Morgenausgabe Nr. 392 Ä 200 4?. Jahrgang DöchevtNch SSPf� monatlich Z.S0«. im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pfg.Postzeiwngs- und 72 Pfg. Postbestellgebühreu. Zluslande» abonnement 6,— M. pro Monat. * Der„Cormärts* erscheint wochentäg- lich zweimal, Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilagen.Boll und Zeit" und.Kinderfreund". Ferner .Frauenstimme". Technit",.Blick i» die Bücherwelt",.Iugend-Dorwärt»� und.Stadtbeilage". Berliner Vowsv»a« Viensiag 26. August 1930 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswäris 15 pf. Die e t n 1 p o 1 1 1 g e Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklame eUe o.— Reich»« mark.„Kleine Anzeige«' da» ,ettge« druckte Wert 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Wo/te). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da» erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmorkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt« Geschäft Lindenstraße 3. wochentäglich von N/, bis 17 Uhr. Zentvalovsan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Uindenstraße 3 fterilwrecher: Dönhoss 292—207 Telegramm-Adr.! Sonialbttnoftül Berlin. Vorwarts-Verlag G. m. b. H. Bollschecklonio: Berlin 87Ü3K.— Bankkontoi Bank der Arbeiter. Ängcstelllrn und Beamten, Wallstr. KS, Dt, B, u, TiSi-Gei,, Devositenkali« Lendenlir S. Erhöhung der Lohnsteuer? Die„Finanzreform" des Brüning-Kabinetts. Je näher der Wahltermin heranrückt, um so stärker wird die Furcht der jetzigen Regierungsparteien, daß der Mangel irgendeiner positiven Wahlparole ihre ohnehin um günstige Lage noch weiter verschlechtern werde, Schon die kurze Zeit des jetzigen Wahlkampfes hat gelehrt, daß der von den Re- gierungsparteien geführte Kampf gegen die Sozialdemokratie nur mit einem Mißerfolg enden kann, auf keinen Fall ober positive Rcformvorschläg« zu ersetzen vermag. Aus diesen Erwägungen sind die Pläne entstanden, die seit einiger Zeit das Reichskabinett be- schäftigen: Der Vorschlag zur Wahlreform und angeblich auch ein großes Finanz- und Steuerprogramm, Irgend- welche Einzelheiten über diese Finanzreform werden sorgsam ver- schwiegen. Diese Geheimnistuerei ist verständlich. Wahrscheinlich wissen die Urheber dieser Pläne selber noch nicht, welchen positiven Inhalt ihre Reform haben wird. Dieses Finanzprogramm soll ja nur wahlagitatorischen Zwecken dienen und man wird es infolgedessen wohl so allgemein halten wie nur möglich. Wenn es den Wählern der Regierungsparteien neue Hoffnungen auf Steuersenkungen einflößt, so hat es sicherlich im Sinne seiner Urheber erfolgreich gewirkt. Es ist also gar nichts anderes als ein neuer Däuschungsversuch, um die schlechten Wahlaussichten der Regierungskoolition zu verbessern. Man braucht sich ja nur die tatsächliche Finanzlage des Reiches, der Länder und Gemeinden vorzustellen, ,um zu der Erkenntnis zu kommen, daß überall er- hebliche Fehlbeträge gedeckt werden müssen. Dratzdem sich der Finanzminister D i e t r l ch dieser Tage bemühte. die Finanzlage möglichst rosig zu schildern, hat er zugeben müssen, daß allein beim Reich«in Fehlbcirag durch Steuerausfäll« von 300 Millionen zu erwarten ist. Bei Ländern und Gemeinden entsteht durch Steuerausfälle mindestens der gleiche Fehlbetrag, Dazu aber kommen die Fehlbeträge durch unvermeidliche Mehrausgaben. Beim Reich ollein werden die noch immer wachs«nden Ausgaben der Arbeitslosenversicherung und der Krisen- sürsorge einen neuen Bedarf von 2öO bis 300 Millionen Mark ver- Ursachen. Wie hoch die Kosten für die wachsende Zahl von Wohl- Schwarzer Moniag in Indien. Attentat auf den Polizeipräsidenten von Kalkutta.-Blutiger Kampf in einem Dorf an der Nordwestgrenze. Bombay, 25. August.(Eigenbericht.) Während die englische Regierung versucht, mit Gandhi und der Indischen Freiheitsbewegung eine Verständigung herbeizuführen, sind die englischen und indischen Gegner dieser Bestrebungen eifrig am Werk. In London hetzt der Gewallanbeter und konservative Führer Churchill gegen die Verständigung und die indischen Ralionalisten freuen sich in Bombay ob dieser Worte. Auch den indischen Feuersressern ist nichts unangenehmer als Frieden, der von beiden Teilen Opfer fordert. Churchill und die in Indien wohoenden Europäer begnügen sich aber wenigsten» mit tönenden Phrasen und Schimpfereien aus die Arbeilerrcgierung. 2 n Kalkutta aber antwortet man mit Bomben. Indische Rationalisten haben am Montag drei dieser Explosiokörper mitten in der Stadt gegendasAutode, Polizeipräsidenten Sir Charles Tegart geworsen. Der Polizeipräsident blieb unverletzt. Geistesgegenwärtig sprang er au« dem Wagen, zogdenRevolverund schoß einen der Atle». toter nieder. Einen zweiten verfolgte er solange, bis die Polizei feiaer habhasi werden konnte. Wenn Sir Charles Tegart mit dem Leben davongekommen ist. so verdankt er das vor allem der Geistes- gegenwart seine» Wagenführer», der selbst verletzt wurde. Er wich der ersten Bombe geschickt aus. Die anderen Bomben fielen dicht neben den Wagen, a!» der Polizeipräsident ihn bereits verlassen hatle. Auch sonst war der Montag in Indien ein schwarzer Tag. In Shahapur. wo hnnderte von Menschen die Forstgesehe verletzen wollken, kam es zu schweren Kämpfen mit der Polizei. Aus beider» Seilen gab es verwundete. Ein Eingeborener wurde voa der Polizei erschossen. Ebenso kommen von d?r R o r d w e st. Grenze trübe Meldungen. Einige Militärabteilunzen waren von Lannu mit dem Auftrag entsandt worden, einen feindlichen Mohammedonersührer zu verhaften, der in eine,« Grenzdors sprechen wollte. Die Mohammedaner waren jevzch stärker als die Soldaten. Es wurde zunächst hin und her verhandelt Als «s jedoch zn keiner Einigung kam. gerieten die Soldaten und die Mohammedaner ins Handgemenge. Aus anglo-'mdischer Seite fahrtserwerbslosen bei den Gemeinden sein werden, läßt sich über- Haupt noch nicht übersehen. Fest steht nur, daß hier die Haupt- gefahrenquelle für die öffentlichen Finanzen liegt und daß hier Fehlbeträge von mehreren hundert Mil- lionen leicht entstehen können. Unter diesen Umständen wird man jedes Finanzprogramm, das dem Ziel der Steuersenkung dient, als utopisch ansehen müssen, Trotzdem ist es nicht ausgeschlossen, daß die gegenwärtig regierenden Männer aus reiner Verzweiflung über ihre ungünstigen parteipolitischen Aussichten ernsthaft noch im Laufe dieser Woche Maßnahmen erwägen, die sie selbst für durchführbar halten können, deren Propaganda andererseits aber große Gefahren hervorrufen kann. Auch spielt sicherlich die Absicht eine große Rolle, vollendete Tatsachen zu schaffen, eine künftig« Regierung zu binden und vor allem Pläne durchzusetzen, für die man in normalen Verhältnissen auf keine Mehrheit rechnen kann. So ist z. B. nicht nur zum Zwecke der Senkung der Besitzsteuern an eine neue Verschärfung der Ver- brauchssteuern gedacht, sondern man will auch die Lohnsteuer erhöhen und die Lohnsteucrerstattungen ganz beseitigen. Während früher einmal die Ermäßigung der Lohnsteuer beabsichtigt war, will man jetzt dos Gegenteil tun und die auf diese Weise gewonnenen Beträge zur Senkung der Kapitalsteuern und der hvhen Einkommensteuern verwenden. Der tiefere Sinn dieser Pläne, über die bisher im Reichskabinett keine Einigkeit zu erzielen war. ist aber ein allgemein politischer. Man will nicht nur den Wählern der bürgerlichen Parteien schon jetzt die Belohnung in klingende» Münze für guten Wahlausfall m Aussicht stellen, sondern schon jetzt für die Zeit nach den Wahlen eine Situation schassen, bei der die Sozialdemokratie zwangsläufig ausgeschaltet wird. Der eifrigste Pro- pagandist dieser fixen Idee ist natürlich Herr Treviranus. Er geht jeden Tag mit einer neuen„Idee" schwanger, um sich und seinen Ministerkollegen auch über die Wahlen hinaus ein Amt. zu sichern. sielen ein englischer Hauptmann und neun Soldalen. zehn Soldaten wurden verwundet. Auch die Mohammedaner hallen zahlreiche Tote und verwundete. Die Tatsache, daß am Montag sämtliche Frauen und Kinder Peschawar verlassen mußten, läßt daraus schließen, daß die Regierung einen neuen starken Gegenstoß der Grenz st ämme erwarlck. Brünings fournalistifche Vertretung. Oer„Deutsche" in der ant-semittschen Gosse. Im Organ der christlichen Gewerkschaften,„Der Deutsche", lesen wir: „Vier Wochen theoretische Diktaturvcrordnung gegen die Kartelle sind vergangen, meint der Wahlmacher der Sozialdemo- knotie im g a l i z i s ch e n„Vorwärts"... Das Wort„galizifcher Vorwärts" war bisher Schimpfreservat für ein schmutziges, vom Unternehmertum ausgehaltenes Winkel- blättchen gelbster Gesinnung, Der„Deutsche" aber war einmal das Organ Stegerwalds, heute fühlt sich der„Deutsche" als B o r- kämpfer für das Kabinett Brüning, W i e er es tut— hier ist eine Probe! Wir gratulieren dem Blatt zu seiner Entwicklung, und Herrn Brüning zu einer jour- nalistischen Vertretung, die sich ihre Beschimpiung der Sozial- demotratie aus der gelben Gosse zusammenklaubt! Die Pflicht des Tages: Wählerlisten einsehen! Sichert euch euer Wahlrecht. Keine Stimme darf der I 1 verloren x-eheni Darum noch heute »•iSlC■ die Listen prüfen. Wo sie eingesehen werden kön nen ist an den AnschlaosSulen bekan nt oemacht. Veranlaßt, daß auch eure Bekannten ihrerPfllcht genügen. Alles muß aufgeboten werden für den Sieg der Sozialdemekratie! Die geborgte Ideologie. Das neue kommunistische Programm mit dem Fememörderjargon. Die neue Programmerklärung der Kommunistischen Partei Hat ein begeistertes Echo gefunden— zwar nicht bei der Arbeiterschaft, wohl aber bei der Gruppe der Otto Straßer, Buch rucker und Mossakowsty. Diese Nationalkommunisten, die sich von der Partei Hitlers abge- spalten haben, sind durch die Lektüre dieser Programm- erklärung in zitternde Erregung versetzt worden. Hier lesen sie schwarz auf weiß, ws sie immer gesagt haben. So schreibt Herr Eugen M o s s a k o w s k y in Otto Straßers„Der nationale Sozialist": „Vor etwa sechs Monaten legte ich in der„Nat'.onalsozia- listischen Presse-Korrospondenz" dar, worin die historische Be- deutung der Hitlerpartei beruht. Ich wies auf die Wandlung in der KPD. hin, hier hat die Hitler- Partei zweifellos b es chleunigend gewirkt: je mehr dies«.zahlrenmäßig wuchs,»m so notwendiger wurde für die KPD., daß sie ihre politische Haltung gemäß der-deutschen Wirtlichkeit korrigierte. Diese Wandlung ist jetzt offensichtlich. In der„Roten Fahne" veröffentlicht das Zentralkomitee der KPD, eine„Programm- erklärung zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes". Ein bedeutsames,«in historisches Dokument, denn mit ihm stellt sich die KPD. in die Front des deutschen Widerstandes und der Freiheitspolitik! Wir haben von jeher betont, daß wir uns— ungeachtet alles sonst Trennenden— mit jedermann verbunden fühlen, der Rebell gegen den Zustand von Versailles u n d I o u n g i st. So greifen wir aus der„Programmerklärung" der KPD. auch zunächst die Sätze heraus, die für uns cntschci- dend sind: „Wir Kommunisten sind gegen die auf Grund des Versailler Gcwaltfriedens durchgeführte territoriale Zerreißung und Aus- Plünderung Deutschlands," „Wir er klären feierlich vor allen Völkern der Erde, vor �ller Regierungen und Kapitalisten des Ausßindes, daß wir im Falle unserer Machtergreifung alle sich aus dem Verfailler Frieden ergebenden Verpflichtungen für null und nichtig erklären werden, daß wir keinen Pfennig Zinszahlungen für die imperialistischen Anleihen, Kredite und Kapitalsanlaaen in Deutschland leisten werden." Das unterschreiben wir Wort für Wort! Und daher sei aus dem Leitartikel in Folg« 154 das wiederholt, was bei einigen Freunden Kopfschütteln, im bürgerlichen Lager stellenweise Helles Entsetzen ausgelöst hat:„Daß sich zwischen uns und unseren Freunden einerseits und den kommunistischen Revolutionären andererseits aus der gegenwärtigen Situation des Reiches heraus von selber Beziehungen ergeben, Beziehungen, die zu Verbindungen werden müssen, wenn nicht das gegenwärtige System schließlich über beide Gruppen, über die Revolution und damit über Deutsch- land triumphieren soll." Da nun die KPD. offiziell in der Wider st andsfront steht und die Sache der deutschen Frei- heit programmatisch zur ihrigen erklärt hat, gilt das Geschriebene doppelt und dreifach! Die KPD. hak 1919 diesen einen weg geahnt: 1923 fastete sie sich zu ihm hin. Jetzt beschreitet sie ihn, aber sie folgt dabei wohl weniger der schöpferischen Initiative ihrer leitenden Köpfe, sondern den eigvnt- lichen Anstoß erhielt sie wahrscheinlich ovn der russischen Außenpolitik, dank deren kluger Voraussicht, Und so erst wird vielleicht völlig verständlich, warum es für die KPD. kein Zurück mehr gibt!" Jetzt weiß Herr B u ch r u ck e r, der Führer der „nationalkommunistischen Haufen" von Küstrin, wo er politisch Unterschlnpf finden kann. Wenn die Kommn- nistische Partei n a t i o n a l b o l s ch ew i st i s ch wird, können OttoStraßerundBuchruckcr nicht nur Beziehungen, sondern auch Verbindungen mit ihr eingehen! Im Jahre 1919 schwärmte Radek vom Kampf Deutsch- londs und Rußlands siegen den Westen am Rhein. 