BERLIN Sonnabend 2. August 1930 10 Pf. Nr. 358 B 12S 41. Jahrgang TrscheinttizlichanßerSosntaz«. Zugleich Abendausgabe dg«.Vorwärt«'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. xroWoche, S,S0M. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSW68�indenstr.s ,i\Jofu>as4b Slnieisenpreit: Die einspaltige Nonpareillezeile Pf., Reklamqeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: DorwärtS-Derlag G. m. b. H., Berlin Nr. 3753«. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Die ffiiefenkundgebung gegen tKrieg und SSürgerblock die von der berliner Sozialdemokratie am Abend des 1. Auguft im Xuflgarlen veranftattet wurde Koch schlägt Harikiri vor. Abe? Scholz sott mitmachen. Vet Führer der bisherigen Demokratischen Partei, Zlbg. koch- Weser, hat an den, Führer der Deutschen Dolkspartei. Scholz. einen Brief gerichtet, in dem er ihm den Vorschlag macht, daß sie sich beide, Dr. Scholz sowohl wie Dr. koch-weser, angesichts der großen Ausgabe, um die es gehe, unter Zurückstellung aller per- sönlichen Gesichbspuntle zurückhalten und von der Füh. rung zurücktreten, um so den weg freizumachen für die Zu- sammensastung der Kräfte der Mitte. Der Brief des Abg. Koch an Schosz hat folgenden Worilaut: In den AeußerunHen aus volksparteilichen Kreisen zur Grün- dung der Deutschen Staatspartei wird nach wie vor die Auffassung vertreten, als hätte dabei die Absicht bestanden, gestrnningsoer- wandte Kräfte der Deutschen Boll spartet auszu- schließen. Diese'Meinung wird ans den Umstand gestützt, daß vor der Gründung der Partei keine Verhandlungen mit sichren. den Mitgliedern der Deutschen Dolkspartei stattgefunden haben. Ich darf dazu erklären, daß ich mich nicht an Sie wenden konnte. weil©ie mehrfach zum Ausdruck gebracht haben, daß Sie eine Der- bindung nach links nur unter der voraussehung des gleichzeitigen Gelingens einer Verbindung noch rechks eingehen wollten und weil Sie bei Ihren eigenen Bestrebungen die voiksnationale Reichs. Vereinigung ausgeschaltet hatten. Bei diesem Stand der Dinge erschien es mir unpassend, an einzelne Persönlichkeiten ihrer Partei heranzutreten, weil ich mir sagen mußt«, daß Sie ohne vor» Kerige Auseinandersetzung mit Ihrer Parteiorganisation solche Eni- scheidungen nicht treffen würden. Ich konnte aber auch mit der Durchführung meines Entschlusses zur Einigung der dafür bereiten Kräfte nicht warten. Denn die Zeit drängte, und es bestand nach den mannigfachen Ersahrungen der letzten Jahre die Gefahr, daß der Gedanke einer großen Staats- parte! erneut in denselben langwierigen Verhandlungen deraltenParteien ersticken würde. Darum habe ich mit den dazu bereiten Kräften gehandelt, ein Vorgehen, bei dem ich. wie ich voraussehen mußle. auch im eigenen Lager manche Verstimmung erregt habe. Die Deutsche Staatspartei und ich persönlich haben ober alsbald nach der Gründung in mehrfachen Erklärungen bekanntgegeben, daß die Türen der neuen Partei weit offen stehen und Mitglieder aus ollen gesinnungsoerwandten Kreisen gleichberechtigt «n der Bestimmung der Führerschaft und der parlamentarischen Ar- beit beteiligt sein werden, wenn sie sich zum Anschluß entschließen. Ich wiederhole dieses Angebot. Damit komm« ich zu dem sachlichen Grunde meines Schreibens: Das deutsche Volk will angesichts der Schwere der bevorstehen- den Entscheidungen die Verbindung gcsinnungsver'. wondtcr Kreise zu einer, deutschen Stoatsportei. Das zeigt uns dos starke und ermutigend� Echo, das unsere Gründung überall gefunden hat, übrigens auch in Kreisen rechts von der Deutschen Voltspartei, und in Kreisen, die in der parteiofsiziellen Press« bis jetzt nicht zu Worte kommen. Der Kampf um eine handlungs- fähige Mehrheit im neuen Reichstag verlangt geschlossenes Vorgehen großer Gruppen. Ich würde es für ein nationalpolitisches Unglück halten, wenn in diesem Wahlkamps unsere Parteien sich in einem kleinlichen Zank gegenüberstehen und vlelleichl sogar erörtern würden, wer am Scheitern der Einigung schuld ist. Weste Kreise der Wählerschaft wollen keine Erörterung der Schuldsroge, sondern eine Einigung. Ich möchte aus das ein- dringlichste daraus hinweisen, daß die deutsche Zukunft schwer ge- fährdet ist, wenn die heute bestehende Gelegenheit zu einer Einigung verpaßt wird. Angesichts dieser großen Verantwortung dürfen persönliche Fragen und taktisch« Meinungsverschiedenheiten keine Rolle spielen, wenn meine Person im weg« steht, weil ich die Art der Gründung der neuen Partei zu verantworten habe, so bi« ich bereit, den Weg freizumachen. Ich schlage Ihnen vor, daß zur Ausschaltung aller hemmenden Empsindungen und Emvsindlichkeiten hüben und drüben wir beide uns von der Führung der neuen Partei zurückhallen und sie anderen Kräften überlassen. Ich mache diesen Bor- schlag in der Gewißheit, daß bei dem Nebeneinander der beiden Parteien weder Dämpfungsversuche des Wahlkampfez, noch gemein- some Aufrufe und ähnliche kleine Mittel sruchtlosen politischen Zont verhindern werden, sondern nur ein entschlossener Wille zu völliger Reugestalttung unter weitgehender Heranziehung neuer und junger Kräfte. In der Hoffnung, daß Sie angesichts dessen, was auf dem Spiel« steht, di« parteipolitische Lage nochmals prüfen werden, bin ich in alter Verehrung Ihr Koch-Weser. Artikel 45 in Bayern. München. 2. August.(Eigenbericht.) wie nach den Androhungen des bayerischen Zinanzministers Im Bayerischen Landtag erwartet werden muhte, hat die Regierung nunmehr die vom Landtag abgelehnte Schlacht st euer auf dem verfassungswidrigen Umweg über den 8«4 der bayerischen versassuagsurkunde mit Wirkung ab IS. August in Kraft gesetzt. Der voraussichtliche Erlrag dieser Steuer bezissert sich für das lausende Rechnungsjahr auf nicht einmal 10 Millionen Mark. so daß von einer Abgleichung des Haushalts keine Rede sein kann und der behauptete Rot st and des Staates in wirklich. keil also nicht behoben ist. welche Schrille die Mehrheit des Landtages, die die Schlachtsteuer ablehnte, gegen das Vorgcly'n der Regierung unternehmen wird, bleibt abzuwarten. Böse Beispiele verderben die besten Sitten, sogar in Bayern. Nachdem die Bürgerblockregierung Brüning das vom Reichstag aufgehobene Steuerbukett durch zweite Ausnohmeverordnun r trotzdem als„in Kraft gesetzt" erklärte, muß Bayern diesem Beispiel folgen und eine ausdrücklich abgelehnte neue � Steuer durch die Notstandsbestimmung der Verfassung trotzdem einführen. Die fällige Lüge. Die von der Zirma Siemens„geschenkten" Lautsprecher. Vom sozialdemokratischen Bezirksvorstand wird uns gee schrieben: Angesichts des großartigen Besuchs und Verlaufs der sozial-- demokratischen Demonstration im Lustgarten wagt die„Rote Fahne'' diesmal nicht, ihren Lesern die üblichen Lügen über den angeblich««! schlechten Besuch usw. aufzutischen. Ihre geistvollen Beobachtungen, wonach die sozialdemokraiischen Züge„geschlichen" seien, während die Kommunisten egalemang mit herausgedrückter Heldenbrust ün Paradeschritt exerzierten, nehmen wir nicht tragisch. Aber damit die Verleumdung, schon zur süßen Gewohnheit geworden, doch nicht gänzlich fehle, sticht die„Rote Fahne" in ihre Schilderung folgende Infamie ein: „Die Antikriegskundgebung begann mit Darbietungen des Sängerbundes, die aus vorzüglichen Lautsprechern, die die Firma Siemens der SPD. kostenlos überließ, übertragen wurden." Damit soll der Anschein erweckt werden, daß sich die Sozial« demokratische Partei ausgerechnet von der Schzrftyachersirma, die zur Zeit mit am heftigsten den Abbau betreibt, etwas hätte schenke» lassen. wie jederzeit durch Urkunden nachgewiesen werden kann, waren die bei unserer Demonstration benutzten Siemens-Lautsprecher von der Firma hübner u. Zirker für den Preis von 700 (siebenhunderl) Mark gemietet. Im übrigen begreifen wir den Schmerz der„Roten Fahne" wegen der Lautsprecher. Im Lustgarten waren Lautsprecher nötig, um zu der unübersehbaren Menge reden zu können. während auf dem Winterfeldtplatz die üblichen kommunistischen Schreihälse ausreichten. Dabei wollen wir aber anerkennen, daß die Kraft dieser Matador« weit mehr in Kehle und Brustkasten als im Gehirn liegt. „Durchaus verständlich." Das Urteil gegen Cuvelier als Hohmteil bestätigt. Um den Geist des Urteils gegen den französischen Wasierjportler Ui begreifen, braucht man nur einen Blick in die Kommentare der Rechtspresse zu werfen. Die„Deutsche Zeitung" schreibt über die Ausjage der Zeugin Hösel: „Richtig sei, daß dir Menschenmenge, unter denen sich auch mehrere National sozio listen befunden Hütten, van Anfang an eine drohende Haltung eingenommen hätte. Es feien auch Schimpsworte gegen die Franzosen gefallen" Dazu bemerkt aus eigenem das alldeutsche Blatt: „Das ist eigentlich durchaus verständlich." Wem es durchaus verständlich ist, für den ist es natürlich auch selbstverständlich, daß der Franzose für die Pöbeleien der Nationalsozialisten bestraft werden mußte. Das Urteil gegen Euoelier ist genau so gerecht und atmet genau denselben Geist wie jenes Urteil gegen den Juden, das Adalbert von Chamifso in einer seiner Balladen verspottet: Dem Juden wird ein Stein an den Kopf geworfen, er zieht den Kops weg und der Stein fliegt in ein« Fensterscheibe. D«r Jude hat die Scheibe zu bezahlen, denn hatte er den Kopf nicht weggezogen, so wäre nur dieser und nicht die Scheibe in Trümmer gegangen. Muß man noch besonders hervorhebe», daß die gesamte Rechts- presse die Spitzeltätigkeit des nationalsozialistischen Justlzsekretärs h a u ck während der BerhanWung mannhaft totschweigt?! Dafür liefert der.Lokal-Anzeiger" ein anderes Glanzstück forensischer Berichterstattung. Seinen genau 14 Zeilen umsalsenden Bericht in der Sonnabendmorgenausgabe schließt er mit folgender Infamie: „Trotz seiner vielen früheren Beteuelungen seiner Um'chuld hat Cuvelier das Urteil merkwürdigerweiie ruhig an- genommen, was als stillschweigendes Geständnis augesehen werden tanu." Das„stillschweigende Geständnis" beruht darin, daß Euveliers Verteidiger Revision angemeldet Hai. Aber selbst, wenn dies nicht geschehen wäre, so könnte darin keinerlei Geständnis erblickt werden, da bekanntermaßen die„tatsächlichen Feststellungen" des Berufungsurteils, also der Tatbestand, aui den es gerade hier an- kommt, der Nachprüfung durch das Revisionsgericht nicht unter- liegen! Schweres Explosionsunglück. Beim Ausprobieren von Gasschutzmasken.— Zwei Arbeiter getötet. Köln, 2. August. wie erst jetzt bekannt wird, ereignete sich aus der A.'G. für Stickstoffdünger in Knapsack am Mittwoch ein schweres E x p l o> sivasuagläck. In einem Räume war man mit dem Aus- probieren von Schuhmasten beschäftigt, als plötzlich beim Entzünden einer Gaspatrone die Explosion erfolgte, die sofort den ganzen Raum in Flammen setzte. Fünf Personen erlitten schwere Brandwunden und mußten nach Köln ins Krankenhaus übergeführt werden, wo inzwischen zwei gestorben find, während die drei anderen sich in Lebensgefahr bcsindcn. lieber die Sntslehungsurfoche konnte noch nichts in Erfahrung gebrocht werden. Die Untersuchung ist eingeleitet. Brennende Zigarette als Llrsache? Ueber das Unglück wird noch solgendez bekannt: In der Nacht zum Mittwoch waren einige Arbeiter der Gesellischaft damit beschäftigt, in dem dafür eingerichteten Raum ihre voin Werk an alle Arbeiter ausgegebenen Schutzgasmasken auf ihre Dichte hin zu er- proben. Die Arbeiter waren unter Führung eines Feuerwehrmannes in den Raum hineingegangen, hatten die Gasmasken angelegt und warteten auf das Anstecken der Patrone, die ein Reizgas, das auf die Augenschleimhäute wirkt, enthielt. K�um hatte der Feuerwehrmann die Gaspatrone entzündet, als eine succhtbare Explosion entstand, die den ganzen Raum in Flammen hüllte. Der Feuerwehrniann riß die Tür aus und gab ein Zeichen, daß man > sich draußen hinlegen und aus der Erde wälzen sollte, um den Branö der Kleider zu löschen. Die Arbeiter folgten aber dem Beispiele des Feuerwehrmannes nicht und rannten mit brennen- den Kleidern ins Freie.. Ein Arbeiter ist z. B. fast AN Meter weit gelaufen. Im Krantenhause gab er an, Vr hätte einen nahen Wasserbehälter erreichen wollen, um sich dort hineinzustürzen. Ueber die Entstehungsursache läßt sich noch nichts Genaues sogen, da die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind. Man vermutet, daß in dem neben dem Prüsraum gelegenen Abort vor der Prüfung geraucht worden ist. Demnach könnten die Reizgase durch die Türritzcn in den Abort eingedrungen sein und sich dort an einer noch glimmenden Zigarette entzündet haben. Nie Neuischen auf Island gelandet. Hirth und Weller wohlauf.— Mehrere Tage Aufenthalt. Kopenhagen, 2. August. Die deutschen Flieger H i r t h und W« l l e r, die um 16,10 Uhr in chornarsjord gesichtet wurden, sind um 10,30 Uhr bei Kala- darnäs an der Südküste von Island gelandet. Es ist dies der Ort, wohin die Reykjaviker Flugexpedition gegangen war, um die Landung vorzubereite». Die Flieger befinden sich wohlauf. Das Weiter ist auf der Ileberfahrt einigermaßen gut gewesen. Nördlich von den Faröer Inseln haben sie Nebel angetroffen. Während des Fluges wurde der Höhenmesser unbrauchbar, was dos Fliegen sehr erschwerte. Die Flieger werden im Lause der Nacht in Reykjavik ankommen, wo sie �ohue Zweifel mehrere Tage verbleiben werden. Siebeniausend Menschen obdachlos. Wdlttnbrülhk verursachen Biefenübersthwemmungen in Japan London, 2. August. In Fushimi bei Kioio sind nach Meldungen aus Tokio 2000 Gebäude durch wolkenbruchartige Regenfälle unter Master gssetzt worden. 