BERLIN Montag 4. August 1930 10 Pf. Nr. 360 B 129 42. Jahrgang erscheintttgllch auserSonataz«. Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSW68,!indeostr.8 SftcUautyaße xtei Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile ü M. Ermäßigungen»ach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.27üS6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Die Auflösung des Bürgertums Im Gärbottich bürgerlicher Politik Es steht reichlich bunt aus in den Reihen des sogenannte«' politischen Bürgertums, besonders seit sich die semitisch antisemirischc Synthese der deutschen Stat-partei ausgetan hat. Die Volks- p a r t e i l e r des Herrn Scholz überschüttet die Welt mit Treue- tundgcbungen für ihren großen Sammler und verbinden sie mit Traucrergüssen darüber, daß aus der Sammlung nichts wird. Da- gegen berichten die demokratischen Lairdesverbändg— z. B. aus Köln und Königsberg—, daß sie glücklich sind, einen neuen P�irteinamen gefunden zu haben. Dagegen wurde in Nürnberg am Sonntag eine„Bereinigung unabhängiger'Demokraten' gegründet. Wie die Bereinguirg mitteilt, gab die Veranlassung zu ihrem Entstehen die Gründung der Deutschen Staotspartei. Die Vereinigung wolle alle entschiedenen demokratischen Kräfte sam» «nein. Sie vertrete die Ziele der alten Vorkriegsdemo- k raten und der Iungdemokraten: entschiedenen Kampf für Schwarzrotgold als Symbol der unerfüllten Forderungen der Weimarer Verfassung, Schutz dieser Verfassung gegen den Miß- brauch des Artikels 48, Kampf gegen offenen und versteckten Anti- semitismus, gegen die Bürgerblockbestrebungen, für entschiedenen Pazifismus mit dem Ziel eines den Frieden unbedingt sichernden auch zur Revision der Friedensverträge berufenen Völkerbundes. Der Gründungsausruf der Vereinigung ist u. a. unterzeichnet von Ludwig Quidde als I. Vorsitzenden, Rechtsanwalt Brau- b a ch- Berlin, Hclmuch 0. G c r l a ch- Berlin, Rechtsanrvalt Albert Payör-Müller- Stuttgart, Redakteur Max Reinheimer-Berlin und Otto S t ü n d t- Nürnberg als Reichsgefchöftsführer. Eilzer der hinausgesammelt wurde. Der Vcxtreterlag der Deutschen V 0 l k s p a rt e i Württembergs beschloß am Sonntag mit 51 gegen 46 Stimmen, den langjährigen Reichstagsabgeordneten uird Führer der Partei in Württemberg, 3)ofrat B i ck e s, als Kandidaten für den kommenden Reichstag nicht wieder aufzustellen. An seiner Stelle wurde Reichs- tagsabgeordnetcr K« i n a t h- Berlin als Spitzenkandidat gen>ählt. Rcichstagsabgeordncter Bickes hat infolge dieses Beschlusses an den Landesvorfitzenden der Volkspartei ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt, daß es ihm noch Kenntnis der Vorgänge, die zu diesem Ergebnis geführt hätten, aus Gründen der Selbstachtung unmöglich sei, länger der Deutschen Volkspartei a n z u g e h ö r« n. Er sehe sich deshalb ge- zwungen, seinen Austritt zu erklären. �Leonhard fordert zum Austritt auf. Der Kieler Sanitätsrat und frühere de in akratisch« Reichs- tagsabgeordnete Leonhard veröffentlicht folgende Erklärung: „Ueber den Kops der Partelinitglieder haben de in akratische Führer den Anschluß an die volksnationale Partei des sungdeutfchen Ordens vollzogen. Das bedeutet eine glatte Bankrotterklärung der bisherigen Fraktionspolitik. Das bedeutet ober auch einen starken Ruck nach rechts, denn van Demokratie hat noch niemand bisher bei dem Zungdeutschen Orden ctroos bemerkt. Vor ollem aber ist der Zusamincnschluß eine völlig« Absage ondenPozifisMus. selbst den bescheidenen Lippenpazifismus, wie er bisher in der Demokratischen Partei sich bemerkbar machte. Für alle demokratischen Pazifisten kann es angesichts dieser Sachlage nur eines geben: sofortiger Austritt aus der Demokratischen Partei!" Die Iungvolkspartekler. Di« sogenannte„Reichsgemeinschast junger� Volkspartttler' hielt oin Sonirtog einen Vertretertag ab. Ilm die„Sammlung zu unter- streichen, wurden zunächst diejenigen Äungvoltsparleiler, die im lleberschwang schon der„Staatspartei" beigetreten«varen, aus dem Saale und der Gemeinschaft verwiesen. Dann nahm der Rest ein« Entschließung an, die sich entschieden gegen jede Bestrebung wendet, die»olks parte! zu spalten und die Reichsgemeinschost in Gegensatz zu ihr zu bringen. Löutheußer mag nicht mehr. Der frühere thüringische Ordnungsblockminister, Abg. Leut- heußer, Hot den Vorsitz der Volkspartei für Thüringen niedergelegt und gleichzeitig erklärt, dag er nicht wieder zum Reichstag kandidieren wolle. Oer Haßpastor gegen Lettow. Die bayerischen Deutschnationalen haben am Sonntag nach schwierigen Auseinandersetzungen beschlossen, in Südbayern den Pfarrer T r a u b an die Spitze ihrer Wahlliste zu stellen. Ihr früherer Kandidat Lcttow-Vorbcck kandidiert im gleichen Wahlkreis jür hie Konservative Volkspartei. Freundliche Einladung »Herr Scholz, springen Sie auch hinein, zu Zweien ertrinkt sichs weit angenehmer!" Sie verhandeln... Zwischen dem Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz, und dem bisherigen demokratischen Partei- sührer Koch-Weser wurde für die nächsten Tage eine Aussprache vorgesehen. Diese Aussprache ist nach Gmpfanft des Briefes 5lochS»Wescr an Dr. Scholz tclephonisch vereinbart worden. Man nimmt an, daß sie am Donnerstag erfolgen wird. In Deutschland die Entscheidung! Vandervelde über die Weltbedeutung des 14. September. Brüssel, 4. August. sEigcnberichl.) Aus dem belgischen Gewerkschaslskongreß,- der augenblicklich in Brüssel staltsindet. sprach Eggert als Vertreter des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaslsbundee. Zn seiner Ansprache wies er aus den Wahlkamps in Deutschland hin, der inmitten einer surchlbgrcn wlrlschaslskrise staltsindet. Die gewerkschaftlich orqonisierte Arbeiter. schast Deutschlands werde in diesem Kamps mil ollen ihren Kröslcn die Sozialdemokratie unterstützen. Auch Vondervelde, der den Kongreß im Rainen der belgischen Arbeiterpartei begrüßte, kam in seiner Rede aus den wahltamps in Deutschland zu sprechen.„Es gibt kein Land in Europa und in der ganzen well"— sagke er—,„wo die Sozialisten und die Arbciler- klaiie gegenwärtig nicht ihre Augen aus Dculschland richten, wo der Kamps entbrannt ist zwischen den Kröslcn der Reaktion, die einander suchen,»nd den 5 Millionen gewerkschasklich organisierter Arbeiter und den Millionen organisierter Sozialisten, der stärk, len Gruppe der Zntcrnalionale. Der 14. September ist nicht allein für die deutsche Sozialdemokrakie ein geschichtlicher Zeitpunkt, er ist der große Tag. von dem wir den Sieg der Demokratie, des Sozialismus und des Friedens erwarten." sLanganhaltender Beifall.) -16 Opfer einer Tongrube. Erdrutschkatastrophe in Spanisch-Marokko. Paris. 4. August. Räch einer Meldung aus Melilla in Spanisch- Marokko ereignete sich in der Röhe von Tensaman eine furchtbare Katastrophe. die 15 Frauen und einem Mann das Leben kostete. Etwa 30 eingeborene Männer und Frauen waten damit beschäftigt, aus einer Grube Tonerde zu fördern, als sich plötzlich ein Erdrutsch ereignete, der die ganze Kolonne unter sich begrub. Ein Heer von hilssarbeitern, die aus den benachbarten Dörfern herbei- geeilt waren, arbeiteten den ganzen Tag an der Bergung der verunglückten. Es ist bisher gelungen. 16 Tote und 10 mehr oder weniger schwer Verletzte zu bergen. Schießerei in Moabit. S Verletzte mußten ins Krankenhaus gebracht werden. vah Moabiter Stadtviertel war schon in den späten Rachmiltagsstunden des Sonnabends, wie wir bereits berichlclen, der Schauplatz mehrerer Schlägereien zwischen Kommunisten und hakeukreuzlern. Die Polizei hatte Mühe, die Ordnung wieder herzustellen. Zn später Rächt st unde prallten die Gegner aber- mal» auseinander und es kam zu einer wüsten Schlägerei. bei der auch zahlreiche Schüsse abgefeuert wurden. Fünf Verletzte mußten ins Moabiter Krankenhaus gebracht werden. Der blutige Vorfall spielte sich in der V e u s s e l st r a ß e ab. In einem Lokal waren etiva 40 Nationaisozialistsn anroesend. Gegen Mitternacht marschiert« durch die Beusselstraß« ein 50 bis 60 Mann starker koinmunistischer Tnipp. Di« Konnnunisten ger'eten nun offenbar mit einigen Hakenkreuzlern, die sich yor der Gastwirtschaft aufhielten, in Tätlichkeiten. Di« Angegriffenen flüchteten in das Innere des Lokals, um bei ihren Gesinnungsgenossen Schutz zu suchen. Die Koinmunisten eröffneten sofort ein S t e i n b 0 in- b a r de m e n t auf das Lokal. Plötzlich wurden mehrere Schüsse abgefeuerl, von den zwei an der Schlägerei Vcieiligtc gclrossen wurden. Einer der Verletzten erlitt einen Lungenschuß, ein anderer erhielt einen Oberschcnkelschuß. Außerdem wurden drei Personen durch Stiche und Hieb« so erheblich. verletzt, daß sie mit den übrigen Verwundeten ins Moabiter Krankenhaus gebracht werden mußten. Das Ucberjallkommando nahm zwei Personen als mutmaßliche Täter fest. Knapp eine Stunde später kam es am Dahnhof Beusselstraß- aberinals zu einem Straßenkampf zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. In diesem Falle konnte durch das rechtzeitige Eingreisen der Polizei ein Blutvergießen oerhindert werden. Auch am Sonntag Schlägereien. In einem Gartenlokal an der Lietzenseeterrasic in Charlotten- bürg hielten sich am Sonntag mehrere Hakenkreuzler auf. Plötzlich trachten zwei Schüsse»nd einer der Nationalsozialisten brach von einer Kugel in den Oberschenkel getrosfen ohninächtig zusainmen. Die Suche nach dem Schützen blieb erfolglos. Später wurden in einem Seitengang ein gefülltes Pistolcnmagazin und«ine leere Hülse gefunden. Auch der Sonnlagnachinittag, an dem n a ti 0 na ls 0 zi al i st> sehe und kommunistisch« Trupps demonstrierten, ist nicht ruhig abgelaufen. Annähernd 60 Personen wurden wegen Nichtbesolgung, Wider- standes und Schlägereien zwangsgestellt und der Politischen Polizei übergeben. Ein widerspenstiges Abrüstungsopfer. Japanisches Schlachtschiff wehrt sich gegen Fliegerbomben. London. 4. August. Der japanisch« Kreuzer„Akashi", der auf Grund des Lon- doner Flottenvertrages eingcfchrottet werden sollte, ist nach Tokioter Meldungen am Sonnabendnachmittag durch drei P 0 in b e n s l u g- zeug« der japanischen Marine 90 Minuten lang außerhalb der Bucht von Tokio mit Bomben beworfen worden, um das Schiff zu versenkcn. Die Bombenwürfe erwiesen sich jedoch als wir- k u n g s l 0 s, so daß der Versuch am Sonntagvormittag wieder- holt wurde, diesmal mit Erfolg. Der Kreuzer ist dann endlich nach mehreren Volltreffern in der Bucht von Tokio gesunken. Amerikanische Schlachtschiffe a. O. Washingkon, 4. August. Entsprechend dem Londoner Flottenvertrag wird das Marine- departemcnt die Schlachtschiffe„Utah",„Florida" und„Wyoming" vor dem 1. Oktober außer Dienst stellen. Es wird erwartet, daß. dadurch 4 Millionen Dollar jährlich eingespart«Verden. Flugzeuge auf den Kriegsschiffen? washinglou, 4. August.(Eigenbericht.) Di« amerikanischen Marinebehörden sind zur Zeit mit der Auf- stellung eines neuen Flottenbauprogramms beschäftigt, das den Be- dingungen des Londoner Flottenvertrages entsprechen soll. Unter anderein ist geplant, auf den Bau großer U-Boote und den neuesten Typ der Unlerseekreuzer zu verzichten und statt desien in Ueber- einstiinmung mit den Londoner Flottenvereinbarungen den Bau kleinerer U-Boote zu verstärken. Außerdem will man möglich!' alle Kriegsschiffe mit Landungsdecks für Flugzeuge au statten, Verfassungsfeier des Reichsbanners. Volksfest am Sonntag.— Aufmarsch im Lustgarten und Zackelzug durch die Linden am Montag. Das Berliner Reichsbanner begeht den diesjährigen verfaffungs- lag am Sonntag durch Veranstaltung von v o l k s f e st e n in großen Gartenlokalen der einzelnen Stadtteile. Die Festlotale werden noch in den nächsten Tagen bekannt gegeben. Am Montag, dem ll. August, sammeln sich die Reichsbannerformationen um 20 Ahr im L u st g a r t e n. Hier findet die Zusammenstellung eines r i e- sigen Fackelzuges statt, der mit Anbruch der Dunkelheit die Mitlelpromenade der Linden entlang, durch das Brandenburger Tor, zum Plah der Republik, marschiert. Auf dem Platz der Republik wird ebenfalls bereits von 20 Uhr an ein grohes Musiktorps des Reichsbanners von der Freitreppe des Reichstages aus ein Platzkonzert veranstalten. Aus dem Platz der Republik werden beim Aufmarsch die Fackeln zu einem großen Scheiterhausen zusamengeworsen. in dessen Schein ein namhafter politischer Redner die Ansprache hält. Mit Chorvorlrägen des Männergesangvereins „F i ch t«- G e o r g i n i a" und Musikvorträgen der Reichsbanner- kapellen findet die Veranstaltung dann ihren Abschluß. Oer Westen feiert am Funkturm. Die Verfassungsfeicr des Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold der Ortsvereine Charlottenburg, Schöne- berg, Wilmersdorf und Zehlendorf findet in diesem Jahre am Sonntag, dem August, ab 16 llhr im neuen Funk- t u r in g a r t e n und in dem Funkturm hallen statt. Das vor läufige Pragramm sieht die Mitwirkung des Orchesters des Republikanischen Schutzbundes O« st erreich?, Viener-Reusladt, vor. Es ist geplant, zu weiteren Konzert-Darbic- tungcn des M u s i k k o r p s vom Reichsbanner Charlottenburg und die vereinigten Tambourkorps des Reichsbanners„Kreis Westen' hinzuzuziehen. Eine Tanzkapelle wird abwechselnd im Garten und in den Funkturmhallen spielen. Festredner, Rezi- t a t i o n e n und ein großes Feuerwerk werden, das Programm füllen. Dos Neuköllner Reichsbanner veranstaltet seine Feier am Sonnabend, dem lt. August, in� Garten und Saal der Neuen Welt, Hasenheide. Das Musikkorps des Schutzbundes aus Wiener Neustadt wird den Konzertteil bestreiten. Die Freie Turnerschaft und der Arbciter-Radverein„Solidarität' werden im Programm mitwirken. Zur Feier, deren Reinertrag in einen Kampsfonds gegen die Nationalsozialisten geht, wird eine reich illustrierte Festschrift herausgegeben. Das bundestreue Arbeiter-Sport-Kartell' veranstaltet für die Wilnieredorfer Arbeiterschaft am Sonntag, dem 16. August, aus Anlaß des Versassungstagcs ein Volkssport» s e st. Der Festzug niorschicrt mit großer Musik um 13.36(1.36) Uhr vom Seepart(Hindenburgschulc) zum Fe st platz in der Cicero st roße(Halenseer Kirche). Festrede des Genossen Fritz Wildling von der Zentralkommission, sportliche Lorsührungen, Konzert, Kafseekochen(Kuchen vom Konsum dort crlzältlich). Volks- tänze Oer Jugend usw. Ab 26 Uhr, bei ungünstiger Witterung ab 13 Uhr, in den Johann-Georg-Eälcn. Die Zeiher Arbeiter für Cuvelier. Man soll Oeutfchland nicht nach dem ilkteilsspruch beurteilen. Paris, 4. August.