BERLIN Sonnabend 23. August 1930 erfcheiuttSgNch außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe de«.Borwärt«'. Bezugspreis beide Ausgaben SSPf. pro Woche. 3,60®. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSWöS.Lindcnstr.Z rMjtuhxsfa 10 Pf. Nr. 394 B 196 47. Jahrgang Anzeigeapreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf.. Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Vcrlag G. m. b. H., Berlin Nr.Z7S36. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis so? Nazis in Potsdamer Reichswehr Soldaten der Nachrichtenabteilung machen SA.-Llebungen mit Wie wir von bestunlmichteter Seile erfahren, bestehen innerhalb der Potsdamer Reichswehrgarnifon nationalsozialistische Zellen. So ist der Führer des Zagd wagen» des Slondortälteslen von Potsdam eingeschriebenes ZNilglied der IlSDAP. Auch die Nach. richtenabteilung von Potsdam unterhält enge Beziehungen zur Hille rparlel. An den Abend- und Nachtmärschen der SA.> Abteilung Potsdam haben 14 Angehörige der b. Kompagnie des Infanterieregiments IX. teilgenommen, darunter auch ein Soldat, der iu nationalsozialistischen Kreisen den Spitznamen..General Heinrich" trägt. Die nationalsozialistischen Reich» wehrmitglieder nehmen an diesen Märschen in SA.- Kleidung mit Reichs» wehrmönteln teil. Ihre Uniform verbergen sie in der Zwischen. zeit unter einem Chaiselongue in dem früheren Gasthaus Richter am Alten Markt, einer Nazi-Sneipe. Auch mit dem Stahlhelm unterhält die Potsdamer Reich». wehr enge Veziehungen. So hol der Reichswehrmusiker Ziegenhagen an einer Stahlhelmkundgebung in Hamburg als Tambour- Major.nitgewirkt. Die ReichswehrangehSrigen werden ähnlich wie die Reamlen, denen die Zugehörigkeit zur NSDAP, untersag« ist. mit falschen Namen in den Ortsgruppenlisten, oder als Einzelmitglieder bei der Reichsparteileitung geführt. Gchreckenskind ohne Ende. TreviranuS redet... Hamburg, 23. August. In einer Wählervcrsammlunz der Konservativen Dolkspartei sprach am Freitagabend Reichsminister Treviranus. Unter den Versammlungsteilnehmern befanden sich auch viel« National- s o z i a l i st e n, die den Verlauf der Versammlung so erheblich störten, daß der erste Redner seine Rede vorzeitig ab- brechen mutzte. Dem zweiten Redner, Lambach, gelang es dagegen, sich besser Gehör zu verschaffen. Er gab seiner Ueber- zeugung Ausdruck, daß mit Männern, die durch Fraktionsbeschlüsse gebunden und parteiabhängig seien, eine fruchtbringende Arbeit nicht geleistet werden könne. In den nächsten Jahren müsie ohne die Sozialdemokraten regiert werden. Reichsminister Treviranus führte aus, dah Deutschland nicht genesen werde, wenn man an Parteiprogrammen klebe. Das Ziel müsse sein, zur nationalen Einheit zu kommen. Er behandelte dann die instenpolitische Lage, die schließlich zur Reichstagsauslösung führte, und betonte, datz das vom Reichspräsidenten von hindenburg begonnene Reformwerk weiter ausgebaut werden würde. Wenn das Haus brenne, könne man nicht darüber streiten, wie in dem Hause die Kammerverteilung sein solle. Es müsse eine Basis gefunden werden, auf der die gesamte Volkswirtschaft sich ausgleichen könne, hierbei könnten sozialistische Gedanken nicht geduldet werden, weil das ein Ende mit Schrecken bedeuten würde. Herr Treviranus hat kürzlich einen Wahlaufruf unterschrieben, in dem das Machwerk der Brüning-Regierung als„hin den- burg-Programm" bezeichnet war. Cr hat sich amtlich be- stätigen lassen müssen, datz diese Firmenänderung unzulässig war. Was tut er nun? Er fährt nach Hamburg und redet weiter vom hindenburg-Programm!„Der Staat, das bin ich!" sagte Ludwig XIV.„hindenburg, das bin ich!" denkt Treviranus. Dieser berühmte Sprechminister der Regierung Brüning will„sozialistische Gedanken nicht dulden�. Wer weiß, wie lange das Volk ihn dulden wird!? In der Hakenkreuzfeste. Hermann Müller in Coburg. Coburg. 23. August.(Eigenbericht.) In Coburg hielt am Freitag abend die Sozialdemokratisch« Partei die erste öfsenkliche Wähleroersommlung mit Hermann Müller als Redner ab Der große Feftsaak der Hosbräu-Gaststätten war überfüllt. Müller wurde begeistert begrüßt. Seine �Ausführungen wurden von der Riefenoersammlung mit atemloser«pannung ent- gegengenommen. Die Versammlung � oerlief, da die National- sozialisten ausgeschlossen waren, in vollster Ruhe� Nur ein kommunistischer Redner versuchte vergeblich, mit dem Ablesen aus kmnmu- nistischen Flugblättern Eindruck zu schinden. Vor der Versammlung fand ein starker Propaganda. umzug stall, den die h a k« n k r e uz l e r aus dem Marktplatz zu sprengen oersuchten. Mit Stöcken bewaffnete Izaken- lreuzler drangen aus die im Auge marschierenden Frauen und Jugendlichen ein und versuchten sie aus dem Auge zu reißen. Es kam zu einem schweren Handgemenge, in dessen Verlauf die hakenkreuzler durch die energisch zugreifenden Rcichsbannerkamcraden gründlich zurechtgewiesen wurden. Scharfe Schöffe in Bunzlau. Drei Tote und acht Verwundete. Runzlau, 22. August. Gestern abend fand hier eine von den Nationalsozialisten ein- berufeiK Versammlung statt. Die Polizei hatte hierzu umfangreiche Abspemingsrnoßnahmen getroffen. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit Kommu» n i st e n, die die umliegenden Straßen besetzt hielten. Eine ein- gesetzte Motorspritze wurde von den Kommunisten schwer bedrängt. Das Personal wurde angegriffen und die Schläuche in den Odeonteich geworfen. Die aus Görlitz angeforderte Schutz- Polizei traf wegen einer Autopann« verspätet ein. Als der Kriminal- assistent Welcher einen Kommunistenführer, der fortwährend zum Angriff aufhetzte, festnehmen wollte, wurde er mit einem Sternwurf zu Boden gestreckt. Die Polizei eröffnete dar- aus das Feuer. Durch die Schüsse wurden drei Personen getötet und acht verletzt. Die drei Toten sind zwei Arbeiter und ein Schneider- meister.__ politische Zeitungsstände verboten. Dresden, 23. August. Das Polizeipräsidium hat sich, wie amtlich mitgeteilt wird, ge- nötigt gesehen, zur Ausrechterhaltung der öffentlichen Ordnuno die unter Vorbehalt des Widerrufs erteilte Genehmigung zum Aufstellen von Zeitungs- und Werbeständen zurückzuziehen. Die betreffenden politischen Parteien sind aufgefordert worden, ihre Zeitungs- und Werbestände bis heute mittag zu e n t f e r n« n. Die Polizeibehörde hat sich zu diesem Verbot veranlaßt gesehen, weil in den letzten Tagen an einzelnen Zeitungs- und Werbeständen politischer Parteien Zusammenrottungen ernster Art stattgefunden haben. Calonder tritt zurück. Gens, 23. August. Der Präsident der gemischten deutsch-polnischen Schiedskommis- sion in Oberschlesien, Felix C a l o n d e r, hat in einem Schreiben an den Generalsekretär des Völkerbundes seinen Rücktritt mitgeteilt. Er bleibt vertragsmäßig bis Juli 1931 im Amt. In dem Schreiben wird der Rücktritt mit Familienverhältnissen begründet. Präsident Calonder hat sein Amt seit 1922 inne. Befriedigung in Ooorn „Wenn der Treviranus so fortfährt, mit seinen Beden Anstoß zu erregen, wird er M3EH fast ersehen können." Stegerwald lehnt polen ab. Keine neuen polnischen Arbeiter für Großagrarier. Die Forderung der ostpreußischen Landwirlschasl auf Zulassung von ZOOO polnischen Wanderarbeitern zur Kartoffel- ernte hatte in der deutschen Oefsentlichkeit einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Wie jetzt von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist die Zulassung dieses Kontingentes polnischer Erntearbeiter vom Reichsarbeil». Ministerium verweigert worden. Der erfundene Brief. Aus der kommunistischen Fälscherwerkstatt. Die„Rote Fahne" hat mit untauglichen Mitteln versucht, den „Vorwärts" der Fälschung zu bezichtigen. Wir werden jetzt an einem sehr markanten Fall nachwei-fcn, wie die k o m m u n i st i s ch e Presse sich in unanständiger Weis« des Mittels der Fälschung bedient, wie sie nicht davor zurückschreckt, einen ganzen Pries eines sozialdemokratischen Abgeordneten von Ansang bis Ende zu erfinden. Das„Echo des Ostens", Organ der KPD. für Ostpreußen, vcrant- wortticher Redakteur Reichstagsabgeordneter Schneller, hat am 15. August 1930(Nr. 189) folgenden Brief abgedruckt, den Genosse Landtagsabgeordneter Erich Kuttner angeblich an ein Königsberger sozialdemokratisches Parteimitglied gc- schrieben haben soll, das wegen einer Prügelei mit dem Stahlhelm (so wird behauptet) sechs Monate Gefängnis erhalten und sich aus dem Gerichtsgefängnis Königsberg lzeraus an Kuttner als Mit- glied des Rechtsausschuffcs gewandt hatte. Der Brief, wie ihn das kommunistische Parteiblatt abdruckt, lautet: An Berlin. 11. März 1930. den Genosien D... Königsberg. Deinen Brief vom 8. erhalten, kann ich das leider nicht so machen, wie Du denkst: deim nach Befragen soll es dort(im Königsberger Gefängnis. D. Red.) nicht schlecht sein. Auch dort ist ein moderner Strafvollzug. Dann ist es doch auch nicht unsere Schuld, daß Du dort bist. Warum läßt Du Dich mit radikalen Rowdys ein? Sei doch ein überzeugter Ardeiter auf dem Boden der Verfassung. Was Du an sonstigen Uebclständen schreibst, kann so schnell nicht geändert werden, denn es ist kein Geld da, und nächstens wird erst über den Iustizetat beraten. Man darf nicht gleich mit dem Knüppel arbeiten: ruhig, sachlich auf dem Grunde der Verfassung müssen wir arbeiten. Dann, was dos Exerzieren betrifft, so wird«s gut sein, denn wenn Ihr den ganzen Tag sitzt, ist dies doch zur Bewegung und Verdauung gut. Darum gedulde Dich bis zur Entlassung. Beobachte und bleibe ruhig. Mit Parteigruß gez.: Kuttner. Dieser Brief ist von A bis Z erfunden. Wer Kuttner als Partei- fchriftsteller kennt, dem wird schon ohne weiteres einleuchten, daß dieses ungelenke und falsche Deutsch nicht von ihm her- rühren kann. Außerdem redet Genosse Kuttner, der als Mitglied des Rechtsausschusses eine fehr umfangreiche Korrespondenz mit Straf- anstaltsinsassen hat, aus grundsätzlichen Erwägungen heraus Straf- gefangene stets mit„Sie" und„Sehr geehrter Herr" an. Schon Hievaus ergibt sich die Fälschung. Wir sind aber in der Lage, sie nach näher aufzuklären. Am 8. März 1930 erhielt Genosse Kuttner ein längeres Schreiben von einem im Gerichtsgefängnis Königsberg sitzenden Georg D ö r s a m, der sich als Parteimitglied bezeichnete und bc- hauptet«,„wegen des Stohlhelmtages" mit sechs Monaten Gc- f ä n g n i s bestraft zu sein. Dörsam hatte schon früher in einer Ein- gabesache Königsmcmn, in der Kuttncr Berichterstatter beim Rechtsausschuß war, an Kuttner geschrieben. Da sich alle Angaben Dörsams in der Sache Königsmann als falsch erwiesen hatten, so hatte Kuttner von Ansang an erhebliches Mißtrauen gegen den Briefschreiber. Verschiedene schwülstige Wendungen des Schreibens ließen Kuttner auch daran zweifeln, ob Dörsam wirNich langjähriges Parteimitglied fei, wie er behauptete und ob er aus politischen Gründen im Gefängnis sitze. Kuttner erkundigte sich bei führenden ostpreußischen Parteigenossen nach Dörsam und— sikhe da— niemand wußte»o n ihm, niemand kannte ihn, niemand hatte von einer politischen Be- strafung des Dörsams gehört. Daraus schrieb Kuttner an Dörsam folgenden echten Vries:' 14. März 1930. Herrn Georg Dorsam, Königsberg(Pr.), Berneckerstr. 2— 1. (Adresse des Gerichtsgefängnifses. D. Red.) Sehr geehrter Herr! Ihr Name ist mir bisher mir durch die Angelegenheit K ö n i g s m a n n bekannt, die sich bei Prüfung im Rechtsausschuß als gänzlich haltlos erwiesen hat. Meine Erkundigungen über Ihre Person bei bekannten ostpreußischen und Königsberger Genossen sind leider vollständig negativ ausgefallen. Ehe ich mich mit Ihnen in weiteren Schriftverkehr einlasse, wird es notwendig fein, daß Sie sich über Ihre Person genauer legitimieren als das bisher geschehen ist. y. Hochachtungsvoll gez. Kuttner. Kultner hat also den Schwindler Dörsam durchaus nicht mit der plumpen Vertraulichkeit des gefälschten Briefes, sondern mit einem sehr berechtigt en kühlen Mißtrauen behandelt. Nun werden die Kommunisten vielleicht einwenden: wer beweist uns, daß tatsächlich der zweit« Brief echt und der erste gefälscht ist; warum kann es nicht allch umgekehrt sein? Nun: Herr Dörsam selber beweist es! Der Schwindler Dörfam litt, als er mit der kommunistischen Redaktion sein Fälscherstück ausheckte, wie viele Schwindler an schlechtem Gedächtnis! Er hatte oergesten, daß er auf ffuttners Brief noch« i n m a l geantwortet hatte und daß diese seine Rückantwort sich nur auf den echten Brief, aber nie und nimmer aus den gcsälschlen beziehen läßt. Das Antwortschreiben Dörsam, dessen Original uns vorliegt, lautet nämlich: Braunsberg, 23. März 1930. Herrn Landtagsabgeordneten Kuttner, B.erlin. Sehr geehrter Herr! Schreiben vom 1 4. d. M. erhalten, und verstanden!!! Zu 1. Ich(soll wohl weißen:„in' Red.) Sachen Königs- mann, war ich nur soweit orientiert, wie ich Ihnen mitteilte. Zu 2. Glaube ich gerne, werde Sie ober darüber aufklären. Zu 3. Möchte Sie gleichzeilig, leider lassen es die jetzigen Ver- Hältnisse nicht zu. Nach meiner Entlassung werde ich jedoch meiner Heimat zureisen. Da ist damit Verlin berühre, werde ich Ihnen Aufklärung geben. Hochachtungsvoll Dörsam, zur Zeit Braunsberg. Teichstrah« 2. (Adresse der dortigen Strasanstalt.— Red.) Entlassung erfolgt am 7. Juli d. I. Jeder sieht, daß dies eine ganz genaue Antwort auf das echt» Schreiben, aber nie und nimmer eine Antwort auf das von dem Bolschewistenblatt gefälschte Schreiben ist! Kuttner hat nach diesem Schreiben nichts mehr von Dörsam gehört. Dieser Ehrenmann hat sich schwer gehütet, irgendwelche Aufklärung zu geben, die er nie hätte geben können, er hat sich auch nach seiner Entlassung aus der Strafanstalt, bei Kuttner nicht sehen lassen, sondern er ist zu dem Bolschewistenblatt gelaufen und hat mit diesem seinen F.