BERLIN Mittwoch 6. August 1930 10 Pf. 7lr. 364 B 151 42. Jahrgang Losch«i«t tSgllch avst«rG»n»t«s<. Zugleich Abendauigabe de«.Vorwärts'. BeiugSxrei« beide Ausgaben SS Ps. pro Woche, s,so M. pro Monat. Redaktion und Expedition-, Berlin SW 6S, Lindenstr. 3 „VyHOtUfa anjelgenpreil: Die einspaltige Nonpareillejeike so Pf., Reklameieile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärt«, Verlag E. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 297 Von Klammen umschloffen Drei Arbeiterinnen bei lebendigem Leibe verbrannt Paris, ö. August f Eigenbericht). Ein schweres Schadenfeuer zersiörie am Diensiag abend in Marseille eine holzwollesabrik. 12 Arbeilerinnen, die im 1. Slock- werk arbeiteien, wurden von den Flammen eingeschlossen. Vergeblich versuchten sie durch die vergitterten Fenster zu entfliehen, vor den Augen der entsehten Zuschauer brach ein Opfer nach dem anderen in den Flammen zusammen. Als die Feuerwehr in den Arbeitssaal vordringen bannte, waren drei Arbelterinnen bereitsbei lebendigem Leibeverbrannt. Die übrigen konnten nur mit schweren Verlehungen gerettet werden. Explosion im Kohlenschacht. 19 Bergleute schwer verbrannt. Saarbrücken, 6. August. Auf den» Dstschacht Calmelette bei Ciarenthal, der Inspektion Louisenthal, ereignete sich heute früh zwischen 7 und 7.30 Uhr aus Abteilung 1 eine Kohlen» stanbexplosion. In der Abteilung waren 48 bis K0 Bergleute beschäftigt, die erst in letzter Zeit aus diesen Schacht verlegt worden waren. Im Laufe des Vormittags wurden 10 mehr oder minder schwer ver» brannte Arbeiter zutage gefördert und in das Fischbach-Völkinger Lazarett übergeführt. Für die OZrube besteht keine Gefahr, da die Wetterführung voll» kommen in Ordnung ist. Meldungen über Bergung von Toten liegen nicht vor. Blitzschlag verwüstet ein Dorf. 459 Einwohner obdachlos.- Vom Verkehr abgeschnitten. Paris, 6. August.(Eigenbericht.) Der Gewlllersturm. der am Dienstag über Saooyen niederging, hat furchtbare Verwüstungen angerichtet. Das Dorf M o n t s a p e y geriet durch Blitzschlag in Brand und wurde bis aus die Kirche z«. stört, 450 Einwohner sind obdachlos. Insgesamt wurden vier Personen durch Blitzschläge g e t ö t e l und sechs lebens- gefährlich verletzt, ver See von L e B o u r g e t ist über sein« User getreten und hat olle Verbindungswege überschwemmt. Der Grenz. bahnhos Anne masse ist durch die Fluten abgeschnitten. Der Verkehr nach Gens mutz durch Autobusse ausrecht erhalten werden. Die Stratze nach Ehamonix ist an mehreren Stellen durch ent- wurzelte Bäume gesperrt._ Llglanow abgesägt. Unterwerfung hat nichts genützt. K o w n o, 6. August. Der Zenlralvollzugsausschutz beschlotz. den bisherigen Volks- kommissar für die Arbeit. U g l a n o w. von seinem Posten zu ent- fernen und an seine Stelle den bisherigen Vorsitzenden der Bau- arbeitergewerkschast, Z i ch o n. zum Arbeitskommissar zu ernennen. Es ist erinnerlich, datz Uglanow zu den führenden Mitgliedern der«ykow-Opposition gehört und zusammen mit ihm und Tomski aus dem kürzlich stattgesundenen parteikongretz eine Unter- wersungserklärung abgab. Da Tomski bereits früher von seinem Posten des Vorsitzenden der Gewerkschaslsinternaiionale entfernt wurde, befindet sich von den drei Frührern der Rechtsopposition nur noch Rykow im Amt.__ Zndierkonferenz im Gefängnis. Rehr» wirb zu Gandhi gebracht. London. 6. August.(Eigenbericht.) Der Dizekönig von Indien hat den Gefängnisbehörden Alle- habad die Erlaubnis erteilt, Motilal Nehru und seinen Sohn in das Gefängnis von Poona überzuführen, wo sich Gandhi befindet. Danach soll also anscheinend eine Gefängnis Konferenz zum Zweck des Abbaues der Noncooperation genehmigt werden. In Heiderabad kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Hindus und Mohammedanern, wobei fünf Personen getötet und hundert verlegt wurden. ä)eutfche JlrbeÜerfänger in Paris Bei einer von der sozialistisches Partei veranstalteten Gedächtnis- tundgebung für die französischen Sozialistenführer Iaurös und Guesde wirkten auch die in Paris anwesen- den Stuttgarter Mitglieder des Ar« beiterföngerbundes mit. Als noch Beendigung der glän« zend verlaufenen Feier die Rund- reiseoutos mit den Stuttgarter Ar- beitersängern die angrenzenden Straßen durchfuhren, wurden unsere Sänger von der Pariser Bevölke- rung von neuem stürmisch begrüßt. Begeistert« Ovationen nötigten die Autos, ihr Tempo zu verlangsamen und dieselben Straßen mehrmals zu durchqueren. Tücherwinken und Rufe wie„A das!a guerrc'4 (Nieder mit dem Krieg) nahmen kein Ende, der Straßenverkehr wurde minutenlang unterbrochen, unsere Autos wurden angehalten, da die Pariser Sozialisten ihren deutschen Freunden die Hand schütteln wollten. .ArttaQ Erkelenz fordert im«Vorwärts" alle Arbeitenden und Schaffenden auf, in denReihen der Sozialdemokratischen Partei für den sozialen Volksstaat und die Niederringung der Kapitalshcrr- schalt zu kämpfen. (Sein Auftalz auf der 3. Seite) Oer Zuflrom zu Hugenberg. Grafen und Generäle. Hugenbergs Presse bläst Iubelfanfaren: nach der Dürreperiode der Massenaustritte kann sie befruchtende Niederschläge melden, die sich in den Ueberschriften bereits zu einem„Zustrom zur Deutsch- nationalen Volkspartei" oerdichtet haben. Der von ihr namentlich aufgeführte Zustrom lautet: A d m i r a l a. D. Rebeur- Möschwitz, Graf Munster, General Rohbach, G e- n e r a l Krafst von Dellmensingen, General Otto von Below. Die beiden letzten stellen allerdings nur Wiedereintritte früher ausge- tretener Mitglieder dar. Wie sagte doch Wilhelm der Ausgerissene, als ihm das Gemälde vorgelegt wurde, darstellend die vor dem Schloß demonstrierenden „Massen" aus der berühmten Wahlnacht 1907?— Er sagte:„Mehr Volk!' Bei diesem feudalen Zustrom werden sich die Hugen- bergianer auch etwas mehr Volk zu wünschen haben, denn nur mit den Stimmen der Generäle und Grasen sind keine Mandate zu holen! An die Seite der Arbeitenden! Demokratisches Parteivorstandsmitglied legt Aemter nieder. Illa Uth, ein angesehenes Mitglied des Vorstandes der Deutschen Demokratischen Partei Hot ihr Amt in dem Gesamtvorstand niedergelegt und ist der Sozialdemokratie beigetreten. Keine Gnilassungen�bei der BVG. Das vloskaublatt bringt in Valkenübrfchrist:„Neue Entlassungen bei der Verkehre-A.-G. 1200 Arbeiter sollen auf das Pflaster geseht werden." Die v v G. erklärt hierzu, daß ste keinerlei Entlassun- gen beabsichtigt. Lustaufrüstnng gefordert. Amerikanische Marinepläne und Jlottenvertrag. New Bork, 6. August. Wie aus Washington gemeldet wird. Plant das ameri- kanisrhe Marineamt, die Kampfkraft der Luftwaffe in Verbindung mit der Kriegsflotte auf breitester Grund- läge zu erproben. Versuchsweise soll jeder Zerstörer und jedes Unterseeboot mit einem Kampfflugzeug ver- sehen werden, das gleichzeitig Beobachtungszwecken zu dienen hat. Das Marineamt ist entschlossen, die U e b e r- legenheit Amerikas auf dem Gebiete der Kriegsluft- fahrt ein für allemal s i ch e r z u st e l l e n. Cs werden in Washington Meldungen verbreitet, daß Cngland und andere Seemächte bestrebt sind, die durch den Londoner Flottenvertrag nicht berührten Luftstreitkräfte gewaltig zu vermehren. Die Tinte der Unterschriften Hoovers und King Georges unier den Londoner Flottenvertrag ist noch nicht trocken und schon bemitzt das amerikanische Marineministerium die Gelegenheit, um für neue Aufrüstung Propaganda zu machen. Der Londoner Flottenoertrag hat dem Wettrüsten in Kriegsschiffen ein Ende gemacht— aber kaum sind die Militärs aus dem einen Rüstungsgebiete gebändigt, so ver- suchen sie auf einem anderen den Rüstungswetilauf wieder an- zukurbeln, um die Ueberlegenheit für die eigenen Streitkräfte durch- zusetzen. Der Londoner Flottenvertrag ist aus die Kriegsschisse beschränkt. Aber kaum sind infolgedessen die ersten Panzerkreuzer und Schlachtschisse außer Dienst gestellt oder als Schießscheiben ver- senkt worden, da will die amerikanische Marine die Einschränkungen dieses Vertrages illusorisch machen und jedes ihr erlaubte Kriegsschiff mit Kriegsslugzeugen versehen, um seine militärische Leistungsfähig- keit zu verdoppeln und zu verdreifachen! Dies Vorgehen ist um so krasser, als der Londoner Vertrag der amerikanischen Marine sowieso noch Spielraum zur Aufrüstung läßt, bis die Gleichheit mit England erreicht ist. Aber die amerikanischen Admiröle fürchten wohl, daß sie ihr Ein-Milliarden-Dollar-Programm vom Kongreß nicht oder nicht völlig bewilligt bekommen und fordern deshalb schon jetzt die A u f r ü st u n g in der Lust: je höher ihre Ansprüche sind, um so mehr glauben sie am Ende durchzusetzen. Ihr Vorgehen zeigt, daß letzten Endes jeder T e i l a b r ü st u n g s- oertrag durch Aufrüstung auf anderen Rüstungsgebicten zunichte gemacht wird. Auf dem Gesamtgebiete der Luft- und der Landrüstungen geht dos Wettrüsten noch heute uneniwegt weiter: erst die Macht der organisierten Arbeiterschaft wird diesem verbrecherischen Unfug des Rüswngstreibens ein Ende bereiten. Mffeforschung im Genchissaal Was sich ein nationalsozialistischer Angeliagter erlauben kan- Ein ungwublicher Vorgong spielte sich dieser Tag« oor dem Altonaer Schösfengericht ab, das gegen«inen Nationalsozialisten S t e t t i n s k i wegen Beleidigung zu oerhandeln hatte. D«r Ange- klagte stellte vor Eintritt in die Verhandlung an dos Gericht die Frage, ob sich unt«r den Richtern Jesuiten, Juden oder Freimaurer befänden. Anstatt diese Unverschämtheit zurückzuweisen, zog sich das Gericht zur Beratung zurück und verkündete kleinlaut, daß einer der Richter zwar selbst nicht zum jüdischen Glauben gehöre, ober von einem jüdischen Vater abstamme. Daraus lehnte der Angeklagte diesen Richter wegen seiner halbjüdischen Abstammung wegen Befangenheit ab und drang mit dieser Ab- lchnung tatsächlich bei Gericht durch. Vielleicht wird man künstig zu jeder Verhandlung gegen. 