(Eigenbericht.) Der in Weißenfels zum zweitenmal verurteilte französische Schwimmer C u v e l i c r hat nach seiner Heimkehr nach Tourcoing dem„Petit Parisien' ein kurzes Interview gewährt. Uebcr die Gerichtsverhandlungen selbst sprach er sich nicht aus, da er ihnen wegen seiner Unkenntnis der deutschen Sprache nicht habe folgen können. Cr betonte aber, daß ermuch jetzt wieder in Weißenfels einen sehr herzlichen Empfang gesunden habe. Die National- soziolisten hätten sich außerhalb des Gcrichtssaales vollkommen st i l l verhalten. Dagegen sei er von Tausenden von Arbeitern nach der Bahn begleitet und gefeiert worden. Man dürfe also Deutsch- land nicht nach dem Urteilsspruch bewerten. Natürlich gebe es wütende Nationalsozialisten, trotzdem aber genug brav« Leute, die für die deutsch-fran.zösische Verständigung eintreten. Er würde es sehr ungern sehen, wenn seinetwegen die französische Sportbehörd« die Beziehungen zu Deutschland abbrechen sollte. Per- sönlich sei er durchaus bereit, trotz seiner neuen Verurteilung an dem beabsichtigten Wasserballspiel in Nürnberg am 23. August teil- zunehmen. Erdbeben am Kaspischen Meer. Man rechnet mit SOS Toten und 4000 Verletzten. London, 4. August. Nach einer aus Moskau über Riga hierhergelangten Meldung ist die Nordostküste des Kaspischen Meeres von einem Erdbeben heimgesucht worden.. Die Städte Uritst lfrüher Alexandrowsk) und Ehapaew(früher Eurew) seien vollständig zer- st ii r t worden. 5 00 Personen seien getötet worden, 4000 verletzt. Das Erdbeben verursachte eine N eberschwemm«ng des Uralflusses. Tie Umgebung von Ehapaew steht unter Wasser. Mehrere Dörfer seien vollständig zerstört worden. Nazis greifen Volksheim an. Göttingen, 4. August(Eigenbericht). Das Volksheim, das Haus der Göttinger Arbeiter- s ch a f I, ist in letzter Zeit mehrfach v o n N a t i o n a l s o z i a l i st e n heimgesucht worden. Den letzten Angriff unternahmen die Rowdies in der vorvergangenen Nacht. Gegen 12)4 Uhr rückten sie in geschlossener Marschkolonne heran, rissen von. dem Zaun eines Grundstückes in der Nähe des Volkshcims etwa 46 Latten-ab und gingen damit gegen das Haus der Arbeiter vor. Der Bauarbeiter Kreischmann, der sich den Rowdies entgegenstellte, erhielt zwei Schläge über den Kopf und brach bewußtlos zusammen. Außer- dem wurde«in Parteigenosse Kalle schwer verletzt. Wie oerlautet, wurden auf der Seite der Nationalsozialisten zwei bis drei Leute verwundet. Rlacdonald wohnte am Sonntag den Oberammergauer Passionsspielen in der Ehrenloge bei. Er wurde von der Bevölke- rung begeistert begrüßt und mit Blumen überschüttet. Den Bürger- meifter Äbcrnmrnergans und dem Leiter der Festspiele gegenüber gab Macdonald seiner Freude darüber'Ausdruck, daß er Gelegenheit gehabt habe, zum vierten Male Obcrammcrgau zu besuchen. Bourgeois-Kommunisten. Wie die Aazis ihre Wahlpropaganda machen. Die Nationalsozialisten haben�hekanntlich von den Hohenzollern den Prinzen Auwi, vom kaiserlichen Kriegsheer einige Generäle, vom Bürgertum das„National«', von den Professoren den Anti- femitismus, von den Sozialdemokraten den„Sozialismus' und die Anrede„Parteigenosse" übernommen— aber am nächsten stehen ihnen doch die Kommuniston. Mit ihre Hilfe bestreiten sie den Großteil ihrer Propaganda. Der„Völkische Beobachter", der neuerdings auch in einer Ber- liner Ausgabe erscheint, um den„Nationalen Sozialisten' Straßers zu erledigen, käut Tag ein Tag aus dos wieder, was die kommu- nistische Presse an Phrasen, Anklagen, Mutmaßungen von sich gibt. Ein paar Beispiele: Als die Staatspartei ine Leben trat, erklärte die„Welt am Abend': „Da ist zunächst der Inhaber des berühmten Hamburger Bankhauses(gemeint ist Warburg) Melchior zu nennen, nicht nur einer der reichsten Männer Deurschlands, sondern auch Europas. Melchior, der wiederholt deutscher Derireter bei inter- nationalen Finanzverhandlungen war, läßt zunächst erttären, daß er den Aufruf zur Neugründung der Deutschen Staatspartei zwar noch nicht unterzeichnet habe, der Partei aber mit den größten Sympathien gegenüberstehe. Immerhin wird sl�n so viel deutlich, daß hinter der Deutschen Staatspartei die dorische Hochfinanz steht. Weiter»st unter den Gründern auch der Heidel- berger Professor Fritz B« r g i u s und der Berliner Professor Fritz ' Haber zu finden. Bcrgiusjst einer der prominentesten Führer der I. G. Farbenindustrie. Eeine letzte große Erfindung war die Herstellung von künstlichem Benzin aus verftüssigter Kohle. Die Namen Vergius und Haber stehen also nicht zufällig unter dem Programm der Deutschen Staatspartei. Beide sind an der Eni- wicklung der chemischen Industrie finanziell interessiert, so führt von Haber und Bergius ein gerader Weg van der I. G. Farben in das Lager der Deutschen Staatspartei, die die wirtschaftlichen Interessen des großen Chemietrusts direkt mit der Politik oerknüpfen soll, wodurch dann gleichzeitig auch die Verbindung zur Neuorientierung der deutschen Außenpolitik hergestellt wird. Aus dieser festen Bindung der Deutschen Staatspartei an die Hoch- finanz und die wirtschaftlichen Interessen des größten Chemietrusts der Welt ergibt sich»vi« von selbst die freundliche Ausnahme, die die neue Partei und ihr Programm bei der deutschen bürgerlichen Presse gefunden hat...' Dies� kommunistische Darstellung der treibenden'Kräfte in der Staatspartei wurde von Berlin nach Wien gedrahtet und erschien dort in dem„Neuen Wiener Journal'. Aus der Münchener Redaktion des„Völkischen Beobachters" liest man natürlich dieses Blatt„des Juden Lippowitz". zitiert es Wort für Wort und kommen- tiert wie folgt: „Mit diesen Feststellungen wäre die politisch� Stellung der Deutschen Staatspartei als Vertreterin der Trusts und der all- jüdischen Finanz deutlich genug umschrieben. Die Gründung ver- folgt den durchsichtigen Zweck, die nationalsozialistische Sturmflut so weit zu brechen, daß sie auf Grund der Verhältnisse im Reichs- tag nicht legal regieren kann. Der an sich gute Ordensgedanke(Mahrauns) ist damit end- gültig verraten. Äm 4. Juni(Nr. 136) erklärte noch der„Jung- deutsche" protzig:„Unsere Armut und Unabhängigkeit ist eine besser« Visitenkarte als die Millionen Flugblätter, die die anderen mehr drucken können... Wir wollen beweisen, was der Idealismus vermag." Nun kann Mahraun auf seine„idealistische" Visitenkarte schreiben: pölitischer Geschäftsreisender der I. G. Farben, Warburg und Ullstein... Das ganze wird dann den Lesern des„Völkischen Beobachter vorgesetzt mit dreispaltigen Schlagzeilen: „Die Deutsche Slaalsparlei eine Finanzschiebung des Chemie- truste, und de» jüdischen Bankhauses warburg. Mahraun als polltlfcher Commis der Hochfinanz." Gegenüber der Sozialdemokratie bedient sich der National- sozialism�'ebensalls der kommunistischen Agitation. In der„Roten Fahne' war behauptet worden, in der Berliner Funltionärversomm- lung habe ein Arbeiter gegen Wels gesprochen: der„Völkische Beobachter zitiert— natürlich ohne sein« Ouellc anzugeben— den angeblichen Versammlungsbericht des Komniunistcnblattes und serviert das Ganze unter der Ueberjchrist„Das Boll ist nicht mehr bei uns",„Ein SPD.-Arbeiter gegen den SPD.-Bonzen Wels". Beschränkt sich zwischen der Hitler-Partei und der Thälmann- Partei die Gemeinschaft— abgesehen von häufigem Mitglied«!- tausch— auf ein« Gesinnungsgemeinschast, bei der Hitler von Thal- mann schmarotzt, so geht die Zusammenarbeit der Kommunistischen Partei mit dem abgefallenen Nazi-Flügel bis zur Veranstaltung gemeinsamer Dersammlungen. � Das Straßerorgan„Sächsischer Beobachter" bringt einen Bericht über eine kommunistische Ber- sammlung, zu der die„Kampsgemeinschaft revolutionärer National- sozialisten' eingeladen tvar. Otto Straßer hat, dank der„revolutio- nären Disziplin der Kommunisten"«ine Stunde ruhig in der in Neukölln veranstalteten Versammlung sprechen können, nachdem „der Chefredatteur der Roten Fahne". Hirsch referiert hatte. Wird den Mitgliedern der Hitler-Partei auch verboten. mit Kommunisten Freundschaft zu halten, unsere Zitate aus den führenden Organen beider Dewegungen beweisen die Gemeinsamkeit der politischen Methoden von Kommunisten und National sozialsten. Der Nationalsozialismus ist die nationalistische»nd antisemitistische Spielart des Kommunismus.. � Räubernester am Gchlesischen Bahnhof. Baumeister Dietrich abermals überfallen und bedroht. Aus den Adlershoser Baumeister Dietrich, der am Sonnabend. wie mitgeteilt, in einem Lokal am Schtejischen Bahnhof überfallen und um 1800 AI. beraubt wurde, ist in der Sonntagnacht von dem Anhang der Verbrecher abermal» ein Ueberfall» verübt worden. Dietrich wurde, wie er selbst erzählte, an der Eck« der Alexander- und Poltairestraße von«inen, gutgekleideten Mann angesprochen. Wenige Meter davon hielt«in Auto. Plötzlich wurde der Baumeister von mehreren Leuten gepackt und in das Auto hineingezogen, dos in rasender Fahrt davonfuhr. Im Innern des Wagens haben, wie Dietrich angibt, vier Männer gesessen. Mit vorgehaltener Pistole wurde er gezwungen, sich völlig ruhig zu verhalten. Dicht hinter Adlershof habe dos Auto dann gehalten, wo sie dem Baumeister die Freiheit wiedergaben und ihn mit dem Tode bedrohten, rvenn er das Protokoll über den Ueberfall am Schlcsischen Bahnhof am heutigen Tage auf dem Polizeipräsidium unterschreiben würde. Dieser Vorfall hat den Baumeister so erschüttert, daß er einen Nervenzusammenbruch erlitten hat. Di« Polizei ist mit der Klärung der mysteriösen Angelegenheit eifrig beschäftigt. Der Baumeister"selbst hat der Polizei von dem neyen Ueberfall keine Anzeige erstattet, weil er sich offenbar vor der Rache der Räuber- mächte am Schlesischen Bahnhof fürchtete. Wie weiter mitgeteilt wird, konnten alle Mitglieder der Räuber- kolonne festgestellt»verden, die im Augenblick des Ueberfalls im Lokal herumlungerten. Außer fünf Männern wurden noch drei Frauen festgenommen. Drei der Männer sind als berüchtigte Schläger bekannt. Zunächst streiten sie noch olles ab. Im Lauf« des Tages soll der Ueberfallene den Mitgliedern der Kolonne gegenübergestellt iverden. Lleberfall aus Llebermut. Die Falkenberger Räuber noch einmal vor Gericht. Wenn in M o a b i t junge Leute unter Anklage eines Raubüber- falls stehen, lveil Not sie dazu getrieben, so glaubt man, für Ihr ge- meingesqhrliches Tun doch noch Verständnis sinden zu können. Der Raubüberfall auf den Chauffeur W-iszenczer am 27. April d. I. in der Näh« des Dorfes Falkenberg hat aber mit Not nichts zu hm gehabt. Purer llebermut und Trunkenheit waren die Ursache. Der 22jährige Damenfriseur 2. Hatte 76 Mark wöchentlich Gehalt, konnte auch.zu jeder Zeit von feiner Frau, mit der er in Trennung lebte, Geld erhalten, brauchte allerdings viel,»eil er gern Vergnügungen nachging. Der 19jährige Koch G., der bis zum Januar in großen Betrieben wie Adlon, Kempinski, Gourmenio, Billa d'öste usw. gearbeitet hatte, erhielt 26 Mark wöchentlich Arbeitslosenunterstützung und wohnte bei seinen durchaus nicht Not leidenden Eltern. Beide hatten einander«trvn im Januar im Lokal Schneider kennengelernt und angefreundet. Bon wem die Idee des Raubüberfalles ausgegangen ist, darüber konnte volle Klar- hkit nicht geschaffen werden. Heute belasten sie einander schwer. In der ersten Instanz vor dem Schöffengericht Lichtenberg hatte S. 2Vj Jahre Ge f ä n g n i s und G. 1 Jahr 4 Monate erhalten. Beim Transport zum Haftprüftingstermi» soll S. dem G. gesogt haben: „Du hast mich Hincingelegl. hältst du deine Darstellung aufrecht, so dreh« ich den Spieß um." Nun hat er beute den Spieß umgedreht. Er erklärt, daß G. es gewesen sei, der ihm schon einige Wochen vorher den Borschlag gemacht Hab«, sich auf ein Auto zu setzen und davonzufahren: ein anderes Mal habe er zu ihm van der Beraubung eines Chauffeurs gciprachen und am 27 April, bevor sie den Naubübersall begingen, einen Fenstercinbruch geplant. Ganz anders die Darstellung des G., der übrigens einen viel besseren Eindruck macht als S. Dieser, sagt G., habe mit besonderer Borliebe die K r nn i n a l n a ch- richten in den Zeitungen gelesen und immer gesagt:„Was die können, können wir auch. Am Freitag, dem 26. April, habe er zu ihm gesagt:.Lieh' dich morgen gut an, ich habe etwas vor." Arn Sonnabend hätten sie sich bei Schneider getroffen, hätten hier niehrere Glas Bier und Kognaks getrunken, so daß sie nngc- heitert wurden. Während eines darauffolgenden Spazierganges hätte S. dann gesagt, was er vorhabe. Er. G., hätte nicht darau' eingehen wollen, von S. aber einen Faustschlag ins Gesicht erhalten. Sie seien dann in dcssen Wohnung gegangen hier hätte S. eine» Revolver und Munition zu sich genommen. Heber den Raub i ber- fall selbst gehen ihre Aussagen nicht auseinander. Si.