BERLIN Montag 18. August 1930 10 Pf. flr. 384 B 191 47. Jahrgang ErschelnttSslich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Bezugsprei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSW63,Lindcnstr.8 fflbwasfa Anteigenprei«: Die einspaltige Nonpareillezeil« so Pf., Reklameieile 5 M. Ermäßigunzen»ach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts, Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.375so. Fernsprecher: Dönhoff 2SS bi« 29? Llnsere Kandidaten für Potsdam Bezirksparteiiag Brandenburg- Grenzmark Im Festsaal des Preußischen Landtages wurden am Sonntag vom Bezirksparteitag für die Provinzen Bvandcnburg-Grenzmark die sozialdemokra- tischen Reichstagsabgeordnctcn für die Wahlkreise Potsdam I und Frankfurt a. d. Oder aufgestellt. In der Eröffnungsansprache des Vorsitzenden Emil Stahl wurdc mit Freude festgestellt, daß der kommende Wahlkampf eine fcstgcschlosscne Front von Partei und Gewerkschaften sieht und daß auf dieser Einigkeit im Kampf gegen die politischen und Wirtschaft» liche Reaktion auch die Gewißheit des Wahlsieges der Sozialdemokratie am 14. September beruht. Abg. Ludolf Wisse» hielt einen politischen Vortrag, der sich in seinem ersten Teil mit den Regicrungs Methoden des Kabinetts Brüning befaßte. Die Jnteressentenhausen feilschten um politische Trinkgelder und schacherten mit ihren Stimmen wie ein Trödler um ein« alte chose. Die eine Gruppe verdient an der Biersteuer, die zweite am Tabak und an den Zigaretten, die nächste am Benzin, die vierte durch den Käse, den Herr Schiele aufkaufte, um die paar Bayern» stimmen zu gewinnen. Die Wirtschaftspartci erpreßte von Brü- umg die Konsum Vereins st euer, die Volkspartei machte ihr« Zustimmung zu den Notverordnungen von der Einführung der K o p s st e u e r abhängig; die Dcutschnationalen verkrngten höhere Zölle und neue Subventionen. Im Kabinett Brüning war kein Feldherr zu finden; in dem„Kabinett der Frontsoldaten" war der Z a h l m e i st e r die wichtigste Person. Wissel! behandelte dann sehr eindringlich das Kapitel der Sozialoersicherung. Dos Zentrum hat das Arbeitsministe- riuni festgehalten, solange es auf dem Gebiete der Sozialpolitik aufwärts ging. Als aber die Wirtschaftskrise einsetzte, als infolgedessen eine weitere Entwicklung der Sozialgesetzgebung vorerst gehemmt war, und als dann die Volkspartei aus den Abbau der Sozialfürsorge drängte, da hat das Zentrum seinen Arbeitsministcr schleunigst zurückgezogen. Den Aufbau, der mit Hilfe der Sozial- demokratie vor sich gegangen ist, wollte das Zentrum allein an seine Fahnen heften, aber die Verantwortung für einen Abbau wollte man der Sozialdemokratie zuschieben. Wir haben uns g c w c i- gcrt, den von der Volkspartei gesordertcn reaktionären Kurs mitzumachen. Wir haben alles daran gesetzt, um das bisher Erreichte zu verteidigen. Wir haben es abgelehnt, uns vor den Arbeitern diskreditieren zu lassen, sondern wir haben immer wieder darauf hingewiesen, daß die Sozialversicherung aufrechterhalten werden muß, weil an eine Besse- rung der Wirtschaftslage vorläufig nicht gedacht werden kann. Noch am Tag« vor dem Rücktritt der Regierung Müller ist den Führern des Zentrums der Ernst der Situation noch cimnal vor Augen gejührt worden, aber der jetzige Reichskanzler Brüning hatte darauf nur die Erwiderung, daß der sozialdemokratische Arbeits- minister Wissell die Lage viel zu schwarz sähe; und in jenen Tagen warnte auch die Zentrumspress« vor dem sogenannten.Lweckpessi» mismus" der Sozialdemokraten. Die Entwicklung hat gezeigt, daß die Lage noch nicht schwarz genug gemalt ivar. Die Ent» Wicklung hat aber auch erwiesen, daß unser Widerstand gegen einen Abbau der Sozialgesetze richtig war. Die schwerindustrielle„Deutsche Allgemeine Zeitung" bescheinigt jetzt, daß der Zentrumsminister Slegerwald durch seine Maßnahmen fast eine Milliarde eingespart habe. Wir können diese Zahl nickst nachprüfen, aber Stegerwald Hot sich bis zum heutigen Tage nicht gegen die Berechnung der Schwerindustrie zur Wehr gesetzt. Den Arbeitern werden die ka r- gen Unter st ützungen gekürzt. Das Rotopser der Arbeits- losen ist riesig groß. Aber dieser rigorosen Behandlung der Aermsten der Armen steht die Tatsache gegenüber, daß sich die Regierung Brüning an den Großgrundbesitz nicht herantraut. Eine schärscre Anklage gegen das System Brüning gibt es nicht; denn sie selbst begründet die säst völlige Freilassung de» Besitze» vom�Rotopser mit der Furcht einer noch größer werdeirden K a p i- talslucht ins Ausland. Wissest streifte in diesem Zusammenhang alle die sozialrcaktionären Verordnungen, durch die mit versossungs- widrigen Mitteln den Wöchnerinnen, Kriegsbeschädigten, Kranken- kasscnpatienten und Fürsorgebedürstigen die Bezüge gekürzt werden. Das alles geschieht unter der offiziellen Fühning des Zentrums. Die Deutsche Volkspartei hat es verstanden, die Herren Brüning und Stegerwald ihren reaktionären Zwecken dienstbar zu machen. Nach einer Charakterisierung der bürgerlichen Parteien sprach Wissest sehr überzeugend von der Notwendigkeit, im kommenden Wahlkampf nicht nur das restlos« Versagen der Regierung Brüning Eindeutig festzustellen, sondern auch Wert aus die Behandlung der Rechenschast und Kampfansage Hermann Mütter in Mrnberg Nürnberg, 18. August.(Eigenbericht.) In Nürnberg sand am Sonntag ein außerordentlicher Partei- tag für den Bezirk Franken statt, der die letzten Vorbereitungen für den Wahlkampf zu treffen hatte. Den Auftakt bildete eine Rede des Genossen Hermann Müller über das Thema„Vom alten zum neuen Reichstag". Hermann Müller, vom Parteitag stürmisch begrüßt, ging in seinen Betrachtungen von dem Ergebnis der Reichstagswahl 1028 aus und zeigte, daß etwas anderes als die Große Koalition nach dem Wahlausgang von 1928 nicht möglich war. 21 Monate hindurch gelang es der Regierung sich zu halten. Die Deutsche Volks- parte! hat aber— wie ihr Führer Scholz erklärte— den Sturz der Regierung bewußt betrieben. Es sprechen sehr starke An- zeichen dafür, daß auch im Zentrum Monate vor dem Sturz der Regierung bestimmte Kreise mit dem Gedanken spielten, es auch einmal mit rechts zu versuchen. Brüning übernahm die Bildung einer Regierung, in der die Sozialdemokratie nicht vertreten sein sollte und der auf Wunsch Hindenburgs Schiele angehören sollte. „Die Behauptung des Herrn Dr. Scholz", erklärte Hermann Müller, „daß auch ich bereit gewesen wäre, mit dem Artikel 48 zu regieren, wenn Hindenburg dazu die Genehmigung gegeben hätte, ist falsch. Hindenburg hat niemals erklärt, eine solche Ermächtigung zu ver- sagen. Die Frage war aber gar nicht akut." Man kann sich gewiß sehr gut denken, daß auch eine sozialdemokratische Regierung von dem Artikel 48 Gebrauch machen muß, wenn wie zu E b e r t s Zeiten dazu die Voraussetzungen gegeben sind. Aber dies« Voraus- setzungen haben bei der jetzigen Anwendung gefehlt. Schlimm war auch, daß man die Verordnungen bei Anwesenheit des Reichstages erließ. Dieses Vorgehen ist deshalb bedenklich, weil sich«ine spätere Regierung bei dem Inkraftsetzen von Gesetzen und des Etats auf solche Vorgänge lserusen kann. Die Sozialdemokratische Partei war bereit, weitgehende Vorschläge zu akzeptieren, die die Finanzen des Reiches in Ordnung halten sollten, aber keineswegs alle. Wir wollten die soziale Lag« der Besteuerten mehr berücksichtigt wissen. Unser« Gemeinden werden im kommenden Winter schweren Zeiten entgegengehen. Wir waren auch hier bereit, zu helfen. Falsch aber ist die Behauptung, daß im hilserdingschen Steuer. Programm bereits die Kopfsteuer vorgesehen war. Ueber diese Frage wäre es damals fast zum Bruch der Regierung gekommen. Die Kopfsteuer, die die Deutsche Dolkspartei durchsetzte, wird zum Teil uneinbringlich sein und dient praktisch zur Verärgerung der Bevölkerung, aus die die Rechtsparteien spekulieren. Im nächsten Reichstag wird es die Aufgabe der Sozialdemokratie sein, einen Weg zu finden, um dieser Verordnung die Gijtzähnc auszubrechen, ohne dabei die Arbeitslosenversicherung und den Etat ins Wanken zu bringen. Unser Kampf geht um die Erhaltung der K a u f k r a s t der Arbeiterschaft. Durch die Einführung des Schlichtungs- wesens und der Arbeitslosenversicherung ist uns das nach dem Krieg einigermaßen gelungen. Bei dem jetzigen Wahlkamps handelt es sich nicht mir um die Sozialpolitik,.sondern auch um eine gesunde Wirtschaftspolitik, die nicht durchgeführt werden kann ohne eine � scharfe Kontrolle der Kartelle. Wir müssen den Wählern immer wieder ins Gedächtnis rufen, wie die sozialen Ausgaben seit der Revolution gestiegen sind. Das zeigt die starke Beeinflussung des Etats durch die positive Mitarbeit der Arbeiterklasse, der Sozialdemokratie. Wir sehen aber trotzdem noch ungeheures Elend. Ihm gilt unser Kampf! Wer uns dabei in den Rücken fällt, ob Nationalsozialist oder Kommunist, der macht sich des Verrates an der Zlrbeiterklasse schuldig. Wir gehen den Kampf für und mit der Arbeiterklasse. Die Versammlung nahm die Rede mit stürmischem Beifall auf. Rasch und reibungslos vollzog sich sodann die Aufstellung der Kan- didaten. Auf den ersten fünf Stellen stehen wiederum die bewährten, dem bisherigen Reichstag bereits angehörenden Genossen 5) c r- mann Müller, Hans Vogel- Berlin, Simon- Nürnberg, P u ch t a- Bayreuth und Seidel- Hof. Das Verbandshaus der Metall« arbeiter in Berlin eingeweiht Deutscher Krankenkassentag im Kampf um die Volksgesundheit (Siehe im Innern de« Blattei.) Siegerwald gegen Krankenkassen. Reichsaibeitsminisierium verläßt die Tagung. Dresden. 18. August.(Eigenbericht.) ZNinisterioldirektor G r i e s e r, der den Reichsarbeilsminister Stegerwald und die Reichsregierung aus dem krankenkassentag des houplverbondes Deutscher Kronkenkassen vertritt, hat die Tagung nach dem Referat des Vorsitzenden des Hauptverbandes, Helmut Lehmann, verlassen und folgendes Telegramm an ihn gerichtet: „Nachdem Herr Lehmann politische A n g r i s s e aus den Reichskanzler und aus den Reichsarbeilsminister Siegerwald gerichtet hat, bin ich gezwungen, die Tagung zu verlassen, da mit dieser der Rahmen der den Krankenkassenvereinigungen durch Ge- seh gezogenen Grenzen überschritten wurden." Lehmann wandte sich in seinem Referat gegen die Angriffe der kommunistischen und der Zentrümspresse, er sei Anreger und Vater der Notoerordnung. Er betonte, daß Reichsarbeitsminister und die Reichsregierung für die Notverordnung die Verantwortung zu tragen haben. Wenn die Ausführungen Lehmanns an dieser Stell« politisch gefärbt waren, dann hat er in gebotener Selb st Verteidigung gehandelt. Schließlich hat Lehmann in seinem Referat nichts anderes festgestellt, als was vorher Grieser in der Begrüßungsrede kon- statierte. Man kann schon annehmen, daß es für Grieser unmöglich war, die Feststellungen Lehmanns zu widerlegen und daß er es vor- gezogen hat, die Tagung zu verlassen. pofiauto stürzt in die Elbe. Furchtbares Krastwagenunglück im Riesengebirge. Acht Tote, viele Schwerverlehte Dresden, 18. Zlugust.(Eigenbericht.) Am Sonntagvormittag ereignete sich in der Nähe von Spindlermsihle im Riesengebirge ein furcht» bares Omnibusunglück» das acht Todes- opfer forderte. Ein offenes Postauto, das die Reisen- den von Hohenelbe nach Spindlermühle bringen sollte, geriet ins Schleudern, durchbrach das Straßengeländer und stürzte die Böschung hinunter in die Elb e. Bevor Hilfe gebracht werden konnte, war ein Teil der Fahr» gaste in dem schmuhig-braunen Wasser bereits er- trunken. An die Unfallstelle ist Militär geschickt worden, damit Nachforschungen nach den Ertrunkenen angestellt werden. Tie Bergungsarbeiten gestalteten sich schwierig, da die Elbe Hochwasser führt. Unter den Toten befinden sich die Berliner Aerztegattin M e n d e l s o h n, die in Spindlermühle zur Kur weilte, ein weiterer Kurgast aus Spindlermühle, zwei Kinder im Alter von 8 bis 14 Iahren und der Wagenführer. Die übrigen Toten sind Bürger aus Spindlermühle und Hohenelbe. Der Vater der beiden getöteten Kiirder befindet sich gleichfalls unter den Todes- opfern. Er hotte den Autobus benutzt, um seinen Kindern die überschwemmte Talsperre zu zeigen. Die sechs Verletzten wurden sofort ins Krankenhaus geschafft. Drei von ihnen haben lebens- gefährliche Verletzungen erlitten. Da der Chauffeur des Autobus selbst unter den Toten ist, konnte eine verläßliche Aussage über die Ursache des Unglücks nicht erzielt werden. Das Unglück dürft« dadurch geschehen sein, daß der Autobus einem Automobil oder einem Radfahrer an der verhältnismäßig engen und abschüssigen Stelle der Straße auswich. Die zur Hilfe herbeieilende Militärabteilung oersuchte den Autobus zu heben, was aber wegen des hohen Wasserstandes nicht gelang, Kdnöidaten' Musterung für die lieber- Ichwemmung in Steinicken dorf JCaubenkolonien in Steinickendorf- Ofi unter Staffer infolge der Iropifchen Stegengüffeder letss- len Vage Zug rast in Menschenmenge Entsetzliche Katastrophe bei einem Keuerwerk— Sechs Tote! Belgrad, 18. August. Wie aus Agram gemeldet wird, fuhr ein Güterzug auf der Strecke