Morgenausgabe Nr. 345 A 174 -ti.Hchrgang Wöchentlich 8SPf� monatlich 3,60 M. im voraus zahlbar. Postbezug 4.32 M. einschließlich 60 Pfg.Poftzeitungs- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslands abonnement 6,— M. pro Monat. * Der„SSormörfs* erscheint Wochentag. lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel �Der Abend". Illustrierte Beilogen.Voll und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner .Frauenstimme", Technik".Blick in die Bücherwelt",.Iugend-Dorwärt»� und.Stadtbeilage�. Berliner Volksblatt Sonnabend 26. 3uli 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklame�eile 5.— Reichs- mark.„Kleine Anzeigen� das fettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben ählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt �eile 60 Pfennig. Familienonzeigen Zeile i0 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- gefchäft Lindenstraße 3, wochentäglich von SVa bis 17 Uhr. Jentealoesan der Gozialdemokrattfchen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstrabe 2 Fernsprecher: Dönhoff 292—237. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwäris-Berlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin S7S36.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten. Wallstr. KS. Dt. B. u. Diic.-Gef.. Depostienkasle Lindenstr. 3, Britische Befihbelastung. Große Llnterhausmehrheit für Snowdens Budget. London, 25. Juli. lEigenbericht.1 Der von der Arbeiterregierung dem Unterhaus vor- gelegte Etat wurde am Freitag in dritter Lesung mit 222 gegen 182 Stimmen angenommen. Selten ist ein Budget so endlos und bis zum letzten Komma debattiert, kritisiert, angegriffen und verteidigt worden als diesmal. Nicht nur die Höhe der sozialen Ausgaben und die hierfür ein- gesetzten Posten hatten das Mißfallen der bürgerlichen Parteien und besonders der Konservatwen erregt. Vor allem fand die völlige Abwälzung der Mehrausgaben aus die Schullern der Besitzenden mehr als drei Monate die heftigste Obstruktion der bürgerlichen Parteien. Daß S n o wd e n die Einkonnnensteuer zu erhöhen wogte hat ihm so sehr den Zorn und die Kritik des Bürgertums und feiner Presse eingetragen, daß heute der nach der Haager Konserenz so ge- feiert« Schatzkanzler der Arbeiterregierung der bestgehaßte Mann in England ist. Es gibt kein Beispiel in der englischen Ge- schichte für eine derartige Besteuerung der besitzenden Klasse, wie jetzt durch Snowden. Mehr als einmal in dieser dreinionatigen Finanzdebatte schien das Schicksal der Arbeiterregierung besiegelt zu sein. Einmal waren es sogar die Liberalen, die einen Antrag auf erhebliche Berminderung de�Einkommenstcuer eingebracht und damit das Signal zum Sturz der Regierung gegeben hatten. Er wäre geschehen, wenn nicht in letzter Minute vier Liberal« für die Arbeiterregierung eingesprungen wären, wodurch diese mit zwei Stimmen Mehrheit gerettet und das Unterhaus seiner, von den beiden bürgerlichen Parteien so sehr gefürchteten Auflösung ent- gangen ist. In all diesen Monaten ober saß Snowden mit eiserner Ruhe auf seinem Platz. Keine Herausforderung, kein Hohn und kein Schlag seiner Gegner blieb unerwidert, und vor allem: d e r S ch a tz- kanzler gab keinen Punkt seines Programms und seines Etats preis. Bis zum frühen Morgen dauerte zumeist die Obstruktion der Konservativen. Snowden war nicht zu ermüden. Einmal ließ er sogar das Unterhaus Tag und Nacht bis in den folgenden Mittag ununterbrochen beraten, bis endlich, in der 25. Stunde, die Obstruktion gebrochen war. Snowden hat seinen Etat und seine Zuschläge zur Einkommen- steuer durchgesetzt. Die im englischen Budget vorgesehenen Mehrausgaben werden allein durch die besitzende Klasse getragen. Pon 2 400 000 englischen Steuerpflichtigen tragen die 400 000 Reichsten die Erhöhungen, und die progressive Besteuerung dieser großen Vermögen ist weit fühlbarer und schwerer noch als ihre proportionale Belastung. Ein Klassen etat, aber diesmal zugunsten der arbeitenden Klasse und der Verbraucher. Snowden und die Labcnwregierung haben sich den ihnen jcht entgegengebrachten Haß der englischen Bourgeoisie ehrlich verdient! Wenn keine unvorhergesehenen Zwischenfälle eintreten, wird dos Unterhaus vom 1. August bis zum 1. Oktober in die Ferien gehen. Sosort nach der Vertagung des Parlaments tritt Mac- d o n a l d seinen Erholungsurlaub an, der ihn zunächst nach O b e r- ammergau führen wird. Außenminister Henderson, dessen Gesundheit in letzter Zeit sehr zu wünschen übrig ließ, ist bereits zu einer längeren Zdur nach Südengland abgereist. Im Verlauf der Besprechungen zwischen der Exekutive der Ar- beiterpartei und dem Vorstand der Unabhängigen Arbeiterpartei über die Fr a k t i o ns d i sz i p l i n wurden Henderson und M a x t o n beauftragt, die künftigen Regeln für das Verhalten der unabhängigen Abgeordneten bei den Abstimmungen im Unterhaus festzusetzen._ Indien-Boykott greift um fich. Gandhi für Verhandlungen? Bombay, 25. Juli. Die Bdykottbeweguvg in Indien nimmt immer schärfere For- m«n an. So sind jetzt aus Amntfar 100 Siths in Lahors einge- troffen, um mit Hilfe von Kongreßfreiwilligen den Boykott gegen die Trinkstuben und die ausländischen Tuchgeschäfte in stärkerem Maße durchzuführen. Aus Protest gegen die Re- pressalien der indischen Regierung hat die Stückgutverkaufsvereini- gung in Bombay, die hauptsächlich englische Tuche einführte, be- schlössen, vom 26. Juli ab ihre Geschäfte auf unbestimmte Zeit e i n- z u st e l l e n. Die Gesellschaft hat jährlich für etwa 15 Millionen Pfund Tuche noch Indien eingeführt. „Daily Mail" berichtet aus Bombay, man nehme an, daß das Schreiben, das Gandhi den beiden Unterhändlern, die ihn aus- suchten, für die beiden Rehrus mitgegeben hat, die Einstellung der Ungehorsamkeitsbewegung unter gewissen Bedingungen anregt. Aegyptischer parlamentsiruh. Heute Oemonstrationstag. Kairo, 22. Juli.(Eigenbericht.) Die Unabhängigkeitspartei Wafd beschloß, im allernächster Zeit unter allen Umständen eine Parlaments- sthung abzuhalten. Falls der König sich weiterhin ab- lehnend verhält, sollen die Abgeordneten irgendwo in ein Privathaus zu einer Sitzung zusammenberufen werden. Die Instanzen des Wafd tagten am Freitag in Permanenz und beschlossen, für den Fall, daß der König die außerordentliche Par- lomentssession entgegen anfänglicher Erwartung endgültig ablehnen sollte, am Sonnabend in ganz Aegypten große Demon- strationen gegen das Regime der Diktatur zu veranstalten. Kommt es soweit, dann muß mit neuen Zusammenstößen gerechnet werden, obwohl die Parteiinstanzen des Wafd entschlossen sind, die Demonstrationen in friedliche Bahnen zu lenken. Die Möglichkeit von Zusammenstößen ist jedoch dadurch gegeben, daß unter kam- m u n i st i s ch e m Einfluß stehende Elemente schon seit Tagen aus Zusammenstöße mit der Polizei hinwirken und die für Sonnabend in Aussicht genommenen Demonstrationen wahrscheinlich zur Er- süllung von Befehlen benutzen werden. Zahlreiche europäische Kaufleute in Kairo, Port Said und Alexandria haben wegen der ihnen bei den letzten Unruhen zuge- fügten Schäden außerordentlich übertriebene Ersatzansprüche an die Regierung gestellt. Vor neuen Verordnungen. Beratungen des Beichskabinetts. Das Reichskabinelt ist gestern nachmittag zusammengetreten, um über neue finanzielle Rotverordnungen zu beraten. Die Veratungen dauerten bis in die späten Abendstunden. Die Veröffentlichung der Verordnungen soll erst zu Beginn der Nächsten Woche erfolgen. Monarchist Hugenberg. «Schwarzweißrot— die Parteifahne der Hugenberger. ' Es ist bemerkenswert, daß keine der Gruppen, die sich von der Deutschnationalen Volkspartei losgelöst haben, sich programmatisch zur Monarchie und zu Schwarzweißrot be- tannt hat. Auch im Gründungsaufruf der Gruppe Westarp- Treviranus fehlt ein Bekenntnis zur Monarchie. Gestern hat die Parteioertretung der Deutschnationalen nun eine Ent- schließung gefaßt, deren Schluß lautet: „In Fortsetzung des von ihr mit Volksbegehren und Volks- entscheid eingeleiteten Freiheitskampfes tritt die Deutschnationale Volkspartei in neuer Kraft und GejchLossetiheit in den Wahllampf ein. Sie wird ihn führen getreu ihren großen nationalen, christlichen und sozialen Zielen, getreu ihren monarchistischen Grund- säßen, getreu der Fahne schwarzweißrot!" Die Gruppe Hugenberg ist also die letzte Säule des Mon- archismus in Deutschland, schwarzweißrot ist die Parteifahne der Hugenberger. Selbstverständlich ist dies Pochen auf die monarchistischen Grundsätze in erster Linie ein Konkurrenz- manöver gegen Westarp, der dadurch in eine peinliche Situa- tion gerät.__ Karl Oemmler gestorben. Ein Kampsgenosse Bebels und Wilhelm Liebknechts. Chemnitz. 25. Juli.(Eigenbericht.) Im Alter von nahezu 90 Iahren starb in Geyer im Erzgebirge Karl Demmler, der mit Wilhelm Liebknecht und August Bebel zu den Mitbegründern der Parteiorganisationen im oberen Erzgebirge gehörte. In vielen Orten des Erzgebirges schuf Demmler Arbeiter-Dildungsoereine, die Vorläufer der sozialdemokratischen Ortsgruppen. 1890 gründete er den Konsumverein in Geyer, dessen Geschäftsführer er bis 1918 tvar. 1909 wurde Demmler vom 19. Reichstagswahlkreis in den Sächsischen Landtag gewählt. 1918 eröfsnet« er als Alterspräsident die Sächsische Volkskammer. Wettparlament im Werden Die Konferenz der Interparlamentarischen Llnion Von Wilhelm Sollmann Der Völkerbund ist eine Organisation der Regierun-, gen. Nicht einmal aller, denn die Vereinigten Staaten voir Nordamerika sind nicht beteiligt. Die Delegierten und Sprecher im Völkerbunde vertreten die Politik ihrer Re-, gierungen. Die Stimme der Oppositionen wird nicht gehört. Unterdrückte Klassen und nationale Minder? heiten können nur von außen her als Petenten auf derr Völkerbund Einfluß zu gewinnen suchen. Es liegt nahe, den Völkerbund der Regierungen durch einen Bund der Parlamente zu ergänzen, neben den Völkerbund mit seiner Politik der Regierungen die freie Tribüne eines Volksparlaments zu setzen, die Arbeit dcp Völkerbundsdelegierten durch ein internationales frei ge? wähltes Parlament kontrollieren und vervollkommnen zu lassen. Erst dann würde der Völkerbund seinen großeu Namen zu Recht tragen: er hätte nun nicht nur Organe de? Regierenden, sondern auch der Regierten. Nicht zuletzt für die sozialistische Internationale würden sich daraus große Möglichkeiten ergeben. Da sie in nur wenigen Re? gierungen oertreten ist, würde erst eine parlamentarische Völkervertretung beim Völkerbund, ein freies Weltparlament die Forderungen und Ziele der Arbeiterklasse in Genf voll zur Geltung bringen können. Den Anspruch dieses Weltparlaments, zu werden, erhebt die Interparlamentarische Union, die soeben! ihr 26. Konferenz in London beendet hat. Die Interparla- mentarische Union ist ebenso alt wie die sozialdemokratische Internationale: 40 Jahre. Sie besteht aus Parlamentarier» fast aller Länder der Welt. Die meisten Parteien sind itt ihr vertreten. Der deutschen Gruppe gehörten in dem jetzt aufgelösten Reichstag 217 Abgeordnete. an, und zwar aus allen Parteien. Nationalsozialisten und Kommunisten aus- genommen. Vor dem Kriege hat sich die Sozialdemokratie in den allermeisten Ländern der Union ferngehalten. Nach dem Kriege sind die Sozialisten fast überall beigetreten und haben sich rasch eine führende Stellung errungen. Auf der Londoner Konferenz sind etwa 80 sozialistische Parlamen- tarier vertreten gewesen. Ihr Einfluß dürfte sich auf kom? wenden Konferenzen noch stärker bemerkbar machen als bisher. Vor dem Kriege beschäftigte sich die Jnterparlamenta? rische Union im wesentlichen nur mit dem i n t e r n a t i o? nalen Schiedsgerichtsgedanken und der Ab- rüstungsfrage. Nach dem Friedensschluß hat sie ihr Tätigkeitsgebiet wesentlich erweitert. Das Abrüstungs- Problem spezikstisierte sich und kam aus theoretischen Erörte- rungen immerhin in den Kreis praktischer Vorschläge. Die neuen Grenzziehungen vermehrten die Zahl der n a t i o- nalen Minderheiten, zumal in Osteuropa. Die vielen neuen staatlichen Grenzen erhöhten die Z o l ls ch w i e- r i g k e i t e n. Der internationale Hochkapitalismus schuf internationale Riefengebllde von Kartellen und T r u st s, die mächtige Gegenspieler der Regierungen und der Parlamente wurden. Ein Uebermaß von wirtschaftlichen, finanziellen, sozialen Schwierigkeiten schuf die internationale Krise des Parlamentarismus. Nicht mehr von monarchisch? absolutistischen Kräften, sondern von faschistischen und bolsche- wistischen Bewegungen wurden die Demokratie und das parlamentarische System von Grund auf in Frage gestellt. Alle diese vielfältigen und verwickelten Probleme zieht die Interparlamentarische Union in das Gebiet ihrer Er- örterungen. Sie läßt diese Fragen durch Studienkom- Missionen von Parlamentariern dauernd untersuchen und die Ergebnisse auf ihren großen internationalen Kon- ferenzen beraten und zur Entscheidung stellen. Bindende Beschlüsse faßt die Interparlamentarische Union nicht. Ihre Beratungen enden mit p r o g r a m m a- tischen Entschließungen, die den einzelnen natio- nalen Gruppen als Richtlinien für die Arbeit in ihren Parla- menten dienen. Berücksichtigt man die interfraktionelle Zu- sammensetzung jeder nationalen Gruppe, so ist es verständ- lich, daß die Beschlüsse nur sehr allgemein gehalten sein können. Immerhin ist ihr Einfluß unverkennbar. Das Generalsekretariat der Union in Genf, dessen Generalsekretär der Nobelpreisträger Lange ist, sorgt für die dauernde internationale Verbindung der Parlamentarier. Die Interparlamentarische Union ist einer der stärksten Beweise dafür, daß keines der großen Probleme mehr aus engen nationalen Räumen zu jösen ist. In allen Kultur- länbetn, in deren Regierungen und Parlamenten entwickeln sich gleichartige oder doch sehr ähnliche Schwierigkeiten, die nur durch internationale Zusammenarbeit zu beseitigen sind. Nationalistische Beschränktheit mag das noch nicht örkennen oder bestreiten, und die Sorge um die Vorherrschaft der kapitalistischen Klassen mögen die Arbeiter von internatio- nalen Verbindungen abzulenken suchen: all das wird die Macht der Tatsachen, die zu einer internationalen Betrach tung und Bearbeitung der großen Fragen zwingt, nicht dauernd verdunkeln können. Man kann allerdings weder einen kontinentalen noch einen universellen Zusammenschluß der Staaten und Völker willkürlich konstruieren. Aber in- mitten und infolge der vielen Theorien, Kongresse, Debatten, Studien wächst über Nationen und Kontinente hinaus die kommende neue Welt der friedlichen Ord- nung, weil die internationale Wirtschaft und die inter- nationale geistige Kultur ihrer bedarf. Ein moderner Krieg kann diese Entwicklung stören, aber zugleich beweist das internationale Unheil in seinem Gefolge gerade am meisten, wie sehr die Welt schon international ver- flochten ist. Brüning und der Reichspreffechef. Die Kunst des Oementierens. In der Nacht zum Freitag wurde das folgende amtliche Dementi durch das Wolff-Bürö verbreitet: „Trotz sofortigen amtlichen Dementis wirb in der heutigen Aus» gafre des Sozialdemokratischen Pressedienstes die Behauptung auf- rechterhalten, daß der cherr Reichskanzler dem Chefredakteur der„Deutschen Allgemeinen Zeitung", Dr. Klein, da, Amt des Reichspressechefs angeboten habe. Demgegenüber kann nur nochmals festgestellt werden, daß diese Mitteilung ebenso wie die andere in diesem Zusammenhang wieder- holte Behauptung völlig unwahr ist. In der politischen Besprechung, die der Herr Reichskanzler am Mittwoch mit Dr. Klein h a t te, ist das Amt des Reichspressechefs weder angeboten noch auch angenommen worden. Diese Frage ist in der Besprechung, die wie viele andere der Herr Reichskanzler mit maßgebenden Politikern und Journalisten geführt hat, über- Haupt mit keinem Wort berührt worden." Also: der Herr Reichskanzler hat am Mittwoch eine politische Besprechung mit dem Ehefredakteur des Scharf- macherblattes gehabt. Dabei ist kein Angebot erfolgt. Aber vielleicht an einem anderen Zeitpunkt? Der„H a n- noversche Courier", volksparteilich, absolut, regie- xungsfromm, berichtet aus Berlin: '„Es b e st äti g t sich, daß Reichskanzler Dr. Brüning dem Chefredakteur der„Deutschen Allgemeinen Zeitung", Dr. Fritz Klein, inoffiziell den Posten des Reichspressechefs an- ge boten hat. Dies Angebot liegt aber schon einige W o ch e n z u r ü ck. Dr. Klein ist mit mehreren Reichsministern und auch mit dem Kanzler gut bekannt, er scheint aber keine große Lust zu haben, diesen doch immerhin unsicheren Posten gegen seinen jetzigen einzutauschen. Die Regierung ist aber wegen eines anderen Nachfolgers für Zechlin scheinbar einigermaßen in Verlegenheit, zumal Geheimrat Katzenberger, der zweite Mann in der Reichspresiestelle, für die Nachfolge nicht in Frage kömmen dürfte, obwohl er Zentrumsmann ist. Früh«? ist bei diesen Erörterungen der Name�des zur Zeit in Moskau tatigen Herrn von Twardowski genannt worden, der sich zur Demokratischen Partei rechnet. Wieweit man augenblicklich an seine Person denkt, ist unbekannt. Falls Dr. Zechlin seinen Posten verlassen würde, würde er wahrscheinlich in den diplomatischen Dienst zurückkehren. Gedacht wird dabei an den G e sa n d t c n p o st«n in Lissabon, der ja durch den sahen Tod des früheren Gesandten von Baligand frei- geworden ist." Zechlin soll gegangen werden. Ein Nachfolger wird gesucht, Herr Brüning hat ein Angebot an Dn Klein gemacht, dabei aber keinen Erfolg gehabt. Wir warten nun, ob Herr Brüning auch ein Dementi gegen den„H a n n o v e r- schen Courier" loslassen wird? Wir denken daran, daß Herr Brüning einst ganz kategorisch dementieren ließ, daß er mit Herrn Oberfohren oerhandelt habe. Herr Oberfohren aber erklärte öffentlich, er habe verhandelt. So gestellt, ließ Herr Brüning erklären, es habe sich nur um Besprechungen, nicht um Ver- Handlungen gehandelt. Das ist seine Kunst des Dementierens. Schiele gehi zu Hepp. « Gewerkschaft« muß zum Agitator werden. Es geht danem, ob die Demokratie von Weimar zu einer Diktatur des Gekdfacks umgebaut werden soll od« nicht. Für wen soll der Gewerkschaft« werben, für welche Partei? Es muß einmal deutlich gesagt werden: die sozialpoNkischen Znt«- esjeu der Arbeiterschaft und des Volks ganzen hat bisher nur die Sozialdemokratie ernsthast««treten. Die Kommunistische Partei hat nie- mals im Reichstag ernsthaft um die Erhaltung der Arbeitslosen- Versicherung und Krankenversicherung gekämpft. Sie erschöpfte sich darin, die Gewerkschaften, alle Arbeit», die nicht ihre aufgeregten revolutionären Phrasen nochbeteten, zu beschimpfen und zu„ent- larven". Wir hoffen, daß dieser Appell an die gewerkschaftliche Einsicht weithin Widerhall findet. Wenn Gewerkschaft und Sozialdemokratie fest zusammenstehen, sind sie nicht nur u n» überwindlich, sie werden siegen über Eigennutz und Unverstands_ Zialiens Kolonie Albanien. Hilferuf an Äriand. Paris. 