- hielten ein Auto an, fuhren bis kurz vor Falken berg: S. ließ halten,»hielt dem Chauffeur W. den Revolver vor, zwangen ihn auszusteigen. G. nahm ihm 74 M. und seine Papiere ab. Dann gingen sie unter Mitnahme des Anlaßschlüssels fort. Kurz darauf wurden sie trotzdem von W. gestellt und verhaftet. S. besteht darauf, daß der Plan nicht von ihm, sondern van G. ausgegangen sei. Oie Berufung verworfen. Di« Strafkammer y e r w a r f die Berufung der Angeklagten Das Gericht würde sür eine einmalige Entgleisung in Alkohol- stiminung volles Verständnis haben, hier aber läge ein« so b r u t a l c und gemeine Tat vor, daß eine Milderung der Strafe nicht mehr in Frag« käme. Die AngeNagten haben nicht aus Wirtschaft- licher Not, sondern aus Vergnllglhngssucht gehandelt, und da» Gericht fei überzeugt, daß sie sich nicht gescheut haben würden, ihr Opfer zu ermorden, wenn es Widerstand geleistet Halle. Das Gericht hat Haftentlassung und Bewährungsfrist abgelehnt und den Zlngeklogten auch nicht einen Tag der feit dem ersten Urteil erlittenen Untersuchungshaft angerechnet. Gedächtnisfeier für Lauras. Französische Partei veröffentlicht seine Werke. Paris. 4. August.(Eigenbericht.) Löon Blum hielt im Freilufttheater in Lyon eine Gedächtnis- rede auf den vor 16 Jahren ermordeten Jauräs. Er kündigte an, daß die sozialistische Partei«ine Gesamtausgabe der Werke von Iaures vorbereite, deren erster Band in den nächsten Tagcn erscheinen»verde. Etwa 166 Kommunisten hatten sich in die Versammlung ein' geschlichen und versuchten die Rede Blums mit Gebrüll zu über- tönen. Sie wurden aber schnell an die frische Luft gesetzt. Stuttgarter Arbeitersänger bei der Feier. pari», 4. August.(Eigenbericht.) Die französische sozialistische Partei hielt am Sonntag in Paris eine große künstlerische Gedächtnisfeier für Jean Iaures ab. Uebcr 5 666 Personen hatten sich cingesunden, darunter auch zahlreiche ausländische Delegierte: auch ein Vcrtreier der deutschen Botschaft war erschienen. Der Arbeiterchor von Stuttgart verschonte �>ie Feier durch den Vortrag zahlreicher Darbietungen, die begeisterte Aufnahme fanden. Die Abgeordneten Longuet und Comp«(c-Morel hielten kurze Ansprachen. Im Anschluß an die Feier begaben sich die Führer der französischen Partei zusammen mit den Stuttgarter Arbeitersängern zum Pantheon, wo sie an der Urne von Iaures Kräyze niederlegten. Am Sonntagabend sangen die Stuttgarter Arbeitersänger mehrere Lieder für den Rundfunk vom Erffeliurm. Frauenveranstaltungen. 1«.«bt. RMersch»»«»*! I*. Dienswg, den 5. Auzust, M-torbootfabrt nad> dem Kalksee. Hin. und Rüiksadet SO?!f. Karten sind bei dem Senassen Sosomsei, bei Tomolla und bei den Zunktionarinnen jzu haben 117. Abt. Lichtenberg. Monwg, den II. August, Dampferfahrt nid> Drieros. Abfahrt 7� Uhr Bootswerft„Lübeck". Lichtenderg, Hauptstr. j. Hin« und Rückfahrt I M. Ein neues Iugendgefängnis. Wird es eine wahre Erziehungsanstatt werden? „Die erfolgreiche Durchführung eines vom Erziehungsgedanken getrogenen Strafvollzugs ist in erster Linie eine personensrage." „Erziehung zur Areiheit ist dos letzte Ziel des Strafvollzuges. Erziehung zum sozialen Menschen, die Eingliederung des Unsozialen in den Organismus der Volksgemeinfchait." Preuhischer Zustizminisler Schmidt In K o t t b u s ist eine neue Jugendstrafonstalt im Entstehen be- griffen. lA) junge Leute im Alter bis gu 21 Iahren sind bereits dahin übergeführt: 50 wejtere im Alter bis zu 25 Iahren sollen in den nächsten Tagen folgen. Dadurch wird einem dringenden Be- dürfnis nicht allein der Berliner Bevölkerung entsprochen: etwa 20 Proz. der jugepidlichen Gefangenen stammen von auswärts und sind in Berlin unter die Räder gekommen. Wenn in Moabit Richter in ihrer Urteilsbegründung zum Aus- druck brachten, daß Angeklagte für längere Zeit ins Iugcndgefäugnis sollten, um hier erzieherischen Einflüssen unterstellt zu werden. s ch ü t t e l t e der Eingeweihte über solche Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse den Kopf. Man konnte froh sein, wenn das Jugend- gefängnis P l ä tz e n s e e nicht das Gute, das im jungen Menschen vorhanden war, zerstörte: von einer systematischen Erziehung zum geordneten Leben konnte hiek keine Rede sein. Dazu fehlte fast bis zuletzt die pädagogisch interessierte Leitung, fehlten die Hilf»- fräste in der Person von Fürsorgern und entsprechend eingestellten Aufsichtsbeamten, fehlten jedwede pädagogischen Hilfsmittel, wie Selbstverwaltung, Gemeinschaftsräume, genügende Beschäftigung mit geistigen Dingen, sportliche Betätigung, ausreichende Arbeitsgelegen- heit, Erziehung zur Scldstverantwortung, Selbstdisziplin und selb- ständige Willensbetätigung. Es herrichte ein ausgesprochener Gesangenengeist mit führender Stellung der Rückfälligen und die übliche Anstaltspsychologie. Wer die jungen Leute von der Anklagebank her kannte und sie einige Zeit später sah, war unter solchen Üinständ-m über die vergröbernde Wirkung des Anstattslebens nicht erstaunt. In ihrer ablehnenden Einstellung dem Iugendgvfängnis Plötzensee gegenüber wußten sich sämtliche inter- essierenden Stellen einig. Run soll es anders werden. In Kottbus soll eine Jugendstraf- anstalt geschaffen werden, die sämtlichen Anforderungen des mo- dornen Straßvollzuges genügt. Die Erfahrungen der drei preußischen Iugendgefängnisse von Wittlich, Neumiinster und Breslau und die neuesten verblüffenden Erfolge einiger weniger auf breitester Selbstverwaltung fußender amerikanischen Strafanstalten sollen beim Aufbau der neuen Anstalt zum Heil der jungen Leute und der Bevölkerung nutzbgr: gemacht werden. Da ist es Pflicht der Oesfentlichkeit, Wünsche zu äußern, deren Verwirklichung eine absolute Notwendigkeit ist, soll die Anstalt in Zukunft ihre Aufgabe, eine wahre Erziehungsanstalt zu sein, erfüllen. Es gilt vor gefährlichen Halbheiten und pädagogischem Dilettantismus zu warnen. Rein baulich betrachtet steht in Kottbus der Gestaltung eines modernen Iugendstrafoollzuges nichts Fn Wege. Die Zellen sind geräumig und lustig, haben verhältnismäßig große Fenster. An Stelle des üblichen Kübelsystems sollen Spülklosette außerhalb der Zellen eingerichtet werden: die Arbeitsräumc sind ganz vor- z ü g l i ch— Arbeitsmöglichkeiten müssen noch geschaffen werden—, Gemeinfchastsrmnne für die gemeinsamen Mahlzeiten und zum Aufenthalt während der Freizeit sind teils vorhanden, teils auszu- bauen. Zwei schöne Spiel- und Spazierhöfe und ein Sport- platz außerhalb der Geföngnismauern stehen zur Bersügung. Dem Mißstände, daß sich die Gemeinschastsräume außerhalb des Zellen- Hauses befinden, könnte durch eine Uebcrführung abgeholfen werden: einige bauliche Veränderungen an Bade- und anderen Räumen find leicht auszuführen. Das Geld dürft« sich finden, wenn die Straf- vollzugsbehörde für die Notwendigkeit dieser Umbauten das nötige � Verständnis aufbringt. Und wie sollte sie das nicht? So wichtig di«»bau1iche Eignung zur Gestaltung einer Jugend- sirasonstalt ist, bleibt sie doch weit zurück hinter den anderen zweifellos wichtigsten Vorbedingungen. Ein noch so interessierter und fachmännisch vorgebildeter pädagogischer Leiter der Jugend- strafanstolt ist machtlos, stehen ihm nicht die erforderlichen H i l s s- FräfU Zur Seite. Er bedarf in erster Linie eines ganz auf die eigenartige Psyche der jungen Leute eingestellten Fürsorgers: wenigstens zweier Lehrer, die gleichzeitig Pädagogen sind— auf 150 junge Leute viel zu wenig, man nehme doch ein Beispiel an den Fürsorgeanstalten: eines Arztes, der, psychologisch und psychiatrisch orientiert, dem Direktor ein wirklicher Helfer wird— für den Leiter des preußischen«strasvollzuges, der selbst Arzt ist, natürlich eine Selbswerständlichkeit: eines modern eingestellten »Biiprrers als wahren Iu�endseelsorgers und schließlich eigens ausgewählter Inspektoren und Wachtmeister, die für die jungen Mensche» Verständnis haben. Mehrere junge Praktikanten. Stp- deuten von Wohlsahrtskursen würden kein« unbedeutend« Hilse dar- stellen.„,, Einzig unter tnesen Deinngungen wäre es möglich, in der Iugendftrajanstalt einen erzieherischen Geist zu schassen, den Geist, den die neueste' Verordnung über Vollzug von Freiheitsstrafen wünscht, und.dcr im Sinne der wieder- holten Acußerungen des Justizministers Schmidt wäre. Das Stufensystem dürste in der Kottbusser Anstalt nicht wie in Wittlich auf Strichen, rein mechanisch ckusgebaut, also der Auf. stieg zur nächsten Stuf« nicht davon abhängig gemacht werden, ob der junge Mensch für Fleiß. Betragen usw. eine gewiss« An- zahl Striche oder Punkte erhalten hat. Nur nach«ingehender Be- sprechung jeder einzelnen Einstufung auf der A n st a l ts k o n se- r e n z unter Anhörung des Arztes. Lehrers. Fürsorgers. Pfarrers und der Anstaltsbcamten dürft« diese vonstatten gehen. Die Selb st- v- r w a l t u n g für die zweite und dritte Stufe muß zum obersten Grundsatz des Anstattslebens werden. Die Schafsung eines A n- staltsgerichts wäre zu erwägen. Die Arbeitsgem-iirfchaft-n, in denen sich junge Menschen von gleichwertigen Interessen zu- sammensinden könnten, zahlreiche A n st a 1 t s v e r e i n i g u n g c n wie z. B. zur Pfleg« von Sport und Turnen u. a. m., ausgebaut aus Selbstverwalluug und dem Leben draußen angepaßt, ein Gcsangschor und ein Orchester,«in« Anstaltszeitung, mit einem Wort, alles, was die Tubliinierung gestauter Triebe, wie Lerhinde- rung einer Anstaltspsychotogie und Hinlenkuug zum Leben gestatten würden, wären ins Leben zu rufen. Individuelle Behandlung aus Grund«ingehender Persönlichkeltssors chm n g uitf) sür- sorgerische Betreuung nach der Entlassung, sind selbstverständlich- ketten. Erziehung zur Arbeit die erste Boraussetzüng. Schassung monniHfachcr Beziehungen zum Leben außerhalb der Anstalts- mauern unbedingt notwendig. Eine ganz außerordentliche G e- fahr bilden in erzieherischer Hinsicht die Arbeilskommondos, mit denen man in Kottbus leider jetzt schon begonnen hat. Eine er- �iehUchc Beeinflussung Ist leider unmöglich, wenn big jungeu. Leute die ganze Woche über auf dem Gute ohne zweckmäßige Ausfüllung der Freizeit in gemeinsamen Schtafräumen gewissermaßen nur als Arbeitsvieh des Gutsherrn verbringen. Der Richter, der die jungen Menschen in die Anstalt schickt, stellt sich die Dinge nicht s o vor, daß diese, losgelöst von der Anstalt, irgendwo auf dem Gut arbeiten, um nach der Rückkehr in di« Freiheit ihr früheres Leben in gefährdender Gesellschaft schlimmer Kameraden fortsetzen. An- ders wenn die jungen Leute wie in Neumünster, jeden Morgen aus Lastautos zu den Arbeitsstellen gebracht werden und abends in die 'Anstalt zurückkehren, um hier an dem Anstaltsleben vsrantworttich teilzunehmen. Das strittige Problem der Landwirtschaftsarbeit für städtische Jugend soll in diesem Zusammenhang nicht angeschnitten werden.> Die andere Gefahr ist di« Entfernung der Anstalt vom Wohnsitz der Verwandten der/jungen Leute. Klagen über die Möglichkeit für die nächsten Angehörigen sie zu besuchen, werden bereits jetzt laut. Ueber die erzieherisch« Bedeutung dieser periodischen Besuche ist kein Wort zu verlieren. Die Beziehungen zum elterlichen Hause, die nicht selten im Äefängnis erst wieder aufgenommen werden, müssen unbedingt gepflegt werden. So müssen auch Mittel und Wege gesunden werden, es den unbemittelten Eltern in dieser wirt- schastlich so schweren Zeit zu ermöglichen ihr« verlorenen und wietzer- gefundenen Söhne zu besuchen. Ausgabe des Strafvollzugs und Wohlfahrtsamts wird es fein, die ekforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Eine weitere Einbuße der erzieherischen Einwirkung bedeutet die Entfernung vom Jugendamt. Die Fürsorger des Jugendamts haben bisher an den Anstaltskonferenzen tsilge- nommen, haben ihre früheren Schützlinge ständig besucht, um die Fühlung mit ihnen nicht zu verlieren. Rur so waren sie imstande, die Betreuung der jungen Menschen nach deren Entlassung sofort wieder aufzunehmen. Im Rahmen eines Zeitungsartikels konnte nur dvs Wichtigste kurz skizziert«»erden. Der Strafvollzug der Provinz Brandenburg konnte bis zum Augenblick sich nicht rühmen, besonder» moderne Strafanstalten zu haben. Mit der Schaffung der Iugendstrofanstalt in Kottbus wäre wenigsten?«in schüchterner Anfang gemacht. Hos- senttich ist es dem neuen Leiter des Strafvollzuges für die Provinz Brandenburg, einem Manne der Tat, nicht des Wortes, vergönnt, auf Grund der Neuordnung des Strafvollzuges das zu schaffen, was feinem Vorgänger nicht gelungen ist. Die Anstalt in Kottbus muß und soll nicht eip Blendwerk nach außen, sondern«ine Stätte ernster, nach allen wissenschaftlichen Forderungen anfgebauter Jugend- erziehung werden. Ist dos preußische Justizministerium bereit, alles zi» tun, um Wort« ziz Taten werden zu lassen? Leo RosentKal. Der Gehaltsabbau. Amerikanisches Unternehmen macht gründliche Arbeit. Di« Na t i o na l- R e g ist r ie r ka ss e n- G e je llscha ft in Neukölln, das Beniner Unternehmen der amerikanischen Gesellschaft, glaubt den deutschen Arbeitgebern in Punkts Gehaltsabbau nichts nachgeben zu sollen. So hat jetzt die Geschäfts- leitung allen 314 Angestellten die Kündigung zugestellt, um unter diesem Druck mit den Angestellten neu« Dien st vertrüge abzuschließen. Visher wurden nämlich-von der Firma auch all« Arbeitnehmer- antelle zu den Sozialversicherungen getragen, die von den Zlngc- stellten mit Recht als Leistungszulagen angesehen werden. Diese seit Jahren gewährten Zulagen sollen nunmehr in Fort- fall kommen, trotzdem die Lage des Unternehmens leinen Grund für einen solchen Abbau erkennen läßt. Ist doch nach dem letzten Monatsbericht der Firma der Umsah um 23 Proz. gegen den gleichen Monat des Vorjahres gestiegen. Es scheint, daß sür den im amerikanischen Haupt- gejchäjt festgestellten Auftragsrückgang die deutschen Arbettnehmer büßen sollen, und daß die von drüben nun aus- gegebene Abbauparol« hier ganz systematisch angewendet wird. Mit aller Entschiedenheit muß zurückgewiesen werden, daß die von den Amerikanern, geforderte Unkostensenkung wiederum auf Kosten der Arbeiter und Angestellten erfolgen soll. Der Borwand der deutschen Arbeitgeber, den Gehaltsabbau vornehmen zu müssen, um Kündigungen zu vermeiden, verfängt für sich, da entbehrliche oder gar überslüssige Angestellte in diesem Betrieb« schon lange abgebaut sind. Es ist«ine glatte Berjätschung der Tatsachen, als ob hie durch den Fortfall der Zulagen entstehenden„Ersparnisse" überhaupt nennenswert ins Gewicht fallen— ganz abgesehen davon, daß es an anderer Stelle genügend Möglichkeiten gibt, diese und noch größere Ersparnisse zu machen, ohne daß die Produktivkrast des Unternehmens so geschädigt wird, wie durch diesen rücksichtslosen Gehaltsabbau. Es wird immerhin interessant sein, festzustellen, daß die Firma diesen neuen sozialen Kurs beibehalten wird und darum auch nicht anders bewertet werden will wie deutsche Arbeitgeber— trotz ihrer verheißungsvollen Prospekte. Kampfbetzinn in der Holzindustrie. In der sächsischen Etuhlindustrie 1000 Mann ausgesperrt! Dresden, 4. August.