BERLIN Krettag s. August I9Z0 10 Pf. Nr. 368 B 153 42. Lahrgang €rf<5 efirt tstf 114«nf er®» out«««. Zugleich AbcndauFgabe de».Donvätts". Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. proWoche, SMM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SWSS.Lindenstr.S Spaicmigaße$of0af4b Auzeiseuprei«: Die einspaltige Nonpareillezeile so Pf., Reklamezeile ö M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwürts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.»75SK. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bis 2»? Butter- Experiment gescheitert privaiverhanölungen mit Finnland zerschlagen Di« deuksch-flnnischen Privakmcldungen wegen v u l l e r- einfuhr aus Finnland find heule vormittag an juristifchen Fragen gescheitert. Dadurch ist auch die Möglichkeit geschwunden. die Minister Schiele und die Seinen von einem Erfolg dieser Der- Handlungen erwartet halten, nämlich die vertragsmäßige Bindung de» Butterzolles aus 27,50 M. loszuwerden und den autonomen Butterzoll von 50 M. in Kraft zu sehen. Auch der K S s e z o l l bleibt nun mit 20 M. gebunden, während er im autonomen Tarif Z0 M. betrögt. Die Regierung könnte nur durch Sündigung des ljan- delsvertrages das agrarische Ziel erreichen. Eine solche Kündigung ist jeden Tag möglich und erlangt nach drei Monaten Wirksamkeit. Der Boykott gegen deutsche Industrie- waren, der in den Agrarländern wie Skandinavien und Holland schon im Gange ist, würde dann allerdings mit voller Schärfe einsetzen. DiekommendeNazi-Nevolution Wie sich Hitlermannen den Umsturz denken Hitlers Mecklenburger Dertrauensmann, Dr. A l b r e ch t, Hot in seinen Wahlreden die nationalsozialistischen Machtpläne ausge- plaudert. Er erklärt in allen Dersammlungen:„Wir brauchen eine Slaalsumwälzung. um dem deutschen Dolk die Freiheit zu bringen. Deshalb suchen wir überall in den Elnzetstaaten das M i n i st e r i u m des Innern zu besehen, um die Dolizei fest in die Hand zu bekommen. Im Reich richten wir unseren Blick aus das Reich». wehrmini st erium. wenn Heer und Polizei unser sind, braucht nur noch ein Schritt getan zu werden, und die ganze Staatsmacht ist in unserer Hand. Im neuen Reichstag werden wir alles tun, um seine Arbeitsunfähigkeit herbeizusühren, damit er recht schnell wieder ausgelöst wird, und dann Ist unsere Stunde gekommen." Mühlenwerke niedergebrannt. Niesiger Gebäudekomplex bildete ein einziges Zeuermeer. Elmshorn, S. August. Die Schlüter'chen Mühlenwerke im benachbarten Langelohe sind bis aus die Grundmauern niedergebrannt. Große Vorräte an Mehl und Getreide wurden vernichtet. Der Schaden ist bedeutend. Roch bis in die Rächt waren die Wehren mit Roch. löscharbeiten beschäftigt. Der Brand ist daraus zurückzuführen, daß die welle im Exhaustor sich heiß gelausen hatte und die Funken durch den Schneckengang in die verschiedenen Gebäude gejagt wur- den. Der ganze Gcbäudekomplex. der mehrere drei- und vierstöckige Gebäude und Lagerhäuser umsaß«. bildete ein Feuer- m e e r. Rur die Konlorgcbäude. das Maschinenhaus uod die Auto- garagen blieben unversehrt._ Der Vorschlag der BVG. Noch keine Stellungnahme der Gewerkschaften. Im gestrigen„Abend" stand der Satz unter„Soziale Personal- Politik":„Es'werden deshalb, so lange die gegenwärtige Verkehrs- läge andauernd, monatlich Zlvei ,zerienschichten von insgesamt l6 Stunden eingelegt." Dieser Satz gibt den V o r s ch l a g der BVG. sinngemäß richtig wieder. Aus seiner Fassung wurde jedoch verschiodentlich der Schluß gezogen, daß bereits eine Abmachung getrosten sei. Die am Tarisvertrag mit der BVG. beteiligten Gewerk- schalten legen deshalb auf die Feststellung Gewicht, daß sie zu dem Vorschlag der BVG. erst Stellung nehmen müssen, ein Be- schluh also noch nicht gefaßt ist. Ranttaffierer durchgebrannt Paris, 8. August.(Eigenbericht.) Ein Bankkassierer in Bourges ist am Donnerstag nach Unterschlagung von rund sieben Millionen Franken geflohen. Der Kassierer, namens Marcel Müller, war damit beauftragt, für Rechnung mehrerer Bankinstitute Wechsel aus Kredit- vertaufsgeschäften einzulösen. Da der Flüchtige sich vor kurzem einen deutschen Paß beschafft hat, nimmt man an, daß er sich noch Deutschland gewandt Hot. VerlasslmgstmniIgevqnS der Arbeiierlndend Die Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin veranstaltet am Montag, dem 11. August, um 20 Uhr, auf dem Gendarmenmarkt eine Vcrfassungskundgebung. Die Ansprache hat Reichstagspräsident Genosse Paul Löbe übernommen. Di« Aufstellung der Züge erfolgt vor der Freitreppe des Theaters. Für den Anmarsch sind folgende Tresspunkte angesetzt: Bezirk Lichtenberg. Abmarsch 185L Uhr Wühlischplotz. Bezirke cste«. Müggelsee und Lberspree. 10 Uhr Küstriner Platz. Bezirk Neukölln. 10 Uhr Reuterplatz. Bezirk Kreuzberg. 19� Uhr Britzer Straße. Bezirk Mitte. 19 Uhr Köllntscher Park. Werbebezirk Tiergarten. 181s Uhr Kleiner Tiergarten. Bezirk Schöneberg. 10 Uhr Rudolf-Wildc-Platz/ Bezirke Teltowkanal und Tempclhof. ISIs Uhr chorn- Ecke �orckstraße. Bezirke Reinickendorf und Wedding. 19 Uhr Leopold- platz. Bezirke Pankow und Prenzlauer Berg. 10 Uhr Dan- ziger Straße Ecke Schönhauser Allee. Der anschließende Fackelzug bewegt sich durch folgende Straßen: Französische Straße, W-'.oerstraße, Schloßplatz, Breite Straße, Roßstraß«, Neue Roßstrahe, Dresdener Straße, Annenstroße, Kaiser- Franz-Grenadier-Platz, Michaelkirchplatz, Michaelkirchstraße, Markus- stroße, Paul-Singer-Straße zum Küstriner Platz. Hier werden die Fackeln zu einem großen Scheiterhaufen zusammengeworfen und der Zug aufgelöst. ■l Totenmal Gewaltmarsch gegen Textilkonzern. Kommunistischer Streikaufruhr in Nordfrankreich. Pari», 8. August.(Eigenbericht.) Die Zahl der Streikenden in Rordfronkreich ist. nach einer Mik- »eilung de,„Malin". am Donnerstag aus 1Z5 000 Blann gesilcgen. Rene Zwischenfälle sind nicht zu verzeichnen. Die Kommunisten von Tonrcoing unternahmen in Stärke von etwa 1000 Mann einen vergeblichen Versuch zu einem Gewaltmarsch nach Roubaix, wo sie mit anderen Gesinnungsgenosten das Derwallungsgebäud« des lextil- konzern» überfallen wollten. Die Polizei konnte den Aufruhr im Keim« ersticken und die Demonstranten ohne Schwierigkeiten zer- streuen. Die Frau erwürgt! Eine Ehetragödie vor Gericht. Der„U n g l ü ck s t a g" des 21jährigcn Schlossers R.— so be< zeichnete heute der Angeklagte vor dem Landgericht Hl den 22. Mai dieses Jahres, an dem er seine Frau erwürgte— ist über die Eheleute in dieser grausamen Weise ganz unerwartet hereingebrochen. Sturmanzeichen gab es allerdings genug. Die junge Ehe war auf dem besten Wege, in die Brüche zu gehen. Wie sich dabei die Schuld der Ehegatten verteilt, soll das Gericht heute entscheiden. Die Anklag« lautet auf Totschlag. Der Angeklagte,«in bescheidener, fleißiger und solider Arbeiter, der im Gerichtssaal aus alle Anwesenden den denkbor b e st e n Ein- druck macht, lernte, noch nicht neuzehnjährig, durch seine Schwester die Arbeiterin K. kennen. Sie war nicht nur fünf Jahre älter als er: sie verfügte auch sonst über viel mehr Lebenserfahrung. Im Alter von 17 Jahren hatte ste das erste uneheliche Kind, dos im Alter von drei Jahren starb: als sie in die Ehe ging, ver- heimlicht« sie ihrem Mann, daß sie bei der städtischei, KVG. eine Abzahlungsschuld von über 200 M. hatte. Das Ver- hältnis zwischen den beiden jungen Leuten w»rde bald intim, im August 1028 verlobte man sich und im Februar 1920 wurde die Ehe vollzogen.' Beide hotten Arbeit, der Anfang der Ehe schien viel- versprechend. Anfang 1930 wurden aber beide arbeitslos. Die Erwerbslosenünterstützung reichte nichti Die hohe Miete mußte be- zahlt, eine Schuld an den Vater, der zu Möbelanschaffungen und für einen Ehausfcuranzug 500 M, geborgt hatte, getilgt werden. Di« Frau kam in andere Umstände, wollte dos Kind abtreiben und verlangte, daß der Mann bei dem Vater zu diesem Zwecke 30 M, borg«. Der Angeklagte wünschte sich ein Kind, meinte, der Vater €€ Adolf Hitler als„Mischling Die völkische Rassenlehre (Aoftais eiche 3. Seile) würde für Abtreibungszwecke kein Gels geben. Als der Angeklagte sich«ine Angelkarte anschaffte und häufig angeln ging, ging die Frau niemals mit,— auch sonst gingen die Ehegatten fast nie mehr zu- farnmen aus. Sie wünschte sich ein Sommerkleid und einen Sommer- montel, der Mann war der Ansicht, daß zuerst die Schulden be- zahlt werdeil müssen. So kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Am 22. Mai, dem„Unglückstag", waren die Eheleute stempeln gegangen. Der Tag lieh sich gut an, nwn beabsichtigte, am Nach- mittag die Tante der Frau zu besuchen. Als man im Begriff war, aufzubrechen, kam es zu einer Auseinandersetzung, Die Frau warf dem Mann vor, daß sie überhaupt nicht mehr ihre Eltern besuchten. er folgten die übrigen Vorwürfe wegen der Kleider, die Stimmung wurde von Minute zu Minute gereizter und führte zur E x p l o- s i o n, als die Frau den Mann einen Klaubruder nannte. Er ging auf ste zu, wie er sagt«, um sie zur Rede zu stellen, sie versetzte ihm einen Schlag mit dem Fuß gegen den Unterleib. Außer sich packte er sie am hals und ließ sie erst los, als sie leblos zu Bodcn zu sinken begann. Er raffte etwas Wäsche zusammen und eilte aus der Wohnung. Unterwegs besann er sich erst richtig daraus, was geschehen war, er warf das Paket mit der Wäsche ins Wasser und stellte sich der Polizei. Die Beamten schildern seinen Zustand als fassungslos, Ein unglückliches Eheleben. Verschiedene Einzelheiten, die der Angeklagte über sein Eheleben vor Gericht schildert, sind geeignet, das Bild von dem Zusammenleben der Eheleute zu ergänzen. Die Frau, die im übrigen den chaushalt sehr gut besorgt Hot, führte als die Aeltcre das Regiment im Hause. Der Mann mußte sich stets fügen. Wegen jeder Kleinigkeit konnte sie i« Erregung geraten; dann sprach sie ohne End«. Sie oerhielt sich ihm gegenüber stets sehr kühl. Als er ihr vorhielt, daß sie doch von dem anderen ein Kind haden konnte, von ihm aber keins wolle, sagte sie:„Ia. von dem wollte ich eben ein Kind haben und von dir will ich keins." Auch diese Kränkung hatte er seinerzeit heruntergeschluckt. In seinein Unter- bewußtsein wird sie aber chre zerstörende Wirkung ausgeübt haben. Es gärte in ihm. bis es zur Tat kam. Zur Verhandlung ist eine große An, zahl von Zeugen geladen, Verwandte des Angeklagten und der Getöteten. Auch Sanitötsrat Dr. Magnus H> r s ch.s e l d wird als Sachverständiger zugezogen werden. Oer Götze der„Mrtschast" Oer Mensch ist das Maß aller Oinge! „Wir mutzen begteifen, dotz Politik und Wirtschaft nicht r-i Herren der TNenjichen find, sondern ihre Diener. Die .citer beider aber denken oft und Handeta auch manchmal so. als ob die Menschen blojj da» Material für ihre politischen und wir«scht.>sllichen Mühle»' wären." Diese Worte wu'rden vor wemigen Tagen vcvn kemem wirklich- lcitssremden Phantasie».', von keinrm Träumer, von keinem Be- wohner eines ÄHUioiten Meilen entfernten Plcmeten nieder- geschrieben, fondern von e.'nem äußerst konkret denkenden Mannes der die europäische Politik ux'd Wirtschaft der letzten Jahre wie kein anderer beeinstußt Hot: von£?wen Doung, unter dessen Vorsitz ocr Poung-Plan ausgearbeitet wurde. Koung ist der Typus des berechnenden amerikanischen Finauzmanns, der sich durch keine Ressentiments bestimmen l.äßt, der mit dem Bleistift in der ksand zu rechnen gewohnt ist. Umd dieser nüchterne, allen menschheitsbcglückenden Ideen und aller Philosophie fernstehende Zahlenmensch hat eine Wahrheit ausZesprochein. die wir von unseren europäischen Staatsmännern bisher schmerzlich vermißt haben: Wirtschaft und Politik sind.nicht- der Zweck der Staat, tu.« st selbst, sondern nur Mittel, um die Menschen glücklicher zu machen. In der Wiener„Reuen Freien Presse" schrieb Donng anschließend an die beiden oben zitierten Sätze noch folgend« beherzigenswerte Wsrtcr „Ich betrachte Wirtschaft und Politik in femem Sinn als Ziele um ihrer selbst willen. Hinter ihnen stehen vielmehr Mil- lionen menschlicher Antlitze, jung« und alte, wohlhotieude und be- dürftige, wohltätige und egoistische, edle und mißgünstige, doch all« nicht nur in ihrer wirtschaftlichen, sondern auch in ihrer kulturellen und geistigen Entwicklung lebhaft berührt durch dies« Orgonisationen, die politische wie die wirtschosttiche. die sie stch selber auferlegt haben. Solange diese in ihrem Divnste wirken, können wir Fortschritte machen, und die Vorteile, welch« dt« Kultur uns gebracht hat, ernten. In diesen Tagen einer sich verengenden Welt können die Menschen nicht m solch« geschieden werden, denen es gut geht, und in solche, donen ez'> schlecht geht, es kann nicht der eine vorwärtsschreiten»nd der andere zurückbleiben. Die Menschen müssen in allem zusammenhalten, im Guten und im Bösen. So müssen ihre Dienerinnen, Politik und Wirtschaft,.zusammengehen, und zwar nicht bloß in einem Lande, sondern überall..." Welche Wahrheit in diesen Worten liegt, kann jeder aufmerk- same Politiker bestätigen, der die Entwicklung der jüngsten Zeit, namentlich in Deutschland beobachtet Hot. Man treibt heut« Politik um der Politik willen und die Wirtschaft wird als das EndziSl der Politik ausgegeben. hinter bloßen Worten verschwinden die Menschen, derentwillen der Staat al» die Solksgemeinschast da ist. Statt dos Glück der Menschen zu fördern, werden politische und wirstchostliche Ziele erörtert, die mit dem Lebensinteresse der Staats- bürger wenig zu tun hoben. Einer unserer Reichsnümster stellte dieser Tag« die Behauptung aus: Wir dürjen kein Int er- esseutenhaufen, sonder» müssen ein Staatsoolk sein. Und vielleicht wurde er sich selbst des tragikomischen Gegensatzes in seinen eigenen Worten nicht bewußt: Was die Staatsführung, der er angehörte, eben betrieb, war ja nichts anderes als di« Der- teidtgung politischer und wirtschaftlicher Belange einzelner Gruppen, z« denen auch der Staat gehört, wie er ihn sieht. Er rief nach einem Staatsvolk! Als sei der Staat das primäre, der Mensch oas sekundär« Moment. Das Volk ist nicht für den Staat da, sonder» umgekehrt. Wir brauchen kein Staats- volk, sondern einen Volts st aat. Der Staat ist eine soziale Gemeinschaft. Wird er seiner sozialen Ausgabe ge- recht, dann ist der Ruf nach dem Staatsvolk überflüssig: Nur der soziale Volks st aat kann auf einem Staatsvolke basieren. Der Staat aber, dessen Führung in einer bestimmten Politik oder Wirtschaftsform feinen Lebenszweck fleht, der die politische und wirtschaftliche Organisation über das Wohl des ein- zelnen Menschen stellt, kann nicht verlangen, daß seine Bürger vom Bewußtsein des„Staatsvolks" durchdrungen sind.