Morgenausgabe Nr. 339 A 171 47.Jahrgang Wöchentlich 85 Pf. monatlich 3,60 m. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 m einschließlich 60 Pfg. Bostzeitungs- und 72 Bfg. Postbestellgebühren. Auslands abonnement 6,- m. pro Monat. * Der„ Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Beriin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Bolt und Zeit“ und„ Kinderfreund". Ferner Frauenstimme", Technit",„ Blick in die Bücherwelt"," Sugend- Borwärts" und Stadtbeilage". Vorwärts Berliner Boltsblatt Mittwoch 23. Juli 1930 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reflame eile 5,- Reichsmart. Kleine Anzeigen das ettge druckte Wort 25 Pfennig( zulässig amet fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Haupt geschäft Lindenstraße 3, wochentäglich von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Partei Falscher Hafe. Ein Angstprodukt der bürgerlichen Mitte. Wissen Sie, was falscher Hase" ist? Eine undefinierbare Mischung aus allerhand Fleischresten, die sonst nicht weiter zu gebrauchen sind, versehen mit allerhand Zutaten, nicht Fisch, nicht Fleisch, das Ganze übergossen mit einer ebenso undefinierbaren Soße. Es wird angerichtet mie Hasenbraten, ist aber keiner, und niemand weiß, was eigent lich drin ist. Kurz: ,, falscher Hase". Es gibt in unserm Parteisystem allerhand Barteireste, die sonst nicht weiter zu verwerten sind, alt und mürbe gemordene Gruppen mit abgestandenen Ideen, daneben solche, die morgen mürbe sein werden, und wieder andere, die nur Abfallprodukte sind. Also: warum soll nicht ein geschickter politischer Kochkünstler daraus etwas zusammenmischen, das wenigstens von weitem einer Partei ähnlich sieht? Der Gedanke ist so einleuchtend, daß sich ein politischer Küchenchef dazu fand. Herr Scholz hatte nach der Geburt der Regierung Brüning den Mut dazu, und schon damals wurde die Idee der Partei, falscher Hase" geboren. Man nehme die Demokraten, dazu die Deutsche Volkspartei und die Wirtschaftspartei, würze das Ganze mit der Zutat der Volksfonservativen, gebe den Segen des Zentrums dazu, die Patronage des Reichspräsidenten, und dann ist alles getan. Es fehlt nur noch der Name. Er wurde schon damals gefunden, aber nicht von Herrn Scholz, sondern von den lachenden Zuschauern. Sie nannten das Produkt: Partei falscher Hase. Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Boitschecktonto: Berlin 87 536. Bankkonto: Banf der Arbeiter. Angestellten und Beamten. Wallstr 65 Dt Bu Disc.- Gef.. Depofitenfafie Lindenstr. 3. Der Wahlkampf eröffnet. Otto Wels vor den Berliner Funktionären. Die Berliner Sozialdemokratie hat den Kampf um den, Kabinetts Müller. Nach Locarno und Thoiry fuhr Stresemann immer neuen Reichstag begonnen. Vor den Funktionären der Partei spräch gestern der Parteivorsigende Genosse Otto Wels über„ Die Sozialdemokratie und die Auflösung des Reichstags"." Schon lange vor Beginn der Tagung war der weite Raum bis zum letzten Platz gefüllt. Nach furzen Begrüßungsworten Franz Künstlers führte Otto Mels aus: Am Rheine läuten die Glocken und verfünden die Befreiung des deutschen Stromes von fremder Besatzung. Viel Blut ist hüben und drüben um des Rheines willen geflossen. Falsche Patrioten find es, die jetzt von Hindenburg- Wahlen sprechen. Der Rhein ist nicht durch fie befreit worden. Sie wollen im trüben fischen und jetzt sich wieder, nachdem sie in den schwersten Stunden abseits standen, nach vorn drängen. Hinter den sogenannten völlischen Belangen der Treviranus und Schiele stehen meist persönliche Interessen. Der Auftakt zu den Rheinfeiern war die Auflösung des Reichstages, der zwei Jahre vor seinem natürlichen Ende auseinanderging. Die Auflösung ist eine Auswirkung der sozialen Kampfes zwischen Kapital und Arbeit. Daß wir Sozialdemokraten die Auflösung durchsetzten gegen die bürgerlichen Barteien, die den Volkswillen ausschalten wollten, ist ein Ausdruck der gesteigerten Macht der Arbeiterklasse. Der Kampf zwischen denen, die am Tische der Herrschenden sißen, und denen, die ihren Blaz sich erobern wollen, ist härter und erbitterter geworden. ein:" Organisation und Agitation!" Der 14. September soll fein Freudentag für eine faschistisch- fapitalistische Diktatur, sondern ein Ehrentag für die Kämpfer der sozialen Demo tratie, perden. Die Kampflage: Hie Sozialismus, dort Kapita lismus, hie Demokrati, dort die Diktatur" läßt uns alle Energien entfachen zum Kampfe. 9 Millionen Wähler sammelten sich im Mai 1928, eine Riefenarmee, um die Sozialdemokratie. Dennoch ist das zu wenig. 3½ Millionen Wähler aus dem Proletariat liefen dem verballhornten Sozialismus von Moskau nach, mindestens eine Million steht noch im Lager der bürgerlichen Gruppen. Sie müssen wir gewinnen, wenn wir die Mehrheit erlangen wollen. Und Historische Gewissenhaftigkeit gebietet die Feststellung, daß die Bastete nicht zusammenhalten wollte, obgleich Herrns hämmert die Feststellung dieser Tatsache zwei mahnende Worte Scholz sich redliche Mühe gab. Er hat feierliche Reden über diese politische Erfindung gehalten, beschwörend und werbend, sei es in Königsberg, sei es auf dem Mannheimer Parteitag der Volkspartei, und die„ Kölnische Zeitung" hat ihm dabei assistiert. Aber es wollten nicht alle so wie er. Als die Sache ruchbar murde, erhob sich Lärm bei den Demokraten, es kamen die Ableugnungen und die Beschwichtigungsversuche. Im stillen wurde weiter gemanscht: mit Demokraten und Wirtschaftspartei, mit denen um Treviranus und denen um Mahraun, bis schließlich öffentlich bekanntgegeben, wurde, daß die Sammlung ge scheitert sei. die Eroberung der Mehrheit, das ist unser Ziel! Im vergangenen Reichstag mußten zwangsläufig Koalitionen regieren. Nicht der Wahlsieg der Sozialdemokratie allein, sondern mehr noch die katastrophale Niederlage der Deutschnationalen brachte dem Genossen Hermann Müller das Amt des Kanzlers. Seine Aufgabe war außerordentlich schwer. Das 3er bas Auftreten Hermann Müllers in Genf, der, geftüßt auf die wieder zu den Konferenzen, aber wirksamste Hilfe bot ihm erſt internationale sozialistische Arbeit, die Forderungen aufstellte, die nachher verwirklicht wurden. Wenn die Propheten jetzt landauf und landab dem Young- Plan an allem Elend schuld geben, wenn die Kommunisten durch Verdienst der Sowjets die Sonne im Osten aufgehen und durch Schuld der Sozialdemokratie im Westen untergehen sehen( Seiterkeit), wenn Hitler sich wie der Hohepriester Aron vorkommt, der mit dem Stab ait den Felsen Klopft und flares Wasser quellen läßt( große Heiterfeit), so weisen wir darauf hin, daß auch das Siegerland England schwer unter der Arbeitslosennot leidet und daß das reiche Amerika 7 Millionen Arbeitslose hat. Die Hakenkreuzler, die sich zum Zweck des Arbeiterfangs ,, Sozialisten" nennen, sind zugleich mit einem Hugenberg verbündet, der ein erklärter Feind der Arbeiterklasse ist. Bei den Führern der Hafenkreuzler handelt es sich fast immer um Leute, bei denen bei der militärischen Musterung gesagt wurde: Maß 27 über der Brust, Maß 72 über dem Maul.( Große Heiterfeit.) Aehn lich liegen die Dinge bei den Kommunisten. Es sind gleiche Brüder mit verschiedenen Kappen. Wir Sozialdemokraten ringen um das Volk und vor allem uni die Arbeiterschaft in ernstem Kampfe. Deshalb verbitten wir es uns, daß der demokratische Reichsfinanzminister Dietrich sich an uns mit dem Worte wendet, daß wir nicht zu einem Volk von Interessepolitikern, sondern zu einem Staatsvolt werden müssen. Was wor der Hausbefizerfreifinn anderes als Interessenpolitit? Vertritt nicht die Wirtschaftspartei, zu der zahlreiche Wähler der Demokraten abgewandert sind, Interessenpoliti?, in Reinfultur? Bir Sozini demokraten wollen das Wohl des Ganzen, weil wir als großes Ziel die Befreiung aller Schoffenden vor uns sehen. Für die Osthilfe haben Severing und Braun mehr getan als Brüning und Schiele, aber sie sorgten nicht für die Großen, sondern für die Kleinen. Das Wort: Mehr Macht dem Reichspräsidenten! hat feinen Niederschlag gefunden in dem Hindenburg- Brief an Braun, der einen schweren Eingriff in preußische Regierungsbefugnisse darstellt. Es ist nicht wahr, daß der Reichskanzler Brüning vom Inhalf des Hindenburg- Briefes an Braun nichts gewußt hat. Richtig ist vielmehr, daß unter Brünings Mitwiffen Staatssekretär Pündter an der Abfaffung mitgewirkt hat. Der Aufruf der Reichsregierung an die Wähler weicht von der Wahrheit ab, wenn er sagt, daß der Reichstag die Mittel für den Etat verweigert habe". Die Sozialdemokratie war bereit, die notwendigen Mittel zu bewilligen, wenn Jetzt brennt ihnen das Feuer auf den Nägeln. Was ist die Deutsche Volkspartei nach der Befreiung des Rheinlands ohne Stresemann unter der Führung von Scholz, was soll aus der bürgerlichen Mitte werden, die sich im Brüning- Blod diskreditiert hat? Herr Scholz hat darum sein Projekt wieder aufgenommen. Der Parteivorstand der Deutschen stand zeitweise ganz abseits und hatte vorher nur seinen Bez foziale Rücksichten genommen wurden. Das aber wollte man nicht, Volkspartei hat den folgenden Brief herumgeschickt: ,, Die politischen Erfahrungen der letzten Jahre, das trostlose Bild der parlamentarischen Verhandlungen, die heillose Zersplitterung der politischen Kräfte, haben dahin geführt, daß die unerläß lichen Mittel zur Rettung der deutschen Wirtschaft und zur Abwendung der erschreckenden Arbeitslosigkeit nicht zur Verfügung gestellt werden konnten. Ueberaus ernste Gefahren drohen für den kommenobachtungsposten Herrn von Guérard im Kabinett. In der Deutschen Volkspartei hatte Stresemann Mühe, sich gegen den ewigen Krisenmacher Scholz durchzusetzen. Trotzdem hielt sich das Kabinett Müller 1% Jahre, länger als alle andern Regierungen der Republit. Selbst in der Wirtschaftskrise 1929 gelang es ihm, die schlimmsten Angriffe der Unternehmerparteien gegen die Sozialpolitik und die Arbeitslosenversicherung abzuwehren. Wir Bids: 34 14, a man is thenen 270000 Bergarbeiter in WirtIn allen Bevölkerungsfreisen, nicht zuletzt in den überpartei- nicht zu schämen. Ziehen wir nur zum Vergleich heran, was fichen Organisationen, lebt ein startes Sehnen nach 3uschaftskampf. Sie wurden durch Reichs- und Staatsmittel unterfammenfassung aller staatsbejahenden Kräfte. den Winter! Der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei hat daher in seiner Gigung vom 22. Juli einstimmig beschlossen, die 3usammen. faffung aller derjenigen herbeizuführen, die, unter Surückstellung des Trennenden, bereit sind, sich aktiv in den Dienst des Staates zu stellen. Namens des Parteivorstandes richtet der Unterzeichnete an die nachstehend genannten Par teien und Parteigruppen des Reichstags die Aufforderung, ihm mit möglichster Beschleunigung mitzuteilen, ob sie bereit sind, an einer zu diesem Zwecke einzuberufenden Besprechung teilzunehmen. Diese Einladung ergeht zunächst an die folgenden Parteien und Gruppen des Reichstags: = Christlich Nationale Arbeitsgemeinschaft, Deutsch Demokratische Partei, Partei, Gruppe Graf Westarp, Wirtschaftspartei. Da ist sie wieder, diese famose Idee, die eine Prome nadenmischung aus fonservativ und liberal, aus republitanisch und monarchistisch, aus Demokraten und Deutsch nationalen herstellen will! Noch ist bei Scholz erst die Rede von Besprechung und Zusammenfassung, aber in der ,, Kölnischen Zeitung" liest man schon von der Notwendigkeit, zwei oder drei Parteien der Mitte zu zerschlagen, um sie in Der Deutschen Staatspartei" aufgehen zu lassen. Staatspartei, nicht Bolkspartei der Name Bolkspartei ist wohl anrüchig geworden? Aber was sind die ideellen Grundlagen einer solchen Sammlung? Das staatsbejahende? Warum dann nicht gleich alle Parteien einbeziehen; denn eine wirtlich brauchen uns der Arbeit des Kabinetts Müller tut. stügt dank wissell und Severing. Heute hat der Arbeitsminister des Zentrums. Stegerwald, den Spruch von Dennhausen genehmigt. Wenn wir uns das flarmachen, jagen Wahlkampf ist auch Gewerkschaftskampf. wir uns: So kam es zum Husarenritt des Reichspräsidenten in die Politik, fam es zur Verlegung der Verfassung unter dem Einfluß von Oldenburg- Januschau und Treviranus. Es ist bedauerlich, Josef Wirth in diefer Gesellschaft zu sehen, der einst das Wort sprach:„ Der Feind steht rechts", und der jetzt den Verfassungsbruch verteidigt. Wirth hat unrecht, wenn er von einer Krise des Parlamentarismus spricht. Es gibt in Deutschland nur eine Krise der bürgerlichen Parteien. Die Sozialdemokratie ist die Partei, die allein wirklich die Demokratie und mit ihr die Sache des ganzen Volkes verficht. Die Deutsche Tageszeitung" hat mir zum Borwurf gemacht, daß ich in der Fraktionssitzung der Sozialdemokratie im Reichstag gesagt habe, wir werden den Sieg erkämpfen unter unseren alten rofen Fahnen! Die Sozialdemokratie läßt sich ihre alten Kampfzeichen nicht rauben. Die Ermäßigung der Reparationslasten ist ein Berdienst des Sie ist entschlossen, unter diesen Zeichen Position auf Position in anarchistische Partei gibt es in Deutschland überhaupt nicht. Die Extremen ganz rechts und ganz links sind nicht nur staatsbejahend, sondern geradezu staatsabsolutistisch, bei ihnen ist das Marimum dessen, was Herr Scholz als Wesenszug der Sammlung haben will! Bom Wesen des Liberalismus ist bei ihnen allerdings nichts zu finden aber wo ist er schließlich in dem Scholzschen Projett? Man liest in der Kölnischen Zeitung":" Sind Boltspartei, Demokraten und Wirtschafts partei nicht gleichermaßen fortschrittlich eingestellt?" Da haben wir den geist und ideenlosen allgemeinen Fortschrittsbrei! Von der Tradition der bürgerlichen Demokratie und des Liberalismus, vom politischen Idealismus im deutschen Bürgertum bleibt nicht einmal ein Reft nur noch eine trübe Fortschrittssuppe, in der die Interessenten herummanschen können nach Belieben. Diesen Brei will Herr Scholz nun auch noch vermengen mit den agrarischen Interessen und den monarchisch- fonjerpatinen Tendenzen! Wo um alles in der Welt ist das Ge Imeinsame? Man fuche es nicht in einer ideellen politischen Zielsetzung! Das einzig Gemeinsame wäre die Furcht vor der Arbeiterschaft und die gemeinsame Wahlkaffe! Diese Sammlung Modell Scholz ist ein etlatan ter 3usammenbruch. Die Partei Stresemanns, die nach dem Tode des Führers ihre Eristenzberechtigung verleren hat, gibt sich selbst auf. Sie hat so wenig eine tragende Idee mie Herr Scholz Geist. Die völlige Preisgabe aller liberalen Tradition, die Beiseiteschiebung aller politischen Problematit, die Verwischung aller Grenzen nach rechts hin ist das Geständnis eines vollständigen geistigen und poliund das Wissen darum erzeugt bei tischen Bankrotts Scholz und den Seinen den Wunsch, von dem Wahlbankrott in einen gestaltlosen Brei zu flüchten! Deshalb der zweite Versuch, die Partei falscher Hase zusammenzubrauen! Angst vor der Sozialdemokratie, Angst vor der Wahlniederlage hat ihn geboren So sieht es am Beginn des Wahlkampfes im bürgerlichen Lager aus! Artikel 48und Ständiger Ausschuß Die Befugnisse sind umstritten. Die Reichsregierung beabsichtigt, noch im Laufe dieser Woche neue Notverordnungen auf Grund des Ar- tikels 48 der Reichsoerfassung zu erlassen. Welchen Inhalt diese Verordnungen haben werden, steht bisher noch nicht fest. Starke Kräfte fordern von der Regierung, von Ar- tikel 48 in großem Umfang Gebrauch zu machen und alle die Dinge zu erledigen, die im Reichstag auf Schwierigkeiten stoßen. Andere halten dem entgegen, daß man durch der- artige Maßnahmen nicht nur die Aussichten der bürgerlichen Parteien im Wahlkampf verschlechtere, sondern auch Kon- flikte mit dem neuen Reichstag heraufbeschwöre. Diese Kreise wünschen deshalb, daß die Regierung nur diejenigen Maßnahmen mit Artikel 48 verordne, die ihrem alten Pro- gramm. entsprechen und für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung unerläßlich seien. Die Mitteilung, daß nach Erlaß der Verordnungen der Reichstagsausfchuß zur Wahrung der Rechte der Volksver- tretung(Ueberwachungsausjchuß) zusammentreten werde, eilt den Tatsachen voraus. Dieser Ausschuß hat die Aufgabe, die Rechte der Volksvertretung gegenüber der Reichsregierung zu wahren. Die Frage, ob er auch Der- ordnnngen des Reichspräsidenten, die auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung erlassen worden sind, auf- heben kann, ist bisher durch die Praxis nicht geklärt worden. Die Reichsregierung vertritt jedoch den Standpunkt, daß dem Ausschuß ein solches Recht nicht zusteht, da es sich nicht um Verordnungen der Reichsregierung, sondern um solche des Reichspräsidenten handelt, und da durch diese Verord- nungen Rechte der Volksvertretung nicht verletzt werden. Im übrigen sei der Ueberwachungsausschuß kein Ersatz für den Reichstag. Das Recht zur Aufhebung von Verordnungen auf Grund des Artikels 48 stehe nur dem Reichstag zu, nicht aber einem seiner Ausschüsse. Die Zuständigkeit des Ueberwachungsausschusies ist aber zweifellos bei Verordnungen der Reichsregie- r u n g notwendig, die normalerweise die Billigung des Reichstags oder eines seiner Ausschüsse erforderlich machen. Das gilt zum Beispiel von der geplanten Verordnung über die Aushebung der Kapitalertragsteuer, für die ausdrücklich im Gesetz die Zustimmung eines Reichstagsausschusses vor- gesehen ist. Da der dafür sonst in Frage kommende Aus- schuß nicht besteht, so wäre hier der Ueberwachungsausschuß zuständig. Eine endgültige Entscheidung über die Einberufung des Ausschusses dürfte erst zu einer späteren Zeiger- folgen. Der Ausschuß hat 28 Mitglieder: 9 Sozialdemo- kratech 4 Deutschnationale, 4 Zentrum, 3 Volkspartei, 3 Kommunisten, 2 Wirtschaftspartei, ferner je 1 Demokrat, Bayer. Volksparteiler und Christlich-Rationaler. Vorsitzender ist der Sozialdemokrat Henke. Kommune, Staat und Reich zu erobern. Sie will das gleiche Recht aller an allem, was dasWeben lebenswert macht. Uns geht es utir den Sieg der sozialen demokratischen Republik. Wir führen unseren Kampf nach dem Worte, das in diesem Saale August Bebel ausrief: Vorwärts, draus und durch!(Stürmischer anhaltender Beifall.) Ngch einer kurzen Diskussion schloß der Vorsitzende Ge- nösse Künstler die gewaltige Versammlung mit einem stür- misch aufgenommenen Hoch auf die Äozialdemokratische Partei. » Am Sonnabend, dem 16. August, wird der Berliner Bezirksparteitag eröffnet werden, dessen Berhand- lungen sich auch auf Montag, den 17. Augüst erstreben werden. An öffentlichen Kundgebungen ist zunächst die Anti- kriegskundgebung am 1. August im Lustgarten vorgesehen. Am letzten Sonntag vor der Wahl, dem 7. September, wird eine Massenversammlung im Sportpalast stattfinden. Die Berliner Organisation steht bereits mitten in der Arbeit und im Kampf. Die Sozialdemokratie soll nicht nur die stärkste Partei Berlins bleiben, sondern ihren Vor- sprung vor den anderen Parteien noch vergrößern. Dafür sind alle Kräfte eingesetzt! Oer �eichswahlleiier ernannt. Prof. Wagemann, Präsident des Statisiifchen Reichsamts. 