(Eigenberichts Auf Anweisung der sächsischen Stuhlsabrikantsu sind heute im Bezirk Rabenau etwa 1000 Holzarbeiter ausgesperrt worden, weil sie sich mit dem ihnen angesonnenen starken Abbau der Tarif- löhne nicht einverstanden erklärt haben. Hermann Keffer. 3u seinem heutigen 50. Geburtstage. Der Schriftsteller Hennann Kessar, Dmmattker, Novellist, Romancier und Essayist, hat niemals im Mittelpunkt des titerarischen und kulturellen Interesses gestanden. Dieses geschah nicht, weil ihm das geistige oder künstlerische Format fehlte, sondern weil er ssch von jeder Richtung, die glaubte, die Rätsel der Welt gelöst zu haben und als letzter Ausdruck künstlerischer Gestaltung zu gelten, fern hielt. Damit ist nicht gesagt, daß Kesser in einem Wolkenkuckucksheim resi- dierte und bestimmte Zeitprobleme nicht sah, aber er nahm sie niemals als absolute Werte, er versuchte vielmehr, sie in die allgemeine kulturelle Entwicklung einzuordnen. Und dies Bestreben schadet« seiner Popularität. Im Kviegsjahr 1916 erschien sein Roman„Die Stunde des Martin I o ch n e r", ein Jaurnalistenroman, der aber bereits die ganzen menschlichen Wirrnisse des Kriege- in einem Brennpunk! sammelte. Kesser ist hier nicht Skeptiker oder absoluter Verneiner, doch er sieht die Kehrfeite'der Medaille, das mcnfchiiche Leiden, er ahnt die Katastrophe voraus. Der Roman erschien, als der Erpressionismus sich zu einem kurzen Siegeszuge rüstete. Ein nervöses Vibrieren der Sprache, em Suchen nach gefühlsstarten Bildern find die positiven Seiten, die Kesser der literarischen Zeitrichtung abgewinnt. Doch darüber hin- aus stacht er eine klare und kühle Gestaltung, einen fast architektonisch annmte>, den Ausbau des Werkes. Kesser zeigt sich alz Romancier, der nicht nur einen individuellen interessanten Fall be- handelt, sondern der auch den Menschen:n seiner Umwelt sieht, ihn als Ausstrahlung der Zeit und der Umgebung empfindet.. Individuelles wird einem Zeitgeschehen eingeordnet und erhält erst aus dieser Perspektive Bedeutung. Schon in diesem Roman finden sich Stilisierungen, die in dem Drama„Summa Summa rum" (1920) vorherrschen. Hier in'dieser Tragikomödie, die nach den, Kriege, in der Revo- luttonszeit spielt, steht die neue Welt der alten gegenüber, und Kcsser behandelt die Gegner mit der gleichen Objeklivität. Er will beiden Gegenspielern recht geben, da er die Voraussetzungen kennt, aus denen sie kommen. Die" Sprache ist knapp und prägnant, imd die Menschen verlieren fast ihr individuelles Gesicht: sie werden zu Typen, stellenweise sogar zu Begriffen. E- geht Kesser um die Aus- prägung einer Idee und nicht um den einzelnen Fall. � Keffer, der in München gebaren wurde und nach philosophischen Studien als Journalist seine öfsentliche Tätigkeit begann, kann aus ein reiches Wert zurücksehen. Neuerdings ist er auch als Verfasser von Hörspielen heroorzetreten. F. Seh Oer Film als Milderungsgrund. Vor einem Pariser Gericht hatten sich einige Filmtomparsen zu verantworten, die bei einem Einbruch in eine Vorortvilla über- rascht worden waren. Dar Gericht entschuldigten sich die jungen Leute, daß sie bisher in den Ateliers immer nur in Verbrecher- milieus mitzuarbeiten gehabt hätten und geradezu als Einbrecher geschult worden seien. Der Richter berücksichtigte diese Ausrede bei der Straszumessung und entließ die Leute mit Bewährungsfrist und dem guten Rot, sich künftighin nach einer anders georteten Film- befchästigung umzusehen. Der Ausbau de» Stuttgarter Zeppelin-Museum». Di« Zeppelin- Sammlung aus Friedrichshasen wird im Schloß am Charlottenplatz untergebracht werden. Die notwendigen baulichen Veränderungen sind bereits in Auftrag gegeben. Alle Modell« der bisher gebouten Luftschiffe werden zur Ausstellung gelangen, ferner die technische Eni- Wicklung der Meßgeräte und des Motorenbaues gezeigt werden. Di« Museumsverwaltung hat sich zum Ziel gesetzt, gestützt aus den Grundstock der Zeppelin-Sammlung, dos Museum möglichst zu einem allgemeinen Lustjahrt-Mujeum auszugestalten. Paris in der Behrenflraße. Bei der Herstellung des seichten, leichten, erotisch aufgepulverten UnterHa-ltuiigsstiickes ist die Pariser Machart immer noch führend. „Ist das nicht nett von Eolette?", die neueste Konfektion des Theaters in der Behren st raß« bekennt sich offen- herzig zu feinen, Modell. Max B e r t u ch sucht dem Dreikörper- pkoblem neue Reize abzugewinnen, indem er. einen Lustspiel- fabrikanten mit zwei Frauen«xperiinentieren läßt, von denen jede van der anderen glaubt, sie sei mit ihm verheiratet. Der dritte Akt, der das Fazit ziehen soll— Theater im Theater— läuft leider negativ aus. So gut die Damen in der Wirklichkeit Theater spielten, in der Theaterprobe versagen sie, und das happy end muß ein beschleunigtes End« herbeiführkn. Aber dazwischen gibt es zwit- jchernd« Dialoge, hahnebüchenen Unsinn(einen dauernd gackernden Ulkkerl: Kurt Lilien), ausgeklügelte Tän.zc und vvr allem hübsch instrumentierte»nd eiuschnüegsame Schtagerchen,. Musik von W. Rosen. Das Publikum, froh, den verregneten Sommerfrischen entrückt zu sein und selbst nicht undankbar im Falle von Frei- billetts, wettessert darin, Fritz Schulz, als reizenden Jtiirgen, Kolli Bock und vor allem Alice Hechy entzückend zu finden, r. Em Steuben-Oenkmal für New �ork. In New Port hat sich aus Mitgliedern der Steubcn-Gejellschast eine Denttnalsvereinigung' gegründet, die Steuben auch in New Bork ein Standbild errichten will. Es wird zu einem Fonds in Höhe von 50 000 Dollar gesammelt, der aus Einzelspenden von je einem Dollar hereingebracht werden soll. So sind Theaterdirektoren' Prinz Antoine Bibesco, der selbst ein namenhaster Bühnen- schrifssteller ist, und dessen Theaterstück„Ladies All" zurzeit in New Dork große Erfolg« erzielt, hat sich nnt eiuer?lnz.ihl Pariser Theaterdirektoreu einen Scherz gestattet, der viel belacht wird. Um den Nachweis zu führen, daß einige der Theatergewaltigen van literarischen Dingen so gut wie nichts verstehen, schrieb Prinz Bibesco Molieres„Georges Danbin" Wort für Wort fein säuberlich ab, wobei er nur die Namen des Verfassers und der auftretenden Personen änderte. Er übersandte das Manuskript cm sieben Theaterdirektoren. Drei von diese» schickten es sofort mit der obligaten Phrase des Bedauerns zurück, daß das Stück sich für ihr Theater nicht eigne. Es war klar, daß sie da- Stück auch nicht erkannt hätten, wenn sse es gelesen hätten. Die anderen vier Direktoren würdigten den Absender überhaupt keiner Antwort. Prinz Bibesco versichert, daß es ihm fern gelegen habe, sich einen frivolen Spaß zu machen. Er hgbe ein Interesse daran gehabt, den Theaterdirekioren eine Lektion zu erteilen und ihnen zu Qtonüte zu führen, daß, wenn sie es für unter ihrer Würde hielten, sich ernsthaft mit dramatischen Dingen zu beschästigen und sich nicht einmal die Mühe nähmen, die eingesandten Manuskripte zu lesen, sie düs Recht verwirkt hätten, ernst genommen zu werden.„Wenn nicht einmal Malier« Gnade vor den Augen der Herren jindet"� erklärt Prinz Bibesco,„wer soll da noch der Hoffnung leben, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen?� Banktresor mit Wassergraben. Man denkt unwillkürlich an die Wallgräben der mittelalterlichen Burgen, wenn man von dem Waffergraben hört, der das dreistöckige Tresorgewölbe umgibt, das einen ganzen unterirdischen Block des neuen Geschäftshauses der Irving Trusts Company einnimmt. Das im Bau befindliche Gebäude steht in der New-Yorker Wallstreet. Aus seliigem Grund aufgebaut, hesirrdet sich die Sohle des Tresorgewölbes 23 Meter unter dem Straßenniveau und damit tief unter dem Meeresspiegel. Wenn der Riesenbau fertiggestellt und die Wände des Gewölbes erst von den Wassern des Grabens umspült sein werden, werden die Bankangestellten die unterirdische Schatzkammer nur unter Zuhilfe- nähme von Lustventilen und Pumpen betreten können, wie sie bei Tunnelbauten unter Flüssen von den Arbeitern gebraucht werden. Was über Diebe und unbefugte Eindringlinge betrifft, so werden diese nur in das Gewölbe gelangen können, wenn sie über eine Untersscausrüstung verfügen. / Die Tagung der Stenographen. Große Kuvdgebung im Gporipalast.- 400V Schreiber im Weitstreii. Der Deutsche Stenographenbund leitete den Deutschen Slenographentag mit zwei öfsenllichen Kundgebungen ein. Am Sonnabend abend wurden die Teilnehmer in der Phil- Harmonie bei einem Begrützungsabend willkommen geheihen. Der Vorsitzende des fiauplausschusses, Sludiendircktor Dr. Gaster. brachte seine besondere Freude darbcr zum Ausdruck, datz nicht nur Vertreter aller deutschen Lander, sondern auch aller deutschsprachigen Gebiete, so der Tschechoslowakei, Ungarn. Rumänien, Schweiz, Volen und Oesterreich an den Beratungen teilnehmen. Die Festveranstallung wurde um ll Uhr abgebrochen, als bekannt wurde, daß der Regierungsdirektor IN e i d i n g c r, der im Austrage der bayerischen Regierung an den Verhandlungen des Stenographen- tages teilnahm, in seinem Berliner holet plötzlich einem Herzschlag erlegen war. Zu einer großen und auch eindrucksvollen Kundgebung ocr- sammelten sich die Stenographen am Sonntag mittag im Sport- palast. Etwa 8l100 Anhänger und Mitglieder der Bewegung füllten die halle. Bundesvorsitzender Regierungsrat Dr. B l a u e r t er- öffnete den ersten Stenographentag seit der Schaffung der deutschen Einheitskurzschrift und begrüßte insbesondere die Vertreter aus dem Memellande, aus Danzig, Polen, Rumänien und dem Saargebiet, den Vertreter der ungarischen Regierung und den Schöpfer der schwedischen Einheitskurzschrift, Oberst Mellin. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die überaus klugen Ausführungen des sozial- demokratischen Staatssekretärs Heinrich S ch u l z, der während seiner Amtszeit im Reichsmimsteriuin des Innern zum Vorkäinpfcr für die Einheitskurzschrift wurde. Die Ansprach« wurde auch durch den Rundfunk übertragen. Der Redner würdigte die Erfindung der Stenographie als eine geniale Tat, die kulturgeschichtlich dicht hinter der Erfindung der Buchdruckcrkunst rangiere. Die deutsche Einheits- kurzschrift sei entstanden aus den verschiedensten Systemen: mit ihr könne alles geleistet werden, was von dem Kurzschreiber verlangt werde. � Wer ist der schnellste Schreiber? Am Nachmittag fanden dann in zwölf Berliner Schulen Bundesschbellschreiben statt: Teilnehmer aus dem ganzen Reich sowie aus Oesterreich, Polen und dem Saargebiet, noch Landsmannschaften eingeteilt, starteten zum Schnelligkeitsrekord. Die Geschwindigkeitsstufen umfaßten 80 bis 420 Silben in der Minute, immer mit einer Steigerung von 20 zu 20 Silben. Nach der höhe ihrer„Silbenstörkc" wurden die Stenographen in Klassenzimmer zusammengefaßt wobei sich herausstellte, daß in den Silbenstufen bis zu 200 oie Weiblichkeit dominiert, während die Männer die schnellschreibenden Debattenstenographen stellen. Morgens um 8.30 Uhr ist Beginn des Wettschreibens. Nachdem jeder Teilnehmer einen Teilnehmerzettel ausgefüllt hat, stapelt er eine Batterie scharfgespitzter Bleististe>«or sich«if, die Schrcibleitang verteilt das Papier. Am Kathederstuhl nimmt der„Diktator" Platz, vor sich das gedruckte Diktat, das eine viertelminutliche Silben.- einteilung enthält: zu seiner Linken steht der kontrollierende Lektor mit der Uhr in der Hand, ein zweiter sitzt in den rückwärtigen Bank- reihen, ebenfalls Diktat und Uhr vor sich: er hat die Sprechzeit und etwaige Sprechfehler oder Undeutlichkeiten des Diktierenden fest- zustellen, um am Diktatschluß diesbezügliche Anfragen der Steno- graphcn beantworten zu können. Nim kommt eine Minute Probe- diktat, um sich mit den» Organ uild der Sprechweise des Diktierenden vertraut zu machen. Jedes Diktat dauert s Minuten und besteht bei- spielsweise bei den DeWtenschreibern in recht komplizierten Reichs- tagsrsden. Dreimaliges Blelstisttlapfen auf den Katheder, das Diktat beginnt. Bei den Stcnographcnmatadorcn— in einer Schule waren es zwölf männliche und ein weiblicher Teilnehmer— iängt das Diktat mit einer Geschwindigkeit von 220 Silben in der Minute an. Thema: Rede eines sächsischen La ndtagsabgeordneten. „Meine Damen und Herren!..." Flott und lautlös huschen die Bleistifte über das Papier. Nachdem jetzt eine höchst ausführlich« Rede vom Stapel gelassen woroen ist— man möchte nicht glauben, wie lange fünf Minuten dauern—, werden etwaige Hörfehler oder Zweifel richtiggestellt. Bei der nächstfolgenden Geschwindigkeitsprobe ist das Teilnehmerbild dasselbe. Schließlich erhält, einsam und allein, der 300-SiIben-Mann sein Solodiktat: er hat mit dieser Silbenzahl bereits in Danzig«inen Rekord geschrieben. Gemogelt werden darf nicht. War es im Diktierzimmer schon mäuschenstill, dann tonnte matt im Uebertragungsraum buchstäblich eine Stecknadel fallen hören.. Emsig über das Diktat gebeugt, nachdenklichen Gesichtes wurde hier geschrieben, eine geistig und körperlich reichlich anstrengende Bs- schäftigung: so waren dem 300-Silben-Schreiber beispielsweise für hie Uebertragung 2� Stunden Zeit gegeben, und diese lange Zeit hindurch schnell richtig uno deutlich schreiben, ist schon nicht ganz so leicht. In der Praxis wird ja wohl meist die Maschine zur Ueber- tragung verwendet. Mogeln in Form von Einsehen beim Nach- bar oder Auskunstseinhoiung ist streng verboten, und scharf beäugt der anwesende Kontrolleur die Schreiber und ihre Arbeit. Grundlage der Bewertung bildete die Ucbertraguiyg: die Zu- erkennung der Preise hing vom der Einhaltung der vorgeschricbenerr Uebertragungszeit und der gewehrten Fehleranzahl ob. Der erste Preis bestand in einem Bild Des Reichspräsid«tten: außerdem wurden Füllseoerhalter, Schreibmaschinen und Diplome gestiftet. Unter den annähernd 4000 Teilnehmern trug der Pressestenograph Heinrich K i e r c e ck aus Aachen mit einem Schnelligkeitsrekord von 400 Silben die Siegerpalme davon. Slenographentag in Sierlin 3m Stahmen de* sturgeil in '.Berlin abgehallenen Sieulfchrn Slenographetilage*(»efdisfeurz fehrilU mir de Sonnkap gleichsei Hg In fOnfxehn berliner Schulen ein IteUfchrelbett veranflaUel. ch Montag. 