Morgenausgabe Nr. 313 A 188 47.Iu begehen. Heuer wird ein gewisser Schuß Frohsinn als Zutat der Feststirnmung behördlich empfohlen, während die Republik bisher mehr auf Würde und Feierlichkeit erpicht war... Dos Volk feiert Helden und Fuhrer, Siege und Revolutionen, nicht ober eine papierene Satzung, die am grünen Tisch entstand, mag sie van noch so feierlichen Worten präambuliert sein... ES ist'u n e r t r ä g- sich, wenn die Beamtenschaft, wenn insbesondere auch die Jugend durch Machtmittel des Staates gezwungen werden darf, sich an Festen zu beteiligen, deren Sinn vieldeutig ist Und die nur zu oft ausgenutzt werden. Um statt dös Reichs- aedavkens eine S t an ts a n sch a uu n g zu feiern, d i e Nicht die des ganzen deutschen Volkes ist." Das Blatt, das diese Äetrachlungen iierö\fent!icht. ist kein Hugenberg-Blatt. Es ist das Blatt des Herrn Reichs- Ministers Treviranus, die„Völkskonservativen Stimmen.' Unsere Wahlvorbereitungen. Aufstellung sozialdemokratischer Wahlkandidateu. Thüringen. Weimar, 11. August.(Eigenbericht.) Ein außerördeMlicher Bezirkspartettag der Sozialdemokratischen Partei für den Bezirk Groß-Thü ringen, der sich mit der bevorstehenden Reichstagswcchl und der Ausstellung der Kandidaten- liste beschäftigte, fand am 10. August im Volkshcms in Weimar statt. Vor der Aufstellung der Kandidatenliste erklärte der alte Veteran, Genosse W ilhelm Bock- Gotha, der bisherige Alterspräsident des deutschen Reichstags, daß man von seiner Wiederausstellung infolge seine» hohen Alters Abstand nehmen möge. Er wies ferner auf den Ernst der gegenwärtigen politischen Situation hin und er- mahnte dringend zur Einigkeit. Nur so sei es möglich, die Reaktion siegreich zu überwinden. Die Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Genosse Leber würdigt« in längeren Ausführungen die Verdienste, die sich Wilhelm Bock in feiner 60jährigen Tätigkeit für die gesamt« Arbeiterschaft erworben hat und sprach ihm unter stürmischem Beifall der anwesenden Delegierten den Dank für seine im Interesse der proletarischen Bewegung ge- keisteke Arbeit ans. An aussichtsreicher Stelle wurden als Kandi- baten für die bevorstehende Reichstagswahl aufgestellt, A u g u st Frölich, Staatsminister a. D., Weimar: Dr. Kurt Rosen- s« l d, Rechtsanwalt, Berlin: Mathilde Wurm, Berlin; Georg. Dietrich, Bezirkssekretär, Erfurt: Pank Voigt, Unterbezirkssekretär. Meiningen: Dr. August Si�mse», Jena; Eks« Riewiera, Verbandsangestsllte des Deutschen Textilarbeiter-Verbandes, Berlin, und Dr. Hermann Brill, Ministe riaSireklor i. W., Weimar. Pommer«. S kettin. 11. August.(Eigenbericht.) Der Bezirk Pommern der Sopaldeinokratischen Partei hielt am Sonntag den durch die Reichstagsaustöstmg notwendig gewordenen außerordentlichen Parteitag ab. Einstimmig wurde eine Kandidaten- list«. angenommen, deren erste fünf Kandidaten Staatsrat Schu- mann- Stettin, Schriftsteller P o s se h l- Buchholt, Georg Schmidt-Köpenick, St r e/u f« rt- Stralsund und Frau Zei. lr gen»Stettin find. Braunschweig. Braunschweig, 11. August.(Eigenbericht.) . Der Bezirk Vraunfchweig der Sozialdemokratffchen Partei hielt am Sonntag einen außerordentlich stark besuchten Bezirksparteitag in Oker am Harz ab. Die Dorschlahslsste zur braunfchwei- gifchen Landtagswahl wird von den drei braunschweigischen Ministern Jasper, Steinbrecher und Sievers geführt, während für den Reichstag wieder die beiden bishe eigen Reichs- tagsabgeordneten Grote wo hl und Junke nominiert wurden. Gegen Oiktalurpläne! Verfaffungsreden von Severins und Hermann Mütter. Hannover, 11. August.(Eigenbericht.) Die Versa sstmgsseiern nahmen in Hannover einen außerordent- lich eindrucksvollen Verlaus. Am Montagvormittag fand im großen, 4600 Menschen fassenden Kuppelsaal der Stadthalle die vom Ober- Präsidenten Roske veranstaltete amtlich« Verfassungsfeier statt. Die Festrede hielt der srühere Innenminister Cark Seoe- ring, der bei seinem Erscheinen mit stürmischem Beifall empfangen wurde. In seiner Red« feierte er die Weimarer Verfassung und den fundamentalen Satz des ersten Artikels„Die Staatsgewalt geht vom Volke aus". Besonders eindrucksvoll waren feine Ausführungen, in denen er sich mit der angeblichen krifis de» Parlamentarismus und der Demokratie beschäftigte. Er erklärte, man habe gerade in diesen Tagen starke Zweifel erhoben, ob dos parlasnemarische System die richtige Vtechode sei, Deutschland zu regieren. Er antworte, wenn mit diesem System ein Volk sich in verhältnismäßig kurzer Zeit wieder emporrang und in der Welt neue Achtung gewann, so muß dieses System wohl etwas bedeuten. Aich die Zusammensetzung der Regierungen des alten Regimes hatte das Volk keinen Einfluß. Heute aber fei die Regierung fo wie es das Volk ach Tag« der Wahl durch seine Etttscheidunz bestimme. Heute könne man nicht diejechge» Kampfmaßnahmen gegen «ine Regierung anwenden, die vor dem Kriege verständlich oder gar notwendig waren. Eine Verbindung der einzelnen Mitglieder mit den Parteien, die sie stützen, halte er für unerläßlich. Wenn man aber den Rat der Fraktionen eingeholt habe, dann dürfe nur eine Stelle entscheiden. Er sei überzeugt, daß ein a r b e i t s- freudiges Parlament sehr schnell das Gerede von der Krise des parlamentarischen Systems und der Demokratie beseitigen könnte. Die grundsätzlichen Gegner des Parlamechs und der Demo- kkatie werden einstweilen wohl kaum verstummen. Diese müßten sich allerdings heut« sagen, es gab einmal eine Zeit, da riefen gerade diejenigen, die heute am lautesten von der Krise reden, sehr stark nach Sem Parlament und der Demokratie! Dos war in der Zeit, in der die Regierung bei den DokkSbsaustragten lag, die sich auf die beiden sozialistischen Parteien und die G e- werkschaften stützte. In den Rechen der Sozialisten gab es damals Leute, die die Zeit für gekommen hielten, die Revolution weiter zu treiben, durch diktatorische Maßnahmen zur Diktatur des Proletariats. Alle aufrechten Demokraten und ausrechten Sozial- demakratcn haben sich- gegen dieses verlangen nach Dittalttr gewendet, weil sich eine solche Einstellung mit dem Grundsatz her richtig verstandenen Demokratie nicht oertrug. Zum iuid«ren auch deshalb, weil eine Befolgung diktatorischer Maßnahmen den Bürgerkrieg in Deutschland hervorgerufen hätte. Die verfassungstreuen Parteien werden sich von dem Krisengeschrei nicht verwirren lassen, aber sie werden sich doch darum sorgen müssen, wie die parlamentarische Maschine vereinfacht werden kann und Vorkehrungen treffen, damit wir wieder zu normalen und verfassungsmäßigen Zuständen zurückkehren, die gerade an diesem Dersassungstaig nicht bestehen! Am Schluß seiner Rede gedachte Severing der Opfer und der Arbeitslosigkeit der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise und betont«, daß man die schaffenden kreise, die heule nicht schaffen können. und die schwersten Opfer bringen, gerade an dem Feiertag der Ber- sossung nicht vergessen dürfe. An Menschengut dürft Man keine Einsparungen machen. An den Ueberweisungen für die Aermsten der Armen, die heute ohne Arbeit sind, dürfe nichts gekürzt werden. Severing schloß seine Rede mit einem Appell an den Frieden. Er betonte, daß man der Jugend heute Nicht erzählen sollt«, daß mit einem Appell an die Gewalt das deutsche Volk.befreit werden könne. Wir könnten Deutschland nur befreien, wenn wir weiterhin die Wege gehen, die uns zu dem 30. Juni, dem Tag der Befreiung, geführt haben. Das sind friedliche Wege und dies« sritdlichen Wege brauchen wir auch zum inneren Aufbau. Die Rede wurde mit außerordentlich starkem Beifall aufgenommen und macht« auch aus die anwesenden Reichswehroffiziene und andere Kreis« sehr sjörlen Eindruck. Hermann Müller in Dürnberg. Rürnbrrg, 11. August.(Eigenbericht.) Eine gewaltige Kundgebung, siit� die Republik und für dke Per- fassung von Weimar war. der Ausmarsch der Rüniberger Republikaner. Die verfassungstreue« Nürnberger zog«« am Montag abend zur alten Nürnberger Burg, die auf den Aufmarsch von Zehn- taufenden herabschaute. In den engen wintligen Straßen vor der Burg stauten sich die Massen, als nach Einbruch der Dunkelheii der frühere Reichskanzler Hermann Müller das Wort nahm. Nach einer begeisterten Begrüßung durch die Nürnberger sprach Genosse Müller von der Burgfr«ü.ng herab, um die Bedeutung des Tage« zu feiern. Der tiefe Eirtn der Verfassung, so führte der Redner aus, ist, dem In- und Austand zu zeigen, daß die Reichsversassiing von Weimar, die sich dos Volk vor elf Iaren selbst gab, im Volke Widerhall findet. Der heutige Aufmarsch der Nürnberger Republikaner hat gezeigt, daß die Verfass ng in den breiten Massen ihre. Ver- teidiger hat. Vor elf Iahren hat. olles von rechts bis links in dieser Verfaftuna den einzigen Ausweg zu Deutschlands Wieder- aufstieg gesehen, iorum nannten sich auch alle Partei«« damals V o l k s Parteien. Heute ist das anders. Aber alle Nörgler ven- gesse« oder wollen es nicht wissen, daß nicht die Berfassung von Weimar, sondern der verlorene Krieg schuld an unserem Elend ist, das ja. nicht mir in den Staaten der Besiegten, sondern auch iy denen der Sieger herrsche. In dieser Stunde müssen wir weiter darauf hin- weissn, daß unter der Vsrfvssung vou Weimar das deutsche Bot? etwa« geleistet hat. Es hat soziale Gesetze geschaffen und nicht nur das, es hat darüber hinaus all.« An- griff« der Gegner abgewehrt. Für diese Verfassung gilt es heute, neue Streiter zu werben. Gerade jetzt.« der Zeit, m der das Volt an die Wahlurne gerufen wird, um zu entscheiden, ob die Verfassung werter sozial ausgestaltet werden soll oder od die Gegner de» Arbeitsrechts und der Sozialpolitik triumphieren solle«. Vor allem muß die Jugend herangezogen werden, die Jugend von 20 bis 26 Jahren, der die Gegner der Verfassung das Wahlrecht nehmen wollen. Das Volk hat am 14. September zu entscheid». E« muß liuks wählen, damit endlich einmal«in« feste 2 inf»Mehrheit auch Ausführungsgesetz« zum Artikel 4 8 machen kann! Es darf nicht wieder vorkommen. daß eine Regierung ihre Unfähigkeit mit dem Artikel 48 der Ver- fassung verdeckt. Und wir wollen hosten, daß die Repubkkaner zur nächsten Verfassungsfeier sagen können, wir haben durch die neue Dolksvektretung unsere Rechte so gewahrt, daß jeder in unserem Lande leben kann! In diesem Süm« schloß Genosse Hermann MSlker mit einem dreifachen Hoch auf die Republik, in das die unter der Burg warten- den Zehntausende begeistert«mstimmten. Nach der Rede zogen die Nürnberger Aepubllkan« mit einem lange» Fackelzug zum Korn- markt, wo die Fackeln zusammengeworfen wurden und die einzelnen Abteilungen in die Stadtteile abrückten. Damit.hatte die gewaltige Kundgebung ihr Ende erreicht. Die Feier in München. Flaggenunikum am Rathaus. München. IL August.(Eigenbericht.) Di« Verfassungsfeier der in München vertretenen Reichsbehörden nahm auch heute wieder ihren üblichen hochoffizielle» Verlauf. Di« Teilnahm« war bedeutend stärker als in den vergangenen Jahren. Zum ersternnal nahm ein Staatsmiuifter als Vertreter der bayerischen Regierung an der Feierlichkeit teil. Da» republikanische München hatte bereAsom Sonn- abend und Sonntag in imposanten Feiern sein Befemcknis zum Voltstag abgelegt. Die Beteiligung an diesen Veranstaltungen, vor allem erfreulicherweise von Jugendlichen und jüngeren Arbeitern, war außerordentlich stark. In der Beflozzung zeigte sich das In München gewohnte Bild: von den öffentlichen Gebäuden trugen nur die dein Reiche gehörigen die schwarzrotgolden« Fahne. Di« boye- tischen Ztegiernngsgebäude hißten das bayerische Wmßblou. Nur die ausgesprochenen Arbeiterviertel waren wieder ausnahmslos in den Reichsfarben geschmückt. Viel belacht wurde, besonders von den zahlreichen Fremden, das F l a g g e n u.n i k um am Münchener Rathaus. Um nämlich nirgends anzustoßen, ordnete das München«? Städtoberhaupt an, daß der Rathautturm gleich mit vier verschiede- nen Fahnen geschmückt werden solle, mit dem Münchener Schwarz- gelb, dem bayerischen Weißblau, dem Schwarzrotgold de» Reiches und dem kaiserlichen Schwarzweißrot. Die Festrede bei der Verfassungsfeier der in München ansässigen Reichsbeamten hielt der Universitätsrektor Nawiasty. Er wies darauf hin, daß durch die Weimarer Verfassung dem deutschen Volke zum erstenmal in ber Geschichte sein Schicksal in die eigene Hand gegeben sei. Wenn auä) die Eindrücke des Augenblicks vermeinen lassen könnten, daß dieser Schritt zu kühn war aber zu früh geschah, so müsse man doch, wenn man fein Volk Lebt, auch an sein Bolk glaaden können. Münchener Bilderbogen. Kultusminister raubt Kindern die Ferienfreude. München, IL August.(Eigenbericht.) Der bayerische Kultusmini st er kann für sich als b«. sonderes christliches Verdienst buchen, 7S Kinder der ärmsten Be- völkerung Bayern» um ihr bißchen Ferlenfrsud« gebrocht zu haben. Die Stadtverwaltung van Kufstein in Tirol hatte sich bereit erklärt, 7S Kindern der Kinderfreund« bewegung einen dreiwöchigen Ausend halt fern der Großstadt zu ermöglichen. Seit vielen Wochen hallen die Eltern von ihrem kargen Einkommen Pfennig um Pfennig weggespart, um ihren Kindern die Sommerfertenfreude zu ermög- lichen. Im letzten Augenblick oerweigert« die Miinchener Polizei di«.Ausst«llung«in«s Sommelpasses. Sie begründet ihr« Ablehnung mit dem Verbot der Kinderfreunde- bewegung durch die bayerische Regierung. Die frohen Hoffnungen und Erwartungen von 75 Kinderherzen wuroen somit von kalten Bürokraten grausam vernichtet. Minister Bredt gegen Beamtenrechte. Aber er fordert freie Bahn für den Mietwucher. In Danzig hielt gestern der Zentralverband deutscher Haus- und Grundbefttzervereine seine Iahrestagung ab, die mit einer großen öffentlichen Kundgebung beschlossen wurde. Diese Kundgebung erhielt ihren besonderen Reiz durch die politische Rode des Reichsjustizministers Dr. Bredt. cherr Bredt rühmte sich, der erste Reichsminister zu sein, der sich als Vertreter der Reichsregierung auf einer chausbesitzertagung rest» los zu den Interessen des Haus- und Grundbesitzes be- kenne. Das Programm, das Herr Bredt als Mitglied der Regie» rung Brüning für die weitere Sanierung der beuifchen Finanzen aufstellte, kennzeichnet die reaktionären Absichten, die diese Regierung noch durchführen will. Herr Bredt erklärte klipp und klar, daß man einen AbbauderBeamtengehälter durchführen müsse und daß man in diesem Punkte vor den wohlerworbenen Rechten der Beamten nicht haltmachen dürfe. Für den Hausbesitz fordert Herr Bredt den restlosen Abbau der M i e t ers chu tz g esetz e und gänzliche Wiederherstellung der freien Wohnungswlrtschaft. Es käme den Hausbesitzern nicht um ein paar Prozent Mieterhöhung an(?), vielmehr sei der Hausbesitz für sie die Verkörperung einer Idee, der Idee eines freien Eigentums, der Idee der freien Persönlichkett. Herr Bredt versucht, die nackten Besttzinteressen der Haus- und Grundeigentümer schamhaft mit der„Idee des freien Eigentums' zu umkleiden. Er kann damit aber nicht den Eindruck verwischen, daß hier ein„JnteressentenhaufeN' ohne Rücksicht auf die notwendigsten sozialen Erfordernisse seinen materiellen Vorteil durchsetzen will. Herrn Bredt» Angriff auf die Recht« der Beamten illustriert in dieser Umgebung besonders deutlich, was der„Inler. esientenhaufen' der Beamten von dem.Staatsvolk' der Haus- bssitzer zu«warten hat. Gin Gniiäuschier. Gin Schwurzeuge der Rechtspresse. In großer Aufmachung veröffentlicht die Rechtspresse ein Schreiben des früheren kommlssarischen Landrats von Hannover- Linden, Dr. Scholz� durch das dieser seinen Autitrftt aus der .Sozialdemokratie erklärt. Zur Kenrtzeichmmg de« Geiste«, In dem das Schreiben gehalten ist, d teile folgender Satz: Dieser große aufgeounssn« Körper(die Partei. Red. d.