BERLIN NonnerMg 24. 3u(i 1930 10 Pf. Nr. 342 B 120 42. Jahrgang Lrsch eist t««kich»«ßerSvastas«. m* I** t f£««» e l g e n? r e i«: Die einspaltige N-npareilleteile suglelch Abendausgabe de«»DorwSrtt. Bejuzebcns. Der Herd, die Ursprungsstelle des Erdbebens, wird mit Hypozentrum bezeichnet. D. Red.) des Erdbebens liegt, wird heute früh mit 200 angegeben, 400 Personetz sollen verletzt sein. Auch in dein zum Hauptbcbengcbiet gehörenden Lacedonia sollen mehrere hundert Menschen umgekommen sein. Ein« Anzahl kleiner Dürser ist ebenso wie Melfi fast völlig zerstört. Mit anderen Dörfern konnte überhaupt noch keine Verbindung hergestellt werden. Die Hilfsaktion aus der Hauptstadt, aus Neapel, Potenz a, Foggia, Avcl- l i n o ist in vollem Gang«. Der„Popolo di Roma" berichtet von boo Toten in den Gemeinden Lacedonia, Biscia, Rocchetta und Monleverda und von 100 in den Gemeinden Blontecalvo, Eungoli und Savignano. Im Hinblick auf die schlechten Straßen und das Fehlen von Verkehrsmitteln konnte vielen Einzelsiedlun- gen noch keine Hilfe gebracht werden. Einen trostlosen Ein- druck machte Ariano. Zwei Kirchen und die Karabineri-Kaserne sind völlig dem Erdboden gleichgemacht worden. Von den meisten Häusern stehen nur noch die S« i t e n ma u« r n. Unter den Trümmern der eingestürzten Hüuscr sind ganze Familien begraben. In Cascrta sind viele Häuser, darunter mehrer« öffentliche Gebäude, schwerbeschädigt. In Salermo ist der O b e r t e i l des Doms samt dem Gesims eingestürzt, wobei eine Person ihr Leben einbüßte. In Rionero sind mehrere Kinder eines Waisenhauses beim Einsturz des Gebäudes verwundet worden. Ein« Frau wurde tot ausgefunden. Sie hatte mit ihrem Körper eines ihrer drei Kinder, die ebenfalls ums Leben kamen, zu schützen ver- sucht. In Melfi, der am schwer st en betroffenen Stadt. sind unzählige Häuser eingestürzt. Die Zahl der nicht mehr bewohnbaren Gebäude ist noch größer. Das historische Kastell Friedrichs des Zweiten ist zum größten Teil zerstört und dem Bahn- Hofsgebäude droht der Einsturz. In Rionero und in Ripacandida droht di« Pfarrkirche«inzustürzen. Zwischen Monte Talvo und Eristina in der Provinz Foggia ist der Eisenbahnverkehr unterbrochen. Die �eitungsattionen. Die Rcttungsarbeitcn im Erdbebengebiet werden jetzt unterstützt durch Flugzeug«, die vor allem über das Schicksal (Fortsetzung aus der 2, Skite.) Dietrich gegen Brüning. Und gegen den Aufruf, den er selbst unterschrieb. Der Aufruf der Reichsregierung, der auf das Konto des Reichs- lanzlers Dr. Brüning zu setzen ist, enthält die unwahre Behauptung: „Der Reichstag hat di« Mittel verweigert, deren das Reich zur Durchführung seiner Ausgaben bedarf." Damit sollte der Sozial- demokratic der Vorwurf gemacht werden, sie sei nicht bereit gewesen, dem Reiche die nötigen Mittel zu bewilligen. Wir haben diesen Borwurf bereits unmittelbar nacfj der Veröffentlichung des Aufrufs der Reichsregierung zurückgewieseU. Jetzt wird unsere Auffassung durch den Rcichsfinanzminister Dietrich bestätigt. Nach dem Bericht der„Vossischen Zeitung" hat Dietrich in der Wahlversammlung der Demokraten gesagt: „Es ist aber festzustellen, daß alle verantwortungsbewußten Parteien im Reichstag, auch die Sozialdemokraten, an sich bereit waren, neue Mittel zu bewilligen zur Abdeckung des Defizits, und daß sie sich nur über das„Wie" nicht verständigen konnten." Dietrichs Behauptung ist zutreffend. Damit widerlegt er aber zugleich die Unwahrheiten des Wahlaufrufs der Reichsregierung, den er selbst mitunterzeichnct hat. Brüning sucht Scharfmacher. Ein neuer Neichspressechef soll den Wahlseldzuz leiten. Die Herren Brüning und T r e o i r a n u s, die führenden Männer in der gegenwärtigen Reichsregierung, sind entschlosien, den gesamten amtlichen Apparat des Reiches zu einem verzweifelten Propa- gandafcldzug gegen die Sozialdemokratie zu benutzen. Sit wissen, daß sie politisch tote Männer sind, wenn die jetzige Regierungskoalition bei der Wahl keine Mehrheit erhält. Das Reichskabinett wird in seinen nächsten Sitzungen über den Feldzugsplan beraten, den Brüning und Treviranus vorbereitet haben. In diesem Plan spielt der Reichspressechef eine wichtige Rolle. Der Reichskanzler Brüning hat deshalb einen Wechsel auf diesem Posten ins Auge gefaßt. Der bisherige Reichspressechef Z e ch l i n soll gehen, an seine Stelle soll Herr Dr. Fritz Klein, bis jetzt Chefredakteur der „Deutschen Allgemeinen Zeitung", treten. Von amtlicher Stelle wird diese Absicht zwar entschieden bestritten— auf wie lange, ist eine andere Frage. Herr Dr. Klein ist ein Freund von Treviranus, er'ist einer der unentwegtesten Vertreter der- scharfmacherischen Richtung im deutschen Unternehmertum. Unter seiner Lei- tung war die„Deutsche Allgemeine Zeitung" verschiedenen Richtungen des Unternehmertums dienstbar, ihre Suboentio- nieruilg durch die Deutsche Reichsbahngesellschaft ist bekannt. Während der Regierungszeit Brünings hat Herr Klein, der in seiner Zeitung grundsätzlich mit dem italienischen Faschis- mus sympathisiert, die Regierung systematisch zur Ausschal- tung des Parlmnents und zum Bürgerblockkurs im Geiste der Scharfmacher animiert. Der Schuß ins Schwarze. Die agrarische„Deutsche Tageszeitung" beschäftigt sich mit dem Aufruf der„Konservativen V.olkspartei" Westarp-Treviramis und sagt dazu: „Wir haben wiederholt betonh und wir unterstreichen es heute noch einmal, daß es notwendig ist, dieser inneren Kesinnungsocrlegenl, eit auch nach außen hin Ausdruck zu geben, dafür»och organisatorischen Formen zu suchen." Das Wort von der„Gesinnungsvcrlegenheit" ist so schön, daß sie„e s s o l l c n l a s s e n st a h n", um mit Martin Luther zu reden. Es trifft wirklich ins Schwarze. Sammlung ohne Hindenburg. Der Reichspräsident läßt offiziell mitteilen, daß er gar nicht daran denke, die Parteiführer zu sich zu berufen oder über- Haupt in irgendeiner Weise in den Wahlkavrpf erntzugreifen. Oie Erdbebenkatastrophe. (Fortsetzung von der I.Seite.) l-.IIciiiste>>«>ider Gebäude im Gebirg« Auskunft g«b«n. Mehrere Iiundert Einwohner haben auch in der vergangenen Nacht in Neapel im Freien übernachtet. Große Autokolonnen fuhren auf das Land hinaus, deren Besitzer die Nacht ebenfalls im Freien verbrachten. Aus allen größeren Verkehrspunkten find Hitfszüge für die von dein Unglück betroffene Bevölkerung abgegangen. Decken, Kleider, Wasser, Medikamente und Instrumente aller Art, Aerzte und Sanitätspersonal sind mit Bahn und Auto in die am meisten heimgesuchten Gemeinden entsandt morden. i Aus dem Hauptbebengebiet werden Schreckens- szenen berichtet. Nach diesen Meldungen trat das Beben von Anfang an sv stark auf, daß in unzähligen Fällen«ine Flucht und ein Entkommen der schlastrunkencn Bewohner auch aus den kleinen Häusern gar nicht möglich. Eine Frau war mühsam lebend aus den Triitnmermossen befreit worden. Bevor sie jedoch weggetragen werden konnte, trat plötzlich ein Nachbeben ein, ein Quader- block kam ins Rollen und zerschlug der Frau de» Schädel. Auch unter dem R« t t u n g s p e r s o n a l, das unter Einsetzung des Lebens sich um die Verunglückten bemüht, sind bereits Opfer zu verzeichnen. Die im Hauptbebengebiet fast völlig zerstörten Gemeinden bieten einen trostlosen, erschütternden Anblick. Auch der Schaden an den Kirchen ist sehr groß. Eine beträchtliche Anzahl von Kirchen ist in Stein- und Schutthaufen verwandelt. In einzelnen Gemeinden, wie Aquilonia und V i l l a n o v a, in denen kein Haus mehr bewohnbar ist, gibt es keine einzige Familie, die nicht mindestens eines ihrer Mitglieder imter den Toten zu beklagen hat. Die Suche nach den Toien von Koblenz. Verluste bei einer Dresdener DReisegesellschast. Koblenz. 24. Zuli. Die Strom bauvcrwallung hatte am Mittwoch vormittag einer Spezialsirma für Schissshcbe-, Taucher, und Spreng- arbeiien in Köln Taucher für die weitere Suche nach verunglückten angefordert. Ein Taucher ging daraufhin am Nachmittag in dem Eingang zum Sicherheilshafen von der Unfallstelle aus eine Strecke von etwa 70 Meter hoseneinwärts ab. Gegen S Uhr konnte der Taucher das Z6. Todesopfer der Katastrophe aus dem Wasser bergen. Es handelt sich um ein etwa 16 Z a h r e altes Mädchen, dessen Person noch nicht einwandfrei festgestellt werden konnte. Da mit Sicherheit angenommen wird, daß in dem schlammigen Grund noch mehr Leichen stecken, werden die Taucherorbeilen fortgesetzt. Am Mittwoch abend hat die Leitung einer Dresdener Reisegefellschast, die sich in Koblenz aus- häll, mitgeteilt, daß zwei Personen der Gesellschaft seit Dienstag abend vermißt werden. Die ltnglücksbrücke war nicht gesperrt. Eine Berliner Zeitung wußte aus Koblenz zu melden, daß der eingestürzte Steg zur Zeit der Katastrophe durch eine Kette abgesperrt und außerdem durch«in Schild das B e» trcte-n-des Steges verboten gewesen sei. Wie de? TU. von Koblenzer unterrichteter Seite mitgeteilt wird, ist dies« Meldung .nicht richtig. Der eingestürzte Steg befand sich auf dem Ge» l ä n d e des Wasserbauamtes. Die Erlaubnis zum Be- treten und zur Benutzung des Steges leitete sich aus der ständigen Gewohnheit her. Das Betreten war nicht ausdrücklich durch Warnung»- oder Verbotstafeln untersagt. Der Steg wurde täglich von Arbeitern einer Schiffsreparaturwerft auf dem Weg« zur und von der Arbeit und von Badegästen und Spazier- gänger» benutzt. Oesterreich und Deutschland in Trauer verbunden. Wien, 24. Juli. Die furchtbare Katastrophe in Koblenz, niit der die Befreiungs- feicr am Dienstag ihren tragischen Abschluß fand, erweckt hier allenthalben ungemeines Mitgefühl, der die Blätter in lief empfundenen Worten Ausdruck geben. So schreibt die„Neue Freie Presse": Ucberall wo Deutsche wohnen, empfindet man aufrichtige Teilnahme und inniges Mitgefühl an dem Unglück, das sich in Koblenz ereignete. Wir in Oesterreich haben gestern durch die Vermittlung des Radio sozusagen unmittelbar nicht bloß seelisch an den Freudenstunden am Deutschen Eck teilgenommen. Wir fühlen uns auch im Leid auss eng st« mit dem Rhein- l a n d verbunden. Im„Neuen Wiener Abendblatt" heißt es: Wir fühlen mit dem deutschen Volke seinen Schmerz und seine Trauer. Mitten in der Jubelfeier griff das Schicksal mit grausamer Hand«in und über 40 Menschen fanden den Tod. Das ganze deutsche Volk im Reich wie in Oesterreich wird ihr Andenken in Ehren halten. Die„Wiener Allgemeine Zeitung" sagt: Auch Wien trauert mit. Gestern ließen uns die Radiowellen Zeugen der erhebenden Feier. eines glücklichen Volkes am Rhein sein. Heute lesen wir schaudernd die Depeschen, die von dem Katastrophen- abschluß eines durch lange, bange Jahre er- sehnten Freudentages berichten. Tiefstes menschliches Mit- gefühl schwingt sich von der Donau zum Rhein. Ein grimmer Sparerlaß. Der französische Kriegsminister als sparsamer Hausvater. Paris, 24. Juli.(Eigenbericht.) Der Kriegsminister Maginot scheint plötzlich von dem Ehrge-., besessen zu sein, den Steuerzahlern zu beweisen, daß er trotz seiner Milliardcnausgaben für seine Rüstungen doch«in sparsamer Hausvater zu sein versteht. Er hat einen donnernden Erlaß an alle Regimenter und Intendanturen gerichtet, in dem er in«cht inili- tärifcbcm Ton gegen jede Verschwendung und grobe Mißhandlung des Materials zu Felde zieht. Zunächst bemängelt er den übermäßigen Verbrauch an Papier und Tinte sowie die Verschwendung an elektrischem Licht. Vor allem aber scheint ihn, der Mißbrauch der Eimer zu mißfallen, die den Unteroffizieren und Ossizieren -,ur Verfügung stehen. Diese Eimer, so erklärt Maginot, hielten die ihnen angetane Behandlung nicht aus. Sie würden anscheinend nur mit Fußtritten behandelt. Außerdem benutz« man sie dazu, aus offenem Feuer Waschwosser zu wärmen. Dazu seien sie aber nicht bestimmt. Es sei aufs sorgfältigste darüber zu wachen, daß künstig der Emailleüberzug dieser Eimer weder durch Fußtritte verletzt noch durch übermäßiges Erhitzen geschwärzt werde. Die Regiments- Commandeure werden für die strikte Inncl>altung des Erlasses ver- ontwortlich gemacht. � Äs«'Unglück % ron Moblenm .In der llnglüdtsjlelle in [Köhlens fiichl man noch nach den noch nicht geborgenen Opfern de* älrücken- einfiurstes. Sie[Ureuse be- zeichnen die Vager, ron denen die leichte[ßrüche abglitt possenspiel um die Klagemauer. Gespenster aus dem Mittelalter.— Oer Groß-Musti von polen. Zernfalem, im Juli.(Eigenbericht.) Die Verhandlungen vor der Untersuchungskommission des Völkerbundes über den Klagemauerstreit sind ebenso bedeutungslos wie unerfreulich. Obwohl der Streit um das Recht auf gottesdienst- liche Handlungen an den Resten des Salomonischen Tempels seitens der Juden vor beinahe Jahresftfft den Anlaß zu dem blusig.