BERLIN Mttwoch 23. M 1930 erscheinttiglich«uter Sovota««. »uzleich Abendausgabe M.vorwärts'. Beiuzjxrei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, S,6<1M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, Lindenstr.» 10 pf. Nr. 340 B 169 47. Jahrgang ilu»«igeupreit: Die einspaltige Nonpareilleieile »o Pf., Reklame»«!« 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 87526. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Das Unglück von Koblenz. Bisher 34 Tote des Brückeneinsturzes geborgen.— Tragisches Ende der Nheinfeiern. Erdbebenkatastrophe in Italien. Mehr als 400 Tote.— Furchtbare Zerstörungen. Koblenz, 23. Juli. tEigcnbcricht unseres Sonderberichterstatters.) Als am Dienstag gegen Mitternacht nach einer glanzvoll verlaufenen Beleuchtung der Feste Ehrenbreitstein und des Deutschen Eck die Massen, die am Ncucndorfcr Ufer versammelt waren, über die schmale Pontonbrücke des Sichcrungshafens in Koblcnz-Lützcl nach der Stadt zurückkehren wollten» brach die Brücke in sich zusammen und die Pontons kippten um. Alle darauf bc- findlichcn Personen, etwa IVO an der Zahl, fielen ins Wasser und wurden teils von dem niederstürzenden Gebälk erschlagen, teils von den schweren Pontons unter Wasser gedrückt. Etwa 30 in der Nähe des llfcrs befindliche Personen konnten sich retten. Der größte Teil ertrank. Bisher sind 3t Tote geborgen, doch ist die Zahl der Todesopfer leider viel größer, denn eine große Anzahl Toter liegt wahrscheinlich noch zwischen den Trümmern der Brücke im Wasser» andere werden unter den um- gekippten Pontons vermutet, wieder andere dürften durch die Strömung bereits abgetrieben und erst in einigen Tagen auffindbar sein. Augen- l-licklich sind die Rettungsmannschaften dabei, den Rhein in der Umgebung des Ncucndorfcr Eck mit Harken nach Leichen abzusuchen. Die I d c n t i f i- z i c r u n g der bisher geborgenen Toten gestaltet sich insofern außerordentlich schwierig, als es sich bei den Lpfcrn der Katastrophe nicht nurumKoblcn- z c r Einwohner, sondern auch um a u s w ä r- tigc Personen handelt. An der Stätte der Brückentatastrophe ist der Fluß sehr tief, so daß sich die Bergungsarbeiten der Rettungsmannschaft außerordentlich schwierig gestalten. Tie außerordentlich große Zahl dcrTodes- o p f e r schreibt man vor allem dem Umstand zu, daß sich die ins Wasser gestürzten Menschen gegen- scitig umklammerten, sich damit selbst im Wasser behinderten und die Rettungsarbeiten in vielen Fällen nutzlos machten. Tic Unglücks brücke dient nicht dem eigentlichen Verkehr. Sie wird hauptsächlich von Arbeitern der Stumm- Werke, die am Hafen liegen, in beschränktem Maße benutzt. Dem ungeheuren Verkehr in der Unglücksnacht war die Brücke nicht gewachsen. Reichspräsident H�n d c n b u r g, dem leutc morgen das schwere Einsturzunglück bei Koblenz-Lützcl mitgeteilt wurde, hat daraufhin »eine Reise nach Trier und Aachen ab. gesagt. Er blieb in Koblenz, um ebenso wie der preußische Ministerpräsident Braun und die noch anwesenden Minister an der Trauerkund. gcbung teilzunehmen, die um 11 Uhr vormittags im Rathause stattfindet. Die gehobene Feiertagsstimmung der gesamten Rheinlandbcvölkerung ist einem schweren, drückenden Ernst gewichen. Alle Flaggen sind auf H a l b m a st gezogen. Uebcr Koblenz ist ein Unglück hereingebrochen, dem die Bevölkerung in tiefster Trauer fassungslos gegenübersteht. Viele Fremde find bereits abgereist. Der Obcrbürger. m e i st c r v o n T r i c r schließt die Mitteilung an die Bevölkerung von Trier über die Absage des Reichs- xräfideutev mit jolgenden Worte«: Die Bürgerfchaft R o m. 23. Juli. Italien ist heute nacht kurz nach 1 Uhr von einem Erdbeben heimgesucht worden, dem eine große Zahl Menschenleben zum Opfer gefallen ist. Die Erdbebenkatastrophe hat mehrere hundert Todesopfer gefordert. Allein aus M e l f i werden bisher über hundert Todesopfer und etwa 200 Verwundete gemeldet. 3n der S a f! 1 i c a f a belrägl die Zahl der Talen zwischen 150 und 170. in Heapel konnten bisher Z Tale identifiziert werden. Weitere Tote liegen noch unter den Trümmern einer ganzen Anzahl eingestürzter Häuser. In anderen Stadtteilen Iteapels wurden zahlreiche Häuser schwer beschädigt. In der Provinz Neapel ist die Zahl der eingestürzten Häuser und der Toten ebenfalls groß. Auch in S o r r e n l gab es eine Anzahl Todesopfer, ebenso sind in Benevenl viele Häuser eingestürzt. Aus allen Orte» liegen Meldungen über zahlreiche Todesopfer vor. Der Schnellzug Neapel— Bari ist unterwegs steckengeblieben, da die Gleise zerstört wurden. Auch aus den Provinzen Foggia und Avellino werden zahlreiche hauseinstllrze und zahlreiche Todesopfer gemeldet. Die ersten Nachrichten ließen auf dieses Ausinaß der Kata- strophe nicht schließen. Wir berichten diese Einzelheiten: 3n Neapel wurde durch das wellenförmig auftretend« Beben ein Palast teilweise zum Einsturz gebracht, wobei zwei per- sonen getötet und süns verleht wurden. Weiter wurde durch den Einsturz eines sünsstöckigen Hauses ein Sind getötet und fünf Personen verleht. Auch in den umliegenden Land- wirb gebeten» die Fahnen an den Häusern einzuziehen. Die öffentlichen Gebäude mögen a�s Zeichen der herzlichen Mittrauer ihre Flaggen aufHalbmast setzen. Als die letzten Leuchtkugeln verglühten... Sin Augenzeuge berichtet. Koblenz, 23. Juli. Ein Augenzeuge der grausigen Katastrophe schildert den Hergang des Unglücks wie folgt: „Ich hatte mich mit Bekannten über die Unglücksbrücke zum Neuendorfer Eck begeben, um von dort aus das Feuerwerk besser beobachten zu können. Di« letzten Leuchtkugeln waren am nächtlichen Himmel oerglüht, als viele Beobachter des Felierwerks heimwärts über die schmale Brücke am Eingang des Sicherheits- Hafens in Kodlenz-Lützel drängten. Ich befand mich in einem Zuge freudig gestimmter Menschen auf der Brücke kurz vor dem Lützelcr Ufer, als plötzlich mit lautem Krach und Getöfe die Brücke unter den dicht gedrängt Kopf an Kopf auf ihr befindlichen Menschen zusammenbrach und die auf ihr vesindlichen Männer, Frauen und Kinder nüt sich in die Ties« riß. Ich selbst stürzte gleichfalls in den an diefcr Stelle besonders tiefen Floß-Hafen. Gellend« Hilferuf« schallten über die dunkle Wasserfläche. In der höchsten Not klammerten sich ins Woffer Gefallene aneinander. Da ich nah« am Ufer war und einen Halt hatte, gelang es mir, verschiedenen in der Nähe befindlichen Leuten beizustehen und sie vor dem Tode zu retten. Indessen schlugen die unglücklichen, aus und untertauchenden Menschen in ihrer höchsten Angst und Not wild um sich. Die Dunkelheit und die Todesangst behinderten naturgemäß die gegenseitige Hilscleistung, und ein« wilde Panik hatte all« ergriffen." Um Mitternacht eilten der Oberbürgermeister von Koblenz, der Oberpräsident der Rheinprovinz, Dr. horion, sowie der Polizeipräsident an die Unfallstelle. Am Mittwoch morgen er. schienen Ministerpräsident Braun und der preußische Wohlsahrlsminister Dr. h i r t s i e s e r an der Unglücksstelle, um sich von dem Fortgang der Bergungsarbeiten zu überzeugen. städlen richtete da» Erdbeben großen Schaden an. Aus den bis jetzt vorliegenden Meldungen geht hervor, daß bisher in Larile zehn Tote, in Atella zwei Tote und in Landhäusern in der Umgebung von Atella vier Tote zu beNagen sind. 3n potenza wurden drei Personen, in der Umgebung von venosa bei einem Einsturz sechs Personen verletz«. Zn Jiliano stürzten mehrere Häuser und eine Kirche ein. Aus anderen Orlen werden gleichsalls häusereia stürze gemeldet. Weiter« Meldungen besagen: Kurz nach 1 Uhr wurden die Einwohner der Stadt in Ihrer näheren und weiteren Umgebung durch heftige Erdbeben- stoße ausgeschreckt. Der Bevölkerung bemächtigt« sich eine Panik. Im Nu waren die Straßen mit Menschen onge- füllt, die in Eil« ihre Wohnungen verlassen hatten. Etwa 20 Personen kamen bei dem panikartigen Gedränge auf den Straßen, deren elektrisch« Beleuchtung nach den ersten Stößen nicht mehr sunktionierte, zu Schaden. Seit Menschengedenken will man in Neapel keine so starken Erdbebcnstöße verspürt haben. Das Erdbeben setzte um 1.10 Uhr ein und dauerte in drei Stößen nahezu eine Minute. Di« größte Heftigkeit erreichten die Stöße nach etwa 30 Sekunden. Das Erdbeben wurde in ganz Mittel- italien, vor allem in den Marken und in den Abruzzen, beobachtet, wo«s jedoch keinen Schaden angerichtet hat. ZnSalcrno ist der Oberbau des Doms eingestürzt und die Decke eingebrochen. Ueberall sind Feuerwehr und Miliz mit Aufräumungsarbcilen beschäftigt. Die Llnglücksbrücke. Bei der eingestürzten Brücke handelt es sich um eine Brücke, die über eine etwa 25 Meter breite Hafeneinfahrt von der Mosel in den sogenannten Flohs, cherheitshafen führt. Als die Festbeleuchtung gegen 11 Uhr zu Ende war, strömte eine mehrere tausend Köpf« zählend« Menschenmenge von d«m dem Deutschen Eck gegenüberliegenden Ufer aus diese Brücke zu, die dem Massen- andrang jedoch nicht gewachsen war. Die Brück« ruht aus zwei Pontons, auf denen je zwei Pfeiler angebracht waren, über hie sich der Bohlenbelag von einem Ufer zum anderen erstreckte. Da- durch, daß die Brücke eine einseitige Belastung erfuhr, senkte sie sich nach Westen. Als der Menschenandrang sich»och niehr ver- stärkte, stürzte die Brücke vollends um. Schätzungsiveise sind 120 bis 150 Menschen ins Wasser gesallcn, von denen sich aller- dings die meisten selber retten konnten. Die Brücke, die abseits des Hanptoerkehrs lag, hatte keine Beleuchlung, jo daß allgemeine Verwirrung und entsetzliche Panik ent- stand. Die Hilferufe waren weithin in der Nacht zu hören und wurden selbst auf dem gegenüberliegenden Ufer des Rheins und der Mosel vernommen Die Feuerwehr war innerhalb 8 Minuten zur Stelle, zu gleicher Zeit erschien auch ein größeres Polizei- aufgebot. Eine große Anzahl von Schiffern eilten in ihren Kähnen und Motorbooten an die Unfallstelle. Zunächst wurden etwa 50 Menschen gerettet, die mit vcm Tode rangen. Die Böschungen an beiden Ufern sind nämlich steil, so daß diejenigen, die sich durch Schwimmen retten konnten, ebenfalls in höchster Gefahr waren. Nach Rettung der im Wasser treibenden Menschen wurde sofort mit der Suche nach den Opfern begonnen. Die Wassertiefe beträgt an dieser Stelle etwa 7 bis 8 Meter. Bei den verunglückten handelt es sich vorwiegend um junge Mädchen im Alter von 16 bis 20 Jahren und um Frauen. Vereinzelt sind auch Kinder und erwachsene Männer unter den Todesopfern. Es war nicht möglich, alle Leichen zu rekognoszieren, da bei verschiedenen Mädchen und Frauen Aus- weispapicre fehlen und die Vermißtenanzeigen wechseln. Bis zur Stunde sind Feuerwehr und Schutzpolizei noch mit den Bergungsarbeiten beschäftigt, ahne daß es gelang, die umgestürzt« Brücke zu heben und die unter dieser Brücke poch Raubüberfall am Rosenthalerplah Ein Laufbursche niedergeschlagen und beraubt vermuteten Todesopfcv zu bergen. Hingegen werden zahlreiche Kleidungsstücke, Handtaschen, Aktentaschen, Phographenappa- ratc und Stöcke au- dem- Wasser gezogen. Oie Bergung der Toten und Verletzten. Koblenz, 23. Juli. Das furchtbare Unglück, daß der Befreiungsfeier einen so tragischen Abschluß gab, ist das g r ö ß t e. das bisher j e m a l s d i e Stadt Koblenz betroffen hat. Von den 3 8 L e i ch e n, die bisher geborgen worden sind, hielt sich ein Teil sest umklam- inert und konnte nur mit Mühe voneinander getrennt werden. Die Leichen, die zuerst auf dem grünen Uferrasen gebettet worden waren, wurden beim Morgengrauen nach der F a l k e n st e i n- Kaserne gebracht. Nach den bisherigen Feststellungen sind etwa 25. Personen bei dem Brückenumsturz verletzt worden, davon mußten sechs mit Schädel-, Knochen- und Beinbrüchen ins Krankenhaus geschafft werden. Von der Sanitätskolonne und der Feuerwehr wurden an Zt> Jlersonen mit Erfolg Wiederbeletmngs- nersuche durchgeführt. Es werden noch eine ganze Reihe von Personen vermißt, unter anderem befand sich auf der Brücke eine große Anzahl Mädchen eines in der Nähe von Koblenz gelegenen Mädchenpensionats, von denen bisher vier als Leichen geborgen wurden. Die Leiterin des Pensionats traf heute morgen im Krasl- wagen in Koblenz ein und teilte mit, daß noch weitere fünf Zöglinge» vermihl werden. Man nimmt an, daß sich die Leichen dieser fünf Mädchen noch unter der umgestürzten Brücke befinden. Die Llntersuchung. Rcichsvertehrsminister von GuSrord Hot wegen des Brücken- rinsturzes eine« Kommissar zur Untersuchung«ach Koblenz entsandl. Trauerfeier in Koblenz. Um 11 Uhr fand im Sladtverordnclensihungssaal in Koblenz eine Traocrfeier statt, an der Reichspräsident von hindenburg, der preußische ZNinisterpräfident Otto Braun und die in Koblenz noch anwesenden Minister teilnahmen. Oberbürgermeister Dr. Russell sprach im Reimen der Stadtverordnetenversammlung den schwergeprüften Familien das Beileid aus. Zum Zeichen der Trauer läutelen um diese Stunde in Koblenz alle Kirchenglocken. Räch der Trauerscier im Koblenzer Rathaus hat der Reichspräsident die Rückreise nach verlin angetreten, ebenso die übrigen Teilnehmer der Rheinsahrt. Der Reichspräsident hat als erste Spende 10 000 M. zur Verfügung gestellt: er wird seine Besuche in Trier und Aachen im herbst nachholen. Beileid der Z�eichsregierung und Preußens. Der Reichskanzler hat an den O b e r b ü r g e r m e i st e r von Koblenz das folgende Beileidstelegramm gerichtet: „lleber die Stadt Koblenz, an deren Zubelseier alle Schichten de« rheinischen Volkes Anteil nahmen, ist, wie ich soeben zu meinem liessten Schmerz erfahre, durch eine schwere Katastrophe, der viele frohe Menschen zum Opfer gefallen sind, erneut schweres Leid herein- gebrochen. Es Ist mir ein Herzensbedürfnis, Ihnen zugleich im Ramen der Reichsreglerung meine aufrichtigste Anteil- nahm« auszusprechen und zu bitten, diese auch den Hinterbliebenen. »er auf so tragische weise ums Leben Gekommenen zu übermitteln. Den verlrhlen biltc ich meine besten Wünsche für baldige Genesung auszusprechen." Koblenz, 23. Zuli. Der preußische Ministerpräsident Braun hol an den Oberbürgermeister der Stadl Koblenz folgendes Handschreiben gerichlel:„Erschüttert und ergrissen spreche ich voll herzlichen Mitgefühls den fchwergeprüslen Familien der Bürger der Stadl Koblenz und der rheinischen Bevölkerung zu dem furchtbaren Unglück, das der