BERLIN Dienstag 19. Auguft 1930 Der Abend Erfcheinttäglich außer Sonntags. Sugleich Abenbausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 386 B 192 47. Jahrgang Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Arbeiterzug fährt in Güterzug 21 Bergarbeiter getötet und schwer verletzt Saarlouis, 19. Auguft. Bei dem Eisenbahnunglück auf der Grube Creuz. wald bei Mes wurden 4 Arbeiter getötet, 17 schwer und 27 leicht verlegt. Das Unglüd spielte sich folgendermaßen ab: Ein Arbeiter: zug, in dem etwa 60 Arbeiter von Grube 1 nach Grube 2 be= fördert werden sollten, um um 14 Uhr in den Schacht zu steigen, wurde von der Lokomotive geschoben, so daß der erste Wagen bei dem Zusammenstoß in direkte Berührung mit dem entgegenkommenden Güterzug fam. Der Anprall war so heftig, daß die drei Wagen vollkommen zertrümmert wurden. Die Unglücksstätte bot einen furchtbaren Anblick. Schuhe und andere Kleidungss stücke lagen rings umher, während aus den Trümmern das Hilfegeschrei der Verletzten drang. Die Holzsplitter der zerstörten Wagen waren den Unglücklichen zum Teil tief in den Körper eingedrungen, so daß die Rettungsarbeiten nur mit äußerster Vorsicht durchgeführt werden konnten. Bei den meisten Schwerverletzten, die in das Krankenhaus von Creuzwald übergeführt wurden, haben die Aerzte jede Hoffnung aufgegeben. Die Nachricht von dem furchtbaren Unglück hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Angehörige und Arbeitskollegen halfen der zuerst an der Unglücksstätte erschienenen Sanitätswache der Grube bei den Rettungsarbeiten und suchten verzweifelt nach Berwandten und Freunden. Wer die Verantwortung an dem Unglück trägt, muß erst die Unterjuchung ergeben. Die große Mehrzahl der Arbeiter sind Saarländer. Autobus stürzt in die Jfère. Bisher vier Tote und zehn Schwerverletzte geborgen. Paris, 19. August. Ein schweres Automobilunglück ereignete sich am Montagabend in der Nähe von Grenoble. Ein Autobus, in dem 62 Personen Platz genommen hatten, wollte an einem Uebergang über die Isère einem in entgegengesetter Richtung kommenden Personenwagen ausbiegen, wobei der Führer so scharf rechts einbog, daß es ihm nicht mehr gelang, den Wagen in die gerade Fahrtrichtung zu bringen. Das Auto raste in voller Fahrt gegen das Brückengeländer und stürzte in den Fluß, der an dieser Stelle besonders tief ist. Im Wasser spielten sich die entsetzlichsten Szenen ab. Die Reisenden klammerten sich aneinander und rissen sich gegenseitig in die Tiefe. Die Insassen des Personenautos bemühten sich um die Rettung der Verunglückten, während andere die Feuerwehr benachrichtigten. Nach den bisher vorliegenden Meldungen wurden bis in die späten Abendstunden 4 Tote und 10 zum Teil schwer Verlegte geborgen. Eine Reihe anderer konnte sich schwimmend retten. Dem Tode entronnen! An Gefunden hing ihr Leben!- Drei Menschen gerettet. Ein sehr eigenartiger Unfall, der um ein Haar einen verhängnisvollen Ausgang für das Leben dreier Menschen genommen hätte, ereignete fich in den geffrigen späten Abendstunden auf der Budow- Marienfelder Chauffee. Am Kilometerstein 10,9 der Bahnunterführung auf der Strecke Berlin- 3offen raste um 21 Uhr der Oberkellner Mar Haluff aus Steglitz mit seinem Motorrad gegen die soeben geschlossene Bahnschranke. Haluff wurde dabei herabgeschleudert, das Motorrad, in deffen Beiwagen Frau und Kind des Oberfellners faßen, rafte führerlos meiter und durchschlug auch noch den zweiten Schrankenbaum. 3m nächsten Augenblid braufte ein Fernzug vorüber. Während Frau H. und das Kind wie durch ein Wunder völlig unverletzt geblieben waren, hatte der Mann leichte Kopfwunden erlitten. Wäre das Unglüd auch nur einige Sekunden später paffiert, hätte der Zug alle drei zermalm t' Leiche des Flugfapitans geborgen. Stocholm, 19. Auguft.( Eigenbericht.) Die Leiche des Führers des am 7 August verunglückten beutschen Post flugzeuges ,, D 1826", Rapitän Langante, wurde am Montag bei Westerwid geborgen M W In Seenot * KAPITALISMUS Nur Mut, meine Herren, noch haben wir unseren Rettungsanfer!" Simons gegen Treviranus. Alles für den Heimgebrauch. New York, 19. Auguft.( Eigenbericht.) Williamsstown unter Bezugnahme auf die korridor. Rede Der frühere Präsident des Reichsgerichts Simons äußerte in des Reichsministers Treviranus Pressevertretern gegenüber, daß ein deutsch- polnischer Waffentonflitt undenkbar sei. Treviranus, dem jede diplomatische Schulung abgehe, habe über die Wirkung seiner Worte im Ausland sicher nicht nachgedacht. Eeine Rede sei ausschließlich für den Heimgebrauch" gehalten worden. Es könne jedoch kein Zweifel darüber bestehen, daß der Korridor der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands hinderlich sei und die Korridorfrage später einmal auf friedlichem Wege gelöst werden müsse. Tardieu geht nach Genf. Reaktionäre Delegation zusammengestellt. Paris, 19. Auguft.( Eigenbericht.) | Die Empfindlichen. Aber selber schimpfen und verdächtigen fie! Das Zentrum zeigt in diesem Wahlkampf eine beinahe frants hafte Empfindlichkeit. Jede Kritik an der Regierung Brüning oder an den führenden Personen der eigenen Partei beantwortet es mit ungeheurer Entrüstung, oder gar mit Drohungen. Selber aber scheint es feineswegs gesonnen, sich an die Regeln zu halten, die es anderen aufzwingen will. So nennt die Germania" heute den Genossen Hermann Müller, weil ihr seine Ausführungen über den Art. 48 nicht gefallen haben, einen Demagogen". Auf der" " Der Bolschewismus als ,, Religion" Aufsatz auf Seite 3 selben Seite derselben Ausgabe beschäftigt sich das Zentrumsblatt mit den Vorgängen auf dem Krankenkassentag, für die es eine originelle Erklärung hat: Genosse Helmut Lehmann wolle Reichstagsabgeordneter werden, darum habe er die Krankenkassen ,, 3 eigenen ehrgeizigen Plänen mißbraucht". Es fällt uns nicht ein, über diese Aeußerungen der„ Germania" ein Wehgeschrei zu erheben. Es genügt, sie niedriger zu hängen, um zu zeigen, wie wenig diese Leute ein Recht haben, die gekränkte Leberwurst zu spielen, wenn über sie einmal ein offenes Wort gea sprochen wird. Textilarbeiterstreit in Amerika. Abwehrkampf gegen ungeheuerliche Lohnfürzung. New York, 19. Auguft.( Eigenbericht.) Am Montag fraten die 1500 Arbeiter der Textilfabrik in Bessemer City( Nord- Carolina) zur Abwehr eines zunächst angefündigten Lohnabbaues in Höhe von 30 Pro 3. in den Streit. Da ähnliche Cohnkürzungen auch in den in der Umgebung gelegenen Teglilfabriken beabsichtigt find, drohl der Streit große Ausdehnung zu gewinnen. Erst im Vorjahre war in den Textilbetrieben von Nord- Carolina ein großer Streit zu verzeichnen, in dessen Verlauf es wiederholt zu blutigen Zusammenftößen fam. Damals wurden zahlreiche Personen getötet. Moskauer Hamster erschossen. Wegen Anhäufung von Hartgeld. Riga, 19. Auguft.( Eigenbericht.) In Mostau wurden drei Kaufleute und der Kassierer einer Fabrik von einem Kommando der Tscheta erschossen. Sie waren angeklagt, 5000 Rubel in russischen Silbermünzen angehäuft und zahlreiches Kleingeld in Metall gehamstert zu haben. Mit Veronal vergiftet. Selbstmord der Gattin des Schauspielers Girardi. In der vergangenen Nacht hat sich die 35jährige Frau Kitty Girardi, die Gaffin des Schauspielers Toni Girardi, in ihrer Wohnung in der Prinzregentenstraße 2 durch Veronal vergiftet. Frau Girardi, die mit ihrem Manne in Scheidung lebt, hat vor Monaten bereits einen ähnlichen Selbstmordversuch unternommen, die Tat wurde aber rechtzeitig entdeckt und die LebensWie die„ Republique" meldet, will Tardieu in diesem Jahre müde konnte gerettet werden. Zu der neuen Verzweiflungstat die Führung der französischen Delegation für die Herbsttagung des dürfte es gekommen sein, da die von Frau Girardi eingeleiteten Bölferbundes übernehmen. Als Hauptdelegierte sollen Briand. Bersöhnungsversuche zu ihrem Mann erfolglos geblieben Maginot und der Vizepräsident des Senates, Lebrun, mitwaren. Als die Wirtschafterin heute früh furz nach 8 2hr das fahren. Die übrigen Mitglieder der französischen Delegation findfahren. Die übrigen Mitglieder der französischen Delegation find- Schlafzimmer der unglüdlichen Frau betrat, fand sie Frau Girardi nach der gleichen Quelle Bernot und Sérot, die bereits im letzten im Bett leblos auf. Alle Rettungsversuche blieben vergeblich. Jahre Frankreich in Genf vertraten, und als Neulinge der Vorsigende der Heereskommission der Kammer, Oberst Fra bry, sowie die rechtsstehenden Abgeordneten Gignour und Soulier, die Lohnverhandlungen im Ruhrbergbau. seinerzeit als Berichterstatter für den Young- Plan in der Kammer figurierten. Lebrun und Oberst Frabry waren übrigens bereits einmal in Genf, nämlich zur Zeit des Poincaréschen Blocks der nationalen Einheit". " Die Republique" fommentiert ihre eigene Meldung mit dem frommen Wunsch, daß sie möglichst bald ein Dementi erfahren möge... Am Montag wollen die Zechenherren Farbe bekennen. Bochum, 19. Auguft.( Eigenbericht.) Die erste gemeinsame Besprechung über die vom Zechenverband gefündigte Cohnordnung foll am Montag, dem 25. Auguft. im Gebäude des Zechenverbandes in Effen stattfinden. Die Besprechungen dürften kaum am ersten Berhandlungstage abgefchloffen werden. „Millionär Heimann." Oit Hehmethoden der„Koten Zahne-. Wie alljährlich, so hat auch diesmal die„Rote Fahne-«i>i«n ci'itjel mit SPD,-Mitglied»buch auf di« Tribüne des Berliner Bezirksparteitags als Auspasser geschickt. Obwohl dieser Ehren- mann sich alle Mühe gegeben hat, Stimmung und Verlauf des Bezirksparteitages in ihr Gegenteil umzusölschen, obwohl er seine langen Ohren so krampshast gespitzt hat, daß ein Gelächter und ein paar Zwischenrufe bereits wie„ungeheurer Tumult" darin klangen, so ist doch sein Resultat allzu moger, um den nötigen Eindruck von dem„gänzlichen Verfall der SPD." hervorzurufen, den die„Rote Fahne" seit zehn Jahren meldet. Deshalb muß die„Rote Fahne" mit schärferen Mitteln an- greisen. Sie muh ihren Lesern vorlägen, daß„kein Arbeiter ci n f d e r L e r l i n e r S P D.- L i st e" stände, wobei di« aus dem Proletariat hervorgegangenen Abgeordneten wie Crispicu, Litte, Künstler, Mendt, Heinig, die ehemaligen Handlungsgehilfen Aushäuser, Schröder usw. offenbar als„Bourgeois" angesehen und die Kandidaturen der heute noch im Betrieb« stehenden Arbeiter Lübbe und Roch an siebenter und achter Stelle als„aussichtslos" abgetan werden. Dafür wird mit dicken Ueberjchriftslettern hervor- gehoben, daß auf der Berliner Liste der„Millionär Heimann" stehe. wobei Künstlers Worte über die Verdienste unseres 71jährigen Gc- nassen mit echt kommunistischer Gemeinheit dahin glossiert werden: „das Verdienst ist bei dem Millionär Heimann sicher wörtlich gemeint." Die„Rote Fahne" kann sich derartige Niedrigkeiten deshalb leisten, weil in der Kommunistischen Partei so gut wie gar keine a s t o r ga n i s i e r t e n Arbeiter sind, die noch die Geschichte der Berliner Arbeiter- b e w e g u n g kennen. Di« Berliner Arbeiter, die seit Jahr- zehnten in der Bewegung stehen, wissen nämlich so genau, wer Hugo Heimann ist, daß man ihn auch durch die perfidesten Ge- meinhelten nicht bei ihnen verleumden kann. Hugo Heimann gehört zu den Genossen denen ihr ursprünglicher Reichtum genau so zum Vorwurf gereicht, wie einem Paul Singer und Leo A r o n S. Wie diese hat auch Heilmann den größten Teil seines Besitzes für die Sache der Arbeiterschaft geopfert, ist er so doch u. a. der Stifter der V o l k s b i b l i o t he k gewesen. Von dem„Millionär" Hcimgnn ist jetzt nichts mehr übrig, er hat die Reste seines Vermögens in der Inflation eingebüßt, wobei wir Äer„Roten Fahne" gern zugeben wollen, daß Hugo Heimann nicht die Geschicklichkeit eines Wilhelm M Ü n z« n b e r g in geschäftlichen Dingen besessen hat, der es verstanden hat, in diesen Iahren ans Nichts ein Vermögen zusammenzubringen. Kahl über Sozialdemokraten. Anerkennung durch einen anständigen Gegner. In der„Nationalliberalen Korrespondenz" veröffentlicht der Senior der Volksparlei, Geheimrat Kahl, längere Ausführungen, in denen es u. a. heißt: Wo immer die gesamtpolitischc Lage es mir als möglich oder wünschenswert erscheinen ließ, bin ich für den Gedanken der Großen Koalition eingetreten. Nicht immer zur Erbauung der eigenen politischen Freunde. Ich hob« serner in jahrelanger Zusammenarbeit mit Vertretern der Sozialdemokratie in den Rechtsausschüssen so nachhaltige Eindrücke von Sachlich- kcit und Sachkenntnis, von Verstöndigungs- willen und kollegialer Gesinnung empfangen, daß ich auch aus künftige Gemeinschastearbeit die festesten Hoffnungen setze. Ich kenne endlich kaum eine größere politische Torheit, als den Satz, daß nur ohne oder gegen die Sozialdemokratie regiert werden könne. An diesen Erfahrungen und Auffassungen halte ich fest." Da Geheinirat Kahl, der berühmte Rechtslehrer, nicht zu den Volksparteilern gehört, die Interessenpolitik treiben, hat sich die Zusammenarbeit der Sozialdemokraten mit ihm stets als gedeihlich und fruchtbar erwiesen. Daß die kapitalistischen Interessen- Politiker mit der Sozialdemokratie nicht so zufrieden sind, läßt sich verstehen und ist mich ganz in der Ordnung. Wahlgelder aus„Feindesland". Eine zu früh geplatzte Stinkbombe. Durch die Rechtspresse—„Kreuzzeitung" gestern abend,„Tag" heute morgen— wird eine Nachricht des„Ulmer Tageblatts" ge- schleift, daß nach einer angeblichen Meldung eine französisch« Zeitung der französische Bcrgarbeiterverband 24 000 Franken für die deutschen Gewerkschaften zur Führung des Wahl- kampfs gesammelt hat. Cs wird interessant sein, fügt das Blatt hin- zu, zu erfahren, ob die deutschen Gewerkschaften oder die Sozial- demokratie bereit sind, dieses Geld aus Feindesland für den Wahlkampf gegen deutsche Volksgenossen zu verwenden". Von dieser angeblichen Aktion ist in den deutschen Gewerkschasts- kreisen nicht das geringste bekannt. Daß der französische Berg- arbeiterverband Gelder für einen Wahlkampf außer Landes sammeln wollte, ist schon deshalb ganz unwahrscheinlich, weil er selber vor einer großen Lohnbewegung steht, für die er alles Geld selber braucht. Die Summe von 24 000 Franken— 4000 Mark ist außerdem ein geradezu lächerlicher Betrag. Drittens führen bekannt- lich nicht die Gewerkschaften, sondern die Sozialdemokratische Partei den Wahlkampf. Daß das ganze nichts als«ine blöde Wahlpropaganda darstellt, ergibt sich schon daraus, daß der„Tag" auffordert, diese Angelegen- heit in möglichst allen Wahlkreisen den Wählern.mitzuteilen. „Jede Summe schnett und diskret!" sistiefenschwindel vor Gericht.