Tusak— Agram in eine Zuschauer- menge» die einem Feuerwerk zusah. Tabei wurden 6 Personen getötet und 14 schwer verletzt. Auf einem Sportplatz wohnten annähernd 30 000 Menschen dem F e u e rw e r k bei. Eine große Anzahl Personen hatte sich auf einem Bahndamm niedergelassen, der an den Sportplatz grenzt. Um 9.13 Uhr, als das Feuerwerk seinen Jjohepunkt erreicht hatte, näherte sich von Susak her der nach Agram fahrende Güter- zug mit geringer Geschwindigkeit. Der Lokomotivführer gab wiederholt Signale, um die Leute auf dem Bahndamm auf den Zug aufmerksam zu machen. Die Zuschauer waren aber von dem Schauspiel zu sehr in Anspruch genommen. Der Lokomotivführer konnte infolge der abschüssigen Strecke den Zug nicht mehr zum halten bringen. Drei Personen blieben auf der Stelle t o t liegen, 17 mußten mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden, wo drei weitere gestorben sind, so daß die Katastrophe im ganzen sechs Todesopfer forderte. Nach dem Feuerwerk kam es auf dem Platz noch zu einer Panik. Die abströmende Menge hatte die Ausgänge verrammelt, so daß ein wildes Gedränge entstand, in dem zahlreiche Personen verletzt wurden. Mit dem Beil gegen die Braut DieItache des Verlassenen /Liebestragödie in der Bergstraße In der Vorhalle des Potsdamer Bahnhofs überfiel am Sonntag früh der ZOjährige Lagerarbeiter Max w o b i g feine Braut, die 19jährige Hildegard h. aus der Rodenbcrgslraße, und brachte ihr durch B e i l h i e b e schwere Kopsverlehungen bei. Der Täler versuchte in der ersten Ausregung zu entkommen, wurde aber eingeholt und der Polizei übergeben. Das jutzgc Mädchen hatte erst kürzlich die Beziehungen zu Wobig g e l ö st. Als seine Wiederannäherungsversuche fehlschlugen, beschloß W., sich zu rächen. Er hatte in Erfahrung gebracht, daß die Mutter seiner früheren Braut nach dem harz fahren und daß die Tochter sie zum Bahnhof begleiten würde. Darauf baute er seinen Plan auf. Er steckt« ein Beil zu sich und hielt sich in der Bahnhofshalle verborgen. Als Fmu h. mit ihrer Tochter erschien und durch die Sperre gehen wollte, sprang Wobig hinzu und schlug mit dem Beil auf das Mädchen ein. Die Berletzte erhielt auf der Rettungsstelle in der Eichhornstraße erste Hilfe. In seiner Wohnung in der B c r g st r a ß e 63 versuchte der 22jährige Arbeiter August h. seine Braut, die 21jährige Haus- angestellte Elise M., durch einen Schuß zu töten. Unmittelbar dar- aus brachte sich h. einen Schuh in oie Schläfe bei. Nach den polizei- lichen Ermittlungen stellt sich der Vorfall als eine Eifersucht»- t a t dar. h. glaubte Grund zur Eifersucht zu haben, und als ihn seine Braut am Sonntag besuchte, machte er ihr wieder schwere Vorhaltungen. Als das Mädchen darauf die Wohnung ver- lassen wollte, zog h. in seiner Erregung ein« Pistole hervor und feuerte von hinten aus seine Braut. Eine Kugel traf in den Kopf, jedoch ist die Verletzung nicht lebensgefährlich. Der Täter dagegen liegt noch immer bewußtlos im Lazaruskrankenhaus danieder, an seinem Aufkommen wird gezweifelt. Wo ist der Schimpanse? Berliner auf Affenfang.— Sin Stadtviertel in Aufregung. Am Sonntag früh entsprang aus dem Tierhof in der Schickler- straße ein junger Schimpans e. Der klein« Ausreißer flüchtete in den Untergrundbahn tzinnel am Bahnhof Iannowitzbrücke, wo es trotz aller Versuche nicht gelang, das Tier wieder einzusaugen. Der Zugverkehr mußte etwa zehn Minuten lang unterbrochen und der Strom ausgeschaltet werden. heute in aller Frühe versuchte man dann erneut, den Schimpanse wieder zu bekommen. Die BVG. mar inzwischen der Sorge um die Affenjagd enthoben, da der Flüchtling sich während der Nacht durch den im Bau begriffenen Verbindungstunncl zur Reichsbahn auf reichsbahnfiskalisches Gelände begaben hatte, wo es ihm im Vaugcrümpel vor dem Bahnhos am besten gefiel, hier sprang er heute vormittag lustig umher, widerstand aber allen Lockungen und konnte bisher nicht wieder in den Tierhort zurückgebracht werden. Es handelt sich übrigens bei dem Affen um einen alten Ausreißer, der dem Tierhort als Findling«ingeliefert wurde, als er auf dem Marktplatz in Friedrichsfelde allerlei Unfug angerichtet hatte. * Wie wir bei Redaktionsschluß erfahren, soll der Schimpanse einer hitlerschen Sturmabteilung in die Hönde geraten und beigetreten sein. Jetzt ist es nicht mehr möglich, ihn wieder heraus- zufinden' weltwirtschaftlichen Zusammenhänge zu legen, die zu der jetzigen riesenhaften Krise geführt haben. Diese Weltkrise ist niit kapitalistischen Mitteln nicht zu lösen. Nur im Sozialismus liegen die Möglichkeiten zur Ueberwindung dicser chaotischen Zustände. E» ist die Ausgab« der Wähler, den Einfluß der Sozialdemo- krattschen Partei zu oerstärken, damit wir die Wirtschaft veranlassen können, mit dem in seiner Existenz gesicherten Proletariat für das Proletariat zu produzieren. Der Vortrag Wissells wurde mit lebhaftein Beifall aufgenvm- men. Nach einer kurzen Diskussion begriindete Parteisekretär Wik- Helm Krüger die Wahloorschläge, die vom Zentralvorstand nach den Vorschlägen der llnterbezirk« zusammengestellt worden sind. Die bisherigen Abgeordneten Franz Kotzke und Wilhelm Staad- Potsdam haben in Anbetracht ihres vorgeschrittenen Alters gebeten, nicht wieder aufgestellt zu werden. Emil Stahl spracht als Bezirksvorsitzender beiden Abgeordneten den Dank für ihre jahrzehntelange Arbeit im Dienste der Partei aus. Die Abstimmung ergab die«instimmig« Annahme der Kandidatenlisten für Potsdam l und Frankfurt a. d. Oder Wahlkreis Potsdam I: 1. Rudolf wisfell, 2. Rudolf S r e i t s che i d, 3. Rlaric Iucharz, 4. Hermann Müller (Lichtenberg), 5. Friedrich Eberl, 6. David S tetter, 7. Hermann Solomon, S. Hans kohl, 9. Erich G i e r k e. 10. Ernst Henkel, 11. Bruno Ihcck, 12. Blax Bauer, 13. Hugo Fleischer. Wahlkreis Fr a n k s u r t a. d. Oder: 1. Otto Wels, 2. Oswald Schumann, 3. Ernst h e i l m a n n, 4. Anton R e i ß n e r, 5. Else Riewiera, 6. Oskar wegencr, 7. Earl Vollmers- hau», 6. Willi S I e l a s f, 9. Otto Bohnen st engel, 10. Richard Friedrich. 11. Franz Mall Hey, 12. Bernhard Krüger. Für die Reichsliste wurde Franz Scheffel, Vorsitzender de» Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands, vorgeschlagen. * Bezirksvorsitzender Emil Stahl hielt das Schlußwort, in dem er die Einsetzung aller Kräfte forderte, um am 14. September die Reaktion niederzuringen und den Sieg der Sozioliiemokrotie zu erkämpfen. Wahlkreis Magdeburg-Anhalt. Der außerordeiitliche Parteitag der Sozialdemokratie des Wahlkreises Magdeburg-Anhalt beschästigte sich am Sonntag mit der Aufstellung der Kandidatenliste zu den Reichstagswahlen. Ein- rütig wurde die dem Bezirksparieitag vors:,ilc Kandidatenist e angenommen, die außer dem Spitzenkandidaten, Oberbürger- isister Hermann Bei ins u a. folgende Namen' ausweist: politischer Darwinismus Deutsche Staat* partei 2�1 >____ � »Auslese der Tüchtigsten" in der Staatspartei, ein Kapitel aus dem Kampf ums O a-(nämlich: auf der Liste) sein. Ferdinand Bender, Gewerkschastsangestelltcr, Berlin; Paul Bader, Schriftsteller, Magdeburg; Gustav Fcrl, Bezirkssekretär, Magdeburg; Dr. Fritz Baade, Volkswirt, Berlin; Gerhard Seeger, Redakteur, Dessau; Frau Fiedler. Wahlkreis Hessen. Oer außerordentliche Parteitag Hessens wählte zum Spitzen- kandiöaten für die Reichstagswahl den bisherigen Reichstags- abgeordneten Dr. David- Berlin. An zweiter und dritter Stelle stehen der Pressereferent im hessischen Ministerium, Dr. Mieren- d o r s f- Darmstadt und Oberregicrungsrat Ritzel- Gießen. Die Genossen Ulrich und Dr. Ouesfel haben auf eine neue Kan- didatur verzichtet. Wahlkreis Oortmuni.. Für den Wahltreis Westfalen-Süd wurde» von der Sozialdemokratie u. a. folgende Kandidaten aufgestellt: 1. Fritz husemann, Porsigcnder des Bergarbeiteroerbandes, Alwin Brandes, Vorsitzender des Metollarbeiterverbmides, Frau Berta Schulz, Redakteur Fritz henßler, Walter O e t t, n g h a u s, Konrad Ludwig, Karl Spiegel Kein Hiilerbefuch bei Hinöenburg. Amtlich wird erklärt: Zu den aufgetauchten Gerüchten über eine Lermittlungsaktion des Reichspräsidenten zwischen Herrn Schiele und Herrn o. Oldenburg-Janu schau, sowie über eine angebliche Zusammenkunft mit den nationalsozialistischen Führern 5) i t l e r und General v. Epp in Dietramszell wird noch- rnals festgestellt, daß all« diese Meldungen frei criunden sind. Der Reichspräsident hat nochmals erklärt, daß er sich grundsätzlich nicht in den Wohlkampf«inmische. Seine Erklärung wegen der Straf- Verfolgung des Herrn Goebbels habe keinen politischen Hintergrund, sondern entspricht rein persönlichen Gründen Die Einäscherung unseres am 15. August verstorbenen Genossen Robeel Weng.els findet am Mittwoch, dem 20. August, um 13.30 Uhr(S!4 Uhr), im Krematorium Gericht straße statt. Seheimrat Heck» Dank. Geheimrai Heck hat zu seinem 70. Geburtstag eine so große Zahl von werivallen Geschenken, Blumen- spenden und sonstigen Ausmerksamkeiten erhalten, daß es-ihm im- möglich ist, jedem seinen Dank persönlich auszudrücken.— Er bittet daher alle Gratulanten, sich mit dem nicht minder warm empfundenen Dank an olle bescheiden zu wollen. Heß spricht zu Zentrumswählern. Kritik der sozialdemokratischen Wahlpropaganda— gegen Diktatur. Der preußische Zentrumssührer Heß sprach!n dem mit 20 schwarzrotgoldenen Fahnen ausgeschmückten großen, gattz gut gefüllten Festsaal in der Teltower Straße über die Wahlen. Er wandte sich gegen die beiden Behauptungen der sozial- demokratischen Wahlpropaganda, daß der Sturz der Regierung Müller und die Zlnwendung des Artikels 48 von Brüning von langer Hand vorbereitet gewesen sei. Die Sozialdemo- kratie mache in dieser Beziehung denselben W a h l s ch w! n d« 1 wie 1928 mit dem Panzerkreuzer. Er begreife nicht die„Miß ver- stöndnifs«" im Reichstag: in der preußischen Politik kämen solche„Mißverständnisse" nicht vor. Da gehe man offen zu dem Koalitionspartner und schaffe Klarheit. Wenn Dr. Breit scheid erkläre, daß die Sozialdemokratie sich der B e r a n t w o r t u n g nicht habe entziehen wollen, so billige er ihm ohne weiteres den guten Glauben für diese Behauptung zu. Da die Sozial- demokraiie mit den Kommunisten zusammen 40 Prozent der Reichs- tagsmandaie habe, so werde ein„namenloses Unglück entstehen, wenn die Sozialdemokratie auf der ganzen Linie in die Opposition gelassen würde." Aber wer glaube, daß man hinter- her mit Diktatur regieren könne, der irre sich gewaltig. Das deutsche Zentrum lasse sich unler keinen Umständen aus eine Diktatur ein. Gegen Hilgenberg erklärte er, daß sein« verschrobene Politik der Sozialdemokratie mehr Macht at« je verschafft habe.''' von seinem Christentum zu halten sei, ergäbe sich daraus, dsg der Zeitungs- und Kinobesitzer in allererster Linie von den bewußten evangelischen Christen verlassen worden sei. Als einzige der nicht-sozialistischen Parteien stände das Zentrum, nach Bereinigung seines Führerstreites, fest. Berlin sei mit 400 000 Kmholiken.das größte katholische Gemeinwesen Deutschlands. Es müsse dafür ge- sorgt werden, daß mehr als ein Zentrumsobgeordneter hier gewählt werde. Es war an der Versammlung bemerkenswert, daß der Beifall nur zweimal stark war: als Heß den Satz gegen die Diktatur sagte und als er davon sprach, daß er sich nach seiner Uebersiedlung nach Berlin mehr der Diaspora widmen wolle. Sonst war auf- fällig, daß der Beifall immer wieder nur von einem verhältnismäßig kleinen Teil der ganz überwiegend aus Männern, vielfach jüngeren Alters, bestehenden Versammlung ausging. Die Zentrums- parte! hat eben kein fernes, gesellschaft-umgestaltendes Ziel mehr: „solange der Katholizismus besteht, ist die Existenz der Zentrums- parte! notwendig". Das war der Grundtenor der Heß'fchen Aus- führungen. Gerettet! Oie»Tahiti"-passagiere von amerikanischem Dampfer übernommen. London. 18. August. Die 148 Fahrgäste de» Dampfer»„Tahiti" sind nun sämtlich an Lord des amerikanischen Dampser»„Ventura", der Sonntag abend an der Ungtücksstelle eintraf, übernommen worden. Die 104 Mann starke Befaßung der„Tahiti" wird ebenfalls von dem amerikanischen Dampfer übernommen werden. Es besteht keine Hoffnung, die„Tahiti" durch die„Ventura" und den gleich- sall» zur Hilfeleistung herbeigeeilten holländischen Frachldampser „penybryn" abschleppen zu lassen. Oie Nergarbeiierlöhne gekündigt. Oer Zechenverband verdondlungsbereit. Bochum. 18. August.