BERLIN Dienstag 5. August 1930 10 Pf. Nr. 362 B 150 42. Jahrgang erfcheknttSsNch avsterGouutass. Zugleich Abeudausgabe des.Vorwärts'. Bejugsprei« beide Ausgaben SSPf. pro Woche, Z.soM. pro Monat. Redaktion und Expedition-, Berlin SWes.Lindenßr.s SficUaatyaße xki Anteigenprels: Die einspaltige Nonpareilleteile «0 Pf., Reklamqeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwürts-Vcrlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37236. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Preisabbau durch Vernunft? Die Michsregierung appelliert an die„Einficht der Wirtschaft." >/ Der Reichs wirtfchafloral ist heute auf Ersuchen des Reichswirtschastsministeriums zusammengetreten, um über das Kartellproblcm und die Kartellpreise zu beraten. Staatssekretär Trendelenburg wies bei Beginn der Der- Handlungen auf die Notwendigkeit beschleunigter Mahnahmen aus dem Kartellgebiet hin. Das AuseinanderNasfen der Preisschere bei den landwirtschaftlichen Produkten und den industriellen Roh- stossen auf der einen, sowie den industriellen Fertigwaren aus der anderen Seite sei eine wesentliche Ursache für die in der ganzen Welt herrschende Arbeitslosigkeit. Di« Reichsregierung sei entschlossen, dafür zu sorgen, daß das Arbeitsbefchaffungsprogramm zu einem Einbruch in dos bisherige Preisfystem führe. Dos Reichswirtfchoftsministerium habe in dieser Beziehung bereits Schritte unternommen. Sodann erklärte Staats. fekretär Trendelenburg, daß es notwendig s«i, Hemmungen auf dem Preisgebiete, die der wirtschaftlichen Wiederbelebung im Wege ständen, zu beseitigen. Im Mittelpunkt dieser Frage stehe das Problgch der Kartellpreise. Die Regierung sei durch die Rot- Verordnung des Reichspräsidenten in die Loge versetzt, Kartellpreise, die die wirtschaftliche Entwicklung stören, aufzuheben. Schließlich meinte Trenhelenburg, daß ein nachhaltiger Erfolg der Bemühungen der Reichsregierung erst dann gewährleistet sei, wenn die beteiligten Wirtschaftskreise von ihr vertrauensvoll'zu- sammenorbeiten und den festen Willen zeigten, die Lebensnotwenüig- keit der deutschen Volkswirtschaft hinter die Interessen von einzelnen zu fetzen. » Wenn die Regierung„von der Einsicht der betreffenden Wirt» fchaftskreise* den Erfolg ihrer Preisfenkungsaktion abhängig macht, dann kann man den Versuch jetzt schon als gescheitert ansehen. Freiwillig hat das Privatkapital noch nie eine Monopol- stelluirg im Interesse des wirtschastlichen Gemeinwohls geräumt. Hierzu kann es nur durch Eingriffe des Staates gezwungen werden. Geschenke für Arbeiislose. Kürzung an allen Enden. wir geben hier eine vorläufige Uebersicht der Bescherung. die die„Notverordnung" der Regierung Brüning den Rotleidenden bereitete, nämlich den Erwerbslosen. In Zukunft werden alle Arbeitnehmer, die nicht mehr als 30 Stunden in der Woche arbeiten oder wöchentlich weniger als 10 Mark(monatlich unter 45 Mark) oerdienen, keinen An- spruch mehr auf Arbeitslosenunterstützung haben, da dies« Beschäfti- gung wegen ihrer Geringfügigkeit versicherungsfrei bleibt. Die bisherige Grenze war 24 Stunden, 8 Mark und 43 Mark. Praktisch wird hierdurch fast die Kinze Heimindustrie betroffen werden. Versicherungsfrei ist ferner in Zukunft die Beschäftigung eines Hilfsbedürftigen im Rahmen der Avbeitsfürforg«. Di« Kommunen werden also nicht mehr die Möglichkeit haben, durch Zuweisung von Arbeit auf die Dauer der Antwartschaftszeit den Etat durch Versicherungsbezug des Arbeitslosen zu entlasten. Ausnahmen bilden hier allerdings d i e Arbeitsfürsorgearbeiten, die nach Tariflohn bezahlt und bei mehr als 32stündiger wöchentlicher Arbeit gemacht werden. Arbeitslose unter 17 Iahren erhalten von jetzt ab nur noch' Unterstützung, soweit sie keinen familienrechtlichen Unterhalts- anspruch haben. Der Begriff arbeitslos ist dahin beschränkt worden, daß man Arbeitslosen billigerweise zumuten soll, in den vorhandenen Betrieben Verwandter mitzuarbeiten,„wenn die Beteiligten in häuslicher Gemeinschaft miteinander leben'. Die Sperrfrist bei Arbeitsaufgabe oder bei selbst- verschuldeter fristloser Entlassung ist von 4 und 8 Wochen auf 6 und 12 Wochen erhöht worden. Die auf Grund einer noch nicht erfüllten Anwartschaftszeit gc» zahlt« Krisenunter st ützung muß in Zukunft auf die Arbeits- lofenunterstützung, die später nach Erreichung der Anwartschastszeit gezahlt wird, angerechnet werden. Die Höhe des Arbeitsentgeltes bestimmt jetzt nicht mehr allein die Höhe der Unterstützung, sondern maßgeblich ist in Zukunft dafür auch die Dauer der Beschäftigung. Wer in den letzten IS Monaten nicht mindesten» 12 Monate gearbeitet hat. bekommt nicht mehr al» ein bisheriger krisenunterstützungsbezieher. Da bei der heutigen Wirtschaftslage kaum jemand ununterbrochen 12 Monate Arbeit nachweisen kann, bedeutet das, daß fast olle Arbeitslosen in Zukunft 2 bis 4 Mark wöchentlich weniger erhalten als bisher. Beziehen Ehegatten zugleich Unterstützung, muß jetzt die nie- drigere um die Hälfte gekürzt werden, ohne Rücksicht auf die eingezahlten Versicherungsbeiträge, die von beiden gezahlt worden sind. Die Wartezeit ist verlängert worden. 14 Tag« haben alle Ar- beitslosen ohne zuschlogsb«rechtigte Angehörige, 7 Tage mit 1, 2 und 3 Angehörigen, 3 Tage Arbeitslose mit 4 und mehr Zuschlags- berechtigten. Völlig fällt der Versicherungscharakter der Arbeitslosenoersiche- rung dadurch, daß die Unterstützung eines Ehegatten um soviel gekürzt werden muß, wie der andere Ehegatte über 35 Mark die Woche verdient. Das ist die verkappte Wiedereinführung der Be- dürftigkeitsprüfung der Erwerbslosenunterstützung. Die Anrechnung unterbleibt, wenn dem Arbeitslosen Familienzuschläge für 2 oder mehr Angehörige zustehen. Das sind im großen und ganzen die Verschlechterungen, die die Regierung Brüning als Schlußstrich ihrer Tätigkeit den Arbeitslosen schenkte, lieber 100 Millionen will man durch diese Kürzung der Bezüge der Arbeitslosen für den Staat sparen. Hauseinsturzkatastrophe. Ursache Explosion in einer Autogarage.— Zwei Tote. Karlsruhe, 5. Augost. 3n der letzten Rächt wurde ein Haus, in dem sich eine Fahr- schule und Reparaturwerkstätten befinden, durch eine furchtbare Explosion, die vermutlich durch die Entzündung von Benzingasen hervorgerusen wurde, völlig in Schutt und Asche gelegt. Die Wucht der Erplosion war so stark, daß das Haus vollständig auseinanderbarsl. Mehrere Kraftwagen und sonstige Gegenstände wurden in wildem Ehaos umhcrgeschleudert. Soweit bisher seslsleht, kamen zwei Menschen ums Leben. Ein Ehepaar, das von einer Veranstaltung zurückkehrte, wurde von der vorderwand des Hauses erschlagen. il- Menden Neuwahlen hat der Generalsekretär des Völkerbundes vor einigen Monaten mit den anderen auch die deutsche nationale Gruppe gebeten, ihre Kandidaten bekannt zu geben. Traditionsgemäß nennt jede Gruppe nicht vier Angehörige der eigenen Nation, sondern nur zwei, und schlägt daneben zwei Angehörige anderer Nationen vor. So findet eine Art Vorwahl durch die Juristen aller Länder stall: die am meisten genannten Kandidaten sind die Favoriten, die dis meiste Aussicht haben, von Dölkerbundsversammlung und Völker- buttdsrat in getrennten, gleichzeitgen und geheimen Abstimmungen gewählt zu werden. Die ausländischen Kandidaten. Die deutsche Gruppe hat an Ausländern den Franzoferl Fromageot und den Schweizer Huber vorgeschlagen. H u b e r ist seit Anfang an Haager Richter. Er ist der Verfasser eines bedeutenden, in der Völkerrechtswifsenschast der Vorkriegszeit deutscher Sprache einzig dastehenden Wertes über die„Soziologischen Grundlagen des Völkerrechts", dessen kürzliche Neuauflage in der „Sozialistischen Bildung" eingehend gewürdigt wurde. Seine Wiederwohl ist sicher, nicht nur seiner Persönlichkeit wegen, sondern auch, weil die Schweiz sich vom Völkerbundsrat dauernd fernhält und zum Ersatz dafür die inoffizielle Zusicherung erhalten hat, daß sie im Weltgerichtshof vertreten sein soll. Fromageot ist vor einem Jahre, als Nachfolger seines verstorbenen Landsmannes Weiß, in den Gerichtshof gewählt worden. Er war bis dahin Rechtsberater des französischen Auswärtigen Amtes gewesen und hat sich mit semen engeren Kollegen C e c i l H u r st und Gau» die bekannten Verdienste um die Formulierung der großen Vertragswerke �>er Nachkriegszeit— Locarno, Dawes-Plan, Poung- Plan— erworben. Seine Wahl für die nächsten neun Jahre ist ebenfalls sicher. Kriege. Di« beiden deutschen Kandidaten sind Kriege und Schücking. Kriege ist der aus der Konfulatskarriere hervor� % Verhandlungen mit dem Zentrum. Eine authentische Keststellung. Genosse Rudois Breitscheid schreibt uns: Di«„Kölnische Volkszeitung" gibt jetzt ein« Darstellung von den„Verhandlungen", die der Zentrumsabgeordnete Esser mit mir am IS. Juli unmittelbar vor dem Beginn der zweiten Lesung der Deckungsvoe-logen geführt hat. Esser, so heißt es da, Hab« zunächst sondiert, ob mit Rücksicht aus ein späteres Wieder- zusammenarbeiten die Sozialdemokratie sich entschließen könne, durch Lockerung des Fraktionszwanges eine wenn auch knappe Mehrheit der Regierung zu ermöglichen. Ich aber habe diese Lösung, die wirk- lich staatspolitischen Sinn besessen hätte, rundweg abgelehnt. Diese Angaben sind richtig, nur mit der Einschränkung, daß Herr Esser dieselbe Frage, ob es nicht möglich sei, einen Teil der Fraktion„abzukommandieren", bereits mehrfach an den vorhergehenden Tagen gestellt hatte, und daß sie jedesmal von mir mit einem glatten Nein beantwortet lyar Nun fügt aber die„Kölnische Volkszeitung" hinzu, es sei be- kannt, daß eine große Anzahl von sozialdemokratischen Abg«ord> neten zu einem solchen Manöver'bereit gewesen wären. Eine solche Behauptung kann sich im besten Fall auf Couloirgeschwätz stützen, denn niemals ist in den Kreisen der Fraktion eine derartige Idee aufgetaucht. Keiner der Kollegen würde töricht g«nug gewesen sem, eine so absolut unmöglich« Anregung zu geben. Di«„Kölnisch� Bolkszeitung" beruft sich darauf, daß bei der Abftinnnung über das Vertrauensvotum für die Regierung Müller am 13. Dezember 1923 die Sozialdemokratie keinen Fraktionszwang geübt, sondern nicht weniger als 28 Fraktionsmitgliedern gestattet habe, nicht für den eigenen Kanzler zu stimmen. Dieses Beispiel hätte im Juli nachgeahint werden können. In Wirklichkeit ist die alte Uebung der sozialdemokratischen Fraktion die, daß sie es dechenigen ihrer Mitglieder, die aus Ge- Wissensbedenken dem Willen der Mehrhest nicht entsprechen zu können glauben, das Fernbleiben von einer Abstimmung freistellt. Nach diesem Gebrauch ist im Dezember sowohl wie im Juli ver- fahren worden. Unter den 28 Mitgliedern, die im Dezember fehlten, war«ine große Anzahl wegen Krankheit entschuldigt. Wenn einige mit Absicht der'Abstimmung ferngeblieben sind, so ist das vom Standpunkt der Fraktion aus zu bedauern, beweist ober nichts für eine unterschiedliche Behandlung des Fraktionszwanges im Dezember und im Juli. Tatsächlich hat mir Herr Esser am Mittag des 15. Juli auch die Frage vorgelegt, ob wir uns ebenso wie im Ausschuß bei der Abstimmung über den Artikel 1 der Deckungsvorlagen der Stimme enthalten würden. Er führe sein« Besprechung mit mir imEinverständnis mit dem Reichskanzler, und wenn infolge unserer Stimmenthaltung der Zlrtikel 1 angenommen werde, so würde man am Abend mit uns weiterredcn. Als ich dem Zentrumssührer erklärte, die Besprechungen zwischen uns beiden seien ja gut und schön, aber sie würden meiner Fraktion nicht genügen, erwiderte er:„Nein, in diesem Fall werden mit Ihnen„verbindliche' Verhandlungen aufgenommen werden." Die Fraktion beschloß dann, bei dem Artekel 1 im Plenum des Reichstags dieselbe Haltung einzunehmen wie im Ausschuß, und wir warteten auf die Einladung zu den„verbind- lichen Verhandlungen". Ich fragte am Nachmittag mehr- fach sowohl bei Herrn Minister Dietrich wie bei Herrn Esser an. wie es stehe. Zunächst antwortete mir Esser, daß der Reichskanzler Brüning uns jederzeit zur Verfügung sei: und erst nachdem ich ihm auseinandergesetzt hatte, daß nicht wir die Initiative zu ergreifen hätten, lud er de» Genossen Hermann Müller und mich am Abend zu ejner Besprechung ein. Wir unterhielten uns zunächst zu dreien, bis später auch der Reichskanzler Brüning hinzukam. Müller und ich legten die bekannten Bedenken gegen die Deckungsvorlagen und die Aenderung der sozialpolitischen Gesetze noch einmal dar, und man ersuchte uns, unsere Wünsch« bis zum folgenden Tag näher zu bezeichnen. Vorerst wolle man noch einmal mit den Regierungsparteien sprechen. Nun est es sehr interessant, was die„Kölnische Dolkszeitung" von dem Verlauf dieser Konferenz der Regierungsparteien sagt. „Wie immer", so heißt es,„war der Führer der Deut- schen Volkspartei am wenig st e» verständigungs- bereit. Er beobachtete«in« mehr als kühle Zurückhaltung. Das einzige Zugeständnis, zu dem er sich verstand, war, daß der Abgc- ordnete Esser die Herren Dr. Breitscheid und Hermann Müller um «in« Erklärung über die Voraussetzungen ersuchen soll«, unter denen die Sozialdemokratie Mir Unterstützung der Reichsregicrung bereit sein würde." Am folgenden Mittag richteten dann Hermann Müller und ich ein Schreiben an den Abgeordneten Esser, das ich später aus der Reichstagstribüne verlas. Es besagte, daß Boraussetzung für fruchtbare Verhandlungen die Bereitwilligkeit der anderen Parteien zum Verzicht auf die Bürgerabgab« sei. Wir kannten diese Bedingung um so eher stellen, als die Bürgerabgabe in der Ursprung- lichen Regierungsvorlage nicht enthalten ge- wesen war, und als sich der Reichsfinanzminister selber höchst skeptisch über«in« solche Steuer geäußert hatte. Auf unseren Brief erhielten wir keine schriftliche Antwort. Nach der„Kölnischen.Volkszeitung" soll Zeitmangel dafür der Grund sein. Tatsächlich hat mir der Abgeordnete Esser unmittelbar vor Beginn der Plenarsitzung auf meine Frage nach dem Stand der Ding« mündlich den ablehnenden Bescheid gegeben, und als ich meine Verwunderung darüber ausdrückte, daß man uns keine schriftliche Antwort zuteil werden lasse, fiel aus seinem Munde das Wort „Wer schriev, der bliev", und er erläuterte diesen Satz noch aus- drücklich dahin, daß es ihm unzweckmäßig erschein«, in diesem Augenblick Schriftliches von sichzu geben. Alles in allem: das Zentrum hat mit uns„Verhandlungen" angeknüpft, als es infolge der Zuspitzung der Ding« für Berhand- lungen schon zu spät war. Herr Scholz war,„wi: immer", am wenigsten verständigung-bereit. Unsere selbstverständliche Ablehnung der Bürgerabgabc, die bekanntlich- damals noch in ihrer rohestern Form präsentiert wurde, nahm man als Anlaß, auf weitere Der- ständigungsbemühungen zu verzichten. gegangen« frühere Leiter der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amte». Er hat im Varkriegsdeutschland insofern, eine Verhängnis- rolle gespielt, als er aus seinem, bloß juristischen Denken heraus, ohne Rücksicht auf Imponderabilien, der an sich schon bescheidenen Schiedsbewegung der damaligen Zeit widerstrebte. Er hat seitdem den Ruf, der juristische Exponent eines auf Zerstörung des Friedens ausgehenden, machtlüsternen Deutschlands gewesen zu sein. Es ist weniger bekannt, daß er aus dem gleichen Völkerrechtsdenken heraus sich unter der Diktatur Ludendorff z. B. gegen U-Bootkrieg und belgisch« Deportation mit einer Entschiedenheit und Zähig- keit aussprach, die über die Grenzen des in seiner amtlichen Stellung unter Militärdiktatur erlaubten oft genug fast hinausging. Kriege ist fetzt preußischer Landtagsabgeordneter der Volkspartei für Pommern. Es ist wenig wahrscheinlich, daß ihn ausländische Richter- gruppcn nominiert haben. Deswegen und wegen seines hohen Alters— er ist iiber 70— kommt seine Wahl nicht in Frage. (Schücking. S ch ll ck i n g ist der Gelehrte von Weltruf. Mit 26 Iahren in Marburg ordentlicher Professor geworden, hat er im Vorkriegs- deutschland als Pazifist einen ebenso zähen wir aussichtslosen Kampf um neues Völkerecht gefochten. Seine Darstellung des alten Haager Schiedsgerichts ist grundlegend für die Auffassung gewesen, daß es den Kern eines„Staatenoerbandes", einer auf gegenseitige Achtung beruhenden friedlichen Völkergemeinschaft darstelle. In Versailles war er deutscher Delegierter der neu gegründeten Republik. Im Reichstag, dem er als demokratischer Abgeordneter angehörte, ist er nicht hervorgetreten, ltoige Jahre verhinderte die Reaktion seine Berufung an einen Lehrstuhl der Berliner Universität. Er war