> Dos ganze Elend unserer innerpolitischen Zerristtung besteht darin, daß ein Götzenbild sich über dem Dolksslaai, über der menschliche» Allgemeinheit erhebt, dessen Dienste sich Regierungen und Parlaments opfern:„Die Wirtschaft." Die Regienmgskrisen entstehen, weil die„Wirtschaft" bedroht ist, weil eine Gruppe die Politik der Regierung als Bernichtungsschlag gegen die Wirtschast auffaßt, weil eine andere Gruppe eine andere Methode öer Sanierung der Staatsfinonzen will, weil eine dritte Gruppe mst den politischen Mitteln zu Erreichung des wirtschaftlichen Gleich- gewichts unzufrieden ist:„Wirtschaftliche" Sanierung, Stabilisierung der Finanzen, das ist der Zweck der Politik. Aber denkt semond oaran, daß all dies doch nur Mittel sind, die den Menschen als solchen helfen sollen? Regierungen stürzen und neue werden geboren mit den gleichen Programmen: Finanzielle Reformen, wirtschaftliche Gesundungs- plöae. Politische Parteien gruppieren sich um, Wahlen werden aus- geschrieben, Ausrufe werden erlassen... und überall wird dem Wähler gejagt:, Wir brauchen ei»« gesunde Wirtschast, wir brauchen gesunde Finanzen, sonst gerat der Staat in Gefahr! Und niemanden kommt es zum Bewußtsein, welches Mißverständnis über das tiefere Wesen des Staates in dieser Selbstzweck-Politit liegt! Niemandem fällt e» aus, welchen Irrweg unsere Politik geht: Wirtschaft und Finanzen sind ja nur Nebensache, Hauptsache ist und bleibt das Wohl des Menschen. Jetzt gerade, am Beginn des Wahl- kampfes, nehmen die erste und letzte Stelle fast aller politischen Erwägungen Schlagworte ein, in denen es von„Derontwortungs- bewutztsein für die verschiedensten„Belange" nur so wimmelt: nur « i n Appell fehlt: an die Verantwortung für den Menschen. Die Milte! sind zum Selbstzweck geworden. Diese Verhängnis- volle Ideologie hat furchtbare praktische Folgen, wie uns gerade die letzten Monat- gezeigt haben: Das Um und Auf der Tätigkeit unserer Regierer war die Sanierung der Finanzen. So und so viele Millionen mußten für die finanzielle Sanierung herbeigeschafft werden. Man oerschaffte sich das Geld, indem man beispielsweise die Krankenversicherung verschlechtert«. Gesund« Finon- zen flnd eben das Wichtigste! Man machte sich kein- Gewissensbifle. die Bolksgesundheit zu benachteiligen. Gesunde Finanzen sind wichtiger als ein gesunde? Volk! Mg» refor- mierte di« Arbeitslosenversicherung... im Interesse der Wirtschaft Die Dienerin wurde zur Herrin! Das lebendige, pul- flerende Blut des Menschen gilt weniger als der abstrakte Begrist der Staatskasse. Das„finanzielle Gleichgewicht" wird auf K o st e n der Bolksgesundheit hergestellt! Der soziale Gemeinschafts- gedanke, der dem Begriff„Staat" seine ethische Ezistenzberechiigung gibt, verschwindet vor dem Götzen„Finanzwirtschaft". Di« Wahlen nahen. Neue Parteien kristallisieren sich aus ab- gewirtschafteten politischen Gruppen heraus. Warum? We» sie andere Aufasjungen über die Möglichkeiten haben, den Staatssäckel aufzufüllen. Sie treten mit Aufrufen an die Wähler heran:„Wir wollen die Sanierung der Wirtschaft, wir wollen die Gesundung der Finanzen." Und keiner findet sich, der offen sag::"„Zum Teufel mit dem Gerede über Wirtschaft und Finanzen! Wir wollen das Glück des Menschen! Wir wollen jene Politik machen, die geeignet ist, das Leben für den Menschen leb«nswert zu machen, die ihm Nahrung, Kleidung, Woh- nung, Gesundheit und kulturellen Fortschritt bringt. Wir w o l le n kein Staatsvolk, sondern einen Volks st aat! Wir wollen, daß Staat, Politik und Wirtschaft dem Volke dienen: wir sehen in der Wirtschaftspolitik und in der Finanzpolitik nicht den Lebenszweck des Staates, sondern wir sehen ihn einzig und� allein in der Fürsorge für feine Angehörigen. Erst kommt der Mensch... und dann die finanziellen und: ürtschasllichen Mittel, die zur Hebung der Wohlfahrt des Menschen geeignet sind. Wir können uns auf kein bestimmtes wirtschaftlich«? System, ans keine bestimmte Finanzpolitik festlegen. Wir werden jene wählen, die der sozialen Mission des Staates zur Er, füllung oerhelfen. Ein Staat, der seine Aufgabe nur darin sieht, ein bestimmtes Wirtschaftssystem zu erhalten... auf Kosten des Wohles seiner Angehörigen, der schattenhafte Gebilde wie Wirtschaft und Finanzen höher stellt als das Glück des einzelnen Menschen, dem Finanz- politik wichtiger ist als Sozialpolitik...(siehe di« Notverordnungen des Kabinetts Brüning über die Krankenversicherung)..., ein solcher Staat mag gute Diplomaten, schönsprechende Politiker, sich energisch dünkende Minister besitzen..., aber etwas wird ihm fehlen: Das Volk, das sich einreden läßt, daß es seine Stimme für jene Männer abgeben soll, für die wirtschaftlich« Schemen das Endziel ihrer Regierungskunst bedeuten. Es ist ein Zeichen der Zeit, daß eine demokratische Partei oerschwinden mußte, um einer„S t a a t s p a r t e i" den Weg zu ebnen, daß es eine Wirtschaftspartei gibt. Immer klarer trennen sich die Wege zwischen sozialer Demokratie und einer verschwommenen, nebligen Staats- idee, die eine Phantasmagorie anbetet, die nicht existiert. Staat ist gleich Volk, und Staatswohl und Bolkswohl sind identisch. Eine Staatspolitik, die— wir haben es in den letzten Wochen ge- sehen,— über den Willen des souveränen Bolkes hinwegschreitst, die volksschädigende Maßnahmen trifft, weil gewisse künstliche Institutionen für wichtiger gehalten werden, als der lebende und j leidende Mensch, muß schließlich den Bankerott verkündigen: Es fehlt das Staatsoolk! Die Massen des Volkes, die den Staat unterstützen, weil sie durch das Band der sozialen Gemein- schaftsziele mit ihm verbunden sind..Julius Moses. Jlwt einer vöUdidiien Siede „Wir tragen den Gral der germanischen Kulturwerte in unser» Händen, Sie dämlicher Hund Sie! Wiflen Sie, was es b«deut«n will, wenn wir das Bolk zu den lichten Höhen des sittlichen Ernstes führen. Sie Ochse Sie?. Sie werden das Ideal der Lebensläuterung begreifen lernen, wenn wir Ihnen die völkische Faust in die Freffe setzen! sAus dem„Wahren Jacob".) „Geh' mit dem Dolch weg!" Wie der Muttermörder jetzt seine Tat schildert. Der Wuttermord in der Joachim-Friedrich- Straße zu Halen see stellt sich in seinen Ursachen immer> geheimnisvoller dar. Der 2Sjährige Thielecke-Neu- hau», der feine Mutter in der Bodewanne erstach, gibt über die Vorgänge bei der Tat neuerdings wieder eine andere Darstellung. Nach den Feststellungen am Tatort wurde am Donnerstagabend der verhastet« Mörder einem eingehenden Verhör unterzogen. Be- kanntlich hatte«r, als er sich auf dem 137. Revier stellte, zunächst erklärt, er habe in der Notwehr den Dolch gezogen, als ihn seine Mutter mit einer Pistole bedrohte. Dies« Angabe, die mit dem Befund am Tatort in keiner Weise übereinstimmte, hat er nunmehr geändert und zum Teil widerruf«». Die Behauptung der Notwehr hat er notgedrungen fallen lassen müssen. Von den Bor- gängen gibt er jetzt folgende Darstellung: Als er abends nach Hause kam, hätte die Mutter gebadet. Schon beim Betreten der Wohnung hatte er seinen Dolch, den er ständig bei sich trug,„in der Scheide gelockert". Was ihn dazu oeranlaßt hat, darüber kann oder will er keine Auskunft geben. Im Gespräch mit seiner Mutter kam man wieder auf die leidige Geldfrage. Der Mutter fiel die Seife herunter, und er bückte sich, um sie aufzuheben. Dabei rutschte ihm der Dolch aus der Scheide heraus und fiel ins Wasser. Zu gleicher Zeit griffen er und seine Mutter nach der Waffe, er faßt« sie aber zuerst. Jetzt schrie die Mutter:„Geh mit dem Dolch weg! Du erstichst mich noch!" Durch den vorangegangenen Streit und ihr Schreien sei er so in Ausregung geroten, daß er zugestochen habe. Cr gibt jetzt zu. daß seine Mutter keinen Revolver in der Hand gehabt ho» und ihn auch nicht bedroht hat. Von einer Notwehr, die von vornherein bezweifelt wurde, kann also nicht mehr die Rede sein. Mehr und mehr ist durch die Aussage an» Licht gekommen, daß alle Streitigkeiten zwischen Mutter und Sohn durch die Geldangelegenheiten ent- standen sind. Dabei hatte die Mutter sich bemüht, seine Wünsche nach Möglichkeit zufriedenzustellen. Sie wußte, daß er ein« Reise noch Amerika plante und hatte, obwohl sie nicht übermäßig de- gütert war, ihm bereits Geld für Anschaffungen gegeben und weiteres in Aussicht gestellt. Roch ganz dunkel ist der Borgong der Verschnürung der Leiche. Es ist fast uinxrständlich, daß ein Mensch, der von seinen Freunden als besonders feinfühlig dargestellt wird, es fertig bringt, die Leiche der Mutter wie ein Paket zusammenzuschnüren. Neuhous selbst gibt auf alle dahinzielenden Fragen ausweichende Ant- warten oder schweigt ganz. Gründe hat man also noch nicht er- fahren. Nach der Tat hegob er sich, wie schon erwähnt, zu seiner Frau nach der Weimarischen Straße. Ihr erzählte er, was sich zu- getragen hatte. Erst dann ging er zum Polizeirerier. Die Ber- nehmung der Ehefrau, die ganz unter dem Einfluß ihres Mannes steht, ergab, daß sie der Schwiegermutter den Hauptteil der Schuld bemnßt. Im Laufe des heutigen Tages werden die Berrnchmungen noch fortgesetzt werden._ Von Hakenkreuzlern niedergestochen. Nächtlicher Straßenkampf in Spandau. 3n der vergangenen Rocht spielte sich in der B o r k u m e r Straße in Spandau ein blutiger Streit zwischen hakenkeuzlern und Kommunisten ab. Zwei an der Schlägerei beteiligte Kommunisten mußten ins Städtische Krankenhaus Spandau gebracht werden. Mehrere Kommunisten, darunter auch einige Jugendliche, befanden sich offenbar nach einer Versammlung gegen 23 Uhr auf dem Heimweg. In der um die späte Stunde sehr ruhigen Bor. kumer Strohe kam aus entgegengesetzter Richtung ein größerer Trupp Nationalsozialisten heran, die über die Kommunist«» her- fielen und aus die Ueberfallenen mit Dolchen einstachen. Der 17jährige Schmiedelehrling Walter W i« r m a n n und der 36jäh- rigc Tischler Art�ir Prisser, beide aus Spandau, wurden durch Stiche so schwer verletzt, daß sie sofort ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Di« Täter konnten unerkannt entkommen, die polizeilichen Nachforschungen sind bisher ergebnislos geblieben. Geldbriefträger ausgeraubt. Am Proger Platz von drei Männern überfallen. heute früh wurde wieder einmal ein räuberischer U e b e r s a l l aus einen Geldbriefkräger verübl. Der Geldbriefträger Kleve aus der Johann-Georg-Straße 12 in Halensee, der beim Postamt W. 30 schon lange beschäftigt ist, hatte seinen Rundgang angetreten und war nach der Prager Straße gekommen. Im Hause Nr. 15 hatte er eine Sendung abzuliefern. Als er den Hausflur betreten hatte, wurde er plötzlich von drei' jungen Burschen angefallen, die dort schon aus der tauer gelegen hatten. Sie schlugen ihn, wahrscheinlich mit T o t s ch l ä g e r n..auf den Kopf, würgten ihn am Hafte und versuchten, ihm sein« Geld- lasche zu entreißen. Da sich Kleue heftig widersetzte und kräftig aus die Räuber einschlug, rissen sie die Bestclltasche auf und versuchten, soviel Gew, als sie fasten konnten, herauszuholen. Kleue fiel schließlich, von den Schlägen betäubt, zu Boden. Die Räuber flüchteten jetzt zum Hause hinaus und zerstreuten sich auf der Straße nach verschiedenen Richtungen. Der Ueberfallene, der laur um Hilfe gerufen hatte, hatte sich inzwischen von der Erde er- hoben und verfolgte die Flüchtenden. Einer Schupo st reife gelang es, einen der Täter am Prager Platz.zu stellen und festzunehmen, die beiden anderen sind entkommen. Aus dem 136. Polizeirevier wurde der Festgenommene als ein 24 Jahre alter Elektromonteur Richard Einers festgestellt. Er verweigert jede Angabe über seine Komplizen und erklärt nur, daß er a r b e i t s- und wohnungslos sei. Journalist begeht Selbstmord. Das Opfer verfehlter Börsenspekulationen. Tlen Jork, 8.'August. Der bekannt« Finanzjournalist Clapp beging Sechstmord, indem er sich vom Dach eines in der 3. Avenue gelegenen Hotels auf die Straße stürzte. Elopp, der in Berlin studiert hat uno neben seiner feuilletonistischen Tätigkeit die Stellung eines W i r t- fchaftsredakteurs bekleidet«, war bei den Hearst-Blättern beschäftigt. Er hat sein ganzes Bermögen durch Börsenfpetula- tionen verloren. In einem hinterlassenen Brief nimmt er Abschied von seiner Gattin und seinen beiden Kindern. Das neue kanadische Kabinett. Nach dem Wahlsieg der Konser- »atmen wurde dos liberale Kabinett Mackenzie King von einem konservativen Kobinet unter Ministerpräsident Bcnnet abgelöst. Bennet ist auch Finanz- und Außenminister. Die Enthüllung des Zille-Denkmal» im Garten des Theater? der Elite-Sänger, K o t t b u s s c r« t r. 6, findet Sonnabend, den 9. August, nachmittags 6 Uhr, statt. Cläre Waldoff, die ougcn- blicklich in Hamburg austritt, ist für diesen Tag nach Berlin be- urlaubt worden, um die Enthüllung vorzunehmen. Bei der Feier di« durch den Rundfunk übertragen wird, wirken zwei Orchester und die Neuköllner Liedertafel mit. Drucksehlerberichtigung. In unseren Betrachtungen über die Isolierung der Dolkspartei im hevtigen Morgenblatt, Zeile 5 von eben muß«s heißen:„Herr Scholz hat mit sicherem Blick erkannt, daß di« neu« Partei zwar wohl den Staat hat, wenigsten? in, Namen"— nicht„im 5) e r z c n". Adolf Hitler im Spiegel der Rassenlehre „Mischling",„von schlechter Raffe"/ Gregor Straffer„jüdisches ponim"/ Moses: Schüler germanischer Mystiker/ Schnellproduktion von rasfigen Deutschen Die vkrschiedenen Spielarten der völkischen Bewegung empfangen ihren Austrieb außer durch die besonderen ökonomischen Interessen, die die proletarisierten Kleinbürgerschichtcn Deutschlands bewegen, insbesondere durch da« Weltanschauungsdestillat, einer Rassentheorie, als deren Kernstück die absoiute geistig« lle b e. l e g e n h e i t des „arischen Menschen" verkündet wird. Keiner der völkischen Ideologen hat zwar bis jetzt ein lebendiges Musterexemplar dieses arischen Menschen zu präsentieren vermocht. Ja, die Ironie des Schicksals hat gewollt, daß sogar gegen den rassischen Edelwuchs prominenter völkischer Häuptlinge von eigenen Gefolgsleuten schwere Bedenken erhoben worden sind. So gab beispielsweise einmal der Alldeutsche v. Gruber über Adolf Hitler folgende Analyse ab: „Zum erstenmal sah ich hikler in der Ikähe. Gesicht und Kopf schlechte Rasse, Mischling. Riedere, fliehende Stirn, unschöne Rose, breite Backenknochen, kleine Augen, dunkles haar: Gesichts- ausdruck nicht eines in voller Selbstbeherrschung Gebietenden, sondern der eine» wahnwitzig Erregten": der bekannte völkische Schriftsteller Arthur Dinier hat von dem „jüdischen Ponim" de» Gregor Straßer gesprochen und auch das Antlitz des Dr. Goebbels ist längst zum Gegenstand spaßigster Voltswitze geworden. Aber all das Hot die Gläubigen vom Hoken- kreuz wenig geniert. Oer Glaube an die Rasse. Ihre Rassenthcori« ist ihnen zu einem Glauben geworden, zu einem Glauben mit allen Merkmalen eines solchen: der fanatischen lieber, zeugung, in ihm den Sinn der Welt und das Heil der Menschen in Händen zu haben, der Abneigung gegen verstandcstühlc Kritik und der irrationalen Einstimmung, die nichtsdestoweniger l>eiß bemüht ist, dem Glauben ein- wissenschajtliche Basis zu geben. Als der Glaube an den Eingott sich nach einer wissenschaftlichen Begründung umsah, entstand die Theologie; als der völkische Primitioismus Oberwasser bekam, leimte er seine Rassentheorie zusammen. Aber kratzt man von ihr den scheinwissenschaftlichen Lack ab,>kommt ein psychisches Verhältnis besonderer Art zum Borschein. Es ist das Merkmal aller ethischen Unzulänglichkeit, sich selber für Hochwertigkeit und geborene Ucberlegenhcit zu holten. Drimpse Ahnung der eigenen Fehler, weit davon entfernt, sich mit ihnen zu beschäftigen und Besserung anzu- streben, wirft olle die Fehler entschlossen und brutal aus andere und projiziert sie ins Ungeheuerliche und Groteske. Es ist eine alte Er- iahruiut: kein Lump existiert, der nicht, wenii«ine noch größere Lumperei als die feine begangen wird, sofort moralisch sich außerordentlich gehoben jühtt! Fehlt aber der Unzuläng- lichkeit der reale Komporotiv, nun, so schaff: sie sich ihn, so erdichtet sie ihn! Und so schuf sich die moralische Unterwertigkeit, deren heutige besondere Ausdrucksform sich Nationalsozialismus nennt, den jüdischen Popanz, ein überaus kurioses und groteskes Ding, umkleidet mit allen nur denkbaren Fehlern, angefüllt bis zum Rande mir aller Schlechtigkeit, Extrakt olles Schädlichen, Inkarnation alle» Bösartigen. Man stelle psychische Beobachtungen an: je verworfener der jüdische Popanz der notionolsoziaiistisch-gläubigen Seele dargestellt wird, um so höher wird sie sich fühlen! Ausgangspunkt ist inuner das liebe Ich. Man hat nicht das, was die Ueberlcgenheit hat, also ist die Ueberlegenheit das Uebel! Daher denkt der Nationalsozialist: „Ich habe kein« Ahnung von wlrtschasklichen kompliziertheilen und vermag methodisch klar nicht zu denken— bat Karl Aiarx finde ich da» Gegenteil, also ist Karl Marx ein widerwärtiger Jude! Ich bin ein Dussel— a l s o ist olle Intelligenz und geistige Beweg. lichkeit jüdisch verdächtig? Franzosen, Engländer usw. haben be- stimmte überlegene Eigenschaften— also