Morgenausgabe Nr. 381_ �, A 192 ��gang Wöchentlich SöPf, monatNch Z.60 M. im voraus zahlbar. Postbezug 4�2 M. einschließlich 60 Pfg. Postzeitungs- und 72 Pfg. Postdestellgebühren. Auslands- abonnement 6.— M. pro Monat. * 3?er„SonDörts* erscheint wochentSg» Irch zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben siir Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilagen.Volk und Zeit" und„Kindersreund". Ferner �Frauenstimme". Technik"..Blick in die Bücherwelt".»Iugend-Dorwarts" und»Stadtbeilage". Vevliner Nottsbiatt Sonnabend 16. August 1930 Groß-Äerlin 10 p{. Auswärts 15 Pf. Die einspaltige Nonpare4. September wird entscheidend sein für da- Schicksal der deutschen klrbeiterklalse. Die Notverordnungen, die von der Reichsregierung unter Mißbrauch des klrtikels 48 der Reichsoerfassung erlassen worden sind, reden eine deutliche Sprache. Schonung des vesitzes und schonungslose Belastung der geringen Einkommen, rück- stchtslose Rdnuilzung aller tasten auf die Schichten des Volkes, die ohnedies durch diefurchtbareSrbeitslosigkeit das schwerste Notopfer auf sich zu nehmen haben? töhneund Kaufkraft der breiten Massen werden gesenkt. Die soziale Versicherung wird verschlechtert, Rrbeitslose und Kranke werden noch größerem Elend preisgegeben, vie sozialen Grundrechte des neuen Staates werden zerschlagen. Der Einfluß der klrbeiterscheft in der Rührung des Staates wird planmäßig ausgeschaltet. In dieser Situation, in der sich auf allen Gebieten der Sozial- und Wirtschaftspolitik der Einfiutz des reaktionären Unternehmertums im Parlament immer stärker durchzusetzen droht, gibt es für die Gesamtheit der deutichen Arbeitnehmer nur eine Partei, die sie mit dem Einsatz ihrer ganzen Kraft zu unterstützen hat: Die Sozialdemokratie. Nur die Sozialdemokratie hat das im neuen Staat geschaffene soziale Recht imvundemitdenGewerkschaften verteidigt. Sie hat den Kampf führen müssen gegen die geschworenen leinde des neuen Deutschlands auf der äußersten Rechten und Linken, aber auch gegen jene Parteien, die auf dem Boden der Weimarer Verfassung zu stehen vorgeben. Sie mußte ihn auch führen gegen manche Rrbeiteroertreter in den bürgerlichen Parteien, die die Lebensinteressen der Rrbeiterschaft in den sozialpolitischen Kämpfen der letzten Vergangenheit widerstandslos preisgegeben haben. Sie steht im Kampf gegen alle die radikalen Parteien, die eins hemmungslose Ngitation gegen die freien Gewerkschaften führen und ebenso verantwortungslos wie verworren bald den bolschewistischen Sowjet st aat, bald das faschistische„Dritte Reich" versprechen. ?n dem großen Ringen um den demokratischen Ausbau der deutschen Republik, um das wirtschaftliche und politische Mitbestimmungsrecht der Arbeiterklasse, um die Ausgestaltung der Sozialversicherung und die Erweiterung des sozialen Schutzes stehen die Sozialdemokratie und die freien D ewerkschaften allein. vie Reformvorschläge der Sozialdemokratie zur S inanzreform und Wirtschaftsbelebung, deren Grundgedanken die Schaffung neuer Arbeitsgelegenheit und die unbedingte Kufrechterhaltung der sozialen Verpflichtungen des Reiches waren, sind von der Reichsregierung in den wind geschlagen worden, weil die gegenwärtige Regierung und die hinter ihr stehenden Parteien kein anderes �iel vor fingen sehen, als cine rein bürgerliche Mehrheit gegen die Sozialdemokratie, gegen die Gewerkschaften, gegen die Arbeiterschaft. Arbeiter und Ardeiterinnen Deutschlands? vie Entscheidung liegt in euren Händen! Der Kampf geht um eure Zukunft! Eure Parole muß sein: Gegen die liberal-konseroative Einheitsfront der sozialen Reaktion! Gegen die leeren Phrasen der Kommunisten und Nationalsozialisten! Rlle Stimmen der deutschen Rrbeiter und Arbeiterinnen für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands! Berlin, den Ib. August»9Z0. Vorstand und Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Dewerkschastsbundes Die Polemik der Ewig-gestrigen. Oer„TempS" fürchtet die Vergistung des Friedens Paris, IS. August.(T!gcnb«r!cht.) Dos Intcrvicu, des Herrn Treviranus in der „Königsberger Allgemeinen Zeitung" hat den Sturm der Entrüstung in der sranzösischen Presse, der auch durch den wenig geglückten Ab- schwächungsvcrsuch seiner Rede im Rundfunk kaum besänstigt worden war, ouss neue mit aller Festigkeit entfesselt. Der„T e m p s" erklärt, daß die neuen Erklärungen Treviranus im Ton und Inhalt nicht weniger beunruhigend seien als die ersten. Herr Treviranus habe offenbar keinerlei Angst, vom Kabinett Brüning desavouiert zu werden. Im Gegenteil, er spiele den Wort- sührer der deutschen Regierung. Durch die Art, in der er dies tu«, besteh« die Gefahr, daß die internationalen Fortschritte, die im Laufe des letzten Jahres erzielt worden feien, für dtt nächste Zukunft einfach vergiftet werden würden. Der„Temps" unter- streicht, daß-der„Aorwärts" das einzige Blatt war, das den Vorstoß Treviranus verurteilt habe und zitiert wörtlich die Ansicht, welcher der„Vorwärts" Ausdruck gab, daß das Geschrei des Ministers für die vormals besetzten Gebiete die Lösung der Ostgrenz- siegen nicht nur nicht erleichtern, sondern in der ganzen Welt M i ß- trauen gegen Deutschland erweckt hat. Im Gegensatz zum„Vor- wärts" habe es aber Herr Brüning und sein Ministerium bisher nicht für notwendig geleiten, öffentlich zu erklären, in welchem Maße sich die deutsche Siegierung mit den unverantwortlichen Er- klärungen des Ministers solidarisiert. Roch schärfere Töne schlägt der„Intransigeant" am Freitag an. Er erklärt, durch die letzten Ausführungen eines ver- antwortlichen deutschen Ministers fei das Ausland hinlänglich ge- warnt worden. Die dritte Erklärung Treviranus im Laufe einer Woche werde das einzige Resultat nach sich ziehen, eine B e r- schär fung der deutsch-französischen Polemik heraufzubeschwören und die deutsch-französischen Beziehungen zu lähmen, die im Grunde genommen nach der Besreiung des Rheins doch einen Aufschwung hätten nehmen sollen._ Türkei beruft persien-Voischaster ab. Zuspitzung im Kurden-Konflikt. Paris. 15. August. Havas meldet aus Teheran, die türkische Regierung habe ihren Botschafter in Teheran, Memduh Chewket Bei, abberufen. Oie Probleme ver ost« und füdosteuropäischen Grenzen. Ueber die Weichsel und über den siihein wird dröhnend herüber- und hinübergeredet. Den Auftakt gab der Reichs- minister Treviranus. Er hat im Westen keine besetzten Gebiete mehr zu betreuen und wendet sich nun nach dem Osten. Statt sich aber auf seine Aufgaben als Kommissar für die Osthilfe im Innern des Landes zu beschränken, tappst er in die europäische Politik und erklärt:„die Bereinigung der Ostfrage ist jetzt nach der Liquidation des Rheinproblems akut. Sie steht auf dem nächsten außenpolitischen Programm der Reichsregierung." Diese und ähnliche Ausführungen eines seiner Verantwortuna nicht Gewachsenen riefen den Protest der polnischen Regierung hervor.„Die Integritär des polnischen Staates fei gefährdet: es werden Stimmungen geschaffen, die zu den Grundsätzen friedlicher Zusammen- arbeit in Widerspruch stehen." Der deutsche Geschäftsträger erwidert, daß in der Rede nichts enthalten sei, was mit den bestehenden Verträgen in Widerspruch stünde. Kurz vorher schon ist die französische Rechtspresse losgestürmt, P o i n c a r« greift Deutschland als den ewigen Störenfried an, und B r i a n d verweist den deutschen Botschafter in Paris auf diese Stimmen, die die Politik der Befriedung und Annähe- rung an Deutschland erschüttern müssen. Die polnisäze Rechts- presse hinwiederum verlangt, daß das Liquidationsabkommen mit Deutschland rückgängig gemacht wird: sie fordert die Be- seitigung deutscher Schulen in Polen! � Innerhalb?ines gefestigten demokratischen Staats- wesens ziehen die Parteien gegeneinander in die Wahlschlacht, indem sie nicht nur die Forderungen der Stunde gegenein- ander erheben, sondern auch ihre grundsätzlichen Auffassungen und Gegensätze in voller Schärfe gegenseitig aussprechen. Zwischen den Staaten hat diese Methode noch immer zu Stimmungen und Verstimmungen geführt, die schließlich in gewaltsamen Auseinandersetzungen explodierten. Europa bildet kein übergeordnetes Staatswesen, in dem ohne Scheu vor Konsequenzen die öffentlichen Meinungen gegeneinander aufmarschieren könnten, ohne den Frieden zu gefährden. Wäre das Vertrauen auf den Völkerbund größer, wären die Rüstungen begrenzt würden, Sicherheitsabkommen und Kriegsverzichtsverträge einen wirklichen Bestandteil des euro- päischen Bewußtseins bilden, so wäre die offene Diskussion wie in der inneren Politik auch in der äußeren möglich. Aber so weit ist man in einem Europa noch nicht, dessen Schaffung ja kaum in den ersten Anfängen sichtbar wird. Immerhin könnte die zur Unzeit entfesselte Diskussion in Frankreich ein gewisses Gefühl der Genugtuung auslösen. Weder der nicht zuständige Reichsministcr noch die deutsche Rechtspresse überhaupt haben ein Wort über die deutsche West grenze verloren. Die deutsch-französische Grenze ist seit Locarno vertraglich stabilisiert. Der Verzicht ans die Wiedergewinnung Elsaß-Lothringens, auch auf friedlichem Wege, ist seitdem tief in das Bewußtsein der deutschen Nation übergegangen. Ja, bei den deutschen Nationalisten geht die Abkehr von dem Westen so weit, daß sie hinter dem Osten sogar berechtigte Klagen z. B. über die Bel?andlung der S a a r- frage zurückstellen. Hier hat der Vertrag von Versailles noch eine offene Wunde gelassen. Erst 1935 soll die Volks- abstimmung stattfinden, von der jedermann weiß, daß sie überwältigend zugunsten Deutschlands ausfallen wird. Das Saargebiet ist zwischen Deutschland und Frankreich die eine Stelle, wo der Friede noch nicht stabilisiert ist. Frankreich würde den Interessen des eigenen Landes am besten dienen, wenn es mit der Lösung des Saarproblems alsbald eine volle Bereinigung seiner Grenzen im Osten herbeiführte. Aber die Franzosen können es nicht lassen, sich für den ganzen Kontinent zu interessieren. Darin mögen manche den Ausdruck eines guten Europäertums sehen, andere werden finden, daß Frankreich auf diese Art seine Vorherrschaft über den Kontinent zur Geltung zu bringen versucht. Europäische Territorialfragen sind allerdings schon von jeher Angelegenheiten nicht nur der Anrainer, sondern aller euro- päischen Hauptstaaten gewesen. Vor hundert Jahren trat Belgien erst in international« Existenz, als die Groß- mächte, auf einer Konferenz in London versammelt, ihre Zu- stimmung zur Gründung des neuen Staates gaben. Ein A n- schluß Oesterreichs an Deutschland ist als euro- püisches Problem ausdrücklich in den Friedensverträgen von Versailles und St. Germam dem Völkerbundsrat übertragen Jede Aenderung der europäischen Ostgrenzen, jede. Stabilisier rung des osteuropäischen Friedens ist eine Angelegenheit der europäischen Völkergemeinschaft. Die Polen befinden sich mit ihrer Forderung, die Grenz- Verhältnisse im Osten so zu lassen wie sie sind, in politisch wenig günstiger Lage. Weil sie den Anspruch erhoben, einen chafen am Meer zu besitzen, hat man sie in Versailles zu Oberherren der rein deutschen Stadt Danzig gemacht. Aber das Gewicht ihres Anspruches auf diesen deutschen Hafen ver- mrindern sie selbst von Tag zu Tag. Sie haben Edingen zu einem großen Hafen auszubauen begonnen: täglich werden Prospekte versandt, die die Modernität seiner Anlagen und die Güte seiner Verkehrsverhältnisse den Verfrachtern und Spediteuren der ganzen Welt anpreisen. Aber mit jeder Tonne, die Polen durch Frachtbegünstigungen von Danzig hinwegzieht und durch Edingen leitet, vermindert sich das von ihnen beanspruchte Recht, deutsches Gebiet unter Kon- trolle zu halten. Polens Stellung in der internationalen Dis- kussion wäre günstiger, wenn es nicht selbst durch den� Bau des Konkurrenzhafens seine eigene Position an der Weichseb mündung untergrübe. Etwas Aehnliches gilt auch für den Korridor und für große Teile der abgetretenen Gebiete. Mehr und mehr ist man sich in Europa bewußt geworden, daß Polen seine Herr- schaft in diesen Gebieten zu einer krassen Entnationalisierung ausnützt. Wäre der deutsche Nationalismus weniger auf Herrschaft und Wiedererwerb eingestellt und mehr auf die Erhaltung des deutschen Volkstums bedacht, so würde gerade er die Forderung auf Revision der Grenzen zurückstellen, um dafür die deutsche Kultur in den verlorenen östlichen Pro- vinzen besser zu schützen. Je stärker die Forderung nach der Wiedererlangung dieses Gebietes ertönt, um so brutaler ver- sucht man in Polen, alle nationalen Gründe für eine Aende- rung der Grenzen auszurotten. In der gleichen Richtung wirkt es, wenn der polnische wirtschaftliche Nationalismus eine ökonomische Zusammenarbeit mit Deutschland nicht recht zustande kommen lassen will: um so stärker entwickelt sich in Deutschland der Druck der gewerblichen Produktion, verloren gegangene Absatzgebiete durch Grenzrevisionen wieder gut zumachen. Ebenso treibt in Deutschland die nationalagrarische Angst vor der Konkurrenz des polnischen Schweins die Polen dazu, die Grenze gegen deutsche Industriewaren abzusperren So wird die Wichtigkeit der heutigen deutsch-polnischen Grenze Ziehung von den Nationalisten auf beiden Seiten unterstrichen und übertrieben. Die erste Voraussetzung für eine friedliche Verständigung über Grenzfragen ist, daß eine Atmosphäre des Vertrauens vorhanden ist, daß man auf beiden Seiten ihre Wichtigkeit nicht übersteigert, sondern vielmehr die Erenzfragen als T e i l p r o b l e m e des nationalen Lebens und des internationalen Zusammenlebens sieht. Es ist Herr Poincare gewesen, dem das Verdienst zukommt, die in Gang gekommene Revisionsdebatte auf einen Punkt hingelenkt zu haben, der keineswegs verdient, hinter das Ostproblem zurückgestellt zu werden, nämlich die An» s ch l u ß f r a g e. Nur das preußische Junkertum kann so eng- stirnig sein, das wichtige Problem des deutschen Süd- ostens zu vergessen. Es ist in den vergangenen Jahren schon mehrfach darauf hingewiesen worden, daß das junker- liche Preußsntum alten Stils anschlußfeindlich ist. Würde doch der Zusammenschluß der deutschen und der österreichischen Republik zu einer staatlichen Gemeinschaft jeder monarchischen Restauration den Todesstoß geben. Mit Hohenzöllern und Mittelsbachern würden die Habsburger endgültig aus Europa verschwinden, wenn es den beiden deutschen demokratischen Republiken gelänge, den Traum des Jahres 1848 zu verwrrk- lichöm Die Verfasser der Pariser Vorortverträge haben geglaubt, ylit ihnen der nationalen Bewegung im östlichen Europa zu dienen. Die Idee der Selbstbestimmung der Nation, ver- törpert in Wilson, ist nicht stark genug gewesen, eine nationale tznd demokratische Einigung Großdcutschlands zu gewähr- leisten-, sie ohne Rücksicht auf die Sieger Ende 1918 zu voll- ziehen, war das in dem Bismarckschen Kleindeutschland auf- gewachsene deutsche Volk damals innerlich nicht vorbereitet. So ist die nationale Einigung Deutschlands eine Aufgabe der Zukunft und der europäischen Völkergemeinschaft geblieben. Einzelne Polen haben immer Verständnis für die nationale Vollendung der deutschen Republik gehabt. Einmal deswegen, weil ein Volk, das soeben seine nationalen Aspirationen erfüllt sah, ein natürliches Verständnis für die nationalen Aspira- tionen eines anderen Volkes haben mutz, und zum anderen, weil sich durch eine Hinwendung Deutschlands zum Südosten der Druck auf die polnische Grenze vermindern würde. Würde dse polnische Nation ihre wahren Interessen erkennen, so würde sie die nationale Einigung Deutschlands unterstützen. Das müßte in Frankreich hinwiederum dazu beitragen, daß man von der nationalen Einigung Deutschlands nicht mehr den Krieg befürchtet, sondern in ihr die endgültige Stabili- sterung des osteuropäischen Friedens erkennt. In vier Wochen wird zum Deutschen Reichstag gewählt. Bei dieser Wahl wird nicht nur eine große Schlacht Mischen Kapital und Arbeit geschlagen, es wird zugleich auch über den künftigen Kurs der deutschen Außenpolitik eine große Entscheidung gefällt. Eine neue Springflut des Nationalis- mus droht mit neuen Zerstörungen. Ihr einen unerschütter- lichen Damm entgegenzusetzen— durch Stärkung der Sozial- demokratie— ist die Aufgabe der Arbeiter und aller fried- lich gesinnten Schichten des deutschen Volkes. Thüringen rebellieri gegen das Reich. Es verweigert die Rückzahlung der Polizeizuschüsse. Weimar, 15. August. Das Staatsministerium hat sich heute mit der Frage der J5 o li- z e i k o st e n z u s ch ü s s e durch da» Reich besaßt. Nachdem der Staatsgerichtshof den Antrag Thüringens aus Erlaß einer einst. weillgen Verfügung an das Reich zur Weiterzahlung der gesperrten Polizeizuschüsse abgelehnt Halle, ha« das»eich bekanntlich die Rück- zahlu.ng der bereits gewährten Zuschüsse verlangt. Zu der heutigen Säbineltssißung wurde beschlossen, dieser Ausforde. rung vorläufig n i ch t F o l g e zu leisten, ehe nicht der Staatsgerichtshof die Frag« entschieden hat, ob die Sperrung der Zuschüsse durch das Reich, innenminisierium gegen die Grundsähe der Gewährung von Polizeizuschüssen de, Reiches an die Länder verstoßen. Z« Sentucky hat die Maisernte nur 10 Proz., die Tabakcrnte 20 Proz. und die Heuernte nur S Proz. der normalen Höhe erreicht. Kompromiß um den Kinnlandverirag Die Reichsregierung will verhandeln. Die gestrige Sabiueltssihung. die sich, wegen der ergebnislosen Besprechungen am Donnerstag nochmals mit der Sündigung des deutsch-sinnischen Handelsvertrages befaßte, war«m 14« Ahr abends beendet. Das Ergebnis ist, daß der deutsch- finnische Handelsvertrag nicht gekündigt wird. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, hat die Reichsregierung beschlossen, neue ver- h a n d l u v g e n mit der sinnischen Regierung auszunehmen und hat zu diesem Zweck Ministerialdirektor Ritter vom Auswärtigen Amt nach helfingfors gesandt. Die Verhandlungen, die Rttnisterialdirektor Ritter in helsingsors führen wird, zielen daraus ab. gewisse Aenderunge« in dem deutsch.fluwschen Zusahabkommen vom Rovemder 1SZS durchzu. sehen. Zu diesem Abkommen ist festgelegt, daß Deutschland ernen Butlcrzoll von 50 Mark nur bis Evde 1930 erheben darf. Zn den beiden folgenden Iahren sinkt der Vertragszoll aus 40 und 30 Mark, hier soll eine Verlängerung der Gel- lougsdauer des 50.Mark.Zolles über das Ende dieses Lahres hinaus erreicht werden. Andererseils find in dem Zusahabkomme« die Bindungen aus sieben Zahre für Butter, und fünf Jahre für käseeinfuhr seslgefeht. Die deutsche Regierung will nun in den neuen Verhandlungen eine Abkürzung der Bindungsfristen er. reichen. Durch diesen Kompromiß hofft Herr Brüning, den Unmut der enttäuschten agrarischen Interessentenhausen zu besänftigen. Gcharfmacherangriff an der Ruhr. Lohnordnung für den Ruhrbergbau gekündigt. Bochum, 13. August.