7000 Einwohner sind obdachlos geworden. Mehrere Quadratkilometer Reisfelder sind ülwschwemmt. An verschiedenen Stellen haben sich L a n d r u t s ch c ereignet, wobei .nehme Personen getötet wurden. Truppen sind zur Hilfeleistung ausgeboten worden. Die Drosselung des Verkehrs. In anderen Stadien ist der Rückgang weit stärker als in Berlin. Die Meldungea über den Rückgang im Berliner Rah. verkehr lasten es angezeigt erscheinen, einen vergleich mit der entsprechenden Entwicklung anderer deutscher Großslödke zu ziehen. Es liegen über die ersten fünf Monate Januar bis Mai die Verkehrszahlen aus den Städten Breslau, München, Dresden, Düsseldors, Frankfurt a. M. Hamburg. Köln und L e i p- z i g vor. wie bei den Verkehrszahlen, die die BVG. verössentlicht, werden auch hier die Ergebniste der einzelnen Monake mit den entsprechenden Zahlen des Vorjahres verglichen. Dabei ergibt sich für die einzelnen Städte folgender Verkehrsrückgang gegenüber dem Vorjahr: In B es lau beträgt der Rückgang in Prozentsätzen: Im Januar 2,40 Proz., im Februar 0,26 Proz., im März 2,S8 Proz., im April 1,81 Proz., im Mai 4,43 Proz. In München beträgt der Rückgang: Im Januar 0,54 Pro;., iin Februar 1.30 Proz„ im März 2,05 Proz., im April ist eine Zu- nahm« von 4,38 Proz. zu verzeichnen, im Mai wieder ein Rück- gang von 0,71 Proz. Diese beiden Städte sind die einzigen, in denen der Verkehrs- rückgang sich in bescheidenen Grenzen hält. Ganz anders ist dagegen das Bild in den anderen Städten: In Dresden beträgt der Rückgang gegenüber dem Borjahr in Prozentsätzen: 3,06 Proz. im Januar, 3,08 Proz. im Februar, S,34 Proz. im März, 5,03 Proz. im April, 13.25 Proz. im Mai. In Düsseldorf sind die Zahlen für den Monat Januar Rückgang 7,78 Proz., im Februar 8,24 Proz., im März 13,39 Proz., im April 11,04 Proz., im Mai 11,02 Proz. Sehr vi et höher ist der Rückganz in Frankfurt a. M. und in L e i p z i g. Er beträgt in Prozenizahlen in Frankfurt a. M.: Januar 9,23 Proz., Februar 7,08 Pro;., März 13,54 Proz., April 18,57 Proz., Mai 21,41 Proz. 0) In Leipzig beträgt der Rückgang im Januar 40,19 Proz., im Februar 21,61 Proz.. im März 42,29 Proz., im April 29,39 Proz. und im Mai 34,76 Proz.(1). Leipzig ist die Stadt mit dem prozentual größten Verkehrsrückgang. Bei der Bewertung des im Februar geringeren Bevkehrsrückganges ist zu berücksichtigen, daß im Berglei chsmonat des Borsohres ein sechstägiger Streik war, der den wirklichen Rückgang nicht voll in Erscheinung treten läßt. Schwächer ist der Rückgang i» Köln und Düsseldors. In Köln beträgt er für den Munal Januar 8,11 Proz., für den Februar 3,01 Proz., März 6,3 Proz. Im April ist eine geringer« Zunahme um 0,82 Proz.. im Mai wieder ein Rückgang um 5,79 Proz. Für Düsseldorf stiegen die Bergleichszahlen des Rückgangs von 7,78 Proz. im Januar auf 13,39 Proz. im März bzw. 11,02 Proz. für den Mai. In Hamburg ist der Rückgang des Verkehrs ebenfalls zu b«° obachten. Er betrug im Januar 1,68 Proz., im Februar 1,14 Proz., im Mörz 4,16, im April 4,52 Proz., im Mai 9,46 Proz. Der Verkehrsrückgang, der in den einzelnen Städten direkt katastrophale Dimensionen angenommen hat, ist also eins ganz allgemeine Erscheinung des Verkehrs aller deutschen Groß- siädte und er geht, wie die Berkehrszahlen von Frankfurt a. Main und Leipzig zeigen, an vielen Orten noch um ein vielfaches weiter als in Berlin. Bei diesen Vergleichszahlen sind sämtliche Verkehrs- mittel der betreffenden Städte erfaßt. So insbesondere auch in Hamburg nicht nur der Verkehr der Hamburger Hochbahn A.-G., die ihrer Struktur nach der Berliner BZiG. entspricht, sondern auch der Stadt- und Vorortverkehr. Für die Hochbahn A.-G. allein ist in Hainburg der Rückgang erheblich größer, denn auch in Hamburg ist eine Abwanderung zum Stadl- und Vorortverkehr zu beobachten. Die Zunahme des Stadt- und Vorortverkehrs in Hamburg beträgt in Prozentsätzen: Januar 13,31 Prvz., im Februar 18,99 Proz., im März 17,89 Proz., im April 12,54 Proz. und sinkt erst NN Mai auf 0,15 Proz. Vergleicht man die obigen Zahlen dieser Großstädte mit den entsprechenden Vergleichszahlen von Berlin, so ergibt sich für Ber- lin, daß hier der Verkehrsrückgang nicht unwesentlich geringer ist. Er betrug für den gesamten Berliner Verkehr in Prozentsätzen: Im Januar 1,38 Proz., im Februar 1,46 Proz., März 3,99 Proz., April 9,01 Proz., Mai 10,60 und im Juni 10,78 Proz. Zn der Entwicklang dieser Zahlen kommt deutlich wie auch in den anderen Städten die Auswirkung der dauernd steigenden Erwerbslosigkeit und der allgemeinen Wirtschaftsdepression zum Ausdruck, wenngleich Berlin von den Auswirkungen noch nicht so stark betrofsen wird wie die meisten anderen Städte. Der möblierte Herr Zur Einführung der Iunggefellenfieuet „Einen Augenblick, Herr Steuereinnehmer! Vielleicht heiratet er mich doch noch! Vom Haß verblendet. Sie lassen ilßjährigen Jungen ertrinken. wie weit die Verhetzung der kommunistischen Sportler den Bundestreuen gegenüber gediehen ist. geht aus folgendem empören- dem Vorfall hervor. Im Sommervad des k o»n in u n i st i s ch e n Schwiimnvereins „Vorwärts" ertrank am 31. Juli 1930, gegen 18 Uhr, wie bereits im „Vorwärts" berichtet, beim Ballspiel im Wasser das 16jährige Mit- glied Walter Nickel. Dieser Unglücksfall ist um so tragischer, da zu dieser Zeft im Sommerbad des„Vorwärts" t e i n e.Bcaussichti- gung der Badenden vorhanden war. Erst durch Zuruf von außen her wurden die Mitglieder des„Vorwärts" auf den Unglücksfall aufmerksam, die dann mit absolut unzulänglichen Mitteln versuchten, den Beruiiglückten zu retten. Tauchversuch« einiger Mit- glieder waren ergebnislos. Trotzdem unterließ man es, sofort Signalalarm zu geben, wie es bei Ungtückssällen immer üblich ist, so daß die auf den Nachbargrundstücken beffndlichen Schwimmoer- eine, vor allem aber die Freien Schwimmer Groh-Ber- l«insam mit Karl I ö k e n ein witziges Manuskript zu verfassen, aber es gelingt ihnen nicht oder wenigstens nur hin und wieder. Episode reiht sich an Episode, und das verknüpfende Band ist an vielen Stellen durchgescheuert. Drei Leute gründen«ine Toistilm- gesellschost und innerhalb dieses Rahmens erleben sie allerlei. Also Film im Film mit parodistscher Tendenz. Aber die Parodie ist lahm, weil sie zu stark abgenutzt worden ist im Lause der langen Filmentwicklung. Es gibt so gut wie keine neuen Momente. Ehr- würdige Witze werden auf Hochglanz gebügelt und wirken nur noch durch die Begabung ihrer Interpreten. Hansen und Morgan waren selten so saszinierend wie in diesem „Kabinett des Dr. Larifari". Der Film lebt überhaupt nur von ihren Improvisationen, die aus dem rein Schauspielerischen kommen. Aber die spielerischen Improvisationen mit Gesangseinlagen machen noch keinen Film. Das Problem des Filmmairuskripts wächst sich durch den Tonfilm zu einer Katastrophe aus. Es ist absolut notwendig, daß endlich einmal ein gutes Tonfilmmanuskript geschaffen wird, damit das Interesse für die Filmkunst nicht unter den Gefrier- punkt sinkt.?. Sek. „Ein Tango für dich." llniversum. Eine Tonfilmoperette— dos bedeutet eine belanglos«, mit alten Witzen gewürzte Handlung, die als Borwond um Musik, Gesang, Gespräche, Geräusche herumgelegt ist nach dem schlecht?!, Beispiel des amerikanischen Revuesilms. Es lohnt sich nicht, diese „Handlung" zu erzählen, die zwischen einem Mädchenpensionat und einem Amüfierlvkal hin und her pendelt und sich nicht scheut, von dem ältesten Possentrick der Personenverwechflung Gebrauch zu machen. Der altgewohnte bürgerliche Amüsierbetrieb wird wieder einmal verherrlicht, dazwischen sind„gefühlvolle" Szenen«ingelegt, die an das„blonde Kind vom Rhein" erinnern. Keusche Mädchen- liebe mitten im Sex-Appeal. In der Gesinnung sind die Hollywooder Tonfilme kaum er- freuiicher— aber sie sind sehr viel besser gemacht. Sie zäumen nicht das Pferd am Schwanz« auf, indem sie das Bild um des Tones willen vernachlässigen. Man ist nicht nur in der Idee reaktiv- n ä r, sondern auch in der Form: man bildet sich allen Ernstes ein, die überlebte Operette und Revue feien durch den Tonfilm zu neuem Leben zu erwecken. Ms Darsteller werden bemüht Paul Otto, der nur gut aus» zuschen hat, und Willi Forst, der vergeblich Max Hansen zu kopieren versucht. Fee Malten ist blond und unschuldig und Ann« G o e rli N g dick und widerwärtig. Sie können nicht ander.-. Die Tonwiedergabe ist besser als die oft sehr verschwommene Photo. graphie. Die Bilder leiden zudem an Wiederholungen und sind schlecht geschnitten.- kl. kl. Nordafien-Ausstellung. Die Ausstellung„Kunst und Kultur von Nordosten" im Völkerkundemuseum in Berlin versucht zum ersten Mal«, Nordasieu nicht als Einheit darzustellen, wie üblich, sondern scharf die vorhandenen Kulturindividualitäten von einander zu trennen, auf Grund der verschiedenartigen Kunstauffasiung?n, die man in Nordasien unterscheiden kann. Als Ergebnis von Studien über die Erscheinungsformen der Kunst, hauptsächlich die Ornamentik, kam Dr. Hans Findeisen zur Aufstellung von acht nordosiatischen Kunst. kreisen, die im Westen bis nach Europa herüberreichen(Lappen) und im Osten auch die nordamerikanischen Eskimos eirtschließen (»ordostfibirisch�skimoischer Kunstkreis). Die Ausstellung zeigt charakteristische Proben aus allen Kunstkreisen, so dem westsibirischen Kreis und seinen beiden Untergruppen, dem nntteisibirischcn (Jemssejer und Ostjaksamojeden), dem tu ngusisch-dol ganischen usw. Las Kunstempfmden der norda statischen Völkerstämme zeigt sich be- sonders deutlich in der Ornamentierung von Kleidern, Taschen und Hausgeräten, und die aus den sibirischen Beständen der Asiatischen Sammlung ausgewählten Kamnllungen zeigen den hohen tünst- lerischcn Geschmack und das technische Können jener meist in Eis und Schnee lebenden Böllerstämm«, ihre Farben- und Formenfreude, die sich hauptsächlich an Knochen, Holz, Fell und Leder ausleben. Die geschmackvollen Metallarbeiten der Jakuten, Burjaten und Man- golen, ziseliert oder in Flligrantechnif, runden das Bild der nord- asiatischen Kunstbetätigung ab. Karten und Bilder erläutern dos Museumsmaterial. Schauspieler-Elend in Frankreich. Allgemein ist die Meinung vorherrschend, daß es in Frankreich ksin« Arbeitslosen gibt. Wie indessen jetzt der Jahresbericht bcs Syndikats der Schauspieler mitteilt, machen nur die Schauspieler und Musiker davon eine Ausnahme. Von annähernd 9000 eingeschriebenen Schauspielern sind in der vergangenen toaison üb-r 6000 ohne Arbeit gewesen. Recht schlimm sieht es auch für Crie Musiker aus, die natürlich unter der Tonfilmkonturrenz leiden Die Umfrage eines Pariser Blattes hat die aufsehenerregende Fest- stellung gemacht, daß von 20 in den letzten beiden Iahren mit einem Preis ausgezeichneten Musikern 16 ohne Anstellung geblieben sind. Der Golfstrom zieht nach Westen. Sir Arthur Rostron. der Kapitän der Berengaria, der seit vierzig Iahren die Bewegungen des Golsstrvnis beobachtet, hat auf seiner soeben beendeten Aus- fahrt von So-uthampton nach New Bork eine neue entschiedene Ab- weichung nach Westen festgestellt. Er ist diesmal nah« dem Nantucket- Untiefen-Leuchiffchisf, innerhalb der 200-Meilen-Aone von New Bock, aus den Golfstrom gestoßen, der westlichsten Stelle, an der er ihn jemals beobachtet hat. Sollte diese Wanderung nach Westen fort- dauern, so prophezeit Rostron New Bork in Zukunit ein halb- tropisches Klima, wie es heute die Bermuda-Inseln aufweisen, und Long Island wird sich im schönsten Paimenschmuck präsentieren. Er glaubt auch, das Nebelwetter, das in den letzten Jahren die Ost- tüste Amerikas beherrscht, dieser Annäherung des Golfstroms zu- schreiben zu müssen.„Wir befanden uns wenige Meilen nördlich des Nanwcket-Leuchtfchcffes," so erzählt er,„als ich entdeckte, dost wir im Golfstrom fuhren. Die Temperickur des Wassers betrug 21 Grad Celsius und die Atmosphäre war sehr warm und feucht." l>ie Volksbühne bat ein kleines Heft berauSgebraibt, daS ihr Programm für das Spieljahr lSZOjZl entbilt. Die Mitglieder erhallen im kommenden Spieljahr Vorstellungen deZ Theater» am Bülowplatz, der Oper am Vlah der Republik, des Theaters am Schiffbauerdamm und des Staatlichen Schillertbcalers. Außerdem wird die BollSbühne wieder zahlreiche Konzerte, Tanzvorsührungen und Vortragsabend« veranftallen. Die Beitritt«. bedfngungen und die BorstellungsbellrSge bleiben wie bisher. Da» Pro- grammhest ist in allen Zahlstellen erhältlich und wird auch unentgeltlich durch die HauptgeschSitsftille. Berlin C25, Slnlenftr. 