(Eigenbericht.) Ans Kreisen des Bergarbeiteroerbandes wird mitgeteilt, daß da» ossiziette Kündigungsschreiben de» Zechenverband e» Montag bei den tarisbeteiiigten Bergarbeiterorganisationrn eingegangen ist. Bcsiimmle Forderungen bezüglich der Reu- regelung der Löhne enthält das Schreiben nicht. Ebenso fehlt »eäx B-egtüaäuaa der Kündigung. Verbandstag der Mllionengewerkfchast Die stärkste Gewerkschaft der Welt in ihrem neuen Verbandshaus Gehetzt und schikaniert von der Polizei, verfolgt von den Gerichten, ausgestoßen von der Gesellschaft und dem Staat waren die Gewerkschaften anfangs der neunziger Jahre, als der Deutsche Metallarbeiter-Verband gegründet wurde uno seinen Sitz in Stuttgart aufschlug. Stuttgart liegt weit ab vom Zentrum Deutschlands und den Hauptzentren der Metallindustrie. Aber damals wurde dort nicht preußisch regiert. Polizei und Gerichte waren liberaler. Dem Klimd und dem Volkscharakter entsprechend gemütlicher. Inzwischen sind die wenigen Tausend, die sich vor jetzt bald 40 Jahren im DMV. zusammenfanden, zu einer Million angewachsen, zu der stärksten Gewerkschaft der Welt. Und nun hält der DMV. wieder seinen Verbandstag ab. Er ist gestern mit der Einweihung des neuen Hauptquartiers und der Feier im Sportpalast begonnen worden. Wenn der DMV. heute nach der Hauptstadt der deutschen Republik übersiedelte, so gewollt, daß damit sichtbar verbunden ist der Ausdruck der Kraft, des aufstrebenden Willens der Million Arbeiter und Arbeiterinnen, die in ihm vereinigt sind. Und deshalb hat er in unmittelbarer Nachbarschaft des Hauptquartiers der Sozialdemokratie sein Heim auf- geschlagen. Dieses Heim ist die vollendete architektonische Verkörperung des Geistes und der Macht der zum Sozialis- mus strebenden organisierten Arbeiterschaft. Wuchtig hoch- gereckt, von Licht durchflutet, harmonisch in sich gefestigt sind seine Linien. In einem Augenblick, in dem die reaktionären bürger- lichen Parteien die Kühnheit haben, die Arbeiterschaft aus- stoßen zu wollen aus diesem Staat, den die Arbeiterschaft errichtet, aufgebaut und mit Einsatz ihres Lebens verteidigi hat, ist die Einweihung des Metallarbeiterhauses und die Eröffnung des Verbandestages im schönsten und— im besten Sinne des Wortes— elegantesten Saale von Berlin, im großen Festsaal von Kroll die rechte Antwort an die Reaktion.„Wir find willens",— rief heute in seiner Eröffnungsrede der Vorsitzende des DMV., Genosse Reichel aus—„wir sind willens, auch die letzte Kraft einzusehen für die Sozialdemo-' kratie, um sie zum Siege zu führen. Sie gehört zu uns und l wir gehören zu ihr." Das war das rechte Wort und der rechte Auftakt zum Verbandstag, den wir begrüßen und dem wir unsere herzlichsten Wünsche aussprechen. Zn Sememschast mit der Sozialdemokratie Die gestrige Einweihung des Metattarbeiter-Verbandshauses Das Haus des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes ist vollendet. Schlicht in der Form, harmonisch in den Linien, zweckmäßig und solrd bis ins kleinste, mit hellen Korridoren und hellen Zimmern, repräsentiert es«inen neuen Geist, eine neue Welt: die sinnvolle, lebensverbundene Kunftform des werkschaffenden Volkes. Am Sonntag wurde das Haus— in dem die Hauptverwaltung des DMV. bereits tätig ist— seiner Bestimmung feierlich übergeben. Für den Hauptvorstand hielt der Vürbandsvorsitzende Genosse Brandes eine kurze Begrüßungsansprache. Er gab einen Ueber- blick über die Entwicklung des DMA., der bei seiner Begründung vor 40 Jahren im Hinblick aus den noch inuner in Preußen und seiner Hauptstadt herrschenden Geist des Sozialistengesetzes feine Zelte in der Hauptstadt des damals noch toleranteren Württemberg nosse Scherm, der frühere Berliner Bevollmächtigte Genosse Cohen und andere mehr, vom ADGB. Theodor L e i p a r t, Paul U m b r e i t und Ku b e, vom Borstand der Sozialdemokratischen Partei die Genossen B a r t c l und C r i s p i e n, Vertreter der ausländischen Bruderorganifationen, der Behörden, wie auch die Delegierten zum Berbandstag. Die Besichtigung des neuen Hauses muhte in zwei Gruppen um eine schönere und lichtere Zukunft aufzubauen. Mit der Bek- erfolgen, die je das ganze Haus füllten. Sie hotte um S Uhr begonnen und währte bis zum Mittag. Um 1 Uhr vereinigten sich die Teilnehmer zu der Einweihungsfeier im Gewerkschastshaus. Hier begrüßte der Borsitzende Reichel die Erschienenen. Den Sintveihung des meiallarbeHer Derbandshaufes 3)er Tor/Ilacndc Alwin Strandes hSUdie&eflrede aufschlug. Die Organisation der Metallarbeiter war deshalb keine süddeutsche Angelegenheit. Schon als das erste Hunderttausend sich um die Fahne des Berbarabes scharte, zeigte sich, daß er eine Sache der gesamten deutschen Arbeiterschaft war. Auch der Begründer und erste Vorsitzende des Berbandes, Alexander Schlicke, war lein Süddeutscher, sondern Berliner. Rasch und stetig, imr von der Weltkatastrophe des Krieges und der Wirtfchastskatastrophe der Inflation unterbrochen, stieg die Mitgliederzahl und dmnit die Macht- kurve des Verbandes. Deshalb konnte man jetzt mit ruhiger Sicher- heit den Entschluß fassen, die alten, längst zu eng gewordenen Räum« zu verlassen und nach Berlin zu übersiedeln in das neue .Haus, das wie das alte dem Dienst am Volke, vor allem dem Dienst an der Arbesterklasse dienen wird. Schon die Lage des �bäudes läßt erkennen, daß der DMV. gewillt ist, mit der Sozialdemokratie in treuer Gemeinschaft zu arbeiten, damit der Ausstieg der Arbeiterklasse rascher und schneller noch vorwärtsschreite als bisher. Für die Architekten des Haufes, Mandelsohn und Reichel, nahm Herr Mendelfohn das Wort, der allen Mitarbeitern dankt- und betonte, daß mit diesem Bau mehr geschaffen werden sollte, als nur eine Arbeitsstätte: er ist ein Symbol der machtvoll aufstrebenden, weltgestaltenden Arbeiterklasse. Namens der Baukommisfion sprach der Hauptkassiever des Verbandes, Genosse Schott, den Behörden, den Bauleitern und den Arbeitern den Dank aus für die gute Förde- rung und Gestaltung des Wertes. Unter den zahlreich erschienenen Gästen befand sich eine Reihe der allen Garde, fo der frühere Verbattdsoorsitzende Genosse S chll-ck-e. der früher« Redakteur der Mstallarbeitcr-Zeiwng GeSinn des neuen Hauses faßte er in die Worte: Ein jeder Mensch, der recht zu wirken denkt, muß auch das beste Werkzeug haben. Dann führte er aus: Nicht den Metallarbeitern allein, der gesamten Arbeiterfchast gilt unsere Arbeit. Was heute in kleinen Ansätzen der Demokratisierung der Wirtschast vorhanden ist, das ist das Werk der gemeinsam Schassenden der neuen Zeit. Wir setze» uns mit aller Entschiedenheit für die Ausgestaltung dieses Werkes ein und geloben, es fortzuführen über die Gegenwart hinaus, legung seines Sitzes verbindet der DMV. die fest« Absicht, sei:« Wirkungskraft noch weiter zu steigern. Freunde und Bundes- genossen werden uns alle sein, die mit uns schaffen am Ausbau einer besseren Zukunft. Aber entschlossenen Widerstand werden wir allen denen entgegen- setzen, die unsere Errungenschaften beschneiden, unseren Ausstieg hemmen wollen. Der Ministerialdirigent im Reichsarbeitsministerium Dr. Mernes brachte für dieses und das preußische Ministe- rium für Handel und Gewerbe die Glückwünsche. Er erklärte: Der Ernst der Zeit bringt es mit sich, daß in das neue Haus auch die Sorgen mit einziehen: aber wir wollen hosten, daß wir einen neuen und dauernden Aufstieg nehmen werden. Das Reichsarbeitsministerium begrüße aufrichtig die Möglichkeit einer ständigen engen Fühlungnahme mit dem DMV. Für die S t a d t Berlin hieß Stadtrat W u tz k y den Ber� band willkommen. Nirgend«»anders als in dieser Stadt, von deren Bürgern ein Fünftel von der Metallindustrie lebt, hätte er besser und richtiger sein neues Hauptquartier ausschlagen können. Für den Bezirk Kreuzberg sprach Bürgermeister Dr. Hertz: er hob hervor, daß das neue Haus ein Wahrzeichen der Werktätigen sei: Wir sind die Macht. Nicht Fürstlichkeiten, sondern wir, die Masse, sind der Staat. Wir formen auch den städtebaulichen Ausdruck. Als Vertreter des Internationalen Arbeitsamtes sprach dessen Berliner Vertreter, Direktor Donau. Den Dank der Jubilars des DMV. übermittelte Genosse Strecke. Die Grüße des Vorstandes der Sozialdemokratischen Partei überbrachte Landtags- Präsident Genosse Bartels. Er hob in seiner Rede hervor: Die Arbeiterschaft befindet sich gegenwärtig w einem schweren Abwehr- kämpf auf politischem Gebiet. Wir stehen vor den Reichslagswahlen. Es gehl dabei um die Lebensfragen der Arbeiterschaft: die Gewerkschaften sind an dem Ausgang dieses Wahlkampscs am stärksten interessiert. Aus den Ausführungen des Gen. Bartels klang— wie aus den meisten dieses Tages— deutlich die Erkenntnis: das alles ist mehr als eine Einweihungsfeier, mehr auch als Austakt zu dem Ver- bandstag einer Riesengewerkschast: es ist das Bekenntnisder Arbeiterschaft zur Einigkeit, die heute notwendiger ist als vielleicht jemals, soll nicht mühsam Errungenes wieder in Trümmer gehen. Es ist aber auch die Betonung der Macht der geeinten Arbeiterschaft, der Wille zum Kampf, wenn es ohne Kampf nicht geht. Der humorvoll klingende Satz, den Genosse Brandes auf die Rede des Vertreters des Reichs- arbertsmimsters erwiderte:„Wir werden uns bestimmt immer im Reichsarbeitsministerium einfinden, wenn Sie die Absicht haben, unzulängliche Schiedssprüche für verbindlich zu erklären," war gleichzeitig die deutliche Erklärung der Bereitschaft zum Wirts chasts- kämpf, wann und wo er sich notwendig niacht. Wir stehen augenblicklich mitten drin m diesem Kampf, in dem Kampf, den Großindustrie und Junker gegen die Arbeiter führen, dem Kampf zwischen Kapital und Arbeit, den die Regierung Brüning heraufbeschworen hat. Genosse U r i ch hob das deutlich in seiner Ansprache hervor, die er im Rahmen des festlichen Bei- stimmenseins hielt, das zur Eröffnung des 19. Berbandstages am Abend im Sportpalast veranstaltet war. Der einfache, eindrucksvoll- Schmuck des Saales und des Podiums, das den Aufruf: Proletarier aller Länder, ver- einigt euch! in Riefenlettern trug, Gesang und Sprechchor- darbictungen schufen das Bild einer wahrhaft proletarischen Fest- kultur. Doch der Inhalt der Darbietungen und die Festrede er- innerten: wir feiern ein Fest, froh und selbstbewußt, aber in einer harten Zeit, vor einem schweren Kampf. Jn Krolls Festsälen wird der Verbandstag abgeholten, betonte Urich, an derselben Stätte, wo sich die deutsche Unternehmerschaft zusammenfand und von der sie ihre Angrisssschrift gegen die Arbeitermassen, die Broschüre: Aufstieg oder Niedergang, ausgehen ließ, in der u. o. Aufhebung der Gewerbejreiheit, Aufhebung der Wohnungs- Zwangswirtschaft, Berschlcchierung der sozialen Versicherungen, Herabsetzung der Löhne und Gehälter gefordert wird. An dieser Stelle wird das Parlament der Metallarbeiter tagen und den Unternehmern die Front der eisernen Znler nationale entgegenstellen. Die Regierung Brüning hat das Programm der Junker und Schwerindustriellen restlos zu verwirklichen gestrebt: jetzt wird mit Hilfe des§ 48 eine Diktatur gegen die ar- beitend« Klaffe durchgeführt. Es liegt an uns, am 14. September dieser Regierung die gebührende Antwort zu geben. S t ü r- Mischer Beifall hinderte hier den Redner am Wciterfprechen. Endlich konnte er fortfahren: Es gilt, Front zu machen gegen diesen Klassenkampf, der jetzt in der brutalsten Form von der Brüning- Regierung eröffnet wurde. Am 14. September gilt die Parole: nicht nur gegen diese reaktionären Parteien, sondern für die Sozialdemokratie! An diesem Tag muß der Siegeszug der Arbeiterschaft gekrönt werden und der einmütige Wille zum Ausdruck kommen zur Zusammen- arbeil der Massen, gegen die Unterdrückung, gegen Gewalt und Kriegsgreuel, für die Freiheil, für die Welt der Zukunft, für ein neues, glücklicheres Geschlecht. Auf den Schlachtfeldern Europas bauten die Kapitaliften Paläste: nur der Sieg der Sozialdemokratie kann Gewalt und Unrecht aus» rotten._ „Germania" und anglikanische Kirche. Die Kritik am»Vorwärts"»unberechtigt".- Aber sie will den springenden Punkt nicht sehen. Auf unseren Nachweis, daß die ausführliche Wolff-Meldung über den Gcburtenrcgelungsbefchluß der anglikanischen Kirche genau das Gegenteil von dem besagt, was die„Germania" hierllver zuerst veröffentlichte, informiert das Zentrumsblatt, unserer Auf- fassung gemäß, feine Leser nunmehr richtig. Aber noch kann es nicht begreifen, daß es sich, um mit der katholischen„Churst-Times" zu sprechen, um eine„Revolutionierung der chri st lichen Moral" handelt. Sie meint nun. daß die Entschließung eine auf- fallende Unklarheit zu Schau trägt: solch« Umschreibungen bergen dje Gefahr in sich, mißverstanden und verschieden aas- gelegt zu werden... Insofern geben wir zu. daß die scharfe Form der Kritik, die wir an der ersten Darstellung des„Vorwärts" geübt haben, unberechtigt gewesen ist. Und da es uns fernliegt, auch bei Kontroversen, die nun einmal ausgetragen werden müssen, verletzend zu fein, stellen wir dies ausdrücklich fest." Ein etwas schwächliches Bedauern für eine geradezu un- qualifizierte Tonart, wie sie sonst nur in der„Roten Fahne" und im„Völkischen Beobachter" üblich ist! Daß der Beschluß der anglikanischen Kirche nichts anderes als ein„Durchbruch" ist» ergibt sich auch aus dem zusammenfassenden Bericht der„Frankfurter Zeitung":„Seit Jahren wird die Kirche bedrängt, ihren Bannfluch, den sie gegen die Empfängnisverhütung geschleudert hat, aufzuheben. Jetzt hat sie endlich nachgegeben: Sic läßt die Geburtenkontrolle grundsätzlich gelten, wenn sie auch ihr, von ihrem Standpunkt aus selbstverständlich, Einschränkungen macht." •letzt ist es Zelt m � die alten Mitgliedskarten der Volksbühne umzutauschen und Neuanmeldungen vorzunehmen Kampftagung der Krankenkassen Ltm die Erhaltung der Volksgesundheit Dresden, 18. August.