älschercoup ausgeheckt. Es ist auch interessant, daß die Fälschung vom II. März datiert ist, während Dörsam in seiner Antwort ganz richtig das wirkliche Datum des Kuttnerfchen Schreibens, den 14. März, nennt. Ein weiterer. Beweis, wenn es dessen noch bedürste! Wenn aus dieser Sache etwas zu lernen ist, dann eins: wie ein Sozialdemokrat einem offensichtlichen Schwindler und Fälscher mit sicheren, Instinkt von sich abweist, während die kommunistische £ügnerbande ein solches Subjekt mit offenen Armen ausnimmt und gemeinsame Sache mit ihm macht. ftiefen-lleber- fchtvemmungen der Slbe '.Infolge der irttsufhfirlirhm Jtegengüffe ist im Siromgebiel der Vnlerelbe die Qegend Mio mefertreH überfrhtrrmmf. Sie angefammeUen Itaffermaffer find über die Sß&mme getreten und haben die triefen und Felder In Seen vemandeU Schöffe auf dem Bahnsteig. Polizeibeamter greist zur Waffe. Zu einem blutigen Zwischenfall kam es heute früh auf dem Bahnsteig der Station Adlershof. Ein Polizeibeamter des 233. Reviers wurde von mehreren Männern angefallen, dabei kam es zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf der Be- amte von seiner Schußwaffe Gebrauch machte und den Chauffeur Paul H o p p aus der Langhannsstraß« in Weißensee durch einen Brustschuß schwer verletzte. Der Schupowachtmeister fuhr gegen W Uhr früh zum Dienst. Im gleichen Abteil des Zuges saßen noch drei Männer, der später verletzte Hopp sowie dessen Bruder Max und ein Bau- arbeiter Ernst Glaser, der ebenfalls in Weißensee wohnt. Während der Fahrt war es zwischen den drei Männern und dem Polizisten zu einem Streit gekommen. Als der Beamte in Adlers- Hof den Zug verließ, folgten ihm die drei. Plötzlich sollen ste hinterrücks über den Wachtmeister hergefallen sein. Einer der Angreifer entriß ihm Koppel und Seitengewehr, es gelang dem Beamten aber, feine Dienstwaff« aus dem Futteral zu ziehen. Noch angesichts der entsicherten Pistole ver- suchten die drei den Beamten auf die Gleis« zu werfen. Jetzt gab der Schupo einen Schreckschuß ab, der aber nicht die erwartete Wirkung hatte. Schließlich feuert« er, als die Männer erbeut auf klin«indrongen, einen zweiten Schuß ab. der Hopp in die Brust traf. Erst durch das Hinzukommen anderer Polizeibeamter konnte dem blutigen Streit ein End« gemacht werden. Nach den Aussagen der bisher vernommenen Zeugen soll der Wachtmeister in höchster Notwehr gehandelt haben. Oer �eichsrichter als Redakteur. Vergleich im Prozeß Schwarzschild-Bewer. Das letzte Heft des„Tagebuch" enthält folgende Mitteilung: „Noch dem Tode des Reichsgerichtsrats Dr. Bewer haben der Herausgeber des„Tagebuch", Herr Leopold Schwarzschild, und der Senotspräsident am Reichsgericht, Dr. Reichert, sich dahin geeinigt, den zwischen ihnen schwebenden prozessualen Streit fallen zu lassen. Herr Dr. Reichert erklärt, daß er den Artikel Dr. Bewers vor der Veröffentlichung nicht gelesen hat, und daß er, wenn er ihn ge- lesen hätte, Vorsorge dafür getroffen haben würde, daß jede Wen- dung. die Herrn Schwarzschild hätte Anlaß gehen können, sich ge- kränkt zu fühlen, nicht zu Veröffentlichung gekommen wäre." Dr. Bewer. der Verfasser des Artikels in der von Reichert her- ausgegebenen Richterzeitung, hatte Schwarzschild einen„rechte- beugenden Literaten" genannt. In der ersten Instanz waren Bewer uttd Reichert wegen Beleidigung zu je 300 M. Geldstrafe verurteilt flMKden. Andrees Grab in der Eiswüste Bisher geteilte Meinungen der Polarkenner gangspunkt der Andreeschen Expedition, etwa 5�0 Kilometer ent- fcrnt. Der Ballon hat also«ine Nordostrichtung eingeschlagen. D«Z Projekt, den Nordpol mit einem Kugelballon zu erreichen, stammt von dem Franzosen Sivel, der schon 1872 genau ausgearbeitete Pläne darüber veröffentlichte, aber damit keinen Anklang finden konnte. Sivel fand bei einem am 15. April 1875 ausgeführten rein wissenschaftlichen Ballonausstieg mit dem bekannten Ballonführer Spinelli den Tod durch Ersticken in großer Höhe. Dies« Gedankengänge wurden von Andräe aufgenommen und ausgebaut. Salo- mon August Andree wurde am 18. Oktober 1854 zu Greuna in Schweden geboren, besuchte die technische Hochschule in Stockholm, arbeitete praktisch und war dann als Ingenieur tätig. Er war ein geschulter Ballonführer, der im Dienste der Wissenschaft namhafte Flüge ausgeführt hatte, so u. a. über die Ostsee nach Fimiland und Gotland. Am 13. Mai 1895 legte er seinen Plan der schwc- dischen Akademie der Wissenschaften vor und zwei Tage darauf der Stockholmer Gesellschaft für Anthropologie und Geographie. Nack- dem ihm die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt worden waren, erbaute er in Spitzbergen eine Ballonhalle, von der aus er den Flug nach dem Nordpol 1896 antreten wollte. Da aber der erforderliche Südwind sich nicht einstellte, mußte das Umcr- nehmen für dos Jahr ausgegeben werden. Im Jahre 1897, am 30. Mai, war Andree mit seinen Gefährten, dem Ingenieur Fraenkel und dem Neffen Strindbergs, auf der Däneninsel angekommen und sah sich zunächst gezwungen, das durch Stürme erheblich beschädigte Ballonhaus auszubessern, bevor. an die Füllung seines 5000 Kubikmeter fassenden Ballons„Ornn gehen konnte, die am 19. und 20. Juni erfolgte. Am 30. Juni 18!) war der Ballon und die Mannschaft reisefertig, aber erst am 11. Juli 1897 glaubt« Andre« das günstigste Wetter für fem Unter- nehmen zu haben und startete, um nie wiederzukommen. D e erste Hilfsexpedition brach am 24. April 1898 unter Stad- ling von Stockholm nach Nordstbirien auf, wohin man Adree ver- schlagen wähnte, konnte jedoch ebensowenig wie spätere irgendwelche Kunde von de» kühnen Forschern und ihrem Verbleib der Mitwelt überbringen. Gerüchtweise war einmal verlautet, daß ein Ballon im Nördlichen Eismeer treibend von Eskimos oder anderen Menschen gesehen worden sein sollt«. Genaueres oder Endgültiges konnte ober nicht festgestellt werden. Jetzt, nach 33 Jahren, gibt die Arktis ihre Opfer wieder heraus. Aus den vorgefundenen Auf- Zeichnungen sind wertvolle Nachrichten über den lverlaus der Expedition zu erwarten. « t o ckh o l m ,.22. August. Die Nachricht von der Auffindung der Leiche des Polarforschers Andröe hat in ganz Skandinavien g r ö st- tes Aufsehen erregt. Alle Stockholmer Zeitungen haben(Extrablätter herausgegeben. Obwohl noch keine endgültige Bestätigung vorliegt, zweifelt man nicht daran, dast die Meldung richtig ist. Der bekannte schwedische Forscher, Professor de Geer, äusterte» dast die geographischen und sonstigen Angaben durch- aus glaubwürdig sind. Da der Dampfer„Bratt- vaag" mit Dr. Horn an Bord frühestens am 10. Septem- ber in Norwegen eintreffen kann und keine Funkeinrich- tung besitzt und da sich auch keine anderen Schiffe mit einem Funksender im Fahrwasser der„Brattvaag" be- finden, sind Einzelheiten erst in etwa drei Wochen zu erwarten. Der bekannte norwegische Flieger R i i s e r L a r s e n, der die Verhältnisse im Polargebiet gut kennt, erklärte zu der Nachricht über die Auffindung der Leiche des Polarforschers Andre« und seines Lagers, daß die„Weiße Insel" gewöhnlich mit einer dicken Eisschicht bedeckt sei und daß in diesem Sommer eine den- artige Auftauung des Eises stattgefunden habe wie noch nie. Damit fei das späte Auffinden des Lagers zu erklären. Bei den Nachforschungen nach der verschwundenen Amundsen-Expc- dition im vorigen Jahre sei das norwegische Schiff„Veslc Kari" in den Gewässern um die Weiße Insel gewesen. Damals war die Insel jedoch völlig mit Eis und Schnee bedeckt. Der norwegische Polarforscher Dr. Knut R a s m u f s e n, der Andree sehr gut konnte, äußerte u. a.: Es sei durchaus möglich, daß die Tagebücher, die gut aufbewahrt waren, selbst noch so vielen Iahren leserlich sein könnten. Ws Andree startete, flog er in nördlicher Richtung mit einer Geschwindigkeit van etwa 35 Kilometer. Er hätte den Pol in etwa 24 Stunden und die Beringstraße in etwa 80 Stunden erreichen können. Andre« habe kurz vor seinem Fluge Fridtjof Nansen gefragt, was er von dem bevorstehenden Fluge halte und ob er ihm einige Daten über die Windverhältnisse am Pol geben könne. Nansen habe damals dringend abge- raten, da er geglaubt habe, der Flug sei mit den technischen Mitteln der damaligen Zeit nicht ausführbar gewesen. Andree hätte sich aber bereits fo festgelegt, daß er seinen Flug nicht aufgeben wollte. Auf die Frage, ob vielleicht eine Verwechslung zwischen Andree und Nobile» Leuten vorliegen könnte, erklärte Rasmussen, daß er daran nicht glaube, da die Tagebücher nach den vorliegenden Nachrichten wohlerhalten aufgefunden seien. Eine abweichende Meinung nimmt der Polarforscher Sverdrup ein, der es bezweifelt, daß die Leichen von den Raubtteren der Eiswüste so lange verschont bleiben konnten. Oslo, 23. August. Es wird angenommen, daß die Leichen der Andree-Expedition gefunden werden konnten, weil infolge des in diesem Sommer milden Wetters das sie bedeckende Eis besonders stark weg- geschmolzen ist. Die Leichen und die Ausrüstung wurden an Lord des Seglers„Bralvaag" genommen, letztere besteht au» zwei Schlitten, einem Boot, einer Harpune, einem Kochapparat und zwei Kisten mit Instrumenten, einem Tagebnch und einem Logbuch. Beide Bücher waren so v e r e i st, daß sie nicht geöffnet werden konnten. Man konnte jedoch auf einer der letzten Seiten des Logbuches folgend« Eintragung erkennen: „lS. 7. 1897.— 83 Grad nördlicher Breite und 32 Grad östlicher Länge." Die Expedition war am 11. Juli 1897 von Virgobay(Spitzbergen) aufgebrochen. Es wird angenommen, daß die Expedition auf dem Eise landen mußte, pnd daß die Mitglieder dann den Ballon ver- lassen haben und in südlicher Richtung auf White Island zu über Treibeis vorgedrungen find. In dem Lager wurde weder ein Zelt noch eine Hütte, noch irgendwelche Spuren von Lebensmitteln ge- funden, ober in der Nähe des einen Schlittens das Skelett «ine» Eisbären, den Andree und seine Kameraden vennurlich erlegt haben. Es wird weiter vermutet, daß sie nur noch ein paar Monate, nachdem sie White Island erreicht hatten, am Leben ge- blieben sind. Die norwegische Expedition baute ein Grabmal aus Steinen an der Stell« des traurigen Fundes. Andröes letztes Abenteuer. Das Franz-Iosephs-Lond ist eine arktisch« Insel- gruppe von zirka 29 000 Ouadratkilomeler, fast to al o:rgistjch?:t, mit Erhebungen bis zu 1609 Meter Höhe. Sie erstreckt sich vom 40. bis 70. Breitengrad und befindet sich von Spitzbergen, dem AuK „Staatspartei" konzessioniert. Sie hat ihren gerichtlichen Erlaubnisschein! In dem Verfahren, das der angebliche Schriftsteller Hall-Halsen eis Gründer der sogenannten„Deutschen Staatspartei e. V." gegen Mahraun, Koch-Weser und Höpker-Aschoff beim Landgericht II auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung gegen den„Mißbrauch des Namens Deutsche Staatspartci" an- hängig geinacht hat, ist heute in einem besonderen Termin von der 3. Ferienzioilkammer unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Löhning folgendes Urteil gefällt worden: „Der Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Der- sügung wird zurückgewiesen. Die Kosten fallen dem Antragsteller zur Last. Bezüglich der Kosten kann das Urteil gegen eine Sicherheitsleistung von 1000 Mark seitens der Antrazgegner für vollstreckbar erklärt werden." In der Begründung führte Landgerichtsdirektor Dr. Löhning aus, daß der'klägerische Verein eine einstweilige Verfügung verlangt habe, durch die der neuen„Deutschen Staatspartei" die Führung des Namens unter Androhung einer vom Gericht festzusetzenden Haft- oder Geldstrafe untersagt werden solle. Die Einwendungen des Antragsgegners, daß Hall-Halfen wegen Geisteskrankheit nicht ge- fchäftsfähig fei und deshalb die Aktivlegitimation fehle, seien nicht hinreichend begründet worden. Auch auf die weiteren Ausführungen des Gegners komme.es nicht an, weil der Antrag auf Erlaß der einstweiligen Verfügung aus einem anderen formalen Grunde abgewiesen werden mußt«. Nach Z 49 der Zivilprozeßordnung komme nämlich das Verfahren der e i n st w e i l i g e n Verfügung nur in Frage, wenn wesentliche Nachteile oder eine drohende Gefahr abgewendet werden müsse. Es müßten also schutzwürdig« Interessen vorliegen. Derartige schutzbedürstige Inte:- essen beständen im fraglichen Falle noch Ansicht des Gerichts ober nicht, denn sie seien vom Antragsteller nicht genügend glaubhei gemacht worden. Auch«in wesentlicher Nachteil liege bei der Führurm des Namens durch die neugegründete Staatspartei nicht vor, denn der Vertreter des Antragstellers habe in der Verhandlung auf Aufrage erklärt, daß die„Deutsche Staatspartei e. B.", der Verein d-' Hall-Halfen, nicht in den jetzigen Wohlkampf einzugreifen beabsichl'g Es bleibe dem Antragsteller überlassen, seine etwaigen Ansprüche im ordentlichen Gerichtsverfahren zu vertreten. Die Bombenleger vor Gericht Eine Zuchthausgroteske völkischer politischer Abenteurer Am 76. August beginnt in Altona der Bombenleger- prozetz— in der Geschichte der politischen Bewegung Deutsch- lands etwas einzig Dastehendes. Er gewinnt angesichts des neuesten Anschlages aus dos Gewerkschastshaus in Hannover eine noch größere Bedeutung, als ihm ohnehin inne- wohnt. Die Bombenleger von Schelswig-Holstein, Lüneburg und Oldenburg haben seinerzeit große Beunruhigung hervorgerusen, die Polizeibehörden schienen ihnen gegenüber machtlos, ihre festgesügte Organisation, die sich an die holsteinische Landvolkbcwegung an- schloß, stellte ihnen Mittel und Menschen zur Verfügung, die es er- möglichten, monatelang den gesöhrlichcn Bombenunfug mit Eriolg zu betreiben. Die Angeklagten und ihre Verbrechen. Don den 2? Angeklagten, die am 26. August vor dem Land- gericht Altona erscheinen sollen, befinden stch sieben in Untersuchung?- hast Acht Angeklagte sind gegen Sicherheitsleistung aus der Unter- suchungshast entlassen: darunter die H a u p r a n g« s ch u l d i g t e n Klaus Hein, Hofbesitzer in St. Annen-Ocsterseld, die Seele des ganzen Bombenunternehmens, und der Schriftsteller Herbert Volk. Der Elektrotechniker K a p p h e n g st, der die zweite Serie Bomben hergestellt hat,' ist erst vor kurzem in der Schweiz gefaßt worden: das Auslieserungsverfahren gegen ihn schwebt. Unter den aus der Haft Entlassenen befinden sich auch der Land- . oolkführer H a m p k e n s und der eben erst im Landvolkprozeß frei- gesprochene Schriftleiter des„Landvolk� von Solomon. Diesen beiden wie auch einer Anzahl anderer Angeklagten wird nur B c- günstigung, einer Reihe weiterer Angeklagten Beihilfe zur Last gelegt. Hein, Volk und der größte Teil der übrigen An- geklagten werden des Verstoßes gegen Z 5 des Sprengstoffgesetzes in Tateinheit mit Sachbeschädigung beschuldigt: durch Anwendung von Sprcngstosfen haben sie Gefahr für das Eigentum, die Gesundheit und das Leben anderer herbeigeführt. Zur Anklage stehen dreizehn Bombenanschläge. Von den ersten fünf richteten sich drei gegen den A m t s v o r st e h e r, einer gegen das Gebäude der Regierung in Lüneburg und der fünft« gegen das Gebäude des Finanzamtes zu Winsen. Die zweite Serie der Bombenanschläge begann am 6. April 1929. In regelmäßigen Abständen von je einem Monat, mit Ausnahm« des August, in dem drei Bombenanschläge, stattfanden, wurden heim- gesucht: zwei Bauernhöfe zu Wesselburen, das Landrats- amt zu Itzehoe, das Finanzamt zu Oldenburg, das Wohn- Haus des Landrats zu Niebüll, das Wohnhaus des Rechtsanwalts Dr. Strauß in Lüneburg, die Landkrankenkasse zu Lüneburg, das Wohngebäude des Regierungspräsidenten Grimpc in Schleswig und schließlich am ß. September 1929 das Gebäude der Regierung in Lüneburg. Der Anschlag auf das Gebäude des Reichstags in Berlin am 1. September 1929 und ein weiterer Anschlag auf den Wagenschuppen des Schulrates Lenfert in Hoheirweftedt am 39. Sep- tember 1929 werden diesen Angeklagten nicht zur Last gelegt. Die theoretische Rechtfertigung. Die eigentliche Seele der Bombenanschläge war der Hofbesitzer Hein, der in der sogenannten Landvolkbewegung, deren Ausgangspunkt die Provinz Schlcswig-Holstein war, eine führende Stellung einnimmt. Er gab die erforderlichen Geldmittel her, be- zahlte teilweise die Leute, die er zu seinen Bombenunternehmen braucht«, stewe auch sein Auto zur Verfügung. Von ihm ging der Gedanke aus, durch Boinbenlegen die Landvolkbewegung zu größerer Geltung zu bringen. Zugute gehalten wird ihm von der Anklage, daß er Menschenleben nicht habe gefährden