2er Reichsminister des Innern hat zum Reichswnhlleiter den Präsidenten des Statistischen Reichsamts, Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Wage mann und zu seinem Stellvertreter den Direktor im Statistischen Amt, Geheimen Regierun gs rat M« s f i n- g c r, ernannt. Für den Fall der Behinderung des Reichsevahl- leiters und seines Stellvertreters wird das Mitglied des Statistischen Reichsamts, Oberregierungsrat Dr. Pusch, mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichswahlleiters beauftragt. �„Konservaiive Volkspariei". Einigung zwischen Westarp und Treviranus. Die Sammlungsbestrebungcn auf der Rechten stehen vor dem Abschluß. Die W e st a r p» G rN p p e und die„V o l k s t o n s e r. ha t i v e n" unter Treviranus haben sich verständigt und werden am Mittwoch alsJlonservativeVolkspartei"mit einem Ausruf vor die Oesfentlichkeit treten. Die Schiele-Grupp« und die übrigen deutschnatiovalen Splitter aus der Landwirtschaft ziehen als Landoolkpartei mit Unterstüi;ung des ReichslaiMnindes in den Wahlkampf. Die Frage, ob zwischen beiden Gruppen eine Listenverbindung erfolgt, dürfte erst am Mittwoch nach Abschluß der Tagung des Reichslandbundes geklärt«erden. Im Vorstand des Reichsland- bundes herrschten über die Zweckmäßigkeit einer derartigen Listenver- bindung am Dienstag noch erhebliche Meinungsverfchie- denheiten. Hugenbergs Fraktion verwaist. Weitere sechs Reichsiagsabgeokdaeie ausgetreten. Die bisherigen beistschnotionalen Reichstagsabgeordneten Dr. Philipp, Dr. Rade macher, Hartmann und D o m f ch, die m Sachsen gewählt waren, haben Hilgenberg ihren Austritt aus der Deutschnationalen Partei mitgeteilt. Ferner sind der General und Adjutant des ehemaligen Krön- prinzcn Graf von der Schulenburg sowie der Rechtsanwalt H a m p e, die beide im letzten Reichstag ein Abgeordnelenmandat innehatten, aus der Deutschnationalen Partei ausgetreten. „Sie konnien zusammen nicht kommen." Reue pleite des sächsischen Antimorxistenblockö. Dresden, 22. Juli. In der heutigen Landtagssitzung wurde die Wahl zum Ministerpräsidenten wiederholt. Der erste Wahlgang war ungültig, da von den 96 Stimmberechtigten 97 Stimmzettel abgegeben worden waren. Die Wal)! wurde daher wiederholt. Im zweiten Wahlgang wurden 96 Stimmzettel abgegeben. Es erhielten Reichstagsabgeordneter L i p i n s k i(Soz.) 32, Landtagsabgeordneter Weber(Wirtschaftspartei) 31, Landtagsabgeordneter Dr. F ritsch (RatSoz.) 14, Dr. Renner(Komm.) 13 Stimmen. Der Rest verteilte sich auf Splittergruppen. Da wiederum keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht hat, ist die Wahl ergebnislos geblieben. Auflösungsanträge im Sächsischen Landtag. Dresden. 22. Juli. Im Landtag beantragte heute vor Eintritt in die Tagesordnung der Abgeordnete Renner einen kommunistischen Antrag auf die heutige Tagesordnung zu setzen, wonach der Landtag nach Erledigung der dringendsten Vorlagen zur Arbeitsbeschaffung sich auflösen soll. Da hiergegen Widerspruch erhoben wurde, wird der Antrag heute nicht oerhandelt werden. Ferner hat die n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e Fraktion einen Antrag auf Land- tagsauflösung eingebracht. Der Abgeordnete Edel(Soz.) erklärte, daß die sozialdemokratisch« Fraktion nicht für die Anträge stimmen werde, da sie nicht beabsichtige, das parlamentarische System durch andauernde Wahlen diskreditieren zu lassen. Als Nachfolger kireflinlki» auf dem Berliner Botlfchasterpoften wird in Meldungen aus Moskau Suriz, derzeit Botschafter in Angora. genannt. Auch von Rykow ist die Rede, obwohl er angesichts des starken Mißtrauens, das ihm als„Rechtsabweichsr" trotz seiner Reueerklarungen auf dem jüngsten Parteikongreß ent- gegengebracht wurde, kaum auf einen solchen Vertrauensposten ins Ausland entsandt werden dürste. Er soll übrigens q eüern fein Amt als Vorsitzender der Volkskommissare niedergelegt haben. Ebensowenig wahrscheinlich ist die dritte Meldung, wonach' Ts ch i ts ch c- r i n als Botschafter in Paris in Aussicht genommen sei. Unruhen in Korea. In der Stadt Tansen in Ostkorea unter- nahm die Bevölkerung wegen der Verhaftung einiger Bauern, die beim Wildern betroffen worden waren, einen Sturm auf Stadthaus und japanisches Polizeiquariier. Die 2000köpfige Menge, die mit Gummiknüppeln und Lanzen bewajfnct war, konnte nur durch starkes Polizeiaufgebot zerftoeut werden. Dabei wurden vier Koreaner getötet und 26 verletzt. Neun Polizisten erlitten Verletzungen. Mziabgeordneie unier sich. Lumpen und große Lumpen. Chemnitz, 22. Juli.(Eigenbericht.) Im Herbst vorigen Jahres zogen in das Stadtparlament zu Annaberg i. Erzgeb. die Nationalsozialisten auf den ersten Anhieb mit zehn Mandaten ein. Die Zehn-Mann-Frattion ist ein getreues Spiegelbild derZuständein dergesamten Hitler- Bewegung. Noch nicht einmal ein Jahr sind jene Nazis in Amt und Würden und schon geht es in der Fraktion drunter und drüber. Korruptionserscheinungen sind an der Tagesordnung. Auf der Liste der Nationalsozialisten stand zunächst ein gewisser K r a u ß. Als er befürchtete, daß man in der Hitler-Partei an seiner Vergangenheit Anstoß nehmen könnte, ging er zu den Kom- mu nisten und bot diesen Material gegen die Hitler-Partei an. Bisher aber hat man nicht vernommen, daß Krauß inzwischen aus- geschlossen worden sei. Wahrscheinlich fürchten die Hitlerianer seine Enthüllungen. Größere Sorgen aber bereitet den Nationalsozialisten ihr Stadt- verordneter H o f m a n n, der sich als Herausgeber eines national- sozialistischen Revolverblattes stir Annaberg besonders hervortut. Dieser Revolverjournalist wurde kürzlich vom bürgerlichen Stadt- verordnetenvorsteher in öffentlicher Sitzung ein Verleumder, Lügner, Schwindler und Gauner genannt. Hofmann weiß genau, daß er viel Dreck am-Stecken hat und versuchte der ggnchtlichen NSirrteilung, bei der'sein Vorleben bekannt geworden wäre, mit der Bemerkung zu entgehen, daß er sich nicht b e- l e i d i g t fühle. Wi e st e h t e s m i t i h m? Er hat sich zu Hitler geschlagen, um Münchmeyer und seinen Lebenswandel nachahmen zu können. Das Zahlen der A li m e n t e überläßt Hofmann getrost der öffentlichen Wohlfahrtspflege. Als dieser Tage die Stadtverordnetendiäten ausgezahlt werden sollten, wurde Hof- mann auf das Wohlfahrtsamt bestellt und ihm dort eröffnet, daß feine Diäten von der Stadt gepfändet worden seien. Run stellen sich die Nationalsozialisten hin und erklären stolz, Hos- mann habe„freiwillig- auf die Diäten zugunsten seiner Kinder verzichtet. Kein Wunder, wenn die braven Bürger im Nazilager angesichts der geschilderten Zustände meutern. Zu ihnen gehört der inzwischen aus der nationalsozialistischen Fraktion ausgetretene Gastwirt Körnig. Sein Mandat hat er nicht niedergelegt. Deshalb loll er jetzt entlarvt werden. Als die Kandidaten der Hitler-Liste auf- gestellt wurden, mußten sie eine Erklärung unterschreiben, die nach Aussagen von Nationalsozialisten folgenden Wortlaut hat:„Wenn ich aus der Partei austrete, bin ich ein Lump. Wenn ich dann das Mandat behalte, bin ich ein g r o h e r L u m p." Kormg fall sich nun, weil er das Mandat behält, selbst gerichtet haben. Er aber erklärte in der Stadtverordnetenversammlung:„Hätte ich als Gastwirt gewußt, daß bei der Nationalsozialistischen Partei so große Lumpen Unterschlupf finden, so wäre ich nie zu ihr gegangen und niemals hätte ich eine solche Erklärung unterschrieben, die jetzt zur Erpressung gegen mich benutzt wird." Kommunistische Revolverhelden. Ein Abtrünniger wird unter Feuer genommen. Stettin. 22. Juli.(Eigenbericht.) In der Nacht zum Dienstag wurde hier der s r ü h« r° kam- munistische und jetzige nationalsozialistische Ar- beiter Max Kühler von Kommunisten verfolgt, weil er in öffentlichen Versammlungen gegen seine srühere Partei Stellung genommen hatte. Die kommunifttschen Gegner des Kühler hatten erzahren, daß er sich am Montagabend in einem nationalsozialistischen Lokal aufhielt und lauerten ihm dort auf. Kühler war inzwischen ge- warnt worden. Er flüchtete aus dem Lokal und fuhr in einem Auto zu seiner Wohnung. Die Kommunisten setzten ihm noch, versuchten in sein Haus einzudringen und gaben, als ihnen das miß- lang, mehrere Schüfse'durch das Fenster seiner Wohnung ab. Kühler hielt sich unterdessen in der Nähe seiner Wohnung ver- borgen. Als er schließlich hervorkam, nahmen in die Kommunisten unter Feuer, ohne ihn jedoch zu treffen. Der Hauptjchütze«in Kommunist P riebe, konnte oerhaftet werden. lleberfall auf Schleswiger Reichsbannerleute. Flensburg. 22. Juli.(Eigenbericht.) Am Dienstcgnachmittaz kam es ün Norden der Stadt zu schweren Ausschreitungen von Kommunisten. Im Anschluß an ein« tonununistische Demonstration gerieten Komrnu- nisten mit Reichsbannerleuten in einen Streit, der zu einer regel- rechten Schlägerei ausartete.' Mehrere Kommunisten folgten einem Rcichsbannermann in feine Wohnung und mißhandelten ihn dort. Ms die Schutzpolizei«inen der Kommunisten nach der Polizei- wache bringen wollte, wurde sie von mehreren Kommunisten tätlich angegriffen.. Einer der Beamten wurde von einem Kommunisten mit einer Eisen stanz« zu Boden ge- schlagen, ein anderer erhielt mehrere Fauftfchläge ins Gesicht. Es entstand schließlich eine große Menschenansammlung, die gegen die Polizei eine drohende Haltung einnahm. Der Polizei blieb nichts anderes übrig, als sich der Angreifer mit dem Gummiknüppel zu erwehren. Mehrere Kommunisten wurden je st genommen. Verbot der Kommunistenkundgevung. Eine Warnung des Berliner Polizeipräsidenten. Der Polizeipräsident teilt mit: Anhänger der Kommunistischen Partei verbreiten Flugblätter, in denen aus Anlaß des sogenannten Welttreffens der Arbeiterkinder in Berlin für Donnerstag, den 24. Juli, zu Kundgebungen an den Arbeitsnachweisen. Stempelstellen und ähnlichen Orten aufgefordert wird. Diese Veranstaltungen, die mit Kindern durchgeführt werden' sollen, sind oerboten worden. Gegen etwaige Umgehung des Verbots wird eingeschritten werden. Ludendmff bei Hamkens. Tannenbcrgbund in polstein. Itzehoe, 22.- Juln(Eigenbericht) Bei der hiesigen Zeitung„Das Landvolk" hat. sich ein Zwischen. fall ereignet, der ein cigenaniges Licht auf den Landvolk- prozeß wirft. Schon vor einigen Wochen soll bei der Organi- sation Lüdendorff erörtert worden sein, daß der Tannenberg- bund die Zeitung„Das Landvolk" zu feinem Organ machen wolle. Inzwischen scheint di- Mehrheit der Anteile in den Besitz von An- hängern des Tannenbergbundes übergegangen zu sein. Vor einigen Tagen erschien nun ein Vertreter des Tannenbergdundc-, D. Metze r, um als Chefredakteur in die Zeitung einzu- treten. Als die dortige Redaktion ihn nicht anerkennen wollte, ließ der Vorsitzende des Aufsichtsrats. Landmann Wulff-Eiscndorf, die Redakteure Pramohr, Winter und Kühl durch«inen herbeigerufenen Polizerbeamten aus der Re- daktion weisen! Wie man hört, schweben Verhandlungen über den Zwischenfall, weil der Doftitzendc des Aufsichtsrats zu seiner Handlung nicht berechtigt gewesen sein soll. Der Landmann Wulff wie auch die Redakteure Pramohr und Kühl bc- sinden sich gemeinsam unter den Angeklagten im Landoolkprozeß. Der Nationalsozialist Bothmann. der bei der großen Prügelei der Nationalsozialisten in Albersdorf schwer verletzt und mit einem gebrochenen Bein dem Krankenhaus i» Meldorf zugeführt werden mußte, befindet sich in großer Lebensgefahr. Zu der Verletzung hat sich noch Wundbrand eingestellt, so daß mit schweren Komplikationen gerechnet werden muß._ Hakenkreuz und Offenbarungseid. Die pittermannen beschwören ihre pleite. Aus Göttingen wird uns geschrieben: Am 1. Februar 1928 hielten die Nationalsozialisten im Eentralhotel ein« össentiiche Per- sammlung ab. In deren Verlauf kam es zu Tätlichkeiten zwischen Hakenkreuzlern und Kommunisten, wobei ein großer Teil des In- pentars demoliert wurde. Daß die Nationalsozialisten auf Grund des Mietoertrages verpflichtet waren, dem Wirt den Saal in seinem früheren Zustande wieder zurückzugeben untz den Schaden zu ersetzen, ist selbstverständlich. Die Nationalsozialisten waren jedoch anderer Meinung. Obwohl die Versammlung an den Litsaß- säulen und im nationalsozialistischen„Göltinger Tageblatt" onge- kündigt, und obwohl die Saalmiete durch ein Vorstands- Mitglied der Nazis an den Wirt gezahlt war, behaupteten sie. nicht sie, sondern ein Dritter habe den Saal gemietet, ohne Austrag dazu zu haben. Dabei stand weiter fest, daß die Nationalsozialisten einen besonderen Saatschutz in Stärke von 49 Mann gestellt hatten. In beiden Instanzen wurden die Nationalsozialisten a u f Grund des Mievertrages oerurteilt, den angerichteten Schaden(«inschtießlich Gerichtskosten etwa 1200 Mark) zu ersetzen. Trotz des Urteils weigerte sich die Nationalsozialistische Partei. dem geschädigten Wirt das Geld zu zahlen. Den Schluß dieser Affäre bildet nun die Ableistung des Offen barungeei des, d-n die beiden Vorstandsmitglieder der Hitlerpartei, der Lokomotivführer Uhlendorf und Oberpostsokretär(!) Schaper für die verschuldete Partei mit gutem Gewissen ablegtenl Schwel; rächt Mailandflug? Die Schweizer Kantonalpolizei hat in Bellinzona den Bauernknecht Angelas C a r d i s oerhaftet, der bei der Ankunft und dem Abslug des Flugz«»!ges Bassanesis in Lodrino zugegen.und den Fliegern behilflich war. Er ist der Sohn eines italienischen Vaters und einer Schweizer Mutter, Eindrucksvolle Rede Macdonalds. Schluß der interparlamentarischen Konferenz. London, 22. Juli.( Eigenbericht.) Die Interparlamentarische Union beendete am Dienstag ihre Arbeiten. Zum Borsitzenden für das neue Geschäftsjahr wurde der Sozialist Buisson, Präsident der französischen Kammer, gewählt. Beisitzer sind Schüding Deutschland, Lafontaine- Belgien, Mol. desen Dänemark und Popp- Rumänien. 0 Am Schluß erschien stürmisch begrüßt Macdonald, um den 500 aus allen Ländern versammelten Parlamentariern die Ab. schiedsgrüße des britischen Voltes zu übermitteln. In einer großen Rede feierte der Ministerpräsident die Demokratie und den Frieden als höchstes Guf der Bölker und Zukunft der Menschheit. Der Friede sei aber nur zu erhalten durch die stetige und fortschreitende internationale Abrüstung, durch die soziale Bohlfahrt der Völker und den sozialen Aufstieg der Massen. Es sei ein ökonomisches Gesez, daß die Wohlfahrt einer einzelnen Nation sich nicht trennen lasse von der Wohlfahrt aller. In diesem Gesez liege begründet, daß die Lösung der sozialen Frage nur international möglich sei. Daraus ergebe sich die Notwendigteit der internationalen ökonomischen Zusammenarbeit und zugleich die Notwendigkeit der staatlichen Kontrollierung des Kapitals. In diesem Sinne bat Macdonald die Anwesenden in ihrer Heimat und in ihren Parlamenten zu arbeiten, damit die Wohlfahrt der Bölker gefördert werde und der Friede erhalten bleibe. Die Rede Macdonalds wurde in tiefem Schweigen von der Versammlung entgegengenommen. Als der Ministerpräsident geendet hatte, erhob sich der gesamte Kongreß und bereitete ihm eine minuten lange stürmische Ovation. Reichskonferenz der Arbeiterparteien. London, 22. Juli.( Eigenbericht.) In London tagt zur Zeit die dritte Konferenz der Arbeiter. parteien des britischen Gesamtreiches. Die Tagung wurde eingeleitet mit einer ausführlichen Rede des Kolonialministers Thomas. An der Tagung nahmen auch für die sozialistische Internationale Fritz Adler und für die Gewerkschaftsinternationale Sassenbach teil. Die Sigungen sind vertraulich. Manchester Guardian" über die Rolle der Sozialdemokratie. London, 22. Juli.( Eigenbericht.) Der Manchester Guardian" schreibt in einem Artikel zur politischen Lage in Deutschland, die Sozialdemokratie habe in den vergangenen Krisenwochen eine beachtenswerte Staatsmannskunst gezeigt und besonders in den Tagen vor der Reichstagsauflösung sei die sozialdemokratische Bo litit flar und bestimmt gewesen. Die Attacken Breitscheids und Landsbergs in den großen Debatten wären treffsicher und vernichtend gewesen. Gleichzeitig aber habe die Sozialdemokratie fonstruktive Borschläge zur Lösung des Finanzproblems fonstruktive Vorschläge zur Lösung des Finanzproblems vorgelegt. Der Manchester Guardian" tritt zum Schluß seiner Betrach tungen der Ansicht entgegen, als herrsche gegenwärtig in Deutsch tungen der Ansicht entgegen, als herrsche gegenwärtig in Deutsch tand eine Diktatur. Der gegenwärtige Zustand, Surdy Defrete gieren, sei mehr tednijd als politisch zu bewerten. Die technisch bisherigen Treibereien zur Errichtung einer Dittatur seien zunichte gemacht. Wenn dem so sei, so sei das vornehmlich der Arbeit der Sozialdemokratie zu verdanken. Schiffsbauprogramm angenommen. Gegen eine Minderheit der Arbeiterpartei. London, 22. Juli.( Eigenbericht.) Das Unterhaus genehmigte mit 293 gegen 27 Arbeiterparteiler das Schiffs erfazbau. Programm. Die Konservativen for derten im Verlauf der Debatte eine beträchtliche Bermehrung der Flotte. England sei noch niemals fo mehrlos gewesen wie heute. Ein Antrag der Konservativen auf Erweiterung des Schiffsbaus murde jedoch abgelehnt, desgleichen ein Antrag des unabhängigen Arbeiterparteilers Kennworthy auf Streichung der Ersatzbauten. Ein konservativer Antrag, den auf fünf Tage von den Sigungen des Unterhauses ausgeschloffenen Abgeordneten der unabhängigen Arbeiterpartei, Badett, für sein Verhalten noch besonders zu bestrafen, fand nicht die Zustimmung Macdonalds. Der Minister präsident bat das Haus, im Intereffe der parlamentarischen Würde den unerquicklichen Vorgang nicht meiter zu erwähnen. Die mazedonische Feme. Steckbrief gegen den heimlichen König. Sofia, 22. Juli. Die Untersuchung wegen der Ermordung des Bublizisten Waffil Bundeff im März ist abgeschlossen. Der Staatsanwalt hat gegen die in Haft befindlichen Mörder, zwei Mazedonier, Antiage erhoben und fie auf das Mitglied des Hauptausschusses der Imro, Iwan Michailoff, ausgedehnt, der als Anstifter zum Mord bezeichnet wird. Die Mörder haben bekundet, daß sie Michailoffs schriftlichen Befehl zur Ermordnung Bundeffs zugestellt betamen. Die Gesetze der Imro, die für die Mitglieder bindend find, verlangen unweigerliche Ausführung eines Befehles; Nichtausführung wird mit dem Tode bestraft. Da Iwan Michailoff unauffindbar ist nach serbischen Meldungen wird er im Staatssoll er sich in der Schweiz befinden anzeiger" aufgefordert werden, sich der bulgarischen Behörde zu ſtellen. Geheimfonferenz verpfiffen. Rotfront ausgetniffen. Prag, 22. Juli.( Eigenbericht.) In einer Geheimfonferenz wollten die Brager Kommunisten Vorbereitungen zu einem Roten Tag" treffen. Der Ort der Konferenz war wegen der Polizei bis menige Stunden vor Beginn selbst den Delegierten streng geheimgehalten worden. Er befand sich an der Stadtgrenze von Prag. Als die Konferenz taum begonnen hatte, stürzte ein Delegierter mit den Worten in den Saal:„ Die Polizei ist da!" Die Delegierten schlugen die Fenster ein und flüchteten. Nur einen fleinen Teil tonnte die Polizei festnehmen. Wie sich herausstellte, ist die. Polizei über die tommunistische Geheimkonferenz" Don einem fommunisti gen Delegterten verftändigt morben, Brünings Bürgerphalang. Landbund 7 Wirtsch- Part D Volkspart Bayern Zentrum Demoky Berzagt nicht, meine Gefreuen: vor der Schlacht waret 3hr schon zu wenig, nach der Wahlschlacht werdet 3hr noch viel weniger sein." Einigung im Eril. Der Einigungsfongreß der italienischen Sozialisten in Paris. Paris, 22. Juli.