Morgenausgabe Nr. 335 A 169 4?.Iahrgang Wöchentlich 8SPf� monatlich 3,50 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4.3S M. einschließlich 60 Pfg. PostzeiwngS' und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslands- abonnement 6.— M. pro Monat. * Der„Vorwärts� erscheint Wochentag- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel..Der Abend" Illustrierte Beilogen„Volk und Zeit" und �Kindersreund". Ferner "Frauenstimme". Technik".„Blick in die Bücherwelt".„Iugend-Dorwörts" und �Stadtbeilage". Nerline« Volksvlatt EsKniag 20. Juli 1930 Groß-Äerlin 15 Pf. Auswärts 20 pf. Die einspaltige Nonpareillezeil« 80 Pfennig. Reklame'eile 5.— Reich»- mark.„Kleine Anzeigen" das ettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. 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Daran ist sie gescheitert! Millionen Menschen sind arbeitslos, andere Millionen in ihrer Existenz bedroht. Die Wirt- schoflskrise, in die fast alle Länder der Welt hineingerissen sind, fordert immer neue Opfer. Diese Krise ist das Ergebnis der dapikalististhen Anarchie, nicht des Tonng-Planes. Sie trifft die Länder der Sieger, wie der Besiegten. S 6? w e r e Lasten für alle Volksschichten sind zur Linderung der Rot, zur Ueberwindung der Wirtschaftskrise und zur Gesundung der Reichsfinanzen erforderlich. Die Regierung Brüning wollte die Reichen und Leistungsfähigen verschonen und die Lasten den Armen und Schwachen auferlegen. Sie wollte die Bezüge der Arbeitslosen, der Kranken, der ehemaligen Kriegsteilnehmer, der Invaliden und Wöchnerinnen verkürzen und neben anderen ungerechten Lasten eine Kopfsteuer verhängen, die allen Grundsätzen steuerlicher Gerechtigkeit widerspricht und bisher nur Kolonialvölkern aufgezwungen wurde. Die Sozialdemokratie weiß, daß ohne Opfer der Allgemeinheil den Millionen Arbeitsloser keine neue Arbeil verschafft, die Existenz der Arbeilenden nicht geschützt werden kann. Sie hielt es daher für ihre Pflicht, nach Heranziehung der Leistungsfähigsten auch die in ihrer Existenz gesicherten Volkskreise zu belasten. Ihre Versuche einer gerechten Lösung sind gescheitert. Denn auch in diesem Reichstag standen nur 152 Sozialdemokraten 34g Abgeordnelen anderer Parteien gegenüber, und die Regierung Brüning wollte gegen die Sozialdemokratie und mit der Rechten regieren, wie es der Reichspräsident be- fohlen hatte. Anter dem Kabinett Hermann Müller ist es der Sozialdemokratie gelungen, gefährliche An- schlüge der Reaktion zurückzuweisen und wertvolle Zugeständnisse für die Arbeiterklasse zu erzielen. Damals konnten die Verschlechterungen der Arbeitslosenversicherung abgewehrt, Löhne und Gehälter geschützt werden. Als Ende 1928 die rheinischen Großindustriellen eine Bierlelmillion Arbeiter aussperrten, um die Löhne zu senken. wurden die Ansgcsperrlen aus Reichsmitteln unterstützt, und der Angriff wurde abgeschlagen. Die Regierung Brüning dagegen hat im Mai 1939 durch den Schiedsspruch von Oeynhausen einer Lohnkürzung zugestimmt und damit das Signal zu einer allgemeinen Kürzung der Löhne und Gehälter ge- geben, ohne das Versprechen der Preissenkung einlösen zu können, weil sie Karlelle und Trusts unbehelligt ließ. Es folgte die Verschlechterung der Arbeitslosenversicherung, der Krankenversicherung, der Verkürzung der Zu- schüsie für Invaliden und Wöchnerinnen, die unter der Regierung Müller erhöhl worden waren. Der Kampf der Sozialdemokralie gegen diese soziale Reaktion ist nich! nur ein Kampf um das Recht des Par- lamenls, sondern auch ein Kampf umdasRechtdesVolkes. I Dieses Recht des Volkes wollen auch die Nationalsozialisten, die erklärten Anhänger der Diktatur, vernichten. Sie wollen die brutale Gewalt mit Mester und Revolver zum staatlichen System erheben. Dabei leisten ihnen die Kommuni st en durch ihre Kamstfmelhoden wie durch die Zersplitterung der Arbeiterschaft wertvolle Dienste. Wähler und Wählerinnen, nicht die Diktatur soll regieren, sondern die Demokratie. Das Kapital will herrschen durch Diktatur. Demokratie aber ist Herrschaft des arbeitenden Volkes. Ohne Demokratie kein sozialer Fortschritt, keine Gesundung der Wirtschaft, keine Beseitigung von Rot und Elend! Wähler und Wählerinnen, setzt euch zur Wehr gegen den Bürgerblock und seine Helfer! Gegen die Regierung Brüning, die mit dem Großkapital verbrüdert ist und die Rechte der Arbeiterklasse niederschlagen will! Vorwärts zum Kampf für Demokratie und Sozialismus, für das arbeitende Volk, für die Sozialdemokratie! Berlin, �9. Juli 1930. Oer Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. In den Wahlkamps! Von?eter Grshinann, Vortitzend«n de« Allgem. deutschen Gewerksthafisbundes. Im Frühjahr dieses Jahres, nach der Zerfall der Großen Koalition, hat ein Führer der Demokratischen Partei auf einer Tagung das Wort geprägt:„Die Emanzipation der Arbeiterklasse ist beendet." Dieses Wort, in einem Bericht über die damalige politische Situation belläusig Hin-l geworfen, ist charakteristisch für die Einstellung nicht nur dieser von galoppierender Schwindsucht erfaßten Partei zu der Arbeiterbewegung, die für den Nachweis ihrer noch längst nicht abgeschlossenen geschichtlichen Mission auf die ständig wachsende Zahl ihrer Anhänger sich berufen kann, sondern für die Haltung fast aller bürgerlichen Parteien in den letzten Jahren. Es ist aber doch bezeichnend, daß gerade ein Führer dieser Partei, die bis vor wenigen Jahren sich immerhin bereit fand, an dem Ausbau der deutschen Sozialgesetzgebung im Geiste der Weimarer Verfassung mitzuarbeiten, sich mit so naiver Offenheit zu diesem reaktionären Standpunkt bc-> kennt. Die bürgerlichen Parteien, die sich in der N e g i e r u n g Brüning zur Tätigung politischer Handelsgeschäfte zu- sammengefunden hatten, waren, jede für sich, schon seit langem des fortschrittlichen Ausbaues der sozialen Einrichtungen der deutschen Republik müde geworden. Man braucht nur an die Haltung der demokratischen Presse zurückzudenken, die während der ganzen Zeit als die Unternehmer ihren systematischen Angriff gegen die deutsche Sozialpolitik, insbesondere aber gegen die Arbeitslosenversicherung führten, mit einer immerhin bemerkenswerten Dienst-, Willigkeit in Schilderungen der Mißbräuche schwelgte, die angeblich mit dieser neuen Institution von den Arbeitslosen betrieben wurde. Die bürgerlichen Parteien fanden, es sei für die Arbeiterklasse durch die Gesetz, gcbung der Nachkriegszeit genug und übergenug geschehen, es sei endlich an der Zeit, nicht nur das Tempo dieser Eni- Wicklung zu mäßigen, einen Stillstand im Ausbau eines neuen sozialen Arbeits- und Wirtschaftsrechtes herbeizuführen, sondern unter einem Namen, der das Ansehen der Firma nicht schädigte, auf einen Abbau der sozialen Leistungen, auf eine„Entpolitisierung" der Sozial- Politik, auf eine Verminderung des Einflusses der Staats- gewalt im Schlichtungswesen, in der Arbeitslosenversicherung hinzudrängen. Der Name war bald gefunden. Wer sagt etwas vom Abbau der sozialen Leistungen? Nur die Sozial, demokratie, nur die Gewerkschaften können diese vom liebe- vollsten Wohlwollen der bürgerlichen Parteien getragenen Bestrebungen in so schnöder Weise verkennen. Nein, nicht um Abbau der Leistungen, nur um„R e f o r m" des Schlichtungs- wesens,„R e f o r m" der Arbeitslosenversicherung, „R e f o r m" der Krankenversicherung ging es diesen Bieder, Männern, die ein so offenes Ohr für die Wünsche der Arbeit- geber hatten und sich taub stellten gegenüber allem, was ihnen von seilen der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie an begründeten Einwendungen und wohl überlegten Vor, schlügen vorgebracht wurde. Das Wort„Reform" hat in den letzten Jahren seinen. ursprünglichen Sinn verloren. Es ist nur noch eine pathetische Bezeichnung für bewußte planmäßige Verschlechterung. Bis zum Beginn dieses Jahres, bis zum Abschluß der Haager Verhandlungen über die Regelung der Reparationen hätte freilich keine der Brüning-Parteien aus außenpolitischen Rücksichten den Kampf gegen die Sozialdemokra, tie und die Gewerkschaften offen aufzunehmen ge- wagt. Erst als die grundsätzliche Regelung der großen Fragen der deutschen Außenpolitik gegen die damals erst halb zer- schlagene Deutschnationale Volkspartei und gegen die Splittergruppe der Volkskonseroativen Vereinigung, die der Regierung Brüning den Adjutanten und Berater des Reichs, Präsidenten gestellt hat, durchgesetzt worden war, erst dann war die Gelegenheit günstig, sich des imbequemen Partners zu entledigen und das Problem der Verteilung der inneren Lasten im engsten Kreise der bürgerlichen Familie zu lösen. Alle Angriffe auf die deutsche Sozialpolitik, die im Jahre 1929 von feiten der Unternehmer und der für ihre Wünsche schon damals überaus hellhörigen bürgerlichen Parteien unter- nommen worden sind, dienten keinem anderen Zwecke, als nach der Regelung der Reparationen den Kampf um die Lastenverteilung in geschlossener Front gegen die Sozialdemokratie und Gewerkschaften führen zu können. Die überraschende Schnelligkeit, mit der der Reichskanzler Brüning, in den späteren Monaten an Pyrrhussiege und ver- f Nichten de Niederlagen gewöhnt wie kein anderer Kanzler des' Deutschen Reiches, über Nacht sein fertiges Kabinett dem Reichstag präsentierte, läht keinen Zweifel aufkommen, daß diese Koalition, in der„der Haufen der Interessenten" seine politische Vertretung fand, von langer Hand vorbereitet war. Es ist die Koalition der Parteien, die, nach der Sicherung der äußeren Freiheit, der inneren Freiheit des deutschen Volkes und der deutschen Arbeiterschaft am besten zu dienen glaubten, indem sie es, soweit es in ihren Kräften stand, be- freiten— von den Fesieln der Sozialpolitik. Nach der Auffassung dieser Regierung, die im Amt ge- blieben ist, obwohl sie das Vertrauen des Volkes nicht mehr genießt(es darf füglich bezweifelt werden, ob sie es je hatte), hat der Deutsche Reichstag durch seine gestrige Entscheidung gegen ihr verfassungswidriges Vorgehen bewiesen, daß das deutsche Volk„kein S t a a t s v o l k" sei. Aber eine Regie- rung, die sich bisher nur mit HUfe derjenigen Parteien ihrer Hindenburg-Stellung halten konnte, die vor einem halben Jahre das Volksreferendum gegen die Politik Stresemanns führte und die ein erNärter Feind dieses Staates ist, eine solche Regierung von Hugenbergs und Westarps Gnaden hat nicht das Recht, im Namen eben dieses Staatsvolkes zu sprechen. Das Volk, das sich zu diesem Staate bekennt und seine Ge- samtinteressen Sonderwünschen einzelner Interessenten- gruppcn überordnet, ist nicht in den Parteien, die in dieser Regierung zusammengekoppelt sind, repräsentiert, sondern i n den Reihen der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften. Es ist ein an Zynismus grenzendes Spiel mit Worten, wenn Sonderinteressen ein- zelner Wirtschaftsgruppen, wie sie die Wirtschaftspartei bei der Konsumvereins- und Warenhaussteuer oder der Ge- meindegetränkesteuer, die Bayerische Volkspartei bei der Bier- steuer vertreten haben, oder die Sonderinteressen der besitzen- den Schichten, um derentwillen die Deutsche Voltspartei den höheren Steuerzuschlag für die großen Einkommen bekämpfte, in einem Atem genannt werden mit den Lebensinteressen der deutschen Arbeitnehmerschaft, wie sievonderSozial- demokratie und den Gewerkschaften vertreten werden. Die Lebensmöglichkeiten, die die deutsche Wirtschaft der Arbeiterschaft einräumt, der Arbeiterschaft, von der ihre Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit in erster Linie abhängt, find selbst für einen guten Teil derjenigen bescheiden, die noch in Arbeit stehen. Aber bei den Millionen, die den leiblichen Entbehrungen und seelischen Depressionen einer erzwungenen Arbeitslosigkeit preisgegeben sind, kann doch nur von einer bescheidenen Existenzsicherung gesprochen werden, die ihre brachliegende Arbeitskraft um ihrer selbst willen wie im wohl- verstandenen Interesse der Wirtschaft und des Volksganzen vor dem völligen Zerfall schützt. Die Verteidigung des Lohn- Niveaus gegen den von der Regierung Brüning mit unbe- greiflicher Nachsicht geförderten Lohnabbau, insbesondere gegen jene Bestrebungen, nach dem Vorbild der Arbeitszeit- Verordnung von 1923 auf dem Wege der Gesetzgebung den Unternehmern das Recht zu geben, Lohnvereinbarungen vor ihrem Ablauf zu kündigen, die entschiedene Bekämpfung des Abbaues der Leistungen auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung wie der Krankenversicherung— diese Politik, die gleicherweise von sozialpolitischen Erwägungen und wirt- schaftspolitischer Einsicht in die Bedeutung der Erhaltung und Steigerung der Massenkaufkraft für die Ankurbelung der Wirtschaft diktiert ist, diese Politik, die den Geboten staats- männischer Klugheit und menschlicher Solidarität init den am meisten betrostenen Volksschichten gleicherweise entspricht, ist mit der billigen Phrase„Jnteressentenpolitik" nicht zu er- ledigen. Die„Interessenten", d. h. jene Sorte Politiker und Vertreter wirtschaftlicher Gruppen, die auf Kosten ge- samtwirtschaftlichcr und gesamtstaatlicher Interessen Sonder- vorteile für sich in die Scheuer bringen wollen, finden sich, wie die Familienzwistigkeiten innerhalb der Brüning-Koali- tion beweisen, in hellen Scharen in dem bunten Heerlager der heutigen Regierung. Wag zusammenhielt war ein gemeinsames Interesse, eine gemeinsame Hoffnung: entweder auf dem Wege„antimarxistischer" Mehrheitsbildung oder aber für den Fall, daß es nicht gelang, rechtzeitig um Hugen- berg den Rest seiner Anhängerschaft zu bringen, durch den Mißbrauch des Artikels 48 den in den letzten Jahren syste- matisch vorbereiteten Generalangriff auf die deutsche Sozial- Politik siegreich durchzuführen. Aber es gab noch etwas anderes, was den„Haufen der Interessenten" fest zusammen- hielt: die all diesen Parteien der Regierung Brüning gemein- same und sehr begründete Angst vor Neuwahlen. Diese Parteien, deren Vertreter mit soviel beschwörendem Phatos vom„Staatsvolk" zu reden wußten, kennen keine größere Angst als die, das deutsche Volk um seine Meinung über ihre Politik zu befragen. Mit gutem Grunde haben sie sich, unter ständiger Beteuerung, daß der Ernst der Stunde keine Neuwahlen zulasse, bis zur letzten Minute gegen die Auflösung des Reichstages gesträubt. Sie wissen genau, daß mindestens einigen ihrer Koalitionspartner der Wahlkampf übel mitspielen wird, daß sie nichts zu gewinnen, nur zu ver- lieren haben. Zu keiner Zeit in den Naclstriegsjahren konnte die Sozialdemokratie mit größerer Gelassenheit in den Wahl- kämpf treten als nach dieser Periode würdelosen Schacherns um parlamentarische Mehrheiten, die jeweils nur mit Unter- ftützung Hugenbergs oder der billigen Drohung mit dem Artikel 48 zustande kamen. Diese Monate haben zur Genüge gezeigt, was dem deutschen Volke, was der deutschen Arbeit- nehmerschaft blühen würde, wenn es dem Rechtsblock wirk- lich gelänge, sich zu konsolidieren und die halbfaschistischc Herr- schaft aufzubauen, von der B r ü n i n g, T r e v i r a n u s und andere volkskonservative Politiker träumten. Es ist ein ge- schichtliches Pech, daß Brüning sich berufen fühlte, das Steuer des Reiches zu übernehmen, ehe der bürgerlich« Block gegen die Sozialdemokratie, auf den er seine Hoffnung'setzte, manövrierfähig mar. Aber es ist schmerlich ein historischer Zufall, daß ihm sein Versuch mißlang. Der Fehler in seiner Rechnung war, daß er die Macht der Sozialdemo» krotie und ihre Anziehungskraft auf weite Wirth im Rundfunk. Eine propagandarede für eine schlechte Sache mit schlechten Mitteln! Die Reichsregiemng will aktiv in den Wcchlkampf eingreifen. Sie Hot begonnen mit einem Wahlaufruf, dessen erster Satz eine grob« Entstellung der Tatsachen war, ein« Ge- schichtsklitterung, wi« sie. im Buch« steht. War das der Sinn der Aufforderung Brünings an die Zentrumsfraktion, den Wahlkampf aggressiv zu führen? Aggressiv heißt wohl unbeschwert durch Wahrhaftigkeit? D«r ersten glorreichen Tot ist die zweite auf dem Fuße gefolgt, Herr Joseph Wirth, der Reichsinnenminister, hat im Rundfunk auf der deutschen Welle ein« Wahlrede für das System Brüning gehalten. Di« zweite Tot ist der ersten würdig: Herr Wirth hat die Grundprinzipien einer demokratischen Versassung so sehr zum alten Eisen geworfen, daß er die neue Theorie«iner Minderheitsregierung entwickelte, der sich die Mehrheit zu fügen habe. So ungefähr hörte man es schon im Wahlaufruf der Regierung. Es zieht die eine Schuld die andere nach sich: man hat eine Minderheitsregierung gebildet, um die Sozialdemokratie auszuschalten. Nach der Tat entwickelt man die Theorie dazu, und eine reizende Theorie! Danach würde � die Partei der Arbeiterschaft entweder auf ewig von der Leitung des Staates ausgeschaltet sein und dürste das Gewicht ihrer Stimmen nur ausschließlich für Pro. jett« bürgerlicher Minderheitsgruppen einsetzen! Das ist so primitiv- naiv bürgerlich, so im wahrsten Sinne des Wortes bürgerblöcklich gedacht, so absolut undemokratisch, daß es genügt, darauf hinzu- weisen, wie die schlechte Sache Brünings den M a nn und Demo« kraten Wirch verdorben hat! Dazu tritt die Geschichtsklitterung Nummer zwei. Herr Wirth sprach gelassen den Satz aus:„Die Sozialdemokratie hat sich öfter Schwierigkeiten dadurch entzogen, daß sie bei schwierigen Situa- tionen aus der Regierung austrat, so war es im März." Das ist nicht nur unwahr, sondern geradezu«ine ungeheuerliche Berleumdung der Sozialdemokratie. Herr Wirth scheint niemals etwas von einer Deutschen Volks- partei, niemals etwas von Herrn Scholz gehört zu haben, nichts von einem Intrigenspiel Brüning-Treviranus, niemals von Absichten, die Sozialdemokratie auszuschalten! Nicht die Sozial- demokratie ist aus der Regierung ausgetreten— Herr Brüning und Herr Moldenhauer haben den Rücktritt der Regierung Hermann Müller erzwungen. Keine Geschichtsklittcrungen, Herr Wirth— die Wahrheit wird durchdringen, auch wenn Sie den Apparat des Rundfunks aufbieten, um sie zu bekämpfen! Wir erwarten, daß der Sozialdemokratischen Partei in kürzester Frist Gelegenheit gegeben wird, sich im Rundfunk zu dem Vortrag Dr. Wirths zu äußern. Liste i. Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Liste 1 ist bei den kommenden Wahlen wiederum die Liste der Sozialdemokratie! Im Reiche-Ministerium des Innern fand am Sonnabend eine Bssprechung mit Vertretern der bisher im Reichstag vertretenen Parteien-statt, die zu einer Uebereinstimmung dahin führte, daß die zehn ersten Plätze aus den Wahllisten sämtlicher Wahlkreise nach den bestehenden Bestimmungen in folgender Reihenfolg« festzusetzen sind: 1. Sozialdemokraten, 2. Deutschnätionale Volksportei, 3. Zentrum, 4. Kommunisten, S. Deutsche Volkspartei, 6. Deutsche Demokratische Partei, 7. Wirtschastspartei, 8. Bayerische Volkspartci, 9. Nationalsozialisten, 1l>. Christlich-National« Bauernpartei. Allen neuen Parteigruppierungen, dieeigeneKandidaten aufzustellen beabsichtigen, rangieren auf der Wahlliste hinter den bereits bei der letzten Reichstagswahl aufmarschierten Parteien. Oer Zweck der Ltebung. Sie wollen hinter �914 zurück: Die Regierung und ihre Wortführer reden jetzt große Töne, um ihre wahren parteipolitischen Absichten zu ver- tuschen, die„V o l k s k o n s e r v a t i v e n Stimmen" des Herrn Treviranus aber gestehen offen, was der Zweck der Bildung einer Minderheitsregierung und der Verbiegung der Verfassung war. Sie schreiben: „Denn der Nimbus, der der Sozialdemokratie heute noch bei einem großen Teil der Wählerschaft anhaftet, hätte für alle Zu-kunst einen entscheidenden Stoß bekommen, wenn es«iner nichtsozia- listischen Regierung in tatkräftiger Arbeit gelungen wäre, die unaufschiebbaren Reformmaßnahmen durchzuführen und damit die deutsche Staatspolitik auf eine neue Basis zu stellen. Nicht nur das Reich, sondern mit der Zeit auch Preußen wäre dann für die Sozialdemokratie verloren gegangen, und sie wäre in die Rolle einer Oppositionspartei zurückgedrängt worden, die sie vor dem Kriege war." Das war der Plan: die Sozialdemokratie, die Partei der deutschen Arbeiterschaft, sollte in der Republik von der Lei- tung des Staates und von der Mitbestimmung ebenso ausgeschlossen werden, wie sie es im Kaiser- r e i ch w a r, das Rad der Geschichte sollte hinter 1914 zurück- gedreht werden! Herr Treviranus hat mit Herrn Brüning ge- meinfam die Politik bestimmt, die zu diesem Ziele führen sollte. Sein offenes Geständnis schlägt alle Versuche zu Ge- schichtslügen über die Vorgänge der letzten Monate zu Boden. Die Ausschaltung der Arbeiterschaft vom Staate, der Versuch, ihren Staatswillen und ihr Staatsbewußtsein zurück- zudrängen, war der Sinn und Zweck der Regierung Brüning! Die Sozialdemokratie ist und bleibt eine Staatspartei. Die Herren Brüning und Treviranus werden sich nur die Köpfe einrennen, wenn sie mit solchen Absichten gegen sie anrennen. Es hat einmal eine Partei gegeben, die bei einer Wahl deklamierte:„Von roten Ketten macht euch frei..." Diese Partei weih heute, daß das Spiel für sie mit einer schweren Niederlage endet/ Herr Treviranus aber hat es noch nicht begriffen, er will jetzt den Befreier von den „roten Ketten" spielen. Oie Wahlen in Braunschweig. Sozialdemokratie erstrebt Zusammenlegung mit Reichs» togswahlen. Vraunschweig, 19. Juli.(Eigenbericht.) Eine Sitzung der Bezirksleitung und des Bezirksausschusses der Sozialdemokratischen Partei beschloß, der Landtagsfraktion zu empfehlen, die ursprünglich sür den 16. November d. I. vor- gesehene Braunschweiger Landtagswahl mit der Reichstagswahl am 14. September. zusammenzu- legen. Aus politischen Gründen wurde bedauert, die Landtogswahl nicht besonders verfolgen lassen zu können. Es bestand lieber- «instimmung, daß die drei Jahr« sozialdemokratischer Aufbauarbeit im Lande Braunschweig die Politik auf dem Gebiet des Steuer, und Schulwesens wie auch die Personalpolitik der drei Genossen in der Regierung jeder öffentlichen Kritik standhalten können und nach wi« vor das Ver. trauen der breiten Massen genießt. Nach der Braunschweiger Verfassung kann der Landtag' sich m't Zweidrittel-Mehrheit selbst auflösen oder durch Volksentscheid aufgelöst werden. Die sozialdemokratische Landtagsfraktion Hai auf- gefordert, die entsprechenden Voraussetzungen zur Selbstauslösung zu schassen._ Neuwahlforderung in Wien. Aufruf der Sozialdemokratischen Fraktion. Wien, 19. Juli.(Eigenbericht.)' In einem Ausruf an die Wählerschaft stellt die sozialdemokra- tische Fraktion des Nationalrats anläßlich des Eintritts der Sommer- parlamentspoufe fest, daß die bürgerlichen Parteien die Arbeiter- schast immer mehr ihrer Errungenschaften berauben wollen. Die Sozialdemokratie fordert Neuwahl; noch zittern die bürgerlichen Parteien vor dem Urteil der Wähler, und doch müssen spätestens im Frühjahr Neuwahlen erfolgen. Dann gilt es, ein Parlament zu wählen, in dem nicht mehr gegen die Sozialdemo- tratie regiert werden kann. Hindenburgs Nheinreise. Lleber Speyer, Ludwigshafen nach Worms. Speyer, 19. Juli.(Eigenbencht.) 