227(Femanruf DI Norden 2914) zugestellt. Die„JrtU Lu-stjchau» im„Haus d-rSurhfrelen" am Platz der Siepubll 4 'st n« 14 Tag» verlanger» worden., Wüste Agrardemagogie. Ein preußischer Neamier fordert Hindenburg zum Verfassungsbruch auf. Die Osthilfe war einst im Reichstag«in politisches Handeks» objekt, sie ist jetzt ein Objekt wüstester Wahldemagogie geworden. Der deutschnationole Landtagsabgeordnete und staatliche Forstmeister G i« s« l e r hat an den Reichspräsidenten einen Brief geschrieben, •in dem es heißt: „Zu de rs ebben Zeck, wo Sie, Herr Reichspräsident, bemüht sind, die ostpreußischc Landwirtschaft in ihrer schrecklichen Rot »or dem völligen Untergange zu bewahren, da fahren täglich Lastautos mit zahlreichen bewaffneten Schupo- b e a m t e n durch unsere Provinz, um die von Geldver- l e i h e r n veranlaßten Zwangsversteigerungen von bäuerlichen Besitzungen zur Durchführung zu bringen. Dieses schlägt Ihren Bestrebungen offen ins Gesicht. Die Verzweiflung der Bauern ist infolgedessen auf ihrem Höhepunkt angelangt. Ge- wohnt, vom frühen Morgen bis zur Nacht zu arbeiten, haben die Bauern geduldig die Lasten des Krieges und der Nachkriegszeit getragen. Jetzt sind sie am Ende. Ein grausames Geschick hat sie trotz allen Fleißes den Geldverleihern in die Anne getrieben, die jetzt die Schlinge zuziehen. Zahlreiche Bauern haben bereits mit dem weißen Stock den Hof ihrer Väter oerlassen müssen, und taufenden steht das Schicksal noch bevor. Größtes Elend ist ihr Los. Als verantwortungsbewußter Landtagsabgeordneter wende ich mich daher an Sie, Herr Reichspräsident, mit der Bitte, diesen: Treiben sofort Einhalt zu gebieten, da im anderen Falle schwerste Erschütterungen politischer Natur unoermeid- lich erscheinen. Sie, Herr Reichspräsident, haben heute die Macht dazu in der Hand aufGrunddes Artikels 48 der Ber- i a s f u n g. Ich bitte Sie daher, Herr Reichspräsident, von dieser Macht Gebrauch zu machen und eine Notverordnung zu crlasien in der Richtung, daß die i n I nst e r b u r g g e f a nge n- gesetzten Bauern, welche alle ausgezeichnete Menschen, gute Deutsche und alte Frontkämpfer sind, in Freiheit gesetzt werden und daß ein Moratorrum von zunächst einem Jahr für Ostpreußen eingeführt wird, damit diesen entsetzlichen Zwangsversteigerungen dadurch ein Ende bereitet wird." Der Forstmeister Giesel er, der als Völkischer zu der deutsch- nationalen Landtagsfraktion übergetreten ist, ist staatlicher Beamter. Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß ein Beamter den Reichspräfi- denken zu einer verfassungswidrigen Handlung, nämlich zum Ein- griff in die preußische Justizverwaltung auf Grund des Artikels 4« auffordert! � Herr Gieseler ist von dem Reichsernahrungsminister Schiele einer Antwort gewürdigt worden. Die Antwort weist auf die Notverordnung über den Bollstreckungsschutz hin, sie wiederholt das Bedauern der Regierung, daß durch die Auflösung des Reichs- tags weiter« Osthilfemaßnahmen oerhindert worden seien. Der Brief Sieselers ist zur Wahlagitation bestimmt— aber die Antwort Schiel es ebenso!>. Wie steht es nun aber in Wirklichkeit um die von Gieseler be- houptetcn Dinge? Es ist richtig, daß bei Zwangsversteigerungsterminen die Schutzpolizei wiederholt zugezogen werden mußte. Es kam in einem Falle bei einem solchen Termin vor, daß ein Rechtsanwalt aufs schwerste bedroht wurde. Die randalierenden Bauern zerrisien ihm im Amtslokal die Kleider und leerten ihm ein Tintenfaß über den Rock. In einem anderen Fall« erlitt ein Polizeibeamter empfindliche Verletzungen. In der Hintertreibung der Zwangsversteige- rungen liegt System. Trotz dringender Erntearbeiten rotten sich die Bauern der Umgegend, häufig unter Führung von Großgrund- besitzern, zusammen, um in einer Stärke von 80 bis 300 Mann dem Zwangsversteigerungstermin beizuwohnen. Wiederholl sind Beeinflussungen von Bietelustigen vorgekommen, und e, wurde auch erreicht, sie vom Bieten obzuhallen. Dieses Vorgehen ist strafbar, und es muß zur Bestrafung geschritten werden, wenn nian nicht di« staatliche Ordnung durch Rebellen außer Kraft setzen lasten will. Di« Sache hat aber auch noch ekne andere Selle» und da» P diejenige des Kredits der Provinz. In den Augen der- jenigen Gläubiger, die ihr Geld in gutem Glauben ausgeliehen haben, bedeutet diese Unterbindung des Rechtsganges«ine schwere Gefährdung. Alle Bemühungen, für Ostpreußen Kredit zu bekam- men, bleiben erfolglos, wenn die Gläubiger riskieren, durch einen derartigen Akt der Erpressung um ihre berechtigten Forderungen zu kommen. Im übrigen dürfte es immerhin interessant sein, daß bei der Mehrzahl aller vorkommenden Zwangsversteigerungen die Ost- preußische Landschaft mitbeteiligt oder betrei- bender Gläubiger ist. Da die Leitung dieses Instituts in der Hand des Herrn von Hippel liegt, so ist kaum anzunehmen, daß es sich hier um«inen Ausdruck der so oft zitierten marxisttschen Bauernfeindlichkeit handelt! Herr von Hippel muß eben sein Geld auch wieder hereinbekommen, das er von anderen Leuten gepumpt hat. Im übrigen ist der Staat mit seinen Umschuldungshypotheken häufig der Leidtragende, und die Bersteigerung bedeutet nichts anderes als einen Akkord, bei dem allerdings der an erster Stelle stehende Hypothekengläubiger keinen Psennig verliert, alle anderen Gläubiger dagegen alles. Allein in den letzten zwei Wochen ist bei fünf Gütern und Bauernhöfen eine derartige Familiew sanierung durchgeführt worden! Wie sich Herr Gieseler die Auswirkungen denkt, wenn«r an den Reichspräsidenten die Bitte richtet, dem Rechtsgang in der preu- ßischen Justizverwaltung in den Arm zu fallen, ist nicht zu übersehen. Das Ganze ist eine im hoch st en Grade geistlose Wohlde magogi«: denn die vier Verhasteten sind nicht ohne stichhaltigen Grund bis heute vom Untersuchungsrichter festgehalten morden. Die Zwangsversteigerungen, die jetzt fällig werden, hätten zum Besten der ostpreußischen Landwirffchast und des ostpreußischen Realkredits schon vor zwei und drei Iahren kommen müssen. Sie sind aber aufgehalten worden durch di« verschiedenen Altionen, wie die Patenschaften der Kreissparkassen, die auf den Ankauf von Landschaftspfandbriefen zielten, und auch durch die Steuerswndungen und die Umschuldungsaktionen. Diejenigen Fälle sind an den Fi»- gern abzuzählen, in denen Landwirte unverschuldet zum Bankerott kamen. Nur wenige Fälle halten einer eingehenden Prüfung stand. Die meisten haben als Betriebsleiter so große Dummheiten aller Art gemacht, daß man sich staunend an den Kopf faßt. Das ist de? sachliche Hintergrund dieser Wahldemagogie! Im Flugzeug verbrannt. Militärflugzeug stürzt als brennende Fackel vom Himmel.- Zwei Tote. Paris. 2. August.(TU.) Gegen 6 Ahr abends überflog ein Militärflugzeug Monl. pellier in großer höhe, als die Bewohner zu Ihrem Schrecken plötzlich bemerkten, wie die Maschine als brennende Fackel vom Himmel herabstürzte. Da» Flugzeug, ein Doppeldecker, stürzte auf da» Grundstück einer außerhalb der Stadl gelegenen Besitzung� wo Laad arbeiter sofort zur Hilfeleistung herbeleilkeu. E» war ihnen jedoch unmöglich, sich der in hellen Flammen steheudea Maschine zu nähern. Als es endlich gelang, das Feuer zu löschen, konnte man au« den Trümmern nur noch die Leichen der beiden Insassen bergen. Wetter für Berlin. Noch rascher Erwärmung wieder Be- wölkungsgunohm« und Gewittersteigung, südlich«, spater südwest- liche Winde.— Für Deutschland. Im Westen wolkig, vielfach Ge- witterregen, warm, auch im übrigon von West nach Ost fort- schreitende Gewittertätigkeit., drängten fleh am Freitag abend auf dem netten Plalx vor dem SSerliner Schlöffe am JCuftgarlen, wo die SSerlinerSoxialdemokraHe mit einer Kundgebung mur Erinnerung an den Ausbruch des Weltkriegs den Wahlkampf einleitete Wnüberfehhare Hilenfchenmalfen 900-Lahr- Feier in Norwegen. Von Or. Adrian Mohr. Für das„norröne" Skandinavien, d. h. für Norwegen und Usland, ist 1930 ein Jubeljahr. Nach Islands Tausendjahrfeier be- geht Norwegen in Drontheim ein 9(K1-Jahr-Fest in Erinnerung an seinen gröstten König, Olaf HaroldsföNn, nachmals heilig- gesprochen, der am 29. Juli 930 unweit Drontheim im Kampfe für staatliche Unabhängigkeit fiel. Olafs Beiname„der Heilige" läßt unschwer erraten, daß sein Träger sich um die Ausbreitung des Christentums oerdient machte. Bor ihm hatte schon König Olas Tryggoessönnes eingeführt, indem er von Süd-Norwegen die ganz« Küste hinauf bis nach Finmorken(Lappland) zog. Doch die von ihm erzwungenen Bekehrungen waren durchaus äußerlicher Natur: Sturz der Heidengötter und Massentaufe. Innerliche, seelische Umwandlung der Heiden zu Christen vernachlässigte er. Dies holte erst Olaf der Heilige nach, der tö Jahre nach dem älteren Olaf König wurde (I9tS). In seiner Jugend hat sicherlich keiner den künftigen „Heiligen" in ihm gesehen: trieb er es doch arg auf zahlreichen Bikingerzllgen in der Ostfee, nach England und nach Frankreich. Doch in Frankreich wandelte sich sein Sinn, und er ließ sich in Rouen taufen. Heimgekehrt und König geworden, nahm er sich der Befestigung und Vertiefung des neuen Glaubens klug und totkräftig an. Er baute nicht nur zahlreich« Kirchen, sondern leistete auch als erster wirkliche kirchliche Organisotionsarbeit, indem er christliche Lehrer«infetzte und ein norwegisches Kirchenrecht schuf. Innen- politisch wandelt« er auf den Pfaden Haralds des„Schönhaarigen": Zentralisierung der Staatsgewalt im Königtum. Außenpolitisch oer- focht er Norwegens staatliche Selbständigkeit gegenüber Schweden und Dänemark. Seinen ärgsten Widersacher, König Knut den Mäch- tigen von Dänemark, schlug er zwar bei Skaane in einer Vernich- tenden Seeschlacht, fand aber, heimgekehrt in sein eigenes Reich, den von Knut aufgewiegelten norwegischen Adel in hellem Aufruhr. Dem Siegreichen blieb nichts übrig, als außer Landes zu gehen, und Norwegen huldigte 102L dem besiegten König Knut in Drontheim. So verrieten die Kleinhäuptlinge(aus deren Kreisen 190 Jahre zu- »or Tausende nach Island gegangen waren, um sich nicht Harold dem„Schönhaarigen" als König beugen zu müssen) des Reiches Selbständigkeit an den landfremden, kurz zuvor aufs Haut ge- schlagenen Däneitfönig. Olaf dem Heiligen gelang es, im Auslande ein Heer zu sammeln. 1039 kehrt« er zurück. Bei Stiklestad, unweit Drontheim, kam es zur Entscheidungsschlacht. Olaf fiel, aber seine Sache siegte dennoch, und dieser Sieg sicherte Norwegens Ilnab- hängigkeit bis zur Kalmarer Union(1397). In den folgenden Jahr- Hunderten hat dos norwegische Volk mehr und mehr den Wert der (ihm damals fehlenden) staatlichen Selbständigkeit schätzen gelernt. Schon 1814 versuchte es, diese wiederzuerringen, kam auch von Dänemark los, geriet jedoch in die Union mit Schweden, bis es auch diese Fessel im Jahre 1995 abwarf. Heute ist der Begriff„natio- naler Staat" jedem Norweger Evangelium. Deshalb wird der heilig« Olaf am 999. Jahrestage seines Heldentodes in erster Linie als Verfechter und Begründer volklichen und staatlichen Eigenlebens gefeiert. Nach seinem Fall in der Schlacht bei Stiklestad wurde der König in der von ihm erbauten Kirche in Drontheim beigesetzt. Schon bald verklärte sich di« Erinnerung an ihn. Sein Name wurde Begriff, ähnlich wi« es tausend Jahre zuvor der Name Cäsar ge- worden war(den wir in der griechischen Form Kaiser übernommen haben). Di« Stadt, die seine sterblichen Reste barg, erlangte eine Vorzugsstellung: in ihr setzten sich die König« die Krone aufs Haupt, in ihr trat der Reichstag,„Allsherjathing" genannt zusammen. Als dann der große König heiliggesprochen war und hierdurch seine Ge- deine„Reliquie" geworden waren, errang Drontheim schnell führend« Stellung im kirchlichen Leben ganz Skandinaviens. Aus dem ganzen Norden wallfahrten fromme Pilger zum Grabe des Heiligen. Der Andrang war so groß, daß Geld, das diese Pilger brachten strömte so reichlich, daß eine mächtig« Kathedrale aufgeführt werden konnte. Auch andere Gotteshäuser entstanden. Um 1399 besaß Drontheim außer seinem prächtigen Dam 16 Kirchen und 6 Klöster. Der Bischof schwang sich zum Erzbischof auf. Hört man, daß unter ihm nicht nur die übrigen fünf norwegischen Bistümer standen, sondern auch die Bischöfe von Island, Grönland, den Färöern, den Orkney-Jnscln, den Hebriden und sogar der Insel Man in der Irischen See, so kann man sich vorstellen, welche Bedeutung Drontheim damals für das ganze nördlich« Europa befaß und welche Pracht in seinen Mauern waltete. Die Reformation machte diesem Glanz und dieser Vormacht- stellung ein Ende. Klerus und Klöster verschwanden. Der prächtige Dom, ein Baudenkmol von unschätzbarem Werte, verfiel und lag Jahrhunderte als Ruine da. Erst 1869 hat man begonnen, aus den noch vorhandenen Trümmern die Kathdrole wieder aufzubauen, und erst in diesem Jahre ist das Werk beendet. Di« Wieder-Einweihung am 29. Juli d.s I. ist das Glanzstück in der endlosen Reihe der Iubelfeierlichkeiten, die dem Andenken des heiligen Olaf gelten. Was an sichtbaren Dingen an ihn uoch er- innert, ist diesen ganzen Sommer in großen Ausstellungen in Dront- heim zu sehen. Zahlreiche ausländische Museen haben zu diesem Zwecke ihre- Schätze hergeliehen, z. B. Deutschland ein altes Petschaft mit Olafs Porträt und«in Altarbild aus Lübeck. Da sich voraus- sehen läßt, daß die ehemaligen Wallfahrten nach Drontheim in diesem Olaf-Iubel-Jahre ein Auferstehen erleben werden und daß wieder Zehntausende aus dem Auslande dort zusammenströmen werden, be- nutzt Norwegen die Gelegenheit, den Fremden ein Bild seines heutigen Standes zu geben, und hat daher die kirchlich-historischen Ausstellungen erweitert zu einer Schau des heutigen kirchlichen Lebens wie seiner heutigen Wirtschaft. Kultur und Kunst. Erfreu- liche Kunde für Leute, die sich das ansehen wollen(und das Geld dazu hoben): auf Fahrkarten nach Drontheim gibt es dies Jahr auf norwegischen Strecken 25 Proz. Nachlaß, und da es von der Süd- grenz« bis dort hinauf immerhin mehr als 799 Kilometer sind, so ist das nicht unbeträchtlich. Freilich gibt es nur Fahrkarten nach N i d a r o s. So heißt Drontheim jetzt nämlich amtlich, nachdem man diesen frühmittelalterlichen Namen der Stadt gegen den Willen ihrer Einwohner wieder herausgekramt Hot. vi« Zukunft der Viscatorbühne. Da der Vertrag deZ PiScatorkollektivs mit den Lefitzern de? Dallver-TheaterS nicht, zustande kam, ist es zur Zeit otme Heim. ES wird mit anderen Theatern wegen eine? Gastspieles oer- handelt. Genannt werden das Theaters des Westens und das Lesfing-Thcatcr. Lohnraub im Lokal. Ein Baumeister überfallen.