Morgenausgabe Nr. 351 A 127 47. Jahrgang Wöchentlich LS Pf, monatlich 3.60 M. im voraus zahlbar. Postbezug 4.32 M. einschlleßlich 60 Pfg. Postzeitungs- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslands« abonnement S.— M. pro Monat. * Der �Vorwärts" erscheint Wochentag- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und iip Handel mit dem Titel.Der Abend", Illustrierte Beilagen.Volt und Zeit" und.Kinderfreund". Ferner .Frauenstimme". Technik",.Blick in die Bücherwelt".„Iugend-Vorwarts" und �Stadtbeilage". Berliner Soltsblatt Mittwoch 50. 5uli 1950 Groß-Äerlin 1V Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige NonpareillezeNe 80 Pfennig. Retlame �eile 2.— Reichs- mark.„Kleine Anzeigen� das ettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wo« 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben jählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile ) Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- geschäft Lindenstraße 3, wochentäglich von 8*/» bis 17 Uhr. Zenivawesan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönbos» 292— L97 T«legramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 31 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Anaellellten und Beamten. WciUstr 65. Dt. B n Tide.-Ges.. Deposttenkaiie Srttdenftr. 8. der Seite der Arbeitenden! Anton Erkelenz tritt zur Sozialdemokratischen Partei über. Ein Protest gegen Brüning-Politik und soziale Reaktion. Der bisherige demokratische Reichstagsabgeordnete Anton Erkelenz, der bis vor kurzem gemeinsam mit Dr. Koch-Wcser Vorsitzender der Demokratischen Partei war, ist zur Sozialdemokratischen Partei übergetreten. Er be- gründet seinen Schritt in einem Schreiben an Dr. Koch. Die politischen Ausführungen des Schreibens geben wir im fol- genden wieder: 29. Juli 1930. Verehrter Herr Kollege Koch! In Anbetrocht der politischen Kesanttloge sehe ich mich genötigt. mein Amt als stellvertretender Vorsitzender des Parteiausschusses niederzulege». Gleichzeitig erkläre ich hiermit meinen Austritt aus der Deutschen Demokratischen Partei. Das nur von den beiden cheimatwahlkreiscn angebotene Spitzenmandat für die Weitykreije Diisseldors-Ost und West habe ich mit herzlichem Donk für das mir entgegengebrachte Vertrauen abgelehnt. Nach der Revolution von 1918 habe ich eine große demokratische Partei für ein« geschichtliche Notwendigkeit gehalten. Mit den Jahren hat sich aber immer deutlicher gezeigt, daß d i e Kreise, die. nach ihren: inneren Wesen zur Demokratischen Partei gehören müßten, für die großen Ausgaben der Partei in der Außen- und Innenpolitik nichr dos«rsorderliche Verständnis uird die nötige Opferwilligkeit aufbringen. Si« sind immer mehr die Lpfer nationalistisöher und antisvzialistische'r Tchlagworte geworden und haben ihre Mithilfe oerweigert bei dem national so außer- ordentlich wichtigen Hineinwachse» der deutschen Arbeitnehmerschaft in den neuen Staat und seine Aufgaben. Die Partei ist deshalb von Wahl zu Wahl kleiner geworden und hat unter größter persönlicher Ausopferung ihrer Führer in Stadt und Land nur noch einen Teil ihrer Aufgaben erfüllen können. Ich glaube nicht, daß man im ganzen an dieser ungünstigen Entwicklung den Führern eine persönliche Schuld beimessen kann, sondern sehe in dem allen Notwendigkeiten, denen die Partei nicht entrinnen kann. An sich wäre für die Grundaufgabe der Partei als demo- kratisch-soziale Mittler- und Vortruppgruppe noch auf lange hinaus Raum. Sie könnt« als kleine Partei, wenn auch mit ver- minderter Kraft, ihre Ziele verfolgen. Hich wenn ich nicht durch einen nervösen Erschöpfungszustand insolge langjähriger lieber- arbeitung in den letzten zwei Iahren in meiner Tätigkeit wesentlich behindert gewesen wäre, würde ich stärker versucht haben, die Ent> Wicklung der Partei in diesem Sinne zu beeinflussen. Aber die Partei war durch den Mißerfolg der Wahlen von 1S38 so eingeschüchtert, daß sie ein immer stärke» res Bedürfnis nach Anlehnung und Verschmelzung mit weiter rechts stehenden Parteien erkennen ließ. Ein« solche Anlehnung und Verschmelzung hat gewiß parlamen- tarisch-taktisch ihre Vorteile. Sie oerändert aber den Grundcharakter der Partei so stark, daß von de» Partei- anhängern, die durch die Schule Friedrich Naumanns gegangen sind, ein großer Teil in einer solchen rechts angelehnten„bürger- lichen" Partei nicht mehr die Partei sehen kann, der sie ihre Lebens- arbeit weiter widmen können. Das gilt besonders auch von der in Bildung begriffenen neuen„S t a a t s p a r t e i", die nur i n starker ideologischer und politischer Anlehnung an Rechtsbestrebungen einen Sinn hat. Die Beteiligung der Demokratischen Partei an der Regierung Brüning und die Mit- Verantwortung für die Politik dieser Regierung zeigte, daß das falsche Schlagwort des„Kampfes gegen den alles überwuchernden Sozialismus" in der Demokratischen Partei mehr Zustimmung g«. funden hatte, als sich mit dem Charakter der Partei als demokratische und soziale Mittlergruppe vereinbaren ließ. Dte Politik Brünings hat die Demokrakische Partei' in ihrem inneren Sern tödlich verletzt. 3n der Regierung Brüning wurd« die demokratische Fraktion die Gefangene aller reaktio- nären wünsche der Deutschen Voltspartei, der wirlschas»,- parle,, des Landbunde». Fast alle neuen Lasten wurden auf die Nicht, oder wenlgbefihenden abgelegt und der tl b- bau der Sozialpolitik und der Löhne mit elnem Eifer betrieben, der sich nur aus dem Gefühl befriedigter Rache erklärt. Es ist unmöglich, sich in einer Partei zurechtzufinden, die nach Art der alten nationalliberalen Partei heute links, morgen rechts steht, die aber immer dabei fein soll. Ich habe es abgelehnt, für die Maßnahmen' dieser Regierung je meine Stimm« abzugeben und kann auch im Wahltamps diese Politik nicht mit verteidigen. Wenn die Wortführer des deutschen Bürgertums einen Entscheidungskampf suchen gegen den TeU des Volkes, der in Rot und Berzweiflnng am treuesten zum neuen Staat gestanden hat, dann ist mein Platz an der Seite der Arbeitenden, an der Seite derjenigen. die für die Freiheit der Arbeit, der Arbeit deS Geistes und der Hand eintreten. Die taktischen Bindungen, die mir die Zugehörigkeit zur Demo- kratischen Partei in diesem Kamps seit Jahren auserlegt, muß ich nun, angesichts des offenkundigen Vorstoßes oller reaktionären Kräfte, abstreifen. So bletbt für mich kein anderer Entfchlrch eck« der Austritt aus der Demokratischen Partei und der Eintritt in die deutsche Sozialdemokratie» die seit Iahren schon einen großen Teil der Ausgaben übernommen hat, die man ursprünglich der Demokratischen Partei stellen mußte. Damit lös« ich für mich persönlich auch die Frage, die an ein wich- tiges Uebel des deutschen Parlamentarismus rührt: die Zersplitte- rung des deutschen Parteiwesens. Wer die deutsche Demokratie erhalten will, muß lernen, sich in große Parteitörper einzufügen. In dem Augenblick, in dem ich aus der Partei scheide, darf ich auch vielleicht daran erinnern, daß Raumann selbst zweimal vor dem Entschluß gestanden hat, zur Sozialdemokratie überzutreten, 1903 und 1918." Der Weg der Demokratischen Partei wird in. diesem Schreiben von einem Manne kritisch geschildert, dessen ganze Arbeit und Hoffnung dieser Partei gehörte. Anton Erkelenz ist seit längerer Zeit krank— aber er hätte sich dennoch mehr der praktischen Politik gewidmet, wenn er nicht dauernd ge- hemmt worden wäre durch das Bewußtsein, daß er damit in ständigen Gegensatz zur Demokratischen Partei geraten würde. Er hat in der„Hilfe", deren Mitherausgeber er ist, immer wieder feine Stimme erhoben, scharf kritisierend und mahnend, aber seine Stimme wurde nicht gehört. Der Weg der Demokratischen Partei ging unaufhaltsam nach rechts. Anton Erkelenz ist aus der Hirfch-Dunckerschen Gewerk- Vereinsbewegung hervorgegangen, er war in der Demokrati- schen Partei der Repräsentant des sozialen Elements. Er war Demokrat aus Ueberzeugung, für ihn war die soziale Gefin- nung die selbstverständliche Konsequenz des demokratischen Bekenntnisses. Sein Austritt und sein Uebertritt zur Sozial- demokratischen Partei zeigt, daß der Rest der einst starken Dentokrätischen Partei mit den demokratischen Grundsätzen zugleich die soziale Gesinnung aufgegeben hat. Es gibt in Deutschland außer der Sozialdemokratie keine Partei mehr, um die sich die wirklichen demokratischen Ele- mente scharen könnten! Anton Erkelenz scheidet sich von der Partei, die bisher noch den Namen„Demokratische Partei" führte, und die nun den Namen den demokratischen Grund- sähen nach über Bord wirft. Wir hoffen, daß dieser Schritt für alle, die aus dem parteimäßigen Zusammenbruch der Demokratischen Partei demokratische und soziale Gesinnung gerettet haben,-ein Signal und ein Wegweiser sein wird! Bürgerliche Verwirrung. Oer Schrei nach dem Detter. Das Führerproblem in der„Staatspartei"'. Die„Kölnische Zeitung" meldet ihre Wünsche an die Neugründung der Koch, Mahraun und Co. an. Sie warnt vor„M andatsjagd" und schreibt im Anschluß an ihre Ausführungen über die Kandidatenfrage: „Unseres Erochtens kann diese Frag« überhaupt erst entschieden werden, wenn sich die Zusammensetzung der Partei einigermaßen übersehen läßt und das sehr viel wichtigere Führerproblem gelöst ist. Die Grunder der Deutschen Staateparici werden sich darüber selbst im klaren sein, daß sie einen neuen Mann heraus, st eilen müssen,«ine Persönlichkeit, die unbe- lastet ist und schön darum überall Vertrauen erwecken kann, die ober auch wirtliche Fllhrerqualitäten befitzt und dem Programm die zündend« Idee geben kann, die ihm vorerst noch fehlt." Das ist bitter für Herrn Koch, der sich natürlich alle Denkt daran! Am 1. August, dem Tage des Kriegsausbruchs, veranstaltet die Sozialdemokratie Qroß-Berlins im Lustgarten um 19% Uhr eine Kundgebung gegen Kriegshetzer und Kriegstreiber, für Verständigung der Völker und für den Frieden der Welt Diese Kundgebung wird gleichzeitig durch wuchtigen Massenaufmarsch den Wahl kämpf einleiten gegen die Sozialreaktion, gegen Diktaturgelüste, gegen kapitalistische Bürgerblockpolitik, aber für die großen Ziele der Sozialdemokratie, für Demokratie und Sozialismus! Führerqualitäten zuschreibt— es ist aber zugleich bezeichnend für die Ideologien, die in dieser Reugrllndung spuken! Der „Rette r" soll es wieder einmal machen, der neue, bisher noch nicht bekannte Mann, der begnadete Führer, der die zündende Idee aus der Tasche ziehen soll. Man kennt diesen„ Schrei nach dem Retter aus der rechtsradikalen Bewegung und weiß auch, was sich dahinter verbirgt! Es ist nur logisch, wenn die bürgerliche Mitte in ihrem Zusammenbruch sich jetzt diesen Ruf aneignet. Das ist also der Weisheit letzter Schluß! Aber so ernst ist es auch hier nicht gemeint. Noch vor kurzem hat die„Kölnische Zeitung", als sie eine solche Staats- parte! empfahl, geraten, den an solcher Sammlung beteilig- ten Organisationen hinreichend Führer st eilen an- zubieten— und schließlich war ja auch die Rettung der alten, bekannten, politisch schon belasteten „Führerpersönlichkeiten" für das Parlament der Zweck der Uebung! Sammlung mit Krach. In der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" schreibt der long- jährige Privatsekretär Stresenmnns, Henry Bernhard, gegen die Deutsche Staatspartei. „Diese Parteigründung ist nicht im Sinne und Geiste Stresemanns. Denn Sttefemann hätte nie und nimmer— trotz aller Schwierigkeiten und Bitternisse, die er in und von seiner Partei erlebt hat— diejenigen starken Kräfte oerlassen, die in der Volkspartei in wahrhaft liberalem Sinn und Geist vorhanden sind." Die„Nationalliberale Correspondenz" veröffentlicht Erklärungen der Volksparteiler Prof. Kahl,.Curtius und Dingeldey, daß sie zu Unrecht mit der Deutschen Staatspartei in Verbindung gebracht würden. Dr. Koch- Weser veröffentlicht eine sehr lange Erklärung gegen die gestrige Erklärung der„Nationalliberalen Correspondenz", in der er sich auf eine Unterredung mit Stresemann neun Tage vor seinem Tode beruft und sich gewissermaßen ol» Vollstrecker des letzten Willens Stresemanns zu erkennen gibt. Die neue Partei ist zwar noch nicht richtig fertig, aber der Krach um sie ist schon ganz schön im Gangel LlSA. gegen LlSSR. Vergeblicher Protest gegen das Löschverbot. Wnshingto», SS. Juli. �Eigenbericht.) Di« zwei Schiffe, deren russische Ladung zu löschen verboten ist, liegen im New-Yorker Hafen unter strenger Bewachung der Zollbehörde. Alle Versuche der Sowjet» Handelsvertretung Atntorg um eine Aufhebung des Ver» bots sind ergebnislos geblieben. Weitere 32 Schiffe mit Fracht aus Rusiland find unterwegs nach Häfen der USA. Auch für sie wird voraussichtlich ein Ausladeoerbot er- gehen.mit der Begründung, daß die Einfuhr von War«, die von Sträflingen und ZwangSarbeitern hergestellt ist, der amerikanischen Zollgesetzgebung widerspreche. Die Sowjethandelsvertretung in New Bork versichert dem» gegenüber, dag die Ware weder von Sträflingen noch von Zwangsarbeitern hergestellt wurde; Glauben hat sie jedoch nicht gefunden. Man behauptet, sie hätte wieder- holt Erklärungen abgegeben, die sich dann als unwahr erwiesen. Die Sowjethandelsvertretung Ihat mit scharfen Gegen- maßregeln der Sowjetunion gedroht, jedoch erfolglos. Hintergründe des Streites. New Bork. 29. Igli. Zu den Vorschlägen in den letzten Tagen über die Handelzpolitik Rußland gegenüber schreibt.Gerald and Tribüne", die Sowjet- rogierung habe selber schuld, wenn die politische Opposition gegen das Sowjetregime und die wirtschaftliche gegen seinen Handel mit- einander verquickt würden. So lächerlich auch ixe Beschuldi- gungen des Polizeichefs a. D. Wholen gegen die Amtorg seien, so hätten doch die Vereinigten Staaten allen Grund, gegen die Sowjet- Vertreter Verdacht zu hegen. Der Vorschlag, unter politischen Gesichtspunkten allen Handelsverkehr mit der Sowjetunion obzu- brechen, könnte schon empfohlen werden, auch wenn die Gründe, die der Gewerkschaftsführer Woll, Präsident der Fede- ration of Labvur, vorgebracht habe, nicht stichhaltig feien. Allerdings könne die Ausführung des Aünsjahrcs-plan» eine solche Bedrohung der Lebenshaltung der breiten Massen anderer Länder sein, daß die gegenwärtigen Zolltarifgesetze für Mt Vereinigten Staaten nicht ausreichen und man andere Maßnahmen ergreifen mußte.„World* sagt, daß Woll nicht nur ein erbitterter Sowjetgegner, sondern auch«in fanatischer Hochschutz- Zöllner sei. Die gegenwärtige Agitation gegen die Einfuhr russischer Erzeugnisse konune in der Hauptsache aus den Kreisen der Arbeiter und kleineren Fabrikanten, während Großindustrie und Großbanken mit der gegenwärtigen Hetze' gegen die Amtorg nicht einverstanden seien. Ueberhaupt stehe die Antipathie der Vereinigten Staaten gegen Rußland in scharfem Gegensatz zu dem Verhalten seiner Handelsrivalen: Deutschland, England Frankreich und Italien pflegten den Handel mit der Sowjetunion und ihr Handelsverkehr mit Rußland st e i g« ständig, während der amerikanisch« zurückginge, obwohl jene Länder durch den russischen Kommunismus mehr beunruhigt sein dürften als die Vereinigten Staaten. Moskauer Aeußerungen. Moskau, 29. Juli.(Ost-Expreß.) Mit steigender Besorgnis und Entrüstung oerfolgt die Sowjet- presse die amerikanische Aktion gegen die russische Einfuhr und damit gegen die Sowjetunion selbst. Di« Moskauer Presse wettert gegen die„wildgewordenen Provokateure*, womit die Mit- glieder des amerikanischen Untersuchungsausschusses gemeint sind. Rädel, der ja schon seit längerer Zeit sehr bemüht ist. seine frühere Opposition durch besonderen Uebereifer gutzumachen, richtet in einem langen Artikel an den amerikanischen Untersuchungs- ausschuß in pathetischem Ton die Frage, ob der amerikanische Kapi- talismus denn wirklich die großen Verluste ruhig hinnehmen wolle, die ein Abbruch der Wirtschaftsbeziehungen mit sich bringen müßte. Die offiziösen„Jswcstija* bringen mit Anspielung auf den Namen des Vorsitzenden des amerikanischen Untersuchungsausschusses Fish eine satirische Zeichnung, die eine Schüssel mit einem ge- kochten Fisch darstellt, dessen üble Ausdünstung die Umstehenden veranlaßt, sich die Nasen zuzuhalten. Der ganze Ton der Presse verrät indessen nicht nur Zorn, sondern auch die Befürch- tung, daß die Beziehungen sich noch weiter verschärfen könnten. (Was ja inzwischen durch das Löschverbot geschehen ist. Red.) Gkanbalmacher im Llnterhaus. Aach der Affäre Beckeii der Katt(Sandham. Die Konkurrenz um die Landstimmen. Schiele beim Landvolk. Wie die„Landvolk-Nochrichtcn" erfahren, hat der Partei- ausschuß der Landvolkpartei am Dienstag nachmittag be- schlössen, mit der Konservativen Volkspartei eine ge» m« i n j a m e R e i ch s l i st e unter dem Kennwort„Deutsches Landvolk(Christlich-nationale Bauern- und Landvoltpartei)* aus- zustellen. Wie die„Landoolk-Nachrichten" weiter hören, hat sich Minister Schiele der Landvolkpartei angeschloffen. Auch Hugenberg preist an. Die deutjchnationol« Pressestelle veröffentlicht die folgende Kon- lumnznotiz gegen die Landvolkpartei: Gegenüber irreführenden gegnerischen Darstellungen sei fest- gestellt, daß die Zahl der landwirtschaftlichen Berufsoertreter innerhalb der deutschnationalen Reichstagssraktion auch nach der Absplitterung der Gruppe Westarp noch genau so groß ist, wie die gan.ze bauernparteiliche Fraktion. Von den bisherigen Ab- geordnetem der deutschnationalen Reichstagssraktion stehen nach wie vor in klarer Gefolgschaft zur Deutschnationalen Volkspartei nachstehende landwirtschaftliche Berufsvertreter: Dr. Agena, Vor- sißender des ostsriesischen Landbundes; 2. Graf zu Eulenburg, Ostpreußen: 3. Hofbesitzer Gern-, Schleswiq-Holstein: 4. Ritter- gutsbesitzer v. Goldacker, Vorsitzender des Prooinzial-Landbundes der Provinz Sachsen: 5. Landwirt Haag, Württemberg:(5. Hofbesitzer Soft), Schleswig-Holstein: 7. Rittergutsbesitzer Stubben- dorsf: 8. Gutsbesitzer Weg«, Mitglied des Bundesvorstandes des Reichs kmdb-undes: 9. Joh. Wolf(Stettin), Borsitzender des Reichs- landarbeiterbundes. Weiter kamint hinzu eine ganze Reihe von Abgeordneten, die ohne Berufslandwirte zu sein, der Landwirt- schast sehr nahe stehen und den örtlichen Landbünden ihrer Bezirke angehören. Die Zahl der Bmifslandwirte in der deutschnationalen Landtagssraktion beträgt 23. Wer ist min der allein wahre Jakob für das Landvolk? Der Ständige Ausschuß einberufen. Entscheidung über die Grenzen seiner Zuständigkeit. Der Ausschuß des Reichstags zur Wahrung der Rechte der Voltsvertretung gegenüber der Reichsregierung ist auf Mittwoch, 6. August, nachmittags zu einer Sitzung berufen. Ais wichtigsten Punkt der Tagesordnung wird der Ausschuß die Frage behandeln, ob er befugt ist, Verordnungen der Rc- g i e r u n g auf Grund des Artikels 48 aufzuheben. Zlußerdem steht auf der Tagesordnung der Ausschuhsitzung ein Antrag des R« i ch sm i n st e r i u m s des Innern wegen Aushebung der Jmiiiunität des kommunistischen Abg. Schneller. Gegen diesen schwebt ein Hochverratsverfahren. Der Reichsminister des Innern nimmt am daß, wie der Reichstag das Recht hat, die .Immunität eines Abgeordneten aufzuheben, auch der Ausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung die Immunität eines Ab- geordneten, der zu den beiden ständigen Ausschüssen, dem Auswar- »igen Ausschuß und dem Ausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung gehört, aufheben kann. Auch diese Frage ist um- stritten, und der Ausschuß wird darüber zu entscheiden haben. Auftöfungsgerüchie in Thüringen. Die Nazis trauen ihren Koalitionsbrüdern nicht mehr. Weimar, 29. Juli(Eigenbericht). - Di«„Allgemeine Thüringische Landeszeitung" veröffentlicht unter dem Taitel„Regierungskrise in Weimar" einen Artikel, in dem es heißt, daß gewisse Kreise mit dem Gedanken spjelen, mit der Wahl zum Reichstag auch zmn Landtag neu zu wählen. Der Gedanke sei zuerst auf dem Gautag der Rational- sozialisten in Gera laut geworden. Man Hobe dort den Gedanken aufkommen lassen, daß es vielleicht bald zu einem Bruch der Koalition kommen könnte und zwar wegen der Abstimmungs- ergebniffe über die Mißtrauen-anträge der Sozialdemokratischen Partei gegen Frick und Marschier und der Stellung der Volkspartei zu diesen Anträgen. Die«Landbundzeitung", das Organ des Ministers Daum, widerspricht den Gerüchten, wonach die Tage der thüringischen Re- gierung gezählt seien, erklärt aber gleichzeitig, daß es durchaus nicht unmöglich erscheine, daß es in Anbetracht der finanziellen Schwierigkeiten, die infolge der Sperrung der Polfzeizu- fchllsie zu verzeichnen seien, zu ernsten Meinungsverschiedenheiten im Kabinett komme und eine Krise herbeigeführt werde. Thüringer Kabinettfchung in Garmisch. Weimar, 29. Juli(Eigenbericht). Der thüringische Wirtschasts- und Iustizminister D r. Kästner, der gegenwärtig die in Urlaub befindlichen Minister Frick und Baum, vertritt, hat sich nach Garmisch in Oberbayern begeben, wo eine Zusammenkunft der drei thüringischen Minister stattfinden soll. Zweck der Reis« ist eine Aussprach« über das vorläufige Urteil des Staotsgerichtshofes in dem Streit um die gesperrten Reichsgelder und über die dadurch geschossene Lage. Mi- »ist er Dr. Kästner von der Wirtschaftspartei soll die Auffassung vertreten, daß in der Streitsache eine Verständigung mit dem Reiche herbeigeführt werden müsse, bevor der Staats- gerichtshof sein Urteil fällt. Frick ist damit nicht«inverstanden. Er will, daß der Staatsgerichtshof sich für oder gegen Thüringen ent- scheinen soll. Sirafanirag Brauns. Gtgen den Landvolkfchimpfbold Hamkens. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der p r e u- ßische Ministerpräsident Dr. Braun auf Grund eines Beschlusses des preußischen Staatsministeriums gegen den Landwirt Wilhelm Hamkens aus Tetenbüll, den Führer der Landvolk- Bewegung, Strafontrag wegen wiederhol ter grober Be- leidi gungen gestellt. Die Cniführutigsaffäre Scheichod. Verfahren gegen Schmidt eingestellt. Hamburg, 29. Juli. Zu dem Strafverfahren, das gegen den Derutra-Angestellten Schmidt wegen angeblicher Entführung eines Minderjährigen eingeleitet wortien war, teill die.Hamburger Justizpreffestelle mit: Durch die Ermittlung ist nicht erwiesen, daß die Ausreise des jungen Scheichad noch Rußland durch den Beschuldigten Schmidt oder eine andere Person veranlaßt worden ist. Es ist viel- mehr anzunehmen, daß Scheichad selbständig gehandelt hat. Der Haftbefehl gegen Schmidt ist daher aufgehoben und das Strafverfahren eingestellt worden. � � London, 29. Juli.(Eigenbericht.) Robert S. Doung, der im Unterhaus den Wahlkreis Rorth-Jslington vertritt, hat seinen Austritt aus der Un- abhängigen Arbeiterpartei erklärt. Doung war einer der organisatorisch sähigsten und verdienst- vollsten Anhänger der JLP. Wenn er jetzt in die Reihen der Labour Party übertrstt und sein« alten Freunde verlassen hat. so ist dies ein nach außen deutlich erkennbares Merkmal sür den innerhalb der JLP. herrschenden Zwiespalt. Immer klarer schält sich in der JLP.-Fraktion eine gegen die Führung Max- t o n s gerichtete Mehrheit heraus, die sich au- den fruchtlosen Nörgeleien an der Labour Party und mit den Disziplin- losigkeiten im Unterhaus keinen Vorteil für die Arbeiterbewegung verspricht. Dos sind auch die Gründe, die V°ung dazu bestimmt habe», das Tischtuch zwischen sich und der JLP. zu zerschneiden. Die JLP., so erklärt Doung, Hobe die Pflicht zur Loyalität und er bedauere aufs tiesste ihren unbrüderlichen, feindlichen und nichlsoziolen Geist gegenüber der Labour-Re- g i e r u n g. Die Führung der JLP. scheine es völlig darauf an- gelegt zu haben, die Arbeiterbewegung zu diskreditieren. Das sei unverantwortlich. So schwer ihm auch der Entschluß gefallen sei, das Verhalten der JLP. könne er nicht mehr länger durch seine Mitgliedschaft decken. Man mag zu den Ansichten und der Haltung der JLP. stehen wie man will. Es ist unter Maxtons Führung«ine Taktik ünd eine Art in der Unabhängigen Arbeiterpartei hochgekommen, die höchst bedauerlich ist, weil sie die gesamte englische Arbeiter- bewegung diskreditiert. Der Fall Beck et t zeigte bereits, wo- hin die Disziplinlosigkeit und die falsch verstandene Bewegungs- freiheit der JLP. führen mußte. Jetzt ist ein Fall Sandham hinzugekommen. Dieses Mitglied des Unterhauses und der JLP. verstieg sich in Manchester im Verlauf einer ILP.-Konferenz zu den Worten:„Mitglieder der Labour-Party laufen besinnungeios betrunken iin Unterhaus herum und lassen sich von Kapitalisten und anderen Interessenten bestechen.* Diese aus den F i n- gern gesogene Behauptung Sandhams hat«inen Sturm der Entrüstung nicht nur bei der Labour Party, sondern auch bei den bürgerlichen Parteien und in der gesamten Press« hervor- gerufen. Die Worte Sandhams sind eine einzige Lüge und von allen Seiten wird Sandham aufgefordert, Namen zu nennen und Beweis« zu erbringen. Als aber Sandham am Montag im Unterhaus bei einer offiziellen Anfrag« eines bürgerlichen Abgeord» neten Rede und Antwort stel)en sollte, war sein Abgeordnetensitz leer. Am Dienstag nachmittag war aber Sandham anwesend und er pcrlos nochmals seine in Manchester gehalten« Rede. Mehrmals rief ihn der Präsident zur Ordnung. Als Sandhain trotzdem mit der Verlesung seiner 3kd« fortfahren wollte, wurde«r von M a x t o n gebeten, sich der Ordnung zu fügen. Sandham schloß mit den Worten, er stehe zu jedem seiner Worte. Dayn mußt« Sandham dem parlamentarischen Brauch gemäß den Sitzungssaal verlassen. Er tat es, von den Zurufen aus allen Par- teien: Beweise, B e w e is e! begleitet.' Da ein konservativer Abgeordneter den Antrag eingebracht hatte, Sandhqm zurVerantwort u n g zu ziehen, mußte der Minister- Präsident Stellung nehmen. M a c d o n a l d tat es, indem er er- klärte, Sandham habe seine Worte nicht zurückgezogen und auch keinen Beweis für fein« Behauptungen geliffsrt. Deshalb müsse ihm hierzu'vor dem verfassungsmäßig bestimmten Paria- m en t s a u s fchu ß Gelegenheit gegeben werden. B a I d w i n und Lloyd George unterstützten Macdonald und. sagten, es handele sich nicht. nur um die otm. Sandham schwer beleidigten Mitglieder der Arbeiterpärtei, sondern auch um die Würde und das Ansehen des Parlamentes. Zum Schluß der Debatte wurde ein An. trag Macdonolds auf Einberufung des zuständigen Untersuchungs- ausschusses mit 419 Stimmen gegen acht Stimmen der engeren Freund« Sandhams(darunter Beckett) angenommen.- Der Ausschuß, vor dem sich Sandham jetzt wird verantworten müssen. hat nach der Verfassung st ro f r i ch t e rli ch e Gewalt. Auch der Fall Sandham zeigt, welcher Geist in der JLP. ein- gezogen ist. Es ist eine Art des polittschen Kampfes und des Bruderzwistes, die in ihrer priesterhaften Selbstüberhebung nicht nur unerträglich für die Arbeiterbewegung, sondern auch der JLP. selbst, wie der Austritt von Doung zeigt, nicht bekömmlich sein dürfte. Die JLP. Hot Wege beschritten und einen Boden erreicht, auf dem in England wenig Früchte zu ernten sind. Die onglo-indische Konferenz. London, 29. Juli.(Eigenbericht.) In der Dienstagsitzung des Unterhauses erklärte Maedonald, die Regierung habe beschlossen, die britische Delegation zur kommen- den englisch-indischen Konferenz aus je drei oder vier Mitgliedern aller englischen Parteien zusammenzusetzen. Die Regierung werde sich jedoch in ihren Entschlieszungon für die Konferenz volle Handlungsfreiheit vorbehalten. Kanada Hai sonservativ gewähli. Die Liberalen müssen nach LZ Jahren die Negiervng abgeben. Montreal. 29. Juli.(Eigenbericht.) Die kanadischen Wahlen haben der Konservativen TM tei«inen großen Erfolg und.zugleich die Majorität im kam- nM.den Parlament verschofft. Die Liberalen sind geschlagen und die Folg« ist, daß die seit 13 Jahren fast ununterbrochen im 2lmt befindliche liberale Regierung Mackenzie King zurück» treten muß. B e n n e l t, der konservative Führer, wird der künstige Ministerpräsident sein. Die Konservativen haben 134 Sitze errungen, dos sind 45 mehr als im alten Parlament. Die Liberalen sind von 123 auf 84 Mandate zurückgegangen. Die mit der eng- tischen Labour Party eng verbundene kanadische Arbeiter- parte! hat ihre bisherigen drei Sitze behaupten können. Die übrigen Mandat« oerteilen sich auf kleinere Splitterparteien. Fünf Wahlkreisergebnisse stehen noch aus. Klassenmäßig betrachtet ist der politische und soziale Unterschied zwischen den Konservativen und Liberalen sehr gering. Das. alte Parlament wurde aufgelöst wegen Meinungsoerschieden- heften über die Zweckmäßigkeit und die Höhe der Schutzzölle. Auch Kanada leidet unter der Wirtschaftskrise und der damst einher- schreiteist>en Arbeitslosigkeit. Ein neuer Zolltarif, den die liberale Regierung eingebracht hatte, wollte den englischen Waren die bisher üblichen Einfuhrvorteile gewähren. Die Konservativen waren jedoch unzufrieden und erklärten, zuerst komme Kanada, und dann erst das britisch« Imperium. Das war auch die Wahlparole. Die Wähler haben sich in ihrer Suche nach einem Ausweg au» der Wirtschaftskrise sür diese Porole und damit für eine konservativ« Regierung erklärt. Si« wird zwar nicht die kanadische Wirtschasts- kris« und nicht die Arbeitslosigkeit beseitigen, aber es beweist den Hang und Drang der britischen Ueberseeländcr noch größerer wirtschaftlicher Selbständigkeit. So betrachtet wird der Wahlausgang in Kanada und der Regierungswechsel einig« Be- deutung für die kommende britisch« Reichsk.'nserenz haben. Sex appeal? Salome-Otsch. Staatspartei tanzt vorHerodes---Otsch. Dolkspartei den Tanz der sieben Schleier. Herodes kann sich jedoch nicht entschließen, ihr das Haupt des Zochanaan--- Scholz zu opfern Auch eine Antwort an Kaas. Aus den Reihen des Zentrums. Llnangebrachte Drohungen. Ein Wort an das Zentrum. Vor» RudoU Breitscheid. Der Führer der Zentrumspartei, Prälat Kaas, und der preußische Landtagsabgeordnete Heß, der Vorsitzende der preußischen Zentrumsfraktion, haben am Dienstag auf einer Sitzung des Zentrumsparteivorstandes der Sozialdemokratie wieder einmal mit dem Bruch der preußischen Regierungs- koalition gedroht. Herr Kaas, so berichtet die„Germania", wies auf das seltsame Bündnis hin, zu dem sich die Sozial- demokratie im Reichstag mit Hugenberg, Hitler und den Kommunisten zusammengefunden habe, und wandte sich scharf dagegen, daß Ministerpräsident Braun und der Führer der sozialdemokratischen Landtagsfraktion, Heilmann, im Reichs- tag gegen das Kabinett Brüning gestimmt haben. Herr Heß erklärte es für einfach unerträglich, wenn der zum Teil ganz hemmungslose und vor allem innerlich.vollkommen unwahr- haftige Kampf so weiter gehen solle, wie er jetzt von der Sozialdemokratie gegen das Zentrum und den Reichskanzler Dr� Brüning geführt werde.„Wenn die Sozialdemokratie nicht endlich zu einer grundsätzlichen Aenderung ihrerKampfesart nicht nur, sondern auch ihrer ganzen politischen Arbeitsmethode zu kommen vermag, wird eine Zusammenarbeit mit ihr zur Unmöglichkeit." Wir haben ähnliche Warnungen schon bald nach der Bil- dung des Kabinetts Brüning vernommen, als die Sozial- demokratie gegen die neue Regierung in eine selbftverftänd- liche Opposition trat. Sie sind dann allmählich wieder ver- stummt, da das Zentrum wohl einsah, daß es die Sozialdemo- tratie von dem Wege ihrer politischen Pflicht nicht abbringen könne, und daß außerdem die gegen uns erhobenen Bor- würfe der Illoyalität völlig unberechtigt seien. Jetzt vor den Wahlen werden die Drohungen in womöglich noch ver- schärftem Tone wiederholt. Was will man eigentlich von uns? Es scheint uns reich- lich weit zu gehen, wenn Herr Kaas zwei sozialdemokratischen Mitgliedern des Reichstags, die gleichzeitig eine politische Rolle in Preußen spielen, einen Vorwurf daraus macht, daß sie der Parole ihrer Fraktion gefolgt sind. Als Reichs- tagsabgeordnete hatten sie so zu stimmen, wie es die Verhältnisie im Reich, für deren Entwicklung wir nicht die Verantwortung tragen, erfordern. Und es ist— wir müssen schon ein hartes Wort gebrauchen— eine Anmaßung des Zentrumsführers, wenn er einzelnen unserer Parteifreunde Vorhaltungen wegen ihres politischen Der- Haltens macht. Kaum ernst zu nehmen ist die weitere Anklage, wir hätten uns mit Kommunisten, Nationalsozialisten und Herrn Hugenberg verbündet. Wir haben uns gegen die Vorlagen der Regierung gewandt und haben die Aufhebungen der Verordnungen beantragt, ohne danach zu fragen, welche Stellung andere Parteisn einnehmen würden. Wenn die Gruppen der äußersten Rechten und der äußersten Linken uns gefolgt find, so ist das ausschließlich ihre eigene Angelegenheit gewesen. Wir haben nicht um deutschnationale Stimmen geworben. Aber geworben haben um sie mit Worten sowohl wie mit Taten die Regierung und ihre Parteien, und wenn solche Bemühungen Verurteilung verdienen, so fällt diese Kritik, auf das Kabinett Brüning zurück. Daß seine Anstrengungen keinen Erfolg hatten, geht uns nichts an. Und wie ist es bei- spielsweise bei der Amnestievorlage gewesen? Waren wir da etwa die Verbündeten der Kommunisten und der National- soziolisten oder waren es nicht die bürgerlichen Parteien ein- schließlich des Zentrums, die sich durch ein solches Zusammen- gehen in keiner Weise moralisch bedrückt fühlten? Nun aber die allgemeiner gehaltenen Angriffe des Herrn Heß. Von einem hemmungslosen und innerlich unwahrhafti- gen Kampf ist da die Rede. Die Sozialdemokratisä)« Partei will eine derartige Form des Kampfes sicher nicht. Aber auch diesmal scheint es wieder so zu sein, daß das Zentrum jede Kritik, die ihm nicht paßt, als hemmungslos und innerlich unwahrhastig bezeichnet. Es kann es nicht ertragen, daß wir Front gegen ein Kabinett machen, dessen Grundgesetz das Regieren ohne die Sozialdemokratie war und das geradezu zwangsläufig in die Bahn des Regierens gegen die Sozialdemokratie und gegen die Arbeiterschaft gedrängt worden ist. Es empfindet es als unerträglich, daß wir die Anwendung des Artikels 48 als einen zur Genugtuung der Verfassungsgegner unternommenen Vorstoß gegen die Grund- lagen der parlamentarischen Demokratie kennzeichnen. Kein Unbefangener wird bestreiten können, daß s die Sozialdemokratie bis an die Grenze des ihr Mög- l i ch en gegangen ist, um das Verlassen der geordneten parlamentarrschen Bahnen zu verhindern. Wir haben uns zur Mitarbeit an der Finanzreform angeboten, aber man hat uns zurückgewiesen und man hat keinerlei auch nur balbwegs ernst zu nehmende Verhandlungen mit uns ange- knüpft. Man konnte es nicht, und man durste es nicht. Denn der Sinn der Regierung Brüning war der. die Sozialdemo- tratie in eine hostnungslose Opposition zu drängen. Das hat zu allem Ueberfluß, ohne Widerspruch zu finden, das Organ des Ministers Treviranus vor wenigen Tagen deutlich genug ausgesprochen... � Unsere Aufgabe ist es. zetzt dafür zu sorgen, daß am 14. September aus der Minderheit BrüningskeineMehrheitwerde. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir unsere ganze Kraft anzuspannen, und daraus ergibt sich von selber die Notwendigkeit der Abrech- nung mit den Parteien, die die Regierung bisher unterstützt haben oder ihr im neuen Reichstag zu einer Majorität verhelfen sollen. Rücksichten auf die Au fr echterhal- tung der Koalition in Preußen tonnen uns dabei nicht hindern. Wir wünschen, daß sie bestehen bleibt. Aber niemand kann von uns erwarten, daß wir um dieses Zweckes willen den Kafripf im Reiche dämpfen und uns so mitschuldig an der Weiterführung eines Systems machen, das wir aus st a a t s r e ch t l i ch e n sowie aus allgemein politischen Gründen für Verhängnis- voll erachten. Wir sähen es nur gern, wenn allen Stellen im Reich an der Fortdauer erträglicher Beziehungen zwischen den preußischen Regierungsparteien ebensoviel gelegen wäre wie uns. Daß das leider nicht der Fall ist, hat schon die Art und Weise bewiesen, wie der Hindenburg-Brief an den preußischen Ministerpräsidenten zustandegekommen ist. Die Auseinandersetzungen mit dem Zentrum, die uns aufgezwungen sind, wollen wir sachlich führen. Aber wenn man Drohungen gegen uns ausstößt, so wird unsere Absicht dadurch nicht erleichtert. Und schließlich wird es nicht, wie Herr Heß sagt, die sozialdemokratische Kampfesart sein, die „jeden großgedachten'demokratischen Staatsgedanken für-die Das Zentrum möchte durch Drohungen die Sozialdemokratie verhindern, in diesem Wahlkampf die Wahrheit über die Brüning-Politik zu sagen. Inzwischen aber klingt sie ihm schon aus den eigenen Arbeiterreihen sehr deutlich in die Ohren. Da tagten am Sonntag zum Beispiel in Duisburg unter dem Vorsitz des Zentrumsabgeordneten Schlack die Vertreter der christlichen Konsumvereine. Dies«— sämtlich Zentrumsanhänger— nahmen eine Protestentschließung gegen die von Brüning und Stegerwald geführte Reichs- re gierung an, in der es heißt, daß es unverständlich sei, die Konsumgenossenschaften, deren historische und soziale Aufgabe die Preisvegulicrung ist, durch Sonder- und Umsatzsteuern zu belasten.