Morgenausgabe Donnerstag «M �«G-OOG ZTa�;z*� m LH Mmf ME m Iii«»WW? Auswäris is pf. einlchließlich 60 Pfg.Postzeiwng». W> 00 H| DU fH 19 f/ �Hj 7- P,g� P°stb.st.llg.dühnn. Zlu-l-nd». p?M>■■ W" W M H W W W M) W W> //»>«.>nlp°>i>g. Nonporei�il. obonnement S— M. pro Monot. W�W Is IM IW MW M— � M IW!*£■ SO Pfennig. Reklame. eil? 5.— Reich-. » I M W» MW �M WW �M W>„Kleine Anzeigen- da, enge» ?ch�?"S°�'�?�'7�- W H R-W Mk> WWLWl■ WWs ÄÄ�Ä.t!sscs :Hfr?5&'T MJLR � M /■ s.hii„s»"t-£Ä ;r£Sil!rVÄ �»Är'ars ürauenilimme» TeAn�f" /T\\*\M»» Zeile bo Psennig. Familienanzeige» Zeile »"-SÄSSK-' �yvtttztzytz» VpHAftUrtt»rgfSTSÄ Jentvalorgan der GoziawemoSvaMchen Kartei DenttchlandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönbosi 292—297 Telegramm-Adr.: Cozialdemokral Berlin. Die Berliner Ortsvcrwaltiing des Deutschen Metallarbeiter- verbände? hatte die Betriebsräte der jtir die Reichspost arbeitenden Betriebe zusammenberufen, um sestzustellcn, in welcher Form sich das Arbeitsbeschasfungsprogramm aus- wirkt. Nach dein Sturz der Regierung Müller und der Berufung der Regierung Brüning wurde in der gesamten bürgerlichen Presse daraus hingewiesen, dah die Regierung Briining außer der Sanic- lung der Reichsfimmzen auch ein großzügiges Slrl>citsbeschafsungz- Programm aufstellen werde, um in kürzester Zeit zur Ankurbelung der"Wirtschaft beizutragen. Besonders die christliche Gewerk- schastspresse(Der„Deutsche" usw.) ließ keine Gelegenheit vorüber- gehen, um der staunenden Mitwelt zu berichten, dah eine Reichs- regierung unter Fühnmg des Zentrums ganz andere Anstrengungen mache, die Wirtschaftskrise zu beheben, als die bisherige Reichsregierung unter sozialdemokratischer Führung. Rund 500 000 Menschen sollten durch dieses Programm in absehbarer Zeit in den Produktionsprozeß eingereiht werden. Seit dieser Zeit ist das Arbeitsbeschaffungsprogramm Bestand- teil der öffentlichen Diskussionen geworden. Fast tagtäglich wurde durch die Presse aller Schattierungen etwas über dieses Arbeits- boschasfungsprogramm geschrieben. Am 28. Juni 1930 teilte die Deutsche Relchspost durch den Mund des Poftministers Schätzet der Oesfentlichkeit mit. daß auch die Deutsche Reichspost im Rahmen des Arbcitsbcschaffungsprogramms 200 Millionen Mark für die Vergebung von Aufträgen an die einzelnen Industriezweige zur Linderung der Wirtschaftsnot zur Verfügung stelle. Einige Tage später wurden in der Press« die Richtlinien für die zusätzlichen Aufträge verösfentlichi. Unter anderem wurde in diesen Richtlinien bestimmt, daß alle Fir- men, die sogenannte zusätzliche Austräge erhalten, zur Erledigung dieser Aufträg« Neuein st ellungen vorzunehmen haben. Am 6. August wurde in der Presse von der Re.chspost unter der lieber- schrift„Die Aufträg« der Reichspost" it. a. folgendes veröffentlicht: „Was die bereits vergebenen Aufträge anbelangt, so wurde aus Anregung des Reichsarbeitsministerwms hin folgende Regelung ge- troffen: Den Arbeitsämtern und Gewerbeaufsichtsbehörden liegt es ob, darüber zu wachen, daß die bei Vergebung der Ausatzaufträge gestellten Bedingungen bezüglich der Vermeidung von Ueberstunden der Neucinstellung von?lrbeitskräftcn usw. erfüllt werden." Der uneingeweihte Zeitungsleser wird nun annehmen, daß alles in schönster Ordnung ist. daß Tausende von Arbeitern wieder eingestellt werden und daß es der bürgerlichen Reichsregie- Vorwarts-Verlag G.m.b.H. rung möglich wird, die Wirtschaftskrise, wenn nicht zu beheben, so doch im mindesten zu lindern. Wie nun die Auswirkungen des Arbeitsbeschaffungsprogramms in Wirklichkeit liegen, das haben die berufenen Vertreter der Arbeiterschaft der Schwachstromindustrie in einer gemeinsamen Aus- spräche festgestellt. Die allgemeine Situation in der Schwachstrom- * industrie ist teilweife katastrophal. Von Einstellungen ist überhaupt nichts zu merken, dagegen sind Entlassungen in größerem Ausmaße entweder erst vor ganz kurzer Zeit ersolgt oder aber stehen unmittel- bar bevor, und dies obwohl zusätzliche Aufträg« teilweise an die ein- zelncn Firmen gegeben worden sind. In fast allen Betrieben wird 1 e d e r„Vorwärts"-L e s e r wirbt zum 1. September 1930 einen neuen Abonnenten kurzgearbeitet, teilweise drei Tage pro Woche! In anderen Firmen wurden Entlassungen in der nächsten Zeit angedroht. Ein ganz trauriges Bild, das mit den Presseveröffentlichungen i m schärf st en Widerspruch steht. Di« Betriebsvertrewngen haben sich bei den Verhandlungen in den Betrieben auf das Arbeitsbeschaffungsprogramin berufen. Durch diese Verhandlungen wurde festgestellt, daß die Reichspost den Be- trieben, die„zusätzliche" Aufträge erhalten haben, die normalen quartalsmäßigen Aufträge nicht gegeben hat. Wie man unter diesen Verhältnissen von zusätzlichen Auf- trägen reden kann, ist zur Zeit noch das Geheimnis der Reichspost. Man sollte also unter allen Umständen vermeiden, der Oefsent- lichkeit Sand in die Augen zu streuen und bei der Arbeiterschaft der Postbetriebe falscheHofs nungen zu erwecken, wenn man nicht in der Lag« oder nicht gewillt ist, auch nur für«inen Arbeitnehmer mehr Arbeit zu beschaffen. Haltet die Augen offen und gebt jenen, die euch derartiges vorflunkern, am 14. September die richtige Antwort: Wählt Sozialdemokraten! Poslicbeckkomo: Berlin 37530.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten. Wallstr. 05. Dl. B u TiSc-Ges.. Deposuenkasie Lindcnstr 3. ! Zugend oder Konfusion? Staatspartei, Partei der Verwirrung. Von Otto?rlocklZ.rtckor. Die neu gegründete Staatspartei hat in den ersten Wochen ihres Bestehens über ihr W e s e n und ihre Ziele Verhältnis- mäßig wenig klare Darlegungen an die Oesfentlichkeit ge- langen lassen. So ist es wohl auch erklärlich, daß über das neue/ Gebilde die verschiedenartigsten Vermutungen und Be- urteilungen in der Oesfentlichkeit laut wurden. Jetzt— zum Beginn des Wahlkompfes— weist sie in ihrem Wahl- a u f r u f, ohne in Klarheit zu den einzelnen Tagesfragen Stellung zu nehmen, auf ihren angeblich jugendlichen Cha- rakter hin, oerbindet damit eine Polemik gegen das„Bonzen- tum greisenhaft gewordener Parteien" und sucht mit der etwas billigen Reklame, daß sie die Partei der Jugend sei, unter der Jungwählerschaft für sich zu werben. Dabei lassen sich in den bisherigen Kandidatenlisten— wenn man nicht gerade das wohlgeratene Präsentierkind der weiland Demokraten, Herrn L e m m e r, oder den Volks- parteiler Dr. W i n f ch u h ins Treffen führen will— beim besten Willen unter den altbekannten demokratischen Partei- größen und nicht minder bekannten Komturen des Jungdo kaum irgendwelche Menschen finden, die auch nur rein äußer- lich für sich das Attribut der Jugend in Anspruch nehmen könnten. Es dürfte aber auch eine etwas reichlich naive Spekulation sein, zu glauben, daß die Jungwähler- generation einzig und allein auf Grund der G e- burtsdaten der Reichstagsabgeordneten ihre Wahl trifft. Auch sie wird, soweit sie irgend politisch geschult ist, in erster Linie danach fragen:„Was haben die Angehörigen dieser Partei für die Jugend getan oder was beabsichtigen sie. f ü r die Jugend zu tun?" Die Haltung des im Reichskabinett befindlichen V e r- treters der Staatspartei, des Herrn Ministers Dietrich, zur Frage der Arbeitslosenversiche- rung der Fünfzehn- bis Siebzehnjährigen, und die von der Staatspartei propagierten unklaren Pläne zur Wahlreform, in die man am liebsten die Wahlrechts- e n t z i e h u n g für die Zwanzig- bis Fünfundzwanzigjährigen einbeziehen möchte, sprechen hier eine so beredte Sprache, daß sie jedes Gefüge von klingenden Worten zu übertönen vermag. Nicht minder wichtig aber scheint es, in diesem Zusammen- hange die Jungwähler über das aufzuklären, was die Staats- Partei ihnen verschweigt, nämlich über die eigenartigen Be- gleitumstände ihrer Geburt und nicht zuletzt über die ver- schiedenartigen Tendenzen derer, die sie schufen. Die Staats- parte! ist ins Leben gerufen worden in einem Augenblick, in dem für alle wahrhaft demokratischen Kreise des Bürgertums nichts hätte wesentlicher sein müssen als die eindeutige Verteidigung der Demokratie. Die Aufhebung der ersten„Not"verordnung war im Reichstag nicht durch eine demokratisch gesinnte Mehrheit erfolgt, sondern durch eine Mehrheit, in der die einzigen wirklichen Hüter der Reichs- Verfassung, die Sozialdemokraten, an ihrer Seite Gleich- stimmende sahen, die aus sehr wenig demokratischen Beweg- gründen heraus der Notverordnung widersprachen. Die Not- Verordnung ist ein zweites Mal verkündet worden, und beide Male hat"der staatsparteiliche Minister Dr. Dietrich zu dieser Handlung seine Zustimmung gegeben, obwohl sie von Kennern des Staatsrechts als glatt verfassungswidrig be- zeichnet wurde. Aufrechte Demokraten haben unverhohlen ihre Bedenken geäußert, und wer das demokratische Partei- Programm, das gewißlich nicht an übertriebener Schärfe der Ausdrucksweise leidet, einmal zur Hand nimmt, wird immer- hin darin die Verpflichtung finden:„Die Deutsch-Demokratifche Partei steht auf dem Boden der Weimarer Verfassung, zu ihrem Schutz und zu ihrer Durchführung ist sie be- rufen. Ganz anders freilich klingt es im jungdeutschen Manifest des Herrn Mahraun, des neuen Sozius der Demo- kraten. Im Vorwort zu d-»' bis zum heutigen Tage nicht abgeschworenen Manifest heißt es unzweideutig, daß die damalige Verzögerung der Veröffentlichung des Manifestes darauf zurückzuführen gewesen wäre, daß„die Erkenntnis von der Haltlosigkeit der gegenwärtigen Staatsordnung noch nicht weit genug vorge- drungen war". Ein prominentes Mitglied der Staatspartei, Herr Prof. Alfred Weber, Heidelberg, ist offenbar von diesen Ge- dankengängen bereits soweit erfaßt worden, daß er in der „Frankfurter Zeitung" äußert:„Nicht einmal Dilta- tur ist ein wirklicher Gegensatz zur Demo- k r a t i e", und einige Sätze weiter:„Begrabe man auch die so gar nicht mehr gültige fortgesetzte Betonung„d e m o- k r a t i s ch" als einer besonders abhebendes eigenen Fir- mierung". Den Jungdeutschen mag der Einfluß, den sie auf diese Weise mit ihren schätzungsweise 6V V0V Ordensbrüdern auf die bisherigen Angehörigen der Demokratischen Partei zu nehmen vermögen, nicht unlieb sein. Tatsächlich läßt der Auf- ruf zum„Zusammenschluß auf breitester Grundlage", den die Deutsche Staatspartei kurz nach ihrer Gründung hat ergehen lassen, von dem Gedankengut der Demokraten recht wenig, von der verschwommenen Ausdrucksweise des Jungdeutschen Ordens recht viel erkennen. Was fall mau beispielsweise Für die Gozialdemokraiie! Beschluß des Verbandstages der Metallarbeiter. Oer gegenwärtige Wahlkampf ist eine der erbittertsten politischen Auseinandersetzungen zwischen kapital und Arbeit. Die besitzende Klasse versucht mit Hilfe aller bürgerlichen Parteien den durch die Ltaatsumwälzung erreichten Einfluß der Arbeiterschaft auf Staat und Wirtschaft unter Beseitigung der formalen politischen Demokratie zu beseitigen. Die erbitterten kämpfe um die � Verschlechterung der Arbeitslosen-, Kranken- und Inoalidenunterftützung waren vorpostengefechte für eine Generaloffensioe gegen die sozialen Errungenschaften und gegen die im harten Ringen erreichte soziale und kulturelle Stellung der Arbeiter. Um dieses Ziel zu verwirklichen, wurde die Regierung Her- mann Müller gestürzt, weil sich deren sozialdemokratische Mitglieder schützend vor die Interessen der Arbeiterklasse stellten. Durch Verfassungsbruch hat die nachfolgende vürgerblockregierung unter Führung des Zentrumsministers Brüning ihre unerhörten arbeiterfeindlichen Maßnahmen durchgeführt und den Reichstag aufgelöst, als die Sozialdemokratische Partei die Aufhebung dieser reaktionären Verordnungen erzwungen hatte. In diesem Wahlkampfe stehen höchste gewerkschaftliche Interessen auf dem Spiel. Es wird entschieden, ob ein weiterer sozialer Ausbau der Republik erfolgt oder ob die deutsche Arbeiterklasse wieder ein schutzloses Ausbeutungsobjekt der Bourgeoisie werden soll. Es geht um die Erhaltung der politischen Demokratie mit ihren Rechten für die arbeitende Masse und gegen die faschistische Diktatur. In diesem gewaltigen Ringen wird die Sozialdemokratie von allen Parteien bekämpft, weil nur sie die wahre Interessenoertreterin der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Belange der Arbeiterklasse ist. Die kommunistische Partei sieht in ihrer Verblendung auch in diesem Kampfe wieder ihre Aufgabe in der Stärkung der FrontderArbeiterfeinde. ver verbandstag fordert alle Metallarbeiter und-arbeiterinnen mit ihren Angehörigen auf, in entschiedenster weise für die Sozialdemokratie zu werben, damit diese am 14. September im Parlament so stark wird, die vorhandenen sozialreaktionären Maßnahmen zu beseitig e n und solche für- die Zukunft zu verhindern. Durch einen sozialdemokratischen Wohlsieg muß die Bahn für einen weiteren sozialen und kulturellen Aufstieg des schaffenden Volkes frei gemacht werden. Träume von Arbeitsbeschaffung. Entlassungen statt Aeueinstellungen Unter dem„volksstaatlichen"' Ausbau der Republik, bei dem „die berufs ständischen Organisationen aller Stände zu verantwortlicher Mitarbeit an Wirtschaft und Staat heran- zuziehen" feien, anderes verstehen als einen Hinweis auf die jungdeutschen Gedankengänge, die in ausgesprochenster Weise in die Forderung nach einem„volksstaatlichen Ausbau" aus- münden» wobei für sie dieser„Volksstaat" in keiner Weise zu verwechseln ist mit der von ihnen im Manifest bekämpften „parteiistischen Demokratie". Der Iungdo will auf dem „Nachbarschaftsprinzip", diesem ausgesprochen ländlich-idylli- schen Prinzip einer Wählerzusammenfassung, eine P y r a- mide von Führern errichten, die nur in der untersten Stufe der direkten Wahl entstammen und sonst jeweils der Zustimmung der Oberen zu ihrer Wahl bedürfen, also ge- wissermaßen die Aufrichtung einer wahren„Bonzokratie", wie sie auch Professor Heller als für das faschistische System geltend gekennzeichnet hat. In einem romantischen Sinn- bild politischer Gotik sieht Mahraun den Staatsaufbau realisierbar. An die Stelle des Parlaments fetzt er sogenannte „Kapitel der Führer" und außerdem voneinander säuberlich getrennt die W i r t s ch a f t s k a m m e r, die Kultur- k a m m e r und die Auslandskammer, die Jugend- kämm er und die F r a u e n k a m m e r. Bei der Be gründung der Jugendkammer wird ausdrücklich erklärt, daß die He raufsetz un g des Mindestalters für die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte und Pflichten gegenüber der Gegenwart vorgesehen sei, und bei der Begründung der Frauenkammer heißt es unzweideutig:„Wie der HausvaterderHerrinder Familie ist, so muß auch der männliche Staatsbürger die Führung im Staate in der Hand haben." Wie verträgt sich diese Stellungnahme mit dem demokratischen Partei- Programm, das ausdrücklich besagt:„Die noch bestehenden Zurücksetzungen der Frauen sind zu beseitigen"? Der Wahlauftuf der deutschen Staatspart ei gibt darauf keine Auskunft, wohl aber deutet er bereits die un- befriedigende Antwort an, die dem Vorsitzenden des Reichs- banners auf feine Frage wurde, wie die neue Partei über die Re p u b l i k a n i s i e r u n g der Verwaltung denke. Die Republikanisierung der Verwaltung war bisher eine offene und klare Forderung der Demokraten. Sie tritt heute zurück hinter den in solchem Zusammenhang nicht u n v e r- dächtigen Satz:„Ueber Anstellung und Beförderung soll Leistung, nicht aber parteipolitische Zuge- Hörigkeit entscheiden". Und wie ist es mit der Besetzung der ausgesprochen politischen Beamtenstellen? Ueber die Sozialpolitik findet sich in dem Wahl- aufruf der Staatspartei eine unverbindliche Erklärung, wie sie in unserem Industriestaat wohl fast jede Partei, ihren künftigen Wählern gegenüber abgeben wird. Aber die beson- Bere Betonung der„Durchführung notwendiger Reformen" läßt zum mindesten aufhorchen. Das demokratische Partei- Programm hatte demgegenüber ausdrücklich erklärt:„Jede m Volksgenossen, der sich" nicht gemeinnütziger Arbeit weigert, -ist ein notwendiges Mindestmaß der materiellen Güter für die Ernährung, Bekleidung und Behausung sowie Fürsorge in Fällen der Bedürftigkeit von Rechts w e g e n zu gewähren. Zur Durchführung dieser um- fassenden Sozialpolitik dient in erster Linie die Sie ü e r- p ol i tick.". ' Die Unklarheit des Bildes, das sich aus den bisher ange- führten Tatsachen ergibt, wird noch gesteigert durch die For- derung:„hinweg übe): den verhetzenden Kampf zwischen «chwarzweißrot und Schwarzrotgold die deutschen Menschen als Staatsvolk zu einigen". Gewiß, es gibt „Menschen", die solchen Parolen, die irgendwie an Formeln der bürgerlichen Jugendbewegung anzuklingen scheinen, zu folgen bereit sind, und wenn die Staatspartei damit Leute wie beispielsweise Herrn Normann K ö r b e r, der die hohe Funktion eines Reichsleiters des weithin unbekannten„So- zial-Republikanischen Kreises" bekleidet und auf seinen weit- gehenden politischen Wanderungen auch bei der Sozialdemo- kratie'„nicht froh geworden" zu sein bekennt, für ihre Ziele gewonnen hat, so ist das ebensowenig zu verwundern, wie die Tatsache, daß ein Mann von der klar umrissenen politi- schen Prägung eines Erkelenz darauf die gebührende Ant- wort gegeben hat. Zu hoffen und zu wünschen wäre es frei- lich, daß auch diejenigen jungenDemokraten, die wirk- lich eine aufrechte soziale Gesinnung in sich tragen, der Staatspartei eine nicht minder jugendlich frische Ab- sage erteilen, wie sie Erkelenz in den Spalten dieses Blattes gegeben hat. Koch gerettet? Mit Erlaubnis des„Hochmeisters" auf der Zsteichsiiste. Der Parteioorstand der bisherigen Demokratischen Partei versammelte sich am Mittwoch im Reichstage, um noch- in als über die Kandidaturen der Staatspartei für die Reichstogswahlen, besonders über die Reichs liste, zu beraten. Dabei wurde auch über die Kandidatur des demokratischen Partei- sührces K o ch- W e s c r entschieden. Unsere Mitteilung, daß der Gründer der Staatspartei ohne jede Bedenken von seiner neuen Partei abgehalftert worden sei, hat in den demokratischen Teilen dieser Reugrllndung doch lebhafte Unruhe hervor- gerufen. Die demokratischen Mannen haben sich deshalb m letzter Stunde lebhast dafür eingesetzt, daß Koch- Weser an erster Stelle auf der Reichsliste erscheine. Die Entscheidung darüber wird jedoch erst durch die„Staatspartei" erfolgen. Wenn Mahraun und Bornemann auch nur noch einen Funken Mitleid aufbringen können, so werden sie gestatten, daß ihr Mitgründcr doch noch«in Mandat erhält. Es ist ein Treppenwitz der Weltgeschichte, daß auf diese Weise gerade der Führer der Partei«in Mandat retten muß, die die Abschaffung der R e i ch s l i st« auf ihr Programm ge- ichrieben hat, ja die sogar, bevor Herr Koch sie eigenhändig in ein besseres Jenseits beförderte, für ihren besonderen Parteibetrieb die Reichsliste schon abgeschafft hatte! Jetzt treibt still auf gerettetem Kahn Herr Koch in den Reichehafen der Staatepartei! Wahlrechtstentwurf geht an den Reichsrat. Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichskabinett verab- f chi c de te in seiner Mittwochsitzung den von dem Reichsmnen» minister Dr. W i r t h vorgelegten Entwurf eines Reichs- Wahlgesetzes, der minmehr dem Reichsroi zugeleitet werden wird. Der Inhalt des vom Reichskabinett beschlossenen Entwurfes entspricht den in den letzten Togen über die Vorlage gemachten An- gaben. Oer Sturz der Bayern-Regierung Niederlage der Bürgerblockpolitik m ü n ch e u. 20. August. Der taadtagspräfident hat der sazialdemakrotifchen Fraktion des Landtags als der stärksten Fraktion der Opposition den Austrag erleilt, die Bildung einer neuen Regierung In die Wege zn leiten und ihm innerhalb zehn Tagen Bescheid über dos Ergebnis zukommen zu lassen. München. 20. August.