olympiateilnehmer gedenken in Wien auch Aus- sührungen ihres modernen Theaters zu veranstalten. Tum Großen Preis von Berlin Höhepunkt und Abschluß der Berliner Internationalen Renn- wache bildet am Sonntag aus der G run e w a l d ba h n d>e Ept- scheidung des Großen Preises vpn Bersin. Mit der Internationa. lität dieses 55 999-Marr-Rennens ist es zwar recht schwach bestellt. aber trotzdem ist her„Große Preis" reizvoll genug, denn Gras Jsolani und Alba, hie beiden letzten Derbysieger, treffen hier erstmalig zusammen. Aus einem ausländischen Stall laust allein die am letzten Sonntag in Hoppegarten erfolglos gestartete Coquc- relle. Ein weiteres Rennen von Rang an diesem Tage ist das Internationale Hürdenrennen, für dqs Frankreichs bestes Hürdenpferd. Le Bouis, aus dem sieggewohnten Stall A. Vail-Picard entsandt wurde. Photowettbewerb de» Arbeifer-Liehtbild-Bunde» Anläßlich des Reichsarbesterf porttages im Stadion führte der Arbeiter-Lick�hÄd-Birnh fein erstes Preisausschreiben durch. Vie Beteiligungerspree gegen Sakonig 2. Brandenburg gegen Potsdam. Beginn der Spiele: 1. Männermannschaften 17 Uhr 39. Zweite Männermannschaston 15 Uhr 45. Iugendmannschaften 19 bzw. 11 Uhr. Am morgigen Sonnabend treffen sich auf dem Sportplatz Kynaststraße, am Bahnhos Stralau-Rummelsburg, Lichtenberg! und Vorwärts- Wedding. Die Weddingcr haben erst am letzten Sonntag gegen Minerva großes Können an den Tag gelegt. Das Spiel beginnt um 18 Uhr 39. Vorher stehen sich die beider- scitigen zweiten Mannschasten gegenüber MXAuUcaJLV Die Spiele am Wochenende Am heutigen Freitag spielen die Kleingärtner(I.Männer) gegen FTGB.-Neukölln 2 um 19 Uhr. Eiche-Köpenick und FTGB.- Baumschulenweg stehen sich in Köpenick, Wendenschloßstrqße(Ver- einsplatz) gegenüber: es spielen die 2. Männerinannschaften um 19 Uhr und die 1. Männermannschaften um 29.19 Uhr. Am Sonnabend spielen FTGB.-Norden 3(1. Männer) gegen FTGB.-Stralau 1 um Uhr im Humbodthain, Vorwärts- Hennigsdorf(1. Männer) gegen Freie Sportvereinigung Tegel 1 um 19 Uhr in Hennigsdorf und FTGB.-Osten(Jugend) gegen FIGB.-Süden um 19)1 Uhr in der Bödickerstraße. Am Sonntag hat FTGB.-Spändau in Spandau, Seeburger Straße, Freie Türnerschast Ruhlsdors als Gegner und spielen die Iugendmannschaften um 16 Uhr und die 1. Männermannschaften um 17.19 Uhr. FTGB.-Südost fährt nach Rehfelde und spielen die Frauen um 14.59 Uhr, die Iugendmannschaften um 15.49 Uhr und die 1. Männermannschaften um 17 Uhr. In Köpenick, Wenden- fchloßstraß«(Vereinsplatz) spielen Eiche-Köpenick(Jugend) gegen Strausberg um WA Uhr und 3. Männer gegen Halbe 1 ym 15Ä Uhr. � Weitere Spiele sind: Kleingärtner gegen Schenkcndor! um 15 Ii Uhr im Bolkspark, Jungfernheide: Potsdam gegen FTAB.-Mitte um 19 Uhr in Potsdam: Wilmersdorf gegen Klausdorf um 12 Uhr am Fehrbelliner Platz: Fußballklub Oberspree(1. Männer) gegen Klausdorf 1 um 11 Uhr im Plänferwald(Platz U) und Fichtenau 1 gegen Baumschulenweg 2 um 15 Uhr in Fichtenau. INeislersthaftslaus abgesagt. Bar einigen Tagen wurde an dieser Stelle die Frage der diesjährigen Radmeisterschaiteu be- handelt unter Erwähnung, daß der zehnte und letzte Lauf am kam- wenden Sonntag auf der Bahn in Hannover zum Austrag gelangen follle. Eine Sportkorrefpondenz meldet jetzt, daß die Leitung der Rädrennbahn Hannover diesen Lauf infolge der zu hohen Forderungen einiger Rennfahrer abgefaqt hat! Arbeiter-Rad- und Arastsahrer-Bund Solidarität, V»t»a»uv»e Srog-Verlin. Gekchästostelle: Robert Rothbarth, Berlin SW 11, Hchonelxrger 6tr. IIa. Tourc» der Radiahrcr am»onnabend und Gonniag. 