Morgenausgabe 7lr.54i_,, A-172 �hrgang Wöch»nIIIch 85?!f, monatNch Z.So M. im ooraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich bll Pfg.Postzeitungs. und 12 Pig Postbestellgebühren. Auelandsabonnement 6,— M. pro Monat. * Der„Sommrte" erschein» wochenläg. Iich zweimal, Sonntags und Montag, einmal, die Äbendau, gaben ,-ur Berlin und im Handel mst dem Titel»Der Abends, Illustrierte Beilagen.Bolt und Lest" und.Kinderfreund". Ferner »Frauenstimme'. Technik",.Blick in dt, Dücherwelt"..Iugend-Vorwarts' und.Stadtbeilage'. Donnerstag 24. 3uli 1930 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts 15 pf. S)ie e l n f p o 1 1 t g e Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklame zeile 5,— Reichs» mark.„Älelne Anzeigen' das ettge» fw berliner volksbla« Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» gefchäst Lindenstraße 3. wochentäglich von 8Vf bis 17 Uhr. Jentvawvsan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 i>ernlvrecher: Tönboss 252—291 T-legranim-Adi- Sozialdemokrat Berlin. Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Poslscheckkontoi Berlin 37S3K,— Bankkvnio� Bank der Arbeiier Anacliellien und Beamien, Wallsir KS Dt B u Ditc-Gel Tevositenkalle Lindenstr S. Verwirrung rechts. Das Notdach für Westarp, Treviranus und Genossen. Etwa fünfundzwanzig Abgeordnete des aufgelösten Reichstags verlassen die Deut�chnationale Volkspartei, ein- zeln und in Truppen. Sie gehen wie auf Verabredung nach- einander, damit jeder Tag seinen neuen Fall hat. Sie gehen aber wohin gehen sie? Diese fünfundzwanzig suchen, wohin sie gehen können, und mit ihnen suchen die, die vor ihnen gegangen sind und in der Volkskonservativen Vereinigung ein provi- sorisches Obdach gefunden haben. Sie suchen eine Organi- sation, die für sie Wahlen macht und ihnen Kandidaturen gibt, sie suchen einen Namen für diese Wahlorganisation und ein Programm, und vor allem natürlich Wähler, die sie wieder in den Reichstag schicken sollen. Es ist ein sonder- barer Zustand: die Anwärter auf die Mandate sind beim Beginn des Wahlkampfes vorhanden— aber die dazugehörigen Parteien noch nicht! Die um Westarp und Treviranus haben in dieser Not beschlossen, ihr Unglück zusammenzuwerfen und unter ein gemeinsames Dach zu flüchten. Sie hoben gestern die, K o n- jervative Volkspartei" gegründet.' Sie paffen zwar schlecht zusammen. Herr Treviranus ist längst kein Monarchist mehr— Graf Westarp aber hält nach wie vor am monarchistischen Bekenntnis fest. Das Wesen der Politik des Herrn Treviranus besteht in der Erhebung von Ansprüchen auf führende Posten in Regierung und Dl- plomatie, im übrigen ist er ein ausgesprochener politischer Opportunist— Graf Westarp ist und bleibt der akie Konservative. Aber sie sind Kameraden in gemeinsamer Mandatsnot! Die neue Partei hat einen leitenden Ausschuß, der aus den Herren Habermann, v. Kamecke, o. Lettlow- Vorbeck, v. Linder ner-Wildau, Dr. Rade- m a ch er und Treviranus besteht. Daneben wurde ein Beirat gewählt, dem 13 Mitglieder angehören, darunter Dr. v. Dryander, Dr. Hoetzsch, Lambach, Dr. Lejeune-Jung, Graf Schulenburg und Graf Westarp. Geschäftsführende Mitglieder des Bei- rats sind die Herren Dr. v. Dryander und Lambach. Darunter sind zehn Reichstagsabgeordnete. Da wird nicht jeder Chancen haben, wiedergewählt zu werden! Im Gründungsaufruf der neuen Partei heißt es: „Das deutsche Volk braucht mehr als andere Zusammenfassung in einer starten Stoatsgewalt. Nur aus Sammlung und Einsatz aller konservativen Kräfte kann sie erwachsen. Ilm unseren Staat stark zu machen für diesen Kampf, müssen wir das System regelloser Massenherrschaft durch einen der geschichtlichen Entwicklung und natürlichen Gliederung unseres Volkes entsprechenden Staatsaufbau überwinden. Unser Staat soll wieder ein wehrhafter Staat werden. Hierzu müssen In der Staatsführung tonseroatioe Kraft so zur Geltung kommen, daß der Staat fähig wird, im Kampf um die deutsche Freiheit in der Well den gesammelten Freiheitswillen einer geeinten Nation einzusetzen. Deshalb rufen wir auf zur Gründung der Konservativen Volkspartei." Ein Bekenntnis zur Monarchie enthält dieser Grün- dungsaufruf nicht mehr, das Kompromiß zwischen Trevi- ranus und Westarp hat ihm den Garaus gemacht, dafür ist der Aufruf mehr Westarp als Treviranus. Aber was sind neue Programme, was Pläne und Entwürfe— die Mandate sind alles! So sieht also eine der rechten Flügelparteien des Systems Brüning aus! Konservative gegen konservative Volkspartei. Es gibt nunmehr zwei konservatioe Organisationen: die Kon- servative Volkspartei und den Hauptverein der'Konservativen. Der Hauptoerein steht zu Hugenberg gegen Westarp, er erlätzt gegen die ,Lreuz-Zeitung", die für Westarp Partei genommen hat, die folgend« Erklärung: „Die„Ämi.vZeitung* ist nicht Organ der Konservativen, ihre Einstellung insbesondere ,zuin heutigen Staat ver stützt gegen konservative S t a a t s a u s f a s su nq uiid stellt«inen Bruch mit ihrer eigenen Tradition dar. Entscheidend ist nicht die von dem Blatt verschiedentlich ausgesprochene theo- rctische Ablehnung des heutigen Systems, sondern die tatsächliche Unterstützung einer Politik der Mitte, die auf entschlossenen Kampf verzichtet.". Die Konservativen beider Fakultäten liegen sich schon in den Haaren! 2,71 Millionen suchen Arbeit. Erste Liulihälfte bereits Stillstand auf dem Arbeitsmarkt. Die neuen amilichen Arbeitslosenzissern haben die Befürchtung der Gewerkschaften, datz die sommerliche E n t l a st u n g des Arbeitsmarktes bereits zu Ende ist, vollauf bestätigt. Zum ersten Male seit dem Höchststand des winters hak die Zahl der hauptunierstühungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung keine Abnahme erfahren: das Anwachsen der Zahl der verfügbaren Arbeitsuchenden hat sich in verftärkiem Matze sorlgesetzl: ebenso ist die Zahl der krisenunlerstühungen weiter angewachsen. Am 15. Zull wurden l 470 004 hauptnnterstühungsempsänger ln der Ar�eitelosenoersichcrung und ZS0SSS in der Krisenunier- stützung gezählt. Damit sind beide Unlerstühungseinrichlungen zu- sammen mehr als doppelt so stark belastet wie in der gleichen Zeit des Vorjahres, nachdem die Ueberlagerung auf rund gZS000 angewachsen ist. Die Zahl der verfügbaren Ar- beitsnchendcn belief sich am t5. 3uU aus rund 2 770 000. Eigentliche Arbeitslose verbleiben nach Abzug derer, die noch in gekündigter oder ungekündigter Stellung oder in Nolstandsarbeit beschäftigt waren, rund 2 7l5 000. Die Zunahme in der Belastung der Arbeitslosenversicherung rührt zunächst von den Bezirke»» der westdeutschen Industrie her, von denen sorvohl Westfalen wie das Rheinland«ine Vermehrung der Unterstützungsempfänger aufweisen. Ferner haben die Bezirke Brandenburg, Südwestdeutschland und Ostpreuhcn eine Verschlechte- rung erfahren. Die geringe Abnahme der Unterstützungsziffer ln den übrigen Bezirken, von denen Mitteldeutschland noch die ver» hällnismäßig günstige Entwicklung hat, konnte in dem Gesamtbild keinen Ausgleich schassen. Der Zuwachs an Arbeitsuchenden entfällt im Gesamtergeb- vis auf die K o n j u n k t u r g r u p p e n. Die Saison-Autzen- berufe haben keine Erleichterung mehr erfahren. Das Bau- o e w e r b e liegt nach wie vor vollkommen danieder. Die Landwiiüfchcrft verwendet stark Maschinen und entwickelt daher eben- falls keine starke Nachfrage. Bergbau- und Metallindustrie bilden zusammen mehr und»nehr einen selbständigen Krisenherd. Le- sorrders im Ruhrkohlenbezirk sowie in den Hütten u>»d Walzwerken macht die Verringerung der Belegschaft stäi»dig Fortschritte. Auch in den meisten Braunkohlengebieten beginnt der Beschäftigungsgrad sich zu verschlechtern. Aus fast allen Zweigen der M e t a l l v e r- arbeitunZ kämmen Meldungen über Kurzarbeit, Entlassungen mrd Stillegungsanträge. Nur gewisse Teile der Dekleidurrgs- indnstrie stützen zusammen mit der Konservenindustrie noch etwas den Arbeitsmarkt, während in der Schuhindustrie die Arbeitslosig- keit ebenfalls rapide zunimmt. Wachsende Arbeitslosigkeit in England. London. 23. Juli.(Eigenbericht.) In der am Mittwoch!in Unterhaus stattgefundenen zweiten Lesung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes ver- langte die Regienmg die Erhöhung der vorgeschlagenen Ver- sicherungssumme von 50 auf 60 Millionen Psund Sterling (das sind von 1 Milliarde auf 1,2 Milliarden Mark. Red.). Arbeits- »ninifter Margaret Bondfield begründet« die Nachforderung mit der ständig wachsenden Arbeitslosenzisfer, die End« des Jahres auf 2,1 bis 2.3 Millionen geschätzt werden müsse. 36 Opfer geborgen. Die Trauer über die Koblenzer Katastrophe.- Beerdigung am Sonnabend. Koblenz, 23.-Juli. lElgenbericht.) Nach den letzten Meldungen ist eS bisheu gelungen. »«cpferderSchreckensnachtzubergen. Vier oder fünf Verunglückte sucht man noch in dem schlam- migen Grund des FlusfeS. Von den Geborgenen tonnten bis jetzt 32 Personen identifiziert werden. Die Veerdigung der Lpfer wird am Sonn- abend stattfinden. Ter preutzische Ministerpräsident hat angeordnet, daß an diesem Tage alle öffentlichen Ge- bände, die in Berlin schon gestern halbmast geflaggt hatten, in ganz Preußen die Fahnen auf Halbmast setzen. Aus allen Teilen des Reiches sind in Koblenz weitere Beileidskundgebungen eingelaufen. Auch Oesterreich hat seinem starte« Mitgefühl Ausdruck verliehen. Sehr große Anteilnahme zeigt auch die französische O e f fe n t l i ch te i t. im besondcren die Pariser Presse. (Weitere Meldungen in der 1. Vellage.) Die Gammelkomödie. Oer Schiffbruch der«.großen fechten*. 3m bürgerlichen Lager wird gewaltig zum Kampfe ge» blasen! Da aber die verschiedenen Stabstrompeter ihre In- strumente gleichzeitig an den Mund setzen und jeder seine besondere Weise spielt, herrscht einstweilen noch zi?mliche Ver- wirrung. Vor allem a u f d e r R e ch t e n, wo die Trümmer der einstmals so stolzen deutschnationalen Fregatte wild um- hertreiben, ist von praktischer Sammlung und.prak- t i s ch e r Vereinigung noch sehr wenig zu merken. An den Mast des geborstenen Schiffes klammert sich Herr Hugenberg, und die Mitglieder seiner bisherigen Mannschaft machen sich in den bewegten Wogen die rettenden Planken streilig. Versuchen wir eine Art von Führer durch das Chaos zusammenzustellen. Da ist also zunächst die Gruppe Hugenberg, die Tag für Tag Austrittserklärungen pro- minenter Parteigänger in Empfang nehmen muß und sich über diese Verluste durch die Veröffentlichung von Treue- gelöbnissen irgendwelcher Stammtische zu trösten versucht. Wahrscheinlich ist sie besonders stolz darauf, daß auch Graf Seidlitz-Sandretzki, der Führer der immer noch— allerdings unter Ausschluß der Oeffentlichkeit— existierenden Konser» vativen Partei, seine Mannen dem Herzog aus Westfalen- land zuzuführen verspricht. Aber die Zahl dieser Mannen dürfte kaum ausreichen, um ein Lastauto zu füllen, und so hat die Kundgebung des schlesischen Grafen kaum eine andere Bedeutung als die, daß sie dem Grafen Westarp, der bisher mit seinem Standesgenossen gemeinsam als treuer Invalide die Wache am Sarge des preußischen Konservativismus hielt, eine schmerzvolle Enttäuschung bereiten wird. - Während Hugenberg Absage auf Absage entgegennimmt, hat sich Graf W.e st a r p mit Herrn Treviranus„ver- ständigt"� Der Mann, des bisher noch„mit Gott für Kaiser und Reich" stritt, will Arm in Arm mit der Gruppe, die diesen Kampfruf für einigermaßen überHoll und jedenfalls zweckmäßig erachtet, das Jahrhundert in die Schranken fordern. Wieviele von denen, die bei der letzten Abstimmung mit Westarp gegangen sind, auch jetzt bei ihm bleiben wer- den, ist freilich noch nicht ausgemacht, denn es gibt einen Magneten, der auf sie vielleicht eine stärkere Anziehungskraft ausübt, als die doch immerhin etwas unklare Vereinigung von unentwegter Kaisertreue und Konjunkturanpassung. In- zwischen hat sich nämlich der L a n d b u n d als selb- ständige Partei aufgetan. Das heißt, eine eigentliche Partei will er nicht sein. Nach wie vor, so sagt er, bleibe die Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Laitdbundorgani- sationen gegenüber jedem Parteigebilde oberstes Gebot. Aber aus Abneigung gegen die Parteigebilde stellt er eigene Listen auf und gründet also ein neues Par- teigebilde. Das Landvolk soll gesammelt werden aus- schließlich zur Wahrung seiner berufsständischen Belange. Die allgemeine Politik spielt keine Rolle. Der Speckzoll ist alles. Ein neuer„Inter- essentenhaufen" wird sich organisieren. Auf der anderen Seite ist auch nicht klar ersichtlich, ob Herr Treviranus den Anhang, der seinerzeit mit ihm aus der deutschnationalen Partei austrat, und ihm zu einem Ministerposten verhalf, restlos bei seines Stange halten kann. Der sogenannte Christliche Volksdienst, dem die Abgeordneten Mumm, Behrens usw. nahestehen, hat einen Parteitag nach Eisenach einberufen, um dort die Auf- stellung seiner Kandidatenliste zu beschließen. Auch dieser Volksdienst ist ein Verband, der dem Treiben der politischen Parteien Fehde ansagt und aus diesem Grunde ganz selbstverständlich berufen ist, eine neue Partei auf die Beine zu stellen. Wenn wir dann noch hinzufügen. daß auch der I u n g d e u t s ch e Orden mit eigenen Man- datsbewerbern auf die Szene treten wird, so haben wir ein. ungefähr vollständiges Bild von der„großen Rechte n", die in den Krieg gegen den Marxismus zu ziehen beab- sichtigt, aber heute noch nicht weiß, wie sie den Feldzug be- ginnen soll. Unterdessen redet man allerdings von Listenverbindun- gen und gemeinsamen Reichslisten der verschiedenen eben angeführten Fraktionen und Fraktiönchen. Die Bächlein sollen schließlich in ein gemeinsames Bett zusammenfließen. und die Veranstalter der einzelnen Unternehmungen sind wahrscheinlich der Ueberzeugung, daß die Taktik des ge- trennten Marschierens noch am ehesten einen Erfolg ver- bürge. Wenn nur aus dem beabsichtigten vereinten Schlagen nicht ein vereintes Geschlagenwerden wird! Den Wählern wird man es jedenfalls nicht leicht klarmachen können, warum gemeinsame Grundideen durch ein halbes Tumult im Sächsischen Landtag. Kommunisten provozieren ein Handgemenge. Dresden. 23. Juli. Der Landtag hielt heute seine letzte Sitzung vor den Sommerferien ab. Ziach Erledigung der Tagesordnung schlug Präsi- dent Meckel vor. die nächste Sitzung am Dienstag, dem 30. Sep. tember, abzuhalten. Hiergegen erhoben die Kommunisten Widerspruch, wobei sie von mehreren Tribünenbesuchern unterstügt wurden. Ein Tribünenbesucher, der ein« schwere Beleidi- gung in den Saal gerufen hatte, wurde mit Gewalt von der Tribüne entfernt. Hierauf begann eine Beleidigungskanonade auch unten im Saal. Der Präsident konnte sich kein Gehör verschaffen und unterbrach die Sitzung. Da sprangen die Kommunisten auf die Bänke der Sozialdemokraten und es kam zu einem Handgemenge, dem einige besonnene Element« aber bald ein Ende bereiteten. Nach Wiederaufnahme der Sitzung schloß der Präsident drei kommu- nistische Abgeordnete von der Sitzung aus. Keiner der Aus- geschlossenen verlieh den Saat. Di« Sitzung wurde noch einmal unterbrochen. Bei Wiedereröffnung gab der Präsident be- kannt, daß der Abgeordnete Renner für einen Tag, die Abge- ordneten Siegel und Sindermann' je auf 2l Tage ausgeschlossen seien.(Lärm bei den Kommunisten). Nach weiterer kurzer Aussprache ging der Landtag in die Ferien. Gieitiner Revolverheld festgesteM. Sin Mitglied der Kommunistischen Partei. Slelklu. 23. Juli. Die Personen, die an dem Ueberfall aus den Arbeiter Max Köhler beteiligt waren, sind festgestellt worden. Als Haupttäter kommt der Arbeiter P r i e b s in Frage. Cr hat zugegeben, daß er die Schüsse auf Köhler abgegeben habe. Köhler und Priebe, die früher Mitglieder der Kommunistischen Partei waren, traten seinerzeit gemeinsam zur Nationalsozialistischen Arbeiterpartei über. Priebe ist dann später zu den Kommunisten zurückgekehrt, während Köhler bei den Nazis verblieb. Köhler, der die KPD. und deren Führer öffentlich in schärfster Form kritisierte, wurde von den Kommunisten als Verräter bezeichnet. Priebe ist dem Gericht vorgeführt worden. Bergbaugeseh tritt in Krast. Oberhaus gibt nach. Dutzend Parteien vertreten werden sollen/ und mög- licherweise gibt es auch au); der Rechten Leute, die gewisse Zweifel hegen, ob durch eine Vermehrung der Parteisplitler ihren Interessen und denen des Staates gedient ist. Neben diesem Gewimmel ficht nun Herr Scholz, der Führer der Deutschen Volkspartei, und bläst einsam eine eigene Sammelmelodie. Sein Notenpapier ist stark ver- gilbt. Es stammt aus der Zeit vor dem Kriege und ist bei- spielsweise schon einmal von dem seligen Finanzminister Miquel benutzt worden. Die staatsbejahenden und staats- erhaltenden Kräfte sollen sich zusammentun, und diese Kräfte reichen nach Herrn Scholz von den Westarp-Leuten bis zu den Demokraten, wobei das Zentrum von ihm übergangen wird. Nun nehmen wir nicht an, daß der Volksparteiler das Zentrum in seinen Aufruf nicht einschließt, weil ihm die Gemeinschaft mit ihm nicht passen würde. Er will eben nur diejenigen sammeln, denen es schwer fällt, auf eigenen Beinen zu stehen, und die sich daher gegenseitig stützen sollen. Aber es ist neckisch genug, daß er diese Falstaffgarde mit dem schmückenden Beiwort„staatserhaltend beglückt, um sie in den Kampf gegen die einzig wirkliche Staatspartei der Republik, gegen dieSo- z i a l d e m o k r a t i e, zu führen. Es find schon recht amü» sante Kombinationen, die wir der Politik des Kabinetts Brüning verdanken. Herr Scholz allein wird mit seinem Sammelruf, der eher ein Notschrei ist, wenig Erfolg haben. Die Berliner„Vossische Zeitung" hat ihm im Namen der Demokraten schon eine Ab- sage erteilt. Aber sie fügt geheimnisvoll hinzu, daß noch aus anderer Richtung und in anderer Tonart ein Signal erfolgen werde, und damit spielt sie auf die Absicht an, die Reichs- regierung in den Dienst der Sache zu stellen und sie zum Vermittler zwischen dem bürgerlichen Mischmasch zu machen. Oder soll gar der Reichspräsident helfen? Wie dem auch sei: Der Block der Sozialdem.o- k r a t i e ist fest gefügt und die verzweifelten Manöver des bunt zusammengewürfelten Heerbanns des Bürgertums werden ihm nichts anhaben können. Rätselcoien um Schiele. Geht«r oder geht er nicht? Herr Schiele ist Minister im Kabinett Brüning, Führer im Reichslandbund und— immer nochMitglied der Deutschnationalen Voltsparteil Was wird er nach dem Aufruf des Reichslandbundes tun? Das ist genau so rätselhaft wie die Absicht dieses Auf- rufs. Er fordert dazu auf, berufs ständische Land- o o l k l i st e n zu wählen— aber er hat absichtlich unklar gelassen, ob darunter die Listen der ch r i st l i ch- n a t i o- nalen Bauern- und Landvoltpartei zu verstehen sind. Die Frage ist offen, und so können ganz gul deutsch- Nationale Listen berufsständische Listen im Sinne dieses Aufrufes sein! Nun warten die christlich-nationalen Bauern um Hepp, ob Herr Schiele zu ihnen übertreten wird, damit sie mit ihm Reklame machen können, oder ob er sich weiter zurück- hält und Mitglied bei den Deutschnationalen, das heißt b e i Hugenberg, bleibt. Die Unklarheit des Reichslandbundes hat ihren guten Grund. Er fürchtet den offenen Zerfall, wenn er Partei nimmt. In den Landbünden des Ostens hat Hugenberg noch ziemlichen Anhang, der Pommersche Landbund unter der Führung des Herrn v. R o h r hat seine Mitgliedschaft im Reichslandbund gekündigt. Auch hier regiert die Angst der Stunde! Eine demokratische Wahlversammlung. Koch redet wirtschoftsparteilich. Die Partei der guten Ratschläge nach rechts und links, die in zehn Iahren von 73 Mattdaten 30 verlor, die Deutsch« Demo- kratische Partei, füllte gestem den Saal bei Kroll. Wir ver. stehen die Angst des Parteiführers Koch, am H. September noch mehr Stimmen, namentlich auch an die Wirtschastspartei, zu ver- licren, aber mußte er denn deshalb ganz auf das Niveau dieser Partei hinabsteigen? Seine Rede war ein einziger, wenn auch nicht eben wohl gelungener Angriff gegen sie. Was soll man zu einem Satze sagen:„Wir kämpfen gegen eine Uebcrspannuug der Gemein- wirtschast und gegen«in« Sozialisierung, deren üble Folgen wir im sozialistischen Berlin gespürt haben." Seit wann waren denn die Herren Busch und Böß Sozialisten? Nach Koch sprach Reichssinanzminister Dietrich sehr viel Sachliches. Er stellt fein Programm ein auf.Sparsamkeit, Reform und Arbeitsbeschaffung". Das klingt schön. Aber wenn für Spar- samkeit und Reformen ausgerechnet besonders Arbeitslosen- Versicherung, Krankenversicherung und Kricgsrentenfürsorge vor- gesehen sind, wie er ausführte, dann wird kein Arbeitnehmer Von Demokraten seine Stimme geben können. polen und die Reichsiagswahl. Rationalistensieg zerstört die Verständigungspolitik. Warschau, 23. Juli.