erhebenden Kundgebung des gestrigen Tages einen so tragischen Ausklang bereitet hat, die herzliche Teilnahme der preußischen Slaatsregierung aus. Schiele macht sich selbständig. Oer �andbund wUl Landvolk wählen. Der Vorstand des R e i ch s l a n d b u n d e s hat sich zu einer politischen Stellungnahme entschlossen, die alle Brücken zu der bisherigen Hugenberg-Partei abbricht. Er erläßt eine Kundgebung, in der es u. a. heißt: Die Lcindiiü ischaft kann und will es nicht mehr ertragen, daß sie dos Opfer der Parteitaktit von diesen in sich uneinigen und zur ilebcrnahme der Verantwortung unfähigen politischen Parteien wird. So wertvolle Dienste der von der Grünen Front in'das Parlament übernommene Gedanke der Quer- Verbindungen geleistet hat, in der nunmehr entstandenen gesamtpolitischen Lage reicht er allein nicht aus. In der außer- parlamentarischen wirtschaftspolitischen Auseinandersetzung hat sich für die gesamte Landwirtschaft der geschlossen« Block des im Reichs- landbunde zusammengefaßten Landvolkes als starkes, schlagfertiges, unabhängiges Kampsmittel bewährt. Der deutsche Bauer will nicht, daß diese bewährte Kampforganisation von gewissen Parteien und von Parteigruppen mißbraucht wird. Abgestoßen von diesem Parteihader und vom Gezänk der einzelnen Clique n stellt sich das Landvolk nunmehr auch für de» parlamentarischen Kamps auf eigene Füße. Unbeirrt durch alle Angrisse und Verleumdungen, in geschlossener Abwehr gegen jede Störung der Einigkeit in den eigenen Reihen wird es feinen geraden Weg gehen, in der Ueberzeugung, daß beste Bauernpolitik gleichzeitig anch beste Staats- und National- Politik ist. Die außergewöhnlich gefährdete Lage der deutschen Land- Wirtschaft verlangt auch für den politisch parlamentarisches Kampf außerordentliche Maßnahmen. Der Bund-svorstand des Reichslandbundes hat deshalb be- schloffen, uister bewußter Abkehr von der bisher geübten Methode, für die kommenden Wahlen feine Mit- , Lieder aufzufordern, der � Sammelparole des Verufsstandes zu folgen und, soweit es die örtlichen Verhältnisse irgend zulassen, einzutreten stir die Wahl auf Landvolklisten in ollen Provinzen und Ländern. Nach wie uor bleibt die Unabhängigkeit ünd Selb- ft ä n d i g k o i t der Landbundorganisation gegenüber jedem Partei- gedilde oberstes Gebot! Im übrigen ist die Stellung des Reichs- landbundes zu den einzelnen Parteien und Parteigebilden lediglich bedingt durch den Grad ihres bisherigen und künftigen Eintretens liir die Forderungen, die der Rcichslandbund für das Wohl des! ■ n'�chen Landvolkes und der Gesamtheit erhebt. Jetzt wird das große Rennen begüme.i, das den einzelnen, j bisher versprengten deutschnationalen Splittern ein Mandgt! Ein schwerer Raubüberfall wurde heute mittag auf den .17jährigen Laufburschen Otto Rönnefeld verübt. Der junge Mann ist bei einer Schuhfirma in der Rosenthaler Straße beschäftigt. Heute mittag bekam er von seinem Chef den Auftrag, von der am Rosenthaler Platz gelegenen Bank 280 M. abzuheben. Rönne- feld wurde das Geld ausgehändigt. Er muß von zwei noch un- bekannten Männern beobachtet worden fein, dke ihm dann folgten und uister irgendeiner Vorspiegelung nach der Linien- straße lockten. Vor dem Hause Linienstraßc 73, einem alten Gebäude, packten sie den ahnungslosen jungen Menschen, zerrten ihn in den Hausflur hinein und schlugen ihn miteinerEisen- st a n g e nieder. Um vor Ueherraschungen durch Hausbewohner gesichert zu sein, schleppten sie den Bewußtlosen die Kellertreppe hinab, wo sie ihn ausplünderten und liegen ließen. Der Vorfall war trotzdem bemerkt worden, und als mehrere Leute hinzukamen, ergriffen die Verbrecher die Flucht. Sie entkamen mit ihrer Beute unerkannt. Das„Ehrengericht der deutschen Adelsgenossenschaft" hat durch Spruch vom 16. Mai 1930, der nunmehr rechtskräftig ge- worden ist, in der M a n d a t s f r a g e der aus der Dcutschnatio- nalen Partei ausgeschiedenen voltskonservativen Abge- ordneten gegen Herrn Reichsminister a. D. Dr. von Keudell erkannt: Der Beschuldigte wird s r ei g es p r o ch e n. Der Schluß der Urteilsbegründung lautet: Der Ausfassung des Beschuldigten, daß er subjektiv wie objektiv berechtigt gewesen sei,. den Verpflichtungsschein als durch die Parteifüh- rung endgültig annulliert anzusehen, ist zuzustimmen. Der Ueberfallene, der schwere Schädelverletzungcn erlitten hat, liegt noch bewußtlos darnieder, so daß die Polizei noch keine weiteren Feststellungen treffen konnte. 2000 Opfer des Taifuns. Die japanische Regierung veröffentlicht eine weitere Er- rlärung über die Taisunschädcn in Korea und Kiuschiu. Sie weist für Korea ZgZ Tote, 1493 vermißte, die gleichfalls als tot zu gellen hoben, und 205 Verletzte auf. Die Anzahl der zerstörten Häuser wird mit S475 angegeben. In kiuschiu kamen 82 Menschen ums Leben, während 75 vermißt werden und 425 vcr- letzt wurden. Die Zahl der zerstörten Häuser beträgt lS Sgo, die der schwerbeschädigten 20 7Sb. 1803 kleinere Boote sind entweder gesunken oder werden vermißt. Wetterumschlag in Amerika. Zwanzig Tote durch Gewitterstürme.' Rem Zork. 23. Juli. Aus die Hitze der letzten Tage folgten in vielen Teilen des Landes schwere Gewitterstürme, bei denen etwa zwanzig Personen durch Blitzschlag. Ertrinken. Schornstcineinstürzc oder Automobilunsälle ums Leben kamen. Die Hitzewelle hat insgesamt etwa 3 0 0 Opfer gefordert._ Falscher Hase als Hindenburg Sreist der Reichspräsident in die Wahlen ein? Es verlautet, daß der Reichspräsident v. Hindenburg be- absichtigt, nach seiner Rückkehr vom Rhein die Parteiführer von Treviranus bisKochzursichzu berufen. Der Reichspräsident will an sie appellieren, daß sie den Wahlkampf in einheitlicher Front führen mögen. . Danach scheint es, als ob ui»s jenes sonderbare Gemengsel un- definierbarer Parteireste, dos Herr Scholz zu einem einheitlichen Ganzen zusammenbacken will, als„falscher Hase a la Hindenburg" serviert werden sollt«. Nazi-Rowdytum. Lleberfall in Halle.- Schlägerei in Kiel. halle, 23. Juli.(Eigenbericht.) In der vergangenen Nacht kurz noch 11 Uhr wurde der Gau- führer des Reichsbanners, Gebhardt, als er sich in Begleitung einer Dame auf dem Heimweg befand, am Preuhenring von Ratio- nalsozialisten überfallen und mit einem eisernen Schlaginstrument am Kopf schwer verletzt. Seine Begleiterin wurde, als sie sich da- zwischen stellte, von den Banditen in den Leib getreten. Außerdem erhielt sie einen Schlag an den Kopf. Auch wurden ihr die Kleider zerrissen. Der lleberfall war zweifellos organisiert. Während des gestrigen Abends durchzogen ganz« Truppsvon Nationalsozialisten in militärischer- Ordnung die Stadt. ohne daß die Polizei einschritt. Erst nach dem Vorfall wurde ein Hakentreuzler, der wahrscheinlich als Täter in Frage kommt, fest- genommen. kiel, 23. Juli.(Eigenbericht.) Ii» einer nationalsozialistischen Versammlung kam es am Dienstag zu einer Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, in deren Verlauf einige Versamnstungsbesucher leicht vetfetzt wurden. Der Vortrag des nationalsozialistischen Redners, Rechtsanwalts Dr. Böhmker aus Eutin, ist besonders für die bürgerlichen Parteien Thüringens von einigem Interesse. Böhmker bezeichnete die b ü r- perlichen Mini st er Thüringens als Lakaien Dr. F r i ck s. Sie tanzten schon monatelang nach seiner Pfeife, und das sei es, was die Nationalsozialisten wollten. Außer Frick sei von de» thü- ringischen Ministern in Deutschland niemand bekannt. Höchstens noch Herr Dr. Baum, der als Vertreter Fricks nach Berlin geschickt werde. Gireikerfolge in Krankreich. Llnternehmer zahlen die Sozialbeiträge. pari». 23. Zul«.(Eigenberichl.) In Lille haben sich mehrere werke bereit erklärt, den Anteil der Arbeiterschaft an den sozialen Losten zu übernehmen. Der Generalstreik in der Metallindustrie, der von Ansang an nur von 60 proz. der Belegschaften befolgt mar. ist dadurch zurückgegangen. Es stehen noch etn>a 15 000 Mann im Streit. In R o u b a i x haben sich ebenfalls mehrere Textilfabriken zum Tragen der sozialen Unkosten bereit erklärt. In zwei Woll«»ebere1en sind jedoch neu« Teilstreik» ausgebrochen. In R o u e n sind am Dienstag 8000 Textilarbeiter in einen wilden Streik getreten. In Eaen hat die Gewerkschaft der Metallarbeiter den llnternehmem «in kurzfristiges Ultimatum gestellt und beabsichtigt am Donnerstag den Generalstreik zu erklären. Blum verklagt Toly. Der„Ami du Pcuple" des Parsümfabri- konten Eoty hatte Blum beschuldigt, er stelle als Interessent an cinci- große» Petraleumgesellschast seine Privatinteressen über die des«taates. Leon Blum hat daraufhin Klage wegen Beleidigung ein- Lerzichl, Ebermayer. Sine Erinnerung aus dem Iagow-Prozeß. Der im Ruhestand lebende ehemalige Obcrreichsanwalt Dr. Ebermayer unternimmt es, die in letzter Zeit heftig angegriffene Rechtsprechung des Reichsgerichts in politischen Prozessen zu ver- leidigen. Ist Herr Ebermaycr der berufene Verteidiger? Kann er bei gewissenhafter Kontrolle seiner eigenen-Tätigkeit von sich aus sagen, den Gedanken des Rechts stets über politische Zweck- mäßigkeitserwägungen gestellt zu haben? Wir erinnern uns einer Episode aus der an starken Monienten reichen Tätigkeit des ehemaligen Reichsanwalts. Man schreibt 192l. In Leipzig wird gegen die Hochverräter des Kapp- Putsche?, gegen v. Jagow und Genossen verhandelt. Bor Gericht erscheint der General Ludendorff, nicht als Ange- klagter, wie man hätte erwarten müssen, sondern qls Zeuge. Er hackt und stottert eine Aussage. Kiudische, unwürdig« Ausflüchte. Behauptet, nichts gewußt zu haben. Spaziergang am Brandenburger Tor, nur„um zu verhindern, daß Reichswehr auf Reichswehr schießen würde".(Also um den Widerstand der Regierung gegen die Hochverräter zu verhindern.) Eine Zlussage voll äußerer und innerer Widersprüche. Niemand von den vierzehn Richtern der beiden pereinigten Senate wagt, auf dies« Widersprüche einzuhaken, den Zeugen ins Kreuzverhör zu nehmen. Jedoch erhebt sich der Oberreichsanwalt Ebermaycr. Er bcan- trogt die Berlesung einiger Briefe. Sie sind von dein Mit- verschworenen Schnitzler an Ludendorff geschrieben, ihr Inhalt ist für Ludendorff vernichtend. In dem einen, der am Tage des Zusammenbruches des Kapp-Unternehmens geschrieben wurde, l�eißt es:„Exzellenz haben unsere Pläne von An- fang an gekannt und gebilligt, Exzellenz dürfen uns jetzt nicht im Stich lassen." Ludendorss ist noch nicht vereidigt. Alles erwartet einen An- trag des Oberreichsanwalts. Nichts geschieht. Weitere Zeugen werden vernommen. Am Schluß der Vernehmungen beantragt der Oberreichsanwalt, mehrere Zeugen wegen Verdachtes der Mittäter- schaft nicht zu vereidigen. Dann verliest er die Namen derer, deren Vereidigung unbedenklich sei, weil gegen sie der Verdacht der Mittäterschaft nicht in Frage käme. Unter diesen ist Luden- d o r f f. Das Gericht beschließt entsprechend den Anträgen des Obererichsanwalts Ebermayer, den Aeugen Ludendorff zu vereidigen. Will Herr Ebermayer auch heute noch seinen damaligen Antrag auf Vereidigung Ludendorsfs als Ausstuß rein rechtlicher Erwägungen bezeichnen? Wir wären neugierig, ob er dies tue und wie er es begründet._ Großfeuer in der Mendelssohnstraß� Mehrere Sachstühle in Flammen. heule mittag brach im Sa ch st n h l des hinlergcbäude» M en- del, söhn straße 5 Feuer au», da» rasend um sich griff und aus die angrenzenden Dach stuhle übersprang. Bei Schluß des Blallc» arbeiten noch vier Löschzüge der Feuerwehr an der Brandstelle. Für 2 Millionen Alkohol beschlagnahmt. Ein« außerordentlich wertvolle Alkpholladung wurde von den Prohibitionsbeamten an Bord eines Petroleumtonk- dampfers beschlagnahmt. Die Ladung bestand aus 2 50 0 Kisten Alkohol im Werte von 500000 Dollar. Die zehnköpfig« Besatzung wurde oerhaftet._ Deutscher Schiachtkreuzer in Scapa Flow gehoben. Der deutsche Schlachtkreuzer.hindenburg" wurde in Scapa Flow gehoben. Dos Schiff wird noch Rofyth zur Ver- schrottung geschleppt werden. Bicher sind 29 der versenkten deutschen Schiff« gehoben worden. Es bleiben noch 15 übrig, von denen einige jedoch in sehr tiejem Wasser liegen. auf den Listen des Landvolks sichern soll. Vielleicht werden einige von ihnen wirklich den Rettungsring fassen können. Aber der Hugenberg-Kahn dürfte endgültig abschwimmen. Austritt, Austritt! Der bisherige deutschnationale Reichstagsabgeordnete Leopold hat seinen Slnstritt aus der Deutschnationalen Aolkspartei erklärt: Hugenberg läßt die Mitwelt wissen, daß er entgegen anders- lautenden Nachrichten doch im Wahlkreis« Westfalen-Nord tandi- dieren werde. Hugenberg contra Keudetl. Das.Ehrengericht" des Adels gegen Hugenberg. Aegypten in Llnruhe. In Kairo T000 verhafiet.— Ein Toter in Port Said. London, 23. Iuli.(Eigenbericht.) Vi« Unruhen in Aegypten dauerten auch am Dienstag an. So kam es in mehreren ägyptischen Städten, ähnlich wie am Montag, wieder zu Zusammenstößen mik der Polizei. Zn Port Said versuchten Anhänger des Wafd am Dienstag nachmittag das Rathaus in Brand zu stecken. Al» sich die Menge gegen die Polizei znr wehr sehte, machten die Beamten von der Waffe Gebrauch. E i n Demonstrant wurde getötet. In Kairo sind bisher wegen der Zusammenstöße am Montag über 1000 Personen verhastet worden. Wie sag' ichs meinem Kinde? KPS. verständigt sich mit der Polizei.- Wie sieht das in der„?taten Fahne" ans? Der kommunistische Londtagsabgeordnete Kasper hat dieser Tage mit einem Vertreter des Berliner Polizeipräsidenten wegen der geplanten Kommunistendeinonstrotion am Z. August verhandelt. Da gegen den älteren Anspruch i>er Sozialdemokraten auf den L u st- garten nichts zu machen war, schien Herr Kasper sehr zufrieden, dah ihm als Ersatz der Winterfeldtplatz zur Verfügung gestellt wurde, lieber An- und Abmarschstrahe wurde eine Verein- barung erzielt, die»erhindern soll, daß sozialdemokratische und kom- munistische Züge zusammenstoßen. So war alles in schönster Ord- nung. Der kommunistischen Parteileitung blieb nur noch übrig, ihre Anhänger von dem Abkommen in Kenntnis zu setzen. Das ist nun heute morgen in der„Roten Fahne" geschehen. Aber wie es geschehen ist, ist nicht ohne Reiz. Gleich die Balken- Überschrift steht so aus: Antwort aa Zörglebels Provokation am 1. Augast: MWMsMtelMMMkM! Raub des Lustgartens für da« rote Berlin- Die Kommunistische Partei durchkreuzt den provokatorischen Plan Zörgiebels- Die roten Kolonnen inarschieren in den Westen, die Wohnbezirke der Kriegstreiber und Jaschiflen Es folgt ein ausführlicher Text, dem wir folgendes entnehmen: Der Zörgiebel der 33 Mai-Toten provoztert! Er raubt, in enger Zusammenarbeit mit dem berüchtigten Provo- kateur Künstler, dem Antikrieg saufmarsch des roten Berlin am l. August den Lustgarten... Der grandiose I.