Morgenausgabe Dienstag s«««-««'«» WöchevLIch 8öPf, monatlich 3,KH M. W>£9 M W» W HA«U< � Auswärts �IS Df im voraus zahlbor. Postbezug« �1 � W W f B M HB K B■■ �," einschließlich«o Pfg.Postzriluvgz.— jBN fr�HH WW Bw Hfl M) WW H> Hfl flW Wß IM j C Hfl HH ?2 Psg. Postb-stellg-dühren. Ausland»- MB! �H HB Bfl Hfl HH H| HM s BW Hfl // Li« einspaltige Nonpareillezeile abonnement S,— M. pro Monat. IT Hfl IH MB»W HH �fl R|—' WW|H I AL 80 Ps-nnig. ReName, eil»»,— Reich». **-.*■|| Ml MLMMl ÄMl I I WM/ Ser..VonvSrt»� erscheint Wochentag. BW I JMS BW L?ML J�AV BH| �V/WWV fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort lich zweimal, Sonntags und Montags BM I HHI � MM i 7/|B 12 Pfennig. Stellengesuche das erste einmal, die Abendausgaben ftir Berlin �W/ f' �WS // HB Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort und im Handel mit dem Titel„Der' //_ 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben Abend" Illustrierte Deilagen.Lolt �W/\ zählen für zwei Worte. Arbeitsmar't und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner � M* m m b � Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile �.Frauenstimme". Technik".„Blick in x � aaB JT aa �-m a � M M.-tL A ✓ 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt. b�üch�ll�ug.�»«-«.. �49188181161? S�0l839ll#wS( fl'fw Äentralevsan der Sozialdemokratischen Vartei Deutschlands Redaltion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenslraße 3 izernsprecher: Dönbos» 292—29? Telegramin-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Das Ministerium für die besetzten Gebiete wird auf- gelöst, der Minister für die besetzten Gebiete, Herr T r e- v r r a n u s, ist ohne Ressort. Man könnte ihn einsparen— aber damit würde die Regierung Brüning einen ieir ihres Sinnes verlieren. Denn Herr Brüning sollte nicht nur eine Regierung ohne die Sozialdemokratie bilden. sondern auch eine Regierung mit Treviranus und Schiele. Für diese Regierung ist Herr Treoiranus unent- behrlich, weshalb man ihm auch das Reichskommissa- xiat für die O st Hilfe übertragen wird. Das sind Dinge, die heute nicht mehr bestritten werden. Die geschichtliche Wahrheit setzt sich allmählich durch. Als einst in der sozialdemokratischen Presse behauptet wurde, daß der Reichspräsident eine Regierung unter Ausschluß der Sozialdemokratie gewünscht habe, führte dies zu wütenden Entgegnungen der Zentrumspresse, die bis zur Drohung mit der Sprengung der Prcußenkoalition sührten. Inzwischen hat am 27. Juli Herr Stegcrwald in Essen ausdrücklich festgestellt, daß der Reichspräsident im März eine Regierung ohne die Sozialdemokratie gewollt Vorwärts-Verlag G.m.b.H. habe. Die besondere Rolle, die Herr Treoiranus im Kabinett spielt, ist ebenfalls nicht mehr bestritten. Die Tatsache, daß man nicht mehr für das Ressort einen Minister, sondern für den Minister ein Ressort sucht, würde ein Bestreiten auch zwecklos machen. * Der Reichspräsident hat unter dem 28. Juli 1930 folgende Der- ordnung über die Auflösung der R e i ch s o c r w a lt u ng für die besetzten Gebiete erlassen: Das R e i ch s m in ist e r i u m für die besetzten Gebiete und die R e i ch s v« r m ö g e n s v e r- w a l t u n g für die besetzten Gebiete werden am 3V. September 1930 aufgelöst. Bon den aus dem bisherigen Geschäftsbereich des Reichsministeriums für die besetzten Gebiete verbleibenden Aus- gaben gehen die Berwaltung der reichseigenen Liegenschaften sowie die sonstigen Aufgaben der ReichsoermögensvcrValtung für die be- setzten rheinischen Gebiete auf das Reichsfinanzmini st e- r i u m über. Von den weiteren Aufgaben des Reichsmimsteriums für die besetzten Gebiete gehen die Saargängersragen aus das Reichsarbeitsministerium, die übrigen noch ver- bleibenden Aufgaben auf das Rcichsministerium des Innern über. Die Ueberleitung im einzelnen regeln die betei- ligten Reichsminister. Bosllcheckkonlo: Berlin Z75ZK.— Bankkonlo: Bank der Arbeiler. Angestelllen und Beannen. Wallitr. 65. Dt. B u. Diic.-Ges.. Devoklienkasie Lindenslr. S. Justiz unter Naziierror. Die Unabhängigkeit der Rechtspflege in Gefahr. Am 12. Juli dieses Jahres hat die sozialdemokratische Fraktion des Preußischen Landtags eine Große Anfrage ein- gebracht, die sich auf die damals bekannten Skandalfälle in Prozessen gegen Nationalsozialisten bezog. Die Große An- frage beginnt mit der Feststellung: Während sich die blutigen Ausschreitungen der Nationalsozia, listen gegen Andersdenkende von Tag zu Tag mehren, behandelt die Rechtsprechung auch bei schwerwiegenden Folgen diese Exzesse immer noch als Bagellellcn. Hierdurch entsteht in der Bevölle- rung das Gefühl, daß gegen Ueberfälle und Mißhandlungen durch Nationalsozialisten ein wirksamer strafrechtlicher Schutz nicht gewährt werde. Dieses Gefühl wird bestärkt durch die Beobachtung, daß nationalsozialistische Angeklagte im Gerichts- s a a l ein außerordentlich dreistes und provozierendes W e s e n zur Schau trogen dürfen, ohne daß dies von den sonst sehv strengen Gerichtsvorsigenden gerügt wird. Wegen der Parlamentsferien konnte die Große Anfrage noch nicht zur Erörterung gelangen. Wenn dies im Herbst geschieht— eine sehr baldige Erledigung der Anfrage ist dringend geboten—, so wird sich die Besprechung aller- dings nicht mehr auf den oben formulierten Tatbestand be- schränken können. In den drei Wochen, die seit der Ein- bringung der Großen Anfrage verstrichen sind, haben sich neue Fälle ereignet, die sich nicht mehr als ein dreistes Betragen, sondern nur noch alsorganisierterTerror der Nationalsozialisten gegen die Unabhän- gigkeit der Rechtsprechung bezeichnen lassen. Die nationalsozialistische Raufhandelstaktik ist immer die gleiche. Sie ist, dies nebenbei bemerkt, das Gegenteil des Verhaltens politischer Ueberzeugungstäter, die für ihre Taten geradestehen und sich mit Stolz zu ihnen bekennen. Bei den Nazis gilt das Schulbubenprinzip: sich nicht erwischen lassen! Nach der Tat davonlaufen, im Dunkeln verschwinden. Wird doch einer gefaßt, dann leugnen auf Teufel-komm-raus, alles abstreiten! Tatsachen haben, falls direktes Lügen zugunsten der Angeklagten unmöglich ist, an Gedächtnisschwund zu leiden und auf alle Fragen mit einem stereotypen„Ich weiß nicht" zu antworten. Wo aber diese Mittel nicht ausreichen, da gibt es noch eine letzte Chance für die Angeklagten: den organisier- ten Gerichtssaalterror. Er beginnt mit den schnoddrigen Antworten der einzelnen auf Fragen von Staatsanwalt, Nebenkläger usw. immer mit dem Unterton: „Ihr könnt uns ja doch nichts." Er steigert sich in geschlosse- nen Demonstrationen wie in der faschistischen Begrüßung der Oberhäuptlinge oder in dem gemeinsamen Saalverlassen—- siehe Schweidnitzer Prozeß. Er wird begleitet von den Bei- falls- und Mißfallensäußerungen des von Anhängern ge- füllten Zuhörerraums, wodurch mindestens auf ängstliche Schöffen der Eindruck gemacht wird:„Hinter denen � steht eine geschlossene Macht, mit denen ist nicht gut anbinden. Wer weiß, ob uns nicht morgen die Fensterscheiben eingeworfen werden, wenn wir die Angeklagten hart verurteilen." Lassen sich auf diese Weise schon Schössen und Ge- schworen? unter Druck setzen, wieviel mehr unbequeme B c, lastungszeugen. Der Zeitzer Fall Cuvelier ist ein Musterbeispiel. Die Begleiterin Cuveliers hat der Wahrheit gemäß über die Beschimpfungen der sie und Cuvelier verfolgenden Nationalsozialisten ausgesagt. Was ist die Folge? Der Ortsgruppenleiter der Hitlerpartci sendet der Zeugin«inen Drohbrief, in dem er mit der Meineids- anzeige fuchtelt. Bagatelle? O nein, man versetze sich«in- man in die Psyche eines alleinstehenden Mädchens, das sich einer geschlossenen, fanatisierten Horde gegenübersieht. Wenn es den Angreifern und Verfolgern schon gelungen ist, durch ihr vereintes Zeugnis den angegriffenen Franzosen als „Schuldigen" hineinzulegen, warum sollen sich nicht da vier oder fünf finden, die mit gemeinschaftlich gerecktem Schwur- finger die Wahrheitszeugin in eine„Meineidige" ver- wandeln? Muß sich die Zeugin Hösel nicht sagen, daß sie im Falle eines solchen Komplotts bei einer Zeitzer und Weißenfslser Justiz als wehrlose Angeklagte dastände, nachdem sie erlebt hat, daß zwar der beschimpfte Franzose 24 Stunden nach dem Vorfall abgeurteilt wurde, daß aber bis heute keiner der Gassenbuben unter Anklage gc- stellt ist, die ihm ihr kerndeutsches„französisches Schwein" nachgebrüllt haben?! Oder soll die Zeugin Hösel sich darauf verlassen, daß Doch noch Falscher Hase? Die Köche haben wieder Hoffnung. Am Donnerstag hat der Führer der Deusichcn Voikspartei, Dr. Scholz, nochmals eine Besprechung mit den maß- gebenden Persönlichkeiten der Staatspartei. Nicht über die Frage, ob Scholz und Koch-Weser ihr« Acniter als Parteiführer niederlegen werden, wie es Koch vorgeschlagen hat, r-der über die Frage einer organisatorischen Verschmelzung der Volks- partei mit der Staolspartei wird verhandelt werden, sondern dar- üher, ob sich die Staaispartei dem von Scholz vor mehreren Tagen für die Dauer des Wahllampfes in Vorschlag gebrachten Wa s seilst ill stand der Mittelparteicn und der Lioiise'valioen Bolksportei doch noch anschließen wird oder nicht. Die Verständigung über diesen Waffenstillstand soll noch außen ihren Ausdruck finden in einem gemeinsamen A u f'r u f, der im Entwurf bereits fertig- gestellt"ist, und in dem die Unterzeichner sich u. a. auch zu so etwas wie einer Arbeitsgemeinschaft im neuen Reichstag verpflichten. In der Voikspartei ist man sicher, daß die Staatspartci, die den„Burgfrieden" anfänglich nicht mitmachen wollte, sich die Sache inzwischen anders überlegt hat und jetzt bereit ist, mit der Voltspartei des Herrn Scholz und den schwarzweißroten Herren Westarp und Treoiranus gegen die Sozialdemo- kratie in den Wahlkampf zu ziehen. Man ist in der Umgebung des Herrn Scholz überzeugt, daß Konsequenz ebensowenig wie in der Demokratischen Partei die starke Seit- der Staatspartei ist und hofft deshalb zuversichtlich, daß der große Mischmasch gegen die Sozialdemokratie schließlich doch noch das Licht der Welt erblickt.___ An der Seiie der Arbettenden! �anhsagÄasigtvl'ksnttei' DRflb* zur(Soztolhetnofralic übergetreten. Wie der dem Verband preußischer Polizeibeamien angehörig« bisher demokratische Landtagsabgeor�dnete Raoe der„Beamten-Korrespondenz" mitteilt, ist er zur �ozialdemo- kretischen Partei übergetreten. Absage an Westarp. Die Alt-Konservativen lehnen ihn ab. Westarp war lange Zeit der Repräsentant der Altkonseroativcn rnnerhalb der Dcptschnaiionalcn Partei. Er war sogar Vorsitzender des„Haupwereins der Konservativen"— sowas giebts immer noch! , der nichts anders hinter sich hat als eine kleine Gruppe adliger Großgrundbesitzer und bejchästigungslojer Ossiziere älteren Datums. Sein Nachfolger im Vorsitz war der Gutsbesitzer von eaeydlitz- Sandreczky, der gerade vor dem Zusammentritt des Vorstandes dieses tonservatiocn Hauptvercins gestorben ist. Besagter Vorstand hat nun am Montag in Berlin getagt und dabei einen scharfen Trennungsstrich gegen seinen früheren Freund und Borsitzenden Westarp gezogen, indem er beschloß und ver- äinbete: Die neue Partei, die sich den Namen„Konservative Voikspartei" beigelegt hat, führt die Bezeichnung„konfer- vativ" zu unrecht und ist überhaupt keine Rechtspartet. Sie steht vielmehr viel weiter links als die Volkspartei noch vor nicht langer Zeit. Unter den Gründern befindet sich kein«in- ziges Mitglied des Hauptvereins der Konservativen, der Zusam- nienfastung aller wahrhaft Konservativen in Deutschland. Auch Graf Westarp ist bereits feit 1928 ausgeschieden. Auch er hat leider«in« politische Wandlung durchgemacht, die seit dem zweiten Eintritt der Dentschnationalen in die Regierung und be- sonders feit dem Uebergang der Parteiführung von ihm auf Hugenberg immer deutlicher geworden ist. Unter den bei der Gründung Anwesenden befanden sich sehr weit linksstehend« Per- fönlichkeiten. Den vollzogenen Abfall vom Konservatismus be- werft die neue Splitterpartei schlagend dadurch, daß sie in ihrem wahiausruf nicht wagt, das Wort„Rlonorchie" anzudeuten. Da- mit Hot sie die monarchische Form verleugnet und verworfen. Ohne Bekenntnis zur Monorchie gibt es in Deutschland eben keinen Konservativismus. Wo dieser fehlt, bedeutet die Beilegung des Namens„konservativ" einen Täuschungsversuch der Wähler. So, da hat Westarp eine Meinungsäußerung,.die sich gewaschen hat. Wie konnte er auch mit einem Lambach zusammengehen, der noch vor kurzem öffentlich erklärte, die Monarchie fei nur noch etwas für Bühne und.Film? Jetzt darf er sich zur Strafe nicht mehr konservotio nennen, dieweit dos ein Täuschungsversuch gegen die Wähler ist! Freude an der Erklärung der Altkonservativen werden aller. ding gewisse Kreise der neuen„Staatspartei" haben. Denn wenn Westarp noch weiter lints als die Vol'spirtei steht, warum lall er dann nicht gleich zu Mahraun gehen? Uebrigens empfehlen wir, um alle Führerstreitigkeiten zu be- hoben, die Neugründung einer Sammelbcckenpartei mit dem zusam- mensassenden Namen„Konservative Staats- und Volks- parte i." Patent ist angemeldet! Dietrich über die Staatspartei. Rüchsfinanzminifter Dr. Dietrich hat cm Montag auf einer Kundgebung der Staatspartei in Karlsruhe eine Rede über die Aufgaben der neuen Partei gehalten. Er betonte die Not- wenvigkeit einer Sammlung der Mitte. Es habe keinen Zweck, von einer Dachgesellschaft zu reden, die die Mitte mit der Rechten verbinden soll. Diese Dachgesellschaft bedeute, richtig gesehen, weiter nichts als daß man im kommenden Reichstag eine Koalition mllern- ander machen wolle. Dazu aber bedürfe es einer solchen Zu- sammenarbeit nicht. Wie die Rechte, so müsse auch die Mitte sich zusammenschließen. Die Demokratische Partei sei in der Staats- partes ausgegangen, die Voltspartei Hab« dieselbe Auf- gäbe. Eine starke und fortschrittlich« Mitte sei eine Notwendigkeit auch für die. Flüg«lparteien der Sozialdemokraten und der Konser- vativen. Die Sorge um Mandate und die persönlichen Interessen mühten dabei in den Hintergrund treten. Ob Scholz oder Kahl, ob Koch oder Dietrich führen, sei ebenso nebensächlich wie die Frage, ob einer der anderen von diesen vier wiedergewählt werden. Treviranus ohne Ressort. Das Ende des Ministeriums für die besetzten Gebiete. Nach zwanzig Jahren. Wieder einmal eine„Demokratische Vereinigung" gegründet. Am Sonntag ist in Nürnberg eine„Vereinigung Unabhängiger Demokraten" gebildet worden. Sie tritt mit einem"Aufruf an die Oeffentlichkeit. der u. a. von Professor Quidde, Helmuth v. Gerlach, Professor Kantorowicz- Kiel, dem früheren freisinnigen Abgeordneten Dr. Leonhard- Kiel und dem badischen Rechtsanwalt Martin-Venedey- Konstanz unterschrieben ist. Es haben sich da einige auf dem linken Flügel der bis- hengen Demokratischen Partei stehende Leute gesammelt, die den Sprung zur Deutschen Staatspartei nicht mitmachen wollen, weil sie von der Süiwarmgeifterei des romantisch deutschtümelnden Jungdeutschen Ordens nichts Gutes er- warten. Sie haben mit ihrer Kritik an dem neuen Gebilde zweifellos recht, und wenn sie die wahrhaft republikanische Gesinnung des Jungdo bezweifeln und auf den erst vor wenigen Monaten wieder ausdrücklich bekundeten Anti- femitismus des Herrn Mahraun ebenso wie auf seinen neuer- liehen Vorstoß gegen den Pazifismus hinweisen, so lassen sich ihre Bedenken gegen die sonderbare Verbrüderung durchaus verstehen. Aber ist es nun wirklich notwendig gewesen, eine neue Organisation ins Leben zu rufen? Vor mehr als zwanzig Jahren entstand unter Führung von Breit- scheid und dem verstorbenen Theodor Barth schon einmal eine Demokratische Vereinigung. Auch sie wollte Hüterin demokratischer Ideen sein, nachdem die damalige Fortschrittliche Volkspartei unter dem Segen des Reichs- kanzlers Bülow die Ehe mit den Konservativen eingegangen war. Sie trieb eine recht lebhafte Agitation, sie sammelte auch einige tausend Mitglieder, ollein nach ein paar Jahren war ihr Dasein be endet und sehr viele von denen, die ihr anhingen, traten zur Sozialdemokratie über. Der Versuch, einen lebenskräftigen Körper zu schaffen, der seinen Platz zwischen dem mehr oder weniger entschiedenen Liberalismus und der Sozialdemokratie hätte finden können, war gescheitert. Muß dieses Experiment nun noch esnmäl wiederholt wprde n? Vor zwei Jahrzehnten war es nicht einmal so sinnlos wie jetzt, denn zu jener Zeit war die Bildung eines neuen Parteisplitters ohne große politische Bc- deutung. Im Öbriakeitsstaot hatten die Parteien ohnehin so gut wie nichts zu fggen. Heute Uber kommt es darauf an. daß große und starke Organisationen als Träger des politi- schen Machtwillens auftreten, und die„unabhängigen" Demokraten werden selber im Ernst nicht damit rechnen, daß sie mehr werden können als ein politischer Diskutierklub, in dem man gelegentlich gute Worte spricht, der aber keinerlei pratti- schen" Einfluß zu gewinnen vermag. Heute ein neues Grüppchen ins Leben zu rufen, heißt nicht nur ein über- flüssiges Luxusbedürfnis befriedigen, sondern heißt das Ar- beiten des politischen und parlamentarischen Apparates noch weiter erschweren. Man sehe sich doch den Aufruf der neuen Vereinigung an! Die Forderungen, die er aufstellt, wer- den von der Sozialdemokratie vertreten, wie denn die Sozialdemokratie nicht erst seit heute und gestern die Aufgaben übernommen hat, die sich vordem eine ent» schiedene bürgerliche Demokratie stellte. Allerdings geht die Sozialdemokratie weiter. Sie steht als Partei des arbeitenden Volkes für den Sozialismus gegen den Kapitalismus, und das ist eine Hürde, vor der auch die „unabhängigen" Demotraten noch scheuen. Sie begreifen oder wollen nicht begreifen, daß nur das arbeitende Volk wirklicher Träger der demokratischen Ideale sein kann, und daß allein der Sozialismus den Anspruch der Massen auf Persönlichkeitsrechte gewährleistet. Ehrlichen und konsequenten Demokraten bleibt nichts an- deres übrig als der Weg zur Sozial demo- k r a t i e, und sie sollten ihn gehen, ohne vorher noch einmal Halt bei einer kleinen und unbeachtlichen Station zu machen. Nationalsozialisten nicht lügen? Dann wäre sie verlassen. Für die Wahrheitsliebe der Nazis genügt es, Aussagen der Angeklagten und Zeugen im Röntgentaler Prozeß zu studieren. Der erste hat seinen Revolver im Walde gefunden, dem zweiten hat das Schießeisen seine Tante(!) geschenkt, die es im Walde fand, der dritte hat eine Stahl- rute auf der Straße gefunden, ein vierter hat nichts von dem gesehen und gehört, was zwei Schritt neben ihm vorging, ein fünfter(Primaner!) hat den ganzen Wend in der Kneipe dabeigesessen, kann sich aber aus den damallgen Unterhaltungen nicht eines Wortes mehr entsinnen. Ein sechster bestreitet, von einem Angeklagten je eine Pistole erhalten zu haben: drei Tage später entsinnt er sich plötzlich, das Schießeisen in Verwahrung genommen zu haben usw. usw. Wir sind felsenfest überzeugt: das Zeugnis dreier von diesen sechsen würde für einen Zeitzer oder Weißenfelser Richter genügen, um die Zeugin Hösel wegen Meineids ins Zucht- haus zu sperren! Es gibt ja in Zeitz und Weißenfels noch ganz andere Mittel der Justizbeeinflussung. Als Nazi hat man seine Bundesgenossen nicht nur auf der Verteidigerbank und im Zuhörerraum, man hat sie unter den Gerichts- beamten selber, wie der Fall des Justizobersekretärs Hauck erwiesen hat. Die Handlung dieses„Dieners der Gerechtigkeit", der aus dem Gerichtssaal geht, um die draußen wartenden Nazizeugen über den Gang der Verhand- lung zu informieren, ist klassisch. Der Herr Justizobersekretär weiß natürlich genau, daß er damit den Zweck der Straf- Prozeßordnung durchkreuzt, die ausdrücklich will, daß die Zeugen gänzlich unabhängig voneinander und unbeeinflußt von den Vorzeugen ihre Aussage erstatten. Der grobe Amtsmißbrauch eines mittleren Beamten hat sich erweisen lassen. Die stille innere Sympathie eines Richters oder Staatsanwalts für die„forschen Kerle" im Braunhemd läßt sich nicht so klipp und klar dartun, aber sie erhellt aus gewichtigen Symptomen. Ein solches ist es, wenn der Gerichtsvorsitzende nach einigem Zögern Herrn Hauck zwar aus dem Zuhörerraum weist, den neben ihm sitzenden und mit ihm gemeinschaftlich arbeitenden Orts- gruppenvorstand der Nazis aber ruhig weiter im Saal be- läßt, obwohl wenige Minuten vorher sein Drohbrief an die Zeugin Hösel verlesen worden ist! Immerhin gibt es auch Fälle in Zeitz, wo diese heimliche Sympathie sich noch einige Grade deutlicher äußert. Ein solcher ist der Fall der nationalsoziali st ischen Ge- brüder Scharr, vom sozialdemokratischen Fraktions- redner bereits am 27. März d. I. im Landtag zur Sprache gebracht. Natürlich bilden auch hier— genau wie im Fall Cuoelier— P u b e r t ä tsschmerzen hakenkreuzlerischer Jünglinge den Ausganspunkt, weil sich andere der Gunst von Mädchen erfreuten, die ihnen versagt blieb.