BERLIN Sienstag 29. Zul, 1930 erscheint tS«lich a»terG»»»t«s«. Zugleich Abendau Metern überschwemmt.>Da man Gleisoerschiebungen be- fürchtet, war der Berkehr auf einige Stunden unterbrochen worden. Er wird feit heute nacht 1 Uhr eingleisig aufrechterhalten. In Mülhausen wurden zwei Pariser Schnellzüge festgehalten, von denen der eine seine Fahrt mit großer Berspätung nach Paris fort- setzen konnte. Auch die internationalen Züge erlitten große Der- spätungen._ Vier Europaflieger wieder gelandet. Ein Pole muß ausscheiden. heute vormittag landeten in Tempelhof weitere Europaslieger, und zwar die Deutschen v. Massenbach um 9.50 Uhr, N o tz um 10.03 Uhr, Peschk« um 10.05 Uhr und Oster ka m p unt 10.43 Uhr. Der Pole B a j a n, der gestern in Pommern notlanden mußte, dürfte ausscheiden, weil er durch seine Havarie in aussichts- lose Position geraten ist. Bon den beiden englischen Fliegerinnen rangiert nach den vorläufigen Wertungen Miß Spooner mit 260 Gutpunkten hinter Polte, während Lady Bailey mit 59 Punk- ten weit zurückliegt. Sie hatte sich dadurch Strafpunkte ge- holt, daß sie in Pau eimnal gestartet wor und dann wieder um- kehren mußte. Paris, 29. Juli. Wie aus Lyon berichtet wird, werden die Leichen der beiden auf dem dortigen Flugplatz abgestürzten deutschen Flieger O f f e r- mann und Z e r m c s k i morgen nach Berlin übergeführt wer- den. Mitglieder ihrer Familien sind in Lyon eingetrojsen und haben die lleberführung übernommen. Am 1. August. Gegen den Völkermord! Neue entsetzliche Bluttat. Enttäuschter Liebhaber tötet den Sohn seiner Geliebten. Bernburg. 29. Juli.(Eigenbericht.) In der vergangenen Rächt wurde in Leopoldshall in Anhalt eine entsetzliche Bluttat begangen. Der Biersahrer Gustav Hinze drang heute morgen gegen drei Uhr in die Wohnung einer Frau Reuenfeld ein, tötete deren verheirateten Sohn durch einen Herzschuß und verletzte die Frau durch einen Schuß in den Unterleib. Hinze unterhielt mit der geschiedenen Frau seit längerer Zeit ein Liebesverhältnis. Durch die verheirateten Kinder der Frau hatten sich zwischen Hinze und der Frau Neuenfeld in letzter Zeit Mißhelligkeiten ergeben. Do sich die Frau seit einigen Tagen bedroht fühlt«, schlief ihr verheirateter Sohn in ihrer Woh- nung. In letzter Nacht stieg der Liebhaber mittels einer Leiter in die Wohnung ein und vollbrachte die Bluttat. Der Täter ist flüchtig. Kaschiflen überschreiien Grenze— und fliehen vor französischer Grenzpatrouille. Paris, 29. Juli.(Eigenbericht.) An der italienisch-sranzösischen Grenze kam es am Montag wieder zu einem Zwischenfall. Ein« Bande beivassneter faschistischer Miliz hatte sich bei einem Erkundungs marsch ziemlich weit auf svanzösisches Gebiet hinübergewagt. Als sie einer sranzösischen Militärpatrouille begegneten, nahmen die Faschisten schleunigst Reiß- aus. Ihre Flucht erfolgt« so überstürzt, daß einer der Faschisten Hinsiel und sich das linke Bein brach. Bei dem Verletzten, der nach dem Militärlazorett von Briancon geschafft wurde, fand man einen geladenen Militärrcvolver sowie«ine Patronentasche mit 60 Pa> tronen. In der Nacht zum Montag ist in der Nähe von Claretta ein faschistischer Milizunterossizier durch zwei Dolchstiche ermordet wor- den. Di« Tat gilt als politisches Verbrechen. Der Leichnam wurde noch Mailand gebracht und im Bereinshaus des Faschismus auf- gebahrt. Die Beisetzung soll unter Beteiligung eines großen Auf- gebots der Mailänder Faschisten erfolgen. Als der Täter ist ein 21iährlger Arbeiter namens Ghelfi ver- haftet worden. Er gibt an, im stärksten Affekt gehandelt zu hoben. Er habe sich bei der Arbeit befunden, als er Hilferufe gehört habe. Darauf sei er mit dem Messer in der Hand aus dem Hause gestürzt. Bor dem Hause habe er gesehen, daß sein Bruder mit Faschisten in ein« Schlägerei verwickelt gewesen sei. In der benachbarten Wirt- schaft habe er darauf Lärm geschlagen und sich in die streitende Menge gestürzt. Dabei habe er wild um sich gestochen und nicht «wnal gewußt, wen er getroffen habe. Das Hilfswerk für die Koblenzer Opfer so ovo Mark Spenden.— Fonds für die Berufs» ausbildung der Kinder. Koblenz, 29. Juli.(Eigenbericht.) 3tt Koblenz sind für die Hinterbliebenen der Brücken- kalastroph« bisher SO 000 w. an Spenden eingegangen, die nach der Absicht der Sladtverwalkung zu einer einheitlichen Stiftung zusammengefaßt werden ßvllen. Es ist geplant, ans dieser Stiftung einmalige und dauernde Zuwendungen für die B e r u s» a n»- b i l d u n g der Kinder der Opfer zu gewähren. Die dauernden Zu- Wendungen dürsten mindestens so hoch sein wie die Renten der Krieger Hinterbliebenen. Auch die Instandhaltung der Gräber der Opfer soll an» der Stiftung bestritten werden. Die letzten Opfer der Katastrophe sind inzwischen in Koblenz bzw. seiner Umgebung beigesetzt worden. Siudenien als Arbeiiskommandeure. Deutscher Gtudententag qegen Verfassungsfeiern und für Wehrsport. Breslau. 29. Juli. Der hier tagende„Deutsche Studententag� empfahl den Studie- renden der nicht staatlich anerkannten Studentenschaften, sich an den Derfossungsfeiern nicht zu beteiligen. Diese Empfehlung solle, wie auf dem Studententag erklärt wurde, sich„nicht gegen die Verfassung von Weimar' richten, aber die Deutsche Studentenschaft müsse es so lange ablehnen, an derartigen, von ministerieller Seite cmgeord- ncten Berfassungsfeieri, teilzunehmen, als sie politischerseits als Ge- samtvertrewng der Studierenden nicht anerkannt sei, ja sogar be- kämpft werde. Des weiteren befaßte sich der Deutsche Studententag mit der Frage der Einführung eines Arbeitsdienstjahres und fordert dies für sämtliche gesunden Männer im Alter von 19 Jahren. Die Arbeitsdienstpflichtigen sollten neben ein halb» tägiger Arbeit wehrsportlich geübt uad in politischen und kulturellen Fragen unterrichtet werden. Durch die Einführung dieses Systems verspricht sich die Deutsche Studentenschaft eine erhebliche Stärkung der deutschen Wehr- traft, sowie eine Auffrischung der Dolksgesundheit in körperlicher und sittlicher Richtung. Die Deutsche Studentenschaft erblickt in der Einführung des Arbeitsdienftfahres«in« der vor« nehmsten Aufgaben einer deutschen Regierung und erklärt, daß sie zur aktiven Mitarbeit an der Durchführung dieses Pro- gramms bereit ist. Schließlich wurde noch eine Entschließung über die Zusammen- arbeit mit der Jugend anderer Völker angenommen. Das„Kührerprinzip". Es quirlt alles durcheinanver. Das vornehmste sogenannte Prinzip der arischen Parteien von Hitler-Goebbels bis zu Hugenberg ist oas„Führerprinzip'. In dem jeweiligen„Führer' ist alle Weisheit politischen Geschehens ver- törpert. Und wenn die Gesllhrten dos nicht mehr anerkennen wollen, sind sie entweder Trottel oder Verräter geworden. Besonders spaßig wirkt sich das Führerttun gegenwärtig bei den Deutschnotionalen aus. Da find von den offiziell Gewählten bereits mehr als die Hälft« ausgerissen, nachdem sie sahen, daß der „Führer' Hilgenberg die ganze ißartci ins Berderben„führte". Di« ineisten der Unzusriedeneu im Land« verlassen still die Partei, wa der geistloseste Terror politische Wirksamkeit vortäuschen muß. Hier und da meldet sich auch«ine politische Organisotian, die geschlossen die Abkehr von der Führung kundgibt. So hatte zum Beispiel der Vorstand de» Dresdener Ortsvereins seinen Austritt aus der Deutsch- nationalen Partei öffentlich mitteilen lassen. Darauf erfolgt nun eine geharnischte Erklärung durch Hugenbergs„Telegraphen-Union': 1. Die Entschließung ist nicht vom Gcsamtvorstand gesaht, sondern gibt nur die Meinung eines Teils des engeren Borstandes wieder. 2. Dies« Gruppe hatte bereits in einer Kundgebung in den Morgcnblättern vom 22. Juli ihre Trennung von der Po» litik der Parteileitung dadurch vollzogen, daß sie u. a. erllärte, die deutschnationale Ortsgruppe Dresden steht nicht unter dem Banner oder der Parole dieses oder jenes Führers. Damit ist der Führergedanke, der ein Grund- Iah der Deutjchuationaleo Volkspariei ist. eindenlig verlcugnel. Der Austritt bitfer Sorftotrbsmttqffeber am 28. 5utt war danmach lediglich die gebotene Schlußfolgerung aus der erwähnten©telfeinflntchmc. 3. Entgegen dein Wortlaut des Beschlusses jener ausgetretenen Gruppe steht nicht ein kleiner Kreis, sondern die M cvff e der Mitglieder der Ortsgrunpe Dresden fest und überzeugt hinter dein Parteiführer. Das ist jo sehr nett, daß die„Masse der Mitgstedor" ihrem „Fuhrer" die Treu« hält. Aber es wäre vielleicht von Interesse zu wissen, wie viele Personen dies«„Masse" heut« noch um- schließt. Wir gratuiieren den Deutschnationalen zu einer so ragen- den Führergestalt wie Hugenberg sie darstellt, und hegen den innig- sten Wunsch, daß er noch recht lang« der Mitwelt in dieser Führer- rolle erhalten bleibe!_ yaienistreit gegen DGip. Mahraun und Koch-Weser unter Anfluge. Man>schreibt uns: Ein Mann in Wilmersdorf hat sich an die Zentrale der Deutschen Polkspartei mit der Beschwerde gewendet, er Hab« schon l ä n g st ein«„Drwtsche Staatspartei" gegründet und werde die unrechtmäßige Berwendung dieses Namens nicht zulassen. Man Hot ihm geantwortet, ungefähr wie seinerzeit der Berliner Polizei- Präsident von Lagow„Ermangelnd jeden Interesses zur Sache." Der Wilmorsdorfer Parteinamenerfinder will nun gegen Koch- Weser, Mahrau» u. Cie. einen Rechtsanwalt und gegebenenfalls auch das Gericht in B-ewegung setzen, wenn diese Herren nicht freiwillig nachgeben. Ob der Erfinder s«in«rzeit den Namen „Deutsche Staatspartei" beim R e i ch s p a te n ta m t als ge- schütztes Geb ro mchsm»ist e r hat eintragen lassen ist bis jetzt nicht bekannt. Aktionsausschuß der Staatspartei. Das Büro der„Deutschen Staatspartei" teilt mit, daß ein vor- läufiger Aktionsauoschuh gebildet worden ist. dessen Führung Artur Mahraun, Mimster o. D. Koch-Weser und Dr. Win- schuh für die jungen Polksparteiler sowie Gewerkschaftssekretär Erich Glimm übernommen haben. Diese Führung gilt als vorläufig und werde durch neu hinzusto-ßend« Kräfte ergänzt-Verden. Bereits jetzt, so wird weiter mitgeteilt, lägen zahlreiche Zustimmungserklä- rungen, besonders aus dem Lager der parteipolitisch nicht gebun- denen jungen Generation und der Deutschen Volkspartei, vor. Die Nomen würden in den nächsten Tagen bekanntgegeben wenden. Die„Nationalkiberale Korrespondenz- stellt fest, die Behaup- tung de» Iungdeutschen und anderer demokratischer Stellen, Reichs- minister Dr. Scholz suche nunmehr als Gegenstück zur Staatspartei eine sogenannte Reichspar t-ei zu gründen, sei auch nur«ine jener vielen freien Erfindungen., die gemacht und verbreitet würden, um für die sogenannte Staatspairtei Stimmung zu machen. Ferner erklärt die Reichsgemeinschast j-mger Volksparteiler gegenüber der immer wiederkehrenden Behauptung der demokratischen Presse, daß namhafte junge Polksparteiler zu der neugegründeien Staatspartei übergetreten feien, daß die In diesem Zusammenhang genannten Herren Dr. Winschuh und Rochus von Rheinbaben niemals der Reichsgemeinschaft junger Polksparteiler als Mitglieder angehört haben. Dr. Eschenburg sei zwar Mitglied der Reichsgemeinschast, habe in ihr aber niemalz«ine führende Rolle gespickt. Drohende Vierpreiserhöhung? Eine Zolge der Sieuerverordnungen.— Vorläufig keine Entscheidung des Magistrats. Die von der Diktatur-Regicrung der Bevölkerung lufgebürdeten Steuer-Rotverordnungen geben den Gemeinden die Aufgabe, ihr« Finanzen durch Erhebung der Kops st euer und Gemeinde- biersteuer in Ordnung zu bringen. Diese Gemeindebiersteucr gibt den Kommunen das Recht, das Hektoliter Polkbicr mit 5 Mark zu belasten. Der Berliner Magistrat wird voraussichtlich schon in, seiner morgigen Sitzung zu der durch die Notverordnung geschosse- nen Situation Stellm-g nehmen müssen. Eine Entscheidung ist vorläufig nicht zu erwarten, da hierzu setbstoerständlich auch die Zustimmung der Steuer- und Finanzdeputation der Stadtnerordnetenversamiung notwendig ist. Die jetzt bestehende Biersteuerordnung für Berlin datiert vom 31. Mai 1927. Jriedn'ch'Eberi-Straße muß breiter werden. Enleignungskampf um die Eaf�Tttrasse. Di« Stadt Berlin beabsichtigt, die Friedrich-Ebert- Straße zu verbreitern, und zu diesem Zweck sollten die auf der einen Seit« befindlichen Vorgärten beseitigt werden. Da die bisherigen Verhandlungen mit den Grundstückseigentümer»» wegen der Höhe des geforderten Preises zu keiner Einigung führten, hat sich die Stadt Berlin von der Staatsregierung das E n t e i z- nungsrecht für diese Vorgärten bewilligen lassen, unter denen sich auch die Cafe-Terrasse der Konditorei D o b r i n an der Ecke der Friedrich-Ebert- und Lennestraße befindet. Dies Borgortem land ist der H a u p t st r e i t in dem Enteignungsoerfahren. Am heutigen Vormittag hielt der Enteignungskommissar des Polizeipräsidiums. Regierungsrat Dr. Sauer, einen Termin zur Festsetzung, der Entschädigung ab, der auf der umstrittenen Cafe- lerrasse stattfand und an dem neben den Eigentüniern Vertreter des Bezirksamts Tiergarten als der antragstellendcn Behörde der Stadt teilnahmen. Bei diesem Termin kam es jedoch noch zu keiner Eni- s ch e i d u n g. da die Ansichten des Enteignungskoinmissars und der Vertreter der Stadt bezüglich des Wertes des Grundstücks bzw. des Vorgartenlandes auseinandergingen. Wieder schwere Pilzvergiftung. Mehrere Familien ergriffen, vier Erkrankte bereits gestorben Erlmmitschau, 29. Juli. Nach dem Genuß von Pilzen, die der 76 Jahre alte Arbeiter Heinrich Hahn und der Weber Paul Lungwitz aus Frankenhausen gesammelt und auch an andere Personen abgegeben hatten, er- tränkte» am Sonnabend außer den Sammlern mehrere Personen unier schweren Aergislungscrschcinungen und mußten dem Kranken- bause zugeführt werden. Bald nach seiner Einlieferung starb Hahn, in der folgenden Nacht das Ehepaar Flessa, das mit Hahn im gleichen Hause wohnt; am Montag vormittag erlag auch der Pilz- sammler L-n-gwitz der Vergiftung. Ein Gastwirt und sein Dienst- mädchen liegen noch schwer«krankt danieder Die Hamburger Enthüllungsgeschichte erledigt. Zum Strafoer. fahren gegen Schmidt wegen Entführung Minderjähriger teilt die Homburger Iustizpressestelle mit: Durch die Ermitttungen ist nicht erwiesen, daß die Ausreife des Nahum Schejchot nach Rußland durch den beschuldigten Schmidt oder eine andere Person veranlaßt ist. Es ist vietmehr anzunehmen, daß Schejchot selbständig gehandelt hat. Qe? Hostbeseht gegen Schmidt ist daher aufgehoben und dos Straf- ~ gtunnefeg. Wo ist die richtige Pistole? Erregte Zusammenftöße im �öntgentalerprozeß.— Schreckschüsse der Verteidiger. Die heutige Sitzung im Röntgental-Prozcß begm-n mit lauter Zwischenfällen. Eingeleitet wurden sie durch die Erklärung des Rechtsanwalts Dr. Becker: Angeklagter Hein und sein Bc> gleiter seien gestern in der Invalidenstraße von Reichsbannerzeugen bedroht worden und gezwungen gewesen, in den Stettiner Bahnhof zu flüchten. Nespital und Zimmer bestreiten, irgendwelche aggrossive Absichten gehabt zu hoben. Bei der Vernehmung des Zeugen Uhlig soll auf die Angelegenheit noch einmal zurückge- griffen werden. Nun erfolgte eine sensationelle Erklärung des Rechtsanwalts Dr. Klaus. Ich bin jetzt in der Lage, sagte er, die Pistole, die der Angeklagte Schlenter am S. März bei sich führte. dem Gericht vorzulegen.(Allgemeine Ilcberraschung.) Rechtsan- wall stlau» überreicht dem Gericht eine funkelnagelneue Schreckschuß- pistole. Ich bitte Schlenter zu fragen, ob da» seine Pistole ist. Schlenter überaut: Ja. Staatsanwalt: Es wird zu beweisen sein, daß es wirklich Schlenters Pistole ist. Rechtsanwalt Klaus: Den Beweis will ich führen. Staatsanwalt: Der Zeuge Brahke hatte hier ausgesagt, daß er von Schlenter die Pistole nicht er- halten hat, daß der Nationalsozialist Brinkmann dagegen den Verbleib der Pistole kennt. Rechtsanwalt Dr. Klaus: Ich habe die Pistole gestern von Brahke erhalten.