Morgenausgabe Rr. 399 A 201 47.Iahrgang WöcheaMch 8SPf, monaMch».« VL tm voraus zahlbar. Postbezug 4�2 M. einschließlich 6V Pfg. Postzeiwngs» und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Ausland»- abannement 6.— M. pro Monat. Der„Vorwärts' erscheint wochentäg« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilagen„Volt und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner „Frauenstimme". Technik".„Blick in die Bücherwelt",„Iugend-Donvärts" und„Stadtbeilage". AevUner Vo»«sv>att Mittwoch 2?. August 1930 Groß-Äerlin Ii) Vf. Auswärts tS Z)s. Die einspaltige Nonpareillezeile Ll) Pfennig. Reklame'�eile 5.— Reichs- mark.„Kleine Anzeigen' das ettge- druckte Wort 2S Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengejuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmorkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- gefchäft Lindenstraße 5. wochentäglich von S»/, bis 17 Uhr, Jenteawvsan der Sozialdemokratischen tztaetei Deutschlands Nedaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönbusl 2S2— LS? Telepramm-Adr.: Eostaldemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Posllchelkkonio: Berlin S7 5SK.— Bankkonto: Bank der Arbeiter� Anpeslellren und Beamten. Wallstr KS. Dt B u Diie-Gel.. Deposttenkaste Lmdenltr S. Getarnte Gewalten. (Siaatspariei und Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände. Wir haben vor einigen Tagen die Beziehungen zwischen der Deutschen Staatspartei und dem ostelbischen Braunkohlen- syndikat im Wahlkreis Frankfurt(Oder) beleuchtet. Die ver- antwortlichen Stellen der Staatspartei haben über diese Fest- stellungen bisher geschwiegen, auch die„reinen Toren" um M a h r a u n, die jede Abhängigkeit von Interessentenhaufen bekanntlich verdammen, haben nichts gegen das Braunkohlen- geld einzuwenden gehabt. Wir nehmen dies Schweigen als volle Bestätigung. Nun- mehr müssen wir der Staatspartei eine andere Vorhaltung machen. Zu unserer Kenntnis ist ein R u n d f ch r e i b e n des Arbeitgeberverbandes der Rheinisch-West» fälischen Zementwerke E. V. und des Arbeit- geberverbandes der Nordwe st deutschen Kalk- w e r k e E. B., beide in Bochum, gelangt. Dies Rundschreiben ist datiert vom 12. Juni 1930 und lautet: An unser« Mitglieder! Betrifft: Winschuh:„Gestaltung oder Fatalismus?* Die gegenwärtige Wirtschaftsnot, die Versuche, sie zu über- winden, die Maßiiahmei, der Regierung und der Wirtschaft finden naturgemäß ihren Niederschlag in den führenden Tageszeitungen. In der Anlage übersenden wir Ihnen den nebenstehend bezeichneten Sonderabdruck aus der„Deutschen Allgemeinen Zei- tung* von Dr. Josef Wmfchuh. der zur Zeit aufs engstx mit der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeber» verbände zusammenarbeitet, vorher an der„Kölnischen Zeitung* tätig gewesen und früher auch einmal in der Geschäftsführung unseres Verbandes beschäftigt ge- wesen ist. Diesen u. E. ganz vorzüglichen Aufsatz empfehlen wir um so mehr Ihrer Beachtung, als die dort aufgeworfenen Fragen und ihre Beantwortung zur Zeit von allgemeinem höchsten Interesse sind und auch von uns in der ordentlichen Jahreshauptversammlung des Zementarbeitgeberverbandes und der noch nicht festgesetzten ober bald nachfolgenden gleichartigen Versammlung des Kalkarbeitgeber- Verbandes behandelt werden müssen.* An diesem Rundschreiben interessiert uns der Satz, daß Sjerr Dr. Josef W i n s ch u h zur Zeit— also im Juni— aufs engste mit der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeber- verbände zusammengearbeitet hat. Herr Dr. Josef Win- schuh ist einer der Gründer der Staatspartei und ihr Spitzenkandidat im Wahlkreis Köln-Aachen. Wir fragen: Besteht diese Zusammenarbeit zur Zeit noch fort? Wenn ja, findet sie ihren Ausdruck in einer Suboentionie- rung der Staatspartei aus einem Fonds der Arbeitgeber- verbände?-. Herr ArthurMahraun.der außerparlamentarische Führer der Staatspartei, hat sich einst mit Energie gegen „getarnteGewalte n" in der Politik gewandt. Er muß also ein erhebliches Interesse daran haben, daß alle hinter der Staatspartei stehenden Gewalten die Tarnkappe abnehmen. Jetzt ist es Zeit, getarnte Gewalten zu enthüllen! ftMUdie Wählefftuniigebiingen. Heute, Mittwoch, den 27. August: t. und 5. Abt. 19M Uhr im großen Saal des Hackeschen Hof. Rosenthaler Str. Rebner: Stadtrat Wilhelm Rcimann. 61. Abteiluna Ehavlottenburg: 20 Uhr in der Schulaula, Rehrinastr 10. Redner: Hermann Harnisch. M. d. L.— 20 Uhr Lokal Guski. Spandauer Bock. Redner Lorenz Breumg. Hohenschönhausen. 20 Uhr in der Schulaula, Röderstr. Rednerin: Stadtverordnete Dr. Käte Frankenthol. Spandau. 20 Uhr Markthalle, Pichelsdorfer Straße. Redner: Dr. Kurt Löwenstein. Wilmersdorf. 20 Uhr im Viktoriagarten. Wilhelmsaue 114/11S. Redner: Ernst Hcilmann. Friedrichshofen. 20 Uhr im großen Saal des Gesellschafts- Hauses, Friedrichstr. 137. Redner: Kurt Heimg. Morgen, Donnerstag, 28. August: Krenzberg. Abmarsch zum Werbeumzug mit Musik 13 Uhr vom Luisenufcr(Wassertorplatz).- Anschließend Kundgebung unter freiem Himmel. Redner: Stadtverordnetr Paul Robinson. Reukölln. Ig Uhr von der Schillerpromenade aus große Wohl- kundgebung. Vorher treffen sich die Abteilungen vne folgt: 89. und 90. Abteilung sowie SAJ. am Reuterplotz 18'/« Uhr. 32. und 93. Abteilung am Hertzbergplatz 18V« Uhr 86., 97., 98. Abteilung und Britz am Bahnhof Hermannstraße. Ecke Siegfriedstraße 18� Uhr. 91., 94., 95. Abteilung Schiller- promenade, Ecke Steinmetzstrohe 18% Uhr. Das Kabinett sucht eine Wahlparole. Aber es findet nur wertlose Dementis. Unsere Mitteilungen über die neuesten Steucrpläne des Reichsfinanzmini st ers Dietrich werden von der Reichs- regierung als unrichtig bezeichnet. Es wird bestritten, daß eine Zluf- Hebung der Erstattungen der Lohnsteuer und eine entsprechende Erhöhung der Lohnsteuer geplant sei. Auch die Meldung von anderer Seite, daß Mittel aus der Hauszinsfteuer zur Senkung der Ein- kommensieuer verwendet werden sollen, bezeichnet die Regierung als unrichtig. Es sind zu oft von dieser Regierung unrichtige Dementis ver- breitet worden,- als daß- ihr jetziges eine größere Glaubwürdigkeit beanspruchen könnte. Wir bleiben jedenfalls bei unserer Behaup- tung, daß die früher bereits von Herrn Moldenhauer geplante Beseitigung der Lohn st euerer st attungen, die die Bürokraten"des Rsichsfinanzministeriums nie aufgegeben haben, sich auch jetzt unter den Reformpläncn der Regierung befindet. Das ober ist ein« Erhöhung der Lohnsteuer, und zwar gerade für die leistungs- schwächsten Kreise! Auch der zweite Teil des Dementis über die Hauszins- st e u e r ist nur aus Verlegenheit entstanden, steht aber mit den Tat- lachen ebenfalls in Widerspruch. Das Reichskabinett hat gestern Verhandlungen über die Haus- zinssteucr und die Rückwirkung seiner Pläne auf die Länder geführt und bis 8 Uhr abends über Vorschläge des Fina�ministers beraten. Die Verhandlungen sollen heute weiter- geführt werden. Es scheint nicht einfach zu sein,«ine finanzpolitische Wahlparole für das Kabinett Brüning zu finden, ohne den Jnteresientenhaufen, der hinter ihm steht, aus die Zehen zu treten! 2«. und 28. Abt. Prenzlauer Berg. 19J4 Uhr in Hoffmanns Festsälen. Schmctvtcr Str. 23/24. Redner: Erich Kuttner. M. d. L. Baumschulenweg. Tresspunkt zum Werbeumzug 18% Uhr Baumschulenstraße. Ecke Köpenicker Landstraße.— Anschließend Kundgebung im Lyzeum. Baumschulenstraße. an der Kirche. Redner: Georg Wendt. Mariendorf. Treffpunkt zum Werbeumzug 18� Uhr Ullstein- haus.— Anschließend Kundgebung im Lokal„Mali*. Morien- darf, Ehausseestr. 305. Redner: Polizeioberst a. D. Dr. Her- mann Schützinger. Freitag, den 29. August: 5. Kreis Friedrichshain. Treffpunkt 18 Uhr Küstriner Platz. 33. Abt. Friedrichshain. Im Anschluß an die Wahlkund- gebung des Kreises össentliche Wählerkundgebunz in der „Alten Taverne", Alt-Stralau 26. Redner: Bürgermeister Paul Mielitz. 17. Kreis Lichtenberg. 13� Uhr in der Aula der Mittelschule. Marktstr. Redner: Hermann Harnisch, M. d. L. Charlottenburg. 20 Uhr im Wohlsahrtssaal. Königin-Elisabeth- Straße 6. Redner: Fritz Raphtali. Friedrichsfelde. 13� Uhr bei Tempel. Prinzonallee 45. Redner: Dr. Julius Moses. Blankenburg. Um 17!� Uhr treffen sich alle radfahrenden Gc- nossinnen und Genossen zum Wcrbeumzug bei Klug. Dorfstr. 2. Lichtenrade. 20 Uhr im Lokal Böhm. Kantstr. 42(Westgelände). Redner: Otto Meier. M. d. L. f�snnvi' und Frauen, erscheint in Massen! WahlhetzegegenKindersteunde. Einheitsfront aller Mucker. Von Xurt I-övonstsin. � In den letzten Tagen sind wiederholt in der Rechtspresse Schmähartikel gegen die Zeltlager der Kinder- freundebewegung erschienen, die den durchsichtigen Zweck verfolgen, das Bürgertum gegen die Sozialdemokratie gruselig zu machen und auf diese Weise für den 14. September Stim- men zu gewinnen. Wir hatten eigentlich nicht erwartet, daß die Rechtspresse es nach der Blamage des Vorjahres noch einmal wagen würde, ihre Verleumdungen über die Kinder- freundelager auszustreuen, und tatsächlich ist es auch um das am stärksten umstrittene Lager, um die Kinderrepublik Namedy, ruhig geworden. Die Hetzer aus dem kirchlichen Lager haben durch ihre eigenen Zeitungen und Zeit- schriften sich berichtigen lassen müssen. Die Tatsachen sprachen doch eine zu deutliche Sprache. Die organisatorisch muster- gültige technische und geistige Borbereitung, der nachweisbare Erholungseffekt und der lachende Frohsinn, der Ernst der Verantwortung und der Selbstverwaltung, all das hatte auf Freund wie auf Feind einen so starken Eindruck gemacht, daß eigentlich nur noch diejenigen zu schmähen wagten, die niemals eine Kinderrepublik gesehen hatten. Ebenso wie das Rheinlandlager ist auch das L a g e r i n Kärnten am Keutschacher See bislang von Herabsetzung verschont geblieben. Die Kinderrepublik„Lübecker Bucht" hatte zu Beginn einen bedauerlichen Todesfall. Ein Kind aus Danzig, dessen Krankheit in der Heimat trotz ärztlicher Unter- suchung nicht erkannt worden war, starb nach wenigen Tagen an Diphtherie. Mit einer wahren Freude stürzt« sich die bürgerliche sensationslüsterne Presse auf das Lübecker Lager. und wo die Sozialdemokratische Partei geschmäht wird, da darf die Kommunistische Partei natürlich nicht fehlen. Aber auch über diesen tückischen Todesfall siegte die u n n a ch a h m- bare Disziplin der roten und Iung-Falken. Der Fall steht vielleicht einzigartig da. Die Lagerleitung Lübecker Bucht brachte es fertig, das Lager so umzustellen, daß von den mehr als 2000 Kindern nur noch vier leicht erkrankten und nach einer streng durch- geführten Isolierung nach einiger Zeit der gesamte Lager- betrieb in vollem Umfange wieder aufgenommen werden konnte. So war also trotz der Suche nach zugkräftigen Parolen gegen die Sozialdemokratie mit einer Ausbeutung der Dipl)- therie in der Lübecker Bucht nichts zu machen. Die Kinderfreunde haben in diesem Jahre das erstemal versucht, rund 600 Nestfalken, also Kinder im Alter von 6 bis 10 Iahren, in einem Barackenlager, dem Reichswehrlager in Munster, unterzubringen. Auch dieses Barackenlager ist in mustergültiger Ordnung technisch wie pädagogisch durchgeführt. Doch die roten Wimpel und die Falkenfahne hatten es den Reichswehroffizieren und der nationalsozialistischen Bevölkerung angetan. Unter einem lächerlichen Borwande wurden die Arbeiterkinder nach zwei Wochen zum Verlassen des Lagers gezwungen. Der Platz- k o m m a n d a n t hat zwar behauptet, die Kinder- freunde wären die B e d i n g u n g eingegangen, daß sie weder ihre roten Wimpel mitbringen noch sozialistische Lieder singen würden. Demgegenüber muß mit allem Nachdruck festgestellt werden, daß im Gegenteil die Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde es weit von sich gewiesen hat, solche Bedin- gungen einzugehen, und daß unsere Unterhändler die be- ftimmse Erklärung abgegeben haben, daß sie jich niemals auf derartige Bedingungen eingelassen haben. Die Handlungs- weise der Reichswebr gegen die sozialistischen Arbeiterkinder war ein Willkürakt, der dazu beitragen wird, den Arbeiter- eltern die Augen für ihre Pflicht am 14. September zu öffnen. Am tollsten aber sind die Verleumdungen, die zu Wahl- zwecken über die Kinderrepublik Schweiz an: Thuner See ausgestreut werden. Rechtsstehende schwei- zerische Hetzblätter werden ohne Nachprüfung nach- gedruckt. Die Denunziation eines„treudeutschen" Pfar- rers, der sich seit einem Jahrzehnt vergeblich bemüht, Schweizer Bürger zu werden, und der mit dieser Denunziation seine schwarzweißroten Sommergäste vor dem Anblick roter Arbeiterkinder bewahren wollte, wird leichtfertig als wahr unterstellt. Die Kinderfreunde sollen die Gastfreundschaft durch Mißachtung der Gefühle der schweizerischen Bevölkerung mißbraucht haben. Merkwürdig nur, daß Hunderte aus Dllrrenast und Thun an den Veranstaltungen der Kinder- freunde mit Begeisterung teilnahmen. Merkwürdig, daß man uns überall mit freundlichem Gruß und größter Hilfsbere'tschaft begegnete. Doch das beste Urteil wird sicher die Gemeindeverwaltung Thun selbst geben, die den Kinderfreunden den Platz verpachtete und bei dem Aufbau des Lagers behilflich war. Die Stadt Thun hat als Stadtpräsident(Bürgermeister) eine durchaus rechts- stehende Persönlichkeit. Das folgende ist die Stellung- nähme des Gemeinderats Thun: „Nachdem sich verschiedene Aeuherungen in Presie und Publikum mit der Gestaltung eines Ferienlagers deutscher Kinder in Dürrenost und mit dem Verholten von Angehörigen dieses Ferienlagers poic- misch und mit Animosität befaßt haben, erachtet der Gemeinderat einige Feststellungen für geboten, um den in einzelnen Kreisen teils zufolge unwahrer oder aufgebauschter Gerüchte und Erzählungen, teils aus bloßer grundsätzlicher Abneigung entstandenen Mißstimmung entgegenzutreten und dem objektiven Eachoerl)alt gerecht zu werden: l. Es ist festzustellen, daß die Vertragsbestimmungen bis jetzt korrekt und anstandslos eingehalten worden find. Auch über die Geschäftsabwicklung mit den Lieferanten sind keine Anstände bekannt geworden. Es ist klar, daß der Belieferung einer Ferienkolonie von i4lX> bis lststv Kopsen pro Loger eine wirt- fchaftliche Bedeutung zukommt, die ihr auch an anderen Orten gerne zuerkamit worden wäre. 2. Was das vielfach gerüchtweis« über dos Verhalten von Ange- hörigen der Kolonie cherumgebotene anbelangt, so Hot sich jeweilen näherer polizeilicher Untersuchung der gemachten Aussetzungen, so- weit solch« überhaupt konkret präzisiert werden konnten und nicht m ü ß i g e s Gerede waren, herausgestellt, daß es sich um Bago- stellen handelte, wie sie bei jedwedem Schulausflug passieren können und einer weiteren Diskussion und Verquickung mit grundsätzlichen Erwägungen, jedenfalls aber einer Hetze incht wert sind. Bei einem auch von der weiteren Press« erwähnten Vorfall, wonach bei der Kaserne Militär ausgepfiffen worden sei, hat sich uumnehr herausgestellt, daß es sich uin Kinder einer ein- heimischen Ferienkolonie(Hantisberg) handelte, und daß deutsche Ferienkinder nicht zugegen waren. Das Pfeifen dieser Kinder war übrigens gar nicht gegen das Militär gerichtet gewesen. 3. Von der Leitung der seit einer Woche anwesenden zweiten Kolonie von clwa 1409 Kindern ist dein Gemeinderat bei einer gemeinsamen Besprechung der bisher gemachten Erfahrungen die bestimmte Zusicherung abgegeben worden, daß sie alles tun werde. um bei Angehörigen der Kolonie ein Verhalten zu vermeiden, welches als politisch provokatorisch gedeutet werden könnte, und daß sie zur Wahrung eines dauernden, auch für die Zukunft berechneten guten Verhältnisses zu unserer Gemeinde Wert darauf legt, zu keinen berechtigten Aussetzungen nach dieser Richwng hin Anlaß zu geben. 4. Der Gesundheitszustand im Lager war bis jetzt be- friedigend! vom ersten Ferienlager mußte«in Kind krankheitshalber iin Spital zurückbleiben. Zur Zeit sind zwei leicht« Echarlachfälle . vorgekommen. Bon der Lagerleitung, der ein Arzt angehört, wurden ohne weiteres selbst alle nötigen Jsolierungs- und Lluorgntänemah- nahmen gctrossen.