( Eigenbericht.) Auf dem Einigungstongreß der italienischen Sozialisten waren die sozialistischen Parteien der ganzen Welt vertreten. Für die Internationale waren Vandervelde, Jean Longuet und Friedrich Adler zugegen, für die britische Labour Party George atham, De Broudere und Van Roesbroet für die Sozialdemokratie, to morowsky für die russischen, 3eretelli belgischen Sozialisten, Ellenbogen für die deutschösterreichische für die georgischen, Pi Ching Ling für die chinesischen Sozia Zion. Die frairzösischen Genossen, ale in ihrem schönen Parteihaufe listen, ein Vertreter der argentinischen Baitei und einer der Boale dem Kongreß Gottfreiheit, gewährten, waren durch die Genossen Léon Blum und Paul Faure pertreten, die ungarischen durch Josef Bano. Der Bertreter der deutschen Sozialdemokratie, Crispien, haite wegen der unerwarteten Wendung in Deutsch land im letzten Augenblic absagen müffen. Sympathietelegramme tamen von allen Bruderparteien. Der Vorsitzende, Filippo. Turati, gedachte mit seiner alten wuchtigen Beredsamkeit unserer Toten in Italien, unserer Toten im Eril, die die Rüctehr in ein befreites Italien nicht mehr erleben durften, derer, die in den Gefängnissen und auf den Inseln leiden, derer, die sich in trozigem Bagnis gegen die Uebermacht stemmen. In einem Telegramm sprach der Parteitag dem auf der Heimkehr seines Fluges über Mailand auf dem Gotthard abgestürzten Republikaner Bassanest feine Dankbarkeit und die Wünsche baldiger Genesung aus. In den Begrüßungsreden der Gäfte erinnerte Paul Faure daran, daß er in Livorno dem italienischen Parteitage beigewohnt hatte, der die erste Spaltung brachte. Heute seien die italienischen Genossen im franzöfifchen Parteihause nicht Gäste, sondern Kinder des Hauses. Er begrüße sie in Erwartung eines fünftigen Parteitages in Rom! Ellenbogen Bien sprach auf Stalie nisch, herzlich begrüßt, von der A Kraftvergeudung der Spaltung, von der Stärkung, die dem internationalen Faschismus durch jeden nationalen Faschismus ermächst, wie umgekehrt der Faschismus jeden Landes neue Widerstandskraft aus der faschistischen Inter nationale schöpft; er schloß mit einem Hoch auf die langersehnte antifaschistische Revolution". Den Faschismus als internationale Gefahr würdigte Bandervelde, der auch auf die läuternde und belebende Kraft der Berfolgung und des Opfers hinwies. Latham sprach von dem Geiste Matteottis, der über diesem Parteitag der Einigung Wache hält, mahnend und fordernd. Friedrich Adler erklärte, an dem Tage, wo die italienische Partei der Internationale beitritt, findet ein Kapitel der Geschichte der Arbeiterbewegung seinen Abschluß; die Aufnahme in die Internationale erfolgt an dem Tage, an dem sie der Kongreß beschließt. ( Beifall.) Der Kongreß hat die von Treves und Nenni ausgearbeiteten Leitfäße, angenommen, die auf den Mitgliedstarten abgedrudt werden: Gemeinsames Borgehen mit allen antifaschistischen Parteien, soweit sie auf dem Boden der Demokratie stehen, unter Beibehalfung des Klassencharakters und Betonung des sozialistischen Endziels, Anwendung aller zweckmäßigen Mittel, vom politischen Bündnis bis zum Aufstand. Neben dem Beitritt zur Internationale wurde das Berbleiben der Partei in der ,, antifaschistischen Konzentration" geregelt. Ueber die Gemertschaftsbewegung, über die Notwendigkeit, die Kaders der Stonföderation der Arbeit in der Emigration aufrechtzuerhalten, sprach Buozzi, über die Jugendorganisation Gambint Mit einem umfassenden geschichtlichen Rückblid begründete Spertia seine Auffassung des Faschismus als der modernen Form des Staatsstreichs, durch den der, militaristisch demokratische Staat, ter in der Monarchie gipfelt, versucht, sich der Angriffe des Proletariats zu erwehren. Indem er das aber tut, unterbindet er, ob er es will oder nicht, die Lebensadern des modernen Kapitalismus. An Bahlen, die offiziellen faschistischen Dolumenten ent nommen find, legte der Redner dar, daß die faschistische Wirtschaft auf ihren Busanımenbruch hinarbeiten muß. Der Steuerdruck ist pon 100 im Jahre 1913 auf 243 im Jahre 1929 gewachsen, wobei aber das schnellste Wachstum in die letzten Jahre fällt. Der Krieg hat Italien weniger gefoffet, als der Faschismus.. Jahre 1929 gewachsen. Trotz aller Getreideschlachten" Mussolinis Die innere Schuld ist von 60 Milliarden im Jahre 1923 auf 88 int ist das Bedürfnis nach frembem Getreide von 17 Prozent des Ges fohn beträgt heute in Italien 1,98 2. pro Stunde( etma 31 Pfen samtbedarfs auf 21 Prozent gestiegen. Der durchschnittliche Arbeitsnige). Der Falchismus tann den Steuerbrud nicht vers mindern, die Diktatur vermehrt beständig die Ausgaben für Bo amtenschaft, Polizei, Rüstungen usw. Er lähmt den Kapitalismus, den er schützen und fördern will. Wir wollen die Macht erobern, um die Bedingungen für die Entwicklung der Gesellschaft zu schaffen. Die Aktion foll nicht unser Monopol sein, aber wir wollen bei teiner Aftion fehlen, die sich gegen den Faschismus richtet, nicht nur als Soldaten in Reih und Glied, sondern auch als Führer. Spertia fchloß, indem er die freudige Entschloffenheit des Kämpfers pries, den Kampf und Last nicht schreckt, weil er an das Leben glaubt und an das, was allein dem Leben wert gibt: die Freiheit. Die Entwicklung zur Freiheit ist der Sinn der Geschichte. Nenni fiel dann die Aufgabe zu, den schon am ersten Tage von Claudio Treves aufgestellten Saz über die Pflicht, den Krieg zu verhindern, in breiterer Form zu entwideln. Die Tragweite seiner Ausführungen ist gerade heute außerordentlich groß, wo fich breiter Schichten in Italien eine Desperadostimmung bemächtigt, die ganz im Sinne des Fafchismus wirft, obwohl fie eine Befreiung vom Faschismus erstrebt. Der Gedanke, die Sturzflut cines Krieges zu entfesseln, um das Bollwerf der Diktatur niederzureißen, ist un heilvoll und könnte zu einer weltgeschichtlichen Schuld werden. Aus Mitgliedern der beiden mummehr geeinten Parteien wurde der neue Parteivorstand gewählt, dem die nachstehenden 11 Genossen angehören: Bottaini, Bianchi, Coccia, Clerici, Giani, Gambini, Gabici, Modigliani, Nenni, Rugginenti und Spertia. In Gambini, Gabici, Modigliani, Nenni, Rugginenti und Spertia. In tiefer Ergriffenheit trennte sich dann die Versammlung, an der 94 Delegierte, teilgenommen hatten, unter dem Abfingen der italienischen Arbeiterhymne. Sparmaßnahmen in Preußen. Kürzung der Tagegelder und Wohnungsbeihilfen. Wie die zuständigen Stellen in Preußen bestrebt sind, jederzeit durch geeignete Maßnahmen Einsparungen herbeiguführen, zeigt ein neuer vorläufiger Runderlaß, den der Preußische Finanzminister am 14. Juni 1930 über Kürzung der Beschäftigungstagegelder und Wohnungsbeihilfen erlassen und dem Staatsrat zur gutachtlichen Aeußerung zugeleitet hat. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, wird durch diesen Erlaß zur Verminderung der Berwaltungsausgaben und zur Vereinfachung des Rechnungswesens unter Borbehalt jederzeitigen Widerrufs mit Wirkung voni 1. Juli 1930 ab bestimmt: Die bisher vorgesehenen Höchstsäße für Beschäftigungstagegelder bei einer länger als vier Wochen dauernden Beschäftigung werden allgemein um etwa 10 Bro3. gefürzt und sind nunmehr feste Säge. Weiter wird bestimmt, daß die Beamten nicht mehr für die ersten zwei Wochen, sondern nur noch für die ersten 5 Tage der auswärtigen Beschäftigung eine feste Bergütung, und zwar in Höhe det um etwa 10 Broz. getürzten Tage- und Uebernachtungs ohne Nachweis des Mehraufwands erhalten. Die gelder bisher vorgesehenen Höchstjäße für Wohnungsbeihilfen werden allgemein um et ma 10 Pro3. gekürzt und sind nunmehr jeste Säge ohne Nachweis des Mehraufmands. Die neuen Vorschriften gelten auch für die Bewilligungen, die bereits für einen nach dem 30. Juni 1930 liegenden Beitabschnitt ausgesprochen worden find. Bergarbeiter gegen Lohnfürzung Der Verbandstag fordert Fortsetzung der Verständigungspolitik. Breslau, 22. Juli.( Eigenbericht.) Im Mittelpunkt der Beratungen des Bergarbeiterverbandstages stand am Dienstag die Lohnfrage. In seinem Schlußwort zum Geschäftsbericht betonte Husemann, es sei menig megweisende Kritik geübt worden. Auch internationale Erfolge seien von der Stärke der Organisationen abhängig. Gegen die Angriffe der Oppofition verteidigte er sich nicht. Die Leitung verförpere nur, was an Kräften hinter ihr stehe. Notwendig sei gewerkschaftliche Zusammenarbeit. Sozialismus fönne man nicht bittieren, er könne mur durch Demokratie und Freiheit erreicht werden. Nach diesem summarischen Abschluß des Tätigkeitsberichts wandte sich Husemann in deutlicher und entschiedener Form gegen die Lohnabbaupläne des Unternehmertums. Er führte aus: Mit welcher Harinädigkeit die Bergbauunternehmer darauf ausgehen, die jetzigen Krisenzeiten zu einem Herabdrücken der Löhne auszunuzen, zeigen die von Zeit zu Zeit auftauchenden Zweckmeldungen in der Unternehmerpreise. Ich muß das als eine sehr gefährliche Stimmungsmache bezeichnen. So ist dieser Tage vom Essener Zechenverband wieder ein solcher Versuchsballon losgelassen worden. Sollte er etwa an unsere Adresse hier in Breslau gerichtet sein, so wird es gut sein, ihn gleich zum Plazen zu bringen. Es heißt da in der Kölnischen Zeitung", die sich der Zechenverband offenbar zum Sprachrohr gewählt hat, daß der Ruhrfohlenbergbau als erster von allen Revieren einen Preisabbau vorzunehmen gewillt sei, jedoch nur unter der Bedingung der Lohnherabsehung. Die günstigste Lösung, so läßt sich die Stölnische Zeitung" aus, wird in einer Berkoppelung des Cohn- und Preisproblems gesehen. Ich will dieser Katze gleich die Schelle umhängen. Eine Berkoppelung der Lohn- und Preisfrage tommt für uns als Berband und auch für den Reichsfohlenrat unter feinen Umständen in Betracht. Der Lohnanteil an den Selbstkosten ist selbst in der letzten Zeit ständig zurückgegangen. Der Förderanteil steht heute an der Ruhr auf 1367 Kilogramm, das sind genau 40 Pro 3. mehr als 1913. Er steht damit rund 260 Kilogramm oder beinahe 25 Broz. höher als in England, dem hauptsächlichsten fohlenwirtschaftlichen Wettbewerber. Von der Leistungsseite aus ist somit wirklich kein Grund zu erkennen, die Bergarbeiterlöhne herabzusetzen. Auch kostenmäßig liegt fein Grund dazu vor. Bei einem Durchschnittslohn von 9. Mart, wie wir ihn jetzt an der Ruhr haben, beträgt der Lohnanteil lediglich 6,58 je Tonne. In der Kölnischen Zeitung" ist man weiter gesagt worden, daß gegenwärtig etwa für 120 Millionen Mark Kohlen an der Ruhr auf Halden liegen. Das würde bedeuten, daß die„ Kölnische Zeitung", da die Haldenbestände rund 6 Millionen Tonnen ausmachen, selber den erzielbaren Durchschnittspreis mit 20 Mart je Tonne annimmt. Ich lasse dahingestellt, ob die Schäzung der Kölnischen famen für beide Ruhetage weder den Zohn noch eine andere Inter ftügung. Die Lehrlinge ließen sich diesen völlig unberechtigten Lohnabzug nicht gefallen und reichten durch den Deutschen Metallarbeiterverband die Klage ein. Arbeitsgericht und Landesarbeitsgericht verurteilten die Firma zur Weiterzahlung des Lohnes an die Lehrlinge. nur an sehr nachgeordneter Stelle ciuwirtt und bag gang von Stopte führte er aus, daß ich abigt, or viele Industrielle troß bes AufZeitung" richtig ist, jedenfalls läßt sich jedoch klar erkennen, daß der ständig zurückgegangene Cohnanteil auf die Preisbildung von Kohle der Hebel angesetzt werden muß, nämlich bei den verhältnismäßig hohen Gewinnen, die in Abschreibungen, stillen Reserven und in anderen nach außen abgedunkelten Bilanzposten stecken. Die Frage der Kohlenpreise wird vom Bergarbeitervertreter im Reichstohlenrat ernsthaft geprüft werden müssen, und wir werden uns dabei des Vorgehens eines in der Braunkohle wie in der Ruhrkohle sehr mächtigen Mannes zu erinnern haben. Ich meine den Vorsitzenden des Reichsfohlenrates, Herrn Dr. Silverberg, der gegen unsere Stimmen Preiserhöhung durchgedrückt hat, ohne daß eingestandenermaßen fostenmäßig ein Anlaß dazu vergelegen hat. Eine Verkoppelung des Lohn- und Preisproblems jedoch, wie es die Unternehmer wollen, wäre das Ende der Gemeinwirtschaft. Wir haben uns und den Reichsfohlenrat bisher davor behütet, als die Lohnentwicklung nach oben zeigte, und wir werden jetzt erst recht dafür sorgen, damit nicht der Reichskohlenrat zum Tummelplatz und zum Vorspann der fozialreaktionären Tendenzen der Bergbauunternehmer mißbraucht wird. Mit besonderem Nachdruck möchte ich noch bemerfen, daß etwaige Versuche der Bergbauunternehmer, 2ohnsenkungen vorzuschlagen, von den Ruhrbergarbeitern unter feinen Umständen fampflos hingenommen werden. Ich hoffe, daß diese Zwischenbemerkungen von allen Stellen, die sie angehen, verstanden werden. Der Appell Husemanns an den geschlossenen Abwehr willen der Organisation fand auf dem Verbandstag stärkste 3ustimmung. 4 wurde durch eine scharfe Rüge erledigt. Weidner dem Bezirk Jets, Loner- Rofit, des Sprechers der Oppofition aus hatte sich anläßlich des Verbandstages in Magdeburg neben dem Lohn auch noch eine Entschädigung von der Gewerkschaft geben Jassen. Man machte ihm flar, daß er fein Recht habe, Vorwürfe wegen hoher Diäten zu erheben. Der Betrag sei zurückzuzahlen. Von der Aberkennung des Mandats wurde abgesehen. Der Entlastungsantrag der Kontrollkommission sand einstimmig Annahme; auch die Opposition entschied sich dafür. Ein Antrag Hausdorf, die Schädigungen durch Einatmung von Rohlensäure untersuchen zu lassen, damit nötigen falls die Entschädigungspflicht durch die Unfallversicherung bejaht werden könne, wurde einstimmig angenommen. Die Generalversammlung sprach dann noch ihre Genugtuung darüber aus, daß das besetzte Gebiet und damit auch mehr als 150 Bergarbeiter- Orte dank der Verständigungspolitik fünf Jahre vor dem im Versailler Vertrag bestimmten Zeitpunkt geräumt worden sind. Diese Verständigungspolitik müsse weiter fortgesezt werden, damit auch die bedauerlicherweise noch bestehengebliebene Saargrenze endlich falle. Gegen dieses Urteil kämpfte der Unternehmer mit der Revision an und verlangte Abweisung der Klage. In der Revisionsbegründung führte er aus, daß die vorinstanzliche Entscheidung die Untertrags- und Arbeitsmangels die Lehrlinge weiter beschäftigen oder bezahlen müßten. Ein großer Teil der Betriebe habe wegen Auftragsmangel mehrere Tage in einer Woche gefeiert. Müßten die Lehrlinge bezahlt werden, dann enfffänden schwere Schäden.(!) Das Reichsarbeitsgericht wies die Revision als völlig unbegründet zurück. Nach der Rechtsprechung des Reichsarbeitsgerichts hat bei Betriebsstockung die Betriebgefahr und den Schaden der Unter nehmer zu tragen. Diese Rechtsregeln haben auch auf den Lehrlingsvertrag, der zwischen den beiden Parteien besteht, Anwendung zu finden. Da die Lehrlinge nur wegen Auftrags- und Arbeitsmangel feiern mußten, hatten sie auch Anspruch auf Fortzahlung des Lohnes. Die andere Seite des Verkehrs. Die JTF. ftellt in Posen aus. An der kürzlich in Posen eröffneten Internationalen Aus. ftellung für Verkehr und Touristik nimmt auch die Interna ( ITF.) tionale Transportarbeiter Föderation teil. Sie will damit die andere Seite des Verkehrs sehen lassen, nämlich die Arbeitsbedingungen des Perso nals, das in diesem Gewerbe sein Brot verdienen muß, und gleichzeitig eine Vorstellung von der Arbeit und dem Umfang der ITF. machen. In dem offiziellen Pavillon wurde der ITF. em 4 X 5,26 Meter messender Ausstellungsraum zugewiesen. Eine Weltkarte mit Angabe der der ITF. angeschlossenen Länder, eingerahmt mit den Titelseiten von über 100 3eitungen, welche Mitgliederverbände der ITF. herausgeben, nimmt eine ganze Wandfläche ein. Ferner wurden sechs graphische Darstellungen in moderner Ausführung, wovon vier von dem Zeichner Peter Alma hergestellt wurden, eingesandt. 3wei der Zeichnungen veranschaulichen die Rationalisie= rung im Eisenbahnbetrieb durch Errechnung der durchschnittlichen Arbeitsleistung der Eisenbahner im allgemeinen und derjenigen des eigentlichen Betriebspersonals im besonderen. diesen Statistiken geht hervor, daß überall eine Erhöhung der Arbeitsleistung festzustellen ist, mit Ausnahme Italiens, wo sich ein allgemeiner Berkehrsrückgang und troz des Personalabbaues auch eine Verminderung der durchschnittlichen Arbeitsleistung geltend macht. Ferner wird eine Uebersicht über die Monatsheuern und Arbeitssicherheit durch die Einführung der automatischen die Arbeitszeit der Seeleute somie über die Erhöhung der Wagenkuppelung im Eisenbahnbetrieb der Vereinigten Staaten und Japans gegeben. Im übrigen zieren eine Reihe wirkungsvoller Plakate die Wände des Ausstellungsraumes, in dem auch die von der IFT. Gegen Tarifbruch des BBMJ.| Das Lohnabbaudiktat in Oberschlesien. herausgegebenen Schriften zur Schau geſtellt find. Gollen Tarifbrecher öffentliche Arbeiten bekommen? Die Bertreter der am Tarifvertrag für die Berliner Metallindustrie beteiligten Angestelltenorganisationen hatten in ihrer bereits gemeldeten Besprechung mit dem Reichsarbeitsminister aus Anlaß des Gehaltsabbaufonflikts sehr energisch auf den angekündigten Tarifbruch einer Reihe von Firmen der Berliner Metallindustrie hingewiesen und dabei daran erinnert, daß eine Anzahl dieser Firmen demnächst auf Grund des Arbeitsbeschaffungsprogramms öffentliche Arbeit erhalten soll. Der Reichsarbeitsminister erklärte sich bereit, auf den Verband der Berliner Metallindustrieller einzuwirken und ihn auf die Schwierigteiten aufmerksam zu machen, die sich aus der gegenwärtigen Lage auch hinsichtlich der Bergebung öffentlicher Aufträge ergeben tönnten. In den christlichen Organen wird der Verband Berliner Metallindustrieller darauf aufmerksam gemacht, daß sein Vorgehen viel Kurzsichtigkeit verrate, denn er arbeite mit der Einführung von Kurzarbeit und mit Gehaltstürzung legten Endes nur für die Sozialdemokratie. Das ist richtig. Die Berliner Metallindustriellen bilden sich zwar ein, daß die durch ihre Maßnahmen bewirkte Radikalisierung der Angestellten schaft eine Vermehrung der Wähler bei den Nationalsozialisten und Kommunisten herbeiführt. Sie täuschen sich; denn HitlerPhrasen sind nur etwas für geistig anspruchslose Leute. Generalversammlung der Metallarbeiter. Die„ ermäßigten" Affordsätze in Kraft. Gleiwik, 22. Juli. Generalstreif der Eisenbahner in 3rland. Er sollte Dienstag nacht beginnen. London, 22. Juli. Bom Arbeitgeberverband der oberschlesischen Montanindustrie wird mitgeteilt: Die von den oberschlesischen Werken mit Rücksicht auf die Eisenpreisherabsehung verlangte Neuregelung der Akkordverdienste ist in allen Betrieben durchgeführt Cramp, teilte am Montag im Anschluß an eine Besprechung mit worden. Die Arbeiter haben, soweit es sich um durchgehende Betricbe handelt, am Sonntag und bei den einschichtigen Betrieben am Montag früh die Arbeit zu den neuen Bedingungen aufgenommen. Eine gewisse Unsicherheit der Lage war nur dadurch eingetreten, handelt wurde, am legten Tage der Kündigungsfrist den Schlichter daß die Gewerkschaften, mit denen vor drei Wochen verangerufen hatten und dieser zu einer Besprechung am Montag, dem 21. Juli, nach Breslau eingeladen hatte. Dieses Borgehen des Schlichters gab den Gewerkschaften Veranlassung, die Betriebsräte zur Abgabe von Protestertlärungen aufzufordern. Nachdem die Arbeiterschaft früh um 6 Uhr die Arbeit widerfpruchslos aufgenommen hatte, tonnten diese verspäteter Broteste der Arbeiterräte nicht als maßgebend anerkannt werden. Arbeiter, die noch nachträglich sich mit der neuen Akkordregelung nicht einverstanden erklären wollen, müssen das neue Arbeitsverhältnis mit der gefeßmäßigen vierzehntägigen Frist fündigen. Sie werden Sturm ernten, die Herren, die jetzt Wind säen. Der Generalsekretär des Nationalverbandes der Eisenbahner, den Direktoren der Südbahn in Dublin mit, daß von der Gesellschaft die bedingungslose Wiedereinstellung der entlasseneit Eisenbahner abgelehnt worden sei. Der Vollzugsrat des Eisenbahnerverbandes hat im Anschluß hieran beschlossen, den Streik auf dem Eisenbahnnetz der Südbahn tag, 12 Uhr nachts, auszurufen. im irischen Freistaat, der Great Southern Railway, ab Diens= Von dem Streit werden 12 000 Eisenbahner und 400 Omnibusführer betroffen. Achtung, Bauarbeiter! Die Sperre über die Firma Fleiß, Bau Weißensee, Buschallee, Bauplaz Deutsche Bauhütte, ist aufgehoben, da die tariflichen Bestimmungen wieder beachtet werden. Baugewerkschaft Berlin, Fachgruppe Stud- und Gipsbau. D Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin -Die Berliner Metallarbeiter hielten am Montag in den Die chriftlichen Holzarbeiter gegen Lohnabbau Baumschulen weg: Jugendheim Ernſiſte. 16. Abendspaziergang.-nhauſer Sophienjälen ihre Quartals- Generalversammlung ab. Gegen den vom Genossen Tirpig erstatteten Kassenbericht, der trotz der ungeheuren finanziellen Belastung der Organisation im ersten Quarial noch eine Zunahme des Lokaltassenbestandes um rund 7000 Mark auf 1278 093 Mark ausweist, erhob die„ Opposition", die in der Generalversammlung noch ganze acht Mann zählt, ihren traditionellen Widerspruch. Die Generalversammlung beschäftigte sich dann eingehend mit den vorliegenden Anträgen. Angenommen wurde ein Anireg, der die Ortsverwaltung beauftragt, in Verbindung mit dem Orts ausschuß des ADGB. bei den zuständigen Instanzen dahin zu wirken, daß den Erwerbslosen auf den Verkehrsmitteln der BVG. die gleiche Ermäßigung gewährt wird wie Schülern und Studierenden und auf der Stadtbahn wie den in Arbeit Stehenden. Ein anderer gleichfalls angenommener Antrag fordert vom ADGB. und dem Vorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes umfassende Borbereitungen zum energischen Kampf gegen den Lohnabbau, die Verschlechterung der Sozialpolitik, sowie für den Preisabbau unter Kontrolle der Organe der Arbeiterschaft, die Erhöhung der Löhne entsprechend der Steigerung der Lebenshaltungskosten infolge der neuen Zölle und Steuern und schließlich den Kampf für den geseglichen Siebenstundentag. Es war bezeichnend für die Unehrlichkeit der linientreuen ,, Oppositionellen", daß sie gegen diesen Antrag stimmten, weil er von einem ihrer sogenannten Renegaten, dem ehemaligen Führer der Metallarbeiteroppofition Walcher gestellt war und nach der Auffassung dieser Worthelden keine ernstgemeinten Forderungen enthalte. Daß sich die linientreue Opposition durch diese Stellungnahme selbst ohrfeigte, da ja die offiziellen Parolen der KPD. grundsäglich die gleichen sind wie die in dem Antrag enthaltenen Forderungen, merften die Verbindungsmänner aus dem Kari Liebknecht Haus anscheinend nicht. Jeden Mittwoch spielen die Gruppen: Landsberger Plaz und Frank. furter Allee: Jm Friedrichshain, Blak 4. Lichtenberg und NeuLichtenberg: Jn Treptow, Wiese I. Nordkreis: Ab 18 Uhr auf dem Sportplag Humboldt. Cüdosten: Ab 18 Uhr bis zum Anbruch der Dunkelheit in Treptow, Wiese I. Heute, Mittwoch, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Schönhauser Tor: Jugendheim Zehdenicer Str. 24-25. Bortrag:„ Aufbau FGJ." Neukölln 1: Gruppenheim Bergstr. 