wollen und auch nicht gefährdet habe. Durch Sprengladungen sollten Gebäude beschädigt werden, in denen Beamte wohnten oder Behörden untergebracht waren, deren Maßnahmen bei der oerweigerten Steuerzahlung Mißfallen erregt hatten. Den S p r e n g st o f f für die ersten Bauten stellt« der Hofbesitzer Rat'hgen zur Verfügung, der zum Sprengen von Steinen und Stubben mit behördlicher Erlaubnis Sprengstoffe besaß. Er war es auch, der die ersten fünf Spreng- körper hergestellt hatte. In drei Fällen ist es überhaupt nicht zur Explosion gekommen, in den zwei übrigen Fällen ist der angerichtete Schaden«in äußerst geringer gewesen. Die Bombenwerkstätte in Hamburg. Gerade aber dieser Umstand oeranlaßte die Bombeniegcr, zur Erwägung ernsterer Pläne überzugchen. Hein glaubt«, im Elektro- techniker Klappheng st einen geeigneten Mann gefunden zu haben. Man hielt wiederHolle Besprechungen ab, unter anderem auch in Berlin und in Hamburg, und beschloß, in erster Linie für die Herbeischaffung des Sprengstoffes Sorge zu tragen. Man Holle es sich aus der Pulverkam in er eines Steinbruches in M ü h l h e i m in der Nacht zum 27. Januar 1929. Die Beute bestand aus zwei Kisten mit je 25 Kilogramm Amonit und einem Paket mit ZV' Kilogramm des gleichen Sprengmittels, sowie 799 Sprengpatronen. Die Pulverkammer wurde einfach aufgebrochen und der Sprengstoff per Kraftwagen zu dem Hofbesitzer- chepaar Holländer in Karolfeld zur Aufbewahrung geschafft. Die Herstellung der sogenannten Höllenmaschinen mit Zeitzündung übernahm der Elektrotechniker Kapphengst mit Hilf« des Kunstmalers Herbert Schmidt. Die Werkstätte hatte letzterer in Hamburg, angeblich zur Ausübung seines Kunstmaler- gewerbes, eingerichtet. Der Sprengstoff' befand sich in einem Blech- kanister. Die fertiggestellten Bomben wurden, wie die Anklage an- nimnit, an Hein weitergegeben und von diesem an seine Helfer verteilt. Die Attentaite mit Kapphengstbomben. Die Bombenlieger hatten aber nicht nur Sprengkörper zur VerfiiMng. sondern auch Handgranaten. Diese swmotten aus dem Waffenlager des Hofbesitzers Vick. Bei einer Durchsuchung fand man bei ihm zwei leichte Maschinengewehre, 28 Militärgewehre, 36 Stielhandgranaten und mehr als 4999 Pa- tronen. Mit zwei aus diesem Lager stammenden Handgranaten begann am 6. April 1929 die neue Aktion der landvölkischcn Bombenleger unter Führung Heins. Sie galten zwei Bauern zu W e f s e l s b u r e n. die sich geweigert hatten, der Landvolk- bewegung beizutreten. Der einzige Schaden, den die Granaten an- richteten, waren zerschlagene Fensterscheiben. Am 23. Mai erfolgte das Bombcnattentat gegen das Gebäude des L a n d r a t sa m t e s in Itzehoe. Die große starke Holztür wurde vollstän-dig zertrümmert. Der nächste Anschlag am 3. Juni 1929 galt dem Finanzamt zu Oldenburg. Im Innern beider Gebäude und auch an den Außenwänden wurde erheblicher Schaden an- gerichtet, die Fensterscheiben der umliegenden Gebäude und der gegenüberliegenden Lombertikirche zerstört. Einen ähnlichen Schaden richteten am 19. Juli Sprengkörper im Wahnhause des Landrates von Niebüll und am 1. August im Hause des Rechtsanwalts Dr. Strauß in Lüneburg an. Auch das Töchterchcn des Landrates wurde leicht am Gesicht verletzt. Ohne Erfolg blieben die An- schlüge gegen die Landkrankenkasse in Lüneburg wie gegen das Wohnhaus des Regierungsvizepräsidenten von Schleswig. Die Bomben entzündeten sich nicht: sie wurden am nächsten Tage ge- funden. Wohl aber entzündete sich die gegen das Gebäude der Regierung zu Lüneburg am 6. September 1929 gerichtete Bomb«. Die Decke des Kellergewölbes barst, der Fußboden des über dem Kellerraume belegenen Zimmers ward durch- schlagen. Im Zimmer selbst waren erhebliche Verwüstungen an- gerichtet. Hein leugnet seine Täterschaft: er wird aber von seinen Kam- plizen überführt. Die meisten von ihnen waren nämlich recht ge- ständnisfreudig. Der Führer des Landvolkbundes, H o m k e n s, soll angeblich gegen die Bombenanschläge gewesen sein. Er hatte aber nichts dagegen unternommen und hat auch nicht Anzeige erstattet. Dadurch hat er sich, gleich dem Angeschuldigen o. Salomon, der Verletzung der Anzeigepflicht schuldig gemacht. Einer der Angeklagten, nämlich der Syndikus W e f ch k e, ist auch wegen Meineides angeklagt. Er hotte bei seiner eidlichen Aus- jage vor dem Amtsgericht zu Itzehoe, obgleich er auf fein Recht zur Verweigerung der Aussage hingewiesen worden war, erklärt, e r wisse nicht, wer der Täter sei, er selbst sei es nicht gewesen. Dos war unwahr. � Zur Verhandlung sind etwa hundert Zeugen geladen. Der Prozeß wird mehrere Wochen dauern. Die politischen Komps- Methoden dieser völkischen Landvolkbündler verdienen gerade während der Wahlen zum Reichstag gebührende Beachtung. Karl Kauisky: Das Rütli der Sozialdemokratie Erinnerungen an den Wydener Kongreß Genosse Karl Kautsky hat an die Schweizer Soziäldeino. kratte folgendes Schreiben gerichtet: Ich bedaure sehr, daß augenblicklich ein unangenehmes Leiden mir dos Reisen verbietet und mich verhindert, an der Jubelfeier des Wydener Kongresses teilzunehmen. Nur ungern verzichte ich darauf, denn dieser Kongreß bildet einen der stärksten Eindrücke meiner Parteijugend. Kurz vor seinem Züsammentrttt im Januar 1889 war ich von Wien nach Zürich gekommen. In Oesterreich war die Parteibewegung nach kurzem, raschem Aufflackern seit 1874 fast völlig erloschen, zu zwerghaften Dimensionen reduziert. Die Berührung mit der deutschen und russischen Emigration in Zürich erweitene plötzlich ungeheuer meinen Gesichtskreis. Damals fühlte ich es am deut- lichsten, wie sehr der einzelne in seiner Leistungsfähigkeit von der Art seiner Umgebung abhängt. Als ich dann Gelegenheit bekam, an der Wydener Tagung teilzunehmen, fand ich dort über d's Emigration hinaus die besten Kämpfer oereinigt, über die unsere Bewegung in ganz Deutschland verfügt«— vereinigt zur Erörterung der wichtigsten Lebensfragen unserer Partei. Soviel Geist, soviel Wissen in Parteidingen hatte ich bis dahin noch nicht beisammen gesehen. Der Eindruck auf mich war«in unauslöschlicher. Es gab nur noch einen persönlichen Eindruck, der ihn übertraf: als ich ein halbes Jahr später Marx und Engels persönlich kennen lernte. Doch nicht bloß für mich persönlich war der Wydener Kongreß ein gewaltiges Ereignis, sondern ftir alte Sozialisten Deutsch- lands, ja der Welt. Auf diesem Kongreß wurde bezeugt, daß die deutsche Sozialdemo. kratie die schwerste der Feuerproben bestanden hatte, die ihr bis dahin auferlegt waren. Was unsere Partei am meisten gefährdet, das sind nicht die Gewalt- maßregeln der Klassenfeinde, sondern Widerstand und Ablehnung durch die Massen des Proletariats selbst, für das wir wirken, das allein uns Kraft gibt. Es gehört für einen Sozialisten«ine außer- ordentlich« Charakterstärke dazu, nicht zu verzagen, wenn er das Proletariat nicht hinter sich, oder wenn er es gar gegen sich weiß. Die erste der großen Feuerproben war der deutschen Sozialdemo- kratie im deutsch, französischen Krieg auferlegt worden, der große Massen des deutschen Proletariats mit nationaler Begeisterung erfüllte, so daß sie an dem Widerstand unserer Partei gegen den Eroberungskrieg Anstoß nahmen. Aber unsere Partei ließ sich nicht beugen und nicht schrecken und dies imponierte den Massen um so inehr, je mehr nach dem Krieg die ruhige Ueberlcgen- hell den nationalen Rausch verdrängt«. Rasch stieg die Sozialdemo- kratie empor. Hatte sie 1871 bei den Wahlen zum Reichstag erst hunderttaufend Stimmen erhalten, so fielen ihr 1877 bereits fast fünfhunderttausend zu. Die besitzenden Klaffen und ihr Führer Bismarck fühlten sich« r n st l i ch b e u n r u h i g t. Da kamen ihnen die Schüsse sehr gelegen, die im Frühjahr 1878 zuerst Hödel, dann N o b i l i n g auf den alten Kaiser Wilhelm abfeuerten. Die Attentate waren sinnlos, entsprangen keinem Bedürfnis der Massen oder unserer Partei. Dies« lehnte die Verantwortung dafür ganz ent- schieden ab. Aber Bismarcks Demagogie wußte durch verlogen« An- gaben die Sozialdemokratie mit der Schuld an den Attentaten zu belasten und dadurch die ganze Bevölkerung in blinde Raserei gegen unsere Partei zu versetzen. Unter diesen Umständen kam das Sozialistengesetz zustande. Es traf uns zunächst aufs schwerste. Nicht nur durch die Brutalität der behördlichen Verfügungen, sondern vor allem deshalb, weil diese von der Masse der Bevölkerung bis weit ins Proletariat hinein gebilligt wurden. Wohl blieb der Kern unserer Partei aufrecht, auch unter dem schlimmsten Toben der Gegner, aber nicht wenige verzagten doch, hielten jeden Widerstand für vergeblich, meinten, man müsse sich ducken, den Sturm über uns hinwegbraujen lassen, dürfe sich nicht rühren, ehe nicht besseres Wetter gekommen sei. Und die Zahl der aufrechten Genossen überwog und diese verstanden es auch, den anderen wieder Mut zu machen. Gleichzeitig legte sich auch die Attentatspsychos« der Massen. Die behördlichen Verfolgungen wurden freilich immer rücksichtsloser und grausamer. Gerade das aber wirkte zu unseren Gunsten, brachte uns erneute Sympa- thien. Bald begannen an manchen Orten die Versuche der Genossen, an Stelle der zerstörten legalen Organisationen illegale zu setzen. Ein Jahr nach dem Erlaß des Sozialistengesetzes war dann die Partei auch schon in der Lage, im Ausland ein von ihr kontrolliertes Kampsorgan herauszugeben, den Züricher„Sozialdemo- trat". An allen Ecken und Enden regte stch wieder die Aktions- lust und Widerstandskraft der Parteigenossen und im Jahre 1889 waren die leitenden Persönlichkeiten unserer Partei so weit, daß sie daran gehen konnten, die Gesamtheit der verfügbaren Arbeiter- bataillone wieder zu einem Gesamtheer mik einheitlichen Grundsätzen, einheitlicher Taktik und einheitlicher Führung zusammenschließen zu wollen. Dies war die Aufgab« des geheimen Kongresses, der schon im Mai 1889 hatte zusammentreten sollen, aber wegen Schwierigkeiten aller Art erst im August zustande kam, auf dem Schlosse Wyden. Er hat seine Aufgabe glänzend gelöst. Leidenschaft- lich waren seine Debatten. In schwerer Stunde hatte mancher einen schweren Fehler begangen. Aber für dos Zusammenwirken von Genossen entscheidet, wenn sie nicht tatlose Tistler sind, nicht ihre Haltung in der Vergangenheit, sondern die in der Gegenwart. Für diese aber hatten sich alle Probleme geklärt und waren alle unsicheren.Kantonisten ausgeschieden. So führten die Debatten nicht zur Zerklüftung, sondern zum Zusammenschluß. Einig, klar, siegesbewußt verließen die Teilnehmer die Burg Wyden. die meisten von ihnen, um unter der Fuchtel des Sozialistengesetzes den Kampf gegen dieses in Deutschland selbst aufzunehmen. So be- glückend wirkte dieses Ergebnis auf uns, das uns Jünger« förmlich eine übermütig« Fröhlichkeit befiel, die ihren Nieder- schlag in dem illustrierten Witzblatt fand, das wir dem Kongreß solgen ließen und das, fürchte ich, der Oeffentlichkeit durch spätere Publikationen mehr bekannt wurde, als das Kongrehprotokoll. Der Wydener Kongreß bezeugt- bereits— und das ist fein« historische Bedeutung—, daß Bismarck und die deutsche Bourgeoisie ihr Spiel gegen die deutsche Sozialdemokratie verloren hatten. Es war ihnen nicht gelungen, sie zu brechen, ja nicht einmal sie zu beugen oder auch nur ihre propagandistische Kraft zu verringern. Bei den Wahlen vo» 1881 zeigte sich noch die Wirkung des Sozia- listengesetzes. Gegenüber den fünfhunderttausend von 1877 erreichten wir diesmal nur dreihunderttausend. Aber von da an ging es ständig und rapid aufwärts. Bei den Wahlen von 1899— kein ganzes Jahrzehnt nach dem Wydener Kongreß— betrug unsere Stimmen- zahl das Fünffache von 1881, das Dreifache der Stimmenzahl von 1877. Unser« Partei ging aus der Hölle des Sozialistengesetzes, in der sie ihr End« hätte finden sollen, als die st ä r k st e Partei des Deutschen Reiches hervor. Und gleichzeittg war sie die stärkste unter den sozialistischen Parteien der Welt geworden, ein Vorbild für sie alle. So ein gewaltiger Aufstieg ging von Schloß Wyden aus! Da darf nian wohl sagen, daß seine Bedeutung für die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie ebenso hoch einzuschätzen ist, wie die des Bütli für die der schweizerischen Eidgenossenschast. Ja, sie ist höher zu bewerten, denn die Zusammenkunft auf Wyden gehört keineswegs zu den sagenhasten Ereignissen. Erhebend und beglückend wirkt sie auf uns Allen, die wir in der Lage waren, daran teilzunehmen. Möge die Erinerung an sie in gleicher Weise erhebend auf die Jungen wirken, die dort jetzt der Vergangenheit gedenken, um daraus neue Zuversicht zu schöpfen für den Kampf um die Zukunft Der japanische Gcneralstab ist durch die Ozeanfahrt des englischen Luftschiffes ängstlich geworden. Er verlangt von der Regierung bedeutend« Verstärkung der japanischen Luftstreitkräfte. Hierfür sollen in das neue Budget 25 Millionen Pfund Sterlrng eingesetzt werden. Polizei und politische Neutralität. Sie hat die Grenzen an der Republik.