23. Juli. fEigenbericht.) Die albanische Rational-Liga hat ans Veranlassung deS frühere« albanischen Abgeordneten Klissura dem Außenminister B r l a« d ein Memorandum überreicht, in dem die Leiden deS albanischen Volkes unter der faschistischen Vormundschaft geschildert werden. Das Memorandum führt aus, daß König Z a g u, der 1924 durch einen nationalen Aufstand als Verrät« aus dem Land« gejagt worden war, lediglich durch äußere Gewalt von„Nachbarstaaten" (Italien!) wieder eingesetzt worden ist. Al, Zogu den Vertrag von Tirana unterzeichnete, habe er sich sür einige Millionen Lire Apanage aus Gnade und Ungnade dem faschistischen Regime v«kaufl. Der Faschismus verfolge in Albamen folgende Ziel«: 1. das Land zu kolonisieren, 2. eine militärische und politisch« Basis zur D e- drohung des gesamten übrigen Balkans zu schaffen, :). die Italien gegenüberliegende Küste der Otrantoeng« festzuhalten und aus der Adria ein geschlossenes faschistisches Meer zu jnachen. Die allranffchen Patrioten appellieren daher an den franzö- fischen Außenminister, auch ats den Bortämps« des europäischen Friedens und als Miwnterzeichn« jenes internationalen Paktes, der di« albanische Unabhängigkeit garantiert, und fordern eine Akttoa der französischen Regierung für den wid«ruf des' v«krag» von Tirana, der im flagranten Widerspruch mit dem Geist und Wortlaut des Bölkerbundpaktes und der anderen internationalen Abmachungen stehe. Was diese exilierten Albaner behaupten, ist die volle Wahrheit. Äalien sitzt— kraft der Friedensdiktate von 1919 — in Valona, es beherrscht die Mündung der Bojana, des Abflusses vom Skutarisee. es befehligt und instruiert das albanische Heer, es nützt die alte moralisch-tulturelle Stellung aus. die noch aus der Zeit der weithin herrschenden Remxblik Venedig in Albanien besteht, wo Italienisch die weitaus bevorzugte und fast allein verbreitete Fremdsprache ist. Der alte, tieseingewurzelte Haß der Albaner gegen die Südslawen ist angefacht worden durch die montenegrinische Schreckensherr- schaft nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Weltkriegsfront und durch die Verschleppung und noch immer andauernde Zurückhaltung antiserbischer Albaner in Maze- donien, vor allem aber durch die Tatsache, daß in Südslawien mehr Albaner leben als in Albanien selbst, jedoch ohne jedes Recht auf Pflege ihres Volkstums, ohne Geltung lhrer Sprache im Amt und in der Schule. Auf diesem Gegensatz kann Italien weiterbauen an der Einbeziehung Griechenlands und Bulgariens in die krieg s- drohende Faschiftenfront. Die Aoiverordnung von Kowno. Woldemaras' Internierung. Kowno, 25. Juli. lieber die Deportierung Woldemara»' wird noch berichtet: Der frühere Ministerpräsident Professor Woldemaras wurde abends 9 Uhr, als' er von einem Spaziergang zurückkehrte, von einem Polizeikommissar und einigen Polizeibeamten empfangen und auf- gefordert, ihnen zu folgen, da ss« Befehl hätten, ihn nach einem Gute im Kreise K r o t t i n g e n(an der früheren deutsch-russischen Grenze) zu bringen. In dem Befahl heißt es. daß fein Verbleiben in Kowno die öffentlich« Ruhe und Ordnung gefährde. Wolde- maras wurde darauf per Auto nach seinem Verbannungeort abge» führt. Im Kreise Krozingen wird Woldemaras während seiner Ver» bannungszeit, die, wie man hört, zunächst«in Jahr dauern wird, unter strenger Aussicht der Polizei stehen. Die Amtswohnung, die Woldemaras noch innehat, wurde in der Nacht geräumt, indem die Möbel hinausgeschafft wurden. Sein« Frau und sein Pflegekind sind in Kowno geblieben. Die Washmgioner ltniersuchung. llm die Echtheit der Polizeidokumente. New Park. 25. Juli. Der parlamentarische Ausschuß zur Untersuchung der kommu- nistffchen Propaganda vernahm weit« drei Zeugen, die di.« vom früheren Nero-Uorker Polizeichef W Halen vorgelegten Dokumente als Fälschungen bezeichneten. Ein im Osten New Ports woh- nender russischer Drucker erklärte, daß er Brieftöpfe der angeblich aus Moskau stammenden Dokumente auf Bestellung angefertigt habe, und legte als Beweis dafür in seinem Besitz befindlich« Probe- bogen und Druckschrift vor. Derselbe Zeuge bezeichnet« einen sür den Untersuchungsausschuß als Dolmetscher tätigen sowjetfeindlichen Russen B e r n a d s k y als einen der Auftraggeber für die Briefköps«. Ein anderer Zeuge sagte aus. daß die Dotu» mente etwa sechs Wochen,«he sie in Whalens Besitz gelangten, in Washington zum Kauf ausgeboten wurden. Schließlich wies«in Anwalt der russischen Handelsvertretung Amtorg eine Reche von Unrichtigkeiten in den Dokumenten nach, namentlich die ge- meinsame veraltet« Orthographie, die auf«in und den. selben Verfasser für sämtlich« Dokument« schließen lasse. Zurückziehung russischer Aufträge in Amerika. Kowno, 25. Juli.(TU.) Jin Zusammenhang mit der Spannung zwischen der sowset- russischen Handelsgesellschaft„Amtorg" in New Pork und den amerikanischen Behörden hat das Handelskommissariat der Sowset- union die Amtorg angewiesen, die russischen Bestellungen in Amerika zurückzuziehen und diese Auslräge nötigensalls nach Eng- land und Deutschland zu vergeben. In England würden u. a. di« Bestellungen von londwirtschastlichen Maschinen bei den Vickers-Werken untergebracht werden. Auch die russisch-amerikani« schen Crdölbeziehungen könnten durch diese Spannung in Mit- leidenfchaft gezogen werden. � keine UZahlresorm in England. Der von der Regierung«in» gesetzte Ausschuß zur Nesorm des englischen Wahlrecht» hat seine Verhandlungen abgebrochen. Em Uebcrcintommcn konnte nicht erzielt werden. Die Republik Uruguay besteht gerade hundert Jahre: sie be- ging diesen Gedenktag mit großen Festen. Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater geschlossen! AbonnementsAnmeldungen für die Spielzeit 1930-31 ( Beginn am 1. September) werden auch während der Theaterferien entgegengenommen: a) für die Staatsoper und das Staatl. Schauspielhaus vomAbonnementsbüro, Berlin W56, Oberwallstr. 22. Fernspr. Merkur 9024, b) für das Staatl. Schillertheater vom Abonnementsbüro, Berlin- CharGrolmantottenburg, straße 70. Fernspr. Steinpl. 6715. Winter Garten* 8.15 Uhr Rauchen erlaubt Cortinis Dollarsegen usw. Sonnabend u. Sonntag je 2 Vorstellungen 4 und 815 Uhr. 4 Uhr kleine Preise Volksbühne Theater am Bülowplatz. 8 Uhr Der fröhliche Weinberg Lustsp. in 3 Akten von Karl Zuckmayer Regie: H. D. Kenter. Deutsches Theater 02 Weidendamm 5201 SCALA Phaea Tägl. 5 u.8%, Uhr. B 5 Barb. 9256 Pr. 1-6 M.- Nachm. halbe Preise. Afra, Glazeroffs, Gaudsmith usw. PLAZA Tägl. 5 u. 815 Sonnt. 2, 5 u. 8 15 Alex. E 4, 8066 Oscar Sabo u. Lotte Werkmeister in der Szene Beim 6- Tage- Rennen" mit Original- Krücke usw. Theater i. d. Behrenstr. 53-54 82 U. A 4 Zentrum 926-927 8% U Letzte 6 Aufführungen! Mein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten mit. Ralph Arthur Roberts. ROSE -Theater Gr. Frankfurter Straße 133 Billetkasse: Alex. 3422 u. 3494 Täglich 815 Uhr: Sonntag, den 27. Juli 1930 auch nachmittags 5.15 Uhr ,, Flachsmann als Erzieher" Komödie in 3 Akten von Otto Ernst: Robert Müller als Schulrat Prell v. Unruh. Theater d. Westens Täglich 812 Uhr: Montag zum 300. Male: Das Land des Lächelns Franz Lehars Sensationserfolg! RenaissanceTheater 9 Uhr Steinplatz 6780. Heute und allabendlich Die Komische Oper 812 Uhr Paul Heidemann in: Die Frau ohne Kuss Kollo- Operette mit Grit Haid. Theat.am Kottb.Tor Kottbusser Str. 6 Tägl. 81 Wiederauftreten der EliteSänger mit Schorsch Ruselli. Grosses Lachschlager- Programm! HAUS VATERLAND fas KURFORST 7460 Vergnugungs Restaurant Wunder- Bar für Revuestück JEDERMANN Berliner Prater Reg: Max Reinhardi Sommergartentheater Musik: Friedrich Hollaender. Bühnenbilder Ernst Schätte. Die Komödie 11 Bismck.2414/ 7516 812 Uhr Wie werde ich reich und glücklich? Kastanienallee 7-9 4 Uhr BETRIEB KEMPINSKI Grosses Gartenkonzert Berliner Ulk- Trio 6 Uhr Eine entzückende Burleske sowie der auserwählte Varieté- Teil. 8.15 Uhr Gustl Beer, Gretl Neukölln. Lahnstr. 74/ 75,1 Angenehmen Aufenthalt bieten unsere alkoholfreien ErEin Kursus in 11 Abteilungen Lilien, Alex Haber, frischungsstellen: von Felix Joachimson. Musik von Mischa Spoliansky. Regie: Erich Engel Bühnenbilder: Ludwig Kainer Lessing- Theater Weidendamm 2797.0846 Täglich 812 Uhr Der Faun Erwin Hartung in Das Dreimäderlhaus Singspiel in 3 Akten Musik nach Franz Schubert Eintrittspreis von 50 Pig. an. Die Von Edw. Knoblauch. Sehenswürdigkeit Paul Henckels, Hahn, Flamme. Reval, Grodtczinsky, Franken, Fiedler, Plessow, Lion " Eine Metropol- Th. Großmacht Täglich 82 Uhr Michael Bohnen in europäischer Hotels HOTEL EXCELSIOR Mit Dir allein... Zimmer v.7 Mk.an Volkspark Rehberge 10.PF SAMTKAPPEN DIE MODE leicht fesch bequem Abb. links Samtkappe sehr fesche, kleidsame Forin, in Schwarz oder farbig.... 4,90 * elegant Abb. rechts Samtkappe jugendliche Barettform, mit Bandblende und -garnitur 4,90 4 190 TIETZ SPARKAS Blumenspenden Mandreises OSNABRUCE jeder Art liefert preiswert 163 Baderu. Kurorte 100 Paul Golletz ber 200 000 Personen jährlich MARK Dorm. Robert Meyer Mariannenstraße 3 Quittungs-, Rabatt- Ede Naunynstraße u. 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Vorverkauf ab morgen vormittag 11 Uhr Reichshallen- Theater Uhr Gastspiel der Dresdneris Victoria- sänger Freitag 1,8.: Wiederauftreten der Stettiner Sänger Donhoff- Bretti: Saalu. kühl. Garten Varieté Konzert Tanz ZOO Zoolog. Garten Ab 4 Uhr nachmittags GROSSES KONZERT Täglich: Tanz im Freien Auf d. Schaustellungsplatz ,, 1000 Krokodile" Aquarium Tierkunst- Ausstellung LUNA Heute: Feuerwerk und das gr. Wochenend- Programm Sonntag: Boxkampf Neussel- Hampacher Stein- Paulke| Peter- Trollmann SPART BOCHUM FILIALEN: BRAUNSCHWEIG BR MEN BRESLAU DRESDEN ESSEN FRANK URT A. M. HAMBURG HANNOVER KÖLN MAGDEBURG MÜNCHEN SAARBRÜCKEN BEI DER S PC sic BANK DER ARBEITER, ANGESTELLTEN UND BEAMTEN,& BERLIN S 14, WALLSTRASSE 65 KLEINE ANZEIGEN Jedes Wort 12 Pf. Anzeigen, welche für die Fettgedrucktes Wort 25 Pf. ( zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche das 1. Wort( fettgedruckt) 15 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. 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Rein Laden. gues Arbeitsmarkt Stellengesuche Technischer Angestellter, Parteigenoffe, fucht Stellung ganz gleich welcher Art. Angebote erbeten unter Nr. 2. 30 des Borwärts" Berlages. ?»r.)4S» 47. Zahrgang Sonnabend, 26. Iuli �930 WochuiMt Ausflüge In die weitere Umgebung Kreienwalde. Freienwave ist eine alt« märkische cheitstätte, die zur Zeit des obsÄuter, Königtums nom cherrscherhause sehr begünstigt wurde. Zahlreiche Bezeichnungen durch Warte, die mit„ftonig' anfangen, erinnern an die ÜScTgcngcnheil: das Schlich ist bekanntlich seit 1927 als Rathenau-Stiftung Eigentum des Kreises. Das a r ch i. tekta irische Gepräge des als Amts, und Geschäftsstadt wich. tigen Ortes ist teils einsoch, teils modern. Was Frcienwalde an Altertümlichem besitzt, gipfelt in der kleinen St.-Georgs.Kapclle, die die älteste Fachwerkkirche Deutschlands sein soll. Die Natur hat desto mehr für Freienwalde getan: am Rande des Bornnner chochplatcaus gelegen, ist feine Umgebung reich an malerischen„Gründe n", deren Laub- und Nadelwaldbcftände den Naturfreund entzücken. So ist denn auch das Bad-Quarticr in dem das Bcrggsbiet durchziehenden Brunncntal entstanden und Hot in der reinen Waldlust einen weiteren cheilfoktor.„Die chügel find Freienwoldcs Schönheit und sein Schatz," schreibt Foirtone, der oft hier war, da sein Vater im nahen Schiffntühlc wohnte,„wer hätte nicht nnrn Ruinen- und Kapellenberg, non der Königshöh« und dem Monte Coprino gehört!"—„Diesen Bergen verdankt es olles," heißt es an anderer Stelle,„was es ist: von dort aus knnrmen seine Quellen und van dort aus gehen die Fern sichten ins Land hinein." Diesen Fernblicken hat Fontane ein« gewisse Manatani« zugesprochen: mir aber, die mir sie nicht so häufig genießen mie der „märkisch« Wanderer", halten uns an sein anderes Urteil:„Der Anblick ist schon in seiner?lrt— vom Ruinenberg blickt man auf die malerisch in der Tiefe liegende Stadt, dann in die duftige Frische der Bruchlandschaft hinein." Der heutige Wanderzmann wird sich nicht mit den diversen Berggipfeln— ist man doch in der Märkischen Schweiz!— begnügen: er wird im Süden den romantischen Baa-Sce aufsuchen (hin und zurück Stunden» und diese Tour zum Pittgrund ausdehnen(hin und zurück Z'A Stunden), oder er wird Falken- b er g und Schiffmühl« besichtigen, oder ober er wird sich weiter« Ziele stecken und Odcrbcrg, Ebers waldc. Wrie- zen, jo Buckow und sogar dem B l u»n c n t h a l mit Htra u s- b e r g als letztem Wonderziel zustreben. Das vom großen Verkehr scheinbar abseits gelegene Freienwalde ist, wie man sieht, ein Vcr- kchrszentrum für sich. Phot. B. Schrotter. Die St. Georgs- Kapelle in Frcienwalde. Von Stufe zu Stufe... Die Kriminalpolizei nahm einen 36 Jahre alten Kauf- mann A. fest, der jetzt dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde. A. stammt aus„angeszhenem chaufc" und war früher als Proku- rift bei einem größeren Unternehmen angestellt. Als er diesen Posten verloren hotte, ging es mehr und mehr mit ihm bergab, um so mehr, als er auch mit seinen Angehörigen zerfallen war und von ihnen keine Unterstützung zu erwarten hatte. Der mittellos Gewordene, der auch kein« feste Wohnung mehr besaß, verfiel nun auf«inen Trick. Angeblich im Auftrage seiner Mutter, die in Berlin ein chausgrundstück besitzt, spiegelte er Malermeistern größer« Bestellungen auf Ausbesscrungsarbeiten in diesem chause vor. Erfreut über den lohnenden Austrag, zögerten die Meister nicht, dem Besteller auf sein« Bitte«in Darlehn zu gewähren, für das er als Sicherheit einen Wechsel gab. Später mußten die Geldgeber einsehen, daß die Unterschrift gefälscht und der Wechsel wertlos war. A. gibt zu, in 19 Fällen wissentlich gefälschte und wertlos« Wechsel in Umlauf gebracht zu haben, deren Beträge 109 bis 150 Mark auzlbachtcn. lieber den Aufmarsch der Parteien spricht im Programm der Aktuellen Abteilung der Junk-Stundc am Sonnabend, dem 26. Juli, abends 7.39(13.39) Uhr Reichsinnenininister Dr. Wirth. 