* Dieser Beschluß einer bürgerlichen Gemeinde- b e h ö r d e wirft ein Helles Schlaglicht auf den Nationalismus unserer Patentpatrioten von rechts. Trotz der schweren Not der Arbeiter gelingt es der sozialistischen Erziehungsorgam- sation, mehr als 200» Arbeiterkinder in die Kinderrepublik am Thuner See zu bringen. Nahezu IlKW stammen aus den elende st en Wohnvierteln der Groß st ad t. Für diese Kinder ist dieser Aufenthalt körperlich und geistig ein Erlebnis, das ihnen Kraft für da» ganze folgende Jahr ihrer Not gibt. Man braucht noch nicht einmal Sozial- demokrat zu sein, man braucht nur ein wenig Menschenfreund zu sein, um Respekt vor einem Werk zu haben, das mit soviel Opferwillen, Begeisterung, sachkundiger Vorbereitung� und Liebe geschaffen worden ist. Viele Schweizer haben die Sym- pathie. für dieses Werk, offen und ehrlich zum �Ausdruck ge- � bracht. Die deutschen Arbeiterkinderchaben durch ihrerrKmdcr- staat unbewußt aber zu Herzen gehend für die neue deutsche Republik geworben und ein Stück von dem Mißtrauen beseitigt, was rechtsstehend« Iugendbündler säen, wenn sie mit den schwarzweißroten Fahnen des Kriegs- deutfchlands provozierend durch die friedliche Schweiz ziehen. Das freiheitliche und sozialgesinnte Deutschland aber muß am 14. September den Verleumdern der Kinderfreunde eine so nachdrückliche Antwort geben, daß sie für die Zukunft es nicht mehr wagen werden, die sozialistische, aktive und praktische Kulturarbeit mit ihren politischen Verleum- düngen zu besudeln. Hugenberg lobt die Kommunisten. Cr begrüßt sie als Mitkämpfer gegen den 8oung-plan. Der Deutsche Schnelldienst, die Hugenbergsche Zeitungskorrespondenz für die Provinz, lobt die neue Pro- grammeldung der kommunistischen Zentrale in folgenden «ätzen: Das Organ der SPD., der„Vorwärts", bzw. seine Spätausgabe ist vollkommen aus dem Häuschen geraten, weil die KPD. in der „Roten Fahne" eine Programmerklärung'„zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes" veröffeMlicht hat. Man kann es verstehen, daß die Sozialdemokratie sich angerempelt fühlt, denn es werden ihr hier in dem groben Ton, wie er unter roten Brüdern üblich ist, einige bittere Wahrheiten gesagt, die sie nicht aus der Welt zu schaffen vermag. Zum Beispiel diese, daß alle Handlungen der verräterische n, korrupte ir So- zialdcmokrntie Hoch- und Landesverrat an den Lebensinteressen der arbeitenden Massen Deutschlands seien. Das ist nur zu richtig. Aber diese Programmerklärung der deut- sehen Kommunisten ist in der Tat darüber hinaus von s e n s a- tioneller Art, denn in ganz ungewöhnlich scharfer Weise wird in ihr der Kamps gegen deai Bersailler Gewalt- frieden, gegen die territoriale VeftBaltung und Ausplünderung Deutschlands und gegen den Doung-Plan erklärt. Wenn man noch so sehr der Meinung ist, daß der deutsche Bolschewismus heute solche Forderungen erhebt, weil er den Zug der Zeit erkennt und sich gezwungen sieht, gegen den Ansturm der Nationalsozialisten sich zu wehren, so ist doch nicht zu verkennen, daß das An- schlagen solcher nationalen Töne ein Beweis dafür ist, daß es allmählich auch in dem verhetztesten Teil der deutschen Arbeiterschaft dämmert, und haß die Zeit derjenige» vorüber ist, die glaubten, mit dem ursprünglichsten Gefühl jede» Menschen, mit dem nationalen Volksgessthl Schindluder treiben zu dürfen. Es ist schade, daß der famose„Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren" nicht mehr besteht. Heinz Neu- mann und Teddy Thä�mann kannten sonst die Tafel- runde Hugenberg, Hitler,«eldte. Schiele wirkungsvoll er- ganzen! !lnd Hitler beschuldigt sie des Plagiats! Der„Völkische Beobachter" des Herrn Hitler schreibt unter der Ucberschrift„Kommunistische Geistesdieb e": „Der Wahlkampf scheint den Kommunisten nicht den gewünschten Erfolg zu verheißen. Man kann daher in den letzten Tagen die Beobachtung nwthen, daß die KPD. plann, äßig national- sozialistische Parolen stiehlt und für sich oerwendet. Auf Befehl Moskaus wird beispielsweise seit mehreren Tagen ein n c u e s Programm veröffentlicht, das die schöne Ucberschrift trägt:„Zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes". Man merkt hier deutlich die Absicht, dem nationalsozialistischen Zuge der Zeit durch«in Plagiat entgegenzukommen. Ob außerhalb ihrer eigentlichen Anhängerschaft die Kommunisten mit derlei geistigen Diebstählen Anklang finden werden, ist wohl zu bezweifeln." Heinz Neumann als Affe Adolf Hitlers— eine vernichtendere Kritik an der KPD. ist nicht gut denkbar! pitsudski stellt sich vor... Ikeue Krastausdrücke.— Cr Witt die Verfassung ändern? Allgemeine Sammlungskeilerei. Sie haben sich gründlich auseinandergesammelt. Am Dienstag befaßte sich der Vorstand der Wirtschtstspartei in Berlin mit den, gemeinsamen Wahlaufruf, der vor wenigen Tagen von der Deutschen Volkspartei, der Konservativen Aolkspartei und maßgebenden Vertretern der Wirtjchaftspartei vereinbart worden war. Als der Ausruf erschienen war, ergriffen die für die Vereinbarung verantwortlichen Perjonen der Wirtschasts- partei vor ihren Freunden von gestern die Flucht und erklärten sich für desintcressicrt. Diesem Spiel hat sich der Vorstand der Wirts chaftspartei am Dienstag angeschlossen. Er faßte eine Entschließung, in der es u. a. heißt: „Der Reichsausschuß der Wirtschastspartei nimnit die Berichte des Parteioorstandes über die Verhandlungen mit anderen bürgcr- lichen Parteien zur Kenntnis und spricht einmütig seine Besriedi- gung darüber aus, daß die Wirtschastspartei den Wahlkampf t selbständig und unter voller Ausrechterhaltung ihrer pro- grammatischen Forderungen durchkämpfen wird." „Die Komödie um dem gemeinsamen Wahl- ousruf der bürgerlichen Mitte ist damit zu Ende. Sie fand ihren Abschluß mit einer schmählichen Desavouierung der Herren Scholz und Treviranus und einer in der obigen Entschließung enthaltenen Unwahrheit der Wirtschastspartei, die sich plötzlich gebährdet, als Hobe sie den Wahlkampf von allem Ansang selbständig führen wollen und als hätten maßgebende Vertreter dieser Organisation niemals daran gedacht, den gemeinsamen Anfrus zu unterzeichnen. Staatspartei sagt ab. Die Deutsch« Staatspartei tellt mit: Die Deutsch« Volks, partei hat in einem Schreiben vom 23. August, das von dem Reichsminister a. D.. Dr. Scholz unterzeichnet ist, der Deutschen Staatspartei mitgeteilt, daß sowohl. die KonferoativeBolks- Partei wie die Wirtschastspartei erklärt hätten, es sei ihnen nicht möglich, an dem Wortlaut des bereits verofsentiichten gemeinsamen Aufrufs Acnderungen vorzunehmen. Dr. Scholz schloß sich dieser Erklärung an. Die drei Parteien sind also nicht bereit, den Rainen des Reichspräsidenten, wie dieser es selbst wünscht, aus d,em Wahlkampf« heraus- zulassen. Die Deutsche Stoatspartei hat deshalb in ihrem Haupt- aktionsailsschuß beschlossen, folgendes Schreiben an die Deutsche Vvlkspartei zu richten:„In Beantwortung Ihres Schreibens vom 23. August teile ich Ihnen ergehenst mit, daß die Deutsche Staats- partei von ihrem Standpunkt, daß der Reichspräsident nicht in den Wahlkomps gezogen werde» darf, unter keinen Umständen abgehen kann." w a r s ch a u. Zö. August.(WTB.) Das morgen im Regierungsblatt„Gazela polfka" erscheinende Z n ierv ie w mit Marschall pilsndskl enlhäll dem Vernehmen nach überaus scharf« Angriffe gegen die Oppo- silion und ihre Führer. Der Marschall hält es auch diesmal für er- forderliä), das Verhallen der Opposition durch Ausdrücke, die Im Lagerleben gebrauchlich find, zu charaklerisieren. pilsudski spricht von der Ztslwcndigkeit, die Verfassung zu ändern, für die er einen neuen verächklichcn Ausdruck erfunden hol: er schweigt sich jedoch über seine konkreten Pläne gegenüber Sejm und Versastung aus. Nach den vorsichtigen Andeutungen des WTB. ist anzu- nehmen, daß Pilsudski wieder einmal in Fäkalien ge- schwelgt hat. Wichtiger ist die Frage, ob er als neuer Mnisterprasident einen z w e i't e"n« fa a t s str eich plant, durch den er die polnische Verfassung eigenmächtig„ändern" wird. Aus seinen eigenen Ankündigungen muß man diese bedenkliche Schlußfolgerung ziehen. Protest in Genf gegen Deutschland? Der Krakauer„Illustrierte Kurier" bringt eine offenbar inspirierte Mitteilung über Programm und Ab- sichten der neuen Regierung Pilsudski. Danach sei ein e n t- schiedener Kurs gegen den Sejm geplant, der auf- gelöst werden dürfte. Dann würden Neuwahlen ausgeschrieben werden. Das Ministerium Pilsudski, so heißt es meitcr, werde«ine Regierung der starken Hand sein und sich mit Nachdruck gegen die Aktion der Oppositionsparteien wenden. Weiter bedeute aber die Uebernahme der Regierung durch Pilsudski die einzige und ollerbeste Antwort auss die rewisio- nistischem Gelüst« der Reichsr«gerr v. Buttler(Benedien), F. Berg(Kallisten), Freiburger(üldchmi), Freiherr v. d. Goltz(Vorwerk), H. v. Eottbcrg lMoopsn), Chr. Trox(Nappern), Wilhelm Student(Nappern), G. o. Heimendahl(Kramer), Reg.-Rot a. D. Haasenberg, Kratz, Oberleutnant a. D„ Wilhelm Richter(Steegen), Schümann (Reichau)." So reden dieselben Leute, die nicht genug nach der Hilfe des Staates schreien können und die auch nichts dabei finden, die Hilfe des Staates in Anspruch zu nehmen. Besonders bemerkenswert an dem Aufruf ist die Feststellung, daß die Nor des Landvolkes unter der politischen Führung von Hindenburg, Schiele, Westarp Formen angenommen hat, deren wahre Bezeichnung leider nicht zulässig ist. Wehe, wenn so Sozialdemokraten reden würden! Daß es ausgerechnet Großgrundbesitzer sind, die hier für die Nationalsozialisten werben, ist bezeichnend für diese „Arbeiterpartei"! Die Zusammenstöße von Bunzlau. Ein amtlicher Bericht. Zu' den Zusammenstößen in Vimzlau gibt der Regierungspräsident in Liegnitz den folgenden' amtlichen Bericht aus: Am Sonnabend, dem 23. d. M., haben sich Vertreter der Regie- nmg nach Bunzlau begeben zu einer näheren Untersuchung der Zusoinmenstöße mit der Polizei bei der nationalsozialistischen Der- fammlung in Bunzlau. D'.e bereits in den: vorläufigen amtlichen Bericht geschilderten Vorgänge werden nochmals dahingehend bestätigt, daß die P o l i zc i b c a m't e n, nachdem sie c i n c Stunde lang mit großer Geduld Schmährufe, Beleidigungen und Steinwürfe über sich haben ergehen lassen, von der Schußwaffe erst dann Gebrauch gemacht hoben, als sie tätlich angegriffen wurden mch,«ich dem die anderen Mittel, wie Gummiknüppel und die Abwehr mit Wasser, nichts halfen. Di« Beamten haben ohne besonderen Befehl und lediglich aus Notwehr von der Schuß- waffe Gebrauch gemacht, da sie sonst von der angreifmden Menge überrannt und niedergeschlagen worden wären. Die Nachrichten in einem Teil der Press«, daß der Lanktrat Kähne den Befehl, scharf zu schießen, gegeben habe, sind falsch Der Landrät war lediglich deshalb zur Stelle, um aus die Menge beruhigend einzuwirken. Die Menge, die sich vor dem Odem, angesammelt hatte, bestand aus Angehörigen der Kommunistischen Partei und anderen Bunzlouer Einwohnern, jedenfalls einer großen Zahl Neugieriger. Im übrigen sind zwei Tote und nenn Dertetzte, darunter drei Schwerverletzte, zu beklagen. Cin Cxempel statuiert. Hakenkreuzbeamter entlassen. Amtlich wird mitgeteilt: Der Rcgierungsinspektor Hasse in Stade, der trotz des Verbots des Staatsnünistoriums sich fiir die Nationalsozialistisch« Deutsche Arbeiterpartei betätigt hatte, ist vom Disziplinargericht der Regierung in Stade mst Dienstent- lassung bestrast worden. Hasse kandidiert an zweiter Stelle für die NSDAP, im Wahlkreis Hannover-Ost. Beleidigungen engros. Llnd Prozesse engros hinterher. Gegen die beiden nationalsozialistischen Führer Goebbels und St roher finden in den nächsten Tagen nicht weniger als zehn Beleidigungsprozcfse statt, die sämtlich auf Per- anlassung des Berliner Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß von der Staatsanwaltschaft eingeleitet worden sind. Am 29. August kommen vor dem Schossengericht Oranienburg auf einmal vier Beleidigungsprozesse gegen S t r a ß e r zur Verhandlung. Am 1. September folgen dann die sechs Beleidigungsprozesse gegen Goebbels vor dem Schöffengericht Eharlottenburg. vi« Vefchlüsie der Lände rkonferenz sind zu einem Gesetzentwurs »erdichtet morden, der den Ministerien vortiegt. Der Entwurf. ent- halt die völlig unmögliche disferenzierende Löfimg, die die Entipick- lunq zum Einheitsstaat nur blockieren würde, ohne dabei zu finan- .ziellen Ersparnissen zu führen. Zqm Ablebe« vr. Am Zehahoffs. Eingangs der Diensbag- sitzung de? preußischen Staatsmlnisteriums gedacht« Ministerpräsident Dr. Braun in wiumien und herzlichen Worten des verstorbenen früheren preußischen Iustizministers Dr. Am Zehn ho ff. Mocdonald und Henderstm sind von ihrem Urlaub nach London zurückgekehrt. Der Ministerpräsident wird am Mittwoch mst Lloyd Georg« die A r b e it sl o se n f r ag e besprechen. Henderson reist am 3. September zur Bölkerbundstagmg nach Genf. Inflation in Rußland. Llnd dazu Henkerpoesie. Die Wirtschaftskrise vertieft sich im„Sowjetporadies"»an Tag zu Tag. Die forciert« Industrialisierung und Kollektivierung for- dert immer neue Milliarden und führt bei der allgemeinen Verarmung zum Versagen der Steuerschraub« und zur I n- flätion. Das erst« Merkmol einer fortschreitenden Inflation. wie es jeder Anfänger in der Nationalökonomie kennt, ist das Verschwinden der Gold-, Silber- und schließlich sogar der Kupfermünze. Goldmünze gibt es in der Sowjewnion im Geldumlauf prak- tisch überhaupt nicht. Die Silbermünzen verschwinden in der letzten Zeit unaufhaltsam und rasch. Natürlich wird dieser Prozeß der Zerrüttung der Währung durch die Inflation mit einer fieberhasten, wenn auch verheimlichten Spekulation mit der Silberwährung begleitet, an der hauptsächlich die Sowjetbeamten, Angestellten der verstaatllchten Genossenschaften usw. tellnehmen. Die Sowjetregierung, gleich den absolutistischen Regierungen der Vorkriegszeit, erklärte einen offenen und rücksichtslosen Kampf gegen die Währungssp« kulanten, die als„Gegenrevolutionäre",„Schäd- linge" usw. gebrandmarkt und entsprechend behandelt werden. Aber die Inflation und ihre unvermeidlichen Begleiterscheinungen lassen sich nicht wegdekretieren.. Nun greift die Sowjetregicrung zu der erprobten Waffe— zum Henkerbeil! Wie die Telegraphen-Agenturen aus Moskau meldeten, wurden durch das Kollegium der GPU., also ohneGerichtsversahren für die Verheimlichung der Silbermünze vier„Spekulanten", Bogda- naw, Symnonov. Frolow und Maschkow, zurTodesstrafever- urteilt. Alle vier sind erschossen. Am. selben Tag,, an dem die furchtbare Meldung veröffentlicht wurde, erschien in der„Prawda" folgendes Gedicht von dem be- kannten bolschewistischen Hofdichter B e s i m e n s k i unter der viel- sagenden Ueberschrist: DieMahnung. Mein Land steht an der Werkbank. Mein Land hat ein« große Hand. Die Hand hat keine Zeit. Das Land hat keine Zeit. Wenn aber ein Krieg in der Ferne dröhnt, Und wenn im Land« dem Krieg« man hielft— Verläßt das Land die große Werkbank. Ballt sich eisern die große Faust. Die Schläge sind hart und schwer ist der Fall Gestern. in der Zeiwng vier Worte:. � Das Urteil ist v o l l st r e ck t!. Eine Mahnung: die GPU. wacht! Aber... welcher Krieg „dröhnt in. der Ferne?" Welchem„Krieg" haben die vier armen Teufel„geholfen", die die Silbermünzen— wie Tausende und aber Tausende andere Leute, Kommunisten und Parteilose, Arbeiter und Bauern, Beamten und Rotannisten— verheimlicht hatten, um sich auf diese Weise von der von. oben entfesselten In- slation zu wehren? Und nun wagen die deutschen Landsknechte der Moskauer Henker in dem Wahlkampf den deutschen Arbeitern als den„einzigen .Ausweg" aus der.Krise.„das leuchtende Beispiel der S o mj-e funio' witfigenL Wa? ,U..etz. 7-� D umm hest ad« r.P c rrat ah. dex Arbeiterklasse und an dem.Ähzialisstnrs! Verschärfung in Peru. Aufständische gegen Militärdirektorium. Lima. ZK. August.(Eigenbericht.) Das ZNilitärdireklorium hat am Dienstagnachmitlag den B e. lägerungszustand über ganz Peru verhängt. Gleich. zeilig wurden alle seit 1919. dem Regierungsantritt des gestürzten Expräsidenten. verurteilten politischen Gefangenen sofort ans freien Fuß gesetzt. Der Chef de» Militärdirektoriums JJ 0 n c c hat angeordnet. daß der geflüchtete Expräsident Legula sofort vor ein Sonder. gericht gestellt und abgeurteilt wird. Der Kreuzer, aus dem sich der Expräsident nach Panama be- geben hat. wurde aufgesordert, in den tjasen Collao zurück. zukehren und weitere Anordnungen hinsichtlich des Schicksals des Expräsidenten abzuwarten. Veranlaßt durch die in der Rächt vom Montag zum Dienstag erfolgten Straßenkämpse verhängte das Militärdirektorium am Dienstag über Lima den Belagerungszustand. Regirrungslruppen palroullierlen den ganzen Tag über durch die Straßen. Die Situation ist außerordentlich ernst und gespannt. Sie ist am Dienstag insolge Differenzen zwischen dem Militärdirektorium und den ausständischen Truppen im Süden des Landes sichtbar verschärft worden. Der Führer der Aufständischen hat es zunächst abgelehnt, der an ihn ergangenen Aus. sorderung zu entsprechen und in das Militärdirektorium als Kriegs- minister einzutreten. 3n feiner Absage bezeichnet er das Direk- torium als Geschöpf des gesloheoen Expräsidenten. Außerdem hat der Ausstandssührer den Kommandanten des Kreuzers, aus dem sich der Expräsident zurzeit befindet, sunkcntelegraphisch ange- wiesen, nach dem im Besitz der Ausständischen befindlichen Hafen Mollen da zurückzukehren und Lcgnia an die Ausstän- d i s ch e n ouszuliesern. 