'Nationalsozialisten den von Herrn Frick an die Universität Jena berufenen Rasseschnüssler Günther als Sachverständigen hinzu- ziehen, der sich zuvor über Rasse und Schädelbildung der amtierenden Richter auszulassen hat. Desgleichen wird es notwendig sein, daß Richter, Schössen und Geschworene einen aus mindestens drei Jahr- hunderte zurückgehenden Stammbaum mitbringen, der vor der Verhandlung dem AngeNagten zur genauen Prüfung vorzulegen ist. Es«mpsichlt sich auch, Stammbäume und Ahnentafeln der Straf- kammervorsitzenden öffentlich an der Gerichtstafel aus-, zuhängen. Oer Autodieb„bereut". Das Beenden des gestürzten Schupos leicht gebessert. Im Befinden de» Polizeiwachtmeisters Bieneck, der gestern abend, wie ausführlich im„vorwärts" berichtet, bei der Verfolgung de« Autodiebes durch Sturz vom Trittbrett einen Schädelbruch erlitt, ist erfreulicherweise eine leichte Besserung zu verzeichnen. so daß zunächst keine Lebensgesahr mehr besteht. Inzwischen ist der verhastete, der wohnungs. und arbeitslose 25jährige Chauffeur Kurt Frey einem eingehenden Verhör unterzogen worden. Dabei wurde festgestellt, daß Frey vor einigen Tagen aus dem Wohlfahrtsamt in der Kursürstensiraße zwei Männer kennengelernt habe, die sich dort ebenfalls die Unterstützung abholten. Mit dem Gelbe gingen sie in ein Lokal und tranken einige Glas Licr..Leicht angetrunken wanderten sie nun durch die Straßen und sahen vor dem Hausen Zietenstr. 18 ein Auto stehen, das einem Kaufmann aus Dortmund gehört. Dos Trio beschloß in dem Wage» eine Spazierfahrt zu machen. Frey setzte sich ans Steuer, die beiden anderen nahmen hinten Platz. Sie fuhren nach der Linien- ftraße, wo sie in einem Lokal wciterzechten und schließlich landeten Wirsschafispartei auf Vamkaden Wi> tschasisparteiler Abg. Rohde in Kastel:„Ich werde selbst auf die Barrikade gehn und den ersten Schuß abfeuern!" .Oeusscher Interessentenhaufen, wahre deine heiligsten Güter!" sie gegen 21 Uhr vor dem Vergnllgungsplatz an der Gruiveroald- slraße. Aus dem Platz verlor Frey sein« Begleiter aus den Augen,' kurze Zeit später' wollte er gern allein weiterfahren. Kaum hatte er den Wagen bestiegen, da merkt« er auch, daß er v e r s o l g t wurde. Um seiner Festnahme zu entgehen, schlug er ein übermäßig schnelles Tempo an. Frey behauptet, daß er den Polizeibeamten, der aus das Trittbrett gesprungen war/ nicht geschlagen habe. Durch ein Hindernis aus der Straße sei er vielmehr genötigt gewesen, kurz zu bremsen, das Auto sei dabei ins Schleudern geraten und Wachtmeister Bieneck sei herabgestürzt. Dieser Vorfall habe sein« A n g st noch gesteigert da er bei seiner Festnahme befürchten mußte, daß ihm der Führerschein entzogen würde. Er will auch nicht bemerkt haben, daß er von den Polizeibeamten beschossen'wurde. Erst als am Magdeburger Platz di« Reisen durch mehrere wohlgezielt« Schüsse zerstört wurden, mußte er anhalten. Frey, der sein« Tot bitter bereut, ist bisher noch nicht vorbestraft. Er wird noch heute dem Richter vorgeführt werden. Pubertätstat eines Pagen. Aus dem Dönhofsplah spielte sich in der vergangenen Itacht ein ausregender Vorfall ab. Gegen 2 Uhr krachten mehrere Schüsse über den Platz. Als Polizeibeamte und mehrere Passanten hinzueilten, encheckten sie auf einer Bank den leblosen Körper eines jungen Mannes. Die rechte Hand hielt eine P i st o l e noch krampfhast umklammert. Der Lebensmüde hatte sich einen Schuß in die Schläfe beigebrocht. der Tod war auf der Stelle eingetreten. Mach den polizeilichen Ermittelung«« handelt es sich um den 18jährigen Pagen Erich Barth aus der Rhcinsberger Straße S2, der in einem Betrieb am AnHolter Bahnhof beschäftigt war. Wie aus hinterlassenen Briefen hervorgeht, hat der jung« Mann aus unglücklicherLiebe zur Waffe segvifpm. Hubens und Michelangelo als Slraßenfchüder cJn.flmfterdam hatfosial demo/traHfche Stadfrer trallung an den£ch~ hänfem neuer Straßen fleineme ßildniffe der Perfönlichkeiten angebracht, nach denen die Straßen genannt worden find. Oer Mord bei Wustermark Ostfront auf der Anklagebank- Wie weit geht die Verrohung? wegen einer blutigen politischen Tat. der am 12. August vorigen Jahres auf der Hamburger Chaussee in der Bähe von Wustermark der Stahlhelmmann und wirtschaftsinfpektor Heinz Vl a l ch e r t zum Opfer gefallen ist. verantworten sich heute vor dem Landgericht III die Arbeiter Willi Voigt, Josef howanski, Karl Schars und Otto h a n a ch Die Angeklagten befinden sich im Alter von 25 bis 3g Jahren. Die ersten drei sind wegen Diebstahl» vorbestrost und verheiratet. Der JOjährige Honach ist wegen Hörperverletzung vorbestraft. Alle Angeklagten mit Ausnahme Schars gehören auch heute noch der kommunistischen Partei an. Die Anklage lautete aus gemeinschaftlichen Tolschlog. Die Nachforschungen der Polizei nach den Tätern blieb jciner- zeit ohne Erfolg. Das Verfahren mußte e i n g e st e l l t werden. Erst Ansang dieses Jahres legte aber der Angeklagte Scharf vor dem Krnninaltommissor Braschwitz ein umfassendes Geständnis ab, bezichtigte Boigt und Howanski der blutigen T�t, versuchte gleichzeitig sich selbst reinzuwaschen. Damit es nicht hieß, er habe seine früheren Genossen verraten, bat er,:n S ch u tz h a f t ge° nvmmen zu werden. Sein Geständnis hält Scharf auch heute in allen Punkten ausrecht. Die Art. wie er die Schuld anderer und seine eigen« völlige Unschuld unterstreicht, läßt on der Richtigkeit wenigstens einiger seiner Behauptungen zweifeln. Seine Mit- angetlagten, mit Ausnahme von Voigt, die gleichfalls geständig sind, belasten ihn dagegen nicht unerheblich. Irgendeiner sollte gekillt werden. Folgt man Scharf? Darstellung, so ergibt sich folgendes: Am 11. Marz kam es in Dyrotz bei Wustermark zu Zusammen- stoßen zwischen Rotfrontkämpfern und Stahlhelmtämpfern. Der Rotsrontkämpser Albrecht erhielt eine Ttichoerletzung, der Angeklagte Scharf einen Schlag über den Kopf. Am nächsten Tage, es war ein Sonntag, bsschlossen die Kommunisten eine Deman- stration als Protest gegen den Ueberfall der Stahlhelmer. Man oersammelte sich im alten Krug. Der Angeklagte Scharf, der an der Versammlung nicht teilgenommen haben will, behauptet nun. von den drei Mitangeklagten aufgefordert zu sein, mitzukommen. um irgendeinen Stahlhelmer zu überfallen. Am Mühlenweg auf der Hamburger Chaussee begegneten die vier Angeklagten einer Gruppe Menschen, unter denen sich auch ein Stahlhelmmann l esand. Voigt soll gesagt haben: „Da ist ja einer!" Als Scharf bereits vorüber gewesen sei, habe er plötzlich Hilfe- rufe gehört, habe sich umgedreht und gesehen, wie Voigt und howanski mit Messern in der Hand aus den Stahlhelmer eingeschlagen hätten. Das Hinzukommen eines Autos habe alle vier in die Flucht geschlagen. Sie seien später in die Versammlung zurückgekehrt und der Vorsitzende hätte gesagt, mir ist eben ein« Mitteilung zugegangen, daß ein Stahlhelmmann niedergestochen sei. Wir sind alle vollzählig beisammen, es kann also niemand von unseren Leuten gewesen sein. Ihm aber sei gesagt worden, er möge seinen Mund halten und auch einige Tage daraus erklärt worden, wie er auszusagen habe. Er sei also auch nicht vernommen worden. Voigt habe ihm erzählt, daß er sein Messer am Tatort verloren habe, daß die Pol-zei nur nicht Fingerabdrücke findet. „Los, den kriegen wir Der Angeklagte Howanski bestreitet nicht, auf Malchert ein- geschlagen zu haben. Ob er ihn mit einem Messer gestochen habe, könne er nicht sagen. Er sei Kokainist. Es sei aber der Ange- klagte Scharf selbst gewesen, der auf den Stahlhelnrmtrnn mit den Worten„los, de» kriegen wir" aufmerksam gemacht hatte. Der Angeklagte Voigt bestreitet seine Täterschaft. Schorf habe ihn zum Mitgehen aufgefordert u. o. mit der Begründung, daß er selbst von den Stahlhelmern verprügelt worden sei. Scharf sei es auch gewesen, der aus Malchert aufmerksam gewicht habe, es fei nicht wahr, daß er ihm von seinem Messer etwas erzahlt habe, er Hobe überhaupt nicht gewußt, haß ein Stahlhelmmann überfallen werden sollte. Der Angeklagt« Hanach gibt zu, daß er, wie auch seine Kameraden, unterwegs zur Hamburger Chaussee ihre Uniformmützen in di« Taschen gesteckt und auch ihre Armbinden abgenommen haben. Es sei zu dunkel gewesen und er und Scharf seien auch zu weit entfernt gewesen, um sagen zu können, wer eigentlich auf den Stahl- helmmann gestochen habe. Malchert, der am nächsten Tage im Krankenhaus starb, wies acht Stichwunden auf: eine davon hatte die Lunge durchbohrt. Zur Verhandlung ist ein« große Anzahl Zeugen geladen, sie wird zwei Tage in Anspruch nehmen. Ach, die Schule geht los! Freiheit ade.— Grohmuiiers Wiedersehenstränen. In diesen Tagen spielt sich aus den Berliner Bahn- Höfen ein beängstigende» Leben und Treiben ab. Mütter, Väter oder Geschwister harren, ein Blumensträußchen oder die Obsttüle in der Hand, der Ankunft ihres Ferienkindcs. Oft schon eine Stunde vor Einlaufen des Zuges stehen sie gc- duldig an der Bahnsperre, um möglichst einen Vorderplatz zu erwischen und die große Schar der kleinen Urlauber besser übersehen zu können. Der diensthabende S ch'u p o hat alle Hönde voll zu tun, die ungeduldig nach vorne drängende Menge in Schach zu halten, hunderte von Fragen werden an ihn gestellt, die er nur in den seltensten Fällen beantworten kann, da sie sich zumeist aus den Transport beziehen. Endlich wird di« Lokomotive sichtbar und in die Riesenmasse kommt fieberhast-freudig« Bewegung. Tüchers chwenken, die Kleinen werden auf Boters Schultern hochgehoben, ängstliche Mütter rennen nervös hin und her, um nur ja den richtigen Platz zu erwischen, oben auf den Gittern stehen die Kurbelmänner startbereit und Großmutter, di« von der vor- wärtsdröngenden Menschenmasse ganz nach hinten kam, schluckt tapfer die hervorquellenden Wiedersehenstränen hinunter. Viel- stimmiger Gesang, hoch werden die Standarten mit der Gruppen- nunzmer geschwenkt, damit sich jede Mutter zurechtfindet und die groß« Karawane marschiert fröhlich ein. In noch nicht ganz einer halben Stund« haben Hunderte von Müttern ihr« Kinder wieder, die. braungebrannt und leicht verdattert von all dem Trubel, kaum Rede und Antwort stehen können. Alle sind sie sehr begeistert von ihrer Erholungstour, das Wetter war lange nicht so schlecht wie bei uns, sie konnten baden und im Freien spielen, das Essen war gut und reichlich, Herz was willst du noch mehr? Die hier bleiben mußten, feiern auch Abschiedsfest. Auch auf den Berliner Außenspielplätzen heißt e» Abschied nehmen und mit einem lachenden und einem feuchten Aug« wird der Spielplatz zum Abschiedsfest mit bunten Guirlanden ge- schmückt, werden rasch nochmal die Dortragstexte durchgesprochen, die Sportmannschast trainiert azn Reck und Trapez, am frühen Nach- mittag kommen dann Mutter und Geschwister und bei fröhlicher Kaffeetafel und einem„erstklassigen" Programm wird Abschied gefeiert. Die Dahcimgsbliebenen hatten infolge des schlechten Wetters viele Spieltage verloren und manche Außenspielplätzc waren bis zu 25 Prvz. täglich schlechter besucht als Im Vorjahr. Die pariser Schwimmer in Nürnberg. Bkiands„kluge Ratschläge" verhindern Abbruch der Se- Ziehungen. Paris.