29( Hof). Bortrag: Eine Arbeitsgerichtsfizung". Süben, Südwesten: Städt. Jugendheim Yordstr. 11( Fabrik. Flughafen: gebäude). Spiel- und Badeabend im Freibad Alingenberg. Jugendheim Neukölln, Flughafenstr. 68. Vortrag: Die Wirtschaftskrise in Deutschland". Gdöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15( Gartenhaus). Bor trag: FGI. in Wort und Bild". Jucendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Seute, Mittwoch, find folgende Veranstaltungen: Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4.„ Cin Besuch bei Bata, dem tschechischen Schuhkönig." Referent: Krause. Schönhauser Borstadt: Jugendheim der Echule Rastanienallee 81. Wir lesen aus:. Die deutschen Kleinstädter" von Kozebue. Gesundbrunnen: Jugendheim Orthstr. 10. Was ich im Gefängnis fah." Referent: Lewinski. 62 Norbost: Jugendheim Danziger Str. ( Barade 3).„ Ein Tag im Parlament." Stralau: Jugendheim der Schule Goßlerstr. 61. Wir gehen baden im Flußbad Lichtenberg. Reukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1-4, Ede Ranner Straße. Mensch ärgere dich nicht." preis= Südoft: Jugendheim Wrangelstr. 128. Was ist ein Tarifvertrag?" Referent: Heilbrunn. Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Spiel- und Liederabend, am Bila". Potsdam- Nowawes: Jugendherberge in Nowawes, Briefterstraße. Liederabend. Spiel und Sport: Ab 19 Uhr auf dem Sport plaz Friedrichshain. Köln, 22. Juli. Der Zentralverband christlicher Holzarbeiter hielt in Königswinter eine Gesamtvorstandssitung ab, zu der sämtliche Gau- und Bezirksvertreter zugezogen waren. Als Niederschlag der Beratungen veröffentlicht der Gauvorstand eine Erklärung, wonach die Bläne des Arbeitgeberverbandes der deutschen Holzinduststrie und des Holzgewerbes zur Neuregelung der Löhne mit ihrem Lohnabbau von 6 bis 9 Pfennigen und darüber hinaus einer Kürzung der Löhne in der Musikinstrumenten und Stuhlindustrie um weitere 12% Prozent ent schieden zurüdgewiesen wurden. Eine Sentung des Lebensstandards der Holzarbeiter werde abgelehnt. Die Arbeitgeberforderungen seien weder Dom politischen, noch vom marktpolitischen Gesichtspunkt notwendig. Die Verbandsleitung wird beauftragt, mit allen gewerkschaftlichen Mitteln den Forderungen entgegenzuwirken. Der Lehrlingslohn. Er muß auch bei Arbeitsaussetzung gezahlt werden! Haben Lehrlinge Anspruch auf Fortzahlung des Lohnes, wenn der Arbeitgeber megen Auftragsmangel Arbeitspausen und Ruhetage einführt? Mit dieser Rechtsfrage, die gerade in dieser jetzigen Krisenzeit von Bedeutung ist, beschäftigte sich das Reichsarbeitsgericht. Es entschied zugunsten der Kläger. Wegen Arbeiismangel ließ eine Maschinenfabrik in Halle im November und Dezember vorigen Jahres an je einem Wochentage die Arbeit in ihrem Werke ruhen. Durch diese Maßnahme wurden die Arbeiter geschädigt. Sie erhielten für beide Tage keinen Lohn, aber auch feine Sturzarbeiterunterstügung. Auch die Lehrlinge beP Berantwortlich für Politik: Dt. Curt Gener: Wirtschaft: G. Klingelhöfer: Gewerkschaftsbewegung: Otto Schindler; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstäbt: Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts.Buchdruckeret und Berlagsanstalt Baul Einger u. Co.. Berlin EW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. STAATL Naturliches Mineralwasser FACHINGEN Wirkt vorbeugend! Fachinger Versandstelle, Berlin SW Schöneberger Str. 16a. TeLLützow 8260-61. 3lr. 5$9* 47. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Mittwoch, 23. Juli 1930 Was ist mit den Sturmabteilungen? Deginn der Zeugenvernehmung im Tfaziprozeß. Schoo der erste. Tag der Zeugcnocrnchmuog im JümkgenWUlZrovst war fnraptomafifch. Die gesamte verteidigerbank — von Sock bis Becker— bildete plötzlich eine einheitliche Aront: Der Blick hinler die Kulissen der SA. darf nicht ge. stattet werden. Die Anklage steht mit Becht auf einem an- deren Standpunkt: hier liegt, sogt sie, ein planmäßig organisierter lleberfall vor. Die 7t SAP. behauptet, das Trogen von Schuh. waffen fei von ihr verboten; die S?l..Leule waren ober mit Feuerwaffen in ihren Taschen zum Angriff übergegangen. Die TtSAP. behauptet, nur Verteidigung saktioven zu gestatten, hier hatten aber ihre Mitglieder eine Angrisssoklion unternommen. Pias geschah jedoch gestern, als der Staatsanwalt durch seine.fragen die Dinge, wie sie io Wirklichkeit sind, festzustellen versuchte? Das Gericht lieh die Fragen nicht zu. Da war z. ZV der Zeuge Brake. R.-A. Claus hoste ihn zur Cntlastung seines Klienten«chlernher mitgebracht— Uebrigens ein Nooum in Moabit, daß mitgebrachle Zeugen sich zuerst im Zuhörer- räum die Verliandlung anhören dürfen. Als Staatsanwalt und Nebenkläger diesem Zeugen auf den Leib rückten und von ihm Einzelheiten über die Organisation der SA. erfahren wollten, er- klärte die Verteidigung, eine jede derartige Frage beanstanden zu wollen. Der Vorsitzende Ohnesorge griff diese Frage, die für die Beurteilung der den Angeklagten zur Last gelegten Handlungen von gröhter Bedeutung find, leider nicht auf, sondern verkündete einen dahingehenden Gerichtsbeschluß, daß die Fragen.nicht zur Sache gehören. Für tausend Cinzel- heilen ohne Belang ist Zeit genug vorhanden. Die einschläfernden Wiederholungen bereits längst klargelegter Tatsachen könnten wirklich ohne Schaden unterbleiben. Fünf Sitzungen für die Nernchinung von 18 Angeklagten, sc eine Stunde für jeden der Zeugen, wo soll das hin? Da ist allerdings das Ende dieses Pro- zesses überhaupt nicht erbzusehen. So konnten gestern nach den zeitraubenden Verschleppungs« oiürägen des Verteidigers R.-A. Becker von den 1? geladenen Zeugen nur vier vernommen werden. Der Zeuge'Müller war mit den Berlinern nach Röntgental gekommen. Er wurde zum Bahnhof geschickt, um weitere Berliner hilfstrupps zu erwarten. Als Waffe hatte er sich feinen.Hausschlüssel zurechtgelegt. Seine ihm von der Großmutter geschenkte Slahleule (die Angeklogteü brechen in ein schallendes Gelächter aus)...Ja", sagte der Angeklagte,„die Großmutter hat die Stahlrutc eines Tages in der Laube gefunden und sie mir gegeben"— also diese seine Stahlrute hat Müller zu Hause gelassen. Da er unbewaffnet war, steckt« er auf dem Wege zum Bahnhof ein rotes Fähnchen an leine Mütze, um einen Konmmnisten vorzutäuschen. Man dachte bei dieser Aussage an den Rotfront-Ruf der Nazi vor dem Meiselschen Lokal. Der nächste Zeuge P l ä t t k e. der aus Anordnung Köppners vor dem Lokal„Edelweiß" den Posten spielte, will gesehen haben, wie zunächst drei Reichsbonnerleute und dann noch zwei, über den .Zaun kletterten. Und als er in Gesellichaft von Müller zu», Bahn- dof ging, fand er unterwegs sämtliche Ecken von Neichsbannerleuien abgeriegelt. Müller hat von diesem Abriegeln nichts gemerkt. Plättke sah eben Gespenster. Er bedurfte ihrer, um seine Käme- roden gruselig zu machen. Als er da im Schüsse hörte, tonnten das seibstverständtich nur Schüsse von Rcichsbannerlcuten fein.„Wes- halb nahmen Sie dos an", fragt der Vorsitzende.„Ja, weil sie ja »llc Ecken abgeriegelt hasten." Es solgt der Zeuge Bahn. Er ist zwar nicht bei den Ratio- nalsozia listen organisiert, besucht aber ob und zu die Truppabonde des SA. und gehörte früher dem Stahlhelm an. Als verheirate t c r M a n n ist er sehr vorsichtig und lögt sich nicht gern l» Händel ein. Er ist Plästkes Stiefbruder und was et sagt, sieht der Wahrheit oft sehr ähnlich. Sa erzählt er ,5. B., daß am Truppabend des S. März unter Leitung von Köppner über Signale und Geländeübungen gesprochen worden sei; daß es Pankroth gewesen sei, der Plättke mit zwei anderen Berlinern zur Bahn gejchickt habe— Pankrath bestreitet ja, an dem Abend den Führer gespielt zu haben—, daß Pankrath ober Köppner die draußen wartenden Berliner über die Lage unter- richtet hätten! daß Pankrath es gewesen sei, der bestimmt habe, welche Richtung die einzelnen Trupps einschlagen sollten und daß schließlich Pankrath im Augenblick, als die Schüsse gefallen seien, sich vor ihm l�sundeit habe. Pank räch hat sich osfenbar dem Kampfplatz viel näher befunden, als er zugeben wollte. Zum Schluß kam noch der lSjährige Zeuge B i n f ch u s, deir seit l!W Nationalsozialist ist. Auch er befand sich aus dem Wege zum Meiselschen Lokal, bekam aber plötzlich so ein ahnungsvolles Gefühl, er dachte an seine Eltern und— kehrte um. Im nächsten Augenblick begann die Schießerei. Ob Binschus' Ahnungen etwa daher kamen, daß er wußte, was gespielt werden sollte? Die nächste Verhandlung findet am Donnerstag statt. Großfeuer auf der Vulkanwerst. Hauptwerkstätten zeitweilig in ernster Gefahr. Hamburg, den 22. Zuli. Aus der Deutschen Schifss- und Maschinenbau A.-G. Vulkan. werft brach am Dienstagnachmillag Feuer aus. Aus Groß. seueralarm rückten sofort sieben Züge der Hamburger Feuer- wehr an. um gemeinsam mit der werkseuermehr gegen den Brand vorzugehen, der um 13 Uhr niedergckämpst war. Das Feuer kam in einem Lagerschuppen zum Ausbruch, entwickelte sich rasch zum Großfeuer und vernichtete große Wert«. Sofort nach Ausbruch des Brandes trat die Werkfcuerwehr in Tätig- kejt, mußte aber die Hamburger Wehr zur Hilfe rufen. Die Feuerlöschboote nahmen die Bekämpfung des Brandes oon der Wasserfeste her aus. Aus etwa dreißig Rohren wurden die Wassermassen in das Feuerelcment geschleudert. Die Hauptgefahr bestand darin, daß das danebenliegende vierstöckige Feilwert und die Gießerei von de» Flammen ergriffen werden. Nachdem die Ge- fahr beseitigt und der bereits in Brand geratene Dachstvhl gelöscht werden konnte,' konnte man an die Eindämmung des Schuppen- brandes herangehen. An ein Ablöschen des brennenden Schuppens. in dem Fertigwaren, Eisen- und Stahlwaren lagerten, war nicht zu denken. Gegen 18 Ubr stürzte die gesamte Dachkon st ruk- t i 0 n zusammen, Mrz nach 19 Uhr war die Gefahr beseitigt. lieber die Ursache des'Brandes ist. nichts bekannt. Kurz vor dem Ausbruch war ein Kontrollbeamter durch die Räume geschritten, ohne etwas Verdächtiges bemerkt zu haben. stieg die Zahl der beförderten Personen im ersten Halbjahr 1929 aus 21?, 1 Millionen, um mit 232,8 Millionen Fahrgästen im ersten Halbjahr 1939 eine neue Rekordhöhe zu erreichen. Gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres ergibt sich somst eine Zunahme an be- förderten Personen in höhe von 29,7 Millionen oder 9,7 Prozent. Verkehrszunahme auf Stadt- und Vorortbahn. Der Verkehrszuwachs im Netz der Berliner Stadt- und Vor- ortbohn hat auch im vergangenen Monat mit einer Gesamtzahl von 41,5 Millionen beförderten Fahrgästen gegen- über 39,7 Millionen im Laufe des Monat Mai weiterhin angehalten. Auf Gnmd der Besörderungsergebnijs« des Juni d. I. ist er- sichtlich, daß die steigende Tendenz im Verkehr der Berliner Stadt-, Ring- und Vororibcrhnen, die sich schon nach der Elektrisierung zeigte, im ersten Halbjahr 1939 erneut einen außerordentlich starken Impuls ersahreu hat. Während in den ersten sechs Monaten des Jahres 1928 insgesamt 293,8 Millionen Fohrgäste befördert wurden, Todesopfer beim Europaflug. Begleiter des Fliegers von Oerhen vom Propeller erschlagen Im verlauf des Curopa-Rundsluges hol sich am gestrigen Dienstag aus dem Flugplatz h e st 0 n bei London ein schwerer Unfall ereignet. Der Begleiter des deutschen Albatros-Fliegers von Oerhen. der 24jährige Herr von Raedern, wurde, an. scheinend insolge eigener Unvorsichtigkeit, vom lausenden Propeller erfaßt und so schwer verletzt, daß er sosorl den Tod fand. Unter dem Eindruck dieses Unglücks hat von Oertzen auf den Weiterslug verzichtet und ist aus dem Rundflug aus- geschieden. Infolgedessen sind noch 5 8 Teilnehmer im Wettbewerb. Drei Maschinen liegen mit Havarie in Calais, und zwar die der Deutschen G 0 t h e und D i n 0 r t sowie des Franzosen F a u v e l. Der Pole M u sl e iv s k i hat zwischen Franksttrt und Reims eine Notlandung bei Ehalons vor- nehmen müssen, ist also weit vom Kurs abgekommen. Zwischen Paris und poitiers. Die am Montagabend in Orly eingetroffenen Teilnehmer am Europa-Rundslug sind sämtlich am Dienstagmorgen zwischen 7 und 7.45 Uhr zur nächsten Etappe nach Poitiers gestartet. Als erster flog Final aus M 2 ab, dann in kurzen Abständen st 3. 171, St 5. Ml, K8. In St. I n g l c v e r t traf heute als erster um 8.33 Uhr R i s z t i c z auf A 9 ein, einige Minuten später Morzik auf D3 und vier Minuten darauf die beiden deutschen Maschinen L8 und st 2: wenig später folgte dann VI, dann in kurzen Abständen hintereinander T 7, T 5, K6, 17 4 und M 6. Der größte Teil der deutschen Teilnehmer hatte Calais am Dienstag- morgen kurz nach 7 Uhr verlassen. Im Lause des Dienstagvormittags trafen von den deutschen Teilnehmern am Europaflug weiter i» Orly ein: st, 7, st 9, V 4, Bö, st l, LI, st 6 und A 2. Siebe! aus st ö wurde von dem französischen Luftfahrt min ist er persönlich be- grüßt, der mit ihm einige herzliche Worte wechselle. Er wird versuchen, die Spitzengruppe zu erreichen, die heute noch bis Madrid fliegt, stl ist wegen Motorschadens ausgeschieden, während st 3 in der Nähe von Ehalons stir Marne noilonden mußt«. Sämtliche deutschen Apparate, die im Laus« des Barmiltags in Orly cingetraffen waren, waren bis gegen Mittag wieder gestartet. Nach einer Abcndmeldung ist am Dicnsiagmittag 13.49 Uhr als erster von der Spitzengruppe im Eurapaslug der Engländer Butler auf st 5 auf dem Flugplatz in Saragossa ein- getroffen. Junge Menschen fliehen aus dem Leben. Selbstmord eines Fünfzehnjährigen. 3n der Wohnung seiner Ellern am Kaiserdamm 102 -7 vergistele sich gestern der 15jährige Günter heuby durch Gas. Der junge Mann war bei einem Berliner Friseur als Lehrling beschäftigt.?lls gestern der Vater gegen 5 Ubr heimkehrte, fand er seinen Sohn in dem völlig mit Gas erfüllten Schlafzimmer bewußtlos aus. Die Feuerwehr nahm Wieder- belsbungsoersuche vor, die jedoch ohne Erfolg.blieben. Was den Fünszehnjährigen zu der Verzweiflungstat getrieben Hot, ist zurzeit nach unbekannt. Ebenfalls den Tod durch Gas suchte die 19jährige Eva Zachaeus in der elterlichen Wohnung in der Gryphiusstroße 21- Auch in diesem Falle ist das Motiv zur Tat unbekannt. S/NOAIRLEWIS 29] ROMAN 5. Am nächsten Vormittag bat Walter sie plötzlich, auf einen Augenblick in den Vorraum hinauszukommen, und sagte ihr. daß er noch am selben Nachmittag ohne Kündi- gungsfrist gehe. Er halte es nie aus, eine Sache lange hin- auszuschieben, wenn er einmal entschlossen sei, der„wilden Jährte" zu folgen, sagte er, ohne Una anzublicken. Er küßte sie hastig und eilte zurück in sein Bürozimmer. Sie sah ihn erst wieder, als er gegen fünf Uhr dreißig oon allen ver- liebten Steiwtypiftinnen und Laufburschen lärmenden Abschied nahm und seinen mißbilligenden Vorgesetzten in spötti- schem Ton Glück wünschte. Vor Unas Tisch machte er halt, zögerte sichtlich, dann sagte er„Leb wohl, Goldi". und schritt weiter. Äe starrte wie hypnotisiert vor sich hm, als Wolter zum letztenmal aus dem Büro stürmte. 6. Eine Woche später kam I. 5- Todd nochmals auf Besuch. Er war rührend in seiner Beschreibung der treuen Dienste. die er der„Gesellschaft zur Organisierung der Wohltattgkeit" leistete. Aber Una hatte, das Gefühl, gestorben zu sein: sie brachte es einfach nicht fertig, ein lobendes Wort zu sagen. Es war fein letzter Besuch. 7. Walter schrieb ihr. vom Auge aus� einen wirren Wort. schwall, wie sehr er ihre wohltuende Gesellschaft vermisse. Dann folgte eine lebendige Beschreibung seines neuen Chefs in Omaha. Ein trübseliger Brief, geschrieben an einem ein- samen Abend, in dem nur gesagt war, daß nichts zu sagen fei. Eine kurze Nachricht in der von einem neuen Projekt, nach Alaska zu gehen, die Rede war. Dann hörte Una nichts mehr von ihm. 8. Wochenlang vermißte sie ihn so schmerzlich, daß sie sich immer und immer wieder bei der Klage ertappte:„Run NSrdg ich nie ein Kind haben, das ihm ähnlich sieht."'._ Wenn sie an die schüchternen, kleinen Scherze, die dum- men Liebesworte und Kosenamen dachte, mit denen sie ihn überschüttet hatte, schämte sie sich und überlegte, ob sie sich damit bei ihm nicht lächerlich gemacht hätte. Doch allmählich fand sie ungestörten Frieden in dem unveränderten Einerlei der Wochen: und die Bewältigung ihrer Arbeit schaffte ihr mehr Befriedigung, als je Walters stürmisches Fordern. Zu stzäufe oersuchte sie nicht bloß, ihrer Mutter das Ein- samsein zu ersparen, sondern trachtete, sie tatsächlich glücklich zu machen, sie so weit zu bringen, daß ihr die ungeheure Stadt vertraut würde. Sie veranstaltete sommerliche Abend- ausflüge mit den S'essions. Auf einem dieser Ausflüge führte sie die Gesellschaft zum Fuße der Palisaden. Dann verschwand sie allerdings für bei- nahe eine halbe Stunde. Sie saß allein«m Ufer des Flusies. Plötzlich riß sie mit fieberhaftem Ruck ihre Bluse auf, sie ent- bläßte die Brust, schüttelte dann ärgerlich den Kopf, knöpfte die Bluse wieder zu und ging zu ihrer Gesellschaft zurück, war dann ungewöhnlich lustig, olunohl sie den ganzen Abend die Hand gegen die Brust gepreßt hielt, als verspüre sie einen Schmerz. Im Büro wurde Una nach Walters Wgang Herrn S. Herbert Roß zugeteilt. Manchmal diktierte ihr S. Herbert in seiner großzügigen, schwungvollen Art. Una versuchte nicht nur, seine Weisungen genau zu befolgen, sondern auch seine nicht ausgesprochenen Wünsche zu erraten. Ihr Gehalt wurde von acht auf zehn Dollars wöchentlich erhöht. Wieder beschloß sie,«ine wirklich tüchtige Geschäftsfrau zu werden. Sie las eine kleine Zeitschrift über Rcklamewesen. Aber kein Mensch im Büro war der Ansicht, daß man einer Frau wirklich verantwortungsvolle Arbeit übergeben könne. Nicht einmal S. Herbert Roß mit seinen Aphorismen für Stenotypistinnen und seinen Prosasichtungen über die berauschende Freude, neun Stunden am Tag ein« Schreib- Maschine bearbeiten zu dürfen,— Geistesprodukte, die in großen saftigen Lettern in Fachzeftungen erschienen. Una begann sich zu langw«len. mechanisch zu arbeiten. ein wenig stumpf zu werden. Sie nahm sich vor, eine bessere Stelle zu suchen und zu kündigen. In dieser Gemütsnerfassung blickte sie ein wenig verächtlich auf dos Redaktionsbüro herab: und es war ein unvergeßlicher Schock für sie, als ihr plötzlich gekündigt wurde. _ An einem Winternachmittag rief Roß sie ga flch- sagte 1 ihr, daß er vom Chef die Weisung bekommen habe, die Ar- beitskräfte zu verringern, und daß er sie entlassen müsse, weil sie eine der zuletzt Aufgenommenen sei. Er versicherte ihr gönnerhaft, daß er mit ihrer Arbeit sehr zufrieden gewesen sei. daß er ihr gerne die allerbesten Empfehlungen geben werde. Doch Herr S. Herbert Roß fuhr fort, mit dem Chef speisen zu gehen, und Una mußte die ganze schmerzliche Er- fahrung durchleben, daß man ihrer in dem Gefängnis, das sie haßte, nicht einmal bedurfte. Eine Kündigung, was immer der Grund dazu sein mag. ist stets die tiefste Erniedrigung, die man in einem Büro erfahren kann, und sie machte Una schüchtern, als sie verzweifelt nach einem Posten zu suchen begann. A ch t e s K a p i t e l. *r. 1. Architekten sind in Romanen und Theaterstücken meist feine, junge Männer mit seidenweichen Van Dyk-Bärien: sie spielen Klavier und verstehen viel von Teppichen und