in Berlin nur Professor der Handelshochschule, bi, ihn die Kieler Universität zum Nachfolger Niemeyers ouf den dortigen Lehrstuhl berief: er hat auch die Leitung des dortigen Instituts für Völkerrecht übernommen. Mit Wehberg hat er einen großen Kommentar der Bälkerbundssatzung herausgegeben. Cr ist Mitbegründer der Deut- schen Liga für Völkerbund und mit Löbe, Simons und T u r t i u s ihr Ehrenmitglied. Der jetzt Söjährige Gelehrte ist, da der fast 70jährige Simons kaum in Betracht kommt, die deutsche Persönlichkeit, die aussichts- reich für den Haager Gerichtshof kandidiert. Nur dadurch, daß ein Mann wie Schücking nominiert worden ist, hat Deutschland jetzt die Chance, daß sein Anspruch auf Gleichberechtigung im Internationalen Gerichlshof verwirklicht und damit wieder ein Stück der seit Versailles bestehenden Zurücksetzung beseitigt wird. Bis auf weiteres möchten wir annehmen, daß die ganze deutsche vesfentlichkeil— bis zur Westarp-Gruppe— sich für die Kandidatur des Mannes einsetzt, durch dessen internationales Ansehen die deutsche Geltung in der Welt schon von jeher vermehrt worden ist. Herr Mahraun freilich wird vorerst sich überlegen müssen, auf welchen Personenkreis sich seine Aeußerung über die„internationalen pazisistischen Schwärmer" eigentlich beziehen sollte. Oder sollte etwa dieser Führer der jungen Generation und alte Frontsoldat der Einheitsfront des deutschen Volkes für Schücking in den Rücken sollen wollen? W. Scbw. Wieder Krach im Rachaus? Heutige Zeriensitzung— Kasperletheater der Kommunisten. heule abend lrelen die verliner Stadtverordneten zu einer Feriensitzung zusammen, die. völlig sinnlos und ohne jede Wirtungs- möglichkell, lediglich einberusen werden mußte, weil die Kommunisten mil Unter st ützung der hatenkrruzler die notwendige Stimmen zahl zusammenbckamen, um«ine Sitzung zu erzwingen. Sie glauben nun eine neue Möglichkeit zu haben, ihr partamentstheoter auch In den Ferien zu inszenieren. Die Herren von der Kommunistischen Partei glauben mit dieser Act oon„Arbeit" Eindruck aus die Berliner machen zu können und sehen nicht, daß sie sich und ihre Partei in den Augen der Oesfenttich- keit nur lacherlich machen. Denn die Berliner Bevölkerung ist nicht so dumm, wie die Kommunisten es im Interesse ihrer Politik gerne sehen möchten. Jedermann in Berlin weiß zu genau, daß die Kommunisten nur Theater spielen. Alle ihre Protest- antrage sind nicht ernst gemeint, können nicht ernst gemeint sein, weil di« Stadtverordnetenversammlung gar keine Möglichkeit hat, die Politik der Diktaturregierung auch nur im leisesten zu beeinflussen. Di« Leute um Herrn Lange aber hoffen, wieder einmal die Gelegenheit zum Klamautmachen und zur Diskreditierung des Stadtparlamcnts ausnützen zu müssen. Ob Ihnen ihr Vorhaben allerdings gelingen wird, ist zum mindesten zweifelhaft. Voraussichtlich wird die Sitzung nicht lange dauern. Nach der Geschäftsordnung muß ein Tagesordnungspunkt wieder abgesetzt werden, wenn 25 Abgeordnete der Beratung wrder- sprechen. Es ist anzunehmen, daß die Mehrzahl der Stadtverord- neten«s ablehnen wird, den Kommunisten eine Möglichkeit für ihre Radouszene zu schassen. Es dürfte daher zu einer sehr schnellen „Erledigung" der Tagesordnung kommen. Die sozialdemokratische Rothanefraktion wird voraussichtlich eine Erklärung abgeben, in der vor der Oeffentlichkeit die heuchlerische und scheinheilige Politik der Kommunisten noch einmal bloßgestellt wird. Kampf mit Einbrechern. Ein Pensionsinhaber schwer angeschossen. Emen gefährlichen Kampf mit Einbrechern hatte in der vergangenen NctHt der Inhaber einer Pension in der Fasanen st raße 41 zu bestehen. In dem Haus«, das mit der Ludwigskirchstraße eine Eck« bildet, unterhält der Russe F r a d k i n- T s ch e r n o f f eine größere Pen- sion, die viel von seinen Landsleuten und anderen Ausländern auf- gesucht wird. Das gut eingerichtete Unternehmen erfreut sich des besten Rufes. Die Pension umfaßt drei durchgehende Etagen und zur Zeit sind fast alle Zimmer besetzt. In der vergangenen Nacht kurz vor vier Uhr hörten Mieter des ersten Stockwerkes verdächtige Geräusche aus dem Korridor. Sie merkten auch, daß an den Tür- ichlössern herumprobiert wurde, und riefen um Hilfe. Tschernosf, der seine Privaträume ebenfalls im ersten Stock hat, kam nur leicht bekleidet herausgelaufen und sah sich d r« i f r e m d e n M ä n n e r n gegenüber. Sie»ersuchten, sich hinter Schränken zu decken, Tscheriiojs griff sie sosort an. in der Absicht, sie festzulzalten, bis Polizei benachrichtigt sei. Die Einbrecher seueöten jetzt aus den Pensionsinhaber und verletzten ihn erheblich durch einen Ober- s ch e n k e l s ch u ß. In der Aufregung und dem Durcheinander ge- long es ihnen dann, zu entkommen. Trotz seiner Verwundung Harri« Tschernosf in der Wohnung aus, bis Palizeibeamte zur Stelle waren, Erst dann suchte er das Achenbach-Krankenhaus auf. Das ganze Grundstück wurde noch den Einbrechern abgesucht, sie waren ober nicht mehr zu finden. Das Eintreffen der Polizei, wurde be- sonders dadurch verzögert, daß die Einbrecher auf dem Hofe die Hauptsernspeechleitung zerstört hatten. So konnte von keinem Teil- nehmer im Hause das Ueberfallkommaiido angerufen werden, man mußte ein Telefon in der Nachbarschaft suchen. Dadurch gewannen die Einbrecher graßeu Varjpnmg. Muchi aus der Kommunistischen pariei. Kommunistischer Stodtverordaetenvorsteher tritt zur Goziaidemotratie über. Fraaksurt. 5. August.(Eigenbericht.) Der Vorsitzende der kommunistischen kreislag», und Stadt- verordnelensrattion, Steffens, ist mit seiner Frau am letzte« Sonnabend zur Sozialdemokratischen Partei übergetreten. Am Vorabend des SPD,-Unterbezirkstages nahm Steffens das Wart und erNärte den Delegierten, daß er aus voller Ueberzeugung und freiem Willen zur Sozialdemokratie zurückkehre, der er schon oor dem Kriege angehprt hat. Er war zehn Jahre Mitglied der KPD., in der er an führender Stelle stand, mutzt« aber einsehen, daß die von der ZkPD betrieben« Politik der Arbeiterschaft keinen Nutzen bringt. Angesichts der jetzigen politischen und Wirtschaft- lichen Lage konnte er es nicht länger verantworten, diese Politik mitzumachen. Es gilt jetzt alle Kräfte einzusetzen für die Aufklärung der Arbeiterschaft, die erkennen muß, daß nur die Sozial- demokrotie ihrVertrauen verdient, weil nur diese allein einen wirksamen Kampf gegen die Reaktion führt. Die Erklärung dieses bekannten ehemaligen kommunistischen Führers rief selbstverständlich großes Aufsehen hervor und wurde von den Delegierten mit großem Beifall aufgenommen. Afrikaverhandlungen pons-�om? Neuregelung der Tunis-Eyreneita-Grenzen. Pari». 5. August.(Eigenbericht.) Die sranzösisch-italienischen Verhandlungen über die Grenz- berichtigungen zwischen luni» und Tripoli» sollen offiziell in Gang gekommen sein. Eine italienische Ossiziersmission sei in Tunis eingetroffen, um zusammen mit einer Abteilung französischer Militär- Sachverständigen dos Grenzgebiet zu bereisen und sowohl über die gemeinsame Unterdrückung van llebersällen ausständischer Eingeborener al» auch über gewisse„territoriale Probleme" zu verhandeln. / Wiener Lustizreaktion. Neue Rechtlosigkeit der latholisch Geschiedenen. In Doutschösterreich besteht noch immer der Rechtszusland, daß katholisch getraut« Eheleute noch gerichtlicher Ehetrennung bei Lebzeiten des anderen Gatten nur dann wieder heiraten könpen, wenn der Dispens der Landesregierung erteilt wird. Seit einiger Zeit haben— entsprechend dem Watt Seipel» vom „Wegräumen des revolutionären Schuttes"— Gerichte angefangen, diese Dispensehen für u n g ü l t i g zu erklären. Der als Hüter des Gesetzes bestellte Verfassungsgerichtshof hat nun— in semer neuen Zusammensetzung gemäß der Vei'fassungs„reform"— eine Eni- scheidung gefällt, daß Dispensehen, die van den Gerichten für ungültig erklärt worden sind, auch ungültig zu bleiben haben. � Die„Arbeiter-Zeitung" fordert, daß zur Sicherung der Dispens- i ehe» und damit zur Verhütung� unjogbaren jeelqchen Elends die 1 gesetzliche Abschaffung des nur noch in Drutjchästerreich als Staatsgesetz geltenden katholischen Eherechts erfolge, wofür ein« Parlaments m e h r h e i t aus Sozialdemokraten, Großdeutschen und Landbündlern vorhanden ist. Faschisten stehlen Atten. Vor einigen Monaten wurden aus der Kanzlei der landbünd- lerifchen Bouernwehren, die im schärfsten Kampfe gegen die Heim- wehren stehen, mehre Briefe entwendet, die kurz daraus von dem steirrschen Heimwehrblättchen„Der Panther" in sensationeller Aufmachung veröffentlicht wurden. Mit diesen, übrigens wenig be- sogenden Schriftstücken sollte dargeton werden, daß die Bauern- wehren von der Partei der Landbündler ausgestellt und finanziert werden. Sekretär der Bauernwehren war zur Zeit des Diebstahls ein Walter W i e se l t ha l e r, der einige Zeit vorher leitender Funktionär der steirischen Heimwehren gewesen ist, und oftenbar auch später mit den Machern des steirischen Faschismus in Ver- bindung gestanden haben dürste. Wieselthaler hat den„Diebstahl" in seiner Kanzlei„entdeckt" und bei der Polizei angezeigt. Trotzdem siel der Verdacht der Täterschaft sofort auf ihn, und im Laus« eines Verhörs bei der Polizei entschloß sich Wiesclthaler zu dem Geständnis, daß er mit dem Bundcsstabsleiter Ingenieur Rauter, dem Aktionsleiter van St. Lorenzen und jetzigen Nachfolger des Majors Pabst, in Verbindung stand und die Bauern wehrdokumenke für die steirischen heimwehren entwende« Hab«. Natürlich wußte er auch, daß die Briefe dazu bestimmt waren, eine Enthüllungskampagne gegen die landbündlerischen Bauernwehren einzuleiten. Für die Auslieferung der Briese haben ihn die steirischen Heimwehren, die seine Notlage ausnützten, b e- zahlt. Wieselthaler ist nun wegen Irreführung der Behörde zu acht- undnierzig Stunden Arrest verurteilt worden. Die tadellosen steirischeii Austraggeber und Hehler Wiesel- thalers dürfen auch jetzt noch im Bundeskanzleramt ein- und ausgehen. Neue Hitzewelle in Amerika. 31 c w park. 5, August. Eine neue hitzewell« ist über 25 mittlere und südliche Staaten der Union hereingebrochen. In der Umgebung von Ehikago sind in den letzten 4S Stunden 63 Personen an hih schlag gestorben. Die Zahl der beim Baden Ertrunkenen slebt jedoch nicht fest, ist jedoch sehr hoch. Zn Eansa»-Eily erreichte da» Thermometer 45 Grad und I» Nebraska sogar 4 7.2 Grad. Nach einer Schätzung des wctterbnremis sind durch die verschiedenen Hitzewellen in den Staaten de» mittleren Westen» erneut Schäden van etwa 500 Millionen Dollar verursach« worden. Di« 17. Konferenz für Internationale, Srerech« in Antwerpen. Die Internationale Seerechtskonferenz stellte fest, daß ein Interesse daran besteht, die strafrechtliche Zuständigkeit bei Schiffszusammen- stoßen durch ein internalionales Abkommen zu regeln. Außerdem hält es die Konferen., für wünschenswert, auf dem gleichen Wo?« die zivilrechtliche Zuständigkeit bei Schifsszusammenstößen zu regeln. Ätudienausschüsse für internationale Abkommen hierüber werden eingesetzt Die Polizei in Wohnung und Haushalt. Einmalige Aufforderung genügt für Hausfriedensbruch.— Waffen nur in der Wohnung erlaubt. Die Polizei darf eindringen.— Lautsprecher und Kroschgequake. Die Reichs versalhing bestimmt, bah die Wohnung jedes Deutschen für ihn eine Freistätte und unverlehlich ist. Aus- nahmen sind nur aus Grund von Gesehen zulässig. Run. diese gesetzlichen Ausnahmen sind recht zahlreich. Es sollen hier aus dem schönen Aorschriftenbutett nur die herausgegrifsen werden, gegen die am meiste» verstoßen wird, bzw. über die im allgemeinen nach manche Unklarheit herrscht. Ein weitverbreiteter Irrtum ist es z. B., daß man Stören- friede im Sinn« des bekannten Hausfriodsnsbruch-Paragraphen dreimal zum Verlassen der Wohnung, der Geschästsräume oder des besriedeten Besitztums ausfordern müsse, um ein rechtliches Vor- gehen zu ermöglichen. Ein« einmalige, unzweideutige Aufforderung genügt. Auch glaubt man meist, daß der sehr häufig bei einem chaus- llriedensbruch zu Hilfe gerufene Polizeibeamte sozusagen die Rolle lies Rausschmeißers zu übernehmen hätte. Em Irrtum! 3sr wirkt hierbei nur als Schutz für den jeweils berechtigten �Vohnungsinhaber, oder aber er stellt die Friedensstörer dabei fest. -Irrig ist auch die Ansicht, daß gundsätzlich jedem der Wohnungs- 'zutritt verweigert werden kann. Da hört z. B. ein Polizei- beamter Hilferuf« aus einer Wohnung. Das berechtigt ihn, ohne weiteres in die betreffende Wohnung einzudringen, selbst gegen den Willen ihre» Inhabers. Bei Feuers- und Wassersnot oder sonstiger Lebensgesahr eines Wohnungsinsassen ist das ebenfalls selbstverständlich. Auch bei Kon- trollen aus gesetzlichen Gründen dars zuständigen Beamten der Zutritt nicht oerweigert werden. Bei Bersolgung strafbarer Handlungen braucht mitunter der Wohnungsinhaber nicht einmal selbst der Missetäter zu sein: Die Polizei kann trotzdem tu seine Wohnung eindringe». Ausnahme- »alle allerdings! Flüchtet beispielsweise ein ertappter Gesetzes- frevlcrin eine fremde Wohnung, so kann der versotgeude Poli.zcibeamte sie zweit s voriäufiger Festnahme des Taters betrete». Im Rahmen der Strafprozeßordnung»k�nn ste sogar durchsucht werden, wenn Tatsachen vorliegen, aus denen zu schließen ist, daß »ine gesuchte Person, Spur oder Sache sich in den betreffenden Räumen befindet. Es müssen also, sehr wohl auch subjektiv ganz Unbeteiligte in gewissen Fällen Unannehmlichkeiten hinnehmen. Doch — es darf, wie gesogt— mir auf Grund gesetzlicher Bebimmung-n geschehen. Inwieweit dem 5)auswirt oder seinem Aertretcr die Befugnis zum Betreten einer Wohnung zusteht, findet man gewöhnlich in seinem Mietvertrag. Beichwerden über Ruhestörungen im Hause mit all ihren teuflichen Schikanen beschästigen Gericht und Polizei recht häufig. Da spielt der liebe Wohnungsnachbar die halbe Rächt recht heftig Klavier: da lassen Meiers ihren L o u t f p r e ch e r die halbe Nacht in Original- tonfüll« musizieren: da hat jemarrd«inen Hund, der stund«»rlang ebenso laut wie jämmerlich zu heulen pflegt. Herr Methornschwenkcr komint gewöhnlich erst gegen 3 Uhr morgens schwankend heim und macht einen Herdenkrach in seiner Wohnung,«he er seinen atkohol- schioangeren Bierbauch endlich ins Bett walzt. Zahl und Art dieser unliebsame» Ruhestörungen ließen sich leicht beträchtlich erweitern. Man beachte bei derartigen Trommelsellattocken grundsätzlich: D'e Ruheströung muß ungebuhrt icherweise erregt werden und einen unbestimmten Personenkreis stören oder ge- sährden. Letzteres wird auf der Straß« meist der Fall sein, im Hause seltener. Treffen aber vorgenannte Voraussetzungen zu, so dann auch im Hause als Tatort Strafanzeige wegen ruhestärenden Lärms erstattet werden. Hierbei ist es gleichgültig, ob die Ruhestörung 1?i Tag« oder bei Nacht erregt wird. Aber auch die einzelne Person bzw. Famiii« muß von der Bc- Hörde in vielen Fällen vor Ruhestörungen geschützt werde». Hier ist es von Wichtigkeit, daß die Störungen z. B. durch Klamerspiel, Hundegebell, Krach oder ähnliches fortgesetzt oder während der Nachtruhe— sie beginnt um 10 Uhr abends— erfolgen und zwar derart, daß ste die Gesundheit der Belästigten gefährden oder über das üblich« und erträgliche Bloh hinausgehen. Auch die Ungebührlichkeit des Erregens konn dann in Fortfall kommen. Hierzu ein häufig wiederkehrender Fall: Eine Frau näht gewerbsmäßig an einer Nähmaschine mit elektrischem Motor bis in die späte Nacht hinein. Die unter ihr wohnende Familie wird durch das Geräusch in ihrer Nachtnihe gestört. Sie beschwert sich bei der Polizei. Trotzdem an sich keine ungebührlich erregte Ruhestörung vorliegt, wird die Polizei in solchen Fällen der Näherin auf dem Be r f ii gu n g s w e g e— also ohne Strafanzeige — ausgeben, durch Verwendung bestimmter schalldämpfender Mittel die Geröuschbelästigung in der Nacht abzustellen und die Durch- führung ihrer Anweisungen kontrollieren. Fortgesetzte Störung der Nachtruhe in solchen» oder ähnlichen Fälle» gilt ohne weiteres als Gefunoheitsschädigung. Es werden da mitunter recht originelle Ver- fügungen von der Polizei erlassen: z. B. mußte unlängst ein Wirt, nm das laute Klappern der Kegel beim Umfallen abzudämpfen, den Segeln eine Bauchbinde aus Gummi anlegen. Es empfiehlt sich, wegen Ruhestörungen im Hause zunächst mal den H a u s w i r t in Anspruch zu nehmen. Der Mietkontrakt enthält ja gewöhnlich entsprechende vertraglich« Bestimmungen. Der