Morgenausgabe Nr. 391 A 192 4?. Jahrgang Wöch-illlich«ZPs. monatlich 3.S0 M. im voraus zahlbar. Postbezug*22 M. einschliehllch 60 Psg-Postzritung»- und 72 Pfg. Postbestellgebühnn. vusland»» abonnement 6.— M. pro Monat. * Der.Vormärt,' erscheint wochentäg. lich zweimal, Sonntag, und Montag, einmal, die Abendausgaben ftir Beriin und im Handel mit dem Titel.Der Abend", Illustrierte Beilagen.Volt und Zeit" und.Aindersreund". Ferner .Frauenstimme', Technil",.Blick in die Bücherwelt'..Iugend-Dorwärt," und»Stadtbeilage'. Aeeliner Vol«v»att Freitag 22, August 7,930 Groß-Serlin pf. Auswärts 4S Z>f. Die einspaltige Nonpareillezeil« 80 Pfennig. Reklame�eile S.— Reich»« mark.„Kleine Anzeigen� da» ettge« druckte Wort 2S Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile �0 Pfennig. Anzeigenannahme imchaupt« gefchäst Linde'nftraße 3. wochentäglich von 8*/* bis 17 Uhr, ÄentvawLgan der Sozialdemoeratikchen Vavtei Deutschtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 ftcrnlviecher: Dönbost 232—297 Telefftamm-Adr,: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr Kö Dt B u Dtzc-Gel Deposttenkaste Lmdenstr 3. Hindenburg im Wahlkampf. Greift der Reichspräsident ein?— Oder wird fein Name mißbraucht? Am 18. August wurde amtlich folgendes bekanntgegeben: Zu den aufgetauchten Gerüchten über«in« Vermittlungsaktion des Reichspräsidenten zwischen Herrn Schiele und Herrn v. Olden- burg.3anuschau, sowie über eine angebliche Zusammenkunft mit den nationalsozialistischen Führern Hitler und General v. Epp in Diet- ramszell wird nochmals festgestellt, daß alle diese Meldungen frei er- funden sind. Der Reichspräsident hat nochmals erklärt, daß er sich grundsählich nicht in den Wahlkamps einmische. Seine Erkläruno wegen der Strafverfolgung des Herrn Goebbels habe keinen poli- tischen Hintergrund, sondern entspricht rein persönlichen Gründen. Gestern aber, am 21. August, wurde folgender Wahl- außruf veröffentlicht: Die unterzeichneten Parteien haben sich im letzten Reichstag für das vom Reichspräsidenten v. hiadenburg begonyene Reformwerk auf finanziellem, sozialem, wirtschaftlichem und staatlichem Gebiet und sein« Sicherung und Erweiterung eingesetzt. Sie halten seine Durchführung für dos dringendste Gebot der deutschen Innenpolitik zur Sicherung der deutschen Wirtschaft, insbesondere der deutschen Landwirtschaft, zur Rettung des deutschen Ostens, zur Erhaltung der Grundlage der Sozialgesetzgebung, zur Wiedereingliederung des Millionenheeres der Arbeitslosen in den Wirtschaftsprozeh sowie zur Herstellung der Autorität des Staates. Angesichts der Rot von Volk und Vaterland halten sie an diesem Ziele fest und werden sich dafür im Wahlkampf einsetzen. Darüber hinaus aber werden die Parteien bei voller Aufrecht- «Haltung ihrer politischen und organisatorischen Eige-.art und Selb- ständigkeit dafür Sorge tragen, daß auch im künftigen Reichstag die Grundlagen parlamenkarischer Zusammenarbeit zur Durchführung diese» Hindenburg-Programm» geschaffen werden. Deutsche Dolkspartei gez. Scholz, gez. K e m p k« s Wirtfchaftspartei gez. Drewitz, gez. Sachsenberg Konservative Lolkspartei gez. Treviranus, gez. Lindeiner- Wildau Selbstverständlich kann der Reichspräsident nicht ver- hindern, daß sich einzelne Politiker illoyalerweise auf ihn be- rufen, obwohl er nicht in den Wahltampf hineingezogen werden will. Hier jedoch liegt der besondere Fall vor, daß diese Be- rufung auf den Reichspräsidenten in einem Wahlaufruf er- folgt, der von einem verantwortlichen Reichs- mini st er unterzeichnet ist. Es muß also die Frage aufgeworfen werden, ob Herr Treviranus dazu vom Reichs- Präsidenten die Ermächtigung hatte oder ob der Name des Reichspräsidenten mißbraucht worden ist. Sachlich bedeutet es zweifellos eine grobe I r r e f ü�h- rung der Wähler, wenn man das Programm der Brüning-Regierung dadurch unangreifbar zu machen ver- sucht, daß man es als„H i n d e n b u r g- P r o g r a m m" bezeichnet. Herr v. Hindenburg ist weder auf dem Gebiet der Finanzpolitik, noch auf dem der Steuerpolitik, noch in zollpolitischen oder verfasiungsrechtlichen Fragen Fachmann. Er muß sich in all diesen Fragen auf seine verantwortlichen Ratgeber verlassen, denen es nicht zusteht, hinter seinem breiten Rücken Deckung zu nehmen. Das ist ganz einfach ein' Kneifen vor der eigenen Verantwortung. Nach alledem ist anzunehmen, daß der Aufruf noch zu Weiterungen im Regierungslager führen wird. Uebrigens hört man, daß die Veröffentlichung vorzeitig und unbefugter- weife erfolgt fein soll, worüber im Lager der Wirtschafts- partei helle Entrüstung herrsche. Der Staatspartei hat man das Schriftstück mit Frist von dreimal vierundzwanzig Stunden zur Mitunterzeichnung vorgelegt, es zuvor aber schon veröffentlicht! Dies ist das Neueste von Treviranus. Und was kommt morgen? Erklärung! Erklärung! Es gilt nicht! An die vorzeitige Beröffentlichung des Aufrufs hat sich sch,on ein wahrer Rattenkönig von Erklärungen angeschlossen. Die wichtigste davon ist eine Erklärung der Zentralleitung der W i r t s ch a f t s p a r t e i, die laute?: Di« bekanntgegebene angeblich« Erklärung(!) der drei Parteien Konservative Volksparki, Deutsche Volkspart« und Wirtschaftspartei, ist ein Anfang der Woche ausgearbeiteter Eni- wilrf, der noch die Genehmigung der zuständigen Parteiinstanzen finden sollt«. Deshalb war vereinbart, eine Veröffentlichung erst am Freitag oder Sonnabend vorzunehme ü. Di« vorzeitige Veröffentlichung ist also erfolgt ohne Zustimmung der Leitung der Mrtschaftspartei, die ausdrücklich am Donnerstag auf telephonischen Anruf in der Parteizentral« abgelehnt worden ist. Der Reichsausschutz der Partei, welcher in derartigen Dingen zu entscheiden hat, tagt am 26. August.(Das ist Dienstag nächster Woche! Red. d.„25.*). Inzwischen hat bereits die Deutsche Volkspartei eine ultimative Erklärung an die Staatspartei erlassen, die sich bis Freitag zur Unterzeichnung entschließen soll. Nachdem der Herr Vertreter der Staatspartei sich aus den früheren Verhandlungen selbst ausgeschaltet hat, wird hier noch einmal der Staatspartei die Hand der Deutschen Volkspartei zur gemeinsamen Arbeit hingehalten. Möge sie er- griffen und sestgeholten werden auch für die Zeiten nach dem Wahlkamps. Die Einigung des Staatsbürgertums, der sich immer noch Hindernisse in den Weg stellen, wird und mutz erfolgen. Hingegen legt die Konservative Volkspartei Wert auf die Feststellung, daß sie an dem Schritt, den dick Deutsche Volkspartei bei der Staatspartei unternommen hat, nicht beteiligt ist. Von den drei Unterzeichnern sagt also einer:„Es gilt nicht!" der andere will die Unterschrift der Staatspartei gar nicht haben. Der dritte fordert sie ultimativ! Und der deutsche Dichter, der die klassische Komödie des politisierenden deutschen Bürgertums schreibt, ist noch immer, nicht da? Vielleicht deshalb nicht» weil keine Phantasie an diese Wirklichkeit heranreicht! SoziaidemskratifcheReichsliste Parteivorstand und Parteiausschutz der Sozialdemokratischen Partei haben folgende R e i ch s l i st e aufgestellt: 1- Hermann Müller 2. Ltto Wels 3. Artur Crispie« 4. Rudolf Hilferding 3. Mari« Juchacz K. Otto Landsberg 7. Wilhelm Dittmaa« 8. Johanna Reitze 9. Friedrich Stampfer 10. Dr. Ludwig Marum 11. Franz Scheffel 12. Fritz Tarnow 13. Dr. Völttr 14. Max Seppel 13. Heinrich Schulz 16. Toni Pfülf 17. Nikolaus Bernhard 18. Rudolf Lengersdorff 19. Victor Schiff 20. Dr. Hübler 21. Beruh. Schwerdtfeger 22. Luise Schiffgens 23. Max Westphal 24. Pfändner 25. Leo Horlacher Von der diesmal eingereichten Liste kandidieren an erster oder zweiter Stelle m 2Vahlkreisen: Müller, Wels. Crispien, M. Juchacz. Johanna Reitze, Toni Pfülf. Sie haben bei der letzten Wahl samt- Ech ihre Kandidaturen für die Wohlkreise angenommen. * Di« Wahlkreise 28(Dresden-Bautzen) und 30(Chemnitz-Zwickau) stellen ihre Kandidaten am kommenden Sonntag auf. Die Delegierten des Uuterbezirks Plauen sprachen sich«instimmig dafür aus, den Genosien Seydewitz wieder als Spitzentandi- daten zu benennen. An zweiter Stelle war Genosse Z eigner von mehreren Ortsgruppen des Unterbezirks sowie des Chemnitzer Bezirks vorgeschlagen worden. Zeigner hat jedoch brieflich erklärt, daß er nicht kandidieren werde, so daß von seiner Aufftellung abgesehen wurde. An seiner Stelle wurde die Kandidatur Graupe vorgeschlagen._ Abstufung bei Hugenberg. Oer Arbeitnehmer und der Herr Arbeitgeber. Die Deutschnationalen geben in Berlin«in Winkelblättchen heraus, das parteiamtlichen Charakter trägt. In der neuesten Nummer befindet sich neben vielem anderen Unkraut auf Seite 3 ein Aufruf„An die Arbeitnehmer innerhalb der Deutsch- nationalen Voltspartei*. Auf der nächsten Seite ist ein Aufruf ..An die Herren Arbeitgeber* wiedergegeben.- Ein Berliner Blatt bemerkt dazu: Der Herr sängt bei der Hugenberg-Partei er st beim Arbeitgeber an! Vrolest gegen Flollengeseh. Die Vorstände der Sozialistischen Arbeiterpartei und des Gewerkschaftsbundes der Niederlande fordern eine Besserung der Altersversicherung, der Arbeitslosenversicherung und eine gesetzlich geregelt« Ferienwoche. Ferner protestieren sie gegen das von der holländischen Regierung eingebrachte Flotten- a«letz. das 200 Millionen Mark erfordert. Verfehlte Experimente. Die Wahlrechtsreform des Dr. Wirth. Von Rronz Klüha. Vier Wochen vor dem entscheidenden Wahltermin unter- breitet die Regierung Brüning durch den amtierenden Innen- minister Wirth dem deutschen Volke die Vorlage eines neuen Wahlgesetzes das ziemlich in allem das Bis- herige umzustürzen geeignet ist. Freilich an die Beseitigung des Verhältnissystems und an die Herausietzung des Wahlalters, das heißt den Raub des Wahlrechts der Jung- Wähler, wie ihn die Volkspartei und die Wirtschaftspartei forderten, traut sich die Vorlage nicht heran. Denn diese beiden Fragen würden eine Aenderung der Reichsverfassung be- deuten und legalerweise nur mit Zweidrittelmehrheit des Reichstags beschlossen werden können. Daß eine solche zustand käme, wagt man vorläufig selbst bei der Volkspartei nicht zu glauben. Für die nächste Reichstagswahl kommt das neue Ge- setz praktisch nicht in Frage. Es sei denn, und das ist wohl die Absicht, als Propagandazeichen für den„Reformwillen" der Bürgerblockregierung, vielleicht auch, um durch die Erörterung über die Wahlrechtsform die Aufmerksamkeit abzulenken von der verfassungswidrigen Anwendung des Artikels 48 und von den antisozialen Finanzverordnungen, die mit diesem Aus- Nahmeartikel über Deuschland verhängt wurden. Hat die Voplage, die einstweilen an den Reichsrat gs- gangen ist, auch praktisch zunächst keine Bedeutung, so muß man sich doch mit ihr beschäftigen, schon um die Verwirrung aufzuzeigen, die durch diese Arbeit vom grünen Tisch herauf- beschworen werden kann. Das Wesentliche an ihr ist die B e- seitigung der großen Wahlkreise und deren Auf- lösung in nicht weniger als 162 Einzelkreise. Wie sich das auswirkt/mag das B e if p ie l B e rl i n s aufzeigen. Die Stadt Berlin umfaßt bekanntlich 20 Verwaltungsbezirke, von denen die ersten sechs(Mitte, Tiergarten, Wedding. Brenz- lauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg) das alte Berlin darstellen und den bisherigen Einheitskreis Berlin bildeten. Die 14 weiteren Verwaltungsbezirke waren den Wahlkreisen Potsdam I und II zugeteilt. Nach der Vorlage soll Groß- B e r l i n in 11 Kreise zerlegt werden, und zwar: Berlin I: Bezirk Mitte, Einwohnerzahl 1323: 295 837: Berlin.II: Bezirk Kreuzberg, Einwohnerzohl 1925: 377 253: Berlin III: Bezirk Tiergarten und Schöneberg, Einwohner- zahl 1925: 515 245: Berlin I V: Bezirke Tempelhof u. Neukölln, Einwohnerzahl 1925: 358 336; Berlin V.; Bezirke Wilmersdorf, Zehlendorf und Steglitz, Einwohnerznhl 1925: 379 752;, 25 c rl i n VI: Bezirk Charlottenburg, Einwohnerzahl 1925: 343139; Ber- lin VII: Bezirk Wedding, Einwohnerzahl 1925: 351 798: Ber- l i n V 1 1 1: Bezirk Prenzlauer Berg, Einwohnerzahl 1925: 326 311; Berlin IX: Bezirk Friedrichshain, Einwohnerzahl 1925: 336 338; Berlin X: Bezirke Treptow, Köpenick und Lichtenberg, Einwohnerzahl 1925: 362121; Berlin XI � Bezirke Spandau, Weißensee, Pankow und Reinickendorf, Einwohnerzahl 1925: 376 035. Schon an dieser Aufteilung Berlins zeigt sich die Willkür, mit der vom grünen Tisch aus organische Gebilde ausein- andergerissen werden. Ganz ähnlich spielt sich die Sache im Reich ab. Durch langjährige Praxis zusammengewachsene Ge- biete, wie Magdeburg-Anhalt, werden auseinandergezogen und Anhalt wird wieder zu einem selbständigen Wahlkreis gemacht. Was liegt näher als die Vermutung, daß dadurch das Hineinwachsen in die Reichseinheit künstlich aufgehalten und neuer Wahlkreispartikularismus großgezüchtet wird? Neben diesen Einzelkreisen sind Wahlkreisver« bände vorgesehen, die die Reststimmen auffangen sollen, und daneben zwölf Ländergruppen, die den Zweck haben, die R e i ch s l i st e n zu ersetzen, lieber die Einzelheiten dieser Vorschläge wird, wen� sie überhaupt an den Reichs- tag gelangen sollten, noch ausführlich und zu gegebener Zeit zu reden sein. Wir beschränken uns heute auf einige allgemeine und grundsätzliche Anmerkungen zu dem ganzen Plan. Als treibendes Motiv zu den beabsichtigten„Reformen" wird angegeben, daß durch die Wiedereinführung der kleinen Wahlkreise die Persönlichkeit der Kandidaten oder Abgeordneten mehr in die Erscheinung trete und daß eine engere Verbindung zwischen Abgeordneten und Wählern her- gestellt werden müsse. Die bisherigen großen Wahlkreise ver- hinderten eine solche Fühlungnahme,, sie nähmen dem Wäh- ler jede Möglichkeit, auf die Auswahl des Kandidaten zu wir- ken. Jeder, der die politischen Kräfte im Lande auch nur oberflächlich kennt, sieht aus den ersten Blick, daß es sich hier um ein Experimentieren im Sinne der zerfallen- den Parteien des Bürgertums handelt. Gehären doch zu den lautesten Rufern nach der Wahlreform mit der Kandi- daten-„Persönlichkeit" die bisherigen Demokraten, nachdem sie bei dem System der Listenwahl unter Anrechnung aller Wahlkreisreststimmen auf nur 25 Abgeordnete im letzten Reichstag zusammengeschrumpft waren. Für die Sozialdemokratie gelten alle die Wünsche und Befürchtungen gar nicht. Sie hat eine durch- gebildete feste Parteiorganisation mit voller Parteidemokratie. Wer«inen Blick aus ihre Kandidatenlisten tut, die wir ver- Generalskampf« Gerüchte um Heyes Rücktritt.- Seit längerer Zeit gehen Gerüchte um von einem Kampf gewisser Reichswehrgeneräle gegen den Chef der Heeresleitung, General Heye. Als seine.Hauptgegner werden der General von Schleicher und der General Kurt von Hammer st ein genannt, und es wird behauptet, daß Heyes Rücktritt nahe bevorsteht. Das.,8-Uhr-Abendblatt" stellt nun zu dieser Angelegen- heit sehr sensationelle Behauptungen auf. Es schreibt: In politischen Kreisen weih man seit langem auf das b«- stimmteste, daß ungeachtet aller Ableugnungen der Gedanke, mit Hilfe der Roten Armee die durch den Krieg verlorenen deutschen Gebiete wiederzugewinnen, gerade bei fuhrenden Persönlichkeiten der Reichswehr sich festgenistet hat und ungeachtet aller Bemühungen nicht zu beseitigen ist. Auch im Reichstage wurden diese Pläne bereits zur Sprache gebracht und der ganze Wahnsinn dieser Politik enthüllt. Ja, im Haushaltsausschuß wurde gelegentlich öffentlich davon gesprochen, daß die behaupteten Verbindungen der Reichswehr mit der bolschewistischen Armee zur Zeit, als der Zentrums» abgeordnet« Köhler Reichssinanzminister war, zu einem für die Reichsfinanzverwaltung recht unangenehmen Zwischenfall geführt hätten. Und ebenso sollen die Generale, die glaubten, mit Hilfe Sowjetnißlands zur Erfüllung ihrer patriotischen Ideal« einmal Krieg führen zu können, alle Mittel und Beziehungen, die ihnen zur Verfügung standen, angewendet haben, um eine über Locarno hinausgehende Verständigung mit Frankreich zu verhindern. In General Hey« vermuteten diese Kreis«, als d«ren Wort» sichrer der gegenwärtige Chef des Ministeramts(Staatssekretär) General von Schleicher angesehen wird, eine Persönlichkeit die ihren Plänen nicht viel Widerstand entgegensetzen würde. Sie haben sich wohl getäuscht. Denn General Heye ist ein Mann von ruhiger Denkungsart, abenteuerlichen Plänen absolut abhold. So wurde er bald der„F r an z os e n fr eu ny. Jedenfalls wurde er unbequem, und im Frühjahr des vergangenen Jahres setzten schon allerhand Treibereien«in. Dann ging General Heye auf sein« Südamerikareise, und als er zurückkehrt«, sprach man schon von seinem baldigen Rücktritt. Dazu erläßt nun das Reichswehrministerium folgende Erklärung: Eia Berliner Abendblatt bringt da« Gerücht von dem dem- nächstigen Rücktritt des Generals Heye in Verbindung mit Bestrebungen einer angeblich vom General von Schleicher ge- sührten Partei im Reichswehrministcrium. die auf engen An- schluh an Sowjetrußland hinarbeite. Diese Nachricht ist gänzlich unwahr und zudem längst widerlegt. General von Schleicher hat schon vor längerer Zeil össenllich erklärt, daß er die ihm zu- geschriebenen Pläne auss schärfste mißbillige. Ebenso unwahr ist die Behauptung, es gäbe verschiedene politische Strömungen im Reichswehrmlnisterium. Die pollttk des Reichs- wehrministeriums bestimmt lediglich der verantwortliche Minister und niemand anders. Vit Reichswehr hat es bewiesen, daß sie trotz aller Versuche, sie einzelnen politischen Strömungen dienstbar zu machen, unbeirrt den Melsungen ihres obersten Führer» folgt. Die Nachricht des Vlalles ist lediglich als unuerantworttiche Sensationsmache zu bezeichnen. Man kann dem Reichswehrministerium darin recht geben, daß es sich um eine unverantwortliche und noch dazu recht gefährliche Sensationsmoche handelt. In dieser Zeit, in der sich die außenpolitische Stellung Deutschlands durch das Ge- rede des Herrn Treviranus ohnehin schon bedeutend verschlechtert hat, war es unverantwortlich, der Scnsations» und Hetzpresse des Auslandes auch noch diesen Brocken hin- zuwerfen. Natürlich ist die Behauptung, daß Reichswehrgeneräle mit Rußland zusammen Krieg gegen Frankreich und Polen sichren wollen, blanker Unsinn. Generäle, die solche Gedanken hegten, wären nicht nur politische, sondern auch militärische » der Reichswehr? - Reichswehr und Rote Armee. Idioten und dürften auch nicht einen Tag lang an chrem Platz geduldet werden. Leider hat aber auch das Dementi des Reichswehr- Ministeriums den doppelten Fehler, daß es zu wenig und zuviel dementiert. Es dementiert zu wenig, indem es nicht bestreitet, daß Heye demnächst zurücktreten wird. Es de- mentiert zuviel, indem es so tut, als hätte es zwischen R c i ch s- wehr und Roter Armee überhaupt niemals Bc- Ziehungen gegeben. Diese Beziehungen sind aber der ganzen Welt längst bekannt! Es ist auch bekannt, daß die Sozial- demokratie stets dahin gewirkt hat, daß sie bis aus den letzten Rest abgebaut werden. Es war Genosse K ü n st l e r, der sich dieser Angelegenheit besonders onge- nommen hatte, weshalb er ja auch von dem Berliner Organ der russischen Regierung, der„Roten Fahne", mit besonderem Haß verfolgt wird. Die sozialdemokratische Fraktion wird im neuen Reichs- tag dafür Sorge tragen, daß die auswärtigen Beziehungen der Reichswehr wieder unter schärfste parlamentarische Kon- trolle gestellt werden. Hoffentlich aber wacht das Aus- wärtige Amt schon früher auf! Streitende Generäle. Wer siegte bei Tannenberg?— Wer verlor den Weltkrieg? In der Wiener„Reuen Freien Presse" veröffentlicht der General v. Franqois einen Aufsatz über Churchills Kriegs- aufzeichnungen, in denen gesagt wird, daß Frangois bei Tonnenberg „mit kluger Ucberlegung Ludcndorffs Befehl umging und da- mit einen überwältig«ndcn Sieg gegen dessen Willen criocht". Franqois bestätigt im Wesentlichen— mit einer leichten Berneigung zu Hindenburg— die für ihn so schmeichelhaste Darstellung Ehur- chills. Und er fügt hinzu: Eine Berechtigung, sich als Sieger von Tannenberg zu be- trachten, besaß Ludendorff nicht. Im Gegenteil, die Schlacht wäre verlorengegangen, wenn die in nervöser Unruhe erkeilten Be- fehle des Armeeoberkommaudos ansgcsührl worden wären. So kommt allmählich die Wahrheit an den Tag: Bei Tannen- berg ist nicht nur das russische, sondern auch das deutsche Armeeoberkommando geschlagen worden. Am Morgen nach der Schlacht fand«s sich mir als Sieger wider Willen l Seinen Hauptangriff richtet aber Franyois nicht gegen L'iden- dorff, sondern gegen den Obcrbefchlsdaber der deutschen achten Armee, v. Prittwitz. Mch seiner Darstellung war es Prittwitz, der dadurch, daß er am 2t. August den Rückzug hinter die Weichsel befahl, di« Niederlag« Deutschlands im Weltkrieg herbeiführte. Wie anders, meint Frangois, wäre es soirst gekommen: Welch hoffnungsvoller strategischer Fernblick wurde zerstör«! 21. August: Vernichtung der Armee Rennenkampf bei Gmnbinne». 30. August: Vernichtung der Armee Samsonaw bei Tannenberg. 