„D.ch mit seinen fetten Organen richte, besessen vön unerfüllbaren Wahnideen, Volk und Staat tyrannenhast zu- gründe. Wozu lediglich zu bemerken ist, daß die Verärgerung des Herrn Scholz dem Umstand entspringt, daß e» ihm nicht nach dem Wunsche geglückt ist, selber mit Hilfe der Partei ein„fettes Organ' zu werden. Ursprünglich Amtsrichter in Reutölln, befand Herr Scholz nach der Revolution die Sozialdemokratie gut genug, um sie in verschiedenen Konflikten mit seinen Vorgesetzten um Hilf« anzugehen. Er wechselte dann in die Derwoltungslausbahn, wurde kommisiarifcher Landrat des Kreises Hannooer-Linden, mochte sich dort ol«r in kurzem durch sein Querulantenwm so unmöglich, daß Genosse Srzesinski ihn zur Disposition stellt«. Worauf es. mit der sozial- demokratischen Geslmmng oes Herrn Scholz aus war und er— infolge Unerfülltheit feines eigenen Ehrgeizes— die Ziel« der Sozialdemokratie als„unerfüllbare Wahnideen' erkannte. Kommunisten belagern Nazis. Diutige Schießerei nach einer Wahlversammlung. Lüdenscheid, IL August. Ein Trupp Aomwunisten übersiel in der Nacht zum Sonntag Nationalsozialisten, die von einer Wahlversammlung heim- kehrten. Di« Ueversallenen flüchteten in ihr Vereinslokal, wo sie Verstärkung erhielten und oorbarrikadierten sich dort. Die Kommunisten, die gleichfalls Zuzug erhalten hatten, belagerten das Lokal, nachdem sie sich mit Latten, Steinen, Flaschen und eisernen Wurfgeschossen bewaffnet hatten. Ein Steinhagel zer- kümmert« die Fenster de» Lokals, auch wurden mehrere Schüsse in den Saal abgefeuert. Mehrere Polizisten, die eingreifen wollten, wurden gleichfalls von den Kommunisten angegriffen, so daß die Beamten in der Not- wehr scharf schössen. Fünf Personen wurden zum Teil schwer verletzt._ Alte Garde gegen Nüstungsvertrag. londoner Vertrag in Japan gefährdet. London, IL August. Wie Reuter aus Tokio meldet,, wird die Ratifizierung des Der- trage» vnn London dort auf ernste Widerstände stoßen. Der Präsident de» Ausschusses des Geheimen'Rats, der den Entwurf im voraus prüfen muß, Graf Mijoyi, ist ein offener Feind des Vertrages, und die übrigen acht Mitglieder de. Aus- fchusses sind ebenfalls sehr geteilter Meinung. Ginbruch bei Siemens. RetrSchtttche Beute der Einbrecher. Die st, Ivötee Stunde bekannt wird, ist am Montag in dl« Villa de» Generaldirektors Ari«drsth vou Siemen« in der Berliner Straße za in Eharlotlenburg eingebrochen worden. De» Tätern find Jmeha ooa«roh»» JBctt la die Hände gefalle». Der deutsche Ginheitsbürger. Sollte sich nicht aus oll diesen Fragmenten eine bürgerliche Sammelpariei bilden lassen? Es ist erreicht! Der deutsche Einheitsbürger wurde geschaffen und— so sieht er aus? Es wird weiter gesammelt! Das Neueste vom Sammlungsschauplatz. H«rr Scholz erläßt einen Aufruf an sein Parteivolt. Nach dem Scheitern der Sammlungsbestrebungen, so erklärt er, müsse die Deutsche Bolkepartei den Wahl- kainpf allein führen. Die Presse der Staatspartei teilt mit. daß in Würt- temberg und Baden Staatspartei und P o l k s p a r t e i gemeinsame Listen aufstellen. Hier führt die Volkspartei den Wahlkampf also nicht allein! Die Volkspartei läßt erklären, die Sache der ge- meinsamen Listen in Baden und Württemberg sei noch längst nicht geklärt. Am 24. August tagt der Zentralvorstand der Volkspartei in Berlin. Er will den Wahlaufruf fertig- stellen. Gilt der Wahlaufruf dann auch für die gemeinsamen Listen?■■:. Die Demokratische Partei ist eigentlich gestorben. Aber der Parteivorstand der Demokratischen Par- t e i, so liest man im Demokratischen Zeitungsdienst, wird am Dienstag über Kandidaturfragen beraten. Da scheint in der Staatspartei nicht alles einig zu fein. Zu allem Ueberfluß meldet die Telegraphen-Union: „Wie verlautet, werden in den allernächsten Tagen, vielleicht schon am Dienstag oder Mittwoch, zwischen der Konservativen Volkspartei, der Deutschen Voltspartei und der Wirtschaftspartei neu« Verhandlungen stattfinden. die dem Versuche gelten, größere Teile der bürgerlichen Front zu- sammenzufassen. Äehniiche Verhandlungen haben bekanntlich schon am vergangenen Donnerstag stattgefunden, ohne indessen zu einem Ergebnis zu führen. An den bevorstehenden Besprechungen werden voraussichtlich für die Volkskonservatioen Minister Treviranus, für die Deutsche Volkspartei Dr. Scholz und für die Wirtschaftspartei der Abgeordnete Sachsenberg, der am Dienstag wieder nach Berlin zurückkehrt, teilnehmen.' Der Leser wird erklären: da soll sich noch einer aus- kennen! Wir müssen ihn mahnen, nur ja den Respekt vor diesen bedeutsamou Vorgängen nicht zu verlieren. Hier wird nämlich das Heilmittel"für die„Krise der Demokratie' zu- sammengebraut, und zwar von denen, die alle berufen sind, das Volk zu führen, das für sie und ihre tiefen politischen Ideen noch nicht reif ist! Die Patentlösung. In Baden und Württemberg wollen Stcttltspartei und Volkspartei gemeinsame Listen'. aufstellen— unbeschadet der pyliti« schen Selbständigkeit beider Parteien. Das nennt man wirklich Reform der politischen Willensbildung, von der Herr Wirth bei der Verfassungsfeier sa schön gesprochen hat! Die Wähler geben einer Liste ihre Stimme. Wenn in Wärt- temberg die beiden Spitzenkandidaten gewählt wetden, tritt der ein« in di« Fraktion der Staatspartei, der andere in die Fraktion der Volkspartei ein. Was nun, wenn beide Fraktionen in der Frag« der kommenden Regierungsbildung oder in anderen cntjchoidcndcn politischen Fragey in grundsätzliche Differenzen ge- raten? Welche Fraktion gibt dann den Willen der Wähler wieder? Eine Wählerschaft— aber zwei Fraktionen Im Parlament? Wir gratulieren zu dieser Sorte von Reform. Los- von-pilsudski-Bewegung. Von der Regierung unterdrückt. Darschau. 11. August. Gestern fand in Radom der so lange vorbereitete und viel. besprachen« Kongreß der polnischen Legionäre in Anwesenheit P i l s u d s k i s statt. Man zählte etwa 2» 000 Teilnehmer. Nach einer Ansprache des Ministerpräsidenten Slawek, der di« Legionäre zur Treue gegenüber Pilsudski ermahnte, hielt General Ryds-Smigly die Festrede, in welcher er hervorhob, daß«s die Aufgabe der Legionen sei, im Staatsaufbau eine führende Rolle zu spielen und Piisiidskis Werk zu vollenden. Der Redner erwähnte auch den Zugang zum Meer, auf den Polen ein„unantastbares R«cht" habe. Gleichzeitig tagte in Warschau der neue nach der Spaltung derLegionäre entstandene„Demokratische Legionärs- verband', der die Opposition gegen d«e Pilsudski- Regierung durch Annahme einer Entschließung einleitete, die von der Polizei beschlagnahmt wurde. In dieser Entschließung wird zum Ausdruck gebrocht, daß der bisherige oon Pilsudski gelettete Legionärsverband im Gegensatz zum Volk stehe. Gewalk und Korrupsion diene und Polen dem Abgrund enlgegenfuhre. Der neue Verband hat ferner beschlossen, den Beitritt nur Legionären aus der ersten bis dritten Brigade zu gestatten, womit er zum Ausdruck bringt, daß er sich oon„Mitläufern' freihatten will, wie sie im Pilsudskischen Legionärverbande ein« groß« Rolle spiÄen. Zu der Warschauer Gründungstagung de« Demokratischen Legionärsverbandes waren statt der erwarteten Tüll nur etwa 60 Teilnehmer erschienen. In OpposttioNstreisen erklärt man das mit den Schwierigkeiten, die den Anhängern der Neuen Organisation von den Behörden bereitet wurden. Dagegen ging die amtlich« Förderung des Radomer Kongresses so weit, daß beispielsweise allein in Warschau gegen 2000 Beamte als ehtmalige Legionäre für zwei Tage beurlaubt wurden, mn an der Tagung teil- nehmen zu könne». Türkenuttimaium an Persien. Schuh gegen Kurdeneinfäste gefordert. London, 11. August. Di«, türkische Regierung hielt am Montag in Angara einen Mnistervat ab, mn sich mtt der persisches Astwort«ff die letzte türkische Note wegen der Äkndenüberjälle an der persisch-türkischen Grenze zu befassen. Der Ministerrat beschloß, eine neue Aus- forde rung an di« persische Regierung zu richten, geeignete Matznahmen zur Verhinderung weiterer Grenzüberschreltungen durch die Kurden zu treffen.. Die neue türkische Note wird in außerordentlich deutlichen Worten abgefaßt sein und innerhalb 48 Stunden eine Antwort von Perslen verlangen. Sie läuft prak- ttsch aus ein U l t i m a t u m hinaus. In politischen Kreisen Angoras verlautet noch nichts Näheres, ob und welche- Maßnahmen der Ministerrat für den Fall beschlossen hat, daß Persien auch dieser Forderung nicht nachkommen sollte. Der heldische Wasserhahn. Als die kühnen Hakenkreuzgermancn sich in Polizeigewohrsam jah'n, faßte sie der hehre Geist der Ahnen, und sie öffneten den Wasserhahn. Brausend floß das Naß in ihren Kerker und es klang dazu die„Wacht am Rhein'; dach die Feuchtigkeit zog immer stärker in die unteren Partien ein. Start ermunternd wirkt die Schmipsen-Kränte auf den natioiialen„Retttings'drang. Darum flüchtete man auf die Schränke, wo man„Deutschland, h o ch in Ehren' sang. Auch da, Fensterglas, es ward zertrümmert oon der todeskühnen Heldenschar. Ach, es hat die Wackern mir bekümmert, daß dies keine Synagoge war! Deutschlands Rettung steht nun vor der Türe, und es ist gewiß kein leerer Wahn, daß der Wasser hahn nur Ouvertüre.— Zittre vor dem Fortgang, welscher Hahn! Jonatlun. Schürfinq und Simons. Für die Hei bstwahlen�zum Internationalen �Gerichtihof im Haag sind D r. Walter S ch ü ck i N g und Dr. Simons mehrfach vorgeschlagen. Schücking von Deutsch- land, Oesterreich, Finnland. Frankreich und Luxemburg. Simons vou Dänemark, Italien, Norwegen, Holland und Slam. ( Theater, Lichtspiele usw. Staats-Theater und Städtische Oper geschlossen. Abonnements- Anmeldungen werden entgegengenommen i a) für die Staatsopern und das Staat). Schauspielhaus vomAbonncments- buro, Berlin W56, Ober- wallstr.22 von 9—2 Uhr. Fernspr. Merkur 9024, b) für das Staat). Schiller- theater vom Abonne- mcnlsbüro.Berlin-Char- toftenburg, Grolman- straße TO von 9— 2 Uhr. Fernspr. Steinpl. 6715, c) für die Städtische Oper vom dortigen Abonnementsbüro, wochentags von 10— 2 u. v. 6— 8 Uhr. S.lSUbr— Bauflisn eriOBDi Carlos nnd Chlta n. Co. nnd weitere In Berlin nodi niflil Dexetiie Stars. Metropol-Th. Täelich 8"» Uhr Hiebael Bohnen mit Dir allein au! einer einsamen zenirauheaier (Operettenhaus) Alte JaKobstr. 30/32 Dönh. 2047 Täglich S'/a Uhr Oer Borabeacrfolg Ein Zille-miijöh in 3 Akten Kinder der Straße GningLTin ni W. Ltoal und Arthur Miller. Rundfunkhöret halbe Preise. Lessing-Tbeater Weidendajim 2797 1.0146 Täglich 8'A Uhr Wi�eraatnainne �aolragt v.OttoErnsl Hesse Leos. Eeid. Heoduls. Fläoimo, Fnlkoobenj, Grodtaiosiy. Komische Oper 8>/i Uhr Paol Wetieneier in: Lletze und Opentti»od Boland. Direktion Dr. Kobcrl Kiels Dentsches lOnstler-Thetl. Barbarossa 3037 Mittwoch, 13. Aug 8 Uhr Zum 1. Male: Weekend Lsstspulv.ltoelCowaril Renaissance- Theater Stelnplata 6780. 9 Uhr Die Wunder-Bar Revuestöck Decfsöies MW 0 2 Wiideoduus 5201 8 Uhr Phaea von Fritr v. Unruh, Reg.; Max Reinhardi Musik: Friidridi fluDsolcr. BttnmiMur(ml SrtüUi. Die KomOdie II Bisnick.24I4/7S16 8>h Uhr Wie werde idi reidi und glmküdi 7 Aurns m fulit linkiauo. Musik to Misdu SgotUnsk/ Susi«: krtch Euft! Bühnenbilder Mvigbia* |l. Su.B'l, Uhr. B 5 Bart. 9258 l— s M— Nachm. halbe Preise. NON1 nndHORACE nnr. svu uhr CÄSINO-THEATEH 8''Uh' Lothringer Strafe 37. Wledereröfinung Freitag, IS. 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Bei der Volksfürsorge sind 2 Millionen Versicherungen in Kraft; sie hat ein Vermögen von rund 100 Millionen Reichsmark. Nähere Auskunft erteilen die Rechnungsstellen: sÄVfÄ': Mariendorf, RathairsstraBe 93, pt; Berlin-Lichtenberg, Frankfurter Allee 721; Berlin-Pankow, OaillardstraBe 26, Gartenh. pt.; Berlin-Köpenick, Bahnhotstraße 34; Berlin-Reinickendorf- West, Straße 20. Haus 12; Berlin-Spandau. Qötelstraße 5, pt. oder der Vorstand der Volksfürsorge in Mamburg 5, An der Alster 57—61 Warnung vor Nachahmungen! MiEinCP! 1 O kasa bleibt Okasal Okasa pM Okasa wurde vor Jahren auf Grund Geheimrat Dr. med. Lahusenl ist kein neues 'räparat, aber in der Praxis lOOOOOfach bewährt! r Jahren auf Grund langjähriger wjssenschaltlirher Versuche erst der Allgemeinheit übergeben. Der Gehalt an Sexual- Hormonen wird schon seil Jahren garantiert Die Herstellung erfolgt nach Deutschem Reichspatent und kann nach diesem Verfahren kein Konkurrenzpräparat hergestellt werden. 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August, früh SV, Uhz,»fr- stach plötzlich nach ecfolgtec Operation mein lieber Mann, unfec herzen». guter Safer unh Schwiegerualer, Lchwagrr unb Dnlct her Riistnielster Ernst Mühlisch im 5a Lebensjahre. Die» zeigen tlefBctrüBt, um stille Teilnahme biltenb, an Frau Martha MOhltsch nebst Kindern. Die Einäscherung finbei om Mittwoch. beut 13 August, nachmittag, 4U, Uhr tlSt/,), Im Krematorium Baumtchnlenweg statt. IMMMÜMN-MW!! acMungl Vertraoensieutc der Eisendreher- Branche! Die Branchen kanserenz findet in diese« ZRonat am 14. Aagust. 1» Uhr. im Per- danbshause statt. Die«arte» tut Feier im Sportpalast«erben in der Sonfetcnj ouegeceben._ Achtung. Betrtehsrätei Die Setrlebstäle• 8eltf(6rlft 97t, 18 ist erschienen unb tonn gegen Vorzeigung bec aegitimotionsfarte de» Setricbstats-Oh. manne» in unserem Büro, Zimmer 5, täglich bis 4 Uhr, Freitag» bis 7 Uhr, enlgPengenommen werben. Die Ortsrerwaltang. 