(Ost-Expreß.) Der kommenden Reichstagswahl mißt der rechtsoppositionelle Krakauer„Ezas"' die größte Bedeutung für die gesinnte europäisch- Politik bei: die größte Wahrschein- lichkeit spreche dafür, daß' die nationalistische Rechte erheblich gestärkt aus der Wahl hervorgehen werde. Ob eine Mehrheitsbildung im neuen Reichstag zu erreichen sein oder ob eine Diktatur des Reichspräsidenten errichtet werde, lasse sich nicht voraussagen. Dagegen stehe fest, daß die lünstig« Reichsregierung noch viel mehr der wachsenden Populär!» tat der Nationalisten werde Rechnung tragen müssen, als schon das Kabinett Brüning. Der„Ezas" erwartet von dieser Wen» dung der Dinge den beschleunigten Ausbruch eines offenen Kampfes um die deutsche Ostgre'nze. Vom polnischen Standpunkt aus gesehen, würde eine solche Entwicklung der deutschen Politik indessen insofern ein sehr günstiges Ergebnis zeitigen, als„dadurch die Illusionen der französischen Politik verweht würden", die namentlich unter Führung Briands bis jetzt von der„Wahnvorstellung" ausgegangen seien, daß in Deutschland die pazifistischen Parteien die Mehrheit hinter sich hätten. London. 23. Juli.(Eigenbericht.) Nachdem sich das Unterhaus bereit erklärt hatte, für gewisse Distrikt« die Arbeitsgett der Bergarbeiter einer privaten Regelung zwischen den Gewerkschaften und den Grubenbesitzern zu überlassen, beriet am Mittwoch das Oberhaus noch einmal das gesamte Bergwerksgesetz. Nach langen heutigen Debatten wurde das Gesetz in der Form, wie es vom Unterhau» wiederholt beschlossen worden ist, auch vom Oberhaus angenommen. Damit ist der Konflikt zwischen den beiden gesetzgebenden Körperschaften bei- gelegt. . Irak wird unabhängig. Eine Tat der Arbeiterregiervng. Der neuerdingZ.zwischen England und dem arabischen Königreich Irak zustande gekommene Vertrag ist ein großer. beachtenswerter Ersolg der Arb e i terregierung. Seit 1922 hatten die Konservativen vergeben» versucht, ein Uebereinkommen mit dem augenblicklich in Deutschland zur Kur weilenden König Faisul zu erreichen. Die Verhandlungen scheiterten immer wieder, ay den unannehmbaren Bedingungen und Voraussetzungen, die die- konservative Regierung daran knüpfen wollte.■;; Als Lord Paßfield(Sidncy Webb) das englisch« Kolonial» amt übernahm, war ein« seiner ersten Handlungen, Ine Hindernisse Oie„prawda"zurRe»chsiagsauflSsung. Herr Heckert erzählt Märchen. Der Kommunist Heckert, der sich in Moskau aufhält. erzählt in der„P r a w d a" die folgenden Lügen über die letzten Vorgänge im Reichstag: .Alles Tun der Sozialdemokratie in den letzen Wochen war darauf gerichtet, die Regierung Brüning zu retten. Bei allen wichtigen Abstimmungen hat die Sozialdemo- kratie zu dem erprobten Parlamentstrick gegriffen. Sie hat eine bestimmte.Anzahl ihrer Mitglieder aus dem Reichstags« gebäude fortgeschickt, um der Regierung eine Majorität zusichern. Bei der Abstimmung über Miß- iraucnsanträge gegen Brüning haben sich die Sozialdemokraten der Stimme enthalten: in einigen Fällen sogar direkt für Brünings Maßnahmen gestimmt. Wenn ungeachtet dessen das Lakeienver- halten der Sozialdemokratie der Regierung gegenüber es zur An- wendung des Z 48 und zur Auflösung des Reichstags gekommen ist, so nur, weil der Regierung«ine ander« Wahl nicht gs- blieben ist." Die Tatsachen: Bei der entscheidenden Abstimmung fehlten von der sozialdemokratischen Fraktion, die 152 Mit- glieder hat, 8 Abgeordnete, von der 53 Mann zählenden lommunistischen Fraktion aber 6 Abgeordnete. Haben die Kommunisten auch abkommandiert? Unter den fehlenden Kommunisten aber war— Herr Heckert. Wir können ihm aber noch etwas verraten! Unmittelbar vor der Auflösung hatten die Kommunisten ebenso wie die Sozialdemokraten einen Mißtrauensantrag gegen Brüning «ingebracht. Was haben sie getan? Sie haben ihn z u r ü ck- gezogen, ebenso wie die Sozialdemokraten. Man denke: Kommunisten haben einen Mißtrauensantrag gegen Brüning zurückgezogen— und noch dazu auf fozialdemokra- tischen Rat!___ Die Rsichseinnahmen im Juni. Das Einnahme-Soll bisher noch nicht erreicht. Die Einnahmen des Reichs an Steuern. Zöllen und Abgaben werden für den Monat Juni mtt 808,9 Millionen Mark angegeben gegenüber 629, tz Millionen Mark im Vormonat. Ver. gleiche sind nicht möglich, da das Ergebnis der einzelnen Monat« durch besondere Zahlungstermin« bei einzelnen Steuerarten beein- flußt wird. Gegenüber dem Vormonat erbrachten die Zölle und Abgaben 8,3 Millionen Mark mehr. Daran sind die. Zölle mit 2,2 Millionen, die Zuckersteuer mit 6,2 Millionen und die Bier- steuer mtt 0,9 Millionen Mark beteiligt. Das Spiritus» monopol weist gegen den Vormonat einen Minderertrag von 2,2 Millionen Mark auf. Der erhoffte Ertrag aus den Zöllen und Verbrauchsabgaben gestattet keinen Schluß auf die Wirtschafts- entwicklung. da die Veränderungen hier durchweg auf s a i s o n- mäß igen S ch'wci n f u n g e n beruhen. Das gilt zum Teil' auch für die Umsatzsteuer, die für Juni mit 20 Millionen gegenüber 4l,6 Millionen im Mai stark zurückging. Di« Lohn- steuer hat mit 113,398 Millionen Mark 5,6 Millionen Mark mehr für den Beitritt Iraks zum Völkerbund zu beseitigen und damit den Weg zu einer Einigung mit England freizumachen. Nach den jetzt getroffenen Abmachungen wird Irak im Jahre 1932 Mitglied des Völkerbundes und damit aufhören,«in britisches Mandatsgebiet zu fein. Innerhalb fünf Jahren muß Eng- land seine Truppen aus Irak zurückziehen. Es verbleiben ihm je«ine Luftfahrtbasis wesllich des Cuphrat und des Schalt el Arab. Den Schutz dieser Fliegerstationen garantiert Irak. Di« ihm hieraus«rwachsenden Kosten sollen England zur Last. Mit der Verwirklichung des Vertrages geht für Irak, mit seinen rund zwei Millionen Menschen, eine Epoche zu Ende, die erfüllt war mtt endlosen Aufständen und Kämpfen. Auch die von England ge- forderten Opser an Gut und Blut waren nicht gering. Oer Kall Becke«. Die parlamentarische Fraktion der Labour Party überwies am Mittwoch mit S0 gegen 28 Stimmen den.Fall Beckett(wegen der Entnahme des Präsidentenzepters. Red.) der Exekutive der Ar- betterpartei. Das Verhalten Beckells war bereits tags zuvor vom Fraktionsoorstand als Diskreditierung der Labour Party scharf gerügt worden. Die in der heutigen Abstiinmung in der Mi- noritär gebliebenen Fraktionsmitglieder mißbilligten zwar ebenfalls das Betragen Becketts, sie sind aber der Ansicht, der vom Unterhaus gegen Beckett verhängte fünftägige Ausschluß von den Parlaments- sitzungen sei bereit» eine genügende Sühne für die begongen« Tat. erbracht als Im Bormonat. Dos dürft« hauptsächlich auf den Rück- gang der Erstattung an Lohnsteuern für 1929 zurückzuführen sein. die im Juni 1,1 Millionen Mark gegenüber 3,6 Millionen Mark im Mai betragen. Insgesamt sind in den ersten drei Monaten des lau- senden Rechnungsjahres 2,121 Milliarden Mar? auf- gekommen gegenüber einem Voranschlag von 10,18 Milliarden für das ganze Rechnungsjahr 1930/31. Das Soll ist also für die ersten drei Monate nicht erreicht. Schlüsse läßt dies« Entwicklung nicht zu. da im ersten Quartal des Rechnungsjahres immer ein Minderertrog festzustellen ist, während in die anderen Quartal- besondere Zahlungstermine sollen. LlSA. gegen Sowjewerireiung. Die parlamentarische Llniersuchung. New Aork, 23. Juli.(Eigenbericht.) Der parlamentarisch« Untersuchungsausschuß gegen die kommu- nistische Propaganda in den USA. vernahm Bogdanosf, den Präsidenten, und Onsai, den Dizepräsidenten der russischen Handelsvertretung Amtorg. über die angebliche Unterstützung der kommunistischen Propaganda durch den Amtorg. Bogdanost bot Beweise für die Fälschung der vom früheren Rew-Uorker Poll- zeichef Whalen vorgelegten Dokumente an. die er als das Werk russischer Monarch! st en bezeichnete. Der Ausschuß er- klärte sich bereit, in den nächsten Tagen die Beweise entgegen- zunehmen, verlangte jedoch von Bogdanosf und Ohsol Informationen über die in den Dokumenten genannten Persönlichkeiten. Der Ausschuß bezeichnete diese Informationen als ungenügend und be- schloß, weitere Mitglieder des Amtorg zu vernehmen. Der Ge- samtbetrag der von New-Porker Banken dem Amtorg gewähr- ten Kredite wird mit 80 Millionen Dollar angegeben. Der Komiteevorsttzende Hamilton Fish bestreitet unter Be- rufung auf die Einwanderungsgesetze das W o h n r e ch t der Ver- treter der Sowjet-Handelsgesellschaft, während die Bolschewisten zu ihrer Rechtfertigung aus die ausdrückliche G e w ä h- rung des Visums durch das Staatsdepartement hinweisen und die Untersuchung als den Beginn einer neuen internationalen Anti- Sowjet-Kampagn« bezeichnen. Sie bestreiten ferner die Echtheit der von d«r Polizei im Frühjahr angeblich aufgefundenen poli- tischen Geheimpapiere und protestieren gegen zahlreiche Fragen be- züglich der Tätigkeit der Sowjet-Handesgesellschaft, die mit 50 Millionen Dollar Kredit arbeite. Der Reichspräsident ist gestern Abend mit dem fahrplanmäßige» Schnellzug um 10.36 Uhr auf dem Bahnhof Friedrichstraße ein» getroffen. Der Londoner Floltenvertrag ist nach seiner Annahme im Bund«ssenat vom Präsidenten Hoover unterzeichnet und nach�Lon- dem gesandt worden. Das eirglifchc Unterhaus wird ihn noch in dieser Woche verabschieden. Absolullst Fuad von Aegypten lehnt ab, dem Verlangen der Wafdpartei nach Einberufung«in«r außerordentlichen Parlaments- tagung zu entsprechen. � Oeuffchnatwnale Krakiionssitzung. -Heda, Kraktionsdiener, wo sind denn die sämtlichen Herren von der Fraktion?- »Herr Geheimrat Hilgenberg, ich glaube: die Herren sind austreten gegangen-- Der Schuldige als SelastmMevge. Vor der Nertisungsverhandltmg im Kall Cuvelier. Am � August, vormittags 8,30 Uhr, ist Hauptoerhantsungs- termin in Weißenscls gegen den französischen Sportsmann C u v c» l i« r, der vom Amtsgericht in Zeitz in der Sitzung vom 8. Juii 1330 wegen gefährlicher Körperverletzung zu 4 Monaten Gefängnis und zu den Kosten des Verfahrens oerurteilt worden ist. Es handelt sich darum, dah dem franzöjifchen Schwimmer Cuvelier vorgeworfen wird, er habe in der Nacht vom 6. zum 7. Juli in Zeitz einen Deutschen namens Schröder im Zusammenhang mit einem Zusammenstotz mit Nationalsozialisten durch einen Stich schwer verletzt. Neben dar Höhe der Strafe war die Art des Verfahrens, vor allem die Tatsache, dah der des Deutschen nicht mächtige Angeklagte keinen ausreichenden Dolmetscher erhalten hotte, onfgefallan und hotte den Verdacht wachgerufen, dah hier ein Urteil aus Fronzosenhab gefällt worden fei. Nachdem der„Vorwärts"' bereit» am 19. Juli auf die Notiz der Hugenbergfchen Telegrophen-Union hingewiesen hatte, in dar als Hauptschuldiger«in gewisser Schulenburg, zur Zeit der Tat Mitglied der Nationalsozialistischen Partai, an, geführt wird, liegt nunmehr di« schristlich« Urteilsaus- fertigung der ersten Instanz vor und bestätigt dt« schweren Bedenken, die gegen das erstinstanzlich« Urteil an dieser Ställe sofort erhoben worden sind. Einer der Haupt» belastungszeugen, nämlich gerade derjenige, der das Dolch» messer bei dem Franzosen gesehen und nachher an der betressenden Stelle gefunden hoben will, ist der Nationalsoziali st Schulenburg. Während aber sonst von Recht» wegen einem Angeschuldigten bewiesen werden muß, daß er ein« strafbar« Hand- lung begangen habe, hat im vorliegenden Fall« da» Amtsgericht, besetzt mit dem Gerichtsassessor Schulze, in dem Gefühl, daß Schulenburg doch kein klassischer Zeuge sei, den Spieß um» gedreht und sich mit folgender Schlußfolgerung begnügt: „Daß der Angeklagte, wie er bel>i»ptet. tatsächlich nicht im Besitz eines Messers gewesen ist, hol kein Zeuge bekuichen können." Auf. diesx Weise kann man natürlich olles begründen, und das 'im vorliegenden Fall um so leichter, ch l s auch der zweite Hauptbelastungszeugc, Eiff, Nationalsozialist ist. Also, die Verurteilung des Franzosen beruht in der Haupt» sache aus den eidlichen Bekundungen derjenigen, von denen die französischen Sportler angerempelt und, wie dos Urteil feststellt, als„Franzosenschweine" und„Säue" beschimpft worden sind. Bezeichnend ist aber noch ein weiterer Umstand für die geistige Einstellung dieses Assessor». Der Franzose bestritt dauernd, sich der Bluttat schuldig gemacht zu haben. Was geschieht? Es werden ihm mildernde Umstände mit der Begründung oerweigert, daß er bis zum Schluß die Tot hartnäckig geleugnet habe,„obwohl er des öfteren auf sein unkluges und ihm schädliches Verholten auf- merksam gemocht und ihm vom Herrn Oberstaatsanwalt mehrfach gesagt worden war, daß er bei Ablegung eines Geständnisses viel- leicht mit einer Geldstrafe davonkommen könne". Nicht nur sind mildernd« Umstände verweigert worden, sondern das Gericht hat auch noch als strafyerschärfend angenommen,„daß der Angeklagt« in einem fremden Lande, in dem er sich als Gast befand,«in dolch» artiges Messer bei sich sührie". In der neuen Verhandlung steht Cuvelier ein Rechtsanwalt zur Seite, und nach dem Aufsehen, dos das Verfahren bisher er- regt hat, wird sich die Verhandlung unier größtem Interesse der Oeffentlichkest abspi�en. Schuldbekenntnis. Oie Stützen einer revolutionären Partei. In einer parteiamtlichen Pressekorrespondenz wird der Nachweis geführt, daß die Narionalsozialistisiche Partei Hitlers eine bewußt revolutionäre ist. oder, wie es dort wörtlich heißt:„ganz bewußt darauf ausgeht, erst einmal olles das zu z e r s ch l a g e n. was noch vorhanden ist. um sich dann auf oem Trümmerfeld den eigenen Idealstaat auf- zubauen''. Zum Beweise werden u. a. folgende Stikprvben angeführt: In einer nationalsozialistischen Versammlung wn 30. Juli 19Zg in Husum erklärte der Redner.«Redakteur Bado ilhse salzendes: „Wir treiben bewußke katastrophenpolltik. Leider haben wir noch nicht so terrorisieren tonnen, wie wir es wohl möchten. Unser Ziel ist. alles kapultzuhauen. was heute ist. Nicht mit dem Verstand wird Deutschland besrelt, sondern mit der Faust." Und der Abgeordnet« Gregor Straßer schrieb im Juli 1920 in den„Nationalsozialistischen Driesen" folgendes:„Die Revo- l u t i o n also gegen das bestehende System schlechthin! Damit ist ein jür allemal unsere politische Haltung sowie Möglichkeit und Umfang unserer politischen Taktik bestimmt: Alles, was der bestehenden vrd- nung der Dinge schädlich ist. findet unsere Unterstützung. Alles, was geeignet sein könnte, diese gegenwärtige Ordimng der Dinge, di« nach unserer Ansicht eben eine tödliche Unordnung ist, zu stützen, suchet unsere Bekämpfung."„Mit einem Wort: wir treiben Katastrophen- Politik— weil nur die Katastrophe, da» ist der Zusammenbruch de» liberalen Systems, die Bahn frei macht für jenen Neuaufbau, den wir Nationalsozialismus nennen." Am 13. April 1930 heißt es in den„Nationalsozialistischen Briefen" ganz offen:„Wir müssen den Staat bekämpfen, den Staak unmittelbar, ihn ruinieren, zersetzen, vernichte«... Hinein mit dem Karren, Volldampf und hemmungslos hinein mit ihm." Um Zweifeln vorzubeugen, sei ausdrücklich festgestellt, daß in der Hitler-Partei bekanntlich nichts ohne Zustimmung des obersten Führers geschieht! Und Adolf Hitler schreibt ja selbst in seinem Buch„Mein Kampf", Band l, Seite 363, folgendes:„Damit ist di« Bewegung aber antiparlamentarisch, und selbst ihre Beteiligung an einer solchen Institution kann nur den Sinn einer Tätigkeit zu deren Zertrümmerung besitzen, zur Beseitigung einer Einrichtung, in der wir ein« der schwersten Vcrsallscrsthei- nungen der Menschheit zu erblicken haben." Die Pressekorrespondenz, die diesen Nachweis des im übelsten Sinne— revolutionären Charakters der Hitler-Partei führt, ist die—„Nationalliberale Korrefpon- denz", der Prefseoienst der Deutschen Volks» partei, also jener Partei, die in Thüringen sich zur S t ü tz e des Frick-Systems, zum Mitschuldigen der national- sozialistischen Reoolutionsversuche macht! Das ArHeiisbeschaffungsprogramm. Sie Bedingungen bei der Sluftragsvergebung. Das Reichskabinett hat beschlossen, den Firmen, hie durch das Arbcitsbsschasfungsprogramm der Reichsregierung zusätzliche Auf- träge erhallen, folgende Verpflichtungen aufzuerlegen: Die Firmen müssen sich verpflichten, die fraglichen Aufträge ohne Ueber stunden auszuführen. Es soll Sorg« dafür ge- tragen werden, daß ausreichende Liefersristen gestellt werden. Die Firmen müssen sich ferner verpflichten, sich die Arbeit-- kräfte, die sie zur Erledigung der zusätzlichen Aufträge einstellen. von den Arbeitsämtern nachweisen zu lassen. Die Firmen dürfen ferner für die zusätzlichen Aufträge nur inländisches Material verwenden, falls dieser Verwendung nicht au» technischen Gründen oder aus Gründen der Preisgestal- lung unüberwindliche Hindernisse«ntgegeisstehen. Reichsbahn und Reichspost haben sich bereit erklärt, ihren Lieferfirmen di« vorstehenden Verpflichtungen aufzuerlegen. Auch für dos zusätzliche Wohnungsbauprogramm sind erfrechende Anordnungen an die Ländcrrcgierungen ergangen. Muckertum gegen Volksgesundheii. Rudere und paddle im Frack! Das Zentrum betätigt sich besonders im Westen Deutschlands als Hüterin der Sittlichkost und der Moral. Es gibt kaum eine Stadt im deutschen Westen, in der in letzter Zeit nicht irgendein katholischer Jungfrauenoerein In Uebereinslimmung mit sämtlichen katholischen Vereinen bis hinab zum Schutzengelbund der unmündigen Kinder schärssten Protest gegen die„Volksseuche" derFamilien- bäder eingelegt hat. Die Folge war, daß z. B. in M ü n st e r in einer geheimen Sitzung der Stadwerordnetenvcrsammlung«ine Serie von Bade- Vorschriften angenommen wurde, die wohl dos Tollste vom Tollen auf dem Gebiet des Muckertums darstellen. Danach ist in Münster das Baden und Schwimmen in öffentlichen Ge- wässern außerhalb der behördlich genehmigten Badeanstalten und Badestellen verboten. Das Entkleiden und das Tragen von Bade- oder Schwimmhosen als einzige Bekleidung außerhalb der Badeanstalten, sei es im Ruderboot oder sonstigem Wasserfahrzeug, sei es auf dem Lande, ist ebenfalls verboten. Schwlmmvereincn, dl« nicht die Möglichkeit schaffen, daß die Mitglieder nach Geschlechtern getrennt baden und schwimmen können, werden die städtischen Beihilfen entzogen. Dieses grenzenlos« Muckertum ist gleichbedeutend mit einer S e- fahr für die Volksgesundheit. Man stelle sich vor, dah es heute Hunderttausende, wenn nicht Millionen gibt, di« nicht ein» mal die 20 Pfennig oder noch mehr für den Besuch der behördlich zugelassenen Badeanstalt aufbringen können. Sie dürfen ihrem Körper die notwendige Sonnenlust nicht zuführen, weil es in Münster zahlreiche Leute gibt, deren erotische Gefühle bei dem Anblick eines menschlichen Körpers wach werden. Goebbels kneift. Termin ver Beleidigungsklage vertagi. hanover. 