3000 Tote in Ltalien. .Hilferufe kommen von allen Seiten. Rom, 23. Juli. Tie letzten Meldungen auS dem Erdbebcngebiet lassen schließen, daß die Zahl der Toten sich auf ungefähr 3 0 00 belauft. k?s ist aber immer noch nicht zu über- sehen, ob es bei dieser Zahl bleiben wird, solange die Trümmer nicht aufgeräumt sind und nicht festgestellt worden ist, wieviel Leichen unter den einge- stürzten Häusern begraben sind. In den Kranken- Häusern sind inzwischen eine Reihe von Verletzten gc- starben. Mit einem Tonderzug trafen in Foggia die au� dem schwer beschädigten Gefängnis in Melfi stammenden überlebenden Gefangenen, im ganzen 80 an der Zahl, ein. Wirbelsiürme und Hihewelle. Aus dem Dolomiten gebiet werden schwere Stürme gemeldet, die von heftigen 5>ag«lschlägcn und Schneefällen gefolgt waren. Die Gebirgsflüsse führen alle Hochwasser, und es besteht U e b e r s ch w e m m u n g s g e f a h r. Auch die Etsch ist bedenklich gestiegen, lieber di« verheerenden Folgen des Wirbel- sturmes in Norditalien treffen ergänzend« Meldungen ein, nach denen zwischen Mnntcbelluna und Nervosa eine Reihe von Dörfern schwer mitgenommen wurde. Einige von ihnen, die c r st nach dem Kriege wieder aufgebaut wurden, sind in Trümmerhaufen verwandelt. Jahrhundert«, alt« Pia- tauen wurden van dem Wirbelsturm entwurzelt, Telegraphen- stangen wie Strohhalme umgeknickt, Häuser abgedeckt und umzc- worsen. Unter der Bevölkerung verbreitete sich«ine immer steigende Panik. Eine 5)itzcm«ll« hat in einem Teil des Erdbebengebietes, sowie in ganz Apulien eine erhebliche Temperatursteigerung hervorgerufen. In der Gegend von Foggia ist das Thermometer um die Mittagszeil auf<9 Grad , m Schatten gestiegen. Die Hilfsaktion. Die Regierung hat ein« großzügige Aktion zur provi- svrischen Unterbringung der durch die Erdbebenkatastrophe obdachlas gewordenen Bevölkerung in Schulen und Barackenlagern eingeleitet. In der Provinz Foggia wird di« Räumung der betroffenen 13 Gemeinden in aller Eile fortgesetzt. Die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung ist gesichert. Im übrigen ist in ollen italienischen Städten ein« weitgehende Hilfe für die betroffenen organisiert. Im Laufe de- Freitag ist wieder ein« große Anzahl von Hilsskolonnen im Erdbcbcngcbiet eingetroffen, darunter ein Sonderzug des Malteserordens. Bei Melfi ist ein L a g e r von mehreren Tausend von Zelten entstanden, in denen die Arbeitskommandos und die Bevölkerung untergebrach: sind. Der Unterstaatssekretär des Ministeriums für öffentliche'Ar- beiten, der dos Bergungswcrk leitet, hat sämtliche Präfckten der betroffenen Gebiete zu einer Sitzung einberufen und ihnen die not- wendigsten Richtlinien für die einheitliche Fortsetzung der Bergungsarbeiten erteilt. Erdstöße in Bulgarien. Sofia, 25. Juli In der Nacht zum Freitag wurde das bulgarisch« Erd- bebengebiet' durch eine"Anzahl von Erdstößen er- schüttert. Sechs Häuser wurden dabei beschädigt. Nähere Meldungen liegen aus diesem Gebiet, das sich seit der großen Erdbeben- katastrophe van Philippopel im Jahre 1928 nie ganz beruhigt hat, nicht vor. Di« Erdbebenstäße waren im alten Zentrum Orschaff Skabelwo am stärksten. 6. Als Uns die dumpf klingenden Steinstufen hinaufzu- steigen begann, verspürte sie im Kopf einen Schmerz, als drücke jemand auf ihre Augäpfel. Deutlich drang bei jeder Bewegung des Kopfes der Schmerz in einer Welle in sie ein. Das Stiegcnbaus war erfüllt noin Geruch gebratener Fische und Zwiebeln, der mit den ersten Mietern eingezogen war. Kinder zerrten lärmende Gegenstände im Vorbaus umher. Am ständig zunehmenden Klopfen ihres Herzens während all der Jahrhunderte, die sie brauchte, um die ersten drei Treppen hinaufzusteigen, bemerkte Uni erst, wie heiß ihr war und wie die feuchte Kühle des Stiegenhauses von heißen Luft- wellen unterbrochen wurde, die von der Straße her durch die sonnenbeschjensnen Treppen fenster eindrangen. Una klopfte an der Eingangstür ihrer Wohnung mit jenem leichten fröhlichen Hämmern ihrer Nägel, dos mie Elfengetrippel klang, und auf das hin ihre Mutter meist eilig herbeigelaufen kam, um sie einzulassen. Sie ipor sich nun mit einem beinahe physischen Empfinden der Nähe ihrer Mutter bewußt: sehnte sich danach, sie zu umarmen und in der Wonne dieser Liebkosung olle Müdigkeit des Büros von ihrem Herzen abzuschütteln. Die„kleine Mutter-Heilige"— jetzt würde sie gleich kommen— jetzt lief sie schon herbei... Aber die kleine Mutter lief nicht herbei. Niemand ont. wartete auf Unos Klopfen. Als sie sich niederbeugte, um im trüben Lichte des Treppenhauses den Schlüssel in ihrem Handtäschchen zu suchen, fuhr ihr der stechende Schmerz wieder wild durch den Kopf. Sie öffnete die Tür— und die Sehnsucht nach der Mutter Umarmung wich gesundem Aerger. Das Wohnzimmer war in Unordnung. Die Mutter hatte den ganzen Tag über keinen Handgriff getan— mar fortgegangen und hatte alles gelassen, wie es war. „Das ist doch zu arg!" rief Una unwillig. Sie fetzte sich auf das So-faimh stöhnte: �Dazu muß ich nach Haufe kommen! Ich kann mich auf die Mutter einfach nicht mehr verlassen. Sie hat überhaupt nichts getan— überhaupt nichts. Und es ist nicht das erstemal! Beinahe jeden Tag ist es so. Sie hat den ganzen Tag geschlafen und ist dann spazierengegangen. Jetzt natürlich wird sie nach Hause kommen und sagen, sie habe vergessen, daß heute Sonn- abend ist und daß ich früher heimkomme. Natürsich!" Aus dem Schlafzimmer ertönte ein leises Husten, dann wieder eines. Una bemühte sich, ihr weiches kleines Herz lange genug in dein gegenwärtigen Zustand der Verbitterung zu erhalten, um einigen Eindruck zu inachen und die häusliche Disziplin zu verbessern.„Hin!" brummte sie.„Wieder er- kältet. Wenn sie nur mehr in frischer Luft wäre..." Sie schritt auf die Schlafzimmertür zu. Die Jalousien waren heruntergelassen, das Fenster geschloffen, das Zimmer ron erstickender Luft und imgesundein, gelbfliminerndcm Licht erfüllt. Vom Bett her röchelte der. Mutter Stimme, nicht heiter klingend wie sonst, sondern rauh und düster mie das dämmerige Zimmer.„Bist du's— Una—- Liebling? Ich habe— eine Sommererkgltung— tut mir leid— ganze Arbeit zurückgeblieben—" „Wenn dg nur die Fenster offen lassen wolltest, Mutter—"' Una ging zum Fenster, zog die Jalousien hinauf, stieß dos Fenster auf und verließ dos Zimmer. „D35 kann ich wirklich nicht verstehen!" sagte sie noch, ohne ihre Mutter anzusehen. Sie schlug beim Aufräumen des Wohnzimmers mit den Dingen herum, als wären Bettzeug und Zeitungen unartige Kinder. Dann stellte sie Kartoffeln ans Feuer und fetzte sich, nachdem sie den engen Kragen ihrer Bluse ein wenig ausgeknöpft hatte, um die Zeitung durchzublättern und die Fortsetzung des Familienromans zu lesen. In ihrem Zeitungsroman kam sie zu der Stelle:„Ich werde nie vergessen, Amy, daß alles, was ich bin. meine gute alte Mutter aus mir gemacht hat, mit ihrer unermüdlichen Liebe und all den gütigen Worten, die sie zu mir sprach, wenn ich betrübt und von Zweifeln geängstigt war." Una warf die Zeitung hin, rannte ins Schlafziminer, kauerte an der Seite ihrer Mutter nieder und rief:„Oh, Mütterlein, liebes, gutes Mütterlein, du bist ja alles, was ich habe", und küßte sie zärtlich auf die Stirne. Die Stirn war feucht und kalt wie eine Kellermauer. Una sprang voll Entsetzen auf. Das Gesicht der Mutter war dunkelgerötet, doch die Lippen fahl wie geronnenes Blut. Die Arme waren steif und fühlten sich haiü an. Der Atem ging schnell und unregelmäßig, wie ängstliches Keuchen, und wurde eben wieder von einem Husten unterbrochen, der wie das Knattern steifen Packpapiers klang und auf den Lippen eine farblose Flüssigkeit hinterließ. „Mutter! Mutter! Meine kleine Mutter— du bist ja krank, du bist wirklich krank, und ich wußte es nicht und war so roh. Oh, was ist denn— was ist denn los, Mütterchen?" „Arge— Erkältung", flüsterte Frau Golden.„Hab schon vergangene Nacht zu husten angefangen— Hab die Türe zugemacht— hast mich nicht gehört, warst im anderen Zimmer—" Wieder schüttelte sie ein röchelndes Husten, gurgelte in ihrem gelben, runzligen Hals.„K— kannst du nicht das Fenster zumachen?" „Nein. Ich werde jetzt deine Kronkenflegerm fein. Eine schreckliche, abscheuliche, zänkische alte Krankenschwester, die alles besser weiß. Und du mußt frische Luft hoben." Frau Goldens Stimme arbeitete sich mühsam durch, wie ein Dampfer bei hohem Seegang: das Klopfen ihres Herzens verursachte ein regelmäßiges Stoßen, wie das Stoßen einer Moschine. Sie legte zitternd und mühsam ihre Hand an die rechte Seite. Dort lag sie, gelb gegen das weiße Nacht- Hemd, und fiel wieder kraftlos aufs Bett wie ein totes Ding. Una zitterte vor Angst, als ihre Mutter fortfuhr:„Mein Puls — geht so schnell— ich atme so schwer— Seitenstechen.. „Ich werde dir einen Eisumschlog machen, und dann geh ich einen Arzt holen." Frau Golden versuchte, sich im Bell aufzurichten. „O nein, nein, nein! Keinen Arzt! Keinen Arzt!" „Ja, aber—" „Und— Aerzte erschrecken einen so— er wird sagen. ich Hab eine Lungenentzündung, wie Soms Schwester— ich werde mich schrecklich ängstigen— es ist ja nur eine Er- kältzung. Morgen— wird wieder alles gut sein, Liebling. O nein, nein— bitte hol keinen Arzt. Kostet zu viel Geld~- mirklich—" Lungenentzündung! Dieses Wort, das die tödliche Bitter- keit des Winters in dieses stinkende Augustzimmer trug, jagte Una in einen Schauer von Angst und stärfte sie zugleich in ihrem Vertrauen auf ihrer Mutter Tapferkeit.„Meine tapfere, tapfere kleine Mutter!" dachte sie. _(Fortsetzung folgt.) Weiierwirbel über Nerlin. Zahlreiche Lleberfchwemmungen.— i20 Feuerwehralarme. Der heftige, zeitweise wolkenbruchartige Regen, der in der Rächt zum Freitag ansing und bis zum Freitagabend mit fast unverminderter Heftigkeit andauerte, hat in sämtlichen Stadt- teilen zu lleberfchwemmungen geführt. Von Freitag mittag ab tiefen bei der Feuerwehr aus ganz Berlin die Alarm« über Wasserschäden in unaufhörlicher Folge ein. Ueber die Feuerwehr mußte schließlich der„Ausnahme- zustand"' verhängt werden, d. h. immer nur ein Fahrzeug rückte aus und trat bei Ueberschwemmungen nur dann in Tätigkeit, wenn tatsächlich Gefahr vorlag. Im ganzen wurde die Feuerwehr 12ümal alarmiert. Wieder sind, wie schon am vergangenen Sonnabend, an dem die Situation ganz ähnlich war, nur die tiefer gelegenen Stadtviertel in Mitleidenschaft gezogen worden. In den meisten Fällen drangen die Wasserfluten, die nicht genügend Abfluß fanden, in die Keller ein, wobei in mehreren Kellerwohnungen erheblicher Schaden angerichtet wurde. Aber mich auf den Straßen bildeten sich größere Stauseen von Halbmeter Tiefe. Die Feuerwehr schaffte den Wassermassen durch Freimachen der verstopften Gullys jedoch bald Abfluß. Besonders bedrohlich wurde die Situation gegen 16 Uhr in der nächsten Umgebung des Schäfer fees, der dicht an der Residenz- straße in Reinickendorf-Ost liegt. Weite Strecken rings um den See bildeten einen einzigen zusammenhängenden Wasserspiegel, aus denen trostlos die Lauben der Kolonisten herausragten. Auch hier half die Feuerwehr, so gut es ging, und versuchte die Fluten abzuleiten.— In der Friedrich straße 16 in Biesdorf drohte infolg« Unterspülung ein Teil des Neubaues einer Villa ein- zustürzen. Die zu Hilfe gerufene Feuerwehr nahm umfangreich« Absteifungen vor, so daß die Gefahr fürs nächste behoben ist. Wird das Wetter anhalten? Der äußerst heftige Dauerregen hat feine Ursache in einem kräftigen Tief, dessen Kern über Ostpommcrn liegt. Berlin gehört zu dem engeren Bereich dieser Schlcchtwetterzone. Ueber Berlin hat sich eine Art Wetterwirbel gebildet, denn aus allen Richtungen dringen Luftmassen heran, die ein sehr unruhiges Wetter schaffen. Von 8 Uhr früh bis um 16 Uhr, also in acht Stunden, waren an- nähernd 48 mm Regen gefallen, das ist etwas mehr als d i e halbe normale Monatsmenge. Der Juli ist bisher überhaupt sehr niederschlagsreich gewesen; nach den amtlichen Messungen be- trägt die Regenmenge 186 mm. Der Wetterdienst glaubt mit Bestimmtheit versichern zu können. daß zum Wochenende eine Beruhigung der Wetterlage eintritt und damit der Dauerregen ein Ende finden dürfte. Allzu hoch dürfen die Hoffnungen jedoch nicht gesteckt werden, denn es heißt: Noch Bewölkung und vereinzelt« Regenschauer. Halbmast über Koblenz. Gesamtzahl der Opfer: 57. Die Beisetzung der Opfer der Koblenzer Brückeneinsturzkatastrophe findet aui Sonn- abend, dem 26. Juli, nachmittags statt. Die Reichs» behörden in Preußen setzen ebenso wie die p r e u ß i» s ch e n Behörden aus diesem Anlaß die Flaggen auf h a l b m a st. -i- Die Bergungsarbeiten im Lützeler Hafen wurden emsig fortgefetzt. Weitere Leichen sind aber nicht gesunden worden. Bei den zuständigen Stellen ist man nunmehr der Ansicht, daß nach dem Ergebnis der Nachforschungen kaum mehr als 3 7 Opfer, die bereits geborgen wurden, zu beklagen sind und daß die Vermißten- anzeigen im Laufe der nächsten Tage zurückgenommen werden. Das Ergebnis der Llntersuchung. Die vom Reichs verkehrsministA: angeordnete'Untersuchung der Brückenkatastrophe bei Koblenz ist abgeschlossen. Durch den Mi- nisterialkommissar wurden die beteiligten Beamten eingehend ge- hört und die Erhebungen an Ort und Stelle oorgenommeiu Die Brücke hätte die Belastung ausgehalten, wenn nicht aus folgender Veranlassung ein plötzliches stoßartiges Zusammenballen auf der Brücke und damit eine Ueberbelastung eingetreten wäre. Der normal über die Brücke abmarschierende Menschenstrom wurde durch einen sich von der Seite her keilförmig einschiebenden Trupp junger Leute verwirrt und zusammengeballt. Dies wirkte um so verhängnisvoller, als außerdem irgendein Ereignis auf der Mosel oder am gegenüberliegenden Ufer die Aufmerksamkeit der auf der Brücke befindlichen Passanten erregte, die infolgedessen unvermittelt stehengeblieben sind, während von den Nachkommenden fchärfftens nachgedrängt wurde. Durch die Ueberlastung wurden die Schwimmer vollständig unter Wasser gedrückt, die Seitenklappen rutschten von den Auflegern am Lande ab, so daß die Brücke, die an diesem Abend schon längere Zeit den Menschenstrmn getragen hatte, ihren halt verlor und kenterte. Die Untersuchung des Unglücksfalles ist damit, soweit die Reichswasserstraßenoerwaltung in Frage kommt, abgeschlossen. Ohne den weiteren in Gang befindlichen Ermittelungen vorzu- greifen, kann wohl gesagt werden, daß es sich hier um ein Zu- sammentresfen von unglücklichen Umständen handelt, denen mensch- liches Ermessen nicht Rechnung tragen konnte. Die Wirkung der neuen(Sievern. 4'/- Prozent Mieterhöhung vom 1. August ab. Ueber die Auswirkung der Erhöhung der Grund- Vermögenssteuer auf die Mieten teilt das Zentral- Wohnungsamt mit: ' Dir Oberpräsident der Provinz Brandenburg und von Berlin hat den Gemein dezuschlag der Stadt Berlin zur staatlichen Grundvermögenssteuer für das Rechnungsjahr 1936 auf 275 Proz. festgesetzt. Das bedeutet eine Erhöhung des bisherigen Zuschlages um 75 Proz. mit rückwirkender Kraft ob 1. April d. I. Um eine gleichmäßige Verteilung dieser Erhöhung auf die für das Rechnungsjahr 1936 nur noch in Betracht kommenden 8 Monate (1. August 1936 bis 31. März 1931) zu erreichen, wird der Zu- schlag für diese 8 Monate nicht in höhe von 75 Proz., sondern in höhe von 12x75: 8— 1)2,5 Proz. erhoben werden. Die Vermieter sind berechtigt, diese» Zuschlag auf die Mieter umzulegen. Es ergibt sich dadurch für die M i e t e r ab 1. August d. I. eine Erhöhung der gesetzlichen Miete um etwa durchschnitt. lich 4,5 Proz.___ Fall Jakubowski vor dem Reichsgericht. Dom Reichsgericht ist jetzt auf Grund der von den Angeklagten August Rogens und Feau Kaehler, die vom Schwur- gericht Neustrelitz zum Tode, bzw. zu Zuchthaus verurteilt worden Reichsbannerleute als Zeugen. Oer verhängnisvolle(Schlag gegen die Trommel. Lügen haben kurze Beine. Schon der erste Reichsbanner. mannalsZengeim Rönlgental-Prozcß genügte, um den ganzen ausgelegten Schwindel der Rozis im Dunst und Rauch ausgehen zu lassen. Diese Unschuldslämmer von Hillers Gnaden versuchien gestern noch im letzten Augenblick, sich als die Versolglen hinzustellen. Sie erzählten Schauermärchen von Ueberfällen, denen sie ausgesetzt gewesen wären und tischten Dinge auf, die mit dem Röntgenlater Ueberfall nichts zu tun haben. Besonders einer der Zeugen schilderte mit bewegten Worten, wie er jetzt nach dem Ueberfall von den Reichsbannerleulm auf Schrill und Tritt gestellt werde, insbesondere vom Reichsbannermann Fleck.„Ich möchte wissen", ruft er dem Vorsitzenden zu.„was das eigentlich soll", worauf der Vorsitzende schlagfertig erwiderte:„So sragen Sie ihn doch, ich kann es auch nicht wissen". Der Zeuge Geschäftsführer Kamp will am Abend des 5. März nichts Verdächtiges gemerkt haben. Einiges erfährt man trotzdem von ihm: nämlich, daß man über drei Zäune steigen mutz, um zum Lokal zu gelangen, und daß sich auf seinem hose zwei scharfe Hunde befinden. Wie hätten da die Reichsbannerleute gewagt, über die Zäune zum Lokal zu schleichen, um hier die Nazis auszuspionieren. Der von dem Bombenattentat auf den Reichstag her berüchtigt« Nationalsozialist L e s s e n t h i n, der seinerzeit der „Roten Fahne" die falschen Informationen über die angebliche Be- günstigung der Boinbenattentäter durch die Berliner Polizei gegeben hat, kann zur Sache selbst nichts sagen. Er fühlt stch aber als Held und schildert, wie er sich gefürchtet habe, am 6. März in Röntgetjtal auszusteigen, weil ja der Bahnhos von Landjägern und allerlei„Reichsbannerzeug" beseht gewesen sei. Der Vorsitzende schreit den Zeugen erregt an:„Das unterlassen Sie. Wir haben vorläufig jede beleidigenden Bezeichnungen ver- mieden." Besser als die Erregung wäre eine Ordnungsstrafe ge- wcsen. Die Nationalsoziali st en benehmen sich von Tag zu Tag ungebührlicher. Erst vorgestern hat der Angeklagte Frank die Frechheit gehabt, von den„A l b e r n h e i l e n des Staatsanwalts" zu sprechen. Auch er bekam keine Ord- nungsstrafe.