Morgenausgabe Nr. 387 A 195 47.Itchrgang Wöchentlich 8SP� monot0ch Z.ö0 M. tm voraus zahlbar. Postbezug 4�2 M. einschließlich SYPf�g.Postzeiwngs- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Ausland»« obonnement 6,— M. pro Monat. * Der.Vorwärts' erscheint wochentSg- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beilagen.Dclk und Zeit" und.Kinderfreund". Ferner �Frauenstimme". Technik"..Blick in die Bücherwelt"..Iugend-Dorwärt»' und„Stadtbeilage". W-V berliner VolkÄvIatt Mittwoch 20. August 1930 Groß-Äerlin 1U Vf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeil« 80 Pfennig.' Reklame�eile S.— Reichs» mark.„Kleine Anzeigen� das ettge» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- gejchäft Lindenstraße 3. wochentäglich von N/z bi» 17 Uhr. Zentralovgan der GozialdemoSratisOen Partei Deutschtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoss 292—23? lelegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten. Wallstr. KS. Dt. B. u. DUc.-Ges.. Devostienkaste Lmdenstr 8. VBMI. will diktieren! Gehaltskürzungen und Entlassungen. Gestern fanden im Reichsarbeiisministenum aus Wunsch der ilngestellkengewerkschoskcn nochmals Verhandlungen statt in dem Konflikt in der Berliner Metallindustrie. Die Gewerkschaften verlangten zunächst, daß die Kündigungen, die ausgesprochen wurden, sämtlich zurückgenommen wer- den mühten. Das ist von den Unternehmern rundweg abge- lehnt worden. weiter verlangten die Gewerkschaften, daß, falls ein Bot- abkommen abgeschlossen würde, in dem eine Kürzung'der Arbeitszeit und eine Gehaltskürzung vorgesehen würden, während der Dauer dieses Abkommens Kündigungen nicht ausgesprochen werden dürfen. Auch diese Forderung ist von den Vertretern des Verbandes Berliner Metallindustrieller abgelehnt worden. Die Metallindustriellen wollen eine �ehnprozenlige Gehaltskürzung in Verbindung mit der Kurzarbeit durchsehen und gleichzeitig nicht nur einen»vesentlichcn Teil der ausgesprochenen Kündigungen ausrecht erhalten, sondern außerdem noch sich das Recht weiterer Kündigungen während der Lausdaucr des Lohnabkommens vorbehalten. Es würden zum Beispiel von den rund 1300 ausgesprochenen Kündigungen bei Si e m e n s und der A Eesige Schöffengericht nach dreitägiger Verhandlung sechs kommunistische Angeklagte zu Gefängnisstrafen von 2 bis 10 Monaten. Der an- geklagte Koommnistenführer Timm wurde freigesprochen. büroerlichem Lager gestützten Reaktion auf allen Gebieten der"Sozialpolitik den" Rücktritt dieser Regierung erzwungen. Aber alle negativen Ergebnisse der�bisherigen bürgerlichen Regierungspolitik werden in den Schatten gestellt von den drohenden Versuchen sozialer Entrech- tung der Beamten durch das schon unter dem bürger- lichen Reichsfinonzminifter Moldenhauer angekündigte A u s- gabensenkungsgesetz. Statt Erfüllung längst über- fälliger Forderungen droht die Regierung mit dem Abbau der Beamtenrechte auf der ganzen Linie. Niemand im bürgerlichen Lager denkt noch an die gesetzliche Regelung der Arbeitszeitfroge, an die Neuordnung des Urlaubsrechts und andere dringende Fragen des Beamten rechts. Was plant statt dessen die bürgerliche Minderheits- regierung? Sie verschlechtert in weitestem Umfange das Beamtenrecht durch ihr Ausgabensenkungsgesetz, in dem sie Bestimmungen der Personalabbauverordnung wieder auf leben läßt. Sie verordnet Nichtanrechnung der Wartestands zeit auf das Pensionsdienstalter— Anrechnung von privatem Arbeitseinkommen auf Pensionen, Wartegeld und Witwen Pensionen, jedoch ohne Berücksichtigung des Einkommens aus Kapitalbesitz— Entlassung weiblicher Beamten bei ihrer Verheiratung— Urlaubskürzung usw. Mit dieser Rechtsverschlechterung untergräbt die Regierung das Berufsbeamtentum, ohne nennenswerte Ersparnisse im Interesse der Volksgesamtheit zu erzielen, was doch angeblich der Zweck der Uebung sein sollte. Keine bürgerliche Partei— das muß man aus den Vorgängen der letzten Jahre folgern— wird den grundsätzlichen Kampf gegen die im Ausgabengesetz geplanten Verschlech- t e r u n g e n des Beamtenrechts führen. Die bürgerlichen Parteien, hinter denen Unternehmertum und Großagrarier stehen, haben von sich aus kein Interesse an einer grund- legenden Umgestaltung des Beamtentums in freiheitlichem Sinne. Während die beamtenrechtlichen Stellungen der Beamten durch die reaktionären Machenschaften der Feinde jeder Sozialpolitik sturmreif gemacht werden, benutzen die gleichen Kreise die Wirtschaftskrise zu Lohn- und Gehalts- abbau, ohne zugleich eine wirkungsvolle Preis- senküng herbeizuführen. Hand in Hand mit dem Lohn- abbau hat der Generalsturm auf die sozialen Errungenschaften der Arbeiter und Angestellten, auf Arbeitslosenver- .sicherung und Krankenversicherung eingesetzt — ein unwiderlegbares Kriterium der wohlüberlegten Ten- denz dieser„Regierung»der Frontkämpfer". Die Beamten müssen die ungeheure Gefahr erkennen, die auch für sie in diesem konsequent durchgeführten General st urm auf die gesamte Arbeitnehmerschaft liegt. Beamte werden gegen Arbeiter und Angestellte— Arbeiter und Angestellte"gegen Beamte ausgespielt, wenn nur das Ziel der sozialen und wirtschaftlichen Niederringung der Massen er- reicht wird. Schon die vorstehende, keinesfalls, lückenlose Darstellung der Grundsatzpolitik der bürgerlichen Regierung zwingt die Beamten, jeder politischen Reaktion Kampf anzusagen. Und auch für die Beamten ist jetzt der Zeit- punkt gekommen, um Klarheit zu schaffen über ihre Stellung zu den politischen Parteien, sowohl für die kommenden 'Reichstagswahlen als auch grundsätzlich. Nachdem die so- genannten„Parteien der Mitte" entweder sich selber be- graben oder vor aller Oeffentlichkeit bezeugt haben, daß sie infolge ihrer Sammlung von der Mitte bis ganz rechts nicht daran denken können, eine geradlinige Politik des Fort- schritts zu treiben, bleibt den Beamten, wenn sie sich nicht für eine ausgesprochene Rechtsorientierung entscheiden wollen, gar keine Wahl mehr: Sie gehören in die Reihen der Sozial- demokratie! Oder wollen sie sich auf die Seite derer schlagen, die in übersteigertem Nationalismus oder in politischem Zer- störungswahn den heutigen Staat zerschlagen möchten, ohne etwas"Besseres an seine Stelle setzen zu können? Sie ver- sprechen goldene Berge, aber das Ergebnis ihrer politischen Tätigkeit kann nur das Chaos sein. Es ist jetzt nicht mehr Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen oder vergangenen Perioden nachzutrauern. Der für die Wahlen einsetzende politische Kampf fordert den ganzen Mann! Wegen der Beamten selber kann man nur wünschen, daß sie ihre Klaffen- läge erkennen und in den eigenen Reihen rechtzeitig Klarheit schaffen darüber, was falsche Einstellung am 14. September 1930 für das Beamtentum im ganzen bedeuten würde. Wep siegen will, muß kämpfen! pack...! Kommunisten und Kommunisten. Di« sogenannte Kommunistische Opposition sRichtung Brvndler) lebt zwar mit der Stalm-Richtung der Moskowiter noch aus ge- sponntem Fuß, aber sie hat doch ihre Anhänger aufgefordert, die offiziellen Kommunisten zu wählen. Für dies� Selbstlosigkeit- muß sie sich einen Kübel voll Liebenswürdigkeiten über den Kopf gießen lassen, etwa in diesem Stile: Lrandler-Pack! Das Sudelblättchen Brondlers in Leipzig versucht in - üblicher Praxis durch ebenso blöde wie schmutzige Per- - l e u m d u» g e n, der SPD. ein wenig Wahlmaterial gegen die KPD. zuzuschanzen. Die Schmierfinken des korrupten und kaum iroch vegetierenden Brandlcr-Grüppchens wagen, van Isolierung der Partei zu quaken und gießen ihre fettigen Schmu tz kü bei gegen führende Parteimitglieder aus Und dann kommt das Bekenntnis des völligen Zusammen- � bruchs in der Parole, anstatt Aufftellung eigener Listen für die .Liste der KPD. im Wahlkampf zustimmen. Damit sich niemand einer Illusion hingebe: Es ist nur eine Geldfrage. Die Geldgeber und Pelzhändler n la Eduard Fuchs und W e y l- Frankfurt können ihnen infolge . der schlechten Konjunktur nicht mehr, so wie früher unter die Arme greisen. Deshalb die plötzliche„Liebe" für Liste 4. SSkis die Brandler-Denunzianten nicht hindert, in Thüringen und Sachsen im Geheimen Anweisungen zur Wahl der SPD. zu geben. Jeder ehrliche Arbeiter wird diesen Burs chen, wo auch ' immer er sie trifft, ins Renegatengesicht spucken... o Das steht olles wörtlich in der„Roten Fahne", dem Organ der Stalinisten, zu lesen. Man muß wirklich die ehrsamen Frauen vom Markte noch nachträglich um Entschuldigung dafür bitten, daß öergangrue Geschlechter sie als das Beispiel de? höchsten Schimpf- sörtigkcitcn ansahen. Diese früheren Geschlechter haben leider die besoldeien Schimpfboldc nicht gekannt, die heute mit proletarischer Politik" im kommunistischen Gewände handeln. England und der Geburtenkonirollbeschluß der Anglikaner. London. 19. August.(Eigenbericht.) Selten hat ein Ereignis so tief und so nachhaltig auf die eng- llsche Oeffentlichkeit gewirkt wie die grundsätzliche Bejahung der Geburtenkontrolle durch die anglikanische Bifchofskonferenz. Immer noch diskutiert und erörtert die Presse diesen Beschluß in langen Artikeln. Der„O b s e r v e r" kerrn zeichnet ihn so/ wie er von dem englischen Volke ver- standen wird: ..Zum erstenmal in der Geschickste der christlichen Kirche hat ein« Versammlung von Vischösen entschieden, daß die Empsängni». konlrolle nickst immer und nicht notwendig ein Unrecht fft." Die Orthodoxen revoltieren und die Nationalisten jammern: das Ende der englischen Familie, und der Selbstmord der englischen Rasse habe begonnen. Bischof Dr. Georg, der einflußreiche Führer der anglikanischen Kirche und Gegner des Beschlusses, plant mit seinen Anhängern eine große Aktion. Auch die Bischöfe von Süd- afrika und Westindien wollen diesem Beispiel folgen und die Erlaub- nis der Geburtenkontrolle feierlich widerrufen, so daß mit schweren Auseinandersetzungen innerhalb der anglikanischen Kirche gerechnet werden muß. Außer den anglikanischen Katholiken hat jedoch auf der Konferenz nur ein einziger englischer Bischof gegen den Beschluß gestimmt, während sich ver« schiedene andere der Stimme enthalten haben. Di« hinter dem Beschluß stehende Kirchenmehrheit setzt sich jedoch kräftig zur Wehr und verteidigt sich.„Es ist ein edler Beschluß", ruft der Prediger Canon Donaldson von der Kanzel der Westminster-Abtei, „wie wir keinen größeren seit der Reformation erlebt haben." Die streng kirchliche und konservative„M o r n i n g Post" unterstützt am Dienstag ebenfalls die Bischofsmehrheit und veröffent. licht den Kommissionsbericht, der der Lambeth-Konferenz als Grund- läge für ihren Beschluß gedient hat. In diesem Bericht heißt es: In unseren Zeiten hat sich die Geburtenzahl um 50 Proz. vermindert. Daraus ist ersichtlich, daß die Berhütungsmethoden in allen Klaffen der Gefelffchast bekannt sind und angewandt werden. Die Kirche fühlt sich deshalb verpflichtet, in einer Angelegenheit, die die Gewissen derart trübt, ein Führer zu sein. Entgegen der Tradition der katholischen Kirche kann deren Auffassung in dieser Frage nicht als die notwendige Endentwicklung betrachtet werden, beim die lieberlieferung der katholischen Kirche ist auf keine Di- rektive des Reuen Testaments zurückzuführen. Wenn aber eine Kirche in dieser Frage führend sein will, so muß sie frei und offen sprechen und den Tatsachen der modernen Zivilisation ins Auge blicken. Wo die gegen den Sinn der Ehe verstoßende Eni- haltsamkeit nicht stattfinden kann, darf die Kirche die wissenschost- liehen Methoden der Empfängnisverhütung n i cht verdammen, sofern gute moralische Gründe hierfür vorhanden sind und sofern die Ehe- leiste ihr Gewissen vorher streng geprüft haben. So der Konuiiijsionsdericht, der jenem Beschluß der Bischoss- konferenz zu Grund« log, in dessen entscheidendem Satz es heißt: „Es gibt Umstände im ehelichen Leben, die dir Beschränkung der Familien, ahl durch gewisse Mittel recht- fertigen und sogar verlangen." Dean Inge von der Londoner St-Pauls-Kathedrale, ein bedeutender anglikanischer Theoretiker, fügte dem am Montag in einer Kon- ferenz moderner Kirchenlente hinzu:„Wir können nicht an der Frage der Kinderzahl vorbeigehen in einer Zeit, wo, e d e r Zweig des sozialen Lebens rationell kontrolliert wird. Die Frage der Q u a l i t ä t der Bevölkerung ist zuletzt ebenso notwendig wie die Frage der Ouantität." Nimmt man ferner jene Beschlüsse der Lambeth-Konfcrcnz hinzu, die den Kr i e g verdammen Und die die Bibel n i ch i als Dogma, sondern nur als eine Reih» van Berichten und Erzählnn- gen betrachten, so ergibt sich klar und deutlich, daß die anglikanische Kirche bemüht ist, die Fühlung mit der Zeit und dadurch mit der sozialen,, geistlichen und sittlichen Rot der Dolksmassen nicht zu. ver- licren. Amnestie— dann Indierfriede. Das Angebot Ghandis an England. London, IS. August.(Eigenberichts Die Dicnstagausgabe des„Daily Telegraph" enthält den Inhalt eines Brieses, den Gandhi angeblich dem indischen Vize- könig' durch die Friedensvermittler Hot überreichen lassen. Der ge- fangen« Führer der indischen Freiheitsbewegung erklärt, gemäß dem Bericht des„Daily Telegraph", daß die Labourregierung nur über eine Minderheit im Parlament verfüge und es ihr deshalb gegen- über der Mehrheit der Konservativen und Liberalem nicht möglich wäre, dem indischen Volk- die Freiheit in Form des Dominion- stotus zu gewähren. Gandhi ersucht den Bizekönig und die Labourregierung jedoch, den Dominion st atus von sich aus auf � die Tagesordnung der britrsch-indrschcn Konferenz zu setzen und vorwärts zu treiben. Zum Beweis für den guten Willen der Ar- '"beiterregierung verlangt er eine Amnestie für alle indischen p o l i t i s ch c n G e f a n g c n e n. Als Gegenleistung erklärt er sich bereit, sein Einverständnis zur Zurückziehung der Aufforderungen zu den Gesetzesübertretungen zu geben. Es fällt auf, daß der„Daily Telegraph" feine Meldung in einem Leitartikel koinmentiert, in dem er die Regierung warnt, sich out das'„Ultimatum" Ganjihis einzulassen- Im Gegensatz dazu ist-, unter der Voraussetzung, daß der Inhalt des Brieses richtig wiedergegeben ist, festzustellen, daß damit endlich der Weg zu einem Ueberein- kommen zwischen England und der indischen Freiheitsbewegung als durchaus gegeben erscheint.. Der„Deutsche" und die Ileuroder Gammelgelder. f--v; Das christliche Gewcrkschoftsorgan„Der Deutsche" kann ftir sich die Ehre in Anspruch nehmen, die Unterstützungsaktion für die Opfer der Reurodcr Grubenkatostrophe zu wahldemago. gifchen Zwecken mißbraucht zu haben. Bereit» Anfang dieses Monats haben wir die entstellenden Ausführungen dieses Blattes sowie die Aeußerungen christlicher Bergarbeiterdelegierter auf der Aachener Tagung richtiggestellt und nachgewiesen, daß die Vorwürfe einer einseitigen Verteilung und eines Mißbrauchs der Neuroder Unterstützungsgelder durch den sozialdemokratischen Landrat völlig aus den Fingern gesogen sind. Das Zentrum hat sich jedoch nicht ollein mit feinen Presse- angriffen begnügt, sondern sich sogar zu einer politischen Aktion in Gestalt einer Anfrage im Preußischen Landtag ent- schloffen. Auffällig war von vornherein, daß diese Anfrage nicht, wie es natürlich gewesen wäre, von schlesischen, sondern von w e st- deutschen Abgeordneten unterzeichnet war. Roch interessanter ist die Tolsoche, daß die Neuroder Zentrumspreffe die Zentrumsanfrage im Landtag gor nicht veröffentlicht hat, weil sie sich sicherlich bewußt war, daß die hierin aufgestellten Behauptungen nicht zutreffen., Sie hat die schwindelhasten Angriff« gegen die Sozialdemokratie ihren Freunden im Reich überlasten. Wir haben seinerzeit bereits nachgewiesen, daß der kommisia- rische Landrat von Neurode dem Kreistag lediglich den Borschlag unterbreitet hat, die cinlausenden llnterstützungsgclder zu zentralisieren, um durch ein« planmäßige Verteilung Un- gcrechtigkeiten möglichst zu vermeiden. Der Landrat hat ferner unter Zustimmung des Kreistages angeregt, bei der Verwendung der Gelder auch die allgemeine Notlag« zu berücksichtigen imd den Bzu dringend notwendiger Anlagen, wie eine Kreiswasierleitung sowie die Errichtung und den Ausbau von Kinderheimen, durchzuführen. Für diese Zwecke sollten jedoch nur Mittel, die aus öfjentlicher Hand stammten, Verwendung finden. Die von privater Seite gesammelten ilnterstützung-gelder sollten noch wie vor nur zur direkten Hilf« für die Opser und die Hinterbliebcnen der getöteten Bergleute verwandt werden. Diesen durchaus klaren Tatbestand hatte der „Deutsche" in einen„Mißbrauch der Unterstützungsgelder", die für die Errichtung„roter Jugendheime" ausgegeben wurden, u m. gefälscht. Jetzt muß sich die Zentrumspresse ausgerechnet durch dos Reichsarbeits Ministerium, d. h. durch eine Stelle, die von einem Zentrumsminffter geleitet wird, sagen lassen, daß ihr aus- geregtes Getue, als ob die Sozialdemokratie die Unlerjtützungs- groschen für die Hinterbliebenen der verunglückten Bergleute raube, einfach deplaciert fft. Der in der Denkschrift des Reichsarbeitsministeriums sorgfältig untersucht« Tatbestand zeigt, daß die Verdächtigungen der Zentrums- presse gegen die Sozialdemokratie nur wahldemogogischen Zwecken ent- sprechen.