23. Juli. In einer nationalsozialistischen Versammlung am Ende des ver- gangenen Jahre» hatte der Reichspro pagandachsf der National, sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Dr. Goebbels, Berlin, einen Vortrog gehalten und dabei in bezug aul den preußischen Ministerpräsidenten Braun Bemerkungen gemacht, die der Minister- Präsident zum Anlaß nahm, Strafantrog wegen Beleidi- z u n g gegen Dr. Goebbels zu stellen. Der Termin der Verhandlung war auf den heutigen Mittwoch vormistag vor dem Amtsgericht Hannover anberaumt. Eine Verhandlung fand jedoch nicht statt, da Dr. GoebbÄs w c g e n K ra n k- hett nicht erschienen war. Die Tatsache der Beleidigung er- blickt der preußisch? MtmsterxrSsSent bn den angeblichen Worten Goebbels, Ministerpräsident Braun hätte sich durch ostelbisch« Juden bestechen lassen. Der Prozeß dürste numNehr in den nächsten Tagen stattfinden. Gtaaisanwali beantragt Haftbefehl.— Gericht lehnt ob. Hannover. 23. Juli.(Eigenbericht.) Goebbels hatte dem Gericht ein privatärztliches Attest über- mlttell, in dem sein Ausbleiben damit begründet wird, dah er schwer magenleidend sei und eine vier Wochen dauernde Kur angetreten habe. Der Staatsanwalt erklärte, daß das privatärztlich« Attest keine ausreichende Entschuldigung sei. Er Hab« deshalb«in amtsärztliches Attest gefordert, ohne daß dem bisher entsprochen worden sei. Er beantrag« infolgedessen«inen Haftbefehl zu erlassen, da sich Goebbels zweifellos der Verhandlung zu entziehen versuche. Das Gericht lehnte den Antrag jedvch mit�er merkwürdigen Begründung ab, daß der Erlaß eiiw Haftbefehls in der Vorladung nicht angekündigt worden sei._ Nazifchimpfbold verurieili. 2000 Mk. Gelvstrafe wegen schwerer Beleidigung. Dessau. 23. Juli.(Eigenbericht.) Im Anhaltischen Landtag werden di« Nazis durch einen ehemaligen Hauptmann der kaiserlichen Armee, Loeper, vertreten, der seine gut« Kinderstube in jeder Landtagssitzung durch sein ganz unglaubliches Betrogen unter Beweis zu stelle» sucht. Genosse S e e g e r, der politische Redakteur unseres Dessauer Partei- organs, hatte im Frühjahr des vergangenen Jahr-v das Verhallen des Hauptmanns Loeper damit zu kennzeichnen versucht, daß er ihn als offenbar geisceskranken Flegel bezeichnet«,«in« Kenn- zeichnung, oie den zartbesaiteten Nazihäuptmann alsbald zu einer Beleidigungsklage veranlasste. Genosse Seeger wurde damals zu 300 M. Geldstrafe verurteilt und legte gegen dieses unverständüch hohe ll pteil Berufung ein. Der Staatsminister Weber richtete an die Staatsanwaltschaft das Ersuchen, nachzuprüfen� ob nicht in Würdigung der Person des Klägers hier ein« geringere Straf« zu beantragen sei. Für den Hauptmann Loeper, dem die- Schreiben durch irgend» eine Indiskretion eines Beamten zur Kenntnis getommeu sein muß, war das Grund genug, den Minister in össentlichcr Ber- sammlung der gemeinsten Korruption zu zeihen und dos bekannte Zitat vom Götz von Bcrlichingen auf ihn anzuwenden. Wegen dieser niederträchtigen Beleidigung hatte er sich heute vor dem Großen Schöffengericht in Dessau zu verantworten. Der An» geklagt« machte den hoffnungslosen versuch, für seine Beleidiguichen den Wahrheitsbeweis anzutreten. Nach Schluß der Beweisoufnahine, in deren Verlauf auch Minister Weber vernommen wurde, be- nntragte der Stoarsaiiwalt 6 Wochen Gefängnis und be» tonte dabei, daß er lediglich deswegen keine Geldstrafe beantrage, weil der Angeklagte, auch nachdem ihm auseinandergesetzt worden war, daß das Eingreifen des Ministers rechtlich unbedenklich sei, seine beleidigenden Sleußerungen wiederholte. Das Urteil lautete auf 2000 M. Geldstraf« und Publikationsdefugiiis des Urteils für den Beleidigten. Die im Zuschauerraum anwesenden National- soziallsten brachen nach Derkündung des Urteils in ein wüstes Geschrei aus und riefen dem Minister Weber auf der Straße noch die übelsten Beschimpfungen nach. Kinnisches Arbeitsprogramm. Sonderausschuß der Regierung. Kopenhagen. 23. Juli. Die finnische Regierung hat einen Vollzugsausschuß gebildet, dem der Ministerpräsident Swinhusoud als Vorsitzender, ferner der Iustizmirfister, der Kultusminister und der Landwlrtschastsminlster angehöre». Ausgabe des Ausschusses ist, die einheitliche Be- tämpfung des Kvnmumismus zu organisieren und ein Arbeits- Programm für Regierung und Behörden vorzuschlagen, nach dem in der Zeit bis nach der Rcichstagswahl gearbeitet werden soll. Der 'Ausschuß hat bekanntgegeben, daß er mit allen Mitteln jeden Terror verhindern werde. Lebensfragen der Bergarbeiter. Die Generalversammlung macht ihre Ansprüche geltend. Breslau, 23. Juli.(Eigenbericht.) Der Höhepunkt des Vcrbandstages der Bergarbeiter lag in den Beratungen über die Arbeitszeitfrage und über die Mög- lichkeiten des Erfolges der deutschen und internationalen Arbeit, die am Mittwoch zur Erörterung kamen. Zunächst wurde das a b- geänderte Statut mit 12f> gegen 150 Stimmen gutgeheißen und für den 1. Januar 1931 in Kraft gesetzt. Die von 1,20 auf 3 Mark erhöhte Unterftühnng für Frauen und Kinder Slreikendec bekam sofort Wirkung, damit sie im Mansfelder Kampf noch gezahlt werden kam,. Hierauf sprach der zweite Vcrbandsvorfitzende, E ch m i d t° Bochum, über: Das Bergarbeilsgeseh und die internationalen Verhandlungen im Kohlenbergbau. Schmidt bezeichnete das Bergarbeitsgesctz als Zersplitte- r u ng, während die Arbeiterschaft größere Lereinheit- l i ch u n g des ganzen Arbeitsrechts anzustreben habe. Die Berg- orbeiter forderten Tingliederung in das allgemeine Arbeilsfchut;. gcfeh. Die Bezahlung der geförderten Kohlenmenge nach Wagen, deren Fassungsraum dauernd vergrößert werde, statt noch Gewicht, sei D�ieb stahl an der Arbeiterschaft und müßte schon aus Sicherheitsgründen verboten werden. Ohne den Berg- orbcitcrn ihr Lohnrecht auf Grund der tatsächlichen Leistung zu garantieren, dürfe das Gesetz nicht verabschiedet werden.» Als Schichtzeit seien Stunden vorgesehen, zu denen nicht nur eine halbe Stunde A r b« i t s u n t e r b r« ch u n g, sondern auch eine halbe Stunde täglicher Mehr- arbeit mit behördlicher Genehmigung kommen dürfe. Ferner dürften jährlich 300 Aeberstunden geleistet werden. Gegen diese Zumutungen müßten sich die Bergarbeiter mit aller Schärfe wenden. Ende 1923 habe man die S i e b e n st u n d e n- Sch i ch t unter dem Versprechen beseitigt, daß die Ausdehnung der Arbeits- zeit nur solange Geltung habe, bis die Vorkriegsförderunq erreicht sei. Diese Voraussetzung sei läng st gegeben. Die Weigerung der Unternehmer stelle also einen glatten Wort- bruch dar. Man suche die wirtschaftliche Anarchie mit ver- l ä n g e r t e r Arbeitszeit zu bekämpfen. Di« Bergarbeiter hätten einen wohlbegründeten wirtschaftlichen und moralischen Anspruch auf die Wiederaufnahme der Siebenstunden. Schicht. Ueber den Ausgang der Beratungen über die internatio- nale Arbeitszeitfrage in Genf im Juni dieses Jahres erklärt Schmidt: Die Unternehmer haben entsprechende Beschlüsse durch ihr Fernbleiben sabotiert. Es gelang, 7% Stunden Schicht- zeit festzusetzen. Die deutschen Regierungsvertreter enthielten sich in der entscheidenden Vollversammlung der Stimme, so daß die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit nicht er- reicht wurde. Bei der Erörterung der Schutzvorschriften für weibliche und jugendliche Arbeitskräfte forderte Schmidt, daß vor allen Dingen gesetzlich von vornherein untersagt werde, _ Zugendlichen noch unter Tage zu beschäftigen. Der Referent schließt damit, daß der Kampf zwischen Kapital und Arbeit immer schärfer, und daß der feste Zusammenschluß aller daher immer notwendiger werde. Oer Deutsche Beamtenbund. „Mit vollen Segeln ins sozialdemokralische internationale Fahrwasser." Einer Zeitung ist ein Briefwechsel in die Hände gefallen zwischen der Leitung des Deutschen Beamtenbundes und der Be- amteninternationale im Haag. In großer Aufmachung behauptet nun das Blatt, es sei„allzu erwiesen, daß der Deutsche Beamten- bund niit vollen Segeln ins sozialiftisch-internationale Fahrwasser segelt und daß Vertreter des DBB. sich bereits im Ausland offiziell zum internationalen Klassenkampf bekannt haben/' Die„Deutsche Zeitung" ruft deshalb— nicht nur— die Mitglieder des Beamtenbundes auf, sich dazu zu äußern,„daß sie mit Haut und Haaren an den internationalen Marxismus verlaust werden sollen", sondern sie fragt auch, was„dazu die berufenen amtlichen Stellen sagen". Der Umstand, daß seit Jahren beim Internationalen Arbeits- amt in Genf eine besondere Abteilung für Beawtenangelegenheiten besteht, hat den Vorstand des DBB. veranlaßt, sich über Charakter und Sinn der bestehenden internationalen Beamtenverbindungen zu informieren. „Es daher selbstverständlich— sagt die„Beamtenbund- Korrespondenz"—, daß zunächst«in Schriftwechsel mit der Jnter- nationale für Beamte und öffentliche Angestellte(Sitz Haag) gepflogen wurde. Irgendwelche Beschlüsse sind von den entscheiden- den Instanzen des Deutschen Beamtenbundes nicht gefaßt worden." Es handelt sich bei der Veröffentlichung der„Deutschen Zeitung" ganz offensichtlich um nichts anderes, als um das Bestreben, aus wahlagilatorischen Gründen Verwirrung und Zwietracht in die Reihen des Deutschen Beamtenbundes zu säen." Damit dürfte die„Enthüllung" dieses Blattes gebührend ge- kennzeichnet sein. Die AfA-Abwehraktion. Die Firma Bergmann dreht den Schleifstein. Im Rahmen der großen und glänzend gelungenen Mobili- sierungskompagne der AfA-Gewerkschaften gegen die rigorosen Gehaltsabbaupläne der Berliner Metallindustrielle» nahm am Dienstagabend eine Mitgliederversannnlung der Metallfachgruppe des B u t a b, des Z d A. und des Werk m ei st erverb an des zu dem bekannten Vorstoß des VBMJ. Stellung. Auch diese im großen Saal der Germania tagende Versammlung war lange vor Beginn überfüllt, so daß im Weißen Taal eine Paralleloersammlung abgehalten werden mußte. Im großen Saal gab Genosse Günther vom Butab den Situationsbericht. Danach sind die energischen Interventionen der AfA-Gewerkschaften beim Reichsarbeits- und beim Reichspostminister nicht ohne Erfolg geblieben. Im Siemens-, wie im AEG.-Konzern ist es bisher noch nicht zur Ver- wirklichung der angekündigten Abbaupläne getomnien. Lediglich die von jeher als sozialreaktionär im schlimmsten Sinn bekannte Firma Bergmann hat die ursprünglichei, Absichten des VBMJ. durchgeführt. Anschließend berichtete der Volkswirt des Verbandes, Dr. B e r- g« r, über den internationalen Bergarbeiterkongreß 1930 in Krakau und die Verhandlungen über die internationale Kohlenproduktion in Genf: Wenn wir dem Völkerfrieden eine solidere Grundlage geben wollen, so müssen wir ihn wirischaftiich und sozial festigen. Die Organisierung des Wirtschafts- frieden? ist mühsame Kleinarbeit. Die Bergarbeiterschaft weiß auch im internationalen Betätigungsraum Leistung und Phrase sehr gut zu unterscheiden. Der Bergarbciter-Interna- tionale ist es gelungen, das europäische Kohlenproblem zu einem bedeutenden Programmpunkt des Völkerbundes und der internationalen Arbeitsorganisation zu machen, der von der Tages- ordnung nicht eher abgesetzt werden darf, bis eine für die Berg- arbeiter annehmbare Lösung gefunden ist. von den Unternehmern ist Positives nicht zu erwarten. Ihre Ideen liegen 150 Jahre zu- rück, unsere führen in die Zukunft. Die Genfer Beratungen haben das Terrain geklärt. Die För» derung liegt weit über den Absatzmöglichkeiten für Kohle und der Kampf um den Markt bringt dem Unternehmertum Verluste. Daraus folgt eine ständige soziale Erschütterung und vermehrte Ausbeutung der Bergarbeiter. Den Mitbeteiligungs- wünschen der Bergarbeiter liegt keine offensive Absicht zugrunde, sondern einfach die Erkenntnis, daß ohne eine internationale Ge- meinschaftsarbeit nichts zur wirtschafllichen und sozialen Gesundung getan werden kann. Bei allen privatwir'schaftlichen Kohlen- abmachungen besteht die Gefahr, daß man wirtschaftliche Erleichte- rungen mit einer Verschärfung der sozialen Gegensätze erkauft. Das Unternehmerargument, daß die Arbeiter durch eine internationale Regelung nach ihren Vorschlägen ihre materiellen Forderungen auf dem Rücken der Verbraucher zu befriedigen oersuchen, bezeichnete Dr. Borger scharf als ganz gemeine Unterstellung. Die tatsächlich« Gefahr für die Konsumenten lieg« in privaten Kohlenkartellen, während sich die Bergarbeiter in ihren Vorschlägen deutlich für den Verbraucherschutz durch Vertretung im internationalen Kohlenrat ausgesprochen hätten. Der Bergarbeiterverband habe folgende praktischen Vor- schlage gemacht: internationales Abkommen zur Preis-, Absatz- und Produktionsregelung: Errichtung eines Völkerbundsamtes für Kohlenwirtschaft, das die Vereinheitlichung aller internationalen Arbeiten vornehmen und praktisch eine Plattform für die Aus- gleichung der vielfachen Differenzen bilden soll, internationaler Aus- gjieich der Lohn-, Arbeits- und soziale Bedingungen und Beseiti- gung der internationalen Handelshemmnisse. Di« Stellung der Delegierten zu den Referaten fand nach leb- hafter Debatte in zwei Entschließungen Niederschlag, die ein st immig angenommen wurden. Sie bewegen sich im Sinne der Vorschläge, die die Referenten gemacht haben. In den Schlußworten wurde betont daß zur Sicherung des Erfolges auch eine Aenderung der politischen Verhältnisse gehöre. Zimmer- Bochum berichtete über den Gewerschafts- k o n g r e ß 19?K in Hamburg. Der alte Vorstand wurde in seiner bewährten Zusammensetzung wiedergewählt. Die Opposition erklärte unter allgemeiner Heiterkeit, daß man eine andere Liste nicht aufstellen könne, wenn man keine Bewerber habe; sie stimmte für den alten Vorstand. Am Dienstagabend, einige Minuten vor Feierabend, wurde ein Anschlag herausgebracht, in dem es heißt:„Der Belegschaft unserer Werke wird anheimgeflelli, an den Sonnabenden ohne Bezahlung auszusetzen. Soweit aber Arbeitnehmer glauben, hiermit nicht ei nver standen zu sein, bedauern wir, erklären zu müsicn, daß sie sich als entlassen zu betrachten haben." Diese unerhört« Provokation wurde von der Versammlung mit stürmischen Pfuirufen aufgenommen und wird selbst- verständlich den geschlossenen Widerstand aller Metallangestellten finden. Im übrigen billigte die Mitgliederversammlung die von, AsA-Metallkartell und von den Funktionären vorgeschlagenen Ab- wehrmaßnahmen. Di« Opposition wagte noch der Abfuhr, die man ihr in der vorigen Woche in Haverlands Fcstsälen erteilt hatte, gar nicht erst auszutreten. Den Beratungen ging ein instruktives und beifällig aufgenommenes Referat des Genossen Dr. Croner vom Werkmeisterverband vorauf, der den Vorstoß des VBMJ. im Rahmen der allgemeinen Unternehmeroffensivc beleuchtete. Lohnabbau auf Ltmwegen. Die Berliner Bauschlosser abwehrbereit. I» den Betrieben der Berliner Bau- und Geldschrank- schlossercien machen sich in letzter Zell auch schon Bestrebungen der Unternehmer bemerkbar, trog des geltenden Lohntarifs die Löhne abzubauen. Die Unternehmer versuchen, im Gegensatz zu ihren Kollegen in Nordwest und anderwärts, in aller Stille zu ihrem Ziel zu kommen. Sic wandeln dabei ganz verschlungene und ziemlich dunkle Psade. Die Firma ADE.- Automaten z. B. beantragt einfach die Aufnahme in den Verband Berliner Metallindustrieller und läßt sich zu diesem Zweck vom Schlichtungsausschuß die Arbeitsordnung dieses Verbandes genehmigen. Damit will sie auf„legalem" Wege die Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit von iö'A auf 48 Stunden erreichen. Ihr Hauptziel ist aber offenbar, auf dem gleichen Wege«inen Abbau der 42 ö hm: zu erwirken, da der Einstellungslohn für qualifizierte FaWrbeiter in den Betrieben des VBMJ. nur 1,12 M. beträgt, während in den Bau- und Geldschrankschlossereien, die dem Tarifvertrag des Schutzverbandes Berliner Schlossercien unterstehen, ein Mindcfteinstellungslohn von 1,45 M. bzw. 1,40 M. bezahlt werden muh. In anderen Betrieben richtet man an die Betriebsräte das Verlangen nach Zustimmung zum Abbau der Löhn« für die Gesamtbelegschaft und wendet sich nach Ablehirung dieser Forderung einzeln an die Arbeiter, aus die man durch Eni- lassungsdrohung und ähnliche Repressalien einzuwirken versucht. Die Passivität der Belegschaft von ADE.-Automaten gegen- über den Abbaumaßnahmen der Betriebsleitung wurde in der Boll- Versammlung der im Metallarbeiter-Berband fast restlos organi- sierten Bau- und Geldfchrankschlosser am Dienstag scharf kritisiert. Di« Branchenleitung forderte die Bronchenangehörigen auf, sich trotz der bedauerlichen Nachgiebigkeit der Belegschaft von ADE.- Automaten nicht entmutigen zu lassen, sondern in allen Be> t r i e V e n- dem mischet mn» planmäßigen Borgehen der vnternchm« den schärffkea Widersland entgegenzusetzen. Bon jedem Abbauversuch muß die Branchen- und Organisaticmsleiwng sofort benachrichtigt werden, damit der Ab Mehrkampf organisiert geführt wird. Berhandlungen einzelner Arbester mit den Betriebs- leitungen zwecks Lohnobbau müssen unterbunden und auch dagegen angekämpft werden, daß man ältere Arbeiter cnt- läßt, um an ihrer Stelle jüngere, geringer bezahlle Kräfte zu beschäftigen. An dem geschlossenen Widerstand der straff organi- sierten Branche müsse jeder Angriff auf die schwer erkämpften Er- rungenschasten der Berliner Bau- und Geldschrankfchlosser scheitern. 90 Gititiden in 14 Tagen. Die Arbeitszeit im englischen Kohlenbergbau. London. 23. Juli. Das Oberhaus stimmte am Mittwoch dem vom Unterhaus zurückverwiesenen Antrag zu, durch den eine 90stündige Arbeitszeit für 14 Tage im Kohlenbergbau«ingeführt wird. Durch die nun vom Oberhaus bestätigten Abänderungen des Unterhaufes wird jedoch die Einführung dieser Arbeitszeit von der Z u st i m m u n g der örtlichen Bezirksorganiisationen der Bergarbeitergewerk- sch oft und der Grubenbesitzer Vereinigung ab- h ä n g i g gemacht. Mit der Zustimmung des Oberhauses zu dem Abänderungs- Vorschlag ist die B e r gb a u v o rlo g c praktisch angenommen. Kein Generalstreik irischer Eisenbahner. Großer Sieg der Gewerkschasten. London, 23. Juli.(Eigenbericht.) Der Generalstreik der irischen Eisenbahner ist vermieden worden. Die Regierung hat sämtliche Forderungen der Autobus- angestellten bewilligt und die angedrohten Maßnahmen gegen die feit Sonnabend sympathisierenden Eisenbahner fallengelassen. Dieser Ausgang des Kampfes bedeutet einen großen Sieg der Ge- werkschaften._ Oer Aachfolger von Kranz Oomes. Wien, 23. Juli.(Eigenbericht.) Als Nachfolger des kürzlich verstorbenen 2. Vorsitzenden des Bundes der Freien Gewerkschaften Oesterreichs, Franz Domes, wurde am Mittwoch in einer Vorftändekonferenz der Freien Ge- werkschaften der geschäftsführende Borsitzende des Metallarbeiterver- bandes, Johann Janerck, gewählt. Schluß mit der Spaltung! Einheitsfront der Bergarbeiter in Mährisch-Ostrou. In Mährisch-Ostrau(Tschechoslowakei) trat dieser Tage ein Bcrgarbeiterkongreß zusammen. Bei der Eröffnung erklärte der ehemalig« Führer der kommunistischen Bergarbeiter, daß die k o m- munistifche Bergarbeiterschaft in die sozial- demokratische Bergarbeiterorganisation eintreten werde. Der Kongreß befaßte sich vor allem niik der durch die Kündigung vieler Bergarbeiter verschärften Erwerbslosigkeit. Warnung! Unter der Angabe, im Auftrage des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, Verwaltungsstelle Berlin, zu handeln, wird versucht, bei Arbeitgebern der Metallindustrie zu verhandeln. Wir machen hiermst öffentlich alle Arbeitgeber-Verbände und alle einzelnen Arbeitgeber darauf aufmerksam, nicht mit Per- sonen in Berhandlungen zu trete», die sich als Beauftragte des Deutschen Metallarbeiter-Berbandes vorstellen, ohne im Besitz einer Legitimationskarte des DMB. zu sein. Berhandlungsberechtigt sind nur Vertreter der Derwaltungs- stelle Berlin des Deutschen Metallarbeiter-Berbandes, die sich durch einen Ausweis mit dem Namen und Lichtbild hes Ver- treters ausweisen können. Der Ausweis ist unterzeichnet von den Bevollmächtigten der Verwaltungsstelle Berlin des Deutschen Metall- arbeiter-Verbandes, Ulrich und Eckert. Bei tclephonifchem Anruf ist besonders Vorsicht geboten. Deutscher Melallarbeiler-Verband. Verwaltungsstelle Verlin. Notstandsaktion für die tschechischen Arbeitslosen. In der Tschechoslowakei sind dank der Initiativ« des sozial- deniokratischen Sozialministers 10 Millionen Kronen für ein« Arbeitslosennotstandsaktion bereit gestellt worden. Es handelt sich dabei um Anweisungen auf Waren und Lebensmittel durch die Gewerkschastsorganifationen oder Gemeindeämter. Im Herbst werden in ähnlicher Form Bckleidungsanweisungcn ausgegeben._ Die Arbeilslofenzahl in England ist in der Woche zum 18. Juli auf 1 939 000 gestiegen und damit um 6446 höher als in der Vor- woche, um 803 236 höher als im Vorjahr. # Freie Gewerkschafts-IugendNerlin SotWnie: Wir s»irl«n jcdril Tonncrstaa auf dem Sportplaj,„Ein- sanic'Pappri", Platz z».