Morgenausgabe Nr. 363 A 153 4?.Iahrgang Wöchentlich 855t, monawchZ.So TO, im Dorau» zahlbar, Postbezug 4�2 TO. »inschlieblich öOPfg-Poftzeilrings- unb 72 5(8- Postbestellgebühr«». Ausland»» abonnemenr s.— TO. pro TOonat. * Der„Vorwärts' erscheint wochentäg» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben firr Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilagen.Volk und Zeit" und.Kindersreund". Ferner .Frauenstimme". Technil".Lliit in die Bücherwell"..Jugend. Vorwärts" und.Stadtb-Uage" Vevlin«! VsAsbla« Mittwoch 6. August 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige NonpareiLezeile 80 Pfennig. Reklame'.eile 5.— Reiche» mark.„Kleine Anzeigen� das ettge« druckte Wort 2S Pfennig lzulössig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt 'eile 60 Pfennig. Familienanzeigeu Zeile Z Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- gefchäst Lindenstra�e 3. wochentüglich von s>/z bis 17 Uhr. Jeniealsvsan der Gosialdemotvatifchen zsavtei Deutschlands -ievaktion und Berlage Berlin SW 68. Lindenstraße 2 Fernsprecher: Dönbof» 292—297, Telearainm-Adr Sozialdemokrat Berlin. Vorwörts-Verlag G. m. b. H. Polllchecklonto: Bcrim 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter Änacliellien und Beamten. Wallstr 65 Dt B u Di§r-Gel Devolitenkalle Lftrdenltr. 3. Neun Nationalsozialisten verurteilt Gefängnisstrafen wegen schwerer Körperverlehung. Mannheim, S. August. Das erweiterte Schöffengericht verurteilte neun Nationalsozia- listen, die an dem lleberfall auf eine Reichsbanner- g r u p p e am 14. Zuli beteiligt waren, zu Gefängnis st rasen von sechs Wochen bis zu sieben Monaten. Die Zeugenaussagen ergaben, daß die Angeklagten bei den Zusammenstößen die A n- greiser waren. Die Anklage lautete auf schwere Körperverletzung. Zuchihaus für Gprengstoffdiebstahl. Zugleich Vorbereitung zum Hochverrat. Leipzig, 5. Au)gust. Der 4. Strafsenat des Reichsgerichts verurteilte heut« wegen Hochverrats und Sprengstoffvergehens den Iljährigen, verheirateten Fabrikarbeiter und kommunistischen Stadverordneten Hubert K o h n c n zu sechs und den ledigen, dreimal wegen Dieb» stahls und Unterschlagung oorbestrasten SchlosserPeterRipp» Hausen zu fünf Jahren Zuchthaus, von den Strafen gelten vier bzw. zwei Monate als durch die Untersuchungshaft verbüßt. Ferner wurden beiden, aus Eschweiler stammenden Angeklagten die bürger» lichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Iahren aberkannt. Sie waren im März dieses Jahres unter dem Verdacht der Vorbereitung zum Hochoerrat und der Abrede eines Sprengstoff» komplotts verhaftet worden, nachdem Ripphausen auf seiner dama» ligen Arbeitsstelle, einer Eschweiler Grube, Sprengpatronen, Sprengkapseln und Zündschnüre emwendet hatte, die von beiden Angektagien gemeinschaftlich in einem Walde nahe Eschweiler vergraben und dort von der Polizei aufgefunden wurden. Das.Ge- richt hielt die beiden Angeklagten des Verbrechens gegen das Spreng- stoffgesetz in Tateinheit mit Vorbereitung zum Hochoerrat für über- führt und nahm ferner bei Ripphausen schweren Diebstahl an, zu dem ihn Kohnen angestiftet habe. Die auffallende Höhe der Strafe erkläre sich daraus, daß bei dem hier angenommenen Vorliegen eines Sprengstoffkom- plotts nach Z 6 des Sprengstoffgesetzes auf eine M i n d e st st ra f e von fünf Iahren Zuchthaus erkannt werden müsse, über die der Ge- richtshof hinausgehen zu müssen glaubte, mit Rücksicht auf die besondere Gemeingefährlichkeit der geplanten Verbrechen, durch die mitten im Frieden andere Personen an Leib und Leben gefährdet werden sollten. Zeiher Lufliz. Nationalsozialisten, ehemals Kommunisten, unter Anklage. Zeih, 3. August.(Eigenbericht.) Am Montag standen vor dem Amtsgericht Zeit fünf Ratio na!- fozialisten unter der Anklage schwerer Körperverletzung. Von den fünf Angeklagten waren nicht weniger als vier wegen Landfriedensbruch, Körperverletzung usw. bereits vorbestraft. Unter ihnen waren drei ehemalige Kommunisten. Der Angeklagte Hahn erhielt drei Monate Gefängms, der Angeklagte Meister sechs Wochen Gefängnis, die übrigen Angeklagten wurden- freigesprochen. Obwohl bei' dem vereinten gewalt- samen Vorgehen der Nazis der Tatbestand des Landfriedens- b r u ch s ganz deutlich gegeben war, lautete die Anklage nur auf K ö r p« r v e r l'e g u n g. Und damit war van vornherein«ine mildere Bestrafung der Angoilagten gesichert. Röchling als Makler. Die Schwerindustrie soll Staatspartei und Volkspartei zusammenbringen. Der schwerindustriell« Koinmerzienrot Röchling- Saarbrücken, der seit Iahren immer wieder das Bedürfnis hat irgend- eine politische Roll« zu spielen, hat sich in dem Krach zwischen Deutscher Staaispartei und Deutscher Volkspartei höchst per fön- l i ch und dazu t e l e g r a p h i s ch als Vermittler angeboten. Sein Telegramm an die Herren Scholz und Höpker-Aschoff als Ver- treter des Herrn Koch lautet: „Unter Hinweis auf die Vorschläge der„Kölnischen Zeitung� habe ich mich bereit erklärt zur Vermittlung zwischen Volkspartei und Staatspartei, wenn beide Teile mich darum an- gehen sollten." Inwieweit die Deutsche Volkspartei und die Deutsche Staats- Partei Herrn Röchling.Angehen" werden, wissen wir nickst. Röchling ist«in schmermdustrieller Unternehmer, der den Arbeitern mit deni ausgesprochenen Herrn-im-Hause-Standpunkt gegcnübcrtritt. Info- fern kann über die Tendenz seiner Bermittlerabsicht kein Zweifel bestehen. Ist Mahraun Aniisemit? Oer Zungdeutsche Orden als arische Parteizelle. Der Mitbegründer der Staatspartei, Herr Arthur Mahraun, arbeitet eisrig an der Umwertung aller Werte und aller politischen Begrisse. Er ist ungemein, fruchtbar—, hat er doch spielend die Ausgabe geläst, zugleich Antisemit und Philosemit zu sein. Das ist sehr einfach: für die Iungdeutjchen ist cr rassenstreng, für die Staatspartei aber von maximaler Toleranz in Rassenfragen. Er hat in seinem Blatte einen Aufsatz veröffentlicht:„Meine Stellung zum Judentum." Wie alles Jungdeutsche, zeichnet sich der Aufsatz dadurch aus, daß der Nachsatz immer den Vordersatz aufhebt. Herr Mahraun erklärt: „Verschiedene Zeitungen verösfentlichen einen Brief, in dein ich einem besorgten Freunde die Versicherung abgab, daß sich die Volksnationale Reichsvercinigung selbstverständlich energisch gegen olle diejenigen Juden zur Wehr setzen werde, welche an den Grundsätzen unserer christlichen und deutschen Kultur rütteln wollen. Andere Zeitungen bezeichnen das Vorhandensein des sogenannten Arierpara'graphen der eine der Grundlagen des Jungdeutschen Ordens ist, als Antilemitismus. . Der Iungdeutsche Orden läßt an d,eser Grund- läge seiner Mitgliedschaft nicht rütteln. Das ist doch klar und entschieden! Sofort erklärt Herr Mah- raun hinterher? „Unbeschadet unserer völkischen Gesinnung bekämpfen wir schon aus Gründen der nationalen Einheit und Lesriedung des deutschen Volkes den demagogischen Antlsemitis- mus unserer Zeit." Welch ein feiner Unterschied zwischen Antisemiiismus und „demagogischem Antisemitismus"! Die jii!)ischen Mitglieder der Deutjchev Äaot-partei sind zur Partei zugelassen. In ihrer Partei aber gibt es ein« besondere arische Organisation, einen Klub der Auserlesenen, auf dessen Machtstellung Herr Mahraun schon mehrfach gepocht hat. Das sind die Mitglieder erster Klasse, und an den Grundlagen dieses arischen Klubs will Herr Mahraun nicht rütteln lassen. Die Mitglieder zweiter Klasse dürfen vielleicht für die neue Partei zahlen—, aber in den Klub der Erstklassigen dürfen sie nicht hinein: denn über ihm steht wie über dem Versammlungsanzeiger der Hakenkreuzler: Juden haben keinen Zutritt. Staatspartei und Pazifismus. Erträgt die neue Partei Walter Schücking nicht? Professor Ludwig O u i d d e hat den Aufruf Mahrauns, der „die Ausschaltung der internationalen pazifisti- schen Schwärmerei forderte, mit einer Zuschrift beantwortet, der wir folgend« Stellen entnehmen: Ausgeschlossen in der Deutschen Staatspartei können doch nur jene Pazisistcn werden, die bisher der Demokratischen Partei angehört haben. Das waren also, um nur einige von jenen zu nennen, die sowohl als Pazisisten, wie als Demokraten stärker hervorgetreten sind, Männer wie Walter Schücking, Graf Harry Keßler, Geheimrat Adolf Heilberg(Bres- lau), Dr. Ioh. Leonhard(Kiel) und ich s e l b st. Um jo kompromittierender ist dann aber sein gegen uns ge- schleuderter Bannfluch, nicht für uns, sondern für ihn, k o m p r o- mittierendauchfürdieneueDeutscheStaatspartci und eine Herausforderung der Demokratischen Partei, die unsere Tätigkeit bisher weitgehend gedeckt hat. Ich will auf die Leistungen der genannten demokratischen Pazifisten nicht im einzelne» eingehen. Nehmen wir uns einen von ihnen, den international bekanntesten, Schücking,!o wird jeder anerkennen müssen, daß seine Ver» d i e n st c, auch vom Standpunkt der nationalen Interessen aus be- trackstet, turmhoch über denen des Herrn Mahraun und aller seiner Freund« stehen. Will man den Strich zwischen ihm. dem verdienten Völkerrechtslehrer, und mir, dem„pazifistischen Schwärmer" ziehen, so wird niemand energischer als Schücking diese Trennung sich verbitten. Wie die Demokraten meine Tätigkeit eingeschätzt haben, hat sich, als ich 1927 den Nobelpreis er- hielt und 1928 meinen 70. Geburtstag feierte, vor aller Welt gezeigt. Ich fühl« mich verpflichtet, noch ein Wort über die anderen „pazifistischen Schwärmer" zu sagen, die außerhalb derDemokratischen Partei stehen. Jeder, der sich ein wenig um pazifistische Ding« kümmert, weiß, in einem wie starken Gegen- satz ich zu Förster stehe, dessen Wirken ich bei aller Anerkennung seines reinen Wollens, für überwiegend schädlich halte, wie mich von der Kampfesweise Herrn von Schoenaichs und seiner heute in der Deutschen Friedensgesellschaft maßgebenden Freunde vieles trennt. Wer ich behaupte, daß keiner von ihnen das Deutsche Reich so ge- schädigt hat, wie der Iungdeutsche Herr Abel, der jetzt, wenn ich nicht irre, für die Deutsche Staatspartei zum Reichstag kandidieren soll, durch seine in Paris am 27. Mai gehaltene Rede. in deren Schlußwort er sagte:„Verstehen wir(d. h. Deutsche und Franzoien) uns nicht— nun gut—. dann w e rd e n w i r e b c n unsere Revanche vorbereiten, wie ihr Franzosen die eurige nach 1870 vorbereitet habt, und damit basta!" Kartelle und Krise. Reichswirtschastsrat berät/ NurWal?l«heater derRegierung? Die Frage, ob es die Reichsregierung mit ihrer Not« Verordnung zur Senkung der Kartellpreise ernst gemeint hat, ist jetzt akut geworden. Der Wirtschaftspolitijche Aus« schuß des Reichswirtschaftsrates ist gestern zusammengetreten. und im Namen der Reichsregierung hat Staatssekretär Dr. T r e n d e l e n b u r g, der das Reichswirtschaftsmini- sterium verwaltet, die Notwendigkeit beschleunigter Maß- nahmen auf dem Kartellgebiet mit dem wirtschaftspolitifchen Zwang begründet, das Selbsttosten- und Preisniveau zu senken. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Negierung müsse ebenso zu einem Einbruch in das bestehende Preis- system führen, wie die Ermächtigung der Regierung, Kartell- bindungen aufzuheben und die Beseitigung von Hemmungen sicherstellen müsse, die der freien Auswirkung natürlicher wirtschaftlicher Tendenzen im Wege stehen. Weil aber die Reichsregierung einen Erfolg ihrer Bemühungen erst dann gewährleistet sehe, wenn die beteiligten Wirtschaftskreise mit ihr vertrauensvoll zusammenarbeiten, deshalb sei der Reichs- wirtfchaftsrat, in dem alle Faktoren des Wirtschaftslebens vertreten sind, um ein Gutachten ersucht worden. Man kann wirklich sagen, daß selten eine Regierungs« aktion theoretisch einen so günstigen Start haben könnte, wie diese Aktion für die Senkung der Kartell- preis«. Denn mag auch der Streit darüber, wie Lohnabbau und Preissenkung miteinander zu kombinieren sind, für viele noch nicht entschieden erscheinen, so ist darüber in der Oeffent- lichkeit kaum mehr ein Zweifel, daß die gebundenen Preise j in Deutschland überhöht geblieben sind, daß ihre.Senkung iir entscheidender Weise den innerwirtschaftlichen Ursachen der deutschen Wirtschaftskrise entgegenwirken würde und daß vor allem die deutsche Exportfähigkeit und die Belebung des Bau- Marktes in entscheidender Weise von der Senkung der Grund« stosfpreise bei den Monopolindustrien abhängig ist. Man be« denke nur, daß von den öl) bis 60 Milliarden, auf die der deutsche Jndustrieumsatz zu schätzen ist, gut 1ö Milliarden auf Industriewaren mit manipulierten Preisen entfallen, und daß eine Ivprozentige Senkung der Kartellpreise eine Kosten« senkung in Milliardenbeträgen herbeiführen könnte. Die Reichsregierung hat sich auch selbst durch ihre Notverordnung die Ermächtigung gegeben, nötigenfalls den Widerstand der betreffenden UnternLhmerkreise zu brechen; darüber hinaus hat ja die öffentliche Hand, die jährlich rund 9 Milliarden. Auftrüge zu vergeben hat— über die Möglichkeiten des Prsisdruefs beim Arbsitsbefchaffungsprogramm hinaus—, eine riesenhafte Nachfragemacht, die sie zur Erzwingung von Preissenkungen nur richtig einzusetzen braucht. Dazu kommt, daß die öffentliche Hand in zahlreichen Kartellen selbst ver« treten ist und deren Wirksamkeit durch Instruktion der be« treffenden öffentlichen Unternehmungen weitgehend beein« flussen kann. Der Start der Reichsregierung für ihre Kartell- aktion ist also in der Tat in höchstem Maße günstig. Freilich— und hier beginnt das Problematische dep Aktion scheint es alles weniger als sicher» daß die Regierung diese theoretisch s o aus« gezeichnete Lage auch ernsthaft auszunutzen entschlossen ist, und leider hat die Einleitungsrede des stellvertretenden Wirtschaftsminifters unsere bisher geäußerte Skepsis, es könne sich ebensogut um ein W a h l t h e a t e r wie um den Willen zu ernsten Taten handeln, nicht beseitigt. Es ist dabei geblieben,«mß dem Reichswirtschaftsrat ein Gutachten über Doktorfragen zugemutet wird, es ist bei dem Eindruck geblieben, daß die Reichsregierung ganz gern etwas tun möchte, wenn nur die grundsätzliche Zu- stimmung des Reichswirtschaftsrates zur Kartellaktion ihr gegenüber den Kartellinteressenten die Verantwortung ab- nimmt. Wenn die Reichsregierung wegen eines bestehenden Notstandes sich zu ihren Ausnahmevollmachten in der Kartell- frage hat ermächtigen lassen, so muß die Reichsregierung wissen, wie im einzelnen der Notstand im Kartellwesen be- schaffen ist. der durch Regierungsmaßnahmen zur Senkung der Kartellpreise behoben werden soll. Davon aber, was die Regierung im einzelnen als notwendige Maßnahmen er- achtet, bei welchen einzelnen kartellierten Produkten und durch welche Maßnahmen die Kartellpreise zu senken sind, davon ist auch im Reichswirtschaftsrat nichts gesagt worden. Der Vertreter des Kabinetts hat zwar gesagt, daß es im Augenblick auf die Leistung praktischer Arbeit ankomme, die dem Reichswirtschoftsrat aber vorgelegten Fragen lassen alle Möglichkeiten zur Verschleppung der Diskussion und damit zur Verschleppung der Aktion Ein Erlaß des Reichsinnenministers Der Reichsminister des Innern, Dr.' Wirth. hat einen Erlaß an die Landesregierungen über die Neuwahl d.es Reichs« tags gerichtet. In dem Erlaß wird darauf hingewiesen, daß der Reichswahlausschuß nach den Erfahrungen srüherer Wahlen voraussichtlich am 12. Tag vor dem Wahltage, also am 2. Sep- tember, nochmals zu einer Sitzung zusammentreten soll. Ferner wird in dem Erlaß darauf hingewiesen, daß, wenn die beim zweiten Volksentscheid gebrauchten Stimmlisten und Stimm- karteten wiederverwcirdet werden sollen, vor ihrer öffentlichen Aus- legung dafür zu sorgen ist, daß aus ihnen die Beteiligung am Volksentscheid nicht mehr erkenntlich ist. Listen und Kar« teien, in denen die Beteiligung am Volksentscheid sich nicht voll- ständig unkenntlich machen läßt, dürfen bei der Reichstagswahl am 14. September nicht verwendet werden. Weiter heißt es in dem Erlaß des Reichsinnenministers: Es ist geduldet worden, daß im Abstimmungsraum Plakate und Auf- rufe der Parteien aushingen. Jegliche politische Propa- g a n d a im Abstimmungsraum ist unzulässig. Plakat« oder Aufruf« politischen Inhalts, die bei Beginn der Abstimmungshand- lung bereits im Abstimmungsraum angebracht sind, muh der Ab- stimmungsvorstand entfernen lassen. Nach Z SS Reichsabstimmungsordnung soll der Abstimmungs- Vorsteher die Beisitzer.unter Berücksichtigung der verschiedenen Par- teien' berufen: das ist nicht in allen Fallen geschehen. Bei einiger Bemühung wird es dem Abstimmungsvorsteher möglich sein, bei der Berufung die verschiedenen Parteien des Stimm- bezirks zu berücksichtigen. Die Bestimmung der Reichsstimmordnung über Zuziehung einer Bertrauensperfon ist vielfach dahin aufgefaßt worden, als müsse die Vertrouensperson dem Abstimmung»vorstand angehören. Die Wahl der Vertrauensperson ist ollein der Entschließung der Stimm- berechtigten vorbehalten. Von den Abstunmungsvorstanden ist dar- auf zu achten, daß die Zulassung von Vertrauenspersonen nicht mißbraucht wird. Personen, die zur Behandlung und Abgabe des Stimmzettels offenstchllich selbst in der Lage sind, dürfen sich keiner Bertrauensperfon bedienen. Es ist darauf zu achten, daß in den Kranken- und P fl eg e a nst a l t e n mit felbständi- gen St.immbezirken seitens, des Pflege, und Wartepersonals nicht in der Form der Anbictung von Hilfsdiensten bei Ausfüllung des Stimmzettels unzulässige Wahlbeeinflussungen vorkommen. .Die Eintragung in den Stimmzettel soll in einem Reben- räum oder an einem mit einer Vorrichtung gegen Sicht geschützten Nebentifch geschehen. Bei Andrang der Stimmberechtigten wird vielfach von den Abstimmungsoorständen nicht streng vorauf ge- halten, daß im Nebenraum oder am Nebentisch jeweils nur ein Stimmberechtigter sich aufhält. Die gleichzeitige Zulassung mehrerer Stimmberechtigter— auch wenn sie verwandt sind— gefährdet die Geheimhaltung der Abstimmung und muß daher unter allen Umständen vermieden werden, Ich bitte dahin zu- wirken, daß die Gemeindebehörden und Ab- stimmungsvorstände die Bestimmungen der Reichsstimmordnung peinlichst genau