Morgenausgabe Nr. 333 A 165 47.Iahrgang Wöchentlich 85 Pf., monatlich 3,60 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60Pfg.Postzeitungs- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslands- abonnement 6,— M. pro Monat. * Der„Vorwärts- erscheint Wochentag- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Beilagen„Volt und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner �Frauenstimme", Technik".„Blick in die Bücherwelt",„Iugend-Vorwärts* und.Stadtbeilage". berliner VoWblatt Sonnabend 19. Juli 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswäris 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklamezeile 5,— Reichsmark.„Kleine Anzeigen' das lettgedruckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Ardeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. 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Hier ist dieser Aufruf und unsere Antwort dazu: An das deutsche Volk! Der Reichstag hat die Mittel verweigert, deren das Reich zur Durchführung seiner Aufgaben bedarf. Das ist nichf wahr! Die Sozialdemokratie war bis zum letzten Augenblick bereit, dem Reiche die nötigen Mttel zu bewilligen— wie sie immer dazu bereit war. Sie hat bis zuletzt positive ernsthaste Vorschläge gemacht, die von dieser Rc- gierung nicht aus sachlichen, sondern aus parleipolilischen Gründen beiseite geschoben worden sind! Die Notverordnungen des Herrn Reichspräsidenten sind von einer geringen Mehrheit abgelehnt worden, die in sich uneinig und zur Uebernahmc der Verantwortung nicht fähig ist. Diese Rowcrorduungen stellten einen Verfassungsbruch dar. sie mußten deshalb ausgehoben werden. Die Parteien, die sich für sie eingeseht haben, haben die Verfassung ver- leht, die Demokratie gefährdet und sich mit schwerer Schuld beladen! An das Volk ergeht jetzt der Ruf, selbst über seine Zukunft zu entscheiden. Um seiner Zukunft willen muß dos Volt entscheiden gegen diese Regierung der Vcrsassungsverlehung, es muß sein Recht um der parlamentarischen Demokratie sichern gegen dies Kabinett! Will das deutsche Volk der Reichsrcgierung vertagen, was zur Ordnung der Finanzen, zur Erhaltung der deut- fchen Wirtschast und zur Sicherung der sozialen Verpflichtungen nötig ist? Das ist die Frage des 14. September. Dem Volke und dem Skaale alles— dieser Regierung des Verfassungsbruches nichts! Alles zur Sicherung der Finanzen, der Wirtschaft, der sozialen Verpflichtungen— nichts für Pläne, die die sozialen Verpflichtungen beschränken und abbauen wollen. Fort mit der Regierung des Angriffs gegen die Arbeiterschaft. damit Volk und Staat gesichert, die sozialen Verpflichtungen gerettet werden können! Die Reichsregierung wird dafür sorgen, daß Reich, Länder und Gemeinden ihre Aufgaben erfüllen können. Die Reichsregierung wird mit der K o p s st e u e r, die der Reichsfinanzminister selbst als abenteuerlich bezeichnet hat, die Erfüllung dieser Aufgaben nicht fördern, sondern z e r. stören! wer den Boden des Gesetzes verläßt, gefährdet das Ganze und seine Ausgaben! Das Kabinett Brüning hat um reaktionärer Plänezwillen, um der Ausschaltung der Arbeiterschaft willen die Krise herbeigeführt, es ist unfähig, sie zu lösen! Das Volk muß sich von den Krisenmachern und den Reaktionären befreien und die Bahn frei machen für die verfassungsmäßige Ordnung— das ist die Aufgabe des 14. September! Wahrung der Volksvertreiungsrechte. Nach dem Artikel 3S der Verfassung bestellt der Reichstag zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung gegenüber der Reichsrcgierung, für die Zeit außerhalb der Tagung und nach Beendigung einer Wahlperiode oder der Auflösung des Reichs- tags, bis zum Zusammentreten des neuen Reichstags«inen St an- d i g« n Ausschuß. Außerdem kann nach der Auflösung des Reichstags auch der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten bis zum Zufamentritt des neuen Reichstags tätig werden. Schlußsitzung der sozialdemokratischen Reichstagssraktion. Unmittelbar nach Schluß der lchlen Sitzung des aufgelösten Reichstags versammelte sich die sozialdemokratische Fraktion noch einmal in ihrem gewohnten Veratungssaal. Der parteivorsihende, Genoste Otto w e l s. hielt eine Ansprache, in der er ausführte: Genossinnen und Genossen! was wir soeben unten im Saal erlebt haben, war nur ein Akt in dem großen Kampf zwischen Kapital und Arbeil. Nicht bloß um Parlamcntsrccht, sondern um ' Volksrccht haben wir in dem soeben auf» gelösten Reichstag gekämpft. Parlamcntsrccht ist Volksrccht. Roch unserem wahlfleg Im Mai lg?S entsprach die llebernahme der Regierung durch uns dem Willen der Wähler. Die bürgerlichen Parteien haben Schwierigkeilen aus Schwierigkeiten gehäuft, u m den willen der Wähler zu durchkreuzen und sie haben die Verschlechterung der wirtschaftlichen Vcrhällnisse zu ihren Zwecken ausgenützt. Schließlich hoben sie es lieber zu einer katastrophalen Zuspitzung kommen lassen, als daß sie die Sozialdemokralen an der Macht beteiligt hätten. Sic haben die Verfassung angetastet, aber die deutsche Arbeiterschaft wird dafür sorgen, daß die Bäume der Diktatur nicht in den Himmel wachsen. Deutschland darf und wird kein Italien werden. Fraktionen kommen und gehen, die Partei bleibt., Es bleibt die große Arbeiterbewegung, es bleiben die G e w e r kf ch a f t c n. mit denen zusammen wir in diesem Reichstag den Kampf um die Rechte der Arbeit gekämpft hoben. Schulter an Schuller mit den Gewerkschaften wird die Partei weiter» kämpfen für die Arbeil gegen das Kapital, für die Rotleidenden gegen die Satten, während in allen anderen parteilagccn Zersplitterung oder Verwirrung herrscht. stehen wir geschlossen und unerschüllerl da. Das haben die Wahlen in Sachsen gezeigt, das werden die Reichstagswahlsn noch stärker und besser zeigen! Das arbeilende Volk hat jetzt einen bedeutenden Anschauungsunterricht erhalten dafür, daß die Sozial- demokralie die einzige Hüterin seiner Rechte ist. Konnten doch die großmäuligen Kommunisten im lchlen Stadium des Kampfes nichts anderes tun, als hinter ihr her lausen und ihr alles nachmachen. Den Kamps, den wir hier geführt haben, werden wir jetzt in das Land hinauskragen. Das Volk wird den Unterschied zwischen der Regierung Hermann Müller und der Regierung Brüning erkennen und danach entscheiden. Keine politische Organisation der Welt ist der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands vergleichbar. Keine politische Organisation in Deutschland reicht an sie heran. „Mit uns dos Volk, mit uns der Sieg!" wir werden den Sieg erkämpfen unter unseren allen roten Fahnen. Den Empfindungen, die uns in diesem Augenblick erfüllen, geben wir Ausdruck mit dem Rufe: „Die deutsche Sozialdemokratie, sie lebe hoch!" Donnernd klang durch den Saal, der so manche geschichtliche Kämpfe erlebt hat, der Widerhall. Das war die letzte Sitzung der sozialdemokratischen Reichslagsfraktion in den, aufgelösten Rcichsiag. Roiverordnungen außer Kraft! Die Aufhebungsverordnung ist erlassen. Der Reichspräsident hat am Freitag auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung folgende Ver- ordnung erlassen: „Auf das Verlangen des Reichstages in dem Beschluß vom 18. Juli lS3v werden gemäß Artikel 48, Absatz 3. «atz 2, der Reichsverfassung die folgenden beiden Ver- ordnungen, 1. Verordnung des Reichspräsidenten auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung über Deckungsmaßnahmen für den Reichshaushalt 1S30 vom 16. Juli 1930(Reichsgesetzblatt 1, Seite 207), 2. Verordnung des Reichspräsidenten auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfässung über Zulassung einer Gemeindegetränkesteuer vom 16. Juli 1930(Reichsgesetzblatt 1. Seite 212), hiermit außer Kraft gesetz t." Aber schon neue angekündigt! Erst seiern. dann verordnen. Räch dem Beschluß des Reichstags müssen die Roloerord- nungen vom 16. 3uli außezkraft gesetzt werden. Da» Kabinett Brüning plant, an ihre Stelle neue Berordnungen auf Grund de» Artikels 4S zu sehen. Sie solleis einen Rotelat, neue Deckungsverordnungen und die Beitrags- erhöhung in der Arbeitslosenversichenmg enthalten. Diese Verordnungen sollen erlösten werden, sobald der Reichspräsident von den Rheinlandseicrn nach Berlin zurückgekehrt sein wird. Der Reichspräsident ist gestera abend nach dem Rheinland abgereist. Geschlagen und gestäupt. Die Niederlage der Negierung Brüning. Von Ruckolk Breitsodstck. Das Kabinett Brüning ist in offener Feldschlacht ge-, schlagen, aber es ist nicht gefallen. Es hat sich seinem Sturz durch die Auflösung des Reichstags entzogen. Dem Geist.der parlamentarischen Verfassung hätte es entsprochen, wenn es zurückgetreten wäre. Aber was bedeutet für diese Regierung die Verfassung? Von dem Augenblick ihrer Geburt an hat sie ihren Bruch als letztes Zufluchtsmittel ins Auge gefaßt. Ihr erster Schritt ins Leben war der, der auf den Weg zum Artikel 48 führt, und es wird durchaus in der Konie- quenz ihrer bisherigen Haltung liegen, wenn sie jetzt die Ver- ordnungen, die ihr das Parlament soeben aus der Hand ge- schlagen hat,— vielleicht um den Schein zu wahren mit eint- gen Aenderungen im Text— aufs neue verkündet. Heuchle- risch wird sie dann wieder erklären, daß es um der Erhaltung der Demokratie willen geschehe, wenn sie die elementarsten demokratischen Grundsätze verletze. Die Mehrheit, die dem Kabinett eine Miederlage bereitete, hat zugleich auch schlagend und endgültig die Illusionen zer- stört, mit denen Herr Brüning seine glorreiche Regierung begonnen hatte. Von Anfang an war sein Streben darauf gerichtet, die Minderheit, über die er verfügte, durch deutsch- nationalen Zuzug zu einer Mehrheit zu machen, und wenn er auch an der Möglichkeit zweifelte, die ganze deutsch- nationale Fraktion auf seine Seite zu bringen, so gab er sich doch der Hoffnung hin, Herrn Hugenberg zu isolieren und aus seiner Gefolgschaft eine genügend große Zahl von Trabanten für sich zu gewinnen. So wurde eine Politik getrieben, die auf die Rechte anziehend wirken sollte. Vorteile aller Art auf wirtschafts- und finanzpolitischem Gebiet wurden gewährt oder in sichere Aussicht gestellt, und nicht zuletzt ge- hörte auch das fortgesetzte Winken mit Artikel 4S in dieses System. Man war überzeugt, daß die Gegner der Verfassung nicht widerstehen könnten, wenn ihnen die Möglichkeit eines Verfassungsbruchs eröffnet rpärc. In dieser Äeziehung hat sich der Reichskanzler gründlich getäuscht. Zwar ist es ihm gelungen, die deutschnationale Fraktion zu spalten, aber bei Herrn Hugenberg blieben genug um der Regierung den Weg zum Siege zu verlegen. Nichts hatte bei dieser Gruppe der Unentwegten verfangen, auch nicht das beschwörende Licbeswerbsn, das der oolksparteiliche Führer noch einmal unmittelbar vor der Abstimmung von seinem Herzensbedürfnis und seiner Wohlangst getrieben unternahm. Die Regierung, so rief Herr Scholz aus,' handele doch Nach denselben politischen Grundsätzen, die Herr Oberfohren aufgestellt habe. Sie verdiene also auch, das war eine Schluß folgerung, die Unterstützung der unversöhnlichsten Reaktiv näre. Aber die so heiß Umworbenen blieben unerbittlich, und so hatten die Worte des Volksparteilers nur den einen Wert, daß sie den Sinn und den Willen dieser Regie r.u n g charakterisierten. Was wollte es besagen, wenn dann der demokratische Redner in berechtigter Sorge um das bißchen Ansehen, über das seine Partei noch ver fügt, die Ausführungen des Herrn Scholz mißbilligte. Der Reichskanzler selbst schwieg und brachte durch sein Schweigen sein« Zustimmung zu der volksparteilichen Interpretation seiner Grundsätze zum Ausdruck. Das Zentrum schwieg eben falls. Das war indessen nicht der einzige Stoß, der dem Kabinett und seiner Politik aus seinem eigenen Lager am letzten Tage des Parlaments versetzt wurde. Es gab noch andere. Da war der Antrag der Wirtschaftspartei, die den Justizminister stellt, die Verordnung über die Getränkesteuer aufzuheben. Hatte die Regierung nicht den Erlaß aller ihrer Verordnungen mit der Notwendigkeit begründet, die 'Sicherheit und Ordnung im Staate aufrechtzuerhalten? Und nun kam eine Regierungspartei, die zum mindesten einen dieser Erlasse beseitigen wollte und damit zu erkennen gab, daß er dem angegebenen Zweck nicht diene. Damit war im Grunde das ganze Gebäude erschüttert und die Fadenscheinig, keit der Gründe ans Licht gezogen, die das Kabinett für sein diktatorisches Vorgehen angeführt hatte. Sein verfassungswidriges System war gekennzeichnet, feine Illusionen waren zerstört und nun fehlte es noch, daß steine finanziellen und wirtschaftlichen Maßnahmen ihrem Werte entsprechend gewürdigt wurden. Das besorgte— bewußt oder unbewußt bleibe dahingestellt— der Finanz- minister Dietrich, der die temperamentvolle Rede, mit der er die. Ehre der Demokraten retten wollte, mit den Worten schloß:„DerReichstagmußheutezeigen.obwir noch ein Staatsvolk sind oder ein Haufen von Interessenten!" Niemals ist die Interessentenpolitik krysser in die Erschei- ttung getreten als seit dem Tage, der das Kabinett Brüning ingf Leben rief. Aber hie Interessenten stoßen, das weiß Hajrt Dietrich fo gut wie wir, in den ityn'teien, die die Regierung ftietzten Die Opposition der Sozialdemokratie war der Kampf gegen ihre Ansprüche. Mochte es um die Gestaltung der Steuern, mochte es um die Zölle oder um die Osthilfe gehen, mochten die Auseinandersetzungen um die Sozialpolitik gc- führt werden: Streitobjekt waren immer die Portemonnaie- stnteresscn kapitalistischer Wirtschaftsgruppcn, der Industrie, der Großlandwirtschaft, der Bierbrauer, der Krämer und Gastwirte. Die Sozialdemokratie vertrat den Staat und das Allgemeinwohl, die Regierung stand schützend vor den Jnteresscntenverbänden. Wir sind dem Reichsfinauzininister für sein Wort sehr dankbar. Es liefert uns eine ausgezeichnete Wahl- parole. Nicht am 18. Juli ist darüber cntsäsicden worden, ob wir ein Staatsvolk oder ein Haufen von Interessenten stiyd, diese Entscheidung wird vielmehr am 14. September fallen. Die Sozialdemokratie hat jedem, der die Augen nicht absichtlich verschließen will, deutlich genug bewiesen, daß sie Staatspolitik treibt und nicht Politik von Gcschäfteinacherii- Sie hat sich bemüht, die Grundlagen der demokratischen Republik und der parlamentarischen Demokratie zu erhalten. Liegnitz. Wege, B i e n e r. Gegen die Aushebungen der Verordnungen haben mit den Regicrungeparteein die Splittergruppen Deutsche Bauernpartei, Dolferechtspartei, Deutsch-Hannoveraner und der frühere Deutsch' mNionale, jetzt parteilose Abgeordnete Bruhn gestimmt. Kahsnjammer im Bürgerblock. Presseecho der Auflösung. Die Auflötung des Reichstages findet in den Blattern samt- licher Richtungen m s palte ntangen Kommentaren ihren Niederschlag. Auf der äußersten Rechten der Deutschnationalen jubelt man. Die Niederlage des Systems" überschreibt die sasehjstische Deutsche Zeitung" ihre Betrachtungen zur Reichstags- auslösung, die hohnooll feststellen, oaß„der Brei der Mitte nach ollen parlamentarischen Regeln zerflossen sei. Der Kampf geh« jetzt zwischen rechts und links." Das Organ des Reichslandbundes, die Deutsche Tageszeitung", sieht für die Wahlen sehr trübe in die Zukunft, Das Blait schreibt: „Bei Neuwahlen ist die Mochtstellung der Sozial- d c m o k r a t i e nundestens nicht ernstlich zu erschüttern. Auf der Gegenseite wäre der R a t i o n a l s o z i a Ii S m u s der Ge- w i n n e r. Die Mitte würde teilweise dezimiert. Die Deutsch- nationalen aber würden schon mit gebrochenen Flu- g e l n in den Wahlkampf hineingehen müssen. Jedes Wort über ihre Aussichten können wir uns ersparen. Nach allem Ermessen würde jedenfalls im neuen Reichstag eine Mehrheitsbil- dung ohn« die Soziotdemokrati« kaum mehr denk- bar sein." Die unter industriellem Einfluß stehend«„Deutsch« All. gemeine Zeitung" kann ihren Aerger über die Entscheidung des Reichstages nicht verbergen. In seiner Enttäuschung oerstaizt sich das rechtsooiksparteiliche Organ zu einem offenen Plädoyer für den Faschismus. Es sogt: Die Verfassung schreibt vor, daß, wenn ein Reichstag auf- gelöst wird, ein neuer gewählt werden muß. Van kann sich dieser Bestimmung der Dersassung nicht entziehen. Wir werden also ein neues Parlament wählen müssen, obwohl gerade nach den Er- sahrungen dieser Wochen in weitesten Kreisen des Volke», die Ileberzeugung gewachsen ist, daß da» deutsche Volk ahne Reichstag sachkundiger jind richtiger regiert werdenkönnte. Das Zsntralorgän des Zentrums, di«„Germania", bezeich. net die Auslösunz des Reichstages als ein Schicksal, das' er redlich verdient habe. Mit der gestrigen Beschlußfassung habe er den Gipfelpunkt seiner Handlungs- und Verantwnrtungsunföhig. keit erstiegen. Run müßten die Parteien in einer wirtschaftlich und politisch außerordentlich gespannten Loge in den Wahlkampf ziehen Nachher„Kölnischen V o l k s- Z ei t u n g", dem führenden westdeutschen Zentrumsorgan, bildete die Auslösung kein« schmerz. lich« Ueberraschung, aber auch keine ungemischte Freude. Wenn irgend, müßte es jetzt möglich sein, das Volk zum großen Appell auszurufen, nachdem ihm der ganze Ernst der Lag« klar geworden sei. Di« rechtsgerichteten„Leipziger Neuesten Nach- richten" gehen mit der Hugenberg-Grupp« scharf ins Gericht. Man könne Verständnis ausbringen, führt dos Blatt aus. daß die Sozialdemokratie gegen die Notoerordnungen anrenne; daß. aber eine Partei wie die Deutschnationalen das gleiche tat, wird in den Kreisen derer, di: die geschchtlich« Ausgabe der Deutschnationalen Volkspartei im Sinne einer Umformung zu einer wirklich konser- oativen Staatspartci gesehen haben, nicht verstanden. Hugenberg vor dem Spiegel. In seinen.Mitteilungen der Deutschnationalen Partei" läßt Hugenberg sich selbst beweihräuchern: Hugenberg hat diesem Parlament die Enlscheidung diktiert... Es ist a l l e i n H u g« nb« r g s D« r d i e n st, daß er den Reichs- tag zur Auflösung gezwungen hat. Wir hatten gehofft, daß die deutschnationole Reichstags- fraktion den Schritt tun würde, den ihr Hugenbergs Füh- -lt n tt.fi«tes, Es: kam anders. A(s die. Uhxjm.Plenarsaal, des Reichstags zwölf �Sehiäge tat, stöiid' Graf W est g r p aüf' d-r Tribüne und s.chi e d s i ch und eine Gruppe der Fraktion vöck'ster Deutschnationalen Partei, die unzweideutig den rücksichtslosen Kamps gegen die Regierung und die Gefolgschaft hinter Huge'n- berg gesordert bat. Unter dem donnernden Beifall der Mittel» Parteien verkündete er eine neue Zersplitterung der Rechten, einen neuen Abmorsch zur Mitte. Ein langes, u'n e r. freuliche» Kapitel innerer Aus« inander fetzun. gen und ständigen Widerstandes gegen den Führer ist damit abgeschlossen worden. .