BERLIN Sonnabend 16. August 1930 10 Pf. Nr. 382 B 190 42. Jahrgang Erscheint täglich anser Sonnt«?». Zugleich Abendausgabe de«.VorwSrtt'. Betugtxreit beide Ausgaben 85 Pf. proWoche, J,K0M. pro Monat. Redaktion und Expedition; DerlinSW6S,Lindenstr.» Sfiaiaubgaße xlei» nteigenpreis: Die einspaltige Nonpareilleieile SO Pf., Reklameieile S M. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheckkonto: DorwSrts-Derlag G. m. b. H., Berlin 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Stürme und Schneestürme Dreitausend Opfer in China— Am„Wilden Kaiser" erfroren prflng, 16. ilugusl. hier vorliegende Berichte geben an. daß durch die U n- rcetterkatastrophc an der Südostküste Tschilis und in der Nordwestmandfchurei 3000 Menschen ums Leben gekommen feien. Mehrere Eingeborenendörfer feien z e r st ö r t worden. Vor der Schuhhütte erfroren. Sussteln. 16. August. Lei einem Vergsteigerunglück im Milden Kaiser sind drei per. sonen erfroren. Die Bergsteiger kamen am Donnerstogvor- mittag in der Gruttenhütte an und sehten den Aufstieg zum Kopstoerlgrat troh der Warnungen des Hüttenwarts fort. Am zweiten Turm des Kopstoerlgrat» wurden die Bergsteiger bereits von einem Unwetter überrascht. Sie kletterten jedoch u n e n t- wegt weiter, obwohl sie noch Zeit gehabt hätten, umzukehren. Am Spätnachmittag brach dann aber ein furchtbarer Schnee- st n r m los. Durch da» heulen de» Sturme» wurden Hilferufe der Bergsteiger vernommen. Eine Bettungsmonnschast, die hieraus die Gruttenhütte verlieh, könnt« nicht vorwärts kommen. Ais da» Unwetter vorüber war, sah man. wie die drei Mann in den sechste«. und zwar den letzten Turm vor dem Ellmauer-Haltgipfel einstiegen. Sie hatten also noch die Kraft, weiterzuklettern und glaubten wohl, noch vor Einbruch der Bach» die Schuhhütt � zu erreichen. Da mit dem sechsten Turm die Schwierigkeiten überwunden gewesen wären, nahm man in der Schulzhütlc an. dah die Bergsteiger ihr Ziel noch erreicht hätten. Als aber am Freilagmorgen niemand von den dreien zurückkehrte, ging eine Bellungscrpedition auf die Suche au». Sie fand die drei Leichen am sechsten Turm eng anein. andcrgeschmiegt ans. Visher konnten die Leichen noch nicht heruntergebracht werden, da der Schneesturm unverminderel heftig andauerte. Sturm tobt weiter! Vachziegel auf den Straßen.— Keller und Küchen unter Wasser. V r e m e u. 16. August. Bachdem der Sturm, der in der Bacht zum Freitag über ganz Borddeutschland und der Bordseeküsle tobte, am Tage etwas nachgelassen hatte, setzte er in der Bacht zum Sonnabend mit um so größerer Heftigkeit wieder ein. Er erreichte Zeitweilig eine Stärke bis zu Z 5- S e k u n d e n m e l c r n. Essen und Dachziegel liegen auf der Strohe umher. Viel Schaden hat der Sturm in landwirtschaftlichen Betrieben angerichtet, wo das Vieh auf den Weiden stellenweise bis zu den Knien im Wasser steht. Das Wasser ist bereits verschiedentlich in Keller und Küchen«ingsdrungen, so dah die Feuerwehr in Tätigkeit treten mußte. Der Wasserspiegel der Weser stieg etwa um eineinhalb Meter über normal. Wenn Sturm und Niederschläge weiter an- halten, dürften bei der nächsten Flut die Weser und ihre Neben- flüsse an verschiedenen Stellen' über die User treten. Sicherheit?- mahnahmen sind bereits getroffen. R�er Hochtouristik eine bekannte Persönlichkeit und hatte sich besonders die Erschließung der Pyrenäen zur Auf- gäbe gemacht. „Polizeibestien, wählt Kommunisten!" Wie sie vm die Polizeibeamten werben. In der„Roten Fahne" findet sich er.i Aufruf, der bei den Pulizeibeawten für die Kommunisten wirbt und— grotesk bei einer Partei, die im Landtag immer die Bewilligung der Mittel sür die Polizei abgelehnt hat!— sagt:„Nur die Kommunisten haben sich stets rückhaltlos für eure Belange eingesetzt." Ausgerechnet die Kommunisten! In der Spalte direkt daneben findet sich ober ein Bericht über einen Zusammenstotz zwischen Kommunisten und Polizei- beamtcn an der Ziethenstrotze, in dem es wörtlich heißt: .. es bemächtigte sich der Schupos eine devartige Nervosität, datz die vier Flitzer fortwährend hin- und hersausten. Es war ein wohl hundertinaliges Auf- und Abspringen,, ein Hin- und .Herrennen der wütenden Polizcibestien zu bcobochten, wie sie sich wie Wahnsinnige gebärdaten und wie von Tobsucht erfaßt, von ihrem Gummiknüppel Gebrauch machten, nm dann wieder ein Stückchen weiter zu sausen und wieder abzuspringen." Di« Polizeibeamten werden sich hüten, ihre Stimme einer Par- tei zu geben, die sie in ihrer Ehre beschimpft, die sie„wütende Polizeibestien" nennt und sie bei jeder Gelegenheit ungeheuerlicher Roheit bezichtigt. Die Beamten wissen, daß der Schuh und Ausbau der preu- tzifchen Volkspolizei bei der Sozialdemokratie liegt, und sie wählen deshalb Liste!! Reichspatent„Gtaatspartei". Die Klage um Ven Ramen. Heute begann vor der 3. Ferienzivilkammer des Landge- richts ll Berlin die mündliche Verhandlung üöer die einstweilige Verfügung, die der angebliche„Schriftsteller, Verleger und Diplo- mot" Wilhelm Halfen gegen führende Persönlichkeiten der Deut- schen Staatspartei, nämlich Arthur Mahraun, Koch-Weser und Dr. Höpker-Aschoff beantragt hat. Halfen hat sich bekanntlich im März 1929 im Vcreinsregister des Amtsgerichts Berlin-Mitte unter Nummer 5812 den Vereins- namen„Deutsche Staatspaurtei e. 25." eintragen lassen. Der ganze verein besteht au» den acht Gründern. von denen zwei abgebaute Bankbeamte und drei Den- t i st e n find. Halsen verlangt mit seinem Antrag, datz Mahraun und Genossen sich des Gebrauchs des Namens„Deutsche Staats- Partei" nicht bedienen sollen. Die Frage, ob jemand auf Grund einer Nereinsrcgistereintra- gung einer großen politischen Partei ihre Namenssührung unter- sagen kann, ist schon rein rechtlich interessant und bisher niemals zur Aburteilung vor den ordentlichen Gerichten gekommen. Die Verhandlung wird aber hoffentlich die Oeffentlichkeit darüber auf- klären, wer eigentlich Hall-Halfen ist. Es wird behauptet, er habe eine äußerst bewegte Vergangenheit; während des Krieges schwebte gegen ihn angeblich ein Versahren wegen Fahnenflucht: in den letzten Iahren hat er sich im Verein mit feiner geschiedenen Ehejrau seinen Unterhalt durch Heirats- und Darlehnsvermittlungcn ver- dient. Diesem Zwecke dienten auch seine verschiedenen Gründungen. So gab er im Jahre 1926/27 eine unter Ausschlutz der Oeffenttich- keit erscheinende Zeitschrift„Die Staatspost" heraus, daneben vertrieb er chemische Reinigung?- und Putzmittelprodukte, gründete «in«., Reichsverkehrszentrale für selbstleuchtende 2Z«rkehrseinrich- tungen", eine Grundstücks-Finanzgesellschaft, mehrere Kreditvermitt- lungssirmen, ein Wahrfageinftitut, an dem ein Inder beteiligt war, und dergleichen mehr. Es schweben gegen ihn bei der Staats- anwaltschaft und bei der Polizei seit Iahren eine Reihe von Straf- verfahren, die aber nicht zur Durchführung gelangen können, weil Hall-Halfen sich unangemeldet aufhält und nicht zu fassen ist. Der Andrang zu der Zterhandlung war sehr stark, und unter den Zuhörern hatten sich besonders zahlreich« Personen eingefunden, die von H a l f f c n geschädigt worden sind, aber insofern ent- täuscht wurden, als der„P a r t e i g r ü n d e r" nicht erschi e- n c n war. Auch die beklagten Gründer der neuen Staatspartei waren nicht anwesend, sondern wurden durch die Rechtsanwälte Dr. Nübell und Karlebach vertreten, während für Hall-Halffen die Rechtsanwälte Erwin Feld und Max Jonas erschienen waren. Rechtsanwalt Dr. Nübell forderte zunächst die Zsorlage einer beglaubigten Vollmacht. Es müsse festgestellt werden, ob Herr Hoisfcn. der sich mit acht Mitgliedern als./Deutsch« Staatspartei' aufspiele, wirklich so heih«. Er wies darauf hin, datz die Zuhörer- fchaft zum großen Teil aus Personen bestehe, die von Herrn Halfsen geschädigt seien und die bisher vergeblich versucht hatten, seiner habhast zu werden. Der Rechtsanwalt verlas eine Mitteilung der Obcrstaatsanwaltschast III, in der einem Gefchä- digten geschrieben wird, daß das Verfahrengegen Halffen wegen Betruges gegenwärtig keinen Fortgang nehmen könne, weil dessen Aufenthaltsort nicht zu«rmittskn fei. Des weiteren legte Dr. Nübell eine Erklärung des Einwohnermeldeamts vor. nach der der„Parleigründer" seit September 1926 unbekannt verzogen und nicht zu ermitteln ist. Rechtsanwalt Dr. Feld trat diesem An- trag entgegen und behauptete, datz diese Dinge lediglich zur Stirn- mungsmache vorgetragen würden, aber mit juristischen Gründen nichts zu tun hätten. Der Schriftsteller Witkowsti habe sich Maxi- milian Horde» genannt, und der Schriststeller Halfsen nenne sich im Schriftverkehr und in der Publizistik Hall-Halssen. Die Vor- legung einer beglaubigten Vollmacht sei nicht notwendig, denn er, Dr. Feld, sowie Dr. Jonas könnten versichern, datz die Unterschrist i ichtig von� Halffen vollzogen sei. Der Zweck des Antrages sei ledig. lieh, die Sache zu vertagen, damit die Staotspartei den Namen während des Wahlkampfes führen könne. Rechtsanwalt Dr. Nübell, ebenso wie Dr. Karlebach wiesen sodann darauf hin, daß festgestellt werden müsse, unter welchem Namen die Eintragung in das Vereinsregister vor dem Urtunds- beamtcn vorgenommen worden sei, denn es sei durchaus inöglich, daß sich Hallscn dabei der intellektuellen Urkunden- f ä l s ch u n g schuldig gemacht habe. Die beglaubigte Vollmacht sei auch nötig, den Aufenthaltsort zu erfahren, denn die bisherige Adresse sei nur eine Deckadresse in einer berüchtigten Pension. Vieleicht handele es sich nur um einen anderen Betrüger, der aus der Angelegenheit Geld herausschlagen wolle, denn um etwas anderes gehe es ja bei der ganzen Angelegenheiat nicht. Rechtsanwalt Dr. Feld betonte dann noch, daß ihm Hacksen durch«inen Major Melling, der auch der Verhandlung beiwohne. vorgestellt worden sei und daß er stets in der Pension zu erreichen wäre. Nach kurzer Beratung kam das Gericht zu einer Zurück- Weisung des Antrages auf Vorlegung einer beglaubigten Vollmacht, upvauj K« Sache vmchopdelt wurde. „Gkrupellosigkeit"— aber wessen? Mißlungener Ausfall der„Germania" gegen den„Vorwärts" wegen der „fortschrittlichen anglikanischen Kirche" In unserer gestrigen Morgenausgab« veröffentlichten wir — ohne einen Kommentar dazu zu geben— einen Eigenbericht über die sechswöchige Lambeth-Konferenz von über 306 Erzbischöfen und Bischöfen der anglikanischen Kirche. In diesem Bericht hieß es wörtlich: „Ein zweiter und ein dritter bedeutsamer Beschlutz der Bischofskonferenz sind die grundsätzliche Bejahung der Geburtenkontrolle und die Zulassung unschuldig geschiedener Eheleute zur Kommunion. Die beiden letzten Tatsachen werden Mißbehagen und Kritik unter den Frommen innerhalb und außerhalb Englands hervorrujen. Die Bischöfe verteidigen sich jedoch schon im voraus, indem sie er- klären, die Kirche dürfe nicht außerhalb des Lebens und der Zeit stehen und nicht an der Not der Volksmassen vorbeigehen. Luxus, Selb st sucht oder Gewohnheit seien kein Grund, die Kinderzahi zu beschränken, wohl aber die soziale Not. Die entsprechende Enttchließung wurde mit 193 gegen 67 Stimmen angenommen, 43 Bischöfe ent- hielten sich der Abstimmung." Die„Germania" hingegen veröffentlicht in ihrer heutigen Morgenausgabe aus anderer, unbekannter Quell« einen anderen Londoner Bericht, in dem die Beschlüsse der Konferenz zur Frage der Beziehung der Geschlechter und der Geburtenkontrolle auf der einen Zeile abgetan sind: „Die Konferenz verurteilt aus» schärfste jedwede Propaganda zur Geburteneinschränkung." Die Berliner„Germania'-Redakt-on, gestützt aus diesen äußerst mangelhaften und— wie sich gleich berausstellen wird— äußerst tendenziösen— Bericht fügt dieser Meldung einen etwas heftig geratenen Ausfall gegen den„Vorwärts" hinzu. Sie schreibt nämlich: „Daß die Stellungnahme denjenigen Kreisen, die mit ollen Mitteln für eine Geburtenkontrolle eintreten, sehr unangenehm ist, erscheint nicht weiter verwunderlich. Erstaunlich aber ist— und dazu gehört ein weiteres Matz von Kühnheit, Skrupel- los ig keit und Mangel an journalistischem Der- antwortungsbewußtsein—, wenn man die Beschlüsse der englischen Bischöse kurzerhand umdreht und ins Gegenteil verkehrt, wie es der„Vorwärts"(?ir. 379) in seiner gestrigen Morgenausgabc tut. Während die anglikanischen Bischös« klar und eindeutig betonen,„daß sie jedwede Propaganda für Ge- burteneinschränkung aufs schärsste verurteilen", schreibt der„Bor- warts" unter der grotzen Ueberschrift:„Eine fortschrittliche Kirche": „datz ein bedeutsamer Beschlutz der Bischosskonferenz die grundjätz- lich« Bejahung der Geburtenkontrolle sei." An innerpoli- tische Verdrehungskünst« des sozialdemokratischen Blattes haben wir uns allmählich gewöhnt. Daß nun aber auch die Beschlüsse auswärtiger Bischöfe dazu herhalten müssen, das scheinbar ausgegangene Propagondamaterial für sozialistisch« Ideenträume zu liefern, ist ein neuer Beweis für die U n e h r- lich keit der sozialistischen Methoden, die keines weiteren Wortes wert ist." Wir wollen darauf verzichten, derarttge Anwürfe mit Vorwürfen gleicher Art zu erwidern, fondern lieber unseren Lesern und der Redaktion der„Germania" ein objektives Urteil über die allerdings fortschrittlichen Beschlüsse der anglikanischen Kirchsntonferenz er- möglichen. Die ausführliche Wolff-Reportage aus London über die Konferenzbeschlüsse besagt nämlich wörtlich: „Die Lambechtonferenz der anglikanischen Kirche geht in der in England besonders umstrittenen Frage der Geburtenkontrolle aus von der Pflicht zur Elternschaft als Krönung des ehelichen Lebens. Dort, wo eine deutlich empfundene sittliche Ver- pflichtung besteht, so heitzt es in Entschließung lö sodann, die Elternschaft einzu schränke» oder zu ver- hüten, muh die Methode nach christlichen Grundsätzen bestimmt werden. Die erst« und nächstliegende Methode ist v ö l l i g» Enthaltsamkeit durch Disziplin und Selbstbeherrschung. Spricht jedoch ein sittlich berechtigter Grund gegen völlige Enthaltsamkeit. so ist die Konserenz damit einverstanden, daß andere Methoden angewandt werden, vorausgesetzt, daß es im Geiste der christlichen Grundsähe geschieht. Die Konserenz verurteilt aufs strengst« den Gebrauch irgendwelcher empfängnisverhütender Mittel ans Gründen der Selbstsucht, der Wollust oder Bequem, l i ch k e i t. Diese Entschließung wurde nicht, wie die meisten anderen, einstimmig, sondern mit 193 gegen 67 