4. September: Mit zehn deutschen Divisionen vor Sjedlez Keine Niederlage bei L>nnberg, keine Truppcnabgaben von W-st nach Ost. dafür aber S*g an der Marne. Wie nahe st and en wir dem Kriegsende! Der Kriegsgott bot dem Generol v. Pritt- witz Sieg und imsterblichen Felbherrnnchm zum Geschenk, das Gespenst der Rarew-Armee legte sich ihm aber lähmend auf Hirn und Herz, er griff nicht zu. Also, Deutschland hätte an der Marne gesiegt und den Krieg gewonnen, wenn Prittwitz nicht solch« Angst vor die Rarew-Armee gehabt hätte! Bier Jahre Krieg und di« Niederlage am Ende wären uns erspart geblieben, wenn das Gehirn des kaiserlichen Generals v. Prittwitz etwas besser funktioniert hätte. Wenn Franqois mit dieser Darstellung, die sich übrigens ver- teufelt schlecht mit der Dolchstoßlegende verträgt, recht hat, dann ist der Krieg nicht nur eine grauenvolle, sondern auch eine ziemlich lächerlich« Angelegenheit. Nie wieder Prittwitz, nie wieder Ludendorff, nie wieder Franyois! Nie wieder Krieg! öfsentlicht haben, sieht sofort, daß in den meisten Wahlkrersen ..Heimatkandidaten" ausgestellt sind und daß eine diktatorische oder hatbdiktatorische Einwirkung des gewählten Parteioor- standes ausgeschaltet ist. Dazu kommt, daß in der Sozial- demokratie auch die„kleinen Wahlkreise" in Gestalt der Unter- bezirke vorhanden sind, die von sich aus für die gemeinsame Wahlkreisliste ihre Borschläge machen. Die Reihenfolge der Kandidaten innerhalb des großen Wahlkreises wird dann von den Bezirksverbänden, bei denen die Unterbezirte mit vollen Rechten beteiligt sind, festgestellt. Der von dem Unterbezirk vorgeschlagene Kandidat wird deshalb auch als sein e m Unterbezirk besonders verpflichtet angesehen und pflegt sich ihm in der Agitation hauptsächlich zu widmen. Für die So- zialdemokratie ist also die Frage der Beziehung der Kandi- daten oder Abgeordneten zur Wählerschaft vollkommen gelöst. Unsere Partei hat von einer Aenderung der Wahlkreise nichts zu befürchten und nichts zu erhoffen. Wenn wir trotzdem das Experimentieren mit diesen Dingen verwerfen, so geschieht das, weil wir grundsätzlich die Stimm- abgäbe anders auffassen als die bürgerlichen Parteien. Sozial- demokratische Wähler pflegen den Vertretern einer politischen Idee und damit der Partei ihre Stimme zu geben, die diese Idee organisatorisch verkörpert. Die Aus- wähl der Kandidaten erfolgt nicht nach dem Gesichtspunkt der nebelhaften„Persönlichkeit", sondern nach dem der Treue zur Idee und der Fähigkeit, sie wirkungsvoll zu vertreten. Die Partei, die in der Gegenwart immer für die Zukunft arbeitet, hat in allen ihren Teilen das größte Interesse daran, nach dieser Richtung ihre Kandidaten vor der Aufstellung genau anzusehen. Nach der Aufstellung aber ist das Vertrauens- Verhältnis zu der Masse der sozialdemokratischen Wähler als- bald gegeben und gesichert. Das hat sich auch zu jenen Zeiten gezeigt, als das Ver- hältniswahlsystem noch in der Zukunft Schöße ruhte und nur eine Forderung der Sozialdemokratie darstellte, als in den alten„kleinen Wahlkreisen" um die Stimmen der Wähler geworben wurde. Man vergleiche nur das Ergebnis der Wahl von 1912, der letzten, die vor der Reoolutton voll- zogen wurde. Damals erhielten in der Hauptwahl die So- zialdemokraten 64, das Zentrum 79, die National- liberalen(jetzt: Deutsche Nolkspartei) 4 und die Fort- schriftliche Volkspartei(jetzt Demokraten) l> Mandate in 397 Einzelwahlkreisen! Obschon die persönliche Fühlung zwischen Wählern und Gewählten damals also noch enger sein konnte als in den 162 Kreisen des Wirth-Planes, erzielten die Parteien des„Persönlichreits"-Kults die wenig- sten Reichstagssitze, während wir 1928 unter dem Listensystem 43 volksparteiliche und 23 demokratische Mandate zählten. Man sieht, daß diese Parteien besonders Grund haben, nach der Zerschlagung der Wahlkreise und Beseitigung der Listenwahl zu schreien! Das gleiche gilt von der Forderung, die Reichslistc zu beseitigen. Es ist noch nicht lange her, als der jetzige Propagandist dieser Forderung, Dr. W i r t h, in seinem Heimatkreise Baden vom Zentrum abgesägt wurde und eine politische Zuflucht nur auf der R e i ch s l i st e des Z e n- t r u m s fand. Heute ist er Kandidat im Wahlkreise Liegnitz. in dem er sicher nicht in seinem Sinne„beheimatet" ist. Aber trotzdem spricht er in einer Erläuterung zu seinem Pro- sekt davon, daß der Kandidat seinem„heimatlichen Wahl- kreise nähergebracht" werden müsse! Aehnlich steht es um .Herrn K o ch- W e s e r, der feine Demokratische Partei über Rocht auflöste und nun als Heimatloser sroh ist, auf die ver- pönte Reichsliste der Staatspartei zu kommen, wenn das Kapitel des Iungdeutschen Ordens das gestattet. Die R e i ch s l i st e hat nach wie vor ihren politisch überaus wichtigen Zweck. Sie soll die Möglichkeit geben, die Reihe der Wahlkreiskandidaten zu ergänzen durch politische Persönlichkeiten, die nicht zu einem Kreis in so enger Bc- ziehung stehen, daß sie dort aufgestellt würden, die aber für die Gesamtpolitik der Partei von außerordent- lichem Wert sein können. Man denke nur an die beschämende Tatsache, daß bei den alten Einzelwahlkreisen der Führer der Nationalliberalen, B a s s e r m a n n, bei jeder Wahl durch Deutschland irrte auf der Suche noch einem Wahlkreise, daß 1912 sämtliche fortschrittlichen Führer durchfielen und nur in der Stichwahl mit sozialdemokratischer Hilfe gewählt wurden. Diesem Zustand hat die Reichsliste ein Ende ge- macht. Wenn sich bei einzelnen bürgerlichen Parteien die Reichsliste zum Handelsobjckt für Interessen- tenoerbände gestaltet hat, so spricht das gegen die Politik und Organisation dieser Parteien, nicht gegen die Reichsliste. Die Sozialdemokratie hat auch in dieser Hinsicht keinen An- laß. die im besten Sinne demokratisctst: Einrichtung hinweg- zuwünschen. Alles in allem: Wir stehen dem Reformvorschlog mit starken Bedenken gegenüber. Wir sehen für uns und die Organisation unserer Partei keinen Anlaß, an dem bestehen- den Wahlsystem überstürzte Aenderungen vorzunehmen. Sollte aber nach dem 14. September die Borlage an den Reichstag kommen, so wird man sie in aller Ruhe prüfen. Einstweilen jedoch gibt es wichtigere Dinge; vor allem dafür zu sorgen, daß am 14. September eine so starke sozialdemokratische Fraktion gewählt wird, daß keine wie immer gedachte Reform ohne ihre gestaltende Mitarbeit vor sich gehen kann! Volkszählung wird hinausgeschoben. Nächste Zählung erst im Jahre Mit Rücksicht auf die schwierige Finanzlage von Reich, Ländern und Gemeinden ist die in dem üblichen fünfjährigen Zeit- räum im Jahre 1930 fällig gewesene Voltszählung zunächst auf das Jahr 1931 verschoben worden. Da die Schwierig. keiten in der Finanzlage von Reich, Ländern und Gemeinden an- halten, wird auf Anregung Preußens die nächste Volks- Zählung, mit der«ine Berufs- und Betriebszählung verbunden werden soll, erst für das Jahr 1932 in Aussicht genommen. Verschiebung der Völkerbundsiagung? IRat beginnt erst am S. September. Gens, 21. August(Eigenbericht). Die Tagung des Dölterbundsrates. die am 5. September be- ginnen sollte, ist auf den 8. September verschoben worden. Als Grund verlautet bis jetzt nur, daß z u wenig auf der Tagesordnung stände. Da aber kaum anzunehmen ist, daß der Rat in drei Tagen bis zum Beginn der Volloersammlung seine Arbeiten erledigen kann, wird weiter damit gerechnet, daß auch die Vollversamntzung verschoben werden könnte. Radikales Llnruhezentrum. Ständige Zusammenstöße in Hamburg. Hamburg, 21. August. Bei einer nationalsozialistischen Wahlversammlung in einem Lskal in der Himmelstraße kam es gegen Mstternackst zu einer Schlägerei mit anwesenden Kommunisten. Die Polizei schritt ein und stellte die Ruhe wieder her. Fünf Personen, oie Hiebe bzw. Stichverlctzungen erlitten hatten, mußten in«in Krankenhaus geschafft werden. Mehrere Personen wurden fest- gen o m in e n. Steinhagel im Versammlungslokal. Hamburg, II. August. Als in der Nacht zum Donnerstag im Airschluß an eine Ver- sanrmlung nationalsozialistische Parteiongehörige durch die Hamburger Straße zogen, wurden sie von Kommunisten angegriffen. Als die herbeigerufene Polizei einschritt, flüchteten die Täter. Ein Nationalsozialist wurde schwer verletzt, zwei leicht verletzt« Kom- mmristen entkamen. Ferner wurde aus ein in den Hohen Bleichen gelegenes Ver- sanrmlungslokal ein Ueberfall verübt. Nachdem die Kommunisten feflgeftellt hatten, daß sich in dem Lokal nur wenige Natstmaksozia- listen aufhielten, sammelten sie in allen Lokalen des Gänge- Viertels Leute, die in Gruppenkolonncn vor das Lokal rückten. Unter dem Ruf„Rot Front!" bedachten sie das Lokal mit einem Hagel von Pflaster- und Ziegelsteinen. Auch ein Kellerlokai der Nazis in der Antelmonnstraße wurde durch«inen Angriff der Kom- munisten demoliert. Weitere Verletzungen wurden nicht gemeldet. Auch in Dresden Zusammenstöße. Dresden, 21. August. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei hielt am Dounerstagmittag in den Annensälen ein« öffentlich« Er- werbslosenverfammlnng ab. Der überfüllte Saal sowie die angrenzenden Straßen und Plätze standen unter starkem po- l i z e i l i ch e n Schutz. D'e Rede des Landtagsabgeordneten Enno Meyer wurde von kommunistischen Zwischenrufen dauernd unter- krochen, und als der Rodner auf die Rüstungen Sowjet- r u ß l a n d» hinwies, entstand ein wüster Lärm. Die Kommunisten sangen die Internationale und die Nationalisten eines ihrer Lieder. Als-es in der Mitte des Saale» zu einer schweren Schlägerei kam, griff die Polizei ein und drängte einen Teil der Besucher aus dem Saal. Auch die angrenzenden Plätze mußten von der Polizei teil- weise unter Anwendung des Gummiknüppels ge- räumt werden. Die Unruhen in der Umgegend hielten noch längere Zeit an._ Nazis kommen billig weg. 24 Tage Gefängnis für das Abschießen von Gegnern. Braunschweig, 21. August.(Eigenbericht.) Ein Nationalsozialist, der am Sonmog an einer Schießerei-in Wotsenbüttel beteiligt war, wurde von dem Schnell- richter zu 24 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Amts- an walt hatte auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten über das Wassentragen vier Monate Gefängnis beantragt. Im Berlauf dkr Schießerei wurden zwei Arbeiter von Kugeln getroffen. Ein dritter Arbeiter wurde von den nationalsozialistischen Rowdys niedergeschlagen. Auch dieses Urteil kann die deutsche Oeffentsichkeit mir in ihrem Glauben bestärken, daß nationalsozialistische Revolverhelden und Rowdys von der Justiz mit ganz besonderer Mild« behandelt werden. Bewaffneier Saalschutz der Nazis. Brannschwelg. 21. August.(Eigenbericht.) Ein« überraschend« Aktion der Braunschweiger Polizei in einer Goebbels-Verßuwnlung führte zu dem Ergebnis, daß bei dem sogenannten Saalschutz der Nazi und anderen Versammlung?- tetlnehmern Schuß- und Stichwaffen gefunden wurden. Sämtlich« Versammlungsteilnehmer wurden auf Waffen durchsucht. Neun Personen wurden zwangsgestellt, ein Teil der Goebbels-Anhänger hatte die Waffen in die Gebüsche geworfen. Hessen gegen die Terroristen. Verschärste Maßnahmen für die öffentliche Sicherheit. Darmstadt. 2l. August.(Eigenbericht.) Das hessische Innenminislerium hat kürzlich ein Verbot von Auf- und Durchmärschen und Sammettransporten für die radikalen Orga- nistttianen erlassen. Di« Polizeiverwaltung Darmstadt hat dieses Verbot jetzt verschärst und angeordner, daß für alle Organisotionrn bis auf weiteres Versammlungen und Kundgebungen unter freiem Himmel sowie Umzüge, Auszüge und Durch. märsch« und überhaupt jedes Marschieren in geschlossenen Gruppen in der Stadt Darrnftadt von 20 Uhr bis 8 Uhr morgens wegen un- mittelbarer Bejahr für die öffentliche Sicherheit verboten sind. Ein Sah und vier Lügen. Naziwahlreklame mit einer Leiche. Aus Oberschlesien wird uns geschrieben: Eine schauerlich« Geschichte tischte der„Völkische Veabachter" in Nummer 1S4 seinen Lesern aus. Unter einer dreispaltigen markt- schreierischen Ueberschrist„Zwei SA. änner von Marxisten erstochen" werden zwei Behauptungen ausgestellt, von denen die erste sich auf einen Vorfall in Bcuthen(Ober- fchlesien) bezieht. Die Notiz über diesen Vorfall aus Beuthen enthält nur einen Satz, aber drei grohe Lügen. Die vierte Lüg« ist in der Ueberschrsit enthalten-. Denn mit Bezug auf den Fall Beuthen kann von„Erstechen" nicht die Rede sein. Di« Notiz des „V. B." lautet: SA.-Mann Günther Wolf aus Beuthen wurde gestern in der Nacht kurz noch 2 Uhr, als er vom Dienst heimkehrt«, von Marxisten überfallen und«rsch lagen." Grausig! Aber noch grausiger ist eine Todesanzeige. die im„Völkischen Beobachter" Nummer 187 vom 8. August 1980 steht und sich auf denselben Fall bezieht. Darin heitzt es, Wolf sei«, als er mit zwei anderen Parteigenossen im Dienste Hitlers P l a k a t e ge k l« b t habe, von einer Horde von 30 Marxisten über- fallen und totgeschlagen worden:„vertierte Menschen" hätten den Wahlkampf der NSDAP, mit Blut befleckt: Günther Wolf sei ein eifriger Streiter gewesen, der nichts als sein« Pflicht gekannt hätte. Tatfach« ist lediglich, daß Wolf infolge eines unglücklichen Schlages verstorben ist. Alles andere i st schamlose Lüge und niederträchtige Hetze. Der Baugewcrbschüler(!) Günther Wolf kam nicht zu Tode, als er im Dienste Hitlers Plakate klebte, sondern als er v o n e i n e m «ielstündigen Semesterabschlußkommers mit Alkohol geladen nach Hause ging. Er wurde nicht überfallen und totgeschlagen, sondern von gleichfalls betrunkenen Leuten zunächst nur harmlos angerempelt. Als er feine Widersacher in einer nur besi Hitlerianern üblichen „Schneidigkeit" zur Rede st«llt«, erhielt er cin«n einzigen Schlag mit d«r bloßen Hand in den Hals. Durch diesen Schlag wurde zufällig die Halsschlagader so unglücklich getroffen, daß der junge Mann starb, ohne daß der Täter dies beabsichtigt hätt«. Die„vertierten Menschen", von denen Wolf angerempelt wurde, waren nicht Marxisten, sondern politische Säuglinge vom P o st- fportöcrein und vom Bismarck-Bund. Diejenige Person, die den tödlichen Schlag geführt hat, ist ebensowenig Marxist wi««z Wolf war. Es gehört schon eine geradezu krankhaft« Gesinnungsrohcit dazu, einen völlig unpolitischen tragischen Unglücksfall in einer so unsauberen Weise für parteipolitisch« Propaganda aus- zuschlachten. Wie erbärmlich tief muß eine politische Bewegung geistig stehen, wenn sie zu solchen haarsträubenden Mitteln greifen muß, um Anhänger zu werben! Die politische Verwilderung, für die diese Kampsmethode«in Beispiel ist, gibt uns einen Vorgeschmack von der„geistigen Erneuerung", der uns die Hitler-Bew«gung«nt- gegenzuführen vorgibt. Von der KpO. zur Heilsarmee! Eine gerettete Seele. Bei den Kommunisten gibt es bekanntlich verschiedene Richtun- gen. Jede ojefex Richtungen wirst der.anderen. por�lh r Weg führe direkt zur So zio lt,e m otra tic.;" Das behauptet die Mitte von der Rechten und der Linken, die Rechte behauptet es von der Mitte usw. Einen intereisanten Beitrog zu diesem alten Streir liefert nun. die rcchlskommunistijche Zeitschrift„Gegen den Strom". Dort heitzt es: Di« Walz« der Ultralinien Parteisührung, die Opposition lande bei der SPD., verliert immer mehr ihre Wirkung. Dagegen bäusen sich die siälle, ,n welchen linientreue Funktionäre und Mitglieder, die im Kampfe gegen die Renegaten sich nicht wild genug gebärden konnten,.zur SPD. übertreten. Schon bei der Demonstration am 1. August fiel dies auf. Heut« können wir aus dem Wedding in Berlin, dem Barri- kaden- Wedding, berichten, daß gleich 6 Mann aus der 7. Gruppe zur Sozialdemokratie übergetreten findi In der 7. Gruppe wurde unstr Genosse Otto M a j e w s k i, weil er die Politik der Opposition für richtig hielt, aus der Partei ausgeschlossen. Für seinen Ausschluß stimmten auch die K Mann, die nun vor etwa sechs Wochen zur SPD. gegangen sind. Ader die frühere Genossin Stolpe, damals linientreu bis auf die Knochen, ist heule bei der Heilsarmee. Damals hehte sie mit allen Mitteln gegen unsere Genossen, heute versucht sie mit der chrisllicheu Tlächftenliebe die Proleten für die Znter- essen des Kapitals zu gewinnen. Das ist die Wirkung des falschen Kurses einer �bankrotten Parteiteiführung. Heute linientreu, morgen bei der SPD. oder Heilsarmee. Für die Sozialdemokratie ist es auf all« Fäll« sehr tröstlich, daß nickt alle Kommunisten zu ihr kommen wollen, sondern einige auch den Weg zur Heilsarmee finden. Gegebenenfalls find wir gern bereit, die verbleibenden Reste mit der Hcilsarme« zu teilen, mobei wir uns jedoch das Recht der?l u s wa h l vorbehalten. Daß in diesem Fall Teddy Thälmann der Heilsarnica überwiesen werden wird, kann jetzt schon gesagt werden. Lappo für Religion. Rechtsanwalt überfallen. heljingfors. 21. August. Die Lappo-Gruppe scheint ihren in der Tagespolitik immer deutlicher hervortretenden Einfluß numnehr auch auf das kultu- r e l l« Gebiet übertragen zu wollen. Dieser Tage fand in Lappo im Psarrhause ein« Konserenz statt, die sich mit der Frage des Religionsunterrichts in den Schulen besaßl«. Es wurde beschlossen, für ein« stärkere Berücksichtigung und Ausgestaltung des Religionsunterrichts zu wirken. Ein diesbezüglicher Vorschlag ist auch bereits dem Erzbischojsamt in Abo zugeleitet worden. Ihre Macht zeigen die Lappo-Männcr auch sonst vor allem in der Ortschaft, nach der sie ihren Name» tragen. Vor dem Gericht in Lappo hatte sich dieser Tage der Sohn eines Kleinbauern wegen Er mordung eines Offiziers des wchutzkorps zu verantworten. Da da, Schutzkorps vor allein die Verteidigung Finnlands gegen llmsturzbestrebungen und somit auch gegen den Kommunis- nms zur Aufgabe hat, genießt es bei den Lappo-Männern Sym- pathien, und diese Mordassäre hat daher starke Erregung hervor- gerufen. Als es dem Verteidiger des Mörders gelungen war, einen Aufschub der Prozeßverhondlung durchzusetzen, überfiel ihn eine größere Griippe, die ihn verprügelte und ihm verbot, sich jemals wieder in Lappo zu zeigm. Wie verloutet, soll die Polizei nicht gewagt haben, dieses gewalttätige Vorgehen der Lappo-Männcr zu verhindern. polnische Kundgebungen gegen di« Treviranus-Red« haben in Posen und in Kattowitz stattgefunden. Die Polizei drängte die Meng« von den deutschen Kmcheiaten ab. Vor der Verhandlung. ,5ix, Hai nicht einer fünfundzwanzig Pfennig?�—, Wieso, für Fahrgeld?�- für die Geldstrafe!'" «Ne,- Braun vor der Wählerschast. Abrechnung mit dem 4Ser-Kabmett. Königsberg, 21. August(Eigenbericht). Der preußische Ministerpräsident Otto Braun, der Spitzen- kandidat der Sozialdemokratie Ostpreußens, sprach hier am Don- nerstag abend in cin«r überfüllten öffentlichen Wahl- Versammlung. Braun knüpfte einleitend an die Reichstagswahlen vom Jahr« 1928 an und stellte fest, daß sich die Sozialdemokratische Partei der Verantwortung nicht entzogen habe.„Sk hat— so fuhr Broun fort— di« Leitung der Rcichsgeschäft« trotz leerer lRcichsf äffen und beginnender Wirtschaftskrise übernommen. Das wichtigste Ergebnis der Epoche dieser Beteiligung an der Re- gierung ist der Abschluß der Verhandlungen über den Uaung-Plon, in. dess«n Gefolge sinanzielle Erleichterungen eintraten und die Rheinland« vorzeitig von feindlicher Besatzung befreit wurden. Die Gründe für die Auflösung der Großen Koalition liegen darin, daß die Deutsche Volkspartei glaubte, die Lösung des Finanz- Problems nicht mit, sondern gegen die Sozialdemokra- tische Partei durchführen zu können, obwohl sie solange in der Koalition mitgearbeitet hatte. Das Zentrum gab den arbeiterfeindlichen Forderungen der Deutschen Volk-partei soweit nach, daß es zur Spren- gung kommen mußte. Das Kabinett Brüning ist nun ebenfalls an der Läsung des Imanzproblems gescheitert. Es ist nicht in der Lag«, um mit Minister Dietrich zu reden, olle in ihm vereinigten „Interessentenhaufen" mit ihren Forderungen zu befriedigen. Die deutsche Agrarkrise stellt einen Teil der Weltagrartrisc dar. Sie ist nicht durch einseitige Zollmaßnahmen zu lös«n. Gras Kanitz hatte durchaus recht, wenn er als Reichsenmhrungsministsr im März 1923 im Industrieklub in Düsseldorf erklärte, daß prohibitio wirkende Zölle eine Faulheitsprämie wären, die sich weder die Landwirtschaft noch ander« Berufszweig« heute in Deutsch- land gestatten können. Die Agrarkrise kann nur, wie auch der Prä- sident der Hauptlandwirtschaftskammcr Dr. Brandes auf der Er- öffnung der 18. Deutschen Ostmesse in Königsberg ganz zutreffend erklärt«, durch einen geregelten Absatz gelöst werden. Die Wirt- schastspolitik des Reichsernahrungsministers bewegt sich zurzeit nicht auf diesen Bahne» und führt, wie die Verhandlungen über den finnischen Handelsvertrag zeigen, zu einer Schädigung der deutschen Gesamtwirtschast, ohne den deutschen Produzenten Nutzen zu brin- gen. Was die O st h i l f e anbelangt, so steht fest, daß di« preußische Regierung ihre Sorge darauf richtet, durch die Reichstagsauflösung keine Verschleppung eintreten z» lassen, weil es nicht möglich ist, die Mittel hierzu unter.Heranziehung des Artikels 48 zu beschaffen. Es kommt der preußischen Regierung auf die Forderungen der gesamten Wirtschostskreise in d«n östlichen Grenzgebieten an. Aus diesem Grunde hat sie sich zur Hergab« der 100 Millionen unter Beteiligung des Reiches an d«r Biirgschaftsübcrnahm« bereit erklärt, während gewissen Deutschnationalen mehr an der Sanierung über. schuldeler Großgrundbesitze liegt. Di«se Bestrebungen sind auch der Grund dafür, daß man versuchte, die preußische Regierung bei der Durchführung der Ost- Hilfe ousziischolten. Di« preußische Koalition und die Sozial- demokratisch« Partei sind aber bereit, unter voller Ver- antwortung ihre Krost einzusetzen, die.in ihrer Gesamtheit so schweren und komplizierten Ost Probleme zu lösen." Ministerpräsident Braun ging dann auf die Notverordnungen der Reichsregierung ein und iegt« seinen«Standpunkt über die for- mal« Berechtigung eingehend dar: Die Voraussetzungen für die An- Wendung d« s A r t i k e l s 4 8 der Reichsverfasiung waren keineswegs gegeben, weder waren die Ruhe und Ordnung gestört noch gefährdet. Ader selbst wenn das der Fall gewesen wäre, hätte die Einführung der Kopssteuer, einer Ärankenscheingebühr und die Her- absetzung der Leistungen der Arbeitslosenversicherung wohl kaum beruhigend gewirkt. Wenn mir der Vorwurf gemacht wird, daß ich in Preußen durch Erlasse von Rotoervrd nungen das gleiche lue, was ich beim Reich kritisiere, so liegt darin eine vol- l! g e B« r k e n n u n g des Tatbestandes. Ich habe mich stet, gegen die Anwendung des Artikels 4S der Reick soersasjung gewendet, was insbesondere au» meinem Schriftwechsel mit dem Reichskanzler Marx unter der Reichs- präsidcutjchajl Eberls hervorgeht. Nach der Rcichstagswahl vom 14. September 1930 wird man im Reichstag vor den gleichen Problemen stehen wie bei seiner Auf- lösung. Der Reichstag wird zu den inzwischen erlassenen Not- verordimngen Stellung nehmen müssen. Verschiebt sich di« Zu- samm«nsctzung des Reichstages nicht wesentlich zugunsten der Regierung Brüning, so bleibt ihr keine andere Wahl, als entweder mit Hug«nberg oder mit der Sozialdemokratie zusammen an di« Lösung der Problem« heranzugehen. Nach Oldenburg-Januschaus Ausführungen will man auf der Rechten das alte Preußen wieder haben, mit seiner Einfachheit und Sparsamkeit. Hinter dieser Parole verbirgt sich aber nur der Wunsch, daß die Adligen die Leitung der Staatsgeschäste haben sollen, und der Glaub«, daß nur sie zur Führung berufen seien. Die qltprcußische Sparsamkeit war aber nur ein« Spar. samkeit nach unten und sie wurde nur propagiert, um zu verhindern, daß der Großgrundbesitz seine schlecht bezahlten Land- orbeiter versorgt. Der Kampf Hugenbergs um die Sprengung der preußischen Koalition hat dos Streben des Junkertums um di« Vorherrschaft ins recht« Licht gerückt. Man hat sich aus taktischen Ge- sichispunkten der Beamten angeiwmmen, und gegen die Verordnung opponiert, durch die es den Beamten und Angestellten des Staates verboten wurde, der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei oder der Kommunistischen Partei anzugehören. Diese Verordnung i st. aber gerechtfertigt: denn es ist mit der Treuepflicht eines Beamten nicht zu vereinbaren, daß er der Opposition angehört, die auf den gewaltsamen Umsturz der versassungs- mätzigen Regierung hinarbeitet. Die endgültige Ordnung der Reichsfinanzen ist ein sehr schwer- wiegendes Problem. Es ist sehr leicht möglich, daß wir im Herbst im Reich vor einem neuen Defizit stehen, weil zu den sinkenden Steuereinnahmen infolge der rück- läufigen Wirtschastskonjunktur trotz der Ermäßigung der Leistungen in der Arbeitslosenversicherung mit ernsten Mehrausgaben zu rechnen ist. Denn vielleicht steigt das Heer der Arbeitslosen auf d i« Zahl von drei Millionen an�.Mit Lohnherabsetzungen ist auch hier nichts zu erreichen, denn sie verhindert die Kaufkraft und steigert die Arbeitslosigkeit. Lohnherabsctzungen erhöhen auch die Exportmöglichkeiten der deutschen Wirtschaft nicht, weil in den an- deren Ländern die gleiche Arbeitslosigkeit besteht und das begreif- liche Bestreben darauf gerichtet ist, auch dort den Export zu erhöhen. Tatsache ist, daß die wirtschaftliche Misere das ganze deutsch« Volk var eine Aufgabe stellt, die nur durch die verständnisvolle und opferbereite Zusammenarbeit aller Dolkskreise gelöst werden kann. Außenpolitisch wird ganz zwangsläufig der bisherige Kurs fortgesetzt werden müssen. Mit inhaltslosen Tiradcn und zugkräftigen Phrasen kann man wohl politisch ungeschulte Menschen begeistern, nicht aber die durch das Diktat von Versailles geschaffen« prekäre Lage erleichtern. Mit