(Eigenbericht.) Die Bür-�rblockregierung in Bayern ist gestürzt. Der Bayerische Landlag lehnte am Mittwoch, wie bereits im größten Teile der Abendausgabe gemeldet, mit öS gegen 58 Stimmen die Schlachlstcuer ab. Daraushi« teilte Ministerpräsident Dr. Held dem Präfldenien de» Landtags den Rücktritt de» Gesamt- k a b i n e l l s mit. Der Gesamtdemission ging der Rücktritt de» Finanzministers Dr. Schmelzte vorauf. Die Sitzung des Landtags nahm einen äußerst spannenden Berlauf. Die Tribünen waren bereits eine Stunde vor Beginn überfüllt. Ein letztes Mal imternohm der Finanzminister den aussichtslosen Versuch, eine Mehrheit für sein« Schlacht- steuer zu bekommen. Er wies auf die große historische Bedeutung der Stunde hin.. In starker' Uebertrcilmng beschwor er den Land- tag, zu bedenken, daß es nicht um die Frag« der Schlachtsteuer allein gehe, sondern darum, ob Bayern in Zukunft ein selb- ständiger Staat bleibe oder ob es zu einem geographi- schen Begriff Herabfinken solle. Mit der Schlachtsteuer falle der bayerische Staat und damit das letzte Bollwert des Föderalismus in Deutschland. Nach dem Finanzminister kündigt« Ministerpräsident Dr. Held an, daß er bei einer Ablehnung der Schlachtsteuer mit dem Gesamt- Ministerium die Kmiscqucnzen ziehen werde. Di« Opposition, deren Führung die sozialdemokratische Fraktion in dem Kampf gegen die Schlachtsteuer konsequent und zielklar inne hatte, ließ sich durch die letzten Einschllchterungsverjuche der Regierung nicht irre machen. Der sozialdemokratische Redner Ackermann rechnete scharf und wirkungsvoll mit der Bürger- blockpolitik ab. Mit Nachdruck wies er die Versuche Heids zurück, die Verantworiung für die völlig verfahrene Finanzlage des bayerischen Staates der Opposition und besonders der Sozialdemo- krotie zuzuschieben. Nicht die abgelehnt« Schlachtsteuer habe das Defizit gebracht, sondern die zehnjährige Bürgerblock- Politik habe zu dem Riesendesizil im Haushalt geführt, das inzwischen auf lZO Millionen angeschwollen sei. Wer auch die konnnend« Regierung in Bayern antrete, übernehme ein Erb«, das man sich t ra u r i g« r k a u m vorstellen könne. Es folgte eine sehr erregt« Aussprache. Dann kam es zur Ab- ftinrmung. Mit SS Stimmen der Sozialdemokraten, des Bauern- bundes, der Deutschen Bolkspartei, der Kommunisten und der Nationalsozialisten gegen 58 Stimmen der Bayerischem Bolkspartei und der Deutschnotionaken wurde der sozialdemokratische Initiativantrag abgenommen. Die Schlochtstever war endgültig gefallen.'" Die sozialdemokratische Fraktion wartete sofort mit neuen Deckungsanträgen auf, bei deren Annohme der durch die Ablehnung der Schlachtsteuer verursachte Ausfall hätte wettgemacht werden können. Sie forderte zunächst, die sofortige Inangriffnahme einer durchgreifenden Reform der bayerischen Staats- Verwaltung. Das wurde abgelehnt, weil die Bayerische Bolkspartei und ihr Ministerpräsident eine Ausschaltung der Volksvertretung wollten, also«ine Blankovollmacht für die Regierung, die wiederum die Sozialdemokratie unmöglich ausstellen konnte. Der zweite Antrag der Sozialdemokratie verlangte, daß an den 28 Millionen betragenden freiwilligen Leistungen des bayerischen Staates an die Kirchengefellschaften zunächst einmal 8 Millionen abgestrichen werden. Diesen Antrag lehnten all« bürgerlichen Pur- teien geschlossen ab, obwohl in den letzten Wochen in der bürgerlichen Presie und in den Versammlungen der bürgerlichen Parteien sich die Stimmen mehrten, denen die Last der 28 Millionen freiwillige Leistungen unerträglich zu werden beginnt. Weitere Deckungsoorschläge von anderen Partsien wurden ebenfalls abgelehnt. Annahm« mnd lediglich«in nichtssagender Antrag der Bayerischen Bolkspartei, durch den im bayerischen Haushalt bis zum Jahre 1935 nach und nach rund 19 Millionen Mark eingespart werden sollen. Di« Bayerische Bolkspartei gab nach ihrer Niederlage eine demagogische Erklärung ab. aus der zu ersehen war, wie sie sich die weitere Entwicklung der Dinge denkt. Sie erklärte, daß es ihr un- möglich geworden fei, die politische Berantwortung für das' zu tragen, was aus dem Versagen der Mehrheit des Landtages an schweren Folgen für den bayerischen Staat und.die bayerischc�Wirt- schast entstehen werde. Die Mehrheitsparteien würden es wollt selbst als Pflicht empfinden, dem bayerischen Volke zu beweisen, daß sie nicht nur hemmen und zerstören können, sondern auch in der Lage seien, die Verantwortung für das'Geschick des bayerischen Staates durch die Bildung einer neuen Regierung selbst zu übernehmen. Unter den gegebenen Umstanden wäre es das Lernünf- t i g st e, den Landtag aufzulösen und das Volk zu.besra'gen. Das ist aber im Augenblick nicht möglich,.da Bayern kein gültiges Wahlgesetz hat. Das vorhandene Wahlgesetz wurde durch eine Entscheidung des bayerischen Staatsgc'richtshofes in wesentlichen Teilen als versassungswidrig erklärt. Einer raschen Reform des Wahlgesetzes waren die bürgerlichen Parteien trotz der wiederholten Mahnungen der Sozialdemokratie immer wieder ausgewichen. Jetzt ist es zur unumgänglichen Pflicht des Landtages geworden, schnellstens ein. mit der Verfassung im Ein- klang stehendes neues Wahlgesetz zu schaffen und dann auseinander- zugehen. Vor dem 14. September dürfte allerdings auch in diesem Punkte keine Entscheidung mehr fallen. Das Kabinett führt zunächst die Regierung als Geschäfts- Ministerium weiter.., Wels in München. Glänzender Wahlausmarsch der bayerischen Sozial- , demokratie. In dem wegen Uebersüllung polizeilich abgesperrten Zirkus- gebaut* am Münchener Marsseld sprach am Dienstagabend Genosse Otto Wels. Er würdigte das geschichtliche Verdienst der Regierung Hermann Müller, die die Befreiung. des Rheinlandes durchgesetzt: und die jährliche Reparationslast um mehrere hundert Millionen Mark vermindert hat. Die Bestrebungen ober, die Sozialdemokratie aus der Regierung zu entfernen, um die Hand an die Sozialversicherung zu legen, waren schon lange vorbereitet. Nach dem Rücktritt Her- mann Müller berief der Reichspräsident nicht den Reichstagsptäsi- deuten Löbe, sondern Herrn B r 1 ning und. gab diesem den Aus- irag, eine Regierung gegen die Sozialdemokratie zu bilden. Diesen Auftrag konnte Brüning nur annehmen, wenn er von' vornherein damit rechnete, sich mit. dem Artikel 48 behaupten zu müssen. Mit den Heerhaufen Hugenbergs, Seldtes und Hitlers war die Parla- mentsjchlacht- nicht zu gewinnen. Mit jo-unsicheren Korps, hätte Hindenburg auch kein Tannenberg schlagen können. Es war aber olles daxauf angelegt, durch Berletzung der Berfasiung mit dem Artitel 48 über Schwierigkeiten hinwegzukommen, die nicht"'einge- treten wären,. u>eny man die Ste»eri>eform.wit.her Sozialdemokratie hätte durchsetzen wollen..Ünsere Ausgabe ist es nun, die Front der bürgetiichen Parteien so zu zisrschlägen, däß'�as Wort wa�r wird: tf kann nicht mehr, e» darf auch nicht mehr ohne Sozialdemokratie regiert werden!" Wels erinnerte dann an die Münchener.-Ereignisse von 1923 üridi an die Enthüllungen des Sowjet-Diplomaten B e I s e d o w s k i. Moskau wollte damals den revolutionären Krieg mit Frankreich mit dem Zweck der Schafjung eines Sowjetdeutschland. Polen sollte den Sowjetrusien gestatten, Hilfskorps nach Deutschland zu. schicken, dafür sollte es 39 Millionen Goldnibcl und völlige Bewegungsfreiheit, in Ostpreußen erhalten. Diese abenteuerlichen Pläne sind gescheitert a n dem Willen der Sozialdemokrat.! e und dadurch ist nee- mieden worden, daß Deutschland.und Europa wirtschaftlich., ünd kulturpolitisch völlig in Trümmern gingen. Es ist ein Zeichen der Zeit, daß sich in dem jetzigen Kampfe die Gewerkschaften oe- schlössen an die Seite der Sozialdemokratie gestellt haben, sie wissen, daß dieser Kampf auch ihr Kampf ist. Die Ausführungen des Parteivorsitzenden wurden von der ungeheuren Versammlung mit stürmischen Beifall ausgenommen. Bluiige Köpfe an der Passage. 21 Personen zwangsgestellt. In den P a s s a g e- B i e r h a l l e n m der Behrenstraße 59/52, wo vornehmlich Hakenk reuzier verkehren, gerieten gestern abend Nationalsozialisten und Kommunisten in eine schwere Schlägerei, bei der es ein« Anzahl Verletzte gab. Di« zu Hilfe gerufene. Polizei macht« dem Kampf in dem Bierlokal schließlich ein Ende. 21 Personen wurden zwangsgestellt und der Politischen Polizei übergeben. Bei den Gcgneri, der Nazis soll es sich uni'Angestellte der„Mitropa" handeln, die sich dort eingefunden hatten und im Verlaufe einer nationalsozialistischen Agitationsrede aneinandergerieten und sich blutige Köpfe schlugen. Prämie für Raufbolde. Sin tlrieil gegen Nazis. Liegnitz. 29. August.(Eigenbericht.) Das Schöffengericht Glogau verurteilte sieben National- s o z i a l i st« n, die vor einiger Zeit eii*n sozialdemokratischen und einen kommunistischen Stadtverordneten überfallen und schwer mißhandelt hatten, zu der unglaublich niedrigen «ldst rase von 39 bis 199 Mark. Der Staatsanwalt hatte gegen die Rowdys wegen der Roheit und Hinterhältigkeit ihres Bor- gehens Gefängnis beantragt. Er legte gegen das Urteil Berufung ein. Spihel in der polizsiverwaltung. „Oer Korrespondent des Landvolk". Zleumünster. 29. August.(Eigenbericht.) Als die„Landvolk-Zeitung"„ach ihrem zügellosen Kampf gegen die Leiter der Polizei in Neumünster ihre Angriffe hauptsächlich gegen den sozialdeinokrotischen Bürgermeister Lindemann und den Oberinspektor Brocker richtete, wunderic man sich oft über die iedergabe interner Lorgänge in der Polizei. Verwaltung. Wie jetzt oeriaytet, soll der städtische Polizei. beamte Aaroe, der Vorsitzender des PoUzeibeamtenoereins Neumünster ist, der Korrespondent der„Landvolk-Zeitung" gewesen sein. Aaroe soll auch jetzt noch„Materiol" gegen den Polizeiober- inspektor sammeln, um zu gegebener Zeit über ihn herfallen zu können. Nationalsozialistisches Waffenlager beschlagnahmt. Darmstadt. 29. August.(Eigenbericht.) In Heften sind die Nationalsozialisten neuerdings wieder äußerst nihrig. Di« Polizei ist jedoch auf der Hui. Am Dienstag abend hat sie in dem Städtchen Langen bei einem KOjöhrigen Nationalsozi-i- listen ein Waffenlager beschlagnahmt,' das aus 9 In- fanteriegewehren, 399 Schuß Munition, einer großen Anzahl Seiten- oewehre und Revolvern bestand. politische Verschwörer in Litauen. Oie Attentate der Woldemorasanhänger. Kowno. 29. August. Zu dem Mordonschlog oys den Direktor der l i t a u i schen Geheimpolizei wird noch bekannt, daß Oberst Rusteika fünf Stichwunden in die Brust erhalten hat, von denen einer die Lunge durchbohrt«. Die sofort nach dem Anschlag vorgenommene Operation ist zwar gut verlaufen, doch ist der Verletzte infolge des starken Blutverlustes noch immer in Lebensgefahr. In der Nacht wurden bei zahlreichen Woldemaras. Anhängern von der Polizei H a u» s uchu n- g e n o o r g e n o m m« n ,'darunter auch bei der in Zusammenhang mit dem Rücktritt Woldemaras' viel genannten Schauspielerin des litauischen Staatstheaters, Äurmythe. Die beiden Woldemaras-An- Hänger, der Journalist Dedel««und der Krottinger Rechtsanwalt Pe- tronaitis, find in der vergangenen Nacht als der Mitwisserschaft ver- dächtig wieder in Haft genommen worden. Nach einem bisher«nbc- stätigten Gerücht sollen die Täter eingestanden haben, daß insgesamt gegen l2 namhafte Persönlichkeiten, darunter � gegen den Justizminister, den Generalsekretär des Innenministerium-.,' den Generatstabsches, den Borsitzenden der Tautininkai-Partei--A n- jchöge geplant gewesen seien... S. O. S.! Schnellgerichte mit Schössen. Notwendig im Kampfe mit politischem Nowdytum. Das neueste von Treviranus. Er erklärt andere für unfähig. In einer Rede in Görlitz mochte W i r t h neulich die offenbar mehr scherzhaft gemeinte Bemerkung, es könnte passieren, daß in der nächsten Regierung B r e i t s ch e i d und Treviranus nebeneinander sähen. Dazu erläßt fetzt Treviranus durch die Pressestelle der Konservativen Volkspartei folgende feierliche Erklärung: Dir Parte: und ihr Führer Treviranus halten nach wie vor an der Aufsassung fest, daß die Lösung der großen Ausgaben, vor die Reichsregierung, Reichstag und das ganze deutsche Poll jetzt und in der nächsten Zeit gestellt sind, keinesfalls mit den Sozialdemokraten möglich ist. Diese Ausfassung wurde von der Partei und ihrem Führer schon bisher vertreten, an ihr hat sich nichts geändert. Die Sozialdemokraten haben in den zwei Jahren, in denen sie an der Reichsreg'.erung beteiligt waren, ihre Unfähigkeit so nachdrücklich bewiesen, daß neue Versuche mit ihnen nicht mehr unternommen werden können. Sollten solche Versuck)- von anderer Seite gewünscht oder für aussichtsreich gehalten werden, sa steht jedenfalls heute schon fest, dast die Konservative Volkspartei sich nicht an ihnen beteiligen, fon- dern sie auf das schärfste bekämpfen wird. Wenn die Konservative Volkspartei und ihr Führer Treviranus in Beziehung auf andere das Wort„u n- fähig"' in den Mund zu nehmen wagen, so erweisen sie damit einen geradezu erschütternden Mangel an Selbst- erkenntnis. Mit Erstaunen hat die Welt die ersten politischen Gehversuche des„Führers Treviranus" verfolgt, und die Meinung ist wohl über alle Parteigrenzen hinaus allgemein, daß dieser junge Herr von den Führern alter großer'Par- teien immerhin noch einiges zu lernen hätte. Denn bisher hat er noch nichts produziert als Ungeschicklichkeiten und Takt- losigkeiten. Der„Vorwärts" wagt nicht.... Die„[Rote Fahne" klettert aus dem Muetopf. Wir sind schon wieder einmal„entlarvt". Bereits am Mitt- w o ch, dem 20. August, gelangt die„Rote Fahne" dazu, die Nazi- untat gegen den Reichsbonnerkameraden L o h m o n n in Wolfenbuttel vom Sonntag, dem 17. August, zu melden. Um ihre Verspätung zu verbergen, hat die„Rote Fahne" das Datum der Tat .auf den 19. umgefälscht, was wir nur beiläufig registrieren, da wir von diesem edlen Papier noch ganz andere Fälscherstücke ge- wähnt sind.' Wenn die„Rote Fahne" etwas verschlafen hat, so ist kos ein doppelter Grund, d e n„V o r w ä r t s" z u beschimpfen, weil er die„Schamlosigkeit" besäße, in.cher üblichen verlogenen Weise" seinen Lesern zu verschweigen, daß es sich um einen Reichsbannermann gehandelt habe. Wörtlich weiter: Der„Vorwärts" mühte eben kein Polizeiorgon sein, wenn er auch diesmal die Aalionallostallsten nicht in Schuh nehmen und die Gegenwehr der Proletarier nicht verächtlich machen wollte. Voll« 2 4 Stunden vor diesem Erguß stand im „Vorwärts", Nr. 38S vom 19. August, unter her Ucberschrist„ZeMcnt und Pfeffer" be! der Tngesaufzählung der Naziuntaten folgendes zu lesen:. In Wolfenbüttel(Freistaat Braunschmeigs haben fünf Ratio- . nglsostalisten den Reichsbanncrmann LobmaNn ZN nSchts'cher /Stunde überfallen und mit Zaunlasten so lange aus ihn cin- geschlagen, bis Lohmann bewußtlos zusammenbrach. Die Tal ist iim so gemeiner, als Lohmann Invalide ist Bei der Verfolgung durch Possanten zogen die Töter Pistolen und verletzten zwei Personen� durch Schüsse. Die fünf Notionalsozialisten wurden-ner- haftet, die benutzten Schußwaffen wurden noch bei ihnen vorgefunden. Sa sieht es aus, wenn wir nach Behauptung, der„Roten Fahne" die Nationolsozialisten„in Schutz nehmen", die Gegenwehr der Proletarier„verächtlich machen". Prost Mustops!' Arm in Arm mit Oir... Draunschweiger Zentrum schließt Äündnis mit Hugenberg Im Fr«, st aatBraun schweig hat sich das Zentrum zu den beooHtchenden Landtagswohlsn mit Hugenberg und was es in diesem Lande sonst noch an reaktionären Cliquen gibt, verbündet. Der Kampf dieses Mtschmachs gilt natürlich der Sozialdemokratie, die unter allen Umständen und mit allen M.tteln von der Verwaltung des Freistaats ausgeschaltet wer- den soll.___ Briand und Maginot nach Genf. Tardieu bleibt in Paris— Steigende Militärlast. Paris. 20. August.(Eigenbericht.) In dem am Donnerstag im Elysee stattfindenden Ministerrat, zu dem der Präsident der sraiizoseschen Republik Doumergue eigens oon seinem Sommerschloß noch Paris kommt, wird die Zusammen- setzung der s r a n z ö s i s ch c n Delegation zur Genfer Tagung festgesetzt und die Beratungen über den Haushaltsplan für*1931 fortgesetzt iverdcn. Am Dienstag haben es die zuständigen Stellen bereits für angebracht gehalten, die Meldung eines radikalen Blattes, wonach Tardieu die Führung der Genfer Delegation über- nehmen wollte, fonnell zu dementieren, nm die Bestürzung, die in den Linkskrerjen auf diese Nachricht hin Platz gegrisfen hatte, zu deschwiehtigen. Es steht heut« fest, daß Außenminister Briand und nicht Tardieu als Delegationsfiihrer nach Genf fahren wird, allerdings sollen ihm» der augenblicklichen Tendenz der französischen Politck Rechnung tragend, als„Gegengewicht" der Äriegsminiftcr Moginot. der erst vor einigen Tagen wieder einen Alarmrus über die ungenügende militärische Sicherung Frank- reichs durchs Land schickte, sowie der Präsident der Arineekommission F.abr'y und der Minister für ölfentliche Arbeiren P-rnot bei- gegeben iv-rden: Diese Zusammensetzung der französischen Delegation scheint daraus hinzudeuten, daß Frankreich damck rechnet, daß es tn Genf anläßlich der Diskirssion des Briandschcn Projekts auch zu einer Aussprache über die Sicherheit und die Rüstungssragen kom- men wird. Der zweit« Punkt der Tagesordnung des Ministerrat-, die Beratung über den Haushaltsplan für 193l, ist außerordentlich heikel. Tardieu..hat bei der letzten Minisittzusamnienkunst umfassende Sparmaßnahmen verlangt und z» diesem Zwecke auch einen 'Sparausschuß eingesetzt, zu dessen Ver.chterstatter ein Ministerialrat aus dem Finanzministerium ernannt wurde. Dieser hat für den Ministerrat am Donnerstag einen ausführlichen Bericht ausgearbeitet, ohne daß man sich über dLe Ergebnisse dieser Aktion Der Kampf gegen die Ueberhandnahmc des politischen Rowdy- tums erheischt neue Mittel. Man will es mit der Abschreckung versuchen. Di« Strafe soll der Rechtsverletzung unmittelbar auf dem Fuße folgen. Nicht zuletzt aus diesem Grund« ist beabsichtigt, S chn e l l s ch ö f f e n g e r i cht c ins Leben zu rufen. Das Schnellgericht hat sich im großen und ganzen be- währt. Zu Anfang nur ein Schnellgericht im. Sinne des schnellen A b u r t e i l e n s, hat es sich allmählich in der Richtung zu einem o r d e n t l ich e n Gerichtsverfahren entwickelt, das nur insofern ein Schnellgericht ist, als die Aburteilung unmittelbar auf die Rechtsverletzung folgt. Die Angeklagten begrüßen �s, daß die Pein des Wartens, die Unbesiimmtheit ihrer Lage gekürzt wird. Noch michtiger ist die schnelle Zlburteilung für die Un- schuldigen oder diejenigen, deren Schuld nicht erwiesen werden kann. Die schnellere Freilassung beschleunigt in allen Fällen das Ein- greisen sozialer Behandlung durch die soziale Gerichtshilse. Denn Schritt für Schritt hat dos Schnellgericht sich entwickelt zu . einer Stätte, wo nicht nur abgeurteilt, sondern nach Möglichkeit auch gehdlfen wird.-Der Fürsorger des Pslegenm.tS, vom 1.?l»gust der sozialen Gerichtshilfe angegliedert, wohnt. sämtlichen Gerichtsverhandlungen"bei, um sofort mit der sozialen Hilf« ein- greisen zu körnten.