1 Reichspräsident von Hindenb-urg ist heute am Ansang semer Rhcinlandreis« in der Pfalz eingetroffen. In Begleitung des bayrischen Ministerpräsidenten Held und des Außenministers Dr. C u r t iu s fand in Speyer eine große Besreiungsfeier statt. Es verdient festgehalten zu werden, daß Reichsaußenmiiiister Curtius in serner Ansprache mit warmen Worten Stresemanns ge- dachte, dein die Befreiung in erster Linie zu verdanken ist. Er wünsche im Augenblick nichts sehnlicher, als daß Strefemann hier an seiner Stell« stehen könne. Die Menschenmenge hatte bei diesen Worten in tiefer Ergriffenheit ihr Haupt entblößt. Die Weiterreise ging über Ludwigshasen und von dort mit einem Rheindainpfer nach Worms, wo die hessischen Regierungs- Vertreter unter der Führung des Staatspräsidenten Adelung an Bord kamen. Für Sonntag ist die große Besreiungsfeier in Mainz angesetzt, wo an Stelle des in Berlin unabkömmlichen Reichskanzlers Brüning der Reichsinnenminister Wirth die Festrede halten wird. Kreise des deutschen Volkes bedenklich unter» schätzte und daß er nicht das richtige Augenmaß dafür besaß, daß Hugenberg trotz und wegen seiner unbelehrbaren Hartnäckigkeit noch immer auf eine stattliche Schar unent- wegter Monarchisten rechnen kann, für die der Marxismus das rote Tuch ist, das ihren Verstand lähmt und sie um jede Besinnung bringt. Für die Gewerkschaften kann es in dem kommenden Wahlkampf, der um die Vertei- lu n g d e r i n nerenL astenund umdeuSchutzder Sozialpolitikooralldenengeführtwird. die sie„reformieren", d. h. verschlechtern wollen, nureinePartei geben, die sieunter dem Ein- satz ihrer. ganzen Kraft unterstützen wird, dieSozialdemokratie. In den vergangenen Iahren unermüdlicher Abwehr- kämpfe haben die Gewerkschaften und die So z i a l- demokratie Schulter an Schulter die Rechte der Arbeiterschaft verteidigt. Diese Bundesgenossenschaft, die sie seit ihren Anfängen verbindet, und in dem erbitterten Ringen um die Erhaltung der sozialen Errungenschaften. der Nach- kriegszeit ihre lebendige Kraft aufs neue bewährt hat, ist nie notwendiger gewesen als in diesem W a h l k a m p f, der zu einem Reichstag führen muß, der von Grund auf anders zusammengesetzt ist als der, der am Freitag sein Ende gefunden hat. Der Ausgang dieser Wahlen entscheidet über das Schick- sal des werktätigen Volkes in den nächsten Jahren. In diesem geschichtlichen Augenblick muß die deutsche Arbeiterschaft ihre ganze Kraft auf den einen Zweck konzentrieren, ihrer politi- schen Vertretung in dem neuen Reichstag eine Machtstellung zu verschaffen, die es ihr ermöglicht, der geschlossenen Front der Gegner der-Sozialpolitik ihren Willen aufzuzwingen und eine Wirtschafts- und Finanzpolitik durchzuführen, die eine gerechte Verteilung der inneren Lasten verbürgt und einen Weg aus der Wirtschaftskrise weist, der nicht über den rücksichtslosen Abbau der Löhne und der sozialen Leistungen führt. Das weiße Finnland. Oer Terror gegen die Arbeiterbewegung wird fortgesetzt. Helsiagfors. IS. Juli.(Eigenbericht.) Die sozialdemokratische Partei hat schärfsten Protest gegen die Entfnhrnng des Genossen Bürgermeister Hakkila bei der Regierung erhoben. Hakkila soll in- zwischen, nach mehr als 24ftLadlger Äutozwangs fahrt freigelassen worden sein. Der Innenminister hat angeordnet, daß kommu- nistische Wahlvorschläge zum Reichstag ungültig zu erkläre», alle kommunistischen Versammlungen und Zu» sammenküufte verboten sind. Die Auflösung der kom- munistischcn Organisationen geht weiter, ebenso die Schließung von Voltshäusern im Inneren des Landes. Auch werden sozialistische Jugendgruppen im Lande polizeilich überwacht. Kein estnischer Bauernaufmarsch. Reval. 19. Juli. Die von ausländischen Blättern gemeldeten Gerüchte über«inen Anmarsch estnischer Bauern aus Reval sind gänzlich unbegründet. Die Bersammlung der Landwirt«, die diese Gerücht« veranlaßt hat, hatte nur lokale Bedeutung. Aach Rußland verschleppt. Da der Vater nicht zurückkehrt, der Sohn als Geisel entführt! Hamburg, 19. Juli. Unter der Ueberschrist„Ein neu«r Sowjetfemefall* meldet das .Hamburger Echo* u. a.: Der bei der Derutra, der Deutschrussischen Loger- und Transportgesellschaft in Hamburg als höherer Angestellter seit vier- einhalb Jahren beschäftigt« Scha inhold erhielt vor kurzem aus Rußland die Aufforderung, innerhalb weniger Tage nach Rußland abzureisen, um sich dort zu oerantworten. Schainhold weigert« sich und wurde darauf in Abwesenheit in Rußland zum Tode ver- urteilt. Und nun ereignete sich folgendes: Am 3. Juli wurde der 18jährige Sohn Schainholds durch den in russischen Diensten stehenden Kanzleisekretär Schmidt nach Kiel gelockt, dort auf ein Schiff gebracht, das mit ihm sofort nach Rußland abdampfte. Was dort mit ihm geschehen ist oder geschehen soll, darüber fehlt dem Bater bisher jede Nachricht. Ver verdacht liegt nahe, daß der minderjährige, nach russischem Recht demnächst großjährige Sohn Schainhold» als Geisel der Tscheka dienen soll. Es oerlautet, daß auch amtliche Vertreter Rußlands in Hamburg bei dieser Verschleppung ihre Hand im Spiel gehabt hoben. Wir halten es für dringend notwendig, daß die Reichsbehörden sich dieser Sache annehmen und der Oeffentlichkeit baldigst dos Er- gebms ihrer Untersuchung und weitere Maßnahmen mitteilen. Eibirische Kolchose zerstört. Von Reservisten errichtet. Moskau, 19. Juli.(Ostexpreß.) Im sibirischen Bezirk Werchnc-Udinfk haben Dauern die beim Dcrf Jeljanfk vor kurzer Aeit neu«ingerichtete landwirtschaftliche Koirtmune völlig z e r st ö r t. Alles Eigentum dieser Kommune wurde verbrannt und ihr Leiter Lisunow erschlagen. Lisunow hatte sich mit mehreren anderen nach Ableistung seiner Wehrpslicht in der Kommune als Vorkämpfer der„Generallinie* be- tätigt. Die Bauern, welche die Kommune zerstört haben, werden in der Sowsetpresse als Kulaken und gefährliche Feind« der Kollektivie- rung bezeichnet. Das Armeeblatt fordert strengst« Bestrafung, weil andernfalls die aus der Roten Armee in die Dörfer zurückkehrenden kommunistisch geschulten Bauernsöhne entmutigt werden würden. Oer Kurdenkrieg geht weiter. Furchtbare Verwüstungen in Kurdistan. Angora, 19. Juli.(Eigenbericht.) Die türkischen Blätter haben ihre Darstellung, als ob der Kurdenaufstand endgültig niedergeworfen wäre, rasch wieder aus- geben müssen. Der türkische Sieg m der Schlucht von Seilaa, der einige Tage alle türkischen Blätter füllte, stellt sich lediglich als erfolgreiche, aber nicht entscheidende T e i l a k t i o n heraus. Die entscheidende Ofsensive gegen den Ararat, die auf den 18. Juli an- gesetzt war, ist verschoben worden. Das türkifchz Oberkommando hat jetzt zwei offiziösen Blättern die Berichterstattung vom Kriegsschauplatz gestattet. Sie berichten spaltenlang und lassen erkennen, daß der Widerstand der gut- bewaffneten und mit zahlreichen Maschinengewehren ausgerüsteten Kurden äußerst hartnäckig und erbittert ist. Die Kurden werden von früheren Offizieren der türkischen Armee geführt und leisten ihren militärischen Führern unbedingten Ge- Hörsum, obwohl sie unter Prnviantmangel leiden. Bisher hat sich kein einziger Kurden fta in m ergeben. Furchtbare Verwüstungen sollen durch den Kurdenkrieg in den türkischen Provinzen Wan und Bojasid bisher angerichtet worden sein. Amtlich wird gemeldet, daß in dem Bezirk Erdschisch fünf Dörfer, deren Bewohner sich dem Ausstand angeschlossen haben, völlig vernichtet worden sind. Die Presieberichterstatter melden weiter, daß allein im Bezirk Erdschisch bi-l>-r 2» 0 D ö r s« r v e r- n i ch t e t worden seien und im Bezirk Patnos kein einziges Dorf mehr bestehe. Femeprozeß Fahlbusch. Klapproths Spießgeselle kommt im Herbst vor Gericht. Nachdem die Ainncstievorlage im Parlament gescheitert ist,»st die Hauptverhandlung im Fememordprozeß F a l b u s ch aus den 15. Okiober festgesetzt worden. F-chlbusch wurde seinerzeit gegen Sicherheitsleistung aus der Hast entlasten. kein Wahlbündnis Hugenberq.HMer. Die Meldungen, daß zwischen Hilgenberg und Hitler«in Wahlbündnis abgeschlossen worden sei, wird von der Leitung der National- sozialistischen Partei dementiert. Ein gleiches Dementi liegt auch von der deutschnationalen Prestestellt vor. Die Auflösung im Auslandspiegel. Die deutsche EyziMemokraiie als Damm gegen Faschismus. Paris, 19. Juli.(Eigenbericht.) Neben aller Besorgnis über den Ausgang der Reichstagsncu- mahlen, die mitten in schwerer Wirtschastskrise und in schwierigsten Verhandlungen über den Europa-Pakt stattfinden sollen, zeigt die Pariser Presse doch wieder einige Zuversicht. Zwei Gründe sind es vor allem, die sie dazu bestimmen: die Hoffnung, daß die bürgerlichen Ntittelparteien endlich die Unmöglichkeit einer Koalition mit den ideutschnationalen«ingesehen haden. dann aber die Ansicht, daß es der S oz i a lde m o kra ti« gelingen werde, olle demokratischen und republikanischen Kräfte in Deutschland unter ihrer Fahne zu sammeln. Der reaktionäre„Avenir* erklärt, daß Hugenberg seine Partei als Regierungspartei vollkommen unmöglich gemacht habe. Hugen» bcrg, so erklärt der sozialistische„Populaire*, habe zwar in der Regierungskoalition Brüning das Uebergewicht gehabt, er habe sich jedoch allzu große Illusionen über die politische Bedeutung seiner Scharen gemacht. Auf jeden Fall, schreibt„Oeuvre*, müsse das Abenteuer der Reichstagsauflöfung den gemäßigten bürgerlichen Parteien die Lehre einschärfen, daß sie allzu gemäßigt und allzu charakterlos gewesen seien. Der„Matin* sagt, wenn die Mittel- Parteien erst den Wind der Katastrophe gespürt hätten, dann würden sie sich entschiedener als bisher für die Demokratie und die Republik bekennen. Di« Sozialdemokratie, so schreibt das„Journal*, seü heut« die Siegerin. Sic scheine aber auch am besten für den Wahlkampf vor- bereitet, erklärt die„Bolonlö*. Selbst Pertinax im„Echo de Paris* gibt zu, daß die SPD. als Oppositionspartei einen besonders gün- stigen Stand habe, und daß sie daher mit Erfolg versuchen könne. alle jene um sich zu scharen, die über die Politik der Improvisation und des ewigen Schwankens unter der letzten Regierung unzufrieden seien. Der Mißerfolg der Halbdiktatur Brüning zeige übrigens, er- klärt das„Oeuvre*, daß die Kräfte der Demokratie, die dje Sozial- demokratie zum Kamps anführe, stark genug seien, um auch später eine offene Diktatur etwa siegrcülier Nationalsozialisten u n- möglich zu machen. Die Sozialdemokratie ollein. sagt der„Popu- laire", hat sich in Deutschland als die sicherst« Verteidigerin der Re- publik und der Demokratie erwiesen. Alle bürgerlichen Parteien hätten schamlos vor Brüning kapituliert, weil sie ihre kapitalistischen Interessen höher stellten als die Derfassung und die Gesetzlichkeit. Die Sozialdemokratie sei der einzige Damm gegen Diktatur. Faschismus und Mililarismus. Das werde heute auch die Kleinbourgeoisie eingesehen haben, die demokratisch eingestellt sei. Auch der„T e m p s" erklärt, daß die neue Krise«ine schwere Belastungsprobe für die Berfastung und die Republik darstelle, zumal auch die Person des Reichspräsidenten mit in den Kampf gezogen worden sei. Viermal in einem Jahrzehnt habe der Reichstag aufgelöst werden müssen,«in beunruhigendes Zeichen dafür, daß die bürgerlichen Parteien es nicht verstanden hätten, den Willen des Volkes in einer stabilen Regierung zur Geltung zu bringen. Eine Reichstagsauflösung aber um finanzieller Differenzen willen sei einfach unoerstSMi'ch. Sie beweise, daß die Regierungsparteien des politischen Mutes ermangelten. Es zeig« sich heut« wiederum, welcher Verlust für' die bürgerlichen Parteien in Deutschland der Tod Stresema n n s gewesen sei. Die große Siegerin des Tages, fährt der „Temps* fort, sei die Sozialdemokratie. Sie steh« um so günstiger da, als die Deutschnationalen sich bei der-entscheidenden Abstimmung übernommen hätten und die Einheit ihrer Partei m die Brüche gegangen sei. Hugenberg habe es glücklich fertiggebracht, sich den Ruhm des Totengräbers der Deutschnatio- nalen Partei zu verdienen. Di« Wahlposition der Sozial- demokratcn in der Opposition gegenüber der Regierung sei ins- tresondcrc.auch insofern günstig, als. der Reichskanzler die Wohl- jchlacht um die neuen Steu-rn zu schlagen beabsichtige. Besorgnisse in England. London, 19. Juli(Eigenbericht.) Die Berliner Berichterstatter/ r.cr englischen Presse telegra- phieren ihren Zeitungen ausführlich über die Reichstagsauflösung und die schwere. innere.Krise des Reiches. M't Ausnahme der liberalen„News Cronicle" und des„Manchester Guardian" hat jedoch kein Blatt eine eigene Stellung zu den Ereignissen in Deutschland eingenommen. Der Korrespondent der„M o r n i n g Post* glaubt, daß jetzt nach der Spaltung der Völkischen und der Deutschnationalen der Trennungsstrich zwischen Hitler und Hugenberg verwischt sei. Wahrscheinlich würden die K o m m u n i st« n im Wahlkampf gewinnen und die So- z i a l d e m o k r a t e Ii' nr i t alter Stärke' zurückkehren.' „News Crpniclc" gibt seinem Bericht die Ueberschrist: „Hindenburg als Diktator", und darunter verösfentlicht das liberale Parteiorgan eine Landkarte Europas, in der die Länder der Diktatur schwarz schraffiert sind. Auch über Deutschland liegen diese schwarzen Schatten und der Leitartikel des Blaues de- ginnt mit den Worten:„Die neueste Diktatur." Darin heißt es u. o., die Situation für Deutschland sei besonders in finanzieller Beziehung schwer und die gegenwärtige Lage ein Schiag für die noch nicht einmal allzusehr gescstigte deutsche Demokratie. Bielleicht werde jedoch dieser Schlag auch etwas Gutes für Deutschland haben und das Land lehren, daß die parlamentarischen Institutionen, wenn sie gut« Arbeit leisten, extreme Lösungen vermeiden und den Kompromiß snchen müssen. Wahrscheinlich werden die Reichstagsauslösung das E.n de der D e u t s ch n a t i o n a I c n bedeuten und vielleicht den Anfang einer wirklich konservaiivcn Partei nach englischem Muster. Den„M a n ch e st e r Guardian" hat seit Tagen sein Berliner Korrespondent in gut gesehenen Telegrammen über die politisch- parlamenlarische Lage unterrichtet. Im heutigen Leit- artikei des Blattes wird der Hergang der Ereignisse, die zur Reichs- tagsausläsung geführt haben, noch einmal erzählt und dazu ein- gesügt, die Zukunft Deutschlands fei dunkel. Wahr- [cheinlich würden die Extremen im Wahlkampf gewinnen und oben- drein seien deren Kampfmethoden derart, daß es sehr leicht zu ernsten Unruhen während des Wahlfeldzuges kommen könne. Es habe auch nicht den Anschein, als würde sich durch die kommend« Wahl viel in der Zusommenseßung der künftigen Fraktionen ver- ändern und dadurch könne das alte parlamentarische C h a o s �wiedertommen. Zum Schluß meint der„Manchester Guardian", das parlamentansche System Deutschlands könne in naher Zukunft ernstlich angetastet werdein Es sei deshalb zu hoffen, daß in Deutschland olle, die dies« Besorgnis hegen, sich gegen die romckntischen Extrem«, gegen Kommunisten und Ratio- nalsozialisten.z u s a m ni e n s cht i c ß« n werden. Bei den hier aus allen Staaten zum I ti t e r x a r l a m e n- tarischcn Kongreß versammelten Staatsmännern wird seit Tagen die Lage in Deutschland viel debattiert und mit großer Besorgnis betrachtet. Aus der Partei. Ein Wettbewerb der amerikanischen Genossen. Gemäß einem Beschluß des Parteworstandes der Sozialistischen Partei Amerikas wird das Parteisekretariat einen„I i in m i e> Higgins-Wettbemerb", genannt nach dem berühmten Held des Kriegsromans von Upton Sinclair, eröffnen. Der Wettbewerb soll feststellen, wer der beste Parteiarbeiter, der beste„Iimmie Higgins" in den Bereinigten Staaten ist. Er wird am 1. September beginnen und bis zum 1. März des nächsten Jahres dauern. Eine Anzahl von Preisen wurde gestiftet, darunter: Erster Preis: Eine Reise nach dem„roten Wien' und zum Internationalen Sozialistenkongreß im Juli 1931 mit bezahlten Reise- und Unterhaltskosten. Zweiter Preis: Ein Jahr in der Ar- beiterschul« von Brookwood oder ein Semester in der Randschule für Sozialwissenschaften noch freier Wahl des Gewinners. Di« Preis- Verteilung wird auf folgender Grundlage geschehen, wobei das Haupt gewicht gelegt wird auf erstens: Anzahl der neugewonnenen Partei- Mitglieder. Zweitens: Anzahl der neugewonnenen Mitglieder des Verbandes der Jugendorganisationen. Drittens: Zahl ier für sozialistische Zeitungen gewonnenen Abonnenten. 23 ovo Dollar gesammelt. Aus der letzten Sitzung des Parteioorstandes der Sozialistischen Partei Amerikas teilte Max Lewis mit, daß der Feldzug zur Auf- bringung von Geldmitteln bis zum 25. Juni insgesamt 30 000 Dollar eingebracht habe, wovon 6 200 auf Unkosten entfallen, so daß ein Nettoüberschuß von 23 800 zur Verteilung übrig bleibt. Wochenprograimn des Berliner Rundfunks. Clnfcnbungen für diese Rubrik find • c r Ii■ SB«S, Lindeuit ratze 3, stete an das Bezirkesekretarial 2. Hos, 2 Trevueu recht», zu richte». 3.»reis Weddiu«. Maniag, 22. Juli, IS Uhr, bei Weube, Ztalaniesir. 147, Kreiskaiiferenz. 7.»reis. Sharlattenburg. Dienstag, 22. Juli, IDIb Uhr, erweiterte Kreis- vorftandsfitzung im Zimmer l des Rathauses. l8.»reis Weitzensee. Heute, Sanutag, 2». Juli, IZ Uhr, im Schiaß- m W park Weißensee, Valkssest. Mitwirkend«: Sinsonicorchrster, Mauncr»>Z W chor Weißense«, zwei Nünstlcrgruppcu von der Internationalen Ar- D p tisieulage, serner die buudestreuen Arbeitersportler, Fliegerstafsel vom? ty.Sturmvogel" usw. Feuerwerk,»inderbelustiguageu aller Art. Große» 0 M Feuerwerk. Eintritt 40 Ps.»iudcr frei. Heule, Sonntag, 20. Zuli: 24. Abt. Die Bczirksfllhrer iverden gebeten, die Einladungszcttel zur Anti. Kriegskunhgedung von ihren Gruppcn-fiihrern abzuholen. 84. Abt. Lantwiß. Die Seuossinuen und Genossen beteiligen sich mit alle» guten Bekannten, vor allem den Ztiudcr», an unserem Familienansflug am Sonntag, dem 2». Juli, nach Maelinower Schleuse. Ueberraschungeu für jung und alt sind vorgesehen. Tresspunlt um lZ'z Uhr an der Halte. stelle der Straßenbahn 100. Für Nachzügler sind an der Endhaltestelle Wegweiser angebracht. llg. Abt. Mariendorf. Bis zum 4. August werden die Kassengeschäft« vom Genossen Lenske. Schwerinslr. 72, geführt. 425. Abt. Weitzensee. Großes Volksfest im Schloßpark Weißensee. Großes künstlerisches Programm. Fcucrwerk. Eintritt 40 Pf. Kaffcckochen. Morgen. Montag, 21. Juli: 21. Abt. 19� Ilhr Vorstandssitzung in der Geschäftsstelle. Utrecht.er Stt. 21. 22. Abt. Die Mitgliedernersonmilung findet am MiLtwoch, dem 23. In!!, bestimmt statt. Montag, 21. Juli, IJHs Uhr, ssunktionärsitzung bei Senkel, Utrechter Str. 10. 43. Abt. 19� Uhr bei Thielcrt, Liegnitzer Str. 10. l?un?til>närstkung. 4e. Abt. 19'/� Uhr bei Eichbolz, Cuvrystr. 2S, ssunklionärsitzung. Die De- zirksfUhrer haben vollzählig zu erscheinen. Dienstag, 22. Juli: 1K. Abt. 19!C« Uhr bei Krllgcr, Hufsttenstr. 34, Ecke Stheringftraße, Wtglieder- Versammlung. Vortrag: �Die politische Lage". Referent: Max Heydemann. 92. Abt. Neukölln. Achtung, Bezirksführcr! Die Mr Dienstag. 22. Juli, an- gesetzte Besprechung mit dem Abteilungsvorstand findet wegen der all- gemeinen Funktionärversamntlung am Mittwoch, dem 23. Juli, 20 Uhr, bei Wolfs. 51aiser.5sricdrich-Etr- 173, statt. Genossinnen und Genossen, die gewillt sind, bei der Anfertigung der Wahlkartei mitzuwirken, bitten wir um Mitteilung ihrer Adressen an den Genossen Kurt Exner, Wilden- bruchstr. 8, IV. 193. Abt. OberschLneweide. 191s Uhr im Lokal Sachs, Schillerpromenade 2, wichtige Sitzung sämtlicher Funktionäre. Mittwoch, 23. Zuli: 54. Abt. Eharlottenbueg. Um 21 Uhr Funktionärsißung bei Caspar, Guericke- straße l. Dorstanb ein« Stunde früher. W. Abt. Steglitz. 20 Uhr bei Echellliafe, Ahornstr. 15a, Funkiionärstßung. Zrauenveranstaltung. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Die bestellten Bilder vom Ausflug nach Buch UÄ am Montagabend um 20 Uhr von Klug, Danziger Straße, abzuholen. J). Abt. Dienstag, 22. Juli, ssraucuousflug nach Saatwinkel. Mit der Stadtbahn bis Gartenifeld fahren(20 Pf.), Iungfcruheide umsteigen. Treffpunkt 10 Uhr Gartenfeld. Nachzügler Rettungsstelle des Arbeiter- Eamaritcr-Bundes in Saatwhifel. Sonntag, 20. Juli: 6.30: Funkgymnastik. 7: Aus Hamburg; Hafenkonzert. 8: Für den Landwirt. 8.50. Morgenfeier. Anschließend Glockengeläut des Berliner Doms. 10: Vom Deutschlandsender: Gedenkfeier für die Kriegsgefallenen. 10.05: Wettervorhersage. 10.45: Elternstunde. 11.15; Aus Mainz: Festakt anläßlich der Anwesenheit des Reichspräsidenten. 13; Aus Leipzig: Mittagskonzert. 15: Jugendstunde. 15.30: Andr6 Maurois. 16: Bunte Stunde. 16.40: Reportage von der Rennbahn Grunewald. 17.05: Blasorchesterkonzert. 18.25: Nordische Lieder. 18.35: Amüsantes in Kurzgeschichten. 19: Schallplattenkonzert. 19.20: Sportnachrichten. 19.30; Programm der Aktuellen Abteilung. 20: Aus der Ausstellung„Alt-Berlin"; Orchesterkonzert. Danach Tanzmusik. Montag, 21. Juli: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt.. 14: Schallplattenkonzert 15.20: Probleme der Küchen. 15.40: Versäumte Gelegenheiten. 16.05: Estland, Land und Leute. 16.30: Lieder. Anschließend Konzert. 17.30: Jugendstunde. 18: Erlebnisse eines Tropen-Journalisten. 18.30: Jugend vor und nach dem Kriege. 19: Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. 19.05: Unterhaltungsmusik. 20.30; Aus Wien: Konzert Danach Tanzmusik, Dienstag. 22. Juli: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert 11.45; Vom Deutschen Eck, Koblenz: Empfang des Reichspräsidenten. 12.30: Aus der Stadthalle Koblenz: Befreiungsakt der preußischen Staatsregierung. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Die Mitarbeit der Kinder im modernen Haushalt 15.40; Wanderungen durch deutsche Gebirge. 16.05: Der Hausarzt 16.30: Aus Leipzig: Beethoven-Konzert 17.30: Jugendstunde. 17.50: Stunde mit Büchern. 18.20: Das Interview der Woche. 18.40: Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. 18.45: Unterhaltungsmusik. 20.30:„Der Marsch zu.n Salzmeer", Hörspiel. 21.30: Hammerklavier-Sonate. 22.15: Vom Deutschen Eck, Koblenz: Reportage von der Ehrenrundfahrt des Herrn Reichspräsidenten auf dem Rhein. Mittwoch, 23. Juli: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frülikonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Nebenverdienst für Frauen. 15.40: Technische Wochenplauderei. 16.05: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30: Teemusik. 17.20: Jugendstunde. 18; Gibt es noch Drachen? 18.30: Rechtsfragen des Tages. 19: Lieder. 19.25; Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. 19.30: Vom Privaten in der heutigen Literatur� 20; Erfolg in der Oper. Danach Tanzmusik. 0.30: Nachtkonzert. Donnerstag. 24. Juli: 6.30; Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Die Viertelstund« für den Landwirt. 14; Schallplattenkonzert, 15.20; Seltsame Menüs. 15.40: Berliner Salons. 16.05: Konzert. 17.30: Sportliche Improvisationen. 17.50: Jugendstunde. 18.15: Sozialpolitische Umschau. 18.40: Acht Jahre um die Welt. 19.05: Chorgesänge. 19.30: Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. 19.35: Die Erzählung der Woche. 20: Wovon ra�n spricht. 20.30: Altes und Neues im Tanz. 22.30: Unterhaltungsmusik. Freitag. 23. Juli: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Die Frau in Australien. 15.40; Technik im modernen China. 16.05: Berühmt gewordene Prophezeiungen. 16.30: Aus Leipzig: Orchesterkonzert. 17.30; Jugendstunde. 18: Vom Bergsteigen. 18.25: Das neue Buch. 18.35: Programm der nächsten Woche. 