— Die ganze Firma auf der Anklagebank. Aus„großzügige" weise hat die Firma Gör« u. Sersien ihr Geschäft aurgebaut, da« allen Darlehnesuchern aus Ihrer Geldnot Helsen sollte. Durch große Zeitungsinserate versprach die Firma vor drei Jahren, daß sie jedermann Geld In jeder höhe„schnell und d i s k r e I" verschaffen könnte. 1400 Vertreter arbeiteten Im ganzen Reich um Dorlehnssucher an diese Firma zu weisen. Gegen eine Gebühr von 30 bis 30 M. wurde den Leuten, di« Kredit in Anspruch nehmen wollten, die Adresse von angeblichen GAdgebern gegeben, die ober nichts anderes als Angestellte und Beteiligte der Firma selbst waren. Seiner dieser Saufleute befaß einen Psenuig Geld. Auch sie oerlangten zuerst von den Inter- essenten eine Gebühr für die Gewährung des Darlehens, das dann niemals ausgezahlt wurde. Nachdem di« Firma auf diese Weise mehrere 100 000 M. durch Gebühren„verdient" hatte, schritt die Staatsanwaltschaft aus Sie sich Häusenden Betrugsanzeigcn ein und strengt« gegen die Firma ein Strafverfahren an. heute begann nun vor dem Schöffengericht Schöneberg dieser Prozeß, in dem der Kaufmann Bruno Görs, der Lehrer Banfe, der Bank- Die QeneralrerSammlung der mefattatbefter „Aufmarsch" der Hitler- Schüler Oas Schülerblati mit dem Hakenkreuz—-IVO Mark Geldstrafe Während im Röntgental-Prozeß gestern die Verteidiger in endlosen Reden immer' noch bemüht waren, aus Schwarz Weiß zu machen und Tatsachen, in ihr Gegenteil umzukehren, verantwortete sich vor dem Schöffengericht Charlottcnburg.einer der wahren Schuldigen an den ungezählten blutigen Ueberfällen der Nazis auf Andersdenkende. Herr'Ammerlahn, der Redakteur der nationalsozialistischen Schülerzeitung„Der Aufmarsch", die wohl auch von Röntgentoler natioiiglsozialistischen Pennälern mit Fleiß gelesen wurde, lzatte in der Nummer vom April dieses Jahres den Studiendirektor Prof. Paul Hildebrand, Direktor des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums und pädagogi- fchen Mitarbeiter der„Vossischen Zeitung", in der gemeinsten Weise beschimpft. Der Artikel erschien mir einem Trauerrand. Er trug die Ueberschrist„3in Dienste Frankreichs" und warf Prof. Hiidebrand vor, daß er in der jüdischen„Vossischen Zeitung" gegen die deutsche Jugend hetze. Er forderte jeden einzelnen Schüler auf, in seiner Klasse gegen das„brutale Sklaoensystein", genannt fried- lichste Demokratie, sich aufzulehnen.„Erst", hieß es da, mit An- spielung auf den Noung-Plan,„wirft man euch in Ketten, dann verlangt man von euch, daß ihr es mit Schafsgeduld ertragt." Prof. Hiidebrand hatte eines schönen Tages die Schüler ver- sammelt und ihnen oerboten, der nationalsozialistischen Schüler- organisation anzugehören. Anlaß dazu gab die Nachricht der Polizei, daß der Schüler seines Gymnasiums, Schlenther, geständig sei, bei dem Uebersall auf die Reichsbannerleute in Röntgental zwei Schüsse abgegeben zu haben. Es ist der- selbe Schlenther, dessen Schreckschußpistole im Räutgentalcr Prozeß so viel von sich reden gemacht hat. Wegen des Artikels des„Aufmarsches" hatte das Provinzial- schulkollegium für Prof. Hildebrand Strafantrag gestellt. Der be- klagte Redakteur Ammerlahn, ein gelehriger Schüler seines Meisters Goebbels, hatte natürlich nicht de» Mut, für das, was er gesagt hatte, einzustehen, sondern wand sich gleich diesem hin und her. Der schwarz« Rand sei durchaus kein Trauerrand, wie er bei Todesanzeigen gebräuchlich ist, sondern fände seine Erklärung in technischen Gründen.„Im Dienste Frankreichs" sei nicht gleich- bedeutend mit„im Solde Frankreichs". Unter„brutales Sklaven- system" sei nicht das Erziehungssystem des Prof. Hildebrand, sondern der Doung-Plan zu verstehen. Zum Beweis dafür, daß Prof. Hildebrand gegen den nationalsozialistischen Schülerbund hetze, führte der Verteidiger des Angeklagten einen Artikel aus der „Vossischen Zeitung" an, in dem den Nationalsozialisten Heuche- lei und Verlogenheit vorgeworfen wurde. Das war nicht geschickt. Denn der Nebenkläger konnte sich für die Heuchelei und Verlogenheit des Angeklagten auf den„A u s m a r s ch" vom 9. August berufen, worin die nationalsozialistischen Schüler aufgefordert wurden, am Verfassungstag am l a u t e st e n Hochrufe aufdie Republik auszustoßen und, wenn sie dazu angehalten werden sollten, mit leuchtendem Auge das schwarzrot-. goldene Banner zu tragen— nur damit man ihnen nichts anhaben könne, die anderen würden schon wissen, was das auf sich habe. Daraus wußte der Angeklagte nichts zu sagen. Der Staatsanwalt beantragte Geldstrafe in Höhe von 600 M. Das Gericht verurteilte den Zlngeklagten zu— sage und schreibe: 100 Mark Geld st rase! Das sieht geradezu nach Prämie aus, wenn man bedenkt, daß die, die Ammcrlahn mit auf dem Gewissen hat, schwere Freiheitsstrafen zu erwarten haben. kommissionär Paul Zech, der Kaufmann Riefenftahl und der Kaufmann ch i» r i ch wegen fortgesetzten Betruges und Urkunden- fälschung angeklagt sino. Sämtliche Angeklagte sind bereits vor- bestraft, Riefenstohl bereits wegen Betruges zu zwei Iahren Zuchthaus und vier Iahren Ehrverlust. Die Angeklagten, die von Rechtsanwalt Dr. Frey und Dr. Philippsborn verteidigt werden, behaupteten heute, daß sie in den meisten Fällen nur darum keine Darlehen auszahlen konnten, weil die Sicherheiten der Geld- bedürftigen nicht groß genug waren. Für den Prozeß, in dem mehr als 100 Geschädigte als Zeugen vernommen werden sollen, ist eine mehrwöchentliche Verhandlungsdauer vorgesehen. Wieder Berliner Touristen vermißt. Fieberhaste Suche nach den Verunglückten. Innsbruck, 19. August. Nach einer Mitteilung der Jnnsbrucker Polizeidireklion sind weitete deutsche Bergsteiger in den letzten Tagen, in denen da» U n. w e l l e r in den Bergen herrschte, als vermißt gemeldet worden, so die ZZjährige Studentin der Medizin Gerda 3 h r k e au» Berlin- Schöneberg, die im Oehlal vermißt wird. Drei weitere Bergstelger au» Berlin, namens Peschte, Franke und Denk, haben seit dem 11. August keine Nachricht mehr gegeben, so daß sie als vermißt gelten. Die Nachforschungen wurden ausgenommen. Die Suche nach den in den Zillertaler Alpen vermißten vier Bergsteigern tonnte bisher noch nicht wieder ausgenommen werden, da in dem in Betracht kommenden Gebiet immer noch 1,50 bis Z Meter Neuschnee liegt. Man hofft jedoch, daß eine von Mayrhofen erneut abgegangene Expedition heute ihre Nachforschungen wieder aufnehmen kann. Für die Aussindung der vermißten ist eine Belohnung von 500 Schilling festgesetzt worden. Paris, 19. August(Eigenbericht). Bei Chamonix hat sich am Montag ein neues Unglück er- eignet. Durch«in« Lawine wurden zwei Touristen aus Chamonix verschüttet. Der eine war bereits tot, als man ihn aus den Schneemassen besreien konnte, der andere konnte geborgen werten und wurde ins Hospital nach Chamonix geschasst. Abschluß der Krankenkaffen-Tagung. Dresden. 19. August.(Eigenbericht.) Der Krankentassentag des Hauptoerbandes Deutscher Kranken- lassen nahm heute vormittag die vom Vorstand und Beirat vor- gelegten Satzungsänderungen an. Donach soll die Beschlußfassung über Wahl des Vorstandes künftig Sache«in«r etwa 350 Vertreter zählenden Delegiertenverfammlung fein. Der traditionelle Kranken- kasseiitag bleibt daneben als Demonstrationstag bestehen, soll ober nicht, soweit kein Bedürfnis vorliegt, wie bisher alljährlich einberufen werden. Der nächste Krantenkasfentag findet in Mainz statt. Lleberfall auf Auiobusschaffner? Streit mit den Fahrgästen. Zu einer lebhasten Auseinandersetzung kam es gestern kurz vor ll Uhr aus einen,?lutobus der Linie 40, der zwischen Wartonderg und Hohenschönhausen verkehrt. Zwei Schlosser, die auf Montage in den entfernten Vororten arbeiten und zur Z«>t die einzigen Fahrgäste in dem Wagen waren, gerieten mit dem Schaffner in Streit. Der eine wollte ihn mit einer Zinkrolle über den Kopf schlagen, der andere griff nach der Geld- lasche. Dem Schaffner gelang es aber, die Schläge abzuwehren und ein Notsignal zu geben. Jetzt-wurde der Chauffeur auf den Kra- wall aufmerksam, hielt den Wagen an und kam dem Kollegen zu Hilfe. Schupobeamte des 273. Reviers kamen hinzu und stelll«ii die beiden Schlosser. Der Schaffner, dem ein Finger verstaucht ist, behauptet, daß ihn die beiden Leute überfallen und be- rauben wollten. Di« Schlosser streiten das entschieden ob. Sie sagen, der Schaffner hätte mit dem Streit begonnen und sie hätten ihm nur einen Denkzettel erteilen wollen. Der Vorfall wartet noch der restlosen Aufklärung. Ein Bürgermeister gemaßregeli. Er verhöhnt den Erlaß der preußischen Regierung. Hannover. KT. August.(Eigenbericht.) Auf Beraulassung des Regierungspräsidenten in Hannover ist der Bürgermeister E h r i ch von Bassum bei Bremen seines Amtes enthoben worden. Gleichzeitig wurde gegen Ehrich«in Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Dienstentlassung eingeleitet. Ehrich hat es für angebrocht gehalten, gegen den Erlaß der preußischen Regierung über die Zugehörigkeit von Beamten zur Nationalsozialistischen Partei öffentlich und dazu im Jargon der Nationalsoziali st ischen Partei zu opponieren. Ehrich erklärt, daß er weder dem Stahlhelm angehört noch Mitglied der Nationalsozialistischen Partei sei. Llnier revolutionärer Kampfleitung. Die kommunistisch organisierten Dockarbeiter von T o u l o n haben ihrem Unwillen gegen die Sozialversicherung in besonders deutlicher Weise Ausdruck gegeben.' Sie begaben sich am Sonntag in geschlossenem Zuge zum Hasen und warfen die ihnen von den Arbeitgebern ausgehändigten Sozialversicherungskarten Ins Meer. In Pörenchier bei Lille fanden sich gm Montag abend mehrere hundert Streikende unter kommunistischer Führung ein, um eine Spinnerei zu slücmon. Die Gendarmerie verhinderte den Anschlag, wobei ein Arbeiter unter die Hufe eines Pferdes geriet und schwer verletzt wurde. Drei Mann wurde» oerhajtet. Oer Bolschewismus als Religion Fritz Ebert schmort in der Hölle!