Stimmen angenommen. Di« Konferenz oerurteilt aufs schärfste die A b t r c i b u n g und wendet sich auch gegen diejenige Propaganda, die die Geburteneinfchrän- kung als Mittel zur Bekämpfung solcher unbefriedigenden sozialen und wirtschaftlichen 25«rhältniss« behandelt, die durch den Einfluß der christlichen ösfentlichen Meinung geändert werden sollen." Aus diesem ausführlichen Wolfs-Bericht ergibt sich zwar, daß die Konferenz die Abtreibung verurteilt: aber es ergibt sich aus ihm ebenso klar, daß sie nicht„jedwede Propaganda zur Geburten- beschränkung auf das schärfste verurteilt". Vielmehr wendet sie sich nur„gegen diejenige Propaganda, die die Geburteneinschränkung als Mittel zur Bekämpfung von unbefriedigenden sozialen verhält- ntssen behandelt". Nicht gegen die Geburtenregelungspropaganda als solche, sondern nur gegen ihren in England nicht festen monomanischen Auswuchs, der in der Geburtenkontrolle das Allheilmittel aller sozialen Nöte sieht, hat sich die Kon- serenz der anglikanischen Kirche gewandt. Ebensowenig hat sich die Lambethkonserenz gegen die Ge- burtenregelung als solche gewandt. Sie hat sich nur gegen sie ausgesprochen, wenn sie nicht sittlichen Zwecken dient. Die Kon- serenz hat jedoch ausdrücklich die Geburtenkontrolle in bestimmten Fällen zugelassen, dann nämlich, wenn eine deutlich empfundene sitt- liche Verpflichtung besteht, die(Elternschaft einzuschränken und zu ver- hüten. Die Konserenz empfiehlt als erste, nächstliegende Methode die völlige Enthaltsamkeit. Aber, und das ist das Eni- scheidende. Neue und Wichtige, die Konserenz ist auch damit einverstanden, daß andere Methoden im Geiste christlicher Grundsätze angewandt werden. Dies bezieht sich deutlich auf die modernen Methoden der Prävention durch technische Mittel. Daß in den weitesten Kreisen dieser Beschluß als eine Frei- gab« der modernen Präventivmittel und der Propaganda für sie aus dem Geiste eines sozialen Perantwortungsgesülzls heraus auf- gefaßt werden muß, ergibt sich erstens daraus, daß die Entschließung, die die Spuren eines wochenlangcn Kampfes an sich trägt, nicht e i n st i m m i g von der Lambethkonserenz gefaßt worden ist. 67 von 266 abstimmenden Erzbischösen und Bischöfen der anglikanischen Kirche haben sich g«g e n die Entschließung mit ihrer Freigabe der Geburteneinschränkung aus moralischen Gründen gewandt. Den Fortschritt der grotzen Mehrheit in der Richtung auf moderne Aus- sossungen hat nicht nur die Konserenzminderheit bekämpft, sondern auch darüber hinaus hat er bereits einen Widerhall gefunden, der deutlich beweist, datz sich hier ein« wirkliche geistig- Wandlung in der anglikanischen Kirch« vollzogen hat. Ein eben eingelaufener Londoner Drahtbericht meldet aber ferner: „Ver Bischof von Bloemsontein verössentlicht einen gehar- nischten Protest gegen die quatifizierte, unter gewissen Bedingungen von den Bischöfen gestattete Geburtenkontrolle, und die„Ehurch Times", das Organ der englischen Katholiken, erklären. es fei ein«..Revolution der christlichen Moral"." So ist die„Germania" fehl am Ort. wenn sie sich gegen die korrekte Berichterstattung des„Sozialdemokratischen Pressedienstes" an den„Vorwärts" wendet. Glaubt sie an den Beschlüssen der anglikanischen Kirche etwas aussetzen zu müssen, so mag sie sich gegen dies- wenden. Wir haben festzustellen, daß der Bericht an die„Ger- mania" den Sinn der Kanferenzbeschlüss« ins Gegen- teil verkehrte, er war falsch. Der„Vorwärts" hatte recht, wenn er von einer„fortschrittlichen Kirche" sprach. Der an die eigene falsche Meldung geknüpfte Kommentar der„Ger- mania'-Redattion gegen den„Borwärts" war also unbegründet; er entstammt« nicht dem Geiste sachlicher Palemit, den die„Ger- mania" für sich in Anspruch nimmt. Er war einfach gehässig. Die Oeffentlichkeit erwartet von der Objektivität der„Germania", datz sie ihre Leser, und zwar umgehend, richtig über die Beschlüsse der anglikanischen Kirche informiert und ihren Fehlgriff in der Polemik gegen uns bedauert. W. S. �oberiVengels� Im Alter von fast 86 Iahren ist Genosse Robert Wenzels heute aus dem Leben geschieden. Mit ihm geht einer von den ganz Alten dahin, die in der Sturm- und Drangperiode, in den Zeiten bösester Derfolgungen mit der kämpsenden Arbeiterschaft für den Sozialismus stritten. Von Beruf Wirker— er war am 22. September 1830 geboren — stieß er schon in den jüngsten Iahren zur sozialistischen Bewe- gung. Wie stark er mit der Berliner Arbeiterschaft verbunden war, erhellt aus der Tatsache, daß er zu den ersten Stadtverordneten ge- hörte, die die Berliner Sozialdemokratie wählte. Lange Jahre war er aus dem Rathau» tätig, daneben aber bekleidete er noch zahl- reiche andere Ehrenämter, die die Partei zu vergeben hatte, die aber intmer«ine stark« Arbeitskrast erforderten. Jahrzehntelang gehörte er der Pressekommission des„Vorwärts" cm, daneben war er gleichfalls lange Jahr« Vertrauensmann des damaligen 4. Berliner Reichstagswahlkreises, den bekanntlich Paul Singer jahrzehnte- lang im Reichstage vertrat.„Vertrauensmann" sein bedeutete zu jener Zeit, da Parteivereine aus oereivsges etzlichen Gründen nur in bescheidenem Motze die eigentliche Parteiarbeit leisten durften, so- viel wie alle Verantwortung und alle Arbeit übernehmen, die heute bei durchgeführter Organisation die Parteisekretäre verrichten. Robert W e n g e l s gehörte zu den Unermüdlichen auf diesem Gebiete. Er war bei allen Kämpfen mit in erster Reihe. Auch dem Parteivorstond gehörte er als Beisitzer von 1961 bis 1916 an. Seit 1895 war Robert Wenzels— bis in die Zeit des Weltkrieges — Spediteur des„Vorwärts", später der„Freiheit". Sein Leben, dos sich jetzt vollendete, war der grotzen Gemein- schaftsidee der kämpfenden Arbeiterklasse gewidmet. Deshalb wird in den Reihen der sozialdemokratischen Arbeiter»erlins das An- denken an Robert Wengels nicht untergehen! Gegen das politische Rowdytum. Das hessische Innenministerium greift durch Frankfurt a. M.. 16.'August.(Eigenbericht.) Die letzten Verbrechen der Nationalsozialisten, namentlich der Vorfall von Mainz, wo eine Bande von Hakentrenzlern aus einem Lastauto zwei Passanten gefangen nahm, mißhandelte und nach Wiesbaden verschleppte, haben das hessische Innen- Ministerium zu einer neuen Maßnahme veranlaßt. Der hessische Innenminister hat auf Grund des Artikels 123 Absatz 2 der Reichsverfassung zur Ausrechterhaltung der öffentlichen Ordmmg, Ruhe und Sicherheit für das Gebiet des Volksstaates Hessen alle Umzüge, Durchmärsche und Sammel- tronsporte von Mitgliedern nationalsoziali st i- scher oder kommunistischer Organisationen, soweit sie auf Kraftwagen, Fuhrwerken und Rödern erfolgen, verboten. Zur Begrüickmng heitzt es in der ZZerfügunz, datz es in letzter Zeit b« den Umzügen dieser Organisationen, insbesondere bei Fahrten, die mtt Kraftsahrzeugen unternommen worden sind, zu erheblichen Störungen der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit gekommen ist. Dabei haben sich immer wieder Belästigungen der Bevölkerung,. Uebersälle auf friedliche Bürger und Zusammenstöße mit Anders- denkenden ereignet, die in schwere Ausschreitungen ausgeartet sind. Es hat sich gezeigt, daß insbesondere bei den Umzügen o r t s- fremder Gruppen und Organisationen die bequeme und rasche Fortbewegung mit Kraftfahrzeugen insofern zu Aucschreitungcn führten, als die Demonstranten glaubten, sich der Polizei rascher und leichter entziehen zu können. Schlechte Zeilen für Schauspielerinnen Von Hans Bauer Ich erinnere mich aus meiner Knabenzeit, dah mich mein« Eltern einmal in die Premiere eines Stückes mitnahmen, das von dem in unserem Hause verkehrenden Leipziger Dramatiker Robert Overweg stammte und„Brüderchen" hieß. Das Stück siel mit Pauken und Trompeten, Hausschlüsseln und Trillerpseisen durch. In unserem Bekanntenkreise wurde das Ereignis fleißig besprochen, und es wurde dabei die Meinung laut, daß das Stück aus einem ganz bestimmten Grunde von vornherein keine Chance gehabt habe: es sei ein Stück, das ausschließlich unter Männern spiele. Das Publikum aber wolle Liebesverwicklungen... Lange Jugendjahre hindurch hat mir diese Ansicht als Offenbarung verschlagenen Wissens »m Theaterwirkung gegolten, und tatsächlich erinnere ich mich aus der Vorkriegszeit nicht allzu vieler Stücke, in denen in den«nt- scheidenden Konflikt nicht wenigstens eine weibliche Person mit hineingezogen gewesen wäre. Darin ist jetzt ein Wandel eingetreten. Den Schauspielern, mit Ausnahme der überprominenten, geht es nicht gut. Es grassiert die Arbeitslosigkeit unter ihnen nicht weniger als unter den Hand- arbeitern. Aber wem es noch schlechter geht als den Schau- spiel er n: das sind die Schauspielerinnen. Und daran trägt ein merkwürdiger Umstand die Schuld. Unter den modernen Stücken findet sich nämlich ein verhältnismäßig großer Prozentsatz, in denen die Frauen nichts zu bestellen haben. In der„Revolte im Erziehungsheim" zum Betspiel, in der Affäre Drey- f u s", in vielen der von Piscator inszenierten Stücke waren die Frauen so ziemlich ausgeschaltet. Die bevorstehende Saison wird noch eine Berschlimmerung bringen. Toller kommt mit einem sozialen, Hans Müller mit einem politischen, in den Tagen des Kriegsausbruchs spielenden Stück, P l i v i e r und Wolf kommen mit politischen Matrasenstücken heraus, und in oll diesen Dramen werden, in jedem Sinne des Wortes, die Frauen keine Rolle spielen: Wo liegen die Wurzeln dieser literarischen Zeiterschemung? In der Tatsache, daß der Bedeukungsakzent von der erotischen auf die soziale und politische Problematik verlagert worden ist. Bor einem Bierteljahrhundert galten etwa die sexualphilosophischen Dramen Strindbergs und Wedekinds als letzte Aeußerung aktuali- tätsgesättigten Bemühens um die Klärung brennender Gegcnwarts- fragen— und außerdem als sehr kühn und wagemutig. Strindberg und Wedekind haben von ihrer geistigen Autonkät nichts eingebüßt, aber ihren Themen läßt sich unmöglich mehr nachsagen, daß sie an spezifische Zeitinteressen rührten. Sexualkatastrophen gibt es noch olle Tage, die Grenzlinien zwischen Anziehung und Abstoßung der Geschlechter sind nicht weniger oerwischt als früher— es wäre überhaupt sehr überheblich, sagen zu wollen, daß das Geschlechtliche seinen Prvblemcharakter verloren hätte. Aber wir neigen doch heute mehr als irgendeine andere Zeit dazu, erotischen Komplikationen nur dann ein sozusagen abendfüllendes Interesse entgegenzubringen, wenn sie zeitkritischen Charakter trogen. Der Hintergrund ist zum Vordergrund geworden. Der Hunger und die Liebe..„ sagt Schiller. Aber man erkennt heute immer mehr, dah der Hunger die ungleich wichtigere Triebkraft des Lebens ist. Ein überzeugender Beweis: die Statistik weist nach, daß unter den Selbstmördern gegen- über jenen, die aus sexuellen Nöten den Tod suchen, jene anderen in ungefähr zwanzigfacher Majorität sind, die sich aus Wirtschaft- lichen Röten das Leben nehmen! Den sozialen und politischen In- halt der Welt bestimmen aber, trotz aller Berufstätigkeit der Frau, wie die Dinge nun einmal liegen, noch immer vorwiegend die Männer! Schlechte Zeiten für Schauspielerinnen! Di« Dichter lassen immer häusiger die Salons, Boudoirs und traulichen Familien- zimmer beiseite, in denen sich der Mann-Werb-Kampf traditions- mäßig vollzog, und bevorzugen statt dessen Strahenprospekte, Kon- tore, Fabrikhallcn, Kommandobrücken, Konferenzsäle. Die Liebe ist wichtig wie je, aber weil etwas wichtig ist, ist es deshalb noch nicht auch erörterungswürdig. Wichtiger beispielsweise noch als Brot und Lieb« ist das Atmen. Trotzdem spielt das A und O unserer Existenz: die Versorgung mit Sauerstoff, nirgendwo in der Literatur oder in der öffentlichen Auseinandersetzung die mindeste Rolle. Die Befriedigung des biologischen Bedarfs ist in diesem Fall« eben nicht auch gleichzeitig ein gesellschaftliches Problem. Es ist nicht undenkbar, daß in irgendeiner Zukunft die soziale Frage restlos und hundertprozentig gelöst ist. in irgendeiner Zu- kunft, in der«ine maßlos vorwärtsgetriebene Technik alle Lebens- guter in solch gigantischem Umfange ausspeit, daß die Regulierung der Bedarfsdeckung auf keinerlei Schwierigkeiten mehr stößt. Vielleicht kommt dann, da es an anderen Sorgen gebricht, eine un- erhört« Renaisiance des erotischen Themas. Schade, daß die vielen stellungslosen Schauspielerinnen keine Neigung haben dürften, sich bis zu diesem Termin zu gedulden. Treu zur Sozialdemokraiie! Kundgebung der Belegschaft der BVG. 3a einer riesigen, von weil über 1000 Personen besuchten Kundgebung des Personals der Berliner Ber- kehrsgesellschaft sprach der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Arthur Crispien. am Freitag in den Kammersälen über die Bedeutung der Reichs- tagswahlen für die Arbeiter und Angestellten d e r B B G. Er stellte fest, daß gegenüber den Angriffen oller Gegner immer wieder betont werden muß, die Sozialdemokratie hat bis heute noch nie mit einer sozialistischen Mehrheit regieren können. Die Sozial- demokratie darf sich nicht auf die Verkündung reiner Agitations- Parolen beschränken, sondern muß oersuchen, durch Ausnützung der Interessengegensätze der bürgerlichen Gruppen Teilerfolge auf den Weg zum Sozialismus zu erringen. Nur ist aus ihrem Wohl- erfolg 1S28 die Pflicht erwachsen, die keinem Sozialdemokraten leicht wurde, in die Regierung einzutreten. Die wichtigste der Müller- Regierung zu dairkende Verbesserung ist die Verminderung der Reparationslasten durch den Doung-Plan. Der Anteil der Massenbelastung an den Einnahmen des Reiches konnte von 72 Proz. auf 63 Proz. gesenkt werden. Selbst in der Krisenzeit konnte der Reallohndnrchschnitt nicht nur gehalten, sondern um 4 bis 5 Proz. erhöht werden. Zum erstenmal wurde von den Sozialdemokraten eine Finanzsanierung geplant, zum erstenmal der Reichswchrctat um den Betrag von 38 Millionen gekürzt. Unter der Regierung Brüning ist für 2l»Xi Arbeiter der Lohn um 2 M. pro Arbeiter und Jahr durch Stegerwalds Schiedsspruch gekürzt worden. Die Siedlungs- betröge für den Osten wurden vermindert, die Annahme des polnischen Handelsoertrages ist sabotiert worden, der für mindestens 160 006 Arbeitslose Arbeit geschaffen hätte. Massensteuern und Lebensmittelzölle sind ungehuer erhöht, an den Etat der gesamten Sozialversicherung werden ab 1931 575 Millionen gestrichen. Dos Bürgertum kämpft um den Abbau