- Trotzdem geben Blätter wie„Der Deutsche" noch immerkeineRuhe. TSeine Aufregung Hot aber jetzt wenigstens eine gewisie Berechtigung infolge des begreiflichen Aergers, daß ihm ein so schöner Stoff zur Hetze gegen die Sozialdemokratie flöten geht. Koch-Weser verschwindei! Die Staatspartei, die er gegründet hat, läßt ihn fallen! Die Deutsche Staatspartei nominierte am Montagabend als ihren Spitzenkandidaten in Berlin den Reichssinanznnnffter Dr. Dietrich. Es folgen der Gewcrkschaftssekretär Gustav Schneider und der Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil. Die vierte und fünfte Stelle der Kandidatenliste wurde der Volks- nationalen Reichsvcreinigung eingeräumt. Die Nominierung Dietrichs erfolgte auf Kosten des bisherigen Führers der Demokratischen Partei, Koch-Weser. Da Koch auch auf der Rcichsliste nicht untergebracht werden soll und anderwärts nicht kandidiert, wird er dem neuen Reichstag nicht angehören. Die Führung der Staatspartei dürste an feiner Stell« entweder Dietrich oder Höpker-Afchoff übernehmen. Man spielt Burgfrieden. Die Parteiführer Treoiranus(Konservativ), Dr. Scholz(D. Vp.) und Sachsenberg(Wirtschp.) haben sich in einer gemeinsamen Be- sprechung darüber geeinigt, daß ihre drei Parteien im künftigen Reichstag grundsätzlich Burgfrieden gegeneinander be- wahren wollen. Weiterhin haben sie, wie das Nachrichtenbüro des Bereins der Zeitungsoerleger-erfährt, sich entschlosien, in einem g e- meinsamen Wahlausruf zum Ausdruck zu bringen, daß die drei Parteien gewillt sind, in sozialpolitischen, innen, und außenpolitischen Fragen z u s a m m e n z u a r b e i t e n.- lieber dl« Form dieser Zusammenarbeit würden Beschlüsse noch nicht gefaßt, j Man denkt etwa an die Bildung eines Interfraktionellen Ausfchuffes, nicht aber an eine Fraktionsgemeinschost. Die Verhandlungen zwischen den drei Parteien sollen fortgesetzt werden, sie werden ober im wesentlichen nur noch der F o r m u- l i e r u n g des Wahlaufrufs dienen. Goebbels in Verlegenheit. Llnbequime Kragen der Razioppofflion. In der Dienstagausgab« des von der notonalsazialistffchen Opposition herausgegebenen„N a t t o n a l s o z i o l i st" richtet Dr. Eugen Massakowsky an den Führer der Berliner Rational- sozialisten, Goebbels, einen offenen Brief, in dem es u. a. heißt: .„Herr Dr. Goebbels: Auch in der Bcoufungsinftan,; im.Hinden- burgschen Beleidigungsprozeß hoben Sie sich mit keinem Wort ge- äußert, wo, wann und warum Sie für Herrn von Hinden- bürg 14 Tage in belgischen Gefängnissen gesessen haben und dort mi-t Reitpeitschen m i ß h a n d e-l t worden sind. Um Ihnen«hie letzte Gelegenheit zur Aeußerung unter Eid zu geben, nehmen Sie folgendes- zur Kenntnis: Ein Mensch. der wie Sie im vorliegenden Fall so bewußt die Unwahr- heit gesogt hat. heißt im Sprachgebrauch ein ab- g e f« i m t e r L ü g n e r. An Ihnen ist es nun. in einem SHeÄi» gungsprozeß gegen mich zu beweisen, wo, wann und warum Sie für Herrn von Hindenburq 14 Tage in belgischen Gefängnissen gesessen haben und dort mit Reitpeitschen mißhandelt worden sind." Ob der ,�b gefeimte L ügner" rsogieren mCtd? Triumph über das Entwaffnungsgesch. In Brandenburg warfen Nazis ihren Segnern Pfeffer und Zement in die Augen. „Gottlob, alle geistigen Waffen kann uns der Waentig nicht nehmen!" Unsere Kandidaten. Der Wahlaufmarsch der Sozialdemokratie. Die sozialdemokratische R c i ch s l i st e wird am Donnerstag von einer vom Partciausschuß der Sozialdemokratie gewählten Kommission festgesetzt. Wir lassen hier die bisher nach nicht veröffentlichten Kandidatenlisten der Wahlkreise folgen: Wahlkreis lS— Hessen-Nassau: Philipp Scheidemann, Franz Metz, lhe'mrich Becker, Michael Schnabrich, Andreas Portune, Otto Witte, Friedrich Hosacker. Wahlkreis 20— Köln-Aachen: Wtlh. Sollmann, Hans Böckler, Hans Koppertz. Wahlkreis 21— Koblenz-Trier: Emil Kirschmann, Franz Gruber, Peter Brand. Wahlkreis 22— Düsseldors-Ost: Heinrich Limdertz, Lore Agnes,.Robert Daum, Karl Zöllig. Wahlkreis 2.?— Düsseldors-West: Paul Gerlach, Johann Thabor, Alfred Schatz, Otto Schulenberg, Mogda Wilke. Wahlkreis 27— Pfalz: Johannes Hofsmonn, Fr. Wilh. Wagner, Wilh. Hojfmann- Kaiserslautern, Marie Wolf-Speyer. Wahlkreis 29— Lcihzi«: Richard Lipinski, Hugo Saupe, Engelbert Graf, Margarete Starrmann-Hunger, Cornelius Gellert. Wahlkreis 34— Hamburg: Peter Graßmann, Johanna Reitze, Liedermann, Bergmann, Karl Olsers, Heinr. Steinfeld. » Die Wahlkreise 28(Dresden-Bautzen) und 30(Chemnitz-Zwickaus stellen ihre Kandidaten am kommenden Sonntag auf. Von dchr bisherigen Abgeordnelen werden nicht mehr tan- didieren: Wilhelm Bock, Karl Ulrich, Heinrich Peus, Robert Schmidt, Lübbring, Staad, Kotzte, Schlicke, Dr. Quessel, Bülow, Facobshagen, Broßwitz� Anna S i e m s e n, Luise S ch i f f g« n s und Mari« A r n i n g. Etöhr und die Bombenleger. Verleumdungsprozeß gegen den nationalsozialistischen Abgeordneten. Gewiffermaßen ein Vorspiel zum Bombenlegerprogeß bildete gestern eine Verhandlung vor den, Schöfiengericht Berlin-Mitte. Es zeigte sich wieder einmal, mit welch demagogischen Mitteln die Nationalsozialisten arbeiten, wie sie selbst nicht vor den gemeinsten Vekleumdungen zurückschrecken, wenn es gilt, für ihre Partei poli- tischen Profit herauszuschlagen. Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete S t ö h r hatte sich wegen Beleidigung und übler Nachrede zu verantworten; der Strafontrag war von dem Reich-innenministsrium für Grzefinsk: und Zörgiebel gestellt worden. In der nationalsozialistischen Presse- korrespoiü>enz vom 3. Septenrber 1929, also zu einer Zeit, als die ganze Welt bereits wußte, daß niemand anders als Mitglieder der Landoolkbewegung bei den Bombenattentaten ihre Hand im Spiele hatten, erschien ein Artikel mit der Uöberschrift„Weimarer Bomben- werfer". Es wurde darin behauptet, daß die Sprengstoffattentate in Berlin und Schleswig das Werk von Lockspitzeln der gegenwärtigen Machthaber seien, daß es sich um eine plan- mäßige Anstiftung von Zörgiebcl. Grzesinski und S e v e r i n g handle, um die Bevölkerung um jeden Preis gegen die Nationalsozialisten auszupeitschen; es seien die bekannten hun-ds- iotttschen Methoden der Nach-Nooember-Regienung; der Tag der Abrechnung würde schon koimnen, die Beweise für die Richtigkeit der aufgestellten Behauptungen würden in der nächsten Nummer der Korrespondenz gebracht werden. Die Beweise blieben aus. Daß aber in Wirklichkeit eben dieselbe Nationalsozialistische Partei, deren Korrespondenz Reichsminister und Mitglieder der preußischen Regierung der An st istung zum Bomben werfen bezichtigte, genau über die Urheber dieser Bombenattentate im Bilde gewesen sein mußte, zeigte bald die gc- richtliche Ermittlung. Man fand nämlich ein Schriftstück des national- sozialistischen Abgeordneten L o h s e, in dem er schrieb, daß die Landoolkleute ihm schwer zu schassen machten; es bestehe die Gefahr, daß die Dummheit dieser Leute gefährlich werden könnte: es fei ihm ganz gleichgültig, mit welchen Mitteln sie kämpften. Herr Lohfe war aber Gauleiter der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei. Auch ein anderer nationalsozialistischer Herr, nämlich der Schristleiter des„Niederfächsischen Beobachters", F. W. Hein z, der aus der Partei wegen seiner Mitarbeit am„Landvolk" aus- geschlossen wurde, wußte ganz genau Bescheid. So hieß es in einem seiner Briefe an ien Schriftleiter des„Landvolk", von Solomon, über die Benhondlungen des Nürnberger Parteitages wegen feines Ausschlusses: Man habe zwar hervorgeboben, daß er ein tüchtiger O. C.-Mann sei, Hobe ihm aber zum Vorwurf gemacht, daß er v o n de nBom benatten taten Bescheid gewußt habe. Diese Vorgänge sind auch Herrn Stöhr nur zu gut bekannt gewesen. Seine Behauptung, die Bombenattentote seien van Lock- lpitzeln der Regierung ausgeführt, stellen also den Gipfel g c- wissenlvser politischer Verleumdung dar. In der gestrigen Verhandlung wollte Herr Stähr dos allerdings nicht wahr haben; er habe nichts geahnt. Wieso wußte er denn aber, daß ausgerechnet Sevcring» Grzesinski und Aörgiebel ihre Hand im Spiele hotten? Der Staatsanwalt beantragte 1000 Mark Geldstrasc; das Gericht verurteilte den nationalsozialtstischen Reichstagsabgeord- nelen wegen übler Nachrede zu 300 Mark Geldstrafe. Eine. mild« Strafe bei derart schwerwiegenden Verleumdungen. Wegfall der amtlichen Giimmzetiel. Wählreformberatung der NeichSregierong.— Kürzung der Abgeordnetenzahl. Da? Reichskabinett hat sich am Dienstag in mehrstündiger Debatte mit dem Gesetzentwurf des Reichsinnen- Ministeriums zur Wahlreform beschäftigt. Die Debatte soll am Mittwoch fortgesetzt und abgeschlossen u>erden. Der Gesetzentwurf sieht außer dem Verschwinden der Reichs liste und der Erhöhung der Zahl der Wahlkretse von 33 auf 162 u. a. noch die S6)affung von 32 Wahlverbänden vor, die wiederum in 12 Landcrgruppen zusammengefaßt werden sollen. Ferner ist der Wegfall der amtlichen Stimm- zetiel in Aussicht genommen Das bedeutet, daß künftig jede Partei, die sich um die Gunst der Wähler bewirbt, die erforder- li-chen Stimmzettel selbst zur Verfügung stellen muß. Schließlich ist noch beabsichtigt, die Zahl der Stimmen, die zu einem Mandat erforderlich ist, von 60 000 aus 70 000 zu erhöhen. Dadurch würde der Reickzstag bei der in den letzten Äihren zu ver- zeichnenden Wahlbeteiligung etwa 30 bis 60 Abgeordnete weniger zählen als bisher. Auch die Einführung des Wahlzwanges spielt in den Be- ratungen des Kabinetts eine gewisse Rolle. Ein? Mehrheit sür diesen Gedanken dürste sich jedoch innerhalb der Reichsregierung kaum ergeben._ Branntweinverboi am Wahltage. Ein Erlaß der preußischen Regierung. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, wird in der nächsten Nummer der Preußischen Gesetzsammlung eine von dem preußischen Minister des Innern erlassene Bekannt- tnochung verösfentlicht werden, durch die sür den Bereich des Landes Preußen anläßlich der Wahlen zum Reichstag der Ausschank von Branntwein und der Kleinhandel mit Trinkbranntwein. sür Sonntag, den 14- September verboten wird. Das Perbot des Kleinhandels mit Trinkbranntwein trifft auch den Fall, daß dieser in verschlossenen und versiegelten Flaschen ab- gegeben wird. Der Minister hat alle Polizeibehörden ersucht, die Jnnshaltung dieser Vorschriften aus das strengst« zu überwachen. Sofern an einzelnen Orten Totsachen die Annahme rechtfertigen, daß durch den Ausschank von sonstigen geistigen Getränken am Sonntag, dem 14. September 1930 in den Abendstunden eine Gefährdung der ösientlichen Sicherheit oder Ordnung eintritt, bleibt es den Orts- Polizeibehörden unbenommen, einen früheren Beginn der Polizei- stunde festzusetzen._ Die Krise in Vayern. Die Schlachtsteuer-Notverordnvng wieder vor dem Landtag. INüncheu. 19. August. Das Plenum des Landtags trat heute nachmittag zusammen, um .zu den sozialdemokratischen, baüernbündlerischen und kommunistischen Anträgen auf Aufhebung der S chla ch t st e u« r n o t ve r- o r d n u n g Stellung zu nehmen. Dazu war ein weiterer soziatdemokralischer Antrag eingegangen, det den Ausfall eines Betrages von etwa 8 Millionen Mark, den die Schlachtsteuernotvervrdrmny«bringen sollte, derart gedeckt sehen will, daß durch Berchandt«»K<»««t den Relügi« o n s g e s e l l s ch a f t« n die gesetzlichen und freiwilligen L e i st u n- gen des Staates an die Religionsgese'lljchaften gekürzt werden sollen. Sollten die Verhandlungen nicht zum Ziele führen, so seien von den freiwilligen Leistungen 8 Millionen Mark nach einem einheitlich zu bemessenden Hunde risatz noch in diesem Houshalksjähr zurückzubehalten. Bei außerordentlich stark besetzten Tribünen gab der Präsident bekannt, daß die Staatcregierung die Vorberatungen sämtlicher Gegenständ« der Tagesordnung ausschließlich des neuen sozialdemokratischen Antrages wünsch«. Nach drei Minuten Dauer schloß die mit Spannung erwartete Sitzung, und unmittelbar daraus trat der Haushaltsau-zchuh zusammen. -125000 Gewehre verschoben. Aus alten österreichischen Heeresbeständen.— Käufer unbekannt. Prag. 19. August.(Eigenbericht.) Die tschechoslowakische presse meldet, daß aus den Beständen der tschechoslowakischen Armceverwaltung 123000 Zn- santeriegewehre des österreichischen TNodells 1893 und 4000 Maschinengewehre sowie die dazu gehörige Munition nach Ungarn verkaust und verschoben worden sind. Die Massen, die von der tschechoslowakischen Armee aus den Beständen der allen österreichischen Armee übernommen worden waren, ob« nicht benutzt werden konnten, weil die tschechische Armee mit anderen Modelle» ausgerüstet ist, sollen mit italienischem Gelde ausgekausl und bezahlt worden sein. Wer die Massen v«koust und verschoben hal und an welche Personen sie veräußert worden, ist bisher noch unbekannt. Die tschechische Presse sordert von der Mililäroerwaliung Ausklärung über die..mysteriöse An- gelegen hei t". Mehrere tschechische Slälier melden im Zusammenhang mit dem Verkauf bzw. d« Verschiebung d« Waffen, daß auch die österreichische heimwehr aus den Mafsenbeständen der lschcchischca Armee versorgt worden ist. Richter Lynch. Volksmenge martert einen Tleger zu Tode. Tarbora. 19. August.(Eigenbericht.) 200 maskierte Weiße holten am Dienstag einen jungen Neger aus deni Gefängnis, der vor Wochen Zwei weiße Mädchen angegriffen hat. Der wehrlose Gefangene wurde von seinen Peinigern an einen Baum gehängt und zu Tode gemartert. Explosion aus einem französischen Kreuzer. Bei einer Benzin- exploswn an Bord des im.Hosen von Boulogn« liegenden Kreuzers �amotte�icquet" find vier Matrose« verletzt wovden. Kanada verbietet Einwanderung. Die neue Regierung gegen Empire-politik. Ottawa, 19. August.(Eigenbericht.)' Die neue kanadisch« konservativ« Regierung hat am Freitag ein strenges Einwanderungsoerbot erlassen. Alle bis- herigen Zureiseverordnungen sind ausgehoben. Für den euro- päischen Kontinent ist die Einwanderung völlig ge» sperrt und Engländer werden nur ins Land gelassen, wenn sie mit so viel Kapital versorgt sind, daß sie sich aus eigenen Mitteln ernähren können, da Kanada von der Arbeitslosigkeit Heiingesucht ist. Saisonarbeiter, die aus England vorübergehend in Kanada arbeiten wollen, bedürfen der besonderen Genehmigung durch die Regie- rungen der einzelnen Provinzen. Im vergangenen Jahre waren von England 60 000 Siedler eingewandert und 64 300 aus anderkn Staaten. Robert Borden, der ehemalige Ministerpräsident, wurde von der Regierung als kanadischer Delegierter für den Völkerbund bestimmt. Die Anarchie in Ehina. Die lehten Reserven ins Gefecht geführt. pari». 