innehalten, um keinerlei Anlaß zuKlagenzugeben. Eine Trennung der Wahlberechtigten nach Ge- schlechter« kann zur Bermeidung einer Verletzung des Wahlge- heimnisses nur in solchen Gemeinden vorgesehen werden, die noch ihren Gesamwerhältnissen hierzu geeignet sind, wo durch die Größe der Stimmbezirke und bei Berücksichtigung aller Verhältnisse.eine Gefährdung der Geheimhaltung der Wahl ausge- fch l o sse n ist. selbst durch den Hinweis auf die notwendige grundsätzliche Klärung durch die Kartellinteressenten offen. Die Reichsregierung muß sich den Vorwurf, daß es ihr mit ihrer Aktion für die Senkung der Kartellpreise nicht Ernst -ist, so lange gefallen lassen, als sie nicht klar und deullich die bestehenden Notstände im Kartellwesen aufzeigt, als sie das Reichswirtschaftsministerium, das zuständig ist, nicht dazu auffordert, konkrete Vorschläge zur Behebung der Not und Mißstände im einzelnen zu machen. Die Reichsregierung kann sich nicht darauf hinausreden, daß der Reichswirtschafts- rot die Notstände und Maßnahmen zu ihrer Behebung fest- zustellen habe, die der Ausgangspunkt zu der Nowerordnung gewesen sind. Das Reichswirts chaftsminifte- rium hat seine Kartell stelle, es hat seine Be- amten, die über die Vorgänge und Zustände itt der deutschen Kartellwirtschaft nicht nur informiert sind, sondern auch Vor- schlage zur Erreichung der von der Reichsregierung ange- kündigten Ziels zu machen in der Lage sein müssen. Es wäre ein unerträglicher Zustand, daß der Reichswirtschaftsrat eine Aufgabe zuerteilt bekommt, deren Lösung so viel Schwierig- keilen bereitet, daß die Reichsregierung um die von ihr versprochene Initiative in der Frage der Kartellpreissenkung sich erfolgreich drücken kann! Wir haben vielfach aufgezeigt, wo bei den Kartellpreisen eingegriffen werden müßte: Bei den Kohlenpreisen, die heute um mehrere Punkte über den Haussepreisen von 1928 liegen, bei den E i s e n p r e i se n, die im Inland auch jetzt noch bis zu 45 Proz. über denen des Weltmarktes liegen, bei manchen Düngemitteln, deren Preissenkung freilich durch eine verrückte Handelspolitik erschwert ist, bei ver- schiedenen B a u st o f f e n, deren Index kaum jenen der Hausse von 1928 bisher unterschritten hat. Ueber die Mittel, wie die Preissenkung zu erreichen sein wird, mag sich der Reichswirtfchaftsrat gutachtlich äußern. Kein Mensch denkt ja daran, überhaupt mit einem Schlage die Kartelle be- seitigen oder jede Preisbindung überhaupt aufheben zu wollen. Nicht die Grundsatzfrage der Preisbindung, sondern die Tatfrage der Preissenkung steht zur Dis- kussiiön. Es ist notwendig, daß jetzt schnell und erfolgreich gehandelt wird, so wie es die Proklamation der Reichsregie- rung will. Es darf nicht dazu kommen, daß jetzt im Reichs- wirtschastsrat unbeschränkt geredet wird, so wie es die Reichsregierung insgeheim vielleicht möchte, weil sie sich gegenüber den Interessenten zu schwach fühlt! Die Gtaaiskommiffare für den Osten. Treviranus und Hirtfiefer. Wie in politischen Kreisen verlautet, wird sich die Reichsregie- rung im Benehmen mit der preußischen Regierung in den nächsten Tagen über die Einzelheiten der Durchführung des Ost Hilfeprogramms schlüssig werden, soweit dies durch die Notverordnung des Reichspräsidenten in Kraft gesetzt worden ist. Wie verlautet, ist als Reichskommissar Mini st er Tre- v ir an u s in Aussicht genommen, dessen Ressort durch den Weg- fall des Ministeriums für die besetzten Gebiete überflüssig geworden ist, als Kommissar der preußischen Regierung der Wohlfahrtsminister H i r t s i e f e r. Das Begräbnis von Ludwig Haas. Virth und Dietrich bei der Trauerfeier. Karlsruhe, 5. August. Der verstorbene Reichstagsabgeordnete Ludwig Haas wurde heute mittag zur letzten Ruhe beigesetzt. Am Grab«, vor dem ein großer Lorbeerkranz in den Farben schwarzrotgold niedergelegt worden war, gab Reichsinnenminister Dr. Wirth der Trauer der Reichsrcgierung um den Hingeschiedenen Ausdruck. Auch Reichs- finanzminister Dr. Dietrich gedachte der Verdienste des Toten, dessen Name mit der badischen Regierung untrennbar verbunden sei. Zahl- reiche weitere Redner gaben Kund« von der Wertschätzung und dem Wesen des Derftovbenen. Bombenlegerprozeß veriagi. Wegen der bevorstehenden Auslieferung von Kapphengst. Der Bombenlegerprozeß sollte ursprünglich vor dem Schwur- gericht in Altona am 14. August beginnen, wurde dann aber mit Rücksicht auf den noch andauernden Itzehoer Prozeh auf den 26. August o e r t a g t. 'Wenn auch dieser Termin zur Zeit»och anberaumt ist, so darf man doch annehmen, daß er abermals oertagt wird, nach- dem Kapphengst in Lugano verhaftet worden ist. Die Aus- lieferung Kapphengfts wird immerhin einige Wochen dauern, und dann wird auch noch die Frist für die Vorbereitung der Verteidiger gewahrt werden müssen. Nachdem Kapphengst nun einmal verhastet worden ist, besteht keine Veranlassung, dos Verfahren gegen ihn abzutrennen. Die Amnestiehoffnung der Fememörder. Die Verteidiger des Leutnants z. S. Eckermann, die Rechts- anwälte Professor Dr. Grimm-Essen und Dr. Sack-Berlin, hatten den Antrag gestellt, mit Rücksicht auf die vom neuen Reichstag zu erwartende Amnestie von einer Anberaumung der Hauptoerhand- lung des Femeprozesses Eckermann einstweilen Abstand zu nehmen. Laut Mitteilung des Oberstaatsanwalts vom Landgericht Rostock, vom 2S. Juli, ist diesem Antrage entsprochen worden. Ministerprafldentenwahl in Oldenburg. Erster Wahlakt ergebnislos. Oldenburg, 5. August. Der Oldenburgische Landtag trat heute zur Wahl eines Ministerpräsidenten zusammen. Die Rechte stimmte für den Regierungspräsidenten von Eutin Cassebohm. der 13 Stimmen erhielt. Für den Zentrumskandidaten Minister Driver stimmten 9 Abgeordnete. Die Linke und die Nationalsozialisten gaben weiße Zettel ab. Da kein Kandidat die absolute Mehrheit von 25 Stimmen erhiell, wird die Wahl morgen vormittag wiederholt. Inzwischen suchen hie Parteien einen Weg zur Der- siändigung. Die Link« hat die Forderung nach Bildung eines poli- tischen Ministeriums erhoben. Wirtschastspartei will auf Barritaden. Schöne Aussichten für die kommende Revolution. Das revolutionäre Geschrei der Kommunisten und Hakenkreuzier hat auch das � sonst etwas dickflüssige Blut der Wirtschaftsparteiler in Wallung gebracht. Ganz besonders scharf geht der Spitzen- kandiüat der Wirtschastspartei sür Hessen-Nassau, der Landtags- abgeordnete Rohde, ins Zeug, der für feine Partei den WahMmpf in Kassel eröffnete. Zunächst sagte Herr Rohde sämtlichen bürgerlichen Samrnei- aktionen die Fehde an. Ein Burgfrieden mit Herrn Scholz käme ebensowenig in Frage wie mit den Hugeabergern, Westarpiten und Schielinskis. Die Staatspartei wurde nicht gerode sehr liebevoll als„der letzte Aus"Uir- einer.geistigen Gehirl«rweichung" und ihre Politik als.„ein Appell an die niedrigstm Instinkte' de- zeichnet. Stach dieser erfrischenden Einleitung verkündete Herr Rohde das Kommen einer neuen Revolution. Diese werde aber weder von den Studenten noch von den politischen Kamps- verbänden, sondern von ganz, anderen Kräften gemacht werden. Sr. selbst werde diesmal m.i t.auf d«N. Bgr rj.ka d e n ste h c n um fe'feiler n, denn«r werde nicht.ruhig mit. ansehen, daß. dies« neue Revolution den Mstelstand.hurwegschwemme.. s,"... Das sind ja nette Aussichten, die uns Herr Rohde hier prophezeit. Die Hausesitzer, Bäcker, und Schlächtermeister auf den Barrikaden, um für ihre heiligsten Güter, hohen Mietzins, keines Brot und teures Fleisch zu'kämpfen. Wir fürchten nur. daß der schießfreudige Herr Rohde im Ernstfälle allein auf weiter Flur steht, denn das Wettkriechen in« Mauseloch haben wir bei dem Bürgertum doch schon einmal erlebt. Hot Herr Rohde ein so kurze« Gedächtnis?_ Moldenhauer auf Mandatssuche. Er pocht w Mecklenburg an. Schwerin, 5. August.(Eigenbericht.) Der frühere Reichsfinanzmimster Dr. Moldenhauer sprach hier am Dienstagabend m einer Bertrauensmänneroersommlung der Deutschen Dolkspartei. Arn Sonntag wird sich der Wahlkreis- Parteitag der Deutschen Bolkspartei für Mecklenburg-Lübeck über eine eventuelle Spitzenkandidatur Moldenhauers schlüssig werden. Di« Schweriner Ortsgruppe der Deutschen Polkspartei opponiert gegen Moldenhauer. Die Iustiz betrogen. Anklage wegen der Durchstechereien beim Kammergericht. In der Durch st echereiaffäre denn Rechnungsamt des kammergerichls hat die Staalsaowollsihafl 1 bereits Anklage erhoben, und die Anklage ist den Angeklagten auch schon zugestellt worden. Der Prozeß wird mit großer Beschleuni- gung durchgeführt werden und voraussichtlich noch während der Gerichlsferien vor dem Schossengericht Berlin-Mitle statt- sinde«. Di« Anklage richtet sich gegen den Rechnungsrevisor beim Kamniergericht Georg Beesten, der am 2. Juli d. I. in Unter. suchungshoft genommen worden ist, sowie gegen den Buchhändler Hermann Sack und den Prokuristen Ludwig Adelt. Bcesten, Sack und Abelt sind angeklagt des gemeinschastlichen sortgesetzten Betruges, durch den der Justizfiskus mit fingierten Rechnungen um 46 000 Mark geschädigt worden ist. Beesten und Abelt werden ferner der passiven bzw. aktiven Beamtenbestechung be- schuldigt. Außerdem ist aber noch gegen Beesten ein ganzes Bündel schwerster Anklageil erhoben worden. Er wird beschutdigt der Urkundenvermchtung in gewinnsüchtiger Absicht, der Amtsunter. 'schlagung- in zwei Fällen und der Fälschung von privaten und amt- lrchen Urkunden in einer großen Anzolfl von Fällen. Beesten war seit dem 1. April 1923 als Rechnungsrevisor beim Rechnung samt des Kanimergerichts tätig und hatte in dieser Eigenschaft die Rech. nungen für die B ü che r sa m m e lb e st« llu n g e n im gesamten Bezirk des Kammergerichts nachzuprüfen. Ende 1928 trat er in nähere Beziehungen zu Abelt, von dem er ein Darlehen von 250 M. erbot. Abelt beschafft« das Geld bei seiner Firma. Dann aber' wurde bald daraus dem Rechnungsrevisor das Ansinnen gestellt, der Firma Hermann Sack, die sich in Zahlüngsschwicrigkcitcn be- fand, mit Hilfe singietter Rechnungen Gelder anzuweisen. In einem Cafe' wurde zwischen Bechen, Abett und Hermonn Sack dieser Plan besprochen und, im Februar 192S beginnend, zur Ausführung gebracht. Beesten erhielt 14 Rechnungen nacheinander für angeblich gelieferte Bücher. Er bescheinigte die. Richtigkeit der Rechnungen, versah sie mit einem fingierten Aktenzeichen und dem Feststellungsvermerk. Dann ließ er ein« Verfügung zur Auszahlung der Beträge als Eilsache dem Vizepräsidenten.des Kammergerichts. zur Unter- sichrift zugehen. Dadurch, daß die Rechnungen als Eilsäche behandelt wurden, konnte die Firma Hermann Sack schon nach zwei Stünden die Beträge bei der Iustizkasse des Amtsgerichts Mitte abheben. Um die Entdeckung zu verhindern, beseitigte Beesten eine Reihe von Urkunden. Er selbst hatte auch noch einen Betrag von 8990 M� der ihm als Rückzahlung sür Vorschüsse aus dem alten Rechnung?- jähr von der Firma Sack übergeben worden wjr, nicht an die Iustizkasse abgeführt, sondern sür sich verwendet, einen Teil davon ziir Anzahlung auf ein Grundstück, das er erwerben wollte. 'Der siitzige Angeklagte Hermann Sack ist übrigends nicht mehr Inhaber der unter seinem Namen gehenden Firma. Die K!age des Gxdikiaiors. Maw wollte aageblich seine Methoden ou�.jhn anwetthen. -~" t kvwito. 5. August: Di« Klage Woldemara«' gegen den litauischen Staat auf Schadenersatz für seine Verbannung und die zwangsweise Räumung seiner Wohnung hebt hervor, daß man Maßnahmen gegen ihn ge. troffen habe, um ihn zu Handlungen hinzureißen, dio Anlaß zu einem Anschlag gegen ihn geben könnten! Der Geheimpolizist Gri- cius, der zu seiner Ueberwachung kommandiert war, sollte angeblich bestochen werden, um Wvldemoras unauffällig zu ermör- den. Hiersür habe eine bestinnutc Stelle dem Polizisten 39 999 Lit geboten. Woldemaras macht Gricius und einige Studenten als Zeugen namhaft. Er führt noch andere Fälle an, daß das Innen- Ministerium Schritt« unternommen habe, um ihn aus dem Wege -zu räumen:-man habe ihn wie eine» Schwerverbrecher und noch schlimmer behandelt, da im Umkreis von 49 Kilometer von seinem Berbannüngsort weder ein Arzt noch sonstige medizinische Hilfe zur Verfügung ständen. Durch das Verbot aller Besuch« werde ihm jede Möglichkeit ge- nommen, die allernotwendigsten privaten Besorgungen zu erledigen. Die sozialdemokratische Presse meint, daß- der waudlungsfähige Woldemaras feine politische Rolle noch nicht ausgespielt Hobe und daß man sich daher mit ihm vorsehen müsse. Zwischen den starken Oppositionsparteien von rechts und links stehe die Regie- rung sehr schwach und unsicher da: man erwartet daher, daß die Regierung mit der Rechtsopposition, das heißt mit den Kleri- kalen, eine Verständigung suchen wird, um sich eine Stütze.zu schassen. Trotz vieler Streitigkeiten und Gegensätze steht die Kleri- kok« Partei der Regierung doch viel näher als die Linke. Die Aufträge der Reichspost. Wo bleiben da die VVM3«Betriebe? Die Reichspost erklärt, daß sie sich hinsichtlich der noch zu ver- gebenden Aufträge vollkommen der Stellungnahme anschließt, die das Reichsarbeitsministerium bekanntgegeben hat. " Wo? die hreits vergebenen Aufträge anlangt, so wurde aus Anregung des Reichsarbeitsministeriums hin folgende Regelung getroffen: Den Ar beitsämtern und den G e werbe- aussichtsbehörden liegt es ob, darüber zu wachen, daß die bei Vergebung der Zusatzausträge gestellten Bedingungen be- züglich der Vermeidung von II e b e r st u n d e.n, der. Neu» e i n st e l lu n g vo n A r b e i t s kr ä f t e n und der tunlichsten Ver- Wendung inländischen Materials erfüllt werden. Um diesen Behörden die Möglichkeit zu geben, die Ueberwachung durchzuführen, teilen die Vergebungsstellen der deutschen Reichspost ihnen die aus Grund des Arbertsbefchaffungsprogramms erteilten einzelnen Aufträge mit._•- ' Brüning und Wirth Spitzenkandidaten In Schlesien. Wie die -..Schlesische Volkszeitung' meldet, wuroe am Dienstag von der. Zen- trumspartei des Wahlkreises Breslau Reichskanzler Dr. Brsiiring als Spitzenkandidat ausgestellt. Für den Wahlkreis Liegnitz ist Reichs- innenminister Dr. Wirth Spitzenkandidat. Disziplinarversahren wegen Beteiligung am Volksbegehren. Gegen mehrer« G e m e i n de Vorsteher im Kreise' Bremervörde ist das Disziplinarverfahren eröffnet worden, weil sie.seiner�st�den Ausruf für das Volksbegehren mit unterschrieben haben. Am deutschen Badestrand. Wir schippen und schippen, was hat's für Zweck die rote Flut schwemmt doch alles weg! Lappo beherrscht Finnland Faschismus unter legaler Maske. Der Sowjethölle entflohen. Fünf Solowehki-Gefaagene in Finnland eingetroffen. Helfiagfors. S. Aagtist.(Ost-Expreß.) Im nordöstliche» Grenzbezirk von Finnland sind fünf Russe« über die Grenze gekommen, die angeben, aus dem Konzentrationslager entflohen zu sei», welches die Sowjetregierung auf einer der Solowetzki» Inseln eingerichtet hat. Die Flüchtlinge waren in einem äußerst elenden Zustande. Gefängnis für einen Gelehrten. Die Leningrader„Rote Zeitung." vom 23. Juli berichtet über eine Gerichtsverhandlung gegen den bekannten russischen Gelehrten Iatschewski. Das Blatt erkennt an, daß fein Laboratorium für Pflanzenkunde nicht nur ein Institut von allrussischer, sondern von Weltbedeutung ist. Seine Schuld bestand darin, daß er die An- .gestellten nicht vom Arbeitsnachweis nahm.„Ich glaubte recht zu l)andeln," sagte der Prosessor vor Gericht,„für die Arbeit in meinem Laboratorium bedarf es ganz besonderen Wissens. Auf dem Arbeitsnachweis war es mir unmöglich, die erforderlichen Arbeits» kräfte zu bekommen. In ganz Rußland gibt es vielleicht nicht mehr als 200 Menschen, die in Betracht kommen und die kenne ich alle." „Wie ist es aber mit dem niederen Personal," fragte der Gerichts- Vorsitzende.„Gehören auch diese zu den unersetzbaren Spezialisten?" Daraus der Professor:„Mir ist das Vermögen des Laboratoriums anvertraut, das einen Wert von vielen Millionen darstellt. Ich kann deshalb unmöglich den ersten besten anstellen: es müssen Menschen sein, auf die ich mich voll und ganz verlassen kann." „Das widerspricht aber dem Kollektivvertrag."„Das hat mir niemand gesagt..." Professor Iatfchewski galt mir als Leiter des Laboratoriums. Den Direktor spielte ein Kommunist Wirth, der dem berühmten Gelehrten die größte Achtung entgegenbrachte. Deshalb hatte er sich mit ihm zusammen zu verantworten. Das Gericht verurteilte den Kommunisten Wirch zu einem Verweis, Professor Jatschewski zu 6 Monaten Gefängnis. �ausschmiß wegen Erfüllung der Zeugenpflichi. Paris, S. August..(Eigenbericht.) Wieder ist in Paris ein hoher Funktionär aus dem Sowjetdienst brüst entlassen worden. Es ist der Chefbuchhalter der tcch- nischen Sektion der russischen Handelsvertretung in Paris, Fain- b e r g. Er war einer der Hauptzeugen im Litwinow-Prozeß und mit dem Bruder des Sowjettommissars, befreundet. Famberg hatte in dem Pozeß scharfe Angrisse auf Litwinow gerichtet, die ihm beim Amtsantritt des neuen Außenkommissars ein« Zitierung nach Moskau «inbrachten. Da Fainberg sich aus begreiflichen Gründen we i g e r t c, der Einladung Folge zu leisten, mußt« er von seinem Posten scheiden. �echisopposiiion in der Sowjetarmee. Moskau. S. August.