Wirt kann in krassen Fällen sogar die Exmittierung des Störenfrieds durchsetzen. Bei Familienfeiern achte man darauf, daß der Larm nicht nach der Straß« dringt, besonders zur Nachtzeit. Ueberempfindlichkeit und starke Nervosität bilden bei Ruhestörungen keinen gesetzlichen Wertungsfaktor. Sogar Frosihgequake in einem künstlich angelegten Teich wurde in einer interessanten Reichsgerichtsentscheidung als un> gebührlicherweise erregter Lärm aufgefaßt. Viele schimpfen über dt« polizeilichen Meldeoorschrtsten. Ja, die Polizei ist nun einmal neugierig. Aber letzten Endes kommt diese«Neugier" vielen anderen Behörden und jedem selbst zu statte»:. Legen Sie bitte den größten Wert auf einen lücken- losen, polizeilichen Meldcnachwcis! Ein nachträglicher Aufent- Haltsnachweis ist zowc möglich, doch mit vielen Scherereien. Zeit- vertust und Kosten verbunden. Angenommen, Sie sind oder waren nicht gemeidet und benötigen zufällig einen Pah, Kührerjchein. Waffenschein, Totenschein, ein Führungszeugms, eine Wohnungs- bescheinigung und dergleichen oder Sie wollen bei Behörden angestellt werden. Die wegen der Meldelückcn erwachsenden llnannehm- lichkeiten steigern sich, je nach Lage des Falles, von zeitraubenden Ermittelungen bis zur manchmal unmöglichen Ausstellung der bean- tragten Papiere. Die speziellen Meldeoorschrtsten sind örtlich ganz verschieden, lveshalb hier nicht näher auf sie eingegangen werden soll. Gut wäre es, wenn in großem Rahmen durch neue reichs- gesetzliche, nicht wie geschehen, nur durch l o n de s gesetzliche Rege- lung eine bessere und dem Publikum zusagendere Einheitlichkeit darin erzielt würde. Wissen muß man ferner, daß bei gemeingesährlicheu und übertragboren Krankheiten stets unverzüglich eine reichsgesehlich geregelte Anzeigepslicht der Ortspolizeibehörde gegenüber besteht. Auch jeder Ausenthalls- roechsel der daran erkrankten Personen ist sofort anzeigepflichtig. Wenig bekannt dürste sein, daß unter dies« Krankheiten— bei D i p h t e r i e, Scharlach, Ruhr, Typhus usw., ist es eher bekannt— auch Fleisch-, Fisch-, Wur st Vergiftungen, Bißverletzungen durch tollwütige und tollwuwerdächtige Tiere, Milzbrand und Kindbettfieber rechnen: Masern zählen nicht dazu. Nicht nur für den hirizugezogenen Arzt besteht diese Anzeigepflicht, sondern auch für den Haushaltsvorstand, überhaupt denjenigen, in dessen Wohnung der Erkrankung oder Todessall ein- getreten ist, desgleichen für etwaige Pfleger. Sobald natürlich dieser Pflicht von einer Seite Genüge geleistet wurde, erübrigt sich die Meldung an die Poliezi seitens der anderen dazu Verpflichteten. Zweck der Anzeige ist es, eine kreisärztlich« Untersuchung herbei- zuführen. Es werden dann von Fall zu Fall polizeiliche Schutz- maßregeln angeordnet, die in Absonderung der Kranken, Desinsektionsmaßnahmen, Fernhaltung der Kinder vom Schulbesuch, ja, manchmal sogar in der Räumung der Wohnung bestehen. Wenn auch die Gesundheitspolizei die Bearbeitung angeführter Fäll« über- nimmt, so genügt doch eine Meldung an dos zuständige Polizei- revier, das sie weiterleitet. Die Gefährlichkeit der Aufbewahrung feuergefährlicher Stoffe braudst wohl keines besonderen Hinweises. Es kommt aber bestimmt öfter vor, daß jemand größere Mengen von solchem brenzlichen Zeug in der Wohnung hält, z. B. Benzin, Petroleum oder andere.feuergefährliche Mineralöl«. Man beachte: In Wohn- inÄ» Schlafräumen dürfen hiervon nicht mehr als 3 Liter aufbenxihrt werden! Auch für die Aufbewahrungsgesäß« für Mengen schon über 2 Liter gelten besondere Sicherungsbestinnnungen. Sehr streng sind die Bestimmungen über Herstellung und Besitz von Sprengstoffen v«d den Verkehr domit. Schon für bloßen Besitz ist eine polizeiliche Erlaubnis notwendig. Wenn man eine Waffe in der Wohnung hat, so ist mit werngen Ausnahmen— z. 58. Personen unter 20 Iahren, Geisteskrank« und Leute mit bestimmten Borstrasen— dies gestattet, lieber die näheren Bestimmungen— Waffen- und Munitioiwerwerbschein— erteilt jedes Polizeirevier Auskunft. Außerhalb der Wohnung, der Geschästsräume oder des besriedeten Besitztums dürfen nur Waffen mit sich führen, die im Besitze eines Wassenscheines sind. Ausnahmen bilden nur uralt« und ganz kleine, ungefährliche Kaliber. Reu dürfte vielen Wafsenbesitzern sein, daß selbst das Ueberlassen von Waffen im Sinn« des Gesetzes nur gegen Aushändigung eines Wasfenerwerb. jcheines gestattet ist Schern der Treppenslur und Hos eines Mietshauses gilt als außerhalb der Wohnung gelegen. Das Führen der Schußwoisen ohne Wassenschein, das, wie gesagt, nur in der Wohnung erlaubt ist, ist also hier schon st rasbar. Nicht eindringlich genug kann sorgfältigst« Ausbewahrung von Schuß- wasfen anempfohlen werden. Stets unter Verschluß, sei Grundsatz. Erst kürzlich zog sich ein Polizeibeamter ei» Strasversahren wegen fahrlässiger Tötung zu, weil sein siebenjähriger Sohn mit der nicht sorgfältig genug verwahrten Dienstwasfe des Vaters ge- spielt und sich dabei selbst erschossen hotte. Unliebsame Streitigkeiten zwischen den Wohnungsnachbarn sind leider an der Tagesordnung. Da hat Frau Schulze die Frau Müller, ihre früher« Herzensfreundin, schiverstens beleidigt. Natürlich hellste Empörung bei Frau Schulze! Schnurstracks läuft sie zur Polizei und möchte am liebsten die Exsreundin vom Fleck weg einsperren lassen. Nun, die Polizei hat bei solchen Sachen überhaupt nicht ein« zuschreiten, es sei denn, daß es sich um die Feststellung einer unbekannten Person handelt. Hier ist zunächst einmal der Schieds- mann die zuständige Instanz! Sogar in den Fällen des Haus- friedensbruchs, der leichten oder fahrlässigen Körperverletzung, der Bedrohung, Sachbeschädigung und Verletzung fremder Geheimnisse muß der Klageerhebung ein Sühneversuch vorangehen. lieber das Zurückbehaltungsrecht der Bermieter ist zu sagen, daß der Vermieter die Polizei hierbei nur zum persönlichen Schutz bzw. zur Feststellung in Anspruch nehmen kam:, wenn er durch den Mieter dabei durch Gewalt oder Bedrohung mit Gewalt gehindert wird. Nicht zurückbehalten darf nkm Sachen, die für den Mieter zum notwendigen Gebrauch und Erwerb des Lebensunterhaltes unentbehrlich sind. Dies trifft auch für Invaliden- und Arrgc- stellte irkarten zu, deren Einbehaltung oder zu späte Zlushändigung recht unangenehme Weiteruinzen zur Folge haben können. Und»um noch einiges zun: Kapitel„Verdächtiges in Wohnungen". Oft laufen hierzu die»nerkwürdigsten Anzeigen und lSefchwerden bei der Polizei ein. vielfach anonym und unbe- gründet. Ein Berdacht muß sslbstoerständlich auch begründet sein! Diese Begründung ist oft schwer, besonders bei Hehlerei und ahn- lichem, denn in eine fremde Wohnung darf man ja, wie bereits aus- geführt, nur unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen e»n- dringen. Tatsächliche Beobachtungen über Gesetzwidrigkeiten, auch solche, die den Berdacht strafbarer Handlungen in Wohnungen be- gründen, kann und soll man der Polizei stets mitteilen. Es brauchen nicht immer strafbare Handlungen Voraussetzung zu fem. Kommt es doch vor, daß z. B. alte, alleinstehende Leute wochenlang tot in ihrer Wohnung liegen bleiben. bis eichlich der Verwesungsgeruch den Nachbarn zu stark ausfällt und polizeiliche Oefsnung der Wohnung veranlaßt wird. Besondere Vorficht, sofortige Mitteilung an die Polizei bei vrrdäch- tigem Gasgeruch aus Wohnungen oder Kellern ist im allgemeine« Sicherheitsinteresse unbedingt« Pflicht jedes einzelnen. Leider wird sie, wie ich es selbst schon öfter erlebt habe, aus Gleichgültigkeit, Bequemlichkeit oder Unbeholsenheit manchmal erst erfüllt,»venn es zu spät ist. Sie sehen: Pragraphen überall, selbst im trauten Heim! Won mag sie oftmals als lästig empfinden— sie haben aber auch ihre guten Seiten— und beachten muh man sie wohl oder übel. Paul Eesert, PolizeiwachtmrZft— Abbruch der Sportbeziehungen: französischer Gchwimmverband gegen Briand. pari», 5. August. lEigenbericht.) Der am Blontag erfolgte Besuch de» deutschen Botschafters am Quai d'Orfay soll, wie die Blorgenpresse berichtet, der Beilegung de» Zwischenfalles E u o e t i e r. des zum zwesteu Wale in weißensets verurteilten französischen Schwimmer» gegolten haben. Vriand habe daraufhin sofort beim französischen Schwimmer verband interveniert, der am wonlog abend in einer Vorstandsfihnng den Abbruch der sportlichen Beziehungen zu Deutschland beschließeu wollte. Der Beschluß scheint, wenn man der Sporlpresse Glauben schenken dars. trotz allem zustande gekommen sein, doch hält der verband da» Ergebnis vorläufig noch geheim, weil er sich noch einmal mit dem Außenministerium in Verbindung sehen will. wehrer« Blätter geben der Erwartung Ausdruck, daß ein Gnadenakl des Reichspräsidenten den Zwischenfall noch rechtzeitig au» der weit schassen werde, damit die französischen Schwimmer an dem Schwimmsest in Rärnberg teilnehmen können. *... Es ist dringend notwendig, das skandalöse Urteil von Zeitz geg«»: einen sicherlich Unschuldigen, bestimmt aber nicht zweifelsfrei Ueber- führten schnell durch einen Gnadenakt aus der Welt zu schassen. Das geschändete Ansehen deutscher Justiz kann nicht anders repariert werden. Das ist aber weder durch einen„Gnadenakt des Reichs» Präsidenten" noch überhaupt zur Zeit möglich- Ein Gnadenakt kann erst dann erfolgen, wenn ein Urteil rechtskräftig ist. Rechtskräftig ist das Urteil gegen Cuvelier aber noch nicht, da Revision beim Reichsgericht«ingelegt ist. Wird die Revision nicht zurückgezogen, so muß das Urteil in Leipzig abgewartct werden. Für einen dann zu erlassenden Gnadenakt ist bei unserer, dem Ausland unbegreif- lichen Staatsorganisation, nicht der Reichspräsident, sondeni das preußische Staatsministerimn zuständig, dos nach Vorschlag des Justizminifters entscheidet. Wir halten es für felbswerständlich. daß die preußische Re- gierung den Fehlspruch der preußischen Justiz wieder gutmachen wird. Bis dahin»väre zu wünschen, daß die französischen Sport» verbände die Entscheidung Über ihre Beziehungen zu den deutsihen zurückstellen. Da Cuvelier, unter dem Eindruck der Kundgebung der Zeitzer Arbeiterschaft, sich selbst für seine Teilnahme an dem Nürn- berger Sportfest ausgesprochen hat, sollten dt« französischen Sportler nicht französischer als der Hauptbeteiligte sei». Die ziveimalig« Rechts- Verweigerung der deutschen Justiz gegenüber«inen» französischen Gast wird von niemanden mehr als von der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes verurteilt. Llrteilsbegründung noch nicht in Berlin. Die Staatsamvaltschoft Naumburg hat bisher gegen das Urteil der Berujungsinstanz keine Revision angemeldet, wird vielmehr die erst in«inigen Tagen fertiggestellte schriftliche Urteils- begründung der Kleinen Strafkammer, die in SSeißensels tagte, «bworlen, um zu prüfen, ob sich die Rechtsgründe als anfechtbar erweisen. Nur in diesem Falle würde nämlich eine Revision Aus- ficht auf Erfolg haben. Der General st aatsanwalt in Naumburg hat inzwischen dem Iustizminister'mm über die Berufungs- Verhandlung gegen Cuvelier Bericht erstattet, doch wird das Mim- sterium sich seine Stellungnahme ebenfalls bis zum Borliegen der schriftlichen Urteilsbegriinirnng vorbehalten. Hau gl vor dem Disziplinarverfahren. In: Fall des Iustijobersekretärs Hougk vom Amtsgericht Weißenfels ist zunächst ein vorläufiger Bericht über den fraglichen Hergang in der Verhandlung gegen Cuvelier beim Ministerium ein- gegongen, während der Hauptbericht, der sich aus die Aussagen der zu vernehmenden Zeugen stützen wird, noch aussteht. Eine Amts- suspendierung des Justizobersekretörs war nicht erforderlich, weil Haugk einen töngeren Urlaub angetreten hat. Ueber die Frage der Einleitung emes Disziplinarverfahrens wird auf jeden Fall noch vor seiner Rückkehr vom Urlaub entschieden werden. Die Zeitzer Nazis kommen vor Gericht. Zeih, 3. August. Im Zusammenhang mit der Zlssärc Cuvelier hat die Staats- anwaltschaft gegen die ai: den Beschimpfunge!: der sranzöstschcn Sportsleute in Zeitz beteiligten Nationalsozialisten, insbesondere gegen Schutenburg und Duyssen.«in Verfahren wegen Be- drohung, Nötigung und groben' Unfuges eingeleitet. Die Ermittlungen nach weiteren Teilnehmern an diesen Dorgängen m der Nacht vom g..zum 7. Juli, die sich in der Hauptsache vor dem Hotel„Sächsischer Hof" in Zeitz abspielte?», dauern noch cm. Wenn es zur Anklageerhebung und zum Prozeß in dieser Sache kommt, dann wird also der Fall Cuvelier auch in Zeih noch einmal verhandelt werden und es würde sogar damit zu rechnen sein, daß Cuvelier und sei» Landsmann Tribouillct als Zeugen gelade- weichen. Eine vorbildliche Einrichiung. Bemerkungen zu einem iialienischen Volkshoiel. Niemond wird behaupten wollen, daß Italien— besonders das Italien Mussolinis— ein soziales Musterland wäre. Immerhin gibt es in den großen italienischen Städten seit Jahrzehnten eine kommunale Einrichtung, die sicher des Studiums, vielleicht ober auch der Nachahmung wert ist. Das ist das„dormitorio publico", d. h. „O e f s e n t l i ch e s Schlafhaus", eine Art Volkshotel im besten Sinne des Wortes, berechnet für jene Obdachlosen, die in den un- entgeltlichen Asylen kein Unterkommen mehr finden, sei es wegen Ueberfüllung, sei es, weil ihnen wegen ollzuhäufiger Inanfpruch- nahnie dort kein Zutritt mehr gewährt wird. In den italienischen Obdachlosenasylen findet der Unterkunft- suchende gewöhnlich nur für drei Nächte Aufnahme. Die Rc- gistrierung ist sehr genau, so daß es nur selten einem besonders Gerissenen gelingt, sich öfter einzuschmuggeln. Darüber hinaus ist der Obdachlose in de» Großstädten wie Mailand, Turin, Florenz. Rom usw. auf das„dwiTiitano publico" angewiesen, und hier ist er sicher, für wenige Pfennige ein Unterkommen und ein Bett zu sinden, das wohl einfach, aber durchaus sauber und menschenwürdig und— vor allem— ungezieferfrei ist, was man von den un- entgeltlichen Nachtasylen nicht immer behaupten kann. Aus eigenem Augenschein ist mir zwar nur dos Dormitorium in Mailand bekannt, aber da man mir versichert hat, daß die ent- sprechenden Anstalten in anderen Städte» diesem ähnlich und gleich- wertig sind, darf ich es wohl als Musterbeispiel meiner Darstellung zu Grunde legen, zumal ich es bereits vor 20 Jahren kennengelernt habe, als ich selbst dort für ein paar Centesimi unterkroch. Die damals gewonnenen Eindrücke habe ich dann vor einiger Zeit nach- prüfen können, als mich ein Bekannter in dem inzwischen vergrößerten Gebäude umhersührt. Das Mailänder Dormitorium ist ein mächtiger Bachsteinbau von mehreren Stockwerken, der sich unweit der Porta Romana auf einem freien Platz linkerhand vom Corso Lodi erhebt. Im Vor- räum befindet sich eine Kasse, an der die Schlafmarken verkauft werden. Es enthält außer den zahlreichen Schlafsälen ausgedehnte Wasch- und Baderäume, deren Benutzung unentgeltlich ist, eine Kantine, in der man für etwa 10 Pfennige eine nahrhafte, warme „Minestra" erhält, einen freundlichen Gemeinschastsraum, in welchem Zeitungen, Zeitschriften und Bücher ousliegen. Außerdem befindet sich in dem Gebäude noch eine Desinfektionsanstalt, in der man nötigenfalls seine Kleider reinigen lassen kann, und natürlich auch eine Kapelle, in der morgens und abends Andachten abgehalten werden: doch ist niemand gezwungen, daran teilzunehmen. Die Schlafgelegenheiten zerfallen in drei Klassen, in denen das Bett nach unserem Gelde 1l), 25 und 50 Pf. kostet. Die beiden unteren Klassen sind in großen Sälen untergebracht, die jeder etwa 100 Betten enthalten: der Klassenunterschied besteht nur darin, daß er in der zweiten Klasse saubere Bettwäsche und zwei Decken gibt, während in der dritten das blanke Feldbett und eine Decke genügen müssen. In der ersten Klasse haben je vier Gäste einen Raum für sich, und neben den sauber bezogenen Betten steht ein verschließbarer Wandschrank zur Aufbewahrung der Kleider. Das Schlashaus wird um 19 Uhr abends geöffnet. Wer seine Schlafmarke bezahlt hat, kann sich noch bis 21 Uhr in der Kantine oder im Gemeinschaftsraum aushalten. Dann ertönt«ine Glocke, und die Gäste begeben sich in die Schlafsäle, wo ihnen die Marke abgenommen und das Bett angewiesen wird. Viel« nehmen vorher ein Bad, gründliches Waschen sowohl abends wie morgens ist Bor- schrist. Darüber wird unerbittliche Kontrolle geübt: Seife sowie Handtuch wird geliefert. Morgens um 6 bzw. 7 Uhr wird zum Ausstehen geläutet. Dann muß jeder Gast sein Bett abziehen und die Wäsche persönlich abgeben. So