4. August, Berlin. 16.05 Dr. Heinz Orlovius; Fliesersprache, Abersilaube und Humor. 16.30 Konzert. 17.30 Dr. Wolf Zucker: Sagen und Abenteuer. 18.00 Ministerialrat Max Pulvermann: GroBpreuOen oder Aufteilung Preußens? 18.75 Heilfron: Rechtsfragen des Tages. 18.55 Arbeitsmarkt. 19.00 Unterhaltungsmusik. 19.30 Aktuelle Abteilung. 20.30 Uraufführung:„Die Zinnoberspitze", HBrspfel Mit Musfk Ton'Hermaiui Kesser. Regle: Alfred Braun. Nach den Abendmeldungen bis 0.3� TanttBustk. KSnlgswusterhausea. 16.00.Örcslau: NachmittagskonzcrZ. 17.30 Fritz Wuttke: LinolschniU in der Schule. 18.00 Hans Hartmann: DU englische Jugend., 18.55 Ob.-Studien-Dir. A. Bockelmann: Das Geheimnis nrn Shakespeare. 19.25 Direktor Plannenstiel: Weshalb geht der junge Landurirt in die lami- wirtschaftlichc Schule? 20.00 Köln: Konzerl. Snantmottl. fOt hie SRehoItiBit:«elfgnn««thmaej,«etlin;«njeiaen; Th.»lock«. Berlin. Berlo»: Vorwärts Verla»®. m. b. K., Berlin. Druck: Bermäris Viicku bruckerei unb Derlagsonstalt Boul Einper& Co., Berlin SW 68, ginbenftrofie Zi. Kierzn 1 Bciinae. Theater, S'h Uhr Wie wenle itb M and glDdtiidi? Korsus m filli Joodiput. Musik ni Wsdu Spcliiuskj. Kofi«: Erldi(OfM Bühnenbilder. Lutvig Kiioor Idealer d. Wesleos Täglich 8>» Uhr: Das Land des Ldcneins Franz Lehars Sensationserfolg! Beniner Prater Sommorgaitoniligaler Kastanienallee 7—9 4 Uhr Grosses Oaitenkonzeit 6 Uhr Eine entzückende Burleske sowie der auserwähite Variet6-Teil. 8.15 Uhr Gustl Beer, GretI Lilien, Alex Haber, Erwin Härtung in Das Oral- müderlhaus Singspiel in 3 Akten Musik nach Franz Schubert Eintrittspreis von 50 Plg- an. Zimmer.. 1 Bett Mk.7.- bis 11* ZBetten IJ/bisZ"' BodiMk i- Solon:1 aeHin HOTELuAnMie EXCELSIOR zentrautieater (Operettenhaus) Alte Jakobstr. 30/32 Dönh. 2047 Täglich 8l/» Uhr Ein Zille MiilOh in 3 Akten Kinder der StraBe Cesxig a. lau tmi V. LmsscI ml»rthur Mihtr. Rundfunkhörer bolbt Preise. Renaissance- Theater 9 Uhr Steinplatz 6780. Heilte udiI allaMlidi Die Wunder- Bar Revuestück Allcredo Berlin! »■/.uhr CASIMO-THEATEH»'/iuh, Lothringer Strafe 37. Wiedereröffnung Freitag, 15. August 30 jelifizn Bsitthm unter der Dlriklioti Kens Berg Oer Possen-schiager Der selige Hollschinsky. HfMiiiiiitiiiiiiiitiiimniiiiiiiiiiiieiiiiMtiiiiiiiiiiufiieiiiiitiintit Berliner lilkTriO N C U k B 1 1 B. w Lahnstr. 74/76.1 Metropol-Tli. Täglich S'/» Uhr Hiehael Bohnen in mit Dir allein aut einer einsamen Insel wo speut m»n» gut und MlllgT Nur Qross- Berlin Alexand.rplatK %fp(eiswefte �rgnugungy R�faurant Berlins BETRIEB /TX KEMPINSKlir» Die seile Lola' Hans Rose» Lonl Pyrmont Täglich 8.15 Uhr Im Rose-Theater (Gartenbflhne) Musik: Hugo Hirsch Begie: Edgar Kanlsch, Tins«: Bruno Arm, Orchester: Max Schmidt Neue Ausstattungen: Walter Fischer. Dia Mittwoch, 6. Attgasf: fmähmk läm'Kaffze nKaLmdt\ 1 Bheini?5h».*i!?er'est (Xoh Jb&ümam fanx-nafis£ unammi [STEINMEIERl FRIEDRICHSTRASSE 96 AM BAHNHOF' im Rose-Garten Rlasan-Varlstdschau, Fauarwartt. Tang Im Freien Rhein- und Moselwein In Qltserm Im Innenthester thgrlleh 8«»hr (aber nur noch bis 10. August): „Flachsmann als Erzlehsr" in der Wählerliste, der Zettel wird in einer Urne ver- •senkt— es ist wie bei den Großen. Und dann diese Spannung! 1800 Mann oder vielmehr Männchen sind mucksmäuschenstill, als lvöhrend der Mendmahlzeit durch den Lautsprecher des Speise» zeit» die Namei�drr 50 gewählten Delegierten bekannt gegebe». werden. Die ander« Ausregung des Wahlsonntogs: das groß« Kinder» fest. Bunte Zettel riefen und alle Thuner Kind er kamen,. Hunderte, Taufende. Natürlich spielten sie auch mit und sangen. mit. Und tanzten mit. Kleist hat, wie man sich dunkel erinnert, hier am Thuner See den.Zerbrochenen Krug" geschrieben, er lobt in seinen Briefen die idyllische Ruhe der Gegend, jetzt fände er hier nur idyllnschen Lärm, aber ja so frohen Lärm. Kaum kann sich Jung-Thun trennen, wie sich die Wendsonne mit kitschigschönem Alpenglühen verabschiedet. * Am Montag morgen, dem Tag der Parlamentseröff- n u n g liegt praller Sonnenschein über dem Thuner See, weißer Glanz auf den Bergen, helle Freud« über der Zeltstadt. Die Knaben- und Mädchen-Parlamentarier versammeln sich am Lager- eingang, ziehen dann mit Gesang durchs Lager, zeigen sich dem Bolk, dos sie wählte. Das groß« Speisezelt ist jetzt zum Reichstag geworden, rote Fahnen schmücken den„Saal" vorm Platz des Präsidenten. Das Parlament konstituiert sich, dann wird die Ber- sassmig der Kinderrepublik genau durchgesprochen. Von den Kindern. kcirmcn durchaus wichtige Anregungen. Wo sie nicht im Recht sind, scheinen sie rernünstigen Erwägungen restlos zugängig zu sein. Die Erwachsenen, also die Vertreter der Lagerleitung und die Bürgermeister, hoben nur beratende Stinnncn bis auf die sieben als Delegierten gewählten Helfer. Um 12 Uhr muß der hohe Reichs- tag wieder zum profanen Speisezelt verwandelt werden. Es ist 12 Uhr mittags, da treten die verfassungsmäßig gewährleisteten Rechte des Balles hinter den noturdiktatorisch gegebenen des Mogens der Kinderrepublikaner zurück. Hunger gut, alles gut! Freundlschaft! Erich Gottgetreii. Sie Straßen nach Kanada An den Wagara&ällen und in Toronto Die Strüßen nach Kanada führen ins„nasse" Land. Wem die Zunge in USA. zu trocken geworden ist, macht einen„Trip" nach dem Lande, wo noch Wein und Bier aus den Röhren der Schenken stießt. Di« Straßen nach Kanada sind am Weekend das Auf- marschgebiet der feuchten Truppen. Wie die Quellen zum Strom, so wachst hier der gewaltige Fluß jagender, hupender Autos, um vor dem Zollgrenzgebäude in meilenlanger Reche still- zustehen, bis man ins gelobte Land einfahren kann. „St. Catherine heißt Sie willkommen." Die kanadische Grenzstadt weiß, warum sie in großen Trans- parenten über die Straße gehängt die Fremden so begrüßt. St. Catherine aber wird— zu ihrem Lvbe sei's gesagt— nicht bloß seiner alkohelischen Feuchtigkeit wegen aufgesucht. Hier stürzen auch jene gewaltigen Wassermossen über die grandiosen Felsen, die als R i a g a r a f ä l l c bekannt sind. In jenen alten Erdkundebüchern, wo man noch über die Wunder der Erde las, von den Menschen, die vier Beine oder zwei Nasen und ähnlich nette Auszeichnungen hatten, da stand auch über das Wunder der Falle: man hört ihr' Brausen viele hundert Meilen und wenn man davor stehe, müsse man die Ohren mit Watte ver- stopfen, sonst platze einem das Trommelfell. Glücklicherweise ist die Wirklichkeit hier angenehmer als die schöpferische Phantasie. Sicher ist der Lärm umher lauter ge- worden, seit der Zeit, da jene begabten Forscher die Fälle be- schrieben, aber so schlimm hupen selbst die vielen hundert Autos nicht, um die hundert Meilen Brausen totzuschlagen. Man kann in unmittelbarer Nähe stehen, und unsere Ohren werden den Gesang des Wassers nicht schmerzend empfinden. Ein langgestrecktes, grünes Eiland trennt die Fälle, nicht erit seit der Unabhängigkeitserklärung der USA., trotzdem es dem Pankee zuzutrauen wäre, daß er voll Verachtung diesen Schnitt zwischen Tisch und Vett seiner royalistischen ßßraut gemacht hätte. Sie ist viel schöner! In anmutigem Bogen hat sie sich die Felscnkrone gebogen und ihren Wasserschlcier hineingehängt, der in gewaltigen Falten herabstürzt und in blauweißcni Leuchten verführerisch glänzt. Die dustigen Spitzen wipbeln vom Fuße aus und umhüllen in hauchseinem Gewebe aus Wasfertröpfchen die ganz« Gestalt. Dos Sonnenlicht zaubert den leuchtenden Regen- bogen hinein. Der Yankee auf der USA.-Seite hat sich einfacher gehalten. Dick und schwer fällt von fast waagerechtem Felsenhang dos wasirige Gewand in die brausende Tiefe. Nachts beleuchten von der kanadischen Seite Schein- werfer die Fälle. Da stehen etwa 20 gewaltige Be- leuchter mit je I Million Kerzen stärke, glühen mit farbigen Augen in dos Dunkel und färben das Wasser grün und gelb und rot und blau— daß ich meine£ust dran schau. Verwundert blicken die Sterne herab und erblossen vor Neid. So viel Lichtkraft können sie nicht heruntermersen. Die drängende Menge Wucht den staunenden Blick in das farbige Wasser. r „Herrlich, lieblich, wundervoll!". Es liegt kindliches Staunen und Bewundern in diesen Aus- drücken, an denen die Sprache des Amerikaners so reich ist. Die wechselnden Lichter malen Bilder, wie sie kolorierte Postkarten zeigen: im roten Lichte brennt der Wasserstaub, grün scheint die stürzende Flut gefrieren zu lassen zu einem flutenden Gletscher. Der tauchende Blick fröstelt in blau und grün und schwimmt nach rot und gelb hinüber um sich wärmen zu lassen. Dem Mond scheint die Sache ein bißchen zu bunt zu sein. Er brummt etwas von Kitsch und hüllt sich ärgerlich in eine Wolle. » „Die Schwalbe fliegt über den Erie-See."— Unser Schiff heißt freilich nicht Schwalbe sondern„Toronto" und fliegt über den O n t a r i o zum Heimathafen, der zweitgrößten Stadt Kanadas. dem bedeutendsten Getreidegeschäst des Landes mit dem schönsten und größten Ausstellungspark der Welt, sagt der gedruckte Führer durch Toronto. Da man an die Superlative in Amerika gewohnt ist, läßt man sich nicht in allzugroße Bcrwundcning ein, sondern legt sich ins enge Schisfsbett, denn— o unsere Schulvorstellungen von den kanadischen Seen— der„Flug" dauert immerhin eine ganz« Nacht. Im Morgennebel enthüllt die Stadt ein ge- waltiges Bauwerk mit etwa 30 Stockwerken, ein Hotel von imponierender Bauart, ein Palast,' in dem eine ganze Stadt wohnen kann. Unter den Fittichen dieses Wolkenkratzers erstreckt sich die recht moderne Provinzhauptstadt von 700000 Einwohnern. Jene Provinz ist ollein so groß wie Deutschland und Frankreich zusammengenommen. Bon der Gesamt- bevälkerung wohnt ein Viertel ungefähr in der Hauptstadt. Welch gewaltige Strecken harren der Besiedlung! Hier ist altes, frarxzö- sisches Siedlungsgebiet. Von der Heimat hat man aber nichts weiter behalten als einige Namen, die heute englisch ausgesprochen werden, und den Glauben. Man erzählt hier, beim Uebertritt über die Grenze solle man nur einen katholischen Priesterrock, anziehen, gleich sei man des sreundlichsten Empfanges gewiß. Was für Berlin Karstadt ist, das bedeutet für Toronto der Name E a t o n s. Aber die 700 000 Torontoner haben aus Eaton ein Haus im Zlusmaß von Karstadt und Wcrthcim und Tietz zusammen gemacht; denn Eaton Hot dafür zu sorgen rehabt, daß die Tausende von Angestellten ihre Autos unterstellen wollen, mit denen sie zur Zlrbeit kommen, er hotte weiter zu bedenken, daß die Tausende van Besuchern auch nicht Elektrische oder Fohrrad benutzen. So entstand ein Wagenpark rings um dieses Geschäftshaus, durch den man stundenlang wie im Tiergarten spazieren gehen, alle Autosirmen der Welt studieren, alle Arten von Autos bewundern, alle Altersstufen besichtigen kann, ein Automuseum, das sich sehen lassen kann— in dem die Luft oller- dings ein wenig anoers ist als sonst in Parks. Torontos Hauptstraße gleicht einer chinesischen Geschäftsstraße. In gewaltigen Ausmaßen wachsen die Anlündigungstafeln aus den Häusern heraus und bilden eine undurchsichtige Mauer von schreienden Piccolos, farbenprächtig, aber herausfordernd und aufdringlich. Im Norden der Stadt— seltsam, daß die Armenviertel aller Großstädte im Norden liegen— trifft man russische Namen. ukrainische Speisehäuser. Aus der Sträße stehen Arbeitsuchende. sie drängen sich vor einer Arbeitsbörse, die wie eine schmutzige Destille aussieht. An einer Straßenecke kledt ein kommunistisches Plakat. Auch dieses menschenhungrige, fruchtbare Siedlungsland deflen weite Felder und Wälder nach Arbeitskrästen rufen, ha' Arbeitslose, Menschen, die hungern müssen. ?ft die Menschheit schlecht? Ist sie gut? Sie scheint dumm Zu seinl Fritz, (14. Fortsetzung.) geringer konnte es Kern gut nochfühlen, wie schwer er ihm sein mußte, neben dem Verweis auch noch die Strafversetzung zu schlucken. Dom Mitgefühl ergriffen und au� einer seltenen Kameradschastlichkeit heraus ließ er sich benit Generaldirektor melden. Einer Zlussp räche mit dessen Stellvertreter, dem Generalinspektor, der die Maßnahmen gegen Kern m Gang gebracht hatte, wich er aus. Er fühlte ganz richtig, daß jemand, der ein Unrecht begangen hat, dos selten auch einsieht, und daß der, der einem anderen etwas zu Leide getan Hot, am schwersten verzeihen kann. Vielleicht hatte sich Fehlingcr zu diesem Gang anders vor- bereitet, wenn er gewußt hätte, daß der Generalinspektor schon mit dem Generaldirektor eingehend gesprochen hatte, um am Fall Kern zu zeigen, daß durch Elemente wie Kern die Disziplin des Personals zerrüttet zu werden droh«, wobei er sich auf die in der gesamten Bahnoerwaltung als wahr unterstellte Meinung stützen konnte, daß die technischen Abteilungen bereits stark infiziert seien. Leider wußte Fehliuger nichts dovifo, daß er einem voreingenommenen Manne in die Augen sah, als er in das Zimmer des Generaldirektors eintrat. Der Generaldirektor saß kühl-göschäftlich vor einem prachtvollen tieffchwarzen Eichcnschreibtlsch. auf dessen Platte nur wenige Dinge lagen. Nach diesem Räume gelangten nur ganz besonders wichtige Angelegenheiten. Alle kleineren wurden in den unteren Stellen erledigt. Der Generaldirettor setzte eine temperiert liebenswürdige Miene auf, als er Fehlinger begrüßte, da er wußte, was er seinen Herrn Direkroren schuldig war, und auch Fehlinger bemühte sich um«in möglichst großes Ausmaß von Liebenswürdigkeit, da es immerhin ein kleines Wagnis war, den Herrn Generaldirektor mit einer solch linbedeiiteitfien Sache wie den Fall des Bahnmeisters Kern zu belästigen. So hatten beide Herren ihren Grund, sich höflich zu begegnen. Fehlinger ging bis in die Mitte des Zimmers, blieb dort stehen und macht« eine würdige Verbeugung. Sie kleidete feinem schlanken Körper vorzüglich. Der Generaldirektor erhob sich, verbeugte sich gleichfalls und ftrccktc Fehlinger seine dicke, sleiischig« Hand entgegen. Er war fast ebenso groß wie Fehlinger, ober ziemlich korpulent. Das runde Gesicht war bartlos. Der Blick aus den kleinen von dicken fleischigen Lidern umschlossenen Augen war eher gemütlich als streng. „Guten Morgen, Herr Kollege." Der Generaldirektor nötigte Fehlinger in einen Ledersessel, der neben dem Schreibtisch stand. Fchlinger verbeugt« sich dabei nochmals und nahm Platz: „Danke. Dürfte ich mich nach dem Befinden erkundigen, Herr Generaldirektor?"' � „Dante, Herr Kollege, und wie gehts Ihnen?" Der General- direttor bot«ine Kiste Importen an.