- polizeijogd nach den Tälern. In einem Lokal am Schlesischen Bahnhos wurde heule mitlag ei« Baumeister aus Adlershof um 1800 Mark Lohngelder beraubt. Zwei der mutmaßlichen Täter konnten schon kurze Zeit daraus von der Polizei s e st g e- nommen werden. Der Baumeister, ein älterer Mann, war in die Gastwirlschast gegangen, um ein Glas Bier zu trinken. Neben der Theke standen mehrere Burschen, die den Baumeister animierten, doch einige Glos Bier auszugeben. Um die Männer loszuwerden, bestellte der Bau- meister mehrer« Glas Bier, um auch gleich darauf die Zech« zu be- zahlen. Unoorsichtigerweise zog er hierbei seine Brieftasche heraus. in der sich die Lohngelder befanden. Als der Baumeister sich«nt- fernen wollte und bereits die Straße erreicht hatte, liefen ihm zwei Mann nach mid mit dem Ruf,„es seien noch sechs Mollen zu be- zahlen", zogen und zerrten sie ihn wieder in das Lokal hinein. Dabei raubten sie dem Mann die Brieftasche. Der Baumeister, der den Verlust aber schon wenige Augenblicke später bemerkte, schlug sofort Lärm. Als die alarmierte Polizei erschien, flüchteten die Täter. Einer von ihnen, ein Pole Czerkowsky, konnte nach aufregender Jagd durch di« Straßen festgenommen werden. Ein zweiter Pole namens B o r o w f k i war in das Haus Madai- straße 13 geflüchtet. Die Beamten durchsuchten das Haus zunächst erfolglos. Auf dem Dach entdeckte die Polizei den Flüchtling dann hinter einem Schornstein. Er ließ sich, ohne Widerstand zu leisten, festnehmen. Das geraubte Geld wurde bei den Tätern nicht mehr gefunden. Vermutlich haben sie es jemand von ihrem Anhang unbeobachtet zugesteckt._ Theater der Woche. «Mchlossen. Dom 3. bis 11. August. Staatstheater. Theater mit festem Spielplan: keiltsch«» Vbaw.— Di« Somödi«: Wi«««rd« ich rrich»np gliUklich?— Tp»at«r d«, West«»»: Das Lank, des LLch«In».—»-misch« v»»r! Bis 7. Die Trau-hn«»ug. Ab 8. Licbc und Trompetcublaseu.— Lrsgnq- Thcater: Bis 7. Der Taun. Ab 8. Wiederaufnahnie deantragt.—»«naiffauec. Theater: Di- Wunder-Bar.— Ras«. Theater: Flachsmaxn als Er, icher.— tGartenbnhne): Tie wlle Lala.— Theater i» her Behrenltrahc 53—54: Ist das nicht nctt non Eolettc?— SchloHvark-Theater Steglii,: 3. Schwindel. ineier u. Co. Ab 4. Dir ander« Seite.— Wintergarten, Plapa, Slala: Inrernatianates Lariet«.— Zentral-Tbeater:»inder der«trage.—»etchshallen- Theater: Llettiner Sänger.— Theater am»ottbvfier Tor: Elite-Sänger. Nachmitlagsveranflaltungen: »n milche Over: 3. Die IZrau ohne»uh.— Aake.Theatrr lEartenhtihnel: Konzert und buntcr Teil.— Schlohpork. Theater Strglih: 3., 10. Schwindel» ineier u. Co.— Wintergart«»: z., g., 10. Internationales Baricte.— Bio,«. Skala:.Internationales Borietd. Erstaufführungen der Woche: Freitag. L e ssi n g-Th e at er Di« andere Seite.— Komische Oper Liebe und Trompetendlasen._ „Bolk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und »Der Sinderfreund" liegen der heutigen Postauslage bei. Bcrantwortl. für die Redaktion:»olsgaog Schwarz. Berlin: Anzeigen: Th.»laike. Berlin. Berlag: Vorwärts Berlag®. m. b. S>., Berlin. Druck: Lorwärts Buch- druckrrn und Berlagsanstalt Paul Einger 5: Co.. Berlin SW 58, Lindenstraß« Z. Hierzu 1 Beilage. Tltealec. Lichtspiele usw. »» 1■■■■■■ Staats-Theater geschlossen! Abonnements- Anmeldungen tor die Spielzeit 1930-31 (Biginn am 1. September) werden auch während der The- aterierien entgegengenommen: a) für die Staatsoper und das Staat). Schauspielhaus vom Abonnementsbüro, Berlin W56, Ober- wallstr. 22.— Fernspr. Merkur 9024, b) für das Staatl. Schillertheater vom Abonne- menfsbüTo,Berlin-Char- tottenburg, Grolman- straße 70.— Fernspr. Steinpl. 671 5. ROSE -Theoter Graft« Frankfurter Straft* IM Alu.: 3422 u. 34(4 TIftlid, 8.15 Uhr Der Rleaenerfoly« „Flachsmann als Erzieher" Komfidie in 3 Akten ron Otto Ernst M'lM vf»M| Robart MQIIer als Schulrat Prati Auf der GartenbUhnei Letzte Wocbes Auftreten Willi Rosen and 8rt Uhr „Ver lieble Leule" Opereit« ron K II n n c h e Vom 3.-5. Auauit Im Rooa-Garttn Großes Winzerfest mit rollstAoälg neuem Programm Verrerkauf Ist eröftmet I Tag). 5 u. 8>/, Uhr. BS Bat«. SSSB Pr. 1— 8 M.— Nachm. halbe Preite. NONI UND hobace in ihrer Szene „hiHlkBlIsdn UnmBgBthhtttei*. ferner zum ertitm M*le in Earop* Das Original STONE& VERNON- Quartett Sensation der Zieitfield-Follies, New-York und weitere • VarleM.l PlfAZA Tlgl.» o. Sonn. t. si. B» Alex. E 4. 8066 Puppen-Revue„Katta" Florian, Paelzold Co. usw. Theater I. d. Behrenstr. 53-54 8 Uhr zum 1. Male: ist das nicht nett von Coiette? • MiiuiMniiiiiiiiiiiiintiiminntiiiiMiniHMiMimiiiMMHiiiiiHistii Musik. Schwank von Max Bertueh. Oesangstexte von Kurt Schwabach, Musik von Willy Rosen. sv* ubr CASINO THEATER Lokbriafter dtralha 57. Wiedereröffnung Freitag, 15. August 311 jährigu Butiha Mto to DinMIan Bin Btrg Der Possen-Säilager Der selige Hollschinsky. iiiiwiimigmnnminlfiiiiitiiinimHminnninnmiiiiiniuTim Winfer * Garten* - Baichea tflauhl CUla n. Ca nd vtftcra na nid« gtxeUK Stars. i. Ssnatag)• 9 VeriteUuagan Uhr. 4 Uhr kleine Pr. J Relchshollon-Theater Allabeudlldi|T| Ubr stetttner sanger Tignteu tI-2. UnAasu>d E Hb' Tiitplrn Zntnffl 11263. Dönhoff- Brettl: ISaal und Garten) Varlet6— Konzert— Tons zentrai-meater (Operettenhaus) Alte Jakobstr. 30/32 Dönh, 2047 Täglich 8'b Uhr Ein Zllle-miilOh in 3 Akten Kinder der StrsBe Gnng i. Tm no V. ImniI nt ürtbur Melier. Rundfunkhörer Ollht Preise. Theater d. Weitem Täglich 8'b Uhr: Das Land des Uchelns Fianz Lehars Sensationserfolg! Renaissance- Theater 9 Uhr Steinplatz 6780. Hnte und allabwdlidi Die Wunder-Bar RevuestQck Metropol-Th. Täglich 8'b Uhr Hiehsel Bohnen in Mit Dir allein auf einer einsamen Insel Lessing-Theater Vr'dutinm 2797 1.1X46 Täglich S'/i Uhr Uhii TmMniM Der Faun na Eiw. üiiobludi. Pnl lianteli. Hain, kl»«, tnk. Grettoinkr. 7 rata, Flidtar. Pinn, Un Komische Oper 8-/> Uhr PaulHeidemann in; Die Frau ohne Kuss Kollo-Operette mit Grit Haid. •v. p T Je KottboMr Ter. flln(otlbowr SU 6 laKToi.Mpi.ison TO zun- Iii l Festspiele Berufter Praier Somncroaitentheater Kastanienallee 7—9 4 Uhr Crosses Gartenkeinert 6 Uhr Eine entzückende Burleske sowie der auserwählte Varietd-Teil. 8.15 Uhr Gustl Beer, Grell Lilien, Alex Haber, Erwin Hinang in Das Oral- müdarlhaus Singspiel in 3 Akten Musik nach Franz Schubert Eintrittspreis von SO PU- an. copenicKer RalsKelier SchleBslraBo 4 Billige(ehr gate Kfiche, Bepfle�ie Getr Bake Zimmer tfir äczelltchaften und Vereine I Sonnabends u. Sonntags KAnsHerkonzert Volks mmne Thutr u Btlnpbb. 8'/. Uhr Der frShlldie Weinberg Luslsp. In 3 Akten TO Ctrl Ziiray« Reglf: H. D. Unter. DeotJöiBs Ttieatn D 2 Weidendamm 5201 8 Uhr Phaea von Ffitz v. Unruh. Reg.: Max Reinhardt Moiik: Fritdriffc HDllMnder. BühDenbildcr trat Stbött«. Die Komödie 1 1 Bismck. 2414/751« 8>a Uhr Wie werde idi leidi Dod gloddidi? Konu ng ftlix Judumu. Mail no Mhdn Spolinit/. Rijie: tri* koMi Bühnenbilder UMiUur CITY BLEIBT Cl UHP /EIME /EM/ATI ort: /reinimie� 96.001 Minhot. &.• KABARETT-TAriZ- CAFE• � B SOZIALOCM OK RATISCH C8 OlftKUBSIONSORQAN bringt«teta DAS AKTUELLSTE ZUM WAHLKAMPF Bwstella es noch heute bei der Botenfrau des„Vorwirts" odsr auf dem Pestamt(PostzeHungslist* tMO. Seite 86) Es kostet monatlleh 85 Pf. auaOgllch Porto Verlange vom Vorlag Probanummsm und WorbamatsHal gratis und portofrei (Beilage Sonnabend, 2. August 1930 IprÄbpnS StoUauieaA-dm J)a,s IPetßtecften im Iticneich Tlaturfch�cnhcfia�ttictic Studie/ V™ Han* Hyan Der Forscher Büchner schreibt in seinem„Geistesleben der Tiere' von diebischen Bienen, welche massenweise mit Honig gefüllte Bienenstöcke überfallen, Schildwachen und Insassen überwältigen, d. h. zum großen Teil töten, dann die Honigvorräte rauben und in ihre eigenen Stöcke schaffen. Das gelingt ihnen durchaus nicht immer. Sie finden manchmal so tatkräftigen Wider- stand, daß sie wie«in geschlagenes Heer in voller Flucht abziehen. und trotzdem gewöhnen sie sich gerade wie Menschen, wenn sie erst einmal Uebeltaten begangen haben, so an ihre Raubzüge, daß nicht ollein die Insassen dieses«inen räuberischen Stocks ihre Beute- züge wiederholen, nein, daß diese kkeinen geflügelten Ver- brecher eine wahre Propaganda machen und immer mehr Raub gesellen mit sich führen. Es kommen so richtige Ko- lvnien von Raubbienen zusammen. Allerdings gibt ez auch Einzel- Individuen aus sonst ganz friedlichen Stöcken, die auf Diebstahl ausgehen und die durch ihr vorsichtiges und schüchternes Wesen deutlich zeigen, daß sie sich des Unrechts ihrer Tätigkeit voll bewußt sind.... Affen sind außerordentlich diebisch veranlagt. Es ist vor einigen Jahren gegen«inen Straßenmusikanten verhandelt worden, der, wie man das häufig sieht, auf seinem Leierkasten einen oder zwei Affen mit sich führte; ein Italiener, der es verstand, seine Affen zum Stehlen abzurichten. Di« Tier« waren in der Tat an den Hausmauern und Ballonen hinaufgeklettert, in die Wohnungen geschlichen und hatten dort Wertsachen, Gold und Edel- steine gestohlen. Jeder Dresseur, der Intelligenz und Talent zu seinem Beruf besitzt, lauscht seinen Tieren ihr« Grundneigungen und Fähigkeiten ab(wie z. B. der Abrichter von Seelöwen die außer- ordentliche Lebendigkeit des Tierholses benutzt, um Jongleur« aus ihnen zu machen) und verbindet diese Eigenschaften mit seinen Zwecken. Macht man nun«ine solche asoziale Neigung im Tiere konstant, so bildet sich eine vollkommen verbrecherische Anlage heraus, die man das ist hochinteressant!— durch den Genuß von Narko- t i k a enorm steigern kann. Der erwähnt« Forscher Büchner hat es fertig gebracht, die Neigung seiner Bienen zum Diebstahl auch bei den Individuen künsstich hervorzurufen, bei denen sie bisher nicht bestand. Er setzte ihnen Honig, gemischt mit Branntwein, als Futter vor. Gerade wie beim Menschen wächst die Vorliebe für dieses Gcnußmittel bei den Tieren sehr schnell. Die Bienen wurden aufgeregt, trunksüchtig und hörten auf zu arbeiten. Wenn sie hungrig wurden, kamen sie ganz von selbst(wie auch der italienische Forscher Ferri berichtet) auf das Stehlen. Versetzt man Ameisen in Chloroform- Narkose, so werden sie am ganzen Körper unbeweglich mit Ausnahme des Kopfes und beißen wütend nach ollem, was sich ihnen nähert. Um noch einmal auf die Affen zurückzukommen, so erzählte mir«in alter Afrikaner, der viele Jahre lang Pflanzer in unseren Kolonien war. daß besonders bei den Pavianen ein unfern Einbrechern konformes Vorgehen bei ihren Diebereien zu beobachten gewesen wäre. Di« Paviane leben an sich in Familien, denen die ältesten und stärksten Männchen vorstehen. Hatten sie nun einen Plünderungszug in eine besonders lockende Fruchtpflanzung vor, so taten sich ein« Anzahl solcher Familien bis zu mehreren hundert Individuen zusammen. Dann wurden einige wenige, oft auch nur ein einziger von den ältesten und erfahrensten Männchen ausgewählt, der ganz allein voranging, um das Terrain auszukundschaften— was wir nennen würden: ein richtiger B a l- dower. Danach werden an den gefährlichsten Punkten, wo die Ueberraschung durch Menschen besonders drohend erscheint, Schild- wachen aufgestellt. Und nun rücken die Paviane nicht etwa ge- schlössen vor. sondern sie bilden lange Ketten, von denen die vordersten Tiere den hinter ihnen stehenden die Früchte zuwerfen. während die letzten der Kette alles, was nicht sofort ins Maul gesteckt wird, in ein gemeinsames Versteck bringen. Gibt die Schild- wache ein Signal, so lösen sich die Ketten, die Paviane stieben in wüdcr Flucht davon, aber jeder hat noch eine Frucht im Maul, «ine unter der Hand und unter die Achselhöhle geklemmt; erst jverm die Sache ganz brenzlich wird, Wersen sie die unter der Achsel und die in der Hand weg. Was sie im Maule haben, behalten sie auf jeden Fall. In Abessinien werden wenig Rinder— wohl des bergig zerklüfteten Landes wegen—, aber desto mehr Ziegen gehalten. Die Hirten bemerkten, daß die Ziegen die bohnenartige Frucht eines Strauches, die sehr angenehm duftete, frohen. Danach wur- den sie munterer, hüpften und jagten sich, singen