der Demokratie zur un- kontrollierten Privatisierung der öffentlichen Betriebe, zur völligen Zerschlagung der Sozialversicherung, um sie durch Wohlsahrts- pflege zu ersetzen. Wir kämpfen dafür, daß die Staatsgewalt wahr- Haft vom Volke ausgeht. Das bedeutet bei zunehmender Auf- klärung der arbeitenden Massen dos End« des Kapitolisrnus und der Ausbeutung, weil die Sozialdemokratie in der wahren Demokratie der absoluten Mehrheit entgegenwächst. Dagegen will sich das Bürgertum sichern durch Wahlrechts- b e s ch r ä n k u n ge n für die Jugend, durch Beseitigung des von der Sozialdemokratie geschossenen Frauenwohlrechts, durch Einschränkung der Rechte der Volksvertretung durch ein Stände- Parlament. Eine Finanzdiktatur soll ohne den Reichstag die Ausgaben regeln können: Die Uebergangsformen von der kapita- listischen zur sozialistschen Wirtschaft sollen wieder beseitigt werden. Aus eigener Erfahrung kennen die öffentlichen Betriebe Berlins die Sabotage des Kredits durch die Privatbanken. Die öffentliche Kontrolle über die Arbeitsbedingungen, die Schulung der Arbeiter für die einstige Uebrnahm« der gesamten Produktion erregt die Furcht des Privatkapitals vor der„kalten Soziali- s i« r u n g". Di« Arbeiterklasse hat das Interesse an der Beseitigung allen Prosits, um das Elend, den Hunger, die Krisen, die Arbeits- losigkeit, die Preisschwankungen, die aus Konkurrenzinteressen be- gonnenen und durch nationale Illusionen geschürten Kriege cnd- gültig aufzuheben! Dazu ist der Hebel neben der politffchen Demokratie die Wirffchastsdemokratie, deren Ansätze wir selbst geschaffen haben. Da» vürgertmn hat die Demokratie verlassen, sie mußte von der Arbeiterschaft erkämpft und muß jetzt von ihr verteidigt werden. Die Patentlösungen, die die Putschparteien, die National- sozialisten und Kommunisten, für alle Probleme anbieten, werden von der nüchtern und praktisch denkenden, ihrer Klasseninteresien bewußten Arbeiterschaft abgelehnt. Am schwersten ist die Schuld der Kommunisten, die den Marxismus diskreditieren und das Zu- standekonrmen einer einheitlichen Arbeitcrfront ver° hindern. Der Bürgerkrieg, von beiden Parteien herbeigewünscht und vorbereitet, geht wie jeder Krieg aus Kosten der arbeitenden Massen. Der Redner schloß mit einem Ausruf zmn Kampf und zur Agitation für die Sozialdemokratie. Das begeisterte Hoch aus die sozialistische Arbeiterbewegung, das die Versammlung ausbrachte, zeigte, hinter welcher Partei die Mehrheit des Personals der Berliner Verkehrsgesellschaft steht: hinter der Sozialdemokratie! Lules Verne verwirklichi. Der Polarforscher Hubert W i l k i n s ist auf der Heimreise nach Amerika, um dort die Vorbereitungen für seine für nächstes Jahr vorgesehene neue Nordpolexpedition zu trefsen. Es ist bereits gemeldet worden, daß diese Expedition im Unterseeboot vor sich gehen wird, und es kann weiter gesagt werden, daß es sich um eine der kühnsten Unternehmungen handeln wird, die im Kamps um die Erforschung des Nordpolargebiets bisher überhaupt in Angriff ge- nommen worden sind. Mit dem allen Unterseeboot der amerikanischen Kriegsmarine, der«O 12", soll der abenteuerliche Versuch gemacht werden, von Spitzbergen aus in einer Fahrt unter dem Packeis des Polarmeeres die etwa 3000 Kilometer entfernt« gegenüberliegende Küste von Alaska in der Gegend der Beringssee zu erreichen. Damit mär wieder eine Idee von Jules Verne— der phantasiebegabte französische Schriftsteller schilderte ein ähnliches Erlebnis mit den, vorausgeahnten Unterseeboot„Nautilus"— verwirkkicht. Wilkins hat denn auch den etwas prosaischen Namen„0 12" seines Unter- seebootes in„ütautilus" umgeändert. Als Termin für die neue Wllkinsfche Expedition ist der Mai oder Juni nächsten Jahres angesetzt. Der„Nautilus" wird zur Zeit in einer Werft in Philadelphia instandgasetzt. Seine Bemannung soll 18 Köpfe betragen; die jung« Gattin von Wilkins. die«chau- spiclerin Susanna Bennett, besteht indessen darauf, an der Expedition teilzunehmen. Dazu hat aber ihr Gatte seine Einwilligung noch nicht erteill. Da» Theater«, SchMauerdam« eröffnet leine neue SprAzeü wl Ernst Toller'» historischem Schauspiel.Feuer aus den Kesseln". Die Reg« führt H-m« Hwrich, Lühaenbilder Caspar Reher.. „Ltnier den Oächern von Paris." Ein französischer Erfolg im Mozarlsaal. Sehr vielversprechend hat der unter der Leitung von Hanns B r o d n i tz neu eröffnete Mozartsaal die neue Saison begonnen. Es war ein Sieg auf der ganzen Linie, wozu die Franzosen den Esprit und die Deuffchen die Technik beigesteuert hatten. Alles beginnt bei den Franzosen— hat man spöttisch gesagt— mit einem Couplet, und alles endet auch damit— wenigstens in diesem Film. Rene« C l a i r weih durch die Einstellung der Kamera, durch witzig gesehene Details die an sich etwas breit ausgesponncne Handlung immer Wieder., interessant zu gestalten. Was für eine neue Well zeigt er uns, wenn er die Blicke über die Dächer mit ihren rauchen- den Röhren und Schornsteinen spazieren führt! Wie belebt er einen vielstrophigen Gesang auf der Straße durch alle die Humor- voll und ironisch gesehenen Zwischenfälle! Hier haben wir endlich einen Tonfilm, der alle die Qualitäten des siuimnen Films beibehält und durch Gesang und Dialog wirklich noch bereichert. Pracht- voll ist die Wiedergab« der Stimmen der echt pariserischen Couplets und der originellen Harmonika musik. Die Tobis-Apparotur hat außerordentlich gut gearbeitet. Der Film gibt einen Durchschnitt durch das Pariser Volksleben in einem jener altertümlichen Milieus, wie sie sich in Paris.er- hallen haben. Unter dem Volt ist freilich, soweit es aktiv auftritt— und das ist ein Manko des Films—, nur die Welt der Straßen- sänger, der Diebe und Verbrecher und der leichten Frauen zu ver- stehen. Wir bekommen Durchschnitte zu sehen von den luftigen Wohnstätten unter den Dächern bis zu den Bars und Tanzlokalen. Die Handlung ergibt sich wie von selbst. Der Strahensänger lernt ein Mädel kennen. Eine Zeitlang gehen ihre Wege zusammen, dann muß er wegen eines anderen ins Kittchen, und als er zurück- kommt, hat sie«inen neuen Freund, und er geht wieder auf die Straße fingen. Zuvor aber hat er noch ein Messerduell mit dem gewaltsamen Beherrscher der Straße, dos erfreulicherweise soviel ironische Lichter ausweist, daß seine Schauer dadurch gemildert werden. Der starke Erfolg ist nicht zum mindesten durch den Dar- stellcr Albert Pres? an bedingt, den wir schon von dem„Neuen Herrn" her kennen. Er gibt den echten Pariser Typ des Straßen- sängers mit soviel Verve und volkstümlicher Lustigkeit, daß jeder den Kerl gern haben muß. Und er versteht sein« Couplets wirNich zu singen, wie nachher sein persönliches Austreten aus der Film- bühn« bewies. Pola Illery ist das nicht nur hübsche sondern auch interessante Mädchen, die den Pariser Charme verkörpert. Auch die anderen Figuren sind mitten aus dem Leben gegriffen und immer mit dem Blick für die etwas karikierende Steigerung ge- staltet. Der Mozartsaal hat eine Neuerung eingeführt: Programm und Garderobe sind im Billetpreis inbegriffen. D. Paul Abraham: Viktoria und ihr Husar Sie neue Operette des Metropol-Theaters. Der ungarische Textdichter Emmerich F ö l d e s und die deut- scheu Bearbeiter Alfred Grünwald und Fritz Löhnert» Beda haben das alte Schema ausgepackt, nach dem früher die großen anspruchsvollen Operetten gemacht wurden. Thema: die Frau, die man niemals vergißt, Milieu: vornehm und exklusiv und meilenweit von der Wirklichkeit entfernt, Leitmotiv der Handlung: fast bis zum Schluß drohend« tragische Katastrophe. Die Sentimentälität der Handlung gibt dem Komponisten Paul Abraham den erwünschten Anlaß, das Orchester in opcrnhaftcr Musik schwelgen zu lassen. Er versteht zu instrumentieren und komponiert auf russisch, japanisch und ungarisch. Am meisten liegen| ihm natürlich die ungarischen Weisen, deren schwmrg volles Tempo die Getragenheit der sonstigen Melodien erfreulich unterbricht. Die Schlagertexte sind größtenteils von bemerkenswerter Albernheit, z. B. der Walzer„Pardon, Madame, ich bin oerliebt" und das unendlich schmalzige Lied„Reich mir zum Abschied die Hände, «ooci uiebt". Ein Wurf ist allerdings gelungen, das Lachcouplct „Mausi, du warft so süß heute nacht". Noch altem Operettenritus spielt ein Bild in Japan; aber das kindliche Getrippel der Geisha ist uns längst zum Ueberdruß ge- worden. Auch«in russischer Nationaltanz bleibt uns nicht erspart Die Balleteusen sind alles andere, nur kein« Tillergirls. Die Solo-. rollen sind dagegen sehr gut besetzt. In Anny Ahlers, der Mktoria, lernen wir eine Sängerin mir geschulter und warmer Stimme kennen. Ihr Partner Franz Felix, der Husar, erstarb in hohler Pathetit und Pose, ganz.im Gegensatz zu Oskar Den««, der die Stimmung des ganzen Parketts in der Hand hat. Er bringt mit seiner reizenden Partnerin Lizzy Waldmüller die Lustig- keil und gute Laune auf, die man von einer Operette heutzutage erwartet. Mit dem glänzend vorgetragenen Lachductt retteten die beiden den Abend vor Versinken in Langeweile. Mit derberem Humor spielt Fritz Steiner, und Louis Treu mann erwirbt sich durch vornehme Zurückhaltung Sympathien. Dgr. „Die Stimme aus dem Zenfeits." Schauburg. Der Regisseur Malcolm St. C l a i r beweist, daß die Ameri- kancr auch ohne Tempo einen spannenden Film, nach dazu einen Kriminolsilm, drehen können. Wird doch, man möchte sagen Blait für Blatt,«ine an Derwirrungen reiche Novelle erzählt. Eine Lebedame hat sich von ihrem Mann, der Berussverbrecher ist, scheiden lassen. Sie selbst hat verbrecherische Neigungen, nützr vier Männer aus und wird von einem Bankier, dem Vater eines verführten Sohnes, ermordet. Auf ihn hat niemand Verdacht und der Film kann sich die Lösung bis zum Schluß aufsparen. Louise Brooks spielt die an und für sich kleine Rolle der Halbweltdame. Sie deutet den Vamp weit mehr durch Kleidung als durch Gebärdenspiel an. William Powell ist der gründliche, glänzend kombinierende Kriminalist, dessen imponierende Ueber- legenheit nie zu erschüttern ist. Die Zuschauer, die noch unentwegt für Kriminalfilme schwär- men, erleben mal wieder all« Schauer einer unheimlichen Atmo- sphäre. Jedoch wäre es angebracht, wenn dieser Film über den Nervenkitzel hinaus Stimmung gegen eine leichtfertig« Verurteilung auf Indizienbeweis machen würde. e. b. Es gibt keine Versdichter mehr. Die französische Akademie der Wissenschaften hat beschlossen, wie im Vorjahre, so auch in diesem Jahre die ihr zur Berfügung stehenden Preis« für Versdichtungen nicht zu verteilen, da geeignete Anwärter, die einer Auszeichnung würdig feien, nicht vorhanden sind. Für das nächst« Jahr soll nunmehr kein bestimmtes Thema vorgeschrieben, vielmehr alles in Betracht gezogen werden,„was wenigstens 100 und höchstens 300 Verse ausweist. Der Wein soll genormt werden. Die Typisicrung»nd Normierung, die heute die Waren- Produktion bchcnscht, soll jetzt auch auf den Wein ausgedehnt werden. In den Weingebieten an Mosel, Saar, Ahr, Nah« und Mittelrhein haben sich 80 Winzergenosscnjchafteu zusammengetan, um künftig derartige Typenweine, die durch ein besonderes Etikett kennt- lich gemacht werden sollen, zu erzeugen. «letzt Ist es Zeit die eilen Mitgliedskapten der Volksbühne umzutauschen und Neuanmeldungen vorzunehmen Gchokolaöenmilch alsGelterwasser Dietrichs Schlüssel zur Kinanzwohlfahrt Als der jetzige ReichsfinanznÄnister Dietrich noch E r- nährungsminister war, damals allerdings noch Demokrat und noch nicht Anhänger von Notverordnungen, setzte er sich mit aller Macht für die Förderung der Milchproduktion und des Milchoerbrauches ein. Seit seiner Ministcrschaft stehen jährlich im Etat Millionen und aber Millionen, die der milch- produzierenden Landwirtschast zugute kommen. Und als der Reichstag noch ganz kurz vor der Auflösung mit übergroßer Mehrheit das seit Jahren in Vorbereitung gewesene Reichs- milchgesetz endlich annahm, wurde auch eine Entschließung an- genommen, die besagte: ,Lur Hebung des Milchkonsums und wegen der leichten Verderblichkeit ist auch die sogenannte Schokoladenmilch oder Trinkschotolade in Flaschen als Milcherzeugnis anzusehen und darf infolgedessen nicht unter das Mineralwasser st euerge setz als„künstliches Getränk" fallen." Inzwischen ist der Demokrat Dietrich unter der Brüning- Regierung zum„staatsparteilichen" Finanzminister avanciert, und— so unglaublich es klingt— er hat jetzt einen Erlaß herausgegeben, der jener Entschließung des Reichstags dem Sinn des Reichsmilchgejetzes und der im Etat bewilligten Mittel zuwider die sogenannt« Schokoladenmilch, die zu 92 Teilen aus Voll- und Magermilch und zu 8 Teilen aus„Kakaotrunk" besteht, besteuert! Auf die zahlreichen Beschwerden, die von Molkereien aus dem ganzen Reiche gegen diese ungerechtfertigte Besteuerung eingelaufen sind, gab der Finanzminister die klassische Begründung: Diese Schokoladenmilch trete als Erfrischungsgetränk mit den Limonaden in Wettbewerb und es sei daher nur recht und billig, sie gleich diesen mit der Mineral- wassersteuer zu belasten. Denn der Stcuerfiskus habe auch ein Interesse daran, daß die Wettbewcrbsgctränke nicht die oer- hältnismäßig hoch besteuerten Limonaden vom Markte verdrängen. Nach Auffassung des Ministeriunis gehört die Schokoladenmilch zu der Gruppe der„anderen künstlich bereiteten Getränke", die unter die Mineralwassersteuer fallen. Es fehlt wahrlich nur noch, daß auch Trinkwasser besteuert wird, denn auch dieses tritt zweifellos„in Wettbewerb" mit den Liinonaden und würde dem Steuerfiskus Riescnfummen sichern. Doch Scherz beiseite! Ist schon die Mineralwasser- st e u e r nach keiner Richtung zu rechtfertigen, so noch viel weniger die Besteuerung der Schokoladenmilch, der man doch mindestens dieselbe Steuerfreiheit zugestehen muß, wie Orangeade und anderen Fruchtsäften, zumal diese bloße Erfrischung?