„Hilgenbergs l�arter Will« dittiert." Aber seine Leute lausen ihm davon, sie reißen vor ihm aus, wie Schafleder. Wenn der deutschnationale„Pressechef" dazu angestellt wäre, seinen Herrn und Meister zu blamieren, könnte er es nicht boslzafter tun, wie cr es hier, hsffentlich unfreiwillig, getan hat. Erster Widerhall aus Paris. Paris. 18. Juli.(Eigenbericht.) Di« A u f l ö f u n g ö e» Rc i ch s t a g e s fft in Paris zu ipat bekannt geworden, als daß die Freitag-Abendblätter dazu noch hätten Stellung nehmen können. In politischen Kreisen zeigt man sich jedoch über di« Zuspitzung der Lage äußerst be» sorgt. Man glaubt in der Krise in Deutschland nichr nur eine vori'ibergehende Schwicrigkeit, sondern eine Erkrankung des parlamentarischen Systems sehen zu müssen. So be- fürchtet man, daß durch die Neuwahlen nicht nur keine Besserung, sondern vielleicht noch eine Verschlechterung der Verhältnisse ent- stehen könnte. Immerhin läßt die Tatsache, daß die Absichten Brünings durch den Vorstoß der Sozialdemokratie zu- nicht« gemacht wurden, schließlich auch bei den peffimistischen sran- zöfischen Politikern die Hoffnung auskommen, daß sich di« deutsche Arbeiterschaft bei der bevorstehenden schweren Entscheidung.um die Zukunft der deutschen Republik stark genug zeigen wird, jede Rechtsdiklatur zu verhindern. Hugenbergs Wahsmarfch. (In der berühmten Soldatenwcise.) Ich hott' einen Kameroden, Graf von Westarp mit mir schritt. Der Löbe rief zum Streite, er ist von meiner Seite... (Tempora, o tempora, (wo bleibt die Disziplin denn da?) ... mit dem Schiele Hand in Hand und dem halben Restbestand davongerannt! lind die Nazi im Wallotbau, die sangen so wunder-wunderschön: „Bei den Wahlen, bei den Wahlen da gibt's ein Wiederseh'n!" («imrndzwonzig, zweiundzwanzig, drei, und vier- und fünfond- zwanzig donnerwetter, fünfundzwanzig— mit dem Westarp aus- gekratzt!— Ru-Hig, ru-hig!) Wer weiß, ob wir uns wiedersehn am grünen Strand der Spree? (Wer weiß schon wirklich...?) Jonathan, j Das Ende des Dramas. HU6EH5£R&- •cfP Westarp Zungfrau Brüning: �Weh- mein Beschützer unierliegt!" Wendung im Kall Euvelier. Der Hauptschuldige ermittelt.- Gin nationalsozialistischer(Staatsangestellter! Kriegspresseamtsmethoden. Was sagt dos Ausland zu den deutschen Ereignissen? Am Freitag veröffentlichte das Wolffche Tele- graphen-Biiro nachstehende Meldung aus New Tork: „Worll»" ivei-det sich in einem Leitarlilel gegcn die irre- führenden Schlagzeilen einiger amerikanischer Biatter, die van einer bevorstehenden Diktatur in Deutschland sprechen. Gegenüber dieser Auffassung««ist„World" darauf hin, daß es sich bei der Amvendung des Artikels 48 lediglich um ein« zeitweilige Magnahm« handle und nicht um die Errichtung einer Diktatur wie in Italien oder Polen. Aus dieser Meldung entnimmt man indirekt— was man sonst nicht erfahren hätte— zu welchen für Deutschlands poli- tisches Ansehen(abgesehen von dem wirtschaftlichen Kredit) katastrophalen Kommentaren das Vorgehen der Regierung Brüning in Amerika Anlaß gegeben hat. Weil nun m der einen Zeitung„World" diese Ereignisse in einem für die Reichsregierung etwas günstigerem Licht dargelegt werden, beeilt sich WTB., diese Stimme in Deutschland zu verbreiten. Dieser Fall, der keinesfalls ein Einzelfall ist, gibt uns Veranlassung, eine Frage von allgemeiner Bedeutung zur Sprache zu bringen. Wir behaupten nämlich, daß die Re- gierung kraft des Einflusses, den sie auf das WTB. aus- übt, die deutsche Oeffentlichkeit systematisch über das Echo, das die Vorgänge in Deutschland im Auslande erwecken, im unklaren läßt. Wenn irgendeine mehr oder minder spontane Lobhudelei für einen deutschen Minister in irgendeinem Blatt erscheint, wird sie sofort der deutschen Presse mitgeteilt. Ungünstiges wird fast immer unterschlagen. Dieses harte Wort ist leider nicht über- trieben. Denn es ist Tatjache, daß die Auslandskorrefpon- denten des WTB. täglich über die Pressestimmen in ihrem Wirkungsbereich an die Zentrale berichten. Nun sind diese WTB.-Korrespondenten zumeist auch die Presseattaches der deutschen Botschaften und Gesandtschaften. Inwieweit sie als Beamte vom Reich besoldet sind, in welchem Ausmaße ihre Telephon- und Telegrammspejen vom Reiche getragen wer- den, wollen wir nicht untersuchen. An sich wäre es keines- wegs unberechtigt, daß die amtlichen Stellen, die einen solchen Nachrichtenapparat brauchen, auch für seine Kosten ganz oder teilweise aufkommen. Aber das ist hier nicht das Entscheidende. Wichtig ist nur die Frage: Was-gejchieht mit den Berichten dieserKorrespondenten? Welche Art von Z e n s u r wird- da ausgeübt, die zur Folge hat, daß dem deutschen Volt die Stimmen der Auslandspresse vorenthalten werden? Ein Beispiel unter vielen: das Vorgehen Hu gen- b e r g s gegen Braun in der Stahlhelmaffäre hat namentlich in der französischen Presse einen geradezu ver- heerenden Widerhall gefunden. Selbst Blätter, die sonst am stärksten für die deutsch-französische Annäherung eintreten, haben die Parteinahme des Reichspräsidenten zugunsten einer extrem-nationalistischen Organisation als ein ä u ß e r st bedenkliches Symptom bezeichnet, und insbesondere deü allgemeinen Kurs der Regierung Brüning damit in Ver- bindung'gebracht. Von allen diesen Stimmen, die zweifellos von dem WTB.-Korrespondenten gemeldet wurden, ist durch WTB. nichts bekannt geworden. Warum nicht? Die Antwort liegt auf der Hand: WTB. soll als offiziöses Büro nach Möglichkeit nichts melden. was die Stellung der offiziellen Persönlichkeiten er- schweren könnte. Dos find echte Kriegspresseamtsmethoden, gegen die Einspruch erhoben werden muß. Wir verlangen, daß ein Nachrichtenbüro, das nun einmal eine an Monopol grenzende Sonderstellung einnimmt, freie Hand bekommt, um seine Berichtcrstattungspflicht unparteiisch er- füllen zu können, a u ch in Fällen, wo es der Bürokratie in der Wilhclmstraße peinlich ist. Wir müssen mit einem Gefühl der Beschämung feststellen, daß die französische Presse durch die Havas-Agentur fortlaufend über die deutschen Prcssestimmen zur französischen Politik unterrichtet wird, auch wenn sie noch so scharfe An- griffe gegen die französischen Minister enthalten. Wir wissen nicht, ob Havas moralisch oder materiell weniger abhängig ist vom Quai d' Orsoy als WTB. von der Wilhelmstraße. Aber wir fordern, daß mit dem bisherigen System— gerade angesichts des bevorstehenden W a h l k a m p f e s— ge- brächen wird: das deutsche Volk hat das Recht,— auch und gerade durch WTB.— zu erfahren, wie das Ausland über die deutschen außenpolitischen Ereignisse urteilt. Gtaatsgerichishof gegen Thüringen. Einstweilige Verfügung für Polizeizuschüsse abgelehnt. Leipzig, iS. Zuli. Um 1 Uhr nachmittags nerkünbet« der Siaotsgerichishos sei. gendc Enischcidnng: Der Antrag aus Erlaß einer einstweiligen Verfügung wird abgewiesen. In der Begründung der Entscheidung führte der Vorsitzende Reichsgerichtsprüsidewi Dr. Rumke au»: Der Reichsminister de« Innern habe gloubhost gemacht, daß durch den Erlaß der von Thüringen beantragten cinstmeiltgen Verfügung die Interessen de» Reiches ernstlich gesährdet werden würden. München, 18. Juli. Der ,.B a y« r i s ch e K u r i e r' bringt eine Meldung aus Inns- brück, in der es heißt, daß Major Pabst demnächst in München dauernden Wohnsitz nehmen wolle. Wie es heiße, soll««5 Pabst in Venedig finanziell Nicht besonders gut g«h«n. we». halb er fein« Abreise beschleunigen wolle. Dasselbe Platt hört, daß auch der bekannte Putschist 0 b e r st- r« u t n a n t von Kriebel China wegen seiner Meinungsver- schiede nheiten mit chinsstschen Kreisen verlassen und sich nach München zurückbegeben wolle. Die bayerische Regierung läßt ad- winken. Die Sasser-Wilhelm-Gesellschast hat an Stelle ihres verstorbenen bisherigen Präsidenten Exzellenz von Harneck Geheimrat Planck zum Präsidenten gewählt. � Msudski. nach einer jüngst oerösfentlichten Photographie unge- m«n gealtert, hat letzt als Kriegsmirnster einen General zum Per- treter bekommen, was doch auf längere Urlaubsdauer deutet. Wegen unserer Stellungnahme für den zu Unrecht verurteilten französischen Schwimmer Euvelier hat die nationalistische Press« in der üblichen Art den„Vorwärts" als„Agenten Frankreichs" und „Schrittmacher des feindlichen Auslandes" verdächtigt. Jetzt muß die Telegraphen-Union, das Nachrichtenbüro 5zug«nberg«, aus Zeitz folgendes melden: In der Angelegenheit der Messerstecherei nach dem deutsch- französischen Länder- Schwimmwetlkamps in Zeih, in der ein französischer Schwimmer als vermutlicher Täter vom Schnellrichter zu vier Monaten Gesängni« verurteilt wurde, ist es inzwischen gelungen, den Hauptschuldigen an dem Zwischenfall in der Person eines Angestellten de» Ralosteramts namens Schulenburg zu ermitteln. Dieser war bi» zum Tage vor seiner Ermilklung Milglied der Ralionalsvzia. listtschen parle« und ist von seiner Behörde f r i st i o» entlassen worden. Aus der Nachricht geht nicht ganz klar hervor, ob der Nationalsozialist Schulenburg als Hauptschuldiger auch der Mann ist, der den Der(Schacher in(Sachsen. Oeulschnotionoles Angebot an öle WirtschastSportei. Dresden. 18. Juli. Am Donnerstag hatte die Landtagsfraktion der Deutsch- nationalen Volkspartei mit dem Landes.Parteioorsland ein« Besprechung wegen der Regierungsbildung. Auf eine nochmalige Aufstellung Dr. K rüg von Niddas ist man hierbei nicht zurückgekommen. Dagegen lzat die beutschnatianals Londtagsfraktion der W i r t f ch a f t s po r t e i nunmehr mitgeteilt, daß sie bereit ist, bei der nächsten Wahl des Ministerpräsidenten Dr. Weber zu. wühlen. Sie fetzt dabei voraus, daß Dr. Weber gewillt sei, ein m a r x i st e n f r e i e» Kabinett zu bilden und bei Annahme der Wahl ein Einvernehmen über die Zusammen- setzung des Kabinetts hsrbeigejührt wird. Die Landfriedensbrecher von Mainz. Teilweise schwer Vorbeflraste im Alter von iK-ZV Lohren. varmstadt, 18. Juli. Amtlich wird mitgeteilt: Sofort nach Nsn Ausschreitungen, die in der Nacht auf den 4. Juli in Main,! gegen ehemalige Separatisten gemacht wurden, sind energifche Nachjorschungen nach den Tätern eingeleitet morden. Jetzt liegt ein einigermaßen abgeschlosfanes Bild über die ganzen Vorgänge vor. Vor allem haben die sofort vorgenommenen Ver- Haftungen zur Ermittlung der Haupttäter geführt. Acht von ihnen befinden sich in Untersuchungshast. Gegen sie ist bereits.Anklage wegen Landfriedensbruchs erhöbet worden. Sic sind der Täterschaft überführt und teilweise auch geständig, an den Ausschreitungen aktiv teilgenommen zu haben. Es handelt sich ausschließlich um junge Leute im Alter von 16 bis 30 Jahren, die sämtlich aus Mainz stammen, politisch bisher nicht hervorgetreten, teilweise aber schwer vorbestraft sind. Auch die übrigen Teilnehmer der Ausschxei- tungen stammen aus allen Kreisen der Bevölkerung und aus den verschiedensten Parteilagern, von Rotfront bis zu den Nationalsozia- listen und sind sämtlich ebensall» einheimische Mainzer. Auch andere Feststellungen haben ergeben, daß e» sich um keine Aktion irgend- einer politischen Organisation handelt. England gegen den plan Briands. Londoner presse stimmt der Antwort Hendersons zu. London, 18. Juli.(Eigenbericht.) Die Antwort der englischen Regierung auf das Memorandum Briands wird in der gesamten englischen Press« als zufriedenstellend bezeichnet. Der �Darly Herald" sagt:„Briand will ein fünfte» Rad an den Wagen hängen, dos ihn nicht vorwärts treiben kqnn und nur hemmend für den Fortschritt wirken müßte." Der„Daily Telegraph" erklärt, mit dem Vorschlag der englischen Regierung, die ganze Frage auf die Tazee- ordiiung der nächsten Völkerbundsversammlung zu setzen, sei Briands Plan sür England voraussichtlich erledigt. „Es war vom ersten Augenblick klar, so schreibt dos Blatt, daß Briands Vorschlag nicht ernsthaft in Erwögung gezogen Messerstich gegen den angeblich von Euvelier Verletzten geführt hat. Wir halten dies für sehr wahrscheinlich, denn es sprach von Anfang an alles dafür, daß nicht Euvelier, sondern einer der nationalsoziali st tsche Ii Raufbolde den Mann g«> stachen hat, der den Streit schlichten wollte. Jedenfalls muh nun auch die Rechtspreise zugeben, daß der Hauptschuldige des Vorgangs ein organisiertes Mitglied der Nationalistischen Partei ist.. Damit bricht die nationalistische Hetze gegen den„Vorwärts" zusammen. Es zeigt sich, wie recht wir taten, als wir das Urteil de» Zeitz« Schnellrichters von Anfang an als A u s g e b u r t nationaler Haß- Psychose kennzeichneten. Daß der Nationalsozialist, der durch die Belästigung des zu Gast geladenen französischen Champions das Gast recht schnöd« oerletzt und ein für Deutschland b e s ch.ä m o n de s Ereignis geschaffen hat, sofort aus dem Staatsdienst, entlassen worden ist, entsprach der selbstverständlichen Pflicht deutscher Behörden. werben könnt«..Die englijche. Note laßt nichts übrig, was zü- gunsten diese» ungkücklichen und bald vergessenen Planes gesagt werden könnte." Auch die„Times" verhalten sich in ihrem Leitartikel bei Bs» sprechung der englischen Antwort aus das Briaird-Memorandum recht ablehnend. England könne schwerlich einer Organisoiion beitreten, von der alle seine Dominion» ausgeschlossen seien, ebenso wie der irische Freistaat. Außerdem wäre es nach Ansicht des Blatte» nachteilig, ein« Einrichtung zu schaffen, die irgendeinen Staat oder einer starken Gruppe gegenüber antagonistisch eingestellt sein könnte.' Frankreich ist enttauscht. Paris, 18. Juli.(Eigenbericht.) Die Pariser Presse.zeigt sich von der Antworr Englands auf das Eyropg-Memorandum Briqnds nur sehr wenig befrie- digt. Daß sich England weder m den Streit sür oder gegen die Revision der Verträge einmifchen noch eine schärfere Bindung a'i da» Kontingent annehmen würde, hmt« man in Paris nicht«r- wartet.' Trotzdeiu findet man, daß die englische Regierung ihre „furchtsamen und verlegenen" Vorbehalte allzu gehäuft habe. Dar. über hinaus wollen„Petit Parisien" und„Journal" aus dem eng- lifchen Dokument eine verhüllt« Verachtung gegen den Vorschlag Briand» herausgelesen haben, den England als nicht ernst genug ansehe, um ihm mehr als eine provisorisch« Prüfung zu widmen.„Oeuvre" und„Echo de Paris" behaupten, daß sich Eng- land zum Sprachrohr gewisser Eiserjüchiigen im Genfer Völker- bundssekretariat gegen den Europa-Plon Briands gemacht habe. Die englische Antwort sola« Punkt für Punkt einem abfälligen Gut» achten des englischen Leiters der Wirtschajtsobteilung des Völker- bunde-, der ebenso wie der Generalsekretär Sir Eric Drummonä dem Europa-Pakt aus bürokratischen Gründen abgeneigt sei. Oer FaN Backett. vie Geschäfisordnung soll schärfer werden. London, 18. Juli.(Eigenbericht.) Seit Oliver Eromwell die englische Revolution. dqmst eipleitet«, daß er seine A>chöngsr im Parlament beauftragte, das Zepter hinaus- zuschassen, seit diesem Jyhre 1653. hat es sich nicht mehr ereignet, dqß sich jemand an dem Symbol der Würde des Präsidenten und de» Parlamente» vergriffen hat. Kein Wunder, wenn deshalb das Ge- bgren des unabhängigen Arbeiterparteilers Backet t die große Sensation des Tqges bildet, über die die englische Presse noch am Freitagabend spaltenlong berichtet. In keinem Lande wird mehr auf Formen geachtet wie in England, die Entrüstung über da» Betypgen Backet» ist allgemein. Selbst sein« Freunde beklagen es tief und nennen es ein Stück aus dem Tollhaus. Politisch betrachtet tonnte Backest nichts Ungeschickteres beginnen. Selbst wenn er in der Sache recht gehabt hätte, so hat er ihr durch sein Borgehen nur geschadet. Auch der Brief, den Backett am Freitag an den Sprecher de» Unterhauses geschrieben hat, ändert daran nichts. Backett erklärt darin, daß es keineswegs die Würde des Vorsitzenden Hab« vertetzen wollen. Verschiedene Abgeordnete verlangen, gestützt auf Backetts Ver- halten, Verschärfung der Geschäftsordnung und wollen beantragen, Bäckott für den Rest der jetzigen Parlamentssefsion auszuschließen. Di« Arbeiterstattion wird sich am Dienstag mit dem Betragen Backest z beschäftigen. Kommt Major pabst nach München? Auch Putschist Knebel will die Lsarstodt wieder beglücken. Oer NBML. bleibt zugeknöpft. Auch die Tarisverhandlungen für die Arbeiter gescheitert. Die Verhandlungen über den Neuabschluß eines ver- besserten Manteltarisverlroges für die Arbeiter der Berliner Metallindustrie, die gestern zwischen den Vertretern des Metallkartells und dem Verband Berliner Metallindujtrieller svBMZ.) geführt wurden, sind nach l>-stündlger Dauer ergebnislos abgebrochen worden. Dieser Ausgang der Berhandlungen war vorauszusehen, nach- dem erst vor einigen Tagen die vom VBMJ. angebahnten Ver- Handlungen mit den Berliner Angestelltengewerkschaften über eine Verkürzung der Arbeitszeit der Metallangestellten und einer gleich- laufenden Gehaltssenkung aufgeflogen waren und zwar lediglich deshalb, weil die Metallindustriellen den Angestelltengewerkschaften nicht die geringsten Garantien geben wollten hinsichtlich des Kundi- gungsschutzes während dieser„Notzeil", des Verbotes der Ueber- arbeit in den verkürzt arbeikenden Betrieben usw. Welche ungeheuerlichen Forderungen hatten die Vertreter der 18<)0tX> Berliner Metallarbeiter nur gestellt, daß die Unter- nehmer gar nicht nähet darauf eingehen zu können glaubten? Sie hatten vor allem- durchaus zeitgemäß die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 48 auf 42 Stunden bei einer täglichen Arbeitszeit von 7 Stunden beantragt und noch gar nicht einmal die Forderung nach einem der Arbeitszeit- Verkürzung entsprechenden Lohnausgleich erhoben. Zudem wird in der Mehrzahl der Betriebe der Berliner Metallindustrie teilweise schon seit längerer Zeit nur noch bis zu 40 Stunden und sogar darunter oerkürzt gearbeitet und nicht einmal auf Wunsch der Arbeiter, sondern auf Anordnung der Unternehmer. In der Arbeitszeitfrage also war nach logischen Erwägungen gar kein Widerstand der Unternehmer zu erwarten. Aber weit gefehlt; die Metallindustriellen lehnten jede Diskussion über die Arbeitszeit mit dem Bemerken ab, daß sie für kommende besser« Zeiten die Pro- duktionskapazität ihrer Betriebe voll ausnutzen wollen, was ihrer Auffassung nach nur mit der jetzt tariflich verankerten 48stündigen Wochenarbeitszeit und der Befugnis, darüber hinaus noch pro Quartal 13 Ueberstunden anordnen zu können, möglich sei. Die Forderung nach Einführung einer ISminütigen Pause pro Stunde für die im fließenden Arbeitsprozeß beschäf- tigtcn Arbeiter und Arbeiterinnen entbehrt nach der Meinung der Berliner Metalliniiustriellen ebenfalls jeder Berechtigung, da von einer gesundheitsschädigenden Wirkung der Fließarbeit gar keine Rede sein kann, sondern im Gegenteil der Krankenstand bei dieser Arbeiterkategorie viel niedriger sei als bei den übrigen Arbeitern.