werden Diebstähle unmöglich gemacht. Das Mailänder Dormitorium enthielt vor 20 Jahren gegen 500 Betten, inzwischen ist es um das Doppelte erweitert worden. Alles ist sauber und ordentlich. Die Dormitorien zu Turin und Rom sollen ebenso groß sein. Di« Zuschüsse, welche die Städte zu leisten haben, sind verhältnismäßig gering, da die Einnahmen einen großen Teil der Kosten decken. Den schwächsten Besuch des Dormitorimns soll Neapel aufweisen, ober nicht etwa weil dort die Obdachlosigkeit weniger groß, sondern weil das Klima das Uebernachten bei Mutter Grün leichter erträglich macht als im Norden. Die Vorzüge des Systems liegen auf der Hand. Dos Bett im Asyl ist für den Obdachlosen«in Almosen, das nicht immer sehr wohlwollend verabreicht wird. Im öffentlichen Schlafhause dagegen hat er bezahlt und ist G a st. Niemand srogt ihn aus, niemand betrachtet ihn mißtrauisch, niemand„verachtet" ihn. Sein Ehr- gesühl wird geschont. Es ist eine Art sozialer Hilfe, die sich nicht mit dem Mäntelchen der Wohltätigkeit drapiert. Wenn die Gegen- leistung für dos Nodstloger auch nur gering ist, es ist immerhin eine Gegenleistung. Die in vielen Asylen geforderte Morgenarbeit, d. h. die Bezahlung für die„Wohltat", erzeugt meist nur Er- bitterung. Die wenigen Pfennige für das Schlashaus bringt auch der Bettler zufainmen. Aber noch«inen anderen Vorzug besitzt das Schlafhaus nach italienischem Muster: Es bietet auch dem verdienenden Arbeiter, soweit er ortsfremd oder ohne Anhang ist, ein anständiges Unter- kommen für die Nacht. Ich habe bei meinem letzten Besuch im Dormitorium beobachtet, daß die Plätze der ersten Klasse fast aus- schließlich sich in festen Händen befanden. Junge Fabrikarbeiter und Handwerker bevölkerten den Gemeinschastsraum. lasen, diskutierten und unterhielten sich. Sie nahmen ihre Abendmahlzeit in der Kantine. Ihre Habe war im Wandschrank sicher verwahrt und wurde tagsüber bewacht. Geld und Wertsachen gaben sie gegen Depotschein der Verwaltung in Obhut. Wenn das öfsentliche Schlashaus auch sicher nicht die Familie ersetzte, so hatten sie doch «in Unterkommen, in dem sie sicher nicht übervorteilt wurden. Wir haben zur Zeit in Deutschland Hunderttausende von Obdach- losen. Mancher dieser Armen würde davor bewahrt bleiben, völlig unter die Räder zu geroten, wenn ihm für die Nacht«in einfaches 50-Pfennig-Quartier zur Verfügung stände. Derartige Voltshotels ließen sich zur Not auch in Baracken einrichten. Das wäre ein« Form sozialer Nothilf«, die einer allzu rapiden Verelendung be- sonders der jungen und ortsfremden Arbeitslosen vorbeugen würde. W. Hcydrich. Festtage der Volksbühne. Im September d. I. feiert die Berliner Volksbühne ihr 40jähriges Bestehen: gleichzeitig kann der Verband der deutschen Volksbühnenvereine, bem 300 Volksbühnenorgani- sationen im Reich angeschlossen sind, sein 10. Arbeitsjahr abschließen. Aus diesen beiden Anlässen heraus werden in den Tagen vom 19. bis 21. September 1930 in Berlin einige sestliche Veranstaltungen stattfinden. Das Programm sieht u. a. eine Festvorstellung im Haus der Berliner Volksbühne, im Theater am Bülowplatz, mit Gerhart Hauptmanns„Weber" vor, jenem Stück, das vor nahezu 10 Jahren zum erstenmal über die Volksbühne den Weg in die Oeffentlichkeit gefunden hat. Weiter wird im Theater am Bülow- platz eine große Kundgebung abgehalten werden. Und endlich werden Sprecher der Berliner Volksbühne, des Volksbühnen- Verbandes und Vertreter der ausländischen Volksbühnenorgani» sationen im Rccchstag öffentlich vom Wesen, Werden und Wirken der Volksbühnenbewegung Zeugnis ablegen. Mit Sicherheit kann schon jetzt damit gerechnet werden, daß eine stattliche Zahl von Gästen aus dem ganzen Reich und insbesondere aus dem Ausland diesen Veranstaltungen in Berlin beiwohnen wird. Eine Volksbühnen-Internationale? Angeregt durch das deutsche Beispiel sind seit Jahren in verschiedenen außerdeutschen Ländern Bestrebungen im Gange, Volks- bühnen oder doch volksbühnenähnliche Einrichtungen nach deutschem Muster zu schaffen. Der Verband der deutschen Volksbühnenvereine darf in der Mehrzahl der Fälle für diese Bestrebungen uns ihre bis- herigen Erfolge verantwortlich zeichnen:«r steht in ständiger Fühlung mit zahlreichen außerdeutschen Volksbühneneinrichtungcn, unterstützt sie mit Rot und Tat und bildet seit Jahren die Zentrale, von der aus der Volkebühnengedonke über die Reichsgrenzen hinausgetragen wiro. Dank dieser unablässig kontrollierenden und beratenden Tätigkeit gibt es heute in folgenden Ländern Ansätze oder— in der Mehrzahl der Fälle— verlstiltnismäßig hoch- entwickelte Stufen einer Volksbühnenbewegung: Norwegen, Schweben, Dänemark, Polen, Tschechoslowakei, Schweiz, Belgien, Holland, England, Nordamerika. Dazu kommen noch die übrigen Randstaaten der Ostsee. Verschiedenen Anregungen solgeno, wird innerhalb des Dolksbühnenverbandes im Augenblick der Gedanke der Schaffung einer zentralen Organisation dieser Volksbühnen- bewegung deutschen und außerdeutschen Gepräges erwogen, sei es in Fori» einer internationalen Arbeitsgemeinschaft der Volksbühne, sei es in Gestalt einer wirklichen„Volks- b ü h n e n- I n t e r n a t i o n a l e". Zu oen Festoeranstoltungen, die im September d. I. aus dem Anlaß des 10jährigen Jubiläums der Berliner Volksbühne und des 10jährigen Jubiläums des Der- bandes der deutschen Volksbühnenvereine in Berlin abgehalten werden, haben bereits zahlreiche Vertreter auherdcutscher Volksbühnen ihr Erscheinen zugesagt. vieosts«. S. August. Berlin. 16.05 Otto Geese: Berliner Polieeivorschrilten Im 16. und IS. Jihrhundert. 16.30 Unterheltuntsmusik. 17.30 Dr. Priedrich Becker: Sternscbnuppenschwirme Im August. 18.00 Stunde mit Bückern: Technik und Mensch.(Am Mikrophon: Alexinder Rosam.) 18.55 Gitarre und HSte.(Otto Schindler, l. Gitarre, und Aflgust Stelrer, Fidle. und 2. Gitarre.) 10.15 Oerhirt Pohl; Die Cnkhlnng der Woche. 19.40 1. Scirlatti: i) Pastorale und Capriccio, b) Sonate C-Dur.—? Beelhoven: Fccossaise.— 3. Skrjabin: Etüde Eis-Dur, op. 8. Nr.?— 4. Prokoliell: Gavotte.— 5. Friedniann-QJrtner: Wiener Tanr Nr. I.— 6. Lisrt: i) Valse ouhliie; b) Gnomenreigen(Fanny Weiland. Flügel). 30.00 Hans Flesch; Rückblick aul Platten(Juli). 20.30 Tanzabend. Anschließend; Dr. Josef Riuscher: Politische Zeitnngsschau. Königswnsterhausen. 16.00 Paul Seelhofl: Historische Belletristik. 16.30 Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Dr. K. Rode: Geologie aul Reise und Wanderung. 18.00 Stud.-Rat Dr. Schwering: Große deutsche Parlamentarier. 18.30 Französisch für Anfänger. 18.55 Dr. Hans Bernhardt: Vorurteile und Aberglauben in der Sänglingspflege. 19.25 Kurt Holzel: Karl Immermann und seine Zeit. 20.30 Breslau: Abendmusik. Verhand der Badibinder und Papierverarbeiter Deutsdilands Ortsverwallung Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unlere Kollegin, die Buchbindetei- arheitetm Anna Woßniak oerftorben ist. Die Beerdigung findet am Mitlwodi, dem 0. Angult, nachmittag» 3 Uhr, auf dem Friedhof in Motzen statt. Rege Beteiligung wird erwartet Nachruf Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Monogramm- prdgerm Hedwig Kahnke wohnhaft Langestr. 99/100, am 31. Juli nerftorben ist. Die Beerdigung Hai bereits statt- gefunden. Ehre ihrem Anbenfen! Die Orfsverwaltung Staats-Theater geschlossen! Abonnements- Anmeldungen für die Spielzeit 1930-31 (Beginn am 1. September) werden auch während der The- aierferien entgegengenommen: a) für die Staatsoper und das Staat). Schauspielhaus vomAbonnements- büro, Berlin\V56, Ober- wallstr. 22.— Fernspr. Merkur 9021, i>i für das Staatl. Schillertheater vom Abonnementsbüro, Berlin-Char- tottenburg, Grolman- strnße 70.— Fernspr. Steinpl. 67 t?. üentsdiBi Tbeatsr 0 2 WeiöendüMi 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh Refi.: Max Reinhardt Mesik; Friidndi Hillatider. SUenibiUir kroll Sdiitti. Die Komödie II Bismck.2414/7516 8Vj Uhr Wie werde idi reidi ood glotklidi? Kanei nn filii Judiimn Hmik im Mfidu Spoüimkjr. Resii: Eridi Engel Bühnenbilder.- Ludwig Rainer Lessing-Ttieater Weiden lamm 27S7 s.N4( Täglich 8W Uhr ; letzte Venteilnigen Der Faun von Ed*. Rnolibiidi. Freitag 8 Uhr Premiere MraMnie beantragt v. Alexander Rau zenirauiieater (Operettenhaus) Alte Jakobstr. 30/32 Dönh. 2047 Täglich 8',k Uhr Oer Bombenerfolg Ein Zllle-ffliliOh in 3 Akten Kinder der StraOe Cesang g. Ten: ton W. Ueuel nnd Rrthnr gelier. Rundtunkhörer Dllbg Preise. Renaissance- Theater 9 Uhr Steinplatz 6780 Heute und allatendlidi Die Wunder-Bar Revuestück / feinmeier TSgl. Su.S'j, Uhr. B 5 Bsrt. I pr. i— s M.— Nachm. halbe Preise. NONI mdHORACE X sv.ubr CASINO-THEATER»'-vd' Lothringer Strnge L7._ Wiedereröffnung Freitag, 15. August 30 jiHriges Bestehen nnter der Direktini Bios Bei; Der Possen-Schlager Der selige Hollschinsky. «pmMNIIMMmillllllWIlMHHINniHIIIUUUlllMMItUIIIIIUlirieil rtieateri. d. Bebrenstr. 53-54 »>/. Uhr ist das nicht nett von Colette? [ Wi�er * Garren* 8.15 Ohr- Bamhcn eriaohi tarlos aod enita n. Co. ood weller« In Berlin aodi nldit ae»Uta Stars. Reichshallen-Theater Allahendlicfa(Tj Uhr Stettiner Singer Tagetisa 1 1-2, Unftiua ib 6 Uhr Tiliphsn tntniB 112(3. ♦ Dönhoff- Brettls (Saal und Garten) Varielb- Konzert- Tanz Theater d. Westeos Täglich 8W Uhr: Das Laad des Lächelns Franz Lehars Sen ationserfolg: •Vi e r xT Kottbuter Ttr. > Ina KntlbuMT Str. 5 IH\Tll.ltpL 19077 fy Zille I* l Festspiele Komische Oper 8Vj Uhr Paul Heideinann In: Die Frau ohne Kuss Kollo-Operette mir Grit Haid. Meiropol-Tn. Täglich 8bi Uhr Miehtel Bohnen IN Hill Dir allem aut einer einsamen Insel •••••••••aiaaa— aaaa BerllBerlllkTriO N• H k 5 1 1■."Lahnatr. 74/76.1 .Die iolle Lola' Hans Rose• Lonl Pyrmont Täglich 5.15 Uhr Im Rose-Theater •(Gartenbühne) Musik: Huqo Htrech, Regie: Edptr Kanlech, Tünte: Brune Arno, Orchester: Max Schmidt, Keue Ausetattungen: Walter Fischer. DI« Mltlwodi, 6. Adgnsi: Rheinisches Winzerfest im Roae-Garten RIesen-VarleUschau. Feuerwerk, Tanx Im Freien, Rhein* und Moselwein In GtAsern. Im Innentheater tätlich 8« Uhr (aber nur noch bis 10. August): ,, Flachsmann als Erzieher". Berliner Freier Sontmergai len idealer Kastanienallee 7—9 4 Uhr Erosses Gaifenterl 6 Uhr .Eine entzückende Burleske sowie der auserwählte Varietd-Teil. 8.15 Uhr Qustl Beer, Grell Lilien, Alex Haber. Erwin Härtung in Das Drei- müderlhaus Singspiel in 3 Akten Musik nach Franz Schubert Eintrittspreis von 50 Fi*, an. Zimmer IBett Mk.7,-bis 11.- 2Betten13,-bi522,- Bad;Mk,3r ialon:10r Berlin HOTELa-�-�W EXCELSiOR LUN/l tSpIleb In vollem Betrieb Rente 9'/,: Feuerwerk. dScflage Dienstag, 5. August 1930 SivAtoiO SjtnJfitlffrä* S** IbttHÜfA Folgen unserer Ernährung Magengeschwüre und ihre Bekämpfung Magengeschwüre gehören zu den häufigsten, aber auch zu den langwierigsten Erkrankungen und sind ausgesprochene Kulturerschci- nungen, indem sie bei unkultivierten Völkern so gut wie nicht vor- kommen. Sie sind also im höchsten Grade Folgen der Ernährungs- weise und deshalb zumeist fast ollein schon durch Ernährungs- ändcrung heilbar(Diät). Allerdings macht man sich davon eine ganz falsche Vorstellung, wenn man sich ein Geschwür im landläufigen Sinne vorstellt, denn im Gegensatz dazu handelt es sich einfach um eine„osfene Stelle", bei der die den Magen innen schützende Schleimhaut an- geätzt und unter Umständen auch die Magenwand trichtcrartig eil»- gebuchtet, ousgefressen ist. Gewissermaßen verdaut. Nimmt der Pro- zeß seinen Fortgang, dann entstehen nicht nur Blutungen durch Eröffnung von Blutgesäßen, sondern die Magenwand kann bis zum Durchbruch angefressen werden. Frauen in mittlerem Alter sind mehr dazu disponiert, indeß bei Männern eher Zwölffingerdarm- gefchwüre auftreten, und wiederum zeigen. die Geschwür« wieder eine gewisse Gesetzmäßigkeit in ihrem Auftreten an bestimmten Stellen, nämlich der Kleinen Magenbiegung(Kurvatur) und dem Magenausgang(Pylorus). Der schleichende Charakter kann die Erkrankung meist so lang verdecken, bis eiimral eine Blutung mit Erbrechen auftritt, indes vorher nur leichte Beschwerden, saures Aufftoßen, Uebelkeit, Er- brechen und Verstopfung als Warnerfcheinunge» auftreten. Die Zeit innerhalb welcher die Magenschmerzen auftreten, d. h. sofort oder ein bis zwei Stunden nach der Nahrungsaufnahme, insbesondere bei grober Kost, ist schon einigermaßen beweisend, auch wenn der Appetit in keiner Weise gelitten hat. Trotzdem tritt häufig genug Abmagerung ein. Das gebrochene Blut ist durch bereits be- gönnen« Verdauung kaffeesatzbraun, verfärbt. Die Erscheinui»gen können alle wieder nachlassen, um nach ge- wisser Zeit oder bei Diätsehlern wieder auszutreten. Vermach- l ä s s i g t e Magengeschwüre gehen, wenn sie nicht durchbrechen, nicht selten in Krebs über. I« früher man das Magengeschwür erkemrt und richtig be- handelt, desto größer sind die Aussichten einer vollkommenen Hei- lung. Es ist also nicht damit getan, daß man seine Magensäure mit I Lullrichsalz:= Doppelkohlensaure, Natron bekämpft, vielmehr stehe ich aus dem Standpunkt, daß gerade durch dessen Verwendung die Bildung von Magengeschwüren eher gefördert als gehemmt wird. Es ist dies ein einfaches, auch dem Laien verständliches chemisches Exempcl. Magcnsäurc besteht aus Salzsäure in einer nicht im voraus bestimmbaren Menge, Komm� nun dazu das Natriumdikarbonat, so entsteht explosiv Kohlensäure,, die aufstößt und aber auch den Magen dehnt, somit am Geschwür reißt und dasselbe vergrößert. Aber außer der Kohlensäure entsteht auch eine bedeutende Menge von Kochsalz aus dem Natrium und dem aus der Säure freiwcrdcnden Chlor, das wiederum reizend wirkt, und ist ein Uebcrschuß von Bikarbonat eingenommen worden, so regt dieser wiederum den Magen zu vermehrter Bildung von Salz. säure an und das geht in stetem Zirkel herum, bis man immer größere Schädigungen erzeugt. Bikarbonat muß also als ein durchaus ungeeignetes Mittel zur Magenfäurebekämpfung betrachtet werden und dürfte aus der Volks-, wie auch aus der Schulmedizin verschwinden. Denn an besten Stelle gibt es sowohl die zweckmäßigere Magnesia und die ebenso harmlose Kreide, von denen die erster« eine rnüd abführend« Wirkung entfaltet. Di« Anwendung von Magnesia statt Bikarbonat kann sehr viele Magengeschwüre schon zu Beginn verhüten. Es ist also Zeit, daß man den Bikarbonatzopf endlich herunterschneidet. Wenn man nun auch behaupten kann, daß viele Magen- geschwüre, die aus Diätfehlern entstanden sind, von selber wieder ausheilen können, so ist doch' deren sorgfältige Behandlung mit Rück- ficht auf den unbestimmten Ausgang durchaus am Platze. Man nehme also die Sache nicht zu leicht, sondern konsultier« den Arzt, und zwar den Magenarzt. Magengeschwüre gehören nun zu den krankhasten Erscheinungen, für welche wir keine spezifischen, d. h. das Leiden als solches direkt beeinflussenden Mittel kennen. Dos einzige.�was medizinisch direkt gemacht werden kann, ist, daß die wunde Stelle im Magen durch ein geeignetes Medikament mit einer Wismbthfchicht bedeckt wird� die durch Einnehmen und nachherige entsprechende Lagerung des Körpers und damit des Magens auf die Wundstelle gebrocht wird und dort eine Art Schutzüberzug bildet, unter welchem die Heilung vor sich gehen kann und daß man alles vermeidet, was eine n.ue Schädigung oder Verstärkung der alten herbeiführen kann. Die Hauptlast bei der Heilung trögt der Patient, indem er sich in der Nahrungsaufnahme an ganz bestimmte Beschränkungen. kk. h. eine peinlich Innezuhaltende Diät zu halten hat und wissen muß, daß er jedes Nachgeben seinen Gelüsten gegenüber amit bezahlen muß. daß er in seiner Kur unter Umständen um Kochen zurückgeworfen wird. Wenn also der Säureüberschuh zusammen mit dem Magen- f-rment Pepsin die Magemvand angefressen und verdaut haben, so mästen wir verhindern, daß durch ungeeignete Speisenaufnahme die Säurebildung wieder gesteigert wird. Wir müssen sie durch eine reizlose Kost auf ein Minimum reduzieren, bis das Geschwür vernarbt ist. Die Errungenschaften der Medizin auf diesem Gebiete sind also rein vorbeugende und gehören in das Gebiet der angewandten Phy- siologie, die in diesem Fall fast nur Chemie ist. Die Nahruivjz. mittel sind in ihrem Verhalten auf dem Wege durch den Magen und Dann größtenteils genau erforscht und wie wir ihre Kalorien- zahl kennen, wissen wir auch, wie sie sich in �Magen und Darm weiter verhalten. Wir kennen die sogenaimten Säure bildner. d. h. Stoffe, welche in den Magen gelangt, denselben zur Salz- säurebiidung stimulieren. Man nennt sie auch Saftlocker oder Saft- treiber. Zu den bei Magengeschwüren verbotenen Sastl ackern gehören Alkohol, insbesondere saure Weine und Likör«, während- dem gewisse stark gerbsäurehaltigc Rotweine erlaubt werden können, gewürzt« und salzig« Speisen(weshalb der Salzbildner Bikarbonat verboten werden muß und auch kein Bikarbonat in Medikamenten gereicht werden darf), Bratensoßen, Fleischextrakte, Süßigkeiten, Hülsenfrüchte, Salate, gleichviel, ob sie mit Essig oder Zitrone an- gemacht sind, pikante Käse, rohes Obst, ja sogar der teilweis« medi- zinisch verordnete Spinat. Die Behandlung fordert also vom Patienten äußerste Diszi- plin und Entsagung, denn gerade viele der Ding«, welche er gerne hoben möchte, sind ihm absolut verboten, und wenn man bedenkt, daß ein« Kur sich nicht nur über Wochen, sondern über Monate erstreckt, ja mit gewissen Einschränkungen ein Jahr zu dauern lzat, dann begreift man, warum so viele Rückfälle erzeugt werden. Die Disziplin des Patienten oersagt... Da diese Disziplin in der Nahrungsaufnahme jedoch das Hauptheilmittel darstellt, so hat der Patient seine Heilung so gut wie vollkommen selber in der Hand, und der Arzt ist nur der geeignete Berater.