19. August. Wie die„Agentur Indopacisique" aus Schanghai meldet» haben die Hunan-Truppen Tstnanfu ohne Zwischenfall besetzt. Amerikanische katholische Missionare, die nach dreizehntägiger Flucht in Hunan eingetroffen sind, äußern ihre Besorgnis über dos Schicksal eines protestantischen Geistlichen und mehrerer in der Stadt Kanschou (Provinz Kiangsi).zurückgebliebenen Familien, wo die Kommunisten unter Leitung von Studenten das Sowfetregime eingeführt haben. D« Korrespondent der„Agentur hava»", der Nanking be- sucht hat. berichtet: 3n der Hauptstadt herrscht trotz der militärischen Fortschritt« d« Truppen große Besorgnis. Tschumgkaischeck bietet seine letzten Reserven an Menschen und verfügbaren sinan- ziellen Mitteln auf. Die Mehrzahl der polizeistreitkräste ist will- tarisiert worden. Die Banditenübersälle haben zuge- nommen und greifen bis in Ske Mauern der Hauptstadt um sich Ein Banditeafühm hält ein Landhaus, das Tschiangkaischek selbst gehört und nur zehn Kilometer von Nanking entfernt ist, beseht. Die Soldaten plündern, die revolutionäre Gefahr in der Hauptstadt wird immer drohender. Die Behörden suchen durch Masseohinrlch. tun gen dagegen anzugehen. Auch einflußreiche Persönlichkeiten werden hingerichtet. Miederzusammentritt des Ständigen ReichslagsausfthussLs. Am Freilog tritt der Ständige Ausschuß des Reichstages wieder zu- sammen, um sich mit Jmmunitätsfragen zu beschästigen. Außerdem wird er sich mit einer Verordnung der Reichsregierung zur Aus- sührung des Weingesetzes bosossen. Ein Arbeiterparlament. Generaldebatte auf dem Verbandstag der Metallarbeiter. Zu Beginn des zweiten Verhaudlungsttigcs nahm der Verbandstag zunächst die Berichte über die S i tz o e r l e g u n g nach Berlin, des V e r b a n d s a u s s ch u s s e s und der Schrift- l e i t u n g der„Metallarbeiterzeitung" entgegen. Hinsichtlich des Ausschlusses von Vcrbandsmitgliedern wegen gewerkschostsschädigendcn Verhaltens billigte der' Ver- bandsausschuß die Beschlüsse des Hauptvorstandes bis auf Zwei Fälle, wo den einsprucherhcbenden Mitgliedern eine vollzogene ge< werkschastsschädigende Handlung nicht direkt nachgewiesen werden könnt«. Diese beiden mit Funktionen betrauten Mitglieder hatten sich geweigert, unterschriftlich anzuerkennen, daß sie ihre Tätig. kcit innerhalb der Organisation unbeeinflußt van den gewerkschasts- feindlichen Richtlinien der KPD. ausüben wollen. Der Verbands- ouzschuh vertrat ini Gegensatz zum Hauptoorstand und, wie ans der spätere» Generaldebatte hervorging, auch fast aller Delegierten die Auffassung, daß diese Ilnterschriftvcrweigerung einer Verbands- schädigenden Handlung noch nicht gleichzusetzen sei. Der Verbands- tag selbst hat über diese strittige Frage gestern noch keine Entscheidung gefällt. Aus dem Bericht des Schriftleiters der„Metallarbeiterzeitung", Genossen Kummer, ging die ungehure Bedeutung der Gcwerk- schaftspresse neben der politischen Tageszeitung hervor. In rund einer Million Exemplare geht die„Metallorbciterzeitung" jede Woche in alle Gaue Deutsch- lands hinaus, um einschließlich der Familienangehörigen etwa 4 bis 5 Millionen Menschen gewerkschaftliche, soziale und wirt- schaftspolitische Apfklärung, sowie technische und sonstige Belehrung zu vermitteln. In einem Antrage wird gefordert, daß sich die„Metallarbeiter- zeitung" bezüglich der Berichterstattung über Eowjetrußlond eines weniger herablassenden Tones befleißigen solle. Ganz richtig erwiderte Genasse Kummer darauf, daß es der Schriftleitung in- folge der Unterdrückung der freien Meinungsäußerung in Rußland nicht möglich fei, c i g c n e Berichte über dies angebliche Arbeiter- Paradies zu bekommen. Was aber in der„Metallarbeiterzeitung" über Sowfetrutzland bisher geschrieben worden ist, sei lediglich die objektive Wiedergabe von Artikeln der sowjetrussischcn Gewerkschasts- presse oder Auszüge» aus ihnen. Wenn die kommunistischen Ver- bandsmitglieder selbst an der Wiedergabe van Artikeln der russischen Gewcrkschastspresse, die nian dem russischen Arbeiter unterbreitet, Anstoß nehmen, dann misse die Schriftleitung nicht mehr, was diese Verbandsmitglicdcr unter Objektivität verstehen. Die Schriftleitung der„Metallarbeitcrzeitung" und der„Metallarbciterjugend" nehme jederzeit gern Anregungen entgegen über eine andere und vor allein bessere Gestaltung der Berbands�itschriften. Sie hoffe auch, infolge der Uebersiedlüng nach Berlin mit seinem ausgedehnten Nachrichten- apparat an Aktualität zu gewinnen. Nach der Entgegennahme dieser Berichte trat der Vcrbandstag in die Generaldebatte ein, die gestern noch nicht abgeschlossen wurde. Diese''Debatte Hab fjch von der auf dem letzten Verbondstag in Karlsruhe vorteilhaft ob. Es wurde nur ganz selten versucht, den Kongreß init bolsche- wistischcn Phrasen einzunebeln. Wenn auch die„Opposition" auf diesem Verbondstag nur mit S Mann vertreten ist, die zudem noch uicht einmal„linientreu" sind, harte man irotzdem manches Wort der Kritik, aber ehrlicher Kritik. Damit wurde der Beweis er- bracht, daß es auch heute nach, genau wie in der Vorkriegszeit, unter SiUialdemokraten taktische Meinungsverschiedenheiten gibt, die man durchaus sachlich miteinander austragen kann, ohne das allen ge- meinsame Endziel aus dem Auge zu verlieren und einander zu be- schimpfen. Worin bestanden diese Meinungsverschiedenheiten? Da war es zunächst der Genosse Schäfer, Leipzig, der die bejahende Stellungnahme des Vcrbandsvorstondes zum S ch l i ch t u n g s- wesen ablehnte und sich mit aller Schärfe für das sogenannte «Spiel der freien Kräfte im Wirtschastskampf einsetzte. Nach seiner Auffassung und, wie er weiter sagte, auch nach seiner Erfahrung versagen die staatsichen Schlichtungsinstonzcn bei der Unter- stügung kleiner oder organisatorisch schwacher Gruppen und Branchen vollständig, indem sie für di«se Katgori«n keinen annehmbaren Schiedsspruch für verbindlich erklären, nnt der Motivierung, daß dafür kein öffentliches Interesse vorliege. Wo aber die Arbeiterschaft gut organisiert ist und die Aussichten �llr einen erfolgreichen Kampf g ü n st i g sind, beeilen sie sich, den Anträgen der Unter- nehmer auf Verbindlichkeitserklärung von völlig unzulänglichen Schiedssprüchen nächzukommen. Durch die Stellungnahme der staatlichen Schlichtungsinstanzen wird nach seiner Auffassung die Arbeiterschaft in ihrem Fortkommen geh i.nd e r t. Der Verbandsvorstaich hotte gestern noch keine Gelegenheit, dieser Ausfassung seine Argumente entgegenzustellen. Lediglich der Vertreter der Karlsruher Metallarbeiter Genosse Schulen- bürg widersprach der Aussässung des Genossen Schäfer, der sich auch andere sächsische Delegierte angeschlossen hatten. Genasse Schulenburg wies an Hand seiner Erfahrungen nach, daß die Hilfe der staatlichen Schlichtungsinstonzen zahlenmäßig viel mehr von der Arbeiterschaft in Anspruch genommen werde als von den Unternehmern und daß ohne die Hilfe der Schlichtungsinstanzen viele Arbeitergruppen bestimmt noch nicht die Lohn- und Arbeitsbedingungen hotten, die sie heute haben. Er betonte, damit keines- wegs zum Ausdruck bringen zu wollen, daß die Arbeiterschaft ihr Schicksal rückhaltlos den Schichten überlassen sollte, sondern daß man das staatliche Schlichtungswesen solange nicht entbehren könne, bis die Arbeiterschaft überall organisatorisch so stark ist. um. ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen selbst mit den reaktioikärsten Unter- nehmern au« eigener Kraft zufriedenstellend regeln zu können. Die Verschmelzungsverhandlungen mit dem Verband der Heizer und Maschinisten gaben dem Berliner Bevollmächtigten Genossen U r i ch Anlaß, zu erklären, daß nach seiner Ueberzeuguna diese Organisation die Ver- schmelzung nicht wolle und aus diesciw Grunde Bedingungen gestellt habe, die der Metallarbeiter-Verband unmöglich annehmen konnte Mit Entrüstung wandte er sich dagegen, daß der Verband der Heizer und Maschinisten den Metallarbeiter-Verband in Flug- vlätrern öffentlich bekämpfe, was ein unmöglicher Zustand innerhalb der freien Gewerkschaftsbewegung sei. Genau so scharf kritisiert« er das Verhalten des Verband«? der Heizer und Mafchi- nisten im jüngsten Konflikt in der N o r d w e st g r u p p e, wo der Metallarbeiter-Verband seine Mitglieder zur Ni ch t a n e r k e n- n u n g des Nordwestschiedsspruches auffordert«, der Verband der Heizer und Maschinist«« dagegen dem Schiedsspruch seine Z u st i m- m U n g gab. Der Verbondsvorstand hätte im Geschäftsbericht diese Dinge eingehend behandeln müssen. Da« sind einige der gegensätzlichen Auslassungen, die aus dein Verbondstag in teilweise scharfer, aber kameradschaftlicher Weise vorgetragen wurden. Volle Befriedigung lisste die Erklärung des Vorsitzenden des Verbandes der Kupferschmiede Genossen Jahr- markt aus, der nochmals betonte, daß die Vorstandsmitglieder dieser Organisation mit ihrem ganzen Herzen für die Verschmelzung mit der großen Bmderorganisation seien und alle Kräfte aufbieten werden, um ihren Mitgliedern die Notwendigkeit und Zweckmäßig- kcit des Anschlusses an den Metallarbeiter-Verband klarzumachen. Fast kein Redner unterließ es auch, sich mit dem zurzeit brennendsten Problem, der Arbeitslosigkeit, zu beschäftigen. Alle Redner stimmten mit der Auffassung überein, daß nicht nur der Metallarbeiter-Verband, sondern alle freien Gewerkschaften zusammen mit der politischen Interessenvertretung der Arbeiterschaft, der Sozialdemokratie, Mittel und Wege aussindig machen müßten, um die deutsche werktätige Bevölkerung von diesem quälenden Alp- druck zu befreien. Erfreulich war auch die Zustimmung des Verbandstages zu den Ausführungen der weiblichen Delegierten, die für eine intensivere Schulung der Frauen eine oerstärkte Agitation unter ihnen und eine umfangreichere Be- trcuung mit Funktionen in der Organisation, sowie überhaupt einer aufmerksameren Behandlung des Problems der Frauenarbeit ein- traten. Jedenfalls bot der Verlauf der gestrigen Aussprache auf dem Verbandstag der Metallarbeiter ein Bild mustergültiger Ge- schlossenheit und kameradschaftlichen Suchens nach gangbaren Wegen aus dem augenblicklichen Massenelend, wie es erhebender kein Ver- bandstag in der Nachkriegszeit geboten hat. Keine Entlassungen bei der BVG. Solidarität der Aelegschast. Wie mir bereits mitgeteilt hoben, Hot sich die Direktion der Ver- kehrs A.-G. infolge d«s anhaltenden Verkehr-rückgangs gezwungen gesehen, weiter« Bctriebseinschränkungcn vorzu- nehmen. Dadurch wird ein Teil des Personals überflüssig und müßte entlassen werden. Die Direktion der BVG. ist aber der Meinung, daß ganz besonders angesichts der gegenwärtigen Lag« des Arbeitsnwrktes Entlassungen unter allen Umstän- den vermieden werden müßten. Sie Hot sich deshalb mit den Gewerkschaften und dem Betriebsrot ins Benehmen gesetzt und den Vorschlag gemacht, statt Entlassungen vorzunehmen, monatlich zwei Feierschichten einzulegen, die natürlich nicht bezahlt werden. Die Belegschaft wird in Betriebsversammlungen und auf Vor- schlag des Arbeiterrats in einer II r a b st i m m u n g dazu Stellung nehmen. Praktisch wird es sich dabei danim handeln, ab die Be- lcgschaft mit den zu Entlassenden sich solidarisch erklärt und einer Arbeits st reckung zustimmt, um Entlassungen zu ver- hindern. Wenn.in der kommunistischen Presse davon geredet wird, daß die Angestellten der Verkehrsgesellschaft„g«nau so unter einen erpresserischen Druck gesetzt werden wie bei dem Scharfmacher Siemens", so zelgt die. Potsache, daß die BVG. unter allen Um- ständen Entlassungen vermeiden will, während Siemens unter allen Umständen Entlassungen vornehmen und sich freie Hand halten will für weiter« Entlassungen, was von diesem Geschwafel d«r kommunistischen Press« zu halten ist. Kommunistische Ltnverschämiheiien. Nochmals die„lioten Betriebsräte" bei H. Leiser Ttachf. Nach einer Lohnbewegung bei H. Leiser Ende Mai d. I. schrieb die„Rote Fahne" wörtlich:„Das Ergebnis ist, daß die Löhne der männlichen Arbeiter über 21 Jahre von 1,21 M. auf 1,27 M., für Stepperinnen van 97 Pf. auf 1,02 M. und in den anderen Stufen prozentual«rhöht werden." Am 17. August d. I., also 11 Wochen später, schreibt dieselbe„Rote Fahne", daß bei der damaligen Streik- bewegung„eine Ldhnerhöhung auf den Mindestlohn von 3 0 Pf. pro Stunde erkämpft wurde". Ferner schrieb die„Role Fahne" Ende Mai„Auch die Waschzeit für die F i l i a l a r b« i t c r ist durchgesetzt". Die„Rote Fahne" vom 17. August 193g schreibt: „Außerdem wurde eine bezahlte Waschzeit von 10 Minuten erzwungen". Wir stelle» hiermit fest, daß die bezahlte Waschzeit von 10 Minuten für die rund 100 Betriebsarbeiter schon seit vielen Jahren besteht und seinerzeit von den Mitgliedern der f r e i c n G e w e r l s�ch o f t erkämpft wurde. In der Betriebsversammlung der Firma H. Leiser Reparoturmerkstatt am 16. d. M. war H ö r g von der freien Gewerk- schaft anwesend und wies der Belegschaft den A r b e i t e r v e r r a t ihrer Betriebsräte bei der letzten Lohnbewegung und im Falle des Mitgliedes der freien Gewerkschaft B. nach. Hain mußte in der Versammlung zugeben, daß der Be- triebsrat wegen Abschaffung des Wochenlohnes des Arbeiters B. beim Betriebsleiter vorstellig wurde. Dabei wußte der Betriebsrat genau, daß B. dos Lager in Ordnung hält, also ganz andere Arbeiten zu verrichten hat als alle übrigen'Arbeiter. Am gestrigen Montag erhielt die Orlsoerwaltung des Zentral- Verbandes der Schuhmacher die Mitteilung, daß der Betriebsrat nochmals bei der Betriebsleitung' vorstellig wurde mit der Behaup- tung. daß die Belegschaft nicht mehr mit B. zusammen arbeiten wolle! Also zu dem bereits dem B. zugefügten Unrecht will ihn her Betriebsrat brotlos machen. Dabei mutet dieser Betriebsrat den Mitgliedern der freien Gewerkschaft zu, daß sie sich an einer eventuellen Streikbewegung beteiligen, die die Brotloswachung ihres Mitgliedes und Vertrauensmannes zum Ziele hat! Plumpe Täuschungsmanöver. Metallarbeiter-Opposition unter falscher Klagge. Die Handvoll Quertreiber, welche sich vom Deutschen Metall- arbeiterverband abgesondert hat, betreibt«inen eigenen kleinen Laden unter der Firma:„Deutscher Metallarbeiter- verband(Oppositio n)". Mit dem Worte„Opposition" glaubt man Mitglieder für sich einfangen zu können. Da jedoch mit dieser .�Opposition" weder Staat zu machen noch irgend etwas für die Mitglieder herauszuholen ist, läßt man mit der bekannten reoolu- tionären Kühnheit die revolutionär«„Opposition" sorgfältig beiseite, verleugnet die eigene„Opposition", sobald sie einem unbequem wird� Das geht soweit, daß man seine„Opposition" zum Zwecke orglistiger' Täuschung absichtlich versteckt. Zwei Fäll« dieser A r.t wurden am Montag in.einer Sitzung der Kammer 30 des Arbeitsgerichts jestgestelll, Hier wollte der Kommanift der türzSch««» einer anderen Kammer als Prozeßvertreter zurück- gewiesen wurde, als Vertreter zweier Kläger auftreten. Befragt, ob er hierzu von einer wirtschaftlichen Bereinigung beauftragt sei, wies Hein ein Schriftstück vor, welches mit den Worten beginnt: „Der Vorsitzende des Deutschen TNetallarbeiterverbandes, Herr Hein, usw. Das Wort„Opposition", das jedoch zu der Firma des neuen Ladens gehört, ist weggelassen, um den Anschein zu erwecken, als handle es sich um einen Vertreter des Deutschen Mstallorbeiterverbandes. Aber auf so eine plumpe Täuschung fällt das Arbeitsgericht nicht hinein. Hein mußte sein wahres Gesicht zeigen. Nun wurde Hein gefragt, ab seine„Organi- sation" tariffähig und willens fei, Tarifverträge abzu- schließen.„Jawohl" sagte Hein und legte ein Schriftstück vor, aus dem hervorgehen sollte, daß er mit der Finna Harbnann in Tarifverhandlungen stehe. Der Vertreter der beklagten Firma Hartmann konnte sich nicht enthalten, diese Behauptung Heins als Frechheit zu bezeichnen. Wie sich sogleich zeigte, ist dieser Ausdruck— den der Vorsitzende rügte— sachlich durchaus zutreffend, denn es wurde festgestellt, daß sich Hein bei der Firma Hartmann, um einen Lzaustarif abzuschließen, als ver- treler des Deutschen TN etallarbeiter Verbandes eingeführt hatte. Die mit den Organifationsoerhältnissen der Arbeiter nicht vertraute Firma hat dann Verhandlungen mitHein angebahnt. sie aber abgebrochen, als sie erfuhr, daß Hein mit dein Deutschen Metallarbeiter-Verband nichts zu tun hat. Dieser Tatsache konnte Hein nicht widersprechen. Seine Zulassung als Privatvertretcr wird davon abhängig gemocht, daß er i m n ä ch st« n Termin nachweist, daß seine„Organisation" in der Lage sei, Tarif« abzuschließen und welche Erfolge sie in dieser Hinsicht aufzuweisen habe._ 152 Kommunisten machen Einheitsfront. Die KPD. hatte zu Mittwoch zu einer„Einheitsfrontkund- gebung der Arbeiter und Angestellten" nach dem Hausoogtei- platz aufgerufen. Als sich etwa 3V Demonstranten angesammett hatten, wurde der Anführer kühn und verlegte die Kundgebung nach dem weit größeren Gendarmenmarkt. Dort wartete er aus Zuwachs und als der ausblieb, zog er wieder zum Hausoogtciplatz zurück. Die Straßcnpasianten amüsierten sich über dos kommunistische Theater. Schließlich gelang es den Stalinijchen ober doch noch, die Hälfte der Schutzinsel des Platzes zu besetzen. Nach dem üblichen Tamtam formierte sich dann ein Zug, der genau gezählt 33 Reihen zu je 4 Mann= 132 Demonstranten„stark" war. Wieder eine kommunistische„Massendemonstration", bei der die Massen durch Fernbleiben demonstrieren. AazizeNen bei der„Miiropa". Vor uns liegt ein F l u g b l.a t t an ti« Mitropa-Angestellten. in dem dieie zu einer�,, Gründungsoersammlung einer M.S.-Betriebszelle" eingeladen werden. Vorgearbeitet ist ja in der Mitropa schon fleißig. Das leitende Personal und auch das Slufsichtspersonal ist— zweifellos unter tätiger Mithilfe d«s Personalchefs— von Nationalsozialisten durchsetzt. Ein Grund mehr für die große Masse der Arbener und Angestellten, sich von dieser Gründungsvcrsammlung fernzuhalten. Im übrigen ist die Haltung der Gcneraldirektion der Mitropa derart, daß das leitende Personal annehmen kann, die Förderung der Nationalsozialisten ist« r w ü n s ch t. Vielleicht hängt demnächst am Eingang der Speise- und Schlafwagen der Mitropa ein Zettel, mit der Inschrift:„Juden, Ausländer und Republikaner hoben hier keinen Zutritt." AfA-Funktionäre der ZNelallinduftric(TJBZftZ.) Ureit-ft. 22.»iqiuft, l»>-> Uhr, i» b*n Hcrmnuiasäten. eba»Il«elb!. 11«, ®N1.SiinIlioiiötD.„Psucholagie des Jugend. alters." Reserent: Rachow.— Siralan: Iuaendheim der Schule Dohlerstr. 01. Vortrag:„Wie orheite ich ein Referat aus?" Referent: Lamm.— Renkölln: Jugendheim Böhmische Str. 1— 4, Ecke Nanner Strohe. Regierungsformcn ..Republik".— Südost: Jugendheim Wrangelstr. 128. l1ur»r»fcrate.— Spandau: Jugendheim Lindenufcr I. Vortrag:»Was ich im Gefängnis sab". Referent: Lrwinski.