(?) Auch die Ausführung der Fließarbeit im Stundenlohn würde nach der Ansicht der Metallindustriellen nur zur Verminderung der Arbeitsleistung und zur Qualitätsver- schlechterung führen, da die nicht im Akkord schaffenden Arbeiter kein genügendes Interesse mehr hätten am guten und schnellen Ge- lingen des Arbeitsstückes. Eine Verbesserung der Urlaubsbestimmung kam für ste gleichfalls nicht in Frage, da die Berliner Metallindustriellen an- geblich außerstande seien, auch nur die geringste Mehrbelastung durch Verbesserungen der tariflichen Arbeitsbedingungen zu tragen. Ueber die anderen Forderungen, wie z. B. die nach Erhöhung des U e b e rst u n den zu s chlag e s, der günstigeren Fassung der Akkordbestimmungen, des Ausbaues des§ 616 BGB., der tariflichen Verankerung der Lehrlingsausbildung und-entlohnung kam es«est gar nicht zur Debatte. Als ein- ziges Zugeständnis boten die Metallindustriellen die Verlängerung des jetzigen TNantellarifcs um ein halbes oder ein ganzes Jahr an. Anscheinend ohne be- sonderes Eigenlob, aber doch mit einem nicht mißzuvcrstehendcn warnenden Unterton bemerkten die Metallindustriellen, daß sie im Gegensatz zu den meisten Unternehmern des Reiches und ihrer Verbände davon abgesehen hätten, Gegenforderungen auf Abbau des Urlaubs und anderer tariflicher Errungenschaften der Metallarbeiter zu stellen. Die gewichtigen G«gengründe, die von den Gewerkschafts- Vertretern vorgebracht wurden, blieben natürlich völlig wirkungslos, da zweifellos die Marschroute der Metollindustriellen vorher genau festgelegt war. So mußten di« Verhandlungen nach verhältnismäßig kurzer Dauer als ergebnislos abgebrochen werden. Mit dieser Situation wird sich zunächst das Metallkartell am Montag beschäftigen, um dann am Mittwoch oder Donnerstag abend eine entscheidende Stellungnahme der Funktionäre der Berliner Metallarbeiter herbeizuführen. Für di« Funktionäre— und das ist unsere ungeschminkte Meinung— kann es nur eine von folgenden drei Entscheidungen geben: entweder halten sie die Zeit trotz der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse für nicht so aus- sichtslos, um einen offenen Kampf für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen erfolgreich bestehen zu können, dann organisieren sie diesen Kamps in engster Zusammenarbeit mit den Gewerkschasten. Oder sie rufen die staatlichen Schlichtungsstellen an, die sich in letzter Zeit gerade nicht als Bahnbrecher der vorwärtsstrebenden Arbeiter- schaft gezeigt hoben, oder sie nehmen dos Waffenstillstandsangebot des Verbandes Berliner Met�linduftrieller an. Eine won diesen drei Lösungen kann es logischerweis« nur geben. Die Entscheidung, die di« Funktionäre der Berliner Metall- arbeiter in der nächsten Woche zu treffen haben, ist ohne Zweifel schwer. Nach einer Seite aber muß das Pendel ausschlagen. Soviel jedenfalls ist sicher, daß die mit der Stimmung der Metallarbeiter und den betrieblichen Verhältnissen am besten vertrauten Funktionäre zu einem Entschluß kommen werden, der frei von jeder phrasenhaften Umnebelung und«in Produkt nüchterner Betrachtung der realen Verhältnisse sein wird. Warum minderen Rechis? Die Hausangestellten fordern Tarifabschluß. Seit dem vorigen Jahre versuchen die freigewerkschastlich organisierten Hausangestellten ihre Lohn- und Arbeitsverhältnisse tariflich zu regeln. Der Zentralverband der Hausangestellten hat daher zu Anfang dieses Jahres der Zentrale der Hausfrauen- vereine Groß-Bcrlins den Entwurf eines Manteltarifoertrages und eines Lohnabkommens unterbreitet, erhielt aber darauf die Antwort, daß die Hausfrauenorganisationen die Zeit für den Abschluß eines Tarifvertrages nicht für günstig haste, da der Entwurf des H au s g e h i l f« n g e s e tz« s gerade den Reichstag bzw. Reichsrat beschäftige. Er setzte sich trotz dieser abschlägigen Antwort noch- mals mit der Hausfrauenorganisation in Verbindung. Er wies darauf hin, daß unabhängig von dem zu erwarteirden Hausgehilfen- gesetz ein Tarisoertrag für die Hausangestellten dringend notwendig sei, da dadurch der ewige Streit um Lohn, Freizeit, Urlaub, Entschädigung in Krankheitssällen, Kost- und Wohngeld bei Auflösung der Arbeitsverhältnisse, der zur Zeit 3 Arbeitsgerichtskammern, 3 Amtsgerichtsrät«, 40 Hausfrauen und 40 Mitglieder des Zentral- Verbandes der Hausangestellten als Arbeitsrichlcr beschäftigt, aus ein Minimum beschränkt werden würde. Vom 1. April 1929 bis zum 31. März 1930 wurden allein 6785 Arbeitsstreitigkeiten vor den Hausangestelltenkammern des Arbeitsgerichts anhängig gemacht, was mehr als 12 000 Termine notwendig machte. Durch die Schaffung eines Tarif- und Lohnvertrages ließen sich mindestens 80 Proz. aller Streitigkeiten vermeiden, was die Abfchlüsie von Tarifverträgen oder anderen Vereinbarungen zwischen dem Zentral- verband in anderen deutschen Städten bewiesen haben. Auf Antrag des Zentralverbandes der Hausangestellten hat sich nunmehr der Schlichtungsausschuß zweimal mit der Frage befaßt und schließlich vor kurzem folgenden Beschluß verkündet: „Die einer tariflichen Regelung der Arbeitsbedingungen der Hausangestellten entgegenstehenden Schwierigkeiten sind insbesondere bei der Mannigfaltigkeit der Berliner Haushaltungen und den orga- nifatorifchcn Verhältnissen nicht zu bestreiten. Andererseits muß aber anerkannt werden, daß es im Jnteresse beider Parteien und im allgemeinen Interesse läge, wenn insbesondere auch zur Bcseiti- gubg der allgemeinen Unkenntnis über die Verpflichtungen der Hausfrauen und der Angestellten aus dem Arbeitsvertrag eine einheitliche Regelung der Arbeitsbedingungen erreicht werden könnt«. Den Parteien wird daher empfohlen, unverzüglich in Verhandlungen einzutreten.> Di« allgemeinen Arbeitsbedingungen(Freizeit, Urlaub, Kostgeld- sätze, Kündigungsfristen usw.) dürsten zweckmäßig unter weitgehen- der Anlehnung an die Verkehrssitte festzulegen lein. Außerdem werden die Parteien zu prüfen haben, ob es zur Verminderung der dem Tarifabfchluß entgegenstehenden Schwierigkeiten nicht geboten erscheint, von einer Regelung der Arbeitszeit und von der Festsetzung unabdingbarer Gehaltssätze abzusehen, und sich zunächst darauf zu beschränken, im Tarifvertrag eine den Hausangestellten zu ge- währende Nachtruhe vorzuschreiben und sich mit der Aufstellung von Richtlöhnen zu begnügen. Sofern bis zum 30. September d. I. eine Einigung nicht zu- stände kommen sollte, wird aus Antrag neuer Termin angesetzt werden." Der Zentralverbaud der Hausangestellten wird nun nochmals versuchen, endlich geregelt« Lohn- und Arbeitsverhältnisse für di« Hausangestellten herbeizuführen. Das Gelingen des Tarifabschlusses, noch viel mehr aber die Durchführung und weitere Ausgestaltung des Tarifvertrages wird nicht zuletzt von der or g a n i f a t o r i- fchen Stärke der Hausangestellten beeinflußt fein. Es ist daher Pflicht aller Hausangestellten, sich restlos im Zentral- verband der Hausangestellten(Berlin W 30, Bayreuther Straße 31) zu organisieren, der dem„Gesamtvcrband" angeschlossen ist. Eindämmung der Bleigefahr. Eine wichtige Verordnung für das Malergewerbe. Zur Eindämmung der Bleigefahren im Maler-, Anstreicher- und Lackierergewerbe ist eine neue Verordnung erlassen worden, die allerdings erst kurz vor Ablauf dieses Jahres in Kraft tritt. Sie bringt noch kein völliges Verbot jeder Bleiwcißverwendung zu An- strichzwecken, sondern nur ein Verbot für den Innen an- strich, wenn der metallische Blcigehall 2 Proz. überit-cigt. Färb- stoffe mit diesem Bleigehalt müssen aus den Packungen und Be- Haltern deutlich als verboten für den Innenanstrich gekennzeichnet sein. Werden bleihaltig« Farben im Spritzverfahren verwendet, dann muß der Unternehmer di« notwendigen Schutzmaßnahmen treffen, vor allem rechtzeitig dem Gewerbeaufsichtsbeamten Anzeige machen. Abgesehen von Malergesellen und Lehrlingen über 16 Jahre dürfen Arbeiter unter 18 Iahren und weibliche Arbeitskräste bei Arbeiten mit bleihaltigen Stoffen sowie mit der Entfernung bleihaltiger An- striche nicht beschäftigt werden, Berbessert sind die Borschristen für die Räume zur Aufbcwah- rung von Kleidungsstücken, zum Waschen und Ankleiden. Neu sind Borschriften über ärztliche Untersuchung aus An- ordnung des Gewerbeaufsichtsbeamtsn sowie bei der Arbeitsaufnahme für olle Malerbetriebe, in denen regelmöfsig mehr als 5 Arbeiter, und zwar ständig, in der gleichen Betriebsstätte beschäftigt werden. Die Verordnung gilt für gewerbliche Betriebe, in denen Maler-, Anstreicher-, Tüncher-, Weißbinder- und Lackiererarbeitcn allein oder im Zusamnienhang mit anderen Arbeiten ausgeführt werden. Bis zum Ablauf des Jahres 1938 kann der ReichSarbeits- minister gewisse Ausnahmen vom Verbot des Innenanstrichs und von der Deklorationspflicht zulassen, wenn die verwendeten An- strichstoffe nicht mehr als 5 Proz. an metallischem Blei enthalten. Cine wißbegierige Behörde. lleberflüssige Fragen des Statistischen Neichsamts. Wir kritisierten umlängst die höchst überflüssigen Fragen, die ein Privatunternehmen stellungsuchenden Bewerbern zur Be- antwortung vorlegt. Viel schöner und vollständiger noch ist der Fragebogen, den das„Statistische Reich samt", also eine Reichsbehövbe, allen Bewerbern vorlegt. Daß der Bewerber nach Vor- und Zunamen, Geburtstag, Ge- burtsort, Staatsangehörigkeit und Familienstand gefragt werden muß, ist selbstverständlich. Wozu aber die Frage nach dem Religionsbekenntnis? Da das Statistische Reichsamt natür- lich weiß, daß diese Frage verfassungsrechtlich unzulässig ist, ergänzt es sie in einer Fußnote, die die Beantwortung freistellt! Wozu dann diese Frage überhaupt noch gestellt wird, ist schwer zu sagen. Die Richtausfüllung kennzeichnet den Bewerber ja viel mehr als die Ausfiillung. Mit dieser einen, /schönen" Frage ist aber das Repertoire des Reichsamts noch keineswegs erschöpft, denn sie ist«rst die siebente von 2 2 Fragen. Es folgt die Aufforderung, mit Vornamen, Geburtstag und Ge- buvtsort alle Personalien von Ehegatten und sämtlichen Kindern anzugeben. Auch der Stand des Vaters interessiert die Personal- leitung des Reichsamts. Roch bunter aber sind die folgenden Fragen nach des Vaters Bor- und Familiennamen und der Mutter Bor- und Geburtsnamen. Diese Fragen dürsten doch höchst nebensächlich sein, oder besteht die Qualifikation eines Bewerbers in einem wohl- klingeiSen Geburtsnameu seiner Mutter? Weiter sollte k man aber in der Regel annehmen, daß der Bater des Bewerbers denselben Familiennamen trägt wie fein Sprößling. Das Reichsamt muß interessante, gegenteilige Beobachtungen gemacht haben, sonst würde es sich wohl für des Voters Familiennamen nicht ja brennend interessieren. Vielleicht erscheint bald ein« Sonderschrift zur Statistik des Deutschen Reichs, in der über die Namensverhaltnisse von Vätern und Söhnen umfangreich« Erhebungen veröffentlicht werden. Nach der verständlichen Frage über die Schulausbildunq kommt die, ob der Bewerber... Kriegsteilnehiner sei sowie ob und welche Pensionen oöer Renten er beziehe. Gerobe eine Behörde wirb idoHl diese besonderen Rechtsverhältnisse jederzeit selbst prüfen können, wenn die Bewerbung wirklich zu einer Anstellung führen sollte. Run kommt(wahrscheinlich nur sür wissenschaftliche Bewerber) die Angabe, an welchen Universitäten man studiert hat. wie viele Semester, an welchem Tage(!). welcher Universität und in welcher Fakultat das Doktorexamen bestanden wurde: wie das Thema der Arbeit lautete, wer der Referem war(!). welche Rot« man erstens in der schriftlichen Arbeit, zweitens im mündlichen Examen und drittens als Gesamtprädikat bekommen hat. Daß die Prädikate m den Doktor- eramina ebensolvenig besagen, wie sonstige fern abgestufte Präbltate, deren Bemessung von der Laune des Zensierenden abhangen, wird man im Reichsamt vielleicht auch wissen. Also auch vollkommen überflüssigeFragen! Das Statistische Reichsamt sollte bei seinen Arbeiten wemgstens auch deren Notwendigkeiten prüfen, mindestens die Hälfte all dieser Fragen könnte es gänzlich st r e i ch e n. Schließlich hat das „Statistische Reichsamt" einen Ruf als obiektiv arbeitende Forschungsstelle, den es wegen solcher Lächerlichkeit wirklich nicht auss Spiel zu setzen braucht. Kommunistische Großmäuligkeit. Als Ungebühr vor Gericht bestraft. Der kommunistische Reichstagsabgeordnet« Hein» von Beruf Former und einer der Hauptschreier bei den„oppositionellen" Me- tallarbeitern. erschien vor dem Arbeitsgericht, um zwei seiner Ge- sinnungsgenossen, die eine Klag« eingereicht hatten, zu vertreten. Seine Besugnis zur Vertretung vor dem Arbeitsgericht leitete er aus seiner Eigenschaft als Funktionär der„oppositionellen" Former- brauche her.„ Der Richter hatte pflichtgemäß zu prüfen, ob die„oppositionelle Metallarbeiterorganisation ein« wirtschaftliche Bereini- gung. also nach§ 11 des Arbeitsgerichtsgesetzes zur Stellung von Prozeßoertretern berechtigt ist. Nach Durchsicht der von Hern über- reichten Statuten kam der Richter zu dem Entscheid, daß di« Bor- aussetzung des§ 11 nicht ersüllt sei. Hein wurde deshalb als Pro- zeßvertreter zurückgewiesen. Als dieser Beschluß verkündet wurde, warf sich Hem in die Brust und rief dem Richter zu:„Glauben Sie man nicht. �doß es dabei bleibt. Wir werden Sie zwingen, uns anzuerkennen." Diese Großmäuligkeit muh Hein mit einer Ungebührstrafe von 100 Mark büßen._ Iniernationaler Bauarbeiierkongreß. Für internationale Ferienregelung. Die Bauarbeiter-Jnternationale nahm auf ihrer Stockholmer Konferenz im weiteren Verlaus der Beratungen nach Annahme ver- schiedener Anträge zur Gründung eines Qrtskartells und zur Ver- besserung der Arbeitsbedingungen in Frankreich eingehend zur Ferienfrage Stellung. Ban der Wal-Holland behandelte eingehend die gesetzlichen und tariflichen Rechte auf Urlaub und unterstrich die große kulturelle Bedeutung d�r Ferieirfrag�. Orn An- schluß an seine Ausführungen«uxde eine Entschließung an- genommen, di« ini wesentlichen folgendes fordert: Die neunte Konferenz der Bauarbeiter-Jnternationale hält di« allgemeine Einführung von Ferien für Bauarbeiter in allen Landern für notwendig. Bei voller Anerkennung der Schwierigkeiten, die angesichts der' Besonderheiten des Baugewerbes m,t einer.zweckent- sprechenden Ferienregelung verbunden sind, ist die Konseren., davon überzeugt, daß«ine auf ein langdauerndes Arbeitsverhältnis be- gründete Ferienregelung für das Baugewerbe wenig bedeutet. Don einer angemessenen Regelung der Ferien für Bauarbeiter kann nur dann die Rede fein, wenn ungeachtet des jeweiligen Ar- bcitgebers die im Gewerbe verbrachte Arbeitszeit zum Maßstab ge- nvmmen wird. In weit größerem Maße muß die Forderung nach bezahlten Ferien für alle im Baugewerbe beschäftigten Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter erhoben werben. Die Konferenz erhebt daher die bereits 1927 in Lugano«in- stimmig angenommene Forderung: Bezahlte Ferien für Lehr- ling« und jugendliche Hilfsarbeiter, und zwar bis zum 16. Lebensjahr drei Wochen, vom 16. bis zum 18. Lebensjahr zwei Wochen im Jahr. In Anerkennung der Wichtigkeit der Forde- rung nach bezahlten Ferien für all« Bauarbeiter ruft die Kom'eren,; die angeschlossenen Organisationen auf, sür die Benoirklichung dieser berechtigten Forderung, sei es auf dem Wege der Gesetzgebung, sei es durch Festlegung entsprechender Bestimmungen in den Kollektiv- vertragen, mit aller Kraft einzutreten. lieber die Lage der Ba u w i rt sch a s t gab der Vorsitzende der Internationale, Bernhard- Berlin, einen instruktioen Ueber- blick. Eine im Sinne seiner Ausführungen gehaltene und von der Konferenz einstimmig angenommene Entschließung bekämpft den Schutz zollgedanken. Di« Gesamtwirtschaft eines Volkes fei mit der der anderen Völker international verflochten. Das gelte auch für'den Baumarkt. Den meisten Ländern müsse in erster Linie daran liegd« Stellung auf optischem Gebiet und die starke Entwicklung seines Arbeiter- lebens— beides unlösbar miteinander verbunden. Aber auch die Stadt als solche, an der Havel ge- legen, und chre, auf der Ostseite schöne Waldungen aufweisende, zudem nicht ganz flach« llmgebung lassen einen fröhlichen Ausflug geboten erscheinen Das alte Rathenow wo? eine feste Inselstadt, von deren Um- wallung heute nur noch wenig zu sehen ist. Auf der sich vorfindenden Erhöhung der Insel wurde di« Ma-- rionfirchc erbaut, romantisch, aber im 16. Jahrhundert gotisch umge- baut. Durch den später hinzugefiig- ten 77 Meter hohen Turm hebt sich die Kirch« hoch über Dächer und Bäume hinaus. Zwischen Altstadt und Bahnhof, auf der Ostseit« des Flusses, ist dann die R e u st a d t ent- standen, die in der Berliner Straße lebhaftes Geschäftstreiben aufweist. An Gelegenheit zu Sportbetätigung und zu kleineren Spazier- ganzen fehlt es nicht: von letzter-"., feien die Touren nach dem aussichts- reichen Weinberg und noch der im 18. Jahrhundert angelegten Kolonie Neu- Friedrichs- darf genannt— will man letzter« ein wenig ausdehnen, so wandert man noch zum schmalen, ober langgestreckten Wolzen-See. Südlich dieses Sees erstreckt sich die groß« staatlich« Forst Königsheide, in der zwei Touren beliebt sind. Entweder: vom Eintritt in den Wold auf dem �lönigsweg" wandernd und diesen nach Erreichen des„Bretten Gestells' links verlassend, erreicht nian die Kolonie S p o l i e r e nb'e r g und von da wieder nördlich über Forst Haus Krügershorstnach Rathenow zurück— oder: vom„Königsweg' rechts ab über Kolonie Königshütte nach Premnitz, wo die Dachsberge und die Premnitzer Berg« gute Aussichten bieten. Dieses Premnitz ist Station der Eisenbahn, di« van Neustadt a. d. Dosse kommend und ihrem Namen„Städtebahn" Ehre machend Brandenburg zu- strebt, so daß Rathenow auf drei Hauptschienenwcgcn erreicht wer- den kann. Und noch eine Kleinbahn nimmt ihren Anfang in Rathenow. Ei« geht nach Paulinenau« mit Abzweigung noch Nauen, und hat in der nahen Station Stechow einen Stützpunkt für die Tour Nennhausen lStation der Hauptbahn), wo einst der Romantiker- dichter Fvuquä als Gutsherr lebt«,— K Otze n— H o h e s Rott weitere Umgebung fmü Aussicht)— Sie ch 0 ro. Don letzterem Ort ist es nicht weil nach Ferchefar am Hohennauener See, an dessen anderem, westlichen Ende Hohennauen, Station der Städtebahn, liegt. Dos Gebiet zwischen Nennhausen— Siech ow— Rathenow hat Wald. Während Blick auf Rathenow vom Schleusenkanal aus, die größer« Tour auf 5 bis 6 Stunden veranschlagt werden kann. erfordern die Touren durch die Königsheide etwa die Ihälft« dieser Zeitz Rotlandung eines Verkehrsflugzeuges. Dicht bei der Ortschaft Schönow am Teltowkanal vor den Toren Berlins mußte gestern abend gegen 20 Uhr ein Verkehrsflugzeug, das sich von Rotterdam auf der Fahrt nach dem Flughafen bofaist», offenbar infolge des schlechten Wetters not- landen. Der Pilot brachte den Apparat auf weichem Acker- gsländc zu Boden. Hierbei überschlug sich die Moschine und bohrte sich mit dem Motor tief in dos Erdreich ein. Dje alarmierte Berliner Feuerwehr war stundenlang mit dem Aufrichten des be- schädigten Flugzeugs beschäftigt. Personen sind nicht zu Schaden gekonunen. Es handelt sich, wie noch mitgeteilt wird, um ein hollöndi- s ch« s Flugzeug von, Typ Fokker-Phagr. Lloyddampfer gesunken.