> Diätschemas sind also das ärztliche Mittel gegen die Geschwüre. Die Schemas gehen alle vom Tage der letzten Blutung aus und hoben die Absicht, über«ine gewisse Schutzdiät den Patien- ten langsam wieder zur Vollkost zurückzuführen. Der Patient hat die ersten drei bis vier Wochen in strenger Bettruhe zuzubringen und bekomint dann beispielsweise nach Lcnnartz: Am 1. Tag nach der Blutung 2 eingeschlagene Eier und 200 Gramm Milch, alles kalt und in kleinen Portionen. Am 2. Tag 3 Eier und 300 Gramm Milch: om 3. Tag 4 Eier und 400 Gramm Milch und 20 Gramm Zucker; am 4. Tag 5 Eier und 500 Gramm Milch und 20 Gramm Zucker, 1 Stück Zwieback: am 5. Tag g Eier, 600 Gramm Milch, 30 Gramm Zucker, 1 Stück Zwieback: und so wird langsam wieder ein Menü ausgebaut, das sich in Wochen wieder einer allgemeinen Krankcndiät nähert. Am 6. Tag 7 Eier und so steigend, bis om 7. Tag die Zahl der Eier 8 erreicht hat und am 9. Tage die Milch 1 Liter beträgt. Di« Eier und die Milch bleiben dann eine Woche konstant auf dieser Zahl. Vom 6. Tage an wird mit 35 Grainm rohem Schobefleisch ohne jedes Gewürz begonnen und 100 Gramm Milchreis und 20 Gramm Zwieback gereicht, die dann entsprechend bis zum 10. Tage gesteigert werden, wo weiter roher Schinken und Butter hinzutritt. Die Diät beginnt am 1. Tag mit 280 Kalorien und hat am 13. Tage bereits 3007 Kalorien erreicht, woraus man sieht, daß das möglichste versucht wird, um rasch eine Kräftigung zu erziele». Dem weiteren Aufbau der Nahrung über Breikost und leichter Kost zur Vollkost bestimmt der Arzt nachher nach den Fortschritten der Heilung. An Mineralwässern werden dazu meist Karlsbader Mühlbrunn und Kistinger Rakoczy verschrieben. Hunderte und Taufende von Patienten sind nur durch peinliche Diät wieder geheilt worden, wobei man ein jahrelanges Ausbleiben von neuen Erscheinungen noch keineswegs als endgültige Heilung betrachten darf. Geduld und Geduld und nochmals Geduld erfordert eine Krankheit, deren Ausgang oft genug bloß in dem hastigen Hinunterschlingen zu heißer und ausgesucht reizender Spei- sen ruhte, die mit zu viel und zu schwerem Alkohol begossen worden waren, und Nervosität war mit eines der Hauptmowcnte, die das Auftreten begünstigten. Magengeschwüre sind eine Strafe für Disziplinlosigkeit im Essen und rächen sich dadurch, daß die Patienten dafür nachher zu einer geradezu eisernen Disziplin im Essen gezwungen werden. Dr. I. R. Spinner. Der Patient im Recht Vorschlag zu einer Aenderung des A.E.§ 281 Nach dem Entwurf zum neuen Strafgesetzbuch soll künftig die ohne Zustimmung des Patienten vollzogene Heilbehandlung, die bis- her, sofern irgendwie eingreifend, als„Körperverletzung" nach 223 StGB, amtspflich�ig zu verfolgen war, als-„t igen- mächtige Heikbchandl u'ng" nur, sofern sie gegen den Willen des Patienten vollzogen wurde, und nur aus Antrag verfolgt werden. Hiermit wird dem arztseitigen Gesichtspunkt genügst daß«s sich bei heilbehandelndcn Maßnahmen niemals um eine„Körpervcr- letzung" handeln könne und daß die Pornahme der einzelnen heil- behandelnden Maßnahmen zum Besten des Patienten selbst nicht von dessen Zustimmung abhängig gemacht werden dürfe. Unzweifelhaft zeigt sich zuweilen erst in der Operation, also oft erst in der Narkose, was tunlich zu operieren ist, und eine vorherige, alle Möglichkeiten erwägende Befragung des Patienten kann zum Schaden des Patienten dahin ausschlagen, daß aus Furcht oder aus Mangel an Einsicht die zweckmäßige Operation abgelehnt wird oder daß der Patient unmittelbar durch die aufregenden Erwägungen eine Schädigung erfährt. Wenn aber die ärztliche Eigenmächtigkeit und mit ihr die Eigenmächtigkeit des nichtärztlichen Heilkundigen im neuen Strafrecht wesentlich Unter diesem Gesichtspunkt behandelt werden soll, so bedeutet die» eine Einseitigkeit und damit eine G e- s ä h r d u n g des Rechtsgutes der freien Verfügung über den eigenen Körper, das vielmehr durch die strafrechtliche Be- stsmmung gegen eigenmächtige Heilbehandlung ja geschützt werden soll. In praktischer Auswirkung der entworfenen Bestimmung würde sich nämlich zwangsläufig ergeben, daß nunmehr die eigen- mächtige Heilbehandlung, soweit sie von einem Arzt aus- geübt wird, tatsächlich immer st r a f f r e i ist. Denn die Eigen- Mächtigkeit soll ja nur dann strosfällig werden können, wenn sie ausdrücklich gegen den Willen des Patienten stattgefunden hat, und der Arzt brauchte also nur eine Befragung durch den Patienten oder eine klare Auskunft auf dessen Befragung zu vermeiden, um der Straffälligkeit vorzubeugen, ja dürfte notfalls auch ein wenig lügen. Denn ein solches täuschendes Verhalten des Arztes würde immer als eine ärztlich therapeutische Maßnahme zum Besten des Patienten anzusprechen sein und damit die Handlung, die etwa gegen den Willen, des Patienten stattfinden müßte, taklisch decken. Daß sich der Patient gegen ein solches Verfahren wirksam wehrt, ist bei der selbstverständlichen Passivität jedes Patienten als Leidenden und als Rat- und Hilfesuchenden praktisch fast ausgeschlossen, und zur späteren gerichtlichen Beiseitesetzung des täuschenden Verfahrens würde ein ärztliches Gutachten erforderlich sein, das die ausgeübte Täuschung als der Uebung eines gewissenhaften Arztes widersprechend bezeichnet: ein solches Gutachten ist bei den heute vor- herrschenden medizinischen Ansichten nicht zu erwarten, um so weniger zu erwarten, als der Gutachter selbst Arzt, also unwillkür- lich voreingenommen wäre. Damit wird aber die gerichtliche An- erkennung des Rcchtsgutes der freien Verfügung über den eigenen Körper illusorisch. Nun mag man, zumal der arztseitige Standpunkt, der sich hierin durchsetzt, an sich kein Standpunkt des persönlichen Arztinteresses ist, sondern des Patienteninteresses, nur am arztseiligen Blickwinkel, diese Entrechtung des Patienten praktisch für gemeinhin belanglos halten. Man mag dazu auch für gleichgüllig zur Ausrechterhaltung des Rechtes ansehen, ob der Rechtsverletzer bestraft wird oder nicht bestraft wird— ich habe selbst mich gn anderen Stellen wiederholt ge- gen das ganze heute atavistische System des gerichtlichen„Strafens" ausgesprochen—, ober es gibt und leider nicht ganz selten Fälle, in denen die ärztliche Eigenmächtigkeit sich zum Schaden des Patienten auswirkt, und da eine Strafverurteilung, wie die Dinge recktspraktisch liegen, oft der Schlüssel.�wenigstens der psychologische Schlüssel zur Durchsetzung von S ch a d e n e r s a tz a n- sprächen ist, liegt es durchaus im praktischen Interesse des ein- zelnen Patienten, daß der Rechtsschutz der freien Verfügung über den eigenen Körper wirksam gehalten wird. Doch ist ein wirksamer strafrechtlicher Schutz der freien Bersü- gung über den eigenen Körper auch nöch aus weiteren individuellen und sozialen Gründen dringend geboten. Schon heut«, obwohl«ine strengere Gesetzgebung wirksam ist, leidet das Verhältnis zwischen Patient und Ärzt oft darunter, daß der Arzt sich eine zu große Machtstellung gegenüber dem Patienten zuspricht. Trotz der be- wundernswcrten Leistungen unserer medizinischen Wissenschast ist es ja unleugbar, gerade durch Vorkommnisse der letzten Zeit auch vor. oller Oxsseiitlichkest schmerzlich erhärtet, daß von den einzelnen Aerzten mitunter schwere Fehlgriffe getan werden, und einer der Umstände, die zu den Fehlern der Aerzte hinführen, ist die weit verbreitete, auch von besten und wohlwollendsten Aerzten geübte Unterschätzung des Patienten als Subjekt und da- mit des eigenen Meinens des Patienten über feinen Fall oder seine Veranlagung. Infolge des diagnostischen und therapeutischen Fehlens vieler Aerzte, das der betroffene Patient oftmals auf diese Unterschätzung seines Meinens zurückführen kann, werden aber viele Leidende, auch akademisch gebildete, in einer begreiflichen, wenn- gleich nicht gerechten Verallgemeinerung dem gesamten Wissenschaft- lichen Arzttum entfremdet und gehen zum nichtärztlichen Heil- kundigen über, der seine Patienten in ihrem Wissen und Willen zu achten pflegt und nur über harmiofere Mittel verfügt. Wenn nun der Arzt durch das neue Strafrecht von allen strafrechtlichen Be« grenzungen befreit wird, so wird er n o.ch weniger hen Patienten als Subjekt einzuschätzen neigen, und infolge hiervon werden die Aerzte, soweit sie zur Aufsindung der rechten Wege sich mit aus das eigene Meinen und Wollen des Patienten stützen müßten, noch mehr fehlen und werden die Leidenden noch zahlreicher zu den nicht- ärztlichen Heilkundigen abwandern. Diese Folgen aus dem neuen Strafrecht müssen aber wegen des Nachteils für einzelne Leidende und, weil die besten Heilbehandlungsmöglichkeiten im allgemeinen doch unzweifelhaft bei den wissenschaftlich durchgebildeten Aerzten liegen, als h ö ch st bedenklich bezeichnet werden. Das geplante Strafrecht sollt« also die bestehende Rechtsbc- stimmung, daß jeder Eingriff in den Körper des Patienten ohne dessen Einwilligung, nicht nur gegen dessen Wille», strafbar ist, aus- rechterhalten. Nur die neue Abhängigmachung der Straf- Verfolgung von einem individuellen Strafantrag und die hierin«ingeschlossene moralische Entlastung der heilbehandelndcn Eigenmächtigkeit von der ungerechten Kennzeichnung als„Körper- Verletzung" sind zu begrüßen. Auf diesem mittleren Wege wird einerseits die förderliche, wenngleich eigenmächtig vorgenommene Heilbehandlung kaum je zu einer Anklage führen—£5 braucht ja nun auf Anzeige keine Strafverfolgung einzutreten und der ge- förderte Patient wird nicht wegen einer formalen Rechtsverletzung. die. ihm nützte, Strafantrag stellen— und ist andererseits gegen die schädlich gewesene Eigenmächtigkeit dem Patienten eine straf- rechtliche Waffe zur Unterstützung von Schadenerfatzaniprnchen in > die Hand gegeben und wird damit das Rechtsau d.r iree»!• fügung über den eigenen Körper wirksam gewahrt. Daß'ür T > fälle, in deney /die Einhoiung einer Zustimr mg de-' 1 kaum möglich war. volle Straffreiheit vorgesehen wird'> verständlich. Der Wortlaut betreffend„Eigenmächtige Heii!� lung(A. E.§ 281) sollte also lauten: „Wer jemanden ohne dessen Einwilligung zu Heil- zwecken behandelt, wird mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft. Ebenso wird ein approbierter Arzt bestraft, der ohne die Einwilligung einer Schwangeren eine ärztlich gebotene lln er- brechung der Schwangerschaft oder die Tötung eines in der Gebun begriffenen Kindes vornimmt Der Versuch ist strafbar Die Vorschriften der Abs. 1, 2 finden keine Anwendung wen der Behandelnde oder der Arzt nach den Umständen au?"rküiib war. die Einwilligung des Behandelten oder der Schw n e>» zuholen, ohne ihr Leben oder ihre Gesundheit ernstlich zu geiahrden Die Tat wird nur auf Verlangen des Behandelten ode' der Schwangeren verfolgt. In besonders leichten Fällen kann das Gericht von Straf« ab sehen." Dr. Friedrich Luther wo woll'n sie am liebsten hin? Gehaltxauhbesierung ist allerding« nicht damit verknüpft." Kern sah Fehlinger groß an.„Herr Direktor, glauben Sie, daß man in meiner Lage überhaupt noch an so was denkt?" „Nein, gewiß nicht. War auch nicht so gemeint. Aber es gibt doch noch andere gute Orte." „Geht nicht, Herr Direktor. Kann nnch doch nicht selbst sür schuldig erklären!" Kern rang mit sich. Er kam sich wie ein gefesseltes Tier vor, dem auch noch das Maul zugebunden ist, so daß es weder aufstampfen, noch schreien kann.(Fortsetzung folgt.) (15. Fortsetzung.) Fehlinger wurde nervös:„Herr Generaldirektor haben da allerdings recht, ober... ich glaube, man könnte hier eine Ausnahm« nwchen. Der Mann sieht in dieser Versetzung eine unge- rechte... Verzeihung, ich muß wirklich sagen, daß Bahnmeister Kern einer meiner tüchtigsten Leute ist." Der Generaldirektor fuhr sich ärgerlich über die Glotze:„Ich verstehe nicht, Herr Kollege, wie man sich wegen eines solchen Mannes so bemühen kann. Was passiert ihm denn groß? So'n Verweis— unter uns gesogt— ist doch nichts Weltbewegendes. Und die Versetzung— Sie haben ja das Borschlagsrecht. Suchen Sie ihm«inen möglichst guten Platz aus." .„Kann's eventuell ein Platz mit höherer Besoldung sein?" Fchlinger krampfte vor Eiser und Nervosität die Hände zusammen. Der Generaldirektor legte die Zigarre beiseite und steckte die Hände in die Hosentaschen. „Nee, das geht mit dem besten Willen nicht. Dos wäre ja dann eine Beförderung!" „Aber es ist in ähnlichen Fällen gemacht worden." „Ausgeschlossen! Das kann man mal ausnahmsweise bei einem böhercn Beamten ntachen, aber das hier, dos ist doch kein ähnlicher Fall! Ich bitt' Sic, das ist doch kein ähnlicher Fall!" Fehlinger sah vor sich nieder. Cr wußte, daß es ein etwas gewagtes Spiel mar, was er jetzt treiben würde. Einen Augen- blick stockte er, dann sagte er leise, aber sehr bestimmt:„Ich möchte benierken, daß hier nicht ganz gerecht oerfahren worden ist." Der Generaldirektor antwortete nicht gleich. Er beirachtete sein Gegenüber aufinerksam, zog die Stirn kraus und sagte dann in einem Ton, der nicht mehr so gemütlich war wie bisher: „Das hoben Sie vorhin schon einmal angedeutet, Herr Direktor. Ich darf Ihnen antworten, daß ich persönlich mit der Sache nichts zu tun hob«. Di« Verfügung stammt von meinem Stellvertreter. Hinzufügen möchte ich, daß auch ich kein Freund von Ungerechtig- leiten bin." Fehlinger lehnte sich etwas zurück.„Ich bedauere unendlich, Herr Generaldirektor, daß die Angelegenheit diese Entwicklung gc- noimnen hat, aber Bahnmeister Kern hat eine solche Strafe nicht verdient.", Der Generaldirektor blickte einen Augenblick zun, Fenster hinaus, dann sah«r Fehlinger überraschend an und fragte:.Lieber Herr Kollege, stehen Sie etwa mit dem Herrn Generalinspektor nicht gut?" „Ich habe mit dem Herrn Gcneralinspekwr niemals ein« Differenz gehabt," antwortete Fehlinger ruhig. „Tja," der Generaldirektor spreizte langsam die Hand,„dann werden sie einsehen, daß die Anordnungen der Generaldirektion, die einem Teil der Beamtenschaft schon bekanntgeworden sind, nicht rückgängig gemacht werden können." „Es ist aber ungch'echt!" Fehlinger sprach lauter als bisher. „Das kann ich nicht beurteilen," auch der Generaldirektor erhob seine Stimme.„Aber das eine weiß ich: die Sache darf«nicht wieder aufgerollt werden, das würde die allerschlinimstc Untergrabung der Disziplin bedeuten! Bitte: ja oder nein?" Fehlinger senkte den Kops. Sein« Schultern fielen etwas nach vorn. Erst nach einigen Augenblicken und sehr müde sagt« er:„Die Sache ist mir unendlich peinlich." „Mir auch, aber es ist nicht zu ändern." Der Generaldirektor reichte Fehlinger über den Schreibtisch die Hand, zum Zeichen, daß die Unterredung beendet sei. Fehlinger nahm die dargebotene Hand, erhob und verbeugt« sich. Der Generaldirektor tat das gleiche. Si« sahen sich noch ernmal in die Augen. Um Fehlinger» Mundwinkel zuckte es schmerzlich. Der Generaldirektor zuckt« die Achseln. 15. K e r n verzichtet. Am Tage noch der Aussprache ließ Fehlinger Kern zu sich kommen./ „Mein lieber Kern," begann er, indes seine Augen und auch seine Gedanken hierhin und dorthin irrten.