Morgenausgabe Nr. 321.. �, A182 »ich-«« KU.■iiiiifil I■ H ta Borau»»ahlb«, PoflJyqma UJ SR. «wlchließllch«0«ab R Ufg. vostd-ftollgebahnA.»»»k»»». •bonnenunt V— JJL p » Ii4l_■ riiim«I. dt, Bbabatöatai für 1 und Im Handel mit dem Süd.Der «dandD SItepritrt««eilaae».Doli rmd Zeit' und �virdsfreund'. gerorr .FraueBstimm«�, Dechaid',.BlUt w di« Lüch-rwelt',.Jugend-Lonoikl,' Mld.Ltadtbeilag«'. Berliner Voltsbla« Sonntag �0. August 1930 Groß-Äerlin 15 Pf. Auswärts 20 Pf. 9li•(■(yattift StasponiHnnU SB Wmml» JWIomnelle 5,— Aeich«. mart„SUcin, Anzeigen' da, tcttg» druckt» wort 25 Pjeniug(znliffig zwei ftttoebruift» Sorte), jede» weitere wort 12 vfennto. Stellengesuche da» erst» wort 15 Psennig. sede, weiter» Wort 1» Pseanlg. Wort» llder 15 Buchstaben zählen für zwei wart». Lrbeitomartt Zeile 50 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 4l)Pfeun>tt. Anzeigenannahme imHaupt» geschäst Lindenstraste 5, wochentäglich von 5»/, di» 17 Uhr. Jentralorgan der GoziatdemoSvaMchen Vavie! Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprechrr: Dönbofs S92—S97 Telegramm�ldr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin Z7S3K.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellt» und Beamte». Wallstr. KS, Dt. B u DiBc.-0ei.. Deposttenkast« Lindenstr. 8. ?ay der Verfassung spsp- it Äugust— IPSO 11. ffaguft 1919: Der provisorische Reichspräsident Friedrich Ebert unterzeichnet in Schwarzburg das Lerfassungswert von Weimar, das mitten im revolutionären Treiben der Umwelt mühevoll fertiggestellt war. Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und dem revolutionären Zwischenalt hatte sich das bausche Boll durch seine frei gewählten Vertreter dieses neue Staats- grundgefetz gegeben. An der Spitze steht die Erklärung: „Das Deutsche Reich ist eine Republik. Die Staatsgewalt geht vom Volke aus." Was ist der W e s« n s k e r n dieser geschriebenen Ver- fasiung der deutschen Republik? Sie gab der tatsächlichen Kräfteverteilung im Volke Ausdruck, wie sie sich zur Zeit ihres Entstehens darstellte. Das System des Gottesgnadentums war plötzlich aus Deutschland verschwunden. Der wichtigste Be- standteil aller monarchischen Verfassungen von ehedem, das Heer, war aufgelöst. Den Potentaten entglitten die Bajonette, die ihre Flittermacht bis dahin geschützt hatten. Auch die Wirtschaftskräfte, die nach Lassalle einen wesentlichen Bestandteil jeder tatsächlichen Verfassung darstellen, hatten durch den Krieg ihren inneren Halt verloren Grundbesitz hmd- Kapital gerieten ins Wanken. Verwaltung und Justiz büßten ihre Autorität in dem Augenblick ein, in dem das System zer- fiel, dem sie gedient hatten. Neue Kräfte brachen sich Bahn. Die Arbeiterklasse .in Bluse und Waffen'.ock, durch Jahre im Kampfe um ihre Grundrecht« geschult und gestählt, übernahm die Führung des zusammengebrochenen Staates. Sie rettete zunächst die Einheit des Reiches und damit den Boden, auf dem sie sich sammeln kann zum Ringen um ihre sozialistischen Ideale. Die geschriebene Verfassung von Weimar gibt der Arbeiterschaft die Bahn frei für dieses Ringen um die tatsächliche Macht. Indem sie das Grundrecht staatsbürger- licher Gleichberechtigung aller feststellt, ermöglicht sie die Entfaltung der gesellschaftlichen Kräfte, die jeder ge- schriebenen Verfassung lebendigen Inhalt geben müssen. Je klarer diese Tatsache ins Bewußtsein der Massen dringt, desto stärker wird der Wille sein, die Möglichkeiten zu nutzen im Sinnt menschlichen Fortschritts und sozialistischen Werdens. O 11. August 193 6: Die Reichsregierung Brüning- Schiele-Treviranus fordert zur F e i e r des V e r f a s f u n g s- t a g e s auf. Sie folgt damit schon einer Tradition. Denn im Laufe der elf Jahre, die seit der Unterzeichnung zu Schwarz- bürg verflossen sind, hat sich die in der Weimarer Verfassung umschriebene republikanssche Idee immer tiefer im Bewußt- sein des Volkes verwurzell. Je heftiger die Ewig-Gestrigen— auch Schiel« und Treoiranus gehören dazu— sie befehdeten, je hämischer und gewissenloser die Angriffe auf die Republik wurden, desto stärker machte sich die Liebe zu ihr und der Verteidigungswille geltend. Im dauernden Kampfe um ihren Bestand wurde die Republik zum Herzensbedürfnis der breitesten Volksmassen. Zwar ist der Kampf um sie noch keineswegs beendet. Aber sie wird heute getragen und gestützt von den Schafsenden im Land«, den A r b e i te n d e n aller Be- rufe, von denen, deren einziges Besitztum ihre Arbeits- traft darstellt. Das ist nicht ein„Interessentenhaufe" nach dem geflügelten Wort der Ietztzest, das ist das Staats- voll, die Mehrhest der Nation und gleichzeitig ihr wertvollster Kern. Diesem Arbeitsvolt ist die Staatsform nicht mehr etwas Gleichgültiges, neben ihm und außer ihm Be- stehendes. Die Republik ist für die Arbeiterklasse der Gegenwart Ausdruck ihrer eigenen Kraftent. f a lt u u g und damit ein Stück von ihr selbst geworden. In seinen berühmten Vorträgen„lieber Verfassungs- wefen" hat Ferdinand L asfall« den Unterschied zwischen geschriebener und tatsächlicher Verfassung eines Landes in klassischer Form aufgezeigt. Diese Vorträge wurden gehalten in einer Zeit, da der preußische Verfassungskonflitt die Oeffentlichkeit in gleichem Maße bewegte wie die Anwendung des Arnkei« 4z fcer ReühsverfaZuvg von heute. Aber trotz» dem sie fast sieben Jahrzehnte alt sind, haben diese Vorträge bis heute nichts von ihrem inneren Werte und ihrer bildhaften Kraft verloren. Eine geschriebene Verfassung, sagt Lassalle, ist eine gute und dauerhafte nur in dem Falle, wenn sie der wirklichen Verfassung, den realen, im Lande be- stehenden Machtverhältnissen entspricht! Wie steht es, so gesehen, um die republikanische Ver- fassung von Weimar, die am Montag offiziell auch von jenen Mitgliedern der Reichsregierung und der Länderregierungen gefeiert wird, die noch 1919, wie Schiele, zu chren schroffsten Gegnern gehörte? In den elf Iahren ihres Bestehens hat die Weimarer Verfassung eine gewisse Umschichtung der Kräfte erlebt, die dem geschriebenen Wort die tat- sächliche Unterlage gaben. Zwar befindet sich die Wirt- s ch a f t in ihrem agrarischen wie ihrem industriellen Teile auch heute wieder in einer schweren Krise, aber im Vergleich zu 1919 hat die Wirtschast sich zweifellos wesentlich erholt. Der Vorstoß gegen die Arbeiterrechte, wie er sich in dem Kampfe um die Sozialpolitik und gegen den Lohn- standard spiegelt, bedeutet einen ernsteren Angriff auf die Grundlagen der Verfassung, als das hysterische Ge- schrei der Sowjetfreunde und der Hakenkreuzanbeter. Auch das Spiel des Finanzkapitals mit den Reichsinteressen zeigt deutlich die Absicht, dieStaatsgewaltdemVolkezu nehmen und auf unkontrollierbare Kräfte zu übertragen. * Aber im Gegensatz zu der Zeit Lassalles sind die Freunde wirtlichen Verfassungslebens heute nicht mehr un- organisiert und deshalb aktionsunfähig. Die starke Kraft der vereinigten Arbeiter, die um ihre Gleichberechtigung jeden Kampf zu führen bereit sind, zeigt sich in der geschlossensten Massenorganisation, die die Welt je kennengelernt hat. Das Staatsgefüge der Deutschen Republik ist so vielgestaltig, daß nicht allein die Beteiligung einer Partei an der jeweiligen Reichsregierung für ein« wirtliche Machtentfaltung entscheidend ist. Wenn der volkspartelliche Führer Scholz vor kurzem erst das viel zitierte Wort sprach: daß man auf die Dauer in Deutschland nicht ohne oder gar gegen die Sozialdemokratie regieren könne, so entsprang das keineswegs einem besonders staatsmänni- scheu Kopf. Es gab vielmehr nur der Tatsache Ausdruck, daß die in der Sozialdemokratischen Partei politisch zusammen» gefaßten und vertretenen Massen der Arbeitenden auch ohne Beteiligung an der Reichsregierung in hohem Maße die Regierungsgewalt beeinflussen. Die festgefügten Organisationen der Arbeiter und An- gestellten bilden für sich schon einen so erkennbaren Bestand- teil der gesellschaftlichen Verfassung, daß man sie durch keinen Regierungsakt einfach aus der Welt schaffen kann. Dazu kommt, daß sozialdemokratische Vertreter in Tausenden von Gemeinden, in Klein- und Großstädten, in den Kreis- und Provinzialverwaltungen ebenso tätig sind wie in einer Reihe von Länderregierungen. Diese Durchdringung der staatlichen Verwaltung war zwar äußerlich erst möglich« nachdem die Revolution und die ihr folgende Weimarer Ver- fassung durch das freie Wahlrecht den Rahmen für sie ge» schaffen hatte. Aber dds war nur ein äußerlich erkenn- bares Zeichen. In Wirklichkeit war die sozialistisch« Idee längst so stark im Volke verankert, daß ihre Nutzbar- machung für das Stckatsgefchehen dem ureigensten Bedürfnis dieses Staates selbst entsprach. So oder so hätten die sozio- ltstischen Kräfte das gesellschaftliche Leben der Nation be- einflußt. Es lag deshalb und liegt noch heute im Interesse des Volksganzen, wenn diese Kräfte auf verfassungs» mäßigem Wege für die Gegenwart und die Zukunft Deutschlands eingesetzt werden. * Es ist ein übles Zwischenspiel, daß die Ver» fassungsfeier von 1930 verdunkelt wird durch die diktatorische Geste des gegenwärtigen Reichskanzlers und seiner Minister- kollegen mit Hilfe des Artikels 48. Aber um so klarer tritt die Notwendigkeit hervor, solchen Zwischenspielenein fürallemaleinEndezu bereiten. Der 11. August, der Tag der Verfassung, ist aus diesem Grunde zu einem leuchtenden Wegzeiger für den 14. September geworden, an dem das deutsche Volk in allen seinen Schichten aufs neue die Möglichkeit hat, zu beweisen, daß nach wie vor die Staatsgewalt vom Volke ausgeht. Je einmütiger die Wähler und Wählerinnen sich um das Banner der Sozial- demokratie scharen werden, desto sicherer wird die Zukunft der Republik und ihrer Verfassung den Hoffnungen des arbeitenden Volkes entsprechen! Gärung in der Heimwehr. Meuterei in Tirol. Men. S.August.(Eigenbericht.) Es war schon sehr ouffollent», wenn auch aus früheren persön- lichen Anfeindungen erklärlich, daß Bundeskanzler Schober zu seinen jüngsten— sehr überflüssigen und unangebrachten— Besprechungen mit der Heimwehrleimng nicht die Bundesführer S t e i d l e- Innsbruck und P f ri e wer- Graz zugezogen hat, son- dern den steirischen Oberfaschisten R a u t« r und einen seiner Ge- Hilfen. Seither Hot man aus Innsbruck vernommen, daß dort, im Sionunland der Heimwehr, im helligen„Londl" des unbeschränkten Waffentragens(für Parteigänger der Landesregierung) die Hahnen. schwänzler keineswegs nach der Rückkehr des Herrn P a b st schreien, der sich vielmehr als„Saupreuh" keineswegs besonderer Beliebthell crsteut und dessen Bedarf an diesen Tirolern auch schon reichlich gedeckt ist. Aber auch mit dem Steidle ist man unzufrieden, er ist seinen Leuten zu oft und zu lange von Tirol abwesend. Man muß ratmüch wissen, daß das stockreaktionäre Tiroler Spießertum sich— etwa wie die Essässer Notabeln und ihr Anhang— für„ein eigenes Doli" hasten und mll großer Verachtung auf Innecöster- reich und schon gar auf Wien herabschauen. Steidle aber, der verhindert ist, im Staat zu diktieren, tut da» wenigstens in seinem Derem und so hat er kurzer Hand das ,Lnns- brucker Heimwehr-Iägsrregllnent' aufgelost. Darauf haben die Innsbrucker Heimwehrführer an die Landesregierung ein« Eingab« gerichtet, in der sie sich mit dem von seinem Regiineillskommando enthobenen Führer der Opposition und den Führern des Inns- brucker Heimwehr-Iägerregiments solidarisch erklären. Steidle ist von dem Führer der Opposition inzwischen zun» Duell gefordert worden. Seinen eigenen Laden hat ja längst der junge„Fürst" Star. Hemberg in Oberösterreich aufgezogen. Da ihm sein Jäger- bataillon nicht mehr genügt, läßt er— nach bewährten Groß- ftaatmustern— jetzt auch schon die Söhne seiner Getreuen bi» ins Iungensalter mit Mannlicher-Armeegewehren exerzieren, dos heißt, sie für den Brudermord schulen. Keine Landes, und kein« Bruderregierung tritt dagegen auf. Das neue Entwaffnungsgesetz, die große Errungenschaft zur Er- langung der Ausländsanleihe, schläft in den Schubladen der Staats. anwälte den wohlverdienten Schlaf. Die Arbeiiskrife in Berlin. Oer schwere Druck hält an. Dl- Verhältnisse aus dem«rbetl«mor.kt im vereich de« Landesarbeiisamts Brandenburg(Berlin— Srandevburg— Grenz. mark) haben sich in der zweiten hälft« de» Znli weiterhin verfchZrst. Zwar fiel die Zahl der Arbeltsucheode« um 44ZS aus 444559 Bersonea. jedoch zeigen die Zahlen der Uaterstühnngs- empsänger den ganzen Ernst der Loge. Die Zahl der hallptanterstähnngsempfänger stieg auf ZZS S0S und in der Krisenfürsorge auf SS 907. zusammen auf 30? 713 Personen. Auf Berlin ollein entfallen hiervon 230 33Z Haupt. uoterstStzungsempfänger. Geeckt kandidiert. Spitzenkandidat für Deutsche Volkspartei. Wie die„MogdefmrIische Zeitung" erfährt, hat General- c> d e rst v o n S e e ckt sich der Deutschen Volkspartej zur Verfügung gestellt. Er wird von dieser Partei als Spitzenkandidat des Wahlkreises Magdeburg, also als Nachfolger des ver- srorbenen Abgeordneten Dr. K�hlenkampff, ausgestellt werden. Lieble Wahldemagogie. Jiechtshehe gegen hohen sozialdemokratischen Beamten. Vor einiger Zeit wurden der Leiter. des Arbeitsamtes Eis- leben und mehrere Beamte der gleichen Dienststelle wegen Bs- truges zu mehr oder weniger hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Die Rechtspresse benutzt jetzt den Verlauf der Gerichtsverhandlung zu wüsten Angriffen gegen den damaligen sozialdemo- kratischen Landrat in Eisleben, den jetzigen Regierungspräsidenten Fitzner in Frankfurt a. d. O. Ihm wird u. a. vorgeworfen, die ihm damals zur Kenntnis gekommenen strafbaren Handlungen der betreffenden Beamten vertuscht zu haben, weil »hm diese Beamten parteipolitisch nahegestanden hätten. An der Darstellung der Rechtspresse ist kein wahres Wort.. Ei« unterschlägt in ihrer tendenziösen Dar- stellung absichtlich, daß im Verlaufe der Beweisaufnahme durch ein in der Verhandlung verlesenes, bei den Prozeßakten befindliches Schreiben Dr. Fitzners an den inzwischen verurteilten Leiter des Arbeitsamtes vom 18. Oktober 1S27, klar zum Ausdruck gekommen ist, daß Dr. Fitznsr bei der ersten ihm zugegangenen Mitteilung über einen angeblichen Fehlbetrag in der Kasse des Arbeitsamtes unverzüglich schriftlich«ine Revision dieser Kasse verlangt hat. Das hat der sozialdemokratische Landrat Dr. Fitzner getan, obwohl er für das damals bereits Reichsbehörde gewordene Arbeitsamt nicht mehr zuständig war. Der Leiter des Arbeitsamtes hat ihm auf dieses Schreiben am 29. November 1927 schriftlich mitgeteilt, daß er auf Grund der vorgenannten Mitteilung sofort eine Revision der Kasse beantragt hätte. Diese Revision ist nach den Prozeßbe richten tatsächlich vorgenommen worden. Es sei weiter ausdrücklich festgestellt, daß die in der Darstellung der Rechtspresse zum Ausdruck kommende Behauptung, Dr. Figner habe sich im Parteiinteresie in Funktionärverfammlungen der So- zioldemokratischen Partei für die Vertuschung der jetzt zur Ab- urteilung gelangten Straftaten eingesetzt, völlig aus'der Luft gegriffen ist. Wie der vorstehend angeführte Schriftwechsel zwischen ihm und dem Leiter des Arbeitsamtes beweist, hat er im Gegenteil auf restlose Bereinigung gedrungen und ist im übrigen weder als Landrat noch als Parteimann mit diesen Dingen besaht gewesen. Es ist also auch hier wieder einmal festzustellen, daß die Rechts- presi« sich nicht scheut, gegen einen hohen Beamten Verdächtigungen zu verbreiten, nur weil er der Sozialdemokratischen Partei angehört. Wahlpitlen. Die Hetz- und Lügenmethode.' Aus einer Wahlrede des berüchtigten Nationalsozialisten Münch meyer, ehemaligen Pfarrers in Borkum, für in« die „Friedichrodaer Zeitung", amtliches Veröffentlichungsblott im Reiche Fricks, drei voll« Spalten hergibt.> Wie konnte die Revolution zustande kommen?... Aus amt- , lichen(!) Dokumenten ist nachgewiesen(!), daß während des Krieges iX Milliarden(!!!) französisches, englisches«nd russisches Geld nach Deutschland eingeschmuggelt wurden, die vor- wiegend durch Juden zur Unterminierung der beut- s ch e n F r o n t zur Verteilung kamen. Allein der Hochverräter KurtEisner, den dann eine Kugel des Grafen Arco beseitigte, hat vom 2b. September bis lb. Oktober 1918 164 Millionen Goldmars(!!) an ZlOZ Zahlungsempfänger ausgehändigt zur Erledigung der deutschen Front... Unsere Feind- äußern sich voll tiefer Verachtung zu diesem schmählichen Verrat, daß lgt8 die Aussichten sur Deutschland an der Front nicht schlechter standen als in den anderen Kriegsjahre». Herrn Miinchmeyers„amtliche" Dokumente sind, man braucht es wohl kaum zu betonen, blöder und d r« ist e r S chwindel. Aber es gibt ein echtes amtliches Dokument, ein Telegramm 'Ludendorffs vom 1. Ottober 1918, das den Abschluß eines Waffenstillstand» binnen 24 Stunden kategorisch fordert, da länger die Front nicht halten könne. Von wegen der guten Kriegslage.' Das schönste aber bleibt die Verteilung von 164 Millionen Goldmark durch jenen Kurt Eisner, der geflickte Hosen trug und oft genug seine Tasse Kaffee schuldig blieb. Und daß niemand be- merkt hat, wie er mit den Millionen um sich schleuderte! Sowjetrußland, das Land ohne Arbeitslosigkeit. Aus einer kommunistischen Propagondatobelle, abgedruckt von der„R o t« n Fahne" am 6. August 1930: Sowjet-Union Ciuni 1929:....... 1 800 000 Arbeitslose. Juni 1Ö30:....... 900 000 Arbeitklose. !. Die Sowjet-Union ist das einzige Land ohne Wirt- s ch a s t s k r i f e. Schau, schau, welch Geständnis oerbirgt sich hinter diesem Zahlenspiel. In ganz Rußland gab es vor dem Krieg noch kein« L Millionen Industriearbeiter, die Zahl kann auch heute nicht erheblich überschritten sein. Wenn dar»» im Juni 1929 1.8 Millionen orbertslos waren, so ist das«ine Arbeitslosigkeit von vierzig au f hundert. Was wäre aber wohl dem Sozialdemokraten geschehen, der vor einein Jahre die von der„Roten Fahne" veröffentlichte Arbeitslosenziff-r für 1929 in einer kommunistischen Versammlung bekanntgegeben� hätte? Man hätte ihn als„Lügner" und„Vor- l« vorder des Sowjetparadieses" niedergebrüllt und zu Boden ge- schlagen. Jetzt hinterher gesteht die komimmistische Presse selber ein« katastrophale Arbeitslosenzisser, natürlich nur, um eine Besse- rung auf den Stand von 900 000. was noch immer ein Verhältnis von 20 Arbeitslosen auf 100 Industriearbeiter bedeuten würde, zu melden. Wie solch« Besierungsstatistiken vom Sowsetapparat gemocht werden, weiß man zur Gemige. „Die Sowjet-Union Ist da? einzige Land ohne Wirtschaftskrise." — Und die ossiziell« Sowjetpress« berichtet täglich von Massen- Prozessen gegen H a r t g« l d h a m st e r e r. die muejte Ersche.nungs- form der russischen Dauerkrise. Die Herbsttagung de» Preußischen Landtags. Mit Rücksicht auf die N« u ma h l e n des Reichstag» und di« vamit verknüpft« wachen- lang« Tätigkeit der Mitglieder des Landtags in ihr«« Wahlkreisen wirh voraussichtlich das Plenum de» Preußischen Laudtags nicht am 7.. wf« in Aussicht genommen war, sondern erst am D i e n s. tag. dem 14. Oktober, feine Herbsttagung begmnen. Das Ende vom Gammlungslied. Wie das bürgerliche Gtaaisvolk aussieht. Das ist nun dos End« vom Sammlungslied: eigentlich ist olles beim alten geblieben. Die Demokratische Partei hat sich ei» neues Gewand angezogen, ober bleibt unter den, Namen Staats- parte!, die Deutsche Bolkspartei geht so in den Wahlkamps, m!« sie Herr Scholz nach dem Tod« Stresemonns hergerichtci Hot, die Abspaltungen der Deutschnativnalen marschieren jede für sich, und dos Endergebnis ist, daß jetzt sechs Parteien vorhanden sind, wo stüher vier waren. Dabei sind Staatspartei und Volksportei schwer verkrocht, die Volkspartei verstimmt gegen die Rechtsgruppe, gor nicht zu reden von den Angriffen, die die Staatspartei von rechts her erfährt. Wir gestehen, daß wir mit diesem Ergebnis des bürgerlichen Sammlungsgeschreis zufrieden sind. Es ist eine ganz vorlreff- liehe Illustration zu jemr bekannten Rede des Reichsfinanzministers Dietrich, In der er die Alternative Staotsvolk oder Jnter- effentenhaufe stellte. Mit dem Staatsvolk meint««r natür- lich das Bürgertum, und die Sammlung sollte zum mindesten eine Atroppe eines„Staotsvolkes" liefern. Und nun? Sehen Sie sich doch um, Herr Dietrich, wie sich dos Siaatsvolk im bürgerlichen Lager ausnimmt! Uebcrall Jnteresientenhaufen, wohin Sie mich blicken! Wir find zufrieden damit, daß die Bolkspartei sich nicht in einen bürgerlichen Mischmasch verkriechen»nd sich hinter einen neuen Namen oerstecken tonnte. Jetzt muß sie den Wahlkampf be- streiten mit dem, was ihr ureigcntlichstes Wesen ist! Stresemann ist tot, di« Befreiungspolitik steht nicht mehr zur Debatte, der Liberalismus hat sie selbst zum allen Ersen geworfen, es bleibt nur der Drang nach rechts, dos Odium der Schorstnacherpartei. Die letzte Maske ist gefallen: die Bolkspartei geht als die Partei der sozialen Reaktion in den Wohlkampf, und nun gilt es, ihr das längst oerdiente Schicksal zu bereiten. * Herr Scholz, der Führer der Boktspartei, fichrt seine Aichänger ebenfalls als dos Stoatsvolk. Er hat seine eigenen Begriffe über die Zweckbestimmung des„Staatsvolks". Es sei notwendig, so setzte er Herrn Höpker-Aschofs auseinander,„der sozialdemokratischen Vorherrschaft im Interesse einer Ge- sundung von Staat und Wirtschaft einen ver- stärkten bürgerlichen Einfluß zur Durchführung des Hindenburg-Programms entgegenzustellen". Ein Ant'imarxiftenprogrannn aller bürgerlichen Parteien, das nicht durch die Sache, sondern durch den Namen Hmdenburg wirken sollte— das war die Absicht des Herrn Scholz. Der Inhalt dieses .�Hindenburg-Programms" ist klar genug: Ausschaltung der durch die Sozialdemokratie vertreienen deutschen Arbeiterschaft von der Führung der Staatsgeschäft«, dafür maßgebende Beeinflussung der Staatsführung durch den ostekbischen Großgrundbesitz. Im Sinne dieses Programms ist Staotsvolk alles, was„antrmoxxristisch" ist, und das Gros der deutscheu Arbeiter wird nicht zum Staatsvolt gerechnet. Für Herrn Scholz sind das Staatsvo» vor allem die Anhänger seiner eigenen Partei— vieviel sind es heicke noch und wieviel werden es nach den Wahlen noch sein? I« größer die Worte, um so kleiner die Archängerzahl! * Die Parole vom Staatsvolk ist gegen die Sozialdemokratie geprägt worden. Die Sozialdemokratische Partei sieht mit gelassener Ruh« den Ameisenhaufen der bürgerlichen Parteien, den der Fußtritt der Reichstagsauslösung aufgestört hat. Di« sozialdemokratische Organisation ist stark und unerschütterlich w i e i m in c r, sie zeigt auch in der Zeit der Wirtschaftskrise stetiges Wachstum. Der politische Wille der Sozialdemokratie ist klar und einfach— sie hat es nicht nötig,»ach neuen Namen und Samm- lungsparolen verzweifelt Ausschau zu halten. Ihre politische Er- scheiimng hebt sich angesichts der bürgerlichen Verwirrung aus dem Bilde des deutschen Parteiwescns hervor als starker und unerschütte.