Morgenausgabe Nr. 353 AUS 47. Jahrgang Wöchentlich SS Pf, monatlich Z.S0«. ini voraus zahlbar, Postbezug<32 5R. einschließlich SO Pfg.Postzeitungs- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Ausland»» abonnement 6.— M. pro Monat. De? �Vorwärts� erscheint wochentZg- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilagen..Volt und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner .Frauenstimme", Technik",.Blick in die Bücherwelt"..Iugend-DorwärtA" und �Stadtdeilage". Berliner Vottsvlatt Donnerstag 31. 3ul! 1930 Groß-Verlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile 60 Pfennig. Reklame» eile S.— Reichs» mark.„Kleine Anzeigen� dos lettge» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben jöhlen für zwei Worte. Arbeitsmarkt eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile ) Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- geschäjt Lindenstraße 3, wochenlägltch von P/i biß 17 Uhr. Äentralorsan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 irernsprrcher: Dönboff 892—237 Telegramm-Ädr.: Sozialdrmolrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Posilchecktonlo: Berlin Z7536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Liilieltelli«« und Beamten, Wallstr. 65. Dt. B u Didc.-Gcl.. Devosiienkalie LAldenstr. 8. Sozialdemokraten vor die Front? Arbeitendes Volk von Verlin! Zu einer Zeit schweren Ringens um die Demokratie und die sozialpolitischen Erruvgenschasten der Zlachtriegszeit ruft die Sozialdemokratie zu einer großen Kundgebung am Freitag, dem 1. August, pünktlich iQVz Uhr im Lustgarten. Alljährlich scharen sich am 1. August die klassenbewußten pro- letarier Berlins um die rote Jahne der Sozialdemokratie, um gegen die Kriegstreiber zu prokeftieren. Die diesjährige Kundgebung für völkerfrleden und Völkerverständigung steht auch im Zeichen des Reichstagswahlkampses. Alle Arbeiter. Angestellten und Beamten werden gebeten, zu erscheinen, um gegen die Diktatur- gelüste der Reichsregieruog Brüoing-Trevlranus slammendeu Protest zu erheben. Programm: Arbelter-valerlandsNed.....» Suchsdorf Gesang der Völker........ Guggenbühler Ansprache: Arthur Erispieo. Ich warte dein......... Uthmann Die Internationale....... Degayter �Deutscher Arbeiter- Sängerbund.) Gammelplähe: 1. Kreis Mitte. Arkanaplotz. Trefspunkt 1754 Uhr. Abmarsch 18 Uhr. 2. Kreis Tiergarten und 7. Kreis Ccharlottenburg. Ml» hekmuser. Abmarsch 18 Uhr.(Am Lehrter Bahnhof.) Z. Kreis Wedding. Brunnenplatz. Wniarsch 18 Uhr. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Seneseldcrplatz Ecke Metzer Str. Abmarsch 1854 Uhr. 3. Kreis Friodrichshain. Küstriner Platz. Abmarsch 185- Uhr. 6. Kreis Kreuzberg. Fontanepromenade. Abmarsch 18 Uhr. 8. Kreis Spandau. Abfahrt zur Antikriegstundgebung nach dem Lustgarten: Ableitung Staaken 17.21 Uhr, die Abteilungen Altstadt. Neustadl und wilhelmstadt fahren 17.28 Uhr vom Bahnhof West, Stemensstadt 17.38 Uhr vom Bahnhof Fürsten- brunn. Die in Berlin arbeitenden Mitglieder müssen sich 17.45 Uhr am Wilhelmufer(Eingang zum Lehrter Fernbahnhof) einfinden. 9. Kreis Wilmersdorf. 10. Kreis Zehlendorf. 12. Kreis Steglitz. Hausvogteiplatz. Abmarsch 19 Uhr. 11. Kreis Schöueberg. Dönhoffplatz. Abmarsch 19 Uhr. 13. Kreis Tempelhof. Ullsteinhaus. Slbmarfch 1854 Uhr. 14. Kreis Neukölln. Hohenstaufenplatz. Abmarsch 18 Uhr. 13. Kreis Treptow und 16. Kreis Köpenick. Am Köllnischen Park. Abmarsch 1354 Uhr. 17. Kreis Lichtenberg. Wismarplatz. Abmarsch 1754 Uhr. 18. Kreis Weißensee. Berliner Allee Ecke Lehderstraße. Ab- marsch 18 Uhr. t S. Preis Pankow. Breite Str., Marktplatz. Abmarsch 1754 Uhr. 20. Kreis Reinickendorf. Seebad, Reinickendors-Ost. Abmarsch 1754 Uhr. • Die Sozialistische Arbeiterjugend sammelt sich an den Treffpunkten, der Parteitreise. Die Sozialistische Studentenschaft, Ortsgruppe Berlin, versammelt sich um 19 Uhr vor der Universität. Arbeiter, Angestellte und Beamte! Auf zur Massenkundgebung! Aeuer Zwischenfall im Ltnterhaus. Macdonald gegen Simons Zuziehung zur anglä-indischen Konferenz. London. ZV. Juli.(Eigenbericht.) Im Unterhaus kam es am Mittwoch zu einer heftigen D«- batt« über die Auswahl der englischen Delegierten für die kommende anglo-indische Konferenz. Die Liberalen und Konservativen verlangten die Ernennung von SirJohnSimon, dem bekannten verantwortlichen Redakteur des Simon-Berichtes. Wacdonald erklärte, die Regierung müsse dies« Ernennung entschieden ablehnen, denn die Wahl Simons könnte die Konferenz gefährden. Der Umstand, daß es den Antragstellern technisch nicht möglich mar, eine Abstimmung über ihr« Forderung zu er. zwingen, bewahrte die Regierung vor einer neuen schweren Krise. * Der Simon-Bericht hat in Indien eine so schlechte Auf- nähme gefunden, daß die Beteiligung seines Hauptoersassers an der„Konferenz am runden Tisch" geeignet wäre, deren Erfolg zu gefährden. � t Auch die Labour-Regierung hat das Empfinden gehabt. daß die Borschläge der Kommission völlig ungenügend sind. Deshalb hat sie betont, daß sie sich durch den Bericht nichtals gebunden erachte. Macdonalds Ablehnung des Liberalen Simon als Mit- glied der Konferenz— auf die Gefahr hin, die Partei Lloyd Georges schwer zu verletzen— beweist aufs neue, wie sehr die Arbeiterregierung bemüht ist, die Konferenz durch keiner- lei vermeidbare Belastungen zu gefährden. Gegen deutschen Ltnierricht. Lehrerverjagung aus Pommerellen. Bromberg. 30. Juli.(Ost-Expreß.) Der Lehrer P r o h l ist aus Groh-Ressau im Kreise Thon: nach Obora in Kongreßpolen mit Wirkung vom 1. August d. I. versetzt worden. Dos ist der zehnte Fall, daß ein deutscher Lehrer gegen seinen Willen aus Pommerellen ms Innere Polens versetzt worden ist. Di« Bromberger„Deutsche Rundschau" beklagt die stzstematische Entblößung Powwerelleus n»« deutschen Lehrkräften und befürchtet, daß die Prohl bisher anvertraute Schule mit 63 Kindern nunmehr entweder einem polnischen Lehrer übergeben wird, oder daß die Kinder auf andere Schulen oerteilt werden. Oer Konflitt llEA.-UEER. Oer Gewerkschastspräsident rügt seinen Stellvertreter. Washington, 30. Juli.(Eigenbericht.1 Den Präsident des nordamerikanischen Gewerkschafts- bundes. William Green, hat eine Erklärnng veröffent- lieht, in der er sich in dem Ginfuhrkonflikt den einlenkenden Standpunkt des Weißen Hauses zu eigen macht und das von dem Vize Präsidenten des Ge- werkschaftsbundes geforderte allgemeine Einfuhrverbot für Sowjetprodukte ablehnt. Green stellt zugleich fest, daß» u r e r ermächtigt sei, im Namen der organisierten Arbeiterschaft der USA. zu sprechen. Das Exekutiv- tomitee des Gewerkschaftsbundes werde die zwischen den beiden Regierungen bestehenden Differenzen am 4. Sep- tember in Atlantic City prüfen und feine künftige Haltung ,n den Wirtschaftsbeziehungen mit Rußland festlegen._ Lyoner Lustspielerei. Wertlose Manöver. Paris. 30. Juli.(Eigenbericht.) In der Stadt Lyon wurden in der Nacht zum Mittwoch die mit großer Reklame angekündigten Luftmanöver durchgeführt Während der ganzen Nacht„griffen ununterbrochen feindliche Ge- schwader die Stadt an", deren Bevölkerung alarmiert war, ebenso Feuerwehr, Stadtpolizei, Gendarmerie und Militär. Die Manöver» leitung berichtet, olles habe vorzüglich geklappt; die meisten an- greisenden Flugzeuge seien durch Scheinwerfer entdeckt und durch die?lbwehrbatterien mit Farbfromben angeschossen worden. Immerhin geben selbst so rechtsstehende Blätter wie der „Jntranstgeant", wenn auch in verhüllter Form, der Meinung Aus» druck, daß die Versuche der Beschießung von Lyon lediglich nicht ernst zu«ahmende Spielereien seien. Arbeit für den Frieden! Die Internationale und ihre Aktionsniöglichkeiten. Von Ernilo V ander velde, Vorsitzender der Sozialistischen Arbeiter-Internationale. Es gehört eine tüchtige Dosis Optimismus dazu, um an- gefichts der internationalen Lage nicht mehr Ursachen der Bc- unruhigung, als Gründe zur Befriedigung zu finden. Das Ende der militärischen Besetzung in Deutschland bedeutet gewiß einen Markstein. Es wurde von den englischen, belgischen und französischen Sozialisten ebenso freudig begrüßt wie von den deutschen. Es will immerhin auch etwas heißen, daß die Diktatur in Spanien ge- stürzt ist, daß die faschistische Reaktion ihre Ziele in jenen Ländern nicht erreicht hat, wo man noch vor kurzem auf das Schlimmste gefaßt sein mußte, daß die Londoner Seeabrüstungskonserenz, wenigstens für die großen Seemächte, kein vollständiger Mißerfolg war. Wie viele Schatten sehen wir aber auf allen Seiten des Horizontes neben diesen Lichtpunkten. Die Saarver- Handlungen sind abgebrochen. An die Stelle der Re- gierung Hermann Müller ist eine haltlose bürgerliche Koalition getreten, deren Wendungzur Diktatur ihre außerordentliche Schwäche zeigt, die um so beunruhigender ist, als sich die nationalistische Reaktion unverschämt und an- S riffslustig gebärdet. Auf dem Balkan werden verdächtige ntrigen gesponnen. Unsere finnischen Genossen stehen in- mitten schwerer Kämpfe. Auf das Memorandum Briands antworteten die Reden von Livorno und Florenz, deren Ton auch die höflich verhüllte Redeweise diplomatischer Noten nicht vergessen läßt! Das faschistische Italien und das Frankreich des neuen nationalen Blocks liefern sich gegenseitig Gründe oder besser Vorwände für die Rüstungen ihrers Mili- tarismus. Zehn Jahre nach dem Weltkrieg spricht man wieder von einem neuen Krieg, nicht nur als von einer ent- kernten Möglichkeit, sondern als von einer in Kürze bevor- stehenden Gefahr. Unter diesen Umständen fragen sich manche Genossen, wie wir wohl wissen, ob die Internationa le alles tut. was in ihrer Macht steht und was daher zu tun ihre Pflicht ist, um die Demokratie und den Frieden erfolgreich zu verteidigen. Ich will den Versuch machen, diese Frage so objektiv wie möglich zu beantworten. Es gab eine Zeit, ich denke dabei an die Vorkriegsverhältnisse, da wir eine Ver- einigung von meistens recht schwachen Oppositionsgruppen waren, und es bei einem vorhandenen oder drohenden inter- nationalen Konflikt zwangsläufig unsere einzige Zuflucht war, an die ö f f e n t l i ch e M e i n u n g zu appellieren. Derartige Aufrufe haben sicherlich auch jetzt noch ihre volle Wirksamkeit und man kann vielleicht bedauern, daß ihnen nicht alle Sek- tionen der Internationale die große Bedeutung, die sie für den Zusammenhang mit den Massen haben, beimessen. An- dererseits aber werden die Genossen, die von der Sozialistisch?» Arbeiter-Internationale eine energischere Aktion fordern, ohne immer die Beschränktheit ihrer Hilfsmittel in Betracht zu ziehen, gut daran tun, die Bedeutung dessen, was sie«'it anderen Mitteln tun kann und auch wirklich tut, nicht zu unterschätzen. Es ist zum Beispiel klar, daß für eine glückliche Lösung eines Problems, wie das der S a a r. die gemeinsamen Bc- ratungen unserer französischen und deutschen G e- nassen viel mehr auszurichten vermögen, als direkt von der SAI. organisierte Kundgebungen. Wenn sich auf dem Balka» etwas ereignet, wenn uns die Genossen aus Ungarn ihre Befürchtungen hinsichtlich der Wiedereinsetzung der Habs- burger mitteilen, so ist der S ch l ü s s e l d e r L a g e in Paris oder London zu suchen. Und wenn man bei dieser Gelegen- heit nicht mehr öffentliche Versammlungen abgehalten hat, muß man sich hüten, daraus den Schluß zu ziehen, daß die SAI. nicht auf dem Wege über ihre Sektionen gehandelt habe. Uebrigens: solange in Großbritannien eine Ar- b e i t e r r e q i'e r u n g an der Macht sein wird, darf man nach der Erfahrung der letzten Monate darauf rechnen, daß sie Bestrebungen, in Europa neue Ursachen der Unsicherheit oder des Zusammenstoßes hervorzurufen, in Schach halten wird. * Aber, wird man sagen, hinter all dem steckt das f a s ch i- st i s ch e Italien, seine hartnäckigen Bemühungen, aus allen unklaren Situationen Gewinn zu ziehen, alle Kräfte der Reaktion, klein und groß, um sich zu sammeln. Vor allem aber gibt es die Kriegsgefahr, die aus der Zuspitzung der Beziehungen zwischen Italien und Frankreich entsteht, die zwar schon lange nicht gut waren, seit einigen Monaten aber trotz vorübergehender Entspannungen immer schlechter werden. Wir sind sicherlich die letzten, das Vorhandensein und den Ernst dieser Gefahr zu verkennen. Llber folgt daraus der Schluß, ein Krieg stehe unmittelbar bevor? Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit. Es ist gewiß unmöglich, mit absoluter Gewißheit die Möglichkeit zu leugnen, daß der Duce. der den Boden unter sich schwinden sieht, sich eines Tages, vom selben Wahn- witz ergriffen wie Napoleon III., in ein kriegerisches Aben- teuer stürzt oder treiben läßt. Immerhin sind sich diejenigen. die ihn kennen, darüber einig, daß bei ihm neben Prahlerei, Bluff, skrupelloser Ausnützung der Leidenschaften der Volks- mafscn doch ni6)t eine gewisse natürliche Vorsicht fehlt. Dies vorausgesetzt, wie könnte er übersehen, daß zwischen Jugp- s l a w i e n, der Unterstützung der ersten Militärmacht Eu- ropas sicher, und seinem eigenen Land, dessen moralische Ein- beit durch die Diktatur zerstört worden ist, das M i ß v e r- h ä l t n i s der Kräfte erdrückend sein würde? ★ Wenn man aber nicht annehmen will, daß Europa heute noch auf Gnade und Ungnade einem Wahnsinnsstreich aus- geliefert ist, darf man also der Meinung sein, daß die Gefahr nur dann ernst würde, wenn das faschistische I t a l i e n n i ch t o l l e i n wäre, wenn es noch auf andere Hilfe rechnen �könnte als auf die magyarischer Reaktionäre oder aus die der Führer albanischer Banden, kurz, wenn es ihm gelingen sollte, Bund- nisse mit anderen Mächten abzuschließen, die daran ver- zweifeln, ihre Beschwerden auf anderem Wege abstellen zu können. Wenn bei all der Unsicherheit und Gespanntheit der gegenwärtigen Lage etwas Vertrauen erwecken kann, so das, daß bisher alle in dieser Richtung unternommene Versuchs Italiens eine recht kühle Aufnahme gefunden zu haben scheinen. Indem zum Beispiel in Deutschland die Sozialdemokratie den Faschismus in Schach bält, ist sie das stärk st eBollwerkgegendenKrieg. Das gibt auch international den deutschen W a hl e n im September eine Bedeutung, die den Rahmen der. innenpoliti schen Probleme weit übersteigt. Im Grunde genommen lautet die Kernfrage in Deutschland wie in ganz Europa: wer wird in der bevorstehen den Periode siegen, die Demokratie, die den Frieden er- strebt, oder feindliche Kräfte, deren Sieg über kurz oder lang den Krieg bedeuten würde. Zur Lösung dieser Frage werden aber internationale Demonstrationen, so wuchtig sie auch sein mögen, nicht viel beitragen können. Die sozialistische Aktion im Rahmen der einzelnen Staaten durch häufige Besprechungen zu vereinheitlichen, das Zu sammenwirken der verschiedenen sozialistischen Par teien für gemeinsame Ziele durch vorherige Beratungen zu sichern, für eine immer vollständigere E i n i g u n g der Kräfte der Arbeiterschaft zu arbeiten, mit unserer ganzen sittlichen Kraft jene unserer Genossen zu unterstützen, die jeweils an der Spitze des Kampfes stehen, das sind die Aufgaben, denen wir uns vor allem widmen müssen. Von diesem Standpunkt aus müssen Tatsachen, wie der Beitritt des„Bund" zur SAI. oder die Einigung der italienischen Soziali st en als wahre Siege begrüßt werden. Von diesem Standpunkt aus erlangt auch der Kampf in jedem einzelnen Land um die Vergrößerung der Macht des Sozialismus seinen ganzen Wert und seine ganze Bedeutung. Indem unsere französischen Genossen gegen eine Neuauflage der Politik Clemenceaus kämpfen, arbeiten sie für den Frieden. Indem unsere deutschen und ö st e r- r e i ch i s ch e n Genossen, die eben jetzt schwere Kämpfe führen, für die Verteidigung der Republik und der Rechte der Ar- beiterklassc kämpfen, arbeiten sie für den Frieden. Indem unsere englischen Genossen gegen den Imperialismus der Braver brook und Rothermere kämpfen, arbeiten sie für den Frieden. Aus dem Zusammenklingen ihres Kampfes, des Kampfes aller Sozialisten, schöpft die Internationale ihre Macht und ihre schöpferische Kraft, eine neue Welt zu bauen. Prozeß gegen die Bombenaitentäter. Landvöltler planen große Demonstrationen. Am 26. August beginnt in Altona der Prozeß gegen die Bombenattentäter. Die Landvolkbewegung rüstet bereits eifrig zu diesem Prozeß und plant große Dinge. Die Führer der Bewegung gedenken im Verein mit ihren Rcchtsbeistönden die Zeit des Prozesses zu einer groß angelegten Agitation und zu großen Kundgebungen aus- zunutzen. Zu diesem Zweck haben In den letzten Wochen in Schleswig-Holstein eine Reche von Vertrauensmänner- Versammlungen der Landvolkbewegung stattgefunden, an denen neben den, Verteidiger Dr. Luetgebrune der Bombenleger von Solomon. Redakteure der„Landoolkzeitung" und andere der auf freiem Fuß befindlichen Verbrecher teilnahmen. Man beschloß, die Verteidigung während des Bombenlegcrprozesses durch Bauernkundgcbungcn weitester Kreise zu unterstützen. In der ganzen Provinz sollen große Demonstrationen veranstaltet werden. Das Ziel der bereits in allen Einzelheiten vorbereiteten Aktionen ist, das Gericht einzuschüchtern und die Ver- Handlungen so zu beeinflussen, daß der Landvolkbewegung und ihren Zielen daraus gewisse Vorteile erwachsen. Den Angeklagten ist zur Pflicht gemacht, die Verhandlungen selbst p r o p a g a n d i st i s ch sür die Zwecke der Landvolkbewegung auszuwerten. Di« Propa- ganda soll schließlich auch auf die an Schleswig-cholstein grenzenden Landesteile ausgedehnt werden. Rur in Altona beabsichtigt man, während der Verhandlung Ruhe herrschen zu lassen, da mit großen Polizeiaufgeboten gerechnet wird. Der Tag der Urteilsverkündung— man rechnet mit sehr milden Urteilen— soll durch große Kundgebungen, in deren Verlauf cholz stoße angezündet werden, begangen werden. Die Führer der Landvolkbewegung waren sich bei allen in letzter Zeit geführten Besprechungen darüber tlar, daß zur Durchführung der geplanten Aktinnen Geld gehört. Die anwesenden Vertrauensmänner wurden deshalb aufgefordert, nüt allen Kräften dafür zu sorgen, daß der Verteidigung und den Angeklagten von den Anhängern und Freunden der Bewegung reichlich Geldmittel zur Verfügung gestellt werden. In diesem Zusammenhang ist es von einem gewissen Jnteresie, daß zwischen den Nationalsozialisten und der Landvolkbewegung schon seit einiger Zeit enge Fäden geknüpft werden. Der Führer der Nationalsozialisten in Zchleswig-cholstein, der Wge- ordnete L o h s e, hat mit dem Hauptschriftleiter der„Landvolk- zeitung" Kühl und einigen Vertrauensleuten der Landvolkbewegung wiederholt Besprechungen geführt, in denen die Möglichkeiten einer engen Zusammenarbeit zwischen Landvolkbewe- gung und Nationalsozialisten besprochen und schließlich auch verabredet wurden. Es ist deshalb auch selbstverständlich, daß die Nationalsozialistisch« Arbeiterpartei mit dem Landvolk gemeinsam versuchen wird, den Bombenlegerprozeß für sich a g i t a- torisch im Wahlkampf auszunutzen. Die Durchführung des zusätzlichen IVohnungsbauprogromms. Zum Beauftragten des Reichsarbeits Ministers für die Durchführilug des zusätzliche» Wohnuugsbauprograinms des Reichs für das Jahr 1930 ist der Ministerialrat Im hoff vom badischen Innenministerium ernannt worden. Das Ende der Demokraten Selbstmord aus Furcht vor dem Tode Der Parteiausschuß der Demokratischen P a r t e i hat am Mittwoch nach einer mehrstündigen Debatte beschlossen, die Demokratische Partei zu Grabe zu tragen und sie als„Deutsche S t a a t s p a r t e i" wieder auferstehen zu lassen. Er nahm folgende Entschließung an: „Der Parteiausschuß der Deutschen Demokratischen Partei stimmt der Gründung der Deutschen Staatspartei zu und stellt die Parteiorganisation für den Wahlkampf zur Verfügung." Der Beschluß bedeutet das Ende der Demokratischen Partei. Zu einer formellen Auflösung bedurste