(Ost-Expreß.) Im Infanterieregiment Tamostworetzk haben sich oppositionelle Strömungen so sehr bemerkbar gemacht, daß diese Vorgänge auch in- der Sowjetpresse ihren Widerhall finden. Der Unteroffizier Alexejenko und der Soldat Bereschny haben längere Zeit hindurch Agitation im Sinn der Rechts opposition unter den Sol- daten getrieben. Beide sind als„Vorkämpfer des Kulakentums" aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen worden und die kommunistische Zelle des Regiments fordert nun auch ihre Aus- stoßung aus der Armee. Das Sündenregister Bereschnys ist besonders groß. Er war früher Sekretär einer Zweiggruppe der Kommunistischen Jugendorganisatipn, hatte aber diese„ihn ver- pflichtend« Vergangenheit" als Soldat vergessen und nicht m:r die Bauernpolitik der Sowjetregierung mit den Argumenten der Rechts- opposition angegriffen, sondern auch, wie die Parteizelle erklärt, die Disziplin in der Armee zu untergraben gesucht, da er„die K a- ferne alsZuchthaus empfand". Der Unteroffizier Alexejenko, der als der weniger Äktwe bezeichnet wird, hat sich in einer hitzigen Diskussion im Soldatentreis« 1 zu der Aeußerung verstiegen, daß die Vauero im Kriegsfall sich weigern würden zu kämpfen. Im allgemeinen werden unliebsame Erscheinungen innerhalb der Roten Annee nicht zum Gegenstand von Presseerörterungen gemacht. Wenn diese Affäre jetzt ausführlich im Jentralorgan der Kommunffti» scheu Jugendorganisation behandelt wird, so berechtigt das zu der Schlußfolgerung, daß die Agitation der beiden Gemaßregelten wohl nicht nur auf die entrüstete Zurückweisung gestoßen ist, von der das Blatt schr ausführlich berichtet. Es sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, daß vor etwa Jahresfrist auch dos Armeeblatt „Krasnaja Swesda" von„kulakffchen Strömungen' im Wehrkreise Minsk berichtet hat. Nach Loge der Dinge werden Vorkommnisse dieser Art in der Sowjetpresse immer nur'als Einzelfälle und ohne zusammenfassende Uebersicht behandelt. Aach schlecht bewährten Mustern. Abwehrproben auch in der Tschechoslowakei. Prag, S. August(Eigenbericht). In der Tschechoslowakei sind seit zwei Tagen Luftmanöoer im Gange, die als Abwehrübungen gegen feindliche Fliegerangriff« und als Probe des Verhaltens der Zivilbevölkerung bei Gas- angriffen gedacht sind. Nach den militärischen Vorschriften müssen wahrend der Nachtübungen all« Lichter in den angegriffenen Orten gelöscht oder verdeckt werden. Bei Tage muß der Verkehr, sobald bestimmte Sirenensignale ertönen, eingestellt werden. Die Vevöl- kerung muß sich dann in den Häusern aufhalten. Zur Aufrechterhal- tung der Ordnung sorgen in den Städten oerschieden« Korporationen, darunter auch die tschechischen A rb e i t« rt u r ne r. Di« Flüge werden hauptsächlich gegen Industrie-, Verkehrs- und Miiltarzentren unternommen. Sei Tag klappt'S nicht. Olmüh. S. August. .... Kurz nach Mitternacht verkündeten Sirenen das Rahen feind- sicher Flugzeugzefchwader. Di« Stadt wurde darauf in völliges Dunkel gehüllt. Die bei den Abwehrbatterien oufgestellien Riesem schemwerfer begannen zu spielen: gleichzeitig eröffneten die Batterien das Feuer. Bombenwürfe auf die Stadt wurden durch rote Leuchtraketen markiert, die von den Flugzeugen ab- geschossen wurden. Während der Hebung, die bis 2 Uhr dauerte, war der Verkehr in der Stadt völlig eingestellt. Die«chieds- richter sind noch mit der Ausarbeitung der Ergebnisse beschäftigt. Die Organisation bei dem Rachtangriff scheint ziemlich geklappt zu haben. Dagegen hat die Bevölkerung die„Vorschriften für den passiven Widerstand" bei. einer ähntichen U ebung arniage nicht stetacht« t. Es wird oersucht, das jetzige Regierungssystem in Finnland in den Augen der internationalen Demokratie wieÄer ehrlich zu machen, wobei damit gearbeitet wird, daß ihr Ministerpräsident Soinhufvud ein Mann des unbedingten Rechtes sei und Lappo- Männer der Regierung nicht angehören. Demgegenüber steht fest, daß der verfassungswidrig auf- tretenden Lappo-Bewegung zwei Ministersitze angeboten waren und sie nur deshalb nicht direkt in der Regierung vertreten ist, weil sie auf d r e i Ministersitzen bestand. Es steht weiter fest und das gegen- über den Regierungsberichten, daß die Teilnehmer des Banernausmarsches in hessiugfors zum größten Teil mit Pistolen und Handgranaten bewaffnet waren, nur haben sie diese Mordwerkzeuge nicht sichtbar getragen. Der roh- gewaltsame Charakter dieser Bewegung hat sich ja in dem Menschenraub gezeigt, der„am. hellen Tage im Parlament an den verfassungsmäßig unverletzlichen Personen von rechtmäßig gewählten Volksvertretern, in der Verjagung unbeliebter Männer über die russische Grenze, an der Z« r st ö r u n g von Zeitungsbetrieben und Arbeiterheimen, in den Autozwangs- fahrten von gewaltsam verschleppten Arbeiterführern gezeigt. Die Angehörigen der Lappo-Bewegung gehören zum großen Teil auch den: S ch u tz k o r p s an, das aus der Zeit der Russen- abwehr stammt, aber längst eine reaktionäre, arbeiterfeindliche Organisation geworden ist: dem Schußkorp, gehören auch verschiedene Regierungsmönuer an— da sieht man ihre Verbindung mit Lappo. Erfährt man noch, daß noch unter der früherem Regierung die Leiter von Polizei und Militär sich geweigert haben, die ihnen unterstellte Macht gegen den Lappo-Ausmarsch einzusetzen, der ein- gestandenermaßen das Parlament terrorisieren sollte und dies auch getan hat, so. ist zweifelsfrei dargetan, was der jetzige Zustand in der Republik Finnland ist: Lappo herrscht! Gchieles deutfch-finnischer Llttfitg. Neue Proteste— merkwürdige Annonce«. Stach dem Industrie- und Handelstag und im Reichsvcrband der deutschen Industrie haben auch die Hauptgemeinschast des deutschen Einzelhandels und der Reichsvcrband des deutschen Groß- und Ueberseehandels gegen die. von agrarischen Inter- essenten gefordert« Kündigung des deutsch-finnischen Handelsvertrages unh die das deutsche Handelsvertragzsystem sowie den deutschen Export so schwer gefährdenden Privatverhandlungen zwischen deutschen und finnischen Interessenten protestiert. Merk- würdigerweise hört man jetzt, daß diese Prioawerhandlungen, die im Auslande Unsäglichen Schaden anrichten, noch immer nicht abgebrochen seien, sondern sogar von Schiele persönlich weiter- gefördert werden' sollen. Wann wirb hier Klarheit geschaffen werden?.....'... Ausgerechnet die„Kölnische Zeitung", die nicht scharf genug gegen den deutsch-finnischen Unfug protestieren kann und jeden Tag Alarmberichte aus Holland bringt, druckt in ihrem An- zeigenteil eine Annonce der agrarischen handelspolitischen Scharf- macher mit folgendem Inhalt ab: Holland rüstet zum Kampf gegen deutsche Ware! Von der Nadel bis zum Traktor soll alles Deuffche boykottiert werden. Deutsche, haltet zusammen! Vergeltet Gleiches mit Gleichem! Deutsches Geld nur noch für deutsche Butter, deutschen Käse, beut- sches Obst und Gemüse, deutsche Eier ist jetzt Pflicht der Selbst« erhaltung." Als ob Schiele ein holländischer Minister, als ob die holländisch« Regierung den deutsch-finnischen Unfug ongerichtet hätte. Dos Ausland muß eine schöne Vorstellung von den Ab- sichten der deutschen Industrie durch solche Scharfmacherannonce erhalten. Trennung von Schule und Kirche. Dänemark führt sie durch. Kopenhagen, 5. August(Eigenbericht). 'Die Organssation der dänischen Volksschullehrer beschloß, von der Regierung die Aushebung der kirchlichen Schulaufficht und deren Ersetzung durch eine pädagogische Aufficht zu fordern. Der dänische Unterrichtsminsster wird dem Parlament im Herbst ein« entsprechend« Gesetzesvorlag« unterbreiten. Oemifsions-Aekord des tschechischen JinanzminisierS. Prag. 5. August.(Eigenbericht.) Ein eigenartiges Jubiläum hat dieser Tage, wie das tschechtsch-sozialdemokratisch«„Praoo Ltdu" berichtet, der Finanz- minister Dr. Englisch jeiern können: Es war seine 3 0. De- Mission. Woche für Woche sendet er dem Mmsterpräsidenten sein Demissionsgesuch. Alle Gesuche werden stillschweigend ins Archiv gelegt. Sowie Englssch in einem Koalitionsblatt kritisiert wird oder einen Streit mit seinen Ministerkollegen hat, demissioniert er. Deshalb nimmt man seine Demissonsgesuche nicht mehr ernst. Man steht dem 31. Demissionsgesuch des Herrn Englisch entgegen.___ Aus der Kemal-Oiktatur. Arbeiterverfolgung wegen Antimilitarismus. Angara, S. August.(Eigenbericht.) In Konstantinopel sind dieser Tage wieder fünf Tabakarbeiter d-?r staatlichen Fabrik in Dschubali verhaftet worden, und es wird ihnen ein Hochvorratsprozeß angehängt werden. -. Die Arbeiter sollen»ersucht haben, zum 1. August eine anti- militaristische Kundgebung der Konstantinopeler Tabakarbeiter zu organisieren. Der Inhaber eiy-s K°ffc«usscha?rt» au Bord eines-- Schiffes der staatlichen Handelsmarine hat angeblich als B e r- bindungsmann zwischen den Verhafteten und ihren Hintermännern fungiert und aus S in y r n a antimilitaristische Aufrufe besorgt, die bei den Verhafteten gefunden worden sein sollen. Die offiziöse Presse bezeichnet die Verhafteten als Kommunisten. de umstürzlerssche Propaganda getrieben haben. In der Türkei wird nämlich jeder, der sich mit dem gegenwärtigen Regime nicht einverstanden zeigt, sofort zum Kommunisten gestempelt und als solcher mit allen Mitteln verfolgt. Nach unseren Informationen sind die Verhafteten politisch nicht festgelegt. Niederlage der Kurde«,. Teheran. 5. August.' Die Kurden haben, einem amtlichen Kommunique des Krieg»' Ministeriums zufolge, an der persisch-türtischen Grenze eine s ch w e r e Niederlage durch die türkischen Truppen erlitten. Der Führer der Aufständischen, S i m k o> wurde getötet: er hat 1921 ein« Anzahl hoher ausländischer Missionare gefangen ge- nommen und 1922 die Provinz Kurdistan gcbrandschatzt. Pogromland Rumänien. Aombenwerfer verhastet und ausgerückt. Bukarest, 4. August.(Eigenbericht.) In der Nacht zum Sonnabend wurde in dem in der Bukowina gelegenen Badeorte Dorna-Watra gegen das Wohnhaus eines jüdi- scheu Einwohners eine Bombe geworfen, die jedoch nicht explodierte. Unter, dem Verdacht der Täterschaft verhastete die Gendarmerie den Führer der Nationalsozialisten in der Bukowina. Danila. der jedoch nach kurzer Hast entflohen ist. In seinem Gepäck fand die Polizei eine Granate französischer Herkunst. Die Regierung ordnet« daraufhin die sofortige Verhaftung zahlreicher National- sozialisten an und scheint im Begriff zu sein, gegen die Unruhestifter vorzugehen. Der Generalinspektor der rumämschen Sicherhcits» poli-ei hat sich an den Tatort begeben. vi«, große deutsche Sprachinsel Gotlschee im sloweiüschen Krain feierte ihren KOOjährigen Bestand. Auch die Gesandten des Deutschen 'Reichest»ich.DwtstMtexreichs Ovaren bei dem. ZM anwesend. Eisenbahner für die Partei. Kür gerechte Verteilung der �eparationslasten. Vor st and und Beirat des Ein Heitsverda»des derEisenbahner haben dieser Tage in Dresden zum Reichs- tagswahlkampf Stellung genommen. Der Berbandsvorsitzenhe Scheffel forderte in seinem Vortrag über die wirtschafts- und orgamfationspolitische Lage der Eisenbahner auf, zu ihrem Teil mit aller Kraft bei der Wahl dem reaktionären Kurs des or- ganisierten Arbeitgebertums Halt zu gebieten. Scheffels Ausführungen fanden ihre Zusammenfassung m einer ein- mutig angenommenen Entschließung, die im wesentlichen folgenderniaßen lautet: „Der Einheitsverband wird sich jedem Versuch eines Abbaues der Reallöhne mit allen gewerkschaftlichen Mitteln entgegenstellen, da der hcnimungelosc Lohn- und Gehaltsabbau die Wirtschast nicht hebt, wohl aber die produktiv tätigen Teil« der Bevölkerung der Verelendung ausliefert. Schärfsten Protest erhebt der Verband gegen die von dem Präsidenten des Verwaltungsrates der Reichsbahn, Herrn von Siemens, an die Reichsregierung gerichtete Aufforderung, sogar durch Rechtsbruch das Einkommen der Eisenbahner zu kürzen. Das gleiche gilt gegenüber dem schematisch vorgenommenen Personalabbau sowie der aller Moral und den guten Sitten zuwiderlaufenden Verschlechterung der Lage der Hilfsbeamten. Für die Opfer der kapitalistischen Wirtschaft, die Arbeits- losen, fordert die Konferenz Arbeitsbeschaffung und Aus- bau der werteschaffenden Arbeitslosenfürsorg«. Angesichts der Bedeutung der Reichslagswahlea für die Zukunft des arbeitenden Volkes und in der klaren Erkennt- nis. daß- die Regierung Müller seinerzeit nur beseitigt wurde, weil sie sich entschieden für die gewerkschaftlichen Forderungen einsehte, appelliert die Konferenz an die Eisenbahner und ihre Familienangehörigen. die Sozialdemokralische Partei, die sich als die beste politische Vertretung der Eisenbahner erwiesen hat. bei der Wahl am 14. September mit aller Kraft zu unterstützen.' « Die Forderung einer einheitlichen Verkehrspolitik wurde von der Konferenz im Anschluß an einen Vortrag des Vor- standsmitgliedes Jahn über die verkehrspolitifche Lag« durch eine ebenfalls einstimnhg angenommene Entschließung wirksam unterstützt. In ihr wird darauf hingewiesen, daß nur ein« ein- heitliche Politik der Verkehrsträger(Eisenbahn, Binnenschiffahrt, Kraftverkehr und Luftfahrt) die höchstmögliche Wirtschaftlichkeit erzielt. Eine gerechte Verteilung der Reparationslasten sei ein« wichtige Voraussetzung für eine einheitliche DerkeHrspolitik. Alle wichtigen Verkehrsinftitute seien gemeinwirtschaftlich vom Reich zu betreiben. Bezüglich der Beförderungs- und Haftpflicht sowie der Tarifgestaltung müßten die öffentlichen Verkehrsunternehmungen die gleiche gesetzliche Be- hanMung erfahren. Ebenso sei eine einheitliche Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen sowie der soziale!, Einrichtungen für das Personal anzustreben. Die Herstellung und Erhaltung der Fahrwege sei in erster Linie Aufgabe der in Frage kommenden Verkehrsunternehmungen. Das gelte vor allein für den sich ständig entwickelnden Kraftwagenverkehr. Wäh- rend die Reichsbahn vor allem volkswirtschaftliche Aufgaben zu erfüllen habe, verfolgten die übrigen Verkehrszweige überwiegend privatwirtschaftliche Interessen. Aus dieser Verschiedenheit des Wirt- schaftszicles ergebe sich der schädigende Kampf zwischen den Verkehrsträgern. und dieser Kampf führe mir zu einer Vergeudung von Volksvermögen. Oanzig-polen-Genf. Verhandlungen im Haag. Haag, 5. August. Vor dem Ständigen Internationalen Gerichtshof begann am Montag die öffentliche Verhandlung über die Streitfrage der Mitgliedschaft Danzigs bei der Internationalen Arbeitsorganisation fortgesetzt. Der Vertreter Polens. Prof. R u n d st e i n, legte den polnischen Standpunkt dar. Er betonte, daß sowohl der Völker- bundsrat wie auch der Hohe Kommissar für die Stadt Danzig st e t s darauf bedacht gewesen seien, zu verhindern, daß die Haltung der Danziger Behörden bei internationalen Konferenzen die polnischen Interessen beeinträchtigen könnte. Die Frage, ob Danzig ein Staat sei, bleibe vollkommen offen und sei auch für den vorliegenden Fall von untergeordneter Bedeutung. Jedesmal, wenn Danzig an einer internationalen Konferenz teilgenommen habe, fei dies mit ausdrücklicher Zuftim- muiig des Hohen Kommissars und der Polnisch'en Regie- r u n g geschehen. Die polnische Auffassung, daß die Freie Stadt Danzig nicht Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisation wer- den könne, stütze sich auch auf die Annahme, daß Danzig niemals Mitglied des Völkerbundes fein könne. In der heutigen Vormittagssitzung erhielt der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, das Wort. Er verwahrte sich dagegen, die Mitgliedschaft bei der Internationalen Arbeitsorganisation von der Zugehörigkeit zum Völkerbund ob- hängig zu nwchen. Sollte nämlich der Internationale Gerichtshof sich dahin aussprechen, daß nur die Staaten der Internationalen Ar- beitsorganifation beitreten könnten, die Mitglieder des Völkerbundes feien, so würde z. B. auch die Mitgliedschaft Brasiliens in Gefahr fein. Ferner würden zahlreiche Beschlüsse, die die Internationale Arbeftsorganisation in den letzten Iahren gefaßt habe, gewisser- maßen in der Luft hängen. Wenn der polnische Vertreter ausge- führt habe, daß die Universalität der Internationalen Arbettsorgani- sation seines Trachtens ein unerreichbares Ideal darstelle, so müsse dem entgegengehalten werden, daß diese Universalität in Teil XIII des Verfaillcr Vertrages verbürgt worden fei. Gegen 13 Uhr tvurde die Verhandlung auf den Nachmittag vertagt. Freie Bahn dem— Geldbeutel! Wer darf Schiffsoffizier werden? Die Zulassung zu den Seefahrtschulen, sowie zu de» Kapitäns- und Steuermannsprüfungen ist nach den Plänen des Neichsoerkehrsminifteriums wie bisher von einer praktischen Fahrzeit auf Segelschiffen, und zwar auf Kairsf«hrt«i- oder Schul-Segelschiffen abhängig gemacht. Man könnte der Aus- bildung auf Schiilschiffci, neben der auf Frachtsegelschiffen trotz be- griindeter Bedenken— das Schulschiff hat keinen Kontakt mit der Wirtschaft und die Segelfchiffahrt ist durch die technische Entwick- lung zum Absterben verurteilt— zustimmen, wenn die B e d i n- g u n g c n zur Zulassung für die Schulschisfausbildiing und die Aus- bildung selbst erträglich wären. Eingestellt werden Jugendliche von IS bis lg Jahren. Wenn sie O b e r s c k u n d a r c i f« haben, dürfen sie 13, wenn sie das Abiturium einer höheren Lehr- onftolt hinter sich haben, auch 19 Jahre alt feini Die jungen Leute sollen im allgemsiiien kurz oor ihrer Zulassung die Schule ver- lassen haben und nicht bereits in anderen Berufen tötig gewesen sein, lieber Ausnahmefälle entscheidet eine besondere Kommission. Waren jugendliche Bewerber s ch on im S e s m a n n s b e r u j tätig, dann werden sie grundsätzlich nicht eingestellt. Und die Kosten? Für Verpflegung, Ausbildung, eventuelle Krankenbehandlung— mit Ausnahme zahnärztlicher Behandlung— für Ausrüstung und Prämie für Essektenverficherung sind für das erste A u s b i l d u ng s j a h r auf dem Schulschiff 12S8 M t. zu zahlen. Für die weitere Ausbildung als Leichtmatrose auf Frachtschulschissen— insgesamt bis 20 Monate Ssgelschiffahr- zeit— find als Pensionsgeld und Prämie für Elfektenvcrficherung im ganzen noch 613 M k. zu zahlen. Freistellen find auf Schul- schiffen nicht vorhanden. Besonders tüchtig und nachweislich be- dürftige Schiffsjungen können aus einem Stipendienfonds einen beschränkten Zuschuß für die Kosten des ersten Lehrfahres er- halten. Ein Nachlaß der Kosten für das zweite Lehrjahr aus Frachtsegelschiffen erfolgt unter keinen Umständen. Der Vater oder Vormund muß also alles in allem mindestens 2 0 00 M k. zur Verfügung haben, wenn fein Schutzbefohlener über ein Schul- schiff Seemann werden will. Damit ist den Söhnen der minderbemittelten Devölkc- rung der Weg in die höhere Seemannslausbahn vollkommen versperrt. Einem mittleren Beamten, Handwerker oder gar Arbeiter wird es u n m ö g l i ch fein, aus feinem Einkommen bei einem Zuschuß aus dein Stipendienfonds von einigen hundert Mark noch 1600 bis 1700 Mark aufzubringen. Für einen aus der Volksschule kommenden Anwärter wird die Sache— abgesehen von den fehlenden Mitteln— noch schwieriger, weil er mindestens 15 Jahre alt und vor der Einstellung in kei- nem anderen Beruf beschäftigt gewesen sein soll. Im vorigen Jahr sind, wie aus dem Geschäftsbericht des Deut- Ichen Schulschiffsoereins zu entnehmen ist, von 555 Bewerbern 203 eingestellt worden: darunter elf Bolksfchüler: den Stamm bilden die jungen Leute mit Oberfekundareife. Die geringe Zahl der eingestellten Bolksfchüler ist zweifellos darauf zurückzu- führen, daß es bei den Eltern an dem notwendigen Geld mangelt. Vom Reich und den Hansastädten sowie von den Küsten- ländsrn fließen dem Deutschen Schulschiffsverein jährlich erheblich: Zufchüffe aus öffentlichen Mitteln zu. Die ein- seitige Verwendung der Mittel und die Auswahl der Zog- linge fordern unseren Widerspruch heraus. Aust sind wir der Auffassung, daß die Ausbildung besonderer Schiffsoflizieranmärier überflüssig würde, wenn alle Seeleute eine ordentliche Ausbil- dung in vorgeschriebener Lehrzeit erhielten. Bei den See- leuten des Deckdienstes fehlt es hieran gänzlich. Dos Reichsverkehrsministerium hätte die Aufgabe, hier einmal nach dem Rechten zu sehen. Es hat freilich nicht ein- Mal für nötig gehalten, den Gesamt verband als Vertreter der Seeleute zu den Beratungen über die Neuregelung der Vor- fchriftcn für die Laufbahn der Schiffsoffiziere heranzuziehen. �ohnkonfliki im Baugewerbe. Sperre wegen Lohndifferenzen der Staker. In unserer letzten Lohnoerhandlung, die wir mit den S ta ke r- Unternehmern hatten, machten uns dieselben auf unsere For- derungen keinen Gegenvorschlag. Wir sehen uns deshalb veranlaßt. über folgende Stakcrfirmen ab Mitwoch, den 6. August 1930 wegen Lohndiflerenzen die Sperre bis zur Bewilligung unserer For- derung zu verhängen: E. Köhler, Verlin NK5, Anlwerpener Str. 48; K. Butjchke, Steglitz, Birkbufchstr. 