19.05: Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. 19.10: Unterhaltungsmusik. 20.40; Jüngste Lyrik. 20.55: Beethoven-Konzert. 21.20: Jüngste Lyrik. 21.35: Mozart-Konzert. Danach Tanzmusik. Sonnabend, 26. Juli: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt 14; Schallplattenkonzert 15.20; Jugendstunde. 15.40: Pommern als Reiseland. 16.05: Buchführung und Stcuerrecht 16.30: Unterhaltungsmusik. 18: Was jeder vom Sport wissen muß. 18.15; Die Juli- Revolution in Frankreich(27. Juli 1830). 18.40: Kleinstadtliteratur. 19.05: Arien und Lieder. 19.20:: Konzert 19.30: Pspgramm der Aktuellen Abteilung, 20: Tanzmusik. 20.30; Quer durch das Larifari. 21.30: Tanzmusik. Köni�swusterhausen. Sonntag, 20. Juli: Ab 6.30: Uebertragung aus Berlin. 18.30: Der Nil. 19; Indianische Phantasie. 19.30: Die österreichische Frau. 20: Deutscblandsender: Aus München: „Rosen aus Florida", Operette von Leo Fall. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Montag, 21. Juli: 16: Schallplattenkonzert. 16.30: Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17.30: Die ländliche Fortbildungsschule im Dienste der beruflichen Ertüchtigung. 18: Estnische Volkslieder. 18.30: Das Wesen der musikalischen Romantik. 19: Unterhaltende Stunde. 19.25; Stunde des Landwirts. 20: Deutschlandsender: Aus Köln: Abendmusik. 21: Aus Köln:„Kirmes", Anschließend Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 22. Juli; 16: Lebende Tiere in Schule und Unterricht. 16.30: Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30: Biologische Ferienspaziergänge am Ostseestrande. 18; Landsenkung und Landgewinnung an der Nordseeküstc. 18.30: Kulturkunde, Schule und Wirklichkeit. 19: Viertelstunde für die Gesundheit. 19.25: Was ist religiöser Sozialismus? 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft 20: Deutscblandsender: Aus Leipzig: Militärkonzert. 21: Oskar Wilde. Ein Gespräch von der Kunst und dem Leben. 21.40: Chansons. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Mittwoch. 23. Juli: J6: Aus Hambure; Nachmlttaeskonzert. 17.30: Die Molorislerunz Afrikas. 18: Solo Violine. 18.30: Uebertrajung aus Berlin. 19 Die Wiedergeburt der alten Friesenstadt Rungholt. 19.25: Stunde des Beamten. 19.55: Wetterbericht für die, Landwirtschaft. 20: DeutschlandscDder: Violinvorträge. 20.30: AusBreslau:„Der gutsitzende Frack", Komödie von Gabriel. Anschließend Uebertragung aus Berlin.• Donnerstag. 24. Juli; 16: Aus Berlin: Nachmitlagskonzert. 17.30: Arbeit mit einfachsten Lehrmitteln w der ländlichen Fortbildungsschule. 18: Weltpolitische Stunde. 18.30: Russische Musik im Spiegel russischer Kultur. 19: Der Weg zur Kunst 19.28: Stunde des Landwirts. 20: Deutscblandsender: Uebertragung aus Berlin. 20.30: Aus Hamburg: Romanisches Konzerl. Anschließend Programm des Berliner Senders. Freitag. 25. Juli: 16: Naturgeschichte Im Freien. 16.30: Aas Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30: Von der Weisheil des Ostens. 18: Reform der kommunalen Selbstverwaltung. 18.30: Das Erwachen Asiens. 19: Wochenende auf den Bermuda- Inseln. 19.28: Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. 19.85: Wetterbericht für die Landwirtschalt 20: Deutscblandsender: Konzert. 21: Aus. Köln:„Der Narr mit der Hacke" von Reinacher. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Sonnabend. 26. Juli: 16: Aus Hamburg: Nachmiltagskonzert. 17.30: Die schöne Ostseeküste. 18: Zur Psychologie des Angestellten. 18.30: Im Lande Don Ouichottes. 19: Unterhaltende Stunde. 19.25: Das Gesicht des Gartens im Juli. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft 20: Deutscblandsender- Klaviervorlrägc. 20.30: Ans Breslau: Die Entwicklung des Walzers. Anschließend Uebertragung aus Berlin. 31. Abi. Der sTronenobcnb fällt im Monat Juli aus. 54. Abt CHarlatteuburg. Dienstag. 22. fUiIi, 14'4 Uhr, finbet 6!» Peifeßung unserer Keiwsssn Franziska Senf auf bem Urueufriedhof Seestraße statt. Um zahlreickie Beteiligung wird gebeten. Reukelln. 83. Abt. Der fsranenabend fällt in diesem Mona! ans. Die De- noriimicu beteiligen sich restlos am Äonsnmkaffeekochen am Donnerstag, dem 24. Juli, im„Alien Eierhäuschen" in Treptow.— 04. Abt. Der fsrauenabend fällt ans. batür Mittwoch, 23. Juli, Ausflug Nach Tegel. Treffpunkt 1% Uhr am U-Bahnhof Bobbiitftraße. 108. Abt. Köpenick. Alle Geuosstnuen iresfen(ich Dienstag. 22. Juli. 35 ilhr. auf dem Sportplatz„Eiche" zum gaffeekodien. Um zahlreiches Erscheinen wirb gebeten. 333. Abt. Bohnsdorf. Mittwoch. 23. Juli, Kaffcckochen der Konfumgenossen- schnitz am Sportdenkmal. Alle Genossinnen beteiligen sich daran. l4l. Abt. Rosenthal. Der Tranenabcnb im Juli fallt aus. Dafür treffen sich die Genossinnen mit ihren Kindern am Donnerztag, dem 24. Juli, um Q'/j Uhr am Bahnhof Bosenthal zum Ausflug nach Birkenworder'Brirfc» lang. Gäste herzlich willkommen. Vezirksausschuh für Arbeikerwohlfahrk. 20. Kreis Reinicheubors. Die Besichtigung des Grünen Laufes in Tegel, Lcrmsdorfcr Straße, findet Mittwoch, 23. Juli, pünktlich 14% Uhr. statt. Treffpnntt vor dem grünen Laus. Da eine große Beteiligung angemeldet ist, können alle Abteilungen daran t�Inehmen. Wochenprogramm der sozialistischen Sludentenschaft. Orlsgruppe Berlin. Montag, 21. Zuli. 20 Uhr, Im Rohmen des Rednerfchulungskiirfus spricht Genosse Bogel. Mitglied des Pariewvrstanbes, über:„Nationalsozialismus— Faschismus". 20 Uhr. Seit S. S. Ausspracheabend. Thema:,.Osthilf«".— Dienstag, 22. Juli, 20 Uhr, Mitglicbcrvcrfammiung der Sekt, llninerfität im Bottragssaal der Partei,„Vorwärts"-Gtbäude, SW. 88, Lindenftr. 3. Refe- rat des Genossen Dr. Gnrianb:„Problems sozialistischer Bilbungsarbeit".— Mittwoch, 23. Zuli, 20 Uhr, Miigliedervcrsammluiig der medizinischen Fachschaft.— Donnerstag, 24. Juli, 20 Uhr, Arbeitsgeme!nsd>ast der sozialökonomischen ssachschafi:„Wanblungen des historischen Maierialismus". In der Hochschule für Politik.— Freitag, 25. Zuli, 20 Uhr, Juristische Fadi- schaft. Referat des Genossen Dr. Reumann:„Wirtschaftsverfasiung- fSiaat >md Wirtschaft).— Sonnabeab, 2«. Zuli, 17 Uhr. Eommerfest der©eltion Unincrsiiat im Tusculum am Tegeler See. Karlen sind im„Bund" zu haben. Wenn nicht anders angegeben, finden alle Veranstaltungen Im.Bund', NW. 6, Albrechtstr. 33. statt. Zungsozialisken. Für das mitteldeutsche Zungsozlalisteu-TeesfeR 1» Wittenberg am 8. und 3. August 3030 müssen alle Grupven die Gesamtzahl der arbeitslosen Teil- nehmer bis zum 28. Juli 3080 anmelden. Spatere Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werben. Ferner machen wie darauf anfmezksam. baß bez Meldeschluß für Um- und Abmeldungen zu den Sanberabteilungen der Volks. Hihne auf Freitag. 25. Juli, festgesetzt worden ist. Wir bitten um umgehende Nachricht an den Genossen Baetz, W. SO. Meinekestr. 21. Gruppe Reinickendorf. Mvniag, 2l. Juli, 20 Uhr, im Jugendheim Bei- nickendorf-Ost, Lindaucr Straße, Diskussion über togesxoliiische Fragen. In- gendiiche Parteigenossen. SAI.-Senossen. werden aebeten, sich zu beteiligen. Gruppe Eharlottenbueg. Montag, lO'/i Uhr, Vortrag des Genossen Kurt Zingeimann:„Der Nationalsozialismus". SAI.-Mitglieder und jüngere Parteigenossen willkommen. Jugendheim Rosinenstr.'4. Wllmezsbozf. Da das Jugendheim Wilhelmsaue 324 fvr drei Wochen gs- schlössen bleibt, treffen wir uns am Dienstag, dem 22. Juli, püicktlich um 20 Uhr, vor dem Leim zu einem Spaziergang(Besprelhung von polltische» und organisaiorischen Fragen). Geburksiage, Jubiläen usw. 43. Abt. Unserem Genossen Sezmann Kaiser die herzllchfte» GllidvInsA, zum 30jährigen Pazteijublläum. fGewerkschaftliches siehe 2 Beilage.? Verantwortlich sitz Politik: Dr. Gurt Geyer: Wirlschafl: S. Klingelhßfez; Dewerkschaftsbewegung: Otto Schindler! Feuilleton: s. L. Döscher: Lokale» und Sonstiaes. Fritz Karftädl: Anzeiaen: Th.«locke: sämtlich In Berlin. Verlag: Vorwarls-Verlag s. m. b. L. Berlin. Druck: Borwärls-Buchdruckerel und Verlagsanstall Paul Elngez u. Eo.. Berlin EW. 08, Lindenstraße S. Hierzu 3 Beilagen. s »ine Ol.«*0Ue lÖi GrÖ6e-toi '—— RademSSiS� «r» • Ben?>erf: t i iA c» r ü �—' ss!�r. Nr. 335* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnkag, 20. Juli 1930 Der seltsame Kreis von Goldmachern, der sich dicht an der Grenze Schönebergs im Südwesten Berlins eine Klause eröffnet hat, stammt selbstverständlich aus München. Denn was ein rechter Alchimist sein will, maß aus München kommen. Diese Stadt war und ist das Eldorado aller Goldmacher, von Marco Bragadir.o angefangen bis zu dem Franz Tausend unserer Tage. Es war nur früher etwas gefährlicher, die Münchener zum Narren zu halten. Als zum Beispiel Marco Bragadino Wilhelm V. von Bayern die Taschen dermaßen erleichtert hatte, daß dessen Thron zu wackeln anfing, da kostete das Bragadino den Kopf. Das war im Jahre 1591, also zur Blütezeit der Alchimie, wo die Goldmacherei dieses cyprischen Hochstaplers allerdings auch nur aus ganz gewöhnlichen Taschenspielertricks bestand. Sein Komplize war ein Apotheker, der eine stark goldhaltige Masse in seinem Laden bereit hielt. Vor jedem Experiment schickte Bragadino zu diesem Apotheker, wo er für etliche Heller die Masse holen ließ. Dann ging vor aller Leute Augen das Goldmachen los: die präparierten Steine wurden in einen rosafarbenen Saft getaucht, darauf mit allen möglichen Pulvern behandelt und schließlich in eine Pfanne gepackt, um das Gold herauszusehmelzen. Natürlich kam immer prompt das eingeschmuggelte Gold zum Vorschein, und man kann sieh die Wut der Münchencr vorstellen, als es nichts mehr daran za deuteln gab, daß Bragadino ein Schwindler war. Aber lassen wir das Lachen, es sind jetzt genau acht Monate her, daß Franz Tausend, der Sohn eines bäuerlichen Spenglers aus Aubig bei München, vor einem Kreis von Richtern. Siaatsanwätlcn. Polizeidirektoren und Münzfachleuten seine Experimente machte, nachdem er die Industriellen eines ganzen Kontinents, von denen man immerhin annehmen sollte, daß sie ihre fünf Sinne beieinander haben, am Hunderttausende von Mark gebrandschatzt hat. Er ist vielleicht heute noch der Favorit Ludendorffs. Man scheint also in München immer noch etwas für Alchimistcrei übrig zu haben, und deshalb wundern wir ans weiter nicht, wenn Herr Otto Wilhelm Barth, der Häuptling der Alchimistischen Gesellschaft Deutschlands, die in der Pallasstraßc ihr Quartier aufgeschlagen hat, aus München zugereist ist. Das Asyl in der pallasstraßc. Wir haken die Goldmacher von Berlin dieser Tag« besucht. Wir waren auf alles gesatzt. auf ganze Batterien von Retorten und Ampullen, auf brodelnde Tinkturen und giftige Dämpfe, aber als ein hagerer großer Mann in den Dreißigern seine riesige schwarz- umränderte chornbvlllc durch den Türspalt steckte, uns norfichteg musterte und dann sagte:„Na kommen Sie mal rein!", da war nichts non alledem zu sehen und zu riechen. Da stand vor jedem Fenster nur ein Schreibtisch, keine modernen Diplomaten, sondern winzige Tischchen aus llrgroßmutters Seiten mit dünnen, geschwungenen Beinen; so klein waren sie, daß nicht einmal der Telephonapparat auf der Platte stehen konnte, den hatte man auss Fensterbrett ge- stellt. Dafür hatte man aber durch das Zimmer eine spanische Wand gezogen, so daß man sich, wenn man an, Ofen stand, entscheiden konnte, gehst du nun in die Abteilung für Alchimie, in die Abteilung für Spagyrik oder in die Abteilung für Welldynainisnms. Denn in jeder Äbteilung war etwas los. In der Abteilung für Welt» dynamisnms, die aus einem Chaiselongue besteht, gegenüber davon ein Bildnis des Buddha, saßen zwei jüngere Männer und warfen sich ganze Wortballcn an die Köpfe. Wenn der eine die Polarisations- theorie des anderen nicht verstand, dann malte er ihm das auf, einen ganzen Zeichenblock hotten sie schon verbraucht. In der Abteilung für Spagyrik(ja, wie soll man dos nun erklären, vielleicht einigen wir uns auf folgende Formel: Spagyriker sind Leute, die so alt wie Methusalem werden wollen), da saßen zwü Frauen, die sehr noch Spagyrik aussahen und gleichfalls heftig disputierten, und die Ab- teilung für Alchimie, das war der Halbkreis vor dem Ofen und ein Bücherregal, vertraten Herr Dtto Wilhelm Barth und meine Wenig. keit. Bei uns war es entschieden am nettesten, es ist eben, eine eigene Sache, so longsam in die Geheimnisse her Alchimisterei eingeweiht zu werden. Ich will das nicht für mich ollein behalten: Die Alchimisten aus der Pallasstraße knüpfen an die besten Traditionen der hervorragendsten Alchimisten an. sie setzen fort, was Albertus Magnus, Roger Baco, Arnoldus Villanovanus und Rai- mundus Lullus leider unvollendet hinterlassen liaben. wie diese Männer suchen sie noch heute nach dem berühmten„Stein der weisen", was man aber nicht sagen darf, ohne sich zu blamieren, denn dann würde jeder waschechte Alchimist nur mit dem Finger auf unscreinen zeigen und sagen:„Haha, seht mal diesen Laien da an, weiß nicht einmal, daß wir„Roter Löwe" oder„Großer Elixier" oder„Magisterium" zu dem Stein der Weisen sagen." Man sagt also am besten so wenig wie möglich und läßt sich belehren. Der Kreis der Alchimisten ist so groß, daß sich die Herausgabe einer eigenen Zeilschrift lolpit, der größte Teil der Auflage geht ins Aus- land. ,F)oho," frage ich,„da veranstalten Sie dann wohl öfter ganze Weltkongresse für Alchimie?"„Nein," sagt der Herr aller Gold- inacher,„das machen wir anders: unsere Gesellschaft ist aufgeteilt in kleine Zehnergruppen, die untereinander korrespondieren. Jeder Gruppe wird eine Aufgabe gestellt, dann experimentieren unsere Freunde und leiten ihre Ergebnisse wieder der Zentrale zu. Dieses Material veröffentlichen wir aber nicht." Herr Borth zeigte mir ganze Pakete solcher Materialien: fleißige Leute müssen das sein, die Alchimisten, und ich fragte Herrn Barth:„Wo experimentieren Sie denn nun, ich sehe doch hier gar keine Retorten?"„Wissen Sie," wird Herr Barth zutraulich,„mit unserem Laboratorium haben mir Pech. Ich hatte eine schöne Kneipe gemietet, da wollten wir den Restanrationsrauin als Sitzungssaal für die Alchimistische Gesellschaft einrichten, und in der Küche wollten wir unser Loboratorium auf- bauen." Ich bemerkte dazwischen:„Da hätten Sie doch gleich eine Wasserleitung und eine Kcxhniaschiiie gehabt," aber Herr Barth war so in der Entwicklung feiner alchimistischen Pläne verstrickt, daß er meine Worte überhörte und sartfuhr:„Es wird olles noch ganz anders, wenn wir erst ein bißchen Ellenbogenfreiheit haben, dann nehmen wir nach ein Zinnner dazu und dann geht es richtig los. Mit der Kneipe, das hat si6> nämlich zerschlagen." Schade, dachte ich, erwarb noch die neueste alchimistische Literatur«ich schied von Herrn Barth, wie gute Freunde auseinandergehen, Rezepte zum Goldmachen. Ich habe diese Druckwerk« mit heißem Bemühen studiert und mir vor allem erst die vier alchimistrschen Grundregeln eingepaukt: l. Folge der Ratur. Es ist unnütz, bei Kerzenlicht nach der Sonne zu suchen. Viele hundert Taifunopfer. Die Raturkalastrophe an der japanischen Küste. Tokio. 19. Juli. Turch den furchtbaren Taifun, der Nagasaki und seine Umgebung heimgesucht hat. sind Taufende von Per- sonen obdachlos geworden. Hunderte sind umS Leben gekomme«. Acht Küstenschiffc und 83 Motor- sahrzeuge sind gesunken. Tie Eisenbahnlinien wurden ernstlich beschädigt. Der Gesamtschaden belauft sich ans fast 20 Millionen Yen. Zweites Klugbootopfer geborgen. Oeutscher Dampfer fand die Leiche Fräulein Nortrops. vanzig. 19. Juli. Der deutsche Dampfer„W. E. Frohne", der heute in den Donziger Hasen einlief, halte ein« weibliche Leiche an Bord, die bei Rixhoeft in der See gesunden worden war. Es handelt sich um das bei der Flugzeugkatastrophe in der Röhe von Vornhhlm mit verunglückte Fräulein Zlortrop aus Philadelphia. Die Lüche war bei der 2luffinpung noch mit dem Schwimmgürtel versehen. 2. E r st w i s s«, da n n h a n d l e. Wirkliches Wissen ist in dem Dreieck, welches aus dem Sehen, Fühlen und Verstehen ge- bildet wird. 3. Benutze keine gemeinen Prozesse. Benutze nur e i n Gefäß, nur ei n Feuer und nur e i n Werkzeug. 4. Unterhalte das Feuer ständig. Wenn man die geschmolzenen Metolle abkühlen läßt, bevor sie in höhere transmutiert sind, werden sie wieder hart, und der ganze Prozeß muß von Anfang an wiederhost werden. Verwende die unauslöschbare Lampe. Ihr Licht wird nicht verlöschen, es sei denn, es geschieht mit Gewalt. Wenn man das alles beherzigt, kann man langsam mit dem Experimentieren beginnen. Hier sind einige Rezepte, es fragt sich allerdings, ob sie auch' im Gasbratafcn gelingen: Zu chemisch reinem Silberpulver wird allmählich etwas Arsen- trisulfid und ein Jdecchen Anlimonoxsulfid gemischt, gut umgerührt und das Gemisch im elektrischen Osen eine Siunde lang auf 1?00 Grad erhitzt. In dem Schmelztiegel wird sich dann ein Bodensatz von gelbem Silber befinden. Das muß man pulverisieren, und hei der Analyse wird sich pures Gold ergeben. Oder: Man nehme 19 Gramm chemisch reinen Silbers und schmelze das Silber in einem Magnesiumschmelztiegel. Ist das Silber geschmolzen, dann gebe man 3 Gramm pulverisiertes Arsentristilfid hinzu, puste die Lampe aus, loste das Ganze erkalten und gewinne dadurch 0,096 Gramm reinen Goldes. Wenn man nämlich die Flamme noch eine ganze Stunde auf die Masse einwirken lasten würde, dann erhält man mir 0,007 Gramm Gold auf 10 Gramm Silber. Das Luden- dorff-Rezcpt ist etwas anderes. Da sich der Goldmacher Tausend recht gut in den Geheimnissen der Kabbala auskannte, war es ihm ge- lungcn, den Weisen von Zion den berühmten Stein der Weisen zu entlocken, den Herr Tausend die„Tinktur der Tinkturen" nannte. Diese bestand aus Bleichchlorid und Kaliumhydroxyd, man muhte sie mit Kalium und Natrium vermischen, alles zusammen schmelzen und langsam Quecksilber hinzutun. Nack) wiederholtem Erhitzen werden sich kleine Goldklumpchen am Baden zeigen. Es Zlveifte also noch jemand an den Fortschritten der Alchimie, Marco Braga- dino und Franz Tausend trennt die Kluft von Jahrhundertcn. Oer Doktor Eisenbari aus Dahlem. Es bleibt noch die Spagyrik übrig, eine Schwester der Alchimie. Die Leute sind ebenfalls zu einem Klub zusammengeschlosten, achtzig Mann sind sie ungefähr allein in Berlin, die Leitung obliegt einem Herrn aus Dahlem. Die Leute beschäftigen sich mit der Herstellung von Elixieren, die sie als dos non plus ultra aller Cdclmedikamenle bezeichnen. Wenn dem Doktor Eisenbart die Heilmethoden dcr Spagyriker bekannt wären, würde er sich noch im Grobe umdrehen. Kuriert wird folgendermaßen: Bei einem Patienten zeigen sich die ersten Spuren von Rotlailf, und zwar an der Stirn. Der Patient war schwerblütig. Er bekam sofort das Fiebermittel D12, dann das Blutmittel r> 3. Auf Stirn und Augen wurden nasse Umschläge von kräftigem Zitronenwasser gelegt. Dos Ergebnis dieser Prozedur war eine Schwellung dcr ganzen Srirn. Das macht einen Spagyriker abcr weiter nicht bange, der Patient nnißte seine Füße in ein Satz- fußbod stecken, dann wurde auf die Stirn mit starker Psorasalbc ein Kreis gemalt, darauf eisten Leinenläppchen gelegt. Dazu alle halb« Stunde einen kräftigen Schluck vom Fiebermittel D 12. Leichte Nahrung, das Zimmer gut ventiliert. Am zweiten Tag hatte der Patient 40 Grad Fieber und völlig verquollene Augen. Das raubt einem Spagyriker auch noch nicht die Ruhe, wieder wurde der Kreis gemalt, und die Schwellung ging nicht über die gezogen« Grenze. Am vierten Tag noch ein paar Fiebermittel, darauf Sinken der Temperatur, jetzt alle Viertelstunde Fiebermittel D 20,«in heißes Salzfußbad, am sechsten Tag fällt die Geschwulst zusammen, der Patient erholt sich, und auch die Schuppung war bald vorüber. Wer das nicht glauben will und olles für die Erfindung eines durchtriebenen Reporters hält, der rufe an: Ernst Adoll Krause (Prioatgelehrter steht im offiziellen Fernsprechbuch der Oberpnst- direktion Berlin), der wird erzähle», daß„das zweite Ziel der großen drei G der Alchimie lGold. gesund und gut zu machen) in dcr Spagyrik eine vollendete Ausgestaltung gesunden hat und daß hier nicht nur Vorstadien heutiger Wissenschaften, sondern verschollenes Weiswm und unerhörte Meisterschast zu finden sind". 33 mm a« sek l. � Stahlrohr. Ma*- «iBgfQBa, waift, aoxws, Z'jgfadarnBatratze. 33 mm geaahl. 1 Stahlrohr, Mea- aingfOÖe, waiß, 90 x 190 Zugfadarmatratra, 3 3 mm gaachl. i Stahlrohr, Mas- ling verziarang, waiB, 90X190 ,---- 3DX 130 woiu,<»,Aiou., gg(b«sn U. U-. hlrk««d«r ftrklo l«eki«rt U. 1J»™»Kr. Fertig. Oberbett Steppdecke Daunendeck© k u n j t>« 1 d« a• r o.m... s.h�5in,,nt,d,r''29.75 F'" 9.50. 54.— 130X200.••••- 1 50 X 200. n«» i .54.- Seit 1886. Auftakt zum Europa-Rundflug Fremdentag in Tempelhof Trotz der ungünstigen willerung nahm die gestrige Flug- Veranstaltung aus dem Tcmpelhoser Flugplatz, die den Aufkakl zum grätzlen diesjährigen slugsportlichen Ereignis, dem Europa-Rundflug, bildete, einen guten Verlauf. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch Kunst- und Geschick- lichkoitsflüge der Piloten Heidt und der Pilotinnen Thea Rasch« und von Etzdorf. Ungeachtet des böigen Wetters flog U d e t Loopings mit abgestelltem Motor, eine fliegerische Glanzleistung. Um%6 Uhr, also 45 Minuten später als vorgesehen, trafen die ersten in Staaken gestarteten welibewerbteilnehmcr in Tempelhof ein. Es waren Eiebel, Risticz, von Dungert, Stutz, von Massenbach, Polte und King. Nach kurzer Pause erschienen dann die anderen deutschen und ausländischen Maschinen, unter denen sich einige sehr interessante Typen befanden. Gegen 8 Uhr waren alle Flieger in Tempelhof gelandet. Sie wurden von Bürgermeister Scholtz im Namen der Stadt Berlin begrüßt. An dem heute früh, S Uhr, beginnenden Rundflug nehmen die bewährtesten europäischen Piloten teil. Rekord- und Kunstflieger, Fluglehrer und Verkehrspiloten. Leider werden von den 100 gemeldeten Maschinen nur etwa 00 an den Start gehen. Verschiedene Flugzeuge haben Staaken nicht erreicht und scheiden somit aus dem Wettbewerb aus. Am stärk st en ist Deutschland ver- treten. Unter den 30 deutschen Bewerbern sind zu nennen: M orzik, der Sieger des vorjährigen Wettbewerbs, auf M. 23 B der Bayerischen Flugzeugwerke, Ofsermann, von Koeppen, Bruno Loerzer und Polte, ebenfalls auf Maschinen der Bayerischen Flug- zeugwerke. Auf Klenim-Leichtslugzeugen gehen ins Rennen: Siebel, Lusser, Osterkmnp und Spengler. Junkers wird durch den Rekord- flieger Risticz und den Piloten Gothe auf Iunkers-Iunior vertreten. Der Weltrekordflieger Neininger wird die O 13 der Darmstädter akademischen Fliegergruppe steuern. Die zweitstärkste Mannschaft stellt Polen. Unter den zwölf Piloten befindet sich der Militärflieger Z w i r k o, der im vorigen Jahre sinen ö000-Kilometer-Flug über Europa ausführt«. Die Engländer nehmen mit sieben ihrer besten Flieger am Rund- flug teil. Unter ihnen befinden sich Kapitän Broad, der im vorjährigen Wettbewerb den zweiten Platz belegte und die beiden Damen Lady Bailay und Miß Spooner, die überhaupt die einzigen weiblichen Teilnehmer am Wettbewerb sind. Frankreich, das sechzehn Maschinen gemeldet hat, wird nur mit sechs Flugzeugen auf die Reise gehen. Auch die Spanier haben Pech gehabt. Vier Maschinen blieben aus der Strecke liegen, so daß nur noch drei starten können. Die Schweiz wird durch die Piloten K o l p und Pierroz vertreten. Der am heutigen Morgen stattfindende Start wird ein äußerst interessantes Bild bieten, da alle 00 Maschinen innerhalb einer Stunde das Tempelhofer Feld verlassen haben müssen. Lustfahrt und Sicherheit. Die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt hielt kürzlich im Harnack-Haus in Dahlem ihre diesjährige Hauptverfamm- lung ab. Professor Hoff gab einen allgemeinen Bericht über die Tätigkeit der DVL. im letzten Jahr und erklärte besonders die Schwierigkeiten, die durch die immer weiter hinausgeschobene Ver- legung der DVL. und dadurch bedingte Unmöglichkeit entständen, den erforderlichen Ausbau einzelner Forschungsanlogen vorzuneh- men. Darauf berichtete Dr. ing. Friedrich See was d über Er- gebniste aus dem Arbeitsgebiet der ärodynamischen Abteilung der DVL. Ueber Aufgaben der Flugzeugtaktik sprach Dr. ing. Karl Thalau, der kurz die Stellung der allgemeinen Statistik inner- halb der Mechanik umriß und dann auf die besonderen Aufgaben einging, deren Lösung von der Statistik der Luftfahrzeug« gefordert wird. Die Forderung nach Leistung, so führte de? Redner aus, zwinge den Statistiker einerseits zu schärfster Baustoffausnutzung, die Forderung nach Sicherheit andererseits verlange äußerste Vorsicht bei der Bemessung seiner Bauwerk«. Den durch diese Vorsicht bedingten Mehraufwand an Gewicht im Lauf« der Zeit durch Schaffung genauerer Unterlagen bis auf ein Mindest- maß abzubauen, sei mit eine der wichtigsten Aufgaben der For- schung auf diesem Gebiete. Sie könne nur gelöst werden durch fort- laufende systematische Untersuchungen der wirklichen Bcanspruchun- gen der Lustfahrzeuge in theoretischer und versuchsmößiger Be- ziehung sowohl im Laboratorium als auch im praktischen Nug- betrieb. Bestialisches Verbrechen an Vierjähriger. Das Kind schwer verletzt.