es noch des Beschlusses einer qualifizierten Mehrheit eines Parteitages— aber was bedeuten Satzungsvorschriften, wenn die Organi- sation, die sie schützen sollen, nicht mehr vorhanden ist? Die Teilnehmer an der Sitzung des Parteiausschusses sahen sich in der Rolle von Offizieren, denen die Truppen davongelaufen sind. Der Gang der Diskussion ist bezeichnend. Nach dem parteioffiziellen Bericht war von den großen ideellen Grundgedanken der Demokratie nicht mehr viel die Rede— die Hauptfrage war, ob der Iungdo am Antisemitismus fest- halten werde oder nicht. Der Grad der Resignation, der diese Körperschaft erfüllt hat, konnte nicht drastischer zum Ausdruck kommen Von etwa 100 Teilnehmern dieser Sitzung haben vier gegen den Beschluß gestimmt, der den Schlußstrich unter die Demokratische Partei zieht. Es waren. Professor Ludwig Q u i d d e, Bürgermeister a. D. H e r s l e i n, Rechtsanwalt B r a u b a ch und der Jungdemokrat St ü n d t(Nürnberg). Dies Stimmverhältnis ist nicht ein Ausdruck der Begeisterung für die neue„Deutsche Staatspartei", sondern lediglich ein Ausdruck der Resignation, der Verzweiflung an der eigenen Lebensfähigkeit. Denn die 96 Demokraten, die diesen Beschluß gefaßt haben, mußten noch im Laufe der Sitzung erfahren, daß dieser Beschluß ihre Selb st aufgäbe bedeutet. Während der Beratungen wurde ein Aufruf Mahrauns an den Jung- deutschen Orden und die Volksnationale Reichsvereinigung bekannt, in dem es heißt: „Das Gebot der Klugheit und Gerechtigkeit erfordert die Kampfgemeinschaft mit einer Anzahl von Altpar- lamentariern und politisch führenden Persönlichkeiten der alten Parteien. Darum haben wir uns entschlossen, gemeinsam mit ihnen zur Bildung der Deutschen Staatspartei aufzurufen. An uns wird es in erster tinie liegen, die Aroni nach rechts zu erweitern. Die einmütige Geschlossenheit der jungdeutschen und volksnvtio- nalen Bewegung, die Behauptung ihrer Schlüssel- stellung innerhalb der jungen Deutschen Staats» parte! bieten weiten Volkskreisen die Gewähr für die Ausschaltung der internationalen pazifistischen Schwärmer, die dem Deutschen Reiche so unermeßlichen Schaden zugefügt haben. Wenn ich mich entschlossen habe, die außerparlamentarisch« Führung der jungen Deutschen Staatspartei zu übernehmen, so habe ich es in der tiefen Ueberzeugung getan, daß die geistige Einheit der jungdeutschen und oolksnationalen Bewegung und die innige Ver- bundcnheit meiner Freunde mit mir, mir eine Machtstellung gibt, die den gerechten Anteil unserer Mitwirkung an der neuen Staalsbürgcrbewegung sichert. Helft mir, den jungdcutschen und vollsnationalen Flügel zu stärken!" Die Demokraten treten auf ein Schiff über, dessen Kapitän entschlossen ist, nach rechts zu steuern, und der auf feine Machtstellung pocht. Sie machen sich Zwecken dienstbar, die nicht mit dem vereinbar sind, was die Demokratische Partei bisher zu vertreten vorgab. Es sind rettende Planken. Denn stärker als alle grund- sätzlichen Erwägungen wirkte auf die demokratischen Offiziere ohne Soldaten die Tatsache, daß eine demokratische Organi- sation im Lande, die den Wahlkampf für die Demokratische Partei noch einmal hätte führen können, so gut wie nicht mehr existiert. Bor die Wahl gestellt, sich selbst treu zu bleiben und in der Wahl zerschlagen zu werden, oder vor anderen Grund- sätzen und Zwecken zu kapitulieren, haben sie das letztere ge- wählt. Ihre letzte Tat war, der Deutschen Staatspartei die Parteiorganisation für den Wahlkampf zur Verfügung zu stellen. Eine schöne Morgengabe! Mit dem, was man nicht hat, kann man immer freigebig sein! So starb am 30. Juli 1930, 5 Uhr 30 nachmittags, die Demokratische Partei! Sie werden nach rechts gefchleist! Fraktionesgemeinfchast von Lemmer bis Westarp grund- süßlich zugesagt. Der Rutsch der einstigen Demokraten nach rechts geht rasend schnell: morgensumlOUHr: Beginn der Selbstbeerdigung mit letzten Illusionen, daß die Grenze der neuen Partei zwischen dem linken Flügel der Volkspartei und Herrn Scholz liegen würde. Mittags: Bekanntwerden des Auf- rufes von Mahraun: Erweiterung nach rechts. Nach- mittags: Verhandlungen bei Scholz. Ueber diese Be- sprechungen an denen Vertreter der Konservativen Volkspartei, der Deutschen Volkspartei, der Wirtschaftspartei und der Staatspartei teil- nahmen, teilt die„Nationallibereale Korrespondenz", der parteiamtliche Pressedienst der Deutschen Volkspartei, folgen- des mit: „Getreu ihrer bereits auf dem Mannheimer Parteitag erklärten Bereitschaft, in«ine groß« Partei aufzugehen, hat die Deutsche Bolls- parte! durch ihren Vorsitzenden, Dr. Scholz, den.«ingeladcnen Parteien noch einmal die Frage vorgelegt, ob sie bereit seien, auch ihrerseits mit der Deutschen Voltspartei gemeinsam in eine solch groß« einheitliche Partei des gesamten aktiven Staatsbürgertums aufzugehen. Dr. Scholz hat diesen Vorschlag, ebenso wie seine bish«rigen nach dieser Richtung zielenden Bemühungen, vor allem damit begründet, daß die wahlmüde Bürgerschaft sich in dem Wirrwarr der Parteien nicht mehr zurecht- fände und darum diese Vereinheitlichung und Zusammensassung verlange. Die Deutsch« Volkspartei hat sich ja auch bisher nur gegen solche Neugründungen von Parteien gewehrt, die diesem Ziel der Vereinfachung entgegenstehen und also kein« Verminderung, sondern eine Bermehrung der Parteien bedeuten. Leider waren die befragten Parteien nichtgeneigt, dem vollsporterlichen Wunsche zu folgen. Di« Frage gemeinsamer Wahllisten wurde damit ebenfalls abgelehnt. Die von den ablehnenden Parteien vorgebrachten Gründe entsprangen in erster Linie Zwcckmäßigkcits- erwägungen und taltijchen Pckrachtungcn. Nach Ablehnung sein«? ersten Borschlages hat Dr. Scholz den vertretenen Parteien daraus die Frage vorgelegt, ob si« nicht über einen selbstverständlichen Burgsrieden hinaus bereit feien, im kommenden Reichstag eine Fraktionsgemeinfchast zu bildeu. die die gesammelte parlamentarische Kraft des Bürgerwms gerode in entscheidenden Augenblicken gemeinsam und einheitlich«inzu- sehen vermag. Diese Frage wurde wenigstens grund- sätzlich bejaht. Darüber sind die Derhandlungen noch nicht endgültig abgeschlossen. Sie werden morgen fortgesetzt. Zunächst ist ein Redaltionstomitee beauftragt, einen gemeinsamen Wahlaufru-s auszuarbeiten. Also Fraktionsgemeinschaft von L e m m e r und Koch- Weser bis zu Westarp und Schiele! Die wackeren Demokraten, die in die Staatspartei gegangen sind, müssen nun mit der Staaispartei in die Fraktionsgemeinschaft mit Westarp, Treviranus und Schiel« und Genossen wandern! Sie sind tatsächlich verkauft worden! Ein Protest gegen die Notverordnungen. Professor Dr. Rothenbucher gegen die Anwendung des Artikels 48. Wie der„S o z. Pressedienst" erfährt, ist Professor Dr. Rothenbücher, ein Staatsrechtslehrer von W e l t r uf und angesehenes Mitglied der Demokratischen Partei, vor etwa zehn Tagen aus der inzwischen beerdigten Demotratischen Partei ausgetreten. Professor Dr. Rothenbücher begründete seinen Austritt damit, daß er aus verfassungsrechtlichen Gründen das Borgchen der Demokratischen Par- tei in der Frage der Anwendung des Artikels 48 nicht decken könne und daher die Trennung von dieser Partei vollziehen müsse. Neue Mitglieder der Konservativen Volkspartei. Der frühere Reichsfinanzminister von Schrieben, Staats- selretär a. D. Hagedorn, der frühere bayerische Staatsmimstcr von Brenning und der Vizepräsident des Reichsvcrbandes der Industrie Abraham Frowcin- Elberfeld haben ihre Mitglied- schaft bei der Konservativen Volkspartei angemeldet. Beschlüsse des Zta'chsmies. Die Abrechnung bei der deutsch-amerikanifchen Schulden- regelung. Der Reichsrat stimmte am Mittwoch einer Verordnung über die Kennzeichnung von Mischbrot zu, ferner der Neu- mahl von elf Mitgliedern des Berwaltungsrates der Deutschen Rentenbanl-Kreditanstalt. Weiter gab er seine Zustimmung zu einer Verordnung über die Regelung der Abrechnung auf Grund der Entscheidungen des deutsch-amerikanischen Gemischten Ausschusses. Nach Mitteilung des Berichterstallers handelt es sich hierbei um die Schulden privater Deutscher an Amerika. Deutschland sei verpflichtet, an Stelle dieser Schuldner von 1939 bis 1961 jährlich 40 Millionen an die Vereinigten Staaten zu zahlen. Das Reich fei aber ermächtigt, Beiträge von de» Prioatfchuldnern einzuziehen, die auf lö Proz. der einzelnen Schuld mit einem Zinszufäzlag von 71- Proz. festgesetzt feien. Zur Vermeidung von llnbilligleits» und Härten. kann der Beitrag auf Antrag ganz oder teilweise er- lassen werden. Andererseits kann er erhöht werden, w«im der Schuldner sonst einen unbilligen Vorteil, besonders infolge der Frei- gab« seines Vermögens hätte. Verdrehungen im Landvolkprozeß. Man weiß nichts mehr von Steuerfireikheße. Itzehoe. 30. Juli. Zu Beginn der Mittwochverhandlung im Itzehoer Londvolt- prozcß wurde die Vernehmung der Entlastungszeugen fort- gejegl. Gutsbesitzer Rudolf von Kakben aus Finau in Pommern, hat im Frühjahr 192S eine Versammlung in Seehcmsen mitgemacht, ans der H a m k e n s und W e f ch k e sprachen. Harnkens lzab« ruhig und nicht hetzerisch gesprochen, er habe weder zum Steuer- streik noch zur Gewalt aufgefordert. Ehefredalteur Hottenrott von der„Mitteldeutschen Presse" in Staßsurt hat Hamkens auf der Ver- ianimlnng in Mahlwinlel am 29. August 1929 kennen gelernt. Unter Hamkens Aeußerung„Spitzel" habe er das Vcrwal- t u n g s f y st e m verstanden. In einer privaten Besprechung mit Hamkens habe dieser dem Zeugen gegenüber geäußert, unter „Spitzel" hob« er die aus Magdeburg gesandte» Leute verslanden. Hierzu bemerkte Hamkens, daß in der fraglichen Versammlung Reichsbannerleut« und sozio- listifche Funktionäre aus Magdeburg anwesend gewesen wären. Der Landwirt Ferdinand Pauls aus Tettenbüll sagte über die Versammlung in Garding aus, in der die Nothilfe gegründet wurde. Pauls ist früher selbst bei dem Mini st er Dietrich in Berlin vorstellig geworden, und dieser hat ihm gesagt, die Landwirte müßten sich selbst helfen oder ihm Vorschläge machen, wie zu helfen wäre. Die von ihnen gemachten Vorschläge habe der Minister aber als undurchführbar abgelehnt. In seiner Red« habe Hamkens gesagt, wenn die Landwirt« nicht mehr zahlen könnten, dann müßten sie sich selbst helfen. Unter dieser Selbstlhilfe habe er, der Zeuge, eben das oerstanden, was der Minister Dietrich gesagt habe. Auch die weiter vernommenen Zeugen haben in den Reden der?lngetlagten keine Ausforderung zum Steuerstrcil oder anderen Ungesetzlichkeiten gesehen. Die Unruhen in Aegypten haben, nach einer Auskunst der Rc- gierung im Unterhause, 26 Todesopfer gefordert. Es sind 279 Polizei- beamtc und 204 Privatpersonen verwundet worden. Die Sammlung. Scholz bläst zum Gammeln, Koch bläst zum Sammeln, die Arbeit- nehmer aber sammeln sich um das Ranner der Sozialdemokratie! Deutscher und russischer Arbeiter. Ein bolschewistisches Geständnis. Stalin, stani» als Triumphator aut dem Moskauer Parteitag da. als aus allen Teilen der Sowjetunion, von allen Werken und Be- trieben Bericht« vorgetragen wurden, die jubelnd verkiindetcn: Fünf- jahresplan in drei Iahren, bolschewistisch« Generallinie siegt. Riesen- fortschritte unserer Industrie. Jetzt aber schreibt selbst die Sowjet- presse, daß sehr viel« Berichte der Industrie an den Parteitag übertrieben, ja zum Teil vollkommen erlogen waren; Revi- sionen hätten gezeigt, daß viele Werksleüungen ganz phantastische Produklionszahlen an den Parteitag gemeldet haben. Ein Berspiel, der Sowjctpressc entnommen.: In Jaroslawl soll ein Gummi- und Textilindustriezentrum sür ganz Rußland erbaut werden. Man sprach schon jubelnd von einem großen Export und wieviel Valuta dadurch ins Land käme. Jetzt aber meldet das offizielle Sowjet- organ»Sa Jndustriealisasiu" unter dem Titel: Verbrecherische Berichte! Die Zaroslawler Erbauer haben die Partei und die Regierung betrogenl daß der Bericht an den Parteitag vollkommen erlogen war, von einem Aufbau keine Rede, all« eingetroffenen Moschinen durch un- kundige Bchandluirg schon lange zerstört seien, man die Fabrik- gebäude so baue, daß sie beim ersten Regen ausdem Leim gingen! Weiter meldet dieses So-wjetorgan, daß durch Faulheit und durch unkundige Behandlung von Maschinen solche Fäll« sich täglich mehren. Der diesjährige Plan fei stark gefährdet! Auch die Kohlenförderung der Sowjetunion ist noch offiziellen Meldungen rapid gesunken. Auch dies« Nachrichten beunruhigen stark die Oesfentlichkeit, am meisten natürlich die Ar- b eiterschaft, die unter furchtbaren Lebensverhältnissen riefize, von Moskau dekretiert« Aufgaben zu erfüllen hat. So meldet die Moskauer„Prawda", daß überall Arbeiterverjommliingen von „Opportunisten" angestiftet werden, gegen den Plan zu p r o t e- stieren. Die„Prawda" zitiert den Kommunisten Kurkow, der bei einer Versammlung solgen-des gesagt hat: .Die ganze Arbeikshehe und dieses Tempo der Industrialisierung führt unser Land zum Abgrund. Das Gerede über ver- besserte Lebensweise des russischen Arbeiters ist Quatsch. Ich fuhr durch Deutschtand, sagt weiter Surkow, und sah die denk- schen Arbeiter in ganzen, sauberen Kleidern, während unser Arbeiter kein ganzes Hemd besißl: Wir alle wissen, um wieviel besser die Arbeiter in Westeuropa leben!" Dies« Aeußerungen eines russischen Kommunisten beweisen nicht nur, wie elend der russisch« Arbeiter lebt, sondern auch, wie die deutschen Kommunisten lügen! China und Rußland. Erklärung des Kuomintang-Zührers. Peiping. 30. Just.(TU.) Der Vorsitzende der Kuomintang-Partei, Wantschinwei, erklärte Vertretern der chinesischen Prest«, daß die Vorwürfe wegen Unterhaltung freundschaftlicher Beziehungen der nordchinesischen Kua- mintang zur Sowjetunion nicht den Tatsachen entsprächen.„Wir sind ernste Bekämpser des Kommunismus in China." Außerdem habe die Sowfetregierung in den letzten drei Jahren im Fernen Osten bewiesen, daß sie ebenso wie andere Großmächte i m p e r i a- listisch sei. Wantschinwei betonte weiter, daß die Partei wohl » mit Rußland in Frieden leben, aber nicht ein Spielzeug des�roten Imperialismus sein wolle. Aufgabe der neuen chinesischen Nationalregierung sei die sofortige Aufhebung sämtlicher Borrechte der Ausländer in China. Der Nanking-Regierung sei die Wiederherstellung der völligen Staatsautorität Chinas nicht gelungen. Die Ereignisse in Tfchangischa. hankau. 30. Juli.(Reuter.) Die Garnison von Tschangtscha hat am 27. gemeutert. Die Stadt wurde von der Zivilbevölkerung geräumt. Kommunisten zogen in die Stadt ein und plünderten sie. 40 Ausländer be- gaben sich an Bord des britischen Kanonenbootes Aphis und werden nach Aotschau abtransportiert. Ein italienischer Missionär wurde von Kommunisten gefangen genommen, lieber das Schicksal einer englischen Miffionarin ist man im ungewissen. Die Kommu- nisten haben die am Han-Fluß liegende Stadt V o k i a k a u am 27. d. M. eingenommen. In Tschangtscha haben sie alle Re- gierungsgebäude zerstört. Sie sollen auch Poiizeistotionen und Handelshäuser verwüstet und sich an Eigentum von Ausländern ver- griffen haben. Nach noch unbestätigten Nachrichten soll auch ein Konsulat zerstört worden sein. h a v a s meldet aus hankau, die Nachricht, daß die Kommunisten die Konsulate in Tschangtscha zerstört hätten, bestätige sich n i ch t. USA. drohen. New gork, 30. Juli. Das Weiße Haus hat an die Nankingregierung«ine scharfe Note gerichtet, in der Schutz des Lebens und Eigentums amerikanischer Bürger in den von Kommunisten heimgesuchten Gebieten verlangt wird; Amerika behalte sich alle Rechte vor, wenn Leben oder Eigentum von Amerikanern irgendwie angetastet werden sollte. Ausdehnung des Kurdenaufstandes. Seheime Führer im Hinkergmnd. Slambul, 30. Juli.(Eigenbericht.) Alle amtlichen türkischen Siegesmeldungen aus den Ostprooinzen vermögen die Tatsache der immer noch zunehmenden A u s d e h- nung des Kurdcnaufstandes nicht aus der Welt zu schaffen. In den letzten Tagen der vergangenen Woche sind wieder mehrere Kurdenstämme aus dein Irak über die Mossulgrenze in das türtische Wllajet hakkiari eingebrochen: an ihrer Spitze steht der aus zahlreichen früheren Kämpfen und Aufständen berühmte Kurden- Häuptling B a r z a n, der enge Beziehungen zu den Kurdenführern am Ararat und am Wansee unterhält. Die amtlichen Meldungen sprechen zwar nur von 500 Bewaffneten, die Barzan folgen sollen. Immerhin ist es den dort stehenden kürklschen Truppen vorerst nicht gelungen, die Invaston zurückzuweisen, und in größter Eile sind Verstärkung«« aus dem Wllajet Wardia nach hakkiari entsandt wordeu. Dieser Kurdeneinbruch ist für die Türkei um so gefährlicher, als es in diesem unwegsamen, abseits aller großen Strotzen nördlich von Mostul gelegenen Wilajet überhaupt keine türkischen Dörfer gibt und die ganze Bevölkerung kurdisch ist. Wenn es den Türken nicht gesingt, Barzan und seine Truppe in wenigen Tagen niederzuwerfen, so ist mit einem allgemeinen Kurdenaufstand zu rechnen. Zeitpunkt und Ortswahl dieser neuen Kurdeninvasion zeigen sehr deutlich, daß zwischen den verschiedenen lokalen kurdenanfständen und -iuvasionen ein geheimer Zusammenhang besteht und die sich im Hintergrund haltenden eigentlichen Führer nach durchaus modernen strategischen und taktischen Regeln ver- fahren. Mit dem neuen Kurdeneinfall wird offenbar der Zweck ver- folgt, den Aufständischen an der persischen Grenze wieder Bewe- gungsfreiheit zu verschaffen. Scharfe Spannung Türkei— persien. Angara, 30. Juli.(Eigenbericht.) Die persische Regierung ließ in Angara eine Not« überreichen, in der sie für den Einbruch türkischer Truppen in per- sisches Gebiet Schadenersatz fordert. Di« Türkei Hot dieses Ansinnen abgelehnt und die persische Regierung aufgefordert, in den persischen Grenzgebieten endlich wieder Ruhe und Ordnung herzustellen, sonst beHalle sich die türkisch« Regierung handlungs» freiheit vor. Die Krage der Arbeiisbefchaffung. Informationsreise des Staatssekretär Geib nach dem Westen Der Staatssekretär im Reichsarbeitsministevium G e i b weilt gegenwärtig im Ruhrgebiet, um sich einen Einblick in die Tätigkeit der Soziolbehörden, insbesondere des Landcsarbeitsamtes Westfalen und der ihm unterstellten Arbeitsämter, sowie in die Maßi, ahmen für den Arbeiterschug und dos Wohnungswesen im Ruhrgebiet zu verschaffen. Bei der schweren Wirtschastedepression im Westen des Reiches gilt sein Interesse besonders den Fragen der Arbeitsbeschaffung Giahlhelmführer wird Raiionalfozialist Er folgt seinem Prinzen Auw». Weimar, 30. Juli. Der Führer des Stahlhelms. Vau Saale-Tihüringsn. h e l w i g, ist, wie er in einem offenen Schreiben an seine bisherigen Stahl- Helmkameraden mitteill, zur Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei übergetreten. Er begründet diesen Schritt damit, daß der Stahlhelm sich nicht in dem Maße am politischen Kampfe beteilige, wie dies heute notwendig sei und demgemäß seine politischen und nationalen Ziele nicht erreichen könne. ver internationale sozialististhe Protest bei Soinhusond war nichl ganz erfolglos. Lappoleute haben eine sozialdemokratische Parteikonferenz in der»lsingtorser Umgebung, von der sie wußten, unbehelligt gelosten. Großgrundbesitzer denken nur an sich. Ungerechte Verkeilung der llmschuldungskredite. Es ist allemal dasselbe: die Großgrundbesitzer denken nur an sich. In der Provinz Pommern herrscht nach einer Meldung des ,.Volksboten"-Stettin Nr. 156 bei Bauern und Pächtern große Erregung über die eigenartig« Art und Weiss, mit der die Umschulduiigskredite oerteilt werden. Besonders kraß sollen die Dinge im Kreis« S ch l a w e sein. Dort wird von drei Groß- grundbesitzern behauptet, daß sie über zwei Drittel der Mittel erhalten haben, die für die Landwirtschast des ganzen Kreises Stolp zur Bcrfügung gestellt waren. Der sozialdemokratische Abgeordnete des Preußischen Landtages Hartwig-Stettin und die anderen pommerschen Mitglieder der sozialdemokratischen Landtagssraktion haben die Angelegenheit zum Anlaß genominen, eine Große Anfrage folgenden Wortlauts einzu- bringen: „Die Berwendung der landwirtschastlichen Umschullmngs- krodite im Kreise Schlawe in Pommern hat in bäuerlichen Kreisen großen Unwillen erregt. Drei Großgrundbesitzer sollen über zwei Drittel der für die Landwirtschaft des Kreises zur Ver- sügung gestellten Mittel erhallen haben. Der Rest entfiel auf einige klein- und mittelbäuerliche Betriebe. Es wird behauptet, daß die erwähnten drei Großgrundbesitzer sich die hohen Kredite in ihrer Eigenschaft als leitende Männer des Landwirtschaftlichen Kreisvereins selbst bewilligten, während eine große Anzahl durch- aus kreditwürdiger bäuerlicher Betriebe völlig leer ausgegangen und daher der notwendigen Betriebsmittel entblößt sein sollen. Wir fragen: Sind der Staatsregierung diese Borkomm- nisse bekannt? Ist die Stoatsregieninq bereit, in Zukunft die bäuerlichen Interessen gegenüber dem überragenden Einsluß der Kroßgrundbesitzer zu schützen?" Die preußische Staatsrcgierung wird hoffentlich unverzüglich eine Untersuchung über die Verteilung der Umschuldungskredite in Pommern durchführen._ Bayerisches Rumpfkabinett in Röten. Schlachtsteuer soll mit Finanigeseh verkoppelt werden. München, 30. Juli.