sind Franzosen. Eng. länder usw. jüdisch verseucht? Ich, der völkische Schrlststeller, bin von Apoll und allen Musen verlasien— also sind alle, die schreiben können, vom schillernden jüdischen Geist verführt!" Es ist nur logisch, daß, wenn die Minderwertigkeit in der be- schriobenen Weise alle ihre Mängel einem anderen Träger zuschiebt, sie sich selber als hehre Reinheit vorkommen muß. So entstand die völkisch« Theorie von der ethischen und moralischen Ueberlegenheit der arischen Rasse. Sie wurde sofort zu einer Quelle reiner Freuden sür alle, die Sinn für Komik haben. Oer Germane als Wurzel alles Großen. Man fand nänilich alsbald im völkischen Loger, daß sich der Be- griff der arischen Rasse ungemütlich weit spanne, man fand, daß die objektive Rassenforschung unter Ariern auch Völkerschaften begriff, deren besondere Beschasjenheit und Eigenart nicht recht in den völkischen Streifen passen wollte. Da waren die Romanen, in deren Gefolgschaft man sich durchaus nicht wohl fühlte, da waren die slawischen Rasienbrüder, deren arisches Grundblut auch nicht genehm war, und vollends eNig wurde die Sache, wenn sich das garantiert unarische volkssosiil der Zigeuner dem betrachtenden Germanenblick darbot. Mit einem Ariertum so beschossenen Inhalts war nicht viel anzufangen für völkische Zweck«. Und ganz leise und verstohlen bereitet« sich in der völkischen Wissen- schastlichkeit ein taktischer Wandel der Anschauung vor, nicht unge- schickt singert« man sich einen Dreh zurecht, der glücklichen Ausweg bot: man mußte den Kreis der Auserwählten enger fassen. Und so kriegt« man den Germanen beim Wickel. Er sollt« die feinste und edelste Blüte am arischen Baum, wie am Baum der Menschheit überhaupt sein— nein, falsch, er sollte die Wurzel alles Großen und Wertvollen sein, was aus Erden geschaffen, er und kein anderer war der Mensch, der den Gral des Heils in reinen Händen heiU. Es ist höchst spaßhaft, zu verfolgen, wie in der Winkelliteratur dieser Gennanomani« jede geschichtliche Großtat aus germanische Initiative zurückgeführt wird. Das Gesetz des H a m u r a b i haben Germanen dem alten Bobylonier zugestüstert, hinter den altorienta- l i s ch e n Kulturen und Staatcnbilüungen stehen Germanen, Moses hat sein« ethischen Impuls« von ägyptischen Priestern bezogen, die ihrerseits Schüler germanischer Mystiker waren, man weiß es zwar nicht genau, ober„olles deutet darauf hin", die braven Sloux und Apachen in Amerika haben germanische Lehrer und Leiter gehabt. die von Skandinavien über Grönland und Alaska hinübergc reist ßind, was nn Sarazenentum gkmzzvoll sich zeigt, ist unzweisck- Haft germanischen Ursprungs, germanisch ist der Kern der nord- afrikanischen Reiterstämme, Kolumbus ist Vollblutgermane (witzige Leute haben demgegenüber die Version ausgebracht, der Genuese sei ein Jude gewesen und sei erst auf Grund der Wissenschaft- lichen Vorarbeiten des italienischen Geographen Toscanelli auf sein Unternehmen verfallen), olles auch, was irgendwie konstruktiv in unseren Tagen in Erscheinung tritt, ist auf germanische Blutsregung zurückzuführen. Vom Germanen zum Deutschen. Aber auch dies« Theorie vom Germanen als dem Idealmenschen befriedigte, so seltsam das klingen mag, den waschechten Völkischen auf die Dauer nicht. Er konnte— und hier wurde er einmal, was selten bei ihm ist, kritisch und wahrheitsliebend— nicht verkennen, daß zwischen Germanen und Germanen leider Gottes auch ver-> fluchte Unterschied« bestanden. Er las im Tacitus von der Tugendreinheit der Völker zwischen Rhein und Elbe und nahm zu seinem Leidwesen wahr, daß eben diese blonde Tugend in römischen Städten ein Saus- und Bordelltreiben anstellte, das selbst den Roues aus Bajä oder Alexandria zu bunt war. Er hört«, daß merv- wingische Edelinge mit dem Giftbecher gcwirtschastct haben, als sei das die harmloseste Sache von der Welt gewesen, er sah in den Betten derer, die die antike Verkommenheit sanieren wollten, die Blutschande sich wälzen, er sah in den germanischen Staaten- bildungen des frühen Mittelalters ein System der T r e u l o f i g- keit und des Verrats walten, wie es beispiellos war in der Ge- schichte, er sah als echtgermonifches Produkt die christliche Religiosität im Dunkel ihrer gotischen Dom« den Wahnwitz der Hexenbrände aushecken, er sah auch im Lauf der nächsten Jahrhunderte wenig Schönes in der gernranifchen Welt, und als nwn 1Sl4 schrieb, sah er den germanischen Angelsachsen sich gar nicht nett gegen den germanischen Deutschen benehmen. Und da saßt er den Begriff des germanischen Idealmenschen nochmals enger und versteht unter ihm den Deutschen. Womit aber der Passionsweg seines völkischen Spleens durchaus nicht fein Ende findet! Abermals ist er immerhin nicht so verbohrt, übersehen zu wollen, daß auch Deutsche und Deutsche, unter dem Gesichtswinkel seiner romantischen Ein- stellung gesehen, beträchtliche und vielfältig« Unterschied« auf- weisen. Cr macht— wir nähern uns dem entscheidenden Punkt— die Entdeckung, daß die Deutschen nicht so recht eigentlich deutsch sind! „Man muß sie deutsch machen!" Da verflüchtigt sich die„wissenschaslliche Tatsache" der E x i st e n z eines arischen oder germanischen oder deutschen Menschen als eines biogenetisch gegebenen ethischen Mustermenschen ins blaue Nichts, da wandelt sich die Theorie von der Suprematie der-germa- nijchcn Rasse und wird zn dem» was sie ist: zu einer Wunsch- Vorstellung! Und prompt— es bleibt ihnen nichts erspart— erscheinen' Leute auf dem Plan, die ollen Ernstes auf höchst derb- materielle Weise den garantiert reindeutsch-germonischen Menschen in die Welt setzen wollen. In die Welt setzen wollen... Sie ver- künden, er könne nur Produkt einer methodischen Züchtung sein; wie man die ergiebigst« Milchkuh und das wollreichste Schaf züchten könne, so könne man auch den hundertprozentigen Germanen züchten! In der sogenannten M i t g a r d- Bewegung, die ihren Höhepunkt vor etwa fünf Iahren erreichte, hatten sich die Propheten und Jünger dieser Rassenzuchtlehre zusammengesunden. Sie wollten Garten- siediungen gründen, in denen reingermanische Frauen und Männer— etliche Tausend sollten trotz allem und allem doch noch in Deutschland vorhanden sein— zum Zweck der Auszucht eines gleichartigen Nach- wuchscs zusammenleben sollten; aus zehn Frauen sollte ein Mann kommen: die„Ehe" sollte in den einzelnen Fällen nur immer bis zur Geburt des Kindes währen und dann, salls nicht beiderseitig der ausdrückliche Wunsch der Dauer geäußert wurde, als gelöst zu betrachten sein. Warum der Schlüssel 1: 10? Warum die kurze Dauer der Schwangcrschaftseh«? Auf daß beschleunigt die germanische Rasse in Erscheinung trete! Sie hotien's eilig! Ziele und Methoden dieser Mitgard-Bewegung sind im völkischen Lager gor«rnsthast und eifrig diskutiert worden. Man Hot sich über die Finanzierung der Siedlungen unterhalten, man hat die Frage gestellt, welches Zuchtmaterial in Frage komme, denn in- zwischen hatte ja Fricks großer Meister, Herr Pros. Dr. Günther, die drei Untergruppen des Deutschrasienwms, das nordische, ostische und dinarischc Element, nachgewiesen, man hat sich auch über die Fragen der rassischen Säuglingspslege und Pädagogik unterhalten. Es fehlte nicht an Leuten, die Bedenken äußerten. Ein Skeptiker meinte, das ganz« Untersangen sei sinnlos, selbst wenn die völkischen Gestüt« die edelsten Zuchtprodukte lieferten, so würden diese ja doch bloß dem Rachen einer übermächtigen unvölkischen Umwelt au:- geliefert sein. Worauf die Unentwegten sagten, dann müsse eben die Produktion in außerordentlicher Weise ange- spannt werden... Ob die Mitgard-Bewegung unter dem Gelächter der deutschen Nation begraben worden ist? I wo, lieber Leser! Ideen, die der Mitgard-Erotik verwandt waren, blühten damals manche in deutschen Landen und ihre Pflege war durchaus nicht auf die völkischen Narrengärten beschränkt. Immerhin, dem Haupi- quartier Adolf Hitlers war bei der Sache nicht wohl, man hütete sich vor offizieller Unterstützung und so blieb die Mitgard-Bewegung in der Theorie hängen, heute fristet sie ein kümmerlichcs Dasein in gewissen Heiratsinscraten. primitiv wie pfahlbaubewohner. So ist es mit der rassenthcoretischen Weltanschaulichkeit und Wissenschaftlichkeit der völkischen Bewegung übel bestellt. Kein Der- ständnis meldet sich in jenen Bezirken für die Faktoren, die die wirtschaftliche, gesellschaftliche und staatliche Entwicklung bestimmen. Die Wortführer der Bewegung, die sich so großspurig als Arbeiterfrcundc aufspielen, sie haben das Wesen der Arbeit als der Basis aller Wohlfahrt noch nicht einmal in den Anfangsgründen begriffen. In einer Zeit, in der selbst das Bürger- tum ein Haar in der Suppe des nationalen Partikularismus gesunden hat und zögernde Schritt« auf der Bahn überstaatlicher Orgoni- sationssormen unternimmt, fallen sie in die überwundene Periode des Grenzpfahlbaues zurück. Sic sind nicht einmal sicher auf dem Gebiet, das sie in Erbpacht genommen zu baden vorgeben: was sie' vom geschichtlichen Germanentum wissen, ist das, was ungefäbr Felix Dahn von ihm wußte. Wesen, Sinn und Tiefe beispieisidelse Sek germanischen Markgenossenschaft, einer Erscheinung, von der sie gerade in Anschauung bestimmter moderner Problem« mancherlei profitieren könnten, ist ihnen nicht aufgegangen. Daß gerade unter jenen alten Stämmen, die ihnen angeblich so ungeheuer sympathisch sind, der a r b e i t s tu l tl rch e Borstellungs- kreis in Blüte stand— sie haben davon nicht einmal etwas läuten gehört. Sic sind die dummen Kerls geblieben, für die sie vor Jahnen August Bebel erklärt hat, sie laufen herum mit diversen Brettern vor dem Kopf, freuen sich des heiseren Blechs ihrer Stimmen und der Schwellung des Bizeps und merken nicht, daß sie die Bauern sind im Brettspiel hochmögender Herren. Lrieäricli Wendel. Katastrophe im Tonfilm Wann kommt der Reiter diesem Lande? Eine FiUngesellschast zeigt an, sie habe ein paar verstaubte Theaterkomödien zur Herrichtung für den Tonfilm erworben. Andere Unternehmungen entdecken den deutschen Rhein mit Schlager- bcgleitung, siedeln sich in Wien oder in Patriotismus an, machen Abcnteuergeschichten durch einen unmöglichen Dialog langweilig und ungenießbar, und eine dritte Gruppe, die vielleicht an ihre literarische und filmkünstlerische Sendung glaubt, freut sich, wenn sie das Rasen- schnauben und das Gackern von Enten und Hühnern in Groß- aufnahmen bringen darf. Es geschehen eben abwegige Dinge. Der Tonfilm hat die filmprobuzierenden Gemüter völlig verwirrt, und kein Mensch weiß, wohin dos Aepselchen eigentlich rollen soll. Im Tonfilm herrscht augenblicklich der größle Unfug, und es genügt scheinbar, daß er da ist, mit seiner technischen Ueber- legenheit blendet und daß mit ihm Geld gemacht werden kann. Man erinnere sich an die Anfänge des stummen Films, als noch die Sprechbühne für diese ganz anders geartete Erscheinung ein Ideal bedeutet«: als man Bühnendekoration und Bühnengesten kritiklos übernahm und sich sehr wohl dabei fühlt«. Erst allmählich hat sich im stummen Film«ine spezifische Kunstform heraus- kristallisiert sicherlich gegen den Willen der Produzenten und allein aus dem Verantwortungsbewußtsein schaffender Regisseure und Dar- fteller entstanden. Der stumme Film bedeutete eine konkurrenzlose Neuerscheinung, und es ist selbstverständlich, daß er seine Kunst- formen nur allmählich entwickeln konnte. Der Tonfilm findet da- gegen eine ganz andere Situation vor. Er übernimmt das Erbe des stummen Films, sein« künstlerischen Errungenschasten. seine Etil- gesetze und muß sie abwandeln in Hinsicht aus die Verbindung mit Ton und Geräusch. E» ist selbstverständlich, daß eine neue Erfindung Produzenten und Publikum im ersten Augenblick restlos verwirrt. Aber nachdem man ein Jahr lang diese Erfindung bewundern durste, ist es endlich Zeit, sie nicht mehr als Selbstzweck zu betrachten, sondern als Vermittler neuer künstlerischer Eindrücke und Wirtungen. Leider geschieht dies nicht. Sieht man Tonfilme, gleichgültig welcher Nationalität und Produktion sie angehören, lieft man die Prospekte, die die Filme für die kommende Spielzeit ankündigen, so erkennt man, daß überhaupt niemand weiß, was er mit dem Tonfilm an- sangen soll, und daß hier ein neues Gebiet auf feine künstlerisch« Gestaltung wartet. Der Tonfilm ist in erster Beziehung Film und übernimmt die Erbschaft des stummen Films, d. h. der Hauptakzent ruht nach wie vor auf Tempo und auf der bildhaften Gestaltung der einzelnen Situationen. Im Worte Tonfilm liegt die Bedeutung auf der Silbe Film, der Ton erweitert nur den Darstellungsbereich. Im stummen Film vermißte man öfters die psychologische Ausdeutung einer Situation, die absolute Enthüllung der menschlichen Seele. Manche Bilder suchten nach dem gesprochenen Wort. Ferner kam es vor, daß Szenen, selbst in künstlerisch-oollendetm Filmen, ihren Höhe- punkt in irgendeinem Geräusch fanden, von dem aus die ganze weitere Entwicklung beeinflußt wurde. Das Orchester konnte nur andeutungsweise dieses Geräusch wiedergeben, und hier war eiv schwerer dramaturgischer Mangel verborgen. Der Tonfilm mit seinem viel weiter gespannten Darstellungsbereich kann ihn heben und kann damit dem Manuskript eine neue Richtung weisen. Ion und Geräusch werden zu wichtigen Bestandteilen der Film. dramaturgie. Der mit den Augen wahrnehmbare Verlauf der Handlung bleibt jedoch die Hauptsache. Die bisherige Tonfllmproduttion zeigt leider das Gegenteil. Die Produzenten, die sich in den meisten Fällen niemals mit andern Fragen als mit denen des Äassenrapports befaßt haben, wenigstens in der westeuropäischen und amerikanischen Produktion, denken jetzt vor allem daran, daß dem Publikum unter allen Um- ständen Töne und Geräusche serviert werden müßte. Handlung. Regie und Darsteller rechnen zu den Gleichgültigkeiten. De»h.!b zeigt der Tonfilm heute ein so tiefe« Riveau. wie es der stumme Film selbst in seinem Anfangsstadium niemal» erreicht hat. Eine vollkommen sinnlose und titschige Handlung wird au» den Acrmcln geschüttelt, nur um ein paar eben so belanglose Chansons dem Hörer vorzusetzen. Und selbst in großen und im Grund' künstlerisch konzipierten Filmen wie der„Blaue Engel" erhalte', ganz nebensächliche Geräusche Selbstwert. Der Film beispielsweise beginnt mit einer Markifzene, die weder für Milieu noch für Hand lung charakteristisch ist, aber das Gackern der Gänse kommt in iic :Tonübertragung einigermaßen zur Wirkung. Wenn sich Professor Nach schneuzt, so dient das ketnesweys der Charakteristik der Person, sondern nur allein der Freude an einer Tonwirkung. Auf diesen Endeffekt wird alles stilisiert. Szenen, die jetzt im Tonfilm Minuten dauern, könnten bequem auf Sekunden reduziert werden. Bewegt sich der Tonfilm in dieser Richtung weiter, dann wird die Sehnsucht nach dem stummen Film immer stärker werden. und man wird eine Erfindung ablehnen, die zu den größten Revolutionierungen führen könnte. Der große Romancier Jakob Wassermann spricht einmal von der Trägheit des Herzens. Man könnte in bezug auf den Tonfilm und das Sendespiel im Rundfunk besser von der absoluten Trägheit des Verstandes sprechen. Auch die Leiter und Regisseure der deutschen und aus- wärtigen Sendestellen wollen ein leichtes Leben führen und denken nicht im geringsten daran, die künstlerischen Möglichkeilen ihres Instrumentes auszunutzen,»och viel weniger geschieht dies im Ton- film, der aus viel sumpfigeren Gegenden kommt. Es wäre endlich Zeit, den bodenlosen Kitsch aus der Welt zu schaffen, die Gehirn- losigkeit der leitenden Produktionsstellen durch Gehirne zu ersetzen. die nicht nur an ihr Gehalt und den Kassenrapport denken, sondern auch künstlerisches Verantwortungsbewußtsein ihr eigen nennen. Genug mit allem Unfug, der bisher im Tonfilm im reichsten Maße gestiftet worden ist. Der Tonfilm