— Zirutclln I: Im Bollspart Hascnheidc.— Treptow: Im Treptower Park. Wiese 8.— Heut«, Donnersiaz, lS'r Uhr. tage» salgende Gruppe»: Köpenick: Iugendheim Griluauer Str..>. Wir iibcn neue Bpiele ei».— Gesundbrunnen: Iugendheim Note Schule, Gotenburger Str. 2. Buntes Allerlei.— Südosten: Gruppcnheim Reichen» berger Str. SL iffeucrwehrhaus). Vortrag:..greilörperlultur".— Tempelhoi: Eruppenhcim, Lyzeum Gcrmaniastr. 4— g. Bunter Abend.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18— 19. Reiheuportrag:.Da, Recht der Arbeit".— Lichten. berg: Jugendheim Sousfftratzc. an der LesfingstraKe. Volkstanz und Liederabend.— Reu-Lichtenberg: Iugendheim Sunterstr. 44. Kurzreferate. @3uoeut>onkppe des�entralvertanpes ver Anaestellten Heute. Donnerstag, sind folgende Veranstaltungen: Paukow-Rieder. fchönhanfen: Iugendheim Eürschftr. 14(großes Zimmer).„Die Jugend ist gegen den Krieg."— Treptow: Iugendheim der Schule Wildenbruchstr. 53 (Zugang nan der Sraetzstraße in Treptow). Ein kunterbunter Abend mit ssriedcl Hall.— Schöneberg! Jugendheim Lanptlir. 15e ich als ehemaliger Bürger von Koblenz und Ehreitbürger in Ährer Mitte, um. Ihnen mein innigstes Mitgefühl auszusprechen über das große Unglück, das in so so jäher Weise'die gestrige Festesfreude abgeschlossen hat. Ich gedenke mit Wehmut der Verstorbenen und mit warmer Teilnahme ihrer Hinter- bliebenen. Wo es möglich ist, werde ich in der Not Helsen. Ln der Toienhalle... In der Turnhalle der Telegraphenkaserne liegen die Opfer olle in langer Reche, Männer, Frauen, Mädchen, Mütter und in der Mitte sechs Kinder. Draußen werden die Särge angefahren und drinnen fleht und weint eine junge Frau, die ihren kleinen sechs- jährigen Jungen zum Vater mitnehmen will. Sie ist in Amerika verheiratet und wollte den Jungen, der in Koblenz bei den Groß- eltem gewesen war, wieder zu sich nehmen. Er war mit seinem Großvater zum Feuerwerk gegangen, und beide fanden den Tod. Ein großer, kräftiger Mann liegt in der Reihe. Er Hot sich noch selbst am Rettungswert beteiligt. Eine junge Diakonistin liegt neben einer ihrer Schülerinnen, und weiter unten in der Reihe ein« barmherzige Schwester. Nacheinander kommen die Angehörigen und Verwandten der Koblenzer Toten in die.Halle, um ihre Lieben zum letzten Male zu sehen. Beerdigung am Sonnabend. Die Beerdigung der Todesopfer ist aus Sonn- abend. 16 Uhr. festgesetzt worden. Das preußisch« Staatsministenum hat angeordnet, daß die staatlichen und kommunalen Dienstgebäude und Schulen, die bereits gestern in Berlin halb' mast flaggten, in ganz Preußen am Beerdigungstoge halbmast zu beflaggen find. Oesterreichs Beileid- Frankreichs Miigefühl. Wien, 23. Juli. 1 Bundespräsident Mitlas hat nachstehendes Telegramm an Reichspräsident van Hindenburg gerichtet: Tief erschüttert durch die Nachricht von den: entsetzlichen Unglücksfall in Koblenz spreche ich Euerer Exzellenz mein innigstes Mitgefühl aus. Bundeskanzler S ch.o 6er hat dem Reichskanzler Dr. Brüning folgende Depesche gesandt: Wollen Sie, Herr Reichskanzler, aus Anlaß des fürchter- lichen Unglücks nach der Befrciungsfcier in Koblenz die Berfiche- rung meiner innigsten Teilnahme cntgcgeimehmeu. Der öfter- reichische Gesandt« in Berlin, Dr. Frank, wurde beauftragt, der Reichsregierung dos Beileid der österreichischen Bundesregierung zum Ausdruck zu bringen. Paris. 23. Juli.(Eigenbericht.) Das furchtbar« Unglück von Koblenz hat auch in Frank- reich bei der Presto sämtlicher Partcischattierungcn starkes Mitgefühl ausgelöst. Insbesondere der„TeinpS* und der„Jntransigcont aber auch die cxtrem-rcchle„Libertä finden mehr oder minder warme Worte des Beileids jür die Verunglückten. Italiens Heimsuchung. Immer mehr Todesopfer des Erdbebens.— 7!cuer Erdstoß in polenza. Rom. 23. Zuli. Die genaue Zahl der Todesopfer des Erdbebens steht noch nicht fest. In p o t e n z a wurde gegen 15 Uhr ein weiterer Erdstoß verspürt, der jedoch keinen Schaden«m- richtete. Der B c s u v hat während des Erdbebens keine ungewohnle Tätigkeit an den Tag gelegt. Der Leiter des Vesuvobjeroatoriums bezeichnet das Erdbeben als tektonischen Vorgang ohne vulkanische Zusammenhänge. Die Stadt M a i f i. die am meisten gelitten Hot, ist bereits im Zahre 1851 fast vollständig durch ein Erdbeben zerstört worden. Aus weiteren Nachrichten aus dem Erdbebengebiei ergibt sich, daß die Zahl der Todesopfer ständig im Steigen begriffe» ist. Aus den kleinen Ortschaften und aus dem flachen Land tresfc» dauernd neue Unfallmeldungen ein. In Caserto sind viele Häuser, darunter mehrere ösfentlich« Gebäude, schwer beschädigt. I» S a l e r m o ist der Oberteil'des Doms samt dem Gesims eingestürzt, wobei eine Person ihr Leben einbüßte. Herr Troy Wilkms beklagte es, daß die gediegenen Stein- bauten der neunziger Jahre aus der Mode gekommen waren, aber er ging mit seiner Zeit und er hatte neue Ideale, Villen mit Fachwerk, Dielenmöbeln, Garagen und Tchlafbalkonen in sein Repertoire aufgenommen. Doch glaubte er, wie er selbst oft sagte,„ebensowenig an Wochenendhäuser wie an diese Arbeitergewerkschaften". 2. Una Golden war nun seit sieben Monaten die erste der beiden Stenotypistinnen, die Herr Troy Wilkins beschäftigte — cz mar Sommer, und sie war sechsundzwanzig Jahre alt. Sie hatte ein Gehalt von dreizehn Dollars wöchentlich er- reicht. Die paar hundert Dollars, die sie für Hauptmann Goldens Hypothekarvcrsicherung erhalten hatte, waren in- zwischen längst aufgebraucht, und sie und ihre Mutter mußten Ersparungskunststücke machen— an Millch. Brot, Wäsche und Zahnpasta. Aber das war eigentlich gleichgültig, da Una niemals ausging, außer zu Saziergängen oder Kinobesuchen mit der Mutter. Sie hatte keine Vedürfnisse. brauchte keine Kleider, um auf Bewerber Eindruck zu machen... Sie hätte vier abgenützte Briefe von Waller Babson, die sie alle paar Wochen einmal durchlas; sie. hatte ihre Mutter und stets ihre Arbeit. llna, ein Laufbursche und eine junge jüdische; Steno- typistin namens Bestie Kraker bildeten dos Büropersonal Troy Wilkins'. Das Büro lag im aasten Stockwerk des Septimus-Gebaudes, eines schmalbrüstigen, unsolid gebauten Hauses mit überladener Fassade, ristigen Mauern und schmutzigen Gängen. Das Büro des Herrn Wilkins war klein«und unruhlg. Es bestand aus zwei Zimmern und einem winzigen Vor- räum. Der enthielt eine Wasserleitung, einen Posttarif, einen Stoß Zellungspapier nnd einen mürrischen Laufburschen der den ganzen"Tag Mädchentopfe von Ansichtskarten aus her- umliegende Stücke Packpapier kopierte und Una mindestens einmal in der Woche anvertraute, daß er einen Kursus für Auslagenarrangeure machen wolle. In einem der beiden Zimmer zeichnete Herr Wilkins bedächtig an einem langen Tisch, oder sah an seinem kleinen, altmodischen Schreibtisch nachdenklich die Korrespondenz durch, oder er sog an seiner Pfeife und kratzte sich am Kopfe, wenn er nämlich neue Texte für Zirkulare zusammenstellte, um seinem Geschäft aufzü- helfen, mit dem es langsam aber sicher bergab ging. Im zweiten Zimmer waren die Briefordner und zwei Schreibtische untergebracht, einer davon gehörte Una, der ersten Stenotypistin, der andere dem kleinen Tippmädel, Bestie Kraker, die gewissenhaft, einschließlich aller Fehler, Zirkulare abschrieb, und, wie Herr Wilkins klagte, kein Diktat richtig aufnehmen konnte, in dem schwierigere Worte vorkamen als„hochachtungsvoll". Von ihrem Fenster aus tonnten die beiden Mädchen die Fenster eines Büros auf der gegenüberliegenden Straßen- feite sehen. Ungefähr einmal im Monat beugte sich ein inter- cssanter Jüngling mit lockigem Haar aus einem dieser Fenster. Sonst gab es keine Aussicht. 4. Zwölf Uhr mittags, die Stunde, zu der die meisten Büros im Sommer am Sonnabend Schluß machen, rückte aufregend näher. Die Büromädchen im ganzen Haus, die schon vom frühen Morgen an in Sonntagskleidern umherstolziert waren, beellten sich, ihr« Briefe fertigzuschreiben, oder in den Damen- Waschraum zu stürzen, um über den Schnitt neuer Kleider zu reden. Bestie.Kraker hatte den ganzen Vormittag einen Monolog gehalten, der so begann:„Sagen Sie, hören Sie einmal, Fräulein Golden, ich hätte heute nachmittag mll meinem Freund zum Strand hinuntergehen sollen; sa. hören Sie-, wissen Sie, was der Unglücksmensch.mir da einreden will? Er muß den ganezn Rdchmittag arbeiten, sagt er. Mir ist'S egal— gastz egal! Und ich geh' mit Sodie nach Coney Island, unkTich wette mll Ihnen, wir werden uns schon irgend jemand auftreiben und einen Rummel veranstallen bis halb dreizehn." „Aber natürlich werden wir ganz anständig fein", sagte Bestie eine halbe Stunde später ohne jede Beranlassung. „Gott, es ist schreckllch schwer, daß man sich nie unterhallen kann, ohne was zu riskieren. Guter Gott! Mein Vater brächte inich uni. wenn irgendwas passierte. Er liest immer im Talmud und haßt die Gojim. Ja. aber ich hall' das nicht aus, immer nur so sittsam sein. Ich wollt' ich wär' ein Junget Ich war' bestimmt Flieger gewordenl" Bestie hatte eine wunderbare neue Bluse mit einem tiefen, dreieckigen Ausschnitt an, der ein wenig klaffte und den Ein- druck erweckte, daß man mehr sehen könnte, als man anfangs gemeint hatte, wenn man es klug anstellte. Troy Wilkins hatte am Morgen— unter dem Vorwand, zerstreut bei den Briefmappen herumzuhantieren— vergessen, daß er sehr verheiratet war, und verstohlen nach dem Halsausschnitt ge- blickt. Una hatte es bemerkt, und seine unsaubere Neugierde berührte sie so peinlich, daß sie zu schreiben aufhörte und klopfenden Herzens mit der Hand nach dem Kragen ihrer eigenen hochgeschlossenen Bluse fuhr. Um elf Uhr siebzehn ging Herr Wilkins nach Hause, nach- dem er den beiden genug Arbeit gegeben hatte, um sie bis mittags zu beschäftigen. Zwei Minuten später verduftete der Laufbursche, und nach zwei weiteren Minuten Bestie. Dieie Verspätung war nur dadurch verursacht worden, daß sie ihren Strohhut noch ein wenig zurechtzupfen mußte. Una blieb bis zwölf. Ihr Ehrgeiz hatte sich zu einer un- sinnigen Gewissenhaftigkeit verdichtet. Nachdem Bestie fortgegangen war, wurde die Stille ringsumher wahrhaft beängstigend. Das kleinste Geräusch hallte wider: alle Augenblicke unterbrach Una das laute Ge- klappe r der Maschine, um zu lauschen. Um zwölf Uhr nahm sie hastig ihren Hut und eilte mit einem beseligenden Gefühl der Freiheit zum Fahrstuhl. Der war schon vollgestopft mit Mädchen in neuen weißen Kleidern, die laut und vergnügt von ihren Nachmittagspläncn schwatz- ten. Eine trug eine Roisetasche. Sie ging, wie sie erzählte, für zwei Wochen auf Urlaub; auch ein paar Jungens würden dort fem, und sie würde eine„gottvolle Zell" verleben. Una hatte im Juni wiederum mit ihrer Mutter eine Woche in Panama verbracht, und nun fielen ihr wieder die klaren, freien Morgen und die wundervollen langen Abend- dämmerungen ein. Sie wußte nickst, wohin sie an diesem freien Nachmittag gehen sollte und wäre nur zu gerne in lauter, lustiger Gesellschaft gewesen. An Waller Babson dachte sie nicht. Trotzig nahm sie sich vor, ihre freie Zeit auszunützen. Warum sollte sie, fragte sie sich ziwersichllich, warum sollte sie mit sich allein nicht glücklich und zufrieden sein. In übertriebener Heiterkeit streichelte sie ihr schwarzes Handtäschchen. Sie segelte zur Hochbahn hinüber, um zu den großen Waren- Häusern zu gelangen. Das abenteuerliche, große Ereignis des Einkaufens mußte nun genau überlegt werden. (Fortsetzung folgt.)- Heiratslustige suchten Trost. Sie fanden ihn auch— nur anders als sie dachten. Vor den Schranken des Neuköllner Schöffengerichts hatte sich gestern der 37jährige Wiener Handlungsgehilfe Otto Trost wegen Heiratsschwindels in zahlreichen Fällen zu verantworten. Der Angeklagte mit dem gemütvollen Namen stellte sich seinen Opfern, die er durch Heiratsinserat« kennenlernte, als Beamter oder Akademiker vor, und es fanden sich dann auch viele, di« bei ihm Trost juchten, wofür er ihnen die Ersparnisse abgaunert«. In einzelnen Fällen schlug und peinigte Trost feine Bräute, bis sie ihm schließlich aus Angst auch das letzte Geld gaben. Als Trost gestern aus der Untersuchungshaft zur Verhandlung vorgeführt wurde, begann er sofort eine wüste Schimpf« kanonad« auf das Gericht, so daß der Vorsitzende ihm zunächst einmal eine Ordnungsstrafe zudiktierte. Trost tat aber so, als ob er nicht recht bei Trost fei und weigerte sich, irgendwelche Angaben über seine Person und zur Sache zu machen. Als dann die als Zeugen geladenen betrogenen Frauen vernommen wurden, spielten sich heftige Radauszenen ab. Der Angeklagte be- schimpfte die Zeuginnen auf das Uebelste, und die Ermahnungen des Vorsitzenden quittierte der ungemütliche Wiener gleichfalls mit unflätigen Ausdrücken. Das Gericht verurteilte ihn darauf«rneut zu einer Ordnungsstrafe von drei Tagen Haft ohne Kost und Bett, was den Angeklagten noch wütender machte. Als er schließlich Miene machte, die Zeuginnen anzufpeien, mußte er abgeführt werden. Vor der Urteilsverkündung beschimpfte er dann wieder die Richter, die er als Lügner hinstellte. Entsprechend dem Antrag des Staatsanwalts erkannte das Gericht gegen Trost auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis und fünf Jahr« Ehrverlust. Auch das Urteil nahm Trost wieder mit wüsten Schmähungen des Gerichts auf und sein Schimpfen hörte man noch, als er bereits wieder abgeführt wurde. Mit dem Messer auf die Ehefrau. Selbstmordversuch des Täters. Ein bluliger Ehestreik spielte sich gestern noch. mittag im hause Schützen st raße 4 ab. Seit einigen Iahren hat dort der 27jähvige Schlosser Johannes Pflaum mit seiner gleichaltrigen Frau eine cms Stube und Küche bestehende Parterrewohnung. Wiederholt kam es zwischen den Ehe- leuten in letzter Zeit zu Streitigkeiten. Auch gestern twct� mittag geriet P. mit seiner Frau, als er gegen 13 Uhr heimkehrt«, sogleich wieder in einem heftigen Wortwechsel. In einem Wut- onfall holte der Mann ein Messer herbei und versuchte, seiner Iran damit den hals zu durchschneiden. In ihrer Angst lief Frau P. ans Fenster, sprang auf den Hof hinaus und eilte unter lauten Hilfe- rufen auf die Straße. Als einige Zeit darauf die Polizei«v» schien, um den Täter festzunehmen, fanden die Beamten Pflaum in der mit Gas angefüllten Stube bewußtlos auf. Er hatte sämtliche Gashähne aufgedreht, um sich das Leben zu nehmen, da er glaubte, feine Frau tödlich verletzt zu haben. Als Pol izeigefan gener wurde P., nachdem er durch die Feuerwehr ins Leben zurückgerufen worden war, ins Staats» krankenhaus nach der Schornhorststraße gebracht. Frau P. bat glücklicherweise nur eine leichte Schnittwund« am Hals er» litten. Sie konnte sich nach ärztlicher Behandlung wieder in ihr« Wohnung begeben..: Oakenkreuzlef überfallen Arbeitersportler. Mit Gummiknüppeln und Gtahlruteu gegen wehrlose Jugendliche. Der Stratzenlerror der Nationalsozialisten nimmt von Tag zu Tag immer schlimmere Formen an. So wurden erst am Mittwochabend wieder mehrere jugendliche Arbeiter« s p o r t l c r, die der freien Turnerschaft Groß-Derlin angehören und sich vom Sportplatz Friedrichshain aus dem Heimweg befanden, von einer Kolonne Nationalsozialisten hinterrücks über« fallen. In der Pasteurstraße ertönten plötzlich mehrere Pfiff« und von allen Seiten drangen di« nationalsozialistischen Rowdys, die mit Gummiknüppeln und Stahlruten bewaffnet waren, auf die jungen Sportler ein. Ein Jugendlicher wurde bei dem feigen Ueberfall so zugerichtet, daß der Arzt eine Gehirnerschütterung fest« stellte. Das alarmierte Ueberfall kommando nahm di« Verfolgung der Täter auf, es gelang den Beamten Aber leider nur, zwei von chncn einzuholen und festzunehmen. Die Umgebung des Friedrichshains Ist in letzter Zeit beinahe zu einem Tummelplatz des nationalsozialistischen Pöbels geworden. Ueberfälle gehören zur Tagesordnung. Es ist zu hoffen, daß die Polizei in noch stärkerem Maße diesem Stadtviertel ihre Zlusmert- fomleit schenkt, und besonders in den späten Abendstunden stärkere Patrouillen aussendet. Ali-Oahlem. Zu den anmutigsten und interessantesten märkffchen Dorf» k i r ch e n gehört die St. Annent apelle zu Dahlem, die Groß- Berlin einverleibt ist. Zisterzienser von Lehnin, die neben Ihrer land- und volkswirtschaftlichen Tätigkeit auch missionierten, das Evangelium predigten, Dorfkirchen anlegten, sind die Erbauer der Annenkapelle. Aus behaucnen Findlingsblöcksn, Buckelquadern, fügten sie sin ein» fachcs Kirchlein mit Chor, das gleichzeitig zu Verteidigungszwecken seine Einrichtung besaß. Das Dorf lag damals einige hundert Schritt ab im„Schießgrunde", in dem beim Ackern Fundamente und Feuer- statten aufgedeckt wurden. Es sollen 700 Jahr« her sein, seit Lchniner Mönche den Grundstein zur St. Annenkirche von Dahlem legten. Aus dem Jahre 1430 ist beurkundet, daß Dahlem eine Kirchenhufe und zwei Psarrhuse besaß, aus deren Erträgnissen man zum Teil die Ausgaben für Gottesdienst und Geistlichen bestritt. Nachdem das Dorf Dahlem sich ausbreitete, war eine Erweiterung der kleinen Kirche notwendig. Sie wurde im Lauife der Jahrhunderte so umgestaltet, wie sie heute noch malerisch im Schatten alter Bäum« liegt. Von den alten Fresken im Innern ist durch den Umbau vieles zerstört worden. Auch die aste Glasmalerei ist leider großenteils rersch-wunden. Doch ein Prachtstück mittelaiterlich-märkischer Kunst 'st in dem Jahrhunderte alten Altar erhalten geblieben. Das Kirchlein ist Begräbnisstätte von drei MitgkUbern der Familie von Wilmersdorfs, die zwischen 1711 und 1720 verstorben Da Dahlem, wie alle Ranldgeineinben Groß-Berlins, in letzter Zsit sich vergrößert hat. dachte man daran, dieses Kleinod markischer Kirchenbaukunst durch einen Umbau zu vergrößern. Der Kunstwvrt jedoch versagt« erfreulicherweise seine Zustünmung hierzu, da der histarische Wert der St. Annenkirche und ihr idyllischer R«z verloren gegangen wären. Di« Gemeinde Dahlem baut deshalb«ine neue Kirche, und uns ist das alle Dorfkleinod erhallen geblieben. Die„Freie Scholle" feierte ihr Sommerfest. Unter großer Beteiligung fand am letzten Sonntag das Sommerfest der„Freien Scholle" in Tegel statt. Gegenüber den Vorjahren wies der Festzug zahlreiche neue Gruppen auf. Man sah Max und Moritz und ihre Opfer, Kaffeetanten aus der Biedermeierzeit, geplagt« Erpressung aus„Rache. Die Angst antifaschistisch zu erscheinen, ließ die Opfer große Gummen zahlen. Eine Verhandlung vor dem Schössengericht Charlotten. bürg, der ein nicht ganz alltäglicher Tatbestand zugrunde lag. fesselte gestern den Znhörerraum. Angeklagt wegen Er- pressnng war der ZTjährige Kaufmann Karl V. Oesterreicher von Geburt. Sohn eines Großkaufmanns, ehe- mallger Student der Technischen Hochschule, während der Revolution gegen die Spartakisten tätig, entdeckte er plötzlich in sich eine hervor- ragende Stimme. Mit seiner llkutter und dem Rest des Vermögens von 15 000 M. begab er sich nach Mailand, ln der Hoffnung, als Guiglo Carlo Brandoni die Welt in Staunen zu setzen. Seine Stimme, behauptet er, wurde jedoch von den Italienern nicht aus- gebildet, dafür aber seine Kasse ausgeplündert. Anstatt als z w e i t e r Battlstini Grainmophonplatten zu„besingen", wurde er Korn- spondent in einer der größten Grammophonfabriken. Er arbeitete sich hier schnell empor, avancierte, zum Privatsekretär de» Chefs, des Herrn Rossi, mit 1300 Lire Monatsgeholt. Bis er sich eines Tages mit dem Oberbuchhalter Bellovita verhaderte. Dieser nannte ihn einen Idioten. B. versetzte ihm eine Ohrseige. Der Chef nahm die Partei des Oberbuchhalters, B. wurde entlassen. Nun begann für B. ein unstetes Leben. Er setzt« die HarSols- kammer in Bewegung, oerlangte nachträglich höheres Gehalt. Schließ- lich gab er sich mit einer Abfindungsstiinme in Höh« von 5000 Lire zufrieden. Dann stellt« er neue Forderungen. Sie wurden nicht be- willigt. Nun sann er aus Rache. Em Amvolt erklärte sich bereit, ihm zu helfen. B. verfaßte ein Memorandum an seinen früheren Chef und schickte es ihm aus Berlin ein. Hier beginnen seine st r a s- baren Handlungen. Im Memorandum schilderte er, daß er die rechte Hand des Chefs gewesen, baß ihm eine Lebensstellung versprochen worden sei. Eh bezichtige seinen Chef der Steuerhinterziehung und des A n t i» f a f ch i s m u s. Dem Schriftstück waren Photographien von Bi- lanzen der Finna, von Priixitb riefen des Herrn Rossi und dergleichen mehr beigefügt. B. verlangte für die Aushändigung der Dokumente die Kleinigkeit von 330 Pfund, gleich'70 000 M. Es ist bezeichnend für die italienischen Verhältnisse, baß der Vor« wurf des Antisafchismus die Firma tatsächlich in Angst versetzte. Nach und nach zahlte sie Herrn Brandoni 2000 Pftind Sterling. Alles ging sehr geheimnisvoll vor sich. Als aber Brandäni sich selbst mit 60 000 M. nicht begnügen wollte, erstattete Herr Rossi S t r a s- anzeige. In der Gerichtsverhandlung war Herr Rossi selbst zugegen. Er war aus Mailand herbeigeeilt, um seinen früheren Privatsekretär der gemeinsten Handlungen zu bezichtigen.