1». und LO. tzusi: 1. Hb-- lcilung: Eedbincr See. Stari: ö Uhr, BMowslr. öü— 7. Abteilnng: Klein- Köris: 17.30 Uhr. grauensce: 5 Uhr. Start: Di-Sfenbachstr. ZU.— Z. Abtrilug: Etienihsee: b Uhr, Mahlsdors-Slld: 13 Uhr. Siart: Marionyenalab— 5. Ablciluug: Tieicnsec: 17 Uhr, Gamc»gr>u>h: 5 Uhr. Start: Landsberger Plah.—«. Abtcilung: Miihlenbecker See. Start: 6 ühr, Kopenhagener Strage 17.— 1». Abtcilnna: Äamcngrund. Start: b Uhr, Peterodnrgcr Str. ä. — Rennfahrer-illbteilung Mitte: Bahnrennen in Wandlet 10.30 Uhr. Start: 13 Uhr, Rathaus Sleqlih..— Abteilung Neukölln: firouewsee. Eiarl: 6 Uhr, Sohen�ollernplah.— Abteilung Treptow-Baumschulenweg: Stienihse«. Start: b Uhr, Bahnhof Baumfchulcnwea.- Abteilung Obcrschvnsweidc: Stienihicc. Stgrt: 7 Uhr.- Abteilung Mahlsdorf: Pechfec bei Sritnheide. Start: 5,30 Uhr, ssrih-Reuter-Stvahs, an dcr Post.— Abteilung Weiheefee- ücincrrdorf: Beteiligung gm Volksfest der SP?.— Abteilung Reinickendorf: Briefclang. Start: 0 Ubr, Provinzftr. IOÖ. Ruderucrein Collegia c. V.«lharlotteuburg IHM. ssreitog, 18. Juli: Mit- glirderoerfauunlung bei Thunak.— Dienstag, H. Juli: Uebe» der Zrciubungen zum ssraucnfportfcst in Romqrocs im Bootshauo.—>4. August: Sommer- grneralvevfammluiiq. Anträge find bis 31. Iult»inzureichen. Frei« Schwimmer Srah-Berliu t. B. Barfihender bis lst. August Urlaub, Vertreter Adolf Prcu?, O US, Rigacr Str. 50 01. Percinsirauenverfanmrlung: Montag, 21. Juli. 20 Uhr. bei Lehnigk, MUHIeustr. SN.— Hrupne Friedrichs- Hain: Versammlung Dienstag. SS. Juli, 20 Uhr, ebenda. Axbeiter-LichtbildBund. Arbeitcriotogiw« Berlin, FfeNog, 1»- Juli. 20 Uhr, Lindenstr. 4, Jugendheim: Ausspracheabend Ober unsere kommende Arbeit. Fotowettdowerb: Ferienfreuden de» Daheimgeblieben«». Fotowettbomerb: Ferienfreuden de« Daheimgebliebenen zrme«äff«, fahre».Auswärts". Eonnadeich, 1», Zufi:n»>nlrc v nach dem Seltener Kanal. Bootshaus Tegel. Spandaucr Elr. K. Bootsll stich noch frei. FTGB. Bez. Reulölla-Brih. 1. Männer-Abt,: 19. iM. Juli: Nachtfahrt ände zum Parfcc. Treff: Sonnabend. 17.30 Uhr, Vahnho: Neukölln,-- 1, Jung- mädchen-Abi.: IS.dZO. Juli: Nachtfahrt zum Seltfee lBernauf. Treff: Sonn- abend, 20 Uhr, Bahnhof Neukölln.— Die glrbeitsberichtc sind sofort einzu- sende» an Arno Schneider, Fufdastr. 05/06, Ayfq, ü. III. WS».,«often. mf' W Baden im Eoddiner Her föteie Sport» ur�©i,..__ kalibcrschießen auf dem Sportptah'Friedrichsfelde, am Uvpstallmeq. Touristenvercin.Bio Naturfreunde", Abt. Prenzlauer Berg, Saunabend, 1». Juli! Fahrt nach«reninwn. Treff: 17.4» Uhr äi» Stettin», P»sortbah»ho-f. FTSB. Zujammenturncn für da»««isfrauenfest im Bezirk Süden. Boeckhstr. 17/20, am Tl. Juli, 20 Uhr: im Bezirk Pedding am 24. ßuli Bant strahe 10, 20 Uhr. (Zielcenter t...! Lrlebnis aus dem ttiltswerlc des Arbeiter'Rettungsdienstes Spiel- unb«Sportsonntag ber freien Ruberer und Kanufahrer am Crossinfee.„Achtung! Fertig! Los!" Mit ruhigen, kräftigen Schlägen schiebt sich bas schlanke Boot duxch Winb unb Wellen. Crossinsee— Qber-Spree-Kanal--- Große Krampe liegen längst hinter uns: wir nähern uns auf dem Lange» See der sogenannte» Bammelecke. Inzwischen hat ein leichter Strippenregen eingesetzt, ber yoin Gegeiswinb ins Gesicht gepeitscht wird. Dem ungemüt- lichen Wetter sucht alles so schnell wie möglich zu entkommen. Eige wilb« Iagb entspinnt sich, Ruderboote flitzen, Motorbool« jagen. jagen berart, haß das meterhoch aufgerissen« Wasser-in gesähr- liches Gewoge bildet. Wir haben inzwischen die