- Fehlinger langte zu und machte«in« leichte Verbeugung: „Danke sehr, Herr Generaldirektor, habe mcht zu klagen." „Und der Betrieb?" Der Generaldirettor klopfte hie Zigarre auf den Schreibtisch und zündete sie an. „Bis auf den Vorfall da neulich.." Fehlinger machte eine Handbewegung und lächelte verbindlich. „Ach ja, erinnere mich" Der Generaldirektor tat behaglich den ersten Zug aus seiner Zigarre und sah Fehlinger etwas von unten her an.„Ziemlich viel Materialschaden?" >„Kannen noch von Glück sagen." „Nanu?" „Wenn es dein Lokomotivführer nicht gelungen wäre, den Per- sonenzug rechtzeitig zu bremse?, wer weiß, in welchen Schlamassel wir hineingeschlittert wären." „Sagen Sie mal, Herr Kollege," der Generaldirettor blies den Rauch durch die Nase und sah den Wolken nach,„konnte der Unfall nicht überhaupt vermieden werden?" Fehlinger bekam einen roten Kopf und bemühte sich, seine Bc- unruhigung durch einen erstaunten Blick zu oerbcrgen. Der Generaldirettor strich sich über das Kinn und lächelte sehr verbindlich.„Bei eimgermahen übersichtlicher Strecke hätte der Lokomotivführer den entgleisten Güterwagen doch so zeitig auf seinem Gleise liegen sehen müssen, daß sich das Unglück vermeiden ließ." � „Herr Generaldirektor, nach den gemachten Feststellungen ist es geradezu ein Wunder, was der Lokomotivführer da fertig- gebracht hat." Der Generaldirektor lächelte skeptisch:„Lieber Herr Kollege, mit den sogenannten Feststellungen macht man mir nicht viel vor. Ich habe lange genug bei soichen Untersuchungen mitgewirkt. Ledig- l:ch der Unfall und seine Auswirkung können einigermaßen genau festgestellt werden. Was vorher war, das wissen meist nicht einmal die Götter." „Da kann ich dem Herrn Generaldirektor nicht ganz zustimmen." Fehlinger opponierte eigentlich nur, um zu verbergen, wie erleichtert er war, daß der Generaldirektor nicht auf die desekten Bohlen angespielt hotte. „Gott ja," der Generaldirektor wühlte sich tief in seinen Klub- sessel ein und schlug ein Bein über das andere,„bei falschen Wcichenstellungen, wenn etwas aus den Schienen gelegen hat, oder bei ähnlichen handgreiflichen Tatsachen sind die Ursachen gewiß festzustellen. Aber. Herr Direktor, ich kann nur wiederholen: Di« Mehrzahl der ursächlichen Feststellungen baut sich auf Vermutungen auf. Glauben Sie inir nur." Fehlinger zuckte mit den Achseln:„Bei dem Unfall in meiner Direktion haben die Streckenarbeiter ziemlich genaue Zeitangaben machen können. Von den Leuten hat keiner mehr gehofft, daß der Personenzug rechtzeitig zunt Stehen kam." Der Generaldirektor lächelt« wieder ironisch.„Solche Leute sind be, derartigen Vorsällen kolossal ausgeregt Da ist's mit der Beobachtung vorbei." „Die Aussagen der Streckenarbeiter stimmen mit den Angaben des Zugpersonals völlig überein, Herr Generaldirektor." Der Generaldirektor lachte auf und klopfte die Asche von der Zigarre.„Ich würde auf die Aussagen solcher Leute lieber nicht schwören, lieber Herr Direktor." � Fehlinger hielt den Augenblick für gekommen, zum Fall Kern überzuleiten. „Verzeihung, Herr Generaldirettor: wegen einer Sache, die mit diesem Unfall zusammenhängt, hatte ich mir Erlaubt, um eine Rücksprache zu bitten." Der Generaldirektor kniff die Augen zusammen und lutschte an der Zigarre. „Meinen Sie dröses Rauhbein da--- wie heißt der Kerl doch gleich?" Der Generaldirektor kmpst« mit den Fingern. Fehlinger biß sich auf die Lippen. .Lch meine den Fall Kern, Herr Generaldirektor," sagte et zuvorkommend. „Scheint ein recht aufsässiger Mensch zu sein." Der General- direttor drehte die Zigarre im Munde um.„Ich habe da so einiges gehört. Ueberhaupt, das technische Personal gibt öfters zu Beschwerden Anlaß. Ich will gar nicht bloß über den Kern sprechen. Wir müssen die Leute mal ein bißchen zur Räson bringen." Fehlinger setzte ein erstauntes Gesicht auf:„In meiner Direktion kann ich das eigentlick) nicht finden, Herr Generaldirektor. Gewiß ist das technische Personal etwas anders geartet als das Verwaltungspersonal, aber daß es besonders renitent wäre, da» zu sagen, wäre denn doch übertrieben." „Nicht? Na. Herr Kollege, die Generaldirektion weiß dos besser. Dieser Kern zum Beispiel hat sich nicht bloß mit feinem Betriebsinspektor, sondern auch mit meinem Stellvertreter, dem Generalinspektor, mächtig verkracht." „Gar so schlimm war das wohl nicht, Herr Generaldirektor." „Ich glaube doch. Habe zwar die Akten nicht selbst durch- gesehen, aber es wurde mir berichtet. Der Mann erhebt ja sogar vcrsteckterwecse den Vorwurf, daß die Verwaltung an den, Unglück in Ihrer Direktion schuld sei. Das ist doch eigentlich auch ein Vorwurf gegen Sie selbst, Herr Direktor." „Ganz so ist die Sache nicht, Herr Generaldirektor. Dieser Bahnmeister Kern ist einer meiner gewissenhaftesten Beamten."' „Mag sein. Aber Disziplin ist ebenso nötig wie Gewissenhaftig- keit und Tüchtigkeit. Das brmichc ich doch Ihnen, Herr Kollege, nicht erst zu sagen." Fehlinger oerneigte sich höflich:„Gegen diesen Bahnmeister Kern ist in keiner Hinsicht etwas einzuwenden. Eine Kleinigkeit kommt bei jedem vor." „Dafür muß er dann eben etwas einstecken. Und der Denkzettel, den der Mann bekomme» dat, ist choch wcchrhasttgen Gtofts kein Beinbruch. Verweis und Versetzung, so war's doch wohl?" jawohl, Herr Generaldirektor, und ich wollt« darum bitten. die Versetzung nicht auszuführen. Ich möchte den Mann gern in meiner Direktion behalten." Mit einer etwas erregten Handbewegung winkte der Generaldirektor ab:.Des ist nicht gut zu machen, Herr Kollege. Im Interesse der Disziplin kann man getrosscn« Anordnungen dieser Art nicht wieder aufheben.""(Fortsetzung folgt.) e Buch lUuiioliws Wriegslaqebuch Benito Mussolini, in den Tagen des Schwankens Italiens, ob es in den Weltkrieg eintreten solle, Kriegstreiber und Interventionist, kann immerhin daraus verweisen, daß er es ver- schmäht hat, gleich unseren Frick, Reventlow.Hussong, Goebbels, das Fronterlebnis zu preisen, aber für seine Person sich von ihm zu drücken. Mussolini hat nicht nur dafür votiert, daß ander« ihr Leben einsetzen, er hat auch aus freien Stücken dos eigene eingesetzt und ist als schlichter, einjacher Persagliere in den Schützengraben gegangen. Das ist etwas Positives. Im übrigen ist zu sagen, daß sein in deut- scher Ausgabe vom Amalthea-Berlag herausgebrachtes„Kriegs- t a g« b u ch" jo ungefähr das Aermlichste, Kärglichste, Unwichtigst« darstellt, was es auf dem Gebiete der Kriegsschilderungen gibt. Das ist alles Kriegsberichterstattung herkömmlichster Art. Man wird an Ganghofer und Scheuermann erinnert. Am 3. März war das Wetter schön, am 4. März hat es geregnet, am 5. März hat er zwei Zigarren geraucht und ein Glas Wein getrunken... In dieser Art. Was weiß Mussolini über das Seekenleben der Soldaten zu melden? Ein Verwundeter, dem ein Sprengstück das Bein zerschmettert hat, zeigt trotzdem ein heiter«? Gesicht. Ein Offizier namens Valliani stirbt mit den Worten„Viva I'Italia!" Di« Nachricht, daß ein Angriff be- vorsteht, wirkt nicht entmutigend, sondern erhebend auf die Gemüter. Ein Korporal, der zu viel Branntwein getrunken hat, wird„zur Strafe" ins Hinterland versetzt. Die Möglichkeit, als Gefangene in österreichische Hände zu fallen, bedeutet für Mussolinis Kamerade» den schrecklichsten der Schrecken.„Lieber sterben", sagen sie. Einmal erfahren wir, daß eine einzige österreichische Gewehrkugel zwei italienische Soldaten ausgelöscht.„Sie sielen ohne«inen Laut, a» einem Rande des Laufgrabens, beide in den Kopf getroffen." Was hat Mussolini dazu zu sagen? Ein einziges Wort, das Lieblingswort alter Kartenhexen:„Schicksal!" Damit ist die Sache für ihn erledigt. Der Todesfurcht, den erotischen Begierden: solchen schmutzigen Dingen ist Mussolini nirgendwo begegnet. In dieses Buntdruckidyll klischee- haften Heldentums hinein bullern österreichische Minen, tacken Maschinengewehrschüsse. Aber nichts ist plastisch gestaltet, als nur in dürren farblosen Worten angedeutet. Am 23 Februar 1917 wird Mussolini verwundet. Nebenbei bemerkt, nicht von einem feind- lichen Geschoß, sondern von einem italienischen, das vorzeitig explodierte. Mussolini kommt ins Fekdspital und kehrt dann nicht wieder an die Front zurück. Dem Buch sind«in Vor- und ein Nachwort des Herausgebers und Ilebersetzer, Egon Cäsar(Tonte C o rti beigefügt, die sich in Bücklingen vor dem italienischen Diktator nicht.genug tun können. Tlan» Bauer. H-'/tS D£/? TAG BRINGT. Der schwarze Schimmel. Graf W e st a r p:„Einen Schimmel habe ich bei Ihnen be- stellt und Sie liesern mir einen Rappen!" Der Pserdehändler:„Herr Graf, beruhigen Sie sich, das ist ein schwarzer Schimmel." Gras Westarp(wütend):„Schwarzer Schimmel! Reden Sie doch nicht solchen Unsinn, Mann. Einen schwarzen Schimmel gibt es in der ganzen Welt nicht." Der Pserdehändler:„Wi�so, Herr Gras? In der ganzen Welt nicht? Bei Ihnen gibt es doch sogar eine Konservative Volkspartei!" sonatdan. Wie hoch sind die Meereswellen? Wenn Reisende zur See einen heftigen Sturm erlebt haben, so geben ihre Schilderungen oft für die Wellen ganz irrige Höhen an. So erzählen sie wohl, daß der Meeresgott sie mit Wellen bekämpft habe, die 29 bis 39 Meter gemessen haben müßten. Sie rechnen dabei etwa so: das Deck des betreffenden Schiffes lag 18 Meter über der normalen Wasserlinie: ein Brecher, der das Schiff über- slutete, hatte die Höhe von 6 Meter; folglich maß die Welle 24 Meter. Diese Rechnung ist aber falsch aufgemacht. Wenn näm- lich eine Welle ein Schiff trifft, so bäumt sie sich an diesem empor und erreicht eine Höhe, die ein ganz falsches Bild von ihr gibt. Tatsächlich dürften auch die mächtigsten Meereswellen nicht mehr als 12 Meter messen. Das Insektenhaus am Pasteur-Institut. In �>em berühmten bakteriologischen und hygienischen Zwecken dienenden Pasteur-Jnstitut in Paris ist ein Infektarium für wissen- schaftliche Beobachtungen und Versuche eingerichtet worden, mit dem Zweck, Näheres über me Lebensweise der Mücken und anderer Insekten, die als Krankheitsübertrager in Betracht kommen, zu er- fahren. Die genaue Kenntnis des Vorgangs der Uebertragung kann die Bekämpfung erleichtern und so der allgemeinen Gesuridheits- pflege zugute kommen. Demgemöß ist dos Ji�ektarium so«in- gerichtet, daß die Insekten in ihren nästirlichen Lebensbedingungen aufwachsen und sich verwehren können. Man studiert dort auch die Krankheiten mancher Insekten, was z. B. bezüglich der.Honigbiene wirtschaftlich von großer Tragweite fein kann. Wo bleibt das Eisen? lieber die Frage, wo die ungeheuren Massen von Eisen eigent- lich bleiben, die man Tag für Tag aus der Erde schafft und ver- arbeitet, ohne daß sich der Bedarf jemals erschöpft, hat kürzlich ein amerikanischer Ingenieur, Dr. Soper, in einer dortigen tech- nffchen Zeitschrift einen interessanten Arttkel veröffentlicht. Von dem geringen Teile abgesehen, der schon bei der Verarbeitung ver- loren geht, werden die Hauptverluste durch die ständige �Abnutzung der aus Eisen hergestellten Gegenstände herbeigeführt. So hat sich aus der Buchführung der New-Porker Untergrundbahn über den Ersatz an Schienen und Rädern ergeben, daß dort auf je ein« eng- lisch« Meile monatlich«in« Tonne Eisen allein durch die Bremsen in Staub verwandelt wird. Ebenso ist es auch bei ollen anderen Fahrzeugen, nur daß sich die Slbnutzung bei einer geringeren Ge- schwindigkeit vermindert. Wie die Untergrundbahnwagen nutzen sich auch die Eisenbahnwagen ab. So verlieren die aus Stahl>herge- stellten Teile eines amerikanischen Eisenbahnwagens jährlich 313 Kilogramm Gewicht. Ein weiterer und vielleicht der größte Essen- fresser ist der Rost. Nicht nur olle Gegenstände, die, wie etwa Drähte, im Freien angebracht sind, sondern auch die häuslichen Gegenstände»erden im Laufe der Zeit durch Rost verzehrt und zum Teil in Staub verwandelt. Wie Soper auf Grund genauer Untersuchungen nachweist, ist die dunkle Färbung der Stadthäuser hauptsächlich aus die im Staube befindlichen Eisenteilchen zurückzuführen, woraus sich auch erklärt, warum Landhäuser weniger nachdunkeln als Stadthäuser. Um die im Staub befinfelicAn Eisenteilchen nachzuweisen, legte Soper«in« Handvoll Straßenstaub auf einen Bogen Papier und fuhr mit dem Bogen unter einem Ma- gneten hin und her. Dabei ergab sich, daß die Essenteile dem Mr- gneten folgten, während der Staub liegen blieb. Kampf dem Rauch. In einem Ehikagoer Blatt wird«rnschaft der Dorschlag gemacht. daß diejenigen Fabrikinhaber, in deren Fabriken die Schornsteine die bekannten dicken Rauchwolken ausstoßen, in Strafe genommen wer- den. Die modern« Heiztechnik fei soweit vorgeschritten, daß eine der- artig« Schmutzerei, durch die Werte aller Art, Leben und Gesundheit vieler Menschen gefährdet würden, nicht nötig sei, und daß es nur auf den guten Willen der Fabrikinhaber ankomme, mn die bisherigen Zustände zu beseitigen. Flugverbindung London-Grönland-Kanada? Wie aus London berichtet wird, begibt sich demnächst eine englische Expeditton noch Grönland, um im Innern de» Landes die passendste Stelle zur Anlage eines Flugplatzes auszuwählen, der für die neu zu gründende Flugverbindung zwischen London und Konada geschaffen werden soll. Dies« Expedition wird zugleich von einer Reihe von Gelehrten begleitet sein, die in Grönland meteoro- logische, geologssche und allgemeiner« naturwissenschaftliche Studie» machen wollen. Die Hochebene, aus welcher der Flugplatz angelegt werden soll/ erhebt sich etwa 8999 Fuß über dem Meeresspiegel. Mit diesem Flughafen wird zugleich eine ständige meteorologisch« Station verbunden, um die Flugzeug«, die weit« und gefahrvolle Strecken über die nördlichen Meere zurückzulegen haben, mit den erforderliche» Wettermeldungen zu versehen. Die neue Fluglinie wird von Croydon bei London beginnen und über Schottland und die Faröer Inseln nach Island und Grönland führen. Während diese Strecke in ununterbrochenem Fluge zurückgelegt wird, wird in Grönland«ine Zwischenlandung vorgenommen und dann soll der letzte Teil der Strecke(über die Bassins- und Hudsonbai) so gewählt werden, daß der Flug über das offene Meer möglichst kurz sein soll. Den Endpunkt der neuen Linie wird die Stadt Winnipeg in der kanadischen Provinz Manitoba bilden, wo An- schlüsse an die wichtigsten Fluglinien der Dereinigten Staaten von Nordamerika vorgesehen sind. Prohibition.