braucht Leiter, die seine spezifischen Kunstmöglich- keiten kennen. Ist das Seirdespiel in erster Linie auf den Ton gestellt, so der Tonfilm aus die Gesichtseindrücke. Nur von dieser Vasis aus kann sich der künstlerische Tonfilm ent- wickeln. Ton und Geräusch dürfen niemals zu einem Selbstzweck werden, sondern nur zum intrigierenden Bestandteil einer tymdlung. Warum werden Theaterstücke, die für eine ganz andere Kunst- gattung geschrieben worden sind, im Tonfilm verarbeitet, alte Scharteken, die heute ihre Bedeutung völlig verloren haben? Au» dem Geist der Zeit, aus dem sozialen Bewußtsein der Gegenwart muh der Tonfilm geboren werden. Wir können heute nichts mehr mit Scheinbegeisterungen und Lebe- männerhirnen anfangen. Was sollen Chansons oder eingestreute Licderchen im Dreivierteliakt? Der Tonfilm ist dank seiner Technik, die an keinen bestimmten Raum gebunden ist, dem Theater über- legen. Auch er kann, da er das Wort wieder in sein« Rechte einsetzt, zu einem Verkünder moderner Ideen werden. Er ist nicht nur ein Instrument der Unterhaltung, sondern auch der Bildung und Zeitkritik. Wann wird der Mann gesunden werden, der sich frei macht von den Wünschen kapitalistisch orientierter Produzenten, der die künst- lerischen Bedingungen des Tonfilms erkennt und der sie zu ver- quicken weiß mit den geistigen, politischen und wirtschaftlichen Ten- denzen der Gegenwart? Lcii. Ein Theater mit Lautsprecher. Das Prager Deutsche Theater hat neuerdings ein« Verstärker- anlag« auf der Bühne einbauen lassen mit je zwei links und rechts an der Bühnenrampe angebrachten Lautsprechern. Di« Sänger brauchen sich jetzt nicht mehr zu überschreien, und das Publikum hört besser und gleichmäßiger. Hundert Bumerangs. Don Christel König. Boshafte Leute behaupten, in Deutschland sei olles verboten. Das stimmt ja nun nicht ganz. Außer Steuerzahlen sind— wenigstens heute noch— auch einige andere Kleinigkeiten erlaubt. Bis vor wenigen Tagen durften wir sogar noch ein Taschen- messer„bei uns führen" und keine noch so strenge Po-Po(heißt ganz natürlich Politische Polizei) konnte unsere Dreiviertel- und Halbweltdamen arretieren, wenn sie im Cafö die Nagelfeile„Hand- habten". Das olles hat ja nun nach dem neuen Gefetz über das unbefugt« Trogen von Hieb- und Stoßwaffen ein Ende. Taschenmesser und Nagelfeilen und ähnlich« Dingerchen haben hübsch zu Hause zu bleiben. Und nun gar beim Wahl kämpf. Wo doch die geistigen Waffen schon„beinahe fast" alle so stumpf sind, müssen die spitzen Dinger auch weg. Das ist ausgeglichene Gerechtigkeit. Demnach ein sehr ansprechendes Gesetz, das neue. Leider leiden die meisten Gesetz« gleich ihren„Gebern" an chronischer Unvollkommenheit. Gesetz« sind Menfchcnwerk und Lücken im Gesetz sind eine besonders üble Begleiterscheinung neuer Gesetze. Viele Hundert Schieber und Gauner sind in der Nachkriegs- zeit mit wohlgespickten Geldbeuteln durch diese Lücken geschlüpft. Das neue Hieb- und Stoßwasfengefetz hat die trditionelle Lücke im Gesetz nicht„vergessen". Schon keine Lücke mehr, ein großes Hintertürchen blieb offen. Die Anhänger des„antigeistigen" Wohlkampfes können schmunzeln. Der erste Sonntag nach Erlaß des neuen Gesetzes brachte bereits heiße Schlachten und blutige Köpfe. Denn: Wurfwaffen sind noch nicht verboten! Wurfwaffen! Da ist sie, die Lücke im Gesetz: eine erschrecklich groß« Lücke. Wurfwaffen! Da wird man sich nicht mit leeren Bierflaschen, Biergläsern und Aschenbechern begnügen. Wurfwaffen! Da nimmt man ausrangierte Stiefel, Konserven- dosen und Einmachgläser. Wurfwaffen! Da kann man im Affekt das künstliche Gebiß dran riskieren: der Gegner wirft es gewiß zurück. Wurfwaffen! Wurfwaffen sind unzählig: Tintenfässer, Zahn- bürsten, Hausschlüssel, Füllfederhalter, Taschenuhren, Fahrradklingeln, Goldplomben, Operngläser, Autoschlüssel usw. Aber der Schrecklichste der Schrecken, das ist unzweifelhaft der Bumerang! Bumerang, nach Herder ein im Australien als gefährlich« Wurf- waffe dienendes Wurfholz in Form einer schweren Wurfteul« oder eines scharfen Wurffchwertes, das auch bereits die alten Aegypter zur Vogeljagd benutzten. In Europa als Sportgerät eingeführt. Dieses gefährlich« Instrument, nach Brockhaus auch„Kehrwieder- keule" genannt. Hot die nicht immer schätzenswerte Eigenschaft, zu dem Werfenden zurückzufliegen oder doch wenigstens in feiner Nähe niederzukommen. Bumerang! Wird man sich hüben und drüben beim Sowjetstern oder Hakenkreuz diese Chance entgehen lassen? Nimmermehr! Diele Tausend Australneger werden in den nächsten Wochen mit wissendem Grinsen aus starkem Akozienholz Buinerangs für den deutschen Wahlkampf schneiden. Die schwarzen Wollköpf« werden baß erstaunt sein über den Segen von Sowjetrubeln, der alsdann über sie kommt. Das dürft« also feststehen: den kommenden Wahlkam� be« herrscht der Bumerang. Hester kann das werden. Stellen Sie sich vor: Bumerangangriff auf den Redner oder Diskussionsredner in der tausendköpfigen Wahlversammlung. Hundert Bumerangs schwirren plötzlich in der Luft. Ein Lärm, ein Pfeife», ein Heulen. Man glaubt, der Zeppelin kommt. Der Redner fällt. Getroffen, körperlich oder moralisch. Hundertsach. Sagt keinen Ton mehr! Aber die Bumerangs arbeiten weiter! Hundert Bumerangs schwirren zurück, den Gegnern oder den eigenen Genossen— das ist eigentlich unpraktisch— an die Köpfe. Hundert Bumerangs werden von neuem geworfen. Suchen und finden hundert neue Köpfe. Schwirren auf hundert andere Köpfe zurück�(Und da sagt man, es gäbe keine Köpf« in Deutschland!) Der Bumerang beherrscht die Situation. Es wird nicht mehr viel geredet. Bumerbmgs erledigen die„Sache" überzeugend und in kürzester Frist. Den Rest besorgen Sanitäter mit Stahlhelm. Klar. Bumerangs sind für gewisse Leute ein« ideale Wahlkampf- wurfwaffe. Wurfwaffen sind noch nicht verboten, dank der Lücke im Gesetz. Hilfe! Schließt die Lücke! Es kann sonst niedlich werden! k�roit«. 8. August. Berlin. 16.05 Wilhelm Scheuermann: Die Obstkammern der Mark. 16.30 Konzert. 17.30 Dr. Uebcrall erzählt. 17.55 Dr. Gcorr Sinner: Das Meer als Kraftquelle. 18.20 Das neue Buch. 18-30 Italicnische Arien und Lieder.(Alfrcdo RubinOr Bariton; am Nüecl: Bruno Seidlcr-Winkler.) 18.45 Hellmuth Falkenfeld liest eiccnc Novellen. 19.05 Aktuelle Abteilung. 19.30 Programm der nächsten Woche. 20.00 Ausstellungshallen am Kaiserdamm: 8. Welttagung des Jugendbundes. Rede des Negerblscbofs J. A. Gregg. 20.30..Wir überfliegen den Ozean." Mitw,: The singlng Babies, die Comedian Harmonists. Conference; Hermann Feiner. Nach den Abendmeldungen: Blasorchestcrkonrert. Könlgswusterhausen. 16.00 Prof. Erich Hylla: Umgestaltung der oberen Jahrgänge der Volksschule. 16.30 Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Hermann Griebel: Hcimatspielbe� cgung. 18.00 Dr. Rolf Bathe: Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit in England. 18.30 Wolfgang Gubalke: Zeitungskuriosa. 18.55 A. Bockelmann: Das Geheimnis um Shakespeare. 19.25 Wissenschaftlicher Vortrag für Zahnärzte. 20.00 Breslau:„Die Hafenkneipe". Hörspiel(nach Motiven des Buches„Vierzigtausend Kilometer" von A. E. Johann) von Jörn Jörnscn. 21.15 Breslau: Seemannslieder. Cerantttorfl. füt Me Rehnktion: Volsgong Vchwae,. Berlin: Anzeigen: Th. Glecke, Berlin. Verleg: Vorwärts Verlag G. m. b. S>., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- öruckerei und Berlagsanstalt Bkiuj Singer Se Co.. Berlin SW 68, Linbenftraße Z. der,« 1 Beilage. „ Dcutsdies IhütH Staats-Tneater U n witomiiM sui und B 8 Uhr Städtische Oper R p|f 303 geschlossen. H von Fritz v. Unruh. _____ H ReK.tMaxRelnhirdi »». B Maiik; FrMiMItanmfcr. Abonnements- H Anmeldungen IniejoeMie werden entgegengenommen: a) für die Staatsopern und das Staat). Scoanspiel- haus vomAbonnements- büro, Berlin W56, Ober- wallstr.22 von 9— 2 Uhr. Fernspr. Merkur 9024, b) für das Staat). Schillertheater vom Abonne- mentsbün�Bcrlin-Char- tottenburg, Grolman- straße 70 von 9— 2 Uhr. Fernspr. Steinp). 6715. c) für die Städtische Oper vom dortigen Abonnementsbüro, wochentags von 10— 2 u. v. 6— 8 Uhr. Netropol-Th. Täglich S'l. Uhr lieiael Bohnen in mit Dir allem aut einer einsamen Insel Komisciia Oper «>/- Uhr Paul Weitenneier Ußbauod Irompstenblasen Operette von Roland. 8V» Uhr Wie werde idi reit und gleddidi? Km« m Mi JodilinH. Musik ng Rhdii Sgotiml;. Rtjig; Eni Et;tl Bühnenbilder; laawig Riinr Berliner Proler SonniirgarlMilnaui Kastanienallee 7—0 4 Uhr Grosses GuteBkouert 6 Uhr Eine entzückende Burleske sowie der auserwählte Variete-Teil. 8.15 Uhr Gustl Beer, dretl Lilien, Alex Haber, Erwin Hartnnf in Das Dral* müdarlhaiis Singspiel in 3 Akten Musik nach Franz Schubert Eintrittspreis von SO Ptt- an. ...Aber gestatten Sie bitfe: Unterzeichneter, nach bjahriger Fahrt mit Zirkussen— durch zwei Kontinente— zurückkehrend, abgebrüht gegen rede Überraschung im Artistenfach, nüchtern sozusagen und Kenner, klatschte gestern im„Wintergarten" enthusiasmiert: Carlos u. Chila u. Co., eine akrobatische Tanznummer, wie sie ■die zehn Jahre einmal kommt___ A. H. Kober im Tempo». 5. 8. 30 SoBnabcad nod Sonntag Je 2 VontelhmgeB 4 Uhr und 8«— 4 Uhr kleine Preise. Lessiog-Tlieater Ktodun im i. MO Heute 8 Uhr Premiere v. Alexander Rau Um, int, Rndnls. zentrai-Ttieater (Operettenhaus) Alte Jakobstr. 30/32 Dönh. 2047 Täglich 8V> Uhr Der Bomben ertelg Ell) Zllle miiHHl in 3 Akten Kinder der strafle üasnii.Twi tot I. Lmsti nt Arthur Huhn. Ru nd funkhöre i Ult« Preise. Renaissance- Theater Stein platz 6780. legte oii litebeniKdi 9 Uhr Ola Wunder-Bar Revuestflek Und Uf Dein Drlanb nodi fo Klein, Im Caie Sdiftncbcrd motzt Dn dewefen fein! Inhaber: Wolfgong Grunde, Haupt/ traße 23 24 Reichshallen-Theater AlUbcBdlidi sjTl Uhr Stettiner sanger Tijtstiut 11-2, Unftnuitinr TiIijIici Znlraa 112 63. Dönhoff- Brettl: (Saal und Garten) v. riete_ Konzert- Taaz ZOO Heule nachmittag Gastspiel der Wiener Original- Hocli- and Deutsthmeisler- Kamille Tanz im Freien Auf d. Schaustellungsplatz „1000 Krokodile" CASINO-THEATER Lothringer Strotze 37. Wieder eröff na ng Freitag, 15. Augast Der rossen-semager Der selige Hollschinsky leimiMiHimMiimiiMTifiiiiiMiiiimiiiniMiiiUKiiimeiiiiniimi and ein erstkl. banter Teil. 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Auch der Beginn des Reichs- tagswahlkampfes zeigt zur Genüge, daß der Gegensatz der Farben- symbole noch lange nicht begraben ist. Während die chugen« berger die Losung ausgeben: Getreu der Fahne Schwarzweiß- rot!, möchte die neugebackene Staatspartei„über den verhetzenden Kampf zwischen Schwarzwcißrot und Schmarzrotgold" hinwogvolti- gieren, und außerhalb der Sozialdemokratie, deren Parteisahne freilich rot ist, bekennt man sich noch immer etwas schüchtern zu dem alten Zeichen der deutschen Jreiheits- und Einheitsbewegung. Dabei ist mich Blnuweißrot das Kind einer Revo- l u t i o n, die weit gründlicher mit einer weit stolzeren Vergangen- l cit ausräumte als der Novemberumsturz in Deutschland. Die Fahne des Königtums war durch die Jahrhunderte ein weißes Tuch mit eingestickten Lilien. Diesem Weiß sügte Lafayctte nach dem Bastillensturm von 1789 die Pariser Stadtfarben Blau und Rot hinzu und schuf so die Trikolore, ihr stolzen Geleitspruch gebend: „Sic wird den Weg um die Erde machen!" Mit Begeisterung steckten Bürgertum und Volksmasse die blouweihrot« Kokarde an Hut und Mütze, und voller Enthusiasmus hißte alles, was die Stirn der Zukunft zuwandte, die blauweißrote Fahne, während die Nutznießer und Lobredncr des alten Regimes, alle Schwänner für Despotismus, Feudalismus und Patriarchalismus krampfhaft an Weiß festhielten. Von vornherein prägte sich dieser linterschied aller Welt ein: Weiß— die Farbe eine Dynastie, Blauwcihrot— die Farben der Nation! Da auch mehrere Regimenter schon im Spätsommer 1789 die weiße Kokarde, die seit 1767 im Gebrauch war, mit dem blauweiß» roten Abzeichen vertauschten, verfügte Ludwig XVI. wohl oder übel im Oktober des gleichen Jahres die Annahm« der neuen Na- tionaliokarde durch die gesamte Armee. Die Weisung wurde ziemlich widerspruchslos bcsolgt. Nur einige besonders vornehme Kavnllcricregimentxr, in dcrcir Offizierskorps der Hofadel überwog, ivic Monsieur-Dragoner und Royal-Navarra, strän-bten sich, und auf Befehl des Generals B outllc behielt die Metzer Garnison die alte Kokarde bis in den November hinein. Erst recht erregte die Proklamation des Bourbonen vom 28. Mai 1799, die den Franzosen das Tragen einer anderen Kokarde als der blauweißroten verbot, bei jenen Ojfizieren, die königlicher als der König waren, lebhaftes und lautes Mißfallen. Mit jeder Woche mehr zeigte sich die Armee als Herd gegenreoolutionärer Strebungen, und bei der Marine kain es zu einer Meuterei der Mannschaften in Brest, weil die Offiziere giößtenteils verbissen an den Formen des überlebten Despotismus hingen. Di« konstituierend« Nationalversammlung entsandte Kommissäre, die Ursachen der Un> ruhen zu untersuchen. Nach ihrer Rückkehr erstattete ani 21. Oktober M c n o u im Namen der vier Parlamentstommissionen für Armee, kür Marine, für Kolonien und sür Auswärtige Angelegenheiten Bericht über die Vorfälle und schlug zur Wiederherstellung der Ord- nung unter anderem«in Dekret vor, das„die weiße Flagge, die bisher die Flagge Frankreichs gewesen ist, durch eine Flagge in den Nationalsarben" ersetzte. Was sich nunmehr abspielte, erinnert im ganzen und bis in die Einzelheiten an den Kampf unserer Ewiggestrigen gegen Schwarzrolgold. Beliebt war nach 1918 als Einwand gegen Schwarzrotgold die Behauptung, daß die Verwechslung mit den belgischen Farben zu nahe lieg«: 1799 meldete der Abgeordnete de Vaudreuil sofort seine Bedenken an, blauweißrot sei auch die Flagge Ihollands. Nach 1918 entsetzten sich Biedermänner, wie ein durch den Krieg verarmtes Volk die Kosten für die Anschaffung neuer Fahnen tragen soll«: 1799 trat L a Galissonicre für Beibehaltung der Bourbonen- flagge ein, weil man sonst„erhebliche Ausgaben" verursach«. Nach 1918 ritten die Dentschnationaten auf der„glorreichen Vergangen- beit" der Farben des wilhelminischen Reichs herum: in der Kon- stituante von 1799 tat der Graf v o n V i r i e», Oberst a. D., Vertreter des Adels der Douphinc, strammer Rückwärtscr, bedeutend den Mund auf, um die Flagge zu verherrlichen,„die immer den Ruhm und die Ehre des französischen Namens gebildet hat":„Alls guten Bürger werden beunruhigt kein, wenn man ihr« Farben wechselt: es ist die Flagge, die Amerika freigemacht hat, ein Wechsel würde auf eine Vernichtung der Erinnerung an unser« Siege und unsere Tapferkeit hinauslausen." In unseren Tagen beschimpfen republikfeindliche Lausbuben die Farben der Weimarer Verfassung als Schwarz-Rotschild-Goldschmidt oder als Schwarz-Rot-Mostrich: 179,) stink nicht einmal der verbohrteste Anhänger des unbeschränkten Königtums auf dieses Gossenniveau: immerhin höhnte der Marquis de Foucault über „die neue kindcrkwpper in de« drei Farben". Aber dieser Spott rief die mächtigst« Persönlichkeit, den wort- gewaltigsten Redner der Konstituante, M i r a b e a u. auf die Tri- büne:„Bei den ersten Worten dieser seltsamen Erörterung habe ich. wie der größte Teck der Versammlung, in mir das Brodeln der patriotischen Leidenschast bis zur heftigsten Auswallung verspürt." Lebhaftes Murren der Rechten, das schon dieser Anfang hervorrief, wurde vom Beifallssturm der Mehrheit weggefegt, und so ging es mit jedem weiteren Satz. Als Anmaßung brandmarkte M i r a b e a u, daß man überlmupt gewagt habe, die Frage anzistchneiden: noch vor wenigen Wochen hätte ein Frechdachs, der Geringschätzung für das Wahrzeichen des Patriotismus olfenbort hätte, dieses Verbrechen mit dem Lebe» bezahlt. Unbegreiflich dieser Vorstoß, da die vereinigten Komitees der Konstituante den schönen und tiefen Gedanken gehabt hätten, den Matrosen„als Zeichen ihrer Ausnahme in das Vaterland, als Appell an ihre Hingab«, als Belol?ming für ihre Rückkehr zur Disziplin" die Nationalflagge zu verleihen, eine Maßregel, die im Grunde weder verlangt noch beschlossen zu werden brauche, da längst der Chef der bewaffneten Macht, nämlich der König, angeordnet habe, daß die drei Farben das Kennzeichen der Nation seien: Gründlich verkennt man den Geist der Oefsentlichkeit, wenn man im Angesicht des Volkes, dos uns hört, zu Ihnen zu sagen wogt, daß es alte Vorurteile gibt, denen in an Achtung entgegenbringen müsse, als bestehe Ihr Ruhm und der des Volkes nicht gerade darin, sie vernichtet zu haben, diese Vor- urteile, auf die man sich beruft! Ganz kühl wagt man zu Ihnen ein« Sprache zu sprechen, die genau ausdruckt: Wir glauben uns stark genug, um die weiß« Fahne zu hissen, das heißt die Fahne der Gegenrevolution(lautes Geschrei rechts, einmütiger Beifall links), an Stelle der verhaßten Farben der Freiheit. Aber sie unterschätzen sich. Glauben Sie mir(zur Rechten), wiegen Sie sich nicht in eine so gefahrliche Sicherheit ein, denn dos Erwack)en wäre jäh und fürchterlich(Murren, Bei- iall, Zwischenrufe: Das ist die Sprache eines Wühlers!)