1920 schrieb Sinowjew eine ganze Broschüre zur Förderung der nationalbolschewistischen Ideologie, 1923 wieder diskutierte Radek mit Reventlow über den Rationalbolschewis- mus und R u t h F i s ch e r poussierte die Hakenkreuzstudenteu. In diesen Jahren glaubte man in Moskau noch ernsthaft an eine bolschewistische Revolution m Deutschland, man wollte ins Lager der entwurzelten Offiziere, der Nationalisten und Chauvinisten, der Fememörder und der Schwarzen Reichs- wehr eindringen Desperados, Putschisten und Terroristen suchte man, haßerfüllte Gegner der Republik zu gemeinsamem Putsch! Die wackeren Nationalbolschewisten vom Schlage Buch- ruckers meinen, wenn sie die Deklamationen der neuen kam- munistischen Programmerklärung gegen den Vertrag von Versailles und den„Landesverrat der Sozialdemokratie" lesen, es fei alles noch wie 1919, 1920 und 1923! Sie sehen schon } einen deutsch-russischen Korridorvertrag, sehen schon sowset- deutsche und sowjetrussische Armeekorps marschieren, weil die Zentrale der KPD. den Jargon der Hakenkreuzler virtuos kopiert und weil Heinz Neumann in Neukölln die 1k Armee- korps der Roten Armee in China marscliieven läßt. Sic sehen schon die landesverräterischen Führer der Sozialdemokratie am Nationalsowjetdeutschen Galgen hängen, weil die Neu- mann w Co. deklamieren, wie es einem besseren Fememörder zur Ehre gereichen würde. Die nehmen es wirklich ernst, die Buchrucker und Ge- nossen! Aber die Berfasser des historischen Dokuments wollen diesmal nicht die wirklichen Putschisten, die Führer der Schwarzen Reichswehr und der Fememörder— sie wollen Stimmen hoben! Sie spekulieren mit der natio- n a l i st j s ch? n Phrase, weil sie die Mitläufer der Haken- kreuzler einsangen wollen! Das ist das Groteske an diesem Spiel: weil die Hakenkreuzler den Kommunisten Stimmen ab- jagen wollten, maskierten sie sich als Kommunisten, und weil die Koininunisten Hakenkreu.zlerstimmen wollen, deklamieren sie wie Strasier, Hitler und Hugenberg zusammengenommen. Jede" nimmt die Maske des andern vor! Von revolutionären Absichten, weltrevolutionären Plänen ist diesmal nicht die Rede— das glauben nur ein paar unheilbare nationalbolschewistische Ideologen. Es han- delt sich darum, daß die Kommunistische Partei nicht mehr an die Zugkraft ihres Programmes glaubt, dah sie an der Ge- winnnng der Köpfe für kommunistische Gedankengänge ver- zweifelt— und selbst die Begeisterungssähiakeit der deutschen Arbeiter für das sowjetrussische Vorbild Modell Stalin ab- schreibt! Was tut man, wenn man selbst nicht mehr glaubt? Man borgt sich eine Ideologie. Die Kommunistisch« Partei hat sich für diese Wahl zum Zweck des Stimmenfangs die Hakenkreuzideologie geborgt. Die Ideologie und den Jargon hinzu, den Jargon vom „Landesverrat der Sozialdemokratie". Wir gratulieren zu dieser Erwerbung! Denn diese Denk- weise und dieser Jargon— sie waren bisher in hervor- ragendem Maße den Fememördern zu eigen! Gemeindearbeiter für SPD. Aufruf zum �4. September. Oer Kampf um die Mandate. Die große Säge in der KPS. Hinter den Kulissen der Kommunistischen Partei spielt der 5ramps um die Mandate. Dieser Kanips wird entschiede» nicht durch den Willen der Mitglieder, die davon überhaupt nicht viel zu hören bekommen, sondern durch das Diktat der von Stalins Gnaden Herr- schenden Clique in der KPD. Bei der diesmaligen Kandidatenaus. stellunq handelt es sich vor allem darum, die Gruppe der sogc>>n»- lcn„Versöhnler" auszuschalten oder den Leute» dieser Gruppe, die nicht beocils durch Abgabe von Reueerklärungcn vor den Rem- mele-Thälmann-Neumonn zu Kreuze gekrochen sind, das Rückgrat zu brechen. Wer nicht pariert, den hat den Reichstag zuin letzenmal von innen gesehen! Die Gruppe der„Versöhnler" stand unter der Führung des in- zwischen verstorbenen Ernst Meyer, sie war durch Abspaltung von der langst ausgeschlossenen Brondler-Oppofition«ntstanden. Ihr einziger Grundsatz war das Sich-Festklammcrn an der Partei und die Behauptung der Posten. Bei der letzten Reichstag-wahl im Mai ItlZf! wurden verschieden«„Versöhnler" gewählt. Die Reichs- tagsobgcordneten E w e r t, Dietrich, Ende. Georg. G ch u- mann, Dr. Alexander gehörten zu dieser Gruppe, einige von ihnen werden nicht mehr in den Reichstag zurückkehren, andere',' wie Dr. Alexander, hoben sich jö tief vor den herrschenden Partei. gemalten herabgewürdigt, daß für sie noch einige Aussicht besteht, wieder in den Besitz der Mandate zu g alangen. In Berlin sind durchweg hundertprazentige Stalinisten auf. gestellt, denn auch Wilhelm Pieck höt sich nach«inigen leisen Schwankungen reuevoll in den alleinseligmachenden Partelpferch zurückgefunden. Im Bezirk Halle, der noch bei der letzten Reichs- lagswahl die stärkste organisatorische Basis der„Versöhnler" bildete, habe» sie inzwischen soweit abgewirtschastet und sind unter Führung des in allen Sätteln gerechten und zu allen Dingen zu gebrauchenden Wilhelm Koenen so sehr in die Eck« gestellt worden, daß man ihnen ruhig den letzten Tritt geben konnte und bei der diesjährigen Kandidaicnausstellung den früheren Bezirkssekrctär Schröder glatt von der Liste gestrichen hat. Oer Siurm auf die Opelwerke. Nachspiel vor Gericht. Darmsladt, 23. August.(Eigenbericht.) Bor dem erweiterten Schösseiigericht in Darmftodt begann am Montag ein Prozeß gegen elf Personen, die an dem Sturm auf die Opclwerte im Februar dieses Jahres beteiligt waren. Die Entlassung von drei kommunistischen Betriebsratsmitglicdern, die ihr Amt in grober Weise mißbraucht hotten, wollten die Kom- munistcn seiner Zeit mit einer„großzügigen Aktion" gegen die Leitung der Opelwerke beantworten. Aus den Städten der Um- gebung rückten in den frühen Morgenstunden„kommunistische Vor- kämpfer" nach Rüsselsheim und drangen gewaltsam in die Fabrik ein. Mit Gewalt und unter Drohungen wurde vorübergehend die Niederlegung der Arbeit erzwungen, die Maschinen wurden abgestellt und einige Treibriemen zerschnitten. Als zwei Hundertschäften der Darmstädter Schutzpolizei eintrafen, rissen die Rädelsführer aus. Angeklagt sind die drei entlassenen Betriebs- röte v ist) der kommunistische Abgeordnete des Hessischen Landtags, S u m p f, die als Rädelsführer bezeichnet werden, sowie sechs weitere Personen wegen aktiver Teilnahme, außerdem der preußische Land- lagsabgeordnete Oskar Müller, der nicht gemeinsam mit den anderen eingedrungen war, sondern«inen kleinen Umweg gemacht und eine Mauer überklettert hatte. Er ist deshalb nur wegen Haus- friedensbruchs angeklagt und außerdem wegen Ausiorderüng zur Begehung strafbarer Handlungen nach§ III des Strafgesetzbuches. Der Frankfurter Rechtsanwalt Josef Frantz führt die Verteidigung. Die Arbeiterschaft hat ihr Urteil über den Putsch bereits gefällt. Bei den diesjährigen Vetriebsratswahlen erhielten die Kommunisten 1479 Stimmen gegen 3273 im Dorjahxe, während die freigowerk- schastliche List« trotz einer Vorminderung der Belegschaft um 1000 Mann von 4392 auf 4811 gestiegen ist. Einweihung eines Ebert-Oenkmals. Koben. 25. August. Da» mit finanzieller Unterstützung der Stadt vom Reichs- bann er Schwarz- Rot-Gold geschaffene Denkmal für den eisten Reichspräsidenten Friedrich Ebert wurde durch eine schlichte Feier geweiht, an der auch Rrgierungspräsidem Dr.. Fitzner teilnahm. Aus den Rachbarstädten und anderen Orten oer Nieder- lousitz waren ZllwrdnunKen des Reichsbanners«rfchienen. Kiel, 25. August.(Eigenbericht.) Die erste Reichskonferenz de, Gesamt Verbandes, Reichsabteilung Gemeinde betriebe und-Verwaltungen,«r- laßt zu der W'a hl am 14. September folgenden Aufruf: „Am 14. September wird darüber entschieden, ob die p o l i- tische Demokratie mit ihren Rechten für die arbeitenden Massen erhalten bleiben oder ob sie abgelöst werden soll durch eine f a s chi st i sche Diktatur. Die von der Reichsregierung unter Mißachtung der Rechte der Lolksveriretung. erlassenen Notverordnungen zeigen deutlich, wohin der Weg führt: Zerschlagung der Sozialversicherung, Senkung der Löhnc, Besettignng jeder Einflußnahme der Arbeiterklasse aus die Wirtschaft, das ist dos Ziel der reaktionären Bürgerblockregieruiig. Schonung des Besitzes, Steuererleichterung für die kapitalisti- schen Kreise auf der einen Seite, Verbrauchs- und Kopssteuer und nicksichlslches Abwälzen aller Lasten auf die arbeitenden Schichten des Volkes auf der anderen Seite ist der Wille aller bürgerlichen Parteien. Am 14. September haben die Arbeitnehmer der Gemeinde- betriebe und-Verwaltungen mit zu entscheiden im Kampfe um die öffentliche Wirts chast. In der Bekämpfung der össentlichen Wirt- schaft finden sich all« b ü r g e r l i che n P a r t« i« n auf«?««? Linie. M't der Bekämpfung der össentlichen Wrsschoft sollen gleichzeitig die ersten Ansätze zur Dirsschaftsdemokvatie beseitigt werden. Nicht nur politische, sondern auch höchste gewerkschast- I i che Interessen stehen also in diesem Wahlkampf auf dem Spiel. Die Sozialdeinokratischc Partei ist die einzige Schützerin der Rechte des arbeitenden Volkes. Sie ist die Partei, die für die Erhaltung und den Aufbau von Sozialoers ich« nmg und Sozialpolitik und entsprechend ihrer denio- tratischen Grundsätze für die Aufrechterhaltung und den Ausbau der össcntlichen Wirtschaft in Reich, Staat und Gemeindcn eintritt. Nur durch eine Stärkung der Sozialdcmokra- tischen Partei wird es möglich. fem, die Pläne der Reaktion zunichte zu machen. Die Reichskonferenz fordert daher alle in den Gemeinden be- fchäftigten Arbeiter, Angestellten und Beamten auf, ihre Stimm« am 14.. S e p t c m b c r nur der Sozialdemokratie zu geben, damit diese im neuen Reichstag so stark wird, daß alle Angrisse der Reaktion erfolgreich abgewehrt werden können!" pilsttdski Ministerpräsident. Vor dem Entscheidungskampf in Polen? Warschau, 25. August(Eigenberichtl. Pilsubsti hat am Montag die Minister- Präsidentschaft der neuen Regierung über- n o m m e n. Tos Kabinett, dem alle Minister der Re- gierung Slawek und der Adjutant Pilsndskis, Oberstleutnant Beck, als Minsstcr ohne Portefeuille ange- hören, ist am Montag nachmittag vereidigt worden. Ter bisherige Ministerpräsident, Oberstleutnant Tlawek, übernimmt die Führung des Rcgiernngsblocks. Fn Lpvofitionotreifcn glaubt man. daß es nunmehr zum Entfcheidnngskampf zwischen dem Re< giernngsblock und der Opposition kommen wird und bald eine Klärung der inncrpolitischen Loge in Pole» zu erwarten sei. * Seit Jahren begnügte sich Pilsudski mit dem Posten eines Kriegsmimslers. In Wahrheit war er aber stets der maß- gebende Mann in der. polnischen Regierung. Ob Partei. Switalski oder Slawe?, her Ministerpräsident war doch nur ein Werkzeug deH Morlchälls. Fsir.Pilsiudski, dem es allein darauf ankommt, die Armee und NlSdesorchere das Ofsiziers- korps fest in der# den aueging. Die Entwicklung der deutschen Sozialdemokratie in diesem Holben Jahrhundert sei gerade für die Arbeiterklasse der Länder, in denen der Faschismus wütet, ein« hoffnungsvolle Lehre. Die deutsche Arbeiterklasse Hab« B i s m a r ek und die Hohenzollern überwunden und so werde«inst auch die italienische Sozialdemokratie Mussolini überwinden. Äe gesamte«ozialistisch« Internationale empfinde die Bedeutung des gegenwärtigen Reichstagewa hlkampfs für die Entwicklung der Demokratie und des Friedens in Europa und werde einen Wahlsieg der deutschen Genossen mit dem gleichen Jubel begrüßen wie die deutschen Arbeiter selber. Arthur Erispien, Verlin, sprach im Namen der deutschen Sozialdemokratie die Freud« »nd den Dank über diese gewaltige internationale Kund- g«bung aus, sie die deutsch« Arbeiterklasse in ihrem Kamps gegen Kapitalismus und Reaktion wirksam unterstütze. Wenn man die Reden und Wahlausruf« unserer Gegner les«, daim er- kenne man, daß letzten Endes unsere heutigen Gegner sich der gleichen Phrase» bedienten wie vor fünfzig Jahren: heute wie einst arbeiteten sie mit dem Schlagwort:„Nieder mit dem Marxismus!* Aber der Kapitalismus Hab« bewiesen, daß er un- sähig sei, den Menschen ein« würdige Existenz zu sichern und die furchtbare Plage der � Arbeitslosigkeit zu überwinden. Erispien richtet« zum Schluß einen eindrucksvollen Appell, besonders an die Frauen und- an die Jugend, die Sozialdemokrat!« in ihrem Be- freiungswerk zu unterstützen. Robert Grimm. Bern., polemisiert« in außerordentlich eindrucksvoller Weise gegen das Ber- balten des Schweizer Bundesrats gegenüber N e n n i. Bor 25 Jahren hätte die kaiserlich-deutsche Regierung dem österreichischen Genossen Viktor Adler und dem italienischen Genossen Cabrini öas Reden in Konstanz an de, Seite von August Bebel untersagt. Damals sei di« Demonstration auf das benachbarte Schweizer Gc- biet gezog«», nm zu zeigen, daß die Schweiz freiheitlicher sei als Deutschland. Die Schweizer Regierung tue nichts gegen die Ueb«?- griff« des faschistischen Banditentums auf Schweizer Baden, aber gegen einen politischen Flüchtling wie Nenni, da zeige sie sich mutig. Das empfänden alle Arbeiter der. Schweiz als eine Schande:-„Freund Nenni, ich gryße dich hier in Konstanz auf dem Boden der deutschen Republik, da. es uns nicht vergönnt war. dich auf dem Boden unserer sogenannten schweizerischen Demokratie zu begrüßen, die ihre besten Traditionen' jetzt verleugnet. Aber ich Hofs«, daß es durch unser« Aktion, die wir im Eiiwernehmen mit der Exekutive der Internationale ein« leiten werden und die. getragen sein wird von der gesamten schweizerischen Arbeiterklaffe, gelingen wirf), dich bald wieder auf dem Boden der Schweiz willkommen.zu heißen.* Die Rede Grimm« fand stürmischen Beifall, besonders bei den vielen tau send anwesenden Genossen aus der Schweiz- Als nun JJlekea Jtennl, dem der ursprünglich als Redner vorgesehen« Genosse Modigliani das Wort überlasten hatte, am Rednerpull erschien, bereitet« ihm di« Menge eine spontane Ovation. Cine�stark«. Gruppe von italienischen Genossen aus Zürick� Konstanz. Schaff- Hausen»nd anderen Städten der Ilmgegcnd sang das italienische Kampsl cd„Bandi e ra rof-sa' lRot« Fahne) und rief:„Nieder mit dem Faschismus!* Ncnm'dankte in bewegten Worten für diese Rekunoirng der' Solidarität mit den verfolgten italienischen Sozialisten. Di« italienische Arbeiterklaste sei der deutschen Sozia«. dcmokralie zu besonderem Dank verpflichtet. Einmal durch die hoffnungsvolle Lehre, die sich für sie aus dem deutschen Beispiel ergebe: was di« B i s in a r ck s ch e n Ausnahmegesetz« gegen die deutsche Sozialdemokratie nicht erreicht hätten, das würde auch Mussolini in Italien nicht gelingen. Da aber auch schuld« der gesamte europäische Sozialismus der deutschen Sozialdemokratie Dank dafür, daß sie wiederholt in schwersten Stundenden Mut aufgebracht habe, die Bürde der Verantwortung auf sich zu laden und so die für di« europäische Demokratie unentbehrliche republikanische Verfassung in Deutsch- land zu retten. Endlich dank« es gerade die italienisch« Arbeiter- •tta|fe-J)«r deutschen Sozialdemokratie ganz besonders, daß sie, al» kürzlich Mussolini sich als Vorkämpfer für den gerechten Frieden aufspielte, im Gegensatz, zy manchen bürgerlichen Politikern in Deutschland dich» verlogene d« m« g o g i I ch e Ä e r e j» e. zu rü ck» g« w i e s'e n"habe. Di« ttälienische Arbeiterklasse erwarte ihre ZBe> freiung nicht von einem Jiiternentionskrteg, sondern ans Oer eigenen Kraft, gestützt auf die Solidarität der Arbeiter aller Länder. Als letzter Redner sprach Otto Bauer-Wien. Er erinnerte daran, daß er vor wenigen Monaten vor Verllner Arbeitern gesagt hätte, dah die österreichische Arbeiterschaft es mit den gleichen Gegnern zu tun habe wie di« deutsche. Ein erster' Erfolg sei zu verzeichnen gewesen: der„Marsch aus Wien*. von dem der Heimwehrführer und ehemalige Kapp-Putschist Major P a b st träumt«, habe für ihn im Wiener Polizeipräsidium geendet. Aber noch sei der Kampf gegen den Faschismus in Oesterreich nicht beendet. Für ihn fei der Ausgang des Wahlkampfe» in Deutschland von entscheidender Bedeutung. Die Hohenzollern und die Habpburger, die Herzogtümer und der Feudalismus seien zwar niedergerungen, aber der Sozialismus werde erst siegen, wenn in allen Lljndern die Könige und Fürsten des Kapitalismus, weim die Bank- Magnaten, Kohlenbarone und Riistungsinduftriellen der ganzen Welt, wenn die Thyssen, Rockeseller und Armstrong so niedergerungen sein werden, wie in Deutschland die Hohenzollern und in Oester- reich die Habsburger! Arbuterkapellen und»chöre umrahmten die pafitischen Reden in gelungenster Weise. Bis zum Abend stand die Zentrumshochburg Konstanz im Zeichen dieser internationalen sozialistischen Demon- stration, zu der außer den Genossen aus den Bodenseeländern auch Jugendgruppen aus den verschiedensten Teilen des Reiches,«in- schließlich Berlins, und sogar einige englische Jugend- genossen erschienen waren. Auch die beiden Parteiveteranen Eduard Bernstein und Karl Ulrich sowie Genosse Hermann Müller hatten sich zusammen mit der fast voll- zähligen Exekutive der SAJ. auf der Konstanzer Festwiese ein- gefunden._____ Jeder einmal in der KpO. Wir alle sind schon in der KPD. gewesen Und flogen alle wieder raus. Denn eine höhere Macht, die nahm den Besen. Man wohnt nicht lang und gut in diesem' Haus. .. Wr. alle sind nach Moskau mal gefahren Und warteten auf ein Retourbillett. '- Man macht nicht gern den Buckel krumm vor Zaren Und schläft zu unbequem»in einem Sowsetbett. Wir alle haben einst die Backen eingeklommen Wenn Leow kam. mit dreifachem„Rot Frovt!