(Eigenbericht.) Der Zechenverband hat beschlossen, die Lohn ordnnng für de« Ruhrbergbau zum»O. September zu kündigen. Der Zechenverband will» wie er mit- teilt, mit den Gewerkschaften in eine Erörterung über eine Produktionskostensenkung eintreten. Er hat die Absicht, den Gewerkschaften eine Lohnsenkung aufzuzwingen. Während die Regierung von Preissenkungen redet, ohne zu Taten zu schreiten, wollen die Unternehmer den Arbeitern eine Lohnsenkung diktieren, ohne daß sie selbst an eine Preissenkung denken. Wirtschastsgewitteran derRuhr Von Dr. Berger-Boohuin. Di« rheinisch-westfälischen Zechenbesitzer greifen den Lohnstand im Ruhrrevier an. Mit dieser Entlastungsossensive wollen sich die Unternehmer für den augenblicklichen Absatzrückgang auf Kosten der Bergarbeiter schadlos hallen und darüber hinaus, wie sie sagen, Mittel frei bekommen, um„insbesondere im bestrittenen Gebiet" einen weiteren Preisdruck gegenüber den anderen Exportlandern ausüben zu können. Dieser von dem Düsseldorfer Korrespondenten des„Berliner Tageblatt" ausgeplauderte Plan laßt zweierlei deutlich werben: ein mal. daß eS den Unternehmer« mit einem Preis- abbau für Jnlandskohle gar nicht Ernst ist, und zum andere», daß eventuelle Absatzbelebuugen ans den bestrittenen Märkten durch weitere soziale Berschlech- ternngen erkauft werden sollen. Die erste Tatsache hat ja schon die letzte Reichskohlenratssitzung er- kennen lassen. Als da von dem Konfumvereinsvertreter die Kohlen» Preisfrage angeschnitten wurde, erwiderte Dr. Silverberg, daß aus der Gestaltung der Syndikatsumlage hervorging«, daß olle markttechnischen Gesichtspu ntte bereits berücksichtigt würden. In der ausgedehnten Aussprache, die dieser lapidaren Antwort folgt«, sind die Unternehmer bei ihrer Ablehnung des Preisabbaus geblieben, haben aber auch — und das ist wichtig festzuhalten— mit keinem Sterbenswörtchen von einer Berkoppelung der Lohn- und Preissrage, wie sie jetzt in den vom Essener Bergbau-Verein inspirierten Kor- respondenten- und anderen Meldungen wieder auftaucht, geredet. Erfahrungsgemäß haben in einer richtigen Unternehmerbrust mehrere Seelen Platz: vielleicht hat ihnen die wirtschaftliche geraten erscheinen lassen, das gedrückte KoHlengeschäst nicht durch lohnpolitische Auseinandersetzungen vollends zu gefährden, während die sozialreaktionäre, die namentlich in Essen sehr lebendig ist, noch das Spiel mit den Lohnverschlechterungen wagen will. Die Oessentlichkeit muß wissen: die Tariftündigung im rheinisch-westfälisthe« Kohlen- gebiet hat nichts mit dem ohnehin schon sagenhaften Preisabbau zur Wirtschaftsbelebung zu tun. Was es mit Srwcrbergs vorgeschützten markttechnischen Gesichts- punkten auf sich hat, zeigt die tatsächliche Entwicklung der Syndikatsumlage. Sie stellt bekanntlich den Abschlag von den offiziellen Synbikatspreisen dar, noch denen das Kohlcnfyndikat mit den Zechen abrechnet. Ihre höhe läßt erkennen, uin wieviel die Syndikatscrlöse hinter den vom Reichskohlenrat zusammen mit dem Kohlenverband beschlossenen sogenannten Reichsanzeigerpreisen durchschnittlich zurückbleiben und geben einen Anhalt dafür, welche Kosten der forcierte Wettbewerb auf den deutschen und ausländischen Kohlenmärkten hervorruft. Für den Absatz im unbestrittenen Gebiet Hot die Umlage keine Bedeutung, hier gilt der amtliche Höchstpreis und das ist zunächst für augenblicklich rund 38 Proz. des Syndikatsabsatzes der Fall: aber auch die Kohlenlieferungen im Werksfelb st verbrauch an die den Zechen angegliederten Berbraucherwerke sind in der Kalkulation, wie auch im Schmalen- bach-Gutachten geschehen, dem unbestrittenen Absatz zuzurechnen. Nur für etwa ein Drittel des Syndikateabsatzes kommen die von Silverberg erwähnten martttechnischen Gesichtspunkte in der Umlag« zum Ausdruck. Vor der letzten Ruhrkohlenpreiserhohung ab 1. Mai 1928 betrug diese Tonnenumlage 1,48 2)1.; sie schnellte danach auf 2,20 M. herauf und hat sich mit einigen Schwankungen ungefähr aus dieser höhe schalten, zum Leidwesen der Hüttenzechen, die für ihren Selbstverbrauch ebenfalls zur Umlage herangezogen wurden. Ihre Rebellion hat im neuen Syndikatsvertrag Erfolg gehabt. Sie brauchen jetzt nur 70 Proz. der Syndikatsumlage, und zwar hoch- itens 1,50 M. je Tonne, ausbringen. Um so höher ist daher die Umlage aus die Verkaufsbeteiligung geworden. Das hat aber mit Martttechnik nichiz zu schaffen, sondern ist das Resultat der veränderten S yn d i k a t s t e ch ni k. Die Gesamt- Umlage ist jctzt sogar noch niedriger alz vor einem Jahr. Sie betrug im April und Mai 1929 2,30 bzw. 2,20 M., in den gleichen Monaten dieses Jahres aber bloß 2,15 M. Das besagt, daß die bisherigen Durch schnitts.erlö sc, die zwischen etwa 16 M. und 16,50 M. je Tonne liegen, bis weit in das laufende Krisenjahr hinein annähernd gehalten werden konnten, wozu auch die infolge der neuen Umlageregelung gebotene größere kaufmännische' Vorsicht bei Exportgeschäften mitgewirkt haben man. Kann man im Ernst behaupten, daß diese Erlöse unzureichend sind? Legen nicht selbst die überdiskreten Bergbaubilanzen des letzten Geschäftsjahres ein so eindeutiges Gewinnbekenntnis ab, daß die Vermutung, daß die Bergbaugesellschaften gut verdient und reichlich Speck angesetzt haben, schon dadurch hinläng- lich gestützt wird? Don diesem Reservenspeck könnten die Unternehmungen in diesen Krisenzetten zehren und ihn so. für die Krisenbchebung nutzbar niachen— das ist ja auch der betriebswirtschaftliche Sinn der stillen und offenen Reservenbildung.. Aber darin erschöpfen sich nicht die vorhandenen niarkttechnsschen Möglichkeiten. Schwalenbach hat die Zeitwertabschreibung zum Maß genommen. Diese Zeitwerte sind heute zweifellos niedriger als im November 1927 nnh gcstaiten somit eine die Selbstkosten entlastende bescheidene Ab- schreibungsquote. Wettere. Selbstkostenentlastungen' sind auf der Lohnseite zu verzeichnen, wo der. Lohnanteil von 7,18 M. nach dem Schmalenbachschen Kalkül ans 6,75 M. im Mai 1930 gefallen ist, was immerhin 43 Pfennige Eitttastung je Tonne ausmacht. Die Materialpreise sind ebenfalls g e- funken und hoben.damit Kostennündsrunge» bewirkt. Ferner sind bie Kna pp.s ch.as tsb-ei-tr ä g e der.' Unternehmer im Mai 1929' im'/gleichen-Umfange wie die- dex Rcraxbeiter gesemkt worden, wodurch auch dieser Kosteitteil geringer geworden ist. Dieses günstig« Kostenbild ist doch ein nicht zu übersehender Tatbestand bei der Erörterung der Kohlenpreisfrage. Nebenher, um der Preis- senkungsaktion einen Wink zu geben, sei nur darauf verwcesen, daß die Handelsspanne in» KoHlengeschäst sehr hoch ist, und daß berspielswcise die Kohlenhändler in der Kohlenstädt Bochum das Doppelte von dem nehmen, was die Zeche für ihre.Kohle erhält. Die Kohlenpreisfrage hat in der Tat ein ernstes Geficht. Mit dem unzulänglichen Mechanismus der Kohlenwirffchaftsorgane ist sie leider nicht zu meistern, wie das geschildert« Beispiel dartut. Außerdem zerfließen isolierte Akttonen in' das Mchts und zu etwas Znsanunenfassenden fehlt der Regirrnng Brüning Kraft nnd Willel Minderheiisttagen im Dunkeln! Oörfiige Mmderheitenstatistik— der einzige Fortschritt gegen früher. Gens. IS. August. Der erste Jahresbericht über die beim Völkeribemdssekretariat eingegangenen Minderheitenbeschwerden wird durch eine einfache Veröffentlichung im Amtsblatt des Völkerbundes bekanntgegeben. Der Bericht, der sich auf die Zstt vom 13. JuNi 1929 bis zum 31. Mai 1930 erstreckt, ist nur 15 Druckzeilen lang und ent- hält lediglich trockene Zahlenangaben. Er führt anft 1. Anzahl der im Laufe des Jahres bsttn Völkerbundssekretariat eingegangenen Minderheitenbeschwerden: 57. 2. Anzahl der nicht annehmbaren Pettticmen, weil sie in Ton und Sprache verletzend abgefaßt waren: 26. 3. Anzahl der als annehmbar erklärten Petttionein 31. 4. Anzahl der Minderheitenausschüsse und Anzahl ihrer Sitzungen: Ausschüsse 14, Sitzungen IS. 5. Anzahl der Petitionen, deren Prüfung im Laufe des Jahres beschlossen wurde: 29. ver Bericht enthält keine Angabe» über Inhalt und Gegenstand der klagen nnd vermerkt auch nicht, daß nicht eine einzige der 57 eingegangenen pctittonen bis vor den vötterbundsrat gelangte. Die Gärung in Lndien. Standrecht in Peschawar. Bombay. 15. August. Die Stadt Peschawar wurde heute nachmittag unker Slandrccht gestellt. Zu Raujchara. Sohal und Rawalpiodi werden starke britische und Indische Truppenmassen zujammenge. zogen. Die Stimmung der Bevölkerung ist ä o ß e r st erregt. Gandhi schreibt an den Vizekönig. Poona. 15. August, Gandhi und andere Führer der allindischen Bewegung hobm im Gefängnis ein Schreiben oerfaßt, in bem st«, sich über ihre Haltung und ihre Absichten auslassen. Das Schreiben'.wird dem Lize kö nig zu geleitet werden. Oer sture Bock. ,Man hat mich einen sturen Rock genannt' sprach Hugenberg. Oer Zustand seiner Partei bestätigt es. Aus dem Bürgerlager. Parolenschuster und Lustakrobaien. Kommunisten über Kommunisten. Die Rechtskommunisten haben zwar ihre Wahlparole für die offizielle KPD.-Liste ausgegeben; sie sind aber deswegen nicht gewillt, den Offiziellen etwas zu schenken. So schreibt jetzt ihre Tageszeitung, die„Arbeiterpolitik": Die Führung der KPD. hat in keiner Weiss verstanden, im vergangenen Reichstag ihre parlamentarische Arbeit mit dem außer- parlamentarischen Kampf in Einklang zu bringen. Sie konnte dies nicht, weil sie keinerlei außerparlamentarische Be- wegung zustand« brachte. Während die Regierung Brüning in wochenlangen Verhandlungen unverhüA die Diktatur mit Artikel 46 ankündigte, beschränkte sich die Partei auf parlamentarische Dekla- matbnen und trieb gleichzeitig parlamentarischen Kuhhandel in der Amneftiefrage. Die Verabschiedung der Amnestie und der A m n e st i e b e t r u g sind ein klassisches Beispiel für den parlamentarischen Kreti- n i s m u s der Führung der KPD. Der Kampf um die Amnestie wurde nicht in den breiten proletarischen Massen geführt, sondern beschränkte sich auf die Verhandlungen zwischen den parlomentari- schen Parteien im Bierrestaurant des Reichstags. Je mehr der Einfluß der Partei in den Massenorganisationen und Gewerkschaften abnimmt, desto lauter tönt dos hohle Photos und die leere Prahlerei der Parteiführer im Wahlkampf. Damit hat die„Arbeiterpolitik" die Ueberleitung zu den rednerischen Leistungen. Heinz Neumanns gefunden, über die sie folgendermaßen urteilt: Zur Prahlerei gesellt sich in dieser Rede die Nazi p hr ose o- l o g i c, die mit Klassenkampf und Marxismus so wenig zu tun bat, wie etwa politische Ueberzeugung mit dem Abenteurer Heinz Neumann. Diese Führung versucht den schwierigen mühevollen Kampf um die Eroberung der politischen Macht zu"ersetzen mit Ver- sprechungen über dos, was die KPD. tun wird, wem, sie die Macht erobert hat. Mit solchen Tiraden lassen sich wohl Verjannnlmigs- reden ausfüllen, mit dem Kampf um die Macht hat das aber nichts mehr zu tun. Die Paroleschusterei und Luslakrobatik der KPD.-Führung im Wahlkampfe zeigt aber auch, daß über die Maienblüte der„Wen- dung� längst wieder der Rauhreif des ultralinken Frostes gefallen ist. Trotz alledem sind die Rechtskommunisten für die offi- zielle KPD.-Liste. Arbeiter geht hin, wählt Parolenschuster und Luftakrobaten! Goebbels-Theaier. Er hat vor Gericht weniger Mut als am Schreibtisch. Am Freitag sollten vor der Strafkammer des Landgerichts III abermals zwei G o e b b e l s pr o z« ff e zur Verhandlung kommen. Das Urteil der ersten Verhandlung sollte im Zusammenhang mit der zweiten gefällt werden: für diesen Fall lehnte jedoch der Ver- teidiger den Vorsitzenden wegen Befangenheit ab. Es wurde vertagt:.- , Am 14. Dezember 1329 veröffentlichte Goebbels im„Angriff" «inen Artikel, der sich mit dem Poung-Plon beschäftigte. Herr Goebbels schrieb: „Sie(die Regierungsmitglieder) sind alle aus demselben Holz geschnitzt: Verräter am Vaterland, bezahlte Büttel her Poung-Mocht, Usbevläufer nach Frankreich. Das Ergebnis ihrer Dkseiseurpolitik ist..dae Ehaos... Sie werden e? dock nicht von sich wenden können: das deutsch« Volk würde sich selbst einen Liebesdiecht erweisen, wenn«z sie mit einem Fußtritt aus den Regierungssesseln setzen würde". Die Reichsregierung hat in Beantwortung dieser wüsten Schimpfkanonade Strafanttog gestellt, ober, so erklärt Herr Goeb- bels nunmehr vor Gericht, daß die ganze Reichsregierung, also auch Herr Moldenhaiier, gar nicht gemeint gewesen wäre, sondern nur deren sozialdemokratischer Bestandteil: der Reichskanzler Müller und die Minister Hilferding, Severing und Wisfelk. Die bürgerlichen Mitglieder der Regiening seien gewisser- maßen Steigbügelkolter der Sozialdemokraten gewesen. Herr Dr. Goebbels ist eben vorsichtig. Herrn Dr. Goebbels ist es vor ollem um den Landesverrat zu tun. Er brennt darauf, den Nachweis zu erbringen, was für aus- gemachte Schufte die Sozialdemokraten sind. Er hat sich sogar Zeugen dafür bestellt, zehn an der Zahl, und Herr Goebbels und sein Verteidiger sind entrüstet, weil-das Gericht weder Lust noch Ver. anlosfung hak, über Dinge, die nicht unmittelbar zur Sache ge- hören, monatslang zu verhandeln. Rechtsanwalt Goltz legte darauf sein Mandat nieder mit der Begründung, daß er sich in seiner Verteidigung beschränkt fühle, da Landesverräter in Deutschland wohl straffrei blieben,, diejenigen aber, die sie Landesverräter nennen, bestraft werden!— Das Gericht schritt gegen diesen Satz nicht ein! Der Staatsanwalt beantragte 6 Monate Gefängnis. Als dann der Borsitzeüdo zur Verhandlung der.zweiten Anklage gegen Goebbels schreiten wollte— wegen Beleidig»>tg des Ministers a. D. G rz e s i ns k i—, um das Urteil in der ersten Sache gemeinsam mit dem zweiten Urteil zu fällen, gab Rechtsanwalt Goltz, der unterdes den Gerichtssaal wieder betreten hatte, die Erklärung ob, daß er das Gericht für besangen halte. Dr. Goebbels, sagte Herr von der Goltz, habe aus dem ersten Prozeß erkannt, daß die Einstellung des Gerichts sich in so hohem Maße grundsätzlich von seiner Einstellung durch die Bloßlegung von Mißständen im deutschen Vaterlands und durch Erörterungen im Be- l � i d i g u n g s p r oz e ß eine Wendung im Schicksal Deutschlands herbeizuführen, unterfcherde, daß er eine Voreingenommenheit des Gerichts befürchten müsse. Das Gericht erklärt« seinerseits nach kurzer Beratung diese Ablehnung des gesamten Gerichts für gesetzlich unzulässig. Rechts- anwalt Goltz lehnte darauf bloß die beiden Bcrussrichter ab. Auch daß fei unzulässig, erwiderte der Vorsitzende.„Zu meinem großen Bedauern muß ich dann den Vorsitzenden ab- lehnen, das habe ich vermeiden wollen", erklärte nun Rechts- anwall Goltz. Jetzt blieb dem Gericht nichts anderes übrig, als die Beschlußkammer anzurufen, damit diese über den 2lblehnungs- nntrag entscheide. Die Beschlußkammer wollte sich aber in ihrer Beratung nicht stören lassen. Die Verhandlung wurde auf heute ll�a Uhr verfagt. Dann kann das Theater weitergehen. Kampf gegen Asridis. Zu einem größeren Kamps zwischen >.nglischen Trupp«» und einer Abteilung Asridis kam es südlich von Peschawar. Die Afridis ergriffen schließlich die Flucht, nachdem sie 36 Tote und zahlreiche Verwundete verloren hatten. Die Verlufte der Engländer werden nicht mitgeteilt. Zwölf Aaamiten zum Tode verurteilt. Das französisch« Kriegs- gericht in Hanoi in Jndochlna hat gegen die Änamiten, die des Ausstandes beschuldigt werden, das Urteil gefällt. Don den Angc- klagten wurden 12 zum Tobe, 11 zu lebenslänglicher Zwangs- arbeit und 17 zu Gefängnisftrasen oder Zwangsarbeit bis zu 2g.I«chrat verurreiS. 114 Auamven werden ausgewiesen. Keine Bundesgenossen. Kommunisten und Christen Arm in Arm. „Der Deutsche", das Organ der Christlichen Gewerkschaften, führt den Wohlkompf gegen die Sozialdemokratie mit besonderer Gehässigkeit. Die Gemeinheit seiner Angriffe findet ihre Erklärung im schlechten Gewissen der Führer der Christ- lichen Gewerkschaften. Kein Tag ahne faustdicke Wahllüge gegen die Sozialdemokratie— das ist der Grundsatz, nach dem das Blatt im Wahlkampf arbeitet. Um Material ist der„Deutsche" dabei nicht verlegen. Er ahmt den„Völkischen Beobachter" des Herrn Hitler nach und bezieht sein Wahimaterial aus der kommu- n ist» schen Press«. Ann in Arn» ziehen„Rote Fahne", „Der Deutsche" und„Völkischer Beobachter" in den Wahlkampf gegen die Sozialdemokratie. Wenn die„Rote Fahne" heute einen faustdicken Schwindel gegen die Sozialdemokratie ver- breitet, kann man gewiß sein, ihn am nächsten Tage im„Deutschen" aufgewärmt zu finden. Wir gönnen diesen Leuten ihr« Bundes- genossen, dem„Deutschen" die„Rote Fahne", und der„Roten Fahne" den„Deutschen". Zeigt doch diese neue brüderlich« Lieb« der Arbeiterschaft, daß hier«in gemeinsamer. Häst und eine Gesinnung von gleicher Qualität am Werke ist"gegen die Sozialdemokratie. Jvetl die Sozialdemokratie unverrückbar an der Verteidigung der Arbeiter- interessen festhält. Laßt sie gemeinsam weiterlügen— sed« Lüz« erhält ihre Strafe, und diese Leute sind schon miteinander gestraft! Oos Gesichi des Volkes. Zu der Konservativen„Boltspartei" zu sehen. Die um Treviranus uiid Westarp nennen sich: K a n f e r- vative Volkspartei. Konservativ sind sie, und das gründlich, ob sie ein« Partei sind, ist. schon»veniger sicher— aber daß sie mit dem Dolk nichts zu tun haben, das ist ganz gewiß. Bisher hob�n sie die folgenden Kandidaten aufgestellt: Graf Westarp, Gra-f zu Dohna, Graf zu Rantzau, von Lindeiner- Wildau, von Kameke, von Eichhorn, von Lettow-Vorbeck, von Hammerstein, von Dryander, von Glerke, Treviranus, Lambach, Ullmann, Lücke, Rothe, Reichert, Fischer, Grewe, Dähnhardt. Der Adel ist in der Majorität. Run wird es klar, was der Rani« Volkspartei bedeuten soll: sie meinen das Volk der Grafen uird Barone. Kaffenkampf bei Hugenberg. Das Gericht soll helfen. Kassenkampf, nicht Massenkampf! Denn Klassenkampf ist Marxis- mus, und Marxismus ist bekanntlich der Todfeind. Der Kassenkampf aber kam so: der Vorstand der deutschnationalcn Ortsgruppe Dresden trat zu den Westarp-Leuten über. Das war am Nachmittag. Am Wend besetzten Hugenberg-Leute die deutschnationole Geschäftsstelle. Am nächsten Vormittag erschien ein Stoßtrupp von Westarpitcn, um das Büro zurückzuerobern. Die Hugcnberger aber alarmierten das Ueberfallkommando, und dies führte die Westarpiten ab. Der alte Vorstand aber hob inzwischen das Bankkonto der Dresdener deutsch- nationaler, Ortsgruppe ab. und nun klagen die Hugenberger gegen die Westarpiten um das Geld. Der Kassenkamps ist in voilein Gange. Stahlhelm für Hakenkreuz. Er macht ganze Arbeit. Braunschweig. 15. August.