32r. 373» 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 12. August 1930 Wie das Berlin der Arbeit feierte Arbeiterjugend und Reichsbanner marschieren— Riesenbeteiligung überall Von 19 llf)r ob konzertiert im Lustgarten, unermüdlich totig und durch kein Warten aus der Ruhe zu bringen, das Orchester des Reichsbanners Schmorz-Rot-Gald der Ortsgruppe Weißcnsce unter der trefflichen Leitung des Kameraden Mernes. Immer mehr Massen strömen herbei uwd füllen den weiten Platz.?1 Uhr etwa ist es, als die Spitze des riesigen Zuges auftaucht. Ein« Stunde fast dauert der Anmarsch. Langsam haben sich die Fork eltreger formiert und bilden nun einen weiten, vielfach gestaffelten Halbkreis um den Platz. Di« Feier nimmt ihren Anfang. Aus den Türen des Reichstags kommen die Trager der schwarz- rotgoldenen Fahnen aus allen Berliner Bezirken, durch Entblößen des Kopfes und begeisterter Zurufe begrüht. Genosse Stelling teilt mit, dah der Arbeitergesangoerein„Fichte-Georginia" die Fei«r eröffnen wird. Durch hervorragende Lautsprecher muster- gültig übertragen, ertönen„Ich warte dein" und„Empor zum Licht". Dann nimmt Gcnoffe Löbe das Wort. Wir berichten im Houptblatt ausführlich über feine Red«, die mit einem begeistert auf- genommenen„Frei Heil" auf die deutsche Republik endet. Di« republikanische Hymne„Einigkeit und Recht und Frei- heit" wird gemeinsam gelungen, die Verfassuirgsfeier des Reichs- banners, eine der größten republikanischen Kundgebungen, die Berlin je gesehen Hot, ist beendet. Nur longsam leert sich der Platz. Die eirzelnen Züge marschieren ab. Durch ganz Berlin, in alle Bezirke wenden die Fackeln getragen, denn wenige Stunden vorher sind vom Gendarnienmarkt die Genossen der Sozialistischen Arbeiterjugend in die Viertel des Proletariats marschiert, um auch hier zu bezeugen, daß die Kampier der Republik auf der Wacht sind. Als erfreulich fall auch in diesem Zusammenhange nicht unerwähnt bleiben, daß s'ch wohrenh der ganzen Veranstaltung ein nahezu reibungsloses Zusammenwirken zavschen der republikanischen Polizei und der Bc- völkerung gezeigt hat. Die Reichshauptstadt und vor allem das Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold darf auf diese Feier stolz sein. Das Volk von Berlin marschiert! Durch die Linden vorn Brandenburger Tor zum Schloß zogen früher die Wochtregimenter des Kaiserreichs. Gestern abend erklang in dieser Straße der Reichsbannermorsch, die grauen Kolonnen der Schutztruppe der Republik marschierten vom L u st- garten durch dos Brandenburger Tor zum Platz der Republik..Früher liefen einige Neugierig« mit den Wochtregi- m entern mit. Gestern abend strömten Zehn tausende im g'eichen Rhntymus mit den Kolonnen des Reichsbanners zum Platz der Republik Aus den Quartieren der A r b e i t c r b e z i r k ö. aus dkitt Norden, Osten, Westen und Süden marschierten die ein.zelnen Kreise und Ortsvereinc unter ungeheurer Beteiligung der Bevölkerung mit klingendem Spiel im Lustgarten auf. Hier standen bereits seit «inigen Stunden Tausende. die sich gute Plätze, von denen sie den Massenaufmarsch gut verfolgen konnten, gesichert hatten. Kurz vor 8 Uhr rückten die ersten Züge an, langsam müssen sie sich in den dichten Schwärm hineinschieben. Es bleibt weder Platz zum Aufstellen der Züge, noch können die eii'zelnen Gruppen der Studenten- und Iugendverbände sich zusammenfinden. Der Lust- garten, obwohl nur Sammelplatz für den ungeheuren Zug, ist dicht besetzt wie an den Tagen der größten Kundgebungen. Fackeln flammen aus. Di« Spitze des Zuges schiebt sich üb-r die Schloßbrücke in di« Ströhe Unter den Linden. Nur an der Fackelschlange sieht man. wo das Reichsbanner marschiert, lieber die ganze Breite der Prachtstrahe, auf der Promenade, auf den FaHrdämmen und Bürgerstcigen inorschieren Taufende, ja Zehn- tausend«, niarschiert das Volk von Berlin. Die Reichsbannerkame- roden müssen Kette bilden, uni überhaupt den Zug vorwärts zu bringen. Immer wieder stoppt der Zug. ein ganzes Aufgebot von Schupo versucht, durch die Meng««inen schmalen Gang zu bahnen. In den großen Kaffeehäusern find alle Fenster dicht besetzt, auch weit in den Querstraßen sieht man noch Kopf an Kopf di« Bevölke- rung stehen. Dieser Masscnzug ist ein neues Zeichen des Beweises, daß das Berliner Reichsbonner nicht nur zehntousende Mitglieder hat, sondern auch Zehntausende, die der bewährten Schutztruppc der Republik ihre Sympathie bekunden. Arbeiterjugend feiert. Auf dem Gendarmenmarkt marschierst: bei Dunkelwerden die Sozialistische Arbeiterjugend Berlins aus den einzelnen Bezirken auf. Die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen in ihnen Wanderkitteln rückten mit Gesang und Fonfarengeschmettcr an und wurden van den schon zahlreich Wartenden freudig empfangen. Fackeln wurden entzündet. Auf der großen Freitreppe des Schauspielhauses haben di« unzähligen Fahnen Aufftcllung ge- nommen. Dann sprach Paul Löbc zu den jungen Kämpfern und den Tausenden von Zuschauern, die den weiten Platz dicht füllten. Er schied die Gefühle und Hoff- nungeu, die di« Sozialisten und besonders die sozialistische Jugend der Weimarer Verfassung entgegenbringen, scharf von den Empfindungen derer, die heute die Verfassung ossiziell feiern, unter denen schlimmere Feinde der wahren Demokratie stehen alz die offenen Anhänger der Diktatur. Der§ 48 wird von diesen Schein- demokroten benutzt, um lediglich Tstostnahmen gegen die arbeitenden Waffen zu treffen, keine einzige belastet den Besitz. Man gründet neu« Parteien, die von den Trustgewaltigen noch viel cindeuligcr als di« früheren Parteien beherrscht werden. Die Arbeiterklasse brauchl kein« neue Partei, und die Erkenntnis von der Notwendigkeit des K l a s j c n k a in p s c s ist ihr« ällest« und wichtigste Waffe, um die Klassen und damit jegliche Unterdrückung und Ausbeutung, jede Int-eresienlenherrschast zu beseitigen. Es ist das höchste den Menschen erreichbare Ziel, für all« den Sinn des Grußes der Sozialistischen Arbeiterjugend zu verwirklichen i Freundschait! In diesem Sinn« soll auch die deutsche Verfassung ausgestaltet werdeu. Tausend- sältig hallte der Freundschaftsgmß zurück. Ludwigs D i c de r j ch, vom Hauptvorstoud der Sozialistischen Arbeiterjugend, sprach kürze Worte, über die spezielken Aufgaben der sozialistischen Jugend im politischen Kampf und brachte ein Hoch auf die zu erkämpfende soziale Republik uud di« Sozia Ii- stischc Iugendinternatiauol« aus. Run kommt Bewegung in di« Mosten der jungen Kämpfer. Ein mächtiger Fackelzug formiert sich. Di« Arlseiterjugeud marschiert mit Musik und Gesang durch das alte Berlin in den Osten der Proletarier. Erst in den späten Abendstunden lösen sich die ein- zclnen Züge am Kü striner Platz auf. Abschlußkundgebung auf dem Küftriner ploh. Di« Kundgebung der Arbeiterjugend schloß mit einem imposanten Fackelzug durch das proletarische Zentrum und dem pro- lctarischen Osten, wo die Jugend von der Arbeiterschaft lebhaft be- grüßt wurde. Es ging durch die Breite Straße,-durch die R o ß st r a ß e, die K r a u t st r a ß e und die P a u l- S i n- g c r- S t r a.ß e. Auf dem Kü striner Platz wurden di« Fackeln zusammengeworfen. Genosse Schmidt, der 2. Borsitzendc der Berliner Arbeiterjugend, sprach am lodernden Feuer Warte der Aufmunterung, er rief auf zum Zusammenhalten uud zur lebhaften Arbeit in den kommenden Wochen für die Organisation und für das Ziel, das sich die Jugend gesteckt hat, den Sozialismus! Die Internationale erklang. Dann zog di« Jugend in einzelnen Gruppen in ihre Bezirke zurück. Maffenaufmarsch in(Spandau. Die Spandauer Sozialdemokraiir halle ihre Alst- glieder und Wähler am Abend des Derfasiungslages zu einer großen Wahlkundgebung aufgerufen. Zwei mächtige Fackel- züge bewegten jich durch die Tleuskaül zum R a i h a u?- v o r p l a h, wo sie mit einem riesenhaften Zug aus der Wilhelmstodt zufaminentrafen. Tausende von Alenschen hallen vorher bereits auf dem Platz Aufstellung genommen. Das große weite Rund war von den Alenschenmassen dicht gefüllt. Der llorfihcndc der Spandauec Sozialdemokratie. Gottlob AI ü n f i n g c r, ccöffnele die Riesenkundgebung mit kurzen, knappen Worten, die aus die Bedeutung der Wahl vom 14. September hinwiesen. Dann sprach Ernst heilmann über„Dcmokralie oder Diktatur" zu der Spondauer Bevölkerung. Seine Rede wurde durch Lautsprecher b!» in die entsernlesten Winkel des Platzes getrogen. Die Sozialdemokralie feiere den Vcrfaffimgztag, weil sie die republikanische Staatssorm. die sie selbst erkämpft habe, als die beste Grundlage für die Verwirklichung ihrer Ziele ansehe. Die Regierung Brüning habe sich mit der Anwendung des Artikels 48 außerhalb der Verfassung gestellt. Den Diklaturgelüstcn gelte der Komps der Sozialdemokratie. Der 14. September ist der Tag der Entscheidung. Er schloß seine Ausführungen, die oft von Beifall begleitet waren, mit einem tausendfach aufgenommenen hoch aus die Sozialdemokratie. Di« Spondauer Partei konnte sich keinen besseren wohlouftokt wünschen, als es die gestrige Kundgebung war. Roch vorsichligen Schätzungen waren weit über 15 000 Menschen versammelt. Kindertag in Neukölln. Das Tempelhofer Feld gehörte am gestrigen Sonntag zwei Parteien. Den Fliegern und der Neuköllner Jugend, die im großen Polkspark ihr diesjähriges, vom Bezirksjugend- o mt. veranstalletes Kinderfest feierte. Eine ungeheure Fülle kleiner und kleinster Besucher hatte mit ihren Angehörigen der Einladung Folge geleistet und es herrschte ein buntes Lebe» uno Treiben. Mit lnintcn Mützchcn geschmückt,«ilten die kleinen Fcsttoilnchmer ge- schäftig hin und her, denn es gab an ollen Ecken und Enden etwas zu sehen und zu hören. Als Anstatt wurden mit Mordsl)ollo „B r e z e l s ch u a p p e n" uud„Ei er laufen" gerannt, dann schlug Kasperle seine Zelte auf und verzapfte allerhand lustige Moritaten! außerdem gab es noch ein richtiges Freiluftvarietö mit einem spaßigen Onkel Pelle, dem leider das Geräusch der über ihm kreisenden Propeller sämtliche Pointen wegschnappte, und eine witzige Drcssurpnrodic. Sehr hübsch wirkten die daraufsolgenden Freiübung«« der Kinder- und Jugendgruppe der Freien Turnerschaft Groß- Berlin, die mit Rhythmus und Grazie gymnaftifch« und tänzerische Vorsührungcn brachten. Ein lieblicher Wiener Walzer weißgekleideter kleiner Tänzerinnen fand ganz be- sonderen Anklang. Es war also wirklich allerhand los, SINCJ AIR LEWIS 46] ROM/W Freu Comrcncc ging immer, zu mit Männern zu Abend- essen und ins Theater! sie erzählte Uno, wie Frauen tun, alle Einzelheiten, vom ersten hochanständigen Händedruck unten im züchtigen Warteraum des Heims bis zum weniger an- ständigen Gutenachtkuß aus der dunklen Türjchwelle des Heims um Mitternacht. Aber sie legte Wert darauf. Una klarzumachen, daß ein Kuß olles war, was sie je gestattete. obwohl sie Dithyramben jang, sobald sie von den reizenden. einsamen Männern sprach, in't denen sie eben spielte— einem jungen Arzt, dessen Frau im Irrenhaus mar. einem gescheiten. zurückhaltenden, unglücklichen alten Börsenmakler. Einmal platzte sie heraus:„Verslucht noch einmal! Ich brauche Liebe: das ist eigentlich das Eai\;e— und es ist bei allen anderen Frauen genau dasselbe, wenn sie auch noch so sehr beteuern, einem Verstorbenen nachzutrauern, oder on Kindern zu hängen, oder in einem Beruf zu schuften, oder religiös zu sein oder sonst etwas. Ich bin kerne Intellektuelle. ich kann's Ihnen nicht theoretisch erklären und von der geistigen Brüderschaft und all dem Zeug red-n wie Mamie Magen. Aber ich weiß, daß Frauen einen Mann brauchen und Liebe— und zwar olles davon." Am nächsten Abend nahm ffe Una mit als Anstandsdam« für sich und einen beharrlichen, auffallend Hütchen Mann von etwa vierzig. Frau Lawrence und der Mann sprachen über Opernauffuhrungen, während ihre Augen einander herauszufordern schienen. Una hatte das Gefühl, überflüssig zu sein. Als der Mann zögernd von einem Kabarett sprach, brachte Una eine Ausrede vor, um nach.Hause zu gehen. Frau Lawrence kam erst um zwei Uhr heim. S'.e ging leise im Zimmer umher, aber Una erwachte doch -.Ich bin froh, daß ich mit ihm gegangen bin, sagte sFrau Lawrence ärgerlich, als verteidige sie sich. Una fragte nichts, aber in ihrem guten, kleinen Herzen hatte sie 2lngst. Obwohl cs ihr noch immer Freude machte, wenn Frau Lawrence sie und ihren Beruf ernst nahm, er- schreckte sie doch deren heftiges, unruhiges Interesse für Männer... Sie nahm ihr die heimlich aufsteigenden Zmeisel übel, ob nicht etwa die eigene, oft unvermittelte, quälende Sehnsucht nach Walters Umarmung nichts anderes märe als das gewähnliche physische Bedürfnis nach einem Mann, und nicht irgendeine mystische, treue Anhänglichkeit an ihren verlorenen Liebsten. Sie überlegte erstaunt, ob diese ganze Angelegenheit von Heirat und Hochzeitszeremonic und gejetzlichem Bündnis, die jeder berufsmäßige Pfarrer mit Religiosität vergolden kann, schließlich so heilig sei, wie man ihr in Panama gesagt hatte. Sie überlegte, ob Frau Lawrences offensichtliches Bedürfnis nach der Gesellschaft von Männern in einen schäbigen Diebstahl an der Liebe ver- wandelt werden sollte. Una Golden war keine Philosophin: sie war eine Alltogssrau. Doch mar in ihren AlUazsnerstand ein kleiner Funke van dem Feuer gedrungen, das die Welt in Flammen jetzt: der zwiespältige Glaube, daß das Leben ein zu heiliges Ding sei, um im Krieg, in schmutzigen Fa- briken und geisttötender Erziehung vernichtet zu werden, und daß die meisten Gesellschaftsformen, Einrichtungen und er- erbten Kast-n überhaupt nicht heilig seien. Mamie Magens Bestrebungen und die beunruhigende Freimütigke't der Frau Lawrence waren jedoch nicht alles, was Unas Leben im Heim ausfüllte. Sie trieb sich mit der hübschen Rose Larsen und einem halben Dutzend anderer Mädchen herum. Sie gingen in erregten, herausgeputzten Gruppen ins Theater: erlebten in Sinfoniekonzerten Visionen und schlüpften in Bilderausstellunaen moderner Künstler. Als der Frühling kam, mochten sie klein? Ausslüge und veranstalteten Picknicks, entweder allein oder in Gesell- schaft netter, bürgerlich denkender, höflicher junger Leute. An- gestellten aus den verschiedenen Büros und Geschäften, in denen die Mädchen selbst arbeiteten. Eine Woche lang waren sie über die Tatsache wild erregt, daß ein Unbekannter Rose Larsen vom Autobus bis an die Hauskür nachgegangen war, und sie waren unchücklich und aufgestört, als die schlanke, tollkühne Iennie Eassonant ohne nähere Erklärung gebeten wurde, das Heim zu verlassen, und sie gaben ein Souper mit rosafarbenen Lichter«, als Livy Heeger ihre Ver- lobung mit einein Rew-Borker Rechtsanwalt verkündete. Mannigfaltig waren die Frauen des Heims, ihrer Er- Ziehung, ihrem Beruf und ihrem Charakter nach: es gab unter ihnen ungeschickte Stenotypistinnen und verläßliche Se- kretärinnen. Moden, zeichnerinnen und Warenhausverkäufe- rinnen, Telephonsräuleins und intelligente, studierte Frauen, die tatsächlich Manuskript? und Bürstenabzüge lasen, kleine Artikel für Frauenzeitschriften schrieben— wirkliche Redakteurinnen oder zumindest wirkliche Redaktionsassistentin- nen, Frauen, die Schriftsteller und Zeichner persönlich kannten, wie beispielsweise die große Magen. Sie waren Assistentinnen von Zahnärzten und Lehrerinnen in Abend- kurscn, Maniküren und Kassiererinnen und Oberkellnerinnen in blauen Lcinenkleidern in künstlerisch ausgestatteten Tee- stuben. Wohl hatten sie ihre Cliquen und Kasten. Doch ihre Kameradschaft war wirklich herzlich und aufrichtig: die Parteigrenzen wurden nicht nach Maßgabe des Gehalts, der Erziehung aber der Abstammung gezogen, sondern enl- sprechend der Heiterkeit, der Gesetztheit oder der Anständigkeit. Una fand nicht nur die versäumte Pcnsionatszeit wieder, sondern ihre zweite Jugend— vielleicht ihre erste wirkliche Jugend. Es war ein neues Kapitel im Werden einer Berufs- frau— dieser Frühling noll Glückseligkeit und neuer An- regungen im Abstinenzlerinnenheim: ein neues Semester in der nerwirrenden, zufallbeherrschten Schule ohne Lehrplan und Unterricht, die von der Zivilisation unbewußt zur Er- Ziehung von Männern und Frauen gehalten wird, die die Arbeit an der Welt fortführen wollen. Der Frühling verging schnell, der Juli kam. und mit ihm Unas Urlaubszeit. Dreizehntes Kapitel. 1. Q-s war schwer genug gewesen, Herrn WUkrns zu bewegen. em bestimmtes Datum für Unas Urlaub festzusetzen: der Termin wurde so lange verschoben und abgeändert, bis Frau Lawrence, die mit Una hätte gehen sollen, allein ab- reffen mußte. Aber noch schwerer war die Entscheidung für Una, wohin sie auf Urlaub gehen jollte. Orte, die sie besonders gern kennenlernen wollte, gab es nicht. So entschloß sie sich endlich, aus eine Farm in die Berkshire-Berge zu gehen, hauptsächlich darum, weil sie ein- mal ein Mädchen in der Untergrundbahn hotte sagen hören, daß man dort gut aufgehoben sei.(Fortsetzung folgt.) i Front gegen Mieter! Oer Interessentenhaufen für Hausagrarier. Der Zentralverband der Haus- und Grundbefttzer-Vereine tagte in Danzig. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit den bevorstehenden Wahlen zum Reichstag. Dabei wurde vor allem über dos Schreiben an die bürgerlichen Parteien beraten, in dem besonders auf die Wohnungszwangswirtschaft ver- wiesen wurde. Antworten lagen bereits von der Wirt- schaftsparte i, dem Zentrum, den Deutschnatio- n a l e n, der Deutschen V o l t s p a r t e i, der Christlich-nationalen Bauern- und Landvolkpartei, der Bauernpartei und den Demokraten vor. Sie betonen durchweg, daß die Par- feien auch weiter sich für den Schutz des Privateigentums und die Förderung der Privatwjrtschaft einsehen werden. Zur kommenden Reichstagswahl wurde ein Aufruf beschlossen, in dem die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Freiheit für den Hausbesitz und damit die Beseitgiung der Wohnungs- Zwangswirtschaft verlangt wird. Notwendig sei Ä b t e h r v o n allen sozialistischen Experimenten und damit Erhal- tung und Förderung von Privateigentum und Privatwirtschaft. Oberster Leitsatz sei: Keine Stimme, sondern Kampf den sozia- listischen eigentums- und prioatwirtschaftsfeindlichen Parteisn! Alle Stimmen den bürgerlichen Parteien, die ihre. Bereitwilligkeit erklärt hätten, die Forderungen des hausbesihes im neuen Reichstag zu vertreten. Herr Dietrich wird Ach und Weh schreien, wenn er diesen— Interessentenhaufen und das dazu gehörige Wahlver- sprechen der Demokraten sieht! Eisenbahnkatasirophe! f Zugzusammenstoß im Kaukasus.— Bisher 16 Tote geborgen. K o Urn o, lt. August. Wie aus Moskau gemeldet wird, ereignete sich zwischen den Stationen Rikolajenkowo und T w e r- s k a j a im Rordkaukasus infolge falscher Weichenstellung ein Zusammenstoß zwischen einem Güterzug und einem Personenzug. Die ersten vier Wagen des Personen- zuges wurden vollständig zertrümmert. Bisher sind sechzehn Tote geborgen worden. Di« Zahl der Ver- letzten ist nicht festzustellen, da die Passagiere in Panik- artiger Flucht von dem Ort des Znsammenstoßes flüchteten. Oummejungenstreiche der Rozis. Sie belustigen sich auf ihre Art. Im Polizeigebäude in der Magazinstraße waren am Sonntagabend etwa 300 zwangsgestellte Nationalsozialisten unter- gebrocht worden, die plötzlich zu randalieren begannen und Fenster sowie die Fensterkreuze zertrümmerten. Dann führten die Burschen durch Zerstören eines Leitungshahnes eine Ueberschwem- mung herbei, so daß mehrere Räume unter. Wasser gesetzt wurden. Der Anlaß zu.der Massensestnahnle der/Nli Nakionalsozialisten wew die Verletzung poKzeilicher Vorschrtsten' bei einer Dsmoh- ftrationsfahrt auf Lastautos.' Während der Abtransport' nach der Magazinstraße verhältnismäßig ruhig verlief, kam es dann später im Polizeigebäude zu dem Tumult, bei dem die Burschen wie die Bondalen. hausten. Den Wasserhahn, im Toiletteraum, brachen sie völlig ab,.so daß in wenigen Minuten große Wassermengen aus- strömen konnten. Die Hauptleitung konnte jedoch bald durch den Hausmeister abgestellt werden, so daß noch größerer Schaden ver- hütet wurde. Die Festgenommenen werden jetzt ein Derfahren wegen S a ch- „ befchädigung zu gewärtigen haben. | Wieder Todessturz aus dem D-Zug. Unglücksfall oder Selbstmord? -..t Am Sonntagnachmittag gegen 17 Uhr st ü r z t e aus dem Schnell- zug Frankfurt a. M.— Berlin kurz vor der Station herles- hausen eine noch unbekannte Dame. Die Unglückliche war sofort tot. Der Schnellzug hiett aus der Station und erlitt dadurch eine Verspätung von 15 Minuten. Die Tote wurde nach der Leichenhalle gebracht. Ihre Persönlichkeit konnte noch nicht festgestellt werden. Sie hatte eine Fahrkarle nach Arnstadt in Thüringen bei sich. Bisher steht noch nicht fest, aus � welche Weise das Unglück geschehen Ist. Marke„Oreistern" für 2 Mark. / Straßenschwindler treiben ihr Unwesen. , Mit einem alten Schwindlerlrick orbeilen zurzeit wieder mehrere Betrüger, die sich ihre Opfer unter Straßen- passanlen suchen. In einem Falle ist es ein Mann von etwc! 33 bis-10 Jahre», der geheimnisvoll fragt, ob man Bedarf für vorzüglichen Kognak habe. Es handle sich um„M a r k e D r e i st e r n", die Flasche für nur zwei Mark. Ueber die Herkunft des edlen Tropfens will sich der Verkäufer aus bestimmten Gründen nicht näher auslassen. In vielen Fällen wurde ihm die Flasche auch abgenommen. Erst zu Hause mußten die ahnungslosen Käufer zu ihrer Ueberraschung fest« stellen, daß sie statt Kognak— Haarwasser mit einem geringen Zusatz von Sprit gekauft hatten.— In dem anderen Fall rst es ein etwa 25- bis 23jähriger Mann, der mit Schürz« und Schieber- mütze gekleidet geht und den Eindruck eines Rollkutschers macht. Er arbeitet mit demselben Trick, spricht unauffällig Passanten an und sagt, daß er billig etwas abgeben könne,„was er bei einer Lieferung übrig behalten" habe. Auch hier handelt es sich um völlig minderwertige und wertlose Flüssig. keiten. Geständnis des Muttermörders. Er gibt nun zu, nicht in Notwehr gehandelt zu haben. Nach tagelangen Vernehmungen ist es Kriminalkommissar Nebe endlich gelungen, den 25iährigen„Zournalisten" Thie- lecke- Neuhaus aus Halensee, der seine Mutter durch zahlreiche Dolchstiche tötete, zu einem Geständnis zu bewegen. Thielecke-Neuhaus behauptete von Anbeginn, daß er seine Mutter in der Notwehr erstochen habe. Diese Angaben, die von vornherein unglaubwürdig waren und gegen den Talbesland und Befund sprachen, hat er nun heule vormittag widerrufen und zu- gegeben, daß er seine Mutter im verlause eines Streites erstochen habe. Er sagt aus, daß er an dem ver- hängnisoollen Abend, als seine Mutler badete, im Badezimmer geweilt habe, und daß sie über verschiedene Dinge gesprochen hätten. Es kam schließlich zu einem Streit, und dabei sei ihm der Dolch aus dem Futteral gefallen. Als die Mutter nach der Waffe greisen wollte, sei er ihr zuvorgekommen und habe in blinder Wut aus sie eingestochen. Er bestreitet jedoch weiter ganz energisch, daß er die Tal vor- bereitet und sich mit dem Gedanken getragen habe, seine Mutter vor- sählich zu töten. Auch die Kriminalpolizei neigt jetzt zu der Ansicht, daß es sich tatsächlich nicht um Mord, fondern um T o l' ch l a g bandelt. «-Ich hasse das Weib?'' Die weitere Vernehmung hat noch einige bemerkenswerte Dinge aus der Vergangenheit des Täters zutage gefördert. So ist bekannt geworden, daß Neuhaus eines Tages, als er mit jeinem natürlichen Vater und seiner Mutter beim Mittagessen saß, ein großes Tranchiermesser ergriff und es über den Tisch hin- weg nach seiner Mutter warf. Das Messer flog dicht an ihrem Halse vorbei. Als er damals gefragt wurde, wie er zu solcher Tat komme, bekannte er offen, er„hasse das Weib". Es scheint also, daß der Zwiespalt zwischen Mutter und Sohn schon jahrelang angedauert hat. An die Ehefrau seines Vaters K. trat er dann wieder mit der Frage heran, ob er sie von „ihrem Alten" befreien solle. Er verfüg« über genügend G i f t, um das zuwege zu bringen. Tatsächlich hatte er sich Z y a n- kali beschafft. Die Mutter hatte trotz alledem von jeher große Dinge mit dem Sohne vor und hätte es gern gesehen, wenn er in vornehme Kreise hineingeheiratet hätte. Als sie gelegentlich eine russische Fürstin kennen lernte, war e» ihr Bestreben, eine Adoption ihres Sohnes herbeizuführen, um ihm so einen Titel zu sichern. Die Vernehmungen sind jetzt zu einem gewissen Abschluß ge. langt, werden aber nach einer Richtung noch sortgesetzt. Neuhüus wird dem Richter vorgeführt werden.____ Paddelboot von Dampfer gerammt. Bootsunglück auf der Dahme. Aus der D a h m e in der Nähe von Schmöckwitz ereignete sich am Sonntagnachmittag ein Boolsunglück. das durch einen glücklichen Zufall ohne vertust an Menschenleben ausging. Der Sterndampser„Werner von Siemens", der mit Aus- flüglern vom Müggelsee kam, rammte ein Paddelboot, in dem sich zwei junge Männer befanden. Der Kapitän des Dampfers stoppte sofort scharf ab. Dabei wurde ein zweites Paddelboot durch den starken Wellenschlag zum Kentern gebrocht und der Insasse stürzte ms Wasser. Vom Dampfer aus wurde versucht, den Ver- unglückten Leinen zuzuwerfen. Inzwischen waren auch andere Boote an die Unfallstelle geeilt, denen es gelang, die verunglückten Paddler zu retten. Da es zunächst hieß, daß einer der Verunglückten e r- trunken sei, wurde die Dahme vom Reichswasserschutz mit Haken. abgesucht. Später stellte sich erfreulicherweise heraus, daß der Ver- mißte gerettet war. Ueber die S ch u l d f r a g e ist eine polizeiliche Untersuchung eingeleitet worden. Ein weiteres Bootsunglück, das ein Menschenleben forderte, er- eignete sich auf der Spree bei Baumschulenweg. Ein Paddel- boot, in dem der S7jährige Schleifermeister Franz Dietrich aus der Raumerstr. 7 saß, kenterte plötzlich infolge des hohen Wellen- ganges. Dietrich ging sofort unter. Seine Leiche konnte geborgen werden. Berlins„Echweizerland"feiert Verfassungstag in der Laubenkolonie Verfassungstag, Erntefest und feierliche Einweihung konnte die junge Kolonie„Schweizerland" am Parkfriedhof Lichterfelde feiern. Auch die benachbarten Kolonien hatten zu Ehren des Tages reich geflaggt und es war ein reizvolles Bild, die vielen fest- tägig gestimmten Menschen zu sehen, wie sie als Gäste oder Klein- gartenbesitzer hier zwischen den blühenden Gärten Erholung und Freude fanden. In ernsten und launigen Festansprachen wurde das Wachsen und Gedeihen der Kolonie„S ch w e i z e r l o n d" gefeiert. Der Höhepunkt der Zufriedenheit aber'war' erreicht,, als ein'Vertreter des Bezirksamts Zehlendorf die'Minetlungmachte,' daß'der- Be- zirk einen Teil der Kosten für die Schaffung der Hauptwege den Kleingärtnern erlassen wolle. Zu den vorbildlichen Leistungen der sauber nach den Richtlinien des Magistrats �aufgezogenen Kolonie zählt die Anlage eines Kinderspielplatzes und die Errich- tung eines kleinen Luftbades inmitten einer Tannenschonung, die der Kolonie vorgelagert ist. Auf dem Festplatz lösten sportliche und artistische Leistungen sich mit gesanglichen Darbietungen ab, die von unseren Arbeitervereinen bestritten wurden. Vor ollem wurde den Kindern an diesem Tage ein Fest bereitet. Einmütig und begeistert stimmten denn auch die Kleingärtner am Schluß der Fest- rede auf die Republik ein. Feierstunde im Gefängnis. In den langen Gängen des Zellengesängnisses in der Lehrter Straße erklangen am Verfassungstag gleichfalls lebensfrohe Meto- dien. D a j o s B ö l a spielte mit seiner Kapelle für die Gefangenen. Und ehrlich war die Begeisterung der Zuhörer, die nicht aufhören wollten mit Klatschen! Es war ein freudiger Lichtblick für die Zu- Hörer, die sonst ihre Tag« einsam und trübe verbringen müssen, und ihr Dank war daher tief und«cht. In kurzen Worten wies der neu« Direktor auf die Bedeutung des Werkes von Weimar hin. Stehend brachten alle das Hoch auf das deutsche Vaterland aus. Der gemein- same Gesang des Deutschlandliedes beschloß die Feier. Am Sonnwg abend spielte das Funkorchester unter Leitung von Eugen Donath Tänze, von der klassischen Gavotte Glucks bis zum modernen Tango. Die Auswahl vermied geschickt jede Eni- aleisung ins Gejchmacklose, indem sie auf pathetisch-wuchtig« Klassik so gut wie auf allzu banale Modernität verzichtete. Gute Unter- haltungsmusik brachte auch am Nachmittag das Orchester Schmidt- Boehlke. Hans Mühlhofer sprach am Abend„Eine halbe Stunde Humor", lebendig die unterhaltenden Prosastizzen, mit dem wilden Pathos von vorgestern dagegen sogenannte„klassische" Gedichte, die es verdienen, lebenslänglich in eine Bortraqssammlung für den heimischen Herd eingesperrt und in die sinsterste Provinz verbannt zu werden. Am Montag abend wurde aus dem Sportpalast die große Verfassungsfeier übertragen, deren musikalischer Teil ganz aue- gezeichnet vermittelt wurde. Vorträge führten in die Nähe und Fern«. Sehr anschaulich war die Schilderung von Hans W. Priwin über eine Fahrt„Im Auto durch Karpathenrußland", die in ein« kaum bekannte Gegend, in das Grenzgebiet von Ungarn. Ru- mänien, Rußland und der Tschechoslowakei führte, zu Europäern, die so weit von aller Kultur entfernt sind wie die primitivsten Völkerstämme Afrikas. Ueber„Das Rheinland" sprach Alfons Paquet, der dieses vielgefeierte Land aus der Perspektive he- romantischen Kitsches wegrückte und es als dos zeigte, was es wirklich ist: Land der Arbeit, Brücke einer Völkerverständigung. „Märkische Kulturstätten" wollte Dr. Franz Lederer schildern: er gab in der Hauptsache einen Lobgesang auf den Katholizismus. Tes. Vier Touristen von Lawine verschüttet. Paris. 11. August. Wie aus Lyon gemeldet wird, sind vier französische Hoch- touristen in den französischen Alpen von einer Lawine verschüttet worden. Zwei sosort ausgerüsteteten Hilfsexpeditionen gelang es nach-, schwierigem AllMeg und mühevoller Arbeit, drei' Leichen zu bergen. Die'vierte-tLeiche konnte iiöch nicht gefunden' werden. Gefährlicher Brand in der Friedrichstrasse. Durch einen K u r z schl u ß im Stromkabel wurde gestern abend im Keller des Hauses Friedrichstraße IW ein größeres Feuer verursacht. Die Berqualmung der Kellerräum« war so stark, daß die' Löschtrupps der Feuerwehr nur unter Benutzung von Rauchschutzmasken und Sauerstoffapparaten gegen den Brandherd vordringen konnten. Unter schwierigen Ver. Hältnissen gelang es dann, das Feuer nach zweistündiger Tätigkeit zu löschen. Vier Personen gerettet. Auf dem Eros.sin-See wurde Sonntag mittag ein Kajüte-Segelboot von einem Motorboot ge- rammt. Vier Personen stürzten ins Wasser. Sie wurden alle von dem 24jährigen Kaufmann Heinz Kretschmann, Stresemannstraße, unter größter Anstrengung und Lebensgesahr vom Tode des Er- trinkens gerettet._ Sport. V». A# Rennen zu Grunewald am Montag, dem ll. August. I.Rennen. 1. Törin(Krabsch). 2. Feldwebel, 3. Page. Toto: 15:10. Plah: 11. 12, 11:10. Ferner liescn: Frivole, Scharade, Margerita d'Arezzo, 'Ostkind. 2. Rennen. 1. TantriS(M. Schmidt), 2. Liberator. 3. Mellitus. Toto: 37:10. Platz: 30, 55:10. Ferner liefen: Machiavel, Blanker Hans. 3. R e n n e n. 1. Pale(Narr), 2. Ledon, 3. Lanjranchi. Toto: 7?: 10. Platz: 22, 24. 33:10. Ferner liefen: Matador, St. Robert(blieb flehen), Palmieri, Waisenknabe II, Storm Cloud, CsampaS(angeh.), Malatefla. 4. R e n n e n. 1. Aka(Vinzenz), 2. Evelyn,■ 3. Soldat, 4. Sanda. Toto: 57:10. Platz: 16, 30, 29. 14:10. Ferner liefen: Metapher, Loga, Marbod, Rentmetfter, Donatello, Eigenliebe, Sauerkirsche, Patina, Mailonne. 5. R e n n e n. 1. Aoanti(Munro), 2. Lateran, 3. Silbeistreis. Toto: 15: 10. Drei tiefen. 6. Rennen. 1. Wiener Blut(Zebmisch), 2. Osminda, 3. Celerina. Toto: 26:10.. Platz: 13. 15. 19:10. Ferner liefen: Strona, Mangrooe, Grauwatfe, Galleria Reale. Arnönenwarte, Reichsmark. 7. R e n n e ii. 1. Pharisäer(Grabsch), 2. Altcnhof, 3. Hellseherin. Toto: 24:10. Platz: 10, 11, 11:10. Ferner Uesen: Gero, Irrwisch, Sea Lord, Dirschau. Vorirage, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Delchäktsktelle: Berlin S. I«. Eebastianltr. S1—3S. Sof 2. St. Weddixg: Mittwoch. 13. Au-nist. 19 Ubr, außerordentliche erweiterte Borstandssipung bei Rcußncr, See- Ecke Malplaquctstraßc. Zieltau- rant Seeadler._ Arbeiter.Zladio-Bund Deutschland», e. B., vrt»aruPp« chroß. Berlin. Uuter- gruppe Eharlottcuburg: Lokal Lehmann, Kdntgswla 8. Freitag, lä. August, findet keine Zusammenkunft statt.— Untergruppe Kri«drtch,hai»: Donnerstag, 14. August, 20 Uhr, im Lokal dahin« Str. 10, Mitgliedervcrsaurmlung. loogfeliow Engllib Debiiing Club; Mittwoch, 20 Uhr, Zahnärztehaus Biüow- strate 104. Cuttmannsaal: Mr. James Bulman Smith, M.A.:.Food, bodily and mental". Weiße Zähne: Chlorodont ----=-=-——---- Jl Ciafenbnngen ffir diese Rubrik find B t x I i a SW 68, Lindenstratze 3, parieinachn'chien für Groß-Nerlin stet, an da» Bezlrk»s«kr»tarini - Hos, 2 Treppe» recht», zu richte». 7. Kreis kharloitenburg. Aente, Dicn,taa, nm 19 Uhr, in der Aula der Leibniz-Oberrealschule, Schillcrstr. lZS— 127, Kreisverireterpersammlung. .Vortiag:„Der Aampf der Suzialdemolatie um die So»>alreform�. Resc- reut!» Paula liuvgaß. Maudate und Mitgliedsbücher find den lioatrul- leuren am Eingang vorzuzeigen. 13.