- licher Fels. Mögen bürgerliche Parteien rechts und in der Milte werden und vergehen— sie bleibt, um sie dreht sich die deutsche Politik! Hier ist der stärkste und geschlossenste politische Wille in Deutschland— aber die neun Millionen Wähler, die sich zur Sozial- dcmokratie bekannt haben, die sollen nicht zum„Staotsvolk gehören? Wilhelm IL hat einst das Wort gesprochen von der Rotte von Menschen, nicht wert den Namen Deutsche zu tragen. Er wollte eine Grenze ziehen zwischen dem„Staatsoolk" und der Sozialdemokratie, und der Ausgang ist hinlänglich bekannt. Herr Scholz sagt es nicht mit jener Prägnanz, die den wichtelmännischen Reben zu eigen war, aber er meint es! Er hat zwar in Mannheim das Wort gesprochen, daß ohne und gegen die Sozialdemokratie eben nicht regiert werden könne— es ist noch nicht so lange her—, ober diese Erkenntnis drückt ihn so, daß er die Sozialdemokratie aus- schatten möchte um jeden Preis. Die Epigonen der wilhelminischen Aera gelüstet es, die deutsche Arbeiterschaft wieder in jene politisch- Rechtlosigkeit und jene Entfernung vom Staate zurückzudrücken, in der sie zur Zeit des Kaiserreiches war. Die Parole vom Staatsvolk, gerichtet gegen die Sozialdemo- kratie, ist die größte politische Lüge, die seit der Revolution er- sunden worden ist. Sie ist nicht neu. In der Form der„staots- erhaltenden Parteien" hat sie seit langem zum Requisit der Deutsch- nationalen- und Hugenbergs gehört. Diese Lüg« hat schon vor den Wahlen ihre Strafe erhalten. Hier die sozialdemokratische Arbeiterschaft mit ihrem geschlossenen Willen zum Staat— dort der jämmerliche politische und wirtschaftliche Jnteressentenklüngel des Bürgertums, hier die Einheit und Stärke der Sozialdemokratie— dort die Zersplitterung und der Cliquentamps im bürgerlichen Lager. Dos ist die„Sammlung", das ist die Renaissance des politisch-schgpieri- sehen Geistes im deutschen Bürgertum! Die Konturen dieses B'ildes müsien durch den Dahlausganz noch schärfer ausgeprägt werden. Stärkung der Sozialdemokratie — Schwächung des zersplitterten Bürgertums, das politische 11n- sähigkeft mtt politischem Größenwahn oerbindet: das fft das Ziel dieses Wahlkampfes! Kochs Antwort an Hörsing. ihrer Bedeuiung nicht ohne weiteres zu erkennen." Das Schreiben des Bundesvorsitzenden des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, H ö r s i n g, das fünf grundsätzliche Fragen über die Einstellung der Deutsch«» Staatspartei enthielt, hat Herr Koch jetzt beantwortet. Die ersten Fragen, di« sich mtt der Stellung der Staatspartei zur Weimarer Verfassung, mit der Verteidigung der Flagge Schwarz-Rot-Gold und mit dem sozialen Schutz der wirtschaftlich Schwachen gegen U«bergr!sfe der Wirtschastsmächie befaßten, hat Herr Koch u n e i n g e s ch rä n k t zustimmend beantwortet. Der vierten Frage Hörsings, ob die Deutsche Staatspartei sich für«ine Republikanisierung von Reich, Staat und Gemeinden einsetzen wird, weicht da- gegen Herr Koch aus. Er erklärt hierzu, daß diese Frag« nicht ohne weiteres in ihrer Bedeutung zu erkennen(?) sei. Die Deutsche Staatspartei steh« auf d«m Standpunkt, daß jeder Beamte seinem Diensteid getreu für die Berfassung eintreten muß. Die Anstellung und Beförderung der auf den Boden der Verfassung stehenden Beamten soll aber nach dem Aufruf der Staatspartei noch der Leistung und nicht nach der Parteizugehörigkeit erfolgen. Herr Koch dreht und windet sich. Die frühere D e m o k r a- tisch« Partei hat sich klar für eine R e p u b l i k a n i s i e- rung des Beamientums eingesetzt, und man entsinnt sich keines Falles, wo sie.diese Frage nicht ohne weiter«? in ihrer Bedeutung erkannt habe". Die ausweichende Antwort Kochs aber zeigt, daß die Deutsche Staatspartei offenbar nicht gewillt ist, in diesem entscheidenden Punkte die Linie der früheren Demokratischen Partei «inzuhalten. Um im Bilde zu bleiben, ist dies« Aiiiwori Kochs, gelinde gesagt, nicht ohn« weiteres„in ihrer Bedeutung zu zu erkennen". Die fünfte Frage Hörsings, ob die Staatspartei den kuliur- schändenden Antisemitismus ablehnen und wenn niiOg, bekämpfen werde, wird, wie die ersten drei Fragen, zustimmend beantwortet. Man fragt sich nur, was M a h r a u n und feine Gefolgschaft hierzu sagen werden. Hat Mahroun nicht erst kürzlich erklärt, daß er an dem Arierparagraphcn, der Grundlage zur Mitgliedschaft im Jungdeutschen Orden, nicht rütteln lasse? Allerdings hat Mahraun eine feine Unter- scheidung zwischen Aittisemitismus und„demagogischem Antisemi tismus" herausgetüstelt, ober diese Haarspalterei ändert an der Frage nichts, wie sich Kochs Antwort an Hörsing zu dem Firmen- schild des Jungdo:.Luden haben keinen Zutritt" verhält. Auch in der Flaggenfrage sind führende Mitglieder des Deutschen Staatspartei anderer Meinung als Herr Koch. Hat nicht erst ganz kürzlich Dr. W i n s ch u h erklärt, man bringe den Farde» Schwarz-Weiß-Rot die gleiche Achtung entgegen, wie der Reichs- flagg«? Wo man also antippt, ruft der eine Flügel der Staats- partei hüh und der andere Flügel hott. Herr Koch wird sich da- Iffr nicht wundern dürfen, wenn die republikanische Linke der Hol- tung der Staatspartei in entscheidenden innenpolitischen Fragen weiterhin sehr skeptisch gegenübersteht. Seine morgenländische Majestät. Blühender Byzantinismus. Mr teilen mit: „Eine schwarzweitzgrüne Fahne mit zwei weißen Sternen flattert auf dem Dach des Hotels Adlon. Sic kündet. Saß der Herrscher des Irak, König Feisc. l l., hier abgestiegen ist---- Der äußeren Erscheinung noch ein« merkwürdige Mischung von Tatmensch— man ahnt in diesem sehnigen Körper den geborenen Reiter— und Denker, beinah« Träumer. Die dunklen Augen scheinen nach innen zu blicken, und immer wieder verfällt der König in tiefe» Schweigen. Die Menge, nie sich drängt, um ihn zu sehen, die Photographen, die die Hotel- hall« füllen, entlocken ihm ein Lächeln, ober gleich wieder ist er« r n st und st u m nr. Unauffällig wie in seinem Aeutzern ist es dieser Monarch, der so gar nicht einem Märchenkönig gleicht, auch in seinem ganzen Gebaren. In früher Morgen- stund« schon erledigte er sein« P oft und sah die Zeitungen durch. Um 8 Uhr ließ er sich Tee bringen, um 9 Uhr Früh- stück, alles wie irgendein Gast aus Europa oder Amerika." Ein« byzantinische Schilderung, wie ein Gast im Hotel Adlon gelächelt, geschwiegen, Brief« gelesen und gefrühstückt hat, stammt nicht etwa von uns, sondern steht in einem in Berlln erscheinenden Boulevardblatt, dessen Nomen wir schamhaft verschw eigen. Oer deutsch-finnische Kuddelmuddel. Die Znduflrie ist schuld, sagt der Londbund.— �Reichstags' beschluß gegen Kündigung? Der„Reichslandbund", die Wochenschrift der Landdun�zenttal«. stellt die Behauptung auf, der Plan des Privatabkommens, .dessen Schetter» die Kündigungsgesahr Herausb es chworeu hat, gehe direkt auf ein« Anregung des Reichsverbandes der deutschen Industrie zurück. Das„Berliner Tageblatt" stellt fest, daß eine Kündigung des deutsch-fumischen Handelsvertrags einen, Reichstags beschluß widerspreche. Der Reichstag habe am 1. Juli d. I eine Entschließung ong-noinmen, die die Retcksregierung um unv-r ziigliche Vorlegung eines Gesetzentwurfs zur Ratifiz-ening de: Genfer Handelskonv'entton vom März 1930 ersucht, deren Protokoll von Deutschland unterzeichnet wurde und die Kün- digung von Handelsverträgen verbietst. Der Reicheverband der deutschen Industrie wird zu der land- bündlerrschen Anzapfung nicht schweigen können. Di« Reichsregierung wird sich über den Reichstagsbeschiuß vom 1. Juli nickst hinwegsetz.',, können, besonders nicht der Auhemmnister Dr. Curtms, wenn die deutsche Bertragsmoral nicht einen neuen Schlag erhalten soll. Die Gescheiterten. Sammlungswillen ohne Krast. Für den politischen Komödiendichter, der uns leider immer noch fehlt, hätte es nicht leicht ein fruchtbareres Thema aeben können als das Erlebnis der letzten Wochen: die g e» scheiterte S o m m l u n g s a k t i o n der bürger» lichen Parteien und das Verhandlungsdurcheinander, in dem fie gescheitert ist. Glücklich der Wähler, der am 14. September zu Liste 1 sein Kreuz macht und sich um den ganzen politischen Speisezettel danmter nicht kümmert! Aber bedauernswert derjenige, der da glaubt, aus irgendeinem Grunde„bürgerlich" wählen zu müssen: er wird sich alsbald in ein Labyrinth verlaufen, aus dem es keinen vernünftigen Ausweg gibt. Was ist der Unterschied zwischen Hugenberg und Hitler? An welchen Erkennungszeichen vermag man die Deutschnationalen und die konservativen Volks- p a r t e i l c r auseinanderzuhalten? Warum konnten Volks- konservative, Wirtschastsparteiler, Ehristlichnationale und Deutsche Volkspartei nicht zu einem gemeinsamen Wahlaufruf zusammenkommen? Worin unterscheidet sich die Deutsche Staatspartei von der durch Selbstmord aus dem Leben � geschiedenen Deutschen Demokratischen Partei? Was ist der Unterschied zwischen Volksnationalen und Volks- konservativen? Warum hat die Staatspartei nicht in der Volkspartci ober die Volkspartei nicht in der Äaats- Partei aufgehen können und warum ist die ganz„große" Volksstaatspartei beziehungsweise Staatsvolksportei nicht zu- stände gekommen? Von den paar Journalisten abgesehen, die durch ihren Beruf dazu verdammt sind, diesen ganzen Wirrwarr im Kopfe zu behalten, gibt es wahrscheinlich überhaupt keinen deutschen Wähler, der sich darin noch einigermaßen auskennt. Folge dieses Treibens ist eine Atomisierung des politi» s ch e n Lebens, die ein gegenseitiges Verstehen überhaupt unmöglich macht. In England z. B. mag Mr. Smich, der konservativ stimmt, verstehen, warum sein Nachbar Brown Labour wählt, und seine Argumente würdigen. Wie aber soll der deutsche Herr Schmidt, der zu den„Volkskonservativen" steht, begreifen, warum der Herr Braun nebenan für die ..Staatspartei" ist— hat er doch Mühe genug, einigermaßen zu kopieren, was seine eigene Partei bedeutet, um die übrigen zwei oder drei Dutzend sich auch noch zu kümmern, fehlt ihm einfach die Zeit! Als Sozialdemokrat mag man sich über dieses ganze Treiben amüsieren— doch wäre es leider falsch, wenn man davon einen besonderen Vorteil für die Arbeiterbewegung erwarten würde. Wir haben in Deutschland ein Bürger- tum, das wirtschaftlich und gesellschaftlich herrscht, obwohl es immer unpolitisch gewesen ist und nie zu regieren verstanden hat. Seine Unfähigkeit, sich der Me- thoden der Demokratie zu bedienen, gab erst dem p e r s ö n- lichen Regiment Wilhelms II. die Lebensmöglichkeit, sie bildet in der Republik den Nährboden für alle faschistischen Tendenzen und diktatorischen Experimente. Mit anderen Worten: das Bürgertum ist in Deutschland noch so stark, daß es sich den Luxus der parteipolitischen Zersplitterung gestatten kann— und wer weiß, ob nicht für die großen..Jnter- cssentenhaufen" des Hochkapitalismus der gegenwärtige Zustand viel bequemer ist als der von den Sammelpolitikern erträumte. Eine große bürgerliche Partei, die sich auf einen festen Millionenanhang und gefestigte Parteifinanzen stützt, könnte am Ende auch gegenüber der sogenannten„Wirtschaft" ein politisches Eigenleben ent- wickeln. Bei den kleinen Parteitrümmerchen aber ist das so ziemlich ausgeschlossen. Jedenfalls ist jetzt der Versuch, aus der traditionellen Parteizersplitterung herauszukommen, so gründlich miß- lungen, daß er in ak,ehbarer Zeit mit irgendeiner Aussicht auf Erfolg nicht mehr wiederholt werden kann. Es bleibt also, wie es schon im Kaiserreich gewesen ist, wo die Rechte mit .Konservativen, Freikonservatioen und Reformparteilern mindestens dreigespalten, die„liberale" Mitte mit Nationallibe- ralen und Fortschrittlern mindestens zweigespalten, meist aber drei- bis viergespalten war. Hier gilt das Wort: Je mehr es sich ändert, desto mehr bleibt es dasselbe. Zu den sicheren Nutznießern dieses Zustandes gehört das Zentrum. Seit die Deutschnationalen von ihrer Höhe so rasch herabgeglitten sind, ist das Zentrum wieder die stärkste bürgerliche Partei. Daß es in der gegenwärtigen Reichs- regierung so absolut dominierend ist, ist also kein Zufall. Aber eine ganz andere Frage ist es, ob der Zentrumskanzler Dr. Brüning mit einem Gefühl der Befriedigung auf den desolaten Zustand seiner Hilfsvölker herabblicken kann. Schließlich sind diese Splitterchen, die da herumquirlen wie die Infusorien im Wassertropfen, seine sogenannten„Re- gierungsparteien", die ihm zu einer Mehrheit verhelfen sollen. Und können sich in nichts, auf nichts einigen, nicht einmal auf einen gemeinsamen Wahlaufruf. Wenn sich das Bürgertum den Luxus der parteipolitischen Zersplitterung leisten kann, so wäre es falsch, daraus zu schließen, daß die Arbeiterklasse das auch könne. Das Bürgertum kann das, was ihm an politischer Fähigkeit fehlt. einstweilen noch aus seiner wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Macht ersetzen. Umgekehrt können die Arbeiter die Macht in Wirtschaft und Gesellschaft, die sie noch nicht haben, aber haben müssen, nur durch die Stärke ihrer politischen Aktion gewinnen. Auf der politischen Zersplitterung der Ar- beitermassen beruht die politische Macht der Kapitalisten. Da vermehrt ja auch das Vielerlei der Parteien die Möglichkeit. daß sich viele proletarische und halbproletarische Existenzen in alle möglichen Parteiwinkel verlaufen: von den Kommu- nisten angefangen.über die verschiedenen bürgerlichen Por- tcien bis hinüber zu den Nationalsozialisten. Solange es bei dieser proletarische nZersplitte- r u-n g bleibt, mag es auch im bürgerlichen Lager mal Spal- tungen und mal Fusionen geben, an dem allgemeinen Zustand der Zersplitterung wird sich nichts ändern. Die Sanunlung wird erst kommen, wenn die Sozialdemokratie die Mehrheit bat oder an der Mehrheit ganz nahe dran ist. Wenn die Arbeiterklasse dem Besitzbürgertum heute schon ein Gegengewicht entgegensetzen kann, das ständig wächst und schließlich zu ihren Gunsten ausschlagen wird, so verdankt sie das nur der Tatsache, daß es in Deutschland eine Ar- beiterpartci gibt, die stärker ist als drei bis vier bürger- liche Parteien zusammengenommen. Entscheidend für die zu- fünft Deutschlands, auch der deutschen bürgerlichen Parteien. ist die Frage, in welchem Tempo sich die Sammlung aller werktätigen Schichten unter den Fahnen der Sozial- demokratie weiter vollziehen wird. Verfassungsfeiern im Deuifchen Reiche. Die Thüringer Regierung veraustallek eine Fest- sitzung. Festredner Herr F r l ck. Rlomenkbild der Feier. Reichskanzler Dr. Brüning bekränzt in sinniger Weife die Skatne der Freiheilsgöttin. In Bayern war ein Teil der Beamtenschaft aus dringenden Abholtungsgrüaden verhindert, an der Feier teilzunehmen. Rur die blöden wieder einmal Blassen der Bevölkerung halten den Sinn der Feier total miß- verstanden! Sozialismus/ Geheimdiplomatie. Was man im alien System über Arbeiierbewegung und Pazifismus dachte. Schoo die Veröfseulllchuug der„großen PolMk" hatte oelegeotllch Ausschlüsse über die Haltung der deutschen Diplomatie zu der soziallsttscheo Bewegung gebracht. Zn dem neuesten Heft des„Freien Wort" werden dazu au» bisher «unerösseutlichteu Akten weitere Einblicke in da» Anversläud- nl». mit dem die herrschend« Schicht den Aufstieg der Ar. beiterschafl beobachtete und beobachtet. Mit tiefer Abneigung verfolgten die deutschen Auslandsvertreter die a n t i nl i l i t a r i st i s ch e Propaganda und die pazifistische Agitation innerhalb der Völker, deren politische Entwicklung sie von Amts wegen laufend zu beobachten hatten. Der kaiserlich deutsche Gesandte von Bülow in Bern berichtet dem Reichskanzler Fürsten Pulow am L>. Oktober ISOL von einer seit zwei Jahren betriebenen eifrigen antimilitaristlschen Propaganda in der Schweiz. Die Regierung und die staatscrhaltenden Parteien seien gegen diese gc- fährUchen anorchistijch-antimititaristischen Bestrebungen mittels Wort, Schrift mid Gesetz energisch ausgetreten, und infolge dieser Em- Wirkungen habe ein Teil der Schweizer Arbeiterschaft in ihrer Stellung zur Militärfrage eine vaterländische Haltung eingenommen. Es heißt in dem Bericht: »Lleberspannie Frauenzimmer� für den Frieden. „Reben der antimilitaristischen Propaganda laufen tue Be- strebnngen der Freunde des sogenannten„ewigen Friedens" einher. Ueberfpannte Frauenzimmer und sozialreformatorisch« Männer, meist jüdischer Religion, spielen bei der Förderung des ewigen Friedens die Hauptrolle. Der Sitz des internationalen Büros befindet sich in Bern und steht letzteres nnt den in der ganzen Welt verbreiteten Zweigvereinen in fortwährender Der- bindung. Wenn auch die Tendenzen dieser Friedensstchmde in politischer Hinsicht weit harmloser sind als diejenigen der Antimilitaristcn, so laufen sie doch in verschwommener unpraktischer Menschenliebe aus dasselbe Ziel hinaus, d. h: auf die Abschaffung des Krieges als des fluchwürdigsten Verbrechens der Menschheit und der Armeen, welche nach Ansicht dieser über- spannten Friedensfreunds durch ihre Kostspieligkeit und Ver- geudung von Menschenkrast die Völker ruinieren sollen..." Es wird dann erzählt, wie der schweizerische Bundespräsident wegen der Bülow-Wahlcn„in gehobenster Stimmung" gewesen sei, weil damit auch in der Schweiz ein« Zurückdrängung der anti- militaristischen Sozialdemokratie erwartet werden konnte. Sozialistische Wahlsiegseier in Paris. Aus einer gleichen Gesinnung berichtet« der deutsche Botschafter von Schön dem Auswärtigen Amt aus Paris am 31. März 1912 über die tags zuvor von der französischen sozialistischen Partei im Verein mit dem deutschen sozialdemokratischen Leseflub veranstalteten Kundgebung zur Feier des sozialdemokratischen Wahlsiegs in Deutschland, durch den die Sozialdemokrati- ihre Mandats- zahl von 43 auf 110 im Reichstag erhöhte. Er berichtete über die Reden Baillants. Grumbachs und des Metzer Reichstagsobgeordnet« Weill: Er hob hervor, daß es wohl das erstemal war. daß ein Redner vor einer so großen Der- iammluvg von Franzosen offen den Gedanken an eine gewatt- same Zurückg-winauiig der Reich-landc durch Frankreich von sich weisen konnte, ohne Widerspruch zu erwecke-, daß er im Gegenteil immer wieder von Beifallsstürmen unterbrochen wurde, als er das deutsch- und das französisch« Lothringen als da, Land der Arbeit und das Zukunftsland der Arbeiterpartei gs- feiert habe. Der Gesandte erwähnte sodann Schetdemanns dort ge- halte ne Ansprache, sein«„üblichen Phrasen vom Kampf gegen Kapitalismus. Kolonialismus und Jmperialisnrus": danach charak- terisiert er die Rede des größte» französische» BoSsredners folgendermaßen: „Zinn Schluß hielt noch Icmres eine feiner mit großem Auf- wand von Lungentraft und Gesten vorgetragenen Bollsreden, in der er seine Lieblingsrdee eines deutsch-franzosisch-englrschen Kul- turbundez zur Wahrung des Weltfriedens in feurigen Tiraoen feierte." Oeuifchland in der Sozialistenbekämpfung voran. Der haß gegen„ordirungsjeindliche Bestrebungen", zu denen Pazifismus, Sozialismus und Internationalismus jeglicher Spielart gerechnet werden, geht Hand in Hand mit einer starken Ueberheb» lichkett, die dos deutsche Volk, die deutsche Verwaltung und Staats- organisation den Einrichtungen der anderen Völker als turmhoch überlegen empfindet. Aus den Berichten spricht die Denkart, deren ständige Betonung durch die deutschen leitenden Kreise, an der. Spitze den deutschen Kaiser, dem deutschen Volke nach und nach die Sympathien der anderen Völker entzogen haben. Aeußerst bezeichnend dafür ist ein Bericht des Kaiserlichen Gesandten nn Haag, vom 29. August 1894, der das mangelnd« Interesse und die fehlenden Fähigkeiten der Niederländischen Regierung zur Bekämpfung der Sozioldemo- tratie scharf verurteilt: „Dieser ganzen subversiven Bewegung steht die hiesige Regie- ruirg mit absoluter Gleichgültigkeit gcgenüder. An den Zentralstellen, dem Justizministerium und dem Ministerium des Innern, hält man es nickst einmal für der Mühe wert, über den Gang der sozialdemokratischen Bewegung im allgemeinen Kontrolle zu üben, geschweige denn sich über' Anzahl, Staturen und Mitgliederbestand der im Lande bestehenden sozioldeinotrafi- sehen Lcreine zu informieren. Ebenso wenig aber dürste irgend- eine Ortspolizeibehörde über die Stärke und Organisation der Sozialdemokraten ihres Bezirks regelmäßig Buch sichren." Der Gesandt« berichtet dann über Einzelfälle, in denen die Polizei«ine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel geduldet habe, in der zur Abschaffung des Privateigentums aufgefordert wurde, ein Beamter, der einen Anarchisten beherbergt habe, trotzdem im Dienst gelassen sei und ähnliche Vorfälle, die„eine völlige Passivität der niederländischen Regierung" gegenüber der Sozial- demokratie erwiesen. Ihre prinzipiellen Bedenken gegen staatliche Bevormundung der Individuums und polizeiliche Einschränkung der Denkfrciheit seien„vor allem bei dem auch noch als Minister von einer leichten sentimentalen Schwärmerei für Freiheit, Gleichheit und Brüderliehkeit angehauchten Herrn van hauten maßgebend". Der Gesandte stellt fest, daß diese Reserve notwendigerweise eine allgemeine moralische Depression zur Folge hoben müsse, der Sozialdemokratie keineswegs, wie die Regierung annähme, ab- träglich sei. «- Daß auch in der heutigen Diplomatie solche Vorstellungen und Auffastungen noch nachwirken, wurde erst kürzlich wiedxr dadurch bekundet, daß die Frau eines Gesandten der Republik bei einem europäischen Kleinstaat in einem Interview von dem„Sozia- liste ujoch" sprach, unter dem die Bevölkerung in Wien zu leben habe._ Ein Schock DemenLs. Die deutsche Regierung dewentiart die Meldung de» Pariser„Intransigearrt" über geheime deutsch-russisch« Besprechungen über militärische und politisch« Fragen als vollkommen aus der Luft gegriffen.— Die litauisch« Regierung dementiert die Nachricht des Warschauer„Expreß Porannv" über erfolgreiche titauisch-polnisch« Geheünoevhandlür.aen bezüglieh der Wilna-Frage. die durch Vermittlung des Vatikans stattgofunden haben sollten. Die rumänische Regierung dementiert durch ihre Pariser Gesandt- schast die Nachricht des Londoner„Daily Herold" über die Diktatur- plän« Earols. Der Urlaub des Rrichspräsidcnlen Reichspräsident von hrndenburg. der auch in diesem Jahr wieder seinen Urlaub in Dietr-rrns-oli in Oöe.bayern wird am Abend des 11. August die Rachshauptstadt verlassen. Die Bauwirtschast gedrosselt Berlin kann nicht mehr bauen— Arbeitsbeschaffungsprogramm der Regierung unzureichend und sachlich verfehlt Auf Einladung-des Vaukommiffars der Stadt ZZerlin, Stadtbourat Dr.-Zng. Wagner, beschäftigten sich im Stadt- Hause die Vertreter der gesamten Berliner Bauwirt- schaft und der Berliner Handelskammer mit den Fragen der Arbeitslosigkeit und ihrer Ileberwindung durch ein Ar- beitsbeschaffungsprogramm der össentlichen Hand. hierbei war die Berliner Bauwirtschaft einstimmig der Meinung. dah das Arbeitsbeschasfungsprogramm der Reichsregierung für Berlin absolut unzureichend und sachlich vcrsehlt sei, zumal das Berliner wirtschaslsgebiet aus dem sür den Wohnungsbau bestimmten llW-Millionen-Fonds lediglich 5 Millionen Mark erhallen soll. Stadtbaurat Wagner unterbreitet« der Konferenz einleitend einige Zahlen über den Zlrbcitsmarkt von Berlin, die ein geradezu bedrohliches Schlaglicht auf die gegenwärtige Arbeitslosigkeit in Berlin werfen. Er führte aus, daß in dem Berliner Wirtschaslsgebiet zur Zeit etwa 315 000 Köpf« voll arbeitslos sind und vom Reich und der Stadt Berlin Unterstützungen beziehen. Die Stadt selbst habe an 80 000 köpfe Wohlfahrtsunterslühung zu zahlen, die monatlich etwa 5 Millionen Mark ersordere. In diesen Ziffern sind die an Zahl ständig zunehmenden Kurzarbeiter noch nicht einmal enthalten. Im Baugewerbe waren im Monat Juli, also zur besten Bauzeit, mehr als 30 000 oder etwa ein Drittel aller Bauarbeiter voll arbeitslos, während der Juli des Vorjahres nur 0000 Bauarbeiter ohne Beschäftigung sah. Dieser Zahl der. Arbeits- losen entsprechend, sei auch der Auftragsbestand an Bauten in Berlin zurückgegangen. Im Monat Zun, wurden nur für etwa 26 Millionen Mark Bauten auf den Markt gebracht, während der monatliche Durchscimtt 45 Millionen Mark betragen soll und im Monat Juni des Jahres 1929 noch für rund 83 Millionen Mark Bauten begonnen wurden. Auf dem Gebiet des Wohnungsbaues befanden sich Ende Juni nur 17 675 Wohnungen im Bau gegen 30 770 im Januar dieses Jahres. Auf städtischen Hochbauten wurden im Monat Zul! nur noch 665 Bauarbeiter beschäftigt, wohin- gegen im Rovember des Jahres 1929 noch 2803 Bauarbeiter tätig waren. Der Stadtbaurat sieht die Ursachen dieser Arbeitslosigkeit auf dem Baumarkt vor allem darin, daß Reich und Staat die Stadt Berlin einerseits in der Steuerüberweisung �ngerechtfertigterweise benachteiligen und ihr außerdem auch noch den Anleihemarkt für dringendste Vauleu aller Art verschließen. So habe die Stadt Berlin aus ihren Wohnbaumitteln allein an den preußischen Staat seit 1924 mehr als 265 Millionen Mark an einen „Ausgleichfonds" abführen müssen, aus dem die Stadt bisher keinen Pfennig zurückerhalten hat.