(Eigenbericht.) Die reaktionären Parteien Braunschweigs bemühen sich, zu den Landtagswahlen, die mit der Reichstagsrvahl zusammen- fallen, eine Einheitsliste aller bürgerlichen Gr Uppen von den Deutschnationalen Hugenbergs bis zu den Demokraten Zu- stände zu bringen. Dabei ist ohne iveiteres über den Kopf der kleinen Linksparteisn hinweg verfügt worden. Infolgedessen macht sich gegen diese Einheitsliste ein wachsender Widerstand der Volks- nationalen, des Landbunds, der Demokxgten und der Brgunschweiger Welsen bemerkbar, die ihre Vertreter beauftragt haben, stärkere De- rückstchtigung auf der Kandidatenliste zi» fordern,, anderenfalls, aber die Beteiligtfng an der Einheitsliste abzulehnen: Gestoßenen Pfeffer ins Gesicht. Ganoventrickö als Kampsmittel der Nazis. Am Donnerstagabend wurde Otto Sträßer, der Führer der revolutionären Nationalsozialisten in B r andenburg a. d. H. von einer Rotte von zehn bis zwölf Hitlcr-Leuten plötzlich übersallen, die ihm und einem Begleiter das Ge.sicht init ge- stoßenem weißen Pfeffer überschütteten und sodann mit Messern, Stöcken-üiid Faust schl ä g« n zum Angriff vorgingen. Straßer erhielt Verletzungen am Kopf und am Unterarm. sowie einen Bluterguß in der rechten Hand, während sein Begleiter mit einigen Prellungen davonkam. Es müssen ausgedient« schwer« Jungen gervesen sein, die gegen die feindlichen Brüder mit Pfeffer gearbeitet haben— ganz wie gelernte Straßenräuberl Von den Bürgerparteien. Das Wahiabkommen zwischen Staats Partei und Volts- parte! in Baden und Württemberg ist endgültig ab- geschlossen worden. Die Deutsche Volkspartei hat-in Düsseldors-Ost als Spitzen- kandidaten Staatssekretär Schmid(Schweineschmid) aufgestellt. Oberpräsident a. D. von Batocki ist aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgetreten. Die Republik steht fest! Genosse Grzesinski bei den preußischen Polizeibeamten. Bei der gestrigen Verfaflungsfeier der Republikanischen Vereinigung der Preußischen Polizeiverwaltung sprach im Saalbau Friednchshaiv Staatsminsster a. D. Genosse Albert Grzesinski..-. Er führte aus:„Die. Republik stellte dem Wort vom„Stahlbad des Krieges" das„Nie uneder Krieg" gegenüber. Hierin lassen»vir uns durch unüberlegte Reden amtierender Minister nicht beirren. Not tut die Erziehung der Jugend zum demokratischen Staatsbewußtsein. Das fit nur möglich, wenn die Dsrsossung richtig angewandt und mit sozialem Geist ausgefüllt wird. Wir dürfen die soziale Republik nicht zu. einer Besitzrepublik um- fälschen lassen. Es nnderspricht nicht dem Geiste der Demokratie, wenn gegen Staatsfetnde vorgegangen unrd, Die Verordnung über die Hieb- und Stichwaffen ist die einzig« Not- Verordnung des Kabinetts Brüning, die mit der Verfassung in Ein- Metropoltheater. „Viktoria und ihr Husar.* Großer Abend im Metropoltheoter. Eine Operette nach Bor- kriegsimistcr von Emmerich Földes, Musik von Paul Abraham Am Schluß des zweiten Aktes herrscht die übliche Tragik vor. Trotzdem ist das Publikum begeistert. Es berettet dem Verfasser und dem Komponiste« OlKitioneo,______, Pgft klang steht. Recht und Freiheit für alle Staatsbürger fit der Si»n der Demokratie. Weil sich die Mehrheit des Voltes hierzu bekennt, stcht der Staat und steht die Republik." Darbietungen des Schutzpolizeiorchesters unter Leitung von Polizeiobermeister Hahn umrahmten die Feier. Oos Hakenkreuzlicht von Sonneberg. Ein Schüler Fritks. Weimar, 15. August.(Eigenbericht.) Der in Preußen davongejagte Rcgierungsrat Dr. F a b r i c i u s sollte bekanntlich auf Betreiben der Nazis in Sonneberg Bürgermeister werden. Als das nicht glückt«, hat man ihn dort als juristischen Hilfsarbeiter angestellt. Jetzt fällen die bürgerlichen Parteien Sonnebergs in der OeffenUichkett ein vernichtendes Urteil über Fabricchs. Mnn wirst ihm vor, er habe das Vertrauen der Bürgerlichen in unverantwortlicher Weise mißbraucht, sie in der Oeffentlichkeit herabgesetzt und das ihm bewiesen« Wohlwollen mit Undank gelohnt. Fabricius zeige einen völligen Mangel an kommunaler Verwoltungspraxis und' habe gesetzliche Bestimmungen gröblich mißachtet. Seine juristisch« Quali- frkation lasse recht große Zweifel aufkommen, um die Stadt Sonn«. berg und ihre groß« Rot kümmer« er sich gar nicht. Cr verbreit« in der Oeffentlichkeit hanebüchen« Unrichtigkeiten, um auf diesem nicht jedem geläufigen Wege seine parleipolttifche Agitation zugkräftig zu machen. Er folg« blindwütend nur seinem brutalen inneren Drang«, jetzt vor der Reichstagswahl sich'möglichst interessant zu machen»ind womöglich gar als Sevenng-Hilfe-- ding-Märtyrer zu kandidieren. Das englische Beispiel. Anerkennung praktischer Arbeiierpolitik. Conbon, 15. August.(Eigenbericht.) Nach einer arbeitsreichen Tagung hat der Kongreß der Bergarbeiter seine Verhandlungen beendet. Noch einmal hoben die Vertreter von 532 000 organisierten Bergleuten ihren Willen und ihren Wunsch kundgetan, am S i c b e n st u n d e n- tag festzuhalten und ihn zu erringen. Gleichzeitig wurden die Grubenbesitzer deutlich gewarnt, mit dem Gedanken einer Lohn red u zierung zu spielen. Die soziale Log« der Berg- arbeiter zu heben, die ohnehin seit Jahren am meisten unter der englischen Krise zu leiden haben, das war das Leitmotiv der Kon- greßberatungen. Was ober gleichzeitig aus den Reden und Be- schlüsssn der Tagung hervorleuchtete, war dos Bekenntnis und die Treue der Bergarbeiter zur Arbeiter- rcgierung. Der Kongreß wußte, daß diese Labour-Regierung nur eine Minderheit im Parlament besitzt, und daß sie nur durch Kompromisse leben kann. Ebenso hatte man die Ein- ficht, daß diese Arbeiterregierung nur schrittweise voran- kommen kann und es nicht in ihrer Macht stehe, gegen die bürgerlich« Mehrheit das Blaue vom Himmel zu holen. Eine Minderheitenentschliehung, die indirekt ein Miß- tra u e n s v o t u m gegen die Arbeiterrcgierung und gegen die jetzig« Exekutive der Bcrgorbeitergewerkschaft bedeutet, wurde u. a. vom früheren Präsidenten der Organisation, Smith, befürwortet und von Eook bekämpft. Mit Zwei- drittelmehrheit lehnte der Kongreß nach zweitägiger De- batte die Resolution ob. Am deutlichsten kamen diese Erkenntnisse und dieses Wissen am letzten Verhandlungstag bei der B o rst a n d s w a h l zum Aus- druck. Da wurde einmal die kommunistische Zellen- bildung innerhalb gewisser Distrikte scharf verurteilt und der Borstand beaustragt, der nutzlosen und verbandsschädigenden kommu- nistischen Kritik und den Spaltungsbestrebungen mit fester Hand ein Ende zu bereiten. Als ein kommunistischer Delegierter hiergegen> sprechen wollte, erhob sich H e r b e r t Smith, um im Namen I Gerichtsurteil im Angestetltenkonflikt. Gehaltskürzung bei Kurzarbeit ist tarifwidrig. Di« Brennaborwerkc in Brandenburg hatten bei Einführung von Kurzarbeit die Gehälter der An- gestellten gekürzt. Daraufhin ist Feststellungsklagc beim Arbeitsgericht in Brandenburg erhoben worden, das eine Entfchei- dung fällte, die auch für den Konflikt in der Berliner Metall- industrie von Interesse ist. In dem Urteil heißt es. daß die Brennaborwerke verpflichtet find, die bisherigen Gehälrer unverkürzt weiter zu zahlen, weil die Kurzarbeit für Angestellte mit gleichzeitiger Kürzung der Gehälter gegen den Tarifvertrag ver- ft o ß e, der. Mindestgehälter festsetze. Die L o h n e i n h e i t für Angestellte sei das Monatsgehalt. Die bisherigen Urteile des Reichsarbeitsgerichts bezogen sich auf Arbeiter, bei denen die Lohncinheit, der Stundenlohn, nicht ongegri'sen wird. Da im Tarifvertrag die Kurzarbeit nicht vorgesehen sei, sei auch daraus zu folgern, daß nicht beabsichtigt war, Kurzarbeit«inzuführen. Bekanntlich haben die Gewerkschaften auch im Berliner Kon- fktkt eine Feftstellungstlage eingereicht. Die Entscheidung des Ar- beitsgerichts in Brandenburg dürfte deshalb von großer Bedeutung für die Entscheidung des Berliner Arbeitsgerichts sein. Arbeiislosigkeii durch Notprogramm. Etwas mehr Planmäßigkeit, bitte! Die steigenden F ü r s o r g e l a st e n infolge der Arbeits- to s i g k« i t haben besonders in Sachsen zahlreiche Städte in «ine bedenkliche Lage gebracht. Besonders schlimm steht es um die Industriestadt Freital im Plauenschen Grunde. Die Stadt kämpft vor allem gegen die beabsichtigte Stillegung der Gußstahlwerke Döhlen A.-G., die Jahrzehnte Taufende von Arbeitern beschäftigten. Durch Wegleitung der Reichsbahn- auftrüge(Schienen, Oberbmimaterial usw.) nach dem Westen, droht den Werken Auftragsmangel. Beim sächsischen Wirtschasts- minist eriutn liegt daher bereits der Stillegimgeantrag vor. Alle politischen Gruppen und Parteien pratestieren einmütig gegen die Benachteiligliiig der sächsischen Wirtschast bei der Vergebung der Aufträge der Reichsbahn und der Rcichsbehörden. Präsident W o l f f von der Dresdener Handelskammer erklärte, nach dem Urteil aller Fachleute feien die Döhlener Werke diirchcnis lcistungs- und lebensfähig. Wir haben bereits wiederholt darauf aufmerksam gemacht daß die Verteilung der Arbeitsaufträge aus der Arbeitsbesihossung der Rcichsbahu unbedingt in engster Fühlungnah in« mit den L a n de s a r b e i t s ä m t e r n vorgenomnien werden muß. Man darf erwarten, daß nun bald in dieser Hinsicht zwischen Reichsbahn Und Rcichsanstalt flir Arbeitslosenversicherung klare Verhältnisse geschassen werden. Das tziotprogramm soll die Arbeitslosigkeit ein- dämmen, nicht vergrößern! Oer Tod droht. !lnfo>lverhütung durch das Bild. Im Jahre 1S28 ereigneten sich in den bei den gewerblichen Berufsgenossenschasten versicherten Betrieben Unfallstodes- fälle 209 an Arbeitsmaschinen, beim Transport 1428, durch Fall 657, aus dem Wege von und zur ülrbsit 542. Die Gesamtheit der Unsallstodesfälle in Deutschland betrug 2S 000. Die Zahl der tödlichen Unfälle in den berufsgenossenschaftlich versicherten Betrieben gerade an den gefährlichen Arbeitsmaschinen erscheint verhältnismäßig niedrig. Sie ist die Folge der immer ge- werbsmäßiger ausgebauten Schutzvorrichtungen an den Maschinen. Vollkommene Sicherung vor Gefahren können aber auch die besten Schutzvorrichtungen nicht gewähren: oft genug wird aus Nachlässigkeit und Gedankenlosigkeit von ihnen auch kein Ge- brauch gemacht. Der komplizierte Mechanismus einer Maschine bleibt für den Unvorsichtigen außerdem stets eine Gefahr. Und wer heute nicht die Augen offen hält, für den ist das ganze hastende Leben erfüllt mit Unfollmöglichkeiten— die sich in den meisten Fällen vermeiden lassen. In allen Betrieben hängen die Unsallverhütungsvorschriften aus: wie viele Arbeiter haben sie wirklich bewußt gelesen? Bei wie vielen haben diese Borschriften den Willen zur Befolgung ausgelöst? Ein Bild, das eindrucksvoll und einfach den Höhepunkt einer Gefahr oder die Folgen eines Unfalls darstellt, zwingt jeden zur Auf- merksomleit. seines Bezirkes zu erklären, dieser kommunistische Delegiert« habe keinen Austrag von seinen Distriktskollegen, dos Wort zu ergreifen. Zluch die Vertreter Schottlands machten es deutlich, daß bei ihnen die gewaltig« Mehrheit des Verbandes mit den kommu- nistischen Spielereien nichts zu tun haben wolle. Aber niemand anders als Herbert Smith, der ehemals ver- dienstvolle Präsident des Bcrgarbeiterverbandes, mußte am eigenen Leibe erfahren, wie wenig die englischen Bergarbeiter diesen Utopien geneigt sind, und wie klar sie trotz aller Not die praktische, wenn auch mühselige und langwierige Tagesarbeit anerkennen, möge sie selbst nur schrittweise zum Ziele führen. Smith hat im ver- gangenen November die Präsidentschaft des Verbandes niedergelegt, als Protest gegen das von der Arbeiterregicrung dem Parlament vorgelegte Bergbaugesetz. Smith glaubte dieses Gesetz vor dem Verband nicht vertreten zu können, weil ihm die darin ent- haltenen Verbesserungen nicht groß genug für die Bergarbeitcrschaft schienen. Daraus übernahm der Dizepräsident Richards die Ver- bandsleitung. Bei der diesmaligen Neuwahl des Präsidiums standen sich Smith und Richards als Kandidaten gegenüber. Richards erhielt 432000 Stimmen, Herbert Smith unterlag mit 100 000 Stimmen. Die große Mehrheit des Kongresses konnte es ihm nicht vergessen, daß er das Verbandsschiff in einer der schwierigsten Situationen verlassen hatte, wo es mehr denn je auf die Zielklarheit und Erkenntnis des zur Führung Berufenen ankam. Auch als Kandidat für den Generalrat der englischen Gewerkschaften unterlog Smith zweimal gegen Richards und Cook. Zum Vizepräsidenten des Verbandes wurde Edwards-North- cumberland gewählt und C. S w a n wird den Verband in der Exekutive der Labour Party vertreten. Zum Schluß des Kongresses sprachen Smith und Richards be- geisterte Worte für die Einheit und Größe des Verbandes und der Arbeiterbewegung. Mit Recht konnte der Generalsekretär Eook am Ende der Verhandlungen sagen, daß diese beiden Reden der große Abschluß einer großen Tagung gewesen seien. «ung des Rotapfers der Beamte« und der AufstchbsrotsmibgKede?«m Aktiengesellschaften, sowie für die Ablehnung der höheren Besten«. rung der Einkommen über 8000 Mark gestimmt zu haben! Diese Abstimmung, so schreibt das christliche Gewerkschaitsorgan, reihe sich würdig derjenigen an, in der der Abg. Brey im Jahre 1929 für die Verschlechterung der Arbeitslosenunterstützung der Wanderarbeiter, der Pendelarbeitcr, der Saisonarbeiter und der Arbeitslosen mit etwas Hausbesig gestimmt habe! Im gleichen Atemzug behauptet das christliche Liigenblättchcn, die sozialdemokratischen Gewerkschosts- sekrctäre Hüsten durch ihren Antrag, die Notverordnung aufzuheben, das Arbeitsbeschaffungsprogromm der Reicheregierung gestört und dadurch die Massenarbeitslosigkeit von neuem gefördert. Diese Anwürfe gegen die freien Gewerlschosten sind ebenso dumm wie frech. Nächstens werden die Christen noch her- kommen und erklaren, die Notverordnungen des Kabinetts Brüning seien von der Sozialdemokratie beschlossen worden. Die Krankenoersicherungsrefarm haben sie ja bereits dem früheren sozial- demokratischen Reichsarbeitsminister Wissell aufs Konto zu setzen versucht. Daß das Zentrum im Reichstag bei so und so vielen An- lassen die Sozialdemokratis im Stich ließ, wenn sie die Besitzen- den zu den Lasten heranziehen wollte, davon wissen die braven Christen absolut nichts. Di« Christen wollen andere Leute für ihre Sünden vemntwort- lich machen. Sie wissen nämlich ganz genau, was das Kabinett Brüning alles auf dem Gewissen hat. Sie wußten sogar von vorn- herein, daß die Arbeiter von den Regierungstünsteu Brünings nichts Gutes zu erwarten hatten. So schrieb„Gut Brand", das Lügenblättchen der christlichen Fabrik- und Transportarbeiter, als die Frontkämpferregierung ans Ruder kam, böser Barahnungen voll. von Stegerwald und Brüning:„Beide sind schon vor längerer Zeit aus den Diensten unserer Bewegung ausgeschieden. Sie sind dann vollständig unabhängig von unserer Bewegung geworden. Die Be- wegiing könne ihnen keinerlei Weisungen oder Richtlinien geben. Selbstverständlich auch keinerlei Verantwortung für ihre Handlungen und Entscheidungen über-. ii e h m e n." Das ist's. Die Christlichen wollten und wollen die Handlungen und Entscheidungen des Kabinetts Brüning nicht verantworten, und deshalb machen sie kurzerhand die— Sozialdemokratie dafür verantwortlich! Im Auftrage des Verbandes der Deutschen Berussgenossen- schaffen erscheinen seit langem Plakate dieser Art: der Arbeiter, der beim nächsten Schritt in ein Kellerloch stürzen muß, das fahrlässige Kollegen offen ließen, der erblindete Bergmann, der vor den Folgen unvorsichtiger Arbeitsweise warnt, der Tod, der sich aus einem Zigarettenwölkchen am Arbeitsplatz formt, reden eine ein- dringliche Sprache. Sie mahnen mit dem Plakat, dos einen Unfall- verletzten im Krankenbett zeigt:„Lies Unfallverhütungsvorschriften nicht erst im Krankenhaus!" 'Doch gegen eine allzu gleichförmige Ermahnung, fei sie auch noch so eindringlich, stumpft der Mensch schließlich ob. Es gilt, das Notwendige auf immer neue Art zu sagen. Die 343 Unfallverhütungsbilder, die bisher erschienen sind, geben Be- trieben aller Art die Möglichkeit, die notwendigen Ermahnungen abwechslungsreich und einprägsam zu wiederholen. An geeigneter Stelle dürften besonders erfolgreich auch olle die Bilder wirken, die die Ausführung von Schutzmnßnahmen zeigen mit der antwort- heischenden Frag«: Weshalb geschieht dies oder jenes? Di« Diskussion über die Notwendigkeit der Schutzmaßnahmen wird hier durch un- wissende Kollegen immer neu heraufbeschworen. Sehr nützlich sind Lohndüten mit den verschiedenen Uvfalloerhütungsbildern, durch die Unterhaltungen über Gefahrenschutz bei der Arbeit auch in die Familie getragen werden können. In den Nachtragsheften zu dem Hauptverzeichnis„Unfall- Verhütung durch das Bild" befinden sich übrigens eine ganze Reihe wirkungsvoller Plakate, die sich auf die vermeidboren Gefahren des allgemeinen Lebens zu Haus und auf der Straße beziehen. Auch diese Bilder verdienen weitestgehende Verbreitung. Oer OMV. weiht sein Haus ein. Man muß die Feste feiern w>e sie fallen. Am Sonntag findet in Berlin die Einweihung des neuen Verwaltungsgebäudes des Deutschen Metallarbeiteroerbandes statt, das in der Alten Jakob- straße 148— 155 in unmittelbarer Nähe des„Borwärts" errichtet worden ist und bereits die von Stuttgart übergesiedelte Leitung und Verwaltung des Verbandes beherbergt. Die Einweihung des Eisernen Hauses ist der Auftakt zum Verbandstag der Metallarbeiter. Der Begriißungsabend für die Teilnehmer am Verbandstag findet am Sonntagabenid ini Berliner Sportpalast statt. Der Verbandstag der Riesengcwerkschast der Metallarbeiter fällt in«ine stürmische Zeit. Die Konflikte in der Metallindustrie häufen sich. Im Augenblick steht die Arbeitszeitirag« für die Metallarbeiter im Bezirk Nordwest wieder im Vordergrund/ in der Berliner Metallindustrie sind die Angestellten von Entlassung und Gehaltskürzung bedroht, was auch den Arbeitern nicht gleichgültig sein kann, und dann stehen die Reichstagewahlen vor der Tür, in denen die freien Gewerkschaften diesmal' in vorderster Front Schulter an Schulter mit der Sozialdemokratie kämpfen, weil die unnüttelbarsten Lebensinteressen der Arbeiter durch den sozial- reaktionären Vorstoß des Kabinetts Brüning in der Arbeitslosen- und Krankenversicherung, sowie in der Lohnfrage aufs ärgste bedroht sind. Unter diesen Umständen kommt. der Tagung der größten deutschen Gewerkschaft besondere Bedeutung zu. » In Kiel findet am?ä. und 26. August im Gerverkschastshmis ein« Konferenz der ini Gesamtoerband organisierten Gemeinde- arbeiter statt. Ihr folgt am 27. und 28. des Monats eine Konferenz der Gas-, Wasser- und E l e k t r i z i t ä t s- arbeiter. Im Anschluß daran tagt— ebenfalls in Kiel--- die International« dieser Arbeitergrupp«. Ltnchnsiliches Christentum. Die Lugknkampagne steigert sich. Seitdem die freien Gewerkschaften an die Zlrbeitcrschaft den Appell gerichtet haben, mit aller Kraft für den Siegdcr Sozialdemokratie bei den Reichstagswohlen zu kämpfen, greifen die Organ« der christlichen Gewerkschaften in ihren Wahllügen mit Vorliebe die freigewerkschaftlichen Führer an. Dabei versteigerte sich der Zenlralo«rband d«,r christlichen Fabrik, und Transpurtarbeiter zu Agitationsmethoden, die über die Grenze des Erlaubten arg hinausgehen. Eins seiner Gewerkschosts- blättlhen,„Gut Brand", bringt eine Notiz, worin August Brey, dem Führer des freigewerkschaftlichen Fabrrtarbeiteroerbandes vor- geworfen wird, mit dem Scharfmacher Hugcnberg für die Ableh- Entspannung in Norofrankrelch. Starke Zunahme der betriebe die bewilligt haben. Poris, 15. August.