solchen rhetorischen Kraftmeiereien wird weder da» Saargebiet befreit noch die ohne Volksbefragung gewaltsam geschos- jenen Grenzen im Osten beseitigt. Durch sie wird auch die finanzielle Last, die nach dein 7)oung-Plan auf uns ruht, nicht um einen Groschen erleichtert. Sie sind nur ge- eignet, Unruhe im Ausland auszulösen und dadurch die friedliche Aenderung unmittelbarer Bestimmungen des Friedensdit- totes, die nur nach den Geboten der Vernunft im Weg« der Verständigung erfolgen kann, zu erschweren. In einem Zeitunosartikel hat Herr Scholz, der Führer der Deutschen Volkspartei, dieser Tage zur Sammlung für«in« groß« Staatsbürgerpartci gegen die Sozialdemokratie aufgerufen. Das ist eine starke Ueberheblichkeit: den» durch diesen Aufruf gegen die Sozialdemokraten spricht er den fast zehn Millionen Wählern der Sozialdemokratischen Partei die Staatsbürgcreigenschost ab. Scholz spricht unter diesen zehn Millioneck ollen, die im Kriage geblutet und gehungert, die nach dem Zusammenbruch den Zusammenholt des Reiches gesichert und das Deutsche Reich vor dem bolschewistischen Chaos be- wahrt haben, die Eigenschaft ab, Staatsbürger zu sein. Glaubt der Führer der Deutschen Vvlkspartei ihnen die Staatsbürg«reigenschaft absprechen zu können, nur weil pe nicht wie er und seine Partei- „Lehrreiches Gespräch." Karl Severins über Handwerks- und Mitielsiandsfragen. Es ist gerade in Wahlzeiten ein beliebtes Schlagwort der burger- lichcn Parteien, daß„die Sozialdemokratie grundsätzlich Mittelstands- feindlich' fei. In diesem Zusammenhang ist eine Unterredung von Interesse, die wenige Tage vor dem Rücktritt des Kabinetts Hermann Müller der damalige Rcichsminister des Innern, Genoste Karl S e v e r i n g, dem Schriftleiter der„F l e i s ch e r- V e r b a n d s- z e i t u n g" über Handwerks- und Mittelstandsfragen gewährte. Sie wurde unter der Ueberschrift„Lehrreiches Gespräch' in dieser größten unter den Fachgeitungen des deutschen Mittelstandes vcr- ösfentlicht. Die Ausführungen Severings haben zum großen Teil über reine Berufssragen hinaus Allgemeininteresse, weil sie nicht nur die persönliche Ansicht Severings, sondern die allgemeine Ein- stellimg der Sozialdemokratie zum handwerklichen Mittelstand wieder- geben. Severing führte aus:„Die wirtschaftliche Bedrängnis, die auf allen Teilen des deutschen Volles lastet, hat natürlich auch den Mittelstand in harter Wels« getrofsen. Der Krieg und. seine wi-t- schaftlichen Folgen haben die frühere, seit Jahrzehnten stabile vesihoerteilung aufs schwerste erschüttert und damit soziale Verschiebungen von allergrößtem Ausmaß herbei- geführt. Der deutsche Mittelstand ist von diesem Prozeß besonders stark in Mitleidenschast gezogen und muß hart um seine E x i- stenz kämpfen. Sowohl als preußischer Minister des Innern wie auch als Reichsinnenminister habe ich die Rot des deutschen Handwerks aus eigener Anschauung kennengelernt. In den Zeiten der Instation, der Erwerbslosigkeit und des Lobensmittelmangels waren es neben den Arbeitern besonders die Kreise des Handwerks, denen meine amtliche Tätigkeit galt. Ich habe viele erschütternde Einzelheiten gesehen und dem schweren Schicksal vieler hart kämpfen- der Existenzen auch persönlich nahegestanden.' Dann betont Sevc- ring, es sei nicht W ch t i g, daß die Maßnahmen der gesetzgebenden Körperschosten, der Regierungen und Behörden den Mittelstand absichtlich oder auch nur fahrlässig hätten treffen wollen. Der Krieg habe eben die ganze Organisation der Kapitalsverteilimg erschüttert und einen Umwälzungsprogeß von fast beispielloser Größe eingeleitet. Diesen Prozeß aufzuhalten, habe in Niemandes Macht gestanden. Alles, was man hätte tun können, sei, die schlimmsten Auswirkungen abzumildern. Es sei weiterhin nicht richtig, daß der deutsche Mittel- stand von der Mitarbeit bei der Gesetzgebung und Verwaltung ausgeschlossen sei. Keine Bestimmung der Verfassung, keine Maßnahme einer Regierung oder einer Behörde sei je von dem Streben diktiert gewesen, den Mittel st and um seine staatspolitischen Rechte zu bringen. Dagegen habe der Mittelstand schr häusig sich selbst von der notwendigen Mitarbeit ausgeschaltet und dadurch die Allgemeinheit und sich selbst schwer geschädigt. Der neue deutsche Staat brauch« die Mitarbeit des Handwerks wie jeder anderen sozialen Gruppe. Es werde darauf ankommen, daß der Mittelstand sich entschließt, all« etwa vorhanden« Verärgerung und Verbitterung beiseite zu setzen und positiv an der Gestaltung von Gesetzgebung uttd Verwaltung mitzuarbeiten. Niemand könne von der Mitarbett ausgeschaltet werden, wenn er sich nicht selbst ausschaltet. Die Ausführungen des sozialdemokratischen Führers beweisen, wie unsinnig die bürgerlich« Propaganda über«in« grundsätzlich feindselig« Einstellung der Soziokdemokratie gegenüber Handwerk und Mittelstand ist. freunde in der PrKatwirtschast ein« geheiligte Institution und t« kapitalistischen Profit des Leb«ns höchstes Ziel erblicken? Die Sozialdemokratie kann dem Aufmarsch des politischen Heer. banne? privatkapitalistischer Tnteresseuvertreter mit Ruhe und Zu- verficht entgegensehen. 3n den Tagen de» wahlkampses gehl es u m Republik und Demokratie, um den wirtschaftlichen Ausstieg de» Volkes, um die Frage, wie die demokratische Republik durch das gleiche Mitbestimmungsrecht aller Volksgenossen erhalten bleibt. Es handelt sich darum, ob sich die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung nach den Gesichtspunkten des krassen privatkapitalistischen Egoismus und hemmungstosen individuellen Profitstrebens vollziehen soll oder ob die alle Erwerbstätigen in Stadl und Land berücksichtigenden Tendenzen der Sozialdemokratischen Partei zur Geltung komnien sollen. Kardinal Lenin. Wie im Mittelalter. Zuweilen stellt die Logik der Dinge den bolschewistischen Pfaffen witzig« Fallen und ist es gor ein Kardinal, der sich sängt, so hat die Welt ein Vergnügen delikater Art. Ein Beispiel für viele: „Ich kann Musik nicht oft hören,' sagte Lenin einmal zu Gorki,„sie geht mir auf die Nerven. Ich möchte liebenswürdige Dummheiten reden und diesen Leuten die Köpfe streicheln, die in- mitten einer schmutzigen Hölle solche Schönheiten schaffen können. heute aber ist es nicht Zeil, den Menschen die köpfe zu streicheln. heule fallen die Hände nieder, um die Schädel zu spalten, er- barmungslos zu spalten!' Man liest das und sinnt nach— wo hat man diesen aus tiefster Seelenklüftung kommenden Unterton schon eirnmi gehört? Richtig, in einer seltsamen alten Sage des Mittelalters, die so lautet: Es war einmal ein Konzil, zu Konstanz oder sonstwo. Nach heißen Disputen ergingen sich die geistlichen Herren in einem schönen Garten. Und da hörten sie plötzlich eine Nachtigall schlagen, so hold und herrlich schlagen, daß sie alle verwundert verstummten und lauschten. Bis einem der Herren das jache Entsetzen durch die Seele jagte, er ein Kreuz schlug und die Beschwörungsformel stammelt«: „Weiche zurück, Satanas...!' Worauf der Vogel unter Hinter- lassung spürbaren Schwefelgestanks davonflog und laut und deutlich rief:„Ja, ich bin der Teufel und wollte euch versuchen!' Die flamische Kommandosprache. de Leew freigesprochen. Brüssel, 21. August.(Eigenbericht.) Der flämische Soldat de Leew, der vor«inigen Monaten von einem Militärgericht in Lüttich zu drei Monaten Festungshaft verurteilt worden war, weil er sich geweigert hotte, die in fron- z ö s i s ch e r Sprache gegebenen militärischen Befehle auszuführen, ist von dem Militärappellationsgericht in Brüsiel freigesprochen morden. Seit dem Fall de Leew werden an flämische Soldaten sämtliche Kommandos in flämischer Sprache gegeben. Schikane gegen Emigranten. Schweizer Regierung verweigert Nenni die Einreise. Zürich, 21. August.(Eigenbericht.) Die schweizerische Dundesregierung hat wieder einmal einen Beweis ihrer kleinlichen reaktionären Gesinnung und ihrer Liebe« d i e n e r e i gegenüber dem italienischen Faschismus geliesert. Sie hat den Sozialisten Pietro N e n n i, der kürzlich auf dem Pariser Einigungskongreß der italienischen Sozialisten zum Delegierten in der Exekutive der SAJ. ernannt worden ist, das Einreise- visum an der Züricher Tagung der Internationale v e r wie i g e r t. Das persönliche Eingreifen des derzeitigen Präsidenten der Jnter- nationale de Brouckcre beim Bundesrat Höberlin, dem das Justiz- departement untersteht, ist erfolglos geblieben. Begründet wird die Maßnahme der schweizerischen �Regierung mit der Tatsache, daß Nenni schon dreimal ohne Visum die Schweizer Grenze überschritten hätte. Die erste„illegale' Grenz- Überschreitung durch Nenni erfolgte, als er über die Berge flüchtete, um den Verfolgungen in der Heimat zu entgehen. Die zweite und dritte entstanden aus kurzen, hannlosen Abstechern nach Zürich, um sich mit Parteifreunden zu besprechen, und noch Genf, um auf einer Feier zum 1. Mai dos Wort zu ergreifen. LlSA.-Verurieilie in Oeuischland. Kautionen werden verfallen.— Antireligiöse Zeugen« beeinflussung. New Jork. 21. August.(Eigenbericht.) Der Oberst« Gerichtshof Nord-Karolinas bestätigte das Urteil gegen den kommunistischen Organisotor der Slldftaaten Bial und sechs Textilarbeiter, die wegen Totschlags des Polizeichefs Aderholt während der vorjährigen Stteikunruhen in Gastonia zu 12 bis 25 Iahren Zuchthaus verurteilt worden waren. Der Gerichts- Hof verteidigte die 5)in«inzi«hung revolutionärer und ontireli- giöser Gesichtspunkt« der Angeklagten in das Mord- verfahren, obgleich die Erörterung dieser Punkt« seinerzeit unzweisel- Haft die Geschworenen gegen die Angeklagten beeinftuhte. Der Ver- leidiger legt« sofort Revision beim Obersten Stoatsgerichtshos ein. Wie wir zuverlässig erfahren, befinden sich sämtlich« gegen hohe Kautionen freigelassenen Angeklagten gegenwärtig in Deutsch- l a n d. Sie versuchten wiederholt, nach Rußland weiterzu- reisen, jedoch wurde das Einreisegesuch von den Sowjets ob- gewiesen. Sollten die Verurteilten nicht zurückkehren, was unwahr- scheinlich ist, so verfallen die beträchtlichen Kautionen, die teilweise von liberalen Organisationen gestellt wurden. Liiauerkönig zieht in Memel ein. Nach 500 Zähren, mit preußischer Militärmusit. atmet, im August. Neber vielen Gebäuden Memels weht« die litauische Flagge, in den Straßen wogten Menschenmassen auf und ab, der Bahnhos ist festlich geschmückt. Es kommt Leben in die Menge. S. M. der König Vytantos kehrt nach 500 Jahren in sein Reich zurück. Das Militär präsenttert, die Musik läßt Fansaren erschollen, Redner be- grüßen und Sänger besingen S. M. Bytontas. Er ist altersschwach: sein Leib ist längst vermodert. Was ist es denn mit dem König? Eine Bronzeplakette vertritt ihn. Ihr gelten die Ehrungen. Sie marschiert durch die Stadt; unter den Klöngen von deutschen Militärmärschen wird ihr der richtige Tritt beigebracht. Militär eskortiert, Innungen, Schützcn- und andere Bereine folgen. Di« Litauer nennen diesen Siegeszug ein« heilige Pro- zession; die Deutschen sehen als Neugierige ironisch diesem litauischen Fasching zu. Der Zug bewegt sich zum litauischen Kriegsschiff„Smetono'. Ein aufgeputzter Großadmiral nimmt mit seiner ganzen Be- satzung von etwa 15 Mann den König in Empfang unter den Klängen des preußischen Soldatenliedes:„Unser Hauptmann der ist gut; jumheidi, jumheida.' tGcwcrkschaftlicheS siehe 2. Beilage.)' Verantwortlich tvr Politik: Pr. Sur» Seoer: Wirtschaft: S. llli-aelliölrr: Dewerkschaftsbewegung: I. Striaer: Feuilleton: Jt K. Tölcher: Lokale. und EonlUaeo: Äti* garfiädt: Anginen: Td.»loeke: sämtlich in Berlin. Leriaa: Lorwärlo-ZZerlag S. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärlo-Buchdruckerel und Berlassanstalt Paul Singer u. To.. Berlin SW. 68, Lindonstrake 8 Hierz» Z Beilagen»ad»Stadtbrilag«'. 3 Pfund AO W- Kartoffeln 10 Pfund«aö". Suppenhühner jeschlachfet Pfund von frisch geschlachtet-*'• Junge Gänse frisch geschlachtet«AEÄ Pf- Pfund von an Brathähnchen junge, frisch ge- Affi Pf» schfachf., Pfd. von SSO an Seelachs ohne Kopt, nze Fische,_ Pfund von WERTHEIM Leipziger Str,(Versand-Abt) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Freitag u* Sonnabend hillige£ehenswnitte1 Fleisch Sovctl Dirnk. Illengenabgdbe Dorbehalta. lUAe. Otsl u. Gemflss merden nldtl nigeundL Obst ganze Fische, � g Pf- Leb. Aale AEPf. Pfund von 99 an Fettbücklinge Pfund von 32™' Fettheringe 12 stüdc 5V Pf Brathering Hering m ceie« Bismarckhering Rollmops Dose ca. 1 Pfund OO Inhalt SitS Pf- Gebrannter Kaffee eigene Rösterei, Pfund 2« 9 240 280 320 Kochbirnen... 2 P(und 0.25 Kodillpfel.... 2 Pfund 0.15 STrudeläpfel.. 2 Pfund 0.45 Blaue Pflaumen 2 Pfund 0.45 Williamsbirnen.. Pfund OJO Weintrauben... Pfund OJO Pfirsiche...... Pfund 0J2 Zitronen..... Dutz.nd 0.38 Frische Ananas Pfd. v. 0.85*n Bananen..... 2 Pfund 0.78 Fische Kabeljau o. Kopf gz. Fische Pfd. von 0.24 an Schellfisch Pfund von 0,23 an Rotbars ohna Kopf, Pfd. 0.24 an Fischfilet.. Pfund von 0,30 an Grüne Heringe 2 Pfd. 0.30 an Zander gsfr., Pfd. von O.ÖOan Leb. Spiegelkarpfen 1.30 an Räucherwaren Schelltisch.... Pfund 0.36 Seelachs in StOdcan, Pfund 0.45 Kieler Bücklinge Pfund 0.45 Fleckheringe... Pfund 0.40 Aale Pfd. V. 2.80 an Bd. V. 0.25 an Lachs In Sfückan, Pfd. von 1,2?an Matjesheringe 3 Sf. v. 0.20 an Dlsardinen... 4 Dosan 0.98 Gemüse Weißkohl..... Pfund 0.04 Rot- u. Wirsingkehl Pfd. 0,04 Blumenkohl Kopf von O.IOan Möhren gewatcfien, Pfd. 0.05 Schmorgurken. 3 Pfund 0.10 Senfguncen. Pfund 0.00 0.12 Drüne Gurken St. von O.IOan Einlegegurken. 3 Pfund 0.20 Zwiebeln.... 2 Pfund 0.15 Stangenbohnen 3 Pfund 0.25 Konseryen i/i Oos« Leipziger Allerlei... 0.20 Leipzig. Allerlei miffaifaln 1.00 Erbsen fain 1.20 Junga 0.70 Karotten... axtra klain 0.80 Karotten... ga»d,n>ttan 0.35 Kohlrabi 0.58 Sellerie 1.05 Pflaumen m. St. 0.58 o. Si. 0.75 Aprikosen........ 1X5 spanische, o. Zuckar,«li Desa 1X5 Pfirsiche kaII'oen.,o.Zu«kae 1.12 Kürbis.......... 0.83 Konfitüre heim« Pflaumen........ 0.90 Aprikosen, Orange.. 1.15 lohannisbeer..... 1.15 Erdbeer, Kirsch, Himb. 1.35 Geflügel#fb/o#i/a/ivarey» Hühner gafroran, Pfd. v, 0.82 an Jg.Tauben fr.geschl., St.v.0.75 an Jg.Enten fr. gas(hl.,Pf.v. 1.20 an Rebhühner aus!., St. v. 1.45 an Wild Hirschkochfleisch Pfd. 0.34 Hlrschblötter Pfund von 0,90 an Rehblötter Pfund von 1,1 5 an Rehrücken u.»Keulen. FkunG von 1.60 an Wurstwaren Dampf- u. Retwurst Pfd. 0.98 Sülzwurst..... Pfund 1.10 Fleischpreßsadc. Pfund 1.10 Landleberwurst. Pfund 1.20 Wiener Würstchen Pfd. 1.25 Jagd- u. Mettwurst Br. Ar« 1.40 Hildesheimer...Pfund 1.45 KUmmelwurst...Pfund 1.45 Pökelfleisch gakocht, Pfd. 1.60 Schinkenpolnische Pfund 1X5 Filetwurst.... Pfund 1.65 Tee. u. feine Leberwurst 1.70 Zervelat u. Salami P>d. 1.70 Grobe Teewurst..Pfd. 1.90 Speck fatt 0.93 magar, Pfd. 1 ,40 Sdiinkenspedc.. Pfund 1.80 Nußschinken...Pfund 1.9S Viktor.-Erbsen neue Ernta 0.26 Linsen neu* Ernta, Pfund 0.38 Weiße Bohnen. Pfund 0.25 Selbe Erbsen pol., Pfd. 032 Bruchreis...... Pfund 0,19 Tafeireis...... Pfund 0.23 Haferflocken... Pfund 0 25 Hartgrieß..... Pfund 0.32 Scure Kirschen naua Ernte 035 Badeobst gamlscht, Pfund 0.54 Kalitom. Aprikosen Pfd. 0.78 MakkaroniHarfgriaf; Bruch 0X6 Makkareni Eier Brückt, Pfd. 032 Eier-Schnitt-Nudeln Pfd. 030 Käse u. Fett Camembert Schadtf. 0.18 0.40 Brieköse voiifetf.. stück 0.18 Dän. Schweizer'■•fatt 0.84 Tilsiter vollfetl, Pfd. von 0.88an Münster Art votifatt, Pfd. 0.88 Limburger 035 voiifett 0.90 Steinbuscher voll'alt, Pia. 0.92 Edamer u. Holländer Pfd. 0.98 Schweiz. bayr.,vellf.,Pfd. 1,38an f tisch Suppenfleisch..... P'und Rinderkamm u. Brust Pfund Schmorfleisch"ÄSä 1< 4 � Roastbeef mit Knedtan, Pfund Frische Rinderzungen Pfd. Liesen Pfd. 0.75 Gulasch Gehackfes....... P'und Rückenfett brafferflg..Pfund Hammel-VorderflelschPfd. Kalbskamm u. Brust Pfund Kaibsnlerenbraten Pfund Kalbskeule � �„Äd Kalbsschnitzel... Pfund SchweinerUdken m.Big.,p(d. Schweineschinken u. Kamm, mit Beiiaga, Pfund Kaller mild gasalzen e•. Pfund Fr. Bratwurst Spaziaim Pfd. Nierentalg amgelanan, Pfund gefroren Rinderkamm..... Wund Rinderbrust..- > Pfund 0.S4 0.SS 1.33 1.14 1.10 0.98 0.80 0.82 1.12 0.96 1.00 1.05 2.10 1.05 1.12 1.26 1.20 0.54 0.84 0.84 Wein Margarine..Pfund 030 038 Kokosfett 1-Pfund- Tafal 030 Molkereibuiter.. Pfd. 1.38 Tafelbutter. Pfd. 138 1.66 Dänische Butter..Pfd. 1.78 Preis» für»/i Flasdia, ohne Glas 1929 Wöllsteiner Rhainhessa... 0.73 1928 Hainielder Letten Tischwein 0.95 1928 Obermoseler Bowlenmosel. 0.95 1928 Liebfraumilch(blau. Kapsel) 130 1923 Brauneberger Bürgerslay spritziger Mosel 1.50 1921 Mödoc-Bordeaux Wst. Lepr» 130 1926 Rüdesheimer......... 1.80 Himbesr* u.Kirschsaft la Raffinade 1.20 Renetten-Apfelwein vom Fafj, Ltr. 0.46 Johannisbeerwein fein® Quellt., Ltr. 0.75 Muskateil. u. Wermutwein v. F., Ltr. 1 ,20 Deutscher Weinbrand.Speiiat* vom Fafj, Liter 4.60 Wein vom Faß zu billigen Preisen G Ar. 391* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Kreitag, 22. August 1930 Schafft Fleisch für die Armen! Verbilligtes Frischfleisch., zollfreies Gefrierfleisch oder— nichts? Jod)- und Tagespresis haben in letzter Zri! zu der Jragc der Jleifdjocrfotguug oft und in verschiedener Form Stellung genommen, ohne daß dadurch eine erschöpfend« Star- skellung in dieser lebenswichtigen Arage erfolgt ist. Es dürfte daher angezeigt feiu, die Fach, und Tagesprcfse hierüber ein- mal gründlich zu unterrichten. Bekanntlich ist die Einfuhr von zollfreiem und von verzolltem Gefrierfleisch durch das am lt. April 193» mit knapper Reichstags- Mehrheit beschlossene Agrarprogramm ab 3». Juni 1939 gesetzlich unterbunden.(Gesetz über Zolländerungen vom 15. April 1930.) Die später durch das Kabinett, also ohne Reichstag, beschlossene Ver- längerung der Einfuhrmöglichkeit von 12 500 Tonnen zollfreiem Rindergefrierflsisch für die Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1930 unter Zuhilfenahme des§ 108 der Reichsobgabcnordnung(aus Billigkeitsgründen) stellt nur eine Rotmaßnahme dar, die be- stimmt nicht in Frage gekommen wäre, wenn die beabsichtigte und vom Minister Schiele versprochene Bess.eseruna der„wirklich Mücherbemittelten� durch verbilligtes Frischfleisch aus dänischen oder aus deutschen Schlachtungen mit den hierfür angeblich— aber n r cht tatsächlich— zur Verfügung stehenden 22.5 Millionen Mark(der dem Reich durch Gewährung der Zollfreiheit für das Ge- irierfleifchkontingent verlorengehende Zollbetrag) praktisch durchführbar gewesen wäre., Wie steht es mit dem«.Jim*? Zweifellos hat der Gedanke etwas Bestechendes, unter Ver- wendung des b«i der zollfreien Gefrierfleischeinfuhr dem Staat verlorengehenden Zollbetrages von 22,5 Millionen Mark im Jahr ver- billigtes Frifchfleflch ungefähr der glsi6)en Menge und in gleich guter Beschaffenheit den wirklich Minderbemittelten zu an- gemessenen Preisen zur Verfügung stellen.zu können. Eine genaue zahlenmäßige Nachprüfung dieser reichlich durchsichtigen Materie zeitigte dos— uns nicht— überraschende Ergebnis, dah die beob- fichtigts Frisclifleischbelieferung in Verbindung mit der Einsühning des Fleischbons dem Staat mehr als das Fünffache von 22,5 iMillio- n«n Mark im Jahr koste» würde und daß durch den Fleischbon der Schieberei und Durchstecherei Tür und Tor geöffnet worden wäre. Hinzu kommt noch, daß die Nachfrage nach zollfreiem Gefrierfleisch ganz erbeblich geringer als die nach verbilligtem Frischfleisch sein wird. Während Gefrierfleisch nur von benfenigen Kreist» der wirk, lich Minderbemittelten begehrt wird, die nachgerade das allerdings t» nichts begründete Vorurteil gegen argentinisches Gefrierfleisch über- wunden haben, dürfte der Frffchfleischbon aus naheliegenden Gründen von jedermann, also wett mehr— tatsächlich u nd miß- bräuchlich— in Anspruch genommen werden. Der Fleischbon wird allen Minderbemittelten— ganz gleich ob Land- oder Jndustriebevölkerung, ob Groß- oder Kleinstadtbewohner— zur Ver- siigung gestellt werden müssen, wefl alle den gleichen Anspruch daraus haben. Ob der Bon alsdann immer auf reinen Fleisch» c i n k a u f verwendet wird, ist zum mindesten sehr fraglich. Ferner wären hierbei noch folgende Fragen zu klären: 1. Welcher Kreis der Bevölkerung soll den Bon erhalten? 2. Soll der Bon 20 Pfennig oder mehr beiragen(20 Pkennig s.nd, weil zu wenig, zwecklos) und wieviel Banz sollen pro Person in der Woche ausgegeben«erden? 3. Wie und wo sollen die vom Fleischer in Zahlung genommenen Dons eingelöst werden? Sollen etwa die Kommunen zu diesem Zweck besondere Verwaltungsstellen einrichten? Bei drei Millionen Arbeitslosen und bei etwa eüier Million aiv derer Wohlfahrtscmpfänger und einen Bon von 50 Pfennig pro Person und Woche kommen mehr als hundert Millionen Mark pro Jahr in Frage. Schon diese kurzen Andeutungen dürften genügen, um die Einführung des Fleisch-Bons als unmöglich zu bezeichnen. Bedauerlich fft, daß dieser Vorschlag von Fachleuten kommen soll, wozu zu bemerken ist, daß dies« Fachleute nicht einen Augenblick darüber nachgedacht hoben können, wie ihr Vorschlag praktisch durchgeführt werden soll. Run noch eine Ucbersicht über den Fleischverbrauch: In Berlin werden wöchentlich etwa 650 beste argentinische Ochsen im Durchschnittsgewicht von ungefähr 550 bis 600 Pfund Fleischgewicht per Stück als Gefrierfleisch ver- braucht und zwar zu einem Preise, der mindestens 40 Prozent unter dem Frischfleischpreise der gleich guten Qualität liegt. Ms will man für dies« 650 prima Ochsen Ersatz auf dem Berliner Markt schassen? Etwa durch Einfuhr aus Dänemark? Oder soll die minderbemittelte Bevölkerung die abgemolkenen Kühe au« Dänemark als verbilligtes Frischfleisch erhallen? Würde nicht sofort, wenn die 650 prima Ochsen allwöchentlich aus dem Berliner Markt fehlen, der Preis für gutes Ochsenfleisch so hoch steigen, daß«in gewöhnlicher Sterblicher dieses Fleisch überhaupt nicht mehr kaufen kann? Und würde nicht der Preis für dänisches Vieh sofort in die Höhe gehen, woraus doch nur Dänemark Vorteil« ziehen würde? Oder ist es die Absicht der Regierung, der Bevölkerung das Fleisch so stark zu verteuern, daß dadurch der Bon für die Minderbemittelten ab- solut unwirksam wird? Aus den Ausführungen, die Herr Geheimrat Dr. V o t h vor kurzem in der„Kölnischen Zeitung' ge- macht Hot, geht hervor, daß man glaubt, daß an die minderbemittelte Bevölkerung das Fleisch von abgemolkenen Kühen aus Deutschland aus Fleischbems abgegeben werden soll. Dazu muß gesagt werden, daß 1. die Bevölkerung sich mit Recht dagegen sträuben wird, und daß 2. Kühe, die man als Frischfleisch verwerten könnte, heute sehr hoch im Preis stehen und nach einem solchen Experiment sofort noch höher im Preise steigen würden. Der Engrospreis für solches Kuhflekfch beträgt heute schon durchschnittlich 90 Pfennig per Pfund. Zu welchem Preis soll das Fleisch nun an die Bevölkerimg abgegeben werden und wo bekommt man soviel Kühe einigermaßen gleicher Qualität her? Gebt das Gefrierfleisch frei! Alle diese schwerwiegenden Bedenken bringen uns der Lösung der Fleischbelieferungsfrage für die wirklich Minderbemittelten nicht um«inen Schritt näher, im Gegenteil, sie türmen nur neu« Schmie- rigkeiten vor uns airf. ver Minister Schiel« würde sein versprechen, der minderbewfl. leiten Bevölkerung das Fleisch nicht zu verteuern, dadurch am heften cintosttt. daß er das Kontingent des zollfreien Gefrier- fleisches auch für die Zukunft bestehen läßt. Wie soll das Heer der Arbeitslosen— in Berlin heute bereits etwa«in« halbe Million einschließlich der Wohlsahrtsempfänger— durch den beoorstehenden horten Winter kommen, wenn ihm nicht wieder zollfreies Gefrierfleisch zum wenigsten in dem bisherigen Umfange zur Verfügung gestellt wird? Es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, daß das Gefrierfleisch infolge stiner sast unbegrenzten Haltbarkeit und Stapelfähigkeit ohne jeden Zweifel immer die rationellste Art der Belieferung bleiben wird, eine Tatsache, die von allen Fachleuten unumwunden zugegeben werden muß. Ernst Arndt, Stadtverordneter. Heute Eröffnung der Funtschau. Festott im Funtturmgarten.