... Es ist. ich sage nicht, Mangel an Achttmg, ich sage uiäft, verfassungs- widrig, ich sage, es ist ein ausgemachtes Verbrechen, in Frag« zu stellen, ob die für unsere Flotte bestimmte Flagge von jener verschieden sein kann, die die Nationalversammlung bestätigt, die die Nation und der König angenommen hat. Die wahren Wühler, die wahren Verschwörer sind jene, die uns von Schonung und Vorurteilen sprechen, denn sie rufen die Erinnerung an unsere einstigen Irrtümer und an die Leiden unserer fchänd- liehen Versklavung wach. Aber, meine Herren, Ihre tolle An- maßung wird enttauscht werden: umsonst Ihre unheilvollen Prophezeihungen, Ihr lächerliches Geheul: sie werden «ws den Meeren schwimmen, die Ikationalfarben; sie werden di« Achtung oller Länder erringen, nicht als Zeichen des KtMpfcs und des Sieges, sondern als das der heiligen Verbrüderung aller Frei heitsfrc und« auf Erden und als Schreckmittel für Verschwörer und Tyrannen... Ich stelle den Antrag aus Annahn«: des Dekrets und den weiteren, daß die Marinemannschasten an Bord der Schiffe morgens, abends und bei allen wichtigen Gelegenheiten statt des gebräuchlichen dreimaligen Rufs: Es lebe der König! fortan zu rufen haben: Es lebe die Notion, das Gesetz und der König!(Minutenlanger Beifall und Härrdeklalschen.) Hingerissen durch dies« machtvolle Rede beschloß die Bersamm- lung so und überließ das Nähere dem Ausschuß. Aber wie, Zuge- ständnis an die Vorurteile der Vergangenheit, 1919 die deutsche Reichsmarineflagge schwarzweißrot mit schwarzrotgoldener Gösch wurde, so schlug auch 1799«in Vermittler vor, der„Farbe des Helm- buifchs Heinrichs IV.", also der weißen, eine Einfassung von Blauweißrot zu geben. Aus inonnetechnischen Gründen, weil die Flaggen an Bugspriet, Fockmast usw. verschieden sein müßten, wur, den in der Tat an einigen Flaggen lediglich blauweißrot« Streisen angebracht, aber Kommission und Konstituante verordneten auch: „Der Wimpel der Kriegsschiffe ist rot, weiß und blau und der Stander trägt dieseliben Farben". Wenn zugleich die Feldzeichen der Regimenter blauweißrote Fahnenbänder erhielten, brachte der 29. Juni 1791 die Trikolore fürdie ganzeArmee: die Bestimmung, daß die alten Fahnen mit den bourbonischen Lilien nicht etwa von„Traditionskompagnien" in einen„Ehrensaal" des Zeughauses zu geleiten, sondern kurzerhand zu verbrennen seien, führte zu Unruhen in einzelnen Truppenteilen. Aber Blauweißrot setzte sich glorreich durch und als, genau vor hundert Iahten, in Paris das Volk über die Machthaber der Re- stouration Herr geworden war, die noch einmal für kurze fünfzehn Jahr« das Lilienbanner aus der Mottentiste geholt hatten, war das erste die Hissung der Notionalfarbcn von 1789; selbst ein überzeugter Legitimist wie Chateaubriand gab von der weißen Flagge zu:„Die alte Fahne der Toten hängt längs ihrer Stange schlaff herab, weil kein Hauch des Lebens sie mehr bewegt". Daß Frankreich jetzt ein Jahrhundert lang unbestritten die Farben seiner Großen Revolution führt, ward am 29. Juli durch eine Feier vor dem Pariser Rathaus begangen, bei der der Präsident der Republik unter den Klöngen der Marseillaise die vom zwölf Meter hohen Mast flatternde Trikolore grüßte. Hermann Wendel. Neues vom Eichkatzenkellerwirt Erinnerungen an bewegte Tage Hans Bauer und Johannes Saalfeld haben an dieser Stelle von Theodor Wesenack, dem Wirt des Eichkatzenkcllers, berichtet. Ihre Mitteilungen sind sicher mit großem Interesse ausgenommen worden. Wesenack war einer der rund dreihundert Bcr- l i n e r, die in der Zeit des Sozialistengesetzes aus ihrer Heimat- stadt ausgewiesen wurden. Da die Erinnerung an Wesenack wachgerufen wurde, sei hier noch mitgeteilt, mit welch brutalen Mitteln der Cichkatzenkellerwirt von den Sozialistenfeinden ver- trieben wurde. Wir entnehmen einem Buch, das im Jahre 1889 in London von der German Cooperalive Publishing Co. herausgegeben wurde („Nach zehn Jahren." Materiol und Glossen zur Geschichte des Sozialistengesetzes.), die folgende Darstellung: Wesenack mußte seine Heimatstadt Berlin im Juni 1886 binnen zweimal 24 Stunden verlassen, weil er sich geweigert hotte, zum Verräter an seinen Gästen zu werden und weder durch Drohung noch durch List zu bewegen war, die Voll- strecker der Lynchjustiz an den Polizeilumpen und Puttkamerschen „ehrenwerten" Beamten I h r i n g- M a h l o w zu verraten. In derselben Stunde, als er aus Berlin abreiste, wurde seiner Frau das Wi r t f cha f t s l o k a l geschlossen und die anwesenden Gäste oertrieben, die Firma dann durch einen herbeigerufenen Maler auf polizeilichen Befehl überstrichen und ein Posten vor das Lokal postiert. Da Wesenack vor seiner Ver- treibung um die stellvertretende Konzession für einen Bruder seiner Frau eingetommen war. so wurde auf vieles Protestieren der Frau gestatlet, das Lokal offen zu halten, um es so schnell wie möglich zu oerkaufen." Wie die Polizeischergen der sozialistengesetzlichen Zeit vor- gingen, zeigt das Schicksal eines anderen Restaurateurs, Paul H a s c l o f f. Nach seiner am 16. Oktober 1879 ersolgten Aus- Weisung aus Berlin führte seine Frau das Geschäft weiter. Aber schon am 19. Oktober, nachmittags 4'ü Uhr, umzingelten etwa zehn Polizisten unter Führung des Leutnants Marquardt das Lokal, weitere sechs Mann drangen ein, befahlen den Gästen, sich zu entfernen und schlössen die Türen ab. Das Geschäft blieb bis zum 2S. Oktober geschlossen. Auch in Haselosfs Prioatwohnung drang die Polizei nach seiner Ausweisung, erbrach dort den Koffer des bereits Abgereisten und durchstöberte alles. Wegen Bonnbruchs wurde er nebst drei anderen Ausgewiesenen zu je 19 Mark verurteilt. Ein Urlaubsgesuch, um seine Wirt- schost zu verkaufen, wurde ihm zweimal abgeschlagen, weil der Verkauf auch von Leipzig aus besorgt oder ein Vertreter bestellt werden könne. Haseloff wie Theodor Wesenack mußten das Deutsche Reich ver- lasten und fristeten beide in New Port ihr Leben. Fern der Heimat starben die Vertriebenen, die dos Opfer der Bismarckschen Brutalität geworden waren. dl. Alte Lokale alte Kämpfer Man schreibt uns: Als sozialdemokratisch« Hochburg des 2. Wahlkreises war wohl Anfang der 99cr Jahre das Parteilokal van Werner, Bülow- straße 57, anzusprechen. Werner war einer von den unterm Schand- gesetz Ausgewiesenen, genoß bei der Partei unbegrenztes Vertrauen und saß bei allen wichtigen Aktionen im Rate. Trotz seiner vielen Funktionen mußte er aber noch fleißig hinterm Schanktisch hantieren. Die Ruhe selbst, stand der stämmige, schweigsame Mann am Büfett, jeden neu hereinkommenden Gast unausfällig musternd. Wurden die„Jungen" mal gar zu munter und laut, dann drohie ,cher schwarze Manu" mit der Gläserbürste und schon war alles wieder in Ordnung! Besonders zur Wahlkampagne waren fast alle führenden Genossen einmal bei W. anzutreffen, um Hand anzulegen, daß dieser schwerst umstllrmt« Kreis der Partei zusolle bzw. erhalten bleibe: die einzelne» Bezirk« mußlen— man kann sogen— individuell bearbeitet werden. Sogar die behäbige, gütige Gattin Bebels saß mitunter auch Sonntags vormittag im Vereinszim- mer, um schriftlich« Arbeiten zu erledigen, für jeden ein nettes Wort übrig habend, der mit seinem„Block" prompt fertig war. Der „alte Herr" holte hin und wieder, wenn es möglich war, die inüte Gattin ab, und Familie Bebel tippelt? hurtig nach Hause. Ein Parteigenosse, vor dem selbst die Bezirksbonzen des Frei- sinns einen heillosen Respekt hatten, war Otto Antrick: er hatte in der Steimnctzstraße eine kleine Zigarrenfabrik mit Laden. Der spätere Achtstundenredner war damals Stadtverordneten- Kandidat. In der Denncwigstrahe war Versammlung. Als Referent hatte man uns einen recht schwachen Redner geschickt: die Stim- mung war dementsprechend sehr mau. Die Gegner drängen auf Schluß, sie liegen mit Längen vorn. Wer weiß, wo A. zu tun hat? Einige laufen los, sinden ihn, schleppen den„Delinquenten" herbei und gerade als das Schlußzeichen ertönen soll, steht Antrick auf der Bühne: wir gewannen unsere Posiiion wieder— und Anhänger dazu! Komisch war aber eins: Antrick hott« unter den Genossen man» che« Gegner! Warum? Er war ihnen— zu„stolz", war„eingebildet" usw. Nun ia, A. macht? eher in seinem Acußcrcn den Eindruck eines Oberlehrers als den eines biederen Zigarrenmachcrs. Be- haftet mit schwarzem Bratenrock, schwarzer Schleis«, schneeweißem Kragen, dazu über der Nase«ine Brille mit sogenannten Gold- rändern, mußte ihn jeder für«inen„Studierten" halten, der dies durchaus nicht anders wollte. A. wußte von der Gegnerschaft sehr gut, er wußte aber auch, daß dieselben„Gegner" seinen Worten von ganzem Herzen lauschten und— wenn es nötig gewesen wäre— für ihn durchs helle Feuer gehen würden. Wir Jüngeren haben von A. auch in punkto Ilmgangsformen manches lernen können. In der Diskussion besonders standen seine Wort« auf hohem Niveau. Er war ein würdiger Eckpfeiler des 2. Wahlkreises von damals. Fritz Z u b e i l, der später übrigens ein Parteilokal mit Garten Lindenftraße 196 bewirtschaftete, ebenso Richard A u g u st i n waren zuweilen bei Werner anzutreffen Auch Augustin übernahm ein größeres Gewerkschaftslokal Oranicn- straße 294, das sich großen Zuspruchs erfreute. Manche Par.i« Klabrias hat Richard am Stammtisch gespielt— und verloren! Das Parteilokal Obst befand sich in den neunziger Jahren .in der Grunewaldstniße. Dazu gehörte ein recht schöner Garten mit altem Baumbestand: es war eine ideale Erholungsstätte, be- sonders im Sommer. Wer wußte damals etwas vom„Verreisen"?! B. St. (18. Fortsetzung.) 18. Auf neuem Posten. Die neue Stellung brachte für Kern anfangs viel Abwechslung. AI» er den verstopften Güterbahnhof wieder freigemacht hotte, foh er mit großer Befriedigung die vielen Güterzüge«in- und ausfahren. Alle» ging wie am Schnürchen. Da» zahlreich« Rangierpersonal hotte sich auch sehr bald an seinen neuen Borgesetzten gewöhnt und unterstützte ihn gern« im Dienst. Nur selten macht« sich ein« miß- günstige Stimme bemerkbar. Gerade jetzt, wo die pielverschlungenen Bohngleis« auch im Winter trotz starken Schneefalls und standiger Derwehungen srei- gehalten werden mußten, um den Berkehr ungehindert vor sich gehen zu lassen, hotte da» Personal täglich Gelegenheit, die Zuverlässigkeit und Erfahrung des neuen Leiter» kennen zu lernen. Auch bei schlechtestem Wetter war Kern täglich an irgendeiner Stelle de» um- fangreichen Rangierbetriebes zu sehen. E» gab überall etwas zu kontrollieren und die Art. wie Kern diese Kontrollen vornahm, er- warb ihm die Sympathie seine» Personal». Fand er irgendwo eine verschneit« oder festgefrorenc Weiche, so sprach er mit dem dafür verantwortlichen Manne in kameradschaftlichster Weis«. Er wuhte, daß«» meist nicht Nachlässigkeit war, wenn eine solch« Störung sich zeigte, aber die schwerwiegenden Folgen, die da» haben konnte, forderten eben gewissenhafteste Pflichterfüllung. Wochenlang herrschte eisige Kälte. Di« Bahngleise waren meist mit fußhohem, lockerem Schnee bedeckt. Wo der Wind den trockenen Schnee hinwegtvieb und die Weichen freilegte, waren sie, bei der starken Kälte, stet» der Gefahr au»ges«tzt, rasch einzufrieren, tratz guter Oelung, denn da» Oel vermischte sich mit ausströmenden heißen Wosserdämpsen und den dadurch geschniolzenen und wieder g«, froren»» Schneemossen. Und wo der Wind den lockeren Schnee in die Fugen der Weichen trieb, traten jeden Augenblick Verstopfungen ein, so daß an manchen Tagen die Aufrechterhaltung eine» geord- neten Betriebe» geradezu übermenschlich« Anforderungen an die Arbeitskraft de» Personal» stellt«. Mit Kerns Rangierabteilung war auch die Gleisanlage des Personenverkehrs eng verknüpft, da der Güterverkehr auf die ge- meinsamen Schienenstränge der Fernstrecken hinübergeleitet werden niußt«. Störungen im Güterverkehr hatten somit Stockungen'.m Personenverkehr zur Folge und umgekehrt. Deshalb war es Kern» Aufgabe, auch die Gleiskontroll« auf einem Teil de» Personenbahn- boss mit auszuüben, ein« bei solchem Winterwctter aufregende, aber ihm sehr.zusagende Tätigkeit. Förmlich Spaß macht««z ihm, wenn er aus feinen' Büro heraus in» Freie trat und der Wind ihn kalt, ober auffrischend umpfisf. Aus seinen von Kälte geröteten Wangen lag dann ein freudiger Gesichtszug, seine Augen blickten heiter über die verschneiten Gleisanlagen, wenn er sie, vorsichtig steigend, überschritt. Heute koni er zufriedener als sonst von seinem Kontrollgang zurück. Der Wind war umgeschlagen. Aus Südwest wehte eine luu« Luft und brachte ein Tauwetter, das länger« Zeit anhalten sollt«, wie der amtliche Wetterbericht ankündigte. Hatte er an den kalten Tagen mit heiterem Mut« der Unbill der Natur getrotzt, so freute er sich heute ihrer Milde,«eil sie ihm und seinen Leutin eine Erleichterung des Dienstes brachte. Mit einem angenehmen Gesllhle innerer Befriedigung betrat er fein Amtszimmer Kerns Abteilungssekretär begrüßte ihn respektvoll, indem er sich halb van seinem Schreibtische erhob, ,/lerr Betriebsleiter, es ist von der Direktion angerufen worden. Der Herr Direktor möchte Li« mal sprechen." „Für wann hat mich der 5)err Direktor bestellt?" „lieber die Zeit ist nichts Bestimmte» gesagt worden." „E» muß doch eine Zeit angegeben worden fein!" „Bis 1 Uhr ist der Herr Direktor fast immer zu sprechen." „Gut, dann iverd' ich gleich gehen." „Bielleicht ist es gut, wenn ich Sie gleich anmeld«, Herr Betriebs- leiter?" „Ist recht." Kern sah nach der Uhr.„Wie lange brauche ich bis zur Direktion?" „Eine halbe Stunde, Herr Betriebsleiter." „Dann melden Sie mich gleich an." Die Dienstmütze wieder auf den Kopf schiebend, den Rock zurechtziehend und dabei die naß- gespritzten Stiesel betrachtend, verlieh Kern dos Zimmer. Eine leicht« Unruh« ergriff ihn, obwohl ,r glaubte, daß es sich nur um sein« endgültig« Anstellung handeln könne. Kern zwang sich ein Lächeln ob, als er da» Borzimmer seines neuen Direktors betrat und rückt« sich fest auf dem Stuhl zurecht, auf den er sich setzte, um seinen Aufruf zu erwarten. Schon nach einigen Minuten wurde er hereingerufen. Direktor Berthold empfing ihn mit einer eigentümlichen Miene, au» der ein Gemisch von freundlichem Interesse und Verärgerung sprach. Berthold glich in seinem Aeußeren in vielem Kern. Mittel» große, gedrungene Figur, rundliche Wangen, darüber ein« starte Siirnpartie mit buschigen Augenblauen, etwas große, fleischig« Nase, und darunter ein beschnittener, die Oberlippe bedeckender Schnurr- bort. Nur die Augen waren dunkel, fast schwarz, so daß sein G:- ficht, beim ersten Eindruck, etwas Einschüchterndes an sich hatte. Das änderte sich aber sofort, wenn er sprach. Die sehr hohe. temperamentvoll belebte, doch in freundlichem Tonfall angenehm verklingende Stimme milderte die Strenge der äußeren Erscheinung. Jetzt, wo die beiden Männer sich Auge in Aug« gegenüber- standen, schien ihnen die Aehnlich�eit ihres Aeußeren erst richtig auf- zufallen. Sie musterten sich ein« ganz« Weil«, ehe sie Wonc fanden. Endlich sagte Direktor Berthvld: „Nehmen Sie Platz. Herr Kern." „Danke, Herr Direktor." Kern ließ sich auf einem Stuhl, der gleich am Eingang stand, nieder. „Setzen Sie sich bitte dorthin", sagt« Direktor Berthold und wie? auf einen bequemen Ledersessel, der in der Mitte de» Zimmers neben einem kleinen runden Tische stand.