BERLIN Noimerstag 11 August 1930 10 Pf. Nr. 328 B 16» 47. Jahrgang ErscheiuttSglich außerSonntaz«. Zugleich Abendautgabe de«.Dorirärt«'. Bezugsprei« beide Autgaben 85 Pf. pro Woche, 8,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition-, BerlinSW68,Lindenstr.s fflbwasfa Anietgenprei«: Die einspaltige Nonxareillejeile 80 Pf., Reklamejeile 5 M. Ermäßigungen»ach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts, Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 3753«. Fernsprecher: Dönhoff M* bis 2«7 Aazis als Straßenräuber Sie machen Gefangene und mißhandeln sie- Polizei im Bunde mit den Verbrechern lieber das letzte Verbrechen der Nationalsozialisten wird uns aus Mainz geschrieben: Die beiden Musiker H. und Pf., be:de aus Mainz-Kastel, hatten om Freitagabend bei einer Vercinsgesellschast auf der Jngclheimer Aue konzertiert. Gegen 1 Uhr nachts begaben sie sich auf dem Heim. weg und benutzten dabei die Kaiscrbriicke. Als die beiden, die ihre Fahrräder bei sich hotten, in die Nähe der Tankstelle, die sich hinter der Schiffswerft Ruchof befindet, kamen, sahen sie vor sich ein Lastauto hallen, um das etwa 20 Personen kreisten. Im Glauben. c» handle sich um einen Unglücksfall, wollten die beiden Radfahrer näherkommen, doch schon waren sie von den Autoinsassen uwz ingelt und wurden mit Fragen bestürmt, ob sie auf das Auto gescholscn hätten. Dieses wurde entschieden von den beiden Radlern bestritten. Im Verlauf der Unterhaltung stellte sich heraus, daß es sich bei den Autoinsassen um Nationalsozialisten aus Wiesbaden handelte, die allerdings keine Uniformkleidüng trugen. Die Nazis kamen von Mainz-Mombach, wo sie an dem betreffenden Abend «in« Versamnilung abgehalten hatten und sich dabei eine gründliche Abfuhr holten. Die Nationalsozialisten gingey nun dazu über, d i e beiden Radfahrer nach Waffen zu untersuchen. Als die ergebnislos« Untersuchung beendet war, durften die Radler weiterfahren. Doch sollten sie nicht weit kommen. Plötzlich lauchte vor ihnen aus dem Dunkel ein Trupp Nationalsozialisten aus, von denen ein junger Bursche eine» der beiden Nadfahrer anrempelte und dem Gestürzten das Fahrrad entriß. Mit dem Rufe: „Zch habe ei« Fahrrad gefunden," eilte das Hitler- bürsechehen zu dem Auto und verstaute dort das ge- raubte Fahrrad. Di« beiden Rodfahrer eilten dem Straßer.räuber nach und konnten auch erreichen, daß ein Führer der Räuber veranlaßte, das Rad wieder herauszugeben. Wieder durften die beiden Fahrer ihres Weges ziehen. Doch halt— kaum waren sie 200 Meter von der Horde entfernt, als sie Motorgcräusch hinter sich vernahmen. In voller Fahrt sauste ein Motorradfahrer einher und versperrte den Radfahrern den Weg. Im Sturmschritt folgten ihm zirka 3 0 Hitler inner, deren Führer an die vom Rade abgestiegenen Musiker die Frage richtete:„Wo kommt Ihr her?" Auf dh Antwort der beiden, daß sie in Mumbach gewesen seien und dort Musik gespielt hätten, fielen die RowdhS über die Ueberfallenen her und trak- tierten sie in brutaler Weise mit Schlägen, Gummi- knüppel, Messer. Der Musiker Pf. stürzte, nachdem die Rotte ihn niedergeschlagen hatte, blutüberströmt und bewußtlos zu Boden. H. erhielt schwere Schläge auf Kopf, Nacken und einen Messerstich, der ihm die Unterlippe durchbohrte. Dabei schlugen die Nationalsozialisten auch noch auf ihre Opfer ein. als diese vollständig wehrlos am Boden lagen. Mehrfach fielen dabei die Worte:„Das sind die Lumpen und Büttel, die geschossen haben." Di« Zerstörungswut der nationalsozialistischen„Freiheits". Helden richtete sich auch gegen die Kleidungsstücke der Ueberfallenen. Man riß ihnen förmlich die Kleider in Stücke. Als sich die Prügelwut der Nazi einigermaßen gelegt hatte, warf man in großem Bogen die Dpfer auf das Auto. wo die dort verweilenden und noch von keinem Kampf ermüdeten Nationai-Rowdys erneut auf die Wehrlosen herstllrzten. F a u st- und Gummiknllppelschläge und Fußtritte Hagellen nur so auf die bedauernswerten Opfer herab. Auf dem Auto fanden die beiden Radfahrer noch zwei junge Burschen im Alter von IS und 16 Iahren vor, die man auf die ähnliche Weise überfallen und„gefangen" genommen hatte. Als die Nazis endlich ihr Mütchen einigermaßen gekühlt hatten. fuhren sie mit ihren Opfern davon. Unterwegs fehlte «, natürlich nicht an„liebevollen" Fußtritten und dergleichen. In Wiesdadeu, wohia ist« Gesellen sichren, wurde vor einem Stammlokal der Nationalsozialisten, Nähe des Polizeipräsidi- ums, haltgemacht. D i e Opfer mußten ebenfalls das Auto verlassen und wurden mit in das Lokal ge- n o m m c n. Die Wirtschaft war befegt mit Nationalsozialisten, die die zurückkehrende Horde mit Jubel begrüßte. Auch die Wirtin be- teiligte sich an dem„feierlichen" Empfang mit dem Rufe:„Schlagt die Lumpen tot." Die WirtschaftSinsassen bildeten Spalier und ließen die Opfer Spießruten laufen. Wieder prasselten un- aufhörlich Schläge auf die Bedauernswerten herab. Als sich die Raufbursche» wieder gestärkt hatten, transportierten sie zu allem Höhn noch in der Nacht gegen 2 Uhr die Opfer a u f da» Polizeipräsidium Dort waren einige Beamte an- wesend, denen die begleitenden Nationalsozialisten die Ueberfallenen als diejenigen vorstellten, die angeblich auf sie geschossen hätte» Dabei leistete sich«in P o l i z e i b e a m t e r, der anscheinend, wie seln Benehmen zeigte, intime Beziehungen mir den Nazis pflegt, den Ausdruck:„Hättet Ihr doch die Kerle t a t g e s ch l a g e n." Nun setzte ein Verhören und Aufnehmen der Personalien ein, das damit endete, daß man die Ueberfallenen, ohne nach ihren Wunden zu sehen und ohne ihnen BcrbandSmaterial zu reichen, obwohl der Pf. aus Mund, Nase und Ohren blutete, in Orinzclzellcn einsperrte. Erst am anderen Tage, gegen 12 Uhr. öffneten sich die Pforten der Zellen. Andere Beamte»ahnten die Verhandlungen auf und überzeugten sich alsbald von der Unschuld der 5l a I e r Musiker. Der Gerichtsarzt wurde herangezogen, und stellte bei dem H. einen Messerstich fest. Erst um Vi« Uhr nachmi.tags wurden die„Gefangenen" der Nationalsozialisten freigelassen. Lückenlos war ihre Unschuld bewiesen, während rran gegen die Straße nräuber ein Strafverfahren eingeleitet worden ist. Besonders heroorgetan hat sich in dem„Freiheitskampf" der Hitlerführer Gimbel, auf dessen Haupt der größte Teil der Schuld fällt. Die beiden übersallenen Kasteler Musiker sind Mitglied keiner Partei oder politischen Organisation und haben sich seither noch nie politisch betätigt.; Wir erwarten, daß nun endlich gegen diese Verbrecherbandcn energisch vorgegangen wird, und vor allem, daß die preußische Rc- gierung im Wiesbadener Polizeipräsidium ausräumt. Freie Bahn für Preissenkung Zwangsmaßnahmen gegen Kartelle vom ZUichswirtschastsrat empfohlen Die Reichsregierung hat am 29. Juli den Reichswirlschaftsrat um ein Gutachten zu der wichtigen Frage gebeten,.ob in der gegenwärtigen schweren Wirlfchaslskcise die karlellmähigen Preisbindungen den Preisabbau voltswirtschastlich hindern und ob Zwangsmaßnahmen der Regierung, sei es zur Aufhebung der Karlelle, sei es in anderer Form, volkswirljchofllich geboten wären. Der wirlschoslspolilische Ausschuß des Reichswirlschastsrats Hai dieses Gutachten jetzt erstattet. 3n allen praktischen Fragen, bei denen es auf eine Senkung hoher Kartellpreise ankommt, ist da» Gutachten des Reichswirlschastsrales positiv, und die Regierung hat nun das vom Reichswirtschaflsral erbetene patent zur D u r chf ü h r u n g der nnsuen Kartellverordnung. Bei der gegenwärligen Notlagz der deutschen Wirtschast, so heißt es in dem Guiachten, sei es grundsätzlich notwendig, auf jede wirlschastlich mögliche Senkung der Preise hinzuwirken. Der An- teil der Waren mit kartellmähig gebundenen Preisen werde von Regierungsstellen für das Jahr 1929 auf 15 von 50 bis 60 Milli- arden M. Jndustrieumfatz geschätzt, also aus 25 bi» ZO Proz. des deutschen Zndustrieomsahes überhaupt. Jedenfalls feien die kartellmäßigen Preisbindungen von erheblicher Bedeutung für die Gesamtpreislage, zumal solche Preisbindungen gerade bei sehr wichtigen Roh st off- und Halbfertig- waren vorliegen. Einmütig war der Reichswirtjchaitsrat der Meinung, daß eine allgemeine und plötzlich« Beseitigung samt- licher Preisbindungen erhebliche Verschärfungen der gegenwärtige» Wirtschaftsschwierigkeiten herbeiführen werde. Wenn aber auch eine durchgängige Aushebung der Kartellpreise, d. h. letztlich ein Verbot der Kartelle, nicht empfohlen werden könne, so sei es doch er- wünscht, die Bindungen in einzelnen Fällen, wo uaange- messen hohe Preise oder Preisspannen vorliegen, nötigenfalls durch Anwendung d:r Regierungsvollmachlcn zu beseitige�. Bei der wichtigen Frage der Markenartikel ergab sich keine vollständig einheitliche Stellungnahme des Ausschusses. Es hat aber offenbar die Mehrheit die Nachteile der Preisbindungen bei den Markenartikeln so hoch eingefchätzt, daß der Rcichswirt- schafistat der Regierung empfichit, auf Grund ihrer Vollmachten die Preisbindungen der Verkäufe für die Lebens- und Genußmittcl_ die in der Form der Martenware vertrieben werden, zugleich' allgemein auf--uheben: ferner sollen alle Rechtsmittel angewendet werden, um Umgehungen(Weiterlieferungsoerbote, Sperren und ähnl.) nachdrücklich zu verhindern. Im Reichswirtschrftsrat besteht Einmütigkeit darüber, so heißt es weiter, daß mit möglichster Beschleunigung Klarheit über die von der Reichsregierung auf dem Gebiet der Preisbindungen zu treffende» Maßsahmen im einzelnen heckeigeführt werde» müsse. Der Reichswirtschaflsrat bittet daher die Regierung, ihm sobald als möglich diejenigen Fülle mitzuteilen, in denen die Re- gierung ei» Eingreifen für notwendig hielt, damit der Reichswirt- schastsrai die Regiemig bei den von dieser durchzuführenden Maß- nahmen gutachtlich beraten kann. Dieses Gutachten des Reichswirlschastsretes schaßt für Preissenkungen bei de» Kartellen s r e i e B a h n. Die Rcichsregierung hat ein positives Gutachten erhalten, in dem steht, daß Preissenkungen bei den Kartellen notwendig sind, und daß die Reichsregierung nunmehr Blahnahmen im einzelnen zu treffen hat. Wir warten auf diese Maßnahmen. LlSA. kontrolliert Preissteigerung. NegierunsiSmahnahmen gegen Spekulation. Wafhinglon, 14. August.