aber nach ver- mehrtem Genuß an, streitsüchtig zu werden und lieferten sich so oft erbitterte Kämpfe. Jetzt untersuchte man diese Frucht und entdeckt« den dort wildwachsenden Kasseestrauch. Es ist nicht un- bekannt, daß die in Südamerika, besonders in Chile sehr häufigen Navajakämpfe nur dadurch möglich werden, daß man den Kämpfern ein Gemisch von Haschisch und Opium mit Wein ge- mengt zu trinken gibt. Es soll diese Methode ein« mörderische Wut im Individuum entflammen. Bei der Sekte der Assassinen, die im Orient alz Mörder bekannt sind, ist dieser Rauschokt ebenso beliebt. wie bei den Amokläufern auf Sumatra. In Chile lassen sich zu einem solchen Navajakampfe die beiden Duellanten mit den Beinen sitzend ,an einen Balken binden, so daß nur ihre Oberkörper frei bleiben und die Kämpfenden sich sonst nicht voneinander entfernen können. Die Navaja ist ein bis zu einem Visrtelmeter langes Messer, haarscharf geschliffen und vorn in eine sechs Zentimeter lange Nadelspitze auslaufend. Mit dieser furchtbaren Waffe bear» beitcn sich die Duellanten, die keineswegs ein« Beleidigung aus- fechten, sondern einfach für Geld losgehen, so lange bis einer von ihnen oder alle beide aus den schrecklichsten Wunden sein Blut ver- strömend am Platze bleibt. Ich habe in New Park vor einer Reihe von Jahren Hunde gesehen, die man durch eine ähnliche Mischung eines alkoholisch riechenden Getränkes in eine so irrsinnige Wut versetzt«, daß die Tiere sich einfach gegenseitig zerrissen. Und das gleiche geschieht auch heut« noch aus Sumatra und den anderen Inseln des Indischen Archipels. Dort züchtet man die sogenannten Kampshähn«. Der Hahn wird, wenn er das erforderliche Alter erreicht hat, in ein ganz enges bambusgeflochtenes Behältnis ein- gefetzt und bekommt nun ein Futtergemisch, das aus gemahlenen Körnern, Cayennepfeffer und Reisbranntwein besteht. Die Tier«, denen man die Sporen wie Dolche anschleift oder ihnen Stahl- dolche auf die Sporen steckt und die man nach dem Prinzip einer Zuchtwahl auf absoliKen Mord und äußerste Kampflust züchtet, gehen bedingungslos gegeneinander an, so wie sie an einen Gegner gebracht werden. Di« Malaien sehen in diesen Hahnenkämpfen ihren liebsten Sport. Bei den großen Matshes. die zu gewissen Jahreszeiten überall im Lande abgehalten werden, bringen die Liebhaber ihre Tiere in Menge zusammen. Die Hähne kämpfen im Anfang zu vielen Paaren auf einem großen freien Platze nebeneinander. Die Sieger, die beinah« immer die allein Ueberlebenden sind, werden nun wieder paarweise aneinan- dergebracht und so bleibt am Ende in einem wahren Leichen- felde von Kampfhähnen einer oder wenige als Sieger übrig. Die Malaien verwetten dabei oft ihr ganzes Hab und Gut und geraten nicht fetten bei i-hrem Wettstreit selber in tödlich verlausende Kämpfe. Hier liegt ein Beispiel vor, daß man durch Zuchtwahl, ge- eignete Fütterung und anfeuernden Wettkampf Tiere zu ge- borenen Mördern machen kann. Ein« Parallele dazu bilden ja die S t i« r k ä m p f«, bei denen die Toros auch oft derartig mordlustig sind, daß sie jedem Wesen das Horn in die Flanke rennen. Als in den und nach den Abolitionskriegen in Amerika den südamerikanischen Pflanzern die Sklaven massenweise ent- flohen, dressierten die Herren ihr« Bluthunde derart, daß die Tiere jeden Schwarzen, der ihnen in den Weg kam, niederrissen und töteten. Ganz ähnlich haben es die Franzosen auf St. Do» mingo gemocht, wo sie die Indiander ausrotten wollten und sich zu diesem Zweck der Bordeauxdoggen bedienten, die die armen Indios tatsächlich auffraßen...- Ich kannte einen Maler, der nahe bei Berlin ein Häuschen be- saß, wo er mit seinen fünf Kindern auch so eine Art Indianerleben lebt. Der Mann besaß einen weißen, nicht sehr großen und auch nicht sehr starken T e r r i« r. Da dieser Hund nicht gefüttert wurde l und sich selbst oersorgen mußte, war er zu einem ausgesproche- nen Räuber und Mörder geworden. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie das klein« weiße Tier sich Wintertags an der vereisten Ackerscholle entlang schob wie eine Schlange und sich so mit einer satanischen Schlauheit einem Flug Krähen näherte: und diese so überaus vorsichtigen schlauen Vögel merkten und sahen nichts von der Annäherung des doch obenein weißleuchtenden Hundes- bis er plötzlich, ein glänzender Ball, durch die Luft flog und eine von den Teufelstauben sich flügclfchlagend mft ihrem Mörder auf dem Acker wälzte, um bald genug bis auf ein paar Federn im Magen des Terriers zu verschwinden. Aber dieser Hund übertrug seine Mordlust auf jedes Tier. Nicht allein, daß er den Hasen be- schlich, einer Ziege an die Gurgel sprang, die nur mit Mühe ge- rettet wurde, er griff auch jeden Hund an, selbst viel größere als er selber ottaquierte er und hing so überraschend am Kehlgrisf am Halse des anderen, daß dieser fast ohne sich zu wehren endete. Der Hund wurde schließlich von einem Förster, der ihn an Rehen jagend abfaßte, erschossen. Aber nicht nur das Verbrechen des Mordes oder Diebstahls wird von den Tieren begangen, auch die Sexualverbrechen sind außerordentlich häufig bei ihnen. Der R e h b o ck wird ebenso wie der H i r s ch in der Brunst von einer leidenschaftlichen Wut gefaßt und mißhandelt dann nicht nur die Ricke, sondern auch seine Rivalen oft derartig, daß sie auf dem Platze bleiben. Der Trut- h a h n wird in der Balzzeit manchmal förmlich rasend. Man muß die Hennen entfernen, um sie nicht zu verlieren. Aber ein mir bekannter Brauer besaß einen Hahn, dem man sich in dieser Zeit nur mit einem tüchtigen Knüppel nähern konnte. Er griff auch die ihm bekannten Menschen an mit Schnabel, Krall« und Flügel- schlägen. Besonders Kinder wurden von ihm arg gefährdet. Es gibt männliche Tauben, die obwohl Tauben im oll- gemeinen monogam sind, sich mit einem Weibchen nicht begnügen. Ich selbst besaß einen schwarzen Pfouentäuber, der in ein benoch- bartes Gehöft flog, dort in den Taubenschlag drang und voller Wut einen auf seinem Nest sitzenden und brütenden weißen Täuber diese rote Taube herumgurrcn gesehen. Es war gar kein« Frag«, daß es sich hier um«in Attentat der Eifersucht handelte. Der angegriffene weiß« Täuber verlieh unter den Schnabelhieben des meinen fein Nest. Der Sohn des Nachbars hat den Kampf zufällig beobachtet— und beide erhoben sich kämpfend in die Luft. Die Federn flogen nur so. Aber es dauerte gar nicht lange, da beteiligten sich noch zwei andere Täuber aus dem Nachbar- schlag an dem Kampf der Rivalen, und mein Täuber wurde in die Flucht geschlagen.... Auch Notzuchtverbrcchen hat man vielfach bei den Tieren beobachtet. Die männlichen Ameisen, wenn sie keine Weibchen haben, mißbrauchen(wie Hubcr berichtet) häufig die Ar- beitcramcisen, die bei dem rudimentären Zustand ihrer Geschlechts- organe beschädigt werden und zugrunde gehen. Im Turiner zoolo- gischen Museums wurden zwei gepaarte männliche Maikäfer im mumifizierten Zustande aufbewahrt... Brehm erzählt, daß männliche Störche die Jungen oft vor den Augen der Mutter töten.. Bon einem Landwirt erfuhr ich, daß ein Storchenweibchen, das den Ehegatten hintergangen hatte, als es wieder auf der Wies« zu den übrigen flog, von diesen durch Schnabelhiebe fast geötet wurde. Ilnd ich habe selbst einen starten Bauernhahn beob- achtet, der ein noch nicht sechs Wochen altes Hühnchen mehrmals hintereinander vergewaltigte, so daß dos ohnehin sehr geringe Tierchen einging. Das Verbrechen des Betruges, wenn man es so nennen darf, ist bei den Tieren sehr häufig. Pferd« und Hund«, die sich lahm stellen, weil sie bestimmte Wege nicht machen wollen, kommen vielfach vor. Ich selber habe einen Jagdhund gekannt, der, wenn die Jäger abends noch der Hühnerjagd ins Dorf wollten, immer wieder ins Feld lief, um durch falsches Vorstehen vor Hühnern einen Weidmann, der seinen Trick noch nicht kannte, zum Weiterjagen zu veranlassen.... Solche Beispiele von menschenähnlichen kriminellen Anlagen und Ausübungen von Verbrechen ließen sich unendlich erweitern einHHI NBAHNER- OMAN � Von ER (13. Fortsetzung.) ..Wissen Sic, Herr Kern, das mit dem Verweis muß ich Ihnen noch schristlich geben, aber ich wollte es Ihnen zunächst persönlich sagen, da verdauen Sie's leichter. Ich meine es gut mit Ihnen, verstehen Sie? Und was die Versetzung betrifft, da überlegen Sie sich einmal die Sache erst einige Tage Sprechen Sie auch init Ihrer Frau darüber, vielleicht können Sie mir dann einen Ort vor- schlagen, der Ihnen paßt. Kern erhob sich steif und mit etwas stierem Blick...Ich danke Ihnen für die Art, in der Sie mir das beigebracht haben, Herr Direktor, das hat mir wohlgetan.' „Hauptsache, daß Sie die Sech«»icht tragisch nehmen�' wehrte Fehlinger ab. „Kann ja nichts dagegen tun. 5)err Direktor, der Verweis kommt ja von der höchsten Stelle. Aber das mit der Versetzung muß ich mir noch überlegen. Das ist eine doppelte Strafe, und ich weiß nicht, ob ich das verdient habe." „Sie l>aben überhaupt gar leine Strafe verdient, lieber Kern, aber's ist nun einmal so." Fehlinger nahm Kerns Hand. „Verzeihung, Herr Direktor," Kern ließ seine schwere Hand in der Fehlingcrs liegen,„wofür bekomme in denn eigentlich den Ver- weis, und warum soll in versetzt werden?" „Ach fr, natürlich!" Fehlinger eilte an den Schreibtisch und blätterte in dem Aktenbündel.„Sie sollen, glaube ich," er konnte in der Aufregung die einschlägige Akte nicht finden,„mit dem Keneralinspektor oder mit dem Vetriebsinspektor, oder vielmehr mit beiden... Ach, ist ja ganz gleich. Ich habe Sie ja als einen gewissenhaften Beamten kennengelernt." Fehlinger klappte da- Aktenbündel zusanmien.„Und das mit der Versetzung, das ist genau dieselbe Geschichte. Wenn man einmal einen am Kragen hat, dann hat man auch immer gleich allerlei zu finden. Und viele andere wieder schlüpfen durch und kriegen weder einen Verweis, noch gibt's Versetzung, vielleicht gar noch Veförderung. In so einem großen Betriebe läuft eben Gutes und anderes nebeneinander. Sind alles nur Menschen, die da drinnen arbeiten." Kern schon im. Begriff zu gehen, fühlte sich plötzlich von einer Blutwelle durchschossen.„Und ich, Herr Direktor" brach es aus ihm heraus,„bin ich kein Mensch? Das mit der Versetzung ist eine Ungerechtigkeit! Das tonn ich nicht hinnehnien!" Kern biß sich auf die Lippe. Wieder einmal war das Dem- perament gegen seinen Willen mit ihm durchgegangen. Fehlinger stand mit gesenktem Kops da. „Sie können doch nicht den Dienst oerweigern, Kern," sagte er leise.„Ich will das nicht gehört haben. Beschiafen Sie erst einmal die Sache. Und wenn Sie dann den schriftlichen Verweis be- kommen, so können Sie damit ruhig an einen stillen Ort gehen und ihn zu einem nützlichen Zweck verwenden. Aber das mit der Ver- setziing, das dürfen Sie mir nicht verderben. Ich werde schon sehen, daß Sie wieder einen ordentlichen Platz erholten." Kern sah Jehlinger gras; an, zuckte mit den Achseln und schwieg. „Wie lang« sind Sie eigentlich schon im Dienst?" „22 Jahre, Herr Direktor." „Na, ich denke, zur Pensionierung sind Sie denn noch etwas zu jung." „Ganz ausgeschlossen," fuhr Kern auf.„Dann könnte ich mich lieber gleich in den Sarg legen." „Na also, dann machen Sie auch kein« Geschichten mit ihrer Versetzung." Fehlinger reichte Kern die Hand.„Für heute müssen wir Schluß machen, Herr Bahnmeister. In einigen Tagen kommen Sic wieder und dann reden wir weiter." „Und meine Dispensierung?" „Bleibt leider noch'n Weilchen bestehen. Sie bekommen vor- läusig Urlaub und dann kommt die Versetzung." Sich zusammennehmend, den Kopf in den Nocken geworfen, oerließ Kern das Zimmer. Sein Oberkörper lastete schwer auf seinen Beinen. In den Knien hott« er ein Gefühl, als ob sie einknicken wollten. Auf der Straß« begegnete ihm ein bekannter Kollege. Er grüßte automatisch, ohne rhn zu erkennen. Der Ge- danke, daß man ihn, der lieber gestorben wäre, als daß er seinen Dienst vernachlchsigt hätte, mit einem Verweis und noch obendrein mit der Versetzung bestrafen wollte, tobte in ihm. Was er bisher ins Unterbewußtsein des Nichtgedachten zurückgezwungen hatte, trat jetzt klar zutage. Die ganze Zeit seit Entdecken der schadhaften Bohlen zog»och einmal an ihm vorüber. Sem vergebliches und für einen unteren Beamten außerordentliches Bemühen um eine sofortig« Ausbesserung der Stelle, der Amtsschiimnel auf der an» deren Seite, die Aussprache mit dem Direktor, das Unglück und— ja die amtliche Untersuchung und ihr Resultat: Disziplinierung des- jenigen Beamten, der als einziger alles unternommen hatte, um dos Unglück zu vermeiden unter Schonung aller jener Stellen, auf denen die Verantwort.ing für das Unglück lastete. War das Gerechtigkeit? Die Frage taucht« jetzt zum ersten Male in ihm auf und erfüllte chn mit Erbitterung und Zorn. Aber zugleich trat etwas anderes über die Schwell« feines Bewußtseins und erfüllte chn mit Eni- fetzen: Daß es eine Strafversetzung war, wußte sicher niorgen schon der ganze Betrieb und auch dort, wo er sich hin versetzen lassen würde, würde es bald bekannt sein« daß er strasversetzt sei. Nein, das war unmöglich zu tragen. Aber was dann, wemr er die Straf- Versetzung ablehnte? Iii, dann— dann... Nun, man mußte sich alles bis auf feine letzte Konsequenz hin überlegen. Da war ja schon die Wohnung. Er drückte die Haustür aus. ging die Treppen hoch, schloß die Vorsoattür auf. legte den Hut ab und stand plötzlich vor seiner Frau. Wie aus dem Boden gewachsen stand sie plötzlich vor ihm. Er hatte gar nicht gemerkt, daß sie aus der Küche herausgekommen war. als er in den Vorsaal trat. Gespannt sah sie ihn an. Groß sah er zu ihr herüber Seine Augen waren ungewöhnlich weit geöffnet Beinahe starr war sein Blick. „Na, Hermann, was war denn los?" „Nichts weiter, Luise." Kerns Blick wurde wieder normal. „Komm, geh etwas in die Stube. Anna ist zwar drin, aber sie wird dich wohl nicht stören." „Kann ruhig mit drin bleiben." „Tag Bater!" größte Anna herstich. „Na, Mädel! Bist heute ja recht zeitig zu Hause," antwortete Kern möglichst leicht.