| Vrondungluck auf der»Targis".- Passagiere gerettet.] New York, 18. Juli.' Der Dampfer„TargiS" des Norddeutschen Llohd, der im Atlantischen Ozean in Brand geraten war, ist gesunken. Passagiere und Mannschaften sind gerettet. Nach Londoner Meldungen war der deutsche Dampfer„Tor. gis' auf 33 Grad 56 Mfputen Nord und 36 Grad 11 Minuten West im Atlantischen Ozean in Brand geraten. Die P a s s a- gier«, deren Zahl nicht genau bekannt ist, sowie die Mann- s ch a f t wurden von dem englischen Dampfer»Rangilala' ausgenommen und befinden sich in Sicherheit. Die„Targis" war für die Beförderung van etwa 12 Reisenden eingerichtet. Die„Rantzi- tata' wird die Schiffbrüchigen am 22. Juli in Southampton landen. lieber die Ursache des Brandes liegen noch keine nähere,, Nach. richten vor._, Taifun und Erdbeben. Die Insel Kiushiu und Korea.schwer heimgesucht. Tokio, 18. Juli. � Ei» Taifun, wie tt seit zehn Jahre« nicht vor- gekommen ist, hat die Insel Kiushiu verwüstet. Alle Verbindungen mit der Insel wurden unterbrochen, wes- halb die Nachrichten sehr spärlich sind. Man fürchtet, daß sehr großer Sachschaden angerichtet wurde. Tie Zahl der Toten soll sehr groß sein. Der Taifun bewegte sich in der Richtung auf Korea weiter, das kürzlich durch Ucbcrschwemmungcn heimgesucht wurde. Kiushiu ist die südlichste der großen japanischen Inseln und hat als Hauptstadt den bekannten Hafen Nagasaki. Korea, früher selbständiges Kaiserreich, ist seit 1916 japanische Kolonie aus dem ostasiotischcn Festland. London, IS. Zufi.' Am Freilag wurde der Bezirk Tharrawaddy in der Röhe tvm Rangoou von einem heftigen Erdbeben heimgesucht Zahl- reiche Häuser sind eingestürzt. Die Zahl der loten und verletzten wird vorläufig aus 50 angegeben. Rongoon ist die Hauptstadt von Birma, einem früheren Königreich, das heute Provinz des indobritischen Reiche» in H i n t e r i n d i e n istz 60 Europaflieger am Giari. Lehte Vorbereitungen für den Internationalen Nundflog. Die Besatzungen der zur Teilnahme am Internationalen Bund- flug zugelassenen 60 Maschinen versammelten sich gestern Nachmittag in Staaken und erhielten oom Vizepräsidenten des Aero- Elubs die letzten Erläuterungen über die Streckenführung und die in organisatorischer und technischer Hinsicht einzuhaltenden Vorschriften. Am Abend fand dann im Flugverbandshaus eine B e- g r ü ß u n g aller Bundflugteilnehmer sowie der auständische« Sporlkonunissare und der sonstigen an der Durchführung des Unternehmens beteiligten Personen durch den Aero-Elub von Deutschland statt. Der heutige Sonnabend vormittag wird in Staaken dazu benutzt werden, um die letzten Vorbereitungen an den Flugzeugen zu treffen, bei denen diejenigen Teile, die nach der Aus. schreibung nicht ausgewechselt werden dürfen, plombiert werden, Trotz des augenblicklich in Mitteleuropa herrschend«,, schlechten Wetters sind die meteorologischen Aussichten wenigstens für die ersten Tage des Europa-Rundfluges, also für den west. lichcn Teil der über 7366 Kilometer langen Strecke durchaus nicht ungünstig. An, ersten Flugtog, also am Sonntag, werden sich die Flieger auf der Strecke nach Reims— Calais aus der Rückseite des langsam nach Osten abziehenden Tiefs befinden, werden also mit — allerdings stark böigen— Nordwestwindei,, aber nur mit SJNCIAIRLßWIS ROMAN Die Iwtter erwachte und gähnte.„Er ist ein l'ebens- würdiger und sehr höflicher Mensch, aber ich glaube, Liebling, er ist für dich nicht gesetzt genug. Wenn er nächstens wiederkommt, erinnere mich bitte, daß ich ihm die Photographien deines Vaters zeig«, ich Hab« es ihm versprochen." Da begann Una über das Problem nachzusinnen, das für alle Mädchen der Großstadt wichtig ist-, wo sie mit ihrem Freund zusammenkommen könnte, da die Parkanlagen un- schicklich waren und ihr eigenes Heim so unerträglich lang- weilig für ihn. Ob nun Walter eine Gefahr mar oder nicht, ob sein« Liebe zornig und rot und oft verletzend war oder nicht— Una wußte doch, daß sie ihr mehr bedeutete als die Mutter oder olle Konventionen oder der Ehrgeiz chrer kleinen Stellung. Und mit diesem freudigen Geständnis schlief sie ein, und es begann ein neuer Bürotag— denn stets stellt dos Büro von neuem seine Anforderungen, kaum daß die Freiheit des Abends vorüber istz Siebentes Kapitel. 'I 1. Diese Kinder der Großstadt— in der es keinen Ort gibt, wo man lieben, wo eins das innerste Wesen des anderen er- gründen und erproben kann— mußten miteinander zu den kärglichen Vergnügungen der anspruchsvollen Armen durch- brennen. Walter war in Geldangelegenbeiten ebenso extra- vagant wie in geistigen, ober er hatte viele Schulden, einige Gewissenhaftigkeit und eine Kleinigkeit an Gehaltz Una jedoch ergötzte sich an den bescheidensten Dingen, und ein Risotto war«ine Delikatesse für sie. Er führte sie in ein italienisches Restaurant und zeigte ihr angebliche Künstler. Sie gingen mitsammen auf die Galerie ins Theater zu einem Rührstück, und Una lachte und weinte noch Herzenslust pod hielt während der ganze» Aufführung Walters Hand, Sie nahm ihren ersten„Tee" mit ihm: in Panama kannte man nur„Damcntees". Ball Scheu bewunderte sie seinen neuen Spazierstock und fühlte sich eingeschüchtert durch seine Kennerschaft in dem ihr neuen Zimmt-Toast, mit der er vor ihr glänzte. Die erstep Blumen aus einem richtigen Blumengeschäft — ausgenommen ein Nelkenbukett, das ihr Henry Carson in Panama bei ihrem Abiturium geschickt hatte— kamen von Walter; langstielige Rosen in Seidenpapicr und mit einem Goldschnürchen und Walters Karte. Und vielleicht zum erstenmal sah sie den Frühling wirklich, empfand das helle Licht des Himmels, der Wolken und des frischen Grüns rings um sich als ihr eigen, als sie sich an einem Sonntag, knapp vor dem duftenden ersten Juni, mit Walter von der Mutter fortgestohlen hatte und im Central Park spazierenging. Sie ging auch mit ihm auf Abenteuer aus, und hatte in ganz anständigen griechischen, japanischen und syrischen Restaurants das prickelnde Gefühl, etwas Gefährliches unter- nommcn zu haben. Zu Hause jedoch wartete die Mutter auf sie, und der Erwerb, das Büro, der Schreibtisch, nahmen ihre ganze Kraft in Anspruch. Hätten sie einander weniger häufig gesehen, märe Walter vielleicht eher geneigt gewesen, Träume für wirkliche Küsse gelten zu lassen und hätte sich damit zufrieden gegeben. Aber er sah sie täglich hunderte Male— und doch ging es mit ihrer Liebe nicht vorwärts. Das Nohesein im Büro quälte sie, und Frau Golden hielt sie einander fern. 2. Die Frau, die stets hoch hinausgewollt und müßig ge- wescn war, solange Hauptmann Golden sich für sie geplagt hatte: die getrauert hatte und müßig geblieben war. während Una für sie gedacht und gehandelt hatt«: die immer eine Mischung von Selbstsucht und Liebe gewesen, gewöhnte sich immer mehr und mehr daran, mit der Jugend der Tochter ihre Bequemlichkeit und ihren Konarienvogel zu füttern— ein Tierchen mit schwindsüchtiger Stimme unv unsauberen Gewohnheiten. Frou Golden saß gerne bei einem J3uch und liebte Romane, die von junger Liebe handelten. Sie war sanft wie eine gesättigt« Katze und zart wie ein Tüllschleier, zum Teil aus Veranlagung,' zum Teil, weil sie gelernt hatte, daß sie auf diese Wesse aoz beste» erreichte, was sie wünschte, Sie hatte für Una eine ebenso bewundernde Anhänglichkeit wie früher für Hauptmann Golden: und sie lenkte den neuen Herrn des Hauses genau so wie den früheren. Vergnügt lauschte sie allen Anordnungen, war einfach entzückt von Vorschlägen, daß sie etwas tun solle, und vergaß dann alles höchst anmutig. Frau Golden war«ine Meisterin anmutigen Vergesiens. An Dinge, die sie nicht tun wollte, erinnerte sie sich höchst selten zur rechten Zeit. Es war keine Ausrede; sie vergaß wirklich und gründlich. Una, die jeden Morgen ins Büro hastete und stets vev- zweifelte Anstrengungen machte, um nicht zu spät zu kom- men, mußte sich täglich damit aufhalten, eine Liste der Dinge aufzuschreiben, die ihre Mutter tun sollte. Denn sonst— im Banne der Magazinsgeschichten, die sie stets vergaß und ahnungslos immer wieder las— hätte Frau Golden ver- gessen, einkaufen zu gehen, die Kartoffeln zum Kochen zuzu» stellen, das Badezimmer aufzuräumen... Und oft brachte sie es noch fertig, Unas Zettel zu verlieren, den sie dann mit zitternden Lippen, doch mit geringer Ausdauer, suchte. Kam Una stumpf und müde von des Tages Plackerei heim, fand sie das herzlichste Willkommen— und die Arbeit ungetan; kein Gemüse war fürs Abendessen, kein frisches Borwasser war für ihre schmerzenden Augen vorbereitet. War Una zerstreut, hatte sie das Verlangen, allein zu sein, um sich ein wenig zu sammeln, dann pflegte Frau Golden zu seufzen:„Sag', Liebling, Hab ich dich mit irgend- was geärgert? In jedem Fall, ob Una nun schweigsam oder ärgerlich war, die Mutter brachte es zuwege, gekränkt, doch tapfer zu sein: rührend und betrübt, doch niemals soweit un- beherrscht, daß sie den Tränen freien Lauf gelassen hätte. Und Una mußte sich dann küssen und streicheln lassen, ehe sie entwischen und das Abendessen bereiten konnte. Nach dem Essen war Frau Golden stets bereit, alles zu tun, was Una wollte— Karten zu spielen, oder vorzulesen, oder spazierenzugehen— nicht sehr weit: sie war ja so zart, wie jedermann wußte, aber ein hübscher kleiner Spaziergang mit ihrer lieben, kleinen Tochter... Um solcher Unter- Haltung willen war sie gerne bereit, ihre eigenen abendlichen Lieblingsbeschäftigungen aufzugeben, wie Patiencelegen, Lesen und hübsche kleine Spaziergänge... Aber sie wollte nicht, baß Una ausging und sie allein ließ, auch nicht, daß böse, böse Männer wie Wolter sie ins Theater führten, als wollten sie ihr ihre liebe Tochter stehlen,(Forts, folgt.) vereinzelten Regenschauern zu rechnen haben. Weiter nach Westen zu werden sie dann jedoch in den Bereich des im Vordringen aus Mitteleuropa tesindlichen Azoren-Hochs gelangen, das ihnen gutes Flugwetter in Aussicht stellt. Von besonderer Wich- tigteit wird die Wetterfrage bei der zweimaligen Kanalüberquerung sein, und es ist möglich, daß bisher bei Nebelbildung diejenigen Piloten im Vorteil sein werden, die im Blindflug erprobt sind. Der am Europa-Rundflug gleichfalls teilnehmende bekannt« Luschanfa- Kapitän Polte, der ja im letzten Winter den Blindfliegekursus leitete, hat sich' in sein« BFW.-Maschine eine ganz« Blindfliege- Apparatur einbauen lassen, um auch dem schlechtesten Flugwetter und vor allem dem englischen Nebel Trotz zu bieten. Berlin unter Wasser. Ueberflutungen durch den Regen in allen Stadtteilen. Der außerordentlich heftige Regen, der seit Freitag mittag mit unverminderter Stärke andauert, hat in allen Stadtvierteln Berlin, große Heb e.rschwemmungen hervorgerufen. Besonder, liesliegende Straßenzüge wurden, da die Gully, die ge- wältigen Wassermengen nicht mehr aufzunehmen vermochten, völlig überflutet. Zahlreiche Keller wurden überschwemmt. Bei der Berliner Feuerwehr Nefen von Zl Uhr ab unaufhörlich Hilferufe ein. Knapp zwei Stunden später wurde bei der Feuerwehr, was nur ganz selten der Fall ist. der Ausnahmezustand verhängt. Reben vielen Alarmen über Wasserschäden wurde auch mehr- fach Hilfe wegen angeblich drohender Einsturzgefahr von Wohnhäusern angefordert. Wie au, den nach Witter- nacht einlaufenden Weldungen hervorgeht, nimmt die Situation an einigen Stelleu recht bedrohliche Formen an. Hakenkreuzler als Postaushelfer. Krach auf Postamt SW 6S.—„Ihr Marxistenhunde kommt alle ran!" lleber einen empörenden Vorfall im Betriebe des Post- a m t s S W. 6 S wird uns folgendes berichtet: - In den gestrigen Nachmittagsstunden kam e» in der Brief- abfertigung des Postamts SW. 68, L i n d e n st r a ß e, zu einem Zusammenstoß zwischen dem'Betriebsrat Hans R. und dem national- sozialistischen Postaushelfer Willi U t k e. litte, der osfenbar angetrunken war, drang ohne jeden Grund auf R. mit den Worten ein: „Du bist der Strolch, der uns verraten hat." R. meldete diesen Worfall sofort dem Vorsteher. Als R. nach der Meldung zurückkam, schlug Utk«, der übrigens im Bezirk Kreuzberg bei allen Schlägereien zu finden und im„Sturm 26" der Nationalsozialisten tätig ist, R. abermals mit der Faust ins Gesicht. Andere Kollegen, die sich be- mühten, Ruhe zu schaffen, wurden von Utk« tätlich beleidigt. Plötz- lich rief Utk«„S. A. heran!", worauf die nationalsozialisti- schen Studenten, die hier ebenfalls als Aushelfer tätig sind, herbeieillen und alle Umstehenden zurückdrängten. Der in- zwischen erschienene Aufsichtebeamte verfügte die sofortige Eni- l a s s u ng des renitenten Hakenkreuzlers. Noch beim Derlasien des Postgebäudes drohte Utke einem Kastenleerer mit den Worten: mit den Worten: ,Lhr Marxisten kommt alle ranl" Leider war es uns. wegen vorgerückter Stunde gestern abend picht mehr möglich, den Vorfall genau nachzuprüfen. * Vor einiger Zeit wurde an dieser Stelle wiederholt über nationalsozialistische Umtriebe unter der Beamtenschaft auf mehreren Berliner Postämtern berichtet. Der Reichspostmimstcr hat die Vor- gänge zum Anlaß genommen, eine Verfügung herauszugeben, in der es u. a. heißt, daß die Zugehörigkeit zu einer staatsfeindlichen Organisation mit den Aufgaben eines im Dienst« der Republik stehenden Beamten nicht oerein- bar ist. Gleichzeitig ergeht in demselben Erlaß an die leitende". Dienststellen die Aufforderung, über etwaige weiter« Vorkommnitzr dieser Art sofort an das Ministerium Bericht zu erstatlen. Mängel, die der Abhilfe bedürfen. Es ist für den Arbeitsmenschen der Großstadt eine körperliche Qual, müde und abgespannt im stickigen Raum des ge- fchlossencn Autobus seine Fahrt zurücklegen zu müssen. Während im unteren Teil des Wagens die winzigen Luftklappen in Verbindung mit«in oder zwei halbgeöffneten Fenstern gänzlich unzureichende Luftzufuhr bieten, hält im oberen Rauchsrabteil die niedrig« Decke den Tobaksqualm fcsh so daß die gänzlich ver- brauchte Luft sich ebenfalls sehr unangenehm bemerkbar macht. Soll es denn nicht möglich sein, Schiebedächer, wie sie in Badeanstalten, Dachgärten Usw. Verwendung finden, einzubauen? Wann endlich werden die öffentlichen Fernsprech- gellen in den belebten Straßenzügen auch nach Gefchäftsschluß geöffnet sein? In dieser Zeit bedarf nuxn ihrer doch besonders, da nicht jeder Lust und Geld hat, eines Telephongespräches wegen ins Easö oder Restaurant zu gehen! Werden wir es noch erleben, daß sich das Fernsprechamt dem allgemein gülligen Modus der U l t i m o- A b r e chnun g an- paßt? Es ist eine Zumutung an das Publikum, dem Teilnehmer die mit einem siebentägigen Ultimatum versehene Rechnung zu einem nach eigenem Belieben gewählten Termin zuzustellen! Man schreibt uns: Im Restaurant Bayernhof, Potsdamer Straße, kommt es manchmal zu arg provo- zierenden politischen Anrempelungen. Anhänger der natiolsozia- listischen Richtung, in recht feuckst-fröhlicher Laune, geben der Musik- kapclle ihre Spezialwllnsche in Form bestimmter Lieder, die sie dann mit einem wahren Indianergeheul der Begeisterung mitgrölen. Es findet sich weder Wirt nach Geschäftsführer, der ihrem Treiben Einhalt gebietet. Es ist nur allzu verständlich, daß politisch Andersgesinnt« die gewellte Provokation deutlich heraus- hören und, je nach Temperament, mit der Gegenpartei aneinander- geraten. Wenn die Geschäftsleitung jedoch nur Hakenkreuzler-Gäste wünschen, dann werden eben republikanisch Gesinnte daraus ihr« Konsequenzen ziehen und in Zukunft das Lokal zu meiden wissen. Die Sache ist sehr einfach, da es ja Kofi« und Bier auch anderswo zu kaufen gibt. Die Biererzeugung ist im Rechnungsjahr 1329(April 1329 bis März 1933) um weitere 3 Millionen Hektoliter ge- stiegen und belief sich auf 58363 333 Hektoliter. Noch 3 Mit- lionen Hektoliter und wir haben den imponierenden Stand des letzten Borkriegsjahres erreicht. Die Goldeue Hochzell begeht beute das Ehepaar Karl Rochlitz, Lichtenberg, Iungstr.L. Rochlitz war ein rühriger Mitarbeiter unter dem Sozialisten gejetz und ist seit Jahren treuer Leser deZ»Vorwärts». Sef&hFliche Fvauen. Fiivstßn&liiwibige als Cpfci? emez? Mochsia&levm. Die Frau auf der Anklagebank des Schöffengerichts Berlin- Mitte zähll 53 Jahre. Die Anklageschrift nennt sie hochgebildet uns künstlerisch veranlagt. Sie stammt aus Oesterreich, ihr Mann war Professor der Chirurgie. Sie ließ sich von ihm scheiden; er ist schon lange tot. Die Angeklagte führt als Schriftstellerin den Pseudonym Ellen Karin. Die Frau hat ein abenteuerreiches Leben hinter sich. Jedes Wort ihrer Erzählung auf die Goldwaage zu legen, wäre jedoch nicht ratsam. Glaubt man ihr— was allerdings nicht ganz leicht fällt—, so war sie 1913 in London mit dem Fürsten Egon Wittgenstein verheiratet. Er verließ sie, ging nach Jnaien, die Ehe wurde geschieden. 