(Siehe auch den Artikel„Wie lange noch Steuerraub an Berlin?" im„Vorwärts" vom 1. August 1930.) Diese Politik der Steuer- und Anleihesperre kehre sich nun gegen den A r b e i.t s m a r k t und habe die Stadwerwaltung gezwungest, alle Bauten obzudrofseln. Diese Drosselung ginge heule bereits soweit, daß die Stadl fast jeden Monat eine Brücke für den verkehr sperren müsse, weil da» Geld sür die Erveuernng der Überallerlen Brücken nicht vorhanden sei. Oer Hauptsteuerproduzent gedrosselt. Die Reichs- und Staatspolitik, die gelegentlich auch von maß- gebenden Kreisen der Wirtschaft unterstützt worden sei, wende sich aber jetzt gegen das Reich und den Staat selbst und entziehe ihm die Steuern. Das Berliner Wirtschaftsgebiet ist der Haupt- steuerproduzent des Reiches und des preußischen Staates. Aus diesem Gebiet hat die öffentliche Hand im Jahre 1929 fast 214 Mil- liarden Mark an Steuern bezogen. Die Herausstellung von mehr als 315 000 steuerproduzierenden Lohn- und Gehaltsempfängern aus dem Produktionsprozeh müsse die Steuererträge des Reiches und des Staates ebenso berühren wie die der Stadt Berlin selbst. Der Rückgang des steuerlichen Umsatzes in Berlin um 360 Millionen Mark im ersten Quartal 1930 zeige deutlich, wohin der Weg der Lahmlegung der öffentlichen Bautätigkeit führe. Dieser Rückgang im Steuerertrag müsie nun aber von Monat zu Monat größer werden. In der Beurteilung dieser Loge schlössen sich sämlliche Vertreter der Berliner Bauwirtschaft der Ansicht des Stadtbaurates an und faßten einstimmig eine Entschließung, in der sie zum Ausdruck bringen, daß die Stadt Berlin bei der Aufftellung eines umfasienden Arbeitsbeschaffungsprogromms weitaus mehr als bisher die Unterstützung des Reiches und des Staates sowie all der Stellen finden müsse, die für die Kapitalbeschaffung verantworllich sind. Die Bauwirtschaft— so heißt es in der Entschließung— müsie insbesondere verlangen, daß der preußische Staat der Stadt Berlin die Mittel für den Wohnungsbau nicht auch westerhin dadurch ent- ziehe, daß er den Ausgleichsfonds einseitig für die Arbeits- beschaffung in der Provinz verwende. „Christlicher" Wahlschwindel. Oer selige Reichslügenverband übertrumpft. Wir stehen noch reichlich fünf Wochen vor den Wahlen. Was in den letzten Tagen vor den Wahlen an Wahlschwindel geleistet werden wird, davon gibt das Organ der Christlichen Gewerkschaften „Der Deutsche" ein« Vorstellung. Dos Blast behauptet, über die Bevhandlungen zur Neuregelung des Reichsbahnstatuts anläßlich des Aoung-Plans: „Karl Severins war Reichsinnenminister und bestimmte als solcher die deutschen Vertreter für die bekannten Doung-Ver- Handlungen in Paris, hier wurden die Grundlagen des neuen Reichsbahngesetzes beraten. Das alles wußte die SPD. und auch ihr Minister Severing. Sein einziger Arbeitnehmer verlret er wurde von Severlnq in diese Kommission entsandt, obschon er darum gebeten wurde.(Pom„Deutschen" in Festdruck hervorgehoben.) Selbstverständlich bestimmt der Reich sinnenminister die Vertreter für diplomatische Konferenzen, wie der Reichsaußen- «SM« dt« Berhanttengen Itter ble LerwoSlMgsresorm de? Reiches leitet, der Verkehrsminister dos neu« Strafgesetzbuch bearbeitet und der Iustiznriwster dem Reichspräsidenten Borschläge macht zur Er- nennung von Offizieren der Reichswehr. Aber außerdem stimmt«s gar nicht, daß nicht«in ein- ziger Arbeitnehmervertreter oser Vertreter des Eisenbahnperfvnats an den Verhandlungen in Paris teilgenommen hat. Es ist den so- zialdemokratischen Ministern gelungen, im Kabinett durchzusetzen, daß an den Verhandlungen vier Vertreter der Eisen- bohnergewerkschasten— darunter auch ein Ehrist- licher— teilgenommen haben! Dos hat den Reichsverband der deutschen Industrie so in den Harnisch gebracht, daß er auf seiner Tagung in Saarbrücken im Oktober 1929 Protest erhob und daß der Vorsitzende des Berwollungsrats der Reichsbahn, der de- kannte Scharfmacher v. Siemens, gegen den Willen der Reichs« regierung auf eigene Faust nach Paris fuhr. .Der Deutsche" begnügt sich aber nicht mit diesem immerhin starken Wahlschwindel. Es kommt noch besser. Die Verhandlungen über die Reuorganisterung des Reichsbahnstatuts fanden im herbst 1929 statt. Anläßlich der Diskussion im Reichstag über die Eisen- bahnkatastrophen wurden vom Abg. B u ch w i tz(Soz.) und Scheffel(Soz.) die Lohn- und Arbeitsverhältnisse bei der Reichs- bahn einer scharfen Kritik unterzogen. Der Verkehrsausschuß hatte eine Entschließung vorgeschlagen, in der eine Kürzung der Dienstschichten und Arbeitszeiten und auch sonstige Erleichterungen der Dienstverhältnisse des Personals gefordert wurden und dann die Reichsregierung ersucht wurde, dafür einzutreten, daß die Reichs- bahn aus der unmittelbaren Haftung für die Reparations- Zahlungen enllosien werde. Während dieser Verhandlungen im Reichstag fanden in Paris die Berhandlungen über die endgüstig« Festsetzung der Repa- rationslasten statt, bei der Herr Schacht die bekannt« un- glückliche Rolle spielte, während seine deutschen Gesinnungsgenosien ihn noch überflüsiigerweise scharfzumachen versuchten. Die Verhandlungen in Paris waren ganz ins Stocken geraten. In der Nummer vom 21. Februar 1929, in der der„Vorwärts" über die Reichsbahndebatte im Reichstag berichtet, heißt es von den Ner- Handlungen in Paris in der Ueberschrift auf der ersten Seite:„D i e Konferenz in der Sackgasse." Angesichts dieser Zuspitzung sagt« Genosie Scheffel als Fraktionsredner, daß die Sozialdemo- kraten mit der Zustimmung zu der oben skizzierten Entschließung keineswegs einen Druck aus die Pariser Berhandlungen ausüben wollen. .Der Deittsche" wirft nun die Verhandlungen über die«nd- gültige Festsetzung der Reparationssumme zusammen mit den Verhandlungen über die Neuregelung des Reichs- b a h n st a t u t s, die acht Monate später stattfanden und sagt, daß infolge dieser Bemerkung Scheffels die Kundgebung des Reichstags wirkungslos gemacht worden seil Wir haben wiederhast dem Organ der Christlichen Gewerkschaften ganz hanebüchene Fälschungen nachgewiesen. Die neueste Leistung ist aber wohl das stärkste, was jemals ein politisches Blatt an Wahlschwindel zu leisten gewogt hat. (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) verantwortlich Mr Politik:?r. Kort Seilet; Wirtschaft: S. Xlingeltäfet; Sewerllchaftsbewegung: I. Steiner: Feuilleton: St S. Dölchet; Lokales unh Sanlliats Tri» Slarftädt: Snteiaen: I». Stocke: sämtlich in Berlin. Berta!!: Vorwärts-Derla» S. m. b. 6., Berlin Druck: Vorwärto-Buchdruckerei uiiä Berlagsaniialt Paul Singer u. So.. Berlin SB�«L LmbcnfttaS« S Hierzu 5 Beilagen und.Blick in die BScherwelt". M I.AUGUST "!?> Tn «»d»«-»" bU 7.eo 1-«* Wontnl-'.�'�Jo ff e K« t v) m 5' �ochw.rtla* br«v ,0�tt bl. � Bedruck*® Vo.ile5 Uuns�a- MOe*l00 C« de»' 13�, Qaan� bis 5.90 �"rnberg- StröinP*®...... 195 Bembc 9 old< .Gold« oder»C»"« B»3 ....•) 75 teti* bi. I.»'"1 »/ I© 1 d 6 � Tolle oder TO 9h0™?Q?al" '� �25 � -- T-*-# faM59*, \ PL ~«tott WS* Moehth�ti" O« ,„„„■,.73.-!•»' Kooben-Aniose bi. U.50 HO«"-■ «tott bis 1.25 letit ios .tot' 1*5»eMt _______ de< k o LL*"ärSi22S Unters«''* 1 , I n, o W©** 0 «»Ott U-- .\strt" Ilr. 311* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonntag/ 10. August 1930 I"* � // 1/ NM JFir smrf also bei der Kopfsteuer angelangt, denn die Methoden unserer Steuermeisen »/ fl— jj werden immer primitiver. Nicht umsonst haben mir die Kriegsjahre mitgemacht, in ' denen man uns missenschaf tlich bemies, daß Kartoffel flocken ein viel besseres Brot ergäben als das melsche, vermeichlichende Weizenmehl und daß Kohlrüben die beste Säuglingsnahrung seien. Uns kommt der Bei- mahlungszmang und der Beimischungszmang schon gar nicht mehr so absurd vor mie den andern Leuten, die in einem Lande geboren wurden, in dem nicht das Volk das essen muß, mas der Landwirtschaft bekömmlich ist, sondern das, was ihm besser schmeckt und bekommt. Natürlich gibt es auch bei uns Ketzer, die der Meinung Ausdruck geben, eine Stulle Roggenbrotes sei vor allem dann was Schönes, wenn man sie mit den nötigen Fettigkeiten bestreicht, wenn ein armer Teufel aber darauf angewiesen ist, sein Brot trocken zu essen, dann sei eine Schrippe vorzuziehen. Ein wenig sei bei dieser Gelegenheit von den Steuern vergangener Zeiten die Rede. Rierziese und Steuer auf das[Ritterpferd. Di« alten Berliner zahlten von ihren Häusern und Wohnungen zroar eine Abgabe, aber dafür rvaren sie von allen anderen Steuern so ziemlich befreit: Die«inzige„indirekte Steuer", von der uns be- richtet wird aus diesen ältesten Zeiten, ist die Bierziese, und die war gering genug, sewst wenn man den holzen Wert des Geldes von damals in Rechnung jetzt, sie betrug um 1500 ganze zwölf Pfennig für die Tonne, nach der heutigen Kaufkraft des Geldes wären das nicht ganz zwei Mark. Di« Berliner von anno dazumal waren aber gewaltige Biertrinker, und als der Kurfürst wieder einmal Geld brauchte, da schien den Ständen, die er um die Bewilligung neuer Steuern bat, die Erhöhung der Bierziese der bequemste und ein- träglichste Weg. Um 1550 herum wurde die Bierziese schon auf 8 Groschen für die Tonn« erhöht; dazu kam dann eine Abgabe, die merkwürdigerweise die beiden Stände traf, die bei unfern modernen Steuerprogrammen immer ängstlich geschont werden: Den Adel und die Geisllichkeit. Die mußten für jedes Ritlerpferd eine Abgabe von 20 Gulden zahlen. Mit diesen Steuern und den recht hohen Schutz- geldern der Juden, die 42 000 Taler jährlich betrugen, mußte der Kurfürst seinen Etat bestreiten. Das ging«ine lange Zeit; als aber die brandenburgische Glorie immer mehr wuchs, konnte man mit diesen kleinen Beträgen nicht mehr austommkn,,und da die Stände durchaus keine Luft hatten, für den geliebten Landesoater sich dauernd in Unkosten zu stürzen, so kamen sie auf eine glorreiche Idee, die wohl als Vorbild für all« ähnlichen„Finanzreformen" neuerer Zeiten anzusprechen ist: Die Wohnungs- und Haussteuer wurde abgeschafft und dafür die„Eonsumptions-Accise" eingeführt. die erste eigentliche„verzehrsteuer", die jeden Verbraucher traf, aus der sich später die Schlacht- und Mahlsteuer entwickelt« und die das Vorbild für all« indirekten Steuern wurde. Diese Steuer beschloß die Ständeversammlung im Jahr« 1667, und die Berliner merkten zuerst so wenig, was da gespielt wurde, daß der damalige Bürger- meister Zarlang noch im Jahre 1671 in einer Schrift, die er im Turmkopf der Sankt Nikolaikirche niederlegte, davon sprach, daß diese Steuer„zum Tröste der unglücklichen und ver- armten Bürger" erfunden und eingeführt worden wäre. Aber bald danach merkten die Berliner doch, daß sie nun aus diese Art indirekt eine weit höhere Steuer zahlen mußten als bisher, und so kam es bei der Einführung einer neuen Accifeordnung im Jahre 1681 sogar zu Straßentumulten, in denen Obermarschall von Grumbkow und der Kommissarius Willmann so gröblich beschimpft und angegriffen wurden, daß der Kurfürst die Wachen verdoppeln mußte. Aber dann sperrte man einige Bürger ein, die Aufregung legte sich, und die neue Accifeordnung blieb bestehen. Schweineborsten- und Iungfrauensteuer. Nun hatte man das Rezept entdeckt, aus dem braven und gedul- digen Volk ein„Eselein streck dich" zu machen, und unter dem ab- solutistischen System wurde die neue Erfindung in geradezu Märchen- hafter Weise ausgebaut. Die Accife wurde wieder und wieder er- höht, sie wurde auf alle, vor allem alle„ausländischen" Ware» ausgedehnt. neben der Confumptions- wurde die handclsaccife erhoben _ und zwar in jeder Stadt, die die Handelsware auf dem Transport passierte, es half nichts, daß die Accise schon einmal irgendwo gezahlt war. Dann aber kam der Tag, der für Preußen der Geburts- tag der Kopfsteuer wurde. Die Stände waren inzwischen zu völliger Bedeutungslosigkeit herabgesunken, die neuen Steuern wurden vom König einfach beschlossen und diktiert. Und als für die ehrgeizigen Pläne Friedrichs I., der seinem brandenburgischen Kurhut gern die Krone Preußens zufügen wollte und in seiner ganzen Hofhaltung dem französischen Beispiel nacheiferte, die gewöhnlichen Einnahmen nicht mehr ausreichten, da schrieb er 1731 eine Generalkopssteuer aus. Großmütig nahm Majestät sich und seine Gemahlin nicht ein- mal selbst von der Steuer aus und schätzte sein gesalbtes Haupt mit 1000 Taler, das seiner Gemahlin mit der Hälfte ein und erhöht« bei der späteren allgeineinen Steuererhöhung diese Suinmen auf das Doppelte. Er tat sich freilich damit keinen Schaden, denn das Geld kam ja, wie man in Berlin sagt,„aus der Kaffe in die Beilage". Es war keiner seiner Untertanen ausgenommen: Selbst die ärmste Tagelöhnerfrau, selbst die Gänfemagd mußt« jährlich mindestens vier Groschen zahlen, der Bauer zwölf Groschen. Als nach der Krönung die Ausgaben für den nunmehr königlichen Hof ins Unge- meffene stiegen, da zeigte sich der neue König als ein genialer Steuer- erfinder; zuerst beschloß er die Perückensteuer: für jede ausländische Perücke mußte ein viertel ihre» Preises, für jede inländische ein Sechzehntel gezahlt werden. Und da damals alle Welt, auch der ein- fache Bürger Perücken trug, die Perücke so zum. Anzug gehörte. wie heute der Hut, so war die Steuer recht einträglich? Die elegante Welt trug ja sogar Perücken für 200 bis 300 Taler! Dann be- steuerte man die Karossen, weil sie das Pflaster der Stadt abnutzten, dann die Spielkarten. Früher hatte auf den Spielkarten freilich auch schon ein Stempel gelegen, dessen Erträgnisse aber den Armen zugute kamen: Nun wurde der Stempel erhöht, aber die Armen bekamen nichts mehr, denn der neue König brauchte das Geld nötiger sür seine Mätresse en titre und ihre Kreaturen. Wer Tee, Kaffee oder Schokolade trinken wollte, mußte nicht nur die Accise bezahlen, sondern noch einen Extraerlaubnisschein lösen, der jährlich zwei Taler kostete. Dann erfand Majestät die Vorläuferin der Ledigen- steuer: Jedes unverheiratete Frauenzimmer mußte, vom höchsten Rang bis zur letzten Dienstmagd herunter, sechs Groschen jährlich zahlen. Doch der Bedarf des Hofes konnte noch immer nicht gedeckt werden: Schließlich besteuerte man auch die Schweineborsten! Ein königliches Edikt verbot, den Schweinen die Borsten abzuschneiden und befahl den Bauern, kurz vor Johanni allen Schweinen die Borsten auszuraufen, damit die nicht ausfielen und umkämen. Als Hardenberg 1811 versuchte, die Privilegien des Adels an- zutasten und die Grundsteuerbefreiung aufzuheben, stieß er zum erstenmal auf die„Grüne Front", deren Festigkeit bis in unsere Tage erprobt ist. Die preußischen Junker veröffentlichten ein Mani- fest, in dem si«„sich lossagten von der Teilnahme an den Grund- sätzen, die sie(die schreckhafte Zeit) auch in diesem Lande,.herb�b. führen müßten." Damit meinten die Herren den Versuch, auch fltzf ihre Schultern einen Teil der Lasten eines verlorenen Kriege» auf- zubürden, an dessen Ausgang nicht zun, wenigsten ihre Herren Söhne schuld gewesen waren! Berlin feiert die Verfassung Die großen Kundgebungen am Sonntag und Montag 3n der Reichshauptstadt wird des versasfungstages am Sonntag und Wontag würdig gedacht werden. Reichsregierung, preußisch« Staatsregierung und Stadt Verlin veranstalten wieder groß« g e- meinsame Feiern. Die volkstümlichen Veranstaltungen des Reichsbanners werden auch in diesem Zahre größte Beteiligung ausweisen. Die Veranstaltungen am Sonntag. Am Sonntag um 12 Uhr findet vor dem Berliner Schloß nach der Lustgartenseite sür die gesamt« Polizei Berlins die Ver- fassungsfeier statt. Die Feier beginnt mit dem Eintreffen des preußischen Ministers des Innern, der auch die Festrede-Halten wird. Nach dem Vorbeimarsch der Schutzpolizei findet ein großes Platzkonzert statt. Nachmittags um 17 Uhr findet im Grunewald-Stadion eine Feier der Reichsregierung, der preußischen Staatsregierung und der Stadt Berlin statt. Unter Leitung des Reichskunstwarts Dr. Redslob wird das von Josef von Fielitz verfaßte Festspiel „Deutschlands Strom" aufgeführt werden. 5000 Schüler und Schülerinnen wirken im Gesangschor und etwa 2500 Kinder in den Bewegungschören mit. Der Sturmvogel, Flugoerband der Werktätigen, ver- anstaltet am Sonntag auf dem Flughafen in Tenipelhof anläßlich des Verfassungstages einen großen F l u g t a g, bei dem Kunst- slüge vieler bekannter Piloten, Fallschirmabsprünge und genüschte Stafetten gezeigt werden. Im Rahmen des Programms wird der jüngste Sport, das Segelfliegen, init mehreren Segelflugzeugen vor- geführt werden. Neben einem Modellwettbewerb werden vom Sturmvogel und der Deutschen Lufthansa zahlreich« Flugmaschinen bereit stehen, um dem Publikum zu dein billigen Preis von 5 M. Gelegenheit zum Rundflug über Berlin zu geben. Die Wintersportabteilung des Reichsbanners und der Berliner Tennisklub Schrvarzrotgold habe» bereits heute mit den Vorspielen für das große Verfasfungsturnier begonnen. Das Turnier wird am 17. August auf dem Tennisplatz an der Avus fein Ende finden. Ein Teil der Ortsvereine des Berliner Reichsbanners, die Orts- gruppen Charlottenburg, Schöne berg, Wilmers- d o r f und Zehlendorf vereinigen ihre Mitglieder am Sonntag um 16 Uhr im Funkturmgarten und in den Funkturmhallen. Neben zahlreichen Kapellen und den vereinigten Tainbourchors desReichsbanners Kreis Westen wird auch hi«r der republikanische Je 1 P Daunendecken Ssidengianz-Satin, dirtrse A.7"7 f. Farben, laDaunw, 150x200■'• Lavantina-Kunstsecd« eins.69.- Steppdecken kunatselden. 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Weiter ist ermittelt war- den, daß Gantner für seine Spionagetätigteit mehrmals Geld- beträge, über deren höhe bisher allerdings nichts gesagt wird, er- halten hat. Näheres werden erst die weiteren Nachforschungen ergeben. » Gantner ist der Sohn wohlhabender Eltern. Er studierte einige Semester Iura, geriet aber bald auf die schiefe Ebene und als er in Heidelberg wegen eines Betruges zu einer Freiheitsstrafe ver- urteilt worden war, kam es offenbar zum endgültigen Bruch mit seinen Angehörigen. Gantner tauchte bald hier, bald dort auf, eine Zeitlang weilte er im Ausland. Wovon er seinen Lebensuttter� halt bestritten hat, ist unklar. Dann lernte er vor einigen Iahren eine reiche Holländerin kennen, mit deren Unterstützung er in der Friedrichstrab- eine Filmgesellschaft gründete. Reiche Geldmittel flössen ihm stets aus Holland zu. bis es zum großen Krach mit seiner Freundin und Gönnerin kam. Jetzt verlegte sich Gantner auf Hochstapeleien und Schwindeleien. Rapide ging es nun mit ihm bergab. Er logierte in ersten Berliner Hotels und Pensionen und„vergaß" die Bezahlung seiner Rechnungen. Er erschwindelte Sachen, versetzte sie und verkaufte die Pfandscheine. Dem Inhaber eines Herrenausstattungsgeschäfts in der Friedrich- straße 223 stahl er heimlich aus dem Scheckheft vier Schecks und verübte damit Schwindeleien. Mehrere Bekanntschaften betrog er um kleinere Summen, einmal erschwindelte er von einer Dame aus Wien, der er erzählte, er werde sie mit König Fuad bekannt machen,«inen größeren Betrag. Das ist bisher aber nur ein kleiner Auszug aus dem Sündenregister des Hochstaplers. Neuerdings geriet Gantner auch in Verdacht, die Schüsse auf den Pensionsinhaber Tschernoff in der Fasanenstraße. wo G. einige Zeit wohnte und als er nicht bezahlte an die frische Lust gesetzt wurde, abgegeben zu haben. Für diese Tat kommt er jedoch nicht in Frage, da er bereits am 1. August festgenommen wurde, der nächtliche Ueberfall auf Tschernoff jedoch erst in der Nacht vom 4. zum 6. August passiert ist. Schutzbund aus Oesterreich konzertieren. Der Bezirk Ltergarteu des Reichsbanners hat seine Feier im U l a p in Alt-Moabit. Um 21 Uhr wird dos Kriegsdrama„Die andere Seite" vom Jung- bannerspieltrupp aufgeführt. Die Berfassungsseier des Reichs- banners Kreis Berlin-Norden sindet in den Gartenlokalen Strandschloß und im Seepavillon in Tegel statt. Das Pankower Reichsbanner veranstaltet sein« Ver- fassungsfeier am heutigen Sonntag im Linderschen Konzerthause, Pankow, Breite Str. 34. Beginn 3,30 Uhr nachmittags. Eintritt 0,50 M. Jugendliche bis zu 18 Jahren zahlen 0,30 M. Erwerbslose haben gegen Vorzeigung des Ausweises freien Eintritt. Festredner ist Kamerad Franz Künstler. Zum Festumzug an- treten 13,43 Uhr Prinz-Hrinrich- Ecke Berliner Straße. Die Meiern am Montag. Die offiziellen Veranstaltungen von Reich, Staat und Gemeinde werden am Montag durch die offiziell« Verfassungsfeier der Reichsregierung, die um 12 Uhr im Plenarsaal des Reichstags in Gegenwart des Reichspräsidenten stattfindet. ihren Anfang nehmen. Die Festrede hält der Reichsinnenminister Dr. Wirth. Bei der Verfassungsfeier der Reichsregierung wird im Reichstagsgebäude die schwarzrotgoldene Fahne des historischen Festes auf dem Ambacher Schloß von 1832 aus- gestellt sein. Um 20 Uhr findet im Berliner Sportpalast die ge- meinsame Feier der Reichsregierung, der preußischen Staatsregie- rung und der Stadt Berlin statt. Di« Festansprache hält der preußffche Minister für Wissenschast, Kunst und Volksbildung, Ge- nosse Grimme, händelsche und Beethooensch« Musik umrahmen di« Feier. Beide Veranstaltungen werden durch Rundfunk übertragen. Mittelpunkt der großen Volksfeier am Montag wird sicher der Verfassungsaufmarsch des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold sein. Bereits um 18.15 Uhr marschiert ein Spiel- mannszug mit der Musikkapelle des Ortsvereins Weißensee ab Bahnhof Börse zum Reichstogsgebä'.lde, wo von lg Uhr ab von dieser Kapelle ein Platzkonzert mit treichhaltigem Programm veranstaltet wird. Nach Eintreffen des Fackelzuges auf dem Platz der Republik erfolgt«in Zufammenfpiel der Spielleute des Reichsbanners unter gleichzeitigem Zlnmavsch der Fahnenabteilungen. Im Anschluß daran hält der Reichstagspräsident Paul L ö b e die Festansprache. Der Ab- fchluß der Feier wird in Form einer Reportage von Alfred B pa u n auf den Berliner Rundfunk von 22 Uhr an übertragen. Die Sozialistische Arb e, t e rj u g e nd Groß- Berlin versammelt sich um 20 Uhr auf dem Gendarmen- mark t. Auch hier hält die Ansprach« Reichstagspräsident Genosse Paul Löb«. Die Anmarschzeiten sind von uns bereits bekannt- gegeben worden. Die Republikaner, die in Berlin die überwältigende Mehrheit der Beoälkcrung darstellen, werden auch in diesem Jahre den Ver- fassungstag zu einem Treuebekenntnis zur demokra- tischen Republik gestalten. Verfassungsfeier in Neukölln. Das Neuköllner Reichsbanner fÄert« den Tag der Verfassung mit einer großen Kundgebung in der„Neuen Welt". Zuerst spielte in dem mit den Fahnen der österreichffchen und deutschen Republik ausgeschmückten Garten die Musikkapelle des österreichischen Schutzbundes aus Wiener Neustadt, deren Darbietungen den stürmischen Beifall der Neuköllner fanden. Nach dem neuen Marsch„Der Tromipler der Republik", der dem Bundes- versitzenden Otto Hörsing gewidmet ist, begrüßt« der Ortsvereins- Vorsitzende G u t s ch m i d t die Versammellen. Der Ehrenvorsitzende des Republikanischen Studentenbundes Dr. Kolb hielt di« Fest- anspräche. Dann spiell« das Musitkorps des Reichsbanners Neu- kölln. Außerdem wurde von der Freien Turnerschaft Groß- Berlin, Bezirk Neukölln, eine Reck- und Barrenriege auf die Bühne gestellt, und der Arbeiterrad- und Krastsahrerbund„Solidarität" ließ Kunstsahren vorführen. Di« Veranstaltung nahm einen glän- zenden Verlauf. Todessturz aus dem D-Zug. Das Ende des Großindustriellen Arthur Nathan. Altona, 9. August. Der Großindustrielle Arthur Nathan, der gestern im FD- Zug von Berlin nach Hamburg fuhr, ist auf der Strecke bei Vreddin zwischen den Schienen tot ausgfunden worden. Die Pressestelle der Reichsbahndirektion Altona teilt hierzu mit: Die polizeilichen Ermittelungen, die von dem Ueberwachungs- dienst der Deutschen Reichsbahn geführt werden, haben bisher kei« nerlei Anzeichen dafür ergeben, daß es sich um ein Verbrechen handelt. Gepäck und Wertsachen sind vorgefunden worden. Im Taschenbuch des Verunglückten befindet sich folgend« Notiz: Treffpunkt Vreddin 9. 12.— 9. 