— „Ich habe«ine kleine Musterarbeit zur Prüfung zu machen, Vater." „Dann laß dich nur nicht stören." „?lber vielleicht stör« ich??lnno sah auf ihre Mutter.„Ich kann auch i» meiner Stube arbeiten, Mutter." „Bleib nur, wenn's Vater nicht stört?" Frau Kern sah ihren Mann fragend an. „Nee, absolut nicht. Im Gegenteil, tonn jetzt Gesellschaft ganz gut gebrauchen. Muß ja noch'ne Weile pausieren." „Ist die Dispensierung noch nicht ausgehoben?" Kern hob ein« Faust. Er hatte Mühe, sie nicht auf den Tisch herunterdonnern zu lassen. Er tat so, als habe er sich hinter dem Ohr kratzen wollen und sagte not erzwungenem Gleichmut:„Die haben Zeit. Vorläufig Häven sie mir erst mal einen Verweis erteilt, und dann soll ich oersetzt werden." „Dir einen Verweis?— lind Strafversetzung?!"— Frau Kern fuhr auf. Anna zuckte zusammen und stach sich in den Finger. Ein Blutstropfe» gerann, ohne baß sie es merkte. Sie streist« den Vater mit einem Blick, fühlte seine starke Erregung und sagte so ganz neben der Arbeit her:„Da ist doch weiter nichts dabei, Mutter. Solche Sachen sind bei der Bahn was Alltägliches. Wer sich daraus etwas machen wollte, lväre schön dumm, nicht wahr, Vater?" Kern sah seine Tochter verdutzt an:„Stimmt, da haste recht, Mädel," sagte er und klopjte seiner Frau auf die Schulter.„Das Mädel hat ganz recht, Mutter. Solche Sachen haben wenig zu sagen. Bloß das mit der Versetzung, dos..." Kern stockte. „Eben diese blödsinnige Versetzung," Frau Kern hatte dos Spiel verstanden und l>emühtc sich, möglichst ruhig zu erscheinen.„Na Gott, wegen mir— ob man hier oder wo anders lebt, ist ja schließ- lich egal." „Wenn nur nicht diese etliche Blamage dabei wäre." Kern ging einige Mal« im Zimmer auf und ab.„Aber, na..." „Das meine ich ja." Frau Kern wurde wider ihren Willen leidenschaftlich.„Weißt d», Hermann, versetzen läßt du dich nun doch nicht so ohne weiteres! Das ist ja direkt gemein!" „Manchmal ist's ein ganz guter Ausweg für einen Beamten, der irgend was versehen hat." Ein höhnischer Unterton schwang in Kerns Stimme mit. ,�)ast du denn was versehen?" brauste Frau Kern auf.„Du bist im Dienst« der peinlichste Mensch, den man sich denken kann." In Kerns Gesicht zuckte und zerrte es. Frau Kern bemerkte das und versucht« abzulenken„Es ist ja ganz egal, wegen was die da» gemocht hoben, nmKk Wr gar nicht» Sraas machen, che» mann." „Das meine ich auch, Bater." Anna sah noch immer nicht van ihrer Arbeit auf.„Wenn man immer daran denken wollte, was die Leute sagen, käme man aus dem Aerger nicht heraus." „Uebrigens, es wird Zeit, Abendbrot zu essen", Frau Kern ging in die Küche. Als Kern einige Zeit darauf zu ihr hereinsah, fand er sie zu- sammengebrochen auf dem Kiicheustuhl sitzen heftig weinend. 14. Der Direktor interveniert. Einige Tage später faßte Direktor Fehlinger einen etwas um gowöhnlichen Entschluß. Täglich hatte er vergebens auf das Ein- Verständnis Kerns mit der Verfetziing gewartet. Nein, Kern rührte sich nicht. Er ging leden Tag spazieren, meist mit dem Vorhaben, feinen Direktor aufzusuchen, um ihm zu erklären, daß er die Versetzung ablehnen müsse. Aber nie führte er diesen Entschluß ans. Lehnte er ab, war das Dienstverweigerung, nahm er an, dann war das die eigenhändig« Unterschrift zu seiner moralischen Verurteilung. Und damit tonnte sich sein Rcchtsgefüyl nicht abfinden. Am liebsten hätte er sich über die ihm zuteil ge- wordene Behandlung beschwert. Aber-das war ja zwecklos. Viel- leicht wurde wenigstens die Versetzung zurückgenommen, wenn er sich nicht rührte, sich einfach tot stellte und weder„ja" noch„nein" sagte. Dieser vagen Hoffnung gab Kern sich.zeitweilig hin, obwohl er sich immer wieder sagte, daß es sinnlos sei. Er befand sich in jenem Zustande, in dem der Mensch, vor einer schweren Entscheidung stehend, sie hinauszuschieben sucht, so lange er kann, weil ihm das eine so schwer wie das andere fällt und eins so unangenehme Folgen wie das andere haben muß.(Fortsetzung solgi) eBuch Vorbeugung und Teilung von Augenleiden*) Di« Brille nicht als Krückstock— sondern als H e i l f a k t o r! Das ist die Devise, mit der ein über die Fach- kreise hinaus sehr bekannter Augenarzt in Bad Eilsen in einer begrüßenswerten Kampfschrift gegen die Schulmedizin zu Felde zieht. Jeder Augenkronke, jeder Kurzsichtige bekommt beim Lesen neu« Hoffnung. Fort mit den Konkavgläsern, fort mit der„Gläser- korrektur". Denn sie entspannen nicht die aus Naheinstellung ver- krampit« Akkomodationsmuskulotur. Das Konvexglos dagegen ermöglicht das Sehen auch in nächster Nähe ohne oder nur mit einer verhältnismäßig geringen Muskelanspannung wie z. B. bei der Lupe. Deshalb kommen Uhrmacher trotz feinster Naharbeit meistens mit guten Augen durchs Leben. Entspannung?- g y m n a st> k für verkrampft« Muskeln! Hier spricht ein praktischer Arzt aus langjähriger Erfahrung. Das Büchlein ist deshalb so interessant, weil es nicht nur vom Brillentragen handelt, sondern vom Bau und von der Funktion unseres ganzen Sehapparates mit allen Gefahren, die ihm drohen. Das Auge ist ein aktives Organ; heute entwürdigen wir es, indem wir«s durch unsere üblichen Brillen in seiner Freiheit beschränken. Viele Geheimnisse aus den Sprechzimmern der Augenärzte werden ausgeplaudert. Es wird gekämpft gegen die Bequemlichkeit, sich mit der Unzulänglichkeit alter Methoden gedankenlos abzu- finden. Jeder Interessierte sollte sich diese Waffen zu eigen machen, denn es geht um feine Augen. Heinr.Adam.- *) Don Geheimen Medizinalrat Dr. Graf W i r e r. Preis 2,50 M. Bruno-Wilkens-Verlag, Hannover. Rätsel-Ecke des„Abend". Kreuzworträtsel. Waagerecht: I. weiblicher Vorname: 3. biblische Person:S. Auerochs: 8 Sauerkirsche: 11. Heilung: 12. Bogel: 13. Küstenlandschaft in Marokko: 14 per- sönliche» Fürwort: 16. französischer Ar- tikel: 17. weiblicher Bornam«: 18 Stadt in der Schweiz: 19. Deraröherungsglas: 21. Volksstamm: 22 Fremdwort für.ge- gen": 26 Faultier: 28. Märchenperson: 29. Teil des Gesichts: 30. Molchart: ZI. Fettstein: 34. Dop- pelkonsonant:3S. eu- ropäifcher Fluß: 36. Satzzeichen— Senkrecht: 1. Gartengerät: 2. Gebäude; 4. Flüssigkeit: 5. Waschmittel: 6. Gebirge: 7. Teil des Weinftocks: 8. Gebirge; 9. Flächenmaß: 10. Vultanausbruch; 13 Kröte; 17. Göttin: 19 französischer Artikel: 20. Tierprodutt: 23. Zugtier; 24. Boot; 23. oordisches Göttergeschlecht: 27. Farbe; 32. weiblicher Vorname: 33. Welthilfssprache. H. S. Zahlenrätsel. 1234522567384 leichtathletische Sportart: 2 3 6 2 5 Verwandte: 3 8 5 Stadt in Sachsen: 4 5 5 Märchen- oestalt: 3 6 2 5 Schwimmvogel: 2 3 8 4 5 kirchliche Handlung: 2 5 5 Getränk; 5 15 7 Haustier; 6 3 13 Teil des Gesichts: 7 3 4 5 2 2 5 Teil der Kanone: 3 7 3 8 6 Mineral; 8 6 6 3 Stadt in Westfalen: 4 3 8 1 2 Drama von Goethe.— eler.— Küllrätsel. In jedes der freien Felder nebenstehender Figur ist ein Buchstabe einzusetzen, so daß sich dann waagerecht Wörter folgender Bedeutung ergeben: 1. Tier: 2. männlicher Vorname; 3. Hülsenfrucht: 4. Naturerscheinung: 5. weiblicher Vorname. H. S. , Gilbenrätsel. Aus den Silben o cu deck den di dor e e fan fen fi go ga hen ho i Ii mi ne ne ni now o ra ron stau teil tiv ur wa wal wold sind 11 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten ge- lesen, ein Sprichwort ergeben.— Die Wörter bedeuten: 1. Fürsten- gejäzlecht ans Baden; 2. Deutsches Gebirge: 3. Kanal zwischen Hovel und Oder; 4. Weiblicher Vorname; 5. Südamerikanische Republik: wmniumimiimuuiumimiimmtnmuiumnmuiiii 6. Deutscher Freistaat; 7. Weiblicher Vorname; 8. Photogrophischer Ausdruck; 9. Fluß in Indien; 10. Fluß in Frankreich; 11. Richter- spruch.—eicr.— Schieberätsel. Di« Namen der Opern Carmen, Troubadour, Wildschütz, Fideiio, Mignon, Mikado, Maskenball, Traviato, Zampa, Salome. Undine, Lohengrin, Norwa schieb« man seittich so. bis eine senkrechte Reihe den Namen einer weiteren Oper ergibt.—«kr.— Kapselrätsel. 2lus den Wörtern Hase, Rettig, Seele, Laute, Komma, Rahmen, Kleid, Nacht. Zueignung, Leine, Herbert, Schule sind je drei ausein- anderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die, richtig zusammengestellt, ein Sprichwort ergeben. �k. Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Arbeiter; 5. NL.: 6. Siegmund: 11. Tal; 12. Mai; 13. Fee: 16. Isa; 18. lau; 21. ACE: 23. Irrwisch; 26.«l; 27. Newhaven.— Senkrecht: 1. Australien:. 2. eng: 3. Ilm: 4. Radieschen; 7. ia; 8. elf: 9. um; 10. na: 14. Ei: IS. es; 17. Aas; 19. Ar; 20. ur; 22. cc; 24. Weh; 25. 2la. Kapselrätsel: Sondershausen, Beweggrund, zumachen, Karlsruhe, Remise, Bekenntnis, Nachtwache, Haarbesen, Entrechtung, Hutmacher, Beittitt. Joseph, Wettrennen.—„Der Weg zum Ruhm ist nicht bestreut mit Rosen." Gleichgewichtsrätsel: Umtehrrätsel: Gras-— Sarg. Silbenrätsel: 1. vunlop; 2. Eichendorss-, Z. Recherche:�' 4. Biber: 5. Entaustik; 6. Sardine; 7. Sakristei; 8. Regiment: 9. Enseli; 10. Tantalus: 11. Elegant: 12. Jnklusiv; 13. Lotto: 14. Donner; 15. Elbrus: 16. Rütll; 17. Thunfisch; 18. Adjunkt.— „Der bessere Teil der Tapferkeit ist Vorsicht." Worträtsel: Sand— Wand— Band. Scherzrätsel: Er— ich— Wegerich. Die fehlende Silbe. Die Silbe ,cha".— L: Tabakbau, Tabelle. Tablette, Tacitus, Tafeltuch, Tagebuch, Tagore, Tahiti. Tatelwerk, Talismen. Tapete, Tarantel, Tarifbruch Tatarei, Taverne.— It.: Botanik, Brentano, Katafalk, Kantate, Kawlog, Matador. Phantasie, vatanas, Skutari, Sonntaae. Svortakus. Tantalus, Titanen, Wohltaten, Zitate. Nr. 355 H| Sonnabend 47. Jahrgang BH«N� a«W �n BS H HF�Mk 2. August 1930 99 Ulincltliegen 4* 'Neue Wege zur Erhöhung der Sicherheit im Euttverkebr Dem steten Fortschreiten der Technik ist es gelungen, die Sicher- heit des Flugverkehrs auf eine noch vor kurzem für kaum je er- reichbar gehaltene chöhe zu steigern. Trotzdem kommen bekannrlich auch heute noch hin und wieder Unfälle vor. Untersucht man ihre Ursachen, so zeigt sich, daß ein großer Test nach demselben Schema verlaust: das Flugzeug gerät in Wolken oder Nebel, der Pilot ver- liert in der ihn von allen Seiten umgebenden grauen Masse das Gefühl für die Lage seiner Maschine in der Lust, versucht infolge- Blick in die beiden Führersitze der„Blindflag"- Schulmaschine Man erkennt die doppelle Steucrungsanlage mit Inslru- m erden usm. Der offene Silz des Lehr er t(links) und der abgedeckte Sitz des Schülers(rechts) sind durch die in der Mitte sichtbare Roll jalousic, die auf dem Bild halb hoch- gezogen ist, voneinander getrennt. dessen nach unten durchzustoßen, um wieder in Erdficht zu gelangen, gerät dabei zu tief herunter und rennt mit irgendwelchen plötzlich vor ihm auftauchenden Hindernissen(Bäume, Häuser, Vevgkuppen und dergleichen) zusammen, da ihm bei der hohen Geschwindigkeit der modernen Derkehrsmaschinen nur in den seltensten Fällen ge> nügend Zeit zum Ausweichen oder Ueberspringen bleibt. Auf diese Weise sind erst in den letzten Wochen das Berlin— Londoner Post» flugzeug und die Tenertstaexpedittonsmaschin« der Deutschen Luft- Hansa verunglückt. Es handelt sich hier um eine eigentümliche Erscheinung, die jeder Flieger aus eigener Erfahrung kennt und fürchtet. Während näm» lich ein gesunder Mensch aus dem festen Boden auch bei geschlosienen Augen sich stets über seine Lage im Raum im klaren ist und genau anzugeben vermag, wo oben und unten ist, braucht der Flieger, um seine Maschine im richtigen Gleichgewicht halten zu können, einen sesten äußeren Anhaltspunkt, als welcher ihm die Erdoberfläche oder, falls diese durch Wolken verdeckt ist, die Sonne, der Mond oder irgendein Sternbild dienen kann. Wird ihm dieser Anhalts» punkt genommen, wie es beim Eintauchen in Wolken oder Nebel der Fall ist, so vermag er schon noch kurzer Zeit nicht mehr zu de- urteilen, ob er steigt oder fällt, geradeaus fliegt oder eine Kurv« beschreibt, ja. nicht einmal, ob die Maschine richtig in der Luft liegt oder schief aus einem Flügel hängt. Die Ursache dieser merk- würdigen Erscheinung ist die Wirkung der. Zentrifugal» k r a s t, die sich bei der geringsten Abweichung vom geraden Kurs bemerkbar macht und den in den Knochenhohlräumen des iimeren Ohrs untergebrachten menschlichen Gleichgewichtssinn zu den fett- samsten Trugschlüssen verleitet. Es ist dadurch begreiflich, wenn die meisten Flieger einen außerordentlichen Abscheu vor längeren Wolken- oder Nebelfilügen haben, riskieren sih doch dabei, daß ihnen die Maschine über kurz oder lang nach irgendeiner Seite abrutscht, wo- bei es Glücksache ist, ob es dem Führer gelingt, sie noch rechtzeitig vor dem Aufschlag auf dem Boden wieder in seine Gewalt zu be- kommen. Auf der anderen Seite katm sich jedoch im praktischen Luftverkehr eine Situation ergeben, wo das Durchfliegen einer größeren Wolken- oder Nebelbank einfach nicht zu umgehen ist. Aus disem Dilennna gibt es ost'enbar mir«inen Ausweg, mmstch H*■ ,,(jyrorector"-Kreiselsteuerzeiger Das middigste Instrument für den Blindflug. Der elektrudi angetriebene, auf Kugellagern höchster Präzision laufende Kreisel(im Innern des runden Gehäuses) macht etwa 300 Umdrehungen pro Sekunde= 18 000 Umdrehungen pro Uinute- den, einen Apparat zu konstruieren, der dem Führer, un- beeinflußt durch die irreführende Wirkung der Zentrifugalkraft, jederzeit die wahre Loge des Flugzeugs in der Luft anzeigt. Die Bemühungen zur Schaffung eines solchen„Steuerzeigers" reichen schon sehr weit zurück, ohne jedoch lauge Zeit zu greifbaren Re- sultaten geführt zu haben. Das änderte sich erst, als man auf den Gedanken kam, diese Apparate aus dem Kreiselprinzip auszubauen. Ein rasch umlaufender Kreisel zeigt bekanntlich das Bestreben, seine einmal eingenommene Lage entgegen allen von außen aus ihn eiirwirkenden Kräften unter allen Umständen beizubehalten, weshalb er für Stabilisierungs- und Steuerzwecke jeder Art hervorrageud geeignet ist. Die praktische Auswertung der neuen Idee ergab denn auch bald, daß sich auf diese Weise in der Tat ein brauchbarer .Steuerzeiger" konstruieren ließ, doch bedurfte es noch jahrelang-r, angestrengter Arbeit, um der immer wieder auftauchenden Schwierig- ksiten Herr zu werden. 