(Eigenbericht.) Der am Sonntag im städtischen Ausstcllungspalast eröffnete 34. K r a n k e n k a f f c n t a g des chauplverbandes deutscher Kranken- lassen stand durchaus unter dem Eindrulk der im Rahnicn der Not- Verordnung durchgeführten Krankcnoersichcrungsreform. Es kann kein Zweifel darüber fein, daß die Stegerwaldsche Reform viel böses Blut im Lande gemacht hat, und Ministerialdirektor Dr. G r i e s e r vom Reichsarbcitsministerium, der die undankbare Ausgab« über- nommen hatte, die Reform in Dresden'zu verteidigen, dürfte nicht überrascht gewesen sein, als die Riescnversammlung seine Ausführungen sehr kritisch entgegennahm. So glorifizierte Grieser den Reichsarbeitsminister S t e g e r- w a l d als Mann der Tat, a l s T e l l auf dem Gebiete der Kranken. verficherung. Die Zeit treibt merkwürdige Blüten: Wo es gerade in den Kram paßt, ist Stegerwald der Teil, der Mann der Tat, aber in den Wahlversammlungen und in der Presse behauptet das Zentrum dennoch, Stegerwald-Tell habe nur die Beschlüsse des Sozial- politischen Ausschusses des Reichstages durchgeführt, und im übrigen sei chelmuth Lehmann, Vorsitzender des chaupt- Verbandes deutscher Krankenkassen, der Vater und Anreger der Not- Verordnung. Eine saubere Demagogie! Wie der Krankenkassentag, der doch sicherlich sachverständig ist, darüber denkt, geht aus folgen- der, von den Dertreterdelegierten eingebrachten und mit über- wältigender Mehrheit angenommenen Resolution hervor: „Der 34. Deutsche Krankenkassentag erhebt entschiedenen Pro. test gegen die Notverordnung des Reichspräsidenten, durch die nicht nur völlig ungerechte und untragbare Verschlechterungen der Leistungen der Krankenversicherung, sondern auch einschneidende Beschränkungen der Selbstverwaltung vorgenommen werden. Die Notwendigkeit und Berechtigung, einen solchen Abbau der Krankenversicherung durchzuführen, kann der Krankenkassentaz nicht anerkennen. Znsbesondere muß er aber auch aufs schärfste die Begründung dieser Maßnahme ablehnen, die unter völliger Nichtachtung der Interessen der Versicherten rein slnanzpolitische Zwecke verfolgt. Der Krankentassentag gib» daher seiner Hoffnung Ausdruck, daß der kommende Reichstag diese unsachliche Gesetz- gebung wieder beseitig« und an ihre Steile eine Reform der Krankenoersicherung im Sinne einer Forlentwicklung derjenigen sozialpolitischen Grundsätze sehen möge, zu denen sich die Nürn- berget Tagung des Hauptverbandes bekannt hat." Vorstand und Beirat haben dem Kongreß folgendes unterbreitet:„Die durch die Notverordnung des Reichspräsidenten erfolgten Einschränkungen der Krankenhilfe entsprechen nicht dem Reformprogramm des Hauptverbandes. Vorstand und Beirat stellen mit Bedauern fest, daß die Notverordnungen den Reformvorschlägen des Hauptvorstandes nicht gerecht geworden sind. Diese Vorschläge werden vollinhaltlich aufrechterhalten. Von dem ko mm enden Reichstag wird die Erfüllung dieser Forderungen erwartet. Vorstand und Beirat fordern alle Krankenkassen aus, bei der Durchführung der Notverordnung alle Härten gegenüber den Versicherten möglichst zu verineiden, der schwierigen Wirtschaftslage des größten Teiles der Versicherten dabei Rechnung zu tragen und die Krankenhilse so zu gestalten, daß sie im Rahnzfn der gesetzlichen Möglichkeiten den sozialen Bedürsnissrn der Versicherten und ihrer Angehörigen gerecht werden kann." * Die von etwa 2600 Delegierten besuchte Konferenz des Haupt- Verbandes deutscher Krankenkassen wurde von Stadtrat Ahrens- Berlin eröffnet, der auf die Schwer« der Wirtschaftskrise hinwies. Die Krankenversicherung sei aber immer Auffangstation der Krisen- flöße: das berechtige zur Sorge um den Bestand der Krankenversicherung und erkläre die seit Jahren im Gang« befindlichen Reformbestre- düngen. Die von der Reichsregierung nicht auf dem üblichen gezetz, lichcn Wege, sondern durch Notverordnung geschaffen« Reform dien« aber nicht der politischen und wirtschaftlichen Befriedung: sie habe Kampf ausgelöst, in deren Zeichen die Dresdener Tagung steh«. Ministerialdirektor Grieser überbrachte die Grüße der Regie- rung. Die Arbeitslosigkeit habe eine Erhöhung der Zlrbeitslosen- beitrüge von 3,3 Proz. auf 4,5 Proz. gebracht. Di« Reform der Krankenversicherung soll der dadurch entstandenen Reduzierung des Reallohnes«ntizcgcnwirkcn. Weiter habe man Gefahrenquellen zu verstopfen. Davon sei die Regierung bei der Schaffung der Notverordnung ausgegangen. B r o e ck e r, der im Namen des Allgemeinen Deutschen Ge- werkschaftsbundes und des AfA-Bundes sprach, erklärte, daß die Not- Verordnung der Regierung bitter enttäuscht habe. In der Notverord- nung sei nichts geschehen, was als Ausbau und Verbesserung in der Krankenoersicherung angesprochen werden könne; dagegen sei vieles geschehen, was einen gewaltigcnRückschrittin der Krankenversicherung bedeute. Die modern« Sozialpolitik müsse weiter betrieben werden, das fei die unerschütterlich« Auffassung der Gewerkschaften. Dr. E r d m a n n, Vertreter der Arbeitgeberverbände, betont«, daß die Rcfor i notwendig sei, um die Krankenversicherung zu er- halten. Dos hauptrsferat erstattet« der Vorsitzende des Hauptverbandes deutscher Kronkenkassen, helmuth Lehmann. Die Notverord- nung— so führte Lehmann aus— sei«in Schritt nach rückwärts und man könne nur hoffen, daß sie eine Episode bleiben werde. Die Verordnung verdanke finanzpolitischen Erwägungen ihr Leben. Der Finanzpolitiker habe Sozialpolitik gemacht. Schon der frühere Finanzminister Moldenhauer habe erklärt, daß Ersparnisse in der Krankenversicherung dem Ausgleich in der Arbeitslosenversicherung dienen sollten. Wenn der Arbeitslosen- beitrag von 4,5 Proz. nicht ausreiche, müsse dies« Methode— so unterstrich Lehmann— das Ende der deutschen Kranken- Versicherung bedeuten. Demgegenüber habe der Dresdener Kongreß die Pflicht, die Lebensnotwendigreit der deutschen Krankenversichrcung zu betonen. Es sei heute leider so weit ge- kommen, die Krankenversicherung als Luxus der arbeitenden Bevölkerung zu betrachten, und auch Stegerwald spreche davon, daß man Mißbräuchen steuern müsse. Dem müsse angesichts der Notlag« der breiten Massen widersprochen werden. Ein Zuvielver- brauch sei im Hinblick auf unsere finanziell« Lag« zuzugeben. Jl>ni müsse entgegengewirkt werden, ohne daß man die Versicherten schädige. Falsch sei«s jedoch, die Steigerung des Aus- wandes bei den Krankenkassen als Beweis des Miß- brauch? zu reklamieren. Was Mißbrauch scheinen wolle, sei nichts anderes als Folgen des Krieges und der Znslotion. mrd man könne die Versicherten nicht dafür büßen lassen, was andere angerichtet haben. Drosselung der Krankenoersicherung heiße, sie auf Vorkriegsstand zurückwerfen und das niederzureißen, was in 15 Jahren mühsam aufgebaut worden ist. Als einzigen Lichtblick in der Verordnung bezeichnete Lehmann die Neuregelung des kassenärztlichen Dienstes. Die Neuregelung bringe allerdings auch Einschränkungen für die Versicherten. Die Kasse hätte aber dafür zu sorgen, daß das s o z i a l Notwendige nicht eingeschränkt werde. Di« A c r z t e hätten zu zeigen, ob sie bereit sind, wirkliche Uebelständc zu beseitigen. Der hauptverband deutscher Krankenkassen wolle keinen Kamps mit den Aerzlen, sondern nur den Versuch der Verständigung, um da? zu erhalten, was im Interesse des sozialen Charakters der Krankenkassen not- wendig ist. Der Vortragenoe kritisierte scharf die Einführung der Krankenscheingebühr, deren Vater der frühere Zentrums-Reichs- arbeitsminister Brauns sei. Man habe im Laufe des Wahlkampfes ihn— Lehmann— für die Reform der Notverordnung verantwort- sich machen wollen. Er müsse es ablehnen, Anreger und Vater dieser Reform zu sein. Gegenüber der Agitation der Kommunisten- und der Zentrums-Presse fordert« Lehmann die Mitglieder des hauptver- bandes auf, das gutzumachen, was die Gesetzgeber schlecht gemacht haben. Er erwartet, daß der Reichsarbeitsminister bald die Verfügungen über Beseitigung von härten herausgebe, damit derjenige, der die neuen Gebühren nicht bezahlen könne, nicht auf ärztlich« Hilfe verzichten muß. Die Selbstver- w a l t u n g in der Krankenversicherung habe zu zeigen, daß sie die durch die Verordnung entstehenden Härten auszugleichen in der Lag« sei, und von den Aufsichtsbehörden müsse erwartet werden, daß sie den Kassen dabei nicht in die Arme fallen. Lehmann schloß seinen mit großer Spannung verfolgten Dortrag mit dem Hinweis, daß die Notoerordnung«in Rückschritt sei, über die aber schon in nächster Zeit entschieden werden wird. Die Krankenoersicherung wahre das höchste Gut des vottes, seine Gesundheit. und die historische Bedeutung des Dresdener Kongresses sei das Be- kenntnis des Kongresses zur Wohlfahrt des Volkes. Die von den V e r s i ch e r t e n v e r t r e t e r n eingebrachte Res». lution wurde angenommen, ein« von den Kommuni st«n eingebracht« Resolution, die Notverordnung nicht durchzuführen, weil sie ungesetzlich sei, wurde abgelehnt. Es fanden sich nur wenige Vertreter, die dafür stimmten. Sie Anhiiekitlr des Mtallarbeiterhauses Von Hermann Hieber Von der Unsitte der öffentlichen Preisausschreiben kommt man mehr und mehr ab. Sie bedeuten Vergeudung von Zeit und Geld— und in einem Falle wie hier, wo es galt, rasch zu bauen, durste man sich nicht monatelang mit der Durcharbeitung von Hunderten eingereichter Entwürfe aufholten. Vielmehr forderte man von wenigen anerkannten Architekten— in diesem Falle vier — Entwürfe ein. Und gab Reichel und Mendelssohn den Vorzug. Der Neubau hat über den Einzelfall hinaus städtebauliche Bedeutung. Das Metallarbeiterhaus steht am Anfang einer Ver- bindungsstraße, die an der Einmündung der Alten Iakobstraße in die Gitschiner Straß« den Durchbruch nach der Lindenstraße be- werkstelligen soll. Der alte Bebauungsplan aus der Zeit Friedrich Wilhelm l. hatte drei Straßenzüge: die Wilhelm-, Friedrich, und Lindenstraße in dem Rundplatz, der heute Belle-Alliance-Platz heißt, aufgefangen. Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert. Die Lindenftraße muß tatsächlich noch immer die Verbindung der südlichen Altstadt mit der City übernehmen. Der Zustand ist aus die Dauer unhaltbar. Um den unsinnig gestockten Verkehr zu ent- lasten, ist eine Abweichung von der Lindenstraße nach der Zossener Brücke erforderlich. Das erste Gebäude, das diesen Plan deutlich erkennen läßt, ist eben das Verwaltungsgebäude der Metallarbeiter. Die Stadt Berlin hat vor der chond keine Mittel, dieses notwendige Werk auszuführen. Sie mußte es eben der organisierten Arbeiter- schaft überlassen, dazu den Ansang zu machen. So verrät sich also schon in der Lage des Bauplatzes die moderne, fortschrittliche Gesinnung, die den Bau beseelt. Diese Gesinnung spricht aber auch aus dem Bau selber. Sie spricht aus der Sachlichkeit, die auf jedes kleinliche Zicrwerk ver- zichtet. Man sieht außen wie innen nur glatte Flächen. Es ist trotzdem keine„Zigarrenkiste" geworden, wie einige Nörgler be. haupten. Mendelssohn hat den Eckbau als das beherrschende chaupt-. stück um ein Geschoß überhöht, und zwar um das Geschoß, das den dahinter besonders großen Festsaal birgt und in der Mitte in einem kleinen Erker vorspringt. Er hat ferner diesen Mittelbau. der sich dem Seitenslügel unterordnet, nicht als schlichten Putzbau ausgeführt, sondern aus Travertin, einer Art Muschelkalk von warmer gelblicher Farbe. Die Schiebefenster des Mittelbaus haben außerdem Bronzerahmen, während die der Seitenslügel in hölzernen sitzen. Die Schönheit des Gebäudes besteht hauptsächlich in seiner Zweckmäßigkeit und in� der Gediegenheit des Matenals. Zu Bronze und Travertin gesellen sich im Innern edle Naturhölzer, mit denen die Wände einiger Geschäftsräume und des großen Sitzungs- faales getäfelt sind. Vor einer Generation noch hat man die 5zof-> anficht zugunsten einer eindrucksvollen Fassade vernachlässigt: Davon kann hier keine Rede sein. Auf die beiden chöfe einen kleinen Schmuckhof zwischen Treppenhaus und Druckereiflügel und den Betriebshof ist ebensoviel Sorgfalt verwendet worden, wie auf die Straßenanficht. Diese Gediegenheit, die sich nicht allein im Material und seiner Behandlung zeigt, sondern auch in der gleichmäßigen Durcharbeitung des gesamten Planes, sst vielleicht das hervor- stechendste Merkmal des neuen Gebäudes. Man will nicht protzen und scheinen im bürgerlichen Sinne— man will Qualitätsarbeit zeigen als Dienst an der Gesamtheit. Als besonderer Vorzug, den Mendelssohn vor anderen Architekten voraus hat, wäre noch die Schönheit der Linie zu erwähnen: die leicht« Kurve, in der der Mittelteil eingezogen ist und diejien Ve- fucher hereinzuziehen scheint, und der große, entschieden« Schwung, in dem die Maschinenhalle die beiden spitzwinklig verlausenden Seitenflügel zusammenreiht. Film und Konzert Gastkonzeri des Mainzer Volkschors. Eaalbau Zriedrichshain. Auswärtige Bruderchöre zu hören, ist immer sehr anregend und für das eigene Schaffen förderlich. Nur sollte man hüben und drüben bei diesem musikalischen Austausch auch nur das Beste vom Besten zu hören bekommen. Das war aber am Sonnabend im Saalbau Friedrichshain leider nicht der Fall. Der Mainzer Volkschor unter Chormeister Franz Heinrich war von seinen hiesigen Freunden nicht gut beraten, wenn er glaubte, hier in Berlin sich im Vorbeigehen billige Lorbeeren pflücken zu können. Selbst wenn man die Neuheit des Konzertlokals, die ab- scheuliche Regenwelterstimmung und die bedeutende Reduzierung des Chores(auf etwa 50 Männer und 660 Frauen) in Betracht zieht, so bleibt noch genügend Grund zum Kopsschütteln. Es fehlt in den größeren Aufgaben durchweg die Energie, der Nerv, die großzügige, temperamentvolle Durchführung. Aber auch die Technik der Tenöre und Soprane und die Reinheit der Intonation ließen noch manche Wünsche offen. Schon die Einführung, der„Gesang der Titanen" von U t h m a n n, neben Bruchs fünfstimmigem„Oft in der stillen Nacht", das einzige Standardwerk, war nicht eben ermutigend. Es ist kein« der bedeutendsten Schöpfungen ihre; vor zehn Jahren verstorbenen Meisters, aber eine raffend« Gliederung und ein feines Herausschälen ihrer hinreißenden Lyrik hätte immerhin eine andere Wirkung hervorgebracht. Bruch war von Anfang an verdorben, ohne das irgendeine Verbesserung eintrat. Sonst bestand die Bor- tragspflege außer der billigen Liedertafelnummer„Dem Rhein mein Lied" ausschließlich aus bearbeiteten und originalen Volksliedern. Und hier begann auch, etwa von der zweiten Hälfte an.