■•»■ Sein« Höchstentw ckwug hat aber da».Schnellgericht auch heul« noch nicht erreicht. Zu seinen' Mängelw gehört nach wie vor die s u r.'i st> sch c H i j f l o s! g k« i t des Angeltagten, der seine Rechte nicht kennt iirid häusig nicht weiß, wie er es anfangen still, Bewährungsfrist oder Hastentlassiing zu erlangen, und nicht selten auf die Berufung verzichtet, in der Hoffnung, sich aus diese Weise das eine oder das andere zu ergattern. Ein . großer Nachteil des Schnellgerichis besteht darin, baß die Justizbehörde mit Recht vermied, Ber- brecheV, für die schwere Strafe droht, oder Fälle, die irgendwie kompliziert lagen, dem E i n z e l r i ch r e r zur Aburteilung.zu über- lassen. Hier sollten Schöffen mitreden, unter Ilmständen', auch ein zweiter Richter zugezogen werden. Die Sache kom nach Moabit, es oergingen Wochen, ehe die Berhandlun-g anberaumt werben konnte: das bringt der schwerfällige Moabiter'Apparat mit sich. So entstand die Zlbsicht, ein Schnellschosse ngericht' zu schaffen, das ahnlich dem Schnelleinzefrichler unmittelbar nach der Festnahme der'Angeschüldigten in oll den Fällen zu urteilen hätte, die für den Einzelrichter aus dem einen oder anderen Grunde nicht in Frage kommen. Gegen diese Neuerung kann grundsätzlich nichts eingewendet werden— allerdings nur unter den gleiche» Voraus- setzungen, die auch für den Einzelschncllrichter bereits seit langen! besondere Illusionen macht. Das französisch« Budget ist so zusammen- gesetzt, daß allein 50 Proz. der Totalsunune für die Abdeckung der öffentlichen Schuld, die K r i e g s re n t e n und Pensionen benutzt werden, wovon keine Abstriche gcmachi werden können. Von den Verwalttmgskosten ist ersohmngsgemöß auch nicht viel ein- zulparen, so daß für Abstriche eigentlich mir die für Landes- ve r t e id i g-u n g eingesetzten Summen in Betracht kommen würden. Das französische Heeres- und Marinebudget ist seit einer Reihe von Jahren in rapidem Anstieg begriffen. Im Jahre 1927 betrug es rund 7 Milliarden Franken, im laufenden Budgetjahr sind annähernd 12 Milliarden für mili- tärische Zwecke vorgesehen. Das tammende Jahr wird dieser Tenden.z, das sleht jetzt schon fest, weiter de n.Weg ebnen. Noch bedenklicher mutet da« unaus- haltsame Wachsen des französtsazen Rüstungsbudgets an, wenn man bedenkt, daß in den im kommenden Haushaltsplan für Heereszwecke eingesetzten'Ziffern die Kasten für die Grenzbefestigungen und die' Ausfüllung der erschöpften Materialdepots nicht mitein- begriffen sind Man darf also gespannt sein/an welcher Stell« de» Etats Herr Tardieu den Bleistift ansetzen wird. Churchill macht scharf. Er hcht gegen die indische Friedenspolitik der Labour- [Regierung. London. 20. August.(Eigenbericht.) In einer Rede, deren Absichten uiwerkenttbar sind, griff W inst ö n E.H il'rch i ll am Mittwoch auf einem konservativen Kongreß die I.n di.e n p o l i t i k'b.c r A r b e! t e rr c g'i e r un g an. In'der.provokatorischsten. Weise erklärte Churchill den Iliiier- staatszekretär für Indien, Wedgwood Venn, als einen seiner Ausgabe in keiner Weise gewachsenen Mann. Schwäche und Uizzu- länglichketten seien Sie Merkmale der gegenwärtigen Ittdienpolitik. als absolut notwendig erkannt worden sind: d. h. unter der Be- dingung der Teilnahme der sozialen Gerichtshilfe an sämt- lichen Verhandlungen, der Ermöglichung von Ermittlungen vor der Verhandlung oder in der Zwischenzeit bei Aussetzung her Vcr- Handlung: der Stellung eines Ossizialverteidigers bei auch nur einigermaßen komplizierten Sachen und viertens der Garantie einer ebenso ausgiebigen Verhandlung mit der Berücksichti- gung der persönlichen Verhältnisse der Angeklagten im Sinne der Verordnung des Justizministeriums, wie dies, in Moabit mit geringen bedauerlichen Ausnahmen gang und. gäbe ist. Demi eine S.chnelljustiz, die dieser letzten Forderung ins. Gesicht, schlägt, kann weder der Zlufgabe, Recht zu sprechen, noch der sozial- pädagogischen Behandlung des Rechtsverletzers durch die Strafe zu ermöglichen, gerecht werden. Di« Sck>ajsung eines Schnellschöffengerichts erscheint gerade in diesem Augenblick um so notwendiger, als laut Verfügung des Justizmimsters eine ganze Anzahl pcllitischer Delitte von der Schnelljustiz abgeurteilt werden sollen. Das Vertrauen zur Justiz verlangt aber, daß i» diesen Prozessen nach Möglichkeit Laienrichter teilnehmen. Das liegt im Interesse des Richters selbst. Aber gerade bei Aburteilung der politischen.Delikte, wie Widerstand gegen die Staatsgewalt, tätliche Angrisse gegen. Polizeibeantte und- dergleichen nnehr ist sowohl eine eingehende Verhandlung durch Befragung der Zeugen, als auch die Teilnahme eines Verteidig c-rs sehr ost ersorder- l i ch. Der Vorteil der Frisch« des Eindrucks wird bei der Schnell- juftiz nicht selten dadurch aufgewogen, daß die Erregung des Vor- falls noch nicht abgeklungen ist. Das Schnellgericht soll für sämtliche in Frage kommenden Ver- gehen und Verbrechen— nur bei Hastsachen— innerhalb Groß- Verlins zuständig sein. Bis z:> seiner Schaffung sollen für' die in Berlin-Mttte begangenen Verbrechen und Vergehen, sosern für sie die Schnelljustiz geeignet- ist, sämtliche Schöffengerichte des Amtsgerichts Berlin- Mitte gewissermaßen a l s Schnellschössengerichte tätig sein. Die Polizei ist ange- Wielen, die Verhasteten, besonders wenn es sich um die in der letzten Zeit üblichen„politischen" Delikte handelt, unmittelbar zur '.Aburteilung den Schöffengerichten vorzuführen. Erforderlichen. falls sollen, besondere Sitzungen anberaumt werden. Sofern die Verhandlungen hier unter Gewährung der notwendigen Rechtsgarantien vor sich gehen, kann grundsätzlich dagegen nichts eingewendet werden. Glaubt man ein- mal innerhalb eines engen Kreises von Mitbürgern durch Ab- schreckun-g Ersolge erzielen zu können, so wird ein schnelles Zugreisen der Justiz nur berechtigt erscheinen, sosern das Recht durch die Schnelligkeit nicht leidet. Das. habe sich jetzt wieder beim Asridiaufstand gezeigt, dem die Re- gierung nicht energisch genug entgegengetreten sc!, das zeige sich vor allem darin, daß man mit einem Gandhi Verhandlungen führe, der wegen Staatsverbrechen im Gefängnis sitze. Die kommende engllsch-indische Konferenz werde nichts sein als ein graßcr Zirkus, dem keinerlei Recht zustehe, die indische Verfassung zu ändern, und im gegenwärtigen Unterhaus sei überdies keine Mehr- heit vorhanden, die einen Dominienstatus für Indien annähme. Diese Rede im gegenwärtigen Stadium kann nur den einen; Zweck haben, die zwischen dem indisctzen Vizekönig und Gandhi an- gebahnten Friedensverhandlungen zu zerstören. Die Rede des konservativen Führers beweist ferner, daß diese Derstäir- digungsvcrsuche nicht aussichtslos sind und dies scheint-auch ein Sanderbericht des„Daily Herald" aus Bombay zu bestätigen, in dem es heißt:„Gandhi'habe in seinem Brief an den indischen Vize- konig seine früheren Forderungen in gewissen Punkten einschränkt." Gleich den englischen Konservativen bemühen sich aber auch die indischen Nationalisten, die Verständigung zu hinter- treiben.' So I)at jetzt der allindische Nationalkongreß derart unan- nehmbare Forderungen gestellt, daß keine Aussicht besteht, die durch den Boykott stilliegenden und in englischem Besitz sich befindenden Webereien wieder zu«rössNeni' Der Kongreß verlangt u. ä., daß 7? Proz. des Kapitals dieser Fabriken in indische Hände'übergehen müssen, daß zive i Drittel der Direktoren und Ange» stellten In.dier sein müssen, die Rohstosfe�ällein aus Indien bezogen, alle Geldgeschäfte nur mit indischen Banken betrieben wer- den muffen, und ähnliches mehr. Damit ist keinerlei Aussicht vor- Händen, die immer weiter um sich greifende Arbeitslosigkeit und das immer mehr brachliegende Ges.häftsleben der großen Städte wieder .zu belebrn. Pilfudskib Psrsonolpolltik im Heer. Wie die poimjch« Rechtspresse, die bekanntlich zu Piljudjki in Opposition steht,.mtttettt, sind unter dem Regime Pilsudski seit dem Mai 1925 insgesamt 4000 Ossi- ziete des polnischen Heeres ans dem aktiven Dienst entlassen worden. SPD. 90. Abk.. Neukölln. Am 19. August verstarb unser treuer Genosse und langjähriger Funtlionär Hennann Schönwälder Offaftrafjc 38, im 15. Lkbensjahr. Ehr« seinem Andenken! Die Einäsckierunq finde! om Freiing, dem 11. August. 18 Uhr. im Krematorium Baumschuienweg statt. Zahlreiche Beteiligung erbittet ven �dtellungevoretnnel. I IIeMer UgllSkliMleWll Ver«»Itune»sielI« Merlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unier Kollege, der Einrichter 8.15 UDr— RüDdlen er auDi Carlos and Chlta n. Co. ond wcüere in Berl.n nodi nldit gezslt le Stars. Oentsdie! IUeaier 0 2 Weideniamm 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v.Unruh. Reg.: Max Reinhardi Musik; Friidrirh HolUender. Bühnenbilder Ernst Sdiütte. Vangrin& Butz Elektr. I-Ildl-. Kraft- D.RlinoelaDlaoen Konzess. für sämtl. elektrische Werke Bln.-Neukölln r' Hobrcchtstr. S9- 60 r, Telephon: Neukölln S157"« Martin Haupt Die Komödie am 18. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken!. Die Beerdigung findet«n Freitag, dem 22. August, nachm. 4 Uhr. auf dem Elijabeth-Friedhos Pankow, Wollank- straße, statt. Rege Beteiligung erwartet vi« Orisverwalinng Theater, Lichtspiele usw. Staats-Theater geschlossen. Abonnements- Anmeldungen werden entgegengenommen, a) für die Sfaatsopern und das Staatl. Scliauspie!- hausvomAbonnements- biiro, Berlin W56, Obcr- wallstr.22\ on 9—2 Uhr. Fernspr. Merkur 9024, b) für das Staatl. Schillcr- theater vom Abonne- nientsbüro,Beriin-Char- lottrenburg, Grohnan- straße"0 von 9— 2 Uhr. Fernspr. Steinpl. 6715, c) für die Städtische Oper vom dortigen Abonnementsbüro, wochentags von 10— 2 u. v. 6— SUhr. Städtische Operj Bismarckstraße Turnu© IV.— 10».'s Uhn ber Freischütz Endo SS»/- Uhr. ITägl. 5 u. 8'(, Uhr. il 5 Baro. 8258 Pr. 1—6 M.— NLchm halbe Preise. N O N 1 nnd H O R A C E o«w. CASINO-TBEATEIl 8''Uhi (.olhriniter Strohe 37, Für unsere Leser: Gutschein I— 4 Pers Fauieuil 1,25 M. Sessel 1,75 M. Der Possen-Schlager Der selige-Hollschinsky HiiiiiiliiiMiiiiMiiiiniiiMiiiiiiiiiiiriiiMiiiiiiiiiiiMiitiiiiniinnii und ein erstkl. buntes Programm. Reichshallen-Theater |T| Uh» stettiner sanger �Laa Biumen spreciieai Sonnta], 31. S.: 1. Nadunlllags- Vontelliing zu hillier Preissn. 1 Dönhoff- Brettl: Dos beliebteste Variete Berlin. II Brsmck.24I4/75ir 8-- Uhr Hellte zum 75. Meie: Wie werde ich leldi und gludtlidi? Kursus von Felix Joadiimson. Musik von Misdia Spoliaosky Regie: Erich Eng«! Bühnenbilder. Ludwig Kainer Deutsches Ranstler-Theal. Tel Barbarossa 3937 S'/s Uhr Weekend Lushpialvogl*.C8Wcril. Renaissance- Theater Steinplatz 6780 9 Uhr Wunder-Bar Revuestück Berliner Prater SommerthcaiGr Kastanienalice 7—9 Hümb. 2246 Eine entzückende Qarleskc sowie der auserwähhe Varict�'Tell. Täglich 8»/« Uhr GustlBeer. Trade Schröder, Herta Starj, Erwin Hartunp in Katja, die Tänzerin Operette in 3 Ak en yon Leopold Jakobson und Rudolf Bestem ilter Musik von Jean Gilbert. HeuteYolkstag! Aut allen numer. I Plätzen so Pf. außer Loge. Lessing- Theater Weidendamm 2797 u.08i6 Täglich 8f/2 Uhr WiederaofnahiDe iieantragt v OltoErnst Hesse loos, Hendiels, HeuB. Flamme, Fulkenberp, GOnlher, Grodiczinsk) Wer d. Westens Täglich 8'% Uhr ras Land des Lächelns Fianz Lehars Sen ationseriolg Theater i. d. Behrenstr. 53-54 »•It Uhr ist das nictit nett von Colone? Zimmer IBett Mk.7.-bisn- 2 betten l3,-bi522.- BadiMk.b.- Salon.lCr VMi Wrlin HOTEloA'�hl EXCELSIORI �staumni MBRMANNI Berliner ffpk-TriO NeukOlln. l.ahnutr 74V7Ö.1 lüetrcpoMlieaier Täglich 81/« Uhr Sensationeller Oper etiencr folg! Unter pefs. Leitung des Komponisten Viktoria und ihrHusar xomiscne eper 8>- ehr Paul Weslermeiei in uelie und Tromeetenblasen Operette von Roland. »'/. Im Theater am ' Kotlbuser Tor. Kottbuser Str. 6 l Ist Mpl. 16077 Zille- Festspiele Sonntag den 24. August 1. Hadim.-Vorstellung zu ermäBistsn Preisen. wo speiet man gut und billig 7 Hur Sross- Berlin Alexandarplatx Paienlc DRlSM Warenz er- wirkl Dr. ISagdobv. VBSl.lSitschuierstk. 3 Ein Tonfilm von Heinz Ooldberg und Dr. Fritz Wendhnusan ... vehement wirkend... mltrolMMd« Darttellung Heinrich Seorgas...du Publikum raol« Beifall.. B. Z. an Mittag Richard Oswald Produktion der SOdllim*.-8. TSgllcb 4»»" GLORIA-PALAST a.d.Kaiser-Wilhelm-Ged&chtnitKirche ~"i I» r— ri i»> im»» Werde Abonnent des R ose•Theaters!� unser Abonnement bietet: 12 Vorstellungen im Jaly. Freies Programm. Freie Gardetobe(als einzige Bühne Berlins). Beim Beitritt bis 31. August keine Einschreibegebiihr. Unsere Abonnenten werden u.a. sehen:„Die Braut von Messing", von Schiller.„Die schöne Helena", große Operette von Offenbach. „tine Nacht in Venedig", mit Musik von Johann Strauß.„Die Dollarprinzessin', von Leo Fall.„Die Faschingsfee", von Kaiman. „Rose Bernd", von Gerhart Hauptmann. „Der Veilchen fresser", von Moser,„Die iünf Frankiurter", von Rößler.„Das 4. Gebot", von Anzengruber. Vorteilhafte Plätze im Abonnement; 1. Parkett-Sessel nur RM 1,10 Tl. Parkett nur RM 0,85 I. Rang-Balkon nur RM 1,— /. numerierter Mittelrang nur RM 0,60 (Die Preise verstehen sich inkl. Programm und Garderobe) Persönliche Anmeldung wochentags v.9Uhr früh bis 8 Uhr abends. Können Sie uns nicht Cersünlich besuchen, so. schreiben Sie ups itte Ihre Adresse. Wir senden Ihnen dann umgehend kostenlos und unverbindlich einen ausführlichen Prospekt Name:_____________________________________________ Wohnung:............................................................... Fou/ard-Spirtc 2,65 �'fläuschj� arb«n, Mtr. ,y?lfrkleid Hertie "z.-nnSStj qq fesgs' '3,75 Mengenobgabo vorbehaltoi Verhaut auwait Vorrat H r-TL AN �BERLINSJN ALLEN. STAOTTE I LE N Ohne Gewähr Gewlunau»zua «. Kkafie ZS. PTtub!sch.Sllddeul|cht tklaffen-SvIlerle. Aus sede gezogene Rummer find d zwar je einer auf in den beiden Abteilungen I nah Nachdruck verboten Gewinn« gefallen, und zwar je elntr auf die Los« gleicher Rummer n 10. Ziehungslag 20. August 1930 ön der heutigen Vormittagszlehung wurden Gewinne über ISO M. ' gezogen 4»etowi,» tu 10000 M. BB5B2 214956 4©«tolnn« tu BODO M. 189214 299618 T8®«IdIub««u 3000«1. 81463 130446 177048 218337 227879 296204 307018 363940 366991 12«ewlnne tu 2000 M. 131 37 209236 279029 284694 303283 306968 38»etBlnn««u 1 000 OT. 37 44468 103740 156186 166964 164264 198010 232797 244804 252422 277877 301203 302163 307172 311409 318669 338982 386256 387140 84»ewlBn»«u 500 M. 6215 7633 10922 21952 32066 34431 40871 66323 85838 80175 81881 86262 89589 90139 03944 97606 109639 110527 128199 135981 154491 169233 172195 195486 212491 217485 226907 228756 239318 247801 253294 254294 278138 288083 303030 314393 316795 321217 322313 361745 367798 370807 3n der Heuligen Rachmiltagsziehung wurden Gewinne über ISO M. gezogen 2 Oetoinne ,u 10000 9ZL 193263 12»etoimn tu 3000 M. 91 789 1 15920 269386 350908 362278 369981 8(Pttoinnt«u 2000 M. 4141 1 59633 264169 373166 22»«Winne«n 1000 M. 21462 32955 68317 1 12662 160809 200950 210568 268571 275332 333128 72»etoinnt iu 500 M. 11 984 24545 28799 43558 65479 64793 76487 100276 104984 138014 165952 168559 165981 186495 187289 201558 217342 219275 223556 230583 244035 277740 277968 317320 319845 338682 339199 342606 360233 363922 370564 393193 181210 67634 178481 250210 363108 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu>« MOOOO. 2 Gewinne zu je SOOOO. 2 zu je 100000, 2 zu je 75000, 2 zu je 60000, 8 zu je 25000, 59 zu je 10000, 110 zu je 5000, 282 zu je 8000, 538 zu je 2000, 1304 zu je 1000, 2086 zu je 500, 7824 zu je 300 iilt. OiüßMaarMiei-ytrW Uerwaitungsmitgiieden rettag, dem 22. August, fein« litt leren Octoocnuattung. Am Sitzung der mi Die Liquibationen ffir Monat August müssen bis Dienstag, dem 26. August. eingereicht werben, Auszahlung Freitag beu 2«. August. Dir OritTcrwolhiDg. Verkäufe Ausverkauf wegen vollständiger Auf. gäbe. Gardinen, Stores. Bett. decken und Steppdecken bis 50 Prozent ermäßigt. Großes Lager in Teppichen, Brücken. Diwandecken, fabelhaft billig. Teppichhaus Aberbach. Friedrich. straße 163 I. Ecke Bebrenstraße.___• Tapeten. Szillat. Koloniestraße 9• Bekleidungsstüclce, Wäsche usw. Qenio qetroaene Navalieraarberab, Don M llionaren«rrjtrn Anwälten Fabelhall billige Preise. Imo'eh!, Taillrnmäntel. Paletots Frack».£mo. fing« Dchrockaiizilge. ftafen, Sttott. chehoelz«. Delegenheilskäute in neuer Darderobe Weitester Weg lohnend. 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Das selten gut erhaltene Beispiel eines Hauses des ältesten Berlins hat eine interessante Vergangenheit. Es mar Klostergut und diente als Aufenthaltsort fürstlicher Tonnen, die so vornehm maren, daß selbst der Pförtner adlig sein mußte. Dieser mohnte in dem noch heute erhaltenen Pförtnerhaus, von dem rechts auf der Zeichnung noch ein Stück zu sehen ist. Als nach der Reformation die Klöster aufgelöst wurden, beschlagnahmte der Große Kurfürst das Haus für die Krone und machte es zu seinem Lustschloß. Er wird dort manches Schäferstündchen gefeiert haben, trotzdem unter seiner Regierung nach dem Gesetz auf Ehebruch der Tod stand. Solche Gesetze maren eben bloß für die Untertanen. Wenn man heute den von hohen Brandmauern umschlossenen Hof mit seinem Kopf Steinpflaster sieht, die altersgrauen Mauern, das Rondell, Gartenersatz in der engen Festung Berlin, wo sonst kaum Platz mar für Baum oder Strauch, so kamt, man sich kaum vorstellen, daß hier einst das helle Lachen schöner Frauen ertönte. Und doch gemährt der Hof dem Phantasiebegabten ein Bild aus jenen längst vergangenen Tagen, die oft in den'Augen von Leichtgläubigen in so rosigem Licht erstrahlen. Kein Wunder, menn man zu der Berliner Aufführung des „ Dreimäderlha u ses", jener erfolgreichen Operette, den Hof zum Modell für ein Bühnenbild nahm. Auch das Innere des Hauses bietet dem Besucher Interessantes. Das enge Treppenhaus ist sicher ein Ku- riosum. Wellblechbekleidung, die schon 1871 angelegt murde, verhütet weiteren Verfall und bietet den Bemohnern Sicherheit bei Feuersgefahr. Die Verglasung der Tür, die zum Hof führt, besteht aus Marienglas, und zwar sind diese unscheinbaren Stücke weit bekannt; denn sie sind das erste bunte Marienglas, das geschaffen murde. Wieder Notlandung an der Gchwedenküste. postflugzeug 01S39 wegen Motorschcden. Der Keeflugnerkehr«wirf) Schweden scheint unter sehr ungünstigem S»ern zu stehen Gestern mutzte wieder ein postslugzcug acht See- niesten von der schwedischen Küste eine Ilotlandung nornchmen. Das ist der vierte 5» l l dieser Zlrt Im Zeitraum von etwa zwei TNonatca. Zwei Flugzeuge gingen bekanntlich unter, wobei ein Teil der Besatzung und die Bassagiere ertranken. Ein Flugboot n.utztc vor kurzem wegen Kurbelwellenbruchs niedergehen und konnte ohne Gcsährdung von Menschenleben abgeschleppt werden. Es handelte sich diesmal um das P o st f l u g z e u g D 18 3 0, das unter Führung des Grafen schock auf dem Fluge von Stockholm nach Stralsund in der Nähe von cheraldsker, acht Seemeilen non der Allste entiernt, infolge Motorschadens gelandet ist. Der Führer und der Bordmontcur blieben auf dem Flugzeug, einer Dunkers IV ZZ auf Schwimmern, und konnten einem Erfotzflugzeug die mitgeführten Post sack« übergeben. Die Iunkers-Maschine ist dann durch«in Lotsemlugzeug nach Waldemorslyk abgeschleppt worden. Die Maschine wird nach Einbau eines neuen Motors nach Stralsund zurückkehren. Tödlicher Absturz eines Kunstfliegers. Auf dem Flugplatz Obenmefenfeld bei M ü n ch e n stürzte gestern das Flugzeug V 986 ab. Der Flugzeugführer Ohm, der Kunftflüge ausführte, war auf der Stelle tot. Oer 5ernflug Berlin-Tokio. Der japanische Flieger Seiji J o s h i h o r a, der gestern früh auf dem Flugplatz Tempelhof zu einem Flug Berlin— Tokio gestortet war, ist auf seiner ersten Etappe in Königsberg um g Uhr S0 Minuten auf dem Flugplatz Devou eingetroffen und um 11 Uhr 30 Minuten zum Weiterflug gestartet. Lleberfallkommandoverunglückt Fünf Personen erheblich verletzt. Das Ueberfallkommando wurde gestern nachmittag»ach der Düsseldorscr Stratzc 4 gerufen, wo es vor einem Lokal zu einer Schlägerei gekommen war. Aus dem Wege dorthin erlitt dos polizeiauio. in dem auher dem Führer noch drei Beamie sahen, einen schweren Unfall. In ziemlicher Entfernung vor der Kreuzung Düsseldorfer und Uhlandstratzc gab der Führer des Polizeiaistos laute Signole, die von einem Privatautv nicht beachtet wurden. Dadurch kam es zwischen beiden Fahrzeugen zu dem Zusammenstoß. Drei Beamte, der Wachtmeister Grobe sowie die beiden Oberwacht nieister Bonath und Moll wurden auf das Straßenpsloster ge schleudert: sie erlitten erhebliche Verletzungen. Der Führer des Privatauws, Dr. Jakobi aus der Landhausstraße und sein Mit- fohrer, der Kaufmann Hans Hcnsch.cl, trugen gleichfalls erheb liche Verletzungen davon. Polizeiwochtmeister Grabe und Dr. Ja kabi mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Die anderen Der- unglückten kannton nach Anlegung von Notverbänden wieder ent- lassen werden. Beide Fahrzeuge waren so schwer beschädigt, daß sie abgeschleppt werden mußten. Als ein zweites Auto des Usberfallkommandos, das von dem Unfall telcphonisch in Kenntnis gefetzt worden war, in der Düsseldorfer Straße eintraf, hatten bereits Beamte der Revier- paliz«! eingegriffen und die an der Schlägerei Beteiligten ausein andergobracht. Nach den bisherigen Ermittelungen und auf Grund mehrere c Zeugenaussagen soll den Privatfahrer die Alleinschuld an dem Unfall treffen. Während andere Autos auf das bekannte und weithin vernehmbare Fanfarenfignol sofort stoppten, versuchic Dr. Jakabi in seinem Ford noch die Kreuzung zu überfahren. Sei: samerweis« hatte er nicht einmal den Führerschein bei sich. Seit Wochen verschwunden! Man befürchtet Derbrechen an'tljährigem Mädchen. Seil dem 21. Juli ist die 17jährige Hausangestellte Anna F r c y t a g. die bei einem Förster in Loische. in der Nähe van Klosterfeidc bei Wandlitz beschäftigt war, spurlos verschwunden. Die Begleitumstände lassen bisher daraus schließen, daß on dem jungen Mädchen ein Verbrechen verübt worden ist. Die Vermißte unterhicll Beziehungen zu einem 2kjährigcn Melker Johannes H u b r i g: er arbeitete auf einem Bauerngut, das einige Kilometer van Latsche entfernt liegt. Ii, den Abendstunden des 21. Juki hott« H übrig das Mädchen abgeholt und beide entfernten sich in der Richtung nach dem Wolde. Bon diesem Ausgang ist dann Anna Freytag nicht mehr zurückgekehrt. Auch Hubrig war auf einmal verschwunden und konnte erst vor wenigen Tagen i n Schlesien ermittelt werden. Er wurde von der Polizei vernommen und verwickelte sich dabei in Widersprüche. Er bestreitet, mit dem Mädchen an dem fraglicher» Abend ausgegangen zu sein. Diese Behauptung wird jedoch durch das Zeugnis des Förster- ehcpaarcs und auch mehrerer anderer Zeugen widerlegt, die beobachteten, daß Hubrig mit dem Mädchen im Walde verschwunden isl. Unter diesen Umständen besteht der dringende Verdacht, daß Anna Freytag. die ihrer Niederkunft entgegensah, einem verbrechen zum Opfer gefallen ist.