„Ich habe verschiedenes mit Ihnen.zu besprechen." Kern folgt« der Aufforderung und sah darin cm günstiges Zeichen für den weiteren Verlauf der Sache. Die Verfchnürung in der Brust ließ nach. „Sagen Sie mal, Herr Kern", begann Berthold,„Sie sind mir doch von meinem Kollegen Fehlinger so warm empfohlen worden?" „Ich glaube, Herr Direktor." „Ich habe deshalb auch gor nicht erst Rückfrage geholten, ur.d was Sie bisher in meiner Direktion geleistet haben, gibt meinem Kollegen Fehlinger recht. Aber... Ja, es ist eben... mein Direktionssekretär, der Schafs... wie diese Schreiberseelen nun einmal sind, hat von sich aus Rückfrag« gehalten— wegen der Personalakten." Kern gab e« einen leichten Ruck:„Kann nicht viel dabei heraus- gekommen sein, Herr Direktor. Ich hin freiwillig ausgeschieden. Im Dienst habe ich immer alles getan, was in meiner Kraft stand." „Sie sind freiwillig ausgeschieden. Gerade da» scheint gewissen Leuten ein Beweis dafür, daß Sie«in eigenwilliger Beamter sind, einer von denen, die sich schwer in die allgemeine Disziplin ein- ordnen." Kern schwieg. „Ja, ja, so ist'«, mein lieber Herr!" Der Direktor rief es mit seiner hellen Stimme. „Ich bin nie widersetzlich gewesen, Herr Direktor. Nur wegen einer Sache bin ich in Differenzen gekommen." „Doch nicht mit Direktor Fehlinger?" „Nein, mit einigen Herren von der Verwaltung." „Und was war dos?" „Wegen eines Berichts über morsche Bohlen,.Herr Direktor. Ich war Bahnmeister sür den Strcckenbau. Es hatte sich heraus- gestellt, daß auf einem stark beanspruchten Abschnitt von rund hundert Metern morsche Bohlen logen. Darüber habe ich sofort Meldung gemacht, aber es war ein kleiner Formfehler dabei. Und da nach den Akten der Oberbau erst vier Jahre log, war es wenig glaubhaft, daß ein Teil der Böhlen morsch sein sollte. Deshalb bekam ich Differenzen." „Nur deshalb?" „Nein. Auch weil ich in meinem Bericht om öchlust« einen besonderen Vermerk gemacht hatte, daß die Sache dringlich fei." „Was dos mit den alten Schwellen anlangt, so ist mir«in solcher Fall vor Iahren auch passiert. Es war in der Kriegszeit. Da gab's gewissenlos« Menschen, die mit den neugelieferten gefunden Schwellen lleine Schiebungen machten. Den einen Kerl habe ich noch heut« stark im Berdocht. Und nun Ihr Füll: die Akten stimmten mit dem Befund nicht uK'mn, ihre Meldung war pichst' vorschriftsmäßig, und da haben Sie sich mit einigen Herren von der Berwattunz vcr- kracht?" Berthold lachte. „Saut�fr Herr Divekkor, Jtr-rom***, aniworkete KerrnlekchM'viM erleichtert. „Sonst steht nichts in Ihren Personalakten?" „Was anderes kann nicht drin stehen, Herr Direktor." „Da haben Sie ja was schönes ausgefressen!" Der Direktor stieß den Atem durch die Nase aus. Kern sah Berthold erstaunt an. Der lächelte ein wenig verdrießlich und fuhr nachdenklich fort: „Haben Sie nicht überlegt, was es heißt, freiwillig aus der Beamten« stellung auszuscheiden?" „Ich sollte strafoerjetzt werden, Herr Direktor!" Kern hatte Mühe, nicht aufzubrausen. „Ach was. strafversetzt! Daraus pfeift man. Häufig werden anständige Kerle strafversetzt und Lumpen befördert. Es kann ein« Ehre fein, ftratversetzt zu werden, wenn man mchts aufm Kerbholz hat. Und Sie Unglückswurm haben überhaupt nichts aus- gefressen." Berthold sprang auf, tat einige Schritte, trat wieder an den Schreibtisch und trommett« mit den Fingern auf der Tischplatte einen lebhasten Marsch.(Fortsetzung folgt.) e Buch Srank'.Harris:„Jahre der Steife"') Frank Harris' halb geschichtliche und hall» seibstbiogra- phische Werke—„Mein Leben", Oscar Wild«, eine Lebensbeichte" und der Roman„Die Bombe"— haben sich«inen treuen Anhänger- kreis erworben, weil sie über Menschen und Verhältnisse reichen Ausschluß geben und, was sie zu sagen haben, mit männlicher Auf- richtigkeit und sozialer Einsicht vorbringen. Diese Fortsetzung des Berichtes„Mein Leben" weist die gleichen Vorzüge auf: wir bc- kommen, da Harns Leiter mehrerer großer Zeitungen und Zeit- schriften war, in den journalistischen Betrieb Englands allerlei Einblicke; da er sich in der großen Gesellschaft und in der Welt des Geistes eifrig umtat, lernen wir führende Persönlichkeiten der Jahr- hundertwend«, Königin Viktoria, Kronprinz Eduard, Gladstone, Rhades und Chamberlain. Kelvin, Wilde, Tennyfon, Zola und Rodin, von ihrer menschlichen Seit« und mit verschiedenen Intimitäten kennen; und darüber hinaus tut sich uns das Getriebe von Politik und Literatur, der englische Charakter mit seiner Prüderie und seinem Snobismus immer wieder fesselnd aus. Aber es muh auch gesagt werden, daß der Geist und die Tiefe der Darstellung hinter der hohen Eelbßeinschätzung de» Darstellers beträchtlich zurückbleiben. Eni- gleisungen wie die, daß Bebel„ein kleiner Jude" gewesen sein soll, der sich vor einem Zornwort Bismarck»„aus seinem Sitz duckte",(S. tzl) oder daß Königin Viktoria,„abgesehen von dem (tatsächlich weit jüngeren) Kaiser von Oesterreich, das älteste Staats- oberhaupt" Europa» war(S. 179), verstimmen und wecken Zweifel an der Zuverlässigkeit de» Buches überhaupt. Epochale Vorgänge der Geschichte wie die Auslösung de» Weltkrieges werden noch echter Spießermanier(ich weiß kein anderes Wort) mit einer Ungezogenheit Kaiser Wilhelms gegen den Prinzen Eduard in ur- sächlichen und Nicht bloß in stimmungsmäßigen Zusammenhang gebrocht. Und ebenso wird auch alles andere, werden Menschenschil- derungen und Vorgänge vom Anekdotischen überwuchert, das Innerste aufdeckend« Charakterporträts, wie sie den Gorki, Trotzki und Figner in ihren Erinnerungen mühelos gelingen, würde man hier trotz größeren Aufwandes oergeben» suchen. Farbenfrohe Oberflächen- gemöld«— wer sich daran freut und wem das genügt, der wird beim neuesten Buch von Harri» auf feine Rechnung kommen. Dr. Alfred KWnherg. •)(Berlin, S. Fischer Verlag. 850 S., 7 M.. geb. 10 W.) W4S 0£/? TAG BRINGT Der Koloradokäfer Der einen Zentimeter lange rotgelb« Koloradokäfer ist der ge» fährlichfte Feind der Kartofsalkutturen: er und seine Larven fressen die Kartofsetselder loht. Aus den Vereinigten Staaten eingeschleppt, ist er zum erstenmal im Jahre 1876 in Europa gesichtet roordsn und trat 1877 in Deutschland(bei Schildou in Sachsen) auf. Nur dem energischen Eingreifen der mit dem Pflanzenschutz betrauten behördlichen Stellen ist e» zu danken, daß die Gefahr damals im Keime erstickt werden konnte. Der Koloradokäfer haust vorwiegend auf dem Kartoffelkraut, setzt sich aber auch auf Tomatenpflanzcn, Kohl, Disteln, Knöterich, Melde, Hederich und Iohannisbeer- sträuchern. Er ist ln Deutschland fast gänzlich ausgerottet, doch bedroht er gegenwärtig uirfere Fluren von Fvankrcich her, wo er sich eingenistet hat. Deshalb besteht seit einigen Jahren Einfuhr- sperr« gegen französisch« Frühkartoffeln, wo« zu«nisten Ausein» andersetzungen zwischen den Regierungen geführt hat. Der Deutsch« Pflanzenschutzdienst gibt ein besondere» Merkblatt über den Kalo- rodokäser heraus und verlangt, daß bei Austreten des Käfer» so- wohl der Ortspolizei als auch der Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forftavirschast sofort MilleiUmg gemacht wird. Verordnung für Fischhändler In einer Sammlung alter Wiener Polizetverordnungen findet sich auch eine, nach der die Fischer auf dem Markt« mit unbedecktem Haupte die Fisch« feichaben sollen, um sie durch die Sonnenhitze zu zwingen, ihr« Waren wohlfeiler abzugeben. Die Verordnung war nicht so dumm, wie es auf den ersten Blick scheint. Sie schlug zwei Fliegen mit einer Klapp«. Einmal zwang sie die Fischer, ihre Waren billig zu verkaufen, und zweitens wurde durch den schnellen Um- saß die Gefahr herabgesetzt, daß die Fische auf dem Markt durch die Sonnenhitze verdarben. Eine neue chinesische Landessprache Während auf politischem Gebiet China durch die fortgesetzten Kämpf« noch immer in zahlreiche Parteien gespalten ilt, hat sich auf kultu» rellem Gebiet infofern ein Zusammenschluß vollzogen, ol, nunmehr an Stelle der vielen Dialekt« eine einheitliche Lande,. sprach« geschaffen wurde. Eine solche allgemein anerkannte Sprache fehlte bisher in dem großen Reiche mit seinen vielen weit auseinander liegenden Provinzen, wodurch die Sprachverwirrung eine derartige geworden war, daß sich die Bewohner der verschiedenen Landestetfe nicht mehr verstanden. Nun hat die chinesische Regierung in Nanking den Antrag einer Gesellschaft für chinesische Spracheinheit onge- nommen und die alte chinesisch« Amtssprache, deren stch früher die Madannen im Verkehr mit den Behörden bedienten, osfi- ziell zur neuen Landeespraä)« erklärt. Es wird freilich noch einige Zeit dauern, ehe die„Mondarinenfprache" ollgemein gebräuchlich ge- worden und auch in das Volk gedrungen ist. Es hängt ihr noch zuviel von dem pathetischen Schwulst vergangener Jahrhundertc an, der in unsere Zeit nicht mehr paßt, und es bedarf einer gründlichen Säube- rvng der oeralieten„Hof- und Äanzlistensproche". um sie sür den täglichen Verkehr auf der Straße brauchbar zu machen. Mit M«f«r Säuberung ist ein« Kommission von Gelehrten bauftragt, die schon so gute Arbeit geleistet hat, daß an zahlreichen Universitäten und Schulen auch cntsernter liegenden Provinzen der Unterricht bereits in der neuen chinesischen Landessprache erteilt wird. Hoteidiploma tie Weit mehr als früher sind in unserer Zeit die großen Gast- Höf« einzelner Städte mit den Verhandlungen der internationalen Diplomatie verbunden, so daß nach dem Worte eines sranzäsifchen Schriftstellers ein fpäterer Geschichtsschreiber den Beginn des zwan- zigsten Jahrhunderts als die Aera der Hoteldtplomatie bezeichnen kann. Diese Aera begann mit dem Bersailler Friedens- vertrag, der zwar im Spiegelsaale des Schlosses von Versailles unterzeichnet, aber in den Zimmern eines großen Hotels der Champs Elysces in Paris vorbereitet und in feinen Einzelheiten besprochen wurde. Der Völkerbund hat in Genf die Räume eine» dortigen Hotel» für zehn Jahre gemietet, die Reparations-- kommifsion begann ihre Tätigkeit in einem Gasthof, und die Bc- sprechungen des Obersten Rate» der fünf Möchte, wie die Beratungen über den Dawe»- und den Poung-Plan fanden ebenfalls in Hotel» statt. Auf dies« Weise sind die großen Hotels von Paris und London, von Genf, Washington und dem Haag mit der diplo- matischen Geschichte unserer Zeit eng verknüpft. E» entspricht die» auch dem Heist einer Epoche, in der die Staatsmänner der ein» zelnen Länder in einem Jahre mehr auf Reifen firtd, als die Staatsmänner früherer Zeiten während ihrer ganzen Amtsdauer, und in der der gepackt« Koffer zum unentbehrlichen Requisit des mo- dernen Diplomaten geworden ist. Es fei übrigens beigefügt, daß in früheren Zeiten die diplomatischen Kongresse zwar in amtlichen Gebäuden abgehalten wurden, einzelne Friedensschlüsse dagegen in Gasthöfen stattfanden, wie etwa der Prag er Friede, der den Krieg de» Jahres 1866 beendete, im„Silbernen Stern" in Prag und der Frankfurter Friede des Jahre» 1871 im„Hotel zum weißen Schwan". Erdfeuer Im rumänischen Erdölgebict bei Morcni brennt— wenige D-Zug-Stunden von der Hauptstadt des Landes entfernt— fett Mai 1020«in unlöschlbare» Eidfeuer in einer Höh« von 60 bis 80 Meter. Täglich verbrennen hier ungefähr IV* Millionen Kubikmeter Erdgas, das sich bekanntlich ausgezeichnet für den A�ieb von Gasmotoren eignet. Sollte es sich dabei tatsächlich, wie«Wen Anschein hat, um «in Erdseuer und nicht um schließlich vorübergehende lditzändungcn handein, so haden wir hier ein neues Gegenstück zu dem seit 80)0 Iahren bnmunden— schon von dem 5lv Jahr« v. Ehr. lebenden griechischen Geographen Skylax geschilderten— rätselhaften Erö- feuer von Ianartafch an der Westküste der Bucht von Adalia in Kleinasien zu tun. Diese» noch von mehreren anderen späteren Schriftstellern geschilderte Feuer brennt bereits über mehrere Jahr- taufende. Außer ihm gibt es noch einig« andere Erdfeuer. die aber verhAtnismäßig sehr jung sind; so spottet z. B. da« Feuer von St. Ingbert seit 100 Iahren, dos von Kentucky seit 57 und dos von Pennsylvanien seit 86 Jahren ollen menschlichen Bemühungen, es zu löschen. Sport« und V erfassungsf eiern Die Veranstaltungen am 9., 10. und 11. August Am Sonntag, dem 10. August, ist die Spree die Kampfbahn sür Ruderer, Kannsahrer und Schwimmer. Ium ersten Male soll der Grossstädter eine gemischte Staffel des Deutschen Wassersport- Verbandes sehen. Tausende von Berliner werden Zeuge de-- Kampfes dex drei Stafjeln„Schwarz-Rot-Gold" sein. Die Staffel wird um 11 Uhr an der Stodtschleuse starten und gegen 1�12 Uhr am Ziel Achenbachbrücke(Bahnhof Tiergarten) eintreffen. Besonders starkes Interesse wird dem Spree-chaoel-Achter-Rennen(Start Mar- ichollbrücke, Ziel Achenbach-Brücke) entgegengebracht. Eine geinein- sam« Gruppenfahrt vom Ziel zum Start nach Beendigung der Ber- anstaltung(Achter, Vierer, Doppelzweier und Kanufahrer) wird diesen besonderen Tag beenden. „RelchsverfassungS'Ziclfahrt nach Berlin" Der Polizei-Motorrad-Club Berlin E. 23.(DMD.) veranstaltet am 9. und 10. Augirst d. I. die„2. Reichs- verfaffungs-Zielfahrt noch Berlin" unter dem Ehren- Protektorat des Berliner Polizeipräsidenten Zörgiebel, verbunden mit einem Begrüßung sa de, rd(Sonnabend). Sonntag ob 14J-3 Uhr großes Gartenkonzert unter persönlicher Leitung de- Marine-Ober- Musikmeisters a. D. Alexander Fleßburg mit seinem großen Orchester, ab 20 Uhr großer Ball, große Tombola und sonstige Darbietungen. Das Ziel- und Deranstaltungslokol ist das große Gartenrestaurant „Zum Spandauer Berg", Berlin-Charlottenburg, Spandouer Chaussee S7, und ist durch Flaggen und Zielband kenntlich gemacht. » Dos bundestreuc Arbeitersporikartell Schöne- bcrq-Friedenau wird am Sonntag, dem 10. August, 16 Uhr nachmittags, mit einer Propagandaveranstaltung die Feiern zum Bersasiungstage eröffnen. Di« Veranstaltung beginnt mit einem Werbeumzug um 16 Uhr, dem sich um 17 Uhr auf der Stadtpark- wiese in Schöneberg sportlich« Porführungen, Volkstänze der SAI. sowie Radreigen und ein Radballspiel der Arbeitervadsahrer an- schließen. Das sportliche Programm besteht aus ollgemeiner Gym- naftik, Faustballspielen und Tänzen der Frauen. Außerd«n werden die Arbeitersamaritcr den Zuschauern erst« Hilf« bei Unglücksfällen vor Augen führen. Die Feier findet ihren Abschluß mit einer Kundgebung auf dem Rudolf-Wilde-Plaß. Hier wird der Vorsitzende des 11. Kreises der Partei, Genosse Mendt, zu den versammelten sprechen. Am 11. August wird die Verfassungsfeier des Bezirksamts Prenzlauer Berg mit einer Abendveranstaltung aus dem „Exer", Sportplatz an der Schönhauser Allee, abgeschlossen. Di« sportlichen Vorführungen werden von den bundestreuen Arbeiter- sportlern ausgeführt. Die Veranstaltung beginnt mit einem Aufmarsch um 18 H Uhr, wobei als Vertreter des Bezirksamts Stadtrat Dr. Friedländer in einer Ansprache auf die Bedeutung des Tages hinweisen wird. Dann beginnen auf allen Plätzen die sportlichen Uebungen. Die Radfahrer von„Solidarität" zeigen Radballspiele und Retgen. Besonders hervorzuheben sind die reichhaltigen'Vor- führungen der Athleten, die Ringen, Heben, Iiu-Iitfu, Boxen und Artistik bringen. Dann wird Fußball, Handball, Hockey, Tennis und Faustball gespielt. Ferner werden auf dem Mittelfeld die Jugend des Zentralverbandes der Angestellten und der anderen freien Gewerkschaften Volkstänze in mehreren Gruppm tanzen. Auf der Mittelpromenade führt währenddessen die Frei« Sport, und Musikervereinigung ein Platzkonzert durch. Dort werden auch die Schachspieler ihre Kunst zeigen. Bei eintretender Dunke'heit wird ein Feuerwerk zur Entfaltung gebracht. * Das Kartell für Arbeitersport und Körperpflege veranstaltet im 9. Bezirk, Berlin-Wilniersdorf. am Sonntag, dem 10. August,«in Kartellfportfest. Alle Vereine des 1. Kreise», insbesondere di« Nordgruppe 4. Bezirk, werden hierdurch ausgerufen, sich in Massen an der Veranstaltung zu beteiligen. Treffpunkt 12 Uhr(pünktlich) auf dem Sportplatz Cieerostroße. lLer- bindungen: Stadtbahn bis Halensee, dann r«chts die Westfälisch« Straß« entlang bis zur Cicerostraße. Straßenbahnen: 76, 176, 78, 79, 91, Autobus: 1, 2, 10.) 