— Täter entkommen. ! i Ein furchtbares Sittlichkeitsverbrechen wurde b e i \' Hermsdorf entdeckt. Hier fanden Spaziergänger im Walde ein kleines Mädchen, das laut weinte und dessen . i Wäsche stark mit Blut besudelt war. Die Leute nahmen sich s der kleinen an und brachten sie zu der Kriminalpolizei in Hermsdors, die für die sofortige Unterbringung im Dominikus- - T Stift Sorge trug. * Die Untersuchung durch den Arzt ergab schwere Ver- letzungen am Unterleib, die aus ein b e st i a l i s ch e s S i t t- lichkeitsverbrechen schließen lassen. Der Zustand ist vor- läufig so bedenklich, daß Lebensgefahr besteht. Aber auch wenn das Kind gerettet werden kann, wird es nach dem Gutachte» des Slrztes nie wieder gesund werden. Inzwischen war am Freitag- mittag ein« 45-3 Jahre alte Gerda K. aus der Lynarftraße am Wedding als vermißt gemeldet worden. Es stellte sich heraus, daß die kleine Vermißte das beklagenswerte Opfer des Verbrechens geworden war. Das Kind wohnte bei seinen Großeltern und war am Freitag, wie es zu tun pflegte, um 10 Uhr vormittags zum Spiel auf die Straße gelaufen. Als die Großmutter es zum Essen rufen wollte, war es verschwunden und niemand konnte Auskunft geben. Im Krankenhaus wurde die tlejne Gerda vorsichtig befragt. Dos Kind kann nur angeben, daß ein unbekann- tcr Map» mit einem Fahrrad gefragt habe, ab es einmal mit„ums Karree� fahren wolle. Auf die Zustinnnung des Kindes habe der Rodler es auf die Lenkstange gesetzt und sei mit ihm weggesahren. Ueber die einzelnen Straßen kann die Kleine keine Auskunft geben. Im Hermsdorfer Walde geschah dann das furchtbare ZZer- brechen. Die Kriminalpolizei ist zur Zeit bemüht, durch Befragen anderer Kinder aus jener Gegend vielleicht die noch sehr dürftig« Beschreibung des Verbrechers zu ergänzen. Aeltere Personen haben vielleicht am Freitagvormittag auch den Vorgang beobachtet. Ihre Bekundungen wären von größter Wichtigkeit. Es ist möglich, daß der Radler, um die Kleine vertraulicher- zu machen, ein Geschäft besucht und dort Süßigkeiten gekauft hat. Wer nach irgendeiner Richtung hin Auskunst geben kann, wird ersucht, sich bei der Dienst- stelle E. 4 im Polizeipräsidium zu melden. Vierter Stock unter Wasser. Das Hinausschieben der notwendigsten Häuscrrcparaturen hat während der Regenpcriodc in Berlin zu katastrophalen Erscheinun- gen geführt. Da ist j. B. eine im vierten Stock des Hauses Berlin N., Rosenthaler Straße 10, gelegen« Wohnung. An nicht weniger als 25 Stellen schoß das Wasser in Strömen in die Schlaf st übe der Bewohner, die ihre Betten in der Nacht fluchtartig verlassen mußten. Eine altersschwache Zimmerdecke ist an verschiedenen Stellen bis auf die Holzdiele des darüber gelegenen Hausbodens bloßgelegt, an den Wänden läuft das Wasser entlang: die Lichtleitung ist völlig durchnäßt und darf wegen Erdschlußgefahr gar nicht benützt werden. Dieser trostlose Zustand dauert schon ungefähr vierzehn Tage an und hat sich jetzt nach den letzten Regengüssen zu? Katastrophe entwickelt. Trotzdem die Be« wohner bereits den Hauswirt auf die dringende Reparatur auf- mertjam machten, ist bisher nichts geschehen. Die ganze Wohnung ist völlig durchnäßt, das Mobiliar beschädigt, die Luft un-> gesund und moderfeucht. Ueberall sind Wasserbehälter aufgestellt� um das eindringende Naß aufzufangen. Aber Nässe und Feuchtig- keit zeige» sich immer wieder an neuen Stellen. Und wer hilft hier?! Touristenunglück in Tirol. Vier Chemnitzer Touristen vom Blitz getötet. Wien. Ig. Juli. 1 Ueber ein schweres Touristenunglück in den Pihtaler Alpen, das vier Todesopfer forderte, wird berichtet: Vier Mitglieder der Sektion Chemnitz des Alpenvereins, und zwar die drei Borstands- Mitglieder Franz L o l t e r h o s, Kurt T r u e l ond Dr. Walter S e y f a r l h sowie der Ingenieur Fritz Seifert, unternahmen gesteru von der Chemnitzer hülle aus eine Tour über die Silber- schneide auf die Geige in den Pitz taler Alpen und gerieten, als sie angefeUt über den Gletscher gingen, in ein furchtbares Gc- witter mit schwerem Sturm. Als die vier Touristen nicht mehr in die Schutzhülle zurückkehrten, wie sie versprochen hatten, machte sich eine Führerexpedilion auf die Suche nach den Bermißleu. Sie fand drei der Touristen an einem Seile hängend als Leichen auf. Die Leiche des vierten verunglückten konnte bis zur Stunde noch nicht geborgen werden. Aller Wahrscheinlichkeil nach wurde die Gruppe vom Blitz getroffen.__________ Willis klägliches Ende. 2V2 Jahre Gefängnis für den Juwelen raub in derMohstraße Der kühne Handstreich„Modell-Willis', der am 8. November in einer Pension in der Motzstraße einem Juwelier Sch. aus Hanau einen Koffer mit Juwelen im Werte von 125 000 M. e n t- wendete und damit ausrückte, beschäftigte gestern das Schöffengericht Berlin-Schöneberg unter Vorsitz von Lanogerichtsrat Schenk. „Modell-Willi",«ine in den Lebeweltkreisen bekannte Persönlichkeit, ist der 37jährige Kaufmann Willi P e r l e w i tz. Perlewitz' Vater war Zimmermann in Spandau. Als er starb, gab der Vormund den Jungen, der Maler werden wollte, in eine Landwirtschastsschule nach Prenzlau. Der Neunzehnjährige riß aus, trieb sich in Berlin in homosexuellen Lokalen� umher, machte Be- kanntschasten in Paris, Nizza, Monte Carlo. Seine Freunde hatten Gew. In Wiesbaden lernte er den Juwelier Sch. kennen. Zehn Jahre lang währte mit Unterbrechungen die Freundschaft. Wenn Sch. aus seiner süddeutschen Heimatstadt nach Berlin kam, etwa alle drei Wochen einmal, war ihm P. ein lieber Gesellschafter. Aar 8. November v. I. erzählte P. seinem Juwelenfreunde, der Verlobte des Fräulein„Polly", der Freundin der Tänzerin Dolly, wolle seiner Verlobten Juwelen schenken. Er forderte ihn auf, gemeinsam zu Dolly zu gehen, um bei ihr Pollys Adresse zu erfahren. Während Sch. im Wohnzimmer der Pension wartete, begab sich P. in das Schafzimmer der Tänzerin: kam zurück und sagte, sie wünschte die Juwelen zu sehen: nahm das Köfferchen, ging, um sie ihr zu zeigen, und kehrte nicht wieder. Sch ungeduldig geworden, drang in das Schlafzimmer, fand hier die Tänzerin, aber der schöne Willi war verschwunden. P. blieb unauffindbar. Einige Monate später verhaftete man ihn in Paris ohne Juwelen und ohne Geld. Er hatte einen Teil der Drillanten bereits am 8. November einem Russen gegen eine Anzahlung von 7000 M. zum Verkauf überlassen, war am selben Abend nach Köln gefahren, hatte hier am nächsten Tage den Rest der Juwelen für 4000 M. losgeschlagen und mit einem falschen Paß, der auf einen schwedischen Namen lautete, Deutschland verlassen. Sch war in den Verdacht geraten, mit dem schönen Willi ge- meinsame Sache gemacht zu haben. Die Juwelen waren mit 75 000 M. versichert. Die Versicherungsgesellschaft vermutete Versicherungsbetrug. Es lag auch der Verdacht nahe, die Tänzerin habe mit dem schönen Willi gemeinsame Sache gemacht. Die Ver« Handlung zerstreute diese Vermutungen. Das Urteil lautete auf 2M Jahre Gefängnis. Die Karriere des schönen Willi ist damit vorläufig zu Ende. S/NOAIR LEW/S 'ROM/W f Es ist wahr, daß Una manchmal ihrem Aerger über die Vergeßlichkeit der Mutter in Worten Luft machte doch nach- her warf sie sich ihre Herzlosigkeit selbst stets bitter vor und erinnerte sich voll Entsetzen jedes harten Wortes gegen die „Kleine Mutter-Heilige", wie sie sie bebend in stillen Stunden nannte, wenn sie eng umschlungen wie ein Liebespaar bei- einander saßen. 3. Frau Goldens Ansprüche an Una waren nie so klar zu- tage getreten wie zu der Zeit, da sie mit Walters Ansprüchen zusammenstießen. Una und Walter besprachen die Sache, doch nach dein einen Abend gezwungener Konversation in Frau Goldens Gesellschaft schienen sie stillschweigend übereingekommen, es sei sinnlos, daß er sie zu Hause besuche. Auch zwischen Una und Frau Golden wurde nicht darüber gesprochen, warum Herr Babson nicht wiederkam oder ob Una sonst mit ihm zu- sammentraf. Una pflegte nur zu sagen, daß sie heute abend „nicht zu Hause sein werde"; plauderten sie jedoch bei einer Tasse Tee miteinander, so zitierte Una Walters Meinung über Omar, über das Freidenkertum, über Automobilzeitun- gen, über das Pfeifenrauchen und das Himalayagebirge, und daraus ging klar hervor, daß sie oft mit ihm beisammen war. Frau Goldens Methode, Opposition zu machen, war sehr einfach. Wann immer Una ankündigte, daß sie ausgehe, um- florten sich die leuchtenden Kinderaugen ihrer Mutter: sie seufzte und fragte zögernd:„Soll ich den ganzen Abend allein bleiben— nachdem ich den aanzen Tag allein gewesen bin?" Una kam sich entsetzlich herzlos vor. Sie versuchte die Mutter zu veranlassen, öfter zu den Sessions auf Besuch zu gehen, neue Bekanntschaften anzuknüpfen, aber Frau Golden hatte alle Anpassungsfähigkeit verloren. Una sah sich oft gezwun- gen, Walters Einladungen abzulehnen: und stets versagte sie es sich, an de» herrlichen langen, freien Sonnabendnach- mittagen mit ihm spazierenzugehen. So kam es) daß sie Walter eigentlich nur noch an öffentlichen Orten traf. Er nahm dies übel und lud sie immer seltener ein, mit ihm auszugehen, erzählte ihr weniger auf- richtig von seinen Plänen und Bestrebungen, ein großer Mann zu werden. Er schien sich ein wenig für eine mehl- gesichtige Schauspielerin zu interessieren, die in der gleichen Pension wohnte wie er. Vom Heiraten sprach er nun nie mehr. Das einzige Mal, da er davon gesprochen hatte, war Una ihres Glückes so sicher gewesen, daß ihr diese Formalität ebenso unwichtig er- schienen war wie dem sorglosen Herrn Walter. Doch jetzt sehnte sie sich sehr danach, daß er um ihre Hand anhielte, in der dümmsten, konventionellsten Art rosenroter Romantik. „Warum heiraten wir nicht einfach?" hörte sie sich ihn im Geiste fragen, aber sie wagte nie, es laut zu sagen. An einem heißen, glitzernden Nachmittag anfangs Juli trat Walter knapp vor Büroschluß unvermittelt an Unas Tisch und flüsterte:„Hör' einmal, du mußt einfach heute abend mit mir kommen. Wir werden in einem kleinen Restaurant am Fuße der Palisaden essen. Ich halte das nicht aus, so wenig mit dir beisammen zu sein. Ich werde dich nicht noch einmal auffordern! Du benimmst dich nicht gut zu mir.". „Oh, ich will mich gewiß nicht...* „Komm du? Ja?"- Seine Stimme bebte. Ohne des Bürovolks zu achten, legte er feine Hand auf die ihre. Una war überzeugt, daß Fräulein Moynihan in ihrer ganzen Dicke sie beide beob- achtete. Sie wagte nicht, mit langem Ueberlegen viel Zeit. zu verlieren. „Ja", sagte sie,„ich komme." 4. Es war ein Biergarten, zumeist besucht von jachtlosen, deutschen Iachtsportlern in Iachtkappen und Hemdsärmeln und mit buschigen Schnurrbärten: sür Una aber war es Europa und die Ufer des Rheins— dieses Restaurant am Fuße der Palisaden, in dem sie mit Walter zu Zlbend aß. Es war eine friedliche Stunde, als duftend und dunkel der Abend hereinbrach und sie beide am Geländer der Terrasse lehnten und sinnend auf die Lichter blickten, die ringsum aufsprangen wie leibhaftige lachende Scherze: die im Wasser gespiegelten Lichter vorbeiziehender Schiffe. Walter war still-zufrieden. Er verschonte sie mit seiner dunklen Unrast. Sie war nun keine Büromaschine mehr; sie fühlte sich eins mit den Liebenden aus den Dorfidyllen, ihre Uebermüdung schwand unter dem Zauber der Stunde, dem ewigen Rauschen des Flusses und dem sanften Wind, der alte Geschichten aus den Bergen mit sich zu führen schien. Sie wäre glücklich gewesen, hätte sie hier stundenlang sitzen und durch das Zwielicht lauschen können, zerstreut mit der Hand über das grobe Tischtuch streichelnd. Doch Walter wurde unruhig. Er starrte die deutschen Iachtsportler und ihre Kinder an. Er schwatzte unnötiges Zeug über eine Katze, die auf dem Geländer hinschlich: er berührte Unas Fuß mit dem seinen und fing plötzlich an, sich laute Vorwürfe zu machen, daß er sie nicht in ein besseres Restaurant geführt habe. Er erklärte mit vielen Worten, daß das gebratene Huhn steinhart gewesen sei—,„elendes Wirtshaus und elendes Essen!" „Nein, es gefällt mir hier wunderbar!" protestierte sie. „Ich bin ganz glücklich hier und möchte es gar nicht anders haben." Als sie ihm ihr Gesicht mit einem zärtlichen Lächeln zu- wandte, bemerkte sie, wie seine Blicke unruhig bald auf den Fluß, bald wieder auf sie gerichtet waren, wie seine Hände zitterten, während er mit zwei Salzstreuern aus dickem Glas spielte. Ein Gefühl der Verlegenheit stieg zwischen ihnen auf. Dann rief er plötzlich aufspringend:„Ach, ich kann nicht still sitzen! Komm, gehen wir unten am Flusse spazieren." Sie fühlte Gefahr. Das Dunkel drunten war nicht mehr traumhaft, sondern schreckensvoll. Sie wollte ablehnen, aber er bat so flehend, daß sie nachgab. Zwischen den Palisaden und dem Fluß, am Fuße der Klippen, läuft ein unbegangener Pfad, der noch ein wenig von seiner Wildheit behalten hat von der Zeit her, da er ein Kriegspfad der Indianer gewesen. Er klettert über Hügel und schlängelt sich zwischen Felsen durch, senkt sich in feuchte Mulden und erweitert sich zu kleinen, grünen Elfenspiel- Plätzen. In der Nacht hat er etwas Geisterhaftes, und der Fluß daneben murmelt von seltsam schaurigen Dingen. Diesen Pfad enllang schlichen die beiden Großstadtkinder, wortlos, nur Walters Hände, die sich um Unas Mitte schlangen, um sie zu leiten, waren beredt. An einer Stelle, wo eine kahle Sandbank in die Strömung des Flusses hinausragte, blieb Walter stehen und flüsterte:„Jetzt wär's schön zu schwimmen." „Ja— es ist ganz warm", sagte Una prosaisch. (Fortsetzung folgt.) Die Angst vor der Feme. lfm die widerrufenen Aussagen im Nönigental-Prozeß. Der Zwischenfall zu Beginn der gestrigen Verhandlung wirkte gewissermaßen lustreinigend: das Rätsel der unbegreiflichen Wider- rufe der Angeklagten war mit einem Schlage gelöst. Nicht bloß Renner, dieser Sohn braver Arbeitereltern, der sich von den nationalsozialistischen Phrasen gefangen nehmen ließ, fürchtet die Drohung seiner früheren Gesinnungsgenossen: ,,Dann kriegst du ein« Kugel durch den Kopf/' Die gleiche Angst erfüllt in geringerem oder größerem Maße auch die übrigen Angeklagten. Als Staatsanwalt Stehnig gestern an den Angeklagten Renner die Frage richtete, ob er bei seinen Aussagen von Dienstag bleibe, er- klärte dieser:„3ch verweigere jede weitere Aussage, denn ich fürchte für mein Leben." Die Angeklagten Sturmführer Marquardt und Pankrath und der Gruppenführer Köppner wissen aber nur zu gut, weshalb die Berliner Angeklagten in Angst und Furcht gehalten werden müssen. Allein ihre in der Voruntersuchung gemachten Aussagen sind geeignet, sie der ihnen zur Lost gelegten Tat in vollem Umfange zu überführen. Von den 18 Angeklagten werden am Montag die letzten vier Röntgentaler vernommen werden. Ihre Aussagen werden ähnlich den Aussagen der drei gestern vernommenen An- geklagten den alleinigen Zweck haben, Pankrath und Köppners Be- kundungen zu bestätigen Pankrath will bekanntlich mit dem Zu- sammenstoß am Lokal Weisel nichts zu tun haben. Die Vogel- Strauß-Politik dürfte dem nationalsozialistischen Sturm- und Truppenführer im Röntgentaler Prozeß wenig helfen. Die gestern vernommenen Angeklagten waren gut eingespielt. Als erster kam Herr Schwab an die Reihe. Er ist der einzig«, der das Abitur hinter sich hat: er beabsichtigt zu studieren. Den Nationalsozialisten gehört er seit 1S26 an. Als er nicht mehr ein noch aus wußte, stellte er sich im Gemeindehaus Röntgental der Polizei. Er bestritt feine Beteiligung an den Vorfällen in der Bahnhofstraße, sein Vater legte zwei falsche«idesstattliche Versicherungen über die angebliche frühe Heimkehr seines Sohnes an dein fraglichen Abend vor; erst ganz allmählich rückte Schwab mit halben Geständnissen heraus. Vor Gericht beruft er sich auf, fein krankes Bein, wieder- holt etwa zehnmal, daß er an dem Abend hohes Fieber gehabt lmbe, todkrank gewesen sei und will natürlich keinen feiner Kameraden während der Schießerei vor dem Lokal Meisel bemerkt haben. Denn ausgerechnet als der Swrm los ging, habe er wegen seiner heftigen Beinschmerzen seinen Arm vor die Augen halten müsien. Kurz darauf sei schon alles aus gewesen. Es half auch wenig, daß der Vorsitzende an feine Abiturientenintelligenz appellierte. Es folgt« der Angeklagte W uttk e. Er war dabei, als Köppner den ersten Zusammenstoß mit den Reichsbannerleuten hatte. Er führte auch eine Stahlrut«. Den Kameraden, der im Lokal„Edelweiß" nach Berlin um Hilfe tclephonierte, ermahnte er zur Vorsicht: wenn es herauskäme, würde man einen Ueberfall daraus konstruieren, welch' ahnungsvoller Engel! Zur Zeit der Schießerei befand«r sich bei Köppners Trupp und da dieser mit der ganzen Sache nichts zu tun gehabt hatte, so selbstverständlich auch Wuttke nicht. Und das nennt sich Mitglied des Sturms 29 und langjähriger Werwolf. > Schließlich der Truppführer Frank, Köppners Nachfolger. Arbeiter in den Siemens-Werken. Als der Sturmführer Pankrath am 5. Dezember ihn aufsuchte, bat er diesen, m:t zum Truppabend zu kommen: Komm lieber mit, man weiß nicht, was passieren kann. Als die Schießerei losging, befand sich Frank außerhalb der Feuerlinie in Gesellschaft von Pankrath, Pähl, Mergelsberg und Schwab. Als die Kameraden vom Meiselschen Lokal hergelaufen kamen, dachte er gar nicht daran, nach der Bedeutung der Schüsse zu fragen. Aufgeregt und erschöpft kam er zu Hause an,— erzählte seine Frau. Nur weil er gerannt sei,— sagte er vor Gericht. Vor dem Lokal„Edelweiß" hatte der Berliner Sturmführer Marquardt seinen Leuten gesagt: Im Falle eines Zusammenstoßes soll jeder sein Fahrgeld parat haben, damit er allein nach Hause komme,— das hatte Frank in der Voruntersuchung bekundet. Jetzt hat er vor der eigenen Courage Angst und kneift! Oie Giubenien haiien Schuld! Nachspiel zum Radau vor dem Kultusministerium. Die Feriensiraskammer beim Landgericht verwarf die Berufung von neun Studenten der Berliner Univerfi- tat, die vom Schöffengericht Berlin-Mtte wegen B a n n- kreisverleßung in Tateinheit mit Widerstand gegen die Staatsgewalt und öffentlicher Beleidigung zu der milder» Strafe von lOtz bis 300 211. verurteilt waren. Am 28. Juni 1929 hatten die Studenten zu einer Sonder- kundgebung aus Ansaß der zehnten Wiederkehr des Ver- faillor Friedensvertrags aufgerufen, während Reichspräsident und Regierung in einem Aufruf die Gefühle des Gesamt voll es bereits zum Ausdruck gebracht hatten. Mit Recht hatte der da- malige preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Dr. Becker, den Studenten die Benutzung von Universitätsräumen für ihre nationalistische Kundgebung untersagt. Unter Verletzung der Bannmeile zogen die rechtsradikalen Studentengruppen daraus auf die Straße und begaben sich brüllend und randalierend vor das preußische Kultusministerium, uni hier gegen den Minister b e- leidigende Schmährufe auszubringen. Als die. Polizei pflichtgemäß eingriff, wurde sie von den jungen Leuten mit un- flätigem Gebrüll wie„B c ck e r- K n e cht c" empfangen. Die Be- amten waren gezwungen, vom Gummiknüppel Gebrauch zu.machcm Gegen die verhängten Polizeistrafen hatten die Studenten Einspruch erhoben. Jetzt bescheinigte auch die Berufungsinstanz, daß die Schuld nicht bei der Polizei, sondern be! den rechts- radikalen Studenten lag. Vorbildliche Typographie. Eine sehr hübsche Ausstellung ist gegenwärtig im Berliner Buchgewerbefaizl, Dreibundstraße 5, zu sehen, und zwar Kursus. arbeiten aus den: vergangenen Winterhalbjahr der Berliner Orts« gruppe im Bildungsverband der Deutschen Buch- d r u ck e r. Die Arbeiten sind ehrende Zeugnisse für Schüler und Lehrer. Unter den Kursusarbeiten„Skizzieren für Fortgefchrit- tene" sind bemerkenswerte Leistungen vorhanden, besonders auf dem Gebiete moderner Werbegraphik in Verbindung mit Photo- graphic, wobei bemerkt werden muß, daß auch ein besonderer Photokurfus gute Arbesten ergab. Selbstverständlich ist es wohl, daß auch Arbeiten aus dem Skizzierturfus für Anfärpzer ausgestellt sind, die man beinahe schon als Arbeiten der Fortgeschrittenen be- zeichnen könnte. Im Schriftschreibkursus sind Leistungen crz:c>t worden, wie sie kaum bester von kundiger Hand gefertigt werden könnten. Die Jilusstelluiig ist bis Mitte August wochentags von 9 bis 18 Uhr(Sonnabends bis 14 Uhr) und Sonntag, den 20. Juli, von 9 bis 13 Uhr geöffnet._ Drei Tote durch eine Handgranate. Auf dem Truppenübungsplatz Develloo. Brüssel 19. 