«. August.(Eigenbericht.) Der französische Schwimmerverband hat sich trotz seines tiefste« Bedauerns über die erneute Verurteilung Cuveliers in Weißenfels dazu entschlofsen, die sportlichen Beziehungen zu Deutschland nicht abzubrechen. Der Beschluß ist, wie die Sportpresse offen zugibt, auf die „klugen Ratschläge" Briands zurückzuführen. Der französische Schwimmerverband Witt sich jedoch eine Garantie dafür geben lassen, daß es bei dem Schwimmfest in Nürnberg nicht zu neuen Zwischenfällen kommt. Arbeiterfußball mit Engländern. Nürnberg, 6. August. Die Sozialdemokratische Partei und das Arbeitersportkartell veranstalteten aus der Insel Schlltt anläßlich des morgigen Fuß- ball-Länderwettkampfes im Nürnberger Stadion zu Ehren der englischen Arbeitersportler eine Massenversammlung. Der frühere Reichstagsabgeordnete Simon, der Führer der englischen Eisenbohnevgewerkschaft und Unterhausmitglied Gill sowie der Vertreter des englischen Arbeitersportverbandes B u y a n feierten in ihren Ansprachen die Verbrüderung durch den Sport. Die Redner, die von den Versammelten stürmisch begrüßt wurden, wandten sich in ihren Ausführungen scharf gegen den Krieg. Simon-Deutschland betonte zugleich, daß die Sozialdemokraten in di« neu« Wahl- kampagne unter der Devise„Frieden, Freiheit, Brot" einträten. Musikoorträge und Gesänge umrahmten die Feier, die mit dem Slbsingen der Marseillaise ihren Abschluß fand. Briands neue Europaaniwort wird noch vor der Völkerbundsversammlung überreicht. pari». 6. August.(Eigenbericht.) Nach dem Eingang der schweizerischen Antwort, die sich zur Europarundsrage Briands sehr reserviert verhält, aber doch ihre Zustimmung ausspricht, Hot sich der Quai d'Orsay an di« Fertig- stellung des Schlußberichtes gemacht. Nach einer Meidung des„Petit Parisien" find bereits mehrere Texte ausgearbeitet, doch wird das Schlußdokument erst nach ernenten Verhandlungen mit den befragten Regierungen fertiggestellt werden. Das Schriftstück solle jedoch den interessierten Regierungen noch vor Beginn der Väl kerb uod-sk-agunL ausgehändigt werden. Erkelenz wirbt für den sozialen Volksstaat Gegen die Junker- und Kapitalsherrschast— Alle Schaffenden zur Sozialdemokratie Der frühere Vorsitzende der Temokratisctien Partei, Anton Erkelenz, wirbt in diesem Aufsatz für die Sozialdemokratie um die Stimmen der Arbeiter und Angestellten, die sich aus ihren anti- marxistischen Vorurteilen noch nicht haben lösen können. Er zeigt ihnen, worum es in dem gegen- wärtigen Wahlkampf geht: um die endgültige Er- oberung der Macht zum Ausbau des sozialen Volks- staates aller Arbeitenden. Mein Austritt aus der Deutschen Demokratischen Partei und mein Uebertritt zur Sozialdemokratie hat dem„Demokratischen Zeitungsdienst" Anlaß gegeben zu nachstehender Bemerkung: ..... Unverständlich bleibt sein Weg zur Sozialdemokratie. Ein solcher Weg bedeutet für einen Demokraten wie Erkelenz es war, einen so grundsätzlichen Wandel der Auffassungen, daß dieser Uebertritt zur Sozialdemokratie einstweilen überhaupt nicht ver- standen werden kann." Diese Bemerkung verdient eine Antwort, denn sie ist in Kreisen derjenigen, die man im Sinne der englischen Begrifssanwendung als„radikale Liberale"(Radicals) bezeichnen kann, noch recht verbreitet. Eine Erörterung darüber hilft wohl auch vielen Tausenden bei ihren eigenen Entschlüssen. Gemeint ist bei dieser Kritik des„D. Z." wohl in erster Linie der Gegensatz gegen den Sozialismus. Die Demokraten bettachten sich vielfach als Hüter des Privatkapitolismus, des Privat- eigentums, der Privatwirtschaft. Nach verbreiteter Auffassung ist das alles das Gegenteil des Sozialismus, den die Sozialdemokratie ersttebt. Aber die Dynamit des Lebens läßt sich schon seit einem halben Jahrhundert nicht mehr so ohne weiteres in diese Begriffe einspannen. Vielleicht ist der rechte Flügel der bisherigen Demo- kratifchen Partei, etwa der Hanfabundflügel, wenigstens theoretisch noch Anhänger dieser Ueberreste der manchesterlichen Auffassungen. Aber selbst diese Kreise haben sich seit 1918 schon manche„sozialisti- schen" Maßnahmen gern gefallen lassen, wenn sie ihnen nutzten. Sie haben manchmal Pate gestanden, wenn Verluste, Bankrotte„sozialisiert", d. h. aus Staatskosten. aus Soften der Allgemeinheit, Irrtümer der Privatwirtschaft korrigiert wurden. Und ihre Bundesgenosien vom Landbund bemühen sich so stark um den Sozialismus der„O st h i l f e", der Schutzzollpolitik, der Subventionen aller Art, daß ihnen die reine Privatwirffchaft ganz nebensächlich erscheint. Für eine konsequente Privatwirtschaft, die stolz und selbstbewußt auf sich selbst steht, ließe sich manches sagen. Die Prioattoirtschast von heute, die stets mit einem Auge nach der ihr nützlichen und dienlichen Staatshilfe schielt, und sie auch gern nimmt, wenn sie unter dem dünnen Mäntelchen sozialer Fürsorge geleistet wird, hat kein Recht sich als die allein gläubige Vertreterin der privaten Initiative und Selbstverantwortung der Unternehmer und der Unternehmungen zu bezeichnen. Dem Wissenden nötigt dies« Konsequenzenreiterei nur ein Lächeln ab. Aber der Liberalismus hat in ollen Ländern und auch in Deutschland seil je nicht nur einen rechten, sondern auch einen linken Flügel gehabt. Der Unke Flügel, der übrigens geistig stets der bedeutendere war, beurteilt diese Dinge schon seit Jahrzehnten wesent- lich anders. Am klarsten ist sich darüber seit langem der linke Flügel des englischen Liberalismus. Ihn hat nie ein prinzipieller, ein unüberbrückbarer Graben von den Vertretern sozialistischer An- schauungen getrennt. Ob eine Maßnahme sozialistffch war oder nicht, hat ihn nie irritiert(übrigens ebenso wenig wie den deutschen Katholizismus), er hat nur gefragt, ob sie von den Erfordernissen des lebendigen Lebens verlangt, ob sie in der gegebenen geschieht- lichen Lage notwendig ist oder tpar. Das bekannte Gelbbuch der englischen liberalen Partei von 1928 enthält mehr Sozialismus ols die englische Labourpartei z. Zt. zu fordern wagen kann, mehr als die deutsche Sozialdemokratie in langen Jahren durchzusetzen I'zffen darf. Leopold Sonnemann, ja seiner Zeit teilweise sogar Max Hirsch, haben schon in der Frühzeit der deutschen Arbeiter- bewegung manchen praktischen Forderungen der Sozialisten— oder sie ihnen— sehr nahegestanden. Einer der ersten Entwürfe für eine gesetzliche Arbeitslosenversicherung rührt von Veopold Sonnemonn her, ttre ich nicht von 1895. Und Nau- mann, der in seinen jungen Jahren als Christlich-Sozialer scharf die Forderungen der Abschaffung des Zinses vertreten, hat i» seiner„Neüdeuffchen Wirtsthaftspolitik", die in ihrer ersten Form in den Jahren um 1910 herum entstanden fft, ober noch in der Kriegszeit neu aufgelegt wurde, folgende Sätze geschrieben: „Sozialismus ist heute keiae reine Gegenbewegung gegen die Gcgenwarlswirtschafi als solche mehr, sondern ein Kamps um ?Nacht und Einfluß der Besitzlosen in dieser Wirtschaftswelt, die allseitig dem Ziele der Vereinheitlichung zustrebt... Sozialismus ist derselbe Vorgang im Kapitalismus wie Liberalismus im Staat... Kapitalismus ist die aristokratische Auffassung desselben Wirtschaftslebens, dessen demokratische Ausfassung Sozialismus lstiht." Die Gedanken der Wirtschaftsdemokratie sind zuerst und mit erheblichem Radikalismus von Naumann vertreten worden. Sollen Naumann, Sonnemann und zahlreiche andere aus der Ahnen- galerie der Demokvatffchen Partei gestrichen werden? Das würde nichts beweisen gegen diese Männer, sondern würde nur bestätigen, k iß unter dem verwirrenden Einfluß der Nachkriegszeit bei ihren Epigonen das grundsätzliche Denken völlig verkümmert wäre. Das wieder würde erklären, worum die Demokratische Partei sich besonders in der Regierung Brüning soweit von ihren Grundlinien enffernen tonnte. Ob und inwieweit die nähere Zukunft der Wirt- schaftsentwicklung kapitalistisch oder sozialistisch ist, entscheidet sich nicht nach den Wünschen der einzelnen oder der Parteien, sondern nach den Notwendigkeiten des dynamischen Lebens im Zeitatter des Spätkopttalismus. Diese drängen in aller West mehr zu s o z i a- l i st i s ch« n als zu kapitalistischen Lösungen, falls man den Gegensatz einmal in diese Worte fassen will. So wirkt die gewaltig« Wirtschaftskrise und die große Arbeitslosigkeit tausendmal mehr im sozialistischen Hinne als alle Agttatton der sozialistffchen Parteien es tun könnte. Die Produktivkräfte der Welt, die Leistungen der Technik und der Techniker sind unvergleichlich viel größer als die Organffattonskunst der Wirtschaftsführer und der Staatsmänner. Wir haben Ueberfluß an Brot in der Welt und doch müssen Willionen weufchen hungern, Zehntausende verhungern. In den großen Getteidesabriten der amerikanischen Westens, Cana- das. Argentiniens, kann man den Zentner Weizen für drei Mark produzieren und liefern. Der deutsche Bauer verlangt dreizehn Mark, und kommt trotz schwerster Arbeit damit nicht aus... Das ist die Katastrophe der privaten O r g a n is a t i o n s k u n st. Vielleicht wird rnan antworte ne die linverjohnlichkett des Sega»- satzcs zwischen Demokratie und Sozialdemokratie besteht nicht in den Fragen des Sozialismus, sondern des Marxismus. Das Wahl- ichlagwort der Reaktion richtet sich ja auch nicht gegen den Sozialis- mus, sondern gegen den„Marxismus". wieviele von den Menschen, die gegen den Marxismus reden, haben jenes Mindestmaß von Kenntnis darüber, das man haben müßte, um mitreden zu dürfen? Obwohl ich vielleicht mehr darüber gelesen und gehört habe, als 95 Prozent derjenigen, die dagegen reden, traue ich mir nicht zu, ein endgültiges Urteil abzugeben. Ich halte mich zunächst mal an das� was die Männer, die im Marxismus groß geworden sind, denken, reden und tun. Und da finde ich im praktischen Leben keinen unüberbrückbaren Gegensatz. Da habe ich mich zu der Erkenntnis durchgerungen, daß mir z. B. die Politik des Herrn Brüning weltenweit ferner lag oder liegt als das Wollen und Tun Eberls, Hermann Müllers, Lobes, Breit- s ch e i d t s, Landsbergs, Bernsteins, Wels, Legiens, Leiparts und hunderte anderer. Ob da irgendwo ganz im tiefften Herzen schwere grundsätzliche Gegensätze schlummern, weiß ich nicht, aber sicher weiß ich, daß diese Gegensätze nicht größer sind wie manche andere, die ich mit bisherigen Parteisreunden hatte, mit denen ich jahrelang gearbeitet habe. Ganz sicher weiß ich, daß diese Gegensätze nicht so groß sind wie diejenigen, die ich gegen die wiederslottmachungen de» deutschen