(Brahke ist bereits vor einer Woche vernommen worden. D. Red.) Dabei hat er mir folgendes erklärt: Am Tage nach dem S.März hieß es, das Lokal Frank in der Wicheristroße sollte gestürmt wenden. Er und einige andere Herren haben deshalb Vorsorge getrossen und mehrere Schreckschußpistolen, darunter auch Schlenters Pistale, in das Lokal gebracht. Später hat Brahke zwei Pistolen in zwei verschiedene Aktentaschen gesteckt. Als Zeuge hatte er hier ausgesagt, daß er nicht wisse, wo Schlenters Pistole geblieben sei... Staatsanwali(aufspringend):„Das stimmi nicht. Er hat mir klipp und klar auf wiederholtes vorhalten erklärt, daß er von Schlenter keine Pistole bekommen habe." (Er blieb bei der Behauptung, obgleich Schlenter bei der Gegenüber- stellung mit ihm die Einzelheiten schilderte, unter denen er ihm die Pistole im Lokal Frank übergeben hatte. D. Red.) Rechtsanwalt Klaus(fortfahrend): Dann bitte eben hier seine Aussage zu korri- gieren, er ist ja noch nicht vereidet worden. Jedenfalls hatte er mir weiter erzählt, daß er nach seiner Bernehmung mit seiner Frau Rücksprache genommen, ihr das Aussehen der Pistole geschildert und daß diese ihm dann gesagt habe, sie hätte ja die Pistole zu- sammen mit feiner Aktentasche unter Verschluß genommen. Zum Beweis, daß es eben Schlenters Pistole ist, bitte ich dessen Mutter als Zeugin zu vernehmen. Bitte auch den Angeklagten Schindler zu befragen, ob er eben diese Pistole bei Schlenter am S. März gesehen habe. Der Angeklagte SchinMer, noch bevor ihm die Pistole vorgelegt wird:„Jawohl, das stimmt." Vorsitzender: Sie haben sie ja noch gar nicht gesehen. Staatsanwalt: Ich bitte, den Zeugen Schindler zu fragen, weshalb er früher ausgesagt hat, daß niemand von seinen Kameraden Waffen gehabt hat. Erregte Ausein- andersetzungen zwischen den Verteidigern und den Staats- anwälten über den Begriff Waffe, ob eine Schreckschußpistole eine solche sei. Staatsanwalt: Wo und wann hat Schlenter die Waffe erworben? Schlenter: Etwa vor einem Jahre in einem Waffen- geschäjt in der Münzstraße. Nun folgen die Schreckschüsse der Verteidiger. Den ersten feuert Rechtsanwalt Dr. Klaus ob.„Ich bitte die Zeugen zu befragen, ob am 9. März in Röntgental eine gemeinsame Versammlung der Kommunisten und der„Reichsbonnerpartei" statt- gefunden hat, in der ein Berliner Anwalt Zeugen über die Vorfälle am 5. März vernommen hat." Der Vorsitzende ruft sämtliche Reichs- bannerzeugen vor. Refpital: Das ist nicht wahr. Am Sonntag, dein 19. März, fand ein« Protest Versammlung gegen den Räntgentaler Mord gemeinsam von der Sozialdemokratischen Partei und dem Reichsbanner statt. Am Sonnabend hatten die Kommu- nisten ihr« Versammlung. Lleberfall auf Rote Falken. Schüsse von einem Auto-Schühen mit Taschentüchern vor dem Gesicht. Graz. 29. Juli. Zahlreiche Kruppen von Teilnehmern an dem gestrigen sozial- demokratischen Jugendtreffen marschierten heute von Graz ab. Aus dem Marsche in nördlicher Richtung kamen einer Gruppe Roter � Falken bei Deutsch-Feistritz drei Personenautos und zwei Motor- räder entgegen. Bei der Vorbeifahrt wurden aus einem der Wagen Schüsse auf die Roten Falken abgefeuert. Ei» Mann er- hielt einen Streifschuß am Kopf. Der Verletzte wurde ins Landes- trankenhaus nach Graz gebracht. Di« Roten Falken geben an, daß sich die Insassen der vorbeifahrenden Wagen durch Taschen- t ü ch e r, die sie sich vor dos Gesicht gebunden hatten, u n k c n n t- l i ch gemacht hatten. Di« behördlichen Ermittelungen find einge- leitet. Das neue Schimpfwort Semikolon. Romeo und Julia vor dem Kadi. Romeo hieß eigentlich Karl und war Kaufmann. Da ihm aber die schlechte Zeit alle Hoffnung auf Fortkommen in seinem Beruf genommen hatte, so entsann er sich alter Kenntnisse in landwirt- schostlicher Arbeit und wurde Aushelfer in einer Bauernwirtschoft. Er fand bei einer Witwe, di« ein kleines Anliegen bewirtfchaslete, Unterkunft und sie an ihm Gefallen. Er sah in ihr nur die Brot- geberin, hielt sich dafür aber an ihrer Tochter Julia, genauer ge- sagt Juliane, wie der Tausname war, schadlos, bei der er noch anfänglich seichtem Geplänkel auch täglich an Boden gewann. Romeo und Julia waren sich bald einig, gingen gemeinsam, ins Feld zur Arbeit, frühstückten stets in nächster Nähe, wobei ober Julia darauf achtete, daß ihr« Mutter nicht« von diesem schönen Einverständnis bemerkte. Obwohl die Arbeit auf dem Felde drängte und jetzt sogar eine männlich« Atteitskraft mehr vorhanden war, wurde merkwürdigerweise die tägliche Arbeitsleistung immer geringer; Julia und ihr Anbeter zogen es, wenn die Mutter nicht anwesend war, vor, auf der Wiese zu liegen und in den blauen Himmel zu schauen. In der kleinen Gemeinde stand bald fest, daß Julia mit dem Neuen„ging", auch die Witwe erfuhr es, erkonnte jetzt die Ursache der geringen Leistung und als sie ihre Tochter und den Arbeiter beim süßen Nichtstun im Felde überraschte, machte sie ihm auf recht prosaische Weise klar, wozu er da sei und wozu nicht. Julia ginge ihn im übrigen gar nichts an. Karl blieb nichts schuldig, ein großer Kroch entwickelt« sich mit dem Ergebnis, daß Romeo fristlos entlassen wurde und außerdem von der erbosten und «nttäujchten Witwe wegen Beleidigung angezeigt wurde. Vor dem Kadi trasen sie sich wieder. Der Richter suchte zu»er- Mitteln und strebte vor allem den bekannten Vergleich an.„Alles würde ich noch nachsehen", meinte sie,„wo ich doch aber gar nichts gesagt habe, und außerdem hat er mir„alte» Semikolon" geschimpft und das kann ich doch nicht auf mir sitzen lassen." Der Richter sah fragend beide Parteien an.„Semikolon?" Ob sie wisse, was das bedeutet? Dos sei doch kaum ein Schimpfwort, sondern..." und er erläuterte näher dieses Zeichen des deutschen Satzbaues. „Ja, da sehen Sie es, und gerade deswegen ärgere ich mich doppelt, wo es noch dazu lateinisch ist. Nein, das lasse ich nicht auf mir sitzen." Karl gibt zu, den Ausdruck gebraucht zu haben. Als er die Witwe das erste Mal sah, sei ihm urplötzlich der Vergleich mit diesem Satzzeichen gekommen.— Die Witwe hat einen dicken und runden Kopf und dazu eine etwas hagere, soft spitz wie ein Komma wirkende Figur. Die Verhandlung dehnte sich aus. Viel mehr als diesen zuge- gebenen Ausdruck konnte Julias Mutter ihrem damaligen Arbeiter nicht nachweisen. Die beredsamen Schlichtungsoersuche de» Richters, vor allem ober der ungewiss« Ausgang de» Prozesses be- wogen die Witwe, einem Vergleich zuzustimmen. Karl erklärte, daß er sie nicht beleidigen wollte, nahm dos Semikolon zurück. und die Kosten wurden geteilt. Kampf in der Kischinduftrie. In Hamburg-Altona streiken 200 Arbeiier. Hamburg, 29. Juli.(Eigenbericht.) Die Fischhallenärbeiter und die Kutscher und Chauffeur« der Fischindustrie von Hamburg-Altona sind am Dienstag morgen wegen Lohndifferenzen in den Streik getreten. All« Verhandlungsmög- lichkeften wurden von den Arbeitern erschöpft. Ein einigermaßen tragbares Ergebnis war für st« nicht zu erreichen, weil die Unter- nehmer alles ablehnten. An dem Streik nehmen bis jetzt etwa 299 Arbeiter teil. Es muß ober damit gerechnet werden, daß sich der Kampf auch aus die weiterverarbeitende Fischindustrie ausdehnt. Bereits am ersten Streiktage schon tonnten 7 aufgekommene Fischdampfer nicht g«! ö-fch t nve r&£«i. Kommunistische Fälschung. Reueste Erfindung der„RGO." Am Sonntag vormittag hatte die KPD. ihr« Leute zu einer Konferenz der revolutionären Gewerkschaftsopposition bei Häver- land beordert. Für di« geringe Einschätzung der Nachläufer dieser--- REO. durch die KPD. zeugt schon der Umstand, daß ein„Genosse Gentsch" den Auftrag bekommen hatte, die kommunistische Gewcrk-': � schaftstheorie vor der„revolutionären" Opposition zu vertreten. Dieser Referent führte nach dem Bericht des Moskaublottes u. o. aus: „Eggert erklärte in» Austrage von L e i p a r t auf dein Stock- holnier Kongreß der Amsterdarner Internationale, die Gewerkschaften haben sich vor dem Kriege mir mit Lohnpolitik beschäftigt, sie müssen nunmehr hauptsächlich Produttionspolitik be- treiben." Gentsch fuhr dann fort:„Die Erfahrung der letzten Jahr«, besonders der letzten Monate(Nordwest, Mansfeld) hat zur Genüg« gezeigt, daß die Gewertschastsführer in der Tat den Kampf für höheren Lohn, für bessere Arbeitsbedingungen aufgegeben haben. Diese Aufgaben hat die NGO. zu erfüllen." Nach dieser„revolutionären" Auslegung der Ausführungen Eggerts in Stockholm, die übrigens bereits auf den» letzten Ge»verk- fchaftskangreß in Hambt'rg gemacht wurden,»vollen die„refor- mistifchen" Gewerkschaften keine Lohnpolitik mehr betreiben, sondern nur noch WirtjchostSpolitik. Das ist ein« bewußte Dersäl- schung der Absichten irnd Beschlüsse der Gewerl schasten. Die Gewerkschaften, di« sich früher hauptfächlich nur mit Lohn- pelitik befaßten, haben erkannt, daß sie damit allein nicht weiter- kommen, sondern Einfluß auf die Wirtschaftspolitik gewinnen müssen. Aber nicht Wirtschaftspolitik anstatt der Lohnpolitik, sondern Lohnpolitik und Wirtschaftspolitik. Di« unwahre Behauptung, die Gewerkschaftsführer hätte» den Kampf für höheren Lahn und bessere Arbeftsdedingungen aufgegeben, ist so lächerlich, daß sich selbst der Versuch einer Widerlegung über- slüsslg niacht. Die KPD. hat an besser« Arbeitsbedingungen nicht das ge- ringst« Interesse. Im Gegenteil, ihr Weizen blüht »ur bei Arbeitern, die in Verzlveiftungsstiinmung sind. Sic mißbraucht die Lohnpolitik zu„revolutionären" Vorübungen für Generalstreik und„WeltrevKution". Weder von der KPD. noch gar von der Nebenabteilung, die sie als„NGO." gegen die Gelvertschafien allfzuziehen versucht, lassen di« Gcuierkschasten sich ihre lohnpolitische Toktik vorschreiben. Aus die Lohnkrämpf« aber, in di« die„revolutionäre Gewerkschaft«- opposltion" verfällt und die sie mit IAH.-Bettelsuppen durchzuführen sucht, müssen die Geiverkschaften allerdings verzichten. Will die„RGO." der Arbeiterschaft nützen, dann muß sie sich schleunigst auflösen. Doch das wird ihr die KPD. nicht erlauben. Rußland-Einfuhr verhindert. Holzladungen dürfen nicht gelöscht Verden. New York. 29. Juli. Die Nero-Yorker Zollbehörden haben den» norwegische» Dampfer„Ehrist Bors" und dem englischen Dampfer„Grelisle" nicht erlaubt, ihr« Holzladungen aus Rußland zu löschen. Dem englischen Dampfer„llllaporl", der im Hafen von Portland anlegte, wurde ebenfalls die Löschung seiner rufsfischen Holzladung verweigert. Nach dem neuen Zolltarif hat Präsident Hoover da» Recht,, die Einfuhr von Waren, die unter Selbstkostenpreis ver- kauft werden, zu»»erbieten. Der Vizepräsident der oinerikanischen Arbeiterföderation hat«inen Zlntrog auf Einfuhrverbot aller aus Rußland kommenden Waren gestellt, da da»„ganze Wirtschaft«- system in Rußland aus der Z w a n g s a r b e i t a u s g e b a u t" sei. Es scheint danach, daß den sowohl von Arbeiler- als auch von Arbettnehmerseite erhobenen Protesten von Präsident Hoooer Rech- murg getragea wird. Die Legende Paris. Von Franh' Clemeni-Paris. Es gibt Menschen von Rang in Frankreich und draußen, die b«- haupten, die Legend« Paris müsse zerstört»erben. Wenn man ihnen auf di« Zähne fühlt, spürt man häusig, daß sie unter der „Legende Paris" irgend etwas verstehen, das ihnen entweder nicht bekömmlich ist, oder mit dem sie sich vergebens auseinanderzusetzen versuchten oder das ihnen mehr unerreichbar als unrefpekwbel er- scheint. Ganz anders ist es mit denen, die in der geiftig-kulturellen Vor- Machtstellung von Paris, in deren Vedrohung und in der relativen Notwendigkeit dieser Bedrohung ein Problem sehen. Bei diesen Ueberlegungen hängt sehr viel davon ab, mit welcher Objektivität und mit welcher Besorgtheit man sie vornimmt: man muß sich vor allem davor hüten, st« vorzeitig abzuschließen. In der internationalen Geltung der Kulturmetropole Paris glaube ich zwei Tatsachen feststellen zu können, die in den letzten Lahrzehnten deutlich wurden. Zunächst ist diese Stadt in der Durchsetzung und Behauptung künstlerischer und geistiger Werte nicht mehr so führend, wie sie früher war: denn sie war sehr lange sozusagen konkurrenzlos. Eine Strömung, eine Leistung gewann erst europäische Bedeutung, wenn thr die„ccmxecraticm parisienne" zuteil geworden war. Das ist nun nicht mehr in dem Sinne und dem Umfange wahr wie früher. Paris ist nicht mehr die Weltstadt an sich, der die übrige Welt als Provinz gegenübersteht: es ist ein« Weltstadt wie andere auch: immer noch überaus wichtig und sehr ausschlaggebend, nicht mehr allein maßgebend. Der Rückgang hatte bereits vor dem Krieg eingesetzt: der russische Roman, das nordische Drama, das deutsche Kunstgewerbe eroberten sich ihr Stück Welt, trotzdem sich Paris ihnen gegenüber gleichgültig oder gor ablehnend verhielt. Die Nachkriegsjahre brachten noch weit überraschendere Erscheinungen. In der jüngsten Kunst, im Film, mußte Paris nach einigen Jahren Hegemonie die Führung an andere Länder, besonders an Nordamerika, abgeben. In der Architektur vollzog dos Streben nach Erneuerung sich ohne seine Zutat und seine Kontrolle: die„Exposition des Arts decoratifs" des Jahres 1925 war, um eine sranzöfifche Wendung zu gebrauchen, Senf nach der Mahlzeit. Paris' Vormachtstellung, feine zentrale Bedeutung besteht noch in vollem Umfange für Malerei, Plastik und llllobe. In Denken, Dichtung, Theater und Musik ficht es noch immer an einer der ersten Stellen, muß aber den wechselnden Bor- rang auf diesen Kulturgebieten mit anderen Ländern und Orten teilen. Andererseits begnügen sich die französischen Geistigen nicht mehr mit der in Paris empfangenen Weihe: sie haben erfahren, daß die» selbe allein nicht mehr die„Barbaren" in die Knie zwingt, daß man daneben auch auf den anderen Wellplätzen ehrlich und mühsam um Anerkennung ringen muß, und daß diese Anerkennung sich lohnt. Sie haben kein unbedingtes Vertrauen mchr in die Ueberlegenheit des kulturellen Tribunals Paris. Der Tag, an dem einer der größten Dichter und einer der größten Komponisten Frankreichs, Paul Claudel und Darius M i l h a u d, ihr gemeinsames Werk in Berlin und nicht in Paris zur Uraufführung brachten, ist ein symbolisches Datum. Die Bedrohung der kullurellen Vormachtstellung der Stadt Paris äußert sich namentlich nicht nur in dem Rückgang ihrer Gel- tung als ein« Art Kultursieb, sondern auch in der kritischen Haltung der übrigen Welt zu ihrer ureigenen Produktion, zu dem, was man mit einem ziemlich zweideutigen Wort als„Parisianismus" be- zeichnet. Ich meine Pariser Formstcherheit und Gedankenslüfsigkeit, Pariser Esprit und Eleganz, Subtilität und Präziston. Obschon in der Hauptstadt alle geistigen Ausstände gebraut wurden, hat sie ihnen stets einen längeren Widerstand entgegengesetzt und die Assi- milation erst dann vellzogen, wenn jene sowieso siegreich geblieben wären. Das Groß- und Kleinbürgertum von Paris hat seine Bühne, seine Kunst, sein« geistige Reaktionssähigteit für sich, und diese haben mit dem gewichtigen Gang der gesamtfranzösischen Kulturentwicklung nur einen losen Zusammenhang, Dieser Parisianismus hatte für das übrige Europa stets einen großen Reiz. Man genoß ihn entweder am Ursprungsort oder importierte ihn. Alle großen Irrtümer über Wesen und Qualitäten des französischen Volkes beruhen auf der Verwechslung dieses Par-.