-n Bürgerkrieg in Palästina gegeben hat, kräht heut« weder bei der Mehrzahl der Araber noch der Juden ein Hahn nach der Angelegen- heit. Der Fall ist zum Anlaß für eine Disputation von Kutten- trägern aller Konfessionen und Rassen geworden. Der Sache der Religion, die im Orient immer noch höher im Kurs steht als im Abendlandc, ist dieser Streit uin spitzfindig zu welt- erschütternden Fragen ausgebauschten theologischen Baga- teilen nichts weniger als nützlich. Zlller Aufwand von juristischem und geistlichem Pathos vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, daß sich der Kamps nicht um Gegenstände des wirklichen Lebens, sondern um bereits gespenstisch gewordene Fiktionen aus Urvaters Zeiten handelt. Das Ausgebot der Sachverständigen aus beiden Lagern ist ebenfalls nichts anderes als ein Possenspiel. Täglich tauchen die un- möglichsten Persönlichkeiten mit Mandaten auf, die sie sich selbst ver- liehen oder von bisher gänzlich unbekannten Organisasionen er- halten haben. Bei den Juden ist ein Heerbann von Rabbis zur Stelle, die mit den kühnsten theologischen Theorien operieren. Einer von ihnen hält die Verwendung von mosaischen Gesetzbüchern bei den Gottesdiensten an der Klagemauer sür eine Gottes- lästeru ng in der höchsten Potenz." Andere FachleM iiuf dem Gebiet der jüdischen Gottesgelehrtheit vertreten wieder mit der gleichen Entschiedenheit die völlig entgegengesetzte Anschauung. Groß ist hier zurzeit vor allem der Auftrieb an Delegationen aus allen Ländern der islamischen Weit. Es sind nicht nur Vertreter der Mohammedaner aus Palästina und seinen Nach- barländern erschienen, auch aus Indien, Persien, Marokko und aus europäischen Ländern sind Gläubige herbeigeeilt, um sür die heilige Sache zu zeugen. Bei näherer Befragung solcher Vertreter kommt es mitunter zu belustigenden Ergebnissen. Ein Abgesandter Persiens muß zugeben, daß er Persien noch nie im Leben gesehen hat. Die persische Regierung ist nämlich so vernünftig gewesen, die Ausreise einer Deputation noch Jerusalem zu verbieten, da sie im Prinzip gegen die Geldausfuhr für religiöse Zwecke ist, die sie für«ine ökonomisch unproduktive Angelegenl)«'« hält. Sogar die Existenz eines Groß-Musli von polen läßt sich bei dieser Gelegenheit feststellen und man erfährt hierbei, daß Polen einen Großwürdenträger der mohammedanischen Kirche für das Seelenheil zahlreicher in der Umgegend von Wilna lebender Anhänger des Propheten benötigt. Von dem Austreten Seiner Eminenz, des Doktor Jakob Schwinkowitz, hatten beide Teile Großes erwartet. Die Juden glaubten, daß er einen annehmbaren Vermittlungsoorschlag machen würde, während die Mohammedaner annahmen, daß eine Autorität mit europäischer Bildung und Kultur einen besonderen Eindruck auf die europäischen Richter hinterlassen würde. Weder die einen noch die anderen sind aus ihre Rechnung gekommen. Doktor Schwinkowitz hat sich mit einer nichtssagenden Erklärung begnügt, daß Zeitmangel ihn daran hindere, zugunsten eines jlldifch-arabischen Ausgleichs zu wirken und er verschwand nach einer kurzen Gastrolle von der Bildsläche, nicht ohne sein Mandat an einen wegen seines Fanasismus bekannten ägyptischen Scheich ob- gegeben zu haben. Auf welchem Niveau de Ton steht, in dem beide Parteien miteinander verkehren, mag ein Zwiegespräch zwischen dem arabischen Anwalt und einem jüdischen Zeugen illustrieren. Der arabische Advokat, Auni Abd cl Hadi, der in den Pausen des Kampfes um die heilige Sache des Islam»och Zeit findet, den Rechtsvertreter bei Grund st ücksgeschäften mit den Juden zu spielen, nennt den jüdische» Gelehrten Dr. Brawe? einen Lügner. Di« Kommission, die ihre Sache mit großem Inter- esse und vielleicht etwas zu großer Rücksicht auf den beiderseitigen Zelotismus führt, übersieht diesen Affront anscheinend geflissentlich, um keine Szenen zu provozieren. Dr. Brawer nimmt darauf für sich das Recht der Selbstverteidigung in AnspsAich und wirst seinem Gegner an den Kopf, daß ihn\..'V ein Levantiner nicht beleidigen könne. Ein Riesenauswand von Geld und Arbeit wird zwecklos an eine Nichtigkeit vertan. Das einzig Erfreuliche an dem unerquicklichen Schauspiel bleibt die Tatsache, daß sich der Völkerbund dazu ent- schlössen hat, endlich ein selbständiges Urteil über eine um- stritten« Angelegenheit des Mandatslandes einzuholen. Leider hat er bei der geringsten der vielen Sorgen Palästinas den Anfang gemacht. Hoffentlich wird er recht bald dazu übergehen, sich auch ein- mal um wichsigere Fragen wie die der Reform der palästinensischen Verwaltung, die Siedlungs- und die Reform der palästinensischen Agrarverhältnisse zu bekümmen, von denen die Existenz der lebenden und die Zukunft kommender Generationen in ganz anderem Maße abhängt, als von Steintrümmern, die für die Mehr- heit der Menschen bestenfalls ansiquarischen Wert besitzen. Vergeßliches primanerchen. Auch ein Retter Deutschlands im Röntgental-Prozeß. Der Faschislengruh scheint sich während des Rönlgentaler Prozesses im Gerichtssaal immer mehr einzubürgern. Vis jetzt jlogen die Faschistengrüße nur nach Schluß der Verhandlung zwischen Angeklagten und Zuhörerraum hin und her. heute begrüßte schon ein Zeuge beim Eintritt in den Gerichtssaal die Angeklagten in der üblichen Mussolinischen Weise. Zwar rügte das, vom Staatsanwalt aufmerksam gemacht, der Vorsitzende, doch dürste es wenig nutzen. Man hak nicht den Eindruck, als wären die Angeklagten und ihre Gesinnungsgenossen sich des Ernstes der Situation bewußt. Eingeleitet wurde die heutige Verhandlung durch die Aus- sagen des Unterprimaners M i n k e w i t s ch, der als Schüler einer höheren Lehranstalt«in erstaunlich geringes geistiges Niveau zeigte. Er hat nichts gemerkt, kann sich auf nichts besinnen und hat von den?, was er gehört, absolut nichts aufgefaßt. So u. a. auch nicht, daß im Lokal Edelweiß ron Verstärkungen und von Drohungen gegen das Reichsbanner gesprochen worden ist. Der Vorsitzende redet ihm ins Gewissen: Sie sind doch Unterprimaner, sind imstande, logisch zu denken. Zunge Leute in Zhrem Aller fassen im allgemeinen gut aus. Es ist sehr auffallend, daß Sie nichts wisse». Verschweigen Sie etwas? Der Zeuge war an dem Abend Gast bei den National- sozialiste». Er will sortgegangen sein, ohne sich von jemand ver- abschiedet zu haben, will auch nicht bemerkt hoben, wohin sich die anderen begaben. Der Vorsitzende wundert sich Sie kommen hin zu Leuten, bei denen Sie als Gast eingeladen sind. Ich nehme an, daß Sie als gebildeter junger Mensch sich beini Fortgehen vom Gastgeber verabschiede». Der Zeuge bleibt dabei, c» nicht getan zu hoben. Ob so viel Verlogenheit aus der Ruhe gebracht, wendet sich der Vorsitzende mit großer Schärfe an den Zeugen: Hat jemand aus Sic eingewirkt, hier etwas anderes zu jagen, als was richtig ist? Auch diese Antwort geht auf Ihren Eid. Sie sind ein junger Mensch und Sie besuchen die höhere Schule, machen Sie sich nicht unglücklich. Der Zeuge: Auf mich hat niemand«ingewirkt. Als ihm dann seine Aussagen bei der Polizei und beim Unter- suchungsrichter vorgehalten werden, wo er viel mehr gewußt hatte, erklärte er, er habe nur zu allem Ja u n d?l m e n gejagt. Damals habe er aber bekundet, daß er nicht mitgegangen sei, da er ron den bevorstehenden Schlägereien gehör: habe: es fei ihm so ge- wesen, als würde etwas passieren. Er sei zurückgeblieben, obgleich Pankrath gesagt habe, er soll« mitkommen. Pankrath habe auch die Trupps nach verschiedenen Richtungen geschickt und schließlich sei auch gesagt worden, ob man warm angezogen sei. Der nächste Zeuge ist der Steinmetzlehrling Z! o n s k i. Er war es, der die Angeklagten mit dem Faschistengruß begrüßte. Im übrigen macht er im Vergleich zu den anderen Zeugen den besten Eindruck. Zwischen seinen jetzigen Aussagen und denen in der Voruntersuchung bestehen auch nicht allzu viel Widersprüche. Er erzählt, wie im Lokal Edelweiß köppner die Anwesenden gefragt habe, wer sich an einer Rauferei mit den Reichsbannerleuten beteiligen wolle. wie Bedenken geäußert worden seien, daß die NS.-Leute zu schwach seien und deshalb beschlossen worden sei, Verstärkung zu holen. Der Zeuge Wildis soll sein« Frau nach Hause geschickt haben mit den Worten:„Ich weiß nicht, wie es heut« noch kommt." Und so weiter. Kein angenehmer Zeuge sür die Angeklagten, dieser Zionski. Wieder ein Lübecker Säugling gestorben Das 62. Todesopfer. Lübeck, 24. Juli. Nachdem in d«n letzten vier Tagen ein Stillstand in der Krankhcits- und St«rblichkcitszisf«r bei den mit dem Tuberkulose- Präparat gefiitterten Säuglingen«ingetreten war, hat sich gestern wieder ein Todesfall ereignet. Die Zahl der Todesopfer beträgt nunmehr 62. Krank sind 57, gebessert 73, gesund bzw. in ärzsiicher Beobachtung 59 Säuglinge. Brünner Rotfaltenbesuch beim»Vorwärts�. Di« jungen Falken der Kinderjreunde aus Brünn, unsere Freunde c-w i t-vr« ich, erfreuten uns durch ihren Besuch und ein schmetterndes Konzert, das den galten Betrieb an die Fenster lockte. Di« Brünner Jungens und Mädels waren auf einer Durchreise zur Kinderropublik. Bielen Dank und Freundschaft! Reichswehrkrieg gegen Kinder. Wegen Gesanges der Internationale bei einer Trauerfeier. Von der Geschäftsstelle der Reichsorbeitsgemeinschost der Kinderfreunde wird uns geschrieben: Die Reichsarbeitsgemeinschaft der Kindersreunde errichtete in dem freistehenden Militärbarackenlager„M u n st e r Lage r" eine Erholungsstätte für rund 4t)l> 6- bis llljährige Arbeiterkinder aus Berlin, Braunschweig und Kiel. Die Berliner Kinder sollte» vier Wochen, die Braunschwe«ger und Kieler Kinder 14 Tage dort ver- bringen. Im Lause der zweiten Woche wurde von den Kindern und Helfern eine Trauerseier für die Bergarbeiteropser in Schlesien abgehalten, in deren Verlauf u. a. der erste Vers der„3 n- t c r n a t i o n a l e" gesungen wurde. Die Militärbehörde nahm das Singen der.Internationale" zum Anlaß, von der Lagerleitung die Räumung des Lagers binnen drei Tagen zu fordern. WO Arbeiter- kinder find durch diese Forderung um 14 Tage ihrer Ferien ge- bracht worden. Die Grönlandexpediiion bei der Arbeit. Mit EiSaxt und Dynamit über Gletscher. Am 1. April d. I. ist. wie erinnerlich sein dürfte, unter Leitung des Geographen der Universität Greez Professor Dr. Alfred W e g e n e r und unter Förderung der Zlolgemeinschast der deutschen Wissenschast eine Expedition von 14 wissenschaftlichen Teilnehmern zur Erforschung Grönlands von Kopenhagen ausgebrochen, während die 15 Forscher sich nach West- Grönland begaben, folgten ihnen am b. Juni drei weitere Teilnehmer nach Ost-Grünland. Eine soeben von Professor wegener eingegangene Nachricht gibt Sunde von dem Fortgang der interessanten Expedition. Grönland ist schon viermal, und zwar von Nansen, Peary, Quervain und Prof. Wegener, dem Leiter der jetzigen großen deut> scheu Grönlandexpedition, im Sommer überquert worden. Aber Der große Gabbo Bauchredner Scholz:„Wem gilt unser Kampf?" Oer kleine Gabbo:„Dem Marxismus!" noch niemals hat sich«in Mensch im Winter ins Innere der unendlichen Eiswüst«, die eine Fläch« 3� mal so groß wie Deutschland bedeckt, gewagt. Unter der Leitung von Dr. G e o r g i, Hamburg, ist nunmehr ein« Gruppe der Expedition aufgebrochen, um ein« Zentralstation mitten auf der grönländischen Eiskappe zu errichten. kamarujuk(Nordwest�Srönland. via Godhaonradio), 8. Juli. nnd Copy- right 1930 für die Vereinigten Staaten by„New York Times New York.— Nachdruck, auch auszugsweise, verboten!) Am 6. Mai war die Expeditio» nur 30 Kilometer von ihrem Bestimmungsort, dem Kamarujuk- Gletscher in Nord- Grönland entfernt und durch undurchdringliches Eis aufgehalten worden. Sechs Wochen banger und ungeduldiger Wortezeit ver- gingen, bevor sich die Eisdecke löste. Wir mußten fürchten, daß die Arbeiten der Expedition infolge der Kürz« des grönländischen Sommers später nicht mehr bewältigt werden könnten. A m 2 2. Juni brach das Eis und das ganze Gepäck konnte in anstrengender Arbeit zum Gletscher gebracht werden. Seitdem sind die Transporte auf allen Abschnitten des Kamarujuk-Glelschers bis zur Nuuatag-Scheidegg im vollen Gange. Im Gletscherbruch mußten wir den Weg mit Eisäxten und 50 Dynamit- sprengungen bahnen. Zwecks verstärkter Abschmelzung wurde Kohlenstaub gestreut. Unsere isländischen Ponys bewähren sich auf dem Gletscher ganz vorzüglich. Statt der geplanten 1000 Kilogramni können täglich 1600 Kilogramm Gepäck transpor- tiert werden. Den schweren Propellerschlitten konnten wir im Gletscher bereits bis auf 400 Meter Höhe schaffen. Die Vor- bereitungen zur Hundeschlittenreise ins Innere Grönlands, wo die zentrale Firnstation errichtet werden wird, sind in Angriff genommen. Es werden 13 Schlitten mit 100 Hunden ausgerüstet. Prof. Wexener. kamarujuk(Nordwest-Grönland, via Godhaonradio), 15. Juli. Heute geht erster H u n de s ch ki t te nt r a n s p o r t zur Mitte Grönlands ab zwecks Anlage eines Winterhauses für 3 Mann in 300« Meter Höhe. Startpunkt schon 25 Kilonieter östlich Nunatak- scheidegg. dem höchsten Punkt des Komarujutgletschers, in 1500 Meter Höh«. Teilnehmer sind Dr.- Georg i, Dr. Löewe. Dr. Weiten und 9 Grönländer mit 12 Schlitten und 94 Hunden. Geplant ist. daß Loewe mit 6 Grönländern bei 200 Kilometer nach Anlegung eines Depots zwecks Wiederholung der Fahrt umkehrt. Georgi, Weiten und 3 Grönländer setzen die Reise bis 300, höchstens 400 Kilometer fort, wo Georgi zwecks Beobachtungen Winter über verbleibt. Propellerschlitten wurde über schlimmste Stelle mit Winde bis 500 Meter Höhe gebracht; er ist voraussichtlich in drei Wochen fahrbereit. Wegener. Freiherren, Neger, Bäckerjungen. Von Kurt Rudolf Neubert. Die Ringkampsbude aus dem Rummelplatz Schöneberg ist Abend sür Abend bis auf den letzten Platz gefüllt. Schon von weitem schrillt durch das Gewimmer der Leierkästen die heisere Stimm« des Ansagers ins Ohr, und auf dem Podium vor dem Zelt stehen die starken, halbnackten„berühmten" Ringer. Keine Menageric kann seltsamere Exemplare aufweisen als diese Ringer- bude. Man hat hier einen sozialen Ausschnitt von ergiebigen Tiefen. Die Zuschauer— kleinbürgerliche Romantiker, phlegmatische Bildungsunfähige, frühreife Kinder, Dahinlebende... Eintritt zwanzig Pfennige. Dauerkarte ein« Mark. Das Programm—„Sic haben Glück gehabt, mein Herr, heute abend sind lauter Kanonen da, aber auch sonst ist es nie lang- weilig." Man lacht sehr oft in der Ringerbude, man zischt auch und pfeift. Man hat seine Liebling« und ist im übrigen ziemlich gerecht. Nur langweilig darf es nicht werden und dos ist die ewige Sorg« der Veranstalter, die alles mögliche tun, um sie zu bannen. Vor dem Zelt brüllt man die Attraktionen aus, die Ringer werden vorgestellt, sie stehen muskelbepackt und von den Leuten begafft in malerischer Gruppe, beginnen untereinander klein« Streitereien, um die Leute anzulocken und viele glauben an den Ernst dieser lebhast über die besonder« Kampfstärke eines Ringers gesührt« Debatte.