(Eigenbericht.) Die bayerische Rumpfregierung glaubt jetzt den Dreh gefunden zu hoben, wie sie die von der Mehrheit des Landtages abgelehnt« Schlacht st euer nun doch noch auf Umwegen durchsetzen kann. Sie hat dem Landtag einen neuen Entwurf eines Finanz. gesetzes vorgelegt, in dem die seinerzeit abgelehnte Schlachtsteuer mit eingebaut ist. Die Regierung bedarf zur Durchführung dieses Gesetzes einer Ermächtigung des Landtages. Es ist ober on- zunehmen, daß die Landtagemehrheit auch einer solchen Er- mächtigung die Zustimmung versagt. Mildes Ltdeil in Rindorf. Leichte Geldstrafen wegen Äeamtennötignng. Stade, 30. Susi. Im Nindorfer Aufruhrprozeß wurde am Dienstag folgendes Urteil verkündet: Der Angeklagte Däcker-Tiedemann und der Land- wirt Kackmann werden wegen Beamten Nötigung zu je 100 Mark Geldstrafe verurteilt, die übrigen Angeklagten werdcn freigesprochen. Bierseidel als Argumente. Wie es auf nationalsozialistischen Versammlungen zugeht. Bamberg, 30. Juli. Im Verlauf einer nationalsozialistischen Wahlver. sammlung in Eltmann in Unterfranken spitzten sich die Ausein- andersetzungen mit politischen Gegnern so zu, daß Stühle und Gläser als Wurfgeschosse benutzt wurden und die Ein- richtung des Lokals zum größten Teil in Trümmer ging. Die Aus- schreitungen setzten sich auch auf der Straße fort, wo es zu einem schweren Handgemenge zwischen Nationalsozialisten und Linksradikalen kam. Beiderseits gab es zahlreiche Ver- w u n d e t e. U. a. wurde«in Regierungsbaumeister ins Kranken- Haus gebracht. Prügelversammlung der Razis. Schwere Schlägerei in Tkeuwied. Neuwied, 30. Juli. In dem benachbarten Fahr kam es anläßlich einer Versammlung von Nationalsozialisten zu schweren Zusammen st ößen mit etwa hundert Angehörigen von Linksparteien. Diese wollten den Nationalsozialisten in den Bersammlungssaal folgen, wurden aber von den Saalordnern zurückgedrängt. Es kam zu einer Schlägerei, bei der mehrere Personen schwere Kopsverletzungen davontrugen. Erst Landjägr und das Ueberfallkommando stellten die Ruhe wieder her. Die Nationalsozialisten marschierten darauf unter polizeilichem Schutz wieder ab, ohne die Versammlung abhalten zu können. Sozialatlachi in Wien bei der Reichsgefandtschast wird Regie- rungsrat Dr. Fischer vom Reichsarbeitsministerwm. In den letzten Iahren waren bereits Beamte des Reichsarbeitsministeriums als sozialpolitische Referenten bei den Reichsvertretungen in London, Paris, Brüssel, Washington und in den skandinavischen Ländern tätig. Der Londoner Posten ist zur Zeit zum zweiten Male besetzt. Die afghanischen Repierungstruppen haben in der Nähe des Forts Mudrad Beg den Streitkräften der Rebellen schwere Verlust.! zugefügt und zahlreiche Gesangen« gemach" Die Streiks in Krankreich. Lohnkämpfe als Folge der Teuerung. Zusammen mit der Sozlalreaktwn ist die kommunistische Partei in Frankreich Gegnerin des SoFialoersicherungsgefetzes, das nach langjährigen Verschleppungen doch noch Gesetz geworden ist. Nur durch die energische Kampagne des srcngosischen Gcwerkschaftsbundes ist es schließlich doch gelungen, das Gesetz zur Durchführung zu bringen. Nun ist gegenwärtig in Frankreich eine Teuerungswelle zu beobachten, die zu Lohnkämpfen geführt hat. Diese Lohn- kämpfe, besonders in der Textilindustrie und der Metallindustrie Nordfrankrcichs, werden von den Organisationen geführt, die dem Gewerkschastsbund lCGT.) der Amsterdamer Richtung angeschlossen sind. Di« Kommunisten haben die Inkraftsetzung des Gesetzes zum Vorwond genommen, um die Arbeiterschaft wieder einmal zum Generalstreik aufzurufen. Da die Teuerung zusammenfällt mit der unmittelbaren Belastung durch die Sozblbeitriig«, deren Wirkung allerdings später um so mehr der Arbeiterschaft zugute kommt, ist die Forderung der Gewerkschaften nach Lohnerhöhung— keineswegs aber auf Zahlung der Sozialbeiträge durch die llnterneh-.ter!— nur zu begreiflich und natürlich. Die Kommunisten machen nun ein großes Geschrei, als seien die Lohnkämpf« in Frankreich eine Folg« ihres Aufrufs zum General- streik und als feien es die kommunistischen Splitterorganisationen, die den Kampf führten. In Wirklichkeit kann davon keine Rede sein. Es handelt sich bei den Streiks in Frankreich um Lohnkämpfe gewöhnlicher Art, die nur zeitlich zusammenfallen mit der Inkraftsetzung der Sozialver- sicherung. Di« französischen Gewerkschaften denken nicht daran, sich gegen die Durchführung eines Gesetzes zu stemmen, für dessen Schaf- fung sie sich mit aller Kraft eingesetzt haben. Die Kommunisten sind auch hier nur die chelfershelfer der Sozialreaktion und praktisch in den Känipsen das fünfte Rad am Wagen. Sie versuchen sich in diese Kämpfe hineinzuklemmen und ihnen einen Charakter zu geben, den sie gar nicht hoben. Es ist durchaus begreiflich, daß die französische Reaktion und ihre Presse so tut, als glaube sie an die Aufschncidercien der Kom- munisten. Deshalb berichtet auch die reaktionäre Presse in Frank- reich von diesen Kämpfen, als handele es sich um Streiks gegen die Sozialversicherung. In Wirklichkeit ist die Sozialversicherung ganz außer Frage. Genau so wie in Deutschland, wenn auf Beschluß der Gewerkschaften die Arbeiter um Erhöhung der Löhne oder Verkürzung der Arbeitszeit in den Streik treten,.die kommunistischen Blätter von einer„revolutionären Situation" faseln, genau so ver- suchen die französischen Kommunisten die Lohntämpfe, bei denen sie nur die Rolle der Nachläufer spielen, als„revolutionäre" Auf- lehnung gegen die Sozialgesetzgebung umzufälschen. Oer Arbeitsminister zu den Kämpfen. Paris, 30 Juli(Eigenbericht). In der Mittwoch-Ausgabe des„I n t r a n s i g e a n t" stellt Arbeitsminister Pierre L a o a l e über den Streit im nörd- iichen Industrierevier fest, daß es gegenwärtig im ganzen Lande etwa tzvliol) Streikende gebe. Die Streikbewegung richte sich nicht gegen die Einführung der Sozialver- sicherung. In den meisten Fällen sei das Gesetz lediglich der Vor- wand für L o h n k ä m p f e, die auch ohne Sozialoersicherungs- gesetz ausgebrochen wären. Unglücklicherweise sei die Mchrbesastung der Arbeiter durch die Sozioloersicherungsobgaben zusammengefallen mit einer allgemeinen Preissteigerung. Außerdem sei das Sozialversicherungsgesetz so beschaffen daß es den Arbeitern während der ersten drei Monate lediglich Lasten auferlege, ohne irgendwelche Dortelle zu bringen. Die Erscheinung, daß die Ein- führung von Sozialversicheningsgesetzen stark« Erschütterungen in der Arbeiterschaft hervorrufe, stehe nicht vereinzelt da. In den meisten Ländern hätten ähnliche Reformen vier bis fünf Arbeits- minister» das Amt gekostet. Seit der Einführung des Gesetzes seien insgesamt 150 000 Arbeiter in den Streik getreten. 70000 hätten die Arbeit inzwischen wieder aufgenommen. Der Konflikt im Holzgewerbe. Ab 1. August 100 000 ohne Lohntarif. Ab 1. August tritt im deutschen cholzgcwerbe«in tarifloser Zu st and ein. Man muß damit rechnen, daß dieser tarislose Zustand über kurz oder lang zu Konflikten führt. Wie erinnerlich, hat der Arbeitgcberverband für das deutsch« cholzgewcrbe den Lohntorif zum 1. August gekündigt und schließ- lich nach vier Wochen mitgeteilt, daß er einen allgemeinen Lohnabbau anstrebe, und zwar sollten die Tariflöhne mn die Kleinigkeit von 6 bis 23 Pfennig gekürzt werden! Bei den Ver- Handlungen tonnt« man natürlich zu einer Einigung nicht kommen und deshalb machten die Vertreter des Deutschen cholzarbeiterver- bandes den Vorschlag, das im Manleltarif vorgesehene Lohn am t zur Hilfeleistung anzurufen. Da sich die Parteien über die Person de» unparteiischen Vorsitzenden des Lohnamtes nicht einigen tonnten, machten die Vertreter des Deutschen Holzarbeiterverbandes den Vorschlag, entsprechend den Vorschriften des Vertrages die Auswohl des Unparteiischen dem Reichsarbeits Ministerium zu über- tragen. Aber auch dagegen opponierten die Unternehmer. Sie ver- langten van den Arbeiteroertretern die Abgabe einer ErNärung, daß der Schlichter Dr. Brahn nicht als unparteiischer Vorsitzender de- stimmt werden dürfe. Nun war es ausgerechnet Dr. Brahn, der den Schiedsspruch für. die Nordwestliche Eisenindustrie gefällt hat, und es tonnte schon deswegen keine Rede davon sein, daß die Vertreter des Deutschen Holzarbeiterverbandes sich gerode auf den Schlichter für Rheinland-Westfalcn versteifen würden. Es verstand sich aber auch von selbst, daß die Vertreter des Deutschen Holzarbeiterver- bandes sich keinerlei Bedingungen aufzwingen lassen können. In Wirklichkeit wollte der Arbeitgeberverband die Verhand- lungen ver schleppen, um eine tarifloseZeitabl. August zu schaffen, denn er hat mit erheblichen inneren Schwierig- leiten zu kämpfen und will deshalb einer Entscheidung aus dem Wege gehen, den die Löhne für ganz Deutschland(mit Ausnahme von Berlin, das einen Sonderoertrog hat), besonders ober auch für Württemberg und Schlesien regelt. Der Deutsch« Holz- arbeiterverband hat in einer außerordentlichen Konfe- renz mit den Vertretern der bczirklichen Lohngebieto die Situarian besprochen. Die Konferenz billigte e i n m ü t i g die Haltung der Vcrhandlungskommission. Sie beschloß, die Holzorbeiter aufzurufen, sich gegen etwaige Versuch« eines Lohnabbaues, sowie gegen die Sabotage der tarifoertraglichen Vorschriften durch den Arbeit- geberoerband zu wehren. Alle Maßnahmen in den einzelnen Ve- trieben sind in engster Fühlung und im Einverständnis mit den zuständigen Verbandsinstanzen durchzuführen. Auch nach dem 1. August find die Unternehmer nicht berech. tigt, ohne Kündigung der Einzelarbeitsverhältnisfe die bestehenden Stundenlöhne und Akkordpreise von sich aus zu ändern. Nach Z ZZ des Manteltarifvertrages ist auch nach dem 1. August die Festsetzung der Mkordpreis« unter Hinzuziehung der Detriebsvertretung und der Akkovdkommission vorzunehmen. Der Hoizarbeiterverbond empfiehlt seinen Mitgliedern überall da in Zeitlohn zu arbeiten, wo ein« Verständigung über den Akkordpreis nicht.zustande kommt. Der Verband wird jedenfalls Kampfhandlungen einzelner Unternehmer oder der bezirklichen Unternehmerverbänd« nicht ruhig hinnehmen. �aiionalisierung überall. Auch in der Landwirtschast Arbeitslosigkeit. Unter den vielen Mittelchen, die in Vorschlag gebracht werden, lim die katastrophale Arbeitslosigkeit einzudämmen, wird von Zeit zu Zeit die Umschulung der städtischen Jugend und ihre Ver- Pflanzung auf das Land hervorgezogen. Man müßte danach annehmen, in der Landwirtschaft herrscht Arbeitermangel, eine An- nähme, die freilich von den Agrariern, die immer noch polnischen und tschechischen Landarbeitern schreien, genährt wird. Tatsächlich besteht aber auch in der Landwirtschaft«in U eb e r- angebot an Arbeitskräften. Im Juni, wo die landwirt- schastliche Arbeit sozusagen ihren Höchststand erreicht, gab es in lpeutschland nicht weniger als70000arbcitslos«Land> a r b e i t e r. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß gegenüber der Vorkriegszeit heute rund 3 00000 ausländische Land- ar.beiter weniger boschästtgt werden. Auch in der Landwirtschaft hat sich die Rationalisierung stark ausgewirkt. Wie sehr die Mechanisierung der Landwirtschaft fort- geschritten ist, geht aus einer Sonderschrift der Reichszentrale für Heimatdienst hervor:„Die Technik in der deutschen Volkswirtschast." Danach hat sich die Zahl der Dampf- und Motorpflüg« in der deutschen Landwirtschaft von 1907 bis 1925 um über 8000 Stück, die Zahl der Sämaschinen um über 300 000, die der Mähmaschinen um über 700 000 und die der Dreschmaschinen um über 300 000 erhöht. Dies« Mechanisierung, die noch lange nicht abgeschlossen ist, führt in immer stärkerem Maße zur Freisetzung von Arbeitskräften. „Der Landarbeiter", dos Organ des Deutschen Landarbeiter- Verbandes, schlägt demgegenüber vor, die Beschäftigung auslän- bischer Wanderorbeiter noch weiter einzuschränken oder ganz zu beseitigen. Diese Forderung lasse sich um so mehr oerantworten, da kein polnischer oder tschechischer Landwirt deutschen Landarbeitern bei der Einstellung den Vorzug von polnischen oder tschechischen Landarbeitern gebe. Ein anderer Weg zur Einschränkung der Ar- beitslosigkeit in der deutschen Landwirtschast sei die Verkürzung der Arbeitszeit. Es sei ein unhaltbarer Zustand, daß ein Teil der Landarbeiter 10 und 11 Stunden täglich in den Pro- duktionsprozeß eingespannt werde, während Taufende von Land- arbeitern brach lägen. Wie man zu diesen Forderungen auch stehen mag, jedenfalls zeigen die Tatsachen, daß die Dorschläge, die arbeitslosen Industrie- arbeite? in die Landwirtschaft zu überführen, aus Illusionen beruhen. Auch in der Landwirtschaft triumphiert die Mechanisierung der Produktion. Die Ersparung von Arbeitskrast und Arbeitszeit durch die Maschinen nruß notwendig auch zur Verkürzung der Arbeitszeit führen. Arbeiisbeschaffung und Reichsbahn. Nebelhafte Ankündigungen. Die Reichsbahn hat der Oeffentlichkeit ihr Arbeits- beschaffungsprogramm mitgeteilt. Die Rechtspresse bringt die Mitteilungen unter der dicken Ueberschrist„Die Reichsbahn schafft Arbeit". Der große Lärm ist wenig angebracht, denn noch immer besteht keine Klarheit darüber, ob es sich bei den vor- gesehenen Arbeiten um zusätzliche Arbeiten handelt oder nicht. Noch immer kann man nicht klar erkennen, ob die Reichsbahn nun wenigstens jetzt bereit ist, die Arbeitsämter darüber zu unter- richten, wo und wie sich ihre Aufträge auf den Arbeitsmarkt aus- wirken sollen und ob sie mit den Arbeitsämtern in der Arbeits- bcschaffung zusammenarbeiten will. So lang« diese Fragen nicht geklärt sind, besteht kein Anlaß, der Rcichsbahngesellschaft großes Lob zu spenden. Vorläufig kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, daß das Arbeitsbeschaffungs- Programm sehr stark dem von Herrn Stegcrwold und den Unter« nehmern angekündigten Preisabbau ähnlich sieht, der in Wirklich tcit nur die Attrappe für den Lohnabbau ist. Oer Angestellienkonfliki. Verhandlungen im ReichSarbeitoministerinm. Zur Eindämmung de» Konfliktes der Angesteltten in der Berliner Metallindustrie hat das Reichsarbeitsministerium am Mittwoch ewea ersten Schrill unternommen. Es hat die A n g e- stelltenverbände zu einer Besprechung geladen, die am späten Nachmittag begann. Irgendein Resultat dieser Besprechung liegt zur Zeit noch nicht vor. Im übrigen kommt der Konflikt von den Unternehmern. Diesen hätte das Relchsarbeitsministerium zunächst ins robuste Gewissen zu reden. Oie Entlassungen in Oberschlesien. Besprechung im preußischen Handelsministerium. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat im Preu- ßischen Ministerium für Handel und Gewerbe eine Besprechung zwischen den Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden sowie kom- munalen Vertretern und Abgeordneten des sthlesischen Gebietes über die Arbeitere ntlassungen bei den Eisenhütten in Glei- w i tz und M a l a t a n e stattgefunden. Diese Entlassungen sind aus den Rückgang derAus träge an die oberschlesifche Eisen- industrie zurückzuführen. In der eingehenden Aussprache mit Reühsoerwoüungen, hex Reichsbahn und der Reichspojt wurde darauf hingewiesen, daß von dort aus bereits an die örtlichen Stellen Anweisungen gegeben seien, der besonderen Notloge der»be» schlestschen Eisenindustrie insgesamt im Rahmen der Beschafftmgs- Möglichkeiten bei Erteilung von Austrägen Rechnung zu tragen. Es find weitere Erörterungen in Aussicht genommen, um der schwierigen Lage der oberschlesischen Eisenindustrie Erleichterungen zu schassen. Keine Einigung in der Schwerindustrie. Anrufung des Schlichters. Essen. 30. Juli.(Eigenbericht.) Der Deutsche Metallarbeiteroerbond hat, gm Mlltwoch auf seiner Delegiertenkonferenz in Essen die Dorschläge des Arbeitgeberverbandes Nordwest zur Klärung der Toriffrage abgelehnt, da nur ein ganz geringer Teil der Belegschaften davon«inen Dortell habe. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Schlichter angerufen werden. Rechtswidriger Gehaltsabbau. Entscheidung des Arbeitsgerichts. Essen, Z0. Zull.(Eigenbericht.) Vor dem Arbeilkgerlcht In Essen wurde am Mittwach ent- schieden, daß die durch dieArbeitgeberverbändedes Baugewerbes am 17. Iuli ausgesprochene Kündigung der Mindestgehälter für die technischen Auge st eilten zum 30. Iuni rechlsunwirtsam ist. Die tariflichen Mindest- gehäller, wie sie seit dem 1. Iuli 1929 in Kraft sind, bleiben u n- verändert weiter bestehen. Der Streitwerl wurde vom Arbeits- gericht auf K500 217. fest gesetzt. peeck& Eloppenburg maßregelt. Rache für den Streik im Frühjahr. Di« Tage um Pfingsten brachten der Berliner Bekleidungs- industrie noch einmal ein ichwoches Anziehen der Konjunktur, gleich darauf erreicht« der Beschäftigungsgrad jedoch einen bisher nie ge- kannten Ticsstond. Aus dem Arbeitsnachweis sind von den rund 4500 Maßschneidern, die wir in Berlin haben, nicht weniger «rls 3900 Arbellsuchende eingetragen, von den K o n f e k t i o n s- schneidern sind 2000 erwerbslos, von den Büglern 720 und von den Konfektionszuschneidern auch noch 200 Mann. Mit dieser Sachlage beschäftigte sich Dienstag nachmittag ein« Versammlung der Abteilung Konsektionsänderung der Firma Peeck u. Cloppenburg. Hier hoben besondere Maß- nahmen der Geschästsleitung die Belegschaft außerordenllich ver- bittert. In der ersten Iuliwoche war die Arbeitszeit auf 42 Stunden pro Woche verkürzt worden, dann wurde sie auf 38 Stunden und jetzt auf 32 Stunden wöchentlich verkürzt. Die Forderung der Geschästsleitung, nur 24 Stunden arbeiten zu lassen, konnte vom Arbeiterrat abgelehnt werden. Nebenher werden aber auch noch Entlassungen vorge- n o m m e n, und zwar sind von den rund 170 Aenderungssthneidern bisher 24 entlassen worden. Zu einem großen Teil handelt es sich dabei um Arbeiter, die bei dem Schneiderstreik im Frühjahr in den Vordergrund traten. So befindet sich unter den Entlassenen ein Mann, der 19 Jahre lang bei Peeck u. Cloppenburg beschäftigt war. Di« 16 Arbeitswilligen werden dagegen geschont, trotzdem der Arbeiterrat mit allem Nach- druck gefordert hatte, zuerst diese zuletzt in den Betrieb gekommenen Leute zu entlassen. Die Entlassungen alter erfahrener, technisch überaus befähigter Kollegen ist also eine glatte Umgehung der tarif- lichen Abmachungen bei Beendigung des Streiks, wonach keine Maßregelungen vorgenommen werden dürfen. Die Versammlung war einmütig der Aussassung, trotz der Krise fest zu- sammenzustehen in der Abwehr dieser„Säuberungsaktion", die nichts als«ine nachträglich« Maßregelung bedeutet. Gordische Buchdruckertagung. Stockholm, 30. Iull. In Stockholm ist ein« nordisch« Buchdruckertagung eröffnet worden. In einem Vortrag wunde hervorgehoben, daß der Bücherabsatz bedeutend zurückgegangen sei. Funk und Kino sowie die zahlreichen billigen Zeitschriften machten zu scharfe Konkurrenz. Das Verhältnis zwischen Arbeid- gebern und Arbeitnehmern spitz« sich— wie die Unternehmer be- Haupte»— infolge des Verhaltens der Fachvereine immer mehr zu. Neue Arbeiierflucht aus Italien. Pari». 