- sianismus mit der kulturellen Etgenart Frankreichs. Man nahm, wie das so häusig vorkommt, einen Teil und noch dazu einen unwesentlichen Teck für das Ganze. Dieser Parisianismus ist auf allen Gebieten, mit Ausnahme der Mode, in starkem Rückgang. Ein paar Beispiele genügen, damit man mich verstehe. Diese Stadt hat eine sozusagen offizielle Kunst s Plastik und Malerei): die erfreut sich der amtlichen Fürsorge und der guten Kundschaft des französischen Bürgertums. Früher war sie auch exportfähig: heute ist sie für das Ausland ein Gelachter und eine schmerzliche Scham. Hier ist der Rückgang des Parisianismus e» schreckend deutlick) und lehrreich. In? Theater vollzieht sich ebenfalls eine Emanzipation vom Parisianismus, über die man noch immer nicht richtig nachdenken will. Zwar gibt es«ine Art von Vaudeville und leichter Komödie, in der Paris die Spitzenleistung geliefert hat und noch immer liefert und die in den großen Städten des Auslandes die Kossen füllen und Bombenrollen bieten. Und die Kritiker sprechen dann überall von„solider Pariser Arbeit". Aber man täuscht sich, wenn man in dieser mehr kommerziellen als künstlerischen Geltung noch eine Heyemonre des pezrfisch pariserischen Theaters steht. Denn diese niedlichen und amüsanten Dinger sind durchaus einflußlos, die große Zeit der Pariser Theaterexpansion, die Zeit der Scribe und Sardou, ist vorüber. Was den Rückgang der Weltgeltung der eigentümlichen Pariser Geistigkeit anbetrifft, so stellt man denselben am deutlichsten im Journalismus fest. Bor dem Krieg war di« Pariser Press« die hohe Schule der literarischen Journalisten. Das Feuilleton, der Feuilleton- geist und Feuilletonwitz hatten die Welt erobert. All» anderen Völker haben im Journalismus«ine Form gefunden, die mit der des Pariser Zeitungsmannes keine Zusammenhänge mehr hat. Die überhandnehmende Rubrik der Reportage ist nicht Pariser, sondern amerikanisches Gewächs. Das alles will nicht besagen, daß die Welt nicht von Zeit zu Zeit einen starken Schuß von Parisianismus. d. h. von flinker Klug- heit uikd Witzigkeit, von harmloser Lustigkeit und Formglätte nötig hätte. Aber es scheint, als ob sie gerade in unserer Zeit weniger als je das Bedürfnis danach empfindet. Das will auch nicht besagen, daß die Gesamtheit der französischen Kulturleistung bei den Nicht- franzosen eine Geltungskrifis durchmacht, denn wenn man ziemlich überall Claudel, Gide, Duhamel, Romain Rolland und Julien Green liest, Bilder von Dunoyer de Segonzgc, Deroin und Vlaminck lauft, in Le Corbusier einen großen Architekten und in B-rgson einen großen Philosophen sieht, so geschieht das nicht im Geist von Paris, sondern zum großen Teil gegen Paris. werden. Letztere schützen das neue Land auch gegen größere Fluten, die namentlich im Winser austreten, in Verbindung mit Stürmen und Springfluten. Die Kosten dieser Landgewinnung betragen ohne die Deichkosten rund 1709 M. pro Hektar, sind also niedriger als die holländischen Kosten an der Zuidersee. Es besteht aber ein wesentlicher Unterschied zwischen der holländischen Land- gewinnung und der holsteinischen(es handelt sich um die westjliche Küste Holsteins, unmittelbar nördlich der Elbe): Die Holländer schaffen Polder, d. h. eingedeichte Landflächen unter dem Spiegel des Meeres. In Holstein aber werden Flächen geschaffen, die etwa einen halben Meter über Flut liegen. Besonders hohe Fluten gehen freilich darüber hinweg und daher müssen auch diese Flächen durch eigene Deiche noch geschützt werden. Das Ende der Segelschiffe. Nur das Segelschiff erzieht den echten Seemann. Auf schnellen Uebersohrten an Bord der Ozeandampfer erwirbt man niht die intime Kenntnis des Meeres, die man auf einen? Segler er>a?,qt, wo man tagaus, tagein in engster Berührung mit Luft und Wasser ist, nw man in wochenlangen Kreuz- und Querjahrten die Zeichen des Himmels, den Charakter der Winde, die Sprache der Wellen oerstehen lernt. Es gibt noch Segelschiffe, die über das Weltn?eer fahren, freilich nicht mehr als 14 n?? ganzen. Sie zeigen die Flaggen Deutschlands, Rußlands, Frankreichs, Schwedens, Spaniens, Däne- nxtrks, Finnlands, Griechenlands, Italiens, Jopans, Norwegens und der Vereinigten Staaten. Es ist kein Druckfehler: England ist wirklich nicht dabei! Das Land, das so lal?ge??nt seinen Seglern die Meere beherrscht«, besitzt heute kein einziges Schiff mehr, da» imstande nüir«, mit dem Segel über die Ozeane.zu fahren. Das letzte englische Segelschiff, der Viernzastcr„Garthpool", erlitt im November 1929 Schiffbruch und erhielt keinen Nachfolger. Gestürzte Diktatoren. La Kleinstadt Burg und Kleinstaat Litauen. In Burg bei Magdeburg hatte der stramm nationale Polizei- kommiissar Ziegler feit Iahren eine private Diktat?» ausgerichtet. Er wußte von Versehlungen des verstorbenen Bürgermeisters??>äh- rend der Jnflatio??sz«it u?id benutzte diese Kenntnisse, um den Orts- aervaltigen zu seinem gefügigen Werkzeug zu???achen. Der Bürgermeister muß?« die Beförderung Zieglers beantragen, tvosür dieser ihm gnädigst zum �Oberbürgermeister" verHals. Ziegler rühmte sich am Biertisch, daß er den Bürgermeister jederzeit verhaften lassen könne. Gegen Zioglers Gewaltregiment ozor in Burg nicht anzukommen. Beschwerden waren fruchtlos, da sie beim Bürgermeister hängen blieb«??. Erst als dieser starb, wagten sich einzelne vor. Ein gewisser Viehhändler Schmie l wurde zum Sturmbock der Unzufriedenen, zwar selber ein übel beleumundeter und mehrfach uorbeftraster Mann, ober durch gemeinschaftliche Schie« b u n g e n um so besser mit Zieglers Persönlichkeit vertraut. Schmiel bezichtigte Ziegler öffentlich des Meineides, so daß Ziegler wohl oder übel Nagen müßte. Der Beleidigungsprozeß, der dieser Tage in Magdeburg verhandelt wurde, gestaltete sich für den Diktator von Burg so niederschmetternd, daß dieser schon während der VerHand- lung zusammenbrach. Schmie! nmrde lediglich?»egen formaler 'Beleidigung zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt, im übrigen sah das Gericht de« Wahrheitsbeweis für Meineide Ziegler, in drei Fällen als erbracht an. Am gravierendsten ist«in Fall, in dem Ziegler beschworen hatte, er habe ein« ausgesetzte Belohnung von 1000 Papie?-n«rk(damals gleich etwa 100 GoUmmrk) an einen Mgilanten name??s Knoch ausgezahlt. Knoch hat das Gekd aber meinals erhalten. Ziegler behauptete, in die Enge getrieben, daß andere an der Sache be» isiligte Bigilanten dos Geld bekommen hätten: er kö?me sich ober an deren Namen nicht entsinnen! Höchst?»ahrsche?nlich hat Ziegler das Geld selber eingesteckt. In einem anderen Fall hat Ziegler unter Eid bestritt«»?, jemals bei Sch»??iel eine Haussuchung abgehalten zu haben. Er hat diese aber nicht nur abgehalten, sondern sich bei dieser Gelegenheit durch Schmie! auch noch beschenken lassen, nwfür er die Haiessuchung nur ganz oberflächlich vor- genommen hak. Schließlich hat Ziegler unter Eid die oben ernx?h??te Aeußer?l?ig über den Bürgermeister abgestritte??, die jedoch durch ein- rrmndsreie Zeugen erwiesen ist. Nach der llrieilssöllung nmrde Ziegler verhaslet. In der Haft versuchte Ziegler, sich dos Leben zu nehmen, er wurde jedoch daran verhindert. Ein ähnliches Schicksal wie diesen Kleinstadi-Mufsolirü hat a?lch den ehemaligen Klein sta a t- Mussolini Woldemaras ereilt. Einst von der litauischen Militärdiktatur auf den Schild gehoben. wurde er schon vor geraumer Zeit von dieser wieder abgesetzt u??d mußte sich ins Privatleben zurückziehen. Da dies seinen Gegnern noch nicht genügte, wurde er überdies an einen entlegenen Ort v e r- bannt. Jetzt hat er einen abenteuerlichen Fluchtversuch unternommen, der mißlang. Während er in Begleitung eines be- waffneten Polizisten spazieren ging, erschien ein Auto mit Zwei Per- jene«, in das woldemaras einstieg. lieber das. lvos dann geschah. gehen die Lesarten auseinander, jedenfalls spielen gezogene P i st o l e n eine wese??tliche Rolle. Nach den einen soll der Polizist mitgefahren sein, nach den anderen sei es ihm gelungen, die Befreier des Woldemaras so lange auszuhallen, bis Verstärkung erschien, nach wieder anderen soll Woldenraras z?var davongefahren fein, aber frei- willig wieder zurückgekehrt sein. Wie dem auch sei, j�derrsolls befindet sich Woldemaras wieder in sicherem und obendrein verschärftem Gewahrsam. Der Beruf eines Diktators scheint danach nicht ganz ohne Unfall- risiko zu sein. klsooo Opfer in Italien? 70 proz. der Vervnglültten sollen noch unter den Trümmern liegen. London. 2S. Znli. Ein Sonderberützlerstatter de»„Vaily Herold" gibt noch einer persönlichen Reise durch da»?wm Erdbeben verwüstete Ge- biet in Ztaliea die Zahl der Todesopfer mit 15 000 an. Wie dieser Sorrespondeul erklärt, sei er auf Grund eigener Beobachtungen und von Znsonnatiollen. die er an Ort und Stelle sammeln konnte, zu dieser erschreckend hohen Zahl gekommen. Die offizielle Ziffer, die die Zahl der Todesopfer mit etwa 2200 angebe, bezöge sich, dem Sorrespondenten zufolge, nur aus die Leichen, die aus den Trümmern geborgen worden feien. Ohne einen Widerspruch befürchten zu müssen, erklärt der Korrespondent?ve?ter. könne er be- boupten, daß noch imnrer SO bi» 70 Brozent der Opfer in dem Gebiet, das er auf seiner etwa 4Z0 Meilen langen Reise be- suchte, unter den Trümmern begraben seien. Wissenschaftliches Llrteil über die Ursache. Rom. 29. Juli. Ueber die Ursache, die zu dem furchtbaren Erdbeben geführt hat, äußerte{ich der Direktor des Observatoriums von Pompeji. Er sei der Ansicht, daß es sich nicht lun«in Wiederenvachen des Vulkan, Vulture handeln könne, weil das auch bei srüheven Erdbeben nicht der Fall geu>«sen fei und weil da» Zentrum des Bebens sich nicht auf dem Vulkan befunden habe. Cr sei vielmehr der An- ficht, daß das Erdbeben andere Ursachen habe. Dies« lägen vielleicht in der Hebung der A p« n n i n e n k e t t e, die in der Tertiärzeit be- gönnen habe und i???mer noch langsam sortschveite. Auf die Bergkette rverde von unten ein ungeheurer Druck ausgeübt, dem sie Widerstand leiste, bis die Elastizität überschritten sei und ein Riß entstehe, dessen Ränder übernrößig schwankten. Man müsse in den höheren Bergen der Irpinia einen Erb riß genau so finden, wie man ihn seinerzeit im Zentral-Apen?nn bei dem Erdbeben von A v e z» z a n o gefunden habe. Solch ein Riß schließ« sich rmeder, bleibe aber stets ein Punkt sch??>ächer«n Widerstandes. Daher das je-. weilige Medeverwachen-stllcher Epizentren. Zm Eisenbahnabieil erhängt. Am Montagabend n?achte der Zugbegleiter des Vorortzuges Verlin— Nauen bei der Ankunft um 22L6 Uhr in Nauen einen schreckliche» Fund. In einem Abteil 3. Klasse hatte sich ein Mann mit eir?cr Zuckerschimr am Gepäcknetz erhängt. M« die sofort eingeleiteten polizeilichen Ermittlungen ergeben haben, handelt es sich bei dem Toten um den 31jährigen Reisenden Waller Kling- beil aus Nauen. Der Gr?n?d zu der Derzweislungsiat ist noch unbekannt. Das Preisausschreiben. In einer Zeitschrift erscheint ein Preisausschreiben. Der Wille der Menschen, das Verborge?*? zu entwirren, wird angestachelt. HlwderttMisende bemühen sich eifrig um die Lösung. Onkel, Vater, Mutter, Tante» Veller, Nichte, Enkel, alle suchen tagela??g nach der Lösung, die zwischen siebenundzwonzig und sechsundsechzig Worten liegen kann, Schließlich hofft jeder, sie gesunden.zu haben, er hofft nicht mir, er hat sie. Setzt sich in dieser Schicksalsstund« in seinem Käm?ner!ein nieder und schreibt eine Karte. Die Post bewältigt täglich Massen solcher einzizrichtigcr Lösungen, das Redaktionssekretariat empfängt dreimal am Tag eine Ladung. Fü??s Leute prüfen an zwei Tagen stundenlang die Ein- gänge auf die Richtigkeit zwischen stebenundzwanzig und sechsu?»d- sechzig Worten. Dann ist die Stunde der Elitscheidung gekommen. Mf einem großen Tisch liegen ausgebreitet tau sende richtiger Lösungen, die falschen stehen in Kästen wohlverpackt unter dem Tisch. Sie schämen sich etwas. Ein junges Mädchen tritt lnit verbu??denen Augen vor den Tisch und sucht einige Sdiriststücke heraus. Die Stunde der Sieger hat gosästagen. Dam? werden die Sieger, die u>?»soi?st siegten, in eine große Kiste geta?? und ausbewahrt für irgendeinen Fall, daß... Einig« Briefe tragen die Siegesnachricht vor die erstrahlenden Augen der Gewinner. Das Heft mit der Lösung wird von hunderttausend Augenpaaren durchsucht und mit enttäuschten Blicken, mit zweifelnder Miene beiseitegelegt, Die letzten an dieser großen Aktion Beschäftigten sind die Geld- briefträger, die die recht bescheidenen Geldbeträge ihren roarteliden Kunden überbringen. Die paar Gewinner haben nun die Gewiß» heit, daß man bei einem kniffligen Preisausschreiben doch ei?m?al ein paar Mark verdiene»? kann, Preisfrage: Was tostet ein Preisausschreiben? Und wer profitiert dabei— außer der Post und der Papierindustrie? 50 qkm Land aus der Nordsee. Im Laufe der Jahre 1900 bis 1930 ist Preußen um nmd 50 Quadratkilometer größer geworden, ohne daß jemolld um diesen Betrag ärmer geworden wäre. Das Land ist aus dem Meere ge- lvonnen worden. Man hat die festen Bestandteile, die stets im BrandungsllKlsser enthalten sind und die mit der Flut a??s Land gehen, mit der Ebbe lvieder ins Meer hinausfahren, durch ein einfaches Verfahren am Ufer angesammelt. Noch verschiedenen Systemen ist der.Schlick" mittels„Buhnen" oder Schlickfängern zum Aufbau eines neuen Uferstreifens verwendet worden. Je nach der Heftigkeit der örtlichen Strömuirgen wird durch di« systematische RückHaltung des Schlicks das abgesperrte Gebiet in fünf bis zehn Jahren so hoch wie FlutrlZosser. Durch besondere Kanäle wird lvährend der Ebbe das Flutrvasser abgelassen, so daß sich di« festen Stoff« binden. Die Bepflanzung mit Gras kann beginnen. Das so gewonnene Wattland heißt Heller oder Vorland. Es liefert bereits Viehfutter. Nun kann es entweder durch.Som?ner- deiche" oder durch.Winterdeiche" gegen das Meer abgejchlofpn Die Van-Gogh-Fälschungen bleiben straffrei. Wie aus Kunst- handelskreisen jetzt mitgeteilt wird, soll das Verfahren gegen den Kunsthändler Wacker wegen der seinerzeit aufgedeckte»? Dan-Gogd- Fälschungen manges Beweisen verantwortlicher Straffälligkeit niedergeschlagen?i>orden sein. In den Kreisen des Kunsthandels sowohl wie der Kunstsammler kann der Ausgang dieses Verfahrens, das sich jah??elang hingezogen hat nur Befremden erwecken, da ge- wissern?aßen zu??? Beweis erhoben wird, daß es eine»? wirksamen Schutz gegen Kunsffälscher nicht gibt. Einem Eingreife?? der Staatsanwaltschaft in der Verfolgung der Schuldige»? solle»? die zahlreichen Gutachte« entgegengestanden Hader», die sich im Verlauf der ganzen Ban-Gocch-Sffsäre für die Echtheit der Fälschungen eingesetz» Hoden und denen die betrügevssch« Absicht nicht nach- zuweisen ist. Das Pscrd stirbt aus. Das Pferd verschwindet immer mehr aus dem Straßenbild, aber daß es überhaupt von der Bildsläche verschwindet und nur noch im Zoo erhalten blecht, dürste doch noch nicht so bald eintreten. Immerhin sind dies» Befürchtungen von australischen Formern geäußert ward«??. Es wurde festgestellt, daß die Zahl der Pferde in Neu-Südwales?»on 733 341 im Jahre 1919 auf 567 371 im Jahre 1929 gefallen war. In dem letzteren Jahre zählte man nur 19 991 Fohlen. Es wurde daher beschlossen, die Pferdezucht in Australien mit alle»? Mitteln zu unterstützen, da die Landwirtschaft vielfach auf das Pferd angewiesen ist. Kampf gegen M Südtirol- Memelland Aus dem E t s ch t a l ist wieder ein Fall von Unter» sagung deutscher Privatlektionen vorge» kommen. Eine Lehrerin in Mals hat ordnungsgemäß um die Bewilligung dazu nachgesucht. Der«chulinspektor von Meran hat aber dieses Ansuchen mit dem Bemerken zurückgewiesen, daß die Erteilung deutschen Unterrichts auf den Fortgang in der italienischen Schule einen nach» teiligen Einfluß besonders bei den Kindern der Unterklassen haben würde— genau so wie bei anderen Ansuchen. In einem anderen Dekret sagt der Meraner Schulinspektor, daß Privatlektionen nur an ein ein» zelnes Kind erteilt werden dürfen. Gegen das Memel-Statut! In der letzten Zeit sind verschiedene Konflikte der litauischen Zentralregierung mit der Bevölkerung und den Behörden des Memclgcbiets eingetreten, die auf die Kownoiver„Auffassung" der Verpflichtungen Litauens aus dem Memelftatut zurückgehen: Eni- f ü h r u n g eines wegen Unterschlagung zu einer Gefängnisstrafe verurteilten memelländbschen Eisenbahnbeamten durch litauische Be- Hörden, Disziplinarverfolgung des gesetzlichen Menieler Oberstaots- anwalts Merk. Litauen behauptet, daß die Behandlung aller Straf- taten, auch von Memellandern, innerhalb des Memclgebiets Sache der Kownower Behörden fei, wenn es sich dabei um Staatspersonal handle, z. B. Eisenbahn, Post und Telegraphie. Aber schwer» wiegender ist der nunmehr vorliegende Versuch, das Memel- st a tut bzw. die Memelkonvention auf gesetzgeberischem Wege praktisch zu entwirklichen: drei Gesetzentwürfe haben diesen Zweck. Der