— Man hat bereits mit einer Durchsuchung der sehr ausgedehnten Waldungen unter Zuhilfenahme von Polizeihunden begonnen. * Weiter beschäftigt das Verschwinden der 15 jährigen Schü- lcrin Anneliese Pohl aus Spandau. Földcrichstraße 88, die Berliner Polizei. Das Kind ging am 4. Juli um 81» Uhr früh von Haufe fort und ist seitdem verschollen. Die Vermißte hatte ihren Eltern noch 206 Mark entwendet, das Geld muß jedoch lange aufge braucht sein. Alle Nachforschungen nach ihrem Verbleib waren bis- her erfolglos. S/NOAIR LEWIS 'ROMA/V Dann erzählte er vom Tode seines kleinen Jungen. „Er war der reizendste Bengel— jeder hatte ihn gern. Wenn ich abends müde heimkam, faßte er meinen Finger— sehen Sie, den hier, den Zeigefinger— und hielt ihn fest und verlangte, daß ich ihm das Bilderbuch zeige... Und dann- starb er." Herr Schwirtz erzählte das ganz schlicht, während er nach 'den Wolken sah, die wie eine Handvoll weißer Farbflecke auf den blauen Himmel geworfen maren. Una mochte dos Wart„Witwer" nicht leiden: es rief in ihr die Erinnerng an Henry Eorfon mach, und an den Leichen- beftatter in Panama, erweckt« die Vorstellung von Begräb- nissen und müden Männern, die versuchten, ihre Kinder zu waschen und eine neue Frau zu finden, die ihnen diese Arbeit wieder abnähme: Vorstellungen von all den üblen Gerüchen schmutziger Küchen in den Seiten- und Hintergähchen einer Großstadt. Für sie war Julius Edward Schwirtz jetzt kein Witwer mit schlaffen Hautfalten im Nacken, sondern ein Mann, der trauerte, einer, der den Verlust seines Kindchens. das über ein Vllderbuch gebeugt faß, ebenso oerzweiselt«mp- finden konnte wie ein Walter Vabson. Sie. die. Mutterlose, liebte ihn jetzt beinahe, da sie aus der gleichen Stufe mensch- liehen Grams mit ihm stand. Und heimlich weinte sie ein wenig und dachte an ihre Sehnsucht nach der verstorbenen Mutter, während er leise fortfuhr: ..Meine Frau starb ein Jahr später. Ich konnte nie darüber wegkommen: ich meinte, ich müßt' mich umbringen. so oft mir em grobes Wort einfiel, das ich ihr gesagt hotte— natürlich ohne mir was Schlimmes dabei zu denken, einfach bitzig. wie Männer oft sind. Ich glaubte, ich würde nie drüber wegkommen. Die Abende waren einfach unerträglich: sie waren so— leer. Sogar aus der Reise— es war niemand da. dem ich zu schreiben hatte, niemand, dem was an mir lag. Saß einfach in einem Hotelzimmer und dachte an sie. Und ich fonitf es mir gar nicht vorstellen, daß sie wirklich nicht mehr da war. Wissen Sie. Fräulein Golden, Monate nachher, so oft ich von der Reise nach Boston zurückkam, hatte ich das Gefühl, daß ich zu ihr zurückkäme, es schien mir wenigstens so, obwohl ich wußte, daß sie nicht mehr da war— ja, und abends, wenn ich zu Hause saß und ein Buch las, meinte ich oft ihren Schritt zu hören, und ich sah auf und lächelte— und dann war sie nicht da: sie würde nie mehr da sein... Sie war in mancher Beziehung ganz so wie Sie— derselbe Typus von einer klugen, hübschen kleinen Frau mit hellem Haar— ja, sogar dieselben Augengläser... Sie nehmens mir doch nicht übel, haß ich das sage: daß Sie für mich dasselbe bedeuten, wie.. „Rein, ich freue mich darüber.. flüsterte sie. Herr Schwirtz benützte die Enthüllung seines Lebens- schickfals nicht, wie der hastig-zerfahrenc Walter Vabson, als Vorwand, Unas Leidenschaft zu erwecken. Aber er hatte ihre Hand ergriffen und hielt sie fest, und sie ließ es geschehen. Das war alles. Er brachte ihr Blut nicht in Wollung: immer noch war es Walters dunkelhaariger Kopf und das Köpfchen seines Kindes, die sie on die Brust zu drücken wünschte. Doch für Herrn Schwirtz empfand sie ein herzliches Wohl wölben, das fn geruhsam war wie der stille Sommernachmitlog. „Ich bin sehr froh, daß Sic mir das gesagt hoben. Ich versteh' es genau. Ich habe vor einem Jahr meine Mutter verloren," sagte sie leise. Er drückte ihre Hand und seufzte:„Danke Ihnen, Klein- chen." Dann stand er auf und fügte etwas lebhafter hinzit: „Wird langsam spät— höchste Zeit zum Abhocken." Nicht eimnal ihre Hand berührte er wieder. Doch am letzten Abend seine? Aufenthaltes im Hotel bat er:„Darf ich Sie in New Fork besuchen kommen?" Und sie sagte:„Ja, tun Sie das." Sie blieb noch einen Tag nach seiner Abreise: einen langen, einsamen Sonntag. Sie ging ollein fünf Meilen weit spazieren. Sie dachte an die augenblicklich noch entsetzlichere Tatsache, dag der Urlaub vorüber war, daß das Büro sie wieder verschlingen werde. Sie machte sich klar, daß zwei Wochen Ferien genug seien, um auszuruhen und sich vom Büro zu erholen: doch nicht lange genug, um mit der Ent- deckung einer wirklichen Lebensfreude auch nur zu beginnen. Zwischen Angst und Beben vor dem rasenden Herannaben des Bürolebens dachte sie an Herrn Schwirtz.(Sie nannte ihn immer noch so, auch wenn sie mit sich selbst sprach. Es war ihr unmöglich, den Namen„Eddie" mit seiner gevflegten Kor- pulenz und seiner Reife in Einklang zu bringen.) Sie kam zu dem Schluß, daß er bezüglich des Sozialismus unrecht hatte: sie machte schwache Versuche, herauszufinden. womit er unrecht hatte, und entschloß sich, ihre Lehrerin in Idealen, Mamie Magen, um die richtigen Antworten aui seine Einwendungen zu befragen. Sie war überzeugt, daß er in seinem Benehmen und in seiner Sprechweise ein wenig ungeschlacht war, auch ein wenig prahlerisch und ein bißchen redselig. „Aber ich habe ihn gern!" rief sie den Hügeln und dem freien Himmel zu.„Er würde für mich sorgen. Er ist gut. und er könnte manches lernen. Wir würden in New Pork zusammen in Konzerte gehen und so weiter— du lieber Gott. mir scheint, ich weiß selbst nicht allzuviel von all diesen Kunst- fachen. Ich weiß nicht warum, aber selbst wenn er nicht inter- essant ist wie Mamie Magen, ich habe ihn doch gern— glaube ich!" 6. Auf der Heimfahrt nach New Bork, früh am nächsten Morgen, fühlte sie sich so frisch und bereit, in all der morgend- lichen Kraft in und um sich, daß sie sogar Geschmack daran fand, die Arbeit wieder aufzunehmen. Ja. sie freute sich: jede Faser in ihr war einfach vollgesogcn mit Ferientagen: sie fühlte sich so viel stärker und glücklicher: New Pork und diese gmize Berufswelt könnten doch gar nicht wieder ein so er- drückendes Einerlei werden, weil sie sechst sich verändert hatte. Doch im Zuge wurde es ollmählich heiß und staubig: die italienischen Fahrgäste fingen an, Kragen und handbemalte Krawatten abzulegen. lind heiß und staubig, schwitzend und von schwindel- erregendem Gedränge erfüllt waren die Straßen New Porks. als sie es nun abermalz wagte, sich von der großen Zentral- station aus in die Stadt zu stürzen. Es. war spät. Sie ging sofort ins Büro. Sie oersuchte. dos Gefühl abzuschütteln, daß die Berkshire?— wo sie an eben diesem Morgen in der kühlen, grünen Morgevdämme- rung erwacht war— viele Meilen und Jahre zurücklägen. Müde war sie, doch sonnengebräunt, und sie atmete leicht. So stürzte sie ins Büro, stellte ihren Handtosser nieder, freute sich. Herrn Wilkins zu begrüßen, und antwortete gern auf sein hrzlichss:„Na, na. Sie sind ja braun wie eine Negerin! Haben Sie's schön gehabt?" „Das Büro tst wirklich anders," rief sie— jenem anderen. früheren Ich zu, das in einem Zuge gesessen und gehofft hatte. daß das Büro anders sein würde. (Fortsetzung folgt.) Abschied von Robert Wenzels. I-! i Die große Halle des Krematoriums in der Gerichtstraß« �»ermochte kaum alle jene auszunehmen, die gekommen waren, um Abschied von Robert Wenzels, dem treuen Genossen und unermüdlichen Kämpfer zu nehmen. All die alten verdienten Parteiveteranen waren erschienen, um ihrem alten Käme- i raden noch einmal nahe zu sein. Und die Herzen der Jungen waren dankeserfüllt für den Toten, dessen Leben bis zuletzt der f Sache der Unterdrückten und Geknechteten, unserer Sache ge- ' weiht war. Lautlose Stille herrscht, als der Chor das Lied vom Sohn des Volkes anstimmt. Reich ist der Sarg mit Blumen und Kränzen geschmückt. Zu beiden Seiten grüßen die roten Fahnen der Menschenliebe. Die ersten Gedenkworte spricht Stadtrat Genosse S t i m m i n g. Robert Wengels gehört« zu den treuesten der Par- tei. Ihn brauchte man niemals zu rufen, er war stets auf seinem Posten. Zu einer Zeit, da die Sozialdemokratie noch verfolgt und bedrückt war, hat er mutig und opferbereit seine Kräfte in den Dienst unserer großen Idee gestellt. Er war ein Vorwärts. ftürmer bis ins hohe Alter. Der Tod kam zu ihm als«in F r e u n d, der ihn von einem schweren Krankenlager erlöste. Wir danken dir, Robert Wengels, und geloben in deinem Sinne weiter zu arbeilen. — Für den sozialdemokratischen Parteivorstand, den Be- zirksvorstand der Berliner Sozialdemokratie und für den „Vorwärts" sprach Landtagspräsident Genosse Bartels. Dank- bar gedenken wir in dieser Stunde des treuen Genossen, der in vielen Vertrouensämtcrn jahrzehntelang unermüdlich für die Partei tätig war. Wengels war einer der ersten sozialdemokratischen Stadtverordneten. Im Berliner Rathaus hat er lange ! zum Wohle der Berliner Arbeiterschaft gearbeitet. Er war der � Freund Paul Singers, mit dem er viele Jahre harmonisch zu- ' sammen wirkte. Besondere Verdienste hat sich Wengels auch um den �„Vorwärts", als Mitglied der Prsssekommission und Filialleiter er- � warben. 15 Jahre gehörte er dem Parteivorstand an. Robert ■ Wengels Leben war so, daß sein Raine von der Berliner Arbeiter-- - schast und darüber hinaus nicht vergessen werden wird. Bartels /schloß sein« Gedenkrede mit den Worten des Arbeiterdichters:„Der s Gedanke, dem dein Leben opfernd du dahingegeben, siegend wird er weitergeh'n." Ein alter Freund des Verstorbenen, Robert Blum, spricht im i Namen der Parteiveteranen.— Chorgesang schließt sich an, dann erklingt leise die Orgel. Feierlich senken sich die Fahnen über den i langsam entschwindenden Sarg. Lautlos hat sich die erschütterte Trauergemeinde erhoben____ Oer, Meisterspion Deutschlands" - und seine gefälschien Empfehlungsbriefe. Anlor der Anschuldigung. Empfehlungsbriefe ans dem Büro des Reichspräsidenten und de» Auswärligen Amtes gefälscht zu hoben, stand der Kausmann Adolf Thum vor dem Schösscngericht Berlin-Mille. J 1 Er erschien im vorigen Jahr auf dem Reichsentschätügungsamt 'Und machte eine Forderung von 200 000 M. geltend, ' die er damit begründete, daß er in Kriegsgefangenschaft gewesen war und dadurch alle jenen hohen Beträge verloren habe, die er . sonst als Agent für den deutschem Nachrichtendienst verdient hätte. Zur Bekräftigimg seiner Forderung legt« Thum ein Schreiben des . Auswärtigen Amtes vor, in dem bescheinigt wurde, daß Herr Thum . einer der erfolgreichsten und bestbezahlten Agenten gewesen sei wegen gesundheitlicher Kriegsschäden aus dem Dienst ausschei- 1 dn mußte. Dieses Schreiben wurde noch durch einen Brief des ' Ministerialdirektors Kottmann aus dem Büro des Reichspräsidenten unterstützt. Durch telephonische Recherchen erfuhr man, daß keines der amtlichen Büros Herrn Thum kannte, und daß diese Briefe gefälscht waren. Thum blieb bei seiner Vernehmung bei seiner . Behauptung, daß er„einer der größten Spione Deutsch. »ilands" gewesen sei und als solcher das Recht hätte, vom Reich -Für seine Kriegsgefangenschaft entschädigt zu werden. Im Jahre .ilS12 sei er durch einen Oberleutnant zu der Tätigkett im deutschen -Nachrichtendienst oerpflichtet worden, und er habe bis zum Jahre 1913 in Frankreich erfolgreich gearbeitet. Dann sei er nach Ma- Troffo geschickt worden, wo er ein Geschäft zum Export von Holz und Fellen einrichtete, um sein« eigentliche Arbeit zu verdecken. Bei "Kriegsausbruch wurden seine Helfer, die ihn im Nachrichtendienst unterstützten, festgenommen und all« standrechtlich erschossen. Das Geschäft wurde von den Franzosen beschlagnahmt und er selbst ge- fangen genommen. Als er im Jahre 1918 auf dem Wege des Aus- tausch«? nach Deutschland zurückkam, habe er seine Ansprüche an das Reich nicht gleich geltend gemacht. Er habe erst vor einem Jahre seinen Antrag auf Entschädigung einem Herrn vorgelegt, der Beziehungen zu Behörden und auch zum Reichspräsidenten Hindenburg zu haben behauptete. Dieser wollte ihm seinen An- fpruch auf 200 000 M. durchsetzen und oerlangte dafür 10 000 M. Provision. Sie hätten zusammen ein Gesuch an den Reichspräsi- denken aufgesetzt und wenige Tage später habe ihm der Bekannt« die Antwort der Kanzlei gebracht, die er angeblich in gutem Glauben Das Attentat im Arbeitsamt. Terrorisierung der Wohlsahrisbeamien. wie im..Vorwärts" gemeldet, ist es am Montag vormittag in einer Zweigstelle des Wohlfahrtsamtes Lichtenberg zu schweren Ausschreitungen gekommen, wobei der Ausseher Schacht- meier schwer verletzt wurde. Die Ermittlungen nach dem ge- slüchtelen Täter stehen vor dem Abschluß, in allernächster Zeit wird seine Verhaftung erfolgen. UebrigenK stehen derartige Angriffe auf Angestellte des Lichten- berger Wohljahrtsamtes nicht vereinzelt da. Wenn sie in einer der- ort rohen Form bisher noch nicht erfolgt find, so wurden doch schon Krawalle inszeniert, bei denen die Fenster eingeschlagen und Beamte niedergeschlagen wurden. Jedesmal nach einer kommunistischen Erwerbslosenoersammlung steigt die Aktivität einer bestimmten Clique Jugendlicher, die es auf die offene Terrorisierung der übrigen Erwerbslosen abgesehen hat. So wurde wiederholt ver- sucht, in den Räumen dieser Zweigstell« des Wohlfahrtsamtes in der Schreiberhauer Straße während der Abfertigungszeit Ber- sammlungen abzuhalten. Wenn die Aufseher diese Ansammlungen und Ansprachen verhindern wollten, wurden sie von den keilweise auch heute noch in der Kleidung des verbotenen RFB. erscheinenden Jugendlichen bedroht und nach Geschäftsschluß vor dem Amt ausgelauert. Daß diesen linksradikalen Rowdys dermaßen der Kamm schwoll, ist auf das Fehlen der Polizei zurückzuführen. Als in den Räumen, wo es am Montag zu dem bekannten Ueberfall kam, noch das gesamte Arbeitsamt Ost untergebracht war, war ständiger Polizeischutz vorhanden. Bei den ständig steigenden Erwerbslosen- Ziffern erwiesen sich die Räume sur den Arbeitsamtsbetrieb als zu klein, das Arbeitsamt Ost zog in die Boxhagener Straße, und in der Schreiberhauer Straße blieb lediglich die Abfertigung der Erwerbs- losenhilje der Stadt Berlin beziehenden Arbeitslosen. Mit dein Wegzug des Arbeitsamtes wurde die ständig« Polizeiwache ebenfalls nach der Boxhagener Straß« verlegt. Erst seit Montag hat auch die Zweigstelle Schreiberhauer Straße wieder eine Polizeiwach«. Für die letzten Wochen vor der Wahl ist eine weitere Verstärkung des Polizeischutzes vorgesehen. Bei diesen Wohlsahrteerwerbslosen handelt es sich um aus- gesteuert« Arbeiter und Arbeiterinnen, die durchweg schon über ein Jahr erwerbslos sind, eine ganze Reihe sogar schon mehrere Jahre. Trotz ihrer drückenden Rot halten sie sich von ollen Ausschreitungen fern. Lediglich eine Gruppe verhetzter Jugendlicher oersucht die übrigen älteren Erwerbslpsen zu terrorisieren und sie vor den bankrotten Wagen der Kommunisten zu spannen. Bluttat eines Gemeindesekreiärs. Er schießt Vorsteher und Schöffen nieder und tötet sich selbst Magdeburg, 20. August. Der Gcmeiudesekretär Kosseck in hundisburg bei Magde. bürg, dem llnlerschlagungen in höhe von 340 Mark oorgeworsen wurden, erschoß den Gemeindevorsteher?ung und verletzte den Schössen Godau lebensgefährlich. Dann lötete sich der Mörder durch einen Herzschuß. Di« elgenl- lichen Motive der Bluttat sind noch in Dunkel gehüllt. Die Unredlichkeiten, die dem Gemeindesekretär oorgeworsen worden waren, führten zu einer Besprechung in der Gemeindekasse. Kosseck, der auch zugegen war. zog plötzlich einen Revolver und gab einen Schuß ab, der den Gemeindevorsteher Jung sofort tötete. Der Schöffe Godau flüchtete durch das Fenster und brach, schwer verletzt von den nachfolgenden Schllffen Kossecks, zu- sammen. Der Mörder tötete sich darauf selbst durch einen H e r z s ch u ß. Die Gemeinde Hundisburg steht vor einem Rätsel, da.zwei der Beteiligten tot sind und der dritte, der Gemeindeschösfe Gadau, zur Zeit noch nicht oernehmungssähig ist. dem Oberregierungsrat Tecklenburg im Reichsentschädigungzomt vorgelegt habe. Der Prozeß mußt« vertagt werden, da der Geh. Oberregie- rungsrat Tecklenburg vom Reichsentschädigungsamt, der die Anzeige erstattet hotte, nicht erschienen war. Gegen den Abbau der(Sozialpolitik! Am Mittwochabend veranstaltete der kreis Reiulckeudorf der Sozialdemokratischen Parte! eiue große wohlgelungene Wahl- demon st ratio n. Der Aufmorsch begann in Wittenau und ging über waidmaunslust noch hermsdorf. weder die Länge des An- morsches noch die Unbilden des Wetters hielten die Genossen zurück, und von den Einwohnern wurde die Demonstration und besonders die Zugendlichen in ihren blauen Wanderkitteln herzlich begrüßt. Zum Abschluß fand in Hermsdorf ein« große Saalkund- gebung statt, in der die Lgndtagsabgeordnetc Gertrud Hanna sprach. Sie behandelt« die Bedeutung der Wahlen am 14..September unter Berücksichtigung der?luftechterhaltung der Sozialpolitik, die dem Profitstreben des Unternehmertums zum Opfer fällen soll. Vor ollem die wahlberechtigten Frauen müssen erkennen, daß es um ihre eigenen Interessen geht. Am 14. September bedeutet Sieg der Sozialdemokratie Sieg des Selbstbesttmmungs- rechtes der Arbeiter und die Rettung aller sozialen Errungenschaften der Deutschen Republik, deren Todfeind das reaktionäre Bürger- tum fft. Die Ausführungen der Reserenttn fanden die stürmische Zu- stimmung der Anwesender!. Von Rowdys niedergeschlagen. In diesen Tagen wurde der 16jährige Schüler T., Berlin- Grunewald, bewußtlos in das Krankenhaus Lichterfelde eingeliefert. Der Schüler wurde