Bammelecke gliick- lich umsteuert, da, plötzlich von achtern ein ungewöhnlich starkes Rauschen. Ein Motorboot, bsendcnd weiß spritzt die Gischt vor seinem Bug. brummt heran, überholt uns dicht und wirst unserem leichten Boot eine mächtig« Welle in die Flanke. Alle Steuer- Manöver Helsen nichts mehr; wir stürzen ins Wasser, Blitzartig durchzuckt mich der Sebanke: Können alle schwimmen und kommen sie alle rechtzeitig von der r-pritzdeckc las? Kielahen treibt das Boot. Wir versiichen es zuerst agszurichstn. tzgmit wir uns beffer festhalten köniwn. Es gelingt. PlöfVich schfkst sin Ge- nafse,«r ist vom Krampf befallen. In, Crawlschlag bist ich bei ihm und hatte ihn über Wasser. Erst jetzt habe ich Zeit, mich noch Hiise Umzusehen. Kissen. Paddeln und sonstige Utensilien schwimmen fm weiten Umkreis, aber von der Ursache unseres Unfalls, dem Motor- boot, ist nichts zu sehen. Ein bitterer Groll steigt in mir gegen dies« gewissenlosen„Auchjportler" aus. Da gewahre ich in mäßiger Entfernung ein Rettungsboot des Roten Kreuzes. Die uniformierte Mannschaft linst mit dem Krimstecher herüber, macht aber keine Anstalten, uns anzusteuern. Derweil ich mich noch über das sonder- bare Verhalten des Roten Kreuzes wundere und meinen Gedanken- gangen nachoehe, wievisl von meinen Genossen inzwischen hät:cn Iffp» absaufen{ötinety. xoerai sie jKcht Schwimmer Wären, rauscht etwas Weißes vo» dcr Leeseite unseres gerenteiften Poofes heran. „Frei H i l j" lese ich an her Bordwand, und schon wollen drei schlanke sehnige Gestalten ins Wasser springen. Ich winke aber ab, es ist nicht nötig, den» wir besitzen alle noch selbst soviel Kräfte, um über die hmbgelasiene Leiter ins Rettungsboot zu steigen. Meine Genossen werden gleich frottiert, in die Kajüte gebracht und in Decken gehüllt, aus Prit.schen gelegt. Langsam kehrt der Huyior zurück, denn der Schreck ist doch einem jeden ein bißchen in die Glieder gefahren. Derweil haben die Rettungsleute des„Frei Hilf" das gekentert? Boot einigermaßen leer geschöpft und ins Schlepptau genommen, 'Meine Mannschast konnte schwimmen und unser Arbeitersporl- verein macht es ayzh jedem zur Pflicht, aber konnte der Unfall nicht dennoch einen schlimmeren Ausgang nehmen? Warum ist das Rote-Kreuz-Boot, trotzdem es der Unfallstelle viel näher war, nicht unverzüglich zur Hilfe geeflt? Konnten an unserer Stelle nicht des Schwimmens unkundige Sportler gekentert sei»? V-i einem Wasserunglück ist jede Sekunde kostbar, und Ret>ungsboote, die dazu da sind, in solchen Fällen ein�ischrrsten, müssen ihr Ganzes einsetze», um so schnell wie möglich an die UufaUstelle horanzu- komnwn. Mit Paradeunisar»' und Rettungsring ist allerdings meistens nichts mehr getgn. dazu gehören schon tüchtige uivii sprsing- bereise Rettungsschwimmer, Ein doppelt dankbares Gefühl he- schlich mich darum, daß es gerade der A r b e i t e s- W a s s« r- Rettungsdienst war, der uns so latkräjtig unterstützt und Hilie geleistet hatte. Dieser kleine Unfall, der nur einer von den zahlreichen ist, die sich in vielerlei Gestalt allwöchentlich aus den märkischen Gewässern ereignen, möge aber erneut dazu beitragen, die Verdienste de- pflichttreuen Arbeiter-Wasser-Rettungsbieisttes ins rechte Licht zu rücken. Allen anderen Volksgenossen aber sei zugerusen: Lernt schwimmen in den Vereinen de» Arbeiter-TUsn- und Spor:- birabes. Renchef. Hinter Stacheldraht in„Goitesschutz" Ltnerfreuliches aus einer christlichen freien Anstalt. Im Laufk her Jahre hat sich der„B a r w i> r t S." wiederholt mit