— Potsdam. Roma n>es: Jugendherberge in Rowawes. Priestersterhe. Vortrag:„Aktienkurs. Dividende und tiofcre Bedeutung". Referent: Terkom. - Spiel und Spott: Ad IS Uhr auf dem Sporplah IZriedrichshain. Berantwortlich sttr Politik: Dr. Entt Geiler: Wirtschaft: S. Klingelhöser! Gewerkschaftsbewegung: Z. Steiner: sfeuilleton: ft. 6. Töscher! Lokale» und Sonstiges ifej» itarstädt: An, eisen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts-Verlag Die in den Ferien arbeiten müssen... Werkstudenten als Gtadtreisende und Brezewerkäufer. Glauben wir ja nicht, dah der Werkstudent etwa während des winterjemesters aus dem Volten jchöpst und bloh für die Ferien- zeit feinen Unterhalt bestreiten mutz. Er darbt natürlich das ganze Jahr und ist ständig auf der Jagd nach einer Verdienstmöglichkeit: nur bietet ihm die Ferienzeit Gelegenheit, sich intensiver nach De- schäftigung umzutun und eine solche auch ihrer Zeitdauer nach er. süllcu zu können. Aber gering, allzu gering ist in dieser Zeit der Arbeitslosigkeit jede Erwerbsmöglichkeit, und wenn man bedenkt, daß heute 30 Proz. aller Studierenden unter dem Existenzminimum leben und von diesen 30 Proz. etwa 1 Proz. ab und an vorübergehende Beschäs- tigung findet, dann kann man sich von der Not all dieser jungen Menschen einen ungefähren Begriff machen. Auf jede der wenigen einlaufenden Stellenangebote kommen 150 bis 200 Bewerber; so meldeten sich beispielsweise in den ersten Tagen des Sommer- semesters 1929 weit über 500 Arbeitsuchende. Es braucht nicht extra betont werden, daß der Massenandrang zu den Hoch- schulen sich auch in der Erwerbsvermittlung bemerkbar macht. Die Erwerbsvermittlung ist oft die letzte Hoffnung des jungen Menschen, besonders wenn aus irgendwelchen Gründen die anderen Fürsorgeeinrichtungen nicht helfen können. Dies trifft vor allem die Angehörigen der ersten drei Studieirselnester, die prinzipiell nicht durch Freitische, Stipendien, Gebührenerlatz und ander« Vergünstigungen unterstützt werden. Als Empfangsherr in der Nachtbar. Die wenigen Stellenangebote(es werden taglich noch kein« 10 vermittelt) umfassen die verschiedensten Arbeitsgebiete, wobei von feiten der Arbeitgeber naturgemäß sehr häufig die Notlage der Arbeitsuchenden zur Lohndrückerei führt; obwohl die Vcr- mittlungsstelle bemüht ist, derartig unterbezahlte Stellungen nicht zu besetzen, zwingt die Not der Stunde, um jeden Preis Arbeit anzu- nehmen. So war ein junger Jurist für 20 Mark wöchentlich täglich 8 bis 10 Stunden als Platzanweiser in einem Kino tätig, während man einem anderen Studiengenossen sogar für eine zwölf- stündige gleiche Tätigkeit«inen Wochenlohn von 15 Mark bot. Auch die Position eines B r« z e l o e r k ä u f e r s ist eine ungemein an- strengende, denn der Verkäufer erhält bloß 40 Prozent vom Umsatz, das sind 4 Pfennig pro Stück; da heißt es schon tüchtig die Deine in die Hände nehmen, wenn man etwas schaffen will, denn auch hier ist die Konkurrenz groß, und«s passiert nicht nur einmal, daß man aus einem Lokal, das einen bestimmten Verkäufer hat, ganz einfach raus- fliegt. Eine Rekordleistung in dieser„Branche" brachte einer zu- wege, der in der Zeit von 7 Uhr abends bis 3 Uhr morgens «inen Verdienst von 3 Mark buchen konnte. Für eine Nacht- Wächter st elle im Neubau mit der Verpflichtung, nachts stets zur Stelle zu sein, gibt es freie Wohnung, Licht und Beheizung. Als Empfangsherr eines Nachtlokals mit einer Beschäftigungs- zeit von abends 9 Uhr bis morgens um 3 Uhr verdient einer ein Monatsgehalt von 100 Mark, das sich allerdings, falls er sich darauf versteht," durch Trinkgelder beträchtlich erhöhen kann. Eben wird «ine Stellung als Werber eines Photographen per Fahrrad für die Zeit von nachmittags um 4 Uhr bis Häuserfchluß für 10 Mark die Woche angeboten und bereitwilligst meldet sich ein« große Anzahl von Reflektanten. Die üblichen Prooisionsrei senden- Angebote sind nicht sehr beliebt, da sie bei höchst anstrengender ganztägiger Tätigkeit meist ein völlig negatives Resultat zeitigen. Im Unterrichtsfach find di« Stellen äußerst rar; es kommen noch einige als P o sta u s h e l f e r unter, in Warenhäusern als Bor- f ü h r e r neuartiger Artikel, als Begleiter bei Schülerverschickungen und neuerdings als Fremdenführer. Fremdenführer spielen ist nicht leicht. Diese Tätigkeit erfordert aber eine gründliche Vorbildung in bezug auf Kenntnis des Stadtbildes, der Entwicklungsgeschichte der Reichshauptstadt und ihrer hervorstechendsten, den Ortsfremden interessierenden Faktoren. Die Vielseitigkeit Berlins wirkt auf den Ankommenden erdrückend. Es heißt daher, in gedrängter, ober über- sichtlicher Auswahl ein Bild vor fremden Augen aufrollen, das naturgetreu und farbig zugleich fein soll. Mit diesem offiziellen Ausbildungskursus für Fremdenführer hat man mit Erfolg versucht, dem Wesen oder besser gesagt Unwesen der„w i l d e n Fremden- s ü h r e r" zu steuern, die bei völlig ungenügender Leistung einzig den Nepp des ihnen Anvertrauten im Auge hatten. Die Beschäs- tigung auf dem Lande, die allerdings bei vielen das Maß körper- licher Kraft weit übersteigt, aber trotzdem gern« mitgenommen wurde, fiel in diesem Jahre durch Mißernte gänzlich aus. So gibt es keine Tätigkeit, die nicht ausgeführt würde. Der schmutzige Autowäscher ist gleichzeitig'vornehmer T«nnistrain«r, wer heute einen Garten.zaun gestrichen hat. stellt morgen für«inen Verlag historisches Material zusammen: kräftige Mediziner sind Wärter in Irrenanstalten, Juristen verteilen Zettel auf der Straße und ordnen einige Tage später Prozeßmaterial für einen Rechts- anwalt. Der Chemiker, heut« vielleicht Gigolo, leistet morgen quali- siziert« wissenschaftliche Arbeit in seinem eigentlichen Fach. Selbsthilfe in reinster Verkörperung, geboren aus der harte» Notwendigkeit unserer Tage! Berlin ohne Polizeistunde! Bis gestern noch! Heute neue Verordnung. Durch einen Zufall hat man jetzt gemerkt, daß Berlin eigentlich seit dem 1. Zuli ohne Polizeistunde ist. An diesem Termin ist nämlich das neux Schankstättengejeh in Kraft getreten, in dem die Bestimmung enthalten ist, daß die Festsetzung der Polizeistunde von den Landesbehörden, in Berlin vom Polizeipräsidenten, im Wege einer besonderen Verordnung zu erfolgen hat. wie die Polizeipresseslelle dem„vorwärts" mitteilt, hat der Erlaß der ver- ordnung sich solange verzögert, weil erst die notwendigen ver- Handlungen mit Wagistrat und Oberpräsidium geführt werden mutzten. Diese Verhandlungen sind jetzt beendet, so daß die neue Verordnung noch heute in Kraft treten dürfte. Zn der Hauptsache wird an dem allen Zustand festgehalten werden. Für Berlin bleibt also 3 Uhr als Polizeistunde bestehen. Dos Polizeiamt Mitte vertrat den Standpunkt, daß es infolgedessen in Berlin bis gestern keine Polizeistunde gab und daß deshalb einem Einschreiten wegen Uebertretung der Polizeistunde die gesetzliche Grundlage fehlte. Einige wenige Lokalbesitzer hatten sich auch dieses rechtlose Interregnum zunutze gemacht und ihre Lokale die Nacht über offengelassen. Ein Lokalinhaber jedoch, der auch im Westen neben seinem Lokal im Zentrum einen Gast- ftättcnbetri«b unterhält, hatte die unangenehme Erfahrung machen müssen, daß doch auf diesem Gebiet zweierlei Rechtsauf- fassung herrschte. Das Polizeiamt C h a r l o t t e n b u r g ver- trat nämlich die Auffassung, daß die alten Bestimmungen über di« Polizeistunde nach wie vor in Kraft waren. Polizeib«omte notierten sich die Namen aller Gäste, die noch nach 3 Uhr im Lokal an- wesend waren und oeranlaßten die sofortige Schließung des Be- triebes. Durch die neue Polizeistundenoerordnung wird nun der polizeishindenlosen Zeit ein schnelles Ende bereitet. Die Deiche in Gefahr! Riesige Wassermassen bedrohen das Elbegebiet.- Vor einer Katastrophe? Hamburg, 19. August. Die Ende voriger Woche in den woorcn und auf der Geest ge- salleuen Regeuwassermengen beginnen jetzt nach der Elbe abzu- strömen. Der Wasserstand der Elbe ist nach dem Abslauen der Stürme aus die normale höhe zurückgegangen, und so ist es mög- lich. daß die Nebenflüsse, wie die Este. Lühe und Schwinge, sehr große Wassermassen, die ihnen aus den Mooren und von der Geest zuslictzen. nach der Elbe abgeben können. Anders liegt es aber für die Gebiete zwischen der O st e und der E l b e. wo der Abfluß des Wassers durch angelegte Grabensysleme geleitet werden mutz. Im südlichen kehdinger Moor hat die Lage inzwischen k a t a st r o- p h a l e n Charakter angenommen. Das ganze Niedern ngsgebiet zwischen Stade bis Achhorn steht bereits unter Wasser. Die Schleusenverbandsgebiele Götzdorf. Schöllisch, hörne. Bützfleth gleichen riesenhaften Seen. Am fchlimsten sieht es im HarschenfletHer Schleusenverbands. Se6i«t aus. Im Stader Moor gingen die wassermassen bereits über die Schutzdeiche. Es wurden sämtliche Bewohner vom Stader Moor zum Schutz der bedrohten Deiche aufgeboten. Den ganzen Tag über waren Fuhrwerke damit beschäftigt. Sandsäcke heranzu- fahren, die dann aus die Deiche an die gefährdeten Stellen getragen wurden. Asses Vieh motzte aus dcp Ställen geführt wenden. Immer noch strömen neue Ä äff« rma ff« n heran und die Gebiete von /Bockhorn und Villah bis nach Stade heran stehen unter Wasser. Die Stader Wettern ist bis zum Ueberlaufen voll und führt während der Ebbe beträchtliche Wassermengen der Schwinge zu. Die Ab- tlüsse stehen aber in keinem Verhältnis zu den Zuflüssen aus dem Moor. Von Stade aus sieht man«ine bis zum Horizont im Norden teichende viefige blanke Wasserfläche. Zwanzig Bilder in der Sekunde. Fortschritte bei der drahtlosen Bildübertragung. Auf der diesjährigen Funkausstellung wird Telefunken— im Gegensatz zur vorjährigen— keine Fernsehapparate vorführen. Um jedoch die Oeffentlichkeit vom Stande der drahtlosen Bildüber- tragung zu unterrichten, zeigte man in einer Sonderoeranstaltung für die Presse den Fernseher, der wieder ganz erheblich v erb es- se r t worden' ist. Während bei den Vorführungen auf der vorjährigen Funk- ousstellung lediglich Sende- und Empfangsapparate verwendet wur- den, die noch auf reine Laboratoriumsoersuche eingestellt waren, sah man jetzt im praktischen drahtlosen Verkehr einen Apparat, der in feiner ganzen Konstruktion auf«ine spätere industrielle Fa- brikation abgestellt ist. Daß das Fernsehen mit den heutigen tech- Nischen Mitteln möglich ist, wurde inzwischen durch mehrjährige Versuche bewiesen, jetzt kommt es darauf an. die Qualität des Bildes zu v e r b e s s e r n. Ein großer Fortschritt ist hier schon zu verzeichnen. Die Bildfolge bei den Telesunkenapparaten betrügt jetzt 20 Bild«r pro Sekunde, während sie bei anderen Apparaten noch- zwischen 8 und 12,5 schwankt. Durch die Verwendung des Spicgelrades ist auch die Lichthelligkeit der Bilder bedeutend stärker geworden. Bemerkenswert bei der Vorführung war besonders, daß es sich durchaus um eine der späteren Praxis entsprechende droht- lose Uebertragung auf größere Entfernung handelte. Sendestotion war Nauen, während die Aufnahmestation sich in dem 30 Kilo- meter entfernten G e l to w befand. Die Fernsichtbarmachung sich bewegender Personen gelang ganz befriedigend, allerdings machte sich ein Flimmern des Bildes noch störend bemerkbar. Die wissen- schaftliche Versuchsarbeit ist hier noch nicht abgeschlossen. Bis das Fernsehen im Rundfunk praktisch eingeführt werden kann, wer- den wir noch ein Weilchen warten müssen. Geisteskranker schießt auf der Straße. In groß« Aufregung wurden am Dienstag zahlreiche Passanten in der Reinickendorf erStraße im Norden Berlins versetzt. Bor dem Hause Nr. 73 hatte sich länger« Zeit ein Mann aui- gehalten, der den Vorübergehenden durch sein seltsames Gebaren und feine wirren Reden auffiel, plötzlich ritz der wann einen Trommeirevolver aus der Tasche und schoß gegen die Hausfrout drei scharfe Schüsse ab. Da der silevöloerschüge, bei dem es sich zweifellos um einen Geistesgestörten handelte, weiteres Unheil anzu- richten drohte, sprangen einige Männer aus der Menge hinzu, ent- waffneten den Kranken und übergaben ihn den Beamten des alar- mierten Ueberfallkommandos. Der Festgenommene wurde als ein 39fährizer Arbeiter Richard I a n i ck e aus der Schulstratze fest- gestellt. Er wind heute vom Kreisarzt auf feinen Geisteszustand untersucht werden und von dem Gutachto« wird es abhängen, od I. in einer Anstalt interniert wivd, Zum Reldtstags-Watalkanipl ist den Nazis und Kommunisten wieder jedes Mittel zur Erringung von Mandaten recht. Durdi gewissenlosen Sshwlndel vecsucKen diese Parteien erneut, die notleidende Arbeiterschaft und das rpit ihr sympathisierende Bürgertum in Berlin zu verwirren und irrezuführen. Durch aehirlge Hulhlänmg der Wähler und Wählerinnen muß das verhindert werden. Hierzu bedarf es beträchtlicher Geld- mittel. Freiwillige Beiträge für den Wahlfonds sende deshalb jeder, der es kann, sofort auf Postscheckkonto Nr.48743 an Alex Pageis, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Gin schlimmer Bursche. Im Rausch zum Mörder geworden. Beide Großväter und der Bater des 35jährigen Angeklagten Willi H ü b n e r waren Trinker; er selbst hat weder in der Schule noch in der Tischlerlehre etwas Gescheites lernen können, nur das Trinken hat er vom Vater gelernt. Mutter und Stiefvater hatten mit ihm ihre liebe Not, er wurde gewissermaßen zur Haus- plage. Vielleicht wäre es doch nicht zur Katastrophe gekommen, wenn die Polizei auf die Warnungen des Schwiegersohnes des Ge- töteten Hausoerwalters G u st i n gehört und ihn am Ostersonntag aus der Schutzhaft nicht entlassen hätte. Der Angeklagte war uamlich auf den Hausverwalter und auf dessen Schwiegersohn Patschul besonders f ch l e ch t zu sprechen. Schon im Februar kam es einmal zu einer durch den Angeklagten ver- schuldeten tätlichen Auseinandersetzung. Am Ostersonnabend hatte H. den gangen Tag durchgezecht. Nach seiner Heimkehr begann er auf dem Hofe mit Güstin und Patschul Zank. Gustin meinte, wenn es ihm im Haufe nicht paffe, so möge er doch ziehen; Patschul fügte hinzu, er sei hier nur geduldet. H. begab sich aufs neue in die Wirtschaft, goß noch einig« Becher Bier hinunter, kam gegen 1 Uhr nachts betrunken nach Haufe und verwickelte sich mit seinem Stief- vater in eine Schlägerei, während der er sein Taschenmesser aufklappte. Der Stiefbruder trat dazwischen, rief um Hilfe, der An- geklagte ging mit dem Messer in der Hand auf den Hof und schrie zu Gustins Wohnung hinauf: Sommi herunler, seid nicht feige, da« Messer ist schon bereit. Patschul holte das Ueberfallkommando, dieses nahm Hübner und dessen Stiefvater mit nach der Wache. Der Stief- vater wuvde sofort,'der Angeklagte am nächsten Morgen entlassen. Sein erster Gang war wieder in die Wirtschaft- Zu Haus« machten ihm seine Eltern Vorwürfe wegen seines nächtlichen Betragens. Er aber nahm das Brotmesser, sagte, sse sollen jetzt ihr Fett kriegen, ging zu Gustins Wohnung und forderte, datz man ihm auf- mache. Gustin glaubte, der Angeklagte wolle sich entschuldigen, öffnete die Tür und erhielt im nächsten Augenblick durch den Türspolt einen Stich mit dem Brotmesser. H. wollte noch einmal zustechen, wurde aber vom Verletzten in das Zimmer gezogen. Unterdessen waren die Hausbewohner herbeigeeilt: sie warfen den Rasenden die Treppe hinunter. Gustin verschied aber bald darauf im Krankenhaus. H. soll auf der Rettungswache, wo er verbunden werden mußte, seiner Schwester gesagt haben. Gut. daß das Aas endlich tot ist, eigentlich wollte ich Patschul treffen. Schon vor dem Untersuchungsrichter und geftern vor Gericht erklärte er, sich an den gangen Vorfall nicht erinnern zu können, Er machte den Eindruck eines ausgefprochenen Säufers, selbst die vier Monate Untersuchungshaft hatten da nichts geändert. Das Urteil lautete wegen Totschlags auf 6 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust._ Die Hasenheide verändert sich. Wo früher Karten„gekloppt" wurden, tummeln sich heute die Kinder. r:......... In der Hasenheide, die die Grenze zwisckzen den Bezirken Kreuzberz und Neukölln bildet, befanden sich früher in großer Zahl Erholungsstätten, Viergärten und Plätze für einfache Bolksbelustigungen. Infolge Verbreiterung und Neueinteilung der Verkehrswege mußten die Vorgärten und alten Väum« an der Süd- feite entfernt werden. Auch die Zahl der obf der Nordfeit« noch vorhandenen Bier- gärten geht infolge der Not der Zeit immer mehr zurück. So ist vor kurzer Zeit das an der Ecke der Fichtestraße und Hafen- Heide gelegene„Eafö Heyne" gefchlosien worden. Die Gebäude mußten abgebrochen werden, weil eine Instandsetzung wegen der großen Baufälligkeit nicht mehr verlohnt«. Das Grundstück, das sich im Eigentum der Stadt Berlin befindet, ist mit vielen alten Bäumen bestanden. Bis zur endgültigen Verwendung hat das Bezirksamt Kreuzberg auf dem Grundstück einen einfachen Sandspielplatz für Kleinkinder eingerichtet und einen großen Sandbuddelkasten auf- gestellt._' Todesfprung aus dem 3. Stock. In einem Nervenanfall stürzt« sich gestern gegen 21 Uhr der 43iährig« Werkmeister Hermann Schneider aus dem Fenster seiner im 3. Stockwerk des Hauses Wismarplatz 5 gelegenen Wohnung auf die Straße hinab. Mit schweren Verletzungen wurde der Lebensmüde in das Lichtenberger Krankenhaus gebracht, wo bei seiner Aufnahme bereits der T o d eingetreten war. Getürmter Gemeindevorsteher gefaßt. Nach Veruntreuungen in Gesamthöhe von etwa 15 000 Mark war, wie wir berichteten, der Gemeindevorsteher der Siedlung Schenkenberg bei Brandenburg a. d. Havel, der 33 Jahre alt« aus Memel gebürtig« Johann Godanski geflüchtet. Die Ver- mutung, daß der Ungetreue sich nach Berlin gewandt habe, hat sich bestätigt. Kriminalbeamte der Stresse Mitte ermittelten, daß Godanski Bekannte in der Markgrafenstrase hat und beobachteten das Haus. Gestern erschien der Flüchtige dort und wurde sofort festgenommen. Von den zuletzt noch unterschlagenen Geldern hatte er nichts mehr, es war in den wenigen Tagen jchon verjubelt. Godanski wurde nach Brandenburg gebracht. „Blumen, Fische, Vögel." Vom 3. bis 10. September findet in der Neuen Welt m der Hasenheide ein« bunte Schau eigener Art statt. In Verbindung mit der Fachmesse für Blumenzüchter und-Händler veranstaltet die Deutsche Ga r t e n b a u g e s e ll s cha f t gemeinsam mit dem Prsußenoerband der Vogelliebhaber und dem Verband der Aquarien- oereine eine Ausstellung von Blumen, Fischen und Vögeln. Die Veranstaltung, der insgesamt 3000 Quadratmeter gedeckte Au»- stellungshallen und große Freianlagen zur Verfügung stehen, soll in erster Linie die deutsch« Blumenzucht propagieren. Den Bogel- liebhabern soll gezeigt. werden, wi« man Stubenvögel richtig „käsigt", d. h. wie man die Vögel so hält, daß die Gefangenschaft der bunten Sänger keine Tierquälerei darstellt. Semeslerball der Baugewerksschulc. Die Städtische Vau- gewerksschule, Kurfürstenstr. 