/ Kant im Gifischrank/ Oer Maschinen- Fetischismus In Moskau erscheint eine Jugendzeitschrift„Die Trommel". die mit sowjetamtlicher Unterstützung in den Schulen vertrieben wird. In ihr erschien vor einiger Zeit eine Geschichte der deutschen Revolution von 1918. lieber Friedrich Ebert war zu lesen, daß er die verheißungsvollen Ansätze einer Bolschewisierung Deutschlands in einem Meer von Blut ersäuft habe, „dafür sitzt aber jetzt der Massenmörder Friedrich Ebert in der Hölle und schmort im eigenen Fett!" Hölle... Töpfe am Feuer... schmorende Sünder— man wird zugeben, für das Rußland der Bcsbofchniki eine ganz an- ständige Leistung! Dem lieben Gott ist der Pajok(Lebensmittel- ration) entzogen worden, den Himmel hat man liquidiert, aber ohne Hölle kommt man nicht aus! Sintemalen es Sozialdemo- traten in der Welt gibt! Aber wir wollen mit keinen feuilletonistischen Tricks arbeiten und den Moskauer Dirigenten gern zubilligen, daß sie für den falschen Trommelschlag eines untergeordneten Orchesternütgliedes nicht verantwortlich gemacht werden können Sie haben ja auch gar nicht nötig, Anleihen bei der christkatholischen Vorstellungswelt zu machen, denn sie haben ihr« eigene Religion. Jawohl, sie haben ihr eigene Religion! wer den religiösen Grundakkord im Wesen des Bolschewismus nicht begriffen hat, ist über die vielleicht wichtigste seelische Erscheinung unserer Zeit nicht im klaren! Es hängt viel für die Meisterung der Probleme dieser schwierigen Zeit davon ab, das Religiöse im Bolschewismus zu erkennen. Die Freunde Moskaus geben's selber zu. Sie haben längst die Katze aus dem Sack gelassen. Vor etwa Jahressrist begann's. In gewissen Salons und Gazetten, allwo der höhere Aspekt kullioiert wird, konnte mon's hören und lesen:„Wirtschaftliche Rückschläge spielen ja gor nicht die entscheidende Rolle! Sie müssen die ungeheure seelische Umwandlung von schätzungs- weise 130 Millionen Menschen beachten, lieber Herr! Sie müssen dem Reuen, das da geworden ist, Rechnung tragen! Weltwende, lieber Herr!" Ein seltsam neuer Ton tauchte da auf. Man war verblüfft, ihn nicht nur zwischen den Zeilen der„Weltbühne" und in der Literatur be- stimmter religiös-fozialistischer Kreise, sondern auch in Blättern zu finden, deren handelsteil für gewöhnlich eine Kursnotierung mystischer Werte nicht enthält. Worin bestcht das Wesen einer Religion? Im Glauben. Was ist das: Glauben? Dies: Es wird eine Heilswahrheit gelehrt, sie erweift sich im Licht der Sonne als eine löchrige und unbrauch- bare Sache— nichtsdestoweniger muß man sie nach wie vor für eine Heilswahrheit halten. Auf Kominterisch: Wir haben die p e r m a- nente hungerkrisis, und das in einem Riesengebiet ausge- sprachen agrarischen Charakters, wir haben einen grauenhaften Ver- fall aller materiellen Kultur, wir haben 8 Millionen vagabondieren- der Kinder— aber wir glauben an den Bolschewismus, lieber Herr!" Jede echte Religion ist autoritär, ist Diktatur der Lehre! Denn wird schon einmal«ine Heilswahrheit unter dem Vor- geben serviert, sie enthalte Sinn und Gesetz der Welt und das heil der Menschheit, so ist nur logisch, daß man sie mit dem Purpur der absoluten Gültigkeit, der letzten und höchsten Autorität umkleide. Aus dieser Wurzel entspringt der haß auf allesandere Denken, ganz zu schweigen von der zischen» den Wut aus die, die da Zweifel in den Segen der Heilslehre setzen. Jede richtiggehende Religion hat ihren Index liborum pro« bibitorum, ihre Liste verbotener Bücher. Wie sagte doch jener Sultan, der mit den Büchern einer antiken Bibliothek' sich die Bäder heizen ließ?„Steht in diesen Büchern das, was im Koran steht, so sind sie überflüssig! Steht in ihnen etwas anderes, so sind sie schädlich!" Weiß man, daß in den Provinzen des Bolschewismus die freie Forschung aus dem Gebiet der Geisteswissenschaften unmöglich geworden ist? Weiß man, daß die freie Lehre verboten ist? Weiß man, daß eine Inquisition schuftigster und finsterster Art, ebenbürtig den Methoden eines Torquemada, die Lektüre, die private geistige Be- tätigung, das weltanschauliche Suchen und Streben jedes einzelnen beschnüstelt und bespitzelt und bei erwiesener Irrgläubigkeit die GPU. zum Amt ruft? weiß man. daß das bolschewistische Psassentum die Bibliotheken des Landes in zwei Kategorien eingeteilt hat: die eine, bestimmt für die„Laien", für das dumme Boll, die andere, bestimmt für die, die die Weihen des neuen Klerus empfangen haben? Weiß man, daß Platon, Descartes, Kant, Friedr. Alb. Lange, Schopenhauer. Nietzsche, um nur einige Namen einer nach Hunderten zählenden Liste zu nennen, für's dumm« Volk verboten find? Aus den Volksbibliotheken entfernt sind? In den übrigen öffentlichen Bibliotheken nur im Giftschrank gehalten werden dürfen? Deutscher Proletarier, in jeder Stadtbücherei, in jedem Parteibücherspind deiner Zahlabendlokale kannst du Kant oder Langes„Geschichte des Materialismus" finden, der Freiheit deines Forschens und Ringens sind keinerlei Schranken gesetzt— geh nach Rußland und laß dich darüber belehren, daß eben das vom Tcusel ist, daß es nicht gut ist. wenn d«r Mensch sich selber informieren und ein Urteil bilden will, daß er vielmehr geleitet und gegängelt werden müsse von einem Priesterstand der reinen Lehre! Die Pfaffen des Bolschewismus begründen ihren Rückfall ins Mittelalter mit der Angabe, alles geschehe, um dos Heil des M c n f ch e n zu sichern. Mit derSorgeum dein Seelen» heil. Proletarier, ist dir noch jeder Psasse gekommen! Außerdcin, erinnere dich, es waren gefährlichste Pfaffen, die im Mittelalter den niederträchtigen Grundsatz auf- brachten, daß der Zweck das Mittel heilige! Man lese unvoreingenommen einmal die Stenogramme einer Tagung höherer Instanzen des Bolschewismus— es ist die Sprache der Konzilien? Man muß über Zeit und sportliches Interesse genügend verfügen, mn deu garyen reinen Genuß an der dort betriebenen Schriften- auslegung zu haben! Wie da Marx zitiert wird, wie Lenin verlesen wird, man muß es auf sich wirken lassen! Uebrrgens, die Feststellung ist nicht ganz unwichtig: Lenin hat den Vorzug vor Marx! Karl Marx l)at im Stil uni) Duktus seiner prachtvollen Feder etwas, in dem der echte Gläubig« de» Moskauer Kirche das Humanitäre, das Europäisch-Liberalistischc sehr wohl herausspürt! Das aber gefällt ihm nicht! Und wenn ihm das, was wir Weltkinder unter Menschentum und Menschlichkeit verstehen, entgegentritt, so bäumt er sich böse wie ein Skorpion. Er gehört zu jener Sorte, vor der es beispielsweise Heinrich Heine fröstelte bis ins Mark. Gebt es nicht auch einen bolschewistischen Reuebegrifs? Müssen nicht neuerdings die bekannten Ketzer, die da irgendeiner rechten oder linken Abirrung sich schuldig gemacht haben, außer dem Widerruf auch ein Bekenntnis der Reue über die Verirrung ablegen? Wer immer nach meint, es handle sich bei den Untersuchungen, die hier angestellt werden, um gewaltsam konstruierte Parallelismen, der sei auf den Maschinen-Fetischismus des Bolschewismus hingewiesen. Auch der Fetischismus liegt im Wesen jeder Religion begründet. Heinrich Cunow hat mehrfach in seinen Schriften über- zeugend dargetan, wie aus der Täuschung über die Ursäch- l i ch k e i t metaphysische Vorstellungen entstehen können. Ein Stein- zeitfischer hatte kein Glück beim Fischen, ein altes Weib trieb sich zufällig in der Nähe herum— aha, alte Weiber bringen Pech! Oder umgekehrt: ein Neandertaler entdeckte, daß Eschenholg fester ist als Fichtenholz— im Eschenholz muß also eine göttliche Kraft stecken, Preis ihr, daß sie sich offenbarte! Der Bolschewismus er» kannte den Segen der Maschine, prompt verkündete er:„Die Ma- s ch i n e i st alles, alles, alles! Es ist in keinem anderen Heil! Kein Heil zu erwarten, es sei denn, man begreise das Mirakel der Mechanisierung und Mafchinisierung! Und stürzen in den Staub: dein will ich sein! Man mechanisiere auch den Menschen! Im Nomen dieser Motoren nietaphysik wurde die grauenhafte Entmenschlichung des Menschen in Angriff genominen, die unter dem völlig korrumpierten Begriff des Kollektivismus segelt. Und so montieren sie Dynamos, für deren Energiemengen sie eingestandcnerinaßen auf absehbare Zeit überhaupt kein« Verwendung haben, riesige Ungeheuer, vor denen selbst abgebrühte Amerikaner die große Berwunderung kriegen. Dann freuen sie sich wie die Kinder, wenn Amerikaner sich verwundern! Sie bauen Traktoren als Stapelware, viele der Ma- schinen stehen herum und verrosten, die Landwirtschaft kann st« nicht aufnehmen, tut nichts— es kommt nicht auf die wirtschaftlichen Rückschläge an, lieber Herr! Hochragend steht der Traktor, ge- heimnisvolle Kräfte sind in ihm, seht, wie groß der große Baal ist! Da scheiden sich Wege: Der Bebcl-DhP des Proletariers, das ist der Mann, der Herr der Maschine sein will» das ist ein Mann in Freiheit, mit dem Werkzeug in der Hand. der werken will. Der Lenin-Typ des Proletariers. das ist der Mann der Maschinenmhstik. der lehren will, ein neues Evangelium lehren will. Hütet euch vor dem neuen Fanatismus! Machtvoll schallt Marx' Stimme: Religion ist Opium für das Volk! Friedrich Wendel. Die Geschichte einer Bürgschast Siegfried Wagner als Opfer der Nazis Anläßlich des Ablebens Siegfried Wogners hat die völkische Rechtspresse diesem Überschweiigliche Nachrufe gewidmet, die teil- weise so stark politisch gefärbt sind, daß sie nicht unwidersprochen bleiben dürfen. Siegsried Wagner wird als echter„deutscher" Künstler und Mann gefeiert, und es ist kein Geheimnis, daß vor allen Dingen die Nazis ihn und seine Kunst für sich reklamieren. Da sei es gestattet, die Verbindung Siegfried Wagners mit den völkischen Rechtslern in dos recht« Licht zu rücken, um zu zeigen» in weiche verhängnisvolle Lage er durch seine politischen Freunde im Jahre 192S gebracht wurde. In diesem Jahre durfte aus dem Deutschen Nationaltheoter in Weimar anläßlich des Raziparteitagcs die Hakenkreuzfahne wehen, in diesem Jahre wurden vom„Bayreuther Bund der deutschen Jugend" groß« Festspiele ausgezogen unter Leitung Siegsried Wag» ners. Die Generalintendanz des Theaters war von Anfang an von dem Fiasko der Spiele überzeugt und verlangte SO 000 M. für Micke und Abnutzung und die selbstschuldnerische Bürgschaft Sieg- fried Wagners. Dieser lefftet« sie. Die Festspiele endeten mit einem künstlerischen und finanziellen Reinfall der Völkischen. Dos Theater verlangte die vereinbarten SO 000 M. Die Nazis erklärten, sie hätten nichts, und suchten um Nachlaß nach. Man wandte sich an Siegfried Wagner. Dieser erklärte, daß er nicht nur jetzt nicht zahlen könne, sondern auch beim Eingehen der Bürgschaft nichts gehabt hätte. Bon seinen Freunden wurden schließlich 30 000 M. aufgebracht. Dos Theater war froh,«inen Teil seiner Forderung zu erhalten und verzichtete im Auftrage der ersten thüringischen Ordnungsbundregierung auf Zahlung der restlichen 20000 M. Dieser Regierung, an der die Deutsche Volkspartei maßgebend be- teiligt und die nur durch Unterstützung der Nazis möglich war. ging das Verhalten der Nazis über die Hutschnur. Sie attestierte nicht nur Siegfried Wagner, daß er bewußt eine nicht«inlösbare Bürg- schaft eingegangen war, sie erklärte auch dem Vorsitzenden des„Bay- reuther Bundes der deutschen Jugend", Herrn O. Daube, daß er mit dieser sogenannten Sicherheit das Deutsche Nationaltheater ge- täuscht habe. Herr Daube fft seitdem in Bayreuth und den befreun- deten Verbänden unten durch.» Diese Geschichte zeigt, wie die Nazis mit der Ehr« ihres ge- priesensten Künstlers Schindluder getrieben haben. Man muß sich fragen, ob ein solches Verhalten„deutsch" ist, auch im Interesse Siegfried Wagners, um ihn, den Toten, vor der Nazimeute zu schützen, der er lebend als Opfer einer groben Täuschung im die Klauen fiel. Hannes Meyer unter den Kommunisten Manche Menschen haben das Unglück, in die verkehrt« Gesell- schaft zu geraten, und werden dann leicht falsch beurteilt. So erging es dem vor kurzen: entlassenen Direktor des Dessauer Bau» Hauses Johannes Meyer. Ein Verein, der sich den Namen „Association revolutionärer bildender Künstler Deutschlands" zu» gelegt hat, nahm ihn unter feine Obhut und ließ ihn in einem „Diskussionsabend" über fein« Arbeit am Bauhaus und fein« Ent- lassung sprechen. Es ist die alte Geschichte: Wenn man einen Künstler zum Ver- waltungsbeamten macht, kommt gewöhnlich nichts Gescheites dabei heraus. Repräsentationspflichten, Schreibereien— all das paßt nicht zu einem Künstlertemperament. Es ist gar nicht denkbar, daß bei einer charaktervollen Persönlichkeit, die mit einem vollständig neuen Programm die Leitung einer Anstatt übernimmt und weder an das Lehrerkollegium noch an die Stadtväter, die das Institut finanziell unterstützen, Konzessionen machen.will, die Konflikte ausbleiben können. Wolter G r o p i u s muß schon ein Haar in der Suppe ge- fanden haben, als er 1928 die Leitung des Bauhauses niederlegte und den Architekten Mies van der Rohe als Nachfolger empfahl. Aber auch dieser bedankte sich für die Auszeichnung und zog es vor, als Privatarchitekt in Berlin zu wirken. Und so blieb schließlich der 1925 von Gropius berufene Schweizer Ardiitekt Johannes Meyer an der Pfanne kleben. Meyer, ein in der Vollkrast seines Schaffens stehender Künstler, ist nun zweifellos«in ungewöhnlich bedeutender Baumeister. Er hat in der Nähe von Basel eine ausgezeichnete Siedlungsanlage von 150 Einzelhäusern geschassen. Was ihn vor den Nur-Künstlern, vor den typisä, deutschen Woikenkuckucksheimern auszeichnet, ist die tiefgründige Art, in der er die Zusainmenhänge des künstlerischen Schaffens mit dem Leben durchdenkt. Er weist alle Gesühlsduselei weit von sich. Bauen ist sür ihn ein psychologischer Prozeß, eine gesellschaftliche Funktion. Er untersucht genau die Lebensverhältnisse der Menschen, für die er Wohnungen schaffen soll. Für solche Ideen war nun gerade das Bauhaus in Dessau nicht der rechte Boden. Es ist längst kein Geheimnis mehr, daß es sich seit Iahren in allerhand snobistisd)« Spielereien verloren hatte. Man adftetc überhaupt nicht auf die„Bedarfswirtsdjaft", die Meyer als sein Leitmotiv erklärt«. Er