17. Das sind die Durchfohrts» zeiten der Züge FO 26, in dem sich der Verunglückte befand, und v 23, durch den er überfahren wurde, durch Vreddin. hiernach kann mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß der Verunglückte einem Reisenden des anderen Zuges zuwinken wollte und beim Aus- schauen nach dem herannahenden Zuge herausgestürzt ist. Oer Echülerausiausch. Oeutsch-englische Schüler in Virienwerder. Zwischen der Stadt Berlin und Sheffield(England) ist zum ersten Mal« ein Schüleraustausch vorgenommen wor- den. Zwanzig Berliner Schüler sind mit drei Lehrern nach Sheffield gefahren, wo si« in großartiger Weise empfangen Und aufgenommen wurden. Im Landschulheim der Stadt Berlin in Birtenwerder weilen dagegen zwanzig englische Schüler mit drei Lehrern, die hier mit zwanzig Berliner Schü- lern und drei Lehrern zusammenleben und gemeinsamen Unterricht erhalten. Der Unterricht beginnt mit einer Stunde Leibes- Übungen: Gymnastik, Leichtathletik, Waldlauf oder dergleichen: daran anschließend Sprachunterricht, und zwar die englischen Schüler bei einem douffchen Lehrer, und die deutschen Schuler, die wieder in zwei Abteilungen geteilt sind, bei den englischen Lehrern. Darauf olgt eine Stunde Kulturunterricht, wobei ein deutickzer bzw. eng- lischer Schüler in di« entsprechend« Abteilung geht und in der eigenen Sprache seine Kameraden von seinem Heimatland- usw. erzählt. Der Vormittagsunterricht wird mit einer Gesangstunde be- schlössen, in der deutsche und englische Lieder gemeinsam gesungen werden. Nachmittags gehen alle gemeinsam schwimmen. Außerdem finden Spiele statt, wie Kricket, Fußball. Schlagball. Handball. Völkerball usw., bei denen in gemischten Abteilungen gespielt wird. Das Programm wird durch Ausflüge in di« Umgebung und nach Berlin unterbrochen. So wurde bisher gemeinsam der Zoo besich- tigt,«in Warenhaus und eine Markthalle. Am Sonntag, dem 10. dieses Monats, wird die Verfaffungsfeier im Deutschen Stadion besucht. In der letzten Woche, vom 17. bis 24. August, find der Besuch eines Kinos, Theaters und ein Ausflug nach Potsdam geplant. Zu erwähnen wäre noch, daß jeder deutsch« Schüler seinen englischen Kameraden zu betreuen hat, er schläft neben ihm, sitzt beim Essen mit ihm zusammen und geht ein- mal in der Zeit nach Hause, um dem englischen Schüler einen kleinen Einblick in deuffches Familienleben zu geben: desgleichen besucht der englisch« Schüler die Schule des Berliner Schülers und hört dem Unterricht zu._ Vier Personen durch Blitz verletzt. Bei einem Gewitter, das gestern nachmittag zwischen 1? und 1« Ahr teilweise über Berlin niederging, wurden bei Tegel vier Personen vom Blitz gekroffen und verletz«. Eine Schwester des Erziehungsheims Konradshöhe bei legelort hatte am Nachmittag mit drei Zöglingen einen Spaziergang unternommen. Unterwegs wurden die' Ausflügler auf der Ruppiner Chaussee, unweit des Forsthauses Tegel- grund, von dem schnell heraufziehenden Unwetter überrascht. Die Schwester suchte mit ihren Pflegebefohlenen vor dem heftigen Regen unter einem Chaufseebaum Schutz. Ein Blitz fuhr in den Baum, unter dem die vier Personen standen. Alle erlitten Brand- wunden und waren durch den starken elektrischen Schlag für Mi- nuten gelähmt. Ander« Ausflügler, die in einiger Entfernung Zeugen des Unfalles geworden waren, benachrichtigten die Tegeler Feuerwehr, von der di« Berunglücktcn nach dem Konradshöher Heim gebracht wurden. S/NQAIR LEWIS ROM/W Doch Una hatte nun die Gewißheit erlangt, daß sie Ge- schäfte leiten konnte, mit Bessie fertig wurde, imstande war, wichtigtuenden Vizepräsidenten entgegenzutreten und nör- gelnde Chefs zufriedenzustellen. Sie rechnete auf die Zukunft: sie schnupperte ein wenig an der Baukunst, soweit sie in Herrn Wilkin's großen Büchern abgebildet war: sie lernte den Zweck und die Art der Reihen von halb freistehenden, halb vorstädtischen, halb wohnlichen, halb kostspieligen und etwas weniger als halb anziehenden Häusern kennen. Sie fürchtete sich jetzt nicht mehr vor der Welt der Ge- schäfte: sie hatte teil an der Großstadt und besaß«in Heim. 2. Sie dachte an Walter Babson. Manchmal, wenn Frau Lawrence übel gelaunt oder«in Bürotag besonders auf- � reibend gewesen war, glaubte sie ihn zu vermisien. Doch statt, wie Frauen früher taten, mit gefalteten Händen dazusitzen und zu grübeln, ging sie in den Turnsaal des Heims hinauf und arbeitete mit Hanteln und an den Ringen— ein ernstes, glückseliges, vielbeschäftigtes Persönchen. Sie lachte herz- I icher und CMpfand den überwältigenden Rhythmus der Großstadt nicht als drohendes Brüllen, sondern als Sieges- Hymne. Mit Mamie Magen konnte sie nie so oertraut werden wie mit der unverhohlen desillusionierten Frau Lawrence-, sie wußte nie. ob Fräulein Magen sie eigentlich gut leiden mochte oder nicht: das Lächeln, das ihr bleiches Gesicht er- hellte, war für Una ebenso freundlich wie für Frau Fike oder für einen Bettler Und doch war es Fräulein Magens Glaube an einen Zweck dieser ewig kämpfenden Welt, der Una be- geisterte. Una schritt mit Mamie Magen die Madison Avenue entlang, an ungeheuren, alten Gebäuden vorbei, und ohne es zu wissen, paßte sie ihren schnellen Schritt dem humpelnden Gang der lahmen Jüdin an, während diese ihr von ihrem Ideal eines zukünftigen Geschäftslebens erzählte, in dem es Edelmut und Ritterlichkeit geben und die Arbeit sich mit der Genauigkeit eines wissenschaftlichen Labora- toriums abwickeln würde: in dem man keiner Wohlfahrtsein- richtungen für Arbeitnehmer bedürfen würde... Und auch nicht für Arbeitgeber. Mamie Magen war das höchstentwickelte Geschöpf, das Una je gekannt hatte. Aus Büchern und Zeitungen und durch Walter Babson hatte sie wohl erfahren, daß es solche Dinge gab, wie Sozialisten und ernsthafte Pessimisten und eine Menschenklaffe, die man zusammenfassend„Bohemiens" nannte— Schriftsteller, Künstler und Sozialreformer, die Wein tranken und der Liebe lebten und über das freie Theater sprachen, alles um der Brüderschaft der Menschheit willen. Una stellte sich vor, daß die Sozialisten immer di« Kapitalisten angriffen, daß die Pessimisten immer verbittert und egoistisch wären: Bohemiens immer liederlich, aber ebenso hübsch und lustig und lärmend. Mamie Magen jedoch war eine Sozialistin, die glaubte, daß die Kapitalisten, mit chren Gewinnbeteiligungen und ihrem Suchen nach verbesserten Produktionsmethoden, eine fortschrittlich-wissenschaftliche Aera ebenso aufrichtig herbei- sehnten, wie di« wütendsten Sozialisten: sie war eine So- zialistln, die die beredtesten jungen Sozialisten, mit der Haar- locke in der Stirne, liebte, aber sie liebte und verstand auch den sauber gekleideten kleinen Handelsschüler, der mit dem Wunsche in das Gefthäftsleben trat, es nicht zu einem Krieg, sondern zu einem Kreuzzug zu machen. Sie war eine So- zialistin, die entschlossen war, das Geschäft zu beherrschen und zu verherrlichen: eine Peffimistin, die in ihrer sanften, anspruchslosen Art alle �Halbheiten der Kirche, der Regierung, der Erziehung ebenso verspottete, wie die zynische Frau Lawrence. Und schließlich kannte sie, die weder hübsch, noch liederlich, noch lustig war, sondern häßlich, lahm und sparta- nisch, das ungebundene Leben der Nichtbürgerlichen besser als die berufsmäßigen„Bohemiens". Als Kind des East Ends war sie in den Bolksbildungsheimen aufgewachsen, hatte deren Lorträge und Geselligkeit kennengelernt; war als Kind noch auf den jugendlichen Knien halbberühmter Schriftsteller und Vorkämpfer sozialer Reformen geschaukelt worden, die ihre Karrlere damit begonnen hatten, für Wohlfahrtsein- richtungen zu arbeiten; sie, die noch unbekannt war,«ine An- gestellte,«in Niemand, war an den Umgang mit Leuten ge- wöhnt, deren Namen durch di« Zeitungen bekannt und be- rühmt gemacht worden waren. In einem Alter, da ehrgeizige Schriftstellerinnen und entgleiste Walter Babsons nach New Dork kamen und sich entschlossen dem Bohemeleben zu- wendeten, war Mamie Magen ihm bereits entwachsen und hatte sich der Arbeit ergeben. Sie erklärte Una die Großstadt» machte pe chr begreif« lich, brachte ihr Kunst und Nationalökonomie und Philosophie menschlich nahe. Una konnte ihr nicht immer ganz folgen, aber sie bekam Verständnis dafür, daß die Welt mit ihrer ganzen Weisheit nur ein täppisch herumprobierender Schul- junge sei, der der Führung bedürfe und geführt werden könnte, wenn Männer und Frauen menschliche Wesen wären, statt eben nur Kaufleute, oder Klempner, oder Offiziere, oder Büromenschen, oder Erzieher, oder Schriftsteller, oder Klub- weiber, oder Handlungsreisende, oder Sozialisten, oder Re- publikaner, oder Heilsarmeeführer, oder Träger von Kleidern. Sie predigte Una ein Königtum der Persönlichkeit, eine Er- ziehung zur Brüderlichkeit und zu verantwortungsvollem Adel der Gesinnung, die sich ebenso auf Unas Beruf erstreckte, wie auf die Verwaltung von Staatseigentum oder das Lesen von Gedichten. � 3.' Doch nicht immer war Una atemlos nur darauf bedacht, dem Flug der lahmen, doch leichtbeschwingten Mansie Magen zu folgen. Mit Frau Lawrence ging sie in die Spanische Kirche auf Washington Heights zu einer hohen Messe; fühlte die Schönheit der Zeremonie: bewunderte die schlichte, in klassischem Stil gebaute Kirche; war von dem Padre be- geistert, und trug sich fast einen ganzen Tag mit dem Ge- danken, das Panama-Methodistentum zu verwerfen und katholisch zu werden; den Tag hernach vergaß sie Methodisten und Katholiken. Sie begleitete Frau Lawrence auch zu einer weit' weniger eindrucksvollen und weit weniger leicht zu ver- gessenden Zeremonie— zu einer Zusammenkunft mit einem Mann. Frau Lawrence sprach nie von ihrem Gatten, doch waren Rose Larsen und Jenni« Cassavant nicht von der gleichen Zurückhaltung. Iennie behauptete, daß Herr Lawrence am Leben sei, und zwar sehr: daß die Ehe nicht einmal ge- schieden, sondern nur getrennt sei. Die einzige Sanktionie- rung, die diese Darstellung jemals durch Frau Lawrence er- fuhr, war, daß sie eines Abends herausplatzte:„Bewahren Si« sich, solange Sie nur können, Ihren Glauben an das Wunder der Liebe und all dies« sentimentalen Anschauungen über Erotik und so weiter: Sie werden sie eines Tages schnell genug verlieren. Ich— ich weiß, daß eine Frau einen Mann ebensosehr braucht wie ein Mann«ine Frau— und in einer genau so verwünscht unpoetischen Art. Da ich sehr puritanisch erzogen worden bin, komisie ich nie mehr darüber hinweg, daß ich eigentlich nichts mit Männern zu tun haben sollte— ich! so wie ich nun einmal bin!— aber glauben Sie mir, es ist nichts von romantischen Idealen dabei. Ich brauche die Männer wirtlich."(Fortsetzung folgt.) Vorsicht bei Pilzgenuß. Das Hauptgesundheitsamt teilt mit: In diesen Wochen beginnt ein Pih sich in den Wäldern Berlins und seiner Umgebung zu zeigen, der leider immer wieder Anlaß zu schweren Vergiftungen geben kann. Es handelt sich um den grünen Knollenblätterpilz, den gefährlichsten aller Giftpilze. Er kann infolge seiner grünen Farbe mit grünen Täub- lingen, vor ollem aber mit dem als Speisepilz geschätzten Grün- l i n g verwechselt werden. Von diesem unterscheidet er sich durch die weißen Lamellen(Blätter auf der Unterseite des Hutes) und dem weißen oder grünlichen mit einem zarten Ring versehenen Stiel, der am Fuße knollig verdickt und von einer Haut- scheide umgeben ist. Er kommt hauptsächlich im Mischwald unter Eichen von August an vor. Der Grünling hat gelbe Lamellen und einen gelben Stiel, ohne Ring, ohne Knolle und ohne Scheidt. Er wächst gewöhnlich erst im September in sandigen Kiefernwäldern. In unseren Nadelwäldern findet sich auch der weiße oder gelbe Knollenblätterpilz, der Anlaß zu Verwechselungen mit Champignons gibt. Da auch er weiße Lamellen am Hut und knolligen Stiel besitzt, zwei Eigenschaften, die dem Champignon fehlen, so wird der Kenner ihn leicht unterscheiden können. Die Bevölkerung muß nachdrücklich davor gewarnt werben, Pilze zu sammeln, über deren Unschädlichkeit sie nicht genau unterrichtet ist. Unkundige sollten da» Pilzsammeln überhaupt unterlasien. Treten einige � Stunden nach dem Genuß von Pilzen Der- giftungserscheinungen auf(Uebelkeit, Erbrechen. Schwindelanfäll« usw.), so ist sofort ein A r z t zu Rate zu ziehen. I« schneller ärztliche Behandlung einsetzt, um so günstiger sind die Heilungsaussichten. Aazizeugen bleiben unvereidigi. Schluß.der Beweisaufnahme im ntgentalprozeß. Am 14. 3 tili nahm der Röntgental Prozeß seinen Ansang: gestern am 9. August fand die Beweisaufnahme Ihren Ab- schluß. Für die Angeklagten war Prozehbeginn wie Beweisaufnahme- schluß gleich ungünstig. Ihre gute Stimmung scheint etwas ge« dämpft. Auch der gestrige Nachklang war für sie wenig ermunternd. Di« Bewohner des Hauses, das der Ecke Schillerstraße in Röntgen- tal an, nächsten ist, bekunden, daß sie, als die Schüsse losgingen etwa 15 Nationalsozialisten beobachtet hätten. Unmöglich also, daß ein großer Teil der Angeklagten, wie sie es behaupten, sich in der Trift- und tiefer in der Schillerstrahe befunden haben. Gestern wurde auch die Legende zerstört, die immer wieder im Gerichtssaal herum- spukte: Die Pistole des Gastwirts Meißel, aus der angeblich ge« schössen sein sollte, ist bereits seit Iahren nicht benutzt worden— das stellte der Sachverständige Prof. Brüning fest. Den größten Schlag für die Angeklagten bedeutete aber die Nichtvereidigung der nationalsozialistischen Zeugen. Das Gericht ging dabei selbst über die Anträge des Staatsanwalts und Nebenklägers hinaus. Nur«in nationalsozialistischer Zeuge wurde vereidigt. Rätsel eines Ooppelmordes. Zwei Hotelbesitzer in ihrem Auto ermordet aufgefunden. Paris, 9. August. Ein rätselhaftes Derbrechen hat sich in der Nacht auf Sonnabend in dem Parijv. Vorort Viry-Chatillon.abgtspiell.. Der. Besitzer des Hotels„Bellcoue* in Chatillon, Blanchandin, hatte am.Freitagabend mit einem befreundeten Pariser Hotelbesitzer einen Ausfahrt in feinem Auto unternommen. Am Sonnabend früh bemerkten Arbeiter Blutspuren, die sie bis vor das Hotel„Bellevue* verfolgten. Vor dem Haus« fanden sie einen mit Blut bespritzten offenen Kraft- wagen, in dem sich zwei Leichen befanden. Die Arbeiter alar- miertcn sofort das Haus und benachrichtigten die Polizei. Die Frau des Hotelbesitzers erkannte in dem über dem Steuer zusammengebrochenen Toten ihren Mann. Die Leiche seines Freundes Pelisson lag mit zerschmettertem Schädel auf dem Rücksitz. Die Untersuchung hat ferner ergaben, daß beide Männer während ihrer regelmäßig unternommenen nächtlichen Autofahrten wilderten. Möglich, daß sie sich durch diese Tätigkeit Feinde zugezogen hatten, von denen einer sie aus dem Hinterhalt erschoß. Einer zweiten An- nähme der Polizei zufolge kann es sich auch um ein« E i s e r s u ch t s- tragö d i e zwischen den beiden Männern handeln. Der„Mainzer Doikschor", Dirigent Musiklehrer Fr. Hein» rich, Mainz, besucht vom 15. bis 18. August Berlin und ist hier Gast der Berliner Arbeitersänger. Am Sonnabendabend. 20 Uhr, wird der Chor auch ein Konzert im„SaalbauFriedrichs- Hain" veranstalten. Der Eintritt beträgt einschließlich Programm Alle zum Gedächtnis. Sein erstes Denkmal am Kottbusscr Tor. Im Garten des Theaters der Elitesänger am Kottbuser Tor sollte am Sonnabend um 6 Uhr die Einweihung des Zille-Denkmals stattfinden. Doch der Himmel machte mit einem Wolkenbruch und Donnerwetter«inen Strich durch die Rechnung. Es goß und goß, aber die meisten standen wie die Mauern. Endlich, als alles ge- nügend eingeweicht worden war, entschloß man sich, die Feier in den Saal zu verlegen. Dichtgedrängt saß und stand die Menge im Theaterraum. Mundharmonika- und Bandonionorchester leiteten über zu der Ansprache von P e te r Sachse, der in warmen Worten Zille und seine Berliner Welt lebendig werden ließ. Das versprechen, Zille ein Denkmal zu schassen, habe die Stadt noch nicht eingelöst. Aus eigener Initiative und eigenen Mitteln haben die Elitesänger nun im Herzen des Zilleschen Milljöhs im Südosten ein Zille- Denkmal erstehen lassen. Claire Waldoff sang darauf das Kollofche Lied von Bater Zille, dessen einer Refrain Zilles Volks- tümlichkeit ausgezeichnet wiedergibt: Dos war sein MilljSh, Das war dein Milljöh, Jede Kneipe und Destille Kennt den guten Vater Zille. Jedes Drofchkenpferü Hat von dir gehört, Von RO bis IWD— Das war dein Milljöh. Die Mass« jubelte ihrer„Claire" zu, die aus ihre Weise die Herzen genau so wie Zille zu wärmen und zu packen versteht. Die Neuköllner Liedertafel sang hierauf„Ein Söhn des Voltes". Kaum waren die letzten Worte des Liedes verhallt, strömte alles hinaus und die Enthüllung des Denkmals durch Claire Waldoff fand unter einem grauen, ober jetzt wenigstens regenlosen Himmel statt.- Nach ihren herzlichen Worten„Du hast uns so viele Bilder geschenkt, jetzt schenken wir dir eins" fiel die Hülle. Zille, wie er leibte und lebte, in Muschelkalkstein gehauen, nach» denklich, mit dem etwas schief geneigten Kopfe. Der junge Bild- Hauer Paul K» n t s ch hat ein schönes Zille-Denkmal geschahen. Mustk! Pressephotographcn. Claire Waldoff schmückt das Denk- mal mit den roten Rosen der Anhänglichkeit und aus den Fenstern der Hinterfront und der Seitenflügel, dichtgedrängt, Kopf an Kopf, schauten die herunter, denen Heinrich Zille seine Liebe und große Kunst schenkte. Es ist bezeichnend für Claire Waldorsf, der Freundin Zilles, daß sie den Photographen zuwinkte: Da! Da! Nehmt das aus! Denn diese» Bild war etwas für den Zilleschen Stift und hat ihm, der abends dort mit dem Stück Peter Sachses„Pinselheinrichs Himmelskiause" gefeiert werden soll, sicher in seiner himmlischen Mansarde die meiste Freude gemacht. Es gab mal„Eckensteher". Aus Berlins vergangenen Tagen. Di« Zeit der„Eckensteher" war auch die Epoche des florierenden Berliner Witzes. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß diese Zunft den meisten Stoff für die Berliner Biedermeieranetdoten abgab. Adolf Glaßbrenner schrieb auf sie sogar einen Schwank in 5 Akten„Rante, NaMino, der letzt« Sonnenbruder", oder„Di- Entstehung der norddeutschen Dolkspoesie." Von den zahlreichen Anekdoten, die diesen humorvollen Ur-Berlinern in der Literatur ein Denkmal setzten, seien hier nur einige wiedergegeben. Zwei Eckensteher prahlten mit ihrer Stärke und die Prahler«! endigte mit der Wette, daß der eine den anderen in seinem Tragkorbe eine lange Leiter hinauf bis zur Dachspitze des Hauses nicht tragen könne. Er tat es indes wirklich, so daß der andere die Wette bezahlen mußte.„Hm!", sagte dieser seufzend, indem er das Geld hinzählt. „Det is wahr, ruffjedrajen hafte mir— aber et is doch schade: wie de drei Stock hoch warscht, da fingst de an zu wackeln, da hofft ick schons... Hier schwieg er, denn es kam ihm, da seine Gedankenblitze nicht schneller als fein« Füße waren, erst jetzt zun, Bewußtsein, daß das Festhalten am Henkel des Tragkorbes ihn, doch nicht genügend Sicherheit geboten hätte.— Von der besonderen Gefälligkeit der Eckenstcher zeugt nachfolgende kurze Begebenheit. Ein anständiger Mann fragt« einen der Brüder aus der Nantezunft, ob er nicht wüßte, wieviel die Uhr wäre.„Haben Se eene bei sich?" antwortete dieser.„Rein! Ich habe meine Uhr vergessen!"—„Det tut mir leid", antwortete der Eckensteher,„sonst hött' ick mal nach- jesehen, denn i ck habe kcen« Uhr nich." Da vor 100 Jahren, als das Couplet floriert«, alles Möglich« besungen wurde, echielten auch die Cckensteher ihr Aunftlied. „Det beste Leben Hab ick doch: Ick kann mir nich beklagen, Pfeift ooch der Wind durchs Aermelloch, Det will ick schonst ver- dragen. Det Mörsens, wenn mir hungern dhut, Eß ick'ne Butter- stulle. Dazu schmeckt mir der Kimmel jut Aus meine volle Pulle. Ick sitz mit de Kam'raden hier, Mit alle, jroh und kleene; Beleidigt ooch mal«ener mir, So stech ick ihm sieich eene! Und drag' ick endlich mal wat au«, So kann ick Jroschens kneifen, Hol' wieder meine Pulle raus, Und dhue eenen pfeifen." —„J—--| Montag, 11. August i Wahldamen» apansxau X stratlen Rathausplatz mit awel Fackelzügen.— Ilm 31 Uhr(9 Uhr abends): An» spräche des Oenossen ernst Hellmann. waiüerlnnen und WftUicr, ersdielnf in Massen! 1 501., Erwerbslos« gegen Ausweis 50 Pf. Anschließend an das Konzert veranstaltet der Gau Berlin eine Begrüßungsfeier, bei der die Männerchör«„Bertiner Lendvai-Chor" und„Friedrich. Hegar-Ehor", ferner der„Berliner Volkschor" und„Volkschor Moabit" durch Gesongsdarbiewngen mitwirken werden. Di« rhei- Nischen Sanges- und Partessreunde treffen am Freitagabend 19� Uhr mit einem Sonderzuge der Reichsbahn hier«in und ver- lassen am Dienetag wieder Berlin. Ernennung der Kreiswahlleiier. Einreichungsfrist für die Kreiswahlvorschläge. Für die Reichstagswohl hat der Oberpräsident der Provinz Brandenburg und von Berlin ernannt: für den Reichstags- Wahlkreis 2(Berlin) und den Wahltreisoerbond Branden- bürg I, zum Kreiswohlleiter und zum Derbandswahlleiter den Stadtrat L i n x w« i l e r, als oessen Stellvertreter den Stadtrat Czeminfti: für den Rerchstagswahlkreis 4(Pots- dam l) und den Wohlkreisoerband Brandenburg II, zum Kreis- wahileiter und zum Derbandswahlleiter den Oberregierungsrat Dr. B ö d i k e r, als dessen Stellvertreter den Regiorungsrat Günther; für ven Reichstogswahlkreis 3(Pots- dam II) zum KreiswahUeiter den Regierungsrat Dr. Eichmann, als dessen Stellvertreter den Reglerungsrat von B o n i n. Di« Kreiewohlvorschläge, Derbindungs- und Anfchlußertlärun- gen müssen bestimmungsgemäß wie folgt eingereicht werden: Kreiswahlvorschläge an den zuständigen Kreiswahlleiter bis spätestens am 17. Tage vor d«m Wahltag, das ist der 28. August 1930. Verbindungserklärungen an ften zuständigen Verbandswahlleiter bis spätestens am 12. Tage vor dem Wahltag, das ist der 2. September 1930. Anschlußertlärungen an den zuständigen Kreisroahlleiter bis spätestens am 8. Tage vor dem Wahltag, dos ist der 6. September 1930. Anschrift für den Kreis- und Verband swahlleiter ÄAoirat Linxweilsr� Hauptwahlamt der Stadt Be?lin, Rathaus, Zimmer 11, Fernruf: Magistrat 2197. Anschrift für den Kreis- und Verbandswahlleitcr Oberregie- rungsrat Dr. Bädiker und für den Kreiswahlleiter Regierungsrot Dr. Eichmann: Regierung in Potsdam, Femruf: Potsdam 4051. Der Reich»bund der Kriegsbeschädigten teilt mit: Aus Anlaß des Versassungstages bleibt am Montag, dem 11. August 1930, das Gaubüro des Reichsbundes der Kriegsbeschädigtm, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen. Berlin C 2, An der Stralaucr Brück« 6, I, geschlossen. Festgottesdienst in der Trinitatiskirche. In der Trinitatiskirche in Charlotenburg findet aus Anlaß des V e r s a s s u n pscha g e s am kommenden"Sonntag um 10 Uhr ein F e st g o t t e s d i e n st statt, in dem Genösse Pfarrer Blei er sprechen wird. Do» caodesfinauzoml Der Nu»«öfsentlicht in der heutiaen Ausgabe eine vekannimachung wegen der Rückstände der evangelischen Kirchensteuer, wo- raus wir unsere Leser besonders hinweisen. Wetter sür verlin: Teils wolkig, teils heiter ohne nennens- werte Niederschläge, Temperaturen sin ganzen wenig verändert.— Für Deutschland: Im Nordosten langsame Besserung, im übrigen Fortbestand des noch ziemlich unbeständigen Witterungscharakters. FISCHERcWOLFE BERLIN C» 2.. SPAN DAU E KST RASSE 10 Unser Saison- Ausverkauf überlrittl alles bisher Umweseae om beste Merken-QueliU«, modern u. . kleinen Sohfinheltet. tTO.tnttggJO 235 M.-l Velour-Teppiche, Perser Muster nT.ktel 300 etett 250 statt*«50 MO»««" QÄ• «00 317- 213." 360 232.- 13* 300 145- JO.-----__ Wollplüsch-Teppiche,«nsl. 