13 Uhr Abmarsch vom Stellplatz. Beginn der Wettkämpfe um 15 Uhr(3 Uhr). Ycrfassungshirnier Do» vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold(Minterspori- AdUilung) gemeinsam mit d«m Berliner Tennis- und Wintersport- Klub Schwarz-Rot-Gold veranstaltete ZZ«rfassungswrni«r begmnt am Sonnabend, dem 9. August, auf den Reichsbanner- Tennisplätzen an der Aous(Bahnhof Ausfüllung). Di« Weit- kämpfe werden bis zum 17. August ausgetragen, und zwar sind Wettspiele in ollen Derbandsklossen, mit Ausnahm« der 1., vor- gesehen. Oer Preisträger Norzik Grofjc Erfolge der deutschen Sportflieger Der Europarundslug konnte programmäßig am Donnerstag ab- geschlossen werden, nachdem die in Konkurrenz befindlichen 36 Be- werber die Start- und Landeprüsung erledigt hatten. Der von den besten Sport- und Verkehrssliegern aus Deutschland, England, Frankreich, Polen, der Schweiz, Spanien, Belgien und Kanada b«- stritten« schwere Wettbewerb vereint, wie bereits mitgeteilt, drei deutsche Piloten auf den vorderen Plätzen. Den Sieg errang wie im Borjahre Fritz M o r z i k von der Deutschen Berkehrsflieger- schule, Braunschweig, auf seinem Messerschmidt-Apporat der Bayerischen Flugzeugwerke mit 427 Gutpunkten, vier Punkte vor Paß auf Klemm-Tiefdecker. Besonder» hoch zu bewerten ist der dritte Platz des Iungfliegers Rotz in dieser Elite internationaler Großen. Er benutzte ebenso wie Poß einen Klemm-Tiefdecker und kam auf 419 Punkte. Auch di« heimische Motorenindustri« ist an den großen Erfolgen der deutschen Sportflieger hervorragend be- teiligt, waren doch oll« drei erstplazierten Maschinen, di« sämtlich cer kleinen Kategorie(bis 260 Kilogramm Leergewicht) angehören, mit einem SO-DL-Argusmotor ausgerüstet. Als erster Ausländer folgt an vierter Stelle die Engländerin Miß Spooner auf de .Havilland-Moth mit 120.?S-Gipsy-Motor. Die schneidige Pilotin hat sich damit den meisten ihrer mannlichen Mitbewerber überlegen gezeigt. Der dritte Enropastug 1932 wird nun abermals vom Aero- klub von Deutschland durchgeführt, dessen vortrefsliche Organisation viel zu«iner reibungslosen Abwicklung der Veranstaltung bei- getragen hat- Das Schluß ergebnis lautet: 1. Fritz Morzik- Deutschland (PFW. IE 23c, 80?L Argus) 427 Punkte: 2. Poß-Deutfchland (Klemm L 25c, 80 PS Argus) 423 Punkte; 3. Oskar Notz-Deutsch- land(Kl-nnn L 25«, 80 PS«rgu») 419 Punkte; 4. Miß Spooner. England(D. H. Math, 120 PS Gipsy) 416 Punkte; 5. SB. Potte- Dcutschland(BFW. M 23c, 80 PS Siemen») 409 Punkte: 6. Car- berry-Kanada(Mono Spez., 110 PS Zvarner) 405 Punkt«; 7. von Massenbach-Deutschland(»FW. U 23c, 80 PS Argus) 399 Punkte; 8. Broad-England(D. H. Math. 100 PS Gipsy) 395 Punkte; 9. E. Krüger-Deutschland(»FW. dl 23c. 80 PS Argus) 394 Punkte: 10. Oskar Dinort- Deutschland(Klemm L 2öe, SO PS Argus) 385 Punkt«; 11. Ostcrkamp-Deutschland(Klcmm L SO-L 40 PS Solmson) 384 Punkte: 12. v. Koppen-Deutschland(BFW.>1 23c, 80 PS Siemens) 383 Punkte; 13. Lusser-Deutschland(Kiemm P 25c, 80 PS Argus) 363 Punkte; 14 I. Risztics-Deutschland(Junkers iX50, 80 PS Tenet) 342 Punkte; 15. Thorn-Englonb(Avro Aoian, 104 PS Henne») 338 Punkt«._ Reichsbanner« oder Arbeiter«Sport? Die„Sportpolitische Rundschau' der Zentralkom- Mission für Arbeitersport und Körperpfleg« vertritt folgende Auf- sassung: 1. Wir leiben im Zeitalter der Rationalisierung. Da, hat auf organischen Gebieten die Begriffe: Arbeitsgemeinschaft. Zentrali- sation. Konzentration zur Folge. Das gilt nicht nur für di« M«nge. sondern auch für di« Ties« aller Gedanken und Bestrebungen. 2. Bei Anwendung dieser ikegrisse gibt keine der einzelnen Organisationen ihre Eigenart aus. Wie wir uns beim Anblick einer bunten Wies« freuen, so freuen wir uns bei dem Anblick der Diel- l)«it und Mannigfaltigkeit des Sportes. 3. Wichtig ist. daß überhaupt und bei feder Gelegenheit Leibes- Übungen und Sport getrieben werden. Diefe Gelegenheit findet mancher am besten in seinen, besonderen Wirkungskreis. Daher wird jede Sportbetätigung und Sportgruppe auch im Reichsbanner begrüßt. 4. Der Arbeiterfportlcr ist Republikaner, allein schon auf Grund seiner sozialen Einstellung. Ein« Arbeiter-Olympiade. eine Der- fassungsfcter und dergleichen wird als selbstverständlich auch die Reichsfarben fchwarzrotgold zeigen. Sonst ober kämpfen und spielen wlr nur im Zeichen rot(ohne Hammer und Sichel)! 5. Der Arbeitersportler von heute— und das ist«ntscheidenb— erhltckt Im S�laNsmus nicht nur eine Lehre. Er ist ihm D«lt- anfchauung! Darum unsere politischen Kämpfe, darum mit aller Kraft unentwegtes Streben zur Konzentration aller Arbeitersportler und aller Kulturanhänger, die im Sozialismus Weltanschauung«r- blicken. Daher auch die Pflicht zur Tat, die vor ollem gebietet, sich dem Großen anzuschließen. Die Zentralkommission für Arbeiter- spart und Körperpflege nur ollein ist und bleibt die Einrichtung, die dem bürgerlich- kapitalistischen Sport Dämm« entgegensetzt und ihn erfolgreich bekämpft! Arbeiter-Tennis Fortfuhrung der Serienkäropfe am 10. August- Wegen ungünstiger Witterung sielen die meisten Spiel« au». Rur ein Tressen tonnt« zu End« geführt werden. FT.-Spandou schlug in der Männer-ILGruppe TR.-Prenzlauer Berg mit 5:1 Punkten. Heber die restlichen Begegnung«« werden wir nach Ab- schluß berichten. Am kommenden Sonntag tresfen in der Z- G r u p p e für Frauen TR.-Wedding und FTGB.-Wedding aufeinander. Die Spielstärke beider Mannschaften ist ausgeglichen. Das gleiche ist bei TR.-Fri«drich»hain und TR.-Prenzlauer Berg der Fall. Letztere Mannschaften spielen um 14 Uhr, Friedrichshain. In der .�.-Gruppe für Männer kommt das«ntscheidende Treffen zwtsthen TR.-Fri«drich»hoin und TR.-Prenzlauer Berg, 14 Uhr, Frwdrichshain. Fri«drichshain liegt in Gruppenführung und wird energifch um seine Stellung kämpfen. Um 14 Uhr wird im Stadion Lichtenberg Lichtenberg I gegen Lichtenberg 11 antreten. Es kämpft der Nachwuchs gegen die älteren Spieler. Wesentliche Unterschiede in der Spielstärke beider Mannschaften sind nicht vorhanden. TR.>ZL«dding spielt um 8 Uhr im Volkspark Rehbcrge gegen FTGB.-Wedding. Der Ausgang ist uitzfewiß. Außerdem spielen in den ö-Gruppen folgende Mannschaften. Frau«»: TR.-Wed- ding gegen FT.-Spandau, 9 Uhr, Rehberge. TR.-Prenzlauer Berg gegenLTBB.-Neukölln,..� Uhr, Dolkspark Neukölln. Für die M ä n- n e r sind die gleichen Tresfen angesetzt! Am Verfassungstag, 11. August, findet auf den Plätzen an der Rudolf-Mosse-Stroße ein F r« u n d s ch a s t s t r e f f e n der Berliner Ärbeiter-Tennissportler statt. Die besten Spieler aller Ab- teilungen werden vertreten sein. Außerdem finden zwei Serien- b«gegnüngen statt: TR.-Prenzlauer Berg gegen TR.-Neukölln, TR.- Lichtenberg II gegen TR.-Grsundbrunnen. Die Spiele beginnen um 16 Uhr aus sämtlichen neun Tennisplätzen. -ARaEJm WSSEALL Das„Minerva-Turnier" in Neukölln Aus dem Platz 6 des Neuköllner Sportpark(verlängert« Stein- metzstrahe) wird das Werbeturnier des Freien Fußballvereins „Minerva 28' fortgesetzt. Am heutigen Freitag stehen sich zwei alte Bezirtsrivalen, Minerva und Eiche-Köpenik, gegen- über. Der Ausgang ist noch sehr ungewiß. Die Köpenicker haben es durch eifriges Training oerstanden, ihre Spielstärke beträchtlich' zu heben, während bei Minerva eine nennenswerte Formverände- rung nicht festzustellen ist. Das Spiel beginnt um 18 Uhr.— Am Sonnabend treffen sich um 18 Uhr ebenfalls auf Platz 6 die erst kürzlich zum Bund zurückgekehrten Brieselanger und Vor« «örts-Wedding. Auf dem städtischen Sportplatz in der Inn- straße spielen Minerva 1b und FTGB-Neutölln-Britz. Brieselang 2 und Britz 88 1 werden auf der Freifläche de» Tempel- hofer Feldes für die Bewegung werben. Der Sonntag sieht die Spieler dann schon von morgens 9 Uhr an auf dem Plan. Es beginnen die Jugendmannfchoften von Minerva und Brieselang. Ihnen folgen Vorwärts-Wedding und Sporta-Nauen. Um 13 Uhr treten dann die Männerschaften in Aktion. Eintracht- Reinickendorf hat Vorwärts-Wedding zum Gegner. Sparta-Nauen spielt anschließend gegen Schönow. Der Gegner Teltows wird erst am Sonnabend ermittelt. Die Haupt- attrattion bildet dann um 18 Uhr das Zusammentreffen zwischen Grabow(Mecklenburg) und Minerva. Die Mecklenburger spielten bereits zu Pfingsten gegen die Neuköllner. Damals verloren sie nur knapp mit 2: 4, nachdem sie bis zur Pause noch mit 2:1 in Führung logen. Grabow kommt mit der stärksten Mannschaft, so daß die Neuköllner alles Können daransetzen müssen, um auch jetzt wieder einen Sieg zu verzeichnen. Weitere Gesellschaftsspiele sind abgeschlossen: Lichtenberg 1 gegen Borussia auf dem Sportplatz Kynaststraße, am Bahnhos Stralau-Rummelsburg. Lichtenberg II gegen Hoppegarten in Lichtenberg, Normannenstroß«. Wilmersdorf gegen Strausberg in Wilmersdorf. Karow gegen Saxonia. Freie Scholle gegen Weißensee in Tegel. Kleine Auhballnachrichien. lue SfuftbolUSitila*« be» Zarnveeeia» ftiite-Süpenid sucht au» Anlag be» Leichtatbletlk-Städtekaiaiises aum 10. August für bie erste Mannschaft einen spielstarken Gegner. Eilangebote sind au eichten an Hugo Israel» Zibpenick. Grünauer Str.•46, ober telephonisch Köpenick 1609. tzaßbcklllab.Boansfia- sucht für bie kommenden Sonntage Gegner. Der Beeei« ist der einaige bundestreue im Veairk striebrichsbain. Interessenten, bi« be« �ußballsport auaüben wollen, inelben sich ssreilags ab 20 llbr i» Verrin»l°Ial Rex, Matternstr. 1«. Rachlausnahmen der Arbeil. Heute, Freitag, 1911 Uhr, werden von der Arv«iterfotogi1de im Untergrundbahnbau Alexanderplotz Rachtausnahmen sür Film und Foto gemacht. Treffpunkt Wexonderplatz, Hauptportal Tieft(gegenüber Berolino). Stative und Blitzlicht mitbringen, Gäste willlommen. FIGL. Norden III. Steckt der am 10. August angesetzten Nacht- wontwrunq beteiligen wir uns an diesem Tage an dem Stiftungsfest der Freien Tuvnerschait in Göhlsdors bei Wender. Treffpunkt: 6 Uhr früh pünktlich Gustav-Meier-Allee, Ecke Brunnenstraße.— Sonnabend: Handballspiel der Männer um 19 Uhr gegen FiGB- Nordost im Humboldthain._ Xctie Haaa-Uaio»»rog.Beelia, c. Abt. Havel. Freitag, 8. August, Beteiligung aller Genossen an ber Bolloersammlung um 20 Uta im Restaurant.itzunt Meisten", Berlin. Ierusalemer Str. 0. Sonnabrnb. 9. August, Treffpunkt um>7 Uta im B»ot»bau» ssleischee ober l» Uhr an der Spanbauer Schleuse zwecks Beteiligung an ber Stwfetteirfahrt. Frei« Sportvereinigang Tegel 189», e. D Ireitag, 8. August, nach bem Turnen, Borst« nbchitzung bei Lehnbarbt, Tegel, Lei«- Eck« Berliner Steage. Erscheinen Pflicht. FTGB., Bezirk Eharlottenburg. Olm Sonnlag, 10. August, findet da» Genvpen-Turn- und Sportfest in ssalkensee statt. S, ist unsee« Pflicht, uns zachlreich daran zu beteiligen. Bringt eure Angebvrigen mit. E» gilt in Ialkensee für ben Arbeitersport zu werben. Wir fahr«« in awei Gruppen. Di« erste trifft sich um 7',l Uhr am Bahnhof Iungfernheiho, bie zweite um 12 Uhr ebenda. Dos Turnen»er Mönnerabteilun« deginnt am l8. August in ber Halle Eamminer Strage. Die ssrauenabteilung beginnt mit ton Halstnbetrieb bereit» am 8. August in der Sqtalstrage. Entwicklung der Leichtathletik Die Leichtathletik ist neben dem Fußballspiel der eigentliche Sport. Den Sportjesten geben sie nicht nur Oen Hauptinhalt, sondern auch die Krönung. Ale Dritter im Bund« hat sich in den letzten Johr«n da» Handballspiel weit verbreitet, das eine wertvolle Ergänzung der Leichtathletik bildet. In seinem Buch„Arbeiter- spart' schildert Wildung da» schone Bild des Turnens, das uns immer wieder mit Freude erfüllt. Plötzlich ändert sich da» Bild: Läufer stehen am Start, alles ist Spannung, der Kampf um den Ersten am Ziel beginnt, gellende Zurufe, Schreie feuern die Läufer an, ein orkanartiger Beifallssturm belohnt den Sieger. Nur Sekunden dauerte das Ganze, aber es war«ine Sensation, die alle begeisterte. Wir sehen daraus, daß das Schöne und Kunstvolle uns erfreut, aber die Begeisterung«nisteht erst durch den Kampf. Im Arbeiter-Turn- und Sportbund ist die Volks gesund- helt Leitmotiv. Der individuelle Kampsgeist wird dadurch rationalisiert und nur in kleinen Dosen zugelassen. Dos Ziel geht auf Mannschaftekämpfe hinaus, di« flem«mschaft»sörd«rnd sind, ab«r gleichzeitig auch die„orkanartigen Beifallsstürme" wcjent- lich dämpfen. Darauf ist es auch zu einem großen Teil zurück- zuführen, daß die Bürgerlichen mit ihrer individuellen Jöensaiion weit größere Massen als Zuschauer auf die Sportplatze bringen. Wenn der Arbeitersport sinnische Läufer oder Wiener bzw. rusiische Fußballspieler zu Gast hatte, war das Stadion auch über- füllt. Die Masse will Sensation sehen, dos Schöne und Künstlerisch« ist Liebhobersach«. Deshalb sollte man nicht darüber schimpfen, wenn die Masse fehlt, sondern der Ursache auf den Grund gehen. Di« Bedeutung des Sportes ersehen wir am besten aus der B und«»statt st i k. Von den 6809 Dereinen hoben nur 4706 über Leichtathletik berichtet, es fehlt also ziemlich ein Drittel der Dereine. 3390 verein« betreiben Leichtathletik, besondere Leicht- athletikabteilungen sind 1063 vorhanden. Die sportliche Aktivität erhellt daraus, daß 53 498 Tramingsstunden mit 737 144 Teilnehmern in»er Halle und 80 406 mit 1060 307 Teilnehmern auf dem Sportplatz stattfanden. Die vereine hielten 2280 Sportfeste mit 116198 aktiven Teilnehmern ab. In Durchschnitt kommen 49 Wettkämpfer auf eine Veranstaltung. vi« Statistik der Bezirke zeigt folgendes Bild: Anzahl Teilnehmer Lehrstunden........ 589 12 427 Kurse........... 150 4 463 Waldläufe........ 227 22 258 Straßenstafetten....... 132 36 058 Sonstige Veranstaltungen.... 308 45 792 Interessieren dürste hierbei, daß die Waldläufer und Straßen- stafetten etwas abgenommen haben. Da dies; beiden Veranstaltungen einen hohen agitatorischen Wert haben, wäre eine größere Berück- stchtigung sür die Zukunft sehr zu wünschen. Gute Fortschritte macht die Organisation der Leicht- othlctik. Die Anzahl der Kampsrichtervereinigungen ist von 33 auf 62 gestiegen, ferner sind in allen 18 Kreisen Sportausschüsse vor- Händen, etwa die Hälfte der Bezirke hat jedoch noch keinen Sport- ausfchuh. Die Lehrtätigkeit hat sich günstig entwickelt. Die Anzahl der Kurse und Prüfungen stieg aus das doppelle. Die Bundesschule hielt sieben Lehrgänge sür Leichtathletik ab mit 178 männlichen und sechs weiblichen Teilnehmern. Im 1. Kreise(Provinz Brandenburg) wir» von 112 Vereinen Leichtathletik betrieben, an besonderen Abteilungen sind 28 vorhanden. Es wurden 1887 Trainingsstunden mit 29 384 Teil- nehmern in der Halle und 2923 mit 48325 Teilnehmern auf dem Sportplatz abgehalten, ferner 112 Sportfeste mit 13 250 aktiven Teilnehmern. Entsprechend seiner Mitgliederzahl steht der erste Kr»l» in der Leichtathletik immer noch an der Spitze. Di« gute Organisation und Lehrtätigkeit wird auch in der Zukunft weiter« Erfolg« bringen. Man flüchtet aus Italien Lteber See und Gletscher Locarno. 6. August.