— Der Zeuge Tribben hat am 13. März unweit des Lokals„Edelweiß" eine Selbstladepistole und in Papier ge- hüllt« 16 bis 18 Schuß Munition gefunden. Endlich der erste Reichsbannermann als Zeuge. Der 22iährige Kaufmann Erwin Ulm: er ist Kassierer und Mit- glied des Tambourkorps. Wiewohl sprachlich ein wenig ungelenk, gibt er immerhin eine anschauliche Schilderung von den Ereignissen des 5. März, die vielleicht in gewissen Einzelheiten von seinen Kameraden ergänzt und geklärt werden dürfte. Im Meiselschen Lokal sollten an diesem Abend die zwölf Reichsbannerleute vom Tambourkorps ihre Uebung abhalten. Bor dem Lokal stieß er und sein Bruder Walter auf zwei Nationaljozialisten. Als sie an den Nazis bereits vorbei waren, drehte sich einer von beiden plötzlich um und stieß mit dem Fuß kräftig gegen die Trommel. Der Zeuge lief in das Meiselsche Lokal und holte sechs der anwesenden Tombourleute heraus. Der Tambourführer Nespital stellte die Nazis zur Rede, es entstand ein Wortwechsel, dann zogen sich beide Par- teien zurück. Was gesprochen worden war, konnte er nicht hören. Der Vorsitzende fragt, ob es nicht etwa 26 Reichsbannerleute ge- wesen seien und ob sie nicht mit Stahlruten, Gummiknüppeln und Paukenschlägern ausgerüstet gewesen seien, wie die Angeklagten es behaupten. Der Zeuge bestreitet das ganz entschieden. Nach Rückkehr in das Lokal sagte Nespital: � „Wir werden uns mik den Leuken nicht einlassen, wir wollen I gleich die Polizei anrufen" und telcphonierte tatsächlich den Oberjägermeister Gudat an. Dann wurde geübt. Unterdes waren noch zwei Reichsbanner- leute hinzugekommen. Im Schankraum selbst befanden sich zahlreiche Mitglieder des Röntgentaler Mietervereins. Der Tamboursührer fürchtete, daß die Nationalsozialisten einen Ueberfall wagen würden und schickte zwei Kameraden auf die Straße, um Ausschau zu halten. Sie waren noch nicht zurück, als plötzlich je- mand in das Lokal Hineinries: Die Nationalsozialisten stehen«m der Ecke der Schillerstraße. Die Tambourleute und ein Teil der Gäste liefen hinaus, der Zeuge selbst blieb in der Nähe des Lokals stehen, hörte Pfiff« und Schüsse, gleich darauf kamen all« zurück, die Ja- lousien wurden heruntergelassen,«ine Kugel fuhr auch in das Lokal, man brachte Verwundete: den parteilosen Kubow, den Reichs- bannermann Uhlig und den Jungkommunisten Seifert. Nespital telephonierte sofort nach dem Ueberfallkommondo. Bald darauf erschien der Arzt, der die Verwundeten ins Krankenhaus schaffen ließ, wenige Augenblicke später das Ueberfollkommando, das auf Veranlassung der Reichsbannerleut« sie«ms Waffen untersuchte. Die Schilderung des jungen Ulm wird von den anderen Reichs- bannerzeugen wohl noch ergänzt werden. Renn Monate Gefängnis für einen Ziotfrontler. Vor dem Schöffengericht Wedding hatte sich der Rohrleger S. wegen schweren Landfriedensbniches in Tateinheit mit gemeinschaftlicher Nötigung und gesährlicher Körperverletzung zu verantworten. In der Nacht vom 2. zum 3. April hatte er als Führer des Rotfronkämpferbundes in Begleitung eines anderen Mannes, dessen Namen er anzugeben sich weigert«, einen Nationalsozialisten nieder- geschlagen und schwer mißhandelt. Der Angeklagte bestritt, daß überhaupt Gewalttätigkeiten verübt worden seien. Er wurde aber durch die Zeugen betastet und das Gericht verurteilte ,hn zu neun Monaten Gefängnis. Außerdem wurde der An- geklagte zur Zahlung von Bußen von 166 bzw. 266 Mark an die Verletzten verurteilt. Oer gefesselte Hummer. Ein seltener Prozeß wegen Tierquälerei. Die Verhandlung dieses Prozesses begann damit, daß auf einer Porzellanschüssef, fein säuberlich auf Salatblättern gebettet, ein lebender Hummer auf den Gerichtstisch gestellt wurde. Aber nicht dieser Hummer, sondern ein Artgenosse, der schon vor fünf Monaten den Weg seiner Bestimmung gegangen und verspeist worden ist, beschäftigte in einer eigenartigen Verhandlung des Amts- gerichts Schöneberg unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Kyser. Angeklagt war der Feinkosthändler Martin, weil er einen Hummer in ärgerniserregender Weise gequält haben sollte. Er hatte einen Strafbefehl über 26 Mark erhalten und da- gegen Ei n s p r u ch erhoben. Zur Verhandlung waren drei nam- hafte Sachverständige geladen worden, von denen man«ine kleine Vorlesung über Hummer und Krebse zu hören bekam. Der Hum- mer, der als Anschauungsobjekt dem Gericht vorgeführt wurde, war auf der Schüssel durch eine über die Ränder gezogene Schnur am Boden festgehalten worden. Die Scheren waren mit Draht zusammengebunden. Die Anzeige hatte der o-manischo Oberst a. D. Harun al Raschid erstattet, und der Anzeigende irat auch als einziger Velastungszeuge auf. Er war am 24. Februar gegen Abend mit seinem Auto vor dem Delikatessengeschäft am Nürnberger Platz vorgefahren und hatte die Schaufensterauslage besichtigt. Dabei hatte er daran Anstoß genommen, daß der Hummer im Fenster in gesessellem Zustande ausgestelli war. Es waren zwei Schnüre über den Rücken gezogen und dadurch war das Tier fest mit dem Bauch auf die glasierte Fläche gedrückt. Das Tier war bestrebt, sich freizumachen und das bedeutete für den Zeugen, der besonders betonte, daß er als alter Soldat kein Tier- schutzfanatiker sei, daß der Hummer große Oualen litt. Er ging daher in das Geschäft hinein und verlangte von einem Angestellten die Befreiung des Hummers. Es wurde ihm aber von dem Angestellten nach Rücksprache mit einem anderen geantwortet, man denke gar nicht daran. Nun fuhr der empörte Oberst zum Polizeirevier und kam mit einem Schutzmann zurück. Inzwifchm war der Hummer aber verkauft. Der Angeklagte bestritt, daß der Hummer in einer quälerischen Weise gefesselt worden sei. Die Scheren würden immer zusammengebunden, und die Schnur über den Rücken solle verhindern, daß der Hummer herausspringe. Er führe seit 36 Iahren sein Geschäft und könne nur sagen, daß diese Art Fesselung üblich sei. Im übrigen habe er aber von der Aus- läge des Hummers im Fenster nichts gewußt. Das habe sein Dekorateur selbständig gemacht. Dieser bestätigte das auch als Zeuge. Nun wurden die Sachverständigen gehört. Professor Brühl sagte, daß wir noch nicht so weit seien, um festzustellen, ob ein Hummer Schmerz empfinde. Das<önnt« uns der Hummer nur selbst sagen. Er müsse als Bio/og« verneinen, daß ein wirbel- loses Tier wie der Hummer einen qualitativ nennenswerten Schmerz empfinde. Im übrigen habe das Gesetz ja nicht den Schutz der Tiere, sondern den der Menschen, denen ein Aergermd erregender Anblick erspart werden solle, im Auge. Dr. Hein- roth, Direktor des Aquariums, führte aus, daß der Hummer in seinem Wohlbesinden schon beim Fang, noch mehr aber beim Ver- packen und Verkauf gestört werde. Das Festlegen an einem trocke- nen Ort sei dem Hummer unangenehm, und er versuche, davon wegzukommen, daher seine Bewegungen. Es war nicht nötig, den Hummer so fest anzubinden, wie der Oberst es dargestellt habe. Dann wurde noch ein gerichtlicher Sachverständi- ger für Delikatessen vernommen. Er sagte, daß es üblich sei, Hummer in Schalen auszustellen. Der Anklagevertreter bedauerte, daß die juristisch und menschlich sehr interessante Frage in diesem Fall« durch«in Gerichtsurteil nicht geklärt werden könne. Es fei erwiesen, daß hier ein boshafte» Quälen des Hummers vorliege, aber der Angeklagte könne nicht bestraft werden, weil er diese Ausstellung des Hummers nicht selbst veranlaßt habe. Das Gs- richt kam dann auch aus demselben Grunde zu einer Freisprechung, obwohl es die Tierquälerei an sich für erwiesen hielt. waren, angemeldet« Revision Verhandlungstermin für den Prozeß Iakubowski anberaumt worden, und zwar auf den 2 2. August. Neben den Angeklagten hatten auch die Eltern Jakubowstis und Nebenkläger Revision durch Rechtsanwalt Dr. Arwr Brandt angemeldet. Motorbootunfall Max Schmelings. Dem Boxweltmeister MaxSchmeling, der sich gegenwärtig in Saarow am Schormügelsee zur Erholung aushält, ist am Frei- tag vormittag ein Unfall zugestoßen, der leicht schlimmere Folgen hätte haben können. Bei einer Fahrt mit dem Motorboot auf dem ziemlich ausgedehnten, stark bewegten See kenterte das Fahr. zeug, das Schmeling zur Reparatur bringen wollte. Schmeling ist zwar ein guter Schwimmer, aber die hochgehenden Wellen des Scharmützelsoes setzten ihm doch stark zu, so daß die zur Rettung Herbeigeeilten ihn in e r s ch ö p s t c m Zustande aus dem Wasser ziehen mußten. Bundesfest„Solidarität". Gestern vormittag begann auf dem Flugplatz in der Hochufer- straße das Bund essest des Arbeiter- Rad- und Kraft- f o h r« r b u n d e s„Solidarität". Die Ehrengäste und die zahlreichen Sportler wurden vom Bundesoorsitzenden N i e m a n n begrüßt. Im Auftrage der Reichs- und Staatsbehörden sprach Ministerialrat Dr. Kittel, Stadtbaumt Dr.-Ing. Wolfs brachte die Grüß« der Stadt. Weiter sprachen Reichstagsabgeordneter W e st p h a l- Berlin, Landtagspräsivent Meckel- Dresden und ander«. dG** führt ah, es wirkt sehr ■g mm milde, versuch es, und Da bist im Bilde Hurra, das Wanderkino! Ein Bild von der Film- Wahlpropaganda unserer Partei. Wir erhalten folgende ausführliche Schilderung einer Filmpropagandafahrt des Werbekinos unserer Partei, das in dem nun entbrennenden Wahlkampf eine wichtige Rolle in der Landpropaganda spielen wird: Für unsere heutige Propagandafahrt haben wir uns schönes Wetter ausgesucht. Die Sonne lecht, während wir in unser Auto Rofferapparat und Film, den großen Verstärker und die Begleitmusit zu unserem Parteimerbefilm laden. Ein lustiger Film findet auch noch Platz und nun geht es los. Wir haben Auftrag vom Bezirtsbüro BrandenburgGrenzmark und Gen. Lück begleitet uns in ein fleines Dorf in der Umgebung von Berlin. Die Sonne scheint und es ist eine Freude, mit unserem fleinen Opel auf der Landstraße zu fahren. Plöglich aber hört die glatte Fahrt auf und das Holperpflaster zeigte uns, daß wir an unserem Bestimmungsort angelangt sind. Auch ohnedies hätten wir es gemerkt, denn eine jubelnde Kinderschar empfängt uns schon am Eingang des Dorfes. Hurra, das Wanderkino ist da!", schallt es uns entgegen. Und nun schnell! Wir haben soviel fleine Helfer, daß das Ausladen schneller geht, als wir denken. Im Nu ist alles im Gaal und es geht ans Aufbauen. Auch das geht schnell, da unsere Kleinen schon nicht mehr wissen, was sie vor Ungeduld anfangen sollen. Endlich erscheint auf unserer weißen Wand Dr. Dolittles erstes Abenteuer". und unsere fleinen Gäste lachen und freuen sich, wenn Dr. Dolittle seinen Hut zieht. Nun noch ein fleines Lustspiel und da dämmert es draußen auch schon und unsere lieben Kleinen müssen uns verlassen, damit sie noch vor Eintritt der Dunkelheit zu Hause sind. Sie kommen noch einmal zu uns, um uns die Hand zu geben und zu danken und dann ist es still. Jetzt haben wir eine fleine Pause. Der Wirt macht schnell ein paar tüchtige Bauernstullen und eine Tasse Kaffee dazu und nun ermarten wir unsere Parteigenossen, denen wir einen großen Werbefilm vorführen werden. Endlich sind alle da und die Vorführung beginnt. Au hier zeigen wir zuerst einen lustigen Film. Dann kommt der mit großer Spannung erwartete Werbefilm der Partei. Mit verhaltenem Atem und gespannter Aufmerksamkeit fizen Männer und Frauen da und verfolgen alle Einzelheiten des wirkungsvollen Bildes. Das ist ja ganz etwas anderes als die üblichen Filme mit den ewigen östers reichischen Erzherzögen, Grafen und Leutnants mit den Glyzerin tränen der Diven und den schmalzigen Walzermotiven. Hier wächst eine andere Welt empor als die großstädtischer Verfommenheit in Spelunken und Bordellen der Kriminalfilme. Ernst und hoheitsvoll mit starken Arbeits- und Kampfmobiven baut sich die neue reinere Welt des Sozialismus auf. Zum Schluß richtet Gen. Lück noch einige Worte an die Erschienenen und nun geht es wieder ans Abbauen. Es ist inzwischen 11 Uhr geworden und wir müssen eilen, denn morgen müssen wir ja wieder früh heraus. Mit einem Händedruck verabschieden wir uns von den Genossen, nicht ohne ihren Dank für einige schöne Stunden einzuheimsen. Es folgt die Bitte, sie bald mieder zu besuchen. Und schon geht es auf die jetzt nächtliche Landstraße hinaus. Schnell findet unser braver Opel den Weg nach Berlin und ins Borwärts Haus. Hier wird alles aus. geladen und dann es ist bereits über Mitternacht- dürfen wir heimgehen. Wir müssen schnell schlafen, denn morgen müssen wir wieder früh heraus. Wir werden ja schon wieder in einem anderen Dorf der Mart erwartet. " Verhängnisvolle Leichtfertigkeit. Beim Verkauf einer Schußwaffe ums Leben gekommen. Die beispiellofe Unvorsichtigkeit eines Kunden mußte gestern abend der in dem Waffengeschäft der Firma Sauer u. Sohn angestellte 59jährige Verkäufer Hein. rich Krauß aus der Viktoriafstr. 13 in Cankwitz mit dem Leben bezahlen. Die bekannte Waffenfabrik von Sauer u. Sohn hat im Hause Jägerstr. 59 ihr Berliner Lager und einen großen Verkaufsladen. Um 18% Uhr erschien in dem Geschäft der 43jährige Kaufmann Edgar von Heeringen aus der Uhlandstr. 44, um sich einige Handfeuerwaffen zeigen zu lassen, die Heeringen, wie er erzählte, für eine Reifeexpedition benötigte. Heeringen wurde von dem seit vielen Jahren in dem Geschäft tätigen Verkäufer Krauß bedient. Nachdem sich von Heeringen offenbar entschlossen hatte, einige Jagdgewehre und schwere Revolver zu kaufen, wurde auch gleichzeitig die Munition auf der Schießbahn ausprobiert. v. Heeringen hielt hier eine der geladenen Waffen in der Hand. Er muß dabei in äußerst fahrlässiger Weise dem Abzug zu nahe gekommen sein, denn plötzlich ging ein Schuß los. Die Kugel traj den dicht neben von Heeringen stehenden Krauß in die Brust, der augenblidlich tot zu Boden stürzte. Der unvorsichtige Schütze murde von der Kriminalpolizei festgenommen. Kriminalkommissar Nebe ist mit der wei teren Klärung des Vorfalls, der sich ohne Zeugen abgespielt hat, beauftragt worden. Zu Tode gebetet! Ein Gefundbeterstandal in Potsdam. Wieder ist ein Menschenleben durch unsachgemäße Behandlung von Gesundbetern verpfuscht worden. Schon seit mehreren Monaten litt die 48jährige Witwe Frau Marie Fr. in der Nauener Straße in Potsdam an einem Frauenleiden, das durch ärztliche Behandlung wahrscheinlich hätte behoben werden können. Frau F. betreibt seit Jahren ein angesehenes Friseurgeschäft in Potsdam und ist, mie ihr verstorbener Mann, treue Anhängerin der christlichen Wissenschaft. Troßdem sich ihr Leiden derart verschlimmerte, daß schmere Blutungen eintraten, lehnte sie jede ärztliche Hilfe ab und zwei Gesundbeterinnen übernahmen die Behandlung. In der Nacht zum Montag drangen aus dem Krankenzimmer derartige Schmerzensrufe und Schreie, daß Nachbarn die 15jährige Tochter der Kranten veranlaßten, einen Arzt zu holen. Diefer konnte nicht mehr viel machen und ordnete fofortige Ueberführung in das Krankenhaus an, die aber anscheinend von den Gesundbeterinnen durchtreuzt wurden. Am Mittwoch um 10 Uhr ist dann Frau F. eines qualvollen Todes gestorben. Ihre Beerdigung soll am Sonnabend um 5 Uhr stattfinden. Man glaubt aber, daß die Leiche beschlagnahmt wird. Absturz einer Bergs und Talbahn. 4 Personen getötet, 19 schwer verlegt. Omaha, 25. Jufi. Jm Bergnügungspark Krug- part stürzte ein Bierwagenzug einer Berg- und Talbahn aus 12 Meter Höhe ab. Von den Infaffen waren vier auf der Stelle tot, neunzehn wurden verletzt, davon drei schwer. Europaflieger im Sturm. Ueber München, Wien, Prag nach Breslau. Der bisherige Verlauf des Europa- Rundfluges ha hat eindeutig bewiesen, welch glänzende Flugeigenschaften selbst die schwachmotorigen Sportflugzeuge befizen. Nachdem an den voraufgegangenen fünf Wettbewerbstagen die Teilnehmer schon ausgezeichnete Leistungen vollbracht hatten, wurden sie am Freitag auf eine besonders harte Probe gestellt, denn die aus der Schweiz Kommenden trafen in Süddeutschland geradezu orfanartigen Sturm an, der zeitweilig, besonders über dem Boden, mit einer Stärfe von etwa 40 Metersekunden dahinbrauste. 110. Abt. Grünan. Die Genoffen beteiligen fich an der Veranstaltung des Arbeitergesangvereins Cangestuft" im gofal von Gander, 20 Uhr. 111. Abt. Bohnsdorf. Parteigenossen und die Mitglieder der Arbeiter- Bangenossenschaft Paradies besuchen die Generalversammlung am Sonntag, dem 27. Juli, 10 Uhr, im Lokalu den vier Jahreszeiten" in Bohnsdorf, Bahnhofstraße. Die Versammlung wird pünktlich begonnen. 