— Einstein spricht. Zum siebenleu Male wird heule vormittag auf dem Messegelände in Wihleben, das inzwischen eine beträchiliche bauliche Er- Weiterung ersahren hak. die Große Deutsche Funkaus- stcllung eröffnet, in deren Rahmen zum erstenmal auch eine Dhonoschau stalffindet. 350 Ausstell ersirmen zeigen in sechs hallen auf 25 000 Quadratmeter Fläche ihre Erzeugnisse. Daneben finden sich Sonderausstellungen der R e i ch s p o st und der Reichs» rundsuntgesellschafl, serner ist Gelegenheit, die ersten Fernsehvorführuogen zu erleben, und die Phonoiudustrie zeigt die geschichtliche Entwicklung der Schallplatten, und Grommophoniadv- strie. Bei dem Festakt, der heule vormittag in den Anlagen an» Fuße des Funkturms staklsindet, wird nach dem Reichsrundfunk- kommisjar Dr. Bredow auch Professor Alberl Einstein das Wort erreisen. Die Feier beginnt um 10 Ahr und wird auf alle deutschen Sender und den Wiener Rundfunk übertragen. Bei einer Borbesschtigung wies Direktor Dr. Schick vom Ans- stellungs-, Messe- und Fremdenveekehrsamt der Stadt Berlin auf die' hohe wirtschalftspolitische und ausstellungspolitischc Bedeutung der Verunstaltung hin. Die Ziffern und Tatsachen der siebenten Großen Deutschen Funkausstellung und ihre Erweiterung durch die Hingu«: nähme der Phonowirtschaft seien ein erneuter Beweis für die Richtigkeit des Berliner Fachausstellungsgedankens. Der zielbewußt verfolgte Weg des Ausbans sei auch durch die starte: Mrtschaftsdepression nicht aufzuhalten gewesen. In guten wie in r schlechten Zeiten hätten die Veranstaltungen aus dem Witzlebener Gelände ihre gesunde wirtschaftliche Basis bewiesen. Dr-' Schick ging sodann mis die städtebaulichen und wirtschaftlichem Beziehung on ein. Von Jahr zu Jahr Hobe die Zentralisierung des- deutschen Funkwesens in Witzlebem größere Fortschritts gemacht.-.. Mit dem Wachstum der Hallen gehe die Ausbildung der Gegend um den Funkturm zu einem Funkzentrum erster Ordnung. Die i Erbauung des neuen Funkhauses in der Mafurenallee, die Rieds» lassung zahlreicher verwandter Betriebsstellen um den Reichskanzler--' Platz herum hätten geholfen, das Witzlebener Gelände zur Funk--. ftadt Deutschlands zu machen. Wenn sich am Reichskanzlerplatz h wirklich einmal das Zentrum des neuen Berlin' entwickele, so sei'. die Grundlage dazu zweifellos durch die Funkhallen geschaffen � worden.' Ucber die Ausstellung und das Reue, das sie bringt, werden aäc i noch ausführlich berichten. Gretfln überfallen! Auf der Treppe betäubt und beraubt. Em besonders niederträchtiger Neberfall wurde gestern auf eine Greisin, die 74jährige Frau Emma; W a l t h e r. in der Fritschestratze sl in Ehär� lottenburg verübt. Die alte Frau hatte sich mittags von der Filiale der Deutschen � Bant in de� Bismarckstraße Spargeld in Höhe von 200 Rj a r k> abgehoben. Beim Hinaufsteigen zu ihrer im vierten Stockwerk ge-, legenen Wohnung wollte sie sich im zweiten Stockwerk, wo auf dem Treppenpodest ein Stuhl steht, ein wenig ausruhen. Plötzlich kam; ein junger Mann die Treppe hinauf, trat dicht an die Frau' Walther heran ,md fragte, ob im Haufe eine Familie Schumacher wohn«. Frau Walther verneinte die Frage. Dann, so sagt sie aus� sind ihr plötzkich die Sinne geschwunden. Die Bewuhklostg-» s keii dauerte nur wenige Minuten, und als die Greisin wieder zu sich!. kam, war ihre Handtaschemitdem Geld« verschwunden. ,s Der Täter fft von Angestellten einer Firma, als er den Haus-„ fkur verließ uttd in Richtung Sophie-Eharlotte-Platz dcw anstürmte� i- gesehen worden. Sein Alter wird aus 20 bis 25 Jahre geschätzt.,� S/NClAIRLBr/15 Iii 'ROMAN Sie küßte Bestie Kraker und hätte vor lauter Begeisterung beinahe auch den Laufburschen geküßt; sie erzählte ihnen von dem Farmhaus, von der Aussicht, die sie von ihrem Fenster gehabt hatte, von der Waldwicse, der Kahlen Koppe und vom Hamkins-Teich; von Hühnern und frischer Milch und von flatternden Tauben: sie zeigte die Photographien, die Herr Cannon geknipst hatte, erklärte, wer Herr Starr und Fräulein Vincent seien, die darauf zu sehen waren, und lachte über sie, bis... „Ach, Fräulein Golden, wollen Sic bitte jetzt ein kleines Diktat aufnehmen?" rief Herr Wilkins. Da gab es auch einen ganzen Stoß nicht eingereihter Briefe, und es fehlte an Büromaterial, und Bestie war mit den Kopien im Rückstand, und der Laufbursche hatte das Lokal ganz verwahrlosen und verstauben lassen— und der steife, alt«, graue Bodenlappcn war an seinem Platz im Wasch- räum so abstoßend wie nur je. ,T>as Büro ist gänzlich unverändert,' sagte sie sich, und als sie um drei Uhr zu einem verspäteten Mittagessen ging, fügte sie hinzu:„und New Zork auch. O Gott! Jetzt bin ich wirklich wieder da. Dieselben alten heißen Straßen. Ich glaube, es gibt gar kein Berkshires; es kommt mir genau so vor. als wäre ich überhaupt nie fortgewesen."' Dann saß sie im Hauskleid auf dem Dackzc des Heims und erfuhr, daß Rose Larsen und Mmnie Magen und ein Dutzend andere eben aus Urlaub gegangen waren. „Du lieber Gott! Ich hob's hinter mir.' dachte sie. ..Wieder fünfzig Wochen Büro vor mir, ehe ich wieder fort kann—«in ganzes Jahr. Der Urlaub ist jetzt weiter weg als je. Und wieder derselbe Trott.... Ja, richtig? Ich muß morgen früh die Adine Company für Herrn W'lkins anrufen. bevor ich mit dem Briefeinordnsn anfange.. Nach Mitternacht erwacht« sie, und da fiel es ihr ein: „Ich darf wirklich nicht vergessen, morgen früh die Adine Company anzurufen: gleich wenn ich ins Büro komme. Und Her? Wilkins muß einfach für jede von uns einen Papierkorb anschaffen: einen für Bestie und einen für mich. O Gott! Ich wollte, Herr Schmurtz käme morgen, mich«» einem Spazier- ganz abzuholen; der liebe, alt« Kerl.— Ich würde lieber weiß Gott wo hingehen, bevor ich Herrn Wilkins um diese verfluchten Papierkörbe bitte!' Vierzehntes Kapitel. Frau Esther Lawrence fühlte sich, wie sie sagte, gelang- weilt von der Atmosphäre von Unschuld und hüpfendem Back- ftschtum im Heim, und sie überredete Una, sich mit ihr zu- sammen eine möblierte Wohnung zu nehmen— drei kleine Zimmer— die sie mit japanischen Vorhängen und russischen (oder zumindest jüdisch-russischen) Kupferwaren aufputzten. Hier kamen die Herren zu Frau Lawrence aus Besuch, und nmnchmal kam auch Herr Julius Schwirtz. und alle, bis auf Una, rauchten und tranken, und sie selbst hatte das un- bestimmte Gefühl, allmählich nun wirklich eine unabhängige Frau zu werden. Später, im Januar, verließ sie den steifen, grauen Boden- läppen, der für sie das Sinnbild des täglichen Einerleis im Büro des Herrn Troy Wilkins war. In einer Reklamezeitschrift hatte sie gelesen, daß Herr S. Herbert Roß, den sie als Reklainechef der„Auto- und Benzin-Woche" gekannt hatte, Rcklamechef bei Pemberton geworden war— der größten Drogen- und Toiletteartikel- fabrik der Welt. Una hotte eben von Herrn Wilkins erfahren, daß er zwar ein väterliches Interesse an ihrem Fortkommen hätte, sowohl in finanzieller wie in jeder anderen Beziehung, daß er ihr aber niemals mehr als fünfzehn Dollar wöchentlich werde zahlen können. Er gebrauchte eine Lieblingsphrass aller Geschäftsmagnaten:„Ich persönlich würde Ihnen ja gerne mehr zahlen, aber mehr als fünfzehn ist die Stelle nicht wert." Sie verfuchte. ihn davon zu überzeugen, daß es kein« Stelle gäbe, die man nicht irgendwie„mehr wert' machen könne. Da versprach er, sich's noch zu überlegen. Er überlegte es sich immer noch(während der Briefumschlag mit Unas Gehalt Sonnabends so dünn blieb wie zuvor), als Bessie Kraker sich in ihr Schicksal ergab und einen Matratzenumarbeiter heiratete, und ihre Stelle bei Herrn Wilkins von einer großen. schönen Blondine besetzt wurde, die zu damenhaft war. um sich Uno unterzuordnen. Dies zerstörte Unas kleine Büro» Herrschaft und gab ihr den Mut, Herrn S- Herbert Roß zu schreiben und ihm mitzuteilen, welch kluger, guter, edler, tüchtiger Mann er sei und welch besonderen Borzug es für sie bedeuten würde, seine Sekretärin zu werden. Herr Roß ließ ihren Brief zehn Tage lang unbeachtet. dann bat er sie tslephoniilch so dringlich, ihn sofort aufzusuchen, daß sie ein Auto nahm und schnurstracks zur Psmbenttonfabrik -------- j in Long Island City fuhr. Nachdem sie für das Auto soviel � bezahlt hatte, wie sie sonst in einer Woche für ihr Mittagessen 0 brauchte, konnte sie nie ganz herausfinden, warum Herr Ro�'-' es eigentlich fn eilig gehabt hatte. Er rollte in feinem präch- 1 tigen Mahagoni« und Gobelinstoffbürv umher, sah zum Fenster' r hinaus auf die Estenbahngleise von Long Island, und teilte� ihr(im Vertrauen) mit, was diese Herren von der„Benzin-- f i Woche' und alle anderen Chefs, die. er seither gehabt hatte, doch eigentlich für Narren seien. Una lächelte anerkennend-: und versuchte eine taktvolle Bemerkung über ihre Anstellung!� einzuflechten. Es gelang ihr, herauszufinden, daß Herr Rost: bisher noch keine Sekretärin bei Pemberton engagiert hatte.n aber darüber hinaus konnte sie keinerlei Anhaltspunkte für� irgendeinen anderen Grund chres Hiersems entdecken, als daß?. er den Wunsch gehabt hatte, sie möge seine reifen Weisheiten!?' und seine noch reiferen Witze anhören. Z Nach mehr als einem Monat, während welcher Zeft Herr'! Roß sich damit vergnügte, Verabredungen zu treffen, sie damr wieder aufzuschieben, sie zu vergessen, zu telephonieren, yx* telegraphieren, Expreßbriefe zu schicken, sich aus Hotelspe ffe-'! sälen herausrufen zu lassen, kurz sich so theatralisch zu ge»*' haben, wie er es sich nur ausdenken konnte— es fehlte nitre) noch, daß er sich eines Flugzeugs oder Unterseebootes be-� diente—, entschloß er sich endlich, sie mit e'niem Wochengehalt von zwanzig Dollar zu seiner Sekretärin zu machen.' Drei� Tage später fiel es ihm«in, sie einer Prüfung zu unterziehen.-'' um ihre Schnelligkeit im Stenographieren und Maschine» 3 schreiben und einige andere nebensächlichere Dinge festzustellen. J die er über ihre Fähigkeit als Zuhörerm am Telephon über»\ sehen hatte. Zum Glück bestand sie auch diese Prüfung. Als sie Herrn Wilkins mitteilte, daß sie gehen wolle, ge»� brauchte er eine Reihe anderer Redewendungen, die alle:, Potentaten der Winkelbüros kennen— sie müssen diese< Phrasen aus einem kleinen rotledcrnen Handbuch lernen..�' Er preßte die Lippen aufeinander und hämmerte mit einem' Blaustift auf seinen Schreibtisch: er sah betrübt aus und sagte in rührendem Ton:„Ich glaube, Sie begehen einen Fehler.! Ich habe mir Ihre Angelegenheft durch den Kvpf gehen lassen� und war tatsächlich schon entschlossen, Ihnen achtzehn Dollars'' wöchentlich anzubieten und Sie so schnell avancieren zu lassen,. als es das Geschäft erlauben würde. Ich— tja, nun— ich ,' glaube, Sie begehen einen Fehler, wenn Sie eine sichere Sache.> einen guten, gesunden, ständigen Posten aufgeben, um einer' Sache willen, über die Sie nichts wissen. Ich will Ihnen in keiner Weise zureden, zu bleiben, verstehen Sie mich wohl, aber es tut mir leid, zusehen zu müssen, wie Sie einen großen Fehler begehen."«'Fortsetzung kolgt-) Hatt Du fdion einen neuen Lefer geworben? Wer den„Vorwärts" ließ, wird der Partei gewonnen! Englische Lacht gesunken. Oie ganze Besahung ertrunken.— Konservativer Abgeordneter unter den Toten. London, 2t. August. Die 22 Tonnen große Jacht„Isländer" ist an der Küste von Eornwall mit sämtlichen Insassen, dem konser» vativcn Unterhausabgeordneten und früheren Bergbau- minister King und sechs weiteren Personen gesunken. Zuverlässige Angaben über die Personcnzahl waren bis» her nicht zu erlangen, da das konservative Hauptquartier noch nicht einwandfrei feststellen konnte, wieviel Gäste King für seine Kreuzfahrten im Kanal mit an Bord ge- nommen hatte. lieber den Untergang der Jacht liegen folgend« Einzel- heilen vor: Die„Isländer" sandte gegen 21 Uhr das erste Not- fignal ans, worauf sofort ein Rettungsboot abgelassen wurde, das die Ungliicksstelle etwa zehn Minuten nach dem Notsignal erreichte. In der Zwischenzeit wurde aber die Jacht auf eins der an dieser Stelle zahlreichen Felsenriffe geworfen. Der Seegang war so schwer, daß es für das Rettungsboot unmöglich war, an die Jacht heranzukommen. An Bord der Jacht war niemand zu sehen, da- gegen wurden Hilferufe aus der Kabine vernommen. Eine von dein Rettungsboot abgefeuerte Rettungsleine wurde noch einein anderen Bericht aufgefangen, riß sich ober schnell wieder los. Durch Sturzwellen wurde die schon sehr stark beschädigte Zacht erneut gegen ein Felsenriff geworfen. Die inzwischen entsandte Küsten- schutzabteilung war gleichfalls außerstande, in Verbindung mit der Jacht zu komme». Mehrere Personen wurden von den Rettungs- inannschaften im Wasser auf kürzeste Entfernung treibend gesehen, konnten aber nicht erreicht werden. Bei dem ersten Anprall an das Felsenriff wurde die Jacht schwer beschädigt. Nach dem zweiten Air- prall ist sie dann schnell gesunken. Di« Frau des Steuermannes des Rettungsbootes sagte aus, daß sich zwei Personen verzweifelt an die Leine gehangen hätten, die dann aber nachgab und die beiden Personen mit ins Meer riß. Bisher sind zwei Leichen ans Land geschwemmt. Nepp an Erwerbslosen. ,/Neichiagskandida<" sucht Organisationsleiter. In einer Berliner Tageszeitung erschien kürzlich unter der Rubrik„Offene Stellen" folgendes Inserat: Organisakionsleiler vorzustellen bei Felger, Stallschreiberstr. 7, vorn II Treppen. Ein arbeitsloser Parteigenosse ist diesen, verlocken- den Inserat nachgegangen und schreibt uns dazu: Wie mcht anders zu erwarten, setzte unter den Tausenden von erwerbslosen Angestellten ein wahres Wettrennen nach der aus- geschriebenen Stellung eines„Organisationsleiters" ein. Enttäuscht mußten jedoch die sich meldenden Erwerbslosen, die noch ihre letzten Groschen für das Fahrgeld geopfert hatten, wieder abziehen. In Wirklichkeit handelt es sich nämlich bei dieser Angelegenheit um ein unverschämtes Manöver einer Clique von Dunkelmännern. Das Haus Stallschreiberstraße 7 ist eine der üblichen Miel- kasernen, in dem keinerlei Büros ihr Domizil hoben, sondern nur einige Kleingewerbetreibonde im Borderhaus ihr Handmert betreiben. Der Inserent Wilhelm Feiger.tsl lediglich U n t irr in ie te r, dessen Wohnung man sich erst bcizn Hauswirt oder Postboten er- fragen muß. Felger wohnt im zweiten Stock bei einem gewissen John. Dieser John hat es sich in den Kopf gesetzt, in den kommen- den Reichstag als Abgeordneter gewählt zu werden. Zu diesem Zweck hat das obige Inserat aufgegeben, womit er einen„Organi- sationsleiter" sucht. Kommt ein Erwerbsloser und hält Nachfrage, dann, legt ihm John einen Revers vor, worin sich der Erwerbslose verpflichten muß, für John zu stimmen. Hernach, fo erklärte John. soll es dann feinen Wählern auch gut gehen. Als ich mich meldete, öffnete mir eine Dame im Unterrock. Di�e holte sofort den Herrn Felger, der den Bescheid gab, der aus- geschriebene Posten wäre inzwischen schon besetzt; in den nächsten Tagen finde jedoch eine Versammlung statt, wo über die„Organi- sation", zu der man einen„Leiter" gesucht habe. Näheres mitgeteilt werden würde. Obwohl Felger der Inserent war, tat er so, als ob er mit der ganzen Sache nichts zu tun habe. Im übrigen war Felger sehr einsilbig und wollte von nichts etwas wissen. Selbstverständlich war Felger als Kumpan des John über alles eingeweiht. Als ich über diese seltsamen Leute weitere Erkundigungen ein- zog, machten mich Hausbewohner auf einen einäugigen Krüppel aufmerksam, der sich später auch als eine Art Funktionär des Iohn-Klubs entpuppte. Dieser Mann wußte folgendes zu erzählen: John ist Vertreter sür Musikinstrumentenfirmen. Von seiner Frau ist er geschieden pnd wohnt nicht mehr in der Staltschreiberstraße 7. Er will aber 31 eich stag sab geordneter werden. Er betreibt seine Propaganda unter den erwerbslosen Angestellten. Damit. ihm die gcnassührten Arbeitslosen nicht aufs Dach steigen, benutzt er- den Felger als Deckadresse, er selbst ober läßt sich mcht blicken. Man ist vielleicht geneigt, diese Albernheiten von der leichten Seil« zu nehmen; es sich jedoch hierbei um ein« unverfrorene Nasffihrung armer Erwerbsloser handelt, die sich für das Fohrgeld schon wieder ein Brot hätten kaufen können, sind vielleicht polizeiliche Schritte gegen John senior und Felger gegeben. Brücken des Friedens. Das Werk der AvSlandSferienfchulen. Es ist ein Verdienst der Sozialdemokratie, daß der Gedanke des Schüleraustausches zwischen Frank- reich. England und Deutschland zu einer ständigen Einrichtung geworden ist. Ganz besonders haben sich die Sozialdemokraten Stadtschulrat Nygahl, Oberftudiendirektor Kamera u und Studienrat Dr. Schwarz sür das völkerverbrüdernde Werk eingesetzt. Die Stadt Berlin hat dem Wert alle erdenkliche Unterstützung angodechen lassen. Gestern nun hatte der Leiter der Auslandsfcrienschulen, Ge- nasse Dr. Schwarz, zu einem geselligen Beisammensein mit den Lehrern und Schülern der Auslandsserienschulen nach Pichelsberg am Stößensee eingeladen. 250 junge Menschen der drei?!ati- onen, die einander im völkermordenden Ringen gegenübergestanden haben, saßen an festlich gedeckten imt) mit den französischen, eng- tischen und deutschen Farben geschmückten Tischen in herzlicher Freundschaft beieinander. Den äußeren Anlaß zu dem kleinen bc- schcidenen Fest war die Abfahrt der jungen französischen Gäste, die morgen nach Paris zurückkehren. Am gleichen Tage kehren auch wieder Berliner Jungen und Mädchen aus Paris zu uns zurück. Recht interessant ist die Auswahl dieser jungen Auslandsserien- reisenden. Zunächst einmal werden begabte Schüler, unter denen sich viele mit recht kleinem Geldbeutel befinden, im Inland zu einer Arbeitsgemeinschaft, die vier Gruppen von je zehn Schülern hat, zusammengefaßt. Die einzelnen Gruppen treten in einen regen Ge- danken- und Sprachenaustausch mit Angehörigen der französischen und englischen Kolonie in Berlin. Wenn nach vier„Semestern" die jungen Ferienschüler sprachlich nur noch wenig Schwierigkeiten haben, kann die Reise losgehen. Der Abschiedsfeier im Kaisergarten wohnten in offizieller Eigen- schaft bei: der griechische Gesandt« und Gattin, der f r a n- z ö s i s ch e Geschäftsträger Guerlet und Familie, der englische Botschaftsrat Graves. Stadtschulrat N y d a h l betonte in seiner Ansprache die Richtigkeit dieses pädagogischen Werkes, das über die Jugend zur Völkerverständigung führen wird, und stellte in diesem Jahre eine stärkere Anteilnahme der Behörden des Staates und der Stadt fest. In Frankreich ist übrigens seit kurzem in den Staatshaushalt ein Sonderposten für Auslandsferienschulen aus- genommen worden. Nach der Kaffeetafel vergnügte sich die Jugend an Kahnfahrten auf dem Stößensee an einem Fackelzug und am Abbrennen eines großen Holzstoßes, das von deutschen und fremden Volksliedern wirkungsvoll begleitet wurde. Fernheizwerk für den Westen. Oie Bewag plant ein Riesenwerk.— 21 Millionen Kosten Bei der Bewag liegt jetzt ein Riesenprojekt fertig vor, daß eiu �großes Fernheizwerk für den Westen vorsieht. Die Kosten fiy: den Bau.sollen sich auf rund 27 Millionen Mark be- laufest,"man rechnet mit einer Bauzeit von zwei Jahren. Borlauflg weiß man allerdings noch nicht, ob es möglich sein wird, die notwendigen Mittel aufzubringen. Der Magistrat hat.zu.dem, Projekt noch keine Stellung genommen. Es ist ober anzunehmen, daß er wieder neu darauf dringen wird, für Berlin größere Mittel, als bisher vorgesehen, für die Notstands- aktjo.n bereitszustellen. Die bisher schon von der Bewag be- triebeyen Fernheizwerke in Eharlottenburg und Steglitz haben sich außerordentlich g u t bewährt und in Magistratskreisen steht man dein Projekt daher sehr bejahend gegenüber. Auch die Leitung der Bewag ist hinsichtlich der Beschaffung der Mittel durchaus optimistisch. Jedenfalls sollte die Stadt Berlin kein Mittel unoersucht lassen, die notwendigen Geldbeträge, die sich sehr schnell dezahlt machen würden, freizubekommen. Sonnabend Osimarkfahrt„Graf Zeppelin"' Zweimalige Zwischenlandung in(Staaken. ?■ Am Sonnabend nachmittag wird das Lnftschiss„Gras v � Zeppelin" von- Friedrichshasen zur O st m a r k s a h r t, i', die sich über zwei Tage erstrecken soll, starten. 