„Diesmal", ruft ein unterlegener Ringer zum Publikum,„diesmal werde ich ihm zeigen, was'ne Harke is." Heut« hat man große Attraktionen. Einen Freiherrn, einen Neger als Ringer und«inen achtzehnjährigen Backerjungen als Boxer, der bisher alle leichten und schweren Leute der Trupp« Ic. o. geschlagen hat. Einen Freiherrn? Einen richtigen Freiherrn? Donnerwetter. Man reckt den Hals und da vorn oerbeugt sich«in starker Mann mit einem nicht unangenehmen Embonpoint.„Freiherr von Sy- dow. Eine bekannte Erscheinung auf allen Ringplätzen Europas. Früher Küraffieroberleutnant." Immer nach dem Ansager. Hat man jemals von Grafen gehört, die in Ringkampfbuden landeten? Man weiß von Schuhputzern, Kellnern, Portiers, ober Ringkämpfer? Für zwanzig Pfennige leistet man sich den Genuß, den„Sprüh- ling einer edlen Grafenfamilie" sein Brot im Schweiße seines An- gesichis oerdienen zu sehen. Abgearbeitete Frauen, die hier neben ihren Männern sitzen, sehen im Geist«ine Krone über dem Kops des Freiherrn. Courths- Mahler-Geist wandelt hörbar durch diese Sitzrechen..Hau' den Grafen, Stegemann", ruft jemand aus der Meng« dem Ringer oben zu, und die Bude erzittert vor dem Lachen der Hundert. Was würden wohl, so denkt man beim Kamps, die hocher- lauchten Ahnen dieses sagenhaften Frecheren zu dem Doppelnelson sogen, den er soeben bei seinem Gegner ansetzt? Man sieht würdig« Gräfinnen in Ohnmacht fallen und weißhaarige Minister, Gene- räl«, Diplomaten die Hände ringen, nur ein paar Raubritter in der langen Ahnenreihe schlagen ein dröhnendes Gelächter an. Der Kampf wird nach zwei Minuten unentschieden abgebrochen. Man darf nicht so mit sreiherrlichen Attraktionen herumwerfen. Der Abend ist noch lang. Die nächste Vorstellung soll die Entscheidung bringen. Jetzt klettert ein Neger durch die Seil«. Das Programm ist gut. Das Publikunz zeigt sich interessiert und gutgelaunt. Ein Graf, lind jetzt ein Neger. Was will man mehr? Vielleicht war der Graf kein Graf, aber der Neger ist bestimmt echt, das sieht man.„Er grinst. Huch!" seufzt ein Mädchen und rückt näher zu ihrem Freunde. Gegen den schlanken, sehnigen Neger kämpft laut Ansager„der schwerste Mann der Truppe", ein ungefüges Quadrat von Fleisch und Knochen, das von einer Glatze gekrönt wird, auf der noch die Schweißtropfen des letzten Kampfes perlen. Er hat keine Sympathien im Publikum.„Huhuuu" wird er begrüßt. Sein Bauch wackelt. Seine Beine sind wie Elcfantenglieder. Er geht mit zcr- malmender Wucht den Gegner an, ober der, Afrikas Hoffnung, niacht mit Europas Schwergewicht was er will: Kopszug, Unter- griff, Europa dampft immer wütender, aber der Untergang des Abendlandes scheint sür diesen Kampf wenigstens beschlossene Sache zu sein. Aus dem dicken Bauch des besiegten Ringers setzt der Schwarze triumphierend seinen Fuß, und da es unsagbar komisch aussieht, lachen die Leute.„Huuuuh!" brüllt die Menge, als sich der schwere Ringer erhebt.„Huuuuh." Sein Gesicht drückt eine fassungslose Blödheit aus, die Mitleid verdient. Der letzte Kampf dieser Vorstellung— ein Boxkampf. Abwechslung muß sein. Ein schlanker, schmaler, schneller Junge von achtzehn Iahren mit langen Hosen und Konditormütze steht in der einen Ringeck«, in der anderen knüpft der Schiedsrichter dem Boxer der Truppe die Fausthandschuhe zu. Der Konditor wird noch«in- mal unter lebhaftem Applaus vorgestellt als„dreimaliger Bundes- meister der Amateure", der bisher im Laufe des heutigen Abends alle Gegner l<. o. geschlagen hat. Ein Sportsfreund, wie der Ring- richter weiter verkündet, hat für den Sieger dieses Kampfes drei Mark gespendet.„Vielleicht noch jemand?" fragt er freundlich. Fünfzig Pfennig werden in den Ring gereicht. Dann noch eine Mark. lind noch eine.„Donnerwetter!" sagt ein Junge.„5,60 Mark für den Sieger. Ring frei gur ersten Runde." Der Schiedsrichter pfeift. Nachher, als der schmale, schnelle Konditor, wie erwartet, seinen Gegner wieder lc. o. geschlagen hat, man wundert sich, wie er das fertig bringt, ist man ebenso überrascht, als der Schieds- richter noch.ein paar Wort« an die Zuschauer richtet.„Meine Herrschaften", sagt er,„Sie wissen, wie schwer es heute ist. Der Konditor, der sich- hier zum Kampf gemeldet hat und all« ic. o. schlug, muß nachts mit seinen Salzstangen durch die Straßen tippeln. Wenn Sie etwas für den Sport übrig haben, so kaufen Sie ihm jetzt bitte jeder«ine Salzstange ab." Welche Menagerie. Ringer, Boxer, Zuschauer. Freiherren, Neger, Bäckerjungen. Abend sür Abend. Vorstellung zwanzig Pfennig, Dauerkarte ein« Mark. Man taumelt fast aus der Bude und findet sich draußen nicht gleich zurecht. Leierkästen wimmern. Glücksräder drehen sich. Wie aus einer Welt aus Pappe, trotz Kinnhaken und Doppelnelson, kommt man in den Lichtschein der Straßen. Schwarz wimmelt es von Menschen. Noch dröhnt die heisere Stimme des Ansagers im Ohr. Langsam verblassen die halbnackten, braunen, schwarzen, athletischen Körper. Langsam verblaßt eine ganze fremde Welt ohne Geist und Idee, wo der Unter- griff dominiert und der Doppelnelfon, der Kinnhaken und sogen- hafte Freiherren... Ist der Schmöker wirtlich ioi? Zu unserem Beitrag zu dieser Frage im.Äbend" vom 22. Juli wird uns geschrieben: Wohl ist der Schmöker dumm und schlecht geschrieben, und wir haben die ausklärende Arbeit der sozialistischen Jugend. Aber trotz alledem lebt er noch, und ich möchte behaupten, in nicht geringerem Maße als in der Inflationszeit, wo es ja kein« andere Jugend- literatur gab. Man braucht nur einmal in den Vorrat der kleinen, fliegenden Strahenbuchhandlungen und Winkelpapierläden zu sehen, und man wird alle Serien der kitschigen Hefte finden. Der Schmöker ist eine Pest, die sich aus besonder« Weife aus- breitet: Einer kauft und hundert lesen ihn. Den größten Leserkreis sinden wir zweifellos bei den Halb- wüchsigen, welche in der Zeit des Krieges und der Inflation 8 bis 14 Jahr« alt waren und die Angehörigen verloren haben. Ihre Sinne sind infolge der ungenügenden Pflege verroht. Wir haben aber noch einen anderen Lesertreis, und dos sind die Jungen zwischen 9 und 12 Jahren, deren Gedanken auch heute noch mit Abenteuern erfüllt sind, aber deren Eltern keinem Fortschritt die Hand reichen. Ich arbeite zur Zeit auf einem Tennisplatz in Neukölln als Balljunge. Einige Kameraden lesen Schmöker; ich frag« sie, warum sie solchen Schund lesen.„Es ist spannend,"„Es kommen Autos und Flugzeug« und Meistcrdeteklive drin vor," heißt es. Andere schämen sich schon etwas, denn sie hören doch öfters, daß es nicht ehrenhaft ist, solchen Schmutz zu lesen, und sie sagen:„Na ja, wir vollen uns bloß die Zeit vertreiben und haben nichts anderes." Als ich ihnen aber Jack London, Bonjels„Biene Maja", Ewalds und Sonnleitners naturhistorische Erzählungen und die Geschichten von Aanrud mit anderen guten Büchern brachte, da behaupteten sie einstimmig, daß sie ungleich schöner und interessanter seien. Ich frage, können unsere Volts- und Stadtbiichereien nicht doch ein bißchen mehr Reklame machen, und die Kinder gleich von der Schulklasse an zu sich ziehen. Ich meine, das wäre ein gutes Stück Arbeit, welche sich lohnt. W. A. Tonfilme für den UZolMtatnps. Die bevorstehende Wahc- beweguna wird sich auch des Tonsilms bedienen. Die Möglichkeiten sind allerdings ganz außerordentlich. Man denk« sich beispielsweise eine Tonfilmausnahme von einer der Radauversammlungen der radikalen Parteigruppen als abschreckendes Beispiel den Anhängern der anderen Parteien vorgeführt. Nach einer Mitteilung der Film- fachpresse hat das Zentrum sowohl wie die Demokratische Partei bereits Tonsilme in Auftrag gegeben. Kriegspensionen. die seit 118 Zohren lausen. Di« Regierung der Pereinigten Staaten zahlt noch heute Hinterbliebenenrenten aus dem Kriege von 1812, und zwar 500 Dollars im Monat. Die Empfänger sind neun Witwen von Soldaten, die an den Kämpfen gegen die Engländer in den Jahren 1812/14 aktiv teilgenommen hatten. Die zehnte Pensionsempfängerin ist die Tochter einer Kriegerwitwe. Nahezu alle dies« Witwen sind an die 100 Jahre alt und körperlich hinfällig. Die jüngst« der Soldatenfrauen, welche die letzte lebende Erinnerung an einen vor 118 Jahren geführten Krieg darstellen, zählt 91 Jahre. Die unterstützungsbedürftigen Witwen der Soldaten hatten als blutjunge Dinger die bejahrten Veteranen geehelicht. Der letzte überlebende Soldat der Krieges von 1812 starb im Jahre 1905. In der Volksbühne wird„Der srähllche Weinberg" wegen des großen Crsolges bis Sonnabend, den 2. August, verlänge Die größten Brückenkaiastrophen. Der furchtbare Brückeneinsturz bei Koblenz, der so viel Menschenopfer gefordert hat, ruft die Erinnerung an andere gc- wältige Katastrophen wach, die allerdings meist durch Verbindung mit Eisenbahnunglücken ungeheure Opfer forderten. Die größte Eisenbahnkatastrophe der Welt ereignete sich am Firth os Tay in Schottland. Diese Brücke brach in der Nacht zum 28. Sepiember 1879 zusammen, als«in Eisenbahnzug darüber fuhr. Der ganze Mittelteil der Brücke stürzte mit dem Eisenbahnzug ins Wasser. Kein einziger von den 200 Menschen, die darin waren, konnte gerettet werden. Die Brücke war aus Gußeisen von dem Ingenieur Bouch erbaut. Die Brücke wurde wieder erbaut in den Jahren 1883 bis 1890, und zwar von dem Baumeister Jon Fowler. Jon Iowler hatte schon vorher erkannt, daß die Tay-Brücke schwere Feister aufwies. Seine Mahnungen wurden aber nicht gehört. Seiner Familie hatte er in jedem Fall verbaten, die Brücke zu denutzen. 14 Jahre später ereignete sich in der Nähe von Saragossa in� Spanien eine ähnliche Katastrophe aus der Brücke, die über den Nojarilla führt, über einen rechten Nebenfluß des Ebro. Auch dies« Brücke scheint in technischer Beziehung durchaus nicht den An- sorderungen entsprochen zu haben. Insbesondere d!« Brückcnpsciler waren nicht»rdnungsgemäß gebaut, so daß die Brücke am 27. Juli 1903 zusammenstürzte, als eine Eisenbahn darüber hinwegfuhr. Von den 250 Passagieren waren 110 getötet worden, während der Rest schwer verwundet wurde. Im Jahre 1908 war Kanada die Stätte eines ungeheuren Brückenunglücks, denn die über den St.-Lorenz-Strom führende Quibeck-Brücke, die ungefähr«ine Breite von 1200 Meter hatte, stürzte ein und sordert« 90 Menschenleben. Der Bruckencinsturz in Medan auf Sumatra war auch von surchtbaren Folgen begleitet. Er ereignete sich im Jahr« 1926, und 100 Menschen fielen ihm zum Opfer. Vor kurzer Zeit kamen bei einem Brückeneinsturz in Rumänien 60 Personen ums Leben. Die Brücke, die über den Fluß Zill führt«, wurde im Juni d. I. durch groß« Unwetter unter- spült und dadurch gefährdet. Von anderen großen Brücken- katostrophen sei das gewaltige Unglück bei Mönchenstein erwähnt. wo am 14. Juni 1891 die Brücke über den Dirs-Fluh in der Mitte entzwei brach, als ein Eisenbahnzug über sie wegsuhr, wobei 72 Menschen ums Leben kamen. Fast genau ein Jahr vorher, am 30. Mai 1890, ereignete sich in der Nähe von San Franziska eine Brückentatostrohe, bei der 25 Menschen ihr Leben verloren. Man erkennt daraus, daß wirklich große Unglücksfälle in der Geschichte des Brückenbaues sehr selten sind. Es müssen mehrere unglückliche Umstände zusammentreffen, um ein folgenschweres Ereignis dieser Art herbeizuführen. Die Brücken sind im allgemeinen, besonders in den letzten 80 Jähren, mit größter Umsicht gebaut. Besonders in Deutschland werden an Brücken die größten Ansprüche in bezug auf Sicherheit gestellt, gleichgültig, ob es sich um Balken- brücken, Bogenbrücken, Hängebrücken oder Brücken von anderen Systemarten handelt. Die meisten derartigen Brücken sind aus Eisen. Die erste eiserne Brücke der Welt wurde bereits im Jahre 1779 erbaut. Es ist eine Straßenbrücke über den Severn In England. Sie steht heute noch. Die erste eiserne Brücke de» europäischen Kontinents wurde in Deutschland errichtet, und zwar in Schlesien. Es war eine Straßenbrücke, die im Jahre 1796 über dem Strigauer Wasser erbaut wurde. Die erst« Bogenbrück«, ein System, das sich jetzt wegen seiner großen Sicherheit vielfach eingebürgert hat, ai" Schweißeisen, wurde im Jahre 1808 bei St. Denis in Frank—'' errichtet. Ser Nachwuchs im Mtallarbeiterverband. Erziehung zum Beruf und zur Gemeinschastsarbeit. Ied« Arb«>terl'«wegung, die auf eine gesunde Weiterentwicklung bedacht ist, muß sich auf den Nachwuchs stützen. So wichtig es für die freien Gewerkschaften ijt, die Arbeiterschaft ubcrl)aupt möglichst vollzählig zu erfassen, ihr wertvollster Besitz ist die Jugend, die im foeigewerkschoftlichen Geist aufwächst, klassenbewußt, überzeugt von der unbedingten Notwendigkeit beruflicher und politischer Solidarität. Diese Jugend ist die Zukunft des Proletariats. ist dos Baugerüst für den Aufstieg. Eine der wichtigsten Aufgaben jeder freien Gewerlschaft ist des- halb die Arbeit für die Jugend und an der Zugend. Der Deutsche Metallarbe'terverband läßt sich— wie auch die Uebersicht zeigt, die sein Jahr- und Handbuch für 1V29 über diese Fragen gibt— diese Ausgabe sehr angelegen sein. Di« Jugeno erkennt das an. Das Berichtsjahr brachte wieder einen Zuwachs von rund 20 990 Jugendlichen, so ,daß die Zahl der jugendlichen Mitglieder sich auf 7-t 392 erhöhte, obgleich von dem vor- jährigen Bestand von 73 338 etwa der vierte Teil die Altersgrenze von 18 Iahren überschritt. Die Zahl der Jugcndgruppen stieg dabei von 132 auf 163. Die Arbeit der Jugendgruppen dient iw wesentlichen der Be> rufs. und Allgemeinbildung und der Erziehung zur Geinein- schoft. Das