«in mächtiger Aufstieg, der di« Stärke d«s Chors im Volkslied deutlich bekundete. Hatten schon die Frauen allein mit Zwei Liedern einen sehr günstigen Eindruck hinterlassen, so riefen„Der Morgenrus" des Männerchors mit seinen delikaten Falsett- und Pianokünsten und dem echten rheinischen Humor und schließlich die Silcherschen Volkslieder mit Recht begeisterten Beifall hervor. 14.>l. Oreyfus im Tonfilm. Gloria-palast. Der Fall Dreyfus hat das Theater erobert, er war in der Volks- bühne einer der stärksten und nachhaltigsten Erfolge. Die Verfasser hatte das Persönliche ganz beiseite geschoben und mit unleug- barem dramatischem Geschick den Kampf um Freiheit und Gerechtig- keit in den Vordergrund gerückt. Richard Oswald geht bei seinem Tonfilm andere Wege. Seine Manuskriptversasser Goldberg und Wendhausen haben in meist ganz kurzen Szenen die vollständige Chronik des Falles ausgebreitet. Neben den großen Fragen der Politik und der Menschlichkeit, die dieser sensationellste oller Justiz- irrtümer aufwirbelte, wird mit gleicher Reportertreue die Geschichte des Hauptmanns Dreyfus berichtet: Keine Szene des großen Dramas soll verlorengehe». Um(v lommt über dem Epischen das Dramatische zu kurz. Es gibt nur ein paar große Steigerunzen. vor allem hat Emile Zola seine Bedeutung und seine große Red« behalten. Aber Labori und Clemenceau verlieren ebensoviel. Man kann eben nicht alles ausführlich geben. Die Persönlichkeit Dreyfus aber, dessen Geschicke, seine Degradation, sein Martyrium auf der Teufelsinsel, sein zweiter Prozeß und seine Rehabilitierung vor uns erstehen, erweckt lange nicht das leidenschaftliche Interesse wie der Kampf Zolos und seiner Gefährten. Das individuelle Unglück kann uns erschüttern, aber das öffentliche Interesse, die Steigerung zum Kampf für das Aecht aller, ist der wirkliche Fall Dreyfus. Der Regisseur Oswald gib tnatürlich viele packende Szenen. Er ist ein Meister des Details, aber in dem Allzuoielen verliert er die große Linie und die zusammenfassende Wirkung. Der Eindruck des Dramas war viel geschlossener und wirksamer. Trotzdem wird der Film auch seine aufklärende und agitatorische Rolle spielen. Eine Fülle von hervorragenden Kräften ist in der Darstellung aufgeboten. K ort» er ist als leidender und seine Unschuld hinaus- schreiender Hauptmann Dreyfus eine interessant« psychologische Ge- staltung, Grete Mosheim die nie erlahmende Gefährtin. Alles Licht fällt auf den Kämpfer Zola und seinen Darsteller Heinrich George. Er ist ein breiter, wuchtiger, mehr deutscher als französischer Zola, er kann die ganze Kraft des Wortes entfalten in der Ansprache an die Jugend und in der Verteidigungsrede. Bassermann ist ein sehr individuell gefaßter Piquart. Clemenceau und Labori kommen nicht zu ihrem vollen Recht. Ganz im Hintergrund bleibt Iaures. Knapp und scharf sind die militärischen Personen charakte- risi«rt. Major Henry durch Ferdinand Hart, die Generäle durch Ledebour und Goetzke. Homolka gibt die Kanaille Esterhazy zu bicdermännisch. D- Ein französisches Akademikerhaus in Äerlin. Im Oktober wird in Berlin ein Heim für französische Studierende eröffnet, das unter der Leitung Prof. 0. Hesnards stehen wird. Diese„Fondation universitoire sranqaise" soll, wie die„Deutsch- französische Rundschau" berichtet, als Unterkunft für französische Studenten unö Studentinnen reiferer Semester oienen, die dort freie Wohnung, erstes Frühstück und Abendessen sow'e«in monatliches Stipendium von 3ee're going "P to bell'(„Wir gehen zur Hölle'), antwortet mein Führer. Und das Straßenschils am Holzpsahl trägt die Ausschrist„T o t e n h a u s- w e g". Eine schwere Holztür und eine noch schwerere eiserne werden aufgeschlossen. Alcmbcraubende, unmäßig heiß« Luft dringt uns entgegen. Im Totenhaus ist auch bei dieser sommerlichen Tropenglut die Zentralheizung in vollem Gange. Die achtzehn Menschen, die augenblicklich da drin aus ihre Hinrichtung warten, die teils schon seit sechs Wochen Tag und Stunde der Exekution wissen, teils bis zu einem Jahre auf den Ablauf der Be- gradigungsgesuche und Formalitäten wartend unter dem Druck des Todesurteils hier sitzen müssen,— sie werden für diese narkotisierende Höllentemperatur dankbar sein... Der kahle Raum inmitten des Totenhauses mit seinem halben Dutzend Schulbänken und dem zwei Meter davor festgeschraubten einfachen h ö l z ernen Arm stuhl— welche Fülle von Schrecken mid Entsetzen ist in ihm Ereignis geworden. Fast jeden Donnerstag, nachts 11 Uhr, waltet der elektrische Henker seines Amtes, manchmal gleich an mehreren Todeskandidaten. Dann wird das ein Z e n t i- meter dicke Kabel, das jetzt tot von der Decke herab über dem elektrischen Stuhl schwebt, angeschlossen an die Schädelmaske mit ihrem feuchten Schwamm, der die mordende Energie noch steigern soll: dann wird das am Boden liegende Erdungskabcl mit der rechten Wade des Opfers verbunden. Lederricmen fesseln dem Verurteilten Beine, Arme und Brust an den Stuhl. An der Seitenwand rechts vom Stuhl ist der Schaltraum. Der Nachrichter muß von dorther den Delinquenten beobachten. Er schaltet zunächst 2100 Volt ein; es kommt häufig vor, daß die Leute bei dieser Stromstärke anfangen zu brennen, bevor sie tot sind. Dann wird der Schalter auf 1400 bzw. 1100 Volt hcrabgedrückt. In „günstigen Fällen' ist die Exekution in einigen Sekunden beendet. Durchschnittlich aber wird drei Minuten Strom gegeben. Informationen von zuverlässigen Leuten, die ihre Berufspflicht zur Teilnahme an diesen Hinrichtungen und den sofort sich an- schließenden Obduktionen zwingt, behaupten so Furchtbares, daß ich mich fast scheue, es niederzuschreiben. Vielleicht aber trägt es dazu bei, den elektrischen Stuhl als ein hödsst unvollkommenes Instrument zur Vollstreckung von Tooesurteilen immer weiteren Kreisen bekannt werden zu lassen. Die sehr verschiedene Reaktion mcnschlid)er Körper, noch dazu auf bewußt erwartete elektrische Stromschläge ist bekannt. In den Varietes produzieren sich Männer, die tausend und mehr Volt durch ihren Körper gehen lassen. Ich glaube daher die Behauptung meiner Gewährsmänner, daß infolge der in äußerster Todesangst aufs höchste gesteigerten Slbwehr- kraft einzelne Delinquenten selbst durch dreiminutige hochgradige Stromgebung nur todesähnlich betäubt werden, daß nach der Aus- fchaltung des Stroms der Körper dort auf dem Stuhle plötzlich er- neut ausbäumt und zum zweiten Male exekutiert werden muß, und daß selbst dies noch nicht so schlimm ist, als wenn der Rest von Leben sid) erst die wenigen Augenblicke später wieder zeigt, die zum Transport des Hingerichteten vom Stuhl zum gleich dahinter liegenden O b d u k t i o n s r a u m gebraucht werden. Die Wissenschaft beschäftigt sich ja längst mit der Wirksamkeit des elektrischen Stuhls. Nicht ohne Ursadi« hat ein amerikanischer Arzt seinerzeit verlangt, daß ihm der Körper der Gattenmörderin Ruth Snyder sofort nach der Exekution in Sing Sing zu Wiederbelebungs- versuchen überlassen werde. Man hat es ihm abgelehnt. Daß mancher auf dem Stuhl in doppelter Weise chickgerichtet, daß ihm das Herz gelähmt und er außerdem verbrannt wird, kann man im Präparateraum in Sing Sing dcutlid) sehen. Im Gegensatz zur mattgrouen Farbe aller Nidstverbrannten, zeigen z. B. die aufbe- wahrten Organteile eines hingerichteten Gangsters eine rußig schwarze Färbung. Dieser Mann hatte von einer Operation her eine Silberplatte im Sdsiidel und soll auf dem Stuhl fast völlig verbrannt sein. Selbst der eifrigste Befürworter der Todesstrase aber kann doch nicht statt einer„kunstgerechten" Hinrichtung eine Folter mit Todeserfolg gutheißen. Deshalb fort mit dem elektrischen Stuhl, fort mit dieser Hölle! Wie vorbildlich ist Sing Sing sonst in seinen Anlagen! Noch wenn man durch das Hauptportal wieder hinausgeht in die Freiheit, freut man sich über das schwarze Brett, an dem„möblierte Zimmer' angeboten werden und nimmt gern das halb neugierige, halb ver- ständnisinnige Lächeln der Bürger von Ossining in Kauf, die an dem Fremdling die Spuren der Strashaft suchen. Herbert Ilartmann, Copyrifht 19.J0 by Fackelreiter-VerUs G. m. b. H., Hambure-Bersedorf (1. Fortsetzung� „Die Augen--- links!" Seine Stimme schnoppt über. Langer erwacht. Sein magerer Körper zuckt zusammen, als der Schinder plötzlich neben ihm geht. Er zieht sein Gewehr an und fällt links aus dem Glied heraus schallend auf die Ströhen- steine.„Adolf" Hot ihm ein Bein gestellt, ich habe es genau gesehen. Es ist eine seiner Gemeinheiten, wir kennen das schon unt» nehmen uns höllisch vor seinen langen Beinen in acht. Hart fliegt Langers Gewehr in den Rinnstein, daß einige Funken stieben. Mühsam erhebt er sich, humpelt ihm nach und springt verstört und weih wie eine Kalkwand ins Glied zurück. „Marschordnung!" Endlich! Wir atmen auf. Ich schiebe meine Schweihstrümpse herunter bis auf das Koppel. Bor mir quäkt der Schinder—: „Na, watte, walte, du Lümmel, du schlapper Hamburger!" Er krächzt und zeigt seine großen, gelben Zähne. Wieder dieses widerwärtige, furchtbar« Grinsen. Dann rennt er nach vorne. Es lastet ein Alp aus jedem einzelnen Rekruten. Wir wissen, wie er den armen Langer„schleifen" wird, nachher, nach dem Rückmarsch, lind heute haben wir zehn Pfund Sand im Affen! Langer reibt an seiner Knarre. Der dicke Ostpreuße Minulla neben ihm sucht ihn ougenjcheinlich zu trösten.„Korn kaputt, Kimme kaputt, alles kaputt", höre ich ihn sagen. Dann lacht er gutmütig und klopft seinem armen Kameraden auf die Schulter. „Diesmal hält er es nicht aus", sage ich zu Kilb neben mir, dem Brotkutscher aus Breslau. Er ist immer schweigsam. Man kann sich nicht mit ihm unterhalten. Er hat zwei Brüder im Westen verloren— einen schon 14 am zweiten Tage, das ist olles, was ich bisher von ihm erfuhr— und daß er eine kranke Mutter hat und daß fein Vater in einer Pulverfabrik ums Leben kam. Er murmelt oft vor sich hin und hat dann einen bösen Glanz in den Augen. Aber einmal hat er mir ein halbes Brot geschenkt. Seitdem mag ich ihn gern, und wenn wir abends beim Gewehrreinigen auf der Bude singen, dann stimme ich als Vor- länger am liebsten da» Lied vom guten Kameraden an und dabei muß ich immer Kilb ansehen. Wir dürfen rauchen. Ich greis« in die Rocktasche und finde meine letzte Zigarette: die Hälfte gebe ich Kilb— ich weiß, er raucht gern und kann sich keine Zigaretten kaufen. Die kleine Löhnung schickt er noch seiner Mutter. Vielleicht macht ihn der Rauch gesprächiger. Er zieht durstig an der Kippe.„Der Hund", sagt er. und seine Backenknochen mahlen. Wieder ist der böse Glanz in seinen Augen.„Totschießen miiß�e man ihn, den Schinder, oder ihn mal nachts vermöbeln, wenn der„heilige Geist" kommt." „Nicht so laut", erwidere ich,„du kommst auf Festung, Kilb." Er aber lauter, daß es viele hören, auch unser Unteroffizier:„Feig- linge seid ihr alle! Habt's nicht besser verdient. Wenn wir uns einig wären, oha!" Er hat sich van einem Druck befreit. Jetzt wird er wieder ein paar Tage schweigen. „Ruhe im Glied!" ruft Preuh.„Kerls, ich Hab' nichts gehört. Aber sprecht auf der Latrine darüber, nicht hier." Er geht nach hinten. ..Nicht weich werden!" ruft von hinter her der kleine Adamczik, der beste Soldat liniere? Korporalschafr. Unser Glied ist näher an Langer aufgerückt. Langer sieht sich bei Adamcziks Ruf, der ihm galt, um und lächelt mich müde an. Was soll ich ihm sogen?„Mußt immer denken, du bist im Krieg, Heini", tröste ich ihn.