(Eigenbericht.) Die Entspannung im Liller Streikrevier hält weiter an. In Lille selbst sind 28 000 Streikende zur Arbeit zurückgekehrt, nachdem die ilnternehnur ihre Bedingungen angenommen hatten. Ein starker Optimismus herrscht auch in der Gegend von Roubaix und. Tour- coing. In Tourcoing sind nur noch 26 000 Arbeiter von 45 000 im Streik, in Roubaix hat sich die Zahl der Streikenden von 47 000 gleichfalls auf 25 000 ermäßigt. Für Montag hofft man auf das Zustandekommen von direkten Verhandlungen zwischen dem Textil- konsortium und den Streikenden. Der französisch« Arbeitsminister L a v a l wird am kommenden Montag noch einmal versuchen, die Gegensätze im nördlichen Industriegebiet beizulegen. Der sozialistische Bürgermeister von Lille, der Abgeordnete Salengro, hat sich am Donnerstag in das Arbeitsministerium begeben und den Minister gebeten, eine Abordnung der Gewerftchasten zu cmpsangen, um mit ihnen die Maßnahmen zu besprechen, die im Interesse einer Arbcitswieder- aufnähme ergrissen werden müßten. Der Arbeitsminister lzat sich bereit erklärt, diese Abordnung am Montag zu empfange» und gleichzeitig die Arbeitgeberoerbänd« eingeladen, an der Besprechung teilzunehmen. Belästigung der Arbeiislosen. Durch politisch maskierte ZiowdyS. Die Kammunistische Partei hat den Anfang damit gemacht, die „Stempelstelle n", die Arbeitsnochiveise, zu systematischer politischer Agitation zu mißbrauchen. Aus der Not der Arbeitslosen sucht sie parteipolitischen Honig zu saugen. Die wartenden Arbeitslosen sind sozusagen gezwungen, die alleinselig- machenden Tiraden der k o ni m u n i st>. s ch« n R o l l k o m m a n- dos über sich ergehen zu lassen. Widersprüche kommen gegen deren schlagkräftigen F a u st a r g u in e n t e nicht auf. Das. Treiben der Kommunisten hat nun die Hakenkreuz- l e r i s ch e Konkurrenz auf den Plan gerufen. Was jenen als recht erscheint, nehmen diese für sich als dillig in Anspruch. Wie weit es schon gekommen ist, dafür als Beispiel die folgende Zuschrift: „Als erwerbsloser kaufmännischer Angestellter bin ich leider genötigt, zweimal wöchentlich auf den Nachweis K a i s e r- W i l h e l m-S t r a ß e zu gehe». Der Hos dieses Nachweises hat sich zu einem förmlichen Kriegslager der Haken- k r e u z l e r entwickelt, die hier aus der Not der erwerbslosen kaufmännischen Angestellten noch glauben Riemen schneiden zu können. Als Republikaner oder auch nur Andersgesinnter wird man sofort von den Hitlerburschen tätlich bedroht bzw. wird man dann von diesen aufgelauert vor dem Nach- weis. Wie ich feststellen konnte, sind es fest organisierte Trupps, die anscheinend van irgendeiner Stelle aus dirigiert werden. Auch ich wurde heute, als i6) Stempeln ging, tätlich be- droht und dann aus der Straße weiter verfolgt, so daß ich direkt in das naheliegende Warenhaus Tietz flüchten mußte. Man kommt sich diesen Burschen gegenüber geradezu wie vogel- frei vor." Wie wollen die Arbeitslosen sich vor diesen provokatorisch auf- tretenden Rowdys schützen? Die Polizei kann nicht neben jeden Arbeitslosen aus dem Arbeitsnachweis einen Beamten stellen. Den- noch muß diesem Treiben der Stoßtrupps vor den Arbeitsnachweisen wirksam begegnet werden, um ihm ein Ende zu machen. Achtung. Kartonnagetiarbeiler und arbeilerinnen! Di« Firma Zucker u! Ca.. Seifenfabrik, Mühlenstr. 51/52, versucht in der Kartonnagenabteilung die Löhne abzubauen. Die Firma ist deswegen gesperrt. Es wird vor Annahm« von Arbeit nach diesem Bttrieb« gewarnt. Verband der Buchbinder und Papierocrarbeiter. Ortsoerwaltung Berlin. Zuaendaruppe deSZ«ntrolverbank»eS der Anaeffellten Seilt-, Eonnabend: Spiel unt Spart ab IS Uh- auf iem Sportplat! im Sunrbaldtba'.n. ki-ranln-ortlich tllr r-olitik: Tt. ffnrt«eqcr: Wirtschaft:®.»liaaeldZIer: Srwcrlichail-bcwegnng: Z. Steiner: K-uilielon: it. i>. D-schcr: Lotale» und Saniliaes� ärin Sarliädt: Antliaen: Tb. Stocke: sämtlich in Berlin. Berlaa: Borwärt�Berlag(8. m b. S, Berlin. Druck: Lorwärts-Buchdruckeret und Lerlassanftalt Paul Singer u. Ca., Berlin SW. 68. Lindcnltrab« 6. L'er,- Z Beilagen. Nr. 5M* 41. Lahrgang ± Beilage des Vorwärts Gonnabend� 46. August 49Z0 Wochmtä Ausflüge in 3m Löckmhgebiet. In Jwrn Arcchon van Spr« und Ucknitz durchflosseiikn Wald- «i-cbiet z»» i s ch e n Erkner und F ii r st e n w a l d« übt der an Erkner onstaßende Teil eine besnnderc Anziehungskraft aus. Wie nieistens in der Mark beruht der Reiz dieser Gegend auf Seen, dc« sich kettenortig aneinander reihen. Erkner— nwht neben Patsdom der am meisten besuchte Ort im weiteren Dorortsverkehr — ist der Mittelpunkt van Wasserausstrohlungen nach ollen vier Himmelsrichtungen: Noch Norden Flakensee mit Waltersdorser Schleuse, Äalksee und Stienitzsee; noch Osten die LScknitz. W u p a tz f e e, H eid« r eu t er se e, Priestersee. Werl- se«, Peetzfe« und Möllensee; noch Süden die Spree und nach Westen Dämeritzse« und Müggelsee. Wie die Aufzählung zeigt, ist der Ost-Scenzug der abwechslungsreichste, und zahlreiche Berliner haben sich die Ufer und die Landengen zwischen den Seen nutzbar gemacht, sa daß schmucke Kolonien entstanden. van denen Fongschleus«, Grünheide und A l t- B u ch- borst genannt sein mögen. Für die Beliebtheit der Ausflüge nach diesem Seengebiet spricht noch der bequem« Zugang— man kann in Erkner beginnen, aber auch die Station Fangschleuje der sich anschließenden Borortlini« Erkner— Fürstenwalde als Ausgongspunkt wählen. Per Weg von der Station noch Grünheid« er- fordert V- Stunde, noch Fangschleuse und nach Alt-Buchhorst se Stunde. Auch die einzelnen Abmessungen im Wondergebiet sind gewissermaßen zu Spaziergängen mehr einladend als zu Dauer- Märschen, von denen wir aber doch nennen wollen: Erkner-� Fürstenwalde über Fangschleus«(1 Stunde), Alt-Buchhorst Stunde), changelsberg(1H Stunde), Fürstenwolde(2� Stunden): oder ab Hangelsberg über Brounsdorf— Morkgraf- xieske— Knlpm zum Scharmützels««<4 Stunden). Di« mis den Kolonien an den Seen noch Norden angetretenen Mörsch« nach Waltersdorser Schleus« und Rüdersdorf find mit ihrer Wegdauer von etwa 2 Stunden nicht strapaziös zu nennen. Aber die Seen selbst locken doch am meisten. Der Weg von Erkner noch Kolonie Fangschleuse(1 Stund«) führt uns an der Nordsest« des Wupatzse«? entlang und weiter zu dem nnrierischen Heidereut erste. Die Fortsetzung des Weges am Südufer des Werkst«? bringt uns über Gottesbrück und Bergluch nach dem zwischen Werstes und Peetzfe« gelegenen Grünheide(% Stunde) und von dort mrf Waldweg nach Alt-Buchhorst(Ih Stunde). Wer Lust hat, nicht nur der Ucknitz, sondern auch der Spree einen Besuch ab- (pliot. Aug. kupp.) Am lieidereutersee. zustatten, kann vom Werlsec(Gottesbrück) südwestlich in einer Stund« nach Hohen bin de' gelangen und m gleicher Zeit die Rückkehr nach Erkner bewerkstellig««!/ Vorschau auf die Fuukaussiefluug 1930. Aus Anlaß de« am 22. August für di« trodiliouelle Dauer von 10 Tagen in den Ausstellungshalle» am Koiserdomm zur Erössoung gelangenden.Großen Deutschen Funkousstellung Bersta IKVT. die in diesem Zohre erstmals mit der.Phona- Schau Berlin 1330" vereinigt ist. wurde kürzlich näheres mitgeteilt. Ueber di« volkswirtschaftlich« Bedeutung der Ausstellung, die in diesem Jahre wiederum 320 Ausstellerfirmen in 6 Hollen auf 23 000 Quadratmeter Au?stellung?fläche vereinigt, sprach Dr. Erwin Michel in seiner Eigenschaft als Lest« der Ausstellung. Die Große Deutsche Funkousstellung, betonte der Redner, sei vielleicht di« bedeutsamste absotzicchnische Leistung, di« die deutsche Funkindustri« ouszumeisen habe. Eingehende Unter- suchungen am heimischen Markt hätten ergeben, daß von ousschlog- gebender Bedeutung der Ausbau des Sendernetzes für die Ausbveitung de? Rundfunks und damit für die Verbreiterung der Absatzbasts für Rundfunkerzeugnisse gewesen sei. So habe sich z. B durch die Schaffung de? Longenberg-Senders im Jahre 1027 die Rundfunkteilnebmer-Ziffer von 44 300 am 1. Januar 1027 auf 230 400 am 1. Januar 1028 erhöht. Dann habe sich im ersten Halbjahr 1030 die Zunahme der Rundfunkteilnehmer beträchtlich verlangsamt, da in d«r letzten Zeit keine neuen Sender errichtet morden seien. In einzelnen Teilen des Reiches sei sogar beinahe der Sättigungsgrad erreicht. Der prozentual geringste Zu- wach? der Teilnehmer wurde im Bezirk Berlin, einem Bc- zirk mit der größten Rundfunkdichte, festgestellt. Das hai'ptsäch- lichste Verbreitungsgebiet seien die Städte, während auf dem flachen Und di« Teilnahme immer noch sehr schwach sei. Ueber technisch« Neuheiten der Funkausstellung res«. rierte der Abteilungsdirektor im Reichspostzentralamt, Dr.-Ing. H a r b i ch. Er betont«, daß grundsätzlich Neues nicht zu finden sei, sondern man lediglich nervollkommnete Gerät« zeige. Reu sei das qrohe Interesse für Störungsschutzeinrichwngen und für das Fernsehen. Hier sei es vor ollem die deutsche Reichspost, die Fortschritte auf diesem Gebiet zeige. Von der Reichsrundfunk. oesellschosl werde ein großer repräsentativer Raum errichtet, in dem mit eigens hierzu konstruierten Großlautsprechern Rundfunk- darbietungen.zu Gehör gebracht werden. Wie alljährlich neranstolte diese Gesellscbaft auch einen Basller-WetibewerK. Die Verbindung der Phono-Schau habe Anlaß gegeben, in besonderem Maß« aus die Schallplatte im Dienste d«? Rundfunks einzugehen. Ueber die Neuerung, die die Phono �chau zeigen wird, sprach Dr. Wiggers. Besonders interessant sei der Versuch cnner Kam- dination der sich bisher immer mehr oder weniger feindlich gegen- überstehenden organischen und mechanischen Musik in ein und dem- selben Instrument. Ez werde«ine neuartig« Konstruktion gezeigt werden, die Piano-, Radio. Lautsprecher- und Schallplattenmusik in such vereinigt, ohne äußerlich von der bekannten Standardform des Pianos wesentlich abzuweichen. Afpue Straßenbahnlinie Am 18 August wird ein« neue Straßevbahnlimi« 38 Schön- cholz— Dönhoffplatz über Provinzstrotze, Drvntheimer fiteste. Nabkteate. Satatef ficterttaanat Rostartchaler Platz. Hackescher Markt, Kaiscr-Wilhelm-Straße, Spandauer Straße, Molkenniarkt. Spittelmarkt in Betrieb genommen. Gleichzeitig wird die O m n i b u s l i n i e A 2 5 von Schön äolz zurückgezogen und ob Friedrichstrah«. Ecke Unter den Linden, über Schloßplatz,.Königstraße, Aleronderplatz, L.aiidsbcrger wtratzc bis Landsberger Allee. Ecke Elbinger Straße geführt. Die O m-n i b u s l i n i e A 2 verkehrt vom gleichen Tage an imr zwischen Gninemold-Bismarckstraße und Unter den Linden- Zeughaus. Internationale der Schulen. Französische Lehrer im Berliner Bathaus. Wir haben zur Zeit in Deuischlond viele willkommene Gäste aus dem Auslände. Zahlreich sind daher auch die Kundgebungen für die Völkerverständigung, an denen französische, englische und deutsche Lehrer und Schulkinder teilnehmen. hier kommt der Vcrstöndigungswille insbesondere de» sranzösischen und de» deutschen Volkes zu starkem Ausdruck. IJJe Ausländer erhoffen für die deutsche De m o k r a t i e und ihre Vorkämpserin, die deutsche Sozialdemokratie, im. Wahlkamps einen entscheidenden Erfolg. » In Berlin feiert« vor kurzem die A r b e i t s g c m e i n- schaft sozialdemokratischer Lehrer im Stadt- verordnetensitzungssaal die Anwesenheit von ungefähr 2 0 f r a n- zösischen und 5 englischen Junglehrern, zum größten Teil Sozialisten, die eine Studienreise durch Deutschland machen. Aus Einladung des Bezirksamtes Prenzlauer Berg werden die ausländischen Lehrer Berliner Produktionsbeiriebe und besonders soziale Einrichtungen, außerdem auch die Institutionen und Unternehmungen der Sozialdemolratischen Partei und der Gowerkschasten besichtigen. Die Begrüßungsansprache in der über- füllten Kundgebung hielt der sozialdemokratische Bürgermeister des Bezirksamtes Prenzlauer Berg, Dr. Ostrowski, der sich um das Zustandekommen der Studienreise besonders bemüht hat. Er per- kündete den Willen der Arbeitcrmillionen und des geistigen Deutsch- lands zur Sicherung des Weltfriedens. Die Lehrer besonders auf den Volksschulen, sollen Erzieher zum Friedenswillen sein. Der Redner schloß in französischer Sprache mit dem Aufruf, alle Kräfte einzusetzen für eine wahrhaft«„friedliche Durch- dringung" der ganzen Welt. Der Vorstand der Sozial- demokratischen Partei und die sozialdemokratische Reichs- tagsfraktion hatten Franz Künstler entsandt. Er erinnerte an den Kriegswohnsinn vor 16 Jahren, den die Gegner der Sozial- demokrati« im jetzigen Wohlkampf anscheinend wieder herbeisehnen. Gemeinsam mit den Arbeitern der ganzen Welt muß der Kamps oe führt werden, damit die Menschheit ein einziges Volk, die Erde ein einziges Vaterloird werde! Es sprachen nach Vertreter verschiedener pazifistischer Organisationen, unter anderem Senotspräsident Frey- muth von der Deutschen Fricdensgesellschaft, Genosse Floerkc für die Freund« der internationalen Kleinarbeit, und für den Bund entschiedener Schülreformer Prof. O e st r e i ch. Genosse Mitchell aus Edinburgh in Schottland und Ge- nasse Brun aus Nim es in Südfrankreich dankten für die Be- grüßung und sprachen das Gelöbnis aus, unermüdlich in den Reihen der Arbeiterbewegung für international« Solidarität zu kämpfen. Der französische Genosse überbrachte den Wunsch des Genossen Comper«- Morel, des Leiters des„P o p u l a i r«', für einen Wahlsieg der deutschen Sozialdemokratie am 14. September im Interesse der gesamten International«. Ein begeistertes Hoch aus die Völkerverständigung und den internationalen Sozialismus, in das alle Anwesenden einstimmten, schloß die Kundgebung ab. Im Kurhaus Alexisbad wurde vor einigen Tagen ein internationales Schul er fest der Teilnehmer an den beiden im Harz untergebrachten dcutsch-fran zösischen F e r i e ns chu l« n der Stadt Berlin veranstaltet. Der Minister- Präsident D e i st von Anhalt, der Undtagsprästdent Rick« vom Vrounschwvig und die Direktoren verschiedener Schulen und Bürger- meister der>brnachbarten Städte nahmen an der Ziündgebung teil. Obcrschulrot Heyn- Berlin hielt die Begrüßungsansprache im Namen der Stadt und feierte die Verdienste der Schulmänner, die in jahrelanger mühevoller Arbeit das Werk der der gemeinsamen Ver- stöndigung dienenden Erziehung der Jugend der Notionen ausbauten. Die Feiern wurden geschlossen durch das Absingen des Deutschlandliedes und der Marseillaise. Die Einsturzhäuser in Charlottenburg. Die Baupolizei sagt: Keine akute Gefahr. während einige Häuser in der hcbbelstraße, hauptsächlich das Eckqrunbstück Hebbel. Ecke Fritschestrahe neu sunda. mentiert worden sind, gehl die Bewegung in den Fundamenten anderer Wohnhäuser, die alle aus äußerst ungünstigem Baugrund stehen, uncrushörlich weiter, so daß wieder alarmierende Meldungen über Einsturzgesahr laut geworden sind. Am gefährlichsten sieht es gegenwärtig bei dem Hans Fr i t s ch e st r. l S aus, wo die Be. wegunge» in den Fundamenten und die Risse im Mauerwerk sich in der letzten Zeit ständig vergrößern. Die Baupolizei de» Bezirksamtes Ehorlotteuburg steht allerdings aus dem Standpunkt, daß gegenwärtig keine akute Einsturzgefahr besteht. Die Häuser werden olle 14 Tage von Bausochncr ständigen kon. trollt er t und Messungen über die Bewegungen vorgenommen. und zwar fanden die letzten Untersuchungen vorgestern statt. Dce Verhältnisse in diesen bedrohten Wohnvierteln bergen eine Reihe von Schwierigkeiten finanzieller und recht! iahor'Art in sich, vor ov-n Dingen fehlt das Geld und die gesetzlich« Handhab«, den Bewohnern Ersotzwohnungen zu geben. Zehn Parteien de? besonders bedrohten Hauses sind bereits freiwillig aus- gezogen, und das Eharlottenburger Wohnungsamt weist allen denjenigen Mietern, die ausziehen wollen, neue Wohnungen zu. Ein Teil der Mieter legt aber keinen Wert auf den Umzug, der natürlich mit Kosten verbunden ist, denn hinzu kommt, daß die Mieten in Neubauwohnungen sehr hoch sind und die Räume dort auch meistens s? klein sind, daß die Möbel gar nicht hineinpassen. Räumung»- befehle können nur von der Baupolizei erlassen werden, wenn wirk- liche Einsturzgefahr besteht. Do? Beispiel des Hauies B elziger Straße, wo iiachträglich wegen des Röumungsbefehls Schadens- ersatzprozesse gegen die Stadt anhängig gemocht wurden, hat die Behörde natürlich nicht ermuntert, da die Gefahr bejtsht, daß ihr für ihre Fürsorg« nachträglich finanziell« Nachteile entstehen. Auch die vechtliche Handhabe, die N«ufundamentierung der bedrohten Häuser zu erzwingen, ist nicht vorhanden, und derartige Maßnahmen wären auch zwecklo?, da die Erneuerungzarbeiten eben, an der Geldsrage scheitern. Die Tätigkeit der Baupolc.zei ist begrenzt durch ihre Verant- morniny für Lebe« und Gesundheit der Bewohner, und tue Bau. Polizei muß die Räumung anordnen, wenn diese Gefahr uumittes- dar bevorsteht, ohne Rücksicht aus die Möglichkeit der anderweitigen Unterbringung der Mieter. Hier setzt die Aufgabe des W o h- n u n g s a m t s ein, das sich dieser Aufgabe auch nicht entzogen hat und nicht entziehen wird. Das Wohnungsamt hat im Interesse der Erhaltung von Wolinraum bei dem Grundstück Hebbelstr. 17 und dem Eckgrundstück Fritsche st raße- Hebbel st raße cingegrifs«: und die notwendigen Sanier ungsarbeiten ermöglicht, indem es zu sehr günstigen Bedingungen Mittel dafür zur Verfügung stellte. Diesen Weg will dos Wohnungsamt auch bei dem Haufe Fritsche- straße 18 weiter beschreiten. Verhandlungen mit dem Hauseigentümer find bereits seit Wockzen im Gange. Diese Mitwirkung des Wohnungsamts und die Zurverfügungstellung städtischer Mittel für die Sanierungsarbeiten sind nur zu rechtfertigen unter dem Gesichtspunkt der Erhallung van Allwohnraum. Die Eigentümer der gefährdeten Grundstücke haben ihrerseits die Pflicht, ihre Grundstücke in einem Zustande zu erholten, der die Be- wohner nicht gefährdet. Bestände kein Wnhnungsmangel, so würden auf Veranlassung der Baupolizei lediglich die geforderten Wohnungen .zu räumen sein, und den Mietern bliebe es überlassen, sich selbst andere Wohnungen zu beschossen. Die Verwendung öffentlicher Mittel ist nur zu rechtfertigen mit dem Mangel an Kleinwohnungei,. Es handelt sich um die Erhaltung von 80 Wohnungen in den genormten Häusern in den Größen von zwei bis vier Zimmern, die durch die Sanierung mit geringeren Mitteln er. reicht werden kann als durch die neu« Herstellung. Außer den genannten Grundstücken erscheint auch teilweise das Haus Wallst r. 3 gefährdet. Auch in diesem Grundstück hat die Baupolizei bereits vor etwa einem Jahr« die Räumung von acht Wohnungen angeordnet, die heute noch leer stehen. Die geräumten und einige andere Wohnungen Wallstraße 43 werden zur Zeit instand gesetzt. Sek übermäßiger Schweißabsonderung an Händen, Fähen vndb» den Achselhädlen, low!« Keriichsbeläiliqung, besonders bewährt I.eoibrin- Ccema. Tube l Wart. Äl olwr ctlüchmgiss» Gtjchav««Mbch. Aufgegeben! Das Schicksal von 46 Verschütteten in Britisch-Eolumbia. P r i n c e l o n(TZrllisch-Columbla). 15. August. Die Hoffnung, daß 46 bei einem großen Grubenunglück aus der Eoalmont-Zeche verschültete Bergleule gerettet werden könnten, hat sich leider nicht verwirklicht. Troh aller Dergunge- vorsuche müssen die Eingeschlossenen aufgegeben werden. Vancouver, 15. August. In dem Blackbum-Kohlenbergwerk, 50 Mellen östlich von Dan- couver(Kanada), hat sich«ine schwere Grubenkatastrophe ereignet, durch die, soviel bis jetzt bekannt ist, zwei Bergleute getölci und 46 andere 200 Meter ties unter der Erde eingeschlossen worden sind. Die Ursache der Katastrophe ist eine Grubengasexplosion, die sich unmittelbar nach Einfahren der Millagsschicht ereignete. Die Rettungsarbeiten wurden sofort aufgenommen, doch konnten bisher nur zwei Tote geborgen werden. Zu den eingeschlossenen Berg- leuten konnten die Rettungsmannschaften bisher nicht vondringen, da der Zugang zu ihnen durch große Gesteinsmassen versperrt ist. Die Arbeiten zur Wegrimmung dieses Hindernisses werden fieber- Haft betrieben, doch befürchtet man, daß die Hilfe für die ein- geschlossenen Bergleute zu spät kommt. 