* Und haben später viel davon vernommen Wie gut sich die Kommandostell« lohnt. Wenn Teddy seinen Kragen abgebunden, Mll Neumanns Manuskript geht dran und d*s*s— Den Wittors-Lorbeer um die©Ilm gewuttden!— Setzt er dem dicksten Faß die Krone auf. Wir alle sind mal in der KPD. gewesen Und gingen oder flogen, laut und stumm. An der Partei wird keine Welt genesen: Die bringt am Ende Nock) sich selber um. Etztkr.�ber gil�. Gtegerwald muß widerrufen. Welche Wendung durch Borflgs Fügung! Am I. August ließ der Reichsarbeitsminister durch dos Wolfs- Büro folgend« Meldung verbreiten: „Vorkommnisse der lehlen Zell hoben den Reichsarbellsminisler veranlaßt, die Beschaffungsressort, daraus hinzu- weisen, daß es nicht angängig sei, öffentliche Aus. träge an solche Zirmen zu vergeben, die in den Beziehungen zu ihren Arbeitnehmern ein ofsenbar unsoziales Verhallen an den Tag legen oder durch ungerechlscrligle E n t- lassungen, ungerechtfertigte lieberslunden oder INassenent- lassung, die nicht in der wirtschaftlichen Lage des einzelnen Betriebe» begründet sind, den Zwecken zuwiderhandeln, die die Ueichsreglerung mit dem Arbeitsbeschaffungsprogramm verfolgt.- Wir haben wiederholt Gelegenheit genomnien, den Reichs- orbeitsminister an diese Anweisung zu erinnern, die gegeben wurde gerade im Hinblick aus den Konflikt in der Berliner Metallindustrie. Was geschah schliehlich? Herr Stegerwnld ließ Gewerkschaften und Vertreter des Verbandes Berliner Metallindustrieller kommen und ließ durch«inen seiner hohen Ministcriolbeomtcn— die G e- werkschaftsvertreter bearbeiten, damit diese einwilligen in den torirwidrigen und unsozialen Gehaltsabbou, außerdem den Massenentlassungcn zu stimm«» und den Unternehmern freie Hand geben für weitere Entlassungen! Die Angestclltenvertretcr— vom Vertreter des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes bis zu den Gewerkschaften oes AsA-Bun>des lehnten dieses Ansinnen ab. Und damit schien für Herrn Stegerwald alles in Ordnung. Druck auf die Unternehmer?— Herr Stegerwald hatte andere Wahlsorgen! Da war aber immer noch der„Hinweis". Er war ja längst �zu den Akten gelegt": aber der Verband Berliner Metallind-ustrieller und sein Vorsitzender, Herr von B o r s i g. lieben solche Scherze nicht. Die Metallindustriellen gingen also zum Reichsarbeits- minister um ihm den Standpunkt klarzumachen. Woraus Herr Stegerwald gestern abend durch Wolff wieder eine Meldung ver- öffentlichen ließ. Sie lautet: „Heute fand im Reichsarbeitsminifterkum eine Ve- sprechung mit Vertretern der Arbeitgeber der Berliner Metallindustrie statt, die eine Klarstellung darüber wünschten, ob mit dem Erlaß des Reichsarbeits- Ministers vom SO. Juli d. I. Berliner Firmen der Vorwurf unsozialen Verhaltens gemacht werden sollte. Der Minister verneinte diese Frage und erklärte, er habe den Beschaffungsressorts mitgeteilt, daß seitens des Reichsarbeitsministeriums der Vergebung von Aufträgen au Firmen der Berliner Metallindustrie nichts im Wege stehe." Herr von Borsig ist unerbittlich. Es genügt ihm nicht, daß Stegerwald Abbitte leistet. Cr muß es auch öffentlich tun. Er muß öffentlich bekunden, daß die Gehaltskürzungen und Massen- entlassungen in der Berliner Metallindustrie durchaus im Sinne des„Arbeitsbeschaffungsprogramms" liegen. Der Aktenvermerk muß entfernt werden. Ein neuer .�Hinweis" Stegerwalds muß ausdrücklich die Befchaffungsstellen auf die Berliner Firmen aufmerksam machen. Minister wünscht Vergebung von Aufträgen an die Borsig, Siemens und Genossen. Wohl sozusagen als Belohnung für ihr besonders „soziale" Verholten. So hat Herrn Stegerwald noch vor dem H. September die gerechte Straf« dafür ereilt, daß er sich unterfangen hat, unler Mißbrauch des Artikels 48 gegen die Sozialpolitik zu regieren. Herr von Borsig hat ihm nicht einmal die Galgenfrist bis zum 14. September bewilligt. Stegerwald mußte sofort widerrufen. Und der christliche Gewerkschaftsführer Stegerwald hat nicht etwa die Herren vom DBMJ. hinausgeworfen, sondern er hat sich ihnen unterworfen. Lohnabbau, weil es so Mode ist. Zechenbesiher bleiben die Veweise schuldig. Essen, 2a. August.(Eigenbericht.) Di« Lohnverhandlungen zwischen dem Zechenverband pnd den Bergarbeitergewertschaften am Montag wurden nach einer längeren Aussprache ergebnislos abgebrochen. Die Unternehmeroertreter versuchten die Kündigung des Lohn- tarifs im Verlauf der Besprechung mit dem Hinweis auf die Wirt- schoftskrif« und die Notwendigkeit eines Preisabbaus zu begründen. Die Senkung des Preisniveaus könne nur in Verbindung mit einer Herabsetzung der Produktionskosten erfolgen. Dazu verlangten sie «inen Lohnabbau, zumal auch der Kohlenabsatz sich in den letzten Monaten erheblich verschlechtert habe und die Betriebe zur Zeit nur teilweise ausgenutzt würden, die fixen Kosten aber gleich blieben. Daher fei eine Senkung der Selbstkosten bisher noch nicht eingetreten. Aus diesem Grunde hielten die Zechenvertreter einen Aehpprozentigen Abbau der Löhne für ersorderlich. Zum Schlüsse ihrer Ausführungen betonten sie, daß im Falle der Nichtberück- fichtigung ihrer Forderungen ein weiterer Bclegschafts- o b b a u unvermeidlich sei. Auf die Darlegungen der Unternehmer erwiderten die Gcwerk- schaftsvertreter, daß ein Abbau der Kohlenpreise zur Behebung de? Wirtschaftskrise nicht mit einem Lohnabbau für die Bergarbeiter verbunden zu werden brauch«. Gerade bei der Ruhrkohle feien sehr große Handelsspanven vorhanden, die«ine Senkung der Kohlenpreise ohne weiteres ermöglichten. Außerdem fei zwischen Erlös und S c l b st k o st e n eine Spann« von mehreren Mark zu verzeichnen, wie ein Vergleich in der Ent- Wicklung der Kostenelemente ergebt. Außerdem zeigten die G e- schä f t sa b s chl ü s se des letzten Jahres sehr gute Ergebnisse, so daß grundsätzlich eine Lohnsenkung für die Ruhrbergleute a l s nicht diskutabel erscheine Di« Bergarbeiter hätten im Gegen- teil ein Recht auf Lohnerhöhung, zumal sie durch die außer- gewöhnlich hohe Zahl von Feierschichten in eine große Notlage geraten seien. Bedenke man, daß sich der jetzt neu abzuschließende Lohntarif auf«in« längere Laufzeit erstrecken würde, dann sei trotz der augenblicklich gedrückten Konjunktur eine Forderung aus Lohnerhöhung durchaus berechtigt. Infolgedessen forderten die Bergarbeitervertreter eine Erhöhung des�ohns von 50 Pf. pro Mann und Schicht. In den folgenden Auseinandersetzungen konnte«ine Einigung nicht erzielt werden. Darauf wurden die S ch l i ch t u n g s v e r- Handlungen eröffnet. Da die Unternehmer auch in diesen Ver- Handlungen nicht in der Lage waren, die von den Bergarbeiter- verbänden und dem Schlichter geforderten stichhaltigen Be- leg« für ihre Forderungen vorzubringen, wurden die VerHand- lungen auf den 4. September vertagt. Mammuisgehälier und Lohnkürzung. Aber nicht bei ver DVG. Ein Teil der westdeutschen Zentrumspresse veröffentlichte oieser Tag« folgende Wahlnotiz:„Die„Berliner Verkehrsanstalten" ver- kürzen unter Leitung der Sozialdemokratie in Berlin die Löhne um ?0 Pf.! Dagegen bleibt das Riescngeha.lt des sozialdemokratischen Direktors Fritz Brola t in der Höhe voü 720e Ausgaben de, JGB."— Nco-Lichtcnbetg: Jugend- heim Ennterstr. 44. Unsere Mädels gestalten den Adeild aus.— Pento re: Gruppenhtiin Pankou». Kisfmgtnstt. 48. Wir werden schon sehen.— Siidosteu: Gewerlschastebaus, Engeluser 24—23, Saal 11, ffabrikarbcitervcrband. Gut. hcit bringt den!. Teil.— Zlöptnick: Badrabend. 0Zuaendaruppe desZentrolverbandrs der Anaestellten Stute, Dienstag, finden folgende Beranstaltungen statt: Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. 18— lS. Kurzreferate.— Lichtenberg: Jugend- Heim Gunterstr. 44. Gruseliger Abend. tz Leranlwortlich wr Politik: Dr.»urt Gcgcr: Wirtschaft:».»lingellöscr: Bewcrkschaitsbewegung: I. Striner: Feuilleton: K. K. Dölcher; Lolale» und Sonttiaes: isri» kkorstödt: Anteiaen: Tb. Glocke: sämtlich in Berlin. Lerlag: Borwärts-Berlag S. m. d. S., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Lerlagsanftalt Paul Einaer u. Co.. Berlin SD. S8. Lindenstrak« 5 Hier,» 2 Beilage-. � n Zucker s p a re n, grundverk eh rt! Der Körper braucht ihn— Zucker nährt! 7lr. 397* 47. Zohrgang 1. Beilage des Vorwärts Vienstag, 26. August-tyzo Das Funkparadies Die neue Wandelhalle auf dem Messegelände Die technisch«(Enfaitffung des Radiowesens bleibt eine unsichtbare Angelegencheit, die eigentlich nur akustisch wahrnehmbar wird. Die grohen siihrenden Firmen stehen im ständigen Wettbewerb, und die neuen Typen, die auf der Funk- und Phonoschau am Kaiserdamm gezeigt werden, sind ganz besandcrs danach angetan, die Freude des Rundfunkfrcundcs zu wecken. Nur haben die Neuerungen einen chaken, der diese Freude stark beeinträchtigt. Jede kleine Veränderung in der Apparatur, die der Laie gor nicht zu bemerken und zu würdigen vermag, ist kurzlebig bis zur— nächsten Funkausstellung. Mit ihr werden die hohen Preise für die neuen Typen motiviert. Was bei der vorigen Ausstellung eigent- kich kennzeichnend war, die vieffachs Vorzeigung billiger Netz- onschlüsse, tritt in diesem Jahr in den Hintergrund. Im Gegenteil scheinen die Preise für gute Funkgeräte verteuert zu sein. Daß bei den Netzanschlußgcrätcn nicht olles so klappt wie man möchte, zeigt das Erstorken der Batterieempfänger. Sie vermitteln vielmehr als der Netzanschluß einen gleichmäßigen, klangreinen Empfang ohne Störungen, die im Leitungsnetz auftreten. Auch für den Fernempfang leisten sie vorzügliches. Der moderne Apparat besitzt selbstverständlich eingebaute Sperrkreise zum Ausschalten des Ortsempfängcrs wie auch die Einrichtung des Kurzwellenempfängers. Die Lautsprccherindustrie hat sich zur Wiedergabe reiner Klangfüllen bis an die Grenzen des Möglichen entwickelt, leider Hot sie ober auch den Ton zu einer.Klongftärke hinaufgetrieben, der schon unter dem Begriff„Lärm" fällt. Hier fehlt die Einrichtung eines Dämpfers, der sicher begrüßt werden würde,- denn die meisten Netz» gerate lasten sich nicht ohne Verzerrung unter eine bestimmte Klang- stufe zurückstellen. ILcsondcrs. die Äristrengungen der Indqftrich ein-tra u s p o r- tabke s F u N k-g e r ät" Zrr fchäffen,«inen sogenannten Koffer- äpparat, wollen sich nicht in dem Sinne auswirken, der großen Mode der Sprechplaitcnkosfer Konkurrenz zu machen. Der Apparat, der nüt Trockenbatterien ausgerüstet ist, ist viel.zu schwer, um ihn auf die Reise mitzunehmen. Er ist auch in seiner Apparatur zu empfindlich, um ihn für Wald, und Wiescnzwecke zu strapazieren. lind außerdem ist er noch viel, viel zu teuer. So versucht die benachteiligte Industrie, aus der Not eine Tugend zu machen', die Verbindung mit der Schallplotteninduftric, wie sie sich schon äußerliäi in der Zusammenlegung von Radio und Pftonoscho» kund gibt, zeigt Triumph« der Technik, wo in einer Apparatur Radio und Sprech platten Übertragung vereinigt werden. Für die Fortschritte des Radiowesens sprechen auch die Versuch« der Bastlervcreinigungcn, die mit reichem Material auf- warten und der Industrie manchen wertvollen Fingerzeig geben. » An den Wochenendtagcn kreuzen auf den Hooelseeu Motorboote unter Führung eines Radiabootes, mit dessen Lautfprccheranlage Schallplattenkonzert, lautvcrstärkte Sprache und Fernempfang gegeben wird. Zur besonderen Freude der Wassersportler werden auch.zahlreiche Luftballons über Bord ge- warfen. Jeder zweite Ballon enthält einen Gutschein, der zum freien Eintritt in die„Große Deutsche Funkausstcllung und Phonoschau Berlin 1930" berechtigt. Der Eintrittspreis zur Funkausstcllung betrögt 1,29 M. Karten sind auch bei den Verkehrsbetrieben zu haben und berechtigen zur freien Hinfahrt nach der Ausstellung. Die Kinderkarte kostet 0,75 M., ist ober nicht bei den Verkehrsstellen zu haben, sondern nur an den Ausstellungskasscn. Die Ausstellung ist van 914 Uhr bis 29 Uhr geöffnet. Starker Andrang zur Funk, und Phonoschau. Der Funk- und Phonoschau am Kasterdamm scheint ein außerordentlicher Besuchs- eriolg beschieden zu sein. Die B e s u ch s z i f f c r n der ersten drei Tage liegen durchweg um mehr als 59 Proz. höher gegenüber den ci'tfprcchenden Tagen des Vorjahres. Allein am gestrigen Sonntag passierten rund 49999 die Sperre. Der Eingang zur Phonoschau Bergleute im Todeskampf. Tkeue* entfehliches Unglück in Oberschlesien.— Fünfzehn Mann verschüttet. Kattowitz, 25. August. Am Montagmittag ereignete sich auf dem Hilde- brandschacht der Hildebrandgruppe in Wirek sAn- tanienhüttel ein schweres Grubenunglück. Durch Zu-Bruch-Gchen eines Pfeilers, das durch einen(Erdstoß verursacht wurde, wurden l5 Bergleute ver- schüttet, st konnten nach mehrstündiger angestrengter Bergungsarbeit schwer verlebt geborgen werden. An die andercn Verschütteten wird man erst in etwa zwei Tagen herankommen können. Aus diesem Grunde besteht keine Hoffnung mehr, diese noch lebend bergen zu können. DieS ist daS zweite schwere Unglück, das sich innerhalb von fünf Monaten auf der Hildebrand- grübe ereignet hat. Damals kamen ebenfalls mehrere Bergleute umS Leben. Furchtbares Bootsunglück! (Seegelboot im Haff gekentert.— Blühendes Leben vcr> nichtet.