. BERLIN Montag 25. Auguft 1930 Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntag& Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 66 10 Pf. Nr. 396 B 197 47. Jahrgang Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Ein neues fommunistisches Programm Die KPD. wird nationalistischer als Hitler. Der neue Programmpunkt: „ Wir versprechen nichts, was wir nicht halten können." Der Kandidat. Dreimal wegen schweren Diebstahls vorbestraft. Im Wahlkreise Köln hat, wie wir der Rheinischen Zeitung" entnehmen, die Kommunistische Partei den Stadtverordneten Karl Sattler, Maschinenschlosser, an bevorzugter Stelle als Reichs tagstandidaten aufgestellt. Ueber diesen Vertrauensmann der bolschewistischen Zentrale weiß die Rh. 3." zu berichten: ,, Vor einigen Monaten fand in Köln eine Gerichtsverhandlung statt. Stahl und Sattler waren wegen Beleidigung angeklagt, wurden jedoch freigesprochen. Dabei verlas der Vorsitzende eine gerichtsnotorische Vorstrafenliste. Aus ihr ergab sich, daß Karl Sattler, Stadtverordneter zu Köln und nunmehriger KPD.- Reichstagskandidat, dreimal wegen schweren Diebstahls und Betrugs insgesamt mit Gefängnis von mehr als cinem Jahre vorbestraft ist. Allein im Jahre 1921 hat er ein Jahr Gefängnis erhalten. Sattler hörte sich die Vorlesung des Borfizenden ohne Widerspruch an." Der Sattler von Köln ist sicher berufen, sowohl dem Reichstag wie seiner Partei Ehre zu machen. Wer ist's? Paul Hertz, der Steuerräuber. Neulich stellte die Rote Fahne" ihren Lesern die Berliner Sozialdemokratischen Kandidaten vor:„ Aufhäuser stimte jedem Raubzug gegen die Erwerbslosen zu." Breitscheid, der seine ganze Beredtsamkeit zum Schuße der Regierung Brüning aufbot." Der Ruhm der Fahne" hat den Halleschen Klossenkampf" nicht schlafen lassen. Er bringt ein Bild des sozialdemokratischen Spizenkandidaten für Halle- Merseburg und schreibt darunter: Dr. Her, wieder Spitzenkandidat der SPD. am 14. September, st and an der Spize der Steuerräuber. Armer Paul! Nun bist auch du erkannt! Linksdemokraten für Sozialdemokraten. Abkehr von der Staatspartei. Die im Anschluß an die Gründung der Deutschen Staatspartei von Professor Ludwig Quidde gegründete ,, Unabhängige Demofra tische Bereinigung", die die linksdemokratischen Kreise umfaßt, hielt am Sonntag in Berlin ihre erste Führertagung ab. Die Tagung hatte die Aufgabe, die Wahlparole der Unabhängigen Demokraten festzulegen. Die Tagung war einmütig der Ansicht, daß man Blankowechsel gegen Naziabgeordnete O erklärte, daß die Ergebnisse der Londoner Flottenkonferenz am französischen Flottenbauprogramm nichts änderten. Er bezeichnete als Kardinalpunkt die Modernisierung der Marine. Es genüge nicht, neue Flotteneinheiten zu schaffen, sondern man müsse auch die Häfen und Marine arsenale vollkommen neugestalten und sie den Bedürfnissen des Krieges unter Benutzung aller Fortund sie den Bedürfnissen des Krieges unter Benutzung aller Fortschritte der modernen Technik anpassen. Nur um diesen Preis werde man eine aktive, lebendige Marine haben und über cifrige und begeisterte Seeleute verfügen. Die franzöfifchen Alpenmanöver. Paris, 25. Auguft. An der italienischen Grenze haben unter Leitung des Kommandierenden Generals des XV. Armeeforps Manöver stattgefunden, denen man in militärischer Kreisen große Bedeutung beimißt. Truppenverbände des 141. und des 94. Infanterieregiments hatten die Aufgabe, den Balette paß anzugreifen, dessen strategische Beherrschung den Einbruch in das obere Baltal ge-| statten würde. Das Ergebnis der Manöver war die Abwehr dieses Scheinangriffs. Sozialdemokratische Kandidaturen. 3n Dresden und Chemnih. Die beiden noch ausstehenden Wahlkreise Dresden und Chemniz haben am Sonntag die sozialdemokratischen RandiDaten für die Reichstagswahl aufgestellt und zwar für Dresden: Fleißner, Toni Sender, Dobbert, ( Meißen), Krägig, Schirmer, Ant, Frau Dr. Stegmann. Chemnih- 3widau: Ströbel, Seydewiß, Kuhnt, Graupe, Daniel Stücklen. Etappen Ozeanflug geglückt. Deutscher Flieger Gronau in Halifax gelandet. New York, 25. Auguft. Der deutsche Flieger von Gronau hat seinen Etappenflug von Deutschland über Island und Grönland nach Kanada glücklich beendet und ist um 22 Uhr Berliner Zeit in Halifax( Neuschottland) glatt gelandet. Von Cartwright aus hatte er in ständiger Verbindung mit den kanadischen drahtlofen Stationen geftanden. Der Flug ist glatt verlaufen, die Motoren arbeiteten vorzüglich, obwohl an der ganzen atlantischen Küste rauhes und regnerisches Wetter herrschte. Wie jetzt feststeht, hatte von Gronau die Zwischenlandung in Cartwright dazu benutzt, um seine Brennstoffvorräte wieder aufzufüllen. Die 50- Jahr- Feier von Wyden 3m Hintergrund der Kapitalist ( Im Innern des Blattes] bei dieser Wahl nicht mit eigenen Listen vorgehen könne. Dagegen war man sich ebenso darüber einig, daß eine Wahl der 3entrumspartei und der Staatspartei für die Unabhängigen Demokraten nicht in Frage fomme, und daß die Mehrheit der Unabhängigen Demokraten wohl der Sozial. demokratie ihre Stimme geben würde. Ein Ausschuß, bestehend aus Professor Quidde, Rechtsanmalt Braubach und Redakteur Reinheimer, wird am Montag zusammentreten, um die Wahlparole endgültig festzusetzen. Außerdem soll ein Aftionsprogramm der Unabhängigen Demofraten abgefaßt werden. Din tonstituierende Tagung der Unabhängigen Demofraten findet am Sonntag nach den Wahlen, am 21. September, ebenfalls in Berlin statt. Eine begeisterte Marine will der Marineminifter Tardieus haben und dafür viel Geld ausgeben. Paris, 25. Auguft. Der französische Marineminister Dumesnil hat sich einem Bertreter des Petit Barisien" gegenüber zur Frage des Ausbaues und der Modernisierung der Kriegsmarine geäußert. Dumesnil Pfeffer Säure „ Wenn Sie den Bogen raus haben, meine Herren, dann gemeinsam gegen die Sozialdemokratie!" = Die politische Sensation des Tages ist eine neue Programme erklärung des Zentralkomitees der KPD. Diese Programmerklärung bedeutet nicht nur eine Rückkehr zum Ruth Fischer- Kurs, sondern noch darüber hinaus eine vollständige Umstellung des Koma munismus auf ultranationalistische Auffassungen. Hitler und Goebbels werden sich bei der Lektüre dieser Erklärung die Augen reiben sie sind geschlagen und übertrumpft! " Der Programmerklärung zur nation alen und sozialen Befreiung des deutschen Voltes" hat man eine fleine Vorrede vorangeschickt, in der gesagt wird, es handle sich hier um ,, ein historisches Dokument", weil darin ,, zum erstenmal entscheidende Richtlinien für die Regierungspolitik der kommenden deutsch en Somjetmacht aufgezeigt" würden. ,, Wir versprechen nichts, was wir nicht unbedingt halten werden." Das ,, historische Dokument" selbst wendet sich zunächst mit eine paar Worten gegen die Hitler- Konkurrenz, um dann sofort über die Sozialdemokratie herzufallen. Das ist an fich nichts Ungewohntes, wohl aber ist die Tonart der Angriffe vollkommen neu. Schneidender als Hugenberg oder Hitler das könnten, wirft das Zentrala fomitee der KPD. der deutschen Sozialdemokratie ihre angebliche Wörtlich heißt es: nationale Unzuperlässigkeit vor. Die sozialdemokratischen Führer, die Hermann Müller, Severing, Grzejinsti und Börgiebel sind nicht nur die Hentersa tnechte der deutschen Bourgeoisie, sondern gleichzeitig die freiwilligen Agenten des französischen und polnischen Imperialismus. Alle Handlungen der verräterischen, forrupten Sozialdemo tratie find fortgesetter Hoch- und Landesverrat an den Lebensintereffen der arbeitenden Massen Deutschlands. Nur wir Kommunisten lämpfen sowohl gegen den Young- Plan als auch gegen den Bersailler Raubfrieden, dem Ausgangspunkt der Versklavung aller Werktätigen Deutschlands, ebenso wie gegen alle internationalen Berträge, Vereina barungen und Pläne( Locarno- Bertrag, Dames- Plan, YoungPlan, deutsch- polnisches Abkommen usw.), die aus dem Bersailler Friedensvertrag hervorgehen. Wir Kommunisten sind gegen jede Leistung von Reparationszahlungen, gegen jede Bezahlung internationaler Schulden. Wir erklären feierlich vor allen Völkern der Erde, vor allen Regierungen und Kapitalisten des Auslandes, daß wir im Falle unserer Machtergreifung alle sich aus dem Versailler Frieden ergebenden Verpflichtungen für null und nichtig erklären werden, daß wir feinen Pfennig Zinszahlungen für die imperialistischen Anleihen, Kredite und Kapitalanlagen in Deutschland leisten werden." Die kommunistische Programmerklärung für die nationale Befreiung des deutschen Volkes wendet sich dann nochmals gegen die Nationalsozialisten, um auch diejen ihre nationale Unzuverläffigfeit vorzuhalten. In langen, aufgeregten Auseinandersetzungen wird Hitler vorgeworfen, daß er Südtirol an Mussolini verraten habe. Einzig und allein die Kommunisten kämpfen ,, gegen die territoriale Berreißung Deutschlands". Sie werden ,, denjenigen deutschen Gebieten, die den Wunsch danach äußern werden, die Möglichkeit des Anschluffes an Sowjefdeutschland fichern". Weiter wird ein festes wirtschaftliches und politisches Bündnis zwischen Deutschland und Rußland in Ausficht genommen und dazu näher ausgeführt: ,, Wir erklären vor den Werftätigen Deutschlands: Ist das heutige Deutschland wehelos und isoliert, so wird Sowjetdeutschland, das sich auf mehr als neun Zehntel seiner Bevölkerung ftützen und die Sympathien der Werktätigen aller Länder genießen wird, keine leberfälle ausländischer Imperialisten zu fürchten brauchen. Wir verweisen die Werktätigen Deutschlands darauf, daß die Sowjetunion nur dank der Unterstützung der Arbeiter aller Länder vermocht hat, mit Hilfe feiner unbefiegbaren Roten Armee die Interventionen des Weltimperialismus erfolgreich zurückzuschlagen. So geht es durch mehrere Spalten. Erst gegen Schluß erinnert man sich daran, daß man eine Programmerklärung nicht nur zur ,, nationalen", sondern auch zur„ ozialen Befreiung des deutschen Boltes" angekündigt hat. Wir versprechen nichts, was wir nicht unbedingt halten werden" maßen los; also geht es folgenderDurch die Einführung des Siebenstundentages und der viertägigen Arbeitswoche, durch ein festes Wirtschaftsbündnis mit der Sowjetunion und die Hebung der Kaufkraft der Massen werden wir die Erwerbslosigkeit aus der Welt schaffen. Wir werden jedem die Möglichkeit geben zu arbeiten. Wir werden alle Produktivkräfte der Industrie und Landwirtschaft ausschließlich in den Dienst der Werftätigen stellen. Wir werden den arbeitenden Frauen und der werktätigen Jugend volle politische Gleichberechti gung, gleichen Lohn für gleiche Arbeit sichern. Wir werden die Löhne erhöhen, indem wir die Unternehmerprofite, die unproduttiven Untesten der kapitalistischen Wirtschaftsweise und die Reparationszahlungen abschaffen. Wir werden die Sozialversicherung aller Arten( Erwerbslosen-, Invaliden, Kranten-, Alters, Unfallversicherung, Kriegsbe schädigten- und Kriegerhintecbliebenenunterstützung) auf Kosten des Staates unbedingt sicherstellen. Dies alles ist so gewiß wahr, wie es hier geschrieben steht. Benn es aber dann weiter heißt, daß die Kommunisten die Staatsfoffe von allen unproduktiven Ausgaben für Polizei" befreien werden, so wird sich wohl auch der Moskaugläubigste bedächtig hinterm Ohr fraßen. Sollte es wirklich so ganz ohne GPU. gehen? Alles in allem, wer fann, wenn er das alles gelesen hat, daran zweifeln, daß die Kommunisten ungewöhnlich tüchtige Leute sind. Sie zerreißen den Versailler Vertrag, annullieren sämtliche Schulden, verschaffen Deutschland die im Kriege verlorenen Gebiete wieder und noch einige dazu, und schließlich lassen sie auf allen Bäumen Leberwürste wachsen. Nur daß es zuvor noch ein paar Jahre Weltkrieg und Bürgerkrieg geben soll, davon sagen fic nichts. Das steht zwar in dem Programm der Komintern, paßt aber schlecht in einen Bahlaufruf. Die KPD. hat sich wieder einmal als die Partei des ftrupelloseften Opportunismus gezeigt, die es in Deutschland gibt. Weil sie die Erfolge der nationalsozialistischen Konfurrenz sieht, hält sie den Nationalismus für die große Mode und Mode und fleidet sich schleunigst danach um. Sie übersieht nur eines: daß man mit dem nationalistischen Phrasenschwulst zwar ein paar ökonomisch versinkende und politisch verlaufene Mittelständler födern fann, niemals aber Arbeiter! Vorschlag der BBG. abgelehnt Die geheime Abstimmung des gesamten Arbeiterpersonals der BVG. über den Vorschlag der Direktion zur Vermeidung von Entlassungen, monatlich zwei Feierschichten einzulegen, hat die Ablehnung dieses Vorschlages ergeben. M Blutsaugermethoden der Nazis Ihre Abgeordneten mit Blankoakzepten zum Gehorsam gezwungen. In der. thüringischen Fabrikstadt Sonneberg hatte ein junger 1 Sonneberger Arbeiter namens Hans Mühr Ende letzten Jahres in einer öffentlichen Versammlung das Wort ergriffen und mar daraufhin von der nationalsozialistischen Ortsgruppenleitung gebeten worden, als Vertreter der Arbeiterschaft auf der nationalsozialistischen Liste zu kandidieren. Nach längerem Zögern hatte er sich dazu entschlossen. Ihm wurde von den Nationalsozialisten außerordentlich zugesetzt, da die Partei einen wirklichen Arbeiter brauchte, den sie auf ihrer Kandidatenliste bis dahin nicht gehabt hatte. Einige Monate später, nach der Wahl in den Stadtrat, wurde Mühr ein Blanko afzept vorgelegt, das heißt ein Wechsel, auf dem feine Summe ausgefüllt ist, der aber von dem Akzeptanten bezahlt werden muß, wenn er vorgelegt wird. Mühr hatte von der Bedeutung eines Wechsels, zumal eines Blantomechsels, keine Ahnung; er unterschrieb, weil man ihm sagte, es sei nur eine Formsache. Worum es sich bei dieser Formsache" handelt, ergibt sich durch das folgende Schreiben der Ortsgruppe Sonneberg der NSDAP. vom 30. Mai d. J. Es lautet: Herrn Stadtrat Mühr! Hiermit wird Ihnen der Empfang eines von Ihnen unterzeichneten Blantowechsels bestätigt. Wir haben ihn zu treuen Händen empfangen. Sie erklären sich damit einverstanden, daß dieser Wechsel pon der Ortsgruppe ausgefüllt und begeben(!) werden kann in folgenden Fällen: 1. Wenn Sie aus der Partei austreten und nicht gleichzeitig Ihr durch die Liste der NSDAP. erlangtes Stadtratsmandat niederlegen. 