am Hindenburg-Park in Steglitz von einer fahrenden Gruppe— ob es Nazis oder K o m m u> n i st e n waren, kann er nicht angeben— nach der Zeit gefragt. Auf seine Antwort, daß er keine Uhr bei sich trage, schlug man ihn über den Kopf und warf ihn aufs Auto, wo er bewußtlos liegen blieb. In Steglitz setzte man ihn dann auf die Straße, wo er von Passanten gesunden wurde. Ein hinzugerusener Schupo- bcamter sorgte für seine Ueberführung in das Krankenhaus. T. ge- hört, wie wir erfahren, keiner politischen Organisation an. « Im Laufe des gestrigen Nachmittags kam es in der M i ch a« l« kirchstraß« sowie in der F r i e dri chst ra ß e wieder zu Schlägereien zwischen Kommuni st en und Nationalsozia- listen. Am Pariser Platz wurden 20 Nationalsozialisten wegen Bannkreisüberschreitung zwangsgestellt. An der Mü n z st r a ß e Ecke Dragonerstraß« mußte eine Ansammlung Das Llnglöck aus der Heidekrauibahn Verschleppung der Lttttersuchung. Wie erinnerlich, Halle sich zu Pfingsten im Bahnhof Bas- d o r f,-dem Gabelpunkt der Niederbarnimer Eisenbahn,«in Unfall abgespielt, der durch eine falsche Betätigung der Weiche entstanden war, und bei dem 14 Personen mehr oder weniger schwer verletzt -worden waren. Der Dienstleiter Otto, der den Unfall verschuldet hatte, war von der Direktion der Niederbarnimer Eisenbahn sofort jeines Postens enthoben worden. Unmittelbar nach dem Eisen- ibahnunfall hatten die zuständigen Amtsbehörden und auch die Gen- darmerie die Feststellungen erhoben, um wenigstens vorläufig er- Mitteln zu können, ob dem Bahnbeamten allein die Schuld treffe oder ob«ine Verkettung unglückseliger Umstände vorläge. Dabei wurde damals ermittelt, daß die'technische« Anlage« aus dem Lahnhof Bacdorf vollständig veraltet sind, daß das Gebäude, in dem die Weichenanlage nnlergebrachl ist, an einem sehr na- günstigen Platz stehf, von dem aus man die Strecke nicht genügend übersehen kann, und daß die einzelnen Beamlen noch andere Reben- beschZftigungea hatten, so daß sie nicht mit der genügenden Sorgfalt arbeiten konnten usw. Der Amtsvorsteher von Wandlitz hatte seiner- zeit, einen Tag nach dem Eisenbahnunglück, der Staatsanwaltschaft in Berlin einen ausführlichen Bericht übersandt, während die Unfallstell« durch Beamte der Gendarmerie photographiert worden war. Eine Untersuchung wegen des Eisenbahnunglücks wurde jedoch von der Staatsanwaltschaft nicht eingeleitet, und erst sechs bis sieben Wochen später wandte sich die Untersuchungsbehörde erneut an den Wandlitzer Amtsovrsteher mit-der Frage, warum denn bei ihr noch keine Bernehmungsprotokolle usw. eingegangen seien. Der Amtsoorsteher teilte daraufhin der Staatsanwallschaft mit, daß die Vernehmung des suspendierten Bahnbeamten und anderer Personen nicht zu seinen Befugnissen gehör«, sondern daß dies« Untersuchungen durch die Eisenbahnpolizei hätten vorgenommen werden müssen. Die Eisenbahnpolizei war aber in diesem Fall niemand anders als die Direktion der Niederbarnimer Eisenbahn selbst, die es nrevkwürdigerweise unterlassen hatte, der Staatsanwaltschaft sofort die Protokolle aller von ihr vernommenen Beamten und die Berichte ihrer Ingenieur« einzureichen. Erst daraufhin ist die Direktion der genannten Eisenbahngesellschost von der Staatsamvoltschast auf- gefordert worden, ihn schleunigst alle benötigten Unterlagen zn über- senden, dannt man in Moabit die Schuldfrage prüfen könne. Vielleicht wird auch bei dieser Gelegenheit die Untersuchungs- behörde festzustellen suchen, aus welchem Grunde die Direktion der Niederbarnimer Eisenbahn nicht von selbst alles getan hat. um den Gang der Untersuchung zu beschleunigen»der ob man dort der An- ficht gewesen ist, daß der Unfall auf dieser in jeder Beziehung rück- ständigen Eisenbahnlinie in Vergessenheit geraten könnt«. kommunistischer Demon st ranten von der Polizei aus- gelöst werden. Dabei wurde eine Person festgenommen. Auch in den Abendstunden gerieten rechts-- und linksradikal« Gegner noch mehrmals aneinander. Tobsuchtsanfall vor der Gerichtsverhandlung. Der rumänische Offizier Andreas Bien v. Puszatako- vaczi, der sich gestern vor dem Schöffengericht Charlottenburg wegen der Veruntreuung einer ihm anvertrauten Erbschaft verant- warten sollte, erlitt, als er zur Verhandlung aus dem Untersuchungsgefängnis vorgeführt werden sollte, einen Schreitrampf und «inen Tobsuchtsanfall, der die Durchführung der Berhand- lung unmöglich machte. Der Gesängnisarzt teilte dem Gericht mit. daß der Angeklagte infolge einer heftigen Haftpsychose unter so schweren seelischen Depressionen leide, daß er sich trotz bestem Willen nicht genügend zusammennehmen könne. Auf Grund dieser Begutachtung vertagte dos Gericht den Prozeß, der ungefähr 14 Tag« spater stattsinden wird, falls sich bis dahin der Gesund- hcitszustand des Angeklagten gebessert hat. Neues Männerhcim iu der Ackerftraße. Die Heilsarmee eröffnete im Beisein von Vertretern der Staats- und Kommunatbehördcn ihr viertes Männerheim in Berlin, Acker- straße 128— 129. Sie ist diesmal in den Wedding gezogen. Ein ehe- maliges Fabrikgebäude(in unmittelbarer Näh« der Meyerschen Höf«) bietet noch vollendetem Umbau Schlafgelegenheit für 4 20 Männer. In 18 verschieden gestrichenen Räumen sind die Betten aufgestellt. Und der Speiseraum wird auch tagsüber offen gehalten, so daß die Besucher nicht vor verschlossenen Türen wartm müssen, wie zum Beispiel im Heim in der Büschingstraß«. Die Bade- und Duschgelegenheiten halten neuzeitlichen Anforderungen der Hygiene stand. Neu sind die Wasch- und Trockenanlagen für die Kleidungsstück« der Besucher, die ihre meist eine und einzige Gar- nitur so schnell instand setzen können. Und dies alles für 60 Pfennig pro Nacht und oft noch billiger. Di« einzige Auswahl, die die Heils- armee bei der Aufnahme ihrer Besucher trifft, ist die Bedingung: frei von Ungeziefer. Unbarmherzig hell kontrolliert eine oielhundcrt- kerzige Glühbirne die Häupter der Besucher des Heims, und kein noch so kleines Insekt entgeht ihr. Es war notwendig, daß in diesem Bezirk Berlins, wo zur Zeit ein Drittel-der Bevölkerung auf Unterstützung angewiesen ist,«in neues Asyl entstand, bestätigt« auch Bürgermeister Genosse Leid. Be- dauerlich ist aber, daß die schlechte Finanzlage der Stadt die Jnitia- tioe zu derartigen Gründungen der privaten Wohlfahrt überlassen nmhte. 750 Jahre Kloster Lehnin. Das den Berliner Ausflüglern wohlbekannte Kloster Lehn in bei Werder wird vom 6. bis 8. September die Feier seines 750jährigen Bestehens begehen. Ursprünglich sollt« dies« Feier erst ein« Woche später stattfinden: mit Rücksicht auf die Reichs- tagswahlen wurde sie jedoch auf den früheren Termin gelegt. Di« Feier beginnt am 6. September mit der Aufführung eines Fest- s p i e l s„Aus Lehnins allen Tagen" und mft einem Fackelzug nebst Feuerwerk. Am Festsonntage wird ein F e stz u g die Geschichte des Ortes und des Klosters in acht Bildern Wiederaufleben lassen. Das Königshaus des Klosters ist zu einem Heimatmuseum ausgestaltet worden. „Plaza". Wirbelwindsensation auf Rollschuhen bezeichnet dos Programmheft die Darbietungen der„Five Resua Roller Girls" und sagt damit nicht zuviel. Alle Anerkennung dieser äußerst beweglichen und durchtrainierten Damentruppe, die aus kleinem Parkett tolle Lei- stungen vollbringt. Dann interessieren die Kraftsportspiele des M a e ist e- T r i o s, die von Maciste selbst würdig vertreten wer- den. Willie Dietrich produziert sich als vielseitiger Musiker, der auch einer Zigarrenkiste nicht unedle Töne zu entlocken weih. Bleiben im ersten Teil noch The O'Connor in einem Drahtseilakt und I. Palma als Jongleur, die beide die Gunst des Publikums zu erringen wissen. Der zweite Teil ist ausschließlich.K a s s n e r s Zauberschau" vorbehalten. Kassner bringt u. a. einige neue Illusionen und läßt als Glamstück seiner Nummer einen lebenden Elefanten von der Bühne verschwinden. Aber muß man Jllussons- stücken dieser Art einea so großen Raum im Programm zur Per- fügung stellen? Gegen Wken Muntgernch, naa) ISr.g-rer Mundruhe und nach dem Nauchen benutze man zum Desodorieren und Aromatisieren des Atem, eine Spülung mit dem herrlich erftischendea Chlorodont-Muadloasser. Flasche 1.— Mk. i Llngetreue Erben? Unterschlagungen beim Amtsgericht Eharlottenburg. Beim Amlsgerichl Ehorlolleuburg ist die Iuslizverwollung dieser Tage durch eine eingehende Revision aus größere Unstimmigkeiten gestoßen. Man glaubt, daß die höh« der veruntreuten Summe etwa Z0 000 Mark beträgt. Das Verschulden an diesem Fehlbetrag trifst noch der Auffassung der Staatsanwaltschaft die Angehörigen des am 25. Juni verstorbenen gerichtlichen Zwangsverwalters G. Pfan- n e n b e r g, der feit etwa 20 Jahren am Amtsgericht Charlottenburg tätig war. Pfannenberg, der sich eines besonders guten Rufes erfreute, erkrankte Mitte April dieses Jahres. Zwei Wochen zuvor waren die Bücher, wie es gewöhnlich in gewissen Zeitabständen geschieht, von einem gerichtlich vereidigten Bücherrevison geprüft und in Ordnung befunden worden. Psannenberg war ziemlich zwei Monate bettlägerig, er litt an einem bösartigen Furunkel und durch ein« hinzutretende Blutvergiftung starb er ganz plötzlich. Während der ganzen Krankheit waren die Bücher von seinem Sohn und seiner Tochter weitergeführt worden. Bei der nach dem Tode Pfannenbergs von demselben Bücherrevisor vorgenommenen Prüfung stellte sich überraschenderweise ein Fehlbetrag von zunächst 34 000 M. heraus. Diese Summ« Hot sich inzwischen jedoch um einige tausend Mark verringert. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß von den Kindern Pfannenbergs auf der Eingangsseite Summen verbucht find, die gar nicht eingegangen sein können. In diesen Fällen handelt es sich demnach um irrtümlich erfolgteEingangs- buchungen. Trotzdem glaubt die Justizverwaltung, daß Unregel- Mäßigkeiten vorgekommen sind und daß von den Angehörigen des Zwangsverwalters Manipulationen vorgenommen worden sind. Deshalb ist«in Arrest aus das vermögen der Erben erlassen worden, außerdem sind die Konten bei der Sparkasse und Stadtbank beschlag- nahmt worden, so daß die Justizverwallung, wenn tatsächlich Unter- schlagungen in d e r höhe stattgefunden haben, voll gedeckt ist. Bon der Staatsanwallschast III ist ein Strafverfahren gegen die Angehörigen eingeleitet worden, aus Grund dessen sich auch herausstellen wird, ob bei einzelnen Banken tatsächlich bisher unbekannte Konten bestehen. Oer Leiermann. Seit 32 Jahren zieht der 67jährige Drehorgelspielcr S. aus der Wrangelstroße 70 mit seinem Leierkasten von Haus zu Haus; tagaus tagein, b«i glühendster Sonnenhitze, im strömenden Regen und bitterkaltem Frost. 32 Jahre lang zieht er die Straße lang, spielt er den Menschen die neuesten Schlager vor, kratzt er für sich und die Seinen mühselig«in paar Groschen zusammen. Andere Arbeit kann er nicht mehr leisten, seit ihm die grausame Maschine den rechten Arm mit Stumpf und Stiel vom Körper trennte. So ward auch ihm das Los der Invaliden zuteil, der Leierkasten; und un- ermüdlich, gewissenhaft, wie er früher an der Maschine stand, schob er jetzt seinen Musikwagen von Hof zu Hof. Jeder mochte ihn gut leiden, den freundlichen alten Mann, der seine Liedlein mit leisem Gesang untermalte und tapfer, stets frohgelaunt, sein Stücklein Brat verdiente. Als er am gestrigen Tag in der Stralauer Gegend auf- spielt«, lockt« ihn ein etwa 20jähriger Rowdy unter irgendeinem Dorwand in das Haus Etraloucr Allee 7», packte ihn, drückte ihn an die Mauer und beraubte ihn seiner Barschast von etwa zehn Mark. Ehe der zu Tode erschrockene Alte um Hilfe rufen konnte, war der Täter längst über olle Berge.„Und gerade heute wollte er seinem kleinen Urenkel«in kleines Geburtstagsgeschenk kaufen," erzählt Mutter S., seine 72jährige Frau,„und auch sonst warten wir mit Schmerzen auf die paar Groschen, die er nach Haus« bringt, denn mit dem bißchen Unfall- und Sozialrente reicht es nicht her und nicht hin. Run muß er jetzt, bei dem strömenden Regen wieder raus und er wäre so gerne zu Hause geblieben, der Schreck sitzt ihm noch in allen Gliedern und sein krankes Herz macht ihm allerhand zu schaffen. Aber der Ausfall an Geld läßt ihm keine Ruhe. Hoffentlich passiert ihm nicht wieder so was Schreckliches!" Me verroht aber muß jener Bursche sein, der einen alten annen Invaliden überfällt, um ihm seine schwerverdienten letzten Groschen zu raichen! Freie Fahrt zur Funk- und Phonoschou am Kaiserdamm! Um breiten Massen Gelegenheit zum Besuch der Funk, und Phono- schau Berlin 1930 und ihrer zahlreichen Sonderveranstaltungen zu geben, will die Ausstellungsleitung ollen denjenigen Ausstcllungs- besuchern frei« Fahrt zur Ausstellung gewähren, die Ein- trittskarten an den Schaltern der Hoch- und Untergrundbahn, der Stadt- und Ringbahn und der ersten Zone der Vorortbahn, bei den«chaffnern der Autobuslinie A 7 und der Straßenbahnlinien 53, 58, 72, 75 und 93 vom Tage der Eröffnung an erwerben. Am Eröffnungstag. Freitag, 22. August, ist die Ausstellung für den allgemeinen Besuch von 9�0 Uhr vormittags an offen. Spart. Rennen zu Sarlshorft am Mittwoch, dem 20. Augnfl. 1. Nennen. 1. Mima(Gimpl), 2. Teutobod, 3. Madonna d'Arezzo. Solo: 20: 10. Drei liefen. 2. Rennen. 1. Houblon(v. Moreau), 2. Kern. 3. Holdrio. Toto� 27:10. Platz: 21. 37, 40:10. fternrr liefen: Haloa. Aneilla. Welf(ausgbr), Ozema, Heideland, Mansbach, Jnslruttor, Satan III, Ernani. 3. Rennen. 1. Flcch(o. Berchem), 2. Starolte. 3. Mosellaner. Toto: 37:10. Platz: 18, 82:10. Ferner Uesen: Richtlinie. Moit, Otavi. 4. Rennen. 1. Tell(Oertel), 2. Frauengunit. 3. Malburg. Toto: 61:10. Platz: 16, 17, 17:10. Ferner Uesen: Hella, Letzter Versuch, RatlSbona, Melone lgef.). 6. Rennen. 1. Tornado(v. Jmhos), 2. Borgia, 3. Cheri. Toto: 20: 10. Platz: 21. 36: 10. Ferner Uesen: Gerwin, Don II(auägbc.), Vigor. 6. Rennen. 1. Nicomedia(Oslo. Müller), 2. Flotte Fahrt, 3. GraS- gröfin. Toto: 686:10. Platz: 86, 21, 17:10. Ferner lieien: Teutonia, Soraoia, Märchenland, Fasanenhcnne, Flinkes Mädel, Prlevlusa. Nord- srieSland, Silvio. 7. Rennen. 1. Zarenlind(Kran, lein), 2. Carlchen. 3. Simplars. Toto: 225:10. Platz: 43, 14, 14:10. Ferner fiesen: Tiesensurt,.Oldwig, Partagas, Hanau, Balisetle, Gasrlle, Capellus. Oefffentliche WäMerknndgebungen Heute, Donnerstag, 21. August: Martendorf. Jungwählerversammlung um 20 Uhr im Lokal Mali, Chausseestr. 305. Niederschönhausen. 19'/� Uhr im Schloß Schöirhousen, Linden- strahe 11. Redner: Albert Faltenberg. Unter Mitwirkung des Gesangoereins„Zukunft" und der Sprechgemeinschost Nieder- schönhausen. Horgen, Freitag, den 22. August: Köpenick. 19K Uhr im Stodttheater, Friedrichstroße 6. Redner: Dr. Julius Moses. Steglitz. 20 Uhr im Gymnasium, Heeseftrahe. Referent: Paul Robinson, Stadtverorlmcter. Mmier nnfl Frauen ersdiclnf in Hassen! Partemachrichten 4�1 für Groß-Berlin Cinfentmngen fü» diese Rubrik sind il stet, an da»««»irtisekritarl», • et Ii. SB«6. Ltudeustra»« z, 2. Hof, 2 Treopeu recht«, zu richte». Für den Wahlfonds der SPD. in Berlin wurden von der Belegschaft der Berliner Töpferhütte G. in. b. H. 92 Mark, von der Paris-Reisegruppe 4d 32,12 Mark gesammelt und abgeliefert. Allen Spendern hierdurch besten Dank. I. A.: Alex Pagets. * 5. ÄKi, Friedrichebuin. Ein flneifet ist in bor Äwisnerttetorkomforen* am 8.«August in den AndroasfosiCälon gcfttnbon fflorbon. W�udolon Linden» stratz« Z im Betriebssckreiariai. Morgen, Freilag. 22. August. 8. Abt. 1*04 Uhr bei Lehmann, Bartelstr. 7, Funktionärsitzung. ». Abt. Sihung der Feitungskommissionsmitalieder und der Ordner um ISth Uhr bei Hufeubach, Perleberger Str. 6t. 38. Abt. Uhr Funktioniirslhung bei Bartusch. Zriedenftr. 88. Achtung! Um IZsh Uhr piinkilich Vorstondssitzung hortselbst. 85. Abt. Tempelhof. Di« Genossinnen und Genossen au« Heu Bezirken 1 bi» 7(für Reu-Tcmpelbok ist besondere Regelung getroffen mordeul. hie bereit sind, die Wählerlisten abzuschreiben, treffen sich um iSMi Uhr im Lokal Pommerening. Berliner Eir. WO. Anschlietzeud findet unsere Borstandssituing statt. 08. Abt. Reukölla. l9Vi Uhr bei Roack, Iuliusstr. 35, Tunktionärsthung. Jeder Bezirk mich unbedingt vertreten fein. 124. Abt. Mahtidorf. 20 Uhr bei Ander». Bahnholstr. 37, Funkiioniirsihung. Sonnabend. 2Z. August. 120. Abt. föriedrich-seld«. Die Teilnehmer am Wahlumgug trekseu sich bei Schwär,, Capriviallee 104. Abmarsch ITH Uhr. Rachgiigler direkt Haltei- strahe lZugendbithne). Sozialistische Studentenschaft. Ortsgruppe Verlin. Heute. D«»»ee«tag, 2l. August, 20 Uhe, im Bund, Albuechiste. 11, ae- sellige, Delsauunenscin. Iungsozialiflen. Gruppe giriedrichahain. 20 Uhr im Jugendheim lZraukfurter Alle« 507, Hermann>LSn»3immer, politische Zeitungsschou. Gruppe Mitte. Heute, Donnerstag, 21. August. 20 Uhr. im Jugendheim Fehdenicker Str. 24—25, Thema:„Was bedeutet uns Palästina? Referent: ». Stechert. Gruppe Tempelhas-Rarieudarf. Heut«, 20 Uhr. Iungwiihlerversammlun, im Mo-LI. Wir treffen un» um 10«? Uhr. Prenzlauer Beeg. Heut«. 20 Uhr, Dangig««tr. 28. weltliche Schul«. politisch-saiirischer Abend. Gäste gern gesehen. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. strei, Reulolln. Hclferkreis. Am kommenden Sonnabend und Sonntag ist Helfersahrt. Treffpunkt um WVi Uhr Bahnhof Reukdlln. Unkosten ungefähr l.ZO M. Alle Helfer werden erwartet.— Gruppe Biete. Heut«, Donner». tag, 20 Uhr. in der Schul« stopfstrgh« Gliernverfammlung. HohenschSnhausen. Heute stnd wir im Jugendheim ftreienwalder Sivahe von 17 dl» 19 Uhr zusammen. Ärei» Köpenick. 28. und 34. August Propagandazeltlager in Bohnsdorf, Schulzendorfer Einche. Am Sonnnabcnd um 17 Uhr Gintreffen der Gruppen am Bahnhof Grünau. Abmarsch, sieliaufbau, Etrohsäcke stopfen, Umzug usw. Wer wegen schlechten Wetter» verhindert ist, wird am Sonntag früh erwartet. Sonntag: Weiten, Dninnastik, Propagandaumzug, Spiele. Nachmittags Zest. aestaltung. Gäste aus andere» Gruppen willkommen. Gruppen, die ohne sielt über Nacht bleiben wollen, müssen stch umgehend bei Bruno Ari», Bohn»do>f, Poradicsstr. 12, melden, damit Strohbleibe besorgt werden kann. Gruppe Zriedrichshage«. Treffen Sonnabend, 15 Uhr, Sonntag, 8 Uhr, Tunnel. Decken! sielllagee Schweiz, Dors 7. Lest Mitteilung unter Ztrei» Kiipenick. Gs fehle» immer noch eute sisi.-Beiträge und die Bestcllzahl. Bei der nächsten sientralhelfersttiung treffen wir uns 30 Minuten früher. Platten und Abzüge mitbringen zur siusammenstellung der Lichtbildserie, Zeltlagerberichte der Fallen usw. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei> Organisation} 17. Abt. Nach langem Leiden ist unser Genosse Otto Honsel, Triftstr. 52, »erstorben. Einäscherung Freitag, 22. August, 20 Uhr, Krematorium Gericht. strahe. Rege Beteiligung wird erwartet. 48. Abt. Unser Genosse Franz Sage, Prinzenstr. 15, ist am 18. August »erstorben. Ehr« seinem Andenken. Einäscherung Freitag, 22. August. 1? Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Wir bitte» um rege Beteiligung. In der aktuellen Abteilung überträgt die Funkstunde die Er- Öffnung des ersten«uropäischen Kongresses für Leibes- Übungen und damit die Rede des früheren preußischen Kultus- Ministers Dr. Boelitz, der sein Staunen darüber äußert, daß das evangelische Christentum Frieden mit dem Sport geschlossen hat. Niemand kann einschen, warum dies« ölig«, Pastorale Rede Übertragen wird. Poritzky, ein ausgezeichneter Essayist, liest ein paar Skizzen, die ohne weitere Bedeutung sind. Hier ist alles im Kon- ventionellen verhaftet. Die Sprache erscheint unbiegsam und un- lebendig. Poritzky, der gute Skizzen literarischer Persönlichkeiten schreibt, der auf diesem Gebiet über feines Fingerspitzengefühl ver- fügt, kann skizzenhafte Vorgänge nicht originell formen, und es ist nicht notwendig, daß er damit vor eine große Oeffentlichkeit tritt. Aus Salzburg von den Festspielen sendet man Glucks„I p h i- g e n i e in A u l i s". Schon die Ouvertüre wird unter Walters Leitung zu einem großen Erlebnis. Die Wiener Phicharmoniker spielen glänzend. Jede Figur ist bis ins kleinste geschliffen, und doch wird die groß« Linie gewahrt, der edle, heroische Ausdruck und auch die Grazie, die dieser Musik«igen ist. Ein gut gewähltes En- semble schöner Stimmen unterstützt die Wirkung. ff. Lad. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serliu Sinsendungen für diese Rubrik nur an das fügend sefreiari«. Lerliv SW SS.-Cindenstrabe s Arbeitsgemeinschaft Abraham: Heute, Uhr, Beginn der Arbeite- oemeinschdft:..Wirtschaftsgeschichte" in der Arbeiterbildungsschuse, EW., Lindenstr. 3, II. Hof. 2 Treppen rechts. Anmeldungen werden dort noch entgegengenommen. heute, Donnerstag, 2l. August. 19'/' Uhr. Arnimplatz: Resuch des MetallarbeiterAinos. Treffpunkt 19 Uhr S<5.— Arnsmalder Platz IJ: Heim Raftenburger Str. Iii.„Unsere Arbeit in De. � un� Schule."— Falkplatz I: Schule Sonnenburger Str. 20. Heimabend. — Nordosten II: Heim Danzig�'r Str. 62. N. 3...Was ist Wirtschaft?"— Schönhauser Borstadt: Schule Sonnenburger Str. 20.„Äeia�sbanner und SAI." Köpenrcker Viertel: E6>use Wrangclstr. 123...Denkmäler Berlins."— ftott. bnffcr Tor: Heim Britzer Str. 27—30.„Freie und gelhe Gewerkschaften."—. Südwest: Heim Lindenstr. 4.„Die Kirche als Machtfaktor der Reaktion."— Gchöneberg III: Heim Hauptstr. 15. Tagespolitik.— Zehlendorf.Dahlcm: Volksschule Dahlem. Lansftr. 2—5.„Gandhi und die englische Arbeiterpartei." — Buchholz: Schule Berliner Str. 19.„Warum verneinen wir die Kirche?" — Pankow III fR.-F.): 18 Uhr Spiel und Sport in der Schönholzer Heide.— Llchtenberg.Rordwcst: Funktionärsttzung beim Genossen Fritz Müller, Nor. mannenstr. 41«. Werbebezirk Westen: Heim Charlottenburg, Rostnenstr. 4. Wevbebezirks» nntgliederversammlunq. Referat des Genossen Gustav Weber:„Republik, das rst nicht viel, Sozialismus heißt das Ziel!" Werbebezirk Schöneberg: Lastautofahrt am Sonnabend nach Cottbus zum Iugendtag. Unkosten 2,50 M. mit Uebernachten in Litbben. Tre-ffpunkt pünkt. lich I8V2 Uhr Ebersmarkt. Schöneberg. und 19 Uhr„Neue Welt", Hasenheide. (£« werden noch 30 bis 46 Teilnehmer gesucht. Fahnen. Transparente und Schlafsärke mitbringen. Anmeldungen: Kurt K061, Schöneberg. Cherusker- strafte 30. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Tambourkapelle. Ueben aller neuen Flöter und sämtlicher Trommler. Sonnabend Spielen in Charlottenburg. Allgemeine Wetterlage. 20Aug.tä30,abd3.�S © wolker los.® heiter.<5 talbbedecki ®wolldg,*bedecH*Reg0ivAGraup«!n lSchnensHrf)d,"l'Gcwistee@Wmdsiille Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Eelckiält» stell«: Berlin 6. 14. Sebastianstr. 37—38. Lok 2. Tr. Donnerstaq, Zi. August. Wilmer,dorf. Ilm 20 Usir Kameradschnff». Versammlung bei Kulio, Louenbueffor Straße. Stenliß� Uhr im Rcstauront Schulz, Birkbuschstr. 00, Sißun« de» Dorstande» (Aufnahmegesuch). Anschlioßend um 2014 Ubr allgemeine Funlffonärsißunaed»buch. Eharlottenburg lOrtsverein). llui 20 Uhr Mitgliederversammlung im Edenpalast. Tagesordnung: Wahlarboit und Vorfossungsseier. Steglih lOrts. verein). Um 20 Uhr Gnmnosium Heerstraße Saalschuh bei der SPD..versamm. lung. Antreten daselbst um 10!» Uhr. Lichtenberg. Um 20 Uhr folgende Komc. radschoftsversommlungen: Trovcploh bei Scipic, Kronprinzenstraße. Gustav Tempel b«i Rodegast, Rormonnenstr. 38, Rummelsburg bei Brunn, Türrschmidi. straße 40. Alle aktiven und passiven Mitglieder haben hier zu erscheinen.— Sonnabend, 23. August. Kreuzbcrg. Achtung, Lagowfahrt! Abfahrt pünktlich 17 Uhr Fontanepromcnade. Werbe, und Agitationsmatcrial mitbringen. Tempel. hos lOrtsperein). Umzug mit Spielmannszug in Marienfelbe. Treffpunkt 18!v Uhr Bismarckstraße lEisenbahnbenuhung). Anschließend Kundgebung bei Peffch, Berliner Straße.— Fri«drich,hain. Jungbanner. Donnerstag. 21. Au» gust. 20 Uhr, Antreten in Zivil Warschauer Brücke.— Wedding lOrtsverein). Freitag. 22. August, 19 Uhr. außerordentlich« Generaloersammlung in der Sachschulbrauerei, Amrumer Str. 31. gelber Saal.— Köpenick lOrtsverein). Freitag, 22. August, Ig Ubr, Antreten Volksploh. Müggelheimer Straße, zum llmmarsch. Anschließend 20 Uhr Versammlung der SPD. im Stadttheater. Redner: Moses.— Reinickendorf. Ost lKamerodschaff). Freitag, 22. August, 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Kiehne, Residenzstr. 0. Arbeiisgcmeinschast sür Forstschuh und Ralurkunde S.v. 130. Also« Wanderung: Sonntag, den 24. August: Wanderung nach der Römerschanze bei Potsdam unter Führung von Herrn Dr. Hilzhciiner. Treffpunkt vormittags 9 Uhr am Bahnhof Wanntec. Dampferfahrt nach Moorlake-Sakrow, Besichtigung des Schiotzparles in Eakrow. Mitglieder srei, Gäste 0,30 M. i Die Wetterloge über Mitteleuropa hat sich seit Dienstag wesent- lich beruhigt. Es hat sich ein Hochdruckgebiet über Deutschland ge- bildet, das im größten Teile des Reiches Aufheiterung gebracht hat. Westlich von Irland liegt aber jetzt schon eine neue Sturmdepression, die sich nach Nordwesten ausdehnen dürfte. Sie wird aber vermut- lich unser Wetter nicht so beeinflussen wie ihre Vorgängerinnen. Das eigentliche Schfechtweiterg«bi«t, das bis zum Mittwoch adend bis zum westlichen Frankreich vorgedrungen war, dürste am Donnerstag voraussichtlich nur die westlich« Hälfte Deutschlands in Mitleiden- schaff ziehen. * I wetteraiissichten für Berlin: Zunächst trocken und ziemlich heiter j bei rascher Erwärmung und südlichen Winden, später etwas Bo- z wöltungszunohme.— Für Deutsihland: Im Osten Wetterbesserung, in Mitteldeutschland m«ift heiter, im Westen zunehmende Eintrübung, und später etwas Regen, am Tage allgemein'warm. M AGG 1® Würz« hilft in der Küche sparen. Schon wenige Tropfen geben schwachen Suppen, Soßen, Gemüsen und Salaten kräftigen Wohlgeschmack—• Vorteilhaftester Bezug in großer Originalflasche zu R.M. 6.50. Verfangen Sie ausdrücklich MAQGSS Würze 3*. tRomanoff: Sltt /df/eliitCS»/Jillf Snxm Mitrochin, Sciiutzmonn des Bezirfs, der unmittelbar nach der Geburtstagsfeier seiner Schwägerin feinen Posten bezog. stand nun an ein Haustor gelehnt und dachte: es gibt nichts Schling meres. als Bier und Schnaps zu trinken. Es wird einem ganz ur»- heimlich zumute, und nor den Augen fpukt's. Was ist ober zu be- fürchten? Straße ist holt Straße— und gegen Strolche habe ich einen Revolver. Aus einmal erstarrte ihm das Blut in den Adern: auf ihn gingen zwei Ungeheuer auf vier Pfoten zu: sie bemühten sich offen- bar, in der Mitte der Straß« zu bleiben, wurden jedoch immer gegen den Gehsteig, wo der Schnee in Hausen lag, zugetrieben. Die Ungeheuer kamen immer naher. Und der Gedanke durch, .zuckte ihn, daß es Boren feien, vielleiclit aus dem Aoo oiisgeristen. Er versteckte sich im Haustor und wartete. Die Baren kamen dicht ans Tor, und er horte deutlich ihr Gespräch: «Sa, heute haben wir genug gekostet", sagte einer der Büren. Durch die menschlich« Stimme ermutigt, näherte sich Mitrochin unentschlossen den beiden:„Bürger, bleibt stehen!" sogt« er, indem er ihnen den Weg vertrat. „Warum geht ihr nicht nach Vorschrift?" „Wir versuchten es schon auf jede Art", sagte der eine, indem er auf ollen vieren stehen blieb und den Kopf hob. Er schob seine Schastnütze zurecht und sprach mit stammelnder Stimme: „Zuerst gingen wir nach Borschrift, haben uns aber dabei die Schnau.zen zerschunden." „Bin gezwungen, euch anzuhalten", sagte Mitrochin.„Wir nehmen ein Protokoll auf, und ihr werdet zum Bolksrichier eingeladen." „Uns kann das Gericht nichts machen", sagte der eine, immer noch auf ollen vieren und wischte sich den Mund mit der Hand ab. „Das Gericht verfügt über jeden", sagte Mitrochin,„die Republik strengt alle ihr Kräfte an, und ihr geht auf allen vieren herum." „Du, Mensch", sagte der zweite,„wie sollen wir denn anders gehen? An unserer Stelle gingst du auch nicht bester." „Wer seid ihr denn eigentlich?" „D eg o u st a t e u r e", sagte der erst«. „Was?" „Das, was du hörst. Du verstehst es so wie so nicht." „Na, wenn ich es nicht verstehen kann, so kommt mit. Was seid ihr schon für Arbeiter, wenn ihr betrunken vom Dienste geht." „Deshalb sind wir ja betrunken, weil wir vom Dienste kommen." „Schweig, komm gib die Hand, ich helfe dir." „Was? Soll ich vielleicht auf dreien gehen?" .LUrf zweien sollst du gehen, wie olle übrigen Bürger der Republik", sagte der Schußmonn. „Alle übrigen schon, aber wir nicht." „Pfui, Teufel", sagte der Schutzmann,„ich verstehe nichts mehr. Wie heißt ihr eigentlich, hast du gesogt?" „Dcgoustateure." Der Schutzmann strengte sich an, hörte zu. dann mit der Hand abwehrend, sagte er:„Also morsch, wir werden es schon aufklären." Er ging voran und fühlt« dabei, daß man Bier und Schnaps keinesfalls trinken sollte. „Wie kann denn mit euch die Arbeit gehen, was seid ihr denn für staatsausbauendc Elemente", sprach er. indem er längs der Mauer voranging.„Wo habt ihr euch denn so angesoffen?" „Wir haben Ueb erstunden gemacht", sagten die Der- hafteten. Der Schußmann blickt« zurück, schaute sie an, sagt« nichts, spuckte aus und ging weiter. „Allerhand Besoffene habe ich in meinem Leben beanstandet, aber solche Teufel habe ich noch nie gesehen", sagte der Schutzmann für stch. Als man auf das Polizeibüro kam, trat er zum Diensthabenden mit den Worten:„Habe Besosfcne gebracht." „Bringe sie her", sagte das Wochorgan,„wir werden es ihnen schon zeigen!" Als die Verhafteten, ganz mit Schnee bedeckt, mit tief in die Der Anfkaß In» jungen javanischen Studenten Somo fwtjaffl konnte in Japan in Stndrtrocht der scharfen Presik�ensur nicht ver. oftentlicht werden und erivieint iornit erswiaNü deutscher U-ber» fedung. Die�Ärdeit schildert das äußerndem sich schwere Leben des iapanischen Soldaten und den strengen NtiNtarifchen Drill» wobei körperiillic Züchtigungen an der Tagesordnung find. Am frühen Maimorgen, als man in unserem Dorf zur Reis- ernte ging, zog ich mir mein Nationolkastüm an und verließ das Haus. Der Weg führte mich zu einer kleinen Station. Dort waren schon viele junge Leute versammelt. Ave waren sie in festlichen Kleidern, in großen Strohhüten, und sorgfältig rasiert. Schweigend erwarteten mir den Zug. Sonderbar war dieses Schweigen,— an einem herrlichen, sonnigen Tage... Der Zug kam. Wir betraten die Wagen und schon nach drei Stunden erreichten wir die Kreis- Hauptstadt. Die Pflauinenbäume blühten.' Nach Sonnenuntergang trafen wir uns in einem großen Speis«- zimmer. Aber niemand aß. Ohne dos Abendbrot berührt zu haben, verließen alle den Saal. Es war die letzte Hafsnung: fo long« als möglich zu hungern, um schwach und krank auszusehen und bei der Untersuchung durchzufoUen... Ich oh mein Abendbrot aus und ging beschämt heraus, meinen guten Appetit verwünschend. Meine.Kameraden aßen aber auch am nächsten Morgen nichts, und itm 8 Uhr früh führte man uns dann zur Musterung. Ein hagerer, emarmiger Offizier, der wie«in hungriger Fuchs aussah und mit Orden und Waffen behängt war, hielt eine lange Rede. Dann mußten wir schreiben und rechnen und schließlich— uns nackend ausziehen. Wir wurden gewogen, gemessen, die Augenschärfe wurde geprüft, das Gehör und die Zähne eingehend untersucht... „Wie heißt dein Monarch?", sragte«in dicker Offizier einen jungen, schwächlichen Burschen, der vor mir stand. Dieser schwieg. >—„Idiot, du kennst nicht den Namen unseres allmächtigen Herr- schers?", schrie ihn der Offszler wütend an und schlug ihn mit der Faust zweimal kräftig in das Gesicht. Ich dreht« mich um. „Was hast du mit deinem Finger gemacht?" wandte er sich an Essida, der seitwärts vor mir stand und wie eine Maus vor der Katze zitterte.—„Ich schlug ihn mir versehenttich ob."—„Du lügst, du hast ihn dir absichtlich abgehackt."— Der Offizier begann chn lange ins Gesicht zu schlagen. Mit einem Aufschrei fiel Essida zu Boden...—„Bringt den Verbrecher hinaus, in die Zell«, wir werden ihn der Gendarmerle ausliefern", befahl der Offizier und schlug noch einmal Essida mit dem Stieselobsatz, der blutüberströmt auf dem Boden lag An den Beineu wurde er berausgeschleist... Aus den Gejprächen horte ich nachher die traurige Geschichte des tmglücklichert Essida. Ihrer waren Drei. Er, di« Mutter und der Bruder. Sein Bruder wurde vor vier Jahren zum Dienst geholt. Augen gedrückten Mutzen, hineintraten, fragte sie der Diensthahende, der am Tische saß und sie über seine eiserne Brill« anblickt«: „Wer seid chr?" „Degoustatcure", erwiderte der eine. Der Schutzmann warf einen bedeutungsvollen Blick auf den Diensthabenden. „Woher kommt ihr?" „Vom D!«nste." „Bon was für einem Dienste?" „Bom Magazin." „Also habt chr euch im Amte angesoffen." „Natürlich im Amte— wir hätten doch nicht mir nichts— dir nichts getrunken." „Und warum seid chr so spät gegangen?" .Haben Ueberstunden gemacht." „Und weshall' habt ihr euch angetrunken?" fragte der Dienst- habende und schlug auf ein« Schwab«, die den Tisch überqueren wollte. „Deshach hoben wir uns angetrunken, weil wir Ueberstunden mochten", antworteten die Bcrhasletcn. „Pfui", spuckt« der Dienschabende, aus der Fassung gebracht, „ja worin besteht denn euer Dienst?" „Worin?... Wir kosten die Weine, bestimmen die Wein- sorten: die eine sst besser, die andere ist noch besser." Der Schutzmann und der Diensthabende wechselten rasche Blicke. „Der Teufel soll es holen! Das sst also ein Dienst?" „Was hast du denn geglaubt— natürlich sst es ein Dienst." „Hol s der Geier!" „Na, und wie macht chr die Kostprob«?" „Es sst vorgeschrieben, den Mund auszuspülen und dann aus- zuspucken." „Was soll das heißen, da macht man sich doch über einen Menschen lustig", sagte zur Seite spuckend der Schutzmann.„Den Mund ausspülen und dann ausspeien? Und ihr, spuckt ihr das tatsächlich aus?" „Je nachdem... Wenn du verschiedene Sorten kostest, hast du genug, auch ohne zu schlucken." „Also seid ihr togtäglich in diesem Zustande?" fragte der Dienst- habende. „Nein, nur nvenn wir Ueberstunden machen." „Keinen Tag mochte ich auslassen", sagte der Schutzmann nor sich hin und wischte sich den Mund ab. „Setzt euch, warum steht ihr denn", sagte der Diensthobend«. „Ah, da schaut her, was«s noch für Posten gibt. Also trink«, und kein Teufel kann dir dafür«twos aittun. Das sst ein Dienst! Und von uns verlangt man jetzt, daß wir die Betrunkenen besonders nerfolacn sollen: denn Trinkfucht bringt der Republik kolossalen Schaden... Ihr seid ja auf allen r.ieren gekrochen, also wir müßten euch oerhaften, und dabei seid ihr dienstlich auf ollen vieren gegangen." „Und was geschieht, wenn man überhaupt nicht ausspuckt?" fragt« der Schutzmann. „Da im kommst du nicht einmal auf ollen vieren noch Hause", sagten die Berhasteten. „Nun denn, werdet ihr also bei uns übernachten, oder soll ich euch Begleitung geben?" „Nein, wir werden schon selbst irgendwie heimkommen." „Und morgen beginnt ihr schon in aller Frühe?" „Jawohl, in aller Frühe." „So ein Dienst! Was sagsst du dazu?" Als die Verhafteten, sich gegenseitig unterstützend, längs der Wand aus dem.Kommissariat gingen, schauten ihnen der Dienst- habende und der Schutzmoni, lange nach. Dann rief der Diensthabende ihnen nach: „Und gibt es bei euch gor keine offene Stelle?" „Alles übersültt." Der Schutzmann kraute sich im Nocken, lief den Weggegangenen auf die Stiege nach und schrie fragend: „Und im Akkord nehmt chr mich niemand auf?..." (Deutsch von S. Borissofs.) Infolge des grausamen Regimes in der Kaserne und der schlechten Verpflegung, bekam er die Schwindsucht. Zwei Jahre hütele er das Bett. Seine Krankheit wrschlai'g die ganzen Ersparnisse der Familie. Nun ist er vor drei Monaten gestorben. Der unglückliche Essida hörte während der.Krankheit seines Bruders viel über das Leben in den Kasernen. Um dem Militärdienst auszuweichen, suchte er lange nach einem Mittel, schließlich hockte er sich enischlossen den Zeigefinger der rechten Hand ob. Auf die unglaublichsten Mittel nerfollen die jungen Leute, aus Furcht nor dem Kasernendienst. Sie gehen in den Tempel, SO Nächte nacheinander und opfern den Göttern ihr ganzes Geld. Sie tragen um den Hals ein schweres Brett, dos sie— einem alten Glauben zusolge— vor Unglück bewahrt. Ich weiß, daß viele Burschen schon von ihrem 15. Jahre an Brillen tragen, um sich die Augen zu verderben... Nun mar die Reihe an mir. Der dicke Offizier begann das Verhör.„Wieniel Steuern zahlt deine Familie? Bist du Student? Welcher Fakulläi?"'Auf seinen Achselkloppen waren niele Streifen und Sternchen und dadurch erschienen seine Schultern ungewöhnlich breit. Er fragte mich aus wie einen Verbrecher und prüfte meine Papiere.„Was sst Demokratie?" Ich erklärte ihm den Sinn dieses Wortes. Er wurde sehr böse.„Und wie denkst du, diese Dem» kratie, ist sie gut oder schleckst?"— ,Hch denke, daß sie gut ist", ontmoriete ich.—„Worum?"—„Weil sich die Staatsgewalt in den Händen des Volkes befindet." Er ichlug mich einig« Male in dos Gesicht. Warm ergoß sich das Blut aus meiner Nase und tropfte auf den Boden. Ich trat einige Schritte zurück und oerlor fast die Besinnung.„Sie haben kein Recht mich zu schlagen, das ist gesetz- widrig", rief ich aus.—„Revolutionär." Er schlug mich noch einmal. 7llle anwesenden Otsiziere versammelten sich um ihren Bor- gesetzten. Sie verhandelten leise miteinander und sahen mich an, voller Haß und Wut. In dem großen Saal trat lähmende Stille «in. Der Kommandeur sagte schließlich zu mir:„Man wird dich nach dem Essen noch einmal rufen", dann führten mich die Soldaten hinaus. Einige Stunden stand ich in meiner Zelle an die Wand gelshitt. Ich dachte daran, was man mit mir wohl machen würde. Werden sss mich der Gendarmerie ausliefern und sagen, daß ich ein„Revolutionär" bin? Oder werde ich in die Kaserne geschickt, wo mein Tod besiegelt sein wird? Vielleicht wird man stch bei der llniversiiät beschweren und dann hätte ich kein« Möglichkeit mehr, Mein« Studien fortzusetzen. Am Abend rief der hagere, einarmig« Offizier alle Neuange- wordenen In den großen Saal. Darm hielt er eiue Rede und sagte etwa folgendes:„Die-Resultate der heutigen Untersuchung waren sehr schlecht. Unter euch befinden sich sehr niele Simulanten. Söhne, die ihr Vaterland nicht lieben und sogar— Demokraten. Das ist eine Schande! Ihr habr eure Pflicht dem Vaterland gegenüber ver- gessen." Dann begann er über den Patriotisuius zu reden und führte einige Beispiele aus dem russisch-japanischen Kriege an. ,Hch sah, wie nor Mukden die Geschosse der japanischen Soldaten über die Kopfe der Feinde pfiffen. Unsere Soldaten benahmen sich wie Feigling«. Sie hatten Angst aus den Schützengräben herauszusehen und schössen iii den Himmel, statt ans die Feinde." Er redet« noch sehr lang«, von Zeit zu Zeit sich den Schweiß non der Stirn wischend. „Berzeibung, Herr Kommandeur, es sst eben ein« sehr unan- genehme Sache geschehen", sagte der Uirterossizier, hastig in das Zimmer tretend.—„Nun, was ist denn geschehen?" unterbrach der einarmige Offizier seine Rede.—„Essida ist aus seiner Zelle aus- gebrochen, hat das Fenster eingesckstagen", berichtete der Unteroffizier in militärischer Haltung.—„Rufen sie sofort telephonisch die Gen darmerie an."—„Es ist nicht nötig, glaube ich, denn-- er warf sich in den Fluß..."