«reis Tempelhaf. Tie Mitglieder der ssrnl'ion treffen fich tb Stunde vor Beginn der Kreisucrirctcrperfammlung am Dienstag, 12. August, im Lokal Mo-Li. 14. Kreis Neukölln. Dienstag, 19. August, findet die Versammlung in der Neuen Welt statt. 17. Kreis Lichtenberg. Heute, Diensiag. 12. August, um 19'-i Uhr.«reisver. trcterpcrsawmluug in der Aula der Mittelschule M-rttstrafi«.»ortrag: .Der Kampf, mische» Arbeit und Kapital". Reseren, K-an, Klüh,. Stel, luuzaahme»ur Kandidatenausstellung. Mandat und Mitgliedsbuch legiti- miert. Türloutrolle: 117. Abteilung, jdrei»vorstand lo Stunde früher ebenda rt. heuke, Dienskag. 12. August. 8. Abt. Die ssunktionärsthung fällt aus. 14. Abt. lg>4 Uhr bei Laiirihen, Putbusser Str. 11. ssunktionärfihung.— Mittwoch, 13. August. 21) Uhr,?ahlal>ende bei Stark, Putbusser Str 14: Schulz, Grauustr. 41: Lokal Swincmünder Str.«z. Ecke Ramlerstraüe, und Gottschalk, Putbusser Str. 24. 125. Abt. Weichense«. 17 Uhr Eröffnung des Heimabends der Sinderfremid« im Jugendheim Parkstr. 36. Rege Beteiligung erwünscht. 133. Abt. Buchholz. 20 Uhr Sihung der Agitationskommisfion mit dem Vorstand bei Eggert. Pafewalker Str. sx. engeren Zahlabende morgen, ZKittmoch. 13. August, in den nachstehenden Lokalen: 6. Abt. 2N Uhr Zahlabend in den bekannten Lokalen. 7. Abt. ISsj Uhr bei Döll, Bcrgstr. 70: Bcner. Boyenstr. 19; Arend, Schröderstr. 2: Kl-tt, Strelitzer Str. 4«: Bärwalde, Schlegelstr.«: Beirat, Pflugstr. 1: Grün. Kesselstr. 1. 8. Abt. 20 Uhr Zahlabende in den bekannten Lokalen: Plaih, Lüchontstr. 7. Referent Genosse Magistratsrat Suhrau. Thema:..Politische Lage". Seiler Eteinmechstr. 20. Referent. Genosse Hirschberg. Thema:..Politische Lage". Rickert, Steinmechstr. 3«,.«lemke, Elchholzstr. 19. Vortrag:„Politische Lage". Referent Studienrat Winstaedt. 16. Abt. l9sh Uhr bei Döhling, Brunnenstr. 70. Kinzel. Usedomstr. 22. L-uichner. Ack-rstr. 110. Kahrensteiner. Neue Hochstr. 8. Runge. Neue Hochftr. 35. 17■?bt. � IS� Uhr bei Klinge. Sellerstr. 14. Eckardt. Müllcrstr. 163. Abtteiber, Triftstr. 63. Schwiderowsti, Triftstr. 48. Ziegert, Tegeler Straße 23. Pimsfski, Segelet Str. 24, und am Donnerstag, 14. August, bet Suchland, Eprengelstr. 17. 18. Abt. Zahlabende in den bekonnten Lokalen 20. Abt. 19H Uhr bei Pose. Koloniesir. lö. Tillner. Kolonie. Eck- Z-chlincr 2t�0�e. Bontie, Schul- Ecke Christianiastraße. � �, Mritwoch, 13. August, IflVj Uhr, Zahlabend im Lokal von Karl Battsch, lsehmarnstr. 1: Paul Loschke, Anlwerprncr Str. 9: Hermann Borkowskt, Brüsseler Str. 43: Karl Voch. Antwervener Str. 6: Gustav Senkel. Utrechter Str. 10: isrellag. Gcnter Str. 39. Die Bezirksführer müssen einladen. 23. Abt. Mittwochs 13. August, 20 Uhr. Zghlabende in folgenden Lokalen: Lewandowski, rreestr. 104: Benz. Seestr. 108: Grunewald. Kameruner Straye 19: Guischow, Tr-n-vaalstr. 25: Boch, Barfusstr. 9: Laokner, Barfusstr. 11: Körstcr. Ofcner Str. 14: Mollnau, Müllerstr. 62-.: König, Dtawlstr. 37. 24. Abt. 19 Uhr. 1. Gruppe: Rösner, Immanuelkirchstr. 25. Bortrag:„Die Sozialdemokrgtie und der 14. September." Reserent Mar Hendemann. 1». Gruppe: Ahlschlager, Winsstrafie Ecke Ehristburger Straße. 2. Gruppe: Bieberstein, Danziger Str. 46. 3. Gruppe: Schul,: Earmcn.Snlva.Str. 51 Ecke Losemannstraße, Vortrag:.Die Politische Lage." Referent Johannes Altcrmann. 25. Abt. 20 Uhr bei Kramer. Totbeniusstr. 3. Zwick. Pasteurstr. 6. Röfeler, Goldaver Str. 9. Schmidt, Kurifche Straße Ecke Kniprodestraße. Vor. befprechungen über die Wahlarbeit. 26. Abt. 2. Gruppe: 19 bo Uhr bei Beinlich. Weißenburaer Str. 1. Die Adressen der Radfahrer und die Anzahl der Transparente stnd bis zum 16. August anzugeben. 27. Abt. 19-/4 Uhr bei Zeug«, Milastr. 5. Mehlberg, Ggudnstr. 6. Reeß. Sonnenburger Str. t, Hausotter, Korförer Str. 1. Glanz. Kopenbagencr Straße 37. 30. Abt. Mittwoch. 1914 Ubr, Zablabend in folgenden Lokalen: Pohst, Lychener Str. 103; Seifert, Papnelallee 45: Schmidt, Pavvelallee 80: Hoff. mann. Loche ner Str. 8: Mahnkopf. Earmen-Snlna-Str. 123: Gricp. Earmcn�sylva�tr. 21: Kuhlifch. Zelterftr. 47: Eggert, Wichertstr. 39: Rieberaall. Earmen�ylva-Etr. 22. 32. Abt. Zahlabende in folgenden Lokalen: Gruppe Schäbel, 1916 Uhr, Andreas. straße 79 Eck« Holzmaritstraße. Referent Büraermeister Genosse Mieliß. Thema:„Die politische Loge und. die Vableh.", Gruppe fiiicdtkgu bei Kromphardt, PauPSsporr-etr.- 40. Referent Dtto Wienziers. Thema: ».Sozialdemokracii'aaib'-bewertsck-alt'ti» Akahtkwirvt."«anppK..Bu6nimpn bei Drescher, Stralauer Blaß 5.. Gruppe. Kluge bei..VaIeutjn,..»rgutstr. 36. Gruppe Meper bei Schlüter,' Krautstt. 54o. Grupve Wardlmaun bei Schmidt, ssruchtstr. 36a. Bez. 304/5 um 2014 Uhr bei Schröter, Friedrichs. felder Str. 21. Wir bitten um pünltliche» und»ollzähiiges Erscheinen, da in allen Zahlabenden sehr wichtiae Aussprachen. 33. Abt. 1914 Uhr Gruppenpersammlung lZahlabendel bei Hahn, Sinwn-Dach- Straße 9: Wertalla, Hohenlohestr. 3: Soffmann. Stralauer Allee 17. Aus- fpracheabend über den Wahlkampf. Vorher, 1814 Ühr, Sißuna des Ab. leilungsporstande, mit den Zahlabendleitern bei Wertalla. Hohenlohestr. 3. 38. Abt. 20 Uhr Zohlabende für alle Bezirke in den bekannten Lokalen.— Alle Mitglieder müssen erscheinen, um an den Borabeiten für die Wahl teilzunehmen. 43. Abt. Bezirk 12», 124 und 130: Albrecht, Urbanstr. 29: Dezirk 125: Christen, Fichtestr. 23. Bezirk 126 und 127: Bruhn. Gräfestr. 41. Bezirk 128 und 129: Fronkenhauser, Iahnstr. 15. Bezirk 131: Wolter, Boeckhstr. 48. Bezirk 132: Krepp, Planufer 75/76. Bezirk 133: L-uschner Rachf.. Diefscn. hochstr. 54. Bezirk 134: Wolf. Gräfestr. 26. Bezirk 133 und 136: Vogt, Boppst� 8. Bezirk 137 und 138: Klose. Boeckhstr. 34. 35. Abt. Die Zahlabende fallen aus. 45. Abt. Pünktlich 19 Uhr Funktionärfißung im Lokal Forster Etr. 0. Um 20 Uhr Zahlabenbe in den bekannten Lokalen. 53. Abt. Ch-rlott-nbnrg. 1911 Uhr: 1. und 2. Bezirk bei Schweikert, Erasmus. straße 2; 3. und 4. Bezirk bei Lur, Suttenstr. 26: 5. und 6. Bezirk hei Hamer. Eickingenstr. 55. Gemeinsames Thema:„Reichstagswahl". Die Genossinnen und Denossen au« Plößenfee werden gebeten, fich in den ihnen am nächstgelegenen Zahlabendslokal einzufinden. 62. Abt. Siemeniftadt. 20 Uhr im Lokal„Zum vcidekruq". Nonnendamm. Allee 89, Mitaliederuersammlung. Bortrag:„Die Sozialdemokratie im Kampf gegen Diktatur". Referent Gottlob Mllnfinger. Kassenbericht vom 2. Quartal. Parteiangelegenheiten. 81. Abt. Friedenau. 20 Uhr bei Klabe, Handierpstr. 60/61, und bei Baginsti. Stubenrauchstraße Ecke Taunusstraße. Berg- Ecke Lauenburger Straße. Referent Genosse Stadtrat Limbach. 7 Bezirk: Eüdendcr Hof. Lichterfelder. Str. 1; 8. Bezirk: Humboldt- Eck- Elifenslrvße: 9. Bezirk: Wermcke. Berlinickestr. 1. 83. Alt. Lichterfelde-Dist. 20 Uhr bei Dubcrick, Lorenzstr. 56, Bortrag des 85. Adt��Tempelhos. 20 Uhr. 8. Bellet Lokal Hennig. Friedrich-Wilhelm- Ecke Manteuifelstraße. 4. Bezirk: Lokal„.Zur Linde", Werder. Ecke Friedrich-Karl-Straße.!- Dezirk: Lokal Henning. Kaiser-Wilhelm. Ecke �e»!?lln �9� Abt. Zn den nachstehenden Bezirken finden pünktlich 20 Uhr Mitglieder, usamnienkiinfte statt. Reben den Vorträgen wichtige Vc- svrcchupgcn über die polttlsch« Situatiow Vwiie 51, 58 und 60:»n Lokal König, Wildenbruchstraße Eck- Weserstraß.. Vortrag:„Unsere Stellung im Wahlkampf." Referent Genossi Mar Fechncr. M. d. L. Bezirke 5-- 53 und 57: im Lokal Schikorra, Schandauer Straße Ecke Elbe. straße Bortrag:.Grundzüge der Etrafrechtsrc orm." Referent Genosse Erwin Lamvka Bezirke 54, 55 und 56: lm Lokal Gallier. Harzer Str. 88. S!?VT"- 6'Ä'S'a'Ä'Sf Ä S ST j«* Lokal' Eimon Berchelsdorfer ,etr. 9 B°r�°g: Der Dea der sozialen Reaktion." Referent Karl Bezirke 80 und W. im LAil Schwabe. 101. >ss«- Bies Speisezimmer 517.—. Herrenzimmer 389.—. Spiegel- schränke 118.—. Dielenaarnitur 38,—. AnrichtekUche 99.—. Meifingbettstelle 66,—. Kiciderschränke 48,—. Ednile- lougues 28,—. Metallbettstell« 18,—. Auilegematraße 13,—. Sonstige Möbel angemessene Preise. Teilzahlung auf- schlagirci. Wochcnraten. Monatsraten Kassarabalt bis zehn Prozent, auch auk Anzahlungen. Kleine auch ohne Anzab- lungen. Kredite bis zwei Jahre. Maß Zins. Katalog franko. Hauvtgcichäit. Stegliß. Schloßstraße l07: 2. Geschält: Neukölln. Hcrmannplaß 7: 3. Geschält: Delle-Alliance-Etraße 95.—. Untergrund- bahn: 4. Geschäft: Kottbusser Straße 23 gegenüber Elitelänger._____• Patcutmatraßen„Primisstma", Me. tallbetten, Auflegematraßen. Ehaiselon- gues. Walter, Stargarderstraße acht- zehn. 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Gruppe Börkel. Wert und Hahn: Lokal Tempel, Sudrun. üraße 7. Wichtige Tagesordnung.... 128./lz9. Abt. Pankow. 19-4 Uhr. l. Gruppe: Reumann. Katler-Friedrich. Straße. 2. Gruppe: Lelm-ann. Mühlenstraße. 2,. Gruppe:«ober Prln,. Heinrich. Ecke Berliner Straße. Vortrag des Genossen«iklor MjWja. 3. Gruppe: Voreik. Berlinir Etr. 97-98 4.. 5.. 6. Gruppe: Türkisches Zelt, Breite Straße. Referent Erich Kuttner, M. d. L. 7.�9. 9. Gruppe: Sänacrheim, Floraltr. 93. Referent 7r. Ludwig Greil. Thema in allen Perfammlung:„Demokratie oder Diktatur", 141. Abt. Roseathal und Ri-derschöahausen.West. 19-4 Uhr Lokak Hoffmann: KnMiprittWn. Eck« Gdelweißstvoße, Vortrag: stampf bn SoziaSeuwiratie v-amr Dikßawr". R-keverrt Dr» HelunttH Klod. Meine Liebcnl Augen aus! Roch ist e« Zeit! Sie kaufen heute billig: Schlafzimmer, Eiche, nur 375,—, Schlafzimmer. Ruß- lwum. nur 285.—, Schlafzimmer. 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Sie läuft schnurgerade noch rechts und links, breit, ohne Häuser, von Hecken und Zäunen eingefaßt und von zwei Boumseiten durchzogen, die sich immer dichter zusoinmendrängen und in der Ferne schließlich miteinander und mit dem Himmel und Erde oerschmelzen. Andreas ist solche Weite nicht mehr gewohnt. Seine blinzelnden Augen suchen einen Halt auf dem Bretterzaun gegenüber, auf dem ein riesiges, orangefarbenes Schild verkündet, daß Ilnioersalreifen die besten der Welt seien. Das ist nicht weiter interessant für ihn: Andreas Limmer hat kein Auto. Aber die schwarzen Buchstaben auf dem knallig leuchtenden Plakat zwingen den Blick, der stch in der endlosen Weite der Straße verirren mnllte, beruhigend aus ein nahes, deutliches Ziel. Und Andreas liest immer wieder den Saß und murmelt ihn wie ein Gebet: Unioersalreifen— sind die besten— der Welt. Er merkt erst, daß er nicht allein auf der Straß« ist, als Schritts dicht neben ihm aufklingen. Vielleicht sind es auch nur die erstaunten Blicke, die ihn aus feiner Berfunkenhcit mcckcn und ihn daran erinnern, daß er nicht ewig an dieser Stelle stehen kann, sondern irgendeinen Entschluß fassen muß. Das ist plötzlich sehr rasch getan: die Menschen gehen noch links weiter, Andreas geht nach rechts, im Eiltempo, als könne er es gar nicht erwarten, sein Ziel zu erreichen. Andreas Hot die Richtung eingeschlagen, die zur Stadt führt. Die Straße wird bald belebter: Nebenstraßen schneiden herein und tragen ihren Menfchenstrom an ihm vorbei. Der Lärm des Großstodttages verwirrt Andreas auf eine bisher ungckamüe Weise. Er bewegt sich vorwärts wie in einem fremden, feindlichen Element. Sein Gesicht rötet sich: sein Herz schlägt in raschen, un- gleichmäßigen Stößen. Die Bohnensuppe, die er mittags herunter- gelöffelt hat, ohne Hunger, mit Widerwillen sogar, nur, um den Magen für die nächsten Stunden zu befriedigen, quillt mit ekelhaft bitterem Geschmack in den Mund herauf. Er fühlt sich von den Menschen bedrängt und haßt sie, ob sie vorübergehen zu zweien oder dreien, zusammengehörig, redend, lachend, oder einzeln, eilig, unbeschwert, manche auch mit dem Kennzeichen irgendeines Be- rufs ausgerüstet. Andreas stolpert fast über das Holzbein eines Mannes, der gegen ein Haus gelehnt sitzt und mit weinerlicher Stimme Zündhölzer feilbietet. Er haßt auch diesen Krüppel. Auch der hat schließlich seinen Platz im Tag. ist auf seine Weise mit dem Leben verbunden. Nur Andreas ist abgeschnitten vom Leben. Er denkt an dos Wort: abgeschnitten, und dabei kommt ihm eine Er- innerung aus dem Kriege. Er sah, wie in einem hellen, sonnigen Zimmer, wohl dem ehemaligen Speisesaal eines Schlosses, ein Chirurg mit reinlichem Schnitt ein Stück von einem lebendigen Körper loslöste. So ist er jetzt vom Leben abgetremit, ohne daß ein Fädchen hängen blieb. Saubere feierliche Herren haben das getan in einem sauberen feierlichen Saal. Andreas Linnner, ein- mal lebender Teil! eine? Ganzen, wurde herausgeschnitten und in einer Gefängniszelle begroben. Für immer. Der jetzt durch die �traßen geht, ist ein gan,z anderer. Eigentlich ist er über- baupt nichts mehr. Es gibt da noch«ine andere Kriegserinnerunz: . Im Lazarett war einer, dem hatten sie einen Finger weggeschossen. ..Es ist doch komisch/ sagt« der mal zu Andreas,„manchmal denke ..fch, der Finger tut mir web, und dabei ist er gar nicht mehr da/ Andreas geht schnell, wie im Traum. Bisweilen redet er ein paar Worte laut vor sich bin, macht eine Handbewegung. Dann bleibt er einen Augenblick stehen, rennt wieder weiter. Er stößt Menschen an, zwingt Autos zum Abstoppen, wird von Schupos zurechtgewiesen oder mitleidig als Geistesschwacher behandelt und über die Fahrbahn geführt. Man schimpft hinter ihm her oder sieht ihm lachend noch. Andreas, mehr noch bedrängt von dem Chaos seiner Gedanken als von dem Getriebe der Stadt, flüchtet 'in stillere Nebenstraßen. Er steht still und versucht auch innerlich ein wenig Ruhe zu schaffen. Aber er kann zu den Dingen der Um- lt in keine Beziehung kommen.