141, veranstaltet am 23. August, 20 Uhr, im K a i f e r s a a l des Zoo einen Sommer. Seme st er. ball, zu dem alle Freunde und insbesondere die ehemaligen Absol- venten der Schule herzlichst eingeladen sind. - Entartete Zugend. Neuköllner Rowdykolonne„Tartarenblut" vor Gericht. Zwanzigjährige, halbwüchsige Burschen hakten sich zu einer Rowdykolonne schlimmster Art zusammengeschlossen. Diese Kolonne bildete den S ch r e ck e n der Neuköllner Gastwirte, völlig verwahrlost und entartet organisierten die Burschen„Bierreisen". bei denen den kleinen Gastwirten alles kurz und klein geschlagen wurde. Gestern halten sich die Rowdys vor dem Schösfengericht Reu- kölln zu verantworten, dessen Urteil leider viel zu milde ausfiel. Die Angeklagten, in der Mehrzahl etwa Svjährige Burschen, die sämtlich vorbestraft und wegen Gewalttätigkeiten berüchtigt waren, hatte die Verhandlung starken P o l i z e i s ch u tz erhalten, und fünf Beamte sorgten dafür, daß die im Zuhörerraum anwesenden Freunde nicht eingriffen. Daß die Rowdys einen furchtbaren Terror ausüben, ging auch daraus hervor, daß der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr. Guhrauer die Zeugen, darunter die Ge- schädigten, besonders ermahnen mußte, unbeschadet der Furcht vor der ihnen angedrohten Rache wahrheitsgemäß auszusagen. Die Anklage legte den Burschen schwere Körperverletzung, Cach- beschädigung und unerlaubten Waffenbesitz zur Last. Der chauptanze- klagte Rabe hatte am 26. April mit einer größeren Kolonne in feiner Autodroschke eine Bierreise unternommen, lediglich zu dem Zweck, einige Neuköllner Gaststätten zu d e m o l i e r e n. In dem ersten Lokal waren nicht genügend Gäste anwesend, um eine inter- csiante Schlacht zu liefern, so daß sich die Rowdys mit dem Ein- schlagen der großen Schaufensterscheibe begnügten. In rasender Fahrt, bei der noch ein Knabe angefahren wurde, ging es dann nach einem in der Nähe des Bahnhofs Neukölln gelegenen C a f ä, wo die Einrichtung völlig zertrümmert wurde. Der Stellvertreter des Wirts wurde mit VierglSsern und Gummiknüppeln derartig bearbeitet, daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Um das herbeirufen des Ueberfallkommandos zu vereiteln, hielten einige Burschen mit der Pistole in der Hand das Telephon sowie den Ein- und Ausgang besetzt. Schließlich wurde am gleichen Abend noch ein Strahenpassant niedergeschlagen. Da bei den einzelnen Uebersällen oerschie- dene Mitglieder der Kolonne mitwirkten und die Zeugen die Täter nicht bestimmt wiedererkannten, mußten zwei der Angeklagten frei- gesprochen werden. Unter diesen befindet sich auch der ehemalige „Häuptling" Bley des Ganovenvereins„T a r ta r e n b l u t". Bezeichnend war die Aussage des einen Gastwirts, daß er dauernd von „Tartarenblut" telephonisch angerufen worden sei, und man ihm ge- droht habe, ihm eine Bohne in den Leib zu jagen. Bley meinte allerdings, daß ihm davon nichts bekannt sei, und daß der Name des Vereins oft mißbraucht werde. Die Schuldigen wurden zu u n v e r- ständlich geringen Strafen verurteilt, die sich im Rahmen von fünf Monaten Gefängnis bis zu IVO Mark Geldstrafe hielten. Wohlfahrisempfänger sotten hungern? Statt Pflichterfüllung, Schwindel und Verleumdung bei den Kommunisten. Kürzlich erzählte das Bolfchewistenblatt seinen Lesern, die Wohl- fahrtsempfönger müßten hungern, weil sozialdemokratische Stadt- Vertreter der Sitzung eines Unterausschusses der Zentralen Wohl- fahrtsdeputation ferngeblieben feien. Und was ist die Wahr- h e i t? Die drei sozialdemokratischen Mitglieder R o h de, Mende und Minna Todenhagen waren selbstverständlich so. fort, bereit, eine neu« Aussprache über die Not. der Wohlsahrts- empfänger herbeizusühren.'WK veitzen k? m m u m-ü-st i sch e y Ber» treter waren es jedoch, die gar nicht daran dachten, ihrer Pflicht nachzukommen, sie hielten es nicht einmal für nötig, einer Einladung zu anwortcn. Die„Rote Fahne" ober dreht die Geschichte einfach um! Schwindeln ist eben doch leichter als ernsthaftes Arbeiten. Und diese Burschen buhlen um das Vertrauen der Arbeiterschaft! Nochmals„Kirchenfeinöe". Die„Märkische Bolkszeitung" gibt unsere Ausführungen zur Lichtenberger Kirchenasfäre wieder, um dazu zu bemerken, daß die Buchstaben der sozialdemokratischen Inschrift nicht klein, sondern „ganz groß" gewesen seien. Nachdem die Inschrift entfernt worden, sei sie in der Nacht zum Montag wieder erneuert worden. Gegen unsere entscheidende Feststellung, daß der übereifrige sozialdemokratische Werber gar nichts anderes wollte, als einer kommunistischen Propaganda an der gleichen Stelle entgegen- wirken, weiß das Zentrumsblatt nicht das geringste«inzuwenden. Wenn das Blatt trotzdem für dies« tendenziös aufgebauschte An- gelegenhelt„die gewissenlose Hetze des.Vorwärts'" verantwortlich macht, so ist das«ine leichtfertige Verdächtigung oder bewußte Un- Wahrhaftigkeit. Dasselb« gilt von der allgemeinen Behauptung des Blattes, die Katholiken wüßten,„daß die Sozialdemokratie in der letzten Zeit einen Kurs steuert, der die Toleranz nicht achtet und immer wieder die Empfindungen religiös gesinnter Menschen auf das empfindlichste beleidigt". Das können die Katholiken unmöglich „wissen", weil«s einfach unwahr ist, und wir werden alles zu ihrer Aufklärung tun, damit sie nicht auf diesen Wahlschwindel hereinfallen._ Die Funkausstellung Im Tonsilm! Bekanntlich soll die tönend« Wochen-schau demnächst auch in Deutschland zur Einführung gelangen. Gewissermaßen als Auftakt hierzu wird die Eröffnung der„Funk- und Phonoschau Berlin 19ZY" im Ton- film aufgenommen und bereits vom Nachmittag des Erössnungs- lages, Freitag. 22. August, ab, im Rahmen der akustischen Revue „Fu-To-Pho"(die vom 22. bis 31. August täglich dreimal im Ausstellungstheater zur Vorführung gelangt) gezeigt werden.. OeffenMiche WäMerkimdgebungeii Heute, Mittwoch, den 20. August: 20. Kreis. Neinickendorf. Treffpunkt zur Kundgebung um 18 Uhr in Wittenau, Dorfaue, an der Kirche. Auch die Sport- organisationen des Kreises nehmen geschlossen daran teil. Rednerin: Gertrud Hanna, M. d. L. Morgen, vonnerstsg, 21. August: Mariendorf. Iungwählerversammlung um 26 Uhr im Lokal Mali, Chausseestr. 36S. Niederschönhausen. I6V3 Uhr im Schloß Schönhausen, Linden- straße 11. Redner: Albert Falkenberg. Unter Mitwirkung des Gesangoereins„Zukunft" und der Sprechgemeinschaft Nieder- schönhausen. nsillier und krauen ersdieini In Nassen! parteinachrichten einsendnng»» für dies« Rubrik stnd «« c H a»8, Linixustrah« 3, sürGroß-Berlin stet» an da» Bezirtssrfrrtarial t. Hof. 2 Treppen recht», zu richte». Für den Wahlfonds der SPD. in Berlin wurden von der Belegschaft der Hauptwerkstatt der Straßenbahn, Uferstraße, 124,26 M. auf Listen gesammell und alz zweite Rate abgeliefert.— Allen Spendern hierdurch besten Dank. I.A.: Alex Pagets. ■k l. strei» Mitte. Mittwoch. 20. Auftust, 20 Uhr, EktetubeirSte, Siftun« bei Spiegel. Ackcistr. 1. Vortrag:„Die Sadungen der Elternbeiräte�. Rote. rcnt: Genosse Schröter. t. strci» Prenzlauer Berg. Frei« Schulgemeinde. Donnerstag, 21. August, 10V> Uhr, Schule Danziger Str. 23, Mitgliederversammlung. Bericht von der Vertveterversammlung und von der Bundesversammlung in Erfurt. Berichterstalter Echulsrrunde Clemens und Weniger. Wichtig« Schul- ongelcqenhoiten. G«. 5. strei« Friedrich, Hain. Wir bitten all« Geaosfinnen und uosscn, sich recht rege an der Einiischeruag unser»»erstorbenen Ge «osseu Robert~"ta"-----——_—— iirematorimn mitzubringen. •t Weuqel» heute. Mittwoch, 2g. August, l!)1� Uhr. im Eeri�strabc. zu beteiligen. Di« Abteiluagssahren sind ». Kreis Wilmersdorf. Heute. Mittwoch, 2g. August. 2» Uhr, ttrci». mitgliederverfammluna im Vistoriogarten. Mlhelmmiue 114—113. Bor. trag:.Im stampf zwischen stapital und Arbeit' Heiuig. Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt. Referent: sturt W M H. Kreis Köpenick. Morgen. Donnerstag. 2l. August, Igzz Uhr. wichtige Kreisvorstandosistung in Köpenick, Echloßstr. 27. Tagesordnung: 1. stinder- freundebeavegun«. 2. Weltlich« Schule. heute, ZNikkwoch, 20. August: 37. Abt. All« Parteimitglieder, welche arbeitsfrei sind, beteiNgen sich an ber Einäfchcrungsfeier unseres Genossen Robert Wengel», heut». löZb Uhr, im Krematorium Gericht straße. 33. Abt. All« Genossinnen und Genossen beteiligen sich restlos an der Einäscherung des Genossen Robert Wenqel» um Idsh Uhr im Kreinatooiunr Gcrichtstraß«. 38. Abt. Lichtenrade. 20 Uhr im Lokal Bekam. Bahnhosstraße, wichtige ssunktiondrsißung. AI. Abt. Reutöll». Der Zahlabend findet beute bei stamm, Erkstr. 10. nicht bei Kassuhm, statt. 100. Abt. Rudow. Am 31. August begeht das Reichsbanner Schwarg-Rot-Gold seinen Republikanischen Tag in Rudow. Unter öin-wei» aus die Mit. tcilunq im leßteu Zahlabend wird die Teilnahm«. zur Pflicht gemacht. 107. Abt.«It.Glieuick-.Faltcubceg.>»'4 Uhr bei Meier., Straß« am Falken. berg, Vorstand», und Funttionarnßuug. 133. Abt. Reinickerdors-Ost. Sömtlich« Genossen beteiligen sich an der heutigen streiedemonstvation. Treffpunkt 13 Uhr in Wittenau. Dorfau«. an der Kirche. 137. Abt. Reinickendarf.West. Sämtliche Genossinnen und Genossen beteiligen sich beute an der Demonstration des Kreises. Treffpunkt 13 Uhr in Wittenau. Dorfauc. Hauptstraße Ecke Rosenthalcr Straß«. Beteiligung ist Pflicht. 140». Abt. Wittenau. 13 Uhr oerfammeln sich all» Genossinnen und Genossen zur gemeinsamen Demonstration mit den übrigen Abteilungen de» Kreises ,n Wittenau, Dorfau«, an der Kirche. Bollzähliges Ersck>«in«n fcirb de, stimmt erwartet. Rote Fahnen mitbringen. Eichwald«, strei» Teltow. 20 Uhr im Lokal von Lindner, Bahnhofstiaßc, Zahl- abeich. Referent: Genosse Iudrian. Leipzig sendet am Nachmittag Flotows einaktige Operette „W i t w e G r a p i n", die Opernabteilung des Rundfunks muß«ine ihrer hauptsächlichsten Aufgaven darin erblicken, wertvolles Gut aus dem Schatz der Opcrnliteratur, das von den Bühnen verschwunden ist, zu retten, aber diese Tätigkeit darf denn doch nicht zu weit gehen und dazu führen, allerlei Bagatellen auszugraben. Flotows Operette gehört zu diesen Nichtigkeiten, die vielleicht vor Jahren einmal ge- fallen haben, heute jedoch völlig verstaubt erscheinen. Eine Gelegen- heitsarbeit, die nicht entfernt das Niveau der„Martha" oder des „Strodslla" erreicht. Der Rundfunk i st k e i n Museum. Unter dem Titel„Das musikalische Magazin" wird«in aktueller Querschnitt durch die musikalischen Neuerscheinungen gegeben. Scheinbar genügt es, wenn ein Komponist ein paar Töne nebeneinanderreiht. Dies gilt von dem Herrn aus Ungarn. Andere Sachen sind wertvoller. Dreslers Opernfragmei�te zeigen ausgeprägte musitalische Kultur und das Be> streben, große Opern mit volksliedmäßigen Melodien zu vereinigen. haben Veranstaltungen in dieser Art einen Wert? Prinzipiell be- stimmt. Andeutungsweise zeigen sie die musikalische Entwicklung, wenn die Auswahl glücklich ist. Im aktuellen Programm versichert der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, Magnus Heimanns- berg, daß in der Wahlzeit für den Schutz der Berliner gesorgt ist. Eine objektive Bewertung der Totsachen und eine W a r n u ng an die radikalen Element«, die nichts Besseres wissen, als überflüssigen Radau zu machen?. Lcd. Morgen, Donnerskag. 21. August: 30. Abt. I» Uhr bei Pohft. Lnihentr Str. 103, wichtig« ffpnktior.ärsitxung. Jeder Bezirksfllhrer muß unbedingt vertreten lein. Reillälln. 91. Abt. IS>� Uhr Funktionärsißung bei Museler, sslnghafcnstr 48. —«3. Abt. Bezirke 140. 141, 142. Uhr Bezirtszahlabenh bei sttmölcr, Delbrückstr. 55. Di« kommende Wahl. Räatgeatal- Zepernick. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Meißel, Dahnhok» straße. Wichtige Wahlvorbereitungen. Jeder muß vertreten fein. Freilag. 22. August: 9. Abt. Die Zeitungsmitglieder und Ordner der Abteilung ttrfsen sich um 191-1 Uhr bei Hrifenbach, Berleberg«! Str. 64. Der Obmann. Frauenveranslalkungen. 4. steei» Prenzlauer Berg. Heute, Mittwoch. 20 Uhr, bei Klug, Danziger Straße 71, wichtige Funktionärinnentonferenz. «. strei» strcnzberg. Freitag, 22. August, 19� Uhr, bei Krüger. Grimm- straße 1, Funktionärinnensißung. 17. strei» Lichtenberg. Donurrstag. 21. August. 19 Uhr, wichtige Funt. ttonärinnenkonferen» bei Tempel, Gudrunstraße. 35. Abt. Tempclhos. Der Froucnabcnd fällt aus. Dafür beteiligen stch di« Genossinnen restlos an der Frau-nkundgedung am Sonnabend, dem 30. August. 134. Abt. Buch. Dannerstag. 2l1. August, 1314 Uhr. Besichtigung des städtischen Hollenbade» in der Eartcnstr. b. Eintritt frei. Arbeitsgemeinschaft soziasdemokratischer Polizeibeamten. Donnerstag, 21. August. 18 Uhr. findet in den Kammersölen, Teltow er Straß« 1— 4. ein« Versammlung drr Parteigenossen statt. Referent: Polizeipräsident Zörgicdel. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Zungsozialisten. Grnpp« Reinichendorf. Wir beteiligen uns heute, Mittwoch, restlos an der strcisdelnonstratio» der Partei. Treffpunkt 1794 Uhr in Wittenau, Dorfaue, Hauptstraße. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Gruppe Neukölln. Heute, Mittwoch, 20. August. 20 Uhr, Gruppenabend mit Vortrag im Jugendheim Treptower Str. 95—96. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. Borstandssigung Donnerstag, 21. August. 20 Uhr. in der Geschäftsstelle. Bezirk Mitte. Eltern. Morgen. Donnerstag. K rcipelternv erfammlu ng in bei Schulaula Weinmeisterftr. 15. 1944 Uhr.— Gruppe Pappelplag. Donner». tag, 17Zz Uhr. Rate syalken. Die politische Stellung der Äindcrfreund». Sonn. abend. 17 Uhr, Iungsalken, Heim Ticckstr. IS. Mittwoch, 18$4 Uhr, Kino de» Mrtallarbeitcrperbandes. strei» Renlölln. Unser Waldfest, da» durch regnerische» Wetter om leßtrn Sonntag ausfallen mußte, findet»un endgültig am Sonntag, dem 31. Au- gust, statt. Die Karten behalten Gültigkeit. Am Donnerstag ist wieder Baden für den Kreis im Siattbab Ganghoferstraße. Tressen vor dem Bad um 1594 Uhr.— Gruppe Birke. Tonnerstag, 21. August, findet in der Sckml« Kopfstraße«in« Elternversammlung statt. Beginn 20 Uhr. Tagesordnung: 1. Zelt, und Mrmsterlager(mit Lichtbilder). 2. Bericht der Eltemoblcute» sißung. 3. Verschiedenes. Sterbetafel der Groß« Berliner Partei- Organisation� 38. Abt. Am 15. August verstarb Genosse August Wünecke. Richthofen- straße 14, im Alter von 78 Jahren. Ehre seinem Andenken. Einäscherung heute, Mittwoch. 20. August, um 16 Uhr, im Krematorium Derichtstraße. Wir bitten um reg« Beteiligung. 92. Ab«. Reulölln. Unsere liebe Genossin Hanno Albertmener ist am 16. August im Krankenhaus Buckow verstorben. Ehre ihrem Andenken. Ein. äscheruny am Donnerstag. 21. August. 16 Uhr, im Krematorium Baumschulen. weg. Wir bitten um reg« Beteiliaiinq. 99. Abt. Bttg. Buckow. Am Montag, dem 18. August, verstarb unser« Senvfsin Anna Hilsing, ffriß. Reuter. Alles 58. Ehre ihrem Andenken. Di« Einäscherung findet Donnerstag, 23. August. 15V4 Uhr, im Kvematorinm Baumschulenweg statt._ Allgemeine Wetterlage. 49.4u9.4930.abds. � 4*20 i Ost,, 0 0 ® wolkenlos. C5 heiter.Ghelbbedeckt 8 wolkig,®bedeckt*Regen�Gr3upeln Sctinee,=Nebel,T.Gewtst(it@Wimlsti1le Die ozeanischen Luftmassen, die am Montag etwa bis zum Rhein nach Osten vorgedrungen waren, haben am Dienstag Deutsch. land bis zur Oder Überflutet. Bei ihrem Eintreffen und auch später kam es zu Regenfällen. Vereinzelt traten auch in Mittel- und Süddeutschland Gewitter aus. Die Temperaturen stiegen trotz ziein- lich starker Bewölkung aus 20 bis 22 Grad. Der Zustrom ozeanischer Luft wird vorläufig anhalten, doch dürfte der jetzt über Mitteleuropa vorhandene Druckanstieg ein« allmähliche Besserung herbeiführen. * Wetleraussichlen für Berlin: Teils heiter, teils wolkig, am Tage mäßig warm, zeitweise ausfrischende westliche Winde, vereinzelt noch Schauer.