den Zuständen in den nerschiedencn von Bodeisch wingh'schen Anstalten beschäsiiocn mstffen. Heute veröffentlichen wir cme Darstelluno der Verhältnisse in dem Heim Kottesschuh bei Erkner, die uns von sachkundiger Eeite zur Verfügung gestellt wurde. „® o 1 1 c s f d) u ö"! So hcißt«ines iwr Heime, das zu den be- rannten Stiftungen des Pastors Bodelschwingh ge- Hort. Es ist ein idyllisch im Sprectal hinter Erkner gelegenes Heim, ursprünglich für Psychopathen und Epileptische gegründet. Auch heute noch Hilden seelisch Kranke und epileptische Mädchen und Frauen den Hauptteil seiner Insassen. Nun ist es mit dieser Stiftung ebenso wie mit den meisten anderen Anstalten der„freien Wohl fochrtspslege*: Sie könnten nicht bestehen und leben wenn ihnen ihre Insassen nicht von Wohlsahrts- und Pslegeämtern zugewiesen würden, wenn nicht irgendeine öffentliche Kasse für diese Pfleglinge bezahlte. Der Berpflcgungs- fatz beträgt gemeinhin 1,50 M. täglich. Das deckt bei der sehr be- scheidenen Bcrpslegung die Selbstkosten. Dazu kommt aber noch, daß man in allen Bodelschwinechschen Heimen stark überzeugt von dem Wert der„Arbeitstherapie" ist und die Arbeitskraft der Pfleg- ling« in den Dienst des Heims stellt. Dagegen wäre nichts ein- zuwenden, wenn in der Art der Arbeit und in ihrer Zeitdauer hin- reichend Rücksicht auf die Kräfte der Pflegling« genommen wird. In Haus„Oottesschiitz'' aber scheint man, wenigstens was die Arbeit anbelangt, auf dem Standpunkt zu stehen:„Viel hist viel" — denn die Arbeitszeit der Pfleglinge umfaßt die Zeit von 7 Uhr morgens bis 947 Uhr abends, was, die anderthalbstiindige Mittagspause und die Desper- und Frühstücks- zeit abgerechnet,«ine Arbeitszeit von 994 Stunden be- deutet! Und es sind nicht etwa„leichte Gartenarbeiten", mit denen die Pfleglinge beschäftigt werden: Sic müssen jede Feldarbeit be- sorgen. Im Februar dieses Jahres wurden diese Frauen und Mädchen sogar mit Erdarbeiten beschäftigt, die selbst für Männer Schwerarbeit bedeuten, mußten einen ganzen Sandhügel abtragen, den Sayd in Loren verladen und ab- fahren!» Diese Zustände sind in Erkner ortsbekannt, ortsbekannt ist auch, daß merkwürdig viele Pfleglinge trotz(oder wegen?) der famosen Arbeitstherapie nicht gebessert werden können, sondern manchmal kurze Zeit nach ihrer Ausnahm« in eine Irrenanstalt transportiert werden müssen. Sind nun die Zustände in „Gottevsbptz" schon für die gewöhnlichen Pfleglinge traurig genug, so sind st« für eine ander« Kategorie der Heiminsassinnen geradezu unerträglich. Es sini» das die„E r h o l u n g s m ä d ch e n", Rekon- valeszentinnen, die von den verschiedenen Wohlsahrts- Sintern der Stadt Berlin dem Heim„Gottesschutz" überwiesen werden. Trotzdem es sich hier nicht um„schwer Erziehbare" oder Psychopathen handelt, trotzdem sich„Gottesschutz" den Wohlfahrtsämtern gegenüber für diese Patientinnen als „freies Heim" ausgibt, werden die Rekonvaleszentinnen doch sofort bei ihrem Eintritt den auch für die Psychopathen geltenden Hausgesetzen unterstellt!