- getränke, die Schokoladenmilch aber ein hochwertiges Er- nährungsgctrönk ist. Geschädigt werden mit der famosen Entscheidung des Herrn Dietrich die Milchproduzenten wie die Verbraucher. Bevor diese Steuer in Kraft trat, stellte z. B. die Firma Mouxion im Juni 19ZY Slg» Zentner Kakaotrunk her, der mit einem Zusatz von 3 Millionen Liter Milch konsumiert wurde. Die Hersteller der Milch sind in der Hauptsache Kleinbetriebe, denen ja bekanntlich der Landbund immer ganz be- sonders helfen will, und Molkereien im ganzen Reich, die in direkter Verbindung mit Schulen, städtischen Wohlfahrtsämtern und Kantinen diesen Kakaotrunk absetzen, ohne jeden Zwischenhandel. Der Viertelliter dieses nahrhaften, erfrischenden Getränks wurde bisher zu 19 Pf. abgegeben, durch die Steuer dürft« er um 2'A Pf. je Viertelliter verteuert werden. Erfahrungsgemäß findet in solchen Fällen aber stets«ine Abrundung nach oben statt, und wenn auch Schulen und Wohlfahrtsämter den Viertelliter zu 13 Pf. verkaufen werden, so lverden andere Stellen zweifellos 15 Pf. dafür nehmen. Die Zuschriften der Molkereien beweisen, daß diese Verteuerung bereits eingetreten ist und daß infolgedessen im Monat Juli kaum die Hälfte der Flaschen abgesetzt werden konnte wie im Juni. Viele Molkereien haben die Herstellung von Schokoladenmilch wegen der untragbaren Belastung eingestellt, manche vielleicht auch, um den verwaltungsmäßigen Scherereien aus dem Wege zu gehen, denn nicht jede Molkerei ist in der Lage, einen besonderen Beamten für die Steuerberechnung einzustellen. Eine Reihe von Gutachten städtischer Wohlfahrtsämter und bedeutender Acrzte betonen die außerordentliche Bekömmlichkeit der Schokoladenmilch nicht nur für Schulkinder, sondern auch für Kranke und Rekon- valcszenten aber was fragt das Finanzministerium danach, wenn nur der kranke Steuerfiskus durch die 37 Millionen Mark Mincralwalsersteuer sich gesund machen könnte. Die Molkereien werden sich mit dem Entscheid des Finanz- Ministeriums nicht beruhigen, sondern ihr Recht im Verwaltungs- streitverfahren suchen. Die Konsumenten aber haben am 14. September die schönst« Gelegenheit, zu zeigen, daß sie mit dieser Art Brandschatzung durch den Steuerfiskus nicht ein- verstanden find, und sich nicht länger lebenswichtige Nahrungsmittel durch die Finanzpolitik des Bürgerblocks verteuern lassen wollen. Die Lteberlebenden eines Berufs. Verschwundene Großfirmen.— Milliardenumsätze. Wir sind im Zeitalter der Rationalisierung an vieles gewöhnt worden, aber ein derartiger Massenabbau, wie er in der Zigarettenindustrie durchgeführt worden ist, dürfte seines- gleichen suchen. Im Reich sind etwa 5000 Arbeiter und 2000 Angestellte„wcgrationalistert" worden, davon allein in Berlin SM Angestellte, das find ungefähr die Hälfte der einstigen veschäftigten- ziffern. 90 Prozent der Produktion beherrscht heute monopolistisch der Reemtsma-Konzer«! in diesen Tagen packten wieder zwei frühere Großfirmen ein: Problem unll> M a s s a r y, wo ein paar Angestellte die letzten Abwicklungsarbeiten verrichten. Dabei verheißen 2A Milliarden Gesamtumsah des Reemtsma-Konzerns bei fortlaufend schnellstem Kopitalsumschlag fast unermeßliche Profite, die durch die holländische Tabokeinkaufs- firma der Familie Reemtsma noch vergrößert werden, zumal jede inländische Tabaksteuer auf den Konsumenten abgewälzt wird. Trotzdem hat es einen harten Kampf gekostet und die Re- gierung Müller-Hilferding mußte ihn erst im Sinne der Angestellten entscheiden, daß das Reich die V e r p f l i ch t u»ig zur Fortzahlung von% des Einkommens der Abgebauten auf ein halbes Jahr übernahm. Zu diesen Fragen nahm am Dienstag eine vom Zentralver- band der Angestellten einberufene Versammlung der Zigaretten- angestellten Stellung. Die Versammelten stellten sich auf den Stand- punkt, daß der Konzern solche Abfindungssummen bei seinen enor. men Rationalisierungsersparnissen durchaus selbst tragen könne und evtl. gesetzlich dazu gezwungen werden muß. In einer einstimmig angenommenen Resolution heißt es hierzu: „Die Versammelten fordern gesetzliche Maßnahmen, die den Ve- trieben der Zigarettenindustrie, die derartige Ersparnisse erzielt hoben, zumindest die Pflicht auferlegen, U n t c r st i. tz u n g e n, die von der Reichsanstalt oder der öffentlichen Wohlfahrt gezahlt werden, diesen Stellen wieder zu erstatten. Die Zigaretteninduftrie, deren Ergebnisse und Reingewinne ständig gestiegen sind, und durch die unsozialen und die Allgemeinheit schwerstens schädigenden Ab- baumaßnahmen noch immer weiter steigen, ist zu solcher Erstattung durchaus in der Lage." Voraufgegangen war ein wirtschaftspolitisches Referat des Ge- nassen Dr. von W a l d h e i m, das sich gegen die Unternehmer. offensive wandte und erhöhte Aktivität der Angestellten zu den kommenden Reichslogs wählen forderte. Brasilien und Kuba. Diese beiden amerikanischen Regierungen liaben der französischen eine in den Tönen höchsten Lobes gehaltene Zustimmungserklärung zugehen lasten. Briond scheint auf diese beiden Noten besonderen Wert zu legen, da sie, wie er durch die offiziöse Presse erklären läßt, den von mehreren europäischen Mächten erhobenen Einwand entkräfteten, daß der Europo-Pakt vielleicht als eine Bedrohung der übrigen Kontinente aufgefaßt werden könne. Theater der Woche. Vom-17. bis 25. August. Slaatsthealer. ßptt Unitr btn Sinken: 23. Dudellackptcifcr. 24. Mtlstcrflnger von Nürnberg. 26. La Traviota. Oper am Plag der Nepublil- 17. Ter fliegende Holländer.(Vorstellung m ermäßigten Preisen.) 18. Hotstnanns Erzählungen.(Vorstellung zu ermäßigten Preisen.) Theater mit festem Spielplan: Deutsche« Theater! Plraea.— Die»omödie: Wie werde ich reich und glücklich?— Theater des Westen«: Das Land des Lächelns.— Zlomisch« Oper: Liebe und Trompetenblascn.— Deutsche« günstlcriheatcr: Weckend.— Lesfiag- Theater: Wiederaufnahme beantragt.— gentral-Theater(Operettenbaus): Kinder der Etraße.— Theater in der»ehreastraßc S3— 54- Ist das nicht nett von Eolctte?— Reiropol-Theater: Viktoria und ihr Husar.— Renc» Theater am Zoo: Der kleine Kuppler.— Piseatorbühne(Wollner-Theater):§ 218.— Renaissaiicc. Theater: Die Wunder-Bor.— Eafino-Theoier: Der selige Holl- schinskn.— Rose Theoter: Heimliche Drautfahrt. Garicnbühne. Die iolle Lola. — Theater ia der Klofterftraß«: Bis 24. Büchse der Pandora, I. und II. Teil. Ab 25. Siudentenliebc— Schloßpark. Theater Stealiß: Bis 2». Die andere Seite. Ab 21. Wie festlr ich meinen Mann?— Wintergarten, Plaza, Skala: Internationales Varieto.— 9)«ich»h»llcn. Theater: Etettiner Sänger.— Theater am Kottbnffer Tor: Elitr-Sönger. Istachmittagsveranftaltungen: Theater de» Westen«: 17.. 24. Das Land des Lächelns.— Komisch« Oper: 17., 24. Lieb« und Trompetenblascn.— Zlletro pol. Theater: 17., 24. ffriedcrile. — Rose-Theater(Sartcnbllhne): Konzert und bunter Teil.— Theater i» der Klosterstraße: 17., 24. Büchs« der Pandora.— Wintergarten: 17., 23.. 24. Iniernalionalcs Variete.— Plaza, Skala: Internationales Variete. Erstaufführungen der Woche: D,nuer»tag. Schloßpark- Theater Stegliß: Wie frssle ich meinen Mann.— Freitag. Theater des Westens: Hasenklein macht Politik._ Groß-Berliner parieinachrichten. P«t«r,hagen an der vstbahn. Heut«. 20 Ilhr. im Prstaurant..Zum alteit De stau er", außerordentlich« Parteivcrsanimlung für Mitglioder und Auhöngee der SPD. Thema:„Die bevorstehend« Reichstagswahl". Freie Aussprache, Verschiedenes. Referent: chenostc Rektor Hans W o n w o d. Zahlreichen Ve» such aller unserer Anhänger erwartet Der Vorstand. Verantworll. für die Redaktion: Bolsgaag Schwarz, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke» Berlin. Verla«: Vorwärts Vcrlaq G. m. b. s.. Verlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Derlagsonstalt Paul Singer& Co.. Verlin SW 38. Lindcnstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Staats-Theater und Städtische Oper I geschlossen. Abonnements- Anmeldungen werden entgegengenommen, ist für die Staatsopern und das Staat!. Scnauspiel- haus vomAbonnements- büro, Berlin W56, Ober- waUstr.22 von 9— 2 Uhr. Femspr. Merkur 9024, b) für das Staail. Schillertheater vom Abonnementsbüro, Berlin-Chartottenburg, Grolman- straße 70 von 9— 2 Uhr. Femspr. Steinpl. 6715, c) für die Städtische Oper vom dortigen Abonnementsbüro, wochentags von 10— 2 u. v. 6— 8 Uhr. plAza Alex. 8066-68 Tttorl. 5, 8«. Sonnt. 2, 5, 8* Ab hcuie vollständig neues Programm, KASSNER der größte Zauberer aller Zelten, der u. a. einen lebenden Elefanten rerschwinden I*ßt. M AC I STE der bekannte Filmdarsteller in seinen Sportspielen. 5 RESUA- ROLLER-6IRLS fliegende Wirbelwind- Sensation auf Rollschuhen naw. ITagl. 6 u.8'1, Uhr. U 3 Birt. B258 Pr. 1— 6 M— Nachm. halbe Preiee. NON1 ondHORACE o.w. ThestterLd. Behrenstr. 53-54 SV. Uhr ist das nicht nett von Coletie? Dentidiei Tbeater 1 7«(Mnilhinn SKI 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. ReguMaxReinherdi Inst; FiMiM IMImdir. BaknnbiMir Ennl SiStie. Die KomSdie |1 Bisnick.2414/751« 8't, Uhr Wie werde ich reich nod glBilidi? Iiiui tu Mir iuthiam lisit w, Ilsda Spdtadr tan: Eni End Bühnenbilder Utwiq Riintf Berliner Prater _StiMitittuiir_ Kastanienallee 7—9 Humb. 2246 Eine entzückende Bnrlctke sowie der auserwählte VarieU-TcIl. Täglich 8V. Uhr Gostl Bwr, Tmdi SdirM«, RrtaStinf, Enri« Härtung in Katja, dl« TSnxcrln Operette In 3 Akten von Uopold Jakobson ool Rudolf Otiterrektw Musik von Jean Gilbert. Eintrittspreis von SO PI. an metropoi-Theater Täglich 8V. Uhr Seiuotloaellcr Operetten erfolg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Soonlag oadm. 4 Ubr kleine Prfise Friederlüe. «'/. Ideal« am ' Kottbuter Ter. UUiuer Sir. 6 �Ttl.Mpl. 13077 Zllle- LFoUplel» zentraLTtieater (Operettenhaus) Alte Jakobstr. 30/32 Dönh, 2047 Täglich 8Vj Uhr Nur noch kurze Zel«! Ein Ziile-mtiioh Kinder der strafte tarnt i. T»: ne V. Imnil nf«rttuf Kdar. R u n d f u n k h fi r e i nalbR Preise. In Vorbereitung: Deberm grossen Teidi (.is Uhr— Baadin«riaim Carlos und Chlia o. Co. and velltrt ia Banto nea»lat gtstiit« sters. Sonnabewl H.geiiatag|« 2 Verstellungen und S" Uhr. Komisetie Oper 81/» Uhr Paul Westeneier Lisi» und ORtntti voo lelud. Lessing-Theater Wtidradinm 2797 d. 0846 Täglich 8Vs Uhr Wiederaalnaliine v OltoEmst Hesse Low, Dinkeh. Rnt, RtniiM. Folknbtn). ODnther, RroHtainskj. Jhr kleine Pr. fheater d. Weiteos Täglich 8Vi Uhr: Das Land des Ucltelns Franz Lehars Sen, ationserfolg! Soootig udno. 4 Ubr kleine Preise Das Land des Ucnclns UM /EIME /EM/ATI OM /reinmeier! �S�dcidirfx.Qö.Qm. Sohnhot. • KMARETT TAMZ- CAFE•/ ifleiloge Sonnabend, 16. August 1930 SivAbnid StiÄiaulQaße Mi[otvfäfC So ist das Leben Zwei Skizzen aus unserer Zeit von Oskar m. stampf er I. Das Spiel um Arbeit. „Wer reizt?" „Du mich! Iupp hat gegeben!" „Achtzehn?" „Ja!" „Zwanzig?" „Ja!" „Zwei? Bier? Sieben? Dreißig?"— Karsten nickt nur noch Der andere spricht tonlos die Zahlen weiter: Dreiunddreißig, sechs, vierzig— und einen, vier, sechs, fufzig-- auch sechzig?— Karsten nickt. Er muß ja jetzt spielen. Es Hot gar keinen Zweck sonst. „Weg!"— sagt der andere.« Karsten schiebt den Talon zur Seite ohne hineinzusehen. Sekundenlang sieht man eine scharfe, senkrechte Falte auf seiner Stirn. In diesen Sekunden übersliegt er noch einmal die Jahre, seit er jenen kennt, und wie dies alles gekommen ist. Vor drei Jahren hatte er schon mit dem anderen aus der gleichen Baustelle gearbeitet. Paul hieß er. Zwischen ihnen war nie«in anderes Verhältnis gewesen, als ein kollegiales schlechthin. Man arbeitet zusammen, trinkt abends seinen Schnaps und erzählt sich morgens beim Umziehen oder während der Mittagspause in der dumpfigen Baubude mehr oder weniger intime Vorgänge aus den« eigenen Familienleben. Allen erzählt man das. Glossen fallen, ungeschickt und roh herausgepoltert, nicht selten Zoten. Keiner ist beleidigt. Dann kommt die Arbeit, abends das„Pinnchen" Schnaps, und am anderen Morgen erzählt vielleicht einer etwas vom Verband oder von seinem Schrebergarten. So gehen die Tag« dahin. Das Richtfest kommt— eine Sauferei. Wer entlassen ist, bleibt un- sichtbar. Wer bleiben durste, freut sich. Neue Kollegen kommen. Morgengespräch, Arbeit,„Pinnchen", Richtfest. Bis man eines Tages selbst entlassen wird. Man tut das Mögliche, um wieder unterzukommen. Alle bekannten Poliere werden aufgesucht. Selten mit Erfolg.„Komm' nächste Woch« nochmal vorbei", heißt es gewöhnlich. Oft auch nur ein Achselzucken. Aber heute, Karsten hatte es gleich beim Aufstehen gemerkt, heute muhte etwas Besonderes geschehen. Auf dem Wege nach Polier Benk« hatte er Paul getroffen. Der suchte auch, und sie gingen zusammen. Viel Hoffnung lzatten sie beide nicht'. Aber man faß doch wenigstens nicht zu chaufe und kaute Streichhölzer. „Verdammtnochmal", sagte der Polier, als die beiden zur Bau- stelle kamen,„vcrdammtnochmal. daß i h r beide auch gerade kommen müßt. Einen von euch kann ich nur einstellen ab Freitag. Ihr macht das am besten unter euch ab. Könnt ja knobeln, mir ist's egal. Aber einen kann ich nur brauchen." Knobeln ist nix Reelles hatte Paul gesagt, und einen Skat vorgeschlagen. Karsten war einverstanden. Genau eine halbe Stunde sollte gespielt werden. Wer dann die meisten Punkte hotte, sollte arbeiten. Der andere durfte weiter stempeln. Weiter stempeln, das bedeutet Müßiggang, qualvolles Nichts- tun. Bedeutet Angst vor den endlosen, grauen Nächten, deren Ruhe man nicht bedurfte, Angst vor den Augen der Frau, vor der rücksichtslosen Offenherzigkeit der Kinder, Angst vor der Zeit, Angst vor allem, was Leben ist. Der„dritte Mann" war schnell gefunden: der alt« Iupp, das Faktotum der Verbandskneipe. Punkt'A4 Uhr hatte das Spiel begonnen. Paul gewann und gewann. Karsten hatte Lampenfieber. Sein Atem ging rasch und verhalten. Vor Erregung schluckte er dauernd, so daß sein Kehl- köpf in steter Bewegung war. Karsten spielte wie ein Konfirmand. Iupp, der durchaus nichts zu verlieren hatte, äußerte durch ärgerliches Zischen sein Mißfallen, wenn ihm Kersten wiedermal durch einen ungeschickten Trumpfstich die ganze Kombination durch- kreuzte. Paul gewann weiter. „Acht Minuten vor..." Sogt Iupp jetzt an seinem Zigarren- stummel vorbei und, mit einem Blick auf das Papier vor ihm: „Paul ist um lOO besser!" Karsten atmet tief. Das schmerzt in der Kehl« wie bei einem Kind, das sich nach langem Weinen beruhigt. Er hat eine gute Kart«. Die Falte von seiner Stirn ist verschwunden. Mit krampf- Haft fester Stimme sagt er:„Grand— Hand— Schneider— schwarz— angejagt!" „Kontra!" Paul bläst Zigarettenqualm durch Mund und Nase. Karsten fühlt den feindseligen Blick des anderen. Fühlt, der ist sein Feind. Schon immer, oder erst seit 22 Minuten? Jäh bricht es aus ihm hervor: er schlägt mit der schweißnassen Hand auf den Tisch, daß die Gläser springen, brüllt ohne jede Be- herrschung:„Reü" Paul wirft die erste Karte. Karsten trumpft. Verschwendet in sinnlosester Weis« sein« Atouts. Nehmen, nehmen, nur nehmen, nichts dem anderen, gar nichts diesem... „As, Zehn, König!" Paul wirft die drei letzten Karten auf den Tisch. „Nee— nc« nee—*, stammelt Karsten benommen,„ich hatte doch so'n« blendende Karte, das, dos gilt nicht— geht ja gar nicht...!" Abwechselnd fährt er sich mit der Hand durchs Gesicht und wühlt in den Karten auf dem Tisch. „Tjcha, das Spiel haste verloren", sagt der alte Iupp. Hierauf scheint Paul gewartet zu haben. Er klopft auf den Tisch, sagt „Morsen" und geht. Karsten ist zurückgesunken. Sein« Hände fallen vom Tisch und hängen schwer an den Armen. „Trink dir man noch einen!" Der Alte bringt ein Glas Bier. „Kannst mir gleich im Keller etwas helfen, wenn de willst, ich muß neu anstechen." Iupp will trösten. Will tun, was in seinen Kräften steht. Findet aber keine Worte.