fand 53 Modelle elektrischer Lampen vor, die in Serien von höchstens 12 oder 15 Stück hergestellt wurden. Er verkaufte sie schleunigst und ersetzte sie durch zwei neue Modelle, von denen er 12 000 Stück absetzte. Meyer stellte Tapeten her, die um 50 Proz. billiger waren als die bisher angefertigten und des» wegen von den rheinischen Tapetenhändlern, die ihren Profit ge- sthrnölcrt sahen, zurückgewiesen wurden. Das Bauhaus errichtete 90 Kleinwohnungen mit 48 Quadratmeter Bodensläche und allen modernen Errungenschaiten, die für 37,50 M. monatlich abgegeben werden konnten. Johannes Meyers bedeutendste Leistung aber ist die S ch u l« d e s A D G B. i n B e r n a u, für 120 Zöglinge mitten im Walde erbaut, und bis in alle Einzelheiten aufs gewissenhafteste durchdacht. Die Jahresproduktion wurde verdoppelt, die Schülerzahl be- deutend erhöht. Leider war Meyer in der Wahl seiner Lehrkräfte nicht glücklich. Es war«ine Torheit, Leute wie Kurt Hiller oder Witfogel als„Gastlehrer" zu bcrusen. Es gab wichtigere Aufgaben, als ein« kommunistische Zelle zu bilden, die von sieben Mitgliedern auf ein paar Dützen» anwuchs. Dabei versichert Meyer, keiner Partei anzugehören. Er mußte sich denn auch in der Diskussion, die einen bemerkenswerten Tiesstand aufwies, vor- werfen lassen, der Bau einer Gewerkschaftsschule sei„reaktionär", und er hätte schon lange den Anschluß an die KPD. suchen müssen — vielleicht könne er dann einmal nach Rußland bcrusen werden. Die Diskussion versackte vollends in einer Aufforderung, am 14. September die KPD. zu wählen. Dem armen Hannes Meyer dürste es unter seinen„Beschützern" schließlich recht unbehaglich zumute geworden sein... Eine ausgebliebene Diskussion. Kommunistische Wahlrede im Wallner-Theater. Der„Kampfausschuß gegen Zensur" holte zusammen mit der P i s c a t o r- B ü h n e zu einer Ausführung von Crede» „§ 218" ins Wallner-Theater geladen Er schrieb:„Anschließend an diese Aufführung findet«ine Diskussion statt." Die Aussprache siel aus, einzig die im Manuskript vorgesehene Unterhaltung zwischen Schauspielern, die im Zuhörerraum sitzen, rollte ob. Solche irre- führenden Einladungen, die stark beschäftigte Menschen zum Besuch ihnen bekannter Theaterstücke veranlassen, sind schädlich. Sie fördern weder die Abschaffung des§ 218 noch die Beseitigung der Zensur, zwei Ziele, die gerade die Sozialdemokratie mit größter Energie oerfolgt. Roch schädlicher sür den Kamps um Freiheit und Fortschritt ober ist es, daß, wie wir erfahren, am Sonntag ein Kommunist in der Pause eine Moskauer Wahlrede von einer Viertelstunde hielt. Sollte sich derartiger Unfug wiederholen, so würden wir unser« Leser dringend vor dem Besuch des Wallner-Theaters warnen. Vdii. Der Tonfilm im Dienst der Völkerkunde. Das Leningrader Tonfilmstudio hat von der Regierung den Austrag erhalten, das Leben der bisher wissenschaftlich noch wenig erforschten Völler, schasten im hohen Norden, der Ossiaken. Samojeden, Golden u. q. nn Rahmen ethnographischer Swdien im Tonfilm aufzunehmen Die Arbeit wird von einer Reihe wissenschaftlicher Expeditionen zu- gleich an mehreren Stellen aufgenommen werden und wird sich aus cine Reihe von Iahren erstrecken. Die russische Regierung be- obsichtigt übrigens, auch für die asiatischen Noinadcnstämme ru" gleichen Austräg zu erteilen. DIE KUNST. DEM VOLKE WALTER PROCHNOW hp VOLKSBUHNE E.V. Älteste und größte Theaterbesucher- Organi- usw. Einmalige Einschreibesation auf gemeinnütziger Grundlage. Spiel- gebühr 1,50 M. Einheitliche Vorzeit 1930-31: Abendabteilungen, Nachmittags- stellungsbeiträge bei Auslosung abteilungen u. Sonderabteilungen( für Freunde der Plätze vor jeder Vorstellung. Programmdes politischen Zeittheaters). Jedes Mitglied zettel und illustrierte Vereinszeitschrift unenterhält im Lauf des Jahres 10-12 Vorstellungen, geltlich. Prospekte und Beitrittserklärungen in davon 3 Opern. Die Aufführungen verteilen 180 Zahlstellen, u. a. bei sämtlichen Theatersich auf das Theater am Bülowplatz( Eigen- kassen der Firma Hermann Tietz, im Kaufhaus tum der Volksbühne E.V.), das Theater am des Westens, in der Volksbühnen- BuchhandSchiffbauerdamm, das Staatliche Schiller- lung, Köpenicker Str. 68, und in der HauptTheater und die Oper am Platz der Republik. geschäftsstelle der Volksbühne E. V., C25, Zahlreiche Sonderveranstaltungen: Konzerte, Linienstr. 227( hinterer Eingang des Theaters Tanzvorführungen, Autoren-, Vortragsabende am Bülowplatz), Fernruf: D1, Norden 2944. JEDER VORSTELLUNGSBESUCH im Schauspiel 1.70 Mk. in der Oper 2.50 Mk. Schauspielvorstellungen an Sonntagnachmittagen 1,30 Mk. einschl. Programmzettel GLEICHMASSIG AUFALLEN PLATZEN Beilage Dienstag, 19. August 1930 Der Abend Shalausgabe des Vorwärt Der Tag der Kleinsten Massenbetrieb im Krankenhaus Etwas aus der Säuglingspflege Das neugeborene Menschenkind ist ein kleiner Phlegmatiter. Diese Dösigkeit", das gesunde Phlegma des Säug lings, ist zu seiner normalen Entwicklung unbedingt erforderlich. Die Säuglingszeit des Menschen ist ein Schonungs stadium, das man möglichst wenig stören und möglichst lange bestehen lassen foll. Unregelmäßigkeiten und Störungen im täglichen Leben eines folchen kleinen Erdenbürgers können für das ganze Leben schwere Schädigungen zur Folge haben. Die natürliche Stillbauer des Menschen beträgt drei bis fünf Jahre. In unserer Zivilisation" ist es jedoch schon ein Großes, wenn man eine Mutter dazu bewegt, ihr Kind vier bis sechs Wochen an der Brust zu behalten. Da es einen vollwertigen Erfaz für die gute Muttermilch taum gibt, so ist es eine der wichtigsten Forderungen der modernen Sozialhygiene, die Möglichkeit einer längeren Stillbauer zu schaffen. Im übrigen soll man die Nahrung regelmäßig geben, und zwar fünf Mahlzeiten täglich in vierstündigen Bausen. Die Trintzeit soll etwa 15 Minuten betragen. Doch soll man das Prinzip der Regelmäßigkeit nicht so weit übertreiben, daß man den Säugling nachts aufwedt. Meist wird er nachts von selbst zur gewohnten Stillzeit aufwachen. Vor allen Dingen ist das Kind nicht zu überfüttern, da es sonst an Verdauungsbeschwerden und Schlafstörungen leidet. Wenn das Kind also gefund ist und außer der Zeit" schreit, so soll man es ruhig schreien laffen, und nicht etwa aus Bequemlichkeit, um sich Ruhe zu schaffen, das Kind füttern. Der Schlaf spielt im Beginn des Menschenlebens eine beson ders wichtige Rolle. Die Dauer des täglich benötigten Schlafes nimmt mit der Zeit immer mehr ab. Im ersten halben Lebensjahr schläft das Kind etwa 18 bis 20 Stunden, im zweiten halben Jahr etwas weniger, beim Beginn des zweiten Lebensjahres etwa nur noch 14 Stunden. Ein gesundes Kind schläft von selbst und braucht teine fünstlichen Einschläferungsmittel. Herumtragen und Wiegen find nicht angebracht. Im übrigen ist es sehr wichtig, daß die Umgebung des Kindes einigermaßen Ruhe bewahrt. Der Hintergrund, vor dem sich das Leben eines Säuglings abspielt, ist durchaus nicht gleichgültig für dessen Gedeihen. In liebevoller und harmonischer Ilmgebung wird das Kind gedeihen, während Zant und Streit der Eltern und Geschwister schwere seelische und auch förperliche Störungen beim Säugling hervorrufen können. Fast ebenso wichtig wie die richtige Einflößung der Nahrung ist beim Säugling die entsprechende Regelung und Pflege seiner Berdauung. Die Harnentleerung erfolgt durchschnittlich etwa Doppelt so oft als die Nahrungsaufnahme, und auch die Kot entleerung ist sehr reichlich. Eine regelmäßige und gründliche Reinigung durch häufige Entfernung der Ausscheidungen ist unbedingt erforderlich. Sehr praktisch sind Windeln aus 3ellstoff, die jedes mal weggeworfen werden können. Wo es die wirtschaftlichen Verhältnisse irgend zulassen, soll der Säugling feine eigene Badewanne, einen schönen Schwamm, ein Badetuch und ein Badethermometer haben. Mit dem Thermometer stellt die Mutter fest, daß das Wasser nicht mehr als 34 bis 35 Grad Celfius hat. Das Gesicht des Säuglings wird nicht gewaschen. Damit das Gesicht beim Abwaschen nicht bespritzt wird, legt die Mutter ihren linken Arm so um das Kind, daß das Köpfchen sich bequem an den Oberarm anlegen fann. Mit der rechten Hand spült die Mutter das Wasser von unten herauf, und nach dem Baden und Abtrocknen kommt das Kind auf ein Wickeltuch und wird in zwei Windeln eingewickelt. In seinem Körbchen liegt die unentbehrliche Gummiunterlage, auf die es dann zum Schlafen gelegt wird. Es ist nützlich, das Kind vor dem Wickeln reichlich zu pudern, weil sonst die empfindliche Haut unter der Einwirkung der Absonderungen sich entzündet oder durchscheuert. Außer einer vernünftigen Regulierung dieser Hauptfunttionen heißen die drei wichtigsten Forderungen der modernen Säuglings pflege: Licht, Luft und Bewegungsfreiheit. Die Sonne foll ins Schlafzimmer hinein, der Schlafraum soll gut gelüftet sein, und wenigstens im Sommer soll das Kind soviel wie möglich im Freien sein. Entsprechender Schutz gegen Zugluft ist natürlich angebracht, doch sind fräftige Säuglinge bei genügender Abhärtung durchaus nicht so empfindlich, wie manche Leute glauben. Die große Bedeutung der Bewegungsfreiheit auch für das ganz kleine Kind ist erst in den letzten Jahren bekanntgeworden. Das Kind braucht Strampelfreiheit zu seiner gefunden förperlichen und seelischen Entwicklung unbedingt. Man sollte es deshalb so wickeln, daß Arme und Beine vollständig beweglich bleiben. Da die Bettdecken des Kindes bisweilen zu schwer sind, so daß es sie mit seinen Beinchen nicht hochheben kann, empfiehlt sich die Verwendung eines Strampelforbes, d. h. eines Drahtgestells in Form einer halben Tonne, über das die Deden gelegt werden, und unter dem die Beine des Säuglings bequem strampeln tönnen. Spielzeug braucht ein Säugling überhaupt nicht. Wenn man ihm durchaus welches geben will, so soll man nur Gummioder Zelluloidspielzeug verwenden, und höchstens eins auf einmal. Für das kleine Kind sind noch alle Dinge neu und interessant, und es muß lernen, sich auf das Wenige seiner Umgebung, das für ihn doch so viel bedeutet, mit Ruhe zu fonzentrieren. Die Frage, ob man dem Kind einen„ Schnuller"( Mudel oder Lutscher) geben soll, ist neuerdings wieder etwas umstritten. Im allgemeinen fann man aber wohl annehmen, daß der Daumen oder die große Zehe vollkommenen Ersaz dafür bietet. Ewald Bohm. Schädlingsbekämpfung Aufgaben der Landesanstalt für Hygiene Die Preußische Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene" übt neben der wissenschaftlichen Forschungsarbeit eine gutachtlich- beratende Tätigkeit aus und macht Männer der Praxis in Unterrichtstursen mit den neuesten Erkenntnissen vertraut. Die ganze Wasserversorgung Breußens ist ihr unterstellt. Berlin allein braucht täglich eine Million Kubikmeter Wasser; man wird also ermessen fönnen, was im heißen Sommer für die Groß städte herangeschafft werden muß. Solange das Wasser gesund ist, mag es ja noch gehen. Vor Jahren aber entdeckte man, daß das Wasser die Röhren zerfrißt und verschlammt. Nach langen Unterhuchungen fand man, daß die Kohlensäure durch Belüftung unschädlich gemacht werden muß, denn sie war es, die das Metall auflöfte. Biele Probleme find zwar technisch gelöst, aber nicht wirtschaftlich: einfach weil das Geld fehlt. Man bemüht sich also, die Fehler der Organisation Wie tommt es, daß so oft über Krantenhausbehand.