-Mai-Ausmarsch unter den Fahnen des Bolschewismus ist dem Zörgiebel so in die Knochen gefahren, daß er wieder einen doppelt und dreifach stärkeren Massenaufmarsch der KPD. fürchtet. Die Provokation ist nor. Der Zörgiebel der blu- tigen Maitage will der Kommunistischen Partei, dem roten Berlin den Lustgarten am 1. August rauben. Zörgiebel will durch feinen Raub des Lustgartens Zu- s a m m e n st ö ß e zwischen den kommunistischen und sozialdemo- krattschen Arbeitern provozieren. Er will die sozial- demokratischen Arbeiter, die gegen die Arbeitsgemein- schafts- und die knechtselige Koalitionspoltik der SPD. rebellieren, durch antikommunistische Provokationen ablenken. Aber die kommunistische Partei wird ihm einen Strich durch seine provokatorische Rechnung machen! Sic wird alles tun, den 1. August zu eurem Mobilisationstng für die proletarische Einheitsfront von unten, gegen die imperia- listische Kriegsgefahr zu machen. Das rot« Berlin wird am 1. August den Raub des Lustgartens damit beantworten, daß die revolutionären Bataillone der Arbeiter und aller Notleidenden in die Wohngebiete der bourgeoisen Kriegshetzer und der Faschisten inarschieren und im Westen ihre gewaltige Antikriegsdemonstration durchführen werden. Die Kommunistische Partei ruft zu diesem Ausmarsch. Wer geegn die Diktatur des Artikels 48. gegen den faschistisch-dikta- torischcn Steuerraub ist... wer gegen die imperialistischen Kriegsvorbereitungen und für die Verteidigung der Sowjetunion ist, der marschiert am l. August in die viertel der Reichen, in die viertel der kapitalistischen Kriegsverbrecher, in die vierket der faschistischen Kopiialssöldiinge. Auf diese erstaunliche Art und Weise werden die Leser der ..Roten Fahne" in Kenntnis der schlichten Tatsache gesetzt, daß Herr Kaspar von der Polizei die Erlaubnis zu einer selbstverständlich vollkommen, friedlichen Versammlung unter freiem Himmel bekommen hat. Am erstaunlichsten aber bleibt, daß es noch iminer Leute gibt, die so etwas ernst nehmen, Leute, die noch immer nicht bemerken, daß das scheinrevolutionäre Treiben der KPD. eine einzige Ka spe- r i a d e ist. - Lügen über Mansfeld. Noch keine Wiederaufnahme der Arbeit. h e l b r a, Z3. Zuli.(Eigenbericht.) Trotzdem die Mansfeld. AG. sich bereit erklärt hat. ihre betriebe wieder zo öffnen und auch die große Funklionärkonseren; der streikenden Bergarbeiter sich zur Wiederausnahme der Arbeil entschlossen hat, liegen die Schächte und Hütten im Mansfelder Revier nach wie vor still. Das hat nicht etwa feinen Grund darin, daß„die Kumpels die sozialfaschistischen Führer verjagt, die schrift- lichen Aufforderungen zur Wiederaufnahme der Arbeit mißachtet und unter Führung der Opposition den Streik sorigeseht haben", wie die Kommunistenblätter schreiben, die Wahrheit ist vielmehr, daß die Arbeit noch nicht wieder aufgenommen wurde, weil die Verhandlungen mit den Finanzministerien über die höhe der Subventionen immer noch nicht abgeschlossen sind. Es ist also eine niederträchtig« Verleumdung der Kom- munistenpresse, wenn diese von„schriftlichen Aufforderungen der Gewerkschaftssühver zur Wiederaufnahm« der Arbeit" spricht: derartige Ausforderungen existieren nur in der Phantasie der KPD.- Redakteure. Im Gegenteil, die Helbraer Funktionärkonferenz hat ausdrücklich beschlossen, die Ausnahme der Arbeit erfolgt, wenn die freigewertschaftliche Zsntralstreitleitung hierzu die Parole ausgibt. lind diese Parole ist bisher nirgends ausgegeben worden. Da nun aber jeden Tag mit der Wiederaufnahme der Arbeit zu rechnen ist, sind von der Mansfeld-AC. eine Anzahl Arbeiter zu Vorbereitungsarbeiten beordert worden, die die kam- plizievten Hütten» und Schachtanlagen in Gang bringen sollen, was nicht erst geschehen kann, wenn die 13000 Bergarbeiter am Tage der Beendigung des Streiks vor den Fabriktoven stehen. Auch das begreifen die kommunistischen Führer nicht: sie müssen aber zusehen, wie die„revolutionären Unorgainsierten", die in den Listen der Gc- roerkschastsoppositio» geführt werden, im Handumdrehen die Bettel- suppen der Internationalen Arbeiterhilfe stehen ließen und nicht schnell genug eine Karte für die Vorbereitung sorbeiten erwischen konnten. Jedenfalls liegt de? Abschluß des großen Mansfelder Kampfes, ebenso wie fein Beginn, völlig und einzig in der Hand des Lergbau-Industriearbeiter. Verbandes. Was die Kommunisten nach acht Wochen Streitdauer noch hinter sich haben, konnte man heute an dem Bäckerdutzend von Demonstranten sehen, dos in Eisleben vor den, Finanzamt krakeelt«. Wohl selten ist die„revolutionäre Opposition" so aufs.Haupt und so vernichtend geschlagen worden w'.e in Mansfeld. tln dieser Tatsache können auch die großspurigsten Wftch» fr».«mntGult»,«' aicht etoen Dent äwtwtt, Für die Opfer des Weltkrieges. Llmgefialtung der Reuen Wache? Der Gedanke, Schinkels Neue Wache am Opern- platz zu einem Gedächtnismal der Toten des Weltkriegs zu ge- statten, muß glücklich genannt werden. Sehen wir ab von dem unerquicklichen Streit um das„Reichsehrenmal": die Regierung hat recht daran getan, den Gordischen Knoten zu zerhauen und zunächst einmal in der Reichshauptstadt eine würdige Gedenkstätte herzustellen, ohne große Kosten, unbeschadet späterer Entscheidungen über jenes bei Berka oder an der Porta oder wer weiß wo sonst zu errichtende Denkmal. Es besteht die Hoffnung, daß olle diese Pläne alsdann stillschweigend unter dem Protektorat unseres hei- ligen Dalles begraben werden. Die ursprünglich militärische Bestimmung der Schintelschen Hauptwache und die vornehm« Schönheit ihrer Architektur im Mittelpunkt des offiziellen Berlin läßt ihre Wahl wie eine Art Genieblitz in der Dunkelheit unserer sonstigen Regierungsweisheit erscheinen.- Man kann solch ein Mal auf zweierlei Art bauen: als Innen- räum und als Freiluftanlage. Das Mal unter freiem Himmel kommt wohl weniger für eine inmitten der Großstadt als ln seier- licher Stille freier Landschaft gelegene Stelle in Betracht. Die Schinkelsche Wache aber ist durchaus als Jnnenraum gedacht und gebaut, sehr abgeschlossen vom Lärm der Außenwelt und über den praktischen Gebrauch als Wachtstude architektonisch weit hinaus- gehend zu einem feierlichen Monument, dos im Stadtbild bisher ausschließlich mit seiner herrlichen Säulenvorhalle als ein Stück Außenbau wirkte. Wenn die Bedingungen des Preisausschreibens nun ein„offenes Atrium" verlangen, so wird der Phantasie der Architekten die unmögliche Aufgabe zugemutet, aus dem geschlossenen Würfel der Wache einen allen Himmelscrscheinungen offenen Säulenhof herauszuschneiden. Man ist sich bei den Regierung� stellen, die diese Bedingungen ausstellten, offenbar nicht des Wider- spruchs bewußt geworden. Um so stärker tritt er in den Plänen und Modellen der sechs aufgeforderten Architekten zutage, die im Herrenhause vom 23. Juli an öffentlich ausgestellt sind. Da es sich um eine ideale Ehrung der Millionen handelt, die ihr Blut für die Heimat vergossen haben, also um«ine jenseits aller Par- teien und Weltanschauungen stehende Stätte seelischer Einkehr der Ueberlebenden, so darf diese Angelegenheit wohl höchste Ausmerk- samkeit beanspruchen. Der innere Widerspruch hat sogar schon zu einem offenen Brief von Pölzig, dessen Entwurf an die dritte Stelle gesetzt wurde, an die mahgebeirden Minister geführt. Pölzig hat, als ein- ziger, die Bedingung eines offenen Ehrenhoses erfüllt. Er entfernt das Dach der Hauptwache und umstellt den Hof, in dessen Mitte er ein schlichtes Grab setzt, mit strengen Vierkantpfeilern, die in der Höhe durch einen umlaufenden Querbalken verbunden sind. Mir scheint, daß der Irrtum der Ausschreibung sich in Pölzigs Entwurf sä sbsuräum führt. Denn die großartige und urtümliche Einfalt seines Pfeilergeheges paßt durchaus nur in eine freie Landschaft. In der Einsamkeit einer Waldhöhe würde sie erhaben wirken. Ein- gepreßt in den Schinkelbau ergibt sich ein peinliches Nebeneinander von klassizistischen Säulen und dünnen Betonpseilern, der Blick von der Straße, auf den hier alles ankommt, enthüllt schon das be- fremdende Widerspiel von Außenbau und Jnnenhof. Pölzigs Fehler ist nicht der seinige, er hat sich an die Bedingungen gehalten, und seine Forderung, nachträglich auch seinerseits mit einem geschlossenen Entwurf mitzukonkurrieren, ist völlig berechtigt. In stärkstem Gegensatz hierzu bedeutet der Entwurf von Mies van der Rohe unstreitig die Lösung, die hier in Frage kommt. Der Innenraum ist einheitlich, mit völlig geschlossener Decke ge- staltet, Licht dringt allein von den hohen Fenstern der Cingangsseite herein, durch grau« Glasscheiben gedämpft. Duntelgrüne Tinas- platten oerkleiden die glatten Wände: das Symbol des Tobes- gedentens liegt in Gestalt einer schwarzen Granitplatt« leicht ver- senkt in des Raumes Mitt«: daraus nur der große Reichsadler«in- geritzt, vorne der Spruch„Den Toten". Die feierliche Größe des halbdunklen Raumes enthüll wohl den stärksten Ausdruck des Ge- fühls, das wir den Opfern des Weltkriegs entgegenbringen. Stille und Sammlung und die Möglichkeit, Feiern dem Geist des Ortes anzupassen, sprechen mit stummer Macht für diesen Entwurf, der den zweiten Preis erhielt. Aus den übrigen vier Entwürfen, die sämtlich die Geschlossen- heit von Jnnenräumen mittels durchbrochener Decke mit der Forde- rung des„offenen Atriums" verbinden, ragt Heinrich Tesse- n o w s Lösung heraus. Er Hot den ersten Preis erhalten, und man kann der Anmut und Vornehmheit seines Raumes die Ehrfurcht nicht versagen. Ein Binnenraum mit glatter Wandbehandlung,«in hoher Altarstein mit goldenem Kranz, und darüber die lichtspendende Oesfnung der Decke, das Ganze schlicht und zu Herzen sprechend. Doch leidet es an einer unangemessenen Freundlichkeit, an einer gewissen Bejahung des Todes. Die Bitterkeit der Erinnerung an Schlachtengrauen und Tod ist mit sanfter Hand hinweggewischt. Das aber sollte wohl nicht der Sinn des Ehrenmals sein—, dem übrigens die Entwürfe von Behrens, Grube und Blunck noch weniger nahe kommen. Die Archll'ektur dieses Raumes soll uns Symbol sein für den furchtbaren Ernst jenes vierjährigen Kampfes, und zugleich eine Mahnung: Nie wieder Krieg! Diesen Geist aber verkörpert die großartig dunkle Halle Mies van der Rohes. Dr. Paul F. Schmidt. Talhoffs„Totenmal". Zur Münchener Ltraufführung. Die zum ianzerkongreß geplant« Uraufführung des„Tote n- m a l 5* von Adalbert Ta l ho f f fand am 20. Juli in München statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung stellte Mary W i g- man mit ihrer Gruppe zum ersten Male ihre Kunst in den Dienst eines Bühnenwerkes nicht rein tänzerischer Art. Es ist ein wundervoller Gedanke, den Toten des Weltkrieges neben steinernen Ehrenmälern auch ein sichtbar und hörbar lebendiges Mal zu errichten. Ein solches Bühnenwerk, an einem Gedenktag des Krieges ausgeführt, oder zu einem internationalen Kongreß, könnte eine kiese Wirkung haben.» Was aber geschah? Talhoff schreibt eine„dramatisch-chorische Vision für Wort. Tanz. Licht" und übergibt sie zu einem belang- losen Zeitpunkt der Oeffentlichkeit. In acht lose aneinander- gereihten, teils chorisch und solisttsch gesprochen, teils getanzten Szenen gelingt es ihm nicht, dem Beschauer den Eindruck eines folgerichtigen, sich steigernden, notwendigen Geschehens— das dos Wesen des Dramas ausmacht— zu vermitteln. In der ganzen Anlage ist das Werk oratorffch, nicht dramatisch. Daran ändert es auch nichts, daß die Tanzkompositionen für sich dramatischen Aufbau und Höhepunkte haben. Talhofs bedient sich zur Aus- gestaltung seines Werke» verschiedener Mittel, deren Anwendung er in einem besonderen Heft erläutert: Sprechchöre, Dichtung, Tanz, Masken, klangrhythmisches Orchester, Lichtaltäre. Wir haben schon mehrere Sprech- und Beweguugschorversuche erlebt: den Jllingschen„Aufbruch des Geistes", dessen Text« zu philosophisch und zu wenig rhythmisch für die gleichzeitige Bewe- girng waren, und den Sprech- und Bewegungschor„Der gespaltene Mensch" von Bruno Schönlant, bei dem der knapp und rhythmisch geformte Text einen gleichzeitigen bewegungsmäßigen Ablauf ge- stattete. Beide gingen von dem richtigen Prinzip aus, die Chöre den Text sinngemäß sprechen zu lassen. Talhoff trennt den Sprech- und Tanzchor und geht sprachlich vom Klang, also vom Musikalischen aus; dabei geht der Sinn des Wortes verloren. Warum, wenn er nur«ine lautliche Untermalung des Bühnen- geschehens braucht, tedient er sich überhaupt des Textes? Dazu genügten in verschicdenen Klanglagen gesprochene Laute, wie das z. B. Kurt Weill mit Erfolg in der Oper„Der Protagonist" mit gesungenen Vokalen versucht hat. Warum, wenn cr schon das Unwirtliche, Visionäre als Gcsamtstimmunz dem Wert unterlegt, zerreißt er selber diese Wirkung durch oas ganz realistische, solistischc Sprechenlassen von Original-Briefstellen im Kriege Gefallener, die für den Vortrag an einem Leseabend geeignet wären? Einzelne dichterische Stellen im Talhosffchen Text rechtfertigen nicht das übrige dilettantische WortgeNingel. D'lettantiich ist auch das „klangrhythmische Orchester"(Gong. Trommel, Pauke, klingende Mctallsläbc), dessen Wirkung Talhosf überschätzt. Zwei Hilfskräfte hat Talhoff gut ausgewählt: die Darstellerin des Tanzes und den Schöpfer der Masken. Hier hat er selbständige, helfende Meister gefunden, ohne die sei» ganzes Wert gesckjeitert wäre: Pkary Wigman Mit ihrer Gruppe und Bruno Gold- s ch m i t t. Das Thema des Totenmals liegt Mary Wigman! Wesen ganz besonder,. Sehr stark wirkt die Szene, in der sie den Toten, der auf seinem Grabe steht, oeranlaßt, die Hände zu heben, und die spätere, in der sie ihn dazu bewegt, ihr zu folgen, bi» sie der Macht des Dämons weichen muß. Warum fällt nach ihrem„Tanz der Trauer" in der siebenten Komposition nicht der Vorhang? Der Zuschauer könnte da mit dem Gefühl der Ergriffenheit nach Haust gehen. Er muß aber noch eine halbe Stunde lang»nverstäadliche Klagen über„einen Gott der Liebe", der„einer Mutter ihren Sohn erschlug", und„der die Herzen dar Mütter mit Dolchen, Gräbern «ld Kreuz« umstellt", über sich ergehen lassen, während er zum Schluß sich wieder eben diesem Gott der Liebe und des Friedens zuwenden soll.