3m übrigen habe der Kommandant des Schisse» nur den Anweisungen der südlichen Militärregierung zu entsprechen._■ Verhaftungen in Kalkutta. Rehfu soll freigelassen werden. Bombay. 26. August.(Eigenbericht.) In Kalkutta wurden am Dienstag ganze Straßenzüge abgesperrt und die darin liegenden Häuser von der Polizei durchsucht. Es würde nach den Tätern und Mitoerschwörern des Bombenanschlages gegen den Polizeipräsidenten geforscht. 23 Personen sind v e t- haftet- worden, darunter der bekannte Dt- Roy. Mitglied des allindischen Nationalrols und der Gemeindevertretung von Kalkutlo. Motilal Nehru. er nach den Berhaitdlungsn mit Gandhi in das Gefängnis von Allahabad zurückgebracht wurde, ist so schwer erkrankt, daß. mit seiner baldigen Freilassung zu rechnen ist._ Meitere Todesurteile in der Sowjeiunisn. Dos Oberste Gericht in Taschkent verurteilte vier Beamte zum Tode wegen des Versuchs, Kollektivbauern wirtschaften durch administrative Maßnahmen zu sprengen. Die Todesurteile wurden an» Sonntag durch die Woche derGPU. tJoLlstreeft. Bombenleger-prozeß. Oer Herr Verteidiger:„Die Angeklagten wollten mit diesem Spielzeug nur einen kleinen Scherz..." England lädi Deutschland ein. Arbeitszettregelung und Marktabkommen im Bergbau. London, 26. August(Eigenbericht). Das englische Arbeitsministerium hat Deutsch- land eingeladen, Vertreter des Bergbaues zu einer Konferenz nach London zu schicken, um die Frage der Arbeitszeit im Bergbau zu regeln. Tie im September beabsichtigten Besprechungen sollen bei der Frage der U e b e r st u n d c n beginnen. Tic englische Regierung glaubt ferner, daß bei der Zusammenkunft mit den deutschen Vertretern ein internationales Bergbauabkommen vorbereitet werden kann, das nicht nur die Arbcitszcitfrage in den Gruben, sondern auch den Kohlenmarkt selbst durch ein internationales Kohlenkontor regelt. Zu diesem Zweck sollen zunächst die englischen Gruben- befitzer zu einem Kartell zusammengeschlossen werden, das, ähnlich wie bei Eisen, Stahl und Koks, mit den ent- sprechenden ausländischen Syndikaten den Kohlen- verkauf international organisieren soll. * Ob diese Initiative Englands, die wohl von der über- wältigenden Mehrheit des englischen Parlaments gebilligt und unterstützt wird, praktische Auswirkungen haben�wird, hängt oyn dem Ausgang der Reichstagswahlen ab. Siegt der Bürgerblock, dann wird in dieser Frage das Unternehmertum die Haltung des Reichsarbeitsministers be- stimmen— genau wie beim Schiedsspruch von Oeynhausen und im Angestelltenkonflikt in der Berliner Metallindustrie. Die Antwort auf die Einladung der englischen Regierung werden also die d e u t s ch e n W ä.h l e r zu geben haben. Zur Regierungsbilduns bereit. Stellung der bayerischen Sozialdemokratie. München. 26. August.(Eigenbericht.) Die sozialdemokratische Fraktion des Bayerischen Landtags hat am Dienstag beschlossen, den ihr von dem Landtagspräfiüenten erteilten Auftrag zur Neubildung der Regierung 0 n- zunehmen und weiter zu verfolgen. Die Basis, auf der eine Regierungsbildung versucht werden soll, wird dem Landtags- Präsidenten in einem ausführlichen Schreiben der sozialdemokra- tischen Fraktion zur Weitergabe an die übrigen Fraktionen, aus- genommen die Deutschnationalen, Nationalsozialisten und Kom- munisten, mitgeteilt werden. Nicht reaktionär genug! Iustizminister Bredt für Heraufsehung des Wahlalters. Auf einer Tagung des Reichsausschusses der Wirts chafts- parte! äußerte sich Reichsjustizminister Dr. Bredt über die letzten Maßnahmen des Kabinetts und erklärte vor allem im Hinblick auf die vorgesehene sogenannte Wahlresorm, daß er im Reichskabinctt eine Erklävung abgegeben habe, wonach er sich vorbehalten habe, der Ocffenllichkeit gegenüber zu erklären, daß er seine Z u st i in m u n g zu dieser Wahlrefarni nicht geben könne, weil die wichtigste Forderung der Wirtschoftspartci, nämlich die Heraussetzung des Wahlalters auf 24 Jahre, nicht berücksichtigt worden sei._ Maßnahmen gegen Versammlungskrieg Verschärftes Llniformverbot in Sayern. München, 26. August.(Eigenbericht.) Die sich in der letzten Zeit immer mehr häufenden Zusammen- stoße politischer Gegner, die ausschließlich von den National- sozialisten und Kommunisten verursacht wurden, hoben den bayerischen Innenminister veranlaßt, sein schon seit einigen Monaten bestehendes Berbot des Tragens von Uni- formen bei Versammlungen unter freiem Himwel für die Wahlzeit zu verschärfen. Die Polizeibehörden aller großen Städte des Landes sind an- gewiesen worden, mit sofortiger Wickung das Trogen von Partei- uniformen in allen ösfentlichen politischen Versammlungen sowie auf öffentlichen Straßen und Plätzen für die Zeit von 6 Uhr abends lös 6 Uhr morgens zu verbieten. Unter Parteiuniform ist auch das Tragen von Armbinden zy verstehen, die die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei oder ihr-.r Schutzeintich- tuvgen dartun. Gestattet ist lediglich eine Kennzeichnung des prd- nüngsdienstes der Partei, die die betr«ffeiide Versammlung verän- stilltet. Gleichzeitig ist das von der Polizeidirektion Münch«, er- lassene Verbot der Wirtschaftsführung aus Anläß von nationalistischen und kommustistilchen Versammlungen auf ganz Bayern oüsgedehnr worden. Reue Verbote in Hamburg. Hamburg. 26. August. Die Hamburger Polizeibehörde hol an die Nationalsozialistische deutsche Lrbetterportei folgendes Schreiben gerichtet:„Fast alle 'bishevigen Düemsystrationen" der NTDZlP. haben zu' Störungen der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung geführt. Um weitersn Gefährdungen der öffentlichen Ordnung vorzubeugen, werden bis auf weiteres alle Demonstrationen, sowie Umzüge der NSDAP. z. B- auf Lastkraftwagen, in einheitlicher Kleidung und mit einheit- lichen Abzeichen hiermit verboten. Alle geschlossenen An» und Ab» Märsche zu. und von Versammlungen werden hiermit ebenfalls verboten." poiemkinflugblätter. Hochverratsprozeß gegen drei Wilhelmshavener Kommunisten. Leipzig, 26. August. Vor dem 4. Strafsenat des. Reichsgerichts begomr heute ein Hochoerratsprozeß gegen orei Wilhelmshavener Kommunisten, die im Januar dieses Jahres den Versuch gemacht hatten, Hetzschriften unter die Besatzung des Kreuzers.„Emden" zu verteilen. Es sind dies der 39 Jahre alter Arbeiter Hermann Walter, der 39 Jahre alte ledige Arbeiter Georg Arntjcn und der 46 Jahr« alte verheiratete Seeheizer Erich Wende, von denen die beioen letzteren sich seit Januar in Untersuchungshast befinden. Zu der Verhandlung, die drei Tage in Anspruch nehmen dürfte, sind vier- zehn Zeugen geladen, Die Verhandlung, die in voller Oeffentlich- keit geführt wird, ergab folgenden Sachverhalt: Am 9. Januar 1939 sind in unmittelbarer Nähe des damals in Wilhelmshaven liegenden Kreuzers„Emde n" mehrere rate Flugblätter an Laterneupfählc und Voller angeklebt worden, die auf die Vorkommnisse anläßlich der Heimkehr dieses Kreuzers anspielten und unter Hinweis aus die seinerzeitigc Meuterei auf dem russischen Kreuzer„P 0 t e m t i n" im Jahre 1995 die Aufforderung an die Besatzung enthielten, es den russischen Meuterern gleich zu tun. Am Tage darauf wurde in der Nähe des Kreuzers„Emden" zwischen den dort liegenden Kisten, sowie auf den, Flottentendcr„Jagd" und dem Artillerieschulschisf „Fuchs" eine Anzahl von Briefumschlägen mit der Aufschrift„An die Mannschaft des Kreuzers„Emsen" gefunden, die dieselben roten Zettel enthielten. Und schließlich sind am 12. Januar in acht vcr- schiedeneni Wirtschaften Wilhelmshavens und Rüstringens andere Flugblätter gefunden worden, die angebliä) nur von Kameraden der „Emden" stanimten und sich mit der deMnächstigen Ausreise be- schästigten. Diöse Flugblätter schlössen mit dem Aufruf:„Folgt den mutigen Taten der„Potemkin"-Besatzung, die rote Fahne ist das befreiende Symbol aller Unterdrückten, denn unter der roten Fahne gibt es keinen Drill!" Während nun Walter und Arutjen im wesentlichen geständig sind, die ersten roten Flugzettcl von dem kommunistischen Ab- geordneten der Bremer Bürgerschaft. Becker, mst der Weisung er- hglten. zu haben, sie unter besonderen Vorsichtsrdaßregeln am Kreuzer„Einden" anzukleben, wobei sie sich allerdings nichts gedacht hätten, leugnet Wende, der nur für die am 12. Januar begang-n-n Straftaten in Frage kommt, von der Sache etwas zu wissen. Rormann körbcr, Rcgierungorat i» Kassel. Mitglied der„fünf- köpfigen Reichsftihrung des Sozialrepublikanischen Kreises", bittet uns mitzuteilen,, daß er auf seinen weiten politischen Wanderungen, »an. denen neulich im Leitartikel Friedländers über die bürgerliche Jugend die.Rede war, nicht bis zur Sozialdemokratie gekommen ist. Kür öffentliche Wirtschast. Gemeindearbetter für Gemeindebetriebe. kiel, 26. August.(Eigenbericht.) ..ii Kieler Gcwerkschaftshaus wurde am Montag die erste ..eichskonferenz des Gesamtverbandes, Reichsabteilung für Gemeindebetriebe und Verwaltungen, eröffnet. Die Konferenz ist von mehr als 260 Delegierten beschickt. Sehr stark ist die Teilnahme der internationalen Bruderorganisationen. In seiner Erösfnungsansprache wies der Vorsitzende des Gesamt- Verbandes, Schumann, darauf hin, daß mit dieser Tagung den Vertretern der Arbeiter in den Gcmeindcbetrieben und Verwaltungen zum ersten Male Gelegenheit gegeben worden sei, die Konzentration der gewerkschaftlichen Kräfte, wie sie im Gesamtverband erreicht worden ist, zur Auswirkung zu bringen. Schwere Kämpfe zwischen Kapital und Zlrbeit bereiteten sich vor: aber wir hoffen zuversichtlich, daß der W a h l k a m p s mit einem Siege der Arbeiterschaft endet und auch die Arbeitsköntpse erfolgreich durchgeführt werden. Der Präsident des Deutschen Städtetnges, Dr. M u l e r t, hielt einen Vortrag über„Die Wirtschaft der Gemeinde n". Mulert wandte sich mit aller Entschiedenheit gegen die Versuche von privatwirtschaftlicher Seite, die gemeindliche Wirtschaft einzudämmen. Im Gegenteil mache die stark« Konzentration in der Versorgung:-- Wirtschaft, insbesondere der Gas- und Cleltrizitätserzeugung und-ver- teilung, eine öffentlich« Mitwirkung für die Wahrung der gemein- nützigen Ziele heute nötiger als je. Die heutige Wirtschaftsordnung brauche«inen Ausgleich durch die lediglich auf den Dienst an der Gesamtheit gerichtet« Kommunalwirtschaft. Die Gememdewirtschaft unterscheide sich van der Privatwirtschaft dadurch, daß ihr Streben nicht privatkapitalistische Rentabilität, sondern volkswirtschaftlich? Produktivität ist, die allein den Lebensstandard des gesamten Volkes zu verbessern und günstig zu beeinflussen in der Lage. ist. Starre und feste Grenzen für die wirtschaftliche Betätigung der Gemeinden könne es nicht geben. Auch die Gemeindewirtschaft unterliege den Gesetzen der Entwicklung. Die Universalität der Zuständigkeit, die die deutschen Gemeinden seit mehr als 166 Jahren besitzen, dürfe ihnen nicht mehr geraubt werden. Die großen wirtschaftlichen Ein- richtungen der Gemeinden bedürften der Bereitstellung von Kapital, das nur auf dem Anleihewege beschafft werden kann. Jede S ch l e ch t e r st« l l u n g der öffentlichen Wirtschaft gegenüber der Privatwirtschaft müsse von den Gemeinden mit größter Eindringlichkeit bekämpft werden. Das gelte auch für die Forderungen der Privatwirtschast noch stärkerer Besteuerung der gemeindlichen Wirtschast. Di« Konferenz nahm nach dem Referat Mulerts«ine Entschließung an, in der es u. a. h«ißt:„Umfang und Art der Wirt- schaftsbetätigung der Gemeinden sind von jeher aufs stärkste be- einflußt von den besonderen örtlichen und wirtsckzaftlichcn Ver- Hältnissen, den Zeitumständen und der sozialen Schichtung der Bevölkerung. Erhaltung und Aufbau insbesondere der versorgungsunter. nchmungen und der vcrkehrseinrichtungen der Gemeinden sind ganz besonders für die wirtschaftliche Entwicklung der Städte und die Befriedigung der Bedürfnisse ihrer Bevölkerung, die Stärkung ihrer Lebens- und Arbeitskräfte von entscheidender De- deutung. Jedes Eingreifen des Gesetzgebers, jede Schl«chterstellung der öffentlichen Wirtschaft gegenüber der Privatwirtschaft ist deshalb mit Entschiedenheit abzulehnen. Verfehlt sind deshalb auch alle Maßnahmen, die die Finanz- und Kreditpolitik der Gemeinden für ihre Versorgungsunternehnmngcn in der dringendst erforderlichen Be- wegungsfreihcit im inländischen und ausländischen Kapitalmarkt ein- engen. Deshalb ist die Aufhebung, mindestens aber die Einschränkung der Befugnisse der Beratungsstelle für Auslandskredite dringendstes Gebot der Stunde.* U«ber„D i e Organisation der G« m e i n d e a r b« i t e r, ?l n g e st e l l t e n und Beamten" referierte der Leiter der Reichsabteilung, Ka r l P o I« n s k e, der u. a. folgendes ausführte: „Am 1. Januar 1936 waren im Organisationsgebiet 383 826 Beschäftigte vorhanden. In der Reichsabteilung des Gesamtverbandes waren davon organisiert 2 3 8 1 2-t= 62 P r o z. der Beschäftigten. 9,9 Proz. der Beschäftigten gehören anderen Gewerkschaften an, unorganisiert sind 28,1 Proz. Die Gesamtzahl der Beamten und Angestellten in der Reichs- abteilung beträgt 23 349. Nur mit chilfc der freigewcrkschafilichen Arbeiterschaft werden die Beamten ihre Position gegenüber ihren Gegnern behaupten. 413 Verträge regeln die Arbeitsverhältnisse für 326 133 Beschäftigte. Erfaßt werden von ihnen 7 5,5 P r o z. aller Beschäftigten. Dazu kommen noch 13 Tarifverträge, die die Reichsfachgruppe der Feuerwehrmänner init be- schloffen hat. Insgesamt unterstchen 227 479 Verbandsmitglieder 479 Tarisverträgcn. Im Jahre 1929 hatte die Organisation 464 Tarifbcwegungon durchzuführen. Alle Bewegung«» wurden mit einem teilweisen Erfolg beendet. Die bisherige Leitung der Reichxabtcilung wurde von der Kon- fcrenz einstimmig d e st ä t i g t. Mit dem Absingen der Jnter- nationale und einem dreifachen Hoch auf den Verband wurde die Konferenz geschlossen. Oanzigs Arbeiter minderen Rechts. Aus der Internationalen Arbeitsorganisation ausgeschloffen. Haag, 26. August. Der Ständige Internationale Gerichtshof hat heute in einer öffentlichen Tihung mit 6 gegen 4 Stimmen beschlossen, daß das juristische Statut der Freien Stadt Tanzig es dieser nicht gestatte, Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisation zu werden. * Schon das Stimmenverhältnis— sechs gegen vier— zeigt, wie unsicher die Rechtsgrundlage ist, ans der dieses Urteil beruht. Um so unbegreiflicher muß die Entscheidung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes erscheinen. Polen hatte gegen die Zulassung der„freien" Stadt Danzig zur Internationalen Arbeitsorganisation Ein- spruch erhoben. Warum? Unterstehen etwa die Arbeiter und Angestellten Danzigs der polnischen Sozialgesetzgebung? Sind Beschlüsse des polnischen Sejm für Danzig in sozial- politischer Beziehung maßgebend? Keineswegs! Die Sozial- qefetzgebung Danzigs ist völlig unabhängig von der Polens. Freilich hat Polen die diplomatische Vertretung Dan- zigs. Aber was hat die diplomatische Vertretung zu tun mit der Sozialgesetzgebung Danzigs und den Beschlüssen der Jnter- nationalen Arbeitsorganisation? Es handelt sich für Polen wieder einmal um eine Prestigefrage. Und bei solchelr Fragen sind Ver- n u n f t und Recht von vornherein ausgeschlossen. Es ist tief bedauerlich, daß der Haager Gerichtshof sich in seiner wenn auch nur bescheidenen Mehrheit Polens Einspruch angeschlossen und entgegen den überzeugenden Darlegun- gen des Direktors des Internationalen Arbeitsamts die Ar- beiterschaft Danzigs von der Internationalen Arbeitsorgani- jation ausgeschlossen hat. 20000 NerlinerHolzarbeiier arbeitslos Die Organisation ihre feste Stühe. Die ungeheure Arbeitslosigkeit lastet wie ein schwerer Alpdruck auch auf den Holzarbeiter-Verband. Das Fazit der Berliner Ortsverwaltung des Berliner Holzarbeiterverbandes für das Zweite Quartal dieses Jahres ist, wie der Bevollmächtizte Genosse F r e i g a n g in der Generalversammlung am Moniag ausführte, kein gutes. Die Zahl der arbeitslosen Holzarbeiter hat sich im Laufe des zweiten Quartals von 13 816 auf 17 537 erhöht. Diese Bewegung scheint ab«r auch im dritten Quartal noch nicht zum Stilland zu kommen. Am 13. August waren auf den Berliner Arbeitsnachweisen bereits 19 931 erwerbslose Holzarbeiter eingeschrieben. Ende Juli waren in Berlin 42.66 Proz. der Verbandsmitzlieder erwerbslos. Eine so große Arbeitslosizkeit hat es in der Berliner Holz- Industrie noch zu keiner Zeit, weder in der Vorkriegs- noch in der Nachkriegszeit, gegeben. Aber auch innerhalb des ADGB. steht der Deutsche Holzarbeiteroerband hinsichtlich der Arbeits- losigkeit an erster Stelle. In dieser Zeit der schlechtesten Kon- junktur ist es der Organisation dennoch gelungen, Lohn- und Mantel- karifbewegungen erfolgreich zu führen. So war es z. B. möglich, den seit dem 1. September 1929 bestehenden tarisloscn Zustand in der Branche der Bergolder und Rahmen macher zu beseitigen, die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 48 auf 46'/ä Stunden durchzusetzen, sowie«ine sozialere Ferienregelung zu treffen. In der Vergolderbranche erhält nunmehr jeder Arbeiter, auch die Lehrling« und Jugendlichen, einen gleichmäßigen Urlaub von fünf Tagen im Jahre. In der Berichtzeit wurde auch der 52tägige Streik der B o d e n l e g er beendet, der zwar mit keinem direkten materiellen Erfolg abgeschlossen wurde, aber die Wiederinkrostsetzung des Tarifoertrages brachte, der seit dem 1. September 1929 nicht mehr in Geltung war. Dazu kam noch ein ersolgreichcr Betriebsstreik, der sich gegen die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen richtete. Der M i t g l i e d e r st a n d ist trotz der katastrophalen Arbeitsmarkt- läge stabil geblieben. Die Berliner Orisverwaltunz zählte am Schlüsse des zweiten Quartals 27 93S Mitglieder. Der Kassenbericht weist infolge der erhöhten Ausgaben für Unterstützungen gegenüber den Einnahmen eine Mehrausgabe von rund 28 666 M. auf. Genosse F r e i g a n g betonte zum Schlüsse mit Rocht, daß dieser Bericht handgreiflich die Notwendigkeit der Orga- nisation beweise und den ihr noch Fernstehenden endlich zeigen -üßte, daß die Arbeiterschaft zur Erhaltung ihrer Errungenschaften jetzt mehr als je des festen organisatorischen Zusammenschlusses bedürfe. In der Diskussion machte die„Opposition* den zaghaften Versuch, das offene Eintreten der freien Gewerkschaften für die Sozial- demokratie zur Reichstozswahl zu kritisieren, womit sie jedoch be! der General- Versammlung schlecht ankam. 