letztere ist für die Iugendgruppen außerordentlich be- deutungsvoll, da naturgemäß zwischen Lehrlingen und jugendlichen Angelernten sich leicht Schranken aufrichten. Der Lehrling stammt im ollgemeinen aus dem wirtschaftlich günstiger gestellten Milieu, er- ringt aber später als der Ungelernte feine Selbständigkeit. Gemein- same Teilnahme an gewerkschaftlichen Veranstaltungen, gemeinsame pfleg« beruflicher und geistiger Znleressen schlagen hier die Brücken. Uebrigens steigt der Prozentsatz der ocga- nisierten Lehrlinge erfreulich. Während er 1924 nur 32,2 Proz. der Jugendlichen im Deutschen Mctallarbeiterverband betrug, ist er 1323 auf 54,4 Proz. angewachsen. Das Bemühen der Eltern, durch«ine gründliche Berufs- Vorbildung den Kindern den Arbeitskampf zu erleichtern, zeigt sich hier deutlich. Denn diese Ausbildungsjahre fordern von den meisten Proletaricreltern ungeheure Opfer. Der Appetit des wachsen- den, körperlich stark in Anspruch genommenen Kindes will befriedigt sein! Kleidung wird in größcrem Maße verbraucht als während der Schulzeit. Die Entschädigung, die der Lehrling für seine Arbeit er- hält, ist jedoch außerordentlich gering. Unter dem Vorgeben, daß der tehrocrtrag ein Ausbildungs- und Erziehungsverlrag sei, weigern sich dl« Unternehmer immer wieder, irgendwelche taris- liehen Verpflichtungen den Lehrlingen gegeiiüber einzugehen. Da ist die Begründung eines Schiedsspruches von besonderer Bedeutung, der in Sachsen gefällt wurde, als das Wirtfchaftskortell für Handel, 5iandwcrk und Gewerbe in Zwickau sich grundsätzlich weigert?, den Lehrlingen des Klempner-, Schlosser- und Feilenhaucr- Handwerks eine wöchentlich« Mindestentfchädigung von 2 M. im ersten Lehrjahr bis 8.M. im vierten Lehrjahr und einen Urlaub von jährlich 6 Werktagen tariflich zuzusichern. Der Landessci)!ichtcr erklärte:„Nach der Niederschrift der Kreis- hauptmannschaft lzat der Arbeitgebcrvertreter angeführt, daß der Schiedsspruch wirtschaftlich tragbar sei und chm seitens der Arbeitgeber sachlich nicht entgegengetreten werde. Er werde nur grundsätz- lich bekämpft. In dieser Haltung der Arbeitgeber muß eine Tarif- unwilllgkeit erblickt werden. Nach einem einstimmigen Votum des Reichstages soll in all den Fällen, wo Torifunwilligkeit zutage tritt, die Derbindlichkeitserklärung eines Schiedsspruchs aus- gesprochen werden, was hiermit geschieht* Dieser, aus grundsätzlichen Erwägungen so sehr begrüßenswerte Erfolg beweist den Jugendlichen recht augenscheinlich die Bedeutung des gewerkschaftlichen Vorgehens, wenn auch die bewilligten Summen und der bewilligte Urlaub noch keinesfalls befriedigen. Leider ist ja auch die U r l a u b s f r a g e für Lehrlinge und Jugendliche noch weniger oder oft unzulänglicher geregelt als für Erwachsene. Immerhin ist in 39 Verträgen, unter die 25 364 Lehrlinge fallen, den Lehrlingen ein längerer Urlaub als den älteren Arbeitern zugesichert. Tariflich erfaßt sind etwa 87 299 Lehrlinge in 263 Verträgen, während im Bereich der gesamten Metalltarise etwa 139 399 Lehrlinge gezählt werden. Ein vorbildliches Beispiel gewerkschaftlicher Solidarität haben die Klempner und Installateure in Köln gegeben, die für die Er- höhung der Lehrlingslöhn« in Streit traten. Da; Lohn- abkommen mit dem Verein der Kölner Klempner und Installateure war zum 39. Juni 1323 gekündigt worden. Neben einer Lohn- crhöhung für die Gesellen war die tarifliche Regelung der Lehrlingslöhne verlangt worden, dergestalt, daß im ersten Lehrjahr 13 Proz. bis steigend im vierten Lehrjahr 59 Proz. pro Stund« des jeweiligen Spitzenlohnes für die Lehrlinge g«fordert wurden. Die Unter- nehmer bewilligten größtenteils die Lohnerhöhung für die Gesellen. lehnten eine Regelung der Lehrlingslöhne aber ab. Darauf kam es zu. einem Streik der Klempner und Installateure in allen Betrieben des Tarifgebietes. Er wurde durch«inen Schiedsspruch beendet, der«inen grund- sätzlichen und auch in den Einzelheiten sehr schönen Erfolg der G«werkschaft bedeutet. Außer dem praktischen Nutzen ist den Lehrlingen hier ein« anschauliche Demonstration der Bedeutung proletarischer Gemeinschaft geboten worden. Besser als durch solche Vorbilder kann man den Nachwuchs der Arbeiterschaft nicht erziehen. Verfahren gegen Siahlhelmstudienrai. Maßnahmen des preußischen Kultusministeriums. Gegen den Führer des wiederhergestellten Stahlhelm. Landesverband Jndustri«bezirk, Studienrat Mahnken- Hagen, ist nach einer Meldung des„Stahlhelm* im Augenblick der Aufhebung des Stahlhelmverbotes durch den preußischen Kultusminister e i n Verfahren wegen seiner Tätigkeit als Stahlhelmführer vor dem Verbot sowie wegen eines Telegramms an den Reichspräsidenten eingeleitet worden. Kommunistischer Vedakteur angeklagt. Wegen Landesverrats und Vorbereitung zum Hochverrat. Leipzig. 23. Juli. Der kommunistische Schriftleiter Georg Stibi hat seit Juli 1329 in Düsseldorf und Köln in der„Freiheit" und der„Sozia- l i st i s ch e n Republik" Artikel veröffentlicht, die von der Reichs- anwaltschaft beanstandet wurden. Stibi hatte sich am Mittwoch wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Landesverrats und der Teil- nähme an einer staatsfeindlichen Verbindung vor dem 4. Strafsenat des Reichsgerichts zu vcraiikvorten. Die Verhandlung, die zum Teil unter Ausschluß der Oesfentlichkeit stattfand, wird am Donnerstag fortgesetzt. Genfer Sommerturse. Der Weltvcrband der Välkcrbundgesellschaftcn veranstaltet auch in diesem Jahre Sommerschulkurs« in deutscher, französischer und englischer Sprache, die vom 4. bis 13. September in Genf stattfinden. Die Kurse gliedern sich in drei Abteilungen, in denen in einer Reihe von Einzelvorträgen die Themen: Völkerbund und internationale Arbeitsorganisation, international« Probleme der Gegenwart und pädagogische Problem« behandelt werden: außerdem sind frei- Diskussionen über aktuell« Fragen sowie Besprechungen! über die Arbeit der Völkerbundoersammlung, die am 19. September in Genf zusammentritt, unter Mitwirkung von Völkerbunddclegirr- ten vorgesehen. Ferner finden Besichtigungen des Völkerbundsekretariats und des Internationalen Arbeitsamts, gemeinsame Ausflüge und Unter- halwugsabende statt. Für die Sitzungen der Völkerbundversamrn- lung und der Kommissionen werden in beschränkter Anzahl Teil- nehmerkarte» ausgegeben werden. Den Kursusteilnehinern werden auf besonderes Veriantzen Aus- künft« über die Bedingungen der Genfer Hotels und Pensionen mit- geteilt: im allgemeinen ist für den Aufenchalt in Senf mit einem Minimum von 6 Schweizer Franken zu rechnen. Die Einschreibegobühr beträgt für«in« Kursusreihe 19 Schweizer Franken, für sämtliche Vorträge aller drei Abteilungen 15 Schweizer Franken. Weitere Auskunft erteilt das Sekretariat des Welwerbandcs der Völkerbundligen. 41. nie Juste-Lips«. Brüssel. Gründung einer Separatisteavereioigung. In Metz ist eine Vereinigung der aus Deutschland geflüchteten rheinischen Separatisten gegründet worden. An der Gründungsversaimnlung nahmen etwa 199 Sonderbündler tell. Die Einberuferin, eine Pariserin, erklärte. die Anwesenden hätten in Preußen eine Stiefmutter verloren, aber sie würden in Frankreich eine Mutter finden. Der Bürgermeister von Metz und ein Mitglied des Generalratcs des Maseldepartement» gaben den Neuangekommenen Flüchtlingen Ratschlöge für chren Aufenthalt in Frankreich. Die Versammlung wurde mit dem Ab- singen der rheinischen Hymne und mit einem dreifachen Hoch auf Frankreich geschlossen. Litauischer Polizeiches erschossen. Der Chef der litauischen politi- lchen Polizei Ultiewicz ist von einem Verbrecher erschossen worden. Er war mit einigen Beamten in ein Haus eingedrungen, in dem sich ein aus Riga geflüchteter Verbrecher versteckt hielt. Als der Polizei- Präsident den Verbrecher verhaften wollte, wurde er von diesem«r- schassen. Darauf jagte sich der Verbrecher eine Kugel in den Kopf. so daß er auf der Stelle tot war. Wetterbericht für Berlin: Wechselnd bewölkt, wenig Temperatur» änderung, vereinzelte Schauer. Für Deutschland: Im Gebiet der Nordsee und an der westlichen Ostsee vielfach Regen, im übrigen Norddeutschland vielfach veränderlich, im Alpengebiet Nachlassen der Niederschläge. vonnerstse. 24. Juli. Berlin. 16.05 Konzert, f. Mendelssohn-Bertholdy; Streichen rtett Ce-Dur. od. 12.— 2. Alldeutsche Lieder(Maria Toll, Sopran).— 3. Lisat: Sonate H-Mod (in, einem Satz)(Prof. Paul Ejsert, Klavier).— 4. Schumann(Maria Toll: am Flflsel: Julius Bürser). 17.30 Sportliche Improvisationen. 17.50 Haydn; Streichquartett C-Dur. op. 33. Nr. 3(Brnlnler-Onartett). 18.15 Dr. Wolfcang Pohl: Sozialpolitische Umschan. 18.40 Alma Karlin: Acht Jahre um die Welt. 19.05„Lieder eines Dorfpoelcn" von Heinrich Kaspar Schmid.(Typosraphia, Mitcl. d. DASB.. Diris.: Karl Vollmer.) 19.30 Arbeitsmarkt. 19.35 Die Erzählunc der Woche. 20 00 Wovon man spricht.' trirhi 20.30 Altes und Neues im Tanz. 22.30 Unterhaitunismusik. Könicswusterhausen. 16.05 Nachmittagskonzert von Berlin. 17.30 Britz Finkener: Arbeit mit einfachsten Lehrmitteln in der lindlichen Fort. bildunesschule. 18.00 M. Miiller-Jabusch: Weltpolitische Stunde. 18.30 Dr. Nikolaus Fcinbcrc: Spiecel russischer Kultur. 19.00 H. Altus: Der Wen zur Kunst, 19.25 Dr. Burkhardt: Erzcbnis der Schureinerihlun« am 1. Juni. 20.30 Hamburn: Romanisches Konzert. •'nsoov: Serontmortl. für bie SRebottion: Wolfgang Schwnrit. Drrlin: Anzeigen: Zh. Slocke, Berlin. Bering: Vormürts Verlag®. m. b. H., Berlin. Druck: Dorwärt» Bucki- bruckeret und Berlagsanftalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstrnße 3. Hierzu 1 Beilage. XIicaIcc. Lidtlsptele usw. imi— lihH i IBTinr HjJLli Staats-Theater geschlossen! Abonnements- Anmeldungen für die Spielzeit 1930-31 (Beginn am 1. SeptemDir) werden auch während der Theaterferien entgegengenommen; a) für die Staatsoper und das Staatl. Schauspielhaus vom Abonnements- büro, Berlin W56, Ober- wallstr. 22.— Fernspr. Merkur 9024, b) für das Staat!. Schiller- Iheater vom Abonnementsbüro, Berlin-Chartottenburg, Grolman- stratie 70.— Fernspr. Steinpl. 6715. Theater i.d.Behrenstr. 53-54 t'h U. A4 Zentrum 926-927 8'lt U- Letzte S Aattührongeni Hein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten mit » Ralph Arthur Roberts.— ROSE -TheeUer 1 Gr. Frankfurter Strefle ija 1 | BlUtUun: AI«. 3422 0. 34*4| Täglich»» Uhr: „Flachsmann [als Erzieher" Kemödl« in 3 Akten ren Ott« Ernst 1 Rofc«rt Möller eis Schuir«! Prell Anf der Gar tenbtthme t&glieh 5*>Ubr(6oDnt.5Uhr) | Dae Bombenproarramm| • crofie VerietAnnmmara mit WILLI ROSB.V. | n8h'r„Verliebte Leute"| Operette von K fl n n e k e 1 mit DltUrt. Hofer, Korstem, I | Pyrmont, GOlUch. Konisch, Muth{ und Htns Rose. Yoranseifre: | Vmierlest in Bose-Oaiieo| Tom 3. bis 6. August. 1 Vorrerkonf ab morgen 1 rormittag; 1 1 ühr Vouubllline Thutir in SilinM. 8V. Uhr Der frühlidie Weinberg Lustsp. in 3 Akten tm(irl Zudimiy« Iqii; I. D.(mir. Datsdiei Tiiiattr 1 2 ViuMinn 5211 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Rege Max Reinhardt Inlk: FtMridi üiilandtr. BöhBiDbildtr tmt Sdtittr Die KomOdie 1 1 Bismck.24M/75l6 S'h Uhr Wie wenle idi rcidi und glüdiliA? Gl tinn m II tMfilnjn im FiTu Minuo. «IUI im lisdu Spliinki. Rigii: End Enpi Bühnenbilder.' Mvig lainr Netropol-Th. Täglich 8''i Uhr ■lebiel Bohnen in mit Dir allem.. Äl» MMM uranl äEDBMWR SS All Lessing-Tbeater WiidndMa 1797 i.OIU Täglich t'k Uhr Der Faun toi Edw. Rnoblaiidi. PnI Rndcth, H«hn. Flirame. Revil, G rodtcziMky, Frauken, Fiedler, Plewow, Lion Reichshallen-Theater |T| Uhr Gastspiel der Dresdner uictorla-s&nger Freitag 1. 8.; Wiederauftreten der Stettiner Singer Dönhoff-Brettl: Sia! am Garten Variete— Konzert— Tanz oAKf»- Berliner VilkTriO N« U k 5 1 1 n. w Lahns tr. 74776.1 Berliner Proier Sommtruaitentfieater Kastanienallee 7—9 4 Uhr Gross« OaitenkoDzert 6 Uhr Eine entzückende Burleske sowie der auserwählte Variet6-Teil. 8.15 Uhr Gusti Beer, Greil Lilien, Alex Haber, Erwin Härtung in Das Drei- mäderlhaus Singspiel in 3 Akten Musik nach Franz Schubert Heute Volkstag! Auf allen numer. Plätzen so Pf. außer Loge. IM SOI UM DHIH7 Nur Cross- Berlin Alaxandarplatx Winfer ★ Gartem L (.13 Dkr— Randien erianbl Csrtfnls Dollarsegen nsv. J Schwerhörige boren sofort wieder mildem ärztlich empfohlenen OBiSUUL- AKUSTIK- APPABAT mU neuestem HlelnhOrert — Noch Besseres gibt es nicht!— Deoisdie Akustik Gesellsdiaft in. b. H. Aelteste u. führende Spezialfabrik Verkauf u. 