-ä- Talhoffs Vorstellung von Licht scheint anders als die übliche zu sein. Schön ist die Idee der farbigen„Licht iltäre", röhren- förmige, nebeneinandergestellte Gebilde, die in verschiedenen Farben auf- und wieder verglühen. Wirkungsvoll ist auch das, /schwingende Licht", das von oben her in schnell über die Bühne lausenden Lichtstreiben die Tanzenden für Augenblicke erhellt. Das sonstig« von oben oder von den Seiten kommende Scheinwerserlicht reicht aber nicht zu, um die tänzerischen Vorgänge genügend sichtbar werden zu lassen. Manchmal ist es so finster, daß man nicht weiß, ob die in schwachen Umrissen auf der Bühne wahrnehmbaren Ge- stalten zur augenblicklichen Handlung gehären, oder ob sie für den nächsten Austritt bereitstehen. Die meisten Ehorszencn gehen in Dunkelheit unter. Gegen den Versuch eines Zusammenwirkens verschiedenster Kunstelement« in einem Gesamtwerll ist nichts einzuwenden, aber diese Faktoren müssen gegeneinander abgewogen und meisterlich gehandhabt werden, wenn ein Werk mit dem Anspruch aus künstlerische Wertung austritt. Spätestens bei den Proben hätte Talhosf bemerken müssen, daß eine Summe von Einzelheiten noch kein künstlerisches Ganzes ergibt. Die wenigen Wirkungsmöglichkeiten, die aas Totenmal bietet, haben die Chöre(Leitung: Karl Vogt-Berlin) und Solisten(Mary Wigman, Adolf Heil, Alexander Kamaroff, Wilma Mönckeberg) nach besten Kräften verwirklicht. Ulli dlüller.Rau. „Das Wolgamädchen." phocbus-palast. Dieser Film ist eine ergötzliche Angelegenheit für militärfromme Leute, die nach ausgiebiger Tätigkeit ihrer Tränendrüsen als Be- ruhigungspulvcr für die Nach« das gute Ende serviert bekommen. Der vielgeliebt« und viel liebende Reserveoffizier knüpft aus einem Gut? mit einem Mädchen Beziehungen an, die nicht ohne Folgen bleiben. Ans demselben Gute aber wird«r, der Held aller Mädchenträume, mit der Nichte des Gutsbesitzers Hals über Kopf verlobt. Doch im Film gehören die Liebenden zusammen. Die angetraute Frau geht Nebemvege und der betrogene Mann findet die Mutter seines Kindes in einem Tanzlokal wieder. Darauf mehrere große Wiederertennungs- und Rührungsszenen und ein lebensfremdes Film Publikum geht befriedigt nach Haust. Der Photograph bringt teilweise gute Aufnahmen, aber da der Film jede Einheit vermissen läßt, bleibt auch die photographische Arbeit ohne Wirkung. Der Regisseur Robert W o h l m u t h jormt kein wahres Leben, sondern nur wohltemperierten Edelkitsch. Evelyn Holt ist in ihrer bewußt sentimentalen Not« rührend und hilflos schön. Igo Sym verleiht dem Reserveoffizier Charakter, der eigentlich gar nicht in dieser Rolle liegt. Warum jedoch das Wolgamädchen ausgerechnet als„tönender" Film zu uns kommen muß, ist nicht recht verständlich. Während auf der Leinwand die Texte erscheinen, wird kein Wort gesprochen. dafür aber andauernd gesungen. Die Geräuschwiedergabe ist solch Kapitel für sich. Hört sich doch das Pserdegetrappel an, al» ob die Gäule Holzschuhe tragen, die sie bei jedem dritten Schritt verlieren. Und dann die Militärmusik! Man weiß wirklich nicht, ob ein Hengst seine Friihling-gesühle in die Wintei nacht hinausschreit oder ob die Pauke kaputtgeschlagen wird. Man bekommt doch bald Angst, daß bei derartigen Fortschritten der ganze Film noch mal um- gebracht wird.«. 1». Heue brücke über den Kellow tKanal 'Jn Xidtferfelde Süd trurde die neue ffirildte, die am Ufer big auf den lelalcn tliel ferliggeflclU trurde, mit JCIIfe einer hydrau lifrhen treffe Uber den Kanal hlnltbergehoben und In die gemauerten Tragflächen elngclaffen Oer Weg in den Sumpf. Film— Reichtum— Ruhin! Man hat sich tm Lauf« des lcsitcn Jahrzehnts sattgelesen und sattgehört an den Schreien der armen kleinen Modistinnen und i»er ewig unzufriedenen Halbfertigen, d«n Schreien nach jener Karriere, die wie ein Wirklichkeit gewordenes Märchen die gärende Phantasie einer vor dem Nichts stehenden Nachkriegsjugend in begreiflichen Aufruhr verfetzte. Man hörte von phantastischen Gagen und Werdegängen und vergaß, daß die junge von allen Seiten noch mit Mißtrauen betrachtete Film- industrie reklamebedürftig war und in solchen Gerüchten nicht mit Unrecht die wirksamste Retlame sah. Man ver- wechselte obendrein die Dichtung auf der Leinwand zu gern mit der Wirklichkeit und dies in einem Maß«, wie es die Bühne zur Zeit des stärksten Bühnenrummels nicht erreicht hotte. «.Probeaufnahme.� Waren noch zwei Jahrzehnte vorher die Karl May lesenden Halbwüchsigen noch Amerika ausgeknisfen, so griff heute der Drang nach der Filmlaufbahn wie eine Bolkstrankheit um sich. Was nutzten da Warmingen in Presse, Buch und Schule, wenn Legende um Legende in die Massen drang! Da wurden Existenzmöglich- leiten beiseite geworfen und Familien zerstört. Man hatte ja lncist— so tröstete man sich— nicht viel aufzugeben: alle Bruss- zweige überfüllt, ohne Geld und Protektion nirgends Erfolg zu erwarten— also, verlieren konnte man nichts, gewinnen alles. Und dann?— Die Antwort ist eine Tragödie— eine der Tragödien des Jahrhunderts.- Nach einigen fruchtlosen Bemühungen bei Agenten, Regisseuren und Direktoren kehren etliche ernüchtert uni, eder'die Mehrzahl klammert sich zäh an ihre Hoffnungen.„Es gibt ja genug Möglichkeiten!" Und was wird da nicht alles versucht! Da sind zum Beispiel die gerühmten„Probeaufnahme n". Man geht zu irgendeiner größeren Firma, setzt sein letztes Geld und sofern man Frau ist, gelegentlich auch mehr daran und erreicht schließlich, daß man zu einer Probeaufnahme zugelassen wird, die den Zweck haben soll, die Befähigung oder Nichtbesähigung des Neulings festzustellen. Der ersehnte Tag kommt heran und das arme Opfer steht zum erstenmal in seinem Leben herzkwpsend vor der Kamera. Was liegt dem Friseur, was dem Kamsrainann an .dem Außenseiter! Der Ton, der hier herrscht, läßt das Opfer schon verjagen. Es hat sich längst im stillen zurechtgelegt, wie es feine „interessanten Posen" zeigt. Und nun steht es verschüchtert da und führt automatisch jede anbefohlene Bervegung aus:„Kopf longsam nach links— so, jetzt lächeln— Kops wieder nach vorn wenden— aber nicht so hastig— Sie seheü irgendetwas Furchtbares— sind entsetzt— na, machen Sie schon ein recht entsetztes Gesicht!— warum denn so steif, Liebling!— gut so, danke schön!"— Und der Kameramann kurbelt, der Apparat surrt, die Quecksilberlampen speien Glut, das Licht zischt aus— vorbei! Alles umsonst! Nach Iahren noch liegt der Filmstreifen im Archiv und der oder die Geprüfte sitzt vielleicht hungernd in der Filmbörje. An der Filmbörse. Hier landen die fast oder ganz Unheilbaren und die bilden die überwiegende Mehrzahl. Es befällt einen Beklemmung, wenn man diese Räume betritt. Hundert« von Menschen, zusammengepfercht, die Luft zuni Schneiden dick voll Zigarcttenqualm. An allen Tischen Lärm. Betritt der Beauftragte einer Firma den Raum, verstummt alles. Angstvolle, bittende, kokettierende Blicke. Man umdrängt den Brotgott, bis der begleitende Ordnungsmann die Zudringlichsten an ihre Plätze weist. Und selbst die scheinbar Ruhigen, Teilnahm- losen fiebern innerlich, hypnotisieren gleichsam den Engagierenden. Hat er die paar Leute, die er braucht, notiert, dann sehen ihm die anderen enttäuscht nach. Schimpfworte werden laut, man kann bis- weilen auch eine verstohlene Träne blinken sehen, auch bei Männern— Hungr tut eben weh! Die Allermeisten sitzen hier seit Iahren. Sie hoffe» nicht mehr, sie trauern auch nicht, sie sind stumpf geworden. Sie fühlen auch nicht mehr, daß sie Ware sind, Ware um jeden, auch um den niedrigsten Preis. Wie oft schon wurde dem Beauftragten einer Firma das Engagieren wegen der zu niedrigen gebotenen Gags untersagt und von den Tischen ein entrüsteter Swrin von Schmäh. reden entgegengeschleudert. Wenn er aus dem Hause trat, um- ringten ihn ans der Straße Dutzende hungernder Klnnparsen und boten sich an, noch unter der gebotenen Gage zu arbeiten. Der Hunger hat diese Menschen nicht zu einer starken Organisation zu- sammenzuschweißen vermocht. Aber wenn man während der Gagen- Verhandlungen im Büro zwischen Gewerkschaftssekretär und Ar- bcitgeber den und jenen draußen vor Hunger ohnmächtig zu- sammenbrechen sieht, versteht man alles, versteht man auch, daß Statistinnen sich bereitwilligst an Regisseure und deren Hilfskräfte wegschenken, nur um dürftiges Brot für ein paar Tag« zu»er- dienen, eine Erscheinung, die in ihrer Entsetzlichkeit Fachkreisen gar nicht mehr zum Bewußtsein kommt, da man sich daran als an eine Alltäglichkeit schon gewöhnt hat. Aber all diese Bemühungen reichen oft nicht aus, um den Betrag für Miete und Unterhalt aufzubringen. Was kann da anders noch helfen, als die Straße? Und die einen Nachmittag und halben Abend vergeblich in der Börse gesessen haben, stehen dann vielleicht eine halbe Nacht an einer Straßenecke und treiben das letzt« Gewerbe, das solch einem unglücklichen Menschenkinde noch übrig bleibt. Nicht alle, nur manche. Aber immer noch Bi-lzmüAe, Einst Heldentenor... und jetzt? Und die Männer?— Da sieht man an den Tischen Köpfe,. denen eine geistige Vergangenheit voll Ruhm sichtbar aufgezeichnet ist. Sitzen herum und spielen Skat, Stunde um Swnde, Tag für Tag. Lärmen und fluchen, lügen und schwatzen großtuerisch albernes Zeug, und kein Wort kommt über ihre Lippen, das zu diesen Prachtschädel» paßte. Da und dort kauert einsam in einer Ecke ein alter H c l d c n o a t c r oder ein altgewardener Helden- r c n o r, der seine Glanzzeit nicht vergessen kann und sich hier ver- loren und verirrt vorkommt. Aber wo soll er sonst sein Brot ver- dienen? Run sitzt er verbissen in seiner Ecke und schämt sich und kann doch nichts dafür, daß er altgcworden ist. Er wird sich nicht rührcn> wenn jemand zum Engagieren kommt, er ist das nicht gewöhnt. Man mußte früher immer zu ihm kommen. Aber heute ist das anders. Und wenn er nicht ins Irrenhaus kommt oder Selbstmord begeht, wird er in ein, zwei Jahren verhungert sein. Mit den Jungen ist es aichers, aber nicht besser. Jn ein paar Jahren ist der und jener nicht mehr hier: er„sitzt" wegen Dieb» st a h l s oder Unterschlagung, meist wohl wegen Zu» h ä l t e r e i. Die Jugend Hot eben noch mehr aktiven Betätigung?- drang und die besten Anregungen erhält sie in dieser Umgebung nicht. Kraftstrotzende, schöne Menschen voll 5)offnung sind es, die mit Idealen in der Brust und unter großen persönlichen Opfern sich wie die Mücken»ach den Jupiterlampen drängen. Und was ist nach wenigen Jahren davon noch übrig? Ruinen und Asche. Die mächtigsten Wellen haben sich gelegt, die Jugend hat ander« Ideale gesunden. Luftfahrt und Auswanderung ziehen die abenteuerlichen Jungen an sich. Der Film ist ein« In- dustrie geworden wie jede andere, etwas All« tägliches, worüber sich kaum noch jemand aufregt. Aber immer noch sind es zu viele, die all« wohlgemeinten Warnungen in den Wind schlagend, sich für fähiger, für glücklicher halten als die Tausende, die vor ihnen den gleichen Weg gegangen sind, den Weg, der statt zum Golde in den Sumpf, in das Elend, in einen unseligen, l'ejammernswerten Tod führte. Für diese noch immer zu Vielen sind diese Zeilen geschrieben. _ TH. Z, Wetter für Berlin: Teils heiter, teils wolkig, ziemlich warm, südliche bis südwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Westen und Süden meist stark bewölkt und vielfach Regensälle. Sonst wolkig bis heiter, vorwiegend trocken und wärmer. Mittvocll, 23. Juli, Berlin, 16.05 Aktuelle AMeilunr. 16.30 Tearnusik. 17.20 rcrierschulc bei Dr. Ucbcrall. 18.00\V. B. Sachs: Gibt es noch Diachcn?, 18.30 Heilfron: Rechtsfragen des Tages. 19;00 Die ,',S Sofigs", früher die.;Abcls,,-S5iWf. 19.25 Arbeitsmarkt. 19.30 Vom Privaten in der heutigen Literatur. Ein Gesprdch zwischen Joachim Maas und Alfred Kantorowice. 20.00 Erfolg in der Oper. Ein Ueberblick. Nach den Abendmeldungen Tanzmusik. 0.30 Nachtkonzert. Könlgswusterhansen. 16.00 Nachmittagskonzert von Hamburg. 17.30 Dr Artur Dix; Die Motorisierung Afrika«. 18.00 Solo Violine(I)(Einleitung: Dr. Marie Louise Htller; Beispiele: Andrea� Wcißgcrber). 19.00 Pfarrer Dr. Muuss: Die Wiedergeburt der Trlescnstadt Rangholt. 19.25 Dr. M. Drath: Strafprozeß und Disziplinarprozesse. 20.00 1. Beethoven: Sonate für Pianofortc nnd Violine A-Moll, op. 23.*—• 2. Brahms: Sonate für Pianoforte und Violine, G-Dur, op. 78.(Georg Beerwald, Flügel, und Willy Hahn, Violine.) 20.30 Von Breslau:..Der gutsitzende Frack". SkronttPortT. für die Rrbaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin: Anzeigen: TH. SloSe, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Tltcalet, Lidtlspiele usw. Staats-Theater geschlossen! Abonnements- Anmeldungen n für die Spielzeit 1930-31 (Beginn am l. Septembsr) werden auch während der Theaterferien entgegengenommen: a) für die Staatsoper und das Staatl. Schauspielhaus vom Abonnementsbüro, Berlin W56, Ober- wallstr. 22.— Femspr. Merkur 9024, b) für das Staatl. Schiller- theater vom Abonnementsbüro, Berlin-Chartottenburg, Grolman- straße 70.— Femspr. Stcinp!. 6715. i.is um— ßaudien ei auüi Cartinis Pollarsegen usw. i heater i. a. Betirenstr. 53-54 SVa U. A4 Zentrum 926-927 8*/ä U Letzte 9 Auf fOhrimgeo! Mein Vetter Eduard Schwante in 3 Akten ml» ' Rolph Arthur Roberts.> VolKsbUline Thutir am lUlevM. »'/. Uhr Der fröhlidie Weinberg Lustsp. in 3 Akten rn Karl Zntantjar Rtgie; IL B. Kntv. WM Theater B 2 Weidendiara S28t 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg.: Max Reinhard! linik: Fridridi ReÜMDder. Hühanbilder Emst SPätti. Die KomSdie II Bismck.2<«H/7MA SVt Uhr Wie werde itti leidi ond gloddid)? Ein Roms in li Utiltoggen im Filii jBadiimson. Mnik vm Mtidia Spolianitr Rtgie: Eridi Engel Bühnenbilder Ladvig biw Komische Oper 8>., Uhr Paul Heidemann in: Die Frau oheie Kuss Kollo-Operette mit Grit Haid. Berliner Praier Snmmcmailtnlhaater Kastanienallee 7—9 4 Uhr Glesses GartenkoDzert 5 Uhr Eine entrückende Burleske sowi e der auserwählte Variete-Teil. 8.15 Uhr Gustl Beer, Gretl Lilien, Alex Haber, Erwin Hartuni in Das Drei« müderlhaus Singspiel in 3 Akten Musik nach Franz Schubert Heute Kindertag! Eintrittspreis von ___ 50 Pt*. an_ Renaissance- Theater 9 Uhr Sfeinplatz 6780 Deiitt und allibendlidi Die Wnnder-Bar Revuestück %fpiHswscfe MWllyUM R�täurunt Berlins BETRIEB /Ok KEMPINSKIU" Berliner nik-TriO N« II k 0 1 1 B, wLalmatr.7i/7&J ROSE -Ttveaaner i O*. Frwnkfartw SCnfl. TS*{ | SUltttUK: AI«. 