„Der Genossenschaftstag 1930 fordert mit allem Srnsle die Reichsregierung und den kommenden Reichstag aus. dieses Unrecht der Sonder-Umsahsteucr umgehend zu Gegenwart zerschlägt und für die Zukunft in Frage stellt", sondern die Demokratie wird bedroht von denen, die b e- wüßt die Sozialdemokratie ausschalten wollen und im Reich und in Preußen den Anschluß an die Rechte suchen. Die Erklärung von Heß. Der erweiterte Parteivorstand des Zentrums hielt am Diens- tag eine Tagung in Berlin ab. Der erst« Vorsitzende, Prälat Kaas, hielt»ine programmatische Wahlrede, die die Politik des Kabinetts Brüning verteidigte und zugleich heftige Angriffe gegen die Sozial- demokratie enthielt. Er kritisierte, daß Ministerpräsident Braun und der Führer der sozialdemokratischen Landtags- fraktion, Heilmann, im Reichstag gegen das Kabi- nett Brüning g e st i m in t haben. Nach der Rede des Parteiführers Kaas nahm Abg. Heß, der Borsitzende der preußischen Zentrumssraktion, das Wort zu folgen- der Erklärung: „Die Ausführungen des Herrn Parteivorsitzenden im allge- meinen, besonders aber feine Ausführungen über die intimen Wechselbeziehungen zwischen der Deutschen Zentrumspartei einer- seits und der Preußischen Zentrumspartei und ihrer Landtags- fraktion andererseits decken sich vollständig mit meiner Ausfassung. Wie ich das schon am 11. Mai d. I. auf dem Parteitag der Preußischen Zentrumspartei getan habe, so möchte ich auch heute mit allem Ernst und allem Nachdruck darauf aufmerksam machen, daß es sür die preußische Zentrumsfraktion einfach unerträglich ist, wenn der zum Teil ganz hemmungslose und vor allem inner- lich vollkommen unwahrhaftige Kampf so weitergehen soll, wie er jetzt seitens der Sozialdemokratie gegen das Zentrum und den Reichskanzler Dr. Brüning geführt wird. Darüber habe ich übrigens beim Herrn preußischen Ministerpräsidenten frühzeitig genug jeden Zweifel ausgeräumt. Wenn die Sozialdemokratie nicht endlich zu einer grundsätzlichen Aenderung ihrer Kampfesart nicht nur, sondern auch ihrer ganzen politischen Arbeitsmethode zu kommen vermag, wird eine Zusammenarbeit mit ihr zur Unmög- lichkeit. Dann hat sie es aber auch nur sich selbst zuzuschreiben, wenn jeder großgedachte demokratische Staatsgedank« für die Gegenwart zerschlagen und für die Zukunft in Frag« gestellt wird." Die Sitzung des Parteivorstondes des Zentrums fand schon in den frühen Rochnittagsstunden ihren Abschluß. Im Anschluß daran fand eine vertraulich« Sitzung des engeren Partei- Vorstandes statt. Nach Kaas und Heß hielt Reichskanzler Brüning«ine aus- gesprochene Wahlrede gegen die Sozialdemokratie, die die Schuld an der gegenwärtigen Situation auf die Sozialdemokratie abzuwälzen versuchte— mit jenen bekannten Verrenkungen der Tatsachen, deren sich die Regierung bereits in ihren ersten, von Unwahrheiten strotzenden Wahlaufruf befleißigt hat! Oer FaN Isolde Retter. Mißhandlungen zugegeben— aber wie? Belgrad, 29. Juli. Die jugoslawisch-offiziöse Agentur Avals erklärt, daß sie im Hin- blick auf tendenziöse(!) Meldungen einiger ausländischer Blatter über die Vorgänge bei der Verhaftung von Fräulein Isolde Reiter in Groß-Besthkerek zu folgender Mitteilung ermächtigt fei:! „Die auf Anordnung des Ministerpräsidenten angestellt« Unter- I beseitigen. Unser Reichsverband und seine' Genosscnschosten werden im Interesse der angeschlossenen Familien nicht ruhen und rasten, bis dieser unserer gerechten Forderung entsprochen worden ist." Die Regierung Vrüning-Stegerwatd und sämtliche Zcn> trumsabgeordncte haben dieses Unrecht der Sonder- Umsatzsteuer beschlossen! Nur Herr Schlack machte«ine Ausnahme, nachdem er vorher noch dem Reichstag und damit der Oeffentlich- keit versichert hatte, daß diese Regierung die reaktionärste seit der Revolution seil Wir empfehlen den Herren Kaas, Brüning und Heß, ihren Partei- freunden von den christlichen Konsumvereinen zu untersogen, daß sie fernerhin die Wahrheit über oi« Regierungspolitik des Zen- trums-Brüning aussprechen! suchung hat ergeben, daß die Organe der städiischen Polizei einige Verstöße(!!) begangen haben. Die dafür verantwort- lichen Beamten werden entlassen werden." » Diese im Auftrage der jugoslawischen Regierung erlassene Er- klärung ist ein« Dreistigkeit. Die angeblich„tendenziösen" Meldungen waren nichts anderes als eine detaillierte Schilderung durch die deutsche Schriftstellerin Isolde Reiter von der mittelalterlichen Folter, der sie durch die jugoslawischen Behörden ausgesetzt worden war, um sie zu„Geständnissen" über hochverräterische Umfriede der deutschen Minderheit in Jugoslawien zu zwingen. Der Bericht der Mißhandelten war so genau, daß gor kein Zweifel an seiner Richtigkeit besteht. Der Reichsverband der Deutschen Presse hat in einer Eingabe an den Ministerpräsidenten Z i v k o v i t s ch gegen diese barbarischen Mißhandlungen einer oben- drein unschuldigen Schriftstellerin Protest erhoben. Jetzt gibt die Belgrader Diktatur-Regierung„einige Verstöße" zu, versucht aber den Eindruck zu erwecken, als handle es sich um aufgebauschte Bagatellen. Wünscht sie etwa, daß die Angelegenheit vor den Völkerbund gebracht werde, damit die zivilisierte Welt erfahre, auf welcher Kulturstufe jugoslawische Behörden stehen? Oeuisch-poltrisches Abkommen. Zur Vermeidung weiterer Grenzzwischenfälle. WTB. meldet: Die bedauerlichen letzten Zwischenfälle an der deutsch-polnischen Grenze, von denen einige sogar Verlust« von Menschenleben zur Folge hatten, haben zu einer Bereindarung zwischen der deutschen und der polnischen Regierung über eine ge- meinsame abschließende Prüfung des Tatbestandes durch ju einen Delegierten der beiden Außenministerien geführt. Bei den Verhandlungen der Delegierten ist der gesamte Sachverhalt ein- gehend erörtert worden. Ein Teil bisher strittiger Punkte konnte dabei geklärt werden. Eine volle Uebereinstimmung über olle Einzelheiten ist aber nicht erzielt worden. In Verfolg dieser Prüfung und im Interesse der nachbarlichen Beziehungen haben sich die beiden Regierungen nunmehr über folgende Punkte geeinigt: soweit auf der einen oder anderen Seit« Strasversahren«ingeleitet sind, werden die beiden Regierungen sich gegenseitig dos sür die Aufklärung der Fälle sachdienliche Material, insbesondere Zeugen- aussagen, mitteilen und den zuständigen Behörden zur Berück- sichtigung bei diesen Versahren überniitteln. Dies gilt insbesondere für den Zwischenfall von P r o st k« n, zu dem die polnische Regie- rung neues Material zur Verfügung gestellt hat. Die sich im Laufe der verschiedenen Verfahren ergebenden totsächlichen Feststellungen werden die Regierungen einander zur Kenntnis bringen. Außer- dem haben sie Maßnahmen getroffen, um einer Wiederholung solcher Zwischrn- sälle vorzubeugen. Insbesondere ist den beiderseitigen Grenzbcamten die Ueberschreitung der Grenze ohne besonderen Dien st austrag und ohne vor- heriges Einvernehmen mit den Grenzbehörden des anderen Teiles grundsätzlich verboten worden: auch sind sie angewiesen worden, bei Beobachtung der Vorschriften über den Grenzverkehr jede unnötige 5)ärte gegenüber der zivilen Bcvöltening zu vermeiden. Wahlkampf/ Gewerkschastskampf. Gewerkschafter wählen nur Sozialdemokraten. vom vezirkssekrekarial des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes für Berlin. Brandenburg und die Greuzmark wird mitgeteilt: Das Vezirkssekretariak des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaflsbundes für Verlin-Brandenburg-Grenzmark Posen- westpreufjen hatte zu Montag eine Gauleiterkonferenz nach Verlin einberufen. Genosse Hermann Müller vom Bundesvorstand des ADGB. referierte über..Die Gewerkschaften und die Reichstags- wählen". Er wies besonders auf die sozialpolitische B e- d e u t u n g gerade dieser Wahl hin. Nachdem die sozialdemokratischen Minister in mühevoller Arbelt durch Annahme des Poung-Plans die Rheinlandbefreiung erreicht und so die außenpolitische Lage bereinigt halten, rüstete das Bürgertum zu einem Angriff auf die Lebenshaltung der Arbeiterschaft. Abbau der Leistungen in allen Teilen der Sozialversicherung sollte mit neuen Massenbelastungen zugleich durch- geführt werden. Die Gewerkschaften und die Reichstagsfraktion der Sozialdemo- tragischen Partei konnten Zugeständnisse in dieser Richtung nicht wachen, und so löste schließlich die Regierung den Reichstag,«och- Berlin und die Arbeitslosen. Berliner Arbeitslose sind zu berücksichtigen. Das Städtisch« Nachrichtenomt teilt mit: Dem Baukommissar der Stadt Berlin ist durch Deputationen von Arbeitslosen wiederholt die Mitteilung zu- gegangen, daß in dem Berliner Arbeitsgebiet trotz der außer- ordentlichen Arbeitslosigkeit, die auch im Baugewerbe herrscht, immer noch auswärtig« Bauarbeiter beschästigt werden. Da es für städtische Baustellen selbstverständlich ist, daß all« Unternehmer, die von der Stadt oder von städtischen Gesellschasten Austräg« erhalten, in erster Lini« Berliner Arbeiter zu beschäftigen haben und diese Bedingung auch in den Wertoerträgen vorgesehen ist. bedarf es wohl keines besonderen Hinweises, daß dies«.Nicht- linien auch eingehalten werden. Der Magistrat der Stadt Berlin hat durch ein Rundschreiben an die Bezirksämter und an di« städtischen. Gesellschaften ober nach einmal auf diese Bedingung hingewiesen und all« Dienststellen ersucht, sie streng- stens«inzuhalten. Die Rotlage verlangt auch, daß für dos Gebiet des Baugewerbes Arbeitskräste durch den Arbeitsnachweis in der Grolmonstraße angefordert werden, um eine Heranziehung der seit längerer Zeit arbeitslosen Bauarbeiter zu ermöglichen» In derSchwerinduftn'e wird verhandelt. Aussicht auf Verständigung? Bochum, M. Juli.(Eigenbericht.) In Essen wurden am Dienstag die Berhandlungen über Arbeitszeit und Lohn im Gebiete Nord- «est weitergeführt. Zu Beginn der Berhandlungen teilten die Unternehmer mit, daß sie auf di« geplante Kündigung des Lohn- tarifs verzichten wollten. Der Wortführer des Deutschen Metall- orbeiteroerbandes, das Vorstandsmitglied Reichel- Stuttgart, begründete die Notwendigkeit einer Arbeitszeitverkürzung mit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage sowie mit den Aus- Wirkungen der Rationalisierung und der durch sie bedingten Arbeitslosigkeit. Aus diesem Grunde müsse der DMV. seine alle Forderung auf die allgemeine Einführung des Acht- stunden tag es ausrecht erhallen. Daraufhin unterbreiteten die Unternehmer einen Dorschlag für die Neuregelung der Arbeitszeit, der kleine Verbesserungen vorsieht. Di« Vertreter der Gewerkschaften erklärten, daß sie diesen Vorschlag ihren Derhandlungskommissionen unterbreiten würden, von deren Stellungnahme die Entscheidung abhängig sei. Damit waren die Verhandlungen zunächst abgeschlossen. Am Dienstagabend nahm die Funktionärkonferenz des Deutschen Metallarbeiteroerbandes zum Vorschlage der Unternehmer Stellung, sie vertagte jedoch die Entscheidung aus Mittwoch. Auch die übrigen Gewerkschaften treten morgen zusammen. dem sie oersuchte, ihre Gesetze auf dem Verordnungswege durch- zubringen, auf. von dem Ergebnis des Wahlkampfes hängt vor allem die Gestallung der Lebenshaltung der Arbeiterschaft ab und darum ist es selbstverständlich, daß die Gewerkschaften zu aktivster Teilnahme am Wahlkampf ausrufen. Für den Gewerkschafter kommt nur die Wahl der sozialdemokratischen Liste in Frage, da keine andere Partei die Interessen der freien Gewerkschaften im verflossenen Reichstag vertreten hat. Vezirksfekretär vollmerhaus forderte alle Gewerkschafter auf. sich für die Wochen des Wahlkampfes zur Verfügung zu stellen. Genosse Krüger berichtete über technische Einzelheiten des kommenden Wahlkampfes. Die Konserenz zeigte eine einmütige h a l l u n g zu der Aussassung. daß dieser Reichstagswahl- kämpf auch ein Gewerkschaftskamps ist und demzufolge alle, die es mit der Gewerkschaftsbewegung ernst meinen, sich persönlich und materiell in den Dienst für die Erreichung eines günstigen Wahlresultats, d. h. die Stärkung der sozial- demokratischen Reichslagsfraktiou stellen müssen. Der Bor schlag des Arbeitgeberverbandes Nordwest lautet: Die Parteien des Tarifoertroges vereinbaren: 1. Die Kündigung der Regelung für Lohn und Arbeitszeit vom 21. Dezember 192L wird nicht ausgesprochen. 2. Die somit in Kraft bleibende Regelung der Arbeitszeit wird in folgenden Punkten vcr- ändert: Es verfahren an den sechs Wochentagen eine Arbeitszeit erstens vou 48 Stunden die Reparaturarbeiter in den Gas- und Gebläsezentralen, in denen die Hauptposten bereits in die 48stündige Arbeitszeit überführt sind, die Schlackenmeister der Hochofenwerke auf den Halden, di« Arbeiter der magnetischen Ausscheidungsanlagen und die Arbeiter der Tomasschlackenmühlen: eine Arbeitszeit von S2 Stunden die Beizer aller Art, soweit der Produktionsgang in den anschließenden Betrieben dadurch nicht beeinträchtigt wird, die Arbeiter der Preß- und Hammerwerke und die Arbeiter in den Federfabriken, die bisher 57 Stunden gearbeitet haben. 3. Für die von den vorstehenden Arbeitszeitverkürzungen betroffenen Arbeiter wird eine Neuregelung der Löhne werklich vorgenommen. In Streitfällen entscheiden die Vertragsparteien. Auch Schuhfabrikanten für Lohnabbau. tlmgekehrt wird ein Schuh daraus. Auch in der Schuhindustrie möchten die Unternehmer einen Lohnabbau vornehmen, obwohl die Löhne der Schuh- macher erst vor nicht langer Z-ib ausgebessert werden mußten, weil eine Erhöhung dringend notwendig war. So wurde aus der Hahrestogung des Reichsverbandcs der deutschen Schuhindustrie bei Erörterung der Tarissrage darauf hingewiesen, daß der Groß- Handelsindex für Schuhwerk von 1928 bis April 1939 um 16 Proz. zurückgegangen, der tarifliche Mindest- stundenlohn sür einen männlichen Arbeiter über 21 Jahre sn Orts- tlasse I dagegen um 9,2 Proz. gestiegen fei. Die Steigerung der Tariflöhne sei eingetreten, obwohl inzwischen der Lebenshallungs- index um rund 3 Proz. zurückgegangen sei. Durch diesen Rückgang des Lebenshaltungsindex habe die Kauskrast des Lohnes des Schuh- sobritarbeiters noch eine Erhöhung über die nominelle Lahnaus- besserung hinaus erfahren. Der starke Preisrückgang der Schuh- erzeugnisse berechtigte somit zu der Forderung einer Lohn- s« n k u n g. Ein höchst einfaches Rezept: der Preis ist zurückgegangen, also muß der Lohn herunter! Daß bei der Preisbildung noch einige andere Faktoren als der Lohn mitspiclew scheint den Schuh- fabrikonten gar nicht mehr geläufig zu sein. Wie steht es mit dein Häute- und Lcderpreis? Um wieviel haben die Preise durch die Zinsverbilligung nachgegeben? Um wieviel vor allem durch die R o t i o n a 1 i s i e r u n g s m a ß n o h m e n, die gerade in der Schuhindustrie sehr scharf durchgeführt wurden? Wenn wir nicht irren, dann ist di« Rationalisierung auch ein sehr starker j Zwang zur Intenflmenmg der Lrb«st und damit zur Mehr- l e i st u n g der Arbeiter. Wieweit, so darf man welter fragen, hat nun eben diese Steigerung der Produktivität Anteil an der Perbilligung? Und schließlich muß man wohl auch die Frag« auswerfen: wie lange haben denn die Schuharbeiter vorher warten müssen, bis endlich ihre Löhne— wenn auch ungenügend— aufgebessert wurden? Wie viel wurde in diesem Zeitraum auf Grund höherer Preis« verdient, ohne daß die Arbeiter davon profitierten? Eine Preissenkung bedeutet noch lange nicht unter allen Um- ständen ein Opfer für den Unternehmer! Wohl ober bedeutet eine Lohnsenkung ein solches Opfer für den Arbeiter. Daß von einer Stützung der Kaufkraft dieses Lohnes ernsthaft nicht gc- sprachen werden kann, sieht schon«in Laie, wenn er sich die Teuer»ngsfaktoren vergegenwärtigt, die in der jüngsten Zeit immer stärker und schärfer in Erscheinung getreten sind. Das Leben ist für den Arbeiter nicht billiger geworden. Der Per- stich, trotzdem durch einfachen Hinweis auf eine Preissenkung schematisch einen Lohnabbau fordern zu wollen, läuft vor allern in der Schuhindustrie auf einen glatten Betrug an den Arbeitern hinaus. Sabotage als Verzweiflungsakt. 3m rumänischen petroleumgebiet. Auf Grund des Beschlusses der rumänischen Petroleumgesell. schasten, die Produktion einzuschränken, wurden im Petroleum- gebiet des Prahooa-Tales Arbeiterentlassungen vor- genommen und weiter« Kündigungen in Aussicht gestellt. Wie Dimineatza meldet, oersuchten entlassene Arbeiter sich durch Sabotageakte zu rächen. Sic öffneten in Mislea die Leitungen eines Rohölreservoirs und steckten das ausfließende Oel in Brand. Bei der unglaublichen Rücksichtslosigkeit des Unternehmertum« gegen die Arbeiterexistenzen, die in Ländern ohne Arbeitslosen- Unterstützung durch Entlassungen um so schwerer betroffen werden, ist es kein Wunder, wenn gewerkschaftlich undisziplinierte Arbeiter auf derartige Berzweislungsakte verfallen, die ihr« Lage nur ver- schlimmeriu Die Unternehmer rufen Gendarmen herbei, ohne sich in ihrer Art der Arbeiterbehandlung beirren zu lassen. Brot für Arveiislose. Das tschechoslowakische Sozialministerium Hot sür Groß-Prag «ine staatliche Speisungsaktion für Arbeitslose und Kurzarbeiter ein- geführt. Gegen Anweisungen zu fünf Kronen dürfen Nahrungsmittel, wie Mehl, Brot, Fett. Kartoffeln und Zucker aus- gegeben werden. Jede Person, die sich um eine solche Anweisung bewirbt, muß der sozialen Zentralstelle eine Bestätigung der Gcwerkschaftsorganisation vorlegen, wonach sie van dieser keine Arbeitslosenunterstützung bezieht, und ebenso eine Bc- ftätigung des Arbeitsamtes darüber, daß ihre Bemühungen uni Beschästigung ohne Erfolg waren. 25 Lahre(Sewerkschastsredakteur. Der Redakteur des„Grundstein", Genosse Arthur S ch in i t, kann jetzt auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Gewcrk- schaft-presse zurückblicken. Bevor er im Jahre 1993 als Revakteur des„Töpjer", des Organs seiner damaligen Derufsorgamsotion. gewählt wurde, mußte sich S ch m i t im Töpferverband erst seine Sporen verdienen. Schon im Jahre 1895 fungierte er als Bor- sitzender der Agitationskommission der Töpfer der Provinz Brandenburg, von 1898 bis 1991 als Borsitzender der ZahlsteUc Betten. Er wurde dann als zweiter Zentraloorsitzender gewählt und als vier Jahre später die Redaktion des Berbandsorgans nicht mehr nebenbei versehen werden konnte, wurde Arthur S ch m i t Redakteur. Dieser Tätigkeit ist er treu geblieben. Bei der Schaffung des Deutschen Bougewerksbundes, in den der Töpserverbond auf- ging, wnrde Schmit Redakteur des„Grundstein", einer unserer größten Gewerkschaftszeitungen, mit über einer halben Million Auslage. Mögen sich den vielen Jahren seiner Tätigkeit in diesem Wirkungskreis noch recht viele anschließen, Die Zulassung vanzlg» zum Zukernakionaken Arbeitsamt be- schäftigt in den ersten Tagen des August den Haager Ständigen internationalen Gerichtshof. Bei den Verhandlungen wird da- Internationale Arbeitsamt durch seinen Direktor Albert Thomas oertreten werden. f Freie Gewerkfchafis-Lugend Verlin BegnifiaiKl-sei« der Meißener KoNrzrn im Gnorrkschoktshun». Snfltl- ufcr 24— 25, Saal 1, 20 Uhr. Zeigt«ur« Zerbundenhrit mit drn Äol» Iciicn durch imhlrrichr» Erschein«!,.— Irdrn Ritt wach spielrn dir Erirpvrn La»d«b«rgkr Platz und Zraakfurtri»I«« im lZrirdrichshain. Platz 4: Lichtenberg und Rlu.Lichtrnbrrg wirlt im Treptawer Park. Wirse z, um l« Uhr. — Rordlrci»! Wir spielen auf dem Sporiplatz im Sumdoldchain.— Sübasten, Treptower Part, Wiese 1, um 18 Uhr.— Heute. Mittwoch, 19 Uhr, tagen die chruppen:«aumschulenweg: Jugendheim Ernststr. 1«. Liederabend.— Schön- hauser Tat: Jugendheim Zehdenickcr Str. 24— 25. Bunter Abend.— Die Eruppen des Südkreise» tressrn sich zum ltreissvielabend um 18 Uhr i» Trep. tower Pars, Wiese 1. f t 3uoenporuvpe des Zentralverbandes der Angestellten ! Heutc. Mittwoch, findeb folgend« Veranstaltungen statt, Sesundbruuuen: Jugendheim Orthstr. 10. part.„Nartestpolitik und Arbeitnehmcrlchaft". Referent Heildrunn.— Eharlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Antikriegs- abend.— Schönhauser Varstadt: Jugendheim der Schule stastamenallee 81. ..Berliner Humor." Referent Hall.