„Fünf Jahre lang", sagte er„hat er aus meinen Schubladen Dokumente gestohlen und sie photographiert. Bilanzen, di« zu privaten Zwecken ausgestellt worden waren, den Briefwechsel mit saschistischen Be» Hörden, Verrechnungen mit meinem Bruder und anderes mehr hat er vor sein Objektio gebracht. Kostenrechnungen, Firmengeheimnisse, mit einem Wort, alles, was durch feine Hände ging, fiel seiner phtographischen Gehenntätigkeit anHeim. Ich traute ihn, unb ahnte nicht, was er hinter meinen, Rücken tat." Der Angeklagte erklärte aber, er habe alle diese Dokumente photographiert, um die englische Buchführung zu erlernen. Eine lächerliche Ausflucht, meinte der Vorsitzende.— Das Gericht verurteilte den sauberen Hern, Guigllo Brandoni zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis. Der Staatsainvall hatte zwei Jahre sechs Monate Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust beantragt. r Mikalabbau bei der„Rolen Hilfe". vor uns liegt ein geheimes Schreiben der Zentrale der„Haken Hilfe". Berlin NM.?, dem wir folgendes entnehmen: Wie wir es be, kommm, istischen Organisationen nicht anders gewohnt sind, müssen jetzt auch bei der Roten Hilfe scharfe Abbau- maßnahmen getroffen werden. Man mag es vielleicht noch init or- ganisatvrischen Notwendigkeiten begründen, daß 4 oder 3 bisherige Bezirke zu je einem Bezirk zusammengelegt werden. Einen bündigen Schluß aber auf die völlige Ebbe in der Kasse läßt die Tatsach« zu. daß die monatlichen Zuschüsse für Frauen, Kinder und politische Gefangene selbst, di« bisher schon nur eine lächerliche Scheinunterstützung boten, weiter herabgesetzt werden. Selbst die politischen Gefangenen, die auf der Festung sind, müssen auf Awei Fünftel ihres bisherigen geringfügigen Sonderzuschusses verzichten. Dies« Mahnahmen sind mit rückwirkender Kraft vom 1. Juni ab in Gültigkeit. Jeder vernünftige Mensch weiß, was er hiervon zu hallen hat: Die Rot« Hilfe hat trotz der zeitweise stark fließenden Moskauer Geldquelle schlecht g e w i rt s cha st e t. Das Schreiben aber sagt, dotz der Geldmangel aus die Notwendigkeit eines verstärkten Kampfes„gegen Polizei und Iustizterror" zurückzuführen sei. Die? soll jeder Funktionär der Roten Hilfe zur Verteidigung und als Er- kläruiig der Abbauaktion den Betroffenen«rzählem Daß die Funk- tionär? den allen Schmus als Wahrheit hinnehmen werden, dürfte die Zentral« der Roten Hilfe jedoch selbst nicht glauben. Wir erlebten, wie die Kommunisten ihre Druckereibe« t r i e b e zu Schleuderpreisen zu verhökern versuchten. Wir erlebten. wie im Zentralorgan der KPD., der„Roten Fahne" in Berlin, Setzer und Buchdrucker Mühe hatten, ihren Wochenlohn auf Stot- teri, zu bekommen. Wir erleben jetzt, wie die prahlerische Rote Hilfe gezwungen ist, einen halben Bankerott anzusagen. Wirtlich ein schöner W a h l a u f t a k t für die Kommunisten, dieser Radikal- abbau bei der Roten Hilfe! Radiohörer und vor allem die Wuüderschau„Zirkus Saure Sahne", von Kindern zusammengestellt und gespielt. Märchengruppen wie Häuschen im Blaubeerwold. Wurzelmännchen, lebende Stiefmütterchen und früchtetragende Kinder verschönten den Festzug. Tausende belustigten sich, darunter viele Berliner Genossen, aus dem Fest- platz, unter schwarzrotgoldener Fahne bis in di« späten Abend« stunden. Der Fackelzug tauchte die„Scholle" in«in Meer von Licht. Oer Polizeischutz im Strandvav Wannsee. Antwort auf die sozialdemokratische Anfrage. Die Belästigung von Badegästen im Freibad Wannsee durch Nationalsozialisten hat zu einer Kleinen Anfrage des sozialdcmo- kratischen Abgeordneten Kuttner in, Landtag Veranlassung ge- geben, in der gefragt wurde, ob das Staatsminsterium für den Schutz der ruhe« und erholungsbedürftigen Bevölkerung in den Berliner Freibädern mit aller Energie sorgen werde. Wie der amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister des Innern auf die Kleine Anfrage jetzt folgende Antwort erteilt: Die Staatsregierung wird nach wie vor olles tun, um Störungen der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung zu verhindern. Zur Vermeidung von Belästigungen der Gäste des Freibades Wannsee, wie sie am 15. und 22. Juni dieses Jahres von nationalsozialistischer Seite verübt worden sind, ist seit dem 23. Juni 1930 im Freibad Wannsee ein Schutzpolizeikominando stationiert. Das sechshundertjährige Oarmfiadi. Festsitzung im Rathaus. Darmssadt. 23. Juli. Die KOO-Iahr-Feier der Stadt Darmstadt wurde cm, MUt- wochvormittag mit der feierlichen Enthüllung des Niebergall- Denkmals eingeleitet. Anschließend fand im Rathaus eine Fest- sitzung statt. Oberbürgermeister Dr. Müller begrüßte die Ehren- gäste und oerlos einige eingelaufene Glllckwunschlelegrannne, jo vom Deutschen Städtetag, vom Reichspräsidenten und anderen. Der hessisch« Minister für Arbeit und Wirtschaft überbrachte die Glück- wünsch« der hessischen Regierung und sprach über die Schicksal« der Stadt Darmstadt in den letzten Jahrhunderten. Tödlicher Motorradunfall in Schöneberg. An der Eck« Haupt- und Koburger Straße in Schöne- berg ereignete sich gestern abend ein folgenschweres Verkehrs- unglück. Cm mit zwei Personen besetztes Motorrod wurde von einem P r i o a t a u t o Überholl, dabei wurde dos Rad ae» rammt und zu Fall gebracht. Zu ollem Unglück kam in diesem Augenblick ein Lastauto heran, das den Motorradfahrer, einen Zljohrigen Chauffeur Wilhelm Schulz aus der Mittelstraße 10 und sein« 29jährige Frau Gertrud überfuhr. Frau Schulz wurde auf der Stelle getötet. Der Mann mußte mit schweren Der- letzungen ins Stt-Rorbert-Kranlenhau» gebracht werden. Zweijähriges Mädchen zu Tode verbrüht. Auf schreckliche Weise kam am Mittwoch das zweijährige Töchterchen des Kraftwagenführers F. aus der Eythstraße ums Leben. Das Kindchen fiel beim Waschen in einen mit heißem Wasser gefüllten Zober und erlitt am ganzen Körper schwer« Verbrühungen. Das Mädchen wurd« in das Tempelhoser Iosefs-Kranteichmis überführt, wo es iiywssche« seinen Verletzungen. erlegen ist. Die Polizei hat die weiteren Ermittlungen auf- genommen._ Ein Knabe erirunten? Beim Abschließen der offenen Badeanstalt cm der Loh» mühlen st raße fand gestern der Bademeister ein Knabenhemd, «ine Hose mit Trägern und ein Handtuch, das R. K. gezeichnet ist. Trotz Absuchens der Anstalt konnte der Knabe, dem diese Sachen offenbar gehören, nicht gefunden werden. Man nwß befürchten, daß er beim Boden abgetrieben und ertrunken ist. Nach der M?- sag« des Bademeisters war der Besuch am Montag um 13 Uhr, als er feinen Dienst antrat, sehr schwach. Er hat mir eine Kinderkarie ausgegeben. Dieses Kind behielt er im Auge und sah es nach Haufe gehen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Junge schon am Sonntag verunglückt ist. Keine Vergnügungssteuer fürVerfassungsfeier .Nach einer Verordnung vom 2. Juli 1929 sind Veranstaltungen. die am 11. August aus Anlaß und zu Ehren»es Derfafsungs« t a g e s unternommen werden, von der Vergnüg nngs st euer befreit. Die Befreiung hängt also davon ab, daß es sich um eine Veranstaltung am Verfassungstage selbst handelt, daß sie durch ihn veranlaßt ist und ihm zu Ehren stattfindet. Nur wenn all« drei Voraussetzungen zusammentreffen, besteht das Recht auf Steuer- freiheit._ Nur«och zwei Wochen„Altes Berlin". Die groß« kulturelle Sommerschau„Altes Berlin" in den Funkturnchallen am Kaiserdannn schließt am 3. August ihre Pforten. Nur noch 14 Tage ist allen am Berliner Wesen und Berliner Geschichte Interessierten die Möglichkeit gegeben, sich einen umfassenden ffeberblick über das Werden der Weltstadt zu ocr- schassen, da eine Verlängerung der Ausstellung wegen der be- (linnenden Aufbauarbeiten für die Große Deutsche Funk- und Phonoschau unmöglich ist, Die Ausstellung ist täglich von 8 bis 21 Uhr geöffnet. Konrad-Duden-Skraße. Berlin wird demnächst eine Konrad- Duden-Straße erhalten. Der Magistrat beabsichtigt, den Altmeister der deutschen Rechlschreibungsbestrebungen und Verfasser des be- rühmten Wörterbuches der deutschen Sprache durch Benennung eines neuen Sttaßenzuges in Charlottenburg zu ehren. Aber warum Konrad- Duden-Straße? Duden-Sttoße genügt vollkommen. Duden kennt doch jedes Kind. Der Schuhmache rmeisker Karl Hochlih. wohnend in Berlin O 112, Jungstraße 2 v. Ill, beging am 10. Juli mit seiner Frau das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar hat, gezwungen durch Verlust der Ersparnisse in der Inflation, bis Oltern dieses Jahres gearbeitet, muß'« die Beschäftigung jcdoch wegen Neroenlähmung im Arm aufgeben. Der Jubilar steht im 80.. die Jubilarin>m 82. Lebensjahr. Beide lesen seit Gründung dieser Zeitung den „Vorwärts. Ab 27. Juli Amt„Steglitz" automatisch. Im Lauf« dieses Mo- nats, voraussichtlich in der Nacht vom 2 6. zum 27. Juli, wird das Amt Steglitz selbst auf Selbstanschlußbetrieb umgestellt werden. Bei übermäßiger Schweißabsonderung an Händen, Füßen und in den AchselhSülen, sowie Eeruchsbeläsügung, besonders bewähr, Leolorin» Creme, Tube 1 Marl. 3n allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Pyrenäen gebieten Halt! Abermals stört schlechte«! Wetter den Europaflug. wegen des auhcrordenklich schlechten w e k t e r s. das über dem ganzen Gebirgsmassiv der Pyrenäen lagert, mutzte am Mittwoch in Pau Startverbot erlassen werden. Das Rennen ist dadurch sür die betroffenen Wettbewerbs- teilnehmex neutralisiert. Diejenigen Teilnehmer am Europarundflug, denen noch im Laufe des Dienstags die Ueberquerung der Pyrenäen zwischen Pau und Saragossa gelang, haben— rein zeitlich gesehen—«inen nicht unbedeutenden Borsprung vor den übrigen davon ge- tragen, ohne daß aus dieser Tatsache irgendwelche Rückschlüsse auf das endgültige Ergebnis gezogen werden können. Die Sportleitung hatte bis gestern Abend kein« Meldung darüber, daß in Pau das gestern erlassene Startverbot ausgehoben worden sei. Vielmehr ließen die Wettermeldungen aus Südwestfrankreich er- kennen, daß die Witterungs Verhältnisse im Pyrenäen- gebiet gestern trostlos waren, da Regen und sehr tief hängende Wolken jeden Versuch einer Ueberquerung der bis zu einer Höhe von 26R> Metern ansteigenden Vcrge vollkommen aussichtslos machten. Nach den Ausschreibungen des Europa-Rundfluges mutz an jeden: Tag« des Wettbewerbs mindestens eine Etappe zurückgelegt werden. Das Startverbot in Pau bedeutet aber für'W dort festgehaltenen Flieger eine Neutralisation des Rnndfluges, so daß ein« Benachteiligung dieser Teilnehmer, die gestern Pau nicht verlassen kannten, nicht zu befürchten ist. Andererseits gibt dieser un- freiwillige Halt den weiter zurückliegenden Riindslugmaschinen die Möglichkeit, mit dem Gros aufzuschließen, so daß sich nach Freigabe des Starts zum Pyrenäenflug ein ganzes Geschwader auf die Reise nach Spanien machen wird. Unter den 13 Flugzeugen der Spitzengruppe, die noch am Dienstag Abend Spanien erreichte, b«. finden sich nach den letzten Meldungen vier Deutsche, und zwar outzer Morzik, Polte und Poß auch der Amdo-Flieger Dr. Posewaldt. Das Gros der deutschen Teilnehmer war dagegen in Pau, wo übrigens auch die ans der Spitzengruppe ausgeschie- denen englischen Fliegerinnen Lady Pailey und Miß Spooner gestern festsaßen. Die Spitzenflieger hallen gestern aus ihrer Flug- rout« durch Spanien den Vorteil, daß dos Wetter in Anbetrocht der augenblicklichen Jahreszeit dort unten anormal kühl war. Jm übrigen Ist zu befürchten, daß das schlechte Wetter in Südfrankreich sich auch auf der Strecke Barcelona— Rinkes— Lyon bemerkbar machen wird, die die Spitzengruppe im Lauf« des heutigen Donnerstags zu durchfliegen hat. Besonders störend würde das Austreten des g e- fürchteten Mistral im Rhonethal zwischen Rimes und Lyon sein, der für die vom Mittelmeer kommenden Flieger st ä r k. sten Gegenwind bedeuten würde. Die Zahl der Teilnehmer hat sich inzwischen auf 54 verringert, da gestern der spanische Herzog v. Estremera bei einer Notlandung in Bordeaux wegen Propellerschadens ausgeschieden ist. Nur noch 53 Flieger im Wettbewerb. Nach einer weiteren abends bei der Svortleitung eingegangenen Meldung hatten sich bis zum gestrigen Mittwochnachmlltag in Pau, wo das Startverbot für den ganzen Tag aufrecht' erhalten wurde, 35 Maschinen angesammelt, und sür die Abend- stunden wurde noch mit dem Eintreffen weiterer Flieger von Poitiers her gerechnet. Nach einer noch nicht osfiziell bestätigten Nachricht sollen in Pau die deutschen Flieger Stutz und von Dungern, beide auf Arado, den Weiterflug wegen Motordefekts aufge- geben haben, so daß damit die Zahl der noch am Rundslug b«° teiligten Flieger aus 52 verringert würde. Der Rest der Teilnehmer befand sich gestern abend auf den verschiedenen Zwangslandeplotzen in Frankreich. Die Sportleitung in Pau hofft, den Start zum Weiter- flug nach Spanien am heutigen Donnerstag jrllh sieben Uhr frei- geben zu können. Die letzten Stanöortmeldungen. Der augenblickliche Stand des internationalen Europa-Rundflug- Wettbewerbs ist folgender: Von Madrid nach Sevilla gestartet: N Z (Morzik). SS. F 2, Kl, K5 und dl 2. In Madrid: K 3, K 4, K 7, L 3 und dl 1. Ii, Saragossa: D 1 und T 5. In Pau: A 2, A 9, B 5, B 7, Cl, C 9, D 4, El, E 6, K 6, K8, dl 6. P2 und 51. In Poitiers: B4, E8, E9, P3 und 5 2. Von Potiers nach Pau ge- startet: C 8, D 5 und P 4. Von Paris nach Poitiers gestartet: A 8, C 4, C 5, D 8, E 2, F 1, L 2, O 1, O 2, O 6, O 7 und O 9. In Paris: C 3, D 7 und 05. In Bristol: B9, C7, P5. In London: C6. Oer erste weibliche Echiffsfapiiän. Die 21jährige Gudrun Troegftad hat jetzt in Oslo ihre Prüfung als Schiffskapitän mit Auszeichnung bestanden. Sie ist die einzige Frau, die bisher als Kapitän. in die norwegische Marinelistc ein- getragen worden ist, und außerdem ist sie der jüngste Schüler, der je an der berühmten Nautischen Schule von Oslo sein Abschluß- examen gemacht hat. Sie kann jedes Schiff befehligen, und zwar nicht nur auf den norwegischen Gewässern, sondern auch überall aus hoher See. Die nötigen Kenntnisse besaß die junge Kapitänm, der die schmucke Seemarmstracht vorzüglich steht, bereits mit 18 Jahren, aber da das Gesetz die Aushändigung der Kapitäns- popiere erst nach vollendetem 21. Jahr gestattet, so mußt« sie drei Jahre lang warten. Die Eignung für den Seenmnnsbcruf liegt in ihr im Blute, denn sie stammt aus einem Geschlecht kühner See- fahrer; ihr Vater und Großvater waren bekannte Kapitäne der norwegischen Handelsmarine. Schon als kleines Kind macht« Gudrun weite Reisen mit ihrem Vater und war bereits ein„alter Seebär', als sie in die Nautische Schule ausgenommen wurde. Dos blonde Mädel war bald in alle Geheimnisse und Schwierig- kellen der Navigation eingeweiht, und obwohl ihr Vater eigentlich der Ansicht ist, daß die Kommandobrücke eines Schiffes nicht der ganz geeignete Plötz für eine junge Dame ist, muß er doch zugeben, daß seine Tochter ein„geborener Seemann' ist. Skeiige Zunahme des Siadtbahnverkehrs. Die Reichsbahn besörberte auf den Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen im Juni dieses Jahres 41 530 713 Personen, gegen- über 39 339 928 Personen im Juni 1929. Daraus ergibt sich ein« Zunahme von 5,6 Prozent, die auf das günstige Wetter im ver- gangenen Monat zurückzuführen sein dürfte. Im Vergleich mll dem Mai dieses Jahres, der eine Beförderungsziffer von 39 711 066 Per» sonen aufwies, zeigt sich eine Steigerung von 4.6 Prozent, die mit der Zunahme des Ausflugsverkehrs zusammenhängt. Zwei junge Leute vermißt. Seit dem 26. Juni I. wird der 16 Jahre alle Hans Krauts vermißt, der In der Iuliusstr. 32 in N« u k ö l l n wohnte und bei einer Filiale der Molkerei Boll« angestellt war. Er verließ die Geschäftsstelle nachmittags wn 3 Uhr, kehrt? aber nicht nach Hause zurück und hat seitdem nichts mehr von sich hören lassen.—> Zwei Tage später, am 28. Juni d. I., ist von seiner Arbestsstell« auch«in 17 Jahre alter Schlosserlehrling Gerhard Schwen» z« r verschwunden. Der Lehrling war in der Chausseestraße in Berlin beschäftigt und wohnte an der Techow-Promenade in Wittenau. Am Tag« seines Verschwindens hatte er seinen Lohn in Höhe von 9 M. erhalten: mehr hatte er nicht bei sich. Mitteilungen über das Auftauchen der Beiden orbittei die Dermißtenzentrole im Polizeipräsidium. Der Bezirksausschuß des Bezirksverbandes Bvandenburg�Nrenz- mark beruft hiermit aus Grund des§ 29 des Bezirksstatuts einen außerordentlichen Bezirksparteiiag auf Sonntag, dem 17. August 1930, vormittags 10 Uhr. nach Berlin, Landtag, Prinz-Albrecht-Straße, Saal 5 ein. Tagesordnung: 1. Die Reichslagswahl. Referent: Reichsarbeitsminister t D. Genosse Rudolf wissell. 2. Ausstellung der Relchstagskandidaten für die Wahlkreise Frankfurt o. d. O. und Potsdam I. Wir fordern die Ortsverein« auf, zu obiger Tagesordnung Stellung zu nehmen und etwaige Kandidatenvorschläge rechtzeitig bei den zuständigen Unterbezirtsoorständen einzureichen. Die Dele- gierten des Bezirksparteitages erhalten durch den Bezirksvorstand rechtzeitig die Mandate zugestellt. Außer den Delegierten sind teil- nahmeberechtigt die Reichstag»- und Lairdtogsabgcordnetc» im Bezirksverband, die Mitglieder des Bezirksvorstandes und die Rem- soren, je ein Vertreter der in der Provinz erscheinenden Partei- zeitungen und eine Vertretung der Provinziollandtagssroktion sür die Provinzen Brandenburg und Grenzmark. Anträge für den Bezirksparteitag sind bis spätestens Montag. dem 11. August d. I. beim Bezirkssekretariat einzureichen. Delegiert«, die für die Nacht von: 16. zum 17. August Quartier wünschen, werden gebeten, diese Meldungen rechtzeitig beim Bezirk» sekretoriot einzureichen. Der Bezirksausschatz. 