Bil- dern. Sie brennen vor Verlangen, reizende kleine Häuschen für die Armen zu bauen und bei ausgeschriebenen Konkur- renzen für öffentliche Gebäude Preise zu gewinnen. Sie haben immer einen guten Geschmack: einfache und gefällige Formen sind ihr ewiges Steckenpferd. Doch nach der Zahl der geschmacklosen Häuser und der dreifarbigen hölzernen Kirchen, die immer noch gebaut werden, möchte man meinen, daß es irgendwo noch Architekten gibt, die nicht unter dem Uebermaß ihres guten Geschmacks zu leiden haben. Herr Troy Wilkins, Architekt, hatte sein Büro im Septimus-Gebäude. wohnte jedoch in einem entlegenen Villenvorort. Er trug einen gestutzten Schnurrbart und intereflierte sich für photogrophijche Apparate, Phonolas, Automobile, Motorräder, Geschwindigkeitsmesser, Pneus, patentierte nitotinsreic Pfeifen, leichte Tabaksorten, Tennis- radeis, Handelskurse, Rasierapparate, Optimismus, Theodor Roofevelt, Taschenlampen, Gummiabsätze und alle.sonst-gen Artikel, für die große Reklame gemacht wurde. Er war kon- servativer Republikaner, und auf seinem Schreibtisch standen drei Photographien in Silberrahnmr. die seiner Frau mit seinen beiden Kindern, die seines Hundes Rover und die seines architektonischen Meisterwerks, des Hauses Peter B. Reardons, des Kupferkönigs von Montana. �(Fortsetzung folgt.) J Das kommt vom Klatsch.de Empfindliche Strafe für unbewiefere Beschuldigungen. Wegen verleumderischer Beleidigung hatte fich die Inhaberin eines Optikgeschäftes, Frau Gerstenberg, vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte zu verantworten. Sie hatte behauptet, daß im Bezirksamt Prenzlauer Berg Schieber fäßen. Insbesondere hatte sie diesen Vorwurf gegen Stadtrat Rosemann und mehrere Beamte gerichtet. Die Angeklagte führte mit dem Wohlfahrtsamt Prenzlauer Berg eine siebenjährige Fehde, denn sie fühlte fich benachteiligt, weil der Bruder ihres im Felde gefallenen ersten Mannes, der auch Optiker ist, die Alleinlieferung für das Wohlfahrtsamt hatte. Vor einiger Zeit hatte die Optikervereinigung und das Landeswohlfahrtsamt die Vereinbarung getroffen, daß bei Lieferungen bis zu 20 Mart alle Optifergeschäfte von den Sozialrentnern in Anspruch genommen werden könnten. Als daraufhin eine Kundin zu ihr fam und ihre Freude aussprach, daß sie nun auch ein Geschäft in der Nähe aussuchen könne, machte die Angeklagte die abfälli gen Aeußerungen. Die Kundin meinte aber, Stadtrat Rosemann sei ihr als anständiger Mann bekannt. Darauf fagte Frau G.: Der ist genau so wie Böß, unterschreibt alles, was ihm vorgelegt wird." Die Kundin war darüber empört und meldete das dein Stadtrat. Um noch eine zweite Zeugin zu haben, veranlaßte fie eine Bekannte, mit einem Auftrag das Geschäft zzu besuchen und folgte dieser dorthin nach. Auf ihre Frage:„ Etwas neues vom Krieg Prenzlauer Berg?", legte die Angeklagte wieder los und wiederholte ihre Behauptungen über die Schieber im Wohlfahrtsamt. Zur Verhandlung war eine große Zahl von Zeugen geladen. Eine frühere Buchhalterin des bevorzugten Geschäftes gab an, daß der Inhaber 3. bei Einkäufen von Beamten des Wohlfahrtsamtes stets gesagt habe:„ Die Abrechnung mit den Herren mache er selbst. Es feien auch Reparaturen gemacht worden, ohne daß bezahlt wurde, einmal sei eine Brille für einen Beamten ohne Rechnung geliefert einmal sei eine Brille für einen Beamten ohne Rechnung geliefert worden. Der Magistratssekretär L. sagte aus, daß er eine Brille ins Büro geliefert bekommen habe, zwar ohne Rechnung, daß er den Betrag aber bezahlt habe. Von Gratislieferungen sei ihm nichts betannt. Der Zeuge verweigerte aber seine Aussage darüber, ob noch andere Firmen außer den von 3. bevorzugt worden seien. Im Urteil stellte das Gericht fest, daß beim Wohlfahrtsamt Prenzlauer Berg anders verfahren worden sei, als bei anderen Wohlfahrtsämtern, und daß der Optifer 3. bevorzugt worden sei. Das Wort, Schie= berei" sei jedoch nicht zutreffend. Der Angeklagten wurde zugute gehalten, daß sie mit Recht die Handhabung bei dem Amt als nicht forrett empfunden habe. Ihre Beschwerden hätte sie aber an geeigneter Stelle vorbringen müssen, und nicht derartige Klatschereien verbreiten dürfen. Wegen der Schwere der Beleidigung verurteilte das Gericht die Angeklagte megen übler Nachrede in zwei Fällen zu 500 M. Geldstrafe oder hilfsweise 10 Tagen Gefängnis. Die neue Mühlendammschleuse. Beginn des Umbaus nächstes Jahr.- Notfahrtrinne für den Schiffsverkehr. „ Königin meines Herzens, wo finde ich dich?..." Heuchelei beim Heiratsgeschäft. Es gibt taum etwas 2uftigeres und Seuleriseres und harmonische Ehe bieben fönnen. Ja, das gilt als unfein, davon zugleich, als den Heiratsmartt, wie er sich in den vielen und großen Organisationen des Gichfindens" und der Freundschaftsanbahnung" manifestiert, und wie man ihn auch im Inseratenteil der Zeitungen findet. Diese segensreichen, aber erst nach Zahlung eines mäßigen oder teuren Beitrages( 1 bis 30 M.), wirklich auf das Lebens- und Eheglück ihrer Mitglieder erpichten Organisationen arbeiten ganz in der Stille mit Tees und Treffabenden, die gewöhnlich in den Räumen der Heiratsvermittler und Agentinnen oder auch in Separaträumen bestimmter Hotels stattfinden. -Solche Veranstaltungen sind für den, den sie nichts angehen, sehr ergöglich; böser find sie schon für den, der mit den sogenannten ernsthaften Absichten hierherkommt, denn Liebe und Eheglück und die Auswahl des Trautliebsten mein sind ein sorgenvolles Problem, um so sorgenvoller, je mehr es diesen auf Freiersfüßen wandeln den, oft schon recht betagten Männlein und Weiblein auf die materielle Fundierung dieses Liebesglückes ankommt auf die Aussteuer, die Mitgift, das bare blanke Geld, das Geschäft oder den Grundbesitz. Es ist, wenn zwei, die sich zunächst einmal unverbindlich gefunden haben, sozusagen guter Ton, der Liebe das Prä zu geben; man macht sich die bekannten schönen Augen und seht sich mit Elan ins rechte Licht, als gelte bei einem so zärtlichen Getue selbstverständlich als unfein, gleich mit der Tür ins Haus zu fallen und die irdischen Güter und Besiztümer an den zehn Fingern aufzuzählen; diese Angelegenheit muß nach dem Ehrenkoder als Sekundäres behandelt werden mag auch immer er sie oder sie ihn nur dann nehmen, wenn genügend Betriebskapital, wenn ein gutgehendes Geschäft, ein einträglicher Landwirtschaftlicher Besitz oder soundso viele Tausende die Garantie für eine glückliche Liebe etwas Marie mit dem Schimmelgespann. Wie Altrentnerinnen um ihr Lettes betrogen wurden. Eine der gemeinsten Schwindlerinnen, die den Behörden schon viel zu schaffen gemacht hat, ist die jetzt 36 Jahre alte aus Berlin gebürtige Marie Ludwig. Sie sucht und findet ihre zahlreichen Opfer unter den hochbetagten Altrentnerinnen, die kaum noch über ein paar Groschen verfügen. Schon in den Jahren 1924/26 trieb die Ludwig ihr Unwesen in ganz Groß- Berlin und wiederholt mußte vor ihr gewarnt werden. Die Einnahmen", die sie mit ihrem Schwindel erzielte, erlaubten ihr, in vornehmen Pensionen zu wohnen und sich eine elegante Mietequipage zu halten. Das gehörte sozusagen zum Ge fchäft. Sie rechnete ganz richtig, daß die alten Leutchen, die sie be= suchte, sich von Pferd und Wagen mehr imponieren lassen würden als von einem Auto. Gut gekleidet und öfter in Begleitung einer Helfershelferin, die die Sekretärin" spielte, fuhr sie mit dem Schimmelgespann bei den Rentnerinnen vor und Die Streichung der für 1930 im Reichsetat vorgesehenen ersten gab sich für eine Wohltäterin aus, die den Betagten beistehen wolle. Rate für den Umbau der Mühlendammschleuse hängt unerschöpflich war die Ludwig im Ersinnen immer neuer Wenmit dem Ersuchen des Magistrats zusammen, die Bauarbeiten vor- dungen: bald hieß es, die Rente für den im Felde gefallenen Sohn läufig um ein Jahr zu verschieben, weil die Stadt Berlin nicht in der Ehemann solle erhöht werden, dann wieder wurde Erhöhung der Lage ist, die anteilige Baufumme von 14 bis 15 Millionen Mart der Altersrente in Aussicht gestellt usw. Den Beschluß des vorin diesem Etatsjahre zur Verfügung zu stellen. Der baldige und nehmen Besuches machte jedesmal entweder ein Diebstahl oder eine durchgreifende Umbau der Mühlendammschleuse wird nach wie vor fleine Anleihe" wegen augenblicklicher Geldverlegenheit. Damals „ kleine Anleihe Dom Reich gefordert, denn der heutige bauliche Zustand des maren nach und nach 200 Anzeigen gegen die Betrügerin einSchleusenwertes, das bei einer täglichen Inanspruchnahme von gegangen, bis sie schließlich gefaßt und mit Rücksicht auf die Ge22 Stunden überlastet ist, fann mit einem Schlage zu einer Ber meinheit ihrer Streiche zu einer Zuchthausstrafe verurteilt tehrstatastrophe führen, weil die Sperrvorrichtungen faum noch betriebsfähig sind. Eine Sperrung des Schleusenverkehrs würde aber für das Berliner Wirtschaftsleben unabsehbare Folgen haben. Für das kommende Jahr ist daher schon aus Sicherheitsgründen mit dem Baubeginn an der Mühlendammschleuse zu rechnen. Die Pläne sind in allen Einzelheiten längst fertig und die ersten Arbeiten sollen dazu dienen, eine Notfahrtrinne für den Schiffsverkehr zu schaffen. Bis zur Inangriffnahme der Projekte wird sich auch die Frage entschieden haben, ob das alte Ephraimsche Patrizierhaus erhalten bleiben kann. Nach den vorliegenden Plänen würde die Kanalführung dieses Anwesen anschneiden; inzwischen find aber bereits zahlreiche Einsprüche gegen eine Gefährdung dieses tulturhistorisch wertvollen Hauses erhoben worden. Autobus mit Straßenbahntarif. Aber nur zwischen Steglih und Mariendorf. Die Linie 97, die jetzt aushilfsweise als Autobus betrieben mird, bis die eigentliche Schmalspurbahnt zwschen Bahnhof Steglig und Mariendorf, als moderne Straßenbahn umgebaut sein wird, war nach der Tariferhöhung unter den Autobustarif gefallen, jo daß das Umsteigen 30 Pf. tostete. Da der Autobus hier mur aushilfsweise eingesetzt ist, hat die BVG. seit Sonntag für diese Linie den Straßenbahntarif eingeführt, um Härten für die Bewohner von Steglitz und Mariendorf zu vermeiden. Es handelt sich hier um einen Sonderfall, bei dem der Autobus nur die Straßenbahn vertritt, so daß andere Linien nicht für diese Vergünstigung in Frage kommen, Waldvernichtung in Potsdam. Das Grundstücksamt der Stadt Potsdam gibt einen Faltprospekt heraus, aus dem der Natur- und Heimatfreund mit Entsezen ersieht, daß einer der schönsten Laubwälder, die in der näheren Umgebung Berlins noch vorhanden sind, nämlich der Hochwald hinter dem Brauhausberg bei Potsdam, der städtisches Besitztum ist, der Vernichtung anheimfallen soll. Ein Stüd ist bereits weg und vollkommen parzelliert. Eine neue Straßenbahn, die an der Stelle vorbeiführt, wo früher das Schüßenhaus stand, geht in einem tiefen Straßeneinschnitt durch den schönen Berglaubwald. Der Quadratmeter kostet 6 bis 20 Mart und die Parzellen haben eine Größe von 830 bis 5000 Quadratmeter, so daß im Mittel eine Barzelle etwa 25 000 Mart tosten dürfte, dazu die Villa, die wohl 40,000 bis 70 000 Mart erfordert. Man ist erstaunt, auch hier wieder einmal feststellen zu können, daß es offenbar immer noch gemug Leute gibt, die sich derartig teuere Grundstüde mit teueren Billen leiften fönnen. 11 Hettar 44 Morgen sind bereits auf diese Weise erschlossen worden, weitere 600 Morgen Hochwald sollen parzelliert und der Allgemeinheit entzogen werden. Bis zu dem idyllischen Forsthaus Templin soll sich diese Gartenstadt der reichen Leute einmal erstrecken und das einzigartige Gelände geht damit dem Volt verloren. Warum wenden die Natur und Heimatschuhleute dieser drohenden schweren Vernichtung feine Aufmerkſaniteit zu? Hier gibt es wirklich was zu tun den Heimat- und Naturschutz! wurde. In der Anstalt rühmte die Ludwig sich anderen Infaffinnen gegenüber, wie einfach und erfolgreich ihr Trid immer gewesen sei, denn die alten Leute hätten nicht gut sehen und sie deshalb schwer beschreiben können. Im Herbst 1929 wurde fie aus der Strafanstalt entlassen und hat, wie neue Anzeigen beweisen, Schon jetzt das frühere Gewerbe sofort wieder aufgenommen. liegen wieder annähernb 40 Fälle vor. Einmal war die Ludwig, die jetzt nicht nur die Stadt, sondern auch die Vororte im näheren und weiteren Kreise heimsucht, in Oranienburg festgenommen worden. Man hatte sie dort versehentlich aber wieder entlassen. Es erscheint angebracht, vor der Betrügerin neuerdings wieder zu warnen. Tscherwonzenprozeß geht weiter? Die Angeklagten legen Revision ein. Mit der Verurteilung der Georgier scheint der Tscherwonzen prozeß noch nicht zu Ende zu sein. Die Verteidigung hat erklärt, Revision einlegen zu wollen. Das letzte Wort über die Anwendung der Amnestie wird also das Reichsgericht zu sprechen haben. Landgerichtsdirektor Krüger gab für ihre Richtanwendung folgende Begründung: Das Straffreiheitsgesetz vom 14. Juni 1926 fände nur Anwendung, wenn es sich um Verbrechen handle, die aus politischen Gründen begangen worden seien. Das Reichsgericht habe sich aber dahin ausgesprochen, daß politische Gründe nicht dann vorliegen, wenn auf eine Umgestaltung der innerpolitischen Verhältnisse Deutschlands hingewirft werden sollte. Die Georgier hätten sich wohl an deutsche Kreise gewandt, auch General Hoffmann für ihre Pläne intereffiert; das Ziel ihrer Bestrebungen sei aber die Befreiung ihres Heimat landes gewesen. Eine Einwirkung auf die innerdeutschen Verhältnisse sei letzten Endes nicht ihre Absicht gewesen. Deshalb fönne auf die georgischen Angeklagten die Amnestie feine Anwendung finden. Sie hätten eben Hilfe gesucht, wo sie sie finden zu fönnen glaubten. Es sei ausdrücklich festzustellen, daß sie sich an amtliche deutsche Stellen nicht gewandt und daß diese Stellen von ihren Absichten nicht das geringste gewußt hätten. Die Fälschungen feien zwar aus politischen Gründen geschehen, jedoch nicht bloß aus politischen; andererseits aber auch nicht bloß aus eigennütigen Motiven. Deshalb seien den Georgiern mildernde Umstände zuzu billigen gewesen. Mit dieser Begründung hat sich das Gericht zweiter Instanz in direkten Widerspruch zur ersten Instanz gejezt. Dort hatte das Gericht anerkannt, daß die Georgier gemeinsam mit ihren rechtsradikalen Freunden in der Bekämpfung des Kommunismus in Deutschland und Schaffung einer nationalen" Regierung eine Vorbedingung zur Niedermerfung des Bolschewismus gesehen hätten und aus diesem Grunde auf die Umgestaltung der innerdeutschen politischen Verhältnisse einzuwirken beabsichtigt hätten; deshalb sei auch auf die Georgier die Amnestie anzuwenden gewesen. Das Reichsgericht wird zu entscheiden haben, welche von beiden Instanzen recht hat. zu sprechen, obwohl doch beide darauf brennen, fich fo hoch und teuer als nur irgend möglich zu verkaufen man muß also heucheln bei diesem Heiratsgeschäft und mit Be griffen wie Liebe, Harmonie und Glüd scheinheilig operieren. Mit offenem Visier kämpft man erst, wenn es sich erweist. daß der andere ein armes Luder, ein unzureichendes Vermögensobjekt ist, daß die als Köder ausgeworfene florierende Fabrit" furz vor der ausgeworfene ,, florierende Pleite steht und die einträgliche Landwirtschaft" eine elend verschuldete Klitsche ist. Hat man das erkannt, dann trennt man sich enttäuscht, geht weiter zu diesen erbaulichen Teeabenden oder inferiert auch mal. Vielleicht so: Großhandelsunternehmen, Fräulein, 38 Jahre, größeres Vermögen, zwei Wohnhäuser- Fabrit, Fräulein, 27 Jahre, Haus- und Grundbesitz Fräulein, Ende 3wanzig, 35 000 m.! Man sieht: es geht hier schon etwas ehrlicher und fachlicher zu, 20 000 oder 40 000 m. werden ausgeboten, das ältliche Fräulein ist nur die unausweichliche Zugabe. Immerhin find solche Inserate wenigstens ehrlich und jenseits von Heuchelei und hinterhältigen Sentiments; schlimme: wird es erst wieder, wenn jemand mit der über zwei Spalten fettgedruckten, herzallerliebsten Frage Rönigin meines Herzens, wo finde ich dich?" nach einem lieben jugendlichen Frauchen zwecks geschäftlicher Einheirat" ausspäht oder ein anderer Sonne für sein Heim" oder eine Gefährtin sucht, die ,, etwas lieb sein tann und ein bissel Herz hat", oder wenn man sich als heitere Froh natur" oder ,, patenten Rerl" anpreist und im gleichen Atemzuge zu erkennen gibt, daß diese Frohnatur eben nur dann wirten, diese Heimsonne nur dann strahlen kann, wenn eine solide Existenz Hotel bevorzugt" dahinter steht aber so find nun einmal diese Lyriker des Heiratsmarites! 150 Todesopfer der Hitzewelle. 100 Personen beim Baden ertrunten. New York, 22. Juli. Die Hitewelle im mittleren Osten der Vereinigten Staaten dauert weiter an und hat bisher mehr als 150 Zodesopfer gefordert. Ueber 100 cr sonen sind beim Baden ums Leben gekommen. Erfreuliches aus dem Brodtener Lager. Lübed, den 22. Juft. Die Dyphtherieertranfungen im Brodtener Kinderlager der roten Falten haben sich, wie vom Gesund. heitsamt mitgeteilt wird, nicht weiter verbreitet Das Befinden der erkrankten Kinder ist befriedigend. Kinderepidemie bedroht Baden. Die fpinale Kinderlähmung, die im Elfaß außer ordentlichen Umfang angenommen hat, ist jest, mie aus eht mitgeteilt wird, auch auf der badischen Seite des Rheins, in Neumühl bei Kehl, aufgetreten, mo drei Fälle festgestellt wurden. Die Kinderschule ist geschlossen worden. Flachsmann als Erzieher" im Nose- Theater. Die alte Komödie von Otto Ernst Flachsmann als Erzieher" erlebte im Rose- Theater ihre Neueinstudierung. Es ist ein glückliche: Griff, den das Rose Theater gerade mit diesem Stück getan hat, das ein noch immer attuelles Schul- und Erziehungsproblem behandelt. Im Osten und Norden Berlins, wo die Elternschaft viel mehr als in anderen Stadtteilen mit der Schule und ihrer neuzeitigen Reformen verwachsen ist und tätigen Anteil an ihrer Entwicklung nimmt, wirft die Otto- Ernstsche Pädagogik, der man einige moderne Anflänge hinzu gedichtet hat, ganz zeitgemäß. So fam es, daß das ausverkaufte Haus mit dem flotten Spiel des vorzüglichen Ensembles voll und ganz mitging und vielfach jogar bei offener Szene Beifall flatschte. Eine vorzügliche, von Robert Müller geführte Regie brachte selbst bei den bescheidenen Mitteln, über die diese Bühne nur verfügt, ein immer gutes Szenenbild zustande; Robert Müller machte aus der Rolle des Schulrats Prell, eine Glanzleistung und spielt den Alten mit all den knorrigen Auswüchsen des Typus eines verschro benen und doch tüchtigen Pädagogen alter Schule. Willi Rose, der den Lehrer Fleming spielt, unterstreicht etwas start, wie auch Franz Stein als Flachsmann viel zum Extrem der Gegenseite neigt. Das übrige Lehrerkollegium, vor allem Maltowify als Dierks und Erich Wilde als Weidenbaum, und die Damen Elisabeth Bechtel und Gertrud Kanig sind beachtenswert. Selmar Randin als Schuldiener Negendant und Käthe Fischer als Frau Biesendahl waren feine Vertreter ihrer fomischen Rollen. Die außerordentlich freudige Anteilnahme des Publikums an der Aufführung war beachtenswert. Dachstuhlbrand in der Lessingstraße. Im Dachstuhl des Borderhauses Lessingstraße 26 brach am Dienstagabend aus noch ungeklärter Ursache Feuer aus, das in kurzer Zeit erhebliche Ausdehnung gewann. Mehrere Züge der Feuerwehr waren mit der Bekämpfung des Feuers und den Aufräumungsarbeiten nahezu vier Stunden lang beschäftigt. Der Brand ist vermutlich durch Fahrlässigkeit entstanden. Herbstjugendweihe der Sozialisten, Freidenfer und Gewerkfchaften. Alle Anmeldestellen werden hierdurch gebeten( soweit noch. nicht geschehen), die im Besiz befindlichen Jugend weiheanmeldungen umgehend dem Jugendweihe sekretariat, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Treppen, zuzustellen, da mit der Einteilung der Lebensfundeturse begonnen werden muß. Der Rat der Stadt Birmingham besucht die Reichshauptstadt. Mitte August trifft der Lord- Mayor von Birmingham mit perschiedenen Mitgliedern des Rates der Stadt Birmingham zu einem Besuche Berlins ein. Der Lord- Mayor hat die Absicht, eine Reihe von Einrichtungen der Stadt Berlin, vor allem aber die Wohnungsneubauten, besonders die Arbeitersiedlungen, kennenzulernen. Der Meinete'sche Männer- Chor Berlin 1900 fingt Boltslieder am Freitag, dem 25. Juli, 20 Uhr, im Boltspark Rehberge auf der Freilicht- Tanzbühne hinter dem Stadion. Zur natürlichen Bräunung der Haut fette man vor und nach der Besonnung die Haut, insbesondere Gesicht und Hände mit Creme Leodor gründlich ein; man erzielt dann ohne schmerzhafte Rötung eine gesunde, fonnengebräunte Hautfärbung. Creme Leodor, Tube 60 Pf. und 1 Mart, Leodor- Edel- Seife 50 Pf. In allen Chlorodont- Verlaufsstellen zu haben. Die Lüge entlarvt sich selbst." Fast 2,5 Millionen Blinde auf der Welt. Nazi- Propaganda für politische Analphabeten. Die Nationalsozialisten haben ihre besondere Art, für ihre BerJaminilungen Propaganda zu machen. Sie bringen eine Nummer des„ Angriff" zur Verteilung und drucken darauf in roter Schrift, daß ihre nächste Versammlung da oder dort stattfindet. Dabei fönnen die wunderlichsten Sachen passieren. So wurde in einigen Teilen Berlins zwei Tage nach der Reichstagsauflösung folgendes verbreitet: Die Demokratie ist ein Ende... Der Artikel 1 der Steuervorlage mit dem mahnmizigen Notopfer" angenommen gegen Nationalsozialisten, Deutschnationale und Kommunisten durch die Stimmenthaltung der Sozialdemokraten! Die Sozialdemokratie als Refferin der reaffionären, hochtapitalistischen Regierung Brüning! Die unsozialfte, die kleinen Beamten und Angestellten am schwersten belastende Steuer wird durch die Stimmenthaltung der Sozialdemokratie zur Annahme gebracht! Und warum das alles? Aus erbärmlicher, zähneflappernder Angst vor der Abrechnung des wachgewordenen Wolfes. Furcht des schlechten Gewissens vor den Neuwahlen! Die Masse, die Mehrheit, die allgemeinen Wahlen, dieser Göße der Demokratie, wird von ihr selbst jetzt verbrannt, weil er sich gegen sie wendet. Die Sozialdemokratie verbündet sich, ihr wahres Gesicht zeigend, mit der großkapitalistischen Young- Regierung gegen das Bolf, um Neuwahlen zu verhindern. Aber das System fann sich damit nicht mehr retten. Die Lüge entlarvt sich selbst. Die Nummer des ,, Angriff" vom 17. Juli, in der dieser Un= sinn stand, wurde noch am 20. und 21. Juli in die Hausbrieffästen geworfen. Jeder, der die politischen Ereignisse auch nur oberflächlich verfolgt hat, muß bemerken, daß alles, was da behauptet wird, seitdem durch die Tatsachen widerlegt worden ist. Was am 17. Juli noch als wilde Phantasie geschrieben wurde, wird drei, nier Tage später als bewußte Verleumdung meiterverbreitet. Bugleich zeigte sich, daß die Nationalsozialisten nur auf die poli= tischen Analphabeten, die völlig Ahnungslosen, spefu lieren. Jeder andere sieht doch sofort, wo die Lüge ist, die sich selbst entlarvt", Zum Neuaufbau der Stadtbücherei. Profeffor Frig 30 Jahre im Dienste der Stadt. Der Direktor der Berliner Stadtbibliothet, Prof. Dr. G. Friz, fonnte am 16. Juli 1930 auf eine 30jährige Tätigkeit im Dienste der Stadt zurücbliden. 