3422 n. 34*4| Täglich S» Uhr: „Flachsmann als Erzieher" Komödie In 3 Akten tob Otto Ernst 1 Robert MOIlor nlt Schulrnt Proll A«f der Gartenkahne t&glieh 5»Uhr(Sonnt. 5 Uhr) | Dap BombenproarTamm| 8 große Variettn ummern mit WILLI ROSEN. | D8h*„Verllebte Leute"| Operett« ron K ü n n e k e 1 mit Dlttors. Hofor. Kerstons. I | Pyrmont, GOlllch, Konisch. Muth| und Hans Roso. Voranzeigo: | fflmerlßst In Bose-Bartea| ▼om 3. bis 6. August. 1 VorTerkauf ab morgen I rormittag 11 Uhr Melropol-Tli. Täglich S'j Uhr Hiebael Bohnen in mit Dir anein... Theater d. Westens Täglich SVs Uhr: Moota; mm 300. Meli: Das Land des Ldcbelns Franz Lehars Sensationserfoigi R L fizzr scßlqgl deine sefjonste oftundefL .r* z/s KABARETTKAFFEE (�Cifcrrjaü'&njCLl Jtcinmcier FRIEDRICH STR. 96. AM BAHNHOF Lessing- Theater Wiitodimm 2797 g.(III( Täglich 8>7s Uhr Der Faun von Edw. Knoblaudi. Paul Hnduis, Hill«. Plamraa. Reval, Grodtuinsty. Frankes. Finicr. Plmow, Um mai.amKoiUj.Tor Kottbusser Str. 6 ragi. svs Wiederauf- treten der Eiue- Sfinder mit Scborsch Rusclll. Grosses ggeäsiiaJaBBi Reichshallen-Theater [T| Uhr Gastspiel Dresdner victoria-sanger (nai bis 31. Juli) Zsntnim 112 63 Dönh oft- Brettl; (Herrlicher, kühler Garten) Varlet«- Konzert- Tanz Stromole wasche Gardinen Kaothans Emil Moses liamt. Birkenslr. 29(Edte Potlltzstr.) dSeilotfe Mittwoch, 23. Juli 1930 SprAbciiD ShalmtiCaße Jfl\/o*vyäs42 Wohin gehen wir? Qedanken eines demokratischen Wir veröffentlichen diese Ausführungen als Stimmungs- bild� wenn wir auch nicht in allen Teilen mit ihnen über- cinstirmnen. Die aktuellste Frage ist heute die, wie ist die Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Die Arbeitslosigkeit ist die Folge des Moralschwundcs der oberen Volkskreis« und zugleich die Ursache des Moralschwundes der unteren Schichten, jedoch ist sie nur eine Krankheitserscheinung, an welcher herumzudoktorn wenig Zweck hat. Der Krankheitsherd fitzt tief im Organismus unseres Wirtschaftssystems, und klein« Mittelchen, wie Notopfer und Notstandsarbeiten sind umsonst vor- tan, wenn wir nicht an den Herd des U« b e l s herankommen. Die Sozialdemokratie kennt den Weg zu einer besseren Ordnung, aber das Ziel ist so weit gesteckt, daß es sich nur etappen- weise erreichen läßt. Es gibt viele bürgerliche Politiker, welch wissen, wo das Uebel sitzt, ober ein« gewiss« Scheu, auch Interessiertheit und Bequemlichkeit hält sie zurück, tiesgreifende Maßnohmen in Erwägung zu ziehen. Bequemer ist es, auf einen Konjunkturumschwung zu hoffen, obgleich man weiß, daß es nie wieder«ine Konjunktur geben kann, welche all« Arbeits- losen ausnehmen könnte. Di« Völker wollen auch keine Konjunkmren, welche mit Krisen abwechseln, sondern stabile wirtschaftlich Ordnung. Man muß sich darüber klar sein, daß hochkultivierte Völker, wie das deutsch und das englische Volk, sich die bestehende Unordnung nicht auf die Dauer gefallen lassen. Jeder logisch denkende Mensch sagt sich: Arb e i t sl o s i g k e i t ist Unsinn. Wir haben alles was wir brauchen, um jedem Menschn ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen. Wir haben Kohlen und Eisen und die verschiedensten Metolle. Wir haben die elektrisch Kraft; in den Brüchen haben wir die fertigen Stein«, in den Gruben Sand und Lehm, wir können Ziegel und Zement machen, die Wälder liefern uns Holz, wir haben die gute Ackererde, in welcher mehr wächst als wir gebrauchen können, wir haben viel« kräftige Arm« und Vernunft: wir Menschen brauchen nur zu arbeiten, dann können wir oll« zu Wohlstand kommen. Trotzdem müssen wir sehen, daß die Menschheit von Sorgen zermürbt wird. Ein großes Seufzen und Stöhnen geht durch die sogenannte Kulturwelt. Di« Menschen werden gequält durch Arbeits- losigkeit, Steuerdruck, Bürokratismus, Korruption, Kriminalität, wirtschaftlichs und politisches Schiebertum. Was soll wohl an dem ganzen Elend weiter schuld sein, wenn nicht unser Wirtschaftssystem! Werner Sombart nennt unsere Epoche die Spätkopitaiistisck)«, diese Bezeichnung läßt erkennen, daß Herr Sombart auch mit einer baldigen Aenderung rechnet. Das privatkapitalistisch« System, welches in ver- gangenen Jahrzehnten Großes geleistet hat, versagt heute, weil es entartet ist. Dos private Betriebskapital war früher schöpferisch, es war mit der Arbeit zu einer organischen Einheit, wie Leib und Seele verbunden, mit dem Ziele, die Bedürfnisse des Volkes zu befriedigen. Der heut« herrschende Finanzkapitalismus ist seiner rein kaufmännischen Denkweise entsprechend weniger bestrebt, reale Werte zu schaffen, dafür hat er aber ein unerhörtes Zinssystem aufgerichtet und hat den Wucher legitim gemacht. Während heute der Rcichsbankdiskont auf 4 Prozent steht, müssen die Hypotheken noch immer mit 12 Prozent und mehr verzinst werden. Wie könnte der Arbeitsmorkt belebt werden, ivenn die Hypothekenziissen auf 6 Prozent gesenkt würden! In der Hypo- theken- und in der Kartcllwirtschaft liegen die großen Lecks, durch welch« die Kapitalien aus der Volkswirtschaft entweichen und dann dem Auslande zufließen. Die Volkswirtschaft ist heute nicht mehr, was sie sein soll, eine immerfließende Quelle für Volt und Staat, sondern ein« Zitron« in den Händen des Finanzkapitals, aus welcher heute die letzten Tropfen fallen. Gern möchte man den Finanz- gewaltigen die kindliche Freude gönnen, imaginäre Buchwerte an- zuhäufen, wenn sie nur die ollein real« Werte schaffende Arbeit in Gang halten würden. Müßiggang ist aller Armut und aller Laster Ansang, das gilt nicht nur für Einzelmenschen, sonder» auch für die Gesellschaft. Wenn die W i r t s cha f t s f ü h r e r nicht fähig oder nicht willens sind, Ordnung zu schaffen, dann müssen die Politiker eingreifen. Mit negativer Gesetzgebung, wie Verbot der Kartelle, des Wuchers und der Kapitalflucht ist nicht viel zu erreichen. Wichtiger sind positiv wirkende Maßnahmen. Das Bürgertum gleicht heute einem Patienten, welcher seine Zustimmung zu einer Am- putation geben oder sterben muß. Di« unheilvolle Herrschaft des Finanzkapitals muh zurückgedrängt werden. An sein« Stelle muß ein st orker Staats- oderSozialkapitalismus treten. Die Kraftwirtschoft, das Berg- und Bankwesen müssen verstaatlicht werden. Die Schlüssel der Wirtschaft gehören in die Hände des verantwortlichen Staates, welcher letzten Endes für die zertretenen Existenzen zu sorgen hat. Durch diese Politik würde die Struktur unserer bürgerlick�individuellen Wirtschast nicht gelockert, sondern eher gefestigt. Di« private verarbeitende Industrie, Handel, Hand- werk und Gewerbe würden weiterbestehen, nur würden sie von dem Terror des Finanzkapitals befreit werden. Durch Verstaatlichung des Bankwesens würden die Kapitalflucht und der Wucher unter- Kunden und das Kapital könnte dorthin geleitet werden, wo es volkswirtschaftlich am nötigsten ist, nicht wohin es das Profitintsresse der Privatbanken hindirigiert. Es könnte nicht mehr vorkommen, daß ganze Städte zum Abstsrben venirteilt werden. Die Wirtschaft würde hierdurch ein übersichtliches Ganzes und das Rentabilitäts» Prinzip, welches sich besonders im Bergbau oft unheilvoll auswirkt, würde zurücktreten. Es widerspricht unseren Eigentunrs- begriffen, wenn Kohlengruben sich in Privathand befinden. Was l)at der Privatmann 1000 Meter tief in der Erde zu suchen, was dort liegt, sst Nationaleigentum! Geradezu verbrecherisch ist dos Stillegen von Zechen, weil sie noch Ansicht der Zechenherren nicht rentabel genug sind. Jede stillgelegte Zeche ist für olle Ewigkeit verloren. Wir haben nicht das Recht, mit diesen Schätzen so um- zugehen, kommend« Generationen brauchen auch noch Kohlen. Solange es im Bergbau gut geht, steckt das Privatkapital die Profite ein, passiert aber«in Grubenunglück, dann ist es immer der Staat, welcher sofort Mittel für die �Hinterbliebenen bereitstellen muß. Borbedingung für die Ordnung der cinzelstoatlichen Wirtschaften ist die Organisation der Weltwirtschaft. Die ganz« Erde bildet ein zusommenhiütgendes Wirtschaftssystem und nicht ein- mal ein abgeschlossenes, denn die Hauptkraft, die Sonnenwärmc, er- halten wir noch von außerhalb. Das größte Hindernis für die Belebung des Güteraustausches von Land zu Land bildet wiederum dos kapitalistische System. Ein System, welches auf solchen Schild- bürgereien, wie sie die Goldtransporte darstellen, beruht, kann nicht das richtige sein. Nicht Gold, sondern Waren wollen wir aus- tauschen. Das Finanzkapital muß beim Güteraustausch von Land zu Land vollständig ausgeschaltet werden. Der Güteraustausch darf nur durch die Wirtschaftsministerien erfolgen. Aktive und passive Handelsbilanzen wird es dann nicht mehr geben. Jedes Land kann soviel fremde Waren aufnehmen, wie es an eigenen Waren aus- führen kann. Das Anleihewesen, dieses modern« Versklavungs- system, würde vollständig überflüssig werden. Das Finanzkapital widersetzt sich einer Ordnung auf. dieser Grundloge, weil hierdurch da» Außenhandelsmonopol nötig und der Einfluß und die Be- deutung des Finanzkapitals stark zurückgedrängt würde. Die Wirt- schast in den einzelnen Ländern ließe sich dadurch ankurbehp, wenn durch internationale Vereinbarung das Verhältnis zwischen Gold- bestand.und Notenumlauf geändert würde. Groß ist heute die Macht des Kapitals, aber diese Macht beruht nur auf der Unfähigkeit des Bürgertums. Das Bürger-- tum stst zersplittert und aktionsunfähig, weil es an der einigendeir: Idee fehlt. Der Reichskanzler hat recht, wenn er sagt, daß es sich bei der jetzigen Krise nicht um eine Konjunkturerfcheiming, sondern Um eine dauernde Strutturwandlung der Weltwirt« schaft handelt. Eben weil er dies einsieht, wirkt es so komisch. diese Situation mit kleinen Mittelchen wie Junggesellen- steuer, Kronkensteuer und dergleichen ändern zu wollen und von ' großer Stunde und von Mut zur Verantwortung zu reden. Dies« Strutturwandlung der Weltwirtschaft läßt sich auf nationaler Basi» nicht korrigieren, deshalb muß dos Bürgertum international zusammenarbeiten und mit eisernem Besen olle störenden Mächte, wie die Diktatoren, den Militarismus und den Finanzkopitolismuz beseitigen. Karl Tschichholz. Jlusfluy ins Arische Tragödie von WHHernachl bis morgens Brünn, im Juli. „Nur kein« Angst", sagte der kleine dicke Mathematik- Professor, als ich an den Tisch trat. Ich wollte einmal in durchaus arischer Gesellschaft sein und bat meinen Freund, den Schauspieler, mich den Herren vorzustellen. Also der kleine Professor— seine einwandfreie Glatze wurde von einem dünnen Kranz weißer Haare borstig umhegt— erhob sich schwankend, zog die wasserblaucn Aeftglein strichartig zu- smnmen und sagte mit etwas schwerer Zunge zum zweitenmal: „Nur kein« Angst... alte Schule!" Dabei fuchtelte er mit der Zigarre Herum und reichte mir die feuchte, verfettet« Rechte. Di« beiden Herren, die außerdem am Tische saßen, stimmten mannhaft zu mit: Heil! und: Jawohl, Herr Professor!— Der wandte sich plötzlich an meinen Freund und fragte mißtrauisch: „Wer sind Sie denn überhaupt?" „Na, aber wir kennen uns doch, Professor", sagte mein Freund, nicht wenig verblüfft. „Ach, dann sind Sie der, zu dem ich vorige Woche sagte, daß er mich____ solle____?!!" Der kleine Scherz wurde stürmisch belacht und dann bestellte der eine Herr, es war übrigens der Wirt selbst, eine Runde Boro- v i t s ch k a. Man trank einander zu, und es war nur selbstverständlich, daß die(Bespräche mm vollends ins„Geistige" hin- überwechselten.— Die Frage drehte sich darum, wo das Pilsener Bier besser sei, bei Stopka(einem repräsentativen tschechischen Lokal) bei Hanak oder hier im Deutschen Haus. Di« Meinungen waren geteilt. Die erdrückende Mehrheit (3:1! ich selbst konnte mich wegen mangelnder Fachkenntnis an der Debatte nicht beteiligen) mußte Hanak und— wie ausdrücklich festgestellt wurde, trotz treuester nationaler Gesinnung— Stopka den Vorzug geben. Unser armer Wirt, er war noch verhältnismäßig jung(ob sein gerötetes Gesicht auf die herrliche Sommersonnc oder den Alkohol zurückzuführen war, konnte ich bei der abendlichen Beleuchtung nicht genau erkennen) verteidigte sich nach Kräften. Pries die herrliche Lag« seiner Terrasse. Wies auf die hohe Zahl seiner Gäste hin („... lauter Deutsche! Keine Tschechen, keine Juden...!"). Es kam auch ein« Einigung zustand«, die man mit immer neuen Lagen(wegen der vorgerückten Zeit, die Sperr- stunde war längst vorüber, wurde der Einfachheit halber nur Boro- vitschka ausgeschenkt) feierte. Der tschechische Polizist, der sanft und lächelnd ans NachHausegeHen mahnte, wurde mit einem Protestgeheul empfangen, und M., der Wirt, fragte sofort:„Also, was willst?" Und ohne erst eine Antwort abzuwarten, rief er in die Küche:„Einen Kaffee, sehr heiß...1" Der Polizist salutierte lächelnd und ging nach rückwärts. Als er zurück kam, gab ihm der Wirt noch eine Handvoll Zigaretten mit den Worten:„So, da hast und daß du's weißt— ich bin schwarz- gelb bis i ii die Knochen!" Dabei schlug er sich wie ein er- tappter Junge auf den Mund. Aber der Polizist lächelte nur, salu- licrte und ging stumm hinaus...(Meine Gedanken begleiteten ihn. War er bewundernswert in seinein Verständnis für die verschiedenen kleinen menschlichen Schwächen? War er pflichtvergessen und nur aus seinen Vorteil bedacht? Besaß er Takt?... Auf jeden Fall war er sanft und höflich.. Die sechste Runde Borooitschko riß mich aus meinen Betrachtungen, und so hatte ich noch Gelegenheil zu hören, wie der kleine Professor sagte:„Schober...? Schober ist ein Commis voyagcur! Di: Rettung Oesterreichs kommt von Starheniberg!" Herr Dr. S.. vermutlich ein Ungar, denn der Professor grölte manchmal ganz»ntcrmittelt:„Eljen!", wobei er init den: Doktor anstieß, also der Dr. nliü. stimmt« begeistert zu. Der Schauspieler wogte Einwendungen, die ihin den Spott des großen Mathematikers eintrugen. Ungefähr so:„Ii, Ihren Adern ist wohl auch nur Zwetschkenröster...? Wie...? Was...? Na ja, keine alte Schule mehr... Aber Starhembcrg wird aufräume» mit allen Nebbichs, allen Pinkeljuden...1 Heil!" Bei den letzten Worten stand er auf, schwankte, rülpst«, schwankte, salutierte und fiel wuch- tend auf seinen Stuhl zurück.