(Dies ist offen- sichtlich die Achse, um die sich in Zeitz die nationalsozialistische „Politik" dreht.) Im Falle Scharr wurde der Schmerz der rassedeutschen Gemüter dadurch erregt, daß eine Warenhaus- angestellte es wagte, auf einer Festlichkeit in allen Zuchten, im Beisein ihres Bruders und ihres Bräutigams, yrst ihrem jüdischen Chef zu tanzen. Genügender Grund, um ihr ein Schild„Pfui, du Juden dirne!" auf den Tisch zu pflanzen. Bräutigam und Bruder des Mädchens, die sich der Beleidigten annehmen, werden als„Judenknechte" beschimpft. Besonders zeichnen sich dabei die Gebrüder Scharr aus, vielfach vorbestrafte, übel beleumundete Raufbolde. In Zeitz wohnt man nah beieinander, es gibt neue Reibereien. Eines Abends stellen sich die Scharrs vor der Wohnung der Be- schimpften auf und rufen, während diese ihre Fenster schließt: „Schicke er st deinen Luden runter, du Juden- dirne, ehe du deinen Puff zumachst!" Auf diese unerhörte Provokation eilt der Bruder auf die Straße, der Bräutigam der Beschimpften kommt ihm zur Hilfe. Hierauf haben die Scharrs, die mit schweren Stöcken bewaffnet sind, nur gewartet. Dem Bräutigam wird der Schädel einge- schlagen, und zwar so schwer, daß der Knochen zer- splittert und das Gehirn bloßlicgt. Nach monatelangem Krankenlager muß der Verletzte eine Schutz- kappe tragen und ist zeitlebens ein siecher Mann. Und nun die Zeitzer Justiz: Auf den Strafantrag der Verletzten erläßt der Staatsanwalt in Zeitz gegen die Scharrs einen Strafbefehl— über 20(zwanzig) Reichsmart wegen nächtlicher Ruhestörung! „Von einem eingeschlagenen Schädel hat der Staatsanwalt nicht mehr bemerkt als den ruhestörenden Knall", äußerte der sozialdemokratische Redner bei der Besprechung dieses Falles. Die Scharrs haben aber die Dreistigkeit, gegen diesen Straf- beseht noch Widerspruch zu erheben. Beim Schöffen- gericht rät ihnen der Einzelrichter namens Stirn(der Name ein Symbol!) wie kranken Schimmeln zu, sie möchten doch ihren Einspruch zurückziehen, sonst müßte er am Ende wegen Raufhandels gegen sie erkennen(!) Die Menschen- und Nazifreundlichkeit dieses Richters ist»er- gebens, die Scharrs bleiben stur und jetzt gibt es ei n e n Monat Gefängnis wegen„R a u f h a n d e l s". Nun aber wird man auch anderorts auf die Sache auf- merksam. Das preußische I u st i z m i n i st e r i u m veran- laßt die Staatsanwaltschaft, gegen dies Urteil Berufung einzulegen. Diese tut es, ihr eigenes Verhalten damit völlig desavouierend. Jetzt endlich wird Anklage wegen schwerer Körperverletzung erhoben, und die Verhandlung endete dieser Tage mit Gefängnisstraßen von fünf bis acht Monaten gegen die Brüder Scharr. Das ist das Bild der Zeitzer Justiz, der Justiz unter Nazi- terror: 20 Mark statt acht Monate, wenn es glatt gegangen wäre. Nur die Ueberfrechheit der Scharrs hat das saubere Plänchen zerstört. Der Herr Justizminister aber möge sich einmal nach der inneren Ursache dieser Raufboldfrechheit fragen. Das Nachdenken hierüber wird ihn ganz vvn selber auf die weitere Frage lenken, ob und wie lange er über- Haupt noch für eine unabhängige Rechtspflege garantieren kann, wenn der Naziterror in den Gerichtsfälen seinen Fort- gang nimmt! Verfahren gegen die Nazis. Greift das Justizministerium ein? Wie wir erfahren, beabsichtigt das preußische Justizministerium den Fall des wegen eines Messerstiches zu 4 Monaten Gesängnis verurteilten französischen Schwimmers Cuoelier von einer ande- ren Seite wieder neu aufzurollen.' Es war nämlich bereits während des ganzen Prozesses unangenehm aufgefallen, daß gegen die nationalsozialistischen Rüpel, die den Franzosen „französische Schweine" und sonstige Schimpsworte zugerufen und sie tätlich bedroht haben, nichts veranlaßt worden ist. Bekanntlich hat ja auch während des Prozesses und der Urteilsfindung die zweite Ipstanz nicht gerechter gehandelt als die erste: die Flegeleien der Nationalsozialisten sind deni angeklagten Franzosen nicht einmal als mildernder Umstand angerechnet worden. Schon während des Prozesses fragte man. sich,.warum gegen die. Nationalsozialisten be- hördlicherseits nichts veränkaßt worden ist, d'a"doch der Verdacht bestäbd)- daß sie chch bes�L an df t beiden s b r u ch s, der N ö t i- gung, der tätlichen und wörtlichen B e l e i d r gm n g schuldig gemocht haben. Bei der Vernehmung in der Berhandlung zweiter Instanz sagten die Nationalsozialisten Duyssen und Schulenburg aus, daß sie die anderen Personen, die in dem Trupp gewesen waren, nicht gekannt hätten. Diese Aussage erscheint ziem- l i ch unglaubwürdig, da in der kleinen Stadt Zeitz man sich gegenseitig zu kennen pflegt, was auch die Zeugin Hösel unter Eid bestätigt«. Der Trupp von Rationalsozialisten hat die Fanzosen vor dem Hotel, in dem das Festbankett stattfand, aufgelauert, hat sie verfolgt, beschimpft und bedroht, und kein Staatsanwalt hat sich gefunden, der gegen diese Rowdys«in Ermittlungsverfahren ein- geleitet hätte! Wenn nun das preußische Justizministerium einer Anregung der Verteidigung des Franzosen Cuvelier folgend noch dieser Rill)- tung hin Ermittlungen, anordnen sollte, besteht, die.Mögsich- keit, daß die Feststellung der Wahrheit in einem solchen Verfahren wesentlich größere Fortschritte macht, als in dem Vcr- jähren gegen Cuvelier, bei dem der Angeklagte einer geschlossenen nationalsozialistischen Front gegenüberstand, von der man im � Gerichtssaal nicht wußte, wo sie anfing und wo sie aufhörte. Ein solches Verfahren würde auch ein« Nachprüfung der Richtigkeit der eidlichen Aussagen der nationalsozialistischen Zeugen mit sich bringen und wäre auch aus diesem Grunde äußerst wünschenswert. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, daß in einem solchen Er- mittlungsversahren auch neue Tatzeugen ermittelt wer- den könnten, deren Aussagen nötigenfalls sogar, wenn das Urteil rechtskräftig werden sollte, zu einern Wiederäufnahmeversahren führen könnten. Bei der Bedeutung, die dem Urteil gegen Cuvelier im Auslande beigemessen wird, indem es als Sympkom für die iiotionchsozialistischc Verseuchung Deutschlands gcwertet wird, muß- ten alle Mittel in Anspruch genommen werden, die geeignet er- scheinen, die Schädigung des deutschen Ansehens im Ausland, die wir durch die Vorgänge in Zeitz und Weißenfels erlitten haben, wieder gutzumachen. (5uvelier und die Rechtspresse. Cuvelier hat dem Vertreter des„Petit Parisien" mügeteill, er werde sich End« August zum Wasserballspiel nach Nürnberg be- geben. Die„Deutsche Z e i t.u n g" schreibt dazu: „Zweites Auftreten des französischen Messerstechers. Cu- veller besaß die Dreistigkeit, zu erklären, er werde Ende des Mo- näts im Wasserballspiel wieder auf deutschem Boden, und zwar in Nürnberg, erscheinen." Was für die„Deutsche Zeitung" eine„Dreistigkeit" ist, lobt in, Gegensatz dazu der„L o t a l- A n z e i g e r" als„sehr verständige Haltung". Im Wettlauf um die„nationalste Hatwng" ist diesmal die Hugenbergpresse zweiter Sieger geblieben. Mi Gummiknüppeln auf Reichsbanner. Naziüberfall bei Lübeck. Lübeck, 4. August(Eigenbericht). In der Ortschaft Herrnkrug kam es zwsschen Nationalsozialisten, di« sich aiif einer Agitationstour befanden, und Reichsbannerlc.iten zu Zusäm nie n stoße n. Die Reichsbannerleute standen im Be griff, in einer Gastwinschast eine Versammlung abzuhalten, als plötzlich etwa 100 Nationalsozialisten abstiegen. Es kam zu Reibe- reien, in deren Verlauf ine TWtiwwlsozialisiischen Rowdys mit Gummiknüppeln und anderen Schlaginstrumenten auf die Reichsbannerleute einschlügen. Mehrere Reichsbannerkameraden wurden verletzt. Ein Nationalsozialist zog einen Revolver und bedrohte die Reichsbannerleute. Erst nachdem ein Uebersallkommando aus Lübeck herbeigerufen war, konnte die Ruhe und Ordnung wieder hergestellt werden. Sin Auftakt zurReichstagswahl Das westdeutsche Arbeiterturn- und-Sportfest. Dortmund, 4. August.(Eigenbericht.) Unter lebhafter Anteilnahme der werktätigen Bevölkerung fand vom l. bis 3/ August in der Westfalenhalle und dem anschließenden Stadion„Rote Erde", in Dortmund das zweite westdeutsche Arbeiter- Turn- und Sportfest''stall. Di« RiesenkuNdgeb'üng, siie aus ganz Rheinland-Westsalen beschickt war, jtaird völlig unter dem Zeichen der engen Verbundenheit der Teilnehmer mit de k' Sozialdemokratie und ihrem Kampf zur bevor- stehenden Reichstogswohl. Genosse Stadtverordneter Hirschseld- Köln hielt die Eröffnungsrede, in der er holländische, belgische und österreichische Arbeitersportlcr begrüßte. Regierungspräsident Ge- noss'e Max König sprach im Namen der Regierung in Ahrens- berg und des gleichfalls anwesenden Regierungspräsidenten Genossen Bergmann- Düsseldorf für die Staatsbehörde. Den Abschluß des dreitägigen, vom Wetter begünstigten Festes bildete eine im Stadion„Rote Erde" abgehaltene von Zehntausen- den besuchte Schlußkundgebung, in der Reichstagsabge- ordneter Genosse D i t t m a n n die Grüße des Partcivofftandes der deutschen- Sozialdemokratie überbrachte und in einer 2Y-Minuten- Rede die Arbeitersportler anfeuerte, den beginnenden Reichstagswahlkampf in den. Reihen der Partei gegen Kapitalismus und Sozialreaktion'zu führen. Em dreimaliges„Frei Heil" des Arbeitersports zur Sozialdemokratie fand begeisterte Zustimmung. Die Arbeitersportler in Rheinland-Westsalen werden am 14. September als Sozialdemokraten ihre partcigenöffische Pflicht und Schuldigkeit tun. Das war der allgemeine Eindruck der über- wältigenden Masseickundgebung, die als Auftakt zur Reichstagswahl für unsere Partei verheißungsvolle Aussichten eröffnet. Kommunalwahl in Wildungen. Sozialdemokratie stärkste Partei. Wildungen. 4. August. Die Verleihung der Stadtordnimg durch den preußischen Minister des Innern hatte in srei ehemaligen ländlichen Kreisstädten Waldecks Neuwahlen zur Stadtoerordnetenoerfammlung im Gefolge. Heute fand zunächst dieWahlinWildungen statt, die folgen- des Ergebnis hatte: Handwerkerliste 143 Stimmen, 1 Sitz, Beamten- Und Angestelltenliste 233 Stimmen, 2 Sitze, Industrie, Handel und Gewerbe 64 Stimmen, 0 Sitze, wirtschaftliche Gemeinschaftslist« 314 Stimmen, 3 Sitze, Hitlerbewegung 285 Stimmen. 3«Ätze, Kriegs- beschädigte und Hinterbliebene 86 Stimmen, 0'Sitze, Sozialdemo. traten 404 Stimmen, 4 Sitze, Bold Wildunger Bürgesliste 398 Stimmen, 4 Sitze. Bergleichszahlen lassen sich wegen der veränder- ten Verhältnisse nicht geben. Die Wahlbeteiligung betrug etwa 66 Pro.z. und war wesentlich besser als bei der letzten Wahl. Die Wahlen in Arolsen und Korbach sinden am kommenden Sonn- tag statt. Auch Sachsen greist durch. Dresden. 4. August, Das sächsische Justizministerium hat Anweisung gegeben, Strafverfahren wegen b e wo f f n e t en A« s t r e t e n s im politischen Kampf auf schnellste und nachdrücklichst« Weise durch- zuführen. Für«ine unnachsichtige V a l l st r« ck» n g der verhängten Gefängnisstrafen ist gesorgt. Bewähruug-sristcn werden vom Justizministerium nur in ganz besonderen Ausnahmefällen be- willigt werden. Westarps schwarzer Schimmel. Oer Händler:»Herr Graf, mein heiliges Ehrenwort, dieses schwarze Pferd ist ein G ch i m m e l, genau so gut, wie ihre neue fonser Dative Partei eine Volkspartei ist.* Sowjetbahnen in Verwirrung. Lahmliegen des Güterverkehrs.- Wachsen der Eisenbahnkaiastrophen. Die schöneir Phrasen des 16. Kongresses der Kommunistischen Partei haben den Wirrwarr auf den Sowjeteisenbahnen nicht ge- bannt. Die Alarm rufe der Sowjet-Presse haben sich seitdem noch ver- schärft. Die„Praroba* vom 18. Juli meldet: Im Bezirk Melitopol konnten die Lagerräume wegen Mangel an Zement nicht sertig- gestellt wenden. Die Oktobereisenbahn zwischen Leningrad und Moskau zeigt eine meitere Verschlimmerung der Lage. Die Zahl der nicht ausgeladenen Waggons nimmt von. Tag zu Tag zu und beträgt an manchen Tagen 3000. Die von den Güterzügen täglich zurückgelegten Strecken nehmen von Tag zu Tag ab. Die gleichen Klagen über Verstopfungen.an Knotenpunkten kommen von überall. Die Zahl der Waggonverladungen nimmt ab. Gleichzeitig. wächst die Disziplin losig keit- der Eisen- bahnbcamten. Di« Maschinisten und Schaffner machen einfach blau, erscheinen nicht zum Abgang de» Zuges oder sind derartig betrunken, daß man sie nicht fahren lassen kann. So wurden z. B. in Baku an einem einzigen Tag, am 6. Juli, sechs Ma> schinisten wegen Trunkenheit entlassen. In dem benachbarten Eisen- bahndistrikt liegen die Dinge noch schlimmer.. Der Prozentsatz der laut Fahrplan abgefertigten Züge beträgt.10. Im Lause von 24 Stunden haben die Maschinisten neun Lokomotiven außer Be- trieb gesetzt: der Herbsttransport-für Naphta,. Fische und Brot ist in Frage gestellt.»'■v■'->"" Die r e p a r wt urb edü rft ig ö» L otfl'M otive n sind«in Problem für sich. Der„T r u d"-vom 18. Juli meldet z. B. aus Simferopöl,"daß"2?'Pro z. sämtlicher Lokomotiven nicht verwendbar sind. Di« Reparaturen werden außer- ordentlich schlecht ausgeführt. Es ist vorgekommen, daß die Lokomo» tiven drei Monat« lang in den Wertstätten standen, und daß die für sie bestellten Teile von einem Ort zum anderen wanderten, ohne den Bestimmungsort erreichen zu können. Die Disziplinlosigkeit der Beainten hat ein ungeheuer. liches Anwachsen der Eisenbahntatastrophen zur Folge. Das Volkskommissariat für Berkchrswesen teilt mit, daß im Laufe des ersten Halbjahres 1929-36 durch die Schuld der Bahn- beamten 6 6 0 Z u s o M m e n.st äße von Zügen statt- gefunden haben. Es verbietet in Zukunft Personen zur Be- schästigung zuzulassen, die nicht genügend jür den Eisenbahndienst vorbereitet sind. Alle diese Mißstände- haben das Plenum des Obersten Gerichtshofes der UdSSR, veranlaßt, einen Erlaß bekanm- zugeben, in dem utiter Hinweis auf die Eisenbahnkatastrophen, den Niedergang der Arbeiterdisziplin und die Unzuträglichkeiten des Transports den Gerichten vorgeschrieben wird, dafür Sorge zu tragen, daß sämtliche in Frage kommenden Sachen schleunigst ab- geurteilt werden und zwar unter Hinzuziehung von Transport- arbeitern als Schäften. Jede Hinauszögerung in der Bearbeitung dieser Sachen soll strengstens geahndet werden. sa auf diesem Siegfried Wagner gestorben. Die Tragik des Sohnes. Siegfried Wagner, der einzige Sohn Richard Wagners, ist gestern nachmittag um H6 Uhr in Bayreuth einer Herzmuskel- lähmung, zu der sich in den letzten Tagen eine Lungenentzündung gesellte, erlegen. Der Derstorbene war am 6. Juni 1869 in Triebschen bei Luzern geboren. Nach Vollendung seiner Studien in Charlottenburg und Karlsruhe wandte er sich.zunächst dem Beruf des Architekten zu: das Mausoleum Franz Liszts. feines Großvaters, in Bayreuth ist nach seinen Entwürfen errichtet worden. Aber schon in jungen Jahren entdeckte er seinen Beruf als Musiker und debütierte 1899 als Dichterkomponist mit 0er Oper„Der Bärenhäuter" m München. Er verleugnete darin ebensowenig das Borbild seines Lehrers, Engelbert Humperdinck, wie die geistige Herkunft von seinem Bater, in dessen Schatten er weiterhin als Komponist wirkte und, ohne es zu nachhaltigem Erfolg zu bringen, eine große Anzahl von Bühnen- werken schuf:„Herzog Wildfang",„Der Kobold",„Bruder Lustig", „Sternengebot",„Sonnenflammen",„Banadietrich",„An allem ist Hütchen schuld" und andere. All seinen Opern ist die Bevorzugung des deutschen Märchenmilieus und in der Musik ein Einschlag in das Volkstümliche gemeinsam. Eine Entwicklung ist in der langen Reihe seiner Werk« kaum festzustellen: das erste, das als Talent- probe beträchtliche Erwartungen weckte, ist sein bestes und erfolg- reichstes geblieben. Als Dirigent hat sich Siegfried Wagner mehr und mehr aus die Werke seines Vaters konzentriert, ohne doch an Bedeutung die großen Wagner-Dirigenten des Zeitalters zu er» reichen. Die Tragik des Sohnes, der immer am Maßstab seines / größeren Voters gemessen wird, lag über feinem Wirken. An« glücklichsten hat der Berstorben« sich in der Gesamtleitung der Bayreuther Festspiele betätigt, vor allem hat«r es als Registeur verstanden, durch kluge Anpassung an die Entwicklung des modernen Theaters dos Bayreuther Erb« vor Erstarrung in unfruchtbarer Tradition zu bewahren. Die Wiederauirichtung der Festspiele nach dem Krieg ist wesentlich sein Werk. Seinern Einfluß freilich war es auch zuzuschreiben, daß Bayreuth mehr und mehr einem einseitig nationnlistischen Geist zu verfallen drohte. Zum Glück aber hatte in den letzten Jahren Siegfried Wagner die Gefahren erkannt, die für den Fortbestand von Bayreuth als Zentrum der Wogncrpfleg« drohten, und gerade in diesem Jahre hat er mit der Beruftmg Toscantnis als Dirigenten für Taimhäuser und Tristan einen entscheidenden Schritt gewagt, unter UÄ>ec- Windung kleinlich nationalistischer Bedenken den Fesftpieken ihre alte Weltgeltung zurückzugewinnen. Siegsried Wagner hat die Vorbereitung der diesjährigen Festspiele noch selbst zu Ende ge- führt, und aus seinem letzten K.