3uli. 3m Militärlager bei Bcverloo explodierte eine Hand- g r a n a t e am Sonnabendvormiltag so unglücklich, daß ein Hauptmann, ein Leutnant und ein öoldat� gelötet und zwei weitere Soldaten schwer verwundet wurden. Die Handgranate explodierte in den Händen eines Soldaten, gleich nachdem er sie abgezogen Halle. Es sieht noch nicht fest, ob der Soldai die Hand- granate zu spat geworfen hatte oder ob sie fehlerhast gewesen war. Die Militärbehörden haben eine genaue Untersuchung eingeleitet. kurz vorher hotte sich ein ähnliches Unglück mii einer Handgranate abgespielt, wobei ein Leutnant und ein Soldat leichte Verletzungen erlitten. Dielleberlebenden des Todesreviers. Alle Verletzten fast wiederhergestellt. Renrode, 18. Juli. Die 49 bei dem Hausdorfer Grubenunglück verletzten und im Knappschastslazarett untergebrachten Bergleute sind f a st völlig wiederhergestellt. Nur wenige Bergleute mit leichter Lungenentzündung, Rippenfellentzündung und Quetschungen be- dürfen noch für wenige Tage der ärztlichen Pflege. Sie alle werden in den nächsten Tagen durch die Beruf-genossenschaft und Knappschaft zu ihrer völligen Wiederherstellung auf vier Wochen nach Oberkrumm hübet im Riesengebirge ge- schickt werden, wo sie Genesung, vor allem von den seelischen Qualen, die das furchtbare Unglück in ihnen ausgelöst hat, finden sollen. Muh es denn Zuchthans sein? In einer Zeit, in.der es bei Totschlägen und sonstigen Roheits- delikten Gefängnisstrafen gibt, die selten im Verhältnis zu der Schwere der oerübten Taten stehen, hat das Amtsgericht in Li eben waldc, nur 40 Kilometer von Berlin entfernt, ein Urteil gefällt, das Befremden erregt. Vor den Schranken des Gerichts stand ein Ebauffeur W. wegen einfachen Diebstahls, allerdings im ftrafverfchärfei:- den Rückfall. In der Nähe von Schönwolde stahl er drei Raummeter Holz und bot es einem Bauern zum Kauf an, der aber ablehnt-, da ihm die Sache verdächtig vorkam. Auch hatte inzwischen die Försterei den Diebstahl entdeckt, so daß W. jofart ermittelt werden konnte.. Das entwendete Holz hat einen geringen Wert. Das hinderte den Richter aber nicht, den Angeklagten unter V c r- sagung mildernder Umstände zu einem Jahr Zucht- haus zu verurteilen, trotzdem bei Annahm« mildernder Umstände die Mindeststrafe 3 Monate Gefängnis beträgt! Die Vorstrafen des Angeklagten dürfen gewiß nicht außer acht gelassen werden, aber eine Gefängnisstrafe hätte genügt. M As Iconnsn es aber an den niedrigen Preisen nicht erkennen! Waschkunstseide licht-, luft- u. waschecht, gr. Auswahl, neuester Druck. Mengenabgab, vorbeh. m Pf. Toile de soie gestreift, schwere reinseid. Qualltfit, neueste Streifen, Mengenabg. vorbeh. rn Mk. Sportzefii I a i rt c» für Blusen.Kleiderund Sporthemden, groß. Sortiment, Mengenabgabe vorbeh. m Pf. 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Tagesordnung: Berichterstattung von den Verhandlungen .mit dem Verband Berliner Metallindustrieller. Zutritt nur gegen Vorzeigung der mit dem VBMI.-Stempel versehenen Legilimationskarte und des Verbandsbuches einer dem Metollkartell angeschlossenen Organisation. _ Die Ortsverwaltung. Bekanntmachung. Zm Donnerstag, dem 24. Zult 1930, werden im ffiecc der Zwangorollstreekung ijffenlllch merstdielend gegen Barzahlung versteigert: 10 Uhr Staatl.Pfandkammcr Zigerstr.«4: Schmucksachen, Felle. Herren- u. Burschen- onzllge; 12 Uhr Staats. Pfavdtammer, Slsiisser Straße 74: Antike und andere V!ijbelstllck«.l Tevpich. 4. Röhren» Hochlreauenzavparat, 1 Laut- svrecher. 1 Srasiverliärker, SOGrammophon- schränlchen. Schreidmaschmen: ll Uhr Berlin, Mauersir. 47 43. Overgb.: Breiter. Furniers Einzelleiie von Tischler- ardeuen, 2iX> Faflonhobel, Schreibtische. Vollstreckung»stelle de r Alnauzllmter tu» vezlrl de» Landesfiuanzoult» Serliu. Tle Finanzämter Andreas und Friedrichs- Hain veilegen in der Zeit vom 24.— 30. d. M. ihre Diensträume von der Psuelstr. 3,3 nach der Schneeglöckchen- Ecke Sieanderstraße snahe Bahnhos Landsberger Alleei, Am 24. und 25. d M. bieiden die Deichäst». zimmer. am 20 d M, die Zkasse des Finanz- amts Andreas, am 28 und 39. t>. M. die SeschSilsztmmer und am 30 d.M. d e Kasse de» Finanzamts Friedrichshatn wegen des Umzugs jür den Pudiimmsvertehr ge schlössen. ver Vrllstd«»« da» k!onde»fluanzaiu»» verlt». iWnmilMiüllsai! »errUecher, modern eingerichteter Aasfiochrart.— Sonmerfrlsche. Togea fogespcosioe RM. 3.50. Vx" SPczrzellen und Wcbnitnffcn Sä Garlensfadi Dallgow 5 Minuten vom Bahnhof Dallgow. Daher U». südlich der Bahn, zwischen HecrstraSe und BahnhotstraBe Parzellen in jeder Größe qm von RM.»,<0 an. Bequeme An- und Abzahlung. Ideale Höhenlage, Mit herrl ehern Fernblick, bette* Ackerland, ohne Stunpf und Moor, ohne Nebel- trad Mflckenplage. Wasserleitung. e;ektr. 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Die vor einigen Wochen veröffentlichten Bände des Enquete- ausschusses über das deutsche Handwerk bringen eine Fülle wen- vollen Materials für die Erkenntnis der gegenwärtigen Lag« des deutschen Handwerks. Der erste Band der Berösfentlichungen«nt- hält den„Generalbericht", der den Ueberblick über die gesamte Ent- wicklung des Handwerks in der Nachkriegszeit gibt, die folgenden drei Bände enthalten Spezialdarstellungen der einzelnen Hund- werkszweige. Das Handwerk als Verufssiand. Die zahlenmäßig große Bedeutung des Handwerks inner- halb der Gefamtwirtschaft geht schon daraus hervor, dag rund neu,, Zehntel des Kleingewerbes(Betriebe bis 10 Beschäftigte) selbständige Handwerksbetriebe sind. Die Zahlen der im Handwerk Beschäftigten sind naturgemäß wesentlich geringer. Aber immerhin absorbiert die Handwerkswirtschaft doch noch immer rund 3 0 P r o z. der in der gewerblichen Gütererzeugung Beschäftigten. Soziologisch und politisch ist interessant, daß zwei Fünftel der selb- ständigen Betriebsinhaber Handwerker sind, innerhalb der Berufs- gruppe„Industrie und Handwerk" beträgt der Anteil des Hand- werks an den selbständigen Existenzen sogar 70 Proz. Die technische Verfassung des Handwerksbetriebes. � Bei der zahlenmäßigen Stärke des Handwerks ist es sür die Gesamtwirtschast keineswegs gleichgültig, wie es um die rechnit he Äusrüstung der Handwerksbetriebe steht. Hier ist eine entfchci- den de Wendung seit dem Ausbau der Elektrizität-- Versorgung eingetreten. Während die Großkrastmaschine den wirtschaftlichen Bestand des Handwerks aufs fchärsste bedrohte, da sie den sabrikatorischen Großbetrieb förderte, ist der Elektro- motor auch in der kleinsten Betriebseinheit mit Vorteil zu ver- wenden. Am stärksten motorisiert sind gegenwärtig die Bäckereien und Fleischereien mit rund 80 Proz. moto- risiertcr Betriebe. Im Bäckerhandwerk ist die Zahl der Motor- betriebe seit 1901 von 986 auf 61 115 gestiegen. In allerjüngster Zeit nimmt die Zahl der elektrisch betriebenen C ch u h m a ch e- reien, zunächst in den Großstädten, sichtlich stark zu: da die Ent- wicklung aber eben erst eingesetzt hat, ist sie zahlenmäßig noch nicht erfaßbar. Die Motorisierung nimmt sicher noch zu. Machi die Motorisierung Arbeitskräste entbehrlich? Di« typische Handwerksmaschine ist mit einer relativ geringen An- triebskraft ausgestattet� die Arbeitsintensität ist daher nicht so groß, daß ähnliche revdluNvntire Aenderungen des Arbeitsprozesses ein- treten könnten wie bei der Maschinisierung der Industrie. Immerhin ober muß man sich darüber klar sein, daß auch hier die Ein- sührung des Motors letzten Endes dazu dienen soll, Arbeitskraft zu sparen, und unrentabel ist, wenn dieses Ziel nicht erreicht wird. Man wird also damit rechnen müssen, daß die Motorisierung der Handwerksbetriebe zu einer Verkürzung der Arbeitszeit für die einzelne Leistung und damit zu einer Ersparnis an Arbeitskräften führen wird. Ein Unterschied zur Industrie besteht nun darin, daß die Verringerung von Arbeitskrästen nicht zugleich eirt Vordringen der ungelernten Arbeitskräste bedeutet. Denn der Handwerk- liche Motor bleibt im Grunde nichts anderes als ein sehr vervoll- kommnetes Werkzeug, das, wie jedes Werkzeug am besten von sach- verständiger Hand geführt wird. Daher wkrd auch nach wie vor die Hauplarbeit vom gelernten Handwerker geleistet werden mästen. Betriebswirtschaftlich wirkt sich die Maschinisierung dahin aus, daß das Anlagevermögen relativ stark wächst. Ein Vergleich eines mittleren Zimmcrerbetricbes aus den Jahren 1913 und 1927 zeigt, daß das Konto„Werkzeug und M a- s ch i n e n" mit über 20 000 M. sich mehr als verdreifacht hat. Die Steigerung des fixen Kapitals hat auch hier den Nachteil, daß der Betrieb konjunkturempsindlicher wird. Auch der Bc- darf nach fremden Geldern ist viel dringender als in der Vor- kricgszeit. Um die Einführung von Motoren zu erleichtern, haben die Handwerksvcrbände verschiedentlich mit den Lieferanten Verträge abgeschlossen, nach denen der Verkaufspreis nicht vom eirt- zelnen Käufer gezahlt wird, sondern vom Verband. Der Verband. der also dem Handwerker den K a u f p r e i s v o r st r e ck t. bekommt das Geld dann ratenweise zurück. Ein derartiger Vertrag ist zum Beispiel zwischen den Reichsverbänden des Schmiedshandwerks und des Schlosferhandwerks einerseits und der Jnterestenvereinigung des deutschen Werkzeug- und Maschincnhandcls änbcrcrjcits abgeschlossen worden. Die Buchhaltung im Handwerk. Die Aufnahme von fremden Geldern, die Vergrößerung des firen Kapitalanteils erschwert die Uebersicht über den srühcr ganz einfachen Betrieb so sehr, daß eine ordnungsmäßig« Buch. Haltung immer notwendiger wird. Da die meisten Klein- Handwerker von der Buchführung nicht allzu viel Ahnung haben, wurden von den Jnteressenvertrctungcn des Handwerks 33 u ch- stellen eingeführt, die einmal die Elementarkenntn�sie der Buch- sührung verbreiten und vor allen Dingen selbst die Buchführung für einzelne Betriebe übernehmen. Die Buchstellen versuchen ferner, die Buchhaltungsergebnisse betriebswirtschastlich auszuwerten, so daß heute schon vergleichende Kosten- und Rentabilitatsberech- nungen angestellt werden. Natürlich wollen auch die Handwerker ihrer Interessenvertretung nur höchst ungern einen Einblick in die „Betriebsgeheimnisse" gewähren. Doch werden wohl auch hier die Nerhöltnisss sich stärker als alle Abneigung erweisen. Ehefrauen und erwachsen« Töchter der Handwerker sollen sür die Buchführung besonders herangebildet werden. Das F o r s ch u n g s i n st i t u t siir das Handwerk arbeitet jetzt für die einzelnen Gewerbezweige Nicht- linien für die buchhalterische Mitarbeit der Frauen aus. Das Kalkulieren. Für den Konsumenten ist natürlich die interessanteste nragc, wie gegenwärtig im Handwerk kalkuliert wird. Durch die Motari- sierung des Betriebes sind im Preis nicht bloß die leicht crrechen- baren Arbeits- und Materialunkosten zu decken, sondern auch die Zlmortisation für die Maschine, Zinsen für das Leihkapital usw. Das Kalkulieren ist also schwerer. Die von einzelnen Inter- essenvertreiungen ausgestellten Richtlinien für die Kalkulation sind nicht ohne Gefahr, da sie die Initiative zu Beiriebsreformen schwächen. Das einzelne Mitglied hält sich an die Richtsätze und müht sich nicht, einen billigeren Weg zu finden, weil die Gewißheit beruhigt, daß die anderen auch die gleichen Preise nehmen. Für den Konsumenten ist dies« Erstarrung ungünstig. Der Enqueteausschuß leugnet diesen psychologischen Trägheits- faktor zwar nicht, hält ihn aber nicht für wesentlich, weil den Hauptanteil bei einer Kostensteigerung, die sich in höheren Preisen auswirkt, hauptsächlich Materialpreise und die veränderte Lohn- festsetzung sind, insbesondere der Uebergang zum Tariflohn in der Nachkriegszeit. Die Stellungnahme des Ausschusses in diesem Punkt erscheint wenig befriedigend. Löhne und Materialkostcn sind Tatsachen, mit denen die gesamte Wirtschaft und nicht bloß das Handwerk zu rechnen hat. Und die Frage ist doch gerade, in- wieweit die einzelnen Wirtschaftszweige imstande sind, durch betrieb- liche und wirtschaftliche Reformen Aenderungen auszugleichen. Aller- dings war für den Ausschuß eine positive Entscheidung schwer, da die handwerkliche Rationalisierung auf technischem und Wirtschaft- lichcm Gebiet noch im Zlnfangsstudiunr steckt. Der Konkurrenzkampf mit Industrie und Handel. Soweit das Handwerk Verbandsartikel herstellt, wird es durch die Industrie sehr bedrängt, da sie billiger ist. Der Zlusschuß glaubt aber, daß in dieser Beziehung die schlimmsten Zeiten sür das Handwerk vorüber sind,„da der In- dustrie durch die Arbeiterschutzgcsetzgcbung und die äffen. ltcheu Lasten die Hände stärker gebunden sind als früher"(wobei die frei» willige Bindung durck die Kartcllprcispolitik merkwürdigerweise vergessen ist). In den Zweigen, in denen die Herstellung völlig auf die Industrie übergegangen ist, bleibt für das Handwerk nur die Werterhaltung, die Reparatur. Allerdings werden beispielsweise Damenschuhe so leicht und billig hergestellt, die Mode wechselt so rasch, daß das Reparieren zugunsten von Neukäusen verschwindet. Auf der anderen Seite wirkt die Industrie auch bc- fruchtend auf das Handwerk ein, hat ganz neu« Handwerks- zweige erst geschasfen, so die Installation, Auto-, Maschinenrepa- raturwerkstätten usw. Hemmende und fördernd« Faktoren stehen sich also gegenüber. Eins ist jedenfalls sicher, daß es nicht so aus- sieht, als ob durch die zunehmende Industrialisierung der Lebens- räum des Handwerks als ganzem wesentlich eingeengt würde. Der Wettbewerb mit dem Handel spielt sich besonders im Fleischer-, Bäcker- und Konditorgcwerbe ab. Er hat dazu geführt, daß diese Gewerbe, besonders in der Großstadt, einen immer große- ren Wert auf die kaufmännische Seite des Belrebs gelegt haben. Der Uebergang zum Händler, der sich nun auf den reinen Waren- vertrieb beschränkt, ist so fließend, daß, rein wirlschasllich gesehen, kaum eine Grenze zu ziehen ist. Da aber all diese kombinierten Handels- und Handwerksbetriebe in der Regel Kleinunternehmen sind, so hebt sich eine andere Trennungslinie ab: gegen das Groß- unternehmen des Einzelhandels. Handwerk und kl. ü- ncr Einzelhandel bilden eine geschlossene Front gegen Warenhäuser, Filialunternehmen, Konsumvereine. Daß das auch bei Gelegenheit zu handwerksschädlichen, volkswirtschaftlichen Torheiten führt, zeigt« die im verflossenen Reichstag beschlossene S o n d e r- Umsatzsteuer. I: 31. Krise im Rohstahlkartell. Geplatzte Verkaufsverbände/ Gebietsschuh wird mißachtet. Die international« Rohstahlgemeinschaft hat gegenwärtig eine sehr ernste Krise durchzumachen. In früheren Monaten fanden Ver- Handlungen aus ZZerhandlungen statt in der Erwartung und Hoffnung, die Schlagkraft der internationalen Rohstahlgemeinschaft durch die Schaffung von Verkaufskontoren bedeutend zu erhöhen. Seit die allgemeine Weltwirtschaftskrise offenbar geworden ist, herrscht in der JRG. offene Auslösung und offene Krise. Kein« Rede mehr davon, daß die Gebiete der einzelnen Partner von den anderen noch geachtet werden: sowohl Belgien als auch Frankreich sind auf den deutschen Markt gegangen und haben die deutschen Preise unterboten. Was man bisher aber für den Weltmarkt an Preisbindungen festgelegt hatte(es sollten wenigstens Minimalpreise nicht unterschritten werden), das ist voll- ständig zusammengebrochen. Dazu beigetragen hat in erster Linie das Verhalten der belgischen Kollegen, wo drei größere Produzentengruppen einfach aus der Rohstahlgemeinschaft aus- gebrochen sind und sich um deren Willen nicht kümmern. Die Preis- und Produktionsbestimmunzen sür Stabeisen und-Bleche mußten aufgehoben werden, es wurde völlige Marktfreiheit für diese Produkte erklärt und alle Hofsnungen auf die Schaffung von Ver- tausskontoren für diese wichtigsten Eisenerzeugnisse sind zum mindesten im Augenblick begraben. Man hat allerdings die Hoffnuyg— so lauten wenigstens Mitteilungen von der letzten Lütticher Besprechung—, daß man sür Halbfabrikats und Eisen- schwellen, für die die Mindestpreise bisher von den Partnern der JGR. aufrechterhalten worden sind, ZZerkaufskontore dennoch werde schaffen können. Aber auch das dürfte eine Frage der guten oder schlechten Konjunktur sein, von der alle Außenseitersragen allein abhängen. Die Folge wird natürlich sein, daß sich die Weltmarkt- preise noch weiter verschlechtern, daß die Verlustpreise der deutschen Exporte die Produktion noch mehr belasten und daß die hohen inländischen Monopolpreise, je länger sie aufrecht erhalten werden, um so weniger die Exportverlust« decken können. Die Gründe für einen energischen Abbau der inländischen Eisenpreise häufen sich also. Ueber das.Stadium der Er- wägungen scheint das Reichswirtschaftsministerium allerdings noch immer nicht hinausgekommen zu sein. Aeuer Glasirust in Belgien. 18 Fabriken.— 200 Millionen Franken Kapital. In Belgien bereitet sich eine neu« sehr umfassende Glas- kenzentration vor. Achtzehn nach dem System Fourcault arbeitende Glasfabriken sollen in eine Gesellschast eingebracht iverden, die mit einem Grundkapital von 200 Millionen Franken misgestottet wird, einen Teil der Fabriken stillegen und den Rest rationalisieren soll. Man erwartet, daß der neue Trust, an dessen Gründung die Banque de Brurelles beteiligt ist. sich mit den Graßunternehmungen verständigen wird, die(auch in Deutschland) nach dem Libbey- Dwens-System arbeiten._ Oer Krach bei AG. Verkehrswesen. Die Banken erklären.- Zukünftige Sanierung? Die G c n e ra l o e r sa m ml u n g s b e schl ll s s« der A.-G. für Verkehrswesen liegen vor. Es ist bei der kleinen Dividende von 5 Proz. gegen 11 Proz. im Vorjahre geblieben, die Banken sind endgültig aus dem Aufsichtsrat ausgetreten, obwohl sie hzute noch wohl die Hälfte des Aktienkapitals besitzen dürften, und eine Rem- sionskommission ist auch nicht eingesetzt'worden. Di« Kleinaktionäre die in erster Linie«ine höhere Dividende wollten, haben also nichts erreicht und zwischen den Banken und dem allmächtigen General- direktor Lübbert besteht nach wie vor ein Kampszustand, bei dein man nicht weiß, was für die groß« Gesellschast mit ihren riesenhaften Interessen im Bahn- und Bauwesen dabei herauskommen wird. Die Banken haben durch den Mund des Herrn S inten i s von der Berliner Handelsgesellschaft klarzustellen versucht, weshalb sie so demonstratio gegen die Konzeruleilm*, in Opposition trqten. Bestritten wurde nicht, daß der Verkehrswesenkonzern durch den Rot der Banken. Jndustriebauaktien zu lausen, geschädigt wurde. Die Banken geben aber vor. mit ihrer Opposition gegen die Expausionspolitir Litbberts demonstriert und die Dividendenherabsetzung erzwungen zu haben, ausschließlich im Interesse des Unternehmeirs und gegen den Willen der Verwaltung, weil er- hebliche Verluste vorlagen und weil größere Abschreibungen gemacht werden mußten. Wenn diese Behauptungen richtig sind, so bleibt es zwar bei der Schädigung des Verkehrswesenkonzerns auch durch die Banken. aber die Banken haben sich immerhin gegen ihnen selbst und anderen Aktionären eventuell drohende 3Z«rluste gewehrt. Um so mehr müßte die Oeffentlichkcit auf das Schicksal der A.-E. Verkehrswesen achten, die nicht weniger als sechs Dutzend deutsche Klein. bahnen kontrolliert und außerdem noch drei der größten deutschen Bauunternehmungen(Dyckerhosf u. Widmann, Lenz, Held u. Francke). Großhandelsindex fteigt tveiier Seit vierzehn Tagen zeigt der Großhandelsindex, während alles nach weiterer Preissenkung rust, nach oben. Die Woche zum 16. Juli hat als zweite Woche der Preissteigerung eine Erhöhung des Großhandelsindex von 124,8 auf 125,5 Proz. gebracht (1913 � 100). Gegenüber dem niedrigsten Index des Monats 3uni mit 124 Proz. liegt also jetzt bereits eine Steigerung um l'A Proz. vor. Es ist bemerkenswert, daß diese Erhöhung des gesamten Großhandelsindex allein auf das Konto der landwirtschaft- lichen Produkte kommt, während die Kolonialwaren unvcr- ändert blieben und die Großhandelspreise sür industrielle Rohstosfe und Halbwaren, sowie für Fertigwaren allgemein zurückgingen. Nun ist ein Anziehen der landwirtschaftlichen Produktionspreise unmittelbar vor der Ernte und während der Ernte eine häusige Erscheinung. Sie ist aber im gegenwärtigen Augenblick, da die Verteuerung der Nahrungsmittel die Kauffähigkeit des Massen- Haushalts für nichtlandwirtschaftliche Produkte ganz besonders fühl- bar einschränkt, in hohem Maße bedenklich. Für die Entwicklung der Lebenshaltungskosten kann sich durchaus im Zusammenhang mit der Mictteucrung eine statistisch nach oben zeigende Kurve ergeben. Das wird sehr zu beachten sein. Brown-Boveris Gewinne. Abwehrlämpfe gegen die große Slektrokonkurrenz. Die A.-G. Brown, Bovcri u. Eie. in 23aden, Schweiz, die in Deutschland etwa 8000 Personen bei Tochtergesellschaften beschäftigt. verteilt sür das Jahr 1929 wieder 9 Proz. Dividende aus einem Reingewinn in Vorjahrshöhe(1929 5,32 Mill. Schweizer Franken: 1928 5,31 Mill.). Im Geschäftsbericht wird erwähnt, daß die Nordamerika» nischen Werften des vielseitigen Schweizer Konzerns Ende Mai einen weiteren Bauauftrag über zwei Passagierdampfer von je 30 000 Tonnen erhalten haben. Weiter wird daraus hingewiesen, daß die im Herbst vorigen Jahres neu geschassenen Vorzugs- a k t i e n sich als wirksamster Schutz gegen eine tatsächlich drohende. unerwünschte U c b.e r s r e md u n g erwiesen haben: die Aufkäufe von fremder Seite würden planmäßig fortgesetzt. Die lieber- frcmdungsgefahr ist bekanntlich auch bei großen Tochtergescllschafteil von Brown Boveri akut, vor allem bei M o t o r- C o l u m b u s, einer wichtigen Holdinggesellschaft für Kraft- und Verkchrsuntcr- nehmungen. Der General Electric und den belgischen Elektro- Konzernen steht die Brown Baven nicht nur auf dem Gebiet der Kraftwerke(in Italien und Südamerika), sondern auch aus dem des Turbinenbaues und der Fabrikatiott von Clektrozubehär als leistungs- fähige und vorläufig noch selbständige Konkurrentin hinderlich im Wege. Daher die Aufkäuse von Brown Bovcri-Aktien durch die großen Elektrokonkurrenten. Der französische Außenhandel war im ersten fzalbsahr 1950 besonders günstig! Die E i n f u h r m c n g e stieg zwar von 28.8 auf 30,5 Millionen Tonnen, der Einsuhr wert ging aber trojzdem von 30,6 mts 26,8 Milliarden französische Franken zurück. Die Ausfuhr mengen gingen von 19,3 auf 18,5 Millionen Tonnen, die Aussuhrw e r t e von 24,7 auf 22,7 Milliarden Franken zurück. Die Weltpreissenkung hat Frankreich osfenbar erhebliche Vorteile im Außenhandel bisher gebracht. Expansion des Q-Tietz-Konzerns. In der Generalveriammlung der Leonhard Tietz A.-G.-Köln wurde mitgeteilt, daß die Umsätze in den Warenhäusern der Gesellschaft während der ersten 5 Mo- nate 1930 82,43 Millionen Mark betrugen: die Steigerung gegenüber dem Monatsdurchschnitt des Vorjahres beträgt 2 7 Proz. Jahresbilanz her Metallarbeiter. GuSer Auffchwung im Vorjahr.— Kast eine Million Miiglieder erreicht. � Ts dürfte im Vorjahr« keine andere Organisation innerhalb de? ADEL,'gegeben hoben, die so heftigen Anstürmen ausgesetzt gewesen ist, w'« gerade der Deutsche Mewllarbeiter-Verband. Er mußte einen Zweifrontenkrieg führen, wie er ihn noch in keinem Jahre der Nachkriegszeit zu bestehen hatte. Während von vorn die Unternehmer seine Stellung bernnnten, hatte er sich zu- gleich der kommunistischen Franktireur« zu erwehren, die aus dem chinterhalk die Organisation zu. unterminieren versuchten. Zu Beginn des Jahres 1929 wurde voin G e s o m t v c r b a n d deutscher M c t ci l li nd u st r i« l l c r die Anweisung an seine Vi'tgliedcr. herausgegeben, jede Forderung der Arbeiterschaft aus Erhöhung der Oohne und Akkord« abzulehnen. Diese Parole war gewissermaßen der Schlußakkord der gewaltigen Sinfonie des Ruhr- kompfes im November 1928. Di« Metallindustriellen hatten ihre Gegner jedoch- gewaltig unterschätzt: überall beantworteten die Ar- bcitcr die Dariskündigunqen der Unternehmer mit Löhn s o r de- rungcn und Anträgen auf Verbesserung ihrer Zlrbeits- bedlngungcn. lind dank der Disziplin d«r organisierten Metall- orbcitcrschost sowie dem vorbildlichen Wirken der Funktionäre wurden - die Angriffe der Anlcrnehmer aus der ganzen Linie abgeschlagen. Insgesamt wurden nach d«n Angaben des soeben erschienenen Jahr- und.