— Für Deutschland: Im Nurdosten und dem Alpen- vorland trübe und regnerisch, sonst veränderlich, zeitweise ansheiternd, vereinzelt Schauer, Temperaturen nur wenig sinkend. Nur noch 2 Tage Saison-Ausverkauf GummWiiM§�"".�12.- lodemilel 18.- Trendicoals 16M 6» bis 75 Rroaeent herabgesetzt! für Damen o- Herren ...... nur M um Teil Sacco-AnziiSe........»24. Spurtanzie...-.-.i»...»» 39. OeManüsniänlel...... m 18. Paletots........... m 24. Iflslerlaflfeii.........» 450 Wasttiiacken 2" SoneraDtli� iu.ior.tig> m 1 2.* BreecDes, KnläierMet« 3W KiaMoseit. WeniDäiitel... WUMlel.. EtoseMsaizfiSe V,"Mt M 0" i, nur M 4" .. nur M 5M .. nur m1350 pilCD COUM- Berlin N4. Chausseestr. 29-30 lü M Q U-Bahn Stettfner Bahnhof Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serliu Einsendungen für diese Zsubeil mir a» da< �usendlekretotat Berlin 62B6S. Ondenste-üe 3 Streichorchestc» Stög. Sellin: Heute, 19 UZr. Bflichturnbe im Heim Tee. Sät Turiner Straße. »in Anmeldungen jnt VnNnbShu« Müssen umgeßend im Sekretariat ad- grslnfert werden. Heule. ZNitlwoch, 1?. August. l9� Uhr: G-Inntbrunnen N: Heim Ekiristianiasie� ZS. Heiterer Abend,— Rnrden: Heim Lorßing» Ecke Eraunsiraße, ly-Minuten-Reserate,— Weddinq: Heim Turiner Ecke Seestraße,„Polnischer Reichstag,"— Pcteeelinrger Viertel: Heim ßbettnstr, 12.»s?reidenkcrtuin."— Lnisenstadt: Heim Wasi ertorstr. 9. Bunter Abend mit festem Prngranrm.— Reichenbcrger Viertel: Heim Brißer Straße 27— Z9.„Aufbau und Ziele der Eomjetunion."— Lindenhof: Heim der Siedlung Lindenhof.„Natianalsdzialismuz."— Cdarlotteudurg.Rord 1 ZI eitere): Heim O Ibersstraße.„Organisationen der sozialistische» Jugend. bemegung.�— Svandan lR.�s.l: Heim Lindenufer 1,„Jugend, und Politik," — Laulmiß: Gemeindeschule Echulftraße. Ill-Minuten-Referate.!— Steglitz: Resuch der Pavteimitgliederncrsamnrlung bei Scklellhase. Ahornftr. IZe,— Lichtenrode: 11. Volksschule Roonstraße,„Warum gebbrt der junge Arbeiter in die freie Gewerkschaft?"— Tempclhos: Heimabend fällt aus. Treffounkt 1» Ubr Bahnbof Tempelbof— Renkölln tV: Wichtige ssunttionärsstzung. Heim Rergstr. W. Raum I, Alle Funktionäre müssen pünktlich erscheinen,— Falken. berg: Heim aus dem Sutshos. Antisemitismus."— Koicdrichahagen: Heim Frindrichstr. 27. Heimabend,— Friedrichsseldc: Heim Guntrrstr. 14, Ill-Mi. nuten-Reseraie,— Lichtenberg-Mitte: Heim Scharnweberstr, A,„Tos Mädel in der SAI."— Lichte nberg-Rord: Heim Guntcrstr, 41,„Haben sse die Jahre des Völkerrnordens fämn nergessen?"— Lichtenberg- Nordwest: Heim Rathaus. ftnaßc. Bararke n.„Ginindsagen der Wirtschaft."— Mahlsdorf lSiedlungi, Heim Melanchionstraße fGartenheim der Siedlung). Heiterer Abend.— Reu. lolln TI: ffunktionarssßung im Keim Flughafenstr, b?. «SG. Renkölln: Heim B'rassr, 29,.?>!e Frau dr de? Sefessschaft/ Ref«. rentin: Anna Hartoch. Werbe bezirk Mitte: Heim Elischbethkirchstr. 19. 20 Uhr Sitzung des«tgeren i Werbebezirksnorstandes. Werbebezirk Tiergarten: Svrechchorprobe um 19% Uhr in der Aula Wal- drnserslr, 21. Gäste aus anderen Bezirken find herzlich eingeladen. Werbebezirk Prenzlaner Berg: Volkstanzabend im Keim Wehlauer Str. 7. Hallenschuhe mitbringen. Merbebezirk Lrenzb-rg: Die Teilnehmer an der Dampferagitationskahrt am 91. August find sofort mit Bezahlung non 2„ö<» M. an Otto Scharmocher, Wrlhelmstr. 1ZL, zu melden. Werbebezrrk Lichtenberg: Die vier C todtob! ei iunqen müssen unbedingt am Freitag bis 21. Uhr die Zeilnehmerlisten der Auwfahrt abgerechnet haben. Werbebezri Renkölln: Ueben des Sprechchors im großen Saal des Helms .«anner Straße zum Wald fest, das endgültig am ZI. August stattfindet. Tie Schrammelkopelle übt im Heim Steimnetzftr. ill, großes Zimmer. Vorträge, Vereine und Verfammtungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Sold". Geschäfts ü elle: Berlin S. 14. Cebafiianltr. S7-— ZZ. Hol 2. Tr. Mittwoch. 20. August. Treptow iFungbanner-lomeradschast). Pünkt. Itch 20 Ulm Bcrsan:msung im Jugendheim Wildenbruch. Gche Graetz- straße. Erscheinen Pflicht. Lichtenberg iOrtsnerein). 19% Uhr große Funktionär. uersammsung bei Rodegast. Rormanneustr. ZZ. Wichtige Tagesordnung. Er. icheinen Pfliält. Reinilkendorf IOrtsnerein). Um 18 Ubr Torfaue. Wittenau liliräre). Antreten zur Demonstration der SPD. Reineckendorf-West. Antreten zur SPD..Temonftrotion Hermsdorf um 17% Uhr Verkehrs lokal. Rachzllgsm 18 UI)r Wittenau. Torfaue f.girche).— Donnerswg, 2l. August. Prenzwuer Berg. Äameradschast Robert Blum. Bcrsammlung bei Klug. Ttnziger Str. 71. »ameradschgft Wärfher. Plast«erfammlun»»e* RaMfe,«ReMttatte««N. SB. Beginn beider Komeradschattsncrsamwluugen um Z0 Uhr� Tewpelhos Jung» wähierversanunlung um 29 Uhr rm Resworont Ma-Ll. Marr�orf. Ekaussee. stieße 305.— Charlotten bvrg(Ortsverein). ssreitog. 22. August. 20 UI>r. Mit- gliedere rsommlung im Eden-Palast Taaesordnung: Wahlovbeit um» Der. fassungsfeicr.— Tiergarten(Ortsverein). Freitag. 22. August. 20 ilhr. Voll. Versammlung im Sck>ustl»tiß-Patzenhofer, Turmstr. 25. Referat: und Ctaat�partei". Eintritt nur gegen Mitghedsduck.— Löchte»»«« vereint. Sonntag. 24. August. Autofahrt nach Wriezen. Antreten 6% Uhr Bahnhof Lichtenberg-Friedrichsfelde. ReichsbnnZ» der Kriegsbeschädigten, Kricgsteitnch»«»nb Kriegttchinter. bliebeveu, löau Berlin. Ortsgruppe Norden 14. Am Donnarsraq. dem 2.1. August, uvt 20 4lhr. Mitgliederversammlung in den Cafino.�astsa�n. Pappelallee. V). Tagesordnung: Wahl der Delegierten �um ouvewrdentuchut (vautag. FUmvortrag: �Giftgaslrieg". Referent: Dr. Lehmann. Pil�tursns. Am J�ntag. dem 18. August, begann ein von der Stootkch-n Stelle für Raturdentmalpflege veranstaltet er Kursus: �Einführung in die Kenntnis der heimischen Pilze mit besonderer BerüMchtigung der SpciK- und Giftpilze und der Schädlinge unserer Nukpflm�en". Die Vorlesungen flnden im großen. Hörsaal des Botanischen Museums. Berlin-Dahlem, Aonlsin-�urse- Straße 6—8, Montags von 18 bis 20 Ilhr, statt. Wer die Wahl, hat die Qual! Niemals ist aber eine Wahl derart er. leichtert morden mie bei dem diesjährigen Sommerausverkauf der Baer-Sohv« A.-G., Kleidermerke. Berlin N. 4, Shaussoestr. 2�-30. Alle fertigen, auali. tativ anerkannten Lagerbestände der BSAG. stnd einer enormen Preis- crmäßigung unterzogen morden, die es jedermann ermöglicht, für ein Svott» oeld seine Kleidervorräte zu wählen und zu ergänzen.— Dies gilt sowohl für fertige Sachen als auch für Maßbestellung. Der Ausverkauf dauert nur voch zwei Tage. Alle sind zu dieser außerordentlich empfehlenswerten Der- iy. Staats-Theater geschlossen. Abonnements- Anmeldungen werden entgegengenommen! a) für die Staatsopern und das Staatl. Schauspielhaus vomAbonnenien ts- büro, Berlin W56, Ober- ■»v-allstr.22 von 9— 2 Uhr. Fernspr. Merkur 9024, b) für das StaatL Schüler- theater vom Abonnementsbüro, Berlin-Char- lottenburg, Grolman- sfraße TO von 9— 2 Uhr. Fernspr. SteinpL6T|5, c) für die Städtische Oper vorn dortigen.Abonnementsbüro,•wochentags von 10— 2 u. v. 6— 8 Uhr. Städtische Oper BismarckstraSs Turnus IV.— 20 Uhr, Rigoletto Endo 22'» Uhr. 8.13 Uhr— Raamen eriaollt Carlos and Chta n. Co. nod veltsre Ui Berlin nom ntmt neieine Stars. rheater 1. d. Belirenstr. 53-54 »>/« Uhr ist das nicht nen uon Coiene? »■/.Uhr CAS1N0-THMTER Lolhrintzer Stratze 57. Fflr unsere teser: Gutschein I— ♦ Pcrs. Fauteuil 1�.5 M., Sessel 1,78 M. Der Possen-schiager Der selige Hollschlnsky und ein erstkl. buntes Programm. IlMMMM-WW Achtung I Tic F nn ktionärkonfcrcnz der Schmiede om Donnerstag, dem 21. August, fällt au*. Dia OrtsTervaltoag DeatsdiES THeater D 2 Weiiiendaniin 5201 8 Uhr Henla ran 100. Male: Phaea von Fritz v. Unruh. RegiMaxRelnhardl Ugsü; Friwlriiii Hollaendu. Büknenlilder Erast SchSttE. Die Komödie 1 1 Bismck.2414/7518 8% Uhr Wio werde idi reich uad Miich? Kuuu no Filii Minui. Ogslk von liuha Spolijosk) Regia; Eni Engel Bühnenbilder; Lndvig Rainer Lessing-Tlieater Weidendaram 2797 a.0846 Täglich SVa Uhr Komische Oper S'.i Uhr Paol Wesiermaier in- Liebe und Trompetenblasen Operatfe voo Roland. Tbeater i Wßstßüs Täglich S'/a Uhr: Das Land des Lacheins Franz Lehars Sensationserfolg! bieiropol-lbeaier Täglich 8Vi Uhr Scotstioiueller Opcrcttcnct folg l Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar l. 3- 1166. 29. Strafsache Täql.» u. 815 Sonnt 2. 5u. 8U Ale*. E 4, 8066 Kassner, Macisie, S Resua- Roller- Girls ustv Reichshallen-Theater fal Ubr SteiSiner sanger Neu I Nen t Las Blumen sprechen! Dönhoff- Brettl: Variete— Konzert— Tanz Rennen zu Karlsltorst Mittwoch, den 20. August 1930 nachmittags 3 Uhr Helden-Gedöditnlsrennen. flogen ben Rodokteur Kons Gothmann. '» Berlin. Guoitzstr. 48 wrgrn Brieiblfliing. Dos Schöffengericht Berlin-Milte, Ab. teilunfl 208. in Berlin hat am 27. Zuni 1980 für Recht erkannt: Der Angeklagte wirb wegen öfftntlicher Beleidigung zu einer Geldftrale»nn 150.— RM verurteilt, an deren Stelle im Richibeitreibungsfalle eine Gefängnisstrafe uon t Tag für je 15— RM. tritt. Der Rebenklägerin wird die Befugnis zugesprochen, den erkennenden Teil des Urleil? einen Monat nach Zustellung einer mit Rechtskratlzeugnis versehenen Urteils. oussertigung in der„Weit am Abend" und im„Vorwärts" je einmal auf.Rosten des Angeklagten äffentlich dekanntzumache), Die noch vorhandenen Stücke der zweiten Beilage non Nr. 248 aus l9M der„Welt am Abend" sowie die zu ihrer Herstellung benutzten Platten und Formen sind im Rahmen des§ 41 St.®. B. unbrauchbar zu machen. Die Kosten de» Perfahrcns werden dem Angeklagten auserlegt. u>a, Urteil ist oollstreckbar. Der Generalstaatsanwalt beim _ Landgericht I._ Zaröck Dr. med.W. Heilbrun Köpenick Gewwnaoszug 5. Klasie 35. Preubilch-Suddeulsche Klalsen-Lotterle. Ohne Gewähr Nochdruck verboten Auf jede nezngene Nummer find zwei gleich hohe Gewin»« gefallen, und zwar je einer aus die Lvje gleicher Nummer in den beiden Abteiluugen I und II V. Fiehungstag 19. August 1930 Ln der heuli'gen Bormitlagsziehung wurden Gewinne über 159 M. gezogen 2(Sörstme zu 200000 ffit 304439 6 Gewinn» zu BOOO W. 0793 159187 1798B2 12 Sewtn», zu 3000 W. 118358 248421 2775S4 302403 319858 388843 10 Gewinn, ,n 2000 M. 60343 194906 246735 279600 293043 44 Gewinn« zu 1000 W. 67037 65599 123781 126815 140632 141262 144628 160053 175125 185074 212343 213813 243908 260813 328033 331572 337420 352267 387337 393143 393995 397508 82 Gewinn« ,u 500 M. 2136 11733 45749 68753 84375 89840 91648 S9430 99437 111262 122729 131546 131796 146433 151926 155049 155307 162981 170022 182694 216527 219483 224005 237048 244320 244740 250722 266069 278206 287722 294219 295497 298001 299610 312719 317464 323457 326837 341977 344955 349073 Sn der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 1SV M. gezogen 2 Gewinn« zu 50000 M. 42247 2»«winn« zu 1 0000 M. 5824 4 Gewinn« zu 6000 M. 81097 374586 14 Gewinn« zu 3000 W. 7625 37570 57906 227261 259640 268383 359559 6 Gewinn« ,n 2000 M. 1681 10 195308 333635 30 Gewinn-»n 1 000 W. 19747 61169 83099 89246 95726 98929 185606 189727 213588 223949 225073 268148 275149 287750 305863 78 Gewinne zu 500 ffll. 32475 35521 37840 53085 68942 71782 72585 76799 94862 97759 111199 111897 121904 145903 152675 166123 178322 179463 183304 193227 195929 199773 242096 245438 231723 7.68019 280313 290678 312361 347052 348214 355880 356290 357112 364829 371775 391160 395000 398190 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu je 100000, 2 zu je 75000, 2 zu je 60000, 8 zu je 25000,«2 zu je 10000, 114 zu je 6000, 812 zu je SOOOjo 658 zu je 3000, 1424 zu je 1000, 8142 zu je 500, 8238 zu beantragt v OttoErnst Hesse Inas. 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Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem AI. August, 15 Uhr, von der Leichenhalle des ThomaS-Kirchhoses in Neukölln aus statt. Am 15. August starb unser Ztolleze. der GUrtler August Künicke geb. 22. Rooember 1852. Die Einäscherung findet am Mitt» woch, dem 20. August, 16 Uhr, im Krematorium Eerichtstraße statt. Am 17. August starb unser Kollege, der Maschinenschlosser Otto Dnbrall Die Einäscherung findet Mittwoch. den 20. August. 16 Uhr. im Krema-- torium Wilmersdorf statt. Rege Deteiltgung wird erwartet. Nachruf Am S. August starb unser Kollege, der. Bohrer Mann Herrmann Die Beerdigung hat bereits statt. gesunden.__ Am 12. August starb unser Follege, der Farmer Knill Elstrom Die Beerdigung hat bereits statt- gestLnden Ehre ihrem Andenken Die Ortsvcrwaltaog Möbel MöbeNSufez werke Kredit nnd bar Möbelbazar, große Auswahl, Nein« Preilel Beifvielsweise: Schlafzunmer 455,— Sveis-zimm-z 51",—, Herrenzimmer S80,—, Spiegel. schränke 118,—, Diclengornitur 38,—, Anrichteküche 99,—. 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Es ist beherrscht von dem Gedanken, dah die Aktiengesellschaft den Profi Untere jsen ihrer j u r i st i s ch« n Eigentümer, der Aktionäre, und nur ihnen zu dienen hat. Die Verwaltung der Aktiengesellschaft hat ausschließlich im Austrage und Interesse der Aktionäre zu handeln und ist ihnen Rechenschast sür ihre Wirt- schastsführung schuldig. Daneben waltet nur noch die Sorg« um das Schicksal der Gläubiger, also jener Kapitalisten, die der Aktien- gesellschaft Kapital anvertraut haben, ohne Eigentumsrechte an ihr zu erwerben. Inzwischen ist die Entwicklung l ä n g st über die damals Herr- schenden Produktionsverhältnisse hinweggeschritten. Die großkapitalistischen Unternehmungen entwickelten ein« Eigengesetz- lichkeit und ein Eigenleben, das von der alten aktienrechtlichen Ver- jassung fast nichts mehr übrig ließ. Auf der einen Seite bemächligie sich das Finanzkapikal weilgehend der Herrschaft über die industriellen Unternehmungen, machte sich ihr« Verwol- tungen dienstbar und entrechtete die übrigen Aktionäre. Auf der anderen Seite schlössen sich die Einzelunternehmungen zu gemaltigen Unternehmungskompleren zusammen: es entstanden neue, komplexe llntcrnehmungsarten, von denen das formelle Aktienrecht nichts wußte und aus die es im Grund« genommen gar nicht mehr an- wendbar war. So ist das noch geltend« Aktienrecht nur mehr ein papierenes Recht. Unsere Zeit verlangt ein« Erneuerung des Aktienrechts oder vielmehr des Unternehmungsrechts von Grund auf, eins voll- ständig neue rechtliche Konstruktion, die der neuen ökonomischen Wirklichkeit angepaßt ist und ihr den Weg erleichtert, den sie krost der Gesetze der wirtschastlichen Entwicklung gehen muß. Man kann von den Ministerialbeamten eines noch überwiegend bürgerlich regierten Staates natürlich nicht erwarten, daß sie die dialektische Spannung, die zwischen dem privaten, i n d i- viduellen Eigentumsrecht an den kapitalistischen Pro- duktionsmitteln und der öffentlichen, gesellschaftlichen Funktion dieser Produktionsmittel so klar erfassen, wie Karl Marx es getan hat. Aber man muß feststellen, daß die tiesgehende ökonomische und gesinnungsmäßige Wandlung der gescllschastiicheii Zustünde an ihnen nicht spurlos vorübergegangen ist. Die gewaltige Steigerung und Zusammenballung der Produktivkräste hat allmählich auch in den früher privatkapitalistisch gesinnten Schichten die Ueberzeugimg aufdämmern lassen, daß diese in Rieseminternehmungen zusammen- reballten Produktivkräfte nicht mehr als eine Privat- angelegcnhcit ihrer juristischen Eigentümer bc- lmndelt werden dürfen, sandexin als eine gesellschaftliche An- gelegenheit gelten müssen. Wenn selbst im crzkopitalistischen Amerika dos privatkapitalistische Eigentum an den Produktions- Mitteln sich nur mehr damit moralisch rechtscrxigcn kann,, daß es sich als„terxict", als Dienst am Volke, maskiert, dann kann es uns nicht überraichcn, wenn wir in den offiziellen Erläuterungen -um neuen Gesetzeniwurf über die Aktienvechtsreform gleichsam als Motto die Worte lesen: „Der Gesetzgeber würde seine Autgabe verkennen, wenn er dos neue Aktienrecht nach den Interessen der Verwaltung oder etwa ausschließlich danach orientieren wollte, auf welch«"Weise der größte Vorteil, für die jeweiligen Aktionäre erzielt werden könnte. Die Derwoltung hat ausschließlich den Unternehmen zu dienen und der Aktionär muß sich dessen bewußt bleiben, daß die moderne Aktiengesellschaft nicht nur eine Form für individuell«? Gewinnstreben ist, sondern in verschiedenen Abstufungen auch den ollgemeinen Interessen des Volkes zu dienen hat." Die Gesinnung, die aus diesen Warten spricht, ist gewiß räch lange nicht sozialistisch, ober sie ist auch nicht mehr privat, kapitalistisch im ursprünglichen Sinn« dieses Wortes. Eine andere Frag« ist, wie weit sich diese Gesinnung im Gesetzentwurf selbst durchgesetzt hat. Und da müssen wir allerdings sehr viele Pflöcke zurückstecken. Zunächst ist der Entwurf sehr stark daraus bedackst, de n A kt i o- närcn möglichst viel von den Rechten zurück.;u> geben, die sie durch die oben angedeutete Entwicklung verloren babeiz, Der Vergewaltigung der Minderhcitsaktionär« durch