-ankenbett die Genugtuung eines großen allgemeinen Erfolges erfahren. Siegfried Wagner hinterläßt eine. junge Frau von 31 Jahren und vier Kinder, von denen das älteste 14 Jahre alt ist. Besprechung beim Reichskanzler. Die Preisfrage des Arbeitsbefchaffangsprogramms. Im Lauf« des gestrigen Nachmittags empfing der Reichskanzler i» Gegenwart des Staatssekretärs Dr. Trendelenburg verschiedene Persönlichkeiten des Reichsverbandes der deutschen. Industrie.. Di« Aussprache hatte. hi(ü Frage der Gestaltung der Preis« ich. Rahipen des Arbeitebefchaftungsprogramms zum Gegenstand« Di« weiteren Besprechungen mit den emzelnen Zweigen der Industrie werden im Reichswirtschaftsmimsterium geführt weiden. Plünderer vor Gericht. Aburteilung der Rheinland-Krawallbrvder. Mainz, 4. August. Wegen Landfriedensbruchs, Plünderung und Funirnnterschla- gung hatten sich heute vor dem erweiterten Schöffengericht acht Angeklagte zu verantworten, die an den Ausschreitun- gen gegen die Separatisten in der Nacht vom 2. zum 3. Juli teilgenommen hatten.... Zu der Verhandlung wurde nur eine beschränkt« Anzahl Zu- Hörer zugelassen. Vor Beginn der Nerhandlung und auch beim Erscheinen des Gerichts erging sich der vorbestraft« 28iährige AnAngeklagte Rühl in Schimpjereien und legte eine ungewöhnlich« Er- regung an den Tag. Die Dcrhandlung gegen ihn wurde abgetrennt, da er auf seinen Geisteszustand untersucht werden soll. Der Staatsanwalt beantragte gegen die Angeklagten wegen schweren Landfnedensbruchs bei Zubilligung mildernder Umstände Gefängnisstrafen von einer Woche bis zu neun Monaten. Das Gericht beurteilte den Angeklagten Eckel-Mainz wegen schweren Landfriedensbruchs und Plünderung zu zehn Monaten Ge- fangnis, den Angeklagten Konrad Siebsen-Mainz und den Angeklagten Hermann Klein-Mainz wegen schweren Landfriedens- bruchs zu acht bzw. sechs Monaten Gefängnis. Die Angeklagten Lenz-Mainz und Kraus-Mainz wurden wegen ein- fachen Landfriedensbruchs zu drei Monaten Gefängnis und der Angeklagt« Kapp-Mainz wegen Fundunterschlagung zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Angeklagte Müller-Dudweiler wurde freigesprochen, da dos Gericht der Annahme war, daß er an den Tumulten nicht b-telligt gewesen ist. In der Begründung des Urteils führte das Gericht aus, daß kein Staat derartige Äusfchreitungcn dulden dürfe, da fönst die Existenz des betreffenden Staates gefährdet fei. Nur mit Rücksicht auf die allgemeine Erregung und Empörung der Bevölkerung über dos Treiben der Separatist«» habe dos Gericht Milde wallen lassen. Die Angeklagten, die im Alter von 18 bis 33 Jahren stehen, sind zum Teil vorbestraft._ Der altkonferoative Führer gestorben. Graf Seidlitz. Sandreczki. der Führer der Altkonservativen, ist an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Gras SeiMitz hatte sich noch in den letzten Wochen an dem Kampf Hugenbergs gegen Westarp aktiv beteiligt un!> dabei scharf gegen oen Westarp-Flügel der Deutschnationaien Stellung genommen. Die Reichswehr veranstaltet in diesem Jahr groheRahmen- Manöver. Aber auch die französischen Manöver werden die größten feit dem Weltkrieg fein. Die unbefugte lleberfltegung der deutschen Ostgrenze durch pol- nische Militärslügzeuge hat hie polnische Regierung auf deutschen Protest mehrfach zugegeben. Soweit dies« Grenzverletzungen nicht durch höhere Sturmgewall verursacht waren, sei disziplinare Be- strafting erfolgt. Polen hat Maßnahmen zugesagt, die Wiederholung möglichst verhindern sollen. Vacdanald hat auf der Rückreise von Oberammprgau nach Eng- fapd tte SZrvler Hauptstadt Iva dejocht. Oer Oeffauer Bauhauskonfliki. Schiedsgerichtliche Regelung der Streitsache. Dessau, 4. August. Nachdem Professor Hannes Meyer jetzt auch von sich aus die Leitung de« Dessauer Bauhauses niedergelegt hat, hat sich Mies van der Rohe bereiterklärt, die ihm vom Magistrat aus Grund des einmütigen Zduratoriumsbefchlusses angetragene Berufung.zur Lei- tung des Bauhauses anzunehmen. Die llobernahme erfolgt sofort. In der Streitsach« zwischen dem Magistrat und Professor Hannes Meyer hat sich auf Vermittlung der Architcktenvereinigung„Der Ring" der Mogistrat bereiterklärt, den szall durch Anrufung eines Schiedsgerichtes aus der Welt zu schuften. Das Schiedsgericht wird bereits in den nächsten Tagen zusammentreten. Unabhängig vom Auegong des Verfahrens hat sich Hannes Meyer endgültig von der Leitung des Bauhauses zurückgezogen. Schweiz und paneuropa. Neutralität muß gesichert bleiben. Vera. 4. August.(Eigenbericht.) Der schweizerftche Bundesrat hat am Montag dem ftanzö- fischen Botschafter in Bern die Antwortnote auf Briands Paneuropa-Plan überreichen lasten. Der Inhalt der Note ergibt sich aus einer Antwort des Bundes- rats Motto auf eine Anfrage des sozialdemokratischen Nationalrats G r i m m, in oer es heißt, daß die Schweiz nur einer europäischen Union beitreten'könne, die die schweizerische Neutralität weder berühre noch einschränke. Eine europäische Union könne ihr Ziel nur«rreichen, wenn eine genügend groß« Anzahl großer Staaten ihr angeschlossen sei. Sie sei nur nützlich, wenn fie die Tätigkeit des Völkerbundes nicht vermindere. Litauen und Memelland. Der Kownoer Offijiosus stellt sich dof. Im Derfailler Frieden hat Deuftchlont» das Memelland an Litauen abtreten müssen, jedoch ist dem Memelland weitgehende Selbstregierung zugesagt. Jetzt hat die litmnfche Regierung einen ganzen Pack Gesetzentwürfe ausgearbeitet, die die. Selbst- regierung des Memellandes stark beeinträchtigen würden, wenn sie in Kraft traten. D« reichsdeutfche Presse hat diese vertrag-. brecherische Absicht beim rechten Namen genannt und den Völker. bun d an seine. Pflicht gemahnt, die Memelautonomie zu wahren. Dazu äußert sich nun das Kownoer Regierungblatt „Lictixvos Aidas": In einem Artikel, der einen recht nervösen Eindruck macht, sogt das litauische Regierungsblatt, die Deutschen hätten durch Unterzeichnung des Berfailler Friedens das Schicksal des Memelgebiets von vornherein anerkannt und kein« Beranlaffung. sich jetzt als Schutzengel der Memetk.onvention aufzuspielen, au deren Abfostung st« nicht teilgenommen hätten. Der litauische Offiziosus äußert sich erstaunt darüber, daß die deutsche Presse von der Regierung kein«„Anweisung" erhalt«, Litauen gegenüber einen anderen Tan anzuschlagen. Da die beabsichtigten 12 Gesetze zur„Ergänzung" de» Memelstatuts von der litauischen Regierung vorläufig zurückgestellt sein sollen und wegen der ganzen Angelegenhell ein« deutsch-litauisch« Fühlungnahme im Gange sei, erscheint die erregte Sprache des .Lictuvos Aidas" verdächtig. Im Gegensatz dazu rät die Oppo- si t i o n s p r« s s e zu eingehender Prüfung der Memclfrage, wobei sich Litauen streng an die Konvention halten Müsse. Das litauftche Regierungsblatt verwechselt Berlin mit Kowno, wenn es glaubt, die deuftche Presse schreibe nach Anweisungen der Regierung. Wir fordern aber, daß das Bölkerrecht von 1St9 auch dort geachtet wird, wo es Deutschen Schutz gewährt. Woldemaras im Zwangswohnsih. Kowno. 4. August. Der Journalist Dedele und der Krvttmger Rechtsanwalt Petronaitts, die versucht haben sollen, Woldemaras au» der Verbannung zu enfternen und daher in Haft genommen wurden, sind auf Verfügung des Schaulener Staatsanwalts wieder freigelassen worden. Sie werden sich vor dem Fri�ensrichter in Schaulen wegen groben Unfugs und Widerstand gegen die Polizeigewalt zu verantworten haben. In der Behandlung Woldemaras' sollen bedeutende Milderun- gen eintreten. Dem Verbannten wird nur der Aufenthall im Kreis« Kowno untersagt sein, wahrend er sonst den Wohnsitz noch Belieben wählen kann. Woldemaras soll gegen die Regierung eine Schadenersatzklage wegen Beschädigung seiner Bibliothek usw. angestrengt haben. Moskauer Verlustliste. Tschechische Kommunisten kehren heim. Prag, 3. August Dieser Tage berieten m Brünn Vertreter der komirninistischen Opposition, die. sich seinerzeit von Moskau losgesagt hat, und tschechische Sozialdemokraten über den Anschluß an die S o z'i a l d e m a k r a t i e. Die Vereinigung dürste am 1. September erfolgen. Brand im Lichtspieltheaier. 23 Kinder verlehk. New Ao r k. 4. August. während einer Kindervorstellung brach in einem L i ch l s p i e l- theater in Sao Paulo ein Brand aus. wobei 2 3 Kinder schwer verletzt wurden und 10 lebensgefährliche Brandwunde« davontrugen. Das Unglück soll dadui ch cnlftandcn sein, daß e°u Kind unvorfichtigerweise mit Streichhölzern spielte, wodurch sich ein Stapel Filme entzüadele.- I Beginn 1. August Mengenabgabc verbehalten Verkauf soweit Verrat IN FAST ALLEN ABTEILUNGEN PREISE teilweise herabgesetzt bis zur HKLFTE is jugendlichen Grössen. Glockenform......... Steck Jetrt in bedruckten schönen Mustern........ Steck Jefst ans bedruckter Kunstseide in grossen Welten...... StOek Jetzt 190 Damen-Bekleidung WWW Seldenhleider Frauen-Kleider Sonunerraflntel ää tdinteriflOntel 5£ä"S"ä modernen Pelzkragen.................... 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Dost nach langem Leiden durch den Tod erlöst wurde, in tiefer Trauer MQllerslr. 164 Henry Neubert Bebst Sohn and Familie. Einäscherung Mittwoch, 20 Uhr, im Krematorium GerichistraBe.. OefllJüier IHetailarbtlter-VeiiiaQi! Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Dm aüitftllebrrn jut Nachricht, dag unter Kollege, der Former frikflneh Schümm geb. 21. DcAcmbec 1869, am 2. August gestorben ist. Die Einäscherung findet am Witt- wach, dem«. Auquh. Ib Uhr, im Krematorium Denchtstraße stall Rege ZZeieiligung wird ermattet. Hsebru» Am 50. Iufi starb unser Kollege, der Ardeliee Boieslaw Litza geb. 5. März 1884. Die Einäscherung Hat beriits statt» gefunden. Ehre ihrem Anhenken! Die OrtsvcrwaHnntf. fo» gule KapHan-j I If ezzsd'ziatalr ist in den meisten ZI- B | laUslIullull gatrengeseh. erhülb. K i€. Bockcr, Berlin S UdüenherBcr Slrafie 22. ROnigs!. 8861- Biufflenspenden jeder Art iirsrrt preiswerl i'ii u 1 Oollctz norm. 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Wie nicht anders zu erwarten war, meldet sich niemand van den?lngeklagten. Zeuge Kölpin hat doch Mündungsfeuer gesehen. Cr hält es für ausgeschlossen, datz irgend jemand von den Reichsbannerleitten geschossen hqt. Der Zeuge Schulze, gleichfalls ein reifer Mann, wohnt ris-a.vis Meisel und befand sich während d«r Schießerei zu chause. Cr Härte.Vi bis 40 Schüsse. Cr sah drei Mann zum Lolal Meisel schleichen und Härte ein leises Kommando:„Rein mit der Klamotte." Gleich darauf klirrten die Scheiben. Di« sehnsüchtig erwartete Aus- sage des Landjägermeisters Gudat war mehr nerworren als er- gebnisreich. Der brave Landjägermeistsr, gegen den in, Zusammen- bang mit der Röntgentaler Sache«in Disziplinarverfahren schwebt, Hot ja bekanntlich bei seiner Cntdeckungsreise nach dem Lokal .Cdelweiß- olles in schönster Ordnung gesunden und sich auf die Ritte der Frau Meisel hin, im Lolal zu bleiben, geweigert, dies zu tun.„Aus bestimmten Gründen", sagt er. Er fürchtete nämlich, daß man ihn zu einem Glase Vier einladen konnte. Obgleich er draußen eine halbe Stund« abwarten wollte, um die Reichsbanner. l'ute noch st au sc zu begleiten, zog er es hinterher doch onr, irgend- welchen vermutlichen Einbrechern nachzufahren und erreichte das Lokal Meisel gerade in dem Augenblick, als die Jalousien bereits herabgelassen waren. Gefängnis für Giadirat Venecke. Wegen fahrlässiger Tötung. Stadtrat Wilhelm R e n e ck e. dessen Ram« auch i«. der S klaret. Aftär« genannt wurde, hatte es eines Tages in seinem Auto außer- ordentlich eilig. Als er dabei, die Martin-Luther-Siroße entlang fahrend, in die Reue Winterfeldtftroße einbiegen wollt«, glaubte er unter ollen Umständen die Straße noch vor einer ihm entgegeir- kommenden Straßenbahn kreuzen zu müssen. Um das zu erreichen, fuhr er— behauptete die An klag«— verkehrswidrig in kleinem Vogen über die Lutherstroße. Im selben Augenblick stieß er mit einer lieben der Straßenbahn hernorkommenden Kraft- droichkc zusammen. Der Stoß war so gewaltig, daß die Fahr- gaste der Droschke, zwei Frauen, schwer verletzt wurden. Die«in« erlag ihren Verletzungen. Anaeklugt war ollerding? nicht mir der Sladirot Den ecke, sondern auch der Fahrer der Kraftdroschke, Paul Mitzfeld. Die Anklog« war der Ansicht, daß auch er sich eine Fahrlässigkeit habe zuschulden kommen lassen, indem er bei der Kreuzung zu schnell gefahren sei. Di« Angeklagten schoben sich gegenseitig die Schuld zu, das Gericht er- konnte aber beide für schuldig: allerding? den Stadtrat Acneck«, der die Ecke in sehr scharfer Weise geschnitten hatte, für den stäupt- schuldigen. Sa erhielt e r wegen fahrlässiger Tätung in Tat- einheit mit sahrlossiger Körperverletzung.0 Monate Gesougnis und dreijährige Rewahrungsfrist unter Auferlegung einer Ruße von ZOiV) Mark, der Droschkcnfahrer Mitzfeld 100 Mark Geldstraf« oder für den Fall der Richteintreihund 10 Tage Geiängnis.— Stadträte sollten eigentlich vci der Einhaltung der Verkehrsregeln mit gutem Beispiel vorangehen. Zfl er wirklich der Schuldige? Wennenkamp wegen des Eisenbohnnnglvcks bei Buir verurieilt. Köln, 4. August.(Eigenibericht.) Da.? Kölner erweiterte Schäsiengericht verurteilte am Montag den Ersenbahnbetriebziossistenten M en n enk amp aus stamm zu 4 Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 4 Monate Ge- fängnis beantragt. Wennenkamp wird lveschuldigt, dasCifenbahnunglück bei Buir, dem seinerzeit 15 Personen zum Opfer fielen, dadurch verschuldet zu haben, daß er dem Zugpersonal den für den betreffenden Zug bc- stimmten Borstchtsbefehl nicht ordnungsgemäß ausgehändigt hat. Die Beschuldigung ergab sich während der Beweisaufnahme in dem vor wenigen Wochen zu Ende geführten Prozeß gegen den Loko- motivführer des Unglückszuges und den Fohrdienstleiter des Bahn- Hofs Düren. Flucht aus dem Leben. Ein Ehepaar begeht gemeinsam Selbstmord. «SJostern nachmittag wurden der 4?>öhrigo Zimmermeister Philipp B o i und seine um ein 3ahr jllngere Ehefrau A! i n v a in ihrer Wohnung Friedrichsgrachl 2 9 mit Schußvcrlctzungen tot aufgefunden. Allem Anschein noch ist das Ehepaar bereits am Sonntag im E inner st öndnis aus dem Leben gefchieden. Die Leiche der Frau wies eine Einschußöffnung in der sterzgegend auf, der Mann hatte sich durch einen Schuß in die Schläfe getötet. Nach den bisherigen Ermittlungen scheint ein schweres Nervenleiden des Mannes das Motiv zu dem gemeinsamen Verzmeiflungsschritt zu sein. Bereits feit Monaten befand sich Bai in arztlicher BeHand- lung, ohne daß in seinem Leiden eine merkliche Besscriing zu ver- zeichnen war. Als sich der Krank« am Montag früh nicht zur ge> �wohnten Stunde in der Sprechstunde des Arztes einfand, schöpfte dieser gleich Verdacht und ließ in der Wohnung nachforschen. Als niemand nffnett, wurde die Tür mit stilfe der Polizei er- brochen. und im Schlofzmmer fanden die Beamten dann die Ehe» leule tot auf. Sie konnten nicht mehr Veiter... Ein« zweite Ehettragödie spielte sich am Soatwinkler Damm ob. Dort sahen Angler im stohenzollernkanal die zusammengebundenen Leichen eines Mannes und einer Frau im Wasser treiben. Die unbekannten Toten, ossenbar handelt es sich um Eheleute, die beide etwa 40 Jahre alt sind, wurden noch dem Charlottenburger Schaichous gebracht. Aus der Körper» bcschaffenheit und der sehr dürftigen Kleidung ist zu schließen, daß es den Lebensmüden sehr schlecht gegongen sein muß und daß sie aus diesem Grunde gemeinsam den Tod gesucht haben. Bei den Toten wurde weder Geld noch Papiere gesunden, die über ihre ster- kunft Fingerzeige geben könnten. Die Staatlichen Museen am verfasiungslag geäfsnet.?liii Mon- tag. dem 11. August, dem Versossungstag, sind die staatlichen Museen von S bis 13 Uhr für den Besuch des Publikums geöffnet. Mieter habt acht! Verhindert die Wiederkehr einer mieterfeindlichen Reichs- tagsmehrheit.— Wählt Sozialdemokraten! Der Vorstand des Reichsbundes Deutscher Mieter hat zu den bevorstehenden Rcichstagsivohlcn folgende Kundgebung an die deutsche Mieterschast erlassen: Der micterseindliche Reichstag wurde am IS. 3mi ausgelöst. Dadurch ist die deutsche Mieterschast erneut und vielleicht zum letzten Mole zur Entscheidung über Sein oder Tlichtsein des Mieterschutzes ausgerufen worden. Mieter und Miele- rinnen! Die micterseindlichcn Partei?u haben ausnahmslos ci«c zweijährige Verlängerung des Mieterschutzes abgelehnt und dosten Abbau gefordert. Vach dem Willen dieser Parteien soll die Miete zugunsten müheloser und unberechtigter Riescngcwinnc de» spekulativen tzausbesitzes dauernd gesteigert werden und der bisherige Kündigungsschutz in Kürze sortsallcn. Rur die Sozialdemokraten und Kommunisten sdie sich allerdings stets im Schlepptau der Sozialdemokraten befanden. Red.) sind immer und entschieden für die Ausrechterhollung des Mieterschutzes eingetreten. Mieter und Mieterinnen! Eure Wohnung, euer Familienleben. eure wirtschnslliche Existenz ist in schwerer Gefahr! Mit dem Stimmzettel in der stand müßt ihr am l4. September die Wiederkehr einer micterseindlichcn Reichstagsmchrhcit verhindern! Wirbelsturm wirst Häuser um. Bäume wie Sireichhölzer umgeknickt. Mcldorf(Schlcswig-stolstein), 4. August(Eigenbericht). Dre etwa 5000 Einwohner große Stadt M e l d o r s und Um gebung wurde am Montag zwischen 17 und 13 Uhr von einem Wirbel stürm heimgesucht, der einen Schaden von mehreren 100 000 Mark anrichtete. Aus der Ortschaft Buntenhof wird bc richtet, daß mehrere Wirtschostsgebäude von dem Wirbelsturm u m gerissen und dem Erdboden gleichgemacht sind. Jahrhunderte alte Bäume wurden wie Streichhölzer umgeknickt. In den Anlagen wurden fast sämtliche Bäume umgeknickt. Die Telephanleitungcn nach Meldorf und Umgebung sind größtenteils zerstört. Ozeanflug aufgegeben! Hirth und Weller kehren zurück. Kopenhagen, den 4. August. Räch Meldungen aus Reykjavik haben die deutschen Flieger hirlh und Weller den wcitcrslug von 3ssand nach Amerika aufgegeben, nachdem sie aus 3ulianehaob aus Grönland die Räch- rieht erholten hatten, daß es dort absolut keinen geeigneten Ländeplatz gebe. Das Flugzeug ist bereits am Montag auf den Dampfer„Minnesota" verladen worden, der in der Rächt zum Dienstag mit 1V00 Isländern aus Kanada, die an den Jubiläums. feiern auf Island teilgenommen haben, noch Montreal abgeht. Seine Kinder und sich selbst vergistei. Gtauchau. den 4. August. In der Nacht zum Montag hat sich in St. Acgidien eine f u r ch i- bar« Fo m i l i e n t r a g ä d i e ereignet. Montag früh wurde der 40jährige Hausbesitzer Paul Hart ig, dessen. Frau seit einigen Tagen verreist ist, und seine beiden Kindxr, ein zehnjähriger Knabe und ein siebenjähriges Mädchen, t o t oufgefunden. Die Untersuchung ergab, daß Hartig die Kinder vergiftet hat. 5iartig hat darauf selbst Gift genommen und sich am Fensterkreuz erhängt. Der Grund zur Tot soll in wirtschaftlichen Schivicrigkeiten zu suchen sein. S/NOAIR LEWIS "i—— m&tHSfi w9** ROM/W Sie fand auch wirkliche Befriedigung in der Bewältigung der Arbeit— durch kleine Erleichterungen und Vorteile, die sie sich aneignete, um ihre Arbeit gut und schnell zu machen, und dadurch, daß sie Herrn Wilkms half, Kunden cinzu- sangcn. Sie war erregt, wenn sie in sein Büro schießen konnte, um ihm anzukündigen, daß eine vorsichtige, lang ver- folgte Kundschaft endlich gekommen sei. Sicherlich mär sie in keiner übleren Lage als ungefähr fünfundncunzig Mil- lionen ihrer freien nachgewiesenermaßen normalen Mitbürger. Aber sie war auch in keiner besseren Lage. Hier war kein Drama, keine Pracht der Leidenschaft und— salange sie an Herrn Trog Wilkins' zurückgehendes Geschäft gebunden war— keine augenblickliche Vermehrung ihrer Macht-, sind immer dasselbe Einerlei, die cwigglcichen Unterhaltungen mit Bessie über.Herrn Wilkins. die zuletzt erteilte Weisung des Herrn Wilkins. die nerlarene Füllfeder des Herrn Wll- kms. wie grob Herr Wilkins mit dem Vertreter der Horizont- Dachdeckergesellschaft gewesen mar. Herrn W'lkins' lächerliche Sympathie für Muldoon, den Bauunternehmer, Herrn Wilkins entschiedene Ungerechtigkeft gegen den Laufburschen. der einen Hang zum Zuspätkommen hatte... Ym besten Falle brachte sie einen Tag um den anderen bin: im schlimmsten Falle war sie so t>sf gelangweilt w,e ein Forscher in der arktischen Nacht. 