2. Wenn Sie einer Aufforderung der Partei, Ihr Stadtrats: mandat niederzulegen, nicht sofort Folge leisten. Diese Aufforderung würde Ihnen gegebenenfalls von der Gauleitung Thüringen oder von der Reichsleitung aus zu gehen müssen. Die Höhe der Wechselsumme bestimmt der Ortsgruppenführer. Sie soll gegebenenfalls der Orts gruppe den ihr durch Ihre Wahl entstandenen Aufwand erjeßen und sie gegen Schaden decken, der ihr bei Eintritt obiger Fälle entsteht. Für die Fraktion: Sauer. Für die Ortsgruppe: Jahnede, Ogruf. Gewiffenlos und feige! Stimmberechtigt waren beim Verkehrspersonal 16 700 Ein echter" Herrenfahrer! Autoraferei fordert wieder Arbeiter, von denen sich an der Abstimmung 10 908 oder 65,3 Proz. beteiligten. Für die Arbeitsstreckung stimmten 2930 oder 17,7 Proz. der Belegschaft, gegen die Arbeitsstreckung 2554 oder 15,3 Pro3. Dazu kommen aber noch 5424 ungültige Stimmen, das sind 32,3 Broz. der Belegschaft. Nicht gestimmt haben 34,7 Proz. des Verkehrspersonals. Beim technischen Personal waren abstimmungsberechtigt 7704 Arbeiter, von denen sich 6404 oder 83,1 Proz. an der Abstim mung beteiligten. Davon stimmten für Arbeitsstredung 3463 oder 45 Proz. und dagegen 1117 oder 14,5 Pro3. Ungültige Stimmen wurden 1824 oder 23,6 Proz. abgegeben. Nicht gestimmt haben 19,9 Proz. des technischen Personals. Der Aufforderung der Kommunisten, die Stimme zettel mit dem Signum der kommunistischen Gewerkschaftsoppofition zu versehen und damit ihren Willen zum Streit zum Ausdruck zu bringen, sind nur ganz wenige der Abstimmenden nachgeWählerlisten einschen! tommen. Somit ist die Arbeitsstreckung für beide Gruppen, also sowohl für das Berkehrspersonal als für das technische Personal, abgelehnt, da nicht fünfzig Prozent der Beschäftigten für den Vorschlag der Direttion gestimmt haben. zwei Menschenleben. führte am Sonntag abend auf der Berlin- Potsdamer Chauffee bei Unverantwortliches, rücksichtsloses Verhalten eines Herrenfahrers Wannjee wieder zu einem schweren Autounglüd. Zwei Menschenleben sind zu beklagen. Der Fuhrunternehmer Raffmann aus der Bernauer Straße 102 hatte mit seiner 39jährigen Frau Jda und seinem acht jährigen Töchterchen Ilse in seinem Lastauto eine Ausflugsfahri unternommen. In den frühen Abendstunden kehrte Raffmann zurüd, und in Durchschnittsgewindigkeit näherte er sich mit seinem Lastauto der Glienicker Brücke. Ein Herrenfahrer überholte in rasender Fahrt das Lastauto und streifte dabei mit großer Bucht das Vorderrad des Fahrzeuges. Dadurch verlor Raffmann die Herrschaft über die Steuerung und das Lastauto prallte gegen einen Baum. Der Herrenfahrer und die Insassen, die das Unglückt zweifellos beobachtet hatten, flüchteten, anstatt sich um die unglücklichen zu kümmern, und konnten bisher nicht ermittelt werden. Bei dem heftigen Anprall wurden Frau Raffmann und das Kind auf die Chauffee geschleudert. Beide erhielten so schwere Berlegungen, daß sie im Hindenburg- Krantenhaus bald nach ihrer Einlieferung star ben. Die Kriminalpolizei hat die Nachforschungen nach den schuldigen Automobilisten aufgenommen. Zeppelins Heimfahrt. Die Befehrsarbeiter haben den Rat ihres Betriebsrates und der Gewerkschaftsvertreter, der Arbeitsstreckung zuzustimmen, in den Nach Rückkehr von Ostpreußenfahrt heute früh in Berlin Wind geschlagen. Die Ur abstimmung war der einzig richtige Weg, die Belegschaft zu befragen, ob sie die Arbeitsstreckung in Rauf nehmen will oder nicht. Hätten die Gewerkschaften oder der Betriebsrat ohne Urabstim mung die Arbeitsstreckung vereinbart, so wäre ihnen wahrscheinlich monatelang diese Nichtbefragung zum Vorwurf gemacht worden. Die Stellungnahme der Belegschaft der BVG. ist insofern verständlich, als schon im Februar und März d. I. trotz vorheriger Arbeitsstreckung Entlassungen vorgenommen wurden und die Direktion der BVG. aus begreiflichen Gründen auch jezt nicht ver= sichern konnte, daß nach dieser neuen Arbeitsstreckung teine Entlassungen mehr erfolgen würden. In welchem Umfange nunmehr Entlassungen vorgenommen werden, steht jetzt noch nicht fest. Schlüffeldiebstahl im Amtsgericht. Man wollte sich in den Besitz gewiffer Dokumente fetzen. Ein Diebstahl, der in feinen eigentlichen Jujamenhängen noch ungeklärt ist, wurde von noch unbekannten Tätern im Amtsgericht Charlottenburg in der Kantstraße ausgeführt. Am Sonnabend entdeckten Beamte, daß gestartet. Das Luftschiff„ Graf Zeppelin", das heute früh gegen 5% Uhr von seiner Ostpreußenfahrt nach Berlin zurückgekehrt war, ffieg 7,55 Uhr unter Führung des Kapitäns Lehmann in Staaten zu seinem Heimflug auf. Unter den zwölf Paffagieren befinden sich der Landeshauptmann von Ostpreußen, Dr. Blunt, und der Oberbürgermeister von Königsberg, Dr. Lohmeyer, sowie Profeffor Everling vom Reichsverkehrsministerium, die alle drei schon den Flug von Königsberg nach Berlin mitgemacht haben. Nach einer Schleifenfahrt über den Flugplah verließ das Luftschiff Staaten in füdlicher Richtung. Gegen 8,10 Uhr erschien das Luftschiff über Berlin. Es treuzle über der inneren Stadt und entfernte sich gegen 8,15 Uhr in füdwestlicher Richtung. Wieder schweres Autounglück. Wer also als nationalsozialistischer Mandatsträger einen solchen Blankowechsel unterschreibt, ist völlig in der Hand der Parteileitung. Wenn er sein Mandat nicht niederlegt, wird der von ihm unterschriebene Blankowechsel in Umlauf gesetzt mit einer Summe, die der Akzeptant nicht kennt und nur schamhaft mit dem Ausdruck ,, der auf ihn entfallende Teil der Wahlkosten" bemäntelt wird. Er kann daher für sein Leben ruiniert werden. Mühr bekam wegen dieser Wechselschuld und der mit ihr verfnüpften Drohung Bedenken und verlangte das Akzept zurück. Dies wurde ihm verweigert; daraufhin erklärte er am 1. Auguft seinen Austritt aus der Partei, den er am 16. August wiederholte. Hierauf wurde er aufgefordert, sein Mandat niederzulegen.. Als er sich weigerte, das von den Wählern erhaltene Mandat zugunsten der Nationalsozialistischen Partei aufzugeben, wurde ihm am 18. Auguft geschrieben: Da Sie trotz Ihrer Ehrenerklärung vom November 1929 3hr Mandat nicht zur Verfügung gestellt haben, sind wir noch dami: beschäftigt, den auf Sie entfallenden Anteil der uns seinerzeit auch für Ihre Wahl entstandenen Wahlunkosten festzustellen. Wir müssen selbstverständlich solange den von Ihnen gleich den anderen unserer Frattion freiwillig unterzeichneten Wechsel, der sich nicht mehr in Verwahrung des Drts. gruppenführers befindet, als Sicherheit zurückbehalten. NSDAP., Ortsgruppe Sonneberg. Jahnecke, Ortsgruppenführer. Aus diesem Schreiben geht hervor, daß der Wechsel inzwischen von der Ortsgruppe an eine andere unbekannte Stelle gegangen ift, die also in der Lage ist, den Wechsel gegen das unglückselige Opfer zu verwenden. Ein bürgerliches Sonneberger Blatt nennt diese Handlung der Nationalsozialistischen Partei ausgeflügelte Ehrabschneiderei", eine ,, raffinierte füdische Blutsaugermethode". In der Tat kann auf Grund des Wechselrechtes, in dem jedes Rechtsmittel ausgeschlossen ist, die Partei ihr Opfer bis aufs Hemd auspfänden lassen. Das hat es in der ganzen deutschen Parteigeschichte noch nicht gegeben: den Blankowechsel zur Erzwingung der Parteidisziplin. Diese Erfindung blieb erst der ,, antikapitalistischen" Nationalsozialistischen Partei vorbehalten. Otto Brauns Rittergut. Schlöffer, die im Monde liegen... Der Mittelstandsmann Seeles in dem rheinischen Städtchen Mörs behauptete, der preußische Ministerpräsident, der Sozialdemokrat Otto Braun, hätte in Brandenburg von dem Ontel Seeles ein 2000 Morgen großes Rittergut getauft und so herrlich ausbauen fönnen, wie es sich ein anderer Landwirt wohl nicht leisten könnte. Außerdem sei eine herrliche Straße von Berlin nach diesem Gut gebaut worden. Die sozialdemokratische Rathausfraktion von Mörs wies diese Angaben zunächst zurück, da man aber bei dieser Behauptung verblieb und mit der Absicht, der Sozialdemokratie etwas an die Rockschöße zu hängen, weiterverbreitet mußte sie den Dingen nachgehen. Sobald sie den Urhebe dieser Nachricht gefaßt hatte, wandie sie sich an de Ministerpräsidenten, um Klarheit zu schaffen. Unter dem 18. Aug ging folgendes Schreiben Otto Brauns ein: ,, Das in der dortigen Gegend verbreitete Gerücht, daß i in der Provinz Brandenburg ein Rittergut von 2000 Morgen von dem Onkel des Herrn Seeles gekauft haben soll, entbehrt, m andere ähnliche Gerüchte, jeder tatsächlichen Grundlage und ist rein aus den Fingern gejogen. Bei allen diesen Gerüchte ärgert mich nur, daß sie nicht wahr sind, denn ich befäßc gerne eine große Landwirtschaft, schon um den Batentagrariern zu zeigen, wie man in der heutigen 3eit pernünftig Landwirtschaft treibt. Aber leider habe ich bisher fcin Geld beseffen, mit ein Gut zu kaufen, und so wird es wohl auch bis an mein Lebensende bleiben, es sei denn, ich erhalte zu meinem 80. Geburtstage, wie Reichspräsident Hindenburg, auch eins geſchenkt. Doch fürchte ich, daß bie Zeute, die Güter zu verschenken haben, wohl faum geneigt sein werden, gerade mir eins zu schenten. So muß ich mich damit begnügen, weiter als Rittergutsbefizer nur in der lügnerischen Phantasie gewisser politischer Gegner zu leben." Otto Braun wird mit uns der Meinung sein, daß sein aufflärender Brief die Berleumdungen nicht aus der Welt schaffen wird. Schon Bebel und Vollmar besaßen bekanntlich ähnliche Schlösser im Monde. Und dem Reichspräsidenten Ebert hat man gleich mehrere angedichtet. Die Verleumdung stirbt nicht aus, solange die Schar derer lebt, die nicht alle wird und an solche Märchen glaubt. Berliner Anwalt verschollen. In den Bergen umgekommen? Wie im Vorwärts" bereits mitgeteilt, wird seit mehreren Tagen der Berliner Rechtsanwalt Dr. Rudolf Pinner aus der Königin- Augufta- Straße 43 in Berlin vermißt, der zusammen mit Verhängnisvoller Abschluß einer Sängerfahrt.- Lasttraft seinem Bruder, Dr. Heinz Pinner, in Bad Gastein im Salzkammerwagen stürzt um. Wolmirstedt, 25. Auguff. 23 Personen wurden verletzt. Drei Schwerverletzte wurden nach dem Krankenhaus in Wolmirstedt gebracht, die übrigen in Magdeburger Krankenhäuser, wo acht schwerer Berlegte verbleiben mußten, während die anderen nach ärztlicher Behandlung entlaffen werden konnten. In einem verschlossenen Raum im Keller des Amtsgerichts Am Sonntag unternahm der Magdeburger Gefangverein werden etwa 24 Bund Schlüssel zu den verschiedensten Edelweiß" auf zwei Cafftraftwagen einen Ausflug in die LetzRäumen aufbewahrt. Am Sonnabend entdeckten Beamte, daß einige Bunde fehlten, darunter der Hauptschlüssel, linger Heide. Abends auf der Rückfahrt geriet der eine Wagen der zu allen Türen past, ferner die Schlüssel zur Telephonzentrale, beim Ueberholen eines anderen Aufos auf der Chauffee zwischen der zu allen Türen paßt, ferner die Schlüssel zur Telephonzentrale, Barleben und Elben ins Schleudern und stürzte um. Etwa zum Schreibmaschinenraum und zum Tresor, im ganzen etwa fünf Bunde. Die Diebe haber sich vermutlich mit Nachschlüsseln ober Dietrichen den Zugang zum Verwahrungsraum ermöglicht. Sie hatten wohl nicht damit gerechnet, daß der Streich so früh entdeckt merden würde und wollten in Ruhe alles durchsuchen, menn das Gebäude verlassen war. Von dem zuständigen Revier wurden sofort umfangreiche Schuhmaßnahmen getroffen. Polizeistreifen gingen während der Nacht durch die Korridore, während andere Beamte die Ausgänge bewachten. Die Diebe müssen von den Maßnahmen aber Kenntnis bekommen haben, denn es zeigte sich niemand. Die Schlüssel dürften den Dieben, die es offenbar auf gewiffe Dokumentenschränte abgesehen hatten, nichts mehr mützen, benn heute sollen die Schlösser sämtlicher Zimmer und Schränke hes Amtsgerichts geändert merben. Pistiner gestorben. Butarest, 25. Auguft.( Eigenbericht.) Der langjährige Führer der Sozialisten Neurumäniens, Genoffe Dr. Pistiner, ist plöglich verstorben. In ihm verliert der Sozialismus einen erprobten Vorfämpfer. gut zur Kur weilte, Nach den bisher vorliegenden Meldungen hat Dr. Rudolf Binner am Dienstag voriger Woche allein eine Bergtour unternommen. Von diesem Ausflug ist er nicht mehr zurückgekehrt. Das Gebiet des Bamstarfogels, in dem der Bermißte permutlich verunglückt ist, wurde von Bergführern, bisher vergeblich durchforscht. Auch zwei Flieger haben die Umgebung mehrmals überflogen, ohne von dem Anwalt eine Spur zu entdecken. Der Bevmißte ist ein Sohn des Borsitzenden des Berliner Anmaltsvereins, Justizrat Dr. Albert Pinner. Der Bruder des Ver. fchollenen ist inzwischen von Gastein abgereift, um feinem Bater, der zur Zeit in Karlsbad weilt, von dem traurigen Vorfall Mitteilung zu machen. In Bad Gastein, wo das Verschwinden des Berliner Anwalts) großes Aufsehen hervorgerufen hat, wird durch Biatatanschlag mit dem Bild des Berschollenen eifrig nach dem Bermißten gesucht. Man hat eine Belohnung von 5000 Schilling ausgeschrieben. Die Aussagen der Einheimischen und Kurgäste widersprechen sich aber, wie in solchen Fällen immer. Eine Reihe von Personen will Dr. Binner noch auf dem Wege zum Gamstartogel gefehen haben. Die SO-Jahr-Feier von Wyden Hermann Müller über den Aufstieg der Arbeiterbewegung DifSt humoristischen Zeichnansen vom\bydeaer Kongreß rammen aus der Feder Karl K a u ts ky' s, dessen schwerer Häretischen Ader man so leichte Kunst kaum zuzutrauen wagt. Ulrich und Bernstein führten die jüngeren Parteifreund« durch die Räum« des Schlaffes, die inzwischen stark verändert und moderni- slerl worden sind, und gaben eine Fülle von humorvollen Anekdoten zum besten. Ulrich war so ausgelegt, daß man fast nicht glauben wollte, einen jetzt dvjährigen Teilnehmer eines vor ZU Jahren ob- gehaltenen Geheimkongresses vor sich zu haben. Im Hof des Schlosses versammelten sich später die Gäste, wo der alte Züricher Otto Lang, einer der höchsten Richter der Schweiz, eine Begrüßungsrede und einen instruktiven Bartrog über die Ent. stehung und den Verlauf des Wydener Kongresses hielt. Die ganze Zeit der Verfolgung unter dem Bismarckschen Ausnahmegesetz wurde i.: dieser Schilderung lebendig. Anschließend sprach Hermann Müller. Er bedankt« sich im Nomen der deutschen Partei für die Veranstal- tung. Der Name Zürich werde mit ehernen Lettern in der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie verzeichnet bleiben. Dort sei der „Sozialdemokrat" erschienen, mit dem der Name unseres Freundes Eduard Bernstein ewig verknüpft bleiben werde. Ulrich habe vorhin erklärt, wie sich das Schloß geändert habe. Auch die Zeiten hätten iich ebenso gewaltig geändert, und das gleich« gelle von der Partei. Damals habe Bismarck die Sozialdemokratie wegen ihrer angeblichen . gemeingesährlichen Bestrebungen" ausrotten wollen. Es habe für die Partei die Gefahr nahegelegen, in anarchistisches Fahr» .'