1 Di« Zwischenlandung in Staaken wird voraussichtlich Sonnabend gegen 11 Uhr abends erfolgen. Das Luftschiff macht am Ankermast fest, nimmt Wasserstoffgas, Betriebsstoff und Wasser- ballast, wechselt die Passagiere und wird gegen 2 Uhr morgens die Fahrt nach Königsberg antreten. Am Sonntag, dem 24. August, ist in Königsberg in den Nachmittagsstunden zwischen 16 und 18 Uhr eine«inständige Zwischenlandung mit Passagierwechsel vor- gesehen. Dann wird das Lustschiff wieder Kurs nach Berlin nehmen, um am Montag früh gegen 7 Uhr morgens erneut in Staaken zwischenzulanden. Nach voraussichtlich einstündigem Aufenthalt wird die Heimatsahrt dann nach Friedrichshasen an- getreten. Ltebereiser eines Gchupooffiziers. Wie wir. nachträglich erfahren, kam es nach der großen Wahlkundgebung der Sozialdemokratie in der „'Neuen Welt" zu einem peinlichen Zwischenfall, der durch den falschen Eiser eines Ofsizicrs der Schutzpolizei hervor- gerufen wurde. Im Garten der„'Neuen Welt" stand gegen Schluß der Kundgebung eine Schar von Genossen, die ein Hoch aus die Sozialdemokratische Partei ausbrachten und die Internationale sangen. Plötzlich gab der Führer der draußen postierten berittenen Beamten der Polizei Befehl, über den Bürgersteig durch die Pforten tn den Garten hineinzureiten und dies« Gruppe zu zer- streuen. Dies geschah, und man darf von Glück sagen, daß niemand verletzt wurde. Wir sind den Dingen gewissenhaft nochgegangen und haben folgendes festgestellt: Den Anlaß zu dem noch unserer Ansicht über das Ziel hinausschießenden Borge h-n gab dem Ossizier der Umstand, daß der Gesang n a ch 22 Uhr, also nach Ab- lauf der in den Po1iz«ibestimmung«n zugelassenen Zeit stattfand. Darüber hinaus ist in Aerger und Unkenntnis einem jugendlichen Genosien eine Aeußerung entschlüpft, die wir gewiß nicht ver- leidigen wollen, die aber nicht zu ernst beurteilt werden darf, da auch von Polizeibeamten bei einer großen öffentlichen Kundgebung nicht jedes Wort, nicht jeder Temperomentsausbruch auf die Gold- wooge gelegt werden sollte. Vielleicht mag auch der Umstand, daß gerade um diese Zeit die Teilnehmer an einer kommunistisch«» Der- sammlung das Lokal gegenüber der„Neu«» Welt" verließen, den Kampfenthusiasmus der Sänger und die Nervosität des Offiziers gesteigert haben. Das alle- gab jedoch dem Ofjizier noch kein Recht, seine Berittenen durch die Tore in die Menschenansamm- lung hineinsprengen zu lassen. Ein solches Verhalten ist nicht geeignet das von uns gewünscht« freundschaftliche Ver- hältnis zwischen Arbeiterschastund republikani- scher Polizei zu fördern. Ein erfahrener Polizeioffizier muß wissen, daß einst unter der Monarchie ebenso wie heute in der Re- publik die Sozialdemokratie Selbstdisziplin genug bewiesen Hot, um Zusammenstöße mit der Polizei keineswegs zu suchen, sondern, solange es irgend geht, zu meiden. Als der Zwischenfall geschah, strömten aus dem großen Saal der„Neuen Welt" die Teil- nehmer der sozialdemokratischen Kundgebung, und wenige verstän- dige Worte des Offiziers an einige ältere unter ihnen hätten genügt, um dirrch ihren Zuspruch den Gesang zum Schweigen zu bringen. Es bedarf nicht immer gleich eines Bravourstücks und einer Attacke von Roß und Mann! Wir bringen diese Darstellung erst heute, weil wir uns für verpflichtet hielten, vor einer öffentlichen Aeußerung eine größere Zahl von Augenzeugen zu hören. In seinem Bortraa„Aufgaben der Arbeitersportbewe- g_u n g" untersucht F. W i l du n g in erster Linie die Bedeutung des Sports für den modernen. Menschen. Wir werden aus die inter- cssanten Ausführungen noch eingehend im Sportteil des„Abend" zurückkvimnen. Richard H u e l f e n b e ck liest ein Kapitel aus feinem Roman„China frißt Menschen". Das Kapitel behandelt ein« Gerichlsverhandlinvg im englischen China gegen deutsche Schmuggler und zeigt einen wesentlichen Dialog mit witzigen Schlag- lichtern. Mit ein paar Sätzen umreißt er das Porträt eines Men- scheu und deutet sein Wesen bereits in Aeußerlichkeiten, etwa in der Art des Sprechens, an. Leo Blechs entzückende Kiuderlieder finden in Irmgard Harriehausen eine lieben-würdige Interpretin, die über einen naiven und dabei künstlerffch geformten Ausdruck ver- fügt. Mndfunkkommiisnr Dr. Bredow gibt anläßlich der Großen Berliner Funkausstellung einen Querschnitt durch die Leistun- gen des deutschen Rundfunks. Eine Schilderung, die die bisher vorliegenden Relilltat« kurz erwähnt. Problematisch erscheint die Bemerkung, daß Tonfilm und Schallplatte einen immer größeren Raum im Programm einnehmen sollen. Schnitzt ers Novells „F r ä u l e i n E l s e" erscheint abends als Sendespiel. Die Ursprung- liche Fassung des Gedankemnonoloqs ist beibehalten und wird nur bei den Unterhaltungen ausgelost. Diese Rundsunkform, die auch den Dichter Schnitzler nicht vergewaltigt, ist geglückt. Neue Wege werden hier kaum gefunden, aber das reine Dialogfcndespiel erfährt bei dieser Seichung wemgstens in sprachlicher Beziehung ein« Be- reichern»]}. Hervorragend der Schauspieler Lima. E-LcA. Die Kinderlähmungen. Wie schuht man sich vor der gefährlichen Krankheit? Bon der sozialdemokratischen Stadtärztin Käthe Franken» that gehen uns über die Art und den Verlauf der Kinder- löhmungen, von der in der Hauptsache Kinder, zuweilen aber Er. wachsene befallen werden, noch die folgenden, recht bemerkenswerten Ausführungen zu: Die spinale Kinderlähmung kommt sowohl epidemisch als auch in einzelnen Fällen vor. Ein vereinzelter Fall deutet doch keineswegs darauf hin, daß eine Epidemie im Anzug ist. Die Kinderlähmung ist eine Infektion, das heißt, eine ansteckend« Krankheit. Sie betrifft vor allen Dingen das Kindesalter. Die Kinder ertranken mit katarrhischen Erscheinungen, Durchfällen und hohem Fieber; im Verlauf der Krankheit tritt dann eine Lähmung der Muskelatur auf. In vielen Fällen bildet sich all- mählich die Lähmung wieder zurück. Allerdings ist die Sterblichkeit bei dieser Krankheit erheblich und häufig bleiben auch noch der Ge- nesung Lähmungen zurück, die dann viele Monate long behandelt werden müssen. Ist bei einem wachsenden Körper eine Lähmung eingetreten, dann bleibt das Glied in der Entwicklung zurück. Ein erheblicher Prozentsatz derer, die in der Krüppelfürsorge betraut werden müssen, haben ihr Leiden durch eine spinal« Kinder lähmung erworben. Der A n st« ck u n g s st o f f wird übertragen durch Husten, Niesen, wobei Tröpfchen mit Erregern m die Lus: gestreut werden und von Gesunden eingeatmet werden können. Auch Stuhl und Urin können die Erreger übertragen. Anstecktmgsgesähr- sich ist daher jedes direkte und indirekte Berühren mit den kranken. auch Taschentücher, Eßgeschirr usw. Auch die Bazillenträger, dos heißt Menschen, die die Erreger aufgenommen hoben, aber selbst gesund geblieben sind, spielen bei der Ueberiragung«ine gefährliche Rolle. Ist in der Schule«in Fall aufgetreten, so wird sofort gründ- lich d e s i n s i z i e r t. Die Mitschüler des kranken Kindes müssen beobachtet werden, und fühlt sich ein solches Kind krank, so bekommt es Husten, Schnupfen; Erscheinungen, die man sonst als harmlos ansieht, so soll man sofort einen Arzt zu Rate ziehen. Selbstverständlich dars kein Kind das haus besuchen, in dem das kranke Kind entweder liegt, oder wenn es ins Krankenhaus gekommen ist, gelegen hat. Auch von der Umgebung des Kindes müssen gesunde Kinder ferngehalten werden. B o r s i ch t ist bei dieser gefährlichen Krank- heit immer geboten, ein« allgemeine Beunruhigung ist nach Auf- treten eines einzelnen Falles nicht am Platze. Strafantrag de» Magistrat». Der Magistrat hat beschlossen, g«g«n da«„Kleine Journal" wegen der in dem Artikel„Ist da« Städtische Nachrichtenamt glaubwürdig?" gegen den Magistrat er- hobenen Vorwurf« der Unwahrheit nnd Unehrlichkeit Straf» »»trag zu stellen. Zur Mietskaserne zurück? Wohnhohlen für die Arbeiter.— Das unsoziale Bauprogramm der Regierung.— Die untragbaren Mieten der Neubauwohnungen.— Berlin besonders bedroht!- frt„S(i r» 3 1 1 s* Jjot ts ßcts ols eine seiner Hau»i- pelichten dekrachtet. Vnrtiimpfer für eine»«»« Wohnlilltur de» aeüritendcn Mensche»»u sein. Der Kamaf galt den /iu hoben Mieten der Reubamvahnungen und dem Bestreben, an Stelle einer Verdilliqung den Wohnraum immer mehr«iiwischrünke». In iehter Zeit haben mir in»wei Publikationen sLöcher als Arbeiter- rnohnungcn?"„Abend" vom 7. August und„Reubaumohnnngen stnd»u teuer",„Vorurört?" vom 14. Augusts, kritisch ,u dcm sastlichen Wohnungsbauprogramm des Reiches Stellung genommen, Au» Kreisen des Berliner gemeinnützigen Wohnungsbaues wird uns hierzu folgendes geschrieben: Die Mieten der Ileubauwohnungen, auch der mit tjaus» zinsstev ermitteln und Zusahhypotheken erbaulen Wohnungen, sind für die breiten Massen der Bevölkerung uners 6) w inglich geworden. Diese Tatsache ist durch die neuesten, von der Deutschen Bau- und Bodenbank miigeteilten Ziffern, die der„vorwärts" am 14. August veröffentlichte, auf das stärkste uuterstrichen worden. Monatsmieten von b0 bis S8 Mark für eine l'/z-Zimmer-Mohnung in Berlin sind für den größten Teil der Arbeiterschaft, deren Durchschnittseinkommen 2250 Mark beträgt, untragbar. Wenn das von der Deutschen Bau- und Bodenbank entworfene K r i s e n b i l d auch für zahlreiche Orte im Reiche nicht zutrifft. denen wesentlich höhere Hauszinssteuermittel pro Wohnung bei be- deutend niedrigeren Baukosten als Berlin zur Verfügung stehen, in denen Mietssätze von SO Mark pro Monat für Kleinwohnungen nicht überschritten werden, so bleibt doch festzustellen, dah der Woh- nungsbau mit öffentlichen Mitteln in den meisten Großstädten mit dem Ansteigen der Neubaumieten seit 1SW immer mehr Wohnungs- fnrsorg« für den zahlungsfähigen Mittelstand und für ein« dünne Oberschicht der Arbeiter- und Angestelltenschaft geworden ist. Das wird in diesem Jahre, mit dem der Mohnungsbedarf der zah- lungsfähigen Reflektanten einigermaßen gedeckt ist, besonders deutlich. Die Neubaumieten müssen dem Einkommen der breiten Massen angepaßt werden, wenn die Krise in der Vauwirtschaft und damit die unerhörte Arbeitslosigkeit unter den Bauarbeitern überwunden, wenn das Wohnungselend erfolgreich bekämpft werden soll. Welch« Maßnahmen sind erforderlich? Dürgerblock diktiert neues Mietskasernenelend? Der Weg, den die jetzige Reichsregierung mit den Richtlinien Dr. Stegcrwolds für die Durchführung des zusätzlichen Wohnungs- bauprogramms des Reiches eingeschlagen hat, ist für die deutsche Wohnungswirtschast verhängnisvoll. Der ganz« bisherige Berlouf der Aktion hat gezeigt, daß die Senkung der Neubaumieten für insgesamt 23(WO Wohnungen innerhalb des Reichsprogramnis im wesentlichen durch ein« unerhörte Verkleinerung und „Vereinfachung" der Wohnungen erfolgen soll. Während der ge- meinnützige Wohnungsbau bisher eine Verminderung der Wohnfläch« unter 48 Quadratmeter pro Wohnung aus sozialen und hygieni- scheu Gründen nicht für tragbar hielt, schreibt dos Stegerwaldfche Programm Kleinstwohnungen von 32 bis 43 Quadratmeter vor. Es sollen damit— sagen die Richtlinien—.ausschließlich Kleinwohnungen.einfachster' Art für Familien mit Kindern" ge- schaffen werden. Die Typenbeschreibungen, die das Rsichsarbeits- ministeriuin gleichzeitig herausgegeben hat, beweisen jedoch, daß sich in den Stegerwaldschen IBohnlochern nicht mehr als zwei Betten aufstellen lassen, daß diese Kleinslwohnungen also nur dann für Familien mit Kindern in Frage komnien, wenn die Uebersüllimg der Wohnun- gen amtlich sanktioniert wird. Für Familien mit mehreren Kindern sollen Wohnungen bis zu 35 Quadratmeter„zugelassen" werden. Nichts ist charakteristischer für die antisoziale Gesinnung, die das Wohnungsbauprogramm der Bürgerblock-Regierung diktiert Hot, als die Richtlinie:„Es muß Vorsorge getroffen werden, daß diese Aus- nahm«, die nur Familien mit mehreren Kindern zugute kommen soll, nicht zu einer allgemeinen Vergrößerung der Wohnfläche miß- braucht(!!) wird". Wenn zum Ueberfluß noch erklärt wird, daß auf ausreichende Belichtung und Besonnung aller Wohnungen und einwandfrei« Lage aller Wohn« und Schlafräum« zur chimmelsrich- Wählerlisten einsehen! Pflicht jedes Wählers!— Vom 24. bis Zil. August. Die Wählerverzeichnisse(Stimmkarteien oder Stimmliste») für die Reichstagswechl werden vom 2 4. bis ZI. August zu jedermanns Einsicht auSliegen. Wo, wie lange und zu welchen Tagesstunden die Ver- zeichniffe auSliegen, wird an den Anschlagsäulen öffentlich bekanntgegeben werden. Da nur der Wähler seine Stimme abgeben darf, dessen Name in dem Wählerver- zeichniS steht, liegt es im Interesse eines jeden Wahlbe- rechtigten, daS Wählerverzeichnis einzusehen. Wer die Stimmkartci oder Stimmliste für unrichtig oder nn- vollständig hält, kann dies bis zum Ablauf der Aus- legefrist bei der Gemeindebehörde schriftlich anzeigen oder zur Niederschrift geben. Wähler und Wählerinnen, sichert euch euer Wahlrecht! steine Stimme darf der Sozialdemokratie verloren gehen! Der Stimmfchein und seine Funktion. Einen S t i m ni s ch e i n erholt auf Antrag ein Stnnmberech- tigter, der in eine Stimmliste eingetragen ist, 1. wenn er sich am Abstimmungstage während der Abstimmungszeit aus zwingenden Gründen außerhalb seines Stimmbezirkes aufhält: 2. wenn er nach Ablauf der Einspruchsfrist seine Wohnung in einen anderen Stimmbezirk verlegt: 3. wenn er infolge eines körperlichen Leidens oder Gebrechens in seiner Bewegungsfreiheit behindert ist und durch den Stimmschein die Möglichkeit erhält, einen für ihn günstiger ge- legenen?lbstimmungsraum aufzusuchen. In Berlin werden die Stimmscheine von den für die Woh- nung der Stimmberechtigten zuständigen Bezirksämtern aus- gestellt. In den schriftlichen Anträgen ist auch die Berliner Wohnung anzugeben. Mündliche Anträge find während der allgemeinen Dienst- stunden bei den Bezirkswahlämtern zu stellen. In der letzten Woche vor der Wahl werden mündliche Anträge auch nach den allgemeinen Dienststunden entgegengenommen, solang« die Bezirkswahlämter geöffnet sind. Anträge auf Ausstellung von Stimmscheinen werden mir bis zum 127 September 1930, 19 Uhr, entgegengenommen. tung„Rücksicht zu nehmen" ist, so genügt«s darauf hinzuweifen, daß selbst die schwerindustrielle..Rheinisch-Westfälische Zeitung" die Unmöglichkeit einsieht, Wohnhöhlen von 32 Quadratmeter zu bauen und gleichzeitig den primitivsten hygienischen Anforderungen Genüge zu leisten. Es fragt sich sehr, ob di« Ersparnisse, die durch Verringerung der Wohnflächen und durch Vereinfachung(Verzielst auf Bäder und Gemeinschaftseinrichtungen) erzielt werden sollen, nicht bereits durch das Ueberwintern der Bauten zunichte gemacht werden, das durch die späte Veröffentlichung der Reichsrichtlinien erzwungen wird. Das zusätzliche Wohnungsbauprogramm ist sa spät in Szene gesetzt worden, daß eine Ausnutzung der diesjährigen Bausaison so gut wie unmöglich ist. Die Wahl des Zeitpunktes für diesen Vorgriff auf Mittel, die ohnehin im außerordentlichen Etat des Reichsarbeitsministeriums vorgesehen waren— es handelt sich also in Wirklichkeit gar nicht um ein z u s ä tz l i ch e s Wohnungs- bauprozramm—, läßt sich nur durch die Wahlnöte der Regierungsparteien erklären. Statt Taten leere Versprechungen? Die von Stegerrvald proklamiert« planmäßige Senkung der Baukosten steht bisher auf dem Papier. Die Boroerhandlungen haben, wie vorauszusehen war, mit der Einsetzung einer Kam« Mission für Untersuchungen über den Baukostenindex geendet. Soweit in den letzten Monaten eine Senkung der Baustoffpreise und ganz allgemein der Baukosten zu verzeichnen ist, ist sie eine selbst- verständliche Folge abfallender Konjunktur. Der Baustofsindex ist seit April des Jahres um 13 Prozent auf l44 Prozent der Borkriegs- preis« gefallen. Er liegt jedoch immer noch 19 Punkte über dem Großhandelsindex. Immer noch stehen Mauersteine mit rund 200 Prozent des Vorkriegspreijes an der Spitze sämtlicher überteuerter Produkte. Don einer planmäßigen amtlichen Beeinflussung und Senkung wichtigster Baustoffpreise(Zement, Kalk, Linoleum!), zu der die Kartellnotoerordmmg die besten Möglichkeiten bieten würde, ist bislzer nichts zu spüren. Auch im Hinblick aus die Senkung der Zinslasten muß man den bisherigen Versprechungen des Reicktsarbeitsministeriums mehr ols skeptisch gegenüberstehen. Der Erklärung des für die Durchführung des Wohnungsbauprogramm? eingef-tzten Reichskommissars Im- hoff, daß für erst« Hypothrken 130 Millionen Reichsmark aus Mitteln der Versicherungsanstalten bereitgestellt werden sollen, be- gegnet man in Fachkreisen mit unverhohlener Skepsis. Auch bei bestem Willen kann die Invalidenversicherung diesen hohen Be- trag nicht aufbringen, nachdem ihr planmäßig, zuletzt durch di« in der Notverordnung oerfügte Abwälzung der Kosten für di« Renten- Zahlung auf die Anstalten, die Mittel, die früher für den Wohnungs- bau zur Verfügung standen, entzogen worden sind. Im Höchstfalle wird man mit 50 Millionen Mark aus dieser Quelle rechnen können: darüber hinaus bleiben nur Hypotheken wie die der Preußischen Landespfondbriesanstalt, die unter Berücksichtigung des Auszahlung»- kurfes mit einer Effektiv-Verzinfung von 9 Prozent begeben werden. Die mit außerordentlicher Reklame angekündigten Zwischen- kredite der Deutschen Bau- und Bodenbonk werden mit 7'/, Prozent, dem für Kredit« dieser Bank üblichen Satz, gegeben.(Reichsbank- distont 4 Prozent!) Die Klagen dieses Instituts, daß in Deutschland IE GROSSE MARKE! Frägf sich der Raucher jedesmal beim Kauf einer Zigarette, warum er gerade dieser den Vorzug gibt? Wer wirklich von einer Zigarette das vorzügliche Aroma erwartet,, das den köstlichen Genuß des Rauchens gewährt, sollte unsere hochwertigen Marken; .M tosiALMmmiTt« versuchen., die den Raucher durch ihren Duft und ihr liebliches Aroma fessein. MAKE DON. ZIGARETTENFABRIK G. M. 3. H., MAINZ A. RH. KONZERNFREI Ganeralvertratung: Carl Sudel, Berlin NW 6, LuisenstraBe 30, TeL D 2, Weidendamm 3354 zu„latfoenMq* gekaut wirk, würden sich zweifellos Keffer aus- nehmen, wenn die Deutschs Bau. und Bodenbonk weniger aufwendig in ihren Zinsford c-rungen nwre. Katastrophale Aussichten für Berlin. Das Wohnungsbauprogramm des Reiches, so deutlich es den Stempsl der W a h l m a ch e trägl, so wenig es für die Änderung der Wohnungsnot bedeutet(in Berlin mit seinem 215 000 Wohnungssuchenden schafft es zusätzliche 1000 W o h n l ö ch e r), wird seine Bs- dsutung jedoch über den Wahlkampf hinaus behalien. Cs wird von cherrn Dr. Slegenoald zu dem gleichen Zeitpunkt veröffentlicht, an dein fein Ministerkollege Dr. B r e d t vor den Hausbesitzern die Der- sichemng abgibt, dah die Reichsregierung den Kurs auf di« freie Wohnungswirtfchoft hält. Mit den jetzt von der Rcichsregierung vor« geschriebenen Kleinstwohnungen ist wieder ein Schritt dem EZoh- nungselend der Vorkriegszeit näher getan»ich.zugleich sin Prä- zedenzfall für die chauszinssteuerpolitil der nächsten Jahr« geschaffen. ffür Berlin werden sich die Richtlinien des Rcichsarbeiis- rninistsriums besonders katastrophal auswirken. Hier werden sie infolge dar hohen Baukosten ju einer besonders vrimitivcn Aus- stattung der im Rahmen des Reichsprogramms zu erbauenden Woh- nungen führen. Der gemeinnützig« Wohnungsbau in Berlin hat in den letzten Jahren versucht, eine Senkung der Neubau mieten durch ständige Verkleinerung der Wohmmgen bis auf 48 Quadratmeter zu erreichen. Der Erfolg war, daß die Verteuerung der Zinsen und der Baukosten diese Ersparnisse zunichte gemacht Hot, daß d!« Miete einer l'/i-Zinnner-Wohnung von 1926 bis 1929 um etwa 15 Mark gestiegen ist. Aus der bisherigen Praxis des Woh- nungsbaues muß die Lehre gezogen werden: nicht Verkleinerung der Wohnungen über das hhgicnische Mindestmaß hinaus, sondern plan- mäßige Senkung der Zinsen und der Baukosten. f Die Machtmittel haben die Regievungsstellen bei dem Einfluß ( der Aussichtsbehörden auf die Hypothekenbanken und die privaten f Wers-cherungsanftalten und bei konsequenter Kontrolle der Baustoff- i kartclle in der Hand. Darüber hinaus kann die feit langem i von sozialdemokratischer Seite geforderte Erhöhung des ' Anteils, der dem Wohnungsbau aus der Hauszinssteuer zufließt '(von rund 1,6 Milliarden Mark werden bisher nur rund 800 Mil- lionen jährlich für den Wohnungsbau bereitgestellt) und die Erhöhung der Hauszinssteuermiltel pro Wohnung zu einer erheblichen > Mietverbilligung führen. Ein wirklich zusätzliches Wohnungsbauprogramm des Reiches : kann— dies unser Gegenvorschlag— durch die folgende i Verwendung des gleichen Betrages durchgeführt werden: wenn jähr- k lich im Etat des Reichsarbeilsministeriums 100 Willionen Warf für ■■ Zillszuschüsse an den Wohnungsbau bereitgestellt werden, so . bedeutet das beispielsweise für rund 25 000 jährlich in Berlin gebaute s Wohnungen unter Aufwendung des gleichen, jetzt in Form von / hypalheken für Berlin reservierten Betrages von 5 Millionen Warf : eine Wielvcrbilligunq pro Wohnung ovo jährlich 2 00 War k� Di« jetzt als Hypotheken des Reiches ausgcworjenen , 100 Millionen Mark sind ebensall» verlorenes Geld, da in ab- sehbarer Zeit mit Rücksicht ans die Wiekfestsetzung keine Tilgung vor. genommen werden kann, und die Lebensdauer der Stegerwoldschen Mielkasernen erheblich unter der Tllguugsdauer der hypo- theken liegen dürfte Di« Wittel für die Durchführung dieses Zins- Zuschußprogramms, das im Rahmen des no« uns immer wieder ge- forderten Iünsjahresprogramms der Wohnungswirtschaft und der gesetzlich«» Verankerung der hanszinsstener für mindestens den gleichen Zeitraum verwirklicht werden muß. sind mit Leichtigkeit durch Eiusparuogen am Etat der Reichswehr und der Reichs- vsrwaltuug zu gelvinneo. WMMWÄskdWßeN tssuw,?L°sttsg, 22. Köpetttck. ZOl» Uhr im Stadtcheater. Frisdrichitraße 6, Redner: Dr. Julius Moses.— Vorher Umzug durch die Straßen von Köpenick mir Musik.— Treffpunkt 19 Uhr Volkspark, Müggelheimer Straße, Steglitz. 20 Uhr im Gymnasium, Heefesiraßc, Redner: Stobtrot Dr. Kurt Löwcnstein. ENargsn, Sonnabenci, 23/tosusf: Britz-Burkow. Werbeumzug. Treffpunkt: 18 Uhr am Friedrich«- brunner Platz, in der Germaniapromenade. Redner: Karl Dressel, Lichtenberg. Werdeumzug. Aufmarschplatz vor der Iugendbühne, Abmarsch 18 Uhr.— Die Abteilungen werden um pünktliches Eiiüreffen ersucht. Pankow. Radfahreruinzug ob 17� Uhr Marktplatz in Pankow.— Alle radiahrenden Genossen müssen zur Stelle sein. Marienfelde. Tresspunkt zum Werbeumzug 18)4 Uhr Bismarck- ftraßs(Eisenbahnkreuzung),— Anschließend Kundgebung im Lokal Petsch. Redner: Emil Barth. klästKrmükrm» erscllsfiit is Massen! Soziajifiische Arbeiterjugend Groß-Berliu Eimcvdlmaen für diese Ahidrt? mir an das �vsendsctrrtaeiot. Bertta SW ÖS. �wdenstraSe S heuke. Jrcifag, 22. August. 19 H Uhr. lisabcthtirchsN:. 19.?agk«pat!tik.— lSewe>?tch«U,. E;r. 128..MSZ. und wir."— UiiInisch» Pael: Politik,— Roscut�oltr Lorftadt: Krim.z-ddenilk«- Srionaplatz:?chut« ElisabcthkirFsttr. da.»-: Schule ftöponiit»(£;"" 1 Stint W»ts«nstr. 18. Tagespolitik, WWWWW W�W Slraßo 2ö. Ktimad�nd,— Zentrum: Krim LandsSrrgtr Str. 30.»Aeckitt und Bflicht«» rines Lebrtine»."— Kausa: Keim Sodiumtr Str. Sd..Nutioiuil- sozialismus."— Moabit t: crfMJiC Watdcnttrslr, 21..-ins bcc Vorg«sck>!chtt dco firitgco."— Aoaoit II: Kt.m Lthrltr Str. 18—19..Wi: steht dir SAI. zur Ntich-ncifuffung?"—«rnimplest: Schult Sonntnburgtr Str. 21.„Italitn." (Lichtbildtr).— Arnnmaldrr Plast I: Keim Äastenburgtr Str. 18.»Bub und Miihtl", I. Tril.— Hohenschör hanlcn: Keim strcicnuxtldtr Str. 8.„stlbst- trzithunq dtr Jugend."— Knipaunplaji: Krim Schtrrnbtrqstr. 17. ,Uiopis6>'r Ertialismue." � Btis�tusr«: Kt:m Barkstr. 98.„SritoUiltrotur— gludrcaj. plast: Ktim Brvmmnstr. 1.»Stdtnktn Satro und Bon-ttdi."— Baltenplast: Ktjm Tilstttr Str. t»Ursachtu und Wirkung dtr iübtinlanddtststuno.'— Aranksurktr Virrsttl: Krim grankwrler Alltt 997. Woldrr.Nothtpnu.Zimm. r. .Scxuell» gragru." Zirirrtni: Ernosit Dr. Lip!au inichr am 27. Augustl.— i?rtidrtch,ha!n: Krim?!tstt!mtstt-stroßt.»Dl« Zstpf-Togt�Nochr."— Prtrrr» burger Virrtrl: Ktim Ebtrtystr. 12. Kunutr u:id Satire.. Stvolonrr Birrtel: Ktin: Doßltrstr. 61, Tagtspclitik.— Warschaurr Viertel: K«-m Litaurr Str. 18. ..Bio- ist'.orstnion stir dir Sozialist?::?"— Sflfctti: Krim BvrSstr. 11. Krim. abend.— Sst-öueberg V: Stirn Kauptstr. 18...Erst? Kilft bti Unnlilchsfiülcit", TT. Stil.— Schön.ebrrg I: Krim Ka.nptstr. 19...Bolschrwismu» oder sozialt Dtmokratit?"— ahorloitralntrg: Krim Rosinrnstr. i»Dit Varleirn Teutfäv laitdo."— Bilnniodors(ätlittt): Ktim Mlh-lmsaut 123.»Da Nim find wir gtgtn dtn 8 2187"— Maritndors I sR.-ls.): Ktim Dorsstr. 7.„Satto. und Banztlii-ffeict."— Marirnd«-! II: Siedlung Daheim 199129...Satto-»n» Banzriti-stritr."— Brist: Ktim Porchimtr Wrc. Sprechchorprobt.— Ben- köstn l! Ktim Dandtr. Eckt Kobrechtstraßt. Taae-palilik.— Neukklln II: Keim Btrastr. 29.»Zugrnd und Politik."— ScnJoHn IV IS..�;): Krim ödritrkc- straßr. 44.„Sofcs und Banzett!"— rkenkölln Vll: starl-Marr. Schult. Arbtitst- armrtnschast.— N-»I>An vm- Schult AsttlistroKt.»So-wittrubland."— tzäprnick: Ktim Dablwisttr Sirast«.„Worum sttht dit SPD. in drr Dppoüiion zur Ntgiening?"— galltiibera sÄ. lZ.I: Keim auf dem«utohdk.»spltgtl. jährt."— Baumschnltomag: Ktim Ernitftr. 18...Warum bin ich in der SÄ?.?" — Schduemeidr: Schult. Berliner Str. 81.»itreMrptrkuItur."— Irtptnm: Krim d.lsonstr. 3. Anti-Itmt.geabtnd.— Zkriedr-cheleldt: Keim Gunterstr. dt. ..Rtichobanntr odtr Schiistbund?"— Uarlohorst: Keim Treekoivallo«. Bunter «Send.— Kermedors: Krim Pconstraste. Ardttt«emtuisch«!t.