30. Juli.(Eigenbericht.) In der vergangenen Nacht sind abermals sieben italie- nische Arbeiter aus dem faschistischen Paradies desortiert und nach Frankreich geflüchtet. Sie nahmen den Weg über de» gefähr- lichen Gletscher von Arnes, südlich von dem Gebirgsmassiv des Mont Blanc. Im letzten Augenblick wurden st« von der faschisti» schen Grenzwache entdeckt und verfolgt. Sie ließen sich den Gletscher heruntergleiten, wobei einer von ihnen abstürzte und sich schwer verletzte. Trotzdem tonnte auch er über die Grenze ge- langen. Kreie Gewerkschafts-Jugend Berlin Rorddrei»: Wir spielen jeSen Donnerstag auf dem Sportplaic»Tin- same Pappel". Platz St.— Treptow: Troptocver Wiese ii.— Senlbfl»: Voltovari Hascnhcide.— Heu:«, Donnerstag, l'/i Ut>r. tagen die Gruppen! Köpenick: Iugendtieim Grünauer Str. Z. Bortrag:»Arb«iterioit und Rationalisierung".—«efunddrnnnen: Jugendheim Rote Schule, Goten. duraer Str. 2. Buntes Allerlei.— hiidofteu: Gruppenheim R-ichcnBerger strafe K«(Zeuertvehrhaus). Wir gehen nach dem fZlußbod Nlingenh-rg.— Tempelhof: Gruppenheim Lmeum Germaniastr.<— 6. Bortrag: flaute radfchaft der Geschlechter"— Moabit: Jugendheim Lehrier Str. IS— 19. Bortrag:»Was ist und bedeutet Paneuropa"?— Lichtenberg: Jugendheim Haufif- an der Lessingstrafe. Bortrag:»Mädel und Bursche in der Zugendbetoegung"— Neu- Lichtenderg: Gunterftr. tt. Distussionoabend:»Die Presse. Zeltschristen sind mitzubringen. ©Iuaendarupps des Zentralverbandes der Angeflellten Heute. Donnerstag, linden folgende Veranstaltungen statt: Panlow- Rieder schon hausen: Jugendheim Gitrschstr. 14 ikleinc, Zimmer).»Saerhe und seine Zeit".- Treptow: Jugendheim der Schule Wilden bruchstr. 5Z(Zugang von der Draetzstrafe in Treptow). Wir gehen in» Berliner Bad. Treff» puntt»48 Uhr vor dem Jugendheim.— Schiaeterg: Jugendheim Houptstr. IS (Hofgebäude. Thsiringenjimmer). Ausspracheabend.— vftra: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18.»D!« Republik und ihre Gegner". Referent Lfc-i.— Spiel und Sport ab 19 Uhr im Bolkspart Rehberge. ab 18 Uhr auf dem Sport- platz Bremcr Strafe(Rordwest), ab IS Uhr auf de« Sportplatz Olbersstrafe iCharlott.'ndurg).____ Verantwortlich für Politik: Dr. Satt Gever: Wirtschaft:®. KliagelhSI»! Sewerkschofisdewegung: gz. Etzkora: Feuilleton: X. S. Döscher: Lokale» und Sonsiizt, Tri» Karftödt: An»ei gen: Ib. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Lerlag G. m. d. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW.«tz, Lindenftrafe � Hicqo 3 Beilagen aab.gaeatafttan*'. Nr. 353- 47. Jahrgang *1. Beilage des Vsrwaris Dennersiag. 3t.Il.ii l�30 am Briizcr Guispark. Kürzlich ist der zum ehemaligen Rittergut Britz gehörende Park für den öffentlichen Besuch freigegeben worden. Für die Bevölkerung des in den letzten Iahren dank einer großzügigen Siedlungspolitik stark vergrößerten Ortsteils ist damit ein herrlicher Erholungsplatz geschaffen worden. In unmittelbarer Nähe des Guts- parks steht, von Feldsteinen erbaut, auf einer kleinen Halbinsel des Dorfteichs die alte Kirche von Britz. Die Kirch« dürfte gegen Ende des 13. Jahrhunderts erbaut worden sein. Die Glocke, die „Alte von Britz�, wie sie genannt wird, ist mit Schristzeichen verziert, die aus dieses Jahrhundert hindeuten. Im Laufe der Zeit mußte die Kirche oftmals Umbauten über sich ergehen lassen, so daß schließlich heute kaum noch etwas aus jener Zeit erhalten sein dürfte. Die Patronatsrechte über die Kirche besaßen die jeweiligen Guts- besitzer, als deren erster der aus dem Geschlecht der B r i tz k e s zu nennen ist. Neben den Britzkes saßen hier noch die Familien Barfus, Luckenwalde und Wyghus, doch erwarben die Britzkes nach und nach den ganzen Grund und Boden, den sie fünf Jahrhunderte bewirtschafteten. Im Jahre 1699 wird dann der Kammerpräsident von Chwalkowsky als Eigentümer genannt. Nachdem ging der Besitz on den Minister von Ilgen über. Nach Ilgen bewirtschafteten Graf von Herzberg, Minister Friedrichs II., und die Berwandten Herz- bergs, K Naphausen und Eckardstein, das Gut. Nach diesen folgte ein Herr Jouanne, dann der Altertumsforscher Dr. Riedel und schlicßlich�der Bankier Julius Wrede, dessen Erben 192S das Gut an die Stadt Berlin verkauften. Das Innere der Kirch enthält heute noch Stiftungen aus jener Zeit. So den Altar und die Kanzel, die Ilgen 1729 der Kirch zum Geschenk mochte. Kanzel und Altar sind merkwürdigerweise mit dem Stern Davids gekrönt. An der Osffeite der Kirch befindet sich die Gruft, die Herzbcrg sich 1766 erbauen ließ. Hier haben dann auch die chrzbergs, Knyp- hausens und Eckardsteins ihre letzte Ruhestätte gefunden. Allerdings wurden die Särge— elf an der Zahl, darunter auch ein Kinder- sarg— bei einem Umbau in einem Gewölbe unter dem Mausoleum beigesetzt. Die mächtigen Eichnsärge sind olle gut erhalten, nur die Metallbeschläg« sind vom Rost zerfressen. Bei dem Umbau der Kirche stieß ein Arbeiter auf ein bisher un- bekanntes Grabgewölbe, das seine Forschungslust erregt«. Doch der alt« Wrede war dafür nicht zu haben und ließ das Gewölbe sofort wieder schließen. Niemand weiß, wer hier beigesetzt ist, kein Plan weist die Gruststelle nach... Neben den Herzbergs haben die Wredes hier ein Mausoleum zu ebener Erde. Von den damaligen Rittergutsbesitzern fanden dann schließlich nur noch die Iouonnes hart an der Kirche ihre Ruhestätte. Jouanne war ein sehr robuster Herr. Als sich seine Dorfftraße in schlechtem Zustande befand, lieb- äugelte er mit der Kirchhofsinauer, die ihm ein gutes Pflaster- Material abzugeben schien. Selbstverständlich wehrte sich der damalige Pastor mit Namen Ringeltaube gegen diesen Plan, den aber Jouanne doch zur Durchführung brachte, als der Pfarrer 14 Tage dienstlich in Berlin weilte. Es gab einen großen Streit, den die Kirchenbehörde, für sich entschied: Jouanne muhte die Umfassunos- mauer wieder ausbauen lassen, es ist dieselbe, die heute noch steht. Im Gutspark steht auch die sagenhafte Stammutter der deutschen Akazien. Wie ein Porzellanschildchen am Fuße des Baum- Im Jahre 1710 geptlanzte Akazie, riefen berichtet, wurde sie1710in einem Blumentopf von Amerika nach Hamburg gebracht. Friedrich I. schenkt« sie seinem Minister Ilgen. Ein zweites Exemplar ging ebenfalls als Geschenk nach dem Schönbrunner Schloßpark. Die in Britz stehende Akazie soll die Stammutter der deutschen Akazie sein. Wahr oder nicht wahr, jedenfalls wurde sie gehegt und gepflegt und ist gleich den hier stehenden vielen fremdländischen Baumartcn das Ziel vieler Naturfreunde. Vor dem Cnde des Curopafluges. Nicht alle werden Berlin vor Toresschluß erreichen. Heute morgen wind sich das Ziel für die letzten der noch auf Strecke befindlichen Teilnehmer des Internationalen Runbfluges ent- scheiden. Nach den Ausschreibungen ist am heutigen Donners- tag um 4 Uhr nachmittags Kontrollfchluß auf dem Tempeihofer Feld, so daß die später Ankommenden aus- scheiden müssen. Durch den unfreiwilligen Aufenthalt in Pau ist aber für einige Flieger die Frist bis zum morgigen 1. August verlängert worden, aber nicht allgemein bis morgen nachmittag 4 Uhr, sondern zu verschiedenen festgelegten Zeiten, je nach der Länge des betreffenden Aufenchaltes in Pau. So muß der deutsche Flieger von Grovcnreuth, der gestern nachmittag Wien erreicht batte, am morgigen Freitag mittag um 11,20 Uhr den Flughafen Tempelhof erreicht haben, wenn er nicht der Disqualifikation ver- fallen will. Er muß demnach heute mindestens bis nach Danzig kommen. Ferner haben bis zum I. August die Schweizer Pierroz und Kolp Zeit, von denen der erstere gestern bereits in Polen, der andere aber noch in Wien war. Auch der Pole Dudzinski, der.sich gestern in München befand, hat noch bis zum morgigen Freitag Zeit, nicht dagegen sein Landsmann Muslewski, der gestern abend noch nicht in Wien gemeldet war, aber am heutigen Donners- tag nachmittag in Berlin sein müßte, was er unmöglich schaffen kann. Heute Vormittag sind Vöhling auf BFW. und Gothe aus Junkers-Junior zu erwarten, die in Danzig übernachteten. Im Laufe des gestrigen Nachmittags traf außer den Klemm-Fliegern Spengler und Benz auch noch Aichele ein, allerdings außer Wettbewerb wegen seiner Havarie bei Schioelbein. Unbeschadet der Fristverlängerung für einzelne Teilnehmer beginnen am morgigen 1. August in S t a a k e n die t e ch n i s ch e n Prüfungen, und zwar beginnen sie mit der Anlasse: Prüfung, der Auf- und Abrüstung und mit der Einrichtungswert mg der Maschine. Schloß Nuhwaid. Eine neue Tagcswrstätte für SV Frauen. Am 1. August eröffnet das Bezirksamt Chor- lottenburg im sogenannten Kavalier Haus des Schlosses Ruhwald eine Tagcskurstätte für Frauen. An der Spandauer Chaussee liegt inmitten eines Herr- lichen alten Parkes das Schloß Ruhwald, das noch mehrfachem Besitzwechsel schließlich der staatlichen Fachschule für Landwirtschast und Verwaltung überlassen wurde: das zum Schloß gehörige Kavalierhaus ist nach erfolgtem Umbau zur Tageskurstätte für Frauen umgewandelt worden. Vier Räume im Erdgeschoß und ein Teil der davor gelegenen Veranda dienen als Aufenthalts» und Speiseraum, während der größer« Teil der Veranda als gedeckte Liegehalle Verwendung findet. Die Tageskur dauert von morgens 8 Uhr bis abends 6 Uhr, die Verpflegung besteht in einem zweiten Frühstück, Mittagessen und Vesper, wofür ein Verpflegungsbeitrag von 2 Mark erhoben wird. Aufnahme finden Frauen und Mädchen über 14 Jahre, die schwächlich, blutarm. oder tuberkuloseverdächttg sind, ebenso Personen, die infolge Ueber» füllung in einer Heilanstalt nicht Platz finden konnten. Um An- steckungsgefahr zu vermeiden, finden Personen mit ansteckender Tuberkulose oder anderen infektiösen Krankheiten keine Aufnahme. Di« Aufnahm« selbst ist abhängig von einer vorherigen ärztlichen Untersuchung im Fürforgeamt für Lungenkranke in der Berlin«. Straße 137; es genügt aber auch die Beibringung eines ärztliche� Attestes einer anderen Fürsorgestelle, oder des behandelnden Arztes. Außer den Liege- und Aufenthaltsräumen steht den Erholunge- bedürftigen auch noch ein großer Teil des ausgedehnten Parkes zur Verfügung. Die Tageskurstätte hat frei« Wirffchaftsführung, lediglich für Miete, Pacht und bauliche Unterhaltung stehen ihr städtische Mittel zur Verfügung. Lteberschwemmies Laubenland. 60 Kolonistenfamilien obdachlos. Ernte vernichtet. Zn der Siedlung„hossnungstalReinicket»dors-0st, Teichstraße, hat das Unwetter der vorigen Woche eine Szene der Der- wüstung geschassen. Der in der Nähe der Siedlung besindliche Schäsersee war über seine Ufer getreten und um eine Ueberschwemmungsgefahc für die dort liegenden Häuser zu oermeiden, pumpte man die ge- waltigen Wassermassen auf das benachbarte Laubenland, wo sie. aber keinen richtigen Abfluß fanden und die Kolonie zum großen Teil überschwemmten. Häuschen und Garten von 69 Siedlern, meist Erwerbslosen, stehen seit 5 Tagen unter Wasser; die Ernte ist vernichtet, alle Habe dem Verfall preisgegeben. Flucht- artig mußten die Menschen alles verlassen, das Wasser stieg bis zu 1,29 Meter, das Kleinvieh mußte preisgegeben werden und der ganze bescheiden« Besitz. Die Wege sind in breit« Wasserstraßen verwandelt und die Bewohner müssen verzweifelt zusehen, wie auch noch das Letzte im Wasser zerfällt. Ein« Dampfspritze der Freiwilligen Feuerwehr arbeitet ununterbrochen seit Tagen, aber es ist zu wenig was da geleistet wird, die großen Wassermassen verschwinden nur allzu langsam. Zwei, drei Familien hausen nun eng zusammengepfercht in den winzig kleinen Wohnräumen derer, die von dem Unglück verschont blieben. Die trostlose Szene ist zum Schauobjekt geworden, in dichten Schoren stehen die Menschen vor der Unglücksstätte, den traurigen Resten mühseliger und hin- gebender Arbeit. � Das Bezirksamt Reinickendorf hat zur vorläusigeiz Unterbringung von obdachlos gemordeneu Familien oder Kinder!» Unterkunftsräume angeboten, ferner in Aussicht ge- stellt, in dringendsten Notfällen Unterstützung zu gewähren. �NOAlRLfWIS 'ROM/W Er statte— wie die meisten Leute seiner Art— d e Kunst gelernt, überhaupt nichts zu tun. Mit Aus- rahme eines einstündigen Spazierganges im Central Park und einer Partie Schach mit Herbert Gray tat er den ganzen Sonntag nichts, als in seinem Zimmer herumlungern, schlafen, wie in tiefes Nachdenken versunken auf seine Fuß- sp.tzcn starren, gähnen und in der Sonntagszeitung blättern. Doch zeigte er höfliches Interesse für Unas Tätigkeit bei Troy Wilkins, sagte sehr freundlich„Guten Morgen" und wurde für sie eine ebenso selbstverständliche und wohlbekannte Er- scheinung wie der Gasofen im Badezimmer. Die zweite Mieterin war eine sehr beschäftigte, zurückhaltende Frau, die aus Kansas City stammte und irgend etwas mit der Filiale einer Leihbibliothek zu tun hatte. Sie hatte das Problem der alleinstehenden Frau in der Groß- stadt dadurch gelöst, daß sie alle ihre Gefühle, ihre Abenteuer- tust und Sehnsucht nach Menschen in ihrem Innersten eng verschlossen hielt. Nachdem sie herausgesunden hatte, daß lina keine besondere Meinung über die beste Kmderlektüre für das Alter zwischen neun und elf Iahren besaß, sprach sie überhaupt nicht mehr mit ihr. Diese freundlichen, unbedeutenden, heimatlosen Groß- stadtmenschen waren für Una nicht mehr als die Menge, die ihr auf der Straße so nahe kam und sie doch gar nichts anging. Aber der dritte Mieter belästigte sie durch sein lärmendes Gerede. Er war ein ungebildeter und gänzlich unerzogener Mensch mit scharfen, wasserblauen Augen, einem dünnen Schnurrbärtchen, großen Zähnen und einem so un- bedeutenden Kinn, daß man es gar nicht erwähnen müßte. Er war imstande, eines Abends hereinzustürzen, wenn die anderen schön sittsam und gelongweilt im muffigen Speise- zimmer saßen, und draufloszu schnattern:„Nun, wie fühlen sich unsere hochlöblichen Persönlichkeiten an diesem klaren und balsamischen Abend? Was doziert Eure Scharfsichtig- feit, Herbertchen? Was ist das Stichwort des Tages, Fräu- lein Golden? Ja, ja, ja, was täten wir, wenn wir nicht unseren guten alten Freund, Ehrwürden I. Pilkington Büchsenfleisch hätten! Wie gehts, Pilkchen? Auch wohlauf, Frau Weißkohl? Natürlich, wir streiten schon wieder übers Kino, Herbertchen? Haben unsere Ansicht über Mary Pick- ford etwa geändert? Ja, ha, hören Sie, ich Hab da'nen Kauz kennengelernt, der ist gerade so süß wie Sie, Herbert- chen: er hält Herrn Bryan für einen großen Staatsmann." Der kleine Mann war nie zufrieden, ehe er nicht alle Leute in einen so wütenden Streit oerwickelt hatte, daß irgendeiner aufsprang, seine Serviette hinwarf und schrie: „Gut, wenn das alles ist, was Sie von der Sache wissen, wenn Sie ein solcher Ignorant sind, lohnt es sich einfach nicht, mit Ihnen darüber zu reden", und hinausrannte. Dieser Mensch hieß Filmore I. Benjon. Fremde nannten ihn Benny, aber feine„näheren Bekannten", die Leute, mit denen er siä) mindestens eine Stunde unterhalten hatte, wurden gebeten, ihn Phil zu nennen. Er war jelt- famerweise ein Doktor— nicht einer, der sich mit der Wissen- fchaft befaßt hatte, sondern mit der Leichtgläubigkeit der men'chlichen Natur. Er hatte sich irgendein Diplom ver- schafft und eine kleine Praxis unter kleinen Kaufleutcn, die sich vom Geschäft zurückgezogen hatten. Er war einer jener sonderbaren, unverschämten Schwindler, welche die„Ge- scheiten" plündern. Er erwartete nicht, daß ihn jemand bei den Erays„Doktor" nannte. Er trank Whisky und spielte um kleine Geldbeträge, mar in seinen Beziehungen zu Frauen unmoralisch, und ebenso dickhäutig wie großsprecherisch. Er war Zeitungs- junge gewesen, dann Agent, und hatte sich später durch sein bißchen Verstand allmählich hinaufgearbeitet. Er las unge- heuerlich viel: Zeitungen, billige Zeitschriften, medizinische Bücher: über alles hatte er eine Meinung und verwickelte meist alle Leute bei den Grays in Debatten. Seinen Patienten tat er dadurch wohl, daß er sie bemitleidete und massierte. Una fühlte sich durch Phil Benson erst abgestoßen, dann verwirrt. Er konnte sie in klingenden shakespearischen Phrasen anreden, die er als Junge von der Galerie eines Theaters angehört hatte. Er pflegte ihr Verse zu zitieren, Es imponierte ihr, daß er in einem Wortgefecht darüber? ob Longfellow oder Whittier der größere Dichter sei, sogar die Leihbibliotheksdame beinahe zum Schweigen brachte. Una bildete sich ein, daß sich hinter Phils käsefarbenem Gesicht die Seele eines Dichters verberge.> Er sprach auch davon, gute Bücher zu lesen und gut« Theaterstücke zu sehen, und von dem Mangel an guten Ein- flüssen in dieser bösen Stadt. Er übertrieb die Sache nicht. Nach etwa zehn Minuten verabschiedete er sich— um gute Einflüsse an einem Billard- tisch in der Dritten Avenue zu suchen. Gegen zehn kehrte er in sein Zimmer zurück, legte die Schuhe ab und saß mit hochgezogenen Beinen auf dem Bett, wo er eine pikante Ge- schichte las. Während Una, jenseits der dünnen Wand, die weichen Arme hinter dem schmerzenden Kopf verschränkt, im Bette lag und sich über Phils Mangel an guten Einflüssen � Gedanken machte. Am nächsten Abend änderte Phil seine Taktik, kam früh- zeitig zum Essen, berührte nur flüchtig Unas Hand, als sie das Speisezimmer betrat und murmelte leise:„Ich habe so viel über die guten, klugen Ding« nachgedacht, die Sie mir gestern abend gesagt haben, Fräulein Golden." Später erzählte ihr Phil von seinem großen Wunsch, ein berühmter Arzt zu werden— wobei er den ungeheuren Vorteil hatte, es beinahe aufrichtig zu meinen. Er begleitete sie den Korridor entlang bis zu ihrem Zimmer und sagte gute Nacht, während er einen Augenblick zögernd ihre Hand in der seinen hielt. Una ging in ihr Zimmer, schloß die Tür und stand volle fünf Minuten lang völlig ratlos still.„Ja!" sagte sie, tief Atem holend,„der kleine Mann da versucht wohl, mir den Hof zu machen." Dann lachte sie, weil ihr das Ganze so dumm vorkam. Lieber Gott! Ihr Ideal sah ganz anders aus! Sie setzte sich nieder, versuchte ein wenig Zeitung zu lesen, versuchte, nicht an Phil zu denken. Aber der Gedanke an ihn kam immer wieder. Sie bildete sich ein, seine Stimme im Vorzimmer zu hören. Sie ließ die Zeitung fallen, um zu horchen. „Ich interessiere mich tatsächlich schon für ihn!" staunte sie.„O, das ist doch zu lächerlich!"