119. Abt. Lichtenberg. Die Gruppentassierer werden ersucht, umgehend die Gammellisten für die Reichstagswahl vom Genossen Groppler abzuholen. Morgen, Sonntag, 27. Juli: 16. Abt. Alle Mitglieder treffen fich pünktlich 8 Uhr auf dem Stettiner Bor. ortbahnhof zum Ausflug nach Hohenschöpping. 102. Abt. Baumschulenweg. Dampferfahrt nach Neue Mühle. Abfahrt des Dampfers 7% Uhr vom„ Eierhäuschen", Bieler. Karten find noch bei den Bezirksführern vorhanden. Der Dampfer ist im Falle des Regens gefchloffen. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. Borgsdorf. Treffpunkt Stettiner Borortbahnhof 8½ Uhr, nicht wie gestern mitgeteilt wurde, um 8 Uhr. 2. Kreis Tiergarten. Sonntag, 27. Juli, Besichtigung des Kinderheimes Jungfozialisten. Gruppe Tempelhof- Mariendorf. Sonntag, 27. Juli, Radtour nach Stahnsor upp einidenbott 6½ Uhr Mariendorf, Dot Chauffe genoffen und SAJ.- Genossen sind herzlich eingeladen. Gruppe Reinickendorf. Abendspaziergang Baden in Tegel. Treffpunkt 20 Uhr am Rommunaljugendheim Tegel, Schöneberger Straße. Junge ParteiGruppe Süden. Seute, 20 Uhr, im Jugendheim Nordstr. 11, Simmer 3, Genosse Schweizer. Es ist unbedingt notwendig, daß zu diesem Gruppen= machen sind, vor allem über die Wittenbergfahrt. Reitungsschau über die legten Ereignisse bei den Nationalsozialisten. Referent: abend alle Genoffen erscheinen, da wichtige organisatorische Mitteilungen zu Dennoch ging bisher alles ohne jeglichen Bruch ab. Eindrucksvoller konnten die hervorragenden Flugeigenschaften der Maschinen, wie insbesondere auch die Meisterschaft ihrer Führer nicht dokumentiert werden. Auch am Freitag ging es flott vorwärts. Am schnellsten waren wieder die drei Engländer Thorn, Broad und Butler, die, von Lausanne kommend, schnell München erreichten, um dann über Wien und Prag Schlesiens Metropole Breslau anzusteuern, ein Tagespensum, das mit seinen mehr als 1200 km bei schlechtester Witterung größte Bewunderung verdient. Bis zum Zielflughafen Berlin- Tempelhof sind es nur noch 1255,5 km, die von den Spizenreitern wohl noch am Sonnabend erledigt werden könnten. Ausschreibungsgemäß darf aber die Biellandung nicht vor Sonntag, nachmittags 4 Uhr, erfolgen, wollen sich die Bewerber nicht Strafpuntte zuziehen. Den drei Eng- nachmittags Beteiligung am Kinderfest in Biefenborst( Biesdorf- Güb). Unländern auf den Fersen folgten die Deutschen Poß und Morzik mit ihren erheblich leichteren Apparaten, die in Prag übernachten werden, dahinter der bekannte Sportflieger Lusser, der in Wien Station machen wird. Aus der Partei. Feste und Feiern. Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit veranstaltet in der Woche vom 24. bis 30. August in der Bundesschule des Arbeiter- Turn- und-Sportbundes in Leipzig einen Kursus zur Einführung in das Gebiet der sozialistischen Feste und Feiern mit folgendem Programm: Grundsägliche und historische Einführung. Das Fest als Aus brud eines Maffenwillens im Zusammenhang mit dem Thenter, Film- und Laienspiel, dem Sprech- und Bewegungschor, der Musik und dem Gesang. Die Feier im Rahmen der Arbeiterbewegung in Berbindung mit den verschiedenen Organisationen( Bartei, Gewerkschaften, Kinderfreunde, Arbeiterjugend, Arbeiterfänger, Arbeitersportgruppen), als Träger und Mitgestalter. Die verschiedenen Formen der Feiern, Programmaufbau. Propaganda in künstlerischer Form. Aktuelle Bühne, Sozialistische Revue und Rabarett. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Gruppe Martha Demmning. Alle Kinder und Helfer treffen fich am Sonntag um 8% Uhr Petersburger Blak, Saltenseite. Fahrt nach 98hihehe, toften 40 Pf. Geburtstage, Jubiläen usw. 45. Abt. Unserem treuen Veteranen und Kampfgenoffen Otto Thormann, Wiener Str. 58, zum 25jährigen Parteijubiläum die herzlichsten Glückwünsche. 54. Abt. Charlottenburg. Unserem verchrten Genossen Philipp Scheide. mann zum 65. Geburtstage die herzlichsten Glüdwünsche. SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einfenbungen für diese Rubrit nur an das Jugendfefretariat Berlin G 68, Lindenstraße 3 Heute„ Baldur"-Fahrt nach Kehin a. d. Havel. Abfahrt 19 Uhr ab Spandau, Lindenufer. Teilnehmergebühr M. einschließlich 2 mal staffee, Satan oder Lee, Mittagessen, uebernachtung und Tampferfahrt. Teilnehmerkarten sind noch im Gefretariat bis 13 Uhr und Dampfer erhältlich.( Für erwerbslose Jugendliche Teilnehmergebühr 1,50 W. bei gleicher Verpflegung.) am Heufe, Sonnabend, 26. Juli: Reukölln IX: Fahrt nach 3offen. Treffpunkt pünktlich 18 Uhr Bahnhof Sermannstraße. Fahrgeld 1 M. Pantom III( R..F.): Fahrt nach EichhorstBerbellinfee. Treffpunkt 18 Uhr Bahnhof Pantow- Schönhausen, Floraftraße. Roften 2 M. Morgen besuchen wir Hans Germer im Krankenhaus Pantow. Treffpunkt 134 Uhr Marktplaz RK. Mahlsdorf: Treffpunkt zur Fahrt des nach Budom, pünktlid, 19 Uhr Bahnhof Mahlsdorf. Schlafsäcke mitbringen. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Werbebezirkstreffahrt wird wegen fchlechten Wetters verschoben. Der neue Termin wird noch bekanntgegeben. Werbebezirk Often: Treffpunkt aur Fahrt nach dem Uedersee 19 Uhr Schlesischer Bahnhof( Soppen. Ede Madaistraße). Werbebezirk Schöneberg: Treffpunkt für Baldur"-Fahrer 18 Uhr BahnDer Kursus wird unter der Leitung von Leo Kestenberg als Arbeitsgemeinschaft mit praktischen Uebungen und Versuchen durch hof Schöneberg. Schlaffad und Dede nicht vergessen. geführt. Daneben sind einige Abendveranstaltungen als Beispiele tünstlerischer Gestaltung unter Mithilfe der Leipziger Organisation vorgesehen. Die näheren Bedingungen für die Teilnahme find durch den Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, zu erfahren; ebenso find Anmeldungen an diese breffe zu richten. Film und Funt." ,, Film und Funt", die beiden modernsten Mittel der Maffen propaganda, bedeuten auch für die Arbeiterorganisationen, insbefondere für ihre Kultur- und Werbearbeit, umwälzende Neuerungen. Die Fülle der Probleme, die auf Lösung harren, haben den Sozia listischen Kulturbund veranlaßt, auf seiner vorjährigen Tagung in Frankfurt a. M. diese Fragen zur Diskussion zu stellen. Vorträge und Aussprache liegen nunmehr gedruckt vor( Verlag Sozialistischer Kulturbund, Berlin SW. 68, Lindenstraße 2. Preis 2,50 M.) und lassen erkennen, mieviel wertvolle Arbeit die Konferenz geleistet hat. Eine Reihe anerkannter Redner hat in einzelnen Referaten zur Sache Stellung genommen. An ihre Ausführungen fnüpften fich Aussprachen, in denen das Für und Wider eingehend erörtert wurde. Die Ergebnisse der Tagung werden in der praktischen Arbeit reiche Verwendung finden. Das Buch gehört in die Hände aller untionäre, die aus seinem Inhalt Anregungen auf lange Beit legende Information über die Fragen Film und Funk", die das geistige Gepräge der Gegenwart in so starkem Maße beeinfluffen, empfohlen werden. Parteinachrichten Einsendungen für dieje Rubrit find Berlin S 68, Lindenstraße 3, Intereffierten als grundfür Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten. Erweiterter Bezirksvorstand. Sikung heute, Sonnabend, 26. Juli, pünktlich 18 Uhr, im Bezirkssekretariat, Lindenstraße 3, 2. Hof, 2 Treppen. 1. Areis Mitte. Arbeiterwohlfahrt. Die Besichtigung des Kinderheims in Borgsdorf findet morgen, Sonntag, 27. Juli, statt. Treffpunkt pünktlich 9% Uhr am Bahnhof Borgsdorf.( Bom Stettiner Borortbahnhof mit bem Ruge in Richtung Oranienburg.) Interessierte Genoffinnen und Genoffen find herzlichst eingelaben, Heute, Sonnabend, 26. Juli: 19. Abt. Die Bezirksführer holen die Handzettel zur Anti- Kriegskundgebung am Sonnabend und Montag vom Abteilungskassierer ab. Die Genossen melden sich zur Berbreitung derselben bei ihren Bezirksführern. Funkwinket.z Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Gebastianftr. 37-38, Sof 2. Tr. Sonnabend, 26. Juli. Tiergarten( Jungbanner). Antreten Butlig ftraße erst um 8 Uhr. Montag, 28. Juli. Wedding( Jungbanner). Um 20 Uhr Rote Schule, Gotenburger Straße, Seimabend. Gehr wichtig! Eteglig( Ortsverein). Um 20 Uhr Versammlung aller Kameraden im meister a. D.; ferner Bericht von der Kreiskonferenz. Borbereitung der BerRestaurant Schulz, Birkbuschstr. 90. Vortrag des Rameraden Heßlein, Bürgerfaffungsfeier. Lichtenberg( Ortsverein). Um 19% Uhr große Funktionärver sammlung bei Stöber, Jung- Ede Oderstraße. Voranzeige. Lichtenberg ( Ortsverein). Conntag, 10. August, Dampferfahrt mit anschließender Verfassungsfeier nach Ziegenhals, Restaurant Sporthaus( Kamerad Mörschel). Abfahrt 8 Uhr vom Restaurant Schonert, Annaststraße. Fahrpreis einschließlich Friedrichshain( Jungbanner). Connabend, 26. Juli, 184 Uhr, Saupteingang Görliger Bahnhof, Antreten zur Fahrt nach der Dubrow in Sivil. Fahrgeld 1,20 m. Schöneweide. Johannisthal. Connabend, 26. Juli, 20 Uhr, Mitgliederversammlung in der Brücken- Klause, Brücken- Ede Spreeftraße. Tagesordnung: 1. Vortrag; 2. Verfassungsfeier. Erscheinen ist Pflicht. Wintersportabteilung. Die zu Connabend, 26. Juli, festgefchte italienische Nacht in der Dubrow ist auf den 2. August verlegt. Marineabteilung. Sonntag, 27. Juli, 8 Uhr, Propagandafahrt auf der Unterhavel. Wintersportabteilung. Conntag, 27. Juli, 18 Uhr, Alubfampf auf unserem Plaz an der Avus gegen GdA. Unsec großes Berfassungsturnier findet vom 9. bis 17. August statt. Tang und Steuer 2,50 M. Kinder frei. Allgemeine Wetterlage. 25.Juli 1930, abds. EM 1760 760 765 12 OG 0755 Leningr 26 20 16 16. 0 750 16 14 15 Warsa 1674 0755 60 Ofst 0 Owolkenlos, heirer. halb bedeckt walkig, bedeckt RegenaGraupein Schnee, Nebel, GewitterWindstille Die furchtbare Erdbebenkatastrophe in Italien weckt begreiflicherweise in weiten Kreisen die erschreckten Fragen: Wie können solche Katastrophen entstehen? Gibt es fein Mittel, ihre schrecklichen Folgen zu verhindern oder wenigstens abzuschwächen? Daß die Funtstunde sich bemüht, durch Wissenschaftler dieje Frage beantworten zu laffen, ist zu begrüßen. Professor Dr. H. Reichenbach gab im Rahmen der Jugendstunde einen volkstümlichen Vortrag über Erdbeben. Der Hörer bekam in diesem Vortrag klar und allgemeinverständlich alles Wissenswerte gelagt; die voraufgegan genen, fachlich vollkommen gleichen, in der Darstellung aber jehr viel weniger übersichtlichen Ausführungen Professor Dr. Georg Beg- fität einzubüßen. Im mittleren Norddeutschland sowie in Schlejien ners waren allerdings reichlich überflüssig. Solche Regiefchler lassen vermuten, daß mehr als verworrene Berhältnisse in der Leitung der Funtstunde herrschen. Anschaulich erzählt Walter Stölting von der angesehenen, selbständigen Stellung, die„ Die Frau in Australien" in allen beruflichen und gesellschaftlichen Kreisen ein nimmt; gleichzeitig gab er eine Schilderung der vorbildlich freund schaftlichen Beziehungen, die in diesem Lande zwischen Eltern und Kindern die selbstverständliche Regel bilden. Der Deutschland. fender übernahm aus Köln ein Hörspiel von Eduard Reina der „ Der Narr mit der Hade", eine gutgemeinte, aber ziemlich fraftloje Ungelegenheit, der eine sehr tüchtige Regie und befähigte Sprecher einigen Glanz zu geben mußten Tes. Am Freitag lag eine Depression über Offpommern. Sie hielt sich während des ganzen Tages stationär, ohne auch merklich an Inten= brachte sie anhaltende Regenfälle, die besonders im mittleren Teile der Broving Brandenburg sehr ergiebig waren. So fielen in Berlin in 12 Stunden fast 60 Millimeter Regen. Die Depression scheint sich jet langsam von uns zu entfernen, daher ist nun mit allmählicher Besserung zu rechnen. Wetteraussichten für Berlin: Noch sehr unbeständig und weiterhin fühl; noch einzelne Regenfälle bei frischen Nordwestwinden. Für Deutschland: Im Nordosten Wetterverschlechterung, im Südmeſten ziemlich heiter, am Tage mäßig warm, im übrigen Reiche unbeständig mit Schauern, tühl cVon Salemo nach&oggia ä)urch das Halienifche Srdbebengebicl Der Strom her Touristen, der in jedem Iuhr Italien durch. flutet, streift dos Gebiet des furchtbaren Erdbebens, das soeben den südlichen Teil der Apennin-Hol Hinsel betraffen hat, nur an wenigen Stellen. Neapel Hot selbstverständlich jeder gesehen, der seine Reise über Roin hinaus fortsetzt. In Neapel besucht man das berühmte Natianolmuscum, dessen griechische und römische Stücke zum Stu- d-um der Antike unentbehrlich sind, und nachdem man im Museum die künstlerisch wertvollsten Statuen aus den Ausgrabungen van Pompeji und Herculoinim besichtigt hat, fährt man mit der Kreis- bahn um den Vesuv nach dem alten Pompeji, der einzigartigen römischen Stadt, die fast zwei Jahrtausende unter der Lava schlief. Der Vesuv wird auf dem Rücken eines Esels erklammen, dann geht es zurück nach Neapel, wo die kleinen Schiffe schon darauf warten, die Fremden nach Eapri und zur blauen Grattc zu bringen. Damit ist Neapel gewöhnlich„erledigt", und der Taurist beginnt, in dem Gefühl der Vefriedigung, keinen doppelten Stern im Reiseführer ausgelassen zu hoben, die Schifssreise nach Palermo. Wer auf Slzi- lien verzichtet, läßt sich im Golf von Solerno, in Positano aber Amalfi nieder, das die Engländer respektlos„Emmclsai" nennen, und er besucht unter Umständen nach die Stadt Salerno, die heute außerordentlich modernisiert ist. In Salerno hat das Erdbeben den Berichten zufolge größeren Schoden als in Neapel angerichtet. Der alte Dom, der zum Teil eingestürzt ist, besitzt so viele tastbare Kunstwerke— Mosaiken, Gemälde. Grabmäler—, daß jeder Gast der Stadt ihn in seiner Schönheit im Gedächtnis behalten muß. Uebrigens ist er auch historisch bemerkenswert. Er stammt zwar schon aus dem Jahre 84Z, wurde ober im Jahre 1076 von dem ersten süditalienischen Normannenhcrrscher von Grund auf erneuert. Robert Guiscard, der cherzog van Apulien, hotte die Rarmandie mit einer Schar von Abenteurern verlassen, Salerno erobert und dort den Grundstein zu dem großen Narmonnenreich gelegt, das sich bald über ganz Sizilien ausdehnte, und dessen erhaltene Bau- merke beweisen, daß sich unter den Normannen eine blühend« Kultur in diesem von den Sarazenen ständig bedrohten Zipfel Europas entwickelte. In das chintcrland von Neapel und Solerno, in die Gegenden von Beneoento und Potenza, dringen jedoch nur sehr wenige Irem- den vor. Dabei ist ein Ausflug tief hinein in den Apennin durchaus lohnend. Durch grüne, sorgfältig angebaute Täler, an kohlen chöhen. zügen vorbei, die jetzt mit viel Arbeit bewaldet werden fallen, gelangt man nach dem Landstädtchen Aoellino mit knapp 17 000 Einwohnern. Wenn man es einrichten kann, sollte man nicht ver- säumen, einen Markttag dort zu erleben und zu sehen, wie die Bauern auf Maultieren und Eseln Getreide. Obst, Kartoffeln oder Oliven zum Verkauf in die Stadt bringen. Der schön« Obelisk, der mitten auf dem Marktplatz steht, ist v'elleicht umgestürzt. Aber man wird ihn wohl ebenso wieder aufstellen wie nach den Erdbeben in den Iahren 1694, 1731 und 1805, unter denen diese mehr als tausend- jährige Stadt erheblich gelitten hat. In den Mauern Avellinas residierte einst Kaiser Friedrich U., an den auch niese Bauwerke in den weiter östlich gelegenen Städten erinnern. Wirklich sehr loh- nend ist es, den etwa 1500 Meter hohen Monte Vergine zu besteigen, an dessen Fuß Anellino liegt. Man kommt an einem im Barockstil erbauten Dom vorbei, und seit zwei Iahren erleichtert von dort aus eine Drahtseilbahn dem Touristen den Aufstieg zu einem berühmten WaUsnhrtskloster. Bei klarem Wetter hat man einen unendlich weiten Blick. Im Westen erstreckt sich die fruchtbar« Ebene der Campagnas man sieht den Vesuv und den Golf von Neapel, an dem sich südlich der Golf von Salerno anschließt, und im Osten steht man die Bergkuppen des Apennin bis zum Monte, Vulture, einem erloschenen Vulkan, der dos Zentrum des jüngsten Erdbebens gebildet haben soll. Dabei sind es in der Luftlinie noch fast hundert Kilometer bis zu diesem Berg, an dem das fast voll- ständig.zerstörte Städtchen Mclsi liegt. Fast könnt« man sagen, Melfi liege nicht am, sondern auf dein Monte Vulture, der über 1300 Meter hoch ist. Die Stadt von rund 11 000 Einwohnern steht nämlich auf einem Lavakegel. Sie wurde mehrmals von Katastrophen heimgesucht und zuletzt im Jahre 1851 von einem Erdbeben zerstört. Nähert man sich ihr mit der Bahn, so umfährt man zunächst den ganzen Monte Vulture und sieht dann nach das Kastell der Familie Doria und die Kathedrale, die nach dem Erdbeben vor achtzig Jahren von Grund auf restauriert worden ist. Sonst erinnert nicht mehr viel an die große Vergangen- Hcit Melfis, dos unter den Nornionncn einmal Hauptstadt von Apu- lien war, und in dem in den Jahren 1059 und 1090 Konzile statt- gefunden hoben. Ebenfalls durch das Erdbeben des Jahres 1851 wurde die Stadt R i a n c r o am Fuß des Monte Vulture sehr mit- genommen. Der Ort, in dem etwa 12000 Menschen wohnen, soll auch diesmal sehr gelitten hoben. Beide Städte liegen an der Bahn, die von Foggia nach Potenza führt, also gucr durch das Erdbeben- gebiet geht. Es ist eine schöne Strecke, auf der es inonches zu sehen gibt. Man fährt durch viel« Tunnels und kommt nicht weit hinter Rioncro am Kastell Lagopesole vorbei; schon von der Bahn aus sieht man das wunderschöne alte Schloß, das unter Kaiser Friedrich II. erbaut und gelegentlich von ihm bewohnt wurde. 