— Die Wahlpflicht der Polizisten. Bei oll«n möglichen Anlässen wird in der Oeffentlichkeit die Forderung nach„politischer Neutralität" der Polizei erhoben. Besonders die extremsten Parteien überschreien sich in dieser Forderung. Spiegelfechterei! Sie eben sind es, die durch ihren Lärm die Polizei von der strikten Linie dicnstlich-republika- nischer Neutralität zu ihren Zwecken abbringen wollen. Diese Par- teien ziehen die Grenzen politischer Neutralität, dem Staatsinteresse zuwider, bewußt, zu weit. Sie kann und darf dann nicht mehr geübt und gefordert werden, wenn es sich um den Bestand des republikanischen Staates handelt. So ist auch das Verbot der Zugehörigkeit von Beamten zu staats- feindlichen Parteien und deren Unterstützung durchaus zu Recht er- folgt. Im Vergleich zur Monarchie ist die republikanische Toleranz staatszerstörenden politischen Richtungen gegenüber selbst sehr dul d- sam,»st den Republikanern unverständlich duldsam. Es wäre sehr gut, wenn die Republik zu den Hauptaufgaben der Polizei, deren Formulierung aus dem Jahre 1794(Allgemeines Landrccht) sie übernommen hat, betont und zwingend die These hinzufügen würbe: „Bit Polizei dient dem Schuhe und der Sicherung der Republik." Diesen Satz auswendig zu kennen und innerlich zu beherzigen ist eine selbstverständliche Forderung an jeden Polizisten. Damit ent- fiele auch für staatsscindliche Elemente die s o p h i st i s ch e Aus- l e g u n g der„politischen Neutralität". Bewußt irreführend und auf Dummensong berechnet ist diese Auslegung zweifellos, denn, würde der Polizeibcamtc für solche Parteien Vorspanndicnste leisten, so würde kein Mensch dann mehr— von der betreffenden Partei natürlich— Neutralität von ihm verlangen. Mit dieser Forderung wollen die republikseindlichen Parteien die Polizeibeamtenschaft am Kampfe gegen ihre systemzerstörende Tätigkeit raffiniert hin-- dorn. Dann auch wollen sie jede aktive Tätigkeit des Polizeibeamlcn im republika- nischen Sinne unterbinden. Diese Parteien pfeifen aus politische Neutralität der Beaniten, wenn sie sich ihnen mit Haut und Haar verschreiben(Vorkriegsdevtschlandl Sowjetrußland! Mussolinien!). Geboten ist es, daß die Republik diesem durch Forderung angeblicher llleutralität geschickt g e- tarnten Hinarbeiten auf ein freies Feld des Umsturzes kcn- sequent die Forderung an die Beamtenschaft entgegenstellt:„Seid neutral— aber nicht neutral bis zu einer Preisgabe, zu einer Schädigung der republikanischen Staatsform!" Der Polizeibeamte darf sich durch den irreführenden Begriff „politische Neutralität"-keinesfalls etwa die Ausübung seiner poli- tischen Recht« schmälern lassen. � Wenn er aus diesem Begriff die Schlußfolgerung ziehen sollte, etwa seinem Wohlrecht nicht nach- zukommen— eben als ganz„neutral"—, so wäre er ein politischer Kastrat. Der Polizcibeamte als Diener und Schützer der Republik soll und muß wählen. Leider ist die politische Interesselosigkeit der unteren Polizeibeamtenschoft erschreckend groß. Politische Neutralität! Vielen Beamten ist dieser Ausdruck auch ein Schreckgespenst, das sie hindert, sich frei und offen zur SPD. zu bekennen. Dieses Bekenntnis aber tut jetzt mehr denn je not. Dem steten, zielbewußten Wirken der Partei verdankt die Polizeibeamten- schaft viel. Sind nicht alle Wünsche in Erfüllung gegangen, so liegt das an Koalitionsbindungen, an der Finanzmisere und auch manch- mal im Persönlichen. Die Grundsätze, die Ziele der Partei aber find unverkennbar auch für den Polizeibeamten die besten, die einzig richtigen. Aus dieser Erkenntnis heraus muß er am Wahltage handeln,. Stierkämpfe bei Parks, l Durch«in sehr vernünftiges Gesetz war die barbarische Sitte der Abhaltung von Stierkämpfen bisher in Frankreich nur in einigen Städten des Südens gestattet, und auch da nur dann, wenn gewisse, den Blutrausch mildernde Bestimmungen beachtet wurden. Aber einem tüchtigen Unternehmer gelang es vor einiger Zeit doch, eine Konzcssion zur Veranstaltung von Stierkämpfen ganz in der Nähe von Paris, in Melun, zu erhalten und ein großartiger Reklame- apparat sorgte für den nötigen Tamtam zur Anlockung der Zuschauer. Der Zweck der Hebung war ja klar. In diesem Jahr ist unter der Auswirkung der Wirtschaftskrise-in fast allen europäischen Ländern der erhoffte große Fremdenftrom nach Frankreich, und de- sonders nach Paris, ausgeblieben, und man mußte schon etwas Außergewöhnliches bieten, um die zahlungskräftigen Ausländer anzu. locken. So oerfiel man auf den Stierkampf, und als Paris mit einem Rest von Scham die Abhaltung des Schlächterspiels in seinen Mauern untersagte, gingen die Unternehmer nach Melun, einem kleinen Städtchen im Pariser Weekendbezirk. Hier wurden nun die Tribünen gebaut und alles vorbereitet. Sämtliche Hoteliers waren in Aufregung und erwarteten einen reichen Goldsegcn von den zuströmenden Fremden. Aber es kam doch anders, als man es sich dachte. Die in Frank- reich sehr rührige Tierschutzvereinigung hatte sich in den Kopf gesetzt, diese Stierkämpse zu verhindern. Zuerst mit einer lebhaft betriebenen Gegenreklame, mit Eingaben an die Behörden und anderen Mitteln. Sie erreichte damit nur, daß die Mildcrungsbestimmungen erneut veröffentlicht und den Abhaltern der Stierkämpfe zur Beachtung eingeprägt wurden. Das genügte den Tierschützlern nicht, und sie griffen zur Durchsetzung ihres anerkennenswerten Ziels zu einer Demonstration, die in der Arena stattfand. Der Besuch des ersten Stierkampftages war sehr gut, all« Tribünen waren dicht besetzt. Da, kurz vor Eröffnung des Schau- spiels, sprangen fünfhundert junge Männer in die Arena, faßten sich unter und marschierten durch den Sand vor die Logen der Ehren- gäste, uni sür die Freiheit der gequälten Kreatur«inzutreten. Man denke, fünfhundert junge Leute, unbewaffnet, viele Studenten. darunter, jedenfalls Angehörige des geistige» Frankreich, demon- strieren sür die Rechte des Viehs, des Rindviehs meinetwegen. lind stehen da, mitten in der Arena, ob auch die geschäfts- tüchtigen Hoteliers und ihr Anhang brüllen: Laßt die Stiere auf sie los! Und rücken und rühren sich nicht. Aus ihren Kehlen schallt- im Sprcchchor: Wir duldens nicht! Wir duldens nicht! Nieder mit der Tierquälerei! Die Polizei kommt und haut sie auseinander. Es hält schwer, denn sie halten sich fest an den Armen untergefaßt. Bis einige der jungen Leute blutend weggeführt werden. Da löst sich der Knäuel, und die jungen Leute weichen der Gewalt. Aber ihr guter Zweck war erreicht. Dem großen Publikum war das Interesse am Stierkampf verleidet worden. Ein übriges taten die merlwürdigen Bestimmungen der Behörden Es war verboten worden, den Stieren die sonst bei Stierkämpfen üblichen bebänderten, mit Widerhaken versehenen Pfeile in den Rücken zu stoßen, statt dessen sollte man ihnen papicrne Kokarden mit den französischen Farben— aufkleben. Und weil es gar zu lustig aussah, wie die Banderillas in der Arena mit dein Kleistertopf herumrannten, ver- fiel die ganze Veranstaltung dem Fluch der Lächerlichkeit. Der Unternehmer verzichtete nach dem ersten, Spiel auf die beiden anderen, die folgen sollten. B. K. Die llebungen der Slag-Akademie habe» unter Leitung ihres Direktors Prof. Dr. Georg Schumann wieder begonnen. Aulnahme singender Mit- glieder Dienstags und Freitags von 16—17 Uhr in der Sing-Akademie. 12—13 Uhr in der Wohnung des DireltorS, Lichlerseldc,«ismarckstr. 8. Zui Sturm, Kursürstcndainm 173, ist ein Lesesaal mit zunächst ISO in- und ausländischen Zeitschriften sür Literatur. Kunst. Politik, Musik usw. eröfsnct worden. Der Kreis der Zeitschriften wird täglich erweitert. HShenmessung Seim Mugzeuslanden. Die größte Gefahr des Nachfliegens liegt darin, daß der Pilot bei einer Notlandung im Dunkel die Entfernung vom Boden nicht gut genug erkennen kann. Zwar kann man mit Kzilfe des Echolots den Abstand von der Erde aus größeren Höhen genau feststellen. aber im letzten Augenblick, gerade wenn es am nötigsten wird, muß sich der Führer oft auf das Gefühl verlassen. Auch auf gut be- feuerten Nachslugstrecken ist das der Fall. Mat hat darum versuchsweise einige englische Flugzeug« mit kleinen Scheinwerfern an den Tragflächencnden versehen, die unter einem Winkel gegen die Erde leuchten. Zuerst sieht der Flieger beim Niedergehen die Lichtooale von den sich kreuzenden Strahlen der zwei Scheinwerfer auf dem Boden weit auseinander, beim Nieder- gehen nähern sie sich einander. Wenn sie dann zu einem Fleck ver- schmelzen, weiß der Pilot, daß er nur noch wenig« Meter über dem Boden schwebt. Er behält den Fleck, dessen Abstand ihm genau be- könnt ist. im Auge und kann erfahrungsgemäß nach dessen Größe und Form das Aufsetzen des Flugzeugs regeln. Sinderfreunde. Srei» Rlitie, Gruppe: Ernst Toller. Wir gehen Sonntag früh auf Fahrt nach Brieselang und treffen uns um 7 Uhr am Heim Zehdcnicker Straße�_ Theater der Woche. Vom 24. August bis ± September. Slaalslheaker. Tto-Usoper Unter b«n Linden: 2t. Di« Meistersinger. 25. La Tvaviata. 26. Postillion von Lonjnmeou. 27. Mona Lisa. 28. Cavalll�a Rusdeana. 29. Die Entführung aus drm Serail. 39. Boris Hodunoff. 31. Der Rofen» kavalicr. 1. Trojaner._ � �... Stnatsover am Pl-t, der SepnWil: M. Der klleqenbe Soll-nder. 2o. S-ss- manns Er>->>Iun-en. A>. Rigoletio. 27. Carmen. 28. Der greischlltz. 2». K'delw. ZV. Di« gledennaus. ZI. Die Zauber, 1ö!k. 1. Don Siovann,_ Städtische Oper Sh-rl-ttenburq: 2A. Z-udcrflöir. 25. Modante Butterfln. 26. Turandot. 27. Otbcllo. 28. Die lusti-en Weiber von Dindsor. 2g. Tann. Häuser. 30. Der Troubadour. 31. Miqnon. 1. Boheme. Schauspiclhan» am S-ndaemenmarkt: 30.. 31. Lieb« auf dem Lande. 33 Minute» in Drllnbcea. 1. Raihan der Weise. Schiller-Thraic«! 30.. 31. 1. Der Rdann mit dem Klepper. Theater mit festem Spielplan: Theater am Schissbauerdam«: Ah 1. gcuer aus den Kesseln.— Di« Komödie: Wie werde ich reich und alvckiich?— Theater in der Stres«m>»»< strah«: Ah 29. Morflucrite: 3.— Komödienhau»: Mcinr Schwester UN» ich.— Theater be» Westen«: Dos Land- des Lächelns.—«-milch« Oper: Liebe und Trvmpetcnblalen.— Deutsche»»ünstlcr.The-ter: Weekend.— Theatee in der »ehrenstr. 53—5«: Ist das nicht»elt von Colette?— stentrol.Theater(Operetten. Haus): Ueber'n großen Teich.— Retropol-Theater: Viktoria und>hr Sular.— Reue« Theater am Z»o: Der kleine Kuppler.— Ballaer-Theater: S 218— R-ie.The-ter: i-H-irnliche Brauttohrt.«arteubnhne: Die tolle Lola.— Sch>-9' parl-Theater Steglitz: Wie fehle ich meinen Mann?— Wiatergarte», Plaza. Seal-: Internationales Variete.— Zteich-b-llen Theater: Stettiner Sänger.— Theater am Kottbnsser Tor: Sliie�Sängrr. Theater mit wechselndem Spielplan: Deutsche» Theater: Bis 30. Phoea. 3l. Geschlossen. Ab 1. lNU.- Lei sing- Theater: Bis 30. Wiederaufnahme beantragt. Ab 31. Des Kaiser« Kulis.— Theater in der klosterstrnch«: 34. Büchse der Pandora, 1. und 2. Teil. Ab 25. Swdentcnlicbc. iNachmillagsveranslallungen: Komische Oper: 24.. Zl. Liebe und Trompetenblosen.— Mosr-Theoter: 31. Etappe. Gartenbühn«: k»n,ert und Bunter Teil.— Theater in der Kloster. strnhe: 24.. 31. Büchfr der Pandora. 1. und 2. Teil.— Schloßpark-The-ter Steglitz: 34. Swindrlmen-r öc Co— Wintergarten: 24,. 30., 31. Internatio. nalcs Variete.— Plaza, Seola: Internationales Variete. Erstaufführungen der Dache: Mantag. Theater de« Westens: Safenklein macht Politik.— Theater in der Klosterstraße: Etudentenliebe.— streitag. Theater i» der Stresemannstroße: Marguerite: 3.— Sanaabend. Schauspielhaus: Liebe auf dem Lande. 33 Minuten in Grüneher«.— Sonntag. Lesfing. Theater: Des Kaisers Kuli».— T h' a t c r am Schiifbauerdamm: gruer aus den Kesseln.— Rose- Thealer: Nachmittags: Etappe. Verantwortl. für die Redaktion: Wolfgong Schwarz, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Eo.. Berlin SW«, Lindenstraßc 3. Hierzu 1 Beilage. (frlskrauKenKssss fOr das maurergewerbe zu Berlin Berlin C 25. HankcstraDe 3— t Die auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zur Behebung finan- zieller, wirtschaftlicher und sozialer Rot- stände vom 28. Juli 1930 dem Ausschuß unterm 21. Juli 1930 zur Beschlußsossung vorgelegene 37. Abänderung zur Kassen- satzung tritt von Rechts wegen mit dem 25. August 1930 in Kraft. Di« Bestimmungen über Zahlung der Krankenscheingebllhren»nd die anteiligen Kosten für Arznei usw. treten von Recht- wegen am 1. September 1930 in Kraft. Geändert sind die§S 11. 13a, lö, 19, 21, 21a, 32, 33b, 33c, 34, 35, 36, 39, 74, 77, 89, 92 und 94. Druckstücke der Abänderung sind von Montag, dem 25. August 1930 an im Kassenlokal erhältlich. Der vorstand Hermann kr Ug er, Richard Freund, Vorsitzender Schriftführer Thealee. Lidtispiele usw. j flUe. Theater LOehrenslr. 53-54 »Vi Uhr ist das nlctti nett von coiette? Berliner Prater Sommertheaier Kastanienallee 7—9; Humb. 2246 Eine entzückende Borleoke sowie der auserwählte Varlett-Tetl. Täglich 8ie grosze Sehnzueht** J Or. Sonde r-Fonerwerlc ffletropoimeater Täglich 8V« Uhr SeBMlioneller Operettenerfolg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Soootag oaduo. 4 Uhr kleine Preise Friederike. »v. M' a Theater»m JT kottbuter Tor. 8 Im SettbuiBr Sir. 6 l|j\T«I.Mpl.1607: nv Zll,e' Ifl Festspiele Sonotag, deoZi.lugust 1. Itadun.-Torstelluog zu innäBiglio Preis«. Komiscne Oper 8Vt Uhr Paol Weitermeier Lieöeunö Tpompetenblasen Oparette von Holaod. zentrautieaier Alte Jakobstr. 30/32 Dönh, 2047 Heute 8V. Uhr: Pramlar« Deberm droben Teldi Ausstattungsoperelte in 4 Akten Rund fu nkhöre r halbe Preise. Zimmer T&ett Mk.7,-bis 11.- 2Betten13.-bi52t; Bo(l:Mk.3i- ioton;1Qr EM fterfln HOTEL lAnnW EXCEISIOR {Beilage Sonnabende 23. August 1930 AprMimd 5,'Irml eyißa sfoi IHofnik der iWU're Srlebniffe eines Abends/ atemnat atemmer Cs gibt lleberfälle: nicht nur von Menschen, auch von Situatio- ncn, vom Lebsn, von der Schwierigkeit, sagen wir, zu leben. Sa erging's mir am letzten Regenabend, also noch nicht vor langem, als ich, ursprunglich gut gelaunt, das vormalige Restaurationslokal des „gemütlichen Onkel Ernst" aufsuchte, in dem es jetzt spukt, sozusagen. An der Eingangstüre schon stand ein Mann mit einem Arm aus Holz und Blech, daran hingen, was soll inan auch sonst damit machen, Perlenketten zum Verkauf auf der Straße. Der Arm nämlich, den er jetzt eckig wie ein Maschincnmensch bewegte, war ihm, ohne daß er dafür entschädigt worden wäre, bei einer Millionenfirma abgequetscht worden, und wie sollte er mit seiner jungen Frau von dem bißchen Unterstützung und Verkauf(der heute obendrein verregnet war)...„0 bitte, geben Sie mir zwei Mark". Man hört sich solche Reden halb an und braucht, ich wenigstens, seine paar Groschen, um selbst einmal etwas in den Magen zu kriegen: ich trat ein. Die jung« Wirtin begrüßte mich mit herzlichem und zugleich etwas schmerzlichem Lächeln: ihr Voter, der Restauratimispachter, war kurz nach Uebernahme des Geschäfts gestorben, und der Geld- gebcr klagte nun auf Räumung. Sic hatten ihn schon mal raus- geworfen, sie und ihre Mutter, derart hatte er ihnen mit Geld- forderungen zugesetzt— während sie doch Gelb i n das Geschäft gesteckt hatten.„Ja, ja, im Oktober ist Termin, und im November müssen wir raus, und die neuen Pächter haben einen Vertrag, daß sie nicht aus den Augen schauen können." Keinen viel besseren hatte der Verstorbene nach zwanzigjähriger erfolgreicher Reisctälig- kcit für den cherrn Geldgeber erreichen können— ich drückte der Wirtin die Hand und bestellte etwas zu essen. Als ich niich mit einem„miese Zeiten" an den Stammtisch setzte: „Ja", sagte ein nachdenklicher Herr bedeutungsvoll,„davon kann ich Ihnen eine Geschichte erzählen." Ein bekannter, geachteter, regel- mäßig und solide verdienender Vertreter hatte den Herrn ersucht, ihm lllllO Mark zu verschaffen— Sicherheit: Wohnung, Mgbel, alles, was die Familc besitzt. Man kriegt Geld, zweifelsohne, aber was für Garantien werden nicht alle verlangt, und der Mann war etwas „unsicher", denn sein Chef, der jetzt natürlich Vertreter findet, so viele er will, hatte bei Erneuerung des Kontrakts verlangt, daß der Vertreter für Ausfälle(d. h. für nicht geleistete Zahlungen auf erhaltene Ware) mit seinem Gclde garantiere. „Man muß heutigentags vorsichtig sein", sagt« ein Ueberschlauer vom Stammtisch,„die Dinge sind nicht, wie sie scheinen, das beweist Ihnen ein ganz sonderbares Erlebnis, das ich erst vor einigen Tagen hotte. Es war Mittag: die Zeit des Houptoerkehrs, da sprang ein Mann über die Brücke in den Kanal. Die Leute rennen, r: drängen sich zur Unglücksstclle, ein Rcttungskahn wird freigemacht, im letzten Moment, als er schon untergegangen ist, erreicht man den Selbstmörder, bringt den Ohnmächtigen ans Land... ich aber drücke mich: deim ich weiß, was das alles zu bedeuten Hot. Der Mann wird in eine Droschke gesetzt und im Hospital wieder aufgepäppelt: am Kai hat indessen ein„Wohltäter" für ihn gesammelt, und wenn Sie gleich nachher die Zeitungen anrufen, werden Sie hören, daß Name und Beruf, des Selbstmörders und sein Retter bekannt sind, so prompt arbeitet die„S e l b st m 0 r d i n d u st r i e". Ja, so etwas gibt es: aber einem geübten Schwimmer wie mir ist es nicht entgangen, daß der Selbstmörder Wassertretbcwegungcn gemacht hat." „Wie sah er aus?" fragte der Nachdenkliche. ..Weißes Haar, schwarzer Schnurrbart, groß, mager, ein Brand- mal auf der einen Bocke." „Großer Gott!" rief der Nachdenkliche, und türmte hinaus, „es ist mein Freund, der Vertreter..." Bei„Schrnorchcn", zu dem ich dann ineine Schritte lenkte, um auf ander« Gedanken zu kommen, herrschte eine ähnliche Stimmung. Der melancholische Dachdecker starrte wie immer vor sich hin, denn es gab wohl mehr Aufträge denn je in diesem nassen Sommer, aber so wenig Geld dafür wie noch nie.