| uns hier mehr die Sünden der mangelhaften Ausbildung, wie sie fich Iung geflagt wird? Tatsache ist nämtlich, daß es Krankenhäuser gibt, in denen Klagen der Patienten über die Behandlung äußerst selten sind. Verlieren im allgemeinen heute die Tore der Anstalten immer mehr die Bedeutung von Himmelstüren, so ist im Einzelfalle mandhem Kranken der Anstaltsaufenthalt sogar lieber als häusliche Pflege, voraus gesezt natürlich, daß er zu Hause überhaupt an Pflege denken kann. Wer einmal die Annehmlichkeiten einer neuen, modern ein gerichteten Station fennen gelernt hat, wird die allgemeine Scheu vor diesen Mauern nur noch als Scheu vor dem Unglück des Krankfeins empfinden. Mit einem Wort: das ganze Problem ist eine Frage der Organisation. Bergleichen wir neue Stationen mit Zimmern von höchstens 6 bis 7 Betten, an jedem Bett Radioanschluß mit Ropfhörern, in der Mitte ein größerer Tisch mit Blumen darauf, einige bequeme Kerbstühle im Zimmer vergleichen wir das mit einer Barade Nacht voll schlechter Luft, eng, und dauernd voller Unruhe durch Don 33 Betten, mit einem frächzenden Lautsprecher, Tag und die vielen Menschen. Bergleichen wir einen alten, zerstreut liegenden Pavillonbau, wo die Patienten zweds Behandlung von einem Bavillon zum anderen gefahren werden müssen, oft hundert Meter und mehr durch Wind und Wettervergleichen wir solchen offenen Bau mit einem geschlossenen, wie etwa dem Neubau des städtischen Krantenhauses in Potsdam, in dem die ganze Therapie in einem siebenstöckigen Turm vereinigt ist, mit direktem Anschluß sämtlicher Stationen. Vergleichen wir die alte, table, fasernenmäßige Tönung der Innenausstattung mit der( in Potsdam z. B. künstlerischen) Farbengebung moderner Bauten, in denen oft jedes Zimmer anders abgestimmt ist, um alle Mittel zur Beeinflussung des ganzen Patienten, nicht nur seiner Krankheit, ausnutzen zu fönnen. Selbstverständlich ist, daß in angenehmen Räumen das Pflegepersonal besser arbeitet als in muffigen Baraden. Selbstverständlich ist aber auch, daß hier die Frage der Organisation hinter die der Schulung zurücktritt. Hier liegen die Dinge noch ziemlich im argen. Die Schwestern machen heute eine zwei jährige Ausbildung durch, bei der Theorie und Praxis gleich zeitig nebeneinander gegeben werden. Die theoretischen Fächer geben im allgemeinen nur die Grundlagen zum anatomischen und physio. im allgemeinen nur die Grundlagen zum anatomischen und physiologischen Verständnis der Handlungen, die später im Auftrage des Arztes auf den, Stationen auszuführen sind. Planmäßige Schulung im Berfehr mit Kranten fehlt vollkommen. hier rennt sich jede Schwesternschülerin erst auf den Stationen im Laufe der Praxis die Hörner ab- oder auch nicht! Die praktische Ausbildung ist überhaupt wenig fyste. matisch. Es ist eine bekannte Tatsache, daß eine junge Schwester mit eben bestandenem Eramen in den seltensten Fällen einen Verband richtig anlegen kann. Ob und wann sie das lernt, ist ganz ihr oder dem Zufall überlassen. Aehnlich steht es mit der Ausbildung der Pfleger. Die Schulen in den verschiedenen Krantenanstalten arbeiten nicht nach einem einheitlichen vorgeschriebenen Lehrplan. So kommt es, daß an einigen Stellen eine Spezialausbildung für chirurgische, innere oder Nervenschwestern möglich ist, im allgemeinen aber nicht. Eine Ausnahme bilden nur die Röntgenschwestern, die mehr als Laborantinnen aufzufassen sind, ferner die Hebammen und Säuglingsschwestern, die überall besondere Examina abzulegen haben. Abgesehen von der Notwendigkeit der Reformen, intereffieren = nachher im Dienst zeigen. Hinzu kommt noch, daß das Pflegepersonal überhaupt unten den Mängeln des ganzen Anstaltsbetriebs am meisten zu leiden hat. Mit Vorliebe lassen die Kranken. ihre Unzufriedenheit über ärztliche Anordnungen oder über Organisations. Hier werden volls fehler an Pflegern und Schwestern aus. ständig unschuldige getroffen. Im Zustande der Ausheilung neigen bekanntlich viele dazu, ihre Umgebung zu schifa nieren. Ist gerade ein ausgesprochen launischer Patient vorhanden, so wird in einigen Tagen die ganze Station angestedt. Der Zank ( auch der Patienten untereinander) hört nicht auf, selbst wenn der Querulant längst entlassen ist. Die Aerzte merken meist wenig davon. Für das Pflegepersonal aber wird die Arbeit zur Qual. Um 30 Betten vollständig geschlossen werden. In neuen Anstalten mit die Ruhe wiederherzustellen, mußte eine Männerbarade mit über größerer Aufteilung in Bimmer fann in solchem Falle durch eine Verlegung des Hauptanstifters leicht Abhilfe geschaffen werden. Um so bedauerlicher, wenn auf diesem Wege einmal berechtigte Klagen durch Anbringen an falscher Stelle erfolglos bleiben. Vielfach hört man auch Klagen über die Art der Unterhaltung der Aerzte unter sich oder Studenten gegenüber am Krankenbett. Hier muß unterschieden werden zwischen tattlosen Roheiten im Einzel. fall und dem eigenartigen Stil der Berufssprache. Redewendungen wie:„ das ist eine-itis" bedeuten nicht, daß der Arzt gar kein Interesse an der Person des Kranten, sondern nur an dem Fall hat. Tatsächlich werden nämlich die Kranken in den Anstalten viel eingehender nach Beruf, Lebensweise, Familie, früheren Krankheiten usw. befragt, als zum Beispiel in der faffenärztlichen Sprechstunde. Wenn allerdings der Assistenzarzt seinem Chef oder dieser mehreren Studenten einen Kranken vorstellt, interessiert es vorerst sehr wenig, ob Herr Meier sich bei der und der Gelegenheit sich diese und jene Leiden zugezogen hat. Sondern es intereffiert nur das vorliegende Krankheitsbild, sei es nun irgendeine -itis" oder sonst irgend etwas. Jede überflüssige Geschmäßigkeit in diesem Augenblick würde die Klarheit des sachlichen Berichts verwischen. Anders liegen die Dinge, wenn( besonders ältere) Aerzte meinen, der Patient verstehe seine fremdsprachlichen Fachausdrücke nicht, und spricht in seiner Gegenwart ohne jede Rücksicht auf ihn. In dieser Beziehung hat man schon die unangenehmsten Situationen erlebt. Hier schließt auch gleich die Frage an, warum der Patient auch heute noch oft über sein Leiden im unflaren gelassen wird. Grundsätzlich steht man auf dem Standpunkt, der allerdings noch nicht überall befolgt wird, den Patienten aufzuflären und zu beraten, um ihn selbst, wo es möglich ist, an dem Heilungs vorgang aftiv mitwirken zu lassen. So 3. B bei bestimmten Formen der Tuberkuloje. Eine Roheit wäre es, in hoffnungslosen Fällen ebenso zu handeln. Hier kommt es auf das Taktgefühl des Arztes an. Das läßt sich nicht organisieren. Eine üble Frage des Massenbetriebs ist es aber, wenn an manchen Tagen unvorhergesehen( und unvorherzusehen) die Arbeit fich häuft, 3. B. im Operationsfaal. Das stundenlange 28 arten, die Ungewißheit, das Belauschen der Ereignisse, die sich abspielen, bevor man selbst ,, rantommt", fönnen zur unmenschlichen Qual werden. Ebenso sind Kreißfäle mit 10 Betten eine Schande in unserer Zeit. Ein Fehler der Patienten ist es aber, dafür am Pflegepersonal Rache zu nehmen; denn es kann dafür nicht verant O. Harich. wortlich gemacht werden. dadurch, daß die Hunde ihre mit der Milbe infizierte Flöhe fressen. Abwässer voltswirtschaftlich auszuwerten. Bis jetzt ist es ge-| alleinige Erreger des Hundebandwurms ist der Floh, und zwar lungen, Faserstoffe und Phänonen zu gewinnen. Neuerdings will man auch die Rieselfelder zu Geld machen. Man läßt die festen Abfallstofe der Kläranlagen in großen Räumen ausfaulen und zieht daraus Gas, das man zu Beleuchtungszwecken und zum Treiben von Maschinen zu verwenden hofft. Im Ruhrgebiet hat man statt der fünftlichen Reinigung der Flüsse eine Selbstreinigung angestrebt. Da in stehenden Gewässern dieser Vorgang sich rascher vollzieht, wurden die Flüsse zu fünstlichen Seen gestaut. Nachts werden die Schleusen geöffnet, aus der Wasserkraft gewinnt man Elektrizität und so kommen die Untoften dreifach wieder ein. Auch die Lufthygiene liegt der Landesanstalt am Herzen, besonders die Ruß- und Staubbekämpfung in den Großstädten. Das Problem ist deshalb so verwickelt, weil eine Schwierig teit die andere ablöst. Bermeidet man Staub durch entsprechend geteerten Straßenbau, so erhebt sich die Frage, inwieweit Teer die Gesundheit schädigt. Nimmt man reinen Asphalt, so wird er glitschig, bestreut man ihn mit Ries, so staubt es wieder. Auf jeden Fall muß auch im Interesse der Hygiene eine bessere Ausnutzung der Triebstoffe( Kohle, Benzin u. a.) angestrebt werden, die die unzähligen Ruß- und Staubteilchen fonsumieren würde. Als jüngste Disziplin ist der Landesanstalt die Bodenhygiene angegliedert, in der den größten Raum die hygienische 30ologie" einnimmt. Ganze Kulturen Don Stechmücken, Schaben. Wanzen werden gezüchtet, um unter dem Mikroskop und in chemischer Analyse eingehend studiert zu werden. Prof. Dr. Wilhelmi leitet die Station, die größte Europas. Hier sollen Mittel gefunden werden, um das gesundheitsschädliche Ungeziefer auf wissenschaftlicher Basis zu bekämpfen. Rückfallsfieber und Milzbrand sind durch infizierte Wanzen schon oft übertragen worden. Den Banzen verwandt, gleich schnell,( 7 Meter in der Minute), gleich zäh( fie fönnen monatelang hungern), gleich stintig sind die Schaben. Die Schabe überträgt die Bazillen durch den Kot. Milzbrand, Hühnercholera, Taubenpocen hat man in ihm verschiedentlich feststellen können. Auch der Krebs ist schon durch die Schabe über das Rind oder Schwein auf den Menschen übertragen worden, doch sind die Untersuchungen hierüber noch nicht abgeschlossen. Dagegen ist die Tuberkuloseinfektion durch sie bereits bestätigt. Der gefährlichste Ueberträger der Tuberkulose ist die Fliege, die auch Typhus und Ruhr verschleppt. Besonders an den Haftklappen der Füße, die jeden Schmuz berühren, figen die Batterien. Aehnlich überträgt die Laus das Fledfieber. Der Alle mechanischen und chemischen Mittel haben nicht einmal zu einer Dezimierung dieser Gesundheitsschädlinge führen können. Nun fucht man auf Grundlage der Ernährungsphysiologie ein Gift zu finden, daß spezifisch auf jede Art der Injeften wirft, ohne andere Lebewesen in Mitleidenschaft zu ziehen. Aber auch wenn man es finden sollte, wirksam werden kann es nur durch eine organi sierte Bekämpfung. Die wissenschaftlichen Kreise wollen eine Polizeiverordnung, noch besser ein Reichsgesetz erzielen, das die Bekämpfung des Ungeziefers den Kommunen zur Pflicht macht. Die Stechmücken z. B. sind im Sommer nur durch eine kostspielige Entwässerung der Sümpfe zu befämpfen, da eine Larventötung den Fischbestand schädigen würde. Im Winter, wo sie in Kellern und Kanalisationen sich aufhalten, ist eine Vernichtung leichter, aber eine unsystematische Bekämpfung wäre herausgeworfenes Geld. Die ersten Anfänge eines systematischen Feldzuges gegen den größten Gesundheitsschädling, die Ratten, sind in den zweimal jährlich eingesetzten Rattengroßlampftagen bereits gemacht. Die Ratte ist der Heberträger der Best. Aus den stationären Bestzentren kommen infizierte Rattenkadaver nach Europa, und obwohl ſtrengste Quarantäne aller verdächtigen Schiffe stattfindet, konnte zuletzt 1920 die Beulenpest in Paris aufflackern. Typhus, Ruhr, Tuberkulose, Schweinepest, Geflügelcholera sind die Begleiter der Ratte, die auch besonders gefährlich durch die Trichinenkrankheit wird. Ohne Zweifel hatte der Bär, dessen Schinken neulich in Stuttgart so viel Opfer forderte, zuvor eine frante Ratte gefreffen. Ausschließlich durch Ratten wird die Maul- und Klauenfeuche übertragen, ja es genügt ein bloßes Hinweglaufen der Ratten über die Streu franker Tiere, um die Seuche von Stall zu Stall zu verschleppen. Der wirtschaftliche Schaden durch die Ratten beläuft fich in Deutschland auf viele Millionen! 1907 wurde er im kleinen Dänemark auf 7 Millionen Kronen veranschlagt, 1920 in England auf 15 Millionen Pfund Sterling! Biologische Kampfmethoden die Schädlinge durch ihre natürlichen Feinde zu vernichten haben nur geringe Erfolge gehabt. Gifte in flüssiger, fester und Gasform brachten oft Nuztieren und Menschen Schaden. Auch hier das Mittel zu finden, das ausschließlich auf Ratten wirkt, ist eine der vielen Aufgaben der Preußischen Landsanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene. Flep. Es mtrt mtr etwas leichter bei diesen«ld——" Ja, wenn wir nur auch gesungen hätten! „Ihr Meuterer!" knirscht Adolf zwischen uns„Kipp' nich aus die Latscken" lächelt Güttler, der Weber aus dem Erzgebirge neben mir, während wir weiter rennen und auf den nächsten Befehl horchen. Jetzt beginnt der Teil des Schleifsteines mit den harten, scharfkantigen Schlacken, von denen einige groß wie Kindertöpfe sind. Soweit hat er uns gejagt. Oh, der Schinder weiß, was er will.„Hinlegen!" Ich weiche in letzter Sekunde einer der großen Schlacken aus, um nicht darauf zu prallen und haue Preuß. der hinter mir rennt, mit den Quanten an den Kopf, daß ihm der Helm forttrudelt. Ich schnappe ihn schnell, krieche etwas zurück und reiche ihm den Helm. Während er ihn hastig aufstülpt, lacht er leise und zwinkert mir mit den Augen zu. Ich möchte ihm die Hand drücken. Es strömt von ihm zu mir und erfüllt mich mit neuen Kräften. Er ist auch unser Abgott. Seine Korporalschaft weicht nicht von ihm, dicht liegen sie alle bei ihm. Mit dem ins Feld!