„Trink dir man noch einen!" Nach Prost Herr Direhtor!" wahres Geschi Man schreibt uns: Ein Fabritdirektor aus Berlin war der Referent einer nationalsozialistischen Wählerversammlung in einer Havel- stadt. Der Saal des Etablissements„Concordia" war zum größten Teil besetzt von organisierten Mitgliedern der SPD. Die Ein- bcrufer der Versammlung hatten nur«in kleines Häuflein junger Burschen aufgebracht— in Windjacke, Sturmriemen, Koppel und Harenkreuzabzeichen machten die ehemaligen Kriegssäuglinge«inen spaßigen Eindruck aus die Arbeiterschaft.„Unkostenbeitrag" 20 Pf. Ein Arbeiter meinte zu dem Jungen an der Kasse:„Ihr sammelt wohl eure ersten Rasiergelder?" Oben am Vorstandstisch ein. S t e u e r s« k r e t ä r, ein Bäckermeister,«in Major a. D. als Versammlungsleiter und der Referent. Kurz vor Beginn ließ der Herr Fabrikdirektor zwei halbe Liter Bier durch den Kellner auf das Redner- pult stellen. Es schien demnach ganz gemütlich und feucht-fröhlich zu werden. Der Herr Major gab das Glockenzeichen als Eröffnung der Ver- fammlung. Dann zupfte er an seiner West«, zog an seinem Schlips und schnarrte im Kasernenhoston«in« Begrüßungsansprache an die so zahlreich erschienenen„deutschen Volksgenossen". Darauf trat der Herr Fabrikdirektor ans Rednerpult. Machte der Versammlung «ine knappe Verbeugung und— stärkte seine Kehle durch«inen kräftigen Schluck aus dem Bierglas Ein Schmunzeln lief durch die Reihen der Arbeiter bei diesem Anblick. Jemand rief:„P r o st. Herr Direktor!" Und der Herr Fabritdirektor reagierte prompt auf den Zuruf, indem er nach vollzogenem Schluck das Glas gegen die Ver- sammlung schwenkte und jovial erwiderte:„Prosit!" Der Auftakt ließ nichts zu wünschen übrig. Es stand fest: Der Referent war ein blutiger Anfänger als Versammlungsredner. Ich wußte, daß er nun schon auf verlorenem Posten stand. Die versammlungsgeschulte Arbeiterschast würde bestimmt die taktische Hilflosigkeit des Vortragenden ausnutzen. Nach einigen einleitenden Sätzen von ihm, hob ein Arbeiter, der in der Mitte des Saales saß, sein Glas und rief zum Podium hinaus: „Prost, Herr Direktor!" Der unglückselige Fabrikdirektor verkannte die Situation voll- kommen, in der er sich befand, und wollte wahrscheinlich durch Vor- spiegelung einer besonders freundschaftlichen Einstellung zu den Arbeitern sich von vornherein aus guten Fuß mit ihnen stellen. Darum lächelte er den Zurufer an, winkte mit der Hand und ent- gegnete süß:„Prost, mein Lieber!" Nun gab es für die Arbeiterschaft kein Halten mehr. In die Ausführungen des Referenten hinein platzte es bald hier, bald dort:„Pro st, Herr Direktor!" Anfänglich machte der noch gute Miene zum bösen Spiel: lächelte, aber die joviale Hondbewegung unterblieb, und Antwort gab er auch nicht mehr. Im Gegenteil, er wurde sehr nervös. Ein paarmal fuhr er mit dem Taschentuch über seine Stirn. Und dann trat das ein, worauf alle gewartet hatten: der Referent griff zu seinem Glas und trank Da tönte es, wie auf Kommando, vielhundcrtstimmig:„P r o st!" In der Ausregung verschluckte sich der Herr Direktor, ein Husten schüttelt« ihn. Minutenlang konnte er kein Wort hervorbringen. Als er dann wieder anfing zu sprechen, rangen sich die Töne kraftlos über seine Lippen. Je mehr er sich anstrengte. Gewalt über seine Kehl« und Stimme zu bekommen, desto häusiger muht« er Schluck- bewegungcn machen. Aber die Worte kamen immer tonloser. Schließlich stockte«r wieder vollkommen und griff abermals zum Bier. Es nützte nichts. Da meldete ich mich zur Geschäftsordnung und erhielt vom Vorsitzenden das Wort: „In Anbetracht des bedauernswerten Zustandes des Herrn Referenten beantrage ich, eine Paus« von einer halben Stunde eintreten zu lassen." Der Referent nickt« beifällig und flüsterte dem Versammlung?- leiter einige Worte zu. Der ließ über meinen Antrag abstimmen. Alle Hände hoben sich, also einstimmig« Annahme. Derabredungsgemäß meldete sich nun mein Nebenmann zur Geschäftsordnung: „Ich beantrag«, die Pause durch eine Diskussion über das bisher gehörte Referat auszufüllen." Am Dorstandstisch wurde man unruhig. Aus der Versammlung heraus kam stürmisch der Wunsch nach Abstimmung. Und der Vor- sitzende gab wirklich nach! Gegen«in« schwache Minderheit fand der neue Antrag Annahme. Ich erbat und erhielt darauf das Wort. Eine halbe Stunde lang sprach ich. Als ich geendet hatte, stimmten die Arbeiter d i e International« an. Und unter ihrem Gesang zogen die Massen aus dem Saal, den Vorstand mit seinen wenigen Getreuen unter sich lassend. Nur ein Arbeiter konnte es sich nicht verkneifen von der Türe aus sich noch einmal gegen das Podium zu wenden und zu rufen:„Prost, Herr Direktor!" zwei Stunden liegt Karsten schwer atmend im Keller. Sinnlos betrunken. Iupp geht in der Gaststube herum mit seinen großen Filz- latschen. Sammelt Gläser ein und lächelt. II. lleberstunden. Mittags geht ein Kerl die Straße entlang. Die hellgraue, fast weiße Straße mit der schier unendlichen Fabrikmauer rechts, wenn man von der Siedlung kommt. In wenigen Minuten ist's Mittag, wird es zwölf Uhr tuten.(Die Kirchen stehen weiter in der Stadt.) Die Straße ist fast leer und liegt in zitternder Sonnenglut neben der Mauer. Der Kerl geht mit langsamen, überdrüssigen Schritten. Bleibt manchmal stehen und beobachtet eine Spinne, die regungslos mitten in ihrem selbsterzcugten Netz hockt. Man hat den Eindruck, als sei es dem Kerl gleich, auf welcher Straße und in welcher Rich- tung er geht. Seine Schuhe sind recht zerrissen. Als sie noch ganz waren, mögen die Kinder ihn einen Mann genannt haben. Heute sogen sie„Kerl". Die Erwachsenen denken auch„Kerl", aber sie sagen es nur nicht immer. Weit vorn, die heiße, grauenhafte Mauer entlang, von der man trotz des blendenden Lichtes den Eindruck des Eingesperrtseins emp- fängt, hastet eine Frau. In der Hand hält sie den Topf mit dem Mittagessen für ihren Mann in der Fabrik. Der Kerl beeilt sich plötzlich. Er ist erwerbslos, er hat Zeit. Aber er beeilt sich trotz der Hitze. Die Frau beeilt sich auch. Jeden Moment kann es tuten. Und daß der Mann am Tor auf das Essen warten soll, das ist unausdenkbar. Der Erwerbslose hat sie erreicht. Er wischt sich mit dem Aermel den Schweiß von der Stirn und hält Schritt mit ihr. Die Frau ist viel zu sehr beschäftigt mit den Gedanken über das, was in den nächsten zehn Minuten vorfallen wird, denn es ist nicht zu ändern: sie kommt zu spät, mindestens fünf Minuten. Sie be- schleunigt ihr« Schritte noch mehr, so daß der Mann, der unvor« bereitet darauf neben ihr geht, ein« kurze Sekunde zurückbleibt und ihren Geruch atmet. Er sogt:„Willste Essen bringen?"— Mehr der Worte wegen, die den Anfang eines Gespräches bilden sollen. Sie sagt mit ge- schlossenen Lippen:„Hm!", und merkt, daß es ein Freund aus ihren Kinderjahren ist. „Ich muß mich beeilen, sonst kriegt Otto sein Essen zu spät!" „Ja.-- Ich bin ja jetzt erwerbslos, und-- und Otto macht jetzt Ucbexstundcn. Otto und die anderen!" „Ja, nieinstc denn da würde zuviel verdient? Guck dir mal die Lohntüten an. Und dann, wie die schuften müssen. Man Hot ja kaum noch was von seinem Mann!" Sie schweigt ganz plötzlich. Das veranlaßt ihn, über ihre letzten Worte nachzudenken. „Und der Schafstall wird auch nicht fertig", sagt sie hastig. Es tutet. In einiger Entfernung von ihnen steigt eine Dampf- säule senkrecht zum Himmel. Steigt und steigt, wird so lang und so gewaltig, wie der Ton, den sie hervorbringt und der ein Geschenk ist für die hinter der Mauer. Aus. Die Dampffäule steht wie ein großes Rufzeichen an dem weißbläulich glühenden Himmel„Tja", sagt der Erwerbslose,„tja, da muß der Otto mal gucken!" Und blin- zeit hinauf zu dem Rufzeichen.„Aber den Schafstall, kann i ch den nicht machen, ich mein«, wo ich doch jetzt erwerbslos bin?— Das braucht euch nix z» kosten--- oder mal ne Flasche Bier--!" Die Frau denkt, es wäre gut, wenn der Stall fertig würde, und sieht den Jugendfreund, der ihr immer recht gleichgültig war, in chrem Garten hantieren. Sie sogt:„Ja, ich will mal mit Otto darüber sprechen!" Die Frau biegt um die Ecke, an der der Erwerbslose zurückbleibt. Hinter den Eiscnstäben des gewaltigen Fabriktores steht ganz allein ein Mann. Die Frau denkt, daß es ja schön wäre, wenn der Schafftall fertig würde, aber man kann doch den fremden Kerl nicht ins Haus-- ausgeschlossen. Sie fährt vor ihren Gedanken zurück, als hätte sie sich verbrannt. Sie reicht dem Mann das Essen durch die Stäbe. Er schimpft nicht, er sagt nur, daß er ganz müde ist. Sie sagt nichts. Wie er sich abwendet und weggeht, bemerkt sie, daß er ein Loch im Strumpf hat.— Strümpfestopjen. Eins, zwei, drei, vier— sechs Löcher. Immer kreuzweise den Faden ziehen. Dabei braucht man gar nicht zu denken, oder doch— gerade dabei. Ob er wohl heute abend wie sonst auch kommen und essen und schlafen gehen wird, und morgen ganz früh wieder aufftehen wird?— Die ganze Woche schlafen und Sonntags auch oder eine halbe Stunde Arbeit am Schafftall.-- Sie geht langsam zurück und zupft an ihrem Kleid, das trotz des Unterzeuges am Leib zu kleben scheint. „Na?"— gesellt sich der Erwerbslose wieder zu ihr—„was sagt Ottö?" „Der, ach ich weiß gar nicht, der hat— möchte-- ich glaube nämlich, er will gar kein Schaf kaufen, weil wir ja doch keine Strüm—, keine Kinder haben! Mir wär das egal." „Was!"—„Ach." Der Mann denkt, daß aus dem kleinen Mädchen doch eine rich- tige Frau geworden ist. Sie zappelt nicht so über die Straß« wie eine alberne Verkäuferin, ober sie watet auch nicht wie eine alte Kuh--. Eine richtige-- schöne Frau. „Wieso, das kann immer noch mal vorkommen"— nimmt er das Gespräch wieder auf—„und dann habt ihr kein Schaf und keinen Stall!"„Du kannst ihn dir ja einmal ansehen!"— sie atmet tief, als wäre ihr nun aber wirklich viel zu heiß.„Js gut!"— Sje überqueren die Straße, und weil es so aussieht, als wollte sie ein herankommendes Auto nicht erst vorbeilassen, hält er sie sanft am Oberarm zurück. Und läßt seine Hand dort. Und sie läh» es geschehen. Man sieht sie dann zusammen ins Haus gehen.-- -- Der Mann kommt abends von der Fabrik und saot, dok sie sich nicht wieder verspäten soll mit dem Essen. Und die Uebr stunden wären auch bald vorüber. „Uebermorgen, oder dann den Tag!" Da beugt sie den Kopf west über ihre Arbeitshände, und der Mann bemerkt es nicht. Ißt und geht schlafen. Die Arbeit ist so schwer in den vielen Stunden.„Na, hört auch mal auf, übermorgen oder dann den Tag."—> Copryright 1930 by Fackelreiter-Verlag O m. b.H, Hamburg-Bergedorf*) Der Schinder. „Schtillge--- fchtonn!" Es ist einholb süns Uhr morgens. Wir stehen an einem däm- mergrauen Junimorgen 1917 auf dem Kasernenhof der Berliner Garnison, die fünfte Kompagnie eines Garderegiments, eine graue Mauer achtzehnjähriger Leider. Ein Gewehrkolben klappert nach, dann stehen wir lautlos, die Augen geradeaus ins Leere gerichtet. Grau sinkt die Kasernenhofmauer vor uns in den grauen Sand- boden. Kein Grün heitert die schlaftrunkenen Augen auf. Nur dünne schwarze Schießscheibenringe sind auf die schmutzige Mauer gemalt. Armselige, mager«, graue Spatzen picken im Sonde. Sie werden nicht viel finden. Dumpf saust noch der brüllende Ruf des diensttuenden Unteroffiziers in den Ohren: A— u— ff— schien!--- Bettenmachen!! Kaffeeholer--- rrrauss!!!--- Ich schwanke noch und bohre meinen Blick in den dicken, schwarzen Punkt einer der Schießscheiben. Er wird größer und größer, zuletzt ist alles vor mir nur ein ungeheures, schwarzes, gähnendes Loch. „Adolf" kommt die steinerne Treppe herunter auf den chpf, ein Meter neunzig lang, beängstigend breit, ein Koloß, wenn er bei unseren schmächtigen Körpern des Jahrgangs 89 steht. Jeder sieht ihn erst, wenn er an ihm vorübergeht: aber der letzte Mann am äußersten Flügel fühlt ihn schon körperlich, wenn das Kom- mando des„Spießes" ertönt und die Kompagnie gemeldet wird. „Adolf" ist unser Kompagniesührer, Feldwcbelleutnant Schwarz- bach, ein aktiver Soldat, ehemaliger Unteroffizier der Schloßwache. Wir nennen ihn kurz den„Schinder". „Meuj'n!", quillt es fettig aus seinem Mund. Die Kompagnie ist eine einzige Stimme, eine einzige Antwort:„Guten Morgen, Herr Leutnant!" Es klappt, wir haben es„geübt", immer und immer wieder an jedem Morgen der vier Wochen, in denen wir Soldaten des Weltkrieges sind,— wir habe es„geübt", bis wir fast heiser waren. „Adolf" steht jetzt vor der Kompagnie. Sein breites Bull- doggengesicht ist eine lächelnde Fratze. Aber sein Lächeln ist das eines Teufels. Wir fürchten es, wir fürchten olles an dem„Schin- der", er ist uns wie� ein Sendbote der Hölle und des Todes. Was hat er wieder Neues erdacht seit gestern, Neues, um uns„zu Soldaten zu machen", wie er sagt. Kurz vor ihm zuckt der Spieß zusammen und erstattet Meldung. „Adolf" lächelt noch breiter. Mein Korporalschaftsführer Preuß, der Berliner Volkeschullehrer, jetzt Unteroffizier der dritten Kor- poralschoft, ein guter Kerl, den wir alle lieben wie einen großen Bruder, nestelt nervös mit der Rechten an der Hosennaht.