3. A.: Wilhelm Krüger. Zustellpostamt nicht vergessen. Durch Angabe des Zustellpostamts in der Aufschrift der nach Berlin und Derlin-Eharlottenburg gerichteten Brief- sendunaen(z. B.„Verlln W 8",„Beriin-Eharlottenburg 4-) kann der Absender zur Besihleunigung in der Beförderung dieser Sendungen beitragen. Die Briefe werden schon während der Fahrt in den Bahnposten der meisten Nachtzügc nach den Berliner Zustellämtern verteilt und kominen infolgedessen in«ine frühere Zustellung, wöh- rend sie sonst zunächst besondsren Berteilstellen in Berlin zugeführi werden müssen. Auskunst über die Postzustelläintcr gibt das a m t- liche Straßenverzeichnis von Berlin, das bei den Post- onstolten und den Briefzustellern für den Preis van 25 Pf. käuflich ist. Es empfiehll sich, ans den von Berlin ausgehenden Schreiben und den Briefumschlägen außer der Wohnung auch stets die Zustell- postanstast anzugeben. parieinachnchöen fürGroß-Berlin Einsendungen fSr dies« Stüde» sind »« r l i» TS 48, 8 Indens! tobe 3, stet« aa dn,«ezirkes-kret-rlal it. Hof. 2 Treppen recht», zu richten. Erweitertes Vezirtsvorstand. Sitzung am Sonnabend, 26. Juli, pünktlich 18 Uhr, im Bezirkösekretariat, Linbenstraße», S. Hof, 2 Treppe». « 1. ftnri« Mitte. Arbeit crumdlsoHrt. Die«elichtign-a de»»inderdei«, in Boraedors findet«m Donntaa. dem 27. Z»li, statt. Trefspnnit pnnkt. l-ch 9«i Uhr, an Bahnhol B-rg»d-nf.(Mit de« 3»S°»°m Stettin-- «»rortbahnhos, Richtnog vranienbnrg.» Interessierte«eoosssooen und Senossen sind herzlichst eingeladen. 3. strei» Wrdding. gmitag, 25. Inli, nm I»>ü Uh». in den Pbarn». Z tZ läsen, MSsterstr. l«2, ftwiomitfllkdereersomlung.«ort rag:.$« So- c? ! i ztoldeniolroti« im Kamps gcn-.n die Diktatur". Stefepent: granz Ej* (g stSnstlcr. Bll, Scnolstnncn und Senoge» neiden NM bestimmte» und k: [n püntttiches Erscheinen gebeten. ». jtrei» Wilmerodors. Montag. 28. Juli. 20 Uhr. Llhung des Är-isvo» stand-» mit den Abt-ilung»Ielt«rn und den Odleuten der stommisstouen bei Ihlenfeld, Uhland- Eikc Eitnh-lstrahe. 18. tkrei» W-i&ens-r. Unser«o»»sest, da» am Sonntag, dem F-- ü 20. Juli, stattfindcn sollte, ist mögen de»-usterordentlich schlechte« Z Wetter» auf Sonntag, dem 27. Juli, perlegt morden. To» Programm, l■: welches sät gute Unterhaltung bürgt, bleibt bestehen. lg heule, Donnerstag. 24. 3uli: 12. Abt. Am Eonnabend, dem 2«. Juli. Abrechnung der B-ilrksfllhrrr d-t dem ltassterer, Baermaldstr. 53. Morgen, Freitag. 25. Juli: 02. Abt. Sienköll». MnkNIch 20 Uhr bei W-M. stais-r.?ri«brlch�5tr. m, nichtige Zkunktionilrlihung._.._.... 120. Abt. griedrichoi-ldc. 20 Uhr bei Echwarz. Sapnpialle- 1«, nichtige 127.«bt.�twhenschSiihausen. 20 Uhr bei ssiebe, Berliner Str. 97, aicher- ordentlich nichtige ssunktionilrsilümg. Sämtliche Fiiiiktionar- mliffen bestimmt erscheinen. Ein Gespräch zwischen den beiden Schriftstellern Joachim M a a 5 und Alfred K a n t 0 r 0 w i c z führt den Titel„Don, Privaten in der heutigen Literatur'. Di« Aufführungen klingen wie aus der Ferne längst vergangener Zeiten, als man noch glaubte, Kunst fei «in für sich allein bestehendes Gebilde. Es dreht sich hauptsächlich um den R 0 m a n. und hier vergessen beide, daß zeder groß« Roman ein soziales Werk ist, gleichMtig aus welcher polittschsn oder wirt. schaftlichen Perspektive die Ding« betrachtet werden. Der Roman gibt einen Querschnitt durch die Zeit, er.zeigt die Verbundenhei, der Menschen mit dem gesamten sozialen Leben, nur innerhalb dieses Rahmens darf das Privat« Berücksichtigung finden. Das ist nicht nur die Borbedingung für den proletarischen Roman, son- dem für den Roman überhaupt. Doch beide Partner tasten nur eine verstaubt« Oberfläche ab. Ganz überflüssig ist der Vortrag Dr. Herbert Rosenfclds über„Erstillle Prophezeiungen', da er keinen Standpunkt oertritt und sich ollein mit einer Aufstellung okkulnvirkend sollender Tatsachen begnügt. Gerade aber aus diesem Gebiet bedeutet ein Für oder Wider die Vorauesetzung. Sehr schön ist das Abendprogramm„Etfolg in der Oper". Bekannt« Opern- nielodien erfahren unter Meyrowüjch ein« temperanrentoolle und tiefmusikalifch« AuÄegung. Wieder genießt man Josef Schinitz prächtigen Tenor.— Anläßlich der Koblenzer Katastrophe wurden sämtliche heiteren Darbietungen abgesetzt, F. Seh Sonnabend. 26.?uli: 31 Abt. Eharlottenborq. 20 Uhr bei Bode, Aaiscriu.Auausto.Allee 52. Knut- tionärst�u»». Di« Mitstlieder von Ehorlcttentnrg-Roib sillcnbanbwif, SiemenUstobtt, bitten mir um llebersenbun« ihrer Adresse!,»n ben Kosffcrcr, Ecnosien Äciuhelb pcinzc, Ehaelvttcnbnrq. slaiserin-Angnsia- Alle« 37. Frauenveranstaliung. 5- ftrot» W«W»infl. Ircitoq. 25. Juli, treffen sich die HeiiDsfinnen»ur Dompsersahrt noch Ncdlih um 8 Uhr an iiep Waisenbrilrke, Reederei, Langnaidt u. Schmolte. Preis für Hin- und Rüelfahrt 1 M. Iungsozialisten. .3h) tp Reihe» sSpielgemeinschaftt. Heute. 20 Uhr, im Jugendheim Aorck. strahc II., Probe. Erscheinen oller bctciligten Genossen ist Pflicht. Prenzlauer Berg. Leute. 20 Uhr, meltliche Schule. Danziger Str. 23, Konferenzzimmer. Aussprache über:.sZaschiemus und Rationalsozialismus". Gaste gern gesehen. Gruppe Südost, ftreilog. 25. Juli, pünktlich 20 Uhr, im Jugendheim Wrangelstr. 128.»Die politische Situation." Gruppenrescratc und Distussion. Gäste willkommen.> Arbeitsgemeinschaft der kmdersrsunde Grotz-Berlin. . Äftttc, 20 Ubr, Elternversammluyq dt? Teilnetzm-n: dcs Nestfalkenlafl-rs in Munster im Sitzungssaal des Bezirksamts Krcu�erg, Borckstr. 1.1. Vartüi. Mitgliedsbuch und Mitgliedskarte der Kinderfrcunde bitten mir als Legiti. mation mitzubringen. HdlferLahrt zunr Ucdersee fällt leider aus, da das Heim noch nicht bezugsfertig ist. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei> Organisation 80. Abt. Tchönebcrg. Unser Mitglied Erwin Lehmann, Eranachstr. 15, ist verstorben. Einäscherung Donnerstag, 2«. Juli, istz Uhr. im Ärcmalorium Wrlmorsdorf. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Siasenduvgen für diese Ttadrtt nur an das Zuacnbfctretartat Eerftn SW 6S.-Clabcnffrofk 3 ..Valdur'-Fahrt nach kehin a. d. h. Sonnrteni, 26. Juli, irih E-nnwg. 27. Juli. reil-ehmeeoebShe 3 28. ein- iwließlich 2 mal Kaffee, Kakao oder Tee, Mittagessen, Uebernachtung unb Dampferfahrt. Abfahrt Eonnodend, 19 Uhr, Spandau, Lintcnufrr. Teilnehmer. karten stirb»och im Iugendsekretariat erhältlich. * SS..S5.'®s|«»6 heute. Donnerstag, 21. Juli. 19 Uhr. heule. Donnerstag. 24. Juli. 19% Uhr: vronienburge- Tor: Heim Elisabeihkirchstr. 10.„Die Eniftehung de, Kap?.- Putschest— Arnswaldor Platz II; Heim Raftenburger Str. 16. Aulgaben unserer politisckzen Erziehung."— Falkplatz I: Sckuls Sonnen. durger Str. 20.„Somjet.Rutzland."—«orvosten II: Heim Danziger Str. 62, �-"��erlichrr Sport und Arbeitersport."— GchSn'oanser Vorstadt: S?"7» Sonnenburger Str. 20.„Pan-Surova."— Sottbusser Tor: Heim Britz? c Straß« 27— A). Tagespolitik.— Südwest: Heim Lindenstr. 4...Rechte und Vfiichten der Funktionäre."— Waftoad: Heim auf dem Sportplatz Westend. »Eegenmartsaufgaben und Ziele der GewerksÄmft.-n." Dorbebozirk Wcsteu: Heim Olbersstrafße(Sportplatz Inngfernbeide). S'.tzung des Roten-zValteN'Varloments. Erscheinen aller Delegierten unbedingt N0sw«ndig.— Die Beerdigung des Genossen Lothar Dau findet nm 15 Uhr auf dem Friedhof in Stahnsdorf statt. Wir treffen uns 13',� Uhr Bahnhof Charlotten bürg. Kommt, soweit es euch möglich ist. bezirk Reutöllv: Gemeinsame �unktionäroersgmmlung der Gruppen �"H und II im großen Saal des Heimes Kanne r Straße. Nen- Ätzul-rmge�" Gruppen. Stadtpläne und Mtgliedervrrzcichnissr si.id Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner �Schwarz-Rok-Gold'. «eschisstsstell»: Berlin S. 11. Sebastianstr. 37-38. So» 2. Tr. ihrritog, 26. Zuli. vedbiiyt. Um ISsh Uhr erweiterte Borstnnd«» �. sstzung bei Lomerad Hilmann. Tiergarteu lIungbanncr). Um 20!� Ubr Hennabend bei Besse!. Kamerad fsraenkel spricht über:.Lungtanner im kommenden Wahlkam yf". Köpenick lOrt?,verein). Um 20 Uhr Bcrsammlung ilT)catcr kleiner Saal. Reinickendorf(Ortsverein). Um 20 Uhr Ortsoereinsvorstandssitzunq bei Pochl>aus. Lichtenberg. Versa:mnlungen ljaden um � 19H Uhr: Rummelsburg bei Brunn, TUrrschmidtstr. 40: Güstn» Tempel bei Rodcggst, Nonnannenstr..?8. Alle aktiven und passiven Käme- raden müssen erscheinen. Sonnabend, 26. Inli. Wedding(Ortsverein). VgmM�fahrt-nach� Hohenschöpping. Abfahrt um- 10� Uhr �ennbritcke(Nord. uw?). Karten tu 1.50 M. in der Geschäftsstolle, Nazarethkirchstr. 41. bei Kam?. Dumann erhältlich. Gäste willkommen. Wilmersdorf(Iungbanncr). Um 2« /lc»utreten Bahnhof Schmargendorf j,nr Fahrt nach Brieselang. Tempel. yi(2ungmannschaft). Ostseefahrt itber Stettin nach Swinemünde per Schnell. lastwagen. In Stettin Quartierbezug im Bootshaus der Iungbannermarine (dann anschließend am Sonntag, dem 27. Juli, Segelfahrt auf der Ostsee; wachmittags freier Badebetrieb: Ausrüstung: Iungbanner. bzw. grünes Wanderhemd, großes Marschgepäck). Antreten Sonnabend. 20. Juli. 15 Utzr, der Pommerenlng.— ckbarlottenburg. Donnerstag, 24. Juli, ZO Uhr, Funk. twnärversammlung des Ortsverclns im Edeu-Palaft. Allgemeine Wetterlage. Die mitteleuropäische Wetteitoß« wird noch von einzelnen Tief- druck gebieten beeinflußt, die sich am Mittwochabend über d«r süd- lichen Nords«« und den oberen Donaugebieten bestanden. Das letzter« hat sich aus dem Temperaturgegensotz entwickelt, der zwischen Frank- reich und dem südöstlichen Mitteleuropa bestecht. In Ungarn stieg bie Temperatur cm Mittwoch mittag auf 31 Grad, in Frankreich dagegen stellenweise nur«tivas über 19 Grad, Das Rordsecrief wird sich vermnflich verflachen, während das siidlick« unter Vertiefung sich nach Nordosten ausdehnen dürft«. Infolg« des Auf» gleitens der warmen Südostlust auf die kühlere mitteleuropäische dürft« sich wieder das Wetter verschlechtern. • Wefleraussichicn fKr Berkln: Wolkig bis bedeckt, lpäter auch �genfälle, wenig veränderte Teinperature».— Für Dcukschland: In West.� und Süddeutschland meist trüb« mit Rcgensallen und ziemlich kühl, in Mitteldeutschland später«insetzende Regensäll« mit etwas Temperaturrückgang, im Südosten warm und zeitweise heiter msi� Gewitterneigung, im übrigen Reiche teilweise Ketter bei wenig veränderten Temperaturen. / Theater, Lichtspiele usw. Staats-Theater geschtossen! Abonnements- Anmeldungen (Or die Spielzeit 1330-31 (Beginn sm 1. Septenftsr) werden auch wahrend derThe- aterlerien enlgegpngenommen; a) für die Staatsoper und das Staatl. Schauspielhaus vom Abonnement s- büro, Berlin W56, Ober- ■»vallstr. 22.— Fernspr. Merkur 9024, b) für das Staat!. Schillertheater vom Abonne- menfsbüro, Berlin-Chartottenburg, Grolmnn- straße 70.— Fernspr. Steinpl. 6715. 8.1S Ohr— Rsodiui erianhi Cortinis Dolltrsegeo usw. fheateri.d.Beörenstr. 53-54 ■i'/t U- A4 Zentrum 924-9*7 S'ä U LeUte 8 Aaft&hroDgeji t Hein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten mit . Ralph Arthur Roberto.•— Tägl. S u S'l3 Uhr. d S BarS. 9258 [ Pr. 1— 6 M.— Nachm. halbe Preise. Afra, Gi8zerofta,Gaudsntlth usw. it&'m•'-rS* � O � E -TUcoler Gr. Frankfurter StraSe iz», I BlUetläSM: Alex. 3422 u. 3484 j Täglich 8» Uhr: „Fladismann als Erzieher" TolKsDtlline Thsahr sm BQIowplati. 8'T Uhr Der frötilidie Weinberg Lustsp. in3 Akten tsu Karl Zutkmayer Regit: H. D. Realer. Qeutsdies Tlieaier 0? WeiMniin 5201 8 Uhr Phaea von FriU v. Unruh. Rege Max Reinhardi hasik: Friidiil" Bollsrater. Bühncnbililsr Emt idiitti. Die Kömdidie II Bismck. 2414/7514 8>- Uhr Wie werde Ilii leild und gloddidi 7 Ein Kursus ii 1 1 Utliluugen «on Pilii Joadiimson Kusik«an hlsdu SuolUnsky Kugle: Erich Engel Bühnenbilder Ludwig Keiner Komische oper SC: Uhr PaulHeidemann in; Die Frau ohne Kuss Koilo-Operette mit Grit Haid. Lessing- Theater Weiden dem, 2797 U.0Ü6 Täglich 8Vj Uhr Der Faun too Edv. Rnoblandi PauIBeodub, Baba. Elewuie. Kerei. GndtttimkT. Frnrto. Fiedler. Plessc». Un Metropol-Ib. Täglich 8'H Uhr Hiehael Bohnen in mit Dir aliein... Menlner Prater SommcrgaiUolOeater Kastamenaliee 7—9 4 Uhr Grosses GaiteDkoDzert 6 Uhr Eige entzückende Burleske sowie der auserwäjilt« Variet4-Teü. 8.15 Uhr Gustl Beer, Grell Lilien. Alex Oaber Erwin Härtung in Das Drel- mäderlhaus Singspiel in 3 Akten Musik nach Franz Schubert. Heute Volkstag! Auf allen numer. Plätzen»o Pf. außar Loge. Reichshallen-Theater m Uhr G a s t s p I e I der Dresdner Ulctoria-Sanger Freitag 1.8.: Wiederauf- trelen der Stettiner Sin" er Dänboff-Breftl: Suln-Hhlliattiii Varlcli- Konzert— Tanz Donnerstag, den 24. Jnli nadimiifags Uhr« Meine Hillionen■ Umsätze beweisen alles! Sonder- Angebot vom 24. Juli bis elnschlloBiich 13. August, Feinster echter Ungarwein.... Feinster Apfelwein,«üß...., Feinster Jobannisbeerwein, süß» Echter süßer Tarragcna..,» Echter süßer Malaga...... Echter süßer Griechenwein, Gold Feinster süßer, roter Dessertwein U i.•. .'/, Fl. 1.35 . Vi H- 0.33 . Vi Fl- 0,65 . Vi FL 0.80 . Vi FL 1.00 . Vi FL 0.8S Vi FL 0.88 Prima Pfälzer Weißwein„St. Martiner Berg" Vi FL 0.75 1929 er Niersteiner, Oppenh. u. Licbfraumilr.h V, FI. 0.95 Vermouthwein, echter ital.(selbst importiert) Vi FI. 1.20 21 er Bordeaux, rot,„Chat. 1c Rose".... Vi FI. 1,20 Feinster weißer, süßer Bordeaux V1FLI.20 Feinster Spanischer Rotwein..»».»»»- Vi FL 0.83 Echter Douro-Portwein, süß..,js»*i,ViFL 1.88 Feinster 25er Haut-Sautemes ,.»»»«». Vi FL 1.65 Preise ohne Glas! Beste Einkaufsquelle für Wiederverkäufer! Chausseestr. 76 Wismarplatz 1 (Eck. Boxhjgtner) Petersburger Str. 60 Köpenicker Str. 121 Brunnenstr. 42 Koppenstr. 87 Müllerstr. 144 Wollankstr. 98 Prenzlauer Allee 50 Grünauer Str. 15 Martin-Luther- Str. 86 WUmcrsdorfer Str. 157 Neukölln; Berliner Str. 12 Hermannstr. 37 Schöazbcrg: Kolonnenstr. 9 Steglitz: Schloßstr. 121 Mozbit: WUsnacker Str. 25 Spandau: Potsdamer St. 2Z Weißensee: Berliner Allee 247 Tempelh. f Berliner Str. 153 Oberschöneweide: Wilhelminenhofstr. 40 Frankfurt-Oder: Richtrtr. 73 Rathenow: Dunkerstr. 29 Küstrin-Neustadt: Landsberger Str. 4 Küstr in» Altstadt: Berliner Str. 19 Brandenburg(Havel): Hauptstr. 38 M»- ism.■ m m■ a Retiaissanco- Theater 9 Uhr Steinpl atz 6780. Rpjite uDd ailätodlith Die Vnnder-Bar Revuestück I wm. wesiei»! Täglich 8-- Uhr: Höglau iura 300. Male: Dos Land des Lächelns Fianz Lehars Sensationserfolg! Tii8at.1mK0tUi.T01 Kottbusser Str. 5 Tägl.»Vi Wiederauf- treten der Elve- sanier mit Scborscb Rusclll. Grosses lediuMwer-Pnurenipi! rittgedrjcktfii fort Ii PI. (luliuilg 2(ettgedtuile Worte).- SlellengesuciiB das I.Wort(frttgednidct) 15 Pf- jede: weite: Wort 10 Pf. Worte mit»ehr ab 15 Bjdirtibcn tAeu für rwei Worte. » wo opeist man q sio onit unig? Nur Gross-Boriin Aiaxandarplatz Achtung, Verwaltungsmitglieder! 21m Jtcitag, dem 25. JuB, f c l n c Sitzung der ZMttlcrcn Orts. Verwaltung. Die Auszahlung der Tiauidalianen erfolgt beim Kollegen Schmidt in der Zeil von 4 bis 7 Uhr nachwillags. Achtung, Netallkartell I Donnerstag, den 24. Juli, abends 1 Uhr, im Kouzerl-Ekablissemeni Friedrichshain, VerNn 1U) 43, Am Friedrichs Hain lö— 23 Versammlung aller Verlrauensperaonen und Betriebsrats« delegierten aus den Betrieben des VBMJ. Tagesordnung: Derichlerstallung von den Verhandlungen mit dem Verband Berliner Mefollindustrieller. ,,------.... Zutritt nur gegen Vorzeigung der mit dem BBMiZ.-Stempel'?«riin. Pof-bomeiftroß- A-i versehenen Leoitimationskarte und des Vcrbandsbu6)es einer dem Metallkortell angeschlossenen Organisation. Die Ortsverwaitung. KUHdiSNZFISiN Anzeigen,«eiche für die njdist? Kunirer testir.mt tind.nnsii) bis igilerten! A';. Uhz nsdroirtags in der Haop1-Ftp«d:tinn des Vorwärti, lindcnstnäe Z. ebgtgrixn w.rden. Dieselbe iitwichnrtigsHiiuoians P/, Ufer bis naSa. S.libr nconterbradun geöffrr. Verkäufe Tapeten« Ezillat. floTonicfttnfic 9._* Billige Teppich« mit kleinen Fehlern. Ausnahmepreis ca. 2X3 16,— Mark. Ausnahmepreis ca. 2XZ 20,— Mark. Ausnahmepreis ca. ZVaXZ� 31,— Mark. Ausnahmepreis ca. 2�zX.?�.)9,— Mark. Ausnaymcpreis ca..3x4 48,— Mark. Ausnahmepreis ca.?x4 6öe— Mark. Au vermieten ssfork �(0 3-Zimnikkw. in Weißensee mit Ofenheizung und Warmwasser. Tfusfunft: Zranz-Zafeph- Strohe 128a, ffidc Barlieeer SUUe bei Röbke. genrtpr.: Beißen) ec 1803. Zum 1. September: ewige Vjz u. 2\ Zim.-Whn. i. Neukölln mit Fernheizung und Warmwasser. Auskunst: werrastrafte 40, ESe Treptower Strohe bei vob.wonn. Fernspr.: Neukölln 4S32. Grüner Neubauschein, Genossenschaftsanteil. Hausnummer beachten. vellülZies Melallarlieiter-VeM Verwaltunessteile Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern snr Nachricht, daß unler Kollege, der(Süttlcc Hermann Sinnhaber gebaren 8. Dezember 1883, am 21. ZiUt geftorben ist. Die Sectbigmttt findet am Freitag. dem 25 Juli. 15", Nhr. von der Leichenballe de? Garniion.Krrchhofcz in der Hascnheide auZ Itatt. Rege Beteiligung wird irwarlct. fßaehruf Lfm 8. ZuN starb unser Sollege, der Wuller krit? t.iLxevsk! gebaren 2. November 1884.. Die ewäscherung hat bereits staf!- geiunden. Ehre ihrem Andenfea'. via Ovtiven'W'alfunrt. »smöspetkie IllllOk« 0«eivebl.> MOoxdr. 9. Uebondlg. 2 Mark LWSCI Spr;io-2,i-4- H.in Kapitän- Kautabak scbmeckt mir doeb am besten! BANK DER ARBEITER, ANGESTELLTEN UND BEAMTEN,§ BERUM 81«. VAUSTRS8SC«5 riLIALCNn aOCHUM/ BREMEN/ BRESLAU/ DRESDEN FRANKFURT AM MAIN/ HAMBURG 3ua ii «Ul |Z Sui -sc sei ArlieilBr-Bail-iinilKra{tfalirer-Bunil,>Snliflariir. Vom 25. bis 27. Juli 1930 aal den Elbwiesen dedenfiber den Albredilssddösseni Bundesiest in Dresden messenrelgeo> Radballspiele/ Kunstreigen seschickiichkeitslahren der motortahrer Bahnrennen/ Stra&enrsnnan/ Jugenduer- anstaliungen/ Sprechchor/ Festzöge der Radfahrer und motorfahrer ✓ Feuerwerk. KrSW Radsporfsdiaa Dealsdüaads. Bekleidungsstücke, Wäsche usw. Wenig getragen««avaliergarberod. oon rlll'llionären. öletdten. Anwälten. ! nabelbait bMige Preise. Emv'eble l Taillenmänti!. Valetois. iTracks.�emo» Eings, Gehrockanzllge. Solen, �vort.. Kehvelzs. cbelegenbeifskauf« in neuer Saroerobs. Weitester Weg lohnend. llofbringerstraßs 50, 1 Treppe, Noten» thaler Plaß. Möbelfävfer werfe stredif »nd bar Mobelbaxar. aroße BuswadL flcinc Prcile! ISeilpietsweilc: schlaksimmsr 455,—, Lprile»immer 517,—, Herrenzimmer 380,—. cpicgcl« säiränfe U8.—. DieUiiaacnituc 38,—, Aurlcht-Eüch- 99.—, Sk-lstnab-ttttell» 56,— filcibctlchcbnfe 48.—.(iboitc- longues 28.—. Meiallberrstello 18.-. äfuflegemattobe 13,— Sonstige Möbel anecmcncnc Vreife. Teilchadiung aui- läilngirct. Wochenrafen. Monalsratcn Kanaraogtf vis pchn Pro.ient. auäi auf Aruahiuitgen.«leine aua, anne ein«ib> lungen.«redUe bis zwei Jahre. Mag. Aitrs. ilaiaiog ftonfo. Hauptaeschärt: Stcfllib. Schioßstraße 107; 2. bielÄast: Zicuföiin.»crmannvlab?: 3. Selwätt: Belle, Äflianre-Slraße 95.—. Untergrund. bahn: 4. Selchäir: Nottbuiser Straße SS. gegenüber Slitesängcr.__* P-tentmatraßcu..Vrimisfimo". Mc. falldetten, Äusicgematralien, Sharseion- gues. Walter. Stargarberstraße acht- i!ci)n._flcm Laden.______ Möbcl-Kamcriing, Kaftanienalle« 56. Anrichtelllchcu. Ad Waschtische, Berßlail- I-brärtl-, Klurmobel. Niesenauswahl. Svollpreile. Kohlungserfeichtcrung.__ "Schlafzimmer, RiirtKU in roh von 39_ an. lackiert und lasiert bis zu 790,—. Max Berg u. Co.. Luisenuser ix, TabriEaeboude Ii, Lranienstraßo 133, GaßEowÄhstraß» 23, Ei i Alt-Moabif. Sicheren Äunden weUgehendste fiah» lunazcrleichietung ohne Preisausschlgg. Meine Lieben! Cingen aus! fscrtco sind bald z» Säbel � Nur noch bis«um. 10. August unh biiU ganz besonderen Auonahmefagc. Sie lausen heule ein Schlafzimmer. Eiche, nur �75.—, Cchlaszimmer, Nusbaum. 385,—. Schlaszimmer. BirEe. 695,—, Schlafzimmer, Mahagoni. 