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Aankberichten und in der Presse werden jetzt Di»kussidnen über die Ursachen unddas Zöesen der gegen- »'artigen Krise geführt. Keine nur theoretische Angelegen- heill Wir erleben es vielmehr, wie die Theorie unmittelbare prak- liiche, ja eminent politische Bedeutung gewinnt, da jede theoretische Auffassung über die gegenwärtige Krise auch der Begründung be- stimmter Empfehlungen für die praktische Politik dient, jede Dia- gnose, um mit Prof. Löwe(„Die Arbeit", Juli 1030) zu sprechen, auch die entsprechende Therapie, also Empfehlung bestimmter Heil- mittel bedingt. Es ist keine rein theoretische Angelegenheit. wenn man darüber streitet, ob man die eigentlich« Wurzel der gegen- wartigen Krise in mangelnder Kapitalbildung suchen soll oder in den strukturellen Wirtschaftsveräicherungen durch die Rationalisierung oder in der für die kapitalistische Entwicklung üblichen Disproportio- nalität(Unverhältnismößigkeit) zwischen der Entwicklung der VroduNivkräfle und der INassenkaufkraft. eine Disproportionalität, die durch monopolistische Preisbindungen verschärft wird. Der einen oder der anderen Auffassung entsprechend. wird von dem einen die Drosselung de» Konsum» zum Zwecke der Forderung der Kapitalbildung gefordert, von dem anderen vor ollem der Lohnabbau zum Zweck« der Senkung der Produktions- kosten, van dem Dritten eins energisch« Preisabbauoktian und namentlich die Aushebung der Preisbindungen usw. von er„Times", also eines Blattes, dem sicher keine Unter- nehmerfeindlichkeit nachgesagt werden kann, folgend« sehr«in- leuchtende Bemerkungen zur gegenwärtigen Krise:„Man darf nicht behaupten, daß sinkende Preise notwendigerweise dem mirischost- lieben Fortschritt feindlich sind. Die Konsumenten sind nicht weniger wichtig als die Produzenten, und wenn die Senkung d« preise ein Verlust für die letzteren ist. fo ist sie ein Gewinn für die ersteren. VSHeend der Periode iht4— ih?0 waren die Produzenten-die Ge- winnler und die Konsumenten die Leidtragenden, und wenn seht die Konsumenten aus Kasten der Produzenten prosttieren. s» darf man diese Veränderung schwer sich at» etwa« andere« betrockstm als ein» gesunde wirtschaftliche Anpaffung." Man könnte in diesem Falle unter den..Produzenten" all« Beteiligten an der inditftriellen Produktion, also Unternehmer und Arbeiter»erstehen: für«in Land, in welchem die Arbeiter zu- gleich die große Mast- der Konsum-isten darstellen, hätte aber diese Gegenüberstellung keinen Sinn. Einleuchtend ist die zitierte Ueber- legung. wenn sie stch auf die Verteilung de» Sozialproduktes zwischen Untern ehmcrgcwinnen und ollen Arten von Arbeiisnor- diensten, d. h. zwischen Kapitalbildung und Massenkonsum bezieht. Das Ist kein Argument gegen die Notwendigkeit einer starken Kopitalbildung an sich, sondern die Feststellung der Notwendigkeit des Gleichgewichts zwischen Kapitalbildung und der Entwick- bing de? Konsuintouikrast, welches jahrelang zuungunsten de» Konsum» zerstört wurde. Die Ueberlegung der„Times" bedeutet weiter, daß die sinkenden Preis» nur dann ol« ein«„gesunde wirtschastliche Anpassung" an- zusehen sind, wenn st« eine wesentlich« Steigerung der Kaufkraft bewirken, d. h. wenn sie nicht durch den Abbau de» Masteneinkommen« begleitet werden. Wenn bloß oll« Wert« u m- z e w t k t e t werden, so dleidt dos frühere Mißverhältnis weiter de- stehen. Darauf wird erwidert: Di- Arbeiter waren ja auch Nutz- ttiißar dar steinenden Preis«, da ihre Löhne auch gestiegen find: fi« — preise—£ Lebenswichtige Entscheidungen gehören also al» früher» Gewinnler zu denjenigen, die die Opfer de? Preisabbaues zu trügen haben. Stichhallig ist dieser Einwand nicht. Es hat sich vielmehr herausgestellt, daß die Steigerung der Löhne in keinem Lande ausreichend war. um dem Ausbau der Produktionsmöglichkeiten zu entsprechen. Das wird jetzt von durchaus kapitalistisch gesinnten Leuten de? amerikonischsn„Eommerci,! anä Financial Chrönicle" sogar für da»„Land der hohen Lohne", für die USA. oncrkanNt, indem man darauf hinweist, daß nur ein Bruchteil der Arbeiterschaft(schotzungs- weise rund 4 Millionen) zu den Nutznießern der vergangenen Hausse gehörte. Gewiß können höher« Löhne als Produktions» kostenfottor verteuernd auf den Preis der Waren wirken. Es ist aber der Sinn einer Rationalisierung, die diesen Namen wirklich verdient, daß sie auch auf diesem Gebiete dos nötig« Gleichgewicht herstellt. In seinem oben erwähnten Artikel weist Prof. Löwe mit Recht darauf hin, daß die Steigerung der Löhn« während der Periode der Rastonalisierung nur«sinen gewissen Ausgleich für die gewaltig« Steigerung der produktionsmöglichteiten darstellte. Wir wollen di« Voraussetzungen der Rationalisierung in dieser Beziehung an einem theoretischen, bewußt verciUfachten Beispiel aufzeigen: Nehmen wir an, daß irgendeine Produttionseinheit, die für uns die ganze Industrie repräsentiert, die Waren produziert, die zum Werte von 100 abgesetzt werden und deshalb auch die Kaufkraft von lllll erfordern. Zum Ausgangspunkt nehmen wir ben Zustand de» Gleichgewichts zwischen der Produktion und der Kaufkraft an. Durch diese Annahme wird der tatsächlich« Vorgang noch gemildert, weil die Rationalisierung schon ein vorhandenes Mißverhältnis zwischen der Produktion und der Koufkroft zum Ausgangspunkt zu haben pflegt: eine entsprechende Berichtigung würde also unsere Schluß- folgerungen noch stärken. Was geschieht, wenn sich die Rationalisierung vollzieht? Nehmen wir an, daß die Produktivität der Slrbeit durch die Nationalisierung um 25 Proz. gesteigert wird, während die Äauskrost die gleiche bleibt. Bei der gleichen Zahl der beschäftigten Arbeiter wird unsere Produkttons- einheit Waren im Wert von 125 produzieren können: wenn ihnen gegenüber die gleiche Kaustraft von IlA) erhallen bleibt, so wird un- vermeidlich ein« Kürzung der Beschäftigung um 2t) Proz.(20 Proz. von 125- 25) erfolgen, da der zahlungsfähige Bedarf nur für 100 vorhanden ist. Das ist jener Fall, in welchem die Rottanalisierung di« Arbeitslosigkeit und damit das verschörst» M'ßnerhällnis zwischen der Prohuktionsmögsichteit und der Konftrast bewirkt. Ivic kann da» durch die Rationalisierung gestörte Gleich- gewicht wiederhergestellt werden? Die Anpaffung kann offenbar in zwei Richtungen ge- icheh-n D«« Rational, sierung soll die Ermäßigung der Preis« er- möglichen. Falls die Preise um 10 Proz.(von 25) ermäßigt«erden. daben dt« produzierten Waren bei noller Beschäfttgung den Wert von 112�». Da» Gleichgewicht wird also erreicht, wenn gleichzeitig Troß Wirtschafiskrise aufwärts! Die Koasum«Gensssenschast Berlin im Luli 1930,- Rekord der Reuaufnahmen. Der erste Monat des neuen(52.) Geschästsjahres bracht« der Konsum-Genossenschaft Berlin und Ilmgegend einen, Umsatz von 6 4*1 354,70 Mark: im Vergleich zum Juli de« Vorjahre» ergibt sich ein« Umsotzsleigerung von 756 000,76 Mark oder 12,6 Prozent. Diese Umsotzsteigerung ist um sv bemerken»- werter, al» sie in ein« Zeit köllt, in der ein großer Teil der Mit- gliedschost erwerbslos ist. Trotz dieser Hemmungen ist der monatliche Durchschnittzumsatz je Mitglied gegenüber dem gleichen Monat de» Vorjahre» g e st I e g e n, und zwar von 55,05 aus 55,8? Mark. Ein Beweis, daß die genossenschaftliche Warenvermfttlung von den Mitgliedern in verstärktem Maß« in Anspruch genommen wird und.da» Vertrauen der Mit- gliedschafl sich gerode in der Krise noch festigt. 35 62 Neuaufnahmen erfolgten im Juli-, eine Ziffer, die n o ch n i e in der Sommerzeit ausgewiesen werde konnte. Fall» die Neuaufnahmen so weitergehen, wird der Mitgliederzugang im neuen Geschästsjahr das Ergebnis de» Vorjahres(38882 neue Mit- glicder) noch überlresfen. Die konsumgendstsnfchosttiche Sparkasse erhöhte ihr« Ein- logen um 714 208,05 Mark; der Bestand der Einlagen bezisserte sich am End« de» Monats auf 46 740 406,48 Mark. Die gondstenschaftliche Warenvermittlung wurde durch Eröff- »UNS neuer Abgabe st ellen erweitert. Es wurden«röffnet: Lebensmittelabgabc stellen in Tegel. Wittenau«? Straße 52/34: Reinickendorf. Oft, Refidenzstr. 21, Greulichpromenode 161 und Schönholzer Weg 6/10: Friedrichsl>ogen, Bruno- Will«- Str. 40: Siemensstodi, Strohe 86 Nr. 122: Treptow, Neue Krugallee 252: Fleischobqobe st ellen in Friedrichehagen, Brun»-Wille- Straße 40: Tegel, Wittenauer Str. 40''42: Reinickendorf-Ost. Greulichpromenode 151 und Schönholzer Weg 6/10: Baumschulenweg. Baumschulenstr. 18: Neuanhagen. Annenstr. 6/7 und Siemensstodt, Straße 86 Nr. 122. Arbeiisloser Geldmarkt. Wieder starke Entlastung der Reichsdonk. Der Reichsbanlausweis vom 7, August zeigt wieder beträchtliche Entlastungen auf den Konten der Kreditgewährung. Die Wechielbaständo nahmen um 170,7 auf 1588,6, die Bestände an Lombarddarlehen um 77,4 auf 66,7 Millionen ab. Stuf dem Konto der unverzinslichen fremden Gelder ergab sich eine Zunahme von 24.1 auf 421,7 Millionen. Im Zusammenhang damit ver- ringerte sich dar Umtauf an Reichsbanknoten um 230,3 auf 4808,3 Millionen. Dia Goldbestände blieben mit 261 OD Milfionan gegen rr V V Wch - Richtige Krisenpolitik. die Kaufkraft um 12M Proz. steigt, so daß sie nicht mehr 100, son- dern 112� ist. Unsere Zahlen sind freilich völlig willkürlich. Es sind auch Grenzfälle theoretisch denkbar, ober praktisch völlig unwahrscheinlich, nämlich daß der Preis um 20 Proz. herabgesetzt oder daß die Kauf- kraft um 25 Proz. gesteigert wird. Was wir aus unserem theoretischen Beispiel gewinnen, ist dies: Die Rattonalisierung, wohlbemerkt wirtschaftlich echte Rationalisierung, setzt voraus, daß sich die reale Kaufkraft der Steigerung der Produktivität entsprechend entwickelt, daß also die Rationalisierung von einer Senkung der Preise und einer Erhöhung der Konfumenteneinkommen begleitet wird. Beachten wir diesen Zusammenhang, so gewinnen wir auch die Möglichkeit, die Ratio- nalisierung im Rohmen der allgemeinen wirtschafti(chen, insbesondere konjunkturellen Entwicklung zu betrachten, und brauchen dann nicht die Rationalisierung als solche für die entstandenen Mißverhällnisse. die ihren Ausdruck in großer und langondouernder Arbeitslosigkeit finden, verantwortlich zu machen. Nur in dem Zusammenhang, der in den oben zitierten Bemerkungen der„Times" a»sg«zeigt wird, wird es verständlich, warum die Rationalisierung in der Nochkriegs- zeit ein« solche Wirkung holte. Bleibt noch eine Frage. Es ist heute wahrscheinlich, daß die sinkend« Preistcndcnz, unabhängig von den Konjunkturschwankungen, fortdauern, daß also dos frühere Preisniveau auch während der nächsten Hochkonjunktur nicht mehr erreicht wird. Nichtsdestoweniger kann die Besserung der Konjunktur nur dann einsetzen. wenn der Prozeß der Preissenkung seinen vorläufigen Abschluß ge- suirden hat und die Preise anzuziehen beginnen. Damit wird ober die reale Kaufkraft wiederum geschmälert. Eine nette Er- höhung der Zlrbeitsvcrdienstc wird für den Ausgleich notwendig fein, und sie wird sicher eintreten. Da es sich aber um die Uoberwindung eine» besonders scharfe» Mißverhältnisses zwischen Produklionsmöglichkeiten und Kaufkraft handelt, so ist es außer- ordentlich kurzsichtig, jetzt den Preisabbau mit der Herabsetzung der Arbeftsverdienste zu verbinden. Vorausgesetzt sogar, daß sich dadurch die vorhandene reale Kaufkraft nicht vermindert, ja, daß sie sogar trotz dem Abbau der Verdienste sich etwas steigern wird, wenden wir Gefahr laufen, daß unsere Wirtschaft nach dem Anfang de« Anziehens der Preise alsbald wiederum in die Sackgasi« des früheren Mißverhältnisses geraten wird. Unser« Schlußfolgerungen lauten: 1. Ts müssen gegcndic Preisbindungen, durch welch« der Anpassungsprozeß der preise verhindert bzw. verzSgert wird, alle Maßnahmen getroffen werden. 2. Dieser Prozeß wuß, soweit er nur beeinflußt werden kann„ mit grätzkrr Veschleunigung abgeschlossen werden, danzft die konsunkkurell« Erholung einsehen kann. 5. E» muß jede Kchmälerung der Saufkraf» oermieden und ihr» Steigerung gefördert werden, damit die Grundlage für eine an- haltende Brsierung der Konjunktur geschaffen wird. Gee>re Decker. Juli-End« wieder fast unverändert, die zur Noiendeckung bestimmten Devisen vermehrten sich um den hohen Beirag von 66,4 auf 517,5 Millionen Mark. Die Notendeckung durch Gold und Devisen Hot sich wieder von 62,1 auf 66,8 Proz. verbessert. Auf dem Geldmarkt herrscht nach wie vor so großes An- gebot, daß die Zinssätze für rägtlchee Geld rekord mäßig niedrig zwischen\Vi und 3 Proz.(im Berkehr der größten und größeren Firmen) bleiben. Der Prinaidiokonk hat sich in den lktzten Togen weiter von 3)4 auf 3)4 Proz. gesenkt, so daß theoretisch vü» einer neuen Diskvntermäßigung gesprochen werden könnte, die aber praktisch wohl kaum in Frage kommt, ba dem Diskontsatz der Raichsbonk bei der gegenwärtigen, ganz oiißerordcntlich schweren Wirifchastodepression keine entscheidende Bedeutung zukommt Gin Prophet. Vor dem Ende der Welttvirtschaftskrise. Nach einer Meldung de» Nein park Herald" au» Washington hat Julius Barn et, der Vorsitzende der Hondelskammer der Ber. einigen Staaten und des amerikanischen Wirtschaftsrats, erklärt, die Zeit der wirtschaftlichen Depression der Welft gehe ihrem Ende ent- gegen, und für zahlreiche unproduktive Kapitalien würden Llnlclhe- Möglichkeiten gesucht, was ein Wiederaufleben des Vertrauens de- deute. Wenn dieser Prophet recht hält«, würde man ihn sicher gerne in allen Vaterländern etwas gellen lassen. Wir können leider noch nicht an seine schöne Prophezeiung glauben. Kohlentrust kaust Glasfabrik. Um sich einen Gasverbraucher zu erhallen. Die G e l s« n k l r ch n e r Bergwerk« A.- G. hat dt« Glas- fobrit Gebr. Müllensteoen- Witten erworben und oerschmilzt sie mit ihrer Schillenperk W-G.(neuer Name der verschmolzenen „Ruhrtaler GlaehEtten A.-G."). um sich für ihre Zeche Dorstfeld«inen wichtigen Zechengosverhraucher zu erhalten. Es droht möglicherweis« die Stillegung der Glasfabrik im Gefolge der Expaniion?po!itik de» großen belgifch-französischen Glaskonzerns. preußen-Elektrotrust gliedert Lüneburg ein Di« Elektrizitäts- und Gaswerke der Stadt Lüneburg, die völlig modernisiert und erweitert wurden, werden in die Hannover-BrauN- jchweigische Stromverjorgnug»- A.-G. übergeführt. Deren Aktien- Mehrheit ist in dar Hand der Preußischen Elektrizität»< Ä.-G.,»es staatlich preußische» Elettrbtrusts. [9 hi- Splitter und Balken. Christliche Wahlagiiation für den Bürgerblock. Mit ouffallender Gereiztheit bekämpft die Presse der C h r i st- l i ch e n jede kritische Bemerkung von sozialdemokratischer Seite gegenüber der Zentrnmspolitit, während sie sich selbst in gröbsten Verleumdungen der Sozialdemokratie gefällt. Vor einigen Tagen hatten wir darauf hingewiesen, daß der frühere Reichsarbeits- minister Dr. Brauns auf der Tagung der christlichen Bergarbeiter wohl eingehend über die Zlrbeitslosenfrage gesprochen, dabei aber merkwürdigerweise kaum mit einem Wort das Arbcitszeitproblem berührt habe. Diese einfache Feststellung gab dem„Deutschen", dem Organ der christlichen Gewerkschaften sofort Anlaß, wieder einnial über den früheren sozialdemokratischen Reichsarbeitsminister Wissel! herzufallen. Der„Deutsche" sagt, es komme nicht aufs Reden an, sondern auf die Tat. Allerdings! Wir waren und sind der Meinung, daß eine U n t e r st ü tz u n g der Gewerkschaftsforderungen auf Arbeits- zeitoerkürzung gerade jetzt am Platze gewesen wäre, weil zur Zeit die Arbeitszeitfrage in einer besonders wichtigen Industrie, nämlich in der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie,, akut geworden ist. Selbst wenn Wissel!, als er noch Reichsarbeitsminister war, für die Arbeitszeitverkürzung nichts getan haben sollte, dann kann deswegen doch Herr Dr. Brauns jetzt, in einem nicht unwichtigen Zeitpunkt, etwas für die Arbeitszeitverkürzung tun. Er hätte damit— wie wir nochmals hervorheben wollen— vielleicht auch einiges wieder gutmachen können, was in der Lohnfragc zu- Ungunsten der Arbeiterschaft durch die Lohnobbaupolitik des Zentrum» verbrochen worden ist.— Auf der Tagung der christlichen Berg. arbeiter ist auch die Frage der U n f ä l l v e r s i ch e r u n g an- geschnitten worden. Auch hier haben wir uns nur eine fast Harm- lose Bemerkung zu einigen Ausführungen des Ministerialdirektors Dr. Grieser vom Reichsarbeitsministerium erlaubt, weil in der Berichterstattung die Dinge so hingestellt wurden, als ob jetzt im Rcichsarbeitsministerium wichtige Reformen auf dem Gebiet der Unfallverfichdntng in Vorbereitung seien. Wir haben die bescheidene Bemerkung gemacht, daß die von Grieser mitgeteilten Reformpläne nicht erst jetzt, sondern schon vor dem Amtsantritt Stegerwalds im Ministerium„im Fluß" waren. Auch diese ein- fache Feststellung bringt den„Deutschen" förmlich aus dem Häuschen. Er redet davon, daß es Stegerwald fern liege, sich mit fremden Federn zu schmücken. Wir denken nicht daran, Herrn Stegerwald in einer Weise berunterzumachen, wie das im„Deutschen" Wissel! geschehen ist. Auch jetzt wieder versuchen die Blätter der Christlichen dem früheren sozialdemokratischen Reichsarbeitsminister olles mögliche in die Schuhe zu schieben, wofür er nicht verantwortlich gemacht werden kann. So wallen sie die„Reform" der K r a n k e n v e r s i ch e- r u n g, wie sie jetzt durch Brünings Notverordnung in Kraft gesetzt wurde, auf Wissells Konto setzen. Sie erklären, der derzeitige Eni- wurs zur Reform der Krankenversicherung sei noch unter dem Reichsarbeitsminister Wissel!„ausgearbeitet" worden. Was ist unter Wissell„ausgearbeitet" worden? Ein un- verbindlicher Rcserentencntwurf, der lediglich zur Diskussion gestellt worden ist. Was jetzt dagegen durch Not- Verordnung für die Krankeimersicherung scstcgelegt worden ist, ist .- ktlsti- Rekärm um- de r Kro nkenoerficherteu- willen, ernch- nicht einc- Reform zugunsten der Arbeitslosenversicherung, sondern ein Abbau der Leistungen zugunsten des Reichs, das sonst gewisse Mehrleistungen gegenüber der Arbeitslosenversicherung übernehmen müßte. Was durch die Notverordnung zwangsweise für die Krankenversicherung festgelegt wurde, ist nicht ein sozialpolitischer, sondern ein rein fiskalischer Akt, und nur aus diesen rein fiskalischen Gesichtspunkten, die man auch gar nicht verleugnet, erklärt sich, wie von den freien Gewerk- schaften bereits festgestellt wurde, die Ausnahme vvn Bestimmungen, die in ihrer unsozialen Tendenz nicht nur gewisse Bestimmungen des früheren Referentenentwurfs, sondern überhaupt alle Erwartungen weit übertroffen und die darum in ollen sozialpolitisch eingestellten Kreisen bisher auf schärfste Ab- l e h n u n g gestoßen sind. Angesichts dieser Tatsache ist es einfach lächerlich, den früheren Reichsarbeitsminister Wissell sozusagen zum Vater des Leistungsabbaues in der Krankenversicherung machen zu wollen! Das Zentrum muß für seine„sozialpolitischen" Taten schon selbst gerade stehen! Auch die Haltung Preußens im Reichs- rot in der Frage der neuen Krankenscheingcbühr, die den Christlichen dem preußischen Ministerpräsidenten Braun aufs Konto schreiben wollen, ist im Kern eine Zentrumsange. l e g e n h e i t i denn verantwortlich für die Sozialpolitik in Preußen ist der wohlfahrlsminisier hirtsiefer— ein Zentrumsmann. Wie in der Frage der Krankenversicherung, so wollen die Zentrumsblättcr und die Blätter der christlichen Gewerkschaften auch in der Frage des Arbeitslosenschutzes für die Verschlechterung die Sozialdemokratie haftbar machen. Sie sogen:„Wer Hot den bru- talen Angriff aus die Sozialversicherung begonnen? Die Regierung M ü l l e r- W i s s e l l mit ihren fünf freien Gewerkschaften war es. die den ersten Entwurf zur Herabsetzung der Leistungen der Arbeitslosenversicherung im Reichstag einbrachte und die Krisen- f ü r s o r g e beseitigte." Das ist etwas sehr starker Tabak. Das Gegenteil ist richtig: Der Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften ist es zu ver- danken, daß der ersten Reform der Arbeitslosenversicherung die schärfsten Zähne ausgebrochen worden sind. Nicht dem Zentrum. wohl aber der Sozialdemokratie ist es zu verdanken, wenn seinerzeit keine Bindung der Unter st ützungssätze an die �auer der Anwartschast erfolgte, wie sie jetzt durch die Notverordnung Brünings festgelegt worden ist. Die Arbeitslosen werden übrigens in kurzer Zeit febst feststellen und am eigenen Leibe verspüren, wann dir wirkliche Verschlechterung der Arbeitslosenunterstützung eingesetzt hat: mit der Reform unter Wissell oder mit der unter Stegerwald. Die Zentrumschristen besitzen die Stirn, das Elend der von der Krisenfürsorge nicht erfaßten Ausgesteuerten dem Sozial- demokraten Wissel! anzukreiden. Dabei war es Wissell, der im Winter 1929 immerhin eine Ausdehnung der Krisenunter- stützung unternahm. Erst im Hinblick auf die Besserung des Arbeits- Marktes im Sommer 1929 sowie unter dem Druck der Finanzlage und nicht zuletzt infolge der allgemeinen Haltung des Zentrums in der Arbeitslosenfrage wurde die Krisensürsorge im Sommer 1929 wieder eingeschränkt. Ironisch hat der„Grundstein", das Organ der sreiorgonisierten Bauarbeiter, den Reichsarbeitsminister Steger- wald aufgefordert, in der Frage der Krisenfürsorge doch zu zeigen, daß er nicht.sa„s ch l ap p" fei wie, fein Borgänger-. Bis- jetzt hat sich jedoch Stegerwalds größere Energie nicht bemerkbor gemacht. obwohl— um nur ein Beispiel zu nennen— in Berlin jetzt im Juli die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter mehr als 39 999 beträgt, wahrend sie ein Jahr zuvor erst 9999 war. Es sind schon richttge Balken, die das Zentrum in seinem Auge nicht sieht. I war die Antwort des Arbeitsgerichts auf diese Erklärung: demt ' nicht einer der„Revolutionären" war, wie der sozialdemokra» tische Betriebsratsoorsitzende mitteilte, Mitglied der freien Gewerkschaften!_ QuerireibereienbeidenMaschmensehern KPO.-Frattion gegen den Verband. Im Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer suchen die Kommunisten dein Buchdruckerverband und seinen verantwortlichen Funktionären alle Schuld für die Arbeitslosigkeit im Buchdruckgewerbe und die Lohnabbaubestrebungen der Unternehmer in die Schuhe zu schieben. Der eigentliche Zweck dieser Methode geht jedoch aus einen« Artikel über die Lage im graphischen Gewerbe in der„Roten Fahne" von gestern hervor. Darin werden die Maschinensetzer auft gefordert, sich in der Maschinensetzeroersammlung, die zu den Lohn- abbäumaßnahmcn Stellung nehmen soll,„gegen die sozialsaschisti- scheu Quertreiber zu wenden". Die Maschinensetzer sollen also für den in seiner Mehrheit kommunistischen Spartenvorstand Vor- s p a n n d i e n st c leisten für den Kampf gegen den Ver« band. Zu einem solchen freventlichen Spiel der Kommunistischen Partei können sich die Maschinensetzer nicht hergeben. Die Lohnabbauinaß- »ahmen der Prinzipale können nur erfolgreich bekämpft werden, wenn alle Buchdrucker in den Betrieben einmütig zu» s a m m e n st e h e n und den Kampf gemeinsam mit der Or« ganisation sühnen. Alle Maschinensetzer der Amsterdamer Gewerkschafts» r ichtun g müssen daher in der Dereinsvevfammlung heute, Sonntag, 9 Uhr, in den Kammersälcn, Teltower Straße, anwesend sein. Eine kommunistische Ente. ,5000 städtische Angestellte sollen entlassen werden*. Die komunistische„Welt am Abend" erzählt in großer Auf- nachung, Bürgermeister Scholtz wolle sämtliche 3999 An- gestellte der wtadt Berlin entlassen. Darüber sei es ..in Magistratskreisen" zu erregten Auseinandersetzungen gekommen. Der Abbau sei.zunächst zurückgestellt worden, aber noch seiner Rückkehr vom Urlaub werde Herr Scholtz mit Hilfe des Ober- Präsidenten seine Absicht vielleicht durchführen. Von unterrichteter Seite wird uns dazu erklärt, daß es sich bei der Veröffentlichung des kommunistischen Blattes um eine Er- findung handele. Em derarttges oder ähnliches Projekt ist nie erörtert worden. Im übrigen bedarf die Ente des kommunistischen Blattes kaum eines Dementis. Die Personalnot ist so groß, daß bei irgendwelchen besonderen Arbeiten Hilfskräfte eingestellt werden müssen. Es ist daher ganz und gar ausgeschlossen, daß ein Abbau in grö- ßerem Ilmfange auch nur möglich wäre, geschweige denn die Ent- lassung sämtlicher Angestellten der Stadt Berlin. Es handelt sich um eine selbst für ein Kommunistenblatt geradezu unwahr- scheinlich dumme Erfindung. 4' Erfolg der Streiks in Aordfrankreich. Die Kommunisten widersehen sich ihm. pari», 9. August.(Eigenberichi.) 3m nördlichen 3ndustrierevier ist eine gewisse E n k» s p a n n u n g eingelreten. 3n Roubaix haben 33 Fabriken die Forde- rungen der Streikenden slariserhöhung um 25 Cenkimez pro Stunde) angenommen. 3n anderen Skädten macht sich eine ähnliche Entwicklung bemerkbar. Die Gewerkfchaftsführung dringt daraus, daß in denjenigen Fabriken, die die Forderung der Arbeiterschaft angenommen haben, sofort die Arbeit wieder ausgenommen wird. Die Kommunisten bemühen sich jedoch nach wie vor mit allen Mitteln, die ihnen un- bequeme Wendung der Dinge zu verhindern. Die sozialistischen Gewerkschaften können dieser Entwicklung der Dinge natürlich nicht tatenlos zusehen. So wurde ein S e l b st s ch u h belgischer und sran- zösischer Arbeiter gebildet, dessen Ausgabe es fein fall, die Wieder- aufnähme der Arbeit in denjenigen Fabriken, die den erhöhten Stundentarij angenommen haben, gegen die kommunistischen Störungsaersuche zu sichern. Es ist zu befürchten, daß die Kommunisten neue blutige Zusammenstöße provozieren werden. » Nach berüchtigtem Muster versuchen es jetzt die franzSsischen Kommunisten mit der Besetzung der Fabriken und mit der gewaltsamen Verhinderung der Wiederaufnahme der Arbeit üb« roll da, wo die Unternehmer die Forderung der Gewerkschasten bewilligt haben. Nachdem innerhalb der Unternehwerorgani- üPD.-kelriebs- und BewerksUaltsfiuiMionäre! Am Dlen-i«», dem 11. Aaga-t, 19': Uhr, In den Masikertflen, Kalser-WUhelm-Stra�e 31 große Funktionärkonferenz aller SPD.-Betriebs- und Gewerktehaftefankilonire. Taeesordnung: 1„Der 14. September und der politische Kampf im Betrieb'" Referent; Genosse A. Falkenbcrg, M d P. 2. Aussprache 3. Unsere Arbeit im Betrieb.— Der wichtigen Tagesordnung wegen ersuchen wir a'.le Betriebsfunktionäre, an dieser Konferenz teilzunehmen. der Klein- und Mittelbetriebe sind besonders eingeladen. Ohne Die Vertreter Parteibuch und Funktionärkarte kein Zutritt Des Betriehsaehrctariaf. sotionen der Textilindustriellen eine Spaltung eingetreten ist, könnten diese kommunistischen Methoden, wenn sie Erfolg hätten, nur zur Wiederherstellung der Einheitsfront im Unternehmerlagsr und zur Niederlage der Arbeiter führen. Eine derartige Nieder- löge brauchen die Kommunisten zu ihrer Agitation. Aber man kann jetzt schon sagen, daß die vereinte und verdiente Niederloge der Scharfmacher von rechts und links und der Erfolg der Gewerkschasten nicht mehr zu verhindern sind. „Revoluiionäre Gewerkschastsopposition". Im Licht der Wahrheit. Tag für Tag entrüsten sich die„revolutionären" Gewerkschafts- oppositionellen über den„Arbeitervcrrat" der„Sozialfaschisten" und über die„Rückgratlosigkeit" der„Gewerkschaftsbonzen", während sie sich selbst marktschreierisch als Retter des Proletariats anpreisen. Was für rückgratfeste Helden sich unter diesen„Rettern des Pro!