1923 verlobte sie sich angeblich mit einem persischen Prinzen Kasim. Das Verlöbnis wurde ausgehoben. Da sie nun auf richtigem Weg« keinen Prinzen bekommen konnte, macht« sie sich selb st zur Braut eines Fürsten— zur Verlobten des„Fürsten" von Isenburg. Dadurch gewann»sie an Wert und die Werte flössen ihr nur so zu. Ihr Abstieg begann bereits in der Inflationszeit: in München erhielt sie ein Jahr Ge- f ä n g n i s; die zweite Strafe betrug zwei Monate. In Berlin fing sie es so an: In einem Blatte erschien ein Inserat. Für ein Gut werde ein Inspektor,«in Verwalter, ein Sekretär,«in Landmesser usw. gesucht. Ein Bruder aus dem Internationalen Reologenordens los das Inserat, schickte den Großmeister zur In- serentin— es war die Braut des Fürsten von Isenburg. Das Gut Blankenfelde in der Nähe von Berlin sei ihr vom Verlobten als Morgengabe bestimmt, es mußte neu eingerichtet werden. Sie befinde sich aber im Augenblick in bedrängten Ver- Hältnissen. Und der Gro'ßmeister gab als„Tatchrist", wie er sich be- zeichnete, 3333 M. Dann meldete sich ein Gutsbesitzer: er sollte Gutsverwalter werden, gegen eine Entlohnung von 53 333 M. das Gut einrichten. Die Braut des Fürsten weihte den Gutsbesitzer in ihre Pläne ein. Sie habe vor, eine Filmgesellschaft zu gründen, es sei ober peinlich, den Fürsten um Geld anzugehen. Ein Angestellter habe sie betrogen. Der Gutsbesitzer lieh 13333 M. Man fuhr zu nächtlicher Zeit in den Grunewald und sahen sich hier von außen die Villa des Fürsten Isenburg an. In Wirklichkeit war es die Mlla eines Warenhausbesitzers.„Weshalb fuhr sie nicht am Tage?" fragte der Vorsitzende.„Da hätte vielleicht Frau Wertheim aus dem Fenster blicken können", erwidert« der Guts- besitze?. Natürlich hatte die zukünftig« Fürstin nicht die geringste Absicht, ihr« Mitmenschen zu betrügen.„Sie haben zwei Offen- barungseide geleistet", hielt ihr der Vorsitzende vor.„Es wird wohl mehr Leute in Deutschland geben, die das gleiche getan haben", erwiderte sie schlagfertig. Der Gesamtbetrag der erschwindelten Gelder machte 23 333 M. Die Angeklagte erhiell wegen Hochstapelei fünf Monate Ge� f ä n g n i s... Es gibt noch mehr Fürstentitel m Deutschland. Und noch viel mehr fiirstenglaubige Bürgerl Madonna auf der Anklagebank. Für den Geliebten ins Gefängnis. Niemand würde es der sympathischen jungen Dame mit dem Madonnengesicht und Madonnenscheitel ansehen, daß sie eine vor- bestrafte Diebin ist. Dreimal schon mußte sie das Verbrechen des Diebstahls verantworten und dreimal wanderte sie ins Gefängnis. Dieser Tage stand sie vor dem Schöffengericht Berlin-Schöne- berg, angeklagt wegen Urkundenfälschung und Be- t r u g e s in mehreren Fällen. Sie betrog Geschäftsleute, Pensionsinhaber, Wirte in unzähligen Fällen. Als Frau v. Mafsow pflegt« sie sich in den Pensionen, in denen sie mit dem Gehaben einer grande Dame abstieg, einzutragen. Sehr bald wußte sie durch einschmeichelndes und kultiviertes Benehmen das Vertrauen der Pensionsinhaber zu gewinnen. Sie erzählte von Erbschaften, die sie zu bekommen hatte, von Revenuen, die aus- ständig wären, von Beziehungen usw., blieb„selbstverständlich" alle Zechen schuldig und verschwand unter Mitnahme aller verwert- baren Gegenstände, die sie erhaschen konnte. Bei Juwelieren kaufte sie Brillantringe auf Raten, verkaufte sie dann, ohne je eine Rate bezahlt zu haben. Bei ihren Betrügereien bediente sie sich des Namens ihres Verlobten, Fritzoni. Vorsitzeuder: Wo haben Sie denn alles Geld hingctan? Angeklagte: Ich hätte noch viel mehr brauchen können, weil ich es meinem Geliebten zustecken wollte. Die Angeklagte schildert ihren Lebenslauf. Ihr Vater war Großkaufmann und sie, die in Wirklichkeit Winkel heißt, hat eine Mitgist von 533 333 Mark mitbekommen. Ihr Mann sei jedoch ein Spieler gewesen und habe sie um das ganze Vermögen gebracht. Nach der Scheidung habe sie sich in eitvn Mann, den sie nicht nennt, verliebt und um seinetwillen alle Verbrechen begangen. In seinem Plädoyer führte der Staatsanwalt aus, daß die Angeklagt« von einer verbrecherischen Energie beherrscht ist und daß man bei allem Wollen ihr nur � die leidenschaftliche Liebe zu ihrem Freund zugute halten kann. Er beantragte für die Angeklagte zehn Monate Gefängnis. Angeklagte(weinend): Ich kann ja nichts jagen,„ich Hab' es ja nicht für mich getan". Der Gerichtshof ver- urteilte die Angeklagte wegen schwerer Urkundenfälschung in Tat- einhest mit Betrug in mehreren Fällen zu acht Monaten und zwei Wochen Gefängnis, wobei der unheilvolle Einfluß des Geliebten als mildernd, die mehrfachen Vorstrafen als erfchwe- rend angenommen wurden.'. Gelbstverwaltung/ Hausfriedensbruch Kommunistischer Bezirksverordneter unter Anklage. Das Erweiterte S chv.f.fie n ge ri ch t Neukölln hat sich augenblicklich /.mit der Frage zu beschäftigen/ ob ein Bezirksoer- ordneter ohne � besonderen■ Austragt öffentliche Einrichtungen der Stadt besuchen darf, und wie weit dabei gegen ihn das Hausrecht Anwendung findet. Von Erwerbslosen waren dem kommunistffchen Bezirksver- ordneten Martin Weife Beschwerden über angebliche Miß- stände in dem städtischen Tagesheim in der Thomasstraße unter- breitet worden/ Weise, der gleichzeitig Mitglied der Wohlfahrt?- deputation des Bezirksamtes Neukölln ist, suchte den Leiter des Heimes zu„einer Aussprache zu bewegen. Dieser lehnte das ober mit der Bemerkung ab, daß er mit dem kommunistischen Bezirks- verordneten nichts zu tun habe. Er wies den kommunistischen Bezirksverordneten außerdem aus dem Tagesheim. Weise kam aber dieser Aufforderung nicht nach, sondern hielt on die dort ver- sammelten Erwerbslosen eine Rede. Dieses Verhalten führte den Bezirksoerordneten wegen Hausfriedensbruches auf die Anklagebank. In der gestrigen Verhandlung, die schließlich ver- tagt wurde, bezeichnete der Angeklagte die Anzeige als ein Mittel, dem Selbfloerwaltungsrecht den Garaus zu machen. Der Staats- anwalt vertrat dagegen die Meinung, daß auch ein Bezirksver- ordneter dem Hausrecht unterstehe. Nur die Bezirksver- sammlung als Körperschaft oder deren offizielle Beauftragte könnten das Recht für sich in Anspruch nehmen, das fich Weise eigen- mächtig angemaßt habe. Di« Verhandlung wurde schließlich ver- tagt, da das Gericht Sachverständige über diese Frage der Selbst- Verwaltung hören will._ Dachstuhlbrand am Ostbahnhof. Im D a ch st u h l des Hauses amOstbahnhoftz brach gestern abend aus noch unbekannter Ursache Feuer aus, das an Boden- gerümpel reiche Nahrung fand und schnell um sich griff. Mehrere Löschzüge der Feuerwehr hatten mit der Bekämpfung des Brandes längere Zeit zu tun. Nestfalkenlager Munster. Die Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde teilt mit: Alle Kinder aus dem Westfalenlager Munster treffen heute nach- mittag 14,36 aus dem Lehrter Bahnhof«in und sind dort abzuholen. Sommerfeft in der„Freien Scholle" Tegel! Wie alljährlich, so veranstaltet auch am Sonntag, dem 2 3. Juli 1 9 33 die Baugenossenschaft„Freie Scholle" das zur Tradition gewordene Sommerjeft. Mehrere Vereine der Scholle, Musikkapellen, Onkel Pelle, u. a. sorgen für Unterhaltung auf dem großen Festplatz an der Hermsdorser«trotze. Ferner Musik, Gesang, Wanderzirkus und Tanz.— Eintritt 33 Pf.— Zllle Genossenschaftler Partei- und Gewerdschastsgenossen sind herzlichst willkommen. Stahlhelm und Justiz. In der Abendausgab« Nr. 296 brachte der„Vorwärts" einen Bericht über eine Be ru j u ng s v e rh a ndlu n g gegen den Bäcker K., der wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt vom Amtsgericht Charlottenburg zu 53 M. Geldstrafe verurteilt worden war. Irrtümlicherweise nahmen wir an, daß auch die Staatsanwalt- schast— wie es ja eigentlich anders nicht zu erwarten gewesen sein sollte—, gegen dieses groteske Urteil Berufung eingelegt hatte. Wir rügten deshalb, daß die Kleine Strafkammer, unter dem Vorsitz des Londgerichtsdirsktörs Siegmann, zum gleichen Ergebnis gekommen war, wie die erste Instanz. Die Iu st izpresse stell« bittet um eine dahingehende Berichtigung, daß die«taatsonwaltschast gegen dos Urteil erster Instanz keine Berufung«ingelegt hatte, daß also eine Abänderung des erstinstanzlichen Urteils zugunsten des Angeklagten unmöglich mar. Es muß Befremden erregen, daß es die.Staatsanwaltschaft in diesem Falle nicht für notwendig gehalten hat, gegen das unbegreif- liche Urteil des Amtsgerichts Charlottenburg, Berufung einzulegen. Um so mehr, als der«tahlhelmmann, der feine Kameraden gegen die Pokizsibeamten aufgehetzt und sich an ihnen tätlich vergriffen hatte, sich selbst mit der unephört milden.. Strafe nicht zufrieden ggbeg wollte. v.....;...■,,••• Explosion auf französischem Dampfer. Zwei Personen getötet, sieben verletzt. Marseille. 18. Juli. Gestern nachmittag ereignete sich auf dem französischen P a| sa- gierdampfer»Sphinx", der mit Bestimmung nach dem Fernen Osten ausgelaufen war, im Maschinenraum eine Explosion, worauf der Dampfer in den Hafen zurückkehren mußte. Bei der Explosion wurden zwei Personen getötet und sieben verletzt. Unter den Verletzten befindet sich«in Europäer, die anderen sind Annamiten und Chinesen. Grenzbahnhof Reu-Benischen. Die neue Llebergangsstation nach polen und Ostpreußen. Der durch die neue Grenzziehung im Osten notwendig ge- wordene Bau des Grenzdahnhofes Neu-Bentschen ist jetzt soweit fertiggestellt, daß am 14. August die Inbetrieb- nähme der gesamten Anlag« erfolgen kann. Bisher war die Station nur für den Güterverkehr geöffnet. An dem genannten Tage wird sie auch für den Personen-, Gepäck, und Expretzgutverkehr in Neu-Bentschen eröffnet. Die Strecken Berti n— S t e nt s ch, Hall e— K ottbu s— B o m st und Landsber g— M e se r i tz— Stent sch, die früher auf polnischem Gebiet zusammenliefen, werden nunmehr auf deutschem Gebiet in Neu- Bentschen vereinigt. Die Bahnhöfe Stenffch und Bomlt sind daher nicht mehr Grenzübergangsbahnhöfe nach Ostpreußen und Polen. Zeppelin nach zweiter Nordlandfahrt gelandet. Das Luftschiff„Graf Zeppelin" ist nach seiner Nordland. reise, die es bei dem Rllckflug über Island, England, Frankreich und die Schweiz nach dem Bodensee sührte, um 19.53 Uhr nach 61stündiger Fahrt in Friedrichshafen glatt gelanget. Rheinische Besreiungsseiern im Rundfunk. Am Sonntag, dem 23. Juli, überträgt die Deutsche Welle in der Zeit von 11.15 Uhr ad den Festakt aus der Stadthalle Mainz anläßlich der Anwesenheit des Reichspräsidenten: am Dienstag, dem 22. Juli, in der Zeit von 11.45 bis 13.23 Uhr findet die Uebertragung der ___ c.: 6> f***-»..~s.___ x;., TO*. auch der Reichspräsident das Wort ergreifen wird Deutscher Stenographentag Berlin 1930. Zu der Tagung des Deutschen Stenographenbundes(Bund für Einhettskurzschrifti, die Anfang August in Berlin statfindet und die die größte Steno- grophenversammlung der Well sein wird, haben Staat und Wirt- schast bereits ihre Teilnahme zugesagt.« Der Reichspräsident hat «inen Ehrenpreis zur Dersügung gestellt. Das Berhandlungs- programm wird die große Bedeutung der Kurzschrift aus allen Gebieten des Schreiboerkehrs zum Ausdruck bringen. Die Festrede hast Staatssekretär a. D. Heinrich Schulz, der während seiner Amtszeit im Reichsmnenministerium mit besonderer Energie für die Schassung der Deutschen Einheitskurzschrist gewirkt hat. dcOT Das ideafe tSl AbfühfrKoafekt Internationales Verbrechertum 255 Auslieferungsersuchen in einem Jahre. Das verbrecherlum ist inlernational. Wenn der Slraf- söllige irgendwo eine kriminelle Handlung begangen hat. sucht er das Weile; wenn er kann, flüchtet er nach dem Aus- l a n d. Das zeigt die Kriminalstatistik des Deutschen Reiches vcm lehlen Zohrc, die vom 1. Zuli 1928 bis zum 30. 3uni 1929 geführt wurde. Die großen Verbrecher sind untereinander durch viele geheime Fäden verbunden, die zumeist in den Hauptstädten Europas und des übrigen Auslandes liegen. Wie sollen die einzelnen Kriminalbehörden der Gesetzesbrecher habhast werden, die trotz steckbrieflicher Verfolgung über die Grenze i n s Ausland entkommen sind? Hat man durch die intcr- nationale Zusammenarbeit der Polizeibehörden den Verbrecher ent- deckt und festnehmen lassen, wird ein Auslieferungsoer- fahren notwendig, das durch die diplomatische Vertretung des ersuchenden Landes beim beglaubigenden Staat, in dem der Misse- täter verhaftet wurde, geführt werden muß. Im Laufe des Berichts- jahres wurden durch Deutschland nicht weniger als 2SS Ersuche zur Auslieferung gestellt. Es überwiegen in der Statistik dieser Gesuche die europäischen Nachbarstaaten Deutschlands, also O e st e r- reich, die Schweiz, Tschechoslowakei, Nieder- lande, Belgien und Frankreich. In allgemeiner Er- innerung ist noch das Auslicserungsoerlangen an Frankreich wegen des Versicherungsmordes Tetzner-Leipzig. Der Mörder war nach Straßburg geflohen, dem deutschen Ersuchen um Auslieferung wurde von der französischen Republik unverzüglich stattgegeben. Auch an überseeische Staaten wurden Auslieferungsgesuche gerichtet. Hier haben Argentinien und Brasilien die Führung. Die strafbaren Handlungen, die zur Rechtfertigung des Auslieferungsbegehren angeführt wurden, umfaßten Mord und Totschlag, Raub, einfachen und schweren Diebstahl, Unterschlagung, Urkundenfälschung, betrügerischen Bankerott, Betrug, Hehlerei, Erpressung und andere Delikte. Die Aus- lieferung beruht auf Gegenseitigkeitsverträgen zwischen den einzelnen Staaten. Es kann kein Beschuldigter wegen eines Verbrechens ausgeliefert werden, das im Aufenthaltsstaate nicht strafbor ist. Bei politischen Verbrechen ersolgt in demokratisch regierten Kulturstaaten keine Auslieferung, wenn nicht gleichzeitig das politische Verbrechen mit gemeinen kriminellen Handlungen verbunden ist. Dies ist selbst- verständlich auch in der Verfassung der deutschen Republik verankert. Während Deutschland ans Ausland 255 Gesuche um Auslieferung erließ, erhielt es in der gleichen Zeit 263 Gesuche, von denen aus Oesterreich allein 84 und aus der Tschechoslowakei 57 kamen. Man sieht aus der Aufstellung, daß nur durch gegen- seitige Unter st ützung der Behörden in einzelnen Ländern eine erfolgversprechende Zusammenarbeit im Kampf gegen das Verbrechertum möglich ist. Allgemeine Wetterlage. An der Südseite des über der Nordsee befindlichen Depressions- gebiets hat sich eine Teilstörung gebildet, die am Freitag abend die Tschechoslowakei und Schlesien überoeckt. Auf ihrer Nordostseite sind warme suptropische Lustmassen bis nach Schlesien gelangt, wo die Temperaturen lns über 30 Grad steigen konnten. In der südweft- liehen Hälfte des Reichs herrschten kühle ozeanische Luftmassen. Im Grenzgebiete zwischen den beiden verschiedenen Lustkörpern regnet es teilweise erheblich. Die Störung scheint nach Osten abzuwandern; da sich aber immer noch einzelne Störungen bilden dürsten, wird das Wetter veränderlich bleiben. � weller für Berlin: Weiterhin unbeständig und etwas kühler mit wiederholten Regenfällen.— Für Deulschland: Im Osten bei wenig veränderten Temperaturen vorwiegend trübe und regnerisch. Im Westen unbeständig, vielfach Schauer, ziemlich kühl. T sürGroß-Berlin stet, an da, B«,irl»leke»tartat 2. Hos, 2 Treppen recht», zu richte«. Partemachrichten Einsendungen sä- diese Rubrik find «» r l i««»68. Liadenstra«- 3, Voranzeige. Dienstag, den 22. Juli, 19« Uhr. findet im Saalban Friedrichshain eine allgemeine Funktionärversammlung statt. Thema:„Die gegenwärtige politische Lage und die Auslösung des A-ichstags." Eine weitere Jnanspruch. nähme der Funktionäre an diesem Abend ist tunlichst ,u vermeiden. Der Bezirksvorstand. » tZ.«Mi, T-mp-lhof. Di- Kartrn vom Karlellsvortf-st mUsscn om Jonnabend, im 19. Juli, in der fi-it von 1« bis 20 Uhr. beim«benosscn Paul SVmS rtfl), Tempclhof, Wrrderstr. 10, Ausgang III, 3 Treppen, abgerechnet werden. heule, Sonnabend, 19. Juli. Übt. Bezirkchvhver. glus»ettel sosort abholen vom Genvisen Rotzoll, � Cdom«r Str. u. 125. Abt. Deifiensee. Me sZunktionäre werten gebeten, die TinTagkarten zum Sommerfeft am Sonntag abzurechnen. Die Bildungskommisfion trifft sich Sonntag. 9 Uhr. im Schloß Wcißcnsce. Jungsozialisien. Gruppe Reiuickcndors. Morgen, Sonntag, 20. Juli. SVohrt nach Meißner». bof. Wir fahren mit dem Zuge 6.53 Uhr ab Reinilkendorf bis Hennigsdorf. Teilnehmer aus den anderen Orten steigen dort ein. Tcmpelhos-Maricndor.s. Morgen. Sonntag. Fahrt nach dem Oder-Spree. Kanal. Treffpunkt öle Uhr Dahnhos Tcmpelhof. Kruppe Moabit. Sonntag Fahrt. Dir treffen uns um 8 Uhr am Bahn- Hof Putlißstroße. an der Uhr. mit Fahrtarte nach Oranienburg. Kruppe Fricdrtchshain. Morgen. Sonntag, Uhr, Treffpunkt am Schle» fischen Dahnhof, ssruchtstroßr, gegenüber der Post tOIrx-Häuschen), zur Fahrt nach Sangclsbcrg iMax-See). Pünktlich sein. Gruppe Reutölln. Heute, Sonnabend. Paddelfahrt nach Tenpiß— Kroß- Köris lIugenbhrrberge iilrin-Körio). Abfahrt 1« Uhr Eorlißer Bahnhof. Geburiskage. Jubiläen usw. 117. Abt. Lichtenberg. Dem Genossen«orl Matuschewski zu seinem 60. S«. burtstxge die herzlichsten Glückmünsch«. Berlin übertrug am Abend ein Konzert vom Musiksest der Internationalen Gesellschaft für iwue Musik, Sektion Deutschland, aus Bad Pyrmont. Der Deutschlandjender übernahm einen Wagner abend aus Norderney. Die Uebertragungen beider Veranstaltungen schienen unter Witterungsstörungen zu leiden.