— Pankow IU sR.-ch.l: Leim Aisstngtnstr.«st. Arbtiteatmtinschakt. Weriebezirl Wedding: Sämtliche Srustven htttil>g-n sich an d«i Sprich- chorprobt fiir dir Wahlkundgtbungtn im Ktim Uimchter Str. Na. Morgen Arbeltefahrt der illttrtn Genossen. Tb-mo:„Dt««rdtit tn der Atlttrtngruppe." Treffpunkt 17 und ISZt Uhr Bahnhof Gesundbrunntn sZugrndhtrbergt Reu- Dehltsanzl. WerbtStz-stl Sicht enbrra: K-ute Abrechntrng der Gruppen wr d« Autofahrt nach Äotibuz. Morgen Treffpunkt aller Butoiahrtt-ilnihmer l'-rt Uhr K>im 6ÄIcfföur »«ilonn IX: TUngcxt T«fnmn!t IL Vir Sohnhof franannfiMt-. Uniosten 14» M.- PavÄw 1. v vri HI HL-fr):«Of- G«»osse» mit rädern beteiligen sich morgen an dem NadfaÜrerumzuq der tscnL Strff» pur.ft 17� Uhr Marktplatz Erscheinen ist Pflicht, �i«. Sormsten müssen ihre Jcnftnnnettfe mitbringen. Note MÄim. �ahrt nach Dirdenmerder. Tr�fpun?� 20 Vir Pankoip. Rordbohnhof. Unkosten 1 M. G Vorirage, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". «efchZftestelle:«trlkn S. 1«. S-bastianstr. 87— S8. Sok?. T-. Zreitaa. 22. Snaust. Steglist. Nicht Seepstraste sondern Keesestroste � m" zum Saalschust in: SBD.-Btrsammlup.g um 199, Uhr antreten. Lichten der«, zn Mm btttilig'. stck die gesamte Sungmonnschaft restlos an dem Dislusssonsabend mit der TAI. im städtischen Zug-ndherm Guntcrftr. 44. Thema:»Ml?, und Reich-b-nner". Schluß um 21'4 Uhr. Anichliestend«ue wiSstig« B«ranstaltt:np. Pfsichtdetttltgun.g. Sonnabend. Tb August. Ii»» lldr. Antreten an der Zugendbrücke zum Ummarsch der(&PD. Buttdeskletdung. Tambourkorps ohne Zahnen. Renkölln-Brist. Borsdondsssstung fällt aus. sonn- abend Pflichtonteettn zum Umzug 18 Uhr Germani-promtnadein Brt� Sonn- tag Londoaitaronesahrt. Antreten schon 7 Uhr Rathaus Neukölln. iZahrt freu Kmedrichshaitt(«amrtaWchjfi Warschau!. Um 19--- Uhr«amerohschaftsnet- kammluna bti Kobn. Eimon-DachnStrastt. Erscheinen sämtlicher Samtrodtn Pflicht.— Sonnabend. 29. August. Pankow lOrtsoerein). All-«ametadtn. die im Bessste eines gabriade, find, beteiligen sich an der Propagaitdo-ahrt der SPD. Treffminkt 171-:. Übe»TStkisches zeit". Brette Straße.— Sann- tag. 24 August. Mitte lOntsoerrinl. Antreten zur Werbefahrt de««retkes Osten um 8 Ubr Neuer Markt. Kabrqtld LjO M. Marineahteilnng. Um 8 Uhr im Bootshaus Rudern, str»:» viU lBtzir? Bernaus: Dt« für Sonnfao rdrtestbtnt sZahutnweih« des Ortsatrein, BSrntcke ist mit Nückücht auf d:! rnar-at.eil ai f den 12. Oktober oerlegt worden. Bezirk Eberseprldt. Wal:.. arbeit-rt Oderbruch Pflichboenanstattunq.- a-enzberg. Achtung. Alemin«. iahrtl Am 91. August 1939. Ttilnehnier melden sich bis Montag. 2ö. August, bei den Zugleitern.__ Reichsfartel Republik. Sportpia» Triedrtchsfelde. Sonnabend.». August. ab 1Z Uhr. Arbeitsdienst iiir alle ablämmlichen Kameraden. Sonntag. 21. August, ab 9 Uhr. Uebungsschießen für alle angeschlossenen Ortspereine. Die Lichtrnbergtr Kameraden beteiligen sich restlos an der Autofahrt nach jlrtit Arbeiter. Elpreanto-Verrinigung. Di« Gruppe Neuklstln»rZffnet Mitie September einen Efperantokurus in der Nürlt�ochnle. Schriftlich« Annttldungen erbeten an Genossen Broschke. Treptow. Elkenstr. 8!.»der an Henosstn Bembe. c. 59. Urban ftr. 112—118, Die Gruppe Reinichendorf erSffnet am B. Sep. tember 1999. Donnerstag, 20 Uhr. im Iugendbetm Lindauer Swast«{Slitl. einen Efperantnkurfus. Teilnehmerbeiirag 3 M Anmeldungen au Karl Poblke. Reinichendorf-W-N. Scheffelstr. 14. Sonnwg. 24. August. Pilpnand-rung nach z?inker>srua und Bouernbeide. Treffpunkt 7 Ubr Lehrter Borortbahnho«. Achtung I Alle Kameraden beteiligen sich am Gewerkschaftsfest am»I. August im Luna-Pork. Treffpunft Griinewald lTeufessse-l bis 14 Uhr. stntereflenoerband der bar» Automobil, und andere PerlehrmrnfjUIe Gc. Ickäbigt-a 9. D. Srchäftsstelle: Berlin NW. 49. Rathenower Str. 4 kam alten flrimiualgenchtl. Sprechstunden und kostenlose Au-kurrftertefsung täglich oon 17 bis 19 Ubr. ..tngHeb ConTeroationiil Club(ounäed 1978." Meetings nvery Fridar st* m- Catä Koenigsfest, Potsdamer Straß« 28. Lecturet: l.lr. Herkloti on:"Sleep and Relaxation". Quests, Ladies 4 Gentlemen, are welcome." Wetter für Bcffio; ZeitroeiTc stärker bswölkt mst okwas Regen- neiguvq. Temperaturen wenig verändert.— Zur Deutschland! Im Osten noch beitcr, am Tag« warm, in Mitteldeutschland zeitwcue stärker bewölkt bei wenig veränderten Temperaturen, strichweri« Reqenfälle, im Westen später etwa» kühler. (faeinCeidcH 7 t** BO tm tatfc!*'vr�i fi&o o(t5Pi Hs*—riene« inmvd fybnfss/uAt.Setäo.'m.' Engm K*c*kh*/ratfrd Qu*ae hfvn cr0*is äkjr&t r MB**.-#* äst gf* O0'/■*) 3 W _'____ J KARSTADT 1 MeuduüM HOhnerfrikasseö... Pfd. 0.90 Huhner, gefr.... Pfd. an 0.82 MasthQhner, frisch Pfd. an 0.88 Jg. Gänsen frisch. Pfd. an 0.98 Jg. Tauben� frisch Stck. an 0,75 Jg. Enlenr gefr... Pfd. an 0.S8 Brathühner.... Stck. an 1.25 Hirschkeule...... Pfd. 1.40 Hirschrücken..... Pfd. 1.20 Hirschblättcr..... Pfd. 0.90 RehbiäHer....... Pfd. 1.08 Schweinebaeken... Pfd. 0.85 Gek. Schinken.... Pfd. 1.90 Scdinkenpolnische.. Pfd. 1.18 Streichmeftwurst... Pfd. 1-25 Johannisb.-Konfitäre Pfd. 0.85 Himbeer-KonfitQre. Pfd. 0.95 Holberst. Würstch. 3 P. Ds. 0.70 Olsqrciinen, Port... 4 Ds. 0.98 Himboer-Kirsshsaft.. Fl. 1.80 Wemnuth(Acossato). Fl. 1.80 Ungsteiner(Rotwein) Fl. 0,85 Reln.KonvJiigerstolzUt.Fl. 4.50 Gebr. Mondein.... pfd. 1.00 Auf dem Dachgarten spielen täglich ab VtAUhr nachm. Otto Kermbaeh und HansSchindier WEINE U. SPIRITUOSEN nosdwBweiaeo. SpIKtuea-eliweliL Ole« Apfelwein, lose v.Faß Ur. 0.44 Edenkobener...„ Ltr. 0.85 Nitteler Leiterchen,, Ur. 1.10 Niersteiner Domtal„ Ltr. 1.26 Utiel(Span. Rotw.)„ Ur. 1.00 Johannisbeerwein„ ltr. 0.75 Erdbeerwein...„ Ltr. 1,40 Tarragona. Ltr. 1.10 Samos........ Ltr. 1.20 Malaga......„ Ltr. 1,30 Dürkheimer....„ Ltr. 0.85 28er Frankenw.Stohlb.ViR. 0.85 28er Maikamm. Kreuz V, FI. 0.35 29er Mesenicher. I V, Fl. 1.10 29or KochsmerKram.'/! FL 1.35 28er Zeitinger Ltsinw.'/, FL 1.75 28or Medoc,rot.Bord.,/j Fl. 1.30 Macon, rot. Bgd... i/, Fl. 1.49 Haut Sauternes... FL 2.93 Weinbrand Specion/,Ltr.FI. 4.60 Weinbr.-Verschnitti�LtrFI. 4,00 Alter Wacholder Vi Ltr. FL 4.S0 Bowle nsekt..... V, Fl. 1.00 „Hausmarke" Sekt>/, FL 3.95 DELIKATESSEN ölsardinen..... 2 D«. 0.85 Olsardinen, franr... D$. 1.00 BUTTER UND KÄSE WURST WAREN Konsum-Sülze.... Pfd. 0.53 Dampfwurst..... Pfd. 0.98 Sülzwurst...... Pfd. 0 36 Speck, fett.... Pfd. an 0.98 Hausm. Leberwurst. Pfd. 0.95 Berliner Mettwurst. Pfd. 1.00 Fleischwurst..... Pfd. 1.05 Gutsleberwursf i. Rg. Pfd. 1.38 Wiener Würstchen. Pfd. 1.20 Jagdwurst...... Pfd. 1.15 Speck, mag, ohneRipp. Pfd. 1.40 Bierwurst....... Pfd, 1.60 Zervelat u. Salami. Pfd. 1.65 Filetwurst....... Pfd. 1.78 Teewurst....... Pfd. 1.88 Schinkenecken.... Pfd. 1.10 Zervelatwurst!. Fettd. Pfd. 1.85 Schinkenspeck....Pfd. 1.80 Nußschinken..... Pfd. 1.90 Braunschw. Teewurst Pfd 2.20 Brschw. Zervelotw. i. F. Pfd. 2.60 Brschw. Zervelatw.. pfd. 2.40 Rügenw. Teev/urst. Pfd. 2.40 Rollschinken..... Pfd. 2.60 Gem. Aufschnitt. an Pfd 2.00 Olsardinen Seelachs.. Edellachs.. Rollheringe. Gabelbissen Makrelen Langusten > ca. t kg Dt 1.90 i Scheib. Ds. 0,65 L Scheib. Ds. 0,95 * L Rem. Dx. 0.65 ...... Ds. 0.65 L Ol 1 Pfd.Ds. 1.10 Ds. 2.25 Ochsenmaulsalat ca.500grß.95 Opackta..... Fl. 1.70 0.95 Molkereibutter... pfd. 1.38 Tafelbutter...... Pfd. 1.58 Dänische Butter... Pfd. 1 78 Margarine.... Pfd. an 0.50 Pflanzenfett..... Pfd. 0.50 Bratenschmalz.... Pfd. 0.73 Finnischer Schweizer Pfd. 133 Dan. Schweizer 30% Pfd. 0.84 Emmenth.Art20o/0Pfd.Pack. 0.88 Tilsiter, Weideblume Pfd. 0.83 Tilsiter..... 20> Pfd. 0.60 Edelblock-Käse 200/oPfd. 0.75 ,/Schlemmer"Bio*kä».40<',0Md. 1.20 Emmenth, o.Rd.% Schachtel 0.75 Emmenth. o. Rd. gz. Schacht. 0.68 Limburger 200/o, fett Pfd. 0.53 limburger 40'/o, fett Pfd. 0.90 Steinbtischer, volif.. Pfd. 0.92 Harzer...... Pfd. Pak.' 0.38 Vollfetter Brie.. 3 Ecken 0.55 Edel, Rahmkös« 40% Pfd. 1.60 Gorgonzola..... Pfd. 1.40 Roquefort...... Pfd. 2.40 Bayr. Bierkäse... Pfd. 1.20 Camembert, volif. Schacht. 0.22 FISCHE, RÄUCH.-WAR. Schellfisch m. K.... pfd, 0.23 Kabeljau im ganz. c. K. Pfd. 0.24 Seelachs, ohnoKoptzi.g. Pfd. 0.18, Zander, gefr..... Pfd. 0.60 Grüne Heringe.. 3 Pfd. 0.53 Lebende Karpfen.. Pfd. 1.30 Lebende Aale.. Pfd. an 0.95 Neue Fettheringe 12 Stck. on 0.50 Fettbücklinge... Pfd an 0.32 Seelachs, geräuch- Pfd. 0.41 Bundaale..... Bd. an 0,30 OBST UND GEMUSS 81. Pflaumen... 2 Pfd. 0.45 Kochbirnen.... 2 Pfd. 0.25 Williams-Birnen.. 2 Pfd. 0.68 Grafensteiner Tirol. Pfd. an 0.25 Kochäpfel..... 2 Pfd. 0.25 Johannisbeeren... Pfd. 0.14 Pfirsische..... Pfd. an 0.32 Goldwein.... Pfd. an 0.30 Bananen...... 2 Pfd. 0.78 Melonen....... Pfd. 0.15 Tomaten...... 4 Pfd 0.18 Zitronen..... Dtz. an 0.38 Salatgurken... Stck.an 0.10 Schmorgurken... 3 Pfd. 0.10 Senfgurken... Pfd. an 0.08 Blumenkohl...Kapfan 0.18 Bohnen, grüne.. 3 Pfd. 0.10 Stangenbohnen.. 3 Pfd. 0.25 Wachsbohnen....Pfd. 0.15 Rot- u. Weißkohl.. Pfd. 0.04 Wirsingkohl..... Pfd. 0.05 Möhren, gewaschen 3 Pfd. 0.10 Zwiebeln...... 2 Pfd, 0.15 Paprikaschoten.. 2 Pfd. 0.45 Neue Kartoff. blou«,10Pfd. 0.38 KONFITÜREN KOLONIALWAREN Teegebäck-Ms chg.. pfd. 1.00 Kokosmokronen... Pkd. 1.00 Russ. Brot...... pfd. 1.80 Fächer-Keks..... Pfd. 0.75 Erfrischg. Waffeln.. Pfd. 0,95 VolIrruBruch-Schok.. Pfd. 1.20 Prolinen-Mischg... Pfd. 0,80 Gelee-Mischung... Pfd. 0.80 Argento SohnaSehok.lOOgr.Tfl. 0.60 Erkonio-Pralin. 125 gr. Pack. 0.50 Haushalt-Kakao.. Pfd. 0.53 Zucker, fein ,.... Pfd. 0.29 Bassein-Reis..... Pfd. 0.23 Weizenmehl 000.. Pfd. 0.24 Wiener Auszugsmeht, 5 Pfd. 1.45 Hortweizengrieß.. pfd. 0.32 Kartoffelmehl.... Pfd. 0.20 Rote Grütze, lose.. Pfd. 0.60 Eierschnittnudeln.. Pfd. 0.60 Tafel-Öl....... Ltr. 0.78 Sultaninen.... an Pfd. 0.32 Mandeln, süß.... Pfd. 1.50 Ü�BAH NHQF A NNR LA TZ- DER K A RS TADT- BAH N HOF Zlr. 391* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag. 22. August 1930 Die Senkung der Kohlenpreise. Sie ist nötig und möglich, und zwar ohne Lohnsenkung. Der Zechenverband de» Ruhrbergbau» hat den Ende September ablausenden Lohntaris gekündigt, um„mit den Gewerkschaften in Erörterungen über die Möglichkeiten der Produktionskostensenkung einzutreten". Au» offenbar vom Essener Zechenverband lancierten Mitteilungen geht hervor, das» man einen zehnprozentigen Abbau der Bergarbeiterlöhne vornehmen möchte und nur unter dieser voraussehung zu einer Preisherabsetzung bereit sein würde. Man will also, ähnlich wie e» in der Eisen- industrie geschehen ist. die längst fällige und notwendige und durch- sührbare Anpassung der Preise für den wichtigsten industriellen Grundstoff an die veränderten Marktverhältnisse lediglich auf kosten der Arbeiterlöhne und der Massenkauskrast vor- nehmen. Die sozial reaktionärsten Kreis« haben an der Ruhr die Oberhand behalten. Die Aktion erfolgt in einem Zeitpunkt. in dem die Bergorbeiterschast des Ruhrgebietes wie ganz Deutsch- lands schon aufs schwerste unter den Folgen der Krise leidet. Im Ruhrgebiet waren im Juni 1930 nur noch ZZZ 000 Bergarbeiter beschäftigt gegenüber rund 37SOOO im gleichen Zeitraum des Bor- jahres. Im Juli und August ist eine weitere starke Verschlechterung eingetreten, so daß bereits annähernd 50 000 Bergarbeiter völlig arbeitslos' geworden sind. Durch die Feierschichten— im ersten Halbjahr 193t 5 Millionen Feierschichten— hat sich das Arbeits- einkommen der beschäftigten Bergarbeiter im Durchschnitt um IS bis 20 Proz. oermindert. Der Lohm und Kaufkraftausfall allein der Ruhrbergarbeiter läßt sich für das lausende Jahr, wenn nicht eine überraschende Besserung eintritt, auf annähernd ISO Mil- l i o n e n Mark veranschlagen. Diese furchtbar schwere Lag« der Bergarbeiterschast hindert das Unternehmertum nicht, eine starke Senkung der Löhne in die Wege zu leiten. Der Bergbau hatte Z Jahre gute Konjunktur: das Jahr 1927 der deutschen Hochkonjunktur, in der nach Angaben von Direktor Vögler vor der Enquete die Kapazität des Bergbaues zu 100 Proz. ausgenutzt war; das Jahr 1928 mit einer nahezu be- haupteten Produktion, und das Retordjahr 1929 mit seinem strengen Winter! In diesen drei Iahren stieg die Leistung der Berg- arbeiterschaft unaufhörlich: die Förderleiswng hat sich von 1927 bis Ende 1929 um mehr als 12 Proz.. bis Mai 1930 um WA Proz. erhöht. Die Lohnerhöhungen, die im gleichen Zeitraum erreicht wurden, blieben beträchtlich unter dieser Leistungs- steigerung, sind dazu nahezu vollständig durch Preiserhöhung im Mai 1928 und Senkung der Knappschaftsbeiträge durch Reichs- Zuschüsse abgewälzt worden! Die großen Rationolisierungs- erfolge sowie die Gewinne aus den relativ günstigen Iahren der Kohlenkonjunktur sind fast restlos dem Zechenbesttzer geblieben. Jeder objektive Beurteiler muß so die Absichten der Ruhnmter- nehmer. nach der bereits so starken Einkommenminderung der Bergarbeiter auch noch die Tariflöhne erheblich herabzusehen, aus» schärfste verurteilen. E» erhebt sich aber die Frage, ob nicht zur Belebung der Wirt- schaft und zur Herabsetzung unsere» industriellen Preisniveau» unverzüglich eine Preissenkung für den wichtigsten industriellen Grundstoff, der Sohle, ohne Veränderung der Lohnsätze stattfinden kann. Im Gegensatz zum Weltmarkt sind in Deutschland-— ganz eindeutig im unbestrittenen Gebiet— die Kohlenpreise trotz vorangegangener Erhök�mg nicht korrigiert worden. Die Regierung hat trotz ihrer Oberaufsicht über die Kohlenwirtschaft bisher jede Einflußnahme auf die entscheidend wichtige Herabsetzung der Kohlenpreise unterlassen. Der Vertreter der Verbraucherschast der Konsumvereine hat bei der letzten Sitzung des Reichs- kohlenrates auf die Notwendigkeit der Kohlenpreissenkung hingewiesen. Die Mehrheit des Reichskohlemates, die Unternehmer und die Händler, ist jedoch nach der nichtssagenden Bemerkung Siloerbergs, l.doß schon alle markttechnischen Möglichkeiten ausgeschöpft wären", wieder zur Tagesordnung übergegangen. Auch wenn für einzelne Bergbauunternehmungen damit vorübergehend« Gewinnlosigkeit verbunden sein sollte, hätte die Regierung die ent- scheidende Bedeutung der Kohlenpreislenkung nicht übersehen dürfen. Aber die Lage des Bergbaues ist ausgezeichnet. Sowohl die Lohnkosten wie die Materialkosten sind gesunken. Nach eigenen Angaben des bergbaulichen Vereins sind die reinen Lohnkosten je Toni« Nutzförderung im Ruhrbergbau von 8 8� M. im Jahresdurchschnitt 1928 auf 7.7b M. im März 1930 zurückaeoangen. Sie dürften jetzt bei 7.65 M. pro Tonne liegen. Also allein bei den Löhnen eine Kostensenkung von fast 60 Pf. je �"ftär die gesamten Arbeitskosten je Tonne Nutzförderung. also einschließlich der G< Holter für t-chmsche und kaufmännische Angestellte und unter Berucks.cht.gung der«oz.ab 'leistungcn der Arbeiter usw. ergibt sich folgende Entwi-Nung: Arbeitskosien je Tonne Ruhförderung. Jahresdurchschnitt 1927 lO.lo M. Mai 1928..-■•-• Jahresdurchschnitt 1928-•••»•* �qn' Jahresdurchschnitt 1929 etwa 9,90, Mai 1929........»»•••<- Mai 1930........... ftroa 9'65" Das Lohn- und Gehaltskonto des Bergbaues hat also durch starke Leistungssteigerung eine beirächtliche absolute Minderung erfahren. Die Mehrerlöse, die dem Ruhrbergbau au» dieser Lohn- kostensenkung im Jahre 1929 gegenüber dem Vorjahr bei mindestens gleich hohen Erlösen zugeflossen sind, lassen sich aus 60 Mill»onen Mark schätzen. Diese Lohnkostenenllastung Hot sich noch weiter sortgeseht. Dazu kommen die Ersparnisse bei den Bergbau- Materialien.. Da» Schmalenbach-Gutachten sagt mit Recht,„daß man im Bergbau der» Lohnbestandteil auch nicht überschätzen darf, wie es häufig m der Oeffenttichkeit geschieht. 50 Proz. an Selbst- kosten für Löhne bedeuten immerhin, daß noch 50 Proz, an Kosten anderer Art vorhanden sind." Grubenholz, Eisen, svlistige Metall«, Baustosfc, Sprengstoffe, Maschinen und Ersatzteile spielen hier die stärkste Rolle. Nach den Setbstkostenkerechnungen des Reichs- wirtschastsministeriums vom November 1927 betrug der Anteil d»r au den gejaonlra Produktionskosten 18,3 Proz. oder 2,50 M. pro Tonne, hiervon mehr als ein Drittel allein für Grubenholz. Die Beschaffungskosten dieser Materialien haben sich nun beträchtlich oermindert. Es fei nur verwiesen auf die starke Berbilligung der Holzpreise (Preise für oftdeutsche Grubenhölzer haben sich seit der Schmalen- bachschcn Berechnung um 40 bis 50 Proz. gesenkt), auf gewisse Ab- schlage bei den Nichteisenmetallen, Schienen, Trägern, Baustoffen usw. Auf der Erlösseite ist 1930 sicher eine Verschlechterung ein- getreten. Aber 1929 haben sich die Erlöse durch die Besserung der Weltmarktpreise gehoben, so daß auch jetzt noch die Durch- schnittserlöse sich über dem Stand von 1928 bewegen dürften. Für die Erlösminderung in relativ tragbaren Grenzen spricht, daß die Kohlenumlage trotz der Entlastung der Selbstver- brauchszechen infolge des neuen Syndttatsvertrages nur wenig er- höht zu werden brauchte. Dazu find die Nebenprodukten- erlöse des Bergbaus im allgemeinen noch günstig. Die Regierung Brüning hat dem Bergbau durch den hohen Benzolzoll noch einen Sondergewinn zugeschanzt. Auf«ine Mehrbelastung in Höhe von etwa 3,3 Pf. pro Liter nahm der Benzoloerbond ein« Preiserhöhung von 5 Pf. pro Liter vor, und somit hat der Bergbau «inen Sondergewinn in Höh« von zirka 10 Millionen Mark pro Jahr erhalten. Die hohe« und steigenden Dividenden(trotz erhöhter Ab- schreibnngen und Sonderreserven) müssen eine preis- senkung noch erleichtern. Endlich bedürfen die hohen Abschreibungen in Anbetracht der Sen- kung des Preisniveaus einer Korrektur. Unter Würdigung aller dieser Gesichtspunkte, der starken Sen- kung der Lohnkosten, der wesentlichen Verbillig« ng der Material- beschaffung, der starken Reserven, der Möglichkeit der Senkung der Abschreibungssätze einerseits und einer noch relativ erträglichen Erlös- enlwüklung andererseits besteht ganz unabhängig von jeder Herabsetzung der Löhne ein Spielraum für eine volkswirlschasllich erwünschte Kohlenpreissenkung. Die Ermäßigung der Ruhrkohlenpreise würde auch die Senkung der Kohlenpreise der anderen Reviere nach sich ziehen müsien. Dos Aachener Revier hatte bisher fast gar keine Produktionseinschränkungen. Der oberschlesische Bergbau mit seiner Absatznvt durch übergroße Expansion wird durch die Senkung der Reichsbahnaussuhrtaris« ein« gewisse Entlastung erfahren. Für den Waldenburger Bezirk werden unter Umständen Ausgleichsmaß- nahmen erforderlich werden. Roch dringlicher und noch leichter möglich ist die Senkung der Braunkohlen- und Drikektpreise. Di« Bilanzen des Braunkohlenbergbaus, der im Vorjahre den doppelten Produktionsstand der Vorkriegszeit erreichte, geben ein deutliches Bild von der glänzenden Rentabilität dieses Bergbauzweiges. Der oftelbische Bergbau hat trotz großer Ratio. »alisierungserfolge 1927 und 1928 sein« Preise um je 1 M. pro Tonne erhöht, sich seitdem auf eigene Faust auf allerlei Neben- wegen weitere Preiserhöhungen verschafft. Dem rheinischen Braun- kohlenbergbau hat man noch im Oktober vorigen Jahres bei bereits starker Depression„aus markttechnischen Gründen" eine Preiserhöhung bewilligt. Die großen Gewinne der Braunkohlenkonzerne aus dem Handelsgeschäft haben sich in den letzten Jahren noch beträcht- lich erhöht. Das Schmaienbach-Gutachten vertrat die Auf- fasiung, daß der Großhandelsnutzen mindestens um ein Drittel, das Reichswirtschaftsministerium sogar, daß er um 50 Proz. gesenkt werden könne, und hält statt 1,20 M. Großhandelsnutzen 0,60 M. pro Tonne für ausreichend. Es ist Pflicht der Regierung, un- verzüglich das Versäumte nachzuholen und sofort auf die mög- liche beträchtliche Senkung der Braunkohlenpreise und des Haus- brandes hinzuwirken. Der Reichswirtschaftsminister hat nach dem kohlenwirtschafls- geseh das Recht, die kohlenpreise nach Anhörung der Organe der kohlenwirtschast herabzusetzen, und von diesem Recht muß die Re- gierung, wenn es ihr ernst um den Preisabbau ist. hier unverzüglich Gebrauch machen. Die Bestrebungen der verkoppelung eines not- wendigen und möglichen Preisabbaus mit einem volkswirtschaftlich schädlichen und sozial untragbaren Lohnabbau, wie sie die Ruhr- Herren betreiben, müssen jedenfalls mil Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Die Aufträge der Reichspost. Für 200 Millionen begeben.