— Das bedeutet für sie eine voll- kommen« Freiheitsberaubung. Es wird ihnen nicht nur verboten, selbst zu Zwecken der Arbeitssuche das Heim zu ver- lassen, sie müssen auch alles Geld der Oberschwester ab- liefern. Sogar die Briefe sind in Gegenwart der Schwester zu öffnen und werden von der aus Geld oder Marken kontrolltrrtk Den Patientinnen wird die Verfügung über ihr Geld völlig ent- zogen. Es wird ihnen nicht einmal ei» Groschen herausgegeben, damit sie telephonisch Angehörig« benachrichtigen können. Ebenso hält sich die Verwaltung des Heimes für berechtigt, das Kranken- geld der Rekonvaleszentinnen einzubehalten und einzuziehen— trotzdem der üblich« Pflegesatz in Anrechnung gebracht und gezahlt wird. Ebenso wird bei einer„probeweifen Beurlaubung zur Arbeit" der Arbeitslohn der Patientinnen vom Heim kassiert und einbehalten, natürlich auch das von der Stadt gewährte Pflegegeld, trotzdem die Patientinnen an diesen Tagen ja von den Arbeitgebern be- köstigt werden und froh darüber sind, denn im Heim wird auf das Befinden und die Bedürfnisse der Patientinnen nicht die ge- ringst« Rücksicht genommen. Selbst die Verabreichung eines Bechers Milch zum Abendbrot, einer belegten Schnitte zum Frühstück erfolgt erst, wenn die Stadt sich bereit erklärt, statt der üblichen IhO M. einen Verpflegungssatz von 3 M. täglich zu zahlen. Auch wird von den„Erholungsmädchen" trotz der schmalen Kost dieselbe Arbeits- leiftung wie von den übrigen Insassinnen verlangt, denn die Ober- schwester ist der Meinung,„den Mädchen fehle nichts als Arbeit" und läßt sich nur sehr widerwillig durch den strikten Befehl der Wohlfahrtsärzte dazu bewegen, den Rekonvaleszentinnen wenigstens eine zweistündige Mittagsruhe zu gönnen. Dann dürfen sie aber während der Zeit sich beileibe nicht in den Wald legen! Ebenso wie den geistig minderwertigen Insaffinnen des Heims ist ihnen das Verlassen des Hausgrundstücks verboten: s i«« e r d e n hinter Stacheldraht gehalten, und selbst die Erlaubnis, einen Liegestuhl in den Garten zu stellen, wird von der Ober- schwester nur unwillig gewährt. Ganz abgesehen von diesen Zuständen, um die sich da, pflege- mnt der Stadt Berlin und die Wohlfahrtsämter einmal kümmern sollten, ist der Aufenthalt zwischen Blöden und Psychopachen für einen geistig gesunden, aber durch schwere körperliche Krankheit er- schöpften Menschen überhaupt wenig geeignet, feinM Genesung zu fördern. Und wenn der Erfolg des Aufenthaltes in einem solchen Heim der ist, das«ine Patientin in den drei Monaten ihres Auf- entHaltes 15 Pfund abnimmt, dann wäre es unter allen Um. ständen zu empfehlen, sich den Betrieb dieses Heims einmal gründlich anzusehen! ,/Iustizkrl'tiker." Oer Balten im nationalen Auge. Seit Monaten führt die„Deutsche Zeitung"«inen wütenden Kampf gegen die„Iustizkrittker". Sie scheut dabei auch vor De- nunziation übelster Art nicht zurück. So wollte sie z. B. dem „Vorwärts" wegen einer Kritik an dem ZeitzerSchnellurteil gegen Cuvelier durchaus den Staatsanwalt auf den Hals hetzen! Nun ist der Nationalsozialist Westenberger wegen des viehischen Totschlags an dem Zeitungshändler Heimbürger zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden, eine sehr milde Strafe für dies« rohe Tat, aber der mit den Nationalsozialisten liebäugelnden „Deutschen Zeitung" noch viel zu hoch. Und was schreibt dieses Blatt, das die„Iustizkrititer" samt und fonders hinter Gitterstäbe bringen möchte? Es schreibt: „Hier wird offensichtlich wieder einmal mit zmelerlei Recht gemessen." Uns scheint, daß die„Deutsche Zeitung" in der Anrufung des Staatsanwalts gegen den Iustizkrititer sich größte Bor- ficht auferlegen sollte!