--- Das find alles Gedanken einiger Sekunden. Biel Zeit zum Grübeln haben wird nicht. Wir liegen gespannt und warten. „Auf! Marsch marsch!",— weiter über die knirschenden Schlacken. In den rechten, viel zu weiten Langschäftern ist mir ein Stein gerutscht bis unter die Sohle. Es schmerzt und sticht gräßlich, aber ich darf den Stiefel nicht ausziehen. Also humple ich mit. Jetzt sehe ich erst, daß Preuß' Gesicht von meinem Aufprall vorhin rechts zerschrammt ist. Ein breiter, rotblauer Striemen läuft über die Wange, mit Staub und Dreck bedeckt. Es muß sehr schmerzen; denn er wischt einige Male im Laufen mit dem Aermel seines Rockes dar- Über hin. Aber er sagt nichts. Das ist kein Unteroffizier, das ist ein Grenadier wie wir hier, ein getretenes Tier wie wir—— ein Kamerad wie Kilb, Minulla und die anderen alle. Mit einem Male steigt eine heiße Wut in meine Schläfen. Kilbs Worte von vorhin fallen mir ein:„Feiglinge seid ihr alle. Wenn wir uns einig wären! Oha!" Ja, wenn wir uns einig wären! Der Ge- danke brütet weiter: Ich sehe plötzlich, wie alle sich erheben, von einem unsichtbaren Führer befehligt, und wie sie auf den Schinder los- stürzen und ihn mit dem Kolben— halt! hier reißt der Faden ab. „Dann werden wir alle erschossen", denke ich weiter. Aber viel- leicht— ja, warum ist nicht einer zwischen uns, der ruft:„Auf, marsch, marsch! Auf den Schinder!" Aber nicht nur hier— dann überall: bei den Maikäfern, den Alexandern, den Kronesetn,— bei allen Regimentern, Bataillonen, Kompagnien, Korporalschaften der ganzen Erde. Dann überall los auf die verfluchten Schinder, die oer- körpert sind durch diesen einen hier-- Carl Sonnenschein*) Als der Tod Carl Sonnenschein 1920 zweiundfünfzigjährig aus einer fruchtbaren und reichen feelforgerifchen Tätigkeit herausriß, wurde die Bedeutung seiner Persönlichkeit weit über katholische Kreise hinaus gewürdigt. Wenn jetzt fein Freund Karl Hoeber Werden und Wesen dieses bedeutenden Seelsorgers uns noch einmal vor Augen hält, fo müssen wir ihm dankbar sein,— zeigt uns doch Leben und Wirken Carl Sonnenscheins, das bis zuletzt von echter sozialer katholischer Karitas beseelt war, den Gegensatz auf zu den Tendenzen, die sich zur Zeit in der Reichspoliktik des Zentrums durchzusetzen verstanden haben. Sonnenschein, aus einer Handwerkerfamilie stammend, hat schon früh die soziale Richtung feines Wesens erkannt. Erzogen auf dem Germanikaum in Rom, vertraut mit den besten und tiessten Gütern der katholischen Tradition, beginnt er dann in Deutschland, in seiner rheinischen Heimat, als.junger Kaplan feine priesterliche Tätigkeit. Er wird, ein Mensch von unerhörter Aktivität, der Organi- sator des katholischen Sozialstudententuins, das er vor allem mit der Lage der Arbeiterschaft oertraut machen will. Seit 1919 wurde dann Sonnenschein in Berlin der Mittelpunkt eines intensiven karitativen und seelsorgerischen Schaffens. Aus feinem Sekretariat sozialer Studentenarbeit wächst ein allgemeines Arbeitsamt heraus, fein Büro wird der Zufluchtsort vieler Mühseligen und Beladenen. Er gründet eine akademische Lesehalle,«ine katholische Volkshochschule, aber er verstand auch als einer der ersten, daß die Sportbewegung in die katholisch« Kulturarbeit einzubeziehen sei— lange bevor sich Kaplan Fahjel für den„Weltspiegel" im Aoxköstüm pholo- graphieren ließ. So ruht das Wirken Carl Sonnenscheins auf einer tiefen sozialen Verantwortung, die freilich letztlich von der Idee der Katholizität genährt und getragen wurde. Hoebers Buch erscheint gerade recht- zeitig, um den Leser in stiller Betrachtung das Wirken des Studenten- führers und Großftadtseelsorgcrs Carl Sonnenschein mit der gegen- wärtigen„sozialen" Praktik des Zentrums vergleichen zu lassen. J. P. Mayer. *) Karl Hoeber: Carl Sonnenschein. Buchverlag Ger- mania 1930, 165 Seiten, geb. 5,— M. b-ok" WAS DER TAG BRINGT aiiiiiiiiiniiimnninmiinmiiiinnniiuiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiinnmnnmnniuiiimiiiiiniiiniimuRmiinnnniininnmiiiiiiniiiuiiuiuiuiinininiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiuiiiuiiiiiiiiiiimiiiniiiiiiiiir Was wird aus den alten Fernsprechbüchern? Zu Zeiten, wenn der Umtausch von Fernsprechbüchern statt- findet, häufen sich auf den Aemtern ganze Berge von Papier an. Dieses bleibt natürlich nicht unbenutzt. Man fertigt daraus Dach- pappen, künstliches Linoleum, Fußmatten und dergleichen mehr. Dazu muß das Papier zuvor zerschnitten und zu einer Art Staub oder Brei gemacht werden, und das ist nicht ganz leicht zu bemerk- stelligen. Solche Bücher setzen nämlich ihrer Zerstörung«inen Widerstand entgegen, den man nicht erwarten würde. Es mußte darum eine besonders kräftige Schneidemaschine erfunden werdem Man wird sich von deren Kraft und Stärk« ein Bild machen können, wenn man hört, daß sie drei Tonnen wiegt, und daß der um- laufende Teil des Schneiders aus Nickelftahl besteht, der ge- hämmert ist. Was bat die Entdeckung Amerikas gekostet? Vor kurzem erschien in spanischen Blättern eine Zusammen- stellung der Kosten, welche die erste Reise von Kolumbus nach Amerika im August 1492 erforderte. Diese Ausstellung gründete sich auf die alten, noch vorhandenen Rechnungsbücher der spani- schen Schiffahrtsrecderei Pinzon in der Hafenstadt Palos, von wo Kolumbus die Reife nach Amerika antrat. Aus diesen Büchern ergibt sich, daß Kolumbus selbst ein jährliches Einkommen von 1600 Pesetas, also 1200 Mark, bezog, während die Befehlshaber der beiden anderen Schiff«, die das Admiralsschiff von Kolumbus begleiteten, nur 900 Pesetas erhielten. Von den Mannschaften er- hielt jeder im Monat 60 Reales, etwa 20 Mark, außerdem war für ihre Verpflegung die Summe von 6 Peseten, also noch nicht 5 Mark, festgesetzt. Die Ausrüstung der drei kleinen Schiffe, die Spanien übernommen hatte, betrug 14 000 Pesetas, dagegen mußten die Unkosten für die Gehälter und die Verpflegung der beiden Ka- pitäne und der Mannschaft von Kolumbus Übernommen werden, da der spanische Staat außer der Schiffsausrüstung keine weiteren Kosten in das unsichere Unternehmen stecken wollte. Diese Aus- lagen in Höhe von 22 000 Pesetas erhielt Kolumbus später zurück, so daß die Entdeckung Amerikas rund 36 000 Pesetas oder 24 000 Mark rostete. Baldwin gegen die Sprachverwilderung Die Verwilderung der englischen Sprache, wie sie sich besonders in der sogenannten Pennypresse Londons und anderer großer eng- lisch« Städte zeigt, hat dem englischen Staatsmann Stanley Baldwin vor einigen Tagen Veranlassung gegeben, die Vertreter der eng- lischen Presse auf die großen Verpflichtungen hinzuweisen, die sie der Sprache ihres Landes gegenüber hätten. Er bemerkte dabei, daß die englische Presse in der ganzen Welt gelesen werde, und daß die Vernachlässigung der englischen Sprache eine Vernachlässigung eng- lischen Wesens bedeute. Der englische Zeitungsschreiber dürfe niemals vergessen, daß Männer wie Swift, Carlyle, Dickens und viele, die England zu seinen hervorragendsten Schriftstellern zähle, aus den Reihen der Zeitungsschreiber hervorgegangen feien, und ihrem Vorbilde solle daher jeder nacheifern, der für ein öffentliches Blatt schreib«. Freilich fehle der englischen Presse in sprachlicher Hinsicht der starke Rückhalt, den die französische Presse an der Pariser Akademie habe, die unausgesetzt die Reinheit der Sprache überwach«. Es werde daher in der Presse Frankreichs ein Französisch geschrieben, das weit reiner fei als die englische Sprache ül vielen Zeitungen Englands. Da nun an die Gründung einer englischen Akademie in absehbarer Zeit doch nicht zu denken sei, so empfahl Baldwin, öfsent- liche Sprachkurse durch den Rundfunk zu veranstalten, wodurch nicht nur weite Volkskreise«in besseres Englisch sprechen lernten, sondern sich auch der Stil und die Ausdrucksweise vieler englischer Blätter verbessern werde. Rettung durch einen Fisch Ein Walfischfänger, der vor kurzem nach Southampton zurückkehrte, berichtet über eine eigentümliche Rettung aus Seenot, die er an der Küste von Grönland erfuhr. Einer der gefangenen Wal- fische, ein Tier von 92 Fuß Länge, schlug im letzten Kampf ein Loch in die Schiffswand. Die Pumpen konnte das eindringende Wasser trotz angestrengtester Arbeit nicht vollkommen entfernen. Nach einiger Zeit ließ jedoch der Einstrom von Wasser merklich nach. Es wurde festgestellt, daß ein großer Fisch sich in dem Leck versangen hatte. Es gelang mit dieser eigentümlichen Sicherung bis in die Nähe des Hafens zu kommen. Zuletzt riß sich der Fisch los und das Schiff erpeichte den Hafen nur noch mit knapper Not. Ein See aus Salz In Australien existiert ein See, der zu den merkwürdigsten der Welt gehört. Man nennt ihn dort Lake Eyr«. Eigentlich hat er den Namen See nicht recht verdient; denn statt mit Wasser ist er bis zum Rande mit reinem Salz gefüllt. Das kommt daher, weil fünf ver- schieden« Flüsse dem Lake Eyre seit Jahrhunderten sehr salzhaltiges Wasser zuführen, das aber in der großen Hitze bald verdunstet und als Niederschlag das Salz im See rein zurückläßt. Da dieser nun über ungefähr hundert Meilen groß ist, würde er natürlich ungeheure Mengen Salz»liefern, wenn man ihn ausbeuten könnte, aber das geht deshalb nicht, weil der See zu tief im Innern des Landes liegt und sich das Salz infolgedessen durch den sehr teuren Transport im Verkauf später viel teurer stellen würde als das, was wir jetzt haben. Unbotmäßige Widersetzlichkeit In der Nummer 160 der.Löniasberger Volkszeituug" las man unter der Ueberschrift:„So springt man mit Landarbeitern um" im letzten Abschnitt die Bemerkung:„Es fehlte nur noch, daß man einem Landarbeiter kündigt, weil er unerlaubterweise sein« Notdurst verrichtet hat!" Nur immer sacht«, auch das hat sich jchon zu- getragen. Auf einem Gut im Kreise Heilsberg sitzt feit Iahren ein Herr, der sich dank einer Tüchtigkeit, die hauptsächlich in restloser Ausnutzung der bei ihm beschäftigten Arbeitskräste besteht, nach und nach vom kleinen Bauernsvhn zum Besitzer eines zirka 1000 Mvrgen großen Gutes„heraufgearbeitet" hat. Bei diesem Herrn war im vorigen Jahr ein Gespaimführer beschäftigt, der im Gegensatz zu den anderen Arbeitern das Volksbegehren nicht unterzeichnet hatte. Seitdem verfolgte ihn der Gutsbesitzer, und eines schönen Tages kam der Knalleffekt. Der Geschirrführer pflügte mit anderen zusammen, läßt auf einmal die Pierde stehen und verschwindet aus naheliegen- den Gründen in einem Gebüsch. Da stürzt der Besitzer wutentbrannt l)«rbei und herrscht ihn an:„Während der Arbeitszeit wird hier nicht...... Dazu haben Sie am Morgen, Mittag und Abend Zeit!" Ms der Gefpannführer erklärte, es fei ihm nicht möglich. zu stoppen, war's um ihn geschehe». Andertags hatte er d'e Kündigung in Händen. Begründung: unbotmäßige Widersetz- lichkeit, ~ Sportund SpielRadsportliches Allerlei Rennen in aller Welt- Am Freitag Rütt, Sonntag Olympia! In Krefeld gewann der Holländer Leddy die beiden Dauer- Die nächsten Berliner Rennen rennen über 40 und 60 Kilometer. 30 und 50 Kilometer Drei Dauerrennen Große Treffen der Steher und Flieger Nachdem inzwischen die schadhafte Stelle in der Auslaufturve wieder ausgebessert worden ist, bringt die Berliner Olympiabahn am Sonntag bei ihrer Wiedereröffnung den klassischen„ Großen Preis von Deutschland" zum Austrag. Das über 100 Kilometer führende Rennen wird in zwei Läufen über 40 und 60 Kilometer ausgefahren und weist eine ausgezeichnete Besetzung auf. Vier Deutsche, Sawall, Krewer, Christmann und Hille, treten gegen drei Ausländer, Thollembeek, Breau und Blekemolen, in Wettbewerb. 20, brachte die Bahn in Halle. Alle Läufe wurden eine Beute Schindlers. Dresden sah das klassische 100- Kilometer- Rennen um den ,, Großen Preis der Stadt Dresden", das an Walter Sawall fiel. Auf der Bahn in Düren holte sich der Fliegermeister Steffes das Hauptfahren, Oszmella das Punktefahren, während sich im Vorgabefahren Rausch- Hürtgen behaupteten. Die Bahn in Köln- Kiehl konnte nur den ersten 50- Kilometer- Lauf des Steherrennens zum Austrag bringen, der an Dederichts fiel. Der zweite Lauf mußte wegen Regen beim 20. Kilometer ab gebrochen werden. Meyer- Stübecke siegten im 90- KilometerMannschaftsfahren auf der Bahn in Bocholt. Auf der Strecke Nauen Friesack und zurück brachte der Gau Berlin des BDR. die Sawall ist in letzter Zeit von Sieg zu Sieg geeilt. In Landesverbandsmeisterschaft im 100- kilometer- Mannschaftsfahren Chemnitz und Leipzig hat der Matador der Olympiabahn das zur Abwicklung. Grün- Weiß" siegte in 2:42:15. Bei denkbar Goldene Rad" gewonnen. In Dresden war er im klassischen schlechtester Witterung gelangte das Unionrennen um den Straßen- Großen Preis" siegreich. Krewer, der die meisten Siege in preis von Magdeburg über 154 Kilometer zum Austrag. Im End- diesem Jahre herausgefahren hat, war fürzlich in Köln siegreich und spurt siegte der VDRV.