(Handbuches des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes für da» Jahr 1929 von ihm und gemeinsam mit anderen Verbänden im Porjahre 1251 Bewegungen geführt, deren Ziel die Per- hisserung der Arbeitsverhältnisse und die Abwehr von Verschlechte- rungen war. An ihgen waren 1 912 597 Personen in 40 756 Betrieben beteiligt. 1092;= 87,3 Proz. dieser Bewegungen mit) 630 605 Beteiligten wurden ohne Zlrbeitseinstellung beendet, während 159 Be- wcgungcn oder 12,7 Prog. mit 281 902 Beteiligten zur Arbeits- nicdcrlegung führten. Vn den Zlrbeitern und Arbeiderinnen, die an diesen Bewegungen teilnahmen, waren 53 Proz. orga- irisiert. 1213 Bewegungen 97 Proz. endeten mit einem oder teilweisen Erfolg. Erreicht wurde für 216 867 Personen eine wöchentlich« A r b« i t S z«1 t v« r k ü r z wn g� vdn' durchschnittlich 1,9 Stunden und für 1 154 350 Personen ein« durchschnittliche Lohnerhöhung von. 1,74 Mi je Woche. Abgewehrt wurde für 16f&- Personen- eine Arbeilszeiwerläi�erung von durchschnittlich 1,42 Stunden pro Woche' und süt- 14 683 Personen eine Löhnsenkung von 3,?9r M. im � Durchschuitt,. 1761 Parsohem Mchtenzeine durch- schnittfich? Arbeidszeit Verlängerung, v onA79 Stunden' die-'W öche und 697 Personen einen Lohnadbati.von. durätjchnittlich 5,12 M. je Woche in-Kauf nehmen. Es fwarsn nlfo'nür 38 Pewegringen mit 47 668 Beteiligten enfdlglos.' 3./ s.:.j Die Gegenüberstellung dieser nüchternen und doch.so.inhältreichen Zahlen beweist, daß der Deutsche Metallarttefter-Berbond eine inter- lich so g« j c st i g t«.Organisation, ist, auch in wirtschaftlich noch so' ungünstigen Miten Untern ehmerwillkur lind-begehrlichkeit in.die Schränken zu'weisen vermag,-Es-wurden-'vom Deutschen Metollarbeiter-Verband im Vorjahre..... 2 835 612 M. für Cohn- und Tarisbewcgungen ausgegeben oder pro Kopf dck an den offenen Kämpfen beteiligten Verbands- Mitglieder rund 80 W. Die Zahl der Tarifverträge, an denen der Deutjäz« Metallarbeiter-Verband als Allein- oder Mitkontrahent beteiligt ist. stieg im Berichtsjahre um 118 auf 895, wogegen die Zahl der darunter fallenden Arbeiter und Zlrbeitermnen um 43 396 auf 1 894 100 gesunken ist, was in der Hauptsache auf den R ii ck gang der Arbeiter zahl in den Betrieben infoige des fchlech- ten Geschäftsganges und der Rationalisierung zurückzuführen ist. HiNsichrlich der tariflich zulässigen Wochenarbeitszeit ist gegenüber dem Jahre 1928 ein« erhebliche Bessening zu verzeichnen. Tariflich zulässig waren End« 1929 folgende ArlKitszeitem Für 29,2 Proz. der beschäftigten Arbeiter 48 Stunden(1828 dagegen 28 Proz), für 40,5 Proz.(30,2 Proz.) 48 bis 51 Stunden, für 16 Proz.(26,1 Proz.) 48 bis 52 Stunden, für 7,5 Proz.(8,2 Proz.) 48 bis 54 Stunden und für 6,8 Proz.(7,5 Praz.) über 54 Stunden. Diese Zusonnnen- stellung gibt aber kein wirkliches Bild von der tatsächlichen Ar- beilszeit, die natürlich viel niedriger ist, sondern spiegelt nur die tarifvertraglich möglich« Arbeitszeit wider. Wenn die Mitglieder bewegung im Jahre 1929 auch nicht den Erwartungen entspricht, die für das Berichtsjahr gehegt wurden, so'ist' sie doch zufriedenstellend. Es wurden 21 133 Mit- glieder gewonnen, so- daß der Deutsche Metallarbeiter-verband Ende 1929 insgesamt 965 443 ZNitgtieder musterte. Das ist immerhin eine gänz beträchtliche Zunahme, wenn man berücksichtigt, daß die Zahl der arbeitslosen V e r- bandsmitglieder im Lause de» Jahres um 3,7 Proz. auf 13,2 Proz. bis zum Ende des Vorjahres stieg, durch die Rationa- lisierungsmaßnahmcn viel« Metallarbeiter in andere Industrien verdrängt wurden und nicht zuletzt ein, wenn auch nur vorüber- gehender Mitgiiederrückgang durch die Spoltungsarbeit der KPD. eintrat. Von der gewaltigen finanziellen Anspannung, aber auch der Leistungsfähigkeit des Verbandes, legt der Kassenbericht Zeugnis ab. Danach sind van den über 52 Mit- lionen Mark betragenden Einnahmen rund 24,3 Millionen Mark an Unterstützungen für erwerbslose, streikende und kranke Ver- bandsmitglieder ausgegeben worden. Jedenfalls zeigt die Bilanz des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, daß er sich im Vorjahre nicht nur gut geschlagen und behauptet hat. sondern auch«inen den Verhältnissen entsprechenden guten?lüsschwung genommen hat. Diese Tatsache werden auch die Delegierten zu würdigen wissen, die aus dem Verbandstag dieser Großorganisaiion im August in Berlin zu der Tätigkeit und Entwicklung ihrer Organisation kritisch Stellung. zu nehmen haben. Dit Entwicklung des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes im Vor- jähr« läßt die berechtigte Vermutung zu, daß er sich auch den An- stürmen des noch schwärzeren Krisenjahres 19S0 gewachsen zeigen wird.' O. Sab. I Der Kreis schließt sichr Abbauplö!«! der porzellonfobrlkanjin. In der Porzellan- und Steingutindustrie haben die Unternehmer da? Reichslohn abkomm en und den Räirh's mäntel- vertrag zum 30. September gekündigt. Erst, vor ein paar Monaten ist nach sehr schweren Verhandlungen ein Manielvertrag zustande gekommen, der aber schon zu Ende September d.'J. erst» malig gekündigt werden konnte. Die Unternehmer haben die, erst« Gelegenheit dazu benutzt uns obendrein- auch gleich das Löhn- abkommen für Ends September gekündigt. Auch, hier scheint also ein Borstoß der Unternehmer gegen die Lohn- und Zlrbeitsverhält- nisfe der Porzellan- und Steingutarbeiter geplant zu sein. Die Porzellangewaltigen wollen wahrscheinlich auch ihr Teil dazu bei- tragen, die deutsche Arbeiterschaft unter Druck zu setzen, Wer die Verhältnisse in den Porzellan- nno Steingutbetrieben kennt, weiß, daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in dieser In- düstrie nicht die besten sind, und der weiß weiter, daß die Arbeit in Oer Porzellan-»nd Steingutindustrie sehr gesundheitsschädlich ist. Mußte doch im vergangenen Jahr auch für die Porzellan- arbeiter eine Verordnung durchgeführt werden, wonach die an Staublunge Erkrankten eine Untallrente be, stelzen dürfen. Durch Rationalisierung und Technisierung sind die Betriebe in- den letzten Jahren stark-mit Frauen und Jugendlichen durchsetzt worden. Die Leistungen sind im allgemeinen gewaltig gesteigert worden. Schon das bedeutet für die Por.zellanfabrikanten einen großen Gewinn, für die Arbeiterschaft dagegen mehr Arbeit auf der einen, und Ar- bejtslosigkeit von Männern und Facharbeitern auf der anderen Seit«. , Die Organisation der Porzellan- und Steingutarbciter, der Keramische Bund, eine Zlbteilung des Verbandes der Fabrik- arbeiter Deutichlands, sieht mit Ruhe und Entschlossenheit den kommenden Auseinandersetzungen entgegen. Die Organisotian ist gerüstet, und die Porzellanarbeitcr werden wie immer auch diesmal wieder ihren Mann zu stehen wissen. Kampf gegen Akkordlohnabbau. Metallarbeiter in Plauen in» Streik. Pfauen, 19. Juli. , Die Leitung der Vogt l ä» d i j ch c n Maschinenfabrik A.-G.'P I au'en Icht die Arbeitsvertrag« mit ihren Zlkkordarbeitern gekündigt. Es heißt, daß sich. hie ü b e r t n r i f l i che n Zuschläge zu den Akkordlöhnen derart ans die Gestehungskosten ausgewirkt hätten, daß die Konkut-rcn.stähigkeit des Unternehmens ausgeschlossen werde(?), und daß Versuche, im Wege gütlicher Vereinbarung z.üm Ziele zu kommen, iehlgeschlagen seien. Eine Entlassung der Arbeiter war mit der Kündigung nicht verbunden. Die ganze Bs- legschast von etwa 1600 Mann ist im Zusammenhang' init der Kürchlguih, heute mittag in den Streik getreten, Englische Milliarden für Arbeitslose. Im letzten Jahre fast 40g Millionen Mark. ...: 2,3 MilliarSen Mark in 40 Iahren. Zu der Antwort auf eine Poriamcntsanfrage teilte die englische Regierung mit. daß das Britische Schatzamt im Zähre 1929/30 193 Millionen Pfund Sterling(rund 390 Millionen Mark) zur Arbeilsloseniinterslühung beigelrazen hat gegen nur 11,8 Millionen Pfund(rund 236 Millionen Merk) im Zahrc I92S 29 und nur 2,2 Millionen. Psund(44 Millionen Mark) iy Zaljre 1920/21. Zn den letzten.zehn Jahr?n hat dos Britisch« Schahamt insgesamt 115.9 Millionen. Pfund Sterling oder 2318 Milliyncn Mark für Zwecke der Arbeitslosenunterstützung ausgewandt. Diese Ziffern sind für Deutschland sehr lehrreich. Im Vor- hällnis zur Bevölkerung sind die britischen. Staatszuschüsse.zur. Er» we'rbsivsenversichenmg größer als. in D est Ischl an d. Man Hot aber noch nichts davon gehört, daß die englischen Unternehmer deshalb das Finanzsystem des Staates zerschlagen wollen und mit ihrem Kapital ins Ausland flüchten, wie das die deutschen tun. Berbandsiag der Bergarbeiter. Morgen beginnt in Breslau die 27. Generalversammlung der Bergbouindustriearbeiterverbandes. Der Verbandstag steht in dorn düsteren Schatten der furchtbaren Grubenkatastrophc von Neu- rode und im Wetterberichten des hervorbrechenden Wahlkompfcs. Den Geschäftsbericht wird chus'emnnn erstatten. Das Bergarbeitsgesetz und die intenmtionolen Verhandlungen der Arbeitszeit im Kohlenbergbau. sollen von Slugnst Schmidt erläutert werden. lieber die Reaktion in Wirtschosts- und Sozialpolitik spricht Reichs- tagsabgeordneter ch ermann Müller, Bunde-vorsigender des ADGB. Angesichts der Auflösung des Reichstage, die von der Sostaldemokratie und ihrem Kampf gegen die Bedrohung der Sozial- Versicherung erzwungen wurde, kommt dem Vortrag Hermann Müllers erhöhte Bedeutung zu. Die Stimm« der Bergarbeiter muß in diesem Augenblick, wo sich die gesamte deutsche Arbeiterklasse zur Abwehr der Angrifse auf ihre mühsam erkämpften sozialpolitischen Positionen anschickt, bis in die letzte chütt« dringen. Die Stimme der Kohlcngröber— die Fanfare des Wachlkampfs. Rufsische Wirtschaftswunder. Z0 bis 63 proz. der Erzeugnisse sind„Bruch". „Die. Tragödie des Bruchs"' betitelt sich ein Artikel der„Roten Zeitung"" vom 17. d. Mts.— Einer der größten Krebsschäden der sowjetrussischen Produktion bilden die Produktionsabfölle. Welche Ausmaß« aber die Erscheinung annehmen«kann, bewies vor kurzem eine Schadenersatzklage des Baumwolltrust» an die ihm unler- geordneten Fabriken. Di« Höhe der gesordcrten.Summe machte nicht mehr Und nicht weniger als 3 0 Millionen Mark aus. Stuf welche Weise war ober dieser Schaden entstanden? Das ist eine komplizierte Angelegenheit. Schon beim Eintreffen der Säcke mit Baumwolle, heißt es im Blatt/ werden sie. so nachlässig ausgepackt, daß in die Baum- w o l l e D r a h t hineingerät. Gelangen dl« Fremdkörper zusammen mit den Rohstofsen zur Verabettung in die Maschinen, so werden diese selbstverständlich ruiniert. Das knm dem Trust 110 000 M. zu stehen. Allein schon die Art und Weise, wie die Säcke entleert werden, bringt einen Verlust, von 48 000 M. Verluste lauern aber an allen Ecken. Bald wird irgendein ölige« Werkzeug«der«in« Oelkonne auf fertig« Ware ge- stellt: Abfallstoffe werde» einfach, hinausgefegt: das ergibt einen Schaden von 40 000 M. Oder es werden die Füße mit neuem Stoff abgewisckit: das inocht«inen Verlust von 210000 M. Auch zum Abwischen der Hände und der Maschinen wird fertiger Stoff genommen: dos. ergibt einen Schaden von 1 280 000 M. Di« nachlässig« Behandlung der Maschinen ver- ursacht einen Schaden von 20 Millionen Mark usw. usw. Und schließlich der Bruch. Der Jwanowich« Trust gibt 4 0 Proz., der Twersche Trust/3 0 P r o z., der Trust von Orechow 4.7 Proz., von Serpuchow 50 Proz. und Leningrad sogar 6 3 Proz.: also der größte Teil der Erzeugnisi« taugt nichts. Verteilt man die 30 Millionen Schaden auf 12 Fabriken, di« der Trust umschließt, so erhält man einen-Schoden-von 1400 000 M. für jede Fabrik. Di«»«in« kleine Illustration zu dem„sozialistischen Aufbau" der sowjet-. russischen Industrie,■»"-*, jl~ z Eine andere Illustration, gewissermaßen als Begleitmusik zu de» Stolinschen Phantasiegemälden von dem gigantischen Aufschwung der Industrie, liefert die„Rote Zeitung" vom 2. Juli. Sie schildert di« Verhältnisse, in ii«n Leningrader Tcxtilfabrikcn. Der Bruch hat im zweiten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum vorigen Jahr zu» genommen, statt 11,4 Proz. machte er 16,56 Proz. aus. In manchen Fabriken selbst 23,2 Proz. Kommen dl« Erzeugnisi« dann als Hold- sabrikat zur endgültigen Bearbeitung, so ergibt es sich, daß in Wirk- lichkeit sie noch weitere 32 Proz. Bruch enthalten. Und von den fertiggestellten Erzeugnissen müssen di« Verkaufs-- stellen noch weitere 30 Proz. als untauglich abstreichen. Der Bruch, sagt das Blatt, droht sämtliche Errungenschaften der Texiilsobriken zu annulieren. Ist etwa auch das eine Errungen- jchait des„sozialistischen Aufbaus"? Man wird in Zukunft-statt voll Potemkinjchcn Dörfern, von Stalinjchcn Dörfern sprechen müsien. parfümerie de Paris. Auch für sie gilt das Vetriebsrätegesetz. Di« Klägerin.M. war bei der Firma Parfümcrie de Paris in Berlin als Packcrin beschäftigt und Mitglied des Betriebsraies. Sie wuvde dann fristlos entlassen, weil sie sich angeblich eine Tat» lichkeit gegen«inen Mitarbeiter hatte zuschulden kommen lassen. Die Klägerin erachtet die Entlassung für ungerechtfertigt, da die Zustimmung der Beiriebsoeriretung fehlte. Die Firma beruft sich aus das Protokoll einer Betriebsrats- sitzung, worin es heißt, es sei beschlossen worden, die Klägerin sei zu Recht entlassen, da nach 8 6 der Zlrbeitsordnung Tätlichkeiten gegen Mitarbeiter zur sofortigen Entlassung berechtigten. Di« be- klagte Finna hat jedoch eine Zustimmung zur Kündigung der Klägerin gar nicht nachgesucht, sondern eigenmächtig gehandelt. Das La nd e s a r b e it sg c r i ch t in Berlin hat die Klag« zugunsten der Klägerin entschieden und festgestellt, daß das Arbei's- verchältnis fortbestehe. Denn ohne die Zustimmung der Betriebs- Vertretung darf einem Belriebsratsmitglied nicht gekündigt werden. Die gegen dieses Urteil«ingelegle Revision wurde vom Reichsarbeitsgericht als völlig unbegründet zurückgewiesen. Die Be» klagt« hat gegen§ 96 Abs. 1 Betriedsrätegesetz verstoßen. Der Be- klagten werden die nickst unerheblichen Kosten des Rechtsstreits auferlegt. Eifenbühnerstreit in Lrland. London. 19. Juli.(Eigenbericht.)' . Di« Eisenbahner Irlands sind am Sonnabend zur Unterftützvag der seit Monaten um ihre gewertschastliche Zlnerkennung ringenden staatlichen Autobusongestellten in den Sympathiestreik g e- treten. Die englischen Schissahrtzgesellschastcn geben bekannt, daß sie nur für die Uebcrsahrt nach Irland gorantieran, aber nicht für die Weiterbeförderung von der.Küste nach dem Inneren de, Landes. Di« Vereinigten Stahlwerke entlassen zum 15. August auf der Zeche Prinzregcnt 400, auf der Zeche Bruchstraße und Karo- linenglück je 100 Mann. Als Grund wird„di« weitere Absatzver-' schlechterung" aus dem Kohlenmarkt bezeichnet. Herr Friedrich kleiner, der Inhaber einer Kristall- und Hohlglasschleiferei in der Bergmannstraße, beliebt zn„berichtigen, daß in seinem Betrieb nicht 12, sondern„nur" 8 Lchrlinge brschöttigt werde», ebenso nicht 5 Gehilfen, sondern 9 Gehilfen und dä-.u noch 4 Meister. Zu dieser„Berichtigung" gab Herrn Kleiner ein Artikel. Anlaß, den wir nm 8. Juli mit der Ueberschrist„Lehr.-- l'i stg'?z C chn e f est*- brachten nnd- in dem /das Wettnusbilden von Lehrlingeii in de« Berlwer Klasichlcistresen kritisiert wurde. lieber die Zahl der augenblicklich beschäftigten Lehrlinge warxn wir falsch informiert: unsere übrigen Behauptungen, die.Herr Kleiner ebenfalls in seiner„Bericbtigung" z» widerlegen versucht, halten wir nach nochmaliger Rücksprache mit unserem Gewähr»- mann und dem Fobrikarbeiteroerband aufrecht. Achtung. Bauarbeiter! Die Firma Paul Fleiß hat aus der -V-».- ir.-• genannter Baustelle sind deshalb gesperrt. Baugewerksbund Berlin, Fachgruppe Stuck und Gipsbau. Angestellte der Siemens- und ACG.-Velriebe. Heute, Tonutue». SS. Juli, 10 Uhr. i» de»»er«a»>a-Prachtt°lc». 9»be rufen»o» atlen am Tarifaertraa Setei- ligten«ugestelltenorganisationeu. ragesoeduuug: Worum imiffeu mir»«, Ber- lauge» de» LDMZ., unter einbainc» durch Brbeittiaitoerri-gerulla»u»er- äuder»,»blchue»? Wie l»»b«»»ür uu, jcgt zu»erhalte»??>«teec»t:»olleg« Günther.— Erscheine» aller«»gestellten dringend«rtnrderlich, damit dt»»«t- wendia««»Märuu» über die»edeutuna der»»» de» Weil-I-itu»««»»«r- gelegten Reverse oclen-zeichnrt«erden lau». Eintritt nur gegen Darlegung »er tzirmcuouamcisiarte. Angestellte der gesamken Metallindustrie. /«kA-RStgliederuersammIunq der M-tallindustri-<«BMZ..!ansgebi«tl Tieurtag. SZ. Zul',>9'., Uhr, in den Ecrmanio-Prachtsiilen, Berlin SR. 4. Ehausseestr. llO. Tageaordnung! Massenentlasiungen.«rbcit»,ett»«rILrzu-->. «dehalteabba'i. Di« üioroauoe IN den chrahlv», erneu Giemen«,«E®, ni-d Bergmann bedingen, dag die As«-Ritgl>cder aller Mriellde triebe restlo« er- scheinen. Au-n?«i,: Miigliedsbuch. «sÄ-Metalllarte». Butab, Eunthee; TWB., Zager; Zdii., Satisuriht, Sange. �reieGewerkschatts-IusenöBerlin Margen, Mon'ag, IVA Uhr, evrechchorprobe im coat 11 des g-abrikarbeilcroerbaude-z,— EchluH der Annieid»»-; tzie die?amr>scrfohri mit der schwimmenden Jugendherberge„Trerden" am greitag, dem 35. Zuli, @Iueeni)struppe desfZeniralverbandes der Anaestellten Morgen, Monlag. sind folgende Veranstaltungen: Wedding: Jugend- heim Muriner Ecke Srestrahe. Rcigioiagssthung.— Brig: Etiidiückna Jugendheim lNolhaus), Kcrusstundliihe Arbeitsgemeinschaft:»Wir gestudbu eine ffirmg": Rlser'ent: Knapper.- Urban: Jugendheim glnghafe:,?,«. Od, Äon unseren fahrten,— Tempelhos: Jugendheim der Säiul«. loermallia- stigße 4-«. Eingang»öhstraßc. Liederabend.— Epiel und Spart: Äb lg Uhr ans dem?omi»icud-Cp>cIplah(Lchijncbrrg). tz4itglis«isr des Deutschen Meteiiarbetter-Verbendesl Der Bezirksausschuß der revolutionären Gewerkschasksopposi. tion für Berlin-Brandcnburg-Lausih beruft zu Sonntag, dem 27. Zuli 1939, eine Bezirkskonferenz der revolutionären(Bemerk. fdstifl&oppofition ein. 2n Betriebs- und Abieitungsvetsammlunzen' sollen Delegierte zu dieser Bczirkskonsercnz gewählt werden.- Wir machen unsere Wilzliedco aus den Aufruf des Vorstandes vom 26. Oktober 1929 in der„ZNelallarbeiter-Zeitung" JXt. 43 aufmerksam, w dem daraus hingewiesen wird, daß die Teilnähinc unserer Mitglieder an derartigen Veranstaltungen eine Verbands- schädigende Handlung ist. Ansere verbandotogc haben die Mitglieder verpflichtet, derartiges Treiben in jeder Weise zu bckäwpscn. Wir crsuchin, daß sich kein Mitglied unserer Organisation als Dele- gierter zu dieser Konferenz wählen läßt. Verstöße gegen die Be- schlüsse des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes müssen mit den sich daraus ergebenden Folgen getragen werden. ..T— Die Ortsverwaltung. r tft/j W teils leicht angestaubt und mit kleinen Fehlern» Auf Extratischen im 2. 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Tagung in Kopenhagen. Aus Anlaß bcs skandinavischen Jugendtag«?, der Mite Juli in Kopenhagen stattfand, trat auch das Exekutivkomitee der Sozialistischen Jugendinternationale zusammen. Die Sitzung fand im dänischen Reichstagsgebäude stall unter Vorsitz deö Ge- nassen Heinz- Wen. Den Bericht des Sekretariats erstattete der Genosse Ollenhauer- Berlin: Die Sozialistische Jugcnd-Jnternationale kann Uber einen meiteren Aufstieg seit dem internationalen Jugendtreffen in Wien berichten. Am 31. Dezember 1929 betrug die Mitgliederzayl in den angeschlossenen Verbänden 238 994, dos ist eine Zunahme von mehr"als 18 000 Mitgliedern im Jahre 1929. Sell dem Wiener Kongreß war die Internationale eifrig bemüht, ihren Wirkungs- bereich auszudehnen. Es wurden Verbindungen mit einer Reihe von neuen Verbänden aufgenommen, die zu einem teilweisen Erfolg führten. So schloß sich die Sozialistisch« Jugendver- band Argentiniens der Sozialistischen Jugendintcrnattonale an. Das Schwergewicht der Arbeit lag fedoch in der Ausdehnung und Vertiefung der Bewegung in den europäischen Ländern. In den größeren ist in den letzten Jahren ein stetiger Ausstieg zu v:r- zeichnen. An der Spitz« der Internationale steht jetzt der schwedische Verband mit 38 999 Mitgliedern, die Sozia- listische Arbeiterjugend Deutschlands hat ihre Mitgliederzahl in den letzten zwei Jahren um 7999 steigern können, der hol- ländische Verband zählt 9999, die dänische Organisation über 12 999 Mitglieder, und ähnliche Fortschritte sind auch in den Organisationen Oesterreichs und der Tschechoslowakei zu verzeichnen. Einen guten Fortschrttt nimmt die Arbeit der französischen Organisation. Sic veranstaltet Anfang August in Lille eine Schulungswochc. zu der auch«ine deutsche Delegation eingeladen worden ist. Zur För- derung der sozialistischen Jugendarbeit in den Balkanländern wird im Oktober dieses Jahres eine Konferenz der Jugendverbände in den Balkanländcrn stattfinden. Die Gründung eines rumäni- fchen sozialistischen Jugendverbandcs ist kürzlich erfolgt, so daß nunmehr in den wichtigsten Balkanländern sozialistische Jugendver- bände bestehen. Eine engere Verbindung konnte auch hergestellt werden zu den Jugendgruppen der Arbeiterpartei in E n q- l a n d. nx nn gleich ein offizieller Anschluß dieser Jugendgruppen bis- her nicht möglich war. Die Sozialistische Jugend-Jitternationale konnte auch �eine Aus- gestallung ihrer inneren Arbeit vornehmen. Beim Sekretariat wurde eine Internationale Brieswechsclstelle eingerichtet,«? wur. den einheitliche Richtlinien für internationale Ferienwonde- r u n g e n ausgearbeitet und die Durchführung einer Internationalen Sommerfchule in Aussicht genommen. Die Aussprache über den Bericht beschäftigte sich zunächst mit der Lage der sozialistischen Jugend in den Ländern ohne Demokratie, besonders in Italien, Iugostawien, Litauen und Rußland, sowie mit der Situation in Finnland. Di« litauischen Genossen dankten der Jnternottonale für ihr- tatkräftige Unter- stützung. da die Proteste der Sozialistischen Jugcnd-Jnternationale gegen die harte Verurteilung litauischer Jugend- und Partei- genossen mit dazu beigetragen haben, daß Todesurteile in Gefängnisstrafen inngewandelt wurden. In der russischen Frage war sich die Exekutive einig in dem Willen, die Tätigkeit der sozial- demokratischen Jugend Rußlands für Demokratie und Sozialisinus weiter zu unterstützen, sie bekannt« sich vor allem zu den in dem Aufruf der Sozialistischen Arbeiter-Jntenrationole an die russischen Arbeiter niedergelegten Auffassungen. Dem E'.ni- gungskongreß der beiden sozialistischen Parteien Italiens, der am 19. und 29. Juli in Paris stattfindet, übermittclle die Exekutive die herzlichsten Glückwünsche. Ferner nahm sie«nstnnmig folgende Entschließung an: „Die Exekutive der Sozialistischen Jugend-Jnlernational« nimmt zur Kenntnis, daß das Mitglied der Exekutive der Sozia- ltstifchen Jugend-Internationale, Genosse Schinit Wutschok als Vorsitzender, und der Sekretär des Sozialistischen Jugend- verbände? Jugoslawiens wegen antimilitaristischcr Pro- poganda zu schweren Kerkerstrafen verurteilt worden sind. Sie gibt der chossnung Ausdruck, daß dieses empörende Urteil, das ge- eignet erscheint, Jugoslawien aus die Stufe des fafchistischen Italiens l>krabzusetzen, von der Benifungsinstanz aufgehoben werden wird und sendet den Denirteillen, mit denen sie sich voll- kommen solidarisch erklärt, brüderliche Grüße.