— Sieben junge Menschen ertrunken! Stettin, 25. August. Ein gekontertes Boot der Jungmarine wurde heute früh in der Nähe der Kaiser fahrt gefunden. An daS Boot hatte sich der Jungmann Mcthke an- geklammert. Er berichtete, daß er mit 7 Mann der Torgelower Jungmarine am Sonntag in einem Boot von Ueckcrmünde aus in das Haff gesegelt sei. Sie wur- den von einer Gcwittcrböe überrascht. Das Boot kenterte nnd alle 8 Personen fielen inS Wasier. Methke aNein konnte sich an dem gekenterten Boot fest- klammern und trieb über 12 Stunden. Die übrigen Insassen, junge Leute im Alter von 15 bis 18 Jahren, und der Führer des Seglers, Stegemann, sind e r- trunken. Todesmutiger Netter ertrunken. Hamburg, 25. August. Der Berliner Rechtsanwalt Dr. B« n d> x war heut« im Wcfterländcr Nordbad zu weit hinausgefchwommen und dabei in Lebensgefahr geraten. Der Obcrstlemnant a. D. Elchner, der dem Rechtsanwalt zu hilf« eilt«, wurde bei dem Rettung--- versuch selbst von den Wellen in die See getrieben und ertrank. Rechtsanwalt Bendix indes konnte von dem Schiffer Artur Hansen geborgen werden. Auch ein dritter Badegast, der sich an der Rettungsaktion beteiligt hatte und ebenfalls in Gefahr gf- raten war,, konnte m Sicherheit gebracht werden. Mordgerücht in Neukölln. In Neukölln war gestern da? Gerücht von einem Mord ver- breitet. Im Hause Kopsstraße 33 war dort die 36jährige Witwe Marie Schatz im Bett liegend t o t aufgefunden worden. Der«rfie Befund gab zunächst dem Verdacht Nahning, daß die Frau eines gewaltsamen Todes gestorben fei. Nach den Ermittlungen der Mord- kammission scheint sich der Fall jedoch als ein S« l b st m v r d herauszustellen. Die Todesursache muß noch durch die Obdukllon sejl- gestellt werden. Di« Verstorben« hatte kürzlich schon einmal einen Selbstmordversuch unternommen. S/NCIA/R L£W/5 68] 'ROMAN War Herr Roß ein wonig enervierend, so war er im Bergleid) zum übrigen Pembertonbctrieb die verkörperte Wüstenstille. Sein Dura, das der Halle eines Millionen-Dollar-Hatcls glich, und Unas Bude, die dem Verschlag des Portiers ent- sprach, waren die einzigen Fleckchen im ganzen Hause, an denen sich Una sicher fühlte.'Außerhalb dieser beiden Räume befanden sich in der titanisdzen, vierzehn Stockwerke hohen Fabrik nur ungeheure Büros, eine Wildnis von Schreib- tischen. Änkleideräumen. Fahrstühlen, Wartezimmern und KorrespondenzregistraMren. Unas eigene Persönlichkeit wurde von der kosmischen(wenn auch seifigen) Persönlichkeit des Pembertonbetriebs absorbiert. Statt sich nach Ab- wechslung zu sehnen, klammerte sie sid) an ihren eigenen Winkel, ihren Schreibtisch, den Sessel mit der federnden Lehne und den Wandkalender mit einem farbenprädztigen Bild von Washingtons Abschied. Sie zog es sogar vor. sich hier auszuruhen, statt im„Klub- und Erholungszimmcr für weibliche Angestellte", auf das Herr Pemberton so stolz war. Una hatte von solchen Erholungsräumcn Dinge gehört, die schön und merklich beruhigend geklungen hotten: doch der .betreffende Raum in der Pembertnnfabnk glich eher einer Sommerwohnung, die per Woche an geistesschwache Buch- Halter vermietet'wird. Es war ein muffiges Zimmer mit ichiefen Vorhängen und mußte wohl von allen Zweigen der Pembertonfamilie zum Loswerden ihres Bodengerumpels be- nutzt worden sein. In den Mittagspausen, wenn die Mädchen sicher zu sein glaubten, nannten sie den Raum heimlich die „Rumpelkammer" und sagten, daß sie lieber in der Straße unten auf dem Bordstein sitzen wollten. Una selbst hatte einmal in dieses Zimmer hineingeblickt und hincingerochen— und es dann nie wieder betreten. Doch selbst wenn es wirklich verlockend gewesen wäre. hätte sie es nicht besucht. Die Kaste, der sie als Sekretärin angehörte, untersagte ihr das. Denn dic� Pembertonsabrik mar voll von Kastenwesen und Politik, Eligucn, Intrigen, Geheimnissen und Dynastien, die kamen und wieder in Ver- gsstenhest gerieten. Intrigen und Geheimnisse kamen Una aud) als Sekretärin des Herrn Roß zu Ohren. Sie erinnerte sich eines Tages, da Herr' Roß dem'alten Herrn Pemberton in ihrer Gegenwart versichert hatte, daß er für den Rest seines Lebens bei der Firma zu bleiben hoffe, und unmittelbar danach hatte er ihr einen Brief an den Präsidenten einer Konkurrenz- firma diktiert, in der Absicht, sid) eine neue Stelle zu ver- schassen. Er zerriß den Durchschlag des Briefes und sah Una so unschuldig an wie je. Una sah, wie er Briefe las, die auf den Schreibtischen anderer Herren lagen, während er mit ihnen sprach: sah. wie er Telephongespräche„mithörte" und gelegentlich den Fuß zwischen eine Türe steckte, um irgend- einen Besucher in einem anderen Bllroraum sehen zu könsien. Sie sah. wie einer der jüngeren Herren Pemberton sich hinter einem Bücherschrank versteckte, während sein Vater mit einem der Brüder sprach, wie wußte, daß dieser Pemberton und Herr Roß den Bruder hinausbeißen wollten, und daß der junge und flinke Einkäufer wiederum gegen jene beiden minierte. Sie wußte, daß eines der Mädchen in der Haus- telephonzentrale die Geliebte und Spionin des alten Pem- berton war. Sämtliche Direktoren wetteiferten in dem Be- streben, es den großen Italienern des Mittelalters in der Kunst glcichzutun. läd)elnd zu vergiften— doch sie machten es so schlecht, sie waren so ohnmädztig wie eine Bande Schul- jungen, die den Lehrer haßt. Der Krieg griff vom Lager der Direktoren in das der Angestellten über; auf Leute, die im Korridor auf und ab gingen, den Augenblick erwartend, da sie einen der Borge- setzten allein sprechen könnten, während sie zu Kollegen hin- übcrsdsiesten. die das gleiche Manöver vollführten: ans Leute. die die geringfügigste Bemerkung eines Vorgesetzten aus- schnappten und damit zu Verbündeten eilten mit der Frage: „Nun, was glauben Sie, kann er damit gemeint haben'?"... Tausende von Fragen, wie. man auf die oberston Herrscher Eindruck machen könnte, und Fragen der hwtspolitik— dieses hämisdien, kleinen Geistes, der in den Geschäftshäusern herumschleicht und die Leute dazu ermutigt, Begünstigungen zurückzuweiien. Unas Teil an tatsächlicher Arbeit bei Pemberton mär« bloß ein Vormittagszeiwcrtreib gewesen: dod, der Zusammen- hang mit den hochgespannten Strömungen der Politik er- schöpfte sie— und lehrte sie. daß in der Welt des Geschäfts nur derjenige reüssieist, der verlangt und nimmt. Die Büropvlitik ist die Brutstätte des Kastenwesens. Die Kosten bei Pemberton waren etwas so scharf Umgrenztes wie militärifche Rangstufen. An der Spitze standen die obersten Chefs, der General- stab der Gesellschaft, und die Abtei lungsdirettoreu— Herr Pemberton und seine Söhne, der Hauptkassierer, der General- direktor, der Vorstand der Einkaufsabteilung, die Direktoren der Sodawasser- nnd Erfrischungsgetränkeerzeugung, der Seifenfabrik, der Laboratorien für Drogen, der Toiletten- artikelerzeugung, der Direktor der Verkaufsabteilung nnd Herr S. Herbert Roß. Sie bildeten den olympischen Rat. Gottheiten, mit denen zu sprechen die untergeordneten Be- amten niemals gewagt hätten. Wenn Gerüchte im Umlauf waren von„Veränderungen" oder vom„Abbau des Per- sonals", so beobadstetc das gesainte Büropersonal die obersten Chefs, wenn sie sich versammelten, um gemeinsam zum Essen zu gehen— große, blühend aussehende, glattrasierte Herren, die sorglos plauderten, sich durch Auto- und Golfsport bei guter Gesundheit erhielten, und denen es freistand, während des Mittagessens in einer Unterredung von wenigen Minuten die ganze„Politik zu ändern" und die Familien von vierzig Beamten oder vierhundert Arbeitern in Not zu stürzen. Wenn sie vergnügt miteinander den Aufzug betraten, kam es vor. daß eine überarbeitete Stenotypistin zu einer der älteren Kolleginnen weinend hinüberstürzte, um sich trösten zu lassen... In einer Stunde konnte sie ihre winzige Stelle verloren haben. Sogar die auswärtigen Bundesgenossen der Chefs waren gewaltige Leute: Einkäufer und diplomatische Vertreter: Männer mit breiter Brust und dicker, goldener ilhtkette quer über der prallen Modeweste, und Eeiandten mit besonderer Vollmacht gleich waren die„Sachverständigen für zweckmäßig eingerichtete Betriebe", die Herr Pemberton gelegentlid) kommen ließ, um die Arbeit ein wenig zu beschleunigen— über das Maß menschlicher Kraft hinaus.... Einer dieser Sadwerständigen, ein lüchelirdür, blaßblondcr junger Mann, der sich mit Herrn Roß über die neue Dichtkunst unterhielt, führte die Einrichtung ein, viermal des Tages— um zehn. zwölf, zwei und vier— Laufburschen mit Tabletten voll Wassergläsern im ganzen Betrieb herumzusd,icken. Bisher hatten die Stenotypistinnen eine Menge Zert damit vergeudet. zu den Wasserkühlern trinken zu gehen und für zehn Minuten im Tag tatsächlich Menschen zu sein, ein wenig auszuruhen und zu schwatzen. Nach dem Besud) des Sachverständigen waren die Madchen so emsig, daß sie während des Arbestens leine Sekunde aussetzten— ausgenommen, wenn eine non ihnen einen hysterischen Ansafl bekam und schnell in den Erholungsraum gebracht �werden mußte. Aber lein Sach- verständiger vermochte sie davon abzuhalten, sich auf die erst- beste Gelegenheit zu stürzen, jemand zu heiraten, der die Gnade haben würde, sie aus dieser Atmosphäre höchster Zweck- Mäßigkeit zu befreien. (Fortsetzung folgt.) J Ausreißerin wiedergefunden. In Hamburg-Si. Pauli.— Oer Fall Anna Freytag. Die Berliner Ausreißerinnen jugendlichen Alters werden von einer gewissen Berliner Presse zur Zeit mit einem erhöhten und meist tymz unberechtigten Nimbus umgeben. Seit dem 4. Juli wurde die 15 Jahre alte Lyzeumsschülerin Anneliese Pohl aus Spandau vermißt. Das Mädchen hatte bei einem Geschäftsfreund ihres Vaters 2l>l> Mark ein- kassiert und das Geld auf die Reis« mitgenommen. Eine Frau, die das Mädchen kennt, braäste am 5. Juli ein 13jährigcs Kind zum Hamburger D-Zug an den Lehrter Bahnhof. Dort sah sie Anneliese Pohl und empfahl der Aelteren ihren Neinen Schützling. Anneliese hat das Kind auch gewissenhaft betreut. Sie stieg in Ludwigslust aus und brachte das andere Mädchen an seinen Bestimmungsort. Erst dann reiste sie weiter nach Hamburg. In Hamburg sprach Anne- liese gestern einen Polizeibeamten an und bat ihn. sie vor einem Manne, der sie belästigte, in Schutz zu nehmen. Der Wachtmeister fragte sie nach ihrem Namen und erfuhr, daß er die Vermißte vor sich hatte. Sie wurde vorläufig in Schutzhaft genommen, ihr« Eltern in Spandau sind benachrichtigt. * Das Verschwinden der 13 Jahr« alten 5)äusangcstellten Anna Freytag, die in der Försterei Lottche bei Klostenelde beschäftigt war und die seit dem 21. Juli vermißt wird, ist immer noch Gegen- stand einer eingehenden Untersuchung. Wie schon berichtet, war das Mädchen am Abend dieses Tages von ihrem Freund«, dem 18 Jahre alten Melker Hans H übrig, abgeholt worden. Als das Mädchen nicht wieder auftauchte, wurde Hubrig über ihren Verbleib befragt. Er bestritt, davon etwas zu wissen und stellte auch in Abrede, am 21. Juli mit ihr zusammengewesen zu sein. Acht Tage später war er gehört worden, und Anfang August verließ er ohne Grund seine Arbeitsstelle in Hcrmsdorf bei Trebnitz. Er gab an, daß er sich andere Beschäftigung in Westpreußen suchen wolle. Durch die weiteren Nachforschungen ist nun festgestellt, daß Hubrig nicht die Wahrheit gesagt hat. Durch die Chaussee und ein« Neine Schonung von der Försterei getrennt, liegt in einer Entfernung von etwa 5lK> Schritt der L o t t ch c r See. An dem See haben Angler ein« Kolonie gegründet, und es gibt dort eine Kantine, in der Hubrig am 21. Juli eine Tafel Schokolade gekauft hat. Die Schokolade war wahrscheinlich sür die Freytag bestimmt. Da inan neuerdings mit der Möglichkeit rechnet, daß die Leiche des Mädchens in dem Lottcher See liegt, wird das Gewässer zur Zeit abgefischt. Die neue Gtadibank. Baubeginn noch in diesem Lahr. Den letzten Mietern des Hauses Molkenmarkt Ecke Stralouer Straß« ist jetzt von der Stadt zum 1. Oktober gekündigt worden. Es handelt sich dabei um eine vorsorgliche Maßnahme des Magistrats, denn auf dem Terrain Molkenmarkt Eck« Stralauer Straße— der ganze Baublock befindet sich bereits im Besitze der Stadt— soll nach dem Abriß der alten Häuser der geplant« Neu- bau der Stadtbank und Sparkasse erstehen. Das alte Sparkassen- gebäuhe an der Mühlendammschleuse muß bekanntlich abgebrochen werden, wenn die Erweitcrungsorbeiten- für die Schleusen» anlagen ini: Rahmen des Bctüprogramms-für den Mittellanb» katfePin Angriff genommen werdest. Es ist durchaus möglich, daß noch in diesem Jahre mit dem Neubau des neuen Sparkassen- gebäudes am Molkenmarkt begonnen wird, weil das neue Gebäude fix und fertig dastehen muß, wenn man mit dem Abriß des alten beginnt. Die Durchführung der Erwciterungsarbeiten für die Schleuse liegt in den Händen des Reiches und der Wasserbau- Verwaltung, die, wie man hört, in den nächsten Jahren dieses Projekt zur Durchsührung bringen werden. Sparkasse übersatten. Drei Täter mit 23000 Mark entkommen. Bremen. 25. August. Ein verwegener Raubüberfall wurde am Blonlagnachmillag in den Räumen der Filiale der Sparkasse der Stadl Bremen in der Bahnhofskraße ausgesührl. Den Tälern, die da» Personal mit Revolvern in Schach hielten und in eine» Rebenraum trieben, fielen 23 000 Mark in die Hände. Die Täler sind in einem Aulo entkommen, da» eine Hamburger Zulassungsnummer trug. Toöesfprung aus dem fünsten Stock. Große Aufregung rief gestern nachmittag im Hause Leibniz» st r a ß e 27 in Charlottenburg der Selbstmord einer noch unbekannten Frau hervor. Gegen Iß Uhr ertöiTte auf dem asphaltierten Hos plötzlich ein dumvfer Fall, und als Mieter nach. sahen, entdeckten sie in einer Blutlache den leblosen Körper einer Frau. Die Lebensmüde hatte sich,■ wie festgestellt wurde, unbemerkt aus den Boden begeben und von dort auf den Hof hinabgestürzt. Der Tod war auf der Stelle eingetreten. Die Selbstmörderin, die etwa 5 0 Jahre alt ist, ist weder im Hause noch in' der Umgegend bekannt. Die Kriminalpolizei hat die Nachfor- schungen ausgenommen. Die Aktivität der Sozialdemokraten: der Aerger der fiornmu- nistcn. An dem Eckgrundstück Schweden- und Exerzierstraße hatten unsere Genossen in der Höhe des zweiten Stockwerkes ein Wahl- pla kat angebracht mit der Inschrift:„Arbeiter und Beamte, wählt Liste 1." Das paßt« den Kommunisten natürlich nicht und so brachten sie einige Fenster weiter gleichfalls ein Plakat an, das den Sinn des sozialdemokratischen Transparentes umdeutete� Die Sozialdemokraten griffen natürlich zu Gegenmaßnahmen,'ochließlich sah sich die Polizei genötigt, dem Plakatkrieg«in Ende zu bereiten. Sie ordnete die Entfernung beider Plakaie an. Ein weiteres etwa 4 Meter langes SPD.-Wahltransparcnt dagegen, das an der Front des gleichen Hauses in der Schwedenstraße hängt und in leuckstenden Lettern für die L i st e 1 wirbt, blieb von der polizeilichen An- ordnüng unberührt. Wie uns ein„Aorwärts�-Lefer noch mitteilt, sind von Pressephotographen von den kommunistischen Fälschungen einige Aufnahmen gemacht worden, die vermutlich in nächster Zeit den Lesern des Berliner Moskaublattes vorgesetzt werden. Sollt« das geschehen, wollen wir den Schwindel schon heute aufdecken. Anwalt bleibt verschollen. Vergebliche Suche nach Or. pinner.