2luf steilem Fels liegt Pietra Galla, und von dort ist es nicht mehr weit nach Potenza, dos an der alten Strecke von Solerno nach Tarcnt liegt. Es ist eine Provinzialhauptstadt mit etwa 29 000 Einwohnern, dort errichtet, wo sich ehemals eine römische Burg erhob. Auch Potenza, wo es ein paar schöne Kirchen und ein kleines Museum zu betrachten gibt, ist vor einigen Jahrzehnten von Grund auf zerstört worden. Es hat lang« gedauert, bis die Bevölkerung die Schrecken des großen Erdbebens vom Dezember 1857 vergaß. Die Landschaft der Provinz Potenza unterscheidet sich wesentlich von dem Bjld, das andere Gegenden Italien? bieten. Es gibt nämlich zahlreiche Laubwälder und große Viehweiden, so daß man zuweilen glaubt,-in eine gebirgige Gegeich Mitteleuropas versetzt zu sein. Allerdings wird man beim Anblick der malerisch gekleideten, temperamentvoll sprechenden, durch und durch italienischen Bevölkerung oder beim Besuch eines Apennindorfez, in dem sich die Bewohner vorwiegend von Kasla- nien und Käs« aus Ziegenmilch oder Schafsmilch ernähren, sehr bald der Tatsache bemußt, daß man in einem typischen Mittelmcerlond weilt.— Fährt man von Melfi nicht südlich, nach Potenza, sondern nördlich, so kommt man noch Foggia. Die Stadt ist, ebenso wie Melfi, Bischofssitz, aber im übrigen viel größer, mit vielen Kirchen, prächtigen Gärten, einem Theater, Schulen und sogar Fabriken. Foggia ist mit seinen mehr als 60 000 Einwohnern die führende Stadt im apulischen Getreide Handel. Auch dieser Ort ist schon ein- mal, nämlich im Jahre 1731, von einem schrecklichen Erdbeben heim- gesucht worden. Damals stürzte die alte Kathedrale ein, die aus dem Jahre 1170 stammte und inzwischen erneuert worden ist. Bei einer ähnlichen Katastrophe ist wohl auch das Schloß Friedrichs II. zerstört worden, von dem jetzt mir noch ein schöner Bogen steht. Kaiser Friedrich II. hatte dort oft gewohnt und nach Foggia im Jahre 1240 sogar ein Parlament einberufen. Vierzehn Jahre darauf erschienen die Sarazenen vor der Stadt und besiegten, das Heer des Papstes Ihnazciiz IV. Die große Zelt dielet kleinen Städte ist Nun freilich schon lange vorüber. Foggia ist zufrieden, wenn es nicht von den benachbarten Häfen an der Adria vollständig überflügelt und lahmgelegt wird. Die leibhaftige ffiosheit Ton fternhari ftehfe(Wlünchen) Wißt Ihr, wie die leibhaftig« Bosheit ausschaut? Ich hatte bisher keine Vorstellung davon. Aber jüngst habe ich si« leibhaftig vor mir gesehen. Sie hat drei Köpf« wie der Höllenhund Cerbcrus, ober nicht w'.e dieser vier, sondern sechs Beine und noch sechs Arm« dazu, lind diese drei Köpfe, sechs Beine und sechs Arme gehören drei weiblichen Wesen, die die Brücke, die jenseits, des„gefährlichen Alters" liegt, schon längst passiert hoben und die sich zu der besseren G-ftellschaft zählen: der Frau eines Arztes, eines Bauunternehmers und eines Bonkprokuristcn. Ich war als Zeuge vor Gericht geladen. Ilm acht Uhr. Aber als ich den langen Speisezettel vor der Gerichtstüre las, berechnet« ich, daß das Gericht mein« freundliche Hilf« kaum vor zwölf Uhr in Anspruch tvchmen würde Wenn einer sich üben will, das Kräutlein Geduld zu pflücken, dann braucht«r imr vor Gericht zu gehen. Ich pflückte und wandert« durch die Verhandlung sräumc des Justiz- palastcs, dieses Riesenstoubsouflers, der täglich ein« unendliche Menge Menschenstoub aussaugt: Dummheit und Niedertracht, Elend, Gier und Gemeinheit. Jahraus, jahrein, täglich den gleichen Staub, ohne daß jemals die Dielen blank werden. Vor einer Türe las ich, daß die Frau eines Kunstmalers ange- klagt sei wegen Beleidigung und Körperverletzung und ging hinein. Da sah ich die leibhaftig« Bosheit vor den Richtern stehen, aber nicht als Angeklagte, jondern als Klägerin. Die Totbestandsauf- nahm« ergab folgendes: Der Kunstmaler war mit feiner Frau im Theater. In der Paus« ging man im Foyer auf und ob. Der Frau fiel es auf, daß drei.Domen ständig hinter ihnen gingen und so nah. daß sie darin«in« Absicht sah. Auch ihre Unterhaltung führten sie i» so lautem Ton, daß sie den Eindruck gewann, daß sie dos Ge- spräch hören sollte. Während sie mit ihrem Mann weiterging, horchte sie auf. Man unterhielt sich hinter ihr mit lebhasten Aus- drücken des Mitleids über einen Vorfall, der sich kurz vor Beginn des Theaters ereignet haben sollt«. Ein Student, der gerade in den Ferien nach Hause gekommen war, sollte, offenbar in Schlaftrunken- heit, aus dem Fenster des vierten Stockwerks gestürzt fein.„Das kann nur Elvirastraße fein", hört« sie die Frau des Bauunternehmers sagen.„Es kann doch auch Elifabsthstraße fein", antwortete in schrillem Diskant die Arztcnsfrau.— Elifobethstrohe? Da wohnten ja sie. Und ihr Sohn, der die ganze Nacht gefahren war. hatte noch geschlafen, als sie mit ihrem Mann ins Theater gegangen war. Mein Gott, wenn ihr Sohn?... Sie mußte Gewißheit haben. Si« drehte sich so heftig um. daß sie mit den drei Damen zusammenstieß.„Frau Doktor, verzechen Sie, Sie kennen mich, ich wohne in der Elisobeth- strahe. Was für ein Unglück ist dort geschehen?" keuiftt« sie hervor. Die Frau Doktor war über den Zusammenprall höchst indigniert und entgegnete von oben herab:„Ich finde es sehr sonderbar, uns so anzufallen und das Gesprach fremder Menschen zu belauschen." Die Kunstmalerssrou griff in ihrer Erregung nach ihrem Arm:„Um Gottes Barmherzigkeit willen, mein Sohn ist heut« zurückgekommen. Er schlief noch, als wir fortgingen. Sprechen Sie, was wissen Sie?" Di« Arztensfrau machte ihren Arm los:„Belästigen Sie uns rricht. Wenn Sie fa neugierig sind, dann fahren Sie doch hin. Dann werden Sie ja erfahren, ob in der ElisolKchstroß« etwas passiert ist." Drei Augenpaar« starrten die Sprachlose an, und aus allen stach ihr «in häßlicher gelber Schein erbarmungsloser Bosheit entgegen. Da konnte sie sich nicht mehr halten.„Ihr Bestien! Ihr Ungeheuer!" schrie sie und schlug zu. Aufschrei. Tumult. Am Boden lag ein falsches Gebiß. Die Arztensfrau bekam eibrn Weinkrawpf. Der diensthabende Schutzmann notierte die Personalien der Täterin. Dann raste sie mit ihrem Mann im Auto noch Hause und stürmt« die Treppen hinauf. Als ihr in der Tür ihr Sohn mit frischen ousgc- fchlafenen Augen entgegentrat, brach si« ohnmächtig zusammen. Die leibhaftige Bosheit hatte einen geschickten Anwalt. Die Kunstmalersleute waren im Bewußtfein ihrer Unschuld ahn« Anwalt erschienen. Es gelang dem Vertreter der Bosheit, den Nachweis zu erbringen, daß feinen Klientinnen jede Absicht, die Angeklagte durch ihre Unterhalwng in Aufregung zu versetzen, ferngelegen habe. Sie Hobe eben ein fremdes, nicht für sie lvstimmtes Gespräch in Bruch- stücken in sich aufgenommen und daraus falsche Schlüsse gezogen, für die sein« Klientinnen felbswerständlich nicht verantwortlich ge. macht werden könnten. Wenn die Angeklagte, bevor sie in? Theater ging, die Zeitung gelesen hatte, so hott« si« an? dem Polizeibericht ersehen können, daß in der vorausgegangenen Nacht ein Unglücks- fall, wie er in d-r Klageschrift genannt sei. in der E-ftraße sich er- eignet habe. Es fei selbstverständlich jedermann unbenommen, an einem öffentlichen Ort, wie ihn das Foyer eines Theaters darstellt«, sich darüber zu unterholten, ob mit der E-stroße im Polizeibericht die Elvira, oder die Elisabethstroß«««meint sein könne. Gegen den Redeschwall des Anwalts hotten die Kunstmalers- leute einen schweren Stand. Sie ersuchten, das Motiv für die Handlungsweise der leibhaftigen Bosheit aufzudecken. Es kamen kleine Dinge des Alltags heraus: di« Arztensfrau wohnt« in der Querstraße. Di« rückwärtigen Küchenbolkons lagen schräg unterein- ander. Vom Balkon aus dem vierten Stock war einmal ein Fleisch- schneidebrett. dos dort zum Trocknen ans Geländer gestellt worden war, auf den Balkon des Arztes gefallen und hatte dort einen kleinen Blumenstock zerschlagen. Was trotz der sofortigen Entschuldigung und der Erklärung, den Schaden zu ersetzen, einen erregten Brief- Wechsel hervorgerufen hatte. Infolgedessen hatte man bei Krank- heitsfällen im vierten Stock einen anderen Arzt genommen. Rauferei der Buben, wobei der Sohn des Arztes unterlegen war. Woraus sich wieder ein Briefwechsel ergab. Aufhetzung des Dienstmädchens von unten nach oben. Fortwährende Beschwerden bei dem Haus- Meister, wenn beim Hausputz der Wind Staub auf den Balkon des dritten Stockes herunterwehte oder Wasser hcruntertropste. Kleine versteckte Verleumdungen bei den Nachbarn, in den Geschäften, deren Wurzel man nicht fassen konnte. Ein« immerwähreniie Variation des leidigen Themas:„Es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt." Als Leitmotiv dieser die Nerven peinigenden täglichen disharmonischen Musik der Neid, der Neid über ein glückliches Familienleben, der Neid, daß die Kinder des„Hungerleiders" wohl gerieten und vorwärts kamen. Und nun als Krönung dieser niederträchtige und leider nur zu sehr geglückt« Versuch im Theater, mit Unterstützung ihrer gleichgestnnten Freundinnen, seiner Frau einen tödlichen Schrecken einzujagen, einen Schrecken, unter desien Folgen sie heute»och leide. Der Moler hatte sich warm gesprochen. Er war ein Zkünftler, der sich bewußt mar, daß die Bagatellen, die die Seele verwunden, größere Verbrechen sind als die groben Handgreiflichkeiten des Straf- gefetzbuchcs. Der Richter war kein Künstler. Er war ein Schuster. der nur Paragraphen im Kopf hott«, die der Anwalt gegen dos künstlerische Mosaikbild, das der Maler von der leibhaftigen Bosheit geschaffen hatte, mit der plumpen Geste auf Jiie gesellschaftlich« Stellung seiner Klientin, die über einen solchen Tratsch himmelhoch erhoben sei, vorging, da nickt« der Richter mit dem Kopf. Di« Angeklagte wurde verurteilt. Di« leibhaftige Bosheit rauschte mit ihren drei zur Decke gerichteten Nasenspitzen aus dem Gerichts- faal. Die Kiinstmolersfrau war weinend auf ihrem Stuhl zu- sammengebrnch«». Der Kunstmaler blickte ins Leere und schüttelte immer wieder den Kopf. Ich schüttelte mit. Aber dann brach ich dos Schütteln ab. Mir kam die Erkenntnis: wenn ich über alle sonderbaren Dinge, die in der Welt geschehen, den Kopf schütteln wollte, dann würde ich aus dem Schütteln nicht mehr herauskommen. wme carte: föaufch der Xandflrafte Mit schwingenden Schritten geht er dahin. Fort in dos llnge- wisse, Ziellose, Neue. Jeder Schritt cnfernt ihn Wehrder bindenden Gleichmäßigkeit des Zllliogs. Zurück bleibt alles Schwere, Abgc- grenzte. Schwer«. Nauschsehnsucht will dos Freie, das Absolute. Irgendwo ist immer eine weiße, einsame Landstraße. Bielleicht folgt sie den Windungen des Stromes, der talwärts dahinsließi. Oder sie ist von Linden überschattet, eingcfatzr van Wiestmgrün, über das Lupinengold oder das andere Gold wehender Kornfelder leuchtet. Geheimnisvoll lockt ein Wald. Bcrgzüge blauen und lila Heideflächen wellen auf und ab. Es ist gleichgültig, wo die Straße liegt und wohin sie führt. In nordische Dünenweite, in südliche Olivenhaine, in' Kakteemvildnis oder in die Wildnis der großen Städte. Nicht das zufällig oder be- mußt lang erträumte Ziel ist die Hauptsache, sondern die freie Ge- mißheit— alles hob ich bei mir— Herr olles Ich-Gejchehevs zu sein. Die Möglichkeit des plötzlichen Durchbrechens jedes Planes, jeder Route sich offen haltend, weil vielleicht irgendwo seitwäts un- erwartet in den Fenstern eines fernen lzoiifes die Abendsonne, neue Richtung weisend, aufglüht. Einmol haben Wunsch und Gefühl unbehinderte, lösende Macht. Einmal sind sie nicht Untertan dem Takte äußerer Vorschrift bindender Disziplin. Locker, gelöst: Düfte, Farben und Klänge in sich eintrinkend, wandert der Mensch aus einsamer Landstraße. Schärfer ausschreitend lächelt er den schwarzen Ziffern aus den weißen Kilometersteinen zu. Unbekümmert um dos Ziel, das überall irgendwo und in jeder Stunde liegt. Wahrhaft frei er selbst, ist ihm alles nahe, verwandt und zu- gehörig: das Geplätscher einer Quell«, die Käfer im Farrcnwald, die an ihm vorüber sirmmende Hummel, Wolkenzüge und Bcrgwold. Dahinter verwcht alles wie Blätter im Wind. Der wunder- some Rausch, den Sonne, Grün. und Landstraße crzeiigen,-wird starker und stärker. Wie leicht sind alle Dinge, die unüberwindlich schienen, wie wachsam Mut und Sicherheit und Selbstgefühl in der Weite und Gelassenheit der Natur. Und Träum« kommen: Wach- träume: dos Kleine wird groß zum Erlebnis. Ein polternder Wagen, die Vision eines vorübcrslicgcnden Autos, eine alte Frau vor ihrer Kate. An abendlicher Straße erscheint ein Wirtshaus mit blankge scheuerten Tischen und einem ungeheuer aufgeschichteten Bett in winziger Kammer. Aus den Steilen stößt Rindergcbriill in die stille dunkle Nacht. Andern Tags brandet die Siraßenflut einer Großstadt wie«in neuer unerhörter Akkord. Oder ein Burgslecken mit Türmen und Winkeln, mit altertümlichen Golckcnzügen und alten Messingklopsern 'an den Türen dämmert über verlorenen Tälern. Eine große Trunkenheit ist der Wandcrrousch der Landstraße. Eine tiefe Trunkenheit, die löst und erlöst. Irgendwo später endet die Woge der Landstrahe und führt den einzelnen zurück auf seinen Pflicht- und Lebensweg. Freiheit gab si«. damit er Herr bleibe seines Schicksals, die Ruhe und große Ileberschau wahre, auch im niichtern-olltäglichen Gedränge und Getriebe. Aber einige gibt es immer, die ihn nie mehr entbehren können, den Raiisch der Landstraße. Die wandern müssen und träumen in ihrem Schotten und in ihrer Glut. Und die sich selbst längst verloren und nie mehr zurückfinden. 3)er Sterufskrebs inäbeutfchland Die Tagung der Krebssorscher in Dresden, die durch die Fülle der sachlichen Arbeit seinerzeit weit über Deutschlands Grenzen hinaus Aussehen erregt hat, beginnt bereits Fruchte zu tragen. Das Institut für experimentelle Krebsforschung in Heidelberg ist vom Reichsorbeitsministerium beauftragt worden, Erhebungen über den Berusskrebs vor allem bei Brikettarbeitern anzustellen. Der Leiter des Instituts, Prof. Dr. O. Tcutschländer, veröffentlicht jetzt im Rcichsarbeitsblatt Richtlinien.zur Verhütung insbesondere beruflicher Krebse. Da der Kamps gegen die äußeren und inneren Ursachen, d. h. gegen die Schädlichkeiten und die Krebsonlage, sehr schwierig ist, zielen die hygienischen Maßnahmen im wesentlichen darauf hin, die Berührung mit den kreb-erregcnden Schädlichkeiten möglichst zu beschränken. Für die Entstehung der Berusskrebse kommen in Be- tracht Teer, Pech, Rohparafsin, Schmieröle, Anilin, Röntgenstrahlen u. a. Aber auch Unsitten»nd schlechte Gewohnheiten, wie der Genuß rohen Fischsleisehes am Kurischen Haff und zu heißes und gewürztes Essen und Trinken sind dazu zu rechnen. Der Einfluß sozialer Vorschriften zeigt sich besonders deutlich bei den Berufs- krebsen. Seitdem es in England untersagt ist, die Lehrlingszeit als Schornsteinfeger vor dem 21. Lebensjahre zu beginnen, hat sich dos Alter bei den Krebserkrankungen der Sehornsteinseger um 13 bis 14 Jahre nach oben oerschoben. Der größie ttakerwasserlunnel. Die Untertunnelung des Flusses Merfcy.zwischen Liverpool und Birkenheod stellt die größte derartige Anlage dar, die bisher unternommen worden ist. Der Tunnel hat eine Länge von fast 31» Kilometer und eine Weite von mehr als 14 Meter. Nachdem man zunächst von Heiden Seiten Probetunnel vorgetrieben hatte, um öie geologischen Vcrlzältnisse zu untersuchen, begann man dann 1928 mit den eigentlichen Arbeiten. Sehr schwie- rig ist die Durchlüftung des Ilitterwosserfchachtes. Der Tunnel, dessen Dollendung in zwei Jahren zu erwarten ist, wird etwa 100 Mil» lsoneu Mark koftgn. Rr. 345 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Duisberg pfeift Preissenkung ab. Sonnabend, 26. Juli 1930 Gewinn zugeflossen. Einzelne Fabrikanten haben ihre bereits verkauften Bestände zurück getauft, um in den Gemuß der höheren Preise zu kommen. Bei der Lagerhausgesellschaft in Rendsburg lagern große Mengen von Kartoffelflocken im Auftrage der Deutschen Getreidehandels- Gesellschaft in Berlin, die diese Käufe im Markenartikel nicht billiger.