* Nach längerer Beratung beschloß die Exekutwe, das dritte inter- nattonale sozialistische Jugendtreffen im Jahre 1934 abzuhalten. Die Entscheidung über den Tagungsort wird später getroffen werden. Di« dritte internottonale Jühreraussprache wird in der Zeit vom 14. bis 17. September 1931 im Reichsfenenheim der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands stattfinden. Der Arbeitsplan.sieht die Behandlung folgender Themen vor:„Pädagogische Probleme der Roten Falkenarbeit*,„Die Gewinnung der Land- arbeiterjugend",„Die geistigen Strömungen im Sozialismus der Gegenwart",„Die Stellung der jungen'Generation in der Arbeiterbewegung". Eine umfangreiche Debatte ergab sich bei der Besprechung der Maßnahmen zur Durchführung des internationalen Iugcndfchuhprogramws. Die Vertreter der Verbände in Deutschland, Oesterreich, England und der Tschechoslowakei konnten übereinstimmend iibe?«ine reg« und zum Teil auch erfolgreiche Arbeit in der Propaganda unserer Jugendschutzsorderungen und vor allem auch in der Abwehr reak- tionärer Angriffe auf Jugendschutzbestimmungen berichten. Be- merkenswert sind di« Erfolge des sozialdemokratischen Sozialministers Dr. Cz e ch in der Tschechoslowakei, dem es gelungen ist.«ine Reihe wichtiger sozialpolitischer Forderungen der arbeitenden Jugend durch- zusetzen. In Oesterreich und Deutschland konzentrierte sich di« Jugenvschutz arbeit im w-esentlichen aus die Abwehr der Au- griffe auf die Jugendschutzbestimmungen in der Arbeitslofen- Versicherung. Di« englische Organisation entfaltete«in« lebhafte öffentliche Propaganda für ihr Ätgendfchutzprogramm. Die Exekutive stimmte den Vorschlägen des Büros zu, nach denen die internationalen Ferienwanderungen in der Zukunft stärker als bishers durchgeführt werden sollen. Die angenommenen Richt- linien sehen vor. daß diese Wanderungen nur auf Grund von Vereinbarungen zwischen den Derbandsleitungen durchgeführt werden dürfen, um planlose Auslcmdswanderungen einzelner Grup- pen zu verhüten. Die Exekutive beschloß endgültig die Deranstoltung einer Inter- nationalen Sommerschule in, September dieses Jahres in Innsbruck, an der nach den bisher vorliegenden Meldungen eine größere Zahl jüngerer Funktionäre aus fast allen curopärschen Ländern teilnehmen werden. Der der Sitzung folgende internatiomilc Zugevdtag, über den wir schon kurz berichtet haben, war eine bedeutsaine internationale Kundgebung der nordischen Verbände. Es nahmen daran 3999 Dänen, 1999 Schweden, 899 Deutsche, sowie Allgemeine Funktionärversaromlung am Dtrnttatz, dem 22. Juli 1930, lOVa Uhr im Saalbaa Friedrlduhain, Am Frlcdriduhain 16-23 Tagesordnung: Die Sozialdemokratie und die Auflösung des Reichstags Referent: Parlefvorsitzender Otto WeU ZotrtH aar mit FaBUlonSraasareis fSr 1930 nad Perleimiiglledabnth Der BctirlaTonlaad Delegationen aus Finnland, Oesterreich und der Tschechoslowakei teil. Auf der Eröffnungsseiec in der Halle des Rathauses sprach der Finanzbürgermeister Kopenhagens und der Parteisekretär und Reichstagsabgeordnete Aising Andersen. Am Abend fand ein großes internationales Jugendseft in der größten Halle Kapert- Hägens stall, auf der die anwesenden Vertreter Ansprachen hielten und Sprechchöre aus Kopenhagen und Hamburg wirkungsvolle Aufführungen zeigten. Der Fackelzug, der im Anschluß an die Feier durchgeführt wurde, war der größte, den Kopen- Hagen je zuvor gesehen hotte. Die Hauptoerairftaltung bildete der Demonstraiionszug am Sonntag nachmittag und eine große politische Kundgebung, an der auch die Kopenhagener Ar- bellerschast in größerer Zahl teilnahm. Es sprachen der Staats- Münster Genosse Stauning und der Vorsitzende der schwedischen Partei, P. A. H a n s s o n, sowie auch Vertreter de? Sozialistischen Iugend-Jntcrnotionai«. Der skandinavische Jugendtag ist ein Beweis für die stark« Aufwärtsdewegung, die die sozialistische Jugendbewegung in den letzten Jahren genommen Hot und eine Be- stätigung der großen verbindenden Kraft der sozialistischeu Idee unter der arbeitenden Jugend Europas. Ei« Siebzigjähriger. Unser Mitarbeiter Pauk Dabert feiert heute seinen 79. Geburtstag. Von der Jahrzehnte hindurch ausgeübten jo»r- nazistischen Tätigkeit trat er mit 69 Jahren zurück, um sein« Feder in den Dienst der Heimatschilderung zu stellen. Viele seiner Arbeiten über märkische Städte und Landschaften, über Wochenend- und Verkehrsfragen find im„Vorwärts" erschienen. Auch als Be- orbeiter Fontanescher Arbellen ist Dobert nicht unbekannt. Parkei-Dolksfesl im Schloßpark Weißcnsee. Wie in früheren Jahren weist auch dos heute, Sonntag. 13 Uhr, beginnende soziakdemokrattsche Volksfest �ein äußerst reichholttge« Programm auf. Außer einem starken Sinfonieorchester und dem Männerchor Weißensee, werden die binchestreuen Arbeitevsportler, Schwimmer, Turner, Radfahrer mitwirken, serner zwei Künstlergnippen von der internationalen Artistenlage die Besucher fesseln. Eine Flugzeug- siofiel des Sturmvogel wird stündlich Schleisens ah rten über dein Weihen See ausführen und dabei nach eine besondere Ucberraschung bieten. Start ist Flugplatz Tempelhof. Ein großes Feuerwerk wird Hcn Abend beschließen. Eintritt nur 9,49 M. 3m Programm der aktuellen Abteilung sendet die Funk- stunde am wonntag, dem 29. Juli, vormittags von 8.49 bis 8.39 Uhr eine Reportage„Vom Start zum Europa rundflug" vom Tempelhofer Flughafen. Am Mikrophon: Lutz L. Lehmann. Was ist religiöser Sozialismus? Am Dienstag, dem 22. Juli, spricht in der Zell von 19.23 bis 19.39 Uhr auf der Deutschen Welle Professor D. Dr. Paul Tillich über:„W as ist religiöser Sozialismu s?" Der Vortragende wird über die verschiedenen Angriffe sprechen, die Christentum und Sozialisnms gegeneinander erheben. unß/m Der Berliner Kabarellobend„Spaziergang über die Dacher Berlins* begann mll einem etwas langwellig-sentimentalen Auftakt, hinter dem sich jedoch einige recht amüsante Szenen verborgen. Retter jedoch sind die Kabarellveranstalwngen, die zur gleichen Zell der Delllschlandsender aus Leipzig übernahm:„Unsere Sender haben Ohren*. Nach den Stichproben zu urteilen, gab es hier eine heiter« Hörfolge ohne tote Punkte.— Eine Unterhaltung über das schwierige Thema.Kunst und Staat* führten Dr. Kurt E. Fischer und Dr. Arnold Schirokoucr. Bei Beginn ihrer Diskussion schienen Berge zu kreißen: aber schließlich wurde doch nur die Maus geboren; man schloß mll dem gemeinsamen Wunsch, daß der Staat die Kunst fördern möge, ohne ihr weltanschauliche oder sonstige Fesseln an- zulegen. Was zu beweisen sich erübrigte. Tes. Vortrage, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold*. S« t S 51 t s ft ü l I': Surlin<5. 14. Etbagi-nlir 37-38. S»1 2. Tr. Prruzlauee B«iq WrtsvemiO. Die«arten zur Berfassungsfeier milffen am Montaa. dem 21. Juli, vl>m«amcradcn Kemnitz, EI» bingcr Str. 34, abqrhnlt werden.— Montag. 21. Zuli. Aiicdrichshain iZung- banner). Um 20 Uhr Jugendheim granlfurter A?cs 307. Thema:»Die Ar- beitslosennergcherung". Tewpelho! fOrtsveremZ. Um 19' 3 Uhr citzuna des engeren Norgandes heim Kameraden Montag.— Dienrtog, 22. Znti. Paulo» (Kameradschoften Blanlenburg, Buchholz, Buch. Karow). Versammlung um 20 Uhr bei Klug, Blanlenburg. ssorststr. 2.— Mittwoch, 23.?uli. Tiergarten sSomeradschaft Moabit). Versammlung in den Arminiussälen, Bremer vir. 72. Kamerad Arno Scholz spridK Uber:„Aul, in den Wahllampf". Wegen der Besprechung unserer Verfassungsfeier im Ulap und der Wichtigkeit des Themas ist vollzähliges Erscheinen Pflicht. Rarineabeiluug. Rudern und Schwinrmen.— Donuerstog, 24. Zuli. Dchönederg.Fricdenon cOrtsverein). Finanzklause, Mllhlenstr. 8, um 20 Uhr gunktionärvcrsammlung. Um 19 V) Uhr Borstandssi tzung mit den Äameradschaftsführern. Arbciter.Rodio.Buod Deutschlands E. B.. Ortsgruppe Srotz. Berlin. Unter. gruppe Friedrich»Hain. Donnersiaa, 24. Juli, fällt der Krupponadend aus.— Uutergrupp« Rentöllu. Lolal Wilhelm Utte, Neukölln, Hermannftr. 11, Ton» nerstag, 24. Juli, 20 Uhr. Elemeniarvortrag:»Eclbsttndultion und Kapazität". Spulen wiikeln. Gäste, sind willkommen. Ziepublilouisch« Redner. Vereinigung. Montag. 20 Uhr. Alter Askanier, Anhaltstr. It. Es spricht Genosse Sternberg Uber:.Kampf gegen Sozial- reaktion". Diskussion. Gäste willkommen. Die IiaanzSmter Andreas und Zriedrichshain verlegen ihre Dienst- räum« von der Piuelstratze S/8 nach der Schneeglöckchen. Ecke Oleanderftratze(nahe Bahnhos Landsberger Allee). Alles Nähere im Anzeigenteil der heutigen Ausgabe. Retchshollen-Theater. Die Dresdner Viltoria-Sänger geben wie all» jährlich auch w diesem Jahre in der zweiten Halste des Jllliprogramms in den Räumen des ReichShallen-TbcalerS ein Gauspiel. Zwei lustige Einakter „Jagd aus Schwarzwild" und„Sin alter Knabe" wurden stark beklatscht. Als guter Damendarstellcr gefiel HanS Rutledt in seinen Gesangs» und Tanzszcnen, seiner in zwei Duoszencn.Die Puppenhochzeit" und.Mit dir ganz allem" die Geschwister Schönselder und Hans Hartmann, der drollige Sachse. Allgemeine Wetterlage. dÄiJuli 4930' sbds. 0 wolker 108,0 heiler, 0 helb bedeck» Owolldg.�becieoktnRegeUidGraupel/i lSchnsfvSNebel.TGewirtec�Wiwlsti'le Di« Depression, die om Fvellag morgen über Südoeutschland erschienen war, ist im Laufe des Freitags über Böhmen nach Schlesien und dann bis Sonnabend abend noch der südliehen Ostsee gezogen. Sie brachte dem mittleren Norddeutschland sehr erhebliche Regenmengen. Zwischen Elbe und Oder sielen allgemein mehr als 23 Millimeter. Südlich von Berlin fielen von Freitag abend bis Sonnabend vormittag etwa 79 Millimeter Nicdez-schlog. Diese Summe entspricht fast der gesamten normalen Monatsinenge. Das Tief ivandert jetzt unter Verslachung nach Nordosten ab. Da gleich- zeitig van Westen her ehvas höherer Luitdruck herannaht, ist mit etwas Besserung zu rechnen. In dem kühlen westlichen Luftstrom, in dem wir uns zurzeit befinden, sind aber noch einzelne Störungen vorhanden, die dos Wetter noch etwas unruhig gestalten dürften. * Wetteraussichten für Berlin: Teils wollig, teils heiter, aber -immer noch etwas unbeständig, Temperaturen nur wenig ner- ändert.— Für Deutschland: Teilweise Heiter, aber immer noch ziemlich unbeständig, namentlich im Norden einzelne Regenschauer. Spart. Rennen zu Martendorf am Sonnabend, dem tS. Juli. 1. Rennen. 1. Qucbcck kGeencns), 2. Diamant, S. Fechtmeister. Toto: 63:10. Platz: 23, 13, 20; 10. Ferner liefen: Goldiu. Blau. strumpf. Heureka, Bristol, Pyramide, Heliotrop, Nordeck, Jenny Lind, Earabella. 2. Rennen. 1. Huberts(I. Mills). 2. Cicero. 3. Pinie. Toto: 92: 10. Platz: 23. 14, 13: 10. Ferner liefen; Hanko, Allasch, Traute, Blanco, Billibell. Kassette. Serenade. 3. R e n n e n. 1. Eminenz(Frömming), 2. Ossi Oswalda, 3. Herz- blatt. 4. Professor. Toto: 29:10. Platz: 14, 24. 27. LS: 10. Ferner liefen: Dhewuschka. Schwestersohn, Natator, Peramo, Allmacht. Helen Dawson, Tullia(0.33.), Landskrone, Feueililie, Hedwig, Cyklame, Nordpol, Galeasse. 4. Renne», 1. Bergamotte,(I. Mills), 2. Lu-Lo, 3. Enzian. Toto: 18:10. Platz: 12,11,14:10. Ferner liefen: Lortez, Poesie, Osterprinz, Dewey Pillat. 5. Rennen. 1. Antenor fCh Mills), 2. Friese. 3. Letzte Liebe. Toto: 14:10. Platz: 11, 11. 13:10. Ferner Uesen: Per Aktion, Lindowkind. Möglich. Abeudstern, Herostrato». 6. Rennen. 1. WilkeS(Hoehne), 2. Halma, 3. Tamerlan, 4. Tensels- bua. Toto: 255: 10. Platz: 32. IS. 15, 3S: 10. Ferner liefen: Long Aibort, Mary Guy, Lustige« Mädchen, Lindow Peter(0. 23.), Friesin, Modena, Passer, Raphia, Noblesse, PiruZ, Esther Prinzessin. G.Lüd*. Lübeck Vertriei för US.A GlogautrO! Chicaga. X&aäaa&taetJ 1 Huntiemausande nahmen ei figlkti mir dem gleich'"' *3or— Tgbjeiten C&Sll 1.SO "Uuredif mit dem Bilde dat tefituieut £eucMen über den&eldem Cr kam gerade aus der Stemmiihle, als die Elektrische dort stehen blieb. Was hott« er in der Steinmühle zu suchen, hatte er doch so wundervolle und leuchtende bloue Augen? Wie Veilchen- bluten waren diese Augen und aus ihnen leuchtete der Christus____ Die Steinmühle ist ein zwei Stock hohes Gebäude: ihre Wänoe sind aus Rohstein und unter dem kleinen, ihr kappenartig aufsitzen- den Doch lugt sie fletschend in die Welt hinaus. Der Staub des gemahlenen Gesteins weht um sie in der Lust und breitet sich über sie aus, als läge über ihr der chauch eines Gedankens. Dieser Ge- danke entspringt aus dem Verhältnis eines jeden Kapitals zu jeder Arbeit... Die Mühle frißt und verdaut mit krachendem Getöse den ganzen Tag hindurch. Ihr großer Mund ist oben, im zweiten Stock, an einer ihrer Stirnseiten angebracht und in Loren führen ihm die Arbeiter das Gestein aus der Grub« ununterbrochen zu. Fünf Mastdarm« hat di« Mühle, die ihr aus dem Gesicht ragen. Was sie zerkaut und verdaut hat, spuckt sie durch diese in die vor ihr stehenden Waggons. Der mit den Christusaugen war einer von jenen, die im Innern der Mühle arbeiteten. Kaum, daß er sich in der Elektrischen niedergesetzt hatte, kam der Schaffner: nun hatte er seine liebe Not. „Bitte die Fahrkarte!" „Ja, bitte!" Er sprach das gelassen und so leise, daß es wie Musik klang und zog die Monatskarte aus der Tascku! seines zer- fetzten Mantels..... �> a „Die Karte ist schon gestern abgelaufen!..." „Ja, bitte!..." Aus seinem gespannten Gesicht schauten die blauen Augen zum Schaffner empor. Die blauen Augen hüllten den Schaffner in ihr L-cht und es schien, als wäre er mit Sanftmut angestrichen. „Nun, und...?" sprach der, dach ohne zu zürnen. „Ja, bitte, denn gehe ich heute die Karte erneuern, so geht der ganze Arbeitstag verloren, doch morgen habe ich ohnedies nach- mittags frei. Ich dachte, sie werden schon nachsichtig sein..." „Also morgen?" a i „Bestimmt." Es war etwas zwischen ihnen, in dem sie einander verstanden: sie wußten etwas von einander, worüber sie nicht einmal reden mußten. Der Schaffner grüßte und ging. Ich betrachtete schon lang« den Blauäugigen und hätte ihn gern angesprochen. Doch konnte man ihn anders als gerührt ansprechen? War denn seine Aygst wegen der Karte und des Schaffners nicht die Angst und zugleich auch die Zuversicht eines kleinen Buben? Und woher nahm er diese grenzenlose Zuversicht? Aus der eigenen Unschuld und Wehrlosigkeit. So stark war sein Glaube an die Eigenkraft der Unschuld und der Wehrlosigkeit. War er nicht ein Lamm? Dann sprach er: „Ja, wahrlich, di« Arbeit ist schwer, von früh bis abends den Schlund zu speisen. Aus den Loren stürzen sie das Gestein auf die Eisenplatten vor den Schlund: schaujelt der Mensch nicht un- unterbrochen, so wächst es zum Berg heran. So ist schon der Stein selbst ein Arbeitsauffeher. Die Maschine, mahlt sie da? Gestein, so knackt sie, als würde sie es mit schrecklichen Zähnen zerstückeln: doch läuft'M Wäsze leer, so briillt sie.'Noch' Mehr. Fürchterlich äst dieses- Brüllen. Das ist schon der zweite Ausseher. Als dritter ist osr richtige Aufseher da und schreibt einen gleich für's geringste auf. � Von früh bis abends schaufle ich unentwegt das Gestein: am Abend, wenn ich heranekomme. fühl' ich meine Schulrern nicht mehr." Sein« geflickten Schuhe sind vom Steinstaub kalkartig über- zogen: sein Gewand besteht aus blauen, grauen, braunen und schwarzen Flecken, sein chut ist verbogen, außer Rand und Band: das ist die Uniform der Armen! Was sucht aber sei» Kleinkinder- gesicht in dieser Uniform? Und er sagt: „Immer haben sie etwas ,zum?lbzichen! Man weiß nie war- um. Sich beschweren? Dann setzen sie einen auf die Straße." Seine Gesichtsfarbe ist grünlich-gelb: zu seinem dünnen Mund- rand laufen Falten hin und seine Lippen sind nicht rot, sondern violett. „Eine S!unde brauche ich zum Kommen und ein« zum Gehen, doch darum kümmert sich kein Mensch, wie auch um die Bahn- spcsen nicht. Und ich bin immer im Vorschuß und Samstag be- komm« ich schon fast nichts heraus und das geht immer so. Jede Woche beginnt es von vorn und nie ändert sich etwas und kann sich auch nichts ändern." Etwas war in seiner Seele, das seine Worte durchsiebte. Da- von wurden sie so hauchartig. Es lag eine Harmonie in dem Menschen, wovon seine Rede sich wie Musik anhörte. Als käme «in jedes seiner Worte von sehr weit her und ginge sehr weit da- hinn..., denn Unendlichkeit war in seiner Seele. Nachdem wir ausgestiegen, gingen wir zwischen Getreidefeldern weiter. Schon überschlugen sich die blonden Aehren ins Gelbe, doch ihre Grenze war nicht zu erschauen, wie auch die des Himmels nicht. So schritt die eine Unendlichkeit durch die andere... „Sehen Sie", sagte er,„hier ist das älteste Mädchen, es ist schon sechzehn Jahre alt. Die Arme, sie sagt immer:.Würde ich in die Stadt in Dienst gehen, könnte ich mir Kleider kaufen und euch könnte ich auch noch elwas schicken.'— Doch wer soll dann kochen, waschen, die Wohnung in Ordnung halten, wer die zwei Kleinen versorgen und hauptsächlich, wer soll denn die Mutter be- treuen? Denn die Mutter ich pflegebedürftig.—.Euch könnt« ich auch noch etwas schicken', sagt das Mädel, doch wenn einmal die Mutter krank ist!... Als ich sie heiratete, da war sie noch nicht krank, zumindest hat man nichts merken können, als wäre sie krank. Doch jetzt ist sie krank, immer nur krank. Die Professoren in der Stadt haben sie auch schon untersucht. Sie hat eine Herzneurose: so nennt man das!" „Herzneurose! Und die Arme ist ganz unbrauchbar! Nichts kann man mt ihr anfangen und man muß sehr auf sie achten! Wir tun es auch! Wenn ich so von der Arbeit heimkehre, betrete ich Nicht die Wohnung, solang« meine Tochter nicht herauskommt uns winkt. Schon aus dem Winken verstehe ich, w e es mit der Frau steht, ob ich hinein kann? Denn manchmal kann man mit ihr nicht reden, man darf nicht, da es ihr schadet. Und wie durfte man ihr schaden? Sie hat auch ohnedies genug!" Auf den blonden Feloern standen?>ie Aehren auf Millionen und aber Millionen Stengeln, die Einsamkeit war riesenhaft und die Sonn« war am Rande der Aehren schon angelangt. Neben nur ging der Blauäugige, ich schaut« auf ihn, auf sein« Schultern, auf seinen Rücken,— doch dort war nichts zu sehen, nur Luft, obwohl er eine ganze Welt auf sich trag: nur der Rücken war ein wenig gebeugt. „Manchmal ist es, daß man es mit ihr nicht aushalten kann, Ton£ud wig ffiaria daß ihr nichts recht ist, daß sie den Menschen mit Worten besudelt, zerfleischt.... Doch kann man ihr deshalb böse sein? Muß man sie vielmehr nicht bemitleiden? Und die Arme, sie ist doch so gut! Sehr gut! Sie kommt und sagt:.Seid mir nicht böse, ich kann ja nichts dafür.'—„Wie sollte ich böse sein, eher bin ich auf mich böse, daß ich zu dir nicht besser sein kann."„Und bitte, immer bin ich im Vorschuß und kann Ende oer Woche kaum etwas nach Haus« bringen. Und das Mähel sehnt sich immerfort nur in Dienst zu gehen,.Euch könnte ich auch noch etwas schicken'.—„Und sie hat auch recht! Doch sie ist die einzige, die manchmal einen kleinen Kredit verschaffen kann, denn wer sonst sollte es. Nur darum sterben wir nicht vor Hunger. Und sie besorgt alles, auch die Klei- nen, uno wie gut ist sie zu ihrer Mutter! Nie ist sie ungeduldig! Sie ist wie die Engel!" Die Sonne war schon hinter dem Horizont verschwunden, über der Welt verbreitete sich«in gelber Widerschein. Die Ränder waren verschwommen und die Unendlichkeit wurde sowohl in der Welt, wie auch in dem Blauäugigen, immer größer. „Natürlich, die zwei Kleinen sino ein großes Hindernis. Die Frau sagt es mich:.Sei mir nicht böse, daß ich diese Not auch noch über dich brachte!'—„Wie könnte ich böse sein, im Gegenteil, ich habe dich sogar wegen der Kleinen besonders lieb."—.Ich würde mich umbringen, wenn nur die Krankheit wäre und die Kleinen nicht.'—„Dos glaube ich ihr auch und eben darum werden wir vielleicht auch das vierte noch zur Welt bringen müssen..." Den ganzen Tag stand er in der Steinmühle und dennoch war sein Gang nicht schwer! Die Feinheit seiner Seele machte es, daß sein Körper fast dahinschwebte---- Winkt meine Tochter, daß ich hinein kann, dann gehe ich ganz leise, nur leise mit den Füßen, hinein. Denn oft schadet es 0er Frau, wenn jemand poltert. Wozu abwarten, bis es ihr schadet. Darum lege ich zu Hause die Füße kaum auf den Boden. Doch ich bin noch immer unzufrieden: ich möchte in der Wohnung am liebsten nur so umherfliegen wie die kleinen Vögelein auf den Bäumen." Sein Gesicht war fahl, ein wenig grünlich und mager und aus seinem grünlich-gelben Gesicht orangen die Worte wie Musik---- Es war noch hell über den weiten Feldern, doch die Quelle des Lichtes war schon nirgends sichtbar. Es war dies ein unnennbares Leuchten, als hätte das Christusauge im sohlen Gesicht die Felder beleuchtet____ Dort, wo der Weg sich verzweigte, ging der Blauäugige nach rechts. Er ging Zwischen den Aehren uno das Licht ging mit ihm. So schritt er durch die Felder. Er war einer von den Getretenen, Beleidigten und Getreu- zigten: nicht einer von jenen, die sich auflehnen, sondern einer von den Heiligen..... Tiere, die mit den PUßen Ton 3)r.£. 9Sergmann-£eipsig Es soll Menschen geben, die beim längeren Hineinhalien ihrer Hand in eine Flüssigkeit entscheiden können, ob dieselbe salzig oder süß ist. An und für sich ist so etwas bei uns ausgeschlossen. Warum? Weil wir keine Geschmacksorgane an Füßen oder Händen besitzen. Unser Gcschmacksorgan ist die Zunge, auf der kleine Becher und Runzeln verstreut sind, die uns zum Schmecken befähigen. Bekanntlich können wir nur viererlei„schmecken". Wenn wir sagen: Die Apfelsine„schmeckt" gut, so hat uns die Zunge nur etwas über das Süße, Saure und eventuell über das Bittere und Salzig« der Frucht ausgesagt, das andere hat die Nase besorgt, wie es jeder merkt, wenn«in tüchtiger Schnupfen ihm di« Riechorgane versperrt. Es fragt sich nun, ob auch die Tiere dasselbe schmecken können wie wir. Das ist bei höheren Tieren zweifellos der Fall.