(Fortsetzung folgt.) Fast 1500 Millionen Fahrgäste Der BVCL-Gcschäftsbcricht 1929, Arbeitssose als Mieter. Die Hunderttausende von Erwerbslosen sind nicht nur vom Produktionsprozeß ausgeschaltet, sie leiden körperlich und seelisch unter dieser Untätigkeit, außerdem aber werden sie ohne Unterlaß an ihre trostlose Lage erinnert. Wenn einer dieser Erwerbslosen jahrelang aus eine Wohnung gewartet hatte und nun endlich Wohnungen zugewiesen erhält, wird er so häusig einen ablehnen- den Bescheid vom Hauswirt erhalten. Und warum? Weil der Hauswirt, der ein sicheres Dach über dem Kopf hat, keine Erwerbs- losen aufnehmen will. Wie ofr wird dann ein Erwerbsloser verzweifelt die Hoffnung ausgeben, jemals eine eigene Wohnung besitzen zu können. Wenn es auch den bürgerlichen Parteien gelungen ist, die Wohnungs» Zwangswirtschaft zu lockern— noch hat der Erwerbslose die Möglichkeit, den Hauswirt zur Abschliehung eines Mietvertrages zu zwingen. Verweigert der Hauswirt dem Erwerbslosen die ihm zugewiesene Wohnung, dann kann dieser beim Wohnungsamt die Ab- schlicßung eines Zwangsvertrages beantragen. Das Woh- rmngsamt beantragt nach Prüfung die Abschliehung eines derartigen Zwangs Vertrages. Wird der Zwangsvertrag geschlossen, dann hat der Hauswirt nur noch das Recht, im Beschwerde- verfahren beim Landgericht gegen den Zwangsvertrag Einspruch zu erheben. In cinzelnen.Föllen kann auch dos Wohnungsamt die Wohnung mieten und dann an einen Mieter abgeben, der sonst nie in den Besitz einer Wohnung käme. Dieses Verfahren wird aber zumeist nur bei kinderreichen Familien angewandt. Durch die erwähnten Verfahren wird versucht, auch dem Erwerbslosen bei der Wohnungssuche behilflich zu sein. Wie notwendig diese Hilfe ist, dafür ein B c i s p i e l. In T r c p t o w erhält eine Familie mit 2 Kmdem dreimal Wohnungen zugewiesen. Jedesmal scheitert die Abschliehung des Mietvertrages, weil der Mann— der sonst gut verdient— er» werbslos ist. Bei der letzten Zuweisung wurde auch schließlich als Grund der Ablehnung die Erwerbslosigkeit angegeben, obwohl in den Häusern Elsenstraße 37/38 zwei Wohnungen seit längerer Zeit leerstehcn. Vielleicht sollten die Wohnungsämter den Hauswirten gegenüber etwas energischer auftreten. Todesspmng aus dem sünfien(Stock. Furchtbarer Gelbstmord einer tlnbekannten in Gchöneberg. Aus schreckliche Weise machte gestern abend eine etwa 25jährige Arau im Hause Bahnhossiratze 33 in Schöneberg ihrem Leben ein Ende. Kurz W 20 Uhr vernahmen Bewohner des Hinterhauses auf dem Hof einen Aufschrei, dem unmittelbar daraus ein dumpfer Aufschlag folgte. Als die Leute nachsahen, entdeckten sie in einer großen Blutlache den leblosen Körper einer hingen Frau. Die Unglückliche hatte so schwere Verletzungen erlitten, daß der Tod sofort eingetreten war. Bei der Untersuchung der Leiche fand der Arzt am Hals und an den Handgelenken tiefe Einschnitte, die sich die Lebensmüde vor dem Sprung in die Ties« beigebracht haben mußte. Wie die weiteren polizeilichen Ermittelungen ergeben haben, hatte sich die Selbstmörderin, bevor sie zum Boden des Seiten- flügels hinaufstieg, ihrer Schuhe entledigt, vermutlich um von Mietern nicht gehört zu werden. Die Schuh« wurden neben dem Kellereingang gesunden. Starke Blutfpuren am Bodenstursenster und ein Messer bestätigten dann den Untersuchungsbefund des Arztes, wonach sich die Unbekannte vorher noch schwer« Ver- ketzungcn zugefügt hatte. Bisher war es noch nicht möglich, die Personalien der Toten festzustellen. Die unsterbliche Kirchensteuer. Wie uns ein Leser mitteilt, zog er am 1. April dieses Jahres voni Halleschen Ufer nach Berlin- Tempelhof in eine Reu- bauwohnung. Der zustäirdige Pfarrer der evangelischen Gemeinde bot ihm durch eine Postkarte nach wenigen Tagen seinen Besuch an, dann kam eine schriftliche Aufforderung des Gemeindekirchen- rats, sein Einkommen anzcigeben. Er teilte darauf mit, daß er laut Bescheinigung des Amtsgerichts Bcrlin-Tenipelhof im November 1927 aus der evangelischen Landeskirch« ausgeschieden wäre. Darauf erhielt er ein Schreiben des Gemeindekirchenrats der ev<,»gelischen Kirchcngemeinde, in dem er gebeten wird, zur Richtig- slellung seiner Unterlagen den Ausweis seines Kirchcnaustrittes in der Kiisterei werktäglich von 8 bis 15 Uhr zur Einsichtnahme vor- zulegen. Weiter wird er gefragt, ob seine Frau noch der«oangeli- sctien Kirche angehört. Es ist selbstverständlich, daß ein Werktätiger werktäglich anderes zu tun hat, als in die Meldestelle einer Vereinigung zu lausen, der er seit Jahren nicht mehr angehört. Auch kann man keinem Kleinverdicner unnötige Portoauslagen für eine ihm fernstehende Institution zumuten. Die Genieindekirchenräte werden also gut tun, in solchen Fällen nicht die aus der Kirche Ausgetre- tcnen zu belästigen, sondern sich an die zuständigen Amts- g e r i cht e zu wenden. Die Tchinkelwachc als Gedächtnisstätte. Wie der Amtliche Preußisch« Pressedienst mitteilt, haben die Reichsregierung und die preußische Siaatsregierung beschlossen, de» Entwurf von Professor Heinrich T e s s e n o w, den dos Preiegerichi an erster Stelle vorgeschlagen hat, zur Ausführung zu bringen. Mii den Bauarbeiten ist begonnen worden.— Es handelt sich dabei um die Umgestaltung der Woche czegenllber der Lindenopcr zu einem Ehrenmal für die Gefallenen des Weilkrieges, lieber die Entwürfe ist hier ausführlich bereits an anderer Stelle berichtet worden. Von Erdmassen verschnttet. Auf dem Grurtdstück M ü h i e n st r a h e 17, unweit der Brommy-Brücke, stürzte gestern nachmittag ein etwa 2 Meter tieser Schacht, in den eine Tankanlage eingebaut werden sollte, zusammen. Der 42jähvige Arbeiter Max D e t t b o r n aus der Mühlenstraße wurde unter den Erdmassen begraben. Die Feuer- wehr konnte den Verunglückte« lebend bergen; mit schweren Ver- Ictzungen wurde D. ins Vethauieu-Kcau kenhaus überführt. Räch dem Geschäftsbericht der Berliner verkehrs-Attiengesell- jchcift für 1929 sind die Envarlungen, die an die Zusammenlegung aller der Sladt gehörenden Verkehrsmittel geknüpft wurden, nicht ganz erfüllt worden. Ersparnisse, die in manchen Teilen des Betriebes gemacht werden konnlcn, wurden durch erhebliche Lohnerhöhungen, Verkürzung der Arbeitszeit des verkehrs- personols und durch soziale Verbesserungen in ihrer finanziellen Auewirkung wieder ausgehoben. Auch die Erwartungen, die a» eine Steigerung des Verkehrs geknupfr wurden, sind in der zweiten Zahreshölsle durch die Wirtschaftskrise und die mit ihr im Zusammenhang stehende Arbeitslosigkeit nicht erfüllt worden. Zwar ist die Zahl der beförderten Personen um 7 Proz. gegenüber 192S gestiegen, aber die Durchschnitlseinnahme je Fahrt ist durch die Zunahme des Umstcigeverkchrs und der Zeilkarten- benuhung von 14,3 auf 13.8 Ps. gesunken. Der Einnahmeausfall, der der BVG. aus der Arbeitslosigkeit bereits In den Winlermonalen des vergangenen Jahres erwuchs, wird auf täglich 40 000 bis 50 000 Mark geschäht. Das Wachstum der Stadl Berlin zwang dazu, die Bahnanlagen und den Wagenpark der BVG. dauernd zu erweitern. Ende 1929 aber muhten alle Bauarbeiten und Reu- anfchasfungen sür dte Erweiterung des Betriebes vortäufig unterbrochen werden, da die Stadt gezwungen war. die Zahlung von Darlehen einzustellen. Die BVG. hofft, dah es gelingen wird, langfristige Gelder auszunehmen, um die notwendigen Arbeiten beenden zu können. Insgesamt Hot die BVG. in ihrem ersten Betriebsjahr 1483,6 Millionen Fahrgäste gegenüber 13S6,S Millionen Im Zahre Mysteriöses Gprengfioffatteniai. Oer Täitr selbst in Glücke gerissen. Solingen, 30. Zuli. 3n der Fabrik der Firma klopp in Wald, die seil einiger Zeit von einem Teil der Betegschaft bestreikt wird, wurde in der Rocht zum Mittwoch von einem bisher unbekannten Manne ei, Sprengslofsanschtag verübt. Der Unbekannte halt« durch einen Draht ein Paket Spreng st osf, das er an die Fabrikmauer niedergelegt Halle, mit einer Hochspannungsleitung verbunden. Durch eine Unvorsichtigkeit muh die Sprengladung zu früh explodiert sein, so dah der Täter buch st üblich in Stücke gerissen wurde. Amtlich wirb dazu mitgeteilt: Als am Morgen des 30. Juli der Werkmeister der Firma Klopp die Fabrik betrat, die von einer zwei Meier hohen Mauer umgeben ist, fand er an der Fabrikmauer eine entsetzlich verstümmelte, Noch brennende Leiche vor, Reben der Leiche lag ein geladener Revolver. Die polizei- lichen Ermittlungen ergaben, daß auf die Azetylenanlage der Spreng- ktesf-Fabrik ein Attentat hatte verübt werden sollen. Der Täter. der bei dem Versuch selbst ums Leben kam. hatte mit einer Leiter das Fabrikgebäude erstiegen und das eine Ende eines elektrischen Drahtes an eine über das Dach gespannte Hochspannungsleitung bc- festigt. Das Drahtend« hatte er über das Dach bis zun, Fuß der Fobrikmauer gelegt. Wahrscheinlich ist, als er mit einem Messer, dessen Griff isoliert war, von diesem Drahtende die Isolierung e»t- fernen wollte, die vor ihm liegende Sprengladung zurEnt- zündung gelangt und hat ihn getötet. Bei der Leiche wurde außer dem Revolver und dem Jsolienuesser noch ei»« Isolier- zange gefunden. Der Täter muß das Verbreche» sorgfältig vor- breitet haben. Sein Name ist noch nicht bekannt. Der Sachschaden ist gering. Die Ermittlungen werden sortgesetzt. R 100 über dem Attaniik. London. 30. Juli. Das englische Luftschiff R. 100 hat bis Mittwoch nachmittag mehr als die hälsle der Flugstrecke über dem Atlantik zurückgelegt. Das Luftschiff gab um 1. Uhr Londoner Zeit seine Position mit 54 Grad 40 Min. Nord und 39 Grad 20 Min. West an. Die Durch- schmtlsgeschwindigkeit betrug zu dieser Zeit 110 Stundenkilometer. Der Flug ist bisher zur vollen Zufriedenheit verlaufen. Das Luft- ....... Die Abendveranstaltung„Wien-Paris" oersuchte sich auf neuen— eigentlich ichon sehr alten Wegen. Sie brachte ein Geiangs- potpourri aus klassischen Wiener und Pariser Operetten mit ver- bindender Orchcstermusik. Jede Ansage der Darbietungen fiel fort. Für 5)örer, die sich in diesen Operetten nicht auskenneu, wurde die Veranstaltung also nur ein Gemisch unterhaltender Musik, ohne Ein- säznitte, ohne Zusaumienhönge oder Gegensätze. Ob diese Hörer— die doch wahrscheinlich in der Ueberzahl waren— besondere Freude an der Darbietung hatte»? Ein niusikalisches Potpourri ist eine Art Hör-Lottospiel, das, wie jedes Lottojpiel, den meisten Leu, er. nur dann Spaß macht, wenn sie eine möglichst große Anzahl Ab- schnitte richtig einsetzen können.— In, Programm der aktuellen Abteilung wurde„Reportage von einem märkischen Gut" gesendel. Weshalb mau das Mikrophon für diese Darbietung ans Reisen schickte, blieb unoerständlich. Der Sprecher hätte, wenn es schon sein muhte, seinen belanglosen Portrag genau so gut>m Berliner Funkhaus lzalten können. Den zweiten Teil seiner Darlegungen über„Städtebauliche Probleme" brachte Staatsminister Dr. Hirt- siefer. Cr traf ein sür scharfe Trennung von Geschäfts- und Wohu- gegend, von Verkehrs- und Wohnstraßen in Großstädten. Wie weit diese Wlmschs zur Tat werden können, müssen die Fachleute eut- scheiden. Der lörmgcpiagte, oerkehrsbedrohte und-belastete Groß- städter wäre gewiß froh, wenn sie sich oerwirklichen ließen. Tcs. 1928 befördert. Davon entfielen auf die Straßenbahn 929,1 Mill.(899,0 Mill.), auf den Omnibus 277,2 Mill. (222,6 Mill.) und auf die U-Bahn 277,3 Mill.(265,2 Mill.). Die eingeklammerten Zahlen geben die Vergleichs, Ziffern von 1928. Ins- gesamt leisteten die Verkehrsmittel der BVG. im Jahre 1929— 277,6 Will. Wagenkilometer, gegenüber 261,2 Will, im Zahre 192S. Das entspricht einer Steigerung von 6,3 Proz. Im Obcrslächenverkehr wurde eine gemeinsame Betriebsleitung für Slroßenbahn und Omnibus gebildet, dadurch sind die Betriebs- aufsicht, die Fahrscheinverwoltung, die Fahrplanbearbcitung, das Haltestellenwefen, die Beschwerdestellen und die Uusallbüros, die Bearbeitung der Perjonalangelcgenheiten und der allgemeine Bürotetrieb einheitlich zusammengeschlossen worden. Die Per- sonalausbildung wurde ebenfalls vereinheitlicht. Bei der Straße»- bahn wurden in 13 Fahrkurscn 626 Fahrer und beim Omnibus in 9 Fahrkursen 445 Fahrer ausgebildet. Es ist gelungen, die Reisegeschwindigkeit im Oberslächenverkehr zu erhöhen. Sie betrug bei der Straßenbahn an Werktagen bis 19 Uhr 15,2 Kilometer, nach 19 Uhr und an Sonn- und Feiertagen 16 Kilometer je Stunde. Bei der Straßenbahn ist die Erhöhung der Reisegeschwindigkeit durch die Ziermehrung der elektrisch gestellten Weichen erreicht worden, von denen Ende 1929 130 Stück in Betrieb waren. Die Zahl der H a lt est e ll e n sä u l e n(Hoftrag-Säulen) der Straßenbahn wurde von 672 auf 914 Stück, die Zahl der Warte- hallen von 43 auf 63 erhöht. schiff tauscht« unterwegs mit zwei englischen Ozeandampfern Funk- sprüche. Mit der Landung des„R. 100" in Montreal ist für Freitag zu rechnen. Auto aus der Schutzinsel. Gechs Monate Gefängnis für fahrlässige Tötung. Der 27. April war troß blendender Frühlingssonne sür ein junges Mädchen, das auf dein Rummelplatz von der Luft- schaukel siel, sür den Chauffeur, der sie ins Krankenhaus brachte und den Arbeiter I., den er dabei zu Tode fuhr, ein schwarzer Sonntag. Als nämlich der 23iähriae Chauffeur, der im Bewußtsein seiner verantwortlichen Ausgabe das verletzte jung« Mädchen im schnellsten Tempo ins Krankenhaus zu schaffen bemüht war, in einem großen Bogen von der Friedenstraße in die Landsberger Allee einbog, raste der Wagen auf die Schutzinsel, warf den Arbeiter I. zu Boden und fügte ihm so schwere Berletzungen zu, daß. er starb. Hätte der Chauffeur gewußt, daß die Verletzungen seiner Insassin geringfügiger Natur waren, er wäre bestimmt langsamer gefahren und hätte sich gestern nicht wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten gehabt. Allerdings führte er zu seiner Entschuldigung nicht an, daß er in Besorgnis um das Leben des jungen Mädchens so schnell gefahren sei, seine Erklärung lautete ganz anders. Er sagte: Als ich in die Landsberger Allee einbog, bemerkte ich im letzten Augenblick vor meinem Auto zwei Frauen mit einem Kinder- wägen; sie taumelten hin und her und wußten nicht, ob sie vorwärts- oder zurückgehen sollten. Da ich nicht mehr stoppen konnte, die Frauen aber nicht überfahren wollte, blieb mir nichts anderes übrig, als auf die Schuhinsel zu fahren.» Das Gericht konnte sich aber von dieser Notwendigkeit nicht überzeugen. Es glaubte auch nicht so recht der Erzählung von den beiden Frauen mit dem Kinderwagen; bloß ein Zeuge wollte so etwas ähnliches gesehen haben. Sämtliche übrigen Zeugen bestätigten dagegen, daß der Chauffeur in einem so großen Bogen in die Landsberger Allee hineingerast sei, daß sie den Eindruck gehabt hätten, er wolle ganz wo anders hin. Ja, sagte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung, selbst zugegeben, daß die beiden Frauen wirtlich existierten und sich unbesonnen benommen hätten, selbst dann wäre es Pflicht des Chauffeurs gewesen, mit der Unbesonnenheit des Publikums zu rechnen und so zu fahren, daß ein Stoppen immer noch möglich war. Die Strafe könne nicht niedrig bemessen weiden. da die allzu große Zahl der Verkehrsunfälle eine Abschreckung er» forderlich mache. Sechs Monate Gefängnis unter Zu» billlgung einer Bewährungsfrist noch Dcrbühung eines Teils der Strafe sei in diesem Falle angebracht. Hirih und Wetter in Island. London, 30. Juli.(Eigenbericht.) Die deutschen Flieger 5) i r t h und W e l l e r sind am Dienstag in Kaldadarnes an der Südküste von Island gelandet und haben damit die erste See-Etappe glücklich zurückgelegt. Von Island aus werden die Flieger nach Grönland starten und von dort hoffen sie schon in den nächsten Tagen bei Labrador das amerikanische Festland zu erreichen. Zlalieaischer Abend im Zoo. Tad nächste Konzert de? Berliner Sin« sonie.QrcheslecZ im Joolooilchen Garten, da« unter lletlung von Dr. Selmuth Ttiieiseider am beuligen Donnerstag, abend? 8 Ubr. llatlstndet, ist italte- »I'che» Zkoinponisle» gewidmet. Als Solist wir» Konzertmeister Alfred Jttdig< Violine) mit. Preubisch-SudbeiUsch««lassenlottene. Tie bride» Kauptstewtnn- von s- Ivo ovo M. der 4. Klasse i». 9161.) Lotterie steten in der am 14.»»d lä. Juli stattgesund« nen ziehung auf Nr. 85 768 in den beiden«dtrilunacn 1 und II. Die Haupt- und Schlutzzichuna, in der über 52 Millionen Marl «nr Ausspielung lammen, beginnt am z. August. Außer de» beiden Prämien von je Zvo om M. kommen ,ur Verlosung die großen Hauptlresfer von Zweimal MO 600 M., M-eimal 300 000 M., zweimal 200 000 M.. zweimal 100 000 3!., sowie viele andere Iioße Gewinne. Im günstigsten»alic tonnen auk ein ganze» Los I Millionen Mark, auf ei» Doppcllos 2 Millionen Morl gewonnen werden. Tie E r n e>i e r» n g der Lose zu dieser Haupikialse hat planmäßig ' v t! 1 e st t n» d i« zum 1. A u g u st, 18 Uhr. hei Verlust dc» An- rechts in der zuständige» Lotteric-Kinnahme zu geschehen. i beginnt: OSESSg | die nicht rnehroefartigt verden kSnnen. T.-imii-iui gcüliwili Leipziger Str. C0-S2 Kurfflretendamm«7 Morgen beginnt: Restposten, Gelegenheitskäufe, Erheblich zurückgesetzte Preise T DORTMUND ESSEN DUISBURG. MAGDEBURG FRANKFURT'in 1950 Cie-wid,*n.ei allen Ifreundlen unseres Harxses und. denem, die es-werden wollen. Copyright bu Kurt Lisser Reklame 1930 Nachdruck von Wort und Bild verboten! Aber jetzt! Wer auch nur einnal einen Ausverkauf bei C.& A. mit- gemacht hat, der weih, was er bedeutet. Weife, dafe man dabei beste, schönste Kleidung— einerlei ob für Damen oder Herren- für Mädels oder Jungens- nota- bene auch die herrlichsten Damen-Hüte- zu Preisen kaufen kann, die einfach jeder Beschreibung spotten. Weife aber auch, dafe es helfet: zu allererst zu C.& A.. will man die schönsten Rosinen aus diesem herrlichen Ausverkaufs- kuchen für sich herauspicken. Unser diesmaliger Ausverkauf überbietet wohl so ziemlich alles, was je da war. Freitag, den 1. Aug. morgens 9 Uhr gehen die Tore auf- seien Sie klug— machen Sie mit- (Sie wissen ja,�„Wer zuerst kommt,"... usw.>--—— Hören- brw. Knaben- Mddnag in den beiden QetdüUien: Kdpigttr./ Quuiucatr. des Sommers bildet auch diesmal wieder SSaison- Ausverkaufü Wir halten in unseren nochmals sehr vergrößerten Geschäftsräumen eine unerhörle Auswallt besonders schöner und nur tiodl- werliger Waren vorrätig, deren phantastisch billige Preise die Grenze des Vorstelibaren erreichen! Eine solche Gelegenheit, sich mit der schönsten Kleidung für unOlanbllch tveniO fielfl zu versehen, ist noch nicht dagewesen und muß von jeder Dame ausgeschöpft werden! Wir können nur einige wenige Probe" Beispiele aus den riesigen Beständen unserer Läger anfuhren, um unsere Leistungen zu erläutern. Urteilen Sic selbst und folgen Sic der alten Parole: Auf zn Gadld! Beginn Freitag, I. August 30. Ein groß. Posten hochelegant. Ii aus Spltcen, TAH, Oeorgretfe, Brokat, auch Modelle, Jetst nnr 25; Hin grofi. Posten reinseidener Marocain- u. bunt bedruckt.relnseld. in prachtvoller Verarbeitung jetzt nur 25: Eine Riesenserie Eine große Serie bildschöner Trihl- Cäannensa-iüeifler bunt bedruck*, mit langen und kurzen Aer- meln, in allen Größen Jetzt nur Hin Riesenposten an» Rips, Papillon, Charmelaine u. fihnl. jetzt nnr Fin Rieseiiposten reizender IsDihleiiler aus Cr?pe de Cblne, Taft, Goorgrette u.fi. jetzt«nr 12; PI« sehr großer Posten FonlaniKleliler mit Georgrette- Garnitnr bis Größe 54, besonders schwarz-weiß jetzt nnr 29: Ein Riesenpost, reinseidener !IN schön bedruckt, bis Größe 54 jetzt nnr 21; Ein grofi. Post, reinseidener Tolle- Kleider k jour, gestreikt od. unl, bis Gr. 54 ohne Aermel jetzt 9b Aermel � • nur* M. Ein grofi. Posten reinwollener SMkieider In neuen Formen, vorzüglicher Qualität Fit» Riesenpost, reinwollener feinster Art, weiß und farbig..... Jetzt nnr• In der Wäsche-AbtellDig riesengroße Post, wertvoller Gegenstände aller Art TQ Ein ungeheuer großer Posten Mantel und Kleid oder Jacke und Rock u. ä. für Sommer und Winter geeignet jetzt nnr 25; Ein großer Posten wollener Kleider röche aus nur guten Stoffen jetzt nnr 3;.6; Ein großer Posten hochfeiner Trikot- Charmeuse« Blusen uni oder geblümt jetzt nnr FS; Ein Riesenpost, angestaubter Volle- Blusen mit bunten Stickereien jetzt nnr l Ein riesig. Post, wundervoller iosime für Herbat u. Heber- gang... jetzt nnr Eh» großer Posten Dn-NM aus Herrenstoffen, schöner Verarbeitung, auch in großen Weiten jetzt nnr 10; Ein Riesen posten karierter 1- auch in großen Weiten jetzt nnr 8: Ein Riesenposten Uebergangs- Mäntel englischer Art, biso und andersfarbig, ganz auf Futter jetzt nnr 18 Ein großer Posten Kerren- Wlnlcnilsier vorzüglich. Qualität, ausgezeichnet verarbeitet, auch für starke Herren. Jetzt nnr 89: Das nngehenre Lager von Wiatennäntelo weist eine unübersehbare Fülle von MAnteln, mit und ohne Pelzwerk, zu tief herabgesetzten Preisen, auf, darunter: Winter- Mäntel mit und ohne Pelz jetzt nnr 20 Ein großer Posten eleganter In wundervoller Verarbeitung, auch in großen Welten Jetzt nnr 49 Ein großer Posten reinseidn. Crepe de CWne- Gimini-Mäilel u. ans anderen seid. Stoffen. jetzt nnr 22: Ein Riesenposten Kinder- Wasdihlefder bis Größe 95 in unsortierten Größen Jetzt nnr 3: Ein großer Posten Kindermäntel unsortiert Jetzt nnr 3:5:8: Hin Riesenposten Pelz- Mäntel für Damen, echwarz farbig Jetzt nnr 89 8u vermieten fof.ef fetzte 3-Zimmerw. in Weißensee mit Ofenheizung und Warmwasser. Auskunfl: Jranj-lofspf)-Strohe 125«, Ecke Berliner Aller bei RSdke. Fermpr: Wcißensec 1893. Zum 2. September: einige V\2 u. 21 Zim.