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Auch sie sind zu erziehen, aber man muß ihnen klar machen, daß es keine Mög- tichkcit des Ausbrechens fiir sie gibt, und alsdann heißt es, die Tätigkcitfür sie finden, die ihnen am z u s a g c n d st e n ist. Hier öffnen sich die Tore einer völlig neuen Pädagogik. Wenn man bisher angenommen hat und im Grund« genommen recht zufrieden damit war, daß man den Kindern der Armen Elementark«nntnisie beibrachte und ihnen später in den Fartbildungs- schulen noch«inen Ersatz für das zu geben versuchte, was sie in den ersten sieben oder acht Schuljahren nicht gelernt hotten, so erkennt man heut«, daß für den sogenannten normalen Menschen damit vielleicht das vorläusig Möglich« geschaffen ist, daß aber der Abnorme und Unnormale, der im Rausch und Lärm der großen Zentren von Tag zu Tag häufiger wird, mit diesem Lebens- abschnitt anfangen muß, ein« für ihn geschaffene Schule durchzumachen... Es ist wieder und wieder gesagt und geschrieben worden: die Volksschulen müssen, besonders die untersten Klassen, in jedem Jahr überprüft und durchgesiebt werden, um die schwer Erziehbaren, Psychopathen und Debilen auszusondern. Es heißt Wasser in ein leckes Faß schöpfen, wenn man immer und immer wieder die Achtzehnjährigen in die Fürsorge oder ins Gefängnis steckt. Ein psychopathisches Kind ist im Rohmen «iner mit SO Köpfen belegten Schulklasi« unmöglich so zu behandeln, wie ihm nottut. Außerdem wirkt alles Psychopathische seuchenartig fort. Rur s«hr gesunde Kinder erlieg«« der Infektion nicht, die hysterische, erotomanisch« und sonst lasterhafte Kinder um sich ver- breiten. Nicht d«r in ihrer Wirkung maßlos überschätzten Schund. litcratur, sondern der Beeinflussung durch Psychopathen sind viele Kind«rdelikt« zuzuschreiben. Zu Hause bei den Elt«rn kann ab«r das psychopathische Kind erst recht kein Verständnis finden: alle Auswirkungen seiner krank- haften Seele präsentieren sich schon dem Lehrer einfacher Prägung und wieviel mehr dem Verwandten als Unart, Bosheit und Nieder- trocht. Da die Menschen im allgemeinen überhaupt nicht fähig sind, objektiv zu betrachten und zu fühlen, da ihnen außerdem eine Jahr- tausende alte Scheinmoral das Herz verhärtet hat, so sehen sie in dem kleinen Menschen nicht etwa ein andersgeartetes, von di�ferentem Lebenswillen erfülltes Wesen, sondern sie meinen, daß hier ein Ge- schöpf sich aus vorgefaßter böser Willensmeinung für abwegige Lebensformen entscheide. Und diesen Konterwillen vcrmcssen sie sich nun zu brechen und nach ihrer Richtung umzubiegen. In diesem total verfehlten Experiment liegt für unendlich viele junge Menschenkinder die Wurzel ihr«s verfehlten und verpfuschten Daseins. Und das sind noch die, die wenigstens scheinbar imstande sind, mit den anderen zu leben. Die anderen, die hinter ihrer Hasenscharte, einem verbildeten Gaumen und der ganzen assymmetri- schen Maske die Dumpfheit des Tieres, dessen schlimme und selbst nicht erkannt« Instinkte tragen müssen— wie sollten die erst richtig erzogen und gewertet werden?!... Und diese. Auswahl müßte mit jeder Klasse neu be- ginnen. Denn immer wieder treten die Krisen in der Entwicklung des werdenden Menschen auf. Nicht drei und vier Jahre wühlt die Pubertät in Körper und Seele, nein— Goethe hat das schon gesagt— es gibt Menschen, die ewig in der Pubertät bleiben. Zu denen gehören viele Hoch- und alle Schwachbegabten. Denn der Jnfantilismus, den inan zu wenig kennt, um ihn hinreichend zu fürchten, ist ja im Grund« nichts anderes, als dauernde Pubertäts- krise... Kommt man aber einmal so weit, daß der Staat die Erfüllung solcher elementaren Forderungen als Notwendigkeit er- kannt hat, daß alle diejenigen, deren Gehirnbildung unzureichend oder monströs ist, rechtzeitig aus der Reih« der Normalen heraus- genommen werden: und hat man solche„Mißgeburten" durch eine sachgemäße Erziehung fachtechnisch und medizinisch geschulter Pädagogen der Allgemeinheit und ihren Anforderungen wieder nahe- gebracht, so wird unter diesen und den im Elternhaus unrichtig Erzogenen immer noch ein Bodensatz bleiben, für den etwa mit ?8 Jahren das Erziehungshaus in seine Recht« treten muß. Das Erziehungshaus, stets und einzig auf dem Lande gelegen, und seine Zöglinge bei geistiger Verpflichtung mit gesunder Landarbeit beschäftigend, ist die letzte Prllfftelle für die Asozialen, ob sie sich jemals in die Gesellschaft einreihen lassen. Erst wenn all«, ober auch die letzten Mittel der Hsilfe und Heilung erschöpft sind, muß sich für den Unglücklichen, der unverbesserlich, d. h. unheilbar ist, das Verwahrungshaus öffnen. Dos Verwahrungshaus, das vielleicht draußen in Heide und Oedland seine Moorkulturen auftut: vielleicht auch jenseits des Weltmeeres neue Erden öffnet. Hans Hyan. €in Vorschlag Wer die wertschasfcnden Erfolg« unserer heutigen Sozial- und Heilpädagogik auf dem Gebiete der Entkrüppelung der körperlich Behinderten kennt und die großen Fortschritte unseres Sonder- fchulv'esens bei der lebenswahren Erziehung der Blinden. Taub- stummen usw. beobachtet hat. der wird init Recht auch die Frage stellen, inwieweit ähnliche Erziehungsformen bereits bei unserer bildungsfähigen schwachbegabten und Psychopath isch veranlagten Jugend verwirklicht worden sind. Wollte man sich bei der Beantwortung dieser Frage nur auf dos volksschulpflichtige Kind beschränken, so genügte ein Blick auf das diesbezügliche H i l f s s ch u l w e s e n und jedermann würbe auch dort davon überzeugt sein, daß sich diese schwere Erziehungsarbeit in guten Händen befindet. Wie ober steht es um das s ch u l e n t- lassen« Hilfsschulkind und um all die, die auch nicht an- nähernd das Ziel der allgemeinen Volksschule erreichten? Die Lö- sung dieses wichtigen sozial- und menfchenökonomischen Problems harrt noch seiner Vollendung. Das bisher auf diesem Gebiet Er- reichte kann nicht als befriedigend angesehen werden. Ein Volks- staat kann nicht einseitig den Aufstieg oer Begabten fördern. Auch Vergleiche„Abend" Nr. ZZ8 vom 22. Juli. den Unbegabten und anormal Veranlagten steht— die Reichsvcr- fasfung beweist es— der Schutz und die Hilfe des Staates zu. Es liegt ja auch im Interesse des Staates und jedes einzelnen Staats- bürgers, aus Wohlfahrtscmpfängern Selb st ver- d i« n c r zu machen. Die schultcch nische Lösung dieser Frage sehe ich im Ausbau der 5)ilfsbcrufsschulen und zwar im Sinne von R c i ch s w e r k s ch u l h e i m c n. In diesen Reichswerkschulhcimcn wäre nach dem Stand unserer heutigen Fachwissenschaft und den auf diesen! Gebiet bisher gemachten Ersahrungen der gemeinsame Nenner gefunden worden, den Schulbchörde, Jugendamt und Ar- bcitsamt für die vorsorgebedürftige Jugend suchen. Mit der Ver. wirklichung dieses Gedankens ist aber auch eine Bildungsform ge- schaffen, die das bisherige System der Fürsorge und Iugendstraf- onstoltserziehung bedeutend zu entlasten vermag. Di« Hilfsberufsschule soll im Rahmen der deutschen Berufs- schulen ein eigcngesetzliches Wcrkschulheim werden, das unter Bc- rückfichtigung der beschränkten Arbeitsbegabung den mangelnden oder zerrütteten Arbeitswillen und das Menschenbewußtsein der in Frage kommenden Jugendlichen durch entsprechende Arbeitstherapie stärkt. Darüber hinaus soll die praktische Arbeit sie für eine angelernte Berufsarbeit ansatzfähig machen. Allgemeine theoretische Bildungsarbeit, Turn- und Sportübungen, sowie Pflege von Gesang und Musik und gemeinnütziger Geselligkeit werden die weiter« Emporbildung im Rahmen der Möglichkeit zu ergänzen haben. In ihrer Gesamt- und Einzelgliederung wird die Hilfsberufs- schule«ine werktätige Familie sein, die diesen Jugendlichen recht- zeitig eine vorbeugende und nachwirkende Schule des Lebens ist In gegebenen Fällen muß der Aufeisthalt in der Hilfsberufsschule über die Berufsschulpflicht hinausgehen. Die f ü r s 0 r g e r i s ch e Betreuung, die Arbeitsvermittlung usw. müßte von einem besonders dafür geeigneten Erzieher in engster Zusammen- arbeit mit den zuständigen Behörden ausgeführt werden. Dadurch werden nicht nur die öffentlichen Behörden entlastet, auch diesen Jugendlichen blieben viele unliebsame Verirrungen erspart. Denn nur so kann planvoll der sozialethische Wert der Lehrcrpersönlich- kcit im direkten Anschluß an die Volksschulzeit bei diesen Vorsorg«-' bedürftigen fortlaufend und nachhaliig den gewünschten Erfolg er- zielen. Ist doch der heutige Berufsschuloberlehrer durch sein« praktische Tätigkeit und durch sein akademisches Studium so wirtschoftspädagogisch und inbividual-psychologisch ousgeb!ld«t, daß er hier tatsächlich der beste berufliche und persönliche Führer sein kann! Selbstverständlich stellt die Hilfsberufsschule an die natür- liche Veranlagung des Lehrers besondere Ansprüche. Die Lebensschulc der Vorsorgebedürftigen betrachtet es als ihre vornehmste Ausgabe, den Zöglingen eine Wohnheim st ätte zu sein, die ihnen das Familienleben nach Möglichkeit er- setzt. Hier werden sie während ihrer Berufsschulzeit den geistigen Boden für eine werdende Heimat finden und in diesen Wohnheim- stätten zu frohen und arbcitsberciten Staatsbürgern heranwachsen, ohne, wie zuvor durch die unheilvollen Einflüsse des früheren Mi- lieus, ihre Arbeitsstätte draußen zu verlieren. Da der Wandertrieb dieser Jugendlichen oft derartig groß ist, daß sie sich ohne Wissen der Eltern, des Arbeitgebers und der Schule auf die Wanderschaft be- geben und infolge ihrer Mittellosigkeit dann sehr schnell verwahr- losen, so könnte man unschwer innerhalb der einzelnen Werkschul- Heime im Reiche Austauschmöglichkeiten schaffen und da- mit den Mißständen entgegentreten. Manche Verirrung und manche Reue über ein verfehltes Leben, mancher Familicnkummer würde erspart bleiben, wenn derartige Heime geschaffen würden. Es ist eine alt« Weisheit, daß in dem Augenblick, in dem die Gesetze zu den Menschen herabsteigen, die Menschen auch den Gesetzen entgegenkommen. A. N. Fort mit dem Stock! Die Erfahrung von drei Generationen Eine Mutter schreibt uns: Zu dem Artikel„Immer feste druff" möchte ich als alte „Vorwärts"-Les«rin ein Beispiel geben. Ich hatte als zweijähriges Kind meine rechte Mutter verloren und wurde dann rumgeschubft vom einen zum andern. Als ich vier Jahre alt war, bekam ich die zweite Mutter. Sie war lieb und gut. Zum Glück blieb sie kinder- los. Aber sie mußte nichtig mitarbeiten als Wasch- und Reinmach«- srau. Mein Vater glaubte an das Sprichwort aus der Bibel:„Wer sein Kind lieb hat, züchtigt es." Er gab mir auch jeden Tag Auf- gaben. Sogar am Strickstrumpf machte er Zeichen, daß ich soundso- viel fertig haben mußte, wenn er von der Arbeit kam. Zu meiner Kinderzeit durften wir auch auf den Höfen spielen. Nun hörte ich alle Kinder toben und spielen und ich sollte arbeiten. Natürlich ver- goß ich lieber die Arbeiten. Kam dann der Vater nach Hause, war ich müde und die Arbeit hatte ich nicht gemacht. Dann schlug mein Vater auf mich mit dem Stod oder dem Feuerhaken ein. Aber u m so dickfälliger wurde ich. Glücklich war ich immer nur dann mal, wenn meine zweite Mutter zu Hause blieb und ich so die Frei- heit ohne Schläge genießen konnte. Auch hatte mein Bater den Lehrer in der Schule beaustragt, mich zu strafen, soviel wie möglich: was die Lehrer damals schon von selbst genug taten! Was war der Erfolg? Ich schwänzte oft die Schule oder rückte aus und trug mich mit Selbstmordgedanken. Nur meiner zweiten Mutter zuliebe faßte ich immer wieder Mut. Als ich 13� Jahre alt war, sagte ich:„Ich will arbeiten wie ein Pserd, aber in der Schul« und zu Hause bleibe ich nicht." Mein Vater sollte natürlich Strafe zahlen, weil ich nicht zur Schul« ging. Er schlug mich braun und blau, zog mich an den Haaren, so daß ich schrie:„Schlag mich doch l i e b er tot." Für andere Leute habe ich gern gearbeitet, nur nicht für dos Elternhaus. Ich ging in Stellung. Obwohl ich sehr blöde und eingeschüchtert war durch die Stockschläge, bekam ich Stellung bei Leuten, die mich behandelten wie ihr Kind. Als Zwanzigjährige lerMe ich meinen lebensluftigen und aufgeklärten Mann kennen. Als der mich heiraten wollte, war auch da mein Bater dagegen. Aber wir boten Trotz. Ich hatte ja nun«inen Hinterhalt. Mein Vater hätte vor meinen Augen stürzen können, ich hätte ihm keine Hilfe geleistet, da mir die Erinnerungen an meine Kinder- zeit nicht aus den Gedanken schwinden wollten. Mein Vater starb im 39. Lebensjahr. Wo er begraben liegt, weiß ich bis heute nicht. Er blieb ein Groll in meinen Augen. Aber meine zweite Mutter habe ich geschätzt bis ins hohe Alter, sie gepflegt, trotz der schweren Zeit, und halte ihre Grabstelle hoch in Ehren, weil sie mir oft beigestanden hat. Als ich nun selbst eine Tochter erziehen mußte und selbst gezwungen war zu arbeiten, lernte ich, ehe mein Kind noch zur Schule ging, das Heimarbeiten, um meinem Kinde nicht die Freiheit z» rauben und damit sie ihre Jugend genießen konnte. Ich arbeite nun schon 25 Jahre auf einer Stelle und lebe mit meiner Familie in Frieden. Trotz vieler Leiden haben wir auch viel Freude an unserer Tochter, die uns stets zur Seite steht. Meine Tochter selb st hat zwei Kinder, die nicht ihre eigenen sind, die sie aber ebenfalls so erzieht, daß sie eine freudige Erinnerung an ihre Jugend haben. Wenn die Kinder aus eigenem Antrieb in der Häuslichkeit helfen wollen, dann sagt meine Tochter: „Ihr könnt noch genug arbeiten, wenn ihrcrwachsen seid." Affo durch Schläge wird k e i n e L i e b c erzielt, noch dazu, wenn der Vater eine strenge Erziehung ausüben will. Mein Mann Hot sich darum nicht gekümmert. Der sagte:„Dazu ist die Mutter da. der Vater braucht doch bloß einen energischen Ton an- zuschlagen: das zieht besser als die Stockschläge. Ist das Kind erst einmal dickfällig geworden durch die vielen Schläge, so setzt>'s den Trotz und die Scheu auf..?llso fort mit dem Stock! Erzieht die Kinder mit Liebe, laßt sie nicht soviel allein und gönnt ihnen die Freiheit. Nicht sagen, ja mir ist es ebenso gegangen! Tut ihr das, so werdet ihr auch Gegenliebe ernten. Ein Kind braucht nicht zu fühlen, daß es schwere Zeiten sind. Das versteht es doch nicht: und inan braucht es ihm auch nicht zu lehren. Die Erfahrung macht das später selbst. Wanmr denn den Kindern das Leben schwer machen! G. H. Verichte aus der Praxis! Die Arbeiten des Schulrats Dr. Appens,„Neun Jahrs Unterrichtsarbeit in einem Schulkreis" und„Aufführung der Oper Undine"(beides im Verlag Beltz, Berlin-Lcipzig, kart. 0,90 und 1 Mk.) find Berichte aus der Schulpraxis und der Beachtung wert. Zunächst werden sie den Fachmann interessieren, der nachlesen kann, was in einem Kreis fortschrittswilliger Pädagogen bei gutem Willen zu leisten möglich ist. Doch ist erfreulicherweise ja auch in der Elternschaft das Interesse an der internen Schularbeit stark geworden, und sie vermag aus diesen Heften zu ersehen, wie es anders und besser wurde, gegenüber der Zeit, da sie selber die Schulbank drückte. „Neun