—„Wie, in den Fluß?" Der Einarmige kam von der Tribüne herunter und ging schnell aus dem Zimmer. Auch wir verließen das Gebäude und gingen zum Fluß... „Seht, hier sind die Hetas(Holzschuhe), die Essida gehörten", rief jemand. Am Rande der Brücke sahen wir die neuen.Holzschuhe, aus denen der Rom«„Essida" geschrieben stand. Ich vergoß mein eigenes Unglück und starrte geistesabwesend ins Wasser, dos den armen Essida verschlungen hotte. Ich dacht« daran, daß er diesen Sommer so traurig war und inst niemandem sprechen wollte... (BcreHtigte Ilebersctzung v»n H. Ziegrnhaukeir.) Prähiflorifche Jßiebesdenkmäler Die Ausgrabungen, die In den letzten fünf Jahren in Tschechien, und zwar im ehemaligen Mähren, in der lldähe non Brünn, vor- genommen sind, haben der Wissenschast neue, äußerst' wertvolle Re- sultate geliefert. Der Leiter dieser Ausgrabungen, der Professor an der Prager Universität und Borsteher des mährischen Regierungs- .museums in Brünn, Karl Absolon, gibt darüber sehr interessant« Aufschlüsse. Man hat dort ein außerordentlich reiches Material an menschlichen und tierischen Ueberresten gefunden und ebenso an Steinwerkzeugen, die jene Urmenschen für die Bedürfnisse ihres Lebens brauchten. Besonders ausgiebig sind die Aufdeckungen in der Höhle von Pekorna und im Lager non Bestonirc. Alles weist darauf hin, daß wir es hier mit der Urross« zu tun haben, die man unter dem Namen Zttirignoc-Rasse(nach den bei Aurignac im fron- zäsischen Departement Haute Garonne) gefundenen Urmenschen zusammenfaßt. Jene Menschen sind wohl non Asien über Rußland nach hier und dann weiter nach Westeuropa vorgerückt; sogen wir nor 100 000 Jahren. Diese Leute hier sind Mainmutjäger in großem Stile gewesen. Dafür sprechen die kolossalen Mengen von gefundenen Mominutkiiochen, neben denen die Knochen der Löwen, Rhinozerosse. Renntiere, Pferde verschwinden. Eigentümlich ist, daß man noch sehr niele unversehrte Houzähn« gesunden hat, ober kaum einen unversehrten Schädel. Da? Mommutgehirn war eine große Deli- katesse jener Urbewohner, und daher zertrümmerten sie zuerst den Schädel. Neben vielen Werkzeugen hat man dort wich eine Anzahl von Kunstgegeisständen entdeckt, von kleineren Statuetten, geknetet aus ?bn, vermischt mit dem feingestoßenen Knochenmehl des Mammuts. Diese kleinen Statuetten zeigen zum großen Teil Tiere, Bären, Remitiere, auch eine Eule, und dann Menschen, Männer und Frauen: all« sind nicht hoch, sondern wie unsere Kinder gewöhnt sind, chrc Figuren zu kneten, vier bis füiss Zoll. Doninter sind nun auch ein paar Benus-Figuren. Solche Venus-Figuren Hot man auch anderswo schon gesunden, zum Beispiel in Frankreich(die Venus von Les- pagne), bei Wien und auch sonst in Zentral- und Westeuropa, dann in Sibirien. Allen diesen Figuren ist gemeinsam die Eigentümlich- keit, daß sie kein ausgearbeitetes Gesicht hoben— nur die in Sibirien hat ein solches—; die hier in Mähren zutage gesörderte zeigt noch Schlitze über diesem Gesicht, die wohl auf eine Art Maske hindeuten fallen, die, ähnlich wie bei den Rittern dos Bister, über dem Gesichte log. Gut ausgearbeitet sind dagegen die Brüste, lang und hängend, und die Hüsten. Eine zweite Venus hat sich in der Pekarnohöhle geftinden, diese aus Elfenbein. Die ganze Auffassung ist dieselbe wie oben: Gesicht nicht ausgearbeitet, dagegen wieder Brüste und Hüften: Beine und Arm« wieder vernachlässigt, aber hier die hinteren Extremitäten stark heraustretend. Auch Frauenschmuckgegenstände sind mehrfach zutage gefördert, Halsbänder, in denen sich Fuchszähne, Wolfs.zähne, auch Löwenzähne aneinanderreihen, neben Muschelschalen. Ferner sind kleine, flache, rund« Toileiteiischalen in großen Mengen gesunden, mit rotem, weißem, gelbem Farbstoff darin. Und da sich hierzu noch in einem der Gehäuse ein über und über roter Stift gesellt, so märe also schon nor über 100 000 Jahren der Lippenstift der Damen vorhanden ge- wesen. Das heißt aber doch über das Ziel hinausgeschossen. Dieser Stist hat freilich zum Bemalen gedient, ober nicht für die Lippen einer Schönen, sondern für den ganzen Körper, und zwar der Männer. Die Männer haben sich, wie man dos noch heute bei wilden Stämmen sieht, bemalt in der Absicht, den wilden Tieren, mrf die sie Jagd machen wollten, damit Schrecken und Furcht«in- zufläßen. Or. Ernst Kühn. 3)ie Spradie des Veandcrlalers Vor der Jahresversammlung her Dcutsckien Gesellschaft für Säugctierkund« sprach der Leipziger Bibliothekar und Tiersprachen- forscher Georg Schividetzku über Rasse und Sprache bei Assen und Urmenschen. Er vertritt d'e Meinuno, daß die Affen Erbsprachen besitzen, in denen es neben neutralen auch ortbezeichnend«(fpe- zifische) Lautgrupen gebe, die ebenso zu bewerten seien wie ort- bezeichnende Knochen- oder Blutmerkinal«. Bon einem artbezeich nenden Merkmal könne man aus das andere sckssießen, also non den Knochenmerkmaleii auf die spezifischen Lautgmppen. Do die Urmenschen den Tieren noch ganz nahe gestanden Haben müßten. Hatten sie ebenfalls Erbsprachen gehabt. Wenn man ihre Assen- ahnen kenne, könne man auch deren spezifisch« Lautgruppen annehmen, also in Bruchstücken die Sprache von den Knochen ab- lesen. Schwidetzkq erläuterte seine Lehr« am llreuropäer, dem Neandertaler. den«r für eine Kreuzung von Urmandrill und Ur- Ich-mponse hält, und gab«ine kleine Auswahl von Wörtern aus lebenden und toten Sprachen, die nach alledem aus der Sprache der Neandertaler stammen müßten. Die Sprachvergleichung führt nach Schwidetzky ebenso wie die Dlutgruppenforschung zur Annohme einer Mehrstämmigkett des Menschheitsursprungs. BeranNpoeifiÄ Uii T-elrtil: Dr. Curt Hever: Wirtichatt:» Dkwertschait-drweoung: I. Zteiurr: gcuiOrtun: St. t>. Dölcher; Lokal«» und Som'iiacs ikrit tiarstädt: An,«iacn: Td. Stocke: tamtlick in Berlin. verloa: Porwarts-Lerloa S. m. b. Berlin Druck: Lorroarts-Buckdruckerei und Berlaaoanftalt Paul Singer u. Do.. Berlin<538. ffi, Linden kirab» i. Jiieig» 2 tVilny, •torao StaiaffU �jfjfvdl) Ar. 389 ♦ 41. Jahrgang 2. Beilage des Borwärls Donnerstag, 24. August 4930 Krisenlast erdrückt Kommunen. 5v000VWohlsahrtsunierstühte.— Oefiziigesahr überatl.— Oer-14,(September. Dic Frage, wie die Unterstützungsgeldcr für die Wahlsohrts- erwerbslafen auszubringen sind, wird immer dringender. Von der Läsung dieser Frage wird die finanzielle Selbständigkeit oller beut- ichen Gemeinden abhängen; denn wird die bestehende Lastenvertei- lung nicht schnell und radikal geändert, wird es am Ende des laufenden Haushaltsjahres kaum eine deutsche Gemeinde ohne Defizit geben. Irrtümer des Gesehgebers. Wohlfahrtserwerbslose sind solche Arbeitslose, die keinen An- spruch auf Arbeitslosen- oder Krisenunterstützung haben und daher von den Wohlsahrtsämtern der Gemeinden unterstützt werden müssen. Als im Jahre 1927 das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung zur Einführung gelangte, verloren die Gemeinden mit dem Ueber- gang der Arbeitslosenfürsorge auf die Reichsanstalt ein wichtiges Gebiet ihrer Tätigkeit. Für die Gemeinden versprach man sich eine wesentliche finanzielle Entlastung, da sie von allen Lasten nach dem Gesetz befreit wurden und nur ein Fünftel der Krisenfürsorge tragen sollten. Aber es kam ganz anders: Der Arbeitsmarkt nahm eine Entwiiklung, die über jede Erwartung schlecht war und jede Be- rechnung versicherungstechnischer Art über den Haufen warf. Als sich alle Annahmen sür die Berechnung der Anwartschastszeit, 1329 1930 i i der Beitragshöh«, der Unterstützungsdauer als falsch erwiesen, da suchte man— und sucht leider heute noch— durch Verschärfung aller Bestimmungen den Kreis der Unterstlltzungs bezieher zu beschränken' und s o den wünschenswerten Ausgleich zu schassen. Wenn man auf diese Weise die Versicherung„sanieren"' könnte, zur lieberwindung der Not der Arbeitslosigkeit ist damit noch nichts gc- schehen. Immer mehr Arbeitslose, mögen sie die Anwartschaft nicht erfüllt haben, mögen sie ausgesteuert sein, fallen der Wohl- iahrtspflege der Gemeinden zur Last. Die von der Bürger- bloa'rcgierung mit soviel Aufhebens veranstaltet«„Sanierung" der Versicherung hat die Reichsanstalt und das Reich(Darlehns- pslicht!) entlastet, aber die Kosten dieser Entlastung haben dic Ge- meinden zu tragen. Die Gemeinden bezahlen die Irrtümer mit einer halben Milliarde. Die Zahlen reden eine deutliche Sprache: Während sich die Wohl- fohrtserwerbslosen in Städten mit mehr als 109 999 Ein- w o h n e r n in zwei Iahren, vom 39. Juni 1927 bis 39. Juni 1929, nur von 73 999 auf 199 999, also um S9 Proz. erhöhten, stieg ihre Zahl im folgenden Jahre um nahezu das Dreifache, nämlich auf 291 999 bis zum 39. Juni 1939. Die Gesamtzahl der Wohl- fahrtserwerbslosen wird zur Zell eine halbe Million über- schritten haben. Wenn auch die Belastung in den Großstädten besonders stark iit. so zeigen doch die Erhebungen des Reichs st ädtebundes, daß alle Gemeinden Deutschlands betroffen sind; und die Zunahme ist in den letzten Monaten verhällnismäßig am stärksten in den kleinsten Gemeinden. Am 31. Mal 1939 waren von 1099 Einwohnern lautend unterttschte Wohltahtt-erwerdalose Einwohnern....... 3,1 ........ 4,7 ........ 0,8 ....... 9,9 ....... H.l ........ 11,8 ........ 14,9 aus Ge- De- be- bis In Gemeinden mit 1999— 2 999 2 999— 5 999 S 999— 19 999 19 999— 25 999 25 999— 50 999 50 090—100 999 über 100 999 Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen, umgerechnet j« 1999 der Einwohnerzahl, steigt also,, je größer die meinden sind. Während aber die Zunahme seit dem 31. zember 1929 in den übrigen Größenklassen ungefähr 40 Proz. irug. erreichte sie in den Gemeinden der Klasse von 1999 2099 Einwohner 80 Prozent. Im Rechnungsjahr 1929 haben allein die Städte über 199 999 Einwohner Ausgaben für Wohlfahrtserwerbslos« in Höhe von 15« Millionen Mark gehabt, was auf den Kopf der Be- v öl te r u n g 8,«8 Ma r k ausmachte. Die Belastung wird im lausenden Jahr mit der gewaltig gestiegenen Zahl sehr viel höher sein; sie wird auf annähernd 599 Millionen Mark geschätzt und für den größeren Teil ist bisher kein« Deckung vorhanden. Ja Berlin ist es besonders schlimm. (Vgl. das Schaubild.) Die Zahl der in der Notstandsaktion unter- stützten Wohlfahrtscrwerbs losen stieg von April 1929 <25 199) bis April 1939(69 999) um 138 Proz.. während sich in der gleichen Zeit die Zahl der von der Reichsanstalt Unterstützten nur um 59 Proz.(von 136 899 aus 217 599) erhöhte. Im Rechmmgs- jähre 1930/31 liegen die Verhältnisse noch viel ungünstiger. Während nämlich im Jahr« 1929 in dcn Sommermonaten-ine merkliche Eni- lastung eintrat, so daß dic Aprilzahlen erst im November über- schritten wurden, sind in diesem Jahr« dic Zahlen von Monat zu Monat gestiegen. In einem Berliner Bezirk sind in d« n d r e i Ma naten April bis Juni bereits 46 Proz. der Etatssumme für die Natstandsaktion verausgabt worden, so daß die ganze Summe bereits nach Ablauf des Somwerhalbjahtes auf- gebraucht sein wird. Im Winter ober wird der Ansturm auf dic Wohlfahrtsämter noch stärker sein. Dos Verhältnis der Zahl der von der Reichsanstalt Unterstützten zu der Zahl der von dcn Wohlsahrtsämtern unter- stützten Arbeitslosen verschiebt sich immer mehr zu Lasten der Wohlfahrtsämter: Die Wohlfahrtserwerbslosen stiegen von Januar bis Juli von 51 161 auf 89 972 M. oder um 5 7 P r oz., die Zahl der von der Reichsanstalt Unterstützten vom 15. Januar bis 15. Juli von 199 699 auf 232 699 oder um 16 Pro z. Ein immer größerer Teil der Gesamtzahl der Arbeitslosen fällt also den Wohlsahrtsämtern zur Last: Im April 1929 wurden etwa 15 Proz., im Juli 1939 aber 25 Proz. aller Arbeitslosen von der Wohlsahrts- pflege betreut. Was nun die Lag« der Gemeinden dem Problem der Wohlsahrts- erwerbslosen gegenüber als besonders ernst erscheinen läßt, ist dies: Die Gemeinden werden aller Voraussicht nach einen großen Teil dieser Last auf Jahre hinaus nicht los, auch wenn eine k o n- j u n k t u r e l l e Besserung eintritt und der Geburtenrückgang in einer Verringerung der Zahl der Erwerbstätigen sich auswirkt, sie müssen nämlich die Kosten der strukturellen Arbeitslosig- keit fast allein tragen; denn haben die Arbeitslosen, die als Opfer der Rationalisierung auf Jahre hinaus bei noch so günstiger Kon- junkwr keine Arbeit finden können, ihren Anspruch auf Unter- stützung bei der Reichsanstalt erschöpft, so fallen sie dauernd der Wohlfahrtspflege zur Last. Stärkere Schultern sind nötig. So läßt sich mit Sicherheit nur die traurige Feststellung machen, daß die Summen, die für die Unterstützung der Wohlfahrtserwerbs» losen sür dieses Etatsjahr eingesetzt wurden, bereits nach Ablauf des ersten Halbjahres aufgebraucht sein werden. Aus eigener Kraft werden die Gemeinden nicht in der Lage fein, die fehlenden Summen aufzubringen, auch nicht mit der Erhöhung der Biersteuern oder mit der Einführung der Eetrönkesteuer. So könnte zum Beispiel Berlin aus der Erhöhung der Biersteuer bestenfalls die Mittel zur Unterstützung von 39 999 Wohlfahrtserwerbslosen für drei Monate erhalten. Die Einführung der Kopssteuer zur Deckung dieser Lasten würde die unsozialste Anwendung dieser unsozialsten Steuer sein: Di« Lasten der Massenarbeltslosigkcit würden damit auf die schwäch st en Glieder abgewälzt. Wenn auch mfanch« Kreise der„Wirtschaft", wie sie in der Denkschrift des Deutschen Industrie- und Handelstages zu Worte kommen, die Not der Gemeinden offen begrüßen, weil diese dadurch zur„Sparsamkeit" gezwungen würden, so muß man doch der Forderung der Gemeinden nach Ausdehnung der Krisen- f ü r s o r g e beitreten, wodurch sosort ein Teil der Erwerbslosen aus der Wohlfahrtspflege ausscheiden würde. Daneben müssen in großem Umfange Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden, da die Städte im Rahmen ihrer Arbeitsfürsorge kaum mehr als 19 Proz. der Wohlfahrtserwerbslosen beschäftigen können. Am 14. September sieht auch die sehr ernste Frage zur Entscheidung, ob die Kommunalsinanzcn unter der Last der lvirlschaskskrise erdrückt werden sollen, wa» nur zu gut in die reaktionären Privatisierungsabsichten„der wirlschost" passen würde. oder ob durch Wiedergutmachung gesetzgeberischer Irrtümer von den Gemeinden schwerste Gefahren ferngehalten werden sollen. Z— k, Kartellwucher mit Gummireifen. Aeue Gelegenheit zum Eingreifen � wenn die KarteNaktion kein Wahltheater ist. Die kürzlich verbreitete Nachricht, daß die deutschen Gummi- reifenfabriken«ine ZOprozentige Preissenkung beabsichtigen, hat sich als sommerliche Zeitungsente erwiesen. Dem „Berein deutscher Gummifabriken" ist nickst das min- destc von geplanten Preisherabsetzungen bekannt. Das Kartell hat also offenbar die Absicht, die Reifenpreise auf ihrem jetzigen hohen Niveau zu belassen, obwohl die Preise der R o h st o f f e auf einen Bruchteil ihrer früheren Höhe gesunken ssno. Ein eng- lisches Pfund(— 454 Gramm) R o h k a u t s chu k kostete nämlich frei Nordseehafen: im Jahresdurchschnitt 1913....... 2,59 M. im Jahresdurchschnitt 1925....... 2,19, im Monatsdurchschnitt Dezember 1928... 9,58. am 39. Mai 1929.......... 0,91. am 2. Januar 1930......... 0,68, am 30. Juni 1930.......... 0,53, am 19. August 1930......... 0,40„ Seit dem Jahre 1925 haben die Reifenpreis« sich in Deutschland kaum verändert, der Rohgummipveis sst aber inzwischen auf ein Fünftel gesunken. Gewiß geschah dos hauptsächlich infolge des Außerkrafttretens des Stevensonplanes am 1. November 1928. Aber seitdem ist der Rohgummipreis fast ununterbrochen weiter gesunken und die Fabriken haben die Gelegenheit zum billigen Einkauf weid- lich ausgenutzt. Sie können sich keineswegs darauf berufen, daß ein neuer Plan zur Einschränkung der Rohgummigewinnung in Aussicht stehe. Die Verhandlungen über einen derartigen Plan schweben seit vielen Monaten und es ist heut« noch sehr Zweifel- Haft, ob er jemals feste Gestalt gewinnen wird. Die P r e i s d i k t a t u r der R e i s« n f a b r i k e n ist um so Gchieles Kataflrophenpolitik. Sie deutschen Auofuhrüber schösse nach Holland, Dänemark und Finnland. _ 654.! In Million gtv Marl:..... � L0Finnland n ö D an e marl Nied erlange 1928 9LOO.J 36. h "ÄS IVJhr.1930 Seit 1928 ist der deutsche Ausfuhrüberschuß nach Holland in schnellem Steigen. Er war in den drei Iahren 1928, 1929 und 1939 (1. Quartal) acht-, neun- und oierzehnmal so groß als der nach Finnland. Die Mchrousfuhr noch Dänemark ist ebenfalls betrocht- lich größer. Ein Handelskrieg mit Holland und Dänemark wäre neue Arbeitslosigkeit für Hunderttausende. Kümmert das Herrn Schiele, der ohnehin 59 Mark Butterzoll als allmählich abzubauen- den Erziehungszoll schon sicher hat? Es kümmert ihn nicht. Er braucht Wahlparolen gegen Hugenberg. Darum will er wertmäßig und zeitlich unbegrenzte Butter- und Käsezölle, auf die Holland und Dänemark mit dem Boykott antworten. Man muß Schiel« das Handwerk legen. Am 14. Septemder! schlimmer, da auch ihr zweitwichtigster Rohstoff, die Baum- wolle, einen RekordtiefstaNd erreicht hat. Ein englisches Pfund (— 454 Gramm) amerikanische Baumwolle kostete frei Liverpool: im Jahresdurchschnitt 1913....... 0,58 M, im Jahresdurchschnitt 1925....... 1,08, im Monatsdurchschnitt Dezember 1928... 9,89, am 30. Mai 1929.......... 0,86, am 2. Januar 1930.......... 0,80. am 30. Juni 1930.......... 0,61. am 19 August 1930......... 0,50„ Der Baumwollpreis ist also auf weniger als die Hälft« des Standes vom Jahr« 1925 gesunken, mährend die Reifenindustrie, die Baumwolle in den Cord-Geweben verarbeitet, das Niveau ihrer Berkaufspreise unverändert ließ. Neben dem Sinken der wichtigsten Rohstoffpreise trugen aber auch noch weitgehende Rationalisierungsmaßnahmen zur Verringerung der Gestehungskosten bei. Besonders der Eon- t i n« n t a l- T r u st hat davon profiliert: durch den Abbau der Fabrikation bei Peters Union erzielt er gegenwärtig weitere Ein» sparungen. Bei freier Konkurrenz auf dem Reifemnarkt wäre die Bei- bchaltung der hohen Preise selbstverständlich ausgeschlossen. Der Verband ist formell zwar nur ein Konditionenkartell; aber in Fach- zettschriften wird offen zugegeben, daß alle Gummireifen, die m Deutschland zum Verkauf gelangen, den gemeinsamen Preisfest» setzungen der in- und ausländischen Fabriken unterliegen, bei denen der Contineittal-Trust die führende Rolle spielt. Der R e i ch s w i r t s ch a f t s m i n i st e r hat sich scheinbar bis jetzt noch nicht für dos Reifenkartell interessiert. Für wen sind die von der Reichsregierung angekündigten Maßnahmen eigentlich gedacht, wenn nicht auch in erster Linie für die Gummireifen-Mono« polisten, die bei einem Sinken ihrer wichtigsten Rohstoffpreise auf ein Fünftel bzw. auf weniger als die Hälft« die Preise der Fertig- waren nicht herabsetzen? Solaerge nicht auch gegen die Preisdik. tatur der Reifenfabriken vorgegangen wird, müssen wir annehmen, daß die Reichyregierung Maßnahmen gegen die Kartelle nur angekündigt hat, um den Wählern eine angenehm« Lek- t ü r e zu verschaffen, aber beileche keine wirtschaftliche Er- l e i ch t e r u n g. Kohlen- und Eisenpreise herunter! Da- Institut für Konjunkturforschung(Slbieilung „Westen") stellt bei der Ruhrkohlenförderung gegenüber dem hoch- sten Stande von 1928 sür Mai 1939 einen Rückgang um 16 Proz., bei der Kokserzeugung(für Juni 1939) einen Rück, gang um 14 P r o z., bei der Rohessengewinnung einen Rückgang um 33, bei der Rohstahlerzeugung um 38, bei der Walz- werksleistung um 3 6, bei der Gestellung von Kohlenwagen u m 2 4 und von Güterwagen um 41 Proz. f« st. Das sind ganz gewattige Rückgänge in der Beschäftigung des rheinisch-westsölischen Jndustriebezirks, denen nur Einhalt geboten werden kann, die durch eine Besserung der Konjunktur nur aufgeholt werden könne», wenn man mit aller Energie z nm i n d e st e n bei Kohl« und Eisen au eine neu«.Senkung der Preise geht. Die Reichsregierung erhält in diesen Ziffern neue Be- weis« dafür, daß es zu einer wirksamen Durchführung ihrer Kar« t e l l a k t i o n a l l e r h ö ch st e Zeit ist. Opel erweikeri da« Produktionsprogramm. Me au» Rüssels« heim gemeldet wird, sind neue Arbeiterentlassungen nicht beabsichtigt. Das vorgesehene Produktionsprogramm soll sogar für 1?4-Tonnen- Lastwagen und für �/.