4. Una die werdende New-Yorkenn. setzte während der Mittagpausen ihre Studien des Großstadtleb-ns fort. Sie ging nach dem Broad Street hinunter um sich die Straßen- börse anzusehen; sie staunte die Männer an. die in kleinen Berschlägen mit Telephonen hinter offenen Fenstern saßen; sie starrte die großen Zeitungspaläste in Park Now an, dos alte Nathaus, und im Hinteren Teil non Broadway das Durcheinander himmelhoher Gebäude und historischer Denk- mäler aus den Tagen vor der Revolution. Manchmal asi sie mit Bestie und dem Laufburschen zu- sammen an einem mit Zeitungspapier bedeckten Tisch kalten Schinken, Bohnen und kleine grellfarbige Kuchen, die der Junge aus einer Bäckerei holte. Manchmal nahm sie in einem Restaurant weiche Eier und Kakao mit Stenotypistin- nen zusammen, die gebratene Aepfel und- fette Napoleons aßen und stets Kaffee dazu tranken. Ein andermal bediente sie sich selbst in einer„Cafeteria", wählte. Milch und Zwieback und ein paar Sandwiches. Manchmal ging sie in den Arden- Teesalon, nur für Damen wo sie. um der berühmt guten Arden-Hünerragouts willen die Gesellschaft van Wohltätig- kcitsarganisatorinnen und Literoturhyäncn ertrug. Mitunter ließ sie sich von Bestie verführen, in ein chinesisches Restaurant zu gehen, wo die kleine Bestie, die aus dem Osten New Parks war und sich auskannte, nicht wie die Fremden Haisischslosten bestellte, sondern Nudeln mit Eicr-Fu-Päng. Jedenfalls war die Mittagspause und die Wahl der billigen Speisen in Unas Leben von großer Bedeutung, da diese Stunde eine Unterbrechung des täglichen Einerleis war und sie sich in dieser Zeit wenigstens soviel Willensfreiheit vortäuschen konnte, um zwischen Bostoner Bohnen und— Rew-Porker Bohnen zu wählen. Nachdem sie sich dann nachmittag? wieder stundenlang mit der ewig gleichförmigen Arbeit geplagt, ging Una noch Hause. Sie fuhr jetzt mit der Hochbahn, statt mit der Unter- grundbahn. Das war von Bedeutung in ihrem Leben. Es brachte ihr eine völlig veränderte Szenerie.?ll>er noch in de? Hochbahn und den ganzen Abend lang begleiteten sie die Sorgen und schwebten nachts über ihrem Bette. Sie machte sich über olle? Erdenkliche Sorgen— non ihrer Seele ange- fangen bis zu ihren Fingernägeln: doch das Büro bot immer noch die größte Anzahl guter Anlaste. „Schließlich", jagen die Vereinigten Philosophen. „dauern die Bürostunden nur acht Stunden im Tag. Die übrigen fünfzehn oder sechzehn Stunden kann jeder machen, was� ihm beliebt— herumlungern, studieren, ein Athlet werden." Dieser lichtvolle Wink wird meistens durch An- spielungen auf Lincoln oder Edison bekräftigt. Nur sind die meisten Menschen keine Lincolns und Edisons und schenken der Welt keine solchen Verbcsserungen. Man trägt seinen Beruf mit sich herum, in sick) herum, jede Stunde von allen vierundzwanzig des Tages: ausgenommen, wenn mon schläft ohne zu träumen und vergessen kann— was einem aber nicht gelingt. Wahrscheinlich macht auch ihr, wie Una, keine regelmäßigen Turnübungen, um die Berufs- gcdanken zu verscheuchen. Una nahm sich oft vor, regelmäßig zu turnen. Aber sie brachte es nie fertig, die ernsthaften Hanstwurstereien der Schlafzimmcrgymnastik zu betreiben; und Turnschulen waren entweder zum Ersticken überfüllt oder zu teuer— und sogar der Gedanke daran, sich für die Turnstunde an- und aus- zukleiden, erforderte mehr Initiative als in ihrem erschöpften Organismus übrig war. Blieb noch das Spazierengehen— ober Großstadtftraßcn sind van einer ermüdenden Einförmigkeit. Und andere Sportarten kannte sie nicht. So steckte sie dst ganze Woche lang im Chiclni und Getöse der Schlacht, l/s der Sonnabcndnachmittag mit seinem gesegneten Frieden kam— die wohltuende, saubere Zeit des Ausspannens, die jede Frau im Berufsleben kennt. Sonnabend! Morgen keine Arbeit! Sechsunddreißig Stunden Freiheit vor sich! Ein behaglich eingenommenes Abendessen, spielerisch langsames Auskleiden, ein heißes Bad, ein sauberes Nachthemd und frisches glattes Bettzeug. Una ging zeitig zu Bett, um diesen Luxus voll genießen zu können. Sie setzte sogar ein Nachthäubchen ans Spitzen mit rosa farbenen Seidenröschen auf. Die Freude, sich im Bett auszustrecken, schläfrig die Bilder eines neuen Magazinheftes anzusehen, allmählich sanft einzuschlummern— nicht energisch in einen Schlaf zu steigen, der notwendig war und nur der Vorraum einer neuen Tagesarbeit... Dies waren Unas größte Freuden in dieser Periode der Eroignislosigkeit. Dann, in einer einzigen Woche, wurde olles aufregend — sie fanÄ Sensationen und einen Ort der Freundschaft. Elftes Kapitel. 1. ..Ich habe diese Grays jetzt schon satt. Es find ja tmrk- lich liebe, brave Leule, aber sie können nicht reden", erzählte Una ihrer Kollegin Bestie Kraker an einem Februartag im Büro. „Was heißt das,.sie können nicht reden"? Sind sie stumm?" fragte Bestie. „Aber nein, ich meine, sie können nickst, sie können eben nicht— ich meine, ich kann mich mit ihnen nicht unter- halten, verstehen S»-?"(Fortsetzung folgt.) Am Gchsesischen Bahnhof... Wann endlich werden die Polizeistreifen verstärkt? i ' Die poNzeilichen Aochforschvngen zu dem Lohnraub an dem Baumeister Dietrich werden energisch weiter- betrieben. Es besteht jedoch kaum noch ein Zweifel, dch sich unter den Jest genommenen die beiden Täter befinden. Der Ueberfall gibt wieder zu der Forderung Anlaß: Stärkerer Polizeischuß sür die Gegend um den Schlesischen Bahnhos! Die Zustände in dieser Gegend haben zu stark übertriebenen Veröffent- lichungen einiger Boulevardblätter geführt und damit zu einer neuen Schädigung des Ansehens der Reichshaupt st adt. Immerhin, es ist nicht zu leugnen, am Schlesischen Bahnhof muß von der Polizei mehr nach dein Rechten gesehen werden. Dos bewies auch im vergangenen Jahr die abendliche Razzia nach der Jmmertreu-Afsäre, die, obgleich die Ganoven Wind von der polizeilichen Aktion bekommen hatten, zur Festnahme von zahl- reichen schweren Jungen führte. Daß sich die Zustände dort nicht gebessert haben, geht aus den immer wiederkehrenden Meldungen über Ausplünderungen, Uebersällen usw. nur zu deutlich hervor. Während die Verbrecher ihr„Handwerk" bisher immer unter dem Schutz der Dunkelhest ausübten, ist der Ikbersoll aus den Baumeister einer der seltenen Fälle, wo die Verbrecher es gewagt haben, sogar am hellen Tage vorzugehen. In der Umgebung des Schlesischen Bahnhofs treiben sich ständig Bauernfänger und Fledderer mit ihrem Anhang umher, die vor ollen Dingen Provinzler und Leute, die nicht ganz nüchtern sind, airss Korn nehmen. Der Zufomemnhang zwischen dieser Diebesgesellschoft ist so stark, daß sie stets Helfer im Hintergründe haben. Die Beute verschwindet im Handumdrehen. Selbst, wenn gleich nach dem Ueberfall Festnahmen erfolgen, wird selten noch etwas gefunden, da es längst in dritte oder vierte Hand über- gegongen ist. Hinzu kommt, daß die Untersuchnug und die Per- nehmungen durch die Kriminalpolizei in dieser Gegend immer mit besonderen Schwierigkestcn oerknüpft sind. Die Gastwirte beispielsweise wagen kein« Aussagen zu wachen, l. weil sie die Rache dieser Leute sürchten. Es ist in der Tot auch wiederholt vorgekommen, daß Wirten, die irgenbwie in Ungnade gefallen waren, die Räume völlig demo- l i e r t worden sind, Die Schupo hat oft einen schweren Stand. In der R ü ck« r k l a u s e in der Rückerstroße im Schönhauser Viertel, in dem bekanntlich ähnliche Elemente wie am Schlesischen Bahnhof anzutreffen sind, kam es gestern zu einer Messer- stech er ei. Als einige Polizeibeamte einschreiten wollten, wurden sie von einer Menschenmenge, die etwa 800 Personen zichlte, so bedrängt, daß sie sünf Schreckschüsse abfeuern mußten. Das Ueberfallkommando räumte die Straße, und es gelang, einen der Täter festzunehmen. Drei Personen, die bei der Messerstecherei ver- letzt worden waren, erhielten auf der nächsten Rettungsstelle die erst« Hilfe. Hinaus aufs Land! Die Iungsozialistenkundgebung in Wittenberg. Die Berliner Zuagsozlalislea sichren am Sonnabend mit 450 Mann zur Landagitation mit Lastkraftwagen in die Pro- vin; Brandenburg hinaus, und begeisterte Zurufe empfingen die rot- geschmückten Autos, die durch Fansarenstöße eines Tambourkorps der Arbrilerjugead angekündigt wurden. Im Sprechchor wurden die Wohllosungen der SPD, in die stillen Dorfstraßen gerufen und Flugblätter verteist. In Trebbin, der kleinen märkischen Industriestadt, wurde Station gemocht. Unter Führung der Trebbiner Jungsozialisten und Partei- genossen wurde eine große Demonstration veranstaltet. Die Wohl- kundgebung im größten Saal der Stadt, wo Reichstagsabgeordneter Bergmann- Hamburg sprach, war überfüllt. Em Fackelzug nach der Kundgebung fand seinen Abschluß am Marktplatz unter roten Fahnen und Fackeln. Am Sonntag ging die Fahrt über Beelitz— Treuenbrietz« n nach Wittenberg. Gegen Mittag tauchten d>« Türme der Lutherstadt aus. Die Berliner wurden durch die Witten- bevger Partei und etwa hundert Leipziger und Hallenser Jung- sozialisten mit Begeisterung empfangen. Nach dem Großindustrie- dorf P i e st e r i tz wurde unter reger Anteilnahme der Schassenden ein Propagandamarsch unternommen, der in dieser Hochburg der Kommunisten bis auf kleine Reibereien ohne Zwischenfall durch- geführt werden könnt«. Am Nochmittag marschierte der große Zug mit dem Gesang von Kampfliedern durch die Stadt Wittenberg nach dem Arsenalplatz, wo Landtagsobgeordneter Franken» Zeitz für den Bezirksvorstand Halle-Merseburg eine Ansprache hielt, die zum Kampf gegen faschistisch« Diktatur unter der Fahne der Sozialdemokratie misrief und die Freude für die Unterstützung der Parteiagitation durch auswärtige Iugendgenossen in dem stark kommunistischen Bezirk aussprach. In der anschließenden Wahl- kundgebung im überfüllten Wittenberg«? Gewerkschastshaus sprach Genosse B i e l i g k- Leipzig über„Die Sozialdemokratie in der Republik". Er deckte die reaktionäre Haltung aller, auch der linksbürgerlichen Parteien auf, die den Faschismus unterstützen, und forderte zielbewußte Aufklärung und Agitation unter der Arbeiterschaft zum vernichtenden Schlag gegen den Faschismus am 14. September. Die S p i el g e m e i n s ch a f t der Berliner Jungsozialist«n führte ein Kurzdrama aus, das großen Beifall fand. Unter vielen freundschaftlichen Zurufen der Bewohner des Wittenberger Arbeiterviertels fand die Abfahrt statt. Todmüde, aber noch immer unter dem Gesang der sozialistischen Kampf- lieder, sichren die Teilnehmer der Fahrt um 12 Uhr nachts wieder in Berlin ein. Explosion einer Benzolfabrik. Zwei Personen auf Zeche Slisabeih bei Essen getötet. Essen, 4. August. sEigenberichl.) Sonntag nachmittag gegen 14.30 Uhr ereignete sich in der Benzol fabrik der Zeche �Königin Elisabeth" eine schwere Explosion, die zwei Personen das Leben kostete. Als die sofort alarmiert« Feuerwehr erschien, stand das Inner« des Fabrikgebäudes vollkommen in Flammen. Durch die GewaU der Explosion war ein Teil der Umfassungsmauer des Gebäudes vollständig herausgerissen, so daß das Dach herunterhing. Brennendes Benzol floß durch die geborstenen Mauern auf die Straße und die Flammen leckten an den Vorratsbehältern empor. Die weite Entfernung bis zu den leistungsfähigen Hydranten bedingte so lange Schlauchleitungen, daß nach und nach sämtliche Fahrzeuge der Berufsfeuerwehr eingesetzt werden mußten. Mit HistV von Schaumgeneratoren wurde nach longer Zeit und mühevoller Arbeit das Feuer im Innern des Gebäudes gelöscht. Größer« Schwierigkeiten bereitet« die Ablöschung des aus den Mauern herausströmenden Benzols. Nach vier Stunden und unter Derbrauch von über 70 Büchsen Schaumpulver konnten die brennenden Benzolmengen gelöscht werden. Unter den Trümmern brennt es jedoch stellenweis« noch weiter, so daß die Aus- rechterhaitung von Brandwachen notwendig ist. Durch die Explosion sind zwei Personen getötet worden, von denen ein« noch unter den Trümmern begraben liegt. Die Oeitischen als Sieger? Europarundflvg vor seinem Ende.- Ergebnis heute abend. Der Europarundflug nähert sich nun endgültig seinem Ende, wahrscheinlich schon heule abend wird mm» wissen, wer der Sieger Ist. Zedensall, hat sich der Stand nach der letzten Prüfung am Souniag, wo der Vekriebsstossverbrauch sür deu Flog Staaken— Stendaler Elbbrücke, zweimal hin und zurück, geiverlet wurde, sehr zugunsten der deutschen Piloten verschoben. M o r z i k und P o ß■ Deutschland erhielten die Höchstpunktzahl van 30, während der noch immer an der Spitze liegende Englände: B r o a d nur 87 Punkte erreichte. Der Stand ist danach folgender: Erster Broad 319 Punkte, es folgt M o rz i k mit 318, P o ß mtt 317 und Rotz mit 314 Punkten. Die gleiche Punktzahl wie der Deutsche Rotz, hat auch die Engländerin Miß Spooner erreicht. In kurzen Abständen reihen sich daran von Massenbach, Polte, Dinorf, Krüger, Carberry, von Koppen, Thorn und O st e r k a m p. Im Laufe des Montagnachmittag sollte die Prüfung der De- montage-Fähigteit für Reparaturzwecke und anschließend die schwierig« Start- und Landeprüsung vorgenommen werden. Das Wetter macht« der Prüfungskommission jedoch einen Strich durch die Rechnung. Der Wind verstärkte sich in so starkem Maße, daß die Prüfung abgesagt und auf heute angesetzt werden mußte. Wie die Schulen den 11. August feiern. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit, dag durch das Prooinzialschulkollegium Berlin bereits am 6. Juni eine Verfügung über die Schulseiern am Verfassungstage erlassen ist. Danach sind«», falls das Lehrerkollegium_emer Schule beschlieht, mit anderen Schulen ein« gemeinsam« Feier zu veranstalten, die vorjährigen Rundoerfügungen sinngemäße Anwendung. Zur Teilnahm« an der von der«schule beschlossenen und von ihr allein oder mit anderen gemeinsam veranstolleten Feier sind Lehrer und Schüler ver- pflichtet. Da- Provinzialschulkollegium stützt sich dabei außer auf die bekannten Ministerialerlasse aus die im letzten Jahr« er- gangen« Entscheidung des Reichsgerichts, in der diese Verpflichtung ausgesprochen sst. Weiter wird in der Verfügung darauf hin- gewiesen, daß der Berfassungstog auch in diesem Jahre in den Schulen feierlich und in würdiger Weis« zu begehen ist, E» ist demnach in da» Ermessen de» Lehrerkollegiums gestellt, ob sie gemeinsam« Feiern für zweckmäßig halten. Auiobus in Muß gestürzt. Amorbach i. Odenwald(Bayern), 4. August. In der Nacht zum Sonntag stürzt« ein Omnibus der L a n d e s p o l i z e i auf der Fahrt von Miltenberg nach Amorbach über die Brücke des Mutbaches in das Wasser hinab. von den 17 Insassen wurden zwölf leicht und vier schwer verletzt. Infolge des herrschenden Gemitters war die Straße so glatt geworden, daß der Omnibus ins Schleudern geriet, wodurch das Unglück herbeigeführt wurde FrieSrich-Ebert-Giraße wird breiter. Der Magistrat ist in seiner Sitzung vom 30. Juli dem Be- schluß der Stadtverordnetenversammlung, für den Erwerb der Vor- gärten auf der Westseite der F r i e d r i ch- Ebe rf. S tra ß« 2S0 000 NM, bereitzustellen, beigetreten. Er hat ferner beschlossen, für die Wiederherstellungsarbeiten an der Augufta-Brücke weitere 40 000 RM. freizugeben. Fest der Kleingärtuer in Hohenschönhanscn. Ein schönes Ätgendwerbefest veranstaltete der Bezirksverband Weißenfee des Reichsverbandes der Kleingartenvereine am Sonntag am Orankesee in Hohenschönhausen. Auch durch Regenwetter lieh sich die Jugend nicht stören: sie marschierte vom Antonplatz und der Berliner Alle« zum Orankesee. Die Kinder kamen mst farbenprächtigen Kitteln und kleinen Körben, aus denen sie sleißig Blumen verteilten. In den Festzügen bewunderte man die überreich mit Blumen geschmückten Wagen. Ein Wagen aber trug einen Niesenkorb mit kostümierten Kindern; die Inschrift dazu lautet«:„Die schönsten Blumen unserer Kleingärten sind unsere Kleinen." Im Restaurant Or an ke- Terrassen traf sich alles, und bald war ein richtiges Volksfest im Gange, bis in den Wend- stunden ein Laternemimzug die Feier beschloß. Ein Sechziger. Heute vollendet Genosse Adolf Wuschik sein SO, Lebensjahr. Aus diesem Grund« werden tausende Ber- liner Arbeiter seiner gern gedenken und auch wir wollen nicht ver- fehlen, ihm auf diesem Wege unsere besten Wünsche zu sagen. Ist doch Wuschck mit der Berliner sozialistischen Arbeiterbewegung auf dos engste verwachsen. In einem kleinen märkischen Orte zur Welt gekommen, stand er schon als angehender Zwanziger mitten in dem Trubel der Berliner Gewerkschaftstätigkeit. Don 1894 an war er zehn Jahre lang Bezirksführer im Metallarbeiierverband, dann war er fast anderthalb Jahrzehnte Angestellter dieses Verbandes. Von 1918 bis 1923 gehörte er dem Sozialdemokratischen Bezirksver- „Oper im Rundfunk" nennt Walter Gronostoy ein Experiment, das er am Sonntag mittag den Hörern vorführt. Verkürzung der Oper und Klärung der dramatischen Situation stehen im Mittelpunkt. Er will belanglose, die Handlung verknüpfende Rezitativ« beseitigen. Als Beispiel nimmt er«ine Szene aus Rossinis„Barbier von Se- villa", die er in verschiedenen Fassungen spielen läßt. Unter anderem wird von einem Sprecher das Rezitativ verlesen. Di« Veranstaltung hat nur den Wert eines Experiments. Es kommt aber bei einer Opernsendung weniger auf das Verständnis der Handlung als auf die Musik an. Darum erübrigen sich im Grunde