„Es ist schon gut, wenn man überhaupt etwas z» tun hat", bemerkte ein viel in Anspruch genommener A r m e n r a t, der, wenn es mit der Abdrossetung der Arbeit so weiter ginge, einen Winter der Kaia- strophen prophezeite. Alle Kategorien von Menschen gehen bei ihm aus und ein, das heißt sie gehen immer mit ein wenig mehr Geld aus. denn ein. Leute mit Titeln, Gelehrte, Künstler: darunter(ist's möglich?) sogar der Chormeister von der Synagoge unter meinem Fenster, denn von seinen 7l1 Mark monatlich leben kann er wohl nicht. Noch kann das ein Mädchen mit 48 Mark Erwerbsloseimnter- stützung zuwege bringen. Und wenn tatsächlich«in Unwürdiger unter zehn Bedürftigen sich einschleichen könne, wäre das ein Grund, die Taschen zuzumachen und den Bewerbern, denen man die Arbeit nahm, auch noch das Leben zu nehmen?" sagt« der Rat. ,S. davon kann ich eine Geschite erzählen," sagte ein fremder Reisender, nachdem er sich zu uns an den Tisch setzte. Der Reisende war vor.zwei, drei Wochen zusammen mit einem Zungen Mann, den er im Zuge kennengelernt, in einein obskuren kleinen Hotel abgestiegen, das versteckt in einem Garten liegt, unweit eines Bahndammes. Immer hört man dort das Rollen der Züge. Es ist laut genug, jedes andere Geräusch zu übertönen. Beispiels- weise auch das Knallen eines Revolvers. So kann man sich dort ungestört eines Lebens entledigen, das jeden Reiz verloren hat. Der Fall ereignete sich in diesen letzten Wochen der Misere sehr häufig. So häusig, daß man jedesmal Verdacht schöpfte, wenn jemand länger« Zeil sein Zimmer nicht- verließ- So war's dein jungen, kaum zwanzigjährigen Manne ergangen, mit dem der Reisende zusammen eingezogen war. Ich erinnere mich noch(sagte der Reisende), daß er oin Abend sein Rad wegbrachte; er erwähnte diesen Umstand sogar unten, wo ich vor dem Eingang saß, mir gegenüber mit einer Stimm«, die mir ihrer Substanzlosigkeil halber auffiel. Nach einer Weile kam er zurück, verlangte den Schlüssel und sagte„gute Nacht" mit einer noch unirdischereii. einer schon vom Körper ganz losgelösten Stimme und ging hin. auf. Ich legt« diesen Dingen kein besonderes Gewicht bei, denn der Mann war bei einer großen Firma engagiert, er hatte nur den Kontrakt zu unterschreiben und eine Wohnung zu suchen für sich und seine Braut, die am nächsten Tag eintreffen sollte. Bis spät am nächsten Nachmittag war aber der junge Mann nicht wieder gesehen worden. Hatte er unbemerkt das Zimmer verlassen? Man bohrte ein Loch in die Tür: ich war mit dabei. Ich guckte durch das Loch. Mein Blick siel auf ein Paar Schuhe. Der Anblick dieser verlassenen Fußbekleidung war schauderhast— und überzeugend. Sie standen unterin Bett. Der Eigentümer be- nötigte ihrer nicht mehr. Er war bereits in einer Domäne, wo man nicht mehr nach einey Stelle herumzulaufen braucht. Die zugesagte Stelle nämlich hatte der junge Mann— der„Geldknappheit" halber— nicht erhalten: so besagte ein Brief an seine Braut, der auch den Erlös für dos Fahrrad und Abschiedsgrüße enthielt. Ich war aufgestanden— ich hatte genug für diesen Abend, aber das ärgste kam erst. An der Haustür entdeckte ich, daß ich den Schlüssel nicht emgesteckt hatte. Ein Nachtwächter kommt alle Stunden vorbei. Ich setzt« mich in seiner Erwartung vor die gläserne Scheibe und starrt« in den Häuserschacht hinauf, der sich um den Hof schloß. Dieser ganze Häuserkomplex steht seit zwei Iahren leer (so etwas gibt es in Berlin)— um so mehr überraschte es mich, daß sich zu allen Fenstern dunkle Gestalten drängten: Männer, Männer, Männer. Ein Torwart mit einer Kappe, den ich kannte(aber woher nur??), öffnete von innen und begrüßte mich: „Also sind Sie doch endlich ins Asyl gekommen!", sagte er. Mir schauderte: ich war in einem Männerheim, das ich unlängst besichtigt hatte; aber der Torwart beruhigte mich.„Sie sind ja e r st e r K l a s s e", sagte er(auch hier gibt's zwei Klassen, das Elend 2. Klasse und dos noch elendigere erstklassige Elend)...„Sie müssen nur trachten, daß Sie Ihre Kleider in Ordnung halten und nicht zur zweiten Klasse herabsinken, denn alle, die von der ersten in die zweite Klasse kommen, sind verloren— obwohl, glauben Sie mir, sie haben es bester in der zweiten: die haben mehr Geld, denn sie können betteln gehen. Der Wart führt« mich in den Gesellschaftsraum der ersten: da saßen sie alle stumm und stunipf, und von einem geheimen Kummer gequäli, denn wenn sie auch ärmer waren als die Bettler, so hatten sie doch noch etwas zu verlieren. Aber die in der zweiten Klasse bildeten sröhliche Gruppen, umringten mich schließlich und führten mich in den Schachthof hin- aus. Da starrten sie noch iinmer herunter: 400 Augenpaare. Ein ganzes Städtchen der Misere. „Was sind Sie?" fragte der Torwart und blättert« im Zettel- kästen; da gab es Kaufleut«, Lehrer, Dentisten, Reisende, Ingenieure, einen Schmied, der schon sechs Jahre arbeitslos ist und einen Pro- sessor Dr. Soundso: Schriftsteller. Manche hatten den Zettel über und über vermerkt und andere, wie ich, waren ein unbeschriebenes Blatt: 4 0 0! Ich sollte jetzt mit diesen 400 Obdachlosen schlafen: in einem frisch überzogenen reinen Bett zwar und in einer halbhoch abge- trennten Zelle, aber ich würde sie doch alle atmen hören, oder viel- niehr fühlen, und mein eigenes Ich würde sich verlieren, es würde in der Masse Asylmensch ausgehen. Ich sträubte mich, und je mehr ich mich sträubte, desto mehr lachten die Bettler.„Was willst du Narr", sagten sie, und zeigten mir, wo man die Hemden, nein: das Hemd wäscht und trocknen läßt, während man badet. „Fürchtest du dich vor der Misere? Komm', die sollst du kennen- lernen. Du schreibst und kennst ja noch gar nischt..." „Mein Zimmer, ach gebt mir niein Zimmer wieder!", rief ich... „Wat woll'n Sc denn", sagte der Nachtwächter, mir aufhelfend, „sind Sie blau?" „Nein", sagte ich,„grau— die Misere". Oiafimr auf der tßarrikade S>ur Jahrhundertfeier der helgifchen �Revolution Ohne die„Heilige Kanaille" Brüssels vom 23. September hätte Belgien die Unabhängigkeit nicht kennengelernt. Ca mille Huysmans. Bei den rauschenden Festlichkeiten, mit denen Belgien seit Wochen und Monaten den hundertsten Geburtstag seiner st a a t- l i ch c n Unabhängigkeit begeht, kommt die patriotische Le- gcnde inchr zu ihrem Recht als die historische Wahrheit. Aber auch wen» statt der Sage die Geschichte den Mund auftut, ist die Re- volution, die zur Gründung des belgischen Staates führte, von einer Bedeutung, die eine nähere Betrachtung rechtfertigt. Um ein Bollwerk gegen Frankreich zu schaffen, hatte der Wiener Kongreß 1810 die sogenannten österreichischen Niederlande samt dem Fürstentum Lüttich, also Belgien mit den Bereinigten Provinzen, also Holland, zu dem neuen Königreich der Bereinigten Niederlande zusammengefügt. Wirtschaftlich machte sich die Schöpfung nicht übel; Kanalanlagen, Ausbau des Antwcrpener Hafens, Schutzzölle für die Industrie kamen nicht zuletzt der jungen belgischen Bourgeoisie zugute, an deren dicken Bäuchen sich der ökonomische Ausschwung ebenso ablesen ließ wie an den geschwellten Ziffern der Handclsstatistik. Immerhin war es eine Quelle des Mißvergnügens, daß die Belgier, die mit knapp hundert Millionen Gulden in die Gemeinschaft eingetreten waren, fortan auch sür die tausend Millionen, mit denen Hollaird belastet war, die Zinsen zahlen mußten, und auch die Ausgaben für die Deiche und die Flotte sah, fern vom Meer, der Brüsseler und Lütticher als weg- geworfenes Geld an. Schärferen Stachel aber hatte die politische II n z u- f r i c d e n h c i t, die sich nicht allein aus dem religiösen Gegensatz ergab.„Nirgends", sagte ein Zeitgenosse,„war der reformierte Calvinismus einseitiger und härter als in Holland, und nirgends der Katholizismus bigotter als in Belgien. Das die Ver- fastung die Gleichberechtigung der Bekenntnisse festlegte und die Schule der Aufsicht des Staates unterstellte, ging der Klerisei wider den Strich. Aber auch jene demokratisch gesinnte Schicht des Bürgertums, die von der Erinnerung an die Französische Revo- lution zehrte, wurde vor den Kopf gestoßen, weil König W i l h e l m I. Belgien fast wie erobertes Land behandelte. Holländisch war Trumpf, der Belgier fühlte sich als Bürger zweiter Klasse. Obwohl zwei Millionen Holländern dreieinviertel Mil- lioncn Belgier gegenüberstanden, waren von 1067 Offizieren nur 288, von den Gesandten und Konsuln gerade zwei Belgier, und bei den Wahlen zu den Generalstaaten entfiel schon auf 41 000 Hol- länder, aber erst auf 70 000 Belgier ein Abgeordneter. Mehr als die Hälfte der Belgier sprach flamisch, das sich vom Holländischen kaum unterscheidet, aber der Versuch, Holländisch als Amtssprache einzuführen, stieß nicht nur bei den Wallonen, sondern auch bei den Flomen auf erbitterten Widerstand, weil Französisch seit alters die Bildungssprache aller Belgier war. Die wachsende Unzufriedenheit führte 1828 zu einem Bündniszwischcn der katholischen und der liberalen Partei. Die Regierung sah sich zu Zugeständnissen, für jene in der Schul- und Kirchensrage, für dies« in dpr Sprachcnfragc, gezwungen, und wenn auch die sogenannten Annexionisten von einer Angliederung des Landes an Frankreich träumten, strebte das Bürgertum als Ganzes nur eine Reform, keine Revolution an und dachte nicht an Trennung von Holland. Da flammte die PariserIulircvolution als mächtiges Fanal auf und entzündete die Köpfe auch in Belgisn. Am 10. August noch besuch'« Wilhelm l., angehocht und umjvbelt. die Brüsseler Ausstellung, und für Mittwoch, den 25 August, rüstete die Stadt zu Festlichkeiten, die zugleich deni Geburtstag des Monarchen wie der Vermählung mit dem preußischen Prinzen galten. Aber schon den Sonntag vorher kündigten an den Mauern klebende Zettel an: „Montag Feuerwerk, Dienstag Illumination, Mittwoch Revolution!" Wirklich ging es in der Mittwoch- nacht los; die Aufführung der„Stummen von Portici" in der Oper endete mit Verwüstung der Redaktionsräume eines Blattes, das von der Regierung gekauft war, mit Niederbrennung eines Hauses, das einem besonders verhaßten Minister gehörte, und mit Plünderung von Waffenläden. Wenn T r e i t s ch t e von einer„rohen, noch ziellosen Pöbelbewegung" spricht, war in der Tot der Held des Tages kein katholischer oder liberaler Führer, sondern die an- onyme Bolksmasse, jenes Proletariat, das ein Spottwort der Bourgeoisie unter dem Namen Gaspard oder Kaspar zu- sammensaßte; da es arbeitslos und hungernd auf dem Pflaster lag, richtete es feine Wut gegen die Dampfmaschinen, die es für Ur- Heber seines Elends hielt. Sofort aber bemächtigte sich d i e Bourgeoisie der Bcwe- gung. Sie schuf eine Nationalgarde in erster Reihe als Schutztruppe des Eigentums, das ernstlich von niemandem bedroht wurde; diese Bürgermiliz machte sich an eine Entwassnung der Arbeiter und schoß bereits am 26. August in die Bolksmasse. Zwar hingen jetzt d!« Brabanter Farben Schwarz, Gelb und Rot, die schon 1700 ein kurzlebiger belgischer Staat gehißt hatte, von Dach und Turm, aber noch dachten nur die wenigsten an eine Scheidung von Holland. Selbst als die Notabeln, die sich an die Spitze gestellt hatten. An- fang September eine Vcrwaltungstrennung beider Länder unter gemeinsamer D y n a st i e ins Auge faßten, fanden sich die belgischen Abgeordneten brav und bieder zur Tagung der Generalstaaten im Haag ein, und es wäre vielleicht so gekommen: Belgien und Holland jedes für sich ein Staat mit besonderer Re- gierung und besonderer Kammer, aber beide durch Personalunion unter dem Haus Oranien verbunden, wenn nicht der Souveränitäts- dünkel Wilhelm I. gekitzelt hätte, die„unbotmäßigen Untertanen" mit Gewalt zur Räson zu bringen. Da sich in der zweiten Sep- temberhälfte ein holländisches Heer Brüssel nahte, herrschte unter den Führern der Bourgeoisie Heulen und Zähneklappern; sie ver- dunsteten und wurden, solange„dicke Luft" war, nicht mehr gesehen. Dafür nahm Kaspar die Sache in die Hand, Kaspar baute Barri- kaden, Kaspar griff zur Flinte. Als am 23. September zehittausend Holländer mit 26 Kanonen in die Stadt rückten, wurden sie von der „Kanaille", dem„Pöbel", also von Arbeitern. Bauern und Klein- bürgern heiß empfangen und in'mörderischer Straßen- s ch l a ch t zu den Toren hitzausgeworfen. Diese Voltsmasse, die von Lehrern, Hufschmieden, Schneidern befehligt wurde, schlug sich nicht für eine glatte akademische Formel, etwa die Unabhängigkeit Belgiens, sie kämpfte gegen Unterdrückung ganz allge- mein, aber dadurch, daß sie die Phrase zugunsten der Tat, der allein zeugerischen, verabschiedete, wies sie den Ereignissen die Bahn. Da die Leichen zu Hunderten auf dem Pflaster lagen, sahen auch die nach dem Volkssieg aus ihren Mauselöchern geschlüpften Führer, daß es ein Zurück nicht mehr gab, und am 5. Oktober rief eine eilends gebildete provisorische Regierung die Unabhängigkeit Belgiens aus. Damit war man gewiß noch nicht überm Berg, denn selbst als die nach einem schmählichen Zensuswahlrecht zu- sammcngesetzte Nationalversammlung die Grundlinien des belgischen Staates gezogen und erst den Sohn des Franzosenkönigs Ludwig Philipp, dann nach dessen Ablehnung den Prinzen Leopold von Koburg-Gvtha zum König gewählt hatte, und selbst nach Zu- stiwmung der Mächte, die anfangs über die revolutionäre Zer- reißung der Wiener Kongreßbeschlüsse entsetzt waren, zeigte sich König Wilhelm unbelehrbar.� Hatte seine Artillerie schon im Herbst 1830 die Stadt Antwerpen von der Festung aus sieben Stunden aus dreihundert Fcuerschlünden bombardiert, so marschierten im August des nächsten Jahres' abermals holländische Truppen in Belgien ein, es kam zu Gefechten, und erst der Einsatz der französischen Armee und der englischen Flotte brachte den hals- starrigen Oranier endgültig zur Ruh«. Aber trotz aller Verwicklung, die sich nach diesen beiden Tagen noch ergab: der 25. August und der 23. September hatten die Fundamente zur Unabhängigkeit Belgiens gelegt. Kaspar hatte es geschafftl Allerdings erntete er schlechten Dank, denn in dem Belgien, das Karl Marx das Paradies der Kapi- talisten nannte, hatte die Arbeiterklasse, ökonomisch und bis ins zwanzigste Jahrhundert auch politisch entrechtet, wahrhastig nicht? zu lachen. Hermann Wendel. Copyrifbt IMO by Fackelreiter-VerUe G. m. b. H., Hambarc-Bcrzedorf (6. Sortfitjung.) Es ist ein armes, graues Haus mit altertümlichen Ballonen: aus schmutzig-grün angestrichenen Blumenkästen hängen verkümmerte Blumen und Schlinggewächse heraus--- Adamczik schaut mit großen, unruhigen Augen nach oben: hier ist doch sein« Heimat, hier ist alles eingefangen, was er verlassen mußte und woran er denkt, wenn er keine Befehle hört--- Die Gruppe marschiert langsamer, um Zeit für den Kleinen zu gewinnen. Er deutet mit der freien Hand hinaus:„Da.. sagt er gepreßt und wie abwesend,„— zweiter Stock!.. Eine Balkontür steht offen, aber niemand zeigt sich, und wir alle sind so gespannt, als trete im nächsten Augenblick unsere eigene Mutter auf den Balkon und winke. Alle Mütter der Erde sind in diesem Augenblick gleich und uns nahe: Adamcziks Mutter ist auch unsere Mutter.