Jahre Unterrichtsarbeit" schildert die wirt- schostlich schwierige Lage, die Elternhaus und Schulkinder in einem Industriekreis besonders bedrücken, stellt die weltanschauliche Zer- rissenheit dar, die hindernd im Wege steht, und zeigt einen schul- organisatorischen Wirrwarr, der in vielen Ländern unserer Republik leider typisch ist. Wenn trotzdem frische, lebensnahe und kinder- tümliche Aufbauarbeit geleistet worden ist, so muß man dos doppelt anerkennen. ZKif die Kapitel über„Unterricht und Weltanschauung". „Werdende Großstadt" und„Werdender Unterricht",„Schul- und Hausgemeinschaften",.Kollegiale Schulleitung" weise ich besonders hin. Wenn die Lösungen nicht immer befriedigen, so mag es daran mit liegen, daß die Probleme zu stark rein vom Schulischen gesehen werden und die Beziehungen zu den s 0 n st i g e n gesell- schaftlichen Funktionen entweder nicht gesucht worden sind otnn: keine Darstellung gesunden haben. Solche Arbeit, wie sie im Kreise Dortmund versucht wurde, gedeiht um so besser, je stärker man bewußt und willig den Faktor Elternschaft in die Gesamtarbeit ein- gliedert. Das scheint versäumt zu sein. Die Ueberbewertung des Schulischen kommt in der zweiten Schrift„Aufführung der Oper Undine" noch stärker zur Geltung. Dadurch, daß wir, wie es vorgeschlagen wird,„Theater auf unsere Stundenpläne schreiben", werden wir auch noch kein theatersreundliches Publikum erziehen. Daß die Höhe der Eintritts- preise den Besuch nicht wesentlich beeinflussen soll, muß man bc- zweifeln. Das Kino kann man mit weniger Geld und vor allem viel ungenierter besuchen, und deswegen geht man leichter dahin. Aber das sind äußere Gründe. Die inneren liegen nicht beim Publikum, sondern beim Theater, das doch wegen der Besucher da ist, und nicht umgekehrt. Wer jedoch wie ich erlebt hat, daß Kinder seit urdenklichen Zeiten nur zum„Tell" und zum„Freischütz" ins Theater geführt werden, muß begrüßen, daß in andern Städten ein beweglicherer Geist herrscht. Hier ist Neues versucht. Die Bor- bereitung der Kinder war eine gründlich«, mir zu gründlich. Viele Kinderberichtc zeigen, daß man frohe Stunden geschaffen hat. Aber mit Kopffchütteln liest wohl jeder folgenden Satz aus dem Buch: „Nichts fehlt unserem Bolke und deshalb auch der Schuljugend mehr, als das Verständnis der Orchcstermusik." Dos ist ein absurder lvtusikantensatz. Wir könnten vielleicht ohne Orchestcrmusik sogar ganz beneidenswert leben, wenn uns nicht andere und schlimmere Sorgen drückten. Zwei wichtige Fragen, die unbedingt in den Zu- sammenhang gehören, hat man dabei unerörtcrt gelassen: Lied und Instrument im Unterricht und Theaterspiel als Unterrichts- mitte l. Die Betrachtung dieser Gegenständ« hätte nahe genug gelegen...... Acv. t EIN.« NBAHNER- MAN C VON> ER (5. Fortsetzung.) Vom Spätsommerheu der Wiesen stieg ein krästiger Geruch hoch uNd schwebte über dem Feldweg, sich bald mit dem Ozon- geruch des Waldes vermengend, der sie in seine Halden aufnahm. Allmählich löste sich die Verknöcherung des städtischen Alltags von ihnen. Sie sangen, scherzten und trieben Allotria, so daß selbst Kern von seinem Ernst und Anna von ihrer Feierlichkeit abließen. Erst nach Stunden verspürten sie Müdigkeit. Als von einem, mitten im Walde gÄegenen Gasthof lustige Tanzmusik erscholl, kommandierte Kern: Halt. .Herold wollt« eigentlich bei den Eltern Annas bleiben, weil es ihm schicklicher erschien, aber als er Fritz die Treppe zum Tanz- lokal hinaufstürnien sah, erbat er sich Urlaub, nahm Anna, die ihrer Mutter noch schnell einen Kuß gab, bei der 5iand, und eilte mit ihr Fritz nach. Kern und seine Frau trafen im Gastzimmer Bekannte, wurden eingeladen, mit am Tisch Platz zu nehmen und kamen dort in eine harmlos lustige Unterhaltung. Da Kern jetzt heiter war wie oft früher bei ähnlichen Gelegenheiten, gab sich auch Frau Kern ganz dem Frohsinn hin, wenn sie auch gewohnt war, ihren eigenen Uebermut stets ein wenig zu däinpfen, um ausgleichen zu können. wenn Kern im Uebermut einmal über die Stränge schlug. Die Schatten der Dämmerung lagerten bereits über den Bäumen des Waldes und es war schon ziemlich dunkel, als Anna und Herold aus dem Tanzsaal ins Frei« traten, um etwas Ab- kühlung zu suchen. Widerspruchsvolle Gefühle durchströmten Anna verwirrend und beglückend. Wie im Taumel lieh sie sich von Herold in das Dunkel des Waldes führen. Auf einem von Holzfällern halb aufgestapelten Holzstoß ließen sie sich nieder. Ihre Lippen fanden sich zu immer neuen Küssen. Herold war wie verwandelt. Nichts mehr van seiner sonst so kühlen Nüchternheit. Wie ausgelöscht alle Bedacht- samkeit. Anna an sein« Brust pressend, schien er nur noch Mann zu sein. Leidenschaft brannte in ihm und übertrug ihr« Flamme, alles ander« verlöschend. Die tragisch schön« Stunde des Weibes war für Anna gekommen, sie konnte ihr nicht mehr ent- rinnen. � Kühler Windhauch strich über Anna- Stirn. Eine sonderbare Ernüchterung kam über sie und eine dumpfe Ahnung. Ein quälen- der Vorwurf bedrückte sie. Sie war gereizt und ärgerlich. Als Herold sie von neuem küssen wollte, stieß sie ihn unsanft zurück und starrte düster nach dem hell erleuchteten lLergnügungslokal. Herold war betroffen. Unsicher, etwas in sich zusammen- gesunken, stand er da. Er wußte nichts zu sagen und nichts zu tun. Anna sah ihn von der Seite an und plötzlich schlug ihre Stimmung in ein heftiges Mitleid um, an dem sich die Liebe von neuem erwärmte. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals, zog seinen Kopf Zu sich heran und küßte ihn herzlich. Herold schien ganz willenlos geworden zu sein. Als er vor dem Eingang zum Lokal Anna in die� Augen blickte, schrak er zusammen und versuchte sich Haltung zu geben. Annas Blick war ganz ruhig, fest und sicher. Ein eigenartig freundlicher Ernst sprach aus ihm. Herold war das vollkommen fremd. Das hatte er bei anderen Mädchen noch nicht gesehen. Er empfand«inen Respekt und eine Hochachtung vor ihr, die zu a/ eicher Zeit seiner Eitelkeit schmeichelte und ihn beschämte. Im Gastzimmer fanden sie Annas Eltern zum Ausbruch fertig. „Nun mal los,'s ist Zeitl" rief ihnen Kern entgegen. „Wo habt ihr denn Fritz?" fragte Frau Kern. „Fritz...? Fritz wird noch oben fein", Herold wurde rot und blaß bei dieser Antwort. Anna blieb sehr ruhig.„Geh rauf, Willi, und sag ihm, daß wir gehen", sogt« sie mit einer Stimme, die tiefer klang, als man sie sonst bei ihr gewohnt war. Auf dem Heimweg— es war inzwischen stockdunkel gewor- den— kam man an einen Bahnübergang, dessen Schranken ge- schlössen waren. Noch in ziemlicher Ferne tauchten zwei kleine Lichter auf, die immer stärker strahlend, sehr schnell näher kamen. Deutlicher und deutlicher hört« man das Rollen der Räder. Kaum eine Minute war verflossen, da brauste ein Zug heran und war im Nu vorbei. Das Rollen der Räder wurde wieder schwächer. Nur die roten Schlußlichter des Schnellzuges schimmerten und glimmerten noch einige Zeit. Die Schranken wurden hochgezagen und man ging weiter. Nur Kern blieb wie gebannt stehen und starrt« dem Zuge nach. Ein surchtbarer Gedanke war in ihm urplötzlich aufgestiegen. Wie von einem Magnet festgehalten, hing sein Blick an den Schluß- ' lichtern des forteilenden Zuges. Er war mit einem Schlage völlig verändert, verharrte wie erstarrt. Und es war doch gar nichts passiert?! Die Familie Kern ging indes ahnungslos weiter. Nach einiger Zeit vermißt« ihn seine Frau. „Nanu, wo bleibt denn Vater?" fragte sie zunächst noch un- besorgt. „Wird schon nachkommen", meinte Fritz. Frau Kern blieb stehen und rief zurück:„Vater, wo bleibst du denn?" Fritz ging mit den anderen weiter, doch gingen sie unwillkürlich langsamer. Kern gab keine Antwort. Er stand noch immer wie gebannt. Entgeistert hing sein Blick an den entschwindenden Schlußlichtern, und als der letzte Lichtschimmer verschwunden war, glitt sein Blick aus die Sichienenstränge, in dessen glatten Oberflächen sich das bleiche Licht des Sternenhimmels schwach spiegelte. Seine Frau rief erneut, und als er wieder keine Antwort gab, ging sie etwas ängstlich zurück. An den Gleisen blieb sie stehen. Jetzt konnte sie ihren Mann deutlich erkennen. „Warum antwortest du nicht?" Ihre Stimme klang zugleich ungeduldig und besorgt. Kern blieb stumm. Sein Blick haftete weiter an den Schienen- strängen. „Hermann, was hast du?" Frau Kern kies über das Geleise und packte, von einem leichten Gruseln geschüttelt, ihren Mann am Arm. Mit der Hand über's Gesicht streichend und den Hut aus der Stirn schiebend, setzte sich'Kern mechanisch in Bewegung, als ob er aus einem schweren Traum erwache. - „Was war denn los, Hermann?" Frau Kern sah ihm for- schend ins Gesicht. Kern schüttelte den Kopf und sagte nichts. Aber.plötzlich durchschüttelte es ihn wie in einem Fieberanfall. Er mußte einige Zeit stehenbleiben. Dann hatte er sich endlich in der Gewalt. Er schob seine Hand unter den Arm seiner Frau, drückte ihn herzlich und sagte freundlich:„'s war weiter gar nichts, Luise. Bloß die verdammte Geschichte mit den morschen Bohlen siel mir plötzlich ein." „Ach so, nur das!" Frau Kern fühlte sich erleichtert und schritt lebhaft aus. „Denk mal, Luise, wenn jetzt dieser Schnellzug..., wenn da schlechte Bohlen auf der Strecke liegen und sich die Schienen ge- lockert haben—, die vielen Menschen da drin!" „Mußt doch nicht immer an solche Sachen denken." „'s ist mein Beruf." „Aber heute ist Sonntag und wir wollen uns die Stimmung nicht verderben lassen." Frau Kern zog ihren Mann mit fort, bis sie wieder bei chren Kindern waren. Sie fühlte, daß es jetzt ihr« Ausgabe war, ihren Mann aufzuheitern und gab sich redlich Mühe. Kern aber taute doch nicht wieder richtig auf. Auf seiner Brust blieb es wie ein Alpdruck liegen und nachts hatte er einen schweren Traum. 7. Kern wird energisch. Kern und Bormann hatten den Rockkragen hochgeschlagen und die Dienstmütze tief in die Stirn gedrückt, als sie sich am Montag morgen in aller' Frühe nach» der schadhaften Stelle bei Block S begaben. Heftiger Wind trieb ihnen dünnen Sprühregen ent- gegen. Die Tage waren kürzer geworden, denn der Sommer ging zur Neige. Es war daher noch ziemlich dunkel, aber wollte man nicht allzuoft bei der Prüfung der schadhaften Unterbaustelle ge- stört werden, mußte man dazu eine Zeit wählen, in der der Zug- oerkehr noch nicht in vollem Gange war. Sie schntten, einer hinter dem anderen, schweigend die Strecke ab. Kerns Blick bohrt« sich an den Schienensträngen vorwärts, kein freundlicher Ausdruck lag heute darin, hart und finster blickten die Augen. Die Lippen waren fest geschlossen und um den Mund lag ein bitterer Zug. Plötzlich blieb Kern stehen:„Hier geht's los, Bormann", sagte er. „Jawohl, Herr Bahnmeister", antwortete der Kolonnensührer respektvoll. „Verdammte Schweinerei! Müßte schon längst erledigt sein. Berstehe nicht, daß ans metnen Bericht die Erneuerung nicht längst angeordnet ist?" „Wir haben Glück, Herr Bahnmeister,'s Wetter ist günstig gewesen. Immer feuchte Witterung." Kern stieß mit seinem Stock auf die Holzboden. Bormann prüfte mit einem Schraubenschlüssel die Verbindungen und die Schrauben, die im Holz saßen. Nachdem er so einige Zeit mit gekrümmtem Rücken herumgegangen war, fuhr er hoch und schob mit einem heftigen Ruck seine Mütze von der Stirn:„Mir scheint, ich glaube....." „Wie steht's?" fragte Kern gespannt. „Wenn ich mich nicht täusche, Herr Bahnmeister, ich glaube, jetzt wird es mit der Erneuerung höchste Zeit." „Verflucht! So'ne Schweinerei!" „Sobald wir längere Zeit hintereinander trockenes Wetter i e- kommen, kann's ein Malheur geben. Die Strecke wird zu stark benutzt." Kern brummte etwas, doch konnte es Bormann nicht verstehen, es klang dazwischen etwa- wie Zähneknirschen. In heftiger Er- regung lief Kern einige Schritt« hin und her. „Achtung, ein Zug!" rief ihm Bormann zu. Sie traten zurück. Gemütlich kam der Zug auf der Seite, auf der sie standen, angerollt. Es war ein Güterzug. „Passen Sie jetzt mal auf, Bormann, ob Sie was merken, wenn der Zug über diese Stelle fährt."(Fortsetzung folgt.) eßuch Richard Wüljenbeck:„China irißiWlenichen"*) Die Handlung des Romans ist Nebensache: daß ein deutsches Schmugglerschiff mit Gewehren und Munition nach China stchrt, von den Engländern abgefangen wird, Kapitän und Steuermann ins Zuchthaus wandern und zwei abenteuernde Leute der Be- satzung in die Kriegs- und Aufruhrwirren hineingezogen werden, der«ine seinem Tode, der andere dem Zuhältertum oder der- gleichen entgegen. Das alles ist vielmehr nur der Anlaß, um China selbst zu zeichnen, den Gegensatz zwischen Eingeborenen und Europäern, die Vermischung von Geschäft und Politik, die dunklen Wege des Kapitals und der proselytenhungrigen Religionsgescll- schasten, die Zerfahrenheit der Revolutionsarmeen, grausames und planloses Abenteurertum, entbundene Erotik, Volksbetrug, Mord und Untergong. Ein ungeheures Chaos gischtet auf, reiht Menschen, Leidenschaften, Berechnungen, Vermögen in seinen Strudel, verebbt und steigt aufs neue, und Chaos, verwirreidc Buntheit charakterisiert auch das Werk als künstlerische Leistung. Schau- Plätze wechseln in einem fort. Gestalten und Beziehungen jagen �hastend vorüber, die Handlung springt von Gegenstand zu Gegen- stand, Gesprächs- und Gedankenfetzen blitzen auf, nur als seltene Inseln zeigen sich Stellen der Verknotung und Zusammenfassung. Es würde die Hand eines Conrad oder London dazu gehören, uni die.zahllosen Fäden so straff zusammenzuhalten, wie die Oekonomik eines einheitlich durchgeführten Werkes das verlangt: die Sprach- und Seelenkunst eines Döblin, um das Durcheinanderwogen der Gedanken und des Unterbewußten zum zwingenden Erlebnis zu erhöhen. In all dem erweist sich Huelsenbecks Werk als Gestaltung zweiter Hand, die anderen abgeschauten Methoden wurde» des Stoffes nur äußerlich Herr. Stil, den man nicht besitzt, läßt sich imitieren, nicht nach Belieben neu gebären. _ Dr. Alfred KIcinberg. *) Roman, Zürich, Orell Füßli, 347 S., geh. 4,80 M.. geb. 6,50 M. PÜ/f DEN KLEINGÄRTNER. Samen abnehmen Zu den erfreulichsten Arbeiten im Gartenbau gehört das Ernten des Samens von im eigenen Besitz befindlichen Pflanzen. Während beim Gemüse meist eine Kultur der Samen- pflanze notwendig ist, liefern uns die Blumen ohne besondere Mühe das fertige Produkt. Die Wochen des Hochsommers und des Frühherbstes sind es, in denen man auf die Samenentwicklung gut acht geben muß, will man nicht später auf geöffnete Samen- kapseln stoßen. Der gewonnene Samen muß trocken und gegen Mäusefraß geschützt aufbewahrt werden: ferner muß er richtig etikettiert werden— der Gedanke: ich brauche ihn nur anzusehen. um zu wissen, ipas für Samen es ist, ist oft trügerisch. Ordnung in diesen Dingen erspart Ueberraschungen. P. D. Nahrungsbedarf der Gemüsearien. Wir hoben bereits in der Nummer vom 12. Juni auf die an- läßlich des Deutschen Gemüsetages in Mainz gehaltenen Vorträg« über Nähr st offentnahm« und Nähr st of fersatz des Gemüses hingewiesen und dabei die Zahlen genannt, die der verdienstvoll c Forscher auf diesem Gebiete, Professor Reiny-Bonn, aufgestellt hat. Versuche von seitcn des aus seiner Schule hervor« gegangenen Dr. L i e s« g a n g- Berlin sind nun von den Herren Dipl.