-Whn. i. Neukölln mit Fernheizung und Warmwasser. Auskunft: tDcrtoflrahe 40, Ecke Ireplenicc Straße bei Bohlmann. Fernfpr.: Neukölln 4982. Grüner Neubauichein, Genossenschaftsanteil. Wir verlegen ab I.August 1930 unser Büro nach der /Uten JakobifraBe 148-155"' in das Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes (Eingang: Durchbruchstraße) Fernruf: A 7, Dönhoff 5533 Dr.Ernslfraeiilrcl• DriranzNenmann Redüsanvitlie am Kammergericht bei den Landgerichten SW 61, Tempelhofer Ufer 16a, Fernruf: F 5 Bergmann 5534 Ailgemeine Ortskrankcnkasse Berlin-Lichterfelve. Ger zweite Nachtrag zur Satiung itt voin Oberocrsicherungsamt genehmigt morden Geändert sind die#§ 10, 19, 20, 22, 27, 29, 33. 46 und 77, Der Nachtrag tritt, soweit er die KZ 10 und 29 betrifft, mit dem 1. Juni 1929, im übrigen mit dem heutigen Tag« in Kra t. Druckstücke der Aenderung lind ab 5. August 1930 Ml Kassen lokal-rhiiltlich, Der Vorstand: Brandenburger Michel Borsigender. Schristführer. MiibeNän'er merk« Sredit nn» bar Möbelbazar. arote Auswahl, «eine«reise l Beilpielsweiie: Schlafzimmer*55.—. Speisezimmer 517,—, Herrenzimmer 889,—, Spiegel- schränke 118.—. Dielenaaeniiur 38,—, Anrichteküche 99,—. Wcsssnabettstell« 66,—. ttleidcrschränfe 48,—, Chaise. loimue» 28.—, Mctallbettstelle 18,—, Aulleaematrat!« 13.—. Sonstige Möbel angemessene«reife. Tellzahluna ans. schlaatrei. Wochenraten, Monatsraten, Kossarada tt bis zedn«rozent. au» auf Anzahlungen. Kleine auch ohne Anzah. lunaen. Kredite bis zwei Jahre. Mass Sin». Katalog franlo. Sauptaeschätt, Stralib. Schtossftraüe 197: 2. Gefchatt, Neukölln. Scrmannviatl 7: 3. Scxtiatl: Belle- Alliance-Strahe 95.—. llnterarund. bahn: 4. Geschäft:«ottbusser Etrahe 28. gegenüber Glitesänger.___* Verkäufe Tapeten. Szillat. Koloniestraß- 9. Bekleidungsstücke, WäkR�ieosw Wenig getragen««a-alteraarderob« von Millionären. Aerzten, Anwälten. ssabelbatt dillige«reise. Smp�ehl« Taillenmantel,«alctots, iTracks-�Smo. kings. Sehrockc-rzüge, tdofen. Svort-, Gehpelze, Deleaenheitskäute tn neuer Garderobe. Weitester Weg lohnend. Oothringerltraße 5«, 1 Trepp«, Nosen» thaler«lab.* S«»«bei Schmidt. Ihr erster Schritt Möbel Schmibt. Katalog gratis. Msbel Schmidt, Bernaurrftrasse 89,_ Meine Lieben! Ange» a»I! Serien sind bald zu Ende! Nur noch bis zum 10, August sind 1 diese ganz deioudercn Ausnahmctagc� Sie kaufen heute ein Schlafzimmer j Cidx, nur 875,—, Cchlaszirnmer, Nub-! bäum. 886,—, Schlafzimmer, Birke 69»,—, Schlafzimmer. Mahagoni. 715.—, Tpets-Zimmer. Shithaian, 490,-, Spe-s-z immer,«ich«, 590.—; Rüchen weiß und lasiert 68.-:«nkleid-schr-n! 82.—: Ankleideschrank mit Wälchecin- teilung und Spiegel 98,—! Ankleide. schrank mit Wäscheeinteilung 88,—. Sämtliche Mädel ,u Horben«reisen Das versäume niemand, Möbel-Schrager, jede, Simmer ein Schlager, Nur Kaswnieirollee«,'49, im isabrikgebSude. N'tx � XtÄckb Atl o-)-7 t Möbel-Kawerlina, Kastanienalle» 56. Anrichtekllchen. Abwaschtrsche, Weissla» schränke, fflurmöbel. Riesenauswahl. Svottpreil«. ßablungserleichterung,* Pateutmatragea.«rimisssma�, Me. tallbetten. Auslegematrapen. Chaiseion- gues. Walter, Stargarderstrake acht- zehn. Kein Laden._* Schlafzimmer, Richen in roh von 89,— an. lackiert und lassert bis zu 700,—. Max Berg u. Co., üuisenufer II. Fabrikgebäude II, OranienstraK« 1Z8, Gotckowakpstraße 23, Eck! Alt-Moabit, Sicheren Kunden weitgehendste Rah, lungserleichterung ohne Preisautschlag. Musikinstrumente Sege» klein« Raten erhalten Sie ge» brauchte sowie neue«ianos. Gross« Auswahl. Lageriesuch lohnend. Stresc- niannstrasse 14 und Brunnenstrasse 191. Fahrräder Gebrauchte ffahrrader 15,—, 20,—, 25,—, 30,—, 35,—. Machnow. Weil»- meistrrstrasse 14._ Teilzahlung, monatlich 10,—, Dia» manträdrr. Triumphräder, Brennabor. räder. Ballontourenrädcr. Ballon- damenräder. Ballonrrnner, Gärlckeräder, Wittlerrilter, Semperräder, Multiplex» räder. Monopolräder, hligschnelle Renn» Maschinen, bildschöne Damenräder. Schlawe, Weimneistcrstrasse vier._* Ballonreisenräder, arösste Auswahl. Mochnsw, Weinmeisterstrosse 14._ Prachtnolle Damenräder 56,—, 65,—, 75,—. Original Brennabor 75,—, 85,—. Machnow, Weinmeisterstraße 14. Ballnirrenner, prima Holzfelgen, Ballonschlauchreifen, Doooclfreilaufzohi!. kränz, Felgenbremsen oder Torpedofrei» laus, Vorbaulenker 88,—: Tourenrad iBallon). Torvedofreilauf, Continenwl. Ballonbcreisung, prima Ausstattung, Glocke, Pumpe, 80,—: Dainen-Soian. Malchin« 85,—. Machnow, Wein» meifterstrasse 14. Größtes Fahrradhaus Deutschlands. Ksufgesucke gahngebtss«. Platinabkälle, Lötzinn. Blei, Quecksslber. Eilderschmelze, Gold. schmelzcrei Christlonat. Köpenicker- strasse 39 lSaltestelle Adaldertstrassel.• Unterricht Berliti Schoo!. Leipziaerssrasse 110. Kurlürltendamm 26-, ffremde Sprachen Zirkel: 12 Teilnehmer, monatlich 12 Si vierteljährlich 30 M,. zahlbar iu Raten. Eintritt lederzeit Technische Privatschuie Dr. Werner, Rraierunasbaumeistcr. Berlin, Reander. �strasse 3, Maschinenbau. Elektrotechnil. r-oäidau, T'clbau. Strinmrssschu!« He'. �uugotechn.k, � �»O�iW � , Parteigenosse sucht swn 1. August A-mc» möblierte» Zimmer in — Dfferten Z.. Bor. warts, Wrlhelmshavenensteaße*8. Arbeitsmarkt Ü-6AHNHOF HERMANN PLATZ• OER KARSTADT-BAHNHOF klrltere Aufwartung fsreitog abends gesucht, nahe Moritzplag, Postlagernd 14 K. E. Tie. 353 ♦ 41. Iahrgong 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 3�. Juli i930 Die neue Kartellverordnung. Anerkennung einer sozialdemokraiischen Forderung.— Wahliheater oder Taien? Unter den Notoerordnungen Hindent'urg-Vi'ürrings stellt die verschärfte Kartell Verordnung eine Ueberraschung dar. So- lange der Reichstag lebte, Hot die Regierung sorgsam verschwiegen, daß sie sich die sozialdemokratisch« Forderung nach Ausgestaltung der Instrumente zur Kontrolle der monopolistischen Machtstellungen in der Wirtschaft zu eigen macht. Wir haben so oft und so eindringlich dargelegt, daß wir Maßnahmen zur Senkung überhöhter Kartell- und Monopolpreise als ein Mittel zur Linderung der Wirtschasts- kris«— wenn auch nicht als das Allheilmittel zu ihrer Ueber- Windung— betrachten, und daß wir die Kartellverordnung von 1923, die das Schwergewicht der Entscheidung an das dafür un- geeignete Kartellgericht legt«, für nicht ausreichend halten, um dieses wirtschastspolitische Ziel zu erreichen, daß wir heute mit Genug- t u u n g feststellen können, daß die Regierung Brüning diesen von der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften seit langem vertretenen Gedanken ausgreift. Warum aber war zur Zeit der parlamentarischen Re- gierung von diesem Plan keine Rede? Man hätte doch aus den Parteien, die in der Regierung Brüning vertreten sind, und der Sozialdemokratie sehr gut ein« Mehrheit für«ine verschärft« Kontrolle erhalten können. Aber man schwieg diskret von diesem Plan. Ob dies aus Angst vor den industriellen Jnteressenvertretern in den Regierungsparteien geschah, oder ob der Gedanke, auf diesem Gelnet etwas zu tun, überhaupt erst ein Produkt der Wahl- a n g st ist, also vor der Auslösung auch nicht verraten werden konnte, mag dahingestellt bleiben. Wir freuen uns der grmidsätzlichen Anerkennung einer von uns vertretenen wirtschaftspolitischen Anschauung in dieser Notoerord- nung, aber wir können trotzdem nicht finden, daß der Zweck das Mittel heiligt, d. h. wir können nicht anerkennen, daß die verfassungsmäßigen Voraussetzungen für den Erlaß einer Verordnung aus Grund des Ar- tikels 48 vorliegen. Wenn ein Gesetzentwurs im Sinne der jetzt erlassenen Verordnung vorgelegt worden märe, so hätte die Sozialdemokratie um eine Verbesserung gekämpft— denn die Verordnung ist richtig im Grundgedanken, aber unzulänglich in der Aussührung �«s fehlt dos unseres Erachtens für die wirksame Durch- führung notwendige besondere Kontrollamt, es fehlt der Register- zwang u. a.)— sie hätte seine Annahm« aber sicherlich auch dann unterstützt, wenn nicht alle ihre Verbcsscrungsvorschläge angeiwmme» worden wären. Denn ein Schritt vorwärts ist uns immer lieber als das fatale Nichtstun auf diesem Gebiete, zu dem sich bisher die bürgerlichen Parteien im Gegensatz zur Sozialdemokratie bekannt haben. Trotz unseres Widerspruchs gegen die Art des Erlasses dieser Verordnung wünschen wir deshalb auch jetzt, daß sie nicht als ein Produkt des Wahltheaters auf dem Papier stehen bleibe, son- dern daß sie wirksam werden möge. Die Regierung Brüning mutz ihren neuen Glauben auf diesem Gebiet(desicn wir uns als Frucht unserer Propaganda freuen dürfen) durch Taten beweisen. Das würde der deutschen Wirtschaft nützen, die Ueberwindung der Krise, der Masienarbeitstosigkeit erleichtern. Der wichtigste Inhalt der neuen Derordnunj, liegt darin, daß die Entscheidung über die Untersagung von Kartcllverträgen und Beschlüssen und die G«- Währung des Rücktrittsrechts der Parteien von Der- trägen, die dem Genieirnoohl abträglich sind, nun ganz in der Hand der Reichsregierung liegt und unabhängig gemacht wird vom Kartellgericht. Das entspricht unserer Ausfassung, daß es sich hier um wirtschastspolitische Verwaltungsakt« handelt und nicht um Gegenstände der Rechtsprechung. Damit fällt die V e r a n t w o r- tung dafür, was geschieht und daß überhaupt etwas geschieht, in vollem Maße auf die R e i ch s r e g i« r u n g, die bisher sich von jeder wirtschaftspolitischen Führung auf diesem Gebiet gedrückt hat. Der zweite wichtige Fortschritt in dieser Verordnung liegt darin, daß zu den Mitteln der Untersagung(Richtigkeitserflärung) und der Gewährung des Rücktrittsrechtes als drittes Mittel die E r m ä ch t i- gung zu Z o ll a u fh e b u n g e n oder Zollhcrab- f c tz u n g e ii hinzukommt. Wir glauben, daß gerade dieses Mitl.'l in vielen Fällen sehr geeignet sein kann, durch den frischen Luftzug der Auslandskonkurrenz den Mißbrauch monopolistischer Machtstellungen zu verhüten. In den finanz- und wirtschaftspolitischen Richtlinien der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion vom Juli, die die Grundlage für parlanientarifches Arbeiten bilden sollten, wir gerade dies« Forderung hervorgehoben. Wir freuen uns, sie in der Verordnung anerkannt zu finden, aber man wird es uns nicht ver- argen können, wenn wir etwas skeptisch lächeln bei dem Gedanken, daß die letzte Tat dieser Regierung, die nun mit Zollaus- Kebungen droht, vor Beginn des Wahlkampfes die Vertretung einiger Dutzend von industriellen Zollerhöhungen gewesen ist. Der dritte Punkt, der aus der Verordnung hervorzuheben ist, ist gegenüber dem bisherigen Recht die Erweiterung derTat- b e st ä n d e, auf Grund deren die Reichsregierung eingreifen kann. Wichtig ist hier vor allem der Absatz b des 8 1, nach deni die Reichsregierung„die Anwendung von Geschäftsbedingungen oder von Arten der Preisfestsetzung untersagen kann, die jemanden in bezug auf die Art der Preisfestsetzung oder die Forderung von Preisen rechtlich oder Wirtschaft- l i ch beschränken." Auf Grund dieser Bestimmung kami gegen die Festsetzung der sehr zahlreichen übermäßigen Preis- spannen beim Verkmif von Markenartikeln vorgegangen werden. Es kann der erbitterte Kampf, den feit Jahren die Kon- s um ver« in« gegen Markenartikelfabrikanten, die sie hindern, ihre Mitglieder mit ongeinessenen anstatt mit überhöhten Handels- zi-schlägen zu beliefern, wirtsam unterstützt werden. Wichtig kann auch der letzte Absatz des§ 1 werden, nach dem als Perträge, gegen die durch Untersagung vorgegangen werden kann, auch solche Ver- trage gelten,„durch die sich mehrere selbständige Unternehmungen, welche der gleichen Wirtschastsstufe angehören, einzeln gegen- über anderen in bezug auf die Art der Preisfestsetzung oder die Forderung von Preisen zu einem bestimmten verhalten verpflichten" Diese Formel bietet die Möglichkeit, mich gegen lockere Ver- abredungen unter wenigen Unternehmungen oder Konzernen uhi« Rücksicht darauf, ob es sich um formale Kartelle handelt, vor- zugehen. Ob mit diesen geschärften Waffen«irksam gegen überhöhte Monopolpreis« vorgegangen wird, ist natürlich in erster Lim« eine Frage des Villens und der Entschlußkraft der Reichs- regierung. In zweiter Linie allerdings auch eine Frage der gründlichen Durch- leuchtung und Erkenntnis der wirtschaftlichen Tatbestände. Wenn hier der ß 3 der Verordnung alz Soll Vorschrift(also nicht bindend als Muß Vorschrift) die Anhörung der beteiligten Wirtschaftskrcise und die gutachtliche Stellungnahme des Borläusigcn R e i ch s wi r t- s ch a f t s r a t s vorsteht, so kommt es entscheidend darauf an, daß aus dieser Anhörung von„Beteiligten" nicht«ine Hemmung wirksamer Schritte durch Interessenten wird. Wir glauben schon, daß die Kartellstelle des Reichswirtschaftsministeriums über zahlreiche Keniitnisse verfügt, auf Grund deren eingeschrilte» werden könnte. Aber bisher find diese Kenntnisie immer sehr diskret be- handelt worden und deshalb unfruchtbar geblieben. Deshalb glauben wir, daß auf die Dauer ein besonderes Mon-polkontrollamt zur Durchleuchtung der Verhältnisse und zur Vorentscheidung der eingreifenden Regierungehandl-ungen. ein Amt, in dem neben den Be- amten die Vertreter der Wirtschaft aus deni Unternehmer- und dem Arbeiterlager, aus den Produzenten- und den Konsuii�ntenorgani- sationen mitwirken, unentbehrlich sein wird. Aber wir wollen heut« nicht Einzelkritik an den Mängeln der inangelhoft entstandenen Verordnung üben, sondern zunächst jetzt die Forderung an die Regierung Brüning stellen: Hic Rhodin, hic salta.(Hier ist Rhodus, hier springe.) Dil hast dir rußer- parlamentarisch dein Instrument zur Bekämpfung des Monopol- mißbrauche selbst geschossen, nun zeige, daß es nicht der Theater- donner für einen Wahlkampf ist, dem dieses Instrument dienen fall, soiideril daß mit ihm Taien zugunsten der Ueberwindung der Wirtschaftskrise vollbracht werden können. Wir haben Gebiete, aus denen durch Eingriff«, sei es durch Untersagungen, sei es durch Zallaufhebungcn, vorgegangen werden muß. schon oft aufgezeigt, wir erinnern z. B. an Eisen und Zement, an Linoleum und Markenartikel usw., und wir werden e; an weiterer Materiallieferung nicht schien lassen. Nachdem- hie Regierung Brüning den Grundsatz von der Sozialdemokratie übernommen hat, hassen wir, daß sie auch in seiner Durchführung bereit sein wird, von den sozialdemokratischen Vorarbeiten Zu profitieren. Wenn die Reichsregierung nicht nur in den Wahlwochen, son- dern dauernd die scharfe Betämpfung monopolistischer Preis- stellungen als eine entscheidende Frage der deutschen Wirtschasts- Politik ansieht, dann müßte sie folgerichtig die Wahlparole aus- geben: Wählt am 14. September Liste 1. Denn die Sozialdemo- kratie ist die einzige Zuverlässige, vom Einfluß von Kartell- interessentcn freie Partei, die stets für die Durch- führung ihrer Forderung einer scharfen Kantrolle gegen private Monopole zuglinsten der Gesomtwirtschaft«intreten wird. Soviel Konsequenz erwarten wir ollerdingz von der Regierung Brüning nicht. Aber wir hoffen, daß sie mit der grundsätzlichen Uebernahme unserer Monopolkontrollsnrderung in ihr Verordnungswerl dazu beigetragen hat, den Wählern die Augen zu- öffnen. Für Gemein- Wirtschaftspolitik gegen Jnteressentenwucher, das bedeutet am Wahl- tag: Für die Sozialdemokratie, gegen den Besitzbürgerblack! Fritz Kaphtali. Reichsregierung verlangi einGuiachten. Der Reichswirtschaftsminister hat an den Reichswirtschaftsrat am 29. Juli das Ersuchen gerichtet,„alsbald in eine Erörterung der für die Anwendung der Verordnung maßgebenden Gesichts- punkte einzutreten" und sich insbesondere zu folgenden Fragen Zu äußern: „1. II eberwiegen bei der gegenwärtigen Wirtschaftslags die volkswirtschaftlichen Nachteile von Preisbindungen deren Dorteile stir die Gesamtwirtschaft derart, daß es notwendig er- scheint, b i s zur Ueberwindung der krisenhaften Zustände auf Preisbindungen jeder Art zu verzichten oder an Stelle der Preisbindungen nur unverbindliche Richtpreise zu- zulassen? 2. Empfiehlt es sich, soweit ein« allgemeine Aushebung von Preisbindungen nicht notwendig oder nicht möglich ist, a) die Preisbindungen auf solchen Gebieten auszilheben, ans denen preisgebunden« Unternehmungen unter d e in Drucke der ollgcineinen Wirtschaftslage oder ihrer bcson- deren Betriebsv-rhältnisse die festgesetzten Preise unter Um- gchung der Bindungen nicht einhalten, b) in einzelnen Fällen die Bindungen auf unon- gemessen hohe(oolkswirlschastlich nicht berechtigte) Preise und Preisspannen aufzuheben? Wie kann das Vorliegen un. angemessener Preise ini einzelnen Falle zutreffend ermittelt werden? 3. Empfiehlt es sich, soweit eine allgemeine Aushebung von Preisbindungen nicht notwendig oder nicht möglich ist, die Preisbindung von Angehörigen der nächsten W i r t I cha s t sstu f e, also.z. B. von Angehörigen des Einzel- bandcls durch Produzenten oder Großhandel auszuheben?- Ist dies insdssondcre mit Rücksicht auf die Preisbindung bei- sogenannten Markenartikeln angezeigt? Mit Rücksicht aus die Bedeutung und Eilbedürftiakeit dieser Klarstellungen wäre ich dankbar, wenn der Vorläufige Reichswi'-t» schaftsrat die Aussprache hierüber in dem zuständigen Ausschüsse mit lunlichfter Beschleunigung ausnehmen wollte." Man kann nicht sagen, daß diese Art der Fragestellung an den Reichswirtschaftsrat sehr viel Mut der Reichsregierung zu ihrer Courage verrät. Wenn dos Eingreifen der Reichsregierung in der Frage der Kartellpreise von einem Votum des Reichswirtschoftsrats zu diesen fast rein theoretisch fonmili-rten Fragen abhängig gemacht würde, so wäre wohl schon jetzt klor, daß es der Reichsregierung mehr auf ein« Geste, als auf das Handeln ankäme, denn m der Wirtschaftspolitik geht es bei Gott nicht nur um Doktor- fragen. Es sieht fast so aus, als ob die Reichsregierung sich im Nachhinein vom Reichswirdschastsrat die Zustimmung zu ihrem Vorgehen erbittet und die Verantwortung auf diesen abwälzen möchte 5si5on- Ausverkauf Wnerhcrte'Preissenkung 7 Zum teil bis 6Cr, herabgesetziT Herren-Safflomiznö � strapazierfähige Qualität." Herren-Sporlart � mit kurzer oder lang. Hose" Herr.-Sommennafllel � Raglan oder UUtcrfonn•* Bemn-WlaleniiMtel"h" Ulsterfonn....... Dm-Sonmermaiilel ifl fesche Form...... DameoGomiiMtel if" uoi oder gemustert..." setzt 15.- jetzt 24- jetzt 16.50 jetzt 15— jetzt 6- jetzt 4,0 Wettermantel für junge Herren, Gr. 38/42 Herren Trenöicoat**** der beliebte Wettermantel Lodenmantel für Damen und Herren LederlaAen � für Damen und Herren Ledermantel � leicht angestaubt,,,,, 85»— Windjaiken � für Damen und Herten jetzt 5.00 jetzt 13.50 jetzt 13.50 jetzt 54- jetzt 39- jetrt 3.00 CMteor-Anzllde � aus kräftigen Kordstoffen. 52.— caaoHenr-Manlel frth" aus kräftigem Kord.... 59«— Gbaiüteiir-Pelz maeibc- früher IUI. Peil- 4 75_ futter, Peizärmelfutur, PcUknara Snortnelz � flott gemustert...... � 20.— Knaben-Anznd Größe 2...... Knaben-Mantel � Kieler Form Gr. o..,. 5.50 jetzt 28.- jetzt 42 jetzt 115 jetzt früher 2.90 jetzt 0.5 jetzt 2.00 Herren-Hosen � JT aus haltbaren Stoffen... V.80 Mandiester-Breeöies Jrut Größe 7/9........ 5.