46: B. Fox, Pankow, Wisbyer- straße 56/57; H. Höhne, Baumschulenweg, Kiefholzstr. 258; F. Geyer, Glienicke b. Adlershof, Grünauer Str. 33/34: A. Dädelow, Verlin- Friedenau. Vaziner Str. 21: F. Lift«, Reinickendorf, Scheffelftr. 19. Wir ersuchen alle Bauarbeiter, insbesondere die Kollegen Bau- delegierten uns in unserem Kampfe zu unterstlltzep, indem sie uns sofort unter Bergmann f?' 5) 6491/92 die Baustellen mitteilen, wo von oben genannten Finnen Stakerarbeiten ausgeführt werden. Deutscher Baugewerksbund. Baugewerkfchast Berlin. Eilt Lahr Gesundheiispflege. Verband der Krankenkassen 1929. Das 90 Seiten starke Heft, das den Geschäftsbericht für 1929 des Verbandes der Krankenkassen im Bezirk des Oberverficherungs- amtes Berlin umfaßt, ist der konzentrierte Ueberblick über die Gesundheitsfürsorge, die während eines Jahres für die berufstätige Bevölkerung Berlins und ihre Angehörigen geleistet wurde. Beliefe- rung der Patienten init zweckmäßigen Plaftfußeinlogen und An- ichaffung von 899 Milligramm Radium für die Kredsbehandlung zum Preise von etwa 399 999 M., Prüfung der Berbandstofse auf Sterilität lind Behandlung von Alkoholikern durch Psychotherapie, Versorgung au-gesteuertcr Zuckerkranker mit Insulin, Nachprüfung von Beschwerden gegen Acrzte und Kliniken waren Angelegen- leiten, die beraten, untersucht, zweckentsprechend erledigt werden mußten. Immer wieder liegt dabei im Grunde das gleiche Problem vor: den Kafsennütgliedern die aussichtsreichste Heil- Möglichkeit ohne Geldverschwendung zu bieten. Wie ernst die Kassen ihre Ausgabe nehmen, beweist die Anschaffung des Radiums. Die von Professor Dr. L i e p m a n n geleitete Klinik lm Eäcilienhaus wird durch den beschlossenen Zukauf von 899 Milligramm über ein Gramm des kostbaren Elementes ver- fügen und damit die Möglichkeit haben, der furchtboren Krebs- krankheit wirksam entgegenzutreten. Auch allen anderen Kassen- Patienten wird nach bester Möglichkeit Heilung geboten, mit allen erprobten Mitteln, durch die zuverlässigst« Behandlung. Leider bleibt ein Mangel unbehoben: die„freie Arztwahl' schließt den Versicherten selb st weiter von der Ambulatoriumsbehandlung aus. Man hat der Aerzte- jchaft in einem Vergleich, der am 1. April 1928 in Kraft trat, be- douerlicherweise diese schwerwiegende Konzession gemacht. Es ist im Interesse der Patienten, im Interesse der Krankenkassen— und ganz gewiß auch im Interesse aller wirklich vermftwortungs» bewußten Acrzte dringend zu wünschen, daß diese Destimniung so rasch wie möglich wieder aufgehoben wird. Der Arzt, der es ernst mit serner Aufgabe nimmt und sich wirklich nach besten Kräften um den Kassenpatienten bemüht, hat die Konkurrenz der Ambulatorien bestimmt nicht zu fürchten. Solche Aerzte aber, die sich kaum herbei- lassen, den Kassenpatienten richtig zu untersuchen und im übrigen ihre ganze Tätigkeit darauf beschränken, immer neue Rezepte zu ver- schreiben, können aus der Kassenpraxis nur verschwinden, wenn jedes Kassenmitglied weiß, daß eine Stelle existiert, die ihm im Krankheitsfall sachgemäße, gründliche Behandlung garantiert— und diese Stelle sind eben die Ambulatorien, die leider heute nur den Familienangehörigen der Versicherten offen stehen. Die Bilanz des Verbandes drückt feine Leistungen in imposanten Zahlen aus: die Gesamtausgaben für 1929 betrugen 13339 215, 15 M. Es blieb ein Kassenbestand von 280 872,51 M. Maschinisten und Reichstagswahlen. Der Delegiertengeneralversammlung im Gewerkschaft-Haus mußte der Kassierer R u ck st u h l berichten, daß die noch andauernd sich steigernde Zahl der Arbeitslosen sich auch in der Bei- tragsleistung zeige. Zum ersten Male fett der Inflation mußte die Hauptkasse mehr cfts 59 Proz. der Einnahmen an Ausgaben aufwenden. Die Steigerung der Ausgaben entsällt voll auf die sozialen Unterstützungen des Verbandes. Ein Antrag des Bezirksvorstandes, in den Monaten September, Oktober und November je eine Extramarke a 50 Pf. zur Wcihnachts- Unterstützung der arbeitslosen, kranken und invaliden Mitglieder zu kleben, fand gegen wenige„prinzipiell Oppositionelle' Annahme. 1 Die Entlastung des Kassierers erfolgte einstimmig. In seinem Geschäftsbericht behandelt« Reinsfeld die gegen- wärtige wirtschaftliche und politische Situation. Er zeigte an Hand der Tätigkeit der gegenwärtigen Reichsregierung, wie diese, im Bunde mit den Scharfmachern der Industrie,. alle Lasten auf die Schullern der breiten Masse abwälzt. Vor allem aber auch, wie diese Regierung die sozialpolitischen Gesetze abbaut. Die Gewerkschaften hätten dos größte Interesse am Ausgang der Reichstagswahlen, und jeder Gewerkschaftler müsse da- für sorgen, daß eine Regierung, wie die jetzige im neuen Reichstag unmöglich sei. Di« deutsche Arbeitnehmerschast habe es in der Hand, wie sich ihr Schicksal in der Zukunft gestalten werde. Zur Lohn- und Tarifpolitit übergehend, konnte der Redner berichten, daß es in einigen Fällen trotz der schweren Verhältnisse noch gelungen sei, einige Verbesserungen durchzuführen, während bei anderen Lohntarisen eine abwartende Stellung einzunehmen sei. Es gelle gerade jetzt, die Organisation intakt zu halten, um jederzeit gerüstet zu sein. In der Diskussion wiirden dies« Ausführungen in zultiminendem Sinn« unterstützt. Der Kollege Müller vom Hauptvorstand machte dann noch einige Mitteilungen über die Verhandlungen mit dem Deutschen Metallarbeiter-Verband. Reichsdarlehen für allere Angestellte. Bisher 2,2 Millionen Mark ausgezahlt. Aus den Reichsmitteln, die als Darlehen für erwerbslos ge- wordenen ältere Angestellle zum Ausbau einer Existenz bereitgestellt wurden, sind bis zum 30. April 1930 insgesamt 16 5 2 Darlehen mit 2218 526 Mark ausgezahlt worden. Die Zahl der Darlehen, die in der Zeit vom 1. Oktober 1929 bis 30. Aprft 1939 außerdem be- willigt, aber noch nicht ausgezohll worden waren, beträgt 276 mit einem Gesamlbetrcg« von 519 939 Mark. Die Höhe der einzelnen Darlehen ist verschieden. Die meisten der ausgezahllen wie der vorgesehenen 634 Darlehen bewegten sich zwischen 1999 und 1599 Mark, in 187 Fällen zwischen 1590 und 2599 Mark. Cs wird Weiler entlassen. Die NAG. baut ab. Die NAG., Oberschöneweide, beabsichtigte, nachdem sie bereits vorige Woche 149 Arbeiter entlassen hat, weitere 230 Arbeiter abzubauen. Dos Werk arbeitet jetzt schon verkürzt. Es beschäftigt noch 1299 Arbeiter. * Stullgart, 1. August(Eigenbericht). Di« Daiinler-Benz-Werk« beabsichtigen, in nächster Zeit wiederum 759 Arbeiter und Angestellte zu entlassen. Die Entlassungen werden mit der allgemein schlechten Wirtschaftslage und dem schlechten Geschäftsgang in der Autobranche begründet. Die Firma Robert Bosch beabsichtigt 299 Arbeiter und Arbeiterinnen zu entlassen. Insgesamt hat die Firma Bosch bis- her etwa 1 999 Arbeiter und Arbeiterinnen entlassen. tl ftBotiStcitl«! SPD..Fr»?tie»»fit>>»» Donnerstag, 16 Uhr, im:-i m Lokal...Zur Tonne', Hirschdcrgrr Etr. 1. Erfchainen aller Parteigenossen II lI ist Pflicht. Tat Zraktio-soorslaad. ßa | �|............. lÄ» Freie Gewerkschafts-Luqend Berlin Heute, Mittwoch, ISVa Uhr. tagen die Gruppen: BiuimschuleuVeg: Jugendheim Eniftstr.]€. Heimbesprechung.— Rordring: Schule � Eonnenburger Sit. 20. Vortrag:„Amerikanische Gewcrtscha ften".— Schönhauser Tor: Jugendheim Zehdenicker Str. 24—25. Heimoesprcchung.— Weißausse: Gruppen hei« Weißensee. Parkstr. 36. Heimbesprechung.— Süden, Südwesten: Städt. Jugendheim Yorckftr. 11 tTalirikgebaude). Heimbesprechung. Verbandsbuchcr mitbringen.— Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15. He m. bespreckmng.— Bdlershof: Gruppe ucheim Adlershof, Bismarckstr. 1. Heim- be sprechung und Liederabend.— Flughafe«: Jugendheim Neukölln, Flug- Hafen str. b6. Heimbesprechuug. ©Huaendaruppe des Zentralverbandes der Anqefiellten Heute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Gesund- druunen: Jugendheim Orthstr. 10. Pt.„Nie wieder Krieg."— Shar- lottenburg: Iugendbeim Siosinenstr. 4. Dir besuchen die Versammlung des W erbebe zirfs.— Schönhauser Vorstadt: Jugendheim der Schule Kastanien- alle- 81. Ausspracheabend:„Vom Vötterhaß zur Völkerperständiqung".— Oberspree: Jugendheim der Schule- Berliner Str. 31.„Gewerkschaft oder Werksgemeinschast." Referent: Dertow.— Nordost: Jugendheim Damüger Straße 62(Varacke 3). Leseabend:„Eines Menschen Weg"(ffriedrich Ebert). — Stralau: Jugendheim der Schule Goßlerstr. 61. Dolkstanffabend.- Reu- kölln: Jugendheim Böhmische Str. 1— Banner Straße. Wir besuchen hfe Versammlung des Dcrbebe/iirks.— Südost: Jugendheim Wrangelstr. 128. Allerlei stunierbunies.— Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Mr besuchen die Versammlung des Werbelx.-.irks.— Potsdam-Rowaw«: Iugendberberse in Noivawes, Priestcrstraße. LichtSilde-oorirag:„Iugendwandern und Jugend. Harbergens Rcferen': Kurt Mener.— Spiel lUid Sport: Ab IS Uhr a>«l dcm Sportplast Jssriedrichshain. Vrranfwortlich fiit Politik: Dr. ffnrf ffieqtt; Wirächaft:«. lttiugelhöler: Dewerksch-fisd-i-egur.g: Z. Steiuee: Feuillekon:«. L. Dsichce: Lokales und Senstiaes: i?ri»«arvädt: Sl:«l«n: Th.«locke: tSmtli» in Berlin. Verlag: VorrzZrts. Verlag«. m. b. v.. Serlnr. Druck: Vormäris.Buitdruckerel und Berlagsanstolt Baut Singer u. Co.. Berlm EW. 68. Lindcnftrage i H rrrpe z Peitogeu. Nr. 363» 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 6. August 4SZ0 Zehn Minuten Stadtparlament Die kommunistischen Akteure blieben in Ferien Die gestrige durch die vemogogic der Kommunisten und Haren- kreuzler crznmogene Slodtvcrordncten Versammlung war nur kurz, vir Mehrheit der Vertreter im Ktadtparlament hat es endgültig sott, die Zeit mit der Behandlung völlig unnützer, sinnlos-dcmagogischer Antrage der Kommunisten zu vcr- trödeln. Wenn die Kommunisten glauben, daß die Arbeiterbevöltcriing Berlins auf ihr« verlogenen Agitationsonträge und Vorstoße herein- fällt, so haben sie sich getäuscht. In der Bevölkerung hat sich längst die E r k e n n t ni s durchgesetzt, daß nicht blödes Schreien und Taben vorwärts Hilst, sondern allein veraatwortuvgsbewußlc positive Arbeil lm Interesse der Arbeiter und Angestellten. Wie m c n i g e r n st es den Kommunisten mit ihren Antrögen zur gestrigen außer- ordentlichen Sitzung der Stodwerordneten war, zeigt diese Tatsache: Bo« 55 Kovrmunifte« fehlten nicht weniger als 14. Unter den Abwesenden befand sich die gesamt«„Promi- nenz* der kammunistischen Rothau siroktion, außer Herrn Pieck. Vir Sozialdemokraten maren, trotzdem nicht sie. sondern die Kommunisten die nutzlos« Sitzung herbeigeführt hatten, in gewohnter Stärke zur Stelle. Bei den Kommunisten fehlten u. a. die beiden Hauplschreier Aritz tauge und Kasper, dann der Beichstagsabge- ordnete Söhnen. Herr Dröll und Fron Dabergoh. Di« National- sozio listen, die in gewohnter Bundesgenossenschast, Faschisten und Moskowiter Arm in Arm, das Stattfinden der Sitzung erst herbeigeführt hotten, brachten von ihren 1Z Vertretern nur ganze 8 auf die Beine. Es fchlten u. o. der Berliner Obertrompeter Dr. Goebbels, Dr. Dorsch und.Herr Vehoghel. Namentlich die Wähler der Kommunisten mögen sich merken, wie stark die Portei- dtlziplin bei den von ihnen Erkorenen ist, wenn bei einem mit so großem Tamtam eingeleiteten llnternehrnen nicht weniger als ein Viertel ihrer Vertreter, um. mit Herrn Pieck zu sprechen,„zur Er- holung auf den Bergen oder an der Se« weilt". Mißglücktes Kasperletheater. Fu Beginn der kurzen Sitzung wurde«in Antrag genehmigt, der für die durck das Hochwasser im Reinickendorfer Bezirk Ge- schädigten die Hilfe der zuständigen Stellen boonsprucht. Dann sprach bei Beratung der kammunistischen Dringlichkeitsanträg« der volksportslkiche Vertreter Kunz er. Er wie? darauf hin, daß die kormmmistifchen Anträge zum Teil absolut nicht in die Zuständigkeit d«r Berliner Stadwerardnetermersammlung gehören, sondern An» oelegenheiten des Reiches und des Staates sind. Die Komnninisten Kaden also wieder einmal nach alter Gewohnheit ihre Anträge nur gestellt, um Reden an die Tribüne und aus dem Fenster zu halten Wenn sie nicht der Städteordnnng vollkommen schimmerlos gegenüberstehen, haben sie die vollkommene Sinnlosigkeit ihres Vorgehens gekannt und nur die unwürdige Parole verfolgt, durch Irreführung von Unwissenden aufzureizen und zu hetzen. Au einigen anderen Anträgen sagte Stadtv. Kunzer, daß sie van so weitgehender Bedeutung waren, daß man sie umnöglich übers Knie brechen und in einer Feriensitzung erledigen könne. Er beantragte also die Dringlichkeit der Antröge zu verneinen, wozu auf Grund der Geschöftsordming die Stimmen von 25 Stadtverordneten notwendig sind. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß die Kommunisten diesen Antrag mit einem wüsten Geheul beantworteten. Ihr Redner Herr Pieck ging auf die sachlichen Einwendungen nicht ein. sondern begnügte sich mir der üblichen Agitationsrede, die von bestellten Helfern aus der Auschouertribüne durch lärmend« Beifalls- und Pfuirufe begleitet wurde. Ein Privotredner hielt auf der Auschouertribüne sein« anbefohlene und auswendig gelernte kommunistische Agitationsrede. Mit den Stimmen der Sozioldemo- traten wurde der Antrag des Stadtv. Künzcr durch weit mehr als 25 Stimmen unterstützt. Diese einzig mögliche Haltung verantwortungsbewußter Volksvertreter löste ein besonderes Wutgeheul der Kommunisten aus. Auch das natürlich Kt o m ö d i e. denn niemand bei de« Kommunisten hat sich eingebildet, daß die Sozialdemokratie diese verbrecherischen Mc thoden mitmachen und daß sie sich dazu hergeben würde. einer wüsten arbeiterschädlich cn Demagogie Vorspanndicnste zu leisten. . Die Sozialdemokratie hat für die arbeitende Vcvölkerung Positives zu schaffen und besitzt deshalb keine Zeit, den Gefolgsmann kommunistischer Spiegelfechtereien zu machen „Haltet den Autodieb!" Aufregende Jagd durch die(Straßen.-(Schupo vom Trittbrett gestürzt. Eine wilde Jagd ans einen Autodieb brachte in den gestrigen Abendstunden ein ganzes Stadtviertel in Ausregung. Roch einer mehr al» halbstündigen Versolgvog im Auto konnte der Dieb eingeholt und festgenommen werden. Ein Polizeibeamtcr erlitt bei der Verfolgung durch Sturz von dem in rasender Fahrt befindlichen gestohlenen Auto einen schweren Schädelbruch. Die Verwegenheit des Diebes, es handelt sich um einen Zöjährigen wohnungslasen Chauffeur Kurt Frey, übertrifft alle Verbrechen dieser Art. Gegen 21 Uhr patrouillierte an der Ecke Haupt- und Gnunewoldstraße eine Schupodoppelstreife des Reviers 172. Die Beamten wurden plötzlich wzf laute Rufe: „haltet den Autodieb, holtet de« Autodieb!" aufmerksam. In der Tal kam in schneller Fahrt ein Privätauto heran, das von einer Autodrofchke dicht verfolgt wurde. Ohne sich lange zu besinnen, sprang der Polizelwochtmeister Bienick aus das Trittbrett des Auto, und versuchte den Fahrer zum Holten zu zwingen. Statt zu halten gab dieser jedoch Boll gas, und in rasender Fahrt ging es die Grunewaldstraße hinauf bis zur Ersenocher Straße. Dem Polizeibeamten, d?r sich nur mit Mühe am Türschloß festhalten konnte, war es unmöglich, seine Waffe zu ziehen. Plötzli-ch verringerte der Berbrecher dos Tempo etwas, und während er mit der einen Hand dos Steuer hielt, schlug er offenbar mit einem Schraubenschlüssel auf den Beamten ein. Es entspann sich ein schwerer Kampf, ol» der Polizei beomle pöhlich den Halt verlor und auf das Straßen Pflaster stürzte. Mit einem schweren Schädelbruch blieb er besinnungslos liegen. In rasender Fahrt Schüsse auf die Pneus. Der Kollege des verunglückten Beamten hotte inzwischen mit einer Äutodrvlchke die Verfolgung des Toters aufgenommen. Außer» dem beteiligt« sich ein Beamter des Reviers in einem Privotäuto an der wilden Jagd. In rasender Fahrt ging die Verfolgung über den Bayerischen Platz, durch die Martin-Luther-Stroß«, über den Nollendorfplatz bis zum Magdeburger Platz. Es ist geradezu als«in Wunder zu bezeichnen, daß bei der Raserei sich nicht ein weiteres Unglück ereignete. An der A p o st e l- P a u l u s- K i r ch e waren die'Verfolger dem Autodieb so dicht auf den Fersen, daß sie ihre Waffen bereit machen und aus die Reifen de» vor ihnen jagenden Auto» zahlreiche Schlisse abgeben konnten. Mehrere Kugeln trafen, so daß der Dieb holten mußt«. Auch jetzt versuchte er noch weiter zu flüchten, auf die energischen Halt- rufe der Beamten blieb er dann aber stehen und ließ sich fest- nehmen. Der Tüter wurde der Kriminalpolizei übergeben. Der aus- regende Vorfall hatte an mehreren Stellen größere Menschen- a n s a m m l u n g e n zur Folge. Willkommen in Berlin! Französische Schüler bei uns zu Gast.