_ Sozialdemokratie und Mlmgeseh. Oer Angriff der Beaktion abgewiesen. Angesichts der politischen Hochspannung ist es wenig beachtet worden, daß die Sozialdemokratie im Bildungsausfchuß Anträge der Rechtsparteien und des Zentrums abgewehrt hat, die auf eine reaktionär« Verschlechterung des Lichtspielgefctzes hinausliefen. Di« Versuchs, eine Ge- schmackszenfur einzuführen oder außer dem religiösen Gefühl auch die kirchlichen Gebräuche und die Person der Geistlichen unter einen besonderen Schutz zu stellen, stießen auf Grund der überzeugenden Darlegungen der Sozialdemokraten auch bei Demo- kraten und— aus wirtschaftlichen Gründen— bei der Wirtschaftspartei auf Widerstand. Unter dem Vorsitz von S ch r e ck(Soz.) beschäftigte sich der Li!- dung»au»schuh am Mittwoch, dem IL. Lust, mit dar„Verordnung zur Ausführung des Gesetzes über die Vorführung ausländischer Bildstreisen", nachdem die Sozialdemokratie erreicht hatte, daß die e Verordnung vor ihrer Derkündung außer dem Reichsrat auch dem Bildungsausschuß vorgelegt werden muß. Aus der Begründung, tre der Reichsinnenminister W i r t h gab, war zu entnehmen, daß d'« Verordnung weniger kulturellen Zwecken als vielmehr den wirk- schaftlichen Interessen der deutschen Filmindustrie dienen soll. Wirth betonte, daß die Situation wegen der Umstellung aus den Tonsilm sehr undurchsichtig sei und man bei der Kontingentierung deshalb vorsichtig versahren müsse. Das Ziel sei nicht nur der Schutz der deutschen Filmindustrie, sondern auch die Investierung amerika- Nischen Kapitals in der deutschen Filmindustrie. Löwe»stein(Soz.) betonte, daß die Aussührungen des Ministers die von der Sozialdemokratie bereits früher geäußerten Bedenken verstärkt hätten. Das Gesetz diene lediglich dem Schutze der deutschen Filmiirdustrie, vernachlässige aber die Inter. essen der Kinobesitzer und der Arbeitnehmer und berücksichtige nicht genügend die kulturellen Interessen. Löwenftein brachte namens der Sozialdemokratie eine Reihe von Anträgen aus Aenderungen und Streichungen ein. Sie gingen dahin, die zu eng« Begriffsbestimmung des Ausländsfilms zu b« fe it i g e n, für kulturell hochstehende Jo- wie wissenschaftliche Filme eine Vorzugsstellung zu schaffen und zu einengende Bestimmungen zu beseitigen. S i e m s e n- Thüringen(Soz.) wies auf die Schwierigkeiten hin, die sich aus dem Widerstreit zwischen der panikartigen und tost- fpieligen llmstellung der deutschen Filmindustrie auf den Tonfilm und der Tatsach« ergäben, daß die groß« Mehrzahl der Theater in Deutschland und Mitteleuropa ausschließlich auf stumm« Filme an- gewiesen sei, da die Tonfilmopparatur von ihnen nicht bezahlt werden könne. Wichen Zweck habe es ferner, zwei Drittel der Einfuhr den stummen Filmen vorzubehalten, wenn nach den zutreffenden Ausführungen des Ministers das Ausland kaum noch stumme Filme produziere? In der Abstimmung wurden alle s o z i a kde m o k r a- tischen Anträge von einer meist geschlosienen bürgerlichen Mehrheit abgelehnt. Die Verordnung wurde unverändert an- genommen. Auch der Minister hielt aber die Lage für so undurch- sichtig, daß er die Begrenzung des Gesetzes bis zum 1. Dezember 1931 begrüßte, eine Begrenzung, die lediglich der Initiative der Sozialdemokratie zu danken ist. Explosion eines Tankkahnes. Hafenbecken von Benzin überschwemmt. harburg-wilhelmsburg. 17. Juli. Im dritten S«ehafenbecken explodiert« am Ver. lade-Kai der Mineral-Oelwerk« Rhenania-Osfag ein Tankkahn. Der Vordersteven und die Mannfchastsräume wurden vollständig zerstört. Drei Personen, unter ihnender Kapitän, trugen erhebliche Verletzungen davon. Dre: Mann sprangen über Bord und retteten sich durch Schwimmen. Der Werksfeuerwehr der Rhenania gelang es, den durch die Erplo- sion entstandenen Brand mit einem Schaumgerät zu löschen. Etwa fünf Tonnen Benzin sind in das Hafenbecken ausgelaufen, so daß sich die Feuerwehr