diese Versuche, die dazu bei einem durchkomponierten, motivisch verbundenen Musikdrama völlig unbrauchbar werden. Bon allen Experimenten scheint das des Intendanten Flesch, betitelt„Querschnitt durch die Oper", am meisten diskutierbar. Die Reportage„Das festliche Salzburg" bereitet dem Berliner Hörer wenig Freude. Störun- gen und Tonverzcrrungen heben nicht gerade den Genuß. Unter Seidlec-Winkler wird«in ausgezeichnetes Abend- k o n z e r t gesandt. Das Orchester klingt gut, und die Programm- Zusammensetzung bewegt sich aus der Basis gehaltvoller und auch populärer Musik. Außerdem dirigiert jetzt Seidler-Winkler sehr be- schwingt Walzer und andere tänzerische Kompositionen. Hermann Kessers Komödie„Die Zinnoberspitze" erlebt am Montag, anläßlich de» 50. Geburtstages des Dichters, im Berliner Sender ihre Uraufführung. Das Stück ist nach einer Novelle ge- arbeitet worden und zeigt, wie in einem Berghotel die Gäste unter dem hypnotischen Einfluß einer geheimnisvollen Persönlichkeit ge- raren und wie ollmählich die Masken fallen. Wieder gebraucht Kesser einen einführenden Prolog in Versen, um die Menschen und die Situation zu klären. Jeder sagt dem Eonjerencier. was er ist und was er denkt. Dann beginnt da- Spiel, Kesser versucht nicht. den Schauplatz durch den Dialog zu charakterisieren, sondern über- läßt es dem Ansager. Auch ein Weg zum Hörspiel, der durchaus diskutierbor erscheint. Die Dialoge sind ganz knapp gehalten und geben nur das Wesentliche: die Menschen sind im Typischen ver. haftet und hin und wieder ins Groteske getrieben. Jedenfalls ruht der Houptok-ent auf dem Wort, dem Dialog. Die Geräusche und die Musik dienen wir zur Unterholwng. Besser ist allerdings eine iinunterbrochsn oblaufendc Handlung, da durch die Illusion ver- stärkt wird. Gut ist Brauns Regie. ss. Sah. band Verlin als Sekretär an und die letzten Jahre arbeitet er wieder als Parteisekretär im Bezirk Brandenburg. Unermüdlich und quicklebendig wie je begeht er nun den 60. Geburtstag, noch- dem er 1928 auch in den Landtag gewählt ist. Wir hoffen, ihn noch recht lange in gleicher Frische am Wert zu sehen! Allgemeine Wetterlage. Auf der Nordsee liegt zurzest der Kern einer kräftigen Depres- sion. Auf seiner Südseite fluten rosch— an der Nordsee herrschen vielfach stürmische Winde— kühlere ozeanische Luftmojsen ostwärts, die unfern Bezirk noch in der Nacht zum. Dienstag in ihren Bereich ausnehmen werden. Da die Ostwärtsbewegung des kühleren Lust- körpers von starkem Lustdruckanstieg begleitet wird, so dürste am Dienstag bei uns wieder zeitweilige Aufheiterung emtreten. Am Mittwoch wird sich das Wetter dann voraussichtlich wieder ver- schlechten». * Dcsteroussichten für Berlin: Mäßig warm, wechselnd bewölkt, zeitweise heiler: oercinzelt Schauer, müßige süldwesUiche bis westliche Winde.— Für Deutschland: Uederall veränderlich mit einzelnen Schauern, im ganzen mäßig warm. 8p«»rt. Rennen zu Sarlshorsi am Montag, dem 4. Augast. 1. R e n n e n. 1. Maikrone(C, Rupprecht), 2. Heideland, Z, Satan III. Toto: 15:10. Platz: 12, 15:10. Ferner liesen: Filmstar, Hardinac. 2, R e n n e n. 1. Tambnr(Oertel). 2. Notbuche, 3. Frauengunjt. Toto: 43:10. Platz: 13, 12, 12:10. Ferner liefen: Hella, Tell, Coryx. Liliput. 3. Rennen. Ardorilin(Bes.), 2. Taunus. Toto: 52:10. Ferner lief: Pbyttis(ges.). Drei liefen. 4. Renne n. 1. Mit) griff(Häuser), 2. Flaggengruß. 8. Römerin. Toto: 58:10. Platz: 19, 17, 16:10. Ferner liefen: Francesco, Rens(gef), Florett(ges.), Hauptmanns Schwefter. 5. Renne n. 1. Siesta(Gimpl), 2. Bandola, 3. Leichte Isabel. Toto: 90:10. Platz: 18, 19, 14:10. Ferner Uesen: Oper, Eulalia, Laxen- bürg, Madonna d'Arezzo(gef.). 6. R e n n e n. 1. Don Jos«(Müschen). 2. Mosellaner, 3. Colibri. Toto: 38:10. Platz: 16, 21, 16:10. Ferner liefen: Cufandcarvem. Gesolei, Prünas, Föhn II, Jndra, Eliogabal, Windspiel. 7. R e n n e n. 1. Suus(Böblte), 2. Prolongobarde, 8. Pylade«. Toto: 37:10. Platz: 13, 12, 15:10. Ferner Uesen: Jvorne, Erich, Elbrus, Oceanus, Kamerad. Vorträge, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". «eschSttaltelle: Kerlin S. 14. TcbaNianlir. 37— zz. Kof 2. Se. Sienrt««, 5. Snguft«erl>»-Mitt«. 30 Uhr 3. ftameraWchaftsnet- fan-.Mlun«. Ärumm» Str. 30. Schäneberg.Zniedenan. Kameradschaft Rollendors. 20ZS Uhr Persammtuna bei Jürgen, Barbarossastr. 5» Thema: Tageenolitische Fragen.— Rittnwch, 8. Angnst. Wintersport« bteitana. 20 Uhr Pootohau, Tegel, Sianaldienst. BerUn.SHtl«(Ortenctein). Unser Kamerad Paul An»daa> ist verstorben. Einäscherung Mittwoch. 6. Äugusi. 13 Uhr. Krematvriunr Serichtstrahe. Rege Beteiligung wird erwartet. Vrbeitee.Rabia Bn-d TenisÄlaob» S. B., v-tzqrnpo« �roh, Berlin. Unter» genope Friedrichedni» � Tonnerstag. 7. Angusi. fällt der Vortrag«u».— Unter- (trappe«harlottenloir«: ssrritag. S. August. 20 Uhr. im Lataj. Lehmann. ftönigsmeg 8. Bortrag:„Do, RetzanodengerSt". Gaste willkommen. Der fehlende Oirektorenabbau. Von lturt Heinig. Die Berliner Metollgrohindustrie Hot über fünftausend Angestellten gekündigt. Sie will einige weitere taufend ebenfalls entlassen. Don einem Direktorenabbau hört man nichts, obwohl tn der deutschen Industrie der Leitungs- opparot immer noch van der Inflationszeit her unnötig aufgebläht ist. Wir haben heute auch den ungelernten Unternehmer, der als Interessent, mit kaufmännischer Fixigkeit für seine eigenen Vorteil« begabt, kauni noch aus dem Sattel zu heben ist. chier zwei Beispiele aus der jüngsten Zeit. Ms die R h e i n m e t a l l A.- G. ihr Röhrenwalzwerk mitsamt der Quote an den Mannesmann-Konzern verkaufte, stellte sich der überflüssig gewordene Direktor Eltze mit den gekündigten Ar- beitern und Angestellten in eine Front. Dies« gingen dann stempeln Er wurde Direktor einer Künstseidesabrik und schwieg. Der bekannte Wirtschaftsstratege des Stahlhelms Dr. Erich L ü b b e r t, der absolutistische Generaldirektor des riefenhasten Eisenbahn- und Baukonzerns, der in der A.- G. für Verkehrs- wesen vereinigt ist, war vor wenigen Jahren noch Rechtsanwalt in Deutsch-Südwestafrika. Labbert sah in Kapstadt als Liquidator des deutschen Eigentums. Er sollte die Interessen der A.-G. sür Verkehrswesen bei der Abwicklung ihres Diomantenbesitzes aus der deutschen Kolonialzeit wahrnehmen. Er kaufte gegen Papiermork die Aktien jener Gesellschaft auf, deren Rechte er wahrnahm. Mit der so erworbenen Kopitolmacht begründete er seine Herrschost als Generaldirektor de? A.-G. für Verkehrswesen. Solche Direktoren belasten die Produttion nnt den Unkosten ihrer Machtbedürfnifle, ihrer Finanztransaktionen und ihrer Privatinteressen. Selbstverständlich wird die Leitung eines Betriebes immer Geld kosten. Sogar Ruhland muhte einschen, dah mit einem Arbeiter- lohn nicht jede Spezialistenqualität zu kaufen ist. Leider sind die wirklichen Unkosten, die der Leitung zum Beispiel sämtlicher deutscher Aktiengesellschaften, rechnerisch nicht nachprüfbar. Auch der Reichs- verband der Deutschen Industrie hat kein Interesie an solchen Fest» stellungen. Aber man kann wenigstens annähernd ausrechnen, wie hoch die reinen Gehaltsunkosten in der deutschen In- dustrie geworden sind. Ende 1920 hotten wir in Deutschland 11 745 als regulär zu bezeichnende handelsgerichllich eingetragene Aktiengesellschaften. Ende 1928 waren es 11690. Diese Zahlen Hot die amtliche Statistik nach ihren Kapitalgröhen gespatten. Jene Zifsern dienen unseren Be- rechnungen als Grundlage. Wenn man nnnimmt, dah Aktiengesellschaften bis fiinfhundert- tausend Mark mcr einen Direttor haben, diejenigen bis eine Million Mark Kapital drei, bis zwanzig Millionen Mark Kapital vier und die Aktiengesellschaften über zwanzig Millionen Mark Kapital fünf Direktoren, so kommen wir auf 20393 Direktoren von Aktiengesellschaften. In den einzelnen Kapitalgruppen ist ihr reines Gehalt nach allen Erfahrungen etwa wie solgt einzuschätzen: «ftienlcpitol 5 000— 50 000 Mark 50 000—100 000. 100 000—500 000. 0,5— 1,0 Mill.Mark 1,0— 5,0., 5,0—20,0. 20,0 und mehr Mark der lirektoren 2011 1330 3 722 2 944 7 215 2 316 855 Jährliches Einzelgehalt 6 000 M. 9 000. 12 000. 15 000„ 18 000. 24 000. 30 000. Sitcftorenaehällft zusammen 12 066 000 M. 11970 000„ 44 664 000„ 43 160 000, J 29 870 000.. 55 584000. 25 650 000. Unsere Tabelle die 20 393— werden erstaunt sein, 322 964 000 M. Leser werden erstaunt sein, dah in der vorstehenden bekannten Riescngehälter der Großbank- und Konzern- direktoren nicht enthalten sind; auf diese Ziffern ist mit Absicht zu» gunsten von Durchschnittszahlen und auch deswegen verzichtet worden, damit uns nicht die Uebcrtrcibung aus Einzelbeispielen vorgeworfen werden kann. Wir wissen, dah es Direktorcngehälter gibt, die zwischen einhunderttausend und zweihuiiderttauscnb Mar? jährlich liegen. Uns ist ebenso bekannt, dah viel: Direktoren, im besonderen bei den Banken, ihr eigenes Vermögen auf dem Rücken ihrer Gesellschaft bilden und pflegen. Das gleiche gilt auch ftir viele andere Fälle. Ebenso wissen wir, dah jede» Direktorcnauto über Betriebsunkosten verbucht wird, daß die Direktoren neben ihrem Gehalt nicht selten Umsotzprovisionen erhalten und so- genannte Vertrauensspesen in jeder Höhe liquidieren. Aber da- ist alles nicht zahlenmäßig greifbar. Ebensowenig ist festzustell-n, wieviel Direktoren wir in den G. m. b. H.s und in den größeren Privatbetrieben haben, das gleiche gilt auch für die Gesamtsumme ihrer Einnahmen. Man könnte yon Unternehmerseite einwenden, daß die oben angegebene erstaunlich große Zahl von Direktoren in den Aktiengesellschaften aus dem Wachsen Jahrzehnte alter Unternehmungen zu riesenhaften Betrieben zu erklären sei. Das stimmt aber gar nicht. Nachfolgend stellen wir die heutige Zahl der Direktoren jener Aktien- gesellschoften genau ausgezählt zusammen, die schon im Jahre 1913 existierten: z-bl der Direktoren Noten-, Kredit- und Hypothekenbanken, Treuhand- und Finanzierungsgesellschasten........... 586 Bau-, Terrain- und Immobiliengeiellschaften, Schachtbau, Asphaltgewinnung und Verarbeitung....... 310 Bergwerke, Hütten- und Salinenwesen, Erdöl- und Torf- gewinnung................ 332 Metallindustrie. Maschinen- und Apparatebau, Fahrzeug- bau. Edelmetall und Schmuckwaren....... 785 Elektrizitätswerke, elektrotechnische Industrie, Feinmechanik, Optik, photographische Apparate, Uhren...... 305 Industrie der Steine und Erden, Baumaterial, Töpfer- waren, Schiefergewinnung Schmirgelwerke..... 329 Textil. Kunstseide und Bekleidungsindustrie. Schuh- fabriken, Gummiwebereien, Kunstleder, Wachs- und Ledertuchfabrikation............. 505 Chemische Industrie. Dünger-, Sprengstoff-, Zelluloid- und Glühstrumpffabriken........... 353 Lederfabriken, Gerbereien, Fell- und Häuteverwertung 36 Papier-Industrie, Zellulose-, Strohzellstofs- und Karton- nagefabriken, Holzschleifereien, Buchbindereien.... 121 Druck- und Verlagsgewerbe. Telegraphen und Annoncen- büros, Bervielfältigungsindustrie, Rcklameinftitute.. 117 Holzindustrie, Möbelfabriken, Schnitzstoffgewerbe, Musik- werke, Spielwaren, Turn- und Sportgeräte.... 76 Gas-, Wasser- und Eiswerke........... 98 Kautschuk-, Guttapercha- und Asbestindustrie, Hartgummi- waren. Linoleumindustrie........... 60 Filmfabrikotion, Film-Berleih- und-Dertrieb, Theater, Hotels, Zoologisch« Gärten, Bäder, Heil- und Pflege- anstalten, Vereine..............• 191 Blantagen und Kolonialgesellschaften........ 38 Versicherungsgesellschaften............ 342 Verkehrs-, Transport- und Lagerhausgesellschaften... 677 Brauereien, Mälzereien, Getränkeindustrie. Prehhefe- fabriken, Brennereien, Wein- und Spiritushandel.. 664 Nahrungs- und Genußmittelindustrie, Zuckerfabriken, Mühlenfabrikate, Futterartikel......... 779 Handelsgesellschaften, Warenhäuser........ 57 6761 In den alten deutschen Jndustrieunternehmuirgen haben wir also rund siebentausend Direktoren. Was nach dem Kriege an Aktien- aesellschaften neu gegründet wurde, sowohl in selbständigen Unter- nehmuiigcn, als in Tochter- und. in Hiifsgcsellschaften schon bestehender Konzern«, das hat die Zahl der Jnduftriedirektoren auf das Dreifache vermehrt. Wo bleibt der Abbau dieser Höchstangestellten? Dos Statistische Reichsamt hat eben wieder festgestellt, dah in Deutschland neunzig Prozent aller Jahrcseinkom- men unter achtzehn hundert Mark liegen. Der Abbau hat bisher im wesentlichen Arbeiter und Angestellte aus etwa dieser Einkommenshöhe getroffen. Die Leiter der industriellen Unterneh- mungen, also die Interessenten, haben das so bestimmt. In der Politik möchten sie ebenso regieren wie in ihrem Geschäft. Deswegen ist unsere Wahlparole: Abbau der Interessenten jeder Art und in jeder Hinsicht. Verteuerung der Düngemittel. Welt-Stickstoffkartell vor dem Abschluß. Die internationalen Verhandlungen, die in Paris über eine kartcllmähig« Sicherung der Stickstosfgewinne geführt wurden, haben zu einem vorläufigen Ergebnis geführt: Die Einschränkung der Produktion, die die meisten Pro- duzenten wegen der Marktlage bisher unfreiwillig auf sich nehmen muhten, wird in Zukunft s y st e m a t i s ch durchgeführt. Heber die Beschränkung der Produktionskapazität in den verschiedenen Ländern liegen allerdings noch keine Angaben vor. Dieser Punkt ist gerade für" Deutschland von besonderem Interesse; denn die I G For den, die mit ihren Konzernwerken über ein Viertel des Sttckstoftbedarses der Welt befriedigt, konnte ihr- Stickstoff- onlagen bisher nicht unerheblich besser ausnützen als jüngere Kunst- düngerproduzenten in anderen Ländern. Festzustehen scheint nur soviel, daß die Abmachungen dem deutschen Stickstofferport nach Frankreich ein Ende setzen. Wahrscheinlich werden der I. G. Farbenindustrie von den neuen Kartellpartnern dafür Zugeständnisse auf anderen Gebieten gemacht. � Die Eiuichränkung der Produktion dürfte auch m der Stickstoz,- industrie Preisechähungen nach sich ziehen, die in der kapitalistischen Wirtschaft mindestens der Absicht nach eine unvermeidliche Begleit- erschcinung jeder planmähigen Regelung der Produktionskapazität bilden. Nach der Deutschen Bcrgwcrkszeitung werden die P r e, s e für Stickstoffdünger in Zukunft von den Mitgliedern des Kartells in Gemeinschaft mit d-m Chilesalpeter-«ymdikat fest. ««legt; mit den Chilenen, denen über den Produkte,»sumfang keine Vorschriften gemacht werden, wird demnächst über Einzel- heiten noch verhandelt. Als besondere Merkwürdigkeit wird das internationale Stickstoffkartell«inen neuartigen Fonds mit sich bringen. Die Beiträge für ihn werden der Landwirtschaft auferlegt; zu seinen Zielen sollen ein so eigenartiges und durchaus privatwirtschaftliches gehören wie die Stabilisierung von Stick st osfaktien- kursen und lvahrsck?einlich auch die Ausschaltung unbequemer Außenseiter durch ein« Art Finanzpolizeitätigkeit, eine Methode, die sich als Mittel zur Prositsteigerung unter anderem schon bei den Mitgliedern des.deutschen Zementsyndikats als tauglich er- wiesen hat. Die Stickshoffindustri« der Bereinigten Staaten von Nordamerika war aus der Konferenz nicht oertreten, wenn man von den nordamerikanischen Stickstoffunternehmungcn der deutschen I. G. Farben und englischen Imperial Chemical Industrie absieht. Die USA.-Induftrie könnte also als ernstester Außenseiter nicht in Funktion treten. Gtickstofferzeugung bei Royal Shell. Der holländisch-englischo Royal-Dutch-Shell-Kon- zern, der soeben in Holland mit einer Stickstoffabrik günstige Er- sahrungen gemacht hat, will in den Vereinigten Staaten eine ähn- liche Anlage bauen, die aus?lb fallgasen der Oelerzeugung Sttckstosf billig herstellen und sich wahrscheinlich durch Preisunter- bietungen in den USA. Eingang verschaffen wird. Erhöhung der deutschen Superphosphatpreise. Das deutsche Superphosphat-Syndikat, das vor kurzem für fünf Jahr« verlängert worden ist, erhöht ab 11. August seine Preise ftir Ost- und Westdeutschland um 18 Pfen- nige sür den Doppelzentner oder um rund 3 Prozent. Die Säcke werden gleichfalls mit erhöhten Preisen in Ansatz gebracht. Handelspolitischer Raubbau. Oer Reichsverband der Industrie protestiert gegen die deutsch-finnische Zollpolitik. Bor vierzehn Tagen haben wir ausführlich die Hintergründe jenes Privatvertrages dargestellt, der zwischen deutschen und finnischen landwirtschosttichen Interessenten unter unbezweiselbarer Mithilfe der deutschen Reichsregierung abegschlossen werden und dazu dienen sollte, mit materieller Reichshilfe die Auswftkungen einer deutschen Butter- und Käsezollerhöhung für Finnland hinten herum zu beseitigen, während gleichzeitig gegenüber anderen Ländern, die auch Butter und Käse zu importieren haben, dies« Dorzugsbehandlung nicht eingetreten wäre. Die Sozialdemokratie hat sich noch kurz vor der Auflösung des Reichstags gegen diese unmögliche und das Ausland aufs höchste verärgernde Durchlöcherung der deutschen 5?andelsvertragspolittk sehr scharf ausgesprochen und unter diesen Gesichtspunkten auch dem deutsch-finnischen Zusatzabkommen zum Handelsvertrag die Zustimmung versagt. Man weih, daß in Holland, Dänemark, Norwegen, Schweden ob dieser Angelegenheit die größte Ausregung ent- standen ist, dah in Holland B o y k o t t l i st e n für deutsche Waren angefertigt, Annoncen mit der Empfehlung von deutschen Maschinen und Apparaten verweigert und über die holländischen Molkereien hinaus der deutsche Warenboykott auch bei anderen Industrien/ die von Deutschland kaufen, erwogen wurde. In Kopenhagen hatte Holland mit den drei nordischen Ländern Besprechungen mit ähnlichen Zielen. Der holländische Gesandt« in Berlin hat offiziell die Reichsvegieriing um eine Information über die handelspolitischen Vorgänge zwischen Deutschland und Finnland ersucht. In den letzten Tagen hat selbst das Organ des Niederländischen Gewerkschafts. bundes sich mit den deutsch-finnischen Abmachungen beschästtgt und festgestellt, daß die Boykottbewegung weiter um sich greife, und dah die Kosten der durchsichtigen deutschen Agrarpolitik von den deutschen Arbeitern getragen werden mühten. Eine günstige Wirkung scheint dieser allgemeine Proteststurm im Ausland bei der Brünftig-Schiele-Regierung immerhin schon ge- habt zu haben; obwohl die Regierung immer noch schw.'igt, scheint es doch so zu sein, dah die privaten deutsch-sinnischen Verhandlungen ein positives Endergebnis nicht haben bringen können, und daß damit in der Tat die Voraussetzungen fallen, unter denen die ausländische Boykottbewegung entstanden ist. Dafür scheint man jetzt aber, nachdem Schiele für sein« jeinerzeitige Regierungstreue seinen Wechsel immer wieder präsentiert, eine noch größere wirt- schaftspolitische Dummheit als die vorherige handecs- politisch« machen zu wollen: es sind sehr starke Kräfte am Werk, um den deutsch-sinnischen Handelsvertrag überhaupt zu kün- d i g e n. Vor einigen Tagen hat schon der