715,—, Speisezimmer, Rußdaum, 490,—, Speisezimmer, Eiche, 390,—; Äüchen, weiß und lasiert: Anlleideschrani 62,—: AnfleideschranE mit Wäschecin- teilung und Svieget 98,—; Anlleidc- schrant mit Wäschecinteilung 88,—. Samtlid)c Möbel zu halben Preisen. Das versäume niemand. Möbel-Schrager, iedes Zimmer ein Srtilager. Nur AastanienaiIe-4Z/49,imZabritgebäude. An Möbel Schmidt,?hr trster Schritt. Möbel Schmidt. Aataloa gratis. Möbel Schmlbt. Bernauerstraße 80. Ricicnaniwahi! Wichtig für jedermann. Täglich werden verkauft: guterhalteza stlciberlvinden, VertiEos 24,—, Bettstellen 22,—. Klurschränle. Waschtolletfcn 24,—. Cbaisclongues 24,—. Aom- vioden 19.—. Bficherspinden, Schteib- tische 32,— Süfrfte 75,—, Tru- meaus 29,—. Standuhren 68,—. Große Auswah! In Klubsesseln, sslugcln. Pianos. 300 Teppiche. Kllchcneinrichtun. gen 48,—, Riesenauswahl, alles spoif- hillia Speisezimmer, guterhalten. lamvlcft 225.—. Herrenzimmer, iast neu. tomvlctt 225,—. Cvciieztmmcr. wenig gebraucht. Drei-Mcter.Bllictt, lomplelf. 590.—. Schlafzimmer, iabrik. neu. komplett 258,—, Wohnsalon, wenig benubl. 195.—. AntiEe Möbel, darunter Biedermeier-. Barock- und andere Stil» Möbel, sowie Eomplcflcs Biedermeier. »immer fvotibillla. 100 Küchen enf. zückende Modelle. Gebrauchte 48.—. Staraardis Möbel, und Lontbardiveicher. Brcnzlauerstraße sechs.' Husikinstrumenle Gegen kleine Raten erhalten Sic qe. braucklc sowie neu» Pianos Groß« Auswahl, llagcrbciuch lohnend. Sireie- mannstraße 14 und Brunnenstraße 194. Z522SB Swck.Wotorrab, sehr schnell, prima Zustand. 125 M.. vertäust Günther, »ochstraße 48,�nach 8 Uhr._ Gebrauchte Fahrräder 13,—, 20,—, 25,—, SO.—. 35.—. Machnow. Wcin- meifterstroße IL Ksukgesucke Zahngebifie. Platinabiälle. Lötzinn. Blei. Oacckfiibcr. Silberichmelze. Gold. ichmelzerei Chriitionat. Köpenicker- straße 33 lSaltesMe Adaldertstraßkl.' Unterrickt Berfitf, Schoo l. Leipziaerstraße 110, Kurfllistcndaw.m 26». Zremdc Sprachen. Zir»I: 12 Teilnehmer, monatlich 12 M., vierteljährlich 30 M.. zahlbar UI Nattn. Eintritt iederzeik VerLckiecSenes Onkel Pelle mit Kasperle-Theetter srei. B. Rieß, Ackerstraße 167. Erlio|ungsaufealhalt- Lanbausenlhalt am romantischen Pleisketaf, direkt am Walde, herrliche öoen. Pension, 5 Mahlzeiten. 3213 bis 4.—. Prnlpeft kostenlos. Friß Söhne, Groß-Gandern bei Reppen. Telephon 8. Ttr. 344* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 24. Juli 1930 Die Weltherrschaft im Tonfilm. Oer ganze Erdball als Ausbeutungsobjekt des Elektrokapitals. Ncch mehrjährigem Patentkrieg ist jetzt in Paris zwischen sämtLchen Großjirmen, die Tonfilmpntente besitzen, Ton- jilinapparaturey herstellen und auch sonst im Tonjilmgeschäft eine matzgebend« Rolle spielen, der W e l l f r i« d c geschlossen worden. Dieser Friedensschluß bedeutet die vollkommene Ausschaltung jeder Konkurrenz aus ollen Marktgobieien von Bedeutung. Welche gewaltigen Werte hier monopolisiert werden, mag aus einigen Zahlen hervorgehen. In Deutschland gibt es rund S000 Kinotheoter. Davon waren mit Apparaten zur Wiedergabe von Tonfilme« ausgestattet: Oltober 1929: 120, Ende 1929: ,220, Mai 1930: 830, gegenwärtig: rund 1000. Die Stoßen je Apparat liegen zwischen 29 ZOO und 58 000 Mark. Die Belastung der Kinotheater durch diese An- schafsung kann also auf bisher rund 10 Millionen Mark geschätzt werden. Die Kinotheater haben stattdessen an Musiker- echältern entsprechend gespart: 1000 Kinomusiker sind in Deutschland seit der Tonfilmeinführung brotlos geworden, wo- durch nach Berechnung des Deutschen Musikerverbandes der Etat der Erwerbslosenunterstützung um etwa 1,5 Millionen Mark jährlich belastet worden ist. In den Vereinigten Staaten sind von den 22 000 Kinos weit über 5000 auf den Tonfilm umgestellt. Da dort die Apparatepreise zwischen 35 000 und 90 000 Mark liegen, so bedeutet diese Umstellung«ine Investierung von bisher 300 bis 100 Millionen Mark. Zu diesem Geschäftszweig kommen andere: Die Verleihung von Aufnahmeapparaten an die Filmhersteller. In Deutschland kostet nach Angab« der Spitzenorganisation der Deutschen Filmindustrie die Leihgebühr für Aufnahmeapparate monatlich 5000 M. Ferner haben die Filmhersteller als Lizenzgebühren zu zahlen: Für den Negativfilm 6,50 M. je Meter, für den Positivfilm 1. M. je Meter. Die Lizenz- und Verleihgebühren für einen Film von etwa 1000 Meter Länge summieren sich also, sofern nur ein einziger Abzug hergestellt wird, auf mindestens 20 000 Mark. Ins- gesamt werden durch dies« Umstellung sowohl die Filmproduktion wie die Kinotheater mit gewaltigen Summen belastet. Viele Unternehmungen, die nicht mitmachen können, werden ein- gelien oder von grotzen Konzernen verschluckt werden. Zunächst die Kinomusiker, später vielleicht auch die Kinobesucher haben die Kosten zu zahlen. Die Partner der welt«ufteilung. Bon amerikanischer Seite sind oll« Tonsilmunier- nehmungen von Bedeutung Vertragspartner. In erster Linie die Western Electric und ihr nahestehende Gesellschaften (Clectrical Research Products Inc., Fox Film, Paramount, Metro- Goldwyn usw.), in zweiter Linie die Radio Corporation nebst der ihr angegliederten Radio Keith Orpheum Corporation. .vjinter beiden Gruppen steht elektrotechnisches Kapital: hinter der ersten die Western Electric Co. als gröhte Telephanbau- firma der Welt, hinter der zweiten die General Electric Co. und der Westinghouse-Konzern. Europäische Vertragspartner sind die Tobis (Tonbild-Syndikat A.-G.) nebst der nahestehenden deutsch-halländi- sehen Küchenmeister-Gruppe sowie die beiden Elektrokonzerne, die hinter der Tobis stehen: Siemens(u. chalske) und AEG. Zwischen diesen Gruppen wird die Welt aufgeteilt. Wir ocr- gleichen die Verteilung der Weltherrschaft mit zwei früher abge- schlossenen Verträgen zwischen der General Electric Co. und der AEG. einerseits, zwischen Westinghouse und Siemens-Schuckert andererseits. Alle und neue Weltteilungen. Deutsche Monopol. Amerikanische gebiete. Monopolgebiete. Tonfilmpakt Juli 1930: Deuischlond, Oesterreich, Ungarn, Vereinigte Staaten, amerikanische Danzig, Schweis Tschechoslowakei, Kolonien und Protektorate, Ka- Holland, cholländ.-Indien, Däne- nada, Neufundland, Australien, mark, Schweden, Norwegen, Finn- Neuseeland, Indien, Rußland. land, Jugoslawien, Rumänien, Bulgarien. AEG.- Generol-Electric- Vertrag Januar 1922: Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Vereinigte Staaten, Kanada, Danzig, Lettland, Litauen, Est- Mexiko, Kuba, Westindien, aine- land. Dänemark, Norwegen, rikanische Kolonien und Pro- Polen, Tschechoslowakei, Schwe- tektorate. den, Finnland. Siemens- Westinghouse- Vertrag Oktober 1921: Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Vereinigte Staaten, Kanada. Danzig, Lettland, Litauen, Est- land. Besonders interessant ist es, daß im Tonfilmpakt die Amerikaner sich Sowjetrußland als einen besonders ausbaufähigen Markt gesichert haben, während in den elektro- technischen Interessengemeinschaften der Vorkriegszeit Rußland immer das ausschließliche Geschäftsgebiet der deutschen Vertrags- partner gewesen war! Auch in anderen Hinsichten ist die Ueberlegenheit des amerikanischen Partners deutlich. Zwar dürfen alle Tonsilmstreifen künftighin aus deutschen und amerikanischen Apparaten gespielt werden— der Grundsatz der Austauschbarkeit und Gleichberechtigung(IntercbsnxeUbilitx) ist also erreicht. Andererseits lzaben die amerikanischen Tonfilm- Hersteller ein großes einheitliches Sprachgebiet (Vereinigte Staaten, Kanada, Indien, Australien, wohl auch England, Irland usw.), während die deutschen Filmhersteller ein ähnlich großes Sprachgebiet nicht haben. Auch wird sich die viel größer« Kapitalkraft der Amerikaner im Kredit- und Finanzie- rungsgeschäst bemerkbar machen. Der Pakt ist insgesamt ein g l ä n z e n d e s Beispiel für die modernste Form der kapitalistischen Weltherrschast: das Kultur- bedürfnis der Massen aller Erdteile ist eine Geschäftsdomäne weniger Kapitalisten geworden, und diese Kapitalisten teilen unter sich die Welt auf, um aus diesem Kulturbedarf einen um so größeren Profit zu ziehen. Preisdiktate für Motorräder. SS Prozent der Produktion zusammengeschloffen. Als die größeren deutschen Mctorradfabrikcn zu Beginn dieses Monats im Interesse der Arbeitsvereinfachung eine Ver- einigung gründeten, gaben wir der Befürchtung Ausdruck, baß die geplante„Anpassung der Produktion an den Bedarf" zu Preisbindungen führen könne. Schneller als erwartet, ist das«ingetrofien. Wie der Reichsverband der deutschen Automobilindustrie uns bestätigt, wird von den maßgebenden deutschen Fabriken und Motor- radimporteuren eine G.m.b.H. gegründet, durch die 9 8 Proz. oller Motorräder am deutschen Markt ersaßt werden. Prcisocränderungen dürfen in Zukunft van den Fabriken nur»ach vorheriger Anmeldung beim Kartell nach Einschaltung einer längeren Wartezeit und nach Anhörung der interessierten Kon- lvrrenten vorgenommen werden. Das heißt nichts anderes, als daß die Motorräder eise vom Kartell diktiert werden. lind zwar auf einer zu hohen Basis; dafür bestehen bereits jatzt sichere Anhaltspunkte. •Das Motorradkartell ist selbstnerstöndlich nicht erst in den letzten drei Wochen entstanden. Wir lzaben das Ausbleiben der Preissenkungen in diesem Frühjahr wohl beob- achtet, das in jchrofiem Gegensatz zu den allgemeinen Preissenkungen sür Motorräder zn Beginn der Frühjahrssaiion l929, 1928 und 1927 stand uiid durch Verändernngen in der Kalkulalioii nach den Ab- i: hl ii Ifen maßgebender Fabriken(Zfchopauer Motorradwerke: ?t Proz. Reingewinn. Tri nnph-Werke: 15 Pro,. Dividende, Vik- leria-Werke trotz schlechtem Fahrradgeschott 6 Proz. n a.) nicht im mindesten gerechtfertigt würbe. Besonders bedauerlich ist es, daß, wie im Fall Reichskroirsprit, auch hier wieder ein linier- nehmen des Reiches(Ü-Rad) sich dem einseitigen Diktat von Veibandspreisen fügt.... Die Motorradindustrie schreitet nicht gezwungener- maßen zu der Bildung eines Kartells. Ausannnenschl.lsse von einzelnen Fabriken haben sich durchaus bewahrt, und das Nächst- liegende wäre gewesen, daraus die Lehre zu ziehen und zu einer Konzcnrratian der Motorradwerk.« in den Fabri- latianszentrsn lBerlin, Nürnberg, Sachsen) zu schreiten. Für die Motorrado. usfuhr kommt der Kartellbildung besondere Bedeutung.zu. Der Zoll von 160 Mark aus 100 Kilo gestattet den maßgebenden deutschen Werken, die am Welt- markt der Auslandskonkurrenz durch die Massenlzerstellung nament- lich der am meisten verlangten leichten und mittel schweren Maschinen som:eso überlegen sind, ein weitgehendes Dumping. Durch die einheitlich« Beschickung von Ausstellungen und Rennen im Ausland soll die Wettbewerbsfähigkeit der deutsche» Fabriken jetzt noch gesteigert werden. Di« deutsch« Motorradausfuhr betrug in den Monaten Januar/Mai 4161 Stück gegenüber nur 3291 in derselben Zeit des Vorjahres: die Einftihr wurde dagegen auf die Hälfte dezimiert: ün Mai belief sie sich nur noch mif 762 Fahrzeuge gegenüber 1802 Stück im Monat Mai 1929. Für die nächste Zeit ist eine weitere Verdrängung der englischen, ameri- kanischen und belgischen Motorradindustrie zu erwarten, wobei aller- dings die Frage offenbleiben wird, bis zu welchem Grade der deutsche Motorradküufer zur Deckung der Kosten dieser Expansion noch herangezogen werden soll, was durch dos Kartell jetzt noch verstärkt möglich wird. Verluste im ersten Opel-Lahr. Wie aus Frankfurt gemeldet wird, weift der erste Abschluß der Opel-Gesellschaft nach der Amerikanisierung, der Abschluß für das Geschäftsjahr 1928/29, einen Bruttogewinn von 13,17 Mil- lionen aus, demgegenüber sich nach Abzug der Unkosten mid nach Abschreibungen von 4,32 Mill. Mark ein B e r l u st von 2,29 M i l l. Mark ergibt. Das Jahr 1928/29 war für Opel das entscheidende Umstellungsjahr, in dem große Investitionen vorgenommen wurden: für die Dauerrentabilität der Opel-Wcrke braucht der erste Verlustabschluß infolgedessen noch nichts zu bedeuten. privaie Benzin-Gteueremnehmer. Für den Profit der Oelkonzerne. Das Institut fiir Konjunkturforschung lcheigt in seinem neuesten Wochenbericht die Belastung der deutschen Berkehrswirtschast durch die jüngsten Preiserhöhungen für Treibstosje auf 120 Mll- lionen Mark. Es spricht von einer Verteuerung, die das durch fiskalische Eingriff« bedingte Ausmaß erheblich übersteigen. Unsere wiederholten Vorstöße gegen die Oelkonzerne werden damit auch von dieser neutralen Stelle als berechtigt unterstrichen. Die deutsche Benzineinsuhr betrug im Monat Mai 1930 61 419 Tannen gegen 52 156 Tonnen im Mai 1929. Dieser etwa»Iproz. Einfichrsteigerung steht«ine fast lOOpraz. in den Monaten vorder Zollerhöhung gegenüber.(Venzineinfuhr Februar— April 1930: 422 628 Tonnen: Vors.: 238 093 Tonnen.) Allein durch die vor- zeitige Benzincinsnhr haben die Oelgesellschaften demnach rund 10 Millionen Mark verdient. Aehnlich ist es bei der Benzol- einfuhr. Die Betriebsstoffkäuser haben von der vorzeitigen Einfichr nicht den mindesten Vorteil gehobt, sondern im Gegenteil den Zoll nom Zeitpunkt seines Inkrafttreten« on zuzüglich eines durch nichts gerechtfertigten 3?prozentiaen Ausschlages tragen müssen. Neuerdings finden im Rheinland übrigen» wieder ganz erhebliche Unterbiet ungen(teilweise um 23 Prozent!) der Verbandspreise statt. Die Außenseiter verdienen dabei nach ihren eigenen Angaben noch ganz anständig. Nachdem jedoch das Abkommen der Standard Dil und Royal Shell mit den rumänischen Exporteuren jetzt perfekt ist und die Reichskraftsprit- G. m. b. H. ihre Passivität nicht aufgibt, werden die Garagenbesitzer bei der Suche nach billigem Autzenseiter-Benzin für ihre Tankstellen wohl bald wieder in Verlegenheit geroten. Mansfeld nimmt Arbeit au.. Ss ist sehr wahrscheinlich, daß in den kupserbetrieben der Wans. seid A.-G. die Arbeit noch in dieser Woche wieder aus- genommen wird. Die zwischen der Wansseld-Derwaltung einer- seit? und den beleiNglen vier Reichs- und Staatsministsrien, anderer- seits geführten Verhandlungen über die Voraussetzungen der vorge- sehenen Reichs- und Slaakshilse scheinen so weit vorgeschritten zn sein, daß Schwierigkeiten von irgendeiner Seite kaum mehr zu erwarten sind. Riesenverluste bei Held Ä Franke. Zusammenlegung des Kapitals auf ein Dr-ttel? Den Ankündigungen des Generaldirektors Lübbert in der Generaloersammlung der AG. für Verkehrswesen über erhebliche Verluste bei der Industriebau AG. Held u. Franke, Berlin, folgen jetzt Mitteilungen über Einzelheiten, die diese Verluste als sehr groß erscheinen lassen. Man erinnert sich, daß Generaldirektor Lübbert die Held u. Franke-Bilanz von 1 928, die nicht weniger als 11 Proz. Dividende verteilte, als falsch bezeichnet hat; statt des Gewinns von 1,3 Millionen hätte ein Verlust von zwei Millionen ausgewiesen werden müssen, ein Unterschied von nicht weniger als 3S1 Millionen Mark oder fast 15 Proz. des Aktienkapitals von 8,1 Millionen. Eine Revisionsgesellschast hat jetzt, offenbar unter Berücksichtigung dieser Verluste von 1928, die B i l a n z g r u n d- lagen von 1929 geprüft und scheint zu dem Ergebnis ge- kommen zu sein, daß sich die Verluste bei Held u. Franke für 1929 auf mindestens Iii Millionen, möglicherweise aber auch auf 6 Millionen Mark erhöht haben. Es ist noch unklar, wo die Ursache n für diese enormen Verluste liegen; es wird aber auf den großen Baublock in Berlin-Schmargendorf, Mecklenburgische Straße, hingewiesen, bei dem die Unterlassung oder ungenügende Durchführung der hypothekarischen Finanzierung zu schweren Einbußen geführt haben soll. Merkwürdig ist der Hin- weis, daß der Siedlungsbau überhaupt verlust reich gewesen sein soll und daß Held u. Franke sich in erster Linie wieder dem Ties- und Industriebau zuwenden wolle. Nicht nur die Aktionäre, sondern auch Behörden und die Oefsentlichkeit sollten sich deshalb um die Verlustursachen kümmern. Es soll die Absicht bestehen, das Aktienkapital von 8,16 Millionen Mark auf 2,70 Millionen zusammenzulegen. Man kann bei Held u. Franke von einem vollständigen finanziellen Zusammenbruch reden, so daß jetzt neben der Heinick« AG. die zweite große Bau- firma Berlins in erhebliche Schwierigkeiten gekommen ist und außerdem ihre Selbständigkeit verloren hat. Wallace-Kriminaifilme ein schlechtes Gefchäst. Die Antish Qon Film Korporation meldet große Verluste. Wallaee, der berühmte englische Kriminalschriftsteller hat seine Nomon« teilweise auch verfilmen lassen: ober der. betreffenden Film- gesellschaft geht es trotz der Berühmtheit von Wallaee mit ihren Filmen nicht gut. Die British Lion Film Corporation, die die Verfilmung von Wallaces Kriminalromanen als Spezialität be- treibt, weist für das im November 1929 abgeschlossene Geschäfts- jähr einen Verlust von über 49 000 Pfund Sterling oder rund 1 Million Mark aus. Mit dem Verlust des vorhergehenden Iahtes besteht ein Gesamtverlust vou rund 1,28 Millionen Mark. Die englische Filmgesellschaft glaubt allerdings, daß die Wallace-Filme bisher kein Erfolg wurden, weil sie stumme Filme sind und hofft, mit den Wallace-Romanen im Tonfilm erheblich besser abzuschneiden. Rüstungsaufträge. Stürmische Absahsteigerung bei den Skodawerken. Aus einem in London veröffentlichten Anleiheprospekt der tschechoslowakischen Skodawerke ergibt sich eine rapid« Umsatz- steigerung bei den tschechischen„Krupp"-Werken, die osfenbor aus die zunehmenden Rüstungsaufträge der Skodawerke zurückzuführen sind. Die Umsätze sind von 690 Millionen Kronen 1926 ans 816 Millionen 1927, 1086 Millionen 1928 und 1500 Millionen Kronen im Jahre 1929 gestiegen. Der unerledigte Auftragbestand betrug am 5. Mai 1930 rund 2610 Millionen tschechisch« Krone», was einem Wert von etwa 320 Millionen Mark entspriä Fehler rächen sich. Schwierigkeiten in der Konservenindustrie. Die Konservenfabrik Weitemeyer u. Co., A.-G., Bah Oeyn- Hausen muß ihren Aktionären mitteilen, daß sie mehr als die Hälfte des Aktienkapitals verloren hat. Das Unternehmen dürste noch nicht die letzte Leiche sein, die die gegenwärtige Krisis der Konserven- industrie hinterläßt. Die deutsche Konservenindustrie konnte ihre großen Bestünde an vorjähriger Ware nicht mehr vor Beginn der diesjährigen Obst- und Gemüseernte abstoßen. Sie wollt« im vorige» Herbst blindlings aus der reichen Ernte und den niedrigen Pressen Prosit schlagen, ohne Rücksicht aus Veränderungen der Marktstruktur zu nehmen, wie die Verbesserung der Frichgemisse- und Frühobst- oersorgimg, ine Abnahme der Bolkskaufkrast, psychologisch« Wir- kungen der Vitaminelehre usw. Eine osteuropäische Agrarkonferenz. Unter Führung der polnischen Regierung ist eine Agrarkonferenz der Landwirtschostsmlmster verschiedener osteuropäischer Staaten an- geregt worden. Di« agrarische Ausfuhr dieser Länder soll durch Zu- jamrnenarbelt gefördert werden, da ein weiteres Absinten dieser Agraraussnhr die wirtschaftlichen Grundlagen der Ostländer er- schütter«. Palen begrüßt dabei die Schaffung einer Exportgemein- schaft für ZLeizen und Gerste m den Donanlöndern. Die Konserenz will, auch eineu Appell an olle Länder richten, ihr« Agrarpolitik ge- genseitig in Einklong zu bringen, um das weitere Absinken der Preise für landwirtschaftliche Produkte zu oerhindern. JloberiSlorm tfelerfen: £Miie Augenblicke Lintert ctorm Pstsrs»!! ifi mit feinen lnstizen Geschichten unß feinen äiliobsateuctn in Dänemntk ebenso belannt und beliebt wie lDifherm Busch bei uns ober Morl Twain in Amerika. Storm Petersen ist der vopulSrste Däne. Dies ist eine seiner bumortstisch-nhilosophischen Srziihsimgen. (xh heiß« Noch— ch. C. F. Noch— schon das ist sein Gktd wert! Also: Noch... Ich bin eben ati erbrochen..