— vberspr«: Jugendheim der Schule Ber. Iii, er Str. 3!.— Rorbast: Jugendheim Daiuvger Str. 82 lBanxfe).„Die Entwicklung der Jugendbewegung." Referent Schäfer.— Stralau: Jugendheim der Schule Eosilerstr. öl.„Walt Whitman und sein Werf." Referent Lowinsli. — Reulölln: Jugendheim Böhmisch« Str. 1— 4, Ecke Kanner Strasic. Zwei Stunden Stegrrif-Politil.— Südost: Jugendheim Wrangelftr. 128. Rciseein- drücke aus Deutschland.— Spandau: Jugendheim Lindeuufer 1. Badeabend. Treffpunkt am Ruft.— Potsdam-Rawawe»: Jugendherberge in Ziowawes, Pricsterstraße. Jragckastei, abend.— Spiel und Spart ab 19 Uhr auf dem Sportplatz Fricdrichshain. Verantwortlich stlt Politik: Dr. CuH Seuet: Wirtschaft: ffi. Kliugelhöser: Eewerlschaftsbewegung: Ä«. Etzkoru! Feuilleton: K. H. Dölchee; Lofale» und Sonstiges: Fritz Karstädt: Andeiacn: Tb. slack«: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag S. m. d. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SD. 88, Lindcnstrasie t. Hie»,» 2 Beilage». Heilwirkendl Paehlnger Tersandslell«, Berlin STII SchSotberpr Str. 18«. Tel. Lfltxaw 8268-81 Paroleschuster Borsig. Auch er will die Gehälier kürzen. Unter der Führung der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeber. verbände gehen jetzt die Unternehmer daran, mit ihrer Ang«> stellten Politik, die sie jahrzehntelang betrieben haben, radikal zu brechen. Durch allerlei Knisse hat man die Angestellten einzureden versucht, daß sie etwas„Besseres" seien als die„gewöhn- Ii che» Arbeiter". Viele Angestellten sind auch darauf hereingefallen. Die Unternehmer haben jetzt die Parole ausgegeben, die A b- fatzstockung dadurch zn beheben, daß die Löhne gesenkt und also die Kaufkraft der Arbeiter noch weiter beschränkt wird. Dies« verrückte Idee soll nun auch schematisch auf die Angestellten angewandt werden. Auch den Angestellten sollen unter dem Vorwand einer gleichzeitigen Arbeitszeitkürzung die Gehälter gekürzt werden. Herr von B o r s i g, der bekanntlich nicht nur Vorsitzender des Verbandes Berliner Metallindustrieller ist, der dies« Methode der ttzehaltskurzung durchführen möchte, sondern auch gleichzeitig Vor- sitzender der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbänd«, fühlt sich verpflichtet, auchin seinemeigenen Betrieb die Paral« durchzuführen, die er ausgegeben hat. In einer vom Angestelltenrnt der Borsigwerke zu gestern abend einberufenen Versammlung teilte ein Dcrtreter des Herrn Borsig niit, daß infolge schlechten Geschäfts- ganges etwa 89 bis 299 Angestellte verkürzt arbeiten inüßten und dementsprechend eine Gehaltskürzung von 14 Proz. vor- genommen würde. Es fei auch möglich, daß E ntlaffu n gen stcttsmden würden. Da eine Vereinbarung mit dem Ange- strlltcnrat aussichtslos fei, würde die Firma mit den einzelnen Angestellten Sonderoerträge abschließen. Diese Sonderver- träge hielt der Vertreter des Vorsitzenden der Bereinigung der Deot- schon Arbeitgeberverbände nicht für te.rifwiürig! Gegen eine derartige Auslegung des Tarisrechts mich nur ein Wort zu verlieren, erübrigt sich wohl. Bemerkenswert ist an diesen Ankündigungen, daß die Arbeitszeitverkürzung, die angeblich wegen schlechten Geschäftsganges notwer.dig sein soll, nur eine kleine Minderheit der Angestellten betrifft, über deren Umfang sich Herr von Borsig und seine Direktoren offenbar selbst noch nicht klar sind, und daß man in diesem Zusammenhang offenbar die Möglich- kell der Entlassung als Pressionsmittel benutzt, um die Angestellten mürbe zu machen. Es ist ein grober Unfug, wenn behauptet wird, daß bei schlechtem Geschäftsgang die Arbeit der Angestellten ohne weiteres auch an Umfang zurückgeht. In rnelen Fällen bedeutet schlechter Ge° schäftsgang für di« Ange st eilten Arbeitshäufung. Wenn Herr von Borsig einer kleinen Minderzahl seiner Angestellten jetzt Arbeitszeitverkürzung und damit eine Gehaltskürzung von nicht weniger als 14 Proz. aufzuzwingen versucht, dann trägt er sich wahr- scheinlich mit der Absicht, in der verkürzten Arbeitszeit«ine Mehr- leistung herauszupressen oder anderen Angestellten die Ausführung der Arbeiten zu übertragen. Daß ganz besonders bei Zlngestclltcn eine derartige Aus- quetfchung der Arbeitskraft auf die Dauer sich sehr ungünstig in der Qualität der Arbeitsleistung auswirken muß, liegt auf der Hand. Wenn man außerdem berücksichtigt, daß seit Jahren lieber- st u n d e n gemacht wurden, die vielfach nicht bezahlt wurden, dann geht auch daraus hervor, wie wenig berechtigt die schematische Uebertragung der Lohnabbauparole auf die Angestellten ist. Es ist aber wohl auch kein Zufall, daß während im Betrieb des Herrn von Borsig den Angestellten klargemacht wird, daß sie Pro- seten sind, aus Württemberg, Nürnberg, Görlitz, Hannooer, Kahla Meldungen kommen, daß dort gleichfalls die A b b a u p a r o l e des Herrn von Borsig auf die Angestellten anzuwenden versucht wird. Di« stark besucht« Versammlung der Angestellten des Herrn von Borsig, in der alle Richtungen vertreten waren, war ein- m ü t i g in dem Entschluß, gegen den Gehaltsabbau Widerstand zu leisten. Di« Ankündigungen des Herrn von Borsig beweisen am besten, daß ein« Arbeitszeitverkürzung und damit eine Gehalts- kürzung schon rein materiell gar nicht berechtigt ist. ?tf. 351* 47. Iahrgang ± Beilage des Vorwärts Mittwoch, 30. Juli 1930 Widerspruche im Räntgentaler Prozeß. Stundenlange Befragung der Reichsbannerzeugen. Set Rönlgentalcr Prozeß gcstollet sich Sußersk langwierig. Die ständigen Widersprüche zwischen den gc- richllichen Aussagen der einzelnen Zeugen wie Zwischen diesen und ihren■Bekundungen in der Borunlersuchung machen es notwendig, daß den Zeugen die polizeilichen und llnlersuchungsprolokolle vorgehalien werden. Man bewundert geradezu die Geduld des Londgerichtsdirektars Ohnesorge, mit der er stets in der gleichen ruhigen, oft väterlichen Weife den jungen Leuten ins Gewissen redet, nur ja die Wahrheit zu jagen, sich in Ruhe die Antworten zu überlegen. Er hat auch Verständnis für diese Widersprüche und mißt ihnen nicht über- trieben« Bedeutung bei; er weiß, daß sie sich aus der erregten Situation des 5. März und der Aussagcpsychologic im allgemeinen ergeben. Anders die Verteidiger. Sie, die nicht genug Nachsicht mit den Angeklagten und den Nazizeugen haben konnten und dem Staats- onwolt, der deren Unwahrhastigkeiten festnagelte, immer wieder über den Mund fuhren� Haiken in einer Weise auf die Jeugen ein, daß selbst der Vorsitzende sie gestern ermahnen mußte, nur ssragen zu stellen, die Sinn und Zweck haben, und der Neben- klüger Joachim sich veranlaßt sah, zu erklären, dir Fragen des verleidigers Hildebrandl hüllen nur den einen Zweck, den Zeugen zu verwirren. Die Verteidigung gibt sich Mühe, glauben zu viachen, daß die Reichsbannerzeugen ihre Aussagen untereinander verabredet hätten. Nichts irriger als dos. Ein einfacher Vergleich zwischen der Art ihrer Aussagen und derjenigen der Nationalsozialisten genügt, um das zu erkennen. Die Nationalsozialisten haben vor Polizei und llntersuchungsrichter, ohne in der Lage gewesen zu sein, mitein- ander eine Verabredung zu treffen, sich selbst und gegenseitig be- lostet. In der Gerichtsverhandlung hoben sie aber fast sämtliche belastenden Aussagen zurückgenommen und eine Übereinstimmende Darstellung von den Ereignissen gegeben. Sie hotten eben Zeit genug gehabt, sich über ihre Aussagen zu verständigen. Die Reichsbanncrleute haben in der Voruntersuchung ver- schiedentilch einander widersprechende Aussagen gemacht, die trotz- dem m der Gesamtheit ein lückenloses Bild von den Ereignissen des 5. März gegeben hoben. Gewisse Widersprüche erklären sich durch die Verschiedenheit der Mcrkfähigkcit und der Fähigkeit, Er- lebtes wiederzugeben. Auch in ihren.jetzigen Aussagen bestehen gewisse Widersprüche. Gerade das ist aber ein Beweis dafür, daß sie im Gegensah zu den Ilasionalsoziolisten auch für die Gerichtsverhandlung keine Berabredvng gel rossen haben. Seit dem 5. März ist noch mehr Jeit vergangen, die Ein- drücke sind noch mehr verblaßt, die Aussagefehler sind noch größer als früher. Das Gesamtbild ist aber kein anderes als in der Voruntersuchung: es wird bestätigt durch die Aussogen der Angeklagten selbst vor Polizei und Unter- suchungsrichter. Dos ist das stärkste Argument für die Wahr- haftigkcit der Reichsbannerleute. Die angeblichen und wirklichen Widersprüche zwischen den Aussagen der Reichsbannerzeugen waren es, die gestern immer wieder zu scharfen Auseinandersetzungen führ- teil. Je zweieinhalb Stunden wurden die Zeugen Schulz und Nietzsch vernommen. Der Zeuge Nietzsth war es, der beim ersten Zwischenfall vor dem Meisclschen Lokal dem Angeklagten Köppner, seinem früheren Schulkameraden, der eine Waffe aus der rechten Brusttaschc zog, gesagt ljaben will:„che inj, steck das weg, m ach' keinen U n s i n n." Am Donnerstag soll bis 13 Uhr durchverhandclt werden. Llnschuldig in Ltntersuchungshast. Wegen dreißig Mark, die längst gezahlt waren. Der Unternehmer O. aus Berlin befand sich über einen Monat in Untersuchungshaft, die das Amtsgericht Köpenick über ihn verhängt hatte. Der Mann hatte vollständig un- schuldig sitzen müssen, denn die Verhandlung, die jetzt gegen ihn vor dem Amtsgericht Köpenick wegen eines angeblichen Betruges statt- fand, endete nicht nur mit der F r c i s p r c ch u n g des Angeklagten auf Kosten'der Sioatskassc, sondern auch die ihm durch das Straf- verfahren entstandenen Kosten wurden der Staatskasse auferlegt. Außerdem hatte O: dem Gericht mitgeteilt, daß er einen Ans'pru ch auf E n i s chik'd i g u n g für die crlltkenctliitersuchvngshalt stelle. Und der angebliche„B c t r u g", der den, Man» zur Last' gelegt wurde?. O. hatte an eine Firma einen Verkaufs st and in einem Lokal verpachtet, denn es sollte in dem Lakai eine sogenannte Festwoche veranstaltet werden. Daraus wurde aber nichts, weil das schlechte Wetter einen Strich durch die Rechnung machte. Der Unter- nehmer hotte für die Verpachtung dieses Standes eine Anzahlung von 30 M. erhalten, die er aber nicht gleich zurückzahllc. O. hatte sich wegen dringender auswärtiger Geschäfte gar nicht in Berlin auf- geholten. Als er wieder zurückgekehrt war und man ihm sogleicki drohte, die Angelegenheit dem Gericht übergeben zu wollen, zahlte O. das Geld sofort zurück, sa daß nicht der geringste Schaden entstmidcn war. Seine Schuld war es ja nicht, daß die Festwoche nicht zustande kam. Das schlechte Wetter hatte dies vereitelt. Es. fand sich trotzdem ein Gericht, jenes Amts- gericht Bcrlin-Köpcnick, dos das Betrugsverfahren in Tang brachte und O., der seiner vielen auswärtigen Geschäfte wegen selten in Berlin anzutreffen war, sogar— da er angeblich nicht aus- findbor war— einen gaizzen langen Monat in Untersuchimgshast steckte! Und das alles um einen Betrag von 33 M., der längst zurückgezahlt worden war! Durch nichts kann das Vertrauen des Volkes zu seiner Rechrs- pflege sa sehr erschüttert werden, als durch einen solchen für die Justiz peinlichen Fall. Ganz abgesehen davon, daß sich das Ministerium die.Herren vom Amtsgericht Köpenick einmal kaufen sollte, scheint uns eine ausreichende Entschädigung des Mannes, dem die Justiz schweres Unrecht getan hat, durchaus geboten. Opfer der Leichigläubigkeii. Gerüchte um einen Cafehaus-Pagen. Das plötzliche verschwinden des ISjährigen Pagen Herbert Trunk aus der Elisabeth st raße gab zu dem Gerücht Anlaß, daß der junge Wensch verschleppt worden sei. Herbert T. war im A d m i r o l s- E o s c in der Friedrich- straßc als Page angestellt. Dort machte er eines Vages die Bekannt- schaft eines angeblichen Fliegers I a q u c t, der Vertreter einer französischen Flugzeugsirnia sein wollte. Noch den inzwischen an- gestellten Ermittlungen scheint es sich jedoch um einen gewerbs- mäßigen Betrüger zu handeln. Trunk erzählte zu Hause von der Bekanntschast und daß ihn Jaquet auf Reisen mitnehmen wolle. Ehe er seine Einwilligung gab, verlangte der Vater des Pagen, daß Jaquet sich ihm persönlich vorstelle, damit er selbst alles Notwendige mit ihm besprechen könne. Als der Besuch jedoch aus- blieb, verließ Herbert T. die elterliche Wohnung, angeblich um Jaquet zu holen. Von diesem Ausgong kehrte er nicht mehr zurück. Die besorgten Eltern erstatteten darauf bei der Bcrmißtenzcntral« des Polizeipräsidiums Anzeige. Die ganze Angelegenheit scheint sich jetzt als harmlos aufzuklären, denn am Dienstagabend wurden die besorgten Eltern benachrichtigt, daß sich ihr Kind in der Eise- nacher Straße aushalte. Der angebliche Alieger hat den leichtgläubigen Jungen einfach sitzen lassen und sich aus dem Staube gemacht. Ausschreiiungen der Radikalen. Erfolgloser Lleberfall auf Fieichsbannerkameraden. An verschiedenen Stellen der Skadl ist es am Dievstag abend zu schweren politischen Zwischenfällen gekommen. In der Bismarckstrahe in Charlattenburg wurden 14 Reichs- bannerlcut«, die zum Teil Uniformen trugen, von etwa 33 Hakenkrcuzlern, die besonders in dieser Gegend seit Tagen den wüstesten Strahentcrror ausüben, angefallen. Glücklichcrmeis« war sofort Polizei zur Stelle, so daß eine Schlägerei nach rechtzeitig verhindert werden konnte. Es gelang den Ramdics indessen, sich der Festnahme durch die Flucht zu entziehen. In der Finowstraßc in Neukölln wurde ein N a t i a n a l sa z i a- l i st von A Mitgliedern der Antifaschistischen Garde überfallen und niedergeschlagen. Dasselbe Schicksal ereilte einen jungen Partei- genossen, der zur Sozialistischen Arbeiter Jugend gehört. Die An- greiser brachten dem Wehrlosen erhebliche Kopsver- l c tz u n g c n bei und raubten ihm das Parteiabzeichen. Die Meute flüchtete beim Eintreffen der Polizei und entkam. Eine schwere Schlägerei wurde in der Knobelsdorf- und Rehringstraßc Zwischen Kommunisten und'National- s o z i o l i st e n ausgetragen. Die Polizei machte dem Straßonkampf ein Ende und nahm mehrere Nationalsozialisten fest. Sie wurden der Politischen Polizei übergeben. Schlägerei zwischen Nazis und Kommunisten. Bon einem Augen zeugen erhalten wir folgenden Bericht: Am Dienstag in der achten Abendstunde kam es in Eharlottenburg am Königswcg, am Hör st weg und in der D a n ck e l m a» n st r a ß c zu schweren Z u s a m m c n- stoßen zwischen Nationolsazialistcn und Kommunisten. Die Ratio- nolsazialisten fuhren in einem Privatwagen herum und schickten von dort aus Leute mit Wahlzetteln in die Häuser. Eine Radfahrertruppe, die anscheinend aus Kommünistenanhängern bestand. versuchte, die Nationalsozialisten daran zu verhindern. Es kam schließlich zu einer schweren Schlägerei, wobei die Kam- munisten«inen Notionalsazialisten aus dem Auto herausholten und erheblich verletzten. Do die Nationalsozialisten versuchten, sich der Schlägerei durch die Flucht zu entziehen und die Kommunisten ihnen dauernd auf de» Fersen war«?, dehnte sich die Schlägerei aus die obengenannten Straßen aus, so daß die Polizei große Mühe hatte, die kämpfenden Parteien auseinander zu bringen. Obgleich d:e Beamten genötigt waren, häufig mit dem Gummiknüppel die Straßen zu säubern, bildeten sich immer wieder neu« Zu- sammenrottungcn und Schlägereien hinter dem Rücken der Polizei, so daß es erst nach dreiviertel Stunden gelang, die Ruhe wieder herzustellen. Die Polizei kannte auch einige Verhaftungen der Hauptbctoiligtcn(etwa 5 bis 6 Personen) vornehmen, die dem Revier des zuständigen Polizeipräsidiums Eharlottenburg zuge- führt wurden. Um Ehrenausschuß des deutschen Stenographenlages Berlin 1330 finden wir u. a. auch Kultusminister Dr. Grimme, Landtagsprä- sident Bartels und Peter G r a ß m a r» n, Vorsitzender des All- gemeinen Deutschen Gewcrkschaftsbuiides, Berlin. S/NOAIRLEWIS Sä] MWjßMH |fP0 v mam* ROMAN Als sie an einem Sonnabendnachmittag im Oktober das Büro verließ, sah sie gar nicht aus wie jemand, der auf Abenteuer auszieht— schmächtig, freundlich, ziemlich schüchtern, mit blondem Haar und Schulmeisterbrillen und blassen Wangen, die durch die vorteilhafte Trauerkleidung zur Geltung gebracht wurden. Doch sie wollte von New Jork Besitz ergreifen. Sie streifte suchend durch unbekannte Straßen. In ihrem Handtäschchcn trug sie eine Sammlung van Zeitungs- ausschnitten, die aus der Rubrik„Zu vermieten" waren, und gehorsam folgte sie deren Weifungen, das ideale Zimmer zu finden. Die' Annoncen führten sie in ein Dutzend Stadt- viertel, die von Leuten, die möblierte Zimmer bewohnen, bevorzugt werden— von einsamen, farblosen, alleinstehenden Leuten,'die in fremder Menschen Wohnungen wohnen. ' Die Sache war nicht so erfreulich, wie Ilna gehofft hotte: es war eine zu grausame Entblößung des Kanonenfutters der Großstadt, der Menschen, die es nie zu etwas gebracht, und die den Mut verloren hatten. Es war launx möglich, eine Straße von der anderen zu unterscheiden. Sjnmer dieselben Reihen grauer Ziegelbauten, einer wie der«ndere; die Einförmigkeit nur selten unterbrochen durch ein Warenhaus oder ein' höheres Gebäude: immer dasfell'e unschlüssige Stiegensteigen, dasselbe Suchen nach der Klingel, dasselbe Warten, dieselbe unreinlich aussehende, mißtrauische Ver- Mieterin, dasselbe üble Borzimmer mit dem Kleiderrechen, einem Kupferstich mit einem braunen Fleck in der einen Ecke, einem Teppich, der gerade vor der Eingangstür ein großes, ovales Loch hatte, durch das der Fußboden sah, der Geruch von Kohl und Zwiebeln, die mangelhafte Lüftung: imincr derselbe Wunsck), möglichst schnell wieder fortzukammen, ab- wohl sie höflich wartete, bis die Vermieterin mit derselben wohlbekannten, heiseren Stimme dieselben Phrasen her- geleiert hatte. r �.A,_, � t-,•> Una fühlte allmählich ein weitherziges Mitleid für alle Vermieterinen. Sie waren so geduldig angesichts ihres nicht zu verkennenden Mißgeschicks. Sogar ihr Mißtrauen war nur das Knurren eines geprügelten Hundes. Sie seufzen und schlössen die Tür hinter ihr, ohne sich sehr zu bemühen, sie zum Bleiben aufzufordern. Unas Verzagtheit wurde noch durch das Ermüdende dieser Wohnungssuche vermehrt. Weder an diesem Nach- mittag noch früher als zwei Wochen nach dem ersten Ver- such, fand sie ein Zimmer in einer großen, langgestreckten Wohnung in Lexington Avenue, die einem jungen Buch- Halter mit lockigem Haar und seiner hübschen Frau gehörte: diese Leute waren gegen ihre Mieter stets freundlich und gefällig, versorgten sie mit unbedingt zuverlässigem und reichhaltigem Programmaterial der benachbarten Kinos und mit Mahlzeiten, die weder unbedingt zuverlässig, noch reich- haltig waren. Es war nun Zeit für Una, den letzten gegenständlichen Kontrakt mit ihrer Mutter zu lösen: sie mußte die Möbel verkaufen, die sie seit je gekannt hatte, noch von ihrer Kind- heit in Panama her, da sie von diesem Roßhaarsessel den langen und gefährlichen Weg hin über diesen braunen Teppich zu jenem Diwan aus rotem Plüsch gekrochen war. 3. Als Una endlich in der Wohnung fremder Leute unter- gebracht war, überkam sie eine gewisse Scheu. Sie saß da und wunderte sich, daß dieses viereckige weihe Zimmer von nun an ständig das ihre sein sollte, daß sie nicht eben nur für ein oder zwei Stunden hierhergekommen sei. Es gelang ihr nicht, es so wie anfangs zu sehen. Der Korridor war nun tatsächlich ein Stück ihres Lebens geworden— sie würde jeden Morgen, wenn sie aus ihrem Zimmer käme, an diesem Bild, dos eigentlich der Umschlag einer Zeitschrist war, vor- beigehen. Ihre Unruhe wurde noch durch die Aufgabe vermehrt, ihre mädchenhafte Ssttsamkeit zu bewahren, die einer Golden zukam, in dieser kleinen Wohnung, in der auch Herren wohnten, und die nur ein einziges Badezimmer hatte. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als einfach zu warten, bis sie an die Reihe kam, um ins Badezimmer zu gehen, und ohne es zu wissen, wurde sie von der Selbstverständlichkeit und Anständigkeit angenehm überrascht, mit der diese stumpfen, einfachen Menschen die schwierigen Fragen einer erzwungenen Intimität lösten. Wenn sie, den jungfräulichen Bademantel krampfhaft um sich geschlungen, im Vorzimmer einem der Männer begegnete, so schritt der ruhig und un- bekümmert vorbei, ohne einer jener kichernden Entschuldi- gungen. wie sie� der selbstbewußt strahlende Herr Sessions von seiner Gattin, die viel auf fein Benehmen hielt, ge- lernt hatte. Anfangs konnte sie ihre Wohnungsgenossen nicht genäu unterscheiden. Doch allmählich wurden sie einzelne, bc- stimmte und wichtige Lebewesen. Es gab unzählige lieber- raschungen für Una. Sie hätte nie geglaubt, daß ein Buch- Halter in einer Fischgroßhandlung irgendwelchen Charme be- sitzen könnte. Insbesondere, wenn er diese amorphe Be- schäftigung mit der Eigenschaft eines Pensionsbesitzers ver- band. Und doch war ihr Hauswirt, Herbert Gray, mit dem Aussehen eines Athleten, der eingestandenen Ungebildetheit und der naiven Begeisterung für alles, was ihm im Kino heroisch, groß und farbig vorkam, ebenso anziehend wie die verschiedenen jungen Burschen ihrer Heimatstadt, die sich in ganz Princeton und Pennsylvanicn herumgetrieben hatten. um schließlich heimzukehren und entweder eine juristisch? oder medizinische Praxis zu beginnen oder mit der Gebärde eines großen Herrn das Geschäft de�Baters zu übernehmen. Und Frau Gray, rundlich, hübsch, immer zum Lachen bereit, trug ihre Kleider mit einer natürlichen Grazie, die ihre billigen Blusen immer schick erscheinen ließ, und war in allem so völlig die Gefährtin ihres Gatten, daß diese beiden um? Dasein kämpfenden Niemand- allen Reichtum der Erd: besaßen. Die Grays nahmen Una auf, als wäre sie ein Gast, aber sie störten sie nicht. Sie waren Großstadtmenschen und hatten gelernt, daß jeder sein Leben leben mußte. Die Grays hatten, um Zimmer vermieten zu können, eine Wohnung genommen, die für sie niel zu groß wa� Außer Una waren noch drei Mieter da, deren Zimmer wie Mönchszellen auf einen kahlen Korridor mündeten. Einer, der gleich hunderttausend anderen in der Groß- stadt Schiffbruch gelitten hotte, ein grauhaariger, sauber ge- kleideter Mann, der alles gewesen war und nichts geleistet hatte. Er las Dickens und war ein Meister im Schackst'pisl. Er wollte die Leute gern glauben machen, daß er e ne taten- reiche, geheimnisvolle, glänzende Vergangenheit hinter sich hätte. Im Grunde war er dankbar, wenn man ihn über- Haupt beachtete.(Fortsetzung folgt.)* Ein trauriger Juli. Der Juli, heiß ersehnter und freudig begrüßter Monat der großen Ferien für unsere Jungens und Models, daneben für den Beamten, Angestellten und Arbeiter die Zeit, in der er am liebsten seinen Urlaub genießt, hat uns in diesem Jahre ein häßliches, ja allzuoft ein tragisches Gesicht gezeigt. Das Geringere mag an die Spitze gestellt werden: Der Juni tlllZO gab uns eine Gluthitze, die den Aufenthalt im Maschinenraum und im Büro schier unerträglich machte. Aber als dann der Juli, der vielgerühmte sonnige, mollige, warme Heumonat kam, der Monat der Reisenden und des Urlaubs, da setzten Sturm und Regen ein, und fast allen, die ein ganzes Jahr gespart und sich gefreut hatten, herauszukommen aus dem steinernen Ver- lies der Großstadt, dem Druck der Mietkasernen, dem Meer des glühenden Asphalts, wurde die Erholung verdorben.„Und der Regen regnete jeglichen Tag..." Darüber hinaus forderte der Juli 1930 den Staatsbürger, auch wenn er auf Urlaub war, auf, um mit Horaz zu sprechen, die „würdige Muße" zu vergessen. Die unberechtigte Anwendung des Artikels 48 der Reichsverfassung durch das Kabinett Brüning zwang die wirkliche„S t a a t s p a r t e i" der Republik, die Sozial- demokratie, die Auflösung des Reichstages herbeizuführen. Der 18. Juli— zufällig ein historisches Dalum, der Tag der fran- zösischen Kriegserklärung an Preußen vom Jahre 1870— ließ die Sozialdemokratische Partei eine Kriegserklärung aussprechen gegen den sozialreaktionären Bürgcrblock und dieses Ereignis ist in den Urlaub hinein eine Mahnung und ein starker Appell an alle, am 1 4. S e p t e m b e r die Pflicht zu erfüllen. Darüber hinaus aber war dieser Sommermonat, der leider mehr, viel mehr als nur Mißvergnügen bot, erfüllt von allgemein- menschlichen, von entsetzlichen Tragödien und Kata- st r o p h e n. Wir schleppten hinein in diesen traurigen Monat das Kindersterben von Lübeck, und wir erlebten mit Schaudern, wie die Zahl der toten Säuglinge von SO aus über 60 anschwoll. Das Unglück des Dor»ier-Wal in den bat- tischen Gewässern leitete dann den üblen Juli des Jahres 1930 ein. Es fotgte der Tod der Hundertf ünfzig Knappen von R« u r o d e, es folgte, schreckliches Geschehen in einem Augenblick der Erhebung und Freude über die Befreiung deutschen Landes durch Verständigung und Friedenswillen, dos Sterben von Koblenz in den Fluten des Rheins. Fast zur gleichen Stunde aber erreichte den Zeiturigsmann die Meldung aus Neapel: Er d bedenk ata st rophe, zahllose Tote, zahllose Verwundete, zahllos« Obdachlose... Es ist ein schmerzhafter Juli, der hinter uns.liegt. Aber es ist für olle, die vorwärts wollen, auch ein Monat der Hoffnung und Verheißung, daß einmal an Leid und Unglück verhindert wird, was Menschenwille verhindern kann. S-UM) öffentliche Kernsprechstellen. Aber nur 220 auf Straßen und plähen. Auf die Anregungen des Berliner Publikums, der Handels- kavuner und der Verkehrsinteressenten baut die O b e r p o st- direkt ton Berlin das Netz der öffentlichen Fernfprochstellen in der Reichshauptstodt systematisch aus, so daß das Publikum, auch wenn es unterwegs ist, nur einen Groschen für das Gespräch auszugeben braucht. Es gibt. augenblicklich in Berlin 5109 öffentlich« Fern« f p r e ch st e l le n, von denen 3667 M.ü nz f e r n fp re che r stnd. Bon den Münzfernsprechern, sind 8S1 in Postämtern/ 76 in Zeitungs- ständen, auf der Straße in Uhrensäulen 98 und 122 in eigenen Zellen, 351 in öffentlichen Gebäuden. 271 in Bahnhöfen und 1878 in Wirtschaften, Zigarrenläden usw. Die öffentlichen Fern- fprechstellen aus der Straße verteilen sich in der Haupffache auf den Westen und auf den Osten, weil in den älteren Stadtteilen die Unterbringung wegen schmaler Bürgersteigc und Beeinträchtigung der Sicht auf verkehrsreichen Plätzen auf Schwierigkeiten stößt. Insbesondere sind die Vorortgebiete berücksichtigt worden. Bei den Zellen werden nach Möglichkeit Briefmarkenauto- m a t c n mit angebracht, da sich diese Einrichtung als se h r z w e ck- mäßig erwiesen hat. Aus dieser Zusammenstellung ergibt sich die überraschende Tat- fache, daß von den 3667 Münzsernsprechern nur wenig mehr denn 200 auf öffentlichen Straßen und Plätzen, wo sie also jeder schnell und bequem sehen und erreichen kann, ausgestellt sind. Das sind für das riesenhaft sich dehnende Berliner Gebiet viel zu wenig. Hinzu kommt, daß viele dieser Zellen äußerst unbequem ein- gerichtet sind, manchmal so eng, daß man sich unmöglich darin bewegen kann. Es ist kaum Platz für das Telephonbuch. In der Hitze ist der Aufenthalt in diesen„modernsten" Telephonzellen hundertmal schlimmer als in einer Eefängniszell«. Vielfach werden die Markenautomaten einfach nicht eingebaut, weil es das betreffende Postamt einfach nicht für nötig hält. Es gibt also für die Oberpostdirektion Berlin noch viel zu tun, trotz der bereits vorhandenen S100 Fernsprechstellen. lfm die Flaggen von Borkum. Borkum war jahrelang Sammelplatz aller antirepubli- konischen Verbände, die mit Begeisterung dem Apostel der .Hakenkreuzler, dem Pfarrer Münchmeyer, zujubelten. Als Herr Münchmeyer den jungen Mädchen allzu heftig nachstellte, konnte auch Borkum ihn nicht mehr halten. Durch die Hetze ging der Kurbetrieb zurück und es wurde eine neue Badeverwaltung gewählt. Es wurden sogar am Strand die Neichssarben ge- hißt. Aber trotzdem betrachten die Nationalsozialisten Borkum immer noch als ihr Eigentum. Ein Leser unseres Blattes, der seine Urlaubstage auf Borkum verbracht hat, schreibt uns: schwarzrotgoldene Fahnen waren schon am zweiten Tage gestohlen. Die Polizei stellte zunächst das Slnsinnen an die Republikaner, ihre Fahnen abends e i n z u. ziehen, erst als das abgelehnt wurde, stellte die Polizei ge- nügenden Schutz. Darauf bildeten die Nationalsozialisten ein Strandkommando, dem es auch gelang, zum zweiten Mals die Fahnen zu stehlen. Die energisch durchgreifenden Schutzpolizei- beamten konnten aber zwei dar Burschen verhaften, der eine war 17, der andere 19 Jahre alt. Einer der beiden war der Sohn des Kapellmeisters der Kurkapelle. Die Bodeverwaltung, die nicht mit der erforderlichen Schärfe eingreift, wird sich nicht wundern können, wenn die Republikaner weiter darauf verzichten, Borkum zu besuchen. Gasometer fliegt in die Luft. Der städtische Gasoweter in einem Londoner Bor- ort, in dem sich 25060 Kubikmeter Gas befanden, ist Dienstag vormittag in die Lust geflogen und völlig zerstört worden. Wie durch ein Wunder wurde n i e ma n d verletzt und auch Sach- schaden in den in der Nähe gelegenen Werken beschränkten sich nur auf einige zerbrochene Fensterscheiben. Prozente der Hausgesellfchasien. Berliner Meierschast um 4� Millionen beirogen? Durch die Anzeigen verschiedener Mieter ist man den betrügerischen Eeschästen auf die Spur gekommen, die h a u s g e s e l l s ch a s k e n und D e r w a l t er mit Koh- lenlieserungen gemacht habe n. Es handelt sich säst durch- weg um Gesellschaften, die die Interessen a u s l ä n- discher Grund st ücksbesiher in Berlin wahrnehmen und in denen selbst oft Ausländer tätig find. Einer dieser Fälle ist erst im Frühjahr 1930 zur Aburteilung gekommen, und zwar wurde gegen einen Serben verhandelt, der jedoch kurz vor der Verurteilung flüchtete. Der Betrug wird in folgendem Manöver erblickt: Die Hausgesellschaften bestellen bei Kohlenlieferanten größere Mengen Koks für die Zentral- und Warmwasserheizungen. Die Mengen, die Berlin durchschnittlich jährlich an Koks gebraucht, belausen sich auf etwa 44 M l l- l i o n e n Zentner. Die lhausgesellschasten legen die regulären Rechnungen auf die Mieler um, die also den normalen Kokspreis bezahlen müssen. Hinter dem Rücken der Mieter aber vereinbarten die Hausgesellschaften einen Rabatt mit den Kohlenhändlern, der ihnen als Großabnehmern auch gewährt wurde. Dieser Rabatt betrug oft für d e n Zentner 10 bis 20 Pf. An der Vergünstigung nahmen aber die Mieter nicht teil, die Gesellschaften und ihre Verwalter steckten das Geld in die eigene Tasche. Die Mieter, die dahinter kamen, erstatteten natürlich Strafanzeige. Eine ganze Reihe solcher Anzeigen sind nachgeprüft und ihre Richtig- keit ist erkannt worden. Die Versahren gegen die Beschul- digten schweben bei der Staatsanwaltschaft. Die Gesellschaften verteidigen ihren Standpunkt damit, daß sie größere Unkosten gehabt hätten, und ein« Vergütung gerecht- fertigt sei. Die Mieter wenden dagegen ein, daß, wenn Groß- Berlin für seine Heizungen 44 Millionen Zentner Koks verbraucht und für den Zentner nur 10 Pf. Rabatt gewährt werden, dies eine Summe von 4l4 Million ausmacht, die den Mie- t e r n entzogen wird, um in die Taschen ausländischer Gesell- schoflen zu fließen. Sollten die Mieter mit ihren Klagen Erfolg haben und die Staatsanwaltschaft sich dir Ansicht des Betruges anschließen, so würden unter Umständen die Hausgesellschaften die ungerechtfertigten Gewinne wieder herauszahlen müssen. Das Honorar des Mchisanwalis. Oer Klient wegen Betruges auf der Anklagebank. Einen selkcnen Fall— der Verteidiger alz Ankläger seines Klienten, der Klient als Angeklagter aus Grund einer Anzeige seines Verteidigers— erlebte man neulich in Moabit. Der Kaufmann R. hatte sich wegen Betruges zu verant- warten. Er wandte sich an einen Anwalt, dessen Name auch außer- halb Berlins guten Klang hat— man kennt ihn von verschiedenen sensationellen Prozessen her. Man vereinbarte ein Honorar in Höhe von 1000 Mark. Eine Anzahlung von 300 Mark sollte noch vor der Verhandlung erfolgen. Nur unter dieser Bedingung erklärte sich der Anwait bereit, zuni Termin als Verteidiger im Gerichissaat zck erscheinen. Für die restlichen 700 Mark wurde ihm ein Anspruch des Klienten auf Provisionsgelder übertragen. Der Termin nahte, die Anzahlung blieb immer noch aus. Der Termin war da, die 300 Mark waren immer noch nicht gezahlt. Am Tage der Ver- Handlung erklärte der Klient dem Anwalt, er Habs die 300 Mark bereits am Vortage überwiesen. Der Anwait trat in der Verhandlung auf. Das Urteil lautete auf drei Monate Gefängnis unter Zubilligung einer Bewähningssrist. Die 300 Mark trafen aber nicht ein. Weder an diesem Tage, noch ani nächsten, sie trafen über- liaupt nicht ein, sie waren einfach nicht überwiesen worden. Der Klient halt« seinen Anwalt betrogen. Auch aus dem An- spruch auf die Prooisionsgclder wurde nichts. Der Aravatt erstattete Strafanzeige wegen Bctrures. Bor Gericht erklärte der ehemalig« Verteidiger des Angeklagten, jetzt fein Ankläger, es handle sich bei dieser Sache nicht nur um ihn, sondern darum, Anwälte gegen derartige Betrügereien zu schützen. Es sei ihm nicht um eine hohe Gefängnisstrafe für den Angeklagten zu tun, er hätte auch nichts gegen eine Bewährungsfrist, allerdings unter der Bedingung, daß er das Honorar voll erlchte. Der Staats- anmalt beantragte, unter Aufhebung der Bewährungsfrist für die erste Strafe, zwei Monate Gefängnis für den Betrug am Anwalt. Das Gericht bildete eine Gesamtstrafe von vier Monaten Gefängnis und billigt» dem Angeklagten Bewährungsfrist zu. unter der Bedingung, daß er, sofern es in seinen Kräften stehe, den Zlnwalt voll befriedige, unter allen Umständen jcdoch ihm in Raten im Laufe des Jahres 300 Mark bezahle. Der Anwalt wird sich also mit 300 Mark zufrieden geben müssen. Das Gericht mag wohl der Ansicht gewesen sein, daß dieses Honorar in diesem Falle«in genügendes Entgelt für die Mühewaltung des Anwalts darstelle. Aus Gefrierleber wird frische Leber. Man meldet uns aus Leipzig: Bei einem Großschlächter herrschte sehr starke Nachfrage nach frischer Leber. Da er den immer mehr wachsenden Bedarf seiner Kundschaft nicht mehr befriedigen konnte, kam er mit seinen Gesellen überein, amerikanische Gefrierleber in warmem Rinderblut aufzutauen und als Frischleber zu verkaufen. Aus dem Schlachthof wurden hierzu besondere Versuche vorgenommen, und man stellte fest, daß sich die aufgetaute Gefrierleber zwei bis drei Tage hielt. Der Großschlächter verkaufte von�dieser Leber im Herbst vorigen Jahres innerhalb sechs Wochen ungefähr dreihundert Kilogramm. Jetzt hatte sich der Großschlächter vor dem Leipziger Amtsgericht wegen dieser Fälschung zu verantworten. Der Sachverständige führte aus. daß es Pflicht des Großschlächters gewesen wäre, die Leber als Gefrierleber zu bezeichnen und daß er sich eines unreelleir Geschäftsgebarens und einer Lebensmittelfälschung schuldig gemacht habe. Das Gericht verurteilte den Großschlächter zu einer Geldstrafe von 500 Mark und seine beiden G» sellen zu je 50 Mark Strafe. Wieder vier Europaflieger eingeiroffen. Noch mehrere Teilnehmer in Spanien. In den gestrigen frühen Rachmittagsstnnden käsen fünf weitere Teilnehmer des Europarundsluges in Berlin ein. Aus den Klemm-Flieger L u s s e r, der bereits um 13 Uhr gelandet war. folgten die beiden Zunkerspiloten Boeder und B i st i c z auf ihren„Junioren", sowie der Luflhtmsn- pilot Krüger ans B. F. TB. Kurz vor 16 Uhr traf auch der polnische Flieger Bajan, der am Montag in Pommern notlanden mußte, am Ziel ein, Für den heutigen Vormittag werden die Piloten von Frey- berg, von Koppen,' von Waldau, Siebel und Dr. King erwartet. Diese Jsiegergruppe hatte sich gestern nachmittag, da starker Gegenwird herrschte, für ein Berbleiben in Danzig ent- schlössen, um keine Verlustpunkt« zu erleiden. Der Start in Danzig wird deshalb am Mittwoch in den frühesten Morgenstunden er- folgen. Inzwischen ist ein weiterer Teilnehmer am Europarundflug ausgeschieden. Es handelt sich um den Piloten Aichele, der bei Schievelbcin einen schweren Motordesekt erlitt. Offiziell sind jetzt noch 25 Flieger unterwegs. Einige von ihnen, die sich nach immer in Spanien befinden— es sind dies fünf oder sechs Teilnehmer—, werden, gleichfalls ousschei- den, da auf keinen Fall damit zu rechnen ist, daß sie noch recht- zeitig in Berlin eintreffen werden. Im ganzen haben bisher 24 Maschinen den Europarundflug durchgeführt. Am Abend übernahm der Deutschlandsender aus Leipzig eine besonders hübsch« Beranstaltung:„Deutsche Minnelieder u Ii d Ballade n", gesungen von Kurt Wichmann. Dies« schönen, volkstümlichen Lieder bieten leichtverständliche Unterhaltung und waren gleichzeitig geeignet, auch den anspruchsvollen Hörer zu be- sriedigew Einen Zytlus„Kunst der Rezitation" begann Dr. Wolfgang Hoffmann-Harnisch. Der Vortragende brachte zur Erläuterung auf Schallplatten Kostproben von Sonnenthal, Kamz, John Berrymoore Leider nur drei Platten. Er würde seine interessanten Darlegungen durch stärkere Benagung von Schallplatten sehr viel volkstümlicher gestalten können.—„Konflikte des heutigen Familienlebens" wollte Hugo Marcus be- handeln. Sein« Ausführungen gingen jedem soziologischen Problem in weitem Bogen aus dem Woge und beschränkten sich auf billigste Weisheiten.—„W o s ich von Amerikas Sport sah" nannte Walter K l e s f« l seinen Vortrag in der Jugendstunde. Der Redner erwies sich als ein um Sachlichkeit bemühter, wenn auch kein be- sonders lebendig gestaltender Schilderer. Er betonte in feinen Dar- legungsn, welche'herrlichen Sportmöglichkeiten den Schulkindern in Amerika geboten werden. Uebsrraschend und lehrreich für manchen deutschen Sportfanatiker wird es gewesen sein zu erfahren, daß die Zulassung von Studenten zu sportlichen Wettkämpfen in den Ver» einigten Staaten von dem Bestehen der wissenschastlichen Prüfungen abhängig gemacht wird.— In der„Stunde mit Büchern" betrachtete Max B o r t h e l eine Reibe von Neuerscheinungen, die sich mit dem Rheinland beschäftigen. Borth«! oerstand es, aus seinen kritischen Betrachtungen einen kurzen kulturgeschichtlichen Ueberblick zu formen und sie dadurch dem Hörer besonders wertvoll zu machen. Tri, Zusammenstoß zweier Petroleumzüge. Vier Eisenbahner getötet. Bukarest. 