— Aber sie zeigt sich nicht. Wir sind alle traurig... Adamczik, pfeift und pfeift: aber mit jedem Schritt wird er mut- loser. Schon liegt das Haus hinter uns. Er geht gesenkten Kopfes und schaut sich nicht mehr um: der kleine Eilbote, dieser zähe und wieselige, immer über der Sache stehende Berliner hat den Mut ver- loren, ist wie zerschmettert und macht ein Gesicht, als wäre er ein kleiner Junge, der sich verlaufen hat und nicht nach Hause finden kann,.. „Na, nächstes Mal", sage ich und fühle selber, wie mir der Hals innen eng wird,„schickst vorher'ne Ansichtskarte..." Verschiedene lachen,— ober Adamczik nicht. Er ist ein Knabe, der seine Mutter suchte und nicht fand, und niemand kann ihn in diesem Augenblick trösten. „Weitermachen!" meint Güttler lakonisch,„stimm' mal einen an, Peter..."" Ich überlege, was wir singen wollen: Es muß etwas ganz Lustiges fein, damit wir in andere Stimmung kommen und den Kleinen vor allem ablenken. „Kennt ihr das von dem Mönch und der Nonne...?"„Ja!" rufen sie im Chor,„ja, das!" Es geht los. Wir müssen uns befreien: das Singen hat einen Sinn!— „Ein Mönch und ein« Nonne. die liebten sich-- haha— haha— haha— a— a— a— a—, in einem Kloster gar inniglich, haha— haha— haha— a— a— a— a— mit ihrem tschingtschangggloria dibumsvallera..." Die Mienen hellen wieder aus bei dem unbefohlenen Gesang: Wir kommen ins Gleichgewicht... --- Links steht»ine Kette blasser Frauen vor einem Brot- laden.— Sie lächeln mit abgespannten Antlitzen,— immer lächeln sie uns so an, wenn wir durch die Straßen marschieren: ein müdes, wehes Lächeln unter Tränen... „Da stieg der Mönch eine Leiter hinaus"... mit einem Male reißt es ab--- „Mutter!!!" ruft, nein: schreit unser kleiner Kamerad,... ..Mutter! hier!"... Er fällt beinahe hin vor Erregtheit--- und: „Fritz! Ach, mein kleiner Fritz!! Da bist du ja!..." Es ist das zweite Wunder, das die Kantstraße erlebt: Mutter und Kind haben sich gefunden... Eine kleine, verhutzelte, graue Frau tritt— nein, stürzt aus dem Loden heraus, die kurze Treppe herunter mit einem Brot im Arm, gepreßt an den Leib... Sie bekommt plötzlich einen leichten, röt- liehen Schimmer auf die fahlen Wangen. Es ist alles so selbstverständlich, was nun geschieht: Sie mar- schiert neben ihrem Jungen, denn sie kann mit oll' ihrer Liebe den Marsch der stampfenden Kompagnie nicht aufhalten.... sie streichelt ihm mit zitternden Händen den Kopf... sie gehört plötzlich zu uns... es ist also unsere Mutter, die mit uns marschiert und uns tröstet mit ihrem einfachen Da— sein, die uns streichelt... Mutterhände... „Hast du noch Strümpfe, Fritz?" Wie weich, wie fern dos klingt ... wie:„Hast du noch Strümpfe, Walter... noch Strümpfe Karl... Strümpfe, Hermann... Wilhelm... Hans..." Die Kompagnie lauscht den Worten ihrer Mutter----„Wirst du auch satt mein Junge?... Wann kommst du mal? Sonntag? Ich habe Mehl ge- spart, Weißmehl... ich back dir einen Puffer... einen Puffer... mit großen Rosinen... den du so gerne magst.." Wir lauschen... wir können nicht genug hören... wir saugen jedes Wort in uns ein... vielleicht hören wir so etwas niemals wieder... Auf und ab schwanken die Gewehre... unter ihren kahlen, kalten Läufeti schwingt, summt, schwebt die Stimme der Mutter wie ein warmer Hauch— irrend— unter kohlen, kalten Läufen... Sie hat ihren Jungen schon eingehakt... Kilb räuspert sich, aber er sogt nichts... er schaut starr auf die Straßensteine... „Ihr kommt doch nicht mehr raus, Fritz?.." Die kleine Frau sieht sich groß und ängstlich fragend um... sie zupft an ihrer schwarzen dünnen Bluse.— Ihren Blick werde ich nie vergessen... „Nein, Mutter, wir kommen nicht mehr raus... wir bleiben hier ... der Krieg ist bald zu Ende... wir sind nur noch für die Garnison ... wir Jungen... und... und satt werden wir auch..." Er spricht anders als er denkt. Er will sie nicht beunruhigen, — er will sie nur sehen... Er ist so glücklich, daß er seine Mutter neben sich hat. Er schiebt übermütig den Helm ins Genick und legt den linken Arm ukn die schmalen Schultern seiner Mutter... Preuß ist nach hinten gegangen... er will nichts sehen. Es ist wie ein Schwingen in unserer Gruppe... ein Glanz liegt auf jedem Knabengesicht... der gar nicht zu unseren Gewehren paßt. Wir sind entrückt... Jeder denkt an seine Mutter... und die Sehn- sucht unserer Mütter strömt schwingend, unsichtbar zusammen mit unserer Sehnsuckt... treibt uns vorwärts... wir haben plötzlich alle einen veränderten Ausdruck, den Blick nach innen... wir treiben in einem Meer von Sehnsucht... nach Haus... nach 5)aus Die kleine Mutter aus den abgelaufenen Hgusschuhen trippelt ein langes Stück mit: denn sie hat so viel zu fragen und weiß nicht, wann sie wieder bei ihrem Kinde ist. „Wohin müht ihr jetzt?" „In die Kirche gewiß nicht", murmelt Kilb. „Wir fahren gleich ein Stück'mit der Stadtbahn, Mutter", er- widert Adamczik,„und dann marschieren wir wieder zurück. Wir sollen das Marschieren lernen draußen vor der Stadt. Es ist gar nicht schlimm, Mutter." — Nein... es ist gar nicht schlimin...— denke ich— es ist gar nicht schlimm, nur ein wenig Scharfschießen... aber niemand darf es dir sagen... „Sind das alles deine Kameraden, Fritz? Bertragt ihr euch auch gut?... Ja...", sagt sie weiter und blickt sich lächelnd im Kreise um,„ja, mein Fritz ist ein guter Junge. Er ist aber etwas Nein, darum müßt ihr ihr ihm immer beistehen..." „Ja, natürlich! Wir ihm immer bei___"— Wir reden alle durch- einander und wissen nicht und denken darüber nach, wie wir sie über- zeugen können. „Das Brot nimmst du mit mein Junge", spricht sie weiter und will ihm das Brot reichen. „Das geht nicht, Mutter... nein, nein! Dann habt ihr zu Hause nichts mehr." „Wir haben es diesmal wirklich über, Fritz.— nimm es nur." Sie läßt sich nicht abwehren...„du hast Hunger, ich sehe es dir doch an. Nimm es nur...wir haben zu Haus noch Kartoffeln und Quarkkäse." „Es geht nicht, Mutter,— sei doch vernünftig. Es geht überhaupt gar nicht in meinem Tornister... guck doch mal, wie der schon voll ist..." er räuspert sich und blickt mir dabei voll ins Gesicht und seine Augen sind tief und nachdenklich...„oder gib meinen Kameraden was ab..." Und sie bricht schon das Brot und verteilt die einzelnen Stücke an uns, die wir in ihrer Nähe sind. Hastig greifen wir zu: wir finden, daß es eine glückliche Lösung ist... Auch Kilb hat eine Stück be- kommen, und so kauen wir und sind froh, unseren Hunger ein wenig stillen zu können. --- Da dreht Kilb sich auf einmal um, nimmt die klein« Frau Kl die Arme und gibt ihr vvr unseren Augen einen herzhaften Kuß, der ordentlich knallt... Er ist ein seltsamer Soldat. „Für das schöne Stück Brot", ergänzt er,„besten Dank auch! Besten Dank!!" Er spricht mit vollem Mund und hat feuchtschimmernde Augen, als wolle er weinen und könne es nicht. In seinem Gesicht ist eine verhaltene Qual stehen geblieben, so deutlich, als wolle sie nie wieder aus dem jungen Gesicht weichen. Am Bahnhof geht Adamczik als letzter durch die Sperre und sieht sich noch zweimal nach seiner winkenden Mutter um... nach seiner armen kleinen Mutter... die in abgetragenen Filzschuhen und in einer dürftigen Bluse ein Stück unserer dunklen Marschstraße mit- ging... die sich zuletzt die Augen ausblickt... nach ihrem Kind,— bis es ihr entschwunden ist... und wieder untertaucht in der grauen Masse... bis sie ihn verloren hat: denn dieses ihr Kind ist nicht mehr ihr Kind:— es ist der Grenadier Fritz Adamczik von der fünften Kompagnie... mit einer Nummer im Soldbuch...— der namenlose Soldat... für den eine blecherne Erkennungsmarke irgendwo für seinen letzten dunklen Marsch bereit liegt... Wir liegen im heißen Sand und zielen. Einige hundert Meter vor uns find Kopf und Brustscheiben aufgestellt. Es flimmert um sie in der prallen Sonne. Es ist trotz ollem so schön, ausgestreckt zu liegen, eng an die Erde gepreßt, verschlungen mit ihr, unserer Mutter, die uns liebt und uns zurückruft in ihren Schoß. Es wird eine Zeit kommen, dann hat sie uns ganz wieder. Biellcicht wird es bald sein-- Die Gedanken schlummern und träumen und wandern langsam, langsam zurück—. (Fortsetzung folgt.) e Buch IVaUher Ticlor: tiner von Vielen Das Buch(I. H. W. Dietz Verlag, Berlin) erzählt aus dem Leben eines Kumpels, dessen Schicksal, wie das tausend anderer, durch den Schacht bestimmt wird. Kohle und wiedcr Kohle, das ist der Hintergrund für das Leben der Schachtproleten, und Alberr Kump ist einer von den vielen, die der Schacht ruiniert. Man weiß fast nichts von diesen Opfern des Arbeitskrieges, und es muß schon erst zu großen Grubenkatostrophen, wie in Neurod«, kommen, ehe sich unsere geschäftige Welt einmal dafür interessiert. Das Büchlein ist nicht nur ein Bericht über ein Einzelschicksal. Es gibt im Stoff- lichen das Bild einer ganzen proletarischen Schicht, der Knmpels, die Pfefferminz verkaufen können, wenn sie einen Unfall erlitten haben oder wenn der Schacht und die Direktion sie wegen Alters- schwäche ausspeien. Diese Romanreportage will keine Literatur — im üblichen Sinne— sein. Das ist eine gut« Absicht, die nicht ganz geglückt ist. Victor bemüht sich zwar, sachlich zu erzählen, aber das Erlebnis des Schachtes hätte ihm eine ganz andere Sprache aufzwingen müssen. Für einen Bericht ist der Stil viel zu litera- risch Man kann natürlich von der„trunkenmachenden Süße zweier Arme" reden, und es kann schön sein, aber wenn die dann„das Tor der Liebe erschließen"— ich weiß ja nicht. Und warum„die Lust eines entfesselten Leibes"? So kann man doch solche Dinge nicht mehr sagen, und wenn derartige stilistische Entgleisungen vor kommeni so nähert sich das Buch bedenklich der„Literatur", die der Verfasser wahrscheinlich ablehnt. 5. Lepper. Rätsel-Ecke des„Abend'* Silbenrätsel Aus den Silben a a an brat chri de di en eu ford ge gie hi in ka lach Iis lo mie mo mus ne ne ner ni ni pe ncth schar son sti ter to to za sind 11 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen,«in Zitat von Goethe ergeben.— Di« Wörter bedeuten: 1. Biblischer Ort: 2. Mus«: 3. Stadt in England: 4. Insekten- künde: ö. Umsturzlehre: 6. Urbewohner Amerikas: 7. Planet: 8. Weiblicher Vorname: S. Krankheit: 10. Lehranstalt: 11. Männ- licher Vorname,(ch— am Ende ein Buchstabe.)— ekr.— Kreuzworträtsel Waagerecht: 1. Weiblicher Vorname: 3. Inselgruppe im Großen Ozean: 5. Entwicklungsstufe des Schmetterlings: 8. bevor- stehendes politisches Ereignis; 12. tierische Milchdrüsen: 13. klösterliches Stift: 14. Erlaß; 15. indischer Gott; 18. Stadt am Rhein; 21. Anhänger einer politischen Partei; 24. Rumpf einer oerstüin- melten Statue; 25. medizinischer Ausdruck: 26. Unrecht.— Senkrecht: 1. Gefrorenes; 2. schlimm; 3. Wiesenprodukt: 4. Nebenfluß des Rheins; 6. Filmkomiker: 7. Gemeinschast: 8. Ausdruck aus dem Schachspiel; 9. ungarische Bergwerksstadt: 10. Pflanz«: 11. Kom- ponist: 16. Elend: 17. verwesende Tierleiche: 18. französisch: mir; 19. Teil eines Schauspiels; 20. Nordwesteuropäer; 22. altes Gewicht; 23. Getränk. KI. Rösselsprung M Oiamanträtsel Die Buchstaben in der Figur sind so zu ordnen, daß die waagerechten Reihen nennen: 1 Vo- kal: 2 Mineral; 3. Ver- storbenen Parteiführer: 4. Verzierung: 5. Petz- ort; 6. Die Leidtraaen- den der wirtschaftlichen Not; 7 Handwerkszeug: 8. Fabeldichter: 9. Muster; 10. Teil eines Baumes: 11. Vokal. Die mittelste senkrechte Reihe lautet ebenso wie die mittelste waagerechte. ad. Bersteckrätsel i. 2. 3. 4. 5. Die Dame tanzt sehr gut. Fritz muß die Aufgabe noch einmal machen. Die Spatzen holen sich die letzten Brosamen. Der Schornsteinfeger darf heute nicht fegen. Magnesia ist ein Arzneimittel. 6. Der� Dichter Möricke war ein ausgezeichneter Lyriker. 7. Reval liegt am Finnischen Meerbusen. 8. Di« Kinder essen gerne Apfelstrudel. 9. Zu vieles Essen schadet dem Magen. In selbem der neun Sätze ist ein weiblicher Vorname versteckt, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, wieder einen weiblichen Vornamen ergeben. ab. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Rummer Silbenrätsel: Singen, Essen, Varel, Eger, Rostock, Zglau, Hauen, Gera.— Severing. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Hau: 3. Ire: 5. Rum: 7. mm: 9. an: 10. Bai; 12. aus: 13. Eid: 14. Met: 15. AU: 17. RP: 19. Ei, 20. Eli; 21. Gin.— Senkrecht: 1. Himbeere; 2. Ur; 3. im; 4. Einstein: 6. um: 8. Mai; 9. Aue; 11. Ida; 12. Amt; 16. lo; 18. Pl: 19. Ei. Schieberäbsel: Berzelius, Bunsen, Wutson, Wähler, Tennat. Brand, Sesström. Saddlin, Gregor, Mosander.