Deutsch« Industrie- und Händelstag daraus hingewiesen und allerschwerste Be- denken bei der Reichsregierung erhoben. Jetzt ist der Reichs- verband der Industrie als schwerste Artillerie der deutschen Unternehmer, obwohl ihm sicher dieser Vorstoß jetzt sehr schwer gefallen ist, gesolgt. Der Reichsverband hat gegen die „lautgewordene Forderung" auf Kündigung des deutsch-finnischen Handelsvertrages bei der Reichsregierung die dringendsten Vor- stellungen erhoben und darauf hingewiesen, dah dies« Kündigung der erste Schritt zur Erschütterung aller deutschen Handelsverträge fei. In aller Form hat der Reichs- verband beim Reichskanzler und den Rcichsministerien seinen Ein- spruch erhoben. Wie der Industrie- und Handelstag hat auch der Rcichsvcrband darauf hingewiesen, daß die deutsch-sinnischen P r i v a l Verhandlungen gescheitert' seien und die Boykottbewegung gerechterweile deshalb endlich abgeblasen werden sollte. Der Reichsverband ist natürlich im Recht. Es ist unfah- lich, dah aus wahlpolitischen Gründen— letztlich sind nur diese endscheidend— zugunsten der La ndb u nd ma nda te in der Zeit der aller- schwersten Wirtschaftskrise die Voraussetzungen des deutschen Exportes zerschlagen werden sollen, was in der Kündigung des deutsch- sinnischen Handelsvertrages zweifellos geschähe. Von der Reichs- regienmg ist zu-ordern, daß sie sich einmal klar über die deutsch- finnischen Prioatverträge äußert, und dah sie zum anderen, wenn sie kein wirtschaftliches Va-Banque-Spiel treiben will, von der Kiindi- gung des deutsch-sinmschen Handelsvertrages abrückt. Kaliindustn'e meldet Rekordabsah. Nach den Absatzzisfeiui des Kalisyndikats zu schließen, ist die Kaufkraft der Landwirtschaft durch die Verschlechterung der Wirt- schaftslage gegenüber dem Sommer vorigen Jahres noch wenig in Mttleidenschast gezogen worden. Der Absatz des Kalifyndikats belief sich im Monat Juli auf 938 591 Doppelzentner Reinkali, gegen- über 982 006 Doppelzentner im Juli 1929. Der diesjährige Juli- absatz wurde nur 1928 einmal übertroffen. Der saisonmäßige Ab- satzrückzang vom Monat Juni auf Juli war mit 21 000 Doppel- zentner außergewöhnlich gering. Der Kaliabsatz des zweiten Vierteljahres 1930 übersteigt den des zweiten Viertelfahres 1929 um 27 220 Tonnen. In den ersten sieben Monaten 1930 wurden 9,23 gegen 9,19 Millionen Doppelzentner in der gleichen Zeit des Bor- jahres abgesetzt. Die ZNokka.Eski.Dorag.Be genannte Schwarzarbeit ausübten und daneben die Arbeitslofen- unterstützung be�zogeir. Man bade wähl im Gssetz eine Reihe non Maßnahmen norgesehen, die Mißbrauche nerhinidern sollen, aber die beste Koittrolle der Arbeitswilligkeit sei immer noch, diese durch Arbeitsangebot zu prüfen. Anjdererseits würde durch dies« Nctstandsarbeiten eine Cnslosiung des Arbeit» morktss hsribeigsführt werden, da außer den bei den Notstandsarbeiten be- schaftigten Arbeitslosen auch gewisse Stawmarbeiter, Fachorbetter, technische und kaustnonnische Angestellte beschäftigt werden mußten und weiter durch den Bezug von Materialien indirekt Arbeits- kräfte beschäftigt würden. Die Gründung der Deutschen Geselkschost für öffentliche Arbeiten werde diese werteschäfsenden Notstandsarbeiten wie bisher— genauer gesagt, wie bis zum letzten ffrühjahr— durchführen.(5s kämen dabei nur sogenannte produktiv« Arbeiten in Betracht, wie der Bau von Kraftwerken, Stroßeittxiu usw., die gleichzeitig die Möglich- keit böten, ahne große Aufwendung für Materialien eine möglichst große Anzahl von Arbeitslosen zu beschästigen. Di« Reichsanstall gibt bei diesen Arbeiten die Summe als verlorenen Zuschuß oder als langfristige Kredite mit niedrigem Zinsiuß, die st? an Arbeitslosen- Unterstützung erspart. Wenn z. B. Arbeitslose, die im Durch- schnitt eine Unterstützung von.? M. beziehen,.V» Tage beschäftigt werden, so bedeutet da? ein« Ersparnis an Arbeitslofeminterstützung von l!� Millionen Mark, die die Reichsanftalt entweder als ver- lorenen Zuschuß oder als langfristigen Kredit gibt. Bisher sind dies« Notstandsarbeiten aus chaushalts- mi Hein finarzziert worden, so daß im Jahre durchschnittlich wäh- reitd der letzten drei Jahr« etwa 230000 Arbeitslose drei Monate lang bei solchen Arbeiten beschäftigt werden konnten, zu denen dos Reich und die Länder zwei Drittel der Kosten beitragen. Das Reich hat in den letzten drei Jahren vom 1. Januar 1027 bis 31. Dezember 19-29 rund 400 Millionen Mark für solche Notstandsarbeiten aus- gegelben. Die wtt viel Tamtam angekündigte Arbeitsbeschastung des Rsichsorbeitsmimsters Stegerwold drückt sich praktisch so aus, doh im neuen Haushalt nur sage und schreibe 45 TJIillionen für werteschofsend« Arbeitlosemürsorge vorgesehen sind. Wodurch und weil man bis zuletzt nicht wußte, welche Mittel zur Verfügung stehen werden, stnd die Notstandsarbeiten ganz zum Stillstand gekommen, wichrend st« in den letzten zwei bis drei Jahren durchschnittlich etwa VOOOO Arbeitern Beschäftigung gaben, ganz abgesehen van der indirekten Arbeitsheschassung. Jetzt, bei der katastrophalen Arbeitslosigkeit! Diesem Manko soll nun durch die Gründung der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten ahgaholfen«erden, und.zwar insofern, als diese Gesell schait be» rechtigt sein soll, durch Vermittlung der Deutschen Bau- und Boden- bank Anleihen aufzunehmen, urch zwar auch im Aus- lande. Es foll auch schon gelungen sein, für die nächsten drei Zahrc einen Kredit von 180 bis 200 ZNil- lionen INark zu bekommen, und in den nächsten Tagen sollen bereits die nötigen Arbeiten beginnen, um fertige Projekt« in Angriff zu nehmen. Zu diesem Zwecke werden non der Deutschen Gesellschaft für öffentliche. Arbeiten 123 Millionen Mark Kredite zu 5 bis 6 Prozent langfristig vergäben werden, wozu die Träger der Arbeiten noch NO Millionen Mark zuschießen müssen. Diese Darlehen wenden mir an öffentlich- rechtliche Körperschaften oder on gemischtwirtschastliche Unter- »eh mungen gegeben werden, nicht aber an die Privatwirtfchait. Ausgenommen hiervon bleibt die Erstellung von Landarbeiter- Wohnungen, wovon, wie Dr. Syrup anführte, bisher durch die wertefchaffende Arbeitslosenfllnsorge mehr als 30 000 gebaut morden. Nach den Darlegungen von Dr. Syrup darf man irgendwelche große Hoffnungen on die Gründung der Deutschen Gesellschaft für ösfenttiche Arbeiten nicht knüpfen. Wenn alles gut geht, dann wer- den die werteschaffenden Notstandsarbeiten künstig im selben Um- fange zur Ausführung kommen, mi« dos bereits in den letzten Jahren geschehen ist, nämlich vor der Herrschast des Bürgerblocks. Zerfatt der Kultur. Christen und Arbeitslosenfrage. Auf der Tagung der christlichen Textilarbeiter sprach am Sonntag in Dresden Professor Dr. Theodor Brauer über„Kulturgefährdung durch Arbeitslosigkeit'. Er führte den Nachweis, daß durch die Arbeitslosigkeit nicht nur die Grundlagen moderner Kultur, sondern auch die heiligsten Güter der christlichen Weltanschauung bedroht werden. Brauer wies darauf hin, daß dos Kultursachgsbiet„Wirtschast' e-n« immerfort steigend« Bedeutung für die Kultur überhaupt erlangt habe. Es liegt ein verstärkter Einbruch des Wirtschaftlichen in dos Gesamtleben vor Arbeitslosigkeit gefährde daher heute besonders viel Existenzen, und die Gefährdung des Mindestmaßes Wirtschaft- licher Sicherstellung des Menschen wirke unter unter allen Um- ständen kulturell bedenklich. Das fortwährend st 6) wiederholend« Abstoßen non Arbeitskräften und die Peränderungen in der Struktur der Wirtschaft schüfen die Gefahr des Arbeitslosen- berufs. Was für ein Typ von Menschen und Menschengruppen daraus hervorgehe, lasse sich nur ahnen, nicht genau bestimmen. Jedenfalls stehe man vor der unheimlichen Gefahr de» Auf- ko m mens eines Lumpenproletariats, das in seiner bloßen Existenz ein Hohn auf olle Kultur isei. Die Arbeitslosennot mache den Menschen notwendigerweis« radikal, und zwar in asozialem, wenn nicht in antisozio- l e m S i n n e. Länger andauernde Arbeitslosigkett schösse einen Bruch in der Entwicklung der Persönlichkeit, und vor ollem die Jugend verfalle infolgedessen, dem Abenteuertum, und die jugendliche Arbeiterin werde bei längerer Arbeitslosigkeit von ganz besonderen Gefahren aus ihrem Geschlecht bedroht. Die Feinheit weib- lichen Empfindens fei und bleibe jedoch ein« der wssenttichsten Grundlogen aller Kultur. Der vornehmste sozial« Träger aller Kultur sei die Familie. Wo st« in ihrer Entwicklung aufgeholten oder behindert sei, werde das Kulturvermögen in katastrophaler Weise vermindert. Wo der arbeitslos« Pater nicht Ernährer sein könne. breche das unentbehrliche trogende Gerüst der Fonüii« zusammen, seien Autorität und Ehrfurcht in ihrem Fundament bedroht. Eltern, die infolge der Erwerbslosigkeit ihren Kindern zur Last sollen, wür- den von diesen kaum als Segen empfunden. Arbeitslose Kinder andererseits seien für die Eltern die Sorgenkinder in zwiefachem Maße. Man wachs« nicht in Liebe zusammen, sondern lebe sich in Mißmut auseinander. Wer es also noch nicht weiß, der kann es von Professor Brauer erfahren: Abbau des Arbeitslosensch»tzes, der. solange keine Arbeit geboten wird, ein Mindestmaß wirtschaftlicher Sicher- stellung des Menschen schassen muß, ist Abbau der Kultur, nicht zuletzt auch der christlichen Kultur. Metallkonflikt vor dem Arbeitsgericht. ?leue Drohungen der Scharfmacher. Im Berliner Metallkonflitt haben sämtlich« am Tons beteiligten Angestellten verbände am Montag einstimmig bes'hlossen, beim.Arbeitsgericht gegen den Berband Berliner Metoll- industrieller durch eine Feststellungsklage gegen den Tarif- bruch gerichtlich vorzugehen. Sie wünschen ein« orbeitsgerichtlich« Entscheidung darüber, daß der Torisoertrag für die Berliner Metall» Industrie durch Einzelvereinbarungen in den Betrieben nicht gewaltsam verschlechtert werden darf. • Jluf den Ausgang des Berliner Rechtsstreits darf man gespannt sein. Wird sich der Re i ch so r b e i t s m i ni st e r vor den versteckten Drohungen, daß die Berliner Metollindustriellen wenn sie leine Austräge«u- dem Arbeitsbeschaffungsprogramm'bekommen, in noch größerem Ausmaß Entsossungen vornehmen, einlchüch- kern lassen? Die Rechtspresse ech den BerEn er Metall- gewaltigen.zu Hille. So schreibt d-e„Deutsche Tageszeitung', es fei unverantwortlich, wenn jetzt Reichstiehörden, dem Drängen der Gewerkschaften und eines Teils der Oessentlichkeit folgend, ihre Aoykottandrohungen gegen die Berliner Metollmdüstrix nxihnriachen oder unter dem Druck solcher Drohungen ein« unzulässige Ein- Mischung in die Betriebspolitik der Werk« erzwingen wollten. Ilm diel« Drohung gegen die Reichsbehörden verstöndl'ch zu wachen. behauptet das Agrarierorgan dreist, nicht die Berliner Metoll- industrie, sondern das„mangelnde sozial« Verständnis oder d'e Der- ontwortungslnsigkeit der Gewerkschaften' Hobe.zum Abbau von etwa 10 Pro.z. der Angestellten geführt: sie hätten die Gehaltskürzung ver. weigert. Demgegenüber betonen sogar dte bürgerlichen Blätter, daß im Gegenteil die Gewerkschaften eine Gehaltssenkung in Kauf genommen hätten, wenn ihre berechttgte und verständliche For- derung, wahrend der Periode der Gehaltskürzung kein? Kündi- g u n g e n vorzunehmen, angenommen worden wäre. » In Düsseldorf Hot das Arbestsgericht eine.Klage des Deutschnotionalen HondlungsgehilfenoerlianÄes auf Verletzung der Friedenspflicht wegen Abbaus der ü b e r t a r i f- lichen Gehälter abgewiesen. Daraus schließt die„Rote Fahne', in Uebereinstinmrung mit der Reibtspresie, daß auch die Fest- stellungsklage der Angestelltengewerkschaften in Berlin abgewiesen werden müsse. Wir denken nicht daran, mit den llitternehmerorgonen oder gar mit dem bolschewistischen Hilfsorgan der Unternehmer uns in ein« Aueeinondersetzung über den Unterschied in der Rechtsloge in Düsseldorf uiÄ Berlin einzulassen. Wir geben zu, daß niemand mit hundertprozentiger Sicherheit den Ausggng eines Rechtsstreits vor- ausleben kann. Aber auch nicht den Ausgang eines Streiks. Wenn das Bolschewistenblott, dos gern behauptet, die Massen hinter sich zu hoben, anderer Aussossung ist— bitte sehr: Heraus mit Eurem Flederwisch! Worum ruft die„Revolutionäre Gewerkschafts. opposttion' nicht zum Generalstreik der Angestellten der Metoll- industrie auf? Auf eine Blamage mehr»der weniger kann es dieser sagenhaften RGO. doch wirklich nicht mehr ankommen. Wenn ober die Volschewssten der Meinung sind, daß man mährend der Laufzeit eines Torssnertroges. in einem wirtschaftlich so ungünstigen Zeitpunkt, bevor man nicht alle Rechtsmittel erschöpft hat, nickst.zum Streik greisen kann, warum beschimpsen sie die Ge- werkschaftcn in der gemeinsten Wesse, weil auch diese den Rechtsweg wählen?— Worum? Weil die KPD. nur von der Verleumdung lebt. Oer Streik in Aordfrankreich. Kommunistische Radaubrüder machen Klamauk. pari». 4. August.(Eigenbericht.) Die französischen Textilarbeiter. Gewerkschasten haben am Sonntag nachmittag e i n st i m m i g. wie zu erwarten war, den Geueral streik proklamiert. Die Regierung hat die Polizeitruppen iu Lille. Roubaix. Tourcoing und vollenciennc» um einige tausend Mann nerstörkt. Al» Borivond dazu dienten mehrere Zwischenfälle. die von kommunistischen Radaubrüdern hervorgerufen worden waren. Zn D e n a i n versuchten etwa 100 Kommunisten in eine Zabrik einzudringen. Sie wurden von berittener republika- aischer Garde zerstreut. In vallencienne» wurden mehrere von kom- munistischeu Schreiern besetzte Lastautomobile angehalten. Renn ausländische Kommunisten, die sich hei dieser vcwonftration erwischen ließen, wurden seslgenommen. Es wird mit 150 0 0 0 Streikenden gerechnetz -MX) 000 Textilarbeiter streiken. Paris. 4. August(Eigettberich,). Die Zahl der Streikenden im Liller Streikrevier b?- trägt nach der Erklärung de» Generalstreiks>n der lexlilin. du firl« etwa 100 000 Mann allein in diesem Industriezweig. Ununterbrochen werden neu« Gendarmerie- und ZNilitärtruppen in das gesamt« nördliche Zndustrierevier transportiert. Eisenba hnerkonflikl in Griechealand. In Griechenland ist es zwischen der Regierung und den Eisenbahnern zu einem Lohnkonflikt gekommen. Man rochnet mir der Proktamie. rung euies Eisenbahner st reit s. Kundgebung der Gewerkschuflsjugend. Gegen den Krieg! Einen Tag noch der Kundgebung der Sozialdemokratie im Luftgarten veranstaltete die Freie Gewerkschaftsjugend Berlin ihr eigenes Antikriegsmesting. Obwohl man hierzu die schon hart on der Peripherfe Berlins liegenden Städtischen Lichtspiele non Neukölln gewählt hott«, mußten die Ein- b erufer noch vor Beginn der Veranstaltung ein Schild vor den Eingang Höngen:„A u s n e r k a u ft!" Man kann es auch dem Jahrgong 1913, der am Sonnabend in dem verdunkelten Kino dichtgedrängt aus den Banken saß, nicht oft genug sagen, was der Krieg war. Die zwölf Jahre seit 1018 verwischten viel und so mußte diese Kundgebung der jüngsten Gewerkschafter versuchen, das Erinnern wachzuhalten. Das gelang ihr im vollsten Maße. F. R. Schulz hielt eine kurze Ansprache. Alfred Beierle las die Friedensnovclle von Strind- berg, kalt lief es einem über den Rücken, dann rollte der Film „Der dun" über die Leinewond, ein paar Rezitationen folgten, der gemeinsame Gesang der„Internationale" schloß die gediegene. stiwoll« Kundgebung ab.._ Oie große Mode. Sanierunz auf Kosten des Personals. Bremen. 4. August. Wie wir hären, sieht sich di« Metallwerke Unterweser A-G., Friedrich-August-Hütte(Oldenburg) gezwungen, dem Borgehen on- derer Metollhütten zu folgen und eine Selbstkostensenkung durch Lohn- und Geholtsminderung durchzuführen, um den durch den Sturz dci�Metallpresse eingetretenen Verlust min- bestens teilweise auszugleichen. Nachdem Aussichtsrot. Vorstand und leitcnoc Beamte freiwillig aus einen entsprechenden Teil ihrer Bezüge verzichtet hoben, ist die Werksleitung on die Angestellten her angetreten mtt dem Ersuchen, auch ihrerseits sich mit einer zehn- pro.; entigen Herabsetzung der Gehälter einverstanden zu erklär«». Noch Ablaus des bestehenden Tarisobkommens mit den Arbeitern und Gewerkschaften wird auch eine Scnkungdcr Ar- beitcrsöhne beabsichtigt. Zu diesem Zwecke werde das Lohnab- kommen vom Arbeitgebcrverbond zum 31. dieses Monats gekündigt. Eine nierwöchcntliche Kündigung sämtlicher An- gestellten wurde ebenfalls vorgenommen. Autoprodukiion wieder angekurbelt. New Jork. 4. August.(Eigenbericht.) Die Mehrzahl der seit drei Wochen geschlossenen führenden amerttonischen Autosabriken ist heute wieder eröffnet worden. Rund 160000 Automobilarbeiter wurden wieder eingestellt. Die-Autoindustrie erwartet nach dem katastrophalen Rückgang im letzten Jahr« nun«ine erhebliche Besserung des Marktes infolge neuer Bestellungen und lebhafier Nachfrage nach neuen Modellen. Kann ein Lehrling Streikbrecher sein? Die„revolutionäre Opposition" behauptet es. Eine kommunistische Stmkleiiung berichtet dem Moskau btait u. a.:„Bis jetzt übt nur ein Lehrling Streikbruch." Di« Behauptung, daß ein Lehrling, der während eines Streiks sein« gewohnte?lrde!t verrichtet, damit Streikbrüch verübe, aiso Streikbrecher sei, ist unsinnig. Genau so wie die kommunistische Abstempelung der Unorganisierten als„klassrnbewußte" Arbeiter. Der Lehrling ist an feinen Lchroertrog gc- Kunden. Es ist daher verfehlt,«inen Lehrling als Streikbrecher zu bezeichnen, und es ist eine Gemeinheit, den Lehrling eines be- stimmten Betriebes als„Streikbrecher" zu kennzeichnen. Es ist nebenbei bezeichnend für einen„renolutionären" Kamvf und feine Kampfleitung, wenn der Umstand bcionders betont wird, daß e in Lehrling, der arbeitet,„Streikbruch" übt'. Unter normalen Verhältnissen kann von Streikbruch bei Lehrlingen keine Rede sein. Verbandstag der französischen Postler. Ein außerordentlicher Verbandstag der französischen Post- gewerk schaft wurde am Montag in Paris erössnet. Obwohl die Tagesordnung lediglich adininistrottve Punkte auswies, kam es gleich zu Beginn der Sitzung zu Lärmszene n. Die O p p o- sition innerhalb der Gewerkschaft, die sich seit dem letzten Streik gebildet halte, veranstaltete unter dem Dnrwand, daß die Majorität Delegierte ohne Mandat eingeschmuggelt habe, eine lärmende Pro- testkundgebung und verließ den Saal. Das Exekutivkomitee der Föderation unternahm zwecks Beilegung des Konflikts sofort Schritte beim Gewcrkschastsbund(ELT). AiStum,. SSerqui..!!, Seeftraße! feute, 1« Uhr, bei Reußner. See.'-.l (Tie 3RaIplaqurtftr«8c, wichtig« fftöltumscetüniunlunq oller SP?..(.V, Se nofsen. Set Fratti»»»vorstont>. K Unfgedobenc Sperren! Wie uns ber Zentralnerbond der dotel», Restouront. und Cafe Angestell-en mitteilt, find feine Differenzen mit den Petrieden: Restaurant.Ren-NHIbeck", gnbader: Peters, qeqenitber Hirschqqrten am Miiqqel« fee; Restanrqnt»2Äieen.