-Landw. T h o m a e und Groß in der„Gartenbauwirtschaft" bemängelt worden— da aber der Angriff von einer Entgegnung Liesegangs begleitet war, dürft« ein Eingehen auf diese Frage geboten sein— ist doch für den rationellen Gemüsebau das Thema vom Nahrnngsersatz eins der wichtigsten! Auch für den Klein- g ä r t n e r von Bedeutung, da mit dieser Fragt naturgemäß die der Verwendung von fertigen Kunstdünger- Mischungen zusammenhängt. Liesegang geht davon aus, daß Nährstoffoerbrauch und Dünger- bedarf der Pflanzen nicht identisch sind. Aus seinen Untersuchungen zieht er folgende Schlüsse: S t i ck st o f f— nur. zwei Drittel sind durch Düngung zu ergänzen, ein Drittel wird durch Bakterien- arbeit erzeugt. Kali— wegen„Sickerverlusten" sind 25 Prozent über die Verbrauchsmenge zu geben. Phosphorsäur«— um die Hälfte mehr zu geben, da Düngerformen nicht restlos oer- arbeitet. Kalk— für Nährstoff entzug und Sickerverluste sind jährlich 5 Doppelzentner Kalk notwendig. Während Thomae und Groß sich mit den von Liesegang empfohlenen Phosphorsäure-, Kali- und Kalk-Gaben einverstanden erklären, halten sie die Richt- lini« über Stickstoff für falsch: Die Eigenproduktion des Bodens könne nicht ein Drittel erzeugen. Da Liesegong in seiner Ent- gegnung auf diese Frage das Erscheinen einer neuen Arbeit in Aussicht stellt, sollte diese abgewartet werden. In der Darlegung ihrer Ansichten kommen Thomae und Groß auf den GartenoÄl- dünger„H a r n st os f- Ka l i- PH o s p h o r"(abgekürzt Hata. phos) zu sprechen. Sie bezeichnen ihn als den Dünger des Kleingärtners,„in dessen' Garten"— so schreiben sie— „große Mengen Kompost, Stallmist, Latrine, Asche usw. angewandt werden. Der Boden ist daher meist mit Kali und Phosphorsäure angereichert, weniger aber mit leicht löslichem Stickstoff versehen. Das Nährstoffoerhältnis von„ijakaphos" ist darauf abgestellt."— Nun weist aber Liesegang in seiner Entgegnung ausführlich und durch Tabellen unterstützt nach, daß nach den eigenen Angaben der das„Hakaphos" herstellenden Firma einnml bei vielen Fällen für Stickstoff weniger empfehlen wird, als der- von ihm er- mittelte Stickstoffentzug ausmacht und zweitens, daß der Boden durch die empfohlenen Hakaphosmengen gänzlich unzu- reichend mit Kali versorgt wird: sie bleiben hinter seinen Kalidüngungsoorschlägen weit zurück. Mit Recht weist Liesegang auf den Widerspruch hin zwischen Theorie und Praxis, der sich in dieser Kalibewertung ausspricht. P. D. Steingärten. Wenn man früher in seinem Garten Unebenheiten entdeckte, dachte man sofort daran, den Erdboden auszugleichen, um Beete, Rabatten oder ähnliches anzulegen, die harmonisch zu den übrigen Teilen paßten. Heute dagegen ist man dahingekommen, daß man hügeliges Gartenland oder Böschungen bevorzugt, um an diesen bisher vernachlässigten Stellen Steingärten entstehen zu lassen, die ebenso hübsch wie praktisch sind und viel Belehrendes bieten. Befindet sich eine Quelle im Garten, die man auch künstlich anlegen kann, indem man- eine Wasserleitung unsichtbar einbaut, so lassen sich überraschend schöne Teil« schaffen, die vielen im Flachlandc unbekannten Alpenkindern«in fröhliches Gedeihen sichern. Semper- viven, Saxifragen und Seden wachsen sehr willig in Steinfugen und Nischen, ohne dem Gartenfreund viel Mühe zu machen. Auf Halden und Steinvorsprüngen siedeln wir A u b r i t i e n an, die sich nach einem Jahre derart ausgebreitet haben, daß bald ganze Steine von diesen Frühlingsblühern überzogen werden. Ech:e Felsenpflanzen müssen auch die besten Plätze erhalten. Im Früh- jähr haben wir auch nicht blühende Teile, die durch Zwischen- pflanzen von Blumenzwiebeln wie Krokus, Eranthis, Chianodoxa und Scilla ausgefüllt werden können. Ante- narien, Cerastien, Veronica incana und andere mehr geben dem Garten eine reizvoll« Abwechslung durch ihre weißen Blätter. An Mauern siedeln wir am besten Unaria cirnballaria, Seden. Saxifragen und Semperviven an. Bon der Pflege der Steingärten wäre zu sagen, daß in den Monaten Mai, Juni und Juli viel gewässert und gespritzt werden muß. Dann müssen wir noch Regentagen Schnecken ablesen, da sie vielen Pflanzen großen Schaden zufügen. Hat allzu starker Regen Erde aus den Stein- fugen herausgespült, so müssen wir selbstverständlich nachfüllen. Dann haben wir dafür Sorge zu tragen, daß all« abgeblühten Teile sofort abgeschnitten werden. Dadurch regen wir oft zu einem erneuten Blühen an. Der Steingarten muß auch von allem Un- kraut rein gehalten werden. Zum Aufbau der Anlag«, der am besten im Herbst vorgenommen wird, benutzt man am liebsten Steine, die in der Nähe vorhanden sind. Am vorteilhaftesten eignen sich Kalk- und Sandsteine, die zumeist porös find und wegen ihrer leichten Spaltbarkeit sich leicht verarbeiten lassen. Außerdem rufen sie wegen ihrer hellen Farben im Gegensatz zu dem verschieden:« Grün reizvolle Wirkungen hervor. Als Unterbau verwendet man Schutt und Steinschlag. Ist die Anlage vollendet und bepflanzt, so bringt jeder Tag für den Natur- und Gartenfreund neue Ueber- rafchungen, hl. H. Europaflieger in Barcelona gelandet Deutsche Flieger voran- Noch immer schlechtes Wetter Die Spitzengruppe der Europaslieger ist, von Sevilla kommend, am Mittwoch bereits wieder auf dem Zlugplah Getafe in Madrid gelandet. Der Alug ist bald daraus fortgesetzt worden und die Fahrt ging nunmehr nach der Mittelmeerküste über Saragossa nach Barcelona. Die von Madrid nach Barcelona betragende Entfernung von rund 540 Kilometern ist inzwischen von 5 Fliegern, und zwar den Engländern Butler, Broad und T h o r n fswie den Deutschen M o r z i k und Potz bewältigt worden. Der Europaflug steht weiter unter dem Zeichen sehr s chl c ch- ten Wetters und ebenso wie das Gros, das in Pau festliegt, kann die in Barcelona befindliche Spitzengruppe nicht weiterfliegen, da über dem Golf von Lyon, der zum Weiterslug nach Frankreich überquert werden muß, sehr schlechtes Wetter herrscht. In Saragossa übernachteten 7 Piloten, darunter Polte- Deutschland, der bei der Landung einen unbedeutenden Schaden erlitt, aber bald darauf wieder startbereit war. In Madrid liegen zum Weiterslug von Saragossa nach Barcelona zwei Bewerber, und zwar der Deutsche P a f« w a l d t und der spanische Erzherzog Anton von chabsburg-Bourbon. Die Mehrzahl der Teilnehmer mußte, wie wir schon berichteten, in Pau Holt machen, von wo bis Mittwoch abend 36 Teilnehmer gemeldet wurden. Am Ende des zweiten Tages der Eröffnung der Kontrolle auf dem Flugplatz O r l y bei Paris ist zusammenfassend festzustellen, daß 52 Apparate diese Kontrolle passiert haben. S1 haben den Weiterflug nach Poitiers angetreten und zwei Apparate sind von St. Jnglevert nach Orly unterwegs. Der polnische Flieger M u'- s l e w s k i ist in England wegen Motorpanne hängen geblieben und wird wahrscheinlich aufgeben müssen. Morrilc führt die Spitzengruppe Di« Spitze des Feldes, die am Mittwoch in Sevilla landete, in- zwischen jedoch den Weiterflug angetreten hat, wurde von dem vorjährigen deutschen Sieger Morzik geführt. Dann.folgten der Klemm-Pilot Potz, der BFW.-Flieger Polte, die Engländer T h o r n und Butler und der Franzose F i n a t. Auf dem Wege nach Sevilla befanden sich die Engländer C a r b c r r y, Broad, der Arado-Flieger Dr. P a s e w a l d t und der letzte noch im Wettbewerb befindliche Spanier Erzherzog Habs- burg-Bourbon. In Madrid lagen am Mittwoch nachmittag die Franzosen Arrachart und Cornez und der Engländer Andrews. * Heute vormittag hatte die Sportleitung in Berlin noch keine Mitteilung darüber, ob heute früh in Pau der Start fr« ige- geben worden ist. Das Wetter im Pyrenäengebiet soll sich zwar etwas gebessert haben, doch ist es fraglich, ob es be- reits eine Uebcrquerung des hohen Gebirges gestatten wird. Auf jeden Fall hat sich durch diesen unvorhergesehenen Strich durch die Wetterrechnung der ganze Europaflug etwas verzögert. Wettstreit der 5dmerathleten Ringen, Heben und Jiu-Jilsu in Tegel Am Sonntag, dem 27. Juli 1930, findet in Berlin-Tegel, auf dem Gemeindespartplatz am Gras-Rödern-Korso, gegenüber der Turnhalle des Lyzeums, ein großer„Nationaler Weit- streit" im Riygen, Heben und Jiu-Jitsu in allen Klassen, osfen für den ganzen Arbeiter-Athletenbund, statt. Trotz der schweren wirtschaftlichen Lage sind gute Meldun- gen aus der Provinz zu verzeichnen. Es haben zu dieser Kon-' kurrcnz u. a. gemeldet Halle, Leipzig, Stettin, Bres- lau, Guben, Anklam(Pomm.), Frankfurt a. d. Oder, Prenzlau, Lukkenwalde und Brandenburg. Dazu kommen die Berliner Vereine Sparta- Neukölln, Saxonia, Alt-Weüding, Einigkeit 24, Lichtenberg-Friedrichsfelde, Frisch A u f Friedrichshagen und die Freie Sportvereinigung Tegel 1899 e. V. Es wird in allen Klassen harte Kämpfe geben, und jeder Freund der Schwer- athleten wird auf seine Rechnung kommen. Die Kämpfe in den Jugendklassen beginnen vormittags 9 Uhr. Mittags 342 Uhr ist ein Festzug durch Tegel zum Sportplatz vorgesehen, wo dann die Kämpfe in allen Sparten ihre Fortsetzung finden. Zum Schluß werden die starten Männer ihre Kräfte im Tauziehen messen. Bei schlechtem Wetter finden die Kämpfe im Ringen in der Oberrealschule, Graf-Rödern-Korso, im Lyzeum die Kämpfe im Heben und Jiu-Jitsu statt.' Der Unkostenbeitrag beträgt 30 Pfennig._ Wiener Wasserballspieler siegen in Düsseldorf Eine ausgezeichnete Vorstellung gab die Mannschaft des Wiener Athletik-Sport-Club, die sich an einem Wasserballturnier im Düsseldorfer Rhein st adion beteiligte. Die Oesterreichcr trafen st. a. mit den Hannooer- schen Wasserfreunden zusammen, die sie knapp mit 4:3 (1; 1) Toren schlagen konnten. Im Entscheidungsspiel siegte Wien über die Mannschaft von Düsseldorf 09 mit 2:1 (1: 0) Toren. Immer wieder Kanal-Hummel Ein junger Student der osmani scheu Universität in Haidarabad namens Shaji trainiert zur Zeit im K a n a l zwischen Dover und Ramsgate, um sich für«in« im August geplante� Durchqu-erung des Kanals vorzubereiten. Der Inder ist von seiner Universität eigens nach England geschickt worden, um sein Können zu zeigen. Im August vorigen Jahres schwamm er in Kalkutta 27 Stunden ohne Unterbrechung. Zdiielnmg bei Turin— Brüssel? Protest gegen Grandi und Bulla Das am Dienstag beendete Bierländer-Straßcn- rennen von Turin noch Brüssel, das mit dem Sieg« des Italieners Grandi endete, wird voraussichtlich noch ein Nach- spiel haben. Ein D i e nst o f fi zi e r der Gotthardwachc will beobachtet haben, daß Mrandi auf der Höhe zum Gotthardpatz eine Zeitlang auf einem Motorrad Platz genommen und der Oesterreicher Bulla sich längere Zeit an einen Lastwagen angehängt hat. Sofern die Richtigkeit der Feststellungen er- wiesen wird, dürften sie einen ernstlichen Protestgrund bilden. Wer wird Ostdeutscher Wasscrballmcistcr? Am Sonntag treffen sich die K r e i s m e i st e r im Wasser- ball des 1., 12., 15. und 16. Kreises in Stettin zu den Spielen um die Ostdeutsche Verb ands Meisterschaft. Im ersten Spiel stehen sich S t e t t i n und S e n f t e n b e r g gegenüber. Aller Voraussicht nach dürsten die Senftenberger, die über größere Spiel- erfahrung verfügen, den Sieger stellen. Im zweiten Spiel trifft der Meister des ersten Kreises Berlin-Brandenburg, Freie Schwim- mer Charlotten bürg 04, aus den ostpreußischen Meister E l b i n g. Dieses Spiel dürften die Charlottenburger hoch gewinnen. Das am Nachmittag stattfindende Endspiel der beiden Vor- mittagssieger wird auch hier den Berliner Vertreter in Front sehen. Die anläßlich der Ostdeutschen Verbandsmeisterschaft stattsindenden Rahmenwettkämpje haben durch zwölf Verein«'dine gute Besetzung erhallen. Aus Berlin werden neben dem Kreismeister, auch die Vereine Möve, Groß-Berlin-Lichtenberg und Berlin XII an den Start gehen. U. a. wird auch die Kreis- reigenmannschaft in Stettin erneut ihr großes Können unter Beweis stellen. Teumstunuer des Reichsbanners Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold(Winter- sportabteilung) sowie der Berliner Tennis- und Winter- jportklub S ch wa r z- R o t- G o l d veranstalten vom Sonn- abends dem 9., bis Sonntag, dem 17. August 1930, auf den acht Tennisplätzen an der Avus(Bahnhof Ausstellung) ein