1873 geboren, wurde er 1899 mit der Einrichtung der ersten Bücherhalle in Hamburg nach dem Organisationsplane von Dr. Nörrenberg betraut und führte hier zum ersten Male an einer großen Bibliothek das Buchfarteninstem durch, das noch heute die Grundlage der Büchereitechnik bildet. 1900 wurde er zum Leiter der Stadtbücherei in Charlottenburg berufen, wo er von 1904 ab eine Reihe von 3meigstellen in organischer Verbindung mit der Hauptbücherei errichtete und damit in Deutschland das erste Beispiel eines organisch burchgebildeten, zentralisierten Büchereisystems einer Gemeinde gab. Im Dezember 1923 murde er als Direktor an die Berliner Stadtbibliothet berufen. Seine erste Aufgabe war hier die Aufstellung eines umfassenden Organisationsplanes für den Neuaufbau des durch Krieg und Inflation zerrütteten städtischen Büchereimefens in dem neu erstandenen Groß- Berlin. Die Ausführung gedieh bis zur Schaffung einiger Musterbüchereien, während die weitere Durchführung dann von den einzelnen Bezirken übernommen wurde. Auch für die Stadtbibliothet wurde eine gründliche Umgestaltung im Sinne einer großen öffentlichen wissenschaftlichen Bibliothek als Oberbau des gesamten städtischen Büchereiwesens eingeleitet, durch einen Leihverkehr mit den Bezirksbüchereien verbunden. Kaldaunen und Beinfleisch. Berliner Fleischsorgen vor 150 Jahren. Die Zunft der Schlächter, die vor 150 Jahren auch rund 150 Meister umfaßte und im„ Dasentopf" residierte, war mit der Berproviantierung Berlins mit Fleisch betraut. Ueber die Stimmen aus dem Publikum zu der Fleischversorgung berichten Zeitgenossen ernste und heitere Dinge, die zugleich dieje Die Wenn es auch durch die Fortschritte der Hygiene und der Augenyeilkunde gelungen ist, die Zahl der Blinden erheblich zu vermindern, so leben, wie Prof. Cords in der Münchener medizinischen Wochenschrift mitteilt, etwa 2 390 000 Blinde auf unserem Erdball. 100 000 Einwohner, wird indes in einzelnen Ländern weit übersomit entfallende Durchschnittsziffer von 136,3 Blinde auf je troffen. Diese traurige Statistit wird angeführt von Aegypten, wo 3ypern mit 730, China mit 500, das europäische Rußland mit 200 und Indien mit 142 Blinde auf je 100 000 Einwohner. Unter den zipilisierten Nationen liegt die effektive Ziffer weit unter der Durch schnitts3iffer. So hat England nur 73, Frankreich 71, die Bereinigten Staaten 62, Deutschland 61, Holland 46, Ranada 45 und Belgien 44 Blinde auf je 100 000 Einwohner. Interessant ist die Feststellung, daß die früher so häufigen Erblindungen durch Pocken in den Ländern mit Impfzwang völlig fehlen. Aber im Kampf gegen die Blindheit stehen auch weitere große Fortschritte bevor: so lassen sich die Erblindungen infolge Augengonorrhoe und Grünem Star fast ganz vermeiden, die durch Unfälle weitgehend einschränken. 1325 Blinde auf je 100 000 Einwohner kommen. Es folgen dann Für China- Tagung in Dresden. Bom 19. bis 21. Ceptember d. 3. veranstaltet der Deutsch- Chinesische Kreis in Dresden eine China- Tagung, beren Ehrenvorsiz der chinesische Gesandte in Berlin übernommen hat. die Referate find hervorragende deutsche und chinesische Wissenschaftler und Renner Ostasiens gewonnen worden. Allgemeine Wetterlage. 65 760 22.Juli 1930 abds. 7705 7702 765 8 .m TIO 14 1550 19 755 2057 19 765 765 Modna Warsc 18 14-15 14 207( 20 755 0 O. 20 0 On 18 19 17 13 Owolkenlos, heirer. halb bedeckt wolkig. bedeckt Regen AGraupeln 100 Schnee, Nebel, Gewittec Windstille Die Meine Depression, die am Montag über der füdlichen Nordsee lag, hat sich zunächst etwas nach Nordosten gezogen, hat sich aber am Dienstag wieder nach Südwesten gewandt und lag am Dienstagabend auf derselben Stelle wie 24 Stunden vorher. Die ungewöhn liche Bewegung des Tiefs wurde dadurch veranlaßt, daß augenblicklich in Skandinavien wesentlich höhere Temperaturen als in West und vielfach in Mitteleuropa herrschen. Die eigentümliche Ber lagerung des Tiefs hat zur Folge, daß sich über Mitteleuropa jetzt relatin hoher Luftdruck einstellt. Abgesehen von den nordwestlichen Teilen des Reiches dürfte das Wetter infolgedeffen einen etwas beständigeren Charakter annehmen. * Wetterausfichler für Berlin: Teils heiter, teils moltig, märmer, südwestliche Winde. Für Deutschland: In der nordwestlichen Hälfte trübe, fühl und regnerisch, sonst heiter oder wolkig, im wesentlichen trocken, wärmer. Seite der Berliner Stadtgeschichte beleuchten. Da gab es neben Vorträge, Vereine und Versammlungen. dem mitgemogenen Daumen" auch„ majorennes" Kuhfleisch, zähe und lebrige Ware und, trotz der mit Natureis gefüllten Eiskeller soll es mitunter auch laute Klagen gegeben haben wegen stintigem" Fleisch. Dies dürfte wohl darin begründet sein, daß damals Berlins Köchinnen und Hausfrauen einen ziemlich großen Fleischverstand hatten, nur die besten Bissen verlangten und sich eben nichts anderes andrehen" ließen. So brauchten die Metzger zum Kauf von Fehlripptens", Schwanzstück, Oberschale und Nierenstücken nicht zuzuraten, denn das verlangten die Käuferinnen schon von. Hause aus. Um aber auch, die weniger saftigen Lagen ,, an die Frau zu bringen", fiel der Berliner Humor auf nachy folgende Fleischreklame: Wer einen schwachen Magen hat, effe wöchentlich dreimal Kaldaunen. Den kraftlosen Jünglingen jei täglich Beinfleisch serviert, weil die mehrste Kraft darin steckt, denn vier solcher fleenen Beenetens tragen einen solch schweren Körper, wie der Ochse ihn repräsentiert. Den untapablen Männern sei Halsfleisch empfohlen, da dies die Schlächter sehr gern absetzen. Den Berzagten und Feigen aber wurden Ochsenherzen ans Herz gelegt, während den Männern, soe sie böse Weiber haben". Ochsenschwänze und Peseric empfohlen wurden. Selbst Ochsenbadenbrühe hatte nun auf einmal einen ganz besonderen Beigeschmad, da sie den Berliner vom Zahnweh befreien soll. Damals wurde das Fleisch zum großen Teil durch die Scharren, die freistehenden Holzbuden, feilgeboten, die der Berliner Humor vor 100 Jahren mit in seinen engeren Bereich 30g. Eine wohlgenährte Schlächtersfrau sitzt mit stämmigen Armen hinter ihrer Scharre und antwortet einer Berlinerin, die Fleisch ohne Knochen verlangt:„ Wenn erst mal de Ochsen uf Bratwürschte loofen werden, dann kriejen je och teene Stnochen zugewogen, Madamten." Der Zentralviehhof und die Bestimmungen über den Fleischverkauf haben in Berlin aufgeräumt mit den Dingen, die einstmals zu Klagen Anlaß gaben. Berhaffung eines flüchtigen Stadtbankdirektors. Der frühere Stadtbankdirektor Berger aus Halle a. d. S. ist auf Grund des er laffenen Strecbriefes in Glogau festgenommen worden. Er mird nach Breslau übergeführt, wo er seine Strafe verbüßen soll. Berger murde seinerzeit als Hauptangeklagter im sogenannten Halleschen Stadtbantprozeß, bei dem es sich um Beruntreuungen von etwa 7 Millionen Mart handelte, zu zwei Jahren Gefängnis perurteilt. Er war feit Ende Januar diefes Jahres flüchtig. | Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianftr. 37-38, Sof 2. St. Neukölln- Brig. Heute abend Versammlung des Jungbanners im Ideal Kasino, Weichselstr. 8. Freitag, 25. Juli. Prenzlauer Berg ( Ortsverein). Bei Borg, Prenzlauer Allee, engere Vorstandsfizung. Mufit, Jugend und Sport muß vertreten fein. Wilmersdorf( Jungbanner). 20 Uhr im Lokal von D. Straß, Detmolder Str. 52. Tempelhof( Jungbanner). Swinemündefahrer, legte Information 20 Uhr bei Pommerening, Berliner Str. 100. Reinidendorf( Ortsverein). Freitag, 25. Juli, 20 Uhr, Ortsvereinsvor standssigung bei Rochhaus. Bereinigung chem. Kriegsgefangener, Berlin- Süden. Donnerstag, 24. Juli, 20% Uhr, bei Krüger, Grimmftr. 1. Funkwinkel.z 3wei große Konzerte müssen erwähnt werden. Am Montagabend wird eine Veranstaltung des Wiener Sinfonie orchesters unter Professor Robert Heger vom Wiener Sender auf Berlin übertragen. Brachtvoll ausgeglichener Klang des Orchesters, besonders der Streicher. Problematisch dagegen die Zusammenstellung des Programms, das mit Hegers erster Sinfonie schließt, beren schwerblütige Länge den Hörer allmählig ermüdet. Anders am Dienstagnachmittag dagegen das Beethoven Konzert aus Leipzig. Die 5. Sinfonie und die Egmont Ouvertüre mie auch die Arie der Leonore gehören zu den befonntesten und beliebtesten Kompofitionen. Aber das Orchester entwickelt nicht die nötige Klangfülle. Der Ton ist stellenweise rauh. Vielleicht liegt das auch an der Weber tragung. Das Sendespiel Der Marich zum Salzmeer" von Baspare Tagore, dem Neffen des indischen Dichters, erlebt unter Brauns Regie feine Uraufführung. Es handelt sich um Gandhis Freiheitstampf, der mit Vorgängen aus Indiens Geschichte verknüpft wird. Ein Bild von den sozialen Mißständen und eine Stizze bes politischen, wirtschaftlichen und geistigen Lebens ersteht. Es wird der Berjuch gemacht, das indische Problem von vielen Seiten zu be feuchten. Und nun tommt zum Resultat, daß das Großunternehmertum, gleichgültig, ob er indisch oder englisch, den größten Teil der Schuld trägt und daß von der Großindustrie ein beispiellejes Ausbeutesystem betrieben wird. Das Hörspiel hat leine Handlung im eigentlichen Sinne des Wortes, es ist eher eine Aneinanderreibung non Dialogen, die das Wesentliche geben und die ein Ereignis aus verschiedenen Berspettiven behandeln. Der Weg, der hier beschritten wird, aktuelle Themen für Hörspiele zu bearbeiten, ist gut. Alfred Braun ermeist sich von neuem als hochbegabter Regisseur. E. Sch. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin G 68, Bindenstraße 3. für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten. 3. Kreis Bedding. Freitag, 25. Juli, mm 19% Uhr, in ben Bharus sälen, Müllerstr. 142, Streismitgieberversammung. Vortrag: Die Goaialdemokratie im Rampf gegen die Diktatur". Referent: Frang E Künstler. Alle Genossinnen und Genossen müssen bestimmt erscheinen. E Heute, Mittwoch, 23. Juli: 42. Wbt. Die Abteilungsversammlung fält heute aus. 67. Abt. Grunewald. 20 Uhr bei Wurzbacher, Bahnhofsrestaurant, Borstandssung mit den Bezirksführern. Morgen, Donnerstag, 24. Juli: 14. 6. 19% Uhr bei Laurigen, Butbuffer Str. 11, Funktionärsikung. 26. Abt. 19 Uhr bei Beinlich, Weißenburger Etr. 1, Funktionärsigung. Unt 20% Uhr Vorstandssigung ebendort. 88. Abt. Lichtenrade. 20 Uhr Gigung des Vorstandes mit fämtlichen Funktionären bei Delam, Bahnhofstraße. Freitag, 25. Juli: 83. Abt. Zichterfelbe. Alle Bairksführer und sonstigen tätigen Genolsinnen und Genossen treffen sich beim Genossen Friß Quandt, Moltkestraße Ede Sindenburgdamm, zur erweiterten Abteilungsvorstandssigung um 20 Uhr. Erscheinen ist Pflicht: Wichtige Tagesordnung. Frauenveranstaltungen. 39. Abt. Freitag, 25. Juli, Dampferfahrt nach den Glindower Alpen. Abfahrt 9 Uhr Reederei Klempin u. Geel, Moltkebride, Moabit, Lehrter Bahnhof. Treffpunkt 84 Uhr am Dampfer. Sin- und Rückfahrt 1 M. Alle Genossinnen und Genossen sind freundlichst eingeladen. 98. Abt. Neukölln. Der Frauenabend fält in diesem Monat aus. Die Genoffinnen werden eingeladen, am Konfumtaffectochen am Donnerstag, dem 24. Juli, int Alten Eierhäuschen" in Treptow teilzunehmen. Die Ruchenkarten gibt es in der 208. Berkaufsstelle, und müssen unbedingt vorher besorgt werden. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 13. Areis Tempelhof, Marienborf, Rarienfelbe, Lichtenrade. Freitag, 25. Juli, 20 Uhr, in der Dorfstr. 42, Zimmer 1, widjtige Sigung der Ar beiterwohlfahrt. Erscheinen ist Pflicht. Die Tagesordnung wird in der Gihung bekanntgegeben. Wir bitten um rege Beteiligung der eingeladenen Gäste. Interessierte find herzlich millkommen. Arbeiterwohlfahrt Ertner. Die diesjährigen Ferienspiele mit Rinderfpeifung der Arbeiterwohlfahrt, Ortsgruppe Ertner, find vom 28. Juli bis An= auf weiteres in Jugendheim der Siedlung Eigenheim", am Rund. meldungen sind zu richten an Luise Fitfd), Katholistr. 35, Karl Ziegler, Geeftraße, Max Mosnie, Königstr. 5, Margarete Schyrener, Semnonenring 83, Albert Liesact, Drosselstieg 15. Anmeldeschluß ist der 25. Juli. Spätere Anmeldungen können nicht berücksichtigt werden. Jungjozialistische Vereinigung. Die Gruppenprogramme für Auguft und September sinh sofort bis zum 24. Juli an bic Abreffe des Genossen R. Zingelmann, Berlin- Schöneberg, Frig- Reuter- Str. 3, einzusenden. Gruppe Neukölln. Heute, Mittwoch, 23. Juli, 20 Uhr, Jugendheim Treptomer Str. 95-96, Distuffionsabend. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation O 15. t. Am 20. Juli verstarb nach langem schweren Leiden im fast voll. endeten 70. Lebensjahre unser ältestes Parteimitglied der Maurer Hermann Brunkow. Genosse Bruntow hat schon lange während des Sozialistengeseges file bie Riele der Sozialdemokratie in vorbildlicher Weise gewirkt. Ein chrendes Gedenken ist ihm gesichert. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dent 24. Juft, 11% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße, statt. Wir bitten unt rege Beteiligung. Die Abteilungsleitung. 115. Abt. Ligtenberg. Am Sonntag, dem 20. Juli, verstarb unser merter Genosse Mar Reimann, Scharnweberstr. 52. Ehre feinem Andenten. Beerdi gung Donnerstag, 15 Uhr, Sentralfriedhof Friedrichsfelbe. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß Berlin Cinfendungen für diese Rubri? nur an das Jugendfekretariat Berlin SW 68. Einbenstraße 3 ,, Baldur"-Fahrt nach Kehin a. d. H. Sonnabend, 26. Juli, und Gonntag, 27. Juli. Teilnehmergebühr 3 9. ein fchließlich 2 mal Raffee, Rafao ober Tee, Mittageffen, Webernachtung und Dampferfahrt. Abfahrt Connabend, 19 Uhr, Svandau, Lindenufer. Teilnehmerfarten find noch im Jugendsekretariat erhältlich. Streichorchefter Groß- Berlin: Heute, 19 Uhr, Ucben im Jugendheim Seca Ede Turiner Straße. Heute, Mittwoch, 23. Juli, 1912 Uhr: Gesundbrunnen II: Seim Christianiaftr. 38. Bie ftcht's um Ban- Europa?" Petersburger Biertel: Seim Ebertnstr. 12. Freiförperkultur der Arbeiterjugend." Luifeaftabt: Seim Wassertorstr. 9. Glaßbrenner- Abend. Reichen berger Viertel: Heim Briger Str. 27-30. Die sozialistische Familie." Lindenhof: Jugendheim der Eiedlung. Jugend Alkohol Nikotin." Charlottenburg- Nord( Aeftere): Heim Olbersstraße. Die faschistische Gefahr." Bankwig: Gemeindeschule Schulstraße. Bericht vom standinavischen Jugendtag." Tempelhof: Seim Gößstraße. Lichtbilder: Die Kirche in der Kari fatur." Fallenberg: Seim der Gartenstadt. Seiterer Abend. Friedrichs. felbe: Seim Gunterstr. 44. Burfche und Mädel in der Grg." Karlshorst: Heim Trestowallee 44, 10- Minuten- Referote. Lichtenberg- Mitte: Scim Scharnweberstr. 29. Jad London." 2ichtenberg- Rord: Seim Gunterstr. 44. Die SAJ. nach der Reichskonferenz." Lichtenberg- Nordwest: Wir gehen nach Treptow. Treffpunkt 18 Uhr Role Ede". " -W Werbebegir! Prenzlauer Berg( Tambourkapelle): Spielen fämtlicher Spieler Turnhalle Geldhower Str. 8, 20 Uhr. Werbebezirt Schöreberg: Heute treffen die Brünner Foten Falten un 17% Uhr auf dem Stettiner Bahnhof ein. Begrüßung 18% Uhr auf dem Kaiser- Wilhelm- plag. Werbebezirk Westen: Die Beerdigung des Genossen Lothar. Dau findet morgen, Tonnerstag, 15 Uhr, auf dem Friedhof in Stahnsdorf ſtatt. Bir treffen uns 13% Uhr Bahnhof Charlottenburg. Die Genossen werden gebeten, nach Möglichkeit dem Genossen das letzle Geleit zu geben. Werbebezirk Neukölln: Beginn des Rurfus Erste Silfe bei Unglüidsfällen" für Wanderleiter und Intercffierte im großen Eaal des Seints Kanner Straße. Ueben des Sprechchors Eportplay Connenallee. Vorher Spiel und Sport., Rege Beteiligung wird erwartet. Werbebezirk Webbing: Achtung, Abteilungsleiter! Die JSB. unternimmt am 2. Auguft per Lastauto eine Propagandafahrt nach Wittenberg. Fahr. preis 3 M. Uebernachtung in Trebbin. In Trebbin und Wittenberg Berbe. veranstaltungen, Rege Beteiligung der Gruppen ist erwünscht. Gebt diese Beranstaltung bekannt, meldet die Teilnehmerzahl spätestens 26. Juli dem Genossen Bröer, N. 65, Schulstr. 58. Sport. Rennen zu Karlshorst am Dienflag, dem 22. Juli. 1. Rennen. 1. Zornado( Florian). 2. Narr. 3. Undine. Toto: 18:10. Blaz: 11, 11, 18:10. Ferner licjen: Sterntunde, Niederwald, Narrengold, Graphit, Rabel. 2. Stennen. 1. Isabell( Hauser). 2. Herbitzeitlofe. 3. Flaggengruß. Toto: 26: 10. Blag: 11, 12, 11:10. Ferner liefen: Mia, Tell, Florett, Sauptmann's Schwefter, Hella. 3. Rennen. 1. Minnelled( v. Holthey). 2. Automedon. Toto: 34: 10. Blas: 20, 29:10. Ferner liefen: Bigor, Favoritin, Bimont, Nichtlinie. 4. Rennen. 1. Anton( Wolff). 2. Touble Dutch. 3. Finnland. Zoto: 69:10. Blaz: 28. 21, 36: 10. Ferner liefen: Wendelin, Felig esto, Assuan, Fürstenbrauch, Groemendal, Raphael, Formosus. 5. Rennen. Toto: 14:10. 6. Stennet. 1. Ararat( Simpl). 2. Blanco. 3. Binius. Toto: 37:10. Blat: 14, 11, 15:10. Ferner liesen: Indiga, Pflichttreue, Wehr Dich, Cothr, Sarenfind. 1. Siesta( C. Rupprecht). 2. Cheri. 3. Emigrant. 35:10. Blab: 14, 12, 22: 10. Ferner liefen: Böderschuß, Rohr, Mustetter, 7. Rennen. 1. Selm( Grabich). 2. Sturluson. 3. Fatime Toto: Epbeu II, Castor, Princes Mascha, Biniole, Francesco. soft immer ber uns gefotoffen it? Ser potency, un bren es Ihnen( don aufgefallen, auf Borträts unferre Borfahren hes Porträtmalers, fast gang übernommen hat. zeigt dagegen feine Borträts gerne mit lachendem Munde. Tas Lachen, welches die Zähne, freilegt, mag wohl nicht zur Berschönerung der Gefichtet beigetragen haben in einer Seit, ha Sahnpflege fo gut wie unbekannt war und eine lüdenlofe Reihe gefunder Zähne zu ben Seltenheiten gehörte. Seute, im Reitalter des Obol, haben die Gefichter sicherlich durch ihre gefunden Bühne an Reis gewonnen. Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater geschlossen! AbonnementsVolksbühne Theater am Bülowplatz. 81 Uhr Der fröhliche Weinberg Lustsp. in 3 Akten von Karl Zuckmayer Regie: H. D. Kenter. Anmeldungen Deutsches Theater für die Spielzeit 1930-31 ( Beginn am 1. September) werden auch während der Theaterferien entgegengenommen: a) für die Staatsoper und das Staatl. Schauspielhaus vom Abonnementsbüro, Berlin W56, Oberwallstr. 22. 02 Weidendamm 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg: Max Reinhardi Musik: Friedrich Hollaender. Bühnenbilder Ernst Schäfte. Fernspr. Die Komödie Merkur 9024, b) für das Staatl. Schillertheater vom Abonnementsbüro, Berlin- Chartottenburg, Grolmanstraße 70. Fernspr. Steinpl. 6715. Winter Garten* Rauchen erlaubt 8.15 Uhr Cortinis Dollarsegen usw. Berliner Prater Lessing- Theater Sommergartentheater Weidendamm 2797 u. 0846 Kastanienallee 7-9 4 Uhr Täglich 8 Uhr Grosses Gartenkonzert Der Faun von Edw. Knoblauch. Paul Henckels, Hahn, Flamme. Reval, Grodfczinsky, Franken. Fiedler, Plessow, Lion Theater d. Westens Täglich 8 Uhr: Montag zum 300. Male: Das Land des Lächelns Franz Lehars Sensationserfolg! RenaissanceTheater 9 Uhr Steinplatz 6780. Heute und allabendlich Die Wunder- Bar Revuesfück 6 Uhr Eine entzückende Burleske sowie der auserwählte Varieté- Teil. 8.15 Uhr Gustl Beez, Greti Lilien, Alex Haber, Erwin Hartung in Das Drelmäderihaus Singspiel in 3 Akten Musik nach Franz Schubert. Heute Kindertag! Eintrittspreis von 50 Pig. an. Theat. am Kottb.Tor Kottbusser Str. 6 Tägl. 84 Wiederauftreten der EliteSänger mit Schorsch Ruselli. Grosses Momische Oper Lechschlager- Programm 8 Uhr Paul Heidemann in: Die Frau ohne Kuss Kollo- Operette mit Grit Haid. Die Sehenswürdigkeit Berlins Eine Großmacht europäischer Hotels HOTEL EXCELSIOR Zimmer v.7 Mk.an GEWERKSCHAFTLIGT 11 Bismck.2414/ 7516 812 Uhr Wie werde ich reich und glücklich? Ein Kursys in 11 Abteilungen von Felix Joachimson. Musik von Mischa Spoliansky. Regie: Erich Engel Bühnenbilder: Ludwig Rainer GEN Sil spilt und bleicht Sil ganz unerreicht! Wäsche, die längere Zeit gelegen hat oder falsch behandelt wurde, nimmt leicht einen grauen oder gelblichen Ton an. Weichen Sie solche Wäsche zunächst in Henko, Henkel's Bleichsoda ein. Darauf legen Sie die Stücke in die kalt bereitete Sillauge und kochen einmal eine Viertelstunde. Der Erfolg überrascht: herrlich schneeweiß und köstlich duftend geht das Waschgut aus dieser Behandlung hervor. zum Bleichen ohnegleichen!! 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Beilage des Vorwärts Banken/ Krise/ Sparkassen. Krisenverschärfende Zinspolitik der Banken- Bankenpolitik, die sich rächt. In den letzten 14 Tagen gab es in deutschen Bankwesen einen| Wettlauf in der finanztapitalistischen Industriebeherrschung großen Krach. Reine Riesenpleite( noch nicht!), aber eine ganz( eigentlich ein Wettlauf um die Kundschaft) die Boraausjegungen eines außerordentlich scharfe Auseinandersetzung zwischen Privat guten Bantgeschäftes ruiniert: als industrielle Groß banken und öffentlichen Sparkassen. Dieser Krach aktionäre stießen die Banten mit ihrer Dividendenpolitit war sehr lehrreich; er nahm nämlich die letzten Hüllen von der das Aktionär publikum vor den Kopf. Sie mußten auf negativen und legten Endes wirtschaftsfeindlichen Politik, die das der Börse ihre eigenen Aftien stützen; die folgende Aktionärsdeutsche private Kapital mit immer tatastrophaleren Folgen betreibt. vertrauenstrije ruinierte das Emissions- und Börsengeschäft der Bei diesem Krach ging es um die 3inspolitit. Die Reichs- Banken. Die industrielle Hausmachtpflege der Banken verbank hatte gerade ihren Diskontsatz wieder einmal verbilligt, und langte 3mangskredite und Zinsrabatte bei gleichzeitig wachsenden zwar von 4% auf 4 Bro3. Geht in einer Wirtschaftskrise der Reichs Verlustgefahren in den na hestehenden Unternehmungen, bankdiskont zurück, so heißt das, jeder frebitmürdige Privatunter: während die Kleinkredite überhaupt vernachlässigt und die nicht nehmer fann entsprechend verbilligtes Geld für seine Produktion| ,, nahestehenden Kunden vielfach übers Ohr gehauen wurden. bekommen, womit eine Wirtschaftstrise, auch im übrigen billigere Kasten vorausgesetzt, wieder in eine gute Konjunktur umschlagen förarte. 2er in Rheinland- Westfalen haben damals die privaten Banten, obwohl sie selbst nach der neuen Diskontsentung im ½ Broz. von der Reichsbant entsprechend billigeren Kredit haben konnten, ihre eigenen insforderungen diesmal nicht herabgesetzt, so daß die Wirt schaft entsprechend geschädigt wurde und tatsächlich auch die Gefahr einer Krisenperschärfung eintrat. Die Privatbanken gaben diese Schädigung auch zu, erflärten aber, daran sind die rheinisch- westfälischen Spartassen schuld: die Banken hätten die Sollzinsen( für Kredite) gern entsprechend der Diskontsentung verbilligt, die Sparkassen hätten aber die habenzinsen( für Einlagen) nicht herabgesetzt; menn die Banken ihre Einleger auch so gut behandeln würden, kämen die Banken mit der Differenz zwischen Einlagen zinsen und Kreditzinjen zur Erwirtschaftung der Kosten immd der Dividende nicht mehr aus; darum könnten trotz der Disfontcrmäßigung die Wirtschaftsfredite so lange nicht entsprechend verbilligt werden, als die Sparkassen ihren Einlegern weiter so hobe Zinsen vergüten. Dabei hatten aber die Sparkassen selbst ihre Anleihezinsen( für Spotheken und offene Kredite) herabgesezt, ihre eigene Zinsspanne also verkleinert! Es wurde also, mitten in der schwersten Wirtschaftskrise, von den privaten Banken der folle Vorwurf erhoben, die Spartassen find zu billig und müßten teurer sein; denn sonst merden die Brivatbanken ruiniert. Die Sparfaffen antworteten darauf mit Recht, für fie fäme es auf den volks wirtschaftlichen Dienst( hohe Einlagen und niedrige Kreditzinfen) an, nicht auf das privatwirtschaftliche Verdienen( umgefehrte Bins ordnung mit hoher Zinsspanne); im übrigen sei für die Einlagenzinsen nicht der Reichsbantdistont, sondern der Pfandbrief ains maßgebend, weil die Sparer bei zu niedrigen Einlagezinsen einfach mir noch Pfandbriefe laufen und die Sparkassen bofoitieren. Als das Geld in Deutschland teuer gewesen sei, die Banten teilweise mehr vergüteten als die Sparkassen, der Pfandbrief aber auch mur 8 Proz und Hypotheten nicht viel mehr als heute hrachten, sei es den Banken nicht eingefallen, sich über die Sparlaffenzinsen zu beklagen. Dieser Streit schlug Wellen durch ganz Deutschland. In Berlin nermittelte( hinter den Kulissen natürlich) die Reichsban? zwischen Privatbanten und Sparkassenzentralen. Der Reichsmirtschaftsminister und der preußische Wohlfahrts minister setzten sich mit aller Macht für die Einführung des fiebenprozentigen Pfandbriefs ein( der den Sparfaffen mit den Einlagezinjen ja zurüdzugeben erlaubte!). Schließlich gaben die Spar faffen im großen und ganzen mit der Einführung der siebenprozen tigen Pfandbriefe nach und setzten ihre Einlagenzinsen herab. In Mitteldeutschland fam es sogar zu einer direkten Vereinbarung owischen Banten und Sparteffen Die bürgerliche Handelspresse deckte den Mantel der Liebe über diese Gegensätze und erklärte, daß eigentlich beide recht hätten, daß eine Berständigung( auf messen Roften?) notwendig sei und daß der Streit eigentlich nur wegen der widerspruchsvollen Entwicklung des Geldmarktes nach der die Banten und der des Kapitalmarkts nach der die Sparkassen Kredite gewähren entstanden sei. So die Frankfurter Zeitung", die an den wirklichen Hintergründen des Streits in der Tat völlig vorbeisah. Herr A. Lansburgh ftellte in seiner ,, Bant" die Bedingung auf, daß als Spargeld nur gelten solle, was durch öffentliche Garantie gedeckt ist( was für Banken das Ende des Sparergeschäfts, für Sparkassen Spezialunternehmungen für die Banfabteilung zur Folge haben soll), und außerdem soll den Spartassen, wenn sie sich den 3ins fäßen der Banten nicht anpassen wollen( also 3inskartell unter Beseitigung jedes Wettbewerbs) als Zwangsmittel und Daumen schraube die Höchstsumme der Spareinlagen begrenzt werden. So denkt sich Herr Lansburgh einen Frieden zwischen Banten und Sparkassen. Wir sind der Meinung, daß eine solche Art Frieden einen großen Standal mit einem noch größeren Stendal zudecken un begraben heißen würde. Dieser Umstand verlangt, daß mit aller Offenheit einige Dinge ausgesprochen werden, über die zu sprechen der von den privaten Banken gewünschte gute Ton der bürgerlichen Deffentlichkeit verbietet. Zunächst das 3iel eines solchen Friedens: die Konkurrenz der Sparkassen um die in Deutschland heute noch sichtbar fließenden Rapitalquellen soll erschlagen, die Spartaisen sollen in ein 3inskartell der Privatbanken eingespannt und die ungeheuren Fehler der privaten Bankpolitik, die die Banfenrentabilität bedrohen, sollen in ihrer schädlichen Wirkung neutra lisiert werden und alles auf Kosten der Gesamtwirtschats! Es ist verständlich, daß die privaten Banten immer größere Sorgen haben und daß die öffentlichen Banken und die Sparkassen, zum Nußen der Gesamtwirtschaft, immer tonkurrenzfähiger in der Seranziehung von neuem Kapital werden. Einmal sind Zahl und Kosten der Privatbanten im Verhältnis zum Geschäftsumfang immer noch viel zu groß, der Spartassenapparat ist viel weniger aufgebläht und arbeitet, trotz höherer Behälter, viel sparfamer. verärgert. Zum zweiten haben die Banten ihre Sparer- und Rentnerfundschaft durch Verweigerung jeder Aufwertung auf Generationen und damit beginnen die ärgsten Fehler haben besonders die deutschen Privatbanten durch ihren gegenseitigen Zum dritten Biertens: Obwohl die Privatbanten am stärksten an der Berhinderung der Kapitalfiucht interessiert sein müßten( die geflüchteten acht Milliarden wären doch fast hundertprozentig Privat bantgelder geworden), geben sie selber bei dieser Flucht ein schlechtes Beispiel und treiben ihre eigene Kundschaft ins Ausland. Mittwoch, 23. Juli 1930 Zum fünften hat die Hetze gegen die Kommunen und den öffentlichen Kredit, haben die immer mehr zu Kramattenverträgen werdenden Kreditgewährungen an öffentliche Röre perschaften und Werke und hat schließlich auch die Mittlerstellung der Banken bei der Berhöferung der öffentlichen Werke ans Ausland auch die letzte öffentliche Kundschaft aus den Bankkontoren vertrieben. Schlußfolgerungen. und sie genießen wenig Bertrauen; den Sparkassen geht es besses, In der Tat, den Banten geht es heute nicht gut, fie genießen mehr Vertrauen. Aber daran sind die Banten selber find die Sparkassen durch ihren Wettbewerb in der Zinspolitik nützschuld und nicht die Sparkassen. In der jetzigen Wirtschaftsfrije lich, die Banken durch ihre Forderung nach Ausschaltung des Wette bewerbs und nach einem öffentlich- privaten Zinsfartell schädlich. die Zinsspanne überhaupt etwas nachgeben. Notwendig ist viel. Es ist deshalb bedauerlich, daß die Sparkassen im Kampf um mehr, daß nicht nur die Sparkassen, sondern die ganze Gruppe der öffentlichen Banken ihren Wettbewerb mit den Privatbanken aufrechterhalten, denn nur dieser Wettbewerb fann wirklich auch in der Zinspolitik Berbilligungen herbeiführen. Geradezu schädlich müßte aber ein Frieden zwischen Banten und Sparkassen sein, solange die Friedenswünsche der Banten ausschließlich wie jetzt ihre Gründe in den Fehlern der privaten Bankpolitik haben. Holt Chile: Salpeter auf? General Ibanez als Kaufmann.- Das chinesische 1/2 Milliarden- Syndikat. Der Diktator Chiles, Präsident Ibanez, hat das Gesetz über die Schaffung eines nationalen Salpetersynditates unterzeichnet. Die Cosana", der halb staatliche 1% milliardentrust, der die gesamte, in der Reorganisation begriffene Chilesalpeter- Industrie auf ich vereinigt, kann demnach jetzt ihre Tätigkeit aufnehmen. Chiles Stickstoffindustrie tritt damit von neuem in den Kampf um die Gunst der Düngemitteltäufer mit einem Vorsprung ein. Wenn die Luftstickstoffindustrie nicht Gegenmaßnahmen auf ebenso breiter Grundlage trifft, hat Chilesalpeter in der Welt wieder große Erfolgsaussichten. Chilesalpeter war noch um die Jahrhundertwende das fünftliche Düngemittel schlechthin. Ueber 70 Prozent aller zur Bodenverbesserung verwandten künstlichen Mittel entstammten damals den Salpetergruben der Cardilleras de los Andes. Die chiles nische Regierung bestritt fast ihre gesamten Ausgaben mit den Mitteln, die durch eine hohe Ausfuhrabgabe auf Salpeter hereinfamen. Schon in den Jahren kurz vor dem Kriege begann die fünstliche Stickstoffgewinnung dem chilenischen Salpeter Konkurrenz zu machen. In den ersten Nachkriegsjahren schien es so, als sollte der chilenischen Salpeterindustrie der Garaus gemacht als foute for cigeniche Sari von Zandwirtſchaft und Geschoß: fabriken bei abgesperrten Grenzen hatte während der Kriegsjahre zu einem folossalen Aufschwung der fünstlichen Stidstofferzeugung, namentlich in den zentraleuropäischen Ländern, geführt. Der Chile salpeter schien seine Konkurrenzfähigkeit nicht mehr erlangen zu fönnen; durch die gleichbleibenden Frachten und Ausfuhrabgaben war er bei start sinkenden Düngemittelpreisen erheblich vorbelastet. So fant der Anteil des Chilesalpeters an der Welt- Stickstoffproduktion bis auf 18 Prozent und schien noch weiter finten zu wollen. Da führte das Vorgehen des nordamerikanischen Kupferfonzerns Guggenheim Brothers zu einem Umschwung. Die Guggen heims hatten in zehnjähriger Laboratoriumsarbeit die in Chile bei der Kupfererzaufbereitung gesammelten Erfahrungen auf die Sal petergewinnung anwenden lassen. Das Ergebnis war ein Verfahren, das trog qualitativer Verbesserungen eine Sentung der Gestehungsfosten des Salpeters auf mehr als die Hälfte gestattete. Im Jahre 1926 begann der Guggenheim- Konzern mit dem Erwerb umfangreicher Salpetergruben zur Auswertung des Verfahrens; die Ausfuhrabgabe von 53 Mart pro Tonne war ihm je doch noch sehr hinderlich. Gerade rechtzeitig stellte sich da in Chile eine Militär Revolte ein, die mit der Errichtung einer Dittatur durch einen den Nordamerikanern genehmen Mann führten, = Ein Welt- Tonfilm- Monopol. Der Tonfilm- Friede in Paris geschlossen. Nach viertägigen Berhandlungen find die Vertreter von zwölf amerikanischen Elettro- und Filmfonzernen und vier deutschen Großfirmen gestern zum Abschluß eines Abkommens gelangt, durch das die Verwertung von Tonfilm patenten fowohl für die Filmerzeugung als auch für die Filmvorführung für fast die ganze Welt durch diese Firmen einheitlich geregelt wird. Auf deutscher Seite war insbesondere die AEG., der Siemenskonzern und das Tonbild. fyndifat an den Verhandlungen beteiligt. Das Ergebnis ist einmal die einheitliche Bergebung der Lizenzen der deutschen und ameri. fanijchen Patentinhaber an Filmerzeuger der ganzen Welt zur Herftellung von Tonfilmen. Die Filmftreifen sollen in allen Ländern austauschbar und auf allen Arten von in Deutschland und Amerika in Lizenz gebauten Apparaten verwendbar sein." Deutschen und amerikanischen Filmproduzenten sollen nun ihre Märkte gegenseitig geöffnet sein. Die Erzeugerfirmen der Aufnahmen- und Vorführungsapparate haben auch vorsorglich die ganze Welt für den Berkauf der Apparate unter sich verteilt. So wet. den alle Apparate für Deutschland, Defterreich, Ungarn, Schweiz, Tschechoslowakei, Holland( mit Kolonien). Dänemart, Schweden, Norwegen, Finnland, Südflavien, Rumänien und Bulgarien von den deutschen Konzernen hergestellt, die amerikanischen beliefern die Bereinigten Staaten( mit Kolonien), Kanada, Australien, Indien und Rußland. Die in der übrigen Welt gebrauchten Apparate follen von den deutschen und amerikanischen Gruppen gemeinsam hergeftellt und geliefert werden. Keine Weizenstützung mehr in USA. 1% den ehemaligen Obersten, nachymaligen Kriegsminister und jetzigen Bestentaschen- Mussolini Ibanez. Die Berhandlungen zwischen Guggenheim Brothers, Ibanez und dessen Spezialisten für Salpeterangelegenheiten, dem ehemaligen Finanzminister Bablo Ramirez, haben jetzt zu der erwähnten Gründung der„ Cosan a", Compania Salitrera Nacional ( Nationale Salpeter- Gesellschaft) geführt, die mit einem Kapital von 3 Milliarden Besos(= 1,5 milliarden Mart) versehen ist. Der chilenische Staat bringt unerschlossene Salpetervorräte in die Gesellschaft ein und erhält dafür und für die endgültige Aufhebung der Ausfuhrabgaben auf Salpeter und das Nebenprodukt Jod, die Hälfte der Gesellschaftsanteile. Die andere Hälfte geht an die Grubenunternehmungen für die Einbringung ihrer Anlagen. Ende vorigen Jahres betrug die Zahl dieser Unternehmun3 gen 71( August 1927 nur 38). Maßgebend sind unter ihnen die Brüder Guggenheim, in deren Salpeter- Konzern folgende Unternehmungen die wichtigsten find: Laudaro Nitrate Co.- London( größte Salpeter- Erzeugerin der Welt); Laudaro Nitrate Corp. Delaware; Anglo- Chilean Consolidated Nitrate Corp. Die Einnahmen, die der chilenische Staat früher durch die Ausfuhrabgabe erzielte, will er nun aus den Gewinnen der „ Cosana" schöpfen. Auf jeden Fall ist dafür gesorgt, daß bie Bertreter der Regierung bei fünftigen Grubentäufen der„, Cojana" noch einiges verdienen fönnen. Die Auswirkungen der chilenischen Konzentration werden für Mitteleuropa wahrscheinlich weitere Preisherabjegun gen für fünstliche Düngemittel sein. Die Chilenen haben fürzlich eine Veränderung der Frachtbasis beim Verkauf angekündigt, die für weite Gebiete in Deutschland einer nicht unerheblichen Ver= billigung gleichtommt. Die Luftstickstoffindustrie wird den Chilenen auf diesem Wege voraussichtlich folgen. Eine grundsägliche Einigung zwischen Chilejalpeter- Industrie und den maßgebenden Luftstickstoff- Produzenten ist zwar im Juni vorigen Jahres erfolgt; aber die fünftigen Positionsfämpfe am Düngemittelmarkt find dadurch nicht unmöglich gemacht, sondern nur in ihren Erscheinungsformen gemildert worden. Inwien eit die chilenische Konzentration hier wieder eine der Landwirtschaft müßliche- Verschärfung des Konkurrenzkampfes bringt, wird die Kampagne 1930/31 zeigen müssen. Jedenfalls hätten sich weder die Guggenheims auf einen neuen Geschäftszweig verlegt, noch hätten die Chilenen die Salpetersteuer reformiert, wenn beide Gruppen nicht eine bedeutende Steigerung ihrer Einnahmen im Auge hätten; das Mittel dazu ist die Absatzsteigerung des wieder konkurrenzfähig gewordenen Chilesalpeters. gemacht wurden. Gegen dauernde Neuüberschüsse sei das Amt machtlos, und die einzige Hoffnung der Farmer auf bessere Weizenpreise fönne mur in der Regulierung der Anbaufläche be stehen. Eingetreiftes Kupferseide: Monopol. Bemberg fenft seine Preise. Die J. P. Bemberg A.-G. hat die Preise ihrer Kupferseidengarne ab 1. Juli ermäßigt. Die Gesellschaft besitzt in Deutschland eine Monopolstellung für die metallisch glänzende, zum Unterschied von anderen Kunstseidenarten weniger dehnungsfähigen Kupferfeide. Sie hat diese Position früher zu einer Stabilisierung" der Preise ausgenügt. Durch qualitative Berbesserungen der Viskose- Seidefabrikanten an ihren Erzeugnissen wurde jedoch die Kupferseide zurückgedrängt, so daß jegt nicht nur die Preise herabgesetzt wurden, sondern auch die Erzeugung in Barmen eingeschränkt werden muß. Das Durchsichern diefer Neuigkeit hatte an der Börse eine Kursfenkung der Bemberg- Aktien um 10,5 auf 98 Proz. zur Folge. Kupferpreis 11,30 Cents. Das amerikanische Kupferfartell hat feine in Europa geltenden Preise von neuem etwas ermäßigt. Nach dem der Preis schon von 11,80 auf 11,55 Cents für ein englisches Pfund Kupfer herabgesezt war, wird er neuerdings auf 11,30 Cents ermäßigt. Die Zurüdhaltung der Kupferverbraucher in Amerita und Europa hält an Dr. Selle- Ensler wieder 10 Broz. Dividende. In der Aufsichtsratsfigung der Dr. Selle- Eysler A.