„Nee, muß ja jarnich denken", sagt der dicke Minulla. Sein gutmütiges Gesich: strahlt. Ich inag seine breite, klingende Mundart so gerne. Er ist nicht klein zu kriegen. Noch nie habe ich ihn traurig gesehen. Wenn er spricht, gedehnt und tragend, muß ich an fette Rinder auf einer Weide, die ge- mächlich wiederkäuen und an ein Dorf mit einem Ententeich, auf dem Sonne liegt, denken. Aus solcher Landschaft kam der Tage- löhnersohn Minulla in unsere Kompagnie. Er langt einen dicken Apfel heraus und beißt hinein mit starken Zähnen, daß der Saft an der Seite seines Mundes herunterläuft. Weiß der Teufel, wo er nun wieder den Apfel herhat. Langer hat das Reiben am Gewehr aufgegeben und trägt es wieder über der Schulter. Er sagt keinen Ton. Was mag in ihm vorgehen? „Wenn wir erst raustommen, Heini, wird's wohl aufhören mit der Schinderei." Ich weiß nicht, welchen Sinn diese Worte haben sollen, die ich Langer sage. Aber irgend etwas muß ich doch sagen. Kilb murmelt: ich denke an seine gefallenen Brüder und an den Unsinn, den ich eben sagte. Minulla beschämt mich. Er reicht Langer den angebissenen Apfel. Der haut hinein mit Heißhunger. Ich höre ihn stöhnen. Er ißt auch das Gehäuse. „Singen!" Der Ruf kommt als Befehl von vorn.„Halts Maul!" murmelt Kilb. Er hat noch nie mitgesungen. „Kohldampf!" Das wck? wieder der kleine Atwinczik, der frische Berliner. Das Wort findet Widerhall.„Kohldampf!" rufen schon fünf, sechs Stimmen. Hinter uns die vierte Korporalfchaft gilt als die verfressenste. Da ist einer mit Namen Bumann, auch ein Hamburger. Er ist der tonangebende Geist Ich erkenne seine Stimme: „Eins, zwei, drei--— Kohldampf!" Sie grölen zwei-, dreimal hintereinander im Ehor. Dann lachen sie. Es ist wahr: wir haben Hunger. Man läßt uns morgens vor dem Antrcien kaum Zeit, den heißen Rübentaffee zu trinken. Dazu gibt's für den Mann nur ein Drittel„Karo einfach aus der Hand". Alle zwei Tage erhalten wir ein Viertelpfund ranzige Margarine und olle vier Tage ein Achtel Butter, manchmal etwas „Hindenburg-Kraftbutter", das ist gefärbte Rübenmarmelade, und oielleichi ein bißchen Quarkkäse oder Kunsthonia. Es rutscht durch, und der Magen ist immer leer, so daß wir neu« Löcher in den Schmachtriemen bohren müssen. Es ist schon ein Elend! Und dabei der schlimme Drill! Wir trinken viel Wasser, das stopft für kurze Zeit ein Loch. Es heißt, daß es in Berlin besonders schlecht mit der Verpflegung ist. Einige singen aber doch schon. Das sind die Bauernjungs, die von Hause die dicken Pakete bekommen und nichts rausrücken. Sie lassen es lieber in ihren Spinden verderben. Wir Jungs aus den Großstädten hassen stc, noch sehen wir in ihnen nicht die mitleidenden Kameraden. Das ist natürlich. Wo und wann wir können, werden sie beklaut, ohne daß wir uns Böses dabei denken. Der Gesang der Bauern kommt nicht recht weiter, Bumann sorgt schon dafür. „Eins, zwei, drei--- Kohldampf!" Wir brüllen es be- geistert einige Minuten lang. Dazu hockt in uns das Erlebnis mit Langer. Wir legen all' unsere Gefühl« in das eine Wort, das befreiend gegen die letzten Häuser der Vorstadt knattert, durch die wir schon marschieren! „K o o o h l d a m p s I" Es wird eine Katastrophe geben. Heute ist es besonders schlimm. „Kompagniii-- halt!" Die Spitze steht am Anfang des Schleifsteines. Der Befehl kam so plötzlich, daß ich mit dem Kopf an Langers Affen schlage. „Jetzt geht's los. Warte, du Schweinehund!" knurrt Kilb. Eine Wolke von Schweiß- und Ledergeruch umhüllt die Kom- pagnie. Es ist der Geruch der Soldatenleiber, der uns nie verläßt, der mit uns zieht bis in die harten Drahtnetzbetten. Rechts ist eine Abfallgrube der Berliner Straßenreinigung. Ein häßlicher Gestank steigt daraus hervor und mischt sich mit dem der Kompagnie, daß mir wieder elend wird. Einige bleiche Frauen mit verhärmten Ge- sichtcrn schleichen vom Rand der Abfallgrube fort. Sie tragen kleine Säcke, die sie mit den faulenden Resten der Steckrüben und Kartoffelfchalen aus der Grub« gefüllt haben. Sie rufen drei zer- lumpte Kinder zu sich heran, die noch am Rand der Grube sammeln, und mustern uns mit schiefen, hungrigen Blicken. Hier suchen sie die Abfälle, um ihren und den Hunger ihrer Kinder stillen zu können: denn die Kartenrationen sind klein, und ihr Hunger ist groß. Und uns hassen sie sicher, wenigstens unsere Uniformen, in denen auch ihre Männer stecken, wenn sie nicht schon gestorben sind. „Gewehr ab!" Der Schinder schreitet ganz langsam die Kompagnie ab. Er lächelt hämisch. „Schtillge——— schtann!" Cr brüllt es, daß die Frauen und Kinder anfangen zu laufen. Ich möchte mich ihnen anschließen. „Die Kompagnie hat nicht gesungen!" Die Stimme des Schinders zittert vor Wut. Sein Gesicht war eben bleich-- jetzt ist es krebsrot. Wir stehen wie Pfähle. Die Sonne steigt. Ich sehe Langers Beine zittern wie im Frost. „Wir sind Soldaten Seiner Majestät des Kaisers! Unsere Kameraden draußen müssen sich eurer schämen!" „Unsere Kameraden draußen", sagt er und war noch nicht an der Front. „Singen!" Seine Blicke beißen sich in uns fest.„Ihr singt jetzt: O Deutschland hoch in Ehren!"(Fortsetzung solgl.) Bu dl Sin Sngländer über Jimerika Beoerley N i ch o l s ist ein englischer Satiriker, dessen Glossen um das Sternenbanner unter dem nicht gerade aufregenden Titel„U S A." deutsch im Verlag Seemann, Leipzig, erschienen sind. Die humoristischen Floskeln und die feuilletonistische Einkleidung sind zunächst für unfern Geschmack nicht anziehend.' Aber von Kapitel zu Kapitel gewinnt das Buch dadurch, daß hier ein Mann, dem seine Beziehungen es gestatteten, ohne weiteres mit Coolidge und Lindbergh, mit Ford und Otto H. Kahn, mit Gloria Swanson und Charlie Chaplin zusammenzukommen, keine von falscher Verehrung erfüllten Reportagen seiner Erlebnisse übermittelt, sondern Betrach- tungen, die oft geradezu vernichtend sind. Wir lesen über den geradezu stumpfsinnigen Kult Amerikas mit seinem.Kronprinzen" Lindbergh. Sein Bild hängt in Millionen Häusern, in Hotel- hallen, fahnenumflattert in Bahnhöfen, in Autodroschken, in Fahr- stählen, in Schulzimmern zwischen Lincoln und Washington! Wir kommen in das Negerviertel Haarlem, in dessen homosexuellen Schenken weiße Männer, die sonst jede Berührung mit den Schwarzen scheuen, sich prostituieren. Wir erleben eine Gerichts- s z e n e, in der ein Mörder um seinen Kopf kämpft, während der Saal von einer schwatzenden und lachenden Masse erMt ist, Staats- anwalt, Richter, Zeugen und der Angeklagte selbst wild, gummi- kauend, aufeinandxr einreden. Wir sind beim Staatssekretär M e l- l o n zu Gast, der gesetzlich zur Durchführung des Alkoholverbots zuständig ist und daher streng daraus sieht, daß seinen Gästen nur Wein serviert wird, der gesetzmäßig vor Inkrafttreten der Prohibition auf Flaschen gefüllt worden ist! Wir sind in einem amerikanischen Badeort, in dem die Zeitungen ankündigen, daß die Millionärin I. P. mit 40 Dienstboten, 8 Detektiven und einem der größten Diamanten der Welt zur Kur eingetroffen ist. Wir treten in die Hinrichtungskabine des Gefängnisses von Havanna, in der die Maschnie dem Delinquenten einen Stahl in den ersten Hals- wirbel hineinbohrt: aber wenn sie die richtige Stelle nicht trifft, dauert die Hinrichtung eine Viertelstunde. Wir machen eine r c l i- g i ö s e Demonstration mit, die Nichols eine„Christusrevue" nennt, und die wohl den Gipfel kulturloser Menschenverdummung darstellt. Und schließlich lernen wir durch Nichols, was wohl am erstaunlichsten ist, Chaplin von neuen Seiten kennen, als einen Menschen, der melancholisch seine Umwelt erträgt, aber vor Freunden auf einen Stuhl tritt, und mit der Leidenschaft eines Hydepark-Anarchistcn Revolte und Aufruhr gegen die bestehende Ordnung seinen jubelnden Zuhörern predigt. Nichols hat fünf Jahre in Amerika verbracht und bekennt sich zu einem angelsächsischen Pazifismus. Sein Buch ist ein Dokument dafür, wie amerikanische Barbarei auf einen kultivierten Engländer wirkt. belix Stössingcr. WAS DER TAG BRINGT «niiiiniuiimiiiiiiuiuiiiiiiniiMiiiiiiiiiimiiiiiiiiiinimiiiiimmniiiinuiinnnuiimuiiHiuiniiiuoiiinninnnnniimiinnnniuumiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiaiuuiiniiiiiiiiuiiiiiiiniiiiMy Vor«inigen Tagen sind nun doch die ersten Kriminalbeamtinnen ernannt worden, die insbesondere zur Bekämpfung der Warenhaus- diebftähle und des Rauschgifthandels Verwendung finden sollen. Wie Genf zum Völkerbund kam Unter den Teilnehmern der Pariser Friedensverl)andlungen nach dem Weltkriege befand sich bekanntlich auch der Schweizer National- ökonom Professor R a p p a r d. In seinem kürzlich erschienenen Buche über dies« Verhandlungen kommt Rappard nun auch auf die Wahl von Genf zum Sitz des Völkerbundes zu sprechen und teilt dabei aus seinem Verkehr mit dem amerikanischen Präsidenten Wilson einige bisher unbekannte Einzelheiten darüber mit. Zuerst war Haag ins Äugt gefaßt, dann Brüssel, und die Wahl Brüssels schien schon gesichert, als einer der englischen Vertreter, Lord Robert Eecil, dagegen Einsprache erhob. Cecil scheint auch der erste gewesen zu sein, der Genf in Vorschlag brachte. Wilson stimmte diesem letzteren Vorschlage um so lieber zu, als er, wie Rappard in seinem Buche schreibt, gewisse Bedenken gegen die Wahl der Hauptstadt einer Monarchie zum Sitz des Völkerbundes hegte. Lächelnd fügte er bei:„Vielleicht ist mir Genf auch deshalb lieb, weil ich Presbyterianer bin."(Die Presbyterianer in Amerika haben nämlich ihr Kirchenwesen nach den Grundsätzen des Genfer Refor- mators Calvin eingerichtet.) Oberst H ou se, der Vertraute Wilsons, zog Laufanne vor, und tatsächlich wurde auch Lausanne ernstlich in Erwägung gezogen. Als House dann im Laufe der Verhandlungen über die Wahl dieser Stadt erfuhr, daß Lausanne weit mehr unter Nebel und Feuchtigkeit zu leiden habe als Genf, ließ«r Lausanne fallen, und damit war die Wahl von Genf zum Sitz des Völker- bundes entschieden. Flugzeug rettet Eisenbahnzug Der Sonderzug, in dem Bobby Jones, der amerikanische Golf- meister von Minneapolis nach Atlanta fuhr, entging dieser Tage mit knapper Not einer Katastrophe. Der Pilot eines Flugzeugs hatte von der Höhe aus bemerkt, daß eine Eisenbahnbrücke im Trevino im Staate Wisconsin in Flammen stand. Da er gleich- .zeitig in der Ferne die Frontlichter der Lokomotive des Eisenbahn- .zuges auftauchen sah, ging er mit der Maschine tief auf die Gleise hinab und ließ gleichzeitig die Scheinwerfer des Landungslichtes aufleuchten. Er wiederholte das Manöver solange, bis der Lokomotivführer des Sonderzuges aufmerksam wurde und m der Annahme, daß etwas auf der Strecke nicht in Ordnung fei, den Zug rechtzeitig zum Stehen brachte. Erweiterung der Zugtclephonie Di« vor etwa fünf Iahren in den von Homburg nach Berlin führenden O-Zügen eingeführt« Zugtelephonie hat sich in dieser Zeit so gut bewährt, daß die Zugtelephonie-A.-G. beabsichtigt, die- selbe auch auf anderen Strecken auszubauen. Wie beliebt die Zug- telephonie geworden ist, geht daraus hervor, daß von den sechs zwischen Hamburg und Berlin verkehrenden O-Zugpaarcn ins- gesamt 69 376 Telephongesprächc geführt, worden sind. London erhält weibliche Kriminalbeamte Zwar hatte die Stadt London schon seit mehreren Ichren uniformierte weibliche Straßenpolizei. Indes hatte sich Scotland Uard bisher geweigert, weibliche Kriminalbeamte zg ernennen. Der Schöpfer der Hygiene- Ausstellung Es war der 1916 verstorbene Großindustrielle Karl August Lii, gner, I>. h. c., der 1911 die erste Internationale Hygiene- ausstellung schuf. In seinem Testament hat er einen großen Teil seines Vermögens zum Bau eines Museums bestimmt.