Harburg veranfoßl sah. das Hafenbecken mit den ihr zur Verfügung stehenden Schwim- mern abzuschließen und dafür zu sorgen, daß sofort auf den im Hafenbecken liegenden Dampfern jedes Feuer gelöscht wurde. Auch die Passage außerhalb der Absperrung wurde ein« Zeitlang unter- Kunden._ TeMafbeitefstreik in Lille. Lille, 17. Juli. 10 000 Textilarbeiter der Umgegend von Lille haben heute die Arbeit niedergelegt, da sich die Unternehmer weigern, entsprechend der Einführung der Sozialversicherung eine Lohnerhöhung zu bewilligen._ Die Deutsche wertställen A.-G. in Hellerau bei Dresden, die etwa 500 Arbeiter beschäftigt, ist am Dienstag stillgelegt worden. Das Unternehmen befand sich schon seit langer Zeit in finanziellen Schwierigkeiten, so daß die Löhne wiederholt nur teil- weise ausgezahlt werden konnten. I I ROGRAM für die Zeit vorn 18. dl» 21. Juli K I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vorn 18. bis 21. Juli mo\Q Potsdamer Strafje 38 W S. 7, 9 Uhr Der eiste Kriminal- Sprech- und Tonfilm: Der Tiger Dm»rohe Tonfilmbelprogramm Rheinstrage 14 �"-Eiche) Das Ifttnidie Weib mit Greta Garbo Der Fürst der Abenteurer mit Ramon Novarro OdcOD, Potsdamer Sir. 75 Da< lockende Ziel mit Richard Taabcr in seinem neuen Tonfilm Tönende« Rciprograinm Jugendliche haben Zutritt Turmstratje 12 W. 5, 7, 9 Uhr Verlängert: Ton- und Sprechfilm: Das Rheiniandmldcl mit Grell Sern dt. Lade Entfllsh. Werner Ffitterer Der rasende Gaacbo mit Mick! Maas Jugendliche haben Zutritt Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffneti Sei»cgrlltl, Du mein«chSnea Sorrent mit Rath Weyher, Alfred Abel Da» Todeslawo (Ein Wildwestdrama in 6 Akten) Die Kamera 3. ITfvhr Unter den Linden 14 Sein letz er Befehl m.i Emil Jmn.ngs 4S Minuten Hollywood Beiprogri Moabit Artushot-L'" chtspiele Film- and Bühnenscbaa 'crlcberger Str. 29 und Stcndalcr Str. Der Nächste bitte mit Adele Sandrockf A. Paollf u L. Deycrs Die letzte Waraang m L.laPlante Welt-Kino IVtWr \lt-Moabit 99 Tonfilm; Helden der Nadst mit Fairbanks Jr. Grones Beiprogramm D WHmRrtdorS""fc Atrium Beba-Palo»! Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Täglich 7, 9.15 U Slg.: 5, 7. 9.15 U. Uraufführung! Franennol- FrauenglOcb (Ein Hlm vom Werden d. Menschen, V.Leiden u. Freuden d. Mutterschaft) g»«hanebarg g XlhiimKi-A Wchtgs 5, 7, 9 Uhr Ainamor a stgs. j, 5. 7. 9 um ächöneberg, Hauptstr. JU TonfUmrarprogramm Die große Tonfilmoperette: Da» RhelnlandmSdel mit W. Ebnerer, Lade Engllsh u Grefe Berndl Titania(uu sÄber») Hauptstraße 49 W 5 30, 9 U. Stg. 3 U. Der Groß-Tonfilm: Wcitfront 1918 W Friedenau""g Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 Beg Woch. 6 30. 9. S. 5 U Tonfilm; Der mulcrbllcfae Lump mit Liane Haid, Gaitav Fröhlidt j fc Titania-Palast Steglitz. Schloßstr 5. Ecke Gutsmuthsstr Tägl ch 6 30, 9 Uhr. Stg. 4. 6.30, 9 Uhr Tonfilm: Skandal um Eva m. Hennv Porten Beiprogramm SOcfwoston Fiim-Palasi Kammersäle Teltower Str. I W. 6'/», Sbd. 6, Stg. 5 Uhr Zwei Großfilme: Das DrelmSderlhaos La BohEmc Beiprogramm Beginn W. 7 U, S. ab 3U Filmcck Skalitzer Straße, am GSrlitzer Bahnhof Fnndrogcl'nach Hans Heinz Evers) mit Paul Wegcner, Camilla Horn Intcrnationare BQhnrnscfiau Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Beginn der Vorstellungen: Wochtgs 7 u.9. Sonnt 5, 7, 9 Uhr Tonfilm- Es gibt eine Frau, die dld> niemal» vergibt mit Li! Dagover, Ivan Petrovldi Beiprogramm Gute BUhnensdiaa Sternwarte— Treptow Sonnabend 8, Sonntag 4, 6, 8 Uhr: Slmba Film aus der afrikanischen Tierwelt „Elysium" �SS�n* Prenzlauer Allee 56 W. 7. 