- Herzlicher Empfang. Als gestern abend der D.Zug Paris— Warschau fällig war. füllte sich der Bahnsteig aus dem Schlesischen Bahnhof mit er staunlich vielen Blenschen. Das Interesse galt dem zweiten Teil des Zuges, der als Sondcrzug aus Paris kam. Cr brachte etwa 400 deutsche und französische Schüler und Schülerinnen aus Paris. D'e Deutscheu hatten dort ihre Ferien abgeschlossen, sie brachten ihre französischen Ferienkameradcn nunmehr für fünf Wochen nach Berlin. Unter stürmischem Jubel lief der Sonderzug mit eigenem Speisewagen, in dem die jungen Gäste zu besonders ermäßigten Preisen bewirtet wurden, in die Bahnhoss- Halle ein. Die Organisation funktionierte ausgezeichnet, wir freuen uns. daß der Deutsch- Französische Schülcraustaufch. Dienst Heidelberg, den die Genossin L e r o i lcilcl, von Jahr zn Jahr zunehmende Erfolge erreicht. Mit dem Transport kamen auch die Auslauschfchülcr der„L i g a" wieder nach Berlin zurück. wie im Vorjahr, so wird auch diesmal den französischen Schülern und Schülerinnen viel von Berlin gezeigt iverden. damit sie ein lebendiges Bild unseres Lebens mit nach Hause nehmen. » Berliner Lunge aus dem Ferienzug gestürzt! Breslau, 5. August. Am Dienstag mittag stürzte der 7iährige Georg I o r g a l aus Berlin-Weißensee auf dem Bahnhof Deutlch-Lissa aus einem nach Berlin fahrenden Kinderfonderzug. Der Knabe erlitt schwere Ver- letzuirgen und wurde in ein Breslauer Krankenhaus überführt. An feinem Aufkommen wird gezweifelt. Er hatte trotz mehrfacher Ver- Warnungen beim Spielen die Tür geöffnet. S/NOAIR LEWIS Ol ROM/W Ach so", sagte Dessie etwas unsicher....Hören S'e ein- mal, Fräulein Golden. Hören Sie, ich will mich ja nicht dreinmischen, und vielleicht paßt es Ahnen auch dort nicht, aber ich wil&te ein ganz fanroses Quartier— Fräulein Kitson. die Sekretärin meines früheren Chefs, hat dort gewohnt: das Abstinenzlerinnenheim in der Madifon Avenue. Es soll ein wenig streng gehalten sein, ober wissen Sie. die Gesell- schaft ist prima: Künstlerinnen und alles mögliche, und es heißt, das Essen ist wunderbar und es kostet nur acht Dollar wöchentlich." „Nun, vielleicht sehe ich es mir einmal an", sagte Una zweifelnd. Weder die Abstinenz, noch Bessies Empfehlung ließen Nna das Heim besonders verlockend erscheinen: aber sie war ausgehungert nach Gesellschaft: das ewig gleiche, Phantasie- los« Verlangen der Männer ließ sie jetzt kalt. Unter den Frauen—.„Künstlerinnen und olles mögliche"— würde sie vielleicht V» Freundin finden, die si? brauchte. Das Abstinenzlerinnenheim befand sich in einem statt- l'chen, fünf Stockwerke hohen, weißen Sandsteingebaude. die Eingangstüre war mit einem Eifengitter versehen, und dos Ganze sah so solid und vertrauenerweckend aus wie dos Gebäude einer Notionalbonk. Una läutete schüchtern. Dann wurde si« i« dos Büro der Frau Barriet F'k«, der Oberm des Heims, geführt. Frau Fike hatte einen braunen, sehnigen Hals und gelb- braune Haare. Sie trug ein Kleid von männlichem Schnitt, Schuhe mit niedrigen, breiten Absätzen und von einer Form, die alle Leute, ausgenommen junge hübsche Frauen,„ver- nünftig" nannten, und um den Hals ein großes silbernes Kruzifix. „Sie wünschen?" knurrte sie. jemand hat mir— ich möchte mich gerne erkundigen über das Wohnen hier— mir etwas ansehen, und so welter. Stöanta. Sie mir bitte eines der Zinnner zeigen lassen?" . Mein liebes Fräulein, das erste ist nicht, Ihnen— oder sonst irgend jemand— ein Zimmer zeigen zu lassen, sondern zuerst müssen wir uns vergewissern, ob Sie die geeignete Person sind, um h'er zu wohnen." Frau Fike riß eine Lade ihres Schreibtisches auf. nahm ein ledergebundenes Buch heraus, schlug mit der flachen Hand darauf, öffnete es. warf einen abschätzenden Blick auf Una und fing an, sie mit Fragen zu überschütten. „Wie heißen Sie?" „Una Golden." „Frau Fräulein?" „Wie bitte.. „Frau oder Fräulein, habe ich gesagt. Verstehen Sie nicht Englisch?" „Entschuldigen Sie bitte, aber ich stehe hier doch nicht vor Gericht, soviel ich weiß!" Una erhob sich zitternd. Frau Fike wartete nur einen Augenblick, dann knurrte sie wieder:„Setzen Sie sich. Sie sehen aus, als ob Sie ver- nünftig genug wären, um zu verstehen, daß wir in ein solches Haus nicht Leute aufnehmen können, von denen wir nichts wissen... Frau oder Fräulein, hob' ich gefragt?" „Fräulein", murmelte Una, und eingeschüchtert setzte sie sich wieder. „Konfession?... Katholiken und Konfessionslose werden nicht aufgenommen!" Una hörte sich mit schwacher Stimme sagen:„Metho- distin." „Rauchen? Fluchen? Tr.nkcn? Irgendwelche schlechte Gewohnheiten?" „Rein." „Haben Sie einen Bräutigam. Liebhaber oder Freund? Wenn ja, bitte um den Namen oder die Namen." „Rein." „Da? sagen alle. Ich mache Sie darauf aufmerksam. daß wir uns vorbehalten späterhin Fragen zu stellen und Erkundigungen einzuziehen, wenn alle diese Brüder und Bettern Sie besuchen kommen sollten... Schon vor- bestraft?" „Nein, hören Sie—! Sehe ich so ans?" „Mein liebes Fräulein, käme es Ihnen nicht komisch vor, wenn ich jetzt„ja" sagen würde?. Sind Sie vorbestraft? Ich mach- Sie darauf aufmerksam, daß wir diese Ding- recherchieren lasien." „Rein, nicht vorbestraft." „Nun gut... Alter?" „Sechsunchpvanzig." „Leben die Eltern? Namen der nächsten Verwandten? der nächsten Bekannten? Augenblickliche Beschäftigung?" Sogar während sie auf diese letzte einfache Frage und Frau Fikes mißtrauische Erkundigung nach ihrem Gehalt antwortete, hatte Una das Gefühl, als sage sie falsch aus, als gäbe es gar kein Büro eines Herrn Wilkins— und als wüßte Frau Fike das genau: als stünde ein großer Volizist irgendwo versteckt und würde im nächsten Augenblick hervor- treten und sie ins Gefängnis schleppen. Sie antwortete mit ziemlicher Genauigkeit. Aber sie hatte nur einen Wunsch, diesem korrekten Ort und Frau Fite zu entfliehen und zu den Grays zurückzulaufen. „Ihr Lebenslauf bisher?" fuhr Frau Fike unerbittlich fort und ließ dieser Frage Erkundigungen nach Unas Plänen, Gesundheit, Geisteszustand und Referenzen folgen. Frau Fike schloß das Register und bemerkte: „Nun, Sie sind ein wenig unverschämt, aber es scheint nichts gegen Sie vorzuliegen— und jetzt können Sie sich bei uns umsehen und schauest, wie wir Ihnen zusagen. Bitte glauben Sie ja nicht, daß diese Anstalt Sie benötigt, oder bemüht ist, Sie einem sündigen Leben zu entreißen, oder daß wir glauben, dixs sei der einzige Ort in New Dork. wo man wohnen kann. Bitte, kommen Sie mit mir. Nein, lesen Sie zuerst die Hausordnung!" Una las folgsam, daß es den jungen Damen des Ab- stinenzlerinnenheims verboten fei, zu rauchen, sich lärmend zu betragen, in ihren Zimmern zu kochen oder zu waschen. nach Mitternacht aufzubleiben, irgendwelche Besuche, ausge- nommen Mütter oder Schwestern, anderswo zu empfangen. als in den von dem Heim hierfür vorgesehenen Empfangs- zimmern. Es war verboten, nach zehn Uhr auszublcibei:, ausgenommen, wenn der Name der Betreffenden vor dem Weggehen in ein Buch eingetragen wurde. Und man ver- langte, daß sie alle angemessenen Fragen nach ihrem moralischen, geistigen physischen und materiellen Befinden oder Fortkommen der Oberin, der Kontrollkommission oder der hierzu berechtigten Inspektorin wahrheitsgemäß beant warteten. Una konnte nicht umhin, zu fragen:„Ich hoffe, es ist nicht etwa verboten, im Zimmer zu schlafen?" Frau Fike blickte sie an, blickt« durch und durch, blickie rings um sie herum und bemerkte:„Ich möchte Ihnen raten. diese Unverschämthesten zu vnterlass?n. Wissen Sie, Sie machen es nicht gut. Versuchen Sie lieber, eine Dame zu sein und kein Witzbold! Kommen Sie. wir wollen uns das Haus ansehen."(Fortsetzung folgt.) * Der Tonfilm wiri Die Sozialdemokratie h „Die Sozialdemokratie im Reichstags- wahlkamps 1930" nennt sich der Tonsilm. der vom parteioorstand der deutschen Sozialdemokratie als Rüstzeug für unser Ringen um eine Stärkung der Partei am Entfcheidungstagc des 14. September hergestellt wurde. Der Tonfilm, das darf man mit gutem Gewissen sagen, ist wohl« gelungen. Die Bilder sind außerordentlich klar, die Sprache der Redner ist inhaltlich und klanglich von großem Eindruck, der Aufbau des Ganzen ist wohl gegliedert und zeigt deutlich, worum am 14. Ssp. tember für die Sozialdemokratie und damit für die Schaffenden in Deutschland der Kampf geht. Wir sind in einer sozialdemokratischen Wahlversammlung. Am Tisch sitzt der Vorsitzende mit der Glocke in der Hand, neben ihm die Redner, die Vertreterin der sozialdemokratischen Frauen und der Protokollsührer. Der Gesang unserer Arbeitersängcr leitet die Handlung ein.„Erwache Volk, erwache!" erklingt es. Dann spricht der Versammlungsleiter kurze markige Worte der Einführung, um den führenden Genossen Rudolf Wissest, Paul Herh und Rudolf Vreilscheid das Wort zu geben. Di« Verteilung der Themen unter die drei Redner ist durch ihre Persönlichkeit bestimmt: Sozialpolitik, Finanzpolitik und allgemeine inner« und äußere Politik der Sozial- demokratie. Von außerordentlicher Wirkung auch auf den der Partei gleich- gültig gegenüberstehenden Staatsbürger werden die mit starker Be- tonung vorgetragenen Leitsätze sozialdemokratischen Wollens und Handelns sein. Erst der Vorsitzende, Genosse Eckert:„Das Bürger- blockkabinett Schiele-Brüning kam. Es schonte die Reichen, es be- lastet« die Armen und Aermsten und schlug in jeder Beziehung einen reaktionären Kurs ein, den es schließlich durch die Ausschaltung der Volksvertretung mit Hilfe des Artikels 4� der Reichsverfassung krönte." Darm Wissel!:„Die Darlehen für die Arbeitslosenver- sicherung zu beseitigen, sie wenigstens zu mindern, haben die bürger- lichen Parteien seit fast eineinhalb Jahren auf dem Wege eines Ab- baues der Leistungen der Arbeitslosenversicherung zu erreichen ver- sucht. Dos blieb vergebens, solange die Sozialdemokratie in der Re- für die Partei! i Reichstagswahlkampf gierung war. Um ihr Ziel zu erreichen, zerschlug die Deutsche Volks» partei die Koalition, auf die sich die Regierung Müller stützte. Da war der Weg zu ihrem Ziele frei: Die beiden früheren Sekretär« der Christlichen Gewerkschaften, Brüning und Stegerwald� sind die Vollstrecker der kapitalistischen Abbauwünsche geworden. Die Wähler werden ihre Stimme der Parle! geben, die sich bisher immer als die stärkste Förderin und Schüherin der Sozialpolitik erwiesen hat, der Sozialdemokratie!" Paul Hertz:„Die Einschränkung der sozialen Fürsorge, der Abbau der Löhne und Gehälter, kann die Wirtschaftskrise nicht mindern, sondern muß sie oerschärfen. Eine Belebung der Wirt- schaftslage ist nur möglich durch den Abbau der Preise, die Schaffung neuer Arbeitsgelegenheit, die Sanierung der össentlichen Finanzen, die Heranziehung der wirklich leistungsfähigen Schichten. Daher be- kämpft die Sozialdemokratie die Pläne der Regierung Brüning und erwartet, daß die arbeitendenVolksrnassen in Stadt und Land, in Werkstatt und Kontor am 14. September dafür sorgen, daß der Bürger- block geschlagen wird und die soziale Gerechtigkeit tri- u m p h i e r t." Rudolf B r e i t s ch e i d:„Der Finanzminister Dietrich hat in seiner letzten Rede im Reichstag ausgerufen, es müsse- sich entscheiden, ob wir ein Staatsvolk seien oder ein Haufen von Interessenten. Ohne es zu wollen, hat er damit seiner eigenen Re- gierung das Urteil gesprochen. Denn der Jnteressentenhaufen befindet sich in seinem eigenen Lager, und wir Sozialdemokraten haben es uns zur Ausgabe gefetzt, seine Macht zu brechen um das Allgemeinwohl und das Wohl der Republik zu ihrem Rechte kommen zu lassen." Zum Schluß wiederum der Darsitzende: „herbei. Wähler und Wählerinnen, hinein in den Kampf gegen faschisiisch-kopitalistische Diktatur, auf zum Siege der deutschen Sozialdemokratie!" Von den Arbeitersängern vorgetragen, ertönt das„Brüder zu? Sonne, zur Freiheit". Der Vorsitzend« schließt die Werbeoeranstal- tung der Sozialdemokratischen Partei. Unser Tonfilm wird sicher bei der Werbearbeit in Stadt und Land eine hervorragende Rolle spielen und so mithelfen, daß es am 14. September nur eine siegende Partei gibt, die Sozial» demokratie. Erpreffer! Gn früherer Offizier vor der Strafkammer. Wohin Wenschen ohne inneren halt, ohne echtes Pflicht- und Ehrgefühl geführt werden, zeigte ein Prozeß, bei dem ein früherer Offizier wegrn versuchter Erpressuag verurteilt wurde. Vor seiner Heirot war der Arzt Dr. R. lange Jahre mit einem Mädchen befreundet gewesen, und diesem Paar hatten sich noch zwei andere junge Leute, Herr v. L. mit seiner Braut, angeschlossen. Trotzdem dieser, ein früherer Offizier, inzwischen auf die schiefe Bahn gekommen und verschiedene Male b e st r a f t worden war, kamen die beiden Herren auch jetzt noch öfter zusammen. Im letzten Jahr hatte sich mir die ehemalige Freundin des Arztes, als sie erkrankt war, mit der Bitte an ihn gewandt, doch die Behandlung zu übernehmen. Kurz darauf erhielt Dr. R. einen anonymen Brief, in dem er aufgefordert wurde, 500 Mark an«in« chiffrierte Adresse zu senden, weil sonst ein großer Skandal entfesselt würde. Seiner Frau sollte mitgeteilt werden, daß er die Beziehungen zu seiner früheren Freundin wieder ausgerwmmen hätte. Der Zlrzt zeigte diesen Erpressungsversuch bei der Polizei an, und am nächsten Tag« erschien auch Herr v. L. bei der Polizei mit Briefen, die an ihn gerichtet waren und durch die er sich bedroht fllhlle. Details au« diesen Briefen ließen erkennen, daß wahrscheinlich nur wenige Personen als Verfasser in Frage kamen. Der Verdacht lenkte sich sehr bald aus v. L. selbst, der sich in sehr schlechter Lage befand und dem man zutraute, daß er aus diese häßliche Weife von seinem Freund Geld erpressen wollte. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht bestritt«r ganz energisch, sich derart vergangen zu hoben, ober er wurde durch«inen Schriftsachverständigen überführt und wegen versuchter Erpressung zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Um sein« angeb- liche Unschuld zu beweisen, legte v. L. Berufung ein und bestellte noch andere Sachverständige, die sein« Schrift mit der Schrift der Drohbrief« oergleichen sollten. Als ober auch in diesen Gutachten die beiden Schriften verglichen wurden, gab der Angeklagte sein Leugnen aus und bekannte, daß er die Brief« an sich selbst nur ge- schrieben hatte, um den Verdacht von sich abzulenken. Die Strafkammer oerwarf seine Berufung, jedoch billigt« sie dem Angeklagten eine Bewährungssrist zu. Spurlos verschwunden! Sine Frau mit Pflegetochter gewaltsam umgekommen? Das geheimnisvolle Verschwinden einer Frau und ihrer Pflegetochter beschäftigt s«it einiger Zeit die Kriminaidehörden. Seit dem Herbst 1929 sehlt von der im Jahre 1890 in Zehderrick geborenen Frau Minna Eberl und ihrer Pflegetochter Marga- rete M a rt h, die mn 21. Februar 1919 in Celle geboren wurde, jede Spur. Es scheint nicht ausgeschlossen, daß beide, da trotz oller Nach- sorschungen nach ihrem Verbleib bisher nichts zu ermitteln war, vielleicht eines gewaltsamen Todes gestorben sind. Frau Ebert lebt« von ihrem Manne getrennt. Im Jahre 1928 erschien sie bei Bekannten in Braunschweig und erzählte, daß sie mit dem Kinde in Celle sei und einem kriegsdeschädigten früheren Eisen- bahnbeamten die Wirtschaft führe. Das war da« letzte Lebenszeichen, da« die Verwandten von der Frau und dem Mädchen hatten. Der Ehemann, der bei Dlberseld arbeitet, erklärte, daß er über den Ausenthalt seiner Frau keine Auskunft geben könne. Er Hab« ge- hört, daß sein« Frau inzwischen gestorben sei und habe sich Nicht weiter darum gekümmert. In»Zusammenarbeit mit den Provinz- behörden hat auch die Berliner Kriminalpolizei die Nachforschungen nach den beiden aufgenommen. Schupo feiert Verfassungstag wieder im Lustgarten Der Polizeipräsident teilt mit: Am Sonntag, dem 19. August 1930, mittags 12 Uhr, findet vor dem Berliner Schloß Lustgartenseit«— für die gesamte Polizei Berlins die Der- fassungsseier statt. Die Feier beginnt mit dem Eintreten des Herrn preußischen Ministers des Innen,, der auch die Festrede halten wird. Nach dem Borbeimarsch der Schutzpolizei findet ein Platzkonzert statt._ versassungsseier de» Reichsbanners kreis Norden. Der Kreis- verein Berlin. Nord«,, des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold ver- anstaltet am Sonntag, dem 10. August, eine große V e r s a s s u n g s- f« i e r am Tegeler See in den Gartenlokalen Seepovill-on und Etrandschloß. In beiden Gartenlokalen große; Kor-zert, aus- geführt von der Reichsbannerkapelle Weißensee und des Kreisspiel- mannszugcs. Die Festrede halt Kamerad Erich K u t t n e r, M. d. L. Das Reichsbanner marschiert geschloffen an in zwei Zügen. 1. Zug ab Bahnhof Waidmaimslust, 2. Zug ab Reinickendorf-West, Spandauer Weg. Abmarsch 13 Uhr. Festplatette 30 Pf. Ab 17 Uhr Tanz. Nachzahlung 50 Pf._ Ein Kilo Opium beschlagnahmi. Oer Verkäufer festgenommen. Ein kaufmännischer Vertreter, der erst vor kurzen, aus Skandi- navien nach Deutschland gekommen war, hatte«s verstanden, ein Kilo Rohopium über die Grenze zu schmuggeln. Er versuchte nun,, in der Gegend de» Holieschcn Tores Käufer für feine Ware zu finden, die.er zu den, billigen Preise von 4 50 bis 500 Mark anbot. Kriminalbeamte der Dieüstftellc U. 5 hörten aber auch von dem eigentümlichen Handel und erwischten den Vertreter samt seinem Opium auf der Straße und mrhmen ihn fest. Das Rauschgift wurde beschlagnahmt. Der Festgenommene behauptet, er habe es in einem Auslandshajen gekauft. Ob das zu- trifft, wind noch untersucht. Wenn der Herr Oberfekretär auf Ltrlaub ist.. Von einigen Lesern wird uns geschrieben: Wir machten kürz- sich einen Kursus für Kraftoroschten-Wagenführer bei der Innung vereinigter Krastdroschkenbesttzer durch und sollten am 5. August unsere Prüfung zur Führung einer Autodroschke ablegen. Am 4. August bekamen wir Fahrschüler bzw. die Innung vom Kraft- Verkehrsamt den Bescheid, daß die Prüfungen eventuell erst noch 4 Wochen stattfinden könnten, da sich der die Prüfung vornehmende Obersekretär L e i st in Urlaub befände. Im übrigen solle» die Krostdroschkenführerprüfungen infolge Uebersüllung des Berufs ein- geschränkt werden. Gegen den letzten Satz ließe sich nichts sagen, doch darf man erwarten, daß das Kraftverkehrsamt olle Fahr- schulen von seiner Absicht schnellstens in Kenntnis setzt. Daß ober die Prüfungen um vier und noch mehr Wochen verschoben werden sollen, nur weil der Obersekretär in Urlaub ist, ist doch ein tolles Stück. Wir Prüflinge find fast alle erwerbslos und haben mit Not und Mühe das Ausbildungsgeld— zirka 135 M.