9V Jahre Friedrichshain. Berlins erste städtische Parkanlage. Vergiftungsversuch eines Dankiers. Das Verschwind«» des Berliner Bankiers Ferdinand Meyer, des Inhabers des Bankgeschäftes gleichen Namens in der Behren st raße 14/lK, das schon an der Börse zu dem Gerücht von der Flucht M.'s geführt hatte, hat bereits gestern nachmittag seine Ausklärung gefunden. Der Bankier hat am Donnerstag abend nach seinem Fortgang aus dem Büro in einem Hotel in d«r Nähe des Stettiner Bahnhofs in der Invaliden- strafte sich ein Zimmer genomm«» und dort versucht, seinem Leben durch V«ronal«in Ende zu machen. Er wurde, ohne die Besin- nung bisher wiedererlangt zu haben, in das Virchow-Krankenhaus ) geschafft, wo die Aerzte hoffen, ihn am Leben erhalten zu können. --Da der Bankier noch nicht selbst vernehmungsfähig ist, konnte das Motio für den Verzweiflungsschritt bisher nicht festgestellt werden. Man vermutet jedoch, daß die schlechte wirtschaftliche Lage im Bankgewerbe im allgemeinen und besondere finanzielle Verluste der Änlaft zu dem Selbstmordversuch sind. Die Bankfirma selbst erklärte auf Anfrage, daft Ferdinand /Meyer wohl einen Nervenzusammenbruch erlitten Hot, der ihn zu ' seinem Schritt veranlaßt«. Größere eigene Engagements an der Börse sei das Bankgeschäft nicht eingegangen. Berlin» größler D"k im Nordosten, der Zrledrichshaia vor dem Königetore, wurde im Jahre 1840 als erster flädti. scher park Berlins angelegt und kann also in diesem Jahre auf ein Sojähriges Bestehen zurückblicken. Anlaß zur Schaffung des Varls war die Feier der lOOjahrigen Wiederkehr des Regierungsantritts Friedrichs des Großen. Der Mann, der nach dem Tode des Alten Fritz am meisten für die Aus- gejtaltung von Sanssouci und seiner Gärten getan hat, Peter Josef Linne, schuf im gleichen Jahre, in dem er als Generaldirektor der Königlichen Gärten die großen Erweiterungen von Sanssouci fertigstellte, auch den Entwurf für den Friedrichshain. Trotz mehrfacher Aenderungen und Ausgestaltungen, die im Laufe der Zeit ausgeführt wurden, ist der Friedrichshäin doch in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben. Eine große Erweiterung wurde in den Iahren 1874 bis 1876 vorgenommen, und heut« Hot der„Hain", wie der schöne Park bei den Anwohnern heißt, eine Größe von etwas mehr als 50 Hektar. Kurz vor dem Kriege wurde nahe dem Königstor der von Ludwig H o f f m a n n entworfene Märchenbrunnen errichtet, der zu den schönsten Kunstn'erken der Reichshauptstadt gehört. Zehn Märchengruppen von Taschner und verschiedene Märchcnfiguren von Professor W r b a verschönern ihn. Der östliche Teil des Friedrichshains, der sogenannte„Neue Hai»*, enthält eine Sportanlage mit einem wundervollen, baumumstandenen Rasenooal, die m der Nachkriegszeit mustergültig ausgebaut wurde. Unweit dieses Sportplatzes, an der Mauer des Krankenhauses am Friedrichshain, befindet sich«ine Gedenkstätte der Berliner Arbeiterschaft: dep' stille Friedhof der Märzgefallenen mit den Gräber« der Opfer aus den Kämpfen im März 1848. Neue Schule für Siemensstadt. Magistrat hat zugestimmt.— Demnächst Baubeginn. Der Ma gistrat hat dem Bauprojekt der Schulverwaltung füe den ersten Bauteil der Schule in S i e m e n s st a d t grundsätzlich zugestimmt. Die im Etat vorgesehenen Mittel in Höhe von 100 000 Mark für die Barackenklassen in Spandau sollen auf dieses Schvlprojekt übertragen werden. Der Restbetrag in der gleichen Höhe soll von dem Bezirksamt Eharlottcnburg zur Verfügung gestellt werden. Der Magistrat hat ausdrücklich zur Bedingung gemacht, daß eine Heber» schreitung der Mittel in der angegebenen Höhe von zusammen 200 000 Mark nicht eintreten darf. Der Stadtverordneten» Versammlung soll noch schnellstmöglich eine entsprechende Bor» läge zugehen, und erst nach deren Annahme soll trnt dem Bau begonnen werden. Für die vorübergel)endc Unterbringung der Schul» linder in Siemensstadt wird das Bezirksamt Charlottenburg zwei Schulklassen in der Schule in der Kamminer Straße und zwei hierzu besonders abzumietend« Läden in der neuen Siedlung Siemens- stadt zur Verfügung stellen. De» Bater niedergestochen! Offenbar in einem Akt von Notwehr stach gestern abend die HOjährige Stickerin Erna B o e s t o w auf ihren Boter, den I56jahrig«n Metallschleifer Willi Beeskow in der Kaiser-Friedrich- „ a l s zutze-st o ß en. Ob diese Darstellung in allen Einzelheiten zutrifft) bedarf noch der weiteren Nach- forschungen.''' x Beeskow, der in da« Urbonkrankenhaus gebracht wurde, Hot mehrere Stich« hinter dem Ohr und am Arm erlitten: die Schlag» aber: ist zerrissen, so daß Lebensgefahr besteht. Auto überfährt zwei Radfahrer. Auf � der Straßenkreuzung der Ringbahn» und Ger- maniastraße in Tempelhof überfuhr gestern abend ein« A u t o d r o s ch t e zwei Arbeiter, die sich mit ihren Fahr- rädern auf dem Heimweg befanden. Der 50jährig« Arbeiter Max R o f f i u s aus der Kolonie Goldweide in Rudow ist inzwischen seinen Verletzungen im Tempelhoser St.-Iosefstrankenhaus er« legen. Der andere Verunglückte, der Zljährig« Laqcrverwalter Max Wloka aus der Ioachim-Friedrich-Straße 46 in Halensee, hat ebenfalls schwere, jedoch nicht lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Der Führer der Autodroschke behauptet bisher, daß er mit seinem Fahrzeug auf dem schlüpfrigen Pflaster ins Schleudern gekommen fei. „R 100" im Negen über dem Ozean. Die Hälfte der Strecke hinter sich gebrocht. London, 15. August. Nach einem Funkspruch des englischen Luftschiffes„K 100* be- fand es sich um 7 Uhr(MEZ.) auf dem 53,05 Grad nördlicher Breite und 39,20 Grad westlicher Länge. Es hat somit die Hälfte feines Weges von Kanada nach Car- dington hinter sich gebracht. Das Wetter ist feit Mitter- nacht erheblich schlechter geworden, der Wind hat ein« Ge- schwindigkeit von 10 Stundenkilometern und hemmt das Luftschiff in seiner Fahrt. Seit sieben Stunden regnet es ununter- brachen. Di« Führung des Luftschiffes hofft aber trotz des schlechten Wetters in der Nacht zum Sonnabend englischen Boden zu erreichen. Die Pressekorrespondenten loben di« behaglich« Einrichtung des Schiffes und die behagliche Fahrt trotz des schlechten Wetters. J Sin Fest der Jugend. Die Sozialistilsche Arb«1terjuge«d, Werbebezirk Neukölln, veranstaltet am Sonntag, dem 17. August, auf dein Ferienspielplatz in der Königsheide ein„F est der Jugend*. Gemeinsamer Treffpunkt und Abmarsch 1314 Uhr Hertzbergplotz. Spiel, Sport, Laienspiele, Politlsche Revue. Die Kinderfreunde bauen ein Zeltlager auf. Be! der Schlußkundgebung spricht Genosie Dr. Kurt Löwe»stein.— Teilnehmerkarte 30 Pf. Für Erfrischungen aller Art ist gesorgt. Verteidigerplädoyers im Ziöntgental-prozeß. Im Röntgental-Prozeß begannen gestern die Verteidiger» Plädoyers. Als erster sprach Rechtsanwalt Dr. Becker. Der Verteidiger proklamierte zu Anfang seiner Rede den Grundsatz, daß die Rechtsprechung von Staatsnotwendigkeitcn unabhängig fein müsse. Sodann mühte er sich zweieinhalb Stunden lang ohne großen Erfolg damit ab, die Totsachen, die der Prozeß ergeben hat, in ihr Gegenteil umzukehren. Die Nazis haben natürlich nur„in Notwehr* gehandelt, sie sind von Reichsbannerleuten und Kom- muniften überfallen worden, die sich bei dieser Gelegenheit gegen- fettig angefchojsen haben. Von den Angeklagten tonnte schon des- wegen keiner geschossen haben, weil kein einziger von ihnen in der Nähe des Lokals Meifel gewesen ist. Auch die Rechtsanwälte F r a g st e i n und Dr. Claus plädierten demgemäß. * Die gestrigen Ausführungen über den Goebbels-Prozeß unter dem Titel„Schluß mit dem Raufboldtum* enthallen einen Irrtum. Die Ovationen wurden Goebbels von den Nationalsozialisten nicht im Gerichtssaal, sondern auf der Straße vor dem Gerichts- gebäude nach seinem Freispruch dargebracht. Auch die Demonstration fand hier und nicht im Gcrichtssaal statt. Der Vorsitzende im Röntgental-Prozeß hatte also keinen Grund, einzugreifen. Beoziuexplofio» iu der Wohnung. Die 66jährige Frau Przybilski kam gestern in ihrer Wohnung in der K! r ch st r a ß e 7 beim Äleiderreinigen mit Benzin einer offenen Flamme zu nahe. Die Flasche explodierte und Frau P. wurde von dem brennenden Inhalt überschüttet. Sie? erlitt am ganzen Körper schwere Brandverletzungen und mußte in das Moabiter Krankenhaus gebracht werden. * In der Wohnung seiner Eltern in der Rom inte nep Straße 23 ist der 10jährige Schüler Gerhard Hennig auf tragische Weese um» Leben gekommen. Der Junge stürzte vom Hängeboden so unglücklich auf den Fußboden hinab, daß er sich einen doppelten Schädelbruch zuzog. Das Kind fand in der Privatklinik in der Ramintener Straße Aufnahme, wo es bald nach der Ciniieferung gestorben ist. S/AC/A/XIBS/S ROM/W „Sehen Sie, Kleinchen... Hören Sie. wirtlich wahr. ich kann Ihnen gar nicht sagen, was das für eine Wohltat für mich ist, mit einein gebildeten und verständigen Mädchen wie Sie über Bücher und Literatur sprechen zu können. Nehmen Sie zum Beispiel die. übrigen Leute hier im Hotel — nette Leute, wissen Sic, weit gereiste, vorurteilslose, intelligente Leute und alles. Aber Bücher— mein Gottl Davon verstehen sie ungefähr ebensoviel wie ein Kellyer. Sie können sich also meine Freude denken, Sie hier zu treffen... Die Welt ist doch klein, eigentlich. Hören Sie mal, ich bin auch erst gestern angekommen, darum werden wir wohl gleich lange dableiben, denk' ich. Ich würde Ihnen nun furchtbar gerne die Gegend hier herum zeigen, wenn Sie's nicht vielleicht für unverschämt halten von mir. Wir könnten auch'ne kleine Gesellschaft zusammenstellen, so etwa zehn oder zwölf Personen, und einen Ausflug auf die Kahle Koppe machen, und die Aussicht besehen und mal richtig aus- gelassen sein. Ich würde mich auch freuen, Sie einmal nach Lesterhampton runterzuführen— es gibt dort ein richtiges, altes Wirtshaus, in dem irgend'ne Berühmtheit mal ge- wohnt haben soll: es heißt, daß man dort die besten Brat- Hühner und guten alten Kornschnaps und herrlichen Blau- fteerenpudding bekommt, wie in den alten guten Zeiten. Möchten Sie nicht?" „Ja. natürlich, ich würde mich sehr freuen", sagte Una. 2. Herr Schwirtz schien alle Leute im Hotel zu kennen. Er war erst seit sechsunddreitzig Stunden da. und schon nannte er Herrn Cannon„Sam" und wußte, daß das üngste Kind der oerheirateten Schwester des Fräuleins Vincent vor kurzem an einem ganz unerwarteten Choleraanfall gestorben war. Herr Schwirtz stellte Una den anderen mit solcher Ueberschwenglichkeit vor, daß sie sofort in den intimsten Kreis aufgenommen wurde. Er brachte ihr die Anfangs- gründe des Bridge bei. Abends wurde musiziert und deklamiert, und die schüchtern« Una taute hier so weit auf, daß sie zu ihrer eigenen Verwunderung plötzlich ein humo- ristisches Gedicht zum besten gab. Schließlich stieg sie, mit einer Kerze ausgerüstet, zu ihrem altmodischen Himmelbett hinauf. Während sie wach lag. konnte sie ihre von Berufspflichten durchtränkten Ge- danken nicht ganz vom Bürobetrieb fernhalten: sie dachte an die Arbeit, die ihrer wartete, sobald sie zurückkäme, an die wohlbekannte Reihe zahlloser kleiner Unannehmlichkeiten. und an� einzelne unzusammenhängende Situationen aus ihrem Büroleben. Doch hauptsächlich dachte sie, durchdrungen vom Hauche der schlummernden Erde, an Herrn Julius Edward Schwirtz. Sie wußte,' daß er nicht sehr gebildet war, aber sie leugnete, daß er derb sei. Seine tiefe Stimme klang so freundlich: sein gestutzter Schnurrbart sah nett und sauber aus: seine Nägel, die bei jenem Mittagessen in den Tagen der Handelsschule ungepflegt gewesen, waren nun manikürt: er hatte ein selbstsicheres Benehmen, während Walter Babson an sich selbst zweifelte und zerfahren war. Das alles zu- sammen bedeutete, daß diese übermüdete Frau in rührender Weise den Mann zu verteidigen suchte, dem sie gefiel. Sie war sich nicht klar darüber, wo sie es"gehört hatte, ober sie wußte, daß Herr Schwirtz Witwer war. 3. Die Tatsache, daß sie nicht aufstehen mußte, um ins Büro zu gehen, war der Haupteindruck, den Una beim Er- wachen empfand: doch war sie nicht gänzlich stumpf gegenüber der Schönheit des Morgens, dem Zirpen eines Not- kehlchens, dem Glucken der Hühner, dem Kreischen eines Heuwagens und dem angenehmen, leichten Stallgeruch. Als sie aufstand, sah sie einen Hang mit Feldern vor sich, die so weit entfernt waren, daß sie glatt wie eine Wiese zu sein schienen. Cinzclstehende. majestätische Bäume warfen lange Schatten über das hügelige Weideland, desien frisches Gros vom Lieh zu einladenden Wegen niedergetreten worden war. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tales lag ein Gehöft, die Luft war so klar, daß jeder Baum zu unterscheiden war. Una war müde, doch der strahlende Morgen begeisterte sie.„Mein Amerika— wie schön du bist! Warum ver- wandeln wir dich nur in dumpfe Büros und häßliche Städte?" überlegte sie, während sie sich ankleidete. Doch da es noch nicht Frühstückszeit war, wandelte sich ihr plötzlicher Wunsch, etwas Besonderes �für Amerika zu tun, in das Verlangen, eine Vor-Kaffee-Siesta zu halten, wie sie es nannte, und sie setzte sich auf die Veranda und wartete aus das Glockensignal, in der Hoffnung, daß der gesprächige Herr Schwirtz nicht kommen und eine Unter- Haltung beginnen werde. Zu seiner Ehre sei es gesagt, daß er es nicht tat. Er erschien in blendend weißer Flanellhose, einem frisch gebügelten blauen Rock und einem Strohhut, 0er zu seinem dicken, doch wohlgezfflegken Gesicht gut paßte. Er sagte freundlich„Gu'n Morgen" und ging ein wenig voe dem Hause umher. Während des ganzen Frühstücks weidete sich Una au dem Eindruck von Behäbigkeit und persönlichem Erfolg, der von- Herrn Schwirtz auszustrahlen schien, und überredete sich beinahe, zu dem Glauben, daß seine dicken Backen und Fett- wülste im Nacken kräftige Muskeln wären. Er forderte sie auf, mit ihm Krocket zu spielen. Una stielte mit einer Fertigkeit, die von den fashionabelsten Sportkreisen Panamas anerkannt war: sie schlug ihn: doch während sie errötend behauptete, er hätte eigentlich gewinnen sollen, frohlockte er über seine Niederlage und prahlte damit vor den Leuten auf der Veranda. „Ich hatte Angst," erzählte er ihr,„daß es in dieser Bauernwirtschaft ein wenig langweilig sein würde. Rechne sonst immer mehr auf ein paar lustige Brüder und dann und wann ein Glas Whisky: aber es sieht so aus, als hätte ich diesmal von meinem Urlaub was Besseres zu erwarten als'ne feine Pokerpartie: Ihr Verdienst, Kleinchen." Er schien sie aufrichtig zu verehren, und Una, die bisher noch nie den Vorzug genossen hatte, mit Männern herum- zukommandieren, die Henry Earson ausgewichen war und Walter Babsons Wünschen nachgegeben hatte, und sonst nur ihren jeweiligen Bürochefs gehorchen mußte, machte zum ersten Male von diesem Vorrecht Gebrauch. Sie rückte mit damenhaften Launen und Wünschen heraus. Bat Herrn Schwirtz, ihr das Taschentuch zu suchen, einige Zeitschriften zu bringen, die Kissen auf dem Stuhl zurechtzurücken oder sie auf einem Spaziergang zur Waldmiese hinauf zu begleiten. Er gehorchte atemlos. Sie gingen eine alte, durchfurchte Waldstraße zur Lüh- tuna hinauf, an einer verlassenen Farm vorbei— einem massiven Steinbau mit roten Balken, dessen düsterer Ein- durck durch das hochstehende Gras gemildert wurde, das den Obstgarten zu einem lieblichen Ort machte. Sie kamen an Beorensträuchern vorbei— Himbeeren, Brombeeren und Johannisbeeren, die hier wild wuchsen:� grün und golden glitzerndem Buschwerk, in dem sich die Sonnenstrahlen wie in einem Netze singen. Sie sahen gelbe Singvögel auf- flattern und davonfliegen, einen Königsfischer n-ederstoßen� und das Gefieder einer fliehenden Prachtmeise aufblitzen. (Fortsetzung folgAjj J Geimpfis Lttmen. Sur 100000 Mark neue Straßenböume. Die Stadt Berlin, der die Pflege van annähernd einer halben Million Straßenbönrne obliegt, muh in jedem Jahr« über 100 000 M. aufwenden, um die abgestorbenen Bäum« zu entfernen und durch neue zu ersetzen. Den Straßenbäumen in der Großstadt sind die natürlichen Lebensbedingungen genommen, es fehlt ihnen an genügendem Nährboden und Wafferzufuhr unter dem Asphaltpflaster, und so sind sie zu einem langsamen Siechtum verurteilt. In Berlin gehen außerdem jährlich mchrcr« hundert Bäume an Gasvergiftung zugrunde, die auf undichte Leitungs- röhren zurückzuführen war und das Wurzelwerk der Bäume zer- störte. Es gibt einige Krankheitsformen bei den Stadtbäumcn, über deren Ursachen sich die Wissenschaftler noch nicht einig sind. So ist die rätselhafte U l m e n k r a n k h e i t, die bereits die wissenschaftliche Bezeichnung„Graphicum Ulmii" hat, bis heute noch nicht vollständig geklärt. Man streitet sich um den Erreger, den die einen in einer Baltericnart oermuten, mährend die For-- schungsergcbnisse der Pslanzenbiologischen Reichsanstalt in Dahlem zur Feststellung eines schädlichen Pilzes führten, der als Parasit die Ulmenkrankheit verursacht. Augenblicklich ist Prof. Dr. Hefter- mann in Dahlem mit neuen Bersuchen beschäftigt, um ein Gegen- mittel gegen diese Pilzbildungen zu finden, da die bisher ange- wandten Behandlungsmethoden zu keinem klaren Ergebnis geführt hoben. Die erkrankten Bäume wurden nämlich durch Ein- spritzungen in ihre Sästelaufbahn geimpft. Dieses kost- spielige Verfahren hat nur teilweisen Erfolg gebracht und nicht verhindern können, daß in einigen Städten der gesamte Ulmen- bestand durch diese ansteckende Krankheit gefährdet wurde. In Berlin sind schon seit einem Jahrzehnt keine Neuanpslanzungen von Ulmen vorgenommen worden, die städtische Gartenbauverwal- tung bevorzugt Linden, Ahorn und Birken. In jüngster Zeit wird namentlich in den ruhigen Straßen der Außen- bezirke die kugelförmig« Akazie stark angepflanzt, die von der heimischen Vogelwelt mit Vorliebe für ihre Nestanlagen gewählt wird. Man hat in den Vororten an verschiedenen Stellen beob- achten können, daß fast jeder Akazienbaum ein Nest einheimischer Singvögel aufweist, deren Schutz«ine Hauptsorge bei der Erhaltung unserer gefiederten Sänger ist. Liilstildunge» für dies« Rubrik find Berlin®3B 03, Linden strafe 3, Parteinachrichten für Groß-Berlin stet« an da» Brzirksfekrrtariai 2. Hos, 2 Treppen recht«, zu richte». Achtung, Bezirksparteitag! Die große Nachfrage nach Gastkarlen zu dem heule abend stall- fmdenden Bezirksparteitag veranloht uns, daraus hinzuweisen, daß nur dlejenlgen Parteimitglieder Zutritt erhatten könne», die mit der Gaflkarte auch ihr ZNitgliedsbuch an der Kontrolle vorweisen.— Die Delegierten zum Rezirksparteitag haben bei der Abgabe des Alcmdat» ebenfalls ihr Mitgliedsbuch vorzuzeigen. Der Bezirksvorstand. ♦ i. S«n« Prenzlauer Ber». Züvntaa, 13. August, 19 Uhr, erweitert« äSor» "----"""' Str. 71. fiaudssttzung bei fllug, Danziger____..... Z. Arei« firiedrichahain. Die Bezirk»taasdelegierlen treffen stch deute. Sonn- abend, um ISVi Ichc im Preußischen gtuat&cat im Wandelgang. Heute. Sonnabend, 16. August. 