-G., Berlin wurde beschlossen, der Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von wieder 10 Broz, Dorzuschlagen. Die Umfäge im abgelaufenen Geschäftsjahre entsprachen der allgemeinen Entwicklung. Der Geschäftsgang im neuen Jahr war bisher befriedigend. Der Vorsitzende des amerikanischen Farmeramtes hat erklärt, daß die Stabilisierungsversuche für den Weizenpreis durch Antauf und Magazinierung von Weizen feinen Dauererfolg haben tönnte, da durch folche Auftaufe mur Unterlassungsjünden früherer Jahre gut- beitern gefündigt. Die Sächsischen Gußstahlwerte in Döhlen bei Dresden, die zu dem Konzern der Vereinigten Stahlwerte gehören, haben 950 Ar. 9imn thnilkotr: Jfj€ Stuf iwn ersten Blick war an dom Kind nichts bsstmderes. Mes war auf feinem Platze, aller war da: ein Kapf, zwei Arm«, zwei Aeine und so»eiter Augen— farblos, das Haar— nichtssagend, rotfarben. Da- Kind saß apathisch auf den Knien seiner Muttar, die be« leidigt die Lippen zusammengepreßt hielt und non der Seit« her scheel nach sechs erwachsenen Bürgern männlichen Geschlechts blickte. Dies« sechs Bürger preßten sich aneinander wie Leidensgefährten und bemiihien sich krampfhaft, weder Mutter noch Kmd anzu- sehen. Sie warteten ergeben aus das, was kommen sollt«. Und es kam folgendes: Der Richter schlug dem wissenschaftlichen Experten vor, sein autoritatives Gutachten abzugeben Als dieser Mensch mit dem selbstzufriedenen Gesicht sich räuspernd erhob, ivarfen die sechs Bürger, einer wie der andere, erschrockene und gespamrie Blicke aus ihn. �Nun... Brüderchen... jetzt Brüderchen, heißt's tapfer fein... Die Wissenschait wird alles bis aufs kleinste Härchen klarstellen Das ist nun schon einmal sicher!* „Bürger,* begann der Erperte, abwechselnd zärtlich bald auf die sechs Bürger, bald ans das im Saal versammelte Publikum blickend, „vor ihren Augen sehen Sie ein Kind, das zweifellos von feiner Mutter, der Bürgerin Tschilikowa, geboren wurde. Darüber gibt es allerdings keinen Zweifel. Aber wer, fragen wir uns. ist der Vater?!!— Auf dieser Bank sitzen sechs Bürger, die der Tat ver- dächtig sind, die aber beharrlich jede aktive Teilnahme ableugnen. Wer von ihnen also ist der glücklich« Papa, welcher von ihnen ist es, der seine Dateoschaft schändlich verheimlichen will? Wie ließe sich das feststellen? In solchen Fällen, Bürger kommt uns die Anthcopometri« zu Hilfe...! Die sechs Verdächtigen fuhren vor Schreck zusammen. .. die Daktyloskopie, Eugenetik und vcrschisdene ondere Zweige...* feuerte der Experte in einem Atem Die Verdächtigten rückten hililos zusammen, nachdem dies« Ladung aus sie losgelassen war. „Bei Gott, wir sind verloren..* „Also, Bürger, ich beginne mit dem Gutachten. Spitschlin, kommen Sie bitte hierher! Bürgerin Tschilikowa, geben S!« ihr Kind her!" Spitschlin erblaßte resigniert, warf eii«n letzten Blick auf seine Kameraden, dann näherte er sich dem Experten. Alle hielten den Atem an. In den Händen des Experten glänzten irgendwelche Lineale und Zirkel. Er nahm von irgend etwas auf dem Kopf« des Kindes Maaß, dann auf dem Kopfe Spitschkins. „So,* sagte er, �.ich danke Ihnen. Der Kopf de« Kindes stimmt mit dem ihrige,, voukoinmen überein. Punkt für Punkt! Zeigen Sie mir ihre Hand. Rein, die Hand ist nicht von Ihnen! Es ist eine fren.de Hand. Matfchugow, bitte hierher!" Matfchugow atmete tief, bekreuzte sich— und kam näher. „Zeigen Sie mir. Motschugow, den linken Daumen mit der Innenseite nach oben! So, stimmt. Sie können die Hand schon fortnehmen. Ihr Daumen und der des Kindes stimmen überein wie ein Paar gleicher Schuhe. Nach dem Finger zu schließen— sind Sie der Papa!" Die vier anderen saßen holblebendiz, halbtot in Ermardni-f ihrer Reihenfolge „Rikitjenko, ich bitte!" Nikitjenko sprang auf und kam mit zusammengekniffenen Augen näher. „Verlieren Sie nicht den Mut." vertröstete ihn der Experte, 'Max-Dorlu: Tabaksvolk in ■ Kavala an der Aegöischen See. Äavala. die Tabakstadt. Die Stadt, die den Tabak aus dem Hinterlande Mazedonien und aus Thrazien verorbeiter und nerfchifft. Kavala— 25 000 Einwohner, mehr als die Hülste davon lobt vom Tabak. Kavala riecht sogar nach Tobak, von den Fabriken her und von den Bcrsandbollen im Hafen. Kavala im närdiichcn Griechenland: Hauptstadt der Provinz West- lhrazien. Kavala ist mehr als 4000 Jahre alt, in der Antike hieß es Neapolis: feine kriegerischen Galecrenschiff« waren weit und breit ge» fürchtet, Homer hat das Kriegs- und Sceoolk von Neapolis besungen. Wer wird das Epos über das Tabaksvolk von Kavala schrecken? Das Heldenlied der Arbeit— dos mehr ist. als das Kriegslied von Mord und Vernichtung. Kavala, die weihbunt« Stadt: in der lilafarbenen Bucht— ganz leise nur wogt die See Aegäis. Kavala ist neu erbaut, das alte Kavala wurde 1927 von einem Brande fast ganz zerstört. Wer seine byzantinische Burg steht noch: massiv, finster, trutzig— das Zwingvolk des rauhen Mittelallers. Auch der Bischofspalast von Kavala blieb vom Feuer verschont— der heilige Lasiiikus sockst stand mit dem Löscheimer vor seinem Bischo?: Bolk, auf die Knie, bete, das Wunder. Aber es knien nur ein paar alte Wecklein— Kavala ist tm Geiste modern, revolutionär ist es: revolutionär gegen Tradition und Borrechte und Aberglauben. Ein griechisches Sprichwort sagt: „Willst du Schönheit und Scharfsinn auf«inen Blick? Schau« den Modchen von Kavala in die Augen. Si« sind schön und klug." Dos macht der Tobak, die Industrie, der Druck vom Unternehmertum zeugt Gegendruck von unten— willst du dich wehren, dann mußt du denken, wenn du denkst— dann gewinnst du: irgendwie. Denkende Menschen sind immer schön. Tabakstöchter von Kavala— hier unsere Hand, laßt uns Freunde sein! Kavala an der Aegäis. Di« hohen Gebirge im Norden sind der Grenzwall gegen Bulgarien. Im Nordwest blaut das Dorgland van Südslawien. Und im Osten ist der wildschäumende Fluß Moritza die Grenze gegen die Türkei. All das Land: die Hügel und die Berge— die von Norden her gegen die See Aegäis abfallen, sind Tabakslond. Auch Baumwalle wird gebaut. Getreide und Reben. Oelbäum« und Lorbeerbufch und Feigenbaum. In den Hausgärtcn duftet der rosa- blutige Oleander. Bunte Falter und warmer Wind. Und immer die golden« Sonne— die Sonn? über Mazedoniens und Thraziens Tabaksland. Ein gesegnetes Land: reich, ichön und romantisch. Griechen und Slawen in buntem Völkergemisch— oft streiten sie. auf den Kirchenfeslen blitzt abends im Wirtshaus dos Messer, rotes Blut verströmt ganz unnütz— friedlich scheinen die Sterne und über Bul- gariens Gsbirgswall kommt zartrot der Bollmond heraus: ein« riesige ichöne Rose— Völker, oertrogt euch, nicht das Messer sondern zur Freundschaft streckt die Hand! Und heute ist Sonntag— heute ist ein Tag der Freuicktchaft: am Hafenquai von Kovoia liegt buntbeilaggt ein kleiner weißer Passogier. dampfen bunt bei loggt über Topp. Frohe Sonntagsmenschen strömen dem Hasen zu, alles Tabaksooik ans den Fadriten— sie haben den s Wunderkind „vielleicht sind Sie der Glückliche, an dem kein Organ mit dem Kinde korrespondiert. Oefsnen Sie, bitte,«in wenig di« Augen!" Berzweiftlt machte Nikitjenko die Augen auf— ihm war alles egal, er fühlte sich bereits verloren. Der Experte hantierte in feiner Augengegend herum. „Stimmt. Diese kindtsch« Zeichnung der Augen ist bei beiden die gleiche. Sie können die Augen wieder schließen!" sagt« er. Und noch drei warteten, bis die Reihe an sie kommen sollte. Eine winzige Hoffnung begann in ihren Augen aufzuflackern. „Es kann fein, daß zu unserem Glück da? Kind im großen und ganzen bereits vollkommen aufgeteilt ist?" dachten sie.„vielleicht bleibt dann für uns kein Anteil an der Baterschast mehr übrig." Wer— v weh! Es war nicht so. Dieses Zbind war einfach schrecklich gebaut. Man rief Brjuchanjkow: es stellte sich heraus, daß nach' den Zähnen zu schließen, dieser Soim von ihm stammte. Dmm kam Schaporvalow. Stellen Sie sich vor, er hott« nichts- sagendes rotes Haar. Mit einem Wort: die Haar« des Kindes! Ganz zum Schluß kam Strjukow. „Suchen Sie nur," sagte er,„in den Fabriken sind Durch- suchungen zwar verboten, aber hier ist man einfach machtlos. Egal, soll ich also wegen dieses niederträchtigen Balges zugrunde gehen. Also, untersuchen Sie mich!" Der Experte begann ihn zu untersuchen. Beine, Arme. Kopf, Augen. Scheinbar stimmt« nickst? überein. Strjukow wurde bereits munterer, begann sich zu freuen: „So," dachte er..chas heißt man Glück! Bin an dem Kinde nicht beteiligt. Werde die ganze Sache los sein.. Ja, erst recht nicht! Mache den Mund aus! Weiter...' lind wirklich, plätzlich schrie das Kind. Der Experte rief eilig: „Versuchen Sie, Bürger Strjukm, zum Vergleich einen ge- dehnten Ton von sich zu geben. Machen Sie den Mund weit aus!" Strjukin hÄt« am liebsten dem Kind« mit den» Stiesel einen Stoß oersetzt, denn es kam an den Tag, daß er mit dem Kinde vollkommen einstimmig schrie. Während dieser Experimente bemächtigte sich des Publikums eine stets wachsende Aufregting. Man begann srfrfießlich nach dem Ausgang zu drängen. .„Halt!" schrie der Experte,„bleiben Sie hier! Warten Sie! Es darf niemand den Saal oerlassen. Vielleicht sind noch ein paar Beteiligte anwesend. Ick) werde jetzt Fingernägel überprüfen, um ein««venw«lle Beteikigung anderer Herrschaften festzustellen!" Da erhob sich im Suale«in allgemeiner Tumult. Eine aus- geregte Frau riß im Gedränge die Garderobenhaken herunter und schrie: .Lassen Sie mich fortgehen! Man wiid doch nicht am End« noch an den Fingernägeln einer Frau konstatieren, wer der Doter chrer Kinder ist!" Wer was geschah dann? Ein merkwürdiger wissenschostliche? Zwischenfall. Der Experte warf einen Blick aus seine eigenen Fingernägel, überflog eilig jene des Kindes— und wurde grün vor Schreck. „Eine schöne Geschtchic habe ich mir da angeiangen." dacht« er.„bei Gott, meine Fingernägel gleichen jenen de» Kindes auf «in Haart" Dann schrie er: „Lossen Sie die Leute ruhig fortgehen. Ich Hab? mir mir einen Spaß geleistet!" Dann wandte er sich eilig an Mamachen Tschilikowa: „Tragen Die ihr Kind nach Hause! E» genügen sechs wissen- schaftlich fastgestellt« Bäter!" (Deulsch von Arvvld ZSaffirkauer.) 9iamla Oriedtenland Dampfer gemietet: heute machen wir einen Ausflug— zur Insel Thasos hinüber! Wir fahren schon, leicht und weich wiegt uns der Dampfer, wie Traumwiegen ist das— das Meer ist ölig glatt, lilafarben— nur die Bugwelle des Dampfers ist opalenes Aeichäume— und die Schraube wirbelt rauschendes Silber auf. An Bord hörst du Gesang. Die Tabakstöchter von Kavala fingen— Hcimatslied und Liebeslied, aber auch«in internationales Kampflied: denn das Tabaksvolk in den Fabriken von Kavala ist sozialistisch organisiert. Das ist viel! Wer frei organisiert tsi— der ist Europäer, nicht nur Grieche oder Maze- done oder Franke, Brite und Deutscher. Seht ihr dos jetzt erst— unser Dampfer ,.Skyros" führt am Vordermast das rote Banner der Ardeiter Europas. Fre'cheit flattert über der Aegäis! Tausend« Möwe begleiten unser Schiff— und eine Schar breit- geflügelter Pelikane streicht vornweg, dem Land« zu: der Insel zu— die da blaugrau aus den opalenen Aegäisfluten vor uns aufsteigt. Insel Thasos— größer und größer wird si«, unser« Sonntogsinsel, die heute unsere Freiheitsinsei sein soll. Wir sind schon da— im kleinen Hafen Dulgaro— unter Lachen und Scherzen geht es von Bord, ZOO Menschen aus Kavala auf Thasos! Vulgaro, das enge Städtchen. Laßt uns ein« Maftika trinken— «inen fiitzen Anisschnaps, die Mädchen nehmen einen Maraschino, einen Mandellikör— so: und jetzt schnell weiter— zur Höh«, auf- wärt?, auf den 1000 Meter hohen Berg hinaus; auf den Kppsorion. Sttapinos— die Hitze, die Männer ziehen die Jacken ans— und die Frauen und Mädchen öffnen die Aerinelknöpfe an den Blusen— Lieft überallhin— und immer kräftig aufwärts, die Kinderchen wollen nicht mehr— wie, was— mtzzu sind die Papas da. Babbos: nehmt doch die Kinderchen auf den Buckel: laßt si« reiten: die Babbos müssen auch mal Mulis sein— die Tabakskinder von Kavala reiten auf den Berg Kypfarion, Insel Thasos in der See Aegäis. Um Mittag sind wir droben, am Berg. Alle Tempelruinen, ge- stürzte Säulen und zerschmettertes?lrchitroo— hier oben am Berg« Kypfarion thronten«inst hie Götter— herrschten die Götter-- heute herrscht da« Volk: das denkende Volk ist sein eigener Gott— heute müssen die Götter das wollen, was der denkende Mensch fordert. Droben über das stmit« Grün des Himmels segeln klein« weiße Wölkchen— wie frei« Gedanken, so zart und so keusch. Tabaksvolk non Kanal« aut Thasos. Gelagert auf den Tempel- trümmern. gelagert im hellen Sonnenlicht, umiungen vom Höhen- wind— tausend Meter über der opalenen Aegäis. Hört ihrs rauschen? Nicht die See rauscht von unten herauf— sondern der Höhenwind spielt Harle in den Kronen der Pimeickäunie. Dichter Pinienwald wächst den Berg Kypiarioir herau'— der G'piel des Berges ist kah!— h'er war der Ton, platz der Gölter: Venus tonzl« mit Mars, Apollo mit Aphroditz— urd drr dockiüßige Paa blies die Birkenfiöle, die weiße, die klangvolle! Auch heul«, am Sonntag, wird «n Gipfel des Berges Kg�ariou getanzt— das Tabaksvolk aus Kavala hat ebenso freudige Tanzbeine wie die Götteicherrschoften der Antike sie hatten. Tabakstochter tanzt wll dem Tabaksburschen. Und Vater schwingt die schwitzende Mutter(sie wiegt zweieinhalb Zentner), si« schwitzt wie ein leckes Weinfaß— aber das tui dir gut, Mamma— als getanzt, als rundum, bis du mager wirft. Und die Musik, die Birkenflöte, die Pansflöt«? Ach was, Flöte— wir gehen ins zweite Jahrtausend— wir machen Majchmenmusik: das Grammophon spielt uns zum Tanze auf— Jazz und Schieber— Tango und Schlange— aus den Felse palten gucken die Götter— was ist das für«ine ver- rückte Wett geworden! Di« Kinder aber find auf Jagd— hinter den wilden Zügen her. her hinter den wilden Kaninchen. Kinder— habt ihr was gefangen? Ja,«ine Handvoll blauen Bergenzian— und blutrote Erika— oi. strabimbo: die Blumen, Blumen, Blumen. Windet die Blumen zu Kränzen— und gebt sie den Kindern und Jungfrauen oufs Haupt. Laßt uns die Menschen schmücken— trotz dem Neide der Gölter. wie si«»u? den Trümmern und Felsritzen herauslügen— vorbei sind die Zeiten, da der Mensch seine Götter bekränzt«— nochmals: der denkend« Ptensch ist selber Gott! Vater Papadoppoli hält eine kleine Rede— sozialistisch« Gedanken auf der Gipfelhöhe des Berges Kylpfarion, Insel Thasos— unten die weit« See Aegäis— opalen und lila. Droben in der Luft zirkeln zwei Geier: der Geist des Raubes und der Kriege! Vater Papadoppoli aber feiert in feiner Rede den Geist des Friedens und der Froiindschaft! Auf den Trümmern der kriegerischen Götterwelt blülst der Gedanke der neuen Welt: Die vereinigten Bolksstaaten von Europa! Dreimal Hoch dafür— und danke— und nun heimwärts. Abend. Nacht. Wir find wieder an Bord— frischer Wind ist ausgekommen, der Dampfer tanzt leicht in der See, manche werden seekrank— manche nicht— droben über uns glitzern die Sterne— und über der Halbinsel Athos schwimmt durch den Himmel der Halb- mond: blaß und gelb. Dann blitzt der Leuchtturm von Kavala auf— die Lichter der Stadt werden hell und heller— und Punkt 12 Uhr gehen wir von Bord. Genossen: die Hände zum Abschied— der Ausflug nach Thasos war schön. Und morgen wieder Fabrik: Tabak, Tabak, Tabak! £in unerfcitöpflidier Schaiz Im Jahr« 1912 mochte ein französischer Marketender, der sich bei der in Mittelmarokko vorrückenden Heeresgruppe befanix bei dem Orte El-Borudich einen sonderbaren Fund: er entdeckte nämlich unter dem Schutt, der bei einer Brunnenbohning zutage gefördert wurde,— Haifischzähne. Diese Haifischzähne zeigten an, daß sich an jener Stell« in früheren Erdperioden Meeresboden befunden haben mußte, und da die Phosphatlager im übrigen Nordafrika Ab- lagerungen auf dem Meeresboden aus frühester Tertiärzeit sind, so konnte man ans dem Vorhandensein der Haisischzähne im Boden Marokkos auf das Borkommcii dieses überaus wertvollen Dünge- mittels schließen. Die Zlmiahmc hat sich in einem Maße bewahr- hellet, das niemand vorausahnen konnte, denn Marokko ist heut« das reich st« Phosphatland der Erde. Ueber die fast un- erschöpflichen Lager, die mau auf mehr als si Milliarden Tonnen schätzt, macht Jatow?lxelrod in der„Umschau" nähere Mitteilungen. Erst nach dem Wellkrieg ging man daran, durch systematische Schürfungen die Lager festzustellen, und entdeckte 1919 große Mengen hochwertiger Phosphate, die 75 bis 78 Proz. phosphorsauren Kalk enthallcn, im Uled-Abdun-Gebirge. und bald folgten wettere Entdeckungen noch bedeutenderer Funde an anderen Stellen Zunächst wurde der Abbau in dem Ulcd-?lbdun-Gebirge begonnen, das in einer öden Landschaft liegt. In dieser mir von armen Araberstämmen bewohnten Wüstenei entstand ein mit den modern- sten Einrichtungen versehenes Phosphatbergwerk und m feiner Nähe oas Städtchen Kuricha, dessen schmuck angelegt« Häuser nur von Beamten und Arbeitern des Werks bewohnt werden. Die Phosphate werden unter Tag in gewöhnlichem Zechercketneb gefördert. Da sich aber die Phosphatschichten in nur geringer Tiefe von 20 bis 40 Meter befinden, so dringt man durch seitliche Tunnel zu den Lagerftellen vor und bringt die Schätz« direkt ins Freie, so daß man keiner Förderkörbe bedarf. Das Rohphasphot wird dann ge- reinigt und getrocknet, bis es verfandfähig ist. Als fein gesiebtes Mehl werden die Phosphate in Sonderwogen über die elektrifizierte Eisenbahnstrecke Kuricha-Easablanca direkt an den„Phosphot-Äai" des Hafens gebracht, von wo sie in den Schiffsloderaum gelangen. Diese Anlage des„Phosphat-Knlis" in Casablanca ist die grüßte Verschiffungsanlage der Welt, denn hier können täglich rund 5000 Tonnen verladen werden. Da die Phasphatausfuhr Marokkos ständig steigt und nächstens 2 Millionen Tonnen jährlich überschreiten dürfte, soll die Anlage nach bedeutend erweitert werden. Deutschland steht als Kunde Marokkos an dritter Stelle Da sämtlich« Bodenschätze Marokkos zum Slaatseigentum erklärt sind, so wird die Gewinnung von dem„Schcvisischen Phosphatarm" betrieben, das mit einem Grundkapital von 56 Millionen Franken geichoffen wurde. Dieses ist eine Privatgesellschast, deren sämtlich« Aktien dem Staat gehören. Das Phosphatamt zahll Steuern wie jedes andere Unternehmen und hat keinen einzigen staatlich an- gestellten Beamten. Die marokkanischen Phosphate hoben sich den Weltmarkt erobert; die Zlusfuhr, die 1922 80 000 Tannen betrug. war 1929 auf 1,5 Millionen Tonnen angewachsen, und die Netto- ernnahmen, die 1929 70 Millionen Franken betrugen, bilden einen bedeutenden Faktor im marokkanischen Staatshaushalt. Diese Schätze Hedeuten einen unerschöpflichen Reichtum für den scherisischen Staat, denn außer den Logern von Kuricha, den einzigen, die gegen- wärtig ausgebeutet werden, gibt es noch ungeheure Lager bei Ben- Gerir und Schischaua, deren Gehalt auf? Milliarden Tonnen ge- schätzt wird. D»« Qehe.Unnis des ireißbrofs Ein reines Weiß wird oft für ein Zeichen der guten Qualität des Brotes gehalten. Wer nur wenigen dürste, bekannt sein, daß diese schöne Farbe— künstlich erzielt wird. Selbst reines Weizen- brot könnte nicht dieses auffallend helle?lusseheN, das man so ofr feststellen kann, annehmen, weil auch Weizen einen bestimmten Farbstoff enthält. Um dem Geschmack d:s Publikums entgegenzukommen. wird das Mehl von den Müllern mit verschiedenen Ehemikalien gebleicht. In Amerika werden neuerdings sarbentfernende Fermente zum Bleichen des Wehles verwendet. Die Fermente, deren Natur noch etwas rätselhaft ist, bewirken auf ebenfalls noch'nicht ganz ge- klärte Weife chemische Umsetzungen. Dos zum Entiärben gebrauchte Ferment Ist ein Pflanzenprodukt, das erst der Teigmischung zugefüqr wird. Das Bleichen geht während des Gärens und Backens vor sich. Polens Einwohncriahl. Di« Veoöikerung Polens wachst all- jährlich um ungefähr 420000 Seelen an. Die Geburtsziffer beträgt jährlich etwas über eine halbe Million. Laut dem..Krvartoinik Statystyczny" machte die Bevölkerung Polens im Jahre 1921 27 1 76 717 Seelen aus,»m 1. Iom.-ar 1929 dagegen 5>V498 248, davon 19 153 738 römisch- katholische(64 Proz> und 5 810878 griehi'ch- katholisch«(10 Proz). Nach dem System der Durchichmttsiechnuna betrug Dolens Einwohnerzahl am 1. Juli des laufenden Jahres 31038000 Personen.