- Kartelle verweigern Preissenkung. Die Deutsche Reichs post hat ihre zusätzlichen Aufträge jetzt in der Hauptsache vergeben. Ob es sich wirtlichum zusätzliche Aufträge handelt, in welchem Umfang das der Fall ist, ist eine noch sehr ernsthaft zu klärende Frag«. Jedenfalls beziffert die Reichspost den Wert der Austräge auf rund 200 Millionen Mark, wovon 13 2 Millionen auf die S ch wo ch st ro m i n dust r i e ent- fallen(l»e Kündigungen-in Berlin werden also noch rätselhafter), 23 Millionen auf die Maschinen industrie, 20 Millionen aus Bauten, der Rest auf übrige laufende Beschaffungen für Betriebszwecke. Bei der Schwochstromindustrie ist ein Preisnachlaß bis zu 12 Proz. bei der Kraftfahrzeugindustri« und bei Bauten von 10 Proz. Be- dingung. Das Zemenltarlell und der Linoleumlrust haben offenbar Preisnachläsie oerweigert. Bei der Zeroentlndnstrie kamen infolgedessen die Aufträge an Außenseiter. Linoleum soll bis auf weiteres von der Reichspost nicht mehr verwendet werden. Um eine weitere Senkung der Preise bei allen Lteseranlen wird noch verhandelt. Wir sind der Meinung, daß auch die Reichspost wie ein privater Kaufmann zii handeln verpflichtet ist und auf widerstrebende Kartelle und Monopoltrusts unter keinen Umständen irgendwelche Rücksicht nehmen darf. Zinsenttastung für die �eichspost. Unter Mitwirkung des Reichsanleihekonfortiums wird demnächst den Inhabern der am 1. Oktober 1930 fälligen 150 Millionen 6>lprozentige Schatzanweisungen der Deutschen Reichspost der Um- tausch in 6prozentige Postschatzanweisungen zum Kurse von 96,25 Proz. angeboten werden. Di« Umtauschenden erhalten eine Barvergütung von 3� Proz. des Kapitals ausgezahlt. Die neuen kprozentigen Schatzanweisungen sind am 1. April 1934 zum Nennwert rückzahlbar; sie sind reichsmüttdelsicher und lombardfähig. Die Zinsen werden ohne Abzug von Kapitalertragsteuer ausgezahlt. — Für die Reichspost ergibt sich ein« dauernde Zinsentlastung um Vt Proz. Die Aktion entspricht einer durchaus normalen Uebung und entspricht der Entwicklung aus dem Kapitalmarkt. Reich, Länder und Kommunen sollten weitergehend dem Beispiel der Reichspost folgen._ Oelschacher wegen Währungsnot? Milliardenkrediie des Oeltrusts zur Rettung der spanischen Währung. Die spanische Peseta-Währung zeigt seit Wochen ein« beunruhigende starte Entwertung. Soeben wurde in Madrid eine Deoiscnkontroll stelle errichtet, damit spekulative Finanz- und Devisengeschäfte privater Unternehmungen verhindert werden können. Ob die spanische Regierung mit dieser Maßnahme einen Erfolg erzielen wird, ist deshalb zweifelhaft, weil offenbar einige groß« internationale Finanzgruppen am Werke sind, die die spa- Nische Finanz- und Währungskrise für ganz bestimmte Zwecke aus- nützen wollen. Es handelt sich um das von der früheren Diktaturregierung geschaffene Oelmonopol. das insbesondere den Russen in Form verschiedener großer Licferungsverträge zugute kam. Die Standard O i l Co. of New Jersey soll Spanien eine An- leihe von 1 Milliarde Pesetas(heute 440 Millionen M.) angeboten haben, die gewährt werden soll, wenn dos Monopol abgeschafft wird und deren Rückzahlung durch Oelzölle erfolgen soll. Di« Gerüchte, daß der Präsident W. C. Teagle, der z. Zeit in Paris ist, hierüber verhandelt, wollen trotz aller formellen Dementis nicht verstummen. Bedeutet der neue Währungssturz, daß dies« Berhand- stungen gescheitert sind? Oder üben die der Standard Oil nahe- stehenden mächtigen amerikanischen Finanzhäuser absichtlich einen Druck aus, um die Berwirklichung ihrer Ziele zu beschleunigen? Interestanterweise soll au einer solchen Staatsanleihe»eben der Standard Oil auch der englisch« Shell-Konzern beteiligt sein. Die VerquickUng von Staatsanleihen mit bestimmten wirtschaftlichen Sonderoorrechten, wie sie vor dem Kriege nur in halbkapi- talistischen Kolonialländern üblich war, ist durch den Zündholztrust und kürzlich durch die International Telephone and Telegraph Corporation(Rumänien) auch in Europa so stark eingebürgert worden, daß ein solcher Staatskredit an Spanien durchaus nicht unwahrscheinlich ist. Erst in diesen Tagen hat der in Paris erscheinende„New Pork Herald" seine Behauptungen wiederholt, daß mit spanischen Regierungsvertretern in London und Paris hier- über verhandelt worden ist, und daß diese Angeleg endest einen wichtigen Anlaß der Eürapareife des Präsidenten W. C. Teagle darstellt._ 30- Millionen- Auftrag für deutsche Wersten. Die Flotten der Oellonzerne. Die Deutsch« Werft in Hamburg, die Bremer Pul- kanwerft und die Kruppsche Germaniawerft in Kiel haben von Rockefellers Tankschissahrts-Gesell- schaft Bauaufträge im Gesamtwert von 30 Millionen Mark er- halten. Die drei genannten Werften arbesten seit Iahren für den amerikanischen Oelkonzern, für dessen Flotte, die in Austrag ge- gebenen 6 Motortankschiffe von je 16 200 Tonnen nicht einmal eine erhebliche Vergrößerung bedeutend. Durch die eigene Tanker- flotte gestaltet der amerikanische Konzern die Transport- tosten des Benzins niedriger als es kleine Oelgesellschaften vermögen, die ober trotzdem billiger verkaufen; sse begnügen sich mit geringeren Gewinnen. Das Geschäft der freien Schiffahrt, die gleichfalls über Tankdampfer verfügt, wird durch die Konzernflotten erheblich beeinträchtigt: neben dem Standard Oel-Konzern besitzen auch die Royal Shell, der Erzkonzern Müller-Kröller, der Mar- garine- und der Bananentrust große eigene Flotten. Schlechtes Ifadiogeschäst in LtGA. Die größte Radiofirma der Welt, die Radio Corporation of America, erzielle im ersten Halbjahr 1930 einen Rein- gewinn von nur 505 000 Dollar. Im Jahre 1928 hatte der Reingewinn der beiden im vergangenen Jahr verschmolzenen Gesellschaften(Radio Corporation of America und Grammophon- firma Victor Talking Machine Co.) noch 27,2 Millionen Dollar betragen. Im Jahre 1929 ging der Reingewinn bereits stark zurück: er betrug nur noch 14,9 Millionen Dollar. Verglichen mit dem Ertrag des ersten Halbjahres 1929 betrug der Gewinn noch nicht einmal«in Zehntel. Wenn auch die Umstellung der Gesellschaft(nicht mehr Beschränkung auf den Bertrieb von Ge- röten, sondern Aufnahme einer eigenen Fabrikation) den Gewinn zunächst vermindert haben mag, so ergibt sich doch aus dem Gewinn. jchwund in erster Linie die gedrückte Lage des Rundfunk« geschäfts. In anderen Ländern liegen die Verhältnisse teilweise ähnlich. Die holländische Rundfunkausfuhr ist zum Beispiel 1930 gegenüber den ersten Monaten des Jahres 1929 um rund ein Fünftel zurückgegangen. Dagegen konnte Deutsch- l a n d seine Ausfuhr um mehr als 10 Prozent steigern. Der erste Brauerel-Abschluß.— 20 Prozent Dividende! Der Aufsichtsrat der R e i ch c l b r ä u A.-G.- K u l m b a ch schlägt die Verteilung von wieder 20 Prozent Dividende auf 2,41 Mill. M. Kapital vor. Die Gesellschaft, die dem Bankhaus Gebr. Arnhold in Dresden nahesteht, hat ihr Geschäftejahr am 30. Juni beendet. Den Rückgang des Bierkonsums feit diesem Frühjahr merkt man hier wirklich noch nicht. Um das internaklonale Waggonkarlell. Die Deutsche Wagen» bau-Vereinigung, der Verband der deutschen Waggon- fabriken, hat in ihrer Mitgliederversammlung beschlossen, dem vor- bereitenden internationalen Kartell beizutreten. Um das Inkrajt« treten des Kartells zu beschleuistgen, wurden die Vertreter des Ver- bandes beauftragt, das internationale Abkommen unter gewissen, aber noch nicht näher bezeichneten, Vorbehalten zu unterzeichnen Kommunistischer Betriebsterror. Zu Schadenersatz verurteilt, weil sie einen Mitarbeiter brotlos machten. Ullstein hat«inen kommunistischen Arbeiterrat. Die Mitgl.'eter des Arbeiterrats hatten vor der letzten Betriebsrats- wähl Stalin die Gefolgschaft verweigert und der Gewerkschaft Treue gelobt. Sie wurden daher wiedergewählt.?! a ch der Dahl stellten die kommunistisckzen Letriebsratsmitglieder wieder die Segel um und steuerten strammen Moskaukurs. Das bedeutet Terrorisierung Andersgesinnter Das ging so weit, daß ein Arbeiter P. aus Der- langen des Arbeiterrnts entlassen wurde, weil er gesagt haben soll, der Arbeiterratsoorsitzende Meier sei gegen die Lohnbewegung. Seine Vrotlosmachung war bei den Moskowitern beschlossene Sache und der wahre Grund für ihre terroristische Maßnahme war der. daß p.. der Sozialdemokrat ist, im Betriebe den Standpunkt der srcien Gewerkschaft den Mitläufern der SPD. gegenüber vertrat. Die Berirauensleute der Rotationshilssarbeiter, Nehmitz, Henke und Arndt, die im kommunistischen Fahrwasser segeln, überbrachten den gegen ihren sozialdemokratischen Kollegen gerichte- ten Maßregelungsbeschluß dem Obermeister, der ihn an die Ge- schaftsleitung weitergab. P., der als tüchtiger Arbeiter ge- schätzt wird, wurde mit Bedauern entlassen. Die Ge- schaftsleitung mag wohl befürchtet haben, daß sie bei Ablehming des !°7:schlusfes mit einer Stillegung des Betriebes durch die kommu- »istischen Krakeeler zu rechnen hätte. V. legte gegen seine Entlassung Einspruch beim Ar- velterrat ein. Da die Mehrheit desselben unter kommunistischem Einfluß steht, wurde der Einspruch abgelehnt. ?!un reichte P. beim Arbeitsgericht eine Schaden- «rsatzktag« ein gegen die Firma Ullstein, gegen die betreffenden Ar- beiterratsmitglieder und gegen die drei Vertrauensleute. Die Klage bezeichnet die Entlassung als eine gegen§ SZS des Bürgerlichen Gesetzbuchs verstoßende sittenwidrige Handlung. Vor Gericht suchten sich die Zlrbeiterratsmitglieder damit herauszureden, daß sie den Entlassungsbcschluß nicht gebilligt, den Einspruch des Entlassenen aber deshalb zurückgewiesen hätten, weil im anbeten Falle eine Erschütterung des Betriebes ein- getreten wäre, die sie doch halten vermeiden müssen. ?!ach langer Verhandlung und eingehender Beweisaufnahme erkannte das Gericht auf Abweisung der Klag« gegen die Firma Ullstein, weil diese unter einem gewissen Druck ge- standen und?tachteile habe befürchten müssen, wenn sie dem Verlangen der Vertrauensleute nicht stattgegeben hätte. Die Vertrauensleute Nehmitz, henke und Arndt wurden ver. urleilt, dem Kläger für l'A Jahre feinen Bruttolohn von 75 Mark wöchentlich zu zahlen. Die vom Amtsgerichtsrot de Witt verkündete Begrün- dung des Urteils jagt im wesentlichen: Der die EnUassung fordernde Versammlungsbeschluß muß in einer Zeit, wo der Ar- beitsmorkt überfüllt ist und es außerordentlich schwer hält, Arbeit zu finden, als Verstoß gegen die guten Sitten ange- sehen werden. Di« Entlassung eines Arbeiters könnte wohl aus besonders schwerwiegenden Gründen gefordert wer- den, solche liegen hier ober nicht vor. Die Aeußerung, Meier sei gegen die Lohnbewegung, sei in gutem Glauben getan und nicht beleidigend. Wenn dem Kläger vorgeworfen wird, er habe aus den Rück- tritt des Arbeiterratsvorsitzenden Meier hingewirkt, so sei das sein g u t e s R e ch t, denn niemand habe Anspruch darauf,«in ihm durch Wahl übertragenes Amt für alle Zeit zu behalten. Die B c r- trauensleute haben sich durch Ueberreichung des sittenwidrigen Versammlungsbeschlusses zu Mittätern gemacht. Sie haben die Entlassung des.Klägers gefordert und dadurch gegen die guten Sitten verstoßen. Da der Kläger aus Grund seiner Leistungen eine Dauerstellung bei der Firma hatte und in der jetzigen Zeit mit einer Arbeitslosigkeit von VA Iahren zu rechnen ist, so hat ihm das Ge- richt den Schadenersatz für dies« Zeit zugesprochen. Bekenntnis zum Sozialismus. programmaiische(Knischließung des Meiallarbeiter-Verbandsiages. Im Mittelpunkt der Beratungen des vierten Berhandlungstagcs stand ein Referat des Sekretärs des Hauptvorstandes, Genossen S ch l i e st e d t. über„Die Wandlungen in der Wellwirlschosl mit besonderer Berücksichtigung der Melallindustrie." Schliestedt entwarf zunächst ein Bild der wirtschaftlichen S:ruktur der Welt in der Vorkriegszeit und stellte dem die hemige Welt, vom ökonomischen Standpunkt aus gesehen, gegenüber. Europa war und ist auch heute noch der industrielle Kontinent. Vor hier aus wurden fremde Erdteile entdeckt und ihm fremde Kontinente als Absatzmärkte und Rohstossquellen erschlossen. Von Europa aus wurden Maschinen und Kapital ausgeführt, mit denen in den einst erschlossenen Kontinenten eigene Industrien errichtet wunden. Schon vor dem Kriege- waren die euenpinschen Broduktiv- kräste, vor allem die deutschen, so stark entwickelt, daß sie dos Mehr- fache des eigenen Bedorss erzeugten. Demzufolge war deraußer- europäische Markt eine Lebensnotwendigkeit der europäischen Industrie. Die über den eigenen Bedarf hinaus gesteigerte Pro- duktion allen europäischen Industrieländer brachte logischerweife auch den Rivalitätskampf der einzelnen Länder auf dem Weltmarkt mit sich, der nicht zuletzt eine der Ursachen des Weltkrieges war. Die oußereuropäifchkn nickst industriellen Länder waren in der Vor- kriegszeit in hobem Maße non der europäischen Industrie abbängig, wie diese ron ihnen als Abnehmer ihrer Produkte wiederum ab- hängig. war Oer Wettkrieg brachte In diese Beziehungen eine grundlegende Wandlung. Irrfolge Umstellung der europäischen Industrie auf die Erzeugring »on Kriegsmaterial wurde die Versorgung der außereuropäischen Länder mit Fertigwaren fast vollständig abgedrosselt, so daß diese Länder gezwungen wurden, entweder'ihre noch in den Kinder- schuhen steckende eigene Industrie in raschem Tempo leistungsfähiger zu gestalten, oder dort, wo industrielle Ansätze noch fehlten, neue Industrien ins Leben zu rufen. Als Europa aus dem Kriegstaumel erwachte, mußte es fest- stellen, daß es on der weltwirtschaftlichen Tafel weit zurückgesetzt worden war. Es begann der Kampf um die Wiedergewinnung der verloren gegangenen Weltmärkte, der aber injolg« der zuvor ge- kennzeichneten Entwicklung in den ehemaligen Absatzlöndem keinen vollen Erfolg haben konnte. Im fernen Osten ist es gan,z besonders Japan,!>as sich oll- mählich zu industrieller Weltgeltung entwickelt hat und zwar auf ollen Gebieten, selbst auf dem der chemischen Industrie, in der Deutschland früher geradezu eine Monopolstellung einnahm. Auch im Schiffbau ist Japan ein scharfer Konkurrent geworden. In China ist die gleiche Entwicklung zu verzeichnen, ebenso in Ost- indien, dem ursprünglichen Land der Rohstossversorgung Englands und seinem größten Abnehmer von Fertigwaren, hauptsächlich in Textilien. Die Europäer machen sich von diesen fernen Ländern heute noch einen ganz falschen Begriff. Sie stellen sich unter ihren Bewohnern immer noch wilde oder halbwilde Völker vor, die noch aus den ersten Stufen der Kultur stehen. Die Tatsache, daß von den Gewerkschaften Kommissionen in die kolonialen Länder geschickt werden, nicht nur, um die Verhältnisse dort zu studieren, sondern um die arbeitenden Menschen gewerkschaftlich zu organisieren, beweist am deutlichsten, daß auch in diesen Ländern Kulturmenschen leben, die mehr und mehr in das Joch des industriellen Kapitalismus gespannt werden. Aber selbst in Europa hat sick nach dem Kriege und größten- teils als feine Folge ein« bedeutende wirlschaftliche Strukturwandlung vollzooey. Es sind neue Staaten entstanden, wie Polen, die Tschecho- slowakei usw., die mit allen verfügbaren Krafktn am Aufbau eigener Industrien arbeiten und sich durch Zollmauern und dergleichen gegen die Produktionserzeugnisse der übrigen europäischen Industrieländer absperren. Obwohl also in Europa schon das Wehrsache des eigenen Bedarfs erzeugt wird und der inlernationaie Absatzmarkt sich von Jahr zu Jahr verengt, mild die europäische Produrtiovskopozitäi immer mehr gesteigert. Die Folgen können nicht ausbleiben. Die europäische Arbeits- marktkrifs und in süngster Zeit auch die auf dem amerikanischen Ar- beitsmorkt ist in erster Linie dieser Ueberindustrialisiening zuguschrei- den. Die Konsequen.zen sind kaum auszudenken, wenn die europäische Industrie einmal ihre voll« Prodiittinnskapazitöt ausnutzen würde. Roch einer Schätzung des Instituts für Konjunkturforschung ist zum Beispiel in Deutschland zur Zeit di« Arbeitsplatzkapazitöt nur etwa zu zwei Dritteln ausgenutzt. Bei voller Kapazität würde also noch e.n Drittel mehr als bisher produziert werden können. Alle privatkapitalistischen Maßnahmen, die auf ein« Leistungs- und damit Absatzsteigerung hinziehen, können nicht nur zur dauernden Beseitigung der Krise beitrogen, sondern würden sie nur weiter ver- schärfen, da alle anderen Industrieländer die gleichen Mittel an- wenden würden. Der Privattapilalismu» hak die Wöglichkeit verloren, die pro- durklonskrSfte zu meistern.- Sie sangen an. ihn zu beherrschen und zu einer Gejahr für das bürgerliche Eigentum zu werden. Als vor einigen Monaten in dem- selben Raum, wo jetzt das Parlament der Metallorbeiter tagt, die Bertreter der Welttraftkanferenz beisammen saßen, erklärt« der Präsident dieser Tagung bei der Würdigung der staunenswerten Werke der Ingenieure und Techniker: „Sache der Zinonzleute und der Behörden ist es. dafür zu sorgen, daß da», was der Mensch schafft, auch dem Menschen zugute kommt." Dos können die Kapitalisten nicht mehr tun. Die Wirtschaftskrise, in der wir uns befinden, ist der Ausdruck dessen, daß die' Produktiv. lräfte in der prioatkapitnlisttsckwn Wirtschaft falsch angewandt werden. Wir müssen zu einer Wirtschost gelangen, die sich an dem Bedarf der Menschen orientiert. Und den Bedarf zu decken, ist bei dem heutigen Stand der industriellen Entwicklung ein« Kleinigkeit. Der Kamps um die neue Gestaltung der Wirtschost ist der Klassenkamps, vor dem sich die bürgerliche Welt bekreuzigt. Die?!ot der lNasson zwingt die Gewerkschaften zu täglichen Kämpfen um die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Uebcr diesen Tageskomps hinaus dürfen wir aber nicht ver-' gessen, daß unser Endziel die lleberwindung der heutigen Produktion». weise ist. Diese Erkenntnis in den breiten MasseM der Schassenden und unfreiwillig Feiernden zu fördern, muß unsere Houptauf- gäbe sein. Verzweiflung geht durch die Reihen der Arbeiterschaft. Sie kann nur gebannt werden, wenn wir über di« Not des Tages hin- aussehen, daß es einen Ausweg aus ihr gibt. Darum kann dieser Verbandstag nichts anderes tun, als seinen Gegnern sowohl wie den Verzweifelnden ein Bekenntnis zur sozialistischen Gesellschaft abzulegen. Dem Sozialismus wollen wir den Weg bereiten. Aber nicht nur das. Die Metallarbeiter wollen darüber hinaus olles tun, um die Ersten aus diesem Wege, die Ersten in diesem Kampf« zu sein. Stürmischer Beifall lohnte die vortrefflichen Ausführungen des Referenten. Da in der anschließenden Debatte zu seinen tiefschürfen- den Darlegungen nichts wesenllich Neues gesagt werden konnte, been- det« der Kongreß die Debatte nach kurzer Dauer durch die Annahm« eines geschäft?ordnungsmöhig«n Schlußantrages. Dos Referat fand seinen Niederschlag in folgender gegen sieben kommuni- stische Stimmen angenommenen Entschließung: „Die Entwicklung der technischen Produktionsmittel und ihr« or- ganisierte Anwendung, die in schnellem Tempo fortschreitend« Indu- strialisierung aller Länder hat die Warenproduktion so gewaltig ge- fördert, daß in ihrer Rückwirkung in ollen Industrieländern Millionen van Menschen erwerbslos und der Rot und dem Elend ausgeliefert sind. Die Produktionsmittel der Welt reichen aus, um den Bedarf aller Menschen ausreichend zu decken und Not und Elend zu bannen. Die Verteilung der sich aus dieser Bedarfsdeckung ergebenen Arbeits- lost auf alle arbeitsfähigen Menschen wird ein« erhebliche Entlastung des einzelnen möglich machen. Wenn trotz des Warenüberflusses und gesteigerter Erzeugung». Möglichkeit Millionen arbeitswilliger Menschen Not und Hunger leiden, so lieg» die Ursache dieses Widerspruches in der längst überholten privatwirtschastlichen Grundlage der Wirtschaft. Die Lösung diese» Widerspruche» kann nur in der lleberwindung der gegenwärtigen Wirtschaftsform und der Entwicklung zur Gemein- Wirtschaft, zum Sozialismus gefuadeu werde». Der Berbandstag betrachtet deshalb die Aufgaben des Verband«», di« Entwicklung zum Sozialismus mit allen Mitteln zu fördern, die Mitglieder dahin zu erziehen, daß sie die Wirtschaftskrise als Ergebnis der heutigen Wirtschaftsorganisation erkennen. Nur dadurch wird es möglich sein, den Weg zum Ziel einheitlich und geschlossen zu gehen. Der Berbandstag fordert von der gesamten Mitgliedschaft über der Not unserer Tage nicht die Ursachen zu oerkennen. Ueber- Windung der heutigen Wirtschaftsform muß von den Menschen in klarer Erkenntnis gewollt werden unter Beachtung der gegebenen Mittel und Möglichkeiten. Der Berbandstag erklärt die Reuorganisierung der Wirffchast im Sinne des Sozialismus. die dringend notwendig ist, auch als möglich. Ueber die gefordert« Mitbestimmung der Arbeiter in allen wirtschaftlichen Fragen hinaus ist die Beseitigung der Pivatwirtschaft das Ziel zur Errichtung einer alle Menschen umfassenden sozialen Wirtschaft. Dieses Ziel ist nicht nur im parlamentarischen Ringen zu er- reichen, sondern bedarf der Ergänzung auch durch den außerparlamentarischen gewertschafillchen Kampf. In diesem Zusammenwirken der geschulten und einigen Arbeiter- klasse liegt die Sicherheit des durch die Entwicklung der Produktiv- kräfte gezeichneten Zieles. An die Mitglieder des DMA. geht deshalb der Ruf. durch äußere und innere Einigkeil die Voraussetzung zu schaffen zum siegreichen Kampf für die sozialistische Gesellschaft." Weitere Entlassungen im Jtahrbergban. Diesmal sollen„nur"'MOS Mann fliegen. Dortmund. 21. August. Beim Stillegungskommissar sind folgende Anträge aus Berg- arbeiterentlassungen gestellt worden: Zeche Bruch st raß«(Desto) in Langendreer 230 Mann, Earolinenglück in Bochum 230 Mann, Prinzregent in Bochum 100 Mann. Die Kündigungen sollen am 1. September zum 13. September ausgesprochen weroen. Bei der Gewevkschaft Ewald in Herten sollen 900 Bergleute ent- lassen werden. Oer Liller Textilstreik beendet. Ein Erfolg des französischen Arbeitsministers. Poris, 21. August.(Eigenbericht.� Der Streit, der seit fast vier Wochen die Liller Textilindustrie brach legte, istamDonnerstag mittag gegen 1 Uhr zu Ende gegangen. Die in der Nacht zum Donnerstag vom französischen Arbeitsminister vorgeschlagene E i n i g u n g s b a s i s, die die Forderungen der Arbeiter in weitgehendem Maße berücksichtigt, wurde von beiden Seiten, von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern, a m Donnerstag angenommen. Auf Wunsch der Arbeiterschaft hat sich Arbeitsminister Loval am Donnerstag nach Lille begeben, um die Einigungsverträge mit zu unterzeichnen. Durch die Einigung in der Liller Textilindustrie ist auch der Weg zur Beilegung de» Konfliktes in Roubaix-Tourcoing sowie im Liller Metallgowerbe geebnet worden, so daß für die nächsten Tage mit der Wieder- aufnahm« der Arbeit im gesamten nördlichen Revier zu rechneu ist. Der Ministerrat hat den Arbeitsminister für seine außerordent- lich geschickte Vermittlung in dem Konflikt warm beglückwünscht. Kommunistische Eireikleitung entlarvt. Dem Ullste>n--Di«nst wird berichtet: In Halluin, der Hochburg der Kommunisten, haben die Ar-- beiter entdeckt, daß di« kommunistische t-t r« i k le it» n g die eingelaufenen Hilfsfonds zu Porleizwecken verausgabt hat. wäh- rend sie die Streikenden und ihre Angehörigen hungern ließ. Dieser Vorgang Hot einen derartigen Entrüstungssturm in der Arbeiterschaft ausgelöst, daß in den letzten Tagen Hundert« von Abmeldungen aus der Kommunistischen Partei in Halluin ersolgt sind. Die starke Orts- gruppe befindet sich in völliger Auflösung und di« Führer haben durch Gendarmerie vor der Rache der eigenen Parteigennssen ge- schützt werden müssen. In Franksurl n. ZN. sind die Nntstandsarbeiter mfolge kommunistischer Verhetzung am Donnerstag zu passivem Widerstand übergegangen, obwohl ein Teil chrer Forderungen dank der Bemühungen der sozialdemokratischen Stadtverordneten- sraktion erfüllt worden war. Die Gewevtschasten lehnen die Veront- wortung für das kommunistische Wahlmanöoer ob. Die Glasarbeiterinlernationale trat am Donnerstag in E t o ck c Holm zu ihrem Kongreß zusammen. Die international« Beruss» Organisation der Glasarbeiter, deren Vorsitzender Genosse G i r b i ch- Berlin'st, zählt über 130 000 Mitglieder. Ibre Berbindung umfaßt auch die Bruderorganijotion in den Bereinigten Staaten. Achtung. Bauarbeiter! Die Sperre über die Firma Arndt. G. m. b. H., Baustelle Oberschöneweide, Rathaus- Ecke Großstraße. Wittenau, Berliner Straß«, Adlershof, Kronprinzen- Ecke Hoffmann- straß«, ist hiermit aufgehoben. Die tariflichen Bedingungen sind erfüllt. vaugewerkschast Verlin. Fachgruppe Stuck, und Gipsbou. Achtung, karlonnagenarbeiter und arbeiterinnen! Die über die Firma Zucker u. Co., Seisensabrik, Muhlenstr. 51/58, verhängt« Sperre wurde aufgehoben, da über die bestehenden Disfe- renzen eine Einigung erzielt ist. Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter, Ortsverwoltung Berlin. AfA-Funklionare der ZNelallindustrie(VVMZ.) Freiteg, 22. August. 1JH Uhr, in icn Serwnxiainlen, Ehausterstr. 110, AfZ>-i?uulti«nn:>>«riaMuilung. Tagc«rduuug: 1.?«?ichtcrstatt»n« üb« in« v«lh.udlung«u mit bcm DBMI.»or dem Sifitfcsatbtitjminifrtrinm. 2.®n. schied«»«», ff« wird n»?,ahUge« fftfchcintn der SsA-Fuultiouor« erwurtet. AsA-Metullluriel!. »utob: Sünther. TfflB.: Z-egcr. gd«.- BcpUitt», 9t. Suchur««,. Freie Gewefkschafts-Jugend Berlin Achtung! Zeitnehmer«m der Fuhrt mit der schwimmenden Jugend- herderge. Besichtigung der von unseren Pholoamateuren abgelieserten Bilder von 17 bi» lg Udr in der Iugendzeutrale: Eeweikschaft-Hgu,. Zimmer 2«.- Heute. Fre.toq, 19U Uhr, iugdn folgende Gruppen: Nordring: Jugendheim. Gchnt' Sonnendurq« Ttr. Wir öffnen den Frogetosten.— seewannPlech. Grupponhe'M conberftr. 11, Ecke Sobtechtstruhe. Bortrgg:.Go, »iuliftiföze ffnufiuitgsfragen".- ffüben. Tiidwesten: Gruppcnheim Wassertor- strghe 9. v. pt. Bodcadend ob 19 Uhr in Sliirgenherg.— ffharlottenbnrg! Jugendheim Gvreestr. Zfl. Bortrog:..Weohaid Freiiörperkultur?"— tzeppesin- Platz: Jugendheim Turiner Scle GeestraKe lGingang Türmer Strohe). Liedcr- adend.- Wedding: Druppenheim. Schul« Pank, ffike Wiesenstrahe. Bortrag! .Die werktätig« Frau in Sowjetruhfond".— Schöuhouser To«: Druppenhtim Tieckstr. ltz. Bortrag:.Darum Freikörperkultur?" @.