32. 9lbt. Genost« Polchow ist verreist. Die«astengeschSfte lichrt icßt Genosse Alfred Heriiß, Fruchtftr. öS. ?V«dt. Tearpethof. Di, Handzettel ssnb m>n der«enosssn Harsdorf. Wcrdrr. straße. durch die BezlrtsIMrer abzuholen. Die Verteilung, erfolgt von den gahlabendlokalen aus. ZNorgcn, Sonntag, 17. August. 3. Abt. isamilienausfing nach Pichelsderge. Treffpnatt 9 Uhr Bahnbos Pichela. berge. Rachzügler treffen sich in der Rahe de» Lokal» Rcichsgartc». Stadt- bahaziige nach Svondau-West ssad zu benutzen. 7. Abt. Ausflug nach HoHenneuendorf. Treffpunkt 9 Uhr Stetttuer Dorne!. bahahaf. Di« Kinder weeden zur selben ileit dort von der Jugend gc- sammelt«ab fahre» de« billigeren Fahrgeld»«negen znsammen. Rachzitgler tresfeu sich im Restaurant Wawschänte, Sudausgang. Fllr Kindcrbrlufti- gangen ist gesorgt. Wir bitten um reg« Beteiligung. ZZ. Abt. 14W Ii 5c Sonbdvfluxblattverbreiiung van Wertasta, Hobrnlobestr. 3, und Hoffman». Etealauer Allee 17. Fenstrrtransparenlc und rate Fahne» sarvi« Plakate kllr Balkon« ab heut« 16 Uhr. 62. uvd 63. Abt. tlharlottenburg. Demonstration Im Laubeagcländr. Tveffpuntt Il>/- Uhr Hab»burg«r User. 198. Abt. Köpenick. Di« Genosssnnen und Geiiossen werden gebeten, stch am Bolkssest in Friedrichshagen zu beteiligen. Trcffpuntt zum Umzug ItZH Uhr am Richard-Wagner-Lnzeum, ssriedrichshagen. Treffpunkt»UM Umzug 19 Uhr Volkspark. an der MUggelheimer Straße. 199. Abt. Friedrichehagen. Am Tanntag, 17. August, Dolkrfeft im ttnrpart.«eginn 3 Uhr. Programm: Konzert,«esangavorträgc, Rezi. tationen. Ansprach« de» Genossen Franz Kllnftlee, turnerisch« Dardie- tungcn. Für Untcrhalwng der Kinder ist gleichfalls gesorgt. Eintritt und Programm frei. Dorauf geht dem Fest«in Ummarsch durch die Ttraßen des Orte». Abmarsch pünktlich uVj Uhr vom Wagner. Lq, cum, Brnao-Wille-Ttraßc. Aach die Mitglieder der anderen Abteilungen find Teilnahm« an dem Fest herzlichst cingelade». 119. Abt. Griinair. Di« Mitglieder beteiligen stch am Volksfest In Friedrichs- Hagen. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 29. Krei» Retnickendorf. Montog. 1». Aun, Kamernbichaft Petersburg: Unfcr Kamerad Jnlins Sverling ist ncrstorben. Die Beerdigung findet am Sonnabend, 16.'August, 16 Uhr. auf dem Aufcrstchungs- friedhof in Weißenfec statt. Um rege Beieittgung wind gebeten. Deutscher Fremdsprochler-Bund, e. B. Englischer Konversationsklnb Ehor. lattenbnrg: Dienstag. 29 Uhr, Eafe Wolter am Knie, Bismarcksir. 114. Gäste mivlomm-n.— Französischrr Kouverlationsfiub: Mittwoch, 29 Uhr, im Gafü Wolter. Bismarckstt. 114 lKnie). Gäste willkommen. Arbeiterverein für Geburtenregelung, Bezirk Lichtenberg. Am Montag, 18. August, 29 Uhr, Lichlbildervortrag bei Pickenhagen. Scharnwebrrstt. 69. Frei« Arbeiter-Stenographen-Bereiniguag Groß. Berlin. Die Aniängerkurfe in der Neichstnrzschrift beginnen wieder in der Woche vom 1. bis 6. Sepiember i» folgenden Bezirken: Moabit: Montag, i. September, im Luifrn�bnmnassnm, Turmftr. 87.— Norden: Dienstgg, 2. Sep'ember, Grmsindcschule Schnlftr. 99.— Nordosten: Donnereigg. 4. September. Gemeindeickmle Senefrlderstr. 6.— Osten: Freitag-, 6. Sepiember, Gemeindelchuie Frankfurter Allee 37.— Sud- vsten: Freita-i. 5. September, Gemeindeschule Neichen!' erger Str. 67—79.— Neukölln: Freitag. 5. September, Kgrl-Miarr-Schnle. Koiser-Frjedrich-Str, 299/219. — SUdwestrn: Diensiag, 2. Sepirmbzr, Gemcindefchule Gltfisenaustr. 7.— Elzarlotfenbiirg: Freitag, ö. September, Gemeindeschule Oränienstr. 31—32, Eingang Knabenschule.— Lichtenberg: Dienstag, 2. Seviember, Genieindefchiile Scharnwebcrstr. 19.— Alle Kurie deginnen um 19>/» Uhr. Kursusdauer 15 Abende. Das Knrsusgeld beträgt einschlicßiich Lcbrmaterialbelieserung für Erwachsene 19 M., fiir Jugendliche 7,69 M., Erwcrbsioie zahle» SO Prvz. der angegebenen Sätze. Die Amneibung erfalg-t am ersten Abend in den genann- tcn Bezirken. Auskunft erteilt W. Riedel. Spandau. Wustermarier Str. 191. Endlich flvb«s wieder einmal Tanzmusik für die Berufstätigen, die nicht die Nacht zum Vergnügen opfern können: Dajos Bela mit seinem Orchester spielte im Nahmen des Abendprogramms. Nor- her sprach Dr. Arnold Hahn im Zyklus„Wovon man spricht" über die diesjährigen Träger Oes Goethepreises der Stadt Frankfurt und des Lesfingpreifcs von Hamburg, Prof. Sigmund Freud und Prof. Friedrich Gundolf. Hahn gab knappe, verständnisvolle Ueberblicke über die Bedeutung der beiden Gelehrt««.— Cm sehr hörenswerter Vortrag stand on falscher Stell«: Dr. Paul Weiß behandelte in der Jugendstunde„Die Verwandlung der Tiere", die Entwicklung der Tiere aus einer Lebenssorm in dl« andere, in einer Sprache, die Jugendlichen keineswegs angemessen war. Viel« werden enttäuscht und gelongweilt die Hörer fortgelegt haben, zumal, da aus der An- kündigung nicht zu ersehen war, daß es sich um eine naturwissen- schaftliche Betrachtung und nicht um eine Erzählung handeln sollte. — Die sogenannte Einführung in das Programm der folgenden Woche wird fast immer in einer Form geboten, die diese Veranstaltung voll« kommen zwecklos macht. Diesmal las Hans van Bend« in der Hauptsach« eine Zusammenstellung von biographischen Notizen aus einem Musiklexikon vor, langweiliges Zeug, dos keinem Menschen interessieren konnte. Tee. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlio lÄnsendvngen säe diese lltuMl mir an da» Zugendletretarlat. Beifln GW 88. tinbenllrofie J Arbeit»geinelnichsft Abraham: Heute Treffpunkt zur Anbeitsfahrt noch Rüdersdorf 18 Uhr Bhf. Alexonh-rplaß, Eingang Königstraß«, Rackizügler 29 Uhr, Sonntagsfahrer 7 Uhr ebendort. Thema:.Problem« der Familie und Ehe". Heule, Sonnabend. Westen: Fahrt Trestpunkt 18 Uhr Bhf. Bülawstraße.— Reuköll» 1; Vor. berettunq für da» Maldfest. Treffpunkt 17 Uhr Neulerplgß.— Pankow l u. ll: Treffpunkt zur Baiburfahrt 173« Uhr Bhf. PankmwRorddahn. Musikinstrumente mitbringen.— Pankow III, N. F.: Treffpunkt zur Baldurfahrt 18 Uhr Pankow- Nordbahn.— Brizz: Morgen Treffpunkt 7 Uhr Buschkrug zu den Borardeiten de» Waidfestes.!2'l Uhr Trezsipunkt Jahn. Ecke Rnbbwer Straße.— Gesuub- brvnnen I: Fahrt nach Lanke. Treffpunkt ITH unk» 19 Uhr Bhf. Gesundbrunnen, Sackgasse. Koste» 89 Pf. Montag Werbung für die Volksbühne. Treispunkt I8>-. Uhr Prinzenallc- Ecke Badstraße. Werbebczirt Osten: Treffpunkt zur Valdurkahrt 17 Uhr Bhf. Warfchauer Drück« Ü9 Uhr Spandau. Linden Ufer). Werbebezirk Reukölln: Alle arbeitslosen Genossen sind ab 19 Uhr auf dem Ferfenfpielplatz in drr K'ömgeheide zwecks Aufbau von gelten usw. Alle Ordner müssen lpatesten» um 18 Uhr ebendort sein. Morgen Waldfest. Treff. pnnkt zum gemeinsamen Abmarsch 13!-, Uhr Kerlzbcrgplall. Fahne», Wimpel und Transparente mitbringen. W-rbebezirl Prenzlauer Berg: Treffpunk!« für die Fabrt nach Meißner-chaf: Erwerbsiofe 18% Uhr Vhf. Gesundbrunnen. 16 Uhr Bhf. Prenzlauer Allee, 13 Uhr Bhf. Schönhauser Allee und Weißensee, 29 Uhr Bezirksamt, Sonntags- fahrer 7 Uhr Prenzlauer Allee. Werbebezirt Krenzberq: 29 Uhr W.-B..M!lc-liedkrverlammlung im Keim Brißer S!r. 27—39. Musskinstniment» und Liederbücher mitbringen. Wertebezirk Tempelhos: Fahrt nach dem Oder-Spree-Kanal. Treffpunkt 17. 19 und 29'e Uhr Bhs Tempelhof. Zeltbahnen und Decken mitbringen. Bei schlechtem Wetter fällt die Fahrt aus. Dann morgen Beteiiigung gm Wafdfcst der Neuköllner Jugend. Treffpunkt 13 Uhr Bhf. TempeNiai. 4° Werhebezirk Lchöneberg: Morgen Treffpunkt der Schöueberger Gruppen für die Jugendheimcinweihunz? in Lindenhof 14!, Uhr Lauterplaß. Pftichtver. anstaltung. Tegel: Morgen. I8'h Uhr, anläßlich des 20jährig«n Bestehens der Gruvv« W-rbegbend im städtischen Jugendheim, Schöncberger Straße. Parteigenossen und Slimpalhisterendc sind herzlich eingeladen. Sport. Rennen zu Hoppegarlen am Freitag, dem 15. Zlugust. t. Nennen. 1. Ina(R. Andrle), 2. Erila, 3. Amöncnwarte. Toto: 20: 10. Drei llesen. 2. Nenne n. 1. Pandur(Dermannh 2. Nomoß. 3. Zarentochter. Toto: 60:10. Plah: 13, 12, 13:10. gerner liefen: Wotan. Lildeiling, HonesluS. Novalis, Agticola, Tainkappe. 3. Rennen. 1. AnSlar(Vinzenz!, L�eldjSsier. 3. Damsalke. Toto: 166:10. Platz: 27.17.25:10. Ferner lichen:.Oclgolänbcr,-Zt. Robert, Kurmörfcr, Mazedonierl93aabds�� iOw3ll<8nlos.<5 heiter. O halb bedeckt ®v«!kig.®be«!eckt«R(�en�6r8iipaIn lSctinae;51feba!,'gGev'rttBC@Wiiiiiaill» Eine Depression ioss nin Freitafi über der südlichen Ostsee. Im größten Teile Mstteleuropas herrscht unter ihrem Einfluß schlechtes Wetter. Im Küstengebiet wehen stürmische westliche Winde. Dos Hochdruckgebiet zieht jetzt Nordosten ab, wird also kaum uns om Wochenende unmittelbar beeinflussen. Eine übe? Frankreich befindliche Rondstörung wird aber das Wetter zunächst noch un- beständig lassen. Am'Sonntag dürste sich das von Westen heran- kommend« Hoch auswirken. 4- Msller für Berlin: Immer noch un-beständia und ziemlich fühl, etwas odflauende nordwestlich« Winde.— Für Deuischland: Im ©üben stark wolkig bis trübe mit Regensällen, im Norden un- beständig mit Schauern. Allgemein kühl. Möbel■für wenioj 1 Eon�firisii�« TeiflseoMun� KBeine W«»TS»«s»-«»der Ploncutsraien Erste Reste Ofictebor Mammen Sie jetzt trUAremd. der bttligen Jtt&beUa&e "S" Staats-Theater und Städtische Oper geschlossen. Abonnements- Anmeldungen werden entgegengenommen: a) für die Staatsopern und das Staat!. Scnauspiel- hausvoruAbonnements- büro, Berlin W56, Ober- wallstr.22 von 9— 2 Uhr. Fernspr. Merkur 9024 b) für das SfaatL Schiller- theater vorn Abonne- nienfsbiiro,BerIin-Cbar- tottenburg, Grolman- straße 70> on 9— 3 Uhr. Fernspr. SteinpLbri?, c) für die Städtische Oper vom dortigen Abonne- mentsbüro,•wochentags von 10—3 u. v. 6— 8 Uhr. 8.1 S UDr— Bannten erianDi rarlos nnd rmio o, Co. nnd weitere tu Berilo sodi nlffii gezelde Stars. Sonnabend u. Sonntag Je 2 Vorstellungen 4 und 8� Uhr. 4 Uhr kleine fr. A Alex. 3066-63 TÄ«!. 5, 8«. Sonnt. 2, 5, 8« Ab hevä» nett os Proqrramnti KASSNER der groß?« Zauberer aller Zeiten, der u.«. einen lebenden Eleganten verschwinden läßt. IVS AC I ST E der bekannte Filmdarsteller In keinen Spcrtkpiolen- 5 RE5UÄ- ROLLER-SIRLS fliegende Wirbelwind- Seneation anf Pollacbuhcn new. Deutsches KOnstler-Theat. Tel Bartiarossi 3937 S'/s Uhr Weekend lutspielvoDHCovacl. Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 9 Uhr Die Wunder-Bar Revuestück üietropol-Thesier Täglich 8i/, Uhr Sensationelier OperetlcDeTf slg 1 Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Zmciliz M?,. 4 iidt kleine Preise Frlederfüe. zenLn8i.Tiieaier (Operettenhaus) Alte Jakobstr. 30/32 Dönh, 2047 Täglich 8i/» Uhr Numoch kurze Zelt! Ein Zllle-mmoti Kinder der Strsüe üisjui] o. Tannnra W. Ims«I ued Arthur Melrtr. Rundfunkhörer balSe Preise. In Vorbereitung; Deberm grossen letöi »'-Uhz EAS1N0-THBATEB 8,'übr ___ Lothringer Strafte 37 Httr unsere Leser: Outsehein 1—4 Pers. Fauteuil 1,25 M-, Sessel 1,75 5L Oer Possan-Sdiiaser Der selige Hollschinsky «iiainiiMUtemniHiiiiiiiiiiUMiiitiuiiiiiinimMtuiiiiiiiuiiitii and ein erstkl. buntes Programm. Reichshallen-Theater |T| Uhr stettlnep Sänger Dönhoff- Brettl: Variete Konzert— Tanz «oaHwrrcnzios!„��i-.c Rollfilm. 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S jJol.Mpl. 16077 Zllle- l Festspiele Lessiug-Tlifialer Wnitodran 2731..NU Täglich SV» Uhr beantrast v OltoErnst Hesse Unt, Hemislv BaiB. Flamm FuHtfäterg, OJattar. OradtKiiislij, lüeoter d. Mm Täglich 8'/» Uhr; Das Land des Idclielns Franz Lehars Sensationserfolgl Ssnnta? oöiim, 4 Uhr kleine Preise Das Land des laeüelns Bsscnoere uergünstlgung tur die Leser des JOfwariS' vom Freitag, cem is. Augost. ab Plscalor-Bflluie Im su Waiiner-Theator su Sie zahlen für; Orcheiler-Faaleoii statt M 6,~ nur M. J.SO Ordie«ter-5€Mel statt M 5,- nur M. J,- Parkett-Faoieoil statt M. 4,— nur M. 1,50 1. Bang statt M. 3.- nur M. 1,- Beim Vorzeigen dieses Gutscheines an der Theaterkasse going bis auf weil eres täglich ab 10 Uhr ununterbrochen an der Kasse. Telephon; Alexander 4592. WM Tüeater 0 2 WeidtmisiiiD 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg.: Max Reinhardt Hmik: friadnitiMaetito. Böhnsnbildtr tnist Mtü. Die Komödie II Bismck.2414/7SI' 8'ft Uhr Wie werde idi reich uod BÄich 7 Komis wo Felii Joadiss««. F.u'r yoc Misdia Sroliusky. Ilojii; End Eogol Bühnenbilder Ludwig Kainrr Mosnisene Oper 8'.» Uhr Paal Weslcroieiof neue und Trompetenblasen Op!,*ettK von Roteid. SllOO Theater I. d. Behrenstr. 53-54 »>/, Uhr ist das mein gen von coieue? Zimmer 1 Bett Mk.7,-bis IV 2Betten13.-bisZ2r Bad;Mk.3r Balorr.Kf rxwt&z öÄpaHofs v\ev.-' nxy/ ftertin NÖTELAAnhJM IXCELSIOR mmm mm» »taiudnt mmn Berliner Prater SommcniiMier Kastanienallee 7—9 Humb, 2246 Eine entzückende Bnrle.ke sowie der auserwählte Varle«-TeU. Täglich SV, Uhr Gnstl Betr. Trade Sdiröilcf. Utile Steif. Eiwii BartiiDg in Katja, die Tänzerin Operette in 3 Akten von Leopold bin to md Rudolf OesterreidKi Musik von Jean Gilbert. Eintrittspreis von 50 M. an. r- veruialtungsmitgiieder! Am Montag, beut 18. Angost, fällt die Sigaag der engeren vrt»oern»alt»az de» Berbandstoge« wegen on». Wonlag, den 76. UngnRl. noch»». 2 Ahr. in Enanld» Dcreln»- hon», Slalltzer Sfr. US ArdettsIossN'Verssmmlllvg »Nor In» DMV. organ Ulerfen MelaJI- »cbletf., GaH-snUenre, Kratzer, Beizer, Brenner. Verzinner und Verzlnker. Tagesordnung; 1. Berbonds- und Zranchenangelegen. heften. 2. Dtslusüoiü Z. Berschiedenes. Mitgliedsbuch legüitniert. Das Erscheinen aller Kollegen ist aUnng. Pflicht. Die Ol Uvea wa QnKtanüS-.Satatt- a-Befflatacmarken gegen Nachahmung gesetzt, gesch. fertigt seit 45 Jahr als SpezielUlt Conrad Möller Leipzig- Schkeuditz Werde Abonnent des R o.»e- Tft ec ray*// Unser Ahonnement nietet; 1 2 �'orsteUungen im Jahr. Freies Programm. Freie Garderobe(als einzige Bühne Berlins). Beim Beitritt bis 51. August keine Einschreibegebühr. Unsere Abonnenten werden u.a. sehen;-Die Braut von Messina", von Schiller.„Die schöne Helena", große Operette von Offenbach. ..Eine Nacht in Venedig", mit Musik von Johann Strauß.-Die Doilarprinze�in', von Leo Fall.„Die Faschingsfee", von Kaiman. „Rose Bernd", von Gerhart Hauptmann. „Der Veilchenfresser", von Moser,„Die fünf f rankfurter", von Rößlcr.„Das 4. Gebot", von Anzengruber. Vorteilhafte PSätze im Abonnement: 1. Parkett- Sessel nur RM 1,10 II. Parkett nur RM 0,85 L Rang-Balkon nur RM 1,— 1. numerierter Mittelrang nur RM 0,60 (Die Preise verstehen sich irtkl. Pro. gramm und Garderobe) Persönliche Anmeldung wochentags v.QUhr früh bis 8 Uhr abends. Können Sie uns nicht persönlich besuchen, so schreiben Sie uns bitte Ihre Adresse. Vir senden Ihnen dann umgehend kostenlos und unverbindlich einen ausführlichen Prospekt. Name:.... Wohnung / MDMWKWWWWWWU / B/mr GESUNDUNG o.LEBENSFBEUDE Villa Carola 35 Betten. Pension von 5,50.M. 40 TÄuskurrff: Kurdirektion, Hot«!, Restanrant, Konditorei I Höhcnhotel liditeoUalnor Wasserfall Ostrauer schelDa 30 Betten Garagen Parkplatz| bequem m. Fahrstuhl zu erreichen Zahlen Bieweisin! Dia Versicherungsgesellschaft der verklängen Bevölkerung, die ¥olHsf«irsort£e GeM-erkschaftlich-Genossenschaftliche Verslcherungs- Aktiengesellschaft, gewährt ihren Versicherten auf die gewinnbercchtigte Jahresprämie für 1929 SO"'« Gewinnanteile in der Volksabteilung, 350/o Gewinnanteile In dep Lebeosabteilung. Bei der Volksfürsorge sind 2 Millionen Versicherungen in Kraft; sie hat ein Vermögen von rund 100 Millionen Relohamark. Nähere Aosknaft erteilen die Rechönnösstellen: W i»4?; Ä: Mariendorf. Rathauss'raBeOO, pt; Berlin-Lichtenberg. Frankfurter Aiiee 121: Berlin-Pankov. GaillardstraCe 26. Gartenh. pt.; Berlin-Köpenick, BahnhofstraBe 34; Berlin-Reinickendorf- West, Straße 20, Haus 12; Berlin-Spandau. OftelstraBe 5, pt. oder der Vorstand der Volksfürsorge in Hamburg 5, An der Alstcr 57—61 Plötzlich und unerwartet catritz inu der Tod meinen lieben Mann, unseren (tuten Pater und Schwiegervater, den Rossenbeamien Richard Diff berner im 64. Lebensjahr. In tiefet Trauer LnUe IHftberner geb. Schiller CharloUe Lehmann geh- Dittberner Ernst Lehmann als Sdivtegcraohn Dorothea Dittberner Emst Dittberner nnd Fran Margarete geb. MI. Berlin-Britz, den 14. August 1930. Die Einäscherung findet am Mon» tag, dem 18. August, abends 6 Uhr, im Reematorüttn Aaumschulenweg. statt. SuBtsdier Metalladieitef-ifsriiaiiil Verwaltungsstelle Berlin Nachruf Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der DreHee Arthur Simon geb. 29. April 1886, am 4, August gestorben ist. Ehre seine» AudenFenl D!« Beerdigung hat bereit» statt. gesunden. Die Ol Isrei n altang. Danksagung. Hiermit sagen wir allen Freunden. Verwandten und Belannien, sowie dem Vorstand und dem Personal der Ronsumgenossenschait, den Partei» aenosstnnen und-aenoflen unseren herzlichsten Dank für die erwielene Teilnahme bei der Einäscherung mei. ne« lieben Mannes, unseres Herzens- guten Vater» und Schwiegervaters Ernst Mühlisch. Frau Martha MOhlLv* oebst Kindern. Gewiimauszug 5. Klasie 35. �r«» bisch-SüddeuljH« KlaDtli.Lvtlcrle. Ohne Gewähr Nachdruck veiboleo Auf jebe gezogene Nummer(tab zwei gleich hohe Gewinne. gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in de» beiden Abteilungen I und ll ß. Ziehungstag 15. August 1?3fl In der heutigen Bormittogsziehmtg wurden Gewinne über 15t) M. gezogen 1 Eearnn« PS 10000 m 18-2775 2©etDinn« zn 5000-llR, 396562 4 Eewimie jn 3000 W. 338580 356289 12 Gewinn- so 2000 M. 12988 17884 197502 202534 271141 340479 52©»trinne so 1000 9». 17077 35466 37016 44221 57887 74797 79701 92830 96401 111607 111608 112036 122634 128193 193361 200946 209087 235779 243699 257513 279373 234436 294958 297953 325928 365045 74 Gewinne su 500 M. 7039 20028 20153 50862 51627 51952 69434 64503 67460 68120 80773 91260 99942 107183 1081 26 1 13296 1 1 7919 152321 178725 181877 183667 187750 211631 225920 228670 241658 247961 250669 271713 286954 298829 360633 365022 374499 378023 386981 391208 In der heutigen Nachmittogsziehwig. wurden. Gewinne ill>er ISO N. gezogen 2 Gewinne»n 5000 M. 336129 6 Gewinne»r 3000 M. 1 9823 1 36077 354753 12 Gewinne su 2000 M. 86113 88600 103148 104865 168423 208304 42 Gewinn-»n 1 000 W. 28431 35097 58840 77666 SI223 118432 127990 145246 170276 164307 136749 192556 205756 213816222767 249781 251325 254817 303381 348809 373575 82 Gewinne sn 500 M. 1549 14856 19094 20509 21075 21994 29458 30044 58672 90230 90622 91995 116615 129303 146618 147072 186210 193497 193577 136213 207060 207170 211633 221350 228446 228500 265919 236348 296860 236332 302539 303539 330911 335844 360123 365342 375248 379570 384373 386064 393320 s Prämien zu je MOCOO, 2 Ge« " 2 zu ze 200000. Im Gewinnrade verblieben: Winne zu je Z0Y000, 2 zu je 300000. 2 zu ze 200000, 3 zu je 100000, 2 zu je 76000, 4 zu je 50000, 8 zu je 25000, 74 zu je 10000, 132 zu je 5000, 384 zu je 3000, 622 zu je 2000, 1662 zu ic 1000, 3596 zu je 500, 9514 zu je 300 M. Tapeten, Szillat, Äoloniestraße 9. Bekleidungsstücke, Wäsche usw. 