— Rutherford. Kapselrätsel: Ich freue mich, wenn kluge Männer sprechen, daß ich verstehen tonn, wie sie ep meinen. Sprichworträtsel: Wo Rauch ausgeht, muß Feuer sein. Nr. 394 47. Jahrgang Sonnabend 23. August 1930 Grosse Berliner Funkausstellung 1930 Kampf gegen Rundfunkstöningen— Tonfilm durch Fernseher übertragen— Ellisons erstes Grammophon— Neue Flachröhre— Schirmgitterröhrenempfänger— Rebeempfänger— Neue Anodenbatterien— Reisegrammophone— Unzerbrechliche Grammophonplatten Rundfunk mit Grammophcn kombiniert heißt die Devise der 7. Großen Deutschen Funkausstellung, die diesmal unter dem Namen Radio- und Phonoschau stattfindet und die größte ist. die jemals in den Hallen rund um den Berliner Funkturm stattgefunden hat. Die Ausstellung gliedert sich in zwei Teile, nämlich in eine Industrie» ausst ellung und eine offizielle Schau. In beiden wird eine Füll« hochinteressanter Dinge gezeigt. Im offiziellen Teil interessiert die Ausstellung der Reichs. post. die besonders dem Problem der Störungs. Störbefreiungsdrossel, beseitigt durch Vorschaltung oor den Empfänger Störungen b e s e i t i g tBn g gewidmet ist; denn gerade die Rundfunk. störunaen sind es,"die an einzelnen Stellen zu einer wahren Land- plage für die armen Rundjunkhörer geworden sind und denen man iesit ganz energisch zu Leibe rücken will Zu diesem Zweck sind im vergangenen Jahr eine ganze Anzahl Störbesreiungs- drosseln, Kondensatoren und wie sonst noch all die Hilfs. mittel heißen, konstruiert und ausprobiert worden, die nun dem Publikum und der Fachwelt zur Begutachtung vorgelegt werden sollen. Insbesondere ist es die Reichspost, die sich im Laufe der oer- gangenen Jahre mit diesem Problem sehr itUensiy beschäftigt Hot und nun in ihrer Sonderausstellung, auf Grund ihrer Erfahrungen und obne Reklame für das eine oder das andere Fabrikat zu machen, die hier im Laufe der Zeit als brauchbar erkannten Apparat« zeigt und durch besonders erfahrene Beamte der Reichs- post erklären läßt. Die Reichspost zeigt weiterhin in dieser Sonderschau all das, was im Laufe des legten Jahres auf dem Gebietdes Fernsehens erreicht worden ist. Recht interessant ist z. B. der Versuch, vom Reichspostzentralamt in Berlin-Tempechof einen Film mit einem Fernsehsender auszusenden, der dann auf der Ausstellung mit einer Reiseempfänger, arbeitet ohne Antenne und Erde, mit eingebauter Rahmenantenne und eingebautem Lautsprecher und Batterien großen Anzahl von Fernsehempfängern wieder in Bilder zurück- verwandelt wird. Beachtung verdient, daß der vorgeführte Film ein Tonsilm ist. Weiter sind in dieser Sonderschau zwei Telephon- Zellen ausgestellt, in denen sich die Telephonpartner bei Jnbetrieb. scgung einer Fernsehapporutur sehen können. Auch die Fernsehindustrie wird im Rahmen dieser Aus- stellung ihre Neuheiten zeigen. Unter diesen interessiert besonders ein Baukasten, mit dem mait sich selbst einen Fernsehempfänger zu- sammenbasteln kann Damit will man wohl dem technisch inter- «ssierten Teil des Publikums die Möglichkeit bieten, die jegt noch nicht ganz einwandfreien Fernsehübertragungen durch selbstgebastelte Apparate mitanzusehen. Wie lange es noch dauern wird, bis jeder Radioapparat mit einer wirklich brauchbaren Fern- seheinrichtung versehen sein wird, ist noch nicht vorauszu- sagen. Erwähnt sei noch das Tonftlmoorsührgerät für den Hausgebrauch, das sicherlich viel Aufsehen erregen wird. Biel Raum ist auch dem ossiziellen Teil der Phono. l ch a u«ingeräumt worden, in dem alles, was den Laien über das Grammophon und über die Schallplattenherstellung interessiert, zu sehen ist. Insbesondere sei der Edison-Ehrenraum erwähnt. Dort sind in chronologischer Reihenfolge die verschieden st en, von Ediion selbst konstruierten Sprechmaschinenmodetl e(Phonographen), dar. unter auch die sehr wertvollen ersten Typen, die Apparat zur Wiedergabe oon Grammophon- und Radiomusik und zur Selbstherstellung oon Grammophonplatten noch mit Zinnfolien an Stelle der jegt gebrauch. lrchen Grammophonplotten bzw. Walzen arbei. ten. ausgestellt Verschiedene Skulpturen des jungen Edison vervollständigen das Bild des jetzt 84iährigeti„Zauberers vom Menlopark", der zwar nicht persönlich, aber auf dein Umweg über eine Schallplatte die Besucher begrüßt. Außer Edijon sind bedeutend« Zeitgenossen wie Einstein, Bernard Shaw. Stresemann usw zu hören. Auch die exotischen Pölkerstämm« ersxeuen mit ihren Gesängen und Musikoorfühkungen das Ohr der Bejucher. Die hier gespielten Platten entstammen der Lautbibliothek von Professor Dögen von der Preu- ßischen Staatsbibliothek, die hier zum ersten Male der breiten Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Typen der fremden Völkerstämme werden beim Abspielen der Platten gleichzeitig im Lichtbild gezeiat D«e Industrie erscheint mit einer großen Anzahl oon Ueber- raschungen nicht nur technischer Nutur, sondern auch hinsichtlich der Preise scheint man gegenwärtig, um die Ware loszuwerden, etwas vernünftiger zu denken als früher. Dabei spielt eine neue Röhre eine Rolle, die nur«inen Bruchteil der bisher benußten kostet und die infolge ihrer günstigen elektrischen Eigenschaften(sie ist gegen Netzbrummgeräusche völlig unempfindlich) die Herstellung eines sehr preiswerten Ortsempfängers ermöglicht. der mit dem Lautsprecher zusammen in ein einziges, sehr nett aus- sehendes Gehäuse eingebaut ist. Die oben erwähnte neue Röhre, die ■■■ ■ i: i■■ SrZ.'S■'■; Elektrod ynam isdi er Lautsprecher zuV Wiedergabe großer Lautstärken übrigens in der Außensorm völlig von dem bisher üblichen abweicht (sie besitzt ein ganz flaches, kurzes Glasgefäß), ist, was hier besonders bemerkt sei, nur für Netzempsänger und nicht sür Batterieempfänger verwendoar. Bevorzugt werden Orts- und Fernempfänger aus- gestellt, die außer mit dem vorhin schon erwähnten Lautsprecher mit emem zumeist elektrisch betreebenet> G r am m o p h o tzp l a t te n. drehwert ausgerüstet sind, mit denen man durch einen einfachen Hebeldruck von der Radiowiedergabe zur Grammophonmusikrepro- duktion übergehen kann. Dieser„Heb eidruck der heute von der Mehrzahl der Rundsunkteilnehmer, die ja zumeist nur„ N u r- H ö r e r" sind, als einzig auszuführende Bcdienungsbewegung gefordert wird, hat zu einer wettgehenden Umgestaltung des Rundfunk» empfangsapparates geführt. Die vor einem Jahr schon recht geringe Anzahl oon Bedienungsknöpsen ist noch mehr oer- mindert worden Hierdurch hat der Rundfunkempfänger das letzte Gepräge seines ursprünglich technischen Charakters verloren und stellt insolge seines„Allerweltstils" nur noch einen Einrichtungsgegenstand dar, der sich jedem Wohnraum bestens anpaßt Ueber den weiteren Aufbau des modernen Empfängers Typ 1930 sei folgendes gesagt: Die bisher guten Erfahrungen Störsdiuizgerät mit eingebauten Kondensatoren und Drosseln mit den Schirmgitterröhren haben den Anlaß gegeben. daß lehr viele Empfänger ausschließlich mit Schirmgitterröhren aus. gerüstet wurden. So finden wir Dreiröhrenapparate, die in der Hochfrequenz-, in der Audion- und in der Endstufe ein Schirmgitter- robr haben. Bei dem legt als Standardapparat anzusehenden Vier- röyrenempsänger finden wir manchmal noch ein weiteres Schirm- gitterrohr in der Hochfrequenzstufe oder ein normales Rohr in der Niederfrequenzstufe. Zur Erläuterung sei hier noch bemerkt, daß die Techniker unter dem Namen Schirm gitterrohr eine Ver- stärkerröhre oerstehen, die an Stelle des sonst üblichen einen Gilters drei besitzt, wodurch ganz besonders günstige Eigenichaften der Röhre erzielt werden Der Fernempfang und die Klangreinheit dieses Empfängers, die für Gleich- und Wechselstrombetrieb, zum Teil auch sür Batteriebetried, geliefert werden, ist außerordentlich gut. Weiter sei noch der tragbare Empfänger erwähnt(der sogenannte Reiseempfänger), der im Hinblick auf die sich immer mehr und mehr ausdehnende Weekendbewegung eine große Zukunft be- sitzen dürste und der diesmal in einer großen Zahl bedeutend oer- besserter Konstruktionen aus den Markt kommt Leichtes Gesamt- gewicht und größere Reichweite sind die Kennzeichen dieser neuen tragbaren Empfänger, die ohne Antenne und Erde überall arbeiten, da eine im Innern des Empfängers eingebaute Rahmen- antenne die Wellen ausfängt Die Neuheiten der Akkumulatoren- industrie sind besonders aus die Bedürfnisse des tragbaren Empfängers zugeschnitten So sieht man Akkumulatoren, bei denen die slüssige Säure oon porösen oder gelatineartigen Stoffen ausgesaugt wird, um ein Auslausen des Empfängers zu verhindern. Da die Erfah- rungen mit diesen Haldtrockenatkus nicht immer sehr günstig waren, zeigen diesmal einige Firmen Akkumulatoren mit flüssiger Säure- füllung, bei denen durch eine besonders durchgebildete Vorkammer- anordnung ein- Auslaufen der Säure vermieden wird, lim ein geringes Gewicht zu erzielen, bestehen die Akkumulatorengesäße aus Hartgummi oder Celluloid Aus der Fülle der auf dem Markt besindlichen Anodenbatterien fällt die Roßbatterie aus, bei der durch eine befottbere Anordnung der Zellen im Innern und durch eine lehr hochwertige, vierfache wasserdichte Jsolierhlllle, mit der jede Zelle umgeben ist. die Innen- isolation sehr gesteigert wird. Mit der Steigertmg der Innenisolation wird ein bisher immer vorhandener Nachteil der Dnodenbatterie beseitigt, der darin besteht, daß immer Nebenströme in der Batterie Neuartiger Kurznoellenempfänger, bei dem durch Rasten die Einstellung oer ein! acht wurde Herumflossen, die zu den bekannten unangenehmen Batteriestör- geräuschen Veranlassung gaben. Da bei dieser Batterie«in besonders intensiver Elektrolyt Verwendung findet, beträgt die Nutzkapazität dieser Batterie 499 Betr-ebsstunden(berechnet auf eine Strom. entnähme von 5 Milliampere) Auf den Ständen der P h o n o t n d u st r t e bemerkt man eine sehr stark« Verdrängung drr mechantsch-akustischen Sprechmaschine durch die elektroakustische Sprechmajchine. Aussehen dürste auch die Sprechmaschine erregen, die automatisch 25 Platten hinter- eiyander wahlweise auslegt und automatisch ab- spielt. Weiter sieht man Kofsergramntophone, die mit einem Federzugwerk und einem Eleltrowerk angerüstet wurden, so daß man zu Hause mit dem Licht st rom arbeitet und nur draußen im Freien das Ausziehen notwendig hat. Ein anderes Koffergrammophon ist derart gebaut, daß es mit geschlossenem Deckel gespielt werden kann. Damit wird ein bisher als recht unangenehm empfundener Mißstand endlich behoben. Weiter interessiert die Week. endler noch ein Koffergrammophon, das man nicht mehr genau waagerecht auszustellen braucht, das also in jeder Lag« arbeitet. Die jetzt sehr beliebten unzerbrechlichen farbigen Trammophonplatten aus unverbrennbarem Cellon. oder Moderner Vierröhrenempfänger mit oon, hinten erleuchteter Ricsenskala Nitrocellulosemaierial werden von verschiedenen Firmen gezeigt. Da man für diese Grammophonplatten eine besondere Nadel, nämlich eine sogenannte Winkelnadel benötigt, werden diese Spszial- nadeln, mit denen man natürlich auch jede andere Grammophonplatle spielen kann, in großer Zahl angeboten. Auch die neuen Gramms- phonnadeln aus japanischem Bambusholz oer. dienen Beachtutig, da man sie mehrmals benutzen kann, indem man einfach ein Stück oon der Spitze, die abgenutzt ist. abschneidet. Diele Nadeln sind mit einer besonderen Masse getränkt, die als glättendes Schmiermittel die Rillen aussüllt und dadurch das Nadelgeräusch vermindert Zum Schluß sei noch ein Apparat erwähnt, mit dem man Radio- empfang durchführen. Grammophonplatten abspielen und auch selber Grammophonplatten herstellen kann Dieser Apparat stellt also die Erfüllung eines schon längst gehegten Wunsches nach dem gesprochenen Brief dar.___ Ingenieurtagung in Wien Der Verein Deutscher Ingenieure, der im Mai nächsten Jahres lein 76jähriges Bestehen feiern kann, wird seine diesjährige Haupt- Versammlung am 1 4. S e p t e m b e r in Wien abhalten, wo der Oesterreichische Verein Deutscher Ingenieure bereits eifrige Vorbereitungen zum Empfang der reichsdeutjchen Fachgenosjen trifft Wie stets bei dieser bedeutsamen Jahrestagung des größten Jngenieurverems werden auch diesmal wissenschaftliche Veratungen der Hauptoerjammlung vorangehen Sie beginnen bereits am 12. September mit einer Fachsitzung.Verbren- n u n g s in o t o r e n". der sich am gleichen und am folgenden Tage Sitzungen auf den Gebieten. H o lz t e ch n i k„Schweiß- technik" und„Betriebstechnik" anschließen. Den Ge- bieten„Ausbildungswesen�" und„Geschichte der Technik" werden besondere Fachveranstaltungen gewidmet sein. In Verbindung mit der letzteren wird in der Albertina eine vom Oesterreichtschen Verein Deutscher Ingenieure geschaffene Aus- stellung„Oesterreichs Technik in Dokumenten der Zeit" durch Herrn Hasrat Jng. L. Erhard eröffnet Die eigentlich« Hauptversammlung wird am Sonntag um 19 Uhr im Musikoereinsgebäude durch die Eröffnungsansprache des Vorsitzenden des Vereins Deutscher Ingenieur«. Generaldirektor Dr.-Ing. si. c. Köttgen. Berlin, eingeleitet werden. Den Haupt Vortrag hält der Staatssekretär o. Ii, Sektionschej Jng. Dr. Enderes Wien, über das Thema„Die Straße", Sport am Sonntag Vor allem: Kreisfest der Arbeitersportlerinnen in Nowawesl Die Sportlerinnen und Turnerinnen de» 1. Kreises (Lerlin-Vrandenburg) Im Arbeiter-Turn- und Sporlbund ver- anstalten am morgigen Sonntag ihr drittes kreis- Jrauen-Turn- und Sportfest in Ztowawes. Den Auftakt zum Fest bildet heute Sonnabend um Uhr ein Faktelschwimmen sowie eine Lampionkorsofahrt der Wassersportlerinnen, dem sich der Fackelzug zum Friedrich-Kirch- Plag anschließt, auf dem Franz K ü n st l e r, der Freund der Arbeiterfportler, die Weihe der 50 roten Sturmsahnen vornehmen und damit gleichzeitig die starke Verbundenheit zwischen Partei und Arbeitersport zum Ausdruck bringen wird. Biihnenuorsührungen beschließen oen Abend. Am S o n n l a g um 6 Uhr durchziehen die Tamboure der Freien Musikvereinigung Verlin sowie der übrigen Spielinannszllge die Stadt zum großen Wecken. Frühzeitig muß mit den sportlichen Vorkämpfen begonnen werden, der Meldungen sind zu viele. Um 9 Uhr gibt es eine korsofahrl der Wassersportlerinnen durch „Klein-Venedig" zu sehen. Anschließend daran finden die Weit- kämpse der Schwimmerinnen statt. Die 3XSl)-M«t«r. Lagenstaffel bringt 15 Mannschaften an den Start. In der Jugendbruststasette über-tX50-Meter werden 18 Mannschaften um den Sieg ringen. Mit über 79 Teilnehmern ist das Jugend« sowie Frauenbrust- schwimmen über 199 Meter besetzt. Den Glanzpunkt der Veran- staltung aber wird auch hier wieder der Frauenkunstreigen sein, der stets ein recht beifallsfreudiges Publikum findet. Den Abschluß der schwimmerischen Wctttämpfe bildet ein- Pushballspiel, das ob seiner manchmal komischen Situation anregend auf die Lachmuskeln der Zuschauer wirken kann. Aber auch die Ruderinnen wollen zeigen, daß sie etwas können. Während die Schwimmerinnen noch mit der Abwicklung ihres Programms beschäftigt sind, beginnt auf der Havel die Ruderregatta. Hier wird ganz besonders das Stilrudern im Doppelvierer, zu dem 13 Mannschaften gemeldet sind, das die gesundheitsfördernde Bedeutung des Ruderns für die Frau demon- stricren wird.— Zwischendurch auf den besonderen Plätzen einige Handball- sowie Faust- und Trommclballspiele, und das Programm des Vormittags ist beendet. Nachmittags wird sich pünktlich um 14 Uhr vom Friedrich- Kirch-Platz der Festzug der Frauen in Bewegung setzen, der die Teilnehmer durch Nowowcs zum Stadion führt. Hier wird Frau Kern von der Sozialdemokratischen Partei zu den Frauen sprechen. Dann beginnt das hauptseflprogramm, das in seiner Reichhaltigkeit für jeden etwas bringen wird. Den Schluß des Festes bilden Volks- länzc sowie eine Schlußfeier. Die Fülle sowie die Güte des Pro- gramms läßt nichts zu wünschen übrig. Der Festbeitrag von 59 Pf. ist so gestellt, daß es jedem Freund des Arbeitersports möglich ist, das Fest zu besuchen. Darum nochmals in letzter Stunde: Besucht da« Fest der Arbeitersportlerinnen! Ueberzeugt euch von der körpcrbildenden, gesundheitsfördernden Betätigung der Frau im Arbeitersporti Der Berlin-Brandenburger Kreis des Arbeiter-Athletcn-Bundes veranstaltet morgen im Garten des Restaurants„Neuseeland" (früher Schonert) am Bahnhos Stralau-Rummelsburg ein« große Sportschau. Im Ringen kämpfen um die Auswahlmannschaft: Im Fliegengewicht Borchert-Lichteuberg-Friedrichsfelde gegen Zädo-Tegel, im Bantamgewicht Spliehstößer-Lichtenberg-Friedrichsfelde gegen Langer-Sparta, im Federgewicht Hüffner-Sparta gegen Binder- Lichtenberg-Friedrichsfelde, im Leichtgewicht Burkhardt-Saxonia gegen Weyhe-Alt-Weoding, im Mittelgewicht Eckert-Alt-Wedding gegen Wittkamm-Sparta, im Halbschwergewicht Kretschmer-Sparta gegen Höhne-Tegel und im Schwergewicht Rosenkranz-Alt-Wedding gegen Mühlstafs-Tcgel. Es wird in allen Klassen erbitterte Kämpfe geben, da die Vertreter eine gute Klasse darstellen. Die Artisten- sparte des Kreises wird gute Nummern stellen, damit jeder Besucher dieser Veranstaltung auf seine Kosten kommt. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung im Saal statt. Beginn des Programms 17 Uhr, ab 15 Uhr Konzert. Eintritt 39 Pf. * ' Im Vordergrund des Interesses der Radsportfreunde stehen natürlich die wellmeisterschasten in Drüssel. die mit der Meisterschaft iibar die kurze Strecke ihren Anfang nehmen. Die deutschen Inter- essen vertreten die Berufsflieger Engel, Stesses und Oszmello sowie die Amateure Trauben und Dasch. Auf der Berliner Olympiabahn soll nun nach langer Pause die Wiedereröffnung vor sich gehen. Teilnehmer am„Großen Preis von Deutschland" sind Sawall, Krewer, Ehristmann, Hille, Thollembeck, Brcau und Blekemolen. *• Auf dem Sportplatz im Friedrichshain kommt das klassische 25-Kilometer-Bahnlausen um das Championat der Streckeniäufer bürgerlicher Leichtathletikoereine zum Austrag. Die Schaffung des seit dem Jahre 1997 veranstalteten Championats erfolgte seinerzeit aus dem Wunsche heraus,«ine leichtathietische Konkurrenz über 25 Kilometer zu schaffen, weil bei den deutschen Meisterschaften zwischen den Strecken von 19 Kilometern und dem Marathonlauf, der bekanntlich über 42 Kilometer führt,«ine zu große Lücke klafft«. ★ Der Derein für Hindernisrennen wartet am Sonntag in Karls- Horst wieder mit einem glänzenden Programm auf, das fast 45 999 Mark an Preisen ausweist. In dem Hauptjagdrennen konunt eine der bedeutendsten Entscheidungen des deutschen Hindernissports zum Austrag. Dos Rennen ist mit einem Ehrenpreis und 22 599 M. aus- gestattet. Die Beranftaltung beginnt um 15 Uhr.— Am Montag, dem 25. August, müssen die Freunde der Trabrennen von der Ruhlebener Rennbahn Abschied nehmen, denn bereits am 31. August nehmen die Renne» in Mariendorf ihren Anfang. Der Ruhlebener Schlußtag verspricht noch hochinteressanten Sport. Den Höhepunkt bildet eme Zuchtprüfung, der Ruhlebener Pokal, eine Steher- konkurrenz, in der sich die Dreijährigen über die lang« Distanz von 3999 Meter versuchen. Im Spätsommerpreis trifft sich«in Feld der besten internationalen Klasse. Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr. Lin neuer Stern Baltesinis erfolgreiches Debüt bei Hütt Die letzte diesjährige Abendveranstaltung der Rütt-Arena ge- staltete sich zu einem großen Publikumsersolg. Die Tribünenbesucher kamen dann auch auf ihre Kosten, zumal die Veranstalter ernsthaft bemüht waren, ein ausgezeichnetes Fahrerfcld vorzuführen. Recht lcbhost verlief das mit fünfzehn Mannschaften besetzt« 75-kilometer.Mannschaftsrennen, das m de�r erst achtzehnjährigen Italiener Battesini einen ausgezeichneten Akteur hatte. Der Italiener verstand es sehr schnell, die Sympathien der Berliner Rad- sportgemcinde zu erobern. Er fuhr stark, kämpfte jedoch nie ver- bissen, und wußte trotz einiger taktischer Fehler seine Position ze- mcinsam mit seinem Partner Dinale gegen jeden Angriff sicher zu verteidigen. Nachdem(Schorn— Damm, Lehmann— Wissel, Meyer— S t ll b e ck e und Dinale— Battesini dem Felde ein« Runde Abgenommen h-atten, holten die Italiener noch einmal zum Schlage aus und sicherten sich jetzt die alleinige Führung, die sie bis zum Schluß behielten. Alle Angriffe P i e t van Kempens, der mit dem deutschen Tour-de-France-Fahrer Schön gepaart war, auf die Spitzenreiter blieben ohne Ersolg! Er versucht« allerdings gemeinsam mit einigen anderen Mann- schaftcn, eine der beiden Verlustrunden gutzumachen und sich im Klassement an zweiter Stelle zu setzen. Das Tempo im Felde war scharf, wurden doch in der ersten Stunde 45,519 Kilometer zurückgelegt. Ein Verfolgungsrennen Schön— Battesini, das zweimal infolge Defekts Schön abgeläutet werden mußte und an Stelle der vor- gesehenen 39 Runden schließlich mit 15 Runden ausgefahren wurde, fiel knapp an Schön. Der Wiesbadener wurde übrigens zu Beginn" der Veranstaltung Gegenstand einer Ehrung: Altmeister Willi Arendt überreichte dom jungen Fahrer ein Geschenk für sein gutes Verhalten in der langen und schwierigen französischen Etappen- fahrt. Das Mannschafts-Omnium Deutschland— Ausland-L ein Fliegerrennen,«in Punktefahren und ein Verfolgungsrennen— wurde eine Beute der Deutschen, die nach dem Punktefahren den Sieg in der Tasche hotten. Die beiden Läufe des Fliegerrennens wurden von S t ü b e ck e und von van Kempen, das Punktefahren von R o n s s e gewonnen. Im Gesamtklassement war das Ergebnis 5:4 für Deutschland. Im Verfolgungsrennen behaupteten sich dann die Ausländer mit 75 Meter Vorsprung. Schließlich teilten sich noch Lehmann und Wissel den Sieg im Ausscheidungsfahren. — tz. etfleintlt« de» 7d.«>lometrr.MannIchaft-lahtt»»: 1. Dtnale-Batlesini, .17 Punrle. 1:311:51; eine Runde zurück: 2. van Kempen-Slbön, zi P.; 3. Mielhe- Mandelkow, 17 P.: 4 Eck:orn.?-amm. 16 P.: 5. Ronfse-Devwaes. 15 P.; 6. Meyer-Stilbecke. 13 P.; 7. Leliniann-Wissel. 4 P.; zwei Runden zurück: ».«rüa-r.g-undo. 3S P.; IK Nroll.Rickel. 16 P.: 10. S!>nier.?!ell. 14 P.; 11. Schwemnilcr-Nantarowic,. w P; 12 Gedr. Wolke, 10 Punk!«. Sie hm eine Reise Max K a ra s und Fritz Mormann, zwei Arbeitersportler aus Leipzig, befinden sich seit dem 5. Mai 1928 mit ihrem kam- binicrlen Land- und Wasserfahrzeug auf einer großen Fahrt. Das selbstgebaute Boot, das für normal« Verhältnisse durchaus seetüchtig ist. auf festem Grund und Boden aber durch Anbringung von Rädern zu einem Landfahrzeug umgewandelt werden kann, ist in seiner Kajüte sehr wohnlich eingerichtet und bietet den beiden„Halb- welt"reisendcn Schutz vor Wind und Wetter. Bisher führte der Weg von Leipzig durch die Schweiz und Frankreich, durch Spanien, Portugal, Dänemark, Schweden, Norwegen wieder zurück an dre deutsche Nordseeküste. Ein« ge- plante Fahrt nach dem Nordkap im vorigen Jahre muht« wegen der ungünstigen Witterung ausgegeben werden. Die kühne» Reiseade» durchqueren jetzt Deutschland und wollen nach dem Schwarzen Meer und weiter nach der Türkei und Indien. Bei ihrem Besuch auf der Redaktion des„A b« n d" konnten sie aus allen größeren Stäoten des In- und Auslandes Beglaubigungen ihrer Durchreise vorlegen: besonders die Sportredaktionen großer Blätter interessierten sich für die immerhin nicht alltägliche Reise, und so haben sich die Arbeiterfportler, die durch Arbeitslosigkeit zu ihrem etwas abenteuerlichen Unternehmen kamen, ein« hübsche Sammlung von Zeitungsaus- schnitten angelegt. Ihren Lebensunterhalt bestreiten sie durch den Verkauf von Postkarten und durch Vorträge. Sie sind u. a. Mit- glieder des Touriftenvereins„Die Naturfreunde". MüyuUoiXW Die Spiele am Wochenende Am heutigen Sonnabend spielen bei den Arbeiterhai. d- ballern FTGB.-Rosenthal(1. Männermannslzaft) gegen FTGB.- Pankow 1. um 19 Uhr in Rosenthol, Hauptstraße, und Eichc-Köpenick (1. Männermannschaft) gegen FTGB.-Neukölln 1. um 18 Uhr in Köpenick, Wendenschloßstraße(Vereinsplatz). Am Sonntag hat Freie Sportvereinigung Koulsdorf in Kaulsdorf, Köpenicker. Straße, FTGB.-Nordring als Gegner: es spielen di« Iugendmannschaften um 14.29 Uhr, die 2. Männermannschaften um 15'/, Uhr und die 1. Männcrinaiinschaften um 1(5.49 Uhr. Auf dem Dereinsplatz in Köpenick, Wendenschloßstroße, spielen Köpenick (2. Iugendmannschoft) gegen Sokol 1. um 12.25 Uhr: die 1. Jugend- Mannschaft gegen Freie Sportvereinigung Zehlendorf 1. um 14.39-Uhr und di« gleichen 1. Mäunermannschasten um 16.45 Uhr. Wildau hat in Wildau sür di« 2. Männermannschaft um 19 Uhr FTGB.-Mitt« 1. Männermannschaft und für die Iugendmannschast FTGB.-Neukölln verpflichtet. In Strausberg spielt die Jugend- Mannschaft gegen FTGB.-Süden um 19 Uhr und die 1. Männer- Mannschaft gegen Süden 4. um 11.15 Uhr. FTGB.-Stralau und ITGB.-Nordost spielen in der Bödickerstraße und zwar stehen sich die 2. Männermannschaften um 15 Uhr und die 1. Männtrmann- schaften um 17.15 Uhr gegenüber. Weitere Spiel« der Männermannschaften: FTGB.-Lankwitz 1. gegen Kleingärtner 1. um 15 Uhr in Lankwitz: Rehfelde 1. gegen Fichtenau 1. um 15 Uhr in Rehfeld«: Schenkendorf 1. gegen Schwante 1. um 15 Uhr in Schenkendorf: Halle 1. gegen FTGB.- Oberspree 1. um 14 Uhr in Halle und Potsdam 1. gegen Teltow 1. um IS Uhr in Potsdam, Lu-ftschiffhofen. HandbaHmcisterschaft des Bundes Die Spiele der fünf Landesoerbandsmeister um die Meister- schaft des ATSB. sind von der Handballbundeslcitung wie folgt angesetzt worden: Magdeburg- Fermersleben(Mitteldeutscher Verbandsmeister) gegen FIGB.-Wcdding(Ostdeutscher Verbandsmeister) am 31. August in Magdeburg. Der Süddeutsche Meister„Freie Turnerschaft"- Pfeddersheim gegen den Nordwestdeutschen Meister MTV.-Hannooer- Hainholz am 7. September in Frankenthal(Pfalz). Der Oester- reichische Meister Wien-Ottakring hat am 21. September in Wien gegen den Sieger von Magdeburg zu spielen. Dos Endspiel um die Bundesmeisterschaft ist für den 28. September im Stadion zu Hannover vorgesehen. Es werden dort der Sieger von Wie» und der von Frantenthal zusammentreffen. Boxkämpfe im Lunapark Ermutigt durch den Erfolg der ersten Veranstaltung im Limo- park, hat sich die Direktion entschlossen, am kommenden Sonntag «»« weitere Reihe von Lerussboxkämpsen zu starten. Für dm Hauptkamps hat man den jungen, überaus schnell nach vorn gekom- menen Bveslauer Schwergewichtler Emil Scholz gegen den er- probten Danziger Hans B i s ch o f f verpflichtet. Willi B o l s und Paul Vogel vervollständigen das Programm, das um 19 Uhr beginnt. � Kleiner Sport aus aller Welt Zur Beteiligung an der Wahlkundgebung der Sozialdemo. kratischen Partei im Bezirk Kreuzberg. Donnerstag. 28. August, treffen sich die Spielleute der Freien Sport, und Musikvereinigung pünktlich 17 Ahr 59 Minuten am hoch- und Unlergrundbohnhof „Sottbusser Tor", Abmarsch 18 Uhr vom„wassertorplah" am Luisen. user. Slrahenkleidung. Fahrgeld für die Erwerbslosen und Be- dürstigen wird zurückerstattet, llebungsftunde am Freitag. 20 Uhr. mit Instrumenten. Spielleute im Sporchaus an der Zonnowihbrücke, Dirksenstr. 1. Bläserabteilung Wühlischslr. Zö. Reue Mitglieder, auch passive, werden ausgenommen. Gäste stets willkommen. Sonn. abend. 30. August, für alle Teilnehmer an der Fahrt in die Ruppiner Schweiz Karlenausgabe 17 Uhr 39 Minuten in der Vorhalle des Stettiner Fernbahnhofs. Grüne Beteiligungskarte nicht vergessen! * 20 909 Dollar sür Helen wills. Großes Aufsehen erregt in ganz Amerrka die Mitteilung des amerikanischen Tennisverbandes, daß er der Tennisweltmeisterin Helen Wills, der jetzigen Frau Moody, di« Amateureigenschaft aberkennen will, wenn Helen eine von dem oerstorbenen Senator Phelan sür sie ausgesetzte Stiftung in Höh« von 29 999 Dollar annehmen sollt«. Diese Drohung wird die berühmte Spielerin kaum davon abhalten, auf die 29 999 Dollar zu verzichten. * Finnlands Athletikgarde im Kampf. Im Rahmen eines zwei» tägigen Leichtathletikfestes, das am 27. und 28. August in Heising- fors stattfindet, sind zwei hochinteressante Wettkämpfe über längere Strecken vorgesehen. Am ersten Tage laufen die Finnen N u r m i, Virtanen und Loukola mit dem Polen Pcttiewicz über 5999 Meter, tags darauf gesellt sich über 3999 Meter zu diesem Quartett noch Eino Purj«, der neue sinnische 1599-Meter-Meister. Kotrittt Turnhallcnvcrtcilung! Das Kartell für Arbeitersport und Körperpflege, gezeichnet Oehlschläger, bittet uns, folgendes mitzuteilen: Für die Vergebung der Turnhallen aller Schulgattungln sind jetzt für die Verwaltungsbezirke: 1. Bezirk„Mitte", 2. Bezirk „Tiergarten", 3. Bezirk„Wedding", 4. Bezirk„Prenzlauer Berg", 5. Bezirk„Friodrichshain" und 6. Bezirk„Kreuzberg" einheitliche Antragsvordrucke angefertigt worden. Alle Kartellvereine, die innerhalb dieser Bezirke Turnhallen benutzten und weiter benutzen wollen, sowie neue Vereine müssen diese Antragsoordruckc sofort in der Kartellgefchäftsstelle, Berlin N. 65, Na�zarethkirchstraße 45. Telephon: OK— Wedding 2977, absordern. Vereinsbriefbogen nebst Vereinsstempel und genaue Adresse des Vereinsoorsitzenden find Bedingung. Telcphonischc Bestellung ausgeschlossen. Andere Anträge an das Stadtamt zur Vergebung der Hollen sind nichtig. Für das kommend« Winterhalbjahr ist die sofortige Einrcichunz erforderlich. grei««»«».U»I»n«. B. Bftriliflimfl all» Gnioriinrrn am Brcisfroutnffft in Nowawks. Erschein?» Pflickit. IflGWV, Tcmpeliwl Raricndors.'All?-JHitqlifbcr bclciHflrn sich am Wahl- umzufl Ott Lozialdrmskralischrn Partei hrnir. Sonnabend, in Marirnfritr. Tröffpunkt Morirnfeldr, Bi-marckstra�t. Eisrnbabnkrruzuna.— Ab Montan. 25. Auqust. findet boo Turnrn witdrr rtfltlmäßia in drr 4. und 5. Grmtind-. schult. Attilastragt, statt. Turnztitrn: Miinntr: Montan und grritoa 20 di» 22 Uhr; ssraurn: Monioa und Tonnrrstao 2»-.22 Uhr: Rindrr: Montaa NN, Donntrslaq 13— ISiVi Uhr.— Conntaa, 24. Ruauft, Zrtffpunlt zur �ahrt 7 Uhr Bahnhof Trmprlhof. Rustraaung von iZauftdallmannschoitslämpftn Ttnni».Rot Groh.Bcrli». t.«. Sacktnabttil»»»: Ditns'aa, 26. Auausi. 13 Uhr, Hocktyirainino, Sportplah Ost, Lasktrstrasr. Sonnabend. 23. August, Berlin. 16,30 Blasorchcstcrkonzert. 17.30 Dr. Kurt Finthus: Zehn Minuten Filtn. 17.40 Dr. Eugen Ncspcr: Verbesserung des Rundfunkenipfanrs. 18.05 Punkausstclluns. Eine Rcportarc.(Mikrophon: Alfred Braun and Karl Vetter.) 18.30 Untcrbaltunffsmusik. 19.30 Arbeitsmarkt. 19,35 Paul Kornfeld: Die Er/.ählune der Woche. 20.00 Haus der Funkindustrie i Kabarett. Leituns:: Cdlcf Köppen. Nach den Abcndmcldunscn bis 0.30: Tanzmusik. KOnlfswnsterhivseB. 16.00 Hamburg: Nachmittarskonzert. 17.30 Obcrschulrat Dr. Theodor Bohner: Stiitsbflrrerllche Crriehun* 18.00 Fritz Schröder: Am Schaltwerk der Arbeitskraft. 18.30 Rcr.-Rat Dr. Pactsch: Verkehrsunfälle nnd ihre Vorhfltnnf. 18.55 Französisch für Fortgeschrittene. 19.25 Paul Westheim: Munch-Corinth. 20.00 Köln: Lustiger Abend. Sonntag, 24. August. Berlin. 6.30 Funkgymnastik. Anschließend: Frühkonzert. 8.00 Für den Landwirt. 8.50 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Bach-Kantate Nr. 46, für Alt, Tenor, Baß und gemlschen Chor.(Solisten: Rurh Pafzschkc. Maximilian Willimsky, Erich Fuchs. Dir.: Maximilian Albrccht. Funkchor. Funkorchester.) 11.30 Elternstunde. Kinderangst. 12.00 Mittagskonzert. 14.15 Sportvorschau. 14.30 Hede Geber: Lustige Fabeln. 15.00 Was gibts denn Neues?(Willi Schacffers und Paul Nicolaus.) 15.30 Klaviervorträge.(Erich Rust, Flügel.) 16.00 Kurt Heuser liest eigene Dichtungen. 16.30 Unterhaltungsmusik. Als Einlage: Aktuelle Abteilung. IS. 50 Sportnachrichten. 19.00 Liebeslieder, op. 10, von Wilhelm Grosr.(Annelies Rust, Sopran. Am Flügel; Erich Rust.) 19.50 Norbert Schiller; Minuten-Dramen. 30.00 Blasorchester-Konzert. Anschließend: Zeit, Wetter, Nachrichten, SporL Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Könlgswustcrhansen. 18.30 Friedrich Nietzsche zum 30iährigen Todestag. Einführung: Dr. h. c. Elisabeth Focrster-Nietzsche.— Aus Nietzsches Werk.(Erich Walter.) 19.25 Hans Tcssraer: Richard Wagner» Götterdämmerung, Wetter für Berlin: Wechselnd bewölkt, zeitweise Regen. Temperaturen bei lebhaften südwestlichen Winden wenig oerändert. — Für Deutschland: Allgemein veränderliches Wetter, in den meljtell Gebiete» mit etwa» Ragen.