— aufgebracht, Europarundfiug: Post hält die Spitze. Bei der gestrigen Ausrüftungsprüsung der Europarund- slüge in Staaken� gab es nach der Bekanntgabe der Ergebnisse einige überraschende Verschiebungen in dem bisherigen Gcsamtklasie- ment. Mit größter Spannung darf deshalb- der Schlußprüfung, die noch weitere Ueberräischüngen bringen dürfte�.gntgegcngejehei, we�en.. Der �rüfung� mußten sich aste. 35 der noch in Konkurrenz befindlichen Bewerber unterziehen. Äanz ausgezeichnet schnitt der bis gestern an zehnter Stelle liegende Kanadier Eck rb« r r y ab; er erhielt die meisten Gutpunkte und rückte mit insgesamt 377 Punkten an die zweite Stelle auf. Die Spitze hält jetzt der Deutsche P o ß mit seinem Klemm-Flugzeug. Mit zwei Punkten Vorsprung rangiert er vor dem Kanadier an erster Stelle. Daran reihen sich N o tz (Deutschland) mit 370, B r o ad(England) mit 375, Morzil (Deutschland) mit 372, Miß Spooner(England) mit 370, D i n o r t(Deutschland) mit 365, Polle(Deutschland) mit 362 Punk- ten usw. Todessturz vom Kutscherbock, s Auf tragische Weise ist der 54jährige Kutscher Wilhelm Förster aus der Göbenstraße 7 ums.Leben gekommen. Als F. mir feinem Gespann durch die Neue Kantstraße fuhr, erlitt er plötzlich einen Schwächeanfall und stürzte so unglücklich vom Kutscherbock aus die Straße, daß er einen schweren Schädelbruch»avontrug. Der Verunglückle starb bereits auf dem Wege zum Krankenhaus. ' 9 :mmrKr«i RM. 2500 5 fach beniff * weif die leisturig, df6$Te fuf jeefe Mark des Kaufpreises bekommen, bis zu 38 � größer ist-v/eil sein 7,01 Liter 4 Zylinder 4 Takt-Motor bis zu 331li0f0 stärker- weil seine Chassiskonstruktion bis zu 900/0 robuster- weil die amtlich zulässige Belastung des fahrfertigen Wagens bis zu 20% höher- vnd- weil der 1,01 Liter 4 RS Opel mit Automobil Ballon Reifen(nicht mit Motorrad Reifen!) ausgerüstet ist. p R 6 1 Er ist genügend stark- er ist genügend schwer(auch das ist wichtig!} 4 PS -> er iet genügend groß- und hat das ausschlaggebende Plus an KrafU 4 PS Das kann man zwar auch von anderen Wagen diese? Klasse behaupten, aber nicht mit den gleichen Tatsadiert belegen!... Daraus erklärt sich; 1. die Überlegenheit* 2. die Verbreitung des Opel 4 PS. Besuchen Sie unseren nächsten Händler— er hält Vorführungswagen ___ für Sie bereit. St AB WERK- ALLE WAGEN FÜNFFACH BEREIF Ts ZWEISITZER RM 1990 4 PS CABRIOLET RM 2500 VIERSITZER RM 2350. 4 PS LIMOUSINE RM 2700t Zwei Drittel alier Käufer von Autos „unter 3000 Mark" wählen Opel! Der heulende Nazi. Die.gefälschten" Röntgentaler Protokolle.- Und was die Kriminalbeamten sagen. Die Beweisaufnahme im Röntgenlal-Prozeß neigt ihrem Ende zu. Die letzten kommunistischen Zeugen verstärkten nur den Eindruck, datz die Jungkommunisten erst nach der Schießerei vor dem Lokal Meisel eingetroffen sind. Der Schwerpunkt der gestrigen Verhandlung lag auf den Aussagen der Kriminalbeamten. Die Angeklagten hatten, wie erinnerlich, bei ihrer Vernehmung den Mund tüchtig vollgenonn men. Die sie selbst und die Kameraden belastenden Aussagen seien ihnen gewisserniaßcn unter Drohungen und unter In-Auesichtstellung der Außerhastsctzung abgezwungen, die Protokolle seien nicht richtig aufgenommen worden. Auch die Verteidiger gaben unzweideutig zu verstehen, daß sie die Kriminalbeamten, bei deren Vernehmung tüchtig auf den Zahn fühlen wollten. llild was erlebte man gestern? Fast keine einzige Frage seitens der Verteidiger, kein einziger Wider- spruch seitens der Angeklagten. Die Protokolle falsch aufgenommen?! Keine Idee, nur das wurde niedergeschrieben, was die Ange- klagten von sich aus freiwillig ausgesagt haben. Natürlich hat Nenner gesagt, wenn auch nicht unter Anwendung des Wortes Ak- tion, daß bereits unterwegs nach Röntgental von einem Unter- nehmen gegen das Reichsbanner die Rede gewesen sei, erklärte Kri- minalassistent Ring; und Frank habe tatsächlich ausgesagt, daß an die Nazis die Frage gerichtet worden sei, ob sie warm ange- zogen seien. Noch größere Töne hatten die Angeklagten gegen den Kriminalassrstenten Erdmann geredet. Aber gerade bei der vernehir.ung dieses Zeugen saßen sie be- sonders kleinlaut da. „i)aben Sie etwa bei der Vernehmung der Angeklagten Drohungen laut werden lassen", fragte den Zeugen Rechtsanwalt Dr. Joachim, „Wie käme ich dazu", erwiderte der Zeuge. Erst heulen und dann verleumden... Für die Gesinnung des Angeklagten Frank ist aber eine Epi- sod« ganz besonders charakteristisch. Bei seiner Vernehmung hatte er geweint: die Frau liege krank danieder, das Kind sei ohne Aufsicht. Der Kriminalassistent Erdmann gab ihm aus Mitleid 5A0 Mk., die er gerade lose in seiner Tasche hatte. Und was tat Frank? Er erklärte vor Gericht, Erdmann habe ihn mit 5.ä0 ITC. kaufen wollen. Schließlich die ärztlichen Sachverständigen. Gebauer hatte einen Streifschuh am Arm und einen Schuß in die Hüfte er. halten, von ein- und derselben Kugel. Bei K u b o w waren Magen und Nieren durchschossen, das Herz verletzt, die Kugel in der Brust- haut steckengeblieben.„Eine furchtbare Aerletzung" sagte der Arzt. Schafft mehr Stimmbezirke! Sine Erinnerung an die letzte Reichstagswahl in Berlin. Genosse D i t t m a n n schreibt uns: Nach einer vom„Bor- wärts" kürzlich veröffentlichten Rundverfügung des Berliner Magistrats an die Bezirksämter sollen diese dem Hauptwahlamt bis zum 13. August ein druckscrtiges Verzeichnis iffer Stimm- bezirke mit'den Abstimnmngsräumen angeben.-'Das rufe eine Erinnerung wach. Bei der letzten Reichstagswahl 1928 waren die Berliner Stirnmbezirt« in den volkreichsten Gegenden der Stadt vielfach z u g r o ß, so daß sich das Auszählungsgeschäft nach Schluß der Wahlhandlung ungebührlich verzögerte. Die Wahlrcstiltate aus den entlegensten Gebieten des Reichs lagen bereits vor, als immer noch die Resultate aus vielen Berliner Bezirken fehlten. Den Bogel schoß damals Reinickendorf ab, wo man einfach das Zöhlgsjchiäft auf einen späteren Tag verschoben hatte. Im Reichs- Wahlausschuß herrschte damals bei den Berlretern aller Parteien über diese unglaubliche Bummelei helle Empörung, und auch die Berliner Presse hat damals dem für das Wahlgefchäst vcrant- «ortlichen Bürgermeister Scholz einige bittere Wahrheiten gesagt. An diese Dinge erinnere ich, um zu verhindern, daß sie sich bei der diesmaligen Wahl wiederholen können, vor allem dürfen die Slimmbezirke nicht so groß bemessen werden, daß in den sestgesehten Wahlstunden nicht alle Wähler ihr wohlrecht ausüben können und die Auszählung sich bi» in die späten Nachtstunden verzögert. Deshalb mehr Stimm bezirke und Vorsorge getroffen, daß sich der Fgll Reinickendorf nicht wiederholen kann. Zport. Rennen zu Ruhleben am Dienstag, dem 5. August. 1. Nennen, t. Fechtmeister(I. Kaupper), 2. Cortez. S. Alabama, «. Oisi OSwalda. Toto: 29:>0. Play: 16, 19. 15. 1«: 10. Ferner tiefen! Imperator, Mimose, Steinkauz. Freda Ouäicrboy, Gny de Val, Nordpol, Eminenz, Ostorprinz. Poesie. Natur, Baroneß Dacon, L»>t?o. Drama. 2. Nennen. 1. Conslantin FriSco(Anöpnadcl), 2. Äeranika, 8. Hanta. Toto: 13:10. Platz: 11, 14, 15:10. Ferner liefen; Allasch, Musica, Donald, Oberkellner, Hcstia, Dynamit, Peter Nurini. ».Rennen. 1. König Lear iCb. Mill«), 2. Lucie Wati», 3. SiegeZ. adler. Toto: 15:,0. Platz: 1«.»4. 105: 10. Ferner liefen: Teuseltbiirsch. Christine. Charlie M., Idyll, Modena, Banca Dussy, Flaggenlied, Cordula. 4. R c n n e n. 1. Dorothea(W. Krautzi. 2. Muni, 3. Arosa, 4. Adresse. Toto: 19:10. Platz: 14, 24, 22, 19:10. Ferner liefen: Boston(4. diLq, 30 Proz. d. Platzw. zur.). Zierde. WilbelmSburg(i. o. 83.), Obersteiger, Selamiik, Titania, Heini Dussy, Galeere, Ordnung, Primel, Cilento, Mary lt., Friesin, Lustiges Mädchen. 5. Nennen. 1. Tizian(Ch. MillS), 2. H-rostratos, 3. Falkenstein. Toto: 14:10. Platz: 10. 11, 13:10. Ferner liefen: Ingelinde, Paneil, Don Joiö. Lindowlind, Duo vadis(o. 2?.), Eckstein. 6. Rennen. 1. Lombardei(Bes.), 2. Nonne, 3. Mcistersängcr, 4. FricdrichSd-or. Toto: 158:10. Platz: 35, 3l. 20. 19: 10. Ferner liefen: Nushaga Bon. Nanu, Gatdrn, Fischotter, Pyramido. Mary Holsten, Hallore, Wagner, Niederländer(o. W.l, Baron Gabler. Crassus. 7. R« n n e n. 1, Peichlesch tLauienberger), 2. Ursula. 3, Agent. 4. Kimiko. Toto: 87:10. Platz: 22. 25, 51, 30: 10. Ferner Uesen: Pirna <1. diSq, 80 Pro,. Sieg n. Platz zur.), Angara sges.), Aprikose, Ali, Natalor. Helen Dawson. Idylle Palos, Präsisent, Peramo, Mary Druien, Farina(gek.). 8. Nennen. 1. Nordeck»Nciienseld), 2. Ouebcck, 3. Orta Watis. Toto: 197:10. Platz: 28. 144. 21:10. Ferner Uesen: Zierde, Eitelkeit, Turmsalle, Edelmeisler, Schautwalcbo, Deivcy Pilla», Cara Bella. 9. Rennen. 1. May Sujet(Schuller), 2. Fredegundis. 3. Dawson Batfä. Toto: 54:10. Play: 14, 18, 18:10. Ferner Uesen: Osborn so. W). Sleinnelke<3. diSq.. 80 Proz. d. Platzw. zur.). Hella Timoko, Nörgler, Faschingsmädel(o. L.), Herzog Louis, Harsenmädchen, Parmenio. Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". Sekchättsiielle: Berlin C. 14. Eeballianftr.»7— 38. ch»t 2. Tr. «ckUuna, Sameradschast r«»tm>>! E» wird diermit betanntgeaeden, M daß das Lokal von F. DShIing, Elseneck, Elsenstr. 109, nicht wehr unser Versammlungslokal ist.— Mittwoch, 8.«ugust. Are!» Kaisen. 20 Uyr findet im Bootshaus Tegel ein Aonzert der Mustkkapellen des Ortsvereins Wedding statt,— Donnerstag. 7. August. Tempelhol lIungbanner). 20 Ilhr Monaisocrsammsung dei Vommerening. Tempelhof. Referat, gehalten von der Iungsozialistin Tora Fadian:..Von der Monarchie zur Republik". Toni- tötsabteilnng. A Uhr CanitLtsstihrer. und Stevncrtrctersttzung im Gau, sitzunassaal. Prenzlauer Berg(flomeradfchaft Kdnigstor). Versammlung nickst am Tonnerstag, 14. August, sondern diesmal am Tonnerstag. dem 7. August, bei Rösner. Immanuelkirchstr. 2ä.— Freitag. 8. August. Tiergarten lKame- rodschaft Westen). Wichtige Rameradschastsversammlung bei Rickert. Stein- mehstr. 36. Kamerod Weiner, M. d. L.. spricht Uber:„Die polltisch« Situation". Friedrichshain) Lameradschaft Meme», Um 20 Uhr Kameradichastsoersamm, lung bei Henschcl, Memeler Str. IZ. Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist Pflicht. Ncferat. Lrenzderg sFug 2). Um 20 Uhr Versammlung bei Ärepp. Planufer 75—78. 3ug 8. Um 20 Uhr bei Siedentovf, Mustauer Str. 85. Unser Wahlkampf. Fug l. Bei Seehak. Willidald-Alcris.Str. 5. Vortrag Äamerad Lanns Lamm:„Die Gefahr des Faschismus". Steglitz(Ortsverein). Um 20 Uhr Vorstandssttzung bei Schulz. Birkbufchstr. 90. Reiulckeudars-Olt. Um 20 Uhr Mitgliederversammlung im Lokal Liehne, Rrstdenzstr. 9. Erscheinen aller Lameraden erkoederlich. Reinickeudo rs. West. Um 20 Uhr Brrsanunlunz im Derkrhr-Iokal. Vorstand 19 Uhr. Bücher, die Technik und Maschinen behandeln, bespricht Alexander Rasam in der Bücherstunde. Rasam hält sich hauptsächlich an dos einzelne Werk, er sucht nicht absichtlich die groß« Entwick- lungslinic zu betonen. Aber die sehr klare Analyse, die das Wesenkkiche be» Buches herSudhrbem,-wessen auf hie allgemeinen Probleme hi». Technik und Gesellschaft heißt da- Hauptthema. An- gedeutet werden die gegenseitigen Wechselbezishuiigen und die gc- scllschaftlichen Umschichtungen, die die Technik verursacht. Damit übersteigt dieser Vortrag die Grenzen einer einsochen Buchbesprechung und greift weiter in das Gebiet gesellschaftlichen Ausbaues. Ger. Harb Pohl lieft die Erzählung der Woche. Den Rohmen gibt die schlesjsche Bergwerkskatastrophe ab. Pohl versucht die Vorgänge in der Seele eines Mädchens darzustellen, das bei der Katastrophe beide Brüder verloren hat. Es entsteht eine Mischung von Dichtung und Reportage. Dos Ganze wird in eine kühle, ruhig rebellierende Sprache gegossen, deren harte Umrisse die Vortragsart Pohl noch stärker hervorhebt. Es ist«ine gedankliche Skizze,' eine Betrachtung, die von außen vorgenoinmen wird und nicht eine Dichtung, die von innen heraus die Menschen gestaltet. In kleinen Klavierkompositionen bekannter und unbe- -kannter Meister zeigt sich Fanny Weiland als Pianistin, die über leichte, spielerische Grazie verfügt. Der Rückblick aus den Juli, den der Intendant Dr. Fl e s ch aus Schollplatten gibt, ist reich an Eriiyicrungen an aktuelle Ereignisse, aber arm an künstlerischen Darbietungen, die es wert sind, noch einmal der Vergangenheit entrissen zu werden.?. öcb. Arbeiter- Samariker-Rund, Kolonne Berlin. Geschäftsstelle: R. 24, Gr. Hamburger Str. 20. Tel.: v 1 R-rden 3340. Abt. Lkpexick: Am Donnerslag. dem 7. August, MilgNederoer- (ammlmiB im Lokal Sinz, Schönerlinder Str. 5.— Abt. Acinickrn. dvrf: Donnerstag, 7. August, Schule LeUe-Allee. Bund beutscher Hirn verletzter Krieger c. B. vezirUenuppe Verlin unh der Provinz Brandenburg. Berlin O. 112, Riederbarnimstr. 5. Ill r. Am Mitirpoch, dem 6, Auaust, findet die MonotsversammUm« im Berliner Dilrger. bräu. Berlin E. 2, Vrllderstr. 18, statt. Das Erscheinen der Kameraden ist trinarnh natwendig. Ptlnktlich 20 Vir. Landsmannschaft der Schleswig-Salsteincr zu Berlin(1802). Gesckickktssl'lle Prinzenstr. 01. Donnerstag. 7. August, 20 Uhr. im Dresdener Garten. Dresdener Str. 45, geschäftliche Sitzung und vlattdeutschcr Abend. Lands- leute— Domen und Lerren— sowie Gäste sind eingeladen. Freie Albeiler-Eiperanlo-Vereimguna. Grupve gentium. Jeden Freitag im Metallarbeiterverdandshaus, Linicnstr. 83—85, Portal I, van 18>tz bis 21 Uhr, Gruppe und Kursus. Kruppe Osten. Donnerstag. 7. August, 20 Uhr. im Jugendheim. Am Osthahnhof 17.„Ak'uafas tagdemandos." Sonntag, 10. August, Wanderung zum Tcusclisee bei Pdtedam. Treffpunkt 7 Uhr Lehrter Stadtbahnhos._ Allgemeine Wetterlage. S.Aug. 4980, abds. QMaänck ©woilienlos,0 heiser. 3 halb bedeckt 9walklg,9be(!8ckt*RegsnAGraupeln «3diiia3.5lW»l,1tGewi«w@Wniisfille Räch dem Vorübergana der Störungszone, die unser Gebiet am späten?lbend des Montag erreichte, hat das Welter eine schnelle, wenn auch nur kurze Beruhigung erfahren. In Ostdeutschland stieg die Temperatur am Dienstag stellenweise aus?k Grad. Am Nach- mittag brach ein neuer Schwall ozeanischer Luft in Deutschland ein. Dabei sielen aber nur noch stellenweise Niederschläge. Einzelne Staffeln kühlerer Luft solgen noch vom Westen her nach. Da aber die maritime Luft auf dem Umwege über Südwest zu uns kommt, dürste die Abkühlung nicht sehr erheblich sein. wetieroussichten für Berlin: Kichler, bei veränderlicher Be- wölkung einzeln« leichte Regenschauer.— Für Deutschland: Iin ganzen iwch ziemlich unbeständig, bes«twäs sinkenden Temperaturen strichweise Regenschauer oder i Gewitter..--------- ............................. in ni— nunii>M»W»»»M>»n!W!» „Haus Vaterland." Wie aus den täglichen Insertionen im Vergniigungsteii zu ersehen ist. hat das Haus Vaterland eine Serie von Preisfragen erfunden, die dem Publikum säglich mit neuem Inhalt vorgelegt werden und bereits die erste Preisfrage am vergangenen Freitag„Wie alt sind alle Vaterland-Girls zusammen?" hat eine Beteiligung von mehr als 2000 Besuchern des Hauses gebracht. Wer die richtig« Lösung einsendet, ist an einem Abend Gast des Hauses in der Form, daß der Rechnungsbetrag, der aus der Umseite des Lösungssarmulars ersichtlich ist, in voller Höhe nedst dem Eintrittsgeld zurückerstattet wird. Die nächsten Preissragen sind also der Beachtung des Publikum, empsohlen. Gleichzeitig bringt das Haus Vaterland im Monat August in den verschiedenen Sälen Neuheiten im Bestände der Kapellen und des artistischen Programms, u. o. die S Dnrnys Harmanica Boys und Beda Sake, den köstlichen Humo- rfften in leiner grotesken Variete-Imitation, mit der er eine Viertel- stunde stürmische Heiterkeit erzielt. Im Monat August verabschiedet sich die Kapelle Rohrbcck. die 8� Monat« hindurch die Hauptattraktion des Palmensoales gewesen ist, um ein größeres ausländisches Enga- gement anzutreten. 'AS RESULTAT UNSERER QUALITÄTSPOLITIK. Es ist interessant das Urteil neuer Raucher der MAKEDON-Zigaretten zu hären. Alle, die unsere hochwertigen Marken kennen gelernt haben, er« klären begeistert, so zufrieden damit zu sein, daß es ihnen unmöglich erscheint, jemals auf eine andere Marke zurückzukommen. Diese spontane i Feststeilung der neuen Raucher unserer Zigaretten! Ist die beste Empfehlung für unsere Marke: . ' ü' 4� � w* tztzd- �0' �N- Q,' Generalvertretung: Carl Södel, Berlin NVS6, Luisen Straße 30, Tel. D 2, Weidendamm 3354 NUR 2 BEISPIELE pausenden Angeboten MkM» L-Ssss: >;�/>/3C Mengenobgabe vorbehalten mMchkeU pariemachrichien�M fürGroß-Vertin Uinsrvdmigen fit diese SüBrtl find fj stet» an da» Scitrltfebctariat Bcclia SS 65, Sinbtastcafic 3, I. Hof, Z krrvve» recht», z» richte». Aür de» Wahlfon�s der SPD. in Berlin Wurden nnn der Belegschaft der Hau-ptraerkstott der Strohentiohn. Uferstrotze, ZZ0 M. auf Listen gesammelt und als erste Rate abgeliefert.— Dan der sess»e. Die RochbarodteilunFen find ouch dieses Mal her?li6>st eingeladen. Frauenveraustattunge«. 7. Stmt Sbaulottenburg. Donnerstag. 7. August, 19 Uhr. im?ugrndhe:m Rostnenstr. 4. FunkttOnärinnenstfrung. 70.,. Abt. Schöuebeeg.Liudeuhas. Donnerstag. 7 Auaust. 20 Uhr. hei stnnol. Rdvlingfte. 18. erstmaliger Tranenabend.»Die Trau und der SoAiali«- mus." Roferentin: Maegarele Hartia. 