erst« Gesetzentwurf will den Gouverneur ver» pflichten, das Direktorium auf Gesetzesoerletzungen aufmerksam zu machen und ihm gegebenenfalls einen Termin zu setzen. Werden die Bestimmungen dann nicht durchgeführt, so soll der Staatspräsi- dent«in anderes Organ mit der Durchführung beaustragen dürfen. Beamte des Mcmelgebiets, die sich einer solchen Aufgabe widersetzen, kann der Staatspräsident ihres Amtes entheben. Der Gouverneur soll im Falle des Fehlens von Gesetzen zur Durch- führung seiner Bestimmungen dem Landtag„anheimstellen", ein solches Gesetz herauszugeben. Tut der Landtag das nicht, so wird das Gesetz auf Verfügung des Slaatspräsidenlen von einem litauischen Zentralorgan erlassen. Das Memel-Direktorium kann Einspruch bei einem zu bildenden Kompetenzgericht erheben, jedoch ohne oufschiebbare Wirkung. Dieses Kompetenz oder Statutgericht, fein Vorsitzender, sein Stell- Vertreter und die Mitglieder ernennt der Staatspräsident. Es soll unter litauischer Kompetenz darüber entscheiden, ob Verpflichtungen Litauens gegenüber einer außenstehenden Vertragspartei und auf Grund internationaler Dereinbarimgen erfüllt worden sind: ein« Konstruktion zur Sanktionierung willkürlicher, ein» seitiger Handhabung vertraglicher Bestimmungen! In einem lapidaren Satz der weiteren Bestimmungen wird aber verkündet, daß die Entscheidungen des Kompctenzgerichts endgültig find und im Rcgierungsanzeiger veröffentlicht werden. Kompetenz- konslikte zwischen memelländischen und litauischen Gerichten sind vom Plenum des obersten litauischen Gerichtshofes endgültig und ohne Berufungsmöglichkeit zu entscheiden! Nun bestimmt Artikel 17 des Memelswtuts, daß jede Rats» macht den Völkerbundsrat auf Uebergriffe und Verletzungen des Statuts aufinerksam machen kann: das ist auch schon früher ge» schehen und wird diesmal nicht zu unterlassen sein! Auf Verfügung der örtlichen Polizei müssen in der nordlitaurschen Stadt Telschi die deutschen Aufschriften auf allen Schildern und Plakaten unter Strafandrohung gegen die Geschäftsinhaber inderheitsvölker. — Sudetendeuischium. innerhalb 24 Stunden entfernt oder überstrichen werden. Der Protest der Geschäftsleute wurde mit dem Hinweis zurückgewiesen, daß Ausschreitungen des Schlltzenverbandes dvohcn. Die deutsche Schule in der Tschechoslowakei. Wenn auch das Minderheitenrecht von allen, einst sogenannten „Siegerstaaten" in der tschechoslowakischen Republik noch am besten geregelt ist, so bleibt auch dort noch sehr viel zu tadeln und zu wünschen übrig. Der Deutsche Lehrerbund im tschechoflowakischen Staat« hielt in Reichenberg seine Tagung ab. Es wurde berichtet, daß durch das Minderheitsschulgesetz von 1919 in Böhmen und Mähren im Laufe der letzten Jahre rund 3909 Klaffen eingezogen worden sind. Gegenwärtig gilt als Höchstbesetzungsziffer für eine Klasse die Zahl 79, für cinNassige Schulen 65. Vom Schuljahr 1932/33 werden diese Zahlen auf 69 bzw. 59 herabgesetzt. Das wird dazu führen, daß eine Anzahl früher eingezogener Klassen wieder errichtet werden. Immerhin bleiben die Klassenbesetzungsziffern auch dann noch reichlich hoch, so daß Reformen im inneren Schul- betrieb nur schwer durchgeführt werden können. Die national gegliederten Landesschulräte haben auf Errichtung und Einziehung von Schulen keinerlei Einfluß, alle Entscheidungen liegen beim Vorsitzenden der Landesschulräte. Das ist ein unholt- barer Zustand, der dem Geiste der Selbstverwaltung im Sinne des S« l b st o e r w a l t u n g.s r« ch t s der Völ- ker widerspricht. Deshalb fordert die deutsche Bevölkerung und besonders die deutsche Lehrerschast die Zuerkennung der nationalen Schulautonomie als wichtigste Auf- gäbe der tschechoslowakischen Schulpolitik. Abg. Josef Schweichart, Bodenbach(Soz.), schrieb anläßlich des Lehrertags:„Die nächsten Ziele der Schulpolitik in der Dschecho- slowakei bestehen in dem Streben aller Verständigen, das Schul- wesen dem Einfluß verderblicher nationalistischer, aber auch klerikaler Machenschaften zu entziehen, das Recht jeder Nation auf die Gestaltung ihres Schulwesens anzuerkennen und zu festigen, in der Demokratisierung der Schulbehörden, nicht zuletzt aber auch in der Bereitstellung der finanziellen Mittel, welche erst den Ausbau des gesamten Schulwesens im modernen Geiste ermöglichen. Es ist zu hoffen, daß bei oerständiger Zusammenarbeit der fortschritt- lich gesinnten Lehrerschaft mit der Arbeiterklasse, die an der Aus- gestaltung der Volks- und Bürgerschulen das lebendigste Interesse besitzt, für Schule, Lehrer und Volk am meisten gewonnen wird." Die Klerikalen setzen alles daran, die Verordnungen des ersten Unterrichrsministers der Republik, Genossen Habuman, die Lehrern und Schülern Gewissensfreiheit garantieren und sie vom Zwange kirchlicher Uebungen befreien, wieder aufheben zu lassen. Auf den gegenwärtigen Unterrichtsminister Derer(Soz.) setzt man die Hofsming, daß er die Lehrerbildung umgestaltet, daß die allgemein« Ausbildung an die Mittelschulen und die Berufs- ausbildunq an die Hochschule verlegt wird. Die Lehrergehälter stehen noch immer um 39 Proz. hinter der Teuerung zurück. Parlament und Regierungen haben ver- schiede ntlich schon Abhilfe versprochen. Es ist aber bisher nur bei Versprechungen geblieben. Besonders ungünstig sind die Altpensio- näre gestellt, weil st« an verschiedenen Teuerungsausgleichen der aktiven Beamten keinen Ausgleich hatten. Kriegsgranate tötet ein Kinö. pari». Zg. ZvN. Ja Velfort spielten Kinder mit einem gefundenen Zünder, wobei dieser explodierte. Ein zehnjähriger Knabe wurde getötet. zwei andere erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Bedeutung derFunktionärarbeit Franz Künstler bei den sozialistischen Studenten. Zu eiaer Rede über dos Thema„Ver Zunktionär» körper— der Sampfkader der Partei" gab vor den Funktionären der Sozialistischen Stu» dentenschaft am Montag Genosse Franz Künstler einen lleberblick über die geschichtliche Bedeutung des Funk- lionärkörpers für die Entwicklung der Sozialdemokratie. Kein Gegner hat uns diese organisatorische Leiswng nachmachen köimen. Eine große Presse, wie sie die Demokratische Partei besaß, ohne feste Organisationsgrundlage schafft keine Millionen- Wählerschaft, geschweige denn Millionenzohlen von Mitgliedern. Die Folgen der zwölfjährigen Illegalität durch das Sozialiftengefeg konnten nur zuverlässige und unermüdlich opserberette F u n k t i o- näre überwinden helfen. Nach der Zerschlagung des orgam» satorifchen Apparates mußten die Vertrauensleute zunächst in öfsent- licher Versammlung gewähst werden. Künstler berichtete von den Schwierigkeiten bei der Gründung des neuen, täglich erscheinenden Zentralorgans, bei der Ausübung der Reichstagsmandate, für die es keine Diäten gab. Bis zur Auf- Hebung des Sozialistengesetzes gab es infolge des Fehlens der Or- ganifation keine vorgeschriebenen Mitgliedsbetträge. Erst 1996 wurden die ersten besoldeten Parteisekretäre eingestellt. Die Organisation war wegen des Vorkriegswahlrechts hauptsächlich Wahlorganisation, die nach Wahlkreisen ausgeteilt war. Zum Ver» gleich wurde vom Referenten der heutige Organisationsaufbau heran» gezogen. Ueber 9599 Ortsgruppen stellen die vielfache Zahl Funktio» näre, denn schon ein Ortsgruppenvorstand besteht aus mindestens fünf Mitgliedern. Trotz Arbeitslosigkeit und Krise ist seit Beginn des Jahres die Zahl der Berliner Mitgliedschaft erneut um 2599 auf 79 499 gestiegen. An einigen organisatorischen Mängeln übte der Redner Kritik und entwickelle Abänderungsvorschläge. Zum Schluß sprach er die Ueberzeugung aus,, daß der Funktionärstamm mit der gesamten Mitgliedschaft die bevor st ehenden Wahlen zum Erfolge führt. Eine reg« Aussprache schloß sich cm das Referat an. Schreckenstat eines Geistesgestörten. pari», 28. IuN. In einer Dorstadt von Marseille hat ein 24j ährig er Armenier während eines Banketts plötzlich 12 Revolver- s ch ü s f e auf seine um ihn versammelten Landsleute abgegeben. 5 von ihnen wurden schwer verletzt. Der Mörder, der in einem Zustand von Geistcsgestörtheit die Tat verübt zu haben scheint, wurde oerhaftet. Drei Arveiter im Schacht erstickt. Klingenthal, 26. Juli. Bei Kanalisationsarbelten, die im Rothautal ausgeführt werden, wurden heute vormittag bei Ausschachtungsarbeiten vier Ar- beiter von hereinstürzendem Erdreich oerschüttet. Während einer der Verschütteten sich befreien konnte, konnten die anderen drei nur als Leichen geborgen werden: sie waren in dem vier Meter tiefen Kanal infolge der Verschüttung e r st i ck t. Schwindler nützen das Unglück von Neurode auS. Das Grubenunglück bei Neurode wird von Schwindlern, die von Haus zu Haus gehen, zu unberechtigten Geldsamm- l u n g c n mit gefälschten Sammellisten ausgenutzt. Alle Spender werden daher zur Vorsicht gemahnt und gebeten, ihre Spenden einer der genehmigten Zettungssammlungen oder der Deutschen Not- Hilfe, Berlin W. 8, Wilhelmstr. 62, Pestscheckkonto Berlin 156 999, zu überweisen. Deranttrortl. für die Redaktien: Woligaa« Schwer», Berlin: Anzeigen: Th. Sticke, Berlin. Verlag: Vorwärts Berlag®. m. d. 8., Berlin. Druck: Borwärt, Buch» druck««! und Berlagsonstalt Paul Singer&. So., Berlin SW 68, Lindenstrage 3. Kierzu 1 Beilage. XUe&let, Lidtlspiele usw. jmum j»jp, j, Staats-Theater geschlossen! Abonnements- Anmeldungen tor die Spielzeit 1930-31 (Beginn am 1. Saptamnar) werden auch während der The- aterlerien entgegengenommen: a) für die Stantsoper nnd daa Staatl. Schauspielhaus vom Abonnementsbüro, Berlin W56, Ober- wallstr. 22.— Femspr. Merkur 9024, b) für das Staatl. Schillertheater vom Abonnementsbüro, Berlin-Chartottenburg, Grolman- strafie 70.— Femspr. Steinpl. 6715. Tägl. 5 u.S'fj Uhr. B 5 Bart. 9!» Pr. 1—6 M.— Nachm. halbe Preise. Letzte 3 Tage! Afra, Glaz® roff a, Oaudamlth iu«. Theater Ld.Bebrenstr. 53-54 Leiste 9 Aoifüh runden! S'k Uhr: Ralph Arthur Roborts im Schwank Mein Vetter Eduard Sonnabend zum 1. Male: ist das niciit neu von Colone? Winter ★ Garren* L 8.13 Obr— Baadna«rtaabl Cortinls Dolltrsegen usw. ROSE -Theater Groß« Frankfurter Straß« Ija AI««.; 3422 u. 34M I» laarnthoatar Täglich 8.19 Uhr Der Itleaenerfolari „Flachsmann als Erzieher" Komödie in 3 Akten ron Otto Ernst > Iä* : MOliar alt Schuir»! Prall Auf der GarteabUhnei Letate Woche» Auftreten Willi Rosen nnd 8 18 Uhr: „V erlleljf e Leute" Operette tod K ü n n e k e Vom 3.-6. August Im Rose-Qarton GroBes Winzerfest mit rollständig neuem Programm Vorverkauf Ist eröffaet! j LMN/| JeuteJFeuerw�� TolksbUine Ttotv aa aUowjWi. 8V« Uhr Der tröiilldie Weinberg Lustsp. in 3 Akten ni iHUKknzv Bigi«; LLtotir. DegtHbes Dttattr 1 2 ViUnfcBB 521! 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh Regt Max Reiahxrdl lulk: FiMrid»dbnhr. Ubanbildir frait SAItit. Die Komödie I> Bismck. 2414/7516 «>/» Uhr Wie werte idi teidi DBd glOalidi 7 kl» Kinn in 11 Abtii lange» im filii JudiiatM. lasik nn Khäii Sgoluiulj üiji»: Eridi Eng«! Bühnenbilder: Udvig binar Komische Oper 8»/j Uhr PaulHeidemann in: Die Frau ohne Kuss Kollo-Operette mit Grit Haid. Berliner oraler SaawarBarttatBMMr Kastanlenaliee 7—9 4 Uhr Cresa CaitenkNiert 6 Uhr Eine entzückende Burleske sowie der auserwählte Varietä-TeiL 8.15 Uhr Quill Beer, Grell Lilien, Alex Haber, Erwin Härtung in Das DrnU mSdsrlhaus Singspiel in 3 Akten Musik nach Franz Schubert Eintrittspreis von 50 pfi. an. Renaissance- Theater 9 Uhr Steinplatz 6780. Bali ni iltotadlWi Die Wunder-Bar Revuestück Lessing-Tlieater Vii4aa4ann 2797 a. DIU Täglich 8'/t Uhr Der Faun vu Eds. Kioblndu Paul HaaikiU. Nada, Finnen. Rani, Gndtniaikr. Fmba, Fladar, Pktuar, Uaa Theater d. Westens Täglich 8V» Uhr: Dos Land des Lächelns Franz Lehars Sensationserfolg! Metropol-Tli. Täglich 8-/a Uhr llebiel Bohnen mit Dir'allein... WWW BETRIEB( KEMPINSKlS >ALTES BERLIN< pLinickurmbaiisr, Nur noch bis 3. August 9-20 unr föeilage Dienstag« 29. Juli 1930 DrHHmiD SfläJaui&läa-di* VrfytSsb Fleisch oder nicht Fleisch—? Dr. Blumenthal-Borby gab am 15. Juli Ratschläge für fleisch- lose Kostzettel. Man muß fragen, an wen?— An alle? Wir können hier unmöglich Mensch— Mensch setzen: denn die Unter» schiede in der Art unserer Arbeit oerlangt Unterschiede in der Ernährung. Nicht etwa in der Menge nur oder nur in der Qualität, sondern auch in der Art des Nahrungsmittels. Wie kommt das?— Wir haben bei der Aufnahme, Ver- orbeitung und Ausscheidung unserer Nahrung(Stoffwechsel) zu unterscheiden zwischen Baustoffwechsel und Betriebs- st off Wechsel. Mit Rücksicht auf die Ernährung ist es etwas anderes, ob ich die Zellen betrachte, die selbst ständig an Substanz verlieren, zugrundegehen und wieder aufgebaut werden müssen(z. B. oll« Drüsenzellen, wie Darm-, Haut-, Geschlechts- zellen)— oder ob ich die Zellen betrachte, die den ganzen Apparat bewegen und in Betrieb halten(z. B. Muskelz ellen in Herz, Gefäßen. Bewegungsapparat usw.). Bei jenen Prozessen kommt es auf S u b st a n z an, nämlich Eiweiß, bei der Muskelarbeit ober im wesentlichen nur auf Energie, nämlich Wärme. Wärmemengen, wie sie bei den chemischen Prozesien im Muskel gebraucht werden, mißt man in Kalorien. Ein Mensch, der schwer körperlich arbeitet, braucht bei weitem mehr Kalorien als ein nur leicht Beschäftigter. Alle aber— und das ist nun die Hauptsache— brauchen ungefähr gleich viel Eiweiß zum Zellumbau. Nach llötägigen versuchen fanden Alt va te r und Bene- d i k t für diese beiden Arten von Stoffumsatz folgend« Zahlen für den Erwachsenen pro Tag durchschnittlich in der Ruhe: lOL.S ff Eiweiß 2260 Kalorien bei Muskelarbeit: 108,1 ff Eiweiß 4556 Kalorien Der Eiweißbedarf ist also unabhängig von der Beschäftigung. Sehen wir nun einmal daraufhin die von Dr. Blumenthol- Barby vorgeschlagene Tageskost an. Uns interessiert jetzt vorerst nicht der Preis, sondern Kalorien- und Eiweißgehalt: »«»«. 50 g Haferflocken»,» 30 ff Zucker..... Saft einer viertel Zitrone I Milch...... 1'/, Pfd. Brot....» Va Pfd. Butter..,. Obst für 20 Pf....» Gemüse für 20 Pf..,. 2 Pfd Kartoffeln... Eiweiß in g 6 7.7 45 0,5 Spuren 10 15 Kalorien 180 117 135 1575 510 49 150 740 Summa 84,2 3456 Nehmen wir einmal an, wir würden für 20 Pf. etwas mehr Gemüse und etwas mehr Obst erhallen, so würden sich dadurch die Werte nicht wesentlich erhöhen. Wir sehen, daß die Mengen für einen Schwerarbeiter(vgl. oben) keinesfalls genügen. Für Leichtbeschäftigte wäre nur die Eiweißmenge ungenügend. Könnten wir nun selbst im Körper Eiweiß in unbeschränktem Maße aus anderen Stoffen aufbauen, so wäre mit einer allgemeinen Steigerung der Menge vielleicht geholfen. Leider ist es aber nicht so. Es ist erwiesen, daß einige Eiweiharten in der Nahrung schon in bestimmter Form(gewisser Aminosäuren) vorbereitet sein müssen, damit der Körper seinen Bedarf gerade an diesen spezifischen Arten decken kann. Die Gesamtzahl dieser Arten ist übrigens noch nicht bekannt. Wir müßten alle unsere Nahrungs- mengen ins Ungewisse steigern, wobei wir bald den Ueberschuß an Kalorien zu fühlen bekämen, wenn uns nicht in der Natur ander« Nahrungsmittel zur Berfügung ständen, die die gesuchten Stoffe in gewünschter Form enchalten: Fleisch, Fisch, Eier, Milch— mit biologisch hochwertigem Eiweihgehatt und geringerem Kalorienwert. Damit wird auch ersichtlich, warum seit zwei Menschenaltern der Fleischkonsum in den Industrieländern steigt. Wir sahen, daß bei den Leichtbeschäftigten der Kalorienbedarf abnimmt, der Eiweiß- bedarf aber gleich bleibt. Den veränderten Ansprüchen wird a m besten die tierische Nahrung gerecht. Seit zwei Menschen- altern entwickeln wir uns eben immer mehr zu Leichtbeschäftigten, die die Maschinen die schwere Arbeit verrichten lassen und nur ihren Gang überwachen. Hier spricht sich in der Nahrung unser« ver- änderte Produktionsweise aus. Hier macht sich ein Naturgesetz geltend, gegen das von mancher Seite, oft nicht aus Gründen wissen- schaftlicher Ueberzeugung, Sturm gelaufen wird. Es ist noch nicht erwiesen, daß übermäßiger Fleischgenuß die Schuld an vielen sogenannten Kulturkrankheiten trägt. Cla- wrence W. Lieb und Edward Tolstoi(Bellevue-Hospital, New York) haben 1928 die Wirkung einer ausschließlichen Fleisch- diät auf die chemischen Bestandteile des Blutes zweier Nordpolfahrer erprobt, die schon früher bei jahrelangen Ausenthalten In den arktischen Regionen fast ausschließlich von Fleisch und Fett gelebt hatten. Sie erhielten unter sorgsälliger Ueberwachung 11 Monate hindurch wiederum nur Fleisch, roh oder gekocht. Es wurden keinerlei schädigende Einflüsse beobachtet: auch keine Nierenschädigung. Die chemische Zusammensetzung des Blutes ist kaum von der bei gemischter Kost verschieden, mit Ausnahme einer leichten Vermehrung der Harnsäure und des Blutsettes, wenn fettes Fleisch konsumiert wurde. Man darf auch allgemeine Abnutzungserscheinungen im Atter nach unvernünftiger oder ausreibender Lebensweise nicht nur auf ein« Ursache beziehen. Ebenso falsch ist es, den Genuß, den wir beim Essen haben, durch Einseitigkeit zu beschränken. Rur durch reiche Abwechslung haben wir Gewähr für vollwertige Ernährung. Wer schwer arbeitet, soll allerdings vorwiegend Kohlehydrate essen(also Brot. Kartoffeln. Hülsenfrüchte, alle Müllereierzeugnisse). M. E. Marsch und John R. Murhin haben 1929 nachgewiesen, daß der muskuläre Wirkungsgrad einer solchen Ernährung günstiger liegt: bei gewähnlicher Ernährung Kohlehydraternährung. 