—.00 Herren- Oberhemden mit festem Kragen, Klappmanschetten und Krawatte, moderne Farben... Herren-Oberhemden moderne Streifen.......... Damen- Pullover ohne Aermel............ Damenkleider bestehend aus Pullover und Rodt,. 4" 595 O95 2'5 BAEP SOHN i Chausseesir. 29-30 H"■ M» M Vj U-Bahn stettiner Bahnhof U-Bahn Stettiner Bahnhof Äolksbetrug mit Gefrierfleisch. <5S gibt kein verbilligtes Gefrierfleisch.— Antwort am 14. September. Der Landbundminister Schiele hat bereits während der früheren Bürgerblockregierung 1928 das zollfreie Gefrierfleisch» tontingent von 120 000 Tonnen auf 50 000 Tonnen herabgesetzt. Trotz aller Anschläge auf die Gefrierfleischeinfuhr hat die Regierung Hermann Müller eine weitere Derschlechierung der Gefrierfleisch- Versorgung nicht zugelassen. Eine der ersten Taten der Regierung Schiele-Brilning war die vollständige Beseitigung der Gefrierfleischeinfuhr ab 1. Oktober. Die Zustimmung des Zen- trums zu dieser Maßnahme, die vielen Aermste* und Arbeitslosen jeden Fleischgenuß unmöglich macht, hat sich Schiele durch das Der» sprechen erkauft, der minderbemittelten Bevölkerung die gleiche Menge verbilligtes Frischfleisch zur Verfügung zu stellen. Vom ersten Tag ab haben wir dieses Versprechen lediglich für einen Köder und für einen Betrug am Volke gehalten; einmal gibt es keine Möglichkeit, bei einer verbilligten Frischfleischvcrteilung große Mißbräuche auszuschalten, ferner würde aber diese Verbilli- gungsattion 40 bis 50 Millionen Mark kosten, die nicht zur Verfügung stehen. Der Ernährungsminister hat, um den Schein zu wahren, verschiedene Sitzungen wegen der verbilligten Frisch- fleischabgobe abgehallen. Diese sind natürlich alle erfolglos aus- gegangen. Neuerdings gibt das Erizjichrungsministerium selbst zu, daß Pläne einer oerbilligten Frischsleischverteilung an Stelle des- ab 1. Oktober wegfallenden Gefrierfleisches nicht mehr bestehen! W i r stellen f e st: Der Landbundminister Schiele hat die Fleischversorgung der Minderbemittelten durch Unterbindung der Gefrierfleischeinsuhr aufs schwerste gefährdet, er hat seine Ver- sprechungen, verbilligtes Frischfleisch bereitzustellen, nicht eingehalten und wahrscheinlich von allem Anfang an nicht einhalten wollen. Im gewöhnlichen Leben nennt man ein solches Vorgehen Täuschung und Betrug. Die organisierte Arbeiterschaft weiß, welche Antwort sie aus derartige politische Manöver am 14. September zu geben hat. Der ärgste politische Betrug aber erfolgt gegen- über den christlichen Arbeitern, deren Vertreter der Neuregelung zustimmten, nachdem Schiele seine Scheinoersprcchungen ge- macht hat«. Adler-Auio-LLmsiettung beende/. Die Adlerwerk« vorm. Heinrich Kleyer A.-G.-Frantfurt a. M., die Ihre Gewinne aus dem Geschäftsjahr 1929 zur Stärkung ihrer' Reserven für den fortdauernden Konkurrenzkampf der Automobilfabriken verwendet, hat während der letzten vier Jahre 18 Mil- lionen für den Ausbau ihrer Fabrikationsanlagen verwendet? davon entfielen auf das Jahr 1929 4,19 Millionen Mark. Nach diesen Auf- Wendungen ist das Ausbauprogramm für absehbare Zeit ab- geschlossen. Seit dem Frühjahr 1929 wird der Wler-Vierzyliyder am laufenden Bahn hergestellt. Di« Fahrradabteilung fand einen Ausgleich für das gedrückte Jnlandgeschäft durch aussichtsreiche Verbindungen mit dem Auslande. Die Schreibmaschinenabteilung arbeitet mit den Wandercrwerken eng zusammen und hat weiterhin befriedigenden Absatz. Gegenwärtig ist die Adlerverwaltung um die Derbilligung der Transportwege zu dein Werk in Frankfurt bemüht. Ob es sich dabei um eine Erwägung der Rcchmaterialherbeischajsung mit Hilfe von Lastkraftwagen oder Schnelldampfern handelt, wird nicht mitgeteill. Dafür oerschwendet die Adlerverwaltung 2'ä Seiten ihres Berichtes an zollpolitische Auseinandersetzungen. Markenartikel hindern Preissenkung. .?esistellungen des Institutes für Konjunkturforschung. In seinem letzten Wochenbericht vom 30. Juli schreibt das In- stllut für Konjunkturforschung zum Thema Markenartikel und Preis- fenkung folgendss: „Der größte Teil der vom Einzelhandel umgesetzten Waren unterliegt keiner Preisbildung. Preisgebundene Waren, insbe- sondere Markenartikel, spielen vor allem im Lebensmittel- Handel, in Drogerien, in Apotheken, sowie in Tabak- und Süßwarengeschäften ein« ausschlag- gebende Rolle, wenngleich fast alle Zweige des Einzelhandels am Markenartrkelumsatz irgendwie bKelligt sind. Der Gesamtumsatz des Einzelhandels an preisgebundenen Waren ist— nach sehr vorsichtigen Schätzungen— mit mindestens 6 Milliarden Mark jährlich(gleich 15 bis 20 Proz. des Gesamtumsatzes) anzunehmen. Bei diesen Waren ist zu beachten, daß die Bindung der Preise meist nicht vom Handel, sondern von den Erzeugern oder Erzeuger- gruppen ausgeht..." Bei den Hinweisen aus die preishemmenden Faktoren wird ge- sagt:„Weitere Hemmungen für ein« rasche Veränderung des allgemeinen Preisniveaus im Einzelhandel gehen von der Starrheit der gebundenen Preise aus. die an sich nicht notwendig mit dem Prinzip des Preisschutzcs verknüpft ist. Die Beweglichkeit der Einzel- Handelspreise im ganzen würde zweisello» gewinnen, wenn auch die gebundenen Preise dem Wandel der Sonjunkturloge bester angepaßt würden." Di« Erwünschtheit von Berbilligungen für den letzten Konsum ist unbestritten. Ihre Durchführung wäre durch Beseitigung der Preis- bindungen für Markenartikel sehr stark zu fördern. Das Konjunktur- instttut stellt für Markenartikel starke die Preissenkung hemmende Wirkungen fest. Die Reichsregierung hat für die erfolgreiche An- wendung ihrer Kartcllverordnung hier also die günstigsten Boraus- setzungen._ Oer Koholyt-Konzern wieder deutsch. Die Feldmühle Papier- und Z e l Ist o f f w« r k e A.-G. Stettin, die größte deritsche Papierfabrikantin, vertrat in der Generalversammlung der Königsberger Zellstoff-Fabriken und Chemische Werke Koholyt A.-G.(Kapital 17,6 Mill.; Dividende für 1928/29 14 Proz.) drei Viertel der ausgegebenen Aktien. Es wurde beschlosten, die beiden führenden Vorstandsmitglieder der Feldmühle A.-G. gleichzeitig zu Direktoren der Koholyt A.-G. zu bestellen, ebenso umgekehrt die leitenden Direkteren von Koholyt zu Vor- standsmitgliedern der Feldmühl« A.-G. Die Feldmühle-Gruppe rüstet sich also zu konzentriertem Dorgehen auf dem Papier- und Zellftossmarkt. Die Aktienmehrheit von Koholyt hat Feld- mühle vor sechs Wochen mit Hilfe eines langfristigen Bankkredits und aufgespeicherter Gewinne a u s englischem Besitz zurück- erworben und sich damit zwei Zellstoffabriten in Königsberg t. Pr. je ein« Papierfabrik in Hillegossen bei Bielefeld und in Oberlohn- stein, die chemische Fabrik in Lülsdorf und das große Zentral- Laboratorium in Westelling gesichert. Herr Sintenis von der Berliner Handelsgesellschaft, der das Geschäft mit den Engländern vernrittelte, hat bei der Koholyt A.-G. seinen 39. Aufsicht-ratspaste« erobert und den zehnten Aufstchtsratsvorsitz. Don der Feldmühl«! Zl.-E. bezieht er über 15 000 Mark jährlich. Kufion in der sanitären Industrie. Alz Unternehmen für die Herstellung von sanitären Anlagen für Baderäume, Toiletten, Großküchen, Ueberseedampfer usw. wird in diesen Tagen die Tritonwerke-Bamberger Leroi A.-G. gegründet; hinter der Gründung steht anscheinend der Konzern der Deutschen Ton- und Steinzeugwerke, wohl die mächtigste«uro- päische Gruppe auf dem Gebiet der Steinplattenfabritation. In dem neuen Unternehmen, dessen Fabrikation in Hamburg konzen- triert wird, werden die Triton-Werke A.-G. vorm. Ferdinand Müller-Hainburg und die Bamberger, Leroi u. Co. A.«G.-Frank- furt a. M. mit ihren Tochtergesellschaften vereinigt. Das Aktien- kapital soll vorerst nur 4,52 Millionen Mark betrogen, von denen jedoch 1 Million Mark eine feste Verzinsung in Höhe von 8 Proz. genießen. Ein Kartell für elektrische Lellungsdrähie ist für das«uro- päische Festland gegründet worden. Die Teilkactell«, die in einzelnen Ländern— auch in Deutschland— bestehen, haben sich gegenseitigen Preisschutz zugesichert, d. h. die großen Elektrokonzern«, von denen die maßgebenden Leitungsdrahtfabriken abhängig sind, werden gleichzeitig mit dem jetzt beabsichtigten Personal- und Gehaltsabbau von neuem ihre Gewinn« vergrößern 10 INillionen-DollaranIeihe für Sächsische werke A.-G. In New Port wird von den Bankhäusern National City Co. und Lee, Higginson u. Co. für die Sächsische Werke A.-G. eine Anleihe von 10 Millionen Dollar fünfprozentige Goldnoten ausgelegt. Der Zeichnungspreis«trägt 97� Proz. Die Anleihe wird im Juli 1932 fällig sein, so daß die Berzinsung 6,35 Proz. betragen wird. Die deuksche Motorrad-Handelsbilanz war auch im I u n i�wie- der st a r k aktiv; die Einfuhr betrug 550(Vorjahr 1199) Fahr- zeuge, die Ausfuhr 794(Vorjahr 1083) Stück. Das Saisongcschäjt war demnach in diesem Jahr früher zu Ende. Die deutsche Motor- rad-Ausfuhr belief sich im e r st e n H a l b j a h r 1930 insgesamt auf 5255(Vorjahr 4377) Maschinen, die Einsuhr aus 3419(Bors. 5633) Stück. Da in den Jahren 1927 und 1928 die deulsche Motorrad- Handelsbilanz noch stärker passiv war als 1929, ist also eine a n- haltende Besserung zu beobachten. Die Ritritsabrik A.-G. Berlin-Köpenick schließt das Geschäfts- jähr 1929 mit einem Verlust von 172 M. ab. um den der Verlust- Vortrag sich auf 988 883,32 M. erhöht(Kapital seit der 1926 erfolg- ten Sanierung 2 Mill.). Di« WeinsSure-Erzeugung der Gesellschaft, für die ein« neue Fabrikanlage mit Hilfe eines Millionenkredits der Hauptaktionäre(nach der Zusammensetzung des Aufsichtsrates Kokswerte und chemische Fabriken A.-G. und dieser nahestehende Kreise) errichtet wurde, hat sich gut eingeführt. Ilmsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr 40 Proz. 1930 haben Produktion und Er» trägnisse ein« Steigerung erfahren. Hohe Manganerzgewirrne. Di« Ra wack u. Grünfeld A.-G. Charlotienburg, die ErzHandelsgesellschaft des Metallbank- konzerns, verteilt für das Geschäftsjahr 1929 1 5 Proz. Dioi» den de auf 7,5 Millionen Mark Kapital. Die Eisenerzlieferungen an die deutsche Schwerindustrie mußten infolge der Drostelung der Roheisenerzeugung nach dem Bericht der Verwaltung Einschrän- kungen erfahren; die Zukunft des Eisenerzmarktes wird trotzdem optimistisch beurteilt. Sehr gewinnbringend hat sich für die Gesell- schoft anscheinend der Handelsvertrag mit dem russischen Man- ganerztrust gestaltet, für den das Absatzgebiet erweitert wer- den konnte. n-Ausmrftauf«riU es «SSM Frei da q.. ' Pte'-yßfc- PssnVfollpIöschTeppkhc aus reiner säommqarnwolle. seit Jahrzehn» ten erprobte Marke. Perser.-Sh'1-u.mod.Mujter ca. 3QP reqa. 400 Wert 245 340 190 2B3 ;192.-Jeh2f89.50 132.-' 6k50 92.-* 39.50 beschränkt, in Händler. .—....... v.*... w-.■*- Marken-Teppiche seihvieien Jahrzehnten er. probte Marke, reine Komm- garnwollC.rnoderncMuSter. 32.50 Boucl�- Teppiche in allen Größen weit unter Preis i ßiesenposren Xg VelVCMeppiche Seit Jahrzehnten erorobte Marke, unverwüsM.Qual. ----- .aemesrre.fen.m vielen Farben. �jemOr, '50 _ Riesenposten co.öOjOOOmfp. Ga rd ineno.Dekorah*onssfoffö bestehend ous Kunstseide Voile Cretonne. Noppenpipsu.(:einpipscn,ca.TIOuJ30cm.breih SERIE I requi-Wertbis �5° jetztMtp.-Q5 • I'** 575. �45 1••• 6.50•-�95 ET•** S.25*• 2.®� Wahrend der Dauer des Ausverkaufs gewähren wiraufalle regulären Waren einschl. aller Map= ken-u.Pörser-Teppiche eir�CLßabcittÄöD Bw • Schwere SA /ac ca. Qualität Ööb',t./iö5 QObrt. feßem�rlägen" allererstes Markenfabrikat jetzt 9.85 250 f SERIE r. '550|. l ZOOfSEBlEI. * 3001- i. 367.- 189.- 268.- 129.� 183.- u.weiß.Fcm- Posten VJI'SD u. Grobfilet, mod. u.SKImuster.teilwefse ganz Handarbeit �"Ä�JetztS?5 57 bish Mindestverk. 120 Pr*9 15.- Ailerenstes Markenfabrikat. „52 bish.Mindestverk. O 44 lCQ|� P�is 1350 jetzt O. .Wo II Plüsch, erprobte �Markc. Perser-Muster Riesen i-M 1' 146: 1' M-M I' 23Z-'139: 317- 189: 391-' ca. 300 415 ca 336 m Beltumrandungen Boucl� Jacauard, best. aus: 1 Läufer 00.63*340 u.2 Be ttvorlagen_ ca. 60x120 7-<50 jetzt ZrJ. Boucle Jacauard. best. aus: 1 Läufer ca 90340 a2 Bettvorlag. «1.67*130 /U jetzt Z,*/. SS" Brücken bestes. deutsches Fobri- kot.ganz durchqewebt, wundervolles pers.Muster b isher. M i r destverk; �JOO Preis »81:� M50 Fußkissen /Inr Siisbis?50�!. __________ unqen können nicht aus• gefuhrt werden! Nur soweit Vom Menaena.,- vorbehalten! Sn Tischdecken rundu.eckig /n � ■equl. Preis bis 42:|f\50 Riesenposten MÖbßlbeZUQStoffe einfarbiger Mohairplüsch, in vielen Farben, Mo» _________..._____ 31 rpii—................—.... hair anhaue, Mohair Snl.zJ.m. kl Wcbunregelmä Big kfn. sg3!5 ll• E k 23:■ 6? 32-■12? 66'■ 21® piesenposK Diwandecken Wollmokett, Perser ü.mod.qemust. regui. Preis Serie r Serie 1. 68.- iew26.50>ii39y eisedeckenl ewnendecten equI.Preisi&d SfCPPdOCken Verprbeitg. in.äüen"ModefaVben'aulJera�» ------ 1 wohnlich preis wert»1�=�- ...________ rMh awzz-,■WMemajuf tUW. OSL- Sp ao.dajj.er. SJ&p£ä£ 22 Vorträge, Vereine undVersammlungen. G Reichsbanner �Schwarz-Roi-Gold". S«se>S>t»KelI»: Perlin S 14. Seballi-nkr Z7— N Sof 4. St gam schvtz der P»tilri«g-lui'l>g«buna der s»>ialdem»lr«tie am Freitag, I.«ug«Ii, treten die Ortsvereine wie folgt an(Rritt auch Mittwochauszabe vom SO. Juli): Tiergartra lOrtsverein): Ilm IZ Uhr Wilhelm- ufer. WeMnna lOrtsverein): Zreffvunlt 18 Uhr Prunnenvlatz in Bundeskleidung. SlockUigler am Tom.«renzbcrg tritt nicht, wie ursprünglich an. gegeben, um IL?t Uhr, sondern schon um 18 Uhr Fontanevromcnade sin Bundeeileidung) an. Tambourkorps ohne Fahnen. Wilmersdorf lOrtsverein): Um ISih Uhr am Sausvogteiplah. Gieglih lOrtsverein): Um IS Uhr Antreten am Lausvog'eiplah. Zienlclln-Brit, lOrtsverein): Um 18 Uhr Bnichiantreten, cm Lohenftaufenplah. Nachzügler 19 Uhr Cchlohfreiheit{an der Puppendrücke). Nipenick lOrtsverein): Tammelplah am SÄInifchen Park, ohne Fahnen. Ad- marsch pünktlich 18i� Uhr. Lichtenberg lOrtsverein): Um 17% Uhr Antreten am Wi-marvlag, ohne Fahnen. Bundeskleidung. Reinickeodors sOrtsverein): Um 18 Uhr am SchSsersce in Bannerkleidung söhne Fahnen), ttomeradschaft Hermsdorf: Um 17% Uhr Antreten bei Okrent. Bereinslokal, Bannerkleidung, ohne Fahnen. Sameradschaft Nosenthal: Treffpunkt Vi Uhr Bahnhof Nasen. thol. Pflichtveranstaltung. Weiheufe« lOrtsverein): Antreten sämtlicher aktive: Sameraden Bezirksamt Prenzlauer Berg, Tanziger Straße, 18 Uhr. ohne Musik und Fahnen. Pankow lOrtsverein): Antreten 17% Uhr Warktplah ohne Fahnen. Sämtlich« Epielleute mit Instrumenten.— Sonnabend. 2. Angnst. Wedding lOrtsverein): Kroßes«lasorchefterkonzert in der Sochfchulbrauerei, Amrumer Str. 31. Eintritt 39 Pf. Beginn 17% Uhr. Redner: Prof. Bern- Harb und Oberst a. D. Lang«. Reinickendors< Sameradschaft Rofenthal): Kameradschaftsversammlung bei Türke. S» Uhr. Berliner Mandolinen-Vereinignng.Nordisch« Klänget 1(05. Uebung»stund« jeden Tonnerstaq. 20% Uhr, im Lokal Burmeister, Berlin N., Anklamer Straße 29. Blattspleler. auch Damen, willkommen. Reichobnnd der Kriegobefchödigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter- bliebenen, Ortogrnpp« NeukAIn. Di« Ortsgruppe Neukölln beteiligt sich an der von der Sozialdemokratie am Freitag, 1. August, 19% Uhr, im Lustgarten stattfindenden Friedenskundgebung. Abmarsch 18 Uhr Hohenftaufrnplaß. Bond Berlin für Einheitoknrzschrift. Uebungen in allen Geschwindigkeiten jeden Freitag von 20—22 Uhr im Französischen Gnmnasium. Reichstagsufer 5, am Neichstag-mebäud«, und jeden Dienstag von 20—22 Uhr im Echulhaus« Utrechtcr Straße 80—31, am Wedding. Anfängcrkurf« sowie Aufnahme neuer Mitglieder zu jeder Zeit. Auskunft«teilt Friß Plauschinn. Berlin-Zehttn- dorf. Scharfestr. 18. Frei« Arbeiter-Esperanto-Bereinignng. Gruppe Fentrum: Jeden Freitag im Mctallarbeiterverbaudshaus, Linienftt. 83—68{Portal 1) von 19%— 21 Uhr.— Gruppe Osten: Donnerstag, 31. Juli, 20 Uhr. im Jugendheim Am Ostbahn. bof 17. Leseübungen. Sonntag, 8. August. Badefahrt zum Fängerfe«. Treff. punkt 7 Uhr Bahnhof Strausberg.— Achtung! Alle Kameraden beteiligen sich an der Antikriegslundgedung der Partei am 1. August. Joterefsensrrband der durch Automobil, und andere«eriehronnfälle«e- schadigten,«.?. Geschäftsstelle: Berlin NW. 40, Rathenower Str. 4 lam alten Kriminalgericht). Sprechstunden und kostenlos« Auskunfterteilung täglich von 17-19 Uhr. „Engllsd Convertotionol Club(«andet 1878." Meetings every Fridav 8 p m. Cafd Schottenbaml. BellevuestraSe IIa. Lecturei: MiB Orebe on; Chinese Coins." Ouests, Ladies i Centlemen, are welcome. Saisonausverkauf der Bact Sohn Chauffeeslr. 29/30. Sie werden staunen, wie unglaublich billig unsere Preis« für QualitätsbeNeidung während des Saisonausverkauss vom 1. bis 21. August sind. Ueberroschende lS«leg« nheitsan geböte, die wir für diese Veranstaltung für Sie bereithalten, werden Ihr hellstes Entzücken heroorrusen. Jede Art von guter Herren-, Jünglings- und Knabenkleidung, dazu Damenmontel und DamenwetterNeidung. ist in größtem Ausmaß« bereitgestellt.— Eine Sonde rleistunz liegt in der ungewöhnlich niedrigen Preisgestaltung für warme Winter- kleidung: Ulster, Pelze, Joppen, Strickwaren, Wäsche.— Sie können es nicht verantworten, wenn Sie eine so günstige Gelegenheit ver- säumen! Darum kommen Sie möglichst schon in den ersten Tagen unserer Veranstaltung, damit Ihnen nicht die Rosinen vorweg- genommen werden. 50 Zahm Kaiser» Kafseeveschäft. Ein Jubiläum».Preisausschreiben, bei dem jeder gewinnt! Preise im Gesamtwerte von 300 000 M.! Wer kennt nicht Kaisers Kaffcekann- mit dem Gesicht? Bus uco eigenen Filialen von Kaiser, Kaffeegeschäft grüßt sie den Kofsectrinker mit ihrer freundlichen Miene. Im gegenwärttgrn Jahre scheint das allen vertraute Sennzeichen von goldenem Glänze umstrahlt zu fein. D,„n flaifeis Kaff sege schält feiert jeßt sein bOjohriges Jubiläum. Diese» golden« Jubiläum gibt der Firma Anlaß, ihre Getreuen in Stadt und Land zur MZtsreude aufzurufen. Kaisers kkaffee- geschäfr kleidet das dankbare Erdenken an sein« Kundschaf: injüe Farm eines großzügigen Prcisausschreiden». für desirn Lösung c» Geld-, Ware», und An- erkennungspr-ise im Gesamtwert« von 800 000 M. zur Beifügung gestellt bah G- handelt sirb um zwei zu lös'Nde Aufgaben. Kaisers weitbekannt« Packungen, die in den Schaufenstern jeder Kaifer-bFiliale zu sehen stnb, und«ine gc. beimnisvolle Kaffeekanne, die von außen wie alle Kaiser» Original-Kaffee- kannen aussieht, aber innen«in bunNe» Rätsel birgt, spielen darin«ine Rolle. Die Anhaltspunkte zur Lösung, die Bedingungen zur Teilnahm« und die nötigen Unterlagen sind in jeder Kaiscis-Filiol« kostenfrei»u haben. Der leßte Einsendungstermin ist der 1. November 1930. Jeder Teilnehmer erhält als Anerkennungsprei» ein« lOO-Gramm-Tafel feiner Kaisers Schokolade. {Seiner geht also leer au«!) Der diesjährige Saisonausverkauf de« Firma F.«.»rSnfelb, Leipziger Straße 20—22 und Kurfürftrudamm 227, steht Im FcichZMder Preisfenkung. In allen Abteilungen sind die Preise bi» zur Grenze de» Möglichen herabqeseßt, wo» bei den anerkannt guten Qualitäten, die diese Firma führt, für die rechnende Hausfrau von besonderer Bedeutung ist. Meine Miiiiohen-Umsätze b e weisen alles* ,•'■'•' V•• �/''-■-..." Sonder- Angebot bis einschllcBlich 13. August. Feiaster echter Ungarwela..... t.... V, Fl. 1.3» Feinster Apfelwein, süfi........'/, Fl. 0.98 Feinster Johaanlsbeerwein, süß....... V, FL 0.0» Echter süßer Tarragonn........... Fl. O.SO Echter süßer Malaga............ Vi Fl- 100 Echter süßer Griechenwein, Gold...... Vi Fl. O.S» Feinster süßer, roter Dessertwein...... Vi Fh 0.8» Prima Pfälzer Weißwein„St. Martiner Berg" Vi FL 0.79 1929er Niersteiner, Oppcnh. n. Liebfraumllch 1/1 FL 0.05 | Vioe-Vermoolb, echter ital.(selbst importiert) Vi Fl. 1.30 ... V, Fl. 1.20 ... V, FL 1.20 ..... Vi Fl. 0.0» ..... Vi Fl. 1�9 s.... Vi Fl. 1.0» Preise ohne Glas! Beste Einkaufsquelle für Wiederverkäufer! Brunnen str. 43 Müllerstr. 