Herr- schenk« Vcrwaltung-zruppen, die heute kaum mehr eine Schranke in der Rücksichtnahme auf die Aktienkurse findet, werden wieder gewisse Schranken gesetzt: Der Herrschastsbeicich der mehrstimmigen Vorzugsaktien wird eingeschränkt, ihre Schasfung erschwert und ihre Vescitigung erleichtert, die Vorrats« und Verwertungsaklien werden im wesentlichen beseitigt, die Entziehung des Bezugsrecht«? wird erschwert, das Auskunstsrecht des Aktionärs in der General- Versammlung erweitert usw. Man wird diese Vestrebungen, das Recht des Aktionärs wieder zu be- � festigen. si weit billigen dürfen, als man bei der heutigen rechtlichen Struktur der kapitalistischen Unternehmungen ihren juristischen Eigentümern den Anspruch nicht versagen kann, als Gegenleistung jür das Kapital- risiko, das sie übernehmen, auch eine gewisse Sicherung für das Schicksal ihres Kapitals und seines Ertrages zu erhalten. Macht inan den einzelnen Aktionär im Unternehmen recht- und schutzlos, so schwindet sein Interesse an der Kapitalhergabe, der Kapital- xustrom in die Wirtschast versiegt. Aber auf der anderen Seit« muß das Recht und die Macht des Einzelaktionärs seine Schrank« an dem Interesse der Allgemeinheit am Schicksal des Unternehmens, am ungestörten Fortgang und der Produktion und an den sozialen Interessen inner- halb des Unternehmens finden. Diesen Grundsatz erkennt der Eni- wurf in der Theorie an. Sein« Durchführung aber läßt s'hr viel zu wünschen übrig. Statt die naheliegende Idee aut- zugreifen, die Wahrung der Interessen der Allgemeinheit gegenüber den Einzelunternehmungen dem Staate selbst— etwa in der Form eines Aktienamtz— anzuvertrauen, hilft sich der Entwurf über die Schwierigkeit, die Interessen der Aktionäre und der Allgemein- heit gegeneinander abzuwägen, mit bloßen Formeln hinweg. Ge- «ifs« Rechte der Aktionäre können so weit eingeschränkt werden, „als das überwiegend« Interesse der Gesellschaft oder der All- Lerneinheit es erfoi�ert". Das gesellschaftliche Interesse wird also nur durch eine alte Kautschukformel geschützt. und es wird ganz der Praxis der verschiedenen wirtschaftlichen und gerichtlichen Instanzen, die darüber zu entscheiden haben, anHeim- gestellt, mit welchem Geist sie sie erfüllen. Und wie berücksichtigt der Entwurf die neuen sozialen Eni- Wicklungstendenzen? Man sollte meinen, daß er gerade hier leichtes Spiel gehabt hätte. Er hätte bloß dafür sorgen müssen, daß die Betriebsräte in der Verwaltung der Unkernehmuugen so viel Einfluß und Einblick haben, wie es den Schöpsern der Betriebsräkegejeh- gebung vorschwebte. Im ganzen Entwurf kommt aber das Wort Betriebsräte nur an einer einzigen belanglosea Stelle vor: der Ent- wurf weiß überhaupt nichts von der besonderen Problematik, die im Perwaltungsrecht der Betriebsräte im Aufsichtsrat liegt, und macht gar nicht den Bersuch, ihr gerecht zu werden. Nur dem Umstand, daß sich der Entwurf aus anderen Gründen— um die Berantwort- lichkeit der Mitglieder des Aufsichtsrats zu erhöhen— darum bemüht, die Funktionen der einzelnen Mitglieder des Aussichtsrats zu erweitern, ist es zu verdanken, daß auch den Betriebsräten ini Aufsichtsrat etwas mehr Bctätigungsmöglichkeitcn(Einsorderung von Berichten) als noch dem geltenden Recht gegeben werden. Dos einzig« Gebiet, wo die Intercsienwahrung der Allgemein- l>cit durch konkrete Bestimmungen gestärkt wird— freilich geht es hier parallel mit der Interesscnwahrung der Aktionär«—, ist das Gebiet der Publizität der Wirtschaftsführung. Sein« Bedeutung kann allerdings nicht hoch genug eingeschätzt werden. Weitestgehende Einsichtnahme in den Gong der Wirtschaft ist die Voraussetzung sür ihre Beherrschung. Und wenn die Unternchmungsverwaltungen zur Klarlegung ihrer Wirt- schastsführung und der Wirischaftscrgcbnisse gezwungen werden, dann wird es ihnen unter dem Druck der öffentlichen Meinung immer schwerer sollen, ihre Unternehmungspolitik ausschließlich an extrem privatkapitalistischen Gesichtspunkten zu orientieren. In der Tat bemüht sich der Entwurf, die Berwaltungen durch eine Fülle von Bestimmungen zu verstärkter Publi- zität zu zwingen. Die Fortschritt« gegenüber der bisherigen Praxis sind unverkennbar und sollen gern anerkannt werden. Der Entwurf will weitgehend« Aufschlüsse im Geschäftsbericht, eine stark« Durchgliederung der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung vorschreiben. Er erschwert empfindlich die Verschleierungspraktiken. Die Bildung stiller Reserven wird zwar nicht verboten— ein solches Verbat würde ja auch nur schwer wirksam werden können—, aber sie werden auf die Bewertung der Aitiven beschränkt, und die Bor- schristen des Entwurfs erleichtern es, ihnen auf die Spur zu kommen. Und schließlich schafft der Entwurf neue Kontrollinstanzen— eine gesetzlich vorgeschriebene periodische Revision der Wirtschaftssührung durch unabhängige Revisoren—, allerdings erst nach einer be- stimmten Uebergnngszeit. Gewiß bleiben auch noch auf dem Gebiete der Publizität eine Reihe wichtiger Forderungen unerfüllt— es werden zum Beispiel keine Aufschlüsse über Produktionshöhe und Umsatz vor- geschrieben—, und es wird in der Einzelberotung des Gesetzentwurfs noch viel über die Publizitätsbestimmungen im einzelnen zu sagen sein. Aber der Wille, ans diesem Gebiet dem Wandel der Auf- fassung über die Funktionen der Unternehmungen und ihrer Stellung in der Gesellschaft entgegenzukommen, ist unoerkennbar. Schließlich sei noch erwähnt, daß der Entwurf sich auch bemüht, der Strukturwondlung der Unternehmungen von den Einzelunter- nehmungen zu den Unter nehmungskoinplexen dadurch gerecht zu werden, daß er«in neues Fusion?- und Um- wandln ngsrecht schafft und in Einzelheiten aus die Der- flechtungen zwischen den einzelnen Unternehmungen Rücksicht nimmt. Aber der entscheidend« Schritt, die Unternehmerkomplexe, die heute schon«ine wirtschaftliche Einheit bilden, auch als eine neue recht- liche Ein heit zu konstituieren und sür sie ein neue? Recht zu schassen, wagt der Entwurf noch nicht.(So geht er z. B. an der Frage der Konzernbilanzen noch sehr varsichliz vorüber.) Die großen Fortschritte, die der neue Gesetzentwurf gegenüber dem völlig veralteten geltenden Aktienrecht bringt, sollen a n e r- kannt werden. Daß sie gegenüber den Ausgaben, die wir vom Standpunkt der Entwicklung der Wirtschast zu sozialistischen Formen einem neuen Aktienrecht stellen, noch sehr gering sind, versuchten wir aufzuzeigen. Es wird die Aufgabe der W ä h l c r s ch af t sein, für eine sozialdemokratische Vertretung im neuen Reichstag zu sorgen, die stark genug ist, um die Forderungen durchzusetzen, die wir auch gegenüber diesem Entwurf in der Frage der Erneuerung des Unternehmungsrechtes zu stellen haben, Im Juli neue Arbeitslosigkeit. In dem neuesten Arbcitsmarktbericht der Gewerkschaften finden die Nochrichten der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung ihre Bestätigung, die sür den Monat Juli schon wieder ein An- steigen der Arbeitslosigkeit meldeten. Die sommerliche Belebung im Baugewerbe und in der Sandwirtschost war im Juli schwach, daß die ständige weitere Berschlechterung der Wirtschostz- konjunktur in einem Steigen der Gesamtarbeitslosenzahlen deutlich zum Ausdruck kommen konnte. Bon 100 Gewerkschaftsmitgliedern waren in der Saison- in der Sonjuntlur- j�aesamt gruppe gruppe M' SrMts- Kurz- SItMii- Kurz- SMeit»- Kurz- lofe arfieiter iofe arbeiirr lofe otbeii« Ende Januar 55,5 2,2 14,2 12,6 22,2 10,6 , Februar 59,5 2,0 15,0 15,1 23,7 12,5 , März 50,2 1,4 15,1 14,7 21,9 12,1 . April 42,9 1,2 15,2 14,3 20,5 11,7 . Mai 38,1 1,2 15,4 14,1 19,8 11,7 . Juni 36,4 1,5 16,0 14,8 19,9 12,3 . Juli 36,8 Ich 17.0 16.3 20,8 IZch Die gleiche Entwicklung zeigt übrigens auch die Statistik der Arbeitsuchenden, aus der zu entnehmen ist, daß mehr als 251 Millionen Arbeitsuchende Ende Juli vorhanden waren, und zwar l'ch Millionen mehr als zur gleichen Zeit im Bor- jähre. Ende Juli wurden über 1 Million Arbeitslose mehr durch die Arbeitslosenversicherung und durch die Krisenunter- stützung unterstützt als im Vorfahre. Die Arbeitslosigkeit unter der Bauarbeiterschaft be- findet sich aus einer bisher im Sommer unbekannten Höhe. Die Maler, die Steinorbeiter und die Arbeiter in der Grobkeramik hatten im Monat Juli sogar eine fühlbare Berschlechterung des Arbeits- Marktes. Es waren arbeitslose Mitglieder in Prozenten: Ende April Ende Mai Ende Juni Ende Jutl Baugewerksbund. 45,5 41,1 38.8 38,0 Zimmerer.... 51,4 43,8 41,6 41,0 Maler..... 30,1 24,6 26,9 33.9 Dachdecker.... 53,7 43,6 40,9 33,4 Steinarbeiter... 41,4 38,4 38,4 38,7 Grobkeromik... 29,8 24,6 22,7 26,3 In der Konjunkturgrupp« der gewerkschaftlichen Ar- beitslosenstatistik, die die Industrie, den Bergbau, den Handel und Verkehr umfaßt, stieg die Arbeitslosigkeit von 16 Proz. Ende Juni auf 17 Proz. End« Juli. Fast alle Verbände melden eine Berschlechterung in der Beschäftigung ihrer Mitglieder. In der Textilindustrie, im Holzgewerbe, in der Porzellanindustrie, bei den Bekleidungarbeitern, den Schuhmachern, den Sattlern, Tapezierern und Porteseuillern waren End« Juli die Hälfte und mehr der Gewerkschaftsmitglieder arbeitslos oder ar- beiteten oerkürzt. Im Gesamtdurchschnitt oller Gewerkschaftsmitglieder betrug die Zahl der Arbeitslosen Ende Juli 20,8 Proz., die Zahl der Kurzarbeiter 13,5 Proz., noch nicht zwei Drittel der Ar- beiterschaft standen in voller Beschäftigung. Klavierkonzern sietli Zahlungen ein. Die Deutschen Pianowerte A.-G in Braunschweig und Luckenwalde, auf die etwa 10 Prozent der deutschen Klavier- Produktion entfällt, haben die Zahlungen«ingestellt. Die Gesell- schast ist erst zu Deginn dieses Jahre» unter Führung der Gebrüder Niendorf A.-G. gerundet worden, wobei die Fabrikation der sechs Gründersinnen auf zwei Betriebe vereinigt wurde. Eigenartiger- weise entfällt nur ein geringer Bruchteil der Schulden des Unter- neh>i»ns auf noch nicht bezahlte Warenlieseninzeu. Benzinpreise herunter! Gesährdete Oeltrustherrschast?— Es ist Zeit zum Eingreisen Zu dem Kampf um die T r c i b st o f s p r e i s e liefert die neu» est« Beröffeiülichung der R he i n l o n d- G a r a g e n b e t r i e b?» G. m. b. H. einen interesianlen Veitrag, der noch einmal aus die Notwendigkeit eines Einschreitens gegen das Preis- d i k t a t der Konventionssirmen hinweist. Nach den Angaben der Kölner Gesellschaft ist Benzin schiffs- lodungsweise bei mittleren und kUineren freien Erdölges'llschas.en auf dem Wettmarkt zu 6,9 Pf. für den Liter sret Küste zu haben. Dasselbe Benzin wird von den Erdölkonzernen in Deutschland für 38 bis 3 9 Pf. pro Liter verkauft. Mit den Gewinnen, die von den Konzernen durch die riesige Handelsspanne «rziell werden, ist ein derart ausgeblähtes Tankstellen- netz gebaut worden, daß der Benzinumsatz im Durchschnitt sür eine deutsche Pumpe nur den 18. bis 2 0. Teil von dem in den Vereinigten Staaten von Nordamerika beträgt. Daß ab:r auch dort die Tankstellen noch nicht voll ausgenützt werden, zeigt neuer- dings der Schritt des R o ck e fe l l e r t r u st s, die Wirtschaftlich- keit seiner Tantstotionen in den USA. durch Uebernahme de» Gummireifenverkauss zu erhöhen. Ein« Spekulation der Oelkon- zerne auf eine ähnliche Neuerung in Deutschland ist oussich slos. Der Continentol-Gummitrust und das Reifenkartell mit ihrem Pii- vileg der Konzessionierung von Händlern, das sie äußerst sparsam handhaben, reihen sich nicht so nach Abnehmern wie die konkur- rierenden nordamerikanischen Reifenfobriken. Die maßgebenden Mitglieder der Benzinkonven- tion, das find die Oeltrusts, rechnen gegenwärtig mit der Möglichkeit eines amtlichen Vorgehens gegen ihre Preispolitik. Der Reichswirtschoftsmlnister zögert aber immer noch. Die Aussicht auf das Erscheinen eines neuen Außenseiters am deutschen Benzinmarkt, nämlich der Sinclair Consolidated O i l Corporation, darf das Ministerium nicht in seiner Politik des Abwarten? bestärken. Derartige Außenseiter sind wie- derholt am Markt erschienen— wir erinnern an die A.lantic Rc- fining Co., die Derop und die großen rumänischen Gesellschaften— sie haben sich stets»ach kurzer Zeit der Royal-Dutch-Shell-(Ri?«- nania-Osiag) und der Standard-Oil-Gruppe(Deutsch-Amerikamsche Petroleum-Gesellschaf!) gefügt. Ueber den Leiter der Sinclair-Ge- sellschaften, der gegenwärtig Europa bereist und vor einigen Iahren bei der Untersuchung eines großen Oelskandals eine unrühmliche Rolls gespielt hat, ist nichts bekannt geworden, das an seiner Be- reitschaft zweifeln ließe, sich die Außenseiterkonturrenz von den- Konventionssirmen abkaufen zu lassen. Es wäre für eine ernste lleberlcgung Zeil, wie der Reich»- wirtschaftsmlnister den Preisabbau auch bei den Treib st osspreisen und gegenüber den Oeltrusts fördern tan«. Reue Slaalsanleihen Kreuzers. Die Firma Kreuzer u. Toll A.-G., Stockholm, gibt dem griechischen Staat für Schul- bauten eine Anleihe in Höhe" von 21 Millionen Mark(1 Million Pfund Sterling). Ein entsprechender Vertrag wurde dieser Tage ratifiziert Kreuzer hat weiterhin dem Agror-Kreditinstitut der rumänischen Regierung eine Anleihe von etwa 9 Mit- klonen Mark angeboten. Mit der Türkei sollen Vertreter de» Stockholmer Lönderbonkiers in Unterhandlungen stehen wegen der Ueberlasiung eines Zündholz in o.nopols gegen Gewährung einer größeren Anleihe. Die Türkei wurde eine Zeit lang von unabhängigen belgischen Fabriken mil Zündhölzern beliefert: die Lieferanten such unter dt« Abhängigkeit des Zündholztrusts geraten. Meinrich Zeuner: MZMS llt ÜSF Man darf den volkstümlichen Ausdrucke„Die Pilze sind das Fleisch des Waldes" nicht zu wörtlich nehmen. Denn tatsäck�ich haben d'e P'lze mit dem Fleisch nur eine gewisse Uebereiichiminung des Geschmackes gemeinsam und selbst in dieser Beziehung gehen die Meimmgen oft weit auseinander. In bezug auf den Gehalt an Nährstoffen stehen die Speisepilze hinter dem Fleisch zurück. Chemisch« Untersuchungen haben festgestellt, daß frische Pilze in chrer Zusammensetzung viel mehr Aehnlichkcit mit grünen Gemüsen zeigen. Beide heben einen hohen Wassergehalt(durchschnittlich 90 Proj.), der Eiweißgehalt der Pilze ist allerdings höher als de? frischer Gemüse, die Leguminosen ausgenommen. Es Hot sich jedoch ergeben, dotz die in den Speisepilzen vorhandenen Eiweißftoffe vom menschlichen Organismus nicht»oll ausgenützt werden(etwa nur 65 Proz.), weil ein Teil danon an andere chemische Stoffe gebunden ist, die von den Magensäften nicht gelöst werden können. Im Nährwert stehen afto die Pilze über den Eeniüsen, jedoch hinter dem Fleisch. Unter den Eßpilzen ist der Eiweißgcl)olt sehr schwankend. Ilm meisten enthalten die Trüffeln und Morcheln(37 Proz. der Trocken- substanzi, Pfifferlinge und Steinpilze 23 Proz., Egerlinge 20 Proz., Ziegenbärt« oder Korallenschtnämine 12 Proz. Die chüte der Pilze sind nährstoffreicher als die Stiele. Durch weitgehende Zerkleinerung des Pilzfleisches bei der Zubereitung und durch Zugabe eurer kleinen Gabe Natron kann die Ausnützung des Nährurertes erhöht werden. Was die Pilze als Nahrungsmittel so beliebt macht, ist viel weiiiger ihr Nährwert, als ihre Schmackhojtigkeit. Es ist hauptsächlich der Würzwert unserer Speisepilze, um dessen willen sie in der Küche Verwendung finden. Kein Feinschinecker wird ableugnen können, daß ein gut zubereitete- Pilzgericht unseren besten Gemüsen an Wohlgefchnwck überlegen ist Zudem bieten Pilze der Hausfrau ein« willkommene und geschätzte Abwechslung ihres Spelsezettels. um so mehr, als sie im allgemeinen nicht teurer sind als frische Gemüse. Der Geschmack der einzelnen Pilzarten ist schon im rohen Zu- stand« sehr unterschiedlich und zahllos find die Bergleiche, die darüber angestellt werden. Das frische Pilzsleisch kann nach Mehl. Ztußkern, Obst schnxcken, diese süßlich mild, anders neutral, manch« pfesserortig, säuerlich oder scharf. Wir kennen Speisepilze, die auf- fallend nach Gewürzen duften: eine Milchlingsart zeigt im Geruch eine überraschende Aehnlichkeit mit der bekannten Moggiwürze, der winzige Mousseron riecht nach Knoblauch, einig« andere Arten nach Ilms, Fenchel usw. Die verständnisvoll« Hausfrau wird darum die Speisepilze j« nach ihrer Eigerwrt zubereiten. Stark duftende Speise- Pilze wie der erwähnte Maggipilz, der Knoblauchschwindling oder Mousseron, der Anispilz dürfen demnach nur als Würzpilzs gebraucht werden. Di« wesentlichste Noll« bei der Zubereitung spielt die Konsistenz des Pilzfleisches. Weiche, dünnfleischige Pilze w«rden sich zu Suppen und Saucen eignen, saftig«, stark wasserhaltige b«soich«r? zum Braten, fest«, kernige am besten zur Gemüsebereitung. Di« Frag«, welcher Speisepilz der beste sei, ist müßig: denn über den Geschmack ist bekanntlich nicht.zu streiten. Junge, zart knorpelige Steinpilz« sind ein wundervolles Gericht: bei dem weicheren Egerling(Ehampignon) schätzen wir den feinen Würsduft: Pfifferlinge und CdelreZker hoben einen leicht pj es sengen"Dbft* geschmack: enthäutete, junge Schirmlinae(Porasoli können im lmtter- gebockenen Zustande mit omem weichen Kalbsschnitzel vergliche werden und der große Ziegenbort zaubert die Illusion eien» zarten Gulasch vor. Die Krone aller Pilzgenchtc aber ist das Misch- gericht aus möglichst vielen Arten. Wer über die Kenntnis von mm 25 Speisepilzen verfügt, dem se-i dos Selbstiammeln und gemein- some Zubereiten oller Sorten besonders empfohlen. Der Zusammen- klang oll der verschiedenen Ein.zeldüfte und der mannigfachen Unterschied« des Geschmackes wirkt als wahre„Kuchensinfonie". Beim Einkauf von Speisepilzen auf dem Markte wird größte Sorgfalt empsohl-m. Es ist zu bedenken, daß Marktpilze zumeist schon einen Tag, vielfach zwei bis drei Tage alt sind und daß gerade die leicht vergänglichen Pil-c im alten Zustand« schwer verdaulich werden. Vergiften kann man sich mit zu alten Speisepilzen nicht, wie man früher geglaubt hat. Sie wirken nicht schlimmer auf den Verdauungsorganismus als welke Gurken oder runzelig gewordene Bohnen. Und die können sich allerdings bei verdammgsschwachen Menschen schon reckst bösartig auswirken. Also Vorsicht beim Ein- kaufen. Schmierig gewordene, vertrocknete, unangenehm riechende oder mädige Pilze weise man zurück und verzichte lieber aus ein Pilzgericht, als daß man sich solch wertlos«?, unter Umständen auch schädliches Zeug aufhängen ließ«. Besondere Achtsamkeit ist geboten, wenn es sich um Ziegenbärte, auch Korallenpilze oder Keulenpilz« genannt, handelt. Abgesehen davon, daß diese Arten sehr leicht bitter werden(namentlich dann, wenn sie feucht gesammelt wurden). gibt es einige Vertreter dieser Pilzsamilie. die an sich schon ab. führend wirken. Die Unterscheidung ist nicht leicht und wird nur einem tüchtigen Kenner gelingen. Man kann allenfalls einig« Kn. rollenpikze zum Mischen verwenden, im übrigen meide man sie, wenn andere Speisepilze zu haben sind. T» ist eine selbstverständlich« Sache, daß Pilz« sauber geputzt werden müssen. Wo die Oberhaut leicht vom Fleische abgeht, w'rb sie abgezogen. Stiel« werden nur verwendet, wenn sie nicht zu hart sind. Bei Schwindlmgen. Stocksckwämmchen. Halimasch sind sie zähe. Röhren, und Lamellenschicht auf der.Hutunterfeite entferne man nur, wenn sie sich leicht löst. Ihr Gehalt an Nährstoffen ist im allgemeinen höher als beim Pilzfleisch und oußevdem gibt es ein« Reihe von Speisepilzen mit so dünnem Fleisch, daß nach gänzlichem Wegschneiden dieser Schicht kaum noch etwas übrig bleibt. Otiemals sollen Pilze gebrüht und das Brühwasser weggegossen werden.