- Krise durch Kartell- und Markenpreise verschärft. Auftrage des Reichsernährungsministers Schiele getätigt hat. Auf Einige Tage lang war im bürgerlichen Blätterwald ein ge- eine Senfung der Markenpreise und möchte die Händler, denen heimnis und erwartungsvolles Raunen: bei wichtigen Marten Preise und Rabatte bei Strafe des absolut ruinöfen Boykotts vor artikeln sollen die Preise herabgesetzt werden, um der Preissenkung geschrieben werden, noch als die Verantwortlichen erscheinen lassen. im Einzelhandel einen Antrieb zu geben. Das parlamentslose Preisstand und Lebenshaltung der Massen könnten empfindlich Interregnum Brüning hat diese Sentung der Einzelhandelspreise durch Senkung der Martenartikelpreise, vom Lieferanten her, freilich nötig, nachdem sein frisch- fröhlicher Wille zum Lohndruck doch das auch durch Verkürzung der Handelsspanne verbessert werden. Die Hindernis sehr beachten mißte, daß eine Real lohnsentung in Massentauftraft würde empfindlich gestärkt, die Wirtschaftskrise durch Krisenzeiten volkswirtschaftlicher Selbstmord ist. Diese Preissenfung stärkere Nachfrage auf anderen Gebieten gemildert werden; denn im Einzelhandel hat jetzt, unter Führung der Markenmonopolisten, Martenartikel sind fast alle Arzneien und fosmetischen Erzeugniffe, ein Begräbnis erster Klasse erfahren. Duisberg, der Herr ferner Seifen, Mineralwässer, Rafierklingen, Weine, Füllfederhalter, des deutschen Farbentrusts, hat Brüning die falte Schulter gezeigt. Schallplatten, Tinten, Gesundheitsartikel, Schokoladen, Kindermehle, Die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels Margarine, Konserven, Nährmittel, Backpulver, Kaffeezujah, Waschmittel, Schuhpuh, Farben usw. Es gibt kaum einen einzigen Arteilt mit, sie habe die Preissenkungsfrage mit allen Spizen- und titel im Massenhaushalt, für den es nicht eine durch Monopolpreise Farbenverbänden der Produktion und des Handels einschließlich des geschützte Marke" gäbe. Mit einem Drittel des gesamten EinzelMartenschutzverbandes verhandelt. Ueber das Ergebnis der Verhandelumsatzes, gut 10 von 30 Milliarden Mart, ist der handlungen wird festgestellt, daß die Preissenkungen des letzten Umsatz von Markenmaren nicht überschätzt. Jahres schon erheblich größer waren, als der Inder es erkennen lasse, daß weiteren Preissenkungen die Frachtenverteuerung und die Erhöhung von Steuern und gewerblichen Mieten entgegenwirte. Infolgedessen kann eine allgemeine Senkung der Preise in Lebensmitteln und Drogen für die nähere Zukunft nicht in Aussicht gestellt werden". Dazwischen stehen einige preisphilofophische Bemerkungen und am Ende der Erklärung folgt die platonische Erklärung, man fei zur Zusammenarbeit entschlossen, um eine ,, auf Abfahförderung und Bedarfsdeckung der Berbraucher gerichtete Preispolitit" zu fördern. Bahrlich, ein Begräbnis erster Klasse für die Preissenkung im Einzelhandel und zugleich ein lebensgefährlicher Stoß für die wirtschaftliche Notstandsregierung Brüning. Man darf für die Frage der Preissenfung im Einzelhandel nicht die Händler allein verantwortlich machen. Wenn in einer Wirtschaftskrise wie der jetzigen die Käufer jeden auszugebenden Sechser zweimal umdrehen, dann kann der Händler in den seltensten Fällen sich Uebergewinne anrechnen; seine Gewinn spanne wird, abgesehen von Inmungspreisen, durch die Konkurrenz viel zu scharf kontrolliert, und man darf wirklich annehmen, daß viele Einzelhändler, um mir überhaupt zu verkaufen, auch ihre Gewinnspanne von sich aus verringert haben. Nein, dieser Schlag gegen die Preissenkung wird von den Fabrikanten selbst geführt, die es aus den verschiedensten Gründen nicht nötig haben, mit den Breisen herunterzugehen, und an ihrer Spitze steht Herr Duisberg, der erste Präsident des G. Farbentrusts und zu gleich des Reichsverbandes der Deutschen Industrie. Wie es bisher umsonst war, bei Eisen eine ausreichend große, bei Rohle, Kali, 3ement, Papier, Britetts ufm. überhaupt eine Preissenkung durchzusetzen, so befiehlt jetzt Herr Duis berg für das riesenhafte Monopolgebiet der Marten artitel, daß eine Preissenkung unterbleiben muß. Und die Einzelhändler find für Duisberg noch die Karnidel: die Preise feien ja schon starter gefenft, heißt es, als der Inder zeigt; das gilt aber sicher für taum einen einzigen Martenartikel; die Erhöhung gewerblicher Mieten gilt überhaupt nicht für Martenartikel fabri fanten und die relativ geringe Frachtenverteuerung vom Frühjahr wird zehntausendfach von der Verbilligung der Rohstoffe mettgemacht. Herr Duisberg, der als Präsident im Reichsverband der Deutschen| Industrie Senkung der Selbstkosten, besonders der Löhne und damit der Einzelhandelspreise fordert, derselbe Herr Duisberg verweigert als der entscheidende Bertreter der deutschen Martenmonopolisten Gegen Baumwollzölle. 1 Bedenkt man gleichzeitig, daß nach offizieller Schäzung vom deutschen Industrie umsatz im Betrage von 55 Milliarden nicht weniger als 25 bis 30 Pro3. auf gebundenen Kartell. preisen beruht, die auch kein Mensch in Deutschland trotz der furchtbaren Wirtschaftskrise herunterbringt, dann sieht man, wie neben der Kartellherrschaft der Rohstoffmonopole die Herrschaft der Martenschutzverbände als trifenverschärfender Faktor sich gegenwärtig auswirken muß. Dabei sind fast alle Martenpreise von vornherein außerordentlich hochgehalten und enthalten riesige Geminnspannen. Was muß da in erster Hand verdient werden, wenn zum Beispiel J. G. Farben auf ihre Arzneiprodukte 90, 120 und mehr Prozent Kleinhandelsrabatte festsetzt, wenn für Niveaund Elidacreme, für Khasana-, Lohse, Scherf- Produkte mehr als 50 Prozent, für Kaloderma, Chlorodont, Basenol, Birkenwasser 70 und 80 Prozent und für die so riesenhaft umgesetzten Artitel, wie Perfil, Ata, Kathreiner Malz- und Seelig Kornkaffee 41 bis 60 Prozent Kleinhandelsrabatte festgesetzt werden, und zwar unveränderlich, bei Strafe des Boykotts eventuell durch sämtliche 250 Firmen, die im Berband der Fabrikanten von Markenartikeln organisiert sind? Wäre es etwa der Diktaturregierung Brüning unmög lich, wenn sie wollte, die Macht und Willkür dieser Kreise zu brechen? Das wäre ebenso möglich, wie das Reichswirtschaftsmini fterium, gestützt auf einen festen Willen des jezigen Reichskabinetts, den Preisabbau der monopolistischen Rohstofftartellpreise sofort erzmingen fönnte durch schärfere Anwendung der Kartellverordnung. Um die Markenpreise zu senken, würde es vollständig genügen, bis auf weiteres und als sofortige Notmaßnahme die Preisbindung der Groß- und Kleinhändler sowie alle Reserveverpflichtungen zu verbieten. Aber dieses ,, Qittatur"-Kabinett darf ja überhaupt nichts him, mas polis mirtschaftlich vernünftig ist, es darf nur tun, mas privatwirtschaftlich vernünftig ist. Die Unternehmer sind sehr für Preissenfung, mur nicht bei ihnen selbst, nur dann, wenn der Händler( wie bei den Markenschühlern) oder der Arbeiter( wie in der Schwerindustrie) die Preissenfung bezahlen. Darum kann es auch mit der Wirtschaft erst besser werden, wenn eine Macht im Reiche da sein und start genug sein wird, den Kartellund Markenpreisen wirklich zu Leibe zu gehen. Die Brüninge sind ja nur da, um für die Duis berge dem Bolt Sand in die Augen zu streuen. liner spätestens am 31. Dezember 1928 eingetreten( bei 6,9 Mill. Mart Kapital 4,24 Mill. Mark Berluft). Unter unverzüglich ver= Gutachten des Reichswirtschaftsrats gegen Baumwollzölle.teht die Verwaltung demnach die Einlegung einer Bause von mehr als 1½ Jahren. Vermutlich hatte, die Verwaltung aber bis vor Seit Jahren wird von der Baumwollindustrie ein sehr scharfer kurzem ein Interesse daran, die Interessenten für die AktienmehrKampf um die Erhöhung der Zölle für Baumwollgarne um min- heit ihres Unternehmens( Siemens, Fuld, ITT.) über die Saniedestens ein Drittel geführt, bei dem die Baumwollfonzerne alle rungsbedürftigkeit im Unflaren zu lassen. Es fann faum bezweifelt Minen ihrer politischen Kunst springen ließen, von der Beeinflussung werden, daß die Sanierung nicht im Verhältnis 5: 2 erfolgen amtlicher Untersuchungsführer bis zur Fälschung von Bilanzen, um müßte, wenn die Verluste rechtzeitig aufgedeckt worden wären. ihr Ziel zu erreichen. Wie die Bossische 3tg." meldet, hat sich der Reichswirtschaftsrat in dem von ihm gelieferten Gutachten auf Grund der Sachverständigenvernehmung zu den Wünschen der Baumwollindustriellen ablehnend geäußert. " Späte Sanierung Telephon: Berliner. Die neuen deutsch- amerikanischen Herren. Die neuen Herren der Telephonfabrik Berliner A.-G., BerlinSteglitz, stellten sich am Freitag in der Generalversammlung des Internehmens vor. Es sind zum größten Teil Direktoren und Aufsichtsräte europäischer Zweigfabriken des amerikanischen Internationalen Telephon- Konzerns(„ ITT."). Der im Jahre 1927 mit der Telephon- und TelegraphenbauGesellschaft m. b. H., Frankfurt a. M., einem Unternehmen des Fuld- Konzerns, abgeschlossene Interessengemeinschaftsvertrag hat der Telephonfabrik Berliner feinen Nutzen gebracht. Für das Geschäftsjahr 1928 ergab sich vielmehr nach Aufzehrung der Reserven( 0,71 Mill.) ein Verlust von 3,49 Millionen. Das Jahr 1929 brachte einen weiteren Verlust von 0,64 mildionen. Die Verwaltung führt diese schlechten Ergebnisse auf eine zu hohe Bewertung der Anlagen bei der Goldmarkumstellung zurück und stellt sich damit selbst ein schlechtes Zeugnis aus; denn sie hat die notwendige Korrektur der Bilanzwerte länger hinausgezögert, als sie es verantworten kann. Daß die Amerikaner die Aktienmehrheit des Unternehmens übernahmen, bevor durch die Veröffentlichung des längst fällig gewordenen Abschlusses für 1928 nur einigermaßen Klarheit geschaffen war, ist lediglich ein Symptom dafür, wieviel dem neuen Großaktionär an der Postquote gelegen ist, aber feinesfalls eine Entschuldigung für die Verwaltung. Erreicht der Befft, der sich bei der Aufstellung der Jahresbilanz oder einer Zwischenbilanz er gibt, die Hälfte des Grundfapitals, so hat der Borstand unver. züglich die Generalversammlung zu berufen und dieser davon Mitteilung zu machen", heißt es im Handelsgesetzbuch. Nach den Biffern der Verwaltung war dieser Zeitpunkt bei Telephon- BerDie Verwaltung rechnet für die nächste Zeit mit der Notwendigkeit weiterer Entlassungen, für später allerdings mit einer Absatzerweiterung durch den Internationalen Telephontonzern. Futter durch Schiele verfeuert. Die Bauern beklagen sich. des Der Schleswig- Holsteinische Bauernverein" in Rendsburg richtet an uns eine Zuschrift, in der die Subventionspolitit Reichsernährungsministers Schiele treffend beleuchtet wird. Wir sind von Herrn Schiele allerhand gewöhnt. Der Fall, der aus Rendsburg berichtet wird, jetzt aber allem die Krone auf. Wir geben das Schreiben des SchleswigHolsteinischen Bauernvereins" ohne Kommentar wieder. Es spricht für sich selbst: ,, Die beiden Ernährungsminister Dietrich und Schiele haben den Gerstenzoll bis auf 12 Mart pro Doppelzentner erhöht, um die Gersteneinfuhr unmöglich zu machen und alle bisherigen Gersteverbraucher, in erster Linie in unserer nordwestdeutschen Land- und Viehwirtschaft, zum Verfüttern von Roggen zu veranlaffen. Die Schweine mästenden Betriebe haben sich nun auf den Verbrauch von Kartoffelfloden eingestellt. Diese maren in unserer Provinz zum Preise von 6,10 Mart waggonfrei pommerscher Station zu kaufen. Herr Schiele hat nun eine Erhebung über die Bestände bei den Kartoffelflockenfabriken anstellen lassen und die gesamte Menge, etwa 600 000 3entner, zu einem Preise von 1,60 Mart über dem Marktpreise, also insgesamt eine Million über dem tatsächlichen Preis, den Kartoffelflockenfabrikanten abgenommen. Durch diese Maßnahme, die ein glattes Geschenfooneiner Million Marf an die Kartoffelflodenfabrikanten bedeutet, sollten angeblich die Bestände verschwinden, um die Fabriken für die neue Saison aufnahmefähig zu machen. Tatsächlich sind diese Bestände nicht vom Markt verschwunden, sondern lagern jetzt auf Risiko des Reiches. Anfrage wird von dort mitgeteilt, daß sie zurzeit, unverbindlich, pro Zentner 9,50 Mart intl. Sack notieren. So ist durch diese jüngste Maßnahme des Reichsernährungsministeriums wieder eine Preissteigerung von Rohstoffen bewirkt, die die nordwestdeutsche Landwirtschaft schädigt, dem Often nicht hilft, einigen Kartoffelflockenfabrikanten aber ein Millionengeschenk auf Kosten der Steuerzahler in den Schoß wirft."" Sehr niedriger Notenumlauf. Der Reichsbankausmeis zum 23. Juli zeigt gegenüber der vorigen Woche keine weiteren Devisenabflüsse. Die Wechselbestände sind um 58,8 auf 1427,2 und die Lombarddarlehen um 12,7 auf 57,6 Millionen Mark gesunken. Die unverzinslichen Gelder auf Girokonto haben sich wohl infolge des starken Zuflusses von Steuergeldern um 240,3 auf 667,0 Millionen Marf vermehrt. Durch diese Rückflüsse nahm der Notenumlauf um 221,0 auf 3965,9 Millionen Mark ab; der Notenumlauf hat damit den tiefsten Punkt des Jahres 1930 Die erreicht. Gold- und Devisenbestände sind fast unverändert. Deckungsdevisen nahmen um 2,2 auf 181,6 millionen Mart ab. Die Gold- und Devisendeckung der umlaufenden Noten hat sich wieder von 66,9 auf 70,6 Proz. verbessert. Deutsche Kohlenproduktion 1930. Nach den Ermittlungen des Statistischen Reichsamts wurden in Deutschland im Juni 10,80 Millionen Tonnen Steinkohlen gegen 13,22 Millionen Tonnen im Juni vorigen Jahres gefördert; der Rückgang beträgt also faft 20 Proz. Für das erste Halbjahr 1930 ist gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres ein Rückgang der deutschen Steinkohlengewinnung von 78,48 auf 73,34 Millionen Tonnen festzustellen. Also um etwa 6 Proz. Aber auch diese Förderung liegt noch um etwa 5 Proz. über derjenigen von 1930. Die Braunkohlenförderung ging im ersten Halbjahr von 84.72 auf 71,49 Millionen Tonnen zurück, die Kokserzeugung von 18,60 auf 17,49 Millionen Tonnen und die Erzeugung von Brauntohlenbritetts von 20,34 auf 16,61 Millionen Tonnen. Der Erzeugungstückgang war in den letzten Monaten des ersten Halbjahres besonders starf. Er war aber noch feine Ermunte= rung für die deutschen Kohlenerzeuger, die Preise herabzu= setzen. Diese ziehen es vor, die Wirtschaftskrise durch hohe Kohlenpreise zunächst einmal noch zu verschärfen, um später sich über die Not des Bergbaues" zu beklagen, wie das in Deutschland nun einmal üblich ist. Kaffee und Schokolade zu teuer. Kathreiner flagt- Karstadt legt still. Die Franz Kathreiner Nachfolger A.= G.- München flagt in ihrem Geschäftsbericht für das am 31. März beendete Jahr darüber, daß die Geldknappheit, die Arbeitslosigkeit und die Not der Landwirtschaft sich durch verminderte Raufkraft der Kundschaft start fühlbar gemacht haben. Trotzdem konnten die Umsätze unter Ausmuzung der Konjunktur- und Marktverhältnisse d. h. offenbar durch besondere Pflege des Handels mit Waren zmeitund drittklassiger Qualität gesteigert werden. Aus 211 326 Marf Reingewinn( Borjahr 31 503 M.) gelangen 8 Proz. Dividende auf die Vorzugs- und 4 Proz. auf die Stammattien zur Verteilung. Die Schokoladenfabrik der Rudolph Karstadt A.-G. in Wernigerode mußte vorübergehend stillgelegt werden. Nach Angabe der Firma handelte es sich lediglich um die Begleiterscheinung einer technischen Umstellung; die Börse reagierte jedoch in der letzten Woche mit einem Kursrückgang der Karstadt- Aktien von 105 auf 90 Prozent. Die Karstadt A.-G. teilt daraufhin mit, daß keine triftigen Gründe für den Kursrüdgang vorlägen. Funt- Gewinne. Die Hochfrequenz- Maschinen A.-G. für drahtlose Telegraphic, Berlin, ein Unternehmen, das fich früher aftin im Uebersee- Funk betätigte, jezt aber nur Beteiligungen verwaltet und mit der Transradio A.-G. für drahtlosen Ueberseeverkehr zusammenarbeitet, erhöht die Dividende für 1929 auf 12 Prozent( 1928: 11, 1927: 10, 1926: 8 Prozent). Bodenfpekulanten. In der Generalversammlung der Friedrichsfelde- Lichtenberg- Terrain A.