21.4 Proz. 23.4.. Etwas sei noch erwähnt zur Frage der Zubereitung. Die Menschen sind nicht ohne Grund aus die Idee des Backens und Das isd Iiier die Frage! Röstens gekommen. Dadurch entstehen nämlich Stoffe, die den Magensaft besser strömen lassen, also bessere Verdauung bewirken. Dasselbe gilt für Gebratenes. Selbstverständlich sind sonst Hofer- flocken und Hafergrütze wegen ihres hohen Eiweißgehaltes sehr zu empfehlen. Wieweit durch Braten Vitamine zerstört werden, ist noch nicht restlos geklärt. Jedenfalls schadet längeres Kochen, wo- gegen durch kurzes Erhitzen(evtl. unter Luftabschluß wie in den Frucotöpfen z. B.) diese für den Baustoffwechsel so wichtigen Substanzen wenig oder gor nicht angegriffen werden. Oft gehen sie, da sie zum Teil wasserlöslich sind, in das K o ch w a s s e r ab. Dieses darf also nicht weggegossen, sondern soll auf jeden Fall in irgendeiner Form, als Suppe oder in Tunken, wieder ver- wendet werden. Das Kochen von zellulosehaltigen Stoffen, wie Gemüse etwa, ist deshalb von Bedeutung, weil die Zellulose, die als Zellwand die von uns benötigten Nährstoffe aus den Pflanzen umschließt, für uns in rohem Zustande unverdaulich ist. Die Nährstoffe gingen einfach ungenutzt durch den Kot wieder verloren, wenn diese Zellwände nicht vorher durch das Kauen zer- trünmiert würden. Um diese Arbeit erfolgreich zu bewältigen, kochen wir Gemüse. Daß es sich daneben empfiehlt, auch rohes Gemüse als Salate zuzubereiten, ist selbstoerstäirdlich. Die Vitamine gehen dann auf keinen Fall verloren. Am vitaminreichsten sind: Butter, Lebertran, Leber, Niere, Herz, Fisch, Vollmilch, Eigelb, die Keimlinge der Weizen-, Mais- und Reiskörner(Vollkornbrot), Salat, Rübensaft, Spinat, Limonensast, Orangensast, Tomaten, Hefe (Vitamin K). Im übrigen behält natürlich jede Diät, die ein Arzt zum Zwecke der Heilung vorschreibt, ihren eigenen Wert. Alles schickt sich eben nicht für jeden. Heine Xäam. Ewald Böhm: Was Ist Entzündung? Viele Leute glauben, Entzündungen seien Veränderungen der menschlichen Körperobersläche, die also mit den Hauterkrankungen in eine Reihe gehörten. Aber einmal können Entzündungen über- all im Körper auftreten, im Inneren und auch auf der Oberfläche, und außerdem ist die Entzündung eine ganz allgemeine Erscheinung, die überall da vorkommt, wo der Körper auf Schädigungen rea- giert. Die Entzündung ist also eine Störung des Gewebs- gleichgewichts, die als eine Reaktion auf schädigende Reize entsteht. Prof. O. L u b a r s ch, der sich besonders ein- gehend mit der Lehre von den Entzündungen beschäftigt hat, definiert die Entzündung als:.die Summe der zelligen und flüs- sigen Reaktionen im Gewebe, die auf Ansammlung und Eindringen von Schädlichkeiten erfolgen und der Unschädlichmachung und Eni- fernung derselben dienen können, soweit sie als selbständige Er- trankungen auftreten." Die drei wichtigsten Vorgänge, die bei jeder Entzündung zu beobachten sind, wenn sie auch bei den einzelnen Sonderarten der Entzündungen in einem verschieden inneren Verhältnis zueina.n- der stehen, sind eine Gewebsschädigung, eine Kreislausstörung und Flüssigkeitsaustritt. Die Gewebsschädigung zeigt sich darin, daß die Zellen und Zwischenzellsubstanzen geschwollen und meist auch schleimig entartet sind. Die Kreislaufstörung beginnt im Anfang mit einer stärkeren Durchblutung(Hyperämie) und Strombeschleunigung: dann tritt eine Lähmung der Gefäße und datmrch eine Stromverlongsamung ein, wobei die weißen Blut- körperchen noch außen gespült werden(sog. Randstellung) und sich an den Gefäßwänden festsetzen. Der Flüssigkeitsaus- tritt besteht in der Ausschwitzung einer eiweißhaltigen Serum- hlüssigkeit durch die geschädigten Gefäßwände. Die Zellerneuerung wird somit beschleunigt, daß die jugendlichen Formen der Blut- zellen in der Mehrzahl sind, und die wuchernden Zellen des Blutes, des Bindegewebes und der Gefäßwände bilden das sogenannte Granulationsgewebe der Entzündung. Di« äußeren Kennzeichen der Kreislaufstörungen und des Flüssigkeitsaustritts sind die vier Merkmale der Entzündung, die schon der griechische Arzt 5) i p p o t r a t« s zusammenstell.«: Rötung(rubor), Schwellung(tumor), Hitze(calor) und Schmerz(dolor), letzterer je nach der Lage der Nerven stärker oder schwächer. Diesen vier Merkmalen fügte der alt« Klassiker Galen als fünstes noch die Funktionsverminderung (kunctio IzeM) hinzu. Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Formen der Entzündung, je nachdem, welcher der Teilprozesse am stärksten aus- geprägt ist. Unter den Formen, bei denen die Ausschwitzung be- sonder- stark ist, ist die wichtigste die eitrige Entzündung, bei der sich im Gewebe sehr viele weiße Blutkörperchen(Eiter- körperchen) ansammeln, die tierische Stärke(Glykogen) und Fett aufnehmen und häusig zerfallen. Vielfach grenzen sich besondere Eilerhöhlen ab, die sogenannten Abszesse, und an der Ober- fläche bilden sich Geschwüre.— Eine andere Sondergruppe vom Entzündungen sind die infektiösen Granulationsge- schwülst«, deren Erreger bestimmte Bakterien sind: sie kommen: namentlich bei Tuberkulose, Syphilis und Lepra vor. Der Ausgang der Entzündung ist entweder die Hei- lung oder die chronische Entzündung. Di« Heilung ist wrr möglich, wenn die verursachende Reizung beseitigt wird. Dies geschieht bei chemischen Stoffen durch Verarbeitung im Körper, Ausscheidung oder Entgiftung. Fremdkörper, deren, Eindringen als physikalische Entzündungsursache gewirkt hat, kbnneie entweder von der gesundheitspolizeilichen Tätigkeit der weißen Blutkörperchen aufgefressen werden, oder sie werden durch Ge- schwürbildungen, durch Aufbrechen von Abszessen oder ourch Operation entfernt. Batterien können durch Gegengifte(Anti- stoffe) getötet oder durch die weißen Blutkörperchen eingekapselt und verdaut werden. Di« Trümmer der Zellen und des Zwischengewebes werden durch Geschwürbildung oder durch Ausnahme in die weihen Blut- körperchen entfernt. Da- durch die Entzündung verlorengegangene Gewebe wird von der Umgebung aus ersetzt. Meist zeigt sich hier eine Er- scheinung, die von Wilhelm O st w a l d als ein allgemeingültiges biologisches Prinzip erkannt wurde: die U e b e r h e i l u n g. Es wird mehr Gewebe ersetzt, als früher dagewesen war, und so entstehen sehr häufig Narben. Besonders die inneren Organe neigen bei Entzündung zur Narbenbildung, namentlich dos Herz und die Niere. Di« Narbe ist durchaus nicht nur, wenn an der Oberfläche, ein Schönheitsfehler, sondern sie stellt auf jeden Fall einen minderwertigen Ersatz dar. Denn die Narbe ist nur ein Verschluß, sie stellt also lediglich ein« Verbindung des Gewebes her, aber ihrer Funktion nach ist sie ein untüchtige- Gewebe, weil ihre Fasern ungeordnet sind. Die Narbenbildung ist jedoch immer noch ziemlich harn�os, und auch wenn die Rückbildung der Entzündung nicht ohne Narben erfolgt, können wir immer noch von einer Heilung sprechen. In manchen Fällen bleibt aber die Heilung aus, und es entwickelt sich eine chronische Entzündung. Dies ist der Fall, wenn enl- weder die Ursache der Entzündung bestehen bleibt, insbesondere wenn größere Fremdkörper nicht entfernt werden, oder wenn die Gegenkräfte des Körpers zu schwach sind. Letzteres ist besonders häufig bei infektiösen Entzündungen(bei Tuberkulose, Syphilis, Lepra). Solche chronischen Entzündungen entstehen meist an inneren Organen und können dann zu schweren Schädi- gungen des Lebensprozesse-(z. B. an der Leber, den Nieren, dem Darm) führen. Diese Leiden können jahrelang bestehen und führen gewöhnlich zur Degeneration(Entartung) des betreffenden Organs, in den meisten Fällen mit tödlichem Ausgang. Wurmmittel und Wurmplage Trotz aller Fleischbeschaumaßnahmen in den Schlachchäusern ist die Wurmplag« noch immer nicht überwunden. Zu den Darm- schmarotzern gehören außer den Bandwürmern Spulwürmer und Madenwünner. Von den Bandwürmern ist der, dessen Finne im Schweine lebt, recht selten geworden. Seine Lebensdauer im mensch- lichen Körper beträgt 10 bis 15 Jahre, während die Finne schon nach 3 bis 6 Jahren abstirbt. Dann verkalkt sie. Häusiger ist der Bandwurm, dessen Finne im Rinde lebt. Der größte Bandwurm ist der sogenannte Grubenkopf. Mit seinen oft 4000 Gliedern wird er bis 8 Meter lang. Die Finne dieses Riesen unter den Würmern lebt im Fleisch von Hechten und Quappen. Auch im Lachs kommt sie vor. Die Spulwürmer machen im allgemeinen geringer« Be- schwerden als die Bandwürmer. Mitunter werden sie aber er- brachen, nachdem sie bis in den Magen gewandert sind. Das Weib- chen wird bis 40 Zentimeter, das Männchen bis 25 Zentimeter lang. Die Madenwürmer machen gleichfalls in den meisten Fällen recht wenig Beschwerden, sofern man von dem lästigen Juckreiz am Gesäß absieht. Die Weibchen legen nämlich ihr« Eier außerhalb des Darmkanals ab und gehen dann zugrunde. Das wichtigste Mittel zur Abtötung der Bandwürmer ist der schon im Altertum bekannt gewesene Wurmsarn. In späterer Zeit kam er in Vergessenheit. Rur als Geheimmittel blieb er in Anwendung. Ludwig XVI. und Friedrich der Große erwarben die Kenntnis des Geheimmittels von Schweizer Geheimmittelfabrikanten. Wurmfarnkuren sind aber nicht ungefährlich, ivenn sie der Laie allein unternimmt. Im Einzeljalle kann insbesondere das Seh- vermögen schwer gefährdet werden. Und nicht nur etwa bloß vor- übergehend. Di« Einzelgabe von Wurmfarnextrakt darf 10 Gramm nicht übersteigen. Gegen Spulwürmer erweist sich Santonin wirksam. Es ist kristallinisch und wird aus einer in den Steppen Turkestans wuchernden Pflanze gewonnen. Auch hier kommt es bei Ueber» schreitung der zulässigen Einzelgabe zu schweren Vergiftungs- crscheinungen, insbesondere zu Störungen aus dem Gebiete des Sehvennögens. Weiß wird dann als gelb gesehen. Gegen Madenwürmer geht man mit entsprechenden Ein- läufen und santoninhaltigen Mitteln erfolgreich vor. Bei Vor- handensein von Madenwllrmern ist wegen der Gefahr stets erneuter Selbstinfektion allergrößte Sauberkeit, vornehmlich der Finger, erforderlich. Dr. Otto Seeling. Wendung in der Behandlung Ertrunkener? Der Oberregierungsrat Ulrich Thiel in Königsberg wendet sich als medizinischer Fachmann gegen die bisherige Methode, bei Ertrunkenen das in den Körper eingedrungene Wasser zu entfernen. Es sei damit sehr oft Schaden, aber kein Vorteil für den Verunglück- ten entstanden. Der größte Teil des Wassers wird nämlich noch während des Lebens aus der Lunge in den Blutkreislauf auf- genommen. Wenn das Herz schließlich zum Stillstand kommt, sind somit nur geringe Mengen Wasser in den Kapillarräumen der Lunge. Dieser Rest läßt sich nun aber durch mechanische Versuche�in keinem Falle beseittgen. Man soll daher nach Beseitigung des Schlammes bzw. etwaiger Fremdkörper aus dem Munde sofort mit der bekannten künstlichen Atmung beginnen. O. S. NBAHN EROMAN � VOM> ER (9. Fortsetzung.) Kern lag noch immer mit offenen Augen auf dem Bett, aber er »ahm die ausregende Doppelmeldung wie ein Mensch auf, der aus tiefstem Schlaf hochgerissen wird. Er starrt« Petermann an, starrt- auf seine Frau, die im Türrahmen stand, strich sich über Haar und Stirn, reckt« sich hoch:„Bahnunglück... Bin doch eben erst mit Bor- mann..." Die Anweisung zur Erneuerung der Bohlen in der Hand: „Natürlich machen wir da» sofort— Wie...? Was...? Haben Sie nicht...?" und stand plötzlich auf beiden Beinen und schüttelte Petermann, daß er sein Gesicht schmerzlich verzog. „Bahnunglllck?!" Kern lachte auf, daß es durch alle Zimmer widerhallte.. „Bei Block L— sonderbar—. Soll noch leidlich gut abgc- laufen sein." „Sonderbar! Sie..., Mann, das finden Sie sonderbar?" Kern lachte kurz, abgerissen und gellend. „Ja nein, in meine... Gerade heute, wo auch die Anweisung... eigenartig ist..." „Quatschen Sie nicht!" Kern brüllte so, daß Pctermann zurück- taumelte.„Wieviel Menschen sind...?!" „Wie ich bisher erfahren habe, sind tödliche Unfälle nicht vorge- kommen." Pelermann sagte es stammelnd und bebend, aber es war nicht das Unglück, das ihn außer Fassung brachte, sondern Kerns Aussehen. „Nein!? Nicht!?" Aus Kerns Brust kam ein tiefer Atemzug. „Ja, allerdings größerer Materialschaden." Petermann schielte Kern ängstlich an. „Ach das!" Kern wandte sich an seine Frau.„Ist noch glimpstich abgegangen, wie es scheint. Muß mir gleich mal die Sache ansehen." 9. An der Unglücks stelle. Bei Blockstelle L fand Kern viele Leute in lebhafter Arbeit. Es gab«ine größer« Anzahl verletzter Personen zu verbinden. Der Lokomotivführer und der Heizer des Personenzuges und der letzte Bremser des Güterzuges hatten sogar ins Krankenhaus trans- portiert werden müssen. Jetzt war man dabei, die Trümmer des zerstörten Güterwagen» zu beseitigen und die weniger schwer be- schädigten Wagen abzuschleppen. Wo ein Unglück geschehen ist, da darf natürlich auch die Unter- suchungskommission des Betriebsamts nicht fehlen und«in höherer Beamter von der Gencraldircktion war auch bald zur Stelle. Bor dem Bahnmeister Kern sogar. Vorkehrungen sür die weitere Ab- wicklunz des Verkehrs durch Umleitung, Weiterleitung der Fahr- gaste——— die Verwaltungsmaschineri« arbeitete rasch und tadellos, bitte sehr! Die Ursache des Unglücks— die Herren lagen auf den Knien und machten sich die Hosen staubig, um dahinter zu kommen. Da fand man z. B. an Ort und Stelle eine Schien«, die einig« Zentimeter über der Anschluhschien« hochstand. Weiter: einige Verbindungsstücke, die Schiene und Bohle verbanden, waren gelockert. Erklärung? Na, der zertrümmerte Güterwagen mochte den Streckenbau an dieser Stelle beschädigt haben. Ursache der Entgleisung: ob etwa ein Riß der Kuppelung,«in abgesprungener Puffer als schuldiges Karnickel in die Rechnung einzusetzen seien — wer wollte das mit absoluter Sicherheit behaupten? Immer- hin, die Möglichkeit, vielleicht sogar Wahrscheinlichkeit bestand und die Prüfungskommission wie der Vertreter der Generaldirektian prüften, überlegten und dachten ernsthaft nach. Oho, die Herren waren sich ihrer Verantwortung bewußt. Oder sollte etwa ein« schadhaste Stelle an den Bohlen— bitte, bitte, keine unnützen Hypothesen und der Herr Betriebsinspektor, der vor noch nicht gar so langer Zeit diesen so ungebührlich sich benehmenden Bahnmeister Kern hatte zurechtweisen müssen, als er da etwas von der Not- wendigkeit einer Erneuerung gewisser Bohlen faselte(lächerlich, hier Zusammenhänge zu wittern!), er hätte sich lieber die Zunge abgebissen, als davon etwas laut werden zu lassen. Richtig, da kam dieser Bahnmeister Kern auch schon anspaziert! Verdammt viel Zeit ließ sich so ein Beamter: das muhte man sich merken. Der Tetriebsinfpektar drehte sich auf dem Absatz um und beteiligte sich an der Formulierung des Protokolls der llntersuchungskommifsion. Kern ging nah« an den Herren vorbei, grüßte und betrachtete sich den angerichteten Schaden. Dann rief er den Vorarbeiter und erkundigte sich nach den Einzelheiten. Als er auch vom Vorarbeiter erfuhr, daß kein«.tödlichen Unfälle vorgekommen seien, wurde er ziemlich aufgeräumt, sah sich die ein wenig nach oben stehende, gelockerte Schiene an und machte den Vorarbeiter darauf ausmerk- sam. Der nickte nur und schwieg. Kern war nunmehr völlig davon überzeugt, daß der Unfall nur die Folge einer Schienenlockerung gewesen sein konnte. Cr konnte sich's nicht verkneifen, dem Betriebsinfpektor, der ihm mit- schuldig schien, einen Seitenhieb zu versetzen. Indem er sich in seiner Nähe zu schaffen machte, raunte er ihm zu: „Na, was sagen Sie nun?