(Aus- gMommen sind mir di« Lorcheln, wo dies als Vorsichtsmahregel geboten ist.) Di« gebräuchlichste und empfehlenswerteste Zu- bereitungsweise ist das Schmoren im eigenen Saft, in reinem Fett oder frischer Butter. Nicht zuviel Gewürze, sie beeinträchtigen den empfindlichen feinen Pilzgeschmack. Ebenso Mehlschwitzen oder Rösten. Länger wie 10 bis 15 Minuten soll kein Pilzgericht ge- schmort werden. Zu langes Erhitzen nimmt den chara'teriftischen, zarten Duft und macht das Pilzfleisch nur harter. Bon zahllosen Zubereitungsmethoden und Kochvorschristen folgen einig« Rezepte, die von einer erfahrenen.Hausfrau und Köchin stammend auf Pftzprobskexhen als die besten ausgezeichnet wurden. P i 1 z g e m ü s e. Dieses Gemüse hat den ausgesprcchensten Pstzgeschmock und ist am besten geeignet, den Wohlgoichmock eines Sammelgerichtes zu zeigen. Die sorgfältig geputzten und gewaschenen Pilze werden m't Salz überstreut und in einem irdenen»der porzellanenen Gefäß« (nicht Email) einige Stunden stehen gelassen. Der sich bildend« Saft wird hierauf abgegossen, die Pilze in heißer Butter rasch ge- dämpft, etwas Mehl angestäubt, der zurückgestellte Saft nach und nach zugegossen und nach Geschmack Pfeffer zugegeben. Dan der Verwendung der Zwiebel seh? man ab, weil ss« den feinen, empfind- lichen Pilzgeschmock beeinträchtigt. P i l z s a l a t. Die vorbereite«!« Pilze werden mit wenig Wasser kurz ge- dünstet. Sie dürfen jedoch nicht zerfallen, da sie sonst unansehnlich werden und zu Salat nicht geeignet sind. Hierauf gießt man di« Brühe ab. die man zur Suppe verwenden kann, läßt die Pilze erkalten und übergoßt sie mit gutem Essig. Der Salat wird nun mit Salz, Pfeffer und geriebener(nicht geschnittener) Zwiebel ge- mischt und zuletzt das Oel zugegeben. Nach Gcschmäck kann man auch etwas gehackte Petersilie hinzufügen. Pilzgemüse mit Tomaten. Die kleingeschnitten«», gut gewaschenen Pilze werden in heißer Butter mit den enthäuteten, fein zerkleinerten Tomaten(zwei Drittel Pilze, ein Drittel Tomaten) gedünstet, mit wenig Mehl ge- bnnden, Salz und Pfeffer nach Geschmack zugegeben. Durch Zugabe von sauerem Rahm kann man den Geschmack vcrseinern. Kartoffclpastetchen mit Pilzen. 1'4 Pfund weichgekochte, geschält« Kartoffeln läßt man im offenen Topfe auf der Seite des Herdes trocknen und mehlig werden. Oder man kocht di« Kartoffeln am Tage voriger und preßt sie durch Alsdann gibt man die Masse nebst etwas Salz, Butter, Mehl mit 2 Eigelb und Gewürz in«in Töpfchen, dämpft ss- unter fortmähren- dem Rühren kurze Zeit und läßt sie erkalten. Nun tonnt man runde Paftetchen, etwa drei Finger dick, paniert, bäckt sie, höhlt sie aus und füllt sie mit den Pilzen, die vorher auf irgeudmüche Art als Gemüse oder Haschee zuberoitet wurden. Q&Herdämmerung der&ilmflars Ein« Götterdämmerung ist über die einstigen Idole von Holly- wood horeingebrochen. Di« Revolution, die der Tonfilm mit sich brachte, tritt nirgends deutlicher zu Tage als in der Ankündigung, daß fünf der bekanntesten Filmstars, Mary Pick'ord, Lya de Putti, Tolleen Moore, Bilma Banky und Rod lo Rocque, der Leinwand den Rücken kehren und zur Bühne übergehen. Sie werden im Herbst auf New Porker Theatern ihre Künste zeigen, um sich von neuem die schwindend« Gunst des Publikums zu erringen. Man behauptet, daß diesen ersten Deserteuren des Films bald andere nachfolgen werden. So soll Douglas Fairbonks bereits über einen Bühnen- tontratt verhandeln, während Greta Garbo, Bebe Daniels, Norma Shearer und Ronald Eolman sich mit ähnlichen Absichten tragen. Mary Pickford und die andern, die den Filni verlassen, bestreiien zwar, daß dies für immer sei und behaupten, ihre geringen Erfolge im Tonfilm seien nur den schlechten Texlen zuzuschreiben. Aber die Taffache besteht, daß sie die neu« Technik, die der sprechend« Film fordert, nicht besitzen, und so wollen sie sich wohl erst genügend« Bühnenerfahrung aneignen, um dann den Kampf um den Tonfilm- rühm wieder aufzunehmen. Mary Pickjord fft seit 1908 aus keiner Buhne mehr auigetreten und Rod la Roequ« hat auch nur als ganz junger Mensch sich auf den wellbtdeutenden Brettern oersucht: die anderen sind überhaupt Neuling« aus dem Theater. Nach den großen Bühnenerfolgen, die Lili Damita und Lillian G»!h errungen haben, sind die Blicke vieler Filmstarz, di« sich in ihrem alten Reich nicht mehr sicher fühlen, nach den lockenden Lichtern der Rampe gerichtet. CalmeHes Vuberkulofemlttel Auf der in Oslo tagenden siebenten Konferenz der Internatio- nolen Union gegen die Tuberkulose sprach kürzlich Professor Cal- mett« aus Paris über seine Methode zur Prophylaxe der Tuberkulose. wobei er u. a. folgend« Gedankengänge entwickelte: Im Gegensatz zu anderen Impfungen, die(z. B. bei der Tollwut, den Pocken, dem Typhus usw.) den Organismus für länger« Zeit gegen Ansteckung schützen, selbst wenn kein« Spur mehr von den eingeimpften Ae.« zillen im Körper vorhanden tst, wirkt der eingeführt« Tuberkulose« errege? im schützenden Sinn« nur so lange, als er im Organismus bleibt. Er sei also auf den Gedanken gekommen, in. den menschlichen oder tierischen Körper eine gewisse Menge Tuberkueosebazillenkultur einzuführen, die dort ständig bleib«» soll. Um diesen Bazillen jede giftige Beschaffenheit zu entziehen und sie vollkommen ungefährlich .zu machen, kultiviere man sie in ununterbrochenen Reihen auf mit Glyzerin vermischter Ochsengall«. Auf diesem außerordentlich olkai-- reichen Nährboden verlieren die Bazillen nach 320 Uebertragungen, die olle 25 Tage vorgenommen werden(das ganz« Verfahren dauert 13 Jahre) vollkommen ihre Gefährlichkeit, f« behalten aber die Eigenschaft, den Organismus gegen Ansteckung durch Bazillen der- selben Art zu schützen. Dies« Kulturen werden zur Herstellung eines Serums oerwendet. das den ganz kleinen Kindern, dessen Organismus noch keine normale Tuberkulosebazillen enthält und deren Dormwände die Bakterien noch leicht durchlassen, ol» Nahrung verabreicht wird Solche Kinder sollen noch Ealmett« für mindestens fünf Jahre gegen Tuberkuloie gesichert fein. In dem zweiten Teil feines Vortrages suchte er die Kritiken gegen sein Verfahren zu entkräften und erklärt« an Hand von Material, daß die Zahl der Mißerfolge äußerst gering sei. Jedenfalls fei es vollkommen abwegig, aus den wenigen Unfällen auf die Gefährlichkeit eines Verfahrens zu schließen, durch das uu- -ählig« rnenfchliche Existenzen, die sonst der schrecklichsten aller Krank- hciten schutzlos erliegen würden, gerettet und erhalten werden können. Im Laufe der weiteren Verhandlungen erklärte Ealmett«, er habe dem Bollzugsausschuß vorgeschlagen, keine Beschlüsse.zu bean- tragen. Do« Referat und das Korreferat sowie fast alle Mitteilung gen sprächen mit genügender Deutlichkeit zugunsten der Ausdeh- nung der Experimente und der praktischen Verwendung des BTG.g Serums. Die Bereitung und unentgeltliche Verteilung des Senims sollten nur von einer beschränkten Anzahl von Laboratorien unter der Kontroll« der Sanitätsbehörden eines Landes vorgenommen werden. Di« Lübecker Borkommnisse wurden auf dem Kongreß nicht bs- handelt. Man wollte dem Ergebnis der amtlichen Untersuchung offenbar nicht vorgreifen. Eine Stadl, di« für die Zukunft gebaut wird. Unsere Städte stammen au» einer Zeit, in der man keine Ahnung von der un- geheuren industriellen Entwicklung hatte, und ihre Anlage uns Aus- oestaltung hat daher auf diesem Faktor kaum Riicksicht nehmen können. Daher rühren all die schier unlösbaren Wohn- und Verkehrsprobleme, die den Sachverständigen soviel Kopfzerbrechen be< leiten. In dem noch dünn besiedelten Zukunitsland Kanada ist man in einer glücklichen Lag«: dort legt man Städte für die Zu- kunft an, wie man dies jetzt im Fall der Stadt Awida gemacht Hot» die für 50 000 Einwohner gedacht ist. Dabei beherbergt Awida heut« erst 3000 französisch« Kanadier, die ausnahmslos im Dienst eines großen Aluminiumwerke» stehen. Di« Geiellichait. die dieses Werk betreibt, Hot auch die Stadt gegründet Es gibt dort bereits Banken, Schulen, Kirchen. Kino? und Markthallen Da? Straßen- netzt ist heut» angelegt: nur fehlen noch die Häuser, in denen die künftige Bevölkerung Ausnahm« finden soll Jedenfalls hat man für di« Zukunft gesorgt, und Awida w»rd. wenu es beim 50 000, Bewohner anoelanqt fft. ebensowenig Berkehrssorgen haben wie heut«, bei seiner zahlenmäßig noch unbedeutenden Einwohnerschaft. 3>alle 3to!enkrante: SBtV&ttSZig MrOll&K Der Arrestverwalter hieß Kirke-Fjenneslev,— so nannte man ihn nach seinem Geburtsort, eigentlich hieß er Modsen. Er war nun an die siebzig, krumm im Rücken, mit einem breiten, stohlgrauen Apastelbart, der ihm bi? an die Brust ging. Er war viele Jahr« lang Polizist im kleinen Ort gewesen, dann war er Arrcstverwalter geworden,— er macht« auch bei der Polizei noch Dienst, aber nur, um sich was zusammenzusparen, so ein alter Mann konnte ja auf die Diebe nicht aufpassen, bevor sie nicht hinter Schloß und Riegel waren. Seine Frau hals ihm getreulich, sie konnte selbst gegen die oer- stocktesten Missetäter aufkommen, und die Arrestanten, die sich gut führten, dursten ihr im Hausholt an die Hand gehen. Der Ort war idyllisch und friedlich, und genau so war auch Kirke-Ffenneslevs Arrest. Draußen auf htm Lande wirkte Eallesen, der war berittener Gendarm, hotte seine Ausbildung in der Großstadt bekommen und repräsentierte in der Diebesoerfolgimg etwas modernere Methoden, die er sich bei der reorganisierten Polizei der Hauptstadt angeeignet hatte. Eollefen hehondelte den Arrestverwalter mit höflicher Heber- legenheit, während ihn der Alte mit leiser Perachtung als Grün- sckmabäl ansah. So hatten sie zwanzig Jahre im öffentlichen Sicher- heitsdienst zusammen gewirkt. Als es nun einmal in der Gegend allzuoft zu brennen begann, kam au« der Houpfftadt eine Brandkommijsion mit„Geheimen", die es verstanden, di« Arrestanten mürbe zu machen und zum Gestehen zu bringen. Calles«» schüttelte über diese neumodischen Büttel den Kops, und Frau Madsen war geradezu verärgert. Aber dem alten Kirke-Fsenneslev imponierte das, und er beschloß, die neue Polizei- kunst zu lernen. Die Theorie de? Assessors mar: Anwendung der psychischen Tortur in Arrest und vor Gericht. Die Methode war von dex Kriminalpolizei der Hauptstadt erprobt und trefflich befunden worden, und der Arrestverwoller lernt« sie auf seine alten Tage... Eines Tages war nun bei der Bäckersfrau am Tore ein goldenes Zwanzigkronenftück weg. niemand anderes konnte es ge- nommen haben ol« der GemeinMümmel Marius. Er mar«in Armenhauskind, auf GemeiilMoften großgezogen, ein kleiner, scheuer, verschlossener Bursche von siebzehn Iahren, er sah schon so aus, als könnte man ihm allerhand zutrauen. Die Bäckerssrau war Frau Madsens Kafsecschwefter. Da» Verbrechen wurde angezeigt, Marius wurde am Schlafittchen genommen und vom Amtsgerichtsrat einem Lerhör unterzogen. Marius leugnet« olles, aber es sprachen eine Masse.�Zndiziummer", wie die Bäckersfrau sagte, gegen ihn: er hatte«in Paar neu« Hosen bekommen und eine neue Mütze, hafte in der letzten Zeit«ine Unmenge Drops gekauft und war über- Haupt so eigentümlich umhergeschlichen. Das Geldstück Höft« die Bäckersfrau aus ein Regal gelegt, nur Marius mutzte davon— ober Marius schielte nur und sagte nein. Etwas Positives konnte man gegen den Jungen nicht vorbringen, aber man weiß ja, wie so em Bürschchen ist, dessen Mutter v«r> kommen war und nie anders als durch«inen strammen Meineid einen Bater für ihre Kinder berommen konMe. Der Amtsgerichtsrat trug dem Arrestverwalter auf, au? Marius die Wahrheit heraus- zubekommen. Und Kirke-Fsenneslev legt« mit den Methoden los, die er von den„Geheimen" der Brandkommission gelernt hatte. Und die waren nicht mild. Marius wurde nun nach allen Regeln der Kunst gepeinigt, er bekam nichts andere» zu essen und zu trinken ol»«inen Knust Schwarzbrot, der ihm, zusammen mit einem rostigen Brotmesser, auf einer Tonschale hereingestellt wurde. Marius schielte und sagt« nein. Da fuhr der Arrestverwalter großes Geschütz auf. Marius faß in seiner kleinen Zelle, in der«ine Gasflamme brannte, er brütete stumpf und müde von der vielen Quälerei vor sich hin, und als der Arrestverwalter zu ihm hereintrat und das Gas auslöschte, kroch er auf die Pritsche unter die Decke und schlief gleich«in— dos durfte der arme Jungs noch. Bnm Kirchtan-m schlug e» Zwölf, es dröhnte über den kleinen Ort, die Glockenfchläg« waren noch nicht verklungen, da erwachte Marius von einem teuflischen Krawall lungeworfener.Kisten und Donnern an der Türe der Arrestzelle. Er fuhr hoch. Angst hatte er im Dunkeln sowieso schon, die grauenvollen Spukgeschichten, mit denen die Weiber de? Armenhause? ihn als Kind unterhalten hatten. gingen ihm im Kopf herum. Er zitterte wie Espenlaub, und plötzlich fiel sein eingeschüchterter Blick auf«ine leuchtende Schrift auf der rauhen Wand der Zelle. Da stand mit flammenden Buchstaben: „Marius, bekenne dein« M'sietot!— Satan." Marius schrie vor Angst auf. er wälzte sich unter die Decke, er konnte keine Ruhe finden, über ihm leuchtete der teuflisch« Befehl, den der Fürst der Hölle selber unterschrieben hatte... Als der Arrestverwalter am nächsten Morgen in die Zelle trat. um sich zu überzeug»», ob die Kur geholfen hatte, lag Marius mit einem milden, verklärten Ausdruck in feinem kleinen, bleichen Ge- ficht da. Er hatte sich dos Brotmesser in die Brust gebohrt. An die Wand über der Pritsche hatte er mit seinem eigenen Blut und mik großen, plumpen Buchstoben geschrieben: „Ich bin e? nicht gewesen.— Marius." Während der Arrestverrtwlt« auf den, Gang umhertaumelte und nicht aus noch ein wußte, kam di« Bäckersfrau, strahlend wie em Kömmermorgen, und erzählte, das Goldstück hätte sich gesunden, es wäre Gott iei Donk nur hinter das Regal in«ine Ritze gerutscht. „Um Gotteswillen'" sagt« der«mtsyerichtsrat, als Kirf«-' Fjennesl«» zum Morgenrapport ins Büro kam,„w'e sehen Sie denn aus?" Der breite Bart des Manne» war schlohweiß geworden... Marius bekam auf Gemeindekosten ein schönes Begräbnis und ein« schöne. Leichenrede. Ueber das andere schwieg man. um den Respekt vor der Obrigkeit nicht zu erschüttern, aber der Arrestver- «alter durste dl« Arrestanten nie wieder behandeln, die Lust dazu war ihm auch vergangen, und keiä Arrestverwalter kann besser und nachsichtiger gegen die Arrestanten fein, als es Kirke-Fsenneslev von dem Tag an war. fSeeetbbflt» IMMNfttzuna tan tirnfchea am Zm'J JUiitzT&l?