-asser zu geraten. Unter Bebel» Führung sei das oerhindert worden, -od darin liege besonders die historische Bedeutung des Wydener ' o.igresses. Damals habe die Parole der Reaktion unter Bismarck -?laut«t:„Fort mit der Sozialdemokratie aus dem Reichstag", jetzt ...te sie:„Fort mit der Sozialdemokratie aus den Regierungen .■:s Reiches und Preußens." In 1880 habe die Sozialdemokratie U-i den ersten Reichstagswahlen unter dem Ausnahmegesetz«inen SUmmenrückgang erlitten. Dennoch halt Engels den Ausgang der Wahl als unter den gegebenen Umständen überaus günstig be. zeichnet. Bismarck habe geglaubt, die Arbeitermassen mit dem Zuckerbrot einer ersten Sozialoorlage ködern zu können. Di« Anfänge der deutschen Sozialgesetzgebung stamniten aus dieser Zeit. Dennoch habe erst die Republik wirtlich großes für die Arbeiterklasse geleistete 1913 seien 58 Millionen für soziale Zwecke ausgegeben worden, 1929 175« Millionen. Das zeige, wie sehr � der alte vlilitärftaat in einen Sozialstaa» umgewandelt worden sei. Die Zeit van Wyden ist— so fuhr Hermann Müller fort— als ein» Heldenzelt der deutschen Sozialdemokratie to» zeichnet worden. Heut« sind gewiß die Zeiten anders. Allein unser Funktionärkörper ist jetzt fast ebenso zahlreich wie die ge- samt« Zahl unserer Wähler vor 50 Iahren. Wir haben heute in Deutschland die freieste Verfassung, mit deren Hilf« die Massen der Sozialdemokratie die Mehrheit erkämpfen könnten, wenn sie diese Verfassung nur richtig anzuwenden verstünden. Wir erleben jetzt einen Wahlkampf, in dem die Stimmung unserer Parteifreunde im ganzen Lande glänzend ist, und sich zeigt, daß der alte Idealismus unserer Heroen noch lebt. Wyden hat bewiesen, daß die deutsche Sozialdemokratie nicht niedergerungen werden kann. Jetzt gilt es, das Werk der Alten fortzusetzen und zu vollenden.(Lebhafter Beifall.) Karl ltlrich ließ in humorvollen Ausführungen, die teils anekdotischer, teils poli. tischer Art waren, die Tage von Wyden wieder aufleben. U. a. erzählte er, daß er, als er damals in Erfurt zu30TalernG«ld- strafe oder 30 Tagen Haft verurteilt wurde und er sich an Ignaz Auer mit der Frage wandte, ob man ihm nicht 30 Taler zur Ver- fügung stellen könnt«, die Antwort erhiell:„Brumme es ab, „Lteber'n großen Teich." Zentraltheater. Schon 21 Jahre ist dieses Dolksstück alt. Obwohl die Welt hüben und drüben seither total umgekrempelt worden ist, hat es an Wirkung kaum verloren. Der trogische Konflikt in der sonst lustigen Handlung zwar ist heute nur noch mit einem Lächeln zu quittieren: Ein in Amerika reichgewordener Brauer, der einem total verlotterten Baron als Schwiegervater so entsetzlich kindlich in» Garn läuft, und sein Sohn, ein Müßiggänger und Genußmensch, der„aus Liebe" ein Dienstmädchen heiratet und dafür den Fluch seines Vaters «inheimst— das sind für uns begrabene Ding«. Und doch möchte man wünschen, daß die opernhaft aufgedunsene Salonoperette von gestern und die hoheitsvolle, steifleinene„historische" Operette von heute mehr den Weg dieser„Bolksopcrette gegangen wären. Sie ver- läuft ohne Prätensioncn vom ersten Akt an sehr stimmungsvoll, witzig und mit einem bodenständigen, kernigen Unterton. gestützt von einem sächsischen und zwei berlinerischen Urtypen, die sofort die» Lacher auf ihrer Seit« haben. Adolf Philipp, von dem man kaum etwas weiß, hat zu seinem eigenen Text eine melodiöse, nie ausdringlich« Musik geschrieben, die namentlich im 2. und 3. Akt einige wirksame und herzerfreuende Schlager als Höhepunkte zu ver- zeichnen hat. Die Ausstattung ist nicht besonder» kostbar, das Orchesterchen klein, keine Namen von Rang. Aber da. Ganze wird von der intelligenten Regie Ernst Franzens und der routinierten. mitfühlenden musikalischen Leitung Richard T h ü r i n g s famos zu- fammengehalten. Und Ernst F r a n z e n. Heinz Wille(als Louis Strumkohl), Reinhold W e i g l i n(als Vater Wörmann) und namentlich die beiden Isauptdarstellerinnen Lotte M ü l l e r, als sächsisch« Hulda und die ausgezeichnete, urkomische Julia Herrmann als Miene Brandt ließen alle Wünsch« nach Stars vollständig im Keim ersticken. H. M. Was wird mit Anderes Tagebuch? Di« schwedische Regierung wird eine Andree-Kommission er- nennen, die die Ausgabe hat. die Uebcrrest« der Expedition sicher- zustellen. Man beabsichtigt, eine schroedisch-norwegische Zusanmien- ardell einzuleiten. Die Frage des Besitzrecht» de, Tagebuches ufw. ist noch nicht geklärt. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürft« es jedoch dem schwedischen Staat zufallen, obwohl die Auffindung auf nor- wir haben keine 30 Pfennige, geschweige denn 30 Taler." Die Teil- nahm« am Wydener und an dem folgenden Kopenhagener Geheim- krngreß habe ihm schließlich neun Monate Gefängnis«ingebracht. Ulrich schloß seine Rede:„Ihr Jungen, fördert das Wert sorgfältig, auf daß der Sozialismus in kurzer Zeit vollendet wird!"(Starker Beifall.) In den Mittagsstunden traf die Exekutive der Arbeiterinternatio- nal« in Konstanz ein, wo sie in den riesigen Demon- st r a t i o n s z u g des sozialistischen Bodenseetreffens eingereiht wurde. An ihm nahmen etwa 12 000 Menschen teil, davon allein �000 aus den benachbarten Kantonen der Schweiz. Die beiden Iubi- lere Ulrich und Bernstein fuhren inmitten des Zuges in einem Kraft- wagen, von den Massen stürmisch umjubelt. Ein dritter hatte sich zu ihnen gesellt, der Parteiveteran Kriecher aus der Konstanzer Umgebung, der an der„Roten Feldpost" aktiv mitgewirkt hatte. Nach dem Rundmarsch durch die Stadt versammelten sich die Demon» stranten auf einer Festwies«, wo außer Crispien mehrer« aus- ländische Redner das Wort nahmen und des Wydener Kongresse» gedachten. Erst gegen Abend zerstreuten sich die Teilnehmer. ivcgischcm Gebiet und durch einen norwegischen Gelehrten erfolgt ist. Andree war unverheiratet. Di« Schriftstücke werden wahrschein- Iich, ohne zuvor aufgetaut zu werden, im Eisblock nach Stockholm mitgefllhrt werden. Ob die Körper der beiden Opfer balsamiert werden können, steht noch nicht fest. Wie aus Oslo gemeldet wird, will der norwegische Staat sein Eigentumsrecht nicht geltend machen, sondern die Tagebücher und olle anderen Gegenstände an Andree, Erben oder an Schweden ausliefern. Internationale Reform des Geschichtsunterrichts. Das International« Büro sür Erziehung hielt in Genf«ine Sitzung ab, um die von der Weltunion für Pädagogik aufgestellten Reformgrundsätz«, die sich namentlich aus den Geschichtsunterricht beziehen, zu prüfen. Pierre de Eoubertin gab einen kurzen Heber. blick über das umwälzende Werk der Union und besprach insbesondere die sechs Artikel, die dazu bestimmt sind, den Geschicht»unt«rricht um- zuändern und zu beherrschen. Artikel 1, der erklärt, daß die Ge- schichte eines Volkes in einer bestimmten Period« nicht richtig gelehrt werden könne, wenn sie nicht vorher in das Allgemeinbild der histo- rischen Jahrhunderte eingereiht worden sei, wurde nach lebhafter Diskussion allgemein gebilligt. 700 000 Auto» in New Zork. Nach einer neuen Statistik zählte man 1920 in New Purk 222 000 Krasiwag«n, im Jahre 1928 675 45t, und jetzt, 1030, wird d.e Zahl der Autos auf weit über 700 000 ge- schätzt. Die Zahl der Verkehrsschutzleute ist von 1383 im Jahre 1920 auf 2L58 1929««stiegen. Aber mit der Zahl der Autos hat auch die Schar der Opfer zugenoimnen. Während 1920 in New Port 723 Personen durch Autounfälle getötet wurden, beiief sich dies« Zahl 1929 auf 1800, und in den ganzen Vereinigten Staaten wurden im vergangenen Jahr« 28 000 Menschen durch den Kraftwagen dahin- gerafft. Die.?inanzieruiu, des Staalslheater» in Kassel. Da» preußisch« Siaoisininislerium lKUie die Stadl Kassel eufgesordert, zur Unterhaltung des Staatslheaiers iu Kassel jährlich einen Zuschuß in nom- hajier Höhe zu Icistnl. Gegei, diese Forderung hat der Kasseler Oberbürgermeistcr erklärt, daß eine Zuschußleistimg nicht möglich sei, zumal auch nichts von einer Su>n>ciitions«ntzi«hung bei den übrigen Staatstheatern bekannt geworden sei. Wie verlautet, ist die Durchführung des Spielplans im laufenden Jahr« gesichert. •Jetzt ist es die alten Mitgliedskarten der Volkebllhne umzutauschen und Neuanmeldungen vorzunehmen K o n st a a z, 25. August.(Eigenbericht.) Am Sonntag vormittag versammelte sich die Exekutive der Arbeiterinternaüonale aus Schloß wyden. aus halbem Wege zwischen Zürich und Konstanz gelegen, um den 50. Jahrestag des ersten Geheimkongresses der deutschen Sozialdemokratie unter dem Sozia- listengesetz zu würdigen. Am Sonnabend hatte die Züricher Sozial- demokratte an dem Grabe August Bebels, der Seele des Kongresses. bereits einen Kranz niederlegen lassen. Auf dem malerischen Schlosse Wyden wurde die Exekutive von zwei der vier überlebenden Teilnehmer an dem Kongreß begrüßt: Eduard B« r n st e i n- Berlin und Karl Ulrich- Darmstadt. Die von dem Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ebenfalls zu dem Kongreß geladenen einstigen Teilnehmer Karl F r o h m e aus Hamburg und Karl K a u t s k y haben aus Gesund- heitsrücksichten auf die weite Reis« nach Konstanz verzichten müssen. y 4c\ Ol...-' Vo< i" IM« tclv} 4m Massenaufmarsch am Sonntag Große sozialdemokratische Wahlkundgebung im Berliner Westen Der Sonnabend und Sonntag wurde von der Berliner Sozialdemokratie zur eifrigen wahlarbeit genutzt. Große vemonstration»züge bewegten sich durch die Stadt. Besonders gelungen war eine große Kundgebung im Berliner Westen. In W i l m« r» do r f marschierte die Sozialdemokratie am Sonntagmittao zu einer gewaltigen Wahldemonstration aus. Voran zog die Sozialistische Arbeiteriug«nd, deren Massen den Berlinern zeigten, die Jugend steht an der Seite der demokra- tischen Freiheit, an der Seite der Sozialdemokratie! In den bürger- lichen und kleinbürgerlichen Wohnvierteln erregte der Ausmarsch mit den roten Fahn«n und den Wahllosungen der Partei großes Auf- sehen. Vom Fehrbelliner Platz aus marschierte der Zug zunächst nach Osten zur Kaiserallee, um sich dann in gewaltigem Bogen über den Olioaer Platz zum Preußenpart zu begckien. Auf einGr improvi- sterten Rednerbühne sprach der Vorsitzende der Berliner Organisa- tion, Reichstagsabgeordncter Franz Kün st ler. Er zeigte klar die Fronten im kommenden Wahlkampf auf. Wieder einmal stehen nur die arbeitenden Massen ehrlich sür die Erhaltung der Republik und der Demokratie ein. Er entlarvte die Wahldemagogie der bür- gerlichen Parteien und insbesondere der auf die Verzweiflung des verelendeten Kleinbürgertums spekulierenden Nationalsozialisten, die ihren Sozialismus dadurch beweisen, daß sie die sozialen Errungenschaften der deutschen Arbeiterschaft im Dienste des Aus- beütertums aufs schärfste bekämpfen. In das H o chSnrf die sozialistische Arbeiterbewegung und den Gesang der Internationale stimmte die Masse begeistert ein. Oer JUgett stört die Lichtenberger nicht. Trotz des andauernden Regens konnte die Lichtenberger Sozial- demokratie am Sonnabend ihren imponierenden Wahlaufmarsch als erfolgreich bezeichnen. Mit Transparenten und gut ausgeschmückten Wagen bot der Zug ein besonders lebendiges Bild. An der Ingen dbühne hatte man sich aufgestellt, und mit den Sport- lern an der Spitze marschierte der Zug zunächst durch di« dicht- bevölkerten Straßenbezirke an der Frankfurter Allee und dann nach Friedrichsfelde. Die Staatspartei ließ einen Wagen herumfahren, der neben der schwarzrotgoldenen auch di« schwarzweißrote Flagge des alten Obrigteitsstaates und außerdem noch die Jungdofahne zeigte. Auf den unzähligen Transparenten, die im Zuge der Partei mitge- führt wurden, waren die letzten Taten des Bürgerblock, angeprangert. Auf einem großen Fuhrwerk war„das Dritte Reich" von Hitler in treff- lichen Karikaturen festgehalten. Auf einem anderen Wagen stand eine große Wählurne, in die hinein ungezählte Stimmzettel mit der großen Eins flatterten. * Die immer rührigen Tempelhofer Sozialdemokraten waren nach Marienfelde gezogen, um für die Partei zu werben. Kein noch so scheußliches Wetter konnte sie von ihrer Agitationsarbeit abbringen. Voran marschierte die Jugend, hell beleuchtet von.den vielen Pech- fackeln, die den ganzen langen Zug zu einem leuchtenden Band werden ließen. Der Saal war schnell gefüllt. Emil Barth führte aus: es geht am 14. September nicht nur um die Verteilung der Sozialisten oder um eine Steuerreform, nein es geht uin? Demokratie und politische Freiheit. Wir hoben als Sozialdemokraten die Pflicht, dem Proletariat Li« politische Freiheit zu erhalten. Ün- verantwortlich ist das Spiel derer, die dieses Gut dem Volke rauben wollen. Es gilt aber nicht nur eine Schlacht zu schlagen, sondern wir müssen einen solchen Sieg erringen, daß die Diktaturgelüste für immer oerschwinden. Starler Beifall dankt« dem Redner. In einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratie klang die Kundgebung kampfesfreudig aus. Der Scharfmacher von Nordfrankreich. Er verhindert die Beilegung des Streifs. Paris, 25. Auguft.( Eigenbericht.) Die Führer der Gewerkschaften von Roubair Tourcoing haben am Sonntag eine Besprechung abgehalten, in der sich die Majorität der Teilnehmer gegen die Annahme des sogenannten ,, Kompromißvorschlags" des Herrn Ley und Konsorten aussprach. Wie dieses Kompromiß" beschaffen sein sollte, das hat Herr Len Bressevertretern in aller Offenheit selbst mitgeteilt:„ Wenn die Airbeiter meinen Vorschlag annehmen, jo geben sie damit zu, daß fie den Streit angefangen und etwa 50 millionen Franken an Löhnen verloren haben, nur um eines einzigen Wortes willen. Denn die ganze Konzession, die ich ihnen gemacht habe, besteht."