(Eigcnberichl.) Die Bundesregierung beschloß die schärfste Bekämpfung der sich immer mehr ausdreilende» Rahrungsmitlelspekulalion. Zur Unlerbindnng der wilden Prelslreibereiea in den von der Dürre heinigesuchte» Gebielen ordnete sie str e n g e Aufsicht a». Die Spekulanten mit landwirlschasllichen Produkten sollen straf- rechllich verfolgt«verde». Aus vorslell-.ingen des Rew-gorker Abgeordneten Laguardia verfügte die Bundesregierung gleichzeitig die Herausgabe eines täglichen prelsbulletius, namentlich dort, wo die spekulativen Machenschaften besonders fühlbar sind. Die Rew-Jarker Sladlbehördcn befchlofjcn die Einsetzung einer slädlischcn Preiskommission für alle wichtigen Rah- rungk«n!ltel und die Bekanntgabe des täglichen Durchschnittspreises mittels Radio und Presse. Strafanzeigen des„Vorwärts" Gegen Horlemann und Ernst Schneller. Der„vorwärts"- Verlag, gez. Theodor Glocke. u>:d die „vorwärls"-Redaktion, gez. Friedrich Stampfer, haben gegen den Pholographe» horlemann, W. 57. und gegen den verantwortlichen Redakteur der„Roten Fahne", Schneller. Strafanzeige erstatlel; gegen h. wegen versuchte«r Be- k r u g e s, der darin bestand, daß er untermischt mit anderen echten Bildern der sozialdemokratischen euflgarlen-Demonsiralion vom 1. August der„vorwärts"-Redaktion das Bild einer anderen Demonstration zusandte und sie dadurch irreführte: und gegen Ernst Schneller wegen Verleumdung, weit er die Behauviung der„Roten Fichnc" zu verantworten hat, daß die Redaktion des „vorwärts" durch Fälschung de» Bilde» ihre Leser habe beschwin- del» wollen. Gallimathias Treviranus. Gr hört nickt anf zu orakeln. Der Minister für die ehemals besetzt gewesenen Gebiete, gegen deren Befreiung er vergeblich gestimmt hat, Herr Treviranus, hat schon wieder ein Interview gegeben! Zunächst hatte er die katastrophale Wirkung seiner Sonntags- rede durch das Dienstag-Jnterviaw mit dem..Börsen-Courier;u korrigieren versucht. Als nun die gesamte Presse ohne Unterschied der Partei seinen R ü ck z u g konstatierte, war er abermals sehr erstaunt und ließ sich am Mittwoch schleunigst den Berliner Vertreter der„Königsberger Allgemeinen Zeitung" kormnen, um einen neuen Reparationsversuch zu unternehmen. Es wurde aber diesmal auch nicht besser, sondern nur noch schlimmer. Herr Treviranus betonte„mit äußerstem Nachdruck", eine neue Grenzregulierung im Osten sei die n ä ch st e dringende Frag«, die gelöst werden müsse. Darin gehe er mit dem Kanzler, mit seinen Ministerkollegen und SV Proz. der deutschen Bevölkerung konform. Der Vorschlag d' O r m e s s o n s in der„Revue de Paris", das Korridor-Problem etwa dergestalt zu lösen, daß souveräne deutsche Querverbindungen nach Danzig und Ostpreußen geschaffen würden, allerdings nur in der Breite eines Federstriches, sei gänzlich verfehlt. Der Minister schloß: „Die gerechte Lösung des Korridor-Problems ist es, die wir mit all»n politischen und diplomatischen Mitteln erstreben. Ich weiß, daß zahlreiche prominente Politiker des Auslandes, auch solche in Paris, in dieser schlechterdings europäischen Frage unsere Ansicht teilen. Man unlerschäht mich, wenn man mir unterstellen will, daß ich mir die Lösung des Korridor-Problems aus kriegerischem Wege vorstelle. Nein, diese Angelegenheit ist zunächst eine Sache des Völkerbundes. Danach ließe sich auch eine Konferenz der beteiligten Anrainer in die Wege leiten. Wann es so weit sein wird, wage ich nicht zu prophezeien, aber die Bereini- gung der Ostfrage ist jetzt nach der Liquidation des Rhein-Problems akut. Sie steht aus dem nächsten außenpolitischen Pro- gramm der Reichsregierung." Welches politische Bedürfnis zu dieser dritten Mcinungs- äußerung innerhalb von vier Tagen vorhanden war, ist nicht ein- zusehen. Desto verständlicher ist das persönliche Bedürfnis des Ministers, sich vor seinen Freunden zu rehabilitieren und zur Ab- wcchslung wieder einmal den forschen Seekadetten zu spielen. Was aber die SO Proz. des deutschen Volkes betrifft, auf die sich Herr Treviranus beruft, so steht eine solche Berufung schlecht einem Manne an, der heute noch nicht weiß, woher er die 60 000 Stimmen holen soll, die er braucht, mn in den Reichstag zurück- zukehren. Sachlich bedeutet die neueste Erklärung eine Fortsetzung des Versuchs, das ernsteste Problem Europas in einer Flut unfrei- willigen Humors zu ertränken. Die Neuregelung der Ostgrenzen steht auf„dem nächsten außen- politischen Programm der Reichsregierung". Sie ist dringend und akut. Alfa muß diese Frage— da die Möglichkeit einer kriegerischen Lösung ausscheidet— vor den Völkerbund. Wird der Völkerbund sie lösen? Dessen scheint sich Herr Treviranus nicht ganz sicher zu sein, denn danach will er eine Konferenz der beteiligten„Anrainer" arrangieren, also eine deutsch-pol nische Konferenz. Will nicht Herr Treviranus— oder vielleicht besser der Reichs- kanzler, auf den Herr Treviranus sich beruft— uns sagen, mit welchen Mitteln die deutsche Regierung Polen zur Wiederherausgobe des Korridors veranlassen will? Herr Treviranus weiß offenbar keine Antwort. Denn auf ein- nml, inmitten der großen Tiraden, erklärt er wiedsr ganz kleinlaut: „Wann es so weit sein wird, wage ich nicht zu pro- phezeien." Wäre es dann nicht besser, zu warten, bis es soweit ist? Bismarck sprach einmal von den Kindsköpfen in der Poliiik, die immerzu die Radieschen, statt sie ruhig wachsen zu lassen, aus der Erde ziehen, um nachzusehen, ob sie schon reif wären. Herr Treviranus hat mit feinem Gerede von Sonntag bis Mittwoch die Lösung des Ostproblems in keiner Weise gefördert. Da- für hat er in der ganzen Welt Mißtrauen geweckt und das Ansehen der Regierung, soweit dies möglich war, noch weiter herunter- gebrocht. Schwere Anklagen gegen Lusthansa Oie paffagiere des Flugbootes hätten gerettet werden können! Opfer unverantwortlicher Schlamperei! In dem aufsehenerregenden Prozeß gegen den Flugzeugführer K u r i n g von der Deutschen Lufthansa wegen der Flugzeug- kalastrophe bei Vornholm im Zult dieses Jahres, über die wir im„vorwärts" ausführlich berichlelen, fällte da« Seegerichl in S k e l l i n in später Rachkstunde folgendes Urteil:„An dem Unfall des Dornier-Wal-Flugbooles I) 864 trifst die Leitung des Flugzeuge, kein verschulden. Die Rettungsmaßnahmen waren den Umständen nach zweckentsprechend. Die Hilfeleistung des dänischen Schoners„Maja" verdient höchste Anerkennung und es erscheint eine Belohnung der Besatzung der„Maja" seilen» de» Reiches für angebracht. Die Ausrüstung des Flugbootes hinsichtlich seiner Schlepp- und Rellungseinrichtung ist als unzu- reichend zu bezeichnen." In der Urteilsbegründung führte Verwaltungsdirektor H e n n i g folgendes aus: Das Seeamt sei zu der Ueberzeugung gekommen. daß die Notlandung des Flugkapitäns Kuring vor Bornholm infolge Propellerwellenbruchs notwendig gewesen wäre. Das Seeamt steht freilich auf dem Standpunkt, daß es besser gewesen wäre, wenn Kuring eine größere Höhe als 10 Meter über der See während seines Fluges innegehalten hätte, und es sei notwendig, für die Zu- kunst eine Verordnung zu erlassen, die für Passagierflugzeuge eine Mindesthöhe über dem Meere Vorsicht. Kuring habe zwar richtig gehandelt, wenn er die Schlepphilfe des Motorschiffes„Maja" an» nahm, doch halle er entschieden richtiger gehandelt, wenn er sich auf die Hilfe des 1500 Tonnen großen Dampfer»„Theodor Griebel" verlassen hätte. In diesem Fall wären wohl alle Passagiere ge- rettet worden. Kuring habe auch insofern einen Fchler begangen, als er später, nachdem die See höher geworden war und die Böen einsetzten, nicht dos Schleppseil kappte und sich treiben ließ. Das Kentern des Wals fei offenbar durch eine sogenannte„falsche" See und durch zwei Böen verursacht worden. Llnverantwortlich: OerZustandderZ�eitungsgeräte. In dem Flugzeug seien wohl genügend Rettungsgürtel vor- Händen gewesen, aber ihre Art habe sich keineswegs bewährt. Ein weiterer schwerer Fehler sei es, daß an der Passagiermajchine nicht eine klappbare Reell ng vorhanden gewesen sei, an der die Passagiere sich festhatten tonnten, daß weder Handgriffe noch Ringe an dem Rumpf befestigt waren, die den ins Wasser gesprungenen Passagieren die Möglichkeit gegeben hätten, sich festzuklammern. um nicht von der Strömung abgetrieben zu werden. Zu fordern fei auch, daß Flugzeuge, wenn sich ein solcher Unfall wieder einmal ereignen sollte, ständig Rettungsleinen bei sich führen, um Schwim- mern die Möglichkeit zu geben, in der Nähe des treibenden Wracks zu bleiben. Gegen Kurings Verhalten bei der Rettung der Passagiere sei nichts einzuwenden. Er habe das beste gewollt, bis zuletzt auf seinem Fahrzeug ausgehalten, und er habe noch, als er erschöpft an Bord der„Maja" gezogen wurde, deren Kapitän zu bestimmen gesucht, nach den Vermißten zu suchen. Das R-ttungswerk der holländischen Jacht„Spes" sei sehr anzuerkennen, doch kam der.- Hilfe leider zu spät. Nicht einmal ein Bootshaken an Bord' Bei dem untergegangenen Seeflugzeug haben sich viele Mängel herausgestellt, die in Zukunft unbedingt abgestellt werden müssen, um die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten und Vertrauen zu der Einrichtung des Seesluges zu erwecken. Leider ließen sich in erster Reihe nur aus Unfällen Lehren sür die Zukunst ziehen, wobei man es ganz besonders bedauern müsse, daß dieses Seeunglück Todesopfer gefordert habe. Ein besonders schwerer Fehler sei es gewesen, daß man dem untergegangenen Flugzeug nicht einmal einen Bootshaken mitgegeben habe. Als ein ebenso schwerer Mangel sei auch das Fehlen des vorgeschriebenen' Schlauchbootes zu bezeichnen. Die Schleppeinrichtungen für Sceflugzeuge müssen von Grund auf verbessert werden, und besonders notwendig sei die Mitnahme eines Schlipps. Eine eigene Behörde für Wasser- flugzeuge sei dringend zu fordern, die, ähnlich wie in der«chiffahrt, jedes Flugzeug auf seine Seefähigkeiten!n� Wasser ausprobiere, die für jeden Typ feststelle, einem wie starken Seegang er gewachsen sei, und die dafür sorge, daß jeder Führer nicht nur in der Luft, sondern auch auf der See die Eigenschaften seiner Maschine bis ins kleinste kennenlerne. Im Zusammenhang damit sei auch zu fordern, daß die seemännische Ausbildung der Flugzeugsührcr. die ständig Seestrecken zu absolvieren haben, in weit gründlicherer Weise als bisher durch- geführt werde. Wahlschlacht in Nürnberg. lleber 70 Verleßle. Nürnberg. 14. August. Gestern abend um 8 Uhr fand eine von den Kommu- li-sten nach dem Herkules-Velodrom einberufene öffentliche Ver- sammlung statt, zu der olle Parteien zum Erscheinen aufgefordert worden waren Die Nationalsozialisten hatten sich mit ihren Führern Streicher. Holz und Liebel in großer Zahl cinae- junden. Bon den Kommunisten sprach Remmele. Da der Redner sich meist mit statistischem Material beschäftigte, wurde er von den Nationalsozialisten aufgefordert, zum Thema„Faschismus oder Kommunismus" zu sprechen. Als der Redner den nationalsozia- listischen Führern vorwarf, daß sie zu hohe GehüUer in ihre Taschen fließen ließen, antwortete ein Nationalsozialist, der Kommunist Büchs Hab« 100000 Mark veruntreut. Remmele erwiderte, diese 100 000 Mark hätten zur Unterstützung der Parte! Verwendirnq ge- funden. Ueber die dann einsetzende Schlägerei gehen die Aussagen aus- einander. Nach der Behauptung eines Versamnili»igsteil,ieh>ners soll zuerst vom Podium aus mit Biegläfern nach Holz, Streicher und Liebel geworden worden fein. Daraufhin entwickelte sich eine regelrechte Schlacht zwischen Kommunisten und National- fozialisten, wobei Biergläser, Stühle, abgebrochene Tischbeine verwendet wurden. Da die Ausgänge nicht genügten, die ins Freie strebenden Versammlungsbesucher schnell genug hinauszulassen, kletterte eine größere Anzahl aus den Fenstern.'In dem Saal ist nichts mehr unbeschädigt. Die Polizei griff mit dem Gummiknüppel ein, unter st ützt von der Feuerwehr, welche die Kämpfen- den durch kräftige Wasserstrahlen trennte. Die Schlägerei setzte sich dann auf der Straße fort. Die Latten eines Zaunes wurden von den Streitenden herabgerissen und als Hiebwaffe bemitzt. Die Schlägerei war etwa um �11 Uhr abends im Saal entstanden und noch lange nachher mußte die Polizei in den angrenzenden Straßen und auf dem Bahnhofsplatz mit dem Gummiknüppel gegen die Streitenden vorgehe. Insgesamt wurden 66 bis 70 Per- fönen verletzt. Erwerbslose Frauen, Achtung! Helft eine gemeine Schwindlerin suchen! Wik besonderem Eifer fahndet die verllner Kriminalpolizei nach einer Schwindlerin, die den Aermsten der Armen, erwerbslosen Frauen und Mädchen, in niederträchtiger Weise ihre paar Pfennige abnimmt. Die Person gibt sich bei den Portierfrauen als Leiterin des Personalbüros eines großen Warenhauses aus und fragt, ob nicht in dem Hause junge Frauen oder Mädchen wohnen, die st e l l u n g s- los sind. Sic erforscht dann die Lebensverhältnisse und dos Einkommen der Angehörigen und besucht dann die Familien. Sie gibt vor, daß sie beauftragt sei, ständiges Personal anzuwerben. Dann verlangt sie für die Ausstellung eines Ausweises mit Lichtbild 5 Mark, die natürlich von Menschen, die endlich hoffen. in Brot zu kommen, bezahlt werden. Sie stellt dann einen vor» läufigen Ausweis aus, nach dem sich die Geprellten in der und der Abteilung des Warenhauses zu melden haben. Alles stellt sich dann als Betrug heraus, und die Arbeitslosen sind ihre 5 M. los, die sie sicher bitter nötig brauchen. Die Schwindlerin übt, wie die Kriminalpolizei feststellte, ihren gemeinen Betrug täglich fünf- bis sechsmal aus und hat so auf Kosten notleidender A r b e i t s l o s en ihr gutes Auskommen. Zur Warnung für unsere erwerbslosen Leserinnen geben wir «ine genaue Beschreibung der Gaunerin: Nach dem Lichtbild, das di« Kriminalpolizei von früheren Straftaten her bereits besitzt, ist sie von vielen Betrogenen als die 45 Jahre alle Sophie von der Heide einwandfrei wiedererkannt worden. Sie betreibt den Stellenschwindel gewerbsmäßig. Die Heide ist 1,60 Meter groß, hat eingefallenes Gesicht und geht lehr einfach gekleidet. Mitteilungen über weitere Betrügereien und über ihren Unter- schlupf erbittet die Dienststelle D5 des Polizeipräsidiums. Gernegroß Goebbels. Hindenburg verzeiht ihm.