7Nit erdrückender Mehrheit wurde diese Stellungnahme der Gewerkschaften begrüßt. Der Bevollmächtigte Genosse B o c s e wies abschließend noch auf di« Tatsache hin, daß infolg« des Vorgehens der Berliner Holz- industriellen ab 1. September die gesamte Berliner H o l z i n d u st r! e t a r i f l o s sei und daß es jetzt gelte, alle Kräfte zu sammeln für die erfolgreiche Abwehr der bevorstehenden Offsnsioe der Unternehmer. Jeder Lohnabbauversuch müsse sofort der Organisation mitgeteilt werden, die genau so, wie sie es in den letzten Wochen schon mehr- fach getan hat, nicht zögern wird, die mit Lohnabbau bedrohten Belegschaften zum offenen Kamps aufzurufen. Die Unterstützung der Organisation ist den Mitgliedern auch in dieser schweren Zeit gewiß. Finnland brüskiert die Gewerkschaften. Ausreise der Delegierten verhindert. Kopenhagen, 26. August.(Eigenbericht.) Dem Vorsitzenden und dem Hauptkassierer des finnischen Metallarbeiteroerbandes, die sich zum Internationalen Metallarbeiterkongreß nach Kopenhagen begeben wallten, wurde von der sinnischen Regierung die A u s r e i s e v c r w e> g e r t. Finnland wird infolgedessen nicht auf dem Internationalen Merall- arbeiterkongreß vertreten sein. * Dieses Ausreifsverbot setzt allem-die Krone auf. Selbst während des Weltkrieges haben die kriegführenden Regierungen nicht immer gewagt, den Mitgliedern der sozialistischen Parteien die Ausreise zu internationalen Konferenzen zu oerbieten. Hier aber nackstsn Sonntag, dem 31. August: Gewerkschaftsfest im Lunapark! handelt«s sich um Delegierte zu einem Gewerkschaftskongreß, der sich ausschließlich mit wirtschaftlichen Fragen befaßt. Dies« Brüskierung der gesamten Gewerkschaften der Welt hätte Finnland wirklich alle Ursach« sich zu ersparen. Verlogene Kampfmethode. RGO. und Leiser-Beiriebsräte. Als Antwort auf den verlogenen Artikel der RGO. und der Betriebsräte von Leiser in der„Roten Fahne* vom 22. Slugust beschlossen die bei H. Leiser Rachf., Reparaturwerkstatt, beschäftigten Mitglieder der freien Gewerkschaft in einer Versammlung am Montag nachstehende Erklärung im Organ der freien Gewerkschaft und im„Vorwärts* zu veröffentlichen: „Die bei H. Leiser Nachf., Reparaturwerkstatt, beschäftigten Mitglieder der freien Gewerkschaft erklären hiermit, daß sie hinter dein in Nr. 33 des„Schuhmacher" veröffentlichten im „Vorwärts" am 14. August 1936 abgedruckten und im„Vor- wärts" am 26. August 1936 ergänzten Bericht über das Verhalten der Betriebsräte von H. Leiser stehen. Die in diesen Berichten gemachten Angaben entsprechen sinngemäß den Tatsachen." Durch diese Erklärung dürften die Lügenberichte der Betriebs- röte von H. Leiser und der RGO. in der„Roten Fahne" widerlegt sein, soweit sie den Leiser-Bctrieb betreffen. Zu der Lüge in der .Roten Fahne", die Arbeiter der Reparaturwerkstatt der Firma Stiller seien geschlossen zur RGO. übergetreten, werden wir in den nächsten Tagen noch einiges sagen. Wir können aber heute bereits mitteilen, daß mehrere bei Stiller beschäftigte Arbeiter im Büro des Schuhmacheroerbandes, Engelufer 24, waren und ihre Treue zur freien Gewerkschaft bekundeten. Rückgang der englischen Arbeitslosigkeii. Infolge der Arbeitsbeschaffung der Arbeiterregierung. London, 26. August.(Eigenbericht.) Di« Zahl der englisch«,, Arbeitslosen ist in der nergangenen Woche um 32 786 Personen gesunken und be- trägt nach der letzten amtlichen Schätzung 2617 937 Männer und Frauen. Für die produktive Erwcrbslosenfürsorge sind inzwischen weitere 1 166 666 Pfund Sterling zur Verfügung gestellt worden, so daß in dem lausenden Budgetjahr insgesamt 16 Millionen P f u n d für di« A r b e i t s b c s ch o f s u n g verausgabt worden sind. Keine Stillegung der Oöhlener Gußstahlwerke? Freital. 26. August.(TU.) Die sächsische Regierung Hot gegen di« geplante Stillegung der Gußstahlwerke in Freital-Döhlen Einspruch erhoben, und es ist damit zu rechnen, daß auf die beabsichtigte Stillegung verzichtet und das Gußstahlwerk durch andere EiseulbaHnouftröge entschädigt wird, wenn die Uebertrogung der Schienenliejerungcn aus Gründen der Ratio- nolisiernng auf andere Werk« sich nicht umgehen lassen sollte. Auf alle Fälle fall aber der jetzige Bestand der Bolegschast der Döhlencr Gußstahlwerke unverändert erhalten bleiben. Achtung, TNafchinenfeher! Bei der Firma Bruno Petzold Rachf., Ncucnburger Str. 37, sind ernste Differenzen ausgebrochen. Achtung. Bauarbeiter! Im Zirkus Busch, Burgftraße, werden zur Zeit größere Umbauten ausgeführt. Die Zirkusgesellschaft des Zirkus Busch, die wiederHoll darauf aufmerksam gemacht wurde, die tariflichen Bestimmungen anzuerkennen, weigert sich, kate- gorisch, das zu tun. Die Baustelle ist deshalb für organisierte Maurer, Bauhilfsarbeiter und Zcmenticrer gesperrt. Deutscher Baugewerksbund. Baugcwerkschafl Berlin. Mammulsgehälter und Lohnkürzung. Wie uns zu unserem Artikel im„Vorwärts" vom Dienstag mitgeteilt wird, haben sich auch die Direktoren, die Mitglieder bürgerlicher Parteien sind, bereit erklärt, einer Kürzung ihrer Gehälter zuzustimmen. N Slchtnag,»B®.! Sonnabend, IIZZ Uhr. in der Lochsckmlbranerei, See» Ecke Amrumer Straßr, ftraltinnslihiing der LaiipUvcrlstatt Etrahen. KD bahn. Cs ist Pflicht eincs jeden Genosse», mit!srau zu dieser Per- onstoltuna zu erscheinen. Genossin Bohm-Lchuch spricht Uder„Sozial- t-il Politik oder Eozialrcaktion?" Der Zraktioneoorstand. - Achtung. Genossen mm Ludwi» Liiwcl Wichtige �raktionoversamm- dt tA lung Donnerstag. ,e Uhr, bei Oehlschliiger, Berlichingenstr.!i. Alle p, 3 Genossen mllsscn erscheinen. Der ssraltionsuorstaud. �-i AG®.. Brunnenstraß«! Leute, Mittwoch, Uhr, wichtige ssral- ü! tionsoersammlung bei Carus, Vollastr. 19. Alle Genossen müssen er. H scheinen. Der Fraltionsvorstand. i! zT» Freie Gewerkschafts-IuqenS Berlin Unsere Iugendberaiungssielle ist geSsfnet jeden Mittwoch von 18',? di, 30 Uhr im Ecw-rtschatt-haus, Engeluser 24—25, Zimmer 26.— Leute, Mittwoch, um lSih Uhr, tagen die Gruppen: Baumschulcnwea: Jugend- hrim Ernststr. 16. Untcrhaltungsabend.— SchSnhauscr Tor: Jugendheim Zedd-niSer Str. 24— 2ö. Portrag:„Die Arbeitstampse".— Reutölln: Gruppen. heim Bcrgstr. 29, Los. Portrag:„Worum Zsreiiijrpcrtultur?"— Sbd-N, Süd. weste«: Stiidtisches Jugendheim Porckftr. 11 sftabrikgebLudcl. Partrag:„Warum bin ich in der ssGI.?"— sslughascn: Jugendheim Neukölln. Flughafen str. 68. „Eine Arbeitsgerichtsnhung."—«dleeshos: Eruppenheim Adlcrshof, Bismarck- stroge 1. Liederabend.— Seihensee: Jugendheim Porkstr. 2«. Bortrog: „Sexuelle Fragen".— Rorhriag: Jugendheim Sonncnburqer Str. 20. P-rtrag: .Freikörperkultur— Nacktkultur".— Schäneberg: Zugendheim Hauptstr. lö. Spiel» d«nd. §Iuaenk>orupve des?eniralv«rbande6 der Anaeffellten Leute, Mittwach, folgende Dcranstaltungen: Gesundbrunnen: Iug-ndheim Orthstr. 10. port. Vortrag:„Di- Freihrii-kampfc in Indien". D.ef-rcnt Schweitzer.— Eharlo'tenbnrg: Jugendheim Z'ossncnstr. 4. Vortrag:„Es klingt im Sturm ein altes Lied". Nefercntin Fridel Lall.— Schönhan!» Bönstadt: Jugendheim der Schule Kastanicnallee 81. Vortrag:„Jack London— Uplon Sinclair". Zicserent Lewinski.— Oberipree: Jugendheim der Schule Berliiicr Straß- ZI.„Bunter Abend."- Nordast- Jugendheim Danzigcr Str. 62 < Baracke Z>.„Vspehologie des Jugendalters." Referent Artur Rachaw.— Dtrolan: Jugendheim der Schule Gotzlerstr. 61. Kurzreferate.— Neukölln: Jugendheim Böhmische Str 1—4. Ecke Kanner Straße. Bortrag:„Eine Reise dulch das rheinisch-westsälische Industriegebiet". Referent Eugen Ernst.— SLdoft: Zugendheim Wrangelstr. 138. Vortrag:„Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus". Referent Willi Dcrkow.— Spandau: Jugendheim Lindcnufcr 1. Abendspaziergang.— Poirdam-Nowawes: Jugendherberge in Nowawes. Priester- straße. Bunter Abend.— Spiel und Sport ab 19 Uhr auf dem Sportplatz Frkdrichshain. Verantwortlich Air Volitikt Dr. Enrt Eeper: Wirtschaft! 8. illiugeihöser; Sewerkschattsorwegung: I. Steiner: Feuilleton: it. L. Döscher; Lokale» und Sonstiocs Fritz Karliödt: Anzeigen: Td. Glocke: sämtlich in Berlin. Bcrlag: Vorwärls-Beelag S. m d. L. Berlin Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Berlagsaustalt Paul Sinaer u Co.. Berlin S'IB. 68, Lindcnstraße 4. Lierz» 2 Beilagen- SS 5/79 yv* 4�* SunSicSU Seife im Haus Siaifess Af. S99* 47, Lohrgang ± Beilage des Vorwärts Mittwoch/ 27. August 1930 €i Die Hölle„Fremdenheim Jammer und Bend wohnen hier.- Die Forderung: Sdtalfi Ledigenheime! Wenig« Berlin« nur kennen jene.Fremdenheime". die ost letz»« Znflnchi all«(Enfrour�eltcn sind, dl« als Opfer ein« erbarmungslosen, profilhungrigeu Mrtschaflsordnnng mittellos und ausgehung«! durch die Slratzen der Riesenstadt irren. Kommt jemand auf das WohlfaÄrtsamt und gibt an. mittellos »ind einer Unterstützung bedürftig zu fein, so wird zunächst die Frage an ihn gerichtet: Wo sind Sie polizeilich gemeldet? Vermag der Bedürftig« keine befriedigend« Antwort zu geben, so wird ihm«in- geschärft, sich nor allem von dem zu gewährenden Geldbetrag eine feste Gchlafftette zu beschaffen, wenn er laufend unterstützt werden wolle. Mit diesem ebenso notwendigen wie guten Bat begibt sich der Arme nun wirklich auf die Z i m m« r s u ch e. Zimmer gibt es in Berlin doch genug. Um eine Schlafstelle für tz Mark die Woche zu finden, mutz man aber doch so manche Treppe so manchen Hinter. Hauses hinauf- und hinunterlaufen und den Kampf mit keifenden Wirtinnen aufnehmen. Di« 10 Mark in der Tasche aber werden leicht„angeknabbert". Es wird darüber Abend, und noch immer hat man nicht das Paffend« gesunden. Dafür haben sich gut« Freunde gefunden, die in Logis nächtigen, wo man täglich bezahlen kann. Und so landet man in«stiem der Fremdenheime von Berlin. Wie es in einem solchen //Wohnheim� zugeht. Diese Heime, gleichgültig, ob in der Katharinen, oder Blmnem ft ratze, ob in der Weber, oder Gipsftrah«, ob in der Kleinen Präsidenten. oder Gormaimstratzc, alle sind sie von einer nicht zu über- bietenden Schrnutzigteit. Nach außen hin bewußt kleinbürgerlich und unauffällig gehalten, kaum durch ein Schild als, Fremdenheim" oder Wohnheim gekennzeichnet, findet Tag und Macht jeder Stromer Einlaß. Er schläft hier für«ine Mark in einem Raum, der niedrig und klein fft, mit oft zwanzig anderen zusammen, in Betten, die neben- und Übereinaudcrgcstellt sind und deren Wäsche nwnatelang nicht gewechselt wird. In diesen Stuben feiert die Sexualität Orgien. In dem zugehörigen Schcmkzimmer ist Gelegenheit zu Glücksspielen und Saufereien gegeben.' Noch der ersten Nacht bringt der Wirt seine Gäste, falls sie es aus bestimmten Gründen nicht für wünschenswert erachten, daß dies unterbleibt, zur polizeilichen Anmeldung. Bezieht der Gast Arbeitslosenunterstützung, so gelangt sein Unterstützungssatz unver- ändert an ihn.zur Auszahlung. Erscheint er aber mit einer solchen polizeilichen Anmeldung beim zuständigen Wohlfahrtsamt, so werden die Zahlungen an ihn« i n g e st e l l t, bis er das Quartier gewechselt bat. Die Wirte derartiger Fremdenheims geben sich teilweise dazu her, jede Form von Wohlsahrtsschwir.del zu bescheinigen, ja fordern ihre Besucher noch direkt dazu aus. Andererseits sind die Besucher so vielfach gefährdet in diesen Heimen, daß die Sperre meist mit voller Berechtigung verhängt wird. Oer Sumpf verschlingt sie alle.... Sa entstehen in diesen Heimen, wo auch die letzte Achtung vor dem Mitmenschen ersterben mutz, Zentren asozialer Element«. Hier werben die Menschen zu Außenseitern der Gesellschaft. Ihre Wiedereingliederung kostet den Staat später viel Geld. Würde man den Bedauernswerten zur rechten Zeit die Möglichkeit geben,«ine auch noch so bescheidene Wohnung ihr eigen zu nennen, so manche Tragödie menschlichen Elends könnt« abgewendet Verden. Die vorhandenen Ledigenheime reichen nicht annähernd aus. Di« Heime der privaten Wohlfahrt, die öffentlich zugelosien sind, leisten für die Lösung des Problems auch nur Flickarbeit. In -wenigen Ledigenheimen könnte Platz für alle die geschaften werden, die jetzt nach in der Hölle der Fremdenheime dahinnegetieren. Die „Wohnheime" müssen verschwinden, und sie können es nur, wenn die Losung heißt: Schafft Ledigenheime! Gronau in New �ork. Frühe Ankunft.— Begeisterter Empfang. New York. 26. Slngnst. Czeanflieger Gronau hat unt 20,43 Uhr mittel- europäischer Zeit die Batterhinscl über flogen. Fünf Minute« später ging er unter riefigem Jubel der Nett». Yorker Bevölkerung neben der FreiheitKftatue auf dem Wasser nieder. —V.:'., t. 5?>VJ:■.. 1?'.,.. �.. Di« Ankunft dk? Ozeanfliegers erfolgte widir /Erwarten so früh, daß dl« Vorbereitungen für den Empfang der Flieger noch nicht beendet waren. Der städtische Dampfer„M a c o m" mit Vertretern der Stadtverwaltung, der Armee und Marine hatte kurz vor der Ankunft der Flieger an der Frecheiisstatue geankert. Der Jubel der im Battery-Park versammelten und aus den Wolkenkratzern rasch herbeieilenden Menschen kannte keine Grenzen. Die Flieger sahen trotz der Anstrengungen der letzten Tage frisch und munter aus. Schleppdampfer der Polizei brachten das Flugboot zum Battery-Park, wo die Flieger unter dem Geheul der Sirenen offiziell begrüßt wurden. Die Häuser und die im Hofen liegenden Schiffs sind mit deuffchen und amerikonischen Floggen reich geschmückt. Hast Du schon die Wählerliste eingesehen? Arn 14. September kommt es auf jede Stimme an! Sichere DirDein Wahlrecht Erfülle noch heute Deine Pflicht als Sozialdemokrat! I Die Zeit Zwei schwere Verkehrsunfälle. Auf der Fallenhagener Ehausse« bei Spandau ereignet« sich am Dienstagnachmitwg ein schwerer Unfall In der Näh« der Bötzowbahn wurde der Istjährige Arbeiter Wilhelm Sauer aus der Neucndorfer Straße 8ö in Spandau, der mit seinem lZsährigen Sohn auf der Chaussee mit dem Bad« entlangfuhr, von einem Lastauto von hinten angefahren. Vater und Kind gerieten unter die Räder des schweren Fahrzeuges. Beide erlitten außer inneren Verletzungen Arm- und Beinbrüche. Di« Verunglückten fanden im Städtischen Krankenhaus in Spandau Aufnahme.