# Durch die Ohioer Zeitungen ging kürzlich eine Notiz, in der«in Trinker mitteilte, er werde in Zukunft alle diejenigen Leute zur An- zeige bringen, die ihm der Prohibition zuwider alkcholische Getränk« anbieten. Er kenne wohl die verderbliche Wirkung des Alkohol- genusses. er sei aber von sich aus zu schwach, ihm zu widerstehen nnef er könne sich auch. nicht anders gegen feine guten Freunde mehr wehren, die ihn immer wieder zum Trinken verführen. lAKEDONCIOARETTEM Für die Arbeitersport' Internationale Eine Friedenskundgebung in Kassel Aus Anlaß des Ländersußballlpieles England— Dautichland, das gestern auf der Heffenkampfbahn in Kassel zwischen einer Mann- schaft des britischen Arbeitersportbundes und der Länderels des Arbeiter-Turn- und Sportbundes ausgetragen wurde, fand im Stadtparkgarten eine Friedens- kundgebung statt. Der Vorsitzende des 13. Kseifes des Arbeitcr-Turn- und Sport- bundes begrüßte die englischen Gäste, worauf der Vorsitzende des Bundes G e l l e r t- Leipzig ebenfalls seiner Freude darüber Aus- druck gab, die englischen Freund« in Kassels Mauern begrüßen->u können. Die groß« Arbeiter Sport-Internationale wolle dem Frieden dienen und durch ihre Austauschspielc praktische Berstöndi- gungsarbeit im Geiste der Menschheit leisten. Dann nahm der llnterhausabgeordnete der englischen Arbeiterpartei F. ch. Gell, Präsident der englischen Eisenbahn-Angestelltengewertschast, das Wort. Er sei tief bewegt, erklärte er, von dem überaus herzliche» Empfang der Engländer in Kassel, der das Bewußtsein gkichcr sozialer Gesinnung und der Kampfgemeinschaft für Wlkersriedcn und bessere Arbeitsformen zeige. B u y a n, der Vertreter des englischen Arbeiter-Sporwerbandes, überbrachte die Grüße der eng- tischen Abeitersportler und verlas ein Handscheiben des englischen Premierminister» Macdonald, in dein es heißt, daß solche Länder- spiele der Freundschaft zwischen England und Deutschland nur dien- lich seien. Der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau, Haas, führte u. o. aus: Wir rufen Bus vollem Herzen:„Nie wieder Krieg!" Wir dürfen aber auch unter Zustimmung der englischen Freund« hinzusetzen:„Nie wieder Versailles!" Alle sozialistischen Parteien der Internationale haben sich gegen die Ungerechtigkeit des Friedens- Vertrages von 1919 energisch ausgesprochen. Alle Länder sind von furchtboren Arbeitskrisen geplagt. Die Geißel der Arbeitslosigkeit zu erkennen und chr mit allen Mitteln zu begegnen, ist die erste und dringendste Ausgabe der internationalen Arbeiterbewegung. Wir müssen uns in allem verstehen lernen, um das Zusammenleben und das Glück der Völker zu fördern. Wir in Deutschland werden am 14. September zu unserem Teile beitragen, Bausteine zum Haus des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit zusammen- zutragen. Deutschland— England 3: 1(0: 1) Kassel erlebte mit dem Länderspiel Deutschland— England ein großes sportliches Ereignis. Die englischen Gäste wurden am Sonnabend am Kasseler Bahnhof von einer vieltausend- köpsigen Menschenmenge empfangen. Am Sonntag morgen waren die Engländer Gäste der Stadt Kassel. Am Nachmittag, schon einige Stunden vor Beginn des Haupttreffens, war die Hesien-Kampsbahn vollständig mit Menschen gefüllt. 13000 Zuschauer mögen es gewesen sein, die an dem technisch sehr feinen Spiet, vor allem der deutschen Mannschaft, sich begeistern. Di« erste Halbzeit des Spiels verlief nicht allzu abwechslungsreich. Kein« der beiden Mannschaften brachte es zu beson�Ge einheitlichen Leistungen. Erst die zweite Halbzeit zeigt«, daß vor allem die deutsche Mannschaft mit technisch hohem Können, sowie mit raffinierten Tricks, ausgerüstet war. Einen der Spieler von der deutschen Mannschaft hervorzuheben, hieß« den anderen zurücksetzen. In der englischen Mannschaft war besonders die liintermannschoft der deutschen fast gleichzustellen. Wieselflink war besonders der englische Rechtsaußen. Der Antwerpener Schiedsrichter entsprach allen Erwartungen. Deutsch« Erfolge beim Leffisdien Bundesfcsf Das 6. Bundcsfest des Lettischen Sport- und Schutzbundes in Riga nahm einen Berlauf, der olle Er- Wartungen weit übertraf. Das Fest begann am Freitag mit der feierlichen Eröffnung in der Nationaloper, woran sich damt im Stadion in allen sportlichen Disziplinen ein reger Wettkampf an- schloß, der bis zum Sonntag abend anhielt. Zehn Verbände der Sozialistischen Arbeiter-Sportinternationale waren vertreten. Den Sonnabend beschloh ein wirkungsvoller Fackel- zug. Den Höhepunkt der Veranstaltung am Sonntag bildete der Festzug, an dem. sich SOOO Aktiv« beteiligten, und der von ungeheuren Zuschauermassen umsäumt war. Auf dem Festplatz hatten sich 20 000 Zuschauer eingesunden, die mit Begeisterung den Schlußwett- kämpf«», Massenübungen und Sondervorführungen beiwohnten. In den leichtathletischen Wettkämpfen schnitt die deutsche Vertretung sehr gut ab. Den S000-M«ter-Lauf gewann Wagner, Leipzig, in 15:47,3. Der Leipziger Naumann gewann das Kugelstoßen mit 12,52, den Weitsprung mit 0,21 und das Speer- werfen mit 53,65 Meter, und wurde im Diskuswerfen Dritter mit 36,62 Meter. Auch der 1500-Meter-Lauf war eine Sache der Deutschen. Wagner, Leipzig, siegt« in 4:10,3 und Birkholz, Aettin, wurde Zweiter 4:12,1. Birkholz belegte auch im 800-Meter-Lauf den zweiten Platz in 2:05,1. Bester im Hochsprung wurde Wilde, Magdeburg, mit 1,75 Meter. Auf den kurzen Strecken waren die Wiener außerordentlich starte Gegner. Im 200.Met«r-Lauf gingen Freudenberg, Wien, und Weller, Feuerbach(Württbg.). beide in 23,4 durchs Ziel. Dogegen gewann Freudenberg den 100-Meter-Lauf in 11,2. Bei den Sportlerinnen erreichte Dank, Königsberg, im Diskus- werfen mit 25,50 Meter und im Speerwerfen mit 34,15 Meter die besten Leistungen. Eine sehr gute Leistung vollbrachte der Lette Vitthoff im Stabhochsprung mit 3,52 Meter. Olympische Stafette: Sieger Deutschland in 3:45,0. 400-Meter-Laus: Sieger Iaroschek, Wien, 52,0 Sek. In den Ländcr-Fußbollspielen blieb Deutschland über E st l a n d mit 3: 1 und Oesterreich über Lettland mit 3: 2 siegreich. In beiden Spielen kommt die technisch« Ueberlegenheit der ' Sieger durch die Ergebnisse knapp zum Ausdruck. Im nächsten Spiel Oesterreich gegen Estland gewannen die Oesterreicher 4: 1. köllner Voltstanzkrels und befreundete Organisationen stellten sich bereitwilligst in den Dienst der Sache. Im Namen des Veranstalters begrüßte Geschäftsführer Stein alle Erschienenen und wies aus Wesen und Bedeutung des Genossenschaftsgedankens hin. Dann begann der bunte Reigen der Vorführungen. Bei Eintritt der Dunkelheit glühten unzählige Lichter auf und der Fackelzug im bunten Lichterreigen beschloß dies Volksfest. Solidarität"- Straßenrennen Unger der Schnellste des Rennens 25-Jahrfcicr der Freien Turnerschaft Zossen Zahlreiche Vereine waren dem Rufe des Veranstalters gesolgt, sein 25jähriges Bestehen festlich zu begehen. Auch die Unterstützung der Zossener Arbeiterschaft blieb nicht aus. Als am Sonnabend ein für Zossener Verhältnisse recht starker Zug zur Freilichtbühne am Notte-Kanal sich beweate, waren die Brücke sowie die nächstliegenden Ufer dicht mit Menschen besetzt. Zossen selbst eröffnete die Vor- sührungen. In bunter Folge wechselten dann die Sondervorsüh- rungen der Bezirksvereine. Ein gut wirkender Fackclreigen, geschwommen von Zossener Genossen, schloß die Sonnabend- kundgebung. Der frühe Sonntag morgen sah eine sich lustig tummelnde Schar auf dem Sportplatz. Die Beteiligung überstieg noch die Erwartungen. An allen Geräten wurde bald mit regem Betrieb eingesetzt. Startschüsse jagten die Läuser iiber die Bahn, dort flog der Speer, der Diskus und die Kugel, da sprang man hoch» und weit. Ein rasch einsetzender Regen unterbrach aus eitrig« Minuten die Kämpfe, um so intensiver wurden sie jedoch sortgesetzt. Am Nochmittag wurden die End- und Einzelkämpse abgewickelt. Relullate: Dreikampf, Draue» ll4— 1. Bunaert, Friedenau, 309 P.; stüaet. FTSB.-Sütxn. 201 P. Heber 16 Iabre: 1. Reiche. FTen, ; 8. Dargc, Echvnebcrg, 215 P. Jugend(14—16): 1. Srunow,(speetn- berg, 190 P.: 2. Walter, Stabnsdorf, 176 P. 16—18 Jahre: 1 Junker, Lücken. waide, 189 P.I 2. Bayer, Schöneberg, 181 P. Männer: 1. öennig, Moabit, 214 P.: 2. Schubert, Friedenau, 197 P. Alle Herren: 1. Krüger, AGB. Reu- .toll», m P.: 2. Meyer, Soffen, 213 B.— Einieltämyfe, Manne» 100 Meter: 1 Hennig, Moabit, 12,3; 2. Schubert, Friedenau, 12,4. grauen, 100 Meter: J. Reiche. KTSB�Südcn. 14,3: 2. Laberen�, Süden. 15,2. Vichts: 1. Reumann, Schöneberg, 17,80 Rietet;*2. Nralisch, Lücke irwalde, 17,38 Meter. Manner, Hoch. svrung: 1. Graumann, Schöneberg, und Stahl Luckenwalde, 1,62 Meter. Stafseln, israuen, 4X100 Meter: 1. Luckenwalde I«0,3: 2. Luckenwalde II«2,5. Jugend, 4X100 Meter: 1. Schöneber« 53,8; 2. Stahnsdorf 04,3 10X16 Runde: 1. Echöneberg 8:27; 2. Stahnsdorf 3:33. Männer. 4x100 Meter: 1. Lücken. walde 50:4; 2. Mvabit 50:8. 3X1000 Meter: 1. Schöneberg 9:27: 2. Stahna. bort 9:31. lOxli Runde: 1. Luckenwalde 3:19! 2. Moabit 3:22. Jugend, lOOO.SDlttcc-GinAcItouf: 1. Richter. Soffen, 3:10: 2. Schröter, Soffen, 3:11. Männer, OOOO.Meter-Giiylellouf: l. Afchcnbrenner, Echöneiche, 11:2: 2 Appelt, Wilmersdorf, 11:2. Handbollspiel«. Jugend: Mausdors— Soffen 0:0; grauen: Wilmersdorf— Soffen 3:0: Männer: Wilmersdorf Soffen �: 0. Jeff der Tugend in Britz. Es war ein glücklicher Gedanke der Baugenossenschaft Ideal, wieder alle Freunde und Mit« alieder zu einein ,.F est der Jugend' zusammenzuführen. Dank der unermüdlichen Tätigkeit aller Funktionär« wurde die Veranstaltung' ein wahres Volksfest. Fast hätte Petrus einen Strich durch das schöne Fest gemacht. Kaum machte sich Mutter Sonne bemerkbar, als alles zum festlich geschmückten Sammelplatz eilte. Im Festzug wurden durch entsprechend« Kostümierung die einzelnen Gewerke und unsere Volkslieder symbolisch dargestellt. Die Arbeiterjugend, die N a tu r s re u nde, der Neu» ................. Bei ausgezeichnetem Rennwetter lieferten sich die bnndestreuen Rennfahrer am Sonntag, dem 3. August,«in kampfreiches Straßen- rennen auf der Strecke Köpenick, Müggelheim, Gosen, Neu-Zittau, FrieLersdors und zurück über 56 Kilo- meter. Ausnahmsweise starteten alle drei Klassen gemeinsam. Ob- gleich vom Start weg»in schnelles Tempo angeschlagen wurde, blieb das Feld bis �Neu-Zittau zusammen. Hier riskierten Unger, Sacht- leben und Zimmermann einen Fluchtversuch, der ihnen etwa 166 Meter Vorsprung einbrachte. Da jevoch die Meute energisch nachsetzte, war noch vor dem Wendepunkt gemütliches Beisammen- sein. Nach dem Wendepunkt lichtete sich das Feld nach und nach, so daß in Gosen nur noch sechs Fahrer beisammen waren, wovon Sehneider durch Reifenschaden zurücksiel. Hinter Gosen rissen Unger und Sachtleben nochmals aus und holten sich einen größeren Vor- sprung. Trotz des Tempos, das Sachtleben einschlug, nm den Bor- sprung zu halten, gelang es Zimmermann und Balte, kurz vor dem Zikl die Ausreiher einzuholen, mußten sich jedoch mit deni dritten und vierten Platz begnügen, während Unger seinem geföhrlichsten Konkurrenten Sochtleben um Handbreite überlegen war. Wie aus dem nachstehenden Ergebnis hervorgeht, hat der L-Fahrer Unger die beste Zeit mit 1:21:45. Bestimmt eine Höchstleistung. Einem Protest zufolge wurde Balk« wegen Benutzung eines Schritt- macher disqualifiziert. Nachstehend die Resultate: A.tttaffe: j. Simmennonn, Wilmersdorf, 1:21:40,3; 2. Proufe, Berit», 1:2(7:38.— B.JtToffe: 1. Unger. Berlin, 1:21:40: 2. Neninann, Berlin, 1:27:32,1. —<»Kläffe: l. Sochtleben, Charlottenburg, 1:21:45; 2. Sambleben, Berlin, 1:28:15; 3. Huhn, Wilmersdorf, 1:27:32. Schwimmfest in Wei�ensee Im Seebad Weißensee fand gestern nachmittag das Schwimm- fest des Schwimmvereins N e p tu n- Weißensee statt, das trotz des Regenwetters noch guten Besuch aufzuweisen heitte. Refill tat«: Männer�lrawlftafetie 6X50 Meter: 1. Hellas-Berlin 3:27. Männer-Crawlschwimmen Klaffe 4, 100 Meter: 1. Milller-Weigensee 1:11,0. Klaffe B; 1. Hense-Hellas 1:204!