5)eut« kann die Aufgabe jedoch im großen und ganzen als gelöst betrachtet werden, wie schon aus der Tatsache hervorgeht, daß sämtliche modernen Großverkchrsflugzeuge mit der- artigen Kreiselfteuevanzeigern ausgerüstet sind. Man wird nun mit Recht sragen, wieso es dann trotzdem zu den eingangs erwähnten Katastrophen hat kommen können. Darauf ist zu erwidern, daß es, wie die Praxis gerade in letzter Zeit wieder gezeigt hat, mit dem bloßen Einbau dieser Steuerzeiger nicht getan ist, sondern daß man auch dafür sorgen muß, daß der Pilot die An- gaben des Instruments in richtiger Weise für die Führung des Flugzeugs zu verwerten versteht. Das ist nicht, wie man annehmen möchte, eine Selbstverständlichkeit, sondern läßt sich nur durch lange Schusung und Uebung erlernen. Denn da der Durchschnittspilot Flugzeug-Attrappe zur„BUadflug"-Schuluag auf dem Boden Links am Steuer der Schüler* rechts dahinter der Lehrer, der in der linken Hand den Hebel zur Beeinflussung der in der Mitte sichtbaren Instrumente hält. gewohnt ist, sich beim Fliegen ausschließlich auf sein Gefühl zu oer- lassen, wird er einem Instrument, dessen Angaben dies Gefühl aus den oben angeführten Gründen manchmal Lügen zu strafen scheinen, anfangs stets mit Mißtrauen gegenüberstehen. Die großen Lust- verkehrsgesellschaflen sind deshalb, nicht zuletzt unter dem Eindruck der jüngsten Unfälle, zur Einrichtung regelrechter Kurse überge- gangen, denen sich jeder Verkehrspilot unterziehen muß und in denen er systematisch im Fliegen nach Instrumenten unterrichtet wird. Man geht dabei so vor, daß der Schüler zunächst auf dem Wf/h < WKBKBBSK „Blind flug"-Schulmasch ine von oben links der offene Sitz des Lehrers, rechts der abgedeckte des Schülers. In der Mitte vorn die Meßdüsen der beiden Geschmindigkeitsmesser. Boden in einer Attrappe Platz nimmt, die die Nachbitdung eines Flugzeugführersitzes mit Steuerungsorganen, Instrumenten usw. enthält. Hinter dem Schüler, ihm also unsichtbar, sitzt der Lehrer, der mittels einer besonderen Apparalur die vor dem Schüler be- f endlichen Instrumente, speziell den Kreiselsteuerzeiger, so beein- flussen kann, daß ihre Ausschläge bestimmten Fluglagen(Steigen, Fallen, Kurven, Schrägliegen usw.) entsprechen. Aufgabe des Schüllers ist es nun, auf die scheinbaren Bewegungen des Flugzeugs mit geeigneten Steuerbewegungen zu antworten. Hat er das zur Genüge erlernt, so werden die Uebungen im jlicgenden Flugzeug fortgesetzt. Man hat für diesen Zweck besondere Schulmaschinen mit zw« nebeneinanderliegenden Führersitzen, von denen jeder eine komplette Steuerungsanlage mit allen erforderlichen Instrumenten enthält. Der eine Sitz ist offen, der andere durch einen darüber gesetzten Aussatz gegen Sicht nach außen vollständig abgedeckt. Der Lehrer nimmt in dem offenen, der Schüler in dem abgedeckten Führersitz Platz, das Flugzeug startet, steigt auf eine gewisse Höh«, und nun muß der Schüler versuchen, die Maschine allein nach den Angaben der Instrumente in richtiger Gleichgewichtslage und In geradem Kurs zu halten auch nach Anordnung des Lehrers Wen- düngen, Gleitflüge und ähnliche Manöver auszusührcn. Macht er einen Fehler, so korrigiert ihn der Lehrer durch«inen Griff in sein Steuer, außerdem ist durch eine in die Fliegerkappen eingebaute Lautsprechertelephononlage die Möglichkeit zu gegenseitiger münd- licher Verständigung gegeben. Der bisherige Erfolg der.Blindflugturse" darf als außcrordcnt- lich befriedigend angesprochen werden. Einzelne Piloten haben be- reits ganz erstaunliche Leistungen im reinen Jnstrumentenflug zu verzeichnen. Man darf deshalb hosfen, daß der Luftverkehr in Zu- kunft von Unfällen der eingangs geschilderten Art verschont bleiben wird. Wclc. Maschinen in dLcr üamdtwivlschafl 'Die Kurse der Deulahratt Die zwischen dem R e i ch s k u r a t o r i u m sür Technik undderLandwirtschast und dem Reichsverband des deutschen Handwerks und feinen Fachoerbänden vereinbarten Land- mafchinenreparaturkurse für ländliche Hand- w e r t e r, die bei der D e u l a t r a f t in Zeesen veranstaltet werden, haben ihre Notwendigkeit bereits bewiesen. Seit Oktober 1929 sind insgesamt neun Kurse veranstaltet worden, von denen vier als Karawanenkurse in Württemberg, Hannover, Rheinland und Hessen stattfinden. Von den 282 Teilnehmern entstammen 217 dem Schmiedehandwerk, 2 dem Schlosserhckndwerk und 6 anderen Be- rufen. Es hat sich gezeigt, daß die Teilnehmer zu e t w a 9 9 P r o z. noch keine Kenntnisse im Drehen, Schweißen, Löten und in Lagerorbciten litten. Gerade diese Fertigkeiten gebraucht der Handwerker aber unbedingt sür die Reparatur landwirtschaftlicher Maschinen. Sehr bemerkenswert ist, daß sich fast alle Kursusteilnehmer de» Handwerks dahin geäußert haben, daß die Kursusdauer von< Wochen außerordentlich knapp ist, um das sehr umfangreiche Gebiet einigermaßen kennen zu lernen. Die Organisationen des Handwerks haben sich, ebenso wie die Kursus- teilnehmer selbst, immer wieder sehr günstig über die Kurse aus- gesprochen. Obwohl ursprünglich diese Landmaschinenreparatur- kurse nur bis zum April dauern sollten, sind von Handwerks- und Landwirtschaftskammern noch wettere 7 Kurs« angefordert worden, die in' Zeesen, im Rheinland, in Schleswig-Holsrein, der Grenz- mark, ün Freistaat Sachsen und in der Provinz Pommern statt- finden werden. Bedenkt man, daß 89 000 ländliche Handwerks- betriebe der Metallgewerbe vorhanden sind, so hat das Handwerk noch sehr viel zu tun, um seine Berufsangehörigen mit der modernen La nd Maschinenreparatur bekannt zu machen. Besonders dringlich sst aber, daß die Lehrlinge der Metall- Handwerke schon im Drehen, autogenen Schweißen und im Hart- und Weichlöten ausgebildet werden. Es wäre wünschenswert, wenn die Landwirte und die landwirtschaftlichen Organisationen sowohl die einzeiiren Handwerker drängen würden, an den Landmaschinen- reparaturkursen teilzunehmen, wie aber auch dahin(hren Einfluß geltend machen, daß schon die Lehrlinge eine entsprechende Aus- bildung erfahren. Ebenso notwendig ist es, daß die gewerblichen Berufsschulen das wichtigste Landmaschinengebict in ihren Lehr- Plänen aufnehmen und sowohl die amtierenden Gewerbelehrer ver- anlassen, sich hiermit zu beschäftigen, als auch die Ausbildung der Gewerbelehrer nach dieser Richtung ergänzen. DI« weitgehende Anwendung der Landmaschinen zur Senkung der Gestehungskosten ist erst dann gegeben, wenn die sachgemäßen Reparaturen und Pslegearbeiten durch die Handwerker ge- sichert sind. Der gro£e„Piet" bei Rütt! Landerkampf Deutschland— Ausland unentschieden Die gestrige Veranstaltung auf der Rütt-Arena war ein großer Erfolg. Der gute Besuch und die Abwicklung des ausge- zeichneten Programms konnten vollauf befriedigen. Im abwechslungsreichen Mannschaftsomnium war das Ausland durch Bonduel, D e w o l f, D i n a l« und Piet van Kempen sehr stark vertreten. Für die Farben der Republik star- teten Kroll. Lehmann, Tietz uird Wissel. Der erste Weit- bewerb, ein Fliegerrennen über«inen Kilometer, ergab in beiden Läufen einen Punktgleichstand. Lehmann und van Kempen gingen je einmal als Erster über das Band. Der Holländer van Kempen stellte im Fünf-Kilometer-Punktefahren seine große Klasse unter Beweis. Er gev>ann überlegen drei von fünf Wertungsspurts. Wissel und Kroll teilten sich die übrigen. Mit 34 Punkten standen die Ausländer nach dem Abläuten vor Deutsch- land mit 32 Punkten. Lehmann-Wissel vermochten aber in der letzten Konkurrenz einem 4l>ü0-Meter-Verfolgungsfahrcn gegen die van van Kempen und Dewolf vorzeitig verlassenen Bonduel und Dinale 40 Meter Boden abzugewinnen. Dieser ausgezeichnete Siez der beiden deutschen Fahrer ergab im Gesamtklassenient einen Punkt- gleichstand von 4M>; 4'A. Das an Borstößen überaus reiche Zwei» stunden- Mannschaftsfahren nahm nach einem zunächst recht eintönigen Begirm noch einen spannenden Berlauf. Die zahl- reichen Jagden waren durchaus nach dem Geschmack der Zuschauer. Wier Doppclwertungen trugen zur Belebung bei. Trotz des höllischen Tempos waren Rundengewinne möglich. Die erste Runde gewann Damm-Schorn nach der ersten Lagd fast mühelos, das Feld war zu sehr mit der Beachtung der Favoriten, die sich aber nicht entfalten konnten, beschäftigt. Nach Schluß der ersten Rund«(44,600 Kilometer) holten sich Bonduel- Dewolf und Dinale-Kroll ebenfalls je eine Rund«, dann sicherten sich Dannn-Schorn dabei rechtzeitig mit einer zweiten Runde die Spitze. Das Signal zur größten Jagd gab van Kempen mit seinem energischen Versuch, eine Runde.zu gewinnen. Während der Holländer immer besser wurde, versagte Tietz. Nur eimnal drehte Tietz mächtig auf, mit dem Erfolg, daß die Mannschaft weit in die Spitzengruppe aufrückte. Damit belegten sie den 5. Platz. Später konnten noch Kroschel-Nickel ebenfalls im Alleingang zur Spitz« aufrücken. Di« Belgier Bonduel- Dewolf hatten mit 39 Punkten den zweiten Platz mit einer Berlustrunde hinter den Ileberroschungssiegern Da Nim- Schorn(9 Punkte). Kroll-Dinale erreichten mit 3? Punkten den dritten Platz. Kroschel- Nickel erbeuteten 26 Punkte. Lehmann-Wissel, die außer van Kempen- Tietz am stärksten beobachtet wurden, waren durch eine Sturzverletzurg Lehmanns gehondicapt, und 2 Runden hinter der Spitze verteidigten sie den siebenten Platz. In zwei Stunden wurden 89,260 Kilometer zurückgelegt. Heute, Abendsporttest in Bauinschulcnwcg Heute um 17 Uhr veranstaltet Südost-Treptow der FTGB. auf dem Sportplatz in Baumschulenweg ein Internes Abend- s p o r t f e st. Jede Genossin, jeder Genosse sollte an dieser Deran- stalwng teilnehmen. Denn es gill für den Arbeitersport auch nach außen hin zu werben. Anschließend findet im Lokal Tivoli, Neue Krugallee, um 20 Uhr ein geselliges Beisammensein statt. Bei un- günstiger Wittcrungslage um 20 Uhr: Tivoli. Eltern der Genos- sinnen, Genossen und Gäste herzlich willkommen. Unkostenbeitrag: 0.50 Mark. Studenten-� elhneisiersdiaf ien Deutscher Futjballsieg über Luxemburg mit S: 0 Hessens Metropole D a r m st a d t steht völlig im Zeichen der ■K. Internationalen Meisterschaften der Stu- denlen, die etwa 1000 Wettkämpfer aus 33 Ländern zusammenführen. Es herrscht ein wahres babylonisches Sprachengewirr. Ueber- ell hat man sich die größte Mühe gegeben, den Weltspielen zu einem vollen Erfolge zu verhelfen. Auch die sportlichen Anlagen der Stakst, in erster Linie das schöne und sehr zweckmäßig« Hochschulstadion. werden den Anforderungen genügen. Die eigentliche Eröffnung der Meisterschaften erfolgte heute mit dein Einzug der Nationen in knis Hochschulstadion. Nach der Eröffnungsrede wurden mehr als 2000 Brieftauben abgelassen. Das erste größere Ereignis war "der Fußballkampf Deutschland— Luxemburg, der um 17.45 Uhr im flaggengeschmückten Hochschulstadion vor � 3000 Zuschauern seinen Anfang nahm und von der von Reichstrainer Nerz sorgfältig vorbereiteten deutschen Mannschaft mit nicht weniger als : 0 Toren gewonnen wurde. Bei der Pause lagen die Deutschen s ch o n m i t 4: 0 i n F r o n t. In die Torerfolge teilten sich der Münchcner Heckmai er(4), der Berliner Klaas(2) und der Miinchener Schäfer(2). Favoriten des Fußbollturniers, an dein neben Deutschland und Luxemburg noch Italien und Frankreich teilnehmen, sind die Italiener, die am Sonntag gegen Deutschland anzutreten haben. Sportfest der Praueo Werbeiage am 13. und Z4. August in Nowawes lieber 5800 Frauen und Mädchen sind in den Bereinen des 1. Kreises des Arbeiter-Turn- und Sportbundes zur aktiven Mit- arbeit organisiert und bereit, in wirtsainer Weise für den Frauen- spart zu werben. Dazu soll helfen das am 23. und 24. August in Nowawcs unter dem Titel„3. Kreis-Jrauen-Turn- und Sportfest" stattfindende Werbefest. Hier sollen die Frauen den Beweis er- bringen für die Notwendigkeit der Ausübung von Leibesübungen zur Pflege der Gesundheit, die die werktätig« Frau im Kampf um das Dasein gerade in der jetzigen schweren Zeit so bitter notwendig hat. Hier werden sie werben, um das Interesse aller Frauen und Mädchen, die jetzt noch abseits stehen, zu wecken und sie um ihre .Fahnen scharen zu können. Der Festbeitrag ist so gestellt, daß er von jedem zu erschwingen ist. OLO Mark beträgt der Preis für die Festplakette, die zu allen Ber- anstaltungcn freien Eintritt gewährt. Festplaketten sind zu haben in der Sportzentrale, Königsbergcr Straße 5/6., in der FTGB.