«- tariats" befinden, zeigen einig« Vorkommnisse aus Dortmunder Zechen. Auf der Zeche O e s p c l erscheint eine kommunistische Betriebs- zellenzeitung. Sie beschimpfte in der gemeinsten Weise die freigewerk- schaftliche Mehrheit des Betriebsrats. Der oppositionelle Schmier- sink war ein— inzwischen entlassenes— kommunistisches Betriebsratsmitglied und ein Führer der„Gewcrkschajtsoppositionellen" namens Junkermann. Bor Gericht suchte sich dieser Held mit der Behauptung herauszureden, ein anderer, dessen Name er„aus Solidarität" verschweigen wolle, sei der Schmiersink gewesen. Na- türlich wurde er kostenpflichtig verurteilt. Er wollte dann durch E i d seine Unschuld beteuern, hat aber, als es Ernst wurde, darauf verzichtet. Auf der Zeche Hartenberg hatten Kommunisten einen„re- volutionären Kampfausschuh" gegründet. Als bei den Mossenent- lassungen auch die drei Kampsausschüßler gehen mußten, klagten sie, weil sie„aus gewerkschaftlichen Gründen" entlassen Wörden seien. Bof dem Arbeitsgericht rückten die Helden, als sie nach ihrer ge- werkschaftlichen Tätigkeit gefragt wurden, mit einer Erklärung an. worin es wörtlich heißt:„Der revolutiönäre Kampfausschuß siebt... 3. seine Aufgab« darin, die Unorganisierten zum Eintritt in di« fteien Gewerkschasten zu oeraolasien." Stürmische Heiterkeit Ltnerfreuliches von der Mitropa. Zehn Tage Dienst ohne Ausgang. Es ist erst wenige Wochen her, daß die Nachricht durch die Presse ging, daß drei Mitropa-Angestellte freiwillig ihrem Leben ein Ende setzten. Niemand soll etwa glauben, daß diese Tatsachen die Direktion veranlaßt hoben, dos Arbeitsverhältnis etwas menschlicher zu gestalten. Wir erfahren neuerdings, daß die Angestellten des Stcttiner Bahnhofs nach wie vor eine unendliche Arbeitszeit haben. So ist der neu« Fahrplan nach Doberan für 19 Tags ohne Ausgong eingeteilt. Die Angestellten, die noch S t o l p— Warnemünde fahren müssen, find volle fünf Tage unterwegs. Im übrigen ist das Personal sozialpolitisch vollständig vogeifrei. Die Gcwerbeaussicht hat aus dem Bahnkörper nichts zu suchen. Der Staatsanwalt findet keine Gründe zum Ein- schreiten und die Reichsbahn geht das Arbeitsverhältnis der Mitropa-Angestellten nichts an. Herr Dr. Kieschte braucht also leine Behörde zu fürchten._ Landrock will den Beiriebsrat wählen. Die Arbeiter müssen sich organisieren und mitwirken! Bei der Firma L a n d r o ck, Wäscherei und Ehem. Reinigung.-- ansialt, Köpenick, gibt es w-der eine festgesetzte Arbeitszeit noch regelmäßige Pausen. Noch eigenem Ermessen und je nachdem die cinzeliiien Arbeiter bei dem Meister beliebt sind, wird morgens die Arbeit ausgenommen und nachmittags beendet. Waschräume, Speise- räum. sind rhier. unbelfwnte Begriffe..Auch eine Arbeitsordnung. Libt es dort nicht. Daß derartige unleidliche Zustände eintraten, liegt zum Teil daran, daß der größte T e i l d e r Belegschaft unorganisiert war und die Betriebsräte die Geschästssührung nicht zur Abstellung der Ilebclstärrde zwingen konnten. Dos sollte in diesem Jahre anders kominen. Während sonst die Firma die Vorschlagslisten aufstellte, verzichtete diesmal die. Belegschaft aus alle der Firma geneßmcn Personen und schlug Kandidaten vor, von denen sie er- warten konnte, daß sie ihre Interessen vertreten würden. Die Firma versetzte nun den Spitzenkandidaten zur Nachtschicht und erklärte dem Dahlvorstond, daß der Spitzenkandidat als Vorsitzender des Betriebs- rotes von der Firma nicht anerkannt werden würde! Er wurde aber trotzdem als Vorsitzender des Betriebs- sowie des Arbeiterrotes gewählt. Darauj oerlangte die Firma von einzelnen Mitgliedern der Bctricbsvertrctung, daß sie den Vorsitzenden be- e i n s l u s se n möchten, von seinem Amte zurückzutreten, weil er nach ihrer Annahme noch nicht drei Jahre im Berus tätig sei: als Mitglied des Betriebsrates würde sie gegen ihn nichts einzn- wenden haben. Dieses Ansinnen wurde nn Einverständnis mit dem Arbeiterrat a b g e l c h n t. Die Firma ließ darauf durch.zwei millsährige Leute eine Be« triebsvcrsamnilung oinbenisen, um die Belegschaft zu veranlassen, eine Erklärung zu unterzeichnen, daß sie den 1. Bctriebsratsvorsitzen- den ablednt. Bon der S99 Personen starken Belegschaft waren aber nur etwa 39 c r s ch i e n e n. Als.mitten im Referat de? einen Einberusecs der Betriebsratsvorsitzende erschien und trotz des Protestes der Ein- berufer die Versammlung nicht verließ, vielmehr aus Verlangen der Teilnehmer eine entsprechende Erklärung abgab, verließ diese Helden der Mut und sie schlössen die Versammlung. Jetzt reichte die Firma Klage beim Arbeitsgericht ein auf Aberkennung des Mandats. Diesem Antrag gab das Arbeits- gericht leider statt. Nun dachte die Firma, gewonnenes Spiel zu haben und entließ Knall und Fall den 1. Vorsitzenden. Die Firma hatte in ihrer Eile übersehen, daß ein Urteil erst rechtskräftig wird, wenn die Berufungsfrist verstrichen ist. Die nötige Ausklärung wird ja die Firma Landrock von der B e- rufungsin stanz erhalten. Die Belegschaft wird hoffentlich aus diesem Borgehen der Firma die Lehre ziehen, daß sie sich gewerk- schaftlich organisieren muß,»m solche Zustände in Zukunft zu ver- hindern. bizchewkrantcnhau,. zrektipn-nxrsommlunp Dienstag, lü', Uhr, TShrrr Etr. 7. All- Ecnpsstnnen unh»tnoffm müssen erscheinen. Der KravionsvorsünU». Freie Gewerkschasts-Zuaend Verlin Gebt die Anmeldungen für die Iuqendubtei'lunqen der Volksbühne ab. Die Ingeudbcratungsstell« ist am Mittwoch, dem 13., und am Mittwoch, dtm 20. August, geschlossen.— Morqen Montoa beteiligt ssch die Hrnppe Köpenick an der Verfassungsfeier.— Die Gruppen Gchönhavser Tor und Nord- ring beieiligen ssch an den sportlichen Wett kämpfen anläßlich des Verfassungs» tages auf dem Sportplatz �Einsame Rappel*. §3uaenDarupve des fZentralverbandes der Anaeffellten Morgen, Montag, ftttde» folgende Veranstaltungen flott: Webdingt Iugendhcim Turiner Ecke Seestraste. Vortrag;»Alt-Berliner Lumom. Negerentin: ssriedel Soll.— Brist: Sdiidtischez Jugendheim. Bunte» Abend.- Urban: Jugendheim stlugbasenstr. W. Portrag:.Dir deutsche Neillto» Verfassung". Referent: Dr. Mar Schürte.— Zempelstof:.Zugendhetm der Schule Sermatiiastr. Eingang Söststraste.— Spiel und Sport: Ad IL Uhr mit bau DomottdvwieliilaA tSchSuederast. Haselnuss kombiniert Sr 51/35. gedoppelt Jetxt nur Gr 56'39 weiss Strand Strasse S&ssd* räumt j noch 1 Für die zweite Woche des Saison-Ausverkaufs wurde derVorruFan Qualifäts-Schuhen und-Strümpfen aus unseren ßiesenlä- gemneu aufgefüllt 1.-21. August vi« Gruppenleiter not der Ordnerdienp erscheine»«« Zknntaa nnr l» St». ein« Stunde»»r der„Anten Verfassuakeicier�»u«iuer besondereu Be- sprechuug im Sanl Liuicnstr. 121. pünktliche Gleich,«iti» mild daraus ausmerlsam gemacht, daß auf der Veranstaltung die Abrechnung der Bei. trage, Abholung der Blätter uud de,„Jungen flämpfet*' von allen Gruppen unbcZnvgt erfolgen muß, da der Genosse T. Barg vom 12. August»n sich auf Urlaub befindet. Kinderfreunde Groh-Berlin. Die Gepäckstück« der Kreise können Dienstag und ffreitug van 17 bi, IS Uhr Lindcnstr. z, Hof, Schuppen, abgeholt werden. Wichtige Vorstandtsigung Mittwoch, 13, August, 20 Uhr, Lindcnstr. 3. Ge- schaftsstelle. Bei der Dringlichkeit der Tagesordnung werden all« Borstands- Mitglieder gebeten, zu erscheinen. strei» streu, berg. Alle Gruppenleiter holen am Dienstag, dem 12- August, zwischen l8 und 2« Uhr, die Decken der Schwcizfahrer von der Schule Walde, marstr. 77 ob.— Jetzt»ach den Ferien halten die drei südöstlichen Gruppen wieder regelmäßig ihre Gruppentagc ab. Montag und Mittwoch von lb bis IS Uhr im Jugendheim Britzcr Str. 30 und Jugendheim Wrangelstr. lA, in der Schule Eörlitzer Str. 51, Am Dienstag, dem 12. August, treffen sich die Helfer und Kinder dieser drei Gruppen um lbs� Uhr im Zugendheim Britzer Straße zur Singstunde. Kreis Mitte. Gruppe Motteotti. Rote Falken. Montag, 18?« Uhr. vor dem Heim. Wir gehen mit der SA?, zur Bcrfassungsfeier. Freitag Aussprache- abend. Iungfalken. Dienstag Ausspracheabend. Freitag Spielen. Nestsalken. Montag fällt der Gruppenabend aus. Alle Beranstaltungrn von 1714 bis IS'.h Uhr im Heim. Gruppe Hugo Kaase. Im Heim Waifenstr. 18 von 17>4 bis lg» Uhr. Dienstag. 12. August, Besprechung der Winterarbeit. Eonnabend, IS. August. Basteln und Spiele. Mittwochs, Blumenftr. 77. Turnen, an- schließend Baden im Stodtbad Mitte. Gruppe Gruft Toller. Im Heim Fehde- nicker Str. 24 von 18 bis 20 Uhr. Dienstag für Note Falken Besprechung der Herbstarbeit, die Wahs, Verschiedenes. Donnerstag für alle Falken Spiel. abend. Montags von I7>4 bis 20 Uhr Turnen, Glisabethkirchstr. 20. Gruppe Pappelplatz. Elisabethkirchstr. 20. Don l7tt bis IS?? Uhr Turnen am Montag für Nestfalken, am Dienstag für olle. Mittwochs für Note Falken von lS bis 21 Uhr Filmobend im Kino Linienstr. lg8. Donnerstag Rot.m-Folken.Abend. Sonnabend Inngfalkenabend von 17 bis lg Uhr im Heim Tieckftr. 18. o. I. Gruppe Engelufer. Im Heim stöpenicker Str. 327. weltliche Schule, von 17>h bis 19', Uhr. Dienstag. 12, August, Noie Falken. Bericht vom Fel» lager. Freitag. 15. August, Jungfalken,„Bunter Abend" im Heim Waike-» straße 18 von l7>h bis W4 Uhr. Donnerstag, 11. August, für Note Falken, Dortrag über die Berfassung.' Srei» Neukölln. Wir beteiligen uns an dem Kinderfest des' Jugendamts Neukölln. Alle Kinder und Helfer finden sich um ll'4 Uhr im Volkspark vor der Freilichtbühne ein. Nachuniersuchung oller Feltlagerteilnehmer am Mens- tag im Nathous von 8 bis 11 Ubr. Alls Lagcrtcilnehmer müssen erscheine». H-lferkreis. Am Mittwoch um 20 Uhr in der Barocke Ganglioferstraße Heiser- sitzung. Thema: 1. Bericht von den Lagern. 2. Unser Waldfest. 3. Wahlen. 1. Allgemeine». Am Montag müssin alle Eruppensührcr die Karten zum Waldfest um 17 Uhr in der Borackl Ganghoferstraßc abholen. Am Dienstag Ausgabe in den Gruppen. Gruppe Lichtkämpfer. Am Dienstag sind wir oll» wieder im Jugendheim Bergstraße um 17 Uhr. Iungfalken und Note Falken geben Bericht vom Zeltlager. Gruppe Falke. Am Donnerstag, dem 11. August, 20 Uhr, findet in der Schule Herzhergstroße eine wichtige Ellernversammfung statt. Gruppe Iuugnolk. Diiustog. 12. August, von 8 Uhr an Rachunlersuchunq der Feltlogertetlnehmer im Nahau» Neukölln, ebenso der Nestsalken. Diene. tag, von 17 bis 19 Uhr, Heimobend im Heim Bergstr. 20. Donnerstao, 11. August, von 17 bi» 1? Uhr, in der Schule am Sermannplatz. Kaiser. Friedrich�Str. 1 lAulos. Vorbereitung für den Glternabend, doseldst om gleichen Tage von 1» bi» 21 Uhr Glternzusommenkunft. Bericht der Nestsalken. Jung, siosken und Noten Fasken au» den Zeltlagern mit Lichtdildern. Wir bitten um da» Erscheinen aller Eltern. Frejtag. 15. August, wieder auf der Wies« Sonnenallee. 13. strei. Tempelhol und Rariendors. Wir beteiligen uns an der Der- falfungsfeicr des Neichsoanners. Treffpunkt lä'j Uhr Ullsteiichau». Prenzlauer Berg. Alle Gruppen beteiligen sich geschlossen am Kindersest de» Bezirksamtes Preiizlaurr Berg am Montag, dem 11. August. Wir treffen UN» in Falkenklcidung um 15>? Uhr in d'N Baracken Danziger Str. 8Z.-lDie Drupve Freiheit trifft sich bereits um 15 Uhr am Bahnhof Schönhauser Allee.> Die Gruppen haben ihre Beranstaltungen wieder oiifgenommen. Sorgt dasUr. daß allr Kinder wieder regelmäßig zu unseren Beroustaltungen kommen. Nächste Kreisveranstaltung am Mittwoch, dem 13. August, ob 18 Uhr, auf drm Eier. zieoplatz. Bringt eure Spiel» und Sportgeräte mit. Gruppe Freiheit. Am Montag sollt wegen des Kindcrsestes die Gruppenveronstaltung ans. Donners- tag, ll August, um 17 Uhr, im Jugendheim Sonnenburgrr Str. 2V, Boffs- tanznachmiitag. Geburtslage. Jubiläen usw. H.«dt. Britz-Buckn«. Unserem Genosse« Hermann Noatz zu seine« Zbjöhrigea Parteijubilön« die herzlichsten Glückwünsche. 121.«dt. Karl, Horst. Unserem Jubelpaare Emma und August Quick. »rauseslr. 25, Vi« herzlichst«» Glückwünsche zur Silberhochzeit. Sterbetafel der Groß«Berliner Partei- Organisation 8. Abt. Unsere Genossin Else Köhler. Gricbenowstr..13, ist verstorben. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung am.Dienetog, dem 12. August, 17 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Wir bitten um rege Beteiligung. Montag. 11.«ngust, pünktlich ItU Utr, hei Bann»«. itr. 100, Kreisvorstandsntzuug.— Dienstag. 12. August, r, Kroisvertreteroersammluua im Lokal Mali, Marien, 13. Kreis Tempelhos. Moniag. 11.«»ftust, pünktlich 1«' rning, Berliner Str. pünktlich 1«s4 Uhr, dors, Ehousseestr. 305. Ohne Legitimation kein Zutritt. 15. Krei» Treptow. Dienstag, 12. August, ls'4 Uhr, im Lokal„SiustÄIer" iu Joh-uuisthal am Sterudamw Kroisvertretcroersammluug. Tagesord» nuug: 1. Bortrag:„Die Bedeutung dieser Reichstaqswahl uud die Tätig- Icit der Fraktion im letzte» Neichstag". Nrfereat Reichs tagsabgeordneter Georg Wendt. 2. Stellungnahme zum Bezirkstag. 3. Ergänzungswahlen zum Kreisnorstand. Sreisoorstaod uud Aiteiluugsleitrr erscheinen eine Stund- früher. Ig. Kreis Köpenick. Dienstag, 12. August, 19!£ Uhr, Stadtthsater Köpenick, kleiner Saal, Kreisoertreterserlammlung. Referat de« Genossen Koinig: „Die SPD. und Diktatur". Aufstellung der Reichstagskandidat» und Beratung der cinqelanseaen Anträge. Berschiedenes. Wegen der, Wich. tigkeit der Tagesordnung wird um vollzählige« Erscheine» der ftreisner. treter ersucht. Um 181- Uhr Kreisnorstandsfitznug im Stadttheadrr, Brr- eins, immer. 17. Krei» Lichtenberg. Dienstag, 12. August, 19'? Uhr, Kreisnertretcrver. fammlung in der Anla der Mittelschule, Marktstraße. Vortrag:„Der Komps zwischen Arbeit und Kopital". Neserent Franz Kwhe. Stellung. nohmc zur Kandldatenonsstellung. Mandat und Mitgliedsbuch legitimiert. Türkontrolle: 117. Abteilung. Kreisoorstand eine halbe Stunde früher ebendort. 18. Krei» Weißcnse«. Montag, 11. August, 2» Uhr, im Lokal„Zum. Pferde. markt", Schönstraß-. Kreisvertreternersammlung. Stellungnahme zur Reichstagkwahl Neserent Georg Wendt. 19. Krei» Pankow. Die Seuassinncn und Genosse» merdea gebeten, sich an den heutigen Umzügen des Reichsbanner»»ahlreich z» beteiligen. Ab. marsch ll Uhr Prinz. Keiarich-Stroße, Ecke Berliner Straße. heule. Sonnlag. 10. August: S. Abt. Baranzeige! Sonntag. 17. August. Familienausftu»»ach Bichels- berge. Nähere» wirb uoch bekanntgegeben. 21. Abt. Ave Genossinnen und Genossen, die in letzter Zeit in die Wohnstadt Eool Legien gezogen sind, wollen sich, soweit sie von ihrem Bezirksführer uog» nicht aufgesucht worden sind, beim.Gruppenführer Genossen Wendland, Zclterstr. 78, melden. Der nächste Zahlabend findet am Mittwoch, 13. August, 10'4 Uhr, bei Schulz, Cormen-Snlva-Straßc 51, Ecke Hose. mnnnstroßc, statt. 101. Abt. Treptow. Alle Mitglieder beteiligen sich heute an der Berfassung», seier des Reichsbanners. Abmarsch mit Musik 11 Uhr von der Wiener Brücke. Morgen, Montag. 11. August: 52. Abt. Charlottenbura. 20 Ubr bei Bade, Kaiferin-Auausta.AUee 52, tifmädltjuna.„... 124. Abt. Modlsdorf. 1»!� Uhr Mitattedeeverfa««l«ila mit onschliefiender Bertassungsfeter im Lokal Anders, Bahnhofstr. 37. Referent Viktor Malina. End« 1 Uhr. Zur DeSnna der Unkosten werden 20 Pf. er. hoben. Dienstag. 12. August: 1«. Abt. l9?h Uhr bei Kinzel. Usedomstr. 22. Funktionärsitzung. 17. Abt. 20 Uhr bei Dose. Norbholen«. Funktionärsitzung. 27. Abt. W/J Uhr bei Zeuge. Milaftr. 5. Funktionorsitzung. 71. Abt. Zehlendors Mitte und West. 20 Uhr im Schworen Adler. Bot?. damer Str. 25, Mitglieieroersammlung. Vortrag:„Kamps gegen Diktatur". Nekerent Gottlieh Reese. Alle. Mitglieder müssen erscheinen. 99.«dt Neukäll». Bezirke 119. 150 und 151: 20 Uhr Funkttonärsitzuna ,n der Halle am Hufeisen. T-ge-ordnung: Di« Wohl, und Werbearbeit unter Berücksichtigung der Großsiedlung. Erscheinen oller Funktionäre der Be. »irkc ist unbedingte Pflicht. Irauenveranstaltuag. 131. Abt. Buch. Mittwoch 13. August, 2» Uhr. bei Göpkert Lichtbildervortrag des Gcnossrn Rochier:„Kind erfreu ndebewegung". Zungsozialisten. Gruppe Reinickeuborf. Morgen. Montag. 11. August, füllt der Gruppen. abend aus. Wir beteiligen uns geschlossen an der„Roten Berftlssungsserer der Sefamtvereinigung um 20 Uhr im Guttemplerbous. Linienstr. 123. Treff. punkt 20 Minuten vor Beginn am Eingang. Das Erscheinen oller ist Pflicht. Gruppe Bohnod-es. Montag, 11. August, Treffpunkt»ur„Roten Der. kassungsseier" om Bahnhof Grstnau. pstnkttich 18% Uhr. Wer von Berlin aus kommt, erwartet die Gruvve om Bahnhof Friedrichstraß- um 1» Uhr. Erscheinen eine, jeden ist Pflicht. Säfte willkommen. Dienstag, 12. August, Treffpunkt zum Spaziergang 20 Uhr vor dem Jugendheim, Wachtelstr. 1. Ortsgruppe Eharlottenburg. Achtung! Unser Gruppenabeich fällt morgen aus. Dafür Beteiligung an der„Roten Verfossungsfeier". Linienstr. 121. Treff. punkt 19% Uhr Wilhelmplotz.___ Wilmersdorf. Dienstag. 12. August, im Jugendheim Wilhelmsaue 121. Mitgliederversammlung. Vortrag de» Genossen Dr.«atz über:„Etraftechts- reform". Rechtzeitig- schriftliche Benachrichtigung(St. ssrrvtaq. Wilbesm.Bern. hardt�Str. g) im Berchinderungsfalle ist zur Kontrolle des Mitgliederbestandes notVenbi2. August, 20 Uhr,»reisoertr-terversamm. lung im Viktoriagarten. WUHelmsoue III 115. Delegiertenkarte, Mit- aliedsbuch dienen als Ausweis. 10. Kreit Icb'eodoof.«rbeiterwoblsahrt. Jeden Donnerstag von 17—19 Uhr hält Genosse Bernhard Zander in srinrr Wohnung in Zrblendorf. Sven. Hedin-Straßc 71, kostenlose Sprechstunde in allen Wohlfahrtsangelegen. betten ob. 11. Kreis Schäncberg. Sonntag, 10. August, 15 Uhr,»eranstolten bie A». beitersportler mit der Arbeiterjugend eine Verlassiingsseier auf der Spiel- wiese im Dtadtvark. Volkstänze, sportlich« Darbietungen. Sprele, Gesang. Anlchließ'nd Kundgebnna auf dem Nudolf-Bilde-Platz. Die Genossinnen uud Genossen werden ersucht, sich«echt zahlreich daran zu beteiligen.— Das Sportkartell Schöneberg. Friedenau veranstaltet am Sonntag. 10. August, von 17 bis 19 Ubr auf der Stadtpartwirse eine Propaganda mit Werbeumzug und Schlnßlvvdaebung auf dem Rudolf. Wilde-Platz. wo der Genosse Stabtrat Geora Wendt in seiner Aniprach« aus die Vebeutung der Berfassung und kommende Wabl hinweisen wirb. Wir bitten die Parteigenosse» um größte Unterstützung an diesem Tage. 12.«reis Steglitz. Die Versassungsseie« de« Reichsbanner» findet beut», Sorutaq. 10 August. 17 Uhr. bei Schilling. Lichterseide, Zehlendorfer Straße 5—6, statt. Nicht wie zuerst angegchen. .-.iof.fr / Crepe de Chine Gute KleidenqualH., rein. Seide, v.(v Wert,«tl 00 cm breit. Meter jeTxt Wollmousseline MENGENABGABI VOft BEHALTEN I 2? 75 cä. 80 an Breite, schöne Sommermuster in reicher Auswahl. jetzt Pf. Mantelstoffe-i 95 auch für Kleider, PointMögeschmodc, I Co. 140 cm breit, Meter. je Iii M. I* Sommerkleider f. Domen i.ToiIe,Voile,Wot g5 «n 1 V5 AA. I• Z? 2teilig ohne Ärmel m.kunsts. Effekten L schon. 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August nach Berlin kommen und in Staaken landen. Auf der ersten Fahrt, die über die Ostfee nach den Randstaatcn führt, mird dos Lirftschiff am Dienstag nachmittag, dem 12. A u g u st. Friedrichshafen verlassen, um abends gegen>�12 Uhr in Staaken zu landen. Da nur ein Passogierwechlel vorgesehen ist. erfolgt der Start noch Stockholm voroussichtlich gegen Mitternacht. Am folgenden Tag« ist ein« Zwischenlandmig in Stockholm für die Nach- Mittagsstunden in Aussicht genommen. Di« Rückkehr nach Staaken erfolgt dann am Donnerstag gegen 7 Uhr morgens. Der zweistündige Aufenthalt, während dessen das Luftschiff am Aiikermast festmacht, dient der Ergänzung van Wosserstosfgos und Ballast. Di« Rückkehr noch Friedrichshofen wird gegen S Uhr oormitwgs erjolgen. Der zweit« Zeppelinbefuch im Monat August erfolgt in der Nacht vom 23. auf den 24. August, wiederum kurz vor Mitternacht. Nach halbstündigem Aufenthalt wird das Luftschiff sein« Reis« nach Königsberg fortfetzen, wo es am Sonntag nachmittag, günstige WetterverhAtnifs« vorausgesetzt, eine Awischenlondung vor- nimmt. Di« Rückreise von Königsberg wird am Rande der Ostfee «utlang führen. Am Montag morgen um 7 Uhr erreicht der Zeppelin wieder die Reichshauptstadt, um gegen 8 Uhr mit Kurs über Sachsen, D euts ch< B ö hm e n oder Mitteldeutschland die Rückkehr nach Friedrichshafen anzutreten. Die Neuanlagen im Zoo. Im Laufe de» Jahres hat der Bertiner Zoo verschieden« Neu- anlagen geschaffen. Das feft Anfang des Jahres eröffnet« Liechten- fteinportak, flankiert von zwei möchtigen Klinterbären, bildet mit dem neuen Beamtemoohnhaus und einer langen Borfahrhall« für Wagen«inen stattlichen Komplex. Links und rechts vom Portal ziehen sich buntfenstrige Regen- und Wandelhallen in einem Aus- mah vom 600 Quadratmeter hin, die im Bedarsssalle 2000 Menschen Schutz vor dem Regen bieten und auch als winterliche Aufenthalts. räume gedacht sind. Für die kleinen und kleinsten Besucher hat man hübsche neue Spilelplätz« mit Planschbecken und B u ddelk iste, Sport- und Turngeräten gefchofsen; Milchholle und Liegeräume sowie ein Aufenthaitsraum für stillende Mütter vervollständigen das Reich der Kleinen. Professor Heck 70 Lahre. Am 11. August vollendet der Direktor des Berliner Zoologischen Gartens, Geheimrat Professor Dr. b. c. Ludwig check, sein 70. Lebensjahr. In zielbewußter Arbeit ist es ihm gelungen, aus dem Berliner Zoologischen Garten— 1883 noch ein Bolksgartcn mit Tierschau— eine übersichtliche und planvoll geordnete Anlage zu fchmfen. Neben der Zuführung neuer Tierarten ließ er sich die Er- weite rungsbauten besonders angelegen sein. So entstand nach und r.ich das Vogelhaus, die Hirschhäuser, das Elefantenhaus, das Straußcnhaus und nicht zuletzt das Affenhäus, die Freude der Besucher. 2lus der neueren Zeit sind die neue Elesantenanlage, der Biberteich und das Renntiergehegc zu erwähnen. Besonderen Er- folg hatte er in den Nachzüchtungen. Rose-Theater: Die tolle Lola. Im rebenbetränzten Rose-Garten wird Winzerfest gefeiert. Ein« nimmermüde chauskapelle setzt die ganze Szenerie unter die richtige Musik, dann produziert sich aus der Gartcnbühne«in treffliches artistisches Programm. Steptänzer und Blitzdichter, Kautschukmann und Tanzhumorist wechseln in bunter Reihenfolge, ganz ausgezeichnet auch der Kraftakt der vier önbefatenhÜche? \ 3«? BOJafi/vn& fosfotl nordd fipofhe&en a 1*5 Pf. 1 Mannrtongtimmtrd Poftnfsrh'rt.SchlimmtrfJnger** M H*vn*h*rf*btML GtsrocMen prvffs dtsrcf» i H.*i Wie t ca jf am/* Millons. Und während die Jugend sich auf der Freitanzfläche vergnügt, wird auf der Bühne schnellste Verwandlung getrieben: es steigt.die tolle Lola'', Kodelburgs unverwüstliche Operette, von der exzcntrisch-meschuggenen spanischen Tanzmaid und ihren Anbetern. Loni Pyrmont war«ine rassig« Tochter des Südens, der man den Massenkonsum an Männerherzen ohne weiteres glaubt, chans Rose, der frischgebackene, jedoch bereits auf Abwegen wandelnde Ehemann samt gleichgesmntem Schwiegervater, Edgar Kanisch, suchten sich mit viel chumor aus den gefährlichen Retzen zu befreien, childc chofer als jchwiegermütterlichcr Feldwebel und Erna Kerftens als das süße, ahnungslos« Weibchen vervollständigten das heitere Klee- blatt. Der voll« Garten spendete herzlichen Beifall. Der Kudsl rollt' rananitfi IN die komrnunijtische Wir Sozi Aldemokrcktfen lassen uns nicht vom Ausland oder von Kapitalisten subventionieren! Wir decken unsere WahlunKosten durch dier Opferwilligkeit jedes einzelnen Sozialisten Hast du schon dein Scherflein zum Wahlfonds der Partei abgeliefert? Qib was du kannst! Viel Wenig macht ein Viel I Hilf mit! Stärke die Kampfkraft der Partei! Geldsendungen überweise man auf Posischeckkonto 48 74~ an Alex Pageis, Bezirksoerband Berlin, SPD., Berlin SW 68, Lindenstraße?. Die Friedrich- Ebert- Schule in Luckenwalde. Trotz der Not der Zeit hat die zielbewußte Führung der Stadt- Verwaltung Luckenwolde mit der dem Andenken des ersten Reichs- Präsidenten gewidmeten Friedrich-Ebert-Schule ein Werk erstehen lassen, das ollen modernen Forderungen Rechnung trägt. Der für Ausnahme von 700 Kindern bestimmte Bau, über den bereits in der Zlbendausgob« berichtet wurde, macht mit seiner langgestreckten, gut gegliederten Fassade eine vortreffliche Wirkung. Der Schulbof vor dem Mittelgebäudc ist mit einem Muschelkalkbrunnen geschmückt. Dieser nrittler« Teil enthält achtzehn hohe Klassenzimmer, in denen die Kinder auf Stühlen an Tischen sitzen. Die hellen Räume und ihre Analiederung an breite Korridore bringen den Eindruck der Behaglichkeit hervor— sie sind gewissermaßen das Symbol für den Geist, der an dieser Schule wirken soll. Es ist das Verdienst des Luckenwalder Bürgermeisters Dr. Solo- m o n und des Stadtbaumeisters Graf, welchen beiden Männern überhaupt die Errichtung dieses Mufterbaues in erster Linie zu verdanken sst, daß sie«in« solche Verbindung von Schule und chous gesucht und eine ausgezeichnete Lösung gefunden haben. Bürger- meiser Solomon begrüßt« bei der E r ö s s n u n g s s« i e r die An- mesenden, ferner sprach Regierungsdirektor Wagner ais Vertreter des Kultusministers. Für das Provinzialschulkollegium war Frau Oberstudiendirektor Wegscheidcr erschienen. Neben sonstigen von Behörden und Organisationen dargebrachten Be- grüßungen gaben Mustkoorträge, Bolkstänze und turnerische Do.'