( Gemeint ist die Umbenennung der Treue" Präm.e in, Ausdauer" Prämie.) " O Unter diesen Umständen ist es wahrscheinlich, daß die heutige Hauptversammlung der Streifenden die Vorschläge der Unternehmer ablehnt und die Fortsetzung des Streits beschließt. " Selbst der Petit Parisien" bezeichnet die Erklärung des Herrn Len als eine offene Provokation der Arbeiterschaft. Auch die Roubairer Sektion des Verbandes französischer Frontkämpfer hat in einem offenen Schreiben an den Ministerpräsidenten gegen die Umtriebe Lens protest.ert und die sofortige Untersuchung über die gegen Len erhobenen Spionagebeschuldigungen gefordert. Ein ganz ,, Plumpe Täuschungsmanöver." Die Metallarbeiter( Opposition) will berichtigen. " Der Borsigende der Metallarbeiteropposition, Wilhelm Hein, glaubt auch uns täuschen zu können. Er sendet uns eine Be richtigung“ zu den im Vorwärts" am 20. August veröffentlichten Angaben über sein Auftreten vor dem Arbeitsgericht. Metallarbeiter nicht vertraut ift, tonnte dadurch getäuscht werden, was sicher der 3med der Uebung ist. Die Klage, die Hein vor dem Arbeitsgericht vertreten wollte, richtete sich gegen die Firma Hartung, und nicht, wie infolge eines Druckfehlers im ,, Vorwärts" angegeben wurde, gegen Hartmann. Bei Hart mann hat Hein, wie wir zutreffend angaben, versucht, über den Abschluß eines Tarifs zu verhandeln, solange man ihn für einen Vertreter des Deutschen Metallarbeiterverbandes hielt. Als sich die Firma an den VBMI. wandte, dessen Mitglied sie ist, wurde ein erkannt und abgewiesen. Hein schreibt, er sei mit einer Vollmacht des Vorstandes des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Opposition, beim Arbeitsgericht aufgetreten. Das ist richtig. Etwas anderes haben wir auch nicht angegeben. Aber die Vollmacht war so abgefaßt, daß sie den Anschein erwecken fonnte und wohl auch sollte, als ob Hein ein Vertreter des Deutschen Metallarbeiterverbandes sei, denn das Schriftstück widersprechen. begann: ,, Der Borfizende des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Wilhelm Hein, ist beauftragt." Seine Firma hat folgenden Briefbogenkopf: Deutfcher Metallarbeiter- Verband Branche der Eisenformer und Berufsgenossen( Opposition) Das Wort„ Opposition" war in dem Text des Schriftstückes fo sorgfältig versteckt, daß es erst nach genauer Durchsicht entdeckt werden konnte. Wer mit den Organisationsverhältnissen der seltenes Angebot: Sonder Verkauf TABRIS- TEPPICHE 1/33 ca.250/ 350 ca. 270/370 ca.290/ 390 So hat der Syndikus des VBMI. vor dem Arbeitsgericht den Hergang dargestellt und Hein konnte dem nicht Hene geht doch. Der Chef der Heeresleitung, Generaloberst Hene, erklärte anläßlich einer Besichtigung des bayerischen Infanterieregiments 19 auf dem Truppenübungsplatz Munsterlager, daß er den Reichspräsidenten von Hindenburg um seinen Abschied zum 1. November gebeten habe. Wetter für Berlin: Bei füdlichen Winden vorwiegend heiter and am Tage etwas wärmer. Für Deutschland: Ueberall trocken und heiter, am Tage Temperaturanstieg. Berantwortl. für die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts Buch druckerei und Verlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. ORIENT- TEPPICHE 310-390-475- Darganne Lager im Preise herabgesetzt Runde Seidentischdecke 8950 mit Franse, ca. 130 cm DURCH DIREKTEN IMPORT GRÖSSTE LEISTUNGSFÄHIGKEIT U. REICHSTE AUSWAHL Theater, Lichtspiele usw. Montag, 25. 8. Staats- Oper Unter d. Linden Jahres- Ab.- Y. No. 176 20 Uhr Montag, 25, 8. Städt. Oper Bismarckstr. Volksvorstellung 20 Uhr Madame La Traviata Butterfly Ende 222 Uhr Staats- Oper Am Platz der Republik. Vorstellung zu ermäßigten Preisen 191/2 Uhr Hoffmanns Erzählungen Ende 2234 Uhr Oeffentl. Kartenverkauf Ende 22 Uhr Kein Kartenverkauf Staatl. Schausph. ( am Gensdarmenmarkt). Wiederbeginn der Vorstellungen am Sonnab., 30. August Deutsches Theater Lessing- Theater D2 Weidendamm 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg: Max Reinhardt Musik: Friedrich Hollaender. Bühnenbilder Ernst Schütte. Weidendamm 2797 a. 0846 Täglich 8 Uhr Wiederaufnahme beantragt ZUM AUSSUCHEN! Persische und anatol. Vorleger ca. 50/90 cm SERIE I 1450 SERIE II 1750 SERIEIII 1950 N- JSRAEL Zentral- Theater Berliner Prater Alte Jakobstr. 30/32 Sommertheater Dönh, 2047 Täglich 8% Uhr Ueberm großen Teich Ausstattungsv Otto Ernst Hesse operette in 4 Akten Loos, Henckels, Reuß, Flamme, Fulkenberg, Die Komödie Günther, Grodiczinsky 11 Bismck.2414/ 7516 8½ Uhr Wie werde ich reich Deutsches und glücklich? Künstler- Theat. Kursus von Felix Joachimson. Musik von Mischa Spoliansky. Regie: Erich Engel Bühnenbilder: Ludwig Kainer Barnowsky- Buhnen Theater in der Stresemannstr. Freitag, 29. August Urauführung: Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Marguerite: 3 Wiederbeginn der Vorstellungen am Sonnabend, dem 30. August Tägl. 5 u. 815 2, PLAZA Sonnt. 2. 5 u. 8 15 Alex. E 4, 8066 Kassner, Maciste, 5 Resua- Roller- Girls usw Winter Garten* * 8.15 Uhr Rauchen erlaubt Carlos und Chita u. Co. und weitere in Berlin noch nicht gezeipte Stars. Theater i. d. Behrenstr. 53-54 Letzte Vorstellungen 8% Uhr Ist das nicht nett von Colette? 84 Uhr CASINO- THEATER 8% Uhr Lothringer Straße 37. Für unsere Leser: Gutschein 1-4 Pers Fauteuil 1,25 M., Sessel 1,75 M. Der Possen- Schlager Der selige Hollschinsky und ein erstkl. buntes Programm. Tel. Barbarossa 3937 8 Uhr Weekend Lustspiel von N. Coward. RenaissanceTheater Steinplatz 6780. 9 Uhr Die Wunder- Bar Revuestück Lustspiel v. Fritz Schwiefert Rose- Theater Komödienhaus 81 Täglich 84 Meine Schwester und ich Musik v. Ralph Benatzky ZUM AUSSUCHEN! Persische und anatolische Brücken ca. 80/150 cm Sumakteppich altes feines Stück 240/344 cm Heris 540vorzügl.Speisezimmer- 790Teppich, 246/362 cm SERIE 49- Mesched 1 SERIE!! 69SERIE 89N- JSRAEL Kastanienallee 7-9. HAUS VATERLAND Humb. 2246 KURFURST 7460 Eine entzückende Das preiswerte Burleske sowie der auserwählte Varieté- Teil. Täglich 8 Uhr Vergn ergnügungs Rundfunk hörer Gusti Beer, Trude Schröder, Restaurant Theater d. Westens Heute 8 Uhr Premiere Herta Stary, Erwin Hartung in Katja, Berlins BETRIEB die Tänzerin KEMPINSKI Hasenklein kann Operette in 3 Akten von Leopold Jakobson und Rudolf Oesterreicher Musik von nichts dafür Max Adalbert. Sonntag nachm. 4 Uhr kleine Preise Das Land des Lächelns Franz Lehars Sensationserfolg! Komische Oper 812 Uhr Paul Westermeier in: Liebe und Jean Gilbert. Eintrittspreis von 50 Pf. an. 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Das ist ein unerträglicher Zustand in einem geordneten Staatswesen. Hier zeigt fich deutlich ein Fehler unserer Rechtsanschauung, deren Grundlage ein reines, dem altrömischen Recht entnommenes Eigentums= recht ist. Wir wissen leider nichts vom ,, Gemeinschaftsrecht", vom Schutz gemeinsamer Wirtschaftsinteressen, welches die alten nor= dischen Völker und auch die germanischen Volksstämme gekannt haben. Befiz verpflichtet, das war die ethische Grundlage jener Rechtsverhält nisse. Die moralischen Pflichten des Besiktums sind durch jahr. hundertelange Willkürherrschaft vergessen und jeder Besitzende glaubt ein Recht auf völlig uneingeschränkte Verfügung über sein Eigentum zu haben. Hier Wandel zu schaffen, ist nirgends so notwendig wie im Privatwald. Anfänge dazu sind gemacht. Vorrund 10 Jahren wurde ein Entwurf für ein Forstkulturgesetz eingebracht. Dieses Gesetz sollte die Bewirtschaftung der Privatforsten unter Staatsaufsicht stellen und im besonderen Abholzungen über das jährliche Normalmaß unterbinden, ebenso dafür sorgen, daß die notwendigen Anpflanzungen ausgeführt werden. Auch war die Bestimmung enthalten, daß nur Forstbeamte, die ihre Befähigung durch Prüfungen nachgewiesen haben, angestellt werden dürfen. Man hat es fertig ge= bracht, dieses so segensreiche Gesetz fast ein Jahrzehnt totzuschweigen, Wann endlich nimmt der schutzlose Zustand der Privatforsten ein Ende? Man denke nicht, daß die Ausführung der Staatsaufsicht etwa schwierig sei. Dieselbe Form der Aufsicht wird ja bereits seit langem über den Kommunalwald ausgeübt. Andere Staaten sind damit viel schneller weiter gekommen. So hat z. B. die Tschecho= flowakei die gesamten Privatforsten in den letzten Jahren enteignet. In letzter Zeit mehren sich die Fälle, daß in Privatwäldern große Abholzungen stattfinden, die in Jahrzehnten nicht wieder aufgeforstet werden können. Es heißt dann meist, die steuerlichen Lasten feien schuld daran, doch wenn man genauer nachforscht, dann kann man meistens feststellen, das die Lebensführung des Besizers die Ursache der Geldnöte ist. In anderen Forsten fümmert man sich um volkswirtschaftliche Interessen ebenso wenig, sondern richtet große Wild gatter ein. Flächen von tausend Morgen und mehr werden eingezäunt und mit viel zu viel Wild besetzt, nur um der Jagdleidenschaft zu frönen. Der Wald kann natürlich eine solche Ueberlastung nicht ohne große jahrzehntelange Schäden tragen. Noch ist es möglich und tatsächlich vielfach der Fall, daß ganze Wälder für ben öffentlichen Verkehr einfach kurzerhand geschlossen werden, bis auf die sehr wenigen öffentlichen Verkehrswege. Es ist hier nicht der Play, den ganzen großen Wert des Waldes für ein Volk und für ein Land zu schildern, doch sei darauf hinge= wiesen, daß der Wald für die Gesunderhaltung des Klimas die wichtigste Rolle spielt. Ohne Wald würde jede Kultur schnell zurückgehen. Geschichtliche Beispiele sind warnende Tatsachen. Kleinasien und Griechenland nannte man im Altertum den Garten Europas. Was ist heute aus jenen blühenden Kulturländern mit so üppiger Vegetation geworden? Sandwüsten und kahle öde Gebirge und die Völker total verarmt! Nur die sinnlose Abholzung der Wälder hat das verschuldet. Nicht anders war es mit andern Balfanländern, mit Italien, Spanien. Die alljährlichen Ueberschwemmungskatastrophen Südfrankreichs haben den gleichen Ursprung: Abholzung der südfranzösischen Alpen. Das was vor vielen Menschengenerationen der Unverstand verschuldet hat, können Jahrhunderte nicht wieder gut machen! Es dürfte endlich an der Zeit sein, das Forstkulturgesez, das Staatsaufsichtsgesetz über den Privatwald, in den Bordergrund zu ftellen, um die Interessen der Allgemeinheit zu sichern. Stadtförster H. Borchert- Bad Sachsa. Negerzähne werden gesucht Bor einigen Tagen besuchte mich eine Freundin aus Chitago. Eie bat mich, ihr, der Amerikanerin, die ,, amerikanischste Stadt des europäischen Kontinents" zu zeigen. Also bummelten wir über den Broadway Berlins, den Kurfürstendamm. Meine Freundin blieb plötzlich vor dem Aushängeschild eines Bahnarztes stehen. Da stand groß und deutlich: Nur noch Neger tragen Goldzähne. Darum lassen Sie sich schleunigst Ihre Goldzähne schmerzlos durch mich entfernen und durch meine in allen zivilisierten Ländern patentierten naturechten Borzellanzähne ersetzen. Ich muß gestehen: ich machte ein recht verdußtes Gesicht. Nur meine Freundin fand dies alles all right". Sie beschränfte fich daher mit einem deutlichen Seitenhieb auf Europas zurüd gebliebene Zivilisation auf die Bemerkung, daß man in den ,, States" schon viel weiter fortgeschritten sei, und daß man nicht künstliche, sondern natürliche Zähne an deren Stelle jetze. Mein Gesicht muß wie ein Fragezeichen ausgesehen haben, denn meine Freundin begann, nachdem wir uns in einem Kaffeehause niedergelassen hatten, zu erklären: " In Chikago, wie in fast allen amerikanischen Großstädten, befigt jeder„ Tiefbauingenieur des Mundes" Reservoire für natürlichen Zahnerjah. Das heißt, im Süden der Bereinigten Staaten oder in den Hasenstädten engagiert der Zahndoktor sich ein paar Neger, die bekanntlich fast alle über blendend weiße Zähne verfügen, um fie in seinem Wartezimmer zur Schau zu stellen. Kommt ein Interessent, dann muß das betreffende Reservoir" den Mund öffnen und der Patient sucht sich einfach den ihm genehmen Bahn aus, der als ,, Stiftzahn" an Stelle eines Goldzahnes in seinem Gebiß an gebracht werden soll. Schwuppdich, zieht der Zahnarzt dem Neger den Zahn und nimmt die Umwandlung vor. Der Neger aber erhält - als einzige Entschädigung den Goldzahn des Patienten. ,, Siehst du nun", sagte meine Freundin ,,, daß wir in jeder ziehung weiter sind wie ihr?" Der Abend Shalausgabe des Vorwärts Die Hurra- Kapitalisten auch eine Kriegsbilans Während in Flandern stürmende englische Regimenter vor den Gräben der Deutschen zerhämmert wurden und in den Drahtverhauen hängen, blieben, fuhren große Transportdampfer, beladen mit Kaffee, Kakao, Tee, mit Düngemitteln, Baumwolle und Fetten in die Ostsee, wo sie von deutschen Patrouillenbooten angehalten und in deutsche Häfen geschleppt wurden. Die Ladung der Trans portdampfer stammte a us England und war für einen skandinavischen Hafen bestimmt. Der Kapitän des neutralen Schiffes war glücklich, wenn er von deutschen Torpedobootjägern angehalten wurde, denn auf diese Art konnte die Ware direktan Deutsch= land geliefert werden, ohne erst den Umweg über fremde Häfen zu machen. Der englische Kapitalist, der an die skandinavischen Staaten Dele, Fette und Baumwolle verkaufte, wußte genau, daß seine Ware in dem von England blockierten Deutschland landete. Deutschland brauchte diese Ware und zahlte jeden Preis. Die englische Regierung hatte zwar genaue Bestimmungen erlassen, daß die an die neutralen Staaten gelieferten Waren nicht an Deutschland weitergeleitet werden dürften, aber was gelten Ver= ordnungen, wenn dem Kapitalisten der Profit winkt? " Freiwillige vor!" schrie man in England. Und die Freiwilligen famen, wurden ausgebildet und an die Somme geschickt. Die Deutschen, die ihnen gegenüber lagen, tranfen Tee aus Ceylon, Kaffee aus Brasilien, Kakao aus Indien. In ihren Uniformen war die Baumwolle verarbeitet, die vor einem halben Jahr noch in englischen Häfen lag. Aber der Tommy wußte das nicht. Und der Deutsche machte sich keine Gedanken darüber. Es schien ja gut für uns, daß der englische Kapitalist verdienen wollte. Alle wollten sie an uns verdienen. Die Dänen schrien über die Grenze: Was braucht ihr?" Und die Norweger und Schweden schickten Depeschen:„ Was braucht ihr?" Deutschland brauchte alles. Völlig eingefreist, von der Welt abgeschnitten, mußte Deutschland zahlen, was verlangt wurde. Admiral Consett, englischer Marineattaché in den skandinavischen Staaten richtete am 4. April 1916 folgendes Schreiben an die britische Admiralität: „ Nach den Geschäften in Katao und Kaffee beginnt nunmehr das gleiche Spiel mit dem Tee. Sämtliche Kais in Kopen hagen sind mit Tee in großen Mengen vollgestapelt. Ich muß bekennen, daß ein Gefühl der Erniedrigung mich erfaßte, als ich all dieses Zeug sah, von dem ein großer Teil aus unseren Kolonien kommt auf dem Wege nach Deutschland. Es ist eine große Menge chinesischen Tees dabei, aber der größere Teil ist Cenlon- Tee. Wer steckt hinter diesem Geschäft? Mir ist das völlig unbegreiflich." = Nun, uns ist das nicht unbegreiflich. Hier einige Zahlen aus dem im Frundsberg Verlag, Berlin erschienenen, von magim 3ieje und Hermann 3iese verfaßten Buche„ Ge= neräle, Händler und Soldaten". Schweden führte im Jahre 1913 2365. Doppelzentner Baumwolle an Deutschland aus, Im Jahre 1915 aber lieferte Schweden 762 597 Doppelzentner. Woher kam diefe Baumwolle? Nicht zum geringsten Teil aus England. Denn England steigerte im Jahre 1915 seine Ausfuhr an Baumwolle nach Skandinavien um 742 Proz. Andere Zahlen: Dänemark erhielt im Jahre 1913 843 Doppelzentner Katao, im Jahre 1915 aber 11 828 Doppelzentner. Eine Hofmarschallin erinnert sich Elisabeth Marischkin- Kuratin, als Tochter des Fürsten Aleris Kurafin, russischen Botschaftsrates in Paris, ums Jahr 1840 herum zur Welt gekommen, wurde unter 3ar Alexander III. Hofdame. 