„Ich bin frei", sagt er, und die Worte bleiben sinnlos wie unverstandene Vokabeln einer fremden Sprache. Plötzlich denkt er:„Es muß jetzt zwei Uhr sein." Das hat nun endlich einen Sinn: doch der Satz gibt Andreas auck kein«? Verbindung zu dem Leben, in das er jetzt gestellt ist, sondern er erinnert nur, daß dieses eigene, seltsame Dasein vor einer Stunde vor der Gefängnistür begann. Andreas fühlt eine stumpfe, schwere Müdigkeit und eine schmerzhafte Sehnsucht, aus oll dieser Bedrängnis wieder spurlos herausgleiten zu dürfen. Aber er begreift, daß er vorläufig in den: Tag gefangen ist wie bisher in den vier Wänden seiner Zelle. In angestrengtem Sinnen vergraben sich seine Hände in den Hosentaschen. Dabei bekommen sie den Hausschlüssel zu fassen. Seine Frau hat ihn gebracht, damit er unbemerkt in der Dunkelheit kommen kann und nicht von den Spießruten der neugierigen Blick« gepeitscht wird. Zärtlich und sehnsüchtig sieht er dos Bild seiner Fro-u, seines Kindes, seiner kleinen Wohnung vor sich. Nein, das geht nicht. Er muß es rasch fortwischcn, sonst packt es ihn wieder wie manchmal in seiner Zelle und er muß oufbrüllcn, ocrzweisell und haltlos. Andreas strebt ins Freie, heraus aus dam Getriebe der Straßen, fort aus der bedrückenden Nähe des Gefängnisses. Breit, mit vielen Ausläufern, streckt sich die Stadt ins Land. Aber endlich mischen sich unter vereinzelte Häuser schon die ersten Vorlwifer des Woldes, dürre, hochaufgeschossene Kiefern. Eine Eisenbahn rattert nach in der Nähe. Und dann ist olles verschwunden, was an die Menschen und ihre Geschäftigkeit erinnerte. Sonne gleitet an rötlichen Baumstämmen herab, läßt Farn büschel grüngolden ausleuchten und lockt zu warmen, trockenen Lagerplätzen. Bogelrnfe klingen auf: ein Specht hämmert im Takt. Manchmal raschelt es im Gras wie von einem flüchtenden Tier. Andreas strengt alle Sinne an. das in sich aufzunehmen, was die Menschen poetisch Frieden des Waldes nennen. Er spürt nichts davon. Er fühlt sich in dieser Umgebung ebenso bedrückt und un- heimisch wie in der Stadt. Er muß daran denken, daß es eins Zeit gab, da stand er zu dieser Stunde noch an seinem Arbeitsplatz in der Fabrik. Aber ein wenig später schrillte die Sirene und die Maschinen standen still. Man wusch sich: sehr sorgfältig— ein Spiegel mußte die tadellose Sauberkeit bestätigen: denn am Bahn- hos wurde man erwartet. Da stand Lene mit dem Kinderwagen. in dem die kleine Ursel krähte. Und dann bemächtigt« sich der Vater des Wagens und holterdipolter ging es die leicht geneigte Strotze herunter. Wenn der Wogen zwischendurch mit einem plötzlichen Ruck anhielt, quietschte Ursel vor Vergnügen, und Lene schalt, er soll« bloß das Kind nicht herausfallen lassen. Aber sie lochte da- bei: denn sie war eigentlich gar nicht besorgt, sondern sie wollt« nur zeigen, daß sie auch noch da war. Dos olles liegt fern ob, unwirklicher als ein Traum. Andreas starrt in die Dunkelheit eines unvorstellbaren Morgen. Nichts ist geblieben. Wie mochte Lene sich durchs Leben schlagen? Nun hat sie einen Sträfling zum Mann. Die kleine Ursel hat den Dater sicher vergessen. Die fröhliche Heiterkeit der ersten sechzehn Monate ihres Lebens ist für sie ausgelöscht, für immer ausgelöscht. Oft im Gefängnis hat Andreas es überdacht, ob es nicht dos beste sei. gleich hinterster sich möglichst still und unauffällig au? der Welt zu stehlen. Aber da war der Gedanke, daß er es wenigstens versuchen müßie, Lene und dem Ämd das Leben wieder ein bißchen leichter zu machen: und ganz im Hintergrunde schlummert eine winzige Hoff- nung auf irgendein Wunder, dos die alte, glückliche Zeit wieder zurückruft. Andreas steht an einem See. Cr kennt die Stelle wieder. Hier stoben Lene und er öfter gebadet,� als Brautpaar und auch später noch, est« Ursel geboren wurste. Wenn er hier hcraussckwimmt, sich ein wenig tragen läßt van dem dunklen, durchsonnten Wasser, und dann hineinglcitet? Kein Mensch ist in der Nähe? Er wäre ver- schwunden. Vielleicht würde man ihn nie finden. Das Wasser lockt verführerisch. Aber plötzlich macht Andreas kehrt und läuft wie gehetzt in den Wald hinein. Er darf es nicht. Und er gesteht es sich«in: er möchte auch Lene und Ursel wieder- sehen. Die Zeit vergeht unerträglich langsam. Endlich ist es soweit, daß Andreas den Weg zur Stadt«inzuschlagen wagt. Aus den ersten Häusern blinzeln schon die Lichter: die Borstadtstroßon lieqen still. An der Innenstadt hastet noch der Verkebr. Andreas läßt sich von ibm vorw.ärtstreiben, durch die von Lichtreklame über- stroblte Geschäftsgegend in das altbekannte Wohnviertel Der Abend ist kühl geworden: doch das Hemd klebt Andreas an dein schweiß- bedeckten Körper. Die Gedanken ruhen jetzt. In seinem Kopf herrscht eine dumpfe Leere. �(Schluß folgt.) M. coray: 3)ie �Königin Joltaitvia Der Abend ging in hartem Rot unter. Um die schwarzen Mauern des Schlosses hing schon Kuhle. Die Königin Johanna stand am Fenster und spähte hinab. Wieder einen Abend, wie so oft. Sic war frisch, jung und schön, mit lichten Haaren, blauen Augen, einem kleinen, üppigen Mund«— einem ungeküßten Munde. Sie war in das Land Böhmen gekommen, ein Kind noch, zum.zehnjährigen Gemahl. Sie wurden ober einander nicht freund, wie Kinder es tun. Er gewöhnte sich an sie, und— wandle sich fort. Sie mar eines mehr von diesen Dingen umher, die ihn nicht interessierten, aber für ihn da sein mußten, wie das Land Böhmen, wie seine Krone. Er liebte nur: bie Jagd, Gelage, feine wilden Hunde. Er haßte den Adel und die Pfaffen. Äußer diesen Dingen von Liebe und Haß gab es nichts Sonderliches für fein Leben. Die Gier noch Geld, das ihm zum Mittel diente, war Unterton und Werkzeug der übrigen. Der böhmische Adel Hatzte den Luxemburger. Der sah es mit Hohn. Unterrichtet, talentvoll, gebildet, von aufgeklärtem Geist, mit strengem Gerechtigkeitsgefühl, war er emporgewachsen— eine Hoffnung! Aber alle Eigenschaften kamen zu der scharfen Höh«, wo sie sich zu Unrecht, Schuld und Laster bogen. Ueber die reisen Felder, über Klee und Wiese gingen die tollen Jagden hin, unter den Hörnern der Piköre, dem Kläffen der Lancierhunde, dem dumpfen Geheul der Meute, dem Schreien der Hundejungen. Da flüchtete Volk, Mönch und Landfahrer auf Bäume und in Gräben, und der böhmische Adel flucht« und ballte die Faust, wenn die goldenen Breiten niederbrachen unter den jagdwilden Rennern, den Leithunden, der Hundertmeute von Schweißhunden. Denn König Wenzel liebte die jranzösische Jagd. Selten ging er auf Anstand, und selbst wenn er mit der Bären- feder zur Sauhatz ging, mußte ein Troß um ihn fein. Was waren ihm Felder und Saat, was Recht oder Not— was gingen den König Wenzel Seelen an, Se�en, die glühten oder bluteten? Nur diese schweren, brutalen, herrschsüchtigen Hunde waren ihm lieb, sie füllten seine Gemächer, ihr Geheul klang aus dem Zwinger. Er dachte nicht an die Königin Johanna, ihren schönen. Ijebessrohen Körper. Der Abend mar dunkler geworden. Da klang das Lärmen der heimkehrend«- Jagd herauf. Fackeln loht«-. Rauch schlug drüber hin, aus dem heftigen Bewegen löste sich einzelnes, rote Lichtfohnen fuhren über den Hof. König Wenzel gipg in die Holle und warf sich in den breiten Armsessel am Feuer nieder. Die knatternde Wärme tat ihm wohl. Er streckt« sich, stürzte einen heißen Wein hinunter und klopfte seine Lieblinge, die um ihn logen, schwere muskulöse Tiere, mit bösen rolen Augen, Lefzen, die stets die Zähne wiesen. Ein schweres, seidenes Raufchen, ein leichter Fuß, der Licht- schimmer flackerte über das helle Gesicht der Königin Johanna, das über dem Brokat blühte. „Seid Ihr zurück, mein Gemahl? Wiq war die Jagd?" Ihre blauen Augen waren glücklich. „Gut", sagte Wenzel träge. Seine linke Hand spielte mit den Hunden weiter, deren Schnauzen noch nach dem Blut des zer- wirkten Hirsches rochen. Die Jäger und Hundeknechte brachten das ousgeschärit« Fletsch herein, der Jägermeister die Borderläufe der erlegten Hirsche mit dem welkenden Bruch geziert. Geschäftiges Hin und Her, dem Wenzels Blicke folgten, dos sein Blick spornte. Weidmesser und Iagdspieße klirrEn. Da stand schwerfällig der eine Bracke aus, der andere, der Windhund hotte feinen Kopf auf den Knien des Königs liegen und rührte sich nicht, aber die große Dogge schob sich langsam zwischen den Stuhl und die Knie Johannas, stark, zwingend, wie ein Keil. Sie mußte ihre Hände von der Hand des Königs auf der Arm- lehne zurücknehmen. „Eure Hunde mögen mich nicht", scherzte sie.„sie stellen«inen Wall zwischen Euch und mich." König Wen-el lachte.„Sie wissen, daß sie an mich dos erst« Anrecht haben. Der Mark hat heute dem Jägermeister nach der Hand geschnappt, als er mir den ersten Borderlauf bot. Sie sind klug und eifersüchtig, die Bestien." Jobanna wollte ihre weiße Hand sorglos auf den breiten Kopf der Dogge legen, ober sie wies ihr mit einem drohenden Knurren, dos bedenklich aus der breiten Brust oufltieg, die Eck- zähne. und das Rot in den Augen war tückisch. Die Königin trat erschreckt einen Schritt zurück. Die Tiere gingen mit ihrem stampfenden Schritt auch zum Schlasraum des Königs mii und lagerten sich auf dem Boden und am Kamm. f Plötzlich knarrte ifcr schwere Türflügel. Die Nackflampe flackerte, mit wütendem Anschlagen stürzte der große Rüde vor. „Zurück!" donnerte Wenzel. Er hotte die weiße Hand der Königin in den Falten des Türteppichs gesehen. Er warf sich herum. „Nun so komm", sagt« er gleichgültig. „Die Hunde", flüsterte sie bang. Mit einem Fluch sprang Wenzel auf und trieb sie vor die Tür. Dann hielt er seidiges Blondhaar und blühende.Haut m seinen Händen und fühlte das Ausstrahlen der beglückten Jugend an seiner Brust. Der Morgen war noch fern, als sie ihn verließ. Er schlief und atmete kräftig. Fröstelnd zog die Königin Johanna ihr Gewand über der Brust zusammen, ihr gelöstes Haar fiel darüber hin. Um den Mund lag ein versonnenes, beseeligtes Lächeln. Sie lauschte in den Borsaol hinein, ging. Ueber die Diel« lagen schmcre, dunkle Körper ausgestreckt. Der eine stand auf, der andere— oll« Hunde standen auf. Sie flüchtete rasch und bong zur Tür. Die Hunde folgten ihr. Sie wollte die Äür hinter sich zuwerfen— da zwängte sich der starke Rüde dazwischen und drängte sie aus. Umraschelt von ihrem Brokat, mit wehendem Haar floh sie den Gang hinab— die Bluthunde in dumpfen Sätzen ihr nach Sie erreichte ihr Gemach, sie faßte den Türgriff— da standen die Hunde wie eine Mauer um sie. Die Königin Johanna schrie auf und fiel in die Knie.„Heiliger Gott!" Da schnappte die große Dogge zu. Werner Xichler: lUujihalUche Schweis Im Konton Tessin wird die Schweiz musikalisch indem sie italienisch wird. Oder soll man sagen(was man genau so gut könnte), Italien werde hier schweizerisch? Wie dem auch sei,— in diesem in den Süden hineinragenden schweizerischen Dreieck, wo die Edelkoftonie ganze Gebirgstäler rauschend erfüllt, wo auch die furchtsame Kalla sich im Freien öffnet und Zitronciiböumchcn mit weißgekolkten Stämmen in Ho/zkübeln gezogen werden,— in dieser Schweiz, die dabei nie aufhört, Schweiz zu sein, ist das zu allererst Ueberrajchcndc die plötzlich«, allgegenwärtige Musikalität. Im elementarsten Sinne schon: es wird überall musiziert. In den Städten findest du immer wieder jemanden, wie jenen Schuster, der in Lugono in enger Altstadt in tiefem, fast Uchtlosem Keller hockt, bis in die Nacht sein Leder hämmert und dennoch mit dem Tremolo seines Gesanges, ein wenig näselnd, ein wenig schluchzend, unaufhörlich die Gass« erschüttert. Musik ist schlechthin überall. Der emsige Anstreicher etwa mit dem hübschen Mussolinikopf, über den Locken eine alte, farbbespritzt« Kaffeetiite, der von hoher Leiter herab einer Hausmauer ein behutsames Rcsedagrün verleiht,— er pfeift ganze Vcrdi-Arien klar und reinlich bis zur letzten Note. lind wenn abends in Bellinzona etwa die Arbeiter aus den Stein- brächen heimkehren, so bleiben sie noch lange vor dem kleinen, aus der Straße spielenden Eafehausorchester stehen; schweigend ver- harnen sie da. die Gesichter ernst vor lauter Sachverständnis, die nackten, braunen Arme schiedsrichterlich über dem Hemd gekreuzt. Nichts schlechthin geht nbne Musik. Die Seeufer hallen bis spät nach Mitternacht' von Gesang und zartem Trommeln der Gstärren wider, lind wenn man irgendwo«inwal bei Tage aus einem Hinterhof ein Kind sehr unglücklich weinen hört, so fragt man sich bestürzt, wie denn dergleichen hier möglich sein könne..., Es geht noch viel weiter. So reicht(im übertragenen Sinne) diese Musikalität bis in die Architektur: in die feinsiihlige Glied«- rung der Fassaden, in die Verteilung der Fenster, in die beruhi- gcndc Abschlußgeste, mit der sich die stumpfwinkligen Zeltdächer über die würfelförmigen Hauser legen, in die unbeschreiblich noble Farbgebung: ein etwas milchiges Erdbeerrot, ein etwas mit Staubgrau gemischtes Tomatenbraun, ein gelblich getöntes Sohne- weiß unb ständig aufs sensibelste hincinkombiniert dos gedämpfte Grün der langen schmalen Fensterländen. Wie menschlich reif und abgeklärt ist diese Bauweise: Fassade fügt sich brüderlich an Fassade, ohne sich auf Kosten der andern vorzudrängen. Allen gemeinsam ist hier schon die Erkenntnis, daß der einzeln« nichts ist— ein locherlich auftrumpfender Fant höchstens—, eh« er nicht harmonisch in seiner Umwelt steht. Aber so kann wohl nur in einem Bolke gebaut werden, dem musitalisches Empfinden selbstverständlich ist wie Atmen.... * Diese Musikalität des Tessin,— sie umfaßt natürlich auch seine Menschen, insbesondere Kinder und junge Mädchen. Der Rhythmus, in dem manche dieser reizenden Perfönchen im Abenddämmern Arm in Arm oder in Obhut der beleibten Mutter am Quai prowe- nieren,— dieser Rythmus steigt in vollendeter 5>armome von Spann und Knöchel über Hüfte und Wirbelsäule bis zu den zarten Schultern und dem schmalen Kops, um den lockschworzes Wellen- haar sich schmiegt,— und für den der Pogenschnitt eigens erdacht zu fein scheint. Was man anderwärts unendlich mühsam den Mannequins beibringt, das ist hier natürlich erwachsen. Diese Mädchen schreiten(man kann das ein wenig pathetische Wort „schreiten" hier durchaus nicht vermeiden) wie zu den Klängen eines imaginären Orchesters, sanft, behutsam und doch offenäugig und selbstbewußt. Neben ihnen hoben die nvrdschweizerischen Damen— die Guten mögen nicht zürnen— allzuleicht nur etwas Wuchtig-Walkürenhaftes. *• Seltsame Symbiose der Natur? Oder der Geschichte? Wer verschmolz hier die verläßliche Diszipliniertheit der Alemannen so unlösbar mit der sinnlichen Empsönglichkeit der Romanen? Sind es Schweizer, die hier siedeln, sind es Italiener? Nie wird es klar. Zwar führen sie in Arkaden und steilen Treppengaßchen das naive, ganz noch außen gerichtete Kleinleben der italienischen Straßen: jedoch diese Straßen sind ja aufs ernsthafteste, apss schweizerischste gepflegt, gepflastert, gesäubert, kanalisiert. Der Tessin hat daher auch nicht die unmittelbare Vitalität, das Hitzig- Animalische Italiens, das in seiner nahen Verwandtschaft mit dem ierischen den Fremden zuweilen erschreckt.(Womit zusammen- hängt, daß man hierzulande kaum etwas von der weiter südlich immer wieder auf die Nerven fallenden Tierquälerei bemerkt. daß hier eher eine Art Kameradschaft auch mit der stummen Kreo tut besteht.) Kurzum: dos Elementare des Südens ist noch da, ober gebändigt,— keineswegs zur fahlen Nüchternhell des Nordens enifärbt. Es ist vielmehr zwischen Norden und Süden hier ein Drittes, ein sehr anmutiges Medium«"-schaffen worden, indem ein« viefhundertjährige Entwickelung die Wesenselemevte zweier im Grund« durchaus gegen sätzlicker, durch die Alpen voneinander getrennter Völker vereinigte und harmonisierte—; was aber heißt das anders, als daß sie nach musikalischen Gesetzen sie einander an- glich und band? Ar. 373-» 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 42. August 4930 Der Kampf um die preise. Die falsche Front des Handels. In der letzten Nummer eines Fochblattes des Einzelhandels wird die ganze Titelseite dem Versuch geopfert, die Unmöglichkeit der Senkung ausgerechnet non G r o h Handelspreisen für Markenartikel nachzuweisen. Die abgestandensten Argumente der Unternehmer werden da als wichtig in die Wagschale geworfen, allgemein ge- baltene Klagen müssen als Argumente herhalten. Warum gibt man nicht einfach Ziffern, um zu beweisen, dah die Fabrikanten nicht mit den Preisen herunter können und daß die Handeisspann«, d. h. die Verteilungskosten njcht zu hoch sind? Wir geben solche Ziffern, wie sie Werner Deiters veröffentlicht hat, im folgenden wieder! sie lassen erkennen, daß die Handelsspanne(für Groß- und Kleinhandel zu- s a m m e n) durchweg sehr groß ist. Preis für Preis für ZG.-Farbea-Arlikcl Sr-Khandsl Verbraucher Spann« in M. m M. Ortizon- Mundwasserkugeln(Naturalrabatt bei 12 Gläsern— 1 Originalglas)........ 0,62 1,25 lOOProz. 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Diese Maßnahme wurde mit der Mcksicht auf einen Konkurrenten begründet, der durch die Festsetzung hoher Einzelhandelsspannen die Händler für sein Produkt„Batula" gewonnen habe. Jetzt stellt sich heraus, daß die Linoleumfachgcschäfte, also die Einzelverkäufer, die Preiserhöhung durchgesetzt haben, weil ihre Gewinne durch „Unterbietungen" beeinträchtigt wurden. Wir halten die gemeinsam« Front mächtiger Produzenten- gruppen und des Handels zur Preishochhaltung, wie sie hier erkenn- bar wird, nicht nur für einen volkswirtschaftlichen,. sondern auch für einen Nachteil der Händler selbst. Viel zu wenig wird erkannt, daß die Produzenten hohe Handelsspannen in erster Linie als Köder ver- wenden, um den 5>andel alz Wandschirm zu gebrauchen, hinter dein sich der Mißbrauch der wirtschaftlichen Machtstellung der Marken- Produzenten vollzieht. Groß- und Einzelhandel wirken wie Auge- stellte der Markenproduzenten, in deren Auftrag und zu deren Nutzen die Kaufkraft der Konsumenten für alle anderen Waren so knapp als möglich gehalten wird. Hochgehaltene Preise sind für den Handel noch nie von Nutzen gewesen. Ein« Front nach dem Grundsatz: Kleiner Umsatz, großer Nutzen war noch immer falsch. Sie ist verderblich, wenn sie, wie bei den Markenartikeln, gar noch zugunsten der Produzenten, verteidigt wird. LlSA.