�uaenvaruppe tles�entrawerbandes der Anaestelli�n ssreiwq, finden folgende Veronstastun�en ftott: Köpenick: Jugend- heim D-Mwitzer Str. 15 sGaoanstoll. am Bahnhof stöpcniif. Südwest: Jugendheim Oorckftr. 11(2.£of, Quergebciud» 1 Treppe. Zimmer 5). Portrag: .Es klingt im Sturm ein alte, Lied". Referentin: Friede! Hall.— Spiel und Sport! Ab 10 Uhr auf der kleinen Spielwies« im Bolisvnre Reukölln«m der Rvdelbahn). Ab IS Uhr auf dem Sportplatz Eantionstrahe.Einsam« Pappek" lRvrden). OBS!»GEMÜSE Kochbirnen«r-««...........m 0,15 Kochäpfel................. 2 m 0,25 Essbirnen................. ni 0,26 Essäpfel........... 0,32 Pflaumen...................«pa 0,90 Pfirsiche__________-...pm. 0,32 Tomaten hoii&aiueiM........ 2 tu. 0,35 Bananen—............. 2?a 0,78 Zitronen...........�..Dstzendron 0,38 Rotkohl........................ pfd. 0,04 Weisskohl...............— Pfd. 0,04 Wirsingkohl................. Pfd. 0,04 Möhren gewaschen........... 3 Pfd. 0,10 Sdimorgurken......... zpa 0,10 Senfgurken................ Pfd. 0,08 Grüne Bohnen........ s pa 0,1 0 .Zwiebeln.................... 2pa 0,15 — FLEISCH— Schweinebauch a BeUTd.lp04 Schweinekamm 1,28 SchweinekolelettpaTOabgel.Qua!ität. Fl. Lfr. ' Preise ohne Flasche" 1929 er Liebfracmücli* nrio«i>nn licbL Uheinhesse,'/ih'I.ltZwFl. IZ.UU Aller Tarragona.......\ ViKI. 10 Kl. Gilech. Kuekal, büfs.../ 1,10 IO,SO Original-Ineet Samo«..\ Gold-Malaga, ganz alt I Folner alter Sherry____ 5onnangartii.,FrthttCcki«. -DIW KÄSE und FETTE Tilsiter voiifctt pfd, von 0j88 Steinbusdier voiife«........ pm. 0�92 Ällg. Stangenkäse 0,58 Allg. Stangenkäse 0,95 Dän. Schweizer ao»/0..... pm 0,84 Edamer vomett................. pm 0,98 Edamer haiwe«................ pm 0,75 Holländer voiife«............. pm 0,98 Holländer halbfett............ pm 0,75 Blockkäse Tüaiter Art, 20«,. PM 0,75 EmmenthalerArtCÄ 0,75 Bayr. Schweizer vom�Mvon 1,38 Tafelbutter................ pm 1,58 Dänische Butter......... pm1,78 Margarine.........pm 0,50, 0,6� Bratenschmalz............. pm 0,76 Griebenschmalz......... pm 0,80 FLEISCH Roastbeef»hn« Knochen, PM 1,68 Schmorfleisch lÄ�ml�S Hammel-Vorderfl«lsdi von 1,08 Hammelkeulen..... �.m 1,28 Rinderlunge---------.pm 0,40 Rinderherz........— Pfd.0,64 Rinderbacke ohneKBodi.pfA 0,58 Euler..................... PM 0,30 Schweinenieren...... pm 0,88 Schweineköpfe"" 0,44 Talg anagelassen................ PM 0,54 Rinderleber getro«..., pm1,18 Hammel ��Ü�M von 0,84 Hammelrücken �""pm 0,98 Schmorfleisch°�°°pÄ L28 1 ESI Theater, Lichtspiele usw. � Staats-Theater geschlossen. Abonnements- Anmeldungen werden enlgegangonommom a) für die Staatsopern und das Staat). Sciianspiel- hans vom Abonnementsbüro, Berlin W56, Ober- waUstr.22 von 9-— 2 Uhr. Fernspr. Merkur 9024, b) für das Staatl. Schiller- theater vom Äbonne- menlsbüro,Berlin-Cha»- lottenburg, Grolman- H strafie 70 von 9— 2 Uhr. y Fernspr. Steinpl. 6715, c) für die Städtische Oper vom dortigen Abonnementsbüro, wochentags von 10— 2 u. v. 6— 8 Uhr. Städtische Oper Bismarckstraöe Turnus IV.— löVt Uhr, Carmen Endo g o o o n Z3 Uhr. Theater l.Oelirenstr. 53-54 SV« Uhr ist das[dem isen von com «v.uhr CAS1N0-THCATEH Lothrlntfer Strafe 37. 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Kinn ni Mi JoKhionni. loiik m riidu iptliiui) Rigii: Erid Ed;* Biinnenbilder. Lidwig liainr Komische Oper 80- Uhr Paol WssterneiEi in; Liebe und Opantttm Rolul loeatsr fl. Wesleoi Täglich 8I. 16077 Zille- Festspiele Sonntag, den 24. August . Nadim.-Vofsteliung au ennfBigteo Preisen. Strandbad« Restaurant GRONAU Gnte Baflevemailnfsse Neu renoviert Preiswerte KOdie— Ralfeehoffien Deatsdiür lüetallarbelterTerbani! Verwaltungssielle Berlin Todesanzeige Den SOIüßliebetn zur Rachrichl. tafe unter Kollege, ber Rohrlegerheiser A Lermsmi LäumeiLLer am 19. August geilorben ist Ehre seinem Anbenfen! Die Tinüscherung findet am Mon. lag, dem 25 August, nachm. 4>/- Uht. im Kremaiotium Wlimersdors, Der- liner Strafie, statt Rege Beteiligung erwartet Die Oiiavei-valinng Danksagung. Allen, die meinem lieben Mann, unserem guten Vater und Schwieget- oaler, dem nafiendeamten I. R. klvdsrä vittdersek die letzte Ehre erwiesen haben, herg. lichen DanE. i-ni-e DUikeniev«md Kinder. BeiitsdierNetallaFlKlMiM Acmung, Drücker! Die Branchcnoersammiung für de» Monat August fällt au». Die Drt»vewaUnnS. DrMrsllkkllliSSse iiir die Leverde der Tischler und Pianofortearbeiter zu Berlin. Hiermit laden wir die Mitglieder de« Ausschüsse» zu der am Freitag, dem 29. August 1930, 17 Uhr, im Rassenlolai. Qranienftrafie 39, stattfindenden anfiel- ordentlichen AusWßWng ein. Tagesordnung: i. Beratung und Beschiufifassung»der die durch die Notverordnung vom 28. 7 30. bedingten Satzungsänderungen. 2. Verschiedenes. Berlin, den 21. August 1930. Der vorstand. Fr. Meersdach. Borsitzender. Herrn. Ehrlich. Schrinsllhrer. 51r. Ml» 47. 3 motivtypen von 210 auf 130. Heute braucht man pro Lokomotive nur noch 20 Tag« jährlich Reparatur, 1013 waren es noib 110 Tage. Dos Konto Reparaturen sank um SO Millionen Mark jährlich. VSnnersee.kraftwerk. Schmeden will am Ausgang des Banner» sees ldes zwellgrößten europäischen Sees) ein Kraftwerk einrichten. Der See hat S500 Quadratkilometer und fein Einzugsgebiet ist so trotz wie die ganze Schweiz, über 40 000 Quadratkilometer. Ein Staudamm wird errichtet, der erste Ausbau soll klein sein, die gesamte mögliche Arbell aber soll 10 Milliarden Kilowattstunden bettagen, die zu einem unwohrscheinNch billigen Preis abgegeben werden können. öeSchlechis-ffieeinfiufiung In Kriegszeiten und bei Hungersnöten hat man wiederHoll die Beobachtung gemacht, daß sich unter den Neugeborenen ein lieber- fchuß an Knaben fand, so daß man schließen muhte, daß eine karge Ernährung die Aussicht, Knaben zur Welt zu bringen, erhöht. Biel» leicht hängt hiermit auch der in gutsituierten Kreisen, die ja vielfach einer üppigen Lebensweise huldigen, so beklagte Umstand zusammen, daß gerade dort oft ausschließlich Mädchen geboren werden, und man in großen weitverzweigten Familien mitunter keinen einzigen Knaben begegnet.. Daß solche Beeinflussungen des Geschlechts durch die Lebens-, weis« tatsächlich vorkommen, dafür sprechen manche Beobachtungen- die wir in der Rawr anstellen können. Die Stabheuschrecken z. B.» jene wunderlichen Tiere, die in ihrer äußeren Form einem vor- dorrten Vaumzweig täuschend nachahmen, haben die in der Insekten« well nicht ungewöhnliche Eigentümlichkeit, sich durch Jungfern- zcugung zu vermehren: ein Weibchen legt, ohne begattet zu werden. Eier, aus denen sich ebenfalls Weibchen entwickeln, und so geht es fort von Generation zu Generation, ohne daß ein Männchen zur Welt kommt. Verschlechten! sich aber nun für diese Lebewesen die Lebens� bedingungen, werden sie unterernährt oder bei niedriger, für chr Wohlbesinden ungünstiger Temperatur gehal�n, so werden auch Männchen gezeugt, die dann zur Fortpflanzung herangezogen werden. Die so auf geschlechtlichem Wege erzeugten Heuschrecken haben eine größere Widerstandskraft gegen ungünstig« Lebens- bedingungen als die durch Jungfernzeugung geborenen Von noch weit größerem Interesse sind für uns naturgemäß! die Beobachtungen an Säugetieren. In Züchtcrkreisen ist bekannt, daß ein früher Deckakt möglichst bald nach der Brunst überwiegend weiblich« Junge erzielt. Andererseits hat man durch Mkoholi- sierung der Valerticre bei weißen Mäusen ein« wesentliche Erhöhung der männlichen Nachkommenschaft erzielen können. Es l>edarf wohl kaum besonderer Erwähnung, daß diese Methode, ins Mensch- liche übertragen, durchaus abwegig wäre, da wir ja wisien, welch schwere Schädigungen der Alkohol für die Oiachkommenschaft mit sich bringen kann. Auch die Reizbestrahlung des Eierstocks zum gleichen Zweck ist durchaus abzulehnen, ja es kann gar nicht genug auf die Gefahren der Röntgenbestrahlung von Frauen im gebärfähigen Alter hingewiesen werden. Auf einem ganz anderen, unschädlichen Weg« ist es nun kürzlich einem Königsberger Gynäkologen, Prof. Unterberger gelungen, das Geschlecht zu beeinflussen. Aus der Tiermedizin war ihm bekannt. daß man bei Kühen sehr oft wegen Sterilllät Spülungen mll doppelt- kohlensaurem Natron anwendet. Er kam nun auf den Gedanken, auch bei Frauen, die seine Hilfe wegen Unfruchtbarkeit in Anspruch nahmen, selche Spülungen zu verordnen.— mit dem Erfolg, daß überall die ersehnt« Schwangerschaft sehr bald«iillrot und überdies: die Kinder waren ausnahmslos— in nunmehr 53 Fällen— t Knaben? Ob sich die Methode Unterberger? weiterhin bestätigen wftv. bleibt abzuwarten. Der Weg aber ist einmal, beschrltten,— die Frage der Geschl«cht?beeinflufsung liegt in der Luft. Dr. L.H Qeheimnis der Ton Willy£ey Jede Wissenschaft hat in ihrem Sprachschatz ein bedauerndes Wort. Es heißt:„Zu spät." Zu spät, irgendein« Frage zu lösen. die man, wäre man auch nur um ein weniges früher dagewesen, noch hätte lösen tönneu. So klagen die Zoologen, daß sie zu spät nach Südamerika gelommen sind, um das lebende Riesenfaultier zu sehen, zu spät Madagaskar und Somoa erforscht haben, um die Ricsensttauße zu studieren, zu' spät nach Australien, für die Riesen- beutelliere nämlick). Nirgends aber hat dieses„zu spät" so tragische, so lleinlich« und so groteske Formen angenommen, wie bei einem wirklich wichtigen philologischen Problem, der Erforschung der Osterinsel und speziell ihrer sonderbaren Schrift. Di« Osterinsel, von der es vor einigen Iahren schon einmal fälschlich hieß, daß sie untergegangen sei in den unermeßlichen Fluten des Stillen Ozeans, liegt weltverloren für sich ollein. 4000 Kilometer vom südamerikanischen Festland« entfernt. Van einer gemischt pdlyncsijch-melanesischen Bevölkerung bewohnt, hat sie es PI einer(jetzt allerdings verfallenen) hohen und eigenartigen Kultur gebracht, die sich in kyklopischen Steinbaulen und Lavatuft« siguren austobte. Noch jetzt sind alle Rätsel der Osterinsel nicht entschleiert, wohl wissen wir genug, um gcwistc schaniostisch« Hypothesen zu widerlegen, in denen behauptet wird, daß es einst- mols einen großen Kontinent im Stillen Ozean gegeben habe,— aber es ist noch nicht jo viel, wie wir gern wissen möchten. Und das liegt hier on dem„zu spät'. Als man die Osterinsel entdeckt«, es war am Ostertage des Jahres 1722 unter dem Kapitän Jacob Roggeween von der Holländisch-Westindischen Kompanie, war« e? gerade noch Zeit gewesen, sich um die Osterinselgeschichte.zu kümmern Der alte Kultus lebte noch, aber die ersten Besucher hatten lediglich den Auftrag, si6> darum z» kümmern, ob sich dort Geschäfte machen ließen. Das mar nicht der Fall, also lieh man die Insel sein. Erst im Jahre 1770 erfolgte der nächste, diesmal spanische Besuch, inzwischen aber waren mörderische Stammes- kämpfe ausgetragen worden, die di« ursprünglich wohl 20000 Köpfe stark« Bevölkerung zur guten Holste vernichtet hatten. Und auch die Spanier kümmerten sich nicht sonderlich um die Geheimnisse der alten boder-lländigen Kultur, noch weniger Kapitän Cook, der vier Jahre spoter skorbuikrank dort Zuflucht suchte. Hinterher kameil dann vereinzelt Foncher hin, aber sie kamen zu spät, denn vorher waren einige Missionare dagewesen, von der ungebildeten Sorte, die nur»ivderreistt, was sie vorfindet und nur Trümmerhausen hinterläßt, vor denen der Forscher dann klagend stehen kann. Der erste Missionar,«in Frater Eycaud, war auch der erste Weiße, der die hölzernen Schrefttaseln mit den Osterinsel- Hieroglyphen zu sehen bekam. Kaum der Sprache der Insel mächlig, ließ er sich einiges aus den„Kohcu rongo-rongo", den„sprechenden Hölzern", noriragen und bestimmte dann, si« sind heidnisch und zu vernichten! Sein Einfluß war auch tatsächlich so groß, daß die alten heiligen Tafeln mit ihrem unschätzbaren Inholt in» tjciier wanderten, nur einige wurden versteckt und so erkalten, weil sie aus Holz waren, das auf der Osterinsel tat ist. grater Eyroud hatte auch behauptet, daß es niemand mehr gäbe, der die Tafeln lesen könne, das war jaljch, Urs 1860 Qo kurze Zeit ist das erst her) bildeten die Rongo-rangv-Fest« nach den Höhepunkt des kultischen Lebens auf der Insel. Der Vorgesetzte des vernichttingswütigcn Missionars, den Bischaf Tepano Jaussen von Tahiti, unternahm selbst«inen Versuch. zu retten, was zu retten war. Er besaß einige der Tafeln mll der Hieroglyphenschrist und erfuhr, daß einer der 200 Osterinsulaner, die unter geislllcher Führung nach Tahiti ausgewandert waren, ein Rongo-rongo-Mann sein sollte. Jaussen lud den Rongo-ronga-Manni Metoro Taouaour« zu sich und gab ihm die Hotztafeln in die Hand. die er auch fließend vorlesen konnte. Jaussen ließ alles aufschreiben. trennte di« Wart« durch Striche, so daß immer«ine Wortgruppe einer Hieroglyphe entsprach und stellte fest, daß für dieselben Worte auch immer dieselben Zeichen standen. Außerdem gab Metoro auf Wunsch die Bedeutung jedes Einzelsymbols an, so daß Jaussen ein Lexikon von etwa 500 Osterinselhicroglyphen zusammenbekam. Ein großer Schlag schien so geglückt, dem einen der beiden letzton Rongo« rongo-Mönner das Geheimnis entlockt.?lbsr als man an die Uebersetzung ging, zeigt« sich die Tücke de» Objekte?: die Worte Metoros waren nur zusammenhanglose Worte. Namen usw. gewesen, ahne jeden Zusammenhang und ohne jeden Sinn. Offenbar' hatte Metoro wohl richtig vorgelesen, an di« Wort« aber hatten sich destimmte Gedankenverbindungen und Zusammenhänge geknüpft, di« den Sinn erst ergaben, und die hatte man mcht erfahren. E? nachzuholen, mar zu spät. Zlber noch lebte ja der andere Rongo-rongo-Mann, ein Greis. auf der Osterinsel, Ein amerikanischer Forscher, im Vrotberuf Zahlmeister eines amerikanischen Änegsschifses, nahm sich bei günstiger G«legenl>eit den Alten vor. Ebensalls erjalglos, der Alls weigert« sich hartnäckig, die sündigen Hölzer auch nur anzusehen, das könnte er als alter Mann, der bald sterben werde und in den Himmel kommen walle, nicht mehr riskieren. Nun entgeht man aber leichter dem Teutel als einem wißbegierigen Forscher, be- sonders, wenn der noch ein Amerikaner ist. Zahlmeister Thomson kannte aus dem Dienst ein probates Mittel. In einer regnerischen Nacht holte er mit Hilfe eines Dolmetschers den Allen aus den, Bette, gab ihm Geld und vor ollem Alkohol und bat ihn. alte Uckerlieferungen zu erzählen. Nachdem das eine Weile geschehen war, rückte Thomson noch mehr Alkohol und di« Photographien der tabitianischen Rongo- rongo- Tafeln heraus. Cr schien auch Glück zn bgben. durch den Altohol und durch das Argument, daß die Sünde nur am Holze, nicht aber an der Popiernachbildung klebe, überzeugt, sing der Alle an zu lesen. Jetzt aber war es umgekehrt, wie in Tahiti: die Texte hatten Sinn und waren auch hochinteressant. paßten aber gar nicht zu den Schriftfymbolen,— der all« Rongo- rongo-Mann las nämlich so gut wie gar nicht, sondern rezitierte aus dem Gedächtnis den Inhalt der in der Jugend auswendig gelernten Tafeln. Di« Bedeutung einzelner Symbole wußte et nicht mehr,-- es war zu spät. In den ethnographischen Sammlungen Europas und Amerikas gibt es insgesamt etwa 20 Hrlztafeln mit der Osterinselschrrst. Don drei oder vier Tafeln haben wir durch den Alten di« Bedeutung, von einigen anderen durch den Öfter- inselmann von Tahiti den wörtlichen Inhalt. Weller sind wir nicht gekommen,«s war zu spät, die Zell mtd in diesem Falle die Mission Kalle zu sehr ihr Werk getan. Ctaftnbungtn fit biete Rubrik sind •« t Ii a SB CS. Lwdtnstraßr 3. parieinachnchten vSm für Groß-Berlin stet, an da, B«>lrk»Irktttarisfelde um 1714 llhr. 13».«bt. Tegel Freitag. 23, August. 20 Uhr, wichtige Funktionarinnenfißung im Jugendheim Schöneberger Straße. Vezirksausschuh für Arveikerwohlsahrt. 3. 5dreie Weddiag. Fachgruppe für soziale Gerichtshilfe. Heute, Freitag, 22. August, IS'� Uhr, im Restaurant Stein, Pankftr. 80, Sitzung. Tages. ordnung: 1. Wahl!>es Schriftführers. 2. Arbeitsbesprechung. 3. Besicht:. gungen und Kurse. 4. Verschiedenes. Erscheinen aller Mitglieder der Fach- gruppe ist dringend erforderlich. Gleichzeitig wird nochmals an die Ab- recknung der Arbeiterwohlfahrtshefte und-märten und an die Ebert-Voft- karten erinnert. Zuagsozialistifche Vereinigung. Gruppe SchSneberg. Achtung! Heute, Freitag, 20 Uhr. im Jugendheim Hauptstr. Ib. Schwabenlandzimmer, Heilungen» und Zeitschristenschau. Die jüngeren Parteigenossen und ällere SAI. find herzlich dazu eingeladen. Gruppe Reinickendorf. Sonntag, 24. August. Fahrt nach Mühlenbeck. Treff- Punkt 1% Uhr Bahnhof Reinickendorf-Rolenthal. Nachtfahrt fällt aus. Rad- fahrer tröffen fich um 814 Uhr am Bahnhof Mühlendeck. Gruppe Süden, Acute, 2» Uhr, im Jugendheim Porckstr. 11. Zimmer 8, Fortsetzung der Diskussion über Indien. Gäste willkommen.�.Rote Reihe." Morgen, Sonnabend, 18 Uhr, Probe im Jugendheim Porckstr. 11. Gruppe Wedding-Gesundbrunne». Heute, Freitag, 22. August, 20 Uhr, in der weltlichen Schule, Pank- Ecke Wiesenstraße, Zimmer 12. Bortrag:.Die Internationale und ihre Aufgaben" Referentin: Genossin Dora Fabian. Gruppe Südost. Jugendheim Wrangelstr. 128. Heute spricht Genossin Marie Thorhorst über:.Der religillse Sozialismus". Interessierte Genossen sind als Gäste willkommen. Wir fangen pünktlich um Ä Uhr an. eex jetzt tagti- in der Schuw 7. Qtpbtotbtt, Arbettsgemeinfchaft der Sinderfreunde. Kreis»euksln. Gruppe Fritz Reuter. Alle Falken komme» mäßig Montag» und Freitag» von V bis 19 Uhr zufan Parchimer Alke.— Helferkreis. Zu einer Dampferfahrt veranstaltet von der SAI.. find am Montag in der Arbeit.—---z.-=.- Ptcife von 2 M. zu haben. Am Sonnabend und Sonntag lft Helterfaprr. Treffpunkt 1C14 Uhr am Bahnhof Reukölln. «reis Friedrichshai». Zur Fahrt nach Ravenstein Mühle bei Friedrich». Hagen treffen fich die Gruppen am Sonntag, dem 24. August, wie folgt: Gruppe Landsberger Platz um 7-4 Uhr F-Iienecke: Gruppe Paul cingn um 714 Uhr Küftrinec Platz lZi-rmaluhr): Gruppe Rodert Blim, um-4 llhr mr Jugendheim Litauer Straße. Die Gruppen sind um 8 Uhr am Schlefischen Bahnhof(Eingang Madaistraße) Kosten für Role FaSen und Zungf«»«» 20 Pf.: für Nestfalien 10 Pf. Ende der Fahrt 20 Uhr. Heute, Frertwg. haben die Gruppen Frankfurter Viertel und Landsberger Watz Faltenvoll- Versammlung in ihren Jugendheimen. Zeder«ts�i��nktlich� M« in seiner Gruppe. Montag, 2S. August, übt btc Kretmnufiigruppe �von 18 bis 2014 Uhr im Jugendheim Dieftelmeverstraße. Alle Spieler erscheinen pünktlich. Kreis»reuzberg. Gruppe Dergmonnstraße. Alle JungfaSen und Roten Falken treffen fich Sonntag. 714 Uhr, Rote Ecke, zur Fahrt. CO Pf. und Trink. becher mitbringen. Geburtstage. Jubiläen usw. 1». Kreis Pankow. Unserem Genosse« Adolf tee»-»«»ud ki»«»attt°. «enlirckstr. 55, Heiaersdorf. zur heutige» Silberhochzeit die herzlichste» Glückwünsche.__ Sport. Hennen zu Hoppegarlen am Donnerstag, dem 2t. August. 1 Rennen. 1. Dominilaner(H. Schmidtj, L. Cletnalis. 3. Heidekinigin. Toto- 37:10. Platz: 15. 2«. 17: 10. fterner fielen: Sonnenglaube. HonestuS, Chinajeuer. Preisfahrt, Hochwald, H-uchlir, Rittersturz, Heldra. Prachl 2. R e n n e n. 1.(Seranium(Printen), 2. Freiweg II, 3.(Sero. Toto: 39: 10. Platz: 11,10:10. Ferner lief: Vernlin. S. R e n n« n. 1. Vioat(Bi-dermann). 2. Fatime, 3. Helmbulch. Toto: 381: 10. Platz: 67, 55, 20: 10. Ferner fiesen: Mangrove, Roderich. Musketier, SilviuS. Patriarch, Radetzfi. Herzog Wilhelm. Versöhnung. Ast'. Judith. 4. Renne iu 1. Verena(M. Schmidt). 2. Präfect, 3. Lateran. Toto: 55: 10. Platz: 14, 11:10. Ferner liefen: Araber, Stromschnelle. 5. R e n n e n. 1. An der Wien(Zehmisch), 2. Teutfche. 3. Priester. Toto: 49:10. Platz: 20, 17, 38:10. Ferner liefen: Elaß, Thesen», Trochäe, Haarslocke. 6. R e n n e n. 1. Scapos(Pretzner), 2. Jsola. 3. Jnttmus. Tot« 37:10. Platz: 16, 22,28: 10. Ferner liefen: Wallis, Tinroretto. Maravedi», Malatefla, Amönenwarte. 7. R e n n e n. 1. Hella X(Bleuler). 2. Pintole, 8. Felsen. Toto: 64:10. Platz: 21, 19, 35:10. Ferner liefen: Steinfeld, Rtnneklang. Bannerträger, Karodame, Redekunst, PatraZ, Hulda. mmint Firma, wenn Sie tut und billig kaufen vollen Sonder-Angebotl 29 er Nlersteincr, Oppenheimer und I.__ Liebfraumilch, guter Tafelwein Echter Italienischer Vino Vermouth.,,-/, Fl. 1.20 21 er roter Bordeaux„Chat, la Rose"... Echter Ungarwein, süß......... Echter süßer w. Bordeaux ,>27 er Graves" FI. 1.20 i/, Fl. 1.35 Vi FL 1.SO nur . Liter von 0.7S «MM 1.10 1.00 1.66 3.76 3.30 3.30 6. SO 2.60 Echte feinste süße Obstweine... 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Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus fede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewwu, gesalleu, und zwar je einer aus vi» Los« gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 11. Ziehungslag LI. August 1930 La der heutigen Vvrmlttogsziehung wurden Gewinn« über ISO Nt. gezogen 4 Gswixns ,» soso M. 1 641 59 396909 10 Gewinn« ,n 3000 M. 143992 154774 27025Z 291654 340196 . 14»«winn« ,u 2000 W. 4230 66406 1 25293>69796 267538 286657 830419 36»«toiim« m 1000 OT. 2126 69522 72957 73668 84406 112014 112637 117367 122774 137984 200797 S17I6I 236966 267091 334641 834774 381 136 389421 104»«winn. ,» 600 M. 464 7760 81 39 12365 26782 95969 38471 62714 70371 76946 78906 85282 87188 87288 88732 92631 94004 102277 107376 109928 110496 122694 123143 143116 149922 179840 186768 189729 209066 214118 219457 224112 245463 245844 262286 963121 264394 269124 282066 293758 308252 333187 346417 346453 660462 372240 379596 381075 393626 395737 397806 397931 La der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinn« über ISO M. gezogen 8 Gewinn« in 3000 HL 66576 201003 227342 283979 M Je6. 26.00 M. 84698 116270 134877 166000 193798 458915 358589 384323 28»«winn, I» 1 000 M. 21213 21338 34134 62033 92814 101105 954008 994665 302510 310918 324620 336858 368796 380538 72»«winn, ,» 500 HL 9865 18615 21827 39753 49331 58124 69319 «0010 62805 85110 89234 89728 98953 11 6935 140036 166019 166115 170970 187629 193153 199356 199696 213272 250278 267115 972911 274610 293172 306948 317185 341496 369860 378218 392047 393281 394647 Zm Gewinnrade verblieben! 2 Prämien zu je 600000, 2 Gewinn«»u|( 600000, 8 zu f, 100000, 2 zu je 76000. 2 zu ,» 50000, 8 zu(« 26000, 66 zu je 10000, l(« zu se 6000, 264 zu se 8000. 608 zu je 2010, 1300 zu je 1000, 2310 zu je 600, 7408 zu Trauringe ,*ark«„RibO"«•». Besch.) bürgt für Feingehalt ond Gewicht. Dentsnuand» grüßte soswahl n Fugenlos aus einem Stock gearbeitet M Alle Ringe tertig zum Mitnehmen 1| I 1 Ring 3 Ilukat 0.985- 10.5 Gr. 47.25 1 Ring 2V,. 0.985- a7Gr. 39.15 1 Ring 2. 0.986- 7 Gr. 31.5» 1 Hing 0.900 1 Ring 0900 1 Ring 0.900 1 Ring 0.900 1 Ring 0.900 1 Rltg 0.583 1 Ring 0.385 1 Ring ObäS 1 Ring 0.833 1 Ring 0.333 1 Ring 0it33 10b Gramm 44.- 8.7 Gramm 34.50 7 Gramm ÄS.— 5.2 Gramm 80.51 83 Gramm 14.— 6 Gramm 15.— Gramm 1«.— Gramm ö.— Gramm 10.— Gramm£.— Giamm 4 8 6 4 8 Ringe 0.585 mit Anßensehrlft„Dn bist mein",„Mit Willen Dein Eigen", .-— 30,- ersand n. eoüerb. Preisiiste gratis. ose u. Myrte" usw. v. SO. Mit 1 882 SdiomiaBser AUee 45 direkt Hoehbahnstatlon Danziger Sir. Finale; Landsherger AUce 41 Reichshank- Giro- Konto. Bank Fdddrais, La Chaux de Fonds. Tel.-Adr.; GoldonkeL TnL: Vineta 1344 KLEINE ANZII6EN MtiWgitßn. Fittsainidiei Wut 25 Ff. (iiihsij 2 fihgrircdrts lortr).- SWIuiSBudn das 1. 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