-G., Berlin, bedauerte die Verwaltung, daß der Bau der Untergrundbahn nach Friedrichsfelde- Lichtenberg wiederholt unterbrochen werden mußte. Die Gesellschaft hatte offenbar schon für 1929 eine bedeutende Wertsteigerung ihrer Grundstücke durch die Fertigstellung der U- Bahnstrecke erwartet. Der Konfumverein„ Borwärts" Dresden erzielte für das am 30. Juni zu Ende gegangene Geschäftsjahr einen Gesamtumsay von 55,2 Millionen Mark gegenüber 57,3 Millionen Mark im Jahre 1928/29 und 47,6 millionen Mark im Jahre 1927/28. Der Rückgang dürfte sich aus der schwierigen Wirtschaftslage, die sich in Sachsen besonders fühlbar macht, erklären. Im übrigen zeigt sich eine gesunde und kräftige Weiterentwicklung des Dresdener Unternehmens. Insbesondere ist es gelungen, den Umsatz von Frischmilch von 4820 000 Litern auf 5 527 000 Liter zu steigern. Auch fonnten die Fleisch warenverteilungsstellen ihren Umsatz von 4,1 Millionen auf 4,9 millionen erhöhen. Bei den Bäckereien liegt eine Steigerung von 7,933 Millionen auf 7,948 Millionen vor. Die Zahl der Mitglieder wird mit 80 406 gegenüber 80 318 am Ende des Vorjahres angegeben. Zu berücksichtigen ist dabei die Ausschaltung der sogenannten Papiersoldaten. Die Spareinlagen sind von 15,769 millionen auf 19,689 Millionen Mart angewachsen. Die Buffer des kleinen Mannes. Der Verbrauch von Mar garine war 1928 in Deutschland nach einer Untersuchung, die in Wirtschaft und Statistit" veröffentlicht wird, mehr als doppelt so groß wie vor dem Kriege; er betrug 7,6 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung gegen 3 bis 3,5 Kilogramm im Jahre 1913. In Deutschland wurden 1928 487 000 Tonnen Margarine erzeugt. As Ursache der Konfumfteigerung werden die eingetretene Steigerung der Butterpreise und die gesunkene Kauftraft der Bevölkerung an gegeben. Die von den Unternehmern ,, bewiesene" Steigerung des Reallohns steht mit der Zunahme des Margarineverbrauchs nids Den ostdeutschen Kartoffelbauern ist damit nicht gedient. Lediglich den Kartoffelflodenfabrikanten ist ein großerlim Einklang. Eine gute Bilanz. Die freien Gewerkschaften im Krisensturm 1929. spolist Die Gewerkschafts- Zeitung" vom 26. Juli gibt einen Ausschnitt| und Getränfearbeiter mit 6,2 Proz. und die Buchaus dem Jahrbuch 1929 des ADGB., das demnächst erscheint. Was druder mit 5,6 Proz. Wenn man bei der fritischen Ueberprüfung aus den bisher veröffentlichten Jahresberichten der einzelnen Ber- der Mitgliederbewegung die fatastrophale Arbeitslosigkeit und den bände schon flar hervorging, nämlich, daß der Mitgliedergeminn in auf die Spize getriebenen Kampf der KPD. gegen die Gewerkschaf allen freien Gewerkschaften hinter dem des Jahres 1928 meit zurüd ten in Rechnung stellt, muß man auch diesen verhältnismäßig gebleibt, ihre finanzielle Stärke jedoch trotz der ungeheuren ringen Aufschwung in der Mitgliederbewegung als ein beachtliches Belastung infolge der Krise ungebrochen geblieben ist, geht auch Plus der freien Gemertschaftsbewegung buchen. aus der Gesamtbilanz des ADGB. hervor. Ende 1929 zählten die Ganz respektabel ist aber das, was die freien Gewerkschaften im dem ADGB. angeschlossenen freien Gewerkschaften 4 948 267 mit vorigen Jahr in finanzieller Hinsicht geleistet haben. Mitglieder gegen 4 866 898 Ende 1918. Es wurden demnach im vorigen Jahr den freien Gewerkschaften 81 369 neue Milglieder zugeführt. An dem Mitgliedergeminn partizipierten jedoch nicht alle der 35 Verbände; zwölf von ihnen hatten, einen Verlust von insgesamt 40 537 Mitgliedern. Daß es sich bei den Verbänden, die über Mitgliederverluste berichten, um solche Organisationen handelt, deren Organisationsbereich von der Krise am schwersten in Mitleidenschaft gezogen wurde, geht schon daraus hervor, daß an erster Stelle die Hutarbeiter mit einem Mitgliederverlust von 6,8 Proz. stehen, an zweiter Stelle die Schuhmacher mit 6,5 Proz. und an dritter Stelle die Tabatarbeiter mit 5,2 Proz Bei den übrigen neun Verbänden liegt der Verlustsatz unter 5 Broz. Den größten Mitgliedergewinn hatte der Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter mit 9,3 Broz., ihm folgt der Baugemertsbund mit 7 Broz, die Gärtner mit 6,8 Broz, die Hotel, Restaurant und Caféange ftell ten und die Maler mit je 6,3 Broz, die Nahrungsmittel Von den Gesamtausgaben von fast 203 Millionen Mark entfallen allein auf Unterstützungen 86,79 Millionen Mark oder 42,8 Proz. Die Ausgaben für Unterstützungen stiegen gegen das Jahr 1928 um 24,3 Millionen Mart, wogegen die Ausgaben für Arbeitskämpfe um 18,8 Millionen Mark zurückgingen, ein deutlicher Beweis für den Krisencharakter des Vorjahres. Unter den Ausgaben für Unter stügungszwede stehen die für die Arbeitslosen mit 45,23 Mil lionen Mark( 1928 28,06 Millionen Mark) an erster Stelle. Es folgt dann die Krankenunterstützung mit 27,27 millionen Mart( 24,10 Millionen Mark), die Invalidenunterstützung mit 4,28 Millionen Mart( 2,9 Millionen Mark) und die Sterbe fallunterstützung mit 4,31 Millionen Mart( 3,34 Millionen Mark). Für die Arbeitslosen wurde also meit mehr als die Häffte der gesamten Unterstützung verausgabt. Diese Vorschau auf das Jahrbuch 1929 des ADGB. zeigt jedenfalls, daß die freien. Gewerkschaften ihren Mitgliedern auch im porigen Jahre in finanzieller Sinficht ein guter Rüdhalt gemesen find. Krankenkassenversicherte gegen Arbeitslosigkeit Ortskrankenkassenz 56.9 63.7 64.1 Betriebskrankenkassen 18.1 In°/ o Ersatzkrankenkassen 6.5 35.9 33.1 Knappschaftl.Krankenkassen 4.4 Landkrankenkassen 4.3. Männlich Weiblich Innungskrankenkassen 3.0 Z die Rechte ber Beamtenfchaft und fei mur als uftatt zu noch weit schärferem Abbau der sozialen Rechte der gesamten Arbeitnehmerschaft anzusehen. Diese Absichten zu vereiteln und die Sozialreaftion nernichtend zu schlagen, sei am Wahltage, dem 14 Sep. tember, Gelegenheit. Das Ziel der gesamten Arbeitnehmer fchaft für den Wahlkampf jei: Kampf den Klaffengegneri, gegen Sozialreaffion und Bürgerblod! Diese Zielsetzung fand begeisterte Zustimmung. In voller Einstimmigkeit nahmen die Versammelten folgende Entschließung an: Die am 23. Juli 1930 versammelten Gehalts- und Lohnempfänger der Deutschen Reichspost im Oberpostdirektionsbezirk Berlin nehmen mit Entrüstung Kenntnis von den trotz Reichstagsauflöjung nach wie vor bestehenden ungeheuerlichen Absichten der Frontsoldatenregierung Brüning- Stegerwald. Durch Verfassungsbruch, auf faltem Wege, soll die kapitalistische Diftatur aufgerichtet werden, um Reichshilfe, Bürger- und Ledigensteuer, Lohn- und Gehaltsabbau, Reform der Erwerbslosen, Kranken- und Unfallversicherung durchzuführen. Die geplante Ur= laubsfürzung und der damit verbundene Anschlag auf die bestehenden Tarifverträge, weiterer Abbau des Berufsbeamtentums und schamloser Raubbau an der Arbeitskraft des einzelnen reihen sich dem würdig an. Allen Arbeitsbrüdern, die, irregeleitet, noch im Lager der christlichen und neutralen Beamten- Gewerkschaften stehen, sollte das Treiben einer solchen Regierung die Augen öffnen. In diesen ernsten Tegen darf die gesamte Arbeitnehmerschaft, Arbeiter, Angestellte und Beamte, feine Zeit haben, sich durch fleinlichen Hader auseinanderzutreiben. Stellt der geschlossenen Reaktion eine geschlossene Front aller Werftätigen gegenüber! Die freien Gewerkschaften, der Gesamtverband und mit ihm die Allgemeine Deutsche Poſtgewerkschaft, sind stark geworden in Rampf gegen die Sozialreaktion. Auf die Provokation der Bürger. blockführer Brüning- Stegerwald antworten wir mit dem Ruf: Werbt neue Kämpfer! Reiht alle Arbeitsbrüder, Arbeiter, Angestellte und Beamte, ein in die Einheitsfront unserer Kampfgemeinschaft, des Gesamtverbandes. Auf in den Wahlkampf: für Demokratie und Sozialismus, gegen Bürgerblod und Sozialreaffion!" Mit einem Hoch auf den Gesamtverband und die internationale Gewerkschaftsbewegung schloß Genosse Bill die von Gesangsvor trägen des Neuköllner Sängerchors umrahmte Rundgebung. Deutscher Krankenfaffentag. Er wird im August in Dresden abgehalten. Rach Mitteilung des Hauptverbandes Deutscher Krantenfassen mird der 34. Deutsche Krankenkassentag vom 17. bis 19. August 1930 in Dresden, im Städtischen Ansstellungspart, abgehalten. In Dresden soll den Kaffenvertretern Gelegenheit gegeben merden, die Internationale Hygiene Ausstellung und das Hygiene- Museum fennenzulernen. Die enge Verbindung zwischen Sozialhygiene und Krankenversicherung wird auf der Tagung von Prof. Fetscher Dresden behandelt werden. Zur Unterrichtung der ehrenamtlichen und berufsamtlichen Vertreter der KrankenverVersicherte Erwerbstätige ferung über die Erfahrungen und Forschungen der Wiſſenſchaft Insgesamt und ihre Ergebnisse find Berichte über neuere Heilmethoden, 11. a. bei Tuberkulose und bei rheumatischen Erkrankungen vorgefehen, die von namhaften Autoritäten erstattet werden. In dem Bericht über die Arbeitsgemeinschaften wird dargelegt werden, welche organisatorischen Grundlagen für die Durchdie Anmarischaft auf die Arbeitslosenunterstügung erreichen, den führung der Sozialhygiene in der Bragis durch die Sozialversicherung Erfolge der Maler und Lackierer Ausgeftererten aber wird die Krijenunterfügung vor geschaffen worden find. Zum Problem der Reform der Kran. Troß beispiellofer Arbeitslosigkeit. Der Verband der Maler und Lackierer legt seinen Mitgliedern soeben seine Bilanz für das Jahr 1929 vor, die in jeder Hinsicht der Kritik standhalten kann. Auch auf dieser Organisation lastete die Wirtschaftskrise, die bereits im Frühjahr des vorigen Jahres einsegte, sehr schwer. Die enge Verbindung des Malergewerbes mit dem Baugewerbe, das schon im Sommer teine gute Beschäftigung aufwies, brachte es mit sich, daß auch die Maler in dem gleichen Umfange von der Arbeitslosigkeit betroffen wurden, wie die Bauarbeiter. Zu Beginn des Berichtsjahres maren 41,8 Prozent der Berbandsmitglieder arbeitslos, im Februar jogar 48,4 Prozent und im März des Vorjahres 30,8 Prozent. Dieser sehr hohe Prozentsatz von Arbeitslojen läßt sich noch erklären durch den strengen Winter 1928/29, der jede Innen- und Außenarbeit auf den Bauten unmöglich machte. Aber selbst im Mai 1929 waren noch 8,6 Prozent der Verbandsmitglieder erwerbslos, ein Prozentjag, der während vieler Winter in der Vorfriegszeit nicht erreicht wurde. Am Jahresschluß 1929 mußten dagegen 44,2 Prozent der Verbandsmitglieder ihre Hände unfreiwillig in den Schoß legen. Angesichts dieser tatastrophalen Arbeitsmarktlage ist es ein geradezu glänzender Beweis für die Werbekraft der Organisation, daß sie im Berichtsjahr noch 3564 neue Mitglieder gewinnen und ihren Mitgliederbestand auf 60 377 erhöhen fonnte. Damit hat der Berband der Maler und Lackierer den höchsten Mitglieder stand der Nachkriegszeit, der im Jahre 1922 mit 60 360 Mitgliedern erreicht wurde, überschritten. Aber auch auf lohn- und tarifpolitischem Gebiete mar die Dr ganisation erfolgreich. Der Verband führte im Berichtsjahr 86 Bewegungen ohne und 40 Bewegungen mit Arbeitseinstellung für 122 118 Beschäftigte. Es wurde durch fie erreicht für rund 2000 Beschäftigte eine wöchentliche Arbeitszeitperfürzung um 4439 Stunden und für 84936 Beschäftigte eine Lohnerhöhung von 199 732 m. und 2215 Danziger Gulden pro Woche. Auf welcher gefunden finanziellen Grundlage die Organisation steht, zeigt die Tatsache, daß trotz der Erhöhung der Ausgaben für Unterstüßungszwede um 137 678 m. auf 665 105 Marf das Vermögen des Verbandes sich fast um 1 Million Mark auf 4069 945 m. erhöht hat. Ohne Uebertreibung darf also zusammenfassend gesagt merden, daß sich der Verband der Maler und Ladierer im Vorjahr als eine Organisation erwiesen hat, die für ihre Mitglieder auch in schlechten Zeiten in jeder Beziehung eine gute Rüdendedung ist. Baustoffarbeiter überflüssig. Sie fordern Arbeit oder Hilfe. Benn nicht gebaut wird, sind außer den Bauarbeitern auch die Baustoffarbeiter überflüssig, die Ziegeleiarbeiter, 3ementarbeiter und Kalfarbeiter. Diese Arbeiter sind troz ihrer schweren Arbeit mit ihren Löhnen so schlecht gestellt, daß sie an Ersparnisse nicht denken können. Um so schlimmer trifft sie die Not der Arbeitslosigkeit. In Jahre 1929 wurden noch 160 000 Ziegler beschäftigt, etma 56000 Danon sind heute ohne Arbeit und Brot. Biele Ziegler fonnten midt einmal enthalten Ein Teil der arbeitslosen Ziegler ist gänzlich überflüffig geworden. Bei fast gleicher Produktion ist die Zahl der Ziegeleiarbeiter von ungefähr 260 000 im Jahre 1913 auf rund 190 000 im Jahre 1928 und auf ungefähr 160 000 im Jahre 1929 zurüdgegangen. Ajo rund 100 000 3iegler wurden schon ausgeschaltet. In ähnlich ungünstiger Lage befinden sich die Arbeiter der Kaft- und Zementindustrie. In der 3ementindustrie ist die Zahl der Arbeiter infolge der Rationalisierung und Technisierung rapid zurückgegangen, vom Jahre 1922 bis 1928 von 28 000 auf 18 000. Arbeiten, die vor kurzem noch 10 bis 15 Mann erforderten, werden heute von 5 bis 6 Mann bewältigt. Dabei ist Kopf und Jahr auf 600 Tonnen gestiegen. die Produktion in dem genannten Zeitraum von 260 Tonnen pro In der Kaltindustrie ist eine Verminderung der Zahl der Beschäftigten um mehr als 35 Prog. eingetreten, während die Produktion pro Kopf gewaltig in die Höhe ging. Noch ist der techniche Umstellungsprozeß nicht abgeschlossen, weitere Arbeitsträfte werden freigesetzt und stehen vor der bangen Frage: Wohin? Hier ist dringend Hilfe notwendig. Die Einbeziehung dieser hungernden und darbenden Menschen in die Krisenunterit üßung muß schleunigst erfolgen. Nach der Verordnung Dom 29. Juni D. J.( Erlaß über Personentreis und Dauer der Krifenunterstützung) waren die Vorsitzenden der Landesarbeitsämter ermächtigt worden, die Krisenunterstützung auch auf die Berufs gruppe Steine und Erden auszudehnen. Warum die Präsidenten der Landesarbeitsämter von dieser Ermächtigung bisher keinen Gebrauch gemacht haben, ist nicht zu verstehen, denn entsprechende Anträge sind von verschiedenen Landesarbeitsämtern bereits dem Reichsarbeitsminister mit der Bitte um Zustimmung unterbreitet worden. Eine solche Zustimmung ist jedoch bis jetzt nicht erfolgt, obwohl eine generelle Zulassung der Bau- und Baustoffarbeiter unbedingt erforderlich ist. Die Arbeiterschaft muß bei ben Wahlen mit dem sozialdemo fratischen Stimmzettel dafür sorgen, daß sie von der Regierung in ihrer Not nicht im Stich gelassen wird. Der Protestfundgebung der Postler. Gegen die soziale Reaffion. Gesamtverband, Reichsabteilung Allgemeine Deutsche Postgewerffchaft, hatte am 23. Juli alle bei der Deutschen Reichspoft beschäftigten Gehalts. und Lohnempfänger zu einer Protestfundgebung mit der Tagesordnung Wirtschaftstrise soziale Reaktion" in den großen Saal des Gewerkschaftshauses aufgerufen. Der Referent, Genosse Ditersdorf, verstand es in aus gezeichneter Weise, der gut besuchten Bersammlung die Ursachen der jezigen Wirtschaftstrife tlarzulegen und ihren Einfluß auf die Wirtschaftslage Deutschlands zu zeichnen. Er behandelte weiter das Problem der immer mehr wachsenden Erwerbslofig. feit und die ergebnislosen Verhandlungen des ADGB. mit den Ar. beitgeberverbänden zu ihrer Behebung. NP Eingehend fritifierte er die von der Frontsoldatenregierung Brüning Stegerwald im Reichstage vertretenen Deckungsvorlagen und das Ausgabensentungsgesetz. Das Reichshilfegesetz mit seinen 2% Prozent Gehaltsabbau bedeute einen unverhüllten Angriff auf | tenversicherung, insbesondere der Arztfrage Stellung zu nehmen, wird der Geschäftsbericht des geschäftsführenden Vorftzenden Gelegenheit geben. Die Reform der Mitgliederversammlung, die in Nürnberg be gonnen wurde, wird auf der Dresdener Tagung durchgeführt werden; die Satzungsänderungen, die der Tagung zur Annahme norgeschlagen werden werden, sehen eine besondere beschließende Körper: schaft zur Erledigung der Verbandsaufgaben vor. In Frankreich freifen 70000. Gegen Beitragsabzüge zur Sozialversicherung. Mit der Einführung der Sozialversicherung in Frankreich hat fich aus fleinen örtlichen Anfängen heraus eine wahre Streifepidemie entwickelt, die sich um den auf die Arbeiter entfallenden Anteil des Bersicherungsbeitrags dreht. Die Kommunisten betonen auch in Frankreich ihre prinzipielle Gegnerschaft gegen jede Sozialversiche rung. Bei dem Streit in der Liller Metallindustrie erklärten die Streitenden zwar, fie seien nicht grundsäßlich gegen das Sozialversiche rungsgejek, forderten aber eine Erhöhung des Stundenlohns um 20 Centimes, damit sie die Versicherungsbeiträge bezahlen fönnten. Dennoch macht sich die kommunistische Agitation start bemerkbar. In Nordfrankreich ist die Bewegung am stärksten. Teilstreifs werden aus Nizza und Grenoble sowie aus Rouen in der chemischen Industrie gemeldet. In St. Quentin find 2000 Tertilarbeiter in den Streit getreten, in Armentieres 10 000 Metallarbeiter. In Lille mollen sich die Straßenbahrier und die Bankbeamten dem Streik der 13 000 Metallarbeiter und der 5000 Tertilarbeiter anschließen. Die Gesamtzahl der Streifenden wird auf 70 000 geschätzt. Achtung, Buchdruder und Maschinensetzer! Bei der Firma Achterberg u. Co.( Ro- Ri- Li), Berlin SW. 61, Belle- AllianceStraße 92, find infolge versuchten Lohnabbaues Differenzen ausgebrochen. Alle Gehilfen haben ihre Kündigung eingereicht. Die Firma fucht unter dem Namen Robert Richter u. Co., Berlin SW. 61, Belle- Alliance- Str. 92, sowie unter der Anschrift:„ Heimglüd", Universal- Kochbuchverlag und Druckerei, Berlin- Lichtenberg, Wotanftr. 27a, Maschinennseher. Bei allen Konditionsangeboten find vorher Erfundigungen beim Gauvorstand einzuziehen. Verein der Berliner Buchdruder und Schriftgießer. Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin Heute, Sonnabend: Gruppe Humboldt trifft sich zur Fahrt ins Blaue" um 18 Uhr am Bahnhof Gesundbrunnen( Bullenmintel). Die Boltsbühnentarten find umgehend zum Umtausch in der Zentrale abzugeben. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Seute, Sonnabend: Spiel und Sport: Ab 19 Uhr auf dem Sport plak im Humboldthain. Berantwortlich für Politit; Dr. Curt Gener: Birtschaft: S. Klingelhöfer: und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin, Gemeinen Ratib arale feuilleton: s. 3. Döichez; Lolales und Serlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin 628. 68, Lindenstraße 3. Berlag: Bormäris- Berlag G. m. b. 5., Berlin. Drud: Vorwärts.Budbruderet Sieran 2 Beilagen.