— Das„Interview der Woche" führte den Vorsitzenden der amerikanischen Steuben-Gesellschast. Theodor Hossmann, vor das Mikrophon. Man erfuhr, daß diese jetzt zehn Jahre bestehende Gesell- schaft es sich als Hauptaufgabe gestellt hat, die kulturellen und politischen Rechte der Deutsch-Amerikaner in ihrer neuen Heimat zu wahren. Im übrigen sorgte der Interviewer dasür, daß_ die Unterhaltung über einige von allgemeinem Pachoz erfüllte Sätze nicht hinauskam. Daß der ehemalige preußische Offizier Friedrich Wilhelm von Steuden den amerikanischen Freiheitskampf organisierte als Träger der von der revolutionären Gärung Frankreichs aus- gehenden bürgerlich-demokratsschen Ideen, wurde den Funkhör�rn nicht verraten.— In der Jugendstunde gab Prof. Dr. Hans Reichen. bach sehr anschaulich und anregend eine Einführung in praktisch angewandt« Geologie; leider ein wenig spät sür diese Ferienreise.— In Vertretung für den Funkintendanten Flesch— wie betont wurde, erst im letzten Augenblick für diesen«ingesprungen— gab Alfred Braun die Vorschau über das Programm der nächsten Woche. Der Bericht mußte naturgemäß etwas unvollständiger als sonst aus- fallen; aber selten wurde die Gefahr einer langweiligen Auszählung so gut vermieden wie diesmal. Tes. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verliu ainfenbunaen für diese CRubrif nur aa das Zug-ndselrrlariat, Den in 623 68. Tindenftraie 3 ..Baldur".Fahrk nach Ketzin an der Havel am 26. und 27. Juli. TeilnchmergebL'hr 3 M. einschließlich 2 mal Kaffee, Tee oder Kakao, Mittagessen. Uebernachtung und Dampferfahrt. Abfahrt am Sonn- abend, dem 26. Juli. l8 Uhr, ab Spandau. Teilnelzmertarten sind noch im Iugenösclretariat erhältlich. heule, Sonnabend, 19. Juli. Luisenstodt: Heim Dasseriorstr. 9. 20 Uhr Lichibilder:„Etwas vom Sport »nd irr Kiirperpsleoe".— D-iß! Fahrt nach Drirselanji. Treffpunkt 18 Uhr Zahn- Ecke Rudower Straße.— Reulölln I: Fahrt nach Brieselang. Treff, nunkt 19Vi Uhr Reuterplaß. Nachzügler 20 Uhr Bahnhof Neukölln.— Neu. lölln IV und IX: Fahrt nach Brieselang. Treffpunkt 17 Uhr Bahnhaf Ncu» kblln. Nachzüglrr 20 Uhr cbendort. Wcrbrbrzirk Neukölln: Wochenendkursus in Brieselang. Thema:„Das Steuer- und Zollprogramm der Regierung". Tagespolitik. Nesercnt: Ernst Nölting. Alle Gruppen müssen bis 22 Uhr in der Jugendherberge sein. Schlaf- sackzwang. Nachzüaler 90 Uhr Bahnhof Neukölln. Werbebezirk Lichtenberg: Beteiligung an der üO.Zghr.Feier der SPD. Hoppegarten-Reuenhagen� Treffpunkt 20 Uhr Bahnhof Hoppegarten. » Neukölln Vlll: Morgen Fahrt. Treffpunkt 6W. Uhr Weichsel- Ecke Kaiser- Friedrich-Straße. Lautwih. Morgen Waldfest in Machnow. Treffpunkt IZln Uhr an der Machnower Schleuse.— Südwesten: Morgen Fahrt nach Rüdrr-dorf. Treffpunkt 6>ch Uhr BcUe-Alliancr-Plaß. 60 Pf. Fahrgeld. Vorträge,VereineundVersammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold-. Keschiiktsstelle: Berlin 6. 14, Sebastianstr. 37—88, Lok 2. Tr. Sonnabend, 39. Juli,«reuzberg(Zug 8).. Die für Sonnabend, 19. Juli, und Sonntag. 20. Juli, geplante Fahrt fallt aus.— Sonntag, 20. Juli. Prenzlauer Berg iZungbanner). Um l2>i, Uhr Anireten Bahnhof Prenzlauer Allee. Führt nach Röntgental(Zugendfahrschein). Lichten- terg(Ortivercin). Antreten S% Uhr Bahnhof Friedrichsfelde-Ost mit Tain. bourkorps und Fahnen zur Autofahrt nach Königsberg in der Neumark. Ab. fahrt pünktlich 6 Uhr. Alle aktiven Kameraben beteiligen fich restlos an dieser Pfiichtveranstaltuna des Kreises Osten. Pankow lOrtsverein). Um 13 Uhr An- treten Bahnhof Pankow-Schönhaufen. Fahrt nach Röntgental. Pflichtveran- staltung. Kreis Osten. Auiofahrt nach Kössigsberg. Trrifvunkt der Ortsvereine 8 Uhr Freirnwalde an der Oder. Reukölln-Priß. Pflichlantreten nack) Schöne» felb 13 Uhr Endhaitestelle der Straßenbahn in Rudow.— Montag, 21. Juli, 2. Kamcradschaft. Versammlung bei Echabeiko, Weichielstr. 5. 3. Kameradschaft. 8ug Ebert. Versammlung bei Hinhgen, Thomasstr. 31. Im Rose. Thea der wird„Die andere Seite" von R. E. Sberiff in der Premierrnbefeßung nur noch bis Sonnlag. 20. Juli, gegeben. Am Montag, dem 21. Zuli, findet im Znnenthcater die Premiere der vollständig neuem» studierten Komödie..Flachsmann als Erzieher" von Otto Ernst stott. Auf der Gartenbühne bleibt nach wie vor die criolgreiche Kostümopercite„Perliedie Leute" von Kitnneke auf dem Spielplan. Borher da» große Voricteprogromm. �Vcik sagt 6 er 25ärjj, m ''/vi Von Jahr zu Jahr wächst die Begeisterung für unsere märkischen Seen. Hochbepackt geht es hinaus, 2elte werden o u fgesch lagen, fröhliches Lagepieben beginnt, und wer den Tag restlos genießen will, greift zu dosetti Juno Berlins meistgerauchter Cigarette Berlichingens Heimai. Gibt es ismanb, der M ü ck m ii h l kennt?— Im schönsten Wiesengrunde, zwischen lichten Waldhöhen ein winziges blankes Städtle. Alt-Nurnberg in Kleinformat. Jagst und Seckach fließen hier zusammen, und die schmalen Usergassen mit den ineinander ge- butzelten Giebeln und Firsten, blühenden Görtchen, kleinen Häsen und Winkeln sind unverfälschtes Mittelalter. Im Halbkreis läuft die niedere Stadtmauer mit dicken Rundtürmen. Hoch darüber. Wahr- zeichen der Gegend, die G ö tz e n b u r g. Das Schloß ist neueren Datums, unversehrt ober der gewaltige, grau verwitterte Bergfried, Zeuge des von Goethe im„Goß von Berlichingen" geschilderten, irrtumlich nach Iagsthausen verlegten Uebersalls, der durch Verrat zur Gefangennahme des Ritters mit der Eisenhand führte. In aller Stille ehrt das kleine Mocktmihl seine Helden: Am grünen Hang des Burgberges wohnt eine vielbesuchte Persönlichkeit, Frau Amalie Kießling-Krtger— eine Urenkelin von Schillers Schwester Luise, die 27 Jahre lang, von 1805 bis 1832, als Pfarrersfrou in Möckmühl waltete und hier als Witwe 1838 starb. Frau Kießlings Mutter hat ihr oft von dieser interessanten Großmutter erzählt, und im kleinen, traulichen Schillerstübchen in Frau Kießlings Villa findet der Schillers veund noch unbekannte Schätze: einen originellen Ring des großen Ahnen, Familienbilder, Briefe, die von der liebenswürdigen alten Dame, immer wieder gern gezeigt werden. Wie verzaubert geht man dann noch einmal durch die alten, warm durchsonnten Gassen, über den Marktplatz, wo das ehrwürdige Rathaus von 1589 steht, mit bunten Wappen und Insprüchen, und wo die Wirtshäuser ihre langen Schilder recken. Droben auf der Glockenaltane des Kirchturms stehen in ihren langen Bratenröcken die„Sonntagsbläser", die nach aller Sitte morgens und mittags einen Choral übers Städtle blasen. Vor den Haustüren hocken die Allen, nehmen das Käpple vom Kopf und die Pfeife aus dem Mund. Ja. die Möckmühler wären nicht glücklich, wenn sie nicht Sonntags ihre zwei Choräle hätten. Dieser Klang weht uns nach, bis die vor- treffliche Sonnenwirtin an der Jagstbrücke zum letztenmal uns„Grüß J Göll" sagt und wir uns rasch bergein ins Drandhölzle schlagen. Das ' Iagsllal ist noch lang, und wir sind erst am Anfang seiner Herrlich- kellen. Rauschend schließen sich die Kronen des Buchenforstes über uns. Woldriesen liegen im Sonnenglast. In das grüngoldene Laub- gegitter fällt hier und da ein dunkler Tannenschlag. Wir sind auf den Spuren der Berlichingen. Wo der Wald sich öffnet, duckt sich das Rest des Edelfalken an den Iagstspiegel, Dorf Berlichingen mit dem Stammsitz des uralten"Rittergeschlechtes. Seit acht Jahrhunderten horstet es im Iagsttal, heut noch lebensfrisch! Das graue Stammgemäuer gehört jetzt zu einem kleinen Pochthof. Türme und Mauern verschwanden. Rur ein �vcheunentor trägt nach das Rad-Wappen des Hauses.— Anders Iagsthausen, der Geburtsort des berühmtesten Sprossen, Götzens mll der eisernen'Hand. Drei stattliche Götzenburgen hat Iagsthausen: das rote Schloß(17. Jahrhundert), jetzt Rentamt, das Neue Schloß aus dem 18. Jahrhundert und die älteste Burg(1876) renoviert), wo Götz 1489 geboren wurde. Ferien und Wandern in Oberbayern. Don der Gewerkschafts- und Parteiorganisation in Bad Reichenhall wird uns ge- schrieben: Des öfteren werden Fragen von Partei- und Gewerk- schaftskollegen an uns gerichtet, über die Preise bei Uebernachtungen mit Pension in Bad Reichenhall. Denjenigen Kollegen, welche ihre Ferien im Reichenhol ler und Bergtesgadener Gebiet verleben wollen, empfehlen wir. Quartier in Bad Reichenhall zu nehmen, weil Reichenhall der Mittelpunkt ist, von wo aus Touren ins Berchtesgadener Land, noch Salzburg(Oesterreich) und auch Bergtouren am günstigsten gemachi werden können. Das V e r kehrslokal der freien Gewerkschaften und der Partei ist der Gasthof„Münchener Hos". Das Haus ist ganzjährig geöffnet, besitzt olle Bequemlichkeiten, einschließlich Zentralheizung. Für Organisierte ist ein Am s n a h m e � preis von 5 Mark pro Tag— Zimmer mit voller Ver pflegung— festgesetzt. Anfragen sind an den Besitzer, Gcnosten Stefan Fuchs, Bad Reichenhall, Gasthof„Münchener Hof", Post straße 21, zu richten. VOLKSBÜHNE Theater am Biilowplatz Der fröhliche Weinberg von Carl Zuckmayer Regie: Heinz Dietrich Kenter Täglich SV« Uhr 5ln großer Sommervrjolg mit allen Shreti für den Autor, für die Xegie, für die Darsteller. 9rtt„ e„get(BerU ugcbun) Lebensfreude und Liebeslusl iumullieren streieinhalb Stunden lang auf der Sühne,„ur( g�nihiu(s Uhr.Abmdbhtt) Nordseebad Tönning Alte sehenswerte Stadt an der Eidermündunff. Angenehme, ruhige und billige Sommerfrische, bekannt durch gute, reichliche Verpflegung. Herrlicher, grüner Südstrand Seebäder. Wattenlaufen, Fischerei. Pension von 4 RM. an. Keine Kortaxe. Führer, Auskunft und Wohnungsnachweis durch die Badeverwaltung. Hotel QüsteDieser Hof Größtes Haus am Platze. Früher Konsum der SPD. Herrlich an Wald, Wasser, Bade-, Angelgelegenheit. Raub- fischangeln gesiatt. Zimmer(Morgenkaffee, Mittag) 3-M. Volle Pension 4 50, auch Privat-Zimmer Beste Referenzen. Besitzer SEWOHL, GSsigbiesellin. Balm siaUDD Zflckeilck. Tel. 12. Nttndien. 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Berühmtes Rathaus— Alte Burg— Schöne Auskünfte: Magistrat und Verkeltrsverein. Uber 200000 Personen jährüch besuchen die weltberühmten RUbeländer Tropfsteinhöhlen(Hermanns- und Baumannshöhle) IM« aii Sie M si diese Hatimdei mselm. Gute Unterkunft in Hotels und Privat jederzeit möglich. Eisenmoorbad Pretzsch Elbe Beste Erfolge bei Gicht, Rheuma,. Ischias, Nerven-, Franenleld. usw. Das Bad Is) das ganze Jahr geöffnet/ Femspr. 69 Näheres durch kostenlos. Prosp. d. Badeverwaltung UlMme Ortskrankenhasse IMölln. Am 15. Juli oerstarb unser Mit- arbeiter, her Krankenfassenbcatnle LR. Herr Qeorx Reisinger im 77. Lebensjahre. Der Verstorbene hatte unserer Ver- waltung ein Menschenalter lang in strengster Pflichterfüüung gedient.— Di« lelbftlos« Hingabe, oerbunden mit großem Keiß und einer seifenen Treu- erwarben ihm die Wertschätzung aller Mitarbeiter. Wir werden sein Andenfen stets in Ehren hallen! Der Tmstand du UlgemuiieD Ortskrankenkasss SeakSUn. Teßmer, Vorsitzender. Die Einäscherung findet am Montag, 21. 3ulL nachmittags 3'/, Uhr, oon der Halle des Krematoriums Baum- schulenweg. Ki-jholzstraß- 221. statt. ösnlcssgung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem so plötzlichen Hin- scheiden meiner lieben Frau ZZIta». hoth, sage ich allen Genossen, Ge- nossinnen, Kollegen, Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank Familie fritz Schulz. Ortskrankenkasse für das Maorergewerbe zu Berlin Berlin G 23 HankestraDc 3-4 Di« oorn Ausschuß am Z. Juli 1930 de- schioffene 36. Abänderung zur Kassensatzung ist am 14. Juli 1930 vom Oberversicherungs- amt Berlin genehmigt worden; sie tritt am 21. Juli 1930 in Siaft. Geändert sind die Kß 19, 21, 32, 33 b und 34 Dtudflüde der Abänderung sind oon Frellag, den 25. Juli 1930 an, im Äaffenlolal erhältlich. Ferner machen wir bekannt, daß die in der Ausschußsitzung vom 30. April 1930 abgeändert« Krankenordnung vom Ver- sicherungsamt der Stadt Berlin genehmigt worden ist; sie ist am 15. Juli 1930 in Kraft getreten. Druckstücke der neuen Krankenordnung sind vom Freitag, dem 25. Juli 1930 an, im Kaffenlokal zu haben. ver Vorstand. Hermann Krüger, Vorsitzender. Stichard Freund, Echristsührer, Theater, Lichtspiele usw. Staats-Theater geschlossen! Abonnements- Anmeldungen liir die Spielzeit 1930-31 (Beginn am l. saptemDer) werden auch während der Theaterferien entgegengenommen: a) für die Staatsoper und das Staatl. Schauspielhaus vomAbonnements- büro, Berlin W56, Ober- waJIstr. 22.— Femspr. Merkur 9024, b) für das StaatL Schillertheater vom Abonne- iDentsbüro,BerIin-Char- tottenburg, Grolman- straße 70.— Fernspr. Steinpl. 6715. Tägl. S u.»» sonnt. 2. 3 e. 8U Alex. E 4. 8056 Oscar Sabo d. Lotte Werkmeister in der Szene.Beim 6-Tage-Rennen" mit Original-Krücke usw. Tbeater i. d. Betirenstr. 53-54 5-/2 u. A4 Zentrum 926-927 S'Ä U Mein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten mit —* Balph Arthur Hobarte.—— VolKsbUüne Thuter am Bülowplali. tz'/. Uhr Der fröhlidie Weinberg Lustsp. in 3 Akten m Karl Zodanajor Regie: H. 0. Renlcr. Deotsdies THeater D Z WtiilailamiD 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg.:MaxReiähardi Nitik; FrieOriili Hollmiftr. Bühnenbilder tust Sdiülft Die KomSdie |1 Bismck.241 4/7516 tzte Uhr Vis werde idirsidi und glocklidi? Ein Benin h 11 tbfeilenzee »n Wir Joithimsoii. Hgüh van Bisdu Spnliauio legie; EriA Engel Bühnenbilder; Uihiig Heiner Netropol-Tti. Täglich tz't, Uhr Hiebael Bohnen In mii Dir allein... Mag gadia 4 Uhr kleine Preise iülDiraUeln.. Theater 1 Westeos Täglich 8Vj Uhr: Das Land des Ldcbelns Franz Lehars Sensationserfolg! Sonntag nachm. 4 Uhr kleine Preise Das Land des Ldcheens Lessing-Theater Weidnäimn ZlZI e.na« Täglich 8V» Uhr Der Faun m Edv. Knoblauch. Pniltadnh, Htira, Flamme. Reval, Grpdtciinakjr. Frankn, Fitdler, Plnww. Lim Komische Oper tz'/j Uhr PaolHeidemann in: Die Frau ohne Kuss Kollo-Operette mit Grit Haid. Renaissance Theater 9 Uhr Steinplatz 6780. Heilte uns älktuniliili Wunder-Bar Revuestück Berliner Prater Samnergartcniiiratei Kastanienalice 7—9 4 Uhr Grossts Gartenkouerl 6 Uhr Eine entzückende Burleske sowie der auserwählte Varietä-TeiU 8.15 Uhr Gustl Beer, Grefl Lilien, Alex Haber, Erwin Härtung in Das Drei- müderlhaus Singspiel in 3 Akten Musik nach Franz Schubert Eintrittspreis von SO PI*, an. mmm Qffjmsv&te Ifljnugiingfr R�taurant Berlins SsKiC» Theat.aaR01t11.T0r Kottbusser Str. 6 JD Tägl. 8V. fi) Wiederauf- Qia» treten Uß cker TW NUe- 19 sander mit Schorsch Ruselli. Grosses „Das Rose' Theater hat I sit£ mit dieser Auffüh- i rung der„Anderen Seite" | für diesen Sommer an " die Spitze der Berfiner| Theater gesteift" so sdreiSt die„ Weit Stadt"\ vom 7. Juli. dolltangs-.Babatt D.Beklamemarken gegen Nachahmung gesetzt gesch. fertigt seit 45 lehr als SpesialUU Conrad NOUer Leipzig- Schkeuditz Angenehmen Aufenthalt bieten unsere alkoholfreien Er- frlschnnssstellen: VolksparkReliberge Volkspark Wuhlheide VolksparkFriedriclisliain Zeit gern äße billige Preise! Berlin 3r.21 Paul Rote all KompagnlefOhrar „Die andere Seite"{ von S herif i | Täglich 815 ühr, Aber nur] noch bis Sonntag, d. 20. Juli. j AbMontag�l JullimlnnenthMtor| völlig: neu einstndiert ..Flacösrnaim als Enieher" 1 Komödie von Otto Ernst Auf der Gartenbohne, tägl. 5» U. (Sonntacs 5« Uhr) I Das Bombenprogramm{ mit Willi Rosen am Fiaoel. uhr„Verllebte Leute" 1 Operette von K ü n n e k e.| In den Hauptrollen: D! Hers, Hofer.Kersten«. Pyrmont,| GQIlich. Kanitch. Mutb, Hans| Rosa und Rlchter-Wauer. BlllettksM«: Alex. 3422 a.3494.| Gr. Frankfurter Str. 132 Rose-Theater! BEöl Verkäufe Tevvichlaus Verfrauenssache. 