„Adolf" kann ihn nicht leiden, immer findet er an seinen Leuten etwas aus- zusetzen, obwohl wir, schon um unseren Korporalschaftsführer zu schützen, unsere Sachen peinlich in Schuß halten. „Zack!" machen die Absätze des Spießes. Er hat gemeldet und rollt wie eine grau« Wollkugel in seine Schreibstube zurück. Wir stehen schon einige Minuten. Die Finger der Rechten liegen wie angeklebt am Gewehr. Der grausam gestörte Schlaf des jungen Blutes kreist durch die Adern. Diese Minuten sind kritisch:„Adolf" sieht alles. Wehe, wenn sich ein Finger lockert, jemand scharrt oder mit dem Kops wackelt. „Ihr sollt erst mal das Stehen lernen!", hatte er am ersten Tage gesagt und uns beim kleinsten Fehler gejagt, bis uns„das Wasser im Hintern kochte". Wir stehen! Er ist ärgerlich: denn heute findet er nichts. Aber er läßt uns nicht erst rühren. „Abzählen zu Vieren!" „Eins, zwei, drei, vier-- ems. zwei, drei, vier..." Kurz hallt«s von der Kasernenhofmauer zurück. Hohe, hell« Stimmen, dazwischen tiefe, rauhe. Ich kenn« alle Stimmen, sie sind in mich eingegangen, als wären es meine: denn wir sind eins: die fünfte Kompagnie. „Das Geweehr überr!" Ein einziger Ruck, ein Krachen. „In Arrruppen—— rrechts— schwenkt— mansch! Haltt Kompagniii--- marrrsch!--" Geklapper, Autatmen. Einer hüstelt. Die Kampagni« mar- schiert durch das weitoffene Tor, mit„Adolf" an der Spitze, an der Seite die Unteroffiziere. „Gruppenkolonne!" Die Gewehre sind angezogen, ängstlich mustert Preuß Richtung. Fühlung, Vordermann. Jeden Augenblick kann„Adolf" da sein und Ihn herunterputzen wie einen Schuljungen. „Links,... links... ks... ks... ts..." flüstert er an meiner Seite. Die Straße liegt wie in tiefem Schlaf. Dumps hallt der monotone Marschtritt und hüllt unser Denken ein.— Eine alte Frau steht in einer Haustür und nimmt unsere„Parade" ab. Sie wackelt beständig mit dem verwitterten Kopf, daß spärliche weiße Haarsträhnen über ihrer Stirn flattern. Die alte Frau ist fürwahr kein gutes Vorzeichen für die kom- wenden Stunden. Es ist etwas neblig. Wenn wir auf dem ..Schleifstein", dem Uebungsgelände sind, wird die Sonne aufgehen und der Höllentanz kann beginnen. * Meine Schultern sind schmal und die Knochen schauen heraus. Wir marschieren erst zehn Minuten,— aber die Tornisterriemen *) Der hier zur Veröffentlichung gelangende erste Teil des Romans Stahlbad Anno 17 führt den Untertitel„Aufschrei der Mütter". Der zweite Teil heißt„Am laufenden Band auf dem Schlachtfeld der Ehre" und schlldert, wie die 17- und 18jährigen an die Westfront transportiert und im Stahlbad des ekemin des Harnes aufgerieben werden. Di« Gesamtausgabe, die demnächst in einem Umfang von ca. SM Seiten erscheinen wird, kostet karto- niert 6 M., in Leinen 8 M. schnüren schon wie Messer, und das Gewehr drückt wie ein großes Kreuz, das ich nach meiner eigenen Richtställe trage. Heut« müssen wir zuerst mit zehn Pfund Sand im Tornister exerzieren. Ich hatte mir auf jede Schulter, unter die Uniform einen asten Strumpf zur Milderung des Druckes gelegt: aber es nützt nichts, sie sind beide verrutscht und kratzen und scheuern jetzt unerträglich: denn sie sind steif vom Fußschweiß. Hätte ich sie vorher gewaschen, so wären sie wie Zunder auseinandergefallen. Langsam sinkt das Gewehr meines Vordermannes, des blasien Langer, zurück. Seine Halsbinde ist ihm hochgerutscht, denn sein Hals ist so dünn, daß sich keine Binde bei ihm hält. Er hat schon unzählige Mal« nachexerzieren müssen, zweimal allein wegen der hochgerutschten Binde. Langer ist, wie ich. Hamburger. Ich fühle mich ihm auf Not und Tod verbunden und achte auf ihn und schütze ihn nach Möglichkeit, denn ich bin etwas kräftiger, und ich glaube, er hat die Schwindsucht. Langer gehört nicht zu meiner Korporalschaft. deshalb sieht Unteroffizier Preuß wohl auch nicht das Ungeheuerliche, daß Langers Gewehr jetzt schon quer hinter seines Trägers Helm liegt. „Langer", denke ich,„wie wird dir's wieder ergehen!" Ich möchte ihm in den Hintern treten, denn der Kerl scheint zu schlafen, sein Helm sitzt so merkwürdig schief und wackelt verdächtig von oben nach unten. Sein Schritt ist schlurfend—„mit den Knien nach der Heimat"—, wie wir es nennen. Ich versuche ihn mit einer Stiefelspitze zu erreichen— aber es fehlen immer einige Zentimeter. Ich sehe ihn schon wieder„Hinlegen!—— Auf!" im Sand des Kafernenhofes machen, so um die Mittagszeit bei 25 Grad Hitze; denn diese Junitoge sind sehr heiß. Unteroffizier Preuß sieht nur„Richtung, Fühlung, Vorder- mann" seiner Korporalschaft, ich darf keine Sekunde die sehlenden Zentimeter vorlaufen und Langer wecken: denn daß er duselt, ist jetzt ganz sicher: er macht die vollendetste Marschordnung, die ich je gesehen habe, so daß mir fast die Versuchung kommt, es ihm gleichzutun. Die verfluchten Schweißstrümpfe haben sich jetzt so gelegt, daß mir ihr penetranter Geruch um die Nase weht und Brechreiz mir in der Kehle würgt. Und der Strumpf rechts hat mich bereits wundgescheuert. Aber es ist immer noch nicht Marschordnung besohlen. Longer, armer Langer, wenn jetzt„Adolf" kommt, der eigenartigerweise immer noch an der Spitze marschiert. Es«aß etwas geschehen. Unteroffizier Prenß neben mir ficht gerade wieder die Richtung nach. Ich wag« es, wenn auch das Sprechen strenge verboten ist, er ist doch ein guter Kerl. „Herr Unteroffizier", flüstere ich,„Langer läßt gleich seine Knarre fallen"--- Es ist schon zu spät.„Adolf" steht links am Straßenrand. Er hat ein« Hand in die Seit« gestemmt und scheint jeden einzelnen in den vorbeimarschierenden Gliedern mit seinen Blicken zu durch- bohren. Jetzt sind wir bald mit ihm in gleicher Höhe. „Praademarsch!" Brutal hallt das Wort von den Häuser- mauern wider. Ein Hund jagt erschreckt durch eine Lücke der Kompagnie. Ach, wenn man doch so ein Hund sein und frei herumlausen könnte! .Klapp--- tarapp--- tarapp-- trapp-- trapp-- trapp!" Wir wissen, was es bedeutet. Es ist„Adolfs" Steckenpferd.(Fortsetzung folgt.) e Buch ähi äSofe ffleyivard„3>orgy" Das Negerghetto einer kleinen, atlantischen Stadt in den U. S. A. Zwischen den Mauern der zerfallenen Mietkasernen läuft das Geschehen ab in wilder Leidenschafilichkeit, die aber aus anderen Bezirken des Blutes und der Kultur stammt als bei weißen Menschen. Trotz Sacco und amerikanischen Lebensstils sind die Bewohner dieses Ghettos in einem anderen Erdteil beheimaiet, tragen in sich die Erinnerung an die afrikanische Heimat. Hey ward, einer der bekastntesten amerikanischen Neger- dichter, schreibt in seinem„Porgy"(Th. Knaur Verlag) keinen Roman, trotzdem das Buch diese Bezeichnung trägt. Es ist eher �ine lyrische Dichtung, denn der Hauptakzent ruht auf dem Gefühls- mäßigen, auf dem Ausmolen einer Stimmung. Selbst Morde und andere Gewalttaten verlieren von ihrer Brutalität, sie werden nicht von diesem Gesichtspunkt aus. bewertet. Man nimmt sie als Erscheinungen, die ebenso selbstverständlich sind wie Essen, Trinken oder Schlafen. Der Weihe wird instinktiv Äs Gegner empfunden. Er ist der überlegene Feind, der Verderben verbreiten kann, der Mensch aus einer anderen Welt, dessen Struktur und Notwendigkeit man nicht richtig begreift. Der Haß oerbirgt sich hinter Untcrwürsigkeit und liebenswürdigem Entgegenkommen. Aber im Ernstfalle zeigt sich die ungebrochene Oppositionskraft. Mögen die Neger unter sich zerfallen sein und Tragödien durchmachen, in dem Augenblick, da sich die weiße Staatsbehörde einmengt, stehen sie geschlossen gegen den äußeren Feind. Gegner oersöhnen sich, und der Mörder findet Schutz bei den Verwandten des Erschlagenen. Eine primitive Welt? Vielleicht! Doch sicherlich eine Welt, die dem Gefühlsmäßigen, Extatifchen näher steht als die europäisch- amerikanische. Aus dieser Sphäre erwächst auch das hemmungs- los«, religiöse Gefühl des Negers, die Freude und Sehnsucht, sich aufzugeben, einzugehen in«ine andere, gefühlsstärkere Welt. Es ist«ine gesteigerte primitive Mystik, aber Mystik ist immer primitiv, wendet sich jedenfalls an die primitiven, instinktiven Strebungen des Menschen. Heywards Roman ist ein soziales Werk, auch wenn er nicht di« soziale Lage der Neger diskutiert, sondern sie nur angedeutet. Aber seine Menschen gewinnen typische Bedeutung, sie wachsen über das rein Individuelle hinaus..iMlred Arna. RätsehEcke des„Abend tt Silbenrätsel Aus den Silben a a a a an bach chen cu dasch de der di di dar e« sa seu si gau go gott gu ha m kän k« lex li ma ma na na neu nie nies now ra raf rei ro ruh tät tor tor tra tschar un würz sind 1b Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, ein Sprichwort ergeben.— Die Wörter bedeuten: 1. Kletterpflanze: 2. Zuckerart, 3. exotisches Tier: 4. Zaren- gefchlccht: 5. Nichtteilnahme am istreit: 6. Pflanze: 7. Stadt an der Elbe: 8. Staat in Südamerika: 9. russisches Zarengeschlecht: 19. Staat in Nordamerika: 1l. Stadt in Sachsen: 12. Heizkörper: 13. ungarischer Nationaltanz: 14. Kröte: 15. Edelholz: 16. Blasinstrument.(Ue— ü.)— e.kr. .Äi uZD \ n 10 t TT 14 Kreuzwoft'Räiselireppe Waagerecht: 2 Märchen- gestalt: 4. Farbe: 6. Magen- säst; 8. Teil des Magens: 10. scherzhafte Bezeichnung für den Amerikaner: 12. Nebenfluß der Donau: 14. Urteilchen. — Senkrecht: 1. Waffe: 3. Göttin der Morgenröte: 5. Einfahrt: 7. Geschlechtswort: 9 biblische Person: 11. Monat: 13. Gutschein. Iii. Kreuzworträtsel Waagerecht: 1. Männlicher Vorname 8. russisches Gebirge: 10: Gegenteil von auf: 12.(in Verbindung mit Nr. 20 waagerecht) handelsüb- liches Behältnis: 13. ge- bräuchliche Abkürzung für Sachsen: 14. Verkehrs- vehikel: 16. selten; 17. sranzösisch: Straße: 18. Kopsbedeckung: 19.(in Verbindung mit Nr. 22 waagerecht) Mädchen- name: 20(siehe Nr. 12): 22.(siehe Nr 19): 24. Kralerauswurf:27 Unter» stellplatz für Fahrzeuge.— Senkrecht: 2 Anrede; 3. geographische Bezeichnung: 4. halbwarm: 5. Farbstoff: 6. Kon- sonant: 7. kleines Transportmittel; 9. Angehöriger eines süd- europäischen Volksstammes: 1l. Holzgewächs: 13 Rockende: 15. französische Präposition: 16. übliche Abkürzung für Rhein; 20 Vergnügungsstätte; 21. biblische Figur: 24. französischer Artikel; 25. gebräuchliche Firmenabkürzung.• Königszug. HL. Verschieberätsel. Die weiblichen Vornamen Jmberta, Nora, Veronika. Nantwin«, Aurea sind untereinondergestellt so zu verschieben, daß zwei neben. einanderliegende senkrecht« Buchstabenreihen zwei ander« Frauen- namen ergeben. ak. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer Silbenrätsel: 1. Antwerpen; 2. llnderwood: 3. Chiemsee: 4. Dortmund: 5. Eisenbahn; 6. Zronie: 7. Jlazi; 8. Elisabeth: 9. Stanley: 10. Talmud: 11. Indien: 12. Mete; 13. Memmingen: 14. Evolution: 15. Gekröse; 16. Elritze: 17. haarlem; 18. Osthilf«: 19. Eltte: 20. Rheinland.— Auch deine Stimme gehört der Sozial- demakratie! Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Bremen: 5. Go: 6. ia; 7. er: 8. Donner: 11. den: 12. rot: 13. Kam; 14. Lee; 16. Ton; 18. Glaser: 21. AG: 22. le: 23. an; 24. Eltern.— Senkrecht: 1. Bode; 2. ein: 3. Man: 4. Nero; 9. Onkel; 10. Ernte: 15. Egge; 17. Oran; 19. All: 20. See.» Königszug: Wir wollen weihen, wir wollen feien/ gegen Dämonen lastender Nacht./ Wir wollen erlösen, wir wollen be- freien./ wir bringen Wissen— und Wissen ist Macht!/ Ludwig Lessen.(Aus: Wissen ist Macht!) Silben-Kreuzworträtsel. Waagerecht: 2. Fleder. maus; 3. Schreibtisch; 5. Gewehr; 7. Lerche; 9. Jugend; 11. Besen; 12. Schiller: 16. Sozialdemokratie: 19. Kodak: 22. Tasse: 23. Ranzen; 24. Oka; 26. Stieg«: 28. Belgard; 29. Laterne.— Senkrecht: 1. Oderbruch: 4. Tischler; 5. Gegend: 6. Oberon; 8. Chinin; 9. Juli; 10, Zillcrtal; 13. Pazifist; 14. Sendespiel; 15. Sokrates; 17 Krokodil; 18. Reseda; 20. Weizen; 21. Leo; 23. Range: 25. Kabel; 27, Rotterdam. Nr. 352 47. Jahrgang Sonnabend 16. August 1930 Der senkrechte Flug Gefahrlose Notlandungen— Flugzeuggaragen auf den Dächern— Flugplätze werden überflüssig— Leidensweg eines Erfinders BedouerNcherwerse häufen sich die Flugzeugunfälle in letzter Zeit derart, daß man sich doch fragen muß, ob das Flugzeug im heutigen Entwi-klungsstadium nicht mehr verbefserungsfähig fein soll. Wohl wissen wir, daß ein mehrmotoriges Flugzeug, solange es in der Luft ist oder auf einem Flugplatz landen kann, einen chüchstgrad von Sicherheit besitzt. Aber die meisten Unfälle ge- jchehen erft bei der Notlandung. Wer einmal in einem«in- motorigen Flugzeug längere Zeit über Wald oder Gebirge geflogen ist, weiß, welch unangenehmes Gefühl einem beschleicht, wenn man daran denkt, daß der Motor plötzlich streiken könnte. Die Angst vor einer Notlandung ist begründet im System des heute üblichen Flugzeuges, weil dos Drachenflugzeug den Erdboden immer mit einer mehr oder weniger großen Geschwindigkeit berühren muß. Anders liegen die Verhältnisse jedoch beim chubschraubenflugzeug. Der Gedanke des Hubschraubers ist ungefähr genau so alt wie der des Drachenflugzeuges. Man kann sich sehr leicht vorstellen: ein Propeller wagrecht angeordnet, muß doch ein Flug- zeug senkrecht in die Luft heben. Diese Idee haben viele Forscher verfolgt, mußten jedoch einsehen, daß es so nicht geht, und zwar zunächst deshalb nicht, weil die Hubkrast des Propellers nicht aus- reicht. Außer dieser Schwierigkeit besitzt aber ein Hubschrauber keine Stabilität und— bei Motordefekt— kein Gleitvermögen. Diese Uebelstände hat der durch seine Flugzcugversuche und neuer- dings durch sein zerlegbares Auto, sowie durch den kurbelwellen- losen Motor bekannte Berliner Konstrukteur, Oberingenieur Z a s ch k a, bereits im Jahr« 1916 erkannt. Drirch theoretische Untersuchungen und praktische Modellversuche gelang es Joschka, der seinerzeit im Konstruktionsbüro einer Johannisthaler Flugzeug- fobrit tätig war, nachzuweisen, daß man die waagerechten Propeller nur genügend groß im Durchmesser und langsam laufend machen mußte, um die erwünschte Tragfähigkeit zu erreichen. Um die Stabilität zu ermöglichen, schlug Jaschka nach Art der Ein- schienenbahn ein Kreiselsystem vor, welches mit den rotierenden Tragflächen derart gekuppelt ist, daß bei Motordefekt ein Teil der in den Kreiseln aufgespeicherten Energien dazu verwandt wird, um das Flugzeug abzufangen, bzw. noch kurze Zeit schwebend zu er- halten. Sollte jedoch der Motor in sehr großer Höhe versagen, so werden die Anstellwinkel der rotierenden Tragflächen zunächst negativ eingestellt. Durch den Fall werden die Flächen— wie bei einer Windmühle— dauernd gedreht und gleichzeitig auch die Krosstes Dieselkraftwerk Europas In drei Minuten höchste Arbeitsleistung— Ein Mann kann 24000 PS bändigen Das größte Dieselkraftwerk Europas steht in der Näh« von Berlin, am Ufer der Havel, in der industriereichen Siedelung Hen» nigsdorf. Es wurde auf Veranlassung des Märkischen Elektrizitäts» wertes gebaut, deren Aktionäre die Provinz Brandenburg sowie die von ihm oersorgten Stadt- und Landkreis« sind. Es ist also ein