— Aber er hält Wahlreden vor Gericht. Die Berusungsverhandlung, die vor der 2. Strafkammer des Landgerichts III unier Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Lehm- b e r g gegen den nationalsozialistischen Abgeordnelen Joses Goebbels wegen Beleidigung des Reichspräsidenten von hindenburg stattsand, wurde zu einer politischen Diskussion, ja, sie wuchs sich zu einer Wahlversammlung aus. Vor dem Gericht der gewohnte Tumult: Goebbels wird von seinen Anhängern mit Heilrusen und Faschistengruß empfangen. Die Verhandlung begann mit einer Ueberraschung. Der Ver- treter der Anklage, Staotsanwaltschastsrat Dr. Lesser, verlos ein Schreiben des Reichpräsidenten, das diesen Wortlaut hat: „Aus einer mir abgegebenen Erklärung des Herrn Dr. Goebbels habe ich entnommen, daß Dr. Goebbels eine absichtlich« persön- liche Beleidigung meiner Person ferngelegen und daß er lediglich in Wahnehmung seiner politischen Interessen gehandelt hat. Ich würde daher meinen Slrafantrag zurücknehmen, wenn dies noch möglich wäre. Da dies aber infolge der gesetzlichen Loge nicht n�ehr möglich ist, erkläre ich, daß ich die Angelegenheit persönlich nls erledigt betrachte und an einer Vestrofung des Herrn Dr. Goebbels kein Interesse mehr habe." Der Staatsanwalt betonte, daß hierdurch ein Weg gegeben fei, den Angeklagten zur Zurücknahme seiner Aeußerungen zu bewegen. Auch der Vorfitzende regte wiederholt an, die Hochherzigkeit des Reichspräsidenten zum Anlaß zu nehmen, daß Goebbels feine Be- .zufung zurückziehe und sich bei dein erstinstanzlichen Urteil beruhige. da die Staatsanwaltschaft ihre Berufung ja auch zurückgezogen habe. Piozessual sei das Schreiben des Reichspräsidenten im jetzigen Stadium des Prozesses allerdings bedeutungslos. Aber die Ver- urteilung in erster Instanz zu nur 100 M. Geldstrafe gegenüber einem staatranwaltlichen Antrag von neun Monaten Gefängnis sei doch auch von der nationalsozialistischen Presse als halber Freispruch bewertet worden. Dr. Goebbels erklärte rundweg, daß das für ihn nicht in Frage komme und begann feine erste politische Rede an diesem Tage, die freilich vom Vorsitzenden abgeschnitten wurde. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Graf von der Goltz-Stettin, nannte den Prozeß einen rein politischen Prozeß, zu dessen Ein- lcitung der Reichspräsident von gewissen Kreisen veranlaßt worden sei. Das Gericht liehe sich zu politischen Zwecken mißbrauchen. Diese unerhörte Aeußerung wurde lcider vom Vorsitzenden nicht im gebührenden vlaße gerügt.. Nachdem der Vorsitzende noch einmal den vergeblichen Versuch gemacht hatte, Goebbels zu einer Zurücknahme feiner Berufung zu bewegen, mußte in die Verhandlung eingetreten werden. Bei der Aussprache über die Karikatur, auf der Hindenburg gefühllos auf den Zug mit Ketten belasteter Deutschen hinwegsieht, brachte der Angeklagte seine alten Entschuldigungen, daß ander- Karikaturen, unter anderem eine solche des„Vorwärts", auf die wir schon in unserer Ausgabe vom 31. Mai 1930 hingewiesen haben. viel schlimmer sei. Goebbels verstieg sich so weit, auch unseren Artikel„Braun antwortet Hindenburg" vom 16. Juli als Beleidigung des Reichspräsidenten hinzustellen. Staatsanwalt beantragt Verwerfung. In seinem plädoyer beantragte der Slaalsaawalt Ver- werfung der Berufung und Velassung bei der verhängten Geldstrafe von 800 Mark. Gymnasiasten als Brandstifter. Mitglieder einer Wehrorganisation räubern und plündern. Warschau. 14. August. Im Zusammenhang mit den in der letzten Zeit immer häufiger werdenden Raubüberfällen und Brandstiftungen in Ostgalizien haben die Polizeibehörden zehn Personen verhaftet, von denen einige bereits der Teilnahme an den Verbrechen überführt werden tonnten. Die Verhafteten sind ukrainische Gy m n a s i a st e n im Alter von 15 bis 17 Iahren, die einer ukrainischen Wehr- organisation angehören. Aus dem bei ihnen beschlagnahmten Material geht hervor, daß es sich um eine weitverzweigte Organ!» s a t i o n handelt._ Essener Rechtsanwalt verhaftet. Anderthalb Millionen Mark unterschlagen. Esse«, 14. August. Der bekannte Essener Rechtsanwalt und Notar Dr. Antrup ist. wie di«„Rheinisch-Wesälische Zeitung" be- richtet, auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft verhaftet worden. Es werden ihm Unterschlagungen und betrügerische Machenschaften zur Last gelegt, die. wie das Blatt hört. eineinhalbMillionenMark betragen sollen. 45 Bergleute in Todesgefahr. Im Eoalmoni- Bergwerk bei princeton(Britisch-Eolumbia) wurden in der Rächt zum Donnerstag 43 Bergarbeiter infolge einer Erplosion verschüttet. Bon den verunglückten Bergleuten sind bis- her drei als Leichen geborgen worden. Eingeschlossen sind noch 40 Bergleute. Genossin Minna Todcnhagen begeht heute ihren 50. Geburts- tag. Eine der eifrigsten Dorkämpserinnen der Zlrbellerinnenbe- wegung und im Kreise chrer Führerinnen eine populäre Erschei- nung, wirkt Minna Todcnhagen vor allem in der Komunalvcr- waltung und dort besonders in der Wohlsahrts- und Obdachlosen» fürsorge. Seit L Juni 1919 war sie Sekretärin des Frauensekre- tariats des Bezirksverbandes Berlin. Sie ist seit Frühjahr 1929 als Berwaltungsamtmann für die Iugendbetreuung im Landeswohl- sahrtsamt tätig. Sie empfing zum heutigen Tag« zahlreiche Gl'""'- wünsche, denen wir uns von Herzen anschließen. Vier Millionen unter Waffen Die Landheere Europas—-12 Milliarden Weltausgaben für Rüstungen Bei den diesjährigen Erinnerungen an den Kriegsaus- bruch haben die Betrachtungen eine große Rolle gespielt, die sich mit der Wiederholung einer nationalistisch-kriegerischen Welle etwa 1ä Jahre nach einem Kriegsende bei vielen Völkern geltend gemacht haben. Es wurde dabei festgestellt, daß gerade in dieser Zeitspanne eine neue Generation heran- gewachsen sei, ohne eigenes Wissen um das Grauen des Krie- ges und offen für jede Verhetzung, die ihrem unterdrückten Tatendrang Nahrung gibt. Was aber könnte man ins Feld führen für die andere Erscheinung, auf die die Jugend noch wenig Einfluß besitzt und die in einer fast unverständlichen Erhöhung der Rüstungen in der ganzen Welt be- steht? Aus Angst vor einem neuen Weltkriege, aus Bedürf- nis der Sicherung aller Produktions- und Handelsinteressen, der Lebensadern jedes Volkes, hat sich doch gerade bei den am Krieg beteiligten Nationen die Idee der Verstän- Standpunkt der Landesverteidigung von Bedeutung find. Das scheint neben der Angabe der See- und Landgrenzen, die zu verteidigen sind, doch darauf hinzudeuten, daß man in allen Staaten eine Art Rechtfertigung für die harten Tatsachen versucht hat. Für Deutschland und die abgerüsteten Staaten kann das Buch immer wieder von neuem dazu dienen, die feierlich versprochene Abrüstung der Welt zu verlangen mit Hinweis auf die ungeheuerlichen Rüstungs- lasten und die große Gefahr, die doch erfahrungsgemäß jede Kriegsmaschinerie für den Frieden bedeutet. Nach den Angaben des Jahrbuches gibt es in Europa und seinen Kolonien einen Effektivbestand von 3 Ül)6 900 aktiven Soldaten, die eine Summe von 11,3 Milliarden Mark zu unterhalten und auszurüsten kosten. Davon weist Deutschland 114 200 Mann und LOS, 7 Millionen Mark Kosten aus, was auf den Kopf der Bevölkerung iK&mpfer des SEukunHs Krieges Unheimliche(jeSialien in 'fllanken aus Xeder und Stahl d i g u n g durchgesetzt, hat feste Formen angenommen in der Organisation des Völkerbundes und eine Fülle von Verträgen gezeitigt, die alle der einen Aufgabe gelten, bewaffnete Aus- einandersetzungen zu vermeiden. Liest man aber das M i l i- tärjahrbuch, das soeben vom Sekretariat des Bölker- bundes im sechsten Jahrgang 1929/1930 herausgegeben wurde, dann sieht man, daß allen wirklich unabhängigen Staaten vertragliche Sicherheiten nicht genügen und daß alle sich nach wie vor nur auf ihre bewaffnete Macht verlassen zu können glauben. Dies militärische Jahrbuch, das einen Ueberblick über Heeres- und Marinestärken, Luftwaffen und Rüstungsaus- gaben von 61 Ländern Nebst Kolonien und Mandatsgebieten gibt, enthält als einzigen Hinweis auf die Abrüstung im An- hang den Text des Flottenvertrages von London aus dem Jahre 1930. Selbst die bis zum März 1930 ergänzten offi- ziellen Angaben der Regierungen dürfen dabei wohl nur einen bedingten Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Dabei ist es besonders interesfant, daß in seinem dritten Teile das Jahrbuch ein Verzeichnis der Rohprodukte gibt, die vom rund 10,5 Mark jährliche Rüstungsbelastung bedeutet. Eng- l a n d zeigt 3S7 000 aktive Soldaten mit 2,3 Milliarden Aus- gaben an, die aber nicht allein auf die Bevölkerung der Insel umgelegt werden können, da ein großer Teil des britischen Heeresbudgets von Kolonien und Mandatsländern getragen wird. Frankreich unterhält einschließlich Kolonien 590 000 Soldaten mit einem Kostenaufwand von 1,8 Mil- liarden Mark. Da hier eine Umlage möglich ist, ergibt sich, daß jeder Einwohner jährlich rund 43 Mark für die Mordwerkzeuge seines Staates hergeben muß. Sowjet- r u ß l a n d, dessen Rekrutierungssystem eine ungeheure Masse ausgebildeter Soldaten bereitstellt, hat nach den An- gaben des Militärjahrbuches 502 000 Mann Friedensstärke mit einem Budget von rund 2 Milliarden Mark, was bedeutet, daß dort von jedem Einwohner rund 13 Mark jährlich für die Rote Armee bezahlt werden müssen. Erfährt man nun noch, daß Italien 000 000 Mann. Polen 200 000, die Tschechoslowakei 229 000 und Rumänien 200 000 Mann unter Waffen haben, so braucht man alle die kleinen Staaten gar nicht erst aufzuzählen, um die ungeheure Auf- „potemkin" als Tonfilm. Eapitol. Di« Tonfilmkatastrophc nimmt immer größeren Umfang an Eisensteins„Potemkin' ist als ihr neuestes Opfer zu beklagen. Zu entschuldigen ist dieser Vorgang allein durch den Wunsch, den Film wieder vorzuführen, und der Zuschauer wird tatsächlich auch bei dieser verunglückten Fassung gepackt, allerdings in der Hauptfach« von den Stellen, die unverändert geblieben sind. „Panzerkreuzer Potemkin", Eisensteins bisher unerreichtes Meisterwerk, liegt in der stummen Fassung vollkommen geschlossen vor. All« Situationen sind absolut bildhaft gesehen und brauchen kcmes erklärenden Wortes. Weisels Musik unterstreicht noch den mitreißenden Rhythmus des Geschehens. Das Bild genügt zur Ausdeutung. Die Handlung geht ohne Rest im bewegten Bild auf. Das Wort stört. Die Kommandos brauchen nicht akustischübertragen zu werden, da sie sich in den Mienen der Darsteller spiegeln. Ferner stört, daß die Schauspieler rusiisch sprechen, während aus dem Tonstreisen deutsch gesprochen wird. Es entsteht em unüberbrückbarer Bruch. Besser sind die Massenszenen, die Schrei« der Verwundeten und Niedergetrampeltcn. Doch hier bot in der ursprünglichen Fassung Meisels Musik die Erfüllung, und selbst ohne diese Musik wirkten die Szenen stark genug. Der Ton ist im„Potemkin" fehl am Platze. Er hat hier keine Existenzberechtigung, vernichtet nur die Wirkung eines großen Kunstwerkes. Das Ganze ist eine unglückliche Spekulation. Vorher läuft ein kurzer Eisenstein-Film„Sehnsuchi". Eine Impression. Ein Nocturna. Der Versuch, ein lyrisches Gedicht ins Filmische zu übertragen, eine Stimmung mit Hilfe herbstlich ver- nebeller Landschaften zu schaffen. Prachtorll« Bilder, aber der Zu- jammenklang wirkt hin und wieder fatal. Es geht sehr kultiviert zu. Der Regisseur des„Potemkin" iit verschwunden. Man glaubt,«inen Metrschen aus der Umgebung Hosmannstlzals oder Schnitzlcrs vor sich zu haben, einen Aestheten mit dekadent.m Neigungen. Leider entgeht Eisenstein nicht der Gefahr, stellenweise den Kitsch zu streifen. ?. 