— Mein Gott, dachte er, indes sein Mund von selbst die Wori« formte, wie hat sich dieser Mensch in den paar Tagen verändert! Blaß, eingefallen das Gesicht. Aber die Haltung immer noch so ausrecht um» stolz wie vorher. Der Stolz vielleicht noch mehr betont als früher. Und dieses Starre, Unbeugsame. Ja. das ist das Holz, au« dein alle unsere Beamten geschnitzt sein sollten! Na, wer weiß, vielleicht besser auch nicht. Und diese Augen... Aber da« ist ja furchtbor! Daß aus dem � Blick eines Menschen in diesem Ausmaß Leid und Anklage sprechen kann! Und diesem Menschen soll ich nun gegeniibertreten und— ja, i»as denn sagen?—„Mein lieber Kern, wir müssen uns heute noch- mals über Ihre Sache unterhalten. Ich habe darüber mit dem Generaldirektor gesprochen... Ja, Herr Bahnmeister, ich habe tat- sächlich mit dem Herrn Generaldirektor Rücksprache gepflogen, aber..." Fehlinger zuckte die Achseln, wie es der Generaldirektor beim Abschied getan hatte.„Es ist leider nichts zu machen, Herr Kern. Sie müssen schon die Bersetzung in Kauf nehmen." Einen Augenblick wartete Fehlinger auf Antwort. Als Kern weiter schwieg, fuhr er, nach einem Notizblock greifend, fort:„Haben Sie für die Bersetzung irgendeinen Wunsch. Herr Kern? Wohin möchten Sie am liebsten?"' Kern schüttelte den Kopf. Seme Haltung und sein Blick blieben . unverändert. „Ja, was soll ich denn da vorschlagen, wenn Sie keinen Wunsch äußern? Es"ist doch immerhin noch günstig, daß Sie über Ihre Versetzung befragt werden.". M>t sich ringend, suchte Kern nach Worten. Endlich brachte er hervor:„Warum muß ich den» versetzt werden, Herr Direktor?" Diese Stimme— das ist die Verzweiflung eines Menschen, der an einer Ungerechtikgeit verblutet. Verblutet, nicht weil es um ihn geht, sondern weil er ein von ihm gellebte« System, an das er blind glaubte, zusammenbrechen steht—, fühlte Fehling« und sagte, um seine Erschütterung zu verbergen, möglichst herzlich: „Darüber brauchen wir zwei uns doch nicht mehr zu unter- halten! Sie wissen doch» wie ich über den Fall denke, lieber Kern. Ich habe mir jede erdenkliche Mühe gegeben, hatte den General- direktor auch schon fast so weit, daß er Sie Versetzung wieder zurücknahm, aber einmal geht sie nicht von ihm selbst aus, und dann ist sie nun einmal den Verwaltungsinstanzen schon bekannt." „Und damit bin ich für schuldig erklärt!" Kern sagte das nicht laut. Er braust« auch nicht auf. Aber es war etwas eigentümlich Gebrochenes in seiner Stimme, das schlimmer war als ein lauter Ausbruch. „Was heißt schuldig?" Fehlinger ließ die Handflächen incin- ondergleiten. „In Wirklichkeit ist's umgekehrt!" Kern jagte das in der- selben Art. „Das kann man eigentlich auch nicht sagen, lieber Kern. Es ist mehr eine Verkettung von unglücklichen Umständen." „Der Unfall brauchte nicht passieren," Kern redete sich allmählich frei und er wurde leidenschaftlicher.»Ich habe meine Pflicht mehr erfüllt als die anderen. Und ich soll oersetzt werden, ich, Bahn- Meister Kern, 22 Jahre im Dienst! Ich bin jetzt der Schuldige! Mich, den dummen Bahnmeister macht man verantwortlich. Als den einzigen. Als den einzigen, der seine Pslicht nicht erfüllt hat." ,,?lch nein, das ist ja gar nicht der Fall. In den Akten steht wörtlich, daß hie Ursach« des Unfalls nicht genau festgestellt werden sonnte." „Aber ich werde im Zusammenhang damit versetzt! Da heißt's eben später, daß wahrscheinlich der Bahnmeister Kern was versehen hat. Der Unfall ist eine Tatjache und die Versetzung auch. Beide Tatsachen bleiben nebeneinander bestehen für all« Zeiten. Ich bin der Schuldige! Und wenn Sie wüßten, in welcher Aufregung ich vor dem Unfall ständig gewesen bin---!" Kern lachte auf. „Ich hatte doch alles zu oerantworten! Die Tage, die Wochen vor dem Unfall bin ich mit dem Gedanken herumgelaufen, nachts habe ich davon geträumt, wenn auf den morschen Bohlen ein Zug ent- gleist bei dem Verkehr und so und so viel Verstümmelte und Ver- letzte, so und so viel Tote..." Ueber Kerns Stirn liefen Schweißperlen. Er zog das Taschentuch und trocknet« sich die Stirn. „Aber Mann," Fehlinger hielt die Augen �gesenkt, er litt darunter, Kern vor sich zu sehen,„warum machen Sie sich bloß solche Bilder vor, es ist doch noch glimpflich abgegangen!" „Jeder Beamte, der die Verantwortung für einen Eisenhahnzug trägt, muß bedenken, was passieren kann, wenn er[eine Pflicht vernachlässigt." Fehlinger räusperte sich. „Nun wollen wir mal vernünftig miteinander sprechen. AHso, eßueh Stöbert äSudsinfki: Mehr' um Ein Roman, geschrieben von einem Maler, gesehen von einem Maler, gezeichnet von einem Maler! Trotz der nicht mehr ganz neuen Grundidee des Stoffes eigenartig geformt und durch originelle Einfälle belebt. Der Held, selbst«in Maler, wird in eiirsamer Gegend von einem Wegelagerer überfallen, verliert das Bewußtsein und entdeckt nach seinem Erwachen, daß er totgesagt ist. Der Räuber, der ihm Mantel, Rock, Stiesel, Geld, Wertgegenstände und Papiere abgenommen hatte, war abgestürzt, wobei sein Kopf bis zur Unkenntlichkeit zer- schmettert worden war. So wurde er als Maler Reinhold Barting begraben. Dieser benützte nun die Gelegenheit, um durch die Bresche, die diese unoerhosste Verwechselung in sein bisher so gesichertes, vorgezeichnetes, bürgerliches Leben geschlagen hatte, hindurchzu- schlüpfen und ein neues Leben zu beginnen, da er— als unerkannter Zuhörer bei seiner vermeintlichen Beerdigung— zu seiner eigenen Ueberroschung erkennt, daß er noch gar nicht gelebt habe! Und so wird aus dem Maler Reinhold Bärting der Arbeiter lauer Schmid. Ausgezeichnet, wie der Autor den neugebackenen Proleten Pro!?- tarieofchicksal erleben läßt, wie er ihm in Situationen bringt, die organisch sich aus der einmal gegebenen Sachlage entwickeln, ihn Zurücksetzung, Verfolgung und Not, aber auch Hilfsbereitschaft und scheue Feinsühligkeit des Arbciteres kennen lernen läßt und den Leser durch die Art der Gestaltung zwingt, für die Sache der Ar- beiterschast Partei zt�tehmen, sosern noch ein Funken Gerechtigkcits- gesühl in ihm schlummert, ausgezeichnet auch wie der Autor die Gefahr oermeidet, die gerade bei derartigen Stoffgebieten besonders naheliegt, durch aufdringliche Tendenz und dickaufgetragene Ueber- treibungen werben und wirken zu wollen. Eine nicht alltägliche Liebesgeschichte und ihr nicht alltägliches Ende, geschickt hineinver- woben in den Laus der Handlung, verleihen dem Lied rauher Wirk- lichkeit sanfte und lyrische Töne, die der Autor mit Geschmack und Verständnis zu verteilen weiß.» Was diesem Roman aber sein besonderes individuelles Gepräge gibt, das sind die vielen, sehr beachtenswerten Federzeichnungen und Holzschnitte, die nicht bloß als illustrative Beigabe Verwendung finden, sondern häusig als selbständiges Ausdrucksinittel in die Handlung eingreifen und die Erzählung fortführen. Durch diese glück- liche Verbindung von Text und Bild, die in ihrer Art durchaus neu und erstmalig ist, wird eine starte und eigenartige Wirkung erzielt, die die Plastik und Lebendigkeit des Erzählten ungemein erhöht.— Di« Sorgfalt, die auf die Ausstattung dieses Romans aufge- wendet wurde, macht dem Verlag(„Der Büchertreis", Berlin) alle Ehre.— Hans Zeuger. WAS DER TAG BRINGT. iinimiiiiutniimnmiininiimuiiiiiiMimmmiinmninnnnuttiainniiiiiim«iiiiiniiiiiinuiiiuiHiiMmianiiHiHiiiiimiiiiiutiJUiiiiiiiiiunimiiiiuuiumimiiiuuuitiiiiuuiuiiiiiiiiiu>ua Die höchsten Berge. Die höchsten Berge der Well weist Asien auf. Das höchste Gebirge ist das Himalajagebirge zwischen Indus und Brahmaputra, dessen höchster Berg der Mount Everest mit 884» Metern ist. Es folgen der Dhawlagiri• mit 8180 Metern und der Kantschindschinga mit 8580 Metern. In dem tibetanischen Karakorumgebirge ist der höchste Gipfel der Godwin Austen mit 8020 Metern. In Amerika liegen die nächsthöchsten Be�ge. Der Aconcagua in den chilenischen Anden ist 6053 Meter hoch, in Peru ist die Nevada de Huascan mst 6721 Metern zu nennen, serner der Sorata mit 6550 Metern. Der Chimborasso in den Anden Ecuadors ist 6310 Meter hoch, der Cotopaxi, ein Berg in den Cordillerien von Quito, ist mit seinen 5943 Metern der höchste tätige Sultan. In Afrika ist der höchst« Berg der Kilimandscharo im ehemaligen Deutsch-Ostafrika. Er hat zwei Gipfel, von denen der westliche namens Kibo 6100 Meter hoch ist, während der östliche namens Mawensi nur 5355 Meter mißt. Bon den europäischen Bergen ist der Moni Blanc in den Alpen mit 4810 Metern der höchste. Der Monte Rosa mißt 4638 Meter und dos Matterhorn 4432 Meter. Bon den europäischen tätrschen Vulkanen ist der Aetna 3278 Meter hoch, während der Vesuv nur 1223 Meter mißt. 200 Billionen Dollar.. Man schreibt uns: Wie der„Abend" vom Freitag, dem 1. August d. I.. in dem Artikel.Li« Zukunft amerikanischer Großstädte" berichtet, sind in der Stadt New Uork allein 200 Billiorren Doltar Kapital investiert. Höre und staune, lieber Leser, 200 Billionen Dollar. Weißt du, wieviel Billionen Mark das sind? Das find 840 Villionen Mark. Welch ungeheurer Reichtum sich in diesen Zahlen darstellt, das kann man erst ermessen, wenn man dos deutsche Volksvermögen zum Vergleich heranzieht. Die Schätzungen über die Höhe des deutschen Volksvermögens schwankten in�der Vorkviegszeit zwischen 150 und 350 Milliarden Goftmark. Schon dies« Zahle» zeigen, wie außerordentlich schwierig es ist, ein Volksvermögen überhaupt annähernd richtig zu schätzen bzw. zu berechnen. Wer selbst wenn man nun 350 Milliarden Goldmark, also die höchste Schätzungszahl, für das deutsche Bolksvermögen als richtig annimmt, so ist dieser Betrag immerhin erst reichlich eine Drittel Billion, und zwar nicht Dollar, sondern nur Mark. Bor einiger Zeit ging durch die deutsche Presse auch«ine Notiz, die da besagte, daß in den amerikanischen Eisenbahnen 2 2 Billio- neu Dollar investiert sind.— 200 Billionen Dollar sind 200 000 Milliarden Dollar, und 200 000 Milliarden Dollar sind 840 000 Milliarden Mark. Zur Zeit unserer größten Inflation wird die Stodt Berlin vielleicht ebensoviel wert gewesen sein. Nachrechnen läßt sich das beinahe nickst, rmd so stehen mir nun vor diesem Rätsel. wo kommt dieser gewaltig« amerikanisch« Reichhun her? Dem Leser dieser Zeilen, der mit Neid diesen ungeheuren amerikanischen Reichtum betrachtet und sich womöglich dabei denkt, wie leicht wäre es doch den Amerikanern, unser« gesamten Kriegs- und Reparationskosten zu bezahlen, ohne, dabei eigentlich«in im Derhällms zu ihrem Vermögen nennenswertes Opfer zu bringen, dem sei zur Beruhigung gesagt, daß diese Zahlen entweder amerika- nischer Humbug oder nur durch Irrtum entstanden sind. Weder stecken in den amenkonischen Eisenbahnen 22 Billionen Dollar, noch stecken in den Sachwerten der Stadt New Uork 200 Villionen Dollar. Des Rätsels Lösung finden wir, wenn wir erfahren, daß der Amerikaner eine Billion nennt, was wir hier in Deutschland und wohl auch im übrigen Europa als Milliarde de- zeichnen. Und da außerdem fast alle amerikanischen Nachrichten an gewaltigster Uebertreibung nichts zu wünschen übrig lassen, kann man getrost auch noch dann einige Abstriche machen, wenn man die Billionen in Milliarden umgewandelt hat. Für 22 Billionen Dollar oder gar für 200 Billionen Dollar kauft man wohl so ziemlich alle?, was überhaupt in der Welt käuflich ist! Im Land« der unbegrenzten Möglichkeiten, ganz gleich, in welche Stadt man dort kommt, ganz gleich auch, was man dort betrachtet, sei es ein Denkmal, sei es ein öffentliches Gebäude, fei es ein Zoologischer Garten oder ein Museum, immer ist es„tbc grastest oi the World". F. M. Gutachten über Damenhüte. Im Jahr« 1850 erschien in den Berliner Psennig-Blättern, einer Unterhaltungstzeitschrift des damaligen Berlin, ein medizinisches Gut- achten, wonach medizinisch nachgewiesen sein sollt«, daß»Lopsreißen und unterschiedliche neucre Augenübel der Frauen von den kleinen Hüten herrühren; Gesicht und Borderkopf seien Wind und Wetter preisgegeben, das Licht falle zu stark in die Augen". Gleichzeitig wurde die Behauptung eines englischen Arztes wiedergegebeD daß das.völlig schutzlose schöne Haar infolge fehlender Bedeckung dem zeitigen Ergrauen und Ausfallen ausgesetzt sei. Was würden diese Mediziner erst für Gutachten abgeben, weyn sie in unserer Zeit lebten! Eine Riesenbowle. Den Ruhm, die größte Punschbowle der Welt gebraut zu haben, kann zweifellos der englische Lord Rüssel in Anspruch nehmen, der st» Jahre 1786 den Offizieren und Mannschaslen seiner Flotte ein riesiges Punschgelage gab. Er ließ in feinem Garten ein Bassin mauern, das mit 100 Flaschen Kognak,[200 Flaschen Malaga, 600 Flaschen Rum und 4 Tonnen kochendes Wasser gefüllt wurde. Hinzu kamen serner 600 Pfund Zucker und 200 geraspelte Muskatnüsse. Ein Schiffsjunge fuhr in einem Boot in dieser Punschbowie herum und schöpft« das köstliche Naß für die Zecher. Es sollen deren 6000 gewesen sein. Fernsprecher auf dem Erdball. Nach den neuesten Statistiken gibt es gegenwärtig auf unserem Erdball rund 33 Millionen Fernsprechstellen. Europa verfügt davon über 9 Millionen Fernsprechanschlüsse. In den Bereinigten Staaten entfallen aus 100 Eimvohner 15,8 Sprechstellen, in Kanada 13,2 Sprechstellen, in Dänemark 9,3, in Schweden 7.7 und in Deutsch- land 4,4 Fernsprechanschlüsse. Deutschland steht also im Weltfern- sprechverkehr an fünfter Stell«, in Europa an dritter Stelle, wenn man das Berhältnis zwischen Einwohnerzahl und Fernjprechstelleu jeslftellt. Unkenrufe der Reaktion Arbeitersportler, seid auf der Hut!/ von Carl Severin� ' Auf dem Nürnberger Bundestag des Arboiter-Turn- und Sporte bundes, der im Juli 1929 stattfand, Hab« ich von einem Plane gesprochen, alle aus Reichsmitteln unterstützten zentralen Kulturorganisationen, insbesondere die Sänger-, Turner- und Theater- bände, zu gelegentlichem gewerkschaftlichen Wirken zuisammen- zufassen. Dabei habe ich selbstverständlich nicht daran gedacht, das organisatorische Eigenleben der Bünde auch nur im leisesten anzu- tasten, denn jede Einschränkung der organisatorischen Selbständig- keit der in Betracht kommenden Bereinigungen hätte den Bestre- bungen der Reichsregierung aüf eins gesunde Verbreitung und Förderung der Leibesübungen, des Chorgssangs und der Kunst- pflege beträchtlichen Abbruch getan. Worauf es mir ankam, war: durch das Iuja nun«»wirken der verschiedenen staatsoejahendcn Bünde, wie z. B. bei Derfassungsfeiern, einer künstlichen lieber- treibung der weltanschaulichen und parteipolitischen Gegensätze auf den genannten Kulturgebieten zu begegnen und serner einer vielfach beobachteten Einseitigkeit in den Arbeiten der Bünde entgegen- zutreten. Man kann sich zu diesem Plane stellen wie man will. Er hat in der Presse keine ungünstige Beurteilung gesunden. Nur wenige bayerisch« Blätter erblickten in der Ausführung des Planes die Inanspruchnahme einer Zuständigkeit durch das Reich, die nach ihrer Auffassung zu den Rechten der Länder gehörte. Daß seine Ausführung in Verzug geriet und warum die Ausführung ver- zögert wurde, hat mit den nachfolgend:» Betrachtungen nichts zu tun. Jedenfalls ist d e r Plan selbst ein Beweis dafür, daß mir eine einseitig« Bevorzugung de- st i m m t e r weltanschaulich oder parteipolitisch beeinflußter Richtungen in den Kulturländern durch- aus ferngelegen hat. Die„Berliner B ö r s e n z e i t u n g" ist anderer Meinung. Unter der lleberschrift„Reichssubvcntion für das Reichsbanner" verösfentlichte sie vor«inigen Tagen einen Artikel, der die Sozialdemokratische Partei im allgemeinen, wie inich nn besonderen beschuldigt, Staat und Partei r.iiteinander zu verwechseln, d. h., die Bedürfnisse des Staates den Interessen der Partei unterzuordnen durch die Verwendung von Staatsgeldern zu reinen Parteizwecken. Zum Beweise für diese Behauptung führt das Blatt an, daß aus einem vom Reichsminister des Innern ver- walteten Fonds mit der Zweckbestimmung„Förderung des Turn- und Sportwesens" neben einer Reihe parteipolitisch neutriler Or- ganisationen auch Verbände mit ausgesprochen sozio- listischem Eharakter Zuwendungen erhalten haben. Das find nach ihrer Meinung u.a. die Zentral- kommission für Arbeitersport und Körperpflege, der Arbeiter-Turn- und Sportbund, der Arbeiter-Athleten-Bund, der Berein Natur- freunde, der Verband sozialistischer Arbeiter-Jugend, das Haus der Jugend in Frankfurt a. M., der Deutsche republikanische Pfadsinder- tmnd und endlich— das schrecklichste— das Roichsbannerl Zu diesen Auslassungen ist zunächst folgendes zu bemerken: Ob die aus dem Turn- und Sportfonds unterstützten Organisationen partei- politisch beeinflußt oder neutral sind, berührt die Zweckbestimmung des Fonds nicht. Sie ist an keine Voraussetzung parteipolitischer oder weltanschaulicher Neu- tralität gebunden. Deshalb hat es auch keinen Sinn, sich mit der„Börsenzeitung" über den Charakter des republikanische» Pfadfinderbundes oder des.Dauses der Jugend" auseinander- zusetzen, die wohl höchst erstaunt darüber sind, mit sozialistischon Organisationen gleichgestellt zu werden. Ebensowenig wird es sich lohnen, mit dem Blatt darüber zu streiten, ob die von ihm als parteipolitisch neutral anerkannten Organisationen nichtsozialistischer Färbung dieses PrädikM tatsächlich verdienen. Neutral ist de r „Börsenzeitung" eben alles, was nicht sozio- listisch oder entschieden republikanisch ist. Richtig ist, daß die von der„Börsenzeitung" ausgeführten Organisationen aus dem Sportfonds Zuwendungen erhalten haben, — der Arbeiterturnerbund wie die Deutsche Turnerschast, die sozio- listische Jugend wie die Jugend anderer weltanschaulicher Gruppen, soweit sie den Staat von heute bejahten. Ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, daß ich die staatliche Unterstützung von Organisationen, die ihre Ziele durch Gewaltonwendung erreichen wollen, für eine übertriebene Selbstverleugnung, ja für staatlichen Selbstmord holte, an dem ich nicht mitwirken wolle. Darum fehlen die Bünde der Thälmann und Genossen in dem Katalog der unter- stützten Vereinigungen ebenso degründet, wie die Goebbels-Garden oder die Hugenberger Volksbegehrens-Organisationen. Der Artikel der„Börsenzeitung" wirft mir vor, daß die Höhe der dem Reichs- banner zugewiesenen Summen in einem Sammelbetrag„getarnt" sei. In meiner Verwaltung des Sportfonds gab es nichts zu „tarnen", und wenn in den Unterlagen der„Börsenzeitung" die Zuwendung an das Reichsbanner, das schon, im Jahre 1928 eine Sport- abteilung eingerichtet hat, nicht spezialisiert erscheint, dann darf, das hier nachgeholt werden: aus dem Einmillion-Fonds des Jahres 1929 hat das Reichsbanner 2560, in Worten zweitausendfünfhundert Mark erhalten! Würden die Auslassungen der„Börsenzeitung" mich nur persön- lich berühren, dann hätte ich aus diese Darlegungen getrost ver- zichten-können. Ich habe nicht nötig, mich gegen Vorwürfe partei- politischer Verwendung von Staatsgeldern zu verteidigen. Diese Methode des politischen Kampfes war die Eigenart des alten Re° gimes, dessen Nachahmung mir nicht liegt. Der Artikel der„Börsen- zeitung" hat jedoch eine nicht geringe politisch« Bedeutung, und darum ist seine Beleuchtung nicht ganz überflüssig. Der Artikel schließt mit einem Appell, um nicht zu sagen Befehl an den Reichs- innenminister Dr. Wirth: „Es wird Aufgabe des Herrn Reichsinnenministers Dr. Wirth sein, dafür zu sorgen, daß von nun an Staatsmittel nur solchen Organisationen zukommen, deren parteipolitische Neutralität garantiert ist." Die Kreise der„Börsenzeitung"— das sind die schwerindustriellen konservativen— und ihre Soldschreiber wittern Morgenlust: das ist lein Geheimnis. Aber daß sie ihre Wünsche ausgerechnet Herrn Wirth gegenüber so ungeschminkt vortragen, das ist— nicht nur für sie außerordentlich bezeichnend. Denn die von der„Börsenzeitung" beanstandeten Organisationen sind auch in früheren Jahren, schon unter den Ministern Dr. Külz und v, Keudell aus den gleichen Fondsmitteln unterstützt worden. Sie haben in den einzelnen Jahren folgende Beihilfe erhalten: 1926(Dr. Külz) 95 000 M., 1927 (v. Keudell) 101 500 M., 1928(Severing) aus dem auf 1,5 Millionen erhöhten Fonds 149 500 M. und 1929(Severing) nachdem der Fonds wieder um 500 000 M. gekürzt war, 133 850 M. Herrn Wirth wird also bedeutet, die Zuwendungen an Arbeiter-Sportorganisa- tionen zu verweigern, die schon unter dem deutschnationolen Minister v. Keudell bewilligt worden sind!!— Ver Artikel der..Börsenzeitung" kommt zur rechten Zeit. Er zeigt allen wahren Sportfreunden im republikanischen Lager, wohin tue Reife geht, wenn der Reaktion am 14. September nicht ein deutliches„hall" gerufen wird. Herrn wirth aber wird im stillen Kämmerlein der Stoßseufzer entrinnen: „Ver Herr behüte mich vor meinen Freunden.. Hamburger Sportfest Freie Turnerschaft Grotz-Berlin an der Spitze • Das 1. bnndesoffene Sportfest des Arbeiter- Sport-Elub Hamburg war ein voller Erfolg für den Der- anstalter. Zahlreiche Arbeitersportler aus Berlin, Hannover, Lübeck und den naheliegenden Orten trugen dazu bei, daß sich in ollen Konkurrenzen spannende Kämpfe entwickelten. Leider wurden diese Kämpfe durch einen sehr schweren woltenbruchartigen Regen unter- brachen. Die heruntergekommenen Regenmengen waren so groß, daß die Laufbahn des Stadtparkes auf weite Strecken gänzlich unter Wasser gesetzt worden war. Trotz dieser widrigen Umstände wurden teilweise sehr gute Leistungen erzielt. Den größten Anteil an den Erfolgen hatte die Abteilung„Ostring" der Freien Turnerschast Groß-Berlin, die hauptsächlich in den Sprintstrecken überlegen waren. Den 100-Meter-Einladungslauf gewann Traxel- Ostring in der Zeit von IIB Sek., vor seinem Bereinskameraden Stoll. Den 200-Meter-Lauf sah überraschenderweise Fischmonn- Athleiik-Sport-Club-Berlin knapp vor Traxel in Front In der 4 X 100-Meter-Staffel stellte Ostring unter Beweis, daß sie zu den besten Diererstaffeln des Bundes gehört. Die Zeit von 45 Sek. ist unter Berücksichtigung der ausgeweichten Aschenbahn als hervorragend zu nennen, desgleichen die Zeit von 1.56 Min. in der 10 X 100-Meter-Staffel: auch hier war„Ostring" nicht zu ichlagen. Der Sieg im 1000-Metcr-Lauf fiel auch nach Berlin. Huwe- Ruhlsdorf, zeigte hier gutes Können und richtig« Taktik. In der 4 X 800-Meter-Staifel hatte Hamburg keinen ebenbürtigen Gegner -und liefen hier ein ganz überlegenes Rennen. Auch'im 3000-Meter- Lauf sah man gute Leistungen. Häufchke-Langenhorn war hier in 9 18 6 Min vorn Sehr intereffante Kampfmomente sah man auch in den Jugendwettbewerben. In der 4 X 100-Meter-Stafsel setzte sich der gute Nachwuchs von„Ostring durch, sie siegten hier in der ansprechenden Zeit von 49.2 Sek., vor Fichre-Eimsbüttel. In der Schwedenstaffel lief Hamburg 93 vor„Ostring ein. Vicrländcr-Arbcifcr-Tcnniskampf In den letzten Julitogen trafen sich Arbeitertennisspieler in Kopenhagen zur Austraguuq eines Bierlöicherkampfes. an dem Genossinnen und Genossen aus Dänemark. Lettland, Oesterreich und Deutschland beteiligt waren. Die Vertreter unseres Bundes haben sich in der schweren Konkurrenz sehr gtck geschlagen. Dänemark gewann den Wettkampf mit 72 Punkten vor Deutschland mit 66. Lettland mit 26 und Oesterreich mit 14 Punkten. Lettland und Oesterreich stellten keine Frauen im Spiel, wodurch die geringe Punktzahl zu erklären ist. Die Ergebnisse der einzelnen Wetttömpie sind: Mönner-Einzel: l. Henning Jensen. Dänemark 24, 2. Günther. Deutschland 22, 3. Harry Jensen. Dänemark 20 Punkte. Männer-Doppel: 1. Günther-Schwarik, Deutschland 12, 2. Jensen-Jensen. Dänemark 8 Punkte. Frauen-Einzel: 1. Mayer, Deutschland 8, 2. Pampel, Deutschland 6. A. Nielsen, Dänemark 4 Punkte. Frauen-Doppels 1. Mayer-Pampel, DeuHchicmd 4, 2. Nielisell-Rasmussen, Dänemark 2 Punkte. G e- m i s ch t- D o p p e l: 1. Nielfen-Jeirsen, Dänemark 8, 2. Rasmufsen- Jensen, Dänemark 6, 3. Pampel-Schwarik, Deutschland 6 Punkte. Der Länderkampf findet in jedem Jahre statt und zwar 1931 in Wien im Rahmen der II. Arbeiter-Olympiadr. Die Kreismeisier im Ringen und Heben Die Kreismeister des Arbeiter-Akhletenbuudes für 1930 im G e- wichtheb�n der.-I-Klaffe: 1. Kreis Sportvereinigung„Nord- Oft" 03 Breslau mit 1375 Pfund.— 2. Kreis„Sparta" Guben mit 1437 Pfuich.— 3. Kreis„Sportklub" 1925 Stolzenhagen mit 1774 Pfund.— Kreis 3a„Wacker" Allenstein 1402,5 Pfund.— 4. Kreis„Sportlich« Veixinigung Lichtenberg-Friedrichsfelde 04 stellt mit 2179 Pfund gleichzeitig den Bundesimuftcr.— 5. Kreis„Adler" Halle a. d. S. mit 1705 Pfund.— 6. Kreis l. Athletenklub Chenmitz. Gewicht fehlt.— 7. Kreis„Thuringa" Erfurt 1707 Pfund.— 8. Kreis Kraftsportverein„Eiche" Magdeburg-Südost mit 1848 Pfund.— 9. Kreis Sportklub„Germania" Harburg-Whrbrg. Gewicht fehlt.— 10. Kreis„FrifchAuf" Hannover-List mit 1ZO0,5 Pfund.— 11. Kreis „Adler" Kassel mit 1456 Pfund.— Der 12. Kreis hat feinen Meister nicht gemeldet.— 13. Kreis Freier Athletenklub Speyer a. Rh. mit 2103 Pfund.— 14. Kreis Freie Athletenvereiuigung Mainz mit 1611 Pfund.— 15. Kreis Sportvereinigung„Johannis" Nürnberg »nst 1702 Pfund.— Kreis 15a Sportvereinigung Augsburg-Ost mit 1570 Pfund.— 16. Kreis Arb eiter- A th letenverei n Bäckingen nnt 1374 Pfund.— 17. Kreis Kraftsportklub Mannheim-Wohlgef. mit 2182,5 Pfund.— 18. Kreis Freie Kraftsportvereinigung Rüftringen mit 1393,5 Psunh. Kreismeister für 1930 im Ringen der-1- Klaffe: 1. Kreis Kraftfportoerein„Einigkeit" Langenbielau.— 2. Kreis Kraftfport- Artiftenverein Senftenberg II.— 3. Kreis Sportklub 1925 Stolzenhagen.— 4. Kreis Sportklub Luckenwalde.— 5. Kreis Germania- Felsenfest Halle a. d. S.— 6. Kreis(Eichenfranz 1896 Leipzig.— 7. Kreis Vorwärts Gera-Zwötzen.— 8. Kreis Whletenfportoereini- gung Dessau.— 9. Kveis Sportklub Goliath Hamburg.— 10. Kreis „Auguftus" Hannover-Kleefeld.— 11. Kreis Atlas Bielefeld.— 12. Kreis Siegfried Düsseldorf-Flingern.— 13. Kreis Krafifportkütb Friefcnheim-Ludwigshafen.— 14. Turn- und Athletik verein Die- berg.— 15. Kreis Kraflsportllub Fürth in Bayern.— Kreis 15a Sportklub Hitzler München.— 16. Kreis Cherusklub Stuttgart.— 17. Kreis Athletilklub Mannheim-Feudenheim.— 18. Kreis Freie Krastsportvereinigung Rüstringen. Stendal in» Zeichen der Arbcifersportler Am Sonnabend und Sonntag weihte die..Frei« Turner- schaft Stendal" ihr« selbstgeschaffene Sportanlag« ein. Aus einer Sandwüste ist eine der schönsten Sportstätten Stendals entstanden. sagten die Vertreter der Behörden in ihren Ansprachen! Der Platz Hot eine 400 Meter lange Aschenbahn, ausgedehnte Zuschauerplätze und«in massive» Klubheim. Tennisplätze sollen, noch angegliedert werden. Die Stendaler Arbeiterschaft hat durch zahlreichen Besuch der Einwaihuagsfeier aber auch die jahrelang« Arbeit der Stendaier Avbeitersportler belohnt. Am Sonnabend wohnten 2000 Zuschauer der gut gelungenen Abendveranstaltung bei. Ein Handball» spiel Burg— Stendal eröffnete den Reigen; dann gab«s Tu r n e n und gymnastische Sondervvrführungen bei Scheinwerser- licht. Den Abschluß bildete ein Festspiel„B olk s wi ll e". Am Sonntag war ganz Stendal auf den Beinen. Dichte Menschenmauern begrüßten den 1000 Teilnehmer zählenden Demonstrationszug der Sportler. In den Ansprachen der Bundse- und Stadtvertreter sowie in den Stiftungen der Geschäftsleute kam restlose Anerkennung der geleisteten Arbeit zum Ausdruck. Mit einem abwechslungsreichen Programm, das Massengymnastik, Leichtathletik, Turnen und Spiele brachte, erhielten die Stendaler einen Einblick in die Arbeitersport- bewegung, der sich unzweifelhaft sehr bald zahlenmäßig in der „Freien Turnerschast Stendal" auswirken wird. ARBEITER. ruSSBALL Das Werbeturnier in Neukölln Teltows 2. Mannschaft spielt« gegen Britz 88; der Sieg von 7: 1 war wohl reichlich hoch, aber dem Spielverlauf nach an- gemessen. Neukölln-Britz 1 konnte gegen Eintracht- Reinickendorf 2 glatt mit 4:0 gewinnen. Ein für die zweite Mannschaft technisch hochstehendes Spiel zeigte Eiche gegen Britz 1. Die Köpenicker hatte» jederzeit das Spiel in der Hand; der 7: 1-Sieg ist daher auch verdient. Minerva 2 glaubte wohl die 1. Mannschaft von Deutsch-Wusterhausen glatt schlagen zu können. Bis zur Pause führten die Neuköllner bereits mit 5: 1. Dann drehten die Wusterhaufener Dampf auf, und plötzlich stand das Resultat auf 5: 5. Kurz vor dem Abpfiff gelang es Minerva dann noch, den Siegesircffer zu erringen. Einen wenig sportlichen Ein- druck hinterließ das Treffen zwischen Eiche-Köpenick 1 und Spart a-Nauen. Von«inigen Naucner Spielern wurde un- nötigerweise hart gespielt, so daß das Spiel beim Stande von 4:2 für Eiche abgebrochen werden mußte. Gerade das Gegenteil hier- von war der Kampf Minerva 1 gegen Eintracht 1. Wenn auch dem Turnierveranstalter der Sieg jederzeit sicher war, de- mühten sich beide Mannschaften doch um ein faires und flottes Spiel. Minerva gewann mit 6:0, Halbzeit 2:0. • Weitere Resultat«: Lichtenberg II gegen Wer- ß e n s r e 1: 4(1: 2). Die Wcißcnseer hatten reichlich Glück, um einen derartigen Sieg zu feiern. Karow weilte mit zwei Mann» schasttn in Kyritz. Beide Spiele konnten mit 4:1 bzw. 4: 0 ge» wonnen werden. VrfJvuUooütJU Die Spiele von FTGB.- Handball Zu den gestern gemeldeten Spielen des Bezirks Osten der FTGB. ist folgendes zu berichten, die Freien von Osten und Vorwärts- Hennigsdorf zeigten ein selten offenes und westes Spiel. Durch die körperliche Uebertegcnheit gelang Osten der Sieg mit 3:2(2:1). Di« Hennigsdorfer waren durch neue Spielerinnen sehr geschwächt. Bei den 2. Männermannschaften ge- wann Osten nnt 4:1(2:0). Ein flinkes und verteiltes Spiel, wobei Hennigsdorf zeitweise im Feldspiel überlegen war. Erst in der 16. Minute konnte Osten nach gutem Zusammenfpiel zum Führungstor einsenden, dem sechs Minuten durch Verwandlung einer Strafecke das zweit« Tor folgte. Ostens Mittelstürmer schoß in der zweiten Halbzeit noch dos dritte Tor; doch kurz nachdem gelang es dem Hennigsdorfer Msttelftllrmer das Ehrentor zu erringen. Osten war bis zum Schluß noch das viertemal erfolgreich. Osten hatte den Vorteil der besieren Schußfreudigkeit, was man bei Hennigsdorf vermißte. Der best« Mann bei Osten war Linksaußen, der Über- rajchend aus dem Fang kurz«insandte. Auch bei den 1. Männer- Mannschaften gelang Osten der Sieg mit 5:2(4:1). Abwechselnd de- fanden sich beide Mannschaften zeitweise im Angriff. Die Hennigs- borser wurden dabei sehr gefährlich, denn Schuß aus Schuß bekam �tens Torwächter, die er meisterhast bewältigte. Vald ging es mtt Hennigsdorf abwärts' und Osten konnte bis zur Pause die Tor- zahl auf vier erhöhen. Auch die zweit« Halbzeit sah beide Mannschaften zeitweise im Angriff, doch hätte Osten hier das Glück, ohne Abwehr des Torwächters, das fünfte Tor zu buchen. Auch Hennigsdorf gelang es zum Schluß des Spieles noch ein zweites Tor zu schaffen, während vorher und nachher das Tor für Rechts- außen nicht groß genug war. Osten hatte seine best« Chance im Torwächter, der seine Ausgabe gut erledigte: der HennigÄ-orfer hätte den Gewallwürfen nicht standgehalten. Das Sportkartell Schönebcrg-Friedenau veranstaltet am Sonntag, dem 10. August, von 17—19 llhr«in PrvMgandaspiel auf der Stadtparkwiefe mit Schluß kundgebung auf dem- Rüdolf-Wstbe-Platz. Di« Ansprache hält Genosse Georg Mendt. FTGB. IkenköllN'Britz. Die technischen L»iter aller Neu» löllner und Britzer Abteilungen müssen heute(Dienstag. 5. August) zur Sitzung erscheinen: 19 Uhr Sonnenpiatz. Alle 2. Abteikmqen üben bereits! ZTSB.,' ShM*! Westen.?onner»tag, 7. August, Beginn unseres Turn- betriebe» in ber Culmstr. IS. Unsere regelmäßigen Uebnngsndenbe sind i» der dortigen Kalle Dienstag» und Bonners tags von 20—22 Uhr. ZTKB., Zraoen und Zuagmädchen. Morgen. Mittwoch, grostc Ausschuß- ststung in der Weinmristrrftrastc sLchule). Beginn pünktlich Uhr. ftT««.. Bezirk Lichtenberg,»ie Eröffnung dcr Turnhallen in den Sollei. strabe findet erst«m ffreitag,«. August, statt. In der Tchreiderftauer Etrage ist dcr erste Turn abend am Dienstag, S. August. Kqnaftplah jeden Mittwoch ab 6 Uhr. gr»«.,»MtH etiboft-Treptow. Am Dienstag, 5. August, Wiederbeginn des Turnen» Mr allr Abtc>lungen. Die Be,irksiahrcsversammlung findet nicht am II. August, sondern am 1«. August um lg Uhr im Elsencck, Elsenstr. 700, mit wichtiger Tnaesordnnng statt. Es ist Pflicht aller Mitglieder Uber 14 Jähre. die Beefvmmlnng i»i besuchen. Ruder»««»«»legi«,«. Eharlottendneg twr>. Rächste Porftandssittung am Mittwoch. 0. August, de, Bruno Ztaufman». Eharlottenbnrg Mecrschcidt. strahe ttl. an der KaeselerftraZe, um 20 Uhr. grauen Üben die Freiübungen ,um Sportfest irden Dienstag und Donnerstog im Bootshaus. Am Eonnabend, 9. August, beteiligen wir uns an drr Wcrbcstafscl onlählich dcr Per- sassungsfeier. R-tnrfrennde.zaltbootsahrcr. Baden jcht jeden Dienstag 19-20*! Uhr mit der streien Eportnereinigung Echöneberq(Ecknvimmerl im neuen Etädt. Bad Echönebera. Kauptstraße. ZuhballNnb..Borwärt»-. ZSedding. Keule, 21 Uhr. Borstand-sittung b» «rohmann, Eecstr. 17. Daselbst Freitag. 8. August, außerordentliche Mitglteder- versammlung. Beginn 20 llhr. Tagesordnung: Aufstellung dcr Mannschaften zur Innairenden Serie. Jugend: Donnerstag, 7. August, im Jugendheim Seo- Ecke Turrner Etraste, 20—22 Uhr Arbeiter-Lichtbild.