— Keine Hoffnung mehr. Nachdem gestern die letzte Expedition der Alpinen Reltungs- Mannschaft von Bad Gastein. die von 3 Uhr früh bis mittags das fragliche Gebiet am Gamskarkogel abgesucht halle, unverrichleler Sache zurückgekehrt war, wurden Rachforschungen nach Dr. Pinner von privater Seite, und zwar hauptsächlich von Bergführern, im Hinblick aus die hohe Belohnung fortgesetzt, ohne jedoch bisher irgendeinen Erfolg gezeittgt zu haben. Begünstigt von dem schönen Wetter, stieg gestern nachmittag auch wieder eine Maschine der Salzburger Fliegerschule aus unter Führung des Hauptmanns a. D. Kühn, um erneut Erkun- dungsflüge nach dem Vermißten über dem Gamskarkogel zu unter- nehmen. Länger als eine Stunde hindurch umkreiste das Flugzeug in ganz geringer Höhe den Gipfel des Berges, ohne jedoch eine Spur von dem Vermißten zu finden. Man hatte gehofft, daß die hell- blaueLeinenjocke, die Dr. Pinner trug, aus der Luft erkennbar sein würde, wenn Dr. Pinner irgendwo im Gebiet des Gamskar- kogels, einem allmählich ansteigenden und fast bis ohnehin mit grünen Motten bedeckten Berg, liegen sollte. Aber alle Beobachtun- gen vom Flugzeug aus waren erfolglos, so daß damit gerechnet werden muß, daß Dr. Pinner, wenn er überhaupt in diesem Gebiet der Salzburger Berge seinen Ausflug unternommen haben sollte, vielleicht beim Abstieg in eine Felsspalte gestürzt ist. Di« Nach forschungen werden dadurch erschwert, daß man nicht positiv weiß, ob der Anwalt überhaupt zum Gamskarkogel gegangen ist ober ob er nicht irgendeinen anderen Berg der Gasteiner Umgegend besteigen wollte. An die Möglichkeit eines Verbrechens wird nicht geglaubt. Täglich neue Schreckensmeldungen. Innsbruck, 25. Aitgust. Gestern nachmittag ereignete sich in den Kolkkögeln bei Inns brück«in schweres T o u r i st e n u n g l.ü ck. Drei Jnnsbrucker Bergsteiger wollten die Nordostkanzel der Großen Ochsenwand in den Kolkkögeln erklettern. Sie waren angeseilt und hatten drei Mauerklammern eingeschlagen, die jedoch herausbrachen. Zwei der Bergsteiger stürzten 150 Meter tief ob und blieben t o t liegen, während der dritte an einer Felswand hängen blieb und aus seiner gefährlichen Lage gerettet werden konnte. Bei einem Austieg auf die Rosetta bei San Martina di Castrozza stürzten zwei Studenten aus Rom in«ine etwa 100 Meter tiefe Schlucht ab. Bergführer konnten die beiden Abge- stürzten bergen, jedoch war der eine bereits tot, während sein Ge- fährt« trotz schwerer Verletzungen mit dem Leben davonkommen dürfte._ Nochmals: Nazizellen in der Mitropa. Ueber die Vorfälle in den Possage-Dicrhallen erhalten wir jetzt den folgenden authentischen Bericht: Im Laufe der vergangenen Woche wurden untcr den Arbeit« nehmern der Mitropa Einladungen zu einer nationalsozialistischen Versammlung an? Mittwoch, dem 20. August, in. den. PassaAe-Bier- hallen, Behrelfftraß'e herteilt. Di« Einladungen richteten sich an die gesamte Arbeitneymerschast der Mitropa. Zweck war die Grün- dung einer nationalsozialistischen Betriebszelle. Die fr c i g« w e r k- s ch a f t l i ch organssierten Arbeiter hatten zunächst die Absicht, sich nicht an dieser Versammlung zu beteiligen. Schließlich ist es doch Ein Konzert mit großem Blasorchester kann im Freien sehr unterhaltend fein-, innerhalb der vier Wände eines Zimmers dagegen ist es weniger ein Ohrenschmaus. Am Sonntag abend wurde das Konzert des Adolf-Becker-Blasorchesters aus dem Garten der Funkausstellung übertragen. Die„Minuten-Dramen* von Norbert Schiller, die dieser Darbietung vorausgingen, geistreich über- lichtete Momentaufnahmen des sogenannten Seelenlebens, wären zugunsten einer größere» Volkstümlichkeit des Sonntagabend- Programms besser an einem anderen Tag« gesendet worden. Der Tanzabend am Montag, übertragen aus der Funk- ausstellung, wurde von der stets angenehm zu hörenden Kapell« Dajos Bela bestritten. Der musikalische Höhepunkt des Tages lag im nachmittaglichen Schallplatten kovzert: die Künstler der Mailänder Scala führten Mascagnis„Cavalleria rusticana" auf.— Daß es möglich ist, selbst grauenvollen Tatsachen gegenüber sich sür abgedroschene Phrasen einzusetzen, bewies Maria T i m p e in ihrem Vortrag„Die Furcht vor dem Kinde". Sie skizzierte erschreckende Zahlen, die aus einer Düsseldorfer Erhebung hervor- gingen: 1433 kinderreiche Familien besaßen 2768 Räume: einen Schlafraum hatte in diesen Familien die Velegzisfer von 4,1, ein Bett 2,25. Die Rednerin schloß sich der allgemeinen Forderung nach Staatshilfe für die Kinderreichen an; im übrigen operierte sie aber intt billigen Gemeinplätzen, um die Möglichkeit einer größeren Kinderschar auch unter den heutigen wirtschaftlichen Berhältnissen bei der Mehrzahl der Bevölkerung zu beweisen— natürlich nur bei den richtig Verheirateten, denn Frau Timpe ist, wie sie betont«, positiv religiös«ingestellt. Als einzigen Ausweg unbedingt notwendiger Kinderlosigkeit empfahl sie Enthaltsamkeit: jedes empfängnisverhütende Mittel sei entsittlichend und geeignet, die Achtung der Eheleute untereinander zu untergraben. Schließlich verstieg sie sich sogar zu der irrsinnigen Behauptung, daß es von der Abtreibung zum Elternmord nur ein Schritt fei.— Fesselnd war wieder der Zeitbericht von„Aktualis", der diesmal eine akustische Montage der„Zwangsarbeitsdebatte in Genf" war.— Für das Gedenken des vor 30 Jahren verstorbenen Friedrich Nietzsche, der soviel zitiert, so wenig bekannt und so selten richtig verstanden wird, fand Prof. Dr. Alfred Baeumler klug« und warm« Wort«, die die geistige Gestalt und das Werk des großen Philosophen charakte- risterten.. Eine amüsante und dabei recht lehrreiche halbe Stunde schufen Friedrich Wendel und Dora S a l o s ch i n mit ihrem Zwiegespräch„Weltgeschichtliche Anekdoten". Man überblickte an dieser Seinen Auswahl, wie treffend der anonyme Witz es mit einem Satz das Kernproblem einer Zeit umreißt und deutlich macht. Tet. zu einer Beteiligung von 60 bis 70 freigewerkfchaftlickzen Arbekb- nehmern gekommen. Ehe die Versammlung eröffnet wurde, erklärte der nationalsozialistische Stadtverordnete Engel aus Anfrage, daß es weder Diskussion noch A b st i m m u n g gebe. Daraufhin hat der Anfrager, der Betnebsratsvorsitzeirde der Mitropa Paul R u p p e r t« die Angestellten aufgefordert, die Versammlung zu verlassen. Dieser Aufforderung wurde Folge geleistet, und nun begaben sich die frei- gewerkschaftlichen Bersammlungsteilnchmer, in diesem Fall die große Mehrheit der Versammlung, auf die Straße. Das Haus hat drei Ausgänge, der Versammlungsraum befand sich im ersten Stock. Erst auf"der Straße bzw. im Haustor wurden unsere Angestellten von Nationalsozialisten überfallen, mit Pflastersteinen, Stahlruten und Fußtritten bearbeitet. Der Betriebsratsoorsitzende Ruppcrt hat durch eine Polizeistreife zwei der Nationalsozialisten zur Feststellung gebracht. Inzwischen war das Ueberfallkommando erschienen. Die Feststellung der Festgenommenen erfolgte in der Revierwache in der Georgenstraße. Dem Betriebsratsvoksitzenden Huppert stellten sich noch eine Reihe von Zeugen zur Verfügung. Später hatte das Betriebsratsmitglied Bai er noch zwei Nationalsozialisten zur Revierwache bringen lassen, so daß inzwischen 20 Personen versammelt waren. Von der Revierroache wurden nach Feststellung der Personalien gegen 11 Uhr alle Beteiligten nach dem Polizeipräsidium gebracht. Die sich als Zeugen zur Bersügung stellenden Arbeitnehmer der Mitropa wurden aber im Polizeipräsidium als Ange- klagte behandelt und erst auf energisches Dazwischentreten des Betriebsratsvorsitzenden vernommen und entlassen.. Wie sich heraus- stellte, hotte das Polizeirevier in der Georgenstraßc alle Beteiligten für verhaftet erklärt, ohne über den Sachverhalt zu berichten. Der dienschabende vorgesetzte Kriminalbeamte.hat dann die Ber. nehmung beschleunigt' und sich bei den Beteiligten entschuldigt. Zwischen drei und vier Uhr morgens wurden die 16 Angestellten entlassen.— Der Betriebsrat führt nunmehr Beschwerde über das Verhalten des Polizeireviers in der Georgenstraßc. das ohne Ber- anlassung 16 Verhaftungen vorgenommen hau Sozialistische Arbeiterjugend Groß« Berlin aws-ndonzi» für diese Ziudrii NMplahr.«chulc Sonnendurqgr Str. 20:„jjgpjpt und NU-'in". y- Arn-uXilde- Plag I: Hc.m �flffetibmgri'«». 1«:.Die Mfgrt- mt-MUt".—»«NiIchrhM�'Hillor-DM-chie----- Rorblist-n I: Heim Sämiger Str..(T"" Damiger Sir.«2:..Einsllhtünsr in , i: Heim Msle'nbnrqrr'S�. 18:-.Sie Wt«i»- W*" DjrtÄiec.�SK«ST'-»«"WjWM&K'r 62;-Tage«>o:it;l".—«ardostc» I: Lelm in' den SnüIalinniuZ.' Weijjensee: Srtvit _-■»O.nWTw»- snferfc.«- ffTAiiT#.Ofi-ftn rf f�nrfTTö*'-ÄSt Schlager".— Südwesten: Heim �invennr. 4: VoimciDcno.— mynnv:«cxein- gun, an der Wahlversammlung der Partei, 20 Uhr im Schiller-Saal.— Stegyn tA-lt-re): Heim Albrcchtstr. 47:„Heraus aus der Kirche".— Brlh- Heim Rat. hau«, Ehausscestr. 48:„Treilörperlultur".- ReulAln I: He.m Sander. Ecke Sobrechtftraäe: Seimabend.— R-ntölln N: Heim Bergftr. 22: Mitgliederver- sammlung.— Nculölln HI: Heim Ziethenstr. 56:„Treiiörperlultur"— Ren- lölln IV lAelterel:..Entstehung der Religionen".— Rcnkölln V: Heim Böhmische; �,__ e-..•< j. ovo,,?Rl7»» V TT- Oftg-T.�Tftlrtrr-ÄrhitTc« O/tirprn�ri rhrifh« npspouill.— yteuloun• iieuii n tuuiiurcuiib. w. Parteien", 3 Teil— Köpenick?: Heim Grünauer Str. 5:„Nacktkultur".— Karlshorst: Knmnosium Treslowallee:„SAJ. und TreilSrpcrluUur".— Lermr. darf: Heim Roonftrahe iTurnballengebäude):„Bürgerliche Jugendbewegung. Werbebe�irl SchSneberg: Bcieiligunq an der Wahlversammlung der Partei. Treswunlt 12 Uhr Wartburgplah. Tahnen und Transparente mitbringen. I I I 1 Werbehezirl Pn»!ow: Schule Riederschiinhausen, Blankenburger M Strohe 70: W.-B.-Mitqlicder-ersammlung. Borteog de» Genossen Artur Reich« rdt über„Jugend und- Wahl". Alle Gruppenvcranstaliungen fg sollen aus. Werbe bezirk Lichtenberg: Bei der Autofahrt sind gefunden worden:«iuo Monatskarte, eine jahrradlampe u. a. Abzuholen morsen im Heim Gunter. strahe 44, ab 20 Uhr._ Vorträge, Vet eine undVersammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rol-Gold". Geschäktsstelle: Berlin S. 14. Sebastianstr. 37—38. Hol 2. Tr. Tiergarten, Kameradschaft Moabit: Mittwoch, 27. August. Kamerad» schaflsvcrsammlung im Erohen Saal der Arminiusbgllen. Tages» ordnung: Reuwohl des I. und 2. Kamcradschaftsführcrs.— Treptow(Orts» verein): Mittwoch, 27. August, 20 Uhr, Versammlung im Lokal Einsiedler in Johannisthal. Tagesordnung:„Reichsbanner und Staatspartcl". Referent Kamerad Kllter. Erscheinen Pflicht. Arbeiter. Radio-Bund Deutschlands,«. D., Ortsgruppe Groh. Berlin. Unter- grupp« Kriebrichshain: Lokal Eadincr Etr. 10. Donnerstag, 28. August, 20 Uhr, Versammlung: Besprechung über den bevorstehenden Bundestag. > ongleilo» English Dcoaiing Ciub; Mittwoch, 20 Uhr, Zahnarztehatts BÜlo*- strafie 104, Quttrnannsaal: Mr. William W. Mann:„A Practical Philosoph/ oi Life: 1) Orientation."________ Allgemeine Wetterlage. Ueber Mitteleuropa ist seit Sonntag ein umfangreiches Hoch entstanden. Sein Kern liegt über dem oberen Wasscrgebiet. Mit Ausnahme Ostpreußens und Nordpolcns ist das Wetter am Montag abend allenthalben heiter. In Frankreich, das auf Oer Westseite des Hochdruckgebietes liegt, stieg das Thcnnometer stellenweise auf 35 Grad. Das Hoch scheint sich noch etwas nach Nordosten zu ent- wickeln. Daher dürfte zunächst das Wetter beständig bleiben. » Delleraussichlen sür VerNa: Heller, trocken, am Tage warm. — Für Deutschland: Im Nordosten teils heller, tells. wolkig, bei wenig veränderten Temperaturen, im übrigen Reiche heller und warm, im Südwesten sehr warm. Der„Vorwärts" IM für den liMiotz! Clnfenbnngen für diese Rubrik sind B( c Ii s SW SS, Lindeostraxe 3, Parteinachrichten fürGroß-Bertin flet, aii da» B-zirkesekretariai 2. Hof, 2 Treppen recht», zu richte» Die Sammelliste Nr. 272.? zur Neichstag-iwahl ist in der 141. Llbteilung verloren tnordem— Bei einem eventuellen Versuch, darauf zu sammeln, ist diese Lifte anzuhalten und an das Büro einzusenden. I. A.: Alex Pagets. * 7. Nrei« kborlottenbura. Die Abteilunasleiterinnen»erden aedeten, am Dienstaa. 2K. August, im Schiller-Restauiant, Biomarckftr. 110, eine stunde iriider zu erscheinen. 9. Ztrei» Wilm«r»d»rs. Zu der am Mittmoch. 17. August. 20 Udr, im Viktoria» garten, WiNiclmsaue III— IIS, stattfindenden öffentlichen Wät,lertund» gebung wollen die Vortcigenosfen schon um ÜHr Uhr anwesend sein. Banner und Fahnen sind mitzubringen. 10. Arei, Zehlendors. Arbeiterwohlsahrt. Am Donnerstag. IS. August, und 4. September, halt der40-. Abt. Witten«». Die Bezirksführer werden gebeten, die Listen der Kahl. Helfer spätesten» im Lause dieser Woche zusammenzustellen. Nächste Funk. tionärstgung Mittwoch. 3. September, an bekannter Stelle. Mitgliederversammlungen und Zahlabende morgen. Mittwoch. 27. August in nachsiehenden Lokalen. Thema in allen Versammlungen: „DieReldislagswaM am 14. September" 3. Abt. 29 Uhr Im Verhanhohout-Nestauranr. Nungestr. 9. Versammlung der Bezirke Vockhofer, Gcrwien, Neumann, Rothenburger. Schulz und Wilhelm. Die Bezirke Perl» und Mever tagen bei Ende, Luiscnufcr 22. Snmpaihi» sterend« sind eingeladen. 4. Abt. imh Uhr Zah labend bei Brandis. Stralauer Str. 10, 7. Abt. 19M Uhr Eztrazahlabende bei Döll, Bergstr. 70: Leger. Bonenftr. 19: Arend, Sebröderstr. 2: klatt. Dtrrligrr Dir. 48; Bärwalde. Schlegelstr. 8; Beiran, Bflnqstr. 1; Grimm, Zkesselstr. 1». Tagesordnung:.Die Reichstag«. wahU. Sqmpathlsterrnde nnd.Vorwärts'-Leser sind besonder» eingeladen. 8. Abt. 195- Uhr im Nationalhof. Bülowstr. 37. Rcserentin Klara Böhm. Schuch. 9. Abt. I9th Uhr Zahlabend nnd Diskutierabend bei Sufenbach. Berleberger Straße 64. Dortrag:„Presse und öffentliche Meinung". Referent Genosse Radloff. 1«. Abt. 20 Uhr in den Moabiter Merhallcn, Kirchstr. 13. Referent Dr. Richard Mischler. II. Abt. IS>a Uhr bei Berger, Leoeßowstr. 21. Ecke Iagowstraße, Vortrag: .Di« Auswirkungen der Nowerordnungcn auf die Sozialeinrichtungen". Referent Mar Gillmeister.» Oefffentliche WählerlflindgebuR�en Heute, Dienstag, den 26. August: Charlottenburg. Uhr im Schillersaal des Schillertheaters. Bismarckstraße 110. Redner: Stadtrot Dr. Kurt Löwenstein. Jchöneberg. 201- Uhr in der chvhenzollern'Schule, Belziger Ecke Eisenacher«traße. Rednerin: Clara Bohm-Schuch.— Treffpunkt zur Demonstration mit Musik: 10 Uhr Wartburgplaß. Norgen(Mittwoch,den 27. August: 1. und 5. Abt. 10>� Uhr im großen Saal des Hackeschen Hof, Roscntholer Str. 40/41. Redner:>stadtrot Wilhelm Reimann. 31. Abteilung Charlottenburg: 20 Uhr in der Schulaulo, Rehringstr. 10. Redner: Hermann Harnisch, M. d. L.— 20 Uhr Lokal Guski, Spondauer Bock. Redner Lorenz Breunig. Hohenschönhausen. 20 Uhr in der Schulaulo, Röderstr. Rednerin: Stadtverordnete Dr. Käte Frankenthal. Spandau. 20 Uhr Marktholle, Pichelsdorfer Straße. Redner: Dr. Kurt Löwenstein. Zvilmersdorf. 20 Uhr im Diktoriagarten, Wilhelmsaue 114/115. Redner: Ernst Heilmann. Friedrichshagen. 20 Uhr im großen Saal des Gesellschafts- Hauses, Fnsdrichstr. 137. Redner: Kurt Heinig. Männer undFrauen, ersdieint inMassen! 14. Abt. 19H Uhr im Swincmstnder Gesellschaftsbau«, Swinem linder Str. 42. Reserrnt Theodor ttoßur. l5. Abt. I9H Uhr bei Gdnarb Müsch(Engelhardt-Au, Ichanks, Brunnenstr.>40. Reserent Stadtrat Walter Frfcdländer. Gäste können durch Partcimit. § linder eingefühlt werden. Ibt. 19H Uhr in der Schulaula Golenburger Dir. 4. Graue Schule. Refc» rentin Marie Kunert. 