„Das Museum soll eine Stätte der Belehrung sein für die gesamte Bevöl- kerung, in der jedermann sich durch Anschauung Kenntnisse erwerben kann, dir ihn zu einer vernünftigen und gesundheitsfördernden Lebensführung befähigen." Am 17. Mai dieses Jahres wurde die 2. Internationale Hygieneausstellung in Dresden eröffnet. Sie bedeckt die riesige Fläche von 47 Hektar und umrahmt den Neubau des Lingner-Mufeums. Das Museum selbst hat 7000 Quadratmeter Fläche und 23 Schauräume. Auf der Ausstelluirg sind 19 ausländische Staaten vertreten, nämlich: Vereinigt« Staaten, Argentinien, Chile, Dänemark, Danzig, England, Japan, Jugoslawien, Litauen, Mexiko, Niederlande, Norwegen, Oesterreich, Rumänien, Rußland, Schweden, Schweiz, Tchechoslowakei und Türkei. Wie alt werden die Aerzte? Nach neueren Statistiken stellt der Berufsstand der Aerzte eine Menschengruppe dar, die in jedem Falle eine höhere Sterblichkeit aufweist als alle anderen Berussgruppen. Wenn die mittlere Sterb- lichkeit sogenannter bürgerlicher Berufe mit 1000 angesetzt wird, dann ist die der Aerzte 1021. Zu günstigeren Ergebnissen ist in allerjüngster Zeit der Wiener Forscher Fürth gekommen. Nach ihm bleibt für Aerzte und Theologen die Sterblichkeit bis zum 60. Lebensjahre hinter der allgemeinen Sterblichkeit zurück. Nach einer amerikanischen Statistik beträgt die durchschnittliche Lebens- dauer eines Ar.ztes 63 Jahre. Sie wird von den Anatomen mitunter weit überschritten. K l e b s und M o r'g a n d i erreichten 90 Lebens- jähre, Poupart wurde sogar 92 Jahre alt. Auch unter den Chirurgen finden wir hohe Lebensalter. E s m a r ch starb mn 86 Iahren. Ein Schreibmaschinen-Rekord Bei einem vor wenigen Tagen in Paris abegehaltenen Schnell- schreiben der Pariser Zeitungsstenotypistinnen gelang es der 23jäh- rigen M. Francine mit 802 Anschlägen in der Minute«inen neuen Weltrekord im Maschineschreiben aufzustellen. Die Weltrekordlerin hat daraufhin sofort mehrere Angebote per Kabel von Amerika er- halten, die sie indes, trotzdem das angebotene Gehalt ein Vielfaches von dem betrögt, das sie jetzt bezieht, ausschlagen will. Die Fünf-Pfennig-Zigarette bevorzugt DI« Dorherrschaft der L-Pfennig-Preislage am Zigarettenmarkt geht wiederum aus der Steuerftatistik des letzten Quartals 1929 hervor: von 7 Milliarden Zigaretten, die versteuert wurden, waren 4 Milliarden ö-Pfennig-Zigarciten und 1"! Milliarden 4-PjenniZ- Zigaretten. Die Flieger« Sdiöne Erfolge trot Jlicgerlagct wasscrkuppe. im August 19M Der Wettergolt— um den dreht«s sich nun einmal hier oben mit in erster Linie— zeigte in den ersten sechs hinter uns liegenden Tagen der diesjährigen Veranstaltung ein reichlich launisches Ee- ficht. Die nahezu 300 Lagerbewohner mußten abwechselnd über sich ergeben lassen: Flugwetter mit günstigen Winden, Sonnen» schein, Regen und Nebel. Die Hoffnung, die eine leider nur vor- übergehende Besserung der Witterung am Mittwoch, einem Rhön- tage erster Ordnung, erweckt hatte, oersank in unermeßlichen Regenfluten und in einem dichten und undurchdringlichen Wolken meer. Man kann keine drei Schritte weit sehen, außerdem braust ein Sturm über die Kuppe. Das Wetter erinnert an jene unsympathischen Rebelübersäll« im Hochgebirge. An Fliegen war natürlich infolge der„Boll-Knofe" nicht zu denken!(Ob es wohl daran liegt, daß der liebe, gute, alte Captain Knofe immer noch unter uns weilt?) Doch genug hiervon! Trotz dieser„Waschküchenstimmung" nahm der Wettbewerb unter stetig wachsender Flugtätigkeit seinen ungehinderten Fortgang. Beschäftigen wir uns einmal mit den ersten 7 5 Wettbewervsslügen, von denen S1 auf den Uebungs- und 24 auf den Leistungswettbewerb entfallen: denn sie sind charakteristisch für den Verlauf der „11. Röhn". Jede sich bietende Gelegenheit zum Fliegen wird aus- genutzt. Selbst die jüngsten Segelflieger des Uebungswettbewerbs haben bereits gelernt, sich schnell der mitunter ungünstigen Wetter- läge anzupassen. Ein Pilot zieht den anderen nach und schon kressen zehn Segler der Lüste stundenlang am Westhang in Höhen von 200 Meter. Ein schöner Anblick für die in Massen herbei- geeilten Besucher! Stundenslllge bei mäßigen Windstärken sind eben an der Tagesordnung! Im Wettbewerb für unsere fort- geschrittenen Segelflieger zeichneten sich bisher besonders aus Ruch von der Akaflieg Stuttgart auf„Stadt Stuttgart", Bedau vom Berliner Segelflugverein auf„Luftikus" und der Darmstädter S t a r ck auf„Dormstadt". Er legte erst kürzlich auf dieser be- uf der Rhön schlechten Wetters währten Rckordmaschine des unvergeßlichen„Bubi" Nchring in I bestechender Weise seine E-Prüjung ab. Ganz besonders sliegerische Anlagen verrät der bayerische Polizeioberleutnani Hemmer, der Dittmars Hochdecker„Schloß Weinberg" steuert. Er wird im nächsten Jahre ein scharfer Gegner unserer„Kanonen" werten. Die erprobten Segclslieger befassen sich„ein wenig" mit Streckenflügen Hier sind zu nennen: der Aachener Mayer, die Kasseler..Maxe" Kegel und der junge- Hurttig, iowie Meister K r o n s e I d. Hurttigs Streckenflug auf der„Clida" von 40,2 Kiloincier Länge nach Bad Salzungen und sein Frontensegel- flug nach dein etwa 52 Kilometer entfernten Bischofsrod(zwischen Themar und Suhl), die er mit Schneid und Ueherlegung durch- führte, verraten die in ihm steckenden großen Fähigkeiten. Er half mit, den Mittwoch zu einem historischen Tag der Rhönsegelsliegerei zu machen! Und endlich Robert Kronfelds Ueberlandflüg« von 40, tz Kilometer Länge nach Bad Liebenstcin und von 51,5 Kilometer Länge nach Berka a. d. Werra, dann sein Flug am Mittwoch auf der„Wien" nach Rehau in der Nähe von Hof. Er hat immer das rechte„Fingerspitzengefühl", im richtigen Augenblick eine Wetter- walze voll auszunutzen. Die Luftlinie zwischen dem Landeort und der Wasserkuppe beträgt ungefähr 15 0 Kilometer und würde der Entfernung entsprechen, die er bei seinem letzten Rekordfluge am 30. Juli 1929 nach Lienlas bei Bayreuth erreichte. Sein dies- jähriges„Konto" wäre indessen unvollständig, würde man nicht feinen mit außerordentlichem Geschick unternommenen Umrundungs- flug des 14 Kilometer entfernten Kreuzberges erwähnen. Durch feine Rückkehr zur Startstelle sichert« er sich die erste Anwartschaft des„Bayernpreises", der als Fernzielflugpreis einen Flug zur Wendemarke„Kreuzigungsgruppe" mit Rückkehr zur Wasscrkuppe fordert. Wir wollen nicht voreilig sein: wenn auch bisher nur einige Preise der Ausschreibung ausgesloge» worden sind, so kann doch schon jetzt behauptet werden, daß erfreulicherweise auch die „11. Rhön" gerettet, also«in Erfolg, zu sein scheint! Berlin besiegt Tokio Japaner in Laufkonkurrenzen geschlagen Der Tag des Städtekampfs stand unter einem verhältnismäßig günstigen Stern, denn nach mehrtägigen Regengüssen klärte sich dos Wetter vor Beginn der Wettkämpfe auf. Allerdings wehte ein heftiger Wind über den neuen Platz des SEE., wo sich etwa 7000 Zuschauer eingesunden hatten. Im Namen der Stadt Berlin übergab Bürgermeister A u g u st i n die neue prächtig« Anlage des SCC.-Charlottenburg, dessen 1. Vorsitzender, Minister a. D. Südekum, Worte des Dankes sprach und Bürgermeister Augustin zum Ehrenmitglied des SEE. ernannte. Unter den Klängen der bcioerseitigen Nationalhymnen hielten dann die Städtemamy'chaften von Tokio und Berlin ihren Einzug in die Arena. Der Hochspringer Kimura trug die japanische, Hänchen die deutsche Flagge. Aus dem Wettstreit, der elf Konkurrenzen umfaßte, gingen die Berliner mit b5'/2:48� Punkten als Sieger hervor. Sie gewannen alle Laufkonkurrenzen und besetzten auch mit einer Aus- nähme jedesmal den zweiten Platz. In den technischen Uebungen dominierten dagegen die Japaner und lediglich im Diskuswerfen gab es noch einen deutschen Sieg durch Hänchen. Die Zeiten in den Laufkonkurrenzen konnten nicht besonders gut ausfallen, da die Bahn zu weich war. Auch die Sprunganlagen ließen einige Wünsche offen. So war beispielsweise im Weitsprung der Absprungbalken noch viel zu elastisch. Bemerkenswert vor allem die Leistung des Japaners Nishida, der im Stabhochsprung mühelos 4 Meter schaffte. Im Hürdenlauf konnte Troßbach einen knappen Sieg über Beschetznik erringen, der Hochsprung ergab totes Rennen zwischen Betz und Kimura. Qluckssicg Herthas über Nürnberg Nach dem vorwöchentlichen Erfolg gegen Fürth konnte die Meistermannschaft von Hertha-BSC. nun auch den anderen deutschen Altnreister, den 1. F. C. Nürnberg bezwingen. Mit 5: 4 Toren wurden die Süddeutschen nicht verdient geschlagen. Dem Kampfe auf dem Herthaplatz wohnten. 18 000 Zuschauer bei. Der Rasen be- fand sich trotz der vielen Regenfälle in guter Verfassung und ließ ein einwandfreies Spiel zu. Bei den Nünibergern vermißte man Stuhlfaut; an seiner Stelle hütete Köhl das Heiligtum in vorbild- licher Manier. Wohl über 60 Minuten laug hatte der 1. F. C. das Spiel fest in der Hand und erst eine unglückliche Schiedsrichter- entscheidung brachte Hertha den Sieg. Turner treffen im 4. Bezirk Im festlich geschmückten Fernneuendorf gaben sich die Bundesvereinc des 4. Bezirks im 1. Kreis«in Stelldich- «in, das mit der Zehnjahrfeier des dortigen Brudervcreins„F i cht«" bereits Sonnabendabend begann. Im überfüllten Festsaal brachten die turnerischen und gymnastischen Vorführungen des FTGB.-Bezirks Neukölln-Britz der Veranstaltung eine würdige Umrahmung. Bei einbrechender Dunkelheit sammelten sich alle Festteilnehmcr zum Fackelzug, der unter Mitwirkung aller Turncrkapellen mit einer würdigen Kundgebung für die Arbeitersportbewegung schloß. Trotz des ungünstigen Wetters und der schiechten Bodenverhält- niss« konnten alle Vor- und Hauptwettkämpfe durchgeführt werden. Di« erreichten Resultate sind als gut zu bezeichnen, ein Beweis für die gute sportliche Durchbildung auch der Provinzvereine. Der Nachmittagsfestzug führte unter Vorantritt der Turnerkapellen und Mitführung aller Bundesfahnen zum Sportplatz. Nach Beendigung des leichtathletffchen Programms fanden sich olle Festteilnehmer in den Vevkehrslokalen der Arbeiterschaft zu den Saalfeiern ein. Relultatc: Handball: Cpcrcnbcra 7— NcukSlln-Briti kombiniert 1:0.— Drei- kämpf, Jugend 14— IS gohre: 1. Krunow-Sperenberq 411 Punkte: 2, Hanne- mann. Lücke nmalde 290 P.; 3. Lekien-Luckenwalde 264 P.; 4. Makchow-�ern- neucndorf 181 P. 16—18 Jahre: 1. Schwaß k-Echönebera 472 P.: 2. Schuster. Ncntdlln. Britz 396 P.: 2.«raiisch-Luckenmalde 379 P.; 4. Dictz-NcukWn.Britz 374 P. — Dreikampf, Hraucn: 1. Nnappe-Neuldllu-Britz 196 P.; 2. Bautz-Ncutdlln-Britz 188 P.; 3. Nralisch-Lucienmaldc 175 P.; 4. Fliegner-Neukölln-Britz und Arndt. Luckenwalde ie 171 P.— gitnfiampf, MLnner: 1. Schbnfelder.Ncukölln-Britz 358 P.; 2. Hauschild.Reukdlln.Britz 848 P.; 3. Schattling.zicukalln-Britz 326 P.; 4. Truschkowski-Neukölln-Britz 315 P.: 5. ttlitr-Ternneuendorf 246 P. gZtbB., Rcnkölln. Britz. Handballspieler: Ouartalsverfummlung heute auf dem Sonnenplotz. VerfnssungssportLest der Polizei Weiikämpfe bei sirömendem Regen Das Verfassungssportfest der gesamten Berliner Schutzpolizei, das atn Sonnabend im Polizeistadion in der Ehausseeslraße zur Abwicklung gelangte, litt wie alle anderen Veranstaltungen unter der Ungunst des Wetters. Die Wettbewerbe, zu denen sich trotz oes Unwetters viele hundert Zuschauer eingesunden hatten, fanden zum großen Teil bei strömendem Regen statt. Den Poli-istcir schien aber die Unbill der Witterung wenig anzuhaben, und so wurden alle Konkurrenzen auf denk grünen Rasen und auf der Aschenbahn programmäßig ausgetrageu. Den Hanptteil nahmen wieder die Staffeln ein, in denen die Favoriten zu sicheren Siegen kamen. Den Beschluß oer Veranstaltung bildete ein Handballspiel Polizei gegen Deutschen H a n d b a l l- C l u b, das von den Polizisten überraschend hoch mit 12: 2 Toren gewonnen wurde. Ergebnisse: 4 IZvO-Metcr-Stafiel stir Polizeigruppeu: I. Elld 78:07: 2. Südost 78:13: 3. Ost.— tkuoelstotzcn: 1. Oberwachtmcistcr Haase iZtordl 13,02: 2. L>der- waciumcister Hähucheu(äifoie: 218) 72,22; 3. Leutnant Hing« Cätorb).— Speer. werfen: 1. Leutnant Hinze tZtord) 55,54 Me'cr: 2. Wachtmeister Lanst(Ptcn*. lauer Berg): 3. Wachtmcistcr Krause(Sctiitcnc) 46,62 Meter.— Hochsprunq: I. Wachtmeister Vonnet tSpandau) 1,71 Meter: 2. tüallltmstr. Rabcnsteinarlottcnburg) 39:37: 3. Oberwachtmstr. Katow(Reinickendorf) 40:08.— Stadhochfpringen: 7. Wachtmstr. Bonnet tSpandau) 3,20 Meter: 2. Odcrwacht» Meister Boos tRenköll») 3,70 Meter: 3. Wachtmstr. Saft(West) 2.80 Meter.— 4X700 Meter für Inspektionen: 7. Nord 44.9; 2. Mitte 45,3; 3. Linden 4-5,4.— 70X200 Meter für Beamte über 32 Jahre: 7. Mitte 4:27,7; 2. oilb 4:32,4; 3. Nord 4:35.— Diskuswerfen: 1. Oberwachtmstr. Söhnchen(Neukölln) 40.60 Meter: 2. Oberwachtmstr. von Smida(Steglitz) 35,96 Meter; 3. Wachtmstr. Tamm(Nord) 34,77 Meter.— Olnmpische Staffel: 1. Süd 3:52,3; 2. Südost 3:53,3; 3. Mitte 3:58.