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Bereits daraus ergibt sich die außerordentliche Bedeutung der Agrarfrage fawvhl für den wirtschaftlichen Aufbau Chinas als auch für den weiteren Gang und Ausllang der chinesischen Revolution. In einem Bauernlande wie China muh die national- bürgerliche Revolution in hohem Grade zu einer Agrarrevolution werden. Mehr als vier Jahrtausende bildet die Landwirtschaft die Grundlage der chinesischen Volkswirtschaft. Ihre Entstehung und Vorgeschichte ist mit Religionswythen und Sagen umwebt. Dos volkstümliche Sprichwort gibt den Bauer den ersten Platz unter den Berufen. Aber diese Führcrstellung der Bauernschaft ist in der heutigen chinesischen Gesellschaft ein Mythus. Immerhin bleibt für den chinesischen Bauern die Scholle sein alles. Das Familiendorf mit Reisfeldern umgeben ist für den Bauern die Welt. Sein ausgesprochenes Familiengefühl, sein Ahncnlultus, seine Religion, seine Kultur sind seit jeher mit dem Ackerbau aufs engste verbunden. Der Crstarrungsprozeß Chinas im Lauf« der Jahrtausends ist im großen Matze auf die Erstarrung der chineslichen Landwirrschast gjrückpjfiihren. Die seit alten Zeiten erprobten Verfahren der Vorväter blieben Iohrtouiende hindurch unverändert. Das wunder. bare Netz der Bewässerungsanlagen, das über 200 000 Meilen beträgt, das herkömmliche Düngungsjystem mit m«nschli6>en Fä- kolien, dos Gartenbauvcrfahren, fast ohne jede Ticrkrast, alles spricht von der unzerstörbaren Tradition und Stabilität, die olle politischen Gewitter überstanden haben. Nim zerstört und revolutioniert dos Eindringen des Kapitalismus dos erstarrte chinesische Mittelalter nicht nur m der Stadt, sondern auch auf dem flachen Lande. Dabei spielt die llebcrvölterung Chinas(in den Südost- Provinzen 371, k Einwohner je 1 Quadratkilometer des Ackerlandes) eine große Roll«. Rur ein Drittel des für den Ackerbau geeigneten Landes im eigentlichen China aber ist nn Betriebe. China ist das Land des landwirtschaftlichen silcinbclricbs. Das erklärt sich auch geschichtlich. Im Wandel der Zeiten scheinen in China mehrere Agrarrevolutionen stattgefunden zu haben. Es ist aber fraglich, jedenfalls stark umstritten, ob in China irgend- ivann ein Feudalismus im europäischen Sinne bestand. Immerhin kann jetzt von einem ausgesprochenen Feudalsystem kaum die Rede sein, vielmehr von einer vorkapitalistischen Struktur, die stark« patriarchalische Ucberreste und feudal- artige Elemente aufweist. Nach alten, immer mehr schwindenden Rechtsanschammgen stand einst alles Land im Eigentum der Staatsgewalt. Deshalb gehörte alles Ackerland dem äugen- blicklichen Besitzer nur als Erbpachtung. In d:r Praxis aber kann jeder Grundstücksbesitzer über seinen Landbesitz solange«r seine Steuern zahlt und sein Grundstück ordnungsmäßig bestellt— frei verfügen. Er kann seinen Landbesitz weiterverpachten oder ver- kaufen, wobei die Verwandten dos formell« Vorzugsrecht haben. Es gibt in China jetzt keine Grundhcrrschasten, keine Großgrundbesitzer gleich den ehemaligen nFstzchen„Pomeschtfchiki". Trotzdem gibt es besonders in den Nordprovinzen Großgrund» besitz«?, die aber kein« eigene Großwirtschaft führen, sondern ihren Grundbesitz parzcllenweise den Bauern oerpachten. Die Agrarverhältnisse bilden überhaupt ein« eigenartig« Mischung von einem primitiven halbfeudalen Pachtzystem mit der Zlusbeutung durch das Handels- und Wucherkapital. Schätzungsweise ist nicht minder als die Hälfte des Kulturlandes in irgendeiner Form gepachtet, jedenfalls wirtsehaftlich abhängig. Auf dem Flachlande herrscht die N a t u r a l p a ch t. Di« Notural» abgaben betragen ,m Durchschnitt die Hälft«, nicht selten aber 70 bis 80 Proz. de« Rohertrages. In der Nähe von den Städten über» wiegen fetzt die Geldabgoben. In dem letzten Jahrzehnt sind die Pachtabgaben infolge der Steigerung der Bodenpreise außerordeni» lich gestiegen. Manchmal grenzen die Abhängigkeitsverhältnisse an tatsächliche Leibeigenschast. Die Größe der selbständigen bäuerlichen De- triebe schwankt Zwischen 15 und 50 Mau(1 Mou— 675 Quadratmeter). Diese Betriebe bilden ungefähr 40 Proz. aller landwirtschaftlichen Betriebe. Es gibt aber, besonders in der Nähe der Großstädte Zwergbetriebe von 2— 5 Mou, die eigentlich Gärtne- reien sind. Ueberhaupt muß berücksichtigt werden, daß in Süd- china, wo die Zwergbetriebe besonders stark verbreitet sind, zwei bis drei Ernten jährlich gedeihen. Wenn in China auch der Kleingrundbesitz überwiegt, so gibt es doch besonders in den Nordgebieten Riesengrundstücke von Tausenden und Zehntaus eirden von Mou. Die Bauernwirtschasien von 15 bis 40 Mou müssen meist ein bis zwei Familien beschäjtigen und ernähren. Der Landhunger ist außerordentlich. Steuerdruck und . hohe Verschuldung treten hinzu. Der Steuerdruck ist um so stärker, als die eigentliche Grund- steuer durch Zwangsabgaben zugunsten der � Ortsbehörden und kriegführenden Generale oit verdreifacht wird. Die Berschuldung der Bauern ist gleichfalls durch das eigenartige Pachtsyflem sehr hoch. Immerhin ist die Lage der chinesischen Bauern eine ungemein schwere auch dort, wo sie ihr Grundstück selbst bewirtschaften. Der gesamte Jahreshaushalt einer chinesischen Bauernfamilie be- trägt schätzungsweise nur 4 5 0 M. gegenüber mehr als 6000 M.. die die durchschnittliche Farmcrfamilie in den Bereinigten Staaten ausgibt. Seine kümmerliche Cristenz kann der chinesische Bauer nur durch Seidenraupenzucht und auswärtige Lohnarbeit verbessern. Das Wohnungselend ist unbeschreiblich. Kaum 5 bis 10 Proz. der Landbevölkerung können losen und schreiben. Die Hauptursache des heutigen bäuerlichen Elends, wichtiger noch als Landmangel und Bcsitzverhöltnisse, ist die Rü ck st ä n d i g k e i t der chine- sischen Landwirtschast. Die letzte große Hungersnot, die viele Millionen Bauern betraf und wohl auch Ursache der jetzigen Zliifstnnde ist, war keine Zufälligkeit. Es genügt eine Mißernte, um«ine Hungersnot hervorzurufen, gibt es doch kaum Verkehrs- mittel über weite Strecken in China. Der Krieg der Generale hat der Bauernschaft ungemein viel Unheil gebracht. Die Bauern wurden rücksichtslos ausgeplündert und der Willkür der Militaristen ausgeliefert. Die Grundlage der chinesischen Land- Wirtschaft, das uralte Netz der Bewässerungsanlagen, geriet in Gefahr. Aber der neue Ausschwung der nationalrevolutionären Bewegung, besonders nach den Metzelelen von Schanghai Ende Mai 1925, hat mich die Bauernschaft zuerst in den Südprovinzen erweckt und mitgerissen. Der Proteststreik der Arbeiter war das Signal zur Revolutionierung und Organisierung der Vouernschaft. Revolutionäre Studenten, wie vor Johrzehnttn in Rußland, strömten noch dem flachen Lande. Bauernorganisatkonen sprossen überoll wie Pilz« aus der Erde. Die uralten Selbstverteidigungs. organisationen der Bauernschaft, wie„Rote Lanzen"',„Große Messer" usw. wurden m revolutionären T-upps reorganisiert. Di« notionalrevolutionäre Kuomintangpartei, die damals noch die Kommunisten umfaßte, hat sich die Aufklärung und Organisierung der Bauern unter der Losung der Agrarrevo- l u t i o n zum Ziele gesetzt. Als aber die siegreiche bürgerlich« Diktatur sich in Nanking als eine nationale Regierung behauptet halle, brauchte sie keine Arbeiter- und Bauernorgonisation mehr. Bon der Agrarrevolution wollte sie nichts mehr wissen. Die Bauernorganssationen wurden aufgelöst und unterdrückt. Diese Vernachlässigung der Bauernintcressen und di« Nankinger Diktatur gegen und über die Bauernschaft haben sich schon letzt gerächt: Die Dernochlössigung und Verschiebung der Agrar- reform hat zu bewaffneten und wenigstens vorübergehend sehr aefährlichen Bauernaufständen gegen die nationale chinestsche Zentralregierung geführt. Senkt die Kohlenpreise! 54 Prozent Handelsspanne.— Merkwürdiger Appell des Kohlenkommissars. Die Kohlenbarone wollen die Bergarbeiterlöhne senken, obwohl die Bergarbeiter gerade diejenige Arbeiterkategorie sind, die schwer unter der Krsse leidet. Der Durchschnittsschichtlohn der Ruhr- bergarbeiter dürste sich gegenwärtig um 9 Mark herum bewegen. Diesen Lohn erhält der Ruhrbergarbeiter aber nicht, da sich durch die vielen Feierschichten— bis acht in einem Monat—«in ganz echeblicher Becdienstaussall ergibt. Der Ruhrbergarbeiterlohn ist, was Beachtung verdient, niedriger als in dem wichtigsten Konkurrenzland England. Wie in der Essenindustrie soll auch im Kohlenbergbau di« Lohn- senkung dazu benutzt werden, um die Preise zu senken. Wir haben es wieder mit einem Fall zu tun, wo die vorn Unternehmertum und der Regierung Brüning versprochene Preissenkung ausschließlich aus Kosten der Slrbeiterschaft durchgeführt werden soll. Wie in der Eisenindustrie töniien wir auch jetzt schon sagen, daß die angekündigte Kohlenpreissenkung nicht zu einer Wirtscha'ftsbelebung führen wird. Die Kohlenbarone haben ja bereits verraten, daß sie di« Lohnreduzierung benutzen ivollen, um die Exportpreis« zu ermäßigen, nicht aber die Inlandspreise. Der Bergarbeiter soll also «inen Teil von seinem schon an sich niedrigen Lohn hergeben, um den Konkurrenzkampf der Ruhrkohle gegen die englische Kohle in den sogenannten bestrittenen Gebiete» zu finanzier e n. Auch in der Eisenindustrie wurden ja nur die Auslandspreis« wesentlich gesenkt. Aehnliches soll sich im Bergbau wiederholen. Wie hier ein« Wirtschaftsbelebung herauskommen soll, bleibt das Geheimnis der Bergbaubarone und der Regierung Brüning. Wir sind der Auftassung. daß«in« Senkung der Kohlen- preis« durchaus möglich ist, ohne daß man die Löhn« zu kürzen braucht. Der Preisobbaukanzler Brüning, der krampfhaft nach Gelegenheit für den versprochencn Preisabbau sucht, soll sich nur einmal di« Kohlenhandelsspanne an- schaue». Sie liegt unangemessen hoch. Dafür nur«in Beispiel: Die Siabi Loch«» rühmt sieht die größte Kohlenstadt des Kontinents zu sein. In Bochum beträgt bei einem Kohlenpreis ob Werk von 16,87 Mark für di« Tonne Fettförderkohl« der Kleinhandelspreis bei einer Abnahme von mehr als 20 Zentner 27 Mark, von 10 bis 20 Zentner 29 Mark und bei Abnahme unter 10 Zentner(das ist. da Bochum eben Arbeiterstädt ist, die für den kleinen Mann übliche Menge) sogar 31 Mark. Die Handels- spanne beläuft sich im letzten Falle auf 84 Proz. Dabei sind in die Abwerkpreise schon 6 Proz. Handelsnutzen eingerechnet. Kohlen kaufen ohne Geld? Der Reichskohlenkommissor hat«inen Aufruf erlassen, mit der Aufforderung, daß die Bevölkerung rechtzeitig ihren Winterbedarf an Brennstoffen eindecken soll. In diesem Jahre seien die Brenn st offbezüge für Hausbrandzwecke außer- ordeilllich niedrig gewesen: von Januar bis Juni bei Steinkohlen nur 5,37 gegen 8.25 Millionen Tonnen, bei Koks nur 2,71 gegen 4,30 Millionen Tonnen und bei Braunkohlenbriketts nur 9,31 gegen 13,44 Millionen Tonnen in der gleichen Zeit des Vorjahres. I n Berlin seien vom Januar bis Juli nur 950 000 Tonnen gegen 1 482 000 Tonnen im Dorjahr angeliefert worden. Di« Boreindeckung sei nötig, um Schwierigkeiten im Winter zu vermeiden. Der Reichskohlenkommissar ist ein naiver Mann. Die breiten Massen würden gern kaufen, wenn sie Geld hätten. Darüber hinaus wendet sich der Kohlenkommissar mit einem Appell aber an die falsche Adresse. Das Volk braucht kein« Aufrufe. das Volk braucht billigere Preisü. Der Reichskohlenkommissar wolle sich also an die Kohlensyndikate uyd an die Händler wenden, die bedauerlicherweise bemüht sind— vergleiche das oben zitiert« und das Berliner Beispiel—, di« Kohienpreise noch zu erhöhen, statt sie zu senken. Unter diesen Umständen wird der Appell des Reichs- kohlenkommissars keinem Kohlenkäufer imponieren. Auch der In- dustrie und den Gas. und Kraftwerke» nicht, die selbstverständlich im Augenblick mit ihren Einkäufen zurückhalten, weil sie«ine Kahlen. Preisermäßigung erwarten. Also her mit der Senkung-der Kohlen- preis«, dann wird auch das Kohlengeschäst besser gehen. Die Kohlenumlage soll erhöht werden. Das Rheinifch-Westfälische.Kohlensyndikat denkt noch gar nicht an ein« Senkung der inländischen Kohlenpreise. Jetzt kommt aus Essen die Meldung, daß man die Kahlcnumlage, mit der der Export zu billigeren Preisen finanziert wird, a u s 2,50 Mark erhöht werden soll, und man hat auch schon von einer Erhöhung auf drei Mark gesprochen. Der Plan, nur gleich- zeitig mit den Löhnen die Preise zu senken, geht ofefnbar dahin, die durch Lohndruck erstrebt« Lohnersparni? zur Kohlen- schleuderet ins Auslaird, d. h. zur Verschlechterung der Kon- kurrenzbedingungen dßr deutschen Industrie zu verwenden. Die kohlenpreissenkung ist möglich und nötig, sie muh ohne Lohnkürzung ausschließlich für das Inland in ausreichender Weise erfolgen Lohnkürzungen und erneute Schleudere! müsse« bckämpst werden, weil auch bei der kohle die Konkurrenzfähigkeit im Ausland letztlich nur von einem kauffähigen und kauflustigen Inland abhängt. Krise drosselt Motorradabsah. Rückgang bei KleinkrasträSern am stärksten. Benutzt man die neuesten Ziffern des Kraftfahrzeugabsatzes als Gradmesser der Koufkroft, so ergibt sich, daß in diesem Jahre kein» Bevölkerungsschicht von der Wirtschoftskrisis so hart betroffen worden ist wie die Arbeitenden, die bei geringerer Arbeitslosigkeit als.ftoupt» käufer von.Kleinkrafträdern in Betrocht kommen würden. Der Ab» faß steuerfreier Motorräder unter 200.Kubikzentiineter Zylinderinhalt betrug aus deutschem Boden im Juni dieses Jahres nur noch ein Drittel des vorjährigen Iuniabfatzes. Die Produktions- und Absatzziffern der meisten anderen Kraft-- sahrzeugarten sind zwar gleichiolls zurückgegangen, aber doch nicht in diesem Ausmaß. Um bei den Motorrädern zu bleiben, so ist zu- nächst hervorzuheben, daß die Produktion von steuerpflichtigen, also stärkeren Zweitaktmotorrädern gestiegen ist im Gegensatz zu der Zlllgemeinenlwicklung und auch zu der Biertaktersabrikation. Di« Zweitakter werde» fast eiilschließlich in Deutschland hergestellt, und hier wieder von den größten Motorradsabriken. Die großen haben also ihre Erzeugung auf Kosten kleinerer Werke ausdehnen können, was auch durch Veröffentlichungen einzelner Firmen schon belegt worden ist. Vermutlich ist das Vordringen des Zwei- t a t t e r s auch darauf zurückzuführen, daß für irniner größere Schichten die Frage des sofort anzulegenden Preises vor die Qualitätsfrage tritt. Die Aufschläge bei Motorradkäufen auf Abzahlung sind immer noch viel zu hoch; 20 bis 30 Proz. Jahres- Zinsen neben drückenden Versicherungsbedingungen für den Käiiser sind an der Tagesordnung. Der Absatz von Personenkraftwagen betrug im Juni etwa zwei Drittel des vorjährigen Iuniabsoize?, der L a st» k ra f t w a g e n verkauf ging auf die Hälft« zurück. Leute, die sich unter normalen wirtschostlichen Verhältnissen wohl einen stärkeren Wagen gekauft hätten, griffen zum Kleinauto. So hat sich der A n t e i l der Kleinautos(mit weniger als 1 Liter Lzubraum vom gesamten Personenwogenabsatz seit dem Jahre 1928 fast ver» doppelt. Unter hundert in Deutschland verkauften Personen» autos befanden sich im Jahre 1928 nur zehn Kleinautos, im Wai 1930 schon fünfzehn und im Juni 1930 etwa neunzehn. Di« fort» gesetzte Verteuerung der Betriebs st off« hat wachrschein- lich die Vorliebe der Zlutokäuser für kleine Wogen mit geringsm Verbrauch verstärkt. Das Volk will mehr Weizen. Oiellmstellung der Ernährung drängt den Roggenverbrauch zurück., Das Stattstische Reichsomt bring* einen neuen Bel-g für die Tatsack)«, daß der Roggenverbrauch wegen der immer stärkeren A b- wendung des Volks vom Roggenverzehr zurückgeht und daß letztlich alle Roggenpropoganda vergeblich sein muß. In „Wirtschaft und Statistik" wird in einer Produktionserhebung über die deutsch« Getreidemüllerei für 1927/28 festgestellt, wie stark gegen- über der Vorkriegszeit der Roggenverbrauch gesunken ist. Bon- 39,1 Millionen Doppelzentner Roggenerzeugniss« im Jahre 1909/10 ging der Verbrauch auf 31,0 Millionen Doppelzentner im Jahre 1927/28 oder um 20,8 Proz. zurück. Pro Kops dank dem Verbrauch an Roggenerzeugniffen, d. h. in erster Linie von Roggen» mehl in der gleichen Zeit von 60,3 aus 48,6 Kilo oder u m 19,1 Proz. Der Verbrauch von Weizenerzeugnissen sst in der gleichen Zeit um 4 Proz. gestiegen. Gegen sakuläre Wandlungen in der Ernährungsweise sind all« Reklamationen vergeblich. Die Einschränkung des Roggenanbaus ist die einzig mögliche Parole für den Landwirt, der gute Roggenpreise will._ Die Schulden der Siädie. Llmschuldung verringert den Zuwachs. Im ersten Quartal 1930 Hot sich der Zuwachs der Schulden b« den deutschen Großstädten verringert. Die Zunahme betrug nur 173,5 gegen 234,6 Millionen im letzten Quartal 1929: insgesamt be- trugen die Großstädte schulden am 31. März 1930 4,60 Milliarden Mark, wovon rund 1,50 Milliarden als mittel- und kurzfrsstige Schulden zu bezeichnen waren. Die verringerte Schuldenvermehrung bei den Großstädten ist ein neuer Beweis, daß die begonnen« Um» schuldung wirksam und daß die organisierte Selbsttontrolle der Städte erfolgreich ist. Die K e samts chul den von Reich» Ländern und 44 Großstädten betrugen am 31. März 16,97 Milliarden oder 9,60 Milliarden mehr als Ende 1929. Neuer Rückgang der deulschen Stromerzeugung. Die deutsche Stromerzeugung von 122 großen deutschen Elektrizitätswerken ging nach„Wirtschaft und Statistik" im Juni abermals zurück. Si« betrug in diesem Monat arbeitstäglich 48,75 Millionen Kilowatt» stunden gegenüber 49,86 Millionen im Mai 1930. Der Rückgang gegenüber dem Monat Juni vorigen Jahres beträgt 6.1 Proz. Vreisermählguag für Konserven. Die Mitgliedsfirmen des Schutzverbandes der deutschen Konseroenindustri« haben in diesen Tagen Preisherabsetzungen für eine Reibe ihrer Erzeuginsse vor« genommen. Infolg« des Sinkens der Rohrvcuenpresse und der Inkraftsetzung eines Sondertarifs der Reichsbahn für alle größeren Konserventransporte haben die Gestehungskosten eine Senkmg er- sichren. läet: Jimbruch Schlosser Karl Riemann hott« hie halbe Nacht in einer von den siebzehn Kneipen der trostlosen Straße getrunken. Um Mitternacht brach er mit einem der billigen, bemalten Mädchen aul, die„Schnapsmatratzen' genannt wurden, und am nächsten Morgen stand er ernüchtert auf der grellen Straß« und hatte keinen Pfennig Geld mehr. Der Lohn einer langen, mühseligen Woche war in einer sinnlosen Nacht vertan. Als Kettenschmidt und Wogner, zwei junge Arbeiter, an jenem Morgen nach dem Bahnhof gingen, um ins Grün« zu fahren, sahen sie Riemann auf der Straße und hörten ihn brüllen. „Mein Geld müßt ihr herausgeben, ihr Kerle, gebt mir mem Geld wieder!' brüllte er und schlug mit der Faust in die blitzende Scheibe jener Kneip«, m der er die halb« Nacht gesessen und ge- trunken hatte. Leute liefen zusammen, die Polizei kam Ketten- schmidt und Wagner kannten diese Szenen am frühen Sonntag, sie blieben nicht bei den Gasfern, sie beeilten sich, ihren Zug zu b«> kommen. Und sie bekamen ihn auch Die Waggons waren überfüllt. Es war wie an den frühen Morgen der Werkwoche, wenn die Sirenen mit ihrem Geschrei beginnen, um die Geschwindigkeit der rasenden Vorortzüge noch mehr zu beschleunigen. Der Waggon also war überfüllt, und unter den Passagieren saß ein zwölfjähriges Mädchen von jener Reife, wie sie nur südliches Blut hervorzaubern kann. Sie faß neben ihren Ellern. Die Eltern waren dünn und kümmerlich, es war, als hätte jenes Mädchen schmarotzerhaft die