20. Abt. l9H Uhr bei Wende. Kolonieftr 147, Mitgliedern ersommlung. 21. Abt. 19H Uhr im Schrader-Hgu». Malplaquetsir. 14—18. Referent Mar t endemann. bt. I»H Uhr in der Hochschulbrouerei. See» Ecke Amrumcr Straße. Referent Felir Fliqg. 24. Abt. WH Uhr im Altersheim, Danziger Str. 82. Referent Gottlieb Reese. 25. Abt. 19H Uhr im Vordersaal des Eaalbou» Fricdrichshain. Referent Viktor Mal, na. Mtgliedsbuch gilt als Ausweis. 20. Abt. ISH Uhr Gruppenverlommlungen. l. Gruppe: Lokal Menerbeer. Ecks lloltnstraße. Referent Genosse Buchwald. 2. Gruppe: Fällt aus. 8. Gruppe: Lokal Hoffmann. Echwedter Str. 28. Bortrag:„Die republikanische Bewegung in Hambing-Altona". Referent Genosse Ried. 27. Abt. WH Uhr Schönhauser Feftsäle. Schönhauser Allee 125. Referent Robert Breuer. 28. Abt. WH Uhr für den Bezirk Iänicke. Hagenauer Etri 5, Zahlghend. 30. Abt. WH Uhr in den Kastno-Festsälen. Pappelallee 15. Referent Sieg. fried Aufhäuser. 32. Abt. WH Uhr in Schmidts GcseUschastshau», Frvchtstr. 38-. Refcrentin Anna Hartoch. 33. Abt. 18 Uhr Handzettelverteilung zur Kundgebung am 29. August bei choffmann. Stralauer Allee 17. 34. Abt. WH llhr in der Schulaula Litauer Str. 18. Referent Dr. Ernst Folck. 30. Abt. WH Uhr Zahlabende. Gruppe 1 bei Busch. Tilstter Str. 27. Re. ferent Genosse Ministerialrat Joachim. Thema:„SozHIistischc nnd bürge'» I:ch« Ziele im Wahlkomps". Gruppe 2.dfi Horn, Zarndvrfer Str. 9, Ecke Untss8tllt?t unseren Kampf! Helft für Aufklärung sorgen! Gebt den„Vorwärts� weiter! Läwcstraße. Grirppe 3 de! Kirsch. Petersburger Str. 81. Gruppe 4 bek ZSittfchi.ß. Petersburger S'r. 5. Unsere Vorarbeiten zur Wahl und Vor. trag. Zahlreicher Besuch wird erwartet. 37. Abr. lg'.., Uhr in der Paßcnhofer Brauerei, Landsberger Aüee 24—27. Mitgliedsbuch gm Soalcingang vorzuzeigen. Tagesordnung: Bericht vonz Bezirksrarteitag. 45. Abf. Um 19 Uhr Zusammenkunft oller Ordner, um WH Uhr Mitglieder» Versammlung in der Echulgula Förster Ecke Reichenberger Straße. 40. Abt. 19!- Uhr bei Burclliaidl, Gorlißer Str. b?, Reserent Rektor fflusto» Hädicke. 47. Abt l9H Uhr Enal I des Gewerkschaftshoufes, Engelufcr 24—25. Referent Stadtverordneter Hermann Lempert. 57. Abt. Eharlottenburq. 19H Uhr Zahlabende. 1. Gruppe: Arndt, Kant» stroße 51. Referent Genosse Michlcr. Gäste sind dazu eingeladen. 2. Gruppe: Thunack. Wiclandstr. 4. Refcrentin Gertrud Ellert. Thcmar ..Wählcrstimmen. auf die es ankommt". 82. Abt. stegliß. 29 Uhr Vorstandsssßung bei Schellhase, Ahornstr. l5n. 83. Abt. LiDcrfelde. 19H Uhr in d'n Lichterfclder ssestsälcn, Zehlcirdorfep Straße 5—8. Referent Rektor Walter Fischer. 80. Abt. Neukölln. WH Uhr Mitgliederversammtungen in folgenden Lokalen: 1. bis 5. Bezirk: Gromnieck, Sanderstr. 10. Referent Friß Waldheim. 8.. 8., 9., 19. Bezirk: Schulze. Reuterstr. 47. Referent Adolph Hofs» mann. M. d. L. 11.. 12.. 17. 18. Rezirk: Knhlisch. Hobrcchtstr. 02. Referent Arno Scholz. 13., 14., 15. Bezirk: Brandt, Pflügcr. Ecke ZIanscp. straße. Referent Sans Bauer. 108. Abt. Köpenick. All« Genossinnen und Genossen werden gebeten, sich an der mfentlichen Kundgebung in Friedrichshagen, Fricdrichstr. 187, um 29 Uhr, zu beteiligen. 129. Abt. Fricdrichsselbe. 29 Uhr bei Schwarz. Eapriviallee 194, Funktionär» stßung. 122s. Abt.»ieodors.Süd. 29 Uhr hei Lindner(früher Burkhardt), Kbpenicker Straße, Zahlabend. 125. Abt. Waißcnsee. 29 Uhr hei Gallas, Lchdcrstr. 122, AhteslungsvorstanSs» stßung. 137. Alst. Reinickendorf-West. 29 Uhr bei Leese, Berliner Str. 73. Referent Dr. Otto Friedländcr. 140. Abt. Borfigwalde WH Uhr hei Woitschach, Ernststr. 1. Referent Emil Barth. Spmrathistcrende und„Vorwärts"-Leser sind besonders eingeladen. Arauenveransialtungen. t. Kreis Mite. Heute. Dienstag, 28. August, 19H Uhr. bei Spiegel. Ackev» straße 1. wichtige Funitionärtnnenfißung. 58. Abt. Eharlottenturg. Mittwoch. 27. August, 29 Uhr. im Rankehau». Rankcstr. 4. vorn 4 Tr.„Die Bedeutung der Rcichstagswahlen für di« Frauen." Referenlin Ellen Vcidler.' 85. Abt. Tempethof. Die Handzettel kür di« Wählerinnenkimdgehung am N August sind heute, Dienstag. 26. August, von Görliß. Mariendorf, Ebaussekstr. 19. ad 18 Uhr abzuholen. 130. Abt. Reinickendvrs.vft. Heute, Dienstag, 26. August, von 14 Uhr an Kaffeeidchen in der Muhle, Rosentdal. Hauptstraße, am Wasserturm. Jungsozialisten. Gruppe Tempelhal-N-rlendorf: Heute um 29 Uhr im Jugendheim Lpzeuw Tempiihos. Sernlgniostr. 4—6(Eingang von der Gößstraßch. Vortrag:„Das Wahlgeseß". Arbeitsgemeinschaft der Sindersreunde Gros»,-Berti«. Hohenschönhausen: Heute, Dienstag. 28. August, von 18—29 Uhr. tumra' in her Roedcrnstraße. Krci» Reutölln: Wir stngen am Mittwoch im Zeick-eniaal der Karl.Marr» Schule. Restfalken von 17—18 Uhr. Jung, und Rote Falken von 18—19 Uhr. Erscheinen aller Jung, udd Roten Falken ist Pflicht, da für das Waldfest in der Königshcide geübt wird.— Gruppe Lichtkämpser: Die Rote.Falken. Gruppe tagt jeßt in der Baracke Ganghoscrstraße um 17 Uhr. Alle Roten Falken müssen erscheinen. Nest, und Iungfalkcn sind im Heim Bergstraße von 17-19 Uhr. Geburtslage, Jubiläen usw. 7. Abt. Unserem lieben Genossen Rektor S r u h a, Ackerstr. 28, zum Se> burtstaqe die herzlichste» Glückwünsche. 8. Abt. Unserer Genosfi» Sisenblätter zu ihrem 05. Geburtstag« am 25. August noch nachträglich herzlichste Glückwünsche. 85. Abt. Tcmpelhos. Unserem liebe» Genossen Klein, Friedrich. Wilhelm» Straß« 08. zum 75. Ecbnrtstagc herzlichste Glückwünsche. »5. Abt. Neukölln. Bezirk 84: Unserem lieben Genossen Wilhelm E o l d i ß und seiner lieben Frau, Iögersrr. 59, di« herzlichsten Glückwünsche zu ihrer Silberhochzeit..... ww m 9L/\y\�Jr iß&Wl � PROTOS-LÄUTSPRECHER yrird die ZenfrUf erUWb: sn, V\\®r kx�0 ��b ot0�e0, pcvet& **** eC�OOSA A �o-�: vov»�„oW � � v �e �\e � �-v VzZsS&r* SIEMENS&HALS tuf 079 JerfC ***■ 3. JKoÜx feiflebsstofk u�"'OU& v Db„ Oft IM.«St. STtebcrfäffBenwiMv Vafcitv!(ÜHwIfiSr TB 1 1 ü t f o aatk Sulfeitleitt»nt Sikieldochzint iti« Vrjlti�ftnn ftjiufimönf*«. 140. Abt. Wittkiutu. Unferct uc�ctjUctf Sctuflm Ocitrak K» ß jo il)«m ftcutigpa ftebnxlstegc die herzlichsten®[u. Platz: Ii, 17, 11:10. Ferner liefen: Gaffenbub, Datlei, Taujendlünstler, Hiiberta. Prisma. 2. R e n n e n. 1. Silberpappel< Deutschmann): 2. Lad» Duffh. 3. Bronze. Toto: 565:10. Platz: 49,19, 27:10. Ferner liefen: Iustiges Mädchen, Fennn Lind, Edelsteins Sohn, Hexenmeister, Modena, Idyll. Teuselsbua, Cillh Dillon 3. R e n n c n. 1. FriedrichZd'or(I'autz jr.), 2. Selamlik. 3. Primel. i. Lord Polo. Toto: 4-4:10. Platz: 16, 19, 15, 23:10. Ferner liefen: Pindwr, Eonftanze, tllarnr, Kierhe, Dsfi DZwalda,(SSartti, Wag««, Hallore., Baron Gabler.??lcderländer. 4. R e n n c n. 1. Primula3 16,— Mark. Äusnahmepreis oo. 2X3 26,— Mork. '?usnahmeprrts ca. 31,— Mark. -AttsnaKmrprris tA. 2'?X3� 39,— Mark. -Ausnahmepreis ca. 3X4 43.— Mi'J. Ausnshmrprei's ca. 8X4 83,— Mar?. ÄusnalimevreiK es. 3X4 6.),— Mark. Körner. Berlin, Potsdamer straße 26«. Hausnummer beachten.* Bekleidunqsstücke, Wäsche usw. «Senia aetragcn» Kavoliergarderod« oou Millwuarcn. Aer,teu. Anwälten. Fabelbakt billige Preise. Emviehl« Taillevmäntcl. Paletots. Fracks, Srno. kings, Gehrockauzüge, Losen. Sport». Gehpelze. Selegcnheitskauke in neuer Garderobe. Weitester Weg lohnend. Lothrin geistrotz« sfl, 1. Trepp«. Rosen. thaler Platz.' Linlpiano», Überaus preiswert. Piano, fabrick Link, Brunnenstratze 33._____• Klövierr. 17.5,—, 200,—, 37.5,—, g«. brauchte, grotze Auswahl! auch in neuen. 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Aunabmestellen in folgenden durch Plakate gekennzeich. neten Figarrenläden: Fentrum: Span- bauerbrücke Ib. Rorden: Ackerstratze 83: Weinbergswea 6: Pantstratze 88: Trez. ckowstratze 80. Ecke Donzigerstratze. Osten: Frankfurter Allee 285: Koperni. iusstratze 5: Köpenickersttatze 185: Lands- bergerplotz 2: Andreasstratzc 24 lA». dreosplatzi. Reukölln: Urbanslratze 85 tHerma nnplatz): Kaiser.FriedriS>r.l>56. Deiektiabareau Staschel. Ebaussee» sttatze 77. Fernsprrdier W-dbina 1888. Beobachtungen. Ermittlungen. Aus- tuufte allerorl«.» Erh<>Iiingssu.renI»,sII• Zaudaukepthalt am romantischen Pleisketal. direkt am Waide, herrliche Seen. Dolle. Pension. 5 Mahlzeften. 8,25 bis 8,75 W. Ohne Zlebcnkostcn. Prospekt kostenlos. Fritz Höhne, Grotz- Gondern: Telephon 8, bei Reppen. WSscitsrsisn Scha««we>tz wascht Welke, Köpenick. Parrisiusstratze Z. Telephon 1235. Leid- Wäsche lg. Trocknet im Freien. Ab. holung Mittwoch. Donnerstag. 2.Fimmer,ZSohnuog. auch in Arbeiter. arger o. gegen Aosrand geiuchr. 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Don da an sank er, wie die folgende Uebersicht zeigt, unaufhaltsam: die vorübergehend« kleine Erholung in der ersten JulihAfte dieses Jahres war nur durch ein haltloses Gerücht von einer bevorstehenden Stabilisierung begründet. Werl von 100 Peseten am Berliner Devisenmarkt: Die spanische Währung ist also innerhalb eines Jahres um 26 Proz. verschlechtert worden. Aus den ersten Blick erscheint es auffällig, daß in Spanien tatsächlich keine Inflation vorliegt. Eher ist das Gegen- teil der Fall: Die Goldbestände der Nationalbant allein betrugen rund S5 Proz. des Notenumlaufes. Nach den Statuten der spanischen Nationalbank müssen die umlaufenden Banknoten zu 50 Proz. mit Gold und zu 10 Proz. mit Silber gedeckt sein. Auch die erforderlich« Silberdeckung ist vorhanden. Dieser SOprozentigen Mindestdeckung steht ein« 30. bis 40prozentige in fast allen Ländern mit heute stabiler Währung gegenüber. Notenumlauf und Deckungsverhältnis sind also nicht die £ Ursachen de» Währungssturze«. > Der Wert der spanischen Baluta wird durch politische und wirtschaftliche Gründe so stark gedrückt. Der spanische macht Schulden über Schulden, seitdem die Diktatur ans Ruder gekommen ist. Es ist für den Faschismus charakteristisch, daß er die Steuerzahler schonen und gleichzeitig die „nationale Wirtschast" rücksichtslos entwickeln will. Dementsprechend varsvhr Primo de Rivera. Di« Nachfolger des Diktators wagten noch keine Kursäuderung. Da werden Pläne zum Ausbau einer nationalen Aatomobilindustrie ausgearbeitet, kostspielig« Hafen- und Bahnbauten verwirklicht. Hunderte von Millionen für Kriegsschiffe, Landheer und„friedliche Durch- dringung" der Kolonien ausgegeben. Durch Hochschutz- zLlle hat die spanische Regierung zwar die Handelsbilanz ver- bestert, wob« die Geldentwertung zu Hilfe kam, aber die Konkurrenz- fähigkeit der Industrie geht unter dem protektionistischen System ständig zurück. Die Ausschaltung des internationalen Wettbewerbs wurde durch weitere Maßnahmen oerschärst: durch die von der Re- gierung zwangsweise vorgenommene Syndizierung des Kohlenbergbaus, das weitgehende Verbot von Neu- gründungen, die Aussetzung von Exportprämien und Subventionen sowie die vieljach zwangsweise durchgesetztet B e- vorzugung von Erzeugnissen der„Inckustria nscionol". Auch die Errichtung des staatlichen Petroleum- und Benzin- Monopols ist hier zu nennen. Alle dies« Maßnahmen kosten natürlich viel Geld und bringen meist volkswirtschaftliche Verluste. Heut« ist der Diktator zwar gefallen, ober noch steht sein System. Di« Machthaber in Spanien denken offenbar noch nicht daran, den verhängnisvollen nationalistischen Proteklionismus auszugeben und mit der spanischen Wirtschaft, auch die Unterschrift der spanischen Regierung zu oerbessern. Vor wenigen Tagen trat der spanische Finanzminffter zurück, weil er unter den herrschenden politischen Verhältnissen kein Ende für den Währungs- versall und für die weiter wachsende Schuldenlast des Staates sah. Rockefeller als Helfer? Von einem Ausweg wird nun allerdings an den Börsen ge- sprachen: Der Rockefeller. Trust(Standard Oil) will angeblich gemeinsam mit dem Royal-Dutch-Shell-Trust der spanischen Regierung ein« groß« Anleihe zur Stabilisierung der Währung geben, um als Gegenleistung ein je nach der Größe der Anleihe mehr oder weniger vollständiges Oel- und Benzinmonopol zu erhalten. Damit ein Teil des von der Diktatur angerichteten Schadens wieder gutgemacht wird, müßte danach der spanisch« Automobil- und Fremdenverkehr eine ganz außerordentliche Belastung in Kauf nehmen. Wenn aber die pro- tektionistische Regierungspolitik sich nicht ändert, wird aber auch durch diese Anleihe die Peseta ebensowenig stabilisiert, wie sie es durch den früheren englischen ZSOMillionen-Goldpeseten-Kredit und die In- iandsanleihe von 350 Millionen Goldpeseten wurde. Daß Diktatur in Verbindung mit nationalistischem Protet- tionismus für die Währung eines jeden Landes eine schwere Gefahr bedeutet, zeigt auch der anhaltende Währungsverfall in Argenkinien und Brasilien. In Argentinien ist das Parlament seit fast einem Jahr der Handlungsfreiheit beraubt und durch ein« Diktatur von Ge- neralen und Gouverneuren unter dem Schutze des Präsidenten Jrigoyen ersetzt.. Wahrscheinlich, um die ausschlaggebende Schicht der Bevölkerung von dem Stutzen dieses Systeme zu überzeugen, hat man zur Hebung des Weizenpreises«igen- artige Manipulationen mit der Währung unter- nommen. Die Folg«: Der argentinische Papierpeso ist von fast 1,80 M. auf 1,50 M. gesunken. In Brasilien liegt der Fall ähnlich; dort nimmt der Kaffee die Stelle des Weizens«in. Der brasilianische Mit reis, der auf der Grundloge«ine» Wertes von 50 Pf. stabilisiert werden sollte und auch tatsächlich länger« Zeit auf diesem Stand gehalten wurde, sank im Zusammenhang mit der Kaffee- Preispolitik auf 40 Pf. Diesen„herrlichen Zeiten" möchten uns in Deutschland die Nationalsozialisten, mit denen Hugenberg und Thyssen sympathisieren, auch entgegenführen! Hn. Das teure Deutschland. In Amerika fünfmal so starke Preissenkung unter dem Krisendruck. In Deichchland herrscht ein« sicher ebenso stark« Wirtschaftskrise wie in USA. Für Deutschland ist die schnelle Erholung aus der .Krise aber noch wichtiger als für die USA., weil Deutschlands Lebenskraft sehr stark vom Export abhängt. Aber die Prcisentwick- lung in Deutschland ist unter dem Gesichtspunkt der Kon- kurrenzkraft Deutschlands auf dem Weltmarkt geradezu oerhäng nitvoll: Die letzten statistischen USW-Zissern zeigen, daß die innere Kaustraft des amerikanischen Dollars vom 25. August 1929 bis zum 24. August 1930(1913~ 100 gesetzt) von 67,9 aus 78,9 oder um 16,39 Proz. gestiegen ist. In der gleichen Zeit ist der deutsch« Lebenshaltungsindex nur um 3,01 Proz zurück- gegangen, die innere Kaufkraft der Mark also nur um 3, Ol Proz. gestiegen. Obwohl die amerikanische Wirtfchofts- krisis später als die deutsche eingesetzt hat, sind die amerikanischen Preise fünfmal so schnell gesunken als die deutschen. Kann ein Zweifel darüber bestehen, daß das für Deutschlands Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt ein unbedingt schlechtes Zeichen ist? Wann werden die Kohlenpreife gesenkt? Der letzt« Wochenbericht der Batikfirma Gebr. Arnhold schreibt über die Kohlenlage im Ruhrgebiet: ..Wesentlich beigetragen hat zu der Verschlimmerung der Lage im Revier, daß mit dem Abruf von Kohle m Erwartung einer bevorstehenden Pr-i-ermaß.gung allzu lang« gewartet wird, so daß sogar V-rstophrng-n u� Pressungen de» Tirana ort«, in Betracht gezogen werden müssen. Danach ist klar, daß die überhöhten Preise und die mit Recht erwartet« Preissenkung die Eindeckung der Industrie mit Kohlen verzögern und die Lage im Ruhrgebiet immer mehr verschlechtern. Im Juli war der arbeitstägliche Gesamtabsatz des Rheinisch-Dest. sälffchcn Kohlciffyndikats wieder im geringer als im Juni und um 25,4 Proz. geringer als im Juli vorigen Jahre». Di« künstlich durch Preishochhaltuag«zeugte Warktdürre verschärft als» die Bergbcmkril«, auf dem Hintergrund der tünstSch verschärften Vergchankvis« soll d.