Großgrundbesitze», jene» Todfeindes aller deutschen Demokratie, durch Schieie-Vrüning. habe. Wenn ich einen Aussatz lese, wie den des Belgiers Bänder- oelde in der neuesten Nummer der„Gesellschaft", wenn ich Aufsätze Renners, Hilferdings lese, dann finde ich ebenfalls kenn? unerträglichen Gegensätze. Und endlich: mir ist nicht bekannt, daß die deutsche Soziakdemokratte von ihren alten oder neuen Mitgtiedern ein Bekenntnis, eilten Schwur, ein Glaubensbekenntnis zu dem „Kapital" von Marx fordert..Bon mir ist bis heute keine be- sonder« marxistische Taufe verlangt worden. Aber wenn das alles auch ganz anders wäre, im ungünstigen Sinne anders: in der deutschen Politik steht beute und für die zwanzig Jahre, die ich vielleicht noch zu leben habe, weder die allgemeine Einführung des Sozialismus noch gar die Einführung des Marxisnms auf der Tagesordnung. In Wirklichkeit handelt es sich um ganz andere Dinge. Es handelt sich, um mal kurz mit dem eben in dieser Stunde beerdigten Ludwig Haas zu reden, um die Frage, ob die deutsche Republik eine ptutokratische oder eine soziale sein wird. Es handelt sich darum, ob der deutsch« Großgrundbesitz mit seinen Anhängseln und Trabanten in Stadt und Land wieder die maßgebende Kraft der deutschen Republik'wird. Es handelt sich darum, ob die Feinde des neuen Staates, die diesen stets verachtet haben und zerschlagen wollten, ihn jetzt— das ist der historische Sinn der Brüningpolitik— beherrschen sollen. E« handelt sich darum, ob den Arbeitnehmern, den Arbeitenden überhaupt, der endlich allzu spät errungene spärliche Einslvß auf Staat und Gesellschaft wieder genommen werden soll. Es handelt sich darum, den guten und gesunden Kern der deut- schen Sozialpolitik zu retten, soviel ich selber an System und an Einzelheiten au susetzen habe. Es handelt sich darum, zu verhüten, daß Militaristen und Gewaltpolitiker!n Deutsch- land wieder ausschlaggebend werden. Es handelt sich darum, den Arbeitnehmek, alle Arbeitenden zum Bürger, zum Vollbürger zu machen, und nicht den Ehrentitel Bürger und bürgerlich für eine Partei oder Geistesrichtting zum monopolisieren. Kurz gesagt: ich bin der Meinung, daß wir erst die äußere Form des neuen Dolbs staates errungen haben, und daß jetzt erst der lange Kampf um den Inhalt dieser Form einsetzt. Im Kampf um den inneren Wert, um die Seele des Volks- staates, fällt ober der Sozialdemokratie die entscheidende Führung zu. Sie hat die Monopolisierung der wirklich lebendigen Kräfte des Forffchritts und der Freiheit zu besorgen. Diese Aufgabe, dieser Kampf um die Macht liegt ihr als geschichtliche Notwendigkeit, als gewiß schwere historische Last ob. Wahrscheinlich wird es in der Sozialdemokratie viele geben, denen diese vom Schicksal ihnen zugewiesene Ausgebe gar nicht behagt, die rückwärts blicken»ach der romantischen Vorkriegszeit, als man noch �venigcr mit Verantwortung belastet war und mehr der Reinheit der Lehre leben mußt«. Auch für die Sozialdemokratie gilt, daß das Schwer- gewicht der> Dinge stärker ist als die Lehre. In der Durchführung dieser Pflicht haben auch andere Parteien gewiß noch wichtige Aus- gaben zu erfüllen. Dos Zentrum wird dazu unentbehrlich sein. Die Staatspartei dient vielleicht als zeitweilige Brücke, um Menschen mit an diese Aufgabe heranzuführen, die jetzt noch nicht reif sind dafür. Auch das ist verdienstlich, ober der entscheidende Impuls kommt nicht von da. Er muß von der mächtigen Partei der Freiheil ausgehen. Und deshalb bin ich dorthin gegangen, wo ich glaube, daß am meisten Arbeit für diese Ausgabe geleistet werden muß und geleistet werden kann. Hunderttausende deutscher Bürger und Bür. gerinnen, besonders aus der Bildungsschicht, stehen in oder vor derselben Entscheidung. Es gehört mit zur deutschen Tragödie, daß. so viel« von ihnen so langsam im Denken sind und alle, ve r s a u i t e und verfallene„bürgerliche" Hürden nicht zu über- steigen wagen. Bor all diesen Barrieren habe ich dreißig Jahre lang selber gestanden. Fast habe ich die Hindernisse mit der Muttermilch eingesogen im niederrheinischen katholischen Handwerkerhause. Muß man mit 50 Iahrest vor denselben Hindernissen stehen bleiben, vor denen man mit 29 Jahren stand? Ruft man allerwege nach Jugend, damit die älteren doch recht unbeweg- lich und verkalkt bleiben sollen? Das fft so etwa meine Antwort an jene, die da sogen, daß dieser Uebertritt„einstweilen überhaupt nicht verstanden werden kann". Ich wende mich gegen diejenigen, die in 1939 noch glauben, daß die sozialdemokratischen Arbeitnehmer ihnen fremd und unverständlich seien, weil 1854 auf dem Nürnberger Arbeitertag die Richtung Bebel sich von der Richtung Sonnemann trennte. Wenn Karl Marx 1847 im Kommunistischen Manifest schrieb:„Die Arbeiter haben kein Vaterland. Wie kann man ihnen nehmen, was sie nicht haben." Dann scheint mir das kein Grund zu fein, um sich 1939 den sozialdemokratischen Arbeitern fern zu hallen. die mit Blut und Leben ihr Vaterland, die Deutsche Republik, geschaffen und verteidigt haben. Wenn Bismarck von 1878 bis 1899 mit allen Mitteln der Demagogie die Sozialdemokratie zum„Bürgerschreck" gemacht hat. dann scheint mir das kein ausreichender Anlaß, daß hunderttausend, die sachlich kaum anders denken als sie, heute immer noch in dieser Partei den Bürgerschreck sehen. Irgendwo heißt es bei Marx, für den Engländer feien die Ideen Hüte, für den Deutschen seien die Hüte Ideen. Ich möchte mir dieses Wort nur beschränkt zu eigen machen, nämlich so, daß ein großer Teil der besten Freiheitskämpfer in Deutschland Hüte tragen, die ihnen in der Jugend, unter ganz anderen Verhältnissen aufgesetzt wurden. Diese Hüte sind aber inzwischen so fest an die Köpfe ange- wachsen, daß ihre Eigentümer selbst glauben, sie trügen ewige Ideen auf dem Haupt«. 1939 sind andere Zeiten als 1859. Es ist nicht nötig, daß in der deutschen Politik alles so bleibt oder alles wieder so wird, wie«s in dem Jahrzehnt zwischen 1369 und 1879 geworden fft. Im Zeitalter der parlamentarischen Demokratie sind die Notwendigkeiten des Parteiwesens andere wie 1871., Es handelt sich darum, wer die wacht im Staate hol. Und jeder gehört, unbeschadet von Abweichungen im einzelnen dahin, wo er für die Durchführung seiner Ideen am meisten wach' schaffen kann. Diktatur und Heldenverehrung Bürgerliche Biographien der„Ltebermenschen" Imnux gncfcec tauchen neue Biographien mehr oder minder großer Mann«r au» der ffrder hilrgerlicher Schrift st»II»r auf. Wir ficht der sozialtstifchr Leser zu dieser Literatur. Das ist eine notwendige ffrage. Wie stehen wir heute zum Problem der biographischen Literatur? Erscheint uns die Lebensbeschreibung des Einzelmenschen noch wichtig, bedeutungsvoll und darum notwendig oder müssen wir ihre Notwendigkeit vom sozialistischen Standpunkt aus verneint? Die Frage nach Wert und Bedeutung von Biographien geht viel weiter und tiefer, als es im ersten Augenblick scheinen mag. Sie rührt eben an ein Arundproblem sozialistischer, aber auch bürgerlicher Well- anschauung schlechthin. Und man kann hier zu keiner klaren, sicheren Haltung gelangen, ohne zuvor ein« andere Frage nach der einen oder anderen Seite beantwortet zu hoben. Diese Frage lautet: Welches fft die Rolle des Einzelmenschen in der Gesellschaft? Bildet die große Persönlichkeit den eigentlichen Motor im Weltgeschehen oder sind hier unpersönliche, soziale Kräfte das einzige Entscheidende? Gibt es eine dritte Möglichkeft? Im Bereich bürgerlichen Denkens sehen wir heute mehr als je den Glauben an große Persönlichkeiten vorherrschend, von deren Wirksamkeit das Heil in Staat und Gesellschaft erwartet wird. Ia Deutschland gehört jedenfalls neuerding» der Gedanke der persönlichen Diktatur zum politischen Programm eines großen Teile» de» Bürgertum». Zweifellos wurzelt solcher Glaube an die Allmacht des Führertums in nie ganz absterbenden Restest metaphysischer Denkformen. Der große Führer, der Diktator, der Heros erscheint nur als anderer Ausdruck für den Gedanken einer weltbewegenden, absoluten Idee. Man wird vielleicht einwenden, daß dieser oder jener bürger- liche Autor, der etwa an die Biographie Napoleons, Wilhelms II., Mussolinis oder irgendeines beliebigen Prominenten herangeht, sich gar nicht bewußt zu sein braucht, al» Träger jenes eben skizzierten Gedankens aufzutreten. Das mag sein, ober daraus kommt es gor nicht an. Wichtig ist allein der Umstand, daß hier objektiv eine derartige Klassentendenz vorhanden ist und daß das„gebildete" Publikum solche Biographien verlangt, weil ihr Grundchorakter einer bestimmten Weltanschauung enffpricht. Damit soll über ihren literarischen Wert im allgemeinen nichts gesagt sein. Nur kann das für uns niemals den ausschlaggebenden Gesichtspunkt bedeuten. Diese Art Bücher sind für unsere Begriffe nicht nur wertlos, sie sind sogar Sie zeigen die historische Entwicklung in oerzerrtem Licht und— was schlimmer ist— sie stellen sich durch ihre ganze Haltung zum Gedanken des Massenwillens in direkten Gegensatz, wollen oder bewirken zum mindesten politische Passivität. Es enffteht also wiederum die Frage: Ist die biographische Literatur grundsätzlich abzulehnen oder wie muß sie beschaffen sein, daß der proletarische Leser aus ihrer Lektüre Nutzen zieht? Der Sozialismus denkt gar nicht daran, den Einfluß epochaler Figuren auf das Weltgeschehen irgendwie zu leugnen oder jene gar zu seelenlosen Marionetten zu degradieren. Es wäre ja auch Blindheit, die Rolle eines Bonaparte oder Lenin zu unterschätzen. Nur sieht der Sozialismus die Funktion der großen Männer, die „die Geschichte machen", anders, als es beim Bürgertum und beim — Bolschewismus geschieht. Sie erscheinen ihm nicht als„Helden", d. h. als Faktoren, die über den Gesetzen der Geschichte stehen. Nein, auch der.Pebermensch" bleibt hier nur Vollstrecker bestimmter historischer Tendenzen. Ein Bonoporte kann nur das Programm der bürgerlichen Revo- lution zu Ende führen, er kann nicht mehr das paneuropäische Ideal verwirklichen, das zu den Aufgaben einer späteren Epoche gehört. Mit anderen Worten: der einzelne kann den Strom ge- schichtlicher Entwicklung hemmen oder beschleunigen, aber tf kann ihn nicht willkürlich in diese oder jene Richtung ablenken. Es ist eben auch eine ganz oberflächliche Beurteilung der Dinge. wenn behauptet wird, wir hätten es darauf abgesehen, die Be- deutung der Masse zu überwcrten und die Funktion des einzelnen zu leugnen. Der Sozialismus, der immer von einer gegebenen Wirklichkeit ausgeht, kann gar nicht Dinge außer acht lassen, die einen Teil dieser Wirklichkeit bilden. Warum sollten wir uns also gegen Biographien sträuben, wenn sie mit den Grundlinien unserer Weltonscbauung übereinstimmen! Aber gibt es bereits eine der- artige Literatur? Es kann sich für die proletarische Ltteratur nicht etwa darum handeln, eine Art neuen„Plutarchs" heraufzubeschwören. Der Lebensraum, in dem sie sich bewegt, ist di»se Gegenwart. Und nur. soweit es gelingt, die Problematik der heutigen Gesellschaft und ihre Grundtypen im einzelnen Portrait zu ersossen, werden wir die Notwendigkeit biographischen Schrift- tum» bejah«« dürfen. A. G. Wilhelm und sein Spediteur Amsterdam, im August. König« scheinen in der letzten Zeit sozusagen Pech mit Deutsch- land zu haben, denn allem Anschein nach bekommen Besuche bei uns den jeweiligen Throninhabern miserahel. Fuad, der gestrenge Herr mit der komischen Sache auf dem Kopf, uns allen noch in bester Erinnerung durch seinen Besuch bei Herrn v. Hindenburg, fand seine Aegyptcr verdammt unfreundlich, alz er wieder nach Hause kam... und wer weiß, wie lange„seine Jjerrlich- feit" überhaupt noch dauern wird. Amanullah ist, wenn man den Zeitungsmeldungen trauen darf, schon längst Spediteur in Rom geworden. Und unser Wilhelm, Wilhelm der Flüchtige, hockt Holz in Holland. Bor einigen Tagen, bei einem Besuch in der Nähe von Doorn, habe ich ihn wiedergesehen.