®climi((t", Inka der:»lernte, Lands de rger Allee II— Id. beiaefeql. Sic Sperre wurde daher qufqehoben. »ftme Gewerkfchafis-Jugend Verlin llV-j Uhr. tojKn folgende Gruppen: Trepwv»: Hnivzvn. beim,(-chu�e Wildendruchstr M— 57. Hor�zinrmer. Hoimbcsprpchung.— oharlsit-nbvrg: Griippcvtbcim. Jugendheim. Spreestr. 30. SRertrea:„ttfte H'lf« mit prcftifdvm Vorführungen'.— Gpaadau: Gruppenheim. Städtisches Jugendheim, fiinftenufer 1. Heimbesprechung.— Humboldt: Gruppenh-eim. Jugendheim. Graun- Ecke Lorfclngstraße. Heimbesprech.ung.— Pan.soiv: Grupp-:?� beim. Jugendheim. Kissingenstr. 4� Zimmer 5. Heimbelprechung.— Elwostcn. Gruppenbeim Gewerkschaft- ba".?, Saal 11. Lichtbilbernortrgg-„Die schöne Mork".— Frankfurter Affee: Grunr�nbe'm. Stadt. Iugenbheim, Litauer Str. 15. Heimdesprechmig.— Lickte-berg: Ingendheim Doffestr. Ab Hciinbesprechunq «veu'Lichtenberg: Inocndbeim Gunterstr 44. He-mbesprechung. Larh�berac? Play: Jugendheim DiestelmeyerstP. h. Heimbcfprrchung. �uoendorupne ves'Zentralverbande«! der Anaesiellt-n Heute. Z-iens-oq. finden folzei-d« Verqnstalwngeil sto-: Rordweg Znoendhein' Lrdrter Str. IS— 1». Bunter Adend.— Sicht«- berq: "uqendheirn»unterflr 44. Wir beteiligen un» an der Lersamwfuna de» We-de. bezirk».- Spiel v»» Sport: Ab It> Uhr auf dem Eportplaq Humdoldihöin Berontwortliih für Politik:?r. Tun«ener: Wirtfchattt ch.»ltnaelhiler: tSewertichaitsbewegung: Z. Steiner: Feuilleton:'». K. Döjcher; Lolalee und Sonitiqe» gri«»arstödt: Anzeiqen: Zb. chloete: l amtlich j„ 3j(r;jp Setlag: Korwöris-Berlog®- m. b. H.. Berlin. Druck: Bvrwqrt».BuMdruckeret und Lerittasanstolt Paul Singer v. Co.. Berlin SW. KS. Linderltrohe i Kierz» 2 Beilagen. Zucker nährt— und ist billig! ?!r. 364» 47. Jahrgang 2» Dienstag, 5. August �930 Sdtvard Sitlgebauer: 3)as Ende Lud XV, Schloß Trionon. Auf der kurzgcschorsncu Rasenfläche sein«? Parkes wird es lebendig. Ein« Stunde vor Sonnenuntergang. Schon strecken sich die Schotten der hundert und aber hundert Mormorstatuen, die dos Gebot des Sonnenkönigs hier aufstellen ließ, longer. Burgunder macht die Runde. Berkleidet als Schäfer und Schäferinnen lagern die Herrschaften des Hofes im Graf«. Der Herzog von Aiguillon bläst eine sentimental« Melodie auf dem Hifthorn. lind die Gräfin von Dubarry locht. „Noch ein Glas Burgunder, La France", ruft sie jetzt dem„alten Diener" zu, der sich nur mühsam voranbringt und dem das Auftragen zur Lost geworden ist. „Mein alter La France ist ein De?p geworden", wendet sie sich jetzt au den feisten Abbe Terroy, der au ihrer Seit« im grünen Gräfe liegt und in die Sonne bliizzelt. Um sin Haar platzt der Abbe vor Lachen. „La France wird alt, ha, ha, ha!" „Freilich, Abbä!" Di« Gräfin droht dem„Diener": „Wenn du mir noch«inen Tropfen verschüttest, La, France, dann kannst du mich kennen lernen!"• Da blitzt es einen Moment unter den ergrauten Brauen auf. . Di« Höflinge und die Kurtisane oerstummen. „Es war ja nur ein Scherz, Alterchen", versucht die Dubarry zu besänftigen.„Aber nett ist die Kleine doch, die ich dir gestern ausgesucht!" „Wenn ich bitten darf, Sire", kommt es da von den Lippen La Fronces. „Sire!" Nun entsteht eine peinliche Pause. D!« Hofgesellschaft weiß nicht recht, wohinaus in diesem Augen- blicke die Laune des Allmächtigen will. Und der König im Gewende des Dieners unterbricht als erster das verlegen« Schweigen. Er wendet sich an die Gräfin: „Wenigstens war sie frisch!" Dann wendet er sich an Maupeou. „Ihr Sekretär ist doch in England gewesen?" „Jawolst, Sir«!" „Und Sie wollten gerade ein« Geschichte erzählen, was war das?" „Nichts von Belang!" Leichtfertig fährt die Dubarry dazwischen: „Nicht so neugierig, La France. Im Gewände des Dieners seid Ihr Austräger und nicht Majestät!" Dcr König ballt im geheimen die Hand zur Faust. „Erzählen Sie, Maupeou!" „Wcnn Sfte es. befehlen.!"_ Nun streckt sich La Franoe höchstselbst auf den Rotem Gaue, das Windspiel leckt thm die Htnd.> „Also! Mein Sekretär war in England und hat in London einer Hinrichtung beigewohnt!" „Und?" In England, so sagt mein Sekretär, macht man das einfacher als bei uns in Frankreich!" „Wie dos?" „Sie haben dort eine Maschine für dos Köpfen erfunden!" „Originell!" „Freilich! Eine Art Fallbeil, das mit Blitzesschnelle herunter- fährt und die Köpfe wegrosiert!" La France lacht. Und die Dubarry bestellt bei ihm neuen Wein. Wieder klingen die Gläser aneinander. Da... das Wimmern eines Glöckleins von dem Kirchturm des nahen Dörfchens Trionon. „Was ist das, Gräfin?" wendet sich La France an die Du- barry. Betroffen schweigt die Gräfin. Und der König noch einmal: „Das Sterbeglöcklein von Trionon?" „Dos weiß ich doch nicht, Sire", lügt da die Kurtisane. Der König lauscht und lauscht. Der Klang der Gläser ist verstummt. Heller und immer heller trägt der Wind des Sterbeglöckleins Läuten her. Da erhebt sich La France. Er geht dem Geläut« entgegen und niemand findet den Mut ihn zurückzuhalten. „Ich habe dos Läuten doch strengstens untersagt", flüstert da die Dubarry der neben ihr im Gros« liegenden Hofdame zu. „Freilich! Aber mit dem Moire war nichts anzufangen." „Es hätte einen Auftuhr gegeben, denn dos Volk weiß, daß sie an den Blattern gestorben ist!" Beim Nennen der furchtbaren Seuche geht ein Eisesschauer durch den Körper der Dubarry. „Ist das auch festgestellt, meine Liebe?" „Festgestellt!" Der König schreitet weiter und weiter in des Parkes grüne Dämmerung. Die Höflinge werden aufmerksam. „Was fehlt Ihnen, Gräfin?" fragt da der Herzog von Aiguillon. „Nichts, nichts!" Aber auch dos Bollmondgesicht des Abbes ist jetzt erschrocken auf sie gerichtet. „Man muß den Leibarzt ins Vertrauen ziehen", stottert die Dubarry endlich. Unwillkürlich rückt der Priester von der Gräfin ab. Und dcr Herzog stottert: „Die Person, die man begrabt, hatte die Blattern... und der König, Gräfin...?" „Ja! Begreifen Sie denn endlich, Herzog: Vertrauen Sie sich dem Leibarzt an!" „Und Sie, Sie, Gräsin, Sie haben ihm diese Person...?" „Es mar fein Befehl!" Da verstummen Herzog, Kanzler und Abb«. La France hat den Parkausgang erreicht. Auf der Landstraße begegnet er dem Leichenzug. Die Träger des Sarges, dem niemand als ein Priester mit fciyen beiden Meßjungcn folgt, erkennen den König. _„Wen tragt ihr de.nn zu Grabe, Leute?" „Ein junge Mädchen, Sire, dos an den Blattern gestorben ist!" Und da stiegt La France von dannen, als ob er von seiner eigenen Meute gehetzt werde. Die Tröger nehmen den Sarg wieder auf. „Sie war doch bei ihm im Schlosse", raunt da dcr eine dem anderen zu. Und zwei Wochen später erfuhren Frankreich und die Welt, daß der„Vielgeliebte" fünfundscchzigjährig an den Blattern gestorben sei. Sin Himmelskörper gefucht Am 30. Juni des Jahres 1908 gegen b Uhr morgens erlebten die Passagiere des Transsibirischen Exprcßzugcs in dcr Gegend von Kanjk ein ungewöhnliches Schauspiel. Nordöstlich erschien platzlich am Himmel cin.seuriger Punkt, der mit rasender Geschwindigkeit naher kam und sich dabei stark nergräßertc. das Licht, das er aus- strahlte wuchs zu einer für die Augen beinahe unerträglichen Stärke (n Ungefähr so groß wie die Sonne sah der Körper, der in Zick- -acklinien über den Himmel zu rasen schien, für die Zugpassagierc aus dann verlchwond er plötzlich, furchtbare Schläge, lauter und gan'z ander-, als Donnerschläge, ertönten mehrfach hintereinander. �ann mar das Ereignis vorüber, sein nächstes Ergebnis war. daß in Jrkutsk und Krasnojorik die Glaser reiche Ernte hielten und daß die Tungusen an den Usern der Podkommcnaja Tunguska— oder wie der Fluß in ihrer eigenen Sprache heißt, der Katanga- längere Bittgottesdienste an die guten Geister abhielten, die sie vor dem Zorn ihres Donnergottes Ogdy schützen sollten. In wissenschaftlichen Kreisen wußte man sofort: c.n neiiger Meteorit mußte niedergegangen fem und irgendwo an der Pod- lammenaja Tunguska in der Taiga liegen.- aber wo? Und dann. würde man ihn bekommen können? Nach dem gerade die amer.ka. nischen Dersuchc, ihren Riesenmcteor vmn Canon Diablo in Arizona (der allerdings in prähistorischer Zeit, nach Jnd.anerglauben vor etwa 10 000 Iahren gefallen war) zu heben, mißgluckt waren. Russische und sibirische Gelehrte, die am nächsten dran waren, 'untersuchten ein großes Gebiet, versuchten es wenigstens, den Ort des Niederganges zu bestimmen. Wie bei allen Meteorsallen schworen die Einwohner auf tausend Kilometer»n Umkreis, daß dcr M-teor gleich hinter den nächsten Fluß, Sumpf, Wald oder Hügel nieder- gefallen war. Es ist das eine Augentäujchun�,(ich auä) g«- übte Beobachter nicht entziehen können. Ein deutscher Astronom bekam vor dem Kriege«inen auställigen Meteoriten siebenmal in natura zugeschickt,— und siebenmal hatten sich die �.ciite durch i»n Glanz täuschen lasten.„ ±„ Dann kam der Krieg und die Revolution in Rußland, und man konnte sich um den Meteoriten nicht kümmern. 102l, als die Ber- Hältnisse sich schon ein wenig stabiler gestaltet hatten, bekam«in rustischer Gelehrter, Leonid Aleksejcwitsch Kulik durch einen Zufall einen Bericht von 1008 in die Hand. Aufs höchste interessiert ging er allen Nachrichten noch und konnte mit einiger Vicherheit aus den wirklichen Ankunftsort des Gastes aus dem Weltenraum schließen. Aber erst 1927 halte«r di« Mittel für die Erpedition beisammen und reiste mit nur einem Gefährten ab. Nach Ueberwindung unglaublicher Schwierigkeiten gelang es ihm endlich, wenigstens Tungusen zu treften, die damals Augenzeugen waren. Aus abergläubischen Motiven wollten sie zwar nicht über dos Geschehnis sprechen, aber endlich erfuhr Kulik, daß di« Niedersallstelle irgendwo am Oberlaus des Chuschmoflustes liegen mußt«, wo sich ein großer Sumpf be- finden sollte. Die beiden ersten Versuche schlugen fohl, einmal ver- sank sein Pferd bis an die Ohren(buchstäbtich) im Schnee, dann gingen ihm die Nahrungsmittel aus, dcr dritte Vorstoß im Frühjahr brachte Erfolg. Und dann bot sich ihm«in Zlnblick, den er als grauenhost und entsetzlich beschreibt. Die Taiga war durch einen unheimlichen Wold- schlag gesollt, die Stämme logen jedoch nicht durcheinander, wie sonst bei Waldschlägen, sondern olle in ein und derselben Richtung. Und > diese Richtung waren die Rodicn eines riosenhasten Kreises von vielen Kilometer Durchmesser. Weiter außen standen die Bäume kahl gegen die Wolken, nur die Kronen waren ihnen abgebrochen, mehr nach der Mitte zu logen auch die Stämme selbst am Boden und sahen versengt aus. Noch jetzt, nach mehr als zwanzig Jahren ist die Taiga dort tot, kein Tier läßt sich blicken,— auf Hunderte von Kilometer im Umkreis war die Vegetation verbrannt und der Wald niedergemäht worden von dem furchtboren Luftdruck des ein- fallenden Weltkörpers. Dos Zentrum des ganzen Unglücks, der große Sumpf, siehe aus wie eine Mondlandschaft, Dutzende von Meteor. trichtern mit Durchmessern zwischen 5~ und 50 Meter zeigen, daß es«ine Metcorwolkc war, die hier niederging oder daß der Ursprung- liche Riosenmcteorit durch die Erhitzung beim Durchrasen dcr Erd- atmosphäre zersprungen ist.— Für Kulik war seine erste Aufgabe vollbracht, man wußte die genaue Einsallstellc, und die zweite, die wissenschaftliche Erforschung, begann. l9Z8 zog er aus Leningrad mit dcr zweiten Expedition ab, »seinem Begleiter Sytin, einein Kinooperateur und fünf Arbeitern. Jnsvlge der Trockenheit der Luft, der Hitze und der Strapazen wurden alle bis auf Sytin und Kulik krank, Sytin brachte die Erkrankten nach Leningrad zurück, Kulik blieb am Ort seiner Forschung. Nach zweieinhalb Monaten kam Syltin erst zurück, Kulik war als echter Forscher am Platze semer Arbeit geblieben, und ging auch jetzt noch nicht fort, ehe nicht noch einige dringende Sachen erledigt waren. Erst der Frost— 38 Grad unter Null— vertrieb ihn, bei- nahe wäre die ganze Expedition noch auf dem Rückwege umge- kommen. Was bis jetzt erreicht ist, ist viel und wenig gleichzeitig, man weiß zwar, daß der Meteorit von Podkammenaja Tunguska einer der größten beobachteten gewesen ist, man kennt seine wirkliche Masse aber noch nicht, auch ist es bisher nicht gelungen, in den Meteor- löchern Grund zu finden und Teil« des Meteoriten auszugraben. Man hat Kulik jedoch die Mittel für eine zweijährige Erforschung bewilligt, ein Flugzeug soll die Stätte photographieren und dann will man die Trümmer des HimmelsErper» bergen. Willy Ley. Ein Vlännlein Hehl im Walde Die Pilzzeit ist wieder einmal da, und die leckeren Steinpilze oder Pefferlinge erscheinen als erwünscht« Abwechslung aus unserem Tisch. Freilich, die Millionenwerte, die in diesen Bewohnern des Woldes stecken und die uns grade in diesem regenreichen Jahr besonders reichlich dargeboten werden, sind noch lange nicht aus- geschöpft. Besonders während des Krieges, als die Nahrungsmittel knapp wurden, hat man immer wieder auf diese Reserve unseres Bodens hingewiesen, di« nicht genügend ausgenutzt wird. Es gibt etwa 50000 verschiedene Arten von Pilzen aus der Erde, und davon in Deutschland immerhin mehrere Hundert: von diesen ist aber der weitaus größte Teil eßbar. Dcr ausgezeichnet« Pilzkenner Gram- bcrg beziffert die Zahl der eßbaren und jchiiiackhaften Pilze in Deutschland auf über 200, wahrend es nur sieben giftige Pilzarten gibt, bei denen die Schädlichkeit erwiesen, und etwa vier oder sünf, die im Verdacht der Giftigkeit stehen. Aber die Pilzvergiftungen, die nun einmal nicht ausbleiben und von denen auch in dieser Pilzzeit bereits wieder berichtet wurde, hoben einer wirklichen Ausnutzung des Pilzreichtums stets im Wege gestanden. Von solchen Pilzvergiskungen hören wir schon im Altertum, und besonders tragisch ist das Schicksal des griechischen Dichlers Eunpides, der an einem Tag« zugleich seine Gottin und drei Kinder durch den Genuß giftiger Schwämme verlor. Eine Reihe hochgestellter Persönlichkeiten der Geschichte ist auf dies« Weise zugrunde gegangen, so der römische Kaiser Jooianus, der große Papst Clemens VIl., Kaiser Karl VI. usw. Bon dem römischen Kaiser Elaudius. wird berichtet, er habe sich durch ein Gericht giftiger Pilze seiner Frau entledigt, fei aber dafür von seiner zweiten Gemahlin auf ebendieselbe Weise beiseite geschafft worden. Die alten Gennanen scheinen den Pilzen, an denen ihre Wälder doch so reich waren, keine Vorliebe entgegengebracht zu haben, und diese Abneigung dauert noch heute an und steht der Ausnützung dieses Volksnahrungsmitiels entgegen. Die Deutschen haben erst von ihren Nachbarn, den Romanen und Slawen, die größere Pilz- esser waren, den Genuß der„Schwämme" gelernt. Es ist bezeichnend, daß die erste Pilzvergiftung, von der in Deutschland bc- richtet wird, von der slawischen Ostgrenze herstammt. Thietmar von Meifeburg meldet in seiner Chronik, daß im Jahre 1018 in seinem Bistum sieben Kätner an giftigen Pilzen gestorben seien. Allmählich aber drang die Nahrung doch in weitere Kreise, und zwar von der Klosterküche her, in die aus Italien die Pilzgerichte eingeführt wurden. Die Mönche, die bei den vielen Fastentagen für Abwechslung sorgen mußten, fanden Gefallen an den eßbaren Schwämmen, die sich auf der Klostertafel in mannigfachen Formen einbürgerten. Aus dem Mönchlatein stammt auch unser Wort„Pilz", das wohl von„bolitus" abzuleiten ist, während im Altgo-ischen noch das Wort„Schwamm" vorherrschte. Seitdem ist der Pii; nicht mehr von unserem Speisezettel verschwunden, aber nur wenige Arten kommen auf unsere Märkte, während andere gute Pilze arg vernachlässigt werden. An solchen Pilzen, die bei uns vorkommen und doch ganz unbekannt sind, nennt Gramberg z. B. den Krempling, Stockpilz, Ziegenlippe, grünen und blahgrünen Täubling, den Suppen», Perl- und Reispilz, den Anispilz, die Totentrompetc, de« Mordjchwamm, den- Ritterpilz, süßlichen Milchpilz usw. Diese Arten werden sogar durch die Polrzeikvntrolle vom Berkauf fern. geholten, weil man sie nicht kennt und deshalb im Verdacht der Schädlichkeit hat. Das ist ja überhaupt die entscheidende Frage, wie man dafür sorgen kann, daß kein giftiger Pilz auf den Tisch kommt Daß es allgemein gültige Kennzeichen gibt, die die schädlichen Pilz« anzeigen, ist irrig, aber unausrottbar. Weder das Verfärben beim Zerschneiden noch das Schwcrzwerden mitgekochker Zwiebeln oder eines silbernen Lössels gibt irgendeinen sicheren Anhaltspunkt, denn dies« Merkmole finden sich auch bei durchaus guten Pilz- schwämmen. Manche Giftpilze riechen recht angenehm, während andeverseits einige Speisepilze schlecht und scharf riechen. Schon in alter Zeit wurde das häufig«, siebenmalige oder neunmalig« Ab- kochen empfohlen, aber auch dos ist durchaus kein sicheres Mittel, denn bei den giftigen Knollenblätterpilzen z. B. ist gerade die Brühe besonders schädlich. Man muß eben die Pilze genau kennen, und deshalb ist die Arbeit des Sammelns nur erjahrenen Personen anzuvertrauen. Di« Pilzvergiftungen werden ja auch nur in den seltensten Fällen durch die Marktware hervorgerufen, sondern meistens durch Pilzgerichie, die sich Unerfahrene, häufig Kinder, selbst gesaminelt haben. Di« Pilzmerkdlätter, die mit deutlichen Ab- bildungen versehen sind, die illustrierten Pilzbücher gewähren den sichersten Führer zur Kenntnis der unsckstidiichen Pilze, und wer erst einmal die Schwämme im Walde sorgfältig mit den Abbildungen verglichen hat, wird sich bald genügende Kenntnisse erworben baben. In vcrfchiedenen Städten ist aus den Pilzmärkten eine sochmännische Kontrolle eingerichtet worden, an der sich tüchtige Gelehrte de- teiligten. Auf diese Weise ist es auch möglich, die Zahl dcr ge- handelten Pilzsorten.zu vermehren. Die häusigsten und gejährlichstcn Giftpilze sind der-Zknollenblätterschwamm, der mit dem Champignon oder auch dem Grünreizker verwechselt wird, und dcr Fliegenpilz. Außerdem srttd noch wichtige Schädlinge die Stockmorchel, der Karloffekbovist und der weiße Faserkopf. Sine f ifengiejßerei der SleitmeU Daß die Eisenzeit wahrfcheimich schon Tausend« von Jahren früher begonnen hat, als bisher angenommen wurde, daß sie bereits weit in die Epoche hineinreicht, die wir als Steinzeit bezeichnen,»st eine der überraschenden Erkenntnisse, die di« Ausgrabungen der italienischen Expedition in Nordrhodesien ans Licht gebrocht haben. Der Leiter der Unternehmung, Prof. Gatti, berichtet, daß er bei seinen Grabungen zu Mumbwa eine alte Eisengießerei in einer Tiefe von etwa 2 Meier freigelegt Hab«. Die Werkstätte besindet sich in einer riesigen Höhle in Schichten der älteren Steinzeit. Hier muß vor vielen Tausenden von Jahren eine Rasse gelebt haben, die in ihrer Kultur und ihrer Technik ihre Nachfolger überragt« und bereits Eisen aus dieselbe primitive Art schmolz, wie sie noch heule unter den Bantuvölkcrn üblich ist. Die Untersuchung der in dieser Schicht enidcckicn Skelette zeigt«, daß diese' Kenntnis des Schmelz- Prozesses in den Tagen der Buschmänner nach Afrika kam, also etwa um die Mitte jener Mcnschheitsepoche. die wir als ältere Steinzeit bezeichnen. Unter der Gießerei befindet sich«ine Schicht, in der Werkzeuge dcr Maustörien Periode gesunden wurden. Die Entdeckung wirst ein ganz neues Liän auf die Geschichte der Metoll- Verarbeitung und auf die von Südafrika. Man vermutet, daß die Eisenbearbeitung mit den rätselhaften Ruinen von Zimbabwc in Rhodesien in Verbindung steh!. Während' man bicber annahm. daß dies« Befestigungen von alten Goldsuchern errichte! worden seien, hält man es jetzt für nicht unwahrscheinlich, daß es das nüchterne Eisen und nicht das lockende Gold war daß Siedler an- lockte, lange vor der Zeit der fabelhaften Bergwcrte König Salamos. SfnftKbsBgea für tiefe StubrH Rah B e 1 1 i a SB«8, Siadeaftraße i. parieinachrichten�M� für Groß-Verlin stet,»a da» Dezlrk»iekteterls> i. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten. Unsere Aahnenverlriebsstelle ist geöfsnei vor, S bis j? Uhr. Nitt- woch» unÄ Jrrifogs von 9 bis 19 Uhr, Sonnabends bis 13 Uhr. 5. Sims Friedrich« dein. üteitsetbcctetbafeteB, tm Rtcitoa.*■ Nuouii. IBVi 21(jt. in bei aaimstrt. 21, Anbreosfestiale. Togcsorbnuag: 1. Vor, Knst bee Genosse» B. tri spien. Thea»»:.Dikietur ober Temokraii«", Z. Distnfftoa. 3. Stellunnaabme zur ftanbidaienaufsielluaa. Ter«er, fraab nni> dir Bbteilungsleiier kouuuen un» l«,, Uhr bortielbft zusammen. Heule, Diensiag. 5. August: 41. Abi. IZIi Uhr im ssriefenfchiöbÄen. ifriesenstr. 14, Mialiederneriaarw. iuna. Vortraq;.flarnpi bei Soztalbetnoftotie gceea Diktatur". Iieierent fttanz ftiinßlet. 47. Bit. Unser fflea" kann sofort aorn Genossen S. Mazanke abaefioff werben. 52. Bbt. ttboeloltenBaeq. 20 Uhr bei flofike, 5,aiserin,Uuausla.AIlae 31 snicht bei Babe, Kaiserin, Zluausta.Allee 52), Mitaiiederoersammlung. SRcfoient Smil Vartb. 12«. Abt. Zriedrichsielbe. A Übt bei Schwarz. ffaprioioDee 104, FunktionSr. Otzung.— Mittwoch, 6. Bufluft, 20 Uhr, in Wiehes Sesellschaftshous. Wishelmstr. SS. Ritpslederversammluna. Mitgliederversammlungen und Zahlabende morgen. Mittwoch, ö. August, in den nachstehenden Lokalen. Thema in allen Versammlungen.- »Kampf der Sozialdemokratie gegen Diktatur.-' 1. Abt. 19.4 Uhr Hacheschrn Hof. Rosenthaler Str.<0/41. Referent gran, KlOhs. 2. Abt. 1S>4 Uhr Ohnounach. Stommanbaatenstr. 3«. Referent shelir llinke. 5. Abt. 194 Uhr im großen Saal des Setverkschaftshauses. Sngeiufcr 24,25. Referentin Paula Knrgah. 4. Abt, 194 Uhr Ianh. Wallnerthea iorstr. 34. Referent Geora Raible. 5. Abt. 194 Uhr Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11 12. Referent Robert Nrouer. 4. Abt. 20 Uhr Hoffmann, fsestsale. Schwedter Str. 23. Reichstagowahl. Wahl der Delcaierten. 7. Abt. 194 Uhr Isriedrichstadt-Tasmo, vhausseeflr. 123. Referent Adolph Hoffmann, M. d. L. Die Funktionäre werden aebeten, einzulaben. 3. Abt. 194 Uhr?!ationalhof, Bülowstr. 27. Referent Hermann Wo 9. Abt. 194 Uhr Birken., elt.«ekenstr. 1. Referent Karl Weiner. z.______ 1«. Abt. 194 Uhe Moabiter Bierhallen, Kirchstr. 13. Reiercnr Sbuard Zachert. M. b. L. 9.«bi. 194 Uhr Birken., elt, Birkenftr. 1. Referent Karl«einer. M. d. L. 1«. Abt. 194 ZachWWWW» 11. Abt. 194 Uhr Berger, Leoehowstr. 21, Sdt Iagowftraße. Referent Dr. Gerhard Lüchow. II. Abt. 194 Uhr Lokal Rachtiaall, Beusselfle. 32. Referent Bernhard Gbrina. 1Z. Abt. 194 Uhr Arminiushallen. Bremer Str. 72,73. Referent Dr. Leffmann. 15. Abt. 194 Uhr Lokal Sdunrd Müsch lSngelhardt.Ausschank), Brunnen. straße 140. Referent Max fsechner. M. d. L. 1». Abt. Srtrozahlobend in solaenden Lakaien: Bezirk 305 303 bei Hennia, Panks! raße. Bezirk 809/810 bei Schrcpcl, Grilnthoter Str. 13. Bezirk 311 bei Prondzinski, Griinthaler Str. 6. Bezirk 812 hei Schulz, Stettiner Straße 52. Bezirk 813,319 bei Gottschaik, Grilntbaler Str. 14. Bezirk 315/819 bei Martin, llbriftiania., Ecke Wriezener Straße. Bezirk 814, 317. 313 bei Echuchhardt. Ehristianiastr. 119. Bezirk 320 bei Sirksen, Prinzenallee 57. Wegen ber wichtigen Tagesardnung müssen alle Mit. glieder erscheinen. 29. Abt. 194 Uhr Wende, Koloniestr. 147. Referent Dr. Kelmuth Kloß. 21. Abt. 20 Uhr.ßahlabende in den bekannten Lokalen. Borher um 19 Uhr Bezirlssübrerbesprechnna in der Geichüftsstelle, Utrechter Str. 21. 23. Abt. 194 Uhr im„Eteinocker", Müllerftraße, Ecke Seeftraße. Referent Karl Dressrl. 25. Abt. 194 Uhr im Neinen Saal de» Saalbau fairdrichshain. Am ffricdrich», hain 19—23. Referent Stadtrat Wilhelm Reimann. 24. Abt. 194 Uhr Hofsmann» lseslsüle. Schwedter Str. 23. Referent Dr. Ernst ssalck. 28. Abt. 194 Uhr Borolina.gestsäle, Schönhauser Allee 28. Referent Hans Iaduezynski. ?9. Abt. 194 Uhr Aliershoim. Danziaor Str. 92.' Referent Wilhelm idrick. 39. Abt 194 Übe.Eastno>?3estsale". Pappelallee 15. Reserent Dr. Albert Brobbeck. 31. Abt. 20 Uhr Schulaula SchSnfließer Siroßo 7. Taaesoibaung:.Der Kampf ber Sozialbemokratie gegen den deutschen lhafchismu»*. Referent Genosse Mader bolz. 33. Abt. 194 Uhr Schulaula. Kohenlodestr. 10. Referent Alfred ltlatou. 34. Abt. 194 Uhr Kuvvrot» sseftsstle. frankfurter Allee 3. Referent Paul Bernstein. 35. Abt. 194 Uhr Schulze. Samaeiterstr. 38. Elellunanahm« zur Kandidaten, aufstellung. 39. Abt. 194 Uhr Schulaula. Straßmannstr. 9. Referent Paul Kivpel. 37. Abt. 194 Uhr Pabenhoier. Brauerei. Landsberger Allee?4.'Z7. Refeeent Friedrich Schlegel..Borwärtb'-Lesee und freunde der SPD. stnd ein, geladen. 38. Abt. 194 Übe bei Heinrich. Groß« frankfurter Str. 39. Referent Hein, eich Ldfiler. 39. Abt. 194 Uhr Bougewerkohaus. Großbeerenstr. 98. Referent Rektor Wolter fifcher. Delegiertenwahlen. 42. Abt.>94 Uhr Klein» feftsale. Blücherstr. 91. Referent Alfred Domdep. 43. Abt. 191» Uhr bei Robe, fichtestr. 29 Referent Ernst Reumann. 44. Abt. 194 Uhr Schuloulo, Mariannen ftr. 47. Referent August Riemann. 45. Abt. 19 Uhr Schule ssorftee Straße. Tagesordnung: Stellunznaiune»ur Kandldotenaufstcllunz und Wahl ber Bezirkstazsdelegiertrn. Erscheinen ist Pflicht. 47. Abt. 194 Uhr Sewerhschaftohau», Saal 1, Engelufer 84—26. Referent: Emil Barth. Eharlottenburg. 31 Abt. 80 Uhr im Wohliahrtofaal, Kdirigin-Ekifabetli�tr. 9. Referent Ernst Rüben.—»3. Abi. 20 Uhe im Lokal Last, ,.Su:n Nußbaum". Plöaeniec. Straße 12 am Berbindungskanal. Rcierenlin Stadt, nerordncte Dr. Köte frankenthal. Stellungnabme»ur Kandidatenauf- ssellung.— 33. Abt. 20 Uhr Reimer. Wilmersdarfer Str. 21. Referent August Gebert.— 57. Abt. 194 IXbr Arndt. Kantstr. 51. Referent Pfarrer Bl'ii-r.- 33. Abt. 20 Ud' Ran.'ehaus. Rankeiir. 4». 15. Referent Dr. Mar Wolif. Untere Wablarbeit. 90 Abl. Enaadau. 20 llbr bei Bauer. Pichelsdorier Str. 38. Referent Max Hendemann. 37 Abt. Grunewald. 20 Uhr Lokal Wurzbachcr. Bahnholsrcstaurant. 98. Abt. Kalenfee. 20 Uhr Sandmann. Westfälische Sie. 42. Referent Dr. Mar Schütte. Wilmerodori. 71. Abt. 194 Uhr kleiner Saal des Lokals Piktoriagorten. Wilhelmsaue 114,115. Referent llohannes Gott.— 72. Abt. 20 Uhr Rolenou. Barzincr Str. Ecke Laubocher Str. Referent Heinrich slakubowiez. 73. Abt. Schwaegendoef. 20 Uhr Dcutiches Haus. Breite Str. 34. ausnahm», weise Abteilungsoeesammlung. 74b. Abt..llehlendorf.Süb. 20 Uhr hei Stockmann. Machnower Str. 2. Referent Dr. Mener.Brodniß. 79. Abt. Dablem. 20 Uhr Schillina. Konigin-Luile-Str. 42. Reterentin Elnira Krüger. Schineberg. 77. Abt. 20 Uhr Lokal Will. Martin-Luther-Str. 39. Tagesardnuna: 1. Borlraa»Der Kampi de: Sozialdemokratie um die Macht". Referent Genosse De. ff. Eroner. 3. Stellungnahme zu den Reichstagskandidaten. 3. Wahlen der Delegierten zum Kreis, und außerordentlichen Bezirks. Parteitag. 4. Abteilungsongelegenheitcn und Verschiedenes.— 78. Abt. 20 Uhr bei Tbiele. Edersltr. 13. Referent Wilhelm ffriedel.— 7». Abt. 194 Uhr Picadilli. Ebersstr. 80a. Referent Emil Dlltmer. Wahl der Dele- alerten zum Kreispertretertag. 13. August fallen die Kadiabende«US.— 79a Abt. 20 Uhr Lokal Ignatius. Ledigenheim. Referent Genosse Ioochim. Anschließend Delegiertenwahl. Mitgliedsbücher find mitzubringen.— 80. Abt. AI Uhr-KelmhoIß'Snmnasiuni. Rubensftraße. Referent: Prof. D, nicke. 31. Abt. ffeiedenoa. 20 llbr Gesellschaftszimmer Rathaus ffriedenau. Am Lautervlaß. Referent Mar Pottlißer. 82. Abt. Steglih. 20 Uhr bei Schellbake. Ahornstr. 15a. Referent ffranz Künstler. Kinderfreundeabend am Dienstag fällt au». Kinder treffen sich im Parkrestaurant.Eüdende. sKonsumveronstaltung.) 83. Abt. Lichtcrselde. 20 Uhr bei Lchillina. Lichterielder ffestsäle. Keblendoefct Straße 5/6. Referent Dr. Herbert Weichmann. Parteiangelegenbeiten. Ber» schied enes. 84. Abt. Lautwiß. 20 Uhr Lehmann. Kailer-Wilhelm-Ste. 29 31. Referent Leo Steruberg. Besprechung der Wahlarbeiten. 85. Abt. Temvekhos. 19)» Uhr Witglicdernerlammlung im Birkenwäldchen, Manieufselstr. tan ber Bosestr.l. Reserent Mar Westvhal. Ausstellung der Kandidaten zum Reichstag und Wohl der Delegierten zum Bezirksparteitag. 89. Abt. Marieadoel. 20 Ubr Lokal Mali. Ehausseestr. ZOZ. Referent Mar Villmeister. 88. Abt. Lichtenrade. 194 Uhr Schule Roonste Mitgliedeeaersammlung. Reukälla. 99 Abt. 194 Uhr Aula der Knahenmrttelschule. Donaustr. 120. Res. Dr. Richard Mzschler.— 91. Abt. 194 Uhr Lokal Boraschloßhähe. Karls- garlenstraße 9— 11. Referent Hermann Harnisch. M. d. L.— 94. Abi. 194 Uhr Zahlabende: Bezirk 40, 69: Lokal Kuhfeld. Lichtenrader Str. 56. Beziek 42. 66: Lokal Lenk. Eelchowerstr. 8. Bezirk 70, 93, 96: Lakai Cell, Schillerpeomenade 11. Bezirk 67, 68: Mllnker, Schlllervromenade 39. Be. zirk 71, 94, 95: Lokal Schräder, Steinmeßstr. 52. Zlezirk 97. 93: Lokal Kwella. Ok-rstr. 15.- 95. Abt. 194 Uhr Lokal ffriedersdarf. Iäg-rstr. 3. Referent: Wilhelm Landa. Abtellungsangelegenheiten. Ohne Mligliedsbuch kein Einlaß.— 96. Abt. 194 Uhr Zlllmer, Rogatstr. 56. Referent Kurt Kießmann.—»8. Abt. 194 Uhr Teich. Knefebeckftr. 135. Referent Biklor Krüger. 160. Abt. Rudow. 194 Uhr Zahlahend bei Loose, Endstation der Straßen. bahnlinie 47. Wichtige Parteiangelegenheiten. 101. Abt. Rudow. 194 Uhr bei George sfrühcr Rcnnbahnlokal). Reserent Kork Litke. 192. Abt. Baumschnlentpeg. 194 Uhr pünktlich Mitgliederpersammlung aller Bezirke bei Borgman». Baumichulcnstraßc, Ecke Kiefholzstraßc. Referent Willa Stcinsops. Unsere Wahlvorheeeitungen. 193. Abt. vbeeichöneweide. 194 Uhr im Bürgcrpark. Weißkopsstraße. Referent Viktor Echiif. l«s. Abt. Adlershof. 194 Ahr Raiskeller. Zismarckftr. 58. Referent Albert Hotlife. 106. Abt. Zohanaisthal. 194 Uhr im Logcnhaus. ffnedrichstr. 9. Refer-nt Genosse Scharlan. 197. Abt. Altglienicke, ffalteaberg. 20 Uhr Iobian. Altalienicke. KSpenicker, Ecke Grünauer Straße. Aufstellung der Reichstagskandidatcn. Unsere Wahlarbeiten. Verschiedenes. 108. Abt. Köpenick. 194 Uhr großer Saal des Stadttheaters, ffriedrichstr. 6. Referent Johannes Slclling. Stellungnahme zur Kreisoertreterpeesamm. lung und zum Bezirksparteitag. Wahl der Brzirlstagsdelegiertcn. 119. Abt. Grünau. 20 Uhr Lokal Werner, Kopcnicker Str. 125. Rcferenl Wilhelm Tietgens. III. Abt. Bohnsdorf. 20 Uhr Zahlahend Lokal Heimann, Walteesdorker Straße IM. Lichteabeeg. 119. Abi. 194 Uhr im Arbeilsamt, Schreiberhauer Straße. Rrfe- rent Erich Kuttner, M. d. L.— 117. Abt 194 Ubr in der Turnhalle der Schule. Lückstraß-! Referentin Margarete Echenkalowskn.— 118. Abt. 19 Uhr Schulaula. Steafriedssraße. Referent ffriedrich Bartels, Landtag». prästdcnt.— 119. Abt. 194 Uhr bei Schade, Rnschestroße. Eck« Ror- mannenstraße. Referent Günther Joachim. 122. Abt. Biesdorf. 20 Uhr Poroth. Marzahner Str.?! Aussprache zur Wahl. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. 123. Abt. Kaulsdoes. 20 Uhr im Echüfeenhau». Hönower Str. 5. Referent Hanns H. K-unm. 124. Abt. Wahledorf. 20 Uhr bei Ander». Bahnhokstr. 37. wichtige ffunkttonäe. ssßung. Die gewählten Krejsvertrrfer müssen ebenfalls erscheinen. 123. Abt. Weißensee. 20 Uhr Lokal.Zum Pferdemarft". Echänstr. 11. Reforeniin SRorif Kunert.-•___ 15t. Abt. SiebetfchbahoBiea. 20 Ahr Lokal Sanssouci, Ziotdevd. Sgifer-Dtlbelw- Straß« 94, Referent Stadt». Paul Rabinson. 134. Ab». Blonkenbueg. 20 llbr Klua. Dortttr. 2. Reteeent Hann» Rükel. 135. Abt. Bnchholz. 20 Uhr Rossack. Kauvtstr. 71. Zahlabend. 134. Abt. Buch. 20 Uhr GBofctt, Am Bgbnbof. Referent Gottkieb Rees«. 135. Abt. Karow. 20 Uhr Zahlabend Lokal„Zum Pankaras'.n". Pankarakenstr. 137. Abt. Reiuickeabaet-Sest. 40 Uhr Bollsbau». Schornweberitt. 114. ffunk- tionarssfeung. 138. Abt. Herwsborf. 20 Ubr Okrent. Bahnhofftr. Ecke Berliner Str. Reserent Otto»äkel. 139. Abt. Tegel. 20 Uhr Alter Krua. Kauvtstr. 14 Referent Dr. A. Bergmann. 140. Abt. Borsigwalbe. 194 Uhr Voitschach. Ernststr. 1. Referent Gusta» ffuß. 149« Abt. Wittenau. Wittwach. 9. Auautt. 20 Übe, bei Heese. Wittenau-Krem, mener Bahnhaf. Berliner Sir. 73. Mitgliederveriammlung. Bortrog Genosse Dr. Kahn»ffreund über:„ffaichismus und Sozialdemokratie"..Baswärt»"- Leser und Svmvaihisterende als Gäste gern geichen. Stellungnahme zum Bezirksparicitaa und zu den Wahlen. Vorher, 104 Uhr. ebenda Besprechung mit den Abteilungsfunktionärcn. Vollzähliges Erscheinen, besonder» dee Bezirkzführer. sehr erwünscht. 14,3. Abt. Waibmanoslast. 30 Uhr Jarius. Referent ffrife Olk. Die Bezirks- füchrer laden ein. vonnsrskay. 7. ilugufl: W. Abt 70 Ubr Mitglii'dervyrsammlung in �er Kottbuss«?r KIa'.''e, Sürkner.str 13—14. Vortrag:.�amvf bor L4»zialdcmokratie gegen Diktatur. Neirrent: Kurt Hein�g. � i.. US. Vbt. Lichtrnb-rq. 1?-.� Uhr Kronpnnzenftr. 4.. MttHliebervk.. sanrmlung. Vortrag: der Eozialbemskratir gegen Dtktatur. Refc. rent: Gottlieb Reese. Arauenvcranslaltungen. >94. Abt. Riedeeschöneweide. Heute, Dienstag. 5. August Mvtsrbaotiohet nach dem K-llse: H.n- und Rückmhrt 30 Pf. Abkahrt 9 Uhr POM Restaurant .Knikhäuser". Billett» bei Tgmalla. Berliner Ste. 38. bei SosowSk». «tiinai)« Sir. 8 und bei allen ffunktionärinnen 117. Abt. Lichten beog. Montag. 11 August, Dampferfahrt nach Pneebs. Ab tag' t 74 Uhr Bootswerft„Lübeck", Lichtenberg. Hauplstr. I. Hin, und Rüch'-hc: 1 Mark. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 7. Kreis«haelotterdseg. fftestag. 8. August. 20 Uhr. im Rathaus. S- 8, Velvrechung der Winterarbcit fKursus) und Vortrag de? Genossen VeiHer Über das Reichsfürsorgegefed. Vollzähliges Erscheinen erforderlich. Iungsozialisten Groh-Bertin. Reieeenteokurin« Ppttlifee' heule,»nottlich 20 Uhr. in der Gaststätte de- Arbeiter. Abstinenten. Baabe». Skol'feee Str. 9. Wie bitten alle Te-lnehmer um oollzählige» Eescheiaea. �. fflilazersboef. Heute. 20 Uhr. ffunktionarssfeung. zu der all- Miigl-.eber ein» geladen find. Treffpunkt vor dem Jugendheim Wilhelmsaue 124. Gruppe Teutpelhof-Raeieadorf. Im Jugendheim, Lmeum Tempelhok. Ger- maniastr. 4— 6(Eingang von der Göfestraßel. heute, 20 Uhr, Vortrag:.. /e Berechtigung der Opposition". Referent: Gregor Bienstock. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde. Arenzberq. Die Gruppen Kottbusser Tor. Görliher Straße und Wrqnael- straße treffen sich am Mittwoch, dem 6. August. 8 Uhr, GLrliher Vahnhof. Wir gehen zum Zoologischen Garten. 80 Pf. Fahrgeld sind miUnbringnu ÄMif Wrdding Alles Zeltlagermatkrial ist in der ,.Porwarts".Spsd l?on. Utrecdrer Straße, abzugeben. Der Genosse Kraus« ist van 14 bis 18 Uhr dort anwesend.— Gruppe Schillerpart. Freitag. 8. August, findet wieder umrr Turn» und Spielabend in der Turnhalle, Lüttichor Straße, stat�.— Gruppe Gcsundbrunnc». Note Falken. Unser erster Gruppenabend fiikbet am 11. August im Jugendheim Gotenburger Str. 2 statt tVersassungsfeier).!vür die Iung�alkcn ebenda am Dienstag, dem 12. August. Donner�ag. 11. August, grmeinf-j.a Itcher Turnabend in der Turnhalle. Mittwoch und Freitag spielen w.r n Humboldthain von 18 bis 20 Uhr Tewpclbof. Ncstfalkengruppe. Zusannnenkunkt im Heim Germaniastraße. Ein- gang Gößftraße). von 1? bis 17 Uhr. Di« Jung, und Noten Tal?en trcf''N sich von 17 bis 19 Uhr im Heim. Geburtstage, Inbilaen usw. Zossen. Uascem Genossen Stodtveeordnetea Otto Schmitt and seiner Gattin die heeglichstea«lSckachaiche zae Stlbcenea Hochgeit. Der Bsestand. «Sterbetafel der Groß- berliner Partei- Organisation 35. Abt. Räch langem Seiden nerstarh unser Genosse Mar Richter. Ehre seinem Andenken. Die Beisetzung hat bereits stattgefunden. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verllo (itniabiaiaea für diese jtntril am«a bae Jogendfetretockat. Aeetia 62B 68. Ilabeaffrabe 3 Etecichoechestee Sroß-Beelia: Heute Pfüchiprobe um 18 Uhr im Hei« S:e> Ecke Tueiuer Straße, nur für 1., 2. und 3. Bioline. Abteilungsmitgliederversammlungen heule. 19'- Uhr: Rosenlhalee Borstadt: Heim Elisabeihkiechstr. 19.— Zeateaw: Heim Lands- heeger Str. 50.— Gcsanbbeanaea I: schule Gatenburgee Str. 2.— Hinaboldt- Haast: Heim Putbussee Str. 3.— Leopoldplotz: schule Uteechter Ecke Turiner Straße— Roebea: Heim Lortziira. Ecke Graunstroße.— Bedding lR.-ff.): Heim Lütticher Str. 4. 2. Hof.— Wedding-Rord: Anm Turiner Ecke Seestraße. . Aensinaldee Blaß T: Heim Rastenburger Str. 16.— Helmhotfeplofe; Heim Danziger Stt 62.— Haienhoide: Hcim Wassertorste. 9.— Süden! Heim fterck- straße N.— Scheaebcig l: Heim Hauptssr. 15.— Schöaeberq fll; Heim Hauptstraße 13.—«cheetaliciibaefl; Heim Rofinenftr. 4. Westend(Acltere); He-.m auf dem Spaetptatz.— Wöethee Platz: Schule Kaftanieuallee 82..Publikum und Paliz-t."— Kiealouee Bieetel: ffunktionarsstzuna heim Gelwssen Schippe, Wühlifchste. 85.— AeukSIn 1: Heim Sander. Ecke Hobrechtstraße.— Re»- fclln II: Heim Bergstr. 29- Reukölla VII: Kgel.Marx-SchuIe.— RenkIva IV: Heim Kannre Straße(nicht Schierkestroßel.— Scutblln 3 III: Schute Rütli. straße— Köpenick. Gruppe l:. Heim Grünapee Str. 5.— Köpenick. Gruppe TT: Heim Tahlwitzee®)n. 8.— Pankow I»ab II: Heim Gbrichitr 14. �Zom Kaller- reich zur Republik."— Kielsboest: Heim Zreeckowallee..Sexuelle ff ragen.. Tl. Teil.— Henmobaof: Heim Rnanktraße.— Relnickeaboef.vft: Heim Lindaurr Straße.— Vitteaa»: Heim Rosenthaler Str. 15.— Sch-lleepael: Schule Schö- ningstr. 7. » SollaUcher PaÄ: Heim Waisenstr. 18.„Polnischer Reichstag."— Deaatc», bürget Tor: Heim Titckstr. 18. Bericht VON Kopenhagen.— Beanneaplatz: Schule Pank- Ecke W:esenstraße. Anli-Kriegsabend.— Aeaimplatz: Schule äor.ncnburger Str. 20. Anti-Kriegsseier.— Raedosten I: Heim Danziger Str. 62. ..Warum freie Gewerkschaften?"— Weißersee: Heim Parkstr. 86...Erziehung-- Methoden."— Südwesten: Heim Lindenstr. 4.„Rechte und Pflichten dee ffunl- tionäre."— Schöaeberq V: Heim Hauptstr. 15. Schallplattenabend.— Steglitz: Heimabend fällt ou». Teesfen im Parkrestaurant Slldende lKansumvergnslaltungi — Britz: Heim Ehausseestr. 48.„Sozialistische Jugendorganisationen."— Ren- kölla III: Heim Ziethenstr. 58.„Die seelische Rot der Gefangenen."— Reukölla Vi Böhmische Str. 1—4.„Arheiterlchast und Beesalsung." S2S. Pankow: Seim Kifssngenstr. 48. Besprechung drr Echillerreaue. Weebebeziek Kreuzbeeg: 20 Uhr Werbebezirksvorssandssitzvng im Heim Linden. straße 4.