86. Abt. Mauiendarf. Die Genossinnen treffen siih am sstrei'ng. 8. Auaust. löZh Ahr, Chaussee- C0. August bei dem Genosse«». Ztngelmann. Berlin. Schöne. bcift, Frix-Reuter-Str. z, anzurneldeu. » Abrechnung bei Beiträge. Ausgode der«tzungsoAialtstischen Blatter" ueb de» Hungen.stäwvfer" am Miltnwch und Dan.n-retag nen 17 di» 30 Uhr bei Cur! Barn, Berlin-tharlattendurq. Meinekestr. 24, Arbeiisgemeivschaft der Sinderfremlde. üetgrndhttL. Gruvpe August Wir'treffen uns von nun ad Donnovs«- tag« nw�der auf dem Spielplatz Bremer' Straße um. Ifi 15hr und spielen tu Avm Eintritt der Dunkelheit. Krcie Kreutberg. Gruppe Süd West. Unser Grnppeirtag mutz prutc, Matt» «ach, ausfallen. Wir treffen uns am Mintag, dem 11. August, zum erfter' Gruppentog nack» den Serien im Jugendheim Bnrckstr. 11 wieder. Gruppe Wassertorstraße. Wir treffen uns heute. Mittwoch, 17 Ilhr, im Jugendheim. Erscheinen aller Talken ist Pflicht. Stuit Friedrichsba»». Ab 6. August wieder Gruppenabende. Sportpiatz von 18 bis 2» Uhr. Achtung! Itz. und 17. August Srei-cki überfahrt nach Rvwawe:-. Montag. 11. August, find die Zuge.Ldhe.jm<; geschlossen.— Gruppe Lauj»sberqce Platz Bon Sonnabend. 9. August, bis Montag. 11. August. Gruppcntahrr nach Nauen. Kosten 1.6i) M. mit Mittagessen 2 mal gleich 2,80 M. ffür N«t' salken nur einschl. Elsen 7.2.; M., ohne Essen l�ö M. Mr alle, die nur bis Sonntagabend bleiben können, verbilligt fich die �abrt um 80 Pf. Treffpunkt ist Sonnabend, 1$H Uhr. Schlefi scher Bahnhof, Eingang Madaistraße. Aveis Prenzlauer Berg. Die Snltfohrer treffen am Sonnabend, dem g. August.«4 Uhr. auf dem Lehrter Bahnhof ein. H-ruppe Fttibeit. D?e Gruppenneranstaeltungen beginnen wieder morgen. Donnerstag, 7. August, um 17 Zlhr. im Jugendheim Sonnenburger Str. 20. Achtet auf die„Vorwärts"- Notiz am Sonntgg bair. Kinderfest auf dem Exerzierplatz. Geburlslage. Jubiläen usw. 33.«ist. Unserem Genosse« Fra-u Bauer uub fein« Gattin we der,, lichsten Glückwünsche Aar Silberhochzeit. 196. Abt. Aohann-sthal. Unserer pereheteu Genossin Aaunemaun A»m 65. Geburtstage hie herzlichsieu Sluckuuiusche. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei-Organisation 12. Abt. Unser Genosse Sari Minning ist perstoeben. Ehr« seinem An. denken. Beerdianng am Dannerstaa. dem 7. August. 18 Uhr. Retler tzahannes- Friedhof. Platzen see. Wir Hilten um rege Beteiligung. 17. Abk. Nach langem schweren Leiden ist unsere Genafssn Lmlda Reubert. MMerstr. 164, nerstnrhen. Crnglcherung heute, 20 Uhr,»remalprium Gerich!- si ratze. Rege Beteiligunz wird erwartet. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin M Einsendungen für diese Rubrik nur» das Jogcndfefretadat BwULaflB Lerlln HD 68.&nbenffraSe 9 Abteilungsmilgliederverfammlungen heute, 19�!lhr: Arknnaplatz: Heim Elisabe.ibkirchftr.— Gesuvdbruvae« N: Haim Ebriftioniastr..�8.— Norden: Heim Lortzing- Emten W« l t m a r k t r o h st o s s e wie Kupfer, Blei, Zinn, Gummi bei der Materiaibeschasfung eine sehr große Rolle. Allein die Nichteisenmetalle machen etwa öO Proz. der reinen Produktionskosten aus. Es ist Herrn Siemens nicht ein- gesallen, von den riesenhaften Ersparnissen«in Wort zu sogen, die durch Preissturz dieser Rohstoffe eingetreten sind: Kupier kostete im Juni 1930 pro 100 Kilogramm nur 103 M. statt 228 M. im März vorigen Jahres, Blei nur 26 M. gegen 37 M., und Zinn nur 269 M. gegen 442 M.: bei Gummi ist ein Preissturz auf fast ei» Viertel eingetreten. Dabei steht fest, daß dies« Ersparnisse noch Monate hinaus fortdauern werden. Die Welt v o r r ä t« an Kupfer langen nämlich(ohne die laufend« Ncuproduktion) allein für drei Monat«, die an Gummi für 7 Monate und die an Zinn für vier Monat«. Natürlich gelten die Ersparnisse auch außerhalb der Elektro- industri«: sie sind nur bei der Elektroindustrie am stärksten. Die'e Ersparnisse sind als neuer Beweis dafür anzusehen, daß es bei den sozialen Kämpfen in Berlin nicht um Fragen der Rentabilität, sondern allein um die Frage des allgemeinen Lohndrucks geht. Die Elektroindustrie, die auch ein sehr großer Eisenverbrauchc? ist, hat— freilich ebenso wie die anderen Eisenoerbraucher— mit tcinem Wort bisher darauf hingewiesen, daß die E i s e u p r e i s- senkung in Deutschland absolut unzureichend und die Senkung der übrigen gebundenen Preise eine absolut« Not- wendigkeit ist, um die Wirtschast wieder anzukurbeln. Herr von Siemens und sein« Unternehmergenossen könnten darauf hin- weisen und müßten das tun im eigenen Interesse, aber dann könnte ja die Einheitsfront für den Lohndruck gefährdet werden. der Lohndruck ist ihn.«» wichtiger als die Monopol- Preissenkung. Noch immer sind in Deutschland folgend« Tatsachen viel zu wenig beachtet worden: gegenüber den Haussepreisen vom Mai 1928(1913— 100 gesetzt) sind die NE.-Metalle bis zum Juli 1930 gesunken von 104,4 auf 84 Proz., die Textilien von 167,1 auf 104 Proz., Häute und Leder von 136,2 aus 107,6 Proz., Rohgumrni con 25,3 auf 16,8 Proz. Das alles sind Rohstoff«, deren Preis vom Weltmarkt abhängt und pon Kartellen nicht hochgehalten werden konnte. Dagegen sind die deutschen kartellierten Rohstoffe un- verglcichlich viel weniger gesunken und, was man nicht für möglich halten sollte, zum Teil gegenüber den H a u s s t p re i s« n vom M a i 1928(!) bis zum Juli 1930 n o ch g e st i e g« n: so funken die Baustoffe nur von 160 auf 147,1 Proz., Papierstoffe und Papier nur von 148,3 auf 143,3 Pro;., Eisenrohstoff« und Eisen nur von 127,9 auf 123,4 Proz. Gleichzeitig lind aber noch gestiegen, was nicht genug betont werden kann. Kohl« von 131,4 auf 136 Proz., Chemi- kalien von 125,8 auf 126, 2, und Oel« gar von 118,1 aus 127,8 Proz.! Hier sind noch gewaltige konjunkturreseroen verborgen. die auf ein« Regierung warten, die diese Re- jsroen flüssig macht und nicht nur den Abbau der Kartellpreis« mit Worten fordert. Bon diesen Re- serven haben Herr von Siemens und seine Ilnternehmergcnossen, die sie genau so gut kennen wie wir, bisher noch kein Wort gesagt. Dafür waren sie.zu— vorsichtig! 2lber wir wollen dos Bild noch etwas abrunden. Wir wollen den Monopolpreisskandal beim Eisen noch eiwas d-iit- licher beleuchten als es bisher geschehen ist. Aus dein Eis'nweltmarkt hat sich die Konkurrenz so oerschärst, daß die I n t c r n a t i o n a l- Rohstohlgemeinschaft zusammengekracht ist. In Deutschland aber wurde eine Eisenprsi-senkung durchgesührt, deren Geringfügigkeit im B-chältnis zum Weltmarkt ein Skanda? ist, der nur größer wird dadurch, weil die darunter Leidenden schweigen: innerhalb ganz weniger Wochen ist aus dem Weltmarkt(Angaben lob Antwerpen) der preis für die Tonne Aormeifen gesunken von 101,50 7N. aus 96 M. 3n Deutschland kostet aber heute die Tonne Formeisen 134 M.! Slabeisen sank von 107,50 M. aus 90 IN.— preis für Deutschland 137 AI.! Bandeisen sank von 120 aus 105 AT.. preis in Deutschland 159 AI! Grobbleche sanken von 129 aus ll2,50 AI,— preis in Deutschland 153 AI.! Alillelbleche sanken von 132,50 aus 114 AI.,— preis in Deutschland 160 AI.! Also in Deutschland seinerzeit Preissenkungen von 3 bis 5 M., geoen Preissenkungen aus dem Weltmarkt bis zu 18 M. je Tonn«: Stark erweiterter Pfandbriefumlauf. Zunahm« im ersten Halbjahr gegen Vorjahr verdoppelt. Wie immer in wirtschaftlichen Krisenzeiten hat der Pfandbrief- markt auch von der deutschen Wirtschaftskrise- im ersten Halbjahr 1930 profitiert. Der inländische Pfandbrief- umlauf ist gegenüber Ende Dezember vorigen Jahres bis Ende Juni d. I. von 5429 auf 6251 oder um 822 Millionen gestiegen, der ausländische Pfandbriesumlauf ist leicht, nämlich von 1030 auf 1028 Millionen zurückgegangen, so daß sich eine Gesamt- zunahm« um 800 Millionen Mark ergibt. Diese Zu- nähme ist etwa doppelt so groß, wie in der gleichen Zeit des vorigen Jahres. Die im Inland umlausenden Kommunalobliga- tionen sind von 1560 auf 1862 Millionen gestiegen, die im Aus- land umlaufenden von 229 auf 227 Millionen zurückgegangen, so daß sich auch hier der recht beträchtliche Zuwachs von 300 Millionen Mark feststellen läßt. Maizena-Stärkefyndikat. Die Kartoff, lstärte-Indufirie soll„saniert- werden. Di« Deutsche Maizena-Gesellschast wurde durch die Errichtung der Maismonopolstellc und die starke Erhöhung der Maiszölle als bei weitem größte Moisvcrarbeiterin Deutschlands hart getroffen. Um ihr« Lage zu bessern, fanden Berhandlun- gen zwischen Maismonopolverwaltung und Kartosseistärkefabrikan- ten einerseits, der Maizena A.-G. anderen'eits statt, wobei das Reichsernährungsministertum eine vermittelnde Rolle spielte. Diese Verhandlungen führten jetzt zu folgendem Ergebnis: Die Mai- zena-Gesellschast verpflichtet sich zur Abnahme größerer Mengen Kartoffelstärke, die an Stelle der Maisstärke treten, zu Preisen, die über den jetzigen Marktpreisen liegen: weiterhin verzichtet sie aus die Belieferung der Textilindustrie. Dasür erhält sie von der Mo- nopolvenwaltung die Maismengen, die sie für Nährmittel benötigt, dabei liefert ober dieselbe deutsche Eisenindustrie, die das Inland so ausbeutet, für den Weltmarkt zu den gleichen Preisen wie die«n. löndische Konkurrenz. Die Avi-Rückvergütung. von der die Konkurrenzfähigkeit bei der weiterverarbeitenden Industrie abhängt, ist bei Preissenkungen auf dem Weltmarkt bis zu 18 M. je Tonne nur um ganze l, 3, 4 und 3 M. je Tonne erhöht worden. So ist man auf dem Weg«, während nichts so notwendig ist als die Erhaltung der im Inland noch vorhandenen geringen Kauf- kraft, diese an sich schon so gedrosselte Kauskrast durch offenen und versteckten Lohndruck weiter zu senken, während gleichzeitig durch die Hochhcltung der Monopolpreis« die Voraussetzungen zerstört ward«», aus dem Weltmarkt mit unseren weiterverarbeitenden und so überaus arbeitsintensiven Industrien konkurrenzfähig zu bleiben. Bei dem Abwchrkamps der Lohnabbauversuchc in Berlin, die nur die Form von Kündigungen und Entlassungen haben, geht es lei- leibe nicht nur um einen Lohnkampf. Die Ardeiterschast und An- gcsielllenschaft führt hier einen Abwehrkamps, der euch ein Weg aus der Krise werden mutz. mit einem Aufschlag von„nur" 32 Mark(Zoll und Monopolgebühr) pro Tonne auf den Weltmarktpreis. Bei einer Besprechung mit den Vertretern der Kartoffelstärke- industrie trat, wie berichtet wird, der Reichsernährungsminister auch für ein« Syndizierung der Stärteindustric ein. Von zuständiger Stelle wird zwar oersichert, daß ein Zwangs- s y n d i k a t für die Stärkeindustrie nicht in Frage komme. Ebenso- wenig arbeit« der Minister auf eine weitere Erhöhung der Stärke- preise hin: es. handle sich lsdiglich darum, eine rationelle Ausnütznng der deutschen Stärkesabriken zu erreiche», also«ine Verbilligung der Produktion� Da pber die deutsche Stärkeindustrie durch das Er- nährungsministerium schon mancherlei Unterstützung erfahren hat und durch das Maizena-Abkommen eben wieder einen Sonderoorteil erhält, ist vielleicht doch einiger Zweifel an diese Versicherung zu setzen. Die Geschäftigkeit des Reichsernährungsministers, der eben die deutsche Handelspolitik durch Förderung dunkler Maßnahmen gefährdet, sieht auch hier alles weniger als unbedenklich aus. BeraiungssteNe bis 1. Aovember. Im Amtlichen Preußischen Pressedienst wird mitgeteilt, daß die Geltungsdauer der Richtlinien der Beratungsstelle bis zum 1. Na- vembcr 1930 verlängert worden ist. Zur Zeichnung für 75 Millionen Mark Reichsbahnschah- anweisungen in der Zeit vom 7. bis 12. August wird in dieser Nummer aufgefordert. Di« Schatzanweisungen werden mit 6 Proz. verzinst, sind 1935 fällig, der Zeicbnungspreis beträgt 95 Proz., die Einzahlungen sind vom 18. bis 21. August z» leisten. Unter den Zeichnungsbanken befindet sich auch die Bank der A n g e st e l l- len, Arbeiter und Beamten A.-G. 9.91 Milliarden Sporeinlagen Ende Juni. Sämtliche Spar- einlagen bei den Sporkassen des Deutschen Reiches betrugen Ende Juni 9913 Mill. gegen 9836 Mill. Ende Mai. Zollteuerung für Erbsensuppe! Wahlpropaganba mit 400 Prozent Zollerhöhung und neue Gefährdung der Handelspolitik. Der Londbundminister Schiele hat an den Lorbeeren, die er sich in der Landwirtschaft durch seine maßlosen Zollerhöhungen ver- dient hat, noch nicht genug. Zur Gefnerfleiichdrosselung, Export- Verschleuderung und Zollverteuerung der wichtigsten Bolksnahrungs- mittel will er nunmehr auch noch den Zoll für Erbsen erhöhen. In der Ermächtigung, die der Reichstag gegen die Stimmen der Sozialdemokratie am 1 5. A p r i l 1 9 3 0 der Regierung zur Zollerhöhung gegeben hatte, war, auch die Vollmacht zur Herauf- setzung und Herabsetzung(!) des Erbsenzolls enthalten. Kurz vor den Wahlen hat sich nun der Ernährungsminifter auf dies« noch nicht ausgenutzte Bollmacht besonnen. Er will, um ja kein Mittel zur Schädigung der Massenernährung ungenutzt zu lassen, den Erbsen- zoll von bisher 4 M. auf angeblich 20 M, d. h. um die hübsche runde Zahl von 400 Proz. erhöhen. Aus der einen Seite macht die Regierung Kartellnotverord- nungen, um überhöhte Preise senken zu können, aus der anderen Seile aber werden besonders von Herrn Schiel- ständig neue Maßnahmen zur Preissteigerung nicht nur ersonnen, sondern auch praktisch durchgeführt. Der mitteldeutsche Erbsenverband, der eine monopolartig« Beherrschung des Erbfenmorktes anftrevt, ist mit großem Notgejammer an Herrn Schiele herangetreten, um mit dem Hinweis auf ungünstige Erbsenpreise und Notlage des Erbsenbaus die Zollerhöhung zu erzwingen. Wie liegen die Ding« in Wirklichkeit? Der Erbsenpreis betrug 1913 in Berlin 11,20 M. für einen Zentner, im Juni d. I. 13,2? M., und neuerdings sii�> die Preise bis auf 14 bis 16 M. pro Zentner, also aus rund 150 Proz. des Vorkriegs st andes gestiegen! Von schlechten Preisen ist hier also gar keine Rede. Würde der Zoll in der geplanten Weife erhöht, so würde der Erbsenpreis von 16 M. auf 24 M., d. h. auf rund 230 Proz. des Vorkriegsstandes gesteigert. Dabei haben Erbsen sür die Ernährung eine besondere B-> deutung. Im ollgemeinen geht der Erbsenkonsum wegen der schweren Verdaulichkeit dieses Nahrungsmittels zurück. In den bessergestellten Haushaltungen tritt an Stelle der eiweißreichen Erbse mehr Fleisch, mehr Eier und Milch. Für die Aiinderbenuttellen und insbesondere für die Arbeitslosen, die sich nicht genügend Fleisch leisten können, sind aber Erbsen wie all« Hülsenfrüchte eines der wichtigsten Erjahnahrungsmitlel für Fleisch. Nachdem bereits das Gefrierfleisch, häufig die einzige Fleischnahrung armer Familien. nach dem willen von Herrn Schiele ab 1. Oktober verschwinden soll, ist nunmehr auch noch eine Verteuerung des„Gesrlersleischerfalzes" um mindestens 50 Proz. gegenüber dem jetzigen Preisniveau geplant. Di« Erbsenzollerhöhung ist aber nicht nur eine neue Belastung der Massenernährung, sondern eine schwere Gefährdung der Handelspolitik. Der Zoll für Erbsen, reif, geschält, gespalten, ist im belgischen und französischen Handelsvertrag g«. Kunden. Eine Erhöhung des Zolls würde also nur für un- geschält« Erbsen sofort wirksam werden. Um diese teilweil- WirkungÄosigkeit eurer Zollerhöhung, die die im Auslände immer stärker werdende Boykottbewegung gegen deutsche Ware» noch mehr unterstützen muß, zu umgehen, hat das Ernährungsministerinm neuerdings einfach entschieden, daß diese Zollbindung nur für Erbs-.n zulrifst, die reif und geschält und gespalten sind. Wie bedenkenlos eine solche Auslegung des Zolltarifs ist, zeigt kraß folgende Zoll- Position sür Holzwaren. Di« Position 615 lautet: Bau- und Nutzholz, gehobelt, gefalzt, genutet, gestemmt, gezapft, geschlitzt. Würde ein Mensch hier auf den Gedanken kommen, daß dieses Bau- und Nutz- holz gehobelt und gefalzt und genutet u n d gestemmt und g e- zapft und geschlitzt sein muß� Die Handelsverlrogspartner und Meistbegünstigungsländer werden sich auf das energischste gegen eine solche Berdrehueg des eindeutigen Wortlautes des Zolltakiss wehtest. Der wahre Grund sür Viesen in keiner Weise zu recht- fertigenden Zollplan ist darin zu suchen, daß Herr Schiele jetzt vor den Wahlen gern Zuckerbrote oerteilt. Dabei kommt es nicht darauf an, wirtschaftlichen Unfug zu machen und die Massen- ernährung in dieser Zeit der Lohndrücker«'! und Arbeitslosigkeit»och mehr zu verschlechtern, sondern nur daraus, Stimmen zu fangen. $ m V—•• Aschinger-Gewinne 1929. Dividendensenkung bei Mutter und Tochter. Aschingers Aktiengesellschaft zu Berlin hat in ihren rund 70 Gaststätten auch im Jahre 1SSS wieder beträchtliche Gewinne erzielt. Die Dividende wird zwar von 12 Proz. auf 9 Proz. her- abgesetzt, aber da5 ist in Anbetracht des außerordentlich günsti- gen Bilanzbildes und der hohen Rückzahlungen lediglich als«ine Borsichtsmaßnahme aufzufassen, die der Verwaltung um so leichter sällt, als die Großaktionäre der Aschinger-A.-G. aus die hohe Dividendeneinnahme nicht angewiesen sind. Zu einen, Teil ist die Dividendenermäßigung wohl auf die verringerte Ausschüttung der großen Tochtergesellschaft der Aschinger- A.-G., der H 0 t e l b« t ri e b s- A.- G.. zurückzuführen. Dies« Gesellschaft arbeitet mit einem Kapital von 21,68 Mill.(Aschingcrs .Kapital nur 3 Will Aktien und 8 Mill. Hyp.-Anleihe): sie führt im wesentlichen die Betriebe des Central-liotels, das 5zotel Bristol, Cafe Bauer und Kranzler, den„Wintergarten", die Izotels Kaiser- Hof. B-llevue und Baltic, di« ihr zum Teil auch gehören. Die Hotelb«triebs-A.-G. ermäßigte ihre Dividend« von 12 auf 10 Proz., eine Maßnahme, die bei den beteiligten Kreisen Wider- spruch fand. Die Klagen, die der Geschäftsbericht von Aschingers A.°G. über die Lage des Gaststättengewerbes bringt, beziehen stch also zu einem erheblichen Teil auf die großen chotelbetrieb«. Räch dem Bilanzbild hat sich die Lag« der Gesellschaft im ganzen während des legten Jahres weiter verbessert.-Die Gewinne auß dem Verkauf dez Alexanderplatz-Grundstückes kam ein Sonder» gewinn von mehreren Millionen herein— finden im wesentlichen folgende Verwendung: Dem Umbau- und Neuausstattungsfonds werden 2,80 Millionen überwiesen, einer neuen Schoden- und Kon- junkturrestrve 806 000 M., zu Abschreibungen und weiteren Rück- stellungen 1.40(Vorjahr 0,91) Mill. Mark verwand. Der Posten Reingewinn mit 0,28(Vorsah? 