„Heil!" brüllte der ungarische Philo- soph in Kampfesstimmung. Der Wirt suchte zu beruhigen und sagte zu meinem Freund: „Net... net. hör auf, gegen den kummst net auf... des is a Pro- fesser!"(Man hielt bei der achten Runde Borovitfchkaa und dem allgemeinen Thema„Krieg".) Der Schauspieler lobte Remarque. Das wirkt« wie ein Stichwort.„Remarque", riefen der Professor und der Doktor wie aus einem Munde,„dieses Schwein, das unsere erhabensten Ge- fühle beschimpft, in den Dreck zerrt, der Millionen Deutsche ver- spottet, dieser Scheißkerl, der von der erhabenen Idee des Krieges, dem Gemeinschaftsgefühl, nichts weiß, nichts von Heldenmut und Heldentod... Remarque, dieser Nebbich, den nur die Iudenpinkel ernst nehmen:' der soll erst mal deutsch lernen, che er ein Buch schreibt...!" Beschimpftingen(Haß, Geiser und Unver- stand) ergossen sich über den Tisch. Die Rauchschwaden zogen immer dichter übe/ unseren Köpfen. Das Licht der elektrischen Birne sah wie«in kleiner ferner Mond aus. Der alte Ober lehnte stumm an der Wand. Was er wohl dachte? Sicher hatte er Frau und Kinder. Die waren zu Hause über dem Warten eingeschlafen. Auch er war so müde. Ich hatte bis jetzt keine Meinung geäußert. Nun fuhr ich mit wenigen Sätzen dazwischen.(Ich hatte das Gefühl, als zerfetzte ich ein Gewebe, aus Dreck und Bosheit.) Peinliche Stille. Peinliches Erstaunen. Nur Sekunden— dann fiel man über mich her. Mit: vaterlandsloser Geselle, Nebbich, Pinkeljud und so. Da mußte, ich schon wieder lächeln. Nach der zehnten Runde konnte der teutsche Professar nur mehr mühselig seinen Namen schreiben. Er hieß Penis«! oder jo ähnlich. Um drei Uhr morgens traten wir auf die Terrasse des Deutschen Hauses. Der Himmel glänzte tiefblau. Die Bogenlampen stachc-n ihre Strahlen durch das Grün der Bäume. Ein kühler Wirnd bewegte sanft die Aeste. Der kleine Professor fiel die Stufen hinunter. Wälzte sich einmal aus den Steinfließen und blieb liegen. Hilflos wie ein Kind. Mein Freund und ich hoben ihn auf. Er sah uns an und lallte:„Nur keine A n g st... alte Schule!" Der Doktor faßte ihn unter. Ich mußte mich um den schwarzgelben Wirt kämmen,. Auch der schwankte bedenklich. So zogen wir los. Auf dem Wege beichtete mir mein Begleiter: „Wissen Sie, Herr Reich, ich bin ein D.c u t s ch e r. National bis da hinaus. Also lieber würde ich Frau und Kind im Stich lassen, als daß ich mein Deutschtum verraten möcht. Ader sehn Sie, langsam bröckelt diese Gesinnung bei mir ab." Dabei rülpste er laut.„Weil nämlich also die Studenten, die lvas einen Großteil meiner Gäste bilden, gerne mit ihren Mädels kommen. Na ja, also wir waren auch einrnll iung und haben dos auch gemacht. Selbstverständlich in allen Ehren! Aber die, die wollen ihre Intimitäten auslassen, indem sie— na, Sie wissen schon— und das erlaub ich nicht. Wil doch auch älter« Damen der feinsten Gesellschaft zu mir kommen. Na, und wie ich den Herren Couleurstudenten das gesagt habe, ivoren die beleidigt, und da gehen jetzt viele in ein anderes Lokal. Das ist Natürlich«ine große Geschäftsschädigung für mich — hup— denn die Juden kommen nickst zu mir, die gehen in ihr Cafö Lautsprecher... hup. Darum fange ich langsam an, meine nationale Gesinnung— t muaß jetzt____", sagte er plötzlich und sah sich suchend um. Vor dem(tschechischen) Passage-Hotel stand leer und verschlafen der Gästeomnibus. Kurz entschlossen stellte sich M. dicht an das Hinterrad— da bog um die Ecke ein Polizist. Dies brachte meinen Gefährten keineswegs aus der Fassung. Er änderte kaum seine Stellung, griff nur mit der einen Hand in die Rocktasche und sagte in der treuherzigsten Art zu dem Hüter der Ordnung:„Da hast u paar Zigaretten." Der Polizist nahm die Zigaretten, salutierte und ging lächelnd weiter. Das Selbstbewußtsein meines Wirtes schwoll gewaltig. Und er sprach zu seinen Freunden:„Secht's eis lseht ihr es), ihr allweil mit eure philosophischen Gespräch— ich Hab jetzt für sechs Zigaretten..." Und in seinen Augen glänzte es wie Sieg und Freude. Hier könnte ich meine Erzählung schließen. Denn was in der Bar folgte, war eine Wiederholung des erhebenden Schauspiels von vorhin. Der Professor fiel wieder die Stufen hinab, direkt auf das Tanzparkett. M. bestellte Mokka, der Dr. phil. Wein, dann schimpften sie über die Juden. Wüst und laut... Ich stand auf und ging. Die Bogenlampen verlöschten. Der Morgen dämmerte. So rein. So klar. So gesund. Unsichtbare Vögel sangen. Auf dem Bahnhof begegnete ich Marktweibern, vollbepackte Körbe auf dein Rücken. Arbeiter zogen schwere Handwagen. Gingen gebückt und lrotzig. Ihr« Schritte übertönten das Knarren der Röder. Während in einer Bar ein betrunkener Professor über die Juden schimpfte, ein Wirt und ein Schauspieler sich übergaben, ging eine Stadt an die Arbeit.--- Zwischen den Schornsteinen der Fabriken erwachte— rot und strahlend— der neue Tag. Hann» Keo Reich. (4. Forschung.) „Soll ich ixn Ergänzungsbericht heute noch abfassen, Herr Oberassistent?" „Nein,'s ist ja gleich Feierabend." Kolb drehte sich um und ging, gleichmütig lächelnd, hinaus. Zwei Wochen später stand der Oberassistent vor dem Betriebs- inspektor, legte ihm den Bericht der Bahnmeisterei II vor und fügte zu seinem schriftlichen Ergänzungsbericht mündlich hinzu: „Mir scheint die Bahnnieisterei II etmos übereifrig zu fein, Herr Inspektor. Sie schreibt Erinohnungen an uns." „Wieso?" fragte der Betriebsinspektor. „Hier sehn Sie mal,.Herr Betriebsinspektor, da hat der Bahn- meister direkt eine Dringlichkeitsmahnimg an seine vorgesetzte Stelle angefügt." „Das ist allerdings etwas ungewöhnlich." Betriebsinspektor Schulz faßte sich an die Nase.„Geht d:e Dringlichkeit nicht schon aus dem Bericht selbst hervor?" „Natürlich Das heißt, der eigentliche Bericht läßt die Dring- lichtest nicht ohne weiteres erkennen, wenn man flüchtig liest." „Soo?" „Ich wollte sagen, an sich ist der Bericht ganz vorschriftsmäßig. Er enthält ganz genaue Angaben über den in Betracht kommenden Akteninhalt usw." „Und so n»eiter?" ,�Ia, ich meine, was eben alles in so einen Bericht gehört." „Wieso ist denn die Sache dringlich?" Schulze sah auf die Be- merkung des Bahnmeisters Kern.„Finde das ja auch überftllssig. aber wenn die Sache dringlich ist..." „Dazu ist ja der eigentliche Bericht da. Sowas ist doch nicht üblich und verstößt direkt gegen das Reglement. Das ist«in« ganz unzulässige Bemerkung einer unteren gegen eine höhere Amtsstelle." „Da haben Sie recht." „Solche unvorschristsmäßigen Berichte sollte man eigentlich möglichst lang« liegen lassen und dann erst nochmals zur vorfchrifts- mäßigen 2lbfassung zurückgeben." „Wollen Sie den Bericht wieder mit zurücknehmen und an die Bahnmeisterei zur Berichtigung zurückreichen?" Schulze tat so, als ob er oie Schriftstücke an Heimig zurückgeben wolle. Hennig wehrte bestürzt ab:„Ich war der Meinung... ich wallte nur sagen, Herr Betriebsinspektor, wenn Sie die Zurückgabe verfügen wollen? Es ist doch besser, wenn das eine höhere Stelle macht."... Beiriebsinfpektor Schulze sah lächelnd auf:„Ich?— Nein. Wieso ich denn?! Ich sehe nicht ein, daß gerade ich das machen soll. Ich gebe einfach den Bericht an die Direktion weiter." „Wie Sie meinen. Herr Betriebsinspektor." Hennig fühlte sich erleichtert.„Wie aus den Strecksnakten ersichtlich, kann die Sache doch nicht gar so dringlich sein. Die Bahnmeistereien übertreiben gern ein wenig." „Das tun die Büros vom praktischen Bahrroesen alle. Ich werde mir die Sache genau ansehen." Er winkte mit dem Kopfe, was Hennig dahin verstand, daß der Beiriebsinfpektor stark be- schästigt sei. Mit einer leichten Verbeugung, aber in militärischer Haltung wollte er sich entfernen. Schulze hielt ihn zurück. „Haben Sie schon Näheres von unkercr neuen Gehaltsregelung gehört, fjerr Kollege?" „Meinen Sie die mittleren Positionen, Herr Betriebsinspektor?" „Alle, Herr Kollege, auch die höheren." Hennig nickte:„Für Sie komm«n allerdings auch die höheren in Betracht. Sie können in die höheren aufrücken. Aber wir armen Schlucker, wir bleiben sitzen." „Sind die Kollegen alle so unzufrieden wie Sie, lieber Hennig?" „Sie werden nicht einen Kollegen aus den mittleren Positionen finden, der mit dieser ungerechten Gehaltsregelung zufrieden ist." „Eigentlich können�Sie doch in den inittleren Positionen ganz zufrieden sein, wenn Sie sich an die unteren erinnern." „Gott ja, die unteren. Was gehen uns denn die an und was haben die Kollegen in den unteren Positionen denn für große 'Ausgaben? Sie haben eine klein« Wohnung, schicken ihre Kinder auf billige Schulen. Jedenfalls herrscht größte Unzufriedenheit in allen Kollegenkreisen." „Streiten Sie doch mal." „Aber, Herr Kollege!" „Na, gewiß doch. Alle Berufe streiken, wenn's ihnen nicht mehr paßt, sogar die Aerzte streiken, wenn sie's mal über haben. Warum sollen Sie denn nicht auch mal streiken können?" Hennig sah den Betriebsinspektor zweifelnd an:„Wollen Tie mich frozzeln, Herr Inspektor?" Als er Schulzens übermütig zu- friedenes Lächeln sah, wurde er ärgerlich und empfand eine An- Wandlung von Rachelust:„Gestatte mir. Herr Betriebsinspektor, habe heute noch viel zu tun. Vergessen Sie die Dringlichkeit des Berichtes der Bahnmeisterei nicht." „Wird nicht so eilen." „Mau kann's nicht wissen." Mit einem boshaften Blick verließ Hennig das Zimmer. Tief Betriebsinspektor schob den Bericht der Bahnmeisterei mit dem Ergänzungsbericht d«r Betriebsinspektion in ein Fach seines Schreibtisches. Dann nahm er Papier und Bleistift und reihte Zahlen an Zahlen. Es war eine Berechnung über die zahlen- mäßigen Auswirkungen der neuen Gehaltsregelung. Dies« Aus- rechnung ergab interessante Resultate, stellte aber große Slnforde- rungen an die Rechenkunst, denn man stieß dabei auf eine mathe- matische Riesenaufgabe. Betriebsinspektor Schulze bewältigte die Aufgabe, wenn er auch lange damit zu tun hatte. S. Ein Sonntag. Die Glocken auf den zahlreichen Kirchtürmen der Stadt laut«- t«n den Sonntag ein. Bahnmeister Kern stand am Fenster seines Wohnzimmers und lauscht« hinaus, lauscht« dem Glockengeläut, das eine wohltuende Wirkung auf fein etwas bedrücktes Gemüt aus- übte Slnch der freundliche Sonnenschein eines schönen Spat- sommertZges tat ihm woh! Draußen auf der Straße kämm Menschen im Sonntagsstaat vorbei. Kern sah dem und jenem nach, als habe er Interesse an ihnen, aber seine Gedanken waren woanders. Run waren schon einige Monate verflossen und noch immer war kein Bescheid gekommen. Das hatte ihn nervös gemacht. Wiederholt war er mit dem Kolonnenführer Bormann draußen auf der Strecke gewesen und hatte ihm eingeschärft, die schadhafte Stelle unter ständiger Kontrolle zu halten. Morgen mußte er un- bedingt wieder mit Bormann einen Reoisionsgang nach Block L machen. Kern sah sich um. Von der Küche her hatte es gerufen. Er ging hinaus:„Hast du gerufen, Luise?" „Ja, Hermann. Könntest mal dein« Sachen nachsehen. Wir wollen doch nachmittags mit den Kindern fortgehen." „Wird Fritz auch kommen?" �„Es müßte gerade was ganz Besonderes dazwischen geraten" „Hm, weißt du..., daß Anna schon ihren Schatz mitbringen will, gefällt mir eigentlich nicht." „Wenn's nicht wäre, hätt' ich auch nichts dagegen." „Sie ist noch nicht mal ganz neunzehn Jahre alt, da braucht sie noch keinen Schatz." „Wie alt waren wir denn, Hermann?" „Bei uns war's eine ernste Sache." „Das sagt Anna auch." Frau Kern zuckte mit den Achseln. „Ich Hab' ja auch ein wenig Angst." Sie sahen sich an. Dann ging Kern in ein« Ecke, kramte im Schuhputzkasten und begann die Schuh« zu putzen, während seine Frau ihre Arbeit am Küchenherd erledigte. ★ Einige Stunden später herrschte in Kerns Wohnung echte Sonntagsstimmung. Fritz war noch rechtzeitig zum Mittagessen gekommen und war sofort einverstanden, als ihm seine Schwester Anna beim Essen den Plan mit dem Zlusflug mitteilte. Auch daß sie ihren Schatz zum ersten Male mitbringen und damit in ihre Familie einführen wolle, fand Fritz ganz in Ordnung. Rur, als er hörte, daß Annas Schatz Referendar war, hatte ein etwas spöttischer Zug um seinen Mund gespielt. Diese Gattung sagte ihm nicht zu. Die Laufbahn eines Ingenieurs schien ihm stolzer, wichtiger und zukunftsreicher. Gleich nach dem Essen war Referendar Herold erschienen und hatte sich in durchaus einwandfreier Weis« eingeführt, so daß selbst Fritz davon angenehm berührt war. Er ließ deshalb sein jugend- liches Temperament ungehemmt schießen und trug dadurch viel zur Steigerung der frohen Stimmung bei. Referendar Herold— um fast zehn Jahre älter— war ruhiger und zurückhaltender. Man konnte verftehen, daß er auf Anna Ein- druck gemacht hatte. Ein regelmäßiges, wenn auch etwas zu volles Gesicht, kräftige Nase, graublaue Augen mit offenem, ein wenig scheuem Blick—, er war ein schöner Durchschnittsmännertyp. Anna gefiel an ihm besonders das männliche, reservierte Wesen, während ihn das eigenartige Gemisch von junger, körper- licher Unberührtheit und geistiger Frühreife an dieses Mädchen fesselte. Es war eines jener jungen Menschenpaare, die glauben. sich gesucht und gesunden zu haben und die deshalb ihre Wahl für um so vollkommener holten, als ihre Zukunft auch wirsschaftlich gesichert zu sein schien. Zufriedenheit und warme Hineignung zueinander durchströmte die beiden, als sie, Hand in Hand, als erste die Kerns che Wohnung vergießen. Die Augen der Eltern ruht«u wohlgefällig auf ihnen. Frau Kern erfüllte es mit besonderer Genugtuung, einen späteren Amtsrichter oder gar noch höheren Gerichtsbeamten zum künftigen Schwiegersohn zu haben. Auch Kerns steifnackige Beamtennatur blieb von dieser Aussicht nicht völlig unberührt. Fritz sah mit heiterem, gleichmütigem Blick über seine Schwester. hinweg und pfssf leise irgendein« neue Tanzmelodie. Gelegentlich neckte er sich mit seiner Mutter oder äußerte mit unbesorgter Munterkeit irgend etwas zu seinem Vater. Anna schritt mit einem sonderbar ernstfrohen Gefühl neben Herold her. Etwas fast Erhabenes schien es ihr, zum ersten Male offen und in Begleitung ihrer Eltern an der Seite ihres zukünftigen Ehegatten einherzugehen. Das war etwas so Schönes und Neu:?, daß es ihr fast wie die Vorwegnahme der Hochzeit vorkam. Als sie aus der Stadt kamen und in naher Fenie, hinter Acker- und Wiesengelände, der Wald als dunkler Hintergrund aus- tauchte, wurde das Gefühl der Freude in Anna so stark, daß sie Mühe hatte, ein paar Tränen niederzuhalten. lFortsetzung folgt.) eBuck Sir. Man» Steupke: 'Das Wirtfchaftsfyfiem des SaSchismus Dieses bei Rcimar Hobbing, Berlin, erschienene Buch ist in zweifacher Hinsicht interessant. Einmal zeigt es die Stellung der Kresse zum Faschismus, die, in steter Furcht vor sozialistischer Umgestaltung der Wirsschaft, im Faschismus die«inzige Rettung der kapitalistischen Wirtschaft sehen; zum anderen aber beweist es, daß die Hoffnung dieser Kreise nicht trügerisch ist und der Faschismus in seiner Funktion kaum mehr als eine kapitalisti- fche Abwehrmaßnahm« gegen den Sozialismus ist. Obwohl der fafchistensreundliche Verfasser sich bemüht, den Faschismus als ein„ExperimeM der Planwirtschaft aus privat- wirtschaftlicher Grundlage" hinzustellen, geht aus dem ganzen Buche doch klar hervor, daß am Prinzip des Kapitalismus in keiner Weise gerüttelt wird. Im Gegenteil, der Verfasser stellt selbst fest, „eine ernsthafte Beunruhigung, daß sich...