«»»d, Arbeitcr.Photo.«bilde»erlin. jfrciiog, 8. August. 19V. llhr, Alerandrrplast. Tic» sKauptportal), Treffpiiiikt zum Photographieren der U-Bo!>n-Ba uarbetteii. Käst- willkommen. BliNIicht mitbringen. TB.Di« Ratnrsreunde-, Pho-togeweinichost R»rd«». Donncrolag. 7. August, .»rundbegriffe der photogroptpschen Optik."— Stamnigruppc: Montag. 11. August, chäschsjftlicheg, Kuinaprsttschei. Hans Koch und Liese Scholz. Altes Volkslied. Oer Dank der Reichsbahn. „Billige" oder unbillige Härle? Ein Schlosser hat zwölf Jahre in den Werkstätten der Reichsbahn gearbeitet. Er hat in dieser Zeit mehrere I! n s ä l l e im Betriebe erlitten. Jnfolzedessen ist seine Er- werbsfähigkeit um 30 Proz. vermindert. Solange die wirtschaftlichen Verhältnisse noch besser waren als heute. Hot .nian den Schlosser beschäftigt, denn Arbeitskräfte wurden ge- braucht und man konnte'nicht darauf sehen, daß sie ohne Aus- nähme vollwertig waren. Jetzt aber glaubt die Direktion der Reichs b ach n den Einnahmeausfall durch Sparmaßnahmen ausgleichen zu müssen. Also werden Arbeitskräfte abgebaut. Dabei kommen— genau so wie in privatkapitalistischen Betrieben— diejenigen zuerst an die Reihe, deren Leistungsfähigkeit nicht auf voller Höhe steht, ohne Rücksicht darauf, daß sie einen Teil ihrer Arbeitskraft im langjährigen Dienst bei der Reichsbahn eingebüßt hoben. Auch den hier erwähnten Schlosser traf das horte Los der Eni- l a s s u n g. Er klagte beim Arbeitsgericht, denn er ist der gewöß nicht un- zutreffenden Meinung, daß seine Entlassung ein« uin billige Härre darstellt. Aber das Gericht ist anderer Meinung. Es erklärte durch den Mund des Vorsitzenden, daß zwar jede Entlassung für den, den sie trifft, eine Härte darstellt und daß dar durch Un- fälle geschwächte Kläger durch die Entlassung l>e sonders hart betroffen wird, aber das Betriebsrätegesetz schreibt vor, daß bei der Entscheidung darüber, ob eine unbillige Härle vorliegt, nicht nur die wirtschaftliche Lage des Arbeitnehmers, sondern auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Arbeitgebers zu berücksichtigen ist. Dem Arbeitgeber, der, wie im vorliegenden fsalle, aus wirtschaftlichen Gründen Arbeiter entlassen muß, kann nicht zugemutet werden, daß er minderleistungsfähige behält und statt ihrer vollarbeitsfähige, wenn auch jüngere Arbeitskräfte ent- läßt. Demnach kann die Entlassung des Klägers nicht als unbillige Härte angesehen werden. Das Gericht— erklärt« der Vorsitzende— hat volles Verständnis für die schwere Lage des Klägers, es kann aber nach dem Gesetz nicht anders urteilen, schlägt aber der Reichsbahn vor, dem Kläger mit Rücksicht auf die erlittenen Betriebsunfälle eine angemessene Entschädigung zu zahlen. Der Vertreter der Reichsbahn glaubte zunächst,„aus prin- ziptellen Gründen" auf den Vorschlag nicht eingehen zu können. Schließlich erklärte er sich jedoch nach längerem Handeln um die Höhe der Entschädigungssumme bereit, den Kläger mit Rücksicht auf seine Unfälle mit k0l> M. abzufinden. Damit glaubt die Reichsbahn— ihr Vertreter ließ das erkennen— besonders großmütig zu handeln, denn g e- fetzlich ist sie ja zu einer Entschäoigung an den Entlassenen nicht verpflichtet und moralisch« Verpflichtungen kennt der kapitalistische Betrieb grundsätzlich nicht. Wird aber einmal«ine moralische Pflicht nur zum kleinen Teile erfüllt, dann schwillt die Brust des Wohltäters gewaltig. Mit Schrecken muß man an die Lag« des entlassenen Unfall- geschädigten denken. Arbeit findet er nicht in einer Zeit, wo hunderttausend« Vollcrwerbssähige Jahr uno Tag vergebens nach Arbeit ausschauen. Invalidenrente bekommt er nicht, denn er ist ja noch zu 60 Prozent arbeitsfähig, und auf den Bezug von Alters- rente muß er, da er im besten Mannesalter steht, noch wenigstens 2l) Jahre warten. Bleibt ihm nur die kümmerliche Arbeits- losenunterstützung und die einmalige Zuwendung von 400 M., die in seiner Lage doch nur einen Tropfen auf den heißen Stein darstellen. Solche Fälle sind keinesfalls vereinzelt. Fast täglich er- eignen sie sich in jedem Großbetrieb«. Trotzdem wagen es die im Bürgerblock vereinten Parteien, den Abbau unserer unzureichenden sozialen Einrichtungen zu betreiben. Und der Koch schleicht umher, Trübe Augen, blasse Wangen, Und der Kopf ihm befangen, Und das Herz ist ihm schwer. Und der Scholz steht an der Türe Und er leistet bitt're Schwüre: Eh' der Westarp nicht gut ist, Schaut den Koch er nicht an! „Lieber Scholz, schau doch her! Laß den Westarp, der ist blöde. Aber ich bin nicht spröde Und ich lieb' dich so sehr! Darum: wenn du mit mir gut bist Ach, dann wird auch in der Kochkist' Unser Liberalismus Mit einem Male gar!" Und er bittet und fleht, Und er zupft ihn am Knöpfchen. Und der Scholz hält sein Köpfchen Schon halb umgedreht. Und er lacht schon und zieht's Mäulchen, Und er ziert sich noch ein Weilchen, Und dann küßt er den Koch Und die Einigkeit ist da! Fast gar nicht verändert von.Jonatban. Die Entführung des„Baumeisters". Sein« ganze Erzählung ist vermutlich erfunden. Räch den letzten polizeilichen Ermittlungen gewinnt die Vermutung immer mehr Raum, daß die Entführung des „Baumeisters" Dietrich lediglich ein Phantasieprodukt des angeblich lleberfallenen zu sein scheint. Es haben sich nämlich bei seiner Vernehmung so starke Wider- s p r ü ch e ergeben, daß die Polizei seinen Angaben sehr skeptisch gegenübersteht. Als Dietrich auf die U n w a h r s ch e i n l i ch k e i t seiner Erzälstung aufmerksam gemacht wurde, verweigerte er plötzlich überhaupt jode weitere Aussage. Dieses Schweigen, in das er sich jetzt hüllt, kommt geradezu einem Widerruf gleich. Wie die weiteren Nochforschungen ergeben haben, soll Dietrich niemals Baumeister gewesen sein und er steht auch in keinem Angestellten- Verhältnis zu einer Berliner Firma. Warum er der Polizei zuerst dieses Märchen aufgetischt hat, bleibt zunächst noch unerklärlich. Dietrich betreibt, wie festgestellt wurde, schon seit langer Zeit einen Handel mit hygienischen Artikeln, seine Frau ist Oberschwester in einem hiesigen Krankenhause. Die Leute leben also in sehr guten Verhältnissen. Das geraubte Geld hatte Dietrich am Tage zuvor von der Bank abgehoben. Zwei der Verbrecher, die an d«m Geldraub im Lokal am Schlesischen Bahnhos beteiligt waren, haben inzwischen nach längerem Leugnen ihre Mittäterschaft ei ngc st an den. Wo dos Geld geblieben ist, will dagegen niemand wissen. Bisher konnten nur die Papiere Dietrichs sowie sein Scheckbuch wieder herbeigeschafft werden. Kriminalbeamte entdeckten das Päckchen unter«incm Holzbrctt auf dem Boden eines Hauses in der Madaiftraße._ Zubiloum. Unserem lieben Genossen Franz Bauer nebst Gattin die herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit. 33. Abteilung. Wetter für Berlin: Zur Nacht wieder stark bewölkt mit etwas Regen. Am Tage veränderlich und etwas kllhl«r mit Neigung zu einzelnen Schauern. Südwestliche bis westliche Winde.— Für Deutschland: Unbeständig mit wcstostwärts sortschreitendec Abkühlung. Bi«lfach leichte Regenschauer._» Jkrantmortl. füt die Redaktion: Wolfgaog Schirar,. Berlin: Anzeigen: Zh.»locke. Berlin. Verlag: Borwört» Berlag K. n>. d. H.. Berlin. Druck: Borwiirtz Buch- bruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 6S, Lindenstrage 3. Hierzu 1 Beilage. Vorübung zur Wettrevolution. Oer Generalstreik in Frankreich. Lille. 5. August.(Eigenbericht.) Zn der Stadt H a l u i n. wo zur Zeit etwa 5000 Arbeiter im Ktreit stehen, kam es am Montag nachmittag zu Zusammen. flößen zwischen Kommunisten und der Polizei. Al» die Kommunisten einen Demonstrationszug zu formieren versuchten, schritt die Polizei zunächst vergeblich ein. Schlichlich gab sie nach wiederholten erfolglosen Bemühungen, die Demonstranten zu zer- streuen, eine Schrecksalve ab. Auch das hals nichts, vielmehr begannen zahlreiche Demonstranten Steine und Eisenstücke gegen die Polizisten zu werfen. Die Polizei gab daraufhin eine zweite Salve ab. durch die mehrere Personen verwundet wurden. In Ronen und Umgebung haben die meisten Arbeitgeber die geforderten Lohnerhöhungen in einer Höhe von K Proz. b e- willigt, um der in letzter Zeit erfolgten Teuerung des Lebens- Unterhalts gerecht zu werden. Diese Maßnahme hat eine durch. greifende Arbeitswied er ausnähme in den meisten Be- trieben zur Folge gehabt. Keststellungsklage gegen den VB ML. Sie Angestelttenverbände gehen gemeinsam vor. Die Vertreter aller am Tarlsverlrag beteiligten Arbeitnehmer. organisationen haben beschlosien, gegen den verband Berliner Metall- industrieller eine Feststellungsklage einzureichen. Es sollen insbesondere die Vorgänge bei der Firma Bergmann sowie Borsig zur Klageerhebung benutzt werden. Die Besprechung sand in den Räumen des Reichswirlschaftsrats statt.'■ i-i Lungarbeiter für(Sozialdemokratie! Eine Funktionärversammlung der Arbeiterjugend. In einer überfüllten Funktionärversammlung der Sozialistischen Arbeiterjugend Groß-Verlins sprach Max w e st p h a l vom Parteivorstand der Sozial- demokralie über die Reichslogswahlen. Wcstphal führte aus: Die Borschläge der Regierung Brüning in Sozial- und Steuerfragen konnten die Zustimmung der Partei auf keinen Fall finden. Der Reichstag wurde aufgelöst. Die abge- lehnten Gesetzentwürfe aber wurden durch Verordnung auf Grund des Artikels 48 doch als Gesetz erklärt. Klarer konnte keine Regie- rung zeigen, wohin der Kurs geht. So lange in der Außenpolitik die Mitarbeit der Sozialdemokratie notwendig war, um überhaupt nennenswertes zu erreichen, arbeitete man notgedrungen mit der Sozialdemokratie zusammen. Bei der Verteilung oer durch dies« Arbeit verringerten Lasten kann man die Sozialdemokratie ober nicht gebrauchen. Der Kampf geht um die S o zi a l p o l i t i k, um die Lastenverteilung, um Demokratie oder Diktatur. Ge- lingt es der Regierung Brüning, mit einer bürgerlichen Mehrheit aus dem Wahlkainpf zu gehen, so wird man sicher diesen reaktionären Kurs weiterführen. Daraus geht klar hervor, daß nur ein starkes Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen die Gewähr für Er- Haltung und Ausbau der Sozialpolitik, für gerechte Verteilung der Losten, für die Abwehr oller reaktionären Angriffe auf diesen Staat und seine Verfassung gibt. Wir haben die Gewißheit eines sozialdemokratischen Sieges. Der Vorsitzende Lindstaedt betont« in seinem Schlußwort: In klarer Erkenntnis, daß n u r die Sozialdemokratie wirklich die Interessen d«r arbeitenden Jugend vertritt, werden wir alles daran setzen, was jugendliche Kräfte vermögen, der Sozialdemo- k r a t i e am �4. September den Sieg zu sichern. SQiH Potsdamer Strafe 38 W 5, 7, 9 Uhr Tonfilm; Skandal am Eta mit Hcnnj Porten Rheinsiratze 14 K�iaSe) Mensdkcn antercinander mit Erika GlS�ncr« Allred Abel Mein Herz gehdrl Dir mit Camilla Horn Odcon, PotsdamerSir.75 Kriminal-Sprech-Pilm: Der Tiger mit Harry Frank Turmstratze 12 W. 5, 7, 9 Uhr Verlängert: Ton- und Sprechfilm: Melodie des Hcrxent mit DUa Parlo, W. Frlladi Alexanderstr. 39-40 i(Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Kriminal- Sprech- und Tonfilm: Der Tiger mit Harry Frank D Friedrlchitadt Die Kamera z."f', um Unter den Linden 14 Der Mann. der das Gedldrhils rerior Ums läglitfae Brot (Hunger in Waldenburg) W Moafclt V Artushof-Lichtspiele Film- and BOhnensdiaD Perleberger Str. 29 und Stendaler Str Seelenverkäufer mit Grell Berndl Die Hoae mit Werner Kr ans und Jenny Jngo Beiprogramm Welt-Kino Mt-Moabit 99 Achtimg 1 Autodiebe 1 mit Harry Plel Madame im Schlafwagen Beiprogramm Grones Orchester W WHmer»dor>> Atrium Beba-PaUst Kaiserallee, Ecke Berliner StraSe Täglich 7, 9.15 U Stg.: 5, 7, 9.IZ U. Siebente Woche: Urauff-I Franennot- Fraaengldek (Ein Film vom Werden d.Menschen, v.Leiden u.Freuden d. Mutterschaft) Titania(ufa s'chOndrent) Hauptstraße 49 W 6.30, 9 U. Stg. 3 U. Henny Porten!. Ihr. erst Sprechfilm: Skandal am Eva �___ Prledenat7™~"b Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 Beg W.7,9, U. S.3,5,7,9 U Tonfilm in deutscher Sprache: Der grobe Gabbo m. B. v. Str oheim Tfincndes Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt ■ st« all«» b Titania-Palast Steglitz, Schloßsir. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Täglich 6.30, 9 Uhr. Stg. 4. 6.30, 9 Uhr Kulturtonfilm: Mcnsdica Im DnsHi Beiprogramm g Sadwesf n» Film-Paiatt Kammersäle Teltower Str. 1 W.b'/r.Sbd. 6, Stg. 5 Uhr Hotel Iladt Lemberg m. Pola Negri 1000 PS. mit Richard Dia SO«! Osten Filmeck Beeinn sMIu Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Eröffnung der Herbsfsaison! 100 proz. Tonfilm: Westfront IWS (Vier von der Infanterie) Stella-Palast Köpenicker Straße II— M Beginn der Vorstellungen: Wochtg». 530, 7.15, 915, Sonnt. 3, 5. 7, 9 U, 100 Proz. Tonfilm: Der blane Engel mit Emil Jannings, Marlene Dietrich Regie; Josef v. Sternberg Sternwarte— Treptow Mittwoch 8 Uhr: Mapa, die Insel der 1000 Wunder Donnerstag 8 Uhr: Unter den Indianern S&damcrlkas „Elysium" �nd Prenzlauer Allee 56 W. 5.15, 7.15, 9.15, S ab 3 15 Uhr Tonfilm: Skandal am Eva mit Henny Parten Bühne: Jack jackmann and bis IS boy» ■ B Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentags 7. Sonntags ab 5 Uhr Das gr Doppelschlagerprogramm: Heilige oder Dirne mit Maria Corda. Hans Albers Uebcr'n Sonntag, lieber Schatz) mit Clara Dow Dos gnte Beiprogramm Die gnte Varleftschan Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Wochent 5 Uhr, Sonnt 3 Uhr Der große Sprech-Tonfilm: Der blane Engel m. Marlene Dietrich, Emil Jannings Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch. 5. 7, 8.45, Stg.3, 5, 7. 8.45 U. Der Tiger TonBIm-Sketch. Kaltnr-, Trickfilm Comenius-Lichtspielc Memeler Straße 67 W. 6. 8'., S ab 5 U Die grüne Laterne mit Carl Anen Ich bab beute nacht vom Rhein getrlumt mit Maria Paodler Concordia-Palast Andreasstr. 64 W.630,8 45U.,Stg.ab4U Tonfilm: Cyankali mit Grete Mosheim Messallna, historischer Sittenfilm Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 48 Bübncnschan Woch. 5, 7. 8.45, Stg. 3, 5. 7, 8.45 U. Jennys Bommel durch die MSnsrr Drei Leidenschaften W Nau.UctitarHsnr» H Kosmos-Lichtspielc Lichtenberg, Lückstraße 70 Die Vorbestraften m. Engen Klüpf er Liebesfalle mit Laura ta Plante Bübneeschau > Prladrlctiafalclm p Kino BusdK 6, 8.45 Uhr lunu OUSUl s.S. 7 u. 8,45 Uhr. Alt-Friedrichsfelde 3 Beiprogramm Ehe auf Probe mit Rath Miller Nacbtge st alten mit Jaek Trevor WatDunsaa Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 205—210 Stg.'7,3 Jgd.-V. Tonfilm: Skandal um Eva mit Henny Porten Beiprogramm Albambra Müllerstraße 136. Ecke Seestraße Gehetzte Mädchen Der große Sittenfilm Betprogramm/ Bübnenschan Pharus-Lichtspicle Müllerstraße 142 W.6U. Stg, 5 U 2 große Schlagen Der Maharadscha V. Domdanicn mit Adolphe Menfou Aloma, die Blume der Südsee Beiprogramm Marga-Lichtspiele Schulstraße 29 Die Brillen ten- Schmuggler von New York, gewalt. Sensation<10 A> 2 dunkle Augen mit Nils Astber DühnitTiidi cu Pratcr-Lichtspicl-Palast Kastanienallee 7-8 Wochentags 7,15. Sonntags 5 Uhr Der Katzensteg(nach Sudermann) mit Lissl Arne Heilige Lüge m. Gebühr, M. Schlegel Große Varl eftschau Skala-Liditspiclc Schönhauser Allee 80 W. 7. 9 U. Stg. 5, 7, 9 U Nach idestaü en mit Jack Trevor Die Wochen endbraot m. Elga Brink Colosseum N�u�uw Schönhauser Allee 123 Sprech-, Tonfilm: Der große Gabbo mit E. v. Str oheim Beiprogramm Panko EI3 Palast-Thcatcr Breite Straße 21 a W. 7. 9. Sonnt, ab 5 Uhr Gefahren der Braaizelt mit Marlene Dietilcfa Liebe and F rompetenblaaen mit H. Liedtke, L. Harvey Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 BOhnenrchan W. 7, 90. Stg. 5. 7u. 9 b Champagner mit Betty Balfoar Jenseits der Strafe mit Lissl Arna Bfihncnschaa Film-Palast ätahluscm Blankenburger Straße c W. 7, 9 U Stg. 5. 7. 9 U Gehetzte Mädchen(Geheimnisse des Mädchenhandels) Nachtgesialten > Tegel h Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 W. 6. Stg. 4', Uhr Das Geheimnis vom Königssee Trust der Diebe m. Agnes Ester hazy BUbnensdiaa „Kosmos" Filmbühne Hauptstraße 6 W. 6, 89j. S. ab 4>/s Der Adler mit Rudolf Valentine» Die neuen Herren m. Gaby Morlay Bflbnenschaa Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6, 8»- U Stg. 2 U. Jugendvorst. Stg.4Vc.6'/j 8». U Die Sensation im Diamantenklob Das Land ohne Recht m. Tom Tyler O Hhnni9»aorß M Filmpalast � ÄsVa Berliner Straße 59 Stg. 2U. Jug.-Vorst. Das große Schlager progrs mm