— Am Michael- k i r ch p la tz stteß gestern nachmittag ein Geschäftsmoior- dreir a d mit einem Privatauto zusammen. Der Führer des Motorrades. Alfred Schrank aus der Koppenstraßc 94 und sein Mitfahrer Kurt Stier wurden dabei auf das Straßenpflaster geschleudert. Mit erheblichen Verletzungen wurden die Motorrad- sahrer ins Bethanien-Krankenhaus gebracht. Im Blutrausch gemordet? Neue Verhandlung gegen den Mädchenmörder Büttgen. München, 26. August. Di« Verhandlung gegen den 25 jähr igen Fabrikbesitzer ssohn Zakob Cu Ilgen ans dem Rheinlande, d« am 21. Dezember 1929 in seinem pensionszimmer in den Morgenstunden eine 19jährige Proftltulcrfc ermordet Hai, wird demnächst vor dem Münchener Schwurgericht beginnen. Die erst« Verhandlung wurde kurz nach ihrem Beginn am lü. Mai ausgesetzt, um ein Oberg» lachten des Geheim- r a t s Dr. B u m k c einzuholen. Während der Landgerichisarzt bestritt, daß Lüttgen die Tat in einem Zustande der Bewußtlosigkeit verübt habe, erklärte der von der Verteidigung geladene Sach- nerständigc, daß Lüttgen nur in einem pathologischen Rauschzustände gehandelt habe. Der Angeklagte erklärte bei seiner Vernehmung, daß er sich an die Vorgänge im Pensionszimmer nicht mehr erinnern könne. Dieser Angab« stand die Aussage eines Kriminalbeamten entgegen, der Lüttgen kurz nach dem Mord ver- nommen und von ihm eine genau« Schilderung der Tat erhalten hatte. Lüttgcn sprach damals von einem„kleinen Mord", den er begangen habe. Der neue Prozeß bcgimit am 8. Oktober. Riesenbrand im petroleumgebiei. Seit Sonntag wüten die Flammen. Bukarest, 2«. August Do» rumänische pclroleumgcblcl wird seit Sonntag von einem Ricseuscuer heimgesucht, dessen Flammen insbesondere am Montag durch einen starken Sturmwind immer mehr an Ans- dchnung zunahmen, zahftcichc Raphtha- Sonden zer- störten und petroleumbehällcr zur Explosion brachten. Das Feuer brach am Sonntag vormittag infolge starker Sonnenglut in Stalpilotal aus und wurde durch eineu starken Wind außerordentlich schnell weitergetragen. Die Behörden olar- mierten sofort die in den umliegenden Naphtha-Sonden beschäftigiev Arbeiter und ließen meterlonge Staudomme zur Eindämmung der Katastrophe aufwerfen. Zwei Arbeiter wurden bei den Versuchen, das Feuer zu löschen, schwer verbrannt und wurden in lebensgefährlichem Zustand in das Krankenhaus geschafft. Der Brand ist der größte, van dem das rumänische Pstroleumzentruni in den letzten Iahren heimgesucht worden ist. Das große Los gezogen! Glücksnummer 574216. 3n der gestrigen Nachmittaosziehung d« Preußisch. Süd deutscheu K läsffe n lc» k tc r i e wurde der Hauptgewinn gezogen. D« Belrag in Höhe von 500 000 Mark entfiel auf die Rummer 3 7 4 2 1 6. Räch den neuesten Bestimmungen der Lotleriedireklion werden die Rainen der Gewinner nicht mehr bekanntgegeben. Morgen Eröffnung der Berlin« Möbelmesse 1930! Die von der Freien Vereinigung der Holzindustriellen E. V- in Gemeinschaft mit dem Ausstellungs-, Messe- und Fremdeiwerkehrsaint der Stadt Berlin veranstaltete„Berliner Möbelmesse 193 9" wird am Donnerstag, dem 28. August, vormittags 9 Uhr, in der Aus- st e l l u n g s h a l l e l om Koiserdamm eröffnet. Die bis zum 2. September dauernde Messe ist täglich von 9 bis 6 Uhr geöffnet und ist,— da es sich um eine reine Fach messe handelt— lediglich Fach interessenten zugänglich: Priva»Publikum hat keinen Zutritt. S/NClAIRLfWIS Iii m WROMA// Unmittelbar unter den Chefs war die Kaste der gescheiten jungen Männer, die eines Tages Gelegenheit haben würden, in die Kaste der Chefs aufgenommen zu werden. Sie glaubten unbedingt an die Tugend, die Segnungen von Pembertons patentierten Heilmitteln zu verbreiten: sie beteten die Politik des Hauses au. Einmal im Monat kamen sie zu„Drill- Lunches", wie sie sie nannten, zusammen und lauschten den elektrisierenden Ansprachen des Herrn S- Herbert Roß oder irgendeines anderen Inspirators, sahen einander mit strahlen- den. aufgeregten Augen an und schmoren, dem wahren Glauben Pembertons anzuhangen und fürderhin ihre Abende nicht mehr mit Hofmachen und Romanlektüre und Musik zu vergeuden, sondem fleißig über Seife, Sirup und Schaufenster- reklame zu lesen und sich die Visum von sünfzehntausend Dollar im Jahr beständig vor Augen zu hatten. Sie hatten es bei Pemberton eigentlich am besten von allen, diese gescheiten jungen Leute. Sie sahen reihenweue in Seidenhemden und neuen Krawatten vor polierten Schreibtischen: sie be- antworteten telephonischc Anrufe mit leichter Eleganz: sie unterhielten sich über Tennis und Geschäftsverhältnisic und waren niemals, niemals gelangwcilt. Vermischt mit dieser Kaste waren die kleineren Vorgesetzten. die Lürvchefs und Bucljholter, die auf Samtpfoten vor Leuten krochen, die ihnen im Rangs voraus waren, jedoch die ihnen untergeordneten Mädchen und jungen Männer un- » aufhorlich nörgelnd schikanierten. Da sie selbst im Leben nicht das erreicht hatten, was ste erstrebten, sahen sie die Steno- typistinnen. die eine wöchentliche Aufbesserung von zwei Dollar verlangten, mit scheelen Bücken an und versicherten ihnen, daß sie persönlich gewiß sehr froh waren, wemt sie ihnen diese Zulage verschaffen könnten, daß es aber eine Ungerechtigkeit gegen die übrigen Kolleginnen wäre. Sie nahmen es mit dieser Frage der Ungerecbtigkeit gegen die anderen sehr genau, den« auch ihre eigenen Gehälter waren nach dem System be- rechnet, die Spejeu möglichst niedrig zu halten. Dies waren die Kasten jenseits der Grenzlinie der Klingel- leitung. Unas Kaste, die der Privatsekretärinnen der Chefs, war nicht jenseits der Klingelleitung. Auch sie mußte, wenn die Klingel des Herrn Roß wie eine Klapperschlange ertönte, so schnell wie das jüngste Tippfräulein springen und laufen. Doch gehörte sie einem besonderen Stabe an, der klein und exklusiv etwas abseits von der großen Masse stand. Einerseits durste sie sich den Chefs nicht beigesellen, anderseits erwartete man doch von ihr— in ihrer Eigenschaft als tägliche Vertraute eines der Götter— in dem Garderobezimmer, im Erholungs- zimmer und im Fahrstuhl nicht allzu intim mit der gewöhn- lichen Horde von Mädchen zu sein, die nur kopierten oder nach dem Diktat der gescheiten jungen Leute Briefe an die ver- schiedenen Drogerien schrieben. Diese Mädchen der großen Horde hatten die Sekretärinnen mit„Fräulein" anzusprechen, gleichgültig, welche Gassenmädelfrechheiten sie untereinander gebrauchten. Noch tiefer, bei den Sklaven selbst— Stenotypistinnen. Kopisten, Pürohilfskrästen, Dienern. Laufburschen und Fahr- stuhljungen— gab es keine Kasten mehr, wenn auck) viel Zank und Nebenbuhlerschaft. Man verlangte von ihnen, daß sie sauber gewaschen und flink mären, aber darüber hinaus waren sie für die größeren Phasen der�Büropolitik ebenso un- bedeutend wie Frösche in einem Sommerkurort. Nur die Kartothek des Kassierers wußte ihre Namen.... Und doch war ihnen die Quelle höchster menschlicher Befriedigung und tiefsten Lasters nicht fremd: das Gefühl der Ileberhebung. Dos kleinste Vürmnädel, das nichts tat als Briefe frankieren, und sich die Nase nach nicht ordentlich putzen konnte, fühlte sich allen Fabrikarbeitern überlegen, sogar den Werkmeistern, ganz so wie schwarze Dienstboten auf arme weiße Vagabunden hinunlersehen._ Eifersucht wegen einer Stelle, Falschheit, Neid wegen sozialer Rangitnterschiede— sie waren unter weiblichen Büro- angestellten ebenso offenkundig, wie sie es in einem Frauen- klub sind: nitd Una mußte zugeben, daß die Vorurteile da- gegen, weibliche Angestellte im Geschäft auf höheren Posten zu verwenden, durch die Gehässigkeiten der Frauen untereinander oft gerechtfertigt werden und daß die Frauen selbst die schlimmsten Feinde der Frau sind. Für Unas mitfühlendes Herz waren diese Büroproletarier ihre eigenen, armen Verwandten. Sie seufzte, wenn sie sie in den armseligen Jäckchen mit den ausgerissenen Knopflöchern vorbeigehen sah: Jäckchen, die unzählige Büromädchen durch einen sauberen weißen Leiuenkragen zu verschönern suchten. den sie abends in der Waschschüssel selber auswuschen. Una bemerkte, daß Herr Roß, nachdem er viele Jahre lang mit leibhaftigen Lauburschen und Liftsungcn zu tun gehabt hatte, in ihnen immer noch nichts anderes sah, als Slang sprechende kleine Teufel aus Witzblättern. Dann erfuhr sie, daß die Jungens ungefähr zweihundertmal des Tages den dunklen ischacht hinauf- und wieder hinunterfuhren, und sie fragte sich. ob ihnen das immer sehr lustig vorkomme. Sie sah Laus- burschen> gerade an der Grenze jener Jahre, in denen sie an- fangen, sich für das weibliche Geschlecht zu interessieren, rauhe Männerstimmen bekommen, ungeschickt und schamhaft werden und sehnsüchtig zu den Altären kleiner Stenotypistinnen mit iveißgepuderten Gesichtern aufschauen. Sie erkannte die Menschlichkeit in dieser Masse— obwohl sie von ihr um ihre Stelle beueidet wurde und man heimlich von„diesen ein- gebildeten Privatsekretärinnen sprach, die sich für was Besseres halten als unsereins". Eine Abart beobachtete sie mit besonderem Interesse: die alten, weißhaarigen Frauen mit den blassen Händen, die fünfzig, sechzig, ja sogar siebzig Jahre alt waren, alte Jungfern und Witwen, für die das Leben nichts anderes mehr bedeutete als ein Schreibtisch und die Beschäftigung mit kleinlichen \ i betten: Zirkulare verschicken, Briefe sartieren, Listen ver- gleichen, wie beobachtete sie darum so genau, weil sie immer wieder überlegte:„Werde ich eines Tages auch so sein?" Sie schienen sich ganz wohl zu fühlen: waren stets zum Plaudern bereit und bemutterten gerne die jungen Mädöhen. Doch dann und wann kam es nor daß eine von ihnen zu weinen anfing und eine ganze Stunde hindurch weinte, den weißen Kopf auf dem tiittenbefleckten Löschpapier des Schreib tisches, bis sie ihre Heimatlosigkeit und die Zwecklosiakeit ihres Lebens vergaß. Dann brachen Epidemien von Hysterie aus, und fünfunddreißig- und vierzigjährige Frauen— im allgemeinen ganz zufrieden mit sich und der Welt-- weinten mit, wenn die alten Damen anfingen. Una sah wie Mädchen von zweiundzwanzig müde wurden, sah, wie die Frauen von achtundzwanzig vertrockneten, sah Vollreife Frauen von fünfund dreißig mit üppigen Formen und verwitweter Jung- fernfchaft. sah alte Frauen, die wie Kätzchen schnurrten und tragisch wirkten.... Sie selbst war jetzt sechsundzwanzig. und sie wußte, daß ihr Gesicht bleich wurde, daß der Nacken sie öfter schmerzt« als früher und daß sie keinen anderen Aus- weg vor sich hatte als den freundlich geistlosen Herrn Julius Schwirtz.(Fortsetzung folgt.) ( Das Maulbeben. Nationalsozialistische Erziehung zur Grausamkeit. Vor der Kaufmännischen Berufsschule in Berlin, Georgenstr. 30, wurde dieser Tage«in hektographiertes Flugblatt des Nationalsozialistischen Schüler bundes verteilt. E» ist unterzeichnet von Gottliardt Ammerlahn, der jüngst wegen Beleidigung des Oberstudiendirektors Hildebrandt von der Heinrich-Schliemann-Schule zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, wobei ihm die Urteilsbegründung„besondere Niederträch- tigk eit" bescheinigte. Von dieser Eigenschaft hat Herr Ammerlahn auch in diesem Flugblatt ausgiebigen Gebrauch gemacht. Zur Verhetzung der Ju- gend dienen Sätze wie die folgenden: „Man will die Tribute auf die Schulten, der Kinder und Enkel wälzen, damit die gegenwärtigen Herrscher noch e i n L« b e n voller Taumel und höllischer Freude verbringen. Neudeutsche Minister werden wild, wenn ihnen ihr reichliches tSehalr uni einen Pfennig gekürzt werden soll---- Das junge Deutschland soll zum Heloten des Weltkapitolismus werden. Unter der Sklaoenpeitsche volks fremder Erpresser sollt Ihr im Schweiße Eures Angesichts schuften! Schuften! Schuften!* Am Schluß zeigt dann Herr Ammerlahn sein wahres Gesicht, das reichlichen Einschlag sadistischer Züge trägt: „Das Versailler Staatensystem soll beben, wenn eine grau same deutsche Arbeiterjugend der. Stirn und der Faust ihre Ketten zerschlägt." Bor dem Maulbeben des Herrn Ammerlahn wird ja wohl die Entente nicht erzittern. Interessant aber ist, daß Herr Ammerlahn als Haupttugend der nationalsozialistischen Jugend die— Grausamkeit preist! Herrliche Jugenderzieher! Gchuhpolizei und Reichstagswahl. Vortrag des Polizeipräsidenten Zörgiebel. Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Polizeibeamten hatte ihre Funktionäre zu einer S.tzung nach den Kanimersälen ge- rufen, in der Genosse Zörgiebel das Referat hielt. Die Sozial- demckratie, führte er unter anderem aus, werde den Wahlkampf durchaus mit Erfolg bestehen, die Leistungen der Regierung Müller würden bei den Wählern verdiente Anerkennung finden. Genosse Zörgiebel ging dann auf Beamtensragen ein und zeigte, wie sich der Beamtenkörper der Republik vorteilhast von dem der Kaiser- z«it unterscheidet, da er nicht kastenmäßig abgeschlossen sei, sondern aus allen Bevölkerungsschichtcn stamme. Diesen Wandel herbei- gesührt zu haben, sei das Verdienst der Sozialdemokratie, die den Beamten den Weg zum Aufstieg geebnet hat. 31 Proz. aller Polizeioffiziere seien aus der Volksschule hervorgegangen.— In der Aussprache wurden Vorschläge gemacht, wie für Aufklärung unter den Polizeibeamten zu sorgen sei. Mit einem Hoch auf die Sozial- demokratie schloß der Versammlungsleiter Genosse Klenz die Vcr- saminlung. Blutbad auf türkischem Dampfer. Kapitän und zwei Passagiere ermordet. - Angor». 26. August. Ein entsetzliches Blutbad richleken drei Matrosen eines türkischen Dampfers an. als dieser den Hasen von Smyrna verlassen hatte. Sie ermordeten den Kapitän und zwei türkische Passagiere und warfen die Leichen über Bord. Z«i der furchtbaren Tat waren sie vom Besitzer des Schiffe» ver- anlaßt worden, der die Passagiere im Besitze von größeren Geldsummen vermutete. Später zündeten die Mörder das Schiff an, damit man an einen Unglücksfall glauben sollte, und retteten sich schmimmend. Der Aastisler des Anschlages wurde erschossen, während die Matrosen entkamen. Die neuen Eisenbahnsahrpreise. Geringe Erhöhung ab ll. September. Am 1. September dieses Jahres steigen bekanntlich die Per- sonenfahrpreise der Reichsbahn. Die Fahrpreise 3. Klasse werden bei Reisen bis zu SO Kilometer höchstens 10 Pf. teurer als jetzt, bei einer größeren Fahrt von kürzeren Entfernungenh Uhr am Bahnhof Hermannstratze. Tran«. parentr und Fahnen find vom Genossen Günther abzuholen. Zungsozialisten. Am Sonntag. ZI. August, findet die Agitatioasfahrt»ach Bvandenburg statt. Abfahrt tVi Uhr von der Dampferanlegrftellc ckharlottenbarg, Caprivi. dliicke. nahe Wilhelmplatz. Fahnen nad Transparente mitbringen. Gruppe ReukSlln: Heute, Mittwoch. 27. August, 20 llhr. Gruppenabend mit Boriraa im Jugendheim Treptower Etr. 93—96. Kaie Reihe: Heut« 18 Uhr Probe im Zugendhei» Porckstr. lt. Alle müssen erscheine». Arbeitsgemeinschafs der Sinderfreunde Groß-Berlin. strai« Prrnzlaner Berg, Gruppe«iktar Adler:.Donnerstag, 28. August, 19U Uhr, im Jugendheim Danziger Str. iL, Baracke 3, Elternabend. Thema! Zeltlager und Iungfalkenlager". strei» ReukSlln. Achtung, Kelferkrei»! Durch die am Sanntag. 81. August, stattfindende autzcrordentliche Geiievalversammlung find wir aen'öttgt. zu heute, Mittwoch, um 20 Uhr, in drr Baracke Ganghoferstratze. ein« Seiferversammlung durchzuführe». Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Generasversamtnluiig. 2. Wahl der Deleglerttn. 3. Arbritsteilung zum Waldsest. Eck ist unbedingic Pflicht, datz alle Helfer erscheinrn. Geburtslage, Jubiläen usw. 1. Abt. Unserem bewährt«» Scnosseu Dr. R.» r a n u, der aus eiu« fest ZOjährigc Zugehcrigkeit zur Partei zurückblicken tau», zu seinem 60, Eeburts. tag», de» er vor rurzem ia»oller Frische feiern touutt, die herzlichste» Glück. wünsch«, «. Abt. Unsere« ftenossen Bernhard Brase»u seiuem 63. Geburt,» tage die herzlichste» Glückwünsche._, 3t. Adt. Unserer lieben Genpsfin Mari« echolz, Autouftr. 34, zu ihrem 60. Geburtstag« die terzlichsten Glückwuntche. 24. Abt. Unserer veretztte» Genossi» Miuua Suhnsleisch, ZZelter etratze 30, zum 00. Geburtstage die herzlichste» Glückwünsche. Sterbetafel der Groß« Berliner Partei- Organisation 83. Ate. Unser Genosse Georg W a l d o w, Markgrafeudamm 30, ist nach siiugerer Krankheit verstorben. Ehre feinem Andenken! Einäscherung Donnerstag. 28. August, inn 16 Uhr, im strematorium Baumschulenweg. Wir bitten um recht reg« Beteiligung. 33. Abt. Unser Genosse Karl La wag ist am 28 August verstorben. Gbr« seinem Andenken! Beisetzung heifte, Mittwoch. 27.. August, um 14', Uhr. in Friedrichafelde.» 101. Abt. Treptow. Unser Genosse Zfuidolf Erben, strjillstr. 7, ist im Alter von 70«tahren»erstorben. Ehre seinem Andenken! Beerdigung Donner». tag, 28. August, um 12 Uhr, von der Leichenhallo d«« Gemeindefriedhafe» Baum. schulemveä au». Wir ditten um rege Beteiligung. 108. Abt. vberschbaeweide. Di« Einäscherung unsere» verstorbenen Genossen Beuna Busse findet heule, Mittwoch. 27. August, um 17� Uhr, im Krematorium Baumschulenmeg statt. Gegen üblen Mundgeruch, nach iängeiv: Mundruhe und nach de, Rauchen benutze man zum Desodorieren und Aiomalificren de» Atem eine Spülung mit dem herlM erftijchendm Etzlorvdoitt-Mundwall« ( Theater, Lichtspiele usw. Tigl. 5 u. 819 Sosot.2, Sa. 8" Alex. E<, 8066 Kassner, Madste, S Resua- Roller- Girls usw 1.15 Kör— BBudicn erianöi Carlas and Cölta o. Co. and venera i Sorna nodi aliöl gezeUte Stars. WM Theater l> 2 Weidraäsmni 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg�MaxReinhardi Musik: fririridi HolMar. Bühnenbilder Bmst Stbütte. Die Komödie II Bistnck.24H/7516 S'/a Uhr Wie wenle idi teid) UDd gluilidi? Kunn m Filii Joadiiouon. Musik vm Misdsa Spolinsk; Regie: Eni Eigel BOhnenbllder Uiwig Rainer CASINO-THEATER«■/.uh» Lothringer Strafe 37. Für unsere Leser: Gutschein 1—4 Fers Fauteuil 1.25 M, Sessel 1,75 M. Der Possen-Schlager Der selige Hollschinsky •itHiiiiiiisuiuiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMinii und ein erstkl. buntes Programm. Tliealerl. d. Beürenstr. 