29. Just.' Ein schwerer Zusammenstoß ereignet« sich heule vor mitlag auf der Eisenbahnlinie Bukare st- Eon st anza, am Aus- gang der Station Medgidia. Zwei pekroleumzüge. von denen einer mit vollen Zisternen suhr. stießen mit voller Geschwindigkeit zusammen. Beide Lokomotiven und Z 0 Wagen wurden vollkommen zertrümmert. Die Eisen- bahnlinie wurde stark beschädigt. Unter den Trümmern der Wag. gon» wurden die Leichen von vier Eisenbahnern hervor- gezogen. Ein Heizer wurde lebensgesährlich verletzt. Die soshrk eingeleitete Untersuchung hat ergeben, daß an dem Zusammenstoß ein Verkehrsbeamter der Station Medgidia die Schuld trägt, da er den einen Zug einfahren ließ, obwohl der andere Zug sich noch auf dem Gleis befand. Der Schaden beträgt 10 Millionen Le' Keuersbrunfl bei Bromberg. 23 Häuser eingeäschert.— 3 Personen umgekommen. Warschau. 29. Juli. In der Orffchaft Gollantsch bei Bromberg brach am Montag ein großes Schadenfeuer aus, dem 2 3 Häuser zum Opfer fielen. Während der Rettungsarbeiten wurden zwei P o l i z i st e n unter den Trümmern eines zusammenstürzenden Hauses begraben. Sie konnten nur als Leichen geborgen werden. Ferner starb«in Feuerwehrmann an den Folgen einer Rauchoer- giftung, die er sich bei den Löscharbeiten zugezogen hatte. Ozeanflug öes lOO." Das englische Luftschiff„R. 100" ist am Dienstag morgen mit einer Besatzung von 37 Mann und 7 englischen Luftsachverständigen als Passagieren zum Ozeanflug nach Kanada gestartet. Die Fahrt geht über Irland und den Atlantischen Ozean nach Rord-Neufundland und von dort den St. Lorcnzstrom hinauf nach Montreal. Es wird mit einer Fahrtdauer von drei Tagen gerechnet. Die englische Presse weist darauf hin, daß„R. 100" das schnellste Lust- schiff der Welt sei, da es bei Persuchen ein« Geschwindigkeit von rund 130 Kilometer in der Stunde erreicht habe. Zwei Arbeiter durch Gase betäubt. Im Betrieb der Firma„O lex", Deutsche Benzin- und Petroleumgesellschaft in der Robelshofstroße in Ober» schöneweide ereignete sich am Dienstag nachmittag ein schwerer Unfall. Zwei Arbeiter, die mit, Reinigungsarbeiten in einein 900 Kubikmeter fassenden Benzintank beschästigt waren, wurden durch giftige Gase betäubt. Der 27jäl)rige Ar- beiter Willi Fiedler, dessen Zustand besonders schwer war, mußte durch die Feuerwehr in da- Elisabech-Hospital gebracht werden. Jubiläum im Spar- und Banoerein Neukölln. Ein seltenes Jubiläum begeht am 31. Juli Herr Oberinspektor Paul Ribbeck, indem er 25 Jahre als Vorsitzender dem Spar- und Bauverein Neukölln angehört. Er hat die Genossenschaft in diesen 25 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit vorbildlich geleitet. Kann man Täiowierungen entfernen? vr. meä. E. Mosbacher schreibt uns: Wenn man in die 5i«ut Figuren mit einer Nadel einritzt und in dies� Wunden Färbst off«, zum Beispiel schwarzen Ruh, roten Zinnober oder ähnliches, einreibt, dann entstehen in der Haut Zeichnungen, die das ganz« Leben über bestehen bleiben: sie führen den Namen„T ä t o- w i e r u n gen". Seinen Ursprung hat das Tätowieren in der Eitelkeit, in dem Schmuckbedürfnis des Menschen. Man hat in Deutschland ahlen- an ige Tätowicrungsnadeln gesunden, die unzweifelhaft aus der Bronzezeit herrühren. Das Wort„tätowieren" jedoch ist weit jüngeren Datums und entstammt dem tahitischen Wart„Tatau". Auf Tahiti, einer Südseeinsel, steht das Tätowieren heute noch in voller Blüte. Bei uns im Abendlande sind es vorwiegend Ange. hörige der Arbeiterklasse, die sich Handrücken, Arme und Brust durch Tätowieningen„verzieren" lassen, meist auf recht primitive Weise, während im fernen Osten zahlreich« berufsmätzige Tätowierer ihr«„Kunst" ausüben. Der Inhalt der Tätowierungen ist mannigfaltig: Berussabzeichen verschiedener shandwerke, Motiv« aus dem Soldatenlebcn: Ringe um die Fingerwurzeln, Stern« auf dem Handrücken, Annbänder um die lhandgelenke: Anker auf Brust und Armen, ganze Schiffe mit Masten und schwellenden Segeln werden schwarz und rot in die Haut eingeritzt. Daneben finden sich recht häufig Zeichnungen mit mehr oder weniger anstößigem Inhalt. Weit seltener als beim Manne sind bei der Frau Täto- wierungen onzulreffen: fast immer besteht dann die Zeichnung aus einem Herzen, das von einem Pseil durchbohrt ist oder in das Buch- stoben eingegraben sind. In den meisten Fällen lassen sich junge Leute tätowieren, und häufig genug kommt es vor, daß dann in späteren Iahren an den Arzt das Verlangen gerichtet wird, die Täto- wierung zu beseitigen. Nicht selten l'egt diesem Wunsche auch berufliche Behmde- rung zugrunde. So ist es für eine 5)e:»*angcstellte mit Tätowierungen auf dein Oberarm fast unmöglich, ein« Stelle zu finden oder in einer solcher länger zu verbleiben. Tennislehr«r mit Täto- wierungen aus den Unterarmen müssen langärmlig« Sporthemden tragen, um die Entstellungen zu verdecken. In unserer Zeit des Berufswechsels kommt es auch vor, daß ein Handarbeiter«ine Stelle als Verkäufer in Aussicht hat, aber nur dann, wenn die störenden Tätowierungen auf den Händen entfernt werden. So lassen sich die Beispiele beliebig vermehren. Um nun die Tätowierungen zu entfernen, muh entweder die Haut mit der Zeichnung herausgeschnitten und— bei größerer Ausdehnung— eine Hautverpflanzung vorgenommen wevden. Oder aber es wird mit Hilfe de» elektrischen Funkens di« Hautparti« bis in die Tiefe ausgebrannt und mittel» Salben eine langsame Vernarbung erzielt.— Neuerdings ist mm ein Verfahren angegeben worden, bei dem durch Auflegen einer Salbe die Tätowierung mit der umgebenden Haut, a u f g e l ö st wird. Die entstehenden Schmerzen sind verhältnismähig gering: nach etwa k! bis 10 Tagen ist die Stelle meist mit einer schönen Narbe verheilt. Alle sonstigen empfohlenen ätzenden und bleichen» den Methoden ergeben fast niemals befriedigende Erfolge. Melnekescher ZNänner-Ehor. Am Freitag, dem 1. August, b«. teiligt sich der Chor geschlossen am Singen auf der Schloßterrasse um lS.30 Uhr. Danach Uebungsstunde.im Bereinslokal, Nord» Ufer lä.'-.«K-»•, Allgemeine Wetterlage. 29.üuli 4930,abds. Die Zyklonentätigkeit über dem nördlichen Mitteleuropa beginnt jetzt allmählich nachzulassen. Einzelne Störungen, gaben heute im nördliche» Deutschland noch zu zahlreichen Gewitterschauern Anlaß. «stärkere Niederschläge sielen ober dabei nur im Küstengebiet. Wesentliche Störungen scheinen jetzt von Westen nichr mehr in An- marsch zu sein. Vielmehr steigt das Barometer über Westeuropa allgemein. Es ist daher auch in unserem Bezirk mit sortschreitender Besserung zu rechnen. Zunächst dürste es aber noch etwas un- beständig bleiben, da bei der raschen Temperaiurabnahme nach oben die mittagliche Schauerbildung begünstigt wird. V Wetter für Berlin: Zeitweis« heiter, aber immer noch etwas un- beständig. Temperaturen wenig verändert.— Für Deutschland: Im Süden ziemlich heiter, am Tag« mäßig warm, im Norden immer noch unbeständig, strichweise Gewitterschauer. Noriräge,VeremeundVersammlungen. LH» Reichsbanner..Schwarz-Rol-Gold". MjAM«efiaMstlell«: Berlin 6. 14. T-b-NianNr. 87-88, Sok 2. St 'SylVJ' RculäEn-Bttk(Cttanmin): Set für Sonneretag, 81. tzull, onse. feste technische Dienst fällt au».— Lichtenb-ra, Kam. TraomlaS- Donnerstag, 81. Juli, 20 Ubr. Sitzunq bei Seipte. Nronprinten. Ecke seaarn. neberstraKe. Etfefiemett Pflicht.— fftiei)ciif)«I)om(OeUBetei»): Bläferiorv»: Die Uebungsstnnden finden wieder jeden Krei'ag, 20 Uhr. dei Neurnann, Gubener Sir. jz. stnti. Tüchtiae erste Pistanisteil und erste Lramreler werden nach eingestellt. * Zum SJu» hei«utrilriegslundgebung der SPD. am Ureitag, I.««(tust, treten die Ottsoeretiie wie folgt an; fltet« Berliu-Sesten: WH Uhr auf dein Genbaunennuxrkt iobne Lohnen). Berliu-Ritte iOrtsverein): 18 llhr Neuer Markt l«hnd Tahrieuj, A!achdiigl«rt Echloü(an. der schlobfreihcit). Srirdrichs- Hai» fOrtsvereins: 18 Uhr in Bannerkleidimq(ohne ffihnenZ auf den Aamerod. fchaftsfammeipläSen.»rruzberg: 1S4H Uhr Zonlanepromenad« in Bunde«. kleibung mit Tambourtorvs ahne ssahnen. Eharlotrenburg; Ill'h Uhr auf dem chendarmentnartt. TemvelimI: 18 Uhr UNsteinstraße mit SpieUnannszug. Reinickendorf iKameradslhaft R.-Ost>: 18 Uhr am Seebad. .Sturmvogel�, Flugoerbond dar Werttätigen, r. V., Bezirkogruw«?rled- »ichvhain. Am 1. August Monatsversammlung Petersburger Hof, Petersburger Strohe 57. Am 8. August Bestchtigung des Zentralflughafens Temvelhof. Treffpunkt 14.40 Uhr Flughafen, Endstation 73. Gaste millkommen. Gebühr 85 Pf. Reichsbund der ZIriegsbelchädigteu. Kriegsteilnehmer und Kriege rhinter- bliedenen, Bezirk steiitrum. Montag, 4. August. 20 Uhr, findet in den Test. säle» Hackefcher Hof, Bosen thaler Str. 40—41, unsere Monatsuersammlung statt. Referat Kamerad Menbe, Gauleitert..Besehe des Reichsbundes". Sclbsthilsebund dtt KSrperbchindcrten iReichsbund Deutscher Krüppel), Landesrerband Berlin. Drandeiidurg. Geschäftsstelle: SO. 10, Schmidstr, Sa. Es sinde» folgende Versammlungen statt: Mitte! Am 11. August im Vereinshaus ..Südost', Michaelkirch. Ecke Wusterhausener Strahe. Beginn 20 Uhr.— Tier- garten: Augnstverfammlung fällt aus.— Wedbing! Am 7. August im Lokal Srdmami. Schönmalder Str. 25. Beginn 19 Uhr.— Prenzlauer Berg: Am 21. August in den Mustker.ssestlälen, Kaiser-Wilhelm-Etr. 81. Beginn ISZH Uhr. — Friedrichshai»; Am 4. August im„Tilstier Vereinshaus". Tilsiter Str. 04. Beginn Ig'.-i Uhr.— Kreuzberg: Am 2. August im Lokal..Epork-Klause", Echäu- leinstr. 8. Beginn 20 Uhr.— Reukäsin: Am 2. August im Lokal Bernharb Damm. Hergbergstr. 22. Beginn 20 Uhr.— Spandau: Am 30. August im Lokal Branner, ssalkenhagener Str. 50. Beginn Illsh Uhr.— Reinickendorf! Am Wahrend der Ferien- und Reaseseil ■ kann der„Vorwärts" und der„Abend" auf jede Dauer allerorts bezogen werden. Touristen und Wanderer fordern das Zenlralorgan der Soiialdernokratlschen Partei Deutschlands bei den Bahnhofsbuchhandlungen, Zeitungs- Kiosken, Buchhandlungen und sonstigen Verkaufsstellen. 9. August Hei Littlchoger. Scharmveherstr. 14. Beginn If H Uhr.— Eharlatten- bürg: Am IS. August bei Riihrig. Schloßstr. 45. Beginn IS� Uhr.— Treptow. KSpruiS: Am 14. August bei Ernst Streubei. Daumlchuienwcg, Baumschulen. Ecke Scheiblerstraste. Beginn IS'.H Uhr. Deutscher Arbeiter-Abstinenten.Bund. Bezirl«,rnppe Lichtenberg. Vortrag der Genossin Siabtoerordnete Rosenthal über..Ällohol und Gesdilechtskrank. heilen" lZreitag, 1. August. 20'..) Uhr. im Ratskeller des Eladihauses Rummel«. bürg, Etadthausstr. 1. Gäste sind herzlich willkommen. Sozialistische Vegetarier-Vereinigung. Sozialdemokratisd)« Anhänger des Begotarismu«, die sich in bürgerlichen Bereinigungen nickt mehr wohl fühlen und geneigt sind, sich einer eigenen sozialistischen Organisation anzuschließen, werben gebeten, ihre Adresse bei der Erpedition des„Vorwärts", Berlin EW. 88, Linbenstr. 8, unter dem Kennwort„Soziaiistisdie Vcge!arier»Vereinigung" ab. zugeben. „contra Hispania" E. V., KurfOrstendarnrn 18 10.„Katfec des Westens" am Freitag, dem I.August, 21 Uhr, Confeiencia dei Sr. Frowein„Toledo". Sport. Rennen in Hoppegorten. SsmmsrkrisckiDr lassen sieh den„Vorwärts" bei einer Aufenthaltsreit bis iu einer Woche per Kreuzband nachsenden. Das Porto beträgt wochentags in Pf Sonntags 18 Pf.(pro Woche 70 Pf). Bei längerem Aufenthalt ist der „Vorwärts" auf dem billigeren Wege der PostÜberweisung zu beziehen, welche die Hauptexpedition vornimmt. In diesem Falle kommen zu dem Abonnementsfaetrage nur die Postbestellgebühren von 72 Pf. pro Monat. Wenn Nachsendung der Zeitung gewünscht wird, ist die In Frage kommende Ausgabestelle oder die Hauptexpedition des „Vorwärts", Berlin SW 68, Lindenstraße 3, möglichst eine Woche vor- her zu benachrichtigen.* LaubenkoSomslen B wird der„Vorwärts" durch Boten zugestellt Genaue Bezeichnung der Laube ist erforderlich. \/�»««, H-4' g»_\ls\***• Berlin SW 68, LindenstreBe 3 vorwärts Verlag Femtpreeher DönhoH 292-297 Im Zeichen starker Felder und dementsprechend guten Sports standen die Dienstagrennen auf der Bahn des Union-Klubs. Mittelpunkt der Geschehnisse war derHoppegartenerEhren- preis, in dem Na reiß unter H. Blum« seine Steeplerbürde von Kilo zu seinem sicheren Siege über Walzerträum trug. Im Preis von Woltersdorf kain in dem 5)anielschen Fex, ein rechter Bruder des großen Ferro, erstmaltg heraus. Der Zweijährig« lief ein ausgezeichnetes Rennen, wenn es auch nicht zum Siege gegen die hochgehaltene H a a r s t o ck e des Gestüts Röttgen langte. E r g e b n i f f«: Pro!»»an.Y«!dzutühle, 2800 M., 1800 Meter: 1. Alfons Toskos Granit iAndrlr): 2. Eminenz(Krdalek)! 8. Meisterstück(Sauerlandl. Tot.: 12. PL: 10. 12, 12. fi.: giometta(4.), San Domen ieo. Morgenrot, Prinecst Mosha. Z'h— Hal»—% Ha.— Prvi»»om Sliefj, 2800 M. 1000 Meter: 1. Gestüt Haus Brunschwiqs ssatime(Böhlke): 2. KSrner (Munro): 8. Soroniase., Eo-frile. Mark. Dara. sAunder. Kops— Kopf— Kopf.— Preis von Fichtenau, 8800 M.. 2200 Meier: 1, stall Sagos Virgil(Printen): 2. Freiwilliger(Ludwig): 8. Lanfranchi iGiibli. Tot.: 88. PL: 22. 88, 80. tz.: Kerner(4.), Siluiu». Alp.'nflieger. Senpill. Audaeia.'Ii— Kais— 6 Lg.— Preis»ob Woltcrsbarf, 891 st M.. i200 Mc'er: 1. Gestüt Rottgen, Soor flocke(Bühlke): 2. fhex iBIeulcr): 8. Tolentino (Göb». Tot.: 41. PL: 30, 17. ff.: Abschied(4,), Kamerad(blieb stehen). Rawa. 2—'Ii— 2 Lg.— Koppeoartener Ehrenpre'«, 8500 M.. 1800 M-ter: 1. Gräfin Sellborss 91a er ist(H. Blume): 2. Walzertraum(Munro): S. Sera, kle» iHuguenin). Tot.: 25. PL: 18, 18. ff.; Sterneck. Kols— 2 Sals.—. Preis»on Eggersdars. 2800 M.. 1000 Meter: 1. A. Weber-lllonnenhofs Bell»» (Ludwig): 2. Vingulist(Ezarnestki): 8. Marbod iPrinlen). Tot.: 284. Pl. 05. 85. 75. ff.: Schima»(4.), Antonius. Loga. Rentmeister. Pastn. Villa, Epelpe, ffestköniain. IVi— 2— 1 Lg.— Preis»on Sestenwinkel, 2900 M., 201X1 Meter; 1. S. Müllers Steinfeld(Suguenin); 2. Melusine(Egger-i): 8. Dalibor iBlatle): 4. Loblied tMunro). Tot.: 110. PL: 25. 28. 30, 18. ff.: Satrap. Sella T(5.). ffeifen, Iago, Tantor(angeh. u. getdlet), Morganat, Majesto. Kasbek, Patras. 1),—>.»—'Ii Lg. iOStfl1 iU�0 < Fundamente der Weltstadt> Tief im SchoQ der märkischen Erde Hegt ihr.Baugrund. Auf ihm wächst die Millionenstadt und von einem ihrer modernsien Jn du s tri eh aus er nimmt das Köstlichste seinen Weg Mas Raucher kennen t Jtosetti dtuuao Berlins meisigerauchie 4*8 Cigareiie Cinfenhungcn für diese Rubrik sind v e r l i n SW«Z, Lindcnstrasio Z, parteinachrichien�MfürGroß-Berlin stet» an da» Bezirkafekretorial Z. Hos, 2 Treppen rechts, zu richte». Achtung, Abteilungsleiter! Transparente für die Antikricgskundgeb»«« am Z. August sind umgehend vom Bezirtssekrctariat, Linden- ftraße 3, abzuholen. » 11. Ärvis EchSneberg-Friede'nou. Am Tonnrrs-tn?. Juli. 20 IT&t, findet im •�rftourortt Alfred Will. Gchdnebera. Martin-�u-tkfer'Gtr. W, einr Sitlunq des. Kreis-varftande? mit den Abteilungsleitern und Abtellungskassierern stntt. Um bestimmtes Erscheinen wird gebeten. 13. Äwi« Tcmpelhnf. Mittmoch. 30. Ivli. ffoffwlochca für alle � Konsummitglicder um 15 Ufer im Birtcnmöldchen. Z�cmpelhos. teuffelstraße. Kanzelt. Ainderl�elustigungen u. o. Kuchen muh aus den � Verkaufsstellen mitgebracht werden, da kern Kuchenverkauf stattfindet. m- 14. Kreis Neukölln. Heute. Mittwoch..30. Juli, um 19% Uhr, Sidvng des er. meiterten Krsisvorstandes in alter Besefcunq an bekannter Stelle. Die Transparente für den 1. August sind umgehend von den Abteilungsleitern vom Parteibüro abzuholen. 20. Kreis Reinickendorf. Treffpunkt für die Antikrieq�undgebung am fl'mtgg. 1. August, am Seebad in Reinickendorf.Ost. Abmars6> pünktlich 17% Uhr. Beteiligung aller Genossen und Genossinnen ist Pflicht. # Heute. Mittwoch. 30. Juli. 7. Abt. tlhr bei Bärwalde. Schlegelstr. 8. �unktionärssduna. 24. Abt. Die Bezirksfiihre? werden gebeten, sofort die SommÄIisten von den Gruppenführern abzuholen. 29. Abt. 20 Uhr bei Klug, Dan�iger Str. 71(nicht bei Burg), Funktionär- sisiung. 48. Abt. 20 Uhr bei Reibe. Gitsduner Str. 88, �unktionarsikunq. 88. Abt. Mariendorf. 20 Uhr bei Görlifc. Ehausseestr. 19. ssunktionarsihlvng. 94. Abt. Neukölln. Die Bazirksführer werden gebeten, zur Kundgebung am Freitag einzuladen. Treffpunkt Hohenstaufeilplofl. 104. Abt. Riederschöneewide. 2«> Uhr bei Tomalla, Berliner Str. A8, i?unk. tioncirsi�ung mit dem Abteilungsnorstand. D-e Mitgliederversammlung im August findet bereits am 8. August bei ssritz Kubat, Brückenstr. 15. statt. Morgen. Donnerstag. 31. Juli. 3. Abt. 19% Uhr im Saal 3 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24-25, ä'.'ßerst wicbtigc Tunktionärsitfunq. 5. Abt. 19% Uhr bei Lukasch ewski. Georqenkirchssr. 38, �unktionärsisiung.— Am Freitag, 1. August. Treffpunkt 18 Uhr Arkonavlah. 9. Abt. 19% Uhr Vorstandssidung. Um 20 Uhr �unktionärsihung bei Hübner, Wilsnacker Str. 34. 31. Abk. 20 Uhr bei Goldschmidt. Stolpifche Str. 36, wichtig« �unktionorsitzung. 3?. 1«% Ubr bei Kromvbarhk. Vaul.Sinaer.Sbr 4». �unNibnAvss�uück. ?8. Abt. 19'.. Uhr bei Büsch, Tilsiter Str. 27. �unkt.onarsit�ung. 47. Abt. 20 Uhr. bei Gesch<'. Wrangelstr. 21. wichtige Tunitionärsit�ung. SZ. Abt. Ehorlottenburg. 19�4 llhr Sitzung der Abteilungsleitung mit ollen .Kahlabendleitern bei-Lvr. Huttenstr. 26. 78. Abt. Schöneberg. 20 Uhr bei?latho, Prinz-Gcorg-Str. 10, Funktionär» sitzuna. 97. Abt. Neukölln. 19% Uhr bei Krüger. Emser Str. 86. Thmktionärsstzung. Lichtenberg. 114. Abt. 19% Uhr bei Schwarzer. Gabriel-Mar-Str. 17. Bor. stands. und Tunktianarsitzuna.-- 118. Abt. Um 21 Uhr �unktionärsitzung bei Jahn. Irenen. Ecke Triedrichstratze. 132. Abk. Blankenburg. 20 Uhr bei Klug, Dorfstr. 2, Funktion ärsitzung. * 109. Abk. Friebrichshagea. Boraozekge! Am Sonntag, 3. August, im Kurpark Friedrichshag-'n, Bosksfeft. Programm: Konzert. Gesang, Rezitationen. Ansprache des Genossen Stelling, turnerische Vorführungen, Fackelzug. Gintritt frei! Borher Umzug durch die Strassen des Ortes. Treffpunkt 14 Uhr vor dem Wagner-Lnzeum. Bruno.Wille-Straße.— Am Freitag de. teiligen sich die Mitglieder der Abteilung an der Antikriegskundgebung. Trvffpunkt 15% Uhr am Köllnischen Part. Arauenvcranstallungen. 2». Abt. 7 1«! Uhr ein Kasfeesochen im Cpartrcftautant OZvalsiki. Tantian- sirasic, siatt. ZZ. Rkt.?ie,nassinnl> dar hmite noch als R«zis»s»hr->r tZsiz, Isirnass, S m i l R« ch c. RO. 4Z. Liahmannstr. 1«, modnhost. 7» Zahrc alt. Schau al» jnnpar Railrrr schloß sich Tmil Rück« wöhroo!, I>,S Sazialistcn. aosckr» her sozialistischen Bemegnna an, Rachhem SSäifc jahrelan» als selb. Itanhiger Raurermeister in Ei-fflanh seinem Berus nachgina. mar es für ihn felbstverstouMich. haß er nach seiner Rückkehr Heu Anschluß an hie SPD. suchte unh sanh. Bis auf Heu Heutiheu Sag arbeitet cheuasic Rücke mit lebhaftem Eiser. manchem Jungen»um Vorbish, für hie Partei, ebenso auch für has Reichsbanner. Wir münsi�en an diesem Tage, baß dem chenasfrn Mücke seine Rüftigscit noch recht lange erhalten bleibt, im Interesse seiner Angehörigen und der Partei. 