8cb. �Weekend". Deutsches Künstlertheaier. Die Theaterflaute, die diesen Sommer hindurch in Berlin vor- herrschte, beginnt sich langsam zu heben. Die Gesellschaft— haben wir eine in Berlin?— beginnt nach und nach aus den Sommer- ferien zurückzukehren, und schon hat man zu ihrer Unterhaltung in der Nürnberger Straße dos in der„Komödie" bewährte Erfolgs- stück des Engländers C o w a r d neu einstudiert.... In der Pause tauscht man Sommereindrücke aus: Hochgebirge... See... Dal- matien... Norwegen. Man will sich die gute Laune nicht durch die Wirtschaftsdepression verderben lassen und freut sich über den netten Unsinn, der einen, da so mundgerecht serviert wird. Ist dieser Coward wirklich ein Engländer? Diese Bohemefamilie, die er so sanft streichelnd ironisiert, in ihrer schciniwren Zerfahrenheit und Auflösung, ist sie nicht einigermaßen in den westlichen Berliner Be- zirken zu Hause? Hat man nicht in der lieben Verwandtschaft Bei- spiele, die stark daran erinnern? Jeder tut. was er will, jeder lädt sich übers Weekend Gäste ein, um die er sich nachher nicht kümmert. Es gibt Zank und Geschrei und e'N schreckliches Durcheinander. Die Gäste fliehen— und einträchtig streitet sich die Familie wieder zu- sammen. Ja, das ist ein echtes Stück bürgerlichen Berlins. Wo kann man«in solches Nichts— und doch ein Stück gesell- schaftlicher Wirklichkeit— so unterhaltend, so lebensecht, so inter- essant abgestuft spielen wie in Berlin? Es gibt zwar keine Theater- stücke mehr, aber ein fabelhaftes Theater. Die Besetzung ist größten- teils die alte. Was macht Rosa B a l e t t i wieder aus dieser be- jährten Schauspielerin, die immer noch in Bllhnenerinnerungen und Aspirationen aus Bewunderung lebt, aus dem kitschigen Pathos in die Trivialität und Schnoddrigkeit des Alltags umschlagt und in oll ihrer Berrückkheit uns doch verdammt bekannt vorkommt� Was für ein netter Junge ist der B r a u s e w e t t e r und was für eine urberlinerische Type aus W.W. die zappelige� Harrie Adams! Und dann die Galerie der Gäste: der primitive Sportsex Wicmanns, der vornehme Gent N e t t o s und die Frauentypen der Evans und Hall! Ja, so ein Ensemble kann die Berliner Gesellschaft über die Not der Zeit himvegunterhaltcn.— r. gäbe zu ermessen, die einer Abrüstung zugrunde liegt, solange die kapitalistischen Wirtschaftsmethoden stän- dig die Angst vor dem anderen wachhalten müssen. In beiden Amerika werden zusammen 473 000 Sol- baten gehalten mit einem Gesamtaufwande von 3,9 Mil- liarden Mark. Davon haben die Vereinigten Staaten allein 105 000 Mann mit 2,8 Milliarden Haushalt. Die Leute mit den unbegrenzten Möglichkeiten lassen sich also ihr Heer jähr- lich rund 24 Mark pro Kopf der Bevölkerung kosten. In Asien sind schätzungsweise 2 Millionen Menschen unter Waffen mit einem Kostenaufwand von.1,8 Milliarden Mark, in Australien gibt es 67 000 Soldaten mit 114 Millionen Haushalt, in Afrika(nur Südafrika und Liberia) 13 000 Mann, mit 20 Millionen Mark Ausgaben. Insgesamt also dürften in der Welt 0,5 Millionen aktive Soldaten mit 17 Milliarden Mark K o st e n vorhanden sein. Vergleicht man die Weltrüstungsausgaben, so ergibt sich, daß Europa 05,0 Proz., beide Amerika 23,3 Proz., Asien 10,3 Proz., Australien 0,7 Proz. und Afrika 0,1 Proz. tragen. Und legt man die Rüstungsausgaben der Welt nach den Vor- kriegsschätzungen mit 8 Milliarden zugrunde, dann sieht man, daß 12 Jahre nach dem Weltkriege mehr als das Dop- p e l t e für Kriegsvorbereitungen ausgegeben wird. Für genauere Betrachtung ließe sich aus dem militäri- schen Jahrbuch des Völkerbundes noch sehr viel Interessantes entnehmen. Hier sollen diese Zahlen genügen. Die Sozia- listische Arbeiterinternationale weiß, daß in der kapitalistischen Welt keine wirkliche Abrüstung noch unbedingte Friedens- sicherung erreicht werden kann. Deshalb unterstützt sie aber doch energisch jede Maßnahme, die geeignet ist, die Rüstungen herabzusetzen und die Angst um die Sicherheit bei allen Staaten möglichst weitgehend zu zerstreuen. Angesichts der Tatsachen dieses Militärjahrbuches kann man nur immer wieder fragen, ob die Arbeit der Friedenssicherung und Verständigung in einer Nachkriegszeit voll giftigsten Mißtrauens der ganzen erschütterten Welt ein- fach unbeachtet bleiben soll. Gewiß hat der Völkerbund auf dem Gebiete der Abrüstung bisher keine Erfolge hervor- gebracht, aber schuld daran ist nicht diese freiwillige Verstän- digungseinrichtung selbständiger Staaten, sondern eben diese selbständigen Staaten sind schuld, deren wirtschaftliche, ge- schichtliche und machtpolitische Verflechtungen sie zur Erhal- tung ihrer Rüstungen veranlassen. Sorgen die Arbeiter aller Länder dafür, daß die Systeme ihrer Regierungen vom Geiste wahren Friedens erfüllt sind, dann werden die neuen Regie- rungen auch dem Völkerbund ein anderes Gepräge und größere Wirkungskraft geben sowie der Abrüstung mehr Er- solg verleihen können!"___ Alfred Dang, Genf. Ein Fceilusl-INuseum für London. Die englische Museums- kornmission hatte in ihrem letzten Bericht unter den notwendigen Ergänzungen des Museumswesens an erster Stelle ein VoUstunde- Museum angeführt,„das dos häuslich« Leben unseres Volkes in den vergangenen Zeiten vor Augen führt. Solche Frciluft-Museen sind außerorüeMlich volkstümlich auf dem Kontinent und sehr beleh- rend." Dies« Forderung wird nun erfüllt werden, und zwar soll das neu« Museum auf dem großen Gelände des Botanischen Gartens in London eingerichtet werden; es wird in einer Anzahl von eng- tischen Wohnhäusern aus den verschiedenen Perioden bestehen, die mit den entsprechenden historischen Einrichtungen ausgestattet sind. Für die Kosten ist bereits die Summ« von einer Million Mark vor- Händen. Sondervorstellung de, Schauspiel«..�rauenaov-. Der KainpsauSschuh eegcn Zensur veranstaltet wegen de! Verbotes des Schauspiels„Frauennot" lß 2l8) von Karl Cr>»ds in Bayern und Tyüringen am Montag, dem 18. August, um 20'/! Uhr, im Wallnei-Tbeater eine Sondervorsl-llimg der PiScator-Bühne. Karten im Büro ded Schuyverbandcs Deutscher Schrist- steller. Nach der Aussührung Aussprache. Die Pi»catorbnhuc beginnt am tS. August zunächst im Wallner» Theater ihre diesjährige Winterspiclzeit mit der Wiederaufnahme des z 2 1 8 von Karl Crede. Anlchließend daran findet die Uraussührung von PlivierZ.Kaisers Kuli» als Gastspiel der PiScator- Bühne im Lessing-Theatcr statt. vonnerstax. 14. August. Berlin. 16.05 I. W. A. Morart. 1. a) Adaiio H-ffloll; b) Menuett D-Dur: c) Marsch C-Dur; d) Qieue G-Dur.— 2. Lieder.— 3. Sonate für Violine und Klavier B-Dur, K.-V. 378. II. L. van Beethoven: I. Fantasie Q-Moll. cp. 77.— 2. Lieder.— 3. Sonate tür Violine und Klavier ü-Dur, op. 9«, Nr. 10.(Elisabeth Ohlhoff. Sopran: Ibolyka Zllzer, VloHne; Walther Kaempfer, Flürel.) 17.30 Verlesunr der Thesen der um 17.45 faltenden Diskussion. 17.35 Schallplatten. 17.45 Thesen-Diskussion. Für und«esen den Spiritismus.(San.-Rat Dr. Berf- mann und Dr. Adolf Schmidt.) 18.20 Volkstümliche Lieder.(Henny Neumann-Knapp und Frilr Neumann. Am Flüeel: Heinrich Stelner.) 18.45 Das Interview der Woche. 19.10 Herwarth Waiden:„Heimweh". 19.30 KSnltsberg: Orchesterkoniert. 20.30„Kampf der Tertia". Hörspiel von Wilhelm Speyer. Regie; Alfred Lraau, Nach den Abendmeldunzen bis 0.30: Tanzmusik. Könizswusterfaausen. 17.30 Stadtschularzt Dr. Scheimiann: Zusammenarbeit von Schule und Schularzt. 18.00 Min.-Rat Dr Mcltzcnberz; Neue Wege der Vcrbrecherverfoigung. 16.30 Paul Klautke: Die groBe chinesische Mauer. 19.25 Ritlergutsbesitzer Schlange: ZeitzemäBe. Herbstbestellung. 19.55 Spanisch lür Fortgeschrittene. 20.00 Kiel:„Leewsgesdilohlen" und Buntes Konzert. Jktontivont für hie Nchaktion: Seifgang Schwarz. Berlin: Anzeigen: Tb-«lei«, Berlin. B erlag: Borwärl» Verlag/, uter, vus.... 0.95 Sand-, seile-, Sodagarnituren r»» 0.50 salz- oder ntenimesten...«ü-k 2.95 Eimer blau marmoriert, 28 cm....., 0.25 Fenstereimer gr.u,» cm...... 0.25 miichKannen grau, ivs uter.,.,». 0.1 0 Kehrsctiautel.ei- 0.50 IflÜllelmer.elß, mit Schrift Aluminium stück 0.1 0 TODliaopenDenaner....... stück 0.1 5 Biigeieisenuntersetzer...... s.ück 0.25 KatleeKannenuntersetzer____ »ück 0.50 Katteetiiter........... »ück 0.65 Kaneetliteruntersetzer.... o.96 0.85 Kartotteidampterelnsatze____ 0.96 0.65 seiienDetiaiier für Leitung 0.96 0.45 Elerdottertanger____ hml zusammenzustreichen hätt ich nicht" sagte uns neulich ein Käufer— Ja, grade Glaswaren ermogucht uns die durchweg billigen Preise, denn wir kennen keine Ladenhüter. Bei uns wird radikal ausverkauft! s#*- X< „■iM- 0.95 1.45 0.95 0.95 0.50 0.95 0.50 1.65 0.95 0.95 0.75 0.95 0.30 0.95 0.35 0.18 Kompotteller PreSmaster.... 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GUrkentlODei m.2 auswechselbaren Messern HerrenkielderDügel Bürstenwaren Kieldorblirsten phmaoueiitit».Z6 0.90 BiankPilrsten...0.98 0.76 0.46 SCtiriiPDer ohne Stiel, Dnlonmiacbung 0.46 lllaseltllilrslen Unionmischg, 0.40 0.Z6 KdkesPesen ertragro-» Teppiennursien..��.0.66 maneiPUrslen.«.»o ToliettenDürsien..... 0.95 0.60 0.95 0.65 0.40 0.25 0.75 0.45 0.45 0.25 0.25 0.25 0.50 0.45 0.45 0.45 Stoofs-Ikvotor UNd Ztädtischs Oper geschlossen. Abonnements- Anmeldungen werden entgegengenommen: a) für die Staatsopern und das Staatl. Schauspielhaus vomAbonnements- büro, Berlin W56, Ober- wallstr.22 von 9— 2 Uhr. Fernspr. Merkur 9024, b) für das Staatl. Schiller- t beater vom Abonne- inentsbüro,Berlin-Char- tottenburg, Grolman- straße 70 von 9— 2 Uhr. Fernspr. Steinpl. 6715, c) für die Städtische Oper vom dortigen Abonnementsbüro, wochentags von 10— 2 u. v. 6— SUhr. Tägl. 5 u. 8>/2 Uhr. tt 3 Barb. 9258 I Pf- 1— 6 M.— Nachm. halbe Preise. NONIandHORACE usw. "'v-r CASINQ-THEATER _ i-othringer Str.he ij Wiedereröffnung Freitag, 15. Augusl Der Possen-schiager Der (IIMIIIIIIIilllllllllllllllll selige Hollschinskv lUHiiiiiiiiiiiiiiiiuiiUNuniiiiiuiHiiniiHiiii und ein erstkl. bunter Teil. G u t s c h e i n!—♦ Personen. Fauteuil 1.25 M. Sessel 1,75 M, Parkett 0,75 M Rang 0,60 M „Heimlidie Brautfahrt" Bertrufl Kanllz Wim Rose taglich B» im Rose-Theater I Innentheater Auf der Gartenbühnc: täglich 530 Konzert . 