53-54 Letzte Vorstellungen »V« Uhr ist das mein neu von coiette? grosses UpSjlQB Hestei&£ 7 Sr�.' Jansen �?0�.:Pro,rOe«n/ Er„*tr"H" Sler* Uhr. Lessing-Theater WeManm 27!7 a.OSIS Täglich 8'h Uhr UWi Vontillangen WieiihiaDtDahDie v OtloErnst Hesse Zimmer IBettMIcT.-bisn- 2 Betten 13f bis 21- BadiMk.j.- 5fllO(r.1Cf l\ berlin HOTEL�nWK excelssor Zentral-Tiieater Alte Jakobstr. 30/32 Dönh. 2047 Täglich 8Va Uhr Debera droben Teidi Ausstattungsoperette in 4 Akten Rundfunkhöre t dalöe Preise. SM.« �fXUsHwte �YNUYUM R�tAurünt Berlins BETRIEB( KEMPIMSKn Deatsches KOnstler-Theal. Tel Bariunnza 3937 8'/i Uhr Weekend Lustspiel von LCowanL Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 9 Uhr Wundef-Bar RevuestUck Theater d. Westeos Täglich 8>i. Uhr Hasenklein kann nldils daffir mit Max Adalbert. Komische Oper 8'* Uhr Paol Mrmeier in; Lia&e und Trontpetenblassn Oparetta voj-Rolaat metropoi-Tiieater Täglich 8/« Meine Sdiwester Musik v.BalphBaMtikj •••••ooooo Rose- Theater er.rraDidarterStr.i33 Tel. Alex 3422 u 3494 8.15 Uhr; Baimlldig Braanabrt üartenbühne: 515 Uhr: Konzen o.BoniBr Ttll 8.15Uhr: DlOlOlla Lola S«««««««»» Mar am luttti. Tor Kottbusser Str. 6 • Täglich #>/. Uhr «och Sentit. tfftV nactira 3V- W Ellle- Sänger Zille-Festspiele Radio. innUigte Pitiu! Volles kdaollptozTtii»!!. Illlltl Mittwoch, d. 27. August 1930 nachmittags 3Vs Uhr Lydia Potechina GreteWeiser, Hilde Wenzel, Olaf Bach, HenryBerg,HarryGondi, Hilda Römer, Eberhard Wrede, Mayer- Falkow, Ernst Wurmter. Regie: Viktor Heinz Fuchs Bühnenbilden Herbert Döblin. Jazz an 2 Flügeln: Joseph und Klupsch. AB1.SEPTEMBER Täglich SV. Uhr Rundfunkhörer halbe Preise. Dar Vervarkauf hak bagonnan. lemmal nur ouf Homocorgf�diallplatlen. Reichshalien-Theater (T| Ubr— Stetüner sanger Las Blumen sprechen! Soootap. 31. 8.: 1. HadiDiitlaps- Vorstalbng zu halben Prtisoo. ► Dönhoff- Brettl: Das beliebteste Variete Berlin. Berliner Prater sonunenbcaier KaStanienallec 7—9. Humb. 2246 Eine entzückende Barleake sowie der auserwählte Varlett-Tell. Täglich SV: Uhr GustlBaar, Trade Stbröilar. 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In den Ställen wurde Futter ausgegeben. Der Inspektor ging langsam in sein Haus. Eine Viertslstunde später saß olles beim Mittagessen. Im Dorf. In den Gutswohnungen. Beim Inspektor. Allen schmeckte es. Alle hatten Hunger, Hunger und Durst. Müde waren sie auch. Sie hatten noch eins Stund« Zeit, um die müden Knochen auf der Bettstelle auszustrecken. Doch die Frauen hatten innner zu tun. lind ältere Männer dengelten nach dem Essen noch ihre Sensen. Nur das junge Volk warf sich auf den Strohsack. Zu einem unruhigen Schlaf, der von unwilligen Blicken auf den Wecker unterbrochen wurde. Roch zehn Minuten. noch fünf. Man muh«ine Ernte mitmachen, um die Wohltat einer Minute kennenzulernen. Der Gutshof lag wie ausgestorben. Hühner wir stolzierten vor den Tennen. Eine Katze schlich träge über das Pflaster. Es war eine ganz stille, schwer«, heiße Stunde voll zitternder Span- nung. In den Ställen dampfte Müdigkeit. Sattes Behagen. Menschenstimmen flüsterten am Fenster verschlafen. Pantoffel klapperten. Eine Ziehharmonika klang auf. Don den Birnbäumen brachen in der Glut des Mittags die überreifen Früchte. Es war noch eine halb« Stunde Zeit bis zum lauten der Gut?» glocke. Dann würde es aus den Häusern de» Dorfes strömen zum Gutshof, Mädchen, Frauen, Männer, Kinder, die Knechte würden in die Ställe eilen, um die Pferde anzuschirren. Draußen warteten die Flügglmaschinen auf halbgemähten Feldern. Weite Flächen standen aufgebunden. Aus dem Haufe des Inspektors trat i«ßt ein junger Mann, der Eleve der schon früh um vier„Oltersdorfl* gerufen wurde. Es war fein erstes Lehrjahr. Es fiel ihm schwer. Jetzt warf er nach einen Blick über den Gutshof. dann schwang er sich auf sein Rad und fuhr los. Baden im Bach. Es schien ihm besser, als sich für eiriV halbe Stund« auf das Bett zu hauen und aus schwerem Schlaf geschreckt zu werden:„Oltcrsdarf! Sie fahren mit Peters Pferden aufs Feld!"' Fünf Minuten Weg zum Bach. Dort waren die Kleider rafch abgelegt. Was trug man jetzt schon im Sommer? Jacke, Hose. Ein Blick nach links, nach rechts, dann auch das Hemd runter. Er war vorhin zu faul gewesen, noch einmal in sein« Stube hinaufzu- laufen, um die Badehose zu holen. Nackt ging er ins Wasser. Es gab hier genug Büsche. Dann lachte jemand. Leise erst, verhalten. Es kam aus dem Busch dort. Es blitzte da etwas, er erkannte es schwimmend: dos Schutzblech eines Fahrrades, eines Damenfahrrades. Und dos Lachen war ein Mädchenlachen. Hedwigs Lachen. Hedwig war «in Dorfmädchen, das auf dem Gute arbeitete. Sie erhob sich jetzt, ihr schwarzweißer Badeanzug leuchtete im Grün des Busches auf, sie kam näher..Mahlzeit, Herr Oltersdorf!" lachte sie. Der Cleve war ein junger Mann, der noch rot werden konnte, nur sah man es nicht, weil«r wie ein Kanake van der Sonne verbrannt war. Lassen Sie mich jetzt mal raus," bat er verlegen,.ich habe meine Hose vergessen."- .Ach so!" lachte sie mit einem raschen Blick auf ihn,.ich Hab gar nichts gemerkt." Sie wandte ssch schnell zur Seit«, und der Eleve kam schnell au» dem Wasser. Hinter einem Busch zog er sich an. Dann hatte et noch zehn Mnuten Zeit. Er sah sich nach Hedwig um, ober sie war nicht zu sehen. Doch sie schien sein Suche» bemerkt zu hoben, denn sie rief plötzlich aus dem Busch:.Ich ziehe mich nur an. Warten Sie, Herr Oltersdorf? Wir können zu- somme.n fahren.. Er legte sich ins Gras, und sie kam rasch hervor..Noch acht Minuten!" sagte sie...Meine Uhr geht ganz genau" .Acht Minuten," wiederholte der Eleve,.dann geht die Schin- derei wieder los." .Es ist doch schön? Herr Oltersdorf. ich habe die Erntezeit am liebsten." Hedwig lag long ausgestreckt neben ihm, die Arme unter dem Kopf. .Gefällt es Ihnen hier? Sie sind doch aus der Stadt?" .Warum soll es mir nicht gefallen?" fragte er leichthin. .Na, ich meinte nur so. Der Vorig«, nee, der Dorvorige. der ist schon nach zwei Monaten ob, heim, aus Nimmerwiedersehen. Das Essen soll auch gar nicht gut sein." »Weiß ich nicht. E? geht," murmelte er. .Donnerwetter!" fuhr er dann auf,.noch vier Minuten." Dann hotte er das Vergnügen, auf einen Wogen klettern und Korn laden zu müssen. Der Inspektor hatte es ihm cmgedeutet. Er mußte auch das lernen. Er sah Hedwig von der Seit« an. Die konnte Fuder laden. Was für welche! Da rutschte kein« Schicht ab! Jede Eck« saß. Er hatte etwas Angst vor dem Laden. .Drei Minuten," dachte er, auf die Uhr sehend. Hedwig atmete neben ihm. Sie drehte jetzt ihren Kopf zu ihm. Sie waren sich so nahe. Ihr Mund lächelte. .Küssen," dachte er wild, süssen." Sie fragte:.Was haben Sie denn?" „Nichts!" antwortete er finster. Er mußte an die Vorhaltungen des älteren Eleven denken. Sie hatten manchmal vor dem Einschlafen darüber gesprochen, über die Mädchen des Gutes..Nehmen Sie sich in acht, Olters- darf," hatte er gesagt,.mit einem Kuß fängt es an, dann wird so ein Mädchen faul bei der Arbeit und beim Deputat sollen Ei« dann schmuggeln. Fahren Sis lieber ein bißchen weiter ins Nochbar- dorf, wenn Sie mal was brauchen." .Noch eine Minute!" sagt« der Eleve, um. mit allen dummen Gedanken Schluß zu machen. Sie richtete sich schon longsam auf. .Kommen Sie nicht mal Sonntags zum Tanz?" fragt« sie. Sonntags zum Tanz. Uebermorgen schon. Mit Hedwig In der Nacht. .Dielleicht!" sagte er gedehnt. .Der Inspektor sieht es wohl nicht gern?" Ihr« Stimme klang spöttisch .Lümmert mich nicht!" meint« er verSchtlich. Auch er richtet« sich jetzt auf. Sie kam an ihm hoch. Sie standen sich gegenüber., Da läutete die Glocke des Gutes. Es mar hier»och zu hören. .Herrgott!" fluchte der Eleve. Er schwang sich aufs Rad. Fuhr los..Sonntag!" sogt« er noch zu dem Mädchen, das ihm nachsah und dann ebenfalls dos Rad bestieg. Der Inspektor stand schon vor der großen Tareinfahrt, als der Eleve ankam..Wo waren Sie denn, Oltersdorf?" fragt« er un- willig. Der letzt« Leiterwagen verließ eben den Gutshof. Die Kopf- tücher der Mädchen und Frauen leuchteten im Sonnenlicht über der Chaussee. Auf dem Rade fuhr der Eleve dem Wagen nach. Xichard Oerlach: S&ei ddl./W? 61*11»tlMs/UI"«»! Sturz aus dem Himmel, die Klauen voran, verwegener Sturm, holsbrecherifchcr Uebcrfall-- und ein seliges Schaukeln in den Lüfte», mit dem Gefühl der Schwingen den Windhauch abtastend, Kreisen in Bergeshähe über der hingebreiteten Erde, schrill birst der Siegesschrci aus der Kehle-- und bain wieder ein sanftes Ausruhen auf dem Horst, die Flügeldecken wie«inen Mantel hängen lassend, die Nackenmähno sträubend, die Fcdcrschäste putzend mit dem Schnabel, den Bauch sich kraulend mit den Krallen, gleichwohl immer mit den starren Augen ins Ferne spähend-- so lebt ein Wler. Ich habe mein Boot unter dem Fischadlerhorst festgemacht, liege mnraschelt vom Schilfrohr unter der klotzigsten Föhre des Sees. Ihr Wipfel ist kahl und wie abgestorben, und darin hangt ein schwarzer Klunipen von Geäst und Knüppeln, der Horst, lieber den Nestrand lugen die beiden Jungen, den Kopf auf- und abruckend, kreischend zuweilen, fuchtelnd mit den noch unfertigen Fittichen. Die Alten schweben über dem Seespiegcl, das Weiß chrer Unter- feiten leuchtet wie Silber. Niejenbäume säumen das Ufer. Morsche Weiden sind ins Wasser gekippt und verfaulen, die Forstoerwaltung stört absichtlich diesen Urwaldzauber nicht mit Säge und Art. Adlerluft ist gefährliche Lust, keine mild« und laue, fondern wild und grob. Denn so zierliche Kreise die Böget auch in de» Himmel schreiben, so hormlos und herrlich sie erscheinen— in ihren Fängen lauert der Tod. Ein Ftschtod freilich nur. Jetzt stürzt einer der Allen wie ein Meteor in den See, die Krallen voran, klatsch!— das Wasser schlägt über ihm zusammen. Verschwunden bleibt er einen Augenblick. Dort nun taucht er auf, hebt die Fittiche, fliegt schon wieder, und in seinen Fängen zappelt ein Fisch. Dar Räuber schüttelt die Tropfen aus dem Gefieder, und stracks schnellt er dem Horste zu, landet bei den Jungen. Bon meinem Boote aus kann ich nick» sehen, was im Wipfel der mächtigen Föhre jetzt vorgeht, ob die beiden Jungen den Hecht, oder was es sonst ist, gemeinsam vertilgen oder ob nur einer das Fleisch von dev Gräten rupft und der ander« neidisch zu- schaut—, der alle Vogel streicht schon wieder olb. Aber ein Stärkerer als der Fischadler herrscht über den See. Der bricht plötzlich herein wie das Verhängnis, und wenn er kommt, ruft dos Haubentaucherweibchen seine Kücken zusammen und duckt sich mit ihnen ins dickste Röhricht: das ist der Seeadler. Er klaftert zwei Meter und fünfzig, und doch von hier unten habe ich keinen Anhall, keinen Maßstab, sein« Größe richtig einzuschätzen. Das gerade macht ihn so furchtbar: eben noch war er«in Punkt am Himmel, aber wie eine Granate fliegt er herab und bohrt acht Messerklingen mit den Füßen dem Opfer in den Leib. Und mit ruhigen Ruderschlägen strebt er saint der getöteten Ente davon. Das alles babe ich viele Male von meiivm Boot aus gesehen, es geht so schnell wie«in Spiel und ist doch bitter ernst. Ach, sie passe» wohl«cht wehr in unsere zahme Well, die Adler. Rur noch im einsamen Mäsuren und an der entlegensten Ostsee haben sie in Deutschland ein« Stätte, wo sie ihre gewaltigen Schwingen frei über die unzähligen blanken Seen und die ins Unendlich« verblauenden Wälder spannen dürfen. Und hier ist noch ein Rest urtümlichen Tierlebcns erhalten, gänzlich abweichend von unserer sonstigen Natur. Wo Adler sind, da ist die ganze Tierwelt wie ins Mammut- zeitaller versetzt: nichts Schwaches und Krankes bleib! am Leben, olle Tiere sind entweder Meister im Sichverstecken, oder wehrhaft. Auch«inen Schreiadlerhorst fand ich in der Iohannisburger Heide, auch die Mäuse- und Froschfresser sind hier stärker als üblich. An Raubvögeln sind häufig drei Adlerarten und daneben der rot« Milan, der schlau schmarotzende und fluggewandie: aber die kleineren Bussarde und Falken werden nicht geduldet. Roiher und Krähen haben von Adlern weniger zu fürchten, der Dolchschnabel der einen und die Behendigkeit der anderen sind gut« Waffen. Der Seeadler greift ohne Umstände den Hafen und sogar das Rehkitz. Trotzdem ist das Wild in den Wäldern Mafurcns zahl- reicher als irgendwo. Es ist nicht wahr, daß die starken Räuber weggeschossen werden müssen, damit die anderen Tiere gedeihen. Hier ist für alle Platz. Drüben in einer alten Erle hockt der Seeadler, fast verdeckt von den Zweigen. Dort sitzt er täglich, von dem Ausfichtsbaum kann er de» ganzen See beobachten. Er sonnt sich und verdaut, strohgelb leuchtet der große krumm« Schnabel: steif wie ein Pfahl, reglos, verharrt der Adler, nur der Kopf wacht und wandert immer. Wenn er sich dann erhebt, spreizt er vorher di« Federn schwerfällig, denn mit seinem. Gewicht ist es nicht leicht zu starten. Die großen runden Flügel stellt er so geschickt gegen den Wind, daß er wie von selber mühelos dohingetrage» wird. Sein Ruf ist wie die Gischt des Meeres, wie der heulende Atem des Passats, und die Silbermöwe, die an den Küsten mit den Wolkenfetzen um die Wette jagt, sucht die Wogen mit ähnlichem Geschrei zu übertönen. Wo es geht, nimmt der Seeadler dem Fischadler di« Beute weg. Ein Raubvogel, der in den Fängen etwas tragt, ist so behindert. daß er einer Ueberrumpelung schwer begegnen kann, der Schnabel allein reicht als Ziertetdigungsmittek nicht aus. Sogar di« frechen Krähen Hetzen dem Adler nach, wenn er einen Fang durch die Lüste schleppt. So Hab« ich oft gesehen, wie zwei Adler umeinander wirbeln, wie der Angegriffen« mit den Schwingen Pestschenhieb« versetzt, wie er sich plötzlich in die Tiefe wirst—— es sieht sich vom sicheren Boot aus an wie Possen, nur eben, daß der Fisch in den Fängen sich noch windet, nur eben, daß der Seeadler vielleicht auch den Fischadler nicht schont«—, daß er ihn wie ein Huhn von dannen trüge, wenn er ihn erwischte. Hungrig klage» die beide» Junge» über mir auf dem Horst, ab und zu kreuzt zu ihnen in schräg«? Fahrt rtn Wer urch hnagt Atzung. Auf entern Fuß sitzt der All« da oben auf dem Ast. die Zehen des anderen Fußes hat er zur Faust geballt, er pickt«tu«» daraus, nicht zu erkennen was. Und dann lüftet er di« Schwingen und stiebt ab, sein Schatten gleitet über den Wasserspiegel, höher schraubt er sich. Seine Augen werden bis nach Polen reichen, bis.zu den Türmen von Allenstem und Lotzen, und doch hat er gleichzeitig acht auf die riesige Föhre mit seinem Horst, und wem» ich mein Boot nur ein paar Ruderschlöge näher an den Baum brächte, schösse er plötzlich herab, seine Brut zu hüten. Gewiß, er täte mir nichts zuleide, selbst wenn ich versuchte, den Baum zu ersteigen. Der Fisch- adler fürchtet den Menschen, und auch der Seeadler traut sich nie so kühn an Ermachsene und Kinder, wie es die Märchen erzählen Aber ich will den schönen Bogel nicht vsrgrämen und beunruhigen und bleib« lieber vorsichtig im Rohr verborgen. Sonnenglut ist um mich. Tausend kleine Fische flitzen im Wasser. und die Luft über den dunklen Ufern Mert. Ich lege mich auf die Planken zurück und folge mit halb geschlossenen Augen dem Adler in die blendende Höhe, Vranx Stüter: trahlkampf vor 2000 Jahren Die Ausgrabungen, di« in den letzten Jahrzehnten in Pom peji vorgenommen worden sind, haben gezeigt, daß das Leben in dieser Stadt viel« Vergleichspunkte mst der Gegenwart hat. Schon nor ZtM Iahren halle man dort Emrichtungen� d:« w-r gern als Errungenschaft einer neueren Zeit betrachten,«so haben d,e For. scher zahlreiche Wahlproklamatwnen zutage gefordert, aus denen hervorging, daß Pompeji mstten im Wahlkompf für den Gemeinde rat stand als es von dem Ausbruch des Vesuvs überrascht und be- graben wurde. Natürlich hallen di« Römer, denen Papier und Druckverfahren noch imbekannt waren, kein« Wahlplakat« in un serem Sinne. Sie pinselten ihre Aufrufe an di« Häuserwände. und dank der Lava, welche di« Aufschristen luftdicht abschloß, wir- ken dies« heute noch so frisch wie am ersten Tage Frisch nicht nur im stofflichen Sinne, sondern auch modern im Hinblick aus ihren InHost- So sind ganze Häuserfronten au den freigelegten«trotzen mit Wahlplatoten bedeckt, besonders die.Straße des ueberstussee scheint bei der Agitation der Parteien besonders bedacht worden zu sein._ Diele Plakate tragen am Kopf die drei Buchstaben ODS. was bedeutet:.Oro Dos Foeialls". Lch bitte Euch zu wählen." Freunde. Kollegen und Nachbarn legten sich mit oller Kraft für ihren Mann ins Zeug:.Stimmt für Manfa. Er war niemals betrunken." Ein anderes Plakat hebt rühmend hervo� daß.Julius �Flo- vius Sabinus ein weißes Schaf in einer schwarzen Herd« ist- .Wenn Ihr gutes Brot haben wollt, so wählt Cleontus Prisius." heißt