Bersassungs- tennisturnier. Es werden Konkurrenzen im Hcrrcn-Einzel, Damen- Einzel, Herrcn-Doppel, Damen-Doppcl und im Herren-Damen-Doppel in allen Klassen ausgetragen, auch für Spieler, die keinem Berein atlgehörcn. Dem Ehrenausschuß des Turniers gehören u. a. an: Frau Luise Ebcrt, Reichstagspräsident Paul Löbe, Reichskanzler a. D. Hermann Müller, Reichsminister a. 2. Koch-Weser, Kultus- minister Dr. Grimm«, Oberpräfident z. D. Hörsing, Bürgermeister Mielitz, Stodtmedizinalral Prof. Dr. von Drigalski, Stadtbaurat Dr. Wagner, Stadtrat Carrer. Meldungen für das Turnier sind an das Sekretariat des Berliner Tennis- und Wintersporttlubs Schwarz-Rot-Gold, Berlin SO 16, Brückenstratze 14(Telephon F 7, Jannowitz 5794) zu richten. Aus dem Boxerlager Hein Müller kehrt zurück aus USA. Ueberraschend schnell hat der deutsche Boxer Hein Müller seine Zelte in Amerika abgebrochen. Nach dem siegreich bestandenen Kampf mit dem Italiener de Carotis fand Müller keine lohnende Beschäftigung mehr, und so hat er kurz entschlossen seinen Koffer gepackt und ist mit der„Europa" wieder nach der Heimat abgedampft. Der ebenfalls aus Westdeutschland gebürtige Leichtgewichtler Willi D r e k o p f bestritt in N e w- P o r k einen Kampf mit dem Amerikaner Joe Martin, der nach Ablauf der acht Runden u n- entschieden aufgegeben wurde. Bei den- Boxkämpfen in Leicester trafen die beiden auch in Deutschland gut bekannten Engländer Gipfy Daniels und Reggie ÜJJeen über 15 Runden zusammen. Daniels, dessen gute Tage nun�ndgüllig vorüber zu sein scheinen, verlor klar nach Punkten. Bein Domgörgen ohne Titel Di« Fälle, in denen deutsche Boxmcister wegen zu niedriger Kanipfbarsen ihre Titel zur Verfügung stellen bzw. ihrer Meister- schaft für v c r l u st i g erklärt werden, mehren sich in einer Weise, die geeignet ist, das A n s« h e n des deutschen Boxsports aufs schwerste zu gefährden. Jetzt Hot auch Mittelgewichtsmeister Hein D o m g ö r g e n auf den für den 8. August nach Hamburg angesetzten Mcisterschastskampf mit dem Brcslauer Tobeck verzichtet und seinen Titel zur Verfügung gestellt, da ihm die gebotene Börse von 2000 M. zu gering war. Solange die sportlichen Gesetze sür die Meisterschaften das Ausbietungsverfahren vorschreiben, wird es auch noch viele ungeschlagen abtretende Meister geben. Dieses Cyste m ober ist der Hemmschuh einer logischen sportlichen Vorwärts- entwicklung und man wird nach Auswegen suchen müssen, um die Meisterschaftsfrage einwandfrei zu kläre». An Stelle von Hein Doingörgen, der den unlängst verstorbenen Adolf Wiegert den Titel vor fünf Jahren entriß und die Meisterschaft mit Erfolg verteidigte, werden nunmehr an> 8. August in Hamburg Erich T o b e ck und der Bochunier Bernhard S k i b i n s k i um den Mittelgewichtstitel streiten. Die übrigen Meist erschuften führen— falls nicht neue Absagen kommen— Karl Schulze- Hamburg mit Georg P f i tz n e r- Berlin, den Königsberger Helmuth Schulz mit Gustav E d« r- Dortmund und Ludwig H a y m a n n mit Hans S ch ö n r a t h zusammen. �bendrennen in Maricndorl Sam Williams nicht zu schlagen Wieder einmal blldcte das Laufen von Sam Williams, dieses idealen Trabers, eine Sensation im Programm der Marien- dorfer Abendrennen. Der famose Amerikaner hatte im Preis von Habsburg über 2600 Meter, also eine ihm schon reichlich weite Strecke, an gute Pferde bis zu 140 Meter vorzugeben. Diese gewiß nicht leicht« Aufgabe löste er indessen spielend. Eh. Mills fuhr den Schwarzen extrem auf Warten und setzte erst in der vorletzten Seite mehr Dampf auf. Eingangs der Geraden hatte sich E ck st e t n an B a n c o Dufsy vorbei in Front geschoben, aber in der Distanz war Sam Williams da und sofort überlegen. Lauter Jubel lohnt« dies« schöne Leistung, die durch die Zeit von 1:21,7 erst ihren richtigen Wert erhält. Eckstein trabt« 1:23,4. Ch. Mills stellte an diesem gut besuchten Abend wieder drei Sieger, steuerte er dock) noch die Zweijährigen Prisma sowie Hasdrubal zu beifällig aufgenommenen Erfolgen. Wieder Boxkämpfe im Lunapark Ain kommenden Sonntag tritt der Lunapark wieder mit einer Boxveranstaltung hervor, die eine gute Besetzung auf- weist. Es find folgende Paare verpflichtet worden: Harry Stein gegen Alwin P a u l k e(4 Runden), Walter Peter gegen Willi Bolz(6 Runden) und Walter Neusscl gegen den tschechischen Meister Hompacher(8 Runden). Beginn der Kämpfe 20 Uhr. Neuer Segelflug-Dauerrekord Auf der Wasserkuppc hat am Mittwoch Oberleutnant Hemmer von der bayerischen L u f t p o l i z e i einen neuen Dauerflugrekord für Segelflugzeuge mit einer Flugdauer von neu» Stunden 3 5 Minuten ausgestellt. Die bisherige Höchstleistung von Neininger-Darurftadt betrug 8 Stunden 26 Minuten. ARBEITER. TUSSBALL Am Freitag, dem 25. dieses Monats, stelzen sich in der Ky na st- straße am Bahnhof Rummelsburg Lichtenberg II und Teltow gegenüber. Lichtenberg II, die in letzter Zeit an Spiel- stärke erstaunlich gewonnen hat, sieht sich einem nicht zu ver- achtenden Gegner gegenüber. Das Spiel dürfte einen interessanten Verlaus nehmen. Beginn 6 Uhr. Fröhliches Wochenende in Lübbe». Am Sonnabend, dem 26., und Sonntag, dem 27. Juli, veranstaltet die S p r e e wa l dsta d t Lübben ein fröhliches Wochenende. Die alte Sprcewaldftadt, die unseren Sportlern, Touristen und Wanderern durch die„Liuba"- Wocheneich- und Gesellschaftsfahrten bekannt ist, wird sich im festlichen Kleide zeigen. Kahnfahrten führen durch den alte», illu- minicrten Eichen- und Buchenhain, vorbei am erleuchteten Schloß und der Amtsmühle. Ein Fackclreigen von der Krcuzspree bis zur Mühle geschwommen, Feuerwerk und Frei tanz auf dem Marktplatz bilden das So»nabendprogramm. Am Sonntagvormittag ist Konzert, Fischerst/chen und Rettungsschwimmen. Bon 19)4 Uhr bis 2034 Uhr Konzert an der� Abfahrtstelle der Kähne, Riesenfeuerwerk und Freitanz in allen Sälen. ZlSB. B«j. Lichtcnbcrq. Zur Befichtigung des Bootsbausrs des Ruder- verein» BonvSrI» treffen sich die Turngcnoffinnen und-flenossen om Eonnabend, dem 26. Juli, abends 18% Uhr, vor der Turnhalle, Schreiberhauer Stragr. Änfchliesend an die Besichtigung Baden und gemlltliches Bei- fammenfein im großen Saal des Bootshauses. ZZ®B. Bez. P-xlow. Am ssreitag, 22. Juli, findet um 20 Uhr eine ausierordentliche Vorftandssihung statt bei dem Genossen Hivpcl, Pankow, Hadlichstr. 28, vorn 3 Treppen rechts. Freie Sport- und Mufitvercinigung Berlin! Am Freilag. 25. Juli, pünktlich um 20 Uhr, beginnen wieder die Uebungsstundcn des Vereins. SpieNeute lTroimnler und Pfeifer) im„Sporthaus", Girekfenstr. 1, an der Iannowitrbrülk«. Bläfcrabteilung in der Wühlifchstrahe 86. Wegen der Antikricgskundgcbun» der Parte! am I. August und der Ver- faffungsfeier am 10. August im 4. Bezirk»tilgt» sämtlich« Spielleute am kommenden Freitag mit ihren Instrumenten in der Uebungsswndc erscheinen. keiner darf schien. Am Sonntag. 27. Juli, beteiligt sich die Abteilung der Epielleut« und der Bläser am Fcstzuge in Tegel. Antreten um 18 Uhr am Lahnhosplast in Bundeskleidung. Umziehen beim Ken. Ernst Cassub«, Tegel, Veithftr. 1» II. Fahrt mit der Rord-Eiidbahn bis Seestrasie Eekc Müllerstrage. TAnn um 12 Uhr von dort Fahrt mit der Elektrischen sLinie 25, 27, 28, 128) bi» Tegel, Echlieperstragc. Touristen»««!»„Die Ratursrcuvdc". Freitag, 25. Juli: Photogcmcin- schast Abt. Osten: Jugendheim. Frankfurter Allee 807, Cbcrt�öaal, 20 Uhr. Faltbootobteilung: 20 Uhr, Jugendheim, Britzer Str. 27, Ferienfahrten. Süd- ost: 20 Uhr, Britzcr Str. 27, Rationalisierung. Charlottenbnrg: 19.80 Uhr, Jugendheim. Sprcestr. 80, Diskussionsadcnd. Britz: 20 Uhr. Jugendheim, Ehaussecstr. 48(Rathaus), Wir sprechen über Bücher. Treptow: 19.80 Uhr, Elsenftr. 8(am Bahnhos), llcberblick über de» Stand der Uit-ratur. Sonn- abend, 26. Juli, und Sonntag, 27. Juli: Fahrten. Naturkundliche Abteilung: lluchhütt«, Abf. Sonnabend 16.89 Stcttiner Borort-Bhf.-bis Äremmen. Mitte: Zeuthen, Abf. Sonnabend, 18,30 Uhr. Schief, Bhf. lFührer Wirtch). Gesund- brunncn: Melchow— Uadcrscc, Abs. Sonnabend, 16,21 Uhr, Bhf. Gesund- brunncn(Führer Schuppa). Wedding:. Seidesce-Graonihorf. Abi. 17.16 II»- Gdrljtzcr Bhf. bis.Aönigswusterhauscn(Führer Hanrmerin). Prenzlauer Berg: Nönigswustcrhauscn-Heidesee. Abf. 17.00 Uhr, Görlitzer Bhf,(Führer Eteudler). Südost, Lichtenrade, Britz, Reukölln: Bezirkstrcffrn am Scidcfcc, Abf. 16, 18 und 19 Uhr. Ringdhf. Neukölln, Musikinstrumente mitbringen. Weitzensee: Dubrow(Näheres im Leim). Treptow: Malz-AItc Havel. Sonntag, 27. Juli: Fricdriätshain: Birkenwerder, Mühlenbecker See, Abf. 6.00 Uhr, Stettiner Borortbhf.(Führer Dannendcrg). Charlottcnburg: Uedersee. Dem Ziel entgegen! Rudolf Wolke bei der Tour de France ausgeschieden INit der am Mittwoch erledigten 17. Etappe der Tour de France von Evian nach Bclsort(282 Kilometer) haben die Teilnehmer schon 4000 Kilometer hinter sich gebracht und nur noch 679 Kilo- meter bi» Pari» in vier Tagen zu bewältigen. Das Schwerste li«gt hinter ihnen, denn nun geht es auf durch- weg guten und zumeist ebenen Strotzen über Metz, Charteville und Dünkirchen dem Ausgangspunkt der langen und beschwerlichen Fahrt entgegen. Als Opfer der 17. Etappe bli«b von den Deut- schen Rudolf Wölk« auf der Streck« und so sind nach dem Aus- scheiden von Bu s e, Tietz und Wolke nur noch fünf. Deutsch« beisammen, von denen Alfred Schön auch aus der Fahrt nach der alten Feste Belsort die beste Figur macht«. Er lraf inmitten dsr zehnköpsigen Spitzengruppe am Etappcnziel«in und placierte sich an sechster Stelle. Den Etappensieg«rrang diesmal der Bslgicr B o n d u e l in 9:56:28 vor Pelissier, Leducq, A. Magne und Guerra, an dessen Seite Schön das Zielband kreuzte. Weiter befanden sich noch Faure, Magne, Trueba und Mcrviel in der Kopfgruppe. Wenig später kamen auch Tierbach, Manthey, Siegel und Nebe in Sicht. Der Dresdener besetzte in 9:58:58 den 13., Manthey in 10:01:19 den 16.. Siegel in 10:04:28 den 24. und Nebe in 10:05:36 den 25. Platz. Uebermäßige Schwierigkeiten bot die Strecke von Evian nach Belsort nicht. Der Weg führte zunächst an den User» des Genfer Sees entlang und dann war der 1332 Met#- höh« Faucill«-Gipsel zu erklimmen, d«sscn Steigung von dem Felde fast geschlossen genommen wurde. Die aus halbem Wege gelegene Kon- troll« Pontparlier passierten unter Führung von Pelissier und Le- ducq 50 Fahrer geschlossen und erst dann, im Angesicht des nahen Zieles, zog sich das Feld in die Läng«. Nennenswerte Aenderun- gen in der Gcsamtwcrtung haben sich nicht ergeben. In der Einzelweriung führt nach wie vor L«ducq mit 136:21:51 vor Guerra mit 136:38:04, Magne mit 136:39:54 und Demuysere mit 136:45:25. Auch an der Placierung der Deutschen hat sich nichts geändert. Alfred Schön nimmt mit einer Fahrzeit von 137:28:29 den 11. und Thierbach mit 137:57:31 den 14. Rang ein. Die 18. Etappe führt die Teilnehmer am Donnerstag von B e' fort nach Metz(226 Kilometer). -Arn Sonntag in Paris In Paris werden bereits jetzt alle Vorbereitungen für den' Empfang der Teilnehmer an der Tour de France getroffen. Die P r i n z« n p a r k b a h n in Paris, das Endziel der Tour de France, dürfte am kommend«» Sonntag aus diesem Grunde ein übervolles Haus haben. In Erwartung der Fernsahrer ge'on-' hier ein umfangreiches Programm zur Abwicklung. Die HausangesteNie. Nuhebeöürftig und trohdem arbeitsfähig? (5iiic Hausongestellte, die sich krank fühlte, dessialb die Wahnung ihrer Mutter aussuchte und sich bei ihrem Arbeitgeber wegen Krank- hcit entschuldigen ließ, wurde fristlos entlassen, weil sie das Ultimatum des Arbeitgebers: Entweder bis 12 Uhr zur Arbeit zu- rürkzukchrcn oder durch Krankenschein ihre Arbeitsunfähigkeit nach- zuweisen, nicht erfüllt hatte. Vor ix m Arbeitsgericht behauptete der beklagte Arbeitgeber, er glaube nicht, daß die Klägerin arbeitsunsähig war, sondern er meme, si« Hab- sich durch eine vargespiegekle Snmkheik Ferien er- schleichen wollen. Der Arzt, den die Klägerin zu Rate gezogen hatte, wurde als Zeuge gehört. Er sagte, objektive Krankheitsmerkmale habe er nicht feststellen können. Di« Klägerin Hab« über Schwindelgesühl und Schwäche geklagt, er habe sie an einen anderen Arzt überwiesen und ihr geraten, sich einige Tage auszuruhen, aber als a r b e it s u n s ä h i g habe er sie nicht bezeichnen können. Nun gab es einen lebhaften Disput zwischen dem Zeugen und der Mutter der Klägerin, die sich darauf berief, der Zeuge habe doch ihrer Tochter den Rat gegebey, sich ein paar Tage hinzu- legen, also sei sie doch arbeitsunfähig gewesen. Es sei doch undenkbar, daß jemand in sokchem Zustand ardeitln Kmi«. Aber der Arzt blieb dabei, daß die Klägerin nicht arbeitst unfähig gewesen sei. Auf den dringenden Rat des Kanmiervorsißendcn, der die Klagch als aussichtslos bezeichnete, wurde die Klag« zurülkge» nommen, ohne daß die Kammer über den Fall beraten hatte. f Es ist zu bedauern, daß die Kammer nicht zur Beratung ge4 komme» ist. Es wäre doch sehr interessant gewesen, zu börcn. wie! sie, wenn sie die Klägerin abgewiesen hätte, es sich denkt, daß eine hausangeslellle ein paar Tage ruhen und gleichzeitiq arbeiten kann. Dem ungelehrten Laien bleibt dies ein unlös-, bares Rätsel. �(5efchäft$'Jbtsefger t föezivfc Jlordewi'Cfien. Bevor Sie l�lÖbd kaufen besichtigen Sie meine Ausstellung �129 Zahlungserleichterung ohne Aufschlag, bei Kassa 50/o Tischlermeister Berlin Nf Chausseesir. 60 JULIUS KIWI Nur die fiemecerd-Clectre Schallplatte bringt die Aufnahmen der Chöre des Deutschen Arbelter-Slngerbundes.— Bezujiqueiien-Nadiwei« ftomepheiiCempcniY Berlin Itfyee Verlangen SieSpczial-Proipekte Ober Arbeiter chor-Piatten In allen elnsdilftglgen Gesdslfien erhlUltcfa. 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