600 Variete . s»„Die tolle Lola" Operette tob Hogo Htrsdi Regie: Udgar Kenisdi— Tänze: Braao Arno I Reichshallen-Theater |T| Uhr Stettiner senger Dönhoff- Brettli Varietö Konzert— Tanz Berliner lilk-TriO N C■ k• 1 1 B. WLabnatr. 74/76.1 lessing- Theater Wiidndsnn 2797 1.0148 Täglich 8"A Uhr WiederaDtDalioie v OttoErnst Hesse low, Hodub, Reit. Flamme. Fiilkaoberg, firadtainskj. Die KomOdie 1 1 Bismck.2414/7516 8>h Uhr Premlara Ab Sonnabend tägl. 8'«Uhr unter pers Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Große Operette von Karl Abraham. Zentral-Theaier (Operettenhaus) Alte Jakobstr. 30/32 Dönh. 2047 Täglich 8'/, Uhr Oer Bombencrtolg Ein Zllle-milioii in 3 Akten Kinder der straBe Gtung a. Tanz von V. Lacuel und Arthur Raiztr. Rundfunkhörer Dame Preise. zur Niete WSO, Ansbacherstr. I Theater 1. d. Behrenstr. 53-54 SV« Uhr ist das nicht nett von Coletta? mi l Oiwsritz sitter Oderberger Str. 53. Eckhaus der Kastanienallee; Schivelbeiner Straße 17. Ecke der Driesener Straße; Bornholmer Str. 80, 19] an der Driesener Straße. Möbel-Kamerling Kastanienallee 56 •«6. Spelle,., elca- Schlaf,. ' Aachen. _. ttoto, Herren,., apart. Mache». poEfter-, ZIar-, Korb- aa» Itnbbaamm6b*l, Riejenanew Tpottpr.Aabtunaserieichtrr. Kennst du schon„l6nOI*IC€5** den neuen Heraband-HrllCOI*? erhMItllcri nur GroBdestillation Hermann Raband Immortella-Camembert und Brie , geteilt und ungeteilt. EdelerzeugnissederCentral Molkerei Reichenbach i.Schl. Erhältlich§ in allen einschlägigen Geschäften Landre-Breithaupt E D E LWE I SSE (Beilage Donnerstag, 14. August 1930 AprAbpnd SjinJfttikQr� Wmk]£>*i0er Vater, muß ich Ihnen sagen; Sie haben einen großen Fehler gemacht, indem Sie dem Kinde neben allen sonstigen Vergleichen und Ermahnungen sagten:„Wenn du nicht da wärst, brauchte Mutter nicht zu arbeiten." Sehen Sie, lieber Vater, mit demselben Recht konnte Ihr Kind Ihnen sogen: „Warum hast du mich in die Well gesetzt?" Wir haben kein Recht, unseren Kindern ihr Dasein zum Vorwurf zu machen. Sind sie dach legten Endes«in Stück unseres„Ich" und doch oft in den heiligsten und glücklichsten Stunden unseres traurigen Daseins gezeugt! Was nun die Hausarbeit anbetrifft, so bin ich zwar dafür, daß ein Kind die Hausarbeit kennen und schätzen lernen soll. Aber ich halte es für falsch, von einem Kinde, das vormittags zur Schule geht und nachmittags Schularbeiten zu machen hat, dann noch die ganze Wohnung in Ordnung bringen zu lassen. Stellen wir uns vor, das Kind weiß, unten spielen die Kinder und Freunde, und ich soll oben sitzen und arbeiten? Ein Kind, auch wenn es 13 Jahre alt ist, und seine Eltern noch so liebt, kann die Verlassenheit und Sehnsucht nach Spielkameraden nicht immer unterdrücken, zumal, wenn es den ganzen Tag sich selbst überlassen ist;«s wird und muß trotzig werden. Das Kind sucht seine natürliche Befriedigung im Spiel und wächst allmählich in die systematische Arbeit über, alles braucht seine Zeit zur Entwicklung, so auch der Mensch. Vielleicht versuchen Sie gemeinsam mit dem Kinde die Haus- arbeit zu machen, damit sie hineinwächst und Lust und Liebe dazu findet: Sie treffen sich um die Zeit Ihrer Heimkehr irgendwo, das Kind kann Sie auch abholen.„So, mein Kind, nun wollen wir alle zusammen Essen machen. Ich schäle Kartoffeln. Mutti kocht und du? Willst du den Tisch nett machen? Nach dem Essen gehen wir dann alle ein Stück spazieren� und wenn wir wiederkommen, wird abgewaschen usw." Niemals sage ich zu meinen Kindern, du mußt das tun, sondern, willst oder möchtest du, und habe gefunden, daß das Kind es dann für selbstverständlich hielt! Hauen Sie, lieber Vater, bitte nicht mehr. Noch dazu ein Mädel! Unter Umständen könnten Sie damit in dem Kinde abnorme Erscheinungen wecken, die dem Kinde zu großem Schaden werden könnten! Ich hoffe und wünsche, daß wir uns verstehen lernen, und Sie gelegentlich wieder von Ihren Erfahrungen hören lassen. Mutter Tengler. Wem gehört das Sind; €im schulpolitifche AuSeinanöersetzung Das R c i ch s s ch u l g e s« tz ist heute etwas in � den Hintergrund getreten, aber feine Problematik ist solange aktuell, als die Mächte, die an ihm interessiert sind, ihre Forderungen im Prinzip aufrechterhalten. Neuerdings ist zu dem Thema ein im Auftrag des Vorstandes des Deutschen'Ausschusses für Erziehung und Unterricht herausgegebenes Buch erschienen, das sich betitelt„Die S t e I- lung von Reich, Staat und Gemeinde zur Pflicht- schule" und in Form von Referat, Korreferat und Diskussions- reden auch dort, wo der Sozialdemokrat keineswegs zustimmen kann, bildungs- und staatstheoretisch vielfach tief in die Materie «iirsührende Erivägungen bringt, die mindestens den einen Vorzug haben, über die Reichweite des Problems zu orientieren und die Standpunkte zu fixieren. Vier Mächte sind es nun, die um dos Kind ringen: der Staat, die Kirche, die Familie, der Lehrer. Die Frage ist nicht, welche Macht soll über die andere bedingungslos triumphieren. Es gibt kaum eine Gedankenrichtung, die das Kind ausschließlich einer dieser Mächte ausliefern möchte. Die Frage ist: Wie sollen innerhalb des Schulbetriebes die Kompetenzen dieser Mächte gegeneinander abgegrenzt, wie soll ihr Verhältnis zucin- ander gestaltet werden? Den weitesten Spielraum für die Kirche fordert naturgemäß ein Katholik, der Korreferent Dr. S ch r ö t e l e r. Seine Argumen- totion ist folgendermaßen. Eine Weltanschauung, sagt er, die, wie die katholische, von ihrem Absolutheitscharakter überzeugt ist, muh für sich die Kontrolle der gesamten religiös-sittlichcn Erziehung des sich zu ihr bekennenden Menschen oerlangen und sie kann sich mit der bloßen Erteilung von Religionsunterricht, der neben einer im übrigen weltanschauungsfreien Bildung einherlmift, um so weniger zufrieden geben, als die„totale M e n s ch e nb i l d u n g" heute ein allgemein anerkanntes Schul.ziel ist. Dem Staat billigt er zu, Bildungsansprüche an einzelne und an die Familie zu stellen, zu denen diese aus sich lzeraus nicht verpflichtet wären, und er will ihm auch frei« Hand in den rein irdischen Kulturgebieten, in der Feststellung der konkreten Unterrichtsziele und Unterrichtsmethoden und in der Erziehung zum guten Staatsbürger lassen, jedenfalls aber soll seine Rolle nur eine sekundäre sein. Der Schrötelerschen Hochbewertung des Weltanschaulichen tritt vornehmlich Dr. A l o i s Fischer, München, entgegen. Welt- anschauungen sind sür ihn die in gutem Glauben vollzogene Vorweg- nähme eines Resultates, das auf dem Weg rein theoretischer For- schung noch nicht gesichert ist. Er verweist auf den unaufhörlichen Gcstaltwandel der Wissenschaft, Kunst, Religion, Philosophie, be- streitet den Ucberzeugten das Recht, unter Berufung daraus,«nd- gültige Werte zu besitzen, weitere versuchsmäßige Lösungen der Weltfragen abzuschneiden und erkennt ihnen nur ein einziges Recht zu: mit dem Gewicht ihrer Gründe frei miteinander zu konkurrie ren. Hoheitsrecht des Staates sei es dann, und zwar eines, bei dessen Ausübung er andere Götter neben sich nicht dulden dürfe, den verschiedenen Weltanschauungen gerechte Kon- kurrenzbedingungen zu verschaffen. Eine dritte Lösung oertritt der Haupireferent, Dr. L ö s s l e r. Er bekennt sich zunächst zu der Memung.�daß es eine völlig voraus- setzungslose, weltanschaulich nach keiner Seite irgendwie gebundene Wissenschait nicht gäbe und nicht geben könne und legt den Nach- druck auf die erzieherische Haltung des einzelnen Lehrers, den er sich im Ideal als«inen zwar von weltaiychaulichen Bin- düngen nicht freien, aber jegliche fremde weltanschauliche Bindung wie die eigene achtenden Erzieher vorstellt. Gäbe es erst einmal genügend solche Lehrer, die sich nicht bloß als Beauftragte einer äußeren Macht, des Staates, der Kirche, der Familie fühlten, sondern ihrer eigenen, aus dem iimersten,(ondergejetzlichen Wesen der Epziehnqg entjprmgenden. Idee dienten, bona träte die Frage»ach der weltanschaulichen Gestaltung der Schule durchaus in den Hintergrund. Ein wichtiges neues Moment bringt Professor Paul Oest- reich, der bekannte Schulresormer in die Debatte. Die Kirche, sagt er, will die Formungsmacht über die Geister und Seelen be- haupten, aber in den erdwirtschaftlichcn, völkerpolitischen Prozessen hat sie längst nichts mehr zu bestellen. Di« Technik, das ökonomische Getriebe lacht ihrer, weist ihr die untergeordnete Rolle eines pathetischen Kommentators zu, nach dem sich niemand richtet. Oestreich wünscht die dem Staat uiüerstehende Einheitslebensschule, die an vier oder fünf Wochentagen alle Kinder des Volkes im Volkskulturgut bildet und den Rest der Zeit weltanschiulicher Sonderung vorbehält, eine Schule der Lebcnsreligiosität und Lebenstotalität, die die Bahn zu jeglichem Bekenntnis oder Nicht- bekenntnis freigibt, aber unter keines der Bekenntnisse zwingt. Geheimrat Kersch«» st einer mißt dem Staat erstens die Aufgabe zu, die Erziehung zur sittlichen Staatsgesinnung zu über- wachen, zweitens, die Ansprüche der Religion einerseits, die der Wissenschaft andererseits gegeneinander abzugrenzen. Gertrud Bäumer wendet sich gegen die von Schröteler behauptete Priorität der Familie vor dem Staat. Eine russische Sekte beispielsweise, die noch Kanada ausgewandert fei, mache der kanadischen Regierung dadurch Schwierigkeiten, daß sie ösfentliche Umzüge nackter Männer und Frauen als kultische Handlung voll- ziehe. Sollte der Staat auch diesen Glauben respektieren? Sie tritt für eine wesensgemäße Gliederung der Erziehungs- aufgäbe ein, auf Grund deren der.Familie, der Kirche, dem Staat unverwischbare Sonderaufgabe zufallen. Eip Vertreter eigentlich sozialistischer Schulsorderungen kommt leider nicht zu Wort, ein schweres, von Professor Oestreich übrigens auch ausdrücklich gerügtes Manko des Buches, beziehungs- weise der Veranstaltung, über die es referiert. Daß nach sozio- listischer Auffassung eine Priorität der Kirche vor dem Staat in Schuldingen nicht in Frage kommen kann, ist eine Selbsrocrständ- lichkeit. Aber auch ein Nebeneinanderregieren ist abzulehnen. Es mag philosophisch ganz interessant sein, sich den Kops darüber zu zerbrechen, inwieweit auch die Wissenschast nicht völlig voraus- jetzungslos ist. Für die Schulpraxis ist es unerheblich, ob die Er- kenntnis, daß 2X2�-4 ist, keine absolut voraussetzungslose Erkenntnis darstellt. Entscheidend ist, daß die uiissenschastlichen Voraussetzungen ihrer ganzen Struktur nach völlig anderer Art sind als die Voraussetzungen, auf denen das Gebäude der Religionen sich erhebt. Die das kausale Denken zur obersten Maxime erhebende Wissenschast und die Weltanschauung des Wunderglaubens sind in- kommensurable Größen, gleichviel, ob auch die Wissenschaft nicht absolut frei von einem letzten Restchen Glaubens ist. Man kann für Ungleiches nicht gleiche Rechte verlangen. Ohne die Wissenschaft kann niemand, auch kein religiöser, ohne die Religion, genauer gesagt: ohne die Ofsenbarungsreligion. können sehr viele aus- kommen. Niemand verlangt Umwandlung der christlichen Schulen in Freidcnkerschulen. Niemand oerlangt eine reiigionsfeindliche Haltung der Schulen. Es soll nickst das eine Dogma durch dos andere«setzt werden. Aber zu verlangen ist, daß das Kind in einem Sinne erzogen wird, der ihm ermöglicht, die objektiv vor- handene Gegensätzlichkeit von religiösem zu wissenschaftlichem Denken zu erkennen und der. ohne daß damit Politik in die Schul« getragen würde, es befähigt, den Organismus der Gesellschaft und die Spannungen, die in ihr erhalten sind, zu erfassen. Wie es sich dann entscheidet, ist seine Priva� angelegen- he it. Diese Ziele iönnen ober mir in einer �taatsschule erreicht werden, die ihre absolute Trennung von der Kirch« durchgeführt hat. Maas Bauer, (23. Fortsetzung.) 