- führungen der Feier einen schönen Abschluß. m Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serliv Masawvnyea für diese Zwbrif»r«o das Laaendsetretariat. ZtaHln SW 63. Lwdenftraüe Z heute. Sonntag. 10. August: N.rdulte» I:?b I» Uhr Hnuiabenk, Danziger Nr.«Z.— Zl»rt»»str» N: W> 18 Uhr Srimoienft, Immanuelkirchstrage.— Reukälla I: Beteiligung am ffeft des Bezirksamtes. Treffpunkt 1? Uhr Reuterplah. Werbe bezirk Weftea: Beteiligung an der Veranstaltung de, Ardeiter. spartkartells in Wilmersdorf. Treffpunkt 1?Va Uhr Bahnhof Schmargendorf. Referat des Genossen Dr. Rudolf Breitfchcid. Instrumente mitbringen. Werbe bezirk Teltowiaaal! Treffpunkt zur Agitationssohrt mit Lastaut» 8 Uhr Bahnh»f Nomawes. Die Abfahrt des..Valdur" am IS. erfolgt nicht um 18 Uhr, sondern um 18 Uhr ab Spandau, Lindenufer. Nachzügler bis 2Z Uhr Votsdom. Glienicker Brücke. Wcrbebezirl Reukijssu! Beteiligung am itinberfsst des Bezirksamtes im Bolkspark. Treffpunkt 14 Uhr am Eingang desselben. Die Werbebezirksmit. «liedervcrsoiinnlung findet am Dienstag nicht in der flgrl-Marx-Schiiie, sondern in her WalterÄathenau.Echule. Boddinstraße, statt. Morgen, Montag. 11. August: Berfafsungskundgebung auf dem Gendarmcnmarkt! Treffpunkte der Werbebezirke: Lichtenberg: 18?i Uhr Wühlischplah.- Osten, Rüggelsr«, vberspree: IS Uhr Küstriner Platz.— Renkölln: 19 Uhr Rcuterplatz.— Kreuz berg: lSlh Uhr Britzcr Strafe.— Ritt«: lSZü Uhr Köllnischer Park.— Tiergarteu: l8'-z Uhr Kleiner Tiergarten.— Schöncberg: lg Uhr Rudolf-Wilde. Platz,— Teltomtanal, Tempelhos � Uhr Horn- Ecke Porckstraße.— Reiaickendors, Wedding: lg Uhr Leopoldplatz.— Pankow, Prruzlauer Berg: lg Uhr Den- ziger Strasse Ecke Schönhauser Alle». Treffpunkte der Gruppen: «osenthaler Porstadt: Ugi Uhr Rosenchaler Platz.— Arnimplatz, Schön- hanser Borstadt: IM/« Uhr SoziaUsKn�kcke.- Weissensrr: 1KVi Uhr Dangisstr Straß«(Spitze).— Stralauer Diertel: l8!b Uhr Jugendheim.— Tempelhos: 18>4 Uhr Bahnhof Tempelhof. Nachzügler Horn. Ecke Porckstrassc.— Ren. lölln IX: IStj Uhr Sermannstrgsse.— Neukölln XI: 18� Uhr Sclchower Strasse. — Pankow in: 1814 Uhr Marktplatz. Fahnen, Wimpel und Transparente mitbringen! * Rasenthaler Vorstadt: Arbeitsgemeinschaft Abraham. 18.»nd 17. August Wachenendfahrt nach Rüdersdorf. Thema:„Probleme der freien Lieb«". Näheres kommenden ffreitag an dieser Stelle. RADI UH-SCHOKOl ADE noch ORSenfi-nertDLRPJ z. Essen u.Trinken entschlocfit, erfrischt hräßigtund verjüngt Uberoll erholNich. Die Fortsetzung unseres unvergleichlichen Saison- Ausverkaufs bringt aus der Fülle der vorhandenen Vorräte wieder einige Beispiele, die Ihnen beweisen werden, welchen ungeheuren Vorteilen £ Ausnahme-Tagen Darum, solange es noch Zeit ist: AufzuGadlel! mit Sie diesen Beginn X. 8. 30 Hin Riesen posten wundervoller Komplets bestehend aus Mantel und Kleid oder Jacke and Kleid«ob Tweed, Georgette oder sonstigen wertvollen Stoffen, ,n awei großen Serien: Jetzt nur 29:25; Ei«(roBsr Parten ▼ornetamar DeherganiisinHntel ans ubiiiM InrrMStiffM, gnns nuf f• i n• m «atter, in drei Serien Zy.' 25. IS: LI» groBmr Posten praohtToller (ieorgelte- Mäntel 25: mit and ohne Pele, in drei Serien, Jet*t nur 45.- 35. Ein yroBer Fanten ecbwnrser Krimmer'Mantel nnr In srofien Welten Jetst nnr 39: Elm B-iesenponten praebtwollor Trench' Co a t s in Uarine und Sport- ksrdan. In 2 RISMniariM }«tB* anr 48»-, Knten atk t» cau p. Wt. M A» tnfetr Mitn ratBTiUnuT Mäntel de» in»nsteaeieb- Ywbcituog 21; Ein uroB" Poston hochoiagontor Crepe- Georgette- Kleider elnfnrbif and geblümt. teilweis« mit Unterkleid Jetst nnr 25: Ein sehr großer Poston reinseidener Crepe de Chine und Georg ctte-Kleidcr mit Kursen Aermelo, in ▼ i e 1 e n Mustern Jet»t nnr 15: Ein grolar Ps« tan bochfalntr Wollkleider aus Tweed und»a deren rorsüglieh. einfarbigen Stoffen Jetst nnr 15: Ein grroöer Ponten gpy Damen-Bademäntel aus guten Stoffen Jetst nnr® 15: ans guten Stoffen Jetst nur Daniele Herren- Bndemänfl gas boeond. gut. Krkuael- •teflen...Jetst nnr -LLZSIloMme 20: ▼ortflglicber Qualität, in schönen Maoharten, gans »«f»kgnntem Futter Jetst nnr Daa angeheare Lager von Winter- Mänteln weist eine unübersehbare Fülle von MSnteln mit und ohne Pelzwerk su so tief herabge- ■etsten Preisen auf, daß jede Dame sieh mit vornehmer und mod. Winterkleidung ftlr gan» wealg Geld ▼ersehen kann. Ein Droßar Posten relnwollenar SJrlcklACken in rorsügl. Qual., in vielen mod. Mustern. Jetst nur Ein großer Posten ärmelloser Westen u. Pullover in ausgexeichneter QuaTit. mmmmmmmmmmmmm* 9? 5: Größte Ana walt I hocheleganter Pelz- Mäntel in aller erdenklich. Pelzarten, darunter eine große Serie schön. Pe i zm i n t e 1 Jetst nur 0 ST0* Blusen! Eine Serie aus Phaotasiestoffen, Cröpe de Chine, Trikot- Charmeuse, teilweise etwas angestaubt Jetst aar Z: Eine große Serie diverser Morgenröcke auch aus warmen, weichen und waschbaren Stoffen Jetst anr ab & ElnHIesenpont. rein wollener Strickkleider in neuen Formen und modern. Strick «rten. Jetzt nur c i u c r 15: Ein großer aus buotam Opal mit Spitzen In Wiener Art Jetst nnr Rain- wollen• für D Hemd-Hosen �|B . Bsde-Anzagefi- »men and Herrsn> B J.t.t m-mr V« z. jetsi nnr, c»—, MiildieD-Wasdikleidei 4, bis Größe 95, in nnsortier- ton Gröben. Jetst nnr für Herbst und Winter, in unsortierten Größen, Jetst nt|r 8.—, 5.—, �""Kleider F H C K€»u» Euten vrollrtakka» latst mmr Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner«Schwarz-Rot-Gold". Berlin S. 14. Scbaftianßt, 87— ZS. Sot 2. Zt. itewotfUitib. Trt Fackelzug»« Berfasfungatsae ist PfliSitaeran' staltnna fstr Sie.st»«er»i>»>»»llee Nerliner r>ri»«ereine. Sbmarich Berliner streii«»um Tustgartea Waniag, Ii.«uguft. A Uhr.— Die He. G iSstrstnstclle ist om Montaq. htm 11. August, wegen des Venfassungstage» peschlessen.— Aoriueatiteilung. Am Mittwoch, dem>8. August, 2l> Uhr. im Baotnliaud.— Zu de» Berioss»ng»feiern treksen steh die Ortouercine wie folgt tstehe. ouch die Ausgaben ai> Donnerstag. 7. August): Canntog, i». August. Tiergarten. Verfassungsfeier im Ulan. Alt-Moabit. Eartenlonzert. Ton». Tom- bastl. Iungbanncrfpieltrupp. Anfproche Äamerad Bartels, M. d. L. Antrete» in Dannerklctdung 15 Uhr Kleiner Tiergarten mit Fahnen und Muflk. eintritt tid Pf. Steglitz, tstrohe Berfafsunqsfeier in den Lichterfrlder Ftstsälen. Lichterfelh«, Zehlendorfer Str. 5. Sroßco Äonzert, ausgestlhrt von der Reichs- bannerkodell« Reutdlln. Festrede: Kamerad Ministerialdirrklor Dr. Brecht. Tombola. Kinderbelustigunoen. Tan». Temvclhof sOrtsuerein). Bersassungsfcler im Seibad Mariendorf. Ulfftcinstraste und nicht bei Ma-Li. Perfassungsfeier im„Waldrestaurant Rohrmann". Lichtenrahe. Hilhertftr. in— Montag, lt. August. liergarte» lÄamerodschoft Zstoabi». Um 18�� Uhr Kleiner Tier- garten sWesten). 181, Uhr bei Richert, öteinmetzstr. Z«. Nachzügler nur ilstz Uhr Haunvogteiplatz. Steglitz fOrtsverein). Antreten zum Fackelzug um lS'h Uhr Kausvogteiplatz. Dflichweronstaltung. lemgelhof lOrtsverein). Pflichtantreten sämtlicher Katncraden dünktlich 18>,4 Uhr Bahnhof Tcmvclhos mit Fahnen und St>ielmonns»ug. Wafsersportabteilung. Sämtlich« Züge nehmen am Fackelzua teil. Treffdunlt IStt Uhr Bahnhof Börse. Restaurant.Einsiedler". Anzug: blauer Anzug, ckckentragcn, Kopfbedeckung, blaue Schirmmütze. Funktionäre der Land- kameradschaften sind an diesem Tage auf Anweisttng des l?gues voM Bienst innerhalb der Kameradschaften entbunden. hill>en reftlos bei RWA. anWtreten I Bernau. Um II:-, Uhr Antreten in Bannertleibung Mlt Fahnen und Musil auf dem Schulhof- der Knabenschule,«andlitzer Strasie.-ur Begleitung de» .K>nb«rfochel,uges au» Ansatz de» Lerfassungswgcs. Restlose Beteiligung UN- bedingt erfdrdetNch.__ Reichakartell Republik, itzauv««stand. Am Montag, dem 11. August, stnbei ab 1.5 Uhr auf dem bundeseigenen Sportplatz Fried richsftlde. das Derfaffungs- '«jerschietzn, statt. Für gemeldete Schützen Erscheinen Psticht. Badem« nue». Gpilsteiae usw.»u reinigen ninunt meist viel Zeit in An- spruch, vor ollrn Dingen, wenn der Schmutz an den Wandungen angetrocknet ist und wenn in der Badewanne vielleicht sogar Rastflecken vorhanden sind. 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August, nachmsttl im Krematorium©eil tzllUhr. < fuur. KmtI Mal Familie Max Unbefugt Für die rieltn Beweise herzlicher Teilnahme bei der Einäscherung mei» M � MdWMWimMdW ne» lieben Mannetz, de« i v»ister» Theodor Hahn sage ich allen Befannttu.Perwandlen. inebelondere der Bernner Liedertatel stwie seinen Kollegen austichttgen Da«-. Vw. Uwie. Hakn Graunstraße 40. Am 8. August starb nach langem, sebwerem Leiden meine liebe Frau Else Kahler, geh. Schmitz im fest vollendeten 4!. Lebensjahre Berlin N, In tiefer Trauer Griebenowstr. 13 ArUlUP MWeP Familie Schmitz Die Einäscherun» findet amDionatag, dem 12. August, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt. Kranzspenden dankend verbeten! Am Freitag, dem 8. August, enteohlief nach kurzem, schwerem Leiden meine geliebte Frau, unsere liebe, gute Mutter und Schwiegermutter Martha Paulun im Alter von 56 Jahren. Cm stille Teilnahme bitten Aagaet Panlan Fritc Panlan £Uy Panlan Die Einäscherung findet am Dienstag, dem Ii August, abends 8 ühr, im Krema- toriom Genehtetraßa statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herrticher Teilnehme bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen sagen wir hierdurch unseren innlgs'en Dank. Henry Nenbert MtillerttraAe 164..cbch 5oha nd EamiU«. Allen Wanzen Tod und Teufel Dllnzcnfluld»Martial* tölet jede Wanze auf der Eielle und zerstört die Ärutnester restlos. Nicht fleckend, überaN anwendbar. Flasche Mt.-.SS, IUI. 1.50 und MI. 2.40. In Drogerien erhältlich, sonst durch Otto Aeichel, L erlin SO, Äsenbahnstr. pftosfSfmLnnckon„kobo�okl" Herausgeschält mit Stiel und Stumpf Wird all der HOhneraugen-Pluoder. 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Pünftltche» Erscheinen ist dringend nvi- wendig, da die Benutznngszeit de» Jim» tner« Befchräntt ist. Berlin, den 8. August 1930. Der vonflhende de» Vorflondes dar Setriab»- rranrenfasf« der Stadt verlin Ahr««». Ingenieurschule Bad Sulza|Thur. Höher* Tcchn. Lehranstalt, Maschinenbau, Elektrotechnik, Automobil- und Flugtechnik, Gas- und Wassertechnik, Chemie. Programm frei Wdle Ahitlrfaten erhalten SuZeugnii gor mlttl. Ron« •1 J R�tourunf Berlins BFTRIFB KfcHPIHSKh CIEISER zeigt Ihnen hierdurdi an, dass der neue KATAIOG »AS BUCH BEB SCHONEN MDBEI SOEBEN ERSCHIENEN IST Verlangen Sie die kostenlose und unverbindliche Zusendung dieses mit bunfen und gelönlen Abbildungen reich ausgestatteten Prachtwerkes. Bltto„uacineiden nad alz Druekuohe elneeodsa. GLEISER Akt.- Ges., Berlin, Alexanderplalz. S*«dsn SU mir ke»l*nlos und unYSfbindlich Ihron Kolaloj Nr. 33■ Name:.-- Ort.- Beginn 1. 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Kordula fand kaum noch Zeit, sich diesen Schenkel mit samt seinem traurigen Schicksal vorzustellen— als im gleichen Augen- blick auf der Plattform der Hausapotheke der bronzierte Gipskopf des Zweiten Ludwig in Cheoaulegeruniform zu wackeln begann—: „Jesmariaundjosef...! Da schau, Alisi...!" „Aha, eine monarchistische Bewegung setzt wieder ein...!"■ „Oder moanst, daß i ihn zum Abstauben vergessen Hab'? Oder daß s' unten im zwoaten Stock Briketts kriagt hab'n... Oder daß in Messina hinten wieder a Erdbeben war...?" „Na, na, mei' Liabe, Seine Majestät haben deutlich genickt, so viel Hab' i' grab no' gseh'»... Der Weiland Hot von der Haus- apotheken herab ein Zeichen von sich gegeben--* Da wurde draußen die Klingel gezogen...1 Unterm Türrahmen erschien alsbald Herr Josef Trinkel, der Kassierer vom Verein.König Ludwig II.". Sein Aussehen schwankte zwischen einem verkündenden Erzengel und einem hofbräuhäuslichen Krügelredner.' „Hoch, hoch, hoch!" schrie er aus solcher Tiefe seines Gemütes, daß der schlafenden Kanarienvogel vom Stangerl herunterfiel. „Was hast denn, Sepp...? Hast a neues Mitglied dawischt?" „Na, was ganz Wuchtig's Hab' i entdeckt... Du woast doch, Alisi, daß mir's scho' oft net hab'n glaub'n könna, daß unser König Ludwig der Zwoate wirkli' im Starnberger See dertrunka is. Alle Jahr is' amal der große Wind ganga, daß er no' lebt, daß er damals geheimnisvoll versteckt und totg'sagt word'n is... Und da, siehgst d', da Hab' j a neues Blatt'l, da steht's no' vui deutlicher... mit der Ueberschrift:.König Ludwig der Zweite— in München gesehen worden.. „Is' denn dös wirfli' mögli'... Sepp! Sepperl...?" „Freili, damals hat's ja schon neambd glaub'n könna, daß er dertrunka wär'... Und so hab'n ma jetzt die beste Lösung der monarchistischen Frage in Bayern..." „Und nur unser Verein ist dazu berufen... Nur wir hab'n das Recht und die Pflicht— den Ludwig! wieder für's Volk zu ent- decken und die Monarchie auszurufen... Kordula, ziag glei' hinter'm Builderrahmen's Spielwerk auf, daß zum Auftakt der Krönungsfeierlichkeiten das Königsludwiglied ertönt." Und von der Wand herab, wo im goldenen Rahmen zwischen Almenrausch und Edelweiß König Ludwig II. in seinem Pracht- schütten von Neuschwanstein direkt dem Beilhammerschen Ausguß zufrchr, erklang die Melodie: ,.,.. Leider mußte er entsagen diesem schönen Aufenthalt... Selbst die hohe Königswürde mußte weichen der Gewalt..." Alle erhoben sich von den Sitzen und sangen gedämpft, wie vor einem offenen Grabe„.«Ut� Der ganze Raum� in dem vor kurzem noch ein Abspüllappen verbrannte, roch setzt nach Monarchie. Alois Beillwmmer sah die königlichen Symbole wie Raubvögel vor seinen weitsichtigen Augen durch die Luft fliegen, und Kordula hielt das an die Wand genagelte Küchengeschirr für Königskronen, die je nach der Kopfweite des kommenden Monarchen— kleiner und größer waren. So saßen sie bis in die klaftertiefe Mitternacht hinein beisammen, besprachen die Verfasiungsänderung, besetzten Ministerien und be- rieten, was sie alle drei und der Verein nun dabei zu leisten hätten. Z'erst müassen wir den König Ludwig den Zwoaten entdecken ... In der Stadt i s er, dös hab'n wir jetzt schwarz auf weiß.. Und nachher wird er von unser'm Verein aus'n Thron g'setzt und 's Bayernlandl hat wieder fei' Königreich, komplett wia a' Wasch- S'schirr..." „Also, nachher gibst d' mer. Trinket, aus der Vereinskasse an Vorschuß für's Trambahngeld, daß i mit da Ringlinie a Wocha lang von in der Fruah bis auf d' Nacht umananda fahr'n kann. Um a paar Market krig'n mir damit das solideste Gottesgnadentum z'sammen..." —-- Und Alois Beilhammer gab sein Geschäft, schwarz- lackierte Fittchenbrettchen in Herzform für Rehgeweihe zuzuschneiden, auf, und fuhr und rannte Tag für Tag, wie ein Stadtreisender für Minzenkugeln, Stadt ein und Stadt aus, um den heimlichen, ver- bannten König Ludwig zu suchen... Und wahrlich, wer viel das Münchener Pflaster tritt, der sieht auch heute noch— wie ehedem, dann und wann eine lange hagere Gestalt in majestätischer Haltung promenieren, die dem Bayern- könig, wie von einer Ansichtskarte ausgeschnitten, ähnlich ist. Alois Beilhammer erlebte erst nach siebenwöchiger Wanderung die Gnade einer solchen Begegnung. Er überlegte gerade— ob er in die Bedürfnisanstalt eintreten solle oder nicht, als die Neu- schwansteiner Gestalt durch seine Ueberlegung schritt und sie in sich zurückfallen ließ. Eins dreiundachtzig hoch, mager wie ein ge- plünderter Tannenbaum. Der historische Knebelbart steckte im bleichen Antlitz, das wie ein Teller abgeblasene Milch leuchtete. Augenblicklich ahnte er die hohe Gegenwart der Majestät. Es gab ihm einen Riß, als ob ihm hinten die Hosennaht gesprungen wäre. Alois zog den Hut wie ein Bersicherungsagent beim Abschluß einer hohen Prämie und sang leise, wie das Spieldosenbild über seinem Kanapee:„... Auf den Bergen ist es schön... Wo des Königs Ludwig Zweiten alle seine Schlösser steh'n... Die wittelsbacherische Gestall sah sich erstaunt nach der Huldigung um und lächelte über seinen Stehtragen wie von einem königlichen Balkon herab. Und der schönste Augenblick in Alois Beilhammers Leben war zwischen der Bedürfnisanstalt und einer Trambahn- Haltestelle Ereignis geworden. Mit königlichem Abstand folgte er der Erscheinung bis vor einem Hausdurchgang im Bahnhofviertel, schritt durch drei Hinterhöfe— um im vierten Aufgang hinter einer Kehrrichttonne die majestätische Erscheinung verschwinden zu sehen. „Da also hab'n sie dich versteckt, armer Kini.'..! Da werft d' gnua g'litten hab'n vor lauter Unterschied zwischen Neuschwansteiw ... A traurige Schlittenfahrt...! Und hast d' di net zum Er- kennen geben derfa, dös war das Aergste..-!" sprach mit einem Zentner Mitleid beladen der Beilhammer auf dem ersten Treppen- absatz stehend. Weiter wagte er für heute in die königlichen Privat- gcmächer nicht vorzudringen. Die Milchfrau Mosler im Vorderhaus gab dem Vorstand weitere Aufschlüsse, die dem Schrittmacher der Monarchie die letzten Zweifel an einem Irrtum nehmen mußten:.. Von dem bewußten Herrn rooaß um uberhaupts jrij G'wisjci,," „Alle Woch' geht er ins Hostheadda auf'n Galeriestehplatz, wo er beim Lohengrlln scho' öfters g'sehgn worden is'...* „-- i glaab, daß er a bisserl a tramhappeter und spinneter Deifi is, mehr kann i Eahna net sag'n..." „Echt Wittelsbacher...! Liebe Frau, Sie haben.Ihrem Bayernlande einen mächtigen Dienst erwiesen... Jetzt stimmt's... Und jetzt wird losgeschlagen und proklamiert...1" Beilhammer rannte festlich gestimmt, wie ein wandernder Triumphbogen mit bunten Wimpeln zum Kassierer Trinkel und von da aus zu allen Vereinsmitgliedern. Schon am andern Abend verkündete er die Entdeckung des Bayernkönigs.„... Und's Königreich steht schon vor der Tür... Und so wahr ich diese frische Maß als Schwur an mei' Herz drücke, so wahr kriag'n mir unser zünftiges Gottesgnadentum wieder... Und da reißt nix der Sau an Haxen aus...!" Hierauf wurde zum einstimmigen Beschluß erhoben, daß der wiedergefundene König Ludwig II. am nächsten Sonntag morgens in aller Feierlichkeit aus seiner Wohnung abgeholt und mit Musik zum Vereinslokal geleitet werde. Und der historische Morgen braust« wie ein Vorortzug heran. Der Vorstand hatte mit Angabe des hohen Zweckes an die General- intendanz des Nationaltheaters um Ueberlassung eines Krönung?» ornates geschrieben. Aber er erhielt die Antwort, daß Kostüme für Karnevalsveranstaltungen nicht abgegeben werden können. So mußten sie sich aus einer Faschingsgarderobe ein Ritterkostüm mit Schwert und Panzer ausleihen lassen. An der Spitze des Zuges marschierte die befreundete Veteranen. kapelle„Augen rechts", die sonst die Grabmusik im Südlichen Friedhof spielte. Dann kam der Vorstand und hinterdrein die Mitglieder, soweit sie mit ihren Beiträgen nicht länger als neun Monate im Rückstand waren. Der Kassierer Josef Trinkel hatte sich zwei Telegrammformulare eingesteckt, um sogleich nach erfolgter Proklamation die Berliner Regierung und die Redaktion des„Wendelstein" zu verständigen. Der zweite Vorstand versah sich mit der Telephonnummer des Hof- theaters, damit alsbald der Schwan für eine Separatvorstellung bereit gestellt werde... So zogen sie los und rückten im dritten Hinterhofe ein, wo der heimliche Ludwig II. bisher unerkannt und tot gesagt getrennt von seinem treuen Volke residierte. Zuerst brachen sie, wie ein Menagerie- löwe, in ein dreifaches„Hoch!" aus— und schon stiegen Alois Beilhammer und Josef Trinkel die Stiegen des vierten Aufgangs empor. Auf dem Türschild lasen sie:„Anton Kugler" ob. „Aha...! Das Inkognito Seiner Majestät...!" „Paß auf, jetzt klopf' i amal an d' Türfüllung..." —— Drinnen sangen Kanarienvögel aller Art wild durch- einander. Anton Kugler, der heimliche König Ludwig II., lebte von der Zucht von Singvögeln, Eichkätzchen, Goldfischen und sonstigem Kleintier. Als er das Klopfen oernahm, sprang er aus dem Berg- werk seiner Kissen— in der Meinung, die lang erwarteten Kisten mit den Zwergassen seien als Expreßgut von Teneriffa angekommen. „Ja, ja... So arg werd's net pressier'n...!" schrie die er- wartete Majestät zur Türe zurück. „Das Volk wartet...!" ries mit feierlich gehobenem Brustkorb Beilhammer als Antwort durch die Türritze— und es war das erstemal in seinem Leben, daß er mit einem König sprach.. „So werd's net pressier'n...! Wieviel Affen habt's denn draußen...?" „Wie geruhen Majestät zu jagen...?" fragte schüchtern Josef Trinkel— und im Gefühl, sich im Stockwerk geirrt zu haben, schaute er durch'? Schlüsselloch... Aber da sah er wirklich den echtesten König Ludwig II., wie er über jedem Plüschsofa gut bürgerlicher Wohnzimmer hängt. Alles stimmte—. Nur statt der gewohnten Cheoaulegeruniform lief der hohe Herr im Iägerhemd und mit Filzpantoffeln im Gemach hin und her... Alois schlug jetzt auf Zeremoniemeisterart mit den Stiesel- absätzen dreimal gegen die Türe:„Wann geruhen Majestät seinem Volke zu öffnen...?" Der Insasse sah durchs Fenster in der Meinung, die Kisten mit den Affen stehen im 5)of. Aber da ging auch schon ein Hochrufen an, wie es dieses Hinterhaus noch nicht erlebt hatte. Oben rief der Beilhammer aus Leibeskräften durchs Schlüsselloch: „Majestät, jetzt wär' der Augenblick nahe gekommen... Wenn Weiland jetzt die Gnade haben würden...?" Innen ist es auffällig still geworden...! „Majestät, blamieren Sie uns net...! Sonst is alles ver- loren und d' Sozibazi kemma und drah'n Eahna an Kragen um!" Unten sangen sie:„Trotz der Treue seines Volkes wurde er hinweggeführt... Neuschwanstein, dein Erbauer dich wohl nie mehr schauen wird!" „Majestät, di« Monarchie wartet... Dos bayerische Gottes- dnadentum harret...! Kruzifix, Majestät, macha S' doch amal aus!" Drmnen Stille, Stille, Totenstille.