es auf einem anderen Aufruf, oder:.linser Kandidat ist der Republik würdig. Er ist so bescheiden. Seine Loyalität ist gar nicht anzuzweifeln. Auch ist er freigebiger und bochberziger als alle ondersn. Wenn er gewählt wird, werden wir die schönsten Spiele und das beste Brot(pAnem et arcens-s!) haben. Sein« Jugend ist uns ein Unterpfand seiner Aufrichtigkell und seiner Tücht:gtei' Wähll ihn! Er zahlt gut. Stimmt dieses Jahr für ihn und er wird nächstes Jahr für Euch stimmen. Prvclmius ist ein lauterer Mann, und Photimus ist«in guter Mensch!" Die Plakatverbrester in Pompeji hallen keine leichte Arbeit. Zunächst kam es darauf an. sich einen Platz auf der Mauer zu sichern. War dies«? geschehen, so trat der.Wbator" in Aktion. Er grundierte die weiße Flache, die für-das Wahlplakat aui einer Mauer auserfeben war. Dann kam der.Seriptor". der Schreiber, dem bei seinem Werk der.Loternarius", der Leuchtentroger, helfen mußte, damit er auch in der Nacht seine Tätigkell ausüben konnte. Schon damals gab«s Männer, die langsam abgemessenen Schrittes Wahlplakate durch die Straßen trugen, schon damals wußte man um di« Wirkung von Bildern und Karikaturen. Hier sieht man den dicken Wanst des.guten Menschen' Photinius. dort als Gegen- stück das spindeldürr« Gerippe des.lauteren" Proclinius. Manch mal enthält das Wahlplakat nichts anderes als die Worte:„Er ist «in ehrlicher Mensch!" Das ist von einer nachahmenswerten Nüchternheit, die gar nicht im Einklang steht mst dem Beirieb, der vor und an Wahltogen in den Kneipen von Pompeji herrschte. Eine besondere Rolle spielten im pompejanischcn Wahlkampf die Frauen, obwohl sie kein Stimmrecht besaßen. Eine gewiss« Asillina unterzeichnete ein Plakat mit solgendem Inhalt:„Asillina hofft, daß jede Frau ihren Gallen veranlassen wird, seine Stimme dem Lucius Sccundus zu geben." Auf einem anderen liest man: „Die Kandidatur des Lucius Tirrenus wird von seiner treue» Großmutter warm empfohlen." Petronia und Stotia tun offen kund und zu wissen, daß sie, wenn sie ein Recht zu stimmen hätten, mir für Easelius und Albutius stimmen würden. Statia fügt mit Stolz hinzu, daß der Kandidat ihrer Wahl noch immer von der Masse der Wähler gewähll worden sei:„Was Statia will, will auch das Volk." Nur aus einem Frauenherzen kann ein so beweglicher Aufruf an die Wähler kommen wie dieser:„Wer gut und richtig wähll, wird der Liebling der Venus werden." Zur Empfehlung von Julius Politius sogt eine Ankündigung, der Kandidat sei so schön wie Apollo. Ucberhaupt befanden sich unter den Frauen, die am Ausgang der Wahl lebhaft interessiert waren, auch ver- bebte Damen, wie z. B. jene Animulo(Seelchen), welche die Wob- (er in rührender Unbefangenheit bittet, doch ja ihren geliebten Elau- dius zu wählen. In einem Punkt jedoch stimmt der Vergleich zwischen dem Damals und dem Heute nicht: im allen Pompeji ließen sich die Kandidoten nicht wählen, weil sie hoffen konnten, für ihre Mühe entschädigt zu werden: es ging ausschließlich um die Ehre, denn öffentliche Aemter wurden nicht bezahlt. Ganz im Gegenteil waren sie sehr kostspielig, nicht nur was die Borberellungen zur Wahl angeht, sondern auch die Ausübung des Amtes selbst. Der Er- wähll« ließ auf seine Kosten Brunnen, Wasserleitungen. Thermen. Tempel und Tribunale bauen, gab große Bankelle, unterhielt dos Volk durch zirzensisch« Spiele und mußte noch vieles andere tun, um die Gunst der Monge zu erhallen. Während der Wahlpropa. ganda soll er überoll zugleich sein und überall lang« Reden hallen, ..ohne zu schwitzen und zu spucken". Ferner rechnet« man darauf. daß er als Gewähller Handel und Wandel heben, den Kaufleuten große Einnahmen verschaffen, den Käufern aber zur gleichen Zeit große Ersparnisse ermöglichen würde. Kurz, auch in Pompeji hatten die Kandidaten im Wahlkampf und nach errungenem Siege es nicht leicht. Von den an den Küsten Englands gefangenen Heringe» werden nur 3 Praz. in Britannien sechst verzehrt, während die übrigen 97 Prvz. exportiert werden. Neuerdings ist eine Moschine erfunden worden, die in einer Stund«'ZöOO Hering« entgrätet Di« Kladl Algier hat ihren Nomen aus dem Arobischen be- kommen; er bedsmet.Di« Insel»". Es wurden nämlich zu Beginn des 16. Jahrhunderts vier Inseln mll dem Festland verbunden, wodurch der Anfang zu dem heutige« große» Hafen gelegt Jtr. 399* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 27. August 4930 Krastwirtschast und Weltkrise. LlGA. in Oeuischland.— Ein gutes Gefchäst. Wi« wir schon kurz berichteten, haben die öffentlichen Elek- trizitätswerke Deutschlands im ersten Halbjahr 1930 rund S,13 Milliarden Kilowattstunden erzeugt, d. h. nur 2,5 Proz. mehr als im ersten Halbjahr 1929. Der Unterschied gegenüber dem Vor- jähr ergibt sich schon daraus, daß von 1928 bis 1929 eine Steige- i u n g um 17.5 P r o z.(!) verzeichnet werden konnte. Außerdem ist die Tendenz noch immer im Sinken begriffen. Die a r b e i t s- tägliche Elektrizitätserzcugung ging von 59,8 Millionen Kilowatt- stunden im Januar 1939 auf 48,7 Millionen im Juni zurück, und während die Jairuarproduktion noch um 7,8 Proz. über der Pro- duktion des Januar 1929 gelegen hat, war die Produktion im Juni 1939 um 9,1 Proz. niedriger als im Juni 1929. Gleiche Krisenzeichen liegen aber auch aus anderen Län- d e r n vor. Auch in den Vereinigten Staaten betrug im ersten Halbjahr 1939 die Steigerung der Elektrizitätserzeugung gegenüber dem Vorjahr nur 2,5 Proz., nachdem bisher die jährliche Steigerung auf durchschnittlich über 19 Pro�. gelegen hatte. In Kanada wurde 4 Proz. mehr Elektrizität erzeugt als im ersten Halbjahr 1929, und in Großbritannien war die Produktion in dem Zeit- räum Januar bis Mai 1939 um 6 Proz. höher als in dem ent- sprechenden Zeitraum 1929. Vergleicht man die Monatszifsern miteinander, so zeigt sich auch für diese Länder, genau wie für Deutschland, eine noch immer sinkende Tendenz. Dies Sinken ist ein Zeichen, daß sich die Krise auch international bisher immer noch verschärft hat. Gerade die Ziffern der Elektrizitäts- crzeugung find an sich gute Gradmesser des jeweiligen Konjunktur- standes, da ja hier nicht auf Vorrot, sondern stets unmittelbar für den Verbrauch gearbeitet wird. Man muß bei diesen Ziffern ledig- lich den Umstand berücksichtigen, daß die Anwendung elektrischer Energie noch ununterbrochen neue Zlrbeitsgebiete findet, so daß im Jahresdurchschnitt in den meisten Ländern eine zehn- bis zwölf- prozentig« Vermehrung des Elektrizitätsbedarfs zu verzeichnen ist. Im Durchschnitt kann man annehmen, daß es schon ein Zeichen verschlechterter Konjunktur ist, wenn die Steigerung einen geringeren Krad aufweist. Gerade wenn man die weiter vermehrte Ver- breitung elektrischer Energicanwendung berücksichtigt, so ist der für Deutschland verzeichnete Produktionsrückgang um mehr als 6 Proz. ein besonders ernstes Zeichen. Die Wirksamkeit des Arbeitsprogramms der Reichs- r e g i e r u n g, von dem so viel Aufhebens gemacht wird, wird sich hier— neben dem Arbeitsmarkt am schnellsten zeigen. Amerikanische Absichten in Oeutschland. Amerikanischen Elektrizitäts, und Finanzgruppen ist es in den letzten Monaten gelungen, einige größere Elektrtzitätskonzerne wi« die Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen und die Thüringer Gasgesellschaft unter ihren Einfluß zu bringen. Ange- sichts der gespannten Finanzlage vieler Kommunen und der ichwicrigen Kapitalvcrsorgung ist damit zu rechnen, daß die rührigen amerikanischen Finanzierungsgruppen noch weitere Versuche unternehmen werden, um unter Ausnutzung dieser Notlage ihren Einfluß auf die deutsch« Energiewirtschaft zu verstärken. In diesem Ausaminenhong gewinnt das Urteil eines sachverständigen amerikanischen Teilnehmers an der Berliner Weltkraftkonferenz besonderes Interesse. Es handelt sich um L. W. W. M o r r o w, den Chefredakteur der „Electrical World*, der führenden amerikanischen elektrotechnischen und-wirtschaftlichen Fachzeitschrist. Er faßt seine Eindrücke in einem Artikel„Deutschland i ni Aufstieg* zusammen. Sein Urteil über das ihn am meisten interessierende Gebiet, die deutsche Elektrizitätswirtfchaft, ist s e h r k r i t i s ch. Er sagt, daß es in dieser Hinsicht in Deutschland noch einen großen uner- schlossenen Markt gibt. Er stellt fest, daß nur wenig Müh« darauf verwandt wird, den Absatz elektriscyer Energie an die In- dustrie und an die Haushaltungen zu steigern: es gibt seiner Meinung nach keine großzügige Absatzsinanzierung für elektrische Gerät«. Nach seiner Meinung müßten amerikanische Ge- schäfts- und Absatzmethoden mit den anzuerkennenden deutschen technischen Leistungen verbunden werden. Morrow erwähnt dann das gesteigerte Interesse des amerika- irischen Kapitals für deutsche elektrotechnische Firmen und Elektrizi- tätsgesellschaften. „Das Interesse des amerikanischen Kapitals in der Elektro- industrie und an Elektrizitätsgesellschaften ist für Amerika ein gutes Geschäft und für Deutschland von Nutzen. Die größten elektrizi- tätswirtschaftlichen Möglichkeiten liegen heute in Deutschland in der Anwendung wirksamer Aosatzmethoden und in dem Massenvertrieb elektrischer Maschinen und Geräte an die Industrie und die Haus- Haltungen sowie darin, daß das Fernsprechwesen so stark ent- wickelt wird, daß es„scrvice"(Dienst am Kunden) genannt werden kann." Zweifellos ist diese Meinung des amerikanischen Beobachters keineswegs isoliert. Mit dieser Meinung, die wir verschiedentlich in amerikanischen Fach- und Finanzorganen antreffen, kommen auch die amerikanischen Finanziers und Ingenieure nach Deutschland. Leider haben iv.e Amerikaner in vielen Dingen recht Eine so systc- matische Methode der Absatzsteigerung für Elektrizität und elektrisch« Geräte, wie si« in den Vereinigten Staaten sich entwickelt hat. ist in Deutschland noch unbekannt. Die meisten Vcrbrauchsgebiete kennen in Deutschland noch keine Haushallstaris«, die zur ver- mehrten Anwendung elektrischer Geräte ermuntern. Morrow ist der Ansicht, daß es in Deutsckzland offenbar unter der Würde der an der Spitze stehenden Männer, durchweg„Doktoren oder Ingenieure", liege, sich mit kaufmännischen Absatzsragen zu befassen. Hieran ist so viel richtig, daß, wenn noch länger In Deutschland mit Maßnahmen im Interesse der Absatzsteigerung gezögert wird, die Amerikaner sich ihre Erfahrungen und Ratschläge s.e h r teuer bezahlen lassen werden. Züricher Eiektrvbank erhöht das Kapital Die Bank für Elektrische Unternehmungen in Zürich will ihr Aktienkapital von 75 auf 199 Millionen Frauken erhöhen. Die Gesellschast ist in Deutschland stark interessiert: u. a. an den Lech Elektrizitätswerken, der Thüringer Clektrizitäts-Licferungs-Gefell- schaft, den Kraftübertragungswerken Rhcinfelden und anderen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß das neue Kopital auch zu verstärkter Betätigung in Deutschland benutzt wird, wo ja— infolge der Finanznot der Kommunen und mancher gemischtwirtschaftlichen Unternehmungen— viele ausländische Bcteiligungsgesellschaften große Hoffnungen aus Beute haben. Die der Züricher Elektrobank zufließenden Kapital- mittel sind sehr erheblich, da ein Uebernahmekurs von 999 Proz. genannt wird, was einem Kapitalzuwachs von 159 Millionen Schweizer Franken oder 129 Millionen Mark entspricht. 3,4 Milliarden Umsatz. Die Enquete über die Lederwaren-, Handschuh-, Hausschuh- und Treibriemenindustrie. Der Enqucteausschuß veröffentlichte soeben vier kleinere Berichts- bände feiner Untersuchungsergebnisie über die Hausschuh-, Treib- riemen-, Lederwaren- und Lederhandschuhindustrie, nachdem über die Leder- und Schuhindustrie schon vor kurzem berichtet worden ist. Die vom Ausschuß vorgenommene, komplizierte Unterteilung zwischen den verschiedenen Zweigen der Leder verarbeitenden Indu- strie fordert beispielsweise zum Widerspruch heraus, wenn die Fahrrad- und Motorradsattelfabriken überhaupt nicht erfaßt werden, dagegen die Fabriken für Hartplattenkoffer. die nur wenig Leder verarbeiten, der Lederwarenindustrie zugerechnet werden. Zu den hier möglichen Fehlerquellen kommt, daß die kritische Sonderung des Materials unter der Anhäufung gelitten hat. Im ganzen stellen die vier neuen Bände des Enqueteausschusses jedoch eine a u f s ch l u ß- reiche Stoffsammlung dar. Aus dem reichen Material heben wir einiges Wichtige hervor. 3n den sämtlichen Industrie, und Handwerksbetrieben, die sich mit der Erzeugung und der Verarbeitung von Leder befasse». iverden jährlich ruyd 3,4 Milliarden Mark umgesetzt: etwa 569 009 Personen finden in diesen Betrieben Beschäftigung. Die Hauptzweize der industriellen Lcderwirtschaft sind die Leder- industrie mit einem Produktionswert von 1 Milliarde Mark und die S t r a ß c n i ch u h industrie, deren Produktionswert auf etwa 859 Millionen Mark beziffert wird.'Die Produktion der Haus- schuhindu strie erreicht jährlich einen Wert von 139 bis 159 Mil- lionen, die Treibriemen Produktion 59 Millionen und die Lederhandschuh Produktion etwa 55 Millionen. Die Hand- werksmäßige Herstellung hat vor allem in der Handschuhindustrie erhebliche Bedeutung; der Großbetrieb hat hier nach den Fest- stellungen des Ausschusses dem Kleinbetrieb nichts voraus. Ein« besondere Aufnahmefähigkeit des deutschen Marktes stellte der Ausschuß für Hausschuhe fest. Der durchschnittliche Pro- Kopf-Verbrauch der deutschen Bevölkerung beträgt 9,9 Paar Hausschuhe im Jahr, er liegt bedeutend über den einsprechenden ausländischen Ziffern. Wenn dieselbe Ausnahmefähigkeit des deut- schen Marktes bei anderen Lederwaren nicht in Erscheinung ge- treten ist, so hängt das zum Teil sicher mit den g r o ß e n H a n d e l s- spannen zusammen, die der Enqueteausschuh feststellen konnte. Handelsspannen von 33'«! Proz. beim Grossisten und in derselben Höhe beim Einzelhandel sind weit verbreitet, obwohl in der Leder- warenindustrie mit Ausnahme der Sportartikelfabrikation so gut wie keine Preisbindungen bestehen. Die Fabriken von Sportartikeln, die meistens Markenartikel find, machen dem Einzelhandel einen Ausschlag von 50 Proz. auf den Fabrikpreis zur Porschrist. Wenn ein Detaillist Sportartikel billiger verkauft, wird ihm die Lieferung von sämtlichen Fabriten Deutschlands gesperrt. Der Mann, der dem Enqueteausschuh diese Erklärung machte, ist der Vorsitzende des Reichsbundes deutscher Sportartikelfobritanten, also einer, der es wissen muß. Der'Lederwarenhandel kalkuliert im allgemeinen sogar mit Zuschlägen von 59 bis 69 Proz. auf den Einkaufspreis und in der Kofferbranche ist ein« Preisspanne von 59 Proz. üblich. An der deutsche» Ausfuhr ist die Leder- und Lcderwaren- industrie stvrk beteiligt. Einigermaßen genau« Ziffern lassen sich hier nicht angeben, weil die Zollstatistik Lederwaren nicht immer ge- sondert ausweist. Vor dem Kriege war Deutschland fast der aus- schlaggebende Lederworenlieferant der Welt und es hat von dieser Stellung bis heute verhältnismäßig wenig eingebüßt, wenn auch Massenartikel heute vielfach im Ausland selbst hergestellt werden. Durch den ausgedehnten Export der Lederwarenindustrie erklärt es sich, daß die Unternehmer bisher im allgemeinen keine Freunde hoher Zölle waren. Die Lederhandschuhindustrie stellt — wie früher die Schuhindustriellen— gegenwärtig Z o l l f o r de- rungen. Der Enqueteausschuh befürwortet zum Ausgleich m 'AS RESULTAT UNSERER QUALITÄTSPOLITIK. Es ist interessont das Urteil neuer Raucher der MAKEDON-Zigaretten zu hören. Alle, die unsere hochwertigen Marken kennen gelernt haben, er- klären begeistert, so zufrieden damit zu sein, daß es ihnen unmöglich erscheint, jemals auf eine andere Marke zurückzukommen. Diese spontane Feststellung der neuen Raucher unserer Zigaretten ist die beste Empfehlung für unsere Marke: «9° Ganeralvertretung: Carl SOdel, Berlin NW6, LuisenstraBe 30, Tel. D 2, Weidendamm 3354 der nach seiner Ansich! niedrigeren Prodvktionpkosten in Frankreich, Italien und der Tschechoslowakei und im Hinblick aus die«ochsend« deutsche Einfuhr von Handschuhen«ine zeitlich zu begren- zende Zollerhöhung, weist ober andererseits mit ollem Nachdruck daraus hin, dah im Falle der Zubilligung eines erhöhten Zollschutzes die zünftlerische Einstellung im Lederhandschichgewerbe beseitigt werden muß. Die ersolgrcichc Selbsthilse der Schuh- i n d u st r i c spricht aber nicht für die Zweckmäßigkeit von Zoll- «rhöhunaen für anders Zweige der deutschen Lederindustrie. Die führenden Kreise der Lederwaren, und Hausfchuhindustrie haben im Enqueteausschuß aus ihrer zollgegnerischen Einstellung auch kein Hehl gemacht. Aber auch die Treibriemenindustrie hat«in« Zoll- «rhöhung gefordert, die der Enqueteousfchuh in diesem Fall« nicht für angebracht erklärt. Vernunft oder Zwang? Vas Geifenkartell gibt die preise frei. Das Kartell der wichtigsten deutschen