• Man erkühnte sich nämlich, zu behaupten, daß mit meiner Am kenne was nicht in Ordnung wäre. Aber sehe ich wie ein Äerrückter aus?... Neeh, mein Zall ist viel schlimmer, mein Fall ist ganz eigenartig— ich leide an vergleichenden Zwangsvorstellungen in mibeujachten Augenblicken... Der Professor konnte mich ganz gut leiden, er war ein ganz netter und friedlicher Mensch. Aber ich macht« nicht den ganzen Tag da drin sitzen und faule Eier ausbrüten — da riß ich ein« Mauer ein und trat hinaus ins gesellschaftliche Leben. Man hat nie viel Quatfch um mich gemackst— ich wieg« hundertvicrundzwanzig Kilo— eine weitere Diskussion ist also über- flüssig. Aber warum werden Nordpolfahrer immer im Profil und mit Pelzkragen über den Ohren photographiert— ein alter Arbeiter, der sich krumm und schief durch die Schneeorkane des Lebens schleppt, wird nie photographiert... neeh! der kann heimgehen, Hinterhaus vierter Stock und sich mit Obedeldok einschmieren. Oder: was jagen Sie zu der Angelei— Sportsleute natürlich, mit Monokel und Magensimre... liegen in ihrer Jacht und ziehen mit Koscher und Nolle«in kahles Fischlein aus der salzigen Fwt. und dann: bitte schön! in die Zeitung mit Gemahlin und Töchterchen!... Aber die ollen richtigen Meerfischer, die sich die Knöchel blutig reißen und sich die Gicht in die Wasserstiefel holen— die können heimgehen und Kamillentee saufen. Photographien sür das mondäne Wochenblatt? Nichts zu machen!... Was ist Kunst? Ich erlaube mir, mit einem Seitenblick auf den Herrn aus- zurufen: Was ist Kitnst? Wenn sich ein blasser Herr in gestreiften Hosen und schwarzem Jackett in schrnrnnrige Beleuchtung stellt und ein Bruchstück aus einer öden und traurigen Geschichte vorliest: über einen, der sich im Korridor eines besseren bürgerlichen Heimes erhängte—, das nennt man dann Kunst... Aber wenn sich ein kleiner Mann mit roter Nase, der ein paar Glas Helle zu viel intus hat, ein Lied singt, daß die Leute vor Feixen kaum nach Hause gehen können—, das ist dann Unsinn... Hab ich nicht den richtigen Riecher?,.. Eines Tages fragte ich den' Professor:„Sind Sie auch ganz sicher, daß Sie selber nicht ein wenig verrückt sind?"... Sehen Sie, darauf konnte er nicht antworten... auf vorsichtigen Sohlen verließ er das Zimmer... er war eben nicht ganz sicher... Wer ist sicher?-- eine flotte Uniform mit viel Gold und vielen Knöpfen... dos gibt so etwas wie Sicherheit— aber zieh die Uniform aus und betrachte dich in Unterhosen— dann wird's brenzlig! Mein Name ist Noch. Das einzige, was nicht Blendwerk ist... das sind zwölf Helle — sechs für jeden von uns beiden. Drin in der Anstalt faß ein Mann, der spielt» Biotine— er spielte die ganze Zeit, ununterbrochen... Glauben S'«. er war y«»rückt? Rcey! er spielte bloß, gm in Frieden gelassen zu werden! Ja— so ist es auch draußen im wirklichen Leben wie viele sammeln nicht Briefmarken oder hören Radio und lesen dicke Bücher — bloß, um in Frieden gelassen zu werden. Da saß auch ein Mörder drin— das heißt: er hatte niemanden umgebrocht— aber er brachte es nicht fertig. Nein zu sagen— der Apparat, den man aufgestellt hatte, daß er etwqs zu seiner Nerteidigung sagen sollte, war zu groß und zu trist— also sagte er nichts. Und da wurde er ein. gesperrt. Das war das Schönst«, was er erlebt hotte, sagte er— 'ftuhe und Flieden... und zwar ganz gratis— er hieß Hauber... Ich hab's mit den Vergleichen— der Professor hatte«inen sonderboren'Namen dafür, aber üb glaube, den hatte er selber gemacht— etwas muß er sa machen, damit wer glauben, daß er geicheiter ist... Er griff sich immer an die Birille— das ist auch nicht gut, das ist nämlich auch«ine Art Wahnsinti... Na, unter uns gesagt: ich bin vielleicht ein wenig abstrakt, ich quäle die Leute gerne, ttts heißt: in Gedanken... Ich Hann mich plötzlich über jemanden stürzen und ihn würgen— ohne vorher- gehende Warnung... Bleiben Sie nur ruhig sitzen... Sie haben einen so hübschen Schlips, es könnte mir nie einfallen, die feinen Falten in Unordnung zu bringen... Ich habe«iranal einen Laufburschen gefressen— ich war damals noch ein Junge. Der Laufbursche hatte sich aus mein Frühstück-paket gesetzt— und in der Eile kann man doch einen. Laufburschen un- möglich von einem Stück Brot mit Servelatwurst unterscheiden. Mein Bruder war im Ministerium angestellt— er starb... an Reglements... Kennen Sie Gedankensprünge?— man kann in Gedanken. zum Beispiel von hier nach Siam springen— das ist doch ein ganz hübsches Stück! und ohne Schlafwagen und Paß und oll den Füll- federhalterquatsch, der nötig ist, wenn man ein paar Kilometer außer Land will... Wer versteht das Dasein zu genießen? Ich kannte einmal einen, der gebrauchte ummterbrnchen das Wort„smart"—«r war ein großer Geschäftsmann— er schuftete vom frühen Morgen bis in die späte Nacht— er war andauernd smart— er sammelte sich ein großes Vermögen— aber dann wurde er von einem Lastwagen mit Sirupssässern überfahren— gerade als er aus seinem eigenen smarten Rolls Royce ausstieg— ich frage bloß: was hatte er von seinem Leben? Arbeit vielleicht? l Neeh, er hatte keine Zeit, er war zu smart. Die Leute haben die seltsamsten Begriffe. Nehmen wir zum Beispiel den Schulzmann. der den Verkehr regelt— er steht den ganzen Tag da und wird müde... Und wenn man müde ist, kann man keinen Berkehr regeln. Warum kann der gute Mann nicht ebensogut mit einem guten Buch, bei einer Pfeife und einem Grog zu Haus« im Lehn- stuhl sitzen? Der Perkehr geht sowieso, wie er will... solange es Radfahrer gibt. Automobile sind ja eine herrliche Erfindung. Aber es gibt viele Automobilsten, die nicht so besonders sind... Da behauptete einmal einer, er könnte in zwanzig Minuten hundert Kilometer fahren... er hat die Wette verloren— er brauchte drei Wochen... Kranken- hausausenthalt. Aber die Eisenbahnen soll man bloß in Ruhe lassen— die sind bald das einzige aus der guten alten Zeit, was wir haben... Haben Sie bemerkt, daß nie die Züge Verspätung haben— sondern das Personal. � Warum sollen wir itun vierundzwanzig Stunden aus dein Ziffer- blatt haben?... und warum knopfr man«inen Ulster nicht am Rücken? Drin im Büro de» Professors hing, ein Bild— es war ein« Winterlandschast— es stand auch ganz richtig..Winterlandschaft" darunter. Sehen Sie: darüber habe ich viel nachgedacht. Warum stand dos darunter? Damit man nicht glauben soll, daß es ein« Radrenn- bahn war? oder Pola Negn im Reitkostüm?... Das Bild war so deutlich wie eiste Photographie. Und demtoch'ständ-starimter. daß es eine Wkmerlandschaft war. Kann einem so etwas nicht den gesunden Menschenverstand rauben? Naah— die Zeit vergeht— es dämmert, und wenn das Dunkel niederfällt, dann entfalte ich mich... Haben Sie schon so einen Stein gesehen, den ich hier in der Tasche habe?... Wenn man den jemanden an den Kopf knallte!.. Was sagen Sie?... Naah... Auf Wiedersehen! Jaja— Auf Wiedersehen!... «Berechtigts Uebensetzun« ans Ha Dänischen w Ahoi* Nnknkschb Ueriuche mit der fflandSckriH Die experimentelle Graphologie gilt in den angelsächsijchen> schieden heiten besitzt. Die Schreiboersuche wurden mit mehr al» Ländern sür die einzige Handjchrtjtendeutung am wissenichaillicher 10 000 Personen vorgenommen, mit Männern, Frauen und Grundlage. Nur ihren neuen Untersuchungsmelhodcn ist es zu j Kindern verschiedenster Gesellschajtsschtäzlen vieler Nationalitäten, danken, daß das lange Vorurteil gegen Charakterlesen aus der Handschrift jetzt überwunden ist. In Deutschland aber sind die An- sichten über die verschiedenen graphologischen Methoden noch geteilt. und man ist sich über die Bedeutung der Nersuch« mit der-Hand- fchrift noch nicht recht Aar geworden. Auf Grund der Methode von Robert Saudek, der aus diesem Gebiet bahnbrechend gewesen ist, gibt nun C. Harry Brooks bei E. A. Seemann in Leipzig soeben ein„Praktisches Lehrbuch der Graphologie" heraus, das eine ooctrefsliche Einführung in dies« Fragen bietet. Die experimentelle Graphologie unterscheidet sich dadurch von den anderen Schulen, daß sie einen unbedingten Zusammenhang zwischen Charakter und Handschrist nicht ohne weiteres annimmt, sondern zunächst einmal untersucht, welche Faktoren bei der Entstehung miserer persönlichen Handschrist mitspielen. Auf diese Weise hat man erkannt, daß die Handichrist sich nicht mix mit dem Charakter wandelt, sondern auch mit der Fülle der Gesichtseindrücke, die wir im Laus des Lebens empfangen. Bei Verlust des Augenlichtes bleibt die Handschrift merkwürdig konstant! dagegen erliegen wir den Gesichtsemdrücken um so leichter, je stärker unser Beobachrungsvermögen und unser Formengedächlnis ist: das Gedächtnis für Formen kommt um so stärker in unserer Handschrist zum Ausdruck, je entwickelter die Geschicklichkeit unserer Hände ist. Bon diesen Grunderkenntnissen ausgehend, wird untersucht, wie weit der Einfluß, den die bild- mäßigen Eindrücke haben, dem Schreibenden bewußt ist und wie weit, sowie in welchen Fällen Schreibende planmäßig an der Wand- !ung ihrer Handschrift mitarbeiten. Bewußte oder unbewußt« Nach- ahmung. der Wunsch, sich der Umgebung anzupassen, um nicht auf- zufallen, oder der Wunsch, die Aufmerksamkeit aus sich zu lenken. die Eitelkeit, verursaclzen solche Veränderungen des Schriftbildes. Der erste Vertreter der experimentellen Graphologie sst der Deutsche Georg Meyer vor etwa 30 Jahren gewesen: er befahl den Versuch-- Personen, chre Handschrift zu verstellen, wobei es in ihrem Belieben blieb, wie sie es taten: dann wurde ihnen vorgeschrieben, in welcher Mtctvertrag aus 1000 Zahrc. Die ftonzöstsche Regierung hat Weise sie ihre.>)andschr:st zu oerstellcn haften. Meyer ist aber auf mit der irischen einen ungewöhnlichen Mietvertrag abgeschlossen. Dos diesem vorbildlichen Wege nicht konsequent sortgeschriften und hat i Gebäude, das der sranzösischen diplomatischen Vertretung in Dublin lerne psychologischen Folgerungen aus seinen Ergebnissen gezogen, s als Amtssitz dienen soll, wird der französischen Regierum; auf Pia verschiedener Schreibsysteme, mit Rechts- und Linkshändern, mit Weitsichtigen und Kurzsichtigen und mit Menschen, deren Finger- und Armmuskulatur dauernd oder vorübergehend gehemmt war. Man hat Menschen, die im Leben lebhaft gestikulieren, möglichst klein schreiben lassen, und Gelehrten, die gewöhnlich ein« klein« und vereinfachte Handschrift haben, ausgegeben, mit großen lebhaften Bewegungen zu schreiben. Amerikaner mußten die englische Schrift nachahmen, Engländer die amerikanische. Die Handschriften von Soldaten, die im Kriege ihre Hände verloren und mit Fuß oder Mund schreiben lernten, wurden sorgfältig mit ihren früheren Handschriften oerglichen. Ebenso wurden Handschristen von Menschen. die ihr Augenlicht verloren haben, mit ihrer früheren Schrift zu- sammengestellt, die Schriften Sehender tnft solchen, die im Dunkeln oder mit verbundenen Augen hergestellt waren. Es wurden Zeit- lupenaufi, ahmen der Schreibbewegung gemacht und so die Gesetze entdeckt, nach denen sich die Schreibbewegung eines jeden vollzieht. Mit bestimmten Apparaten wurde der Druck gemessen, den wir un- bewußt mit unserem Zeigefinger aus den Federhalter ausübten, und nachgewiesen, daß der rhythmische Druck durchaus individuell und bei jedem Schreibenden verschieden ist. Schließlich wurde durch Versuche festgestellt, welche Schriftbestandteile allen Menschen am meisten aufsallen, welche nur denen, die für Formen besonders empfänglich sind, und welche niemandem. Durch diese Unter- scheidungen war es möglich, ofoseklio zu erkennen, welche Merkmale mehr durch den Charakter und welche mehr durch das Formen- gedächtnis und die Geschicklichkeit der Hände in der Wiedergabe der Erinnerungsbilder bedingt sind. Aus dieser soliden Grundlage ist dann ein System errichtet worden, dessen Einzelheilen in jedem Laboratorium auf sein« Richtigkeit nachgeprüft werden könne» und dessen«Gesamtheit«ine in sich geschlossene Wissenschaft darstellt. Das hoben erst seine Nachfolger getan. Sie haben erkannt, daß nur die ausfälligen Schriftbestandteile gewallt sind, wahrend die unauffälligen willkürlich erzeugt werden, daß unsere Fähigkeit, die Handschrift willkürlich zu beeinflussen, zu Beginn stärker ist und dann erlahnft. Sodann hat man festzestelll, daß bei der Ausdeutung jedes Schriftmerkmals der Schnelligkeit:-' grad zu beachten ist und daß jede Natioualjchrist grundlegend« Der- Dauer von 1000 Jahren zur Miete überlassen. In Irland sind Ab- machungen auf die Dauer von 90 Jahren nicht zulässig. Ilm ine irischen Gesetze nicht zu verletzen, hat die Regierung mit Frankreich einen Vertrag auf eine so lang« Frist abschließen müssen. Asio erst im Jahre 2930 wird der bei der irischen Regierung beglaubigte Diplomat unter Umständen genötigt sein, sich nach neuen Räumlich- keilen umzusehen,' ein immerhin beruhigender Gedanke, Die reinfie£ufi Nach eingehenden Untersuchungen hat man in Amerika festgestellt, daß der Stadtbewohner, der reine Luft atmen will, recht früh oufstchen muß. Für die Untersuchungen, die im meteorologischen Observatorium des New-Torker Zentralparls ausgeführt wurden, wurde ein neuer Apparat verwendet, der die Stadt- luft„einatmet" und ihren Staub- und Rauchgeholt all« fünfzehn Minuten registriert. Dabei zeigte sich, daß in je einer Million Kubik- yards oder 761000 Kubikmetern der New-Vorker Atmosphäre im Durchschnitt 1,33 Pfund Unremlichkeit enthalten sind. Nach dem Bericht, den der Meteorologe David N. Morris über den ersten Dersuchsmonat soeben veröffeiftlicht hat, bewies das Meßinstrument, das am ersten Kanur im Observatorium aufgestellt wurde, daß die Luft in der Stadt um vier Uhr morgens am reinsten und um neun Uhr vormittags am unsaubersten ist: Der als„Owens automatischer Luftfilter" bekannte Apparat, der in England viel sür Wissenschaft- liche Zwecke benutzt wird, sichert am Tage und in der Nacht eine fortlaufende selbständige Registrierung. Luftproben, die um die Mittagszeit eines jeden Tages entnommen und unter Benutzung eines anderen im Observatorium gebrauchten Apparats ein Jahr lang untersucht wurden, zeigten, daß der Staubgehalt der Luft im Januar dieses Jahres größer war als im gleichen Monat des Bor- jahces. Im Januar dieses Jahres waren durchschnittlich 60000 Staubteilchen in je 30 Kubikzentimetern Luft gegen 50 000 im Vorjahr, wobei erwähnt fein mag, daß der Januar im allgemeinen als der schmutzigste Monat des Jahres gilt. Die Berunreinigung der Luft schwankt sehr, nämlich zwischen 0,27 Pfund Schmutz in 761000 Kubikmetern am 11. Januar und 2,7 Pfund am 27. Januar. Morris hat feinem Bericht eine graphische Kart« beigegeben, die über die im Lause eines Tages auftretenden Veränderungen der Luftverunreinigung unterrichtet. Von dem niedrigsten Punkt um vier Uhr morgens, wenn die Luft am reinsten sst, steigt die Kurve gradweise: es ist die Zeit, in der die Heizung in Wohnungen und Büros beginnt. Um neun Uhr vormittags ist der Höhepunkt erreicht. Die Kurve sinkt dann bis zwölf Uhr mittags und steigt erst wieder um drei Uhr, wahrschein- lich, weil dann das Feuer in den Haushaltungen für den Abend in Brand gesetzt wird. Der zweite Höchststand der Kurve wurde um sieben Uhr nachmittags erreicht, dann senkte sich die Kurve ziemlich stetig mit einem leichten Rückschlag zwischen neun und elf Uhr abends. Der Lufftilter atmet alle 15 Minuten zwei Liter Luft«in. Die Luft wird durch«inen schmalen Schlauch eingesogen, der zum Fenster heraushängt. Sie passiert dabei Filtricrpapier, auf dem sie ihren Gehalt an Staub und Rauch in Gestalt eines kleinen runden Flecks von der Größe einer Erbse hinterläßt. 96 dieser Flecke lagern sich so am Rande eines kreisrunden Filtrierpapiers ad. Sie werden mit einer Reihe von 16 Normalschattierungcn oerglichen, deren jede einen bestimmten Prvzentgehalt von Unreinlichkeiten darstellt, wo- von dann der Gehalt an Staub für 761 000 Kubikmeter errechnet wird. fKunflfSlfcher-JInekdoteii Di« vor einiger Zeit aufgedeckten Fälschungen von Bildern und Plastiken verschiedener Künstler sind nicht, wie man vielleicht an- nehmen könnte, eine besonder« Erscheinung unserer Tage: auch früher schon wurde mit solchen raffinierten Fälschungen«in oft recht einträgliches Geschäft gemacht, wie das neueste Heft der Zeitschrift „Dos Kunstblatt" zeigt. Paul Westheim hat unter dem Motto: Achftntg, Folschkunst!" zu zahlreichen Mbildungen von Fälschungen eine Anzahl amüsanter Fälscheranekdoten zusammengetragen, von denen wir einige hier veröffentlichen: In Belgien gab es In den achtziger Jahren einen Maler van Beer, der so beliebt and begehrt war, daß er die Bilder, die. man von ihm haben wollte, allein nicht wehr zu schaffen vermochte So beschäftigte er eine Anzahl Maler, die nach seinen Skizzen Bilder herzustellen hatten, die er dann signierte. War das Opus mal nicht ganz nach seinem Geschmack ausgefallen, so muhte dieses „van Beer" ein anderer da rumer setzen, damit er gegebenenfalls später erklären konnte, das Bild sei unecht. Er nannte das„falsche van Beers fabrizieren". Waagen, der Direktor des Berliner Museums, van dem Waetzoldt sagt, er sei„die erste bedeutende Figur des fachwissen- schaftlich gebildeten und beamteten.Kunstkenners im 19. Jahrhundert" gewesen, schilderte einmal vier Bilder, die er als großartige Leistun- gen Claude Lorrains pries. Worauf sich der wirNiche Maler der Bilder, der noch lebte, meldete, und öffentlich dem Gelehrten für die seinen Werken gezollte Anerkennung dankte. Ein Händler pflegte von seinen echten Bildern originalgrotze. Kopien herstellen zu lassen. Die Kopie wurde auf der Rückseite des Originals in den Rahmen eingespannt. Fand sich ein Käufer. so sagte er dem Mann, er solle eigenhändig seinen Namen auf die Rückseue der Leinewand schreiben, damit er die Gewißheit habe, auch tossächlich das Bild zu bekommen, das ihm so gut gefallen habe. War er dann aus dem Laden, fo wurde das Original aus dem Rahmen herausgenommen und dem Mann die Kopie zu- geschickt, aus deren Rückseite er seinen Nomen geschrieben hatte. Als eines Tages die Prozedur wieder vor sich gehen sollte, meinte der Käufer, der mahl schon von dem Trick gehört hpttc:„Lassen Sie mal. Dos Bild ist ja nicht groß. Ich werde es gleich selbst mit- nehmen." lind freute sich zu Hause, daß er zu seinem Bilde gleich mich noch eine genaue Kopie miterstanden hatte. Zlaidien ans Papier Ma« kennt die papiernen Trinkbecher, die in Bahnhofsrestau. rants� Triickbuden und dergleichen zum Ausschank von Bier, Milch und Selterswasser benutzt werden. Der Gedanke liegt nahe, zu ver- suchen, ob sich das imprägnierte Papier, au? dem diese Becher be- stehen, nicht auch zur Herstellung von Flaschen verwenden läßt, was gegenüber den bisherigen Glasflaschen den Vorteil des billigeren Presscs, des geringeren Gewichts und der verminderten Zerbrechlichkeit bedeuten würde. Die praktische Verfolgung der Idee— die in Amerika bereits feit einiger Zeit durchgefichrt ist— hat gezeigt, daß das in der Tat möglich sst, und so hat die Glasflaschc neu-e- dmgs auch bei uns in der papiernen sogenannten„Leibsahrtflosche" (»ach dem Nomen ihres Erfinders) eine sehr bemerkenswerte Kon- kurrenz bekommen. Die Herstellung der..Leibfahrtflaschen" geschi-ht nach einem besonderen Verfahren aus chemisch neutralem Papier- stoff ohne Verwendung von'Paraffin, und zwar in der Weis« daß erst die Hülle hergestellt wird, in die dann von unten der Baden eingesetzt wird. Der obere Verschluß kann aus verschiedene Wesse bewerkstelligt werden: erstens durch Vreitquetschcn der Floschm- mündung mit nachfolgendem Plombieren: zweitens durch lleber- stülpen eines gleichralls papiernen Trinkbechers und drittens durch Einpressen eines besonderen Verschlußstücks. Der ganz« Fabrikation»- Prozeß erfolgt durch Speziolmafchinen, die bis zu 5000 Flaschen in der Stunde liesern können. Es sst beabsichtigt, die„Leibfohrt- flofchen" vornehmlich zum Milchftanzport zu verwenden, wozu sie sich, abgesehen von ihren oben bereits erwähnten Aorteilen, auch deshalb besonders gut eignen, weil sie im Gegensatz zur Glasflasche kein Licht durchlassen, was auf die Haltbarkeit und Frische der Milch von sehr gunstigem Einfkuß ist,