« größer« Rot der S-rgl-üt-«st de» Schritt- »ocher zfl statt Klchlenpreisjentuog meäfta, toben maq vorher noch«ine Lohnsenkung erzwingen will. Und das soll zum Abbau der deutsch«» Wirtschaftskrise beitragen! Stickfioffpreissenkung- in Amerika! Wie die„Agcnce Economique et Financiäre" aus New Jork meldet, hat eine der Hauptproduktionsgruppen der Vereinigten Staaten den Preis für schwefelsaures Ammoniak von 87 auf 32 Dollar je Tonn«, also um so st 14 Proz., gesenkt: dies ist der t i« f st e in den Vereinigten Staaten jemals verzeichnet« Preis. Diese Maßnahme erfolgt, nachdem der Einsuhrzoll in Höh« von 5 Dollar je Tonn« fortgefallen ist: sie richtet sich gegen die Einfuhr europäischer Stickstofferzeugmsse. In den letzten beiden Jahren tonnten 10 bis 12 Prozent der deutschen Stickstossausfuhr in den Vereinigten Staaten abgesetzt werden. Der Konkurrenzkampf scheint sich jedoch, nicht nur wegen der Zolländerung, sondern auch wegen der verringerten Kaufkraft der Farmer und des verstärkten Angebots aus Chile, zu verschärfen. Für den europäischen Kontinent ist infolge des kürzlich abgeschlossenen Syndikatsvertvages(CIA.) auch dieser Preisrückgang ohne Wirkung. Das Kartell verhindert«m« Verbrlligung auch für die deutsche Landwirtschast. Und dagegen geschieht auch nichts! Konzentration soll Preissenkung bringen. Im Generalbericht der soeben veröffentlichten Enquete-Untcr. suchungen der 3. Arbeitsgruppe„Wandlungen der wirtschaftlichen Organisotionssormen" heißt es Seite 67: „Die Konzentrationsbewegung dient, wie der Sachverständige Thyssen zutreffend dargelegt hat. in erster Linie dem Streben nach weitmöglichster Wirtschoftlichkeit. und zwar im Interesse de» privaten Kapitals sowie auch der allge- meinen Volkswirtschaft. Die Bet r i e b»zus a m me n- schlüsse ermöglichen es. wie die Sachverständigen Deutsch und Schoeller ausgeführt haben, durch ein« Rationalisierung der Produktion die Warenpreise im Interesse der Allgemeinheit zu verbilligen." Deutschland hatt« seit 1925 ungeheure Konzentrationsdewe- gungen und Betrisbszusammenschlüsse. Sie sollten es«möglichen. .church eine Rationalisierung der PrÄerttiov die Warenpreis« im Interege d« Allgemeiicheft zu verbillig«»". Wir hatte» auch dieße Ralionalijierung in Deutschland. Sie bracht« enorme Leistyngs» steigerungen, Profite und Ersparnisse. Aber sie brachte nicht die Verbilligung der Warenpreise. Darum haben wir heute auch eine innerdeutsche Wirtschaftskrise. Aber die„Wirtschostssührer" in diesem Deutschland lernen nichts. Sie senken auch jetzt die Preise noch nicht. Neue LlGA.» Eroberungen. Wird Zelten-Guiliaume amerikanisch?— Zur Kapital« erhöhung der amerikanischen Telephon-Internationale. Die International Standard Electric Cor» p o r a t i o n wird, wie gemeldet, ihr Aktienkapiial von 500 000 auf 1 Million Stück nennwerlloser Aktien erhöhen. Diese Erhöhung deutet auf neue Eroberungsabsichten dieser Gesellschaft hin, die bekanntlich eine Dachgesellschaft für schwochstromtechnische Fabrikationsunternrhmungen ist; sie besitzt in Belgien, Spanien, Frankreich, England, Italien und zahlreichen anderen Ländern große Telephonsabriken. In Deutschland gehört zu ihrem Interessenkreis die Standard Elektrizitäts-Gesell» s ch a f t, wozu u. a. M i x u, G« n e st, Ferdinand Schuchhardt. Telephon Berliner und C. Lorenz gehören. Es verlautet, daß sich die amerikairische Gruppe auch für das Felten u. Guilleaume Carlswerk A.-G. interessiert, die größte Kabel- und Drahtgesellschaft des europäischen Kontinents. Von den beteiligten Kreisen werden solche Absichten bestritten. Da Felten u. Guilleaume von der„A r b« d", die„Arbed" wiederum indirekt von dem französischen Eisen-, Rüstungs- und Maschinenbau- konzern Schneider-Creusot kontrolliert wird, so dürften die Hauptoerhandlungen hierüber nicht in Köln, sondern in Paris geführt werden. Kapitalmäßige Beziehungen zwischen Felten und der Standard Elektrizitätsgesellschaft sind bereits vorhanden. Auch sind die früher sehr intimen Beziehungen zwischen Felten und der AEG., die der Standard-Gruppe nahesteht, niemals ganz gelöst worden. Als Grund für die Einflußnahme der Amerikaner bei Felten u. Guilleaume wird die Legung eines Unterseckabels Reu- sundland-Irland genannt, das von Felten erfolgreich vor- bereitet wurde und von der ITT., der Mutter der International Standard, betrieben werden soll und Dutzende von Mil» l i o n c n(mindestens 50) kosten soll. Teilreform der privaiversicherung. Das Reichsaufsichtsamt für Privaiversicherung l>ot aus dem Favagf'kondal einig« Konsequenzen gezogen, die durch Rundverfügung am 8. August allen unter Reichsaussicht stehenden inländischen Versicherungsunternehmungen als zwingende Vorschrift bekanntgegeben worden sind. Danach sind künftig dem Reichsauffichts- amt alle gesamtschuidnerischen Verpflichtungen, Bürgschaften, Wechsel. Garantien und ähnliche Hastungsoerhältnisso anzuzeigen. Ferner sind alle Unternehmungen und Personen zu meiden, die sich im Bc- sitze von 10 Proz. oder mehr des Grundkapitals befinden, weiter alle Unternehmungen, mit denen«in Rückversicherungsoerhältnis besteht oder mit denen durch Mitgliedschaft im Vorstand oder Aus- sichtsrat ein« Verflechtung oder Interessengemeinschaft zustand« ge- kommen ist. Ebenso ist dem Jahresabschluß«ine besondere Nach- weifüng beizufügen über die Aktivwerte, bei denen Aus- oder Ab- fonderungsrechtc geltend gemacht werden können. Ein neuer Enqueieband. Wandlungen in der aktienrechtlichen Gestaltung der Einzel« Unternehmungen und Konzerne. lliecht spät, fast drei Jahre nach dem Abschluß der Unter« suchungen, veröffentlicht die dritte Arbeitsgruppe des ersten Unter- ausschusies der deutschen Enquete einen Gencralbericht, der sich in der Hauptsache zum Aktienrecht äußert. Die meisten der in dem Geiieralbencht ausgestellten Forderungen sind in dem neuen Aktienrechtentwurs des Reichsjustizminifteriiims berücksichtigt. Bemerkenswert ist, daß die Stimmrechtsaktie hier fast noch stärker verteidigt wird als in dem Entwurf des Reichsjustizministeriums. Dasselbe gilt für die Depotaktien, mit denen die Banken ihre Macht, besonders in den großen Gesell- fchosten, so bedeutsam und oft nicht zum Vorteil der Unter- nehmungen und der Gesamtwirtschost verstärken. Merkwürdig berührt die Feststellung des Ausschusses, daß im Beibehalten der Dcpotaklie insofern«in Vorteil besteht, als der jrei« Aktienbesitz, den die Banken vertreten, durch die Depotaktie gegenüber dem konzern- mäßig gebundenen Aktienbesitz sich besser Geltung verschaffen könne. Das Argument ist höchst komisch, denn in der Regel dürften die Banken doch mit den Großaktionären, mit denen sie ihre Kredit- und Finanzgeschäste machen, zusammengehen, also gegen die fr«4»n Aktionäre. In der Skellimgnahme zur Milwirkung der Betriebs- r ä l e im Ansfichlsrat kommt der Bericht zu einer bescheidenen, ober immerhin beachtenswerten Kritik. Rur unker der Bc- dingung sieht der Enqueteausschuß die Voraussehungen für e>ne er. solgreiche Mitarbeit der Betriebsräte im Aussichtscat ersüll«, wenn die Heb ertragung der Befugnisse des Auffichtsrates an Ausschüsse oder sonstige Gremien die Mitarbeit der Setriebsrätemitglieder nicht erschwert. Diese Uebertragung wird als ungesetzlich bezeichnet. Im neuen Aktienrecht müßte diese Feststellung des Enqueieausschusies vn- bedingt berücksichtigt werden. Bemerkenswerterweise lehnt der Enqueteausschuß im Gegen- satz zu dem Gesetzentwurs des Reichsjustizministeriums die P f li ch t- revision der Jahresabschlüsse durch unabhängige Stellen ab. Hinsichtlich der Konzentrationsbewegung und der Dividenden- entwicklung wird festgestellt, daß das Fortschreiten der Konzentration den Grundsatz der stabilen Dividend« zum Sieg« geführt habe, an Stell« des Prinzips der kon- junkturabhängigen, d. h. stark schwankenden Dividende. Die Aktie wird demnach immer mehr ein festverzinsliches Papirs:. Die belgische vrbelterbant(freien Gevertschaftcn und GKn.ifcn- schasten) hat ihren Beteiligungen an Judustrieumernehmungen der verschiedensten Gebiete eine neu« hinzugefügt. Zustimmen mst ein« Metallworensabrik gründet« sie vor kurzem die„Somöca, Soc»«« Mätalurgiqu« du Canal in Gent. Das neu« Unternehmen hat ein Kapital von 15 Mill. Franken und befaßt sich mit der BearbeitUN' von Asche» mta der Herstellung von Blechware». Zmei: Maimägcker �Bilderbogen Der Tag war schon. Heber die Piazza in Venedig schlenderten die Frenchcn und die Müßiggänger. Die Markuskirche und der Dogenpalast wurden be- wundert, die Tauben wurden gefüttert und die Gondeliere auf dem Canal(Brande warteten auf die Käste. Ein« kühne Dam« aus Syaüe kam vom Canal Grande nach der Piazza und erklärte ihrer Freundin: „chaste den gesehen, den jungen, kräftigen Menschen, i>«n Gondeliere? Der tut doch dm ganzen Tag weiter nischt. als auf die Lait« zu warten, die in seiner Gondel fahren wollen. So ein großer kräftiger und gesunder Mensch. Anna, das dürfte mein Mann nicht fein, immer bloß mit der Gondel auf dem Ganal rumgondeln, den würde ich aber arbeiten lernen!" Die Freundin Anna sagte: „Warum denn nicht? Da hättste doch immer freie Fahrt." Was nun die Dame aus 5)alle antwortete, weiß ich nicht, ich saß vor einem kleinen Cafe a» der Piazza, auf die das Licht strömte. Ploftlich fiel Schatten in dos Licht- Eine lange Kette schweigender Kinder, in den Gesichtern Stolz und Hochmut, marschiert« über den Platz. Sie wurdcn von einem Matrosen angeführt, und dann tappten hart, wie auf einem leise geflüsterten Befehl hin, die kleinen Füße auf die marmornen Fliesen. Der Taktschritt der Zehnjährigen. der Zwölfjährigen kam ganz überraschend, und nun besann man sich, dag da war eine Gruppe aus der Ballila, aus der fürfchistifchen Killderorganisation, die eben vorübertappte. In Venedig gibt es viele Plätze und viele Kinder. Plussolini will aus dem Laude eine permonent« Gebäranstalt machen. Nicht olle Kinder gehären zur Ballila, aber um alle Kinder wird«in großer Krieg geführt. Der Faschismus mch der Katholizismus kämpfen um die Kinder, um diese Generatwn der nächsten Jahr- zehnte, die einmal das Schicksal des Landes bestimmen werden. Um die Kinder geht der Kampf, um mehr Kinder, aus denen die Rutenbündel neuer foschiflifchcr Bataillone gebunden werden sollen. Das blanke Beil aber blinkt über jeden, der sich weigert, in Mussolini den neuen Erlöser zu sehen. In den Tagen, als ich in Venedig war, wurde in Pisa ein katholischer Geistliiher verhaftet, weil er osfen gegen die Brutalitäten der Schwarzhenrden predigte. Di« Gesang- nisse des Landes sind mit proletarischen Aufruhrern überfüllt. Uiü» die Lehre von der Harmonie der Klassen wurde in der Lombardei durch große Streiks in den Textilfabriken empfindlich gestört. Die Arbeiter gingen auf die Straße und stimmten die verbotenen und unterdrückten Kampflieder des Sozialismus an. Von Venedig aus fährt man nach Bologna durch die lombar- dische Tiefebene, durch das fruchtbare Gartenland, in dem Mais. Reis und Wein gedeihen. Zwischen den Maulbeerbäumen— in der Lombardei ist auch die Seidenzucht zu Hause— hängen die Weinreben wie Girlanden. Wir kommen an kleinen Dörfern vorbei und berühren einige Städte, die den Wolkenschleier großer Industrien nach dem blauen Himmel schicken. Wir überqueren den Po und viele Kanäle, und dann steigen die kahlen Berge der Apenninen aus. Bor den Bergen liegt Bologna. Von der Scadt sehen wir nichts, aber wenn sich der Zug den Bergen zuwendet, werden hinter uns die Schattenriffe einiger Kirchen und Türme sichtbar. Italien ist Bergland- Von den Alpen hinunter nach dem Süden läuft das nackte, wakdarme Gebirge der Apenninen, van vielen Tälern zerrissen, von einigen Flüssen angenagt, von schwierigen Straßen und Cisenbahnstrecken überquert. Hinter uns liegt Bologna. und wir faliren ein breites Tal aufwärts, verfolgen den Lauf »ine« wasserarmen Flusses und kommen an einigen Dörfern, ein- fafffsu Städtchen und Industrieanlagen vorbei. Die Berge werden immer kahler und zerfetzter. Manchmal brandet kleiner Laubwald um kahle Kuppen. Hier in den Bergen. in den wilden Schluchten entspringen viel« Heilquellen dem vulkani» lchen Boden. Wir fahren durch altes Land. In den toskanifchcn Bergen und in dem Küstenstreifen nach Rom hinunter hoben einmal die Etrusker gelebt, ein Volk mit hoher Kultur. Auch diese Bali» über die Berge ist elektrifiziert. Italien hat keine schwarze Kohle und niuß sich der weißen Kohle bedienen. Die große Woge der Amerikanisierung hat das ganze Land erfaßt, aber der technische Fortschritt ist durchaus kein Verdienst des Faschismus, wie es seine Lobredner wahr haben wollen. Der elektrische Zug also rast die vielen Kurven und Schleifen empor, stürzt trochend über viele Brücken, donnert durch fünfzig Tunnels und hat endlich die Pahhöhe erreicht. Vor uns eröffnet sich ein wundervolles Bild: die toskanische Ebene schimmert in der Tiefe und entschleiert sich bald herrlich. Bon eigener Schwere trunken rollt der Zug abwärts. An den Berghängen schwellen große Weinhügel. Der Zug krachl als eisernes Gewitter über neue Brücken, beruhigt sich endlich und gleitet gutgeölt durch die Eben«. Wir kommen an fruchtboren Feldern vorüber und sehen die ersten windzerzauston, stlberschimmernden Haine voller Oelbäume. Aus dem Batynhch von Pistoja ist der alt« Jammer sichtbar: man sieht den Fahnenüderschwong kleiner und großer Wimpel und das patriotisch verklSrte Rutenbündel mit dem Richtbeil. Ein« un- geheure Well« des Patriotismus flutet über das Land. Es ist wie bei einer Kriegserklärung, wie bei einem Belagerungszustand. Auch unser Zug wird von einem Faschisten begleitet, von einem jungen Burschen, der alle Stunden durch die Wagen geht. In Pistoja sehen wir neben den Schwarzhemden die Stadtpolizfften mit den Dreffpitzen, den Fräcken und den schwarzen Hosen mit den roten Biesen. Die Macht aber hat die faschistisch« Miliz, die Stadt» Polizisten sind nur noch zur Verzierung da. Ein wenig Glanz ist noch um Florenz, als wir ankommen, ein wenig Licht, ein Schimmer von der untergehenden Sonne. Und mit dem