Kern- und Haushaltsseisenfabriken hat seinen Mitgliedern platzlich die Preisstellung freigegeben. Die maßgebenden deutschen Seifen- sabriken liegen im Rheinland und in Westfalen. Sie haben sich Ende vorigen Jahres zum„Verband rheinisch-west- fälischer Seifenfabriken" zusammengeschlossen, der aber in Wirklichkeit ein Kartell war und für jede der 18 Mitgliedsfinnen ein bestimmtes Fabrikationskontinzent mit Strasab gaben bei Ueberschreitung brachte neben einheitlichen Preisen, Lieferungs- und Zahlungsbedingungen. Nur die Zentralisation des Perkaufs fehlte, sonst glich der„Verband" einem Syndikat. Die rheinisch-westfälischen Seifenfabriken hofften bei der Er- richtung ihres Kartells, die übrigen Seifenfabriken im Reich zum Anschluß bewegen und so den ganzen Seifenmarkt unter ein Syndikat bringen zu können. Das ist bis jetzt nicht gelungen. Das .Kartell mußte vielmehr den gesunkenen Rohstoffpreisen bereits zweimal durch Preisermäßigungen nachgaben — offenbar auf dos Drängen einzelner Fabriken hin. Die Grün- dung des Kartells war nämlich erfolgt, nachdem zwei große Seifen- fabriken in chrein Konkurrenzkampf eine notdürftige Einigung er- zielt hatten. Das Vündnis der beiden Großen ist nun wohl wieder in die Brüche gegangen: so dürfte sich die Freigabe der Seifen« preise durch das Kartell erklären. Auswirkungen der Kapiialfluchi? Oi« fremden Gelder der Banken gehen zurück. Nach der Reichsbankstatistik über die Lage der deutschen Banken am 31. Juli sind bei den Berliner Großbanken die fremden Gelder insgesamt(Kreditoren) von 12 297 auf 12067, bei sämtlichen privaten Kreditbanken von 11811 auf 11583 Millionen zurückgegangen, nachdem noch im vorigen Monat eine geringe Vermehrung zu verzeichnen war. Die Vermutung liegt nah«, nach. dem die Kapitalflucht schon bisher die Kreditorenzunohm« bei den deutschen Banken niedrig geHallen hatte, daß sich jetzt die in den letzten Monaten erheblich oerstärkte Kapitalflucht auch in einer deutlichen Abnahme der Kredilorenziffern d«r Banken äußert Es ist keineswegs so, daß ein« Wirtschastzkris« ohne weiteres zur Verringerung der bei den Banken angelegten Gelder sichren muß. Der Verkauf der Läger und die Zurückhaltung in der Produktisn machen vielmehr in aller Regel, während der Wirtichaststrife Geld« irei, so daß sich die Bankkreditoren«her verwehren als verringern müßten. In der Anlage der fremden Gelder zeigen sich erheb- sich« Veränderungen. Die Wechselbs stände sind hei den Groß- banken gegenüber Ende Juni um 282 Millionen, bei sämtlichen Privatbanken um 321 Millionen gesunken, und auch die Warenvor. schüsf« haben, wahrscheinlich im Zusammenhang mit denk stark rück- gängigen Außenhandels umfang, wieder um 17 Millionen obg?. nommen. Demgegenüber zeigt sich bei den l a u f« n d g«« ä h r t« n Krediten der Berliner Großbanken ein« Zunahm« um S1 und bei sämtlichen Privatbanken eine Zunahme um 107 Millionen. Ob es sich hier um neu gewährte Jndustriekredite handelt. wäre angesichts des beginnenden Herbstgeschäftes möglich. Doch wird man wohl erst aus dem Bericht für Ende August in dieser Richtung Schlüsse ziehen können. Die miserable B ö r s e n l a g e hat die dort angelegten Gelder weiter um etwa 12 Proz. zurückgehen lassen. Rekord der Geschastslosigkeit. Die?ieicht-!bonk in der dritten Augustwoche. Räch dam Reich sbank aus wivs vom 23. August sind in der brüten Augustwoche die Bestände an Handelswechseln weiter um 71,1 aus 1318,7 Millionen gasunken und die Lombarddarlehen hoben um 20,2 ayf 57,1 Millionen abgenommen, lieber die gesamte Geschästs- vermährung zum Iulischwß von 114 Millionen hinaus hat die Kredit- gewährung der Reichsbonk noch um welle« 79 Millionen abge- nommen. Die Wechsolbestände sind die niedrigsten, die seit Jahren von der Reichsbank verzeichnet worden sind. Auf die Wirtschaftslage daraus schlechte Schlüsse zu ziehen, liegt aus der Hand. Ader es ist zu beachten, daß jeder Wirtschaftsanstieg sich gegenwärtig zunächst btn bei Privatbanken durch vernwhrte Kredite bemerkbar machen kann und nicht ohne weiteres sofort bei der Reichsbank be- merkbar werden muß, da die Privatbanken die Reichsbank gegen- wärtig für Kredit« überhaupt nicht in Anspruch zu nehmen brauchen. Di« fremden Gelder aus Girokonto sind in der Hauprsach« durch zufließende Steuergelder um 153,8 aus 600.8 Millionen Mark gestiegen. Der Umlauf der Reichsbanknoten verringerte sich um 179.1 auf 1019B Millionen. Die Goldbestände sind mll 2619t) Millionen fast unverändert, die Deckung-deviscn sind um 45.0 aus 356,1 Millioiren oermehrt. Der Rekordtiesstand au Kredllgeschästen entspricht einer Rekordhöhe der Notendeckung. Diese ist von 69V auf 73V Proz. gestiegen, dos sind fast 85 Proz. über der gesetzlichen Vorschrift. Glühstrvmpfprodukticm nur noch ein Fünftel von 1913. Die „Diameo" A.-G. für Glühlicht in Berlin verteilt für 1929 wieder 8 Proz. Dividend« aus 1,02 Millionen Mark Kapital. Wie in der Generalversammlung der Gesellschaft mitgeteilt wurde, ist der Wert der deutschen Glühstrumpfproduktion von 110 bis 150 Millionen jährlich vor dem Kriege auf 31 Millionen in den letzten Iahren zurückgegangen(«ine Folg« des Vordringens der elektrischen Birne). Di« Glühstrumpssabriken verstanden es also, ihre Lage erträglich zu gestallen durch die Errichtung eines internationalen Kartells, das nach dem zu erwartenden Beitritt der USA. die ganze Erde umfaßt. Die„Diameo" A.-G-. die mit der Diamant. Gas- g l ü h l i ch t G.- G. und einigen kleinen Gesellschaften der E h r ich u nd G r a e tz A.-G. nahesteht, erwartet aus der jetzt vereinbarten Gemeinschasksproduktion mit der Auer-Gefell schaft besondere Ersparnisse und vom Wcllkartell„zufriedenstellende", d. h. höhere Preise. Offenbachs„Prinzessin von Tropezunt" war eine angenchn'e Zlbendunterhaltung, mehr allerdings durch die graziös-übermütige Musik als durch den Ablauf der Hnndlunq, die ohne sichtbare Bilder reichlich die Hälfte ihr«, Witze» einbüßt.— Dos Interview der Woche brachte«ine Unterhaltung zwischen dem südamerikanischen KurzwellenanvUeur Ernesto S t r e k e r und Erich Mendelsohn. Das sehr interessant« Zwiegespräch gab eine Geschichte der Kurz- wellensendung. deren nahezu unbegrenzte Möglichkeiten zur Ucber- brückung von Entfernungen sich vor etwa fünf Jahren den Rund- funkbastlern offenbarten.— Ueber„Dcmokratlfierung der fiullur" sprach Staatssekretär a. D. Heinrich Schutz. Er betonte, daß in den Zeiten der den Stempel bbrtschertden WtPänschouung darstellt Demokratische Kultyr heißt Kulturousbau auf breitest« Bafis. Erschließung oller Möglichkeiten im kulturellen Fortschritt. F. 5ch. pnn kulturellen Fortschritt Auf der Deutsch« n Welle sprach in der Bomagsrcilft „Große Parlamentarier" der Ländtagsabgeordncte Dr. Schwe- ring, Mitglied des Zentrums, über Karl Liebknecht. Der politische Gegner bemühte sich, der umstrittenen Persönlichkeit Liebknecht« gerecht zu werden. Einige Sätze seien zitiert:„Wie erbärmlich und philisterhast ist seinem Handeln und Reden gegen- über dos. was wir heute von feinen Anhängern hören und lesen! Sein Sterben war ohne Zweifel«in feiger Mord. Es war aber noch mehr als ein« feige Tat, es war eine politische Dummheit. Sein Wirken, dos wir verstehen, aber nicht billigen, war nur zu erklären aus den sozialen Zuständen, die ihn in den Wirbel des Nsgatwsn hineinführten." Die sozialen Verhältnisse aus dem Positiven heraus zu ändern, ist Aufgabe der Sozial- d e m o k r a t i e! II. D. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verliu awemduv-,-» NN SI-I« jtaidr« mr«« fc* SnmSJUreterUt 35«fio SW«8..Dabenffrafa 3 Gtniiat&tna«n>S.e«rU*- 1#U tlbr, Vlichwr»»« im Keim«tU>-»g-a»»sch-chIisl>»- gemeinsam mtt de» �rdeb«,tft»bil�ngsoblepten mosyen. Donnerstizg, 19 ITfri:, im �prttagffccT des V o,— La-. "' mT BoartfiiitealotUa filt Sonder, und Iugendodte-Iunp, die bis zu-- 2. August eingereicht waren, können gegen«prlegung der Ouittunq-dg«»».- werdaiT. Zu den A.bttilirngen ruxö Neuanmeldungen müssen um» gvihenb abgeholt Verden. heute. Mittwoch, m Uhr. «esnnddrnnne» n: Seirnaiend fallt ou«, da da, chetm wnt Ueden gebraucht wird.— Norde«: Seim Lorging. Eck« Eraunstreße:..Wie der Mens-!, seinen Sott schuf".-«eddiiu,! Seim Turiner.»««-tags- wählen".— Aranlsnrter D-ertcl: Setnt Traatfurter-ttllee SM.„Aiieiteicknpet. -«ärerebneqee Btertel: Heim Ebertnstr. 12:.Lederne BadagMl.- 2>m«e. stedt: Heim«asserturstr.»:.Der sttne, in der 8t tetütur".— in der Siedlung: sturgroferate.— Sharlotteubneg-Rord(Bettere). Hetm Older». strabe:„Dagc-volttit".- Tempelhef: Selm Sdhstrahe:.tzreikSeperkuIwi-- Reichende rger Viertel: Beteiligung an der Mtigliederpepsantmlung der«. Dartet. _____»e. tn ifu-(Crhe.ro-Ii t> i i+w n hfiva e v istt. 70. r— Bttft: tiottärsltuttg.— Sailen b-eg; Seim«ttt dem iSuiehpl: Heimabend. � Krt�rtche- ielde: Heim Gunlerstr. 44: fugend tn Deeuf und Elternhaus. sttchtenderg- Nord: Seim Guttterstr. 44: Jtrieg".- Lichtenberg. Nord west: Senn Ratbaus. strase. Baracke S: Mitaltederpersarnrnlung.., Werbebezirk Renk-Un: Der Sprechchor vbt trn ar-ß-n Saal desIugendhetm« Kanner Strafte, die Schrarninellapelle im Zugendheim Stenunedstr. U4 Alle Wrechnungen fiir Dantpferlarten und Waldfesttarten stirb»n der fiett von 17—19 Uhr im Barteibltro. Suldastr. Sö— ZK. vorzunehmen. � Werbebeziick Prenzlauer«er«: W..B..?orsth«nde-konserenz 90 Mr wannen. duraer Str. A>. 1» Uhr Sitzung de, engeren W..B..B. edeiUtoick.—«nr 90., Sl. August Lastauto-Propaeandasahrt. Abfahrt wonnabend. 18 Uhr, Bezirk». Werde benrk �vften: August Laltautp.Propagandasahrt nach Sreienmalbe. Treffpunkt«sti Uhr Königetpr. Da- S-Hrgeld oan 1 M. tst dto Treitag zu �Achtung. 2. Dänemark. Ter iensadnrr! Treffpunkt Sannaberch.«ugtnt. 20 Uhr. Slettiner Bahnhof. Normaluhr. Kostrn 12S W. einschlirftltch Zugend» Herberge._ Vortrage, Vereine undVersammwngen. Reichsbanner«Schwarz-Rot-Gold�. Seschäst»Nel>e: Berlin E. 14. Sebavianstr. S7— Ztz. Sot 2. Zr. Mittwach. 27. August, ffrirdricheha'», Jungbaitner: IflU Vit Tmff- W»— runkt Etrausderger Platz in Zivil. Treptowe„ Kamerad Bruno Butze. einer une-rer Beswn und �hrtgsmn M am �nna end, 2« August, plötzlich verstorben. Die Eiitäscherungsfeter Und-t heute. B0td wach. 174» Uhe. in Baumschulenweg. statt. Antreten aller Kameraden mu Musik und Tambourlorps um 17 Uhr bei Borgmann. O�»vereitt«sghnc utckt Kam«radschaft»fahne zur Stelle.— Danneratag. 28. L-aust. Srir»rlo»,oa,u. 1844 Uhr treten die Kgmeradschastrn Minnel. Stralau. Warichan am Sel.lNg. fnriVr Riad an. Tieraa rts»(Msavit und Tamdourkorps: Antr�vn? Kleiner Tieraarlen um Uhr. Wedding(Sttooettin): Um 19� lÄ- Sitzung des erweiterten Borstandes beim Kameraden Neuftner. Nestau- arnt Seeadler. Seestrafte Ecke Malploauet strafte. Prenzlauer«e�.««-'amm. luncr in Mmanns Westfalen, SchVÄdier Strafe, um 19 Uhr, �um Saalschutz. Sriedrichshain lKomerodschaft Andreas): Um J> Uhr aufterordentriche flomerab- fchaftsoetfammluna. Wichtige Tagesordnung Wahlardett. �mvrlhaf tOM«. verein): Utn,ug in Martendorf. Treemmkt 18�0 Uhr Ullstet n-Laus. An. schlieftend Kundgebung in..Ma-Li". Ehauffeestr MS.— Sttitag, 2».«ngust- Tempeldos sOrisverein): Kundgebung in Ltchteneade IM Restaurant Böhm. Kantstrafte lWeftzelSnde). TresfpunkrlSVi Uhr bei Pornmerentn». Vereinigung ehemaliger Kriegsgefangener, Beilin-Siidev. Am Donners- tag. Zd August. Uhr, bei Sritger, Srimmstr. t. Bund Berlin für E-ndeitslurzschrist. llebung iu allen Seichtm-d�kerten jeden Treitag van 20-22 Uhr im Stanz ästF-ften&ti�num 3ieM,stMSirfec � am Beichstagsaebaude. und I-den Dienstag van Ute heMuttrnifa Utrechter Str. 30—31, am Wedding.«nfouGcriurfe fomte jUrtuOfM neue.. Mitglieder zu jeder Zeit. Auskunft erteilt Sritz Plauschinn.?erNn.>eh.endors. Scharsestr. 18._ Allgemeine Wetterloge. Depression im Westen Hot Selbst in England für- V— Am Rhein st Infolg« ü«r Aysdehnmig de» mitteleuropäischen Hochdruck- «bl-te- bot sich auch da? Weiler in Ostpreußen gebessert. Di« n Westen Hot sich nach Nordwesten zuruckgezogsn. lland stieg da» Thermometer stellenweis« auf 29 Grad. lieg dl« Temperatur sogar auf 32 Grad. Bei den geringen vor sich gchenden Druckänderungen dürfte da» Wetter be- ständig bleiben. W«tierausj'nlsten für Berlin: Heiter, trocken und warm.— ür Deutschland: Allgemein heiter und trocken, in der w«ftllchen iAfte sehr warm. «irstt verbeugendl Faebisger Tersaadslelle, BerUu SV 11 ScllAnebertcr Str. 16«. TelLGtro* 8260451. J Alltzeraelae Oritkraakenkajite fflr den Verw.-5ezirk XI der Stadt Berlin Sdtfinebertz'Frledenaii. Vm Oonneralog, den» 4. 9. 1930, »bortds t Uhr, findet im Bezirksvet- orlMsten-Eitzungslaal des Neuen Schöne. berger Rathauses, Rudalf-Witde-PIatz.«tue llvkkrokllknttlGl! fsuftzchuk Sittliiig statt, zu der die Ausichuftmitglieder hier- mit etügeladen werden.' Tagesordnung: 1. Die Rotverard» nung vom 20. 7>380. 2. EatzungsSnde- ruitg 3. Kassenangelegeuhelten. Die Sitzung tst nicht össentltch. Berlin. Schöneberg, den 26. August 1SZ0. Lea Vorkkand. A. S ch u l d t, Barsitzender. LinlleNsverdllNti ll.Lizkvdskinvk Deotsdilands Ortevervaltusg Berlin D« Mitgliedschaft zur Nachricht. daß der Kollege Paul Standke Htlf-bostledsalfistent«.«. Neukölln, verstorbeu ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet an» Kreiiag. dem 2S. August, ls Uhr, auf dem Luisentriedhoi Westend,Nener Fürsten- taunner Weg, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die OrtorerweUnnA. Am Montag, dem 2» August. 4 llhr morgen», enlichltes sanft nach kurzem Leiden mein treuer Ehe- kamerad. unser lieber Toter und Sroftoaler Kudolt Erben im Aller von 79 Jahren. Sa Samen der trauernden Hinter- bliebesten »Itzrle Srven gel». Neoraann. Treptow, SrMsstr. 7. Di» Beerdigung findet am Don. netstag. dem 2«. August, mittags 12 Uhr. oon der Leichenhalle de» Ee- Bau mich mewdeiriedhofes aus statt. Saumschulenweg Sewbu,s»sz»s 5. Klass« SS. Preußssch-Swdeutsch««asses-Lotterie. Ohne Gewähr Rachdruck vervolen Auf jede gezogene Nummer sind zwei gefall«», und zwar je einer auf die Löf« i« den betdr» Abteilung» l hohe Gewinn« Rümmer 15. Ziehungstog 36. August 1930 Sn der heutigen Vonntttagoziehung wurden Gewinne über ISO M. gezog» ?«elokoe ,o loooo M. 26041 2»evint.. JU 5000 M. 244384 12«»lvinn. ,a 3000«. 28747 199000 232707 239160 300618 388049 10«twinn. ,u 2000 fe. 15800 20300 127819 270989 S304S8 42«h»init. 1« 1000«®. 7222»7764 60680 04473 69416 70683 72163 I1 1824 121227 124070 192405 213473 231699 238847 240630 266807 307637 817131 330767 360291 387664 82»eminn« Jtt 500 fflt. 9321 18404 19006 20924 41832 44848 68961 86346 90629 08670 116892 118458 124921 133339 168543 165624 178296 188986 191813 198606 203566 209387 228264 244800 247164 247S20 251218 287677 265827 270374 286739 306279 318668 332812 340999 341230 356746 374672 890161 39143» 397991 In der heutigen Rachmiltagszlehung wurden Gewinn« über ISO M. gezogen 2•atinne zu 600000 M. 374216 6«estna« m 10000 KS. 7146 230674 300653 2 Se-vinne|n 5000 OL 216998 4 iewttme ,n 3000 M. 193247 336444 12 Eewinne in 2000 M. 65877 180439 1 95379 237473 249640 377801 ---—----"--------- 1»«37 137994 209231 214990 ____________ WWW I_____ 340683 368767 376726 892903 84«Nwtnn. ,u 1000 9». 7423 23008 40033 84168 140753 1 59303 170291 177338 177401 194593 205009 225843 262853 267918 289677 303006 311097 314286 225843 37661 1 72»«Winne m 500 9- 4824 9316 11782 18133 24926»4104 64663 ------------------- 194176 910)66 210669 263098 28 18531 350056 356146: 1384 458 65953 75630 7579! 214079 217166 228963 2. 296388 305375 330770 33032 370672 370879 Im Gmvinnrad« verhlieben: 2 Prämie» zu j«<500000, 2 Gewinn« zu f« 75000, 2 zu s« 50000, i zu j» 25000, 44 zu j« 10000, SS zu f« 6000, 188 zu i« 8000, 882 zu j« 2000, 076 zu 1« 1000, 2214 zu{« 500. 5718 zu j« 800 M. osnkssgung. Allen Beielligten bei der Ein» afcherung meines Manne» lege ich meinen wärmsten Dank. Ma etz»rate Waagda und Ae*«Mrl»e. Ortskrmikcnkasse der Klempner zu Berlin Sekauuimachuug Die dur>Z die Notverordnung de» ZIetch«, 4en vorn 27. Juli 1631) behingtk .Säuberung ist vom Porstavd und Ausschntz beichlossen worden. Die Aen- berungen haben mit dem Tage der Per- kitudung der Notverordnung Nechtekrait erhallen und treten betr. Erhebung der Krautenscheingebithren und der(bebsihren sstr Arzneien und HeiimUtel mll dem l. September 1950 m Krall Sletchzettig ist mll Wirkung vam l. Sep- der l»iO'" DMÄchaW ermäftiz: tember ISiO der Bellragsfatz von stehen auf sechs vom Hundert des. Grundlohne, »er VonUad Zi s g I sc, Porsttzsnder. H ö p p n er, Echrsfifsthrer. Verkäufe Liooleuw, Szillot. Koloniestrafte 9. Kochhorde. Gas. Kohle, vientstren, Ofenrohr. Waschkessel, Walchmaschinen, Abwaschtische. Wäscherollen, Teilzahlung, Badewannen. Oese», eiserne, seder Art und Dröfte oon 12.50 Mark. 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