— Das konnte vermieden werden." Der Betriebsinfpektor biß sich auf die Lippen.„Die Ursache läßt sich nicht feststellen. Oder haben Sie etwa etwas versäumt? Ich versiehe nicht." Ein drehender Blick traf Kern. „Aber ich", antwortete der,„wenn«in bißchen rascher gear- beitet worden wäre. f." „Wo?" „Soll ich Ihnen das noch erklären?" fragte Kern zurück und ging weiter. Die anderen Herren waren auf das sonderbare Gespräch auf- merksam geworden. Der Vertreter der Generaldirektion, d«n das respettwidrig« Benehmen Kerns ärgerte, fragte mokant:„Was wollt« der unangenehm« Mensch da?" „Bahnmeister Kern, Herr Geniralinfpektor" erwiderte der Be- triebeinspektor anzüglich. „Scheint wenig Ahnung zu hab«n, wie man sich im Beisein von Vorgesetzten benimmt. Werde mir den Mann merken." Der D«rtreter der Gen«roldir«kt>on sah Kern nach und machte sich eine Notiz. 19. Reparationen. Eine mild« und feucht-laue Temperatur herrscht« am andern Morgen. Der Wind hatte sich nach Südwest gedreht. Wetterkundig- Leute kündigten starke Niederschläge an. Sie behielten recht. Zwei Kolonnen Streckenarbeiter waren auf Kern's Anordnung ausgerückt, um die Erneuerung der beschädigten Streckenstelle, be- sonders der morschen Bohlen, vorzunehmen. Kolonnenführer Bor- mann hatte die Leitung der Arbeit, doch Kern ließ es sich nicht nehmen, so viel als möglich selbst mit dabei zu sein. Vom Eisenbahnunfall war nichts mehr zu sehen. Alles war auf. q«räumt. Der Zugverkehr wurde bei Block � nur eingleisig und bei langsamster Fahrt aufrechterhalten. Kern lief hierhin uird dorthin und sah sich die Fortsetzung der Arbeit an. Die Arbeiter ließen sich dadurch nicht stören. Daß nicht gesaulenzt wurde, war den Leuten etwas Selbstverständliches, denn der starke Berkehr auf Strecke S konnte nicht lang« eingeengt bleiben. Nachmittags färbte sich der Himmel grau, dann füllte er sich mit einer anfangs dünnen, dann immer dickeren Wolkenschicht, schließlich kam ein mäßiger Westwind auf, es begann zu regnen, nicht allzustark, aber dafür ausdauernd. Gleich nach der Mittagspause erschien K-rn wieder und ging kon- trollierer.d hin und her. Vorarbeiter Heinzc trat zum Kolonncnführer Bormann, wies auf den fast senkrecht fallenden Dauerregen und fragt«:„Wir arbeiten doch weiter?" „Aber natürlich. Wir haben doch dringliche Arbeit", antwortete Borniann achselzuckend. Nach ungefähr einer Stunde fand Heinz« wieder Gelegenheit, mit Bormann einige Worte zu wechseln.„Na, Kolleg«, jetzt ist's ja min allmählich bis auf die Haut durchgegangen." „Läßt sich nicht ändern. Bei mir ist's auch durch." Heinze lachte:„Guck, wie's läuft." er lüftete fein« Mütze etwas, wobei ihm das Regenwasser über die Stirne rann. „Ist bei mir auch nicht anders", lächelte Bormann.„Da siehst es." Er lüftete die Mütze und auch ihm gluckert« das Wasser über die Stirn. „Nicht genügend wasserdicht, unsere Mützen", spottete Heinze. „Müssen zufrieden sein. Schweinewetter ist immer noch besser, als gar teins." „Auf'm Mond soll's keins mehr geben. Alle» tot." „Sagen die Gelehrten." „Alles genau berechnet." „Können sich auch oerrechnet haben." „Aber wenn's nun so ist, das mit dem toten Mond, mit der ewig glühenden Sonn«, mit den anderen Sonnen und Planeten — wozu leben wir Menschen dann eigentlich?" „Scheinst allerlei gelesen zu haben, Heinz«." „Wozu kommt denn erst das, was man Leben n«nnt, wenn's wieder stirbt, he?" Heinze zog die Ras« auf. Er sah K«rn einher- stapfen und ries:„Ach, der Bahnmeister ist auch ganz pudelnaß ge- worden." Bormann ging die Strecke entlang, nicht rasch, sondern auf- merksom beobachtend. Kern rief ihn an:„Ist«in schönes Schnxinewetter gewordcnl Konnte«s nicht noch so lange schön bleiben, bis wir mit diese? Sache fertig sind?" „Wäre allerdings besser gewesen, Herr Bahnmeister, ist uns ja aber nichts Ungewohntes." „Wenn wenigstens die Anweisung zur Erneuerung der Bohlen einen Tag früher gekommen wäre, da hätten wir gestern die Ge- schichte nicht gehabt." „Vielleicht nein, vielleicht ja, Herr Bahnmeister." „Wenn nun statt des Personenzuges«in Schnellzug gekommen wäre—?" „Ja, dos hätte was gegeben!" „Ist mein einziger Trost. Wenn wir mal wieder so was ähn- liches am Streckenbau merken, müssen wir's mit der Meldung noch anders handhaben." „Aber, Herr Bahnmeister, Sie haben doch gewiß alles getan, was nur möglich war!" „Schon richtig, aber vielleicht hätte ich gleich zu Anfang per- sönlich aufs Betriebsamt gehen sollen und Druck dahinter machen." „Wollen Sie sich auch noch Vorwürfe machen?" Bormann schnaufte ärgerlich durch die Rase. „Wenn was passiert, geht's einem schon durch den Kopf." „Die andern, die man viel eher für den Fall verantwortlich machen kann, werden sich nicht so viel Gedanken machen!" „Wenn's auf die Schuldfroge ankommt, kann mir niemand was vormachen." „Denke ich auch, Herr Bahnmeister. Bloß Beweis hat man keinen." „Möchte beinahe«inen Sonderbericht machen." (Fortsetzung folgt.) eßud� Jinul Xundmark: S)as JCeben auf anderen Sternen*) Gibt es überhaupt ein Leben auf anderen Sternen? Immer von neuem tauchen zum Teil begeisterte Schilderungen auf, die uns zu erzählen wissen, wie es auf anderen Planeten aussieht und was die vernünftigen und den Menschen zum Teil weit überlegenen Wesen dort treiben. Das sind natürlich alles freie Spiele einer blühenden Phantasie. Der ernsthafte schwedische Forscher und Direktor einer Stern- warte Lundmork hält sich davon frei, er will vielmehr darstellen, was die strenge Wissenschaft uns über die Lebensbedingungen auf anderen Welten zu jagen weiß, und im Zusammenhang damit die Vermutungen besprechen, die von den verschiedensten Forschern über die Möglichkeit der Entwicklung eines dem irdischen Leben ähnlichen auf anderen Welten ausgesprochen worden sind. Damit hängen noch eine Reihe anderer Fragen zusammen wie die der Entstehung des Lebens auf unserer Erde und die der Möglichkeit der Verbreitung des Lebens im Weltall, des Wandcrns von Lebenskeimen von einem Sterne zu einem anderen. Das alles stellt Lundmart in so übersichtlicher und leicht lesbarer und verständlicher Form dar, daß das Buch jedem, der sich über den Stand unseres Wissens über diese Fragen unterrichten will, warm empfohlen werden kann. Dr. Bruno Borchardt. •) Deutsche Ausgabe von Robert H e n s e l i n g. Verlag Brock- haus, Leipzig, 1939. 198 Seiten mit vielen Abbildungen. Geheflet 3,85 M., gebunden 5 M. WAS DER TAG BRINGT. amunimimniiimnuiminmmniDiinninu Deutschland— Mauptland für Margarine. Mit der im Jahre 1928 erzeugten Meng« von 459 Millio-mni Kilogrannn steht Deutschland an der Spitze aller Marganne-Pro- duktionsländer Europas. Nur ein ganz geringer Teil— zirka VA Million sn Kilogramm— wurde exportiert(er ging nach Eng- land, dein Haupteinsuhrlanid für Margarine), das übrige wurde ün Inland« verbraucht, auf den Kopf der Bevölkerung entfielen gegen 7,2 Kilogramm. An zweiter Stelle in der Produktion steht Eng- (and, das 1928 zirka 218 Millionen Kilogramm herstellte. Es im» portiert« außerdem 56 Millionen Kilogramm, vorwiegend aus Holland, das mit 154 Millionen Kilogramm Produktion die dritte Stelle einnimmt, wovon es fast 69 Proz. exportiert. Es folgen als Produzeiuen Dänemark, Schweden, Norwegen mit 76, 51 und 43 Millionen Kilogramm. Dieife Länder sind Selbstverbraucher, barunter Dänemark mit 29,4 Kilogramm pro Kopf der BevAke- rung der größte Verbraucher in Europa. Für Frankreich lauten die Zahlen: 39 Millionen Kilogramm Produktion im Jahre 1928, davon 7 Millionen Kilogramm. Verbrauch pro Kopf nur 9,7 Kilo- gramm. Dort spielt Oel als Fettstoff eine große Rolle. Ein technisches Museum in USA. Nach dem Vorbild des„Deutschen Museums" in München soll jetzt in Washington«in Museum amerikanischer Technik gegründet werden. Die im dortigen Senat bestehende Abteilung für Erziehung und Arbeit hat vor einigen Tagen an den Präsidenten Hoover das Ersuchen gerichtet, einen Antrag zur Be- reitstellung der erforderlichen Mittel zum Bau eines solchen Mu- seums genehmigen zu wollen. Nach den bereits fertig vorliegenden Plänen wird das Museum im Osten der Stadt auf einem etwas erhöhten Gelände von 109 Morgen Umfang errichtet. Die Bau- kosten sind auf Millionen Dollar veranschlagt, wozu noch weitere SA Millionen Dollar sür die innere Einrichtung, den Ankauf von Gegenständen und dergleichen treten. Wenn Hoover den Antrag, woran nicht zu zweifeln ist, genehmigt, wird die Leitung des Mu- seums als besondere Abteilung dem naturwissenschaftlichen Smith- sonia-Institut übertragen. Zur Begründung des Antrages wird angeführt, daß sich in allen größeren Ländern derartige technische Museen befinden, und daß vor allem das„Deutsche Museum" in München in dieser Beziehung einzigartig in der Welt dastehe. Um so mehr hätten daher die Vereinigten Staaten von Nordamerika, das größte industrielle Land der Welt, von dem so viele und so wichtige neuzeitliche Erfindungen ausgegangen seien, die Pflicht, ein Museum amerikanischer Technik zu errichten. Die neugierigen Löwen. In dem soeben erschienenen Jahresbericht des Krüger-National» parks bei- Ware efter in Südafrika wird, als besonders bemerkenswert hervorgehoben, daß die zahlreichen, in dem Park gepflegten wilden Tiere, die wohl wüßten, daß ihnen hier keine Gefahr drohe, außer ihrer Angriffslust auch die Scheu vor dem Menschen völlig verloren hätten. So erwecke tagsüber jedes den Park durchfahrende Automobil ihr In- terefse, besonders neugierig aber seien in dieser Beziehung die Löwen. Nicht nur, daß sie beim Anblick eines jeden Wagens stell hielten, um ihn an sich vorüberfahren zu sehen, sie umschnupperten und um- kreisten ihn sogar, um ihn von allen Seiten betrachten zu können. Es fehle nur noch, setzt der Berichterstatter launig hinzu, daß einer der Löwen Miene mache, einzusteigen, um auch die innere Einrichtung des Wagens kennenzulernen. Nur in den frühesten Morgenstunden fei Vorsicht geboten. Denn dann finde man oft auf den breiten Straßen, die den Park durchquerten, die Löwen ruhig mitten im Wege liegen, um sich zu sonnen, eh« die Hitze so groß werde, daß sie sich in den Schatten der Wälder zurückzögen. Es bedürfe dann eines sehr vor- sichtigen Fahrens, um die in halbem Schlaf liegenden Tiere, die keine Lust zeigten, sich zu erheben, nicht zu berühren und sie durch Plötz- liches Erschrecken vielleicht doch zu reizen. Der Park selbst ist 299 eng- tische Mellen lang und 37 Meilen breit und die hindurchführenden Straßen, soweit sie bis jetzt vollendet sind, haben bereits eine G«- samtlänge von mehr als 359 Meilen erreicht. Statistisches über amerikanische Waldbrände. Verheerender und weit zahlreicher als in Europa sind die Wald- brande in USA. Noch heute liegen in den sechs, unter dem Namen Neu-England zusammengefaßten Staaten: Maine, New-Hampshirc, Rhode-Island, Vermont, Massachusetts und Connecticut, sowie in dem Alleghanygebirge endlose Strecken völlig kahl, deren Waldungen vor vielen Jahrzehnten niedergebrannt sind. Man nimmt in den Kreisen der amerikanischen Forstverwaltung an, daß weit mehr Bäume durch Feuer zugrunde gegangen sind als durch Fällen, und daß zu diesem Untergang Leichtsinn und Unachtsamkeit mehr beigetragen haben, als die Naturgewalten, wie Blitzschläge und auedörrende Gluthitze. Ein« Statistik, die seit einigen Jahren geführt wird, hat ergeben, daß etwa 69 Proz. aller Woldbrände durch die Schuld von Menschen entstanden sind, und zwar«in Drittel durch Raucher, und ein Fünftel durch Logerfeuer. Allein im Staate New-Hampshire haben seit dcm 1. April nicht weniger als 275 Waldbrände stattgefunden. Sllljährlich «erden von der amerikanischen Regierung zum Löschen brennender Waldungen und zum Schutz gegen um sich greifendes Feuer 399 999 Dollar ausgegeben, aber bei dem fortschreitenden Verkehr, vor allem bei der Weiterentwicklung der Wochenendfahrten fürchtet die Regie- rung, diese Summe beträchtlich erhöhen zu müssen, wenn nicht durch fortgesetzte Aufklärung dafür gesorgt wird, daß jeder das vorsichtige Umgehen Mit Feuer in den Waldungen als«ine Pflicht gegen Volk und Staat�erkennen lernt. Berliner Schwimmer unterwegs Ueberall guter Sport und Massenbeteiligung Am Sonntag wickelte der Wassersportvcrein Rathenow an- läßlich seine- 8. Stiftungsfestes«in gelungenes Schwimm fest ab. Aus Berlin waren die Vereine Groh-Berlin, Sie- m c n s ft a d t, Hellas, Spandau und F a l k e n f c e und aus der Provinz Brandenburg vertreten. Den Auftakt bildete ein Festumzug durch die Stadt. Vor Be- ginn der Wcttkämpfe weihte der Stadtocrordnetenvorfteher, Genosse W a r n e ck e, den ersten Riemenvierer des Rathenower Vereins auf den Namen„Friedrich Ebert". Seine Ausführungen gipfelten in dem Wunsch, am 14. September alle Kräfte für den Sieg der Sozialdemokratischen Partei einzusetzen. Dann gab der Vorsitzende des Vereins, Genosse Schulz, den beiden Doppelpaddelbooten„Freiheit" und„Pluto" in kurzen Geleitworten den Weg ins nasse Element frei. Die Rathenower „Liederfreunde" umrahmten die Bootstaufe mit gesanglichen Dar- bietungen. Die Wettkämpfe litten stark unter der Ungunst der Witterung. Einige Konkurrenzen mußten deshalb au-sallen. Immerhin wurden recht spannende Kämpf« und gute Zeiten er- zielt. Besonderes Lob verdient noch der von den Rathenower Frauen zum ersten Mose in exakter Ausführung gezeigre Zwölfer-Figurenreigen. Resultat«: ErSssnuuqserawlslasett«, O S« Ret««. 1. Zellas 2:1(5,?: 2. Rathenow 2:19,4.— Streck-atauch««: 1. lonncft 26 Meter 24: 2. Brechliii-Svandau 26 Meter 26.— Räuner-Brnststasettc: 1. Väse-ffallense« 1:ZI: 2. Mut: 1:Z2.— Zraucn-Brustttafette: 1. Roll>enon> I 33,34; 2. Spandau.— Iugent Laa«». stasett«: 1. Hellas 2:35,3; 2. Siemensstodt 2:54,2.— Männer Lageustafettc, 4 mal 100 Meter: 1, Spandau 5:3ö; 2. Rathcnaw 6:02.— Zuaend-Brust- Ickwimmen, 14 bi» 16 Zahre: 1. Sautezewski, Hellas, 1:39: 2. itufot 1:45,1.-- 16 bis 18 Jahr«: 1. Oesterreich, Hellas. 1:313: 2. Ja hnkc, Hellas, 1:32,4.— Ceawlschmimmeu für Frauen, Z0 Meter: 1. Willcr, Ratlienow, 49: 2. Schreiber. Rathenow. 52.— Wasserballspielc: Siemcnsstadt aegen Falkcnsee 1:0.— Hellas I argen Rathenon» Jugend 9:1.— Hellas II gegen Rathenow 6;2.— Brandenburg Schüler gegen Rathenow 1:0.— Männer Spandau gegen Rathenow 6:1. CKarlottenKurg Ostdeutscher Wasserbalimcister Vor etwa 4000 Zuschauern gelang es dem Meister des ersten Kreises, den Freien Schwimmern Charlottenburg, im Endspiel um die Ostdeutsche Meisterschaft den Meister der Niederlausitz, Senftenberg, in Stettin über- löschend hoch mit 20: 0 zu schlagen. Schon die Vortämpfe am Vormittag sahen 800 Zuschauer im ncuerösfnetcn Freibad, das auf dem Trümmerfeld der ehemaligen Vulkanwerke entstanden ist. Die Anlage ist eine der besten Deutschlands. Die Arbeiterwesiersportler Stettins hatten es aus- gezeichnet verstanden, die Bevölkerung für dii�e Veranstaltung zu interessieren. Bereits das erste Vorrundenspiel Stettin— Senftenberg zeigte, daß auch in der Provinz eifrig Wasserball ge- spielt wird, denn Senftenberg, ein Verein, dem kein Hallenbad zur Verfügung steht, schlug Stettin mit 9: 1 Toren. Senftenberg war Stettin besonders schwinimerisch überlegen. Der gut ar- beiicnd« Sturm der Lausitzer verstand es, den Stettiner Torwächter immer wieder zu überrumpeln. Das zweite Spiel brachte den oft preußischen Meister, Elbing, und Cyarlottenburg zusammen. Es war ein« ziemlich einseitige Angelegenheit, denn die Ostpreußen wurden von den Berlinern mit 16: 0 abgefertigt. Senftenberg und Charlottenburg waren nun die Gegner für den E n d k a m p f. In einem weiteren Spiel konnten die S e n ft en berg e r mit ihrer Iugendmannschast einen neuen Erfolg gegen die Stettiner Jugend erzielen. 