letzten Licht bummeln wir durch die alte Stadt, gehen durch schmale, schmutzige Gaffen, hären den verklingenden Lärm de? Ar- beiistages und den Marjchgesang heimziehender Faschisten. Dann stehen mir vor dem Marmornen Dom und dem hochaus ragenden Ratlhaus der alten Republik. Und In einer Hauptstraße sehen wir Lichtreklame und lesen: Luis Douglas, der Neger, tanzt«n Florenz. Vor dem Krieg war Italien mit deutschen Handwerksburschen überschwemmt. Heute findet man wenig Tippclbrüder da unten. Mussolini läßt an den Grenzen jeden Wanderer doppelt und dreiiach prüfen. Aber nicht nur die Wanderer werden geprüft. Von allen europäischen Grenzen, vielleicht außer der russtscheu. ist die italienische die am besten bewachte. Fast jeder kleine Grenzer will hier Musso- lini spielen und hat den astpreußischen Besehlstnn und Anschnauzer bei den Kontrollen eingeführt. Da» also ist Florenz. Bon den Hauptstraßen sind die»eitler vertrieben, wie sie auch in Venedig vertrieben waren. Aber sie stehen nun in den Nevengoffen und strecken die leeren Hände aus. Wir wandern am nächsten Tag nach der Piazza Michelangelo, dem Hügel jenseits des Arnos, und scheu unter uns die luwelenhaü schön« Sladt mit vielen Türmen liegen. Dann bummeln wir nach der Porta Roma hinüber, an der. wie zu einer Begrüßung, antik« Statuen ausgestellt sind. Am Valazzo Pitti biegen wir in«ine schmal«, unberühmte Gosse ein. An ihren Wänden Neben soschistische Plakate. Und quer über dies« Plakate stsht mit Kohl« geschrieben: Es leb« der Sozmlrsmus! Ja, auch in Florenz marschierte die Ballilq, auch in Florenz gibt es faschistische Gewerkschaften. Um leben zu können, um Atem zu schöpfen, um sich zu sammeln und vorzubereiten sind auch unsere Genossen bei den faschistischen Gewerkschasten organisiert. Ihr Hemd ist schwarz, ihr Herz ist rot, und manchmal malt«ine schwere Arbcüerhatrd über alle faschistischen Plakate die Losung: Es lede der Sozialismus! Auch in Ficfole. dem kleinen Bergnsst über Florenz, fand ich an einer Mauer den stummen Schrei nach Freiheit. Von Florenz geht es weiter nach dem Süden. Endlose Weinberge bauen sich im Tal des Arno und in den Seitentälern auf. Riesige Olivenhaine schimmer silbern. Dann kommen wieder kahle Berg« und aus den Hügeln zusammengebaute Städte, die wie alte Raubncster aussehen. Die Hügel werden größer, wilder, zackiger und endlich fahren wir in die versumpfte Campagna ein und erreichen am Abend Rom. I« Rom blieb ich nur zwei Tage, dann reffte ich nach Neapel, ging den alten Wegen nach, die ich als Tippelbruder vor dem Kriege gelaufen war, besah mir im Nationalmuseum die schönen Trümmer der Antike, war aus dem Vesuv und auch tn Pompeji, und als ich am letzten Tag auf der Höhe stand und Neapel unter mir bewunderte, kam ich mit einem liberalen Bürger ins Gespräch, der mich fragt«, wie mir diese Stadt gefalle. „Es ist wunderbar." sagte ich,.chas Meer, die Palmen, der Vesuv und so weiter. Neapel ist schön!" Der alle Herr war kein Faschist- Er sah mich starr an, dann blickte er vorsichtig um sich, atmete heftig und sagte leff«: „Napoli ist nicht schön, Signor, in Napoli gibt es keine Freiheit. Signor, Napoli ist eine schmutzige Stadt! Keimen Sie Leipzig1?* Leipzig? Natürlich kannte ich Leipzig! Wie durste man im Angesicht von Neapel von Leipzig sprechen! Nun, ich nickte, ja. ich kenne Leipzig, und da erklärte der alle Herr laut und überzeugend: „Ah. Sie kennen Leipzig? Nun, Leipzig ist eine schöne Stadt. Leipzig fft viel schöner als Napoli!" Er drehte sich um, ging fort und ließ mich stelzen. Natürlich war ich sehr erstaunt und verwundert. Leipzig sei schöner als Neapel? Ich lachte leise. Dann ging ich nach der Stadt zurück, aber unterwegs kam ich doch dahinter, warum der olle Herr Neapel den Kranz der Schönheit von der Stirne riß und Leipzig damit schmückte: in Napoli gab es keine Freiheit, und ohne Freiheit kann die schönste Stadt zu einem Zuchthaus werden! £ola Xandau: iöOS tßtomfgell Schon am Mittag ist das Dorf in festlichem Aufruhr. Ein Karuffeff wird auf d«r Wies« aufgebaut, weithin schallen die Hammer- schläge. und plötzlich hat oll« Bewohner ein leichter freudiger Taumel ergriffen, als drehten sie sich schon auf der kreisenden Scheibe. Männer und Frauen lassen ihre Arbeit liegen, die Kinder jagen von den Spiel- Plätzen, alle sammeln sich müßig und neugierig aus dem Festplatz. Da steht das riesige Spielzeug, von Leinewand noch ringsum verhüllt, wie ein kreisrundes mächtiges Zelt. Die Kinder kriechen auf dem Bauch« dicht heran und heben das schwere Tuch, um einen Blick von den zauberhaften Holzfiguren zu erhaschen. „Ich habe mir schon mein Pserd ausgesucht", schreit ein Jung«. „Mein Schimmel mit blauen Zügeln." Die größeren Kinder ober betrachten aufmerksam das lebende Pferd, den breiten Falben, der frei auf der Wiese grast und am Abend das Karussell ziehen wird. Es hat eine goldgelbe unwirkliche Farbe, dieses Pferd, einen märchenhaft langen Schweif und einen so sanften verträumten Blick, daß man sich nicht wundern würde, wenn es das Maul öffnete und zu den Kindern spräche. Das Geheimnisvollst« aber ist der lange Wohnmagen, dieses jahrende Hau» mit seinen zierlichen Fenstern, vor denen sich weiße Gardinen bauchen und dem Schornstein, au« dem ein seiner Rauch- faden in die Luft steigt. Eine klein« Treppe führt von der Erde zur Tür hinaus, und die Kinder, die heimlich hineinspäheu, blicken er. staunt in«in behagliches Zimmer mit dem gedeckten Tisch, bemalten Holzschränken, dem Kochherd und blitzendem Geschirr an den Wänden. Und hinter dem geöffneten Vorhang können sie in den Schlafraum sehen, der schmal wie ein Schlauch mit den beiden an- geschraubten Betten völlig einer Schiffskabine gleich:. „Nun, ihr Göhren, was habt ihr hier zu gucken?" Den Mund zu einem gutmütigen breiten Lachen verziehend, erscheint per Besitzer des Wohnwagen» an der Tür. Mit seiner gedrun, genen Gestalt, seinem verschlossenen und doch psissigen Gesicht hat er das Auslehen eines wetterharten Seemannes, der Kapitän dieses seltsamen Schiffe«, das über die Schollen der Erde wie über di« Wellen eines unendlichen Meeres dahinrollt. Langsam und schwer sollen die Wort- au» seinem Munde, als wir ihn noch seinem Leben fragen. „Ich fahre fest fünfundzwanzig Iahren mit dem Karussell aus dem Land« herum", erzählt er-„Ja früher waren die Zeiten leichter. Damal, gab es keine Konkurrenz, nicht die modischen Sachen, kein Kino, kein Radio." „Slber Karussell bleibt, solange es Kinder gibt", unterbricht ihn seine Frau, eine kleine dunkel gekleidete Gestalt, die näherkommt. während sie eifrig eine Wäscheleine aufwickelt. Schmächtig und un- scheinbar, aber mit den derben Zügen und kräftigen 5zänden einer Bäuerin steht sie hinter ihrem Manne. In ihren grauen Augen liegt nicht etwa die Unstetheit der ewigen Landstraße, sondern ein zäher fast verbissener Lebenstrotz, der sich an die Erde klammert. Und wean vielleicht in dem Mann« die abenteuernde Lust seine» Gewerbes um- geht, die ihn von Dorf zu Dorf treibt, so wird diese Frau dos sah- rende Zimmer zum Heim machen, die Wäsche waschen, die Gardinen plätten, den Tisch decken und in aller Unrast solchen Lebens eine Rast bedeuten. „Dir drei, mein Mann, ich und«>» Gehils«. wir machen alle» allein", sogt sie einfach.„Aufbauen, Orgel drehen, Kaffieren! Arbeit gibt es genug." „Und der Winter?" Der Mann lacht hart auf.„Da sitzen wir in einem Dorf sest. Aber Ruh« haben wir auch dann nicht. Wir muffen die Schäden aus- bessern, da, Karuffell aufarbeiten. Spaß macht es, all« mein« Pferde n«u und schön auszuputzen. Diesmal habe ich ihnen Namen an- gemalt." „Ich nehme das Pferd, das sich beweat, da» Schaukelpferd!" schreit«» vom Karnffell herüber und vier nackt« Kinderbein« strampeln und balgen sich unter dem Zelttuch.—- „Haben Sie nie daran gedacht, da» Pserd durch«inen elektrischen Antrieb zu ersetzen?" fragen wir weiter- ver Mann runzelt böse die Stirn. ,.?lch. Unsinn! Zu teuer! Ist auch gar nicht nötig. Als ich jung y»or. hatte man nicht einmal ein Pferd: da gab es nur Hängekaruffells ohne seften Boden. Di« Kinder schoben gerne für«ine frei« Fahrt mit. und ich selber hob» als Junge beim Karuffell meines Boters stundenlang den Kosten gedreht." Da» steif« ledern« Gesicht wird plätzlich bei diesen Erinnerungen listig und jungenhast. Die Frau klopft ihrem Mann« auf die Schuster.„Tätest e» heute noch gern« Alter!" Dann dreht sie sich kurz um und geht in den Wagen hinein. „Gutes Wetter heut« Abend!" „Danke! Regnen darf«? nicht." Und wirklich, am Zkbend breitet sich ein r«g«nloscr Augusih'.mmol mit zarten stockigen Wolken üb« dem Dorf, und ein kühler Wind weht mit den Gerüchen van Heu die ersten abgeriffenen Töne der Drehorgel hinüber. Hie Wies« persmkt in einem Getümmel von Meaffchen. Erregt taumeln sie in den magischen Lichtkrei, des Karuffell». das in feinem Gilberputz in wilden Funken sprüht und glitzert. Schon wäbrend der Fahrt springen die Kinder oui und stürmen die Pferde, die au» ihren grellroten Nüstern ungeduldig zu schnauben scheinen. Die Schwäne recken die langen Hälse, und in Pen goldenen Wogen mit den Drachenköpfen und weichen Sammelpolstern wiegs" sich di« kleinen Mädchen in stolzer Haltung wie Fürstinnen, Aber auch si« reite» lieber aus den Pferden, und der Schimmel, der bei der treffenden Rundfahrt selber mstschavtelt. der Favorit des Rennen», pird immer erbitterter von ewigen Kinder» umkämpft. So bleiben die Wagen für die Erwachsenen, die sich mit halbaeschloffenen Augen der Bewegung überlassen und still versunken vor sich hin- lächeln. Im Innenraum geht geduldig das falben« Pferd im Kreise und zieht die schwere Last von Jugend, Lust und Gelächter. Hinter ihm an einem grell bemalten Prospekt gelehnt, der«in« paradiesische Landschaft darstellt, bewegt der Mann mit kröstigcm Arm die Dreh- orgel. Er mahlt sie wie eine Mühle, aus der die neuesten Schlager herausspringen, und die Fahrenden beginnen, si« laut mitzusingen. Mitten in diesem unaufhörlichen Kreisen springt die kleine schwarze Frau wie eine Seiltänzerin aus und ab und läuft, überall auf- tauchend, sicher auf dem fahrenden Karuffell umher, um Geldmünzcn einzusammeln. Di« Hände der Fahrenden zittern von leiser Unruhe, aber die Hände der Frau sind sest und sicher. Plötzlich klingest schrill eine Glocke, das Karuffell hält an. Es schmerzt beinahe, dieser Ruck, als stände die Erde selber totenstill. Aber nach einigen Sekunden geht die Fahrt weiter, Wiese und Wolken drehen sich wieder und mit dem taumelnden Schwindel ergreift all- jene Wunschlosigkcit, die für Augenblicke die Schwerkraft der Erde mit ihren dumpfen Mühen erlöst. Bis spät in die Nacht tönt die Drehorgel, schaukelt dos Karuffell. Hinter dem schwarzen Walde erscheint es von fern« wie ein« Stern- schnuppe,«in goldfunkelnde» Rad, an das sich die Menschen in ihrem Glückshunaer anklammern. Qeorg tllifdike: WW Stekordtm Bei dem allgemeinen Rennen nach Ruhm und Reichtum werden in der ganzen West heute die seltsamsten Wege eingeschlagen. In dem Fieber sich auszuzeichnen, achtet man weniger auf das Gebiet. auf dem man die Palm« erringen will, als darauf, daß man über- Haupt nur von sich reden macht. So erfährt man. daß der Budapester Friseur Ladislaus Speesko beim internationalen Wettrasieren mit 43 Sekunden als der W»Ü schnellster Figaro hervorging. Auf einem Spaghetti-Weitessen in (ihikago siegte der Italiener Cotarino Nazarino mit einem Konsum von etwa 300 Meter Spaghetti als der weitaus best« Konkurrent. Der Kampf der neun am Wettstreit beteiligten Akteure verlief vor Hunderten von Neugierigen recht spannend. In San Sebastian vev- zehrt««in junger Mann, infolge«iner unsinnigen Wette, zehn rohe Eier mit Schale. Nachdem er die zehn Eier mit Hilf« eines Liter» Wein hinunteroespült hatte, spürt« er heftig« Magenschmerzen und starb wenige Minuten darauf. Die Post�i der Ford-Stadt Detroit in den Bereinigten Staate» mußte kürzlich einschreiten, um einem Marathontanz, der schon 1(17 Stunden gedauert hatte,«in Ende zu inachen. In der ganzen Zeit hasten die Tänzer nur wenig geschlafen. Ein anderer Rckordsüch- tigcr, Charles Nichola», tanzte 1Ü27 unausgesetzt 266 Stunden lang. Miß Miller ans Rosekand be! New Port erhielt«inen silbernen Becher, weil sie«ine 63 Kilometer lange Streck« Block Bostum tan» zend zurückgelegt lzatt«. Ein andere» amerikanisches Mädchen er- hielt kürzlich einen Preis von 1000 Mark, weil sie 106 Stunden lang Schallplatten angehört hatte. Am Ente diese» Rekordes delirierte sie und mußte in«in Krankenhaus gebracht werden. Eine unsinnige lebensgejährlickz« Belastungsprobe für den Magen stellt der Rekord de» Berliner Schichmacher» Ma� Hin! dar. der 73 Eier in 10>j W>- nuten aß und so den bisher von Jahn Williams, genannt..da» wan. delnde Omelette", gehaltenen Rekord im Eieresjen schlug. Zu den vollkommenen Veriicktheiten gehören die Rededuelle. Im Berliner Lustgarten sprach einer drei Tage lang ohne Pause, bis di« Stimm- bönder»ingerostet waren. In amerikanischen Kirchen finden des öfteren Schnellesekurse statt, wobei es«iner Fron gelang, das Alt« Testament in 69 Stunden vollkommen h«runt«rzurasieln. Menschlich« Energie bringt allerlei Unfaßbare» zu»>eg«. Ein N«g«r hat sich die Ohren so lang ziehen losten, daß sie 13 Zoll er« reichten- Ein englischer Matrose stellt« sich 37 Stunden oben aus den Quermast seines Segelschisse«, bis ihm die Füße anschwollen und er heruntersiel. Tot. jedoch als Weltrekordinhaber. Daß die Eng, länd«r lehr musikalijch sind, wollte ein Mister Wc. Bride in Man- chester dadurch bcwcijen. daß er den Schlager„Heimweh" von Irving tausendmal hintereinander runterspiests. Ein Grieche stellte die Sportlefftung des seligen Lord Bqron dadurch in den Schatten, daß er den Hellespont Harmonika blasend durchschwamm! Ein veränderlicher Fluß. Eine Proplzezeiuig des Asisnsarschsrs Sven Hedin. ncuh der der chinesische Fluß To r i m innerhalb von 2ö Jahren iein altes Bett verlassen werde, hat sich jetzt erfüllt. Während seiner früheren Ernedittonen nach Innerasien stellt, Hedin »est, daß«in« aste chin«si!ch« Karte, die er benutzte, den Laus des Fluffes nicht genau migab. Bei seiner Nachforschung fand«, daß der Fluh vor 1500 Iahren ganz genau den Lauf der alten Karte haste, aber sestbem seine Richtung ändert«. Ein weiteres Studium oeranlaßt« ihn zu sein« vorhersage. Aus seiner neuesten Reis« hat er nun wieder nach dem Fluß geforscht und ihn nicht mehr an der alten Stelle gesunden. Er entdeckte ober, daß die Wasser des Tarim sich ein neue» Bett gesucht hatten, das ungefähr 140 Kilometer weiter nördlich liegt. Dir Deuijchc Neschsboh» befördert jährlich rund Z Milliarden Menschen, also«in« Bevölkerungszahl, die noch etwas größer ist. als die gegenwärtige Bevölkerung der Erde(zirka IL Milliarden). vi« erflen Stablsedw. die w Englqna hergestellt wurden. kosteten 20 M. da» Stuck.