23. Zwei Menschen finden sich. der Lähmung der Mutter vollzog sich in Annas Leben ein neuer Wandel. Sie muhte ihre Schneiderei aufgeben, um den gesamten Haushalt zu übernehmen. Im Hausholt wurde sie von ihrem Vater gut unterstützt, aber im Geschäft fand sich Kern, der menschenscheu zu werden begann, noch weniger als vorher zurecht So war Anna plötzlich auf eigene Füße gestellt. Sie wurde aus einem Mädchen eine umsichtige Frau. Da ihr das zusagte, fühlte sie sich in der neuen Rolle bald ganz wohl und dachte weder ans Heiraten noch an Liebschaften. Nur mit Melzer verband sie ein seltenes Freundschofts» Verhältnis. Seine Haushälterin muhte alle ins Fach schlagenden Waren bei Anna kaufen. Er kam auch oft selbst und wenn Anna sich an den Sonntogen einige Stunden frei machen konnte, suchte sie die Melzcrsche Wohnung auf und wurde dort empfangen, als ob sie zur Familie gehöre. Anna sah in Melzer einen achtbaren Mann, der in ernster Er. innerung an seine verstorbene, sehr geliebte Frau lebte, und Melzer sah scheinbar in Anna nichts als ein Mädchen, das sich in wunder- voller Weise zu einem selbständigen Weibe entwickelt hatte. So hielten beide Distanz und fühlten sich wohl dabei. An ihren beider- seitigen häuslichen Interessen nahmen sie lebhaften Anteil. Zwei Jahre verflossen, ohne doh sich etwas Wesentliches gc- ändert hätte. Dann kam ein Wendepunkt. Es war ein schöner warmer Herbsttag. Vor dem Laden, in dem Anna bei offener Tür eifrig hantierte, ging ein groher, schlanker Mann auf und ab und beobachtete die Kundschaft. Schlieh- lich trat er ein und grüßte. „Sie wünschen?"— fragte Anna höflich und musterte den Menschen, der, obwohl er einen guten Eindruck machte, etwas Un- gewöhnliches in seinem Wesen hatte. „Ich wollte eigentlich nichts kaufen. Könnte ich Sie einen Augenblick ungestört sprechen?" antwortete der Fremde zögernd. „Bitte. Es ist niemand im Laden." Anna hatte ein unbehag- liches und unsicheres Gefühl. „Wir könnten vielleicht auf einige Minuten in die Hinterstube gehen." „Wenn Sie etwas haben, können Sie mir das auch hier sagen." Annas Stimme klang sehr bestimmt, obwohl sie sich zu ängstigen begann. Der Fremde wurde verlegen.„Fräulein Kern, ich führe nichts Schlechtes im Schilde, ich wollte nur..." sagte er stotternd. Anna antwortete ihm:„Woher kennen Sie mich denn?" „Ich habe mich näher über Sic erkundigt, Verzeihung, wenn ich mich noch nicht vorgestellt habe, Bräunig ist mein Name." „Bräunig— kenn ich nicht." Anna zuckte mit den Achseln. Sie mußte«ine Frau und ein Mädchen bedienen, die eben«inge- treten waren. Nachdem die beiden wieder gegangen, fuhr Bräunig fort: „Kann schon schein, daß Sie mich nicht kennen, Fräulein Kern, ober ich kenne Sie doch schon etwas. Einmal Hab« ich Sie schon öfter beobachtet, denn ich habe hier unten am End« der Straße ein großes Produktengcschäft und dann Hab« ich mich eben auch erkundigt." „So so, dos find Sie. Ein schönes Geschäft." „Ja, ja, das ist meins." „Wollen Sie etwa unser Geschäft taufen?" „Nein, das Geschäft nicht, aber Sie!" Bräunig lachte etwas schüchtern. „So, mich?— Na, da werden Sie nicht viel bezahlen wollen, wenn Sie sich genau erkundigt haben." „Spaß beiseite. Fräulein Kern, ich wollte Sie fragen, ob Sie nicht meine Frau werden wollen." „Vorläufig habe ich keine Zeit, mich mit 5ieiratsfragen zu be- schäjrigen, Herr Bräunig. Und wenn Sie eine reiche Frau haben wollen..." „Nein, eben nicht. Eine mit Geld brauche ich nicht, nur eine tüchtige Geschäftsfrau. Sie können meine Geschäftsbücher einsehen. Geschgftswert 35 000 Mark und Bantguthaben 40 000. Dazu noch für rund 25 000 Warenbestand." „Also 100000. Das haben Sie ja fein abgerundet." „Höchstens nach unten, Fräulein Kern. Si« können sich er- kundigen." „Na. schön. Kann mir ja die Sache mal überlegen. Fragen Sie nächstes Jahr wieder an." Anna verneigte sich leicht und wandte sich einer Kundin zu, die eben eingetreten war, ohne Bräunig weiter zu beachten. Bräunig wandte sich unentschlossen der Tür zu und verschwand. Nach einigen Tagen fügte er der mündlichen Werbung einen offi- ziellen schriftlichen Antrag hinzu. Ursprünglich hatte Anna vorge- habt, mit keinem Menschen über diese Angelegenheit zu sprechen. Jetzt fühlte si« doch das Bedürfnis, Melzer um Rot zu fragen. Am nächsten freien Sonntag suchte sie ihn auf. Noch eine andere Sache beschäftigte sie. Ihr Bruder Fritz hatte zwar eine Stellung als Techniker erhalt«», aber die Bezahlung war so gering, daß e» kaum zum Lebensunterhalt reichte. Nun saß sie vor Melzer. Sein kleiner Junge kauerte in einem Winkel des Zimmers und spielte. Anna sah seinem Spiele zu, doch ohne Aufmerksamkeit. In ihrem Kopfe rumort«» allerlei Gedanken. Da Melzer heute etwas wortkarg war, wollt« das Gespräch nicht recht in Fluß kommen. Er hatte sich eine Zigarre angezündet und strich jeden Zlugenblick die Asche davon am Aschenbecher ob. Auch er war nicht recht mit sich einig. Zwar freute er sich üb«r Annas Anwesenheit, ober doch fühlt« er sich dabei nicht recht behaglich. Dieses einfache harmlose Freundschaftsverhältnis war ihm ange- nehm, aber auch etwas peinlich. Sein Blick schweift« öfters ver- stöhlen von Anna zu dem Bilde seiner verstorbenen Frau hinüber. Endlich sprudelte Anna ganz unvermittelt los:„Denken Sie. Herr Melzer. da hat mir neulich Kaufmann Bräunig. da vom Pro- duktengeschäft einen Heiratsantrag gemacht und jetzt fragt er sogar �christlich an!" „Eine schlechte Partie wär's nicht." Wie gleichmütig das klang!-snaxa sah Melzer an. „Möchten Si« mir zureden?" „Da kann man nicht gut was sagen." Melzer zuckte mit den Achseln. „Schon weil er so ausdringlich ist, möcht' ich ihn nicht haben." „Eigentlich haben Sie eine gute Nase, Fräulein Kern. Auf- dringliche Menschen sind nie ehrlich." Anna sah Melzer forschend an. Der Ton in seiner Stimme war wieder der gewesen, den sie gern hörte. „Ist also schon erledigt" sagte sie leise. „Aber wenn nun doch einer käme, den Sie gern hätten?" Melzer sah sie einen Augenblick scharf an, drehte den Kopf unver- mittelt beiseite und drückte mit der Zigarre die Asche im Becher breit.„Ich kann meine Eltern nicht im Stich lassen. Wenn er so lange warten will, bis...!" „Wenn er nun aber nicht so lange warten will?" „Ich kann's doch nicht ändern!" Anna erhob sich rasch.„Glau- ben Si«, ich werde meine Eltern im Stich lassen?" Sie war dem Weinen nahe. Ganz unvermittelt überfiel es sie. Lebensangst war es, die Erinnerung an verloren« Jahr«, die Aussichtslosigkeit ihrer Lag«, Sehnsucht nach Liebe, Kindern und einem Heim. Sie wandte sich ob und machte einige schnell« Schritte dem Fenster zu. Melzer paffte einige mächtige Züge aus seiner Zigarre. Dann dreht« er sich halb herum, betrachtete Anna ein« Weil« und schließ- lich trat er hinter sie und strich ihr eine überhängende Haarsträhne aus der Stirn:„Ihre Eltern... Ja, Sie haben recht. Wissen Si«, Anna, ich habe Sie... Eigentlich habe ich Sie recht gern, aber ich glaube nicht, daß es... daß ich Sie..." Er fand nicht weiter. In Annas Gesicht flutete eine heiße Blutwelle. Sie war im Begriff, sich ihm in die Arme zu stürzen, den Kops an seiner Brust zu vergraben und alles zu vergesien. Ader die Dürre der letzten Jahre hatte das Erdreich ihrer Seele zu sehr verhärtet, als daß sie einem ersten Impuls gefolgt wäre. Plötzlich ärgerte sie sich ihrer Sentimentalität, preßte die Lippen aufeinander und sagte mit einer etwas heiseren Stimm« zu ihrem eigenen Erstaunen:„Eigent- lich wollte ich über etwas anderes sprechen. Sie wissen doch, unser Fritz hat sein Studium aufgeben müssen und nun hat der arme Kerl eine Stelle als Techniker gekriegt, die ihm knapp soviel ein- bringt, daß er das Essen hat. Was machen wir da?" Melzer stieß«in paarmal schnaufend den Atem aus. Ein müder und etwas hoffnungsloser Ausdruck kam in sein Gesicht. Und doch klang ssine Stimme gütig, als er antwortete: „Ihr Fritz kommt einfach zu uns. In unserer Fabrik wird schon noch Platz für einen Techniker sein. Ich werde mal mit dem Direktor sprechen." Anna machte«ine Bewegung, als ob sie Melzer umannen wolle. Halb ängstlich, halb verwirrt wich Melzer zurück. Ihr Blick fiel auf den spielenden Knaben. Und nun brach ihr Impuls doch durch. Sie stürzt« zu dem Knaben hin, riß ihn an ihr« Brust und herzte und küßte ihn, daß er, der nicht wußte, was eine Mutter- Hand ist, vor Entzücken vergaß, auf die Liebkosungen zu antworten. „Anna!" Melzer kniete neben ihnen. Wie sanst seine Stimme sein konnte! Anna sah zu ihm auf. Ihre Augen trafen sich. Und jetzt hatten sie sich verstanden.(Schluß folgt.) eBuch ITas jf< Uahrheil? Andre G i d e s neuer Roman heißt:„Die Schule der Frau«»— Robert" und ist als Einzelband der überaus ver- dienftoollen deutschen Gesamtausgabe der Werke Gides in der Deutschen Verlagsanstalt, Berlin-Stuttgart, erschienen. Doppelt, wie der Titel ist das Werk sck>sl. Der erste Teil,„Die Schule der Frauen", stellt ein Tagebuch dar und besteht selbst wieder aus zwei Teilen. Der erst« Teil ist das Tagebuch, das eine junge verliebte Frau über ihr inneres Leben führt und das für ihren Mann bestimmt ist. Es bricht ob, da diese Liebe«inen Bruch bekommt, durch den die Fortführung des Tagebuches für den Mann sinnlos wird. Es wird nach 20 Iohr«n wieder aufgenommen, aber nicht niehr für den Mann, sondern für die Frau selbst als Mittel eigener Aus- sprach«. Dazwischen liegt die Entwicklung eines Lebens. Evsline hat aufgehört, sich ganz ihrem Manne hinzugeben und ihm zu ge- hören, seitdem sie erkannt zu haben glaubt, daß sein Leben u n- wahr, sein Denken äußerlich, seine Lebensgestoltung phrasenhaft ist. Sie vollzieht innerlich und äußerlich den Bruch. Während er im Kriege den tätigen Patrioten mimt, der sür seine Kunst sich von der Front zu drücken, mit Dekorationen belohnt wird, wagt si« den Einsatz ihres ganzen Lebens unter Vermeidung auch nur des Scheins eines Opfers. Sie erreicht die Einstellung als Krankenschwester in ein Geheimlazarett, in den« schv>erste Infektions- krankheiten behandelt werden, und stirbt auch dort, wie erwartet werden mußte, im freiwilligen Dienst« sür fremdes Dasein. Ihr Wunsch, stets das Absolut« zu empfangen, wird durch ihre Fähigkeit gerechtfertigt, es selbst zu leisten. Ihr Mann dagegen bleibt als Phroleur zurück, der der Mitwelt ein Scheindasein vortäuscht, Komödiant eines besseren Wesens, dos er selbst nicht ist. Aber ist Evelinens Mann wirklich nur Komödiant des Höheren, ist er nicht vielleicht sogar ein nach oben strebender Mensch, der durch sein Besser-sein-Wollen als er wirklich ist geradezu Anspruch auf die Liebe und dadurch auch auf die Hilfe seiner Frau im Kampf« um die Vervollkommnung hatte. Ist ihre heroisch« Hingabe an das'Absolute, ihr gewiß wichtiges und wertvolles Opfer nicht das Produkt einer zerstörerischen Selbstzersetzung? Hätte ihr« Liebe zu dem Mann nicht doch die Kraft gehabt, aus seinem vorge- spielten Bessersein«in wirtliches zu machen? Dos sind die Problem«, die für Robert nach dem Tode seiner Frau übrig- bleiben, und die er in einer Darstellung seiner Ehe, wie e r sie erlebt hat, gibt. Gide zeigt uns also in dem zweiten Teil des Buches„Robert" das Gegenstück zum ersten, indem er, wie es auch andere zeitgenössische Franzosen tun. zum Beispiel Jules Romain in den einander ergänzenden Büchern„Sucienne" und„Der Gott des Fleisches" denselben Romanfall von beiden Seiten darstellt: erst von der Frau, dann vom Mann gesehen. So kommt das un- erfättliche