«in« kollektive Wirt- schast nach sozialistsschem Vorbild entwickeln könnte, sst nicht ge- geben." Und der Korporativismus, der ständische Aufbau der Wirtschaft, den auch unsere Faschisten und konservativen Ro- mantiter anstreben, der den Klassenkampf aufheben soll,«rfüllt er seine vorgebliche Funktion und stellt den Arbeiter als gleichwertigen Produzenten neben den Unternehmer? Run, die Wirklichkeit zeigt ein anderes Bild: Der Arbeiter hat nicht die geringst« Mög- lichkeit, auf die Betriebsführung einzuwirken, die Ver«inigungs- und Koalitionsfreiheit sst aufgehoben(Reupke behauptet zwar mit kühnem Mute das Gegenteil, obwohl«r genau wissen muß, daß z. B. die Bildung nichtfaschistischer Gewerkschaften unmöglich ist), Streiks sind verboten(daneben ist das Aussperrungsverbot eine nichtssagende Geste); und auf der anderen Seite hält„der korporative Staat die privat« Initiative auf dem Gebiete der Pro- duktion für das wirksamste und nützlichste Instrument im Interesse der Nation"(Carta de Lavoro, Erkl. VII), mit anderen Worten: Die Stellung des Unternehmers sst unangetastet. Angesichts dieser gedrückten und rechtlosen Lage der Arbeiterschaft wirkt es wie ein zynischer Witz, wenn, wie Mussolini sagt,„im faschistischen System... die Arbeiter nicht mehr die„Ausgebeuteten" nach der alten Termin» logie, sondern die Mitarbeiter, Produzenten" sind und daß daher „in Krisenzeiten es im Interesse der Arbeiter liegt, eine Lohn- kürzung anzunehmen". Es scheint also, daß man vom Korporati- vismus dasselbe sagen kann, was Clemens Närpel einiml von der Werksgemeinschaft gesagt hat:„Für den Unter- nehmer die Freuden, und für den Arbeiter die Leiden...' Die Kapitel über Finanz- und Steuerpolitik, Arbeitsrecht und Sozial- Versicherung bestärken uns in unserer Meinung nur: Die Be- kämpfung des Faschismus ist«ine Existenzfrage für die Arbeiter- bewegung. Richard Junge. Rätsel-Ecke des„Abend Waagerecht: 1. Inselgruppe im Großen Ozean; 7. russ. Gebirge; 8 alte Inschrift: 9 be- kannte? Südseewort für unantastbar: 19. Eltern- name; 12. Tonstufe; 14. englisches Frätllein; 15. Papageienname:18.ital. Gebirge.— Senkrecht: 1. Stadt in Mittel- amerika; Z. Flächenmaß; 3. Baumschmuck;4. Färb- stoff; 5. Bezirk; 6 Stadt in der Provinz Sachsen: 11. Vorname einer Ge> statt aus.1991 Nacht"; 13. Transportmittel: 16. Abkürzung für Opus; 17. Präposition.* Kreuzworträtsel. Rösselsprung. Silbenrätsel. 2lus den Silben a an dir car da don dam du ga ge ge g«r gu lm i is knüll ko la la lie lis lös man me men mie nan nan ne»e»is no saaz so se im ta ta tot te te te tu u wat sind 16 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben und die dritten Buch- staben, beide von oben nach unten gelesen ein Zitat von Grillparzer ergeben.— Die Wörter bedeuten: 1. Entschädigung für Benutzung von Räumlichkeiten: 2. weiblicher Vorname: 3. Polarforscher; 4. Tochter des Oedipus; 6. Alpental: 6. Land in Afrika; 7. Straußen- art; 8. Dinosauriergattung: 9. Oper von Bizet; 19. japanische Hafenstadt: 11. glückbringender Gegenstand: 12. Waldgebirge in Hessen: 13. schwedische Dichterin: 14. Ostseeinsel; 15. Stadtteil von Konstantinopel; 16. Verbandmaterial.— hr.— Kapselrätsel. Aus den Wörtern Bedienung, Crhart, Volumen, Eisengitter, Kunstdünger, Lieweil, Kürzung, Jedermann, Apparat, Bombe, Zeitung sind je drei, den letzten beiden Wörtern je zwei aufein- aicherfolgend« Buchstaben zu entnehmen, die aneinandergereiht eine beherzigenswerte Wahrheit ergeben. ad. Die fehlende erste Silbe. Aus den Silben blut bürg chen chen chen da fels go go ken lc» ma mn man mu ncr pe ra rie schlucht stein tik turg wi sollen zwölf dreisilbige Wörter gebildet werden mit gleicher, zu er- gänzender erster Silbe. Wi« heißt die Silbe und wie heißen die Wörter? sch. Die Auflösung ergibt einen Ausspruch von Ferdinand Lassalle. Auflösung der Rätsel aus voriger Rummer. Silbenrätsel: 1. Gardine; 2. Labsal; 3. UeberfchuHe; 4. Capri; 5. Kaiserreich: 6. Utrecht: 7. Rabaob; 8. Donar: 9. Glaserei; 19. Lamech: 11. Anthrazit: 12. Stargard: 13. Warna; 14. Zris.— „Glück und Glas, wie leicht bricht das!" Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Landsberg: 5. Ali; 6. Dose: 8. Ries: 19. Emil: 12. Käse: 14. Uhr: 15. Liebknecht.— Senkrecht: 1. Lora: 2. Dame; 3. Bier: 4. Gans; 7. Ohm: 9. Eis; 19. Esel: 11. Laub: 12. Kern: 13. Etat. Karree. Rätsel: 1. Sir; 2. Sem: 3. Rügen: 4. Don: 5. Rüde: 6. Kant: 7. Wesel: 8. Reck; 9. Genf: 19. Dach: IJL Wetter; 12. Komet: 13. Hund: 14. Gas.—„W«nn die Gewalt kommt, geht das Recht auf Krücken." Buchstabenrätsel: I.Ham; 2. Eva: 3. Zre; I.Ril; 5. Reh: 6. Znn; 7. Cid: 8. Hut; 9. Zar; 19. Zda: 11. Lob; 12. Lid; 13. Cos. — Heinrich Zille. I Der Ausreißer: eng— Land— Gnglanb. Die Europaflieger in Madrid Risticz und Morzik die aussichtsreichsten deutschen Bewerber 3m(Europaflug haben noch am Dienstag abend fünf Flieger, darunter der Deulsche INorzik, die spanische Hauptstadt Madrid er- reicht. Bald darauf landeten auch die deutschen Maschinen F2 und B8 mit den Piloten Polte und P o fj. Inzwischen beginnt sich die Reihe der Europaslieger langsam zu lichten. Dem am Montag ausgeschiedenen Spanier R a v a r r o folgten am Dienstag noch vier weitere Maschinen. Der deutsche Flieger von Ö e r h e n stellte mit Rücksicht aus den tödlichen Unfall seines Begleiters von Reedern den Weiterslug ein. Der Fran- zose F a u v e l muhte infolge Motordesekts bei Boulogne-sur-Mer ausgeben, und die Polen R u l t o w s k i und K a r p i n s k i liegen mit Materialschaden in St. Inglevert bei Calais fest. Heber den Flugverlauf sind noch folgende Meldungen nach- zutragen: Das Gros des Feldes erreichte im Laufe des Dienstags noch P a u, wo 26 Maschinen kontrolliert wurden. Die hälft« davon ist nach kurzem Aufenthalt zum Fluge Über die Pyrenäen nach Sara- gossa gestartet. Aus den Kontrollen Poitiers und Paris wurden 5 bzw. 13 Maschinen als gelandet gemeldet. Calais haben auf dem Ruckfluge von England drei deutsche und ein polnischer Be- werber erreicht, während von Waldau wegen Reparaturen in London z u r ü ck b l i e b. Die beiden Deutschen Dinort und v. Massen- bach flogen mit leicht beschädigten Maschinen über Endlich ist der Zeitpunkt gekommen, da die Radler mit ihren Maschinen in ihren Heimatorten aufbrechen zum Bundesfest nach Dresden, die österreichischen Kameraden zum Start der großen Sternfahrt nach dem Elbflorenz blasen, die 2006 Tschechen sich einer letzten Musterung unterziehen und die B e l- gier und Lettländer ihre Räder verfrachten, um rechtzeitig in der Stadt dieses einzigartigen Arbeitersportmeetings einzutrefsen. Schon am Freitag nachmittag sollen die Internationalen auf der Bahn in Reick starten, nachdem sich in den Vormittags- stunden alle Wettkämpfer auf dem Festplatz zur Begrüßung durch den Bundesoorsitzenden Niermann und durch die Behörden- und Organisationsvertreter versammelt haben. Dann beginnt das Ab- rollen eines Programms, wie es nur eine Organisation, eben eine Großmacht„Solidarität", zu bieten vermag. Zunächst starten am Freitag die Radball» und Radpolospieler, Reigen- und Kunstfahrer, um die B o r w« tt b e we r b e zu erledigen. Schon hier wird der Fremde ein prächtiges Bild von den hervorragenden Leistungen, die die Arbeiterradler auf diesem Gebiet zu vollbringen vermögen, empfangen. Am gleichen Tage be- ginnen die Bahnrennen, die internationalcnCharak- t e r tragen. Auch hier sind spannende Kämpf« zu erwarten. Sonn- abend früh kommen die Freunde des Motorengeknatters auf ihre Rechnung. Sie werden, wenn auch nur immer für kurze Augen- bücke, Zeuge der um den Sieg in den Zuverlä ffigkeits- i a h r t e n ringenden Kameraden der Lederjacke sein. Di« Fahrt Rennen bei Hütt Ricfali-Buschenhagen enttäuschen Im Mittelpunkt der gut besuchten A b e n d r e n n e n aus der Berliner Rütt-Ärena stand ein l(tv-Kiloin«ter-Mannjchaftsrennen, das einen spannenden Verlauf nahm. Siachdein schon in den ersten Kilometern eine Sprengung des Feldes erfolgt war, holten L« h m a n n- W i f s e l beim 7g. Kilometer zum entscheidende n Schlage aus. Die beiden Bahnfpezialisten überrundeten nach schönem Kampf« das ge- samte Feld und behaupteten ihren Vorfprung auch bis zum Schluß mit Erfolg. Die Enttäuschung des Rennens waren Richli-Buschenhagen,die wohl in den Wcrtungsspurts eine gute Rolle spielten, in den Jagden aber versagten. «racb-ilk«: Borgab cfabren: 1. Meoer.Chcmnitz(55 Mrlcr Vorgabe): 2 Vi»Ii(5); S. lTom(50 Meier): 4. Buschcnhogc»(15 Meter). lOO-Kilo- metcr-Mannschaftssahren: 1. Lebmonn-Wissel, 2:19;09, 12 Punkte. Ein- Runde eurück: 2. Nrüger-gunda 34; 3. Meyer-Ettlbbecke 34; 4. Olzmella-Schorn 25: 5. Van Kout-Braspenmng 20; 0. Schrocmmler.Nantorowic, 9; 7. Nickel-Longardt z Punkte Zwei Runden gurllel: 8. Richli-Buschenhagen 52: 9. Tonani- knappe 25: 10. Dorn-Maezinsti 13: 11. kroll-B. Wolke 10: 12.«ießlich-Damm 4 Punkte._ Werbefeste der Arbcitersportlcr Hochbetrieb in allen Lagern Sportler und Sportlerinnen sind mitten in fleißiger Arbeit. Viele tausende Aktive strömen in die Feststädte zu den Kreissesten, den nationalen und internationalen� Wettkämpfen. Jeder möchte mit. Es gibt neue Freunde, neu« Sporttunst, andere Städte und Menschen zu sehen. Die Bevölkerung der festgebenden Stadt hat seit Monaten mit den Vorarbeiten zu tun gehabt. Zu vielen Tausenden kommt das sportliche Jungvolk angeströmt und wird von de» Quartiergebern freudig empfangen. Sportler und Bevölkerung waren noch gestern unbekannt« Fremde, heut zum Fest sind sie Freunde. Jahrelang bleibt der Tag in froher Erinnerung. Und wenn der Jubel längst verhallt ist, bleibt als großes Erlebnis das Gefühl der sozialistischen Z u sa m m e n g eh ö r i g k e i t. die Solidarität von jung und alt! lieber die großen Feste in A l t o n a und Forst 0 d. L. haben wir bereits berichtet. Zu einer besonders eindrucksvollen Kund- gebung gestaltete sich das heffen-nassauifche Kreisfeft in Darmstadt. Der Begrüßungsabend wies einen Besuch von 6000 Personen auf, am Festsonntag beteiligten sich 5000 Aktive und 2S 000 Besucher. Die F r e i ü b u n g« n wurden von 4000 Sportlern und Sportlerinnen mit großer Präzisipn ausgeführt. Fußball- und Handballspieler zeigten mchrcre hervorragende Spiele. Beachtenswert ist, daß die Fußballspieler außer ihren Spielen noch einen Dreikampf und eine Sondervorführung veranstalteten. «chwimmcr und Turner vervollständigten das große Programm. Bon den internationalen Wettkämpfen interessiert zunächst das Handball-Länderspiel D e u t s chl a nd—» ch w e iz, das in München ausgetragen wurde. Die Schweizer wurden durch etwa 3OQ0 Partei-� Gewerkschafts, und Sportfreunde herzlich in Empfang genommen. In der ersten Spielhälfte konnte der Schweizer Torwart die deutschen Angriffe zum großen Teil abwehren(2: 1 für Deutschland). In der zweiten Spielhälfte nahm das Spiel an Schnelligkeit und Schärfe auf beiden Seiten zu, die Dcalfchen waren durch bessere Fangtechnik und überlegtes Stellungfpiel überlegen. So endcw das spannend durchgeführte Spiel mit 6:2 für den Kanal nach Bristol, um nicht übermäßig viel Strafpunkte wegen zu langem Liegenbleiben zu bekommen. Das große deutsche Aufgebot führen zur Zeit der Vorjahrssieger Morzik, serner der Junkerspilot R i st i c z sowie Osterkamp, Poß, Pesch!« und R e i n i n g e r an. Im allgemeinen ist bisher alles programmäßig verlaufen und es steht zu erwarten, daß der Zielflughafen Berlin- Tcmpelhof am Sonntag von der Spitzengruppe erreicht werden wird. Von den deutschen Maschinen, die in der ersten Klasse starteten, hat der Junkersrekord-Flieger Risticz bisher d i e b e st e n A u s- sichten, wahrend in der zweiten Klasse der Sieger des Vorjahres, Morzik, und der Lujt-Hansa-Pilot Polte mit in die aussichts- reichsten Positionen vorgerückt sind. Der Tod des Journalisten von Redern lieber den tödlichen Unfall aus dem Flugplatz H e st o n, über den bereits berichtet wurde, wird ergänzend bekannt: Der deutsch« BFW.-Flieger von O c r tz e n hatte als einziger Teilnehmer einen dritten Passagier an Bord, den Journalisten Wolfs Dietrich von Reedern. Als das' Flugzeug in Hefton landete, wollte von Reedern den Apparat über die Tragfläche verlassen. Dabei geriet sein Mantel in den noch laufenden Propeller, so daß von Reedern hineingerissen und sofort getötet wurde. geht auf einer Rund st recke, die von Dresden bis an das Erzgebirge reicht und durch die Sächsische Schweiz führt, vor sich. Währenddessen ist es in Dresden auch nicht ruhig. Ge- langen doch hier auf dem Festplatz Wettkämpfe verschiedener Art zum Austrag. In den Abendstunden soll dann die Ausführung des grandiosen Festspiels„Vom anderen Ufer" mit über taufend Mitwirkenden steigen. Schließlich bringt der Sonntag Straßenrennen, für die die„Solidarität" trotz der erst kurzen Pflege dieser Sparte gut trainierte Teilnehmer zu stellen vermag. Besonders imposant wird sich der Festumzug durch die Stadt ge- stalten, bei dem die Große der Organisation aufs beste demonstrieren wird. Das ist in kurzen Worten das Programm, das wir aus Platz- gründen leider nicht weitgehender behandeln können. Die Tage von Dresden werden Meilensteine fein auf dem ge- waltigen Entwicklungsweg der roten Kavallerie, und darüber hinaus werbend wirken für die große und friedliche Idee des Ar- beiterfports. Start der Berliner Motorradfahrer Für alle Bundesgenossen der Motorfahrerabtellungen, die an einer gemeinsamen Fahrt teilnehmen wollen, sind folgend« Treffpunkte vorgesehen: Abteilung Norden: 24. Juli, um 16 Uhr. Tempelhofer Feld, und am 25. Juli, 5 Uhr, ebendort am Flughafen: Abteilung Kreuz berg: Start am Bcreinslokal. Deutschland. Leichtathletische Wettkämpfe umrahmten die Ver- anstaltung.