sozia. lisierter Betrieb in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft. Das Ver» forgungsgebiet der Gesellschaft, die eine Reihe von Kraftwerken be- lreibt, umfaßt 34 Kreije der Pro- oinz Brandenburg, se zwei Kreise der Provinz Grenzmark. Posen, Westpreußen und Niederschlesien, einen Kreis der Provinz Pom- mern, den südlichen Teil des Freistaates Mecklenburg-Strelitz sowie einige südlich gelegene Be» zirke der Stadt Berlin. Das Märkische Elektrizitätswerk ver» sorgt insgesamt 271X1 Städte und Gemeinden mit 2,3 Millionen Einwohnern, die über eine Fläche von 34 000 Quadratkilometern verteilt sind. Die Strom- abgäbe betrug im Jahr« 1929 nicht weniger als S08,2 Mil- lionen Kilowattstunden. Be- merkenswert ist, daß von dieser Leistung nicht weniger als 75 Proz. von der Industrie ver- braucht wurde. Das gesamte Leitungsnetz umfaßt nicht weni- ger als 16000 Kilometer. Bei einem solchen Unter- nehmen mußte das sogenante Spitzenlastprobleen, d. h. die Aufgabe, den Belastungs- und Ausnutzungsgrad der Betriebs. anlagen im Jnteresie der Wirt- schaftlichkeit zu heben, eine besondere Wichtigkeit erlangen. Es müssen Kraftanlagen geschaffen werden, die zusätzlichen Strom zu liefern vermögen, um in der Zeit äußerster Beanspruchung die sogenannte Spitzenlastdeckung. abzugeben. Werke, die auch in der Lage sind, bei Störungen des Be- triebes umgehend Ersatzstrom zu liefern. Daher müssen solche Werk« mit geringem Kapitalauswand errichtet und ihre Bereitschaftskosten auf ein möglichst geringes Maß herabgedrückt werden. Sie müssen eine hohe Betriebsbereitschast besitzen und endlich auch in günstiger Lage zu den Hauptverbrauchsgebieten errichtet sein. Diesen Forde» rungen entsprechen bei dem heutigen Stand der Technik vor allem Groß-Dieselkraftwerke. Während die größte Dieselmaschine des Kontinents, die in einem Hamburger Großkraftwerk 15 000 LS. erzeugt, mit 94 Umdrehungen in der Minute läuft, ist es jetzt gelungen. Groß-Dieselmotore zu bauen, die 215 Umdrehungen in der Minute machen. Durch diesen technisch gar nicht hoch zu veranschlagenden Fortschritt ist der Raum- bedarf und das Gewicht der Pferdestärke ganz erheblich herabge- mindert worden. So können denn solche Großmaschinen zu wesent- lich geringerem Preise als bisher geliefert werden. Diese Tatsache in Verbindung mit der hohen Betriebsbereit- schaft führte zum Bau des größten Dieselkraftwerkes auf dem euro- päifchen Festlande. In einem aus Backstein errichteten, in Neuzeit» lichem Stil gehaltenen Maschinenhaus wurden die beiden Diesel- motoven ausgestellt, die je 12000 Pferdestärken, also insge» samt 24000 Pferdestärken erzeugen. Die elektrische Nutz» leistung beträgt 15 000 Kilowatt. Es handelt sich um zwei kam» pressorlos«, doppelwirkende Zweitaktmotoren von je 10 Zylinder. Der Durchmesser jedes Arbeitszylinders beträgt 600 Millimeter, der Weg. den der Kolben innerhalb des Zylinders zurücklegt, der Kolbenhub. -Dil»-Witiflg fror Majckine ist rand 14- Meters fördern. bei einer Höhe von fast 7 Meter. Das Maschinengewicht erreicht die für ortsfest« Maschinen außerordentlich niedrige Zahl von 25 Kilo- gramm je Pferdestärke.(Ein Mensch von 75 Kilogramm Gewicht leistet ungefähr Vu PS.) Die beiden Maschinen treiben je einen Schwungradgenerator von 11 000 Kilo Voltampere. Neben der Haupt- Maschinenhalle sind die Hilfsmaschinen, wie Spülluftgebläse. Kühl- wasser» und Schmierölpumpen, sowie ein Kompressor für die Er- Ansicht der beiden schnellaufenden Groß-Dieselmaschinen im Kraftroerk des Märkischen ElektrizUätsmerkes(MEW) in Hennigsdorf zeugung der Anlaßdruckluft untergebracht. Sämtliche Meßgeräte, Ventile und Hebel zum Anlassen und Bedienen der Maschinen sind auf einer Schalttafel vereinigt und so übersichtlich geordnet, daß der Betrieb von einem Mann in Bewegung gesetzt werden kann. Tatsächlich sind für jede Maschine zwei Maschinenwärter angestellt, und bei der Besichtigung des Werkes zeigte ein Versuch, daß zwischen Anfahren der Maschine und dem Erreichen der höchsten Leistung nur Das Spitzenkraftmerk des MEW in Hennigsdorf drei Minuten vergingen. Das ist eine Betriebsbereitschast, die von keiner anderen Reservekraftanlage erreicht werden kann. Man darf hoffen, daß die Entwicklung der Groß-Dieselmotoren mit dieler Maschine noch nicht zum Abschluß gekommen ist und daß es der Technik gelingen wird, diese Maschincngaltung gerade im Hin. blick auf ihr« Verwendbarkeit in Großkraftwerken noch weiter zu W. Mfcbus. Kreisel. Erst kurz vor dem Erdboden werden die Anstellwinkel positiv eingestellt und hierdurch das Abfangen des Flugzeuges und die gefahrlose Landung ermöglicht. Man müßte annehmen, daß eine derartige Neukonstruktion dem damaligen Kriegsminssterium willkommen gewesen sein müßt«, aber man lieh sich weder die Modellversuche vor- führen, noch prüfte man die eingereich ten Be- rechnungen, sondern man schrieb Zaschka am 4. März 1917, daß die eingereichte Erfindung nicht zur Verwendung kommen könnte,„da eine Hubschraube kaum sich selbst, noch viel weniger ihre Motoren trägt". Aus den Hinweis, daß die Berechnung gerade zeigt, daß die Hubkraft zu erreichen sei bei richtiger Dimensionierung der Flächen, wurde am 21, März 1917 ohne Angabe von Gründen geantwortet, daß der Vorschlag unbrauchl'ar sei. Nach Beendigring des Krieges versuchte Zaschka erneut, Unter- stützung für sein Projekt zu erhalten. Aber das Reichsoerkehrs- Ministerium lehnte ab, was nicht zu verwundern war, weil zu- fällig derselbe Dezernent die Sachen bearbeitete, der seinerzeit im Kriegsministerium das Projekt Zajchkas abwies. Es folgten Kämpfe, deren Schilderung hier zu weit führen würde. Selbst die Gerichte mußte Zaschka in Anspruch nehme», um sich seiner Gegner zu erwehren. Obgleich die Deutsche Versuchsonstalt für Luftfahrt inzwischen eingereichte Berechnungen für richtig erachtet, obgleich eine Kapazität auf dem Gebiet« des Hubschraubenflugzeugbaues, Prof. Dr. von Karman von der Technischen Hochschule zu Aachen, sich günstig über dos Projekt äußert, das Verkehrs- Ministerium will nichts wissen. Schließlich gelingt es Zaschka, Geld aufzutreiben, um wenigstens ein G e st e l l bauen zu können, welches, mit einem Flugzeugmotor versehen, durch in Drehung ver- setzte Flächen beweist, daß die von Zaschka errechnete Tragfähigkeit erreicht wird. Nunmehr erneut beim RVM, eingereichte Gesuche um geldliche Unterstützung für den Einbau einer Steuerung werden abgelehnt. Durch private Zuweisung von Geldmitteln wird im letzten Moment vor Ablauf der Prioritätsfrist die Amneldung der Auslandspatente noch möglich. Obwohl Presse und Film von den Versuchen in Johannisthal berichteten, muß Zaschka wegen Geld- Mangel die Versuche abbrechen. Inzwischen begutachtet Direktor Dr. G r u l i ch von der Deutschen Lufthansa sowie bezüglich der Kreiselstabilisierung die durch ihre automatischen Flugzeugsteuerungen bekonnten Kreisel- spezialisten Jng. Drexler und Direktor Boy low dos Zaschka-Projekt günstig. Die Angelegenheit wird von der Aerodynamischen Versuchsanstalt Göttingen unter- sucht und von Pros. Dr. Prandtl ebenfalls günstig begutachtet. Nunmehr gelingt es, Geld zusammenzubringen, um«in 7 Meter großes Modell zu bauen, welches auf dem Tempelhofer Feld ausprobiert wird. Die 108 Kilogramm schwere Maschine wird durch einen 300-Kuibikzentimete»DKW..Motor(etwa 5 bis 6 PS.) hochgehoben. Wiederum wird auf Grund der Erfolge ein Gesuch beim RVM.«ingereicht, um Geldmittel für ein bemanntes Flug- zeug. Die Einladung, die Versuche zu besichtigen, wird abgelehnt. Der Bitte, dos Modell auf dem Tempel- hofer Flugplatz öffentlich vorzuführen, wird nicht stattgegeben. Endlich meldet sich«in„Geldmann". Er kommt an einem windigen Tage und will einem Versuch beiwohnen. Ungern entschließt sich Zaschka zu einem Versuch und erklärt, die Majchin« des Windes wegen imr gefesselt vorführen zu können, weil der Vortriebspropeller des Modells nicht die Kraft hat, dem Winde entgegenzuarbeiten. Vier Männer halten an Seilen die Maschin«, aber der Austrieb wird zu groß, der Wind tut ein übriges. Ein Monteur hängt sich vergeblich an die Maschine. Die Maschine reißt sich los und ist im Augenblick stark beschädigt. Es«rweist sich, daß der„Geldmann" zwar den Wunsch hat, die Sache zu finanzieren, aber selbst kein Geld hat. Schließlich erhält Joschka durch«in« andere de« hördliche Stelle«ine Geldzuweisung, um das beschädigt« Modell reparieren zu können. Aber weder auf der„ILA", noch durch eine Ausstellung in einem Berliner Lokal läßt sich der gesuchte Finanzier finden. Immerhin hat der Fachberater des Verkehrs- ministersums das Modell auf der„ILA" besichtigt, mit dem Erfolg, daß er in einer Fachzeitschrift unwahre Angaben über das Modell machte, um den Wert der Sache herunterzusetzen, Gestützt auf Gutachten von Professor Dr. Grammel, von der Technischen Hochschule zu Stuttgart, sowie von Professor Dr. Prandtl, Göttingen, versuchen jetzt zwei andere behördliche Stellen im Reichsverkehrsministerium eine Subvention zu erreichen, aber wiederum vergeblich. Selbst Prof. Dr. Prandtl bemüht sich persönlich im Reichsverkehrsministerium ohne Erfolg. Briese an den Herrn VerkeHrsminister persönlich hoben den Erfolg, daß die beiden anderen behördlichen Stellen aufgefordert werden, jede weitere Unterstützung dem Erfinder zu versqgen. Die Angelegenheit erinnert peinlich an den Leidensweg des Grasen Zeppelin. Auch hier hat das Kriegsministerium den Offizieren untersagt, mit Graf Zeppelin zu verkehren, wegen feiner„verrückten Ideen". Es muß zugegeben werden, daß das Reich im Augenblick wenig Geld zur Verfügung hat für die Flugzeugindustrie. Aber es wird an der Zeit, daß wir neben der Sorge um den Etat auch einmal daran denken, wieder Arbeit heranzuschaffen. Wir haben Millionen ausgegeben für Flugplätze, liehen sich da nicht einmal 40 000 M. ausgeben für ein Flugzeug nach den Zaschkafchen Ideen, zumal Wissenschaftler von Rang sich dafür ausgesprochen l)oben? Man denke sich aus, wir hätten Fabrikations- und Vertriebsmonopol für «in senkrecht aussteigendes Flugzeug, das auf jedem Platz landen kann, keinen Flugplatz mehr braucht, auf jedem Berggipfel sich niedersetzen kann usw. Es handelt sich hier nicht um Schiebereien, sondern um ein ernsthaftes Projekt, das von anerkannten Autoritäten günstig beurteilt wird. Gerade die Unfälle der letzten Wochen sollten unsere verantwortlichen behördlichen Stellen veranlassen, Lauch solche Versuche zu unterstützen, die aus neuen Wegen den Fortschritt, suchen. Selbständigkeit im Frauensport! Für die Sozialdemokratie, für kulturellen Fortschritt der Frauen Die Frauen drängen sich mehr und mehr in den Vordergrund. Wo früher, wie man sagt, die Männer die Bassins angaben, reden heute die Frauen ein gewichtiges Wort mit. Zunächst einmal wirt- schastlich, denn durch ihre Berufsarbeit haben die Frauen sich«ine erhebliche finanzielle Selbständigkeit erobert. Anfang- lich wegen ihrer Billigkeit von dem Unternehmer bevorzugt, sind sie jetzt qualitativ in einer ganzen Reihe von Berufszweigen ernst- haste Konkurrenten der Männer. Politisch haben die Frauen in Deutschland das gleiche Wahlrecht, können also einen großen bestimmenden Einfluß auf das gesamte öffentliche Leben ausüben. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich auch auf dem Sportgebiet. Durch die Berufsarbeit sind Frauen und Mädchen genötigt, ihrer Gesunderhaltung größere Beachtung zu schenken, als dies schon durch die Mutterschaft an sich erforderlich ist. Die Zahl der weiblichen Sportler ist in ständigem Wachsen begriffen, der sportliche W« t t k a m p s findet bei ihnen immer inehr An- Hänger. Vielfach werden die Sport- und Turnabteilungen bereits selbständig von Frauen geleitet. Zu den Tagungen wählen die Frauen ihre Delegierlinnen selber. Sie haben im Bundes- frauenausschuß des Arbeiter-Turn- und Sportbundes«ine rein weibliche Vertretung. Die technische Leitung des Frauen- sports wurde auf dem letzten Bundestag noch dem bisherigen männ- lichen Leiter überlassen, obgleich bereits ein Antrag auf Wahl einer Bnndesturmvartin vorlag. Auch in den Kreisen und Bezirken haben die Männer fast durchweg noch die technische Leitung. Die Frauen scheinen die Abhängigkeit vom Mann auf diesem Gebiet noch angc- nehm zu empfinden! Im Interesse der Ecsamtbewegung wäre es sehr erwünscht, wenn die Frauen sich auch hier mehr in den Vorder- gnind drängen. Selbst ist die Frau! Der Arbeitersport ist eins der wichtigsten Schulung s- gebiete der Jugend. Dadurch gewinnt die Emanzipation der Mädchen und Frauen großes öffentliches und politisches Interesse. Die Genossin Bohm-Schöncberg-Berlin sagte in einen, Vortrag auf dem Bundestag 1911 in Hannover:„Ich selbst wäre nicht selbständig für die Parteiarbeit geworden, wenn mir nicht im Turnverein diese Selbständigkeit anerzogen worden wäre." Hier wird der große Wert der Erziehungsarbeit in den Arbeiter- sportvereinen ersichtlich. Die weibliche Jugend wird zur positiven Mitarbeit am Allgeineinwohl erzogen. Es wächst ein« neue Gene- ration heran, die selbstbewußt ihre Geschicke in die Hand nimmt. Der größte Schritt auf diesem Gebiet ist durch die Schaffung des Bundes-Frauenousschufses getan, dem die Bildungs- und Er- ziehungsfragen sowie das internationale Programm zur Frauen- frage überwiesen sind. Hier entscheiden nurFrauen! Sie werden beweisen müssen, daß es auch ohne die Männer geht. Im Arbeiter-Turn- und Sportbund waren 1939 94 493 wsib- liche gegenüber 458 924 männlichen Mitgliedern vorhanden, die letzteren haben also die 4�fach« Mehrheit, während die Bevölke- rungsstatistik ein Uebergewicht der weiblichen Personen ergibt. Interessant ist nun das Verhältnis bei den verschiedenen Alters- klassen. In der Turnsparte wurden bei den Kindern bis 14 Jahren 98 166 Knaben und 89 176 Mädchen gezählt, die Dif- ferenz ist hier also nur sehr gering. Bei den Jugendlichen von 14 bis 18 Jahren sind 69 173 männliche und 31234 weibliche vorhanden, in den wichtigsten Entwicklungsjahren zeigt sich demnach bereits ein starker Rückgang der weiblichen Sporttreibenden. In den. Altersklassen von 18 bis 29 Iahren sind die Sportler den Sport- lerinnen bereits um das Dreifach« an Zahl überlegen: 46 896 gegen- über 14 992. In den Altersklassen über 29 Jahre treiben die Männer in großer Zahl Sport, um die nachteiligen Einwirkungen des Berufs auszugleichen. Bei den Frauen wirkt sich