1908 anvancierte sie zur Hof marschallin der Kaiserin. Nach der boljchemistischen Revolution gelang es ihr, nach Frankreich zu entkommen, wo sie fürzlich gestorben ist. Ihre Memoiren sind jetzt im Amalthea- Berlag unter dem Titel ,, Unter drei 3aren" erschienen. Herausgeber ist René Fülöp Miller. Elisabeth Narischkin gehört ihrer ganzen Seelenhaltung nach durchaus zu der Kategorie der Schranzen. Im wesentlichen enthält ihr Buch Aufzeichnungen über Hofintrigen, fürstliche Liebesromane, Palastflatsch. Ihre politischen Ansichten sind weniger reaktionär als naiv. Geradezu lustig ist es, wenn sie die Republik mit der Anarchie gleichsetzt, wenn sie sich tief entrüftet darüber zeigt, daß die linken Deputierten der ersten Duma ,, in ihren Reden die Vergangenheit verhöhnten und dem Kaiser auch nicht mit einem Worte dankten, daß er ihnen so viel teure Traditionen geopfert hatte". Immerhin hat diese Frau aus nächster Nähe mancherlei Wich tiges mit angesehen und wenn auch ihre historischen Urteile undis futierbar sind: ihre Charakteristiken und Schilderungen sind zuweilen interessant und aufschlußreich. Im Jahre 1875 verkehrte die Narischkin in einem literarischen Kreis, in dem auch Dostojewski heimisch war. Sie beschreibt diesen gewaltigen Geist, der damals an den„ Brüdern Karamasow" arbeitete, als einen scheuen Menschen mit abgemagertem, blaffem Gesicht, der es liebte, auch dann, wenn er an dem Gespräch einer Gruppe teilnahm, sich lediglich mit einer einzigen Person zu unterhalten. Er sei ein wunderbarer Deflamator gewesen, der, wenn er etwa eine seiner Novellen vorlas oder eine Arbeit Buschkins, den er bevorzugte, seine Zuhörer zu Begeisterungsstürmen hinriß. Schweden erhielt im Jahre 1913 aus England 529 Doppelzentner, im Jahre 1915 13 710 Doppelzentner. Man kann an Hand von statistischem Material heute ruhig behaupten, daß Deutschland schon sechs Monate eher am Ende seiner Kräfte gewesen wäre, wenn die Profitgier englischer Kapitalisten nicht erst im Jahre 1917 abgedrosselt worden wäre. Im Freihafen von Kopenhagen wird teures, sehr teures Schmieröl von einem neutralen Dampfer auf einen anderen neutralen Dampfer umgeladen, aber die Fässer bekommen einen solchen Schwung mit, daß sie über das Deck des neutralen Dampfers hinweg gleich in die Lufen des deutschen Schif= fes fallen, das zufällig gerade daneben liegt. Aber dort liegen die Fässer besser als in dem neutralen Dampfer. Denn dort sind sie mehr wert. Statt 150 m. pro Faß regulär jetzt auf einmal gleich 1500 M. oder vielleicht auch 2000 m. Es lohnt sich eben, den Fässern einen kleinen Schwung mehr zu geben. Arbeit verzinst sich hier zehnfach und zwanzigfach." Alle verdienten sie an den Dingen, die Deutschland brauchte. Der englische Kapitalist, der schwedische, norwegische, dänische, holländische und nicht zuletzt der deutsche, der die Ware in Empfang nahm. Während draußen die Feldgrauen, Tommys und Poilus bis an die Knie im Schlamm standen, während sie sich in die Erde fraßen und immer wieder in das Artilleriefeuer rannten, feilschte die Armee gerissener Händler um jeden Doppelzen ner friegswichtiger Ware. Aus Blut wurde Münze geschlagen. In den neutralen Staaten wimmelte es von den Hyänen der Schlachtfelder. Die Internationale der Händler drücke dem deutschen Staat den Daumen aufs Auge. Deutschland blutete und zahlte! Deutschland mußte auf die teilweise Deckung seines Bedarfs an Schmieröl über Skandinavien im Interesse seiner Rüstungsindustrie so sehr bedacht sein, daß ihm gerade für diese Ware fein Preis zu hoch sein durfte. So fam es, daß Deutschland im Jahre 1915 im Ausland für minerale Schmieröle das Zehn= bis Dreizehnfache des gewöhnlichen Weltmarftpreises zahlte. Dieser riesig überspannte Preis zog natürlich die Deleinfuhr dorthin, von wo aus die Ware die größte Aussicht hatte, schnell nach Deutschland zu gelangen. Daher hatte Schweden die absolut höchste Einfuhrziffer an Schmieröl, nämlich 443 010 Doppelzentner im Jahre 1915. lind ebenso selbstverständlich ist es nun, daß auch England darum die Spitzenmenge seiner Einfuhr in Höhe von 20 069 Doppelzentner mineraler Schmieröle nach Schweden verlegte. Dort bestand die größte Aussicht auf einen Weitererport nach; Deutschland und daher auch die größte Hoffnung. die dort gezahlten ungeheuren Preise zu erlangen." Ganz genaue Ziffern über das, was Deutschland während der Blockade einführte und über das, was die neutralen Staaten an Deutschland ausführten, wird man nicht erlangen. Die Statistit, die Marim und Hermann Ziese in ihrem obenerwähnt n Buche aufstellen, ist eine Bilanz des Grauens: Wir blicken hinüber ins französische und englische Lager, wo sie fämpften wie wir, und wo sie bluteten wie wir. Aber das Donnern der Materialschlacht, die Schmerzens- und Wutschreie zusammengeschosfener Soldaten, die Klagerufe der Frauen und Kinder wurden übertönt durch den heiseren, über alle Grenzen dringenden Schrei der Händler:„ Rauft, fauft! Wir liefern alles!" Orden dem Manne im Graben. Den Händlern Hardy Worm. aber den Profit. Person, dem Kaiser feinen Halt habe bedeuten können. Das Ergebnis dieser Willensschwäche und Unfähigkeit des Zarenpaares war Die Narischkin nimmt, wegen der der Kompler Rasputin. ,, Berwerflichkeit seines Lebenswandels", gegen Rasputin Stellung und betont, daß sie sich immer geweigert habe, mit ihm zusammenzukommen. Im übrigen bestätigt sie die bisher bekannt gewordenen Schilderungen über den außerordentlich großen Einfluß, den der Staret" auf die Barenfamilie hatte: Wer ihn lobte, war gut', mer ihn tadelte, schlecht'; nach diesem Kriterium wurden sogar die Minister gewählt." " " Auch Kerenski hat die Narischkin kennengelernt. Im Grundton ist sie wider Kerensti, aber in vielen Details glaubt sie doch, ihn herausstreichen zu müssen. Nach den Berichten der Narischtin hat sich Kerenjti in Gegenwart von anderen frech" gegen das 3arenpaar benommen, sei er aber allein mit den beiden Entthronten zusammengewesen, so habe er einen sehr viel freundlicheren Ton angeschlagen. Die Zarin habe von Kerensti, den sie sympathisch und aufrichtig gefunden habe, einen guten Eindruck empfangen und auch der Bar habe ihn geschätzt. Die Aufzeichnungen der Narischlin schließen mit dem 18. Juli 1917. Der boljchemistische Umsturz und die Ermordung des Zarenpaares finden in ihnen Hans Bauer. teinen Platz mehr. Fliegende Fische Wer tropische Ozeane befahren hat, tennt das feltsame Bild, daß sich plötzlich auf den Wellen ein Schwarm von Fischen in die Luft hebt und gleich Schwalben schnell über die Wellen dahinschießt, um nach einigen Sekunden, höchstens vielleicht nach einer Viertelminute, wieder im Meer zu verschwinden. Wie muß ein Tier gebaut sein, das Bogel und Fisch zugleich zu sein scheint? Untersucht man die fliegenden Fische, so findet man nichts von wirflicher Flugmuskulatur. Die großen Brust- und Bauchflossen, die als Flügel" dienen, sind nur mit einer ganz schmachen Muskulatur versehen. Das Geheimnis dieser Art des Fluges ist uns erst ganz flar geworden, seit der Mensch selbst gelernt hat, ohne Muskelanstrengung zu fliegen, wie es unsere Segelflieger tun. Die flie. genden Fische schlagen ebenso wenig mit ihren Flügeln wie die Segelflieger; bei beiden sind die Flügel nur Tragflächen und der Motor ist der Wind in den verschiedenen Formen der Luftströmung oder des aufsteigenden Luftstroms. Kaum höher als 1 Meter erheben sich die Fische im allgemeinen über die Wasserfläche und fönnen dabei über 100 Meter ja bis 450 Meter durch die Luft gleiten. Als Segelflugleistung ist das keineswegs imponierend. Nur eines ist erstaunlich: der Start zu diesem Segelflug. Die fliegenden eine bedeutende Geschwindigkeit zu erteilen, so daß sie bei schräg aufmärts gerichteter Schwimmbahn wie Pfeile aus dem Wasser in die Luft emporschießen. In diesem Augenblick merden die Flossen durch die erwähnten schwachen Muskeln entfaltet und gespanrt; weiter haben sie beim Flug nichts zu tun. Ihr Urteil über Nikolaus II. ist, bei aller faifertreuen Gefinnung, sehr ungünstig. Er war ungewöhnlich spät dem Kindesalter entwadyjen", schreibt sie über ihn. Im Militärdienst hatte er sich dann mit den Offizieren zu einer oberflächlichen Kameradschaft ohne gemeinsame Interessen, ohne Meinungsverschiedenheiten, ohne Gedankenaustausch zusammengeschlossen. Niemand hatte je in seiner Gegenwart etwas Bedeutendes gesprochen, vielmehr plauderte man stets nur über nichtige Ereignisse." Mit 26 Jahren tritt dieser ungeistige, völlig unbedeutende Mensch an die Spitze des größten Be- Reiches der Welt. Einzig das Prinzip seiner unumschränkten Herrschergewalt sei ihm in Fleisch und Blut übergegangen gewesen, fährt die Narischkin fort, aber von den russischen Re- Fische sind sehr gute Schwimmer und vermögen sich im Wasser alitäten, besonders von den revolutionären Spannungen, die im Volke lebten, habe er feine Ahnung gehabt. Er sei ein zerfahrener, innerlich durchaus unausgeglichener und tieferer Bildung ermangelnder Charakter gewesen und hinzu sei gekommen, daß auch die Zarin, eine zu religiöjer Schwärmerei neigende „ Aber die Negerzähne müssen doch mit den Jahren schlecht merden", entgegnete ich schüchtern. Meine Freundin aus Chitago pofaunte siegreich: Du vergißt. mein Schäfchen, wieviel Neger es in Amerita gibt!" Ilse Bretz. Copyright 19.« by FackelreiWr-VerUs G. m. b. H., Hamburg-Bergedorf (7. Fortsetzung.) Äch liege im Totengrunde in der Wilseder Heide, allein im duf- tenden, summenden Heidekraut. Käser krabbeln zwischen meinen Händen— mit glänzenden Flügeln— Ameisen rennen geschäftig und aufgestört—-- auf der Bohseite meiner Laute sitzt eine dicke Hummel--- es duftet schwer und süh--- die Wacholder- bflsche stehen blau im Heidegrund wie alte verschlafene Wächter-- --— Ich vergesse die fünfte Kompagnie--- den Schinder— den blossen Kameraden Langer--- Kilb--- mein lieber armer Kilb— warum gehst du nicht einfach fort zu deiner kranken Mutter--- dem einzigen Menschen, den--- dieser --- schreckliche--- Krieg... Mein Kopf sinkt aus den Kolben des Gewehres... in der Ferne... weit... weit... ein Wanderlied in der Abendsonne auf dem Heidebahnhof... Kaktus lacht... stopft sich seine kurze Pfeife... Schöning stimmt an seiner Mandoline... zirp... zirp... zimm... zimm... zimm ... zisch... eine Saite springt... der kleine Schmidt wird plötzlich totenbleich... er schwankt und saßt sich an die Brust... jetzt... sieht er ja... wie... Langer... aus... ganz weit...:„Ade nun, zur guten Nacht, es wird jetzt Schluß gemocht, daß ich muß schei...«i... den..." „Laden und sichern!!" Adolf steht plötzlich neben mir. Ich reiße mich zusammen. Verflucht! Träumen gilt hier nicht, Grenadier!... „Visier vierhundert!!" Hart, grausam der Befehl! Wir schreiben neunzehnhundertundsiebzehn-- das Jahr des Hungers und des Todes... Vor uns find Scheiben aufgestellt. Die sollen Menschenleiber sein, auf die wir zielen und schießen sollen. „Verflucht» Hund! Warum hast du nicht Visier vierhundert eingestellt?!" Einige Schritte recht» von mir tobt der Schinder. Ich schiele vor- sichtig hin: Er reißt an einem grauen Bündel,-- er zieht es ruck- weif« hoch-- seine Augen treten wieder' dick hervor in Wut und quälender Freude: Longer...» Der arme Kerl kniet im Sand... sein Helm ist ihm herunter- gefallen von dem Schütteln, und weil der Schinder ihn yrit seinem langen Säbel nach rechts und links bearbeitet«.„Adolf" nimmt ihn und haut ihm den Helm krachend auf den armen blassen Kopf... auf! den armen glattrasierten Knabenschädel. Mir ist, als müsse der aus- einonderkrachen von der Wucht des Stoßes. Dann knufft der Schinder einige Male auf den schmalen Rücken unseres elenden Kameraden, der ruckweise und hilfesuchend auf die Schwarmlinie blickt... und dann wieder niedersinkt und mit zitternden Händen sein Bister richtig- stellt. Aber niemand rührt sich in der Schützenlinie. Jeder zielt ängstlich und genau auf die Scheiben und prüft immer wieder Kimme, Korn und Visier... immer wieder... immer wieder; denn der Schinder ist wieder in seinem Element... wir sind ihm schutzlos ausgeliefert ... wir spüren seine brutale Nähe hinter unseren Rücken... wir sehen visionär seine großen Stiesel und breiten Fäuste... seine fletschenden Zähne... sein widerwärtiges Grinsen... ein unbe- zwingliches Raubtier... „Ilnbezwinglich...?" In unseren Gewehren sind je fünf... und in unseren Patronentaschen je nochmal fünf... scharfe... scharfe... spitze Patronen... Wenn wir plötzlich... von unsicht- barer Hand... hochgerissen... aufsprängen... und... die... Gewehre... Kilb liegt hart neben mir. Seine Nase ist wieder weiß vor Wut. Er scharrt wütend mit der linken Stiefelspitze im Sand. Er ist wieder im innersten erregt; seine Augen sind kaum zu sehen, so hat er sie im Zorn zusammengekniffen. Er sieht wie gebannt geradeaus, als wisse er selbst, haß etwas Fürchterliches geschehen müsse, wenn er neben oder gar hinter sich blicken würde. Er kocht vor Zorn und--- leise— schwankt— sein— Gewehrlauf... „O du Hund! Du Liest! Du... gottverdammtes... Schwein... du!" Er spricht wie im Fieber, stockend urtd schwer atmend... und sein Finger spielt am Abzug... Der Schinder rennt hinter uns wie ein Besessener auf und ab. Wir spüren seinen keuchenden Atem wie den versengenden Atem eines Teufels. Langers Gesicht ist wie verwischt... er liegt wie ein Toter... Ausgelöschter... schon losgetrennt von uns... ein Fremder, Ferner... wie aus einer Schattenwelt zu uns hingestreckt... „Ziel aufsitzen! Schützenfeuer!!" Es gellt wie Wahnsinn in dem schreienden Befehl de» Schinders. — Die Sicherungsflügel knacken herum... knack... knack... und dann:... tack... tack... tacktacktack...tacktack... tack... tacktacktack... Vor und hinter den Brustfcheiben spritzt der Sand hoch, die lange Linie vor der schießenden Kompagnie entlang... Das Krachen wirkt wie Erlösung. Es geschieht doch wenigstens etwas. Wir haben für den ungeheuren Druck, der auf uns wuchtet, ein Ventil. Ich bin wunderbar ruhig und unheimlich wach. Der erst« Schuß ... das Schloß fliegt herum... zock... die leere Patrone fliegt heraus... her damit! Ich leg« sie sorgfältig neben mich..