-(Schuhzoll wird übersprungen. Die Schweizer Schuhfabrik C. F. Bally A.-G. ha: zur Umgehung der hohen Schutzzölle der Vereinigten Staaten von Nordamerika die Aktienmehrheit der Firma I. Edwards u. Co., einer großen Schuh- fabrik in Philadelphia, erworben. Die tschechischen Schuhfabriken hoben ein Exportsyndikat gegründet, das Unterhandlungen mit dem Ziel« aufgenommen hat, die Aussuhr nach den USA. auch unter den neuen Zöllen auf Lederwaren fortzusetzen: Bata tritt dem Syndikat nicht bei. Die deutsche Schuhindustrie hat bis jetzt keine Maßnahmen er- griffen, um über die amerikanischen 5>oMch»tzzölle nicht stolpern zu muffen. Die deutsch« Ausstchr von Schuhwaren nach den Vereinigten Staaten hat sich allerdings vervielfacht: sie hatte im eritxn Halb- jähr 1930 einen Wert von etwa 1�9 Mill. Mark, im ersten Halb- jähr 1929 etwa 12 000 Mark. Auslanög'Zwischenkreöite für Wohnungsbau. Wie WTL..Ha„d«l»dienst meldet, hat ein amerikanische? Banken- konsortrulm(Führung A-G. Becker New Vort-Ehckago) der Deutschen Bau- tuid Bodenbank«inen«nsährigen Kredit von 325 Millionen Mark zpr Versügrrng gestellt, die zur Ausführung des zusätzlichen Jcqjttvzpmuis her RschzrezlcrunZ drenen JoIIrn, LlGA-Autos und Europa-Kartell. SS Prozent aller Autos der Welt find amerikanisch. Henry Ford hat seine Automob ilwerkstätten in Detroit, die! „zwecks Jnventuraufnahme" am 11. Juli geschloffen worden waren, am 5. August wieder erössnet. In amerikanischen Wirtschastskreisen wird diese Betriebseröfsnung als Lichtblick in der Wirtschaftskrise begrüßt. Der scharfe Konkurrenzkampf zwischen Henry Ford(Ford Motor Co.) und der General Motors Corp. wird sich nunmehr wieder fortsetzen, was vor allem für die kleineren Autounternehmen katastrophale Auswirkungen haben wird. In den ersten vier Mo- naten des Jahres 19 30 erhöhte sich der Anteil der Ford Motor Co. und der General Mo tors Corp. an der amerikanischen Auto Mobilproduktion von 63,9 a u f 75,6 Prozent. Während sich der Gesamtabsatz der amerikanischen Automobilindustrie in dieser Zeit gegenüber dem Vorjahr um etwa 20 Proz. verminderte, betrug der Absatzrückgang der kleineren und mittleren Formen im Durchschnitt über 45 Proz. Die Krise hat also auch hier die Konzentrationstendenzen ganz wesentlich gefördert. Der inländische Absatz amerikanischer Automobile ist übrigens stärker zurückgegangen als der ausländische, so dah trotz der eben- falls gesunkenen Zlusfuhr der Exportanteil an der gesamten Pra- duktion sich von etwa 6 Proz. in den ersten fünf Monaten 1929 auf 7 Proz. 1930 gehoben hat; bei Lastkrastwogen stieg dieser Anteil sogar von 13 auf 18 Proz. Gerade weil parallel zur Krisenentwick- lung die Stärke der großen Konzerne gewachsen ist und die Vedeu- tung der Ausfuhr für die amerikanische Automobilindustrie zuge- nommen hat, erhält eine internationale Uebersicht über den Wellbestand an Automobilen, die dieser Tage vom amerikanischen Department of Commerce veröffenllicht worden ist, be- sonderes Interesse. Diese Uebersicht informiert nämlich auch über den Anteil amerikanischer Wagen an den Auto- beständen aller Länder. Am 1. Januar 1930 waren nach der amerikanischen Statistik aus der ganzen Erde(erfaßt wurden 157 Länder) 35,13 Millionen Automobile vorhanden, 195 Prozent mehr als vor acht Jahren (1922: 12,50 Millionen Automobile). Allein im Jahre 1929 betrug die Zunahme mehr als 3 Millionen Wagen. In den Vereinigten Staten entfiel auf 4,5 Einwohner ein Auto, in sämtlichen übrigen Ländern zusammen dagegen erst auf 2l6 Einwohner. Der Anteil der in den Vereinigten Staaten bejindlichen Automobile am Gesamtbestand der Erde betrug 78 Pro.;, für Personenwagen und 62 Proz. für Lastkraft- wagen. Da jedoch auch die anderen Länder einen erheblichen Teil ihres Automobilbedarss durch Einfuhr aus den Vereinigten Staaten decken, so ergab sich, daß vonsämtiichen Automobilen der Welt nicht weniger als 88,4 Pro.;, amerikanischen Ursprungs waren. Dabei sind z. B. solche nichtamerikanischen Firmen, deren Aktienmehrheit sich in Händen amerikanischer Kon- zerne befinden(Opelwerke), noch nicht einmal als amerikanische Unternehmungen eingerechnet worden. Bon den interessanten Tabellen, die hierüber in den„Commerce Reports" vorn 14. Juli (S. 65— 71) veröffentlicht wurden, seien hier Mir einige Angaben über die hauptsächlichsten Automobilländer wiedergegeben. AulomobUbestand am 1. Januar 1930. Es stnd also mir wenige Länder mit stärkerer Eigenproduktion, in denen das amerikanische Automobil eine bescheidenere Rolle spielt: Frankreich, England und Deutschland— wobei, wie gesagt, der amerikanische Charakter der Opelwcrke unberücksichtigt bleibr. Andererseits herrscht aus Märkten von geringerer Bedeutung, wie den meisten westindischen Inseln, Nenzuela, Kolumbien, Ekuador usw., das amerikanische Automobil zu 100 oder fast 100 Pro;. Dies« Tatsachen sind im Zusanmienhang mit den augenblicklichen Verhandlungen europäischer Aulomobilgesellschafieu ganz besonders interessant. Der Gedanke, die europäische Automobil- Produktion durch Zölle vor dem amerikanischen Import zu schützen — um diesen Gedanken drehen sich die Verhandlungen hauptsäch- lich—, ist weder originell noch erfolgversprechend. Seine Verwirk- lichung soll den Konkurrenzkampf abschwächen und die Preise höher- halten— doch steht dem gegenüber, daß amerikanisch« Konzerne meistenteils in Europa selbst produzieren oder mindestens man- tieren. Dennoch haben die Amerikaner gegen eine solche„a n t i- amerikanische Zoll-Liga" sofort scharfen Protest erhoben und angekündigt, sie würden mit allen Mitteln derartige Bestre- bungen zunichte zu machen suchen. 65 Proz. der Weltproduktion an Automobilen werden von zwei amerikanischen Konzernen geliefert. Auf ganz Europa ent- fallen nicht mehr als 10 Proz. der Weltproduktion. Wenn ein Teil dieser europäischen Fabrikanten sich zusammentun will, so ist dies bereits eine Staatsoktion, gegen die die Amerikaner mit ollen Mitteln vorgehen wollen. Es ist gut, sich in Europa solch« Kräfte- verhält» i.sse von Zeit zu Zeit klarzumachen, zu- mal es auch andere Wirtschaftsgebiete gibt, wo es ähnlich ist. Diese Dinge geben ein anschauliches Bild, welche Nachteile den Euro- päern aus der politischen Zersplitterung ihres Kontinents erwachsen. Diese Zerspliterung wird aber sicher nicht durch einfache Anwendung des Schutzzollprinzips cn xros zum Besseren gewendet. Die Kohlenpreise herunter! Ruhrlohlenversand ist im Juli wieder um 12 proz. gesunken Der Ruhrkohlenabsatz wies im Juli gegenüber dem Vormonat wieder einen scharfen Rückgang auf. Der für Rechnung des Kohlen- fyndikots erfolgte Versand betrug arbeitstäglich nur 202000 Tonnen gegenüber 229 000 Tonnen im Juni. Das ist ein Rückgang um fast 12 Prozent. Im unbestrittenen Gebiet ging der Absatz von 117 000 auf 102 000 Tonnen zurück, im bestrittenen Gebiet von 112000 auf 100 000 Tonnen. Schon bisher war die aus- ländische Kohleneinfuhr nach Deutschland relativ im Steigen, während die deutsche Konkurrenzfähigkeit im Ausland und im bestrittenen Gebiet offenbar zurückging. Das hat sich noch ver- stärkt. Selbst der geringe deutsche Kohleiwerbrauch wird offenbar in abnehmendem Maße van den deutschen Zechen gedeckt. Obwohl die Förderung erheblich weiter eingeschränkt wurde, sind die Halden- bestand« auf den Zechen Ansang August auf 6,7 Mill. Tonnen gestiegen gegen 6.1 Mill. Tonnen Anfang Juli. Für weit über 100 Mill. Mark werden ollein in diesen Beständen jetzt Zinsen verloren. Wie l a n ge noch wollen die Zechenherren auf chren hohen Preisen bestehen bleiben? Wie lange noch will die Reichs- regierung, die Eütgriffsmöglichkeilen hätte, den überhöhten Preisen noch untätig zusehen? Die Arbeitslosigkeit im Ruhrbergbau wird gegenwärtig durch die Schuld der Zechcnherren imnicr weiter verstärkt, die K r i s e n u r s a ch e n werden allgemein in Deutschland durch die hohen Kohlenpreise verschärft. Die Bereinigten Staaten, England, Belgien und auch Frankreich haben ihre Kohlen- preise schon sehr erheblich herabgesetzt. Der Absturz der Kohien- konjunktur hat internationalen Charakter. Nur die deutschen Zechenherren weigern sich, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Sie haben noch am 1. Mai 1928, als schon Anzeichen der rückgängigen Konjunktur vorlagen, ihre Preise erhöht. Selbst diese Preis- crhöhungcn sind heute noch nicht wettgemacht. Kein Zweisel ist darüber, daß die Lage der Zechen sich auch deshalb immer mehr verschlechtert, weil die Kohlenkäufer auf eine Preis- senkung warten und deshalb mit ihren Einkäufen zurückhalten. Oeuisch-französische Zusammenarbeit. 7!eugruni)ungen auf dem Gebiet der Chemie. Zu den verschiedenen Erscheinungen deutsch-sronzösischer Zusammenarbeit auf dem Gebiet der chemischen Produktion tritt eine neue Gemeinschaftsgründung. Wie aus Poris ge- meldet wird, ist dort mit einem Aktienkapital von 12 Millionen Frank»» eine Gesellschaft unter dem Namen Societe des Produits Peroxndes(Gesellschaft für Wasserstoffsuperoxyd- Erzeugnisse) begründet worden, d-e nach einem deutschen Verfahren iScheid«anstalt) Wasserstoffsuperoxyd herstellen soll Beteiligt on dieser Gründung sind neben dem französischen Stickstostkon.yrn A i r Liquid« einig« deutsch« Gesellschaften, in erster Lim« d>« Deutsch« Gold- und S ilb e rs chei d e a nfto lt. d'e bc. konnllich zum Konzern der Metallgesellschaft in Frankfurt a. Main Lelprt, ferner d'.e El-ektrochamjchs Betife 2LX3. m München, außerdem«ine diesen Unternehmungen nahestehende österreichische und schweizerische Gesellschaft. Den Aussichtsrat des französischen Unter- nehmen» bilden Vertreter dieser Gruppen. Wasserstoffsuperoxyd ist ein vielverwendetes Oxy- dationsmittel, das in der Medizin zu Desinfektionszwecken, in der Textilindustrie zum Bleichen von Seide usw., als Färbemittel usw. benutzt wird. Ein wsitever Fall deutsch-französischer Zusammenarbeit ist die Errichtung einer großen Petroleum raffinerie in der Nähe von Marseille(für Errichiung und Standort entschie- den unseres Wissens m i l i t ä ri s ch- st r a t e gi s ch e Gründe), bei der ebenfalls nach einem deutschen Verfahren gearbeitet werden soll. Hauptoktionär ist der große französische Chemie- und Glas- konzern- S a i n t Gobain: deutscherseits ist die Mineralöl- und Asphaltwerk A.-G.(M i n o u x- G r u p p e) beteiligt, nicht nur durch Lieferungen und Verfahrenhergabe, sondern auch kapital- mäßig. Der Saint Gobain-Konzern kontrolliert den größten Teil der deutschen Spiegelglasherstellung: er bildet eine der bedeutendsten Gruppen der französischen chemischen Industrie. Auf einige andere Formen deutsch-französischer Zusammen- arbeit in der chemischen Produktion sei hier verwiesen: so auf den zwischen dem JG.-F a r b e n- K o n ze r n und dem französischen Kuhlmann-Konzern seit über zwei Jahren bestehenden Jnteressengomeinschaftsocrtrag im Farbengeschöft, aus die ge- meinsam« Beteiligung der JG.-Farben und französischer Finanz- kreise an der norwegischen Stickstoffgesellschast N o r s k Hydro, ferner auf eine Reihe deutsch-französischer K u n st s e i d e g r ü n- düngen. Die sich mehrende dcutsch.französische Kapitalverflech- tung auf diesen und anderen Gebieten wird zweifellos auf die Dauer nicht ohne günstige politisch« Auswirkung sein. Mengers'(Samtverluste. Der Berliner Belvctfabrit M. Mengers u. Söhne A.-G. in Berlin und Schwiebus ist ihr vor vier Jahren vollzogener Beitritt zum Konzern der lDtechonischen Weberei Linden immer noch nicht gut bekommen. Während für die Stabilisierungsjahre 1925 und 1926 je 17 Proz. Dividende verteilt wurden, brachten die vier Jahre unter der Konzernherrschaft keinen Gewinn. Das Geschäftsjahr 1929 schließt nach der im„Reichsanzeiger" veröffentlichten Bilanz mit einem Berlust in Höhe von 359 000 M. ab, um den der Verlustvortrag aus dem Borjahr sich auf 850 000 M. erhöht. Während die ersten Monate des verflossenen Jahres sich befriedigend angelassen hoben, muß di« Gesellschaft nun 2,34 Millionen Mark Bankschulden ausweisen(Vorjahr: 1.85 Mill.). Der Status ist nicht flüssig: allein die Warenbestände erreichen mit 4,25 Mill. fast die Höhe de» Aktienkapitals von 4,50 MM. V* der deutschen Blaschinenindussrie sind im Juli nach dam Bericht des Vereins Deutscher Majchincnbauanstalten Anfragen und ?liiftra!ze wieder zurückgegangen. Eine gewisse. Besserung bei im ganzen unbefriedigendem Geschäftsgang mar für«rast. maschmen. Waagen und Maschwen für die RaHrunZÄ- und Genuß- aöti�ßsbustne fchUiPe-lltM. X. Kür die Partei! Sieg der Goziaidemokratie ist Sieg der Gewertschüsten. have t, b. S„ bcn IJ. August-((Sigenfeeri�t,) Am Hannabenb fanb in Äöfen für bei, Bezirk Hall« b«» Deutschen Metallarbeitcroerbanbes, einst Hochburg der KPD-, eine stark besuchte Bczirkskonferenz statt- Bezirkslciter Rößler referierte über die Reichstagsivahl und ließ die einzelnen Parteien und ihre Taten Revue passieren, um dann zu dem Schluß zu kommen, daß für Gemerkschafter nur die Sozial- demokratische Partei in Frage kommt und sich alles f ü r d«r«n Si»z am 14. September einzusetzen hat- Rötzler fand mit seinen Aueführungen lebhafte Zustimmimg. Es wurde dann ein Aufruf an dje Metallarbeiter Mitteldeutsch- lando beschlossen, in dem es heißt: „Laßt euch nicht beirren durch Wahlversprechungen der bürger- lichen Parteien, auch nicht der neuen sogenannten Staatspartei, noch von den Nazis oder Kommunisten. Denkt an die Taten der bürger, lichen Parteien im alten Reichstag und ihr seid gewarnt. Denkt an die Tätigkeit der Nazis in Thüringen, an die lieberfall« und Niederschlagung von ehrlichen Arbeitern. Denkt an die fruchtlose Alles- ober Nichls-Politik der Kommunisten. Nazis wie Kommunisten find Schleppenträger der Reaktion. Die bürgerlichen Parteien setzen ihre Hoffnungen darauf, daß die Nazi? und Kommunisten durch Zersplitterung und Zerschlagung der Ar, beiterorgonisationon die Kampskrast der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften schwächen. Denkt daran, wie dt« Kommunisten täglich die Gewerkschaften de- schmutzen und bekämpfen, mit der Absicht, sie zu Z e r- Siemens dementiert. Und was tut Stegerwaid? Di« Direktion d«r Siemens-Werke teilt mit, daß chr von«inem Rundschreiben, in dem sie, nach Meldungen einer Berliner Mittags? zeitvng. ihren Angestellten mitteilte, daß neu« Abbaunmßnohmen »ermieden und alte Kündigungen aufgehoben werden sollen, wenn sich di« Belegschaft mit einem Gehaltsabbau von Ist Proz. und einer entsprechenden Arbeitszeitkurzung«inverstanden erkläre, nichts bekannt ist. Nach Auffassung der Eiemens-Direktion liegt bei der unveränderten Stellung der Gewerkschaften zu einem solchen Schritt auch kein« Veranlassung vor. » Die von den Gewerkschaften zum Schutz der Angestellten er« haben«» Forderungen können nicht aufgegeben werden. Di« Metall? firmen müssen sich darüber im Klaren sein, daß sie ohne Zusammen- arbeit mit den Gewerkschaften nicht zu einer Lösung des Konfliktes kommen können. Ein«? Einladung zu Besprechungen werden die Angestelltenverbänd« selbstverständlich Folg« leisten. Einstweilen haben jedoch die Berliner Metallindustriellen anscheinend kein Be- dürfnis nach einer neuen Fühlungnahme mit den Gewerkschaften. Nach außen hin treiben st« Trotzkopspolftik, in privaten Unter- Haltungen dagegen will keiner der treibend« Schartmocher sein. Um so mehr hätte da» R« i ck)» a r b« i t» m i n i st«? tu m di« Derpflichwng. für ein« gerecht« und billig« Lösung de, Konflikte« zu sorgen. Es kann sich nicht damit zufnaden geben, daß die vosfentlichkeit in ihrer übergroßen Mehrheit auf der Seit« der Angestellten steht und dies« damit moralisch unterstützt. Noch immer hört mqn nichts davon, daß der Arbeit? minister irgendwie versucht, den Trumpf der Auftragserteilung aus dem Archeitsheschaffungsprogromm gegenüber d«n Berliner Metall- industriellen auszuspielen. Warum entschließt er stch nicht, aus der Reserve herauszutreten? Oder will er sein« Stellungnahme bis nach den R e i ch s t a gs w a h l e n vertagen? Irreführung der Oeffentlichkeii. »Allgemeine Aleisther.Jeilvng«' verhShni Slrbeitslsfe. Dam Verein der Berlin«? Buchdrucker und Schriftgießer, sowie »am Spartenvorstand der Stereotypvure wird uns geschrieben: Äm„Vorwärts"' und im„Lotal-Anz-iger" erschien am 7. August Z930 folgendes Inserat: Da auf dem Städt. Arbeitsnachweis ein« passende Ersatzkraft mcht vorhanden ist, wird aus diesem Weg« sofort für ea. 3 Wochen zur Aiishilf,«in erfahrener Stereo typeur flach und rumd, Gigant, und Compleo-Apparat. gesueht. Wochenlohn RM. 50.