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Pössnech, Thstrws�AA. Nr. 533» 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Gonnabend,-19. Juli 1930 So umgeht man Handelsverträge. Gin deutsch-finnisches privaiabkommen. A«kanntmachung des Amtsgerichts Berlin- Mitte. Eingetragen in das Handelsregister am l. Juli 1330 Abt. B. 9} r. 444-31: Butter- und Käse-tkinfuhr-E. m. b. H. Gegenstand des Unternehmens: Die Einfuhr und der Verlrieb von finnischen Mottcreierzcugnissen, Kapital SO 000 M. Geschäftsführer: Rittcrgutsbesigcr Vollrath von Arnim in Mcllenau (Uckermark).. In dieser kurzen Bekanntmachung des Reichsanzeigcrs wird ein hübfchcs Kapitel deutscher �Handelspolitik, die Unigchung des deutsch- finnischen Hairdelsvcrtrags dokumentiert und umschrieben. Im Sommer 1929 ist im Reichstag ein« Erhöhung der Zolle von Molkereiprodukten beschlossen worden. Diese Zölle waren jedoch im deutsch-finnischen 5)ondclsvcrtrog gebunden. Nach langen Bcr- Handlungen mit Finnland ist ein Zu jatzobkommen zustande gekommen, in dem die Erhöhung der B u t t e r z ö l l e vertraglich festgelegt wurde, die Kasezölle wurden aber nicht erhöht. Dieses Zusatzabkommen, dos Finnland grohc Opfer auferlegte, ist von Finn- land ratisizicrt worden, nicht ober von Deutschland, weil die agrari. schcn Parteien dagegen Sturm liefen und in wilden Protesten die Kündigung des gesamten deutsch-finnischen Vertrages, der für die deutsche Exportindustrie von groher Bedeutung ist, forderten. Die Gesamtinterefsen der deutschen Wirtschaft waren bei dieser gewissenlosen Hetze, die von agrarischer Seite neuerdings ganz all- gemein gegen das Handelsvertrogssystem vom Stapel gelassen wird. den agrarischen Interessenten völlig gleichgültig. Als diese ober schließlich die Erfolglosigkeit ihrer Bestrebungen einsahen, als nicht einmal Schiel« dies« Kündigung durchsetzen konnte, ichlugen sie einen anderen Weg ein: Vertreter der deutschen privaten Landwirtschaft fuhren nach Zinnland, um den Finnländern durch private Abmachungen über die Einfuhr von Molkereierzgugnissen noch Deutschland die Zustimmung zu einer Erhöhung der Käsezölle im deutsch-finnischen Zusatzvertrag abzukaufen. Schließlich ist es zu einer Einigung zwischen den deutschen und finnischen Landwirtschastsvertretcrn gekommen. Finnland hat seine Zustimmung zur vertraglichen Erhöhung der Käsezölle gcgcden und das abgeänderte Zusatzabkommen lag in den letzten Tagen dem Reichstag vor. Man durste gespannt sein, welchen Preis die deutschen Dirtschastsvertreter für diese Konzession im finnischen Handelsvertrag bezahlen mußten. Da enthüllt« sich von ein großer Skandal. Für die finnische Zustmnnung zur Erhöhung des deutschen Kösezolls mußt- sich Deutschland verpflichten, jährlich 80 000 Doppel zentnrr finnische Butter und 60 000 Doppelzentner finnischen käse, dos ist mehr als doppelt soviel wie die bisherig« Einfuhr finnischer Mottereiprodutte noch Deutschland zu beziehen, und zwar zu einem Preis«, der in einer bestimmten Relation zu den Börsennotizen von London, Kopenhagen und Berlin steht. Zur Durchführung dieser deutsch-sinnischen Butter- und Käsetransaktion ist in Finnland eine Aussuhrgefells chaft, in Deutschland die oben näher gekennzeichnete Butter- und Käse- Einfuhr G. m. b. H. gegründet worden. Diese deutsch-finnische Käscschiebung ist eine glatte Umgehung, Durchlöcherung und Diskreditierung der Handels- Vertragspolitik und des Meistbegünstigungssystems. Nicht mit Unrecht werden in Zukunft Länder, mit denen Deutschland Handelsverträge abschließen will, und denen die Meistbegünstigung angeboten wird, außerordentlich skeptisch gegenüber Deutschland sein, denn nie können sie wissen, ab das Angebot der Meistbegün- stigung auch ein« tatsächliche Meistbegünstigung zur Folg« bat oder ab nicht durch«in Hcroufichrauben der handelsvcrtra glichen Meistbegünstigungssätze bei gleichzeitiger Oeffnung van privaten Hintertüren für andere Länder ein Roßtäuscherspiel mit ihnen getrieben wird. Wir sehen daher in dieser neuen Art der Handels- Politik die a l l« r s ch w e r st« n Gefahren für den deutschen Wi rls cha f t sve rk c hr mit dem Ausland. Aber nicht gemig damit: dos scheinbor privat« deutsch-finnische Täuschungsmanöver ist nicht privat, sondern es war und ist von der Regierung gebilligt. Die deutsche Einfuhrgesellschast Hot nicht nur, wie wir hören, für den Fall des Kontraktbniches oder der Richtal'uahme der abg� schlossencn Mengen von Molkereipro-dukten«in Reugeld von 30 Millionen Mark sicherstellen müsien, sondern es ist auch damit zu rechnen, daß dieses Geschäft zu Verlusten führen wird. Reben der festen Abnahmegarantie ist Finnland auch ein gewisser Preiszuschlag zu den normalen Verwertungspreisen zuge- standen worden. Für die bei dem Absatz der Molkereiprodukte ent- stehenden Verlust« soll das Reichsernährungsministerium unter Zwischenschaltung der Reichskreditgesellschost Garantien übernommen haben, die aus dem Rotprogramm bezahlt werden und sich jährlich aus mindestens sechs Millionen belaufen. Wir stehen also vor der grotesken Tatsache, daß da» Deutsche Reich mit der einen Hand einen Handelsvertrag abschließt, mit der anderen Hand aber Mittel bereitstellt und Wege öfsnet, um diesen Handelsvertrag zu umgel)«n. Während auf der einen Seite große Kämpfe um die Deckung des Etats geführt werden, werden aus der anderen Seite Millionensummen als Käfefubvention und zur Um- gehung von Handelsverträgen hinausgeworfen. vie Sozialdemokratie hat es abgelehnt. dem durch solche Dunkelmännergeschäste zustande gekommenen deutsch- finnischen Zusatzabkommen zuzustimmen. Trotz unseres Protestes ist der famos« Vertrag 24 Stunden vor Aus- lösung des Reichstags mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien verabschiedet worden. Die Früchte dieser Sagt werden bald genug aufgehen. Hollands Molkereien, die geschädigt sind, hoben bereits zum Boykott deutscher Maschinen ausgesordert. Das Wohmngsbauprogramm des Reichs. Grundsähe des Reichsarbeitsminisieriums. Das Reichsarbeitsmmisterium hat heute die Grundsätze fiir die Durchsichrung des zusätzlichen Wohnungsboupro- gramms des Reichs den Länderregierungen zugeleitet. Dieses Wohnungsbauprogramm des Reichs ist ein Teilausschnitt aus den Maßnahmen der Reichsregierung zur Belebung der Wirt- s ch a s t und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit mit dem Zweck, durch Förderung des Kleinwohnungsbaues sowohl der gary erheblichen Arbeitslosigkeit bei den Bauarbeitern und in der Baustoffindustrie abzuheisen wie auch an Orten mit einem wirtschaftlich gerechtfertigten Wohnungsbedars Wohnungen mit Mieten herzustellen, die von den minderbemittelten Schichten getragen werden können. Die Maßnahmen des Reichs dürfen keineswegs dazu benutzt worden, an den ordent- lichen Bauprograimnen Einsparungen zu machen. Dos Wohnungsbauprogramm des Reichs wird in engster Zusam- menarbeit mit den Ländern durchgeführt. Zur Durchführung des zusätzlichen Wohnungsbauprogromms stellt das Reich einen Betrag von 100 Million e'n Reichsmark zur Ber- fügung, der auf die Länder noch Abzug eines Ausglcichsstocks von 15 Millionen Reichsmark nach Maßzabe des Wohnungsbedarfs und der Arbeitslosigkeit vevteilr wird. Aus diesem Betrage werden bypochekarisch zu sichernde Reichsdarlchen gegeben, die zunächst mit 1 Proz. verzinslich sind. Ihnen kann eine erste Hypothek vorgehen, wegen deren Beschossung zur Zeit noch Verhandlungen im Gang« sind. Die Gesamt., insbelastung so sein, daß für die minder- bemittelten Schichten tragbare Mieten gewährleistet sind. Die Erzielung geringer Mieten ist eine der H a u p t v o r a u s- s e tz u n g e n, an die nach den Grundsätzen die Gewährung von Reichsdarlehen geknüpft ist. Während bisher die Mieten der mit Hauszinsstcuermitteln geförderten Kleinwohnungen durchaus nicht immer von den Kreisen gezahlt werden tonnten, für die die Woh- nungen eigentlich bestimmt waren, sollen n u n m ehr Mieten erzielt werden, die in der Mehrzahl der Fälle wesentlich unter den bisherigen durchschnittlichen Mieten liegen. Die Verbilligung fall dadurch erreicht werden, daß einmal die Grundflächen der Wohnungen, entgegen der bisherigen bei Hauszinssteuerneubauten vielfach geübten Praxis, auf das M i n d e st m a ß beschränkt werden. Sodann sollen die Baustoffe und Bauteile durch Abschluß geeigneter Lieserungsverträge zu einem solchen Preise beschafft werden, daß«ine wesentliche Herabsetzung der Baukosten eintritt: ferner soll eine Zusammenfassung der Bauvorhaben ebenfalls eine Senkung der Gestehungskosten bewirken. Das einzelne Bauvorhaben soll mindestens 20 Wohnungen. in Städten mit über 100 000 Einwohnern mindestens 50 Wohmingen umfassen. Die Grundsätze des Reichsarbettsministeriums wach-n es zur Pflicht, mit allen Mitteln die Baukosten ganz erheb- l'ch unter die bisher üblichen Sätze zu senken. Karm dies nicht erreicht werden, so ist von der Ausführung der ge- planten Bauvorhaben abzuiehen. In den Grundsätzen ist auch «WVichen, dcch«Heu Wlle». BtteseK«DäfeBOb ta: ftniinwffifriwa eine vermeidbare Verteuerung eintreten sollt«, das Reichs- darlehn zurückgezogen werden kann. Zulässig sind Wohnungen nur mit einer Wohnfläche von Z2 bis 45 Quadratmeter: soweit die Wohnungen für Familien mit mehreren Kindern bestimml sind, können größere wohnflächsn, jedoch nicht über 60 Quadratmeter zugelassen werden. Die Wieken für Woh- nungen von 32 bis 45 Quadratmeter dürfen 20 bis 40 M.. die bis zu 60 Quadratmeter 40 bis 50 M. monatlich nicht übersteigen. Es ist serner Voraussetzung für die Reichsdorlehen, daß durch die Bauvorhaben der Arbeitsmarkt erheblich entlastet wind, und zwar insbesondere in denjenigen Gebieten, in denen unter den Bau- avbeitern eine besonders starke Arbeitslosigkeit besteht. Die Firmen, die Austräge aus dem Aicheitsbeschaffungsprogramm erhalten, müssen sich verpflichten, bei Bedarf die Arbeitskräfte von den Zlrbeitsämtern zu beziehen. Sie müssen serner ihre Arbeiten ohne Ueberstunden ausführen lassen. Es wird erwartet, daß durch die Maßnahmsn des Reichs zusätz- [ich rund 30000 Wohnungen erstellt wenden können. Anträge auf Förderung von Bauvorhaben mit Reichsdarlehen sind nicht an das Reichsarbeitsministerium, sondern an die für die För- derung des Kleinwohnungsboues schon bisher zustandigen Landes- stellen zu richten. Wenn Banken kontrollieren... Die Revolte der Aktionäre bei der A-G. für Verkehrswesen. Im„Blauen Saal' des Eden- Hotels spielt« sich am Frei- tag ein« der bewegtesten Generalversammlungen der letzten Jahr« ab. lieber 500 Aktionär« sahen und standen dichtgedrängt vonn ll Uhr früh bis zum späten Abend der Versammlung der A.-G. für Verkehrswesen gegenüber, um mit deren Repräsentanten, dem unternehmungslustigen(und ehemaligen Kolonialdeutschen) Generaldirektor Lüvbert und dem Eisenbahnfachmann(und jetzigen Rittergutsbesitzer) Max Dräger wahre Redeschlachten auszukragen. Mehrere Arnvälte, an ihrer Spitze Dr. Alsberg, als Vertreter eng- lischer Groß, und deutscher Kleinaktionär« setzten sich mit der Frage auseinander, ob die A.-G. für Verkehrswesen 5, 8 oder 9 Proz. Dividende für das Jahr 1929 verteilen soll, und der Frage der Ein- setzung einer Revisionskommission. Generaldirektor Lübbert mußte ichwere Vorwürfe einstecken wegen der Herabsetzung der Borjahrs- dividende von 11 auf 5 Proz. Für die O« f f e n t l> ch k e i t ist aber weniger die Dwldenden- reduktton selbst, als ihr« Vorgeschichte von Jnteresie. Was sich dabei herausstellt, erinnert in vielem an den F g o o g- Skandal. Wiederum sind es prominenteste Bankdirektoren, die als Aussichtsräte auf«ine blamable Weife versagt haben. Di« Herren haben es vorgezogen, ihr Heil in der Flucht ,u suchen und nicht ein» mal den Versuch einer Verteidigung ihrer Unterlassungssünden vor den Aktionären zu machen, die m diesem Fall nicht die alleinigen ®4i6äblgterfkib, Die Dividendenermäßigung wird in erster Linie mit der Rot- wendigkeit einer großen Sonderabschreibung auf die Aktien Industriebau Held u. Francke A.-G., Berlin, begründet. Die Aktienmehrheit dieses Unternehmens hat Generaldirektor Lübbert für die A.-G. Verkehrswesen im Jahr« 1929 von dem Ost- werke-Konzern und einem Bankcnkonsortiuin eingetauscht, wobei für 100 M. Industriebauaktten etwa 95 M. junge Verkehrs- «escnaktien gegeben wurden. Rechtlich ist die Transaktion angreif- bar, weil Lübbert über junge Berkehrswesenakticn verjügte, bevor die Generalversammlung überhaupt die notwendige Kapitalerhöhung beschlossen hatte. Aber daran nahm niemand Anstoß. Lübbert wollte ursprünglich den Berinögensstand der Industriebau A.-G. durch eigene Angestellte überprüfen lassen: als das nicht möglich war, begnügte er sich mit dem Bericht des ersten Revisors im Ost- werke-Schultheiß-Patzenhoscr-Konzern. Dieser bestätigte die An- gaben der Verwaltung von Held n. Francke, die für das Jahr 1928 einen Reingewinn von 1,3 Millionen ausgewiesen hotte. Lübbert fragte dann noch seiner in der Verkehrsivesen-Genernloer- sammlung abgegebenen Erklärung noch Herrn Dr. Gustav Sinteni?, Gefchästsinhobcr der Berliner H a n de l s- G e s« l l s chn f t inn Auskunft. Sinttnis ist Aufsichtsrotsmitglied der Industriebau A. Ol. und war bis vorgestern zweiter Aufsichtsratsvarsitzender der A.-G. für Verkehrswesen. Smtems, mit der Berliner Handelsgesellschaft und der Darmstädter und Nationalbank an der Unterbringung der Industriebauaktten finanziell interessiert, äußerte sich scheinbar außerordentlich günstig über den Stand der Industriebau- Gesellschost und erklärte, er könne der A.-G. fiir Verkehrswesen zu dem Erwerb nur grottilieren. Darauf wurde die Intnistriebau-Gesell- schaft Held u. Francke den, Verkehrsmcsen-Kanzern«ingegliedert, in der Erwartung, daß sie große Vorteile bringen würde. In Wirklichkeil hatte die Industriebau-Geseltschost 1928 einen Verlust von 2 Millionen Mark erlitten. Der Status mit dem 1,3- Millionen-Gewinn entsprach nicht den Tatsachen und für das Jahr 1928 wurde die elfprozentige Dividende scheinbar aus Krediten gezahlt. Gegen die Behauptung, daß die beteiligten Banken über den Gewinn bei dem überbezahlten Paket hinaus an der Börse noch Sonderprosii« einsteckten, hat sich kein Vertreter dee Donken zur Wehr gesetzt. Dr. Alsberg regte an, man solle die Verwaltung und auch d'e Aufsichtsrotsmitglieder der Industriebau-Gesellschast auf Schachdenersatz verklagen. Da- sind Baukführer wie Herr Sintenis(35facher?luffichtsrat), ferner Sobernheim, Louis Ha'eii, Katzenellenbogen und eine Reihe anderer vieisachcr Aussichts-äle, die wieder einmal in ihrem verdienstreichen Amt versagt haben. Es läßt sich noch nicht übersehen, ob der Rücktritt der Banken- Vertreter aus dem Aussichtsrat der A.-G. für Berlehrswesen ledig- lich eine Flucht vor der Blamage war. Es besteht die Möglichkeit, daß der Rücktritt gleichzeitig ein Protest gegen ernc beabsichtigte Anlehnung des VerkeHrswesen-Konzerns an die Gruppe der Münchener Lokalbahn A.�G. oder auch der Reichsbahn sein soll. Gisenkrise beim Stahltrust. Der Ouartoksbericht April— Juni 1930. Der Quartalsbericht des rheinifch-westfälischen Montantrustes(Vereinigte Stahlwerke A.-G. in Düsseldorf) spiegelt die schwere Krise wider, die sich in der Montanindustrie seit Jahresbeginn zusehends v e r s chä r f t hat. So ist die Kohlen- förderung in der Zeit von April bis Iun' 1330 gegenüber d�m 1. Quartal dieses Jahres von 6,67 auf 5,02 Millionen Tonnen, die Koksproduktion von 2,4 auf 2,1 Millionen Tonnen, die Roheisenerzeugung von 1,47 aus 1,14 und die R o h st a h l- Produktion von 1,56 aus 1,18 Millionen Tonnen gesunken. Im Vergleich mit der entsprechenden Zeit des Vorjahres(April bis Juni 1929) ergibt sich bei der Kohlenförderung ein Rückgang um mehr als 14 Proz. uild bei der Koksproduktion sogar eine Ver- Minderung von 17 Pvoz. Bedenklich ist auch prwatwirtschastlich (angesichts der hohen Eisenkosten) der Konjunktureinbruch bei den Stahlbetrieben., die Roheisenproduktton ist gegen die gleiche Zeit des Vorjahres um 33 Pro;, und die Stahlproduktion sogar um fast 38 Proz. zusammen geschnnirpst. Dementsprechend ist auch der Umsatz stark zurückgegangen, wobei die Preisermäßigung aber noch nicht mitspielt. Gegenüber den, ersten Vierteljahr 1930 ist der Gesamtumisatz in der Bevichtszeit von 320,4 auf 289,7 Millionen Mark gesunken, davon der Inlan.-s- uursatz von 206,8 aus 108,4 Millionen und der Export von 122,4 aus 109,2 Millionen M. Im Vergleich zu der entsprechenden Zeit des Vorjahres hat sich der Gesamtumsatz des Stahlt ruft um fast 33 Proz abgeflacht. Für die Belegschaft hat die Krise verheerende Folgen gehabt. Die Zahl der insgesamt beschäftigten Arbeiter ist von Ende März bis Ende Juni 1930 trotz der Frllhjahrssaison von 169336 auf 154315 Mann zurückgegangen. Innerhalb des letzten Jahres sind seit dem 30. Juni 1929 rund 22000Mann in den Betrieben des Stahltrusts abgebaut worden. Allein in den Zechenbetrieben ist die Belegschaft von 85 608 auf 74 442 Mann, also uml3Proz. vermindert worden. Die Schwere der Weltkrise zeigt sich darin, daß der Auslandsabsatz seit dem Juni 1929 unverhältnismäßig stärker zurückgegangen ist ass der Jnlandsabsatz. Während die Käufe des Inlandes um 25 Proz. sanken, hat sich der Auslandsabsatz um f o st 50 Proz. ver- r i n g e r t. Diese Auswirkungen der Krtsc bei dem größten deutschen Montanunteruehmen machte eine schnelle und«irksame Senkung der überhöhten Inlandspreise zu einer zwingenden Notwendigkeit. Mit der kümmerlichen Preissenkung im vergangenen Monat wird sich die Konjunktur nicht ankurbeln lassen und der fortgesetzte Druck aus die Weltmarktpreise fiir Eisen macht ein Ausrechterhalten der deutschen Monopolpreise unhaltbar. Aeue Kupferpreissenkung. Das International« Kup s« r k a r t e ll muhte sich zn einer neuen Preisherabsetzung beguemen, und zwar wunden die in der vorigen Woche festgesetzten Notierungen von 11,80 Cents pro englisches Pfund aus 11,55 Cents herabgesetzt. Die vorgenommen« Preisermäßigung entspricht einem RückYang pro 100 Kilogramm van 109,55 M. auf 106,85 M. Die Kupferpreisreduzierung war zu erwarten, nachdem sich her- ausgestellt hatte, daß die in voriger Woche durchgeführte Herab- setzung der Rotierungen den Markt nicht anregte. Insbesondere soll die Nachfrage aus den europäischen Märkten zu wünschen übrig lassen Die Kupferoerschissung noch Europa gehe weit über die Käufe de- europäischen Verbraucher hinaus. Außerdem hiellen im Amenk-- PtesenteebUtirnaeo durch die Kupferhütten an. Oiommiß in der tJiarikaiur Wie er ifl und wie er war Der.Stahlhelm", fo�jenannkr Vu ni bei Qrniiifolöaten, hat in i>ie[em Söhre auf dem Dampfer einer großen deutschen Schtffahrts- gefellfchaft eine Nordlandsfohrt gemacht, bei der die anderen Mit- fahr«, die �Zioilisten", sich die chaare rauften oder aus dem Lachen nicht herauskamen. Dieser Unterschied in der Gefühlsäußerung war eine Frag« der persönlichen Veranlagung. Es waren nämlich an einem Schwarten Brett, gerade wie tn der Kaserne, Armeebefehle des Generalissimus Seldde angeheftet, auf denen geschrieben stand:„8 Uhr Antreten im Dienstanzug... 32 Uhr Antreten in Kompagniefront am Denkmal des Komponisten Grieg... 5 Uhr Gymnostikübungen... 