-„Ziel aufsitzen!"... schars-umrissen vor mir die grinsende Fratze des Schinders auf der Scheibe, die ich mir wählte... der zweite Schuß ... der sah wie der erste... ich fühle es wie einen befreienden Schlag tief, tief im Blut... das Schloß fliegt herum... zock!... die zweite Hülfq lege ich liebevoll neben die erst?...„Ziel aufsitzen!" —— Bevor ich abdrücke, macht Kilfi seinen ersten Schuh: solange hat er gezielt... „ Ha!" sagt er nur. Ich blicke sekundenlang zu ihm hin: Er lächelt beglückt, als er das Schloß herumlegt. Es ist wie ein Lieb» kosen in seinen Fingern... „Schtopfen!". ... Nock... Nack...klackklock... noch einzelne jagende Ge- schösse... dann flimmert die Ruhe wieder... Ich stecke die leeren Hülsen in die Rocktasche. „Ge... rrradeaus feindliche Schützen! Erster und zweiter Zug ... Schützenfeuer... Visier vierhundert! Drrritter Zug... Schprung auf marrsch marrrsch!!" Ganz rechts am äußersten Flügel, schon vorher hundert Meter vom zweiten Zug getrennt, erhebt sich die Schützenlinie des dritten Zuges und springt vor, während wir anderen schießen... den dritten Schuß... den vierten Schuß... den sechsten'... den siebenten... den achten... den letzten zehnten scharfen Schuß abgeben... Langer ist plötzlich wie elektrisiert und mit neuen Kräften geladen...«r schießt wie besessen... seine bleiche, linke Hand liegt knochig wie eine Kralle um den Gewehrlauf gepreßt... er ist mit einem Male nicht mehr entrückt... er zielt mit stiller Verbissenheit... drückt ab... zielt wieder... drückt ab... schießt... schießt. „Schtopfen!!" brüllt der Schinder nochmals. Den letzten Schuß macht der Grenadier Langer. Weit vorne rechts liegt schon wieder der dritte Zug. „Erster und zweiter Zug... Seitengewehrr... pflanzt auf!!" Metollen klingt der Stahl die Schützenlinie entlang. Eigenartig: es kloppt bei jedem, als hätten wir nie etwas anderes gemacht als dies. Hastig schnappen wir die noch nicht weggesteckten Hülsen: Wir haben zehn scharfe Patronen verschossen. Man hat uns dessen würdig befunden, nun sind wir endgültig eingereiht, gewogen und nicht zu leicht befunden.--- Wir haben das rechte Knie angezogen. Die Stahlmesser blinken in der Sonne... es ist wie Rauschen in den Ohren und im Blut... alles in uns ist Straffheit und Spannung... die Hände Kleben wie angesogen am Gewehr... die Sturmriemen schnüren.. Schprrrrung auf marrschmarrrsch!! Huurraaah!! Huuurrrraaoh!!" Die Züge der fünften Kompagnie brausen im Sturm durch die flimmernde Mittagsglut über den stäubenden Sand... unaufhalt- sam,.. unaufhaltsam...«inHundert Meter... zweihundert Meter ... Adolf mit gezogenem Degen weit voraus... huuurrraaah... sein Degen blitzt, er schwingt wie ein urwelthaftes Wesen seinen schweren Körper vor uns her... dreihundert Meter... dreihundert- und fünfzig Meter... aber niemand vor uns schießt in unseren wilden Orkan der grauen, keuchenden Gestalten... huuuurrrraaaah ... vierhundert Meter... wir sind bei den Scheib«n... und dampfend fallen wir darüber noch einige Meter weiter vor und „Haaalt"... stehen keuchend, mit stieren, unterlaufenen Augen, in denen es frem leuchtet... und als letzter: Kilb... oerzerrt, unkennt- lich fast... eine furchtbare Fratze sein Gesicht— und braust auf die eine... auf unsere Scheibe... in der meine und seine gutgezielten Treffer sitzen, los... auf die vielfach durchlöcherte Scheibe... und London von New York überflügelt Die letzte amerikanische Volkszählung hat den schon lange schwe- benden Streit zwischen England und den Vereinigten Staaten von Nordamerika über die Frage, in welchem Lande sich die größte Stadt der Welt befindet, endgültig zugunsten der Vereinigten Staaten ent- schieden. Der Vorsprung Amerikas vor England beträgt dabei rund 2 Millionen, da auf Grund der diesjährigen Volkszählung New Fort 9 8S7 882 Einwohner hat, denen London(ebenfalls nach der neuesten Zählung) nur 7 864139 Einwohner gegenüberstellen kann. In diesen Zahlen sind freilich neben den beiden eigentlichen Städten auch deren Vororte mit einbegriffen, und zwar bei New Port die in einem Umkreis von 29 englischen Meilen liegenden, wobei das Rathaus, die City Holl, als Mittelpunkt des Kreises genommen wurde, wogegen man bei der englischen Hauptstadt die Bewohner des gesamten, sich we«t über die City hinaus ausdehnenden Polizei- diftrikts berechnete. Die Landflucht ist übrigens in den Vereinigten Staaten von Nordamerika ebenso groß wie in den europäischen Ländern, da seit der letzten Volkszahlung im Jahre 1929 Groß-New- Park, wie dortige Blätter weniger mit Stolz als mit Bedenken fest- stellen, �um 2 937 296 Einwohner zugenommen hat, von denen der weitaus überwiegende Teil vom flachen Lande zugewandert ist. Kolumbus war Buchhändler? In einer Handschrift aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts, die der bekannte amerikanische Antiquar Dr. R o s e n b a ch kürzlich er- warb, besindet sich eine Stelle, aus der hervorgeht, daß Kolumbus in seinen jungen Iahren, wenn auch nur vorübergehend, mit Büchern gehandelt hat. Es heißt nämlich dort, daß«in Mann mit Namen Christoph Kolumbus in Mailand lebt«, Buchhändler war und von dort nach Andalusien reiste.„Er war ein Mann von großen Geistes- gaben, ohne Gelehrter zu fein, aber sehr bewandert in der Kosmo- graphie, der das, was er im Ptolemäus und in anderen Schrift- stellern gelesen hatte, auf seinen Seefahrten und Wanderungen be- folgte." Die Handschrift ist von Andres Bernaldez geschrieben, einem Freunde von Kolumbus, den dieser nach der Rückkehr von seiner zweiten Reise im Jahre 1496 besuchte und dem er von seinen Er- lebnissen berichtete. Bei dieser Gelegenheit mag Kolumbus auch au» seinem früheren Lebenslauf mancherlei erzählt haben, so daß die von Bernaldez iwodergeschriebene Mitteilung auf Kolumbus selbst zurückzuführen ist. Da nun an der Echtheit der Handschrtst nicht zu zweifeln ist und infolgedessen auch der Bericht von Bernaldez nicht bezweifelt werden kann, so liegt der Gedanke nahe, daß Kolum» vus auf seiner Reise von Italien nach Spanien Bücher verkaufte, um seinen Lrbensunterhatt zu erwerben. Da die Buchdruckerkunft damals gerade erst erfüllen worden war und es daher Verhältnis, mäßig nur wenige Bücher gab, so wird auch die Zahl der Bücher, die er vielleicht auf einem Karren mit sich führte, nicht eine allzu große gewesen sein. Durch diese Entdeckung wird auf die bisher ziemlich unbekannte Jugendxefchichte von Christoph Kolumbus ein neues Licht geworfen, wenn auch durch die Nachricht, daß er in brüllt und krächzt ein letztes, erlösendes �Huurroahk" und stößt mit letzter, ungeheurer, entfesselter Kraft den blitzenden Bajonettstahl in die Schiebe, daß die Holzsplitter fliegen... und knirschend zieht er das Eisen wieder heraus... er, der seltsamst«, der unglücklichste Soldat der Kompagnie... und er zeigt sein hartes, weißes Gebiß. als er kurz vor uns steht und mich erkennt und--- lächelt, als ich ihm in die heißen Augen blicke--- Denn wir haben beide den gleichen, unausgesprochenen, befrei- enden Gedanken gehabt... » Die Kompagnie tritt wieder an. Wir haben fünf Minuten zum Verschnaufen gehabt,— viel zu wenig, denn unsere Leiber zittern immer noch von dem„Angriff". Jetzt kommt die tödliche Erschlaffung: denn unsere ausgehungerten Körper waren von einem Rausch wie von einem schweren Gift, das ins Blut rann, vorwärtsgepeitscht. Wir könnten umfallen.(Fortsetzung folgt.) Carl �inhoier„£ukas fflain"� Ein Tiroler Arbeiterroman und gleichzeitig der Bericht über den Entwicklungsgong eines jungen Menschen, der sich um religiös« Welt- «rkenntnis bemüht. Die Handlung spielt in einer kleinen Stadt, der «ine Autofabrik industrielles Ansehen verleiht. Es ist«in sehr merk- würdiger Arbeiterroman. Das Leitmotiv lautet:„Zurück zu Gott". Alles wird problematisch genommen, nur das Entscheidend« nicht: nämlich der Zusammenschluß der Proletarier unter bestimmenden wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen. Diese werden«her oberflächlich behandelt. Wichtiger ist es, daß der alt« Hain, ein an- rüchiger Atheist, den Weg zum Beichtstuhl zurückfindet. Und von der Kirche aus könnt« auch die Ordnung des wirtschaftlichen Alltags ge- schehen. Dabei ist Tinhoser mit den bestehenden kirchlichen ZZerhält- nissen nicht einverstanden. Er zeigt die Abhängigkeit gewisser Kirchensürsten von den I n d u st r i e k a p i t ä n e n, die die Arbeiterschaft religiös erhalten wollen, damit sie leichter beherrscht werden kann. Dieser altbekannten Tendenz der herrschenden Klasse stellt er eine Religiosität gegenüber, die die Forderung des Pro- letariats anerkennt und erfüllen will. Ein junger Kaplan ist der Wortführer dieser Gruppe. Tinhoser mag nichts von den freien Gewerkschaften wissen. Anhänger des Sozialismus sind für ihn verdächtige In- dioiduen, die den Verstand der Arbeiter verwirren. Das Christentum allein erscheint als Rettung. Der Verfasser übersieht oder will ab- sichtlich übersehen, daß die freien Gewerkschaften auch in Tirol eine Macht repräsentieren, die den Christlichen bestimmt die Waage hält. Der Roman ist Tendenz, und darum gilt die Wirklichkeit nichts. Der Sozialist erscheint als zersetzender Revolutionär, der nicht aufzubauen versteht. Die Akzente sind also völlig oerschoben. Die Menschen bei Tinhoser sind nun keine Repräsentanten irgendeiner Gejellschastsschicht, sondern Individualisten, di« zufälligerweise Arbeiter, Priester oder Industriell« sind. Sie kapseln sich ein und belauschen wie ein Aesthet den Pulsschlag des Blutes und grübeln nur über di« eigenen Gedanken. Die Gemeinschaft, in der sich die Arbeiter zusammenschließen sollen, liegt in Gott. Nichts ge- schieht ohne seinen Willen, und so ist dieses Buch der Roman von Gottsuchern. Das olle Thema vom religiösen Menschen mit seinen Qualen und Zweifeln erscheint hier in neuer, proletarisch sein sollen- der Gewandung. Der Hauptakzent liegt jedoch aus alt. Sprache und Gestaltung sind nicht gestrafft. Die lyrischen Partien erscheinen abge- nutzt durch allzu häufigen Gebrauch in dep Heimatkunst. Es ist kein Buch, das die moderne Welterkenntnis bereichert. b'elix ücderret. *) Verlagsanstalt Tyrolia-Jnnsbruck. Mailand gelebt habe, die Frage seiner Genueser Geburt nicht berührt zu werden braucht. Denn«- wäre immerhin möglich, daß Kolumbus zwar in Genua geboren wurde, daß sein« Familie ober später noch Mailand übersiedelte. Man hört eine Feder fallen Das Geräusch einer fallenden Feder könnte man gewiß mit einem guten Mikrophon, einer leistungssähigcn Vcrstärkereinrich- tung und einem kräftigen Lautsprecher weithin hörbar machen. Es läßt sich da» aber auch mit einem großen Schallspiegel erreichen, wi« jüngst in der berühmten„Höhle von Hollywood" gezeigt wurde. deren Bau für die Zwecke des Films hergerichtet ist. Dort ließ man eine Vogelfeder auf ein« Kesselpauke fallen, und der leise Schall wurde dann von einem tonischen Schallspiegel aufgefangen und zurückgeworfen, dessen Durchmesser 13 Meter ausmach!« und dessen stählerner Körper 36 Tonnen wog. Das Geräusch der fallenden Feder wurde besonders in einiger Entfernung als lauter Lärm vernommen. Die elektrische Einrichtung ist jedenfalls einsacher und billiger. Die rasende Drehtür In dem Haus der Svenska-Banken, einem der größten Gebäude Stockholms, besindet sich eine riesige Drehtür, die, wenn«in geringer Anstoß erfolgt, durch eine ingeniöse Vorrichtung etwa eine halb« Drehung macht, welch« ein kleiner Elektromotor ausführt. Durch das Versagen eines Tlusschalters, der die Tür sonst in kürzester Zeit zum Stehen bringt, wurde neulich ein wohlbeleibter Göteborger, der sich gerade in der Drehtür befand, in die peinliche Lage versetzt, etwa vier Minuten lang mit der nicht zum Anhalten zu bringenden Tür herumzulaufen. Da die Tür sich ungewöhnlich schnell drehte, wagte er es nicht, an einer Stelle herauszutreten, da er eingeklemmt zu werden befürchtete. Erst das Eingreifen eines Maschinisten befreite den unfreiwilligen Schnelläufer. Das„Sonnenkino" In der elektrischen Abteilung der Pariser Messe gelangt ein Kinematographenapparat zur Ausstellung, mit dessen Hilfe es mög- lich sein wird, Vorführungen bei nicht verdunkeltem Hause oder im Freien abzuhalten, da di« störende Einwirkung des Lichts voll- kommen ausgeschaltet werden kann. Der Apparat wird unter dem Namen„Sonnenkino" in den Handel gebracht. Börsenkrach und Kosmetik Die verschiedenen Baissen an der Rsw Borker' Börse und die damit in Zusammenhang stehenden Gehattsreduzierungen haben be- wirkt, daß fast alle besseren kosmetischen Geschäfte ohne Kundschaft sind. Zwar sind die Preise von zirka S Dollar auf zirka 2 Dollar gesenkt worden, jedoch ohne Erfolg. Wohl aber haben die Einheit»- gefchäfte, die eine Verschönerungskur für 1 Dollar ausführen, sehr stark zu tun. WAS DER TAG BRINGT Tag der Arbeitersportlerinnen Arbeiter- Rasenspiele Fußballresultate vom 24. August Daß Oberitree gegen Freie Scholle" gebinnen der Zug gleich zu den Massenübungen auf. Die Kreisleiterin würde, hatte der Sieger wohl kaum selbst erwartet. Dazu ist der Sinne der, Stadtrat La Grange und Käthe Kern vom Be- Sieg nicht nur verdient, er hätte sogar noch höher ausfeden können. zirksverband der Partei sprachen zur Begrüßung. Der Vertreter Großes Schußpech und der starke Wind verhinderten die Torerfolge. der Stadt ist überrascht von dem Gesehenen und erfreut über die Dabei waren die Tegeler Schollenleute gar nicht so schlecht. ZeitEinweihung der neuen Sportstätte. Käthe Kern behandelt die weise behaupteten sie sich sogar vor dem Tor Obersprees. Hier sozialen Probleme und schließt