144 Chausseeetr. 7« I Koppenstr. 87 Wollankstr. 9« Wismarplatz 1 ''(Ecke Boxhagcncr) Prenzlauer Allee 50 Petersburger Str. 60 Grünauer Str. 15 Köpenicker Str. tat Martin-Luther-Str. 8« Wilmersdorfer Str. 157 Neukölln j Berliner Str. ta Hermatmstr. a? Schöneberg: Kolonnenstr. 9 Steglitz! Schloßt tr. tat Moabit: WUtnacker Str. 25 Spandau: Potsdamer St. 23 Weißensee: Berliner Allee 247 Tempelh.: Berliner Str. 152 Oberschöneweide: WUhelmlnenhofstr. 40 Frankfurt-Oden Richtstr. 72 Rathenow: Dunkerstr. af Kflstr in-Neu Stadt: Landsberger Str. 4 Ktistrin-Altstadt: Berliner Str. 19 Brandenburg(Havel)t Hauptstr. 38 Oraatenburg: Berliner Slrsße 1 31 er Bordeaux, rot,„Chat, le Roae" Feinster weißer, süßer Bordeaux Feinster Spanischer Rotwein.• Echter Douro-Port wein, süß.. Feinster 25er Haut-Sauternee. Größtes Spcy.öeV- G< Mihäfi seine» An, it Deu�t hund t EDUARD SÜSSKIND Theater, Lichtspiele usw. ÖOLKSBSjHIIE THEATER AM BÜLfllHPLATZ Freitag, 1., und Sonnabend, 2 August S1/« Uhr letzte Vorstellungen Der fröhliche Weinberg von Carl Zuckmayor Heute, Donnerstag, ausverkauft l Staats-Theater geschiossenl Abonnements- Anmeldungen for die Spielzeit 1930-31 (Beginn am 1. septemDer) werden auch während der The- aterierien entgegengenommen: a) für die Staatsoper und das Staatl. Schauspielhaus vom Abonnementsbüro, Berlin W56, Ober- wallstr. 22.— Fernspr. Merkur 9024, b) für das StaatL Schillertheater vom Abonne- mentsbüroJJerlin-Char- tottenburg, Grolman- strafie 70.— Fernspr. Steinpl. 671?. TSgl. 5 u.S'f, Uhr. B 3 Bert. 8238 Pr. 1—8 U.— llsohm. halbe Preise. kkcat�etster�saet Akra, Olaaarokta, OaudaiuIU, urlra). N•■ Ü• 1 1■. w Lahnatr. 7 Wlederaut- iZisb treten gBU, der f» rille- sanier mit Scborsch Rutelli. Grosses UtetMjgvJrjjw«! Wf BMJ MÜHT Nur eross-Berttn Alazandcrplatz aaitlBBfs-.Ribsit- u.Beklameaiarken gegen Nachahmung getetzl. gesch. fertig« aalt 45 Jahr als Spezialität Conrad Müller Leipzig- Schkeuditz BiamenspendeB sebet Art liefert preiswert Panl Golletz norm. Robort Mever MarUnaautraSe 5 ade Raunynstraß« Amt Moritzpl 10303. !I1 Donnerstag, den 31. Juli 1930 nachmittags Z'/, Uhr S&ISON-AUSVERKADF. Beqinn:. Freitag 1. August DAS SPEZI ALMAUS PUR DAMENKLEIDUNG Berlin W Leipziger Strasse 42 TEILWEISE HERABGESETZT BIS ZUR BEGINNS AUGUST Nr. 353» 47. Jahrgang Öonncröfög, 31. 3uli 1930 Ctafentmngcn für diese Rubrik sind Berlin SA 68, Lindenstraße Z. T parieinachn'chten für Groß-Berlin stet» an da» Bezirkssefretariai 2. Hof, ZTreppett recht», zu richten 9. Ärti» Wifmer»d»rf. Am ssrcitaz, I, August, beteiligen sich alle Kenosien l an der Anttfriegsfundgebung, Tresipunft I8?t Ilbr Hausvoztciplasit Ab» marsch pünktlich IS Uhr. Banner und siahnentransparcnte sind mitzubringen. 19. Kreis siehlendorf. Sonnabend, 2. August, um A> Uhr, Borstandssitzung im Ratskeiler. 11. Kreis Reuköstn.?er Treffpunkt zur Antikricgskundgebung am ssreiiaa ist nicht mi« ursprünglich vorgesehen, sondern um 18 Uhr aus dem Sollen- staufenplaß. Abmarsch pünktlich. "m 20. Kreis Reinickendorf. Am Sonntag, Z. August, findet!u g Dchulzenborf da» Kreissommerfest statt. All« Senosien und Genossinnen nehmen daran teil. Antreten zum gemeinsamen Abmarsch 14 Uhr am Bahnhof Tegel. Sämtliche Mitglieder de» Arbeitcr-Rad- und Kraft» sahrer-Bunde,.Solidarität", sowie sämtliche Sportorganiiationen des Kreises beteiligen sich geschlossen. heute. Donnerstag. 31. 3uli. 26. Abt. Tie Cammellisten zur Wohl sind sofort vom Genossen Buchwald, Mcsier Str. Si, vorn pari., von den Bezirkssührcrn abzuholen. #3. Abt. Reuköll». Um lS Uhr Borsiandssihung. 2V Uhr AbieiliingsfunktionSr» sichung bei Schauer, Treptower Ecke Wesirstraße. Jeder Bezirk muß ver» trete» sei». Morgen, Freitag, t. August. Antikriegs-Kundgebung um 19?h Uhr im Lustgarten. Alle Genossinnen und Genossen treffen sich an den nachstehend angegebenen Sammelplähen: 3. Abt. ITA Uhr«rvtnaploft. 7. Abt. Abmarsch 18 Uhr Arkonaplah. 8. Abt. Die Abteilung beteiligt sich geschlossen an der Deinonstration. Sammelplast 18 Uhr Wilhelmnfer, am Lehrter Bahnhos, S. Abt. 17 V. Uhr bei Hübner, Wilsnacker Str. 34. ssahnen und Transparente mitbringen. lt. Abt. Ab 18 Uhr Wilhelmufer(Sehrter Bahnhof). 16. Abt. ITA Uhr bei Krüger, Sussitenstr. 34, Ecke Ccheringstraße, zum Ab» marsch nach dem Brunnenplatz, 33. Abt. 18M, Uhr KUstriner Platz. 34. Abt. 18'/» Uhr Küstriner Platz, 37. Abt. 18'.) Uhr an der Plaza, Küstriner Platz. 38. Abt. WA Uhr Küstriner Platz. 40. Abt. Abmarsch pünktlich IS Uhr ffontanepromenadc, 42. Abt. 17% Uhr bei Wiersdorfs, Urbanftr, 6. tz. Abt. Vi% Uhr ssontanepromenade, 47. Abt. 17% Uhr vor dem Lokal Eiedentopf. Mnskaner Etr. 33. sammeln sich möglichst alle Mitglieder. All« anderen, denen dies nicht möglich ist, um l« Uhr ssoirtanepromenad«. 60. Abt. Wilmersdorf. 19 Uhr Lousvogfeiplatz, 79. Abt. Schöneberg. 18 Uhr bei Reimonn, Sedanstr. 17. 82. Abt. Steglitz. 17% Uhr Rathausplatz. 18% Uhr Hausvoqteiplatz. 83. Abt. Lichterseld«. 17* Uhr Höndelpiatz. 84. Abt. Lankwitz. 18?« Uhr Sausvooteiplatz. Die Bezirksführer laden zur Mitgliederversammlung am 6. August bestimmt ein. 103. Abt. Adlershof- Abfahrt vom Bahnhof Adlershof 17.. 34 Uhr. Litfienberg. HZ. Abt. 17% Uhr Wismarplatz,- 1,0. Abt. 17 Uhr Wismar» Platz. >20. Abt. Ariedrlchsfelde. Abmarsch 17 Uhr von Schwarz, Caprwiallee 10t. 121. Abt. Karlshorft. 18% Uhr am Bahnhof Karlshorst, Dahnen sind mitz». bringen. 123. Abt. ftaulsdvrf. 18 Uhr am Bahnhof Kaufsdvif. 124. Abt. Mahlsdorf. 17% Uhr in Lichtenderg, Wismavplatz,»n der Box» Hagener Straß«. 131. Abt. Riederlchönhanfen. 17 Uhr spätestens Marktplatz. Breite Straße in Pankow. 136. Abt. Reinickendorf»Ost. Abmarsch pünktlich 17% Uhr vom Seebad. 137. Abt. Reinickendorf-Best. 17% Uhr am Seebad Reinilkendors-Ost. Di« Ge» nassen, die gemeinsam nach dem Osten lausen, treffen sich um 17 Uhr im Volkshaus. 139.1. Abt. Frei» Scholle. Tr«ffpn»It 11% Uhe vir dem Konsumhan,.— Sonntag, 3. August, Sommerfest de, 20. Kreise» Reinickendorf in Schulen» darf. Abmarsch«userer Abteiluaa 13% Uhr vom Konsumhau» au». Ab Tegel»m 14 Uhr. Da» Kreissommcrfeft soll der Airstaft znr Rrichstag». wähl fein. Wir bitten daher«ufere Mitglieder, all«»ndcrrn Vera». staltungen an diesem Tag« zurückzustellen. 140». Abt. Wittrna». 17% Uhe Seebad Reinickendorf-Ost, Ressdenzstrasic. 4. Abt. Sonntag, 3. August, Dampferfahrt nach Müggelheim. Belustigungen, lleberraschnngen n. a. m. Mitwirkung der Reichsbannerkapelle Kriedrichs» Hai«. Abfahrt pünltlich 8 Uhr Waiscnbrücke(Reederei Langwaldt u. Schmolle). Säfte willkommen. Fahrpreis 2 M. 0. Abt. Sonntag. 3. August, si-mifienansfluq nach Sohenneuendvrf. Treff» » punft 8 Uhr Stettiner Porortbahnhof. Rähere Mitteilungen folgen noch. >l. Abt. Die Bezirfsillhrer haben die Karten zum Sommerfeit bei ihrem Abteilungsfassicrer, Genossen Szilowski, Deusscistr. 8b, Seitenflügel 4 Tl., am Eonnobend. 2. August, von 17 Uhr ab abzurechnen. 21. Abt. Voranzeige! Am Dienstag, 5. August, 19% Uhr, findet im Alters» heim, Danziger Str. 62, eine außerordentliche Mitgliederversammlung ftotl. Tagesordnung: Stellungnahme zur Kandidatcnaufstcllung für die Reichs» tagswahl. Vollzähliges Erscheinen wird erwartet. Frauenveranstaltungen. 7. Kre!» Eharlottenbnrg. Die Trauen beteiligen sich restlos am Treitag. 1. August, an der Antikriegsdemonstration. Treffpunkt 18 Uhr Wilhelm» ufcr, am Lehrter Bahnhof. 132. Abt. Banms-bulenwcg. Montag, 4. August, Motorbootfahrt mit Musik nach Alt-Buchhorst. Abfahrt 9 Uhr von der Ctubenrauchbrüike. Hin» und Rück- fahrt 1,16 M. Karten sind bei allen Helferinnen zu haben. Junafozialfstische Vereinigung. Werbe bezirk Westen: Sonnabend» 2. August, Tahrt zum Mitteldeutschen Inngsozialistentreffen in Wittenberg. Abfahrt 17% Uhr vom Bvrwärls- gebäudc. In Trebbin Kundgebung mit Partei und Gewerkschaften. Referent Genosse Bergmann-Samburg, M. d. R. Sonntag 8 Uhr Weiterfahrt nach Wittenberg. 1l Uhr Kundgebung auf dem Brfenalplatz. Referent Genosse Petees-Haiie. M. d. R. Tahnen und Transparente möglichst zahlreich mit» bringen. Interessierte jüngere Parteigenossen sind eingeladen. Crupp« Rcinickerdors: Morgen, Ireitag. 1. August, große Kundgebung im Lustgarten. Treffpunkt mit der Partei am Seebad Reinickendors-Oft. Abniarsch 17'% Uhr. Gruppe Südost: Diesen ffrei'ag fällt der Erupvenabend au». Wir be» teiligen uns geschlossen an der Kundgebung im Lustgarten. Abmarsch 18 Uhr Fontanepromenade. Prenzfaner Berg: Heute, 20 Uhr, weltlich« Schule, Danziger Str. 23, Kon» ferrngzimmer, Referat des Genossen Otto Lamm:„Fragen der Sozialissernng". Gäste gern gesehen. Wedbing-Gesnndbrunncn: Heut», Donnerstag, tagen wir in der alfohvl» freien Gaststätte, Pankstr. 12. Beginn 29 Uhr. Gruvpenangelcgenheitrn. Alle Teilnehmer zum Witienberg-Trcsfen müssen unbedingt erscheinen. Rot« Reihe: Heut« 29 Uhr Probe im Jugendheim Porckstr. 11. All« be» teiligten Genossen müssen anwesend sein. Gruppe Friedrichshai«: Heim Frankfurter Allee 397, Hermann-Löns-Iimmer, pünktlich 20 Uhr,„Gesundheitswesen". Geburtstage, Jubiläen usw. 17. Abt. Unserem lieben Genossen Albert Löh». herzlichsten Glückwünsche zum Seburtstafte. Sterbetafel der Groß> Berliner Partei- Organisation Schule Sonnenburgcr Str. 20:..Tagespolitik'.— Nordosten II: Heim Danziger Straße 62, B. 3:..Ein Jugendlicher vor Gericht".— Schönhauser Vorstadtl Werbe bezirl Renlölln, Tambourlapcllc: 23 Uhr Ucben im Heim Lahnstraße. Alle Spieler müssen erscheinen. Treffpunkt 18 Uhr Hohenstaufenplatz. Schule Sonnenburgcr Etr. 29:„Die Stellung der Frau in der Gesellschaft".— KvvcniSer Viertel: Schule Wrangelstr. 128:.Missen und Fortschritt".— Kott» busser Tor: Heim Vritzcr Str. 27—39:„Kameradschaft— Freundschaft— Liebe". — Südwest: Heim Lindenstr. 4: Einführung in die sozialistische Gedankenwelt". — Westend: Heim auf dem Sporlpiatz Westend: l9»M:iuien. Referate.— Britz: Funktionärsitzung im„Hufeisen". Werbebeziik Prenzlauer Berg. Tambourkapelle: Spielen im Altersheim. Vollzähliges Antreten erforderlich. Morgen Treffpunkt 18% Uhr Senefcldew platz. Sprrngelfte. II, die 191. Abt. Treptow. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß am Sonnabend ganz unerwartet unser Gen. Edmund Laengnerim Atter von 6ä Iahren an Herzschlag verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Trauerscier henie, Donnerstag, 31. Juli, um 14% Uhr. in der Kavellc des neuen Gemeindefried» Hofes Baumschulcnwcg, Kicsholzstr. 221. Wir bitten um reg« Beteiligung. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Einsendungen für diese Nubri? nur«n das Zügen dsetretaetat J.'erftn GWer Fiwiger der tftuffen nach guter Vlufik Das russische Bolk ist in seiner Masse außerordentlich musika- lisch; das zeigt schon die Tatsache, daß unzählige Emigranten in der Fremde sich zu Kapellen und Chöre» zusammenschlössen, ohne jemals vorher Musik studiert zu haben. Di« Sehnsucht nach Musik ist im heutigen Rußland vielleicht noch stärker als früher. In entlegenen Dörfern und Städten, wo bisher nur die Balalaika er- klang, werden Orchester gebildet. Kürzlich erschien in Moskau eine Delegation von Arbeitern, die mit großen Opfern Geld für den Ankauf van Instrumenten zusammengebracht hotten. Die Leute, denen es wahrhaftig nicht gut ging, hatten es fertiggebracht, die enorme Summ« von 3000 Rübel zu ersparen. Die für russische Verhältnisse sehr teure Ziehharmonika oerdrängt langsam die historische Balalaika: die Nachfrage nach Musikinstrumenten in Rußland ist zur Zeit so groß, daß sie nur zu 10 bis 15 Proz. be- friedigt werden kann. Russische Musikzeitschriften erzählen, daß viele Dorfmusikanten Entfernungen bis zu 40 Kilometer zu Fuß zurücklegen, uin unentgeltlich an einem Konzert in einem Dorf, das noch keine eigene Kapelle Hot, teilzunehmen. Ost leidet die Musikkultur unter dem schlechten Zustand der vorhandenen In- strumente. So beschreibt der Korrespondent einer Moskauer Zeitung das einzige Klavier, das in einem Dorf an der Wolga vorhanden war:„Das Instrument, das den Musitliebhabern hier zur Verfügung steht, erinnert m«hr an ein Motorrad oder an eine Fuhre oder auch an einen Kochtopf als an ein Musikinstrument. Unser Klavier ist ein Monstrum, aufs dem zu spielen nicht einmal ein Liszt verstehen würde." Es sst verwunderlich, wie die Volksmassen ohne Leiter und manchmal ohne Instrumente von selbst den Weg zur Musikkultur finden. In manchen abgelegenen Ortschaften des Urals spielen Orchester ohne Roten— entweder nach Gehör oder nach dem sogenannten Zifsernsystem. Da neue Musikstücke diese lveltsernen Gegenden nicht erreichen, begnügt sich das musikalische Publikum mit Schlagern, die vor 30 Jahren in aller Munde waren. Ein Musik- Historiker kommt dabei auf seine Kosten. Der Schatz militärischer und Voltslieder aus der Vorkriegszeit hat sich neben importierten Salonschlagcrn in vollster Reinheit erhallen. Die Sowjetregicrung propagiert im Volke die„Idee der Proletarisierung der Musik" und veranstaltet Wettbewerbe für Massenlieder revolutionären Inhaltes. Man macht dabei die Erfahrung, daß unzählige Lieder von Dilettanten komponiert werden, die kauin der Notenschrift mächtig sind. Der gute Will« muh oft sowohl Musikkultur wie Talent er- setzen. Ein Komponist'schickte zu einem Wettbewerb nicht weniger als 60 Lieder aktuellen Inhaltes mit eigenem Text, dessen Blüten einer Witzzeitschrist unerschöpfliches Material geliefert hätten. So heißt es z. B. in einem Lied:„Unser ganzes Leben ist ein ununter- brochener Leninismus." Ein anderes Lied vertont folgenden Text: „Was schert uns Geige, was schert uns Trommel, wir wollen spielen auf dem Bauch: uns platzt der Bauch, das sst uns Wurst: denn dieses Instrument sieht dos Publikum nicht." Dieses Lied wurde übrigens durch Rundfunk verbreitet. Ein anderer Text lautet: „Bleib' ruhig sitzen, du registriertes Luder.(Gemeint ist ein Re- krut.) Das Fabrikwerk, unser Heer von Stahl wird dich schon befreien." Viele Liedertexte behandeln rein aktuelle Fragen, wie z. B. den Uebcrgong zur Kollektivwirtschaft, sowie die Einführung von Traktoren in der Landwirtschaft. In Städten, die Moskau näher liegen, bürgert sich sogar der westeuropäische Schlager in der Form des Foxtrotts und des Tangos ein. Sehr verbreitet sst die sogenannte„musikalische Agittka", Propogaiedatexte zu einer leicht verdaulichen Musik. Der Staatsverlag überschwemmt das ganze Land mit{fieser oft minderwertigen musikalischen Literatur. Trotzdem ist das Interesse an klassischer und Opernmusik- in Arbeiter- kreisen ungewöhnlich groß. In vielen Fabriken haben sich Arbeiter zu Operngesellschofien zusammengeschlossen und führen mit eigenen Kräften, van nur wenigen Fachleuten unterstützt, zahlreich« Opern aus. So ist eine Opernbühne von Arbeitern im Gouvernement von Charkow geradezu berühmt. Diese Operngesellschost, bei der Chor, Orchester und Darsteller beinahe ausschließiich aus Arbeitern bestehen, hat auf ihrem Spielplan folgende Meisterwerke der Opern- literatur:„Faust",„Romeo und Julia" von Gounod,„Ladme" von Delibes(trotz der schwierigen Koloraturpartie!),„Cavalleria Rusticana" und„Bajazzo" sowie Nassijche russische Opern von Glinka, Mussorgsty und Rimsky-Korsakow. Diese Opern erfreuen sich einer unerhörten Popularität, Musikkritiker, die über diese einzigartigen Opernausführungen berichten, sind gleichfalls einfache Arbeiter. Es lohnt sich, die Analyse von Musikwerken aus der Feder dieser einfachen Leute zu lesen! Ncber die Ouvertüre zu Glinkas Meisterwerk„Rußlan und Ludmilla' schreibt ein Arbeiter: „Genau wie die Personen der Oper sich im Laufe der 5)andlung in ihrem Charakter verändern, gehen die Melodien in andere über. Dur wechselt mit Moll, die ruhige friedliche Bewegung wird von einem scharfen, dringenden Tenipo abgelöst. So bewegt sich die Musik der ganzen Oper, so ist die Ouvertüre, die als Einleitung das Gesamtwerk charakterisiert." Allerdings mischen sich in manche Besprechung auch politisch« Betrachtungen im Sinn« der„bolschc- wistsschen Ideologie". So schreibt ein Musikkritiker über die be- rühmte Ouvertüre von Honeggers„Pacific 231":„Beim Anhören dieses Musikstückes stellt sich der aufgeklärte Arbeiter«inen Streik der Transportleute in Europa vor. Er denkt noch an die Bedeutung des Transports bei der Industrialisierung der Sowjetunion während ein ehemaliger Aktionär der Nikolai-Eisenbahn schmerzlich an die heutige Herrschaft des Proletariats über die Eisenbahnen des alten Rußland erinnert wird." Wie dem auch sei, trotz mancher kuriosen Eilsstellung sst der Drang»ach Musik im russischen Volk fast unstillbar. Mustk bedeutet Entspannung von den Sorgen des Alltags. Ausländische Solisten und Dirigenten werden in Rußland bejubelt. Deutsche Dirigenten, wie Klemperer und Sliedry, erfreuen sich in den Hauptstädten Sowjetrußlands einer Popularität, die sie sich wohl nie hallen rräumen lassen. Gerode deutsche Musik ist ja in Rußland außer- ordentlich beliebt. Richard Strauß gilt in Rußland als der größte lebende deutsche Komponist. Auch Richard Wagner erfreut sich trotz manchen Angriffen der Zensur aiss seine„romantischen und idcalisti- schen Texte" in Rußland großer Beliebtheit. Der Führer der niodernen russischen Musik, der Komponist Feinbcrg, erklärte dem Berichterstatter einer führenden Moskauer Zeitung auf die Frage, wer sein Lieblingskomponsst sei:„Richard Wagners dramatische Musik ist bisher unübertroffen, und Wagner ist zweifellos der letzte große Musiker, den wir gehabt haben. 3)eulfcbcr Oiilerverkehr über Sibirien In Moskau und Berlin haben letzthin Verhandlungen zwischen der Deutschen Reichsbahn und den litauischen, lettischen, estnischen. russischen, ostchinesischen und japanischen Bahnen sowie japanischen und russischen Schiisahrtsunternchmungcn über die Möglichkeit statt- gesunden, den Eijenbahnweg über Sibirien, für den bereits ein direkter Personentoris eingeführt ist, auch für den Güterverkehr nutz- bar zu machen. Der recht bedeutend« Güterverkehr zwischen Deulsch- land und dem Fernen Osten benutzt bisher hauptsächlich den Schiff. sahrtsweg durch den Suezkanal. Da dieser Weg in seiner Eigen. schoft als reiner Seeweg immer erheblich billiger sein wird als der Eisenbahnweg über Sibirien, wird gewiß auch in Zukunft der größte Teil des Güterverkehrs diesem Weg« verbleiben. Der Eisenbahn- weg über Sibirien kann jedoch für den Uebersechandcl trotzdem van Wichtigkeit werden, wenn er eine erhebliche Abkürzung der Be- jörderungszeit bringt. Wie die„Reichsbahn" mitteilt, haben die Derhandlungen gezeigt, daß diese Mäglichkeit durchaus besteht. Di« Sowjetunwu hat sich dereit erklärt, die Besörderunaszeit auf ihr«, Strecken, die den haupssächlichsten Teil des gesamten Beförderungsweges ausmachen, auf 22 bis 30 Tage herabzusetzen. Auf dieser Grundlage ist der Entwurf eines direkten Gütertarifs für 74 der wichtigsten Güter ausgearbeitet worden, der nach Bestätigung durch die beteiligten Verwaltungen in Krait treten wird. Der Tarif sieht zwei Wege vor, einmal den nördlichen Weg über Wladiwostok mit anschließender Schistsbesärderung nach den wichtigste» japanischen Häfen und Eisenbahnstationen, zweitens, den Weg über Mandschurei nach dem ostchinesischen Handelsplatz Eharbin, den wichtigsten südmanisschurischen und koreanischen und weiter über die Häfen Darren oder Fusan nach den wichtigsten japanischen Häfen und Eisenbahnstotionen. Außerdem ist auch eine Verbindung nach den chinesischen Häsen Schanghai, Tientsin und Tsingtau vorgesehen, doch werden diese Verbindungen erst aufgenommen werden können, wenn zwischen der Sowjetunion und China normale Beziehungen bestehe». Es sollen nur die Wege in die Regelung einbezogen werden, für die keine besonderen Durchfuhrgenehmigungen verlangt werden. Das sst der Wunsch der beteiligten Handelskreis«, und auder» kann die neu« Perbindung wohl auch nicht belebt werden.