aber die häusliche Tätigkeit und die Ptutterpflicht in sehr ungünstiger Weise aus. Den 192 332 Sportlern über 29 Jahre stehen nur 34 729 Sport- lerinnen gegenüber. In der Wassersportsparte sind 33 634 männliche und 13 862 weibliche Mitglioder vorhanden. Vorstehende Zahlen können nicht befriedigen. Wir leben im Zeitalter der Maschine, der Fabrikarbeit. Die Frauen werden gleich den Männern an das laufende Band gespannt. Die jungen Mädchen werden an der Näh- und Schreibmaschine engbrüstig: Blutzirkulation und Muskulatur verkümmern. Wo bleibt da die Bolksgesundheit? Eine Besserung wird nur erfolgen, wenn Mädchen und Frauen aktiv mitarbeiten und Aufklärung schaffen! Der Sport ist ein Glied der sozialistischen Kulturarbeit. Weckt die Gleichgültigen auf. reiht sie ein in die Armee der Werk- tätigen, die zielbewußt für ein« bessere Zukunft arbeiten. Die Idee des Arbeitersports ist eng verbunden mit dem Kampf der sozial- demokratischen Arbeiterschaft. Daran denkt auch am 14. September. Bildet mit den Männern eine geschlossene Front: Für die Sozialdemokratie, für kurllnretlen Fortschritt der Frauen! Wassersportler im Wahlkampf Bereit zur Wohl arbeit Eine überaus stark besuchte Vorständekonferenz der bundestreuen Ruderer- und Kanufahrersparte befaßte sich mit dem kommenden Mahlkampf. Die Konserenz faßte einmütig den Beschluß, die Vereine zu ersuchen, sich vollzählig an der Mahl- Propaganda zu beteiligen. Besondere Ausfahrten werden für die List« 1 werben. Nähere Nachrichten sind in nächster Zeil im„Abend" zu beachten. Auf dem Wasserski Im Stadtbad Mitte in der Garten st raße gab es heute für die Frühaufsteher in der großen Schwimmhalle«ine kleine Sensation. Der Wiener Professor Miller, ein eifriger Wasser- sportler, führte auf Veranlassung des Stadtamtes für Leibesübungen vor einem Kreis von Vertretern der Berliner Presse gemeinsam mit dem Sportwart des österreichischen Wasser-Ski-Klubs die Technik des Wasserlaufens vor. Professor Miller, der diese in Deutschland noch unbekannte Wassersportart propagiert, kommt nach einer viele hundert Kilometer langen Wasserfahrt, die vom Neckar zum Main und Rhein führte, nach Berlin. Dieser neue Sport wird zweifellos auch viel Gegenliebe bei den Wassersportfreunden finden, und es dürfte nicht allzu lange dauern, bis man auch auf den Gewässern in der Umgebung Berlins zahlreiche Wasserskiläufer wird beobachten können. Die Wasserskier beruhen auf dem Prinzip der Faltboote. Es sind zwei Gummihäute, die durch Holzstabeinlagen die Form eines Miniaturguinmibootes erhalten. In beiden Skiern kann genügend Gepäck für eine längere Fahrt untergebracht werden. In der Mitte eines jeden Wasserläufers befinden sich wie beim Schnee- stier richtige Stahlbacken, die dem Fuß den nötigen Holt geben. Durch einen Gummizug, der die Wade eng umspannt, wird der Wasscrläufer völlig dicht abgeschlossen. Die Fahrt kann nun beginnen; mit einem Doppelpaddel und einigen Fußbewcgungen, die keineswegs anstrengend oder ermüdend sein sollen, geht es flott vorwärts. Professor Miller hat selbst 499 Kilometer aus der Donau ohne Pause zurückgelegt. Die Technik sollen gewandte Sportler schon nach wenigen Tagen völlig beherrschen. Im weiteren Verlauf der Vorführungen wurde das Aufstehen und Stürzen rückwärts und seitwärts, Ilmtreten während der Fahrt und Floßbildung gezeigt. Di« Skier stellt eine deutsche Firma komplett für etwa 169 M. her. Das Gewicht beträgt 15 Kilogramm, das ganze läßt sich im Rucksack bequem verstauen. Ausscheidungskämpfe im Ringen Nach kurzer Sommerpause beginnen sich die b u n d e s- treuen Arbeiterathleten des 4. Kreises bereits wieder mit ganzem Kräfteeinsatz zu regen. In der Turnhalle der Ober- realschule in Tegel fanden die Ausscherdungstäinps«, für eine Stödtemannschast im Ringen, der Bantam- und Halbschwergewichts- klasfe statt. Die stärksten Berliner Vertreter ihrer Gewichtsklassen rangen hier im Treffen jeder gegen jeden. Die zahlreichen Zu- schauer waren von dem großen technischen Können der Athleten vollauf befriedigt. In der Bantamgewichtsklasse waren Splietstößer (L.-F. 94) und Langer(Sparta) die Besten, die sich für den End- kämpf in ihrer Klasse placierten. Mit großem Elan und vielseitiger Technik wurde im Halbschwergewicht gestritten. Wittkamm (Sparta), Kretschmar(Sparta) und Höhen(Tegel), bei denen die Ringkunst in bester Pflege ist, kämpf-en lange um die Teilnahme am Schlußkampf. Für den Entscheidungskamps, der am Sonntag, dem 24 August, im Lokal von Schonert in Stralau-Rummelsburg zur Durchführung gelangt, sicherten sich der Spartaner Kretschmer und der kampfstark« Tegeler Höhne den Start. Am gleichen Tag« kommen ebenfalls in Stralau-Rummelsburg die Treffen in den übrigen Klassen zum Austrag. « Di« � Boxatteilun» der„Freien Sportvereinigung Tegel 189 9" trainiert jeden Dienstag und Freitag von 19 bis 21 Uhr in der Humboldtschule in Tegel, Graf-Rödern-Korso. Neu- ausnahmen in den Uebungsstunden. sm 23.— 24.Au0ust in Nowawes Es spredien; zur Weihe der 50 Sturm-Bundesfahnen Sonnabend, 21 Uhr, Friedridi-Klrdi-Platr Gen. Franz K&netler, MdR. Der Fackelzug beginnt um 20.30 Uhr Für die Frauen: Sonntag, 15 Uhr, im Stadion Gen. KSihe Kern Frauen! Bundesgenossinnen, beteiligt eud> restlos! Meldet noch heute eure Teilnahme 1 * Am Dienstag, dem 19. August, findet eine Sitzung in der Kreisgeschäfts st elle, Elsasser Straße 86.'88, Aufg. A 4 Tr., statt. Die Plaketten müssen abgerechnet werden. Nicht abgeredznete Plaketten werden als verkauft angesehen. Kreisfrauenausschuß. Arbeitersportverkebr mit Norwegen Der Präsident der Sozialistischen Arbeiter-Sportinternationale Dr. I. Deutsch(Wien) hat bei einem Besuch in Norwegen mit der Leitung des dortigen Arbeitersportverbandes einen Gedankenaustausch gehabt, worüber das sozialdemokratische Arbeiderbladet in Oslo schreibt, daß keine Unstimmigkeiten zwischen der norwegi- schen Arbeitersportleitung und der Sozialistischen Arbeiter-Sportinter- nationale bestehen. Es hat sid) vielmehr gezeigt, daß eine weit- gehende Uebereinstimmung in den beiderseitigen Ausfassungen vor- liegt. Auf beiden Seiten wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, den Sportverkehr aufzunehmen.— Der norwegisch« Verband gehört formell noch zur Roten Sportinternationale(Moskau), hat sich aber auf seiner letzten Tagung die diktatorischen Anweisungen und Ein- Mischungen Moskaus in seine Verbandsangelegenheiten verbeten und ein« Leitung gewählt, die fast ausschließlich aus Mitgliedern der Arbeiterpartei besteht. Wie die Fußball-Leitung des Arbeiter- Turn- und Sportbundes mitteilt, ist das erste offizielle Länder- fußballspielDeutschland— N o r w e g e n für den 21. September in Hamburg vorgesehen. Die preise des Europafluges. Nachdem die Internationale Sporttommission des Europafluges die endgültigen Wertungsergebniss« des„Internationalen Rund- fluges" fertiggestellt hat, konnte auch die Zuerkennung der zahl- reich zur Verfügung stehenden Geld- und Ehrenpreise erfolgen. Den Löwenanteil an Preisen heimste natürlich der deutsch« Ge- samtsieger Fritz M o r z! k ein. Während die Barpreise in Höhe von 199 999 französischen Franken und 3999 Mark der von Morzit vertretenen Deutschen Derkehrsfliezerschule, Braun- schweig, zufallen, erhält der famose Pilot ein« große Anzahl wert- voller Ehrenpreise, darunter die des Reichspräsidenten, des spanischen Königs, der Rsichsregierung, des österreichischen Bundesministeriums, der Deutschen Lufthansa, der Bayerischen Flug- zeug-Werke, der Wissenschaftlichen Gesellfchaft für Luftfahrt, des französischen Aero-Club und des Magistrats der Stadt Augsburg. Der Rest des offiziellen Preisfonds von 259 999 Franken wird der- gestalt verteilt, daß der zweite 59 999, der dritte 25 999, der vierte 15 999, der fünfte bis zwanzigste je 19 999 Franken erhalten. Deutschland schneidet dabei mit 275 999 von insgesamt 359 99 9 Franken am weitaus günstigsten ab. Neben dem Sieger Morzik sind auch die nächstplaeierten Poß, Notz und Broad gut mit Preisen bedacht worden, standen doch neben den offiziellen Bar- preisen nicht weniger als 32 Ehrenpreise zur Verfügung. Rutt-Arena-Radreiuici» verregnet Das gleiche Schicksal wie die am Donnerstag in Amsterdam vor- gesehenen Radrennen teilte auch die am Freitag auf der Rütt-Arena in Berlin geplante Veranstaltung. Bei dem unbeständigen Wetter war an eine Abhaltung der Rennen nicht zu denken. �rbeitersdiwunmer am Sonntag! Sommerbadweihe des S. V. Hove— Schwimmtest im Tcltowkanal! Am Sonntag weiht der Schwimmverein„Mövc",j3er unlängst wieder zum Bund zurückkehrte, sein eigenes Bereins-Sommer- bad in Neukölln, an der Grenzallee neben dem Freibad Neukölln, ein. Die Schwimmsport liebende Bevölkerung des Südostens, Neu- köllns usw. ist zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen. Beginn 3 Uhr nachmittags. Eintritt 29 Pfennnig. Neben Reigenvorfüh- nmgen und erstklassigen Wasserballspielcn zeigt der ZlSV.„Neu- kölln" neue gymnastische Uebungcn. Konzertliche Darbietungen um- rahmen das interessante Programm. Als Auftakt zur Bad-Einweihung findet heute Sonnabend, nachmittags 6 Uhr, an der Kaiser-Friedrich-Brücke in Neukölln eine wassersportltche Veranstaltung statt. Reigen, Wasser- ballspielc und vieles andere werden dort gezeigt. Ereie Schwimmer im Tcltowkanal! Ein interessanter Schwimmwettkampf wickelt sich am Sonntag nachmittag an der Baekebrücke im Teltowkanal in L i ch t e r f e l d e ab. Die Vereine Charlottenburg, Berliner Schwimm-Union, SV.„Freiheit" und Frei« Schwimmer Berlin XII tragen einen Vereins-Vierkampf aus. In 7 Stafetten werden die Dereine kämpfen müssen, um die notwendigen Punkte zu fam- meln, die für den Sieg entscheidend sind. Wieder ist hier die Kreis- reigenmannschaft der Frauen vertreten, die ihre Kunst in dieser Sportart zeigen will. Den Clou des Tages bildet das Wasser- bollspiel zwischen der /c- Mannschaft Berlin XII und dem neuen Bundesmeister Freie Schwimmer Charlottenburg, die sid) am letzten Sonntag bei den End- kämpfen um die Vundesmeisterschaft gegen Franken-Nüryberg und Hannover erfolgreich durchsetzen konnten. Das Spiel beginnt um 5 Uhr und der Ball wird durch ein Flugzeug des Flugverbandes Sturmvogel abgeworfen. Weiter spielen Freiheit 1 gegen Union 1, sowie die Jugcndmannschasten von Berlin XII und Freiheit. Bc- ginn der schwimmsportlichcn Wettkämps« um �4 Uhr. Wochenende mik den Nakursreunden! Dt« Wochenendfnhrten des Touristenvereins„Die Naturfreunde" erfreuen sich immer regen Zuspruchs. Wir lassen alle die Fahrten folgen, die noch im August veranstaltet werden.— Kloster Chorin-Plagefcnn. 17. A u g u st. Bahnfahrt nach Chorinchen, Besichtigung der Kloster- ruine und danach Wanderung durch das Plagefenn(Naturschutzpark) nach Liepe. Lieper Schleusen, Niedcrfinow.— Zur Heide- b l ü t e in den Fläming. 39./31. A u g u st. Wanderung burdj die sehenswerten Neuendorfer Rammeln und Garreyer Kessel zur Burg Rabenstein(Besichtigung), Abstieg nach Raben und Wanderung nach Belzig.— Dessau und W ö r l i tz e r Park. 39./31. August. Bahnfahrt nach Dessau und Besichtigung der Stadt. Sonntag früh nach Wörlitz und Besichtignug der herrlichen Naturparks von Wörlitz.— Teilnehmerkarten zu den Wochenendfahrten jeweils zwei Wochen vor Stattfinden einer jeden Fahrt in der Gefdzäf»-- stelle, N 24, Iohannisstr. 13. oder bei Schmidt, W 59, Rankeitr. 39, Walter, Berlin-Neukölln, Sieafriedstr. 55, Meckelberg. Berlin- Treptow, Graetzstr. 59, Sinn, N 29, Stettiner Str. 39, Thomas, N65, Luxemburger Str. 1._ A«rt«l für Arbeitersport und Silrprrvflrge, Z. Bezirk Wrddin,,. Am Moi- tag. drin 18. August, 20 Uhr. ktarirllsiung im Restaurant...Zilr Linde". Uicr. strastc 13. Gichtige Tagesordnung. Sämtliche Vorststenden u. Delegierten müssen erscheinen. Jeder Verein der Abteilung muss uertrcten sein.— Be»i'k,k»:t«il Paaknw. Am Montag, dem 18. August, findet im Lokal non Lehmann. Mühlen, Ecke Mahimilionstrasse, eine michtigc Kartellsistung statt. Beginn 10'. Uhr. Tagesordnung: Rcichotagowohle». �TSB..Teilnehmer am Erössnungskougrest der Metallarbeiter treffen sich am Sonntag, dem 17. August, um 10',$ Uhr, im Garten des Snortpalastes. Bereis»Fre'e Sammler�. Mitglied des Arbeiter-Sammler-Vundes lBSaB.). Ausammenkunft heute, IZ/H Uhr, Schule Weinmcisterstr. 10—17. Sonnabend. 16. August. Berlin. 16.05 Dr. Max Poiiaczek.: Launen der GlOcksröttin. 16.30 Unterhaltungsmusik. 18.10 Alexander von Sacher-Masoch: Errählunz. 18.40 Sportrorschru. 19.00 Arbeitsmarkt. 19.05 Unbekannter Jazz. 20.00 Alfred Braun:„Sprecwald". Eine Reportace. 70.30..Eau de Colog:nc", Schwank in vier Aufzügen von Hans Müller- Schlösser. Gastspiel des Autors mit seinem Ensemble. Nach den Abendmeldunsen bis 0.30: Tanzmusik. Könicswasterhausen. 16.00 Hambure: Nachmittagskonrcrt. 17.30 Stud.-Rat Heinz Monzel: Dichter der Gegenwart als Theoretiker der Erziehung. '18.00 Carl Jansen, Albert Vo3: Verantwortung und Arbeiterpersönlichkeit. 18.30 Dietrich Maydorn: Die Sicherheit auf Seeschiffen. 18.55 Französisch für Fortgeschrittene. 19.75 Karl Focrstcr: Das Gesicht des Gartens im August. 70.00 München: Bunter Abend. Sonntag, 17. Aueust. Berlin. 7.00 Hamburg; Hafenkonzert. 8.00 Für den Landwirt. 8.50 Morgenfeier. 10.05 Wcttcrvorhcrsaee. 11.00 Bach: Kantate Nr. 105 für Sopran, Alt, Tenor, Baß und«cmlschten Chor. 12.00 Mittajrskonzert. 14.00 Lisa Tetzner: Zum 100. Geburtstag: von Volkmann-Lcander. 14.30 Was gibt's denn Neues?(Willi Schacffcrs und Paul Nicolaus.) 15.00 Reportage vom Stralaucr Fischzug.(Am Mikrophon: Alfred Braun.) 15.40 Potsdamer Garnisonkirchc: Orgelkonzert.(Prof. Otto Becker.) 16.05 Hilaire Bclloc. Uebersetzt von Sigismund von Radccki.(Sprecher: Sigismund von Radecki.) 16.30 Mandolinenorchester-Konzert. 18.00 Friedrich Eisenlohr liest eigene Novellen. 18.20 Unterhaltungsmusik. 19.20 Sportnachrichten. 79,30 Eine Landstreichernovclle von Maxim Oorki.(Sprecher: Alfred Bcierlc.) 20.00 Populäres Orchestorkonzert. Anschließend: Zeit, Wetter, Tagesnachrichten, Sport. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Königswnsterbausen. 11.30 Fritz Pimer: Mit meinen Kindern vor dem Bilderbuch. 18.30 Dr. Curt Zimmermann: Berühmte Liebespaare aus der Geschichte der Oper. 19.00 Prof. W. Schüßler: Kaiser Franz Josef. 19.30 Schulrat Fuchs. Dr. Michaelis: Im lindlichen Volkshochschulheim. 20.00 Frankfurt: Mr. Monts Geheimnis. 21.00 Kursaal Ostende: Slnfonfckonrert.