«-LK-Personenwagen erweitert werden. Gegenwärtig werden 6169 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Die Lippischc Fahrradinduslrie A..G. in Horn(Lippe) tritt jetzt als weiteres Opser der Fahrradkrisis in Konkurs, nach- dem Verkaufsverhandlungen mit dem Siegen-Solinger-Gußstahl. Aktien Lcrein nur zu«Streitigkeiten mit dem Bankhaus Gebr. Stern geführt haben. Dic zahlungsunfähige Gesellschaft hat erst vor einem Jahr ihr Kapital von 499 999 auf 229 999 Mark herabgesetzt. Exportsteigerung in England. Nach der amtlichen Statistik ist der britische Export i m Juli 1930 gegenüber dem vorhergehenden Monat um rund acht Millionen Pfund Sterling auf 5 9 Mil- lionen Pfund gestiegen. Klärung und Sammlung. Beschlüsse der Meiallarbeiter. Nach der Beendigung der Genvaldebat�e, Wer die wir bereits in der gestrigen Abendausgabe zusammenfastend berichteten, folgten die Schlußworte der einzelnen Berichterstatter, die fast den ganzen Nachmittag dez gestrigen Berhondwngstages in Airspruch nahmen. Der Schriftleiter der„Metallarveiter-Zeitung�. Genosse stummer, ging zunächst auf die Kritik des Vertreter» von Karlsruhe ein wegen seiner Betrachtung über den Ausgang des Ruhrkampfez Ende 1928- Kummer wies darauf hin, daß auch auf diesem Verbandstog in der Bewertung des Erfolges der Metall» akbeiter im Ruhrkompf die Meinungen sehr geteilt waren. Die Schristleitung müsse für[ich das Recht in Anspruch nehmen können. auch ihr« Meinung frei äußern zu dürfen. Die Schristleitung Hab« auch die Pflicht, die Meinung der Verbandsrnttglieder unverfälscht zum Ausdruck zu bringen. Die Verbandszeitung fei selbstverständlich auch«in Blatt des Vorstandes. Die Mitglieder sollen nicht nur Hörer der Worte von oben sein, ihre Wort« sollen vielmehr auch von ästen gehört werden. Das ganze Sireben der Schriftleitung der ..Metallarbester-Zeitung' sei daraus gerichtet, das Blatt lebendig zu gestalten und es nicht zum Amts- oder Mitteilungsblatt des Vor- standes herabsinken zu lassen. weihick-Frantfurt a. M.. Berichterstatter des D-rbandsaus» schusses, hielt trotz der gegenteiligen Auffassung des Vorstandes und der meisten Delegierten an seiner Meiming fest, daß der Vorstand in den beiden vom Verbandsausschuß nicht gutgeheißenen Aus- fchlüssen von Verbandsmitgliedern zu weit gegangen sei. Mit dieser Angelegenheit wird sich noch die Beschwcrdekoinmission und der Verbandstog beschäftigen. Nach dem Bericht der R o ch n u n g S k o m m i s s i o n. deren Vorschläge hinsichtlich der Festsetzung der Tagesgelder usw. mit großer Mehrheit angenommen wurden, ergriff ster Derbandsvor- sitzende Genosse Brandes das Schlußwort. Er ging einleitend auf die vom Vcrstandsoorsitzenden der Heizer und Maschinisten, Genossen Klebe, am Dienstag abgegebene Erklärung ein. wonach der Vcrschmelzungsentwurf des Metallardeiter-Lerbandes vom Vorstand de; Verbandes der Heizer und Maschinisten noch nicht endgültig abgelehnt worden sei, sondern den zuständigen Verbands» instanzen noch unterbreitet werden solle. Genosse Brandes bemerkte zu dieser Erklärung, daß sie zwar formell richtig sei, er aber noch der bisherigen Haltung des Vorstandes des Verbandes der Heizer und Maschinisten zur Verschmelzungssrage nicht die Uesterzeugung habe, daß die übrigen Verbandsinstanzen den sehr entgegenkommen- den Entmprf des Äetallarbeiter-Verbandes annehmen werden. Ueber die Generalaussprache selbst brachte er seine Freude zum Ausdruck, daß sie zwar teilweise sehr scharf, aber in jeder Form sachlich gewesen sei. So kann und soll aus Verbandslagen kritisierl werden, denn ein« solche Kritik kann der Entwicklung des Verbandes nur zum Vorteil gereichen. Von der inneren Gesundung de» Verbandes lege die Tatsache Jeugnis ab. daß man diesmal auf dem Verstands- tag ohne jede Fraktionsbildung und Fraktionsbe- fprechung ausgekommen ist. In der Diskussion ist manches an der Hauptverwaltung kritisiert, und zwar mit Recht kritisiert worden. Mit der Uebersiedlung nach Berlin soll aber auch ein« Resormder Hauptverwaltung verbunden sein, wodurch viele der kriti- sierten Mißstande beseitigt werden. So sind v. a. neue Kräfte eingestellt worden lediglich zur Bearbeitung der Konzern-, Konjunktur- und Tarifsrogcn. Für die B i b l i ot h« k de» Ver- bandes, die schon die Bewunderung vieler geistiger Autoritäten er- neckt hat. soll eine akademisch gebildete Kraft engagiert werden. Der Verbandsoorstand hat weiter die Absicht, ein desondere» 'Pressereferot einzurichten, dos der Information der Tages- presse über alle wichtigen Fragen dienen soll. Wegen der weiten Entfernung der Hauptverwaltung von der R«ich»m«tropole mit ihrem Nachrichtennetz kannte diese Absicht bisher noch nicht verwirklicht werden. Durch die Sitzverlegung nach Berlin wird es gleichfall» möglich fein, die verbandszeitung aktueller zu gestalten. Schließlich trägt sich der Hauptvorftond auch mst dem Plan, die Betriebsräte Zeitschrift um- und auszugestallen. Genast« Brandes ging dann näher«st die Kritik an der Schrift- ieitung der„Metallarbeiter-Zcitung"' ein. Die Kritik auf dem vorigen Berbandetag wegen der gegensätzlichen Stellungnahme de» Aerbandsvorftandes und der Schristleitung zum Schlichtungswesen war durchaus berechtigt. In solchen grundsätzlichen Fragen müsse die Verbandszeitung, die. Austastung des Vorstaick»«» unterstützen. In anderen nicht grundsätzlichen Fragen jedoch »nüste die Schristleitung freie Hand haben. Zur Frauenerwerbsarbeit könne der Vorstand die van der Genossin G l a d o s ch- Berlin vorgetragene Austastimg nicht ganz teilen. Gewiß denke kein vernünftiger Mensch daran, die Frauenerwevbsarbeit zu oerhindern. In einer Zeit aber, wo Mil- llonen von Männern arbeitslos sind, wüst« man doch die Frage prüfen, ob«s noch angängig fei, Frauen in den Betrieben zu de» lasten, deren Männer ein gutes Einkommen haben und die durch ihre nicht unbedingt notwendige Mitarbeit erwerbslosen Männern und vor allem Familienvätern den Arbeitsplatz streitig machen. Wenn sich die sogenannte..Opposüion" darüber beklagt hat. daß sie bei der Besetzung der verschiedenen Kommissionen nicht berück- fichtigt wurde, so war das bestimmt keine Absicht. Aster selbst wenn «» Absicht gewesen wäre, hätten die Delegierten für die Ausschaltung von Kommunisten aus diese» Kommissionen gewichtig« Gründe gehabt. E» berichrt keinem Delegierten besonders spmpathstch. daß die kommunistischen Delegierten auf dem Verbandstog. obwohl sie nicht mehr„linientreu" sind, sondern die schädliche Gewerkschaststaktik der KPD. verurteilen. nicht den längst uolwendigen Trennungsstrich zwischen sich und der KPD. ziehen, sondern anläßlich der bevor- stehenden Reichstogswahlen noch zur Stimmabgabe für dies« ge- rnerkschaftsseindliche Partei auffordern. Wenn die meisten Dclc- gierten und der Verbandsoorstand sllrdi« Wahl von Sozial- d e m o k r a t e n in den Reichstag eingetreten sind, so vor allem, weil sie misten, daß jeder Gewinn der KPD. nur dazu beiträgt, d i e Front der Arbeiterseinde zu stärken. Die Delegierten misten aus Erfahrung, daß jeder Vorstoß der sozialdemokratischen Vertreter im Parlament mit einem Dolchstoß der fornrnu- p i st i s ch e n Fraktion quittiert wird. Von der Einberufung eines Reichsbetriebsrätekon. gr esse», wie es in der Debatte angeregt wurde, müsse der Vor- stand solange Abstand nehmen, bis die Gewähr dafür besteht, daß eine solche Beranstaltung nickt ein Kongreß de» Bruder- streite» wird. Ganz entschieden müsse die von einigen kam- munistischen Delegierten erhobene Behauptung zurückgewiesen wer. den. daß sich der Berbandstag nicht aus proletarischen Elementen zusanimetisetze. Zwei Drittel der Delegierten sind Betriebs» a r b e i t« r und dem anderen Drittel, da» au» BerbandsangesteMen besteht, wird kein ehrlicher Arbeiter das proletarische Empfinden ab- sprechen wollen. Die Kritik au dem Kchllchtungsmesen. die besonder» von den sächsischen Delegierten geübt wurde, ist in» folge der letzten Entscheidungen vieler Schlichtungs instanzen durch» aus begreiflich Aber wegen dieser Fehlentscheidungen kann man nicht einfach dos gesamte Schlichtungswesen in Bausch und Bogen verurteilen. Bor allem dürfe man die eine Tatsache nicht aus dem Aug« verlieren, daß in der Vorkriegszeit bei sinkender Kon. junktur die Löhne der Arbester jäh hinabsanken, während sie seit dem Bestehen de» Schlichlungsmejen» auch in den schlechresten konjunkturellen Zeiten fast ausnahmslos auf der einmal crreichten Höhe gehalten werden konnten. Schließlich müsse man aber auch dem Staat, von dem man«in Eingreifen in die Wirtschaft verlangt, zugestehen, daß er in den Teil der Wirtschast eingreifen kann, der die Arbeitsverhältnisse betrifft, wenn dieses Eingreifen zur öffent- lichen Pflicht wird. Auf die Lohnpolitik«ingehend, betont« Genosse Brandes zum Schluß mit allem Nachdruck, daß der Wetallarbeiter.Perband stetsfürelnenLohnaufbau, besonders hinsichtlich der Tarif» löhne, eingetreten s-i und sich auch weiterhin mit aller Kraft den Lohnabbauversuchen der Unternehmer entgegen st emmen lverde. Noch dem beifällig aufgenommenen Schlußwort des Genossen Brandes erledigte der Verbandstag noch zahlreiche zum Geschästs» bericht vorliegende Anträge. Er machte sich di« Borschläge der Antragskammission restlos und fast einstimmig zu eigen. Eine Entschließung zur Reichstagswahl veröffentlichen wir an an- derer Stelle. Zum Geschäftsbericht selbst nahm der Verbandstog folgende Resolution gegen 8 kommunistische Stimmen an: „Die gegenwärtige wirtschaitliche und politische Lage beweist er- neut den Wahnsinn der kapitalistischen Wirtschaft. Der wachsende Wettbewerb zur Eroberung neuer Absatzmärkte mit dem Ziel: Er- höhung der Prositrote, hat zur enormen Steigerung der Leistungz- fähigkeit der Produktionsmittel geführt. Für diese Güter-rzkugung konnte sich ein gleich großer Wiederoerbrauch nicht entwickeln. Die Wastenkaurtraft ist nichr gesteigert, sonderv noch gesenkt warben. Das Ergebnis des technischen Fortschritts und der mit stärksten Mitteln betriebenen Rationalisierung hat nicht zum wirl- schasllichen Ausstieg, sondern zum sozialen und wirtschaftlichen Nieder- gong geführt. TNasseaarbciislosigkcik. Mastenelend. Dermchtung wirtschaftlicher Existenzen und geistige Not brestester Schichten des Volkes sind die Folgen. Der Berbandstag bestätigt erneut, daß der technische Fortschritt für den kulturellen Aufstieg des gesamten Volkes notwendig ist. Die kapitalistische Wirtschaftsordnung«rweist sich jedoch immer un- fähiger, Herstellung und Verteilung der Güter in einer dem Wohle der Gesamtheit dienenden Weise zu regeln. In ihr werden die technischen Fortschritt« nicht zu einem Msttel des Wohl- standes, sondern des Notstandes der Masten. Nur die sozialistisch« Wirtschast kann eine Aende- rung herbeiführen. Bis zur Erreichung diese» Ziels ist Herab» segung der Arbeitszeit entsprechend dem jeweiligen Pro- duktionsstond unbedingt notwendig, Steigerung der Kauf- kraft der Massen muß erreicht werden. Der Verbandstag stellt fest, daß die Schlichtungsorgane diesen volkswirlschaftlichen Notwendigkeiten m keiner Weis« Rech- nung getragen haben. Im Gegenteil, dos Unternehmertum ist in seinem von sozialer und wirtschaftlicher Unvernunft getrogenen Widerstand gegen die Verkürzung der Arbeitszeit und in scmen brutalen Lohnabboumaßnahmen unter st ützt worden. Der Ver- bandsiag verurteilt dies««inseitige Haltung auf dos schärfste. Der Verbandsoorstand hat die Ausgabe, diese Unvernunft zu brechen. Den Opfern einer überlebten Wirtschaftsweife, den Arbeits« losen, muh in ausreichendem Maße geholfen werden, der soziale Abbau muß rückgängig gemacht, die sozialen Errungenschaften müssen gesichert und ausgebaut werden. Der Berbandstag stellt sich einmütig hinter die Beschlüsse des ZlDGB. und des Internationalen Gewerkschastskongresses. Zur Erreichung der Forderungen ist höchste Solidarität u n d 2 i s z i p l i n der Metallarbeiter dringendstes Erfordernis. Wer gegen diese selbstverständliche proletarische Pflicht verstößt, vergeht sich in schlimmster Weise an den Interessen des arbeitenden Volkes. Angcstchts des ungeheuren Ernstes dieser Zeit, in der der Gegen- satz zwischen Kapital und Arbeit immer schärfer wird, ruft der Verbandstag die Metallarbeiter auf zur höchsten Geschlossenheit und Sampsbereitschast." Gestäupte Verleumder. Kpv.-Lügen über das Bezirksamt Prenzlauer Berg. Mehrere Tage hindurch veröffentlichte die„Welt am Abend" und nach ihr auch die„Rate Fahne" eine Artikelserie, in der die ungezogensten Angriffe gegen di« Vetricbsvertretung beim Bezirks. amt Prenzlauer Berg, insbesondere gegen den Vorsitzenden des Be> triebsrats, Genossen Karl Haupt, erhoben wurden. Der Betriebs- rot rief deshalb zu Mittwoch nach dem Altersheim in der Donziger Straße eine Belegschastsversammlung ein, die bis auf den letzten Platz gefüllt war. Di« Versammlung wurde zu einer gehörigen Abrechnung mit den schmutzigen Verleum. dcrn. die zu feige waren, aufzustehen und vor versammelter Be- legschaft ihr« Anwürfe zu wiederholen. Statt dessen traten in der Diskussion eine Reih« von Kommunisten aus. die wörtlich er« klärten:„Es ist uns unangenehm, daß diese VerSssentlich-ungen erfolgt sind: Haupt hat beipiesen, daß er unschuldig ist." Unter dem stürimschen Beifall der Versammlung konnte Genoff« Haupt erklären, daß er e» ablehne, den Derleumderblättern auch nur«ine Berichtigung zu senden: die schmierigen Burschen in den kommunistischen Redaktionsstuben können niemals die Ehr« eines sozial demokratischen Betriebsfunktionär» in den Schmutz ziehen. Gegen ganze zwei Oi Stimmen wurde nachstehende Eni- s ch l i e ß u n g angenomnien: /.Die am 20. August 1930 stattfindend« Betriebsvollverfamm- lung der Arbeiter und Angestellten d-s Bezirksamtes Prenzlauer Berg hat sich mit den in der„Welt am Abend" und dcr„Roten Fahne" erschienenen Artikeln, worin die schwersten Vorwürfe und Anklagen gegen den Betriebsratsvorsitzenden des Bezirksamts, Kol- legen Haupt, erhoben werden, beschäftigt. Die Belegschaft ver- urteilt aufs schärfste die Schreibweise dieser Zeitungen und er» blickt in den gegen Haupt gerichteten Angriffen«in- ofsensichlllche Ehrabschneidung und Verleumdung, die jeglicher Grundlage ent- behrk. Die Arbeitnehmer de» Bezirksamts sind vielmehr der Auf- fassung, daß die mit Balkenüberschrift veröft'entlichien Artikel ein Wahlmonöver darstellen, um die Sozialdemokratische Partei bzw. die Gewerkschaften, deren Funktionär der Betriebsrotsvor. sitzende Hyupt ist, in der öffentlichen Meinung zu diskreditieren und herabzusetzen. Die Versammlung spricht dem Kollegen Haupt nach wie vor da« Vertrauen aus." Oer Gireik in Krankreich. Mustergültige Disziplin der Arbeiterschafi Paris. 20. August.(Eigenbericht.) In den gestern stattgesundenen Verhandlungen zwischen dein Arbeitsminister Pierre L a o a l mit dem Streikkomitee haben die Gewerkschaften die Vorschläge der Arbeiterschaft zur Beilegung des Streikes nochmals schriftlich unterbreitet. Darin erklären sich die Streikenden bereit, sofort in die Fabriken zurück- zukehren, wenn sie die bindende Zusage erhalten, daß die Löhn« am l. Oktober dem neuen amtlichen Teue- rungsindex, der an diesem Tage verössenllicht wird, angepaßt werden. Die Arbeitgcberschaft des Gebietes von Armenvilliers hat gleichzeitig«in Angebot an die Streikenden erlassen, das sich mit den Forderungen der Gewerkschaften deckt. Durch diesen Nor- schlag ist der Streik im Revier von Zlrmcnoillicr» praktisch beendet. Auch der Vierkonsum geht zurück. Die Krise bei den Nahrungsmittel' und Getrönlearbettern. Di« i«tzige Dirtschastskrise ist so heftig, daß selbst der doch nur .Kvnsummittelipdustrien umfassende Verband der Rahrungsmittel- und Getränkearbeiter aufs schwerst« von ihr erfaßt wird. Di« Ber. liner Ortsgruppe de» Verbandes hielt am Dienstag im Gewer?- fthastshaus ihr« Delegiertevverjammlung ab. wo Genoff« H o d a p p in seinem Geschäftsbericht für da? 2. Ouartol 1930 darüber näher« Angaben macht«. Bei den M ü h len a r b e i te r n ist d>e Krise langsam zu einer chronischen geworden, die Arbeitsmooktoerhältnisse sind geradezu katastrophal Auf dem Bäckernachweis wurden aw 15. August 3483 arbeitsu chend« Bäckereiarbeiter g«. zählt, denen kein« einzig« offene Stelle gegenüberstand. Bei den Konditoren find 746 männliche und 2109 weibliche Arbeitskräste erwerbslos, hier kam eine einzig« offene Stell« heraus. Aehnlich liegen die Dinge bei den Fleischern und in der S ü ß w a r e n- blanche, ja selbst bei den Brauern, wo um diese Jahreszeil immer Berufsfremde als Aushilfen vermittelt wurden, sind 316 Kollegen auf dem Nochweis verblieben. Infolge der Bier- Preiserhöhung und der Riesenerwerbslosigkeit ist' d e r Bier- lonsum zurückgegangen und die Brauereien haben Kurz- arbeit eingeführt. Trotzdem gelang es der Organisation, zahlreiche Verschlechte- rungsamröge der Unternehmer.zu den laufenden Lohn- und Monte!» abkommen zurückzuweisen. In einigen Branchen konnten sogar er» folgreich« Lohnbewegungen geführt werden, bei denen immerhin nennenswerte Zulagen für die Beteiligten herausgeholt werden kannten. Di« Bewegungen, die vor dem Schlichtung»- a u s s ch u ß«ntschteden wurden, endeten messt mit einer Ver- länaerung der geltenden Tarife. Die Kaffenverholtnili« der Ortsgruppe haben sich melter günstig entwickelt, trotz großer Ilnterstützungszahlungen stieg der Lokalkassenbestand im 2. Quartal um 8000 M In der kurzen Diskussion zum Geschäftsbericht protestierte G" noss« Schulz scharf gegen die Absicht der Brüning-Regierung, die gewerbsmäßigen Stellenvermittler bis 1933 weiter bestehen zu lassen, sofern sie schon vor 1910 ihr Gewerbe ausübten Da die einschlägigen Stellenvermittler fast alle schon seit 1910 existieren, werden sie alle von der Galgenfrist profitieren. Dies ist aber für die Organisation untragbar. Die Delegiertenversamwkung wurde nach einem mit stürmischem Brisall ausgenommenen Appell des Genoffen Hodapp. am 14. 5>ep. kember olles für den Sieg der Liste 1 einzusehen, und einem donnern. den Hoch aitf den Bund zwischen Gewerkschaften und Sozial- demokroti« geschlossen. Achtum», Puher? Bei der Firma H. u. W Meier auf der Baustelle Neukölln. Weigonduser 40,44. Ecke Thiemannstraße, sind die Differenzen mit den Auhenputzern beigelegt. Die Bausperre ist hiermit aufgehoben. Deutscher Baugewerksbund. Fachgruppe der Putzer. Achtung. Bauarbeiter! Die Firma August P o h l m o n n. Baustelle Tempelhos. Albrechtstraße, und Neukölln. Ionasstraße, Bausirma Lenz vi. E o., ist für K o k s a I ch« p u tz« r wegen Nichteinhaltung des Tarifvertrages für stuckgewerbliche Arbeiten g e- sperrt. Vaugewerkschaft Berlin, Fachgruppe Stuck- u. Gipsbau. fl� Jreie Gewerkschafts'Lugend Berlin Ifi-utf, Senn«3l«9. IS-'Z Uhr. tazr» M» Snipi»«: tUpenick: Zuzriid- driin Srün«w«r Str. 5. ZZoriraz:„Di« ssrau im 9«tuf»Itbtn".— Oi'- ineliteiini)«»: Iuaeirhheiw Zlot« Schuir, Gotrnburlier Str. Wir öffne* intferen gregrroftrn. BOfco!»«*: Gruvp-nb-im Rrich-iiibrrarr Str. SS tgr-irr- W«brhau,t. vritrrr,«ut Schallvlati«n.— rrmp'that: Trefter um 18'h Mir Don'. Mr Dtrtinfr Sirahr zur Aqitation.— SSoobit: Iuaciitcheim Lrhrier Slriißr IS— 19 fimlrt»lbrnd.— Scii.2ti6fenb»a:?iii>r>uchr!m®unt«cfit. 44. Doriroz:»Ziios drdrnt't uns Lossawolitik?"— ZU-ht-nber«:.VuflfnifwiB Kauft- fttgftr. an der Lrisiligfirasir. Untere Itirschrn gebcn t>e!> T...«nl ®Iuaendaruvpe vesZentralverbondes der Anaestellten Srutr, Dviiii-rstna, sinS«* forarnde Deranstaltungen statt: Pantow. Riederlchiuhu»!«*: Zuaeirtdrim(Vörfchftr. 14(tlrinw Zimmer). Vortroq: »Rene Wro, tu M-sorörerzirbuna". Siefcrrr.t: Mammoch.— Treptow: Juacnb- brim der Schilt- Witd-nbruchtir. 56(Znaanei von d-r Srö-zstrego in Trevioisi ?N Treptow ist Rummel. Jeder drinat 1» Dt. mit.— Sch»i»eb-rg! Zuaendbeiiii Kauptstr. IS i!c>oiseba:U>e.??>tjriv!te*4immert. Vortrag:„Krieg. ssreidcU. Mensch. Seit" Vetereniin: gri'del Poll.— Olte»! Zuoendhkim der Schute Litauer Str. vi. Vortrag:„Jugend und Spnit". Refereni: Sotrt.— Spiel und Sport: 19 Utir im Vott'.pork Rehkiorge. Ad IS Udr auf dem Svortplatl Vrrmrr Stralie tNoodPeltt. Ad 19 Uhr auf dem Svortpla» Otd-r-strah- ITHartottenburgt. SuniidU Seife sciionl Wäsche, . Börse. Kräfte! &S?i79