- Männliches Iiigendbrnstschwiinmen, 100 Meter, 14—16 Jahre: 1. Lehmonn-Berlin XH 1:31,1. 10—18 Jahre: 1. Oesterreich. Hellas 1:31 L. llrauenbrufifchwimmen Klaffe 4, 10» Meter, 1. Schorf.Äeihenfee 1:40,1. Klasse B; Schickler-Weisseirfee 1:52,2. Wasserballmehrkainyf, 4x20 Meter Dribbeln, Weitwurf und Sielmiirf: 1. Reptun-Weißenfee. 74 Puntte; 2. Berlin XII, 71 Punkte; 3. Dresden, 61 Punkte. Männerlagenftafette, 4X100 Meier: Neptun-Weissrnfec 5:51,4. Män»liä>e Iugendbrufiftakette, 4X50 Meter: lZreiheit-Bertin 2:52.(srauen-CrawIschwinimen 00 Meter. Klasse 4: 1. Kupho l-Hellas 39,2. Klasse B: 1. Cotany-Berli» XII 47,3. Pabdelstofette für Männer über 30 Jahre, 4x25 Meter: 1. Reptun-Weissenfee 2:36. Männerbrust. schwimmen Klosse B, 200 Meter: 1. Aoll-Weißenfee 3:30. Wasserballspiel: Klasse B: Männer Freiheit— Neptun-Weihensec 7: 3. Klasse 4; Neptun.Weihen, sec— Dresden 8: 3. Sfra£enlauf und Werbespielfag in Pankow Di« bundestreuen Sportler in Pankow(FTGB.) lzalten am Sonnabend, de�i 6. �lugust, einen Straßenlauf „Quer durch Pankow"' ab. Start und'Ziel: Mühlen- Ecke Maxi- milianstroße. Der Lauf führt durch folgend« Straßen: Maximilian- slrohe, Brehmestraße, Gaillnrdstraße, Florastraße bis zur Berliner Straße, dann zurück bis zur Mühlenstroße, Muhlenftraß« zum Ziel Maximilianstraße. Unter Beteiligung einiger Provinz- und»er- fchiedener Berliner Vereine verspricht es, einen interessanten Kampf zu geben. Der Start ist auf Ig Uhr festgesetzt. Am Sonntag, dem 16. August, wird aus dem Sportplatz in der Kissingenstraßc ein Werbespiestag abgewickelt. Um 14.36 Uhr beginnt das Hockeyspiel FTGB. Pankow— FT. Cottbus(Kraismeister). Um 16 Uhr stehen sich die Handballmannschasten FTGB. Pankow— FT. Tangerhütt c (Bezirksmeister) gegenüber. Die Fußballer der FTGB. Pankow spielen um 17.36 gegen Butab. Die Gäste sind den Pankowern zum Teil nicht unbekannt, es wird bestimmt spannende Spiele geben. Um 9 Uhr vormittags spielen die unteren Mannschaften. Reichsbanner rettet«ine Ertinkende. Am Sonntag kenterte aus der Müggelfpree in der Nähe des Dämeritzsses ein Paddelbost mit 2 Personen. Der Reichsbanner-Riemenvierer„Matthias Erz- berger", der das Unglück bemerkte, griff schnell ein und konnte eine Dertriumpf DER QUALITÄT! Millionen von Rauchern sind in kurzer Zeit treue An-' hänger der hochwertigen MAKE DON-Zigaretten j geworden. Dies ist der volle Beweis dafür, daß der1 deutsche Raucher Qualität zu schätzen weiß, eine Tatsache, die ihm zur Ehre gereicht. Versuchen auch Sie unsere Marke MAKEDON SOZIAL fs PERFEKT 5-4 MAKE DON ZIGARETTENFABRIK G. M. B, H., MAINZ A. R H. KONZERNFREI Generalvertrotung: Carl Södel/ Berlin NW 6, Luisen strafte 30, Tel. O 2, Wetdendamm 3354 Insassin des Bootes retten und an Land bringen. Kie Vierermann» schalt nahm sofort Wiederbelebungsversuche vor, die von Erfolg gekrönt waren. �CAidUocUV Bei den Männern spielten Bornstedt— Kaulsdorf 7:4(3:0). Nowowes gewann in Potsdam 8:5. Fichtenau— Kleingärtner Char- lottenburg 7: 3�(3: 1), Stralau— Osten 2 5:1(3:0). Nach Lern Sportplatz im Friedrichshain hatte der Bezirk Osten der Freien Turnerschaft Groß-Berlin zu einem Werbespieltag eingeladen. Die Spiele verliefen trotz des Nachmittagsregens einwandfrei. Es spielten JS chii le r: Osten— Hennigsdorf 0:8(0:5); Jugend: Diten— Sokol 7:1(0:5); Frauen: Osten— Hennigsdorf 3:2 '2: 1); Männer: Osten 3— Nordost 2 1:0(1:3). Osten 2— Hennigsdorf 2 4:1(0: 2). Im H a u p t f p i e l schafft Osten 1 ein �: 2-(4: 1)-Resultat über Hennigsdorf. Weiter« Refrlltate sind bei den Frauen: Rosenthal— Koulsdorf 1: 2, Rehfelde— Nordost 0: 0; Jugend: Bornstedt— Kaulsdorf 3: 6; Schüler: Wedding— Kaulsdorf 4:1(3:0). Fu�bali'Ergebnissc FTGB. Karow berg I— Karow I 1 (0; 2). weilte zuni Sportfest in K y r i tz. Perle- 4(0:1). Pritztvall II— Karow II 0:4 3. Kreis-Frauensportfesi in Nowawcs Der Kreis-Frauenauss chu ß bittet uns mitzuteilen: Diese bereits angekündigte Veranstaltung an, 2 3./2 4. A u g u st soll«ine große Kundgebung für den Sport und die Leibesübungen der werktätigen Frau im Arbeiter-Turn- und Spartbund werden. Am 14. September finden di« Wahlen zum Reichstag statt. Die Frauen des 1. Kreises werden dieser Tage in Nawawez beweisen, daß die bundestreue Arbeitersportbewegung als wichtiger Faktor im Kampfe gegen Reaktion und Bürgerblock zu gelten hat. Im Kampfe für den Sieg des Sozialismus sollen unsere Frauen an erster Stelle stehen. In den Groß-Berliner Vereinen und Ab- teilungen des Arbeiter-Turn. und Sportbunde- muß eine noch stärkere Propaganda und Werbung unter den Bundesgenolsinnen einsetzen. Keine Frau darf fehlen! Jeder Verein muß auch die letzte Frau aufrütteln, mit in Nowawes zu marschiere» und zu demonstrieren. Heute ist der letzt« Termin für die Zlbgabe der Meldungen und zwar sind sie einzusenden an Martha Tietz. Nowawes, Ahornstraße 2. Festplaketten jeden Dienstag und Freitag ab 6)4 Uhr in der Kreis gefchäftsstelle, Elsasser Straße 86/88 (Weidendamm 4122), ebenso Zluskunft. �Viedereroftniintz von Ruhleben Das fünf Tage umfassende A u g u st m e e t i n g auf der Trabrennbahn Ruhleben stellt eine Fülle interessanter sportlicher Ereignisse in Aussicht. Allein drei bedeutende Zucht- Prüfungen kommen in seinem Verlauf zur Entscheidung. Der Iug endpreis von 20 000 M. die wertvollste Konkurrenz für die Zweijährigen am 10. August, das Gynz-v.-Rekowfki-Rennen ani 18. August und der Ruhlebener Pokal am 25. August. Der Eröffnungstag am Dienstag, 5. A u g u st, wird sich besonders durch große Felder auszeichnen. In? Mittelpunkt steht der I n t e r- nationale Sommerpreis über 2600 Meter, der durch seine Heroorragende Besetzung mit einer Reihe der besten Klassetraber, zu einer besonders spannenden Prüfung werden sollte. Das Antwort- rennen für Zweijährige, ein Herrenfahren und zwei Ausgleich- konkurrenzen, find weitere Zugnummern des abwechslungsreichen Programms. Die Rennen nehmen um 3.30 Uhr ihren'Anfang. Zcn»i«.R»tn, e. B.. Abt. Rrut»!». Donnerstaa, bcn 7. Auaust (nicht am lt. Auliust). 2a Ubr, Milglitderverkammlung. Cafe Reinhard:, Hafen. Heide ai. Lichtbildervartra» de» Genossen Nohleri..Tvieltechnit". greie Kaau-Unioa Groß.»«, Ii», e. Abt. Kaoel. Dienotag, S. Auaust,' 20 Uhr, Abtcilungsverfammlung im Lokal von Reimer. Charlottendurg, Wilmersdorfcr Ecke Nanalstrahc. Donnerstag, 1. August, 18 Uhr, Trainings- abcnd im Bootshaus Fleischer, Giitelstr. 75. FTGB., Bezirk Westen. Dirnstag. 5. August, M'/i Uhr, Bczirksviertel- jahrcsoersammlung bei Richert, Eteiumehstr. SS». Alles muh erscheinen. Auf der Tagesordnung u. a. Referat:„Partei, Gewerkschaft. Arbeitersport". Rnberoerein.Borwärt»" Berli-,«. B. Dienstag, 5. August, 20 Uhr, vor. stanbsssssung. Donners'og, 7. August, 20 Uhr, Mitgliederversommlung: vorher werbe» die Freillbunge» zum streisfraueniest gellbt. Die Rowawesfahrer find verpflichtet, daran teilzunehmen. Werkverein verurteilt. Arbeitsgerichi gegen Zementunfug. Wetter für Berlin: Nach nächtlichen Regenfällen am Tage unbeständig und kühler.— Für Deutschland: Im Nordosten wolkig mit etwas Rege», in übrigen Reiche unbeständig, im«üdwesten später wieder Besserung. Die Portland-Zementwerke sind als„g e l b« B u d c* feit jeher bekannt. Die Direktion der Abteilung Mainz- W« i s« n a u der Werke suchte ein übriges zu tun, den„Ehren- namen" dieses Werkes zu rechtfertigen. Seit Jahren standen die freien und christlichen Gewerkschaften in einem Tarifverhältnis mit Portland-Zeinent. Als im Jahre 1028 der alt« Tarifvertrag abgelaufen war,- machte die Werkleitung Aus- flüchte der verschiedensten Art, um sich einem neuen Tarifverirag und einem neuen Schiedsspruch zu entziehen. Es kam zu einer Reihe von Prozessen, in denen die Portland-Zementwerke unter- lageni Als dann Ende 1929 neue Schlichtungsverhandlungen vor- zunehmen waren, erklärte der Vertreter der Werke plötzlich, für einen Schiedsspruch sei kein Raum mehr, da vor wenigen Tagen „der Werk verein" der Portland-Zementwerke mit den Port- land-Zementwerken einen„Tarifvertrag" abgeschlossen habe. Die Schlichtungsbehörden ließen sich jedoch nicht irre machen. Es wurde ein Schiedsspruch für verbindlich erklärt, der den Arbeitern«in« Lohnerhöhung von drei Pfennig brachte. Trotzdem gab Portland-Zement das Spiel nicht verloren, iln- mittelbar nach der Verbindlicherklärung wurde der Betrieb stillgelegt. Kurz« Zeit darauf wurde wieder mit Einstellungen begonnen. Doch wurden nur solche Arbeiter eingestellt, die sich be- reit erklärten, zu den Bedingungen des„Tarifvertrags" mit dem Werkverein zu arbeiten. Wie steht es nun mit dem„W e r k o e r e i n"? Bereits in den Schlichtungsverhandlungen 1928 hatte einer der Direktoren von Portland-Zement erklärt, wenn die Gewerkschaften auf ihren Lohn- forderungen bestünden, sehe«r sich gezwungen, in seinem Betriebe einen Wer�verein aufzuziehen. Prompt 24 Stunden vor der entscheidenden Schlichtungsver- Handlung war der„Werkverein" da. Geld hatte er noch nicht, das mußt« er sich von anderen pumpen. Nicht einmal ein Apparat, um Mitgliedsbeiträge einzuziehen, bestand. Da half liebenswürdiger- weife das Portland-Zementwerk aus»nd zog„im Auftrag des Werkvereins" den Arbeitern den Mitgliedsbeitrag zum Werksverein ab. Auch solchen Arbeitern, die garnicht Mitglieder des Werk- Vereins sind. Darin zeigten sich die Zementwerke ausnahmsweise großzügig. Freilich, auf den Werkverein an sich kam es den Herr- schaften weniger an. Sie erklärten mit entschiedenem Ernst, nie- mand solle gezwungen werden, Mitglied des Werk- Vereins zu werden; das einzig«, was man verlange, sei Anerkennung des werkvereinstariss. Doch durfte sich der Vorsitzende des Werkvereins, Franz Roß- mann, bei der Einstellung der Arbeiter stets im Portierhäuschen der Werke aufhalten, um von dort aus zu kontrollieren, wer ein- gestellt wird. Schon glaubten die Herren, ihr übles Spiel gewonnen zu haben. Sie vermuteten, daß nach der„Säuberung" kein Mitglied der freien Gewerkschoiten mehr in ihrem Betrieb sei, daß sie alle ihr« Arbeiter nach ihrem„Tarifvertrag mit dem Werkverein" be- zahlen könnten. Sie hatten aber die Rechnung ohne die Eewerk- schaften gemacht. Die freien Gewerkschaften und der christliche Fabrikarbeiter- verband verklagten die Portland-Zementwerke vor dem Arbeit:-- gericht Mainz auf Unterlassung ihres ta r i f w i d r, g e n Verhaltens. Portland-Zement wurde vom Arbeitsgericht Mainz unter Meidung einer Geldstrafe von 10 000 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung verurteilt, zu unterlassen, gewerkschaftlich organisierte Arbeiter zu veranlassen, zu den Bedingungen des „Tarlsvertrages" mit dem gelben werkverein zu arbeiten und d'e Einstellung van Arbeitern van der Anerkennung der RechtsgultigkeU dieses Vertrages abhängig zu machen. In einer ausführlichen Beweisaufnahme kam das Arbeitsgericht zu dem eindeutigen Ergebnis, daß die Portland-Zementwerke in gröblichster weise Tarisbruch begangen haben, indem sie die Durch- führungspflicht aus dem verbindlich erklärten Schiedsspruch ver- letzten. Darüber hinaus sprach das Arbeitsgericht Mainz d e in Werkverein die Tariffähigkeit ab und erklärte, daß der zwischen dem Werkverein und den Portland-Zementwerken abgeschlossene Vertrag im Sinne des Gesetzes kein Tarifver- trag sei.» Wir zitieren aus dem umfangreichen Urteil zwei Sätze wärt- lich:„Infolgedessen ist der Vertrag, den die Portland-Zementwerke mit dem Werkverein abgeschlossen haben, kein Tarifvertrag im Sinne der Verordnung vom 23. Dezember 1918."„Hinsichtlich des Tarifvertrags vom 9. Januar 1930 des verbindlich erklärten Schieds- fpruchs zwischen den Gewerkschaften und den Portland-Zement- werken haben die Por.'land-Zementwerke zweifellos die Durch» führungspflicht als auch die Friedenspflicht verle tz-t. Das Urteil des Arbeitsgerichts Mainz verdient die größte Auf» merksamkeit. Der Prozeß hat gezeigt, zu welchen ungeheuerlichen Ergebnissen die Anerkennung von Werkvereinen als tarifsähigen Gebilden führen müßte. Wäre die Entscheidung des Arbeitsgerichts anders ausgefallen, so wäre es Unternehmungen von der Rücksichts- losigkeit und Brutalität der Portland-Zementwerke ein leichtes, mit gefügigen Werkvereinsvorfitzenden, wie dem Rotzmann, Tarifver- träge der Gewerkschaften zu sabotieren. " Der Prozeß zeigt aber auch ganz deutlich, wie es bei manchen Arbeitgebern mit der Taristreue aussieht. Man wird abwarten müssen, wie sich der Rechtsstreit in den weiteren Instanzen entwickelt. Die organisierte Arbeiterschaft wird den Fortgang des Prozesses mit Interesse verfolgen. Aus Frankreich ausgewiesen wurde der E i s e n a ch e r Kom» munist Friedrich L a p p, der bei der Straßburger Demoftstraiion verhastet worden war. «MiU Die tKinderrepublik von tBroden Jn Stvoden bei Travemünde haben fich annähernd 2500 rote Salben»» einem SEelt- Staat zusammengefunden. Ilnfer%ild zeigt ein ,.5)orf" diefer Winderrepublik Elnheltsverband d. Eisenbahner Deutsdilanüs Ortsvcrwallang Berlin Der Mitgliedschaft zur Nachricht, dag der Kollege Ernst Thomas am I. August d. I. im Alter vop 50 Jahren plötzlich verstorben ist. Ehr« sein«« Andenken! Die Einäscherung findet am Dienstag, dem B. August. 15 30 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Rege Beteiligung erwartet vi« OrtArem-altnng. Strandbad- Restaurant GRONAU Knie Badeverhaitnlsse Neu renoviert Preiswerte Kfldie— Kaileekoöien WtTHSUfH TVarenhausei*. •u©tanunfttoft« 144 6$/ A.: Vraaaenftraße 1*$ 90 «horlotteuborg. Rokne« Kratze 4/21.: B e, mitten- iorker Skratz« 21/ S.: /« inkfnrtcr gllee 90 Aei JUERGEN5 ÄÄ Alexanderplatz N«ue Königs(r.43 aaiUonis-.Babitt- a.Reklamemtrken gegen Nachahmung geieul. gesell. fertigt seit 45)«lu als SpezUlliat Conrad HOller Leipeic- Schkeudllr Kn-Piais znr Niete WSO.Ansbacheritr.l Blumenspenden feder Art liefert preiswert l�»ul fiollets oorm. Roben M«er MariannenstraO« 3 Ecke Raunynstrahe Amt Moritzpl IVM? 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