- Bahnmeister Michaelis- Magdeburg. Die strebt danach, seinem Sieg im„ Goldenen Rad von Berlin" einen Radfernfahrt„ Quer durch Holstein" über 235 Kilometer war eine neuen hinzuzufügen. Christmann, der seit seinem Siege im Unwetterfahrt ersten Ranges. In den vier Klassen nahmen deshalb„ Kleinen goldenen Rad" von 1928 nicht mehr auf der Olympiabahn nur 37 Fahrer das Rennen auf der Strecke Hamburg- Rendsburg- an den Start gegangen ist, hat in den letzten Wochen mehrere Male Edernförde- Kiel- Hamburg auf. Der vorjährige Bundesstraßen- Bertreter der Extraklasse schlagen können. Ein stets dankbarer meister Risch- Berlin fuhr ein großes Rennen, er enteilte hinter Fahrer ist Hille, der im Goldenen Rad von Leipzig" sich den Eckernförde dem Felde und traf mit nahezu 18 Minuten Vorsprung Kanonen ebenbürtig gezeigt und einen ehrenvollen dritten Platz allein am Ziel als überlegener Sieger ein. In der klassischen belegte. Bundesfernfahrt„ Rund um Hannover" über 226,6 Kilometer siegte der Westdeutsche Franz Neckar. viermal " " er nicht Defekt erlitten hätte. Von den Vertretern des Auslandes verdient vor allem Thollembeek Beachtung. Der von Gedamke geführte Belgier ist zur Zeit in großer Form, in Leipzig hat er den 60- Kilometer- Lauf zum „ Goldenen Rad" gegen Sawall, Dederichs, Krewer, Hille, Urago und Lacquehan gewonnen und wäre wahrscheinlich auch im Gesamt ergebnis erster geworden, wenn Breau hat eifrig trainiert und will am Sonntag ebenso gut ab= schneiden wie am 4. Mai, wo der Franzose den in Höchstform befindlichen Sawall eine Niederlage bereiten konnte. Interessant ver= spricht auch der Start Blekemolens zu werden, der hinter Käser- Lütti in der holländischen Meisterschaft ein glänzendes Rennen geliefert hat und nur durch Defekt auf den dritten Platz fiel. Im Haag hat Blekemolen übrigens vor emigen Wochen Sawall schlagen können. Neben den beiden vielversprechenden Läufen der Dauerfahrer finden noch gut bejezte Rennen der Amateure statt, an denen sich die besten Berliner Bundesfahrer beteiligen. In Le Havre gewann Steffes ein Hauptfahren und belegte später mit Dizmella den zweiten Platz im 50- Kilometer- Mannschaftsfahren. Die Dauerrennen auf der Genfer Bahn 25 Kilometer sahen Grassin nach hartem Kampf mit Baillard in Front. In Basel dominierte Kaufmann im Fliegerkampf, während im Gesamtergebnis der Dauerrennen vier Rennen über je 20 Kilometer Den Wynsdau den ersten Platz belegte. 20- und den 30- Kilometer- Lauf gewann auf der Budapester Bahn der Dresdener Dauerfahrer Alfred Schmidt. Im 25- Kilometer- Lauf wurde er zweiter. Nur 152 von 212 gemeldeten Fahrern starteten zur 278 Kilometer langen Fernfahrt Paris- Gent, die die erste Etappe des„ Kriteriums der Adler" bildete. Nach einer Fahrzeit von 9:08:00 siegte der Belgier Ghyssels. Die Elite der italienischen Straßenfahrer gab sich bei der 176 Kilometer langen Fernfahrt Mailand- Modena ein Stelldichein. Der Sieg fiel in 4:55:00 an Canazza. Das klassische Straßenradrennen Rund um Belgien" für Berufsfahrer gelangte mit Start und Ziel in Antwerpen zur Entscheidung und führte über die ungewöhnlich lange Strede von 461 Kilometer. Der Belgier Maurice Dewaele fiegte in 17:21:00. Recht achtbar zog sich der Berliner Uffat aus der Affäre, der 19 Minuten nach dem Sieger als Zwölfter über das Ziel ging. Der zweite deutsche Teilnehmer Nitschke- Berlin war den großen Anstrengungen nicht gewachsen und gab vorzeitig auf. Auf der belgischen Propinzbahn Thourout bestritten Buschenhagen- Miethe ein Dreiftunden- Mannschaftsfahren, konnten sich jedoch nicht zur Geltung bringen und endeten mit vier Runden Rückstand an sechster Stelle. Sieger wurden D. van Hevel- Dazers vor Cloquet- Seynaeve. Das am Freitag, 22. August, stattfindende internationale Mannschaftsrennen der Rütt- Arena mit Weltmeister Ronsee und seinem Partner Dervaes am Start bringt u. a. auch den erstmaligen Start des starken und spurtschnellen Italieners Battefinis, der mit seinem Partner Dinale erscheint. Von den deutschen Fahrern sind bisher verpflichtet: die westdeutschen Meyer- Stübecke, die im Marseiller Sechstagerennen eine so hervorragende Rolle spielten, die Kölner Schorn- Damm, die Sieger des letzten so außerordentlich jagdenreichen Mannschaftsrennens, und die wieder vereinten beliebten Berliner Ehmer- Tieh. ПОНИНА ATZHOLAGE Das Ende des Minerva- Turniers im Arbeiter- Fußball- Teltow" bleibt ungeschlagen! Damit das Turnier nicht zu eintönig verlaufe, sorgte Eiche| erste Tor erzielt war, waren die Köpenicker nicht mehr zu halten. Köpenid am letzten Sonntag für eine Riesenüberraschung. Oder waren es die Teltower, die sich bis zum Endspiel ihre Kräfte aufsparten, und so eine Ueberraschung herbeiführten? Auf jeden Fall wurde Eiche glatt mit 3: 6 geschlagen. Wenn das Resultat auch nicht ganz dem Kräfteverhältnis beider Mannschaften entsprach, demonstrierte es doch das grundverschiedene Spielsystem zwischen dem ersten und dem vierten Bezirk. Schon von Beginn an legten die Teltower ein schnelles Tempo vor, dem die Köpenicker kaum zu folgen vermochten. Da es bei der Eiche Läuferreihe, und in der Hauptsache beim Mittelläufer, nicht flappen wollte, gewannen die Teltower immer mehr an Boden. Der Erfolg ließ auch nicht lange auf sich warten. Bis zur Pause mußte der Eiche- Torwart den Ball zweimal aus dem Netz holen. Auch nach dem Wechsel hatten zunächst die Teltower mehr vom Beim Stande von 4: 0 wurden die Köpenicker endlich Spiel. munter und das Spiel begann nun wirklich interessant zu werden. Mit großem Eifer, den man bei den Köpenickern vorher vermißte, wurde das Spiel jetzt in Teltows Hälfte verlegt. Nachdem das Wieder ,, Ständiger Ring" Anfang der Boxsaison im Spichernring Nach einer längeren Sommerpause nehmen am Freitag, 29. August, die regelmäßigen Borkampfveranstaltungen im Spichernring am Nürnberger Plaz wieder ihren Anfang. Die Herbstsaison im Bogjort leitet ein interessantes Programm ein. Für den Hauptkampf sind Emil Koska und der Hannoveraner Gipsy Trollmann verpflichtet. Karlshorst ruft für Mittwoch Für Mittwoch, 20. August, hat der Verein für Hindernisrennen in Karlshorst die Herrenreiter der Borkriegszeit wieder auf den Plan gerufen. In dem über 2400 Meter führenden Seniorenrennen wird sich eine ganze Anzahl der den älteren Karlshorster Rennbahnbesuchern wohlbekannten Herrenreiter nach langer Bause wieder im Sattel zeigen. Man wird wiedersehen Bachmayr, Keller, Rosenberg, Berchem, Seherr, Banje, Herder, Bottlenberg uno manche andere, die vor fünfzehn Jahren 100, 200 und 300 Siege auf ihr Konto buchen fonnten. Beginn der Rennen 15 Uhr.- Alljährlich im Herbst widmet der Verein für Hindernisrennen den im Weltkrieg gefallenen Helden aus dem Rennsport einen Gedächtnistag. Der diesjährige geht in Karlshorst am Mittwoch, 20. August, in Szene. Die einzelnen Nummern des Programms tragen die Namen von einstigen Renngrößen. 198 b nepnub Kleiner Sport mnA Pelker ohne Schuld und Fehler! Der Untersuchungsausschuß in der Angelegenheit Dr. Pelzers hat scheinbar nichts zutage gefördert, was den Stettiner belasten konnte. Wie verlautet, hat die Sportbehörde die Suspendierung Dr. Pelzers mit fofortiger Wirkung aufgehoben, so daß der Doktor auf besonderen Wunsch des mitteldeutschen Verbandes schon am Sonntag in Koburg starten konnte. Was zu erwarten war! Der Verband Brandenburgischer Ballspielvereine hat jetzt bestimmt, auf welchen Piägen in Berlin die Fußballstädtespiele gegen Hamburg, München und Budapest ausgetragen werden. Das Spiel gegen Hamburg steigt am 7. September auf dem Platz von Hertha BSC., am 28. September folgt dann auf dem Preußenplatz der Kampf gegen München und am 7. Dezember geht im Boststadion der Städtekampf Berlin- Budapest vor sich. Die Welthöchstleistung im 500- Meter- Bruftschwimmen für Damen, die mit 10: 33,2 Minuten die Australierin Walsh innehat, ist schon wieder unterboten worden. Erst am Sonntag war es der neuen französischen Meisterin Yvonne John gelungen, die Zeit auf 9:45 zu drücken, der neue Rekord hat aber nur 24 Stunden gelebt, denn jetzt gehört er Hertha Wunder( Poseidon- Leipzig), die mit der ausgezeichneten Zeit von 8: 49,8 ihre Vorgängerinnen ganz erBahn des Leipziger Carolbads geschaffenen neuen Rekordleistung heblich übertraf. Die Zwischenzeiten der auf der 25 Meter langen waren: 100 meter: 1:37; 200 Meter: 3:24, 400 Meter: 7:03. " „ Proles" eröffnet eine Kinderabteilung! Der Verein für Körperfultur Proles" eröffnet am Donnerstag, 21. August, 17% Uhr, in der Halle Gubener Str. 53 seine 1. Abteilung für Knaben und Mädchen. Den Arbeitereltern des Oftens ist dadurch Gelegenheit gegeben, ihre Jüngsten zur Pflege der Körper und Leibesübungen anzuhalten. Geschäftsstelle des Vereins: Karl Kienbaum, SD. 36, Naunynstr. 6. Bundestreue Vereine teilen mit: FIGB., Berwaltungsausschuß. Sigung Mittwoch, 20. August, 19% Uhr, Kanu- Bezirk: Heute, Diens reisgeschäftsstelle, Elfäffer Str. 86-88, Aufg. A.tag, Gigung des Bergnilgungsausschusses im Faldenstein", Faldensteinstr. 49. Bezirk Lichtenberg: Mittwoch, 20. August, 20 Uhr, Technikersigung im Bereinslokal. Mitgliederversammlung bei Tornow, Segel, Schlieperftr. 64. Lieberbücher mitFreie Sportvereinigung Tegel 1899, e. B. Mittwoch, 20. Auguft, 21 Uhr, bringen. Arbeiter- Lichtbild- Bund, Drtsausschuß Berlin. Sigung Mittwoch, 20. August, 20 Uhr, Dresdener Str. 43, 1. Sof, 2 Treppen. Arbeiter- Photogilde Berlin: Freitag, 22. August, 20 Uhr, Jugendheim Lindenstr. 4, Bortrag:„ Aufnahmen bei tünstlichem Licht". Photogruppen des TV. Die Naturfreunde". Stammgruppe: Montag, 25. August, 20 Uhr, Johannisstr. 15, Wettbewerb: Wanderfram. Abt. Norden: Phyfitzimmer der weltlichen Schule Bank Ecke Wiesenstraße, Donnerstag, 21. August, 20 Uhr:„ Am Schalter". Bilder mitbringen. Freier Sportverein Weißensee. Die Turnabende finden jest wieder regelmäßig jeden Dienstag und Freitag in der Turnhalle Roeltestraße von 20 bis 22 Uhr statt, Die Kinderabteilungen Turnen jeden Dienstag und Freitag von 18 bis 20 Uhr in der Turnhalle Roelfestraße( Knaben). In der Turnhalle des Lyzeums Tassostraße jeden Montag und Donnerstag von 18 bis 20 Uhr ( Mädchen). Am Dienstag, dem 19. August, nach dem Turnen wichtige Besprechung. FUNK RUNDAM ABEND Dienstag, 19. August. Berlin. In wenigen Minuten stellten sie das Resultat auf 4: 3. 3wei kurz hintereinander fallende Elfmeterbälle konnten jedoch nicht verwandelt werden. Damit war es aber auch schon wieder mit der Widerstandskraft Eiches vorbei. Noch zweimal konnten die„ Teltower Rübchen" einsenden. Damit war das Schicksal Eiche's be= siegelt und der Sieg Teltow's sichergestellt. Die Teltower find als einziger ungeschlagener Verein Sieger des von so zahlreichen Mannschaften heißumstrittenen Turniers. Die Reihenfolge der einzelnen Mannschaften ist: Teltow: 0 Verlust- Punkte. Eiche Köpenick und Eintracht ReinidenMinerva je 2 Verlust- Punkte. dorf und Vorwärts Wedding je 4 Verlust- Punkte. Ohne jeden Punktgewinn blieben Sparta- Nauen und Brieselang. In der Abteilung B fonnte Eiche 2 die Spiele ohne Punktverluste be= enden. Ihnen folgt Minerva 2 mit 2 Verlustpunkten. Auch in der Jugendabteilung fonnte Eiche- Röpenids Jugend gewinnen. 20.30 Wovon man spricht. Es folgen Minerva, Borwärts- Wedding und SpartaNauen. plaigetblan = S Zum Spiel der Mainzer gegen Neukölln im letzten Augenblick rettet ein Mainzer Verteidiger ein Tor 520 16.05 Jugendstunde( Dr. Wolf Zucker). 16.30 Leipzig: Witwe Grapin". 17.30 Stunde mit Büchern. ,, Aus weiter Welt."( Am Mikrophon: Kurt Biging.) 18.00 Béranger( geb. 19. August 1780).( Einleitende Worte: Dr. Alfred Wolfen. stein Chansonvorträge: Sylvia Jaffé.) 18.40 Franz Baumann singt. 19.05 Das Interview der Woche. 19.30 Querschnitt durch musikalische Neuerscheinungen. ( Flügel: Ernst Erich Buder.) 21.00 Sinfoniekonzert. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. 1. Spohr: Ouvertüre zu ,, Jessonda". 2. Spohr: Konzert ir Violine und Orchester Nr. 7, E- Moll, op. 38;( Prof. Max Strub, Violine). 3. Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 1, op. 13( Funkorchester). 22.20 Dr. J. Räuscher: Politische Zeitungsschau. Königswusterhausen. 16.00 Dr. Willibald Pschryrembel: Der ideale elektrotechnische Arbeitssaal einer modernen Berufsschule. 16.30 Nachmittagskonzert. 17.30 Min.- Rat Kestenberg: Wandlungen der deutschen Musikorganisation unter dem Einfluß der Technik und der wirtschaftlichen Notlage. 18.00 Stud.- Rat Dr. Schwering: Große deutsche Parlamentarier. 18.30 Französisch für Anfänger. 19.00 Prof. Dr. Benda und Dr. Lowin: Pilzvergiftungen. 19.25 Dr. Otto Everling: Zusammenarbeit der deutschen Geistesarbeiter. 20.00 Gesänge.( Leo Riasanzew, Bariton; am Fiüge!: Willy Jaeger.) 21.00 Stuttgart: ,, Tücke des Objekts". Wetter für Berlin: Teils heiter, teils wolkig und am Tage mäßig warm, südwestliche bis westliche Winde. Für Deutschland: 3m ganzen troden, am Tage wieder mäßig warm Groß Berliner Parteinachrichten. 88. Abteilung Lichtenrade. Achtung! Die irrtümlich für heute Dienstag angesetzte Funktionärsizung findet erst am Mittwoch, dem uly 20. August, 20 Uhr, bei Belan, Bahnhofstraße, statt. Berantwortl für die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts Budh bruckerei und Verlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin EW 68, Lindenstrake, s Sierzu 1 Beilage. Was ein Edison Student wiffen muß. Alle Jahre findet unter den Schülern der amerikanischen Mittelschulen eine Art Meisterschaftswettbewerb um die beste praktische Auffassungsgabe statt, wobei der Sieger als sogenannter EdisonStudent ein größeres Stipendium und freies Universitätsstudium erhält. Bei der diesjährigen Prüfung, der auch Henry Ford als Kommissionsvorsigender beiwohnte, wurde eine Reihe recht ungewöhnlicher Fragen den zur letzten Auswahl zugelassenen 50 jungen Leuten gestellt. Ein Beisiger wollte aus dem von Edison aufge: stellten Fragenverzeichnis wissen, was hat man zu tun, um auf dem Totenbette eine Entscheidung treffen zu fönnen, ob man erfolg reich gelebt hat oder nicht. Eine andere Frage war: Würden Sie Ihrem Bruder empfehlen oder abraten, Künstler zu werden, und warum? Oder: Empfehlen Sie Grundzüge einer Erziehung, die für die ganze Welt paßt. Henry Ford riet den Schülern in einer Ansprache, nach einem reinen Wasser zu suchen, das zugleich allen Menschen schmeckt damit würden sie ein Riesenvermögen erwerben. Staats- Theater geschlossen. AbonnementsAnmeldungen werden entgegengenommen: a) für die Staatsopern und das Staatl. Schauspielhaus vom Abonnementsbüro, Berlin W56, Oberwallstr. 