7. Abt. Unserem liebenerffiHa|l6- han», Engeluser 24, 29 tGroher Saal) Versammlung der Rohrleger und Heller Tagesordnung: SerlehlerstaNnng und veschlnh. Fassung Über unseren Tarls. Jeder Kollege muß zu dieser Detsamm- iung erscheinen, Ohne Mitgliedsbuch lein gulritt. AMIuog. SauRlempver! Donnerstag, den 34. Aull, abends 7 Uhr, In den �Andreas- ZestsSlen', Andreasslrahe 21 Versammlung aller Sau-. Las- u. Wasser- hiempner Tagesordnung: verlchserstattung nn» Deschlatz' Fassung Über unseren Tarls. Jeder Kollege muß zu dieser Dersamm, Iung ericheinen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Pertrauensieute teesfen sich eine Ltunde früher im llokoi. Die Orlsverwaltung, Weder riß der Tod einen alten, bewährten Mitarbeiter der Berliner Volksbühne dahin- Ganz- unerwartet verschied Edmund Laengner seit der Jahrhundertwende Funktionär, seit me+ir als zwei Jahrzehnten Revisor der Neuen Freien Volksbühne und dann der Volksbühne E. V. Mit vorbildlicher Hingabe hat er der Idee der Volksbühne gedient. Sein immer freundliches, liebenswürdiges Wesen und seine treue Kameradschaft maenten ihn allen, die ihn kannten, zu einem lieben Gefährten. Die Volksbühne winl sein Andenken in Ehren halten. Die Trauerfeier findet am Donnerstag.dcrn 31. Juli, 14' I Uhr, in der Kapelle des Neuen Gemeindefriedhofs Baumschulenweg, Kiefholzstraße 221, statt Vorstand und Tervaltung der ToIksbGbne E. V. [R. 138 OPTIK- PHOTO Battri'HV'tS! BerUn-Weifjeiwee, Berliner AUee 14! Ecke Tassosttaße— Telephon: Weißensee 284 Lieferant für alle Hrankenliassen ■ SOZIALDEMOKRATISCHES 0ISKUS8I0N80R0AN bringt stets DAS AKTUELLSTE ZUM WAHLKAMPF Bestell«•• noch heute bei der Botenfrau des„Vorwärts" oder auf dem Postamt(Postzeitungsliste 1630, Seite BS) 85 Pf. Es kostet monatlich suzflglleh Porto Verlange vom Verlag Probenummarn und Werbematerial gratis und portofrei MeNoweeotidmms Reichshilfe/ Einkommensteuer/ Ledigensteuer/ Finanzausgleich/ Tabaksteuer/ Gemeindebiersteuer/ Bürgersteuer/ Osthiife/ Arbeits- losenoerficherung/ Krankenoersicherung/ Reichsversorgung/ Unwirt- schaftliche Preisbindungen/ Haushalt im i&titxi des AeichSsesedblattS Rcichsgesetzb'att Teil I, Nr. 3!. Preis 75 Rpf. ausschließlich der Postgebühren. Reichsverlag�ami, Berlin NW. 40, Scharnhorststraße 4 Deutsdier MetallaHr-VeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanxecge Don Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Feilenhauer rrgas Werver geboren It. Januar 1872. am 27. Juli gestorben ist. Die Pcerdigung sindel am Donners» lag. dem 31. Juli, 15 Uhr, von der Leichenhalle des St. allothäus» Kirchhofes in Südendc aus statt. Rege Deteiligung wird ermattet. Nachruf Unser Kollege, der Kernmacher Paal Fröhlich gehören am IT?utt 188., ist am .22, Juli 1330 gestorben. Die Beerdigung hat bereits statt. gesunden. Ehre Ihrem Andenken! Die OrUTcrwallang. 118. Abicilnng. Lichtenberg Todesanzeige Unser langjährig verdienter Funk» tiondr, Genosse Max Gloger Subertusstratze 51, ist als Opfer des traßenverlehrs verstorben. Ehre feinem Andenken. Einäscherung am 3l. Juli 1330 um 18 Uhr im Krematorium Baum- schulcnweg. Abteilungsvorstanb. Für die rege Beteiligung bei der Einäscherung unseres Sohnes I�ritJE Schenke sagen wir den Belciliglen unseren besten Dank. Adolf Schenke und trau IJUc die niclcu Beweise herzlicher Teilnahme bei der Bestallung meines lieben guten Mannes, Bruders, Schwagers und Onlcls Oswald Lochmann sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, Genossinnen und Genossen der t>4. Abt. der SPD., insbesondere deren Abtetlunasletler Herrn Riedel und dem Herrn Redner vom Verband der Freidenker sowie dem Verband zoologischer Special- geschäste meinen berzuchlleu Dank. W w. Bertha Locfamann Neukölln, berriurlhpian 4. 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Schon im April war die Entwilktung des Teuerlingsindex z. B. in den preußis6>en Äerichtsgemeinden durchaus uneinheitlich. So betrug die Senkung für April 1930 gegenüber dem Monat März >930(die Teueriingszohlen immer in Reichsmark angegeben), z. B. in Magdeburg 4,0.3 M., in channooer aber nur 2,38 M., in Kre- ' id 2,17 M., in Berlin 2,20 M. und in Herford nur 2,07 M. Im Mai 1330 wurde der Rückgang noch geringer. Jür d�n Juni käsit sich«ine allgemeine Erhöhung der Lebenshaltungskosten scsistellen: In der Zeit von April 1930 bis Jim! 1930 steigerte sich z, V. die Tenerungezahl nn Monotsdurchschnitk und in Reichs- mark in Königsberg von 157, 23 M. aus 161,41 M., in B e r l l n oon 150,21 M. aus 154,75 M., in Eberswald« von 129,44 M. auf 130 M., ln Scnstenbcrg von 145P2 M. aus 148,26 M., in Demmin von 129,86 M. auf 129,91 M., in Stettin van 117,62 M. aus 150,09 M., m Neust ettin von 128,37 M. aus 129,81 M., in St o l p von 123,48 M. auf 128,74 M., in Reichen- dach(EulRigebirge) von 129,99 M. auf 130,17 M., in Waldenburg i. Schl. von 131,36 M. a»s 139,29 M., in Gleiwitz von 150,83 M. aus 151,06 M., in Halberstadt von 139,40 M. aus 140,03 M, in Magdeburg von 133,25 M. auf 133,68 M., in W e i ß« n s e l s von 132,71 M. auf 134,90 M., in Erfurt von 140,52 M. auf 140,99 M.. in Kiel non 144,49 M. auf 144,95 M.. in G ö t t i n g« n von 131,93 M. auf 134,03 M., in D o r t ni n n d von 156,82 M. auf 157,79 M.. in Hagen(Wests.) von 158,11 M. aus 138,17 M., in Fulda von 146,64 M. auf 146,90 M., in Frankfurt a. M. von 165,71 M. auf 165,72 M.. in Koblenz von 164,16 M. auf 164,82 M., in Essen von 144,42 M. auf 145,21 M., in K r e f e 1 d- II e r d i n g e n a. Rh. van 150,98 M. ans 155,08 M., in Solingen von 161, 55 M. auf 163,74 M., in Köln von 1.97,01 M. auf 158,94 M. und in A a ch e n von 150,84 M. auf 152.62 M. Die Steigerung der Lebenshaltun-gskosten ist nieht zufällig. Dafür sargte auch der Reichsernährungsminister Schiele mit seinen Zollerhöhungen, Einfuhrdrosselungen usw. Wir müssen nach Lage der Dinge— von der bombastisch angekündigten Preissenkungs- aktion oersprechen wir uns nicht viel— mit einem steigenden Teuerungsindex rechnen. Die Unternehmerschaft, die ja den Teuerungsindex für den Lohnobbau ins Treffen geführt Hot, müßte als» auf Grund des gleichen Teuerungsindex sich eigentlich zu Lohnerhöhungen bequemen. Bis 350 Mill. Sonderaufträge. Das Arbeitsprogramm Per Reichsbahn.- Arbeit für 180000 Menschen. Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschast hat jetzt ihr Arbeits- b schafsungsprogramm bekanntgegeben. Mit dem Reich ist ein Ab- lammen geschaffen worden, wonach zur Belebung der Wirtschaft t-ud zurLwderung der Arbeitslosigkeit die Reichsbahn neue Bestellun- a n und Arbeiten bis zur Höhe von 3-50 Millionen Mark i.--geben soll. Zunächst sollen 150 Millionen Reichsmark Schatz- vnweisungen zur Finanzierung dieser Austräge begeben merden, außerdem erfolgt ein Borgrtsf aus die Bestellungen des Jahres 1931(eine Mitteilung darüber, ob das Reich den Zinsen- d-enst für die Schatzanweisungen übernehmen wird, macht die Reichstahn noch nicht). Die Reicksbahn will die Aufträge herausgeben, i> e n» die erforderlichen Dorverhandlungen abgeschlossen sind und insbesondere über die von der Regierung geforderten Preis- ermäßigungen mit den Lieferfirmen U eberein- 0 i m m u n g besteht.— Es wäre zu verlangen, daß die Reichsbahn « her dos Ergebnis dieser Verhandlimgen über Preissenkungen der Lesfentlichkeit Mitteilungen macht. Das Aibeitsbeschafsungsprograinni sieht im einzelnen vor: Erhöhung der jetzt aus monatlich ZOlXiO Tonnen gedrosselten Weferlingen von Oberbau Material auf 50 000 Tomieu, was Neubesckafsungen bei der Eisenindustrie im Werte von 80 TO i I Ii o n e n Mark entspricht. Bei d--? Durchführung des Gleisumbaus innerhalb des Jahres 1930 werden für Bztwngsstofse und Löhne 20 Millionen verwendet. F a h r- zeugbestellungen im Werte von 80 Millionen Mark werden vorgriffsweise schon jetzt herausgegeben. Dazu treten die Bestellun- gen von Brü enbauten im Werte von 10 und von Siche- rungs anlagen im Werte von 2 Millionen Mark. Für R e u- bauten ist ein Aufwand von annähernd 50 Millionen, zur Auf- siillung der Werkstöttenläger und für Sonderarbeiten an den Fahr- zeugen sind weitere 30 Millionen Mark vorgesehen. I n s g es a m t wird die Reichsbahn durch Aufträge von e t w ä 772 Millionen Marl die industrielle Beschäftigung zu ver- bessern versuchen, wodurch noch der Schätzung der Reichsbahn in den letzten Monaten dieses Jahres etwa 180 0011 Menschen mehr Beschästigimg finden werden. Entscheidend bleibt für die Durchsüh- rung dos Programms die Finanzierung. Reichsbankpräsideni Dr. Luther verhandelt gegenwärtig nach mit den Banken über die Unterbringung der 1.50 Millionen Mark Schatzanweisungen, die varaussiästlich fünf Jahre lausen und mit 6 Pro.;, verzinst werden sollen. Es scheint beabsicktigt zu sein, daß das Reich wenig- st e n s auf einige Jahre, da die Reichsbahn die zusätzliche Belastung aus den Sonderaufträgen nicht glaubt trägen zu können, die Zinslast der Schatzanweisungsanleihe über- nimmt. Keus Rezchsgaraniien imNviprogramm In den Notoerordnungen befinden sich einige finanzielle Bestimmungen, durch die das Reick meliere Kreditgarantien übernimmt und die offenbar mit der Arbeitsbesckaffnngspolitik des Reiches ebenfalls eng zusammenhängen. Nach diesen Bestimmungen wird der Reichsfinanz mini st er ermächtigt, zur Förde- rung des deutschen Außenhandels Garantien bis zu 350 Millionen(statt wie bisher 175 Millionen) ZU übernehmen, ferner eine Zinsgarantie für die von der Deutschen Reichsbahn- gesellschasi bis zum Betrage von einer viertel Milliarde zu emittierenden Schuldverschreibungen. Drittens hat sich die Reichs- oegierung ermächtigen losten, die Darlehnsforderungen des Reiche? ans der positiven Erwerbslosenfllrsorge in eine Gesellschaft einzubringen, die bekanntlich auf der Grundlage dieser Darlehen Ausländsanleihen beschaffen soll.(Das Projekt soll zurück- gestellt sein.) Endlich wird auch die Ermächtigung des Finanz- Ministers zur Durchführung der Mansseldsubvention zu dein das Reich belastenden Betrage von 1,32 Millionen Mark ausgesprochen Geiarnte Trufireklame. Das Fettzwangsqeseh- eine Gefä ligteit für den Margarinelrust? Einer unfreiwilligen Reklomeaktion für den Margarinetrust opfert das Organ der deutschen F l c i s ch e r m e i st e r(Nr. 169) «ine Titelseite im Rahmen seines Feldzuges für ein Zivangsgesetz zur Schmcil.zab nähme. D:e Fleischer wollen jetzt eine eigene Margarinesabrlt aufmachen und hoffen dabei auf gütige Suboentiomerung durch Herrn Schiele. Die Fleischerzwangetimung von Halle a. d. S. hat bereits beschlossen, nur noch inländische Rlnderfettmargarine zu verkaufen. Der Plan, das deiitsche Rinderfett in einer neuen Margarinesabrik verarbeiten und in den Metzger- laden zur Schau stellen zu lasten, steht zwar in einem gewissen Widerspruch zu der außerordentlich eifrigen Propagierung des Zwangsgesetzes für den Fettbezug: denn die Durchführung der einen Maßnahme macht schließlich die andere überflüssig. Aber die Metzgermeister ghauben offenbar selb st nicht recht an einen Erfolg ihrer geplanten Rinderfettmargarinefabrik. Und so beschäftigen sie sich in ihrem Leibbiatt immer noch mit Ber- s ichen, die Unansechtbarkett ihrer Pläne z» beweisen. Zu diesem Zweck wird des langen und breiten dargetan, wie nötig die An- wendung der staatlichen Gewalt.zum Schutze der Allgemeinheit vor dem immer mächtiger werdenden Morgannetrust sei: das Mittel dazu fei das Fettzwangsgesetz, das gerade unter diesem Gesichts- punkt zu billigen und zu begrüßen sei; cs sei eine Pflicht des Reiches, feine Bürger gegen die Zwangswirtschaft eliier ausländischen Kapitalmocht zu schützen. Das klingt sozial und ist es gar nicht. Das Fettzwangsgesetz würde nämlich nach Ansicht der tru st freien Margarine- fabrikanten, di« doch schließlich auch etwas von der Sache ver- stehen, dem Trust bei seiner wetteren Expansion sehr dienlich sein und ihm viel weniger schaden als den freien Fabriken. Denn der Trust kann das minderwertige Rin8i-rttett, das man den Speisefett- jahrclut auzzwinzen will� m fernen Ageneu Soijensabrrleu untex- bringen(Seifenfabriken Suitlicht, Elida, Schicht, Mitteldeutsche Seifen u. a.). Die freien Speisefettfabriken dagegen mühten beim Verkauf der für sie unbrauchbaren und wertlosen Fette erhebliche Verluste erleiden. Di« Berlockung für die fteien Fabriken, sich dem Trust zu beugen, würde durch di« Möglichkeit, das aufgezwungen« Rinderfett an seine Seifenfabriken zu verkaufen, unter dem Fett- zwongsgesetz noch verstärkt. Der Trust könnte aber auch im Gegen- setz zu den kapitalschwachen freien Fabriken di« Fabrikation ins Ausland verlegen, in dem es kein Fettzwangsgesetz gibt. Auch daraus ist von den selbständigen Speisefettfabrt'anten schon hingewiesen worden. Das Fettzwangsgesetz könnte also nur eine Stör- kung des Trusts zur Folge haben. Das Vorgehen der Fleischer erweist sich danach als Erntis- rcklame für den Margarinetrust, der mit Hilfe des Fettgesetzes seine Herrschaft noch weiter ausdehnen kann. Noch etwas offenkundiger als in der„Fleischer-Berbands- Zeitung" wird im Textteil der„Berliner B ö r s e n- Z e i t» n g" für den Margarinetrust Propaganda gemacht. Der M i l ch g e h a l t der Margarine ist seit langem eine zweifelhaft« Angelegenheit: man kann ohne chemische Analyse nicht direkt behaupten, daß die billigen Margarinesorten keine Milch enthalten, aber der Darstellung des Herrn Anton Jürgens, eines der Herrseher im Margarine- trust, braucht man deshalb doch noch nicht zu glauben. Anton Jürgens stellt die Sache in einem von der„Börsen-Zeitung" wieder- gegebenen dreispaltigen Artikel so hin, als sei in der Margarine mehr Milch verarbeitet als in der Butter. Die Firma Van den Bergh, die sich zuvor in dem holländischen Städtchen Oß mit dem Butter- Handel befaßte, habe im Jahre 1890 auch deshalb ihren Sitz nach Rotterdam verlegt, weil dort der Bedarf an Milch bester gedeckt werden könne. Auch in England und Deutschland hat stch nach Herrn Jürgens die Margarineindustri« nicht etwa an Hafenplätzen ange- siedelt, die für die Rohstoffversorgung aus Ueberfee günstig liegen, sondern dort, wo die Milchbeschaffung nicht auf Schwierigkeiten stößt. Wem jetzt Margarine immer noch nicht bester als Butter schmeckt, dem ist nicht mehr zu Helsen! Die Berliner Forjchuugsstell« ssüx d«n Handel kgte vor kurzem eine Broschüre über das Zugabewesen vor, in der unbesehen die Behauptung des..Schiitzverbnndes für Wertreklame" wiedergegeben wird, die„Wertreklame" sei gerade eine Stütz« der Schwachen im Kainpse gegen die Starken. Dabei sind die Berfasser der Broschüre auf die Zugabeoersprechungen des Margarinetrusts bei ihrer Ilniersuchung an verschiedenen Stellen gestoßen: der Trust tritt allerdings gerade dann gerne getarnt aus, wenn er Zugaben verspricht. Er ist heute der mächtigst« Interessent am Zugabewesen. Es wäre interessant, einmal zu unter- suchen, wieweit er seinen Einfluß bei dem Streit der Meinungen um«in Verbot der„Wertreklame" unterirdisch geltend mackzt. Konsumveteme in der Wirifchastskrise. Empfindlich gedrosselte Umsätze. Auch der Iunibericht des Jentralverbandes Deutscher Konsum� vereine über die Umsatzentwicklung läßt di« starke Kanfkraftdroste- lulig erkennen, die die Wirtschaftskrise bei den Kavstimvereinsmit- gliedern erzeugt. Obwohl in den Juni das Psmgstiest fiel, das immer größere Einkäufe bringt, ist der Wochen- und Mitglieds- irwfatz gegenüber Mai mit 8,44 Mark nnoerändert geblieben, liegt um 43 Pf. oder rund S Proz. hinter dem Wo6)eii> und Mitglieds- Umsatz des Monats Juni des Jahres 1929. Es ist also nicht»ur keine Zunahme mehr zu verzeichnen, sondern ein erheblicher Rückgang, der keineswegs für Krisenzeiten selbstnerständlich ist, da bei- spielsiweise im Jahre 1926 die Kon.suirwereinsumsätze trotz der damaligen Wirtschaftskrise nicht zurückgingen, sondern sogar erheblich stiegen. Der Verband ostdeutscher Konsumvereine, in dem die Kon- sumgenosseirschast Berlin die Entwicklung kennzeichnet, liegen die Ber- hältniste noch ungünstiger als im Reichsdurchschnitt. Trotz der starken Aufwärtsentwicklung der Berliner Konsumoereinsbewe.gung im Laufe des letzten Jahres hat die Wirtschastskris« dazu geführt, daß im Juni 1930 der Wochen- und Mitgliederumsatz im Verband ostdeiutscher Konsumvereiii« um 1,38 Mark unter dem Reichsdurchschnitt lag gegen nur 1,07 Mark im Juni 1929. Die größten Rück- gäng« im Zentralverband ergaben sich für Sachsen mit 1,33 Mark gegenüber dem Juli vorigen Jahres, für Thüringen mit 0,93 Mark und für Ostdeutschland m'st 0,76 Mark. Das arbeitende Volk schützt sich am besten vor Krisemvirkimgen, indem es durch Stärkung der Konsumvereine deren Umsotzkraft und Leistungsfähigkeit erhöht. Leder als Luxus. Mode- und Lederkonjunktur'— Leiflungllsteigerung in den Großbcirieben. Der Produktionswert der deutschen Lederindustrie ist im Jahre 1929 nach einer in„Wirtschaft und Statistik" verössenl- lichten Untersuchung aus 796 Millionen Mark gegen 936 Millionen Mark im Jahre 1928 zunickgegangen. Das Erstarken der Schuh- Industrie führte jedoch zu einem Anwachsen der Einnahmen ans der Lohgerberei um 26 Proz. auf 6,58 Millionen, die in der obigen Ziffer nicht enthalten sind. Der Einkausswert der 1929 verarbeiteten Häute und Felle war sogar um ein Viertel geringer als 1928. Das ist teils auf den Rückgang der Häutepreife, teils auf das Sinken der Einfuhr getrockneter Häute zurückzuführen. Der Preis der Kalbfelle betrug m Berlin im Jahresdurchschnitt 1929 0,93 Ml. für ein halbes Kilo gegenüber 1,29 Merk 1928. Die deutsche Lederindustrie verbrauchte, dem Lause der!vi ode solgend, im vergangenen jihre 2,37 Millionen Kilogramm(gleich 158 Eisenbohnwoggonz) Farben: 1925 waren es erst 0,97 Millionen Kilogramm(gleich 65 Waggons). Der verstärkten Nachfrage nach feinen Lederwaren entspricht eine Zunahme der verarbeiteten Kalb- felle. Während di« Lederproduktton im ganzen unter der Not der breiten Masse litt, ist also die Nachfrage nach teueren, gefärbten Waren aus Katbleder gestiegen: deren Grundstoff, die Kalbselle, sind aber 1929 nicht einmal so stark im Preis zurückgegangen wie Ochsen- und Kuhhäute(Kalbfelle um 24, Ochsen- und Kuhhäute um 32 Pro- zeitt). Es äußert sich hier also eine fortschreitende Konzentration der Kaufkraft auf eine klein« Schicht von Konsumenten. Zu diesem Bild paßt auch die Tatsachs, daß der deutsche Verbrauch an feinen Lammfellen(fogeitannten Schmaschen) sich im letzten Jahr ver- doppelt Hot, der von Renntierfellen um 60 Proz. gestiegen ist. Die höhere Wirtschaftlichkeit der Großbetrieb« kommt in den Produktionsziffern der Lederindustrie zum Ausdruck. Die Fa- briken mit mehr als 300 Arbeitern erhöhten ihren Anteil am Gesamtwert der deutschen Lederproduktion um l,8 auf 43 Proz., während ihr Anteil an der Gesamt arbeiterzahl um 0.4 Proz. zurückging! Die Betriebe mit 11— 50 Arbeitern mußten dagegen eine Minderung ihres Produktionsanteils um 1,1 Proz. bei fast unveränderter Arbeiterzahl hinnehmen. Grundlose Klagen. Oer Abschluß eines großen Gaar-Eisenwerkes. Die Neukircher Eisenwerk 21.