Verlangen des französischen Dichters, die Wahrheit zu finden, der Wirklichkeit nahe. Die Auseinandersetzung Roberts über die Unwahrheit seines Lebens und des Lebens überhaupt führt den Denker Gide zu philosophischen, moralischen und religiösen Aus- führungen, deren Klarheit und Schönheit hinreißend ist wie die künstlerisch« Gestaltung der Dichtung selbst. kelix Slössingcr. •• FÜR DEN KLEINGÄRTNER ■B(uiiiHini«inuiniinniiu:ujiBiiiMiiiiiuiiiniiiiiiiiiniiiuiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiini«iiiiiniiiiiituiitimaimiiimmiinniimiinnrauimmmiimiimmniiniraiiiBmuwiiiiinuimiai«iininwnM«HiimiT 32 und 53 Zentner Gemüse auf WO qm Zu der von uns wiederholt erörterten, für die Durchführung intensiven Gemüsebaues wichtigen Frage nach der Düngermenge, die dem Boden Ersatz bieten soll sür die ihm entzogenen Nährstoff« hat H. K ro a tz, Direktor der Gemüsebauschule in Fischenich bei Köln, durch einen auf dem Gemüsetag zu Mainz gehaltenen Vortrag wichtiges Material geliefert, das er jetzt in der„Garten- bauwirtfchaft" veröffentlicht. Er behandelt die„Düngung im Ge- müfetreibhaus", wobei aber in zwei von den drei mitgeteilien Fällen es sich um Kalthaus und temperiertcs Haus handelt. Diese Formen des Gemüsebaues sind heute aber auch dem K l e i n s i e d- l« r nicht mehr fremd und deshalb«ine kurze Wiedergab« der Resultat« der verdienswollen Durchführung vom allgemeinen Inter- esse. Die Fruchtfolge im kalten Haus war: Kopfsalat, Tomaten und E n d i o i e n. Auf 100 Quadratmeter können geerntet werden: 10 Zentner Kopssalat, 15 Zentner Tomaten, 7 Zentner Endivien. Eine Bodenerneucrung findet nicht statt. Stallmistdüngung»st wegen der Dakterienarbeit unbedingt not- wendig: man rechnet 12 Zentner pro 100 Quadratmeter und gibt sie bereits im Herbst(dies jedenfalls bei Salat). Man rechnet. daß 80 Proz. der Nährkräfle des Stolldungs binnen Iohressrist wirksam werden. Um aber den Gesamtnährstoffentzug auzzu- gleichen, müssen noch pro 100 Quadratmeter gegeben werden: 25 Pfund Ammoniak, 16 Pfund Superphosphat, 30 Pfund 40prozentiges Kalisalz. Die Phosphorsäuremenge nimmt Direktor Kraatz Häher an. als die Berechnung ergibt— das Plus an Phosphorsäure ist sür die Jugendentwicklung der Pflan- zen wichtig. Vierzehn Tage vor der Salatpslanzung werden ge- geben: 10 Pfund Ammoniak, 10 Pfund Superphosphat und 30 Pfund Kali: nach der Solaternte werden gegeben: 10 Pfund Anmwniak und 6 Pfund Superphosphat und 8 Wochen später der Rest als Ammoniak-Superphosphat 9x9. Der Verfasser mahnt zur Vorsicht bei diesen Nachdüngungen— Tomatenlaub wird sehr leicht verbrannt. Das Beispiel im temperierten Hause zeigt eine Fruchtfolgc von Rabies, Kohlrabi, Tomaten und Gurken. Geerntet können werden auf 100 Quadratmeter: Rabies mit Laub 3 Zentner, Kohlrabi 5 Zentner, Tomaten 15 Zentner, Gurken 30 Zentner. Wegen der Gurken wird die Stallmistdüngung von 12 Zentnern zweimal gegeben, doch wird die zweit« Gabe nicht mehr voll aus- genutzt. Die Berechnung ergibt, daß als Kunstdünger Ammoniak in gleichem Maße wie beim vorigen Beispiel, Superphosphat und Kali aber in etwas erhöhter Menge zur Verwendung kommen müssen. Beherzigenswert ist die Mahnung de» Verfassers, daß man nicht in diesen Ziffern allgemein gültig« Rezepte sehen dürfe, da jeder Einzelfall diese Richtlinien naturgemäß etwas ändern muß. Eins Ueberdüngung muß vermieden werden— anderseits wird nur der Erfolg haben, der den Pflanzen die besten Lebens- bedingungen gibt... Nur durch intensive Arbeit kann der deutsch« Gemüsebau der Einfuhr aus den klimatisch bevorzugten oder schon seit längerer Zeit zielbewußt arbeitenden Ländern Herr werden. D. v. Schnitt lebender Hecken Wenn auch der Drahtzaun am schnellsten das Grundstück um- schließt, wird man doch gern ihm ein«„lebende Hecke" zur Seite stellen, die den Vorteil bietet, Blumen und Gemüs« vor den oft rauhen Winden zu schützen. Hainbuche, Thujen. Weißdorn, Liguster u. a. lassen sich zu schmalen und dichten Hecken ziehen. Dies erfordert ein zweimaliges Beschneiden im Jahr und zwar zu Anfang und Ausgang des Sommers. Dabei ist daraus zu achten, daß die Hecke unten stet» breiter bleibt als oben. Verfährt man nicht noch diesem Grundsatz, so werden die oberen Zweige allen Saft an sich ziehen und die unteren Teile dadurch zum Verkümmern und zum Absterben bringen. L. v. Vom Kohlkopf Wie nach den größten Kartoffeln ist vielfach auch der Wunsch nach Erzeugung riefengroßer Kohlköpfe vorhanden. Aber man sollte darin nicht zu viel tun: der vom Berufsgärtner für den Verkauf auf dem Frischmarkt gezogen« Kohl lehrt uns, daß ein Gewicht von l!-» bis 2H Kilogramm bevorzugt wird. Andererseits legen die Einschneidereien Wert darauf, große und fest« Köpfe zu erhalten: kleiner« Köpf« bringen zu viel Abfall. Von Interesse dürste sein, daß plattrunde Köpfe sür das Einschneiden sich am besten eignen. Publikum wie die verarbeitende Industrie bevor- zugen Feinrippigkeit und weiße Beschaffenheit der Köpfe.?. 1). Einheitsdünger für Gurken Fertige Kunstdüngermischungen für die einzelnen Gemüse- kulturen zu haben, wäre natürlich von Lorteil— sie sind aber der Korrektur durch die jeweilige Beschaffenheit des Landes unterworsen. Man ist jetzt mit Versuchen zur Herstellung eines Mischdüngers für Gurke nandau beschäftigt, der die drei 5)auptnährstosfe in richtigem Verhältnisse enthalten soll und auch darauf Rücksicht zu nehmen habe, daß der Anbauer von sich aus reichlich Stickstoff gebe(was ja auch für andere Kulturen vielfach zutrifft). Ob eine Dosierung des beabsichtigten Gurkenmischdüngers noch Bodenbeschaffenheit möglich ist und beabsichtigt wird, ist bisher nicht bekannt geworden. D. v. Tomatenblätter zur Schädlingsbekämpfung Grüne Tomatenblätter werden im Verhältnis von 1 Kilogramm Tomatenlaub zu 1 Liter heißem Wasser in einem hölzernen Gefäß ausgelaugt und die Brüh« mit Schälseif« oder% Proz. Lysol versetzt. Blattläuse. Larven usw. werden durch Bespritzen mit der Lösung vernichtet. Trockene Blätter oder Stengelteil« dürfen nicht in die zu zerstampiend« Laubmasse gegeben werden. P. D. Der 11. Rhön-Wettbewerb Die Flu�zeu�e und ihre ersten Flüge Uefrfr den 11. Rhön-Segelslugwellbcwerb. worüber an dieser Stelle schon kurz berichtet wurde, geht uns aus dem Zliegerlager wasserkuppe solgender Sonderbericht zu: Wenn auch dein Beginn der diesjährigen„1 1. R h ö n" das herrliche Sommennetter der vorjährigen Jubiläumsoeranstaltung »el-sngt blieb, so ivar der Anfang am letzten Sonnabend doch recht verheitzungsvoll. Am frühen Morgen war auf der Wasserkuppe wieder einmal die übliche„Woschküchen-Stiiinming". Die„Wettcr- frosche' sind jedoch der Ansicht, daß nebe» der„Knose" in nicht allzu ferner Zeit die Lagerinsasscn auch eimnal Rekordwctier be- glücke,, wird. Jedenfalls begann der Wettbewerb ausfchreibungs- gemäß am Z. August, dem 34. Todestage Otto L i l i e n t h a l s und dem 19.(fugen von Lößls, der das erst« Todesopfer der Rhön wurde. Auch die diesjährige Veranstaltung leidet unter dem allgemeinen Geldmangel. Trotzöem muh das Meldeergebnis von 4 2 Ma- fchinen als überaus erfreulich bezeichnet ivcrdcn. Es ist im übrigen ein schönes Zeichen für die Vegeistenmg, die immer weiter« Kreise für den Segelfluq ersaht, zumal die segelfluglreibenden Gruppen, obwohl die Prcisfumm« diesmal noch geringer gehalten werden muhte, sogar in g r ö ß e r c r Z a h l als früher erschienen sind. Im Lause der beiten ersten Wettbewerbstag« waren einige 3 0 Segel- flugzeuge eingctrosfen, deren Bauausführung auf Grund langjähriger Erfahrungen durchweg gut ist. Der größte Teil davon konnte sogleich vom„Technischen Ausschuß" unbe- schränkt zugelassen werden. Besonders zu crivähnen sind die l>eiden Hochdecker„Darmstadt" und„S t a r k e n b u r g" der Akoslieg Darmstodt, der vorjährige bewährte Segler„L u s t i- k u s" des Berliner Segelslugvereins und drei Flugzeuge de? Aachener, darunter ein abgcstrobter Hochdecker von 20 Meter Spann- weite. Ferner fallen ins Zluge: die Wettbewerbsniaschinen der Kasseler, dos U e b u n g s f l u g ze u g des Darmstädter „Sturmvogel s", der neue Doppelsitzer des Reichsbahn-Turn- und Sportvereins'Fulda und der freitragende Hochdecker„Me>- ningen" der LustsaHrtoereinigung Meiningen(Spannweite 22 Meter, Länge 8 Meter und Flächeninhalt 21 Quadratmeter). Günther Groenhoff fliegt für die„RRG." eine Neukonstruktion des Leiters der„Flugtechnischen Abteilung" Lippisch. Der Versuchsbau „IM.l", der Schulterdecker„F a f n i r", besitzt vogelähnliche Flächen zur Erzielung einer größeren Stabilität und erscheint uns sehr beachtlich. K r o n f e l d wird sein« alte ,.W i e n" meistern, mit der er erst kürzlich schöne Erfolge in England erringen konnte. Am Sonnabend wurde» trotz Nebels und schwacher»ord- ivcstlicher Winde insgofämt 18 W c t t b c m e r b s f l>i g« aus- geführt, drei davon entfielen auf den Leiftungswcttbewerb. Den Frühprcis dieses Wettbewerbes erwarben sich der Altmeister des deutsche» Scgelslugcs Max Kegel- Kassel auf„Kassel" und Mayer- Aachen, der im Vorjahre einen Nhön-Dmicnekord ausstellte, auf seiner Neuschöpfung„M. II". Der C r m u n t e r u n g s- preis des Ilebungswettben'crluz konnte Oberleutnant Hemmer, der vor wenigen Wochen den neuen Rhön-Dauerrekord von 9/4 Stunden schuf, und dem während der vorjährige» Veranstaltung ausgezeichneten Berliner Jungflicger Beda» zugcjprocheii werden. Hemmer und Beda» erledigten die ersten Stundenslüge, welche außerdem die ersten Wertungen für die Gesamtslugdauer des Uebungswettbewerbes darstellen. Entsprechend der wenig günstigen Wetterlage am Sonntag schrieb die„Spolei" folgende Tages.- Prämien aus: für die L e i st u n g s j l i c g r r 130 M. sür einen Streckenflug von mindestens 25 Kilometer Läng? und fiir die Piloten des II« b u n g s w c t t b c w c r b s 130 Mark für einen Dauerflug von 2 Stunden. Zahlreiche Zuschauer verfolgten die Flüge der jüngere» Segel- fliegcr, die etwa zehnmal starteten. Die„wenigen" Flüge der beiden ersten Wcttbeuurbstage überzeugten davon, daß sowohl die F ä h i g- ke i t e n und der Eifer der an der Veranstaltung teilnehmenden Führer als auch die Flugeigenschaften der Maschinen her- vorragend sind. Ein ernsthafter Wettstroit dürfte bevorstehen, sobald der richtige Wind zum Segeln einsetzt! Die hinter uns liegenden zehn Jahre stiller, harter Rhön-Arbcjt l>abeii auch die internationale Segelfliogcrei stark besruchtet. Das Ausland bringt unseren Veranstaltungen im klassischen Gc- lande des Segelflugs von Jahr zu Jahr vermehrtes Int er- esse entgegen. Unter den nahezu 300 Lagerbewohncrn besinden sich namhafte Vertreter der belgischen, englischen, sran- zö fischen, italienischen und spanischen Luftfahrt Sie sind alle gern aus die Wasserkuppc gekommen und verfolgen aufmerksam das Leben und Treiben unserer Segelflieger. Sic plaudern mit unseren Fiugingcnieurcn, da sie längst eingesehen haben, daß der deutsche Segelslug auch ihrem Motorslugsport und Luftverkehr manche Anregung geben kann. D i e Wasserkuppe ist international geworden! Hassen wir, daß die „12. Rhön" im nächsten Jahre auch ausländische Maschinen sehen wird! Die Zusammenarbeit muß das gleiche große Ziel fördern! Verfossunßs-Turnier Starke Beteiligung in allen Klassen Das vom Reichsbanner S ch wa r z- R o t- G o l d und dem Berliner Tennis- und Wintersportklub Schwarzrotgold ver- onstaltete Berfossui�stennisturmer nimmt einen glänzenden Verlauf. Seit Sonnabend voriger Woche werden auf den acht bundeseigenen Tennisplätzen an der Avus die Wettspiele der einzelnen Klassen ausgetragen. In den mehr als 200 Spielen, die bisher durchgeführt iverden konnten, wurden außerordentlich gute sportliche Leistungen gezeigt. Fast alle großen Tenmsklubs haben zu diesem Turnier gut« Einzel- fpieler und Mannschaften gemeldet. Von den bisherigen Ergebnissen find hervorzuheben: Im Herren-Einzel der /V-Klasse das Spiel Gabe(Grün-Gold, Pankow) gegen Rasmusen vom SEE., dos der erste mit 11:9, 4:6, 6:4 gewann. Nerz vom Karlshorster Tennisklub schlug Fogiit(Schwarz-Weiß) rnit 5:7, 6:1, 6:1.