„Er" fuhr an mir vorbei, in einem großen Tourenwagen, mit zwei Ehauffeuren, und die schwieligen Holzhockerhände des Herrschers ruhten gerade in den Taschen eines vornehmen Sommerpelzes.„Seine" Augen blickten niajestätisch unentwegt geradeaus: Streng und kolossal wütend. Und vielleicht ist es gar nicht majestätisch, sondern mal bloß so originell echt« Holzhackerart. Ehe man noch aus Freude über ein so unerwartetes Wieder- sehen die Hacken zusammenschlagen und Hurra schreien konnte, war der Wagen schon in einer Staubwolke verschwunden. Man erzählt stch hier, daß Wilhelm der Flüchtige eine Rechts- parte! bei dem bevorstehenden Wahlkampf mit Geld unterstützen will. Db es Westarp, Hugenberg oder Hitler ist, weiß niemand. Das kann uns auch ziemlich egal sein. Bloß, daß es geschenktes Geld der deutschen Republik ist, ist weniger erfreulich. Denn die Vermutung eines holländischen Bankiers, daß es ausschließlich bei kaiserlichen Geschäften auf der Amsterdamer Börse verdient worden sei, scheint bei näherer Betrachtung mcht sehr viel für sich zu hoben. Zum mindesten sollen chch in letzter Zeit des öfteren deutsche Politiker«ingefunden haben und zu einer Schnorraudienz empfangen worden sein. Sie kamen alle mit sehr wichtigen Gesichtern wieder heraus, nachdem sie drinnen vermutlich größere Versprechungen aus den gerade freien deutschen Koiserthron gemacht hatten. Dann wurden sie in den Rosengarten oesührt, den Wilhelm genau nach dem Muster der Charlottenburger Chaussee hat anlegen lassen, und nachdem sie olles untertänigst bewundert hatten— auch jene abscheuliche Gipsfigur, die an Greulichkeit keineswegs ihrem Vorbild im Berliner Rosengarten nochsteht, dursten ste wieder ab- reisen und nun lauern sie gewiß in Berlin auf Geld aus Doorn. Hier erzählt man sich seit einiger Zeit«ine komische Geschickte, van der niemand mehr weiß, wer sie zuerst kolportiert hat: Wilhelm hätte sich verpflichtet, alles von ihm persönlich gehackte Holz aus- schließlich durch die königliche Spedition Amanullah in Rom trans- Portieren zu losten. Aber das ist eben wieder so ein« Anekdote wie viele andere: sie wird nicht wahr sein. Und überhaupt die ganze Sache vom Holzhacken und die a?m Spediteur in Rom sind vermutlich frei erfunden. Denn solche Gc- fchichtchen werden sicher olle bloß bösartigerweise in die Welt geletzt, damit die illustrierten Zeitungen mal wieder was zum Philo- graphieren haben, und damit wir endlich wissen, was so ebregierte Monarchen für Sorgen haben. Und wenn sie wenigstens schon 1914 keine anderen gehabt hätten, sonderlich was unfern Zollern Wilhelm anbelangt, dann wäre es sogar direkt großartig gewesen. Nur leider— die Herren erkennen meist«in bißchen spät ihre wahren Talente. klodoard. „Im Kampf mit der Ltnterwelt." Alhambra. Die übliche Abenteurergeschichte, wie man sie aus dem Reper- toire der Piel, Albertim und Aldini kennt. Diesmal ist Aldini die verfolgte Unschuld, der geniale Abenteurer wider Willen, der waghalsige Klettereien und Sprünge ausfüthrt, um sich schließlich die blonde Grit Haid bräutlich um den Hals zu schlingen. Alles ist in diesem Film eigentlich bekannt. Neu allein, daß er die Slbenteuer- lichkeiten mit gesprochenen Dialogen und Geräuschen begleitet, und dadurch entsteht eine Katastrophe. Ein Aldini-Film ist von vornherein auf schlechte Abwicklung der Handlung eingestellt, aus Tempo, das Unwahrscheinlichkeiten über- sehen läßt und das den Zuschauer foszimeren muß. Das gesprochene Wort hemmt dagegen, und durch diese Verlangsamung wird die Fadenscheinigkeit der Handlung enthüllt. AusWaggebend ist dabei, daß der Dialog überhaupt nichts wert ist und daß nur absolut« Belanglosigkeiten und abgestanden« Witze verzapft werden. Ein Schlager bemüht sich allerdings um Haltung. Weil der Tonfilm erfunden worden ist, muß jetzt alles tönen und sprechen, auch wenn es überhaupt nicht paßt. Dieser Film will nichts weiter, als mit einer guten Konjunktur kokettieren.— t. >D>! „Kaihan'na Knie." Marmorhaus. Wenn irgendein Film nach tönender Fassung verlangte, so war es gewiß die Ballade vom sterbenden Zirkus, das hohe Lied seiner Romantik:„Katharina Knie." Aber man hat diesen aus- gezeichneten Film Karl Grünes jetzt nur mit Geräuschen, Liedern und Begleitmusik bedacht. Di« Dialoge werden weiter stumm ge- boten. Dafür hat aber Schmidt-Boelcke, sicher einer unserer erfahrensten Filmkomponisten, das ganz« Leben des alten wie des neuen Zirkus, sowie den Spektakel des Mllnchener Oktoberfestes in Musik gesetzt. Es kommt also richtiges Leben in die Bude, und vor allem wird die Nummer eines MusikNowns weidlich ausgebaut. Der Film hat feine tiefere Bedeutung auch ohnedies, man freut sich beim Wiedersehen der außerordentlichen darstellerischen Leistungen, lind nur ganz leise wird das Bedenken wach, daß der letzte Grad der Echtheit fehlt. Aber was für ein wundervoller Zirkusdirektor ist dieser Eugen K l ö p f e r, der mit ganzer Seele an seiner Weit hängt und wie«in Held in den Sielen stirbt! Eine wahre Augen- meide ist Carmen B o n i, das Zirkuskind, das vergeblich den Aus- slug ins Bürgerliche versucht. Unvergeßlich ist Adele Sandrock als Betriebsmutter, wirklich echt bis ins kleinste, eine wahre Menschen- gestaltung Frida Richard als Mutter des Gutsbesitzers. Auch die Nebenfiguren sind mit erstklassigen Besetzungen ausgestaltet, und so rundet sich das Ganze, abgesehen von einigen Erweiterungen, die das Manuskript aus dem Gewissen hat, zu einem vollen Bilde einer sterbenden Kunstproduktion._ r- ?wndfun?direttor so wichtig wie Premierminister. Der Direktor des Londoner Rundfunk�ienstes gab kürzlich eine Ueberficht über feine Tätigkeit und wies aus die enorme Ver- ontwortung hin, die mit der Zusammenstellung der Programme ver- Kunden sei. Der gesamte englische Rundfunkdienst habe im Laufe eines Jahres nicht weniger als 16 986 verschieden« Programme gebrocht, darunter 5980 speziell für Kinder. Bei der Ausdehnung der Teilnahme am Rundfunk sei die Aufgabe eines Direktors des Sende- dienstes mindestens ebenso verantwortlich, wie die eines britischen Premierministers. Ein Film der Arbeitslosen. Im Mittelpunkt des Films ,L o hn b u ch h a l t« r Kremkc", der in den nächsten Tagen scina Uraufführung erleben wird, steht die Arbeitslosigkeit. Es wird zwar ein Einzelschicksal gezeigt, aber wie dieser einzelne nickst glaubt, daß auch ihn die Arbeitslosigkeit treffen kann, wie er am Stammtisch prahlt und schimpft, und dann so schnell eingerahmt wird in die Masse der Unglücklichen, wie er sich wehrt, wie er kämpft und schließlich zugrunde geht, wie er zwischen den Arbeitslosen lebt, spürt man nicht mehr das Einzel- schicksal, sondern dos Schicksal der Millionen, die heute zur Arbeits- 3>€r Trollej/bus Auf der Strecke von Mettmann nach Gruiten bei Düsseldorj wurde Deutschlands erste schienenlose Straßenbahn in Betrieb genommen. Es werden elektrische Autobusse verwendet, die auf Luftreifen laufen und ihren Strom aus einer Oberleitung wie eine Straßenbahn beziehen. Sie heißen Trolleybus. ruhe, zum langandauerichen Feiertag gezwungen werden. Man sieht das Ein- und Ausströmen der Arbeitslosen in der Gormannftratz» und anderswo, man sieht, wie verdammt viel Zeit dies« Menschen haben, die an den Gittern stehen und aus den Treppenstufen vor den Arbeitsnachweisen hocken, wie sie stundenlang vergebens nack Arbeit stehen und sich drängen, um irgendeine Verdienstmöglichkeit zu bekommen. Man spürt durch diesen Film die größte Tragödie unserer Zeit: die Arbeitslosigkeit. In den Schlußbildern sieht man demonstrierende Massen, hinter denen visionär der Reichs- tag auftaucht. Sonereßverlegvog. Mit Riickficht auf die deutsche Reichstags- w a b l in der Beginn de« IV. Kongresse« der Weltliga für Sexual- resorm vom 13. aus den 16. September verlegt worden. Ebenso hat der deutsche gngenieurkongreh. welcher lbensall« Mitte September in Wie» tagt, a ut dem gleichen Gründe den Beginn aus den 19. September verschoben. Welker für Verlin: Weiterhin veränderlich und noch einzelne Schauer. Temperaturen nur wenig niedriger.— Für Deutschland: Immerhin noch etwas unbeständig, strichweise gewitterartige Regen- schauer. Beranttvurtl. Mr die Redaktion: Solsgavg Sch»»r», Berlin: Anzeigen: Tl». Elocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag(5. m. b. S., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerci und Verlagsanstalt Paul Singer Sc To., Berlin SW 68, Lindenstrabe 3. Hierzu 1 Beilage. Wintor * uarren* Ranlhaos Emil Moses Na«). ßirkeflstr.2fl(Edte Pntlltzsfr.) Ikeatsr', l-iclitzpisls usw. Stoots-Ikootoi' geschlossen! Abonnements- Anmeldungen tue die Si)ieizeiti930-31 (Beginn am l. septemDer) werden auch während derThe- aterlerien entgegengenommen: a) für die Staatsoper und dos Staat!. Schauspielhaus vomAbonnements- büro, Berlin W56. Ober- wallstr. 22.— Fernspr. Merkur 9024, b) für das Staat!. Schiller- theater vom Abonnementsbüro, Berlin-Chartottenburg, Grolman- straße 70.— Femspr. Stein pl. 6715. Täql. S u. e» Saint. 2, 3 b. 8 14 Alex. E 4, 8066 Puppen-Revue ,JKaHa" 1 Florian, Paetzold Co. n«w. Theater I. d.Behrenstr. 