mit der Aufforderung: Am 14. Sep- waren es jedoch die Verteidiger und der Torwart, die mit viel Glück tember jede Stimme der Sozialdemokratischen Partei zu geben! Als- und Geschick jede Gefahr abwenden founten. Beim Stande von dann rollt das reichhaltige Sportprogramm ab. Massengymnastik 1: 0 für Oberspree wurden die Seiten gewechselt. Von diesem nach Mujit, Turnen, leichtathletische Weltkämpfe, Turnspiele folgen 3eitpunkt an dominierten die Ostleute. Mit dem Wind als Bundesin bunter Reihenfolge. Begeistert folgt das dichtbesetzte Stadion den genossen setzten sie sich in Tegels Spielhälfte fest. Trotzdem reichte Vorführungen. Zum Abschluß des Festes traten die Teilnehmerinnen es nur noch zu einem Tor. Mit 0: 2 geschlagen mußte Freie Scholle die Heimreise antreten. Das Kreis- Frauensportfest ein Riesenerfolg für Sport und Partei Lebhafter Verkehr, die Häuser im Flaggenschmuck, die Straßen mit Girlanden," Frei- Heil"- und Willkommen- Transparenten geschmückt, das war das Bild, das Now awes am Sonnabend und Sonntag anläßlich des 3. Kreis- Frauen- Turn- und -Sportfestes der Arbeitersportlerinnen bot. Die Nowaweser Arbeiterschaft hatte alles getan, um den Arbeitersportvereinen ein herzliches Willkommen zu bereiten. Jeder Zug brachte in den Nachmittagsstunden bei strömendem Regen immer neue Scharen heran, freudig begrüßt von den Einheimischen ging's in die Quartierausgabe zum Rathaus, wo die Stadt geeignete Arbeitsräume zur Berfügung gestellt hatte. Trotz des heftigen Regens führten die Arbeitersportlerinnen die geplanten Abendveranstaltungen am Sonnabend durch. Eine machtvoller Demonstrationszug führte etwa 1500 Menschen zum Havelstrand. In der Dunkelheit schwammen dort die Schwimmerinnen einen Fadelreigen. Irrlichtern gleich hüpften die Fackeln auf und nieder, bewegten fich in Kreisen, Sternen, Gruppen. Dann kehrte der immer stärker werdende Zug unter Führung des Tambourkorps wieder in die Stadt zurück. Fackeln wurden entzündet, und einer Feuerschlange gleich ging es zum Friedrichkirchplatz. An der Turnhalle reihten sich 50 Sturmfahnenträgerinnen ein. Ein präch tiger Anblick dieser von Fackein beleuchtete rote Block. Der Friedrichkirchplatz war bei der Ankunft des Zuges bereits von der Arbeiterschaft dicht besetzt, die Fahnenträgerinnen nehmen auf einem Podium im Halbkreis Aufstellung Ruhe tritt ein! Reichstagsabgeordneter Künstler, der Freund der Arbeitersportler, erscheint im Halbkreis, um die Fahnen zu meihen. Er begrüßt die Frauen zu dem größten der Feste im 1. Kreise des ArbeiterTurn- und Sportbundes, der weit über die Grenzen Deutschlands bekannt ist. Gruß den Frauen, die nach des Tages Last und Mühen diese Opfer bringen und durch ihre Solidarität ihre Verbundenheit mit Partei und Gewerkschaft befunden. Sportler als Avantgarde des Proletariats bekunden mit ihrem Aufmarsch, daß sie als Menschen leben und existieren wollen, an dem fulturellen Aufstieg der Arbeiterklasse mithelfen wollen und das Unrecht vergangener Zeiten wiedergutzumachen gewillt find. Die Nationalisten bekamen einst alles, die Arbeiter nichts. Unsere Aufgabe ist es, für den Frieden, aber gegen den Maffenmord zu kämpfen. Am 14. September werden die Sportler diese ihre Auffassung dokumentieren und für die Sozialdemokratische Partei stimmen! Künstler weihte dann die Fahnen mit einem Sinnspruch und schloß mit dem Bundesgruß ,, Frei Heil!" Die In der überfüllten Turnhalle fanden gleichzeitig die Bühnenvorführungen statt, die den hohen Stand der Gymnastik und der Körperschulung der Arbeitersportlerinnen bewiesen. Zur Begrüßung sprachen hier der Vorsitzende der Nowaweser Vereine, der Bertreter der Stadt sowie der Kreisvorstand... Der Sonntag 50 neue Sturmfahnen nochmals im Innenraum zusammen. Else Scheters schloß die Veranstaltung mit dem Gefang der Internationale. Lichtenberg I enttäwichte eine Anhänger nicht. Borussia hatte sich vorgenommen, den Lichtenbergern eine hohe Niederlage zu bereiten. Der Spieß wurde aber umgedreht; Lichtenberg gewann hoch mit 8: 0, nachdem sich die zweiten Mannschaften mit 12: 0 für Lichtenberg rennten. Wilmersdorf holte sich mit beiden Mannschaften, von Lichtenberg II die Siege. Während die zweiten Mannschaften 2: 1 für Wilmersdorf spielten, gelang es der ersten Mannschaft Wilmersdorfs fogar mit 3: 1 zu gewinnen. Auch Wilmersdorfs Jugend konnte mit 3: 1 über Oberspree triumphieren. Handball: Rosenthal- Pankow 1: 0 Die ersten Männermannschaften von FTGB.- Rosenthal und FTGB.- Pantow standen sich am Sonnabend frog des Regens in Rosenthal gegenüber. Beide Mannschaften zeigten ein offenes und verteiltes Spiel; feiner Mannschaft war es möglich, in der ersten Halbzeit etwas Zählbares zu erreichen. Erst zehn Minuten nach der Pause gelang es dem Rosenthaler Halblinken, durch einen Gewaltschuß das einzige Tor des Spieles zu schießen. Bald nachdem bedrängte Rosenthal zeitweise start das Bantower Heiligtum; jedoch so mancher Angriff wurde von Halblinks durch zu lange Vorlagen zerstört. Die Pantower Stürmerreihe fonnte mit ihrem ungenauen Zuspiel nicht gefallen, während die Rosenthaler Verteidigung viele Bälle planlos ins Spiel warf. Die sonst bei vielen Spielern gewöhnte Fangsicherheit konnte nicht zur Entfaltung kommen, da der Ball zu naß war. Die zweiten Männermannschaften von FTGB.- Stralau und FTGB.- Nordost trennten sich am Sonntag 2: 1 für Stralau, trotzdem Nordost zur Pause noch mit 1: 0 führte. Bei den ersten Männermannschaften hatte Stralau bis zur Pause vier Tore errungen, den Nordost nichts entgegensehen konnte. Nordost war technisch überlegener, jedoch mangelte es im Sturm an Echußvermögen. Erst in der 2. Halbzeit raffte fich Nordost etwas auf, ( Wedding) und Dumke( Often) 13,9; 3. Bleul( Osten) 14. Lauf B: 1. Appel jedoch der Vorsprung war nicht mehr aufzuholen, so daß Straíau mit 4: 3 das Spiel gewinnen konnte. Die Frauen haben in Nowawes ihre Aktivität unter Beweis gestellt, sie haben den Arbeiterinnen den Weg zur Heranbildung eines gefunden Menschengeschlechts gewiesen. Leichtathletik. 100 Meter, Lauf A: 1. Schulz( AGC.) 13,2; 2. Lemke ( Wedding) 14; 2. Plath( Often) 14,8; 3. Bernicer( AGC.) 14,8. Lauf C: 1. Biepenburg( Neukölln) 14,6; 2. Hagenau( Schwante) Brustbreite zurild; 3. Fieding( Tegel) 14,7. 4 mal 100- Meter- Staffel. Lauf A: 1. Wedding 56,6; 2. AGC. I 57; 3. AEC. II 57,6. Lauf B: 1. Eiche( Köpenic) 57,8; 2. Süden( Turner) 59,2; 3. Wedding II 59,8. Lauf C: 1. Eiche( Köpenick II) 59,5; 2. Schwante Handbreite zurüd; 3. Treptow( Südost) 60,2.- Kleiner Diympischer, Lauf A: 1. AEC. 56,8; 2. Often 58; 3. Wedding 58,5. Lauf B: 1. Eiche( Köpenid) 57,6; 2. Nordring 63; 3. Wildau 63,5. Bauf C: 1. Güden ( Turner) 60,4; 2. Gchwante 62,4; 3. AEC. II 1½ Meter zurüd. 8 mal 50- meter- Pendelstaffel der Welteren: 1. Echöneberg 1: 17,9; 2. Lichtenberg 1:19; Hochsprung: 1. Bleul( Often) und Piepenburg( Neukölln) 3. Often 1: 19,5. je 1,35 Meter; 2. Schulze( Fürstenwalde) 1,30 Meter Kugelstoßen: 1. Dumte ( Often) 8,03, Meter; 2. Echacht( Köpenid) 7,92 Meter; 3. Rauh( Wedding) 7,89 Meter. Speerwerfen: 1. Ortel( Wedding) 33,65 Meter; 2. Darge ( Schöneberg) 32,95 meter; 3. Schulz( AGC.) 32,47 Meter. Medizinballweit werfen der Welteren: 1. Schwarzlose( Adlershof) 6,95 Meter; 2. Hamann ( Often) 6,30 Meter; 3. Erler( Nordring) 6,15 Meter. Dreikampf: 1. Fisdyer ( Wedding) 286,14 Punkte; 2. Frenzel( Rehlendorf) 283,68 Punkte; 3. Fiebing ( Tegel) 280,45 Punkte. Schwimmer Groß- Berlin) 2: 37,2; 2. Berlin( Schwimmunion) 2: 47,4; 3. Berlin Schwimmen. Frauen- Lagen stafette, 4 mal 50 Meter: 1. Reukölln( Freie Jugendbruststafette, 4 mal 50 meter: 1. Freie Schwimmer GroßBerlin, Lichtenberg 3: 46,2; 2. Hellas 3: 46,4; 3. Berlin 12 3: 55,3. Frauen. Bruftichwimmen, 100 Meter, Klaffe C: 1. Lehmann( Berlin 12) 2: 00,0; 2. Gar Auf dem neuerbauten städtischen Sportplatz traten bereits um 8 Uhr die Sportlerinnen zu den Mehrkämpfen und Vorkämpfen an. Bewegtes Leben herrschte bis 11.30 Uhr, um die Fülle des Programms zu bewältigen. Gleichzeitig zogen am Vormittag die Schwimmerinnen zum Strandbad an der Havel, um dort die Schwimmwettkämpfe zu erledigen. Der starke Wind und die niedrige Der Wassertemperatur beeinträchtigten leider die sonst als gut zu bezeichnenden Leistungen. Der Wind trieb die Schwimmerinnen teilweise von der Bahn ab. Aus demselben Grunde konnten die Frauen auch in ihrem Spezialgebiet im Reigenschwimmen ihr volles können nicht entfalten. Gute Leistungen sah man ebenfalls im Kunstspringen. Auf der Havel fuhren die Paddlerinnen und Ruderinnen zunächst eine Korsofahrt durch Klein- Venedig", um dann beim Stilpaddeln, Stilrudern und einem Rennen im Doppeltajat viel Zuschauer zu befriedigen. 12 2: 53,4. 1: 56,2; 3. Alswede, Lotte( Kreuzberg) 1: 57,3. Jugendwow( Spandau) 2: 14,1; 3. Rade( Möwe) 2:19. Klaffe 3: 1. Peters( Botsdam) 1: 55,4; 2. Pusch( Spandau) 1: 59,2; 3. Kufahl( Hellas) 2. Brustschwimmen, 300 Meter, Klaffe Cr 1. Hoffmann( Spandau) 2: 10,4; 2. König( Faltensee) 2: 20,4; 3. Bock( Falkensee) 2:30. Jugend- Brustschwimmen, 100 Meter, Klasse 3: 1. Braun( Lichtenberg) 1:56; 2. Aßmann( Kreuzberg) Brustschwimmen, 50 Meter, Turnerinnen: 1. Geifert( Tegel) 1: 04,2; 2. Rohrlack( Tegel) 1: 07,4; 3. Menfchig in 12) 1: 59,4; 2. Sintemann( Sellas) 2: 00.2. ( Tegel) 1: 10,2. Jugend- Rückenschwimmen, 100 Meter: 1. Hoffmann( Ber Franen- Rüdenschwimmen, 100 Meter: 1. Matschens( Friedrichshain) 1: 57,3; 2. Pollack( Lichtenberg) 2: 14,3. uhlemann) 58 Buntte; 2. NB. Collegia 50 Punkte; 3. RB. Vorwärts. 49 Punkte. Rubern: 1. RB. Vorwärts( Berger, Thalau, Dumann I, Schulz I( Steuer: Fauftballspiele: Brandenburg gegen Köpenid 55:56; Röpenid gegen Brofes 44:70; Brandenburg gegen Proles 57:74. Trommelball: Fürstenwalde gegen Luckenwalde 90:92. Handball: Nowawes gegen Südost 0: 3; Adlershof gegen Achin 4: 0; RöpeHennigsdorf 0: 0; Mahlsdorf gegen Tegel 0: 0. Mehrere Musikkapellen und ein Wald von roten Fahnen führten den riesigen Feffzug am Nachmittag an. Auf dem Sportplatz marschiert nie gegen Soffen 8: 0; Sennigsdorf gegen Luckenwalde 4: 0; Nowawes gegen DER TRIUMPF DER QUALITAT! MAKEDON CIGARETTEN DIE GROSSE MARKE MAKEDON CIGARETTEN DIE GROSSE MARKE MAKEDON CIGARETTEN Millionen von Rauchern sind in kurzer Zeit treue Anhänger der hochwertigen MAKEDON- Zigaretten, geworden. Dies ist der volle Beweis dafür, daß der deutsche Raucher Qualität zu schätzen weiß, eine Tatsache, die ihm zur Ehre gereicht. Versuchen auch Sie unsere Marke DIE GROSSE MARKE MAKEDON CIGARETTEN DIE GROSSE MARKE MAKEDON CIGARETTEN DIE GROSSE MARKE MAKEDON Sawalls leichter Sieg Im ,, Großen Preis von Deutschland" Sieben Dauerfahrer hatte die Olympiabahn für ihre gestrige Veranstaltung verpflichtet, zwei von ihnen Hille und der Holländer Blekemolen mußten fich mit Statistenrollen begnügen. Thollembeef, Sawall, Kremer, Christmann und der eben erst genesene Franzose Bréau aber lieferten schöne Kämpfe. Weit über 6000 Zuschauer hatten sich zu diesem Renntag, dem ersten nach dem Brand, eingefunden. Der Große Preis von Deutschland" ein Dauerrennen über 100 kilometer, brachte zwei Läufe über 40 und 60 Kilometer. Besonders im 40- Kilometer- Wettbewerb gab es lebhafte Kämpfe, in deren Mittelpunkt der Belgier Thollembeek stand. Christmann führte das Feld ziemlich lange, wurde doch seine Position erst zwölf Runden vor Schluß erschüttert! Vordem stritten Krewer, Thollembeek, Gawall und Bréau um die Plätze, bis sich schließlich Thollembeek nach zweimaligem Rampf mit Sawall den zweiten Blaz hinter Christmann sicherte und dann den Frankfurter etwa 10 Runden vor Schluß von der Führung verdrängte. Sawall versuchte zwar gewaltsam zu Thollembeek aufzulaufen, tonnte jedoch nichts erreichen. Im zweiten Lauf gab es einen Zwischenfall, den der Schrittmacher Krewers, Werner Krüger, hervorrief und der beim Publikunt berechtigten Protest auslöste. Krüger, der gestern in der Führung feines Schüßlings nicht besonders umsichtig war, glaubte, es mit SOZIAL 4% PERFEKT 5A DIE GARANTIE FÜR DIE DER MAKED RNAKEDON bitt ECHTH CARETTE MAKEDON ZIGARETTENFABRIK G. M. B. H., MAINZ A. RH. KONZERN FREI Generalvertretung: Carl Südel, Berlin NW 6, Luisenstraße 30, Tel. D 2, Weidendamm 3354 ben Borschriften beim Passieren eines Gegners nicht genau nehmen zu müssen und ging zweimal an Bréau innen vorbei! Kein Wunder, daß das Publikum diese Taten des„ Meisterschrittmachers" mit langen und wilden Protestpfiffen beantwortete, ja Bréau und fein Schrittmacher Guerin die Bahn verließen und erst nach langem Zureden die Weiterfahrt wieder ausnahmen. Krüger erhielt 100 Mark Strafe zudiktiert und wurde zur weiteren Bestrafung dem BDR. gemeldet! Für Sawall, der beim Start zu diesem Lauf den zweiten Platz hinter Bréau hatte, wurde durch den Zwischenfall die Bahn frei. Er übernahm die Führung und brauchte, nachdem noch Thollembeek Defekt hatte, niemand zu fürchten und gewann so das Rennen! -tz. Einzelergebnisse. Großer Preis von Deutschland. 1. Zauf: 1. Thollembeek 37: 15,2; 2. Gawall 20 Meter; 3. Krewer 40 Meter; 4. Christmann 310 Meter; 5. Bréau 700 Meter; 6. Sille 780 Meter; 7. Blekemolen 2150 Meter zurüd. 2. Lauf, 60 Kilometer: 1. Gawall 55: 25,2; 2. Rrewer 590 Meter; 3. Thollembeet 1250 Meter; 4. Sille 1650 Meter; 5. Blefemolen 2780 Meter; 6. Chriftmann 4100 Meter: 7. Bréau 4830 Meter zurück. Gesamtwertung: 1. Eawall 99,980 Rilometer; 2. Rrewer 99,370 Kilometer; 3. Thollembeet 98,750 Kilometer; 4. Sille 97,570 Kilometer 5. Christmann 95,590 Kilometer; 6. Blekemolen 25,070 Rilometer; 7. Bréau 94,470 Rilometer. 20- Kilometer.Mannschafts fahren für Amateure: 1. Gangel- Golz 26 Punkte; 2. Schmit( Duffeldorf). Gröning( Berlin) 25 Punkte; 2. Ahlers- Beder 16 Punkte. Die Radweltmeisterschaften Im Beisein von 10 000 Zuschauern wurde am Sonntag in Brüffel der erste Teil der Radweltmeisterschaften zum Abschluß gebracht. Nach unzähligen Vorläufen, die bereits am Sonnabend stattfanden, setzte sich bei der Berufsfahrern wieder der Franzose Lucien Michard durch, der nun zum vierten Male hintereinander Weltmeister der Flieger ist. Bereits 1923 und 1924 erwarb er den Amateurmeistertitel. Das Erbe des Holländers Mazairac in der Amateurweltmeisterschaft trat gestern der Franzose Gerardin, an. Die deutschen Teilnehmer spielten, wie vorauszusehen war, nur eine mäßige Rolle. Sie wurden bereits in den Vorläufen geschlagen. Für die am Donnerstag beginnende Weltmeisterschaft der Dauerfahrer über 100 Kilometer ist die Einteilung der Vorläufe bereits getroffen. Von deutschen Fahrern werden Möller und Krewer teilnehmen. Reichstagung der Naturfreunde Trotz KPD.