5: 1 war hier das Resultat. Neben den Wasserballspielen fanden S ch w i m m v o r- führungen und Wettkämpfe statt, an denen, sich die Vereine der einzelnen Kreise stark beteiligten. Berlin hatte eine Frauen- reigenmannschaft entsandt, die einen 24er Reigen schwamm, der mit großem Beifall aufgenommen wurde. Auch Berlins Schwimmerelite war vertreten. Die Wien— Berlin- Springer zeigten im Kunst- und Turinspringen die hohe Schule dieser Sportart. Die Wasserballmannschaften von Berlin 12 und Möve trennten sich im Gesellschaftsspiel mit 2: 2. Die Spielfeld- anlage war zum S ch l u ß s p i e l um die O st de u ts ch e Meister- schaft dicht umlagert. Die Senftenberger waren im Zugspiel und in der Technik den Berlinern in keiner Weise gewachsen. Charlotten- bürg gewann mit 20: 0 überlegen. Die Senftenberger hätten etwas günstiger abschneiden können, wenn die Verteidigung und der Tor- steher in den letzten Minuten besser zusammengearbeitet hätten. Männerstasette beliebiq 7X30 Meter{nur für hie Sttisrnciftct für Wassorball): 1. Sharlottenbura 3:55; 2. Senftcnbcrg 4:7,4.— Frauenbrust- stafettc 4X50 Reter: 1. Nrcisinannschäft 3:14,6; 2. Stettin 3:223.— Männliche Iugenblagenstafctt« 4X50 Meter: 1. AWB. Stettin 2:41,4; 2. Senftenberg 2:43.— Männer-Srawlschwimtnen 100 Reter Masse N: 1. Spiegel(Welle-Stettin) 1:16. Masse A: 1. Nachtigall tHellas-Bcrlin), 37'4 Punkte; 2. Greustng(Lichtenberg), 2« Punkte.— Männerlagenftafettr 4X100 Meter: 1. Miwc 5:393: 2. 16. Kreis Lousttz 5:45.— Jllgendbrnst. schwimmen 100 Meter: 1. Lehmann(Berlin 12) 1:27,6; 2. Hahn(AWP. Stettin) 1:36,2.— Frnuenlagenstasette 3X50 Meter: 1. Kreis Berlin 2:40; 2. AWB. Stettin 2:51,8.— Turmspringen: 1. Grcusing(Lichtenberg) 43 Punkte; 2. Kühn (Lichtenberg) 4154 Punkte; 3. Nachtigall(Hellas-Berlln) 4054 Punkte.— Männerbrnftfchwimmcn 100 Meter Klasse N l. Augustin(Berlin 12) 1:32,4; 2. ssrledrilh(Mitoe) 1:354.— Männerbrustschwimmen 100 Meter Klasse A: 1. Schleincrnick(Sprembcrg) 1:24; 2. Tietke(Berlin 12) 1:26,4.— Iugendbrnst. stasette, weibliche, 4X50 Meter: 1. 1. Kreis(1. Mannschaft) 3:22,7; 2. 1. Kreis (2. Mannschaft) 3:28.— Kreiserawlstafett« 6x50 Meter: 1. 1. Kreis Berlin 3:25,6; 2. Kreis Laussh 3�6.— Weibliches Iugendrückcnschwimmen 109 Meter: 1. Braun(Berlin) 1:48,3; 2.(S. Land(Stettin) 1:50,6.— Rännerbruststvsette 4X100 Meter: 1. Berlin 12 6:1545; 2. Aiiwe 6:28.6. Großer Erfolg in Strausberg Die Freie Sportvereinigung Strausberg hielt heute be! starker Beteiligung der Berliner Verein« des I. Bezirks ihr 1. Schwimmfest nach der Vereinigung der Turner und Schwimmer ab. Der überaus starke Besuch der Strausberger Bevölkerung zeugte von der großen Werbetätigkeit sowie der Beliebtheit des Vereins. Das Fest war ein voller Erfolg für die bundestreue Sportbewegung in Strausberg. Resultate. Männer-Beliebig-Stafette, 6 mal 56 Meter: 1. FSSV.. Lichten. berg 3,46; 2. FSGB.-Reukölln 4,02.— Frauen-Brustschwimmen, 100 Meter, Klasse B; l. Kossmehl, MSwe, 1:50L; 2. Thomas, FS05B.. Neukölln. 2:04,2— Kinder-Brustschwiinmen, 50 Meter, n) Mädchen: 1. Kiefer, FS Männer: 1. Konrad 5:17,2; 2. P. Oertwig 6:32.— b) Jugend: 1. Tieh 6:10; 2, Behnke 6:3«.— Wasscrballspiele: BSU. I gegen BSU II 9:0.— BSU. II gegen Luckenwalde 4:0.— Berlin Xll gegen Treuen- briegcn 4.6.— Union Knaben gegen iombin. Knaben 3:0.— BSU. Jugend gegen Berlin XII Jugend 0:2. Boxkämpfe im Lunapark Neusei schlägt Bischoff nach Punkten Im Hauptinteresse des Boxkampfabends im Lunapark am vergangenen Sonntag stand die Begegnung des westdeutschen Schwergeivichtlers N e u f« l gegen Bischoff- Dortmund. Der Westdeutsche gab die Führung nie aus der Hand und gleich zu Beginn gelang es ihm, Bifchoft stark zu erfchüttern, ohne jedoch die Chance zu einem entscheidenden Sieg ausgestalten zu können. Das Treffen, das zeitweise monoton wirkt«, ging so wider Erwarten über die Distanz und endete mit einem sicheren Punktsieg Reusels. Harry Stein- Berlin fertigte den Bremer P a U 1 k e leicht nach Punkten ab, den gleichen Erfolg liatt« der Hannoveraner Trollmann über Walter Peter- Berlin zu verzeichnen. Weltmeister Max S ch m e l i n g wurde bei seiner Vorstellung im Ring von den zahlreichen Zufchaüern stark gefeiert. Oer Ko.~Sieg Stribblings Scott nun wohl endgültig erledigt Wie bereits im.Vorwärts" kurz berichtet, wurde Phil Scott am Montagabend im Londoner Wimbledon-Stadion von dem guten Amerikaner E t r i b b l i n g in der zweiten Runde entscheidend geschlagen. Dos Riesenstadion bei London war am Montagabend Schauplatz des allseits mit größter Spannung erwarteten Boxkampfes zwischen Phil S c o t t- England und Young Stribbling- Amerika. Die an die 50 000 Plätze aufweisende Arena war bei Eintrittspreisen von 47 M. abwärts restlos ausverkauft. Der Kampf selbst war allerdings eine a/attc Enttäuschung, denn schon in der zweiten Runde war das Ende da, Stribbling siegte durch k. o. Lebhaft begrüßt, betraten beide den Ring und stellten sich dem englischen Schiedsrichter Sam Rüssel zum Kamps. Stribb- ling machte mit dem Engländer nicht viel Umstände und schickte ihn, schneller als erwartet, mit einem schweren Schlag in die Magengegend auf die Bretter. Bei„9" kam Scott wieder hoch, aber schon nach wenigen Sekunden lag er erneut am Boden. Roch gab sich Englands Meister nicht geschlagen, er konnte aber nicht verhindern, daß Stribbling emen rechten Kinnhaken landete, der eine abermalige Kampfunterbrechung notwendig machte. Kurz vor dem Ende der Runde schien das Ende zu kommen, doch der Gong rettete den schwer angeschlagenen Scott. Ueberraschend frisch trat er zur nächsten Runde an, doch seine öhauptwiderstandskrast war gebrochen. Stribbling machte Mit ♦Hm, was«? wollte, rmd als den Amerikaner wieder einen Ge» raden auf den Magen Scotts abschoß, war es um Scott geschehen. Er kam erst nach dem„Aus" des Ringrichters auf die Beine, worauf Stribbling zum K a.- S i e g e r erklärt wurde. Die mehr als klägliche Leistung des Engländers löste bei feinen Lands- leuten größtes Mißfallen aus. -Arbeiter~T ennis Köpenick Tennis-Eoi Gruppensieger Die Punktspiele der Berliner Arbeiter-Tennissportler am vergangenen Sonntag brachten bereits eine Entscheidung. Die Frauen von Tennis-Rot- K ö p e n i ck schlugen in der L-Gruppe FT.-Spandau mit 4:2. Durch den Ausgang dieses Treffens eroberte sich Köpenick end- gültig die Spitze in der L- G r u p p e j ü r Frauen, da alle anderen Mannschaften der gleichen Gruppe bereits mehr Verlust- punkte als Köpenick verbuchen mußten. In der L- G r u p p e für Männer trennten sich TR.-Köpenick und FT.-Spandau unentschieden mit 3:3, da Spandau mit einem für die Serien- spiele nicht gemeldeten Spieler antrat. Die Begegnung zwischen TR.- F ri e d r i ch s h a i n und FTGB.- W e d d i n g endete mit 4: 2. Wedding hatte ebenfalls einen nicht gemeldeten Spieler in der Mannschaft. In der X-Gruppe für Frauen setzte sich TR.-Neukölln mit 4: 2 Punkten gegen TR.- Lichtenberg durch. Neukölln hat seine Stellung in der Gruppe durch diesen Sieg wesentlich verbessert. Eine Ueberraschung bracht« das Treffen in der Männer-75.-Gruppe zwischen TR.-L i ch t e n- berg I und FTGB.- W e d d i n g. Beim Stande von 5:0 für Lichtenberg wurde das Treffen wegen Regens abgebrochen. Das restliche Spiel wird im Laufe dieser Woche nachgeholt. Durch diese hohe Niederloge ist die Spitzenmannschaft der FTGB. stark in der Gruppe abgestiegen. TR.-Neukölln siegte gegen TR.-Gesundbrunnen mit 4: 2 Punkten. Neukölln rückt gut auf. Da die Serien spiele im Lause des Monats August zu Ende geführt werden müssen, spielt am kommenden Donners- tag FT.-Spandau(Männer) gegen FTGB.- W ed di n g im Volkspark Rehberg«. Bereits am nächsten Sonntag wer- den die anderen Mannschaften zu neuen Tressen festgesetzt. Englische Fußballspieler kommen Der englische Arbeitersport verband wird in der Zeit vom 3. bis 10. August seine best« Auswahlmannschaft gegen deutsche Vertretungen spielen lassen. Die Spiele sind vor- gesehen am 3. August in Kassel, 6. August in Nürnberg. 9. August in München und 10. August in Stuttgart. Deutsch- land hat eine recht spielstarke Mannschaft für die Kämpfe mit den Engländern aufgestellt. FTGB.. Bezirk Pankow. Heule, 20 Uhr,«ichtiae Hockevssssunq bei Lehmaim, Mühlen- Ecke Marimilianstraße.— Nenkölln-Brih. Für alle 2. Abteilungen heute, 1« Uhr, Eportplatz Treseburgcr Ufer(Teltolanatz, wichtige Information NN» Training zu Luckenwald« und Fcrnncucndorf. Ausschreibung zum Abcndlport- fest(10. August Stadion Neukölln) hängt aus. Meldeschluß beachten! Beteiligung der FTGB. an der Anli-Ariegslundgebung! Dem Kartell- bcschluss entsprechend beteiligen sich alle �Mitglieder der FTEB. am Frertag, dem 1. August, an der Anti-Kriegskundgebung. Wanderkleidung erbeten. Sämi- liche Fahnen und Transparente sind mitzubringen. Abmarsch um l» Uhr in den einzelnen Stadtbezirken. Siehe Tageszeitung.— FTKB.-Prrwaltungsan,- schuß. Außerordentlichc Sitzung am Mittwoch, dem 30. Juli, 1«5!> Uhr, in der Kreisgrschiiftsstelle, Elsasser Str. 86—8«.— Bezirk Lichtenberg. Donnerstag. 30. Juli, 30 Uhr, außcrordcutli仫 Fu»ktio»ärsitzu»g im Vcrcinslokal. Arbeiter-Rad» und Kraftfahrer-Bund»Solidarität. Ortsgruppe Groß-Berlin. Abt. Friedrichshain: Gencralperfammlung am 30. Juli bei Neumann, Gubener Straß« 45. All« Mitglieder der 5. und 10. Abteilung sind dazu eingeladen. Boll- .lahliqcs Erscheinen crwllnscht. Sportkartell Eharlottenburg. Wir erinnern an die Anii-Kricgskundgebung der Partei am 1. August im Lustgarten. Dos Kartell beteiligt sich geschlossen hieran, und erwartet restlose Beteiligung der Arbeitersportlcr. Sammelstelle Kleiner Tiergarten. Abniarsch 18 Uhr. Antreten ohne Kopfbedeckung. Fahnen nicht vergessen. Gleichzeitig erinnern wir an die Erledigung unseres Rund» schreibens. Nächste Kärtcllfitznng am 5. August, Adlcr-KIause. Freie Fatbootsahrer Berlin. Nächste Jusammcnkunst Donnerstag, 31. Juli» 20 Uhr, Hackescher Hof.„Im Faltboot»ach Mnssolinien" und andere Fahrten» berichte. Freitag restlose Beteiligung an der Anti-Krirgskundgebung im Lust- garten. Treffpunkt 18 Uhr Brunnenplatz(Gesundbrunnen). Zivile Kleidung mit Schillerkragen ohne Kopfbcklcidung. Fahrtcnbckanntgabe für nächstcn Eonnwg im Hackcschen Hof. Freie Ruderer»nd«anufahrer, 1.«reis. Mittwoch, 30. Juli, 20 Uhr, SpartenausschuMtzung Neukölln, Weichselftraße 8(Jdealkastno). Frei« Kanu. Union»rass-Berli», e. V.,«bt. vberlprec. Treffpunkt aller Genossinnen und Genossen Freitag, 1. August, 1856 Uhr, Äüstriner Platz, zur Antikriegsdemonstration. Erscheinen aller Pflicht. Sonntag, 3. August, Start der Spandaitsahrcr. Fahrtein Sonntag, 3. August: Gosrner Graben, Ber- messungsberg. 10. August: Kleine Krampe. 17. August: Flakcnfec. Die Funk» tionävsitzung findet schon am Wontag, 4. August, im Bootshaus Sadowa statt. Dienstag, 5. August, Spartcnausschuhsttzung. Ruderoerriu»Eovegia" Eharlottenburg«. 8. Wegen der Anti-KriegÄund- gebilng ist der Beginn unserer Versammlung am Freitag, dem 1. August, erst um Uhr. Di« Mitglieder finden stch zur Kundgebung an den Stellplätzen ihrer Bezirke ein. Urfmngen zum Fraucnspprtfcst finden Dienstags und Donnerstags im Bootshaus statt. Sommcrgcncralvcrsammlung ist am 14. August. Anträge sind bis zum 31. Juli einzureichen. Frei« Ruderer und Kanufahrer. Di« nächste Sporlcnausschusssitzung findet Mittwoch. 30. Juli, bei Priese, Neukölln, Weichsclftr. ß, statt. Szumami. Ringen� Heben und Jiu-Jitsu Nationales Sportmeeting in Tegel Aus dem Gemeindesportplatz in Tegel veranstaltete am Sonn- tag die„Freie Sportvereinigung Tegel 1899" einen großen nationalen Wettstreit im Ringen, Heben und I i u- Jitsu, offen für alle Gewichtsklassen. Auch Turner und Leicht- athleten beteiligten stch sehr zahlreich, so daß die Zuschauer sportlich hier alles vereint sahen und ein geschlossenes Bild von der Diel- stitigkeit des Arbeitersports bekamen. Trotz der schweren Wirtschaft- lichen Lage waren zu diesem großen Sportmeeting die bundestreuen Sportler aus dem Reich überaus zahlreich mit ihren besten Ber- tretern erschienen. Um nur einig« zu nennen: Leipzig, Stettin, Bres- lau, Prenzlau, Guben, Anklam, Luckenwalde, Weihwasser und Brandenburg. Die besten Berliner Turn- und Athleteuvereine waren vertreten, an ihrer Spitze der ver- anstalteirdc Tegeler Verein. Schon am frühesten Vormittag sanden ssch Gleichgesinnte zu den Vorkämpfen ein. Der Umzug, an dem sich sast 5 0 0 S p o r t l e r beteiligten, belehrt« manchen Mießmacher, daß der Arbeitersport sroh« und widerstandsfähige Menschen hervorbringt. Nach dem Aufmarsch gab der Turnsportler L e w i n in seiner Ansprache die Mahnung, daß alle gewerkschaftlich organi- sterten Arbeiter endlich den bürgerlichen Vereinen mit ihrer verderblichen Rekordsucht den Rücken kehren mögen, um durch ge- meinsam« Pflege von Sport und Spiel ein frohes und gesundes Menschengeschlecht zu erziehen. Kräftige, herzliche Worte fand Fischer vom Kreisvorstand des Arbeiter-Athleten-Vundes zur Begrüßung der Gäste sowie der Sportler. Di« von ollen aufmarschierlen Turnern, Athleten. Frauen und Kindern geübte M a s s« n g y m n a st i k bot ein schönes Bild. Den gut trainierten Männern und den ehrgeizigen Frauen glückte alles spielend leicht. Auf drei Matten kämpsten die Ringer aller Klassen aus allen Gauen des Reiches, im Treffen jeder gegen jeden. Bei dem überaus großen Meldeergebnis zogen ssch die Kämpfe bis in den späten Nachmittag hin, von einer stattlichen Schar Enthusiasten der Kraft- und der Ringtechnik umgeben. Daneben brillierten di« von Sonne gebräunten Gewichtheber in« Bier- tampf, mit dem Brridd e s m eistexv«rein air de r Sp-itz-c Die recht achtbaren Ergebnisse eines jeden forderten starken Beifall. Dicht umringt von unentwegt ausharrenden Zuschauern standen die Boxer im Ring, auch hier gefiel die Technik und Disziplin jedes einzelnen. Bei den Beherrschern der sanften Kunst, des I i u- Jitsu, ernteten durch statte und scharfe Kämpfe Sieger und Be- siegte viel Anerkennung. Während die Männer im Faust- sowie Handball sich auf dem Hartplatz maßen, spielten auf der Gras- nabe des Feldes die Frauen von Malstsdors 1 und Tegel 1 ein abwechslungsreiches flottes Handballspiel. Mit dem Ergeb- nis von 1; 1 verließen sie das Feld, um den Leichtathleten wieder die Mitte des Innenraumes zu überlasse». Die kurzen sowie langen Rennen auf der Aschenbahn zeugten von großer technischer Voll- kommenheit der Läufer. Ob im 100-, 200- oder 3000-Meter-Lauf, im Dreikampf der Männer sowie der Frauen, überall sah man das gleiche Bild hohen Könnens. Außerordentlich interessant war das, was die Zlkteure im Schlcudcrball, Kugelstoßen, Speer- und Disluswerfen, am R e ck usw. zeigten. Während sich die starken Männer im Tauziehen inaßen, belohnte reicher Beifall die nur von Frauen ausgeführten Freiübungen. Den Abschluß bildeten F u ß b a l l k ä m p f e. Die„Jüngsten" im Sport seien nicht vergessen, mich sie vermögen bereits, unter ge- Ichickter Leitung, in ihrer Gesamtheit Achtbares zu vollbringen. Ein schönes Sportfest war vorüber. Relnlt-rte: Iustend bis 80 Pfund: 1. Kallus-Tegel.— Juäcnb bis 105 Pfund: 1. Piepcr-Prrnzläu.— Iu«enb bis 120 Pfund: 1. Säimidt-Prenzlau; 2. Goede. Berlin(Einigkeit); 3. Teisinann-Prenzlau.— Jugend bis 140 Pfund: 1. Babbcl-Tegel; 2. Lüdke-Prenzlau.— Jugend bis 160 Pfund: 1, Flock- Tegel.— Männer. Flicgengewiibt: l. Schmidt- Breslau; 2 Dctzcl- Luckenwalde.— Bantamgewichi: l. Splieftötzer. Lichtenberg: 2. Langer-Berlia(Sparta); 3. Pauli-Prcnzlau.— Federgewicht: 1. Hüffncr. Berlin(Sparta): 2. Binder-Lichlenbrrg; 3. Pcter-Leipzig.