22 von 9-2 Uhr. Fernspr. Merkur 9024, b) für das Staatl. Schillertheater vom Abonnementsbüro, Berlin- Charlottenburg, Grolmanstraße 70 von 9-2 Uhr. Fernspr. Steinpl. 6715, c) für die Städtische Oper vom dortigen Abonnementsbüro, wochentags von 10-2 u. v. 6-8 Uhr. Städtische Oper Bismarckstraße Turnus IV.-19 Uhr: Fidelio Ende 222 Uhr. Mittwoch, den 20. August 5 bis 8 Uhr nachm. Königspapa verbietet Hochzeit. Familienzant in Spanien.- Bourbonenprinz herzzerriffen. Paris, 18. August.( Eigenbericht.) Die sensationelle Hochzeit des mehrfach wegen Bechprellereien vorbestraften spanischen Prinzen Ludwig Ferdinand von Orleans Bourbon mit der 72 Jahre alten Prinzessin von Broglie follte am Freitag in Ventimiglia in aller Stille gefeiert werden. Glückstrahlend war die Braut am Hochzeitsmorgen aus Paris eingetroffen. Der Bräutigam aber mußte ihr die traurige Mitteilung machen, daß er die Zustimmung des Königs von Spanien nicht erhalten und deshalb auch die nötigen Papiere nicht zusammengebracht habe. Eine herzzerreißende Szene soll sich, wie der Matin" berichtet, am Bahnhof von Ventimigi: a abgespielt haben. Der Bräutigam fuhr dann nach Madrid, um sich dem König zu Füßen zu werfen, während die Braut nach San Remo weiterreiste, wo der Bräutigam aus früherer Zeit, als er sich noch mit einer amerikanischen Erbin verheiraten wollte, eine Villa besigt. Deutsches Theater Metropol- Theater Komische Oper 4 Uhr CASINO- THEATER 84 Uhr D2 Weidendamm 5201 8 Uhr Täglich 8 Uhr 812 Uhr Sensationeller Paul Westermeier Operettenerfolg! Phaea Unter pers. Leitung von Fritz v. Unruh. Reg.: Max Reinhard! Musik: Friedrich Hollaender. Bühnenbilder Ernst Schütte. Die Komödie des Komponisten in: Liebe und Viktoria Trompetenblasen und ihr Husar Operette von Roland. Theater i. d. Behrenstr. 53-54 8% Uhr 11 Bismck.2414/ 751 Ist das nicht nett von Colette? 81/2 Uhr Lothringer Straße 37. Für unsere Leser: Gutschein 1-4 Pers Fauteuil 1,25 M., Sessel 1,75 M. Der Possen- Schlager Der selige Hollschinsky und ein erstkl. buntes Programm. Zimmer: 1Bett Mk. 7- bis 11- 8 HAUS VATERLAND 2 Betten 13- bis 22Wie werde ich reich Reichshallen- Theater has und glücklich? Kursus von Felix Joachimson. Musik von Mischa Spoliansky Regie: Erich Engel Bühnenbilder Ludwig Kainer Deutsches Künstler- Theat. Tel. Barbarossa 3937 812 Uhr Weekend Lustspiel von N. Coward. RenaissanceTheater Steinplatz 6780. 9 Uhr Die Wunder- Bar Revuestück GR. KINDERFEST IM ZOO Berliner Prater Tanzschule Käte Neumann von der städt. Oper Schauturnen Leibesübungen Hundedressur Kasperletheater Zauberkünstler Wettspiele Ballonaufstieg und Fackelzug. Keine erhöhten Eintrittspreise. SCALA Tägl. 5 u. 8, Uhr. Pr. 1-6 M. 85 Barb. 0256 - Nachm. halbe Preise. NONI und HORACE usw. PROGRAMM für die Zeit vom 19. bis 21. August BTL Sommertheater Kastanienallee 7-9 Humb. 2246 Eine entzückende Burleske sowie der auserwählte Varieté- Teil. Täglich 8% Uhr Gusti Beer, Trude Schröder, Herta Stary, Erwin Hartung in Katja, die Tänzerin Operette in 3 Akten von Leopold Jakobson und Rudolf Desterreicher Musik von Jean Gilbert. Eintrittspreis von 50 PI. an. 8 Uhr Stettiner Sänger Varieté Neu! Neu! 7460 Restaurant Laß Blumen sprechen! für e höheren Preise Keine Eine europäischer Dönhoff- Brettl: JEDERMANN Großmacht BETRIEB Konzert Tanz EINTRITT FREI! KEMPINSKI K Billings von neuem verhört. Die Justizmaschine von Frisco fommt langfam in Gang. Im Gefängnis von Folsom haben sieben Richter den ArbeiterBombenattentats in San Franzisto im Jahre 1916 zu 14 Jahren führer Billings, der zusammen mit Moonen wegen des Gefängnis verurteilt worden war, verhört. Billings betonte erneut, unschuldig zu sein. Im Jahre 1913 habe er zwar einen schlechten Charakter besessen", an dem Bombenattentat von 1916 sei er jedoch ,. wie er beschwören könne, nicht beteiligt gewesen. Die Vernehmung des Gefangenen dauerte ziemlich lange und scheint für Billings günstig verlaufen zu sein. Da der Oberste Gerichtshof gestern in die Ferien gegangen ist, werden die Bemühungen um Wiederaufnahme des Verfahrens bis zur neuen Verhandlungsperiode ruhen.(!) Beruhigung in Indien. In ihrem letzten Bericht über die gegenwärtige Lage in Indien weist die indische Regierung in Simla darauf hin, daß die Zahl der Afridis im Bezirk Peshawar sehr wesentlich zurückgegangen sei. Winter Heimliche Brautfahrt" Garten * 8.15 Uhr Rauden er aubl Carlos und Chita u. Co. und weitere in Berlin noch nicht gezeigte Stars. Blite- Sanger Im Theater am Kottbuser Tor. Kottbuser Str. 6 Tel. Mpl. 16077 ZilleFestspiele Sonntag, den 24. August Hotels Berlin HOTEL a.Anh.Bht 1. Nachm.- Vorstellung EXCELSIOR zu ermäßigten Preisen. Sind die Sorgen noch so groß Hier wirst Du sie KAFFEE TANZ KABARETT Gifher Los! Lessing- Theater Weidendamm 2797 a. 0846 Täglich 82 Uhr Wiederaufnahme beantragt v OttoErnst Hesse Loos, Henckels, Reuß, Flamme, Falkenberg, Günther, Grodtczinsky. STEINMEIER der STEINACH von BERLIN Steinmeier FRIEDRICHSTR. 96 AM BAHNHOF KINO- TAFE Moabit Südwesten Osten Artushof- Lichtspiele Film- Palast Kammersäle Germania- Palast Film- und Bühnenschan Potsdamer Straße 38 Perleberger Str. 29 und Stendaler Str W 5. 7, 9 Uhr Der große Tonfilm- Erfolg! Der blaue Engel m. Emil Jannings, Marlene Dietrich, Hans Albers Rheinstraße 14( Ander Kais.- Eiche) Vererbie Triebe mit Walter Rilla Das Panzerauto mit Carlo Aldini Odeon, Potsdamer Str.75 Frauennot- Frauenglück Ein Film von der Beziehung zwischen Mann u Frau, v.Werden d. Menschen Turmstraße 12 W. 5, 7, 9 Uhr Das Kabinett des Dr Larifari ( 1000 Worte Ulk) mit Max Hansen, Paul Morgan, Carl Jöken Das Geheimnis der Martha Lüders mit Mary Kid Biutende Herzen Welt- Kino Beg: 6.45, 9.00, Alt- Moabit 99 S. 5, 7, 9 Uhr Noch bis Mittwoch: Ton- und Sprechfilm: Nur am Rhein mit Truns v. Alten Ab Donnerstag: 100 proz. Tonfilm: Flieger Wilmersdorf Atrium Beba- Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Täglich 7, 9.15 U Stg.: 5, 7, 9.15 U. Uraufführung: Teltower Str. 1 W. 62, Sbd. 6, Stg. 4 Uhr Frankfurter Allee 314 Unterwelt mit George Bancroft Das Mädel mit der Kamera Süden Primus- Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wochent. 7, 9, Sonnt. 5, 7, 9 Uhr Frauennot · Frauenglück Ein Film von der Beziehung zwischen Mann und Frau, vom Werden des Menschen, von Leiden und Freuden der Mutterschaft. Mit ärztlichem Vortrag Wochent. 7, 9,15, Sonnt ab 4.45 U. Luna- Filmpalast Wir eröffnen mit der 100 prozent. Tonfilmkomödie Im Kampf mit der Unterwelt mit Carlo Aldini, Siegfried Arno, Grit Haid, Ruth Weyher, F. v.Alten Walt. Mittelholzers Afrikaflug 1930 Filmeck Musik: Pasquale Perris Jugendliche haben Zutritt Schöneberg früher Alexanderstr. 39-40 Titania( uta Schöneberg. ( Passage). Den ganzen Tag geöffnet! Der blaue Engel m Emil Jannings Marlene Dietrich, Hans Albers Westen Hauptstraße 49 Südosten Beginn W. 5.30 U. S. ab 3 U. Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Tonfilm: Skandal um Eva Imit Henny Porten Stella- Palast W. 7, 9 U. Stg. 3 U. Köpenicker Straße 11-14 Frauennot Frauenglück ( Werden des Menschen) Vortrag: Dr. O. E. Schmidt Friedenau Kronen- Lichtspiele Primus- Palast W 5.15, 7.15 Rheinstr. 65 Potsdamer Straße 19 915 S. ab 2.15 Uraufführung! Lumpenball Tonfilmposse mit Anna Müller Linke, Fritz Kampers u. a. Friedrichstadt Die Kamera Unter den Linden 14 Donna Juana Täglich Beg W.7,9, U. S. 3,5,7,9 U 100% Sprech- Tonfilm: Das Rheinlandmädel mit W. Fütterer, Lucie Englisch Micky- Maus Jugendliche haben Zutritt Steglitz Titania- Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Beginn der Vorstellungen: Wochtgs. 5.30, 7.15, 9.15, Sonnt. 3, 5, 7, 9 U. Frauennot Frauenglück Mit Vortrag des bekannten Frauenarztes und Chirurgen Dr. med. Georg Katz Jugendliche keinen Zutritt Sternwarte- Treptow 8 Uhr: Kampt mit dem Berge Mittw., Do.: Erkundungsfahri nach Afghanistan( i. Lande Amanullahs) Nordosten Elysium" Film und 3, 5, 7. 9 Uhr Täglich 6.30, 9 Uhr. Stg. 4, 6.30, 9 Uhr Prenzlauer Allee 56 mit Elisabeth Bergner, W. Rilla Lustiges Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Lumpenball mit Anna Müller- Linke, Fritz Kampers, Irene Ambrus, Carl de Vogt Regie: Carl Heinz Wolff Bühne Gr. Frankfurter Str. 121 Wochent. 5 Uhr, Sonnt. 3 Uhr Frauennot Frauenglück Der größte Erfolg der Saison mit einem ärztlichen Vortrag Beiprogramm Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch. 5, 7, 8.45, Stg. 3, 5, 7, 8.45 U. Der große Gabbo, Tonfilm Im Raritätenladen, Kurz- Tonfilm Jugendliche haben Zutritt Comenius- Lichtspiele Memeler Straße 67 W. 6, 914, S ab 5U Der Straßensänger von Venedig Der Weiberkrieg mit Fr. Kampers, L. Haid Concordia- Palast Andreasstr. 64 W. ab 5 U., Stg. ab 3 U. 100 proz. lustiger Krim.- Sprech- Tonfilm: Kampf mit der Unterwelt mit C. Aldini Bühnenschau Viktoria- Lichtbild- Th. Frankfurter Allee 48 Bühnenschau Woch. 5, 7. 8.45, Stg. 3, 5, 7, 8.45 U. Es kommt alle Tage vor Der Postillon vom Mont Cenis Neu- Lichtenberg W. 5.15, 7, 9.15, S. 3.15, 5, 7.15, 915 Uhr Kosmos- Lichtspiele Tonfilm: Zärtlichkeit mit Carola Neher, Paul Otto, Georg Alexander Auf der Bühne: Wilhelm Bendow! Lichtenberg, Lückstraße 70 Broadway Schmuggler v. New York 3 Chaplin- Grotesken Bühnenschau Gertrud Hanilz Willl Rose täglich 815 im Rose- Theater Innentheater Auf der Gartenbühne: täglich 530 Konzert " 600 Varieté 9 815,, Die tolle Lola" Operette von Hugo Hirsch Regie: Udgar Kanisch Tänze: Bruno Arno Zentral- Theater Wo speist man ( Operettenhaus) Alte Jakobstr. 30/32 Dönh, 2047 Täglich 8 Uhr Nur noch kurze Zeit! Ein Zille- Miljöh Kinder der Straße Gesang u. Tanz von W. Loessel und Arthur Melzer. Rundfunkhörer halba Preise. In Vorbereitung: Ueberm grossen Teich Theater d. Westens Täglich 82 Uhr: Das Land des Lächelns Franz Lehars Sen ationserfolg! Friedrichsfelde Kino Busch S. 5. 7 u. 8.45 Uhr. W. 6.15, 8.45 Uhr Beiprogramm Alt- Friedrichsfelde 3 Rafah mit Maria Forescu Schatten der Weltstadt mit Ellen Richter, Frieda Richard Weißensee Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 206-210 Stg. 1/23 Jgd.-V. Tonfilm: Der Köuig von Paris mit Iwan Petrovich Beiprogramm Norden Alhambra Müllerstraße 136, Ecke Seestraße Tonfilm: Westfront 1918( Vier v. d. Infanterie) Lustiges Tonbeiprogramm Pharus- Lichtspiele Müllerstraße 142 2 große Schlager: W.6 U. Stg. 5 U guf und billig? Nur Gross- Berlin Alexanderplatz tellenangebote finden im Vorwärks beste Beachtung Metalleft steilen auch bis 12 MONATYRATEN Raddatz Berlin Leipzigerstr. 122-123 PROGRAMM für die Zeit vom 91. bis 21. August Wtgs. 5, 7 u. 9 Uhr Stg 3, 5, 7 u. 9 Uhr Großtonfilm: Der blaue Engel m. Emil Jannings, Marlene Dietrich Colosseum Schönhauser Allee 123 Pankow Palast- Theater Breite Straße 21 a W. 7, 9, Stg. 5, 7, 9 U. Tonsprechfilm: Skandal um Eva m Henny Porten Beiprogramm Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Stg. 21 Jgd.- Vorst. W. 7. 9 U., Stg. 5, 7 u. 9 U. Der große Tonfilm: Das lockende Ziel mit R. Tauber Tonfilmbeiprogramm 7 Niederschönhausen NiederFilm- Palast schönhausen Blankenburger Straße+ Ehe auf Probe Abenteurer- G. m. b. H. mit Carlo Aldini Tegel W. 7, 9 U. Stg. 5, 7, 9 U. Falschmünzer mit Oskar Marion Filmpalast Tegel Die kleine Inge und ihre 3 Väter Marga- Lichtspiele Schulstraße 29 Ton- Sprechfilm: Die letzte Kompagnie mit Conrad Veidt, Karin Evans Se. Hoheit, der Dienstmann Beiprogramm Prater- Lichtspiel- Palast Kastanienallee 7-8 Wochentags 7,15, Sonntags 5 Uhr Stürme mit Lilian Gish Dame hinterm Vorhang mit R. Novarro Varieté Skala- Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Tonfilm: W. 7, 9 U. Stg. 5, 7, 9 U. Der weiße Teufel mit Iwan Mosfukin, Lil Dagover Beiprogramm Bahnhofstr. 2 W. o. Stg. 4 Uhr Der gewaltige Sprechfilm: Wesifront 1918( Wiedergabe auf neuester Tobis- Apparatur) Gutes Beiprogramm „ Kosmos" Filmbühne Hauptstraße 6 6 Uhr, 9 Uhr Am Rande der Sahara Die gute Bühne Das große Vorprogramm Union- Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6, 81/2 U. Stg. 2 U. Jugendvorst. Stg. 414. 62 834 U. Ehe auf Probe mit Ruth Miller Nachtgestalten mit Jack Trevor Hennigsdor Filmpalast Beg. W. 6, 8.3) Stg. 44, 61/2, 834 U. Berliner Straße 59 Stg. 2U. Jug.- Vorst. Mittwoch, Donnerstag: Tonfilm: Delikatessen mit H, Liedtke, H. Verebes