-(also RA. 22,30 über Tarif). Arbgitsbereitschost v. 8—4, also 8 Std.,»apon aber nur 2 Std. wirklich« Arbeitszeit. Druckereikontor der Allgemeinen Fleifcher-Zeitung A.-G., Berlin SW. 68, Zimmerstr. 72—74. Hierzu stell»» wir folgendes fest: Unter den 51 auf dem Nach- >»» eingetragenen Stereothpeure» befinden sich mehrere, die W«s« Sp«zialmoschln«n dedlenen können, zur Zeit des Anrufs aber Mtcht auf dem Nachweis waren. Es ist üblich, daß derartige Spezial- kräfte vom Nachävei SV erwa lte r au» der Zahl der gemeldeten Klrbeitslosen herausgezogen werden, was in diesem Fall« nicht möglich war. da sofortiger Antritt gefordert wurd�. Außer. bern handelte es sich uur um di« Einstellung einer Ferien- pus Hilfe für 2M Wochen. Dl« im Betrieb d«r„Allgemein»» Fleijchcr-Zaituug" an diesen Maschin« baschüstigten zwei Stoseotizpture erhalten einen Lahn «o» SO und SS M. al» Spezialarbeiter. Den sich für dies» Witell« Meldenden wurd»«ine Wochenlohn pon LO M. ge? bot««. Hiera»» geht hervor, daß die„Allgemeine Fleischer- jZeitUN«' beabsichtigt, sich den allgemeinen Lahnabbaudestr«, .Hungen de» Vereins Berliner Buchdruckereibesitzer onzu- ßchließen. Es gibt bei der Firma kein«„Arbeitsbereitschaft" WM 8 bis 4 Uhr, sondern«in« effektive Arbeitszeit von « S t u n d e n, von denen allerding» nur 2 Stunden zur Herstellung d«r„Allgemeinen Fleifcher-Zeitung" benötigt, di« übrigen 6 Stunden |edoch für vorarbeiten und Arbeiten für andere Zeitschriften Bf» ausgenutzt werden. Jeder Stereotypeur bat also seine voll« 8 Stunden Beschäftigung. Daß dieses Inserat im„Vorwärts" aufgenommen werden konnte, erscheint uns unverständlich und ist zur Zeit noch Gegenstand einer geforderten Untersuchung. Es bedarf wvhl keine» besonderen Hinweises für di« Leser de,„Vorworts". *8« für unsere Mitglieder, daß diese Anzeig« ausschließlich dem Zweck dienen sollt«, den allgemeinen So h nabb o u b e st r« b u n. ge« dar»uchdruckunternehmc? die Weg« zu ebnen und Stumvung schlagen. Denkt daran, daß nur geschlossen« Orgamsaftonen in der Lage sind, erfolgreich die Interessen der Arbeiter wahr, nehmen zu können. Deshalb Kolleginnen und Kollegen! Ihr Frauen und Männer von Stahl und Eisen! Setzt euch mit eurer ganzen Kraft für den Sieg der Sozialdemokratischen Partei, für den Sieg der Gewerkschaften gm 14. September ein! Nieder mit der Reaktion und ihren Helfershelfern!" Ablehnung des Schiedsspruchs für Mitieldeuffchland Rößler referiert« sodann über den Verlauf und da» Ergebnis der Arbeitszeitbemegung und nahm kritisch Stellung zu dem am 6. August in Berlin gefällten Schiedsspruch. Ohne Debatte wurde nachstehende Entschließung angenommen: „Die am g. August in Köse» tagende Bczirkskonferenz des DMA. billigt die Haltung der Organisationsleitung bezüglich der Füh? rung der Bewegung in der Arbeitszeitfrage und lehnt gemäß ihrem Vorschlage den Berliner Schiedsspruch vom 6. August d. I. au» denselben Gründen wie den höllischen Schiedsspruch vom 12. Mai d. F. a b." Ebenso nahm die Konferenz Stellung zu dem Verlaus und dem Ausgang de» Mansfelder Streiks. Der Bevollmächtigte der Dermal, tung Hettstedt, Sauer, hatte hier das Referat übernommen. Seine Ausführungen wurden von L a n g n e r und Rößler noch ergänzt. Eingehend wurde erläutert, warum der DMA. seine Zustimmung und Unterschrist zu der getroffenen Vereinbarung nicht geben konnte. Die Haltung der Organisationsleitvng fand einmütige Billigung. M'SelnM' Ulli! GuweiKsdiattshuilitMre! Htnie,>»> Übt. in 4cn MasUrcraSIen, KaUer-Wilhelrn-Sir. Si große Funktionärkonferenz aller SPP.-Betriebi- an«) GcwerkschafiefankHonSre. T«ge(ior«nnng: 1»Der 14. September und der polititch« Kampf im Betrieb." Referent: Oenosse A- FelKenherg. M d Ii. 2. Auesprseh". .? Unsere Arbeit im Betrieb-— Der wichtigen Tagesordnung wegen ersuchen wir alte Betriebafunktionire, an dieser Konferenr teilrunehmen Di« Vertreter der Klein- und Mittelbetriehe sind besonders eingeladen. Ohne Parteibuch und funKtionirkarte kein Zutritt Da» BetriebasekrelariaL gegen die Arbeitslosenversicherung und gegen die Arbeitslosen selbst zu machen. <> Auch wir bedauern, daß das Inserat im„Vorwärts" erschienen ist. Wie uns vom Verlag mitgeteilt wird, hat die Inseraten, abteilung— wie e» stets im Verlag des„Vorwärts" geschieht, wenn es sich um Arbeitsangebot« handelt— v o r der Annahm« de» Inserat? beim Verband der Buchdrucker angefragt, ob bei der „Allgemeinen Fleifcher-Zeitung" Differenzen bestehen. Daraus ist ausdrücklich di« Antwort erfolgt, daß Differenzen nicht bestehen— wie e? übrigens damals auch den Taffachen entsprach— und Be? denken gegen di« Annahme de» Inserats nicht bestehen. Allel dingz, hätte man im Buchdruckerverband de« Inhalt de» Inserat», oder hätte man in der Inserotenabtellung die Löhne der Aeratypeur« der„Mgemeinen Fleifcher-Zeitung" gekannt, da? Inserat würde dann nicht aufgenommen worden sein. Handelt e» sich also bei der Veröffentlichung de? Inserat? m» ein beoaueickiches Vorkommnis, für da» die Inseratenabteilung de» „Vorwärts" keine Schuld trifft, so handalt e» sich bei der„All? gameinen Fleifcher-Zeitung" um ein absichtlich«? Manöver zur Ler- höhnung der Arbeitslosen und um einen Lohndruckoersuch. der aller- ding? bei der Geschlossenheit der Organisation der Sterootypeu?« von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Das Gebaren der Ge- fchäftsleitung der„Allgemeinen Fleifcher-Zeitung" verdient Zffent- lich gebrandmarkt zu werden. Die Streittage in Rordfrankreich. Abbröckelt» der llaiernehmerfront. Der kritische Montag ist im nordfranzösischen Streikgebiet, abgesehen von einigen unbedeutenden Zwischen? fällen an der belgischen Grenze, ruhig verlaufen. Di« Kenn? munisten hatten anscheinend im letzten Augenblick doch nicht den Mut, die von ihnen angedrohte Verhinderung der Wiederavsnyhm« der Arbeit in einzelnen Fabriken durchzuführen. So konnten gm Montag etwa 10 000 Arbeiter in die Fabriken zurückkehren, die sich mit den Forderungen der Gewerkschaften einverstanden erklärt hatten. Im übrigen hält das Abbröckeln der Unternehmersront weiter an, trotzdem die Scharsmacher, vor allem der Direktor de» Textllsyndikats, L«?. immer noch versuchen, mit ihrer Einschüchte- rungstaktik den Streik zu ihren Gunsten zu enffcheiden. All« Bemühungen des Präfetten des Norddepartement,, direkte Verhandlungen zwischen Unternehmer und Arbeitern herbeizuführen, sind an der unversöhnlichen Haltung der Scharfmacher bisher g e> scheitert: dennoch ist eine ollgemein« Entspannung der Log««in- getreten, und man hofft, daß dl« nächsten Tage wenigsten« ein« provisorische Einigung bringen werden. DI« kommunistischen Quertreibereien im nord. französischen Lohnkonslikt hoben ihren Grund nicht zuletzt in der B«. fürchtung der Moskauer Drahtzieher, daß die Einführung der Sozial- Versicherung«ine Stärkung der freien Gewerkschaften bringt. Ein die ganze Zlrbeiterschoft einbeziehende» Sozialversiche- rungssystem kenn die Grundlage einer besseren gewerkschaftlichen Organisierung der französischen Arbeiterschaft werden. Das ist es aber gerade, was die Kommunisten und die Unternehmer nicht «ollen. Daher scheuen sie nicht davor zurück, fast mit den gleichen Argumenten wie dl« Unternehmer gegen die Gedanken der Sozial- Versicherung Front zu machen. Ausdehnung des Gtalersireits. ?!ur die Jnbvfirleverbäniffer üben weiter Streikbruch. Gestern mittag tagte im Derbandshaus der Baugewertschost Berlin ein« Versammlung der st r« i k e n d e n S t a k e r. Es wurde nach einem Referat des Fachgruppenleiters. Genossen Schmidt, einstimmig beschlossen,«ine weitere Reihe von Stakerunternehmern in den Streik oinzubeziehen. Bei allen Finnen, di« bisher di« For. derung der streikenden Staker bewilligt haben, bringt die Bau- gewerkschaft Berlin noch einmal zum Ausdruck, daß Stäkerarbeiten nur von Kollagen auszeiührt werden dürfen, die im Besitz einer güiiigen und unterschrifllich vollzogenen Zlrbeitsberechti. gungskarte der Baugewerkschaft Berlin sind. Der Kampf im Stakergewerb« hat sich insofern zugespitzt, als diejenigen Uuternshmer, die bewilligt haben, von dem Ring bcr Gtakerunternehmer ausgeschlossen und zur ZahIsviA ei«er Konventionalstrafe verurteilt werden sollen. Hinter dieser Maßnahme steht der Verband der Baugas chäft« Berlins, he? aber an d-m Erfolg der©toter auch nicht? wird ändern können. Schmählich bleibt nach«i« vor die Roll« des„revvwtio- nären" Industrieverbandes für das Baugewerbe, einer syndikalistilch-kommunistischen Spitzenorganisation. dessen M't- glieder auch heute noch offen Streitbruch verüben. Gestern früh erklärte die Sektionsleitung der Staker des Industrieverbandes, die auf der Baustelle Blanke Höll« in Tempelhos arbeitet, daß si« nicht daran dächte, von der Baustell« zu gehen! Ans einer Bau- stelle in Bohnsdorf versuchten die.Laiser-Leute" die Vertreter des Baugewerksbunde», di« sie aufforderten, die Arbeft einzustellen, tätlich anzugreifen und mußten es sich gefallen lassen, von dritter Seite ausgefordert zu werden, unter den vorliegenden Um- ständen doch di« Arbeft einzustellen! Zu ähnlichen Zwischenfällen mit den„revolutionären" Kaiser« Leuten ist«» gestern noch auf einer ganzen Reihe von Baustellen gekommen. Di« Kaiser-Leute schämten sich nicht, vor de» Augen der Unternehmer zu betonen, daß ihr Hauptseind derBau- ge werk sbund ist. Die organisierte Bouarbefterschast wird sich mit Verachtung von solchen Gesellen abwenden. Heute abend nimmt eine Mitgliekerversammlung der Staker- fachgruppe zn der augenblicklichen Sftu«tion Stellung. Di« Ber- sammlung beginnt um 7 Uhr im Derbandshaus der Baugewerkfchast Berlin in der Großbeerensiraße 96. Lim das englische Bergbaugeseh. Giellungnahme der Äergarbeiter. Landau. 11. August.(Eigenbericht.) Am Vontag begann in Westen-Super-Mar« der alljährliche Kongreß de» Bergardeiterverbandes. Es kommt ihm besondere Bedeutung zu, da sich auf ihm nochmals deutlich die Stellung der Lsrgardefter zu dem neuen englischen Kohlen- g e s« tz zeigen wird, sowie die Holtunz, die die Bergarbeiter in der Frag« der Verwandlung des 7)--Stundentages in eine 4S»Stun- d e n- W a ch e bzw. 90«Stunden-Doppslwoche einnehmen werden. Bekanntlich sieht das Gesetz infolge eines vom Oberhaus durchgesetzten Abänderungsantroges vor, daß diese Verteilung von den Gewerkschaften in den einzelnen Distrikten mft den Unternehmern vereinbart werden kann, daß aber der Bergarbeiterverband jeweils feine Z u st i m m u n g g e b e n m u ß. Der Vorsitzende Tom Richard führte bei der ersten Sitzung au», wie di« längere Arbeftszeit seft 1926 verfehlt hob«, dem Kohlenbergbau seine Prosperität zurückzugeben. Die schließlichen Ergebnisse des neuen Kohlengesetzes, da» zwar den 7'/e-Stundeifta g bringt, aber doch sehr den Stempel eines von einer Minderheits regierung gebrachten Gesetze» trägt, seien ooll der größten Möglichkeiten zum Guten wie zum Lösen. Da? Ergebnis hänge vor allem davon ob, ob bei der Zln wen düng der Gesetzesbestimmungen eine weit- gehend« Zusammenarbeit der Arbeiter und Unternehmer stattfinde Wenn die Grubenbesitzer mehr Vertrauen hätten zu den WSglichkefteu ihrer eigenen Industrie—- so sagte Richard— und bei der An- wendnng der neuen durch da» Gesetz gegebenen Möglichkeiten nur halb so viel Energie an den Tag legten, al? sie beim Kampf mn das Gesetz zeigten, dann sei ein« allgemein« Besserung der Lage der Industrie wohl möglich. Tom Richard zeigte dann, von den Interessen der Kohlen- Industrie ausgehend, die Vorglosig-keft der Empire�sreihandelspropa- ganda, die in konservativen Kreisen jetzt ein» so große Roll« spielt. Weniger al» 2 Proz. her englffchen Kohlenousfuhr gehe nach britischen Ländern. Die europäischen Länder dagegen, namentlich Frankreich. Italien. Deutschland. Bafgien. Holland und di« skandinavifchen Länder seien ch« wichtigsten englischen Märkte. Gesperrte Gasiwirisbeinebe Wegen Differenzen wurde» für die Mitglieder de? Zentval- verdand«» der Hotel-, Restaurant, und Eaia-Augestellt-N folgende Gastwirtsbethede gesperrt: Treptow: Kaiserbadgarten. Inh. Jauernick. Grünau: Richtershoru, Iich. Beeck. Tegelort: Restaurant Seeblick, Inh- Radowitz(nicht Restaurant Seeblick Saatwinkel): Restaurant Leuchtturm, Inh. Becker. Grunewald: Schloß Schiachtensee, Inh Ww. Stoegemann. Erkner: Restaurant Eisen- bahn, Inh. Eiadelmann: Restaurant S««blick, Inh. Hiller. Fang- ......w.«---- Tor 2. Horden: Berliner Prater, Kastanienalle« S/9. Strausberg: Hotel Wolfstal, Inh. Freudiger u. Keller, Restaurant Schlagmühle. Inh. Hedrich: Restaurant Rotkäppchen, Inh. Bahn: Restaurant Alt« Spitzmühle, Inh. Kerschhaum. Henke abend Asa-Kmedgebnog. Reue Welt. Hasenheide 108/114, 19 K Uhr. Da, Mitgliedrbuch«ine» der Afa-Devbände dient alz Ausweis. ?t«fttaU»»prsiHe>ie« bei»ES.! Mloosnoh»ia. B?gi»!t ber ffu uft tanärf c W tr-mj hsutt, Dreratcc, 19 lijt, in Sc« JHufiferlnrtn. Zeb« tzraflion ntul pertreten fein.»«» Setriebafrttrtoriat. Freie Gewerkschafts'Lugend Berlin 88. August, g«. enbe Gruppen: ________________.»>W>(dphainrntet). -Der Lchrlinz int Betriebe.�— SumboIW: Jugendheim Graun- Cf!c Corfctng. ' ag:„Die Gegner der ItGI."—' Spandau: Gruppenheim Stüiit. irienuict 1. tziunabend.•- tznanjfufttc Blee: SiSht. Zügen d, S'r. U- Sattrea:„Die»ittfdxjftsrngs'.— Saabsberger Pia»: Sruvprnheim Diesteluteyerfir. 5. Vortrag:„Uuferstuhungowefen der Getieft- trog!.Unsere{feuetiMbt*. Ivaendarvpve d«63entralv«rbandes der Anaestellten Kmite, Dianatag. fasten aste«aranftalwnAUt an»,«je beteiligen uno an der AfA.&unbgebung in der jteun» j&elf■ Hqfeitheide. Perantwaltfich tstr Politik: Dr. sturt Heger! L-irtlchafl: H. jlliua.lbSfee� Setoerkschaftsstauiegune: S. SSeiuee! tzeuivetpit:«. t. i)g((Vr; tolates und Sonst tue«: Sit«»aastadt! An,eiueu:sth. ft'.ade: idnuiii in»etlin, Ceti««:«oeipatn.Deilaa 9. m. h. t>„ Berlin. Druck: Porwarte.Buckjdru-lepei und iezlaeeanftall Beul aiwr u. Di..«SB. 6t, Eintenihale a An Zucker sparen, grundver kehrt! Der Körper braucht ihn— Zucker n ä h r t!