— Leichtgewicht» l. Weiyhc-Ierlin(Alt-Wedding): 2. Burgbardt-Berlin(Earonia): 3. Müller- Stettin.— Mittelgewicht: 1. Lindeneräleipzig; 2. Eckert-Berlin(Alt-Wedtnng); 3. B'nnin-Berlin(Alt-Wedding).— Halbschwergewicht: 1. Michael-Bcrlin(Alt. Bedbing): 2. Fischer-Brandenburq.— Schwergewicht: 1. Kreklaw-Lichtenberg, FL. — Jiu-Jitsu- Ringkämpfe. Bantamgewicht: I. G. Rogge-Wusterwitz; 2. Kurl- Berlin(Einigkeit).— Federgewicht: 1. kaller.Brandrnburg; 2. Leiik-Berlin (Einigkeit).— Leichtgewicht: i. P. Rogge-Wusterwitz; 2. Kunz Rudolf-Berlin , /r- i.___; j.i. e_____ r. OB rl_, rCl i\■ O e---- I PQ.«TS«* — Hälbschwergewicht: 1, WÄttschek-Lichtenberg. Der Kampf gegen die Freiffödien Die Parole: Dem Gro�grundbesiiz alles— dem Volke nichts Der„Vorwäris" hol über die Enkscheidung des Reichsgerichts betreffs der Zreiflächenausweifung mehrere grundfähliche Artikel veröffentlicht. Der lehte Aufsah von Otto Sirchheimer gibt dem„Grundeigentum" Veranlassung zu einer Erwiderung. Rachstehend antwortet unser Mitarbeiter aus diese Publikation. Herrn Oberverwaltungsgerichtsrat Jsay hat die kritische Be- sprcchung feines Artikels über die Fragen der kommunalen Boden- Politik in Aufregung versetzt. Er meint, datz ihm fälfchlicherweife unterstellt worden fei, er wolle neues Recht, das Recht auf die volle Rente, einführen. Er hat in seiner Erwiderung in der letzten Rum- mer des„Grundeigentum" darzulegen versucht, datz es ihm nur darum zu tun sei, die notwendige Verhältnismäßigkeit zwischen öffentlichen Lasten und Rechten aufzuzeigen. Er wirbt um Verstand- nis für seine Auffassung, daß man nicht die Eigentumsfubftanz sozialisieren, hinsichtlich der öffentlichen Pflichten des Eigen- tümers aber die individualistische Ordnung aufrecht erhallen könne, mit Argumenten, die darauf berechnet sind, Eindruck auf den kleinen Mann zu machen. Er meint, daß diejenigen, die stets dafür ein- getreten feien, die Einkommensteuer progressiv abzustufen, doch eigentlich nicht die Hand dazu bieten dürsten, die Leute,„deren Häuschen ihr einziges, dazu noch über und über belastetes Besitz- tum darstellt", ganz unverhältnismäßig zu belasten. Dabei erNärt der Verfasser ausdrücklich, daß es ihm nur um diese kleinen Leute, nicht um die großen Grundstücksspekulanten zu tun sei. Bei dieser Argumentation ist Herrn Jsay leider ein nennens- werter Fehler unterlaufen. Er übersieht, daß seine neue Lehre von der verfassungsmäßigen Notwendigkeit eines Rechte- und Pflichtenkorrelats bezüglich' des Grundeigentums gerade die schützt, die er selbst nicht für schützenswert hält, die großen, nicht die kleinen Leute. Denn die kleinen Leute, die ihr eigenes Stückchen Grund und Boden haben, werden doch wohl von der Freiflächenausweisung nicht betroffen. Wenigstens ist mir noch nichts davon bekannt- geworden, daß die Magistrate Freiflächen dort ausweisen, wo Arbeitersiedlungen sich befinden: der Zweck der Frei- flächenausweisung ist ja belanntlicherweise, diesen kleinen Leuten Licht und Luft zu verschaffen, und nicht, es ihnen zu nehmen. Wen die Freiflächenausweisung wirklich trifft, weiß der Herr Oberver- waltungsgcrichtsrat selbst ganz genau. Sie trifft die Grund- stücksspekulanten und Großgrundbesitzer, die vor den Toren unserer Groß- und Mittelstädt« sich ein Bodenmonopol ge- schaffen haben, dessen Durchbrechung im Interesse der Volksgesund- heit Zweck der Freiflächenausweifung ist. Diese Großgrundbesitzer schützt der vermeintliche Freund der kleinen Leute in Wirklichkeit. Seine Lehr« aber ist nichts weiter als einer der vielen Versuche, die Weimarer Verfassung so auszulegen, als ob sie lauter Status- quo-Garantien enthielte, während in Wirklichkeit der zweite Teil der Weimarer Verfassung deutlich Zeugnis davon ablegt, daß gerade in bezug auf die Bodenwirtschaft zugunsten der Allgemein- heit das Einzelinteresse weichen soll und muß. Weiterhin wird dem„Vorwärts"-Artikel unterstellt, daß er eine juristische Rechtfertigung dafür versuchen wolle, außerhalb und gegen die Sphäre der positiven gesetzlichen Vorschriften die Erlaubt- heit von Freiflächenauswersungen zu vertreten. Leider hat die Kritik es unterlassen, sich mit der in meinem Artikel behandelten Frage auseinanderzusetzen, ob die Freislächencnisweisung nicht durch das positive Gesetz gedeckt ist. Aber wie dies auch sein mag, im 2. Band des Deutschen Verwaltungsrechts von Otto Mayer kann sich der Vertreter der Grundbesitzerinteressen selbst überzeugen, daß Otto Mayer in dem Kapitel über die öffentlich-rechtliche Eigentums- befchränkung ausdrücklich die öffentlich-rechtliche Eigentums- befchränkung zur Verwirklichung der Staatszwecke durch ung«schrie- benes Recht, das aus der jeweiligen Rechtshandhabung der Be- Hörden erkennbar wird, zugelassen hat.(2. Aüfl. Bd. 2, S. 223.) Wenn die Freiflächenausweisung der städtischen Behörden Herrn Jsay zu der Schlußfolgerung veranlaßt, daß hier di« Demo- kratie von der Diktatur abgelöst werde, so nehmen wir dies nicht allzu tragisch. Interessant erscheint uns dabei nur der— wenn es zu sagen erlaubt ist— kleine methodische Kniff, den der Ver- fasser, einer bewährten Uebung vieler bürgerlicher Juristen folgend, hier vornimmt. Er schreibt, daß es unmöglich sei, dem Grundbesitz gegenüber den Gedanken der Diktatur zu vertreten, während man sonst den Gedanken des Rechtsstaates vertritt. Man bringt die Demokratie mit dem Rechtsstaat zusammen, um den Rechtsstaat gegen die Demokratie auszuspielen. Denn der Rechtsstaat, den das „Grundeigentum" vertritt, ist, wie die Ausführungen über die Ausführungen über die Status-quo-Garantie bei der Verhältnis- Mäßigkeit von öffentlichen Lasten und Rechten zeigen, nichts weiter als der bürgerliche Rechtsstaat des letzten Jahrhunderts. Seine Funktionen bestehen nur darin, jeden Akt, sei es der Legislative, sei es der Verwaltung, dann für ungültig zu erklären, wenn er den Kirchhofsfriedcn des Status quo verlegt. O. K. Oer Ratskeller ist pleite. Die Stadt nicht unter den Gläubigern. Die Schwierigkeiten des Berliner Ratskellers hoben dazu ge- führt, daß der bisherige Pächter Heinrich Falkcnberg vom Berliner Magistrat früher aus dem Pachwertrag entlassen und schließlich die Betriebsgesellschoft des Restaurants, die Berliner Ratskeller G. m. b. H., i n K o n k u r s geraten ist. Die Stadt Berlin wird durch diesen Konkurs aber nicht in Mitleidenschast gezogen, da sie nicht zu den Gläubigern der Ratskeller G. m. b. H. gehört. Der Pachtvertrag war nämlich mit dem Ratskellerökonom Faltenberg persönlich abgeschlossen worden, und dieser hat sämtliche Verpflichtungen der Stadt gegenüber erfüllt. Der Konkurs der Ratskeller G. m. b. H., der Betriebsgesell- schaft, an der die Likörfabrik Kahlbaum und später die Schultheiß- Patzenhoser-Brauerei beteiligt war, soll, wie wir hören, daraus zurückzuführen sein, daß etwa 100 000 Mark nicht gedeckt und außer- dem sehr schwierige Personolfragen nicht befriedigend gelöst werden kannten. Die gerichtliche Gläubigeroersammlung findet am 22. August im Amtsgericht Berlin-Mitte statt, nachdem der Kaufmann Otto Schmidt zum Konkursverwalter ernannt worden ist. Aus dem Bericht des Konkursverwalters dürfte man erfahren, welche Gründe eigentlich zu dem Zusammenbruch des Rotskellers geführt haben. Stiftungsfeier der Berliner Ltniversität. In gewohnter Weife beging die Berliner Universität-hr S t i f t u n g s f e st zu Ehren ihres Gründers, des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., der 1810, durch seine liberalen Minister gedrängt, die Berliner Universität schuf. Aus der Fest- rede des Professors Dr. Edler von Mise- verdient die An- erkennung hervorgehoben zu werden, die der Gelehrt« für di« toten Kämpfer um die Befreiung deutschen Bodens von fremder Besatzung fand.„Der Tag des Stiftungsfestes unserer /Uma matcr fand schon in trüberer, traurigerer Zeit statt als heut«. Wir sind wieder vorwärtsgekommen, und wenn wir auch in Trauer an Gebiete denken, di« uns, von deutschen Menschen be- wohnt, durch den Friedensvertrag entrissen wurden, so freuen wir uns doch in Dankbarkeit dessen, daß unser Rheinland durch aufopfernde Arbeit in diesem Jahre freigeworden ist." In dem wissenschaftlichen Vortrag aus seinem Spezialgebiet, der angewand- ten Mathematik, erinnerte Professor Mises, die letzten Ding« be- rührend, an das Wort Du Bois-Reymond: Ignorswus et iimoradimu,..Wir wissen W nicht und wir werden es nicht wissen", ein Wort, das aus gleichem Anliß bei einer Feier der Berliner Universität gesprochen wurde. Der Rektor verlas fo- dann die Preisträger des letzten Jahres. Mit dem gemeinsamen Gesang der republikanischen Nationalhymne schloß die Feier. (Sozialistisches Ostfriedenstreffen. Massendemonstration im Znsterburger Stadion. Insterburg, 28. Juli.(Eigenbericht.) Am Sonntag wurde hier ein sozialistisches Grenzland» treffen veranstaltet, an dem Delegationen aus Polen, Dan- zig, Oesterreich, Litauen und Memel teilnahmen. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hatte als seinen Vertreter C r i s p i e n entsandt. Die Kundgebung stand unter der Parole:„Nie wieder Krieg". Sie begann mit einem Demonstrationszug, der außerordent- lich starke Beteiligung aufwies und gewaltige Zuschauermassen her- beigelockt hatte. Im Stadion, das nachmittags über den Schauplatz von Arbeiterfportkämpfen und-spielen bildet«, fand zum Abschluß der erfolgreichen Veranstaltung eine internationale Friedenskund- gebung statt. Aus allen Delegationen kamen Redner zu Wort. Neuer Krankheitsfall bei den Lübecker Säuglingen. Während die Todeszahl der mit dem Calmette-Prä- parat genährten Säuglinge mit 62 unverändert geblieben ist, hat sich, wie das Lübecker Gesundheitsamt mitteilt, ein neuer Krank- heitssall ereignet, so daß sich die Krankcnzahl von 57 aus 58 erhöht hat._ 1. k r e i»— IN i t k e. heute. Dienstag. 2?. 3uli. um 20 Uhr. Sitzung des erweiterte» kreisvorftondes bei Dobrohlaw, Swine- münder Straße 11. 1. Abt. Mittwoch, 30. Juli, 20 Uhr, bei Spiegel, Ackerftr. 1, Funktionärsitzunq. IS. Abt. Die Bezirksführer holen sofort Handzettel von Schade, Kösliner Straße 9, ab._ Wetter für Berlin: Wechselnd wolkig, nur unbedeutende Nieder- schlüge, wenig Temperaturänderung, westliche Winde. Für Deutschland: Fortdauer des herrschenden Witterungschorakters. Dienstaz, 29. Juli. Berlin. 16.05 E. Nebermarni: Schachstunde. 16.30 Leipzig; Orcheslerkonzert. 17.30 Walter Kleflel:„Was ich von Amerilras Sport sah". 18.00 Stunde mit Büchern.„Rheinland."(Am Mikrophon: Max Barchel.) 18.30 Erich Ebermayer: Eigene Novellen. 18.55 Arbcitsmarki. 19.00 Unterhaltungsmusik. 20.30 Wovon man spricht. 21.00 1. Franz Schubert: Streichquartett D-Moll.— 2. Wolfgang Fortnert Streichquartett(Erstaufführung). KSnlgsvusterhausen. 16.00 R. P. Metlke: Lebensformen im kindlichen Spiel. 16.30 Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Deegener; Biologische Ferienspazlergänge am Ostseestrande. 18.00 Paul Eggert: Wohnung und Polizei. 18.30 Prof. Dr. Platz: Kulturkunde. Schule. Wirklichkeit 19.00 Prof. Dr. Friedrich: Verschiedene Wirkung der ultravioletten Strahlen in Stadt. Land. Berg, Ebene. 19.25 Prof. Dr. Hans Reichenbach: 30 Jahre Relativitätstheorie. 21.00 Georg Mühlen-Schulte: Heilere Rezitationen. 21.30 Leipzig: Deutsche Minnelieder nnd Balladen. PROGRAMM für die Zeit vom 29. bis 31. Juli OIG Potsdamer Strafe 38 W 5, 7, 9 Uhr Die helMgCB drei Brunnen mit Luis Trenker Da« MÄdrl so« USA. mit Aany Ondra Rheinstrahe 14 KilT-EUhe) Verlängert: Fnndvogel mit Camilla Horn, Panl Weg Der Kampf am die Goldfeld« mit Bazz Barion OdcOD, Potsdamer Sir. 7 5 Verlängert: Tonfilmoperette: Llebetwalzer mit Lilian Harvey, Willy Friiftd># Georg Alexander Das gute Beiprogramm Turmstra�c 12 W. 5, 7. 9 Uhr Verlängert: Tonfilm: Ridiard Tanber singt: Ich glaub' nie mehr an eine Fraa Flick and Flockte als Gladiatoren K I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 29. bis 31. Juli Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Verlängert! Tonfilm: Zwei Herzen im Drelviericl-Tald Jugendliche haben Zutritt Friedrichztaclt �"E Die Kamera z. 9 utu Unter den Linden 14 Die neue Heimat mit R. Schildkrani f Hand ▼, BaskcrTÜle m. C. Doclef • Hoasslt j Artushof'Licfatspicle Film- and Bfthncnscfaaa Perleberger Str. 29 und Stcn�laler Str. Das Schloß der Liebe Zwei dunkle Augen m. NU« Mbtr Weh-Kino \lt-Moabit 99 Tonfilm: Delikaiesten mit H. Liedtke, E, Verebcs Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt g"" TSlimarMlopf- Atrium Beba-Pnlaal Kaiserallee, Ecke Berliner StraBe Täglich 7, 9.15 U Stg.: 5. 7. 9.15 U. Urauff.i Fraaennot- Fraacnglflck (Ein Film vom Werden d.Menschen, V.Leiden u.Freuden d. Mutterschaft) Alh Ambra wchtgs s. 7, 9 Uhr AVlIiaillUI Cl Stgs 31 z 7 9 Uhr Schöneberg, Hauptstr. 30 Ein tönender Film: Tala, das RStsel im Weibe Der Texasreiter mit Tom Mix Titania(ufa s'chöneberg) Hauptstraße 89 W 6 30, 9 U. Stg. 3 U. Der Schrei ans dem Tannel Hetzjagd auf Mensch and Tier � fri«d«nau g Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 Beg Woch. 6 30. 9. S. 5U Tonfilm: Melodie des Herzen» mit W. Frilsch, Dlta Pario Im tönenden Beiprogramm: Egmont-OoTeriare ■»teBUt«■ Titania-Palast Steglitz. Schloßstr. 5. Ecke Qutsmuthsstr Täglich 6.30, 9 Uhr. Stg. 4. 630, 9 Uhr Tonfilm: Skandal am Eva m. Henny Porten y Beiprogran g Silciwazten g Film-Palast Kammersäle Teltower Str. t W.6"?. Sbd 6,Stg SUhr Das göttliche Weib m Greta Garbo Der Unbekannte/ Beiprogramm 3 suaozten Filmeck ßeginS.�73u Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Internai.Dflbnenschaa/ Tonfilm Zwei Herzen im Orelviertcl-Takt m. Oskar Keriwclg, Walter Jansaen Jugendlich« haben Zutritt Stella-Palast Köpenicker StraBe 11—14 Beginn der Vorstellungen: Wochtgs. 7 u. 9, Sonnt 5. 7. 9 Uhr Der große historische Tonfilm: Da» Halsband der Königin mit Diana Carenne Beiprogramm— Bühnen»/� Jgd.-V. Illusion mit Conrad Veldt Ks ra wanenführer von Oklahoma mit Ken Maynard Bflbnensdiaa Alhambra MQIIerstraBe 136, Ecke Seestraße Das Halsband der Königin (Stummer Film) m. Diana Carenne DtiDrodrAmm/ DCUmcmcbaD v- s- 9Mr—— Pharus-Lichtspielc W.6U. Stg, 5 U MQIIerstraße 142 2 große Schlagen Kosaken mit John Gilbert Ein Mödel mit Tempo mit Marlon Davie» Prater-Licfatspiel- Palast Kastanienallee 7-8 Wochentags 7,15, Sonntags 5 Uhr Die Perle des Regiments mit R. Sdböazel Flittervodien Varlelöscban Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 W. 7. 9 U. Stg. 5. 7. 9 U. Sturm Ober Asien Der Kampf aras Leben Beiprogramm Colosseum Schönhauser Allee 123 Wigs.7 und9Uhr Stg. 5. 7 u.9Uhr Der Flieger von Callfornlen i X Chaplin: Lohntag. Auf dem Lande. Vergnügte Stunden Bühnenssbau s. Alhambra" Badstraße 58 W. ah ft U-, S ab 3 U 10 vadUT mit Emil Jasning« Die Nacht nach de BUbneaschaa Verrat Ballsdunieder- Lichtsp Badstraße 16 W. 6, S. 3 U. Tonfilm: Der weltze Teufel mit Ivan Mosjakin, LU Oagover Beiprogramm_ Kristall-Palast Prinzengllee 1-76 W. ab 5, S. ab 3 U. Tonfilm: Nur am Rbcln (Sprech- Gesangsfilm) Mlcky Maos Bclprogri Panko «-> Palast-Theater Breite StraBe 21 a W. ab 7,30, Sonnt. 5,7. 9U, Das Drelmlderlhans (Ein Filmsingspiel) Nixcben mit Harry Liedlke Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Böhnensdiaa W. 7. 9 U- Stg. 5, 7 u. 9 U. Aditnng I Autodiebe I mit Harry Plel Räuber der Unlersrell Beiprogramm � Wictf er«cii6nhaman b Film-Palast.NÄ;n.cn Blankenburger Straße-» W. 7, 9 U. Stg. 5. 7. 9 U. Tonfilm Das Land ohne Frauen (Braut Nr. 68) mit Conrad Veldt i* Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 W.M1*, Stg.4V«,6l/j.8*s Sonnt 2 Uhr Jugendvorstellung An der schönen blauen Donau mit Liedtke, Lya Mora Tarakanova, die falsche Zaren« tochter Bühnenschau «Kosmos** Fümbühne Hauptstraße 6 W. 6, 8l/2, S. ab Vk Das gute Filmprogramm and die groHe Bühnenschaa Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6, 8Vj U. Stg. 2 U. Jugendvorst. Stg. 4 Vi. 6V- 83. U. Aditaag, Paltzcipatronllle I. Teil) Helden der Pflidit(Ii. Teil) Filmpalast stg. Berliner Straße 59 Stg. 2 U. lug.-Vorst. Messallna(historischer Sittenfilm) Beide Teile Böhn ensebau