0,41) Mill. Mark enthält nur einen Buchteil der tatsächlich erzielten Gewinne. Allein die vor- genommene Erhöhung der Abschreibungen erforderte den vierfachen Betrag des ausgewiesenen Gewinnrückgangs. Aschingers A.-G. schreibt fast die Hälfte der Nominolkapitols ab. Für die letzten drei Jahre ergibt sich das groteske Bild, daß eine halbe Million mehr als das Aktienkapital abge» i ch r i e b e n morden ist, während der Gegenwert der Hypothekar- anleihe keine Abschreibungen erfordert, da er in Grundstücken be- steht, deren Wert eher steigt._ Befestigung des Waggonirusts. Zwischen Linke-Hafmann-Busch unld der Ver- einigten We st deutschen Waggonfabriken A.-G. haben die Verhandlungen nach manatelangcr Dauer jetzt zu einer völligen Einigung geführt. Die beiden Gruppen arbeiten in Zukunft eng zusammen: aktienmäßige Bindungen sorgen fcaför, daß de? der-über die Hälfte der deutschen Waggonindustrie beherrscht, ge» schlössen vorgeht. Die Fabrikation des Werte» Herbrand der Linter Hofmann-Busch-Werke und des Werkes Weyer, Düsseldorf, der Ben- einigten Westdeutschen Waggonfabriten wird in die Betriebe Köln und Düsieldorf veriegt. Frachtermäßigung für ZNonsfeld kupser. Die Reichsbahn ver- äffentbcht jetzt den Sondertarif für die Beförderung von aus deick- ichen Erzen gewonnenem Kupfer. Der Tarif bringt eine Fracht- ermäßigung von 45 Prozent mit sich: er gilt zwischen dem Pro- »uktionsgcbiet der Wansfcld A.-G. und den wichtigsten vtandorten der Kupfer verarbeitenden Industrie. Großglockncr hochalpcostrahe wird gebaut. Nach VerHand- lungen zwischen dem österreichischen F i n a n m i n i st c- r i u m, dem Land« Solzburg, der Wiener Kreditanstalt für Handel und Gewerbe und der AEG. in Berlin und nach Genehmigung der Pläne durch den Ministerialrat steht die Gründung der Groß- glockner Hochalpenstraße A.-G. in kurzem bevor. 1 Zwei englische Riefentampfer fallen das Blaue Band zurückerobern. Nachdem di« englische Regierung die halb« Dersicherungs- garantie übernommen hat, will die englische Linie zwei Rieien- dampfer von je 75 000 Tonnen— Schisfspoläste für j«'3000 Menschen— bauen lassen, um von der„Europa" und hyr„Bremen" das Blaue Band für die schnellste Ozeanfahrt für England zurück- zverobern. Ausgabe von 150 Millionen Bcidismam saatamwcisiingcn der Pcmsaicn Rciasbahn-ficselisdiaH Zinslauf ab 1. September 1950 (KApiialeHragsteacrfrd) Di# D'e utsclie �eicbibahn-Gesellscljtft ist»af Grtmd Se* PncfasWlia�sctrcs toi» 50. August 1�24(T1GBI. II S. 2721. abgeitudert durch Gesetz? Tora f3. M'6n 1950(BGBl. IT S. 569), ara 11. Oktober 192« errichtet. Sie ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts und steht uarh Maßgabe der IS 31 ff. des ReichsbahngcsetZles unier der Aufsicht der Reidisregierun*. Das der Gesell- sdisft rom Brich übertragene ausschlieHlichc Recht zmo Betrieb der Rcichseisenbahnen endet gemäß I 5 nm 31. Dezember 196«. Torausgesctzt. daß alsdann alle fälligen BHräge der Pepnrationssteuer gezahlt und sämtliche Vorzugsaktien eingezogen sind. Die Reichsbahn-Gesellschaft ist keine Aktiengesellschaft ira Sinne des Handelsgesetzbuches, jedodi ist die Gnanziellc Gestaltung der bei Aktiengesellschaften üblichen nachgebildet. Das Grundkapital der Gesellschaft beträgt 15 Milliarden«ÄJf und besteht aus 2 Milliarden JUi Vorzugsaktien(Gruppe A) und 13 Milliarden Stammaktien. Eine Erhöbung dieses Grundkapitals kann mit Zustimmung der Rcichsrcglernng dadurch erfolgen, daß die Gesellschaft innerhalb eines Zeitraumes ron je 10 Jahren, von der ersten Neuausgebe au gerechnet. weitere 2 Milliarden JtJL Vorzugsaktien(Gruppe B) herausbringen darf. Die Stammaktien lauten auf den Namen des Deutschen Reichs. Zur Verfügung über die Stammaktien ist die Zustimmung des Reichsrais und des Reichstags erforderlich. Die Vorsugsaktieu lauten auf den Inhaber und sind frei übertragbar. Sie gliedern sich in die Gruppen A und B. Die Gruppe A umfaßt die 2 Milliarden Vorzugsaktien, die zum Grundkapital rief Gesellschaft gehören, die Gruppe B diejenigen, die in Höhe von 2 Milliarden JfJC alle 10 Jahre zusatdidi ausgegeben Verden können. An Stelle der früheren Belastung mit 11 Milliarden GM ReparationsschuIdversdiTcibuhgeB hat die Reichsbahn-Gesellschaft vom«. Oktober 19Z9 bis zum 1. April 1966 eine Rcparationssteucr von jährlich KO Millionen in. Monatsraten von 55 Millionen.tftJL. aus nhrcu Betriebseinnahmen an die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich fn Basel zii entrichten. Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft ist das größte Betriebs unter nehmen der Welt. Ihr Eisenbahnnetz einschließlich der Eahnhöfsanlagcn besitzt eine Ausdehnung von 53 790 km. Die zahlreichen Stationen— ihre Zahl betragt 12 006— sind neuzeitlich ausgestaltet; die Gleisanlagen und die retriebseinriefatungen, insbesondere das Sichcrungsvesen, sind unter Benutzung aller Erfahrungen auf dem Gebiete moderner Eisenbahntechnik ausgebaut. Es steht ein Fuhrpark von 25 200 Lokomotiven und Triebwagen, 64 000 Personenwagen, 21 000 Gepäckwagen, 661 000 Güterwagen zur Verfügung. An baulichen Anlagen sind außer den zahlreichen Kunstbauten(Brücken, Tunnel usw.) 11« 000 Wohnungen für das Personal, 10 Gaswerke, 91 Gaserzcugungsstellcn, 2033 Gebäude für Bahnvasscrwcrkc, 74 Wasserkraft- und Wärmekraftwerke. 922 Umspann-, Umformer- und GTciehrichter-Wcrkc, 1876 Lokomotivschuppen vorhanden. Das Geschäftsjahr der Gesellschaft ist das Kalenderjahr. Die Bilanz und die Gewinn- und Verlostrechnung der Gesellschaft sollen innerhalb einer Frist von 6 Monaten nach Ablauf eines jeden Geschäftsjahres veröffentlicht werden. Die Gesellschaft hat seit ihrem Bestehen zufriedenstellende Abschlüsse vorgelegt. Im Geschäftsjahr 1929 stellten sich die Betriebseinnahmen'1." J 1 a) ans dem Personenverkehr auf a■ f.�23 Milliarden JfJL" b) an« dem Güterverkehr auf 3.495 Milliarden JtJi c) aus sonstigen Einnahmequellen auf �»... 0,445 Milliarden SX 5,353 Milliarden JMt, die Betriebsausgaben a) persönliche an{.•■■■«■■■•«a» 2.419 Milliarden JtJL b) sächliche auf 1,415 Milliarden JfJi. c) Ausgaben für Erneuerung der Reichsbahn- « anlagen auf.......•*»** a 0.660 Milliarden JP.A«.«93 Milliarden.TJi. Mithin Betriebsüberschuß rund•<............. 0,860 Milliarden«AM. der wie folgt Verwendung gefunden hat: 659 Millionen«ÄkA für den Dienst der Rcparationsschuldversdircibimgen, 4 Millionen für den Dienst der neuen Schuld versdireibungen und Anleihen, 92 Millionen als Zuweisung zur gesetzlichen Ausgleichsrücklage. 25 Millionen für Rückstellung für Betriebsrcchtsabsehrcibung, 80 Millionen«flcA für Vorzugsdividende und Erhöhung des Vortrags aus 1929. Im laufenden Geschäftsjahr 1950 macht sich als Folge der ungünstigen Wirtschaftslage ein erhebliches Absinken der Einnahmen bemerkbar, eine Erscheinung, die sich bei allen Bahnutitcrnehmungen der Welt zeigt. Durch die vorliegend« fünfjährige Anleihe sollen der Reichsbahn Mittel zufließen, die ihr die Vergebung neuer Aufträge und Inangriffnahme zusätzlicher Arbeiten ermöglichen werde«. Dies wird auch zur Belebung des Arbeitsmarktes beitragen, die sich letzten Endes in einer Vermehrung des Verkehrs und damit einer Stärkung der Betriebseinnahmen auswirken wird, Gemäß 5 8 de«? Reichsbahngesetzes rom 15. März 1950 und dem Beschluß des Vcrwaltungsrats der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft vom 8. Juli 1950 sowie auf Grund der Genehmigung des Preußische« Ministers für Handel und Gewerbe durch Erlaß vom 23. Juli 1950 werden wie vorstehend erwähnt 150 Millionenie Opfer ton Erdbeben und �Kraftwagen Da» letzte Erdbeben in Italien hat wieder viele Meiftchenopser gefordert, und wenn wir die Größe der Katostrophe, die sich aus einem verhältnismäßig kleinen Raum abspielte, bedenken, so müssen wir glauben, daß diese sich immer wiederholenden Erderschütterungen der Menschheit schwere Wunden schlagen. Tatsächlich aber sind die alltäglichen Unglücksfälle, die höchstens eine Erwähnung in der Lokal- chronik finden, in ihrer Gesamtheit sehr viel bedeutender als di« Erdbebenkatastrophen. In einem kürzlich erschienenen Werk„Unsere bewegliche Erde" beruft sich Professor R. 21. Doli)»m die Schätzung eines früheren Seismologen Robert Mallet, nach der die Erdbeben in fast 4900 Jahren 13 Millionen Äiienschenleben vernichtet haben, und er fügt hinzu, daß diese Ziffer, im Verhältnis der Jahre ge- rechnet, nur ein Sechstel von dem ausmache, was„die neuest« Pestilenz, der Krailwagen" allein in den Vereinigten Staaten an Menschenopfern fordert. Ein anderer Geologe, Charles Daoison, versucht jetzt in einem Aussatz der Times, die d u r ch s ch n i t t l i ch e n jährlichen Menschenverluste durch Erdbeben zu berechnen. Die Ziffer Mallets dürfte zu niedrig sein, denn er hat cinge der furchtbarsten Erdbeben nicht in Betracht gezogen, so das indische Erdbeben von 1737, bei dem 3lX)Ü00 Personen getötet wurden und das chinesische von 155b, in dem mehr als 830 000 Menschen das Leben verloren haben sollen. Sogar in unserem Jahrhundert würden die drei großen Erdbeben von Messina 1908. Nordwestchina 1920 und Japan 1923, wenn sie aus das ganze Jahrhundert ver- rechnet würden, durchschnittlich wenigstens 3800 Tote im Jahr er- geben, eine Zdhl, die etwas höher liegt als die Durchschnittsziffer Mallets für all« Erdbeben eines Jahrhunderts. Nach dem großen Erdbebenkatalog von Professor Mllne beläuft sich die Gesamtzahl der Erdbeben, die von 1800 bis 1899 verzeichnet wurden, als 200b: davon waren 1222 stark genug, um einige Mauern zu bersten oder ein paar Schornsteine uirzzuwersen, 510 deckten Dächer ab und führten zu Hauseinslürzen. 364 waren so gewalttg. das ganze Städte zerstört und Gebiete verwüstet wurden. Diese dritte Klasse würde auch das jüngste italienische Erdbeben umfassen. In seinem Katalog der italienischen Erdbeben gibt Dr. Mario Baratta die Zahl der Menschenleben an, die bei den wichtigeren Erderschüttc- rungen der letzten drei Jahrhunderte zugrunde gingen. Sein Register umfaßt 43 Erdbeben der dritten Klasse und 125 der zweiten. Die Gesamtzahl der Toten bei den Erdbeben der dritten Klasse wird mit 181 567 beziffert, d. h. 4222 Tote auf das Erdbeben. Den Erdbeben der zweiten Klasse fielen 971 Menschen zum Opfer, 8,3 aus ein Beben. Wenn man diese italienischen Ziffern aus die Erdbeben in der ganzen Welt während des 19. Jahrhunderts anwendet, so ergibt sich eine durchschnittliche Zahl von 15 368 Toten jährlich bei den Erdbeben des dritten Grades und von 42 Toten, bei denen zweiten Grades, im ganzen also von 15 410 Toten. Allerdings dürfte diese Ziffer zu hoch gegriffen sein, denn die Opfer bei den italienischen Beben sind besonders groß wegen der schlechten Anlage der älteren italienischen Häuser und der Lage vieler Städte auf steilen Erhebungen. Wurden doch 41 Proz. der Ein- wohner von Casamicciola bei dem Erdbeben von Ischia 1883 getötet. 50 Proz. bei dem von Messtna, und die Toten von Montemurro beliefen sich bei dem Beben von 1857 sogar aus 71 Proz., die von Terranova bei dem kalabrischen Erdbeben von 1783 auf 77 Proz. und die von Auendita bei dem Erdbeben von Norcia 1703 aus 81 Proz. Andererseits ist das zerstörte Gebiet bei den italienischen Beben meist ungewöhnlich klein, betrug z. B. bei dem Erdbeben von Ave.zzano 1915 nur 130 Quadratkilometer und bei einigen sicheren Beben weniger als 10 Quadratkilometer, während in anderen Län- dern die erschütterten Gebiete sich über 2000 bis 10 000 Quqdrat- lilometer ausdehnen. Bei nur drei oder oier italienischen Beben überstieg die Zahl der Toten in den letzten drei Jahrhunderten 10 000. Das einzige andere Land, für das wir ähnliche Zahlen besitzen, ist Japan. Hier ereigneten sich nach den Zählungen von Professor Inamura im 18. und 19. Jahrhundert 8 groß« Erdbeben mit 31140 Toten, durchschnittlich 3892. auf ein Erdbeben. Bei einer Berechnung der Gesamtziffer der jährlichen Todesfälle auf der ganzen Welt würde die Zahl 14 169 herauskommen. Wenn man nach diesen Berechnungen die durchschnittliche Zahl oon Menschen, die jährlich durch Erdbeben getötet werden, mit 14 000 bis 15000 annimmt, so ist das noch immer weniger als die Zahl der Personen, die jedes Jahr allein in den Vereinigten Staaten den Autounfällen erliegen. Autos töten also bedeutend mehr Men- schen als Erdbeben. £iegc. Schreibe, Schiebe, fReibe, bleibe Eine lebende Sprach« steht niemals still in ihrer Entwicklung, sie gleicht nicht(wie eine tote Sprache) einem See mit festen, ring« umschließenden Usern, sondern einem Strome, der unablässig weiter- flytend stets neu« Erscheinungen(Formen, Fügungen, Worter) auf seiner Oberfläche heroortreten läßt. Eine.Halbkutsch«, einen halb- verdeckten Wagen bezeichnen wir mit dem Fremdwart„diaise", ein Halbsofa mit einer Lehne, ein Liege-, Ruhesosa, ein Lang- polster mit„diaise longue". Warum nennen wir es nicht kurz Liege? Unsere Kinder sagen für den Schreibstift und wohl auch sür die Schreibtafel Schreib«, für das Schießgewehr Schieße. Reibe ist das Werkzeug zum Reiben, das Reibeisen, wir haben z. B.«ine Mandelreibe,«in« Käsereibe. In neuerer Zeit hgt sich auch die Bleibe hernorgewagt, zunächst nur schüchtern, obwohl wir schon lange die'Verkleinerung „Bleibchen" hatten:„Denn sie wollten gern ihr künstiges Bleibchen kennenlernen."(Hippel.) Wir haben hier kein« bleibende Statt. Sehe jeder, wo er bleibe! Trotzdem suchten wir ein Logis oder eine Schtafftelle, und jähen das Nächstliegende nicht, die Bleibe. Die Wandervögel haben dieses Wort eingeführt. In einem etwas anderen Sinn« war das Wort schon früher gebräuchlich und ist es vielleicht heute noch, nämlich beim Kegeln. Wenn die Kugel zwischen der Bande und dem Eckkegel hindurchlöust, ahne diesen umzustoßen, so wird der Schub«in Loch genannt, auch«ine Rage, womit für den Schieber«in gewisser Nachteil verbunden ist. Rollt die Kugel aber zwischen dem Eckkegel und den beiden sogenannten Tanten hin- durch, ohne einen Kegel zu treffen, so hat'der Schieber weder einen Nachteil noch einen Dorteil. der Schub hat keinen Wert,«s bleibt dabei, man nennt den Schub eine Ble-be. Em Apparat zur Meftuna.d« tichtgefehwindigkei� Auf Veranlassung de» berühmten Physikers der Umoerfttch Chikagc», Michel- son, wird gegenwärtig ein« Apparatur hergestellt, um di« Ge. schwindigkeit des Lichte« ganz genau zu messen. Roch den Berech. nungen�des Gelehrten durchläuft ein Lichtstrahl 299 793 Kilometer in der Seikunde. Nun soll aber jede Ungenauigkeit bis zu ft'moo Proz. ausgeschlossen werden. Dazu dient der Apparat, der nach einem Bericht der Frankfurter„Umschau" in einer luftleeren Röhre besteht. Durch diese wird ein Lichtstrahl geschickt und am Ende zum Zlus- aangspunkt zurückgewotien. Di« Zeit, die das Licht zu diejem Wege braucht, wird von einem Kontrollapparat aufgezeichnet. Die genaueste Kenntnis der Lichtgesehwindiickeit ist für die Begründung der Rela- ttoittrtscheotie wichtig. � Theaiet:, Lidtispiele usw.| Staats-Theater geschlossen! Abonnements- Anmeldungen für die Spieizein930-31 (Beginn am l. Septemner) werden auch während der The- a'.erlerien entgegengenommen; a) für die Staatsoper und das Staat!. Schauspielhaus vomAbonneinents- büro, Berlin Wsö, Ober- wallstr. 22.— Feraspr. Merkur 9024, b) für das Staat!. Schiller- theatcr vom Abonnementsbüro, Berlin-Char- tottenburg, Crolman- sfrafie 70.— Fernspr. Stein pl. 6715. Qeolsdies IDeater 0 2 Weidcadanim 5201 ä Uhr Phaea von Frilz v. Unruh. Reg.: Max Reinhardt Masik: FritdriH» RoIlacmlBr. BQininbiliir Ernst Sdiöttf. Die Konrädie II Bismck.24M/75l* S' j Uhr Wie werte ich leidi iiDil Mlich? ■in« no Frlii Jtiihini». Unik m Misdu Sgoliinskj Rigie; Eridi tngel Bühnenbilder Uilvl; Kiinr Hieater 1 WesteDi Täglich S'� Uhr; Das Land des Lächelns Franz Lehars Sen�ationserfolg credo? ZeppichHau» Smil gefeote, Scrlin, feit 1SS2 nur Oranienftrage 158, ZaH. luugserleidrterung ohne Aufschlag. Neuer Satalog koftenfrei. kiRoleu«, ttoloniestraße ... and immer wieder ins Rose�TTieater Am besten und billig- sten als Abonnent! Unser Sfionnement bietet; 12 Yorstellungen im Jahr. Freies Programm. Freie Garderobe(als einzige Bühne Berlins). Beim Beitritt bis 51. August keine Einsebreibegebühr. Unsere Abonnenten werden u.a. sehen:„Die Braut von Messina", von Sdiiller.„Die schöne Helena", große Operette von Offenbadb. „Eine Nacht in Venedig", mit Musik von Johann Strauß...Die Dollarprinzessin", von Leo Fall.„Die Faschingsfee", von Kaiman. „Rose Bernd", von Gerhart Hauptmann. ..Der Veilchenfresser", von Moser,„Die fünf Franklurtcr", von Röfiler.„Das 4. Gebot", von Anzengruber. Vorteilhafte Plätze im Abonnement: I. Parkett-Sessel nur RM 1,10 IL Parkett nur RM 0,85 /. Rang-Balkon nur RM 1,— /. numerierter Mittelrang nur RM 0,60 (Die Preise verstehen sich inkl. Programm und Garderobe) Persönliche Anmeldung wochentags v.OÜhr früh bis 8 Uhr abends. Können Sie uns nicht persönbeh besuchen, so schreiben Sie uns bitte Ihre Adresse. Wir senden Ihnen dann umgehend kostenlos und unverbindlich einen ausTiihrbchen Prospekt. Name:— Wohnung: Theater l.d. Behrenstr. 53-54 «V» Uhr ist das niem neti von coieiie? nHiMnmMiiiiiiiniiiHiiiiiiinnimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiMiiiiiin tHtHSHIM Waretthausef Lessing-Theater Wiifnteffl ZI37 J.CC45 Täglich S'.'a Uhr Wrt» tenWIujjn Der Faun im Edir. Rooblaudi, Freitag 8 Uhr Premiere MMMiW v. Alexander Rau Berliner Proler SonuncrBailentlieaici Kasianieuaiiee 7—1 ♦ Uhr Orosses Ca�nkoBznt 6 Uhr Eine entzückende Burleske sowie der auserwähltc Varietd-Teil. 8.15 Uhr Gustl Beer, Grell Lilien, Alex Haber. Erwin Härtung in Da> Drei» mSderlhaus Singspiel in 3 Akten Musik nach Franz Schubert Heute Kindertag! Eintrittspreis von SO fit- an. zenirai-itieaier (Operettenhaus) Alte Jakobstr. 30,32 Dönh. 2047 Täglich 8>h Uhr Oer Bombenerfolg ein Ziiie-Miiicii in 3 Akten Kinder dsrstraee C'tsngi.Tist von W. lentsl ood Irtltor Mtlnr. Rundfunkhöret halbe Preise. S.: Sranieafteoh« 164 65/ ILt&tnnntiiOtiifte ISS 66