— 3m Damen-Einzel der Klasse A gewann überlegen Frau Bitterhos vom Karlshorster Tennisklub gegen Frau Holz von Blau-Weiß vut 6: 0, 8: 6. In der gleichen Klasse gewann Frau Speckmann (schwarz-Grün) gegen Frau Bechert(Dahlem 05) mit 6:4, 2: 6, 8: 6. Fräulein Ott(Herolia-Lichtenberg) siegte in zwei Sätzen gegen Fräulein Heidemann(Schwar.z-Weiß), und zwar mit 6:3, 6:1.— Im Herren-Einzel, Klasse B, gewann Meißner(Reichsbanner) gegen Laufer(ADS. 09) mit 10:8, 6:2. In, Mixt lieferten sich P. M. Schulze— Frau Fabian(Rot-Weiß) und Nelson— von Götze (Blau-Weih) ein spannendes Spiel, das mit 6:1, 6:3 endete. Im Damen-Doppel gewannen Frau Lack)«— Adam(Schworzrotgold) gegen Markgraf— Schneider(BDE. 09). Bis zum Sonntag müssen noch etwa 300 Ausscheidungsspiele durchgefuhrt werden. Am Sonntag, um 14 Uhr, begincn dann die Endspiele. Die Tennisplätze liegen direkt gegenüber dem Eingange der Avus und sind von der Station Ausstellung in wenigen Minuten zu erreichen._ Verfassungssportfest der Berliner Polizei Am Sonnabend, dem 16. August 1930, 15 Uhr, wird die Berliner Polizei im Polizei-Stadion, Chaussee- straße 96, ihre diesjährigen sportlichen Wettkämpse zur Feier des Versassungstages 1930 zur Durchführung bringen. Im Rohmen des Verfossungssportfestes werden auch die Leicht- athletik-Meisterschosten der Schutzpolizei Berlin zum Austrag kommen. Dadurch, daß bei dieser Veranstaltung kein Eintrittsge.d auch für Nichtangehörige der Polizei erhoben wird, will die Polizei für den Sportgedanken werben. Das Polizei-Hallensportsest ist noch in glüer Erinnerung. Auch das Versassungssportfsst wird im Zeiche» der Massenbeteiligung stehen. Es soll Zeugnis ablegen von der guten und vielseitigen körperlichen Durchbildung unserer Palizeibeamten. Gymnastische und turnerische Borführungen wer- den mit leichtathlctischen Wettkämpsen wechsoln, an denen auch die Spitzenkönner der Polizei, wie Schulze, Hänchen. Brauch, Behnke. Molitor. Aubvrth, Pfarr u. a. teilnehmen. Das gesamte Orchester der Schutzpolizei Berlin spielt bereits ab 14,30 Uhr._ Eine sportfreudige Stadt ..Eine Stadt hütet Gesundheit und Körperkultur" so betitelt sich ein Kapitel de' Zweimonatsschrift der Stadt Mannheim ..Die lebendig« Stadt", die diesmal in erster Linie dem Sport gewidmet ist. Das Heft, dem prächtige Photos beigegeben sind. oermittelt uns einen Ausschnitt aus der rührigen Arbeit der städti- schen Behörden für den Sportgedanken und zeigt, weiche positiv« Leistungen fortschrittlich gesinnte Kommunalbehör- den auf dem Sportgebiet zu vollbringen vermögen. Wie heiß! es inn der Schrift?„Mannheim will keine Verschleppung seiner Bevölkerung auf Stadien und Sportplätze an die Randgebiete. Jede; Viertel soll seinen zentral gelegenen Uebungsplatz haben. So ist das heutige Stadion jetzt schon in wenigen Minuten vom Stadtzentrum nu? erreichbar. Zu.Hauptkompsbahn, Uebungswiesen jjnd Tennisplätzen wird sich.in Kürze m jjrojzes Freibad. z.M hlNl-ltüWM Es»preehen: am 23.— 24.Äugi]st in Nowawes i: zur Weihe der 50 Sturm-Bundesfahnen Sonnabend, 21 Uhr, Friedrich- Kirch-Platz Gen. Franz Künstler, MdR. Der Fackelzug beginnt um 20.30 Uhr Für die Frauen: Sonntag, 15 Uhr im Stadion Gen. Küthe Kern Frauen! ßundesgenoss innen, beteiligt euch restlos! Meldet noch heute eure Teilnahme 1 dessen Grünflächen Tausenden ein lustiger Tummelplatz bedeuien werden." Auch im Winter ist sür eine Weiterführung des Sport- bctricbes Rechnung getragen: die anläßliä) der Besreiungsfeier am 30. Juni eröffneten„ Rh e i n- N e ck a r- H a l l e n", ein moderner Sachlichkeitsbau, bieten gute Uebungsplätze. Die Haupthalle ist 34 Meter breit, �14 Meter hoch, 110 Meter lang und faßt 6000 Per- sonen. Ein herausnehmbarer Hallenboden läßt alle möglichen Ver- anstaltungen zu. Auch für musikalische Aufführungen ist die 5iaupt- halle durckzaus geeignet. Umkleideräume, Solozimmer, Waschräume und Bäder sind vorhanden. Hinzu kommt noch eine geräumige Nebenhallc. Sonst enthält das Heft, das im Verlag I. Bensheimer, Mann- heim, Berlin, Leipzig, erscheint und 1 M. kostet, noch interessante Dinge über Mannheim. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß Mannheims Oberbürgermeister, Dr. H e i ni e r i ck), Sozial- d e m o k r a t ist. IL-Kilometer-�foimsdiaftsreiiDen auf der Rütt- Arena Die Starterlist« für das am Freitag abend auf der Rütt-Arena abrollende internationale Mannsdzaftsrennen über 75 Kilometer steht nunmehr endgültig fest. Das ans 15 Paaren zusammengesetzte Feld hat folgende Mannschaften aufzuweisen: Ridxli-Sdivn, Battefini- Dinale, Lehmann-Wissel, Kroll-Nickel, Krüger-Funda, Longardi- Mandelkow, Sicronski-Balke, Kuhn-Kedzierski, Ehmer-Iietz, Schorn- Damm, Dorn-Maczinski, Rudolf Wolke-Bruno Wolke, Schwemmler- Kantorowicz, Evert-Mühlbach, Dahms-Maycr. Dem Mannschaft:- rennen voraus geht ein Verfolgungsrennen der Fahrer mit schwarzen Nummern gegen diejenigen der roten Nummern, ein Nennen der „Feindlichen Brüder", in dessen Verlauf jeder Fahrer ein« Runde zu führe» hat, und ein Handicap über 10 Rundm. Die sechs schnellsten Berliner Amateure, an der Spitz« der Weltmeisterschasls- kandidat Hans Dasch, der Exmeister Gangel, Golz, Patzock, Gröning und Block werden versuchen, den bestehenden Rundenrekord z» brechen. Dem Rennen geht eine Ehrung Adolf Schöns voraus, um ihm auch seitens der Berliner Radfpcrtgemeinde den Dank fiir feine vorbildliche Haltung in der„Tour de France" auszusprechen. Di« Rennen beginnen um 8 11 H r. Jeff Dlcksons Traum... Schmeling— Stribling in Berlin Wie man weiß, hat es sich der bekannte ameritansschc Box- kanipsveronstalter Jeff D i ck s o n in den Kopf gesetzt, den Well- meisterschastskamps S ch m e l i n g- S t r i b l i n g um jeden Preis den Amerikanern abzujagen und das Treffen in Europa, wenn möglich in Berlin, durchzuführen. Zu diesem Zweck ist Dickson noch Amerika gereist, um dort mit Schmelings amerikanischem Jntercssenvertretcr Joe Jacobs Fühlung zu nehmen. Die beiden hatten auch unmittelbar nach der Ankunft Dicksons eine Unterredung, über die sogleich die u n- glaublichsten Gerüchte in Umlauf gesetzt wurden. Dickson will Schmeling jede Börse garantieren und ist der Ansicht, daß die Enthusiasten von weit und breit nach Berlin kommen und jeden Eintritispreis.zahlen würden. Selbstverständlich käme nach seiner Meinung nur«ine Riesensreilustarena wie z. B. das Deutsche Stadion in Berlin hierfür in Frage. Dieser großzügig« Plan wird wohl«in Traum Dicksons bleiben. Schmeling hat sich bekanntlich der New-Porter Kommission gegenüber verpslichtet, den Wellmeistcrtitel in Amerika gegen einen Gegner zu verteidigen, der von der Kommission bestimmt wird, und dabei wird«? wohl oucki bleibe». Stribling wird zunächst noch andere Ausgaben zu lösen haben: zunächst verhandelt er mit den: Garden wegen eines Kampses mit Eampola am 25. September in New Port, im Siegcssallc wird er wohl dann noch mit Sharkey in den Ring gehen müssen. Itakordfleber in Amerika Der Dauerflugsvcltrekord wieder gebrochen Der von den Brüdern Huntcr ausgestellte Weltrekord im Danerflug von 553 Stunden 41 Minuten hat die Konkurren; nicht schlasen gelassen. Di« amerikanischen Flieger Forest O'Brin« und Dale Jackson, die im vergangenen Jahre den Dauerflugrekord von 420 Stunden aufstellten, befinden sich seit dem 21. Juli wieder iu der Luft, um den ihnen entrissenen Rekord zurückzuerobern. Am 13. August um 15,52 Uhr gelang es ihnen, den Hunter-Rekord zu überholen und eine Stunde später, sich zu neuen Rekord- in habern zu machen. Bei dem bisherigen Fluge funktionierie der Motor ausgezeichnet, sodaß die Rekordslieger die Absicht äußerten, 1000 Stunden in der Luft zu bleiben. Aber die genannten Piloten sind nicht die einzigen, die nach Rekord- Ehren streben. Während sie über dem Flughafen St. Louis kreisen, stiegt über New Port eine andere Maschine unter Führung der Piloten Reich er s uick> Black, die nur einen Tag später als O'Brine und Jackson gestartet sind, und auch sie haben bisher bei der Durchführung des Fluges keine Sd)wierigkeiten gehabt. Es ist anzunehmen, daß sie nicht die Absicht haben, die erst- genannten Fliegcr sich ihres Erfolges lang« freuen zu lassen. Rudi Wagener fordert Schönrath Der westdeutsche Schwergewichtsboxer Rudi W a g e n« r- Duisburg hat dem Sportausschuß des Verbandes deutscher Faust- kämpser eine Herausforderung um den von 5)ans Schön- rath kürzlich in Hamburg errungenen Titel zugeleitet. Da auch Hein Müller sich mit dem Gedanken trägt, in den Wettbewerb um die Schwergewichtskrone einzutreten, so dürste bald ein heißer Wettstreit zwischen den westdeutschen Schwergewichten eut- brennen. Aus Köln soll bereits«In Angebot für einen im September in der Rheinlandhalle mi»zutragenden Ausscheidungskampf Müller. Wagener vorliegen. Internationaler Arbeiler-Boxtamps. Der sö o x k a m p f der A r b ei t e r a t h l« t« n zwischen Fürth und Zürich, der vor 1200 Zuschauern in Fürth stattfand, endete nach obwechslungs- reichen Einzelkämpfen mit einem Punttergebnis von 7:3 für Fürth._____ ArbeitcrZlai..»»d.L-lidxrit-t--, vdWttW»wft- Belli». c»esch. Bcelin SW. 12. �chonkbers«r Siofi« 11». Alle Abteilungen beteiligen sich an der Kau-Sieentaiirt nach Wernsdorf. Allgemeiner Treffpunkt dvrtfekdsi 12 Mdr. Ss norten: 1. Arn.: Billowftr. SS.- 2. Abi. i 1 Uhr Dicfsenbachstr. X.— 8.«b.: bU UHt Mariannenplatl. lZeuerwehidrntmai.— 9. Abt.: 6 Uhr Iciftflt.(W.— Remf sahrrrabtrilung SWitl«: SOBilometer.Seitfohren nach Blumberg Wer. nenchrn— Leuenberg. Start 4' a Uhr»bnigstor.— Abt. Cbotlotlciibutg: 8 Uhr Wilmersborfer Str. 21.- Abt. Stetfifc-Lichiertelbe: 8 Uhr«irtbuidj- {trage 90.- Abt. Treplow-Baninschulenweg: 8 llhr Bahnho, Baumschule». weg.— Abt. Reinirfenbocf: 8 Uhr Prooiiastr. 108.,_„_. «rbeetee-Athlclen.Bund, 4.»tei« Be.lii>.«ea»de»l>»eg«.«. Am Jtei- tag. brm 15. August, finden in Ser.el iu der Turnhalle der ObtrTcaUchule, Äras-Rödern-llorso, die Ausscheidung stampfe siie bi« Stootemannjmart im Ringen, der Fliegen-,«antain., Halbschwrr. und«chwergewichiselassen lwi-. Der Entscheidungstampf in jeder Klasse sindet o»r 24 August rm Loeal Schauert. Strglau-Rummeläbnrg, feine TucchfUhrnng. Seginn der Komps« in Tegel ffceitog, 19Vi Uhr. Eintritt frei. Freie«ubenc and«a»»s-heee. I.»«,». Fee, lag. IS. August. 19 Uhr. in der Nreisqeschästsstelle, Slsasser Str. 88, Zitmner 6, wichtige Besprechung der Bereinsoarstttenten, Technilee. Reich», und«reisspartenleitungsmitglieder. Verlassungsstaiiel „Quer durdi Berlin" Mit einer großen Staffel, an der Ruder-, Kanu-, Paddelboote und Schwimmer in stattlicher Zahl beteiligt waren, feierte der Deutsche Wassersportverband den II. Verfassung s- tag. Unser Bild zeigt die Auffahrt der Teilnehmer- flottille auf der Spree an der Unterwafferftrahe. �(Stfärnfte-JbQ&ger (Bezirk Horden- Cften. Mako-Lelbwäsdie ist für jeden Berufstätigen die gesündeste. Kein Kältegefühl beim Schwitzen, daher keine Erkältung und kein Rheuma. Ausgesprochene Fähigkeit, den Schweiß aufzusaugen. Die außerordentliche Haltbarkeit wird Sie überraschen. 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