(Eigenbericht.) Ucber die Art, wie der F a s ch i st P o r c u bei Mailand ums Leben gekommen ist, liegen bis jetzt nur die Darstellungen der faschistischen Blätter vor, die von einem Uebersall durch eine zahl- reiche aus Männern und Frauen bestehende Menge sprechen. Sehr deutlich erfährt man aber, wie sich der Faschismus das Vor- gehen gegen den Antifaschismus denkt. Arnaldo Mussolini schreibt in seinem Blatte:„Wir sagen den Faschisten nicht, alles der Justiz anheimzustellen. Es ist nötig, auch in den gewöhnlichen Ereignissen, dein politischen Leben stark« Farben zu geben. Wenn auf jede Verleumdung, jeden Vorbehalt, jede Herabsetzung des Re- gimes alle Faschisten die Wucht ihrer Argumente und die Kraft ihrer Muskeln spüren ließen, würde der Antifaschismus nicht diese wilden Ausbrüche haben." Diese Ausforderung zur Gewalt dürfte übrigens gerade in einem Augenblick entfesselter Roheit ergongen sein, denn vereinzelt« Nach- richten lassen den Schluß zu, daß auf den Mailänder Totschlag aus- gedehnte Repressalien gefolgt sind. Trotzdem wurden während des Begräbnisses von Porcu Tau sende von Flug- blättern der Organisation„Giustizia« Libertä' auf die Teilnehmer geworfen. Und weil ein Aerger selten allein kommt, ist nun auch der Student G i n o B i b b i, der als Antifaschist vom Spezial- gericht verurteilt worden war und jetzt unter Polizeiaufsicht die Universität Parlomo besucht«, übers Meer ins Ausland entwichen.. An einem einzigen Tage sind in Korsika g polilische Ilüchllinge aus Booten angekommen. Ueber die österreichische und jugoslawische Grenze sind zwei Matrosen der Kriegsmarine desertiert, von denen der ein« seine Dienstzeit beendet und ins Ausland geht, um Arbeit zu suchen, während der andere sich seiner Dienstpflicht entzogen hat. Diese imnier häusiger werdenden Desertionen entspringen der Furcht, nach der Dienstentlassung der allgemeinen Arbeitslosigkeit zu ver- fallen. Vorher benutzen besonders die Alpenjäger die Gelegenheit, über die Grenze zu gelangen, die sich ihnen svä er nur unter Gefahr ihres Lebens bietet. Vier Flüchtlinge, deren Boot in den Wässern von Livorno angehalten wurde, sind vor das dortige Gericht gekommen. Drei von ihnen wurden zu hohen Bußen und zu je drei Jahren Zuchthaus verurteilt, der vierte freigesprochen, an- geblich, weil seine Schuld nicht erwiesen war. Tatsächlich hat er die Schuld der andern dem Gericht erwiesen, was bekanntlich Dank oerdient. Die Bergbewohner in der Umgebung von Zermatt behcnipten, in diesem Sonnner seien etiva 300 italienisch« Flüchtlinge über den Gletscher gekommen. Dabei haben zwei, ein Mann und seine Frau, das Leben eingebüßt. Die Menschenjagd an den italienischen Grenzen geht weiter. Eine Schonzeit sür dieses Wild gibt es nicht. Aus Italien dürfen die Italiener nich hinaus, noch Italien die Schriften nicht hinein. Daher Hunde und Stacheldraht und zum Aufsteigen bereite Flugapparate. Und in dieser Situation gibt der Bruder des Ministerpräsidenten die Parole aus:„Nur nicht alles der Justiz anheimstellen." Gleichzeitig erfährt man, daß zwei der Südslawen, die wegen des Attentats auf den„Popolo di Triefte" verhafttet wurden, im Kc- fängni? gestorben sind. Es waren zwei gesunde, kräftige, junge Leute, Spanger und M i l o mit Namen. Woran sind sie gestorben? Wie kommt es, daß die Voruntersuchungen in Italien so viel Todesfälle zur Folge haben? Nun wird auch das Verfahren wegen des Attentats auf den König, vom April 1928, wieder aus- genommen. Es scheint, daß der Faschismus die Todesstrafe, anstatt an das Ende des Prozesses, an dessen Anfang zu setzen bestrebt ist. Auch dies ist eine Form, die Justiz zu entlasten, im Sinne Arnaldo Mussolinis.— Eine �aubergefchichte aus dem faschistischen Italien Locarno, Anfang August.(Eigenbericht.) Durch Flüchtlinge, die dieser Tage aus Italien einge- troffen sind, ist die nachstehende, von vertrauenswerten Personen als wahr verbürgte Geschichte bekannt geworden, di« man in Ita- lien zu vertuschen verstonden hat. Eine Kriegswitw« in Lall« d i R o v i g n o(Jstrien) hatte eine rückständige Zahlung von etwas über 10000 Lire zu erhalten. Sie hob dos Geld auf dem Postamt ab. An demselben Tage erschien bei ihr der Wachtmeister der Kara- binieri und erkundigte sich eingehend, wie sie lebt«, wer bei ihr war usw. Dabei stellte er fest, daß die Frau ganz allein in einem einsam gelegenen Häuschen hauste, weil ihr einziger Sohn als Sol- d a t eingezogen war. Dies geschah am 10. Mai dieses Jahres, an einem Samstag. Am selben Abend traf der Sohn unerwartet aus Urlaub ein. Do der nächste Tag Sonntag war, ging er nicht, sich nach Vorschrift bei den Korabinieri melden-, es wußte also nie- mand, daß er da war. Sonntag, abends, erschienen vor dem Haus- chen zwei Personen und begehrten Einlaß. Die Frau machte aus und es drangen zwei maskierte Individuen in die Woh- nung, die mit vorgehaltenem Revolver die Ablieferung ihres Geldes forderten. Die verängstigte Frau ging in das Hinterzimmer, wo ihr der Sohn sagte, sie solle ruhig das Geld abliefern, er werde schon alles in Ordnung bringen. So kam sie mit dem Geld zurück, während der Sohn, fein Militärgewehr in der Hand, aus dem Fenster stieg und die beiden Maskierten an der Tür erwartete. Er schoß aus nächster Nähe aus si«, sah sie zusammenbrechen und ging dann sofort, sich den Karabinieri zu stellen. Er fand nur di« Gemeinen vor, der Wachtmeister war aus, und man mußte auf ihn warten, um einen so wichtigen Fall zu erledigen. Als aber Mitter- nacht der Wachtmeister sich nicht blicken ließ, beschlosien die Kara- binieri in seiner Abwesenheit vorzugehen und begaben sich, mit dem vorläufig für verhaftet erklärten Sohn, zu dem Häuschen der Witwe. Beide Räuber waren tot. Als man ihnen die Masken abnahm, entdeckte man darunter das Gesicht des Wacht- meisters und das des Postbeamten. Der Fall wurde in der Voruntersuchung niedergeschlagen, aber er sprach sich notür- lich herum. Wie schade, daß man den Tod der beiden Wackern nicht einem Kommunisten in die Schuhe schieben kann. Die Nach- frage nach Märtyrern ist gerade heute im Foschistenlande sehr groß. Gerichisvotlzieher wegen Kirchensteuer. Die berliner Stadtsynode aufderIagd nach unrechtem Gut. Im folgenden geben wir ein typisches Beispiel für die unerhörte Dreistigkeit, mit der die Kirchenbehörden dem Geld und Gut von Personen nachstellen, die weder etwas mit ihnen zu tun haben, noch zu tun haben wollen. Der kausmännische Angestellt« Walter F. aus Berlin, Jahn- straße 13, ist nach uns vorliegender Bescheinigung am 4. Dezember 1919 beim Amtsgericht Berlin-Wedding(Geschäftsnummer 24 Gen. 25/11 047) feine Ehefrau Elisabeth F. geb. K. am 18. Mai 19 21(unter 9 Gen. I 7/990) aus der evangelischen Kirche aus- getreten. Beide gehören seitdem keiner kirchlichen Gemeinschaft mehr an. Trotzdem erhalten sie plötzlich om 13. März 1930 eine vom 19. August 1929 datierte Veranlagung zur Kirchensteuer in Höhe von 10,4ff M Der Ehemann F. schreibt umgehend an den Geschäftsführenden A» sfch u ß der Berliner Stadt- fynode und macht auf den längst erfolgten Kirchcnaustritt beider Eheleute aufmerksam. Daraus erhält er mit Poststempel vom 5. Mai 1930 ein Schreiben dieses Ausschusses, wörtlich: Sie werden hierdurch benachrichtigt, daß wir Ihre Veranlagung zurKirchensteuer für dasKirchen- steuerjahr 1929 aufgehoben haben. Trotz dieses Bescheides erscheint am 4. August in der Wohnung der Eheleute der Gerichtsvollzieher. Da beide auf Zlrbeit sind, so hinterläßt er, daß er— nunniehr bereits 11.23 M.— rückständige Steuern und Gebühren und zwar— betr. Sirchensteuer 1929 einziehen wolle. In der Zustellung wird weiter vermerkt: Sosort zu zahlen, sonst ersolgt Lohnpfändung. Obwohl also die Kirchensynode bereits i m M a i anerkannt Hai, Kirchensteuer nicht zu zahlen ist, schickt st« dem Lngestelllen drei Monaie später den Gerichtsvollzieher auf den Hals und bedroht ihn mft Lohnpfändung. Jedermann weiß, was es für einen An- gestellten zu bedeuten hat, wenn bei seinem Chef der Gerichts- Vollzieher erscheint und einen Teil des Lohnes beschlagnahmt. Neun Zehntel aller Arbeitgeber fragen nicht danach, ob diese Beschlag- nähme gerechtfertigt oder ungerechtfertigt ist, sondern betrachten von Stund ab ihren Angestellten als vertrauen-. unwürdigen Schuldenmacher. Es steht fest, daß sür derartige vorsätzliche oder grob fahrlässige Verstöße die Kirchenbehörde zivilrechtlich hastet. In Stettin hat jüngst ein Dissident, der zu unrecht zur Kirchensteuer- Zahlung aufgefordert wurde, im Wege der Klage seine Porto- u n k o st e n«ingefordert und im Prozeß obgesiegt. Im vor- liegenden Falle kann di« Synode für jeden Schoden— den mittelbaren wie unmittelbaren— in Anspruch genommen werden, der dem Betroffenen durch ihr unberechtigtes Vorgehen entstanden ist. Es ist aber noch eine besondere Frag« auszuwerfen: wenn der Staat der Kirche das Recht gibt, ihr« Steuerbeiträge mit den Mitteln der staatlichen Hoheitsgewalt auf dem Verwaltungsweg« einzutreiben, hat da der Staat nicht auch die Pflicht, von der Kirche ein Mindestmaß von organisatorischen Einrichtungen, genauen Listen usw. zu verlangen, wodurch eine derartige Beläsiignng Außenstehender ausgeschlossen wird? »Vom Haß geblendet.� Zu dieser Notiz bittet uns der„S.-B. Vorwärts" mitzuteilen, daß sich die Mitglieder des Vereins alle Müh« gegeben haben, den verunglückten 16jährigen Nickel vor dem Tode des Ertrinkens zu bewahren. Es gingen sofort sechs Rettungsschwimmer ins Wasser, außerdem wurde Kettentau chen vorgenommen, leider blieben all« Rettungsversuche erfolglos. Ein Verschulden oder Versäumnis des„S.-B. Vorwärts" liegt noch der Behauptung des Schwimmvereins nicht vor. Wie später festgestellt wurde, ist Nickel, der sich nach dem Training eigenmächtig ins Wasser begeben hotte, einem Herzschlag erlegen. Erkämpft den Wahlsieg? Vor den Mitgliedern des Vereins Kreuzberg der Berliner Sozichdemokrotie referierte Carl Litke über die politische Laee und die Bedeutung der Wahl vom 14. September. Er gab eine eingehende Darstellung der Verschlechterungen der Arbeitslosen- und Krankenversicherung, dick doch endlich auch dem letzten Arbeiter die Augen öffnen müßten über die arbeitnehmerfeindliche Politik der bürgerlichen Pateien. Immer wieder hat es sich gerade nach dem Wahlsieg der Sozialdemokratie im Jahre 1928 gezeigt, daß die bürgerlichen Parteien ihr Ziel darin sahen, die Sozialdemo- krati« von der Regierung auszuschalten. Je mehr aber die bllrxer- lichen Parteien gegen die Sozialdemokratie anrennen umso fester wird die Arbeiten'chaft zu ihrer Partei stehen. Nach dem mit stürmischen Beifall aufgenommenen Referat und einer kurzen Diskussion wurde beschlossen, Carl Litke sür die 2. Stelle der Liste Wahlkreis II Berlin vorzuschlagen. Groß« Sakteenschaui Dom 30. August bis 7. September d. I. v«raimal:et die Ortsgruppe Berlin der Deutschen Kakleengesellichau im Bolanischen Garten in Dahlem. Haus dl, ein« große Kakteenschau, um neu« Freunde für diese einzigartige Pflanzen- familie zu werben. Neben den Pflanzen der bekanntesten Kakteen- ziichter Deutschlands findet in der Hauptsache ein« große Lieb- habera»s st«llung statt, in welcher die verschiedensten Kakteen vom Sämling bis zur blühfähigen Pflanze gezeigt werden. Die Aus- stellung ist wochentags von 9 bis 19 Uhr, an Sonntagen von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis betrögt 50 Pf. Achtung! kreisverlrcterkonserenz Friedrichshain. Kreisvertreter. konferenz am Freitag, 8. August, 19!4 Uhr, in der Andreasstraße 2l, Andrea sfcftsäle. Tagesordnung: 1. Vortrag des Gen. A. C r i s p l e n. Thema:„Diktatur oder Demokratie." 2. Diskussion. 3. Stellung- »ahine zur Kandidatenaufstellung. Der Vorstand und die Zlbteilunge- leiter(nicht, die Funktionär«) kommen um 18/4 Uhr dortselöft zusammen. Weiler sür Berlin: Teils heiteres, teils wolkiges und im ganze» trockenes Wetter, am Tage weitere Erwärmimg, meist schwache Luftbewegung.— Für Deutschland: Allgemein ziemlich ruhiges und wärmeres Wetter. 1 MJf■ BMI np MU W>— n l programh I �R>> I vom 8. bis II. August| P P Hl I 8. bis 11. August ©oo Potsdamer Straße 38 W 5. 7, 9 Uhr Der große Ton- und Sprechfilm: Wetifroni 19IS mit Fritz Komper», Gariov Die») Rheinstraße 14 �1*1,0 Die Brüder Sdicllenberg mit Lil Dagovcr, Conredt Vcidl -7 Akte) Kampf am Mltlcraadii(Abenteuer) Odeon, Potsdamer Str. 75 Verlängert:''' Der erste Kriminal-Sprech-Film;■ Der Tiger mit Harry Frank 3 Karz-Tonfiime Turmstraße 12 V. 5. 7. 9 Uhr Hcnnj Porten!. ihr.erst Sprechfilm: Skandal um Eva Alexandcrstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Kammer»Sngcr Richard Tauber sfngt u spricht; Da* lockend« Ziel jugendliche haben Zutritt D Friedrichstadt Die Kamera 3."�9 um Unter den Linden 14 Der große Zille-Film; Matter Kroaten* Fahrt in* Glflck Gr. Beiprogramm W Moabit V Artushof-Liditspiclc Film- and Dflhnenscfaaa Pcrleberger Str. 29 und Stendalcr Str. Lalla, Tochter des Nordens Was kleine Mädchen träumen Welt-Kino Mt-Moabit 99 Der Nächste, bitte mit Lien Dcycrs, Adele Sandrode lllmslon mit Conrad! Veldt Grones Orchester c wilmersdorF Atrium Beba-P«Ia*f Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Täglich 7. 9.15 U Slg.: 5, 7. 9.15 U. Achte Woche: Urauff! Fraaennol- FraacnglQck (Ein Film vom Werden d.Menschen, v. Leiden u. Freuden d. Mutterschaft) Südosten SetianeBera Titania(ut* Schönebem) Hauptstraße 49 W 6 30, 9 U. Stg. 3 U. Verlängert: Henny Porten in ihrem ersten Sprech film: SkaniT-l am Era > Friadnnau A Kroncn-Lichtspicle Rheinstr. 65 Beg W.7,9.U. S.3,5,7,9U lOOproi Tonsprechfilm: Do* lockende Ziel mit R. Tauber Tönende« Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt a»»oaiit«~1 Titania-Palast SsfÄchj- Schloßstr. 5, Ecke Qutsmuthsstr, Täglich 6 SO, 9 Uhr. Stg.«. 6.30, 9 Uhr Uraufführung: Mig Europa mit Loaiae Bracks Regie: Auguste üenina d Südwoaton"fc Film-Palast Kammersäle TeltowerStr. I W.6 FriodrfcmFoldo W Kino Busch swÄI4Är. Ait-Friedrichsfelde 3 Beiprogramm Geheizte Mädchen m.Olg« Limburg Begierde mit Elga Brink, Uaii Arn« > W •IBensc« Pankow Schloßpark Film-Böhne Berliner Allee 205—219 Stg. Vj3 Jgd.-V. Tango der Liebe Der gr. Dlamaatendieb*iahl m Mix Groge Kevue Alhambra Müllerstraße 136. Ecke Seestraße 100«,'» Sprechtoniilm: Skandal am Era m. Henny Porten Beiprogramm Pharus-Lichtspiclc Müllerstraße 142 W.6U. Stg. 5 U 2 große Schlager: Der Dccerieur von Arra* Schlachiachlff Conttitutioa mit George Baacroft Marga-Lichtspiclc Schulstraße 29 100°/» Sprech- und Tonfilm: 2 Herzen Im 3 1-T akt Die Verführerin mit LI**! Arn* Beiprogramm BAhaen*ch«a Pratcr-Lichlspiel-Palast Kastanienallee 7-8 Wochentags 7,15, Sonntags 5 Uhr Trotha mit O. Tschechova, ▼. Schlcttonr Der Fileger von Kalifornien Skala-Licfaispielc Schönhauser Allee SO W. 7, 9 U. Stg. S, 7, 9 U. 3 Großfilme; Jonay braucht Geld mit Rod la Roque Oer Covrbovboxer Auf gefährlichen Pfaden Colosscum*ggV7Uud9Uhrr Schönhauser Allee 123 Tonsprechfilm; Der König Pari* mit I. Petrovlch Bühnenschaa Palast-Thcatcr Breite Straße 21 a W. 7, 9, Stg. 5, 7. 9 Uhr Ton-Sprechfilm: Gigolo, d. whöae arme Tanzleutnant Beiprogramm Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W. 7. 9U„ Stg. 5. 7 u. 9 U. Moral nm Mitternacht Wochenendehen Beiprogramm— Bfibnentchaa Film-Palast Ä«.«» Blankenburger Straße t W. 7, 9U. Stg. 5. 7, 9 U. 100% Ton- und Sprechfilm: Der grobe Gabho m E. ▼. Stroheim Jugcndlichv haben Zutritt > ThRdl> Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 W.6, Stg. 4'/« Uhr Skandal nm Et« m Henny Porten Tonfilm. Tobisapparatur Beiprogramm Bübnenachaa „Kosmos" Filmbahne Hauptstraße 6 W. 6, 8>,,, S. ab 4'/* E* war mit Greta Garbo, John Gilbert Polizei mit George Baacroft Böhnrn«chan Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6, 8"j'U. Stg. 2 U. Jugend vorst. Stg. 4',«, ö'ta. 83- U. Flieger t. Kalifornien m W. Boyd Oer Mann an* Nevada > Mhnnigteierf V Filmpalast stg, Ä**"? Berliner Straße 59 Stg. 2 U. fug.-Vorst. Klangfilm: Zvcl Herzen L»c-Takl (auf der neuen Klangtilmapparatur