-- ,„.. Majestät, jetzt zähl' i auf Drei..." schrie Beilhammer mit der letzten monarchsstsschen Kraft—„wennst D' nachha net 'raus kimmst, kannst uns alle mitananda---" Drinnen sah der Vogelzüchter Anton Kugler mit eingezogenen Füßen auf dem höchsten Punkte seines Pffenkäfigs, das nicht wie die Burg Neuschwanstein aussah. Und er hatte erst jetzt erkannt, wie gefährlich es in Bayern war— sich wie ein Monarch zu kleiden, auch wenn dieser König schon lange ertrunken war. Ihm war's Spielerei gewesen— als König-Ludwig-Imitator herumzulaufen. Die Zeit aber war jetzt monarchistisch geladen— und glles, was einem König auch nur der Kragenweite nach ähnlich sieht, wird zu einer Prokla- mation ausersehen. Augenblicklich zog der heimliche König sich Rasierspiegel, Pinsel und Messer auf die Affenburg und schabt« alle königliche Aehnlich- keit wie alten Mörtel ab. Inzwischen waren draußen alle Hinter- Höfe in Aufruhr geraten: die Milchfrau Mosler war schon vor Tagen durch Beilhammers Erkundigungen mißtrauisch geworden— und bezog sie auf einen vorbereitenden Raubüberfall auf den allein- stehenden Vogelzüchter. Als Bellhammer, vor dem Schlüsselloch, langsam, um der Monarchie eine letzte Zeit zur Offenbarung zu lassen,— bis„drei" gezählt hatte,— rückten auch schon zwei Polizeiwachen gegen den dritten Hinterhof vor. Und wie einst ihr majestätisches Ideal, König Ludwig II., fo wurden auch sie jetzt als jeine Jünger— ganz wider bayerische Gewohnheit— als Idealisten in den engen Rahmen des heimatlichen Vereinslebens zurückgewiesen. „Aber wart nur, Sepp," sprach Beilhammer auf dem Heimweg, um eine Oktave tiefer, zum Kassierer Trinkel,„in Bayern gibt's alle Pfiff long a paffende Gelegenheit, um d' Monarchie ausz'ruafa ... und a Kini is a glei wieder da, dös is's wenigste... Aber dann kimmt's uns nimmer aus...1 Dös woas i g'wiß...!" Wiederfehen mit Weinrieh Ich betrachtete lange und andächtig das letzte Bockwurstzipfel- chcn, das ich vor mir«ms der Gabel hielt, und wandt« mich dann an mein Gegenüber:„Sie haben mir dies« Bockwurst spendiert mit der Voraussetzung, daß Sie mich dafür interviewen. Sie brauchen Stoff, sagen Sie, für Ihre Sonntagsbeilag«, und wollen daher ein- mal mit oem„tiesstehenden" Volke in Fühlung treten, um deren Leiden und Freuden der aufhorchenden Sonntagsvormittags-Leser- schaft zu osferiercn. Wird gemacht, lieber Freund, für diese herrlich gebräunte Bockwurst wird Ihnen ein Landstreicher wie ich gerne eine kleine Geschichte erzählen." Ich steckte den Wurstrest in den Mund und sah dann ange- strengt den vorbelgehenden Kellner an, was den eifrigen jungen Reporter veranlaßt?, widerstrebend zwei Glas Bier zu bestellen. „Es war dicht vor Agram", begann ich,„in Südslawien, als ich an einem regnerischen Abend noch auf der Landstraße war. Es war noch hell als ich vom letzten Dorf abmarschierte, und ich hoffte, bei eingetretener Dunkelheit in einem anderen zu sein. Ich lief und lief. Der verfluchte Regen hatte schon lange meine Lumpen durchdrungen und rann an meinem nackten Körper her- unter. Es war stockfinster. Es kam kein Dorf. Ich möchte Ihnen gerne meine Stimmung und damalige Ver- fassung schildern, lieber Freund, aber es wäre em hoffnungsloses Unterfangen. Sie haben noch nie die Nacht anders als wie im Bett zugebracht und können es sich wohl auch kaum vorstellen, wie es sein muß, hungrig, zerlumpt und durchweicht eine fremde glitschige Landstraße entlang zu stapfen. Versuchen Sie es aber immerhin, am Sonntag Ihren Betschwestern diese Stimmung zu offenbaren. Ich glitschte und passchte weiter. Ich rief alle Heiligen an. von Antonius bis Zippedäus; aber ich rief sie fluchend an, deshalb meldeten sie sich nicht. Plötzlich aber leuchtete mir doch ein Licht. Ich vermeinte erst, es wäre in weiter Ferne: das war aber nur eine optische Täuschung, es war greifbar nahe. Das Licht war eine schmutzige Stallampe und hing unter einem Zigeunerwagen. Der Zigeuner und seine Sippe schlief schon. Die Lampe hatte einen verflucht trüben Schein, sie beleuchtete ein paar zerlumpte Gestalten und einen riesigen schwarzen Köter, die da lagen und schliefen. Herr Reporter, passen Sie auf, was ich tat. Zwischen dem einen langbehaarten und be- barteten Landstreicher und dem Hund war noch ein Streifen Platz. Ich drängte mich dazwischen. Beide knurrten. Der Kunde ynd der elende Bastard. Jetzt, Herr Redaktionschef, lassen Sie alle Ihr« Phantasie spielen, wenn Sie wissen wollen, wie einem dreckigen Landstreicher zumute ist, der sich durchweicht und hungrig an einen fremden Hund schmiegt, um schlafen zu können, auf fremder Erde, unter einem Zigeunerwagen. Ich jchliej sosort ein., Ith war damals noch eui veruer Iaage, der vor aude«» Lrctfnt nur den einen Vorteil hatte, daß er nichts respektierte und auf nichts herabsah. Ich wachte mit einem Mal wieder auf. Dos kam ganz plötzlich. Dabei schnürte mir ein furchtbar ängstliches Gefühl beinahe die Kehle zu. Di« Lampe war ausgegangen. Träge tropfte der Regen vom Dach. Ueber meine Brust glitt etwas, suchend, streifte mein Gesicht, glitt über meinen Hals und vergrub sich dann in meine Taschen. Es war eine Hand. Es war die Hand des bärtigen Riesen neben mir, das wußte ich. Ich war unfähig, mich zu rühren. Herrgott, dachte ich, fühlte er denn nicht mein Herz Nopfen. Ich war erst siebzehn Jahre, Herr Reporter. Ich hatte kein Geld bei mir, aber in meiner linken Brusttasche war eine schäbige Ledertasche und in ihr mein alles, mein Paß. Di« unsichtbare Hand nahm die Tasche und es wurde wieder ruhig. Jawohl, es wurde wieder ruhig, aber nur für eine Weile, dann sing mein Nachbar an zu schnarchen. Jetzt erwachte in mir ein ungeheurer Mut. Ich tastet« den verhaßten elenden Saufsack neben mir genau so ab, wie er mich, und damit nicht genug steckte ich ihm die schäbige' leere Tasche wieder zu. Darauf schlief ich endgültig bis zum Morgen durch. Ich hatte meinen Paß wieder. Am Morgen schien die Sonne, als ich unter dem Wagen her- vor kroch. Im Straßengraben saß einer mit langen Haaren und langem Bart und schmierte sich mit dem Daumen Butter auf«inen Brot- kanten. Nanu,— das war doch— .�Heinrich!" rief ich,„alte treue Seele, wie kommst du denn in dieses karg« Land?" Das war ein Wiedersehen. Ich kannte ihn schon. Wir hatten schon einmal«ine kleine Sache zusammen abgesessen. Wir beschlossen jetzt, zusammenzubleiben und walzten frohen Mutes Agram zu. Wie wir so lustig die Straße entlang gehen, fängt Heinrich mit einem Male an: „Also, was man manchmal so findet: find« ich nicht heute Nacht unter dem Wagen diese Tasche hier. Leer natürlich. Willst du sie hoben, ich schenke sie dir. Kann sie doch nicht gebrauchen." „Ach nein", sagte ich,„ich mache mir aus einer solchen Tasche auch nichts. Kann sie auch nicht gebrauchen." „Fahr hin denn", trällert« Heinrich und warf meine schöne Tasche im großen Bogen fort. Sehen Sie, junger Freund, das nennt man Takt oder Fein- gesiihl. Heinrich uiiö'ich sind noch lange gute Freunde gewesen. Erzählen Sie das man ihren Spießern und..wenn sie ein gutes Herz haben, spendieren Sic mir noch eine Bockwurst." .. Landstorzer. dm Zentrum Mfiem tin Kagebuchblatt von W. K Slickmers Wer Iii) Für bic Organisation«inrr wobernrn wissenschaLtlichrn k�prdition intrressicrt, bcr finbrt anschaullchrs Matrrial in Alal! Ä I a i! Arbeiten unb Ergebnisse der Deutsch-Rnssischen Alai-Pamir. i. A� Broikhaus Berlage iteiftzig).!?kr Verfasser, mit Zcntralnficn von srilhercn Äcisen ber aufs beste vertraut, gilit darin Rechenschaft von dem großangelegten Unternehmen, das Alai-Pamtrgebtet, den stnotennuntt de» jentrat- asiatischen Gebjrgssystein geograpdisch ju erforschen und kartographisch aufzunehmen, das deutsche und russische ssorscher vereint an der Arbelt sah. Das Werl vmnittslt weit Uder den Rahmen üblicher Expcditions. berichte hinau» und ganz abgesehen von den bedeutenden Ergebnisten Einblick« in die Methoden und Ricle moderner Forschung, Aus dem Tagebuch des Leiters und Organisators Rickincrs geben wir mit nchmigung de» Berlages einen charglteriftifchen Abschnitt wieder. 2. Oktober.— Hurra, das Gfcld ist da! Schuell zahleil!„Schnell' bedeutet vier, fünf Stunden, denn niemand bringt eine fertige Rech- nttng. Sie entfaltet sich allgemach unter bedächtige,, Reden wie der Halm aus dem Keim unter Gottes Segen. So mancher Gläubiger muß erst fünf Kilometer weit hergeholt werden. Die Kirgisen können wenigstens in der Größenfpanne bis tausend kopfrechren. Die Tadschiken oermochten oft nicht einmal bis hundert richtig zu zählen, geschweige denn die Zeit mit dem Taglohn malzunehnicii. Was sich da nicht alles zusammengeläppert hatte: Hammel, Molkereierzeugnisse, Fettgebäck, Kainelmiete, Iurtenzins, Weidegang, Wächter-, Träger- und Treiberlöhne. Glücklicherweise waren wir wieder in die von den Mitten der Weltwirtschaft ausstrahlende Reichweite des Papiergeldvertrauens gelangt. Die von Schtfcherba'aff übersandten Rubelscheine flogen nur so. Ich kaufte mir einen Steinbockpel� den Herbstlüsten zu wehren, die ihre Zähne zu wegen begannen. Dann kamen die Geschenk« an die Reihe, die das Trinkgeld dar- stellen. Die Zeiten sind vorbei, wo man für Gcschmke Gleich- wertigcs oder gar lleberwertiges kriegt, ganz abgesehen davon, daß es im Morgenlonde stets üblich gewesen ist, die Gabe im stillen Kämmerlein und Rate der Weisen sorgfältig abzuschätzet, und danach die Gegenleistung zu bemessen. Man schlage sich den Gedanken aus dem Kopfe, mit billigen Sachen teure Sachen kaufen zu können, etwa Vieh oder hochwertige Gegenstände des heimischen Gewerbe- fteißcs. Die unerhörte Wertfpanne kommt höchstens noch in ganz unzugänglichen Winkeln vor, wo sich das Hinbringen kaum lohnt, weil der Tauscher und Täuschcr entweder an, Gelbfieber stirbt oder zugleich mit dem Schund seinen Kopf verliert. Der Welthandü ist heute schon so eingerichtet, daß jede Neuigkeit des europäischen Gc- werbe- durch die Bahnen und feinsten Aederchen des Verkehrs sehr bald an den legten Ort seiner Brauchdarkeit oder Empfangsbereitschaft gelangt. Di« Zeiten sind vorbei, wo der Schiffsjunge für Glasperlen Reichtümer erwarb. Solche Falschmünzerei der Marktnxrtc ist nur bei der ersten Berührung möglich, wo der Zustrom kaufender Ware noch keinen Ausgleich schuf. Anfänglich besteht ein starkes Gefälle; die harmlosen Wilden bieten sich als Füllbecken urid Schnttablade. Aber schneller, al, man denkt, hebt sich der Sättigungsspiegel, ver- fandet die Mündung und verflacht das Gcsäll. Verdunstung als Verbrauch und Zufuhr als Bedarf halten sich die Waage. Reue, aufnahmefähige Tief« läßt sich nur noch durch Ausschachten erzielen und erhalten, indem man nämlich die Landesbewohner veranlaßt oder auch zwingt(Kolonialsklaveret), mehr zu arbeiten, zu ver- dienen, zu kaufen. Kaum irgendwo gibt es noch eine Gegend auf Erden, wo Kinker- ligchsn oder„Geschenkartikel" den. Eingeborenen gehaltvolle Dinge abschwindeln. Muscheln mit„Norderney" haben nnr noch im fernsten Sachsen Kurs, Schwcizerhäuschen vielleicht in Pommern. Und nun stelle man sich Asien vor, das Land uralter Handelsvsrbin- düngen. In den Städten Turkestans, in Afchcrbad, Samarkand, Osch, Kaschgar ist fast jeder Gegenstand europäischen Alltlgsbedorfs zu haben oder wenigstens bekannt.- 5iein Usbeke, Kirgise oder Tadschik, der nicht mindestens einmal im Leben dort war. Zudem ist da» Waren- und Preisgedächtnis dieser Leute erstaunlich. Ge- nährt und gestärkt wird die Beherrschung des alltäglichen Klein- krams durch ewiges Geschwätz, das in Ermangelung von Zeitungen ober Büchern aber geradezu lebensnotwendig ist, weil es Wissen vom Notwendigen vermittelt und einprägt. Das Gespräch dreht sich. nicht um Literatur und Kunst, sondern um Vieh. Ernte, Wege, Hausbau, Steuern, Schmuggel. Preise, Löhne, natürlich auch um Weiber und deren Ersatz und Klatsch. Nur so vermag jeder seine Kopfzeitung zu füllen und auf dem laufenden zu erhalten. Ferner bedanke man, daß diese Menschen gewohnt sind, mancherlei Stoff« und Hausgerät selber herzustellen. Das schärft die Augen für Schund. Ein Lederfachmann wie der Kirgise wird nie auf eine billige Reitpeitsche oder aus mittelmäßige Galanteriewaren hineinfallen, wenn er auch nichts dagegen hat, daß man sie seinen Kindern umsonst schenkt. Eine Sache muß schon sehr heimtückisch aus Glanz hergerichtet sein, soll sie den Landmann hier bestechen. Stets bleibt er mißtrauisch, weil er die Haltbarkeit abendländischer Gastgaben oft genug auf die Probe gestellt hat. Wir sind es ja gewohnt, Sachen zun, Wegwerfen zu kaufen; hier ist man noch nicht ganz so weit. Grundsätzlich kann man sagen, daß das Geld die einfachste und angenchn�te Gegenleistung darstellt, es sei denn Baumwoll- gewebe oder Ziegeltee an Geloes Statt üblich, wie in Inner- asten. Wo Geld uniläust, wird der Tausch ein zweifelhaftes Geschäft, besonders für Fremde. Natürlich hat man auch Dinge, die begehrenswert erscheinen oder nach denen zufällig starke Nachsrage besteht. Aber selten wird der Morgenländer seine Sehnsucht ver- raten. Jeder ist Händler und somit darauf bedacht, die Ware schlecht zu machen, womöglich auch das Geschenk. Die Ware kriegt man vielleicht billiger und fürs angeboten« Geschenk ein besseres, wenn man es mit leicht angedeutetem Ncrsenrümpfen» der Hand umdreht. Das bedeutet nun nicht, daß unsere Mitbringsel als minder- wertig empfimden werden. Im Gegenteil; besondere Gebrauchs- gegenstände sind stets willkommen: die Bergtadschiken freuten sich über jede leere Konservendose. Aber der Mann hat vielleicht Schulden oder muß etwas Dringlicheres kaufen, Brot, eine Kuh, eine Fron. Geld läßt sich aber leichter umsetzen; und es ist schwer, «Ine Sache günstig gegen Geldforderunge» zu verkaufen. Der Gläubiger oder Verkäufer wird die zum Begleichen einer Geldschuld angebotene Sache erpresserisch abschätzen. Wir müssen uns in den umgekehrten Fall hineindenken. Der Gingeboren« sagt sich, und zumeist wohl mit Recht, daß wir mit Geschenken billiger weg- zukommen hoffen als mit Geld. Deshalb bezahle ich vertragliche Verpflichtungen aus Kauf und Miete mit Geld und gebe Geschenke vorher zur Beschleunigung eines Handels oder nachher als E h r e n s o! d für nette Bewirtung oder freudige Dienste. Außer bei sehr vornehmen und reichen Leuten sind Gastgeschenke weiter nichts als verschleierte Verkäufe. Bringt mir der Kirgise einen Hammel, so wird er den landesüblichen Preis in Münze ohne weiteres einstecken. Ich habe nur den Vor- teil, daß er mich nicht überfordern kann und mit dem knappen Marktwert stillschweigend zufrieden sein muß. Schicke ich khm dagegen durch meinen Diener die in ein Tuch gefaltete Gegengabe, so muß sie einen ebenso großmütig-freigebigen Eindruck machen. Von feinen Herren erwartet man, daß sie sich nicht lumpen lassen. Der damalige Emir von Buchara überschüttete mich jedesmal mit Seide, wenn ich ihm das neueste Fernrohr oder den neuesten Mehr- ladcr mitbrachte. Selbstverständlich werden wirkliche Freudenspendcn, Zugaben und Belohmingen überall gewürdigt. Nicht zu knapp, aber auch nicht zu wahllos ausgestreut, ebne,, sie die Wege und hinterlassen angenehme Erinnerungen, die nachfolgend nützen. Die Dankbarkeit ist ebensowenig ausgestorben wie die Gebefreudigkeit, wenn auch nicht jedes Samenkorn auf fruchtbaren Boden fällt. Zwar schmeichel- hast, aber peinlich ist es, daß der fremde Tura(Herr) in den Augen des Bergvolkes ein reicher Fürst ist, der alles doppelt und dreifach vergilt. Mag er es nachher aus seinen Untertanen und Leibeigenen in Germanistan herauspressen. Mit seiner Riesenkarawane, den üppigen Zelten, den, vielen Gepäck wirkt der Expeditionsleiter nicht minder stark wie der König von Afghanistan mit Salonwagen und Gefolge bei uns daheim. Gediegenes Gerät bleibt stets da» beste. Mit dem rostfreien Jagdmesser baut man sich ein dauerhafteres Denkmal als mit dem schlechten Grammophon. Dies verstummt binnen eine» Jahres. Man ist neugierig, wa» sich eher ausleiert, das Werk oder die Schall- platten. Der Hirschfänger vererbt sich noch aus den Enkel. Haar- schneider und Rasterhobel(beide für den Kopf des frommen Mufel- manen), Solinger Stahlwaren, Edelwerkzeug, rostfreie Messer, Feld- stecher, Uhren erfreuen jedes Mannes Herz. Frauen sind wild auf Nähzeug, Zwirn, Mezsöhnsseide, Scheren, Duftseifen und„Iachschi. Sassik*(guter Gestank— Wohlgerüche). Psorzhoimer Schmuck füge sich der Landestracht. Kinder kirrt man mit Zuckerin. Vor euro- päischen Puppen haben sie oft Angst, weil sie ihnen gespenstisch vor- kommen. Größere Buben und Mädel wollen natürlich wie Männer und Frauen behandelt sein. Stuflländ Ichaul nach Horden Mit seiner langen nördlichen Küstenlinie ist Rußland be- sonders an den arktischen Fragen interessiert und hat in den letzten Jahren seine Besitzansprüche in den Polargebietcn verstärkt, indem e, kleine Siedlungen auf Franz-Josef-Land und aus. der Wrangel- Insel gründet«. Um nun diese weit entfernten Gebiete weiter zu erforschen und mit dem Zentnim durch Radiostationen enger zu verbinden, ist eine neue Expedition.ausgerüstet worden. Der Eis- brecher„Sedow" hat nach dem Durchqueren des Polarmeeres Franz-Josef-Land erreicht. Die Expedition besteht aus einigen hervorragenden. Kennern der Arktis. Die Unternehmung oerfolgt zwei Hauptziele: einmal eine kleine Gruppe' von Russen zu entsetzen,, die auf Franz-Josef-Land die nördlichste Radiostation der Welt eingerichtet haben, und dann in südöstlicher Richtung nach dem ungewohnten Nord- fand vorzudringen, wo Prof. Uschakow mit drei Gefährten, einem Geologen, einem Jäger und einem Radiosachoereständigen, bleiben wird. Diese kühnen Pionier«, die mit Gewehren und Baustoff ausgerüstet find, wollen sich in diesem Gebiet häuslich einrichten und eine Radioftatiou für Kurzwellen erbauen: sie werden auch dieses bisher fast noch unbekannte Gebiet erforschen, das 1924 von zwei russischen Eisbrechern auf einer gefährlichen Fahrt von Wladi-' wostock nach Archangel entdeckt wurde. Uschakow und seine Ge- fährten haben auch 49 sibirische Hunde bei sich, und wenn die Witte- rungsoerhältnisse es unmöglich machen, daß sie im nächsten Sommer mit dem Schiff abgeholt werden, dann wollen sie mit dem Hunde- schlitten über das Eis zu der benachbarten Taimir-Halbinsel in Nordsibirien gelangen und von dort ihren Rückweg zur Mündung des Jenisei antreten.- Sollte der Gedanke, den der verstorbene Ransen so eifrig ver-, treten hat, von einer Luftverbindung zwischen Europa, Japan und' Amerika aus der kürzesten Linie über den Nordpol verwirklicht werden, dann würden diese Sowjetstationen ein« große Bedeutung gewinnen; sie haben diese auch für die Meteorologie, und außec- dem hofft man, die Pclzjagd in diesen. Nordgebieten zu eröffnen. und Erzlager in diesen Regionen des ewigen Eises zu entdecken." ä)er nSremii von{Paris* Es ist im Jahre 1793 in dem düstern Gefängnis zu Paris, in dem Mämier und Frauen, vom Revolutionstribunal verurteilt, ihrem Ende auf der Guillotine entgegcnharven. Auch ein paar Deutsche sind darunter, die in die Aerschwörung der Girondisten verwickelt sein sollten; unter ihnen ein preußischer Aristokrat, Graf Gustav Schlabrendorf, Sohn eines Ministers Friedrichs des Großen, ein 43jähriger Mann mit schönen feurigen Augen, langem Haar und Bart, in vernachlässigter Kleidung. Von dem. seltsamen Schicksal dieses Sonderlings erzählt Otto Ebstein in der „Deutsch-Französischon Rundschau". Schlabrendorf, ein sehr ge- lehrter Mann, war kurz vor dem Ausbruch der Revolution nach Pari» gekommen und ganz auf die Seite des Boltes getreten. Ob-- wohl er sehr reich war, lebt« er ganz einfach, in seine Bücher ver- graben. Aber auch ihn ereilt« ein Hastbefehl, und so sitzt er im Gefängnis. Mit dem Leben hat er abgeschlossen und wartet aus das blutige Ende. Da eines Morgens buchstabiert der Kommissar, der die Unglücklichen zum letzten Gange abruft, den schwierigen deutschen Namen:„Gustave Schla-b«-r«n-d-ors!"„Hier!" Der Deutsche schließt sich dem Zug an, der heute den Karren besteigen soll, der sie zum Schafott führt; unter den andern marschiert er der kleinen Psorle zu, die aus den Hof führt. Da fällt dem Kom- missar etwas auf. Dieser Deutsche läuft so komisch. Was ist denn das? Ach so— er hol keine Stiesel an! Das geht nicht, der äußere Anstand muß gewahrt bleiben:„Citoyen Schla-bre-dors, ziehen Sie Ihre Stiefeln an." Aber man kann die Stiefel nicht finden, und darauf erklärt der Kommissar, er könne ihn nickst mitnehmen. Schlabrendorf protestiert:„Was macht das? Ich bin bereit, bar- fuß zu sterben", aber das Schicksal will e» nun einmal nicht, und der Todbercite bleibt zurück und wartet weiter. Am andern Morgen erscheint der schwierige deutsche Name nicht mehr auf der Liste: von Tag zu Tag wartet er, aber er ist vergessen, und der neunte Ther- midor befreit ihn. So kehrt er in sein altes Zimmer zu seinen Büchern zurück. Bis zu seinem Tode im Iahve 1824 hat der„Eremit von Paris", wie sich Schlabrendorf selbst nannte, in seiner Dachkammer gehaust,«in Einsiedler, den aber so manche und wichtige Fäden mit der Welt oerbanden. Nach seinem Rang und seinem Reichtum hätte dr als großer Herr auftreten können, aber er zog es vor. sich als„Armenpsleger seiner Landsleute in der Fremde" zu betrachten und hat den Deutschen, besonders den preußischen Kriegsgefangenen, unendlich viel Gutes getan. Die preußische Regierung suchte ihn zur Mckkehr zu zwingen,"sogar durch vorübergehende Beschlag. nähme seiner Einkünfte, ober der Bann von Paris ließ ihn nicht mehr los. Als echter Freund>der Freiheit war er ein Gegner Napoleons und ließ 1894 in Deutschland anonym eine Schrift gegen den Korsen„Napoleon Bonaparte und da« französische Botk unter seinem Konsulat" erscheinen, die eine ungemein scharf« Kritik der napoleonischcn Herrschaft enthielt. Er hatte es wohl nur seiner großen Zurllckgezogenheit zu danken, daß er von der Polizei Napoleons unbelästigt blieb. Als 1897 der Bruder Friedrich Wil- Helms in., Prinz Wilhelm, nach Paris kam, um Erleichterungen der Tilsitcr Friedensbedingungen bei Napoleon durchzusetzen, leistete ihm Schlabrendorf wichtige Dienste durch sein« Beziehungen zu französischen Persönlichkeiten. Später verließ er nur noch einmal seine Klaus«, als die Verbündeten in Paris einzogen: dann zog er sich immer mehr zurück, blieb aber mit den geistigen Kräften de» jungen Frankreich In Fühlung. 1829 hat Mit von Dörring, der ihn in seinem schmutzigen, mit Büchern und Staub bedeckten Zimmer aussucht«, eine interessante Schilderung dieses Sonderlings gegeben:„Man denke sich«inen kräftigen Greis, dem die achtzig rechtschaffen durchlebten Lebensjahr« kaum den Rücken zu beugen vermocht, mit den feurigsten Augen und dem schönsten Kopf, der den Beschauer unwillkürlich an die Philosophen des Altertums erinnerte und mit Ehrfurcht erfüllte: dabei stelle man sich vor, die Haare zottig herabhängend, Lippen, Kinn und Wangen mit langem Barthaar bedeckt, ohne Beinkleider, mit einem zerrissenen Schlaf- rock bekleidet, und dies alles von Schmutz starrend. Doch wie schnell vergaß man dies auffallende Außere, wenn der edle Greis sprach, wenn er den Besuchern seine reichen Schätze auf Erfahrung ge- gründeter Menschenkenntnis und interessanter Tatsachen erschloß." ca}W*3«) Sailon■Äusverkaiif aibt es: auf reiner KamrnqarnwpUe. seif Jahrzehn>»n ca V00v6D0aoa350«520 jfih vielen Jahrzehnten erproo__ te Marke, reine Kamrrv�m�ohe ■bz-• 64ä0 t*3ca-190x285» r\t). OOSO * 'Riesenposten Brücken bestes ckeüWies Fabrikat, ganz durchq«. webt, wundervoll. persUcbes Muster Kl81.-j*,4650 Nuryweirj Ein Diesenposten Tischdecken rund und eckig lULPreisbisAp_ .,16* -------.. 10.520 CYlft vertaufepfels bis �45.-��/9- lllerbeste 7 J.g.JTs.cktzr�hgewebte br Hiici l/cj'c. 4 i- uumc vrui�-iiurwciMC ur1« komresle u.benebtesteMorken.z.T mir kleinen Schönnelrsfenlern rrrts caSSO-TOO-ca«».«»___ L /sl 1158.-M bisher Mlnd-Verkautspr. bis BT" Kn'I�VelveMeppiche sejUqhriehnten erprobte Morke,unv«p. 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August: SJO: runkgymna-.ät AnsehVisSwid Frthkoiirert*i Fflr %ßX KONSUM GENOSSENSCHAFT BERLIN UND UMGEGEND 27B MMWMbüMsii. 65 FlelsGh-Abgahesiellen, 5 Uiarenhauser, t KlanDiaKloruiareD-Abgahesiallen, 1 KlOballager Elaenbetrlebe: 3 Bäckereien, Konditorei. Wurstfabrik. Mineralwasserfabrik, Kaffeerösterei, Werkstätten für Herrenbekleidung usw. usw. mit 4S Millionen Mark Spareinlagen der Mitglieder Sie müssen sehen können, um Ihren Beruf wirklich gut aasfällen zu können, um Ihre Erholung voll zu genießen and eine ridiiige klare Uorsiellung von der Well zu haben. Können Sie es nicht, dann kommen Sie zu uns, wir beraten Sie gut. Unsere heutigen GlSserpreise r Raihenower Bi- Gläser., pro Stüde Rahnke Menisken..... Ii. 2.SO pro Stüde Punktorik- Gläser..... Ii. SJiO pro Stüde Kneifer- und Brillenfassungen von MI.— ab in allen Preislagen.— Jede Extra-Anfertigung In eigener Fabrik sofort. 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Bortrag de» Kollegen Werner über den Abbau der Sozialversicherung. Z. Soll der Tarif gekündigt werben? Z. Verbandsangelegenheiten und Ver. schiedenes. Fahlreiches Erscheinen aller Aollegen und Kolleginnen wird erwartet. AdUnnö. BanansdUAaer! Dienstag, den 12. August. abend» 7 Ahr, Im Derbandsbau» Liuieastrahe 83/85 Branchen-uersammlung Ger Bauanschisger Tagesordnung: 1. Verbands» und Branchenangelegen. heilen ?. Dislussion. Z. Verschiedenes. Die Kollegen werden ersucht, restlos die Versammlung zu besuchen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. SÄiwng, AiitoSeiisdweUtei'! Die Bronckenkonferenz findet im Monat August am Donnerstag, dem U.August, zur üblichen Zeit im Lokal„Schlcfische Heimat", Reue Friedrichstraße l» statt. Zpielfllsn unserer nullurablellung. 2» der Woche vom 11. bis 17. August: l. Die verbannten. 2. Svuk in der Nacht. 3. Rauchloser Tabak. In der Woche 00m Ist. bis 24. August: l. Im Anfang mar da» wart. sAchtzig Jahre Arbeil erprcste.) 2. Brüder. Hamburger Hafenstreikj. 3. 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