(Man denk« nur an Pferd und Zucker, Ziege und Salz), aber auch bei niederen, wie bei Bienen, hat K. v. Frisch vor einem Vierteljahr durch scharfsinnige Untersuchungen gezeigt, daß dieselben nicht mehr und nicht weniger Geschmacksunterschiede, wie wir kennen, ja sogar Süßstoffe, wie Sacharin und Dulcin wird von ihnen, als süß empfunden. Während man nun die Organ« dazu im allgemeinen im Munde findet, hat Dwight Elmer Minnich von der Universität von Minne- sota bei seinen Arbeiten bei K. v. Frisch in München«ine höchst merkwürdige Entdeckung gemacht: Es gibt Tiere, die mit den Füßen sschmeckcn können! Wie kommt die Natur dazu, so etwas zu schaffen? Nun, man überlege sich folgenden Fall: Ein Schmetterling mit langem kompliziert gebauten Rüssel, wie z. B. der roie Admiral, sucht sein« Nahrung. Wir wissen, daß sie im wesentlichen aus zucker- haltigen Flüssigkeiten besteht. Würde er die Geschmacksorgane nur im Munde haben, so müßt« er sich stets mit jeder zu prüfenden Flüssigkeit den ganzen Rüssef füllen, ehe er über die Brauchbarkeit derselben entscheiden kann. Dabei riskiert er auch noch, die schäd- lichen Stoffe zu spät zu bemerken. Die Natur hat Vorsorge gc- troffen, und ihm Geschmacksorgane an den Füßen gegeben. Das er- weist sich als äußerst praktisch, da er die Füße ja doch nicht zu längeren Wanderungen— etwa gar auf staubigem Grund, wodurch die Organe verstopft werden könnten— benutzt. Dagegen ist es wahrscheinlich, daß er mit ihnen am ehesten in die für ihn günstige Nahrung hineintritt. Aber auch bei anderen Schmetterlingen ist diese Einrichtung gefunden worden, so z. B. bei dem bekannten Kohlweißling. Nun geht ober in der Wissenschaft nichts ohne Widerspruch ab, und so mußte es sich auch Minnich gefallen lassen, daß seine Funde von Verlaine stark angezweifelt wurden. Tatsächlich ist es ja nicht so einfach zu sagen, ob nicht das Tier schon einige Tröpfchen«n den Rüssel bekomcn hat. oder nur aus das Gefühl hin, daß es in eine Flüssigkeit hineintritt, davon saugt. Es mußten also genauere Unter- suchungen angestellt werden. Dies« hat nun Minnich vor kurzem veröffentlicht. Er hatte gefunden, daß die uns allen bekannte Schmeißflieg« mit dem schönen stahlblauen Hinterteil(calliphora vomitaria) auch„etwas an den Füßen hatte". Diese Tiere waren aber leicht in großer Zahl, in bestimmtem Alter, Geschlecht usw. zu bekommen. Der Forscher ging nun so vor: Er befestigte die Tiere unter geeigneten Vorsichtsmaßregeln so auf kleine Wachsklötzchen, daß sie nur ein Bein bewegen konnten. Tunkt er dieses in eine Zuckerlösung, so schnellt das Tier sofort seinen Rüssel heraus und trank, brachte er das Bein aber in reines Wasser, so trat der Rüssel nicht in Tätigkeit. Der Versuch wäre mehrere hundert Male bei ge- eigneten Vorbedingungen stets richtig beantwortet und bewies schlagend, daß die Tiere mit den Füßen den Unterschied der beiden Flüssigkeiten merken mußten. Minnich veränderte daraufhin die Menge Zucker in der Flüssig- keit und kam dabei zu dem überraschenden Ergebnis, daß die Tier« eine noch 2Z0mal verdünntere Lösung von Zucker in Wasser, als wir sie gerade als deutlich süß empfinden, noch als solche erkennen, d. h. sie können noch Vioo Gramm in 1000 Gramm Wasser empfinden! Eine kaum glaubliche Leistung. Dabei stellte es sich heraus, daß die Geschmacksorgane der Mundwerkzeuge derselben Ti«r«''be- deutend weniger empfindlich waren. Ueberhaupt muß ein Unter- schied zwischen beiden sein, denn Milchzucker, der von den Füßen gar nicht geschmeckt wird, wird andererseits noch von den Mundorganen geschmeckt. Da der Milchzucker, der übrigens auch von den Bienen nicht bemerkt wird, dieselben physikalischen Eigenschaften wie der gewöhnliche Zucker hat, ist der Versuch gleichzeitig ein Beweis dafür, daß di« Füße chemische Sinne beherbergen müssen, die also ähnlich wie unsere Gcschmacksbecher arbeiten. Die genaue Lag« und Form der Organe ist noch nicht bekannt, doch hat man durch sorgsältig« Operation an den Fliegenbeincn festgestellt, daß sie sich von dem Fußballen bis hinauf fast zum Oberschenkel erstrecken müssen. Bei der Prüfung �der sechs.. Beine der Fliege hat es sich gezeigt, daß die beiden vordersten die besten„Zungen" haben, was wieder vom Nützlichkeitsstandpunkt aus recht«inleuchtend ist, denn mit ihnen kommt das Tier ja am ehesten an den Blütenncktar, die süßen Saft- ausschwitzungen gewisser Stämme und Blätter und an halbflüssige Kadaver. An der Hand der verschieden konzentrierten Lösungen wurde auch noch eine andere Frage ziemlich gut gelöst, nämlich: Wieviel Zucker braucht«in« Schmeißfliege, um gerade noch am Leben zu bleiben? Die Schwierigkeit besteht ja hier darin, foäß man bei der Kleinheit der aufgenommenen Mengen nicht genau kontrollieren kann, wieviel sie zu sich genommen hat. Immerhin ist ein« Bestimmung möglich. Man stelle sich vor: Ein Mensch würde leben können, wenn«r täglich«in Pfund Zucker bekommt. Gebe ich ihm das Pfund Zucker in immer mehr Wasser gelöst, so kommt schließlich «ine Verdünnung, bei der er verhungert, denn wie soll er das Pfund Zucker herausholen, wenn ich es ihm etwa in einen kleinen Teich gelöst täglich zustell«? Genau so verhält es sich mit unserer Fliege. Minnich fand, daß sie am Leben blieb, wenn sie täglich zweimal zu trinken bekam von einer Lösung, di« ungefähr 1 Gramm Rohrzucker in 100 Gramm Wasser enthielt. Allerdings konnte sie dabei ver- hältnismäßig wenig Bewegungen machen, was einen geringeren Kräfteverbrauch bedingt. Diese Feststellungen sind äußerst wichtig, um daraus Folgerungen über Nahrungsverbrauch und Nahrungs- ausnützung bei niederen Tieren zu ziehen. Noch wissen wir nicht, ob die Fliegen und Falter auch sauer, salzig und bitter mit diesem Fuß- oder— wie man sie auch nennt— Tarsalorganen unterscheiden können. Zu vermuten ist das. da diese Unterscheidung gerade für di« Schmeißfliege, die ja ihre Eier auf faulem Fleisch ablegt, Wichtitz wäre. Hoffen wir, daß die allezeit un- ermüdlich forschende und feinere Methoden ausklügelnde Wissenschaft in Kürze uns auch darüber berichten kann. Sin Problem Ton Waffe ZelterffrUm Sie sahen zusammen und redeten. „Nun paßt mal auf", sogt« Nyquist.„Ich weiß ein Rätsel oder Problem." � „Ich mag feine Rätsel", sagte Brink.„Ist es das mit den Gummischuhen? Innen rot und außen schwarz?" „Ich weiß ein anderes Rätsel", jangte Sandström.„Was für eine Aehnlichkeit ist zwischen einem Klavier und einer Natter?" „Geht's nicht mit einem Flügel?" sagte John. „Meinetwegen,— aber was für«ine Aehnlichkeit ist?" „Unterbrecht mich nicht", sagte Nyquist,„mein Rätiel ist ein mathematisches Problem. Es ist interessant." „I möchte gern das mit der Natter und mit dem Klavier wsssen", sagte Laura. Niemand hörte aus. sie. „Beides fängt mit„b" an", sagte Sandström. „So" sagt« Brink,„Natter" fängt mit„N" an und„Klavier" mit„K". „Was kann schon sein", sagte Sandström,„aber beides fängt mit„b" an, wenn man buchstabieren kann." Da haben wir Sandström rausgefchmissen. „Mein mathematisches Problem lautet io", sagte Nyquist. „Zwei Züge fahren ab. Einer von Stockholm und einer von Oercbro. Beide Züge fahren' gleichzeitig ab, aber der Zug, der von Oercbro abgeht, fährt schneller. Wenn sich die beiden Züge begegnen, welcher von ihnen ist dann Stockholm näher?" „Wieviel schneller jährt der Zug von Oerebro?" fragte Brink, der neugierig ist. „Das weiß ich nicht, es gehört auch nicht dazu. Wir können ja aber sagen, daß er fünf Knoten mehr macht." „Züge machen überhaupt keine Knoten", sagte Laura, di««inen Scekapitän kannte.„Nur Schisse machen Knoten." „Na", sagt« Nyquist,„dann wollen wir annehmen, daß der Zug von Oerebro acht Kilometer in der Stunde fährt. Die Hauptsache ist, daß beide gleichzeitig abgehen, und daß sie sich auf der Streck« be- gegnen. Welcher Zug ist dann Stockholm näher?" „Ist die Bahn doppelspurig?" fragte John. „Naturlich, es soll doch kein Zusammenstoß stattfinden", sagte Nyqnist,„du Idiot!" Damit ist John aus dieser Geschichte heraus. „Ich vermute," sagte Laura,„daß der Oerebroer Zug. der schneller fäh�t, Stockholm näher ist als der andere Zug, wenn sie sich begegnen." Brink überlegte, und dann sagte er: „Der Stockholmer Zug, der langsamer fährt, ist näher, denn er ist noch nicht so weit' van Stockholm fort." „Nein, keiner hat recht," sagte Nyquist.„Es ist ja so einfach. Beide Züge sind, wenn sie sich begegnen, gleich weit von Stockholm entfernt. Das begreift doch ein Kind." „Ich nicht", sagte Laura.„Ich versteh« es nicht." „Du bist ja auch kein Kind mehr, l>«be Laura. Aber komm mal her, dann werde ich«s die zeigen. Du stellst dich an diese Wand und ich mich an diese, und dann gehen wir gleichzeitig ausein- ander zu. Also, wie weit find wir nun von den Wänden?" „Natürlich sind wir gleich weit", sagte Laura,„aber es ist doch viel weiter zwischen Oerebro und Stockholm." „Nyquist hat zufällig recht", sagte Brink. Es ist ja so nalürlich. Aber nun wollen wir lieber von was anderem reden." Da kam Sandström zurück und sagte: „Ich habe mir einen Fahrplan gekaust,— c s fahren kein« Aügc gleichzeitig von Stockholm und Oerebro ab, damit ist die ganz« Geschichte hinfällig." tAu» dem Lchwcdischcii von Agc Zlncit-lmp und Elisabeth Treitel.) 3)ie enteauberfe lllärchenfladl Buchara, die Stadt der Türm«, war einst neben Mekka die heiligste Stadt des Orients. Von den schlanken Minaretts seiner zahlreichen und prächtigen Moscheen riefen die Muezzin die Scharen lier Gläubigen zum Gebet, seine Händler lockten mit reichen, bunten Auslagen die Menge der Käufer, sein Bazar war d«r schönste und berühmtest« des Ostens, die Paläst« der möchtigen Fürsten und Handelsherren bargen unermeßlich« Schätz«. Inmitten seines niärchenhaften Reichtums und zahlreichen Harems lebte der große Emir Said Aliin Bakhadur Khan, ohne sich viel um den fern« regierenden russischen Zaren und seine Oberhoheit zu kümmern. Kaum«in Hauch westlicher Zivilisation trübte den mittelalt«rlichen Glanz der Perle des Orients. Da kam die russische Revolution und erschütterte das Reich d«s Emirs in seinen Grundsesten: der Fürst mußt« slieh«n, seine Länder wurden in die selbständige Räterepublik Usbekistan umgewandelt. Vieles hat sich seitdem geändert. Zwar bietet sich immer noch dem Fremden das farbenprächtige und reizvolle Bild einer orientalischen Stadt, wenn er durch das vielfältige Treiben teppichüderdachter, brückenüberwölbtcr engen Straßen schreitet, wo ein malerisches Durcheinander von eingeborenen Männern und Frauen, Pferden, Kamelen, Lastträgern, Wasserträgern und Fahrzeugen all«r Art herrscht, wo in zahllosen eigentümlichen, höhl«nartigcn Läden Händler und Handwerker sich inmitten ihrer Waren räkeln. Aber das ist nur die Oberfläche. Das auffälligste Merkmal der Umwandlung sind die vielen un- verschleierten Frauen. Dies ist etwas Unerhörtes für den gläubigen Muselmann, um so mehr, als die Frauen mit dieser Freiheit des Antlitz«? auch viele andere Freiheiten bekommen haben und, einst Sklaven der Männer, ihnen jetzt dem Gesetze nach gleichstehen. Ost kommt es vor, daß solche fortschrittlichen Frauen von ihren Gatten, Brüdern oder Verwandten zur Straf« für die Verachtung alter Sitten getötet werdenl Der Handel hat sehr gelitten, die reichen Kaufleut« hoben ihr« Schätze vor dem Anstrum der Revolution nach Pcrsien und Afghanistan gerettet, die Zahl der übriggebliebenen kleineren Händler schmilzt mit j«dem Tag mehr und mehr zusamm«n, eine Folge des Kampfes geg«n die Nep-(Privat-) Wirtschaft. Der ehemals so großartige Bazar ist verödet und lebt von den kläglichen Resten einstigen Ueberflusses. Der Westen dringt vor. Im Jahre 1924 lebte nicht mehr als ein Dutzend russischer Familien in der Stadt, heute sind es schon über 11X1! 1928 wurde die erste Fabrik nach europäischem Muster gegründet. Jetzt baut man eine große Seidenspinnerei, die'AM Arbeiter beschäftigen wird. Di« stolzeste Moschee Bucharas, gegenüber dem ehemaligen Palast des Emirs, ist in eine Avbeiterschule verwandelt worden: auf dem Dache weht luftig die Sowjetflagge. &riimWürthle: Jti Tja, von San Severro bis in die Gegend von Halle g«ht alles gut. Daun kriegt man so ein komisches Gefühl in der Magengrube, aber das. hat mit der Mitropa nichts zu tun, die Ursache muß seelischer Art sein. Und derartige Gefühle mit Kognak hinunter- zuspülen, ist dein Schriftsteller nicht erlaubt, er hat ihnen ins Aug« zu sehen, sozusagen. Monatelang hast du in einer ganz provinzlerischen Provinz gelebt, in einer Gegend, wo das Imperfekt die Lebensform ist. Und jetzt näherst du dich wieder der Großstadt, die das beschleunigte Präsens erfunden hat. Was mag mittlerweile alles geschehen fein? Wie viel« Prominente gestartet, wie viele Moden kreiert, wie viele Dinge teils gedreht, teils geschaukelt, wie viele Projekte durch-, r«- und überorganisiert! Während du nichts dergleichen getan hast, nichts dergleichen mit dir getan wurde. Aber die seelische Spannung um die Magengrube herum wird deshalb nicht erträglicher, weil die Diagnose gestellt ist. Dieses Gefühl war nicht da in den vergangenen Wochen und Tagen, die du weggeworfen hast wie die Zigarettenstummel. Es ist«in fremdes, ein neues Gefühl, das über dich kommt zwischen Halle und Berlin: Du kommst zu spät! Und das liegt nicht am Zug, der hat keine Minute verloren— das liegt an dir und zwischen Halle und Berlin. Mensch, du kommst zu spät. Tja, so ist es. Aber deine sentimentalen Anwandlungen sind direkt zuin Lachen. Willst du deinen Berliner Freunden etwa er- klären, daß Hast und Unruhe durch einen Uebersetzungsfehler ent- standen sind, daß Tempo so viel heißt wie„Zeit", und nicht so viel wie„keine Zeit haben"? Oder willst du vielleicht die Rückkehr predigen zur wundervollen Normaluhr jenes ägyptischen Philo- sophen Trismegisios, zu deren Konstruktion ihn das täglich zwölf- mal, in regelmäßigen Zeitabschnitten erfolgende Wasserabschlagen des heiligen Mantelpavians inspirierte? Kommt gar nicht in Frage. Also immer rin ins Vergnüg«». Man wird auch schon ganz zutraulich, wenn man mit seinen beiden Beinen fest auf dem Bahnsteig steht, ohne daß Gefahr vorhanden ist, von rollenden Treppen wehrlos hinauf-, hinunter- und hmweggetro.gen zu werden. Und wie schön, wenn man feststellen kann, daß der Bahnhof, auf dem man anzukommen das Vergnügen hat, noch immer aus dem Jahre 1879 stammt. Aus einer Zeit also, wo Vollbärte von den Frauen noch sehr geschätzt, und die Eisenbahnen beinah noch nicht erfunden waren. Aber ist das Täuschung, Benebelung des kritischen Sinnes? Da ist die Untergrundbahn, da ist der Schalter und was ist das? Die Fahrkarte kommt geheimnisvoll und gespenstisch aus dem Schalterbrett herausgehüpft. Von unten. Während sie das letzte Mal, bei deiner Abreise, noch eine kleine, süße Rutschbahn herab- geglitten war. Da hast du den Salat. Jetzt sind sie hier drauf gekoinmen, daß das Hüpfen schneller geht, als das Rutschen, und du läufst monatelang in der Welt herum, ohne das zu wissen. Eine trübe Erkenntnis. Darüber hilft nicht einmal die Tatfachs hinweg, daß die 191 immer noch die alte 191 ist, die einen nach Hause bringt. Daß dies« treue Seele immer noch ihre alte Bahn zieht, es nicht vielleicht zur Abwechslung einmal in Spandau schöner findet. Das ist hübsch von ihr und beinah ebenso rührend, wie das ehrfürchtige Verhalten des Radfahrers, der— es ist zufällig weit und breit kein Wagen zu sehen und von Verkehr ausnahmsweise kein« «gfl mr tßerlin Spur— vor der roten Ampel wartet, bis sie grün wird. Das hat einen tiefen Eindruck auf mich gemacht, aber offenbar lag es an der verkehrsarmen Mittagszeit und an meiner Stimmung. Eine etwas wehmütige und sehr einfältige Stimmung, alles ist voll von exotischen Reizen. Da sind Lebensmittelgeschäste und sie haben Schaufenster, in denen gar nichts Besseres zu sehen ist. In tausend Umhüllungen verbirgt es sich, in Schachteln und Dosen, in Gläsern und Büchsen, in Säckchen und Päckchen— verschnürt, versiegelt, verlötet und zugestöpselt. Sehen tut man nichts, es lebe das keimfreie Fettpapier, sogar das tägliche Brot hat sich darunter ver- krochen. Wie lang das dauernd wird, bis man sich da wieder auskennt in den Schutzmarken und Spezialoackungen, in den hochherrschoft- lichen Namen der zahllosen Zigarettcnjorten, die unter Seiden« papier plus Silberpapier, zu 19 Stück in Blechschachteln verlötet, vor den Bazillen und den Käufern versteckt werden. Da hattest du es bei dem schweißfüßigm Signor Feducci so viel leichter. Freilich, sein Laden liegt nickst am Kurfürstendamm von Berlin, auch nicht am Kurfürstendamm von Rom, wo aus den Schaufenstern die Flaschen mit den meterlangen Hälsen arrogant auf den Beschauer blicken, wo auf Eisblöcken jenes appetitliche weiße Etwas, in hauchdünnen Gazesäckchen, zur Schau gestellt wird, was so aussieht wie Schlagsahne und auch so schmeckt. Und trotzdem ein Käse ist, ein zarter, substanzloser,«in metaphysischer Käse. Bei dem schweißfüßigen Signor Feducci waren keine Eisblöcke im Fenster, und sein Käse war aus einer realen Welt. Parmesan in riesigen, graugrünen Mühlrädern lag ringsherum an den Wänden aufgeschichtet und bildete die großartigsten Stellagen. Di« anderen Waren standen obendrauf. Prüfend und gustierend konnte dein Blick darüber schweifen und die Fliegen zählen, die gern« darauf verweilten. Von der schwarzen Decke hing Wurst an Wurst, baumelte der sizilianische Käs«, in Darmblasen gepreßt, zum Auf- hängen hervorragend geeignet. Wollte er von diesen seinen hängen- den Waren etwas verhandeln, stieg der schweihfühige Signor Fe- ducci andächtig die Trepp« seiner Käsleibe empor. Er war auch ganz der Mann, innere Zweifel restlos zu bc- stätigen oder zu beseitigen. Et hielt dir die Wurst unter die Nase, und du durftest daran riechen. Du durstest auch probieren, wenn du skeptisch warst, und dich dabei auf den Sack mit den getrockneten Thunfischen niederlassen, der neben der Pctroleumkanne der Oil Company lehnt. Aber wie halten hier eben mehr von unserem Parmesan. Wo bleiben Wert und Gewichtigkeit, wenn man alles gleich allen unter die Nale hält. So einfach ist das Leben denn doch nicht und hier in dieser Stadt, die dauernd in den Wellen liegt, neue bunte Rätsel zu gebären, schon gar nicht. Daß die Untergrundbahn keine Mantel- paviane als Normaluhr benutzt, ist beklagenswert, aber immerhin verständlich. Daß die Straßenbahnen neuerdings rote Dreiecke tragen, vorne und hinten, ist recht hübsch, aber ganz unverständlich. Winken tun sie nicht, leuchten tun sie nicht, und trotzdem verwendet sie die BVG. Um Gottes willen, wozu sitzen sie da. diese kleinen, roten Ecken? Als Zweck, als Zierde oder nur zum Vergnügen? Du weißt es nicht. Diese Stadt hat immer neue Probleme, und ein ©«ficht, deine Magennervcn irritierend, wie gestern zwischen Halle und Berlin, sagt dir, daß dieses nicht das größte sein wird, das sie dir ausgibt. chebuch- das Ihnen die Persildame gern vorlegen wird- sind mit Persil gewaschen. Wolle, Kunstseide und Seide— überhaupt alles Bunte und Feine erhält in der so einfachen kalten Persilwäsche leuchtende Farbenpracht, wundervollen Glanz und den Reiz neuen Aussehens. Die PersiUKaltwäsche ist das sicherste und bequemste, was sich denken läßt und ist billig dazu. Probieren Sie es einmal, Ihre feine Buntwäsche so zu waschen: Man wasefu in einfaefier Stüde(eicht mit der Zum Trocknen mehr» Gut in Form gezogeo kaftcr Pcrsillaugc Handdurcfidrüdicn mals in weiße Tücher ausbreiten einrollen Persi/-Kalf wösc/ie- Die zeifgemässe Waschmethode für feine und bunte Wasche Sozialistische Arbeiterjw'end Groß-Lerlio awsmdmigm für dlesi Zwbri' mird Uhr Wie werde idi reliS sie Kunos!» II AMiilungn nm felis iuthimstn. Busil von Kisdia Spoüansky. Regia; Eridi Engel Bühnenbilder: Uulwig Rainer Der fröhliche Weinberg von Carl Zuckmaycr Regie: Heinz Dietrich Kenter Täglich 8V« Uhr t.in großer Sommererfolg mU allen ehren für den Aulor, für die Jtegie. für die Sur Heller. 3rllx rnget(BerL TtgtbUtt) Xebensfreude und Xfebeslu«! lumullleren zweieinhalb Stunden lang auf der Xühne. Xurt WnBlul rnwAhmdbUtf) BETRIEB /fX KEMPINSK18 Theater I. d. Behrenstr. 53-54 Sld U. A4 Zentrum 926-927 8"j U. Mein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten mit — Ralph Arthur Roberts.— Auf der Gartenbflhne täglich 5»Uhr(Sonnt.SUhr) I>a« Bombrnprog-ramm 8 grofie Varietdnuminera mit WILLI ROSEN. ch'„Verliebte Leute" Operette von K ü n n e k e 1 mit Dltten. Hofer, Kerstan», | Pyrmont, GQillch. Kanlsch, Muth " und Hans Rose. Voranseige: | WiBierfcxt in Rose-Oarten| Tom 3. bis 6. August. [ Vorrerkauf ab morgen I vormittag 1 1 Uhr- pologiarlen Ab 4 Uhr nacfamlltag, BBOSSES KONZERT Täglich: Tanz Im Freien Auf d. Schaustellungsplatz „1000 Krokodile" ' Aqnarinm Tierkunst-Aussteilung Spielbeginn 9 Uhr abends Anschlies&end Feuerwerk D.igr.Prograniin Heut« Veriellung He« Regte« der 5chlQsseI für das Auto, welche» an den Inhaber de* passenden Schlüssels verschenkt wird. Heute also muh sich der �richtige Schlüssel" finden Berliner IIlh-TriO N 6 U k« 1 1 n.W Lahns tr. 74775.1 J 6Cl 6r m U ß die schönste und anregendste Ausstellung des laufenden Jahres kennen lernen— die JPft", Internationale Pelz-u. lagd-flusstellung verbunden mit einzigartiger Jagd- Kunstausstellung, Tierpark und Vergnügungspark Leleslse Mal bis September 1930. Ein Besuch dieser höchst interessanten und vielseitigen, für jedermann sehenswerten und unterhaltenden Ausstellung lohnt sich auch für Sie! Verbinden Sie Ihre Sommerreise mit einem„IPA�-Besuch in Leipzig! Fordern Sie den Reiseprospekt„3 Tage IPA" von der„IPA"-Hauptgeschäftsstelle, Leipzig C1, Brühl 70 oder vom„Verkehrsbüro des Leipziger Meßamts G.m.b.H.", Leipzig, Markt 4 und Hauptbahnhof. Eintrittskarten beim Verkehrsburo! 1 .Sie spareo viel Geld! Jetzt die neuen Preise!«, Ballnmier prima Holzfelgeu m.BallonäcMauch- reifen. 25 x 2". 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Na* Host Vorsitzender Hugo Hertz Schriftführer Die Einäscherung hat bereits in Ilmenau stattgefunden. Komlschs Oper 8>/- Uhr PaulHeidemann in: Die Frau ohne Kuss Kollo-Operette mit Qrit Haid. Tllsat. am Koiia.Tor Kottbusser Str. 6 Tägl.»-/. Wiederauftreten der Eille- Sänßer mit Scborsch RusellL Grosses �dndihzzopr-immml Renaissance- Theater 9 Uhr Steinplatz 6780. Kmli noii allabeädlidi Die Wunder-Bar Revuestück Metropol-Th. Täglich 8tt> Uhr Hieliae| Bohnen mit Dir'allein... Smnitig lladiot 4 Diu kleine Preise NU Dir allein.. Palcnte DNGM. Warenz erwirkt vr. Uotzdahn, EWSI.Gitschinerstr 3 jeder Art liefert preiswert l�aul Gollctz vorm. Robert Meyer Marianneiuiratze 3 Eile Ilaunynftraße Amt Moritzpl. 10303. m zur Miete WSO.Ansbacliersfr.l ZU Iii Sonntag, den 20. Juli 1930 nachmittags 3 Uhr I ' 1 o» giile Kapitän- KaalabaB�r.S: C. Rör.kcr, Berlin limicnDerger Sualle 22, RBnlosl. 3881 Reichshalien-Theater |T| Uhr Gastspiel Dresdner uictoria-sanger (dir bis IUbü) ZeDtmni 112 S3 DOnhof f-Brettl; (Herrlicher, k ü h I e r Garten) Variete— Konzert— Tanz Emil JannEngs i» Der blaue Engel mit Marlen« Dietrich Regie: J, v. Sternberg Fortsetzung der Uraufführung Wochentafls: 7, 9" Sonntag: 4", 7, 9U y. Ufa-TC-.raator <®> Kurfürstendamm 26 Nähe U-Bahnhof UhlandstraSa Arfteiler-Bail- und KraIllalirer-Bunil..Sollilarität". Vom 25. bis 22. loli 1930 anl den Elbwiesen dedenfiber den sibrcddssddOsscrn Bundesles! in Dresden massenreigen/ Radballspiele/ Kunstreigen Geschicklichkeitsiahren der motorfahrer Bahnrennen/ straBenrennen/ Jugenduer- anstaltungen/ Sprechchor/ Festzöge der Radfahrer und motorfahrer/ Feuerwerk. VrSAe Radsportsdisa Denfsdiiands. Bauzeichnung von 8 Mk. an. K. Heinrich, Prenzlauer Allee 213. Da es mir unmöglich ist, jedem einzelnen zu danken Kr die Herzliche Teilnahme bet der Einäscherung meines lieben Mannes, unlcrcs guten Bruder, MMelm Braun lag« ich hiermit allen Beteiligten sowie Herrn Rebner Lenze. Herin Stadtrat Lempert für die trostretchcn Worte am Sarge, dem Reichsbanner, der SPD. und den Gesangvereinen Tnpogravhia und vderlpree und dem Ebert-Manz-Quartett meinen herzltchsten Dant. Ww. Anna Braun tzeb. TUmer. Bamnschulenw�g. Ernststr. 20, III Für die vielen Beweise herzlicher Tetlnahme bei der Einäscherung mei- nes lieben Wannrs sage ich ollen Freunden, Besonnten, der Geschälts- leilung der Borwärts-Buchbruitcrei, den Kollegen, den Mitarbeitern, dem Verband der Freidenker und gonz besonders Herrn P Schnitze für feine aufopfernde Hilfsdereilschoft meinen herzUchen Dank. Frau Marie Sigmund. �231 Von der Reise zurück Dr. Geord löwenlhal, prakt. Arzt, Fennstr. 2 Homöopathie Inner« n Nemnl.| jtcAi» MOnzstr.«. Henandl nur 2 U. Spr.io-z.'.w-p An jeder Zehe„Einen", wenn das FOßchen mit »Lebewohl«*) behandelt Ist *1 Gemeint ist natürlich das berühmte von vielen Aerrfen empfohlene HOhncrangen-Lebewohl' und Leh*. wohl-Ballenjchelben, Blechdose(S Pflaster) 75 Pf» Lebewohl-Fabbad gegen empfindliche FüBe und schweiS. Schachtel(2 Bäder) SO Pfg, orhältlich in Aootheken und Drogerien, Wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das edtte Lebewohl {Sttd'wrtcfe0 Un<1 WeiSen iWdere'.ebensogute-