— Die dänischen Fußballspieler konnten bei ihren fünf Spielen in Deutschland trotz vielfach guter� Leistungen zu keinem Erfolg kommen. Gegen die Mannschaft Bebro-Kopen- Hagen erzielten Leipzig-Greutzsch und Delitzsch bei Bitterfeld 2: 2, es gewannen Leipgig-Panusdorf mit 7: S, Rötha b. Leipzig mit 3: 0, Eintracht-Braunfchweig mit 6:0.— Ein großer Fußball- erfolg wird aus Westdeutschland gemeldet: Vor 10 000 Zu- schauern spielte die �Auswahlmannschaft von Wuppertal-Koln 5:4(2:1). Die Westdeutsch« Kreisregatta in Gclsenkirchen bracht« ein Massenaufgebot von Wasserfohrcrn und spannende Kämpfe. Am 3. August findet im Änschluß hieran das 2. Westdeutsche Arbeiter-Sportfest in Dortmund statt, das zu einer ge- waltigen Kundgebung Verden dürfte. Grandi gewinnt„T urin— Brüssel" Bulla an dritter, Geyer an fünfter Stelle Das über insgesamt 1065 Kilometer führende Straßenrad- rennenTurin— Brüssel, das in den Rahmen der 100jährigen Unabhängigkeitsfeiern Belgiens siel, wurde am Dienstag mit der 245 Kilometer langen dritten Etappe von Luxemburg nach Brüssel abgeschlossen. Von den am Freitag in Turin gestarteten 72 Bewerbern mach- ten sich am Dienstag früh um 8.45 Uhr in Luxemburg noch 38 auf den letzten Abschnitt der Fahrt. Aus dem Endkampf der 15 Fahrer, die nach einer Fahrzei von 8: 18,22 im Park Roiiale de Leeken zu Brüssel eintrafen, ging der Belgier Emile Joly als leichter Sieger hervor. Gesamtsieger der langen Fahrt wurde der frühere Amateur-Straßenweltmeister Achille Gründl- Italien mit einer Fahrzeit von 39: 34,45 vor N. Frantz mit 39: 53,52. Sehr gut hielt sich der Wiener Max B u l l a. der mit 29: 55,11 einen hochachtbaren dritten Platz besetzte vor dem Belgier Joly mit 40: 03,06 und dem Deutschen Ludwig Geyer mit 40: 50,40. Ohne den Zeitverlust auf der letzten Etappe infolge Defekts hätte es für den Frankfurter zu einem besseren Ergebnis gelangt. „Solidarität" in Wannscc Naggatz siegt im 30-Kilometer.Rennen Die bundestreuen Rennfahrer des AR. u. K.-Bundes„Soli- Ä a r i t ä t" brachtcn„am Sonntag, dem 20. Juli, auf der Bahn in Wannsee wieder mehrere Rennen zum Austrag. Im Fliegerrennen, über 3 Runden konnte S a ch t l e b e n sich den 1. Platz vor N e u m a n n und Firley sichern. Im Jugendfahren über dieselbe Strecke war Wvthe vor Herzog und Engel der stärkere. Das 10-Kliometer- -Rennen, mit vier Wertungen, sah wieder Sachtleben in jede/ Wertung in Führung: er siegte vor Neu mann und Bur- mann. In einem Vorgabesahren für die Jugend über 5 Runden, wurde Wothe als Malfahrer hinter Engel, der 120 Meter Vorgab« hatte, zweiter. Im Mannschaftsverfolgungs- rennen, Wilmersdorf gegen Charlottenburg über 5 Runden konnten die Eharlottenburger 25 Bieter aufholen. Für die Fahrer, die noch keine Bahnrennen bestritten hatten, wurde ein Erstlingsfahren über 10 Runden mit zwei Wertungen ge- startet. Hier mar es H u h n, der vor Mauer und Engel als erster das Ziel passierte. Ein 3 0- K i l o m e t e r- E i n z e l- fahren(vier Wertungen) bildete den Abschluß. Durch«inen Sturz kam Sachtleben um seine Chancen. Naggatz kam dadurch zu einem sicheren Sieg vor N e u m a n n. Resultole: Flirgerrcnnen 3 Runden: 1. Sochtleben, 2. Renmann. 3. lZirlen, Zeit: 2:19:35. Ittgcn5f«hren Uber 3 Runden: 1. Wothe, 2. Herzog, 3. elnge!, Zeit: 2:50:00. Hauptklassc Uber 10 Kilometer. 4 Wertungen: 1. Sochtledcn, 12 Punkte: 2. Reuman», 7 Punkte: 3. Burmann, 3 Punkte. Zeit: 16:43:00. Iugentworgabefahrcn: Licgcr: Engel, 120 Meter: 2. Wotye: 3. Herzog. Zeit: 3:37:00. Aannsämttsvcrfolgungsrennen Wilmers-dorf-Ekiarlottendurg: Sieger: Eharlottenburg, aufgeholt 25 Meter. Zeit: 3:58:24. Erstlingsfahren 10 Runden mit 2 Wertungen: Sieger: Huhn, 5 Punkte: 2. Mauer, 4 Punkte: 3. Engrl. 2 Punkte. Zeit: 8:28:48. 30 Kilometer 4 Wertungen: Sieger: RaggaN, 11 Punkte: 2. Sachtlcben, 9 Punkte: 3. Neumann, 2 Punkte. Zeit: 51:16:48. Kote Regatta Vier Berliner Vereine am Start in Leipzig Am vergangenen Sonntag fand in Leipzig die 2. Arbeiter- rüder- und Kanuregatta unter Beteiligung der Berliner Vereine Vorwärts, Eollegia, Schweifsterne und Freie Schwimmer Char- lottenbuvg(Kanuabteilung) statt. Tausende von Zuschauern um- säumten die Uferwcge am Hochslutbeckcn. Leider konnten von den Berlinern nur die Schweifsterne einen Sieg mit nach Hause nehmen. Im Anfänger-Vierer starteten Edelweiß-Plaue, Saxonia-Wur- zen, Vorwärts-Leipzig, WV. Pieschen und Vorwärts-Berlin. Pie- schen ging in 8,17 Min. als Erster durchs Ziel. Vorwärts-Berlin benötigte für die Strecke 8:33,4 Min. Der Gig-Achter wurde von Vorwärts-Bexlin, Eollegia-Charlottenburg und Vorwärts-Leipzig bestvitten. Leipzig wurde mit Längen Sieger in 7,36 Min. Vor- wärts-Berlin kam wieder als Zweiter in 7,45 Min. ein. Eine weitere Länge zurück folgte Eollegia. Im Riemcn-Gig-Vicrcr trug Saxonia-Wurzen in 8:20,4 Min. den Sieg davon. Zweiter wurde Fortschritt in 8:24,2 Min. ,Gm Faltboot-Zweier für Männer fuhren die Schweifsterne-Berlin ein großes Rennen. Sie siegten mit 6:09,3 Min. mit Längen vor Fortschritt-Laubegast(6,18) und Freie Schwimmer Charlottenburg(6:35,4). Die übrigen Konkurrenzen wurden nur von den Provinzvereinen bestritten. Zu erwähnen wäre hier der Renn-Achter, den Leipzig in 7:10,4 Min. vor Laube- gast(7:23,3) und Würzen(7,34) gewann. Carnera ausgewiesen 1 Die Einwanderungsbehörde der Vereinigten Staaten von Nord- amerika hat dem italienischen Boxricsen Carnera und seinem Ma- nager Leon See die verlangte Verlängerung der Aufent- Haltsbewilligung versagt und beide aus USA. ausgewiesen. Der Ueberschwergewichtler ist haranfhin nach der kanadischen Hauptstadt Montreal abgedampft, um sich dort weiter zu betätigen. » Sandwina enttäuscht erneut, lieber den Deutschland abtrünnig gewordenen Schwergewichtsboxer Teddy Sandwina kommen aus Amerika stets unerfreuliche Nachrichten. Im Kampf mit dem Neger All Walker, keiner Leuchte auf dem Gebiet- der Box- kunst, kam Sandwina nach zehn Runden nur zu einem Unent- schieden, das die Zuschauer aber nicht befriedigte, denn sie pfiffen den Sohn der„stärksten Frau der Welt" gründlich aus. kuhbalUcampt Schweden-Lettland 5: 0 Die auf einer Wettkampfreise durch die baltischen Länder be- findliche Nationalmannschaft von Schweden trug nach dem 5: 1-Siege über Estland in Reval einen weiteren Fußballänderkampf in Riga aus. Diesmal, war Lettland der Gegner, der von den Schweden im Beisein von 5000 Zuschauern mit 5: 0(3: 0) geschlagen wurde. Nacktbaden im Stadtbad Milte. Der erste Nacktbadeabend der Körperkulturschule Adolf Koch im Stadtbad Mitte, Gartenstrahe, der im Einvernehmen mit dem zuständigen Bezirkskartell Mitte für alle parteimäßig und freigewerkschaftlich organisierten Genossinnen und Genossen zugänglich war, war ein großer Erfolg für die fozia- listische Freikörperkalturbewegung. Vorläufig sind folgende Bade- abend«— auch für die Mitglieder der Arbeitcr-Sport- und Kultur- organisationen offen— festgelegt worden: Freitag, den 25. Juli, 8. und 22. August um%8 Uhr abends. Ausweise mitbringen, sonst lein Einlaß. Unkostenbeitrag 0,40 Ml. Ab Mitte August wird bei den Badeabenden unentgeltlich durch anerkannte Lehrkräfte Gymnastikunterricht erteilt. Anmeldungen für geschlossene Vereinsgruppen erbitten wir an: Körperkulturschule Adolf Koch, Berlin SW. 48, Friedrichstraße 218. FTSB.-Zusaimnenturi»» jurn A,c>«srau»nfcst am Donnerstag, 24. Juli, i>e der Turnhall-, Pankstrage 18, 20 Uhr. FZSB. B«,. Pankow. Am Tonncretag, 24. Juli, 19ts Uhr. findrt auf dem AistingriuSportplah ein interessantes Handballtreifen statt: Pankow 1— Rordring Turner I(Eruppenmeister im 2. Bezirk). Rege Beteiligung wird erwartet., Wasserfportleriaaea 1. jteri» BT. und LB. Die Reigenschwimmerinnen, die nach Stettin ,u den Ostdeutschen Verbandsmeifterschaften fahren, müssen bis fsreitag, 20 Uhr, das ssahrgctd im Berliner Bad, SO 38, LohmÜhtcnstraste, bei der Gen. Wolter abgegeben haben. Zahrgeld: Iugendfahrschci» 5,60 Mk. hin und zurück. Sonntagsrückfahrkarte 6,70 Mk. Abfahrt: Sonntag früh 5.40, Etettiner Bahnhof. Wer fahrt mit de» Raturfrcunden? Zu drr am Sonntag, 27. Juli, Hgti. findenden Wochenendfahrt durch die Ruppiner Schweil sind»och«arten in der Geschäftsstelle des Touristenvereins„Die Naturfreunkre". R 24. Johannis- graste 15, bei Sinn: R 20, Stettiner Str. 30, bei Thomas: N 65. Lurem- burger Str. 1, bei Schmidt: W. 30. Rankestr. 30, bei Walter: Üteulillln, Sieg- frietftraste 55, bei M-ckelberg: Treptow, Wracststr. 50 zu haben. Preis der Harle 5,50 Akt. inkl. Bahn- und Dampferfahrten.(Gäste herzlich willkommen.) Alle Teilnehmer der Dreiländcrfahrt treffen stch am Mittwoch. 23. Juli, 20 Uhr, in der Geschäftsstelle des Tckuristenvcreins„Die Naturfreunde", N 24, Iohanvisstraste 15- Die Teilnehmer der Echwarzwaldsahrt treffen sich am ssrcitag, 25. Juli, 20 Uhr, in der Geschäftsstelle. Etliche Gäste zu diesen Reisen stnd noch willkommen. Näheres durch das Reisebüro des Touristen- Vereins„Die Naturfreunde", N 24, Iohannisftr. 13. Arbeiter- Rad- und Nraftfahrerbund Solidarität, Gau 9, Bez. 1. Todrcn für Eonntäg, 27. Juli: Abt. Norden: Sülzerner See, 6 Uhr, Sparrstr. 3: Abt. Kreuzbcrg: Etienistsce, 7 Uhr, Warschauer Ecke Revalcr Etrastc.: Abt. Neu- källn, Hälzerncr See, 7 Uhr, Sohcnzollcrnplast: Abt. Oberschöneweidc: Liepnistsce(Bernau), 7 Uhr, Wilhclmjncnhosstrastc 64. Abt. Pankow: Lehnistsce, 7 Uhr, Bornholmcr Str.' 88: Abt. ssricdrichshain: Lindow. 6 Uhr, Landsberger Plast: Abt. Charlottcilbnrg: HSlzcrncr See, 7 Uhr. Wilmcrsdorier Stroge 21. Kreit Aanu-Uaion E. P. Grost. Berlin, Abt. Kaocl. Morgen Donnerstag, 18 Uhr: Trainingsabcnd im Bootshaus Kleischer, Spandau, Wötelstr. 75. Sonnabend und Sonntag: Pflichtfahrt»ach dem Breiien Horn. Touristen»«»!»„Die Ratursreundst", Bez. Rcukiilln. Donnerstag, 2t. Juli, fällt der Vortrag der Bolksbühnc aus. Dafür Baden im Klustbad stlinaen- berg. Traffpunkt: 18.43 Uhr Bahnhof �tralau-Rummclsburg(Marggrafen- dämm). K»ie Ardeiter.Esperanto.Bminigung. Sonntag, 27. Juli: Wanderung nach Meistners Hof bei Hennigsdorf. Treffpunkt: 6 Uhr am Bahnhof Gesund- brunnen. Frei« ftaau-Uuia» GroH-Berli», Adt. vberspree. Sistung: Kreitag, den 25. Juli, im Restaurant„Zur Eiche". Ncukälln, Aaiser-Kricdrich-, Ecke Saalestr. Gäste willkommen, Mitglieder werden aufgenommen. Freie Faltb-otfahre, Berli». Donnerstag. 23. Juli, 20 Uhr: Zusammen- kunst im..Hackeschen Hof", Rosenthafcr Str. 41. Tagesordnung: Geschäftliche« und Kahrtenansestung. Achtung! Kreitag. 1. August: Teilnahme an der Anti- «kriegskundgebunch der Partei. Näheres folgt. FTGB. Meutälln-Prist. Morgen Donnerstag, 20 Uhr, graste Kunktioitär- konfcrcnz auf dem Sonncnplast. Alle Bezirks-, Abteilungs- und Mannfchafts- funktionöre milsse» vertreten fein.— Am Sonnabend, 26. Juli, ist der Platz 1 im Sportpark für sämtliche Spiele gesperrt. Heerschau der Arbeiterradfahrer Das große internationale Arbeitersportmeeting in Dresden ArbeiiseinschrSnkungen in Oanztg. Entlassungen in den Eisenbahnwerlstätten. Danzig, lg. Juli. Die in d«n letzten Wochen in d«r Presse erschienenen Nachrich ten über größere Betriebseinschränkungen der polnischen Eisenbohnverwaltung im Danziger Gebiet werben nunmehr von amtlicher Danziger Seite bestätigt. So ist nach den amtlichen Angaben bei den drei Betriebswerkstätten aus Danziger Gebiet, die insgesamt 568 Arbeiter beschäftigten, bis zum 24. Juni mehr als ein Drittel entlassen worden. Die Arbeiten, die hier nicht mehr be- wältigt werden können, werden nun in den Betriebswerkstättcn des benachbarten pommerellenschen Gebietes durchgeführt. Die Maßnahmen der polnischen Eisenbahndirektion, so wird weiter betont, müssen um so befremdlicher wirken, als schon vor der Zeit der Entlassung die Danziger Betriebswertstätten nicht in der Lag« waren, die nötigen Reparaturen allein vorzunehmen. Di« polnische Eisenbahnverwaltung hat diese Tatsache auch in einer Denkschrift an eine zum Studium von Danziger Eisenbahn- fragen eigens eingesetzte Kommission des Bölkerbundes zugegeben. Dieser Sachverhalt hat dem Senat Veranlassung gegeben, Ende Juni in einer dringenden Note an den diplomatischen Vertreter der Republik Polen Vorstellungen zu erheben und zu fordern, daß die polnische Eisenbahnverwaltung von weiteren Einschränkungen der Arbeiten und Entlassungen bei den Danziger Eisenbahnwerkstätten absieht. Die Danziger Regierung hat sich in ihrem Schreiben vor allem auf die Versprechungen der polnischen Regie- r u n g gestützt, bei der Vereinigung des Danziger Arbeitsmarktes ihrerseits alle Schwierigkeiten zu vermeiden. Arbeitspflicht in Südstawien. Wer Geld hat kann sich loskaufen. In Südslawien wurde für das Donaubanat die Arbeitsdienst« pflicht der Bevölkerung für den Bau und die Erhallung der große» Straßen und Brücken und zur Beseitigung von Elementarschädel» eingeführt. Alle männlichen arbeitsfähigen Einwohner zwischen den» 18. und 55. Lebensjahr sind arbeitspflichtig, mit Ausnahme des Militärs, der Beamten und der Geistlichen. Mit Geld kann ni.'i» sich von der Arbeitspflicht loskaufen. Die Arbeitspslichtigen sollen selber das Werkzeug stellen und sich selbst beköstigen»(Wovon?) Selbst fremde Staatsbürger sollen zur Kuliarbeit hcrangezog n werden, wenn sie das Lostaufgeld nicht zahlen können. � ßeßMfis-Jtnseiger* (Uezirh fiideii-tVefien. Das reine Roggenbrot Echtes Kommißbrot Feronia-Brotfabrik aus der GebrOder Hagen Berlin-Schmargendorf, Salrbrunner Straße 18/20. Fernspr. Brabant 1418 Inhaber: finstav Sauer Carl Rief sdi Haus- u. 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