schwellende Kraft der Mutter und die harte Sicherhett des Vaters in sich getrunken. Der Zug raste über die Schienen, die Stadt zerbrach plötzlich und löst« sich auf. Ztoch wuchsen zwischen den grünen Gärten pyramidijche Häuserblocks, aber schon schimmerten Wälder und kleine Seen. Dann hielt der Zug. verschnaufte ein« Minute und raste in die Stadt zurück, um neue Menschenmassen zu verladen und dann ins Freie zu werfen, in das Grün, in den Glanz, in die sommer, liche Schönheit der Wälder. Dieser Sonntag war wie der Vorführer in einem großen Theater und zeigt« sein Kino: Londschosten, Gasthäuser, Abenteuer und Erlebnisse, stille Tragödien und lachhaste Lustspiele. Alles war da und lockte. Das groteske und doch zauberische Spiel begann und hieß: Berliner Sonntag. Kettenschmidt und Wagner sahen jenes Spiel und machten mit. Vom Bahnhof wanderten sie in drei Minuten nach dem kleinen Fluß und fuhren auf einem bewimpelten Schiff den grünen Wäldern zu. Das Schiff war schnell überfüllt, man sah Arbeiter, kleine Beamte und Bürger, man sah Mädchen mit ihren Liebhabern. Frauen mit ihren Männern oder chunden, auch Kinder konnte man sehen, um die der Unverstand der Eltern wie eine Pettsche knallte. Dann begann Musik. Das Schiff drehte sich und schwamm auf den Fluß hinaus, der von den giftigen Abwässern einer chemischen Fabrik sonderbar ver. färbt war. Das Schiff wühlt« im schmutzigen Wasser und fuhr in jener Wolke von Wind und Lärm dahin, die immer nah« am Zer- splittern ist, wenn einig« hundert sich unbekannte Menschen zu- sammensitzen und sechs Harle Arbeitstage hinter ssch haben. Noch einmal legt« der Dampfer an, eh« seine groß« Reis« be- gaim. Noch einmal lärmte der Ueberfall neuer Passagier« über das Verdeck, die Musik paukte erbarmungslos, und die Gäste de« nahen Gartenrestaurants wußten nicht, was schöner war: am Flusse zu sttzan und die Schiffer vor überfahren zu lasten oder auf eben den» selben Schiffen den Fluß hinunterzufahren und die Zurückbleibenden maßlos zu verachten. An einem Tisch an der Balustrade nahe am Fluß saßen zwei fungc Mädchen, und Kettenschmidt war ee, der zuerst lächelte. Als sich da» Schiffer in Bewegung setzte, lächelten sich vier junge Menfcheen an. Kettenschmidt, Wagner und die beiden Unbekannten. Ihr Lächeln legte sich wie eine goldene Brück« über den Fluß und über den Garten. Hinter den lächelnden Mädchen stand ein« Denkmal. Ein durch- aus nicht aszetischer Mönch ragte empor und breitete seine Hände segnend über«ine nackte Nixe. Ueber ihren weißen Leib liefen die Samtfchatten der grünen Bäume. Ihr Kleid war au« Licht und XemJmrA Jisrüger: Ulan fiehl fleh wieder- Fünf Jahre sind eine lange Zett. besonder» wenn man um die Dreißig herum ist. Ich Hab« es neulich deutlich gemerkt, als Misse kam. Misse, die herzige blonde Dänin, groß und schlank wie ein« jung« Tanne, mir weichen Händen und noch weicherem Gemüü Wir hatten uns genau fünf Jahre lang nicht gesehen. Ich weiß noch, wie wir damals in Köln 2lbschi«b nahmen. Das gute Kind weinte, und mir war auch nicht recht zu Mute. Schließlich hatten wir beide mehrere Monate hindurch gute, sehr gute Freundschaft gehallon. Kannten uns beide gegenfettig so gut wie Ehegatten. Sie hotte mich während meiner Studienzeit rührend bemuttert, mir meine Wäsche in Ordnung gehatten und den Kaffee gekocht. Sie hatte in geldknappen Zeiten für die schr substantiell ausgestatteten Butterbrote Sorge getragen und fand immer neue Gelegenheiten, ihre Liebe und Herzensgüte zu beweisen. Bis es dann eines Tages aus war. Misse mußte zurück nach Dänemark. Und dann weinte sie am Bahnhof, und mir war auch nicht recht zu Mut«. Nach fünf Jahren kam st« wieder. Wir hatten in der Zwischen. zett nur selten geschrieben. Warum auch? Misse war mtt einem Schweden verlobt, und ich schrieb tausend Sachen, um mich über Wasser zu halten. Li« dann neulich da« Telegramm' kam untz einen Tag später Miss« selbst. Ich habe sie natürlich vom Bahnhof abgeholi und auch ins Hotel begleitet. Sie kam am frühen Morgen um 6 Uhr an, war die Nacht hindurch gefahren. Und mir zog sich das Herz zusammen, alt ich Miss« sah und bemerkte, wie müde sie war. Gewiß, auch müde von der Fahrt: ober da war noch etwas andere« Müdes in ihr. Und der Kuß fiel mir schwer. Sie atte mir auch gar zu kall die Wang« geboten. Dann saßen wir im Taxi und fuhren zum Hotel. Misse faßte nach meiner Hand. „Freust Du dich, daß ich hier bin?* ..Ja. Misse.'. Dabei küsse ich ihr« tjanb und mit einmal fällt mir ein, wi« sie vor fünf Iahr«n immer gesagt hatte: Nicht die Hand, dummer Junge, der Mund ist zum Küssen da. Hierher, stillgehalten! Heute sagt sie nichts. Ruhig sitzt sie neben mir und fl«ht mich an. Ich schieb« all« Müdigkett aus die lange Nachtfahrt und hoffe auf den Nachmittag, an dem Misse wieder ganz frisch und jung sein wird. Doch am Nachmittag sitzt sie mir im ftnrint gegenüber, bedient mich wohl wi» früher, streicht«in Butterbrötchtn. rührt sogar meinen Kaff«« um— ab«?, da fehlt doch«twas. Ich sehe fl« genau« an. «rkenu«, wie scharf die Augen geworden sind, wi« hier und da kleine Fällcheu stehen, und im Haar seh« ich jetzt einige grau« Strähnen. am dem ZKäfig gleiste. Auch dies« Nix« im kühlen Dunkel schien zu lächeln, als der Dampfer wetter fuhr. Bis jetzt war das Land nur Gegend, aber nun wurde Land» schaft und schrankenlos« Tag. Der Fluß hatte sich gereinigt, glänzte hell und trieb sich nach den weiten Seegestaden hin, an deren Ufern die nackten Leiber der Badegäste leuchteten. Di« kleinen Wellen schlugen übermütig cm die schwarzen Ufer- ränder, über denen die Wiesen in lichtgrünen und dotteretgelben Flächen flammten. Es war wunderschön. Ein junger Mann schwamm nach dem musizierenden Dampfer herüber und riß dann grüßend den rechten Arm triefend aus dem kühlen Wasser. Und an den Wiesen stand ein aufgeregtes Mädchen und rief:„Otto! Otto!' Das Schiff stampfte weiter und nach einer kleinen Stunde war das Borziel, eine große Sägemühle,«reicht. Die Wälder hinter den Wiesen waren ja gar keine richtigen Wälder wie im Süden, wo in den Buchenhallen mystische Schauer wehen, diese Wälder hier wuchsen auf dürrem Sand und waren eigentlich nur große, schwarze und schwermütig« Holzniederlagen. Aber sie fanden doch Beifall. „Ogottogott,' kreischte eine dicke Frau, schlug die Hände über dem Kopf zusammen und wandte sich ihrem Mann« zu.„Ogottogott, Paule.' sagte sie.„sieh nur das vibl«. viel« Holz!' Ja. es gab viel Holz an dieser Station. Holz in den Wäldern, Holz an der Sägemühle und Holz im Wasser des Flusses. Bon einem Floß hatte sich ein Stamm gelöst und trieb quer auf dem kleinen Fluß. Dieser Stamm war aus der Reihe getankt und wurde nun zum Stammbaum erregter Gespräche und aufregender Minuten. „Unerhört,' sa�e der Mann und sah nur jenen Stamm im Fluß,„unerhörte Schweinerei. Das ist ja beinahe polnische Wirt- schobt! Wo ist die Wasserpolizei? Do sann ja das größte Unglück passieren?' Und well nun diese Geschichte an einem deutschen Sonntage passiert ist, auf einem deutschen Schiff, auf deutschem Gewässer und unter deutschem Himmel, so liegt die Dermutung nahe, daß dieser Stamm, der so ohne Erlaubnis sich vom Floß löste, gar kein deutscher Stamm war, sondern von einem Baum im Osten stammte und keinen Stammbau wie vielleicht die deutsche Eiche hatte und weiter nichts war als«in ganz gewöhnlicher Baumstamm. Aber das war deutsch: der Ruf nach der Polizei, und das Echo war deutsch: Ja, wo ist nun die Polizei? Doch die Polizei war fern. Zwei Matrosen vom Dampfer hatten nicht mitgeschrien. Sie faßten zwei große Staken und gaben dem verbrecherischen Stamm die richtige Lage. Di« kühnen Passagiere beruhigten sich und das Schiff fuhr weiter. Der Dampfer fuhr weiter, und auf einmal wurde nicht mehr von der fehlenden Polizei gesprochen. Menschliches Gelächter er- schüllert« die wagehalsigen Flußfahrer, als neue Wellen wild in die malerischen Lagergruppen junger Leute spritzten. Dann hotte diese Fahrt ein Ende, die Leute verließen das Schiff und verankerten sich in den nahen Bierhäfen der vielen Gasthöfe. Kettenschmidt und Wagner liefen am Fluß entland, listen sich endlich die Kleider vom Leibe, sprangen ins Wasser und freuten ssch des Tages. Si« wanderten später wetter, kamen an einen versteckten Strand und sahen dos Strandgut, das die groß« Stadt und die lange Arbeitswoche an die Ufer geworfen hott«: schöne und auch verblühte Mädchen, gutzewachsene und auch rachttlsch« Kinder, dünne und.auch dick« Frauen, mild« und auch brutal« Männer. Nein, es war nicht alles gut! „Die große Stadt ist ein verdammter Käfig', knurrte Wagner. „Die Tiere haben es schon besser', meinte Kettenschmidt.„Was hat dies« Stadt aus dem Menschen gemacht!' Kettenschmidt stellte machmol solche Fragen an das Schicksal. Wagner antwortet« und dann gab es«ine große Diskussion über die große Stadt als Mörderin, über die große Stadt als Kraftquelle. Endlich verstummte das Gespräch. D!« Freunde wanderten weiter. Sie sahen die flammende Sonne, die sausenden Segel, die melancho- Nchen Wälder. Sie hörte das Zirpen der Grillen und den Gesang der Vögel. Und am Abend fuhren sie in die Stadt zurück, um sechs Tag« zu arbeiten, damit sie an, siebenten Tag nach der Natur heinckehren durften. Misse, meine goldblonde Misse, wird alt. Wie kall st« ist, wie ruhig sie neben mir sitzt. „Wie geht denn die Schreiberei? Du siehst nicht gut aus. Hast Du niemand, der sich um Dich bekümmert?' Die alte Herzlichkeit finde ich nicht mehr bei ihr. Wie grausam von ihr. mich an mein schlechtes Aussehen zu erinnern. Fast möchte ich ihr sagen, daß sie graue Haare hat und einige kleine Fallen im Gesicht, doch ich kriege es nicht fertig. Sie steht mir zu gut im G». dächtnis, ich lieb« sie noch immer. Das heißt, nicht die Frau, di« da neben mir fitzt und mir den Kaffee einschenkt. Ich liebe die Misse van damals, die wild auf meine einfache Bude gestürzt kam, mir mn den Hals flog und sagte: Küß mich. Mensch, ich habe mich eben schwer geärgert. Und die dann selbst zu küssen anfing, bis— ja. bis eben der Aerger fort war. Wir haben am ersten Tag nicht zurückgefunden in unser Jugend- land, am zweiten und dritten auch nicht. Es war eine Quälerei für uns beide, glaube ich: und es war gut, daß Misse bald abfuhr, ob. wohl sie zuerst vierzehn Tage hierbleiben wollte. Am Bahnhof hat sie dann nicht geweint, sondern ist lachend ob. gefahren, wenn es mir auch so vorkam, als ob ihr Lachen nicht ganz echt und rein war. Als sie dann aber fort war, ging ich nach Haufe und verbrannte alle Briefe und Photos, die sie mir im Laufe der vergangenen fünf Jahre geschickt hatte. Und sie hat es wahrscheinlich genau so gemacht, denn wir schreiben uns nicht mehr und haben uns damit abgefunden, fünf Jahre aller geworden zu sein. Was aften die Urmenfchen? Ueber die Ernährung des Urmenschen geben Funde von Küchenabfällen an der dänischen Küste Ausschluß. Dies« Haufen Küchenreste zeigt starke Aehnlichkeit mll dem heutigen Kompost- und Misthaufen auf dem Lande. Jahrtausendelang Hai ssch«in solcher Abfallhaufen erhallen und erst vor kurzem untersuchte man ihn näh«. Er bestand aus Millionen von Austern, und Schnecken, gehäusen, Resten exotischer Vögel, ganz besonders aber aus Herings. reften. Das Essen d« Urmenschen bestand also vornehmlich aus Heringen, denn diese Reste sind besonders häufig vorgefunden wor. den. Außerdem aber fand man solch« anderer Fische, unter anderem Aal-, Kabeljau, und Lachsabfälle. Wildschweine, Stachelschwein«. Hirsche und Rehe galten gleichfalls als wohlschmeckende und beliebte Kost. Weit wenig« fanden sich Ueberrcste von Wösten, Füchsen, Bären und Lucölsn. Nebenbei wurden jedoch Beeren. Knollen, Wurzeln und Nüsse nicht verachtet, so daß dem Ur-Menü«ine ge> wisse Reichhaltigkeit und Abwechslung nicht abzusprechen sst. Aus geologischen Funden bestätigt sich weiter, daß zur Zeit des Aufkommens systematischer Ackerbebauung Mohn, Linsen, Erbsen und Bohnen di« ersten Pflanzen waren, die sich einer Vorliebe er» freuen konnten. Jede Sippe od« Familie baute auf eigenem Ge- lande das an, was sie zum Leben nötig hatten. Wild und Fische lieferten Wald und Gewässer in ausreichendem Maße und es war «ine der wenigen Beschäftigungen des llr.„Haush«rrn', auf die Jagd oder den Fischfang zu gehen, während die Frau das Feuer hütet«. Sie briet das Wild am Spieß, füllte es mit glühenden Steinen, um völliges Durchbraten zu sichern und wendete es von Zeit zu Zell über dem lohenden Feuer. Das erste Brot bestand nun nicht, wie man anzunehmen geneigt sein mag. aus Roggen oder Weizen, sondern aus zerstoßenen Eicheln, die es in Massen gab. Die Mythologie spricht von dem Wellbaum Iggdrasil, der nach verschiedenen Sagen den ersten Wen- schen noch der Sintflut Nahrung lieferte. Pgg ist mll„oaf. dem englischen Wort für Eiche verwandt. Man„buk' aus dem Mehl der Eicheln tuchenförmige Brote. Sehr viel später erst verwendet« man auch zerstoßenes Korn und noch später entdeckte man di« Fähigkeit des Mehles, Wasser aufzunehmen. Jetzt tonnt« man das Feuer zu Hilfe nehmen, während bisher das Brot wohl geformt, aber roh genossen wurde. Die Zeiten haben sich geändert. Hört man von diesen Uiküchen- rezepten, dann ist erst möglich, die ungeheure Wandlung in den Jahrhunderten, die hinter uns liegen, zu erkennen. Und doch ist vieles noch heute das gleich«, sind manche Speisen noch heute be- oorzugt und gelten wie damals als gut. ü- R- 3mmer noch unerforfchles£and! Die weißen Stellen auf der Erdkarte sind« Irhrhuuderten unermüdlicher Entdeckertätigkell immer wehr zusammengeschrumpft. Sie sind aber noch nicht ganz verschwunden, und es gibt immer noch unbekannte Gebiete von gewattiger Ausdehnung. Ueber die Er- forfchung eines dieser weißen„Flecken' durch den Engländer Ber- tram Thomas berichtete kürzlich ein Vortrag in der Königlichen Geographischen Gesellschaft in London. Bertram Thomas ist der finanzielle Berater des Sultans von Oman(Arabien), aber er gibt sich, wie man sieht, nicht nur mit Geldgeschäften ab. Das Gebiet. das er erforscht Hot, ist die große zentralarabische Sandwüste Rooba el Chali, die etwa so groß ist wie Frankreich und Spanien zusammen � Den Plan zu dem Unternehmen saßt« Thomas auf einer Studien- expedllion durch gleichfalls noch sehr wenig erforschte Gebiete von Oman. Am 11. Januar 1928 brach er von Dhofar auf, begleitet von 28 berittenen Badus(Eingeborenen), seinem Sekretär Ali Mahäm- med, seinem Diener und neun Lastkamelen. Die erste Station wor Ai Ouotan. Hier war in den Iahren 1834/36 schon einmal eine europäische Expedition gewesen. Dann ging es unter unsäglichen Anstrengungen nordwärts durch die Gebiet« des Weihrauchbaumes und durch unendlich trostlose Ebenen ins Ungewisse hinein. Am 13. Januar zwang Wassermangel zur Vorsicht. Auch waren die mitgenommenen Kainele nicht geeignet für große Sandreisen und übermüdet. Thomas beschloß, die groß« Sandwüste zu umgehen und das Wadi- System de? Oase Mughsin zu untersuchen. Das Gepäck mußte auf ein Minimum reduziert werden. Nach lange?, mäkeliger und gefahrvoller Reise durch öd«, sandige Gegenden tauchten endlich am 23. Juni die riesigen Ehaf-Bäume der Oase Mughsin auf. Von dort aus unternahm dann Thomas mll einigen Begleitern einen Vorstoß in die Wüste. Ergebnis: fowell das Aug« reichte, ein«in- ziges, ungeheures totes Meer von Sand. Airs dem Rückweg sammelt? er unzählige Mengen von Vögeln. Fossilien und machte meteoro» logische und astvonomische Beobachtungen. Man darf den Erfolg dieser Expedition nicht gering schätzen, well sie nur das Vorhanden- sein einer riesigen Sandwüste bestätigte. Thon«» hat mll seinen Beglellem«in Gebiet bereist, das England au Größe nicht nachsteht, hat öd«, unwegsam« Wüsten voller Gefahren bezwungen, in die noch nie«in Europäer seinen Fuß gesetzt hat. Thealer um eine Tliealertorftellung Vor nicht ollzulanger Zell schützte das englisch« Gesetz ein Bühnenwerk nur dann, wenn dessen erste Aufführung auf englischem Boden stattgesunden hatte. Um diese Be- stimmung zu erfüllen, wurde in vielen Fällen eine Scheinaufftchrung veranstaltet, ein«„stille Premier«'. Der Impresario mietete zu diesem Zweck ein Londoner Schauspielhaus für«inen Rachmittag. ließ einen einzigen Abzug eines Theaterzettels herstellen und engo- giert« einen einzigen Schauspieler oder Sänger. Zur festgesetzten Stund« wurde di« Theaterkasse geöffnet: der Impresario erschien, ging zur Kasse, besah sich vielleicht auch noch die Tasel mit den Pressen der Plätze. Wenn er dann festgestellt hatte, daß es Plätze von 10 Schillingen bis herunter zu S Penny gab, kaufte er einen Platz, oftmals den billigsten, dazu einen Theaterzettel für 2 Penny und begab sich schmunzelnd in da» Theater, wo er sich von dem einzigen Schauspieler einen einzigen Monolog aus dem Stück vor- tragen oder von dem einzigen Sänger eine einzige Arie vorsingen ließ. Domll war die.Erstaufführung' vorüber und die Forderung des Gesetzes erfüllt. Einwendungen waren unmöglich, denn das Krllerium einer össentlichen Vorstellung— der Verkauf von Ein- trittskarten und von Theaterzetteln— war nicht wegzuleugnen. Der Impresario war nämlich so vorsichtig gewesen, einen Notar mit zur Kasse zu nehmen, damtt dieser ihm den Saus der Eintrittskarte und des Theaterzettels nach allen Regeln des Gesetzes beglaubigen konnte.___ Die goldene Piflole der&ariferin Madlich« kleine Luxusrevolver bilden den neuesten„Toiletten- gegenständ', den die Pariserin in ihrer Handtasche mtt sich führt. Es ist nicht überraschend, daß sich die Wafienfabrikanten jetzt aus den Geschmack und die Bedürfnisse des schwächeren Geschlechts ein- stellen, denn man hat erst kürzlich wieder hervorgehoben, daß in Paris mehr Revolver und Selbstladepsstolen von Frauen als von Männern gekauft werden. Infolge der beständig zunehmenden Revoloerverbrechen von Frauen ist diese Erscheinung ein beliebtes Thema für Witze ge- worden. So fragt z. B. der Hausherr beim Essen dos Mädchen: „Was ist denn das für ein Lärm?' Worauf diese erwidert:„O. das hat nichts zu bedeuten: die Dam« von nebenan erschießt nur ihren Mann." In den Läden der Wassenhandlungen sieht man jetzt entzückende Stilleben von solchen Waffen, die sich für zarte Hände eignen: es sind zierlich« Revolver, z. T. mit dem Griff und dem Hahn aus Gold, die deswegen aber nicht weniger tödlich sind: sie liegen in Kästchen, die mll zartfarbiger Seid« ausgeschlagen sind. Es gibt auch Kästen, in denen diese entzückenden Waffen gleich paar- messe liegen, und Pariser Blätter vermuten, daß«s sich dabei um Hochzeitsgeschenke handett, da ja«in Paar Revolver heutzutage zur Ausstattung eines jungen Haushall» gehört. De? Alänneruferschuß In Indien. Der vor einiger Zell in den Grundzügen verSflentlichte Bericht der Simon-Kcminission über Indien enthüll einige bemerkenswerte Angaben über die Beoöl- kerungsbewegung. Danach wurde im letzten Jahr im Gesamtgebiet Bntisch-Indlens durch Zählung und Schätzung errechnet ein Männer- Überschuh von annähernd 0 Millionen. Der Ueberichuß wird nur di« hohe Sterblichkeit der Mütter zurückgeführt, die durch allzu frübe Heirat und ungesundes Leben in den Häusern ihre Kraft vor- zeitig verzehren.