-Ge- fchoftsstelle(Lichtenberger Str. 3), sowie auch bei den Kreisfrauen- Bertreterinnen, Dienstags und Freitags in der Kreisgeschäftsstelle, �lsasser Straße 86/88, Aufgang A. 4 Treppen. -ARBEJTEK TUSSBALL Werbe-Futjballhirnier in Neukölln Angespornt durch das im Dorjahr so gläi�end verlaufene Turnier, veranstaltet der Frei« Fußballverein M>n e r v a- N e u- '? ö l l u in diesem Jahre ei» Werbefußballturnier. Waren im vori- gen Jahre 10 Vereine mit 20 Mannschaften daran beteiligt, so find es in diesem Jahre 16 Vereine mit 28 Mannschaften. Leider ■beteiligt sich der vorjährige Turniersieger Lichtenberg II nicht daran. Vn diesem Jahre ist es den Neuköllnern gelungen, aus allen Be- zk'ken führende Vereine zu verpflichten. Unter diesen befinden sich die drei in der letzten Zeit aus der Opposition zurückgekehrten Pereine Sparta-Nauen, Teltow und Briefelang. Minerva steht im ersten Bezirk ungeschlagen an der Spitz«, dicht gefolgt von Eiche- Köpenick.«.parta-Nauen sowie Vorwärts- Wedding find im zweiten 'Bezirk unter den Spitzenvereinen zu finden. Am Sonnabend spielen. B r i« s e l a n g und T e l t o w auf dem Platz 6 des Städtischen Sportparkes Neukölln Der Platz ■befindet sich in der Verlängerung der Steinmetzstraße. Briese- long(2. Mannschaft) spielt gegen dieselbe Mannschaft der Nauener auf der Freifläche Tempechofer Feld. Di« Hauptspiele beginnen am Sonntag. Schon von morgens 9 Uhr ab ist auf beiden Plätzen ein reges Fußbvlltreiben. Es spielen folgende Jugend- Mannschaften: Eiche-Köpenick gegen Dorwärts-Wedding und Sparta- Nauen gegen Minerva 28. Ilm 10 Uhr spielt Teltow(2. Mann- schaft) gegen Britz 88(2. Mannschaft) auf der Freifläche. Uni 11.20 Uhr stehen sich Dorwärts-Wedding und Sokol-Charlottenburg auf dem Platz 6 gegenüber. Nach diesem Spiel treten die Mann- schatten in Sportkleidung zum Werbeumzug durch Neukölln an. Der Abmorsch Ist Steinmetzstraße Ecke Schillerpramenade. Den Aug werden drei starke Tambourkorps begleiteii. Um 13 Uhr ■treten sich dann Neukölln-Britz I und Eintracht II gegenüber. Eiche- Köpenick spielt mit der 2. Mannschaft um 14 Uhr auf der Frei- fläche gegen Britz 86(1. Mannschaft). Noch während dieses Spiel im Gange ist, spielen auf Platz 6 um 14.40 Uhr Eiche-Köpenick und Sparta-Nauen mit den ersten Mannschaften. Minerva 28(2.) spielt gegen Deutsch-Wusterhaufen(1.) um 15.50 Uhr auf der Frei- fläche. Vorwärts-Wedding und Schönow(1. Mannschaften) spielen um 16.20 Uhr aus dem Platz 6. Anschließend daran, um 18 Uhr, stehen sich zum Schlußfpiel Eintracht-Reinickendorf und der Turnier- Veranstalter Minerva 28 ebenfalls auf Platz 6 gegenüber. Weiterhin sind folgende Serien bzw. Börsenspiel« fest- gefetzt: Brandenburg gegen Spandau 25, Grebs gegen Sokol, Hoppegarten gegen Weißensee II, Oberspre« gegen Lichtenberg I, Kogel gegen Spandau 2., Lichtenberg II gegen Weißensee, Stor- kow gegen FTGB.-Pankow, Wilmersdorf gegen Friedenau, Union» Tcwpelhcf gegen Frei« Scholle, Saxonia gegen Brandenburg, Ca- puch gegen Cladow.— Zweite Mannschaften: Oberspre« gegen Lichtenborg I, Lichtenberg II gegen Weißenfee, Storkow gegen FTGB.-Pankow, Drewitz gegen Capuch 2., Freie Scholl« gegen Umon-Tempelhof, Brandenburg gegen Jeserig. �OJYidJoedUU Die nächsten Spiele Heute abend fährt die 1. Männermannschaft der FTGB.-Nor- den 3 nach Spandau und spielt um 19 Uhr in der Seeburger Straße gegen FTGB.-S p a n d a u. Am Sonntag veranstaltet der Bezirk Osten der FTGB. aus dem Sportplatz Friedrichshain einen Werbespieltag. Es spielen die 3. Männermannschaft gegen FTGB.-Nordost 2 um S'A Uhr, die Jugendniannschast gegen Sokol um 10.40 Uhr, die Frauen gegen Borwärts-Hennigsdorf um 15.20 Uhr, die gleichen 2. Männermannschaften um 16.10 Uhr und die 1. Männermannschaften um 17.20 Uhr. Zum Sportfest in Zossen stehen sich die Freie Turnerschoft Zossen und die Freie Turnerjchast Wilmersdorf gegenüber: es spielen die Frauen um 15fb Uhr und die Männer um 16.20 Uhr. Bornstedt hat Freie Sportvereinigung Kaulsdorf als Gegner: hier spielen die Jugend- mannschafta? um 15 Uhr und die 1. Männermannschaften um 161� Uhr. Weitere Spiele sind: Frei« Turnerschast Potsdam(1. Man- »er) gegen Nowawes 2. Männer um 10 Uhr in Potsdam, Luftschiffhafen: Freie Turnerschaft Rehfelde(Frauen) gegen FTGB.-Nordost(Frauen) um 10!� Uhr in Rehfeloe: FTGB.-Rosen- thal(Frauen) gegen Kaulsdorf(Frauen) um 11 Uhr in Rosenthal, Hauptstraße, und FTGB.-S p a n d a u(Jugend) gegen R e i n i ck« n- dorf-West um 10 Uhr in Spandau, Seeburger Straße. Leichtatbieten in Hamburg Der Arbeiter-Sport-Club Homburg veranstaltet am 3. August sein erstes bundesoffenes Sportfest, das eine hervorragende Besetzung-gefunden hat. Aus Berlin folgen der Einladung Athletik-Sport-Club sowie die Abteilung „O st r i n g" der FTGB. Neben den Einzelkonkurrenzen über 100 Meter und 1000 Meter: Berlin ist hier durch seinen besten Mittelstreckler Huwe-Ruhlsdorf vertreten, interessieren besonders die 10 X 100-Meter- sowie 4 X lOO-Meter-Stasetten: in dieser Kon- kurrenz hat Ostring die bisher beste Zeit in diesem Jahre erzielt. Da auch der ATE. in seiner ersten Besetzung antritt und möglicher- weise die Rekordstasfcl von Feuerbach am Start erscheint, wird es hier das interessanteste Rennen des Tages werden. In der 4 X 800» Meter-Staffel dürfte Hamburg die größeren Aussichten haben, falls Stettin nicht mit von der Partie ist. Berliner Sportler im Brsuokoklengediet Am letzten Sonntag weilte der A S C. mit 25 Sportlern in B ü ck g e n, einer Ortschaft im Braunkohlengebiet, um die dortige Freie Turnerschoft bei ihrer zehnjährigen Gründungsfeier zu unterstützen. Bückgen ist de? Hauptort der Grube Ilse, dem größten Werk im Niederlausitzer Kohlengebiet, aber auch dem größten Scharf- macherwerk. Einen schweren Kampf hat die Freie Turnerschast Bückgen gegen den von der Grube Ilse beherrschten Turnverein der Deutschen Turnerschoft zu führen. Außer dem ASC. war noch die L e i chta th l« t i k- Be re in i g ii n g Dresden, ferner Forst, Cottbus, Weiß wa f je r, Scnftenbcrg usw. vertreten. Die Wettkämpfe litten sehr unter dem starken Wind. Ein plötzlich «insetzender Regen verhinderte die restlose Durchführung des Pro- gromms. Bei den Resultaten ist erwähnenswert, oaß den 100- M e t e r- L a u f(Klaffe A) O. Helfet,(ASE.) in 12 Sekunden gewann vor Serijarth, Dresden. Im 100-Mcter>Laus(Klage 2) siegt« H««schel(AST.) in 12,8 Sekunden vor Siein(AST.). Den 200.Meter.Lauf brachte Fischmann(AST.) in 25,1 Sekunden vor Günter, Dresden, und Wilde, Forst, an sich. Im 400-Meter.Lauf war Böhmer, Dresden, in 55,4 Sekunden vor Braun(ASC.) 55,5 und Stein(ASC.) 57 Sekunden siegreich. Die 4X100- Meter- Staffel(Klasse A) gewann der ASC. in 46 Sekunden vor Dresden, Forst und ASC. III. Den Lauf Klasse B gewann die vierte ASC.-Mannschoft vor der fünften. Das Diskuswerfen bracht« Storick, Forst, mit 31,38 Meter vor Thormeyer(ASE.) mit 30,88 Meter an sich. Im Dreikampf (Klasse A) siegt« M a r s ch n e r, Dresden, mit 205 Punkten vor Glohn(ASC.) mit 200'A Punkten, im Dreikampf(Klaffe B) war Quaok(ASC.) mit 19614 Punkten erfolgreich. Trotz Wind und Wetter! Sport der Alten im Freien Regen, Wind— wir lachen darüber...! So dachten auch die Mitglieder der Altersriege, die sich am vergangenen Sonn- abend zum Bade- und Schwimmabend am Bootshaus Borwärts in Baumschulenweg«ingefunden hatten. Nach Besichtigung der Gefamtanlagen des schönen Bootshauses mit dem kürzlich in Betrieb genommenen Neubau, wurde mit der Gejundheits- Gymnastik begonnen. Die Musik brachte den nötigen Schwung in alle Teilnehmer. Eine lustige Note trug der Rennvierer der Altersriegen' hinein, der leider gleich bei seiner ersten Ausfahrt kenterte. Das war für alle dos Signal zum Sprung ins nasse Element!.Reigen' und .Wasserspiele' lösten bei allen Teilnehmern allgemein« Fröhlichkeit aus.— Dann wieder heraus aus dem Wasser, schnell frottier! und zur Erwärmung einen kurzen Dauerlauf und einige Freiübungen. Bei dem anschließenden zwanglosen Beisammensein bc- grüßte S ch r e ck als Borsitzender des Ruderklubs Vorwärts olle Erschienenen und wünscht« der Deranstaltung einen guten Verlauf. Stanislaus dankte für olle Mühe der freundlichen Gastgeber und fand launige Worte, um auf Zweck und Bedeutung der Leibes- Übungen gerade für die Aelteren hinzuweisen..... Di« nächste große Veranstaltung ist am 30. bis ZI. August die Altersriegenfahrt in. die Ruppiner Schweiz. Zwei deutsche Sieger beim Tennis» Dreiländerkampf Am zweiten Tag des Tennis-Dreiländerkampfes auf den Rot- Weiß-Plätzen im Grunewald siegte der deutsche Meister P r e n n über den Japaner Otha mit 6:3, 6:4 und Dr. Landmann über den Australier Crowfordmit dem Ergebnis von 5: 7, 6: 1. 6: 3. Der Stand des Dreiländerkampfes ist folgender: Deutschland gegen Australien 2: 1. Deutschland gegen Japan 1: 2 und Japan gegen Australien 1: 1._ Banbcrsu bei SoiacfMnbt. Di« Nawikimblich« Abt-ilung b«»er- Timt Sioturfteunb« n rren fto it«I am?«a'.tag, bem 2. August, ein« Distchil- gunq eiu-s Moargutes und rin«i Scnffabnl in.. JhJ&btl"- ®onb«runs butd) b«n Bri»s«lang nach SZinftntruB. Abfahrt 8ZH Uhr Lehrt.. Bahnhof.'8,08 Uhr Bahnhof Putiiiistraß«..,...., «Irfilca 8.' August, Mvnotovcetannntung bei Lehnigt. Muhie». strafte ecke' Brommrchrllcke. Di- Trainingatag« fvr Männer, sirauen unb zug.nb finden regclmäftig im Neuttlln.r Sportpark statt. DienÄ-g- auf ber Sauvtkompfbvhii. Donnerstag» auf Ploli 2._,„. T-.iiften»..tin.Die R-turfeennb«'. Abt. Pr-nU-u«.«er«,«eilt. Sannabenb. Zahrt»ach Braubenbur« an her Savcl. Treffpunti N Uhr B-Wbamer f�rnbahnhof. Margen, E-nntog. Tahrt nach Eprremberg. Trcf,- punkt 7 Uhr Potsdamer Ringbahnhbf. Soanabend, 2. Ausast Berlin. f*'■' 1« 05 H J. Jareizki: Welienlihrer nnd Welienschstelerer. 16.30 Nachmittagskonzert. 17.« Sportliche Improvisationen. V', 18.00 Dr. Kurt Pinthus; Die Errihhuif der Woche. 18.25 Prof. Dr. Fritz Hartnng; Die RevoIntioB des Jahres 1848. 18.50 Enrico Caruso(Schallplattrn). 10.10 Aktuelle Abteilung..' /i";. 19.30 Unterhaltungsmusik. 20.30 Kabaiett:..Saison-Ausyerkaot**. rj Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tauxmiulk. Kbnigswusterhau«»«. 16.00 Frankfort; Akademische Weltmelstereehatlen. 16.30 Hamburg; Nachmitlagskonzert. 17.30 Marlin Schuhmacher: Zur Psycholorle des LandUndce. 18.00 Leo Rein: Arbeiterdichtung und d ärgerliche Dichtung. 18.30 Sosanne Tomwaldt: Afrikanische Plauderei. 18.55 Französich für Fortgeschrittene. 19.25 Prof. H. J. Moser: Friedrich Silcher und d*n VoDttiled. 20.00 Hamborg:„Schvarzwaldmkdel". ;;• Sonntag, 3. Anzost * Berlin. 6 30 FunkarTinnastik. 7.00 Von Hsrnburg: HafcnkoTwert>.■; 8.00 Für den Landwirt. Y! i 8.50 Morgenfeier. 10.05 Wettcrvorhcrsaj:«. 10.55 Von Wien: Reportage anliBIich der Salzburger Festspiele 12.00 Breslau; Mittaeskonzert. 14.00 Maria Leiko: Sizilianische Mirchen. 14.30 Studio.„Oper im Rundfunk." Lcitnnc: Walter Qronostay. 15.00„Was gibts denn Neues?"(Williy Schaeffcrs �und Paul Nicolaus.) 15.30 Walter Mcckaucr:„Sechzchnjihrigcr vermißt 16.00 Stadion Grunewald: Deutsche Leichtathletik-Meistersehattai 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.20 Wien: Das festliche Salzburg. 18.00 Stadion, Grunewald: SchluBberichL 18.15 Exotische Lieder(Lotte Theile. Sopran; am Flügel; Waldemar Liachowsky). �,, l<.3ft Rol-WeiB-CInb. Grunewald: Tennis-Dreiländerkampf. 18.55 Volkstümlicher Humor aus alter Zeit(Valerie Ltndner, Sopran, und Otto Erich Lindner. Bariton. Am Flügel: Heinrich Steiner.) 19.25 Sportnachrichten.• um /o,„, 19.35 Wilhelm Schifer;„Der Hauptmann von Köpenick.(Sprecher; Gerd Frlcke.) 20.00 Orchesterkonzert. Anschließend: Zeit Wetter. Nachrichten, Sport, Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. KOnlgswnsterhanges. 12.00 Breslau: Konzert. 12.30 Sportpalast: Deutscher Stenographentag. Heinrich Schulz: Festrede. 13.00 Breslau; Konzert..... 17.25 Darmstadt: Fußball. Deutschland— Italien(II. Halbzeit). 18.30 Ludwig Weiß und Hermine Behu: Das Leben und die Abenteuer des armen Mannes im Tockcnburg- 19.10 W. Brauns: Der Heidepastor Bode. I9.3J Hans Teßmer: Erzihler von gestern(Ed. t. Karserling. Pm|| Strauß, Tim Kröger). 30.00 München: Aus der grünen Steiermark.