— Droste Staffel für Pol>»cigruppen, 50 X 200 Meter: 1. Mitte 21:04,8; 2. Süd 21:30; 3. Südost 21:34. Berliner Athleten in Brandenburg! Am Sonntag fand in Brandenburg der Reichsarbeitcr- sporttag statt. Dazu hatte sich unter andern der Sportklub S a x o n Brandenburg a. d. H. die Ringermannschast Sparta 1896 und ein« kombinierte 1)ebermannschaft sowie Jiu-Jitsu-Kämpfcr '„Einigkeit" Berlin verpflichtet. Brandenburg trat mit ihrer besten Ausstellung an, trotzdem war es ihnen nicht möglich, die Nieder- lag« aus den Serienkämpsen wettzumachen und mußte Sparta den Sieg 8— 4 überlassen. Das schlechte Wetter hatte die Heber- Mannschaft derart beeinflußt, daß sie nicht die Resultat« errangen, die man von ihnen gewöhnt sst. Bei den Jiu-Jitsu�lälnpsen konnte man eine gute Technik jeststellcn und die zahlreichen Zuschauer waren von dem großen technischen Können der Athleten sehr besriedigt. Jubiläumssportfest in Schönerlinde Trotz schlechten Wetters ging das Jubiläumssportfest anläß- lich des zehnjährigen Bestehens bei gutem Besuch vonstatten. Im Dreikampf der Männer siegte B c r g e n s(Schönow) mit 215 Punkten vor seinem Bereinsgenossen Mansie, der 197 Punkte erreichte. Linse-Basdorf wurde dritter mit 189 Punkten. Einzel- ergebnisse des- Dreikampfs: Hochsprung: Bergens 1,65 Meter, Weit- sprung: Bergens 5,95 Meter: Benz(Schönerlinae) 6,65 Meter; Kugelstoßen: Manske 9,85 Meter, Bergens 9,45 Meter. Frauen: 1. Kaiser(Schönow), 236 Punkte, vor Plaumann (Basdorf), die 216 Punkte erreichte: 3. Siebelkorn(Glienicke) 173 Punkte. Außerdem erzielte Bergens(Schönow) im Stabhochsprung die respektable Höhe von 3,28 Meter. Oer krauenausschuH des Arbeifer-Turn- und Sportbundes hielt in Leipzig seine erst« Tagung ab. Vom Bundestag in Köln zur Vertretung der weiblichen Bundesmitglieder eingesetzt, hat er nunmehr seine Arbeit mit vielversprechendem Fleiß und gutem Erfolg l>cgonnen. Als Vorsitzende gewählt wurde Anny Keller, Dessau, und als Schristsllhrerin Hilda Sucker, Leipzig. Sucker wurde außer- dem als Vertreterin im Frauenausschuß der Sozialistischen Arbeiter- Dis hohe Qualität der MÄKEDONZigaretten ist dadurch erzielt worden, daß sie aus den feinsten und edelsten Tabaken der Welt hergestellt werden, welche durch langjährige la- fjerung volle Reife er- angt haben. KONZERNFREI Generalvertretung: Carl Sudel, Berlin NW 6, Luisenstraße 30, Tel. D 2, Weidendamm 3354 (SporfhttrtnaHonaf« bestätigt. In sehr geschickter Weis« verstanh«» es die Mitglieder des Frau«naueschuss«s, ihre Aufgaben zu sammeln, zu sichten und die nächsten Maßnahmen zu ihrer Verwirklichung zu prüfen und festzulegen. Ein Aufruf an die weiblichen Bundesmit- glieder zu opferwilliger Mitarbeit soll veröffentlicht werden. Ein ausführlicher Tagungsbericht ist in Vorbereitung. Di« Zusammen- fünft war erfüllt von dem festen Willen zu vorwärtsdrängender Mitarbeit an der Aufwärtsentwicklung der sozialistischen Frauensport- bcwcgung. -ARBEJIBL 7USSBALL Der größte Teil der Sountagsspiele mußte wegen der schlechte» Beschaffenheit der Spielplätze abgesagt werden. Resultate vom Minerva-Turnier in Neukölln: Mainz 07 mußte von Minerva eine Tiederlage von 0:11(0:4) hinnehmen. Ciche-Köpenick verlor gegen Sokol 3:6(6:2). Eintracht-Vorwärts gegen Wedding 2:0(2:0). Saxonia gegen Deutfch-Wusterhaufen S:v(3:0). Britz I gegen Teltow 2 2:1. Eiche-Köpenick gegen Minerva 1:0(0:0). Minerva (Jugend) gegen Eiche-Köpenick 1:2(1:1). Weitere Resultate: Borussia 1 gegen Spandau.1 0: 5(0: 2): Borussia 2 gegen Spandau 2 3:5(1:4). Schwiebus 1 gegen ASV.-Schöneberg 10:1. « Deutsche Arbeiter Sportler in Belgien Heber das Bundesfcst der belgischen Arbeitersportlcr in L ll t t i ch kann von einem sehr zufiiedenstellenden Verlauf berichtet werden. Die feierliche Eröffnung der großen belgischen Arbei er- sportveranstaltung fand am Freitag im Trianontheater statt. Gesänge und Musik gaben den offiziellen Reden der Landesvertreter eine gute Umrahmung. Slark war die Beteiligung des Auslandes. Die englische L ä n de r m a n n s ch a f t, die sich auf der Rückreise von Deutschland befand, spielte am Freitag vor 4000 Zuschauern im Stadion gegen die Städtemannschaft Llltuch und gewann durch sehr gutes Spiel 11:0. Am Samstag begannen die internatio- nalen Wettkämpfe im Stadion und auf einigen der breiten Straßen in der»Stadt. Anschließend spielte die Fußballauswahl- Mannschaft Rheinland-Westfalen gegen die französische Länder- mannschast 6:1 und Belgien gegen Holland 2: 2. Die deutsche Handballändcrmannsckzast erwies sich den delgischen Vertretungen weit überlegen. Im ersten Spiel gewann Deutschland gegen Belgien 14:0 und im zweiten Spiel am Sonntag im Stadion vor 25 000 Zuschauern 18: 1. Luropameisters chatten im Rudern Die diesjährigen Europameisterschaften im Rudern fanden am Sonntag in Lüttich ihren Abschluß. Die Italiener mußten sich dies- mal mit einem Doppelsrfolge begnügen, in die übrigen Rennen teilten sich Unga«i, Polen, die Schweiz, Dänemark und Amerika. Ergebnisse der Endkämpfe: Einer: 1. Ungarn(Szendey) 6:26,3: 2. Italien(Giacomini) 6:30,4: 3. Schwarz(Dänemark) 6:31. Zweier o. St.: 1. RC.-Posen(Polen) 6:27: 2. Ungarn 6:30,2: 3. Frank- reich 6:31,4. Zweier m. St.: 1. Italien(de Feltra RE.): 2. Frank- reich. Schweiz ausgegeben. Doppelzweier: 1. Schweiz(Basler RC.) 6:07: 2. Italien(Lario Como) 6:00: 3. Holland(Het Spaarne- Haarlem) 6:23,1. Vierer o. St.: 1. Italien(de Feltra) 5:58,2; 2. Schweiz(Seeklub Biel) 6:01,1: 3. Belgien(CR.-Brüssel) 6:03,1. Vierer m. St.: 1. Dänemark(Kopenhagen RK.) 5:56,2: 2. Italien 6:00; 3. Holland 6:03,3. Achter: 1. Amerika(Pennsylvania-Athletic- Club-Philadelphio) 5:27,2: 2. Italien(RC.-Livorno) 5:33,2: 3. Däne- mark 5:47,1. Cie�ner für Schmeling gesucht Wahrscheinliche und unwahrscheinliche ProjeWc Das nach dem Wcltmeisterschaftskampf Schmeling-Sharkep stark herabgeminderte Interesse der Pankees an neuen Groß- kämpfen suchen die.gerissenen amerikanischen Veranstalter durch alle möglich und unmöglichen Sensationsmeldungen wieder zu ent- fachen. Gestern wurde die boxsportlich interessierte Welt mit der Nachricht überrascht, daß Sharkey und Carnera am 29. September in Chikago in den Ring gehen werden, heute läßt die New-Porkcr Goroengescllschast' verkünden, daß sie Chikago diesen fetten Bissen weggeschnappt habe und am 25. September im New-Porker Pankee- stadion einen Kamps zwischen Jack Sharkey und dem Argen- tinicr Vittono Campolo über 15 Runden bringen werde, wobei Shaikey ebenfalls 100 000 Dollar garantiert werden Nach den Plänen der Gardcngesellschaft wird der Sieger im Februar in Miami mit S t r i b l i n g zur Weltmeisterschafis-Endausscheidung antreten und im Sommer soll dann Schmeling seinen Weltmeister- titel gegen den Sieger von Miami verteidigen. Soweit die Gardengesellschaft, die sich bei ihren Plänen auf die seinerzeit mit Schmeling gelrossenen Abmachungen stützt. Davon scheint Schmelingz Jnteresscnvertreter Joe Jacobs nicht viel wissen zu wollen. Er intrigiert hinter den Kulissen und kündet drei Kämpfe Schmelings in Europa an, gegen Heeney oder Jim Maloney in Berlin, gegen Gnselle in Paris und gegen Paolino in Barcelona. Daraus wird natürlich nichts werden, denn Schmeling riskiert dabei, daß die Amerikaner die nächste Weltmeisterschaft ohne ihn veranstalten. Touristc«»ercin»Die Raturlrcundc'. Moutaa, I«. An«»?. Malaemeinschost: Iugeirdheim Wranaelftr. 12Z, 1914— 22 Uhr: Plastik(äRobenicrton). ffeftfeftuna der Etudicnfaiir: am 24. Lrptamlxr.— Photoakmeinschaft: ISlü Uhr in der gohannisstr. IS lSaal): Ucbcr Tonen.— Esperanto. Arbeitsaemeinlchast: Ab 20 Uhr im Jugendheim Tilsitcr Etr. 4.— Dienotag, 19. August. Photo-Abt. Osten i 20 Uhr Aiofängerkursus.— Tiergarten: Irden Dienstag ab 19 Uhr Spielen Pogeiwiesc Plötzensce.— Kumboldihain: Jeden Dienstag. Mittrooch und Donnerstag ab lg Uhr Rasensport auf dem Sportplah Sumboldthain. Bei Regenwetter in den Seime».— Kindergruppe: 17*i— la*! Uhr im Klassen. gimmcr Pank- Ecke Wiesenstrage— Wedding: 20-22 Uhr im Jugendheim See» Ecke Turiner Straße:„Etwas vom Theater"-22 Uhr im Jugendheim Gun�erstr. 4-1. Es Vird> gespielt, musiziert und gesungen.— Weiftensee: 20— 22 Uhr im Jugendheim. Pistoriusstr 24.— Achtung! Mittwoch. 20. August, Badcabend in Klingenderg von 18-21 Uhr. Rege Beteiligung wird erwartet. Treffen in Klingenberg. Ruderverein„Vorwärts" Berlin. Vorstandssiftung am Dienstag, 19. August, 20 Uhr. Mi'qliederversammlunq Donnerstag. 21. August, 20 Uhr. Kartell Wilmersdorf. Dienstag' um 19 Uhr bei Kroift Kartellsiftung. Ad» rcchnung usw. Tcrminfestlegung und Verhandlung mit Brudcrorganisat'.onen. Der Sportplatz am l�chrbelliner Platz ist zur Zeit gesperrt. Montag. 18. August. Berlin. 16.05 Paul Pfaffenschläger: Vorn Angelsport. 16.30 Joh. Brahrns. 1. Sonate für Violine und Planoforte, A-Dur, op. 100.— 2. Sonate für Violine und Pianoforte, Q-Dur, op. 78.(Konzertmeister Maurits van den Berg, Violine, und Bruno Seidler-Winkler, Klavier.) Anschließend: Tänze. 17.30 Aus dem Bootshaus eines Berliner Rcnn-Rudcr-Vcreins: Ruderer machen sich zur Regatta kampfbereit. 17.50 Hermann Kasack: Kuriose Briefe. 18.15 Dr. Friedrich Luther: Reformvorschläge zur Jugendstrafrechtspflege. 18.40 Robert Franz: Lieder.(Hilde Weyer, Sopran. Flügel: Willy Jacger.) 19.05 Prof. Dr. K. Stählin: Die russische Revolution, 19.30 Arbeitsmarkt. 19.35 Volkslieder. 20.00 Aktuelle Abteilung. 20.30..Des Kaisers neue Kleider", ein heiterer Abend. Manuskript: Robert Schiflan. Musik: Werner Michel. Ltg.: Gerd Fricke. Anschließend: Unterhaltungsmusik. Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. Könlgswnsterhausen. 16.00 Von Breslau(nur für die Deutsche Welle): Nachmittagskonzert. 17.30 Rektor Paul Werth: Lchrprobe aus dem Sachunterricht des 2. Schuljahres. 18.00 Prof. Max Strub und Frau: Werke für zwei Violinen. 18.30 Dr. Joh. Kohlfeld: Merkwürdigkeiten aus den Ahnentafeln berühmter Deutscher. 18.55 Englisch für Anfänger. 19.25 Dr. Horlacher, M. d. R.: Welche Folgerungen hat der praktische Landwirt aus einer planmäßigen Gestaltung der Agrarpolitik zu ziehen? 1 Wetter für BerNn: Zeitweise heiter, am Tage etwas wärmer. Für Deutschland: Im Süden heiter und am Tage warm, auch in Mittel- und Norddeutschland zeitweise heiter, nur im Küstengebiet wqlkig, im Nordosten Aushören der Regenfälle. BeeantwortI, Mr die Redaktion: Wolsgang Schwae,. Berlin: Anzeigen: Zh.»lock», Berlin. Verlag: Porwiir!» Verlag(5. m. b. 6., Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstrabe 8. Hierzu 1 Beilage. Allgemeine Ortsfrankenkasse Berlin-L,lchterfelde. Am Dienstag, dem 26 August 1930- abend, 7i Uhr stndet im Kassentotal Berlin- Lichtcrfelde, Roonftr. 13, eine Treppe, eine außerordentliche Ausschuß- Sitzung slau mit iolgendcc Tagesordnung: Beschluhfassung über die durch die Notverordnung vom 20. Juli d. I. bcdingle Sastungsänderung. Bcrlin-Lichterfeldc. den IS August 1930 Der Vorstand: Karl Brandenburger. Borsitzender XltcAlec, Lickisptelt usw. ..-i------ . JL l..v, Jf Staats-Theater geschlossen. g Abonnements- Anmeldungen werden entgegengenommeni a) für die Stnatsopern und das Staatl. Schauspielhaus vomAbonnements- büro, Berlin W56, Ober- wa!lstr.22 von 9—2 Ubr. Fcrnspr. Merkur 9024, b) für das Slaatl. Schiiler- tlieatcr vom Abonne- nientsbüro,Berlin-Cliar- lottenburg, Grolman- strafie 70 von 9— 2 Uhr. Fernspr. Steinpl. 6715, c) für die Städtische Oper vom dortigen Abonne- mentsbiiro, wochentags von 10— 2 u. v. 6— 8Uhr. Städtische Oper Bismarckstrafle Volkcvorstcitung Geschlossene Vorstellung Tannhäuser Kein Kartonverkauf. I. 5 u.81/, Uhr. H 5 Barh. 9236 Pr. 1— 6 M,— Nachm. halbe Preise. N O N I and H O R A C E nsw. Tägl. 5 u. eis Sonai. 2. 5n. 8" Alex. E 4. 8066 Kassner. Macisle, 5 Resua- Roller- Girls usw. iheateri.d.Behrenstr. 53-54 »>/. Uhr ist das nicii! neu von Coiette? Reichshallen-Theater | S| Uhr stettiner Sänger Neu I Neq! La3 Blumen sprechen! Dönhoff- Brettl: Varietö— Konzert— Tanz J.15 Uhr— Baadisn erianhi Carlos and Chlla u. Ca. and vslttra In Berlin nofli nldii geitltlt Slars. Uhr ".Uhr CASWO THEATER#V4 _ Lothrinser Strohe 97. :ür unsere Leser: Gutschein 1— 4 Pcrs Fau:e uil 1,25 M. Sessel 1,75 M. cer Possen-scniager Der seliae Hollschinsky Hl IM rilllHIIIIIHIIIIMIHtllllinHIHtMifWIMtMllimWHHm'tinM und ein erstkl. buntes Progrannn. Deiitsoiss Miel 0 2 Weidintan 5291 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg.: Max Rcinhardi Nlasik: sriedrifh Holleender. BilhniBhilder Ernst Die Komödie 1 1 Bismck.2414/7516 8� Uhr Wie wenie ich teidi und siodtlidi? | Kunos ton Felix Joadiimsoa. j Mosik von Mische Spoiiansky Regie: Erich Engel Bühnenbilder Lodwig Hainer Berliner Prater Sommensteatcr Kastanienallee 7—9 Humb. 2246 Eine entzückende Bnrleoke sowie der auserwählte Varletd-Teil. Täglich 80, Uhr Gostl Bm, TnidtSdirödn, Herta Starz, Eiwid Härtung in Katja, die Tänzerin Operette in 3 Akten lon Leopald Jakobson uml RudoK Oesterrtidw Musik von Jean Gilbert. Eintrittspreis von »K an. nistronoi-itieaier Täglich SV. Uhr SensaHoDcller Opcreltcnerfolg! Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Sonntag nadim. 4 Dhr kleine Preise FriederlHe. Lessiog- Theater Wildndingi 2797 i.OaiS Täglich 8% Uhr MeMslW beantragt y OltoErnst Hesse Uns, Handiels, Reo 9, Flamme, Fulkenbeig, GHnther, Grodtczinski. zentrautieaier (Ope reuenhaus) Alte Jakobstr. 30/32 Dönh. 2047 Täglich 8'/- Uhr Nurnoch kurze Zelt! Ein Zllle-mmon Kinder der straee Gesang o. Tanz von W. loasse' and Artbar Mtlzir. Rundfunkhöre r tzfllöß Preise In Vorbereitung: ifeberm örossea Teidi Jeimlidte Brautfahrt" Gertrud Kanllz Uliiii Rose täglich 8 15 im Rose-Theater I Innentheater Auf der Garlenbühnc: ti tätlich 590 Homert „ 600 Varieiö .. 8,s ,> Die tolle Lola Opcrcitc von Ha�o Hirsch Reg e. Udgar Kanisth— Tänze Brono Arno Deutsches Kansller-Theal. Tel. Barbarossa 3931 8'/i Uhr Weekend iiistspilliHlLCovaRl. Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 9 Uhr Die Wunder-Bar RcvucstQck Komische Oper 80, Uhr Paol Mmm in; Liebs und Trompetenblasen Oiurtttaynn Roland. Zimmer; iBett Mk.7,-bist1.- 2Betten13.-bi52Z.- BodiMk.i- oalon;1Qr Ttieater d. Westeos Täglich 80» Uhr: Das Land des Lacbelns d Ftanr Lehars Sensationserfolg! Sontag nadin. 4 Öhr kleine Preise Das Land des Lachems MW« �preLswefte MNtWM R�fduranf Berlins Taealer am Kottbuser Tor. Kottbuur Str. 6 iTil. M, 1.16077 teder Art liefert preiswert Ptml Gollctz oorm. Robert Meyer "iariflnnrnitrA fir 1 Ecke Naunynstraße Amt Moritzpl. 10303 ■ART kKKi.» mm No>1*naorfpU»z Kurf. 209) Vorv�rk, 12-2 Die modernste Tonfilmbühne UNTER din DÄCHERN VON PARIS Verkäufe MöbeNäu!» merke ftttkit und bat Möbelba, ar. arohe Auowadl, kleine Beeile! B«ilp!el,we!se: Schlaf»immcr 435,—. Spelle, immer 517.—, chcrren, immer 389,—. 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