-G. vormals Gebr. Stumm-Neunkirchen(Saar) legte im Februar dieses Jahres in allen Zlbteilungen Feierschichten ein mit der Begründung die Gesellschaft könne die bisherigen, aus der Absatzminderung der letzten Zeit sich ergebenden, sehr schweren Opfer nicht mehr ganz aus sich nehmen: die Lebensfähigkeit der Werke war damals in Frage gestellt, wenn man der Direktion glaubte. Man durfte es nicht. Nach dem jetzt veröffentlichten Abschluß zum 31. März 1930 ist der Reingewinn der Gesellsehast im letzten Jahre um 2,23 MA. auf 10.51 Mill. sranz. Franken gestiegen. In allen 2lbteilungen ist di« Erzeugung angewachsen, am stärksten die von Koks(um 80 000 Tonnen auf 436 000 Tonnen). Die Fabrikations- kosten erfuhren eine weitere Senkung, nachdem ein umfangreiches Ausbauprogramm durchgeführt ist. Die Neunkircher Eisenwerk A.-G.(sie gehört Otto Wolsf) gibt ihren deutfch-französischen Großaktionären acht Prozent Divi- dende auf 75 Mill. Franken Aktienkapital von dem jedoch erst 62,5 Mill. eingezahlt sind. Die Besitzer der Genusjcheine(25 Mill. Franken nominell) erhalten gleichfalls 8 Proz. Gewinnanteil. Der Gewinnvortrag erreicht mit 5,01 Mill. Franken Rekord- höh«. Borläufig keine neue Venzinkeverunz. Die Monopolsprit. beimischung sollt« ab 1. August zu einer neuen Benzinoerteuerung um 2 Pf. führen. Wie WTB. hört, haben sick die Benzinimvort- gesellschaften(die Oeltrusts) emschlosten, vorläufig die Ber- teuerung nicht durchzuführen. Ein„endgültig" wäre besser als dies„vorläufig", nachdem die Derbrauchsr ohnehin bei der letzten Pretsveränderung schon stark übervorteilt wurden. Jlxel Arhem: 3)er IclltVm'SBe SßlÜ litt schwarze Diener von Mister Lunt hetjjt Sul; wenigstens ruft ihn sein Herr so. Vul Hot eine breite, flachgedrückte Nase und grog« Augen. Seine Stirn ist zu niedrig,(eine Lippen zu dick. Die großen Ohren stehen weit ab vom Kops. Bul geht einen müden, schleppen- den Gang. Bul ist ein absolut häßlicher Kerl. Aber Bul hat eine Seele. Bisweilen, wenn Mister Lunt im Klub abends seine Partie Whist hat, nimmt Bul die Iazz-Gitarre, die er m dem kleinen Laden aus dem Lincoln-Square erstanden hat, und spielt„I uxmt to be down Home in dixiland". Er singt leise dazu. Bul geht auch alle paar Wochen in die Kneipe von Olly Daniels in American City und trinkt Schnaps aus großen Kassectassen. Und dann steppt er nach der Jazzmusik von„The Trotters". Was drum rum sißt, applaudiert.— Bul braucht von Zeit zu Zeit Applaus. ' Bei der Familie Crownbell auf der fünften Avenue ist eine Negermamsell bedienstet. Diese Negermomsell heißt Billvil und ist ein wenig allzu kuglig— doch ihr Porridg« steht m gutein Ruf. Billvil liebt Bul. Manchmal, wenn Bul diese Liebe zu heftig wird, schneidet er mächtig auf und erzählt Billvil von seinen ackä Herzliebsten. und er sagt, daß sie die acht Seiten seiner Iazz-Gitarre waren. Billvil schätzt keineswegs diese musikalische Art, von Sünden zu reden, und sie ist mindestens fünf Minuten böse. So ruhig verlaust Buts Leben: Bedienung bei Mister Lunt, «in wenig Billvil,«in wenig Schnaps bei Olly Daniels in American City,«in wenig Iazz-Gitarre... Eines Tages aber kam Mary Calhaem zu Besuch.— Mary ist di« Nichte von Mister Sunt. Kam aus Los Angele» mit Riesen- koffern, einer Gesellschafterin>md mächt'tl viel Lärm. Mary war sehr hübsch und sehr süß. Und da sie in Los Angeles jemandem, ixft zwar ein netter Kerl war— aber über ein allzu kleines Scheckbuch verfügte, gefallen hatte, wurde sie zu Onkel Lunt zu Besuch geschickt. Mary liebte Musik. Das heißt, die hohen, leisen Töne. Sa zwischen c und c«. Wenn einer so Geig« spielte zinn Beispiel, konnte sie richtig weinen. Das etwa ist Mary. Seit sie da ist, ist Bul ein hisiel verwirrt. Er merkt es zuerst selbst nicht, aber dann denkt er, daß er verliebt ist— und er lächelt ein wenig, weil er bei dem Gedanken verlegen wird. Am Sonntag der nächsten Woche hat Mary Geburtstag. Bul graluliert mit einem Strauß roter Rosen. „Danke, danke, schwarzer Bul," zeigt sie lachend ihre weihen Zähne. Bul ist ganz besonders glücklich. Eines abends, als der Onkel zum Whist im Klub war, überraschte Mary Bul, als er seine alten traurigen Negerlieder zur Gitarre sang. Sie war mit der Gesellschafterin unvermutet früh aus der Oper nach Hause gekommen. „Spielen Sie weiter." sagt sie zu Bul. Bul ist erschrocken. Aber donn spielt er natürlich weiter und singt die Lieder seiner Heimat. Für Mary. „Wollen Sie mir Stunde geben, schwarzer Zu' v' „Ja. Lady." Und donn vor der Türe: „Gute Nacht, schwarzer Bul." „Gute Nacht, Lady." Als Mary jetzt schlafen geht, weiß sie, daß sie einen neuen Dcrehrcr hat. Sie findet das sehr nett. Die Verehrer in Los Angeles sind eigentlich sehr langweilig, imd sie spielen alle bloß Tennis und Golf. Und keineswegs Iazz-Gitarre Spät abends, wenn alles schläft, haben sie jetzt geheim? Zu- sammenkünste in dem abgelegenen Herrenzimmer. Sie ziehen donn die Vorhänge ganz fest zu und Mary lernt. Sie will eines Tages den Onkel überraschen, keiner darf etwas wissen. Bul hat ge- schworen, nichts zu verraten. Er zeigt ihr die Iingerhaltung Und wenn er ihr« kleine Hand nimmt, so drückt er sie bisweilen fester als unbedingt nöt-g. Mary lernt sehr fleißig. Bald spielt sie ein paar still« Nigger- bobyiieder... und noch ein wenig spater kann sie den Text und singt dazu Und Bul macht ihr Komplimente über den weichen Klang ihrer Stimme und über die Art ihres Vortrags.— So ein verliebter Neger ist etwas sehr hübsches, nicht wahr,... viel hübscher als alle weißen Kavaliere! Eines Abends sagt sie: „Jetzt will ich etwas singen, schwarzer Bul, was ich nicht von dir gelernt habe." Sie nimmt die Gitarre und singt ein trauriges Bol'slied aus der Heimat Vuls, das sie Gott weiß wo aufgeschnappt hat. Da fängt Bul an zu weinen und stürzt vor ihr nieder und küßt ihr die Füße. Mary ist furchtbar bestürzt— und weil sie Tränen sieht, auch gleich schrecklich traurig. Sie streicht ihm, während sie denkt, was Gesang doch für eine kolossale Macht hat, beruhigend durch die krausen Haare.— Und Bul schluchzt weiter,«in wenig zu viel, weil er nicht will, daß sie die Hand wegzieht. Eines Spätabends sitzt Bul, die Gitarre in der Hand und wartet auf Mary. Mary kommt nicht. Am frühen Mvrgen ist der Arzt da. Mary ist sehr krank. Beide Lungen. Alles im Haus geht auf leisen Sohlen. „Steht es schlecht?" fragt Bul den Doktor. Aber der ist schon halb auf der Treppe. Nachts geht Bul all« fünf Minuten an dem Krankenziminer vorbei. Bielleicht daß man ihn braucht. Und dann denkt er an ein Wort und spricht es aus: Mary Dabei lächelt er ein wenig und betet, daß sie gesund wird. Nach einigen Tagen geht es wirklich besser und gegen Ende der nächsten Woche darf Mary vormittags schon eine Stunde aufstehen. Bul ist selig. Er weiß, daß Mary Puppen liebt. Und er gchl und kauft eine schöne große Negerpuppe, so eine mit dicken schwarzen Bocken und großen Augen. Er hat sich zwar keineswegs überlegt, wie«r es anstellen soll, um die Puppe zu schenken. Aber er ist glücklich, sie erstanden zu l)aben. Am Somitag, als Mary im blauen Zimmer aus der Chaise- longue liegt, bringt Bul die Post. „Ich bin sehr sroh, daß Sie wieder gesund werden. Lady!" „Danke, Bul... wollen Sie mir nickst ein wenig vorspielen?" Man schlägt Kranken nichts ab Bul spielt und singt. Er setzt sich so, daß er nur Mary sieht. Eines Tages schick:« sie ihn mit einem Brief zur Post. Wie zufällig siel sein Blick auf die Adresse: Mister Howorid Cunninghaw, Los Angeles.— Er wiederholt« langsam: Mister Howard Eunning- ham, Los Angeles. Und da reißt er auch schon d«n Umschlag auf und liest:... Ich konnte dir so lange nicht schreiben, Liebster, weil ich schrecklich krank war. jetzt ginge es besser und sie käme bald. Jazz-Gitorre könne sie ein wenig spielen, das hätte sie gelernt van einem Neger, Oickcl Lunts Diener. Es lag in Buls An, ohne große Gelten glücklich oder unglücklich zu sein.— So geht er weiter, wie einer, der gerade etwas nickst allzu Interessantes gelesen hat. Er geht weiter. Wenn vielleicht auch«in ganz klein wenig mit Mühe. Das Gehirn kreist schmerzhaft um zwei Wort«: Liebster: und dann: ein Neger... irgendein Neger... Und dieser irgendeine Neger ist er. Bul ging nach Hause: genau so gut hätte er auch wo anders hingehen können. Etwa zu Olly Daniels nach American City... oder so. Und wenn er jetzt ein bißchen absichtlich unvarsichtig über die Straße läuft, so erreicht er damit, daß die Chauffeure schimpfen und fluchen. Denn diese rasenden Automobile zerquetschen einen nur, wenn nian sie nicht braucht. Und dann kam der Tag, an dem Mary abreiste. Bul besorgte die Fährlärten und das Gepäck. Sie schüttelte ihm die Hand und bedankte sich für die schönen Lieder, die sie von ihm gelernt hatte. Bul ist jetzt wieder allein, und wenn er auf seinem Zimmer sitzt und weint, so sieht das niemand: und außerdem kümmert es auch keinen. Di« kleine Negerpupp« nimmt er bisweilen auf den Zlrm und streichelt sie„Mary." Mehr sagt er nicht. Bul fühlt sich krank. Der Kopf, immer der Kopf. Wie weh das tut! Und Mary ist so weit. Des Nachts geschah, fett Mary fort war. immer das gleiche. Wenn alles schlief, schlich Bul den Korridor entlang, hin zu ihrem Schlafzimmer. Er sitzt stets an derselben Stelle. Aus der hinteren Bettkante, ein wenig vornüber gebeugt. Er redet sich so fest in die Borstellung, daß Mary in den Kissen liegt, hinein, daß sich Schein und Wirklich- keit für ihn allmählich verwischen. Im Grunde: er lebt min cigcnt- lieh davon. Er saßt ihre Hont». „Liebster." „Mein Maryly." „Ich habe heute an Cunningham geschrieben, daß er mich endlich in Ruhe lösten soll..." Ach richtig! Dieser Tunningham! Eigentlich kann er einem s« ein bißchen leid tun. Nun, man hat nicht Zeit, sich um alle Leute zu kümmern. „Maryly." „Liebster." Er küßt sie sachte aus die Augenilder. So etwa ist es immer— oder mir ein wenig anders. Die Tags dauern läng, wenn man auf die Nacht wartet. Heut« geht die Zeit gar nicht weiter. Bul ist schrecklich nervös. Besuch ist gekommen. Mister Lunt hat Bul zu Bett geschickt. Er kennt das schon. Warum geht die nicht?— Er nimmt sich den Schnaps vor, den er bei Olly Daniels gekauft hat. Und er trinkt ein Glas und noch ein Glas. Endlich, viel später als sonst, scheint alles ruhig. „Also Maryly, das mar heut eine Geschichte," knipst er die Nachttischlampe ein.—„Maryly" Er ist sehr erregt, weil er lange warten mußte. Und dann hat er«in wenig getrunken. Wenn nur der Kopf nicht so schmerzte. Es fällt ordentlich schwer, die Begriffe auseinanderzuhalten. Maryly! Nein, das ist gar nicht Maryly. Es ist überhaupt niemand. Doch! Das Fräulein, das heute abend zu Mister Lunt gekommen ist. Sie. was wallen Sie hier?... Mein Gott, Maryly, entschuldige. Dieses Licht... Ich werde Ihnen den Hals umdrehen... hier schläft Maryly! Die Puppe? ja, ich hol« sie. Armer Cunningham! So irgendein Eunningham. Wie leid Sie mir tun. Gib mir die Hand, Maryly. Wir fliegen... Alles ist da... Das Kind? Das schläft schon.— Fürchte dich nicht, kleine Maryly. Ich beschütze dich. Siehst du, der Revolver... J want to be down home in dixilartd... Sie haben hier nichts zu suchen, Fräulein! Nehmen Sie die Hände weg... Wa? will der?... Entweder Sie gehen— oder! Den Revolver! Siehst du, so spannt man den Hahn... so druckt man los! ... Sie fanden ihn, kaum daß er blutet«, über den Bettrand liegen. Die Kugel war durch den Mund gedrungen und hatte dos Hinterhirn eingeschlagen. Mister Lunt beklagte in ihm den Berlust eine» hervorragenden Dieners. Und auf dem Grabstein, den er chm setzen ließ, stand: Hier ruht der Reger Bul, den Gottes imerforfchlicher Ratschluß allzu früh zu sich genommen. llailum Qurdns:*11 fllfOFIflCtl Uniformen' Ich grau« mich vor buntem Tuch. Ich hasse Uniformen. Sie machen Menschen zu Zahlen und unter goldenen Knöpfen schrumpsen di« Herzen zusammen! * Wenn ich die Augen schließe, rasen IS Jahre vorüber. Und ich seh« Uniformen, Uniformen... Uniformen verschiedener Böller. Sie umgaben mich, mein« Kindheit. Wenn uniformiert« Männer zu mir traten, bedeutete«» Leid. Wenn sie an den Fenstern vor- beizogen, bedeutet« es Unglück. Den Weg der Kindheit und Jugend umstanden Uniformen. Selbst die Sonn« mar düster geworden vor Uniformen * 1 August 1911 Man hält mich zum Fenster heraus. Draußen ziehen auf unserer sonst so ruhigen Straße singend feldgraue Regimenter vor- über, zur Front. Aus den Fenstern winken Frauen, Kinder, jauchzen, als ziehe da unten ein Karnevalszug dahin. Ich w'nk« nicht. Und als auf einmal scharfe Kosakenkommandos über die Straß« erschollen, beginne ich bitterlich zu weinen. Erste Bekanntschaft mit der Uniform, erstes Grauen in der Kindheit. Ich bin krank. Beide Beine gebrochen im Gipsverbond. Meine Mutter trögt mich auf den Armen, auf dem Bahnhof von Warichou. Dos Trogen ist schwer, schwer keucht mein« Mutter, ober immer weiter müssen wir enttang des letzten Zuges, der Warschau verläßt. Denn an den Kupcettiren stehen goldglönzende Uniformen und winken lächelnd ab„alles reservier!". Wir schleppen uns weiter. Das Tragen tut weh. Ich fühle jeden spitzen Stein des Perrons, dann stoßen die Bruchstellen zusammen... Ueber die Stadt zieht gerode«in Flugangrift. Bomben prasseln. schwer ächzen Geschljtze.., Immer mehr säbelrasselnde Offiziere stürzen in den Zug. Uns wird abgewinkt... Lächelnd« rote Ge- sichter mit goldenen und silbernen Kragen an den Kupeesenstern. und an den Türen immer noch Ordonnanzen. Da raschelt ein Schein in die Hand einer goldbetreßten Uniform, dies« verbeugt sich, Orden und Sporen klirren, wir sind im Zug. & Moskau 1917. Ich sehe die russisch« Revolution, die erste, die dann erst später in den Blutströmen der Tscheka ertrank. Draußen, vor dem Kreml wogt die Menschenmenge. Ein Gendormeriehauptmann steht vor dem Kremltor. Immer näher, die Marseillaise singend, kommt die Menschenmenge. Auf einmal springt das Tor auf. eine Kompagnie Garde tritt unters Gewehr. Ein« Uniforminauer dringt gegen die Menge ein. Da aber geschieht das Wunder: Hände aus der Mail« greifen nach dem Hauptmann, zerren an der Uniform, Litzen, Tressen, Goldknöp-e fliegen aus das Strohenpflaster. Die erste Uniform des Zaren vom Volke ange- saht, und still stand die Garde!-Nieder mit der Uniform! Der Jahrhundeit alte Bann der Uniform war durchbrochen, und da im selben Moment schoß am höchsten Fahnenmast des Kremls ein roter Funke hoch,«rttfaltete sich, und über Moskau, über Ruß- laud wehte zum«rstenmal die rote Fahne der Revolution! Ein Brausen stieg in der Meng« auf. Die Gardemauer wankte. Die Uniformen begonnen selbst ihr« Goldknöpfe abzureißen. Sie wollten kein« Uniformen mehr sein. Auf einmal waren olle Men- schon, und singend zog dos Feldgrau neben Arbeiterblusen, Stu- dentenröcken und Bauernkitteln durch d-e Straßen Moskaus. Wer nicht lang« und wieder zogen Umformen m die Stadt. Zerrissene, oerlumpte Umformen, aber schon klebten neue„Hoheits. zeichen" an den Ärmeln und Mützen: Sowietsterne. Und anstatt Geosng erklang das Tak— tat— tat— kok— tat der Maschinengewehr« aus den Straßen Moskaus. Männer in den- selben Uniformen beschossen sich, ihre Kugeln aber sauften in die Häuser und töteten Frauen, Kinder. Als man dann aus die Straßen trat, logen Leichen vor jedem Tor und Umformen drangen in die Häuser ein, Bücher, Betten. Schränke flogen durchs Fenster, Tsch'- listen drangen in die Mahnung, schleppten alles weg. schlugen mit Gewahrkvlben alles zusammen und schmissen zum Schluß alles auf die Straße. Wir aber waren noch glücklich, wenigsten» thren Rs- voloern entronnen zu sein... * Wieder lieg« ich mit verbundenen Beinen in einem Viehwagen. Schwer rollt der Zug der polnischen Grenze zu. Weinen im Wagen. „Adieu Rosjia". murmeln alle. Die Grenze ist d�, Türen werden ausgerissen— Tschekakontrollc! Uniformen dringen in den Wagen. „Was, hier sind noch einige Bourgeois! Raus mit ihnen!" Einig« alte Russen werden herausgeschleppt und während der Zug langsam weiter fährt, ertönen draußen einige Knalle... Wir wissen was das bedeutet. Wieder geht die Tür auf. Alle atmen auf. Der Hölle entronnen.! Polnisch« Unisarnien, Litewka», parfümiert« Offiziere. Europa! Zivilisation, Kultur! Da leuchtet der Pole einem von uns in Gesicht.. „Waas Juden im Wagen! Trotzkis Dettern! Raus mit Ihnen!" Uniformierte, parfümierte, kultivierte Hände greifen nach uns. zerren uns aus dem Wagen. Draußen ist LS Grad Kälte: ich liege mit dem Verband im Schnee des Bahnsteiges... Schüttelfrost überfällt mich! Der Zug rollt weiter und» in der Tür winkt eine Litewk.r. ..grüßt Trotzki!" * Ein Jahrzehnt ist vergangen. Viele» ist vergessen. Nur manchmal tauchen bunt« Fleck« vor den Augen auf... Uniformen! Manchmal tritt ein Lütboy an mich heran, und ich sehe das graue Tuch, die goldenen Knöpfe, schon glaube ich ein Kosaken- oder Ulanengesicht vor mir zu sehen, ich schaudere, bis ich dann ausbücke »nd in zwei große Kinderaugcn blicke, die sagen:„Jch muß doch Uniform tragen!" S)er Zaunkönig auf der tlciilagä Der Zaunkönig sprach:„Jch werde auf die Elchjagd gehen." .Wie willst du einen Elch erlegen? Du hast nur einen ganz kleinen Bogen."„Ihr wcrdct selpm, daß ich einen Elch erlege, und zwar nicht irgendeinen, der vorbeiläujt, fonder» einen jetten." Er suchte umher im Waide. An eiieem Hügel sah er Elchskot liegen, und er fragte:„Wo sind deine Leute?"„Weiter oben am Berghong." Er ging hin und fand die Elchsherde. Er mischte sich unter sie und betrachtet« einen um den anderen. Wenn ihm ein Tier schön fett erschien, sprach er:„Dreh dich einmal um und loli« dich ansehen. Vielleicht kann ich dich ge- brauchen.— Nein, du bist mir zu mager. Dich will ich nicht." So untersuchte er die guitze Herde, bis er das größte und fetteste Tier gefunden halle.„Dreh dich einmal um. Jch meine, du bist der rechte. O, ja, warum bist du denn nicht gleich gekommen?" Donn sprang er diesem Elm in den Ailer. Drimien sprach er:„So. nun laufe nach Süden und um den See. Lause aber nicht so langsam, denn ich habe Hunger." So steuerte er den Elch bis in dos Dorf und vor seine Huttc. Die Leute sahen einen Riesenelch auf die Hütte des Zaunkönigs zu laufen Als er dort ongelongt rmir, stach ihm der Zaunkönig ins Herz. Der Elch siel»m, der Zaunkönig sprang heraus:„Glaubt ihr es nun, daß ich ein Elchjägcr bin?" 3)er betiebie Sheriock Jfoimes Anläßlich des Ablebens Sir Gonan Doyles, des Berfasser» der Shettack-Holmes. Geschichten, erzählt« der amerikanisch« Ler- leger Mc. Elurc, welche Honorare Doyle erhalten hat. Für die ersten vor 49 Jahren erworbenen Keschichtei, erhielt der Tersass-r pro Stück 189 M., für die nächste Serie erhielt Doyle berci s LL9 Mark pro Stück. Mit der wachsenden BrUeolheit Sherlock Hol- mes stieg auch dos Honorar und zuletzt«i hielt der Autor für die omerikanijchen Rechte für eine Serie van 6 Stück je 10 000 Dollar. (Uure bot zuletzt für eine Serie von weiteren 10 Geschichten 300 009 Mark, welches jedoch von Doyle abgelehnt wurde.