6 Uhr Appell im Dienst- onzug." Wir erzählten hierüber bereits! Das ist natürlich nachgeahmter karikierter Kommiß in Rein- kultur, aber cherr Seldte und feine Kameraden vom Stahlhelm haben den unfreiwilligen Ulk beim Kommiß den Ausländen bei der königlich preußischen Armee ziemlich genau abgesehen. Schon da- mals, vor 16 Sohren frühestens also, lief bei den.Preußen" und auch bei den schnöfeligen Leutnants das Wort um:„Kein Befehl ist so dumm, als daß er nicht durch befohlene damliche Ausführung noch dümmer erscheinen könnte." Ich war im Frühfahr 1918 beim Ersaßbataillon meines Stammregiments Zugführer. Mir, einem 22jährig«n jungen Menschen, unterstanden Landsturmleute, die 45 bis 50 Söhre auf dem Buckel hatten. Auf dem Dienftzeitel war ..Turnen und Spielen" angefetzt. Ich fragte:„Was wollen wir denn min machen?" Einer rief:„Katze und Maus." Wir spielten also Katze und Maus. Jckz„beaufsichtigte" die Angelegenheit, und im Vorbeigehen sagte ein alter Landstnrmmann zu mir:„Mein Junge, der 12 Jahre alt ist. muß abends, damit er«in paar Pfennige für meine Frau verdient, Zeitungen austrogen. Kann ich nicht nach Haus« arbeiten gehe», und dann schicke ich Ihnen meinen Jungen, damit er hier Katze und Maus spielt?" Ick) konnte nur mit den Achseln zucken. Der preußische Kommiß war in der Tat beinahe so komisch, wie der Stahlhelm. Al» stellvertretender Adjudant beim Bataillon erlebte man diese»: Die Eingänge waren zum Dortrag beim Herrn Kommandeur sorgfältig angeordnet. Zu oberft lagen die Dinge, die den Vermerk„eilt" oder„eilt sehr" trugen. Der Bataillons- kommandeur,«in Gros seines Zeichens, sagte:„Aierkcn Sie sich eins: Schriftstücke, die von einer vorgesetzten Dienststelle kommen und den Vermerk„eilt" tragen, sind ein Beweis dafür, daß höheren Orts irgendetwas verbummelt ist. Wir sind nicht dafür da, um 3. die Bummeleien vorgesetzter Dienststellen gutzumachen, und 2. besteht kein Zweifel, daß eilige Dinge durch längeres Zuwarten noch eiliger werden." Die eiligen Sachen wurden also in Zukunft zuunterst gelegt und nicht erledigt. Da war während des Krieges in einer norddeutschen Handels- stadt Garnisonältester ein früherer Oberstleutnant vom Regiment Garde du Corps. Cr war, alter Adel selbftioerstöndlich, Zeit seines Lebens bei diesem Seiner Majestät besonders attachierten Regiment gewejen und hatte vom wirklichen Leben nicht den Schimmer einer Ahnung. Eines Tage» fragte er einen ihm unterstehenden Offizier: „Was sind das eigentlich für Leute da am Hafen, die immer in so einer braunen Uniform he.rumlaufen und nicht militärisch grüßen. wenn ich vorbeikomme?"„Das sind Zollbeamte, Herr Oberstleut- nant."„Was machen denn die Leute da?"„Die Zollbehörde, Herr Oberstleutnant, hat die Aufgab«, die ein- und ausgehenden Waren im Hofen zu prüfen und eventuelle Zollvergehen festzustellen."„.Hab' ich mir doch gleich gedacht, daß es sich um so eine Heringsbändiger- geschichte handelt, wo die Kerls nicht militärisch grüßen." So war der vertrottelte und in vielen Dingen spaßige Kommiß, der freilich manchen Musketier, manchen Kanonier und manchen Landwehnnann in Arrest brachte. Herr Seldte ahmt ihn nach, nur muß«r um so lächerlicher wirken, weil er etwas vortäuscht, das ge- wefen und begraben ist. Di« Nordlandfahrt erinnert an den Sang an Aegir, von dem ein preußischer Oberst sagt«, daß er zum Kotzen wäre. Sie hat Modergeruch an sich, und man fragt sich nur, welchen Eindruck di« Dänen und Norweger von diesen Vertretern Deutsch- lands bekommen hoben. In einem übrigens sind die Armeebefehle Seldtes noch von besonderem Interesse. Es war nämlich aus dem Schiff*angeschlogen,„daß Kameraden, di««ine Photographie des Bundesführers mit eigener Unterschrift wünschen, sich dann und dann, dort und dort zu melden haben". Das spiegelt die gleiche Eitelkeit wider, die«ine große Zahl von Offizieren Wilhelms II., dem Führer und Kriegsherrn naeheifernd. besaß. Noch im Krieg« gab ein Militärattache in einem neutralen Lande, wenn er aus- getauscht« Vermundete begrüßte, mir den Offizieren die Hand. Vor dem Kriege galt Generalseldmarschall Graf Walderse« als Mensch, der— außer mit Stöcker— nur mit adligen Stabsoffizieren vor- kehrte. Der Chef des Kaiserlichen Mllitärkabinetts, Graf Hülfen- Hoeselcr, legte besonderen Wert aus feine damenhaft« Taille, der General von Plüskow hatte keinen größeren Stolz, als immer wie- der zu sagen:„Ich bin der längst« Offizier Seiner Majestät." In dem Gästebuch einer Gutsbesitzerfamilie fand ich diesen Vers: „Der schönen Hausfrau vielen Dank, die mir den ersten Orden hang." Dies Gedicht kann gewiß nicht Anspruch erheben, in die Schul- lefebiicher übernommen zu werden, schon weil die Kinder dann sehr schlechtes Deutsch lernen. Aber es kennzeichnet den Geist. Der Leutnant hatte den Roten?ldlerorden IV. Klasse bekommen, von dem man im übrigen sagt«:„Und so wird man immer älter und dümmer und zum Staatsdienst geeigneter, bis man endlich durch Verleihung des Rnten Adlerordens IV. Klasse dem Fluche der all- gemeinen Lächerlichkeit anheimfällt." Herr Seldte hat den Roten Adlerorden nicht mehr nötig, außer- dem perhorresziert er ja die Farbe Rot, und der Fluch der allge- meinen Lächerlichkeit ist von allen Einsichtigen schon lange nusge- sprachen. b. ck. Marold Sbenlon: Sl3C|90ltll|f Sllifö Jßid» „Na. a«e geht s Geschäft?" „Danke's geht. Di« faule Sache mit Braun hat abgefärbt: Pereinigte Kos« liegen schwächer. Zlber sonst erholen sich'n paar Werte." „Braun? Was ist denn las mit Bronn?" „Er hat di« ganze Geschichte falsch angepackt. Di« Gesellschajt basiert« aus dem Absatz von Ditamin-Köse— Auslandsware, oersteht steh, Qualität... na ja. Nun war es kein« schlecht« Idee, sich durch 'n paar stellenlos« Professoren bestätigen zu lassen, daß der Käje mehr Vitamine enthielt als andere Sorten. Große Bestellungen. Prospekte, Rabatte— das Geld mußt« mir so herewkommen. Und was macht Braun? Er unterläßt das Inserieren! Acht Tage lag sein Käse beim Gesundheitsamt." „Pech. Haben Sie schwer geblutet?" � „Ich habe die Chase zwar mit ihm gedreht, aber vorsichtig, nicht wahr,— Braun... Sie verstehen! Bares Geld gab ich ihm nicht, nee: wollte mal erst sehen, wie sich die Sache anließ." „Kredite sind jetzt überhaupt'n bißchen versteift, hm?" „Gegenwärtig ziemlich. Aber lassen wir das Großgcld: wozu haben Sie mich aufgesucht?" „Reue großartige Sack)«! Wird sich tadellos machen und müßte Sie eigentlich interessieren. Das heißt: wenn Sie eine Kleinigkeit einschietzen können, nur für den Anfang." „Falls es nicht allzuviel ist, gewiß. Hängt ganz davon ob, was Sie brauchen." „Schön. Sie haben gehört, es ist do eine Nachahmung von Kunstseide gefunden worden. Damenstrümpse sind—" „Wie. Damenstrümpse? Sie sind wohl unter die Beinjäger gegangen?" „Lassen Sie mich aus, an den Strümpfen bin ich interessiert, nicht an dem, was drin steckt. Haben Sie noch nicht gehört?" „Nee." „Na, dann sollten Sie sich al» Börsenbefucher'n Hörrohr zulegen. Sind Sie taub? Vor Wochen schon bin ich mit so'nem Menschen in Verbindung gekommen, versteh'« Sie, der eine Art Nachohnoing von Kunstseide hat. Kommt viel billiger als wirtliche Kundstseide und,.Hauptsache, läßt keine Maschen fallen. Der Junge hat kein« Ahnung von Auswertung. Ich werde an feiner Stell« das Kind zum Markte schaukeln." „Sie wollen also kleine Läden überoll ausmachen und Strümpfe oerkaufen?" „Machen Sie keine schlechten Witze. Kleine Läden kann aus- machen, wer will— ick) nicht. Ich bin daran, die„Pracht-Seiden- strumpf A.-G." zu gründen. In Großbritannien nennen wir die Ge- schichte„Sixpenny Silks Ltd.", in USA.„No Ladder in Stockiii?s Co.". Wird sich phänomenal machen. Sie werden sehen!" „Und was haben Sie dabei mir für eine Rolle zugedodit?" „Sie werden einen Vertrag unterzeichnen, in dem Sie sich oer- pjlichten, die gesamte Erzeugung unseres ersten Produklionsjohres zu Übernehmen." „Was? Ich? Wie meinen Sie? Ich soll die Läden ausmachen?' „Hör'n Sie zu, ich werde Ihnen die Sache ausbuchstabieren, aus einer Schiefertafel, wenn Sie wollen. Ich übernehme die Erfindung dieses Kerls... Wie heißt er mir gleich? Na egal, einen Namen wird er schon haben... und gründe die genannte Gesellschaft Wenn's Ihnen Spaß macht, kann ich Sie in den Aussichtsrot nehmen. Dann gründen Sie selbst auch eine Gesellschaft. Aber Sie dürfen mir nicht gleichfalls einen Aussichtsratsposten geben, versteht sich. Sie nennen Ihre Gründung vielleicht„Strumps-Rekord A.-G." und drüben„Smart Sroakins Supply(1930) Ltd.*. Sobald Sie auf dem Plön sind, nehmen Sie ein hervorragendes Interesse an unserer Er- ftndung und machen un« zu einem möglichst glinstigen Preis das obige Angebot. Die„Pracht-Seidenstrumps A.-G." geht aus das Angebot der„Stnimpf-Retord A.-G." ein und wir unterzeichnen den Vertrag." „Der Grundgedanke ist mir klar. Aber ich habe do noch ein paar..." „Hör'n Sie noch einen Moment zu! Im Prospekt unserer Aktien- Emission kündige ich sekbstvcrstöndlich an, daß es sich um eine tod- sichere, risikofreie Sache handelt. Zum Beispiel ist die„Strümps- Rekord A.-G.", so schreiben wir, sofort aus unsere Erfindung aus- mertsam geworben und hat sich von vornherein die Produktion de» ganzen ersten Jahres gesichert. Ob das beim Publikum nicht ein» schlagen wird! Ich sage Ihnen, die Emission wird um ein Dielfaches überzeichnet werden." „Und dann?" „Dann? Na, dann wird das Geld für die Aktien hereinkommen. Vielleicht werden wir denen, die leider keine Anteile mehr bekommen konnten, eine Aufforderung zugehen lassen, sie sollen Ihr Geld lieber in unserer„Ehinesischen Seifen A.-G.", Sie verstehen„Sixpenny Silks(Chinese) Ltd."— können wir ja noch gründen!— iiwestioren, statt in ihren Erwartungen enttäuscht zu werden und das Geld zurückgesandt zu erhalten. Nach diesen Dortransaktionen treten unsere Gesellschaften in neuerliche Unterhandlungen." „Die, wie ich hoffen will, etwas weniger einseitig sein«erden, was?" „Ihre Gesellschaft hat also einen Vertrag, demzufolge Sie unsere erste Jahresproduktion übernimmt. Nun machen wir Ihnen das Angebot, Sie aufzukaufen. Versteh'» Sie mich?" „Hin,'s ist mir eigentlich noch'n bißchen unklar, offengestanden." „Unklar? Was kann Ihnen denn da unklar sein? Wenn wir Ihre Gesellschaft aufkaufen, ist der erwähnte Vertrag natürlich illusorisch geworden." „Ah, dann hätte ich immerhin mit den künstlichen Kunstseiden- strumpfen nicht viel zu tun. Sympathische Lösung." „Aber Menschenskind, von wirklichen künstlichen Kunstseiden- strumpfen ist doch liberhaiipt keine Rede, d. h. oarläusig noch nicht. Irgend jemand wird sich schon finden, der das nachher mach'. Lossen Sie das anderer Leute Sorgen sein. Wir beide sind an Finanzie- rungen interessiert, nicht an Produktionsgeschäften. Wenn w i r beide die Sache ehrlich untereinander abmachen, kann sie nicht schies gehen." „Hoffentlich nicht. Immerhin wäre es vielleicht ratsam, einige der Strümpfe gleich herzustellen— für den Fall, daß jemand sie sei)«« wollte." „Werden wir machen, gewiß. Die Produktionskosten dürsten etwas höher liegen gls'ne halbe Mark je Paar, aber wo wäre das heute schon anders in der Produktion. Darum lohnt sie sich auch nicht. Nur nicht in die Erzeugung, Hab' ich schon immer gesagt: ausschließlich in die Finanz!" „Wer soll denn außer mir nach in die Gesellschaft kommen?" „Leidiglich die üblichen Fassadenzylinder, nichts weiter. Na, was meinen Sie?" „Ich werde mir die Sache durd) den Kopf gehen lassen. Hängt ganz davon ob. was ich riskieren kann. Sie werden aus jeden Fall Antwort erholten, hm, sagen wir: morgen." „Schön, morgen. Die Sache eist nämlich. Ich möchte endlich anfangen, das Geld einzuscheffeln." „SekbstverstäiKilich. Ich muß jetzt leider weg... also: aus morgen!" „Uebriqens. wissen Sie was Neues von Leihmann?" „Perles hat mich heute morgen angerufen, drei Jahre hat er be- kommen." „Armer Teufel. Er hätte es ja nicht getan, wenn er nicht so nollkommen aufgesessen gewesen wäre. Verheiratet und so, Sie ver- steh'n. Vermute, daß er sid) gedacht hat, er könne es ja später wieder zurückgeben." „Schon, schon. Zlber man macht derlei Dinge eben nicht. So- was ist Diebstahl. Ehrlich währt immer am längsten. Ganz richtig. daß sie ihn hopp genommen haben. Wo kämen wir hin, wenn jedermanns Moralgrundfätze fo loj wären! Auf Wiederfeh'n!" „Auf Wiederfeh'n!" ä)as ällefle fäergwerksunglück Bergwerksarbeit und Bergwerkskatastrophen sind nicht, wie man lange Zeit glaubk, Errungenschaften der jüngeren Menschheit?- geschichte, sondern sie sind schon bei Vertretern der stein zeitlichen Menschen festgestellt worden, obwohl man diese uralten Vertreter des Menfäzengeschlechts sich nur schlecht bei der Beschäftigung im Bergwerk vorstellen kann. Trotzdem wurden vor einiger Zeit nicht nur— allerdings primitive— Werkzeuge zur Aushebung von Bergwerksjchächten gefunden, fondern es wurde sogar bei Obaurg in Belgien ganz unzweifelhaft die Spur einer Bergwerkskatastrophe entdeckt, die sicherlich das älteste derartig« Unglück der Menschheits- gefchidste ist. Man fand nämlich in Obourg das Skelett eines Steinzeitmenfchen, das seiner Länge nach einem durd) ein Berg- werksunglück verschütteten und gestorbenen Bergmann der Stein- zeit gehört. Der Steinzeitmensch brauchte genau so den Feuerstein, wie wir heute Kohle, Eisen und Gold brauchen, denn der Feuerstein war das Material für die Werkzeuge der Steiuzeitmenschen und für ihre Waffen, mit denen sie das Wild erlegten, dos sie für ihren Lebensunterhalt brauchten. Auch di« Sicherung ihrer Niederlassung gegen Raubtiere konnte nur mit den Waffen aus Feuerstein durchgeführt werden. Es ist also klar, daß der Feuerstein in dem Steinzeitalter die größte Be- deutung hatte, und daß die Steinzeitmenschen bestrebt sein mußten. möglichst große Lägcr derartiger Rohstoffe für alle Werkzeuge und Waffen ihres Lebensbedarss festzustellen. Run waren die Feuer- steinläger nicht sofort„greifbar", sondern sie waren m den tiefen Schichten der Krerdeformation eingebettet. Die Steinzeitmenschen. die demnach durchaus nicht so kulturverlassen waren, wie es den Anschein hat. wußten sich ober Rat und eröffneten ein regelrechtes Bergwerk, in dem sie senkrecht« Schächte bis zu einer Tiefe von 12 Metern ausbauten, um bis zu de» dort eingebetteten Feuerstein- bänken vorzustöhen. Die Schächte waren ungefähr 1 Meter breit. Um die großen Feuersteinlager zu erschöpfen, wurden in der Tiefe der Bergwerke Stollen vorgetrieben, durch die die steinzeitiichen Bergmänner an die in den Krcidelägern befindlichen Feuersteinbänke gelangten. Als Instrument« benutzten diese ältesten Bergarbeiter der Welt Hirschhornhaken, wie sie vor Iahren vielfach als Spa, zierstockgriffe verwendet wurden. Mit diesen Hirschhornhaken wurde der Feuer- stein aus der Kreide herausgehauen. Zum Ausgraben der Schachte wurden Schusterbläter großer Tiere benutzt, die den Dienst der heutigen Schaufel versahen. Zwar waren die Steinzeitmenschen in technischer Beziehung tüchtig genug, in ihren Bergwerken Stütz- pfeiier zu errichten, um dk Einsturzgefahr zu verringern und dos Leben der unter der Erde arbeitenden Menschen zu sichern. Noch heute kann man bei dortigen Schächten, die nidzt nur in Belgien gesunden wurden, die uralten Sicherungen feststellen. Trotz dieser geschickten und klugen Vorsichtsmaßnahmen waren aber doch Berg- werkskotastrophen schon in jener Zeit nicht ganz zu vermeiden und so dam es. daß manchmal die Schächte nachgaben und Steine und Sand in ungeheuren Mengen in die Tiefe des Bergwerks hinab- stürzten. Der steinzeitliche Bergarbeiter, dessen Skelett in Obourg gefunden wurde, ist von einem derartigen Steinsturz bei seiner Tätigkeit unter Tage überrascht worden und verlor dabei sein Leben. Offenbar hat man diesen Schacht damals nicht wieder ausgebaut. denn das Skelett des nerunglücktcn Bergorbeiters wurde völlig ordnungsmäßig liegend gefunden. Neben dem Skelett befand sich noch die.Hacke aus Hirschhorn, mit Ker er nach dem kostboren Feuerstein gegraben hatte. eine Itochc im fehlimmilen Urwald Wie bereits gemeldet, mußten zwei englische Flieger in dem Arakan Poma an der Bai von Bengal niedergehen, einem Gebiet, das als der schlimmste und unzugänglichste Urwald aus der Erde geschildert wird. Der eine von ihnen, Hook, der zurückbleiben mußte, wird jetzt gesucht, aber man hofft kaum noch, ihn lebendig aufzufinden. Der andere, Matthews, hat sich unter den größten Anstrengungen und Entbehrungen durchgeschlagen und wurde im Zustand« völliger Erschöpfung nach dem nächsten größeren Ort, nach Prvme, gebracht. Er ist jetzt wieder soweit hergestellt, um von seinen erstaunlichen Abenteuern zu berichten. Matthews gibt an, daß bei dem Flug Über den Arakanyoma die Aussicht so schlecht war, daß si« nur etwa einen Meter weit blicken konnten. Plötzlich stürzte die Masdsine in ein großes Bambusgebüsch, blieb dort einige Minuten hängen und gsstt dann auf den Boden, so daß sie im dichtesten Urwald, etwa 400 Kilometer non Prome, begrabcn waren. Da dieser kaum nach je von Menschen begangene, non Tigern und anderen wilden Tieren bevölkerte, von gisugen Insekten und Reptilien verseuchte Wold furchtbare Geicchren bietet, so befanden sich die Flieger in der schlimmsten Lage: sie beschossen, das Flugzeug zu verlassen, den ganzen Vorrat mitzunehmen und stch durch das undurchdringliche Dickicht durchzuschlagen. Als sie aber einige Zeit unterwegs waren, sanken sie, daß sie im Kreise gegangen waren, denn sie standen plötzlich wieder bei der Maschine. Sie brachen non neuem aus, erreichten«inen Fluß und folg'en diesem nun sieben Tage lang, nur mit ihren Fliegeran.zügen bekleidet, durch beständig« Sturzregen aufgehalten, schrecklich leidend unter der furchtbaren Hitze und den Insekten, die ihnen jeden längeren Schlaf unmöglick» machten. Wohin sie blickten, begegne:«» sie immer der»ndiirdzdrmglichen Wirrnis des Tropenwaldes, ohne jedes Zeichen einer menschlichen Niederlassung. Der Nahrunas- mittelvorrot ging immer mehr auf die Neige, und nad) dem siebenten Tage war Hook so erschöpft, daß er zusammenbrach. Er redete dem Gefährten zu. ihn zurückzulassen und Hilse zu suchen. Matthews bettete ihn so bequem wie möglich unter einem schattigen Baum am Fluh, ließ ihm einigen Vorrat zurück und setzte dann selbst die mühselige Wanderung durch den sumpffgen Grund fort, bis er auf einige Dorfbewohner am Rande des Dschungels stieß, die ihn sreundlich behandelten und nach Prome brachten. Ihre Versuche, nach Hook zu suchen, scheiterten an schweren Regengüssen, die das Land übefsluleten. (Eine Kuhhaut ergibt im Durchschnitt 15 bis 16 Kilogramm Leder, eine Pferdehaut dagegen nur etwa über 8 Kilogramm. Der erste Schlafwagen tauchte in Amerika im Jahr« l&jÄ auf. er hat also schon sein siebzigjähriges Jubiläum hinter sich.