53-54 SV- Uhr ist das nictil neu uon coiette? l 8.13 Dir— Carlos and ntta a. Ca.__ in Berlin naa> nldii gaxalEta BaaOcn arlaabi n. Ca. and wslltr» I IUI gusicta tun. I Reichshallen-Theater AtUbendlidi(T) Uhr Stettiner Singer Tagetau 11-2, UnAmtikSOkr ItleplOT Zntna 112(3. Dönhoff- Brettl: (Saal und Garten) Variete- Konzert- Tuz WM Theater D 2 WtideidinD 5201 8 Uhr Phaea von Fritz tr. Unruh. Reg.: Max Reiabardi dttik: riMridi Mandn. NkanbiMcrtm) Uitti. Die Komödie II Bi(mck.24I4/7S1t 8V1 Uhr Vit vtrdeidireidi diiI iladtlidi? Ima tu Mi Jndwun. antik na Ihdu SptliiDtky. Itl»: Endi Eifä Bühnenbilder ladwig biwr „Die iolle Lola' Hans Rose» Lonl Pyrmont Täglich S.15 Uhr Im Rose-Theater (Owtenbahne) Musik: Hage Hlneh, Kegle: Edgar Katilseh, Time: Bruno Arno, Orchester: Max iehmldf, Neue Ausstattungen: Walter Fischer. Bia Mittwoch, 6. Augnat: Rheinisches Winzerfest im Roee-Garten Rlasan-VariaMschau, Fausrwark, Tanz Im Fralan, Rhein- und Mottlwaln In Bllaarn. Im lanentheater tätlich 8» ühr (aber nur noch bis 10. August): ■ iriachamann ala Erzieher". Mer 1 Weitem Taglich 8 Vi Uhr: Das Land des Ucheins Franz Lehars Sensationserfolg! Lesstag- Theater ■•llndiata 2717 a. Mit Tiglich 8� Uhr lstits TsnMnin Der Faun na Uw. bokindL Freitag 8 Uhr Premiere beantragt v. Alexander Ran zenirat-liieaier (Operettenhaus) Alte Jakobstr. 30/32 Dönh. 2047 Tiglich S'fc Uhr Der Bombenerfolg Ein Zllle-MIWUl in 3 Akten Kinder der SlraSe Gmszi.Taat m V. Utml »f littst Waltet. Rundfunkhörer haiat Preise. Renaissance Theater Steinplatz 6780 hitt Iii iSibudüd 9 Uhr Die Wunder-Bar Revuestück %Spteiswäte R�taurani Berlins BETRIEB/ KEMPIHSKI' T. L rA.NZ d&hß seßonstß oTianch/L pspn *//. KatrittQi KABARE TT- KAFFEE �o/jprr-axtf'&nu/ / teinmeier FRIEDRICHSTR. 96. Ad BAHNHOF Eisu � Betten isä ü'hTrio N•■ k 0 1 1■• Lahnstr. 74)76.] iduchm,_ ' MONATSRATEN JJ (Beilage Mittwoch, 6. August 1930 BrHUipnD �icilaulQa&a-dt*\i*höas4k I Ansprache eines Toten Zur Beherzigung für die Lebenden „Ms Lassollc, der Denker und Kämpfer, starb, war die deutsche Sozialdemokratie noch schwach, sie zählte kaum mehr Tausende, als heute die Partei Millionen zählt. Wenn wir zurückblicken aus die Geschichte der Partei, dann sehen n>ir so recht, daß die.Sozial- demokratie nicht wurzelt in einzelnen Persönlich- k e i i e n von Talent, von Genie, sondern daß sie wurzelt in den P e r h ä I t n i s j e n. Als Agitator in Wort und Schrist wird keiner Arbeiterklosse den Wert des allgemeinen Wahlrechts gelehrt zu haben. Die Sozialdemokratie war von ollen Parteien die erste, die diese Waffe methodisch benutzt hat; sie hat dies getan, che die kapito- listischcn Parteien ein Verständnis des allgemeinen Wahlrechts hotten; und ine Taktik der deutschen Arbeiterpartei in der De- Nutzung des Wahlrechts hat sich so trefflich bewährt, daß sie von den an vorgeschwebt, das frei« und einige Deutschland und die Emanzipation des arbeitenden Voltes, d. h. die Abschaffung der Klassenherrschaft, was gleichbedeutend ist mit der B e f r e i u ng der M e n s ch h e i t", muhte noch einmal ins Gefängnis wandern. Die hier zitierte Rede Wilhelni Liebknechts wirkt heute, als wenn sie für die Gegenwart bestimmt märe. Wieder einmal zeigt die kapitalistische Gesellschaft im Weltausmaße, daß sie der Folgen nicht 5)err werden kann, die ihr Wirken verursachte. Wieder einmal muß die Sozialdemokratie die Grundlagen und die Grundgesetze des Reiches verteidigen gegen Angriffe oller Art. Wieder einmal steht sie den Beleidigungen und Verleumdungen gegenüber, denen sie auch vor Jahrzehnten aus- gesetzt war. Aus diesem Kampfe gegen die„Kotwürse" von damals trug Wilhelm�Liebknecht— wir sagten es schon— zwar als Siebzigjähriger nochubols Paris, (16. Fortsetzung.) ,Lch verstehe ja, lieber Kern, aber Sie müssen die Sache über sich ergehen lassen, da hilft alles nichts. Sie können doch den Dienst nicht verweigern." i.Lch den Dienst verweigern!" Es klang wie ein heiserer Auf- schrei, �sch hin schon bald eine Leiche, daß ich wochenlang habe feiern müssen!" „Eben deshalb müssen Sie unbedingt ja sagen." Kerrn schüttelte stier blickend den Kops:„Hab' nur alles über- legt, cherr Direktor. Wenn ich mich aus solchem Grunde wo anders hinverietzen lassen muß, bin ich am Ende. Dann bin ich arbeits- unfähig." „Oa," Fehlingcr machte eine Pause und nagt« an seiner Lippe „wie wärs denn, wenn Sie sich pensionieren lassen würden?" „3n meinem Alter? Kaum fünfzig und kerngesund?!" „Ja, dann weiß ich auch keinen Rat." Durch Kerns Körper ging ein Zittern. Er stand auf, wandt« sich um, senkte den Kops und blieb so stehen: mit dem Rücken nach seinem Vorgesetzten. Ihm war zum Umsinken elend. � Fehlinger betrachtete ihn stumm. Am liebsten wäre er aus. gestanden und hätte ihm tröstend die chand auf die Schulter gelegt. Aber er blieb sitzen und schwieg. Sein Blick schweiste über Kerns breiten Rücken, über seinen Scheitel und zur Zimmerdecke. Endlich drehte sich Kern wieder um. Seine Lippen waren fest zusammengepreßt, die Starrheit seines Blickes hatte sich verändert. Die Augen glänzten unnatürlich „Herr Direktor, ich will nicht mehr länger ihre Zeit in Anspruch nehmen. Ich scheide au» dem Dienste aus." Kern setzte die Worte hin, als ob es Mauersteine zu seinem eigenen Kerker wären. Wie hochgerissen fuhr Fehlinger auf und stieß fast seinen Sessel um:„Reden Sie kein Blech!— Ich denke, Sie wollen sich nicht pensionieren lassen? Und nun gar ausscheiden!" „Ganz ausscheiden. Muß was andres ansangen. Bin ja noch rüstig." „Was anderes ansangen? Was denn? Sie, Kern—, Sie fühlen sich doch trank, wenn Sie keinen Bahndienst machen können!"' „Vielleicht kann ich bei einer anderen Lahngesellschaft an- kommen..." „Was denn...? Das ist doch ebenso gut, al» wenn Sie ver- setzt wären." ,D, nein, Herr Direktor!" Kerns Augen sunkelten.„Dann habe ich aus freiem Willen meine Stellung gewechselt Und bin nicht strafoersetzt!" „Gehüpft wie gesprungen! Auch dann kann man Ihnen dies und das nachreden." „Wenn ich freiwillig ausscheide, das ist ganz was andres! Nach 22 Dienstjahren freiwillig ausscheiden, ohne Pension, dos kommt nicht olle Tage vor. Dann kann auf mich kein schlechtes Licht fallen, im Gegenteil..." „Sie können unmöglich alle» auf eine Karte setzen. Herr Kern. Pensionsberechtigung, Stellung..." „Ich weiß, aber sonst ist meine Ehre futsch. Freiwillig aus- scheiden— das ist der einzige Protest, der mir möglich ist." Fehlinger strich sich über Gesicht und Kopf: „Denken Sie an Ihre Familie, Sie werden sich? nochmal über- legen." „Ich scheid« aus." Kern machte ein« Paus«. Plötzlich trat er auf Fehlinger zu und streckte ihm die Hand entgegen.„Verzeihung, Herr Direktor, vielleicht bin ich keine Beamtennatur. Es tut mir selbst leid. Sie haben sich soviel' um mich bemüht und ich..." Kerns Stimme hatte einen weichen Klang, in der ein tiefer Unterton mitschwang. Fehlinger blickte auf. Sie sahen sich an und schwiegen. Dann legte Fehlinger seine andere Hand auf die Kern», die noch immer in seiner lag. „Wie Sie sich auch entschießen, Kern", sagt« er,),ich werde ver- suchen, Ihnen zu Helsen." 16. Eine Entlobung undein Abschied. Der erst« Schnee sank großflockig und langsam schwebend zur Erde nieder, blieb ein nxnig auf Baum, Strauch �und Boden liegen und zerrann. Anna und Herold saßen in Kerns Wohnung beisammen. Die Unterhaltung floß nur mühsam dahin. Ihr fehlt« die innere Wärme. Schuld daran hatte Anna. Es war ihr nicht möglich, freundlich zu ihm zu fein, obwohl er ihr auf der anderen Seite leid tat. Mit sonderbar ge- schärftem Blick betrachtete sie ihn und glaubte, jetzt vieles an seinem Wesen zu bemerken, was sie früher nicht erkannt hatte. Ihr« Go danken gingen hin und her. Unwillkürlich dachte sie an jenen Sommerabend zurück, an dem sie ihm ihre Mädchenliebe geschenkt hatte. Eine Blutwelle überflutete ihre Stirn und zugleich«in Kälte- schauer ihren Rücken. Ein« bisher nicht gekannt Bangigkeit be- jchlich sie. In Grübeleien versunken, hörte sie kaum, was Herold sagte..( Es dau«rte eine geraume Zeit, bis Herold das merkte. „Sog mal, Anna, was ist eigentlich mit dir los?" unterbrach er sich „Ich weiß nicht." Anna schaut« hinaus in da« Schneeflocken- getriebe.. Herold legt« sein« Hand aus ihren Arm.„Du bist jetzt öfters so komisch, Anna." Anna strich über ihren Scheitel und nestelte an ihren kurz- geschnittenen, braunen Haaren.„Wenn man all«» so wüßte" Sie sprach wie abwesend...Nochh«r ist da» Leben so lang." „Was meinst du damit?" „Gar nichts." Anna sah ihren Bräutigam gedankenvoll in die Augen. Dann glitt ihr Blick an ihm vorüber durch» Fenster und schaute wieder dem Spiel der Flocken zu..Wenn all«» vorüber ist. kommt einmal der Tag, da sehen wir es nicht mehr schneien da sehen wir e« nicht m«hr regnen, und sehen keinen Sonnenschein—. gar nichrs mehr." Anna schloß die Augen. Herold sah si« fassungslos an.„Bist du krank?" fragte er und nabm sie in seine Arme„Du bist heute so komisch. Ich weiß gar „ich,.. Mach doch die Augen aus, wenn ich mit dir spreche." Er jahte sie am Arm._ Anna öfsnete die Augen, holte den Blick aus weitrr Ferne zu- rück und lächelt« müde. „Möglich. Was würdest du sagen, w«nn ich Mutter würd«?" Herold ließ Anna los und sprang auf.„Und das sagst du mir so ruhig", keuchte er. „Ich kann's nicht ändern. Viel wichtiger ist, ob du..." Herold fiel ihr schnell ins Wort.„Darüber mach« dir keine Sorge. Wir sind doch verlobt." „Das macht mir kein« Sorge, aber... erinnerst du dich daran. als ich dir erzählte, daß Dater vom Dienst suspendiert ist?" .Na ja, sehr ermutigend ist die Situation gerade nickst.", .Siehst du! Und jetzt ist Vater aus dem Bahndicnst ousge- treten." Herold setzte sich und ließ verstört die Arme hängen. „Freiwillig." Anna sprach sehr ruhig und musterte Herold aufmerksam..Er sollte strafoersetzt werden. Das wollte er sich nicht gesallen lassen. Gott sei Dank!" „Mein Gott, mein Gott! Auch das noch!" Anna sah H«rold an. Hätte er sie nicht j«tzt umschlingen, sie trösten und sein ganzes Ich in die Schanze werfen müssen? Jähzorn befiel sie. Etwas wie Haß flammte auf. Und plötzlich lacht« sie kurz auf, warf den Kops in den Stacken und sagte schnippisch� einem Augcnblickseinfall folgend: „Ich denke übrigens vorläufig nicht ans Heiraten. Da» ist«in Sprung ins Dunjle. Und überhaupt. Ich fühle mich noch viel zu jung dazu." „Aber was soll denn mit dir werden?" Herold sogt« da- sehr kleinlaut. Aus seiner Stistßne klang ein Lauern heraus, da» sie noch nicht deuten konnte. „Dos laß nur meine Sorge fein. Es ist heute nicht mehr so wie früher, daß sich ein Mädel für». Leben binden muß.'w«l... Du wirst ja auch Bescheid wissen." „Meinst du...?" Herold nagte an der Unterlippe und sah vor sich nieder.