9.15, S. 5.715. 9,1 5 Der 1. Richard-Tauber-Tonfilm: Da« Dirnenlied Bühne: LaU'lTirtdk�BraiioKaslDer ■ 0«*«"■ Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Wochent 6 Uhr, Sonnt. 3.30 Uhr 1 onfilm: Das Halsband der KSn'gin (Nach dem Roman von AI Dumas) Bühne: Joaxlaomcl, Musikrevue Concordia-Palast Andreasstraße 64 6 30,8 45U, Stg. ab4U. Der große Tonfilm: Der WalzerkOnlg mit Haas Stdve Grones Beiprogramm Viktoria-Lichtbild-Th. Frankfurter Allee 48 Bahnen seban Woch. 5, ca.7 u. 8.45, Stg. 3, 5, 7 u. ca. 8.45 U. Der NScbste bitte mit Adele Sandrock, Panllg Zeugen gesucht mit E. Polo Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch. 5,ca. 7 u. 8.45, Stg. 3, 5. 7 u. ca. 8.45 U. Die Liebesfalle m. Laura la Plante Auf Leben and Tod m. Eddie Polo Kinn Rutrh w- �5. 8.45 Uhr ivino IJU9UI s.«?. 7 u. 8.45 Uhr. Alt-Friedrichsfelde 3 Beiprogramm Liebeskleeblatt mit LlUan Hills Sohn des Hannlbal m. Liane Haid Elysium Hasselwerderstraße 17 Richard Tauber-Tonfilm: Das lockende Ziel Tönende» Beiprogramm � WolBonaoo> Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 205-210 Stg.>/s3 Jgd.-V. Tonfilm: Das brennende Hera mit Madr Christians 3 Karztonfilme Beiprogramm ■ Morel«« m Alhambra MOIIcrstraße 136. Ecke Seestraße Aditung, Autodiebe m Harry Fiel Lustiges Beiprogramm Bftbnensdisa Pharus-Lichtspiclc MOIIcrstraße 142 W.6U. Stg. 5 U. 2 große Schlager: Die keusche Susanne mit LUlan Harver, WlUr F rtlseh --"gSnf Der Doppelginger Marga-Liditspiclc Schulstraßc 29 Der Gfinstltng ron SdiAnbrunn mit Lil Dagover, J. Petrovich Ein besserer Herr m. Fritz Kampers Bahnenschan Pratcr-Lidi tspiel-Palast Kastanienallee 7-8 Wochentags 7.15, Sonntags 5 Uhr Die vom Niederrhein mit M. Christians Der Polizelreitcr von Texas Böhne; Celly de Rheidt mit ihre Ensemble Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 60 W.>'j7, 9 U. Stg. 5. 7. 9 U. Aditung, Autodieb« m. Harry Plel Herskönig Beiprogramm Colosseum MV�sum Schönhauser Allee 123 Die weihe Hölle vom Pix PalO Tembi Jugendliche haben Zutritt s. Alhambra" Badstraße 58 W ab 6 U-, S ab 3 U Die Frau aus Chicago KampfbShne der Liebe BQhncnsdiao Ballsdunicder- Lichisp Badstraße 16 W. 6, S. 3 U. Kriminal-Ton'llm; Der Tiger Der Soldat der Marie BUhnensdiaa Kristall-Palast Prinrenallee I— s W. ab 5. S. ab 3 U Der Mann ohne Namen i. und 2. Teil in einer Vorstellung Grote Bahnenschan Panko EZ3 Palast-Theater Breite Straße 21 a W. ab 7,30, Sonnt. 5,7.911 Herrin der Liebe mit Greta Garbo. John Gilbert Das MSdel mit der Peitsche m. Anny Ondra. Werner Fbtterer Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 BSbncnsdiaa W. Vi7, 9 U-, Stg. 5, 7 n. 9 U. Das edle Blut Die Hose mit Jenny Jage, Werner Kraut Beiprogramm Film-Palast Ä«.« Blankenburger Straße 4 W. 7, 9 U. Stg. 5. 7, 9 U. Die Jugendgelleble Goethes Musik-, Sprech-, Gesangseinlagen Jugendliche haben Zutritt j Tnadi fc Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 W.6,8Vs, Stg.4V«,6Vi,8«'i Sonnt. 2 Uhr(ugendvorsteilung Die Somme(Grab der Millionen) Die drei um Edllh mit C. Horn Revue: Goldenes Buch der Lieder „Kosmos" Filmbfihne Hauptstraße 6 W. 6. S'/j, S. ab 4Vs Der leiste Befehl m Emil Jannlngs Jagd auf dich. 50090 Mark-Wettbewerbsfilm Bühne: Z Riga Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6.»>(,(f. Stg. 2 U. Jugendvorst. Stg. 4'/«, 6lo. 83,» U. Teufel Alkohol Privatdetektiv Brown Filmpalast Stg. 4�;8Va Berliner Straße 59 Stg. 2 U)ug.-Vorsl, Nur bis Sonntag; Der Doppelgänger Landung im Paradlea Mit B. Ig Rov*