- Störungsarbeit überall Aufstieg Bei außerordentlich starker Beteiligung aus allen Gauen, weitere Ausschlüsse sind nicht zu umgehen. Diese Entwicklung der eröffneten die Naturfreunde in der letzten Woche im Dinge zieht folgerichtig die engere Anlehnung an die SozialdemoBoltshaus in Dresden ihre diesjährige Reichstagung. frafische Partei, die sich einzig für die Naturfreunde eingesetzt hat, In diesem Jahre erlangten die Beratungen besondere Bedeu- nach sich. fung, weil ja nicht nur einzelne Bertreter zu allen Fragen Stellung zu nehmen hatten, sondern weil bereits am Freitag, dem 22. August, die Borberatungen der einzelnen Fachgruppen, der Hausreferenten, der Naturkundler, der Photofreunde und der Wanderauskunftsstellen durchgeführt wurden, zu denen die Gaue ihre Sachberater entfandt hatten. Steinberger, Nürnberg, konnte einen guten Fortschrift der Organisation seit 1927 nachweisen. Trotz der Wirtschaftskrise ist ein ständiger Aufstieg der Mitgliederziffern festzustellen. Auch der Verlag und die Einkaufsgenossenschaft haben sich gut entwickelt. Mit Der sozialdemokratischen Presse wie mit Partei und Gewerkschaften wurden gute Beziehungen hergestellt. 2 us stellungen zeugten vielfach in allen Landesteilen vom Wirken der Naturfreunde. Zum Teil vorzüglich gestaltete sich die Arbeit in den Spezialabteilungen. Es bestehen rund 1850, von denen besonders 365 Führersektionen, 266 Jugendgruppen, 67. Naturkundegruppen, 214 Photogruppen, 268 Wintersportfettionen, 360 Mufit und Gesangsgemeinschaften und 96 Faltbootgruppen besonders zu erwähnen sind. Die für diese Aufgabengebiete gegründeten Reichsarbeitsgemein schaften haben sich außerordentlich gut bewährt. Zur inneren Festigung der Organisation trugen u. a. 167 Führerkurse bei. Eine wesentliche Bereinigung für das Organisationsleben aber muß noch bei den parteipolifischen Auseinandersetzungen einsetzen. Die ewigen Störungen, die von außerhalb der Bewegung stehenden Kräften diktiert werden und die gerade in den letzten Monaten zu schweren Schädigungen des Organisationslebens geführt haben, find für ein gesundes Fortschreiten der Naturfreundearbeit nicht mehr tragbar. Einzelne Beispiele aus Sachsen, Thüringen, Rheinland, dem Saargebiet und aus Württemberg erläuterten das vereinsschädigende Treiben, dem jetzt ein entschiedenes Halt geboten werden muß. Einzelmitglieder und Ortsgruppen mußten ausgeschlossen werden; Entsprechend dem Diskussionsverlauf fiel dann auch die Abstimmung aus. Mit 33 gegen eine Stimme wurde der Reichsleitung Bollmacht gegeben, bei weiterer parteipolitischer Arbeit von Funktionären und Mitgliedern sofort einzugreifen. Der Thüringer Frattionsführer Nr. 11, Jena, der an Sonntag in Dresden und vordem ichon in Suhl Sonderkundgebungen der ,, Naturfreunde- Opposition" durchgeführt hat, wurde sofort ausgeschlossen. Diesen in gewissem Sinne doch negativen Ergebnissen stehen wesentliche positive gegenüber. So werden vor allem die Ortsgruppen und Gaue angewiesen, mit aller Energie Natur- und Volkskunde- wie auch Photogruppen zu fördern. Auch der Anschluß an die Sportkartelle, die der Zentralkommission angeschlossen sind, ist Pflicht. 3um 2. Internatio naten Naturfreundetreffen 1932 in Hamburg wird eine großzügige Ausstellung vor allem die Photoarbeit in internationalem Maßstabe zur Geltung kommen lassen. Die Wanderführerkurse, zu sozialen und wissenschaftlichen Wanderungen ausgestaltet, sollen in allen Gauen gefördert werden. Naturwissenschaftliche Ferienfahrten und die Herausgabe einer Art proletarischer Heimatführer sind gleichfalls geplant. Die Wanderauskunftsstellen werden enger zusammengeschlossen und mehr zentralisiert, während das Schwergewicht der Durchführung von Ferienreisen fünftig in den Gauen liegt. Allerlei Ergebnisse vom Sonntagssport Hertha BSC. geschlagen! Für die erste lleberraschung zu Beginn der Meisterschaftsspiele im Verband Brandenburgischer Ballſpielvereine sorgte ausgerechnet der deutsche Meister Hertha BSC., der sich von Union- Oberschöne weide mit 4: 3( 2: 3) schlagen ließ. Zu dem Spiel auf dem Blag von Union trat Hertha BSC. vor 6000 Zuschauern fast mit kompletter erster Mannschaft an. Fünfftädtekampf im Bolfsturnen. Der auf dem Tiergarten Sportplatz in Berlin ausgetragene Fünfstädtekampf im Voltsturnen gestaltete sich in seinem Verlauf zu einem 3meifampf zwischen Ber lin und Leipzig, aus dem die Berliner Mannschaft als Sieger herborging. In den ersten Wettbewerben konnte Leipzig eine sichere Führung erringen, durch Mißerfolge im Hochsprung fiel Leipzig dann aber hinter Berlin zurück. In der Gesamtwertung fam Bers lin auf 3315 Punkte vor Leipzig mit 3138, Riel mit 2903, Sams burg mit 2866 und Hannover mit 2784 Punkten. Championat der Streckenläufer. Im Mittelpunkt der gut besuchten Veranstaltung des Berliner SC. Komet auf dem Sportplatz Friedrichshain stand das Championat der Streckenläufer, ein über 25 Kilometer führendes Bahnlaufen. Trotz Fehlens ausländischer Beteiligung gestaltete sich der Lauf sehr interessant. Brauch hatte fich vorgenommen, den bestehenden deutschen Rekord zu schlagen, was ihm auch gelang. Er ging gleich flott ios, so daß feiner der übrigen elf Bewerber sein Tempo mithalten fonnte. 5000 Meter durchlief er in 16: 11,5. Brauchs Zeit für 15 Kilometer mar 50: 09,5, in einer Stunde legte er 17,930 Kilometer zurück. Bei 20 Kilometer mar er dann mit 1:07:54 nur mehr drei Sekunden hinter dem deutschen Reford und mit dem Aufgebot aller Energie schlug er dann den von Bürsten- Leipzig mit 1:27:09 gehaltenen Reford um mehr als eine Minute, indem er die 25 Kilometer in 1: 25: 59,8 durchlief. RUNDFUNK AM ABEND Montag, 25. August. Berlin. 16.05 Hans Jacob:., Sonderbare Berufe". 16.30 Aus ,, Acht kleine Klavierstücke, op. 1", von Friedrich Welter.( Der Komponist am Flügel.) 16.45 Ungarische Volkslieder.( Ilonka von Ferenczy, Sopran. Flügel: Julius Bürger.) 17.05 Konzert. 17.30 Friedrich Wendel und Dora Saloschin: ,, Weltgeschichte in Anekdoten". 18.00 Konzertmeister P. v. Szpanowski: Der Weg des Geigers von Kayser bis Paganini. 18.25 Arbeitsmarkt. 18.30 Prof Dr. A. Baeumler, Dresden: Friedrich Nietzsche. 19.00 Nietzsche- Lieder.( Fritz Düttbernd, Bariton, Am Flügel: Willy Jäger.) 19.20 Zeitberichte. Zwangsarbeitdebatte in Genf", von Actualis, Frankfurt. 20.00 Tanzabend. Nach den Abendmeldungen: Abendunterhaltung. 16.00 Breslau: Konzert. Königswusterhausen. 17.30 Schulrat G. Wolff und Rektor R. Lüpcke: Probleme im schichtsunterricht der Volksschule. 18.00 Frhr. von Gudenberg und Mitwirkende: Kammeroper. 18.30 Dr. Fr. Mueller: Das deutsche Funkhaus. 18.55 Englisch für Anfänger. neuen Ge. Aus der Werkstatt der 19.25 Forstrat Eberts: Anbauwürdigkeit und Anbauformen der Pichte. der Fichte. 20.30 Aktuelle Abteilung. 21.00 Konzerthaus Bad Pyrmont: Hamburger Komponistenabend. Umtausch Folge I und II, in der am 1. Oktober 1930 fälligen, im Betrage von RM 150 000 000 ausgegebenen 6% zinsigen Schatzanweisungen der Deutschen Reichspost, 6 zinsige Schatzanweisungen der Deutschen Reichspost n rückzahlbar zum Nen wert am 1. April 1934 unter Gewährung einer Barvergütung von 34% des Kapitals. Das unterzeichnete Konsortium bietet hiermit im Auftrage der Deutschen Reichspost den Inhabern der am 1. Oktober 1930 fälligen 6½zinsigen Schatzanweisungen der Deutschen Reichspost Folge I und II den Umtausch dieser Schatzanweisungen in von 6 zinsige Schatzanweisungen der Deutschen Reichspost rückzahlbar zum Nennwert am 1. April 1934 an. Die Deutsche Reichspost ist nach dem Reichspostfinanzgesetz vom 18. März 1924( Reichsgesetzblatt Teil I, Seite 287) eine Reichsanstalt. Ihr Sondervermögen ist ein Teil des Vermögens des Reichs, der dem übrigen Reichsvermögen getrennt verwaltet wird. Das Sondervermögen beträgt rund RM 2,5 Milliarden und ist außer der umzutauschenden Anleihe nur mit rund RM 300 Millionen belastet. Es haftet für die obige Schuld, nicht aber für die sonstigen Verbindlichkeiten des Reichs. Ausweislich der Gewinn- und Verlustrechnung der Deutschen Reichspost für das Rechnungsjahr 1929 haben betragen die Betriebseinnahmen die Betriebsausgaben einschl. der Abschreibungen Von dem ausgewiesenen Gewinn von O rund RM 2,281 Milliarden, b " RM 2.059 RM 17 222 Millionen sind RM 151 Millionen der allgemeinen Reichskasse und RM 71 Millionen dem Vermögen der Deutschen Reichspost zugewiesen worden. Die Bedingungen des Umtauschs sind folgende: 1. Die Anmeldung zum Umtausch hat unter gleichzeitiger Einreidung der alten Schatzanweisungen in der Zeit vom 25. August bis 10. September 1930 bei den im Anhang zu dieser Aufforderung genannten Banken, Bankfirmen und deren deutschen Zweigniederlassungen während der üblichen Geschäftsstunden zu erfolgen. Früherer Schluß des Umtauschgeschäfts bleibt vorbehalten. 2. Bei dem Umtausch werden die neuen Schatzanweisungen zum Kurse von 964% abgegeben, so daß die Umtauschenden eine Barvergütung von 3%% erhalten, die nach Prüfung der eingereichten Schatzanweisungen durch die Reichsschuldenkasse von den Umtauschstellen ausgezahlt wird. 5. Die neuen Schatzanweisungen werden in den gleichen Abschnitten wie die alten Schatzanweisungen ausgegeben, also in Abschnitten zu RM 500, 1000, 5000 und 10 000. Der Zinslauf der neuen Schatzanweisungen beginnt am 1. Oktober 1930. Die Zinsen werden halbjährlich am 1. April und 1. Oktober gezahlt. Die Zinsen der neuen Schatzanweisungen unterliegen nicht dem Steuerabzug vom Kapitalertrag. Dem Reichstagsausschuß ist der Entwurf einer Verordnung über die Aufhebung des Steuerabzuges vom Kapitalertrag bei festverzinslichen Wertpapieren vorgelegt, wonach die nach dem 2. Januar 1931 fälligen Zinsen festverzinslicher Wertpapiere vom Steuerabzug vom Kapitalertrag befreit werden sollen. Für den Fall, daß dem Entwurf dieser Verordnung nicht zugestimmt werden sollte, hat der Reichsminister der Finanzen die Befreiung vom Steuerabzug für die Zinsen aus diesen Schatzanweisungen auf Grund des§ 108 Absatz 1 der Reichsabgabenordnung zugesagt. 4. Eine Provision für den Umtausch wird den Einreichern von den Umtauschstellen nicht beredinet. Für die Ueberlassung der neuen Postschatzanweisungen von den Konsortialmitgliedern an die Erwerber ist die jeweils fällige Börsenumsatzsteuer zu entrichten. Die Hergabe der alten Postschatzanweisungen unterliegt gemäß§ 42c des Kapitalverkehrssteuergesetzes nicht der Börsenumsatzsteuer. 3. Die am 1. Oktober d. J. fälligen Zinsscheine der 6%% Postschatzanweisungen verbleiben den Einreichern und werden wie üblich bei Fälligkeit eingelöst, 6. Die zum Umtausch gelangenden 6%% Schatzanweisungen sind mit einem nach Abschnitten und Nummern geordneten Verzeichnis einzureichen. 7. Ueber die zum Umtausch eingereichten 6%% Postschatzanweisungen wird den Einreichern Quittung erteilt, gegen deren Rückgabe die neuen Schatzanweisungen von der Stelle, welche die Quittung ausgestellt hat, nach Erscheinen ausgehändigt werden. Die Lieferung der neuen Schatzanweisungen erfolgt baldmöglichst, und zwar in der gleichen Stückelung, in welcher die alten Schatzanweisungen eingereicht werden. Abweichende Wünsche werden jedoch nach Möglichkeit berücksichtigt werden. 8. Die Einführung der 6% Postschatzanweisungen wird an den deutschen Hauptbörsenplätzen alsbald nach Erscheinen der Stücke veranlaßt werden. 9. Die 6% Schatzanweisungen sind als verbriefte Schuldverbindlichkeiten des Reichs gemäß§ 1807 B.G.B. mündelsicher. Sie können im Lombardverkehr der Reichsbank beliehen werden und sind auch im Lombardverkehr bei der Preußischen Staatsbank( Seehandlung) als Deckung zugelassen. Im August 1930. Berlin, Braunschweig, Breslau, Dresden, Düsseldorf, Essen( Ruhr), Frankfurt( Main), Hamburg. Karlsruhe( Baden), Köln( Rhein), Leipzig, München, Nürnberg, Weimar. Preußische Staatsbank( Seehandlung). Reichsbank. Berliner Handels- Gesellschaft. Darmstädter und Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien. Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft. Deutsche Landesbankenzentrale A. G. J. Dreyfus& Co.. Mendelssohn& Co. Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, A.-G. S. Bleichröder. Commerz- und Privat- Bank Aktiengesellschaft. Delbrück Schickter& Co. Deutsche Girozentrale Deutsche Kommunalbank. Dresdner Bank. Hardy& Co., Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Preußische Zentralgenossenschaftskasse. Lazard Speyer- Ellissen Kommanditgesellschaft auf Aktien. Eichborn& Co. E. Heimann. Barmer Bank- Verein Hinsberg, Fischer& Comp. Kommanditgesellschaft auf Aktien. Gebrüder Bethmann. Lincoln Menny Oppenheimer. L. Behrens& Söhne. M. M. Warburg& Co. 1 Reichs- Kredit- Gesellschaft Aktiengesellschaft. Braunschweigische Staatsbank ( Leihhausanstalt), Gebr. Arnhold. Sächsische Staatsbank. Simon Hirschland, Deutsche Effecten- und Wechsel- Bank. Jacob S. H. Stern. Vereinsbank in Hamburg. Straus& Co. J. H. Stein. H. Aufhäuser. Bayerische Staatsbank. Anton Kohn. A. Lery. Thüringische Staatsbank. Veit L. Homburger. Sal. Oppenheim jr.& Cie. Allgemeine Deutsche Credit- Anstalt. Bayerische Hypotheken- und Wechsel- Bank. Bayerische Vereinsbank. Merck, Finck& Co. Offizielle Umiauschstellen in Berlin sind: Reichsbank, Zeichnungs- Abteilung, Hausvogteiplatz 14. Preußische Staatsbank( Seehandlung). Gebr. Arnhold. Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, A.-G. Berliner Handels- Gesellschaft. Berliner Stadtbank- Girozentrale der Stadt Berlin. S. Bleichröder. Brandenburgische Provinzialbank und Girozentrale. Commerz- und Privat- Bank Aktiengesellschaft. Darmstädter und Nationalbank, Kommanditgesellschaft auf Aktien. Delbrück Schickler& Co. Deutsche Bank und DiscontoGesellschaft. Deutsche Effecten- und Wechsel- Bank. Deutsche Girozentrale Deutsche Kommunalbank. Deutsche Landesbankenzentrale A. G. Hardy& Co. Dresdner Bank. J. Dreyfus& Co. Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Mendelssohn& Co. Preußische Zentralgenossenschaftskasse. Reichs- Kredit- Gesellschaft Aktiengesellschaft. Lazard Speyer- Ellissen Kommanditgesellschaft auf Aktien. 1 A. E. Wassermann. --O 1