„Ich habe daran noch nicht gedacht, weil mir die Mitteilung zu überraschend kam. Aber es ist vielleicht wirklich der beste Ausweg." „Und dann bist du srci." Anna sagte dos sehr robust. Herold zuckt« zusammen. Sein« Stimme klang belegt, als er antwortete:„Wir passen doch ganz gut zusammen" Jetzt sah ihn Anna groß an. Es war ihr peinliche das zu sage«. was ihr seit einiger Zeit auf dem Herzen brannte. Aber zu gleicher Zeit dfangt« es sie dazu.• „Wir wollen uns keine Komödie vorspielen", begann sie.„Ich weiß, wie peinlich es dir ist, daß Dater aus dem Dteirst ausgeschieden �._ ist. Ich weiß, daß es dich--- du hast mit einer Aussteuer gerechnet, und das fällt jetzt auch fort. Und ich.. Anna trat ans Fenster und kehrte ihm den Rücken zu,„ich will dir ofsen sagen, daß ich«rwartet hatte, daß du dich auf die Seite der Familie stellst, als man meinen Vater dispensierte. Das hat mir einen starken Stoß gegeben, daß du das nickst getan hast. Auch dein Verholten heute... Ich habe mrberes erwartet." (Fortsetzung folgt.) eBuch Itie's die Engländer machen Es gibt Bücher, die man prinzipiell ablehnt, die man aber empfehlen muß, weil si« ausgezeichnet sind. Dazu gehört auch das neue Buch Rudolf Kirchers: Wie's die Engländer machen, das im Berlag der Frankfurter Soeietätsdruckerei erschienen, in 6 Kapiteln ein umfassendes Bild vom gegenwärtigen Zustand Britanniens ent- wirst, durch grundsätzliche Klarheit zur Auseinandersetzung zwingt und durch die Fülle des Details den Leser bereichert. Kircher ist über- zeugter Liberaler und überzeugter Antisozialist. Er ist rein und klar Bertreter eines Wirtfchastsprogramms, das den Staat vom Schaffen ausschließt und damit die sozialistische planmäßig« Gestaltung der Welt unmöglich machen würde. Aber Kircher ist als echter Demokrat ein ausgezeichneter Darsteistr der Kräfte, um deren Fülle, Berwur- zelung und lebensgestaltende Auswirkung wir alle England aufrichtig bewundern. Kirchers Darstellung der Demokratie in der Funktion der Part.ei, der geistigen und Handelssreiheit, die jedes Partei- Mitglied genießt, zeigt uns Verhältnisse, von denen wir noch viel lernen können. Ganz anders aber steht es mit dem Vorbild, das uns Kircher auch in der Darstellung der englischen Außen- und Wirtschaft�- Politik geben will. Wie so viele Liberal« läßt Kircher den Sozia- lismus nur als Appell gelten, die Arbeit aus einem Prvfitroub in einen„Dienst" an die Allgemeinheit zu oerwandeln. Deswegen iden- tifiziert er sich weitgehendst mit dem gewiß hervorragend wichtig«» liberalen Wirtschastsproaramm. dessen Einfluß auf die Labour Party niemand zu leugnen braucht. Für Kircher ist dieses Programm ein Z i e l. für den Sozialisten, zum Teil, eine Etappe. Der Klais«ntampb erfüllt Kircher mit wahrem Abscheu, aber wohl nur, weil er ihn nach den ganz überholten Phraseologien des Bulgärradikalismus beurteilt, sonst könnte er ihn wohl nicht mit einem Handgemenge mitten in einem Fußbollwettkampf vergleichen. So wie Kircher aber die Ausbeutersunktion als immanente Eigen- hest des Kapitalismus gegenüber dem Proletariat verkennt, sieht er auch nicht, daß England durch feine hist o r isä�e Entwicklung in die Roll« eines Ausbeuterstaates anderen, proletarisierten Staaten gegenüber gedrängt worden ist, und daß auch diese Funktion, genau so wie die nach innen gerichtete kutr' kapitalistischen Herrenklasf«, nur durch«ine planmäßige, sozialistisch« Gestaltung der Erde überwunden werden kann. Wenn man freilich wie Kircher und wie die Liberalen überhaupt nicht dos Recht und die Pflicht des Staates zur Umgesteltung der Gesellichajt durch den Staat anerkennt, kommt man über«in Bedauern über gewisse Ausbeutungsverhaltnisse und über die„Hoffnung" auf die Heilung durch d«n guten Willen der Demokratie nicht hinaus. Solche Einwände deuten an. auf welcher Basis der Sozialist Kircher lesen soll, damit er unterscheiden lernt, wie man es machen, aber auch wie man nicht machen soll. kelüc Stössinger. Rätsel- Ecke des„Abend" limmmmmmmmniwui Silbenrätsel Aus den Silben a a a ad al bei büh by de de des di do el fi ga gol go i low la le lei lern ler N mal me mi nü mi mi na na nach nal naph n« ni o v an pa pha reichs rinth ja ja ster fti stin ta tat tent tha ti ti ti to uh volks zin sind 21 Wörter zu bllden. Die Anfangs- und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, ev- geben ein denkwürdiges Parlament und den Ort,' wo es stattfand. — Bedeutung der Wörter: 1. Volkstum: 2. Stadt am Golf von Salerno: 3. Stadt in Spanien: 4. Nachahmung: 5. Stadt am Schwarzen Meer; 6. deutscher Asrikasorjcher: 7. des Schreibens und Lesens Unkundiger: 8. Irrgarten: S. Bildungsstätte: 10. Drama von Hauptmann: 11. Erfinderschutz: 12. deutscher Schriftsteller: 13. Nebenfluß der Elbe: 14. Seebad auf Florida: IS. Heilmittel: 16. Maler der Mark; 17. deutscher Maler: 18. persischer Dichter: IS. Tonfigur: 20. Bestandteil des Erdöls: 21. Raubvogel. ML. Gilben-Kreuzworiräisel Waagerecht: 3. Vonkämpser des Sozialismus: 5. Staats- mann: 10. Schulklasse einer höheren Lehranstalt: 11. Geiervogel: 12. dünne Haut: 13. Menge: 14. Stadt in Sachsen; 16. Feuerstelle; 17. Strafrechtler, Mehrzahl: 22. deutscher Aufbauminister: 24. Kapell. meister.— Senkrecht: I. Genuß: 2. Mädchenname: 3. Fangschling«: 4. Tierprodukt: 5. Schauspielkunst: 6. Himmelskörper, Mchr- zahl: 7. Knakxnname: 8. Freiheitslied: 9. Stadt in Italien: 15. Kirchenraum: 16. Standesdünkel: 18. Stadt in Thüringen; 19. Vorort von Berlin lSitz«iner Gewer kichaftsschule): 20. türkische: Richter: 21. Werber; 23. aufgestellter Leitsatz: 2ö. Flachsbündel. Schieberätsel Die Namen der Friedenspreisträger Dunastt, Brland, Nansen. Ducommun, Wilson, Quidde, Rooseoelt, Buissvn, Momta sind seitlich so zu oerschiebcn, daß eine senkrechte Reih« den Namen eines weiteren Friedenspreisträgers ergibt.—ekr.— Leistenrätsel Die Buchstaben in neben- stehender Figur find so zu ordnen, daß die waagerechten Leisten Wörter folgender Be- deutung ergeben: 1. afrika- nische Landschaft: 2. Spiel: 3. Gewerbeorganifatton: 4. Kamponist: S. Tageszeit: 6. Tiergattung: 7. italienischer Dichter: 8. Heilmittel; 9. weib- kicher Borname: 10. romani- scher Borname; 11. Haustier; 12. Flüsfigkeitsmaß: 13. Raub- oogel: 14. Komponist: IS. geo- graphisches Gebilde: 16. Laub- bäum.— Die senkrechte Mittelsilbe nennt die Arbeiter» parte! Deutschlands. dl. Worträtsel Das Wort ist d4r als Spiel bekannt Aus deinen Kinderjahren. Doch trägt mans auch als.Uebertleid An manchen Jahrestagen. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Hilde; 3. Maies; 6. Ur; 8. Amarelle: 11. Kur; 12. Rabe: 13. Rif; 14. du; 16.[<; 17 t'u; 18. Gens: 19. Lupe: 21, Inka: 22. anti; 26. Ai; 28. Fee; 29. Nase: 30. Olm; 31. Nephelin, 34. nn; 35. Donau; 36. Komma.— Senkrecht: 1. Harke: 2. Dom: 4. Oel: 5. Seif«: 6. Ural: 7. Rede: 8. Ardennen: 9. Ar; 10. Eruption; 15. Unke; 17. Luna: 19. la; 20. Ei; 23. Pferd: 24. Kahn: 25. Asen: 27. Umbro; 32. Evo; 33. Ida. Zahtenrätsel: Stafettenlaus. Tante, Aue. Fee Ente. Tause, Tee. Esel. Nase, Lafette. Alaun. Unna.— Faust. Füllrätsel: 1. Krebs: 2. Peter; 3. Erbs«; 4. Nebel; 5. Grete.' Silbenrätsel: 1. hohenstaufeu; 8. Odenwald: 3. Jinow: 4. Fanni; 5. Eaiador: 6. Maldeck: 7. Emilie; 8. Zlegalio: 9. Zrawadi; 10. Garonne; 11. Urteil.—.�»sse wenig und wirke viel." Schieberätsel: Carmen. Troubadour. Wildschütz Fidelio, Miguon. Mikado. Maskenball. Traviata, Zampa. Salome. Undlne, Lohengein, Norma.— Rosenkaoalier. Kapjelrätset: Hastige Leute kommen leicht zu ewer €€ Ein Jahr �Sturmvogel Kurzer Rüdcblidc— Verfassungsfeier am 10. August 2Im vorjährigen Lerjassungstag drang der Name„Sturmvogel" zum ersten Male in die breiteste Oeffentlichkeit. Der Flugverband der Werktätigen veranstaltete am 11. August einen Belksrundflugtag und bot über tausend Personen Gelegenheit, das jüngst« und schnellste Äerkehrsmittel kennenzulernen, verschasfte über tausend Werktätigen das Erlebnis des ersten Fluges. Es war eine Werbeaktion ganz großen Stils, und st« fand überall begeisterten Widerhall. Heute besitzt der„Sturinvogei" über 70 Ortsgruppen im Reiche. Ueberall wird fleißig gearbeitet. Es werden Segelslug- zeuge gebaut,„PZatzrutscher" und Modelle, es werden technische kcks nichtiger Vciprcchung um A Uhr. Alle Mannschaftssahrer am Sonnabend. S. August, um IS Uhr daselbst, ssrei- tag, 8. August. Bereinsoollucrsammlung im Restaurant„Zum Mohren", Berlin EW., Jcrusalemer Str. 9. Frei» Schwimmer Shartottcnburg 9t,«. B., Nanuabteilung: S. August, um 20 Uhr, Monatsoersammlung bei 9ticfd)c, ttaiscr- Friedrich- Str. 13. Boots- stände sind noch frei. Freie FaUbootfahrer Breiin. Donnerstag, 7. Augnst. l» Uhr. Zusammen, kunst, �ackeschrr Hos", Ziosenthaler Str. 41. Lichtbildervortrag!„Hrinrich Zille". Säst» milliommr». Fahrtrnansetzultg für Sonntag auf dem Hcimabrnd. Di« Zarnrrinuentlaste de» 1. ftreif«» übt heule abend wieder in der Ruhensstrake von 20—22 Uhr. Frei« Wasserfahrer ,Au<»äits'. Donnerstag. 7. August. Mitglieder»«» sammlung b«i Grohmann, Serftr. 17. Bootsstände in Tegel, Spandaucr Straße lneben Borfig). find noch frei. Anfragen an F. Dietrich. Berlin N. SS. Dubliner Htr. 64. FZSB., Brzirl Ob«rs»ree. Beginn des Hallenturnens am Daunerslag, 7. August. 20 Uhr. Das Mufikturnrn nimmt wieder seinen regelmäßigen Fortgang im Jugendheim Laufcner Straße. Dienstag, 12. August, Borfiouds- fißung bei Pomp, Hasfekorrder Est» Fennftroße. Bnndeatreur»»artell Wilmerodors. Heut«, Mitiwoch. 20 Uhr, b«i»roiß. Sißuog b«r S»ch«ik«r und Funktidnäre. Arbeitsverteilung und wichtig« Be. schlußfassunA fllr das Nartellfest am Sonntag. Abrechnung der Karten Sonntag bis 18 Uhr auf dem Bloß. Arbettor-Rad- und Kraftsahrer-Bunb.Solidarität", Sa« 9, Beeirf 1. Motorradfahrer. Touren für Sonntag, 19. August. Abt. Friodrichshain: Freieerwald«,» Uhr Landsberger Blaß.— Abt. Oderschöncwcidc! Frankfurt (Obre), 7 Uhr Wilhelmincnhofstr 64.— Abt. Kreutberg: Stork» ro- Dahmsdorf. 7 Uhr Schlrfisches Tor.— Abt. Rordrn! Bceßrr See, 6V4 Uhr Eoarrstr. 3.— Abt. Charlotlrnburg: Hammersee, 7 Uhr Wilmersdorfer Elr. 21.— Abt. Neukölln: Storkow. Dolgens-«. 7 Uhr Hoheneollernploh.— Versammluugen linde« statt: Abt. Charlottenburg: Donnerstag. 7. August, bei Reimer, Wilmers» dorfer Str. 21. um 20 Uhr.— Abt. Friedrichshain! Donuerstag. 7. August, 20 Uhr, Strausbergcr Str. 3.— Abt. Norden: Freitag. 8. August, 20 Uhr, S»arrstr. 3.'- Abt. Oberschoueweidc: Freitag, 8. August. 29 Uhr. Wilhelminen- hofstr. 64.— Abt. Pankow: Freitag, 8. August, 20 Uhr. Bornholmer Str. 88. Sinzelmitglieder der Freien Ruderer u«b«anusahrer im A.-T.. u. So-B. 1. Krris. Donnerstag. 7. Augnst, 26 Uhr. Sitzung im Restaurant Sachse, Lin» dower Straße. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Hllttvocb. 6. August. B e r 1 i«. 16.05 Aktuelle Abtciluaz. ]6.30 Unlerbaltunesmusik.' 17.30 Dr. med. Emil A. Heimami: Ist Stat Heilbar? 17�5 Leicht spielbare Klaviermusik.(Leo BOchcler-Gerlin. Flügel). 18.15 Löwensterr: Telexrammstil. 1(U6 Piol. Dr. Voll: Die Berliner Staatliche Gemälde-Sammlung 18.55 Arbeitsnurkt. 19.00 Populäres Orclicsterkonzert. 20.30 Wove« man spricht. 21.00 Johana Sebastfan Bach. Dir.: Bruno Seidlet-Winkler. I. Konzert D-Moll für Cembalo und Streichorchester(Alice Ehlers).— 2.„Mer bahn en neue Oberkeet Kantate für Sopran«ad BaB(mit Schlußchor)(Ingrid Brebeek. Erich ruehs, Berliner Funkchor, Li«.: Maximilian Albrecht).— Z S»tle H-Moll.(Ber)iner Punkorchester.) Nach �en Abendmeldungen bis Of.30; Tanzmusik. Königs waatethausen 16.00 Haabiug: Kachraittagskonzert. 17.30 Ob..Stu4.-Dir. Dr. Willy Qrabert: Neae Wege int«eusprachlichoo Uale reicht 18.00 Käle Wegener-Peistr. Bruinier-Ouartett: Lieder mit Ouartettbegieitnng. 18.30 Prof. Dr. Henben: Qoethe und die Juli-Revelntion. 18.55 Spanisch für Anfänger. 19.35 Oskar Rammele: Moderne Verkehrsprobleme und die Bcamtensdiait. 20,00 Alte und«eu« Taue. 31.00 KöId: Urauffüinm«; Schwert Ober ans". Hörspiel vo» Peter Dick. Keine Pferde mehr in London? Eine Erwiverung. Uns wird geschrieben: Dieser Tage berichtete der„Abend", daß die Londoner Polizei die wenigen hundert Pferde, die noch den Asphalt der City treten, entfernen wolle. Es war ein kleiner Bericht, der nachdenklich stimmen konnte und allerlei Gedanken über den Moloch Maschine, der die lebendigen Wesen vertreibt, anregte. An seiner Richtigkeit schien kaum ein Zweifel möglich— sind es denn nicht die Angelsachsen, die den fürchterlichen uird doch großartigen Siegeszug der Maschine entfesselt haben und berufen scheinen, die Mechanisierung mit allen radikalen Konsequenzen zu End« zu führen? Der technisch begabte und technisch unerhört ausgerüstete Angel- sachse wird nie zögern, so sagt nian sich, wenn es gilt, dem beinahe sagenhast gewordenen Pferd die letzte bescheidene Aufgabe im modernen Verkehr zu nehmen. Die Sache hat nur einen einzigen Haken— s i e stimmt nämlich nicht, sie kann gar nicht stim- »wn, denn in London gibt es nicht einige wenige hundert Pferde und diese nur in der Umgebung des C o n o e n t G a r d e n s, fan- dern sicherlich viele tausende. Kein Eindruck ist für den kontinentalen Besucher Londons überraschender als die Anhäufung altertümlichen Fuhrzeugs auf den Straßen, die An- Häufung von Pferdefuhrwerk und— von rußspeienden, rauchig fauchenden, laut klappernden Lokomobilen. In keiner Großstadt Europas scheint es soviel Pferde zu geben wie in London. Die Gemüsekarren vom Covent Garden wurden schon erwähnt, aber sie beherrschen nur in den frühen Morgenstunden das Straßenbild. Am auffälligsten sind am hellen Tage mitten im dichtesten Gewühl die Pferdekarren der„London— Scotish and Midland Railway", dieser großen Eisenbahngesellschaft, die von der C u st o n Station aus den Dienst nach dem Norden des Landes versieht. Fast der gesamte Fuhrpark dieser großen Gesellschaft, der den Gepäck- und Materialdienst versieht, besteht aus Pferdefuhrwerk, und die anderen großen Gesellschaften, wie die North-Eastern und die Southern-Railway, stehen hir, was die Pferdekarren angeht, nicht sehr viel nach. Ja, sogar die Post, die Royal Mail, arbeitet noch häufig mit Pferdefuhr- werk, und die zahlreichen Privatunternehmer werdcn wohl den Teufel tun und ihre kurzen, drallen Pferdchen mit den dicken Haar- wuscheln um den Hufen den Wünschen der Berkehrspolizei opfern! Sie werden überhaupt den Teufel tun— die Herren Engländer, denn sie sind überhaupt keine Verkehrsfanatiker, wie wir init unserem ach so schwachen Verkehr, sie sind auch keine Fanatiker der Technik, eher sind sie altmodisch, stockkonfervativ und unerhört geduldig. Die Straßenbahnen und vielfach auch die Aq/obusse sind Ungeheuer, in die kein Berliner ohne wildesten Protest hinein- kletterte, die„Underground" ist nur teilweise glänzend, zum Teil aber bös veraltet, wie die Metropolltain. Die Engländer find für alle dies« Dinge nicht blind, aber sie sind geduldig, sehr wohlwollend, iticht nervös und gar nicht anspruchsvoll. Wir haben keinen Grund, über ihre Pferde und stin» kenden Lokomobilen zu lachen. Sie mögen in vielen Verkehrs- dingen außerordentlich rückständig sein, aber Verkehr hat nicht nur «ine technische, sondern auch eine menschliche Seite. Und was diese angeht, so haben wir rechthaberischen, lauten und so oft ge- reizten Deutschen auf der Straße noch viel zu lernen. Fahrplanänderung auf der Wriezener Bahn. Wer von seinem Sonntagsausslug nach dem Gamengrund oder dem Blumenthal von der Station W e r f t p f u h l bei Tiesensee mit dem letzten Zuge nach Berlin zurückkehren will, muß sich künftig einige Minuten früher auf dem Bahnhofe einfinden. Wie die Rcich�bahndirettion Berlin mitteilt, fährt seit l. August der letzte Zug in W e r f t p f u h l bereits um 2l,57 Uhr ab. Die Ankunftszeit in Berlin, Wriezener Bahnhof, bleibt unverändert. � ßiilchäfis'Jtnseiger � (Bezirk füden-Weften. Das reine Roggenbrot Echtes Kommißbrot Feronia-Brotfabrik «•usd«r Gebrüder Hagen Berlin-Schmargendorf.Salzbrunner Straße 18/20. Fernspr. Brabant 1418 Paul Zillen GmbH. Elektrischer Bedarf Schtffbauerdamm 15 Sämtl. Elektromaterial g SpesialilHI: Heizöfen und Bügeleisen Verkauf nur an zugelassene Installateure Bauklempne rel riedrich Hädicke Be- und Entwässerung � Sanitäre Anlagen SW 48, Friedrichstr. 24 Asphalt-Fabrik F. Schiesing Nachf. Akt.-Ges. Asphalt-Arbeiten aller Art Spezialität: Hartgußasphalt Isolierungen und Dacharbeiten Berlin NW87y Kaiserin-Augusta-Allee 104— 106 Fernsprecher: Hansa 940 und 2181 h Friedrichshagener Baugenossenschaft E.E. Hoch- u. Tiefbau F«rnruj�Pri«driebUh»�e�aG24�Zn�SS2v[R.197 BERLIN-FRIEDRICHSHAGEN aKLUTSTR. 8 BAUAUSFÜHRUNGEN HOCHBAU/ TIEFBAU Berlin- Wilmersdorf Helmstedter StraBe 3 Tel.: Amt Uhland 962/63 BERLINER ELEKTRO HOTTE a.H.B.H. Unser gemeinwirtschaftliches Unternehmen bietet die gröBten Vorteile bei Installationen u.dem Bezugevon Beleuch tungskörpern und sonst, elektrotechn. Bedarfsartikeln BERLIN SO 36, Elisabeth-ufer 5-6 TELEPHON: F 1 MORITZPLATZ 976 1510 Aufzüge Reparaturen Neulieferungen Bln.-Wilmerfdorl.Tlllilmler Str. 2/ Tel.: Pfalz bar 61433 Jülins Ehl wme WS(Chen bluten weil! _ Dampf wasch werke sRelbedanz& Co., G.m. b.H., Tempelhof SOdrlnj: M8— 1058_ 2823 Liclitpaus-Anstalt.Elektra' Plandrnckcrci F Dninnlin B,n- Molkenmarkt 12/13 L. nüiyüllU, Tel. Kupfergraben 3701 Mod. Maschinenbetrieb Vergrößerungen u. Verkleinerungen TedmUdse Papiere/ Zeichner Udze Arbeiten f214 "Gebrüder HutlT Sahne-Grohhandlung Gegründet 1861 fUS Berlin SO, Oranienslr. 105 Lieferant erster Konditoreien Eigene Damplmolkereien Fernspr.; Moritzplatz 9889 u. 16792 V. � Stempel- FRotrt Hecht Inh,: Alfred Schneller Berlin S 14, Annenstr. 10 Fernruf F 7 J a n n ow i tr36l8 Ii efert Stempel jeder Art [C.Jtortseil.'Wäsehe-Verleih Telephon: Moritzpl. 918. S 42, FOretenttr 20 Wäsche aller Art>»» Gute Beschaffenheit, kulante Bedingungen! Verlange in Harz kose nur „fiarbolzuraer ist das Beste!" ,.M. S. taclellosr* In allen Butter* and KfUe�eschiften zu haben, 210 HUZI GROSSDESTILLATION Prinzessinnenstrasse 17 unter- Ecüe Brandenburgstr. Rungesir. 30 IR.205 Paul Kodi üepHehPSloHai dep Partei und des Reichsbanneps Krapkol- Bootslacke I sowie sfimillcbe Lacke- Farben- Pinsel I erhölilldi bei Berthold Krapke. Neukölln. Eärlroentr. 27 Telenhon Neukölln F II 0804_ D VOLCK& GNÄDIG Reparatur-Werkstatt mit eigener Schweißanlage für graph. Maschinen Rotations-, Tiefdruck- und Offsetmaschinen Umzüge kompletter Druckereien Berlin SW 61, Gitschiner Str. 15 Tel.: F I. Mpl. 36 77.— Nachtanruf: G 5, SOdring 323 und F 2. Neukölln 46 591 Wäsche nach Gewicht bodenfertio— oetrocknet— oernangelt von 20 Pfund an. Feine Herrenwäsche/ Gardinenreinigung DampIväsdierGi„Sophie Charlolle" Gegr 1897. CIsarBoMenbu rU. Ss»r«c- ---— Fernruf: C 4, W ilh e 1 m N r. 313 Kyspcr-Walzen sind die Besten! GroOdampfwäscherol Alexander Nidtel Houa- und Leibwäsche Spezialität: Berufskleidung von der einfachsten bis zur besten Stoffart Bei soliden Preisen sorofältioste Behandlung SO, Marlaniicnstr.31, Tel.: Moritzpl. 551 Bei Bedarf in Aufiage- mafratzen fordern Sie nur die weichgepolsterte „HW" Pladradze (m. garant. neuem Material gefüllt). Zu haben in allen einschlägigen Geschäften. ApolMer E. sicDling! Ernsi Ragen G. m. t>. H. BIER-QROSSVERTRIEB Fabrik alkoholfreier Getränke Bla.lil58.lraBiierSlr.i3l Bio. SW 38. Beaniiiii oer Str. 28 Fernruf: ü 4. Vinetal4u3 Fernruf: X™ l"nhoffl276 Franz Schönherz Bln.-Neukolln �'"'/Mcnn�n�tz"1 Bandagen— Gummistrümpfe Spezialist für SsnkfuDelnlagen Lieferant für Krankenkassen und Behörden[222 b.ksdi Klischees Galvanoplastische Werkstätten K.-G.Baum&Co. SW68. Alle JaKobstrafte 144 Telephon: Dönhoff 890— 891 Die Güte entscheidet I I [235 Eisenhuth Harzkäse Eisenhuth Spitzlinge Die Käse de» köstlich milden Wohlgeschmackes.! Gebr. Efienhuih, Käsefabrik, Bhi.-Reinickendorf - Lisferant iSSL ------------- 5«pr. ---- Optibr OPTIK UND PHOTO LindenstraBe 106 A. Schaf er Mineralwasser-Fabrik und Bier-Großhandlung Niederlage flüssiger ICohlensäurej i7i) Deutsches Grätzer, Weißbier usw� Lieferant für Kantinen u. Großbetriebe SWeS, HollmannstraBo 32— Tel.: Dönhoff 9501 bietet jedem Auto Schul« gegett'Unfall sowie stoßfreie weiche Federung! Verlangen Sie Prospekte: TMfA" Bin.-ctiibö..«AloAtlrabe 09. Krntf- „lillU fabrzenft-WerKSt. Tel.:Wilh. 9023, 9223/24 QasistäUe vormals.Zum Stack espechl" Inhaber: Mathias Schröder IHaucrtlr. 87 8» Ze nimm 8964 Sias Maus der guten Milche